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Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert. + ] + + + + + Kleine Dichtungen + von + Robert Walser + + Erste Auflage hergestellt + für den Frauenbund + zur Ehrung rheinländischer + Dichter + + Leipzig + Kurt Wolff Verlag + 1914 + + + Copyright 1914 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig + + + + +Inhalt + + + Brief eines Dichters an einen Herrn 9 + + Mittagspause 14 + + Die Göttin 16 + + Der Nachen 18 + + Pierot 20 + + Sommerfrische 22 + + Frau von Twann 24 + + Die Insel 27 + + Meta 29 + + Fußwanderung 34 + + Der Kuß 37 + + Das Traumgesicht 40 + + Nächtliche Wanderung 43 + + Johanna 46 + + Der Bursche 49 + + Der Knabe 51 + + Das Götzenbild 54 + + »Apollo und Diana« 56 + + Zwei Bilder meines Bruders + + »Die Frau am Fenster« 59 + + »Der Traum« 61 + + Die Gedichte 65 + + Rinaldini 67 + + Lenau 70 + + Tobold 73 + + Helblings Geschichte 86 + + Brief eines Vaters an seinen Sohn 111 + + Spazieren 116 + + Der Schäfer 119 + + Die Einladung 121 + + Der nächtliche Aufstieg 124 + + Die Landschaft 127 + + Der Dichter 129 + + Das Liebespaar 131 + + Der Mond 134 + + Ein Nachmittag 136 + + Die kleine Schneelandschaft 139 + + Das Mädchen 141 + + Das Eisenbahnabenteuer 143 + + Die Stadt 146 + + Das Veilchen 149 + + Die Kapelle 152 + + Der Tänzer 155 + + Die Sonate 158 + + Das Gebirge 161 + + Der Traum 165 + + Der Jagdhund 168 + + Der Vater 171 + + Der Träumer 174 + + Der Pole 177 + + Der Doktor 181 + + Der Liebesbrief 184 + + Der Hanswurst 187 + + Sonntagmorgen 189 + + Ausgang 191 + + Die Millionärin 193 + + Erinnerung 196 + + Die Schneiderin 199 + + Das Stellengesuch 202 + + »Geschwister Tanner« 205 + + Eine Stadt 208 + + Spaziergang 212 + + Das Kätzchen 216 + + Tannenzweig, Taschentuch und Käppchen 218 + + Der Mann 220 + + Das Pferd und die Frau 222 + + Die Handharfe 224 + + Die Fee 226 + + Kleine Wanderung 228 + + Wirtshäuselei 230 + + Der Morgen 232 + + Der Ausflug 234 + + Schnee 236 + + Der Blick 238 + + Der Heidenstein 240 + + Der Waldberg 242 + + Zwei kleine Sachen 246 + + Herbstnachmittag 248 + + Der Felsen 252 + + Die Eisenbahnfahrt 255 + + Das Lachen 258 + + Der Berg 261 + + Schwärmerei 264 + + Oskar 267 + + Die Einfahrt 271 + + Die Vaterstadt 274 + + Das Grab der Mutter 276 + + Abend 278 + + An den Bruder 281 + + + + + Ich wanderte und wandre noch, + doch war mein Geh'n nicht immer gleich. + Bald trug ich Heiterkeit mit mir. + Bald, wie es auch dem Himmel geht, + verlor sich plötzlich meine Lust + in einen langen Tag von Leid -- + + + + +Brief eines Dichters an einen Herrn + + +Auf Ihren Brief, hochverehrter Herr, den ich heute abend auf dem Tisch +fand, und worin Sie mich ersuchen, Ihnen Zeit und Ort anzugeben, wo Sie +mich kennen lernen könnten, muß ich Ihnen antworten, daß ich nicht recht +weiß, was ich Ihnen sagen soll. Einiges und anderes Bedenken steigt in +mir auf, denn ich bin ein Mensch, müssen Sie wissen, der nicht lohnt, +kennen gelernt zu werden. Ich bin außerordentlich unhöflich, und an +Manieren besitze ich so gut wie nichts. Ihnen Gelegenheit geben, mich zu +sehen, hieße, Sie mit einem Menschen bekannt machen, der seinen +Filzhüten den Rand mit der Schere halb abschneidet, um ihnen ein +wüsteres Aussehen zu verleihen. Möchten Sie einen solchen Sonderling vor +Augen haben? Ihr liebenswürdiger Brief hat mich sehr gefreut. Doch Sie +irren sich in der Adresse. Ich bin Der nicht, der verdient, solcherlei +Höflichkeiten zu empfangen. Ich bitte Sie: Stehen Sie sogleich ab von +dem Wunsch, meine Bekanntschaft zu machen. Artigkeit steht mir schlecht +zu Gesicht. Ich müßte Ihnen gegenüber die notwendige Artigkeit +hervorkehren; und das eben möchte ich vermeiden, da ich weiß, daß +artiges und manierliches Betragen mich nicht kleidet. Auch bin ich nicht +gern artig; es langweilt mich. Ich vermute, daß Sie eine Frau haben, daß +Ihre Frau elegant ist, und daß bei Ihnen so etwas wie ein Salon ist. Wer +sich so feiner und schöner Ausdrücke bedient wie Sie, hat einen Salon. +Ich aber bin nur Mensch auf der Straße, in Wald und Feld, im Wirtshaus +und in meinem eigenen Zimmer; in irgend jemandes Salon stünde ich da wie +ein Erztölpel. Ich bin noch nie in einem Salon gewesen, ich fürchte mich +davor; und als Mann von gesunder Vernunft muß ich meiden, was mich +ängstigt. Sie sehen, ich bin offenherzig. Sie sind wahrscheinlich ein +wohlhabender Mann und lassen wohlhabende Worte fallen. Ich dagegen bin +arm, und alles, was ich spreche, klingt nach Ärmlichkeit. Entweder +würden Sie mich mit Ihrem Hergebrachten oder ich würde mit meinem +Hergebrachten Sie verstimmen. Sie machen sich keine Vorstellung davon, +wie aufrichtig ich den Stand, in welchem ich lebe, bevorzuge und liebe. +So arm ich bin, ist es mir doch bis heute noch nie eingefallen, mich zu +beklagen; im Gegenteil: ich schätze, was mich umgibt, so hoch, daß ich +stets eifrig bemüht bin, es zu hüten. Ich wohne in einem wüsten, alten +Haus, in einer Art von Ruine. Doch das macht mich glücklich. Der Anblick +armer Leute und armseliger Häuser macht mich glücklich; so sehr ich auch +denke, wie wenig Grund Sie haben, dies zu begreifen. Ein bestimmtes +Gewicht und eine gewisse Menge von Verwahrlosung, von Verlotterung und +von Zerrissenheit muß um mich sein: sonst ist mir das Atmen eine Pein. +Das Leben würde mir zur Qual, wenn ich fein, vortrefflich und elegant +sein sollte. Die Eleganz ist mein Feind, und ich will lieber versuchen, +drei Tage lang nichts zu essen als mich in die gewagte Unternehmung +verstricken, eine Verbeugung zu machen. Verehrter Herr, so spricht nicht +der Stolz, sondern der ausgesprochene Sinn für Harmonie und +Bequemlichkeit. Warum sollte ich sein, was ich nicht bin, und nicht +sein, was ich bin? Das wäre eine Dummheit. Wenn ich bin, was ich bin, +bin ich mit mir zufrieden; und dann tönt alles, ist alles gut um mich. +Sehen Sie, es ist so: schon ein neuer Anzug macht mich ganz unzufrieden +und unglücklich; woraus ich entnehme, wie ich alles, was schön, neu und +fein ist, hasse und wie ich alles, was alt, verschabt und verbraucht +ist, liebe. Ich liebe Ungeziefer nicht gerade; ich möchte Ungeziefer +nicht geradezu essen, aber Ungeziefer stört mich nicht. In dem Haus, in +welchem ich wohne, wimmelt es von Ungeziefer: und doch wohne ich gern in +dem Haus. Das Haus sieht aus wie ein Räuberhaus, zum ans Herz drücken. +Wenn alles neu und ordentlich ist in der Welt, dann will ich nicht mehr +leben, dann morde ich mich. Ich fürchte also quasi etwas, wenn ich +denken soll, ich solle mit einem vornehmen und gebildeten Menschen +bekannt werden. Wenn ich befürchte, daß ich Sie nur störe und keine +Förderlichkeit und Erquicklichkeit für Sie bedeute, so ist die andere +Befürchtung ebenso lebendig in mir, nämlich die (um ganz und gar offen +zu reden), daß auch Sie mich stören und mir nicht erquicklich und +erfreulich sein könnten. Es ist eine Seele in eines jeden Menschen +Zustand; und Sie müssen unbedingt erfahren, und ich muß Ihnen das +unbedingt mitteilen: ich schätze hoch, was ich bin, so karg und ärmlich +es ist. Ich halte allen Neid für eine Dummheit. Der Neid ist eine Art +Irrsinn. Respektiere jeder die Lage, in der er ist: so ist jedem +gedient. Ich fürchte auch den Einfluß, den Sie auf mich ausüben könnten; +das heißt: ich fürchte mich vor der überflüssigen innerlichen Arbeit, +die getan werden müßte, mich Ihres Einflusses zu erwehren. Und deshalb +renne ich nicht nach Bekanntschaften, kann nicht danach rennen. Jemand +Neues kennen lernen: Das ist zum mindesten stets ein Stück Arbeit, und +ich habe mir bereits erlaubt, Ihnen zu sagen, daß ich die Bequemlichkeit +liebe. Was werden Sie denken von mir? Doch das muß mir gleichgültig +sein. Ich will, daß mir das gleichgültig sei. Ich will Sie auch nicht um +Verzeihung wegen dieser Sprache bitten. Das wäre Phrase. Man ist immer +unartig, wenn man die Wahrheit sagt. Ich liebe die Sterne, und der Mond +ist mein heimlicher Freund. Über mir ist der Himmel. Solange ich lebe, +werde ich nie verlernen, zu ihm hinaufzuschauen. Ich stehe auf der Erde: +Dies ist mein Standpunkt. Die Stunden scherzen mit mir, und ich scherze +mit ihnen. Ich vermag mir keine köstlichere Unterhaltung zu denken. Tag +und Nacht sind meine Gesellschaft. Ich stehe auf vertrautem Fuß mit dem +Abend und mit dem Morgen. Und hiermit grüßt Sie freundlich + + der arme junge Dichter. + + + + +Mittagspause + + +Ich lag eines Tages, in der Mittagspause, im Gras, unter einem +Apfelbaum. Heiß war es, und es schwamm alles in einem leichten Hellgrün +vor meinen Augen. Durch den Baum und durch das liebe Gras strich der +Wind. Hinter mir lag der dunkle Waldrand mit seinen ernsten, treuen +Tannen. Wünsche gingen mir durch den Kopf. Ich wünschte mir eine +Geliebte, die zum süßen duftenden Wind paßte. Da ich nun die Augen +schloß und so dalag, mit gegen den Himmel gerichtetem Gesichte, bequem +und träg auf dem Rücken, umsummt vom sommerlichen Gesumm, erschienen +mir, aus all der sonnigen Meeres- und Himmelshelligkeit herab, zwei +Augen, die mich unendlich liebenswürdig anschauten. Auch die Wangen sah +ich deutlich, die sich den meinigen näherten, als wollten sie sie +berühren, und ein wunderbar schöner, wie aus lauter Sonne geformter, +feingeschweifter und üppiger Mund kam aus der rötlich-bläulichen Luft +nahe bis zu dem meinigen, ebenfalls so, als wolle er ihn berühren. Das +Firmament, das ich zugedrückten Auges sah, war ganz rosarot, umsäumt von +edlem Sammetschwarz. Es war eine Welt von lichter Seligkeit, in die ich +schaute. Doch da öffnete ich dummerweise plötzlich die Augen, und da +waren Mund und Wangen und Augen verschwunden, und des süßen +Himmelskusses war ich mit einmal beraubt. Auch war es ja Zeit, in die +Stadt hinunterzugehen, in das Geschäft, an die tägliche Arbeit. Soviel +ich mich erinnere, machte ich mich nur ungern auf die Beine, um die +Wiese, den Baum, den Wind und den schönen Traum zu verlassen. Doch in +der Welt hat alles, was das Gemüt bezaubert und die Seele beglückt, +seine Grenze, wie ja auch, was uns Angst und Unbehagen einflößt, +glücklicherweise begrenzt ist. So sprang ich denn hinunter in mein +trockenes Bureau und war hübsch fleißig bis an den Feierabend. + + + + +Die Göttin + + +Ich ging einst, ganz in Gedanken, die elegante Hauptstraße entlang. +Viele Menschen spazierten in derselben. Die Sonne schien so freundlich. +Die Bäume waren grün, der Himmel war blau. Ich weiß nicht mehr genau, ob +es Sonntag war. Ich erinnere mich nur, daß etwas Süßes, etwas +Freundliches um mich war. Doch etwas noch Schöneres sollte folgen, indem +sich nämlich vom ungewissen leichten Himmel herab eine schneeweiße Wolke +auf die Straße niedersenkte. Die Wolke glich einem großen und graziösen +Schwan, und auf dem weichen, weißen, flaumigen Rücken der Wolke saß, in +liegender Haltung, den Arm nachlässig ausgestreckt, voller freundlicher, +kindlicher Majestät, eine nackte Frau. So hatte ich mir stets die +Göttinnen aus Griechenland vorgestellt. Die Göttin lächelte, und alle +Menschen, die sie sahen, waren genötigt, mitzulächeln, bezaubert von der +holdseligen Schönheit. O wie ihr Haar in der Sonne schimmerte! Mit ihren +großen blauen gütigen Augen schaute sie die Welt an, die sie gleichsam +mit ihrem hohen kurzen Besuch beehrte. Die Wolke flog auf, gleich einem +Luftschiff, und nach kurzer Zeit war mir und allen andern der herrliche +Anblick wieder entschwunden. Da gingen die Leute ins nächstgelegene +Kaffeehaus und erzählten einander die wunderbare Neuigkeit. Noch schien +die Sonne freundlich, auch ohne Göttin. + + + + +Der Nachen + + +Ich glaube, ich habe diese Szene schon geschrieben, aber ich will sie +noch einmal schreiben. In einem Nachen, mitten auf dem See, sitzen ein +Mann und eine Frau. Hoch oben am dunklen Himmel steht der Mond. Die +Nacht ist still und warm, recht geeignet für das träumerische +Liebesabenteuer. Ist der Mann im Nachen ein Entführer? Ist die Frau die +glückliche, bezauberte Verführte? Das wissen wir nicht; wir sehen nur, +wie sie beide sich küssen. Der dunkle Berg liegt wie ein Riese im +glänzenden Wasser. Am Ufer liegt ein Schloß oder Landhaus mit einem +erhellten Fenster. Kein Laut, kein Ton. Alles ist in ein schwarzes, +süßes Schweigen gehüllt. Die Sterne zittern hoch oben am Himmel und auch +von tief unten aus dem Himmel herauf, der im Wasserspiegel liegt. Das +Wasser ist die Freundin des Mondes, es hat ihn zu sich herabgezogen, und +nun küssen sich das Wasser und der Mond wie Freund und Freundin. Der +schöne Mond ist in das Wasser gesunken wie ein junger kühner Fürst in +eine Flut von Gefahren. Er spiegelt sich im Wasser, wie ein schönes +liebevolles Herz sich in einem andern liebesdurstigen Herzen +widerspiegelt. Herrlich ist es, wie der Mond dem Liebenden gleicht, +ertrunken in Genüssen, und wie das Wasser der glücklichen Geliebten +gleicht, umhalsend und umarmend den königlichen Liebsten. Mann und Frau +im Boot sind ganz still. Ein langer Kuß hält sie gefangen. Die Ruder +liegen lässig auf dem Wasser. Werden sie glücklich, werden sie glücklich +werden, die zwei, die da im Nachen sind, die zwei, die sich küssen, die +zwei, die der Mond bescheint, die zwei, die sich lieben? + + + + +Pierot + + +Auf den Maskenball war auch ein langer, hochaufgeschossener, +ungelenkiger Gesell gekommen. Er nannte sich Pierot. Vielleicht wäre es +für ihn besser getan gewesen, hübsch ruhig zu Hause zu bleiben und +zwischen seinen eigenen vier Wänden Trübsal zu blasen, als hier im +schönen Vergnügungssaal durch Langeweile hervorzuragen. Er schlenkerte +und schleuderte die langen Arme hin und her. Es sah zum Verzweifeln aus, +wie er seinen Kopf zur Erde hängen ließ. Wo wollte er hinaus mit sich, +und was gedachte er auf dem lustigen Maskenball zu beginnen? Übermütig +tanzten die Liebespaare rund um ihn herum. O wie schön die Kerzen +strahlten, wie süß die Musik spielte! War es nicht, als wenn +Mondstrahlen in den Saal hineinfliegen? Pierot legte sich, wie ein +geschlagener Hund, in einen Winkel an den Boden und schlug die Hände +über dem Kopf zusammen. Unterdessen wirbelte und wedelte und hüpfte, +einem artigen, guterzogenen Hündchen gleich, die Tanzlust hin und her. +Gläser klirrten, Pfropfen knallten, Wein wurde getrunken, und Gelächter +ertönte. Ein glühender Verehrer hatte die Geliebte und abgöttisch +Verehrte aus den Augen verloren und suchte sie. Ein anderer, vom +Entzücken hingerissen, kniete vor der Dame seines Herzens nieder. Zwei +Glückliche küßten und liebkosten sich. Jedermann schien das Seinige zu +haben. Alles war bewegt; alles war in Bewegung. Nur er, der arme, arme +Pierot, war unbeweglich. Für ihn gab es keine Lust. Er begriff sich +selbst und die Welt nicht. Leblos, einer weißen Statue ähnlich, oder +einem Gemälde ähnlich, lag er da und schaute verständnislos vor sich +hin. Ein kaum merkliches trauervolles Lächeln spielte ihm um die blassen +Lippen. Sein Gesicht war ganz mehlern. Er hatte sich gepudert, der +Dummkopf. Armer Dummkopf, armer Bursche! Wo alles außer sich war, wo +alles lebte und lachte, wo alles, was Beine hatte, tanzte und +Luftsprünge machte, glich er dem tödlich getroffenen Verwundeten, +verblutend an den spitzfindigen, dolchähnlichen Melancholien. Ja, er +hätte zu Hause bleiben sollen. Derlei hoffnungslose Menschen sollen der +Lust, dem Glanz, dem Glück und der Freude fernbleiben. Sie sollen in der +Einsamkeit leben. + + + + +Sommerfrische + + +Was tut man in der Sommerfrische? Du mein Gott, was soll man viel tun? +Man erfrischt sich. Man steht ziemlich spät auf. Das Zimmer ist sehr +sauber. Das Haus, das du bewohnst, verdient nur den Namen Häuschen. Die +Dorfstraßen sind weich und grün. Das Gras bedeckt sie wie ein grüner +Teppich. Die Leute sind freundlich. Man braucht an nichts zu denken. +Gegessen wird ziemlich viel. Gefrühstückt wird in einer lauschigen, +sonnendurchstochenen Gartenlaube. Die appetitliche Wirtin trägt das +Frühstück auf, du brauchst nur zuzugreifen. Bienen summen um deinen Kopf +herum, der ein wahrer Sommerfrischenkopf ist. Schmetterlinge gaukeln von +Blume zu Blume, und ein Kätzchen springt durch das Gras. Ein wunderbarer +Wohlgeruch duftet dir in die Nase. Hiernach macht man einen Spaziergang +an den Rand eines Wäldchens, das Meer ist tiefblau, und muntere braune +Segelschiffe fahren auf dem schönen Wasser. Alles ist schön. Es hat +alles einen gewinnenden Anstrich. Dann kommt das reichliche Mittagessen, +und nach dem Mittagessen wird unter Kastanienbäumen ein Kartenspiel +gespielt. Nachmittags wird im Wellenbad gebadet. Die Wellen schlagen +dich mit Erfrischung und Erquickung an. Das Meer ist bald sanft, bald +stürmisch. Bei Regen und Sturm bietet es einen großartigen Anblick dar. +Nun kommen die schönen stillen Abende, wo in den Bauernstuben die Lampen +angezündet werden und wo der Mond am Himmel steht. Die Nacht ist ganz +schwarz, kaum durch ein Licht unterbrochen. Etwas so Tiefes sieht man +nirgends. So kommt ein Tag nach dem andern, eine Nacht nach der andern, +in friedlicher Abwechslung. Sonne, Mond und Sterne erklären dir ihre +Liebe, und du ihnen ebenfalls. Die Wiese ist deine Freundin, und du ihr +Freund, du schaust während des Tages öfters hinauf in den Himmel und +hinaus in die weite zarte weiche Ferne. Am Abend, zur bestimmten Stunde, +ziehen die Rinder und Kühe ins Dorf hinein, und du schaust zu, du +Faulenzer. Ja, in der Sommerfrische wird ganz gewaltig gefaulenzt, und +eben das ist ja das Schöne. + + + + +Frau von Twann + + +Waren Sie schon einmal bei Frau von Twann? Nicht? Dann beeilen Sie sich, +dieser Frau eine Artigkeit zu sagen, damit Sie eine Einladung bekommen, +bei ihr zum Essen zu erscheinen. Frau von Twann ist geistvoll, aber sie +ist noch mehr als das, sie ist schön. Sie ist in ihrer Art eine reife +Birne, weich, doch von ausnehmend schöner Form. Das Essen, das sie gibt, +ist vorzüglich; die Weine sind ausgezeichnet. Doch das ist das wenigste. +Wenn du Frau von Twann die Hand küßt, schwebst du schon im Himmel. Ein +Lächeln hat diese Frau. Geh hin zu ihr und sieh zu, daß sie dir ein +Lächeln schenkt. Ihr Lächeln ist wie ein Kuß. Sie weiß das, und daher +hütet sie sich, es zu verschwenden. Die Blumen, die Lichter, die Musik +bei Frau von Twann. Schon der bloße Gedanke macht mich schwelgen. B..., +dieser Kenner der Genüsse, lechzt danach, der seltenen Frau vorgestellt +zu werden, und sie wird sicherlich den ausgezeichneten Mann gern +empfangen. Sie besitzt Geschmack, doch sie besitzt mehr, sie besitzt +Größe. Sie ist von einer Munterkeit durchdrungen, die auf denjenigen +überspringt, der die Freude empfindet, sich an der Unterhaltung +beteiligen zu dürfen, deren Lenkerin und Leiterin sie ist. Sie ist die +Herrin und Gebieterin vieler reizender Einfälle, und zu wem sie ein Wort +spricht, der ist von ihr bezaubert. Ihr Eßzimmer ist schneeweiß, von +zartem Gold durchbrochen. Süße Malereien schmücken die Wände. Der +Empfangsraum ist grün, gleich der frohlockenden Hoffnung, die Gunst der +Herrin des Hauses zu gewinnen. Wer bei ihr im Hause ist, der muß +frohlocken, ob er will oder nicht. Die Bedienung ist tadellos. Die +Diener der Frau von Twann sind derart einexerziert, daß man gar nicht +merkt, daß sie überhaupt da sind. Kann man einer Dienerschaft ein +besseres Zeugnis ausstellen? Die unsichtbare Musik, die während des +Essens in die Ohren der Schmausenden niederträufelt, ist so schön, daß +man sich einbildet, Mozart selbst dirigiere sie. Poeten tragen gern bei +Frau von Twann ihre neuesten, noch ganz warmen und feuchten Gedichte +vor, und sie ernten meist reichen Beifall, den sie redlich verdienen. +Wen lädt die holde hohe Frau ein? Nun, alle, die von der Absicht beseelt +sind, sich ehrlich zu amüsieren. Sie liebt die Ausgelassenheit. O das +Mondlicht, das zarte, silberne, das dort in die heimlichen, duftenden +Gemächer hineinbricht. Eines ihrer Zimmer ist ganz blau, wie ein Himmel. +Dorthin verlieren sich die Liebenden, um sich zu küssen. Noch hat kein +Mensch sich bei Frau von Twann gelangweilt. Das müßte ein elender Mensch +sein, der sich bei der Liebenswürdigen, Anbetenswerten langweilen +könnte. Aber das ist ja unmöglich. Sie macht den, der sie kennen lernt, +zum guten, edlen und unterhaltenden Menschen. + + + + +Die Insel + + +Ein Hochzeitspaar aus Berlin ging auf die Reise. Die Fahrt war lang. +Endlich kamen die beiden jungen Vermählten in einer Stadt an, die war +ganz aus roten ernsten Steinen gebaut, und ein breiter blauer Strom floß +daran vorüber. Ein hoher majestätischer Dom spiegelte sich im Spiegel +des Wassers. Doch die Stadt schien ihnen nicht geschaffen, längeren +Aufenthalt zu nehmen, und sie zogen weiter, und da es regnete, spannten +sie einen großen Regenschirm auf und versteckten sich unter demselben. +Sie kamen vor ein altes, in einem weitläufigen Garten verborgenes Schloß +und gingen schüchtern hinein. Eine schöne steinerne Wendeltreppe, +geschaffen wie für einen regierenden Fürsten, führte hinauf ins erste +Stockwerk. Alte dunkle Gemälde hingen an den hohen, schneeweißen Wänden. +Sie klopften an einer schweren alten Türe. »Herein.« Und da saß, in eine +gelehrte geheimnisvolle Arbeit vertieft, ein uraltes Männchen am +Schreibtisch. Die Leute aus Berlin fragten, ob sie im Schloß wohnen +könnten, es gefiel ihnen. Doch es war nichts anzufangen mit dem alten +Mann, der nur schwerfällig den Kopf schüttelte. So zogen sie weiter. Sie +kamen in ein Schneegestöber hinein, arbeiteten sich aber wieder heraus, +und so ging es fort durch Wälder, Dörfer und Städte. Nirgends wollte +sich ein passendes Lustplätzchen ausfindig machen lassen, und in den +Hotels waren obendrein noch die Kellner frech, die Spitzbuben. Sie +übernachteten einmal in einem Hotel, wo es freilich die weichsten und +schönsten Roßhaarbetten gab und liebliche Gardinen vor den Fenstern, +aber die Preise, unverschämt teuer, drückten ihnen beinahe das Herz ab. +Bis nach Venedig kamen sie, zu den höhnischen Italienern. Die Schurken, +sie singen Serenaden, pressen aber dafür den Fremden das Geld mit Hebeln +und mit Schrauben ab. Schließlich hatten sie Glück. Sie erblickten aus +der Ferne, mitten in einen anmutigen See gelegt, eine liebliche, +hellgrün schimmernde Insel, auf diese steuerten sie zu, und dort fanden +sie es so schön, daß sie nicht mehr fort konnten. Sie blieben auf der +Insel wohnen. Die Insel glich an landschaftlicher Schönheit einem holden +süßen Mädchenlächeln. Dort logierten sie und waren glücklich. + + + + +Meta + + +Es trug sich zu, daß ich eines Nachts, nur noch dunkel erinnere ich mich +der kleinen aber rührenden Szene, von einer wilden Trinkwanderung +verstört und taumelnd heimkehrend, in einer der monotonen Straßen der +großen Stadt eine Frau antraf, die mich aufforderte, mit ihr nach Hause +zu gehen. Es war keine schöne und doch eine schöne Frau. Entsprechend +dem Zustand, in welchem ich mich befand, richtete ich allerhand mich +selber höchlich belustigende, törichte, wenngleich vielleicht witzige +Redensarten an das nächtliche Geschöpf, wobei ich mit der Gabe, die den +Leuten eigen ist, die einen Rausch haben, merkte, daß ich ihr sehr +amüsant erschien. Noch mehr: ich gefiel ihr, und ich gewann den +Eindruck, daß sie sich einer liebenswürdigen Schwäche in bezug auf mich +hinzugeben begann. Ich wollte sie verlassen, doch sie ließ mich nicht +los, und sie sagte: »O, geh nicht von mir weg. Komm mit mir, lieber +Freund. Willst du kaltherzig sein und nichts empfinden für mich? Nicht +doch. Du hast viel getrunken, du kleines Kerlchen. Trotzdem sieht man +dir an, daß du lieb bist. Willst du nun böse sein und mich so schmählich +abweisen, wo doch ich dich so rasch liebgewonnen habe? Nicht doch. O, +wenn du wüßtest -- -- doch man darf ja den Herren nicht mit Gefühlen +kommen, sonst verachten und verlachen sie unsereinen nur. Wenn du +wüßtest, was ich leide unter der Kälte, unter der Leere all dieser +Sinnlichkeiten, die mein trauerspielgleiches, schreckenerregendes +Gewerbe sind. Ich erschien mir bis heute nur immer wie ein Ungeheuer, +wert, mit Fußtritten behandelt zu werden. Ich habe jetzt eine milde, +süße, fromme Empfindung in mir, erweckt durch dich, mein Lieber, und du, +du willst mich jetzt wieder in den Scheusalabgrund zurückwerfen? Nicht +doch. Bleib, bleib, und komm mit mir. Wir wollen die ganze Nacht +verscherzen miteinander. O, ich werde dich zu unterhalten wissen, du +sollst sehen. Wer Freude hat, ist der nicht am ehesten zur Unterhaltung +geschaffen? Und ich, ich habe jetzt, nach langer, langer Zeit, wieder +einmal eine Freude. Weißt du, was das für mich, die Entmenschte, +bedeutet? Weißt du das? Du lächelst? Du lächelst hübsch, und ich liebe +dein Lächeln. Und willst du nun lieblos, und ganz entfernt von aller +schönen Freundschaft, treten auf die Freude, die ich bei deinem Anblick +empfinde? Willst du zerstören und zunichte machen, was mich glücklich, +was mich, nach so langer, langer Zeit, wieder einmal glücklich macht? +Süßer Freund! Soll ich, nachdem ich immer mit dem Grausen und mit dem +bleiernen Entsetzen mich habe einlassen müssen, nun mich nicht auch +einmal mit dem wahrhaftigen Vergnügen befassen dürfen? Sei nicht +grausam. Bitte, bitte. Nein, du wirst es nicht bereuen. Du wirst die +Stunden, mit der Verachteten und Entehrten zugebracht, willkommen heißen +und in deinem Innern segnen. Sei weich und komm mit mir. Sei sonst +meinetwegen nie weich, aber jetzt, jetzt sei es und knüpfe vertraulich +an mit der Geschmähten. Sieh, wie die Tränen mir in die Augen kommen, +und höre, wie ich flehe. Wenn du gehst, ohne freundlich zu mir zu sein, +ist mir alles schwarz vor den Augen; hingegen, wenn du lieb bist, +strahlt in der Nacht die helle Sonne. Sei du heute nacht der +glückversprechende, freundliche Stern an meinem Himmel. Du bist gerührt? +Du gibst mir die Hand? Du willst mit mir kommen? Du liebst mich?« -- -- + + * * * * * + +Nachwort: Könnte dies nicht Kirke sein, die den seefahrenden +ritterlichen Griechen bittet, bei ihr zu bleiben? Er will heim, doch +sie, sie fleht ihn an, sie nicht zu verlassen. Sie ist eine böse +Zauberin, die diejenigen, die sie anschaut, in grunzende Schweine +verwandelt. Sie bestreitet es zwar; sie sagt, sie sei keine böse +Zauberin, sondern unterliege selber dem bösen Zauber. Das kann schon +möglich sein. Übrigens ist sie rührend schön. Sie besitzt eine weiche, +lispelnde Stimme, und aus ihren meergrünen und -blauen Augen, wie wir +sie oft bei ausländischen Katzen sehen, bricht ein wunderbarer, stolzer +und lieber Glanz. Sie ist nicht unglücklich und doch auch wieder nicht +glücklich. Bei dem Griechen sucht und findet sie ihr Glück, und nun will +er sie verlassen, um zur harrenden Gattin zurückzukehren. O zartes +Trauerspiel. Unter anderem sagt sie ihm, daß die Gefährten sich ja ganz +von selbst in Schweine verwandelt hätten. Nicht bei ihr, sondern bei +ihnen selber sei die Schande und die Schuld zu suchen. Weil sie wollen +Schweine sein, sind sie's. Sie lächelt, und in das Lächeln schleicht +sich eine Träne. Sie ist ironisch und zugleich tiefernst, frivol und +gleichzeitig schwermütig. »Siehst du denn nicht,« spricht sie, seine +Hand erfassend, »daß nicht ich die Zauberin jetzt bin, sondern daß du +der Zauberer bist? O, sei mein Freund, mein Schützer, mein lieber, +herrlicher Zauberer. Schütze mich vor der Kirke. Ich bin nicht die +Kirke, wenn du bei mir bist. Sie geht weg, wenn du nicht weggehst.« So +redet sie und überschüttet ihn mit süßen Liebkosungen, doch er, er -- -- +geht. Er überläßt sie der Kirke, er überläßt sie sich selbst, er +überläßt sie der ihr innewohnenden Grausamkeit, er überläßt sie der +Schmach, deren Sklavin sie ist. Kann er gehen? Ist er so hart? + + + + +Fußwanderung + + +Wie war der Mond auf dieser Wanderung schön, und wie blitzten und +liebäugelten die guten, zarten Sterne aus dem hohen Himmel auf den +stürmischen ungeduldigen Fußgänger herab, der da fleißig weiter und +weiter marschierte. War er ein Dichter, der da von dem leuchtenden Tag +in den sanften blassen Abend hineinlief? Wie? Oder war es ein Vagabund? +Oder war er beides? Gleichviel, gleichviel: Glücklich war er und +bestürmt von beunruhigendem Sehnen. Das Sehnen und Suchen, das +Niebefriedigtsein und der Durst nach Schönheit trieben ihn vorwärts, und +hinter, weit hinter ihm schlummerten die bilderreichen Erinnerungen. Was +hinter ihm lag, ging ihm durch den Wanderkopf, und was Unbekanntes vor +ihm lag, zog wie Musik durch seine begierige Seele. Die Sonne brannte, +und der Himmel war blau, und der blaue weite große Himmel schien sich +immer mehr auszudehnen, als werde, was groß sei, immer größer, und was +schön sei, immer schöner, und was unaussprechlich sei, immer +unermeßlicher, unendlicher und unaussprechlicher. Aus golden-dunklen, +dämonisch blitzenden Abgründen duftete edle wilde Romantik herauf, und +Zaubergärten schienen rechts und links von der Landstraße zu liegen, +lockend mit reifen, süßen, schönfarbenen Früchten, lockend mit +geheimnisvollen unbeschreiblichen Genüssen, die die Seele schon +schmelzen und schwelgen machen im bloßen flüchtig-zuckenden Gedanken. +O was war das für ein lustiges, tanzendes Marschieren, und dazu +zwitscherten die Vögel, daß das Ohr am Gesang noch lange hing, wenn es +von dem Herrlichen schon nichts mehr hörte, daß das Herz meinte aus dem +Leib heraustreten und in den Himmel hinauffliegen zu müssen. Dörfer +wechselten mit weiten Wiesen, Wiesen mit Wäldern und Hügel mit Bergen +ab, und wenn der Abend kam, wie wurde da nach und nach alles leiser und +leiser. Schöne Frauen traten aus dem Düster, Geflüster und Dunkel groß +hervor und grüßten mit stiller, königinnen- und kaiserinnengleicher +Gebärde den Wanderer. Und wie war es doch erst in den stillen, von der +heißen mittäglichen Sonne beschienenen und verzauberten Dörfern, wo das +heimelige Pfarrhaus stand in der grünen rätselhaften Gasse, und die +Leute dastanden mit großgeöffneten, erstaunten und sorgsam forschenden +und fragenden Augen. Wunderbar war das Einkehren in das Gasthaus und das +Schlafen im sauberen, nach frischem Bettzeug duftenden Gasthausbett. Das +Zimmer roch zum Entzücken nach reifen Äpfeln, und am frühen Morgen +stellte sich der Wanderbursche an das offene Fenster und schaute in die +bläulich-goldene, grüne und weiße Morgenlandschaft hinaus und atmete die +süße Morgenluft in seine wildbewegte Brust hinein, von all der +Schönheit, die er sah, überwältigt. Wieder und wieder wanderte er +weiter, mit heiteren und mit düsteren Gedanken, unter dem Tag- und unter +dem Nachthimmel, unter der Sonne und unter dem Mond, unter schmerzenden +und unter glücklich lächelnden Gefühlen. Ach, und wie schmeckten ihm Käs +und Brot und die zwiebelbelegte köstliche, ländlich zubereitete +Bratwurst. Denn wenn dem rüstigen Wandersmann das Essen nicht schmeckt, +wem sonst soll es dann noch schmecken? + + + + +Der Kuß + + +Was habe ich Merkwürdiges geträumt? Was widerfuhr mir? Welch eine +seltsame Heimsuchung ist gestern nacht, als ich im Schlafe dalag, +urplötzlich, wie aus einem hohen Himmel herab, dem fürchterlichen Blitz +ähnlich, über mich gekommen? Ahnungslos und willenlos und gänzlich +bewußtlos, der Sklave des Schlafes, der mich fesselte und mich in seinen +Kerker schloß, lag ich da, ohne Wehr und ohne Waffen, ohne Voraussetzung +und ohne Verantwortung (denn im Schlaf ist man unverantwortlich), als +das Herrliche und Schreckliche, das Große und Süße, das Liebe und +Furchtbare, das Entzückende und Entsetzliche über mich herfuhr, als +wolle es mich mit seinem Druck und Kuß ersticken. Der Schlaf hat innere +Augen, und so muß ich denn gestehen, daß ich mit einer Art von zweiten +und anderen Augen dasjenige sah, was auf mich zustürzte. Ich sah es, wie +es mit Windes- und Blitzesgeschwindigkeit, den unendlichen Raum +zerschneidend, aus der unermeßlichen, gigantenartigen Höhe herabschoß +auf meinen Mund. Ich sah's, und ich war entsetzt, und ich war doch nicht +imstande, mich zu bewegen und mich zu wehren. Auch hörte ich sein Nahen. +Ich hörte es. Ich sah und hörte den niegesehenen, nieerlebten Kuß, der +mit Worten nicht zu beschreiben ist, ganz wie mit Worten, die die +Sprache enthält, nicht das Grausen und das Freuen zu beschreiben ist, +welches mich schüttelte. Der Kuß in Träumen hat nichts gemein mit dem +zarten, sanften, beidseitig gewollten und gewünschten Kuß in der +Wirklichkeit. Es war nicht ein Mund, der mich küßte, nein, es war ein +Kuß in der Alleinigkeit und Einzigkeit. Es war ein Kuß, der völlig und +einzig nur Kuß war und weiter nichts. Etwas Unabhängiges, +Seelenähnliches, Gespenstisches war's, und als ich getroffen worden war +von dem Verständlichen und wieder höchst Unverständlichen, zerfloß ich +auch schon in solchen gliederdurchstürmenden, ich möchte sagen, +grandiosen Wonnen, wie ich mir verbiete, es näher zu sagen. Ah, das war +ein Kuß, ein Kuß, das! Der Schmerz, den er mir bereitete, preßte mir +einen Schrei des Jammers ab, und gleichzeitig mit dem Empfang des Kusses +und mit seiner himmlischen und höllischen Wirkung erwachte ich und +vermochte mich lang nachher noch immer nicht zu fassen. Was ist der +Mann, der Mensch. Was ist der Kuß, den ich freundlich gebe, am hellen +Tag oder bei Mondschein, in der friedlich-glücklichen Liebesnacht, unter +einem Baum oder sonstwo, verglichen mit der Raserei des +eingebildet-aufgezwungenen Kusses, geküßt von den Dämonen. + + + + +Das Traumgesicht + + +Ich habe etwas Süßes gesehen, etwas Loses, Lustiges, Flatterhaftes, das +doch wieder auch nicht so flatterhaft war, daß es nicht tiefen Eindruck +auf mich und auf viele andere hätte machen können. Der Ernst des Lebens +klang wie eine Glocke in das liederliche Geflüster und Geklingel und +Gelispel hinein. Die Blätter flüsterten, süßer, leiser Nachtwind wehte, +Gelächter tönte, Tränen rannen aus großgeöffneten Augen, Herzen +erzitterten unter all den zaubervollen Eindrücken, und Musik umrahmte +und umfloß und umgoldete das Ganze. Wunderbar, gleich einem Märchen, an +dessen schönen Inhalt die Kinder gerne glauben, drangen mir die lieben, +holden, tausend Jahr alten Melodien zu Herzen. Indem ich sah, was ich +sah, wurde ich zum Kind, und die ganze Welt, so weit ich schauen konnte, +schien mir neu geboren, ganz wie ich selber und wie der, der es +ebenfalls mit ansah. Bänder, rote, grüne und blaue, schlangen sich wie +anmutreiche, harmlose Schlangen durch den milden Tumult des Lebens. Das +Leben war mild und wild zugleich und duftete, ach, so namenlos nach +Glück, und mit einem Mal lag auch schon das gutwillige, unschuldige +Liebesglück zerrissen am Boden. Es gab niemand, der nicht liebte und der +nicht begehrte. Alle waren in den schönen Silber- und Feuerstrom mit +hineingerissen, und alle wollten das ja auch. Weh und Freude, Schmerz +und Lust schauten allen, die das Spiel mitspielten, schimmernd und +lechzend aus den Augen. Einige Augen waren niedergeschlagen, und Lippen +waren da, die entfärbten sich und stammelten. Schwelgerische Rosen, die +in ihren eigenen Farben zerflossen, prangten aus dem üppigen Bild +lockend und bezaubernd hervor. Lichter züngelten und liebäugelten hinter +dunklem, traumhaftem Grün wie rätselhafte Augen hinter Augenbrauen, und +Wellen liefen über das glatte Gestein, und Hoffnungen und Sehnsuchten +gaben in dem Raum den Ton an. Bald war der Raum, was er war, bald wieder +war er ein Gedanke, so zart, daß der, der ihn dachte, fürchten mußte, er +verliere ihn. Ist nicht immer der verloren gegangene Gedanke der +schönste? Was man hat, schätzt man nicht, und was man besitzt, ist +entwertet. O wie schön war der See in der nahen Ferne, vom Mond +versilbert, der sich, indem er sich ins Wasser verliebte, in den See +glühend niederstürzte, sich nun in dem Leib, den er vergötterte, selig +widerspiegelnd. Das Wasser schauerte und lag ganz still, beglückt durch +die Vergötterung. Mond und Wasser waren wie Freund und Freundin, +gefesselt durch den Kuß, dem sie sich überließen. So zerfloß und zerrann +bald alles, und bald sah ich es von neuem, nur noch reicher +ausgestattet, aus der Undeutlichkeit hervortauchen. Schweigend, ganz nur +Auge, saß ich da und hatte alle Wirklichkeit vergessen. + + + + +Nächtliche Wanderung + + +Einmal machte ich eine Nachtwanderung, es war eine dunkle, wolkige, +warme Mainacht. Die Erde blühte und duftete. Aus den schweigenden +nächtlichen Gärten flüsterte und lispelte es mir zu, als sei alles +Geheime nun offen und als rede das Verschwiegene. Mein leichter, +behender, fleißiger Fuß trug mich leicht über die harte Landstraße. Das +Harte war weich wie Flaum, und das Mühselige machte mich nur lachen, als +sei es die Freundlichkeit selber. Ich hatte eine merkwürdige Freude an +dem eigenen fröhlichen Weiter- und Weitermarschieren. Taktgemäß ging es +von Dorf zu Dorf, und die Dörfer schlummerten so schön, so friedlich. +Nur aus den Gasthäusern drang manchmal noch einiger später Lärm, und +betrunkene Wirtshausgestalten taumelten mir hie und da entgegen. Ich +lief, als sei ich der behende Wind, oder als sei ich ein Bote, der mit +Windesgeschwindigkeit eine geheime Botschaft an einen weit entfernten +Ort trägt. Alsdann war es mir wieder ums Herz, als sei ich ein +flüchtiger Verbrecher, der die Nachtstunden benutzt, um auszureißen und +sich in Sicherheit zu bringen. Ich war wie ein Indianer, der über die +Ebene springt; doch bei mir ging es hin und wieder bergauf, um wieder in +die Tiefe zu sinken. Neugierig guckten oft die süßen Sterne blinzelnd +zwischen geheimnisvollem Gewölk auf den Fußgänger herab, und der Mond, +der wackere Freund aller derjenigen, die nächtlings wandern, trat groß +und majestätisch und freundlich aus der schwarzen Umhülltheit hervor, um +bald darauf wieder zu verschwinden. So kam es und verschwand es und +tauchte bald wieder auf, und ein unhörbares Rauschen war in allem, die +Nacht rauschte, als sei sie eine Quelle, und das ist wahr: sie ist die +Quelle alles Schönen, Lieben und Guten. So war mir dann wieder, als sei +ich ein Liebender, befindlich auf der Suche nach der lockenden +lieblichen Geliebten. Irgendwo im Land, das so schön dunkel war, wohnte +sie: ihr Fenster stand jetzt vielleicht offen, daß alle ihre +träumerischen Gedanken wie Vögel hinausflatterten, um sich in der +herrlichen Nacht zu verlieren. Sie lag im Bett, aber ohne schlafen zu +können und ohne einschlafen zu wollen, da sie an den fremden kühnen +lieben Burschen dachte, den sie liebte, und von dem sie wußte, daß er +sie liebte. Solchermaßen vertrieb ich mir die Zeit, die ich mit Laufen +zubrachte, mit krausen dunklen Einbildungen, indes die Brunnen neben der +Straße leise plätscherten. Einige Fenster hatten noch Licht, und das +einsame Licht nahm sich aus wie die Idee im Kopf eines seltsamen +Menschen. Auf solche Weise schritt ich vorwärts, fröhlich und voll +Bangen, mutig und voll Verzagen, ganz gedankenlos und wieder voll +Gedanken. + + + + +Johanna + + +Ich war, fällt mir ein, neunzehn Jahre alt, machte Gedichte, trug noch +keinen ordentlichen Kragen, lief in den Schnee und in den Regen, stand +des Morgens immer früh auf, las Lenau, fand, daß ein Überzieher etwas +Überflüssiges sei, bezog monatlich hundertfünfundzwanzig Franken Gehalt +und wußte nicht, was ich mit dem vielen Geld anfangen sollte. Kost und +Logis hatte ich beim Paketmann Senn. Senn ist mir unvergeßlich. Er +machte stets eine ebenso dumme wie finstere Miene, hatte einen +struppigen, rabenschwarzen Bart im Gesicht und spielte den ärgerlichen +Tyrannen, eine Rolle, in die er, so häßlich sie sein mochte, wie +vernarrt war. Seine beiden Söhne, Theodor und Emil Senn, prügelte er. +Die armen Jungen, sie bekamen Hiebe dafür, weil sie des Dummkopfes von +Vaters schlechtes Betragen nachahmten. Frau Senn war eine liebe arme +geplagte Frau, völlig des kleinlichen Gewalthabers Sklavin. Das Essen +war gut; lustige Pensionäre waren stets da, und der Weißwein des +Postpaketmenschen mundete vortrefflich. Doch was bedeutete aller +Weißwein gegen das Mädchen Johanna, die ebenfalls das Vergnügen hatte, +beim wilden Pöstler logieren und kostgängern zu dürfen. Sie war auf dem +Kontor beschäftigt, ähnlich wie ich, und jeden Morgen gingen wir +zusammen, sie die Dame, und ich ihr Ritter, nach unsern +Geschäftshäusern, um hübsch tätig zu sein. Sie diente bei der +Schreibmaschinenbranche, während ich mein bißchen Kraft und guten Willen +der Unfallversicherungs-Aktiengesellschaft freundlich zur Verfügung +stellte. Johanna war lieb über alle Begriffe und sanft wie Mondschein. +Ich schrieb ihr ein Gedicht ins Album, einen kühnen extravaganten +Erstling, sie zeigte es ihrer Mutter, und diese warnte ihr Töchterchen +vor mir, wir mußten beide herzlich lachen. O wie süß mutete mich der +anmutvolle Ritterdienst an. Wir wohnten vier Treppen. Hatte nun +vielleicht Johanna, schon unten an der Haustüre stehend, ihren Schirm +oder ihr Taschentuch oder sonst etwas vergessen, so erhielt ich den +Auftrag, hinaufzuspringen und das Liegengelassene zu holen. Wie machte +mich das glücklich, und wie süß, wie schön, wie zart lächelte sie +darüber. Ihre Hände waren üppig und weich und so weiß wie Schnee, und +der Kuß darauf, wie berauschte, wie bezauberte er mich. Senn war wütend +auf uns, weil wir bis in alle Nacht hinein auf Johannas Zimmer +miteinander Englisch lernten. Er hörte wohl durch die Wand, was das für +eine kosende, belustigende Art von Englisch war, das wir trieben. Holde, +unvergeßliche Sprachstunde, liebes unvergeßliches weibliches Wesen. + + + + +Der Bursche + + +Ein Bursche, der einem Bäckermeister als Laufbursche diente, stahl +demselben Mehl weg, um es, gleichsam als Zeichen von zärtlicher +Aufmerksamkeit, der Frau zu überreichen, die er verehrte. Reizende +Liebe, bestrickendes Verbrechen, sinnreicher Diebstahl. Der Bursche +wurde endlich bei seinem ritterlichen Bemühen ertappt und kam ins +Gefängnis. Die gestrengen Herren Richter hatten Mitleid mit ihm und +erteilten ihm eine obgleich immerhin angemessene, so doch +verhältnismäßig nur gelinde Strafe. Armer dummer Bursche. Ich kann nicht +verhehlen, daß ich Sympathie für ihn empfinde. Wie glücklich mögen seine +Augen geglänzt haben in den prickelnden Augenblicken, wo er das Mehl +stibitzte, und wie süß muß ihm der Kuß gemundet haben, den er geben und +empfangen durfte von der, in deren Interesse er Spitzbubenstreiche +verübte. Wenn je, so duftet hier, der schwelgerischen Rose ähnlich, +Romantik, und wenn je, so ist hier, wo Mehl gestohlen worden ist, süße +Liebe. Simpel ist die kleine mehlene Geschichte. Mich hat sie gerührt, +als ich sie las, und ich wage sie dem freundlichen, huldreichen Leser +aufzutischen, in der Hoffnung, daß sie auch ihn ein wenig rühren wird. +Wie mancher, der fein gekleidet geht und sich auf die feinste Differenz +versteht, und der sich einbildet, daß er verliebt sei, ist nicht +imstande und bringt nicht den Mut auf, gleich dem armen dummen +Bäckerburschen, Mehl für die Person zu stehlen, die er vergöttert. Was +ist Geliebtsein und Beliebtsein gegen dieses blühende holdselige Wunder: +selber lieben! Und was ist alle Bildung, alle Belesenheit, Weisheit und +Feinheit, gehalten gegen die duftende Blume: Aufrichtigkeit? Dieser +Bursche, der mit einem gestohlenen Paket Mehl dahersprang, um seiner +Geliebten eine Freude zu machen, war, als er das tat, groß, denn er war +aufrichtig; war, als er das tat, im höchsten Grad sympathisch, denn er +war tapfer; war, als er das tat, höchst liebenswürdig, denn er tat es +aus echter Zärtlichkeit und Liebe. Schenke, lieber Leser, dem armen +Burschen ein kleines gütiges Andenken, ich bitte dich darum. Nicht wahr, +du tust es? + + + + +Der Knabe + + +Ein Tierbändiger wurde eines Abends vor den Augen der Leute, die +gekommen waren, um sich die Vorstellung anzusehen, von seinem Löwen, +einem Prachtexemplar, angegriffen und so furchtbar zugerichtet, daß er, +nachdem man ihn aus den Tatzen des Ungetüms befreit hatte, nur noch +einen letzten überaus traurigen Blick auf seine Frau und auf seine +Kinder werfen konnte, woraus er, zerfleischt und zerrissen, wie er war, +den Geist aufgeben und sterben mußte. Die arme, derart ihres Gatten und +Ernährers beraubte Frau sah sich hohläugiger, erbarmungsloser +Verzweiflung gegenübergestellt; denn woher sollte nun das Geld kommen, +und wer, wer um Gottes willen sollte nun das gefährliche Geschäft der +Tierbändigung mit einigem Glück weitertreiben? Der Verstorbene schien +unersetzlich, und das Elend und der Jammer schienen allgewaltig; da +trat, blitzenden Auges und getrieben von einer höchst staunenswürdigen +Willenskraft, von Energie sprühend, gleich, als sei er eine +hochauflodernde Flamme und kein zarter Knabe, der Sohn des eben +Gestorbenen vor die unglückliche Mutter und sagte ihr mit einer Stimme, +die die Festigkeit und die eiserne Entschlossenheit durchzitterten, daß +er und kein anderer jetzt den Beruf seines Vaters übernehmen und +weiterführen werde. Ah, ein junger Held glühte, und nichts nutzten bei +dem stolzen Feuerkopf die Vorstellungen, die die tödlich erschrockene +Mutter dem Kinde machte. Er wartete den nächstfolgenden Schauspielabend +mit brennender Begierde ab, um seiner Mutter den Mut zu zeigen, der ihn +beseelte, und als die Stunde gekommen war, trat er mit gebieterischer +Miene, einem jugendlichen Fürsten ähnlich, die Peitsche und die Pistole +nachlässig in der Hand, so, als sei er meilenweit davon entfernt, zu +denken, sich irgendeiner andern Waffe als nur seiner Todesverachtung zu +bedienen, in den Käfig und errang schon mit dem bloßen Eintritt in +denselben stürmischen Beifall. Atemlos schaute das Publikum von seinen +Bänken dem herzbeklemmenden Schauspiel zu, und als der mächtige Löwe nun +dem zarten, lieben, tapferen, schönen Knaben gehorchte und alles +pünktlich ausführte, was von ihm verlangt wurde, sich dem Kind zu Füßen +legte, er, der am vorherigen Abend den Vater zerrissen hatte, erhob sich +ein Tücherwinken, ein Geschenkezuwerfen, ein Klatschen und eine so +gewaltige Begeisterung, wie die Menagerie sie nie zuvor erlebte. Der +Knabe verdiente den Jubel, er lächelte. Doch wo nehmen wir die Worte +her, die nötig wären, den mütterlichen Stolz und Jubel zu beschreiben, +der nun mit ungestümen wilden heißen Küssen auf die Wangen, auf das Haar +und auf die kleinen Hände des Knaben regnete, als er wohlbehalten zu der +Mutter zurückkehrte. Mit namenloser Liebe schaute sie dem Helden, den +sie geboren hatte, in die Augen, und immer wieder, immer wieder, ganz +überwältigt, mußte sie ihn küssen, ihn, der dastand, so bescheiden, als +verstehe er nicht, was er Großes und Schönes getan hatte. + + + + +Das Götzenbild + + +Ein junger Mann, an dessen Eleganz, Bildung und Herkunft niemand +zweifelte, und der das fraglose Glück genoß, zu den gesitteten Menschen +zu zählen, erlebte eines Tages, indem er das Völkermuseum besuchte, +um die Altertümer zu studieren, folgendes sonderbares, wenn nicht +furchtbares und grauenhaftes Abenteuer. Der junge Mann, nachdem er +sich mit vielem Interesse in den weitschweifigen Räumlichkeiten, +vollgepfropft mit allen nur erdenklichen Sehenswürdigkeiten, umgeschaut +hatte, stand plötzlich, er wußte nicht wie, vor einer uralten hölzernen +Figur, die, so abschreckend und plump sie auch war, einen mächtigen und +gleich darauf übermächtigen Eindruck auf ihn machte, derart, daß er sich +durch das rohe Götzenbild, denn ein solches war es, an Leib und Seele +verzaubert sah. Der Atem stockte ihm, das Herz klopfte laut, das Blut +strömte ihm, gleich einem angeschwollenen reißenden Bach, durch alle +Adern, das Haar stieg ihm zu Berg, die Glieder zitterten, und eine +ungeheuerliche, entsetzliche Lust packte ihn jählings an, sich an +den Boden zu werfen, in die Zerknirschung und Erniedrigung, um das +furchtbare Bild, das den Wüsten Afrikas entnommen worden war, aufs +lebhafteste anzubeten; Barbarenwonne rieselte ihm durch die geblendete +und der Vernunft beraubte Seele. Er stieß einen Schrei aus, der durch +die weite Halle gräßlich tönte, und nur eben so viel Fassungskraft blieb +ihm übrig, als nötig war, sich mit einem verzweifelten Ruck aus der +schreckenerregenden Umdunkelung an das lieblich helle Bewußtsein +einigermaßen emporzuraffen. Das tat er, und mit weitausholenden +stürmischen Schritten, so, als wenn hinter ihm Feuer ausgebrochen sei, +und allen eifrigen Interesses für die Wissenschaften mit einem Mal +verlustig, jagte und stürzte er gegen die Türe, und erst, als er sich in +freier Luft befand und sich wieder umgeben sah von lebendig-tätigen +Menschen, erholte er sich vom panikartigen Entsetzen, eine Geschichte, +die ihn, der sie erlebte, tief nachdenken machte, über die ich jedoch +den Leser bitte zu lächeln. + + + + +»Apollo und Diana« + + +Ich war, erinnere ich mich, bei der Aktienbrauerei in Thun tätig. Vor +ungefähr zehn Jahren war's, und ich hatte das Glück, in einem schönen, +geräumigen alten Haus dicht neben dem herrlichen Schloß auf dem +Schloßhügel wohnen zu dürfen. Ich trank viel Bier, wozu mich schon meine +bierbrauerliche Beschäftigung verleitete, badete in der reißenden Aare, +ging öfter in die Ebene, die sich um Thun ausbreitet, spazieren und +staunte zu den Kolossen empor, zu den Bergen, die, ungeheuerlichen +Burgen ähnlich, dort in den Himmel hinaufragen. Eines Tages hatte ich +mit meiner Wirtin, der Frau Amtschreiber, ein kleines reizendes +Erlebnis, und zwar wegen einem Bild, das an der Wand meines Zimmers +hing. Dieses Zimmer, es war die Wohnlichkeit, Traulichkeit und +Heimeligkeit selber. Ich vergesse nie diesen saftgrün angehauchten +bildhübschen Raum, ich vergesse aber auch die Sonnenstrahlen nie, +die dort so goldig und zugleich so listig ins versteckte Zimmer +hineinlächelten. Nun aber zur Frau Amtschreiber. Sie nahm mir das Bild, +eine Photographie des Gemäldes »Apollo und Diana« von Kranach (das +Original hängt im Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin), von der Wand, an +welcher es zu meiner Belustigung und Erquickung hing, weg und legte es, +schamhaft und vorwurfsvoll umgekehrt, auf meinen Tisch. Ich kam heim und +merkte sogleich mit meinen beiden stets aufmerksamen Augen das Werk der +falschen Sittlichkeitsbegriffe, und rasch entschlossen ergriff ich die +allezeit dienstfertige Feder und schrieb folgendes keckes Billett: +»Verehrte Frau, hat Ihnen das Bild, das mir lieb ist, weil es ganz aus +lauterer Schönheit besteht, vielleicht etwas zuleid getan, daß Sie es +von der Wand gemeint haben wegnehmen zu sollen? Finden Sie, daß das Bild +häßlich ist? Sind Sie der Meinung, daß es ein unanständiges Bild ist? +Dann bitte ich ergebenst, es einfach keines Blickes zu würdigen. Mir +aber wollen verehrte Frau in der Güte, in deren Besitz ich dieselbe +glaube, gestatten, das Bild wieder dorthin zu tun, wo es gewesen ist. +Ich werde es sogleich wieder an die Wand anheften und bin überzeugt, daß +niemand es mir nochmals fortnimmt.« Frau Amtschreiber las und nahm das +Billett. Ich Schurke! Einer so liebenswürdigen Frau so harte Worte zu +sagen. Doch die paar Worte, was hatten sie nicht für eine schöne +Wirkung. Wie lieb war Frau Amtschreiber von nun an zu mir. Reizend, +reizend benahm sie sich. Sogar meine zerrissenen Hosen erbat sie sich, +damit sie sie flicke, sie, die Frau Amtschreiber. + + + + +Zwei Bilder meines Bruders + + +»Die Frau am Fenster« + +Warum steht diese Frau am Fenster? Steht sie nur da, um in die Gegend +hinauszuschauen? Oder hat ihr Gefühl sie ans Fenster geführt, damit +sie könne in die Weite hinausdenken? An was denkt die Dame? An etwas +Verlorenes, an etwas unwiederbringlich Verlorenes? So scheint es dem zu +sein, der mit aufmerksamen Augen das zarte Bild betrachtet. Weint die +Frau, oder ist sie nahe daran, zu weinen? Hat sie, kurz bevor sie +ans Fenster trat, geweint oder wird sie, wenn sie wird vom Fenster +weggetreten sein, in Tränen ausbrechen? Wer das Bild betrachtet, hält +dies nicht für unmöglich. Hat die Frau, die hier so einsam an dem +Fenster steht, einen Geliebten, und ist nun vielleicht dieser liebe +Freund für immer fortgegangen? Höchst wahrscheinlich. Also hatte -- -- +sie einen Geliebten? Sie hat demnach also jetzt keinen holden Freund +mehr? Steht nicht die arme liebe Frau da, als sei, was ihr das Liebste +gewesen ist, von ihr weggegangen, und als bleibe ihr jetzt für immer +nichts mehr anderes übrig als an den zu denken, den sie verlor? Ihre +Haltung scheint zu sprechen: »Ich habe ihn, kaum daß er mir gestand, daß +er mich liebe, und kaum, daß ich ihn umhalst und an das Herz gedrückt +habe, schon verloren. Wie grausam ist das.« -- Was hat ihn denn bewogen, +sie zu verlassen, die er liebte und von der er sich geliebt fand? Hat +das Schicksal, haben die Wogen und Wellen des Lebens, die weder je nach +Liebe noch überhaupt je nach Zartheit fragen, sie getrennt, die sich +liebten? Das läßt sich denken. Alles Unschöne läßt sich ebenso leicht +denken wie alles Schöne. Vielleicht hat die Frau jetzt noch nicht alle +Hoffnung auf ein süßes Wiedersehen aufgegeben? Nein, sie hat keine +Hoffnung mehr außer der Hoffnung, weinen zu dürfen, stundenlang, und +sich im Schmerz, der die Seele erschüttert, zu baden. Für die Frau, +die ihren Freund verloren hat, ist der Schmerz der heimliche Freund, +und das ist die letzte Art von Freund, die ein Mensch besitzen kann. +Entsetzlicher Freund, bleich im Gesicht, mit dem furchtbaren Lächeln +unauslöschlicher Trauer auf den Lippen, sage zu der Frau etwas, liebkose +sie. Und in der Tat, er tut es: der Schmerz über die Trennung vom +Geliebten muß jetzt der Geliebte sein und sie liebkosen. Vielleicht ist +jetzt das Weh des Verlustes noch nicht so groß, wie es nach einem Jahr +oder erst nach zwei Jahren sein wird; denn das Weh kann in der Stille +wachsen. Erst ist es ein zartes Glöckchen mit leisem seufzendem Bim-Bim. +Doch es kann eine Glocke daraus werden mit rasendem, vernunftüberflutendem +Geläute, gemützerstörend, herzzerreißend. Entsteht nicht aus der simplen +Melodie das gewaltig brausende und schallende Konzert? Wenn dem so ist, +so hat die Frau, die da am Fenster steht, noch einen schweren Kampf zu +kämpfen. + + +»Der Traum« + +Mir träumte, daß ich ein winzig kleiner, unschuldiger, junger Bursche +sei, so zart und jung, wie noch nie ein Mensch war, wie man nur in +dunklen, tiefen, schönen Träumen sein kann. Ich hatte weder Vater noch +Mutter, weder Vaterhaus noch Vaterland, weder ein Recht noch ein Glück, +weder eine Hoffnung noch auch nur die blasse Vorstellung einer solchen. +Ich war wie ein Traum mitten im Traum, wie ein Gedanke, gelegt in einen +anderen. Ich war weder ein Mann, der sich je nach dem Weibe sehnte, noch +ein Mensch, der sich jemals Mensch unter Menschen fühlte. Ich war wie +ein Duft, wie ein Gefühl; ich war wie das Gefühl im Herzen der Dame, die +an mich dachte. Ich hatte keinen Freund und wünschte mir auch keinen, +genoß keine Achtung und wünschte auch keine, besaß nichts und begehrte +auch nie irgend etwas zu haben. Was man hat, hat man schon wieder nicht +mehr, und was man besitzt, hat man schon wieder verloren. Nur das, +wonach man sich sehnt, besitzt und hat man; nur, was man noch nie +gewesen, ist man. Ich war weniger eine Erscheinung als ein Sehnen, ich +lebte nur im Sehnen und war, war nur ein Sehnen. Weil ich nichts +kostete, schwamm ich im Genuß, und weil ich klein war, hatte ich hübsch +Platz, in eines Menschen Brust zu wohnen. Entzückend war, wie ich es mir +in der Seele, die mich liebte, bequem machte. Da ging ich also. Ging +ich? Nein, ich ging nicht: ich spazierte in der leeren Luft, ich +brauchte, um zu gehen, keinen Boden; höchstens berührte ich den Boden +leise mit den Fußspitzen, als sei ich ein talentreicher, von den Göttern +mit allen Gaben der Tanzkunst begnadeter Tänzer. Mein Kleid war weiß +wie Schnee, und Ärmel und Hosen schleppte ich nach; sie waren mir +um ein Erkleckliches zu lang. Auf dem Kopf trug ich ein zierliches +Dummkopfkäppchen. Die Lippen waren rot wie Rosen, das Haar war goldgelb +und ringelte sich mir um die schmalen Schläfen in anmutigen Locken. +Einen Körper hatte ich nicht oder kaum. Aus meinen blauen Augen schaute +die Unschuld. Ein schönes Lächeln hätte ich gar zu gern gelächelt; doch +es war zu zart; es war so zart, daß ich es nicht zu lächeln, sondern nur +zu denken und zu fühlen vermochte. Eine große Frau führte mich an der +Hand. Jede Frau ist groß, wenn sie zärtlich ist, und der Mann, der +geliebt wird, ist immer klein. Liebe macht mich groß; und geliebt und +begehrt sein, macht mich klein. Da war ich dir, lieber huldreicher +Leser, so fein und klein, daß ich bequem in den weichen Muff meiner +hohen, lieben, süßen Frau hätte schlüpfen können. Die Hand, die mich +hielt, und an der ich tanzend schwebte, war mit einem schwarzen +Handschuh bedeckt, der hoch hinauf bis über die Ellbogen reichte. Wir +gingen über eine graziös geschweifte und gebogene Brücke und die +rötliche, dichterisch-phantastische Schleppe meiner holden Herrin +schlang sich der Länge nach über die ganze Brücke, unter welcher +schwarzes, warmes, duftendes Wasser träge floß, goldene Blätter mit sich +tragend. War es Herbst? Oder war es ein Frühling nicht mit grünen, +sondern mit goldenen Blättern? Ich kann es nicht mehr sagen. Unsagbar +zärtlich schaute mich die Frau an: ich war bald ihr Kind, bald ihr +Mäuschen, bald ihr Mann. Und immer war ich ihr alles. Sie war das +überragend gewaltige und große Wesen, ich das kleine. Kahle Äste stachen +hoch oben in die Luft. So wurde ich weiter, immer weiter weggeführt als +eine Art von niedlichem Besitz, den der Eigentümer ruhig mit sich nimmt. +Ich dachte nichts und wollte und durfte auch von Denken nichts wissen. +Alles war weich und wie verloren. Hatte mich die Macht des Weibes zum +Knirps gemacht? Die Macht des Weibes: wo, wann und wie regiert sie? In +der Männer Augen? Wenn wir träumen? Mit Gedanken? + + + + +Die Gedichte + + +Im Sommer schrieb ich nie ein Gedicht. Das Blühen und Prangen war mir zu +sinnlich. Ich war traurig im Sommer. Mit dem Herbst kam eine Melodie +über die Welt. Ich war in den Nebel, in die früh schon beginnende +Dunkelheit, in die Kälte verliebt. Den Schnee fand ich göttlich, aber +vielleicht noch schöner und göttlicher kamen mir die dunklen, wilden, +warmen Stürme des Vorfrühlings vor. Im kalten Winter glänzten und +schimmerten die Abende bezaubernd. Die Töne taten es mir an, die Farben +redeten mit mir. Ich brauche kaum zu sagen, daß ich unendlich einsam +lebte. Die Einsamkeit war die Braut, welcher ich huldigte, der Kamerad, +den ich bevorzugte, das Gespräch, das ich liebte, die Schönheit, die +ich genoß, die Gesellschaft, in welcher ich lebte. Es gab nichts +Natürlicheres und nichts Freundlicheres für mich. Ich war Kommis und +sehr oft ohne passende Stelle. Das paßte mir. O die reizende +träumerische Schwermut, das wonnige Verzagen, die himmlisch-schöne +Mutlosigkeit, die gesellige Trauer, die süße Härte. Ich liebte die +Vorstädte mit den vereinzelten Gestalten der Arbeiter. Die verschneiten +Felder sprachen mich vertraulich an, der Mond schien mir auf den +gespenstisch weißen Schnee niederzuweinen; die Sterne! Es war herrlich. +Ich war so fürstlich arm und so königlich frei. Ich stand in der +winterlichen Nacht, gegen den Morgen, am offenen Fenster und ließ mir +das Gesicht und die nur mit dem Nachthemd bedeckte Brust anhauchen vom +eisigen Atem. Und dabei hatte ich die sonderbare Einbildung, daß es +glühe rund um mich. Sehr oft warf ich mich, in dem entlegenen Zimmer, +das ich bewohnte, auf die Knie und bat Gott um einen hübschen Vers. Dann +ging ich zur Tür hinaus und verlor mich in die Natur. + + + + +Rinaldini + + +Über Paganini habe ich bereits geschrieben. So will ich mir denn heute +die Freiheit nehmen und einen geeigneten Aufsatz schreiben über +Rinaldini. Das Aufsatzschreiben und Essayieren ist gegenwärtig in großem +Schwang und erfreut sich einer weitverbreiteten Beliebtheit. Rinaldini, +dem vorliegender Essay gilt, war ein bedeutender Mann und ein großer +Räuber. Andere Leute waren groß als Künstler, er aber war ein Künstler +im Rauben und Morden, und groß war er als der prädestinierte Hauptmann +seiner Rotte oder Bande, die er zum Schrecken des friedlichen Teiles der +Einwohnerschaft befehligte. Groß von Gestalt, kühn von Charakter und +grausam von Sinnesart, schwang er sich gleichsam mit leichter Mühe zum +Herrn der Berge und der Wälder hinauf, und wer sein Feind war, lebte +keine vierundzwanzig Stunden länger. Rinaldini teilte mit andern +Mordbrennern und Mordbuben, von denen die Chronik berichtet, die edle +Eigenschaft, daß er das Kapital und den feigen Geldsack haßte, daß er +dagegen die armen Leute schonte. Wer irgendwie unterdrückt war, dem war +er ein Freund; wer dagegen auf den Vorteilen und auf den Wertpapieren +trotzte und protzte, dem spaltete er den Schädel, daß es eine Lust war. +Die Regierung setzte einen hohen Preis auf seinen Kopf; er jedoch, als +der freie Gewalt- und Renaissancemensch, der er war, trug ebendenselben +Kopf hoch und lachte über die Maßnahmen derer, die ihn fürchteten. Seine +Geliebte hieß Rosa, und sie war sein Alles. Wo Rosa war, war auch er, +und wo sie nicht mehr war, war auch er nicht mehr. Sie war sein Herz, +seine Seele. Sie war seine Mordlust. Ihr trug er, was er raubte, zu den +Füßen. Er stattete ihr das Felsengemach, in welchem sie wohnte, wahrhaft +fürstlich aus, bekleidete es mit den kostbarsten Teppichen und füllte es +an mit den zierlichsten und edelsten Gegenständen. Er war ihr Löwe, ihr +bis in den Tod treuer Löwe, und sie, sie liebkoste den Löwen, sie liebte +ihren Löwen. Der Jubel, die Freude und die Wonne durchzuckten sie, wenn +sie sah, wie er so grausam morden konnte, und wie er dann bei ihr so +sanft, so schüchtern war. Sie war möglicherweise eine kleine Sadistin, +diese Rosa. Doch zu Rinaldinis Zeiten nahm man dieses Kapitel noch nicht +so genau. Herrlich war sie, wenn sie, angetan mit den schönsten +Gewändern und mit schweren, goldenen Ohrringen in den Ohren, vor das +Zelt oder vor die Höhle trat, eine Zigarette zwischen den blendend +weißen Zähnen. Stolz wie eine Königin blickte sie in die Runde, und wer +sie so sah, verneigte sich vor ihr. Das taten die Herren Spitzbuben und +Räuber. Sie verehrten sie wie ihre Königin. Rinaldini, der sonst doch +ganz gewiß im höchsten Grade verunglückte Bursche, war glücklich durch +sie, dieser Galgenhalunke. Schließlich, und so wurde er doch aufs Rad +geflochten. + + + + +Lenau + + +Der Liebling des Grames, der Freund des Schmerzes war er. Seltsam war +er, und noch viel seltsamer ist es, daß man von ihm eigentlich gar +nichts kennt, und daß trotzdem sein Ruhm bis zu den Wolken hinaufragt. +Das macht sein Name. Sein Name ist so schön, so zigeunerhaft-romantisch. +Ich bin allein schon in den Namen Lenau verliebt, der nicht wie nach +realem Leben, sondern wie nach einem Roman, nach einer holdseligen +Liebesaffäre tönt. Lenau liebte den Herbst, das herbstliche Welken, das +Fallen der Blätter, das Entfärben, das Vergehen. Er liebte das +schneeweiße, kalte Schweigen des Winters. An den Tod und an das Ende zu +denken, war ihm ein sonderbarer Genuß. Sonderbar war Lenau. Er war +herrlich in seiner Art. Das Leben liebte er nicht, und dennoch liebte +er es, er liebte es um der darin enthaltenen Enttäuschungen willen. +Er war in die Enttäuschungen, in die Hoffnungslosigkeit, in die +Unergründlichkeit, in die harte Unentrinnbarkeit verliebt. Er liebte den +rauhen, kalten November, mithin also das sogenannte schlechte Wetter. +Schönes, mildes, sonniges Wetter irritierte ihn, machte ihn stutzen. +Dagegen, wenn die Stürme stürmten, wenn der Wind durch die Gegend +brauste, wenn der Schnee fiel, da erkannte er sein Wesen und lebte das +ihm angeborene Leben. Er fühlte sich wohl beim schauervollen Gedanken an +die Gräber, und auf den Genuß dessen, was nicht zu genießen ist, +verstand er sich vortrefflich. O, was für schöne, schmerzenbange, +wehmuttrunkene Herbstgedichte hat er gemacht. Sein Hauptausstattungsstück +bestand in einem schwarzen, flatternden Pellerinenmantel, +und Nummer zwei seiner Requisiten war ein Rinaldini-Schlapphut, +ebenfalls tiefernst und rabenschwarz von Farbe. Schwarz +war sein Haar, das sich gleich tiefen, schönen, anmutigen +Gedanken um seine ausdrucksvollen Schläfen ringelte. Voll schwarzen +Glanzes waren seine traurig-lieben Augen, mit denen er in die Welt +schaute, als verzweifle er, oder als sehne er sich nach einer +Verzweiflung. Augenbrauen schwarz und Bart schwarz, falls er einen +solchen hatte, was ich nicht geradezu behaupten möchte. Und in der +trüben, grauen, kalten Novemberluft flogen Raben, und Lenau stand am +Wege, unter einem entblätterten Baum, das Notizbuch in der Hand, +schreibend einen seiner schwermutvollen Verse. Seine Herbstlieder sind +weltberühmt. Ich selbst habe sie schon lange, lange nicht mehr gelesen. +Aus ferner, umflorter Erinnerung nur tauchen die Worte dieser Gedichte +vor mir auf, aber ich weiß, daß sie schön sind. Unverwelkliches Welken, +blühender, unsterblicher Gram, rosengleiches Verzagen und Klagen, +immergrüner Schmerz, ewig junger, ewig lebendiger Tod. + + + + +Tobold + + + _Der Schurke_ + + Glaubst du, ich sei ein Schurke? Ich + bin keiner. Glaube mir, ich bin + nicht solch ein Bösewicht. Das hat + die Zunge so aus mir gemacht. + Die Welt will gleich ein Bildnis sehn. + 's ist sonderbar. Man ist nicht das, + was man in seinem Innern ist, + nein, du bist Werk von ihnen, bist + Abguß von dem Geflüster. Sie + woll'n dich so handeln sehn, und so + auch handelst du. Ich bin nicht schlecht; + nur krank. + + _Tobold_ + + Wie? Ja. 's ist sonderbar. + Auch ich bin nicht der Meinung, du seist ein + Halunke. Zwar bin ich + ja nur ein dummer Junge, und + ich kann mich irren, doch kann denn + nicht auch die Welt im Irrtum sein? + Könn'n sie nicht auch sich irr'n, die dich + verdammen? Du hast Augen, die + mir, wie doch soll ich sagen, sehr + gefallen. Krank bist du? Ich glaub's. + Doch warum gehst du nicht zum Arzt? + + _Schurke_ + + Vielleicht bist du der Arzt. Du bist + jed'falles gut. + + _Tobold_ + + Hier kommt ja, wie ich sehe, der + schlicht-ehrliche Bedrängte. Sein + Gesicht ist falsch. Er hält sich für + was Bess'res als er ist. Er ist + mehr Schaf als fromm. Ich mag ihn nicht. + Dich, Schurke, jedoch mag ich gern. + + _Der Bedrängte_ + + Voll Bosheit, bild' ich stets mir ein, + sei diese ungereimte Welt. + Ich blicke stets nur selbst mich an + und sehe immer mich verfolgt: + Hier steht der Bös'wicht, der mich drängt. + + _Tobold_ + + Das bildet sich ein Dummkopf ein. + + _Der Bedrängte_ + + Wer bist du, der so keck sich mischt + in dieses Spiel? Ich sah dich nie + und achte deiner deshalb nicht. + Du scheinst ein frecher Betteljung'! + + _Tobold_ + + Tobold heiß' ich, und ich gab nie + Schafsköpfen Anlaß, mich + zu achten. 's ist ein mageres Geschäft + und es kommt nichts dabei heraus. + Ich bin mein selbst. Ich selbst + hab Achtung vor mir. Wisse das. Und dann + hab ich auch Freude an der Welt. + Hier beispielsweis' am Schurken hab' + ich Freude. An der Sonne hab' + ich Freude. Doch an dir nicht. Du + freust mich in keiner Art und Weis'. + Nicht Art hast du. Was Art hat, das + entzückt mich. Dieb' und Schelm' + selbst sind erfreulich. Packt man sie, + so sperrt man sie ins Zuchthaus ein + und weiß auch, was getan man hat. + Doch du bist ein Chamäleon. + Nichtswürdig bist du. Teufel sind + doch Teufel. -- Hier dem Schurken geb' + die Hand ich. Dir kann man die Hand + nicht reichen. Spinnen sind verständlicher, + Mäus', Ratt' und Kröten, als + ein Mensch, wie du, dem's nur auf das + Verfolgtsein ankommt. + + _Schurke_ + + Ha ha ha! + Recht so, mein Junge, schimpf ihn aus. + + _Bedrängter_ + + Auch hier, auch hier bedrängt man mich. + Die Welt ist voll von Hinterlist. + Ich will nur gleich zur Fürstin gehn + und ihr das melden. + + _Schurke_ + + Tritt nur ab. + Komm, du mein wackrer Junge, komm. + Ich will zu einer Tänzerin + dich führen. Wein soll sprühn. Der Ort, + wo sie sich aufhält, ist nicht fern. + In dem Gebüsch, das du dort siehst, + liegt sie im schwellend weichen Gras. + Schön ist sie, göttergleich tanzt sie. + Doch du wirst sehn. Sie soll dich an + die Brüste drücken. Schlemmen ist + nicht schlecht, wenn man's mit Grazie tut. + + _Tobold_ + + Ich gehe gern an solchen Ort. + + Verwandlung + + _Tobold_ + + Ich soll mich finden, sagt mir das + Gestirn. Mich finden? Müßt' ich da + mich nicht vorher verlieren? Kann + ich mich denn finden, wenn's an mir + nichts aufzufinden gibt? Wer nie + verloren gehn will, kann sich auch + nie finden. Also will ich mich + verlieren. Hier nun tapp' ich ganz + im Dunkeln. Nacht ist es, und ein + Geräusch, so sieht's hier aus, läßt sich + hier gar nicht denken. Wenn ein Schuß + jetzt fiele, wär's mir, wie wenn ich + ihn mir nur träumte. Was denn such' + ich hier? Mich selbst? Nein, denn ich bin + nicht gar so sehr erpicht auf mich. + Es muß hier jemand sein, sonst wär' + ich hier nicht auf der Suche. Pst. + Sprach da nicht jemand? Ganz bestimmt + ist irgend jemand hier, doch wer, + ist mir ein Rätsel. Doch wenn auch + der Glaube nur, es sei hier wer, + hier ist, so ist schon viel hier. Mir + sagt es der Glaube, daß es hier + ein Leben gibt, und daß wer hier + ist, schön ist. Horch. War das? Nein, es + ist alles still. Nichts regt sich, als + der Wunsch in mir, es möchte hier + jemand sich regen. + + _Die Verlassene_ + + Bös' bin ich? Nein, ich bin nicht bös'. + Verfehmt bin ich und muß hier am + entlegnen Ort verlassen sein. + Um Liebe willen, die mich hat + betrügen müssen, muß ich hier + verstoßen und verlassen sein. + Niemand kommt zu mir her, es fällt + niemandem ein, bei mir zu sein. + Niemand kommt bis zum düstern Ort + der finstern Ausgestoßenheit. + Es will mich niemand kennen, es + will niemand mehr gerecht mir sein. + Ich kann nicht klagen. Klagt' ich, so + riß es mich bis zum Wahnsinn hin. + Drum still, drum nur gelitten, nur + allein gelitten. Ist nichts anderes + übrig, so leidet man + wie in dem Grund des Meers das Naß + nur naß sein kann, wie, wer sich sticht, + nur bluten kann. Verlassenheit, + sei du mir Krone. Schmerz, sei du + Palast mir, und ich Fürstin so. + + _Tobold_ + + Horch, horch, es tönt. Wie süß das tönt. + Ich habe stets Musik geliebt. + Mir immer als ein Wunder kam + sie vor. + + _Verlassene_ + + Ist jemand hier? + + _Tobold_ + + Ich bin's. + + _Verlassene_ + + Wer bist du? + + _Tobold_ + + Eine Wenigkeit. + Ein junger dummer Mensch bin ich. + Sonst brav vielleicht, vielleicht auch nicht; + arbeitsam, doch vielleicht auch nicht; + fähig zum Guten, doch vielleicht + auch zu was anderem fähig. Un- + bekannt ist mir's. Ich habe mich + da so, wie soll ich sagen, in + der Finsternis verloren, doch + hielt ich stets wacker mich gradauf. + Es soll der Mensch auf Haltung sehn, + als wenn er selbst sich immer ge- + genüberstände. Fürstin nannt'st + du dich. Ich habe es gehört. Ich hab' + gelauscht. Verzeih. Ich bin + solch einer, der das, was er hört, + beiseite schiebt. Es scheint, daß du + unglücklich bist. So paßt es; denn + ich liebe und verehre, was + nicht fröhlich ist. Ich selbst, mußt du + erfahren, bin mir, glaub' mir, fast + zu fröhlich. Ich verachte mich + ja auch dafür. Sehr gerne dient' + ich dir. Ich seh' dich nicht, denn es + ist dunkel hier. Was macht's. Es sieht + die Seele dich. Doch daß du's weißt: + ich sterbe vor Verlangen, dich + zu sehn, und wünscht', ich hätt' ein Licht + zur Hand, damit ich Schönheit säh' + und nicht nur fühle. Sag', was soll + ich tun. Kann ich dir helfen? Ich + bin einer, den's entzückt, zu Dienst + zu stehn. Ich will für dich hinab + in die Verdammnis gehn, um zu + verdienen, dich zu küssen. So + sprich doch. Ich rede hier, und du + schweigst. Bist du bös'? + + _Verlassene_ + + Ich bin nicht bös'. + Ich bin nur leid. Sprich weiter. Dein + Gespräch hat was wie Trost für mich. + Du sprichst zutraulich. Sage, bist + du ein so armer Mensch, und als + Person so niedrig, daß du mußt + zu der Verfehmten reden, und + noch in so gutem Ton? Es muß nicht viel + Stand, Würde und Bedeutendheit + am Menschen sein, der zu mir spricht + und noch, wie's scheint, so gern. + + _Tobold_ + + Es gibt mehr Armut als du träumst. + + _Verlassene_ + + Kann jemand ärmer sein als ich? + + _Tobold_ + + Wohl kann noch jemand ärmer sein. + Sind denn nicht alle Menschen sehr, + sehr arm? Wer brüstet sich und sagt: + »Ich bin wahrhaftig reich«? Niemand + ist reich. Geboren sein heißt in + die Armut sinken. Leben heißt + mit Nöten kämpfen. Es gab nie + solch einen Lebensreichtum. Reich + ist, wer nicht bös' ist. Wenn du kein + Gelüst hast, dich zu rächen, kein + Gefühl des Zorns hast, bist du nicht + die Ärmste. Wer noch weint, ist reich. + Wer unrecht hat, ist reich. Zu den + Besitzenden gehört nicht der + Besitzende, nicht der, der auf dem Recht beharrt, + nicht der Starrköpfige, der + recht haben will. Unrecht ist süß, + wonnig und reich, und wenn du im + Gefängnis sitz'st und büß'st, so bist + du reich. + + _Verlassene_ + + So bin ich reich im Leid? + Welch eine Sprache führst du da? + Bist du zu mir gekommen, mir + zu sagen, daß ich reicher sei + als die, die glauben, ich sei sehr + elend, als die, die denken, ich + müsse verzweifeln? + + _Tobold_ + + Ja, gewiß. + + _Verlassene_ + + Bist du ein Engel? + + _Tobold_ + + I bewahr! + Ein Häufchen Unzulänglichkeit, + das bin ich. Schlecht bin ich. Seh's ein. + + _Verlassene_ + + So ist es Kunst nur, was du sprichst? + + _Tobold_ + + Nein, Seele. Wie auch könnt' es Kunst + sein, da ich doch kein Künstler bin. + + _Verlassene_ + + Was bist du? + + _Tobold_ + + Weiß es selber nicht. + Muß erst erfahren, was ich bin. + + _Verlassene_ + + Du redest lieb. Und da ich von + Stand und Geburt bin (worauf ich + nicht stolz bin), nimm den Ring von mir + und geh'. Du kannst nichts weiter für + mich tun, als gehn. Verlaß den Ort. -- + + Anderswo + + _Tobold_ + + Ganz wie ein blauer Baldachin + ist hier der Himmel ausgespannt. + Welch eine Freiheit duftet hier, + welch ein Gefühl geht durch die Luft. + Die Luft ist frisch, man atmet sie + in köstlich gierigen Zügen ein. + Wenn man nur nicht verdrossen ist, + so ist der Tag wie ein Kristall. + Wie schön ist's hier. Dort fällt ein Blatt. + Man möchte gehen und es an + die Lippen drücken. Nebel streicht + durch das Revier. Es blitzt. Es ist + alles ganz feucht. Es schimmert, es + ist Wonne für die Augen, und + wie warm, wie gut die Bäume stehn, + ganz voll noch von dem gelben Laub. + Hier ist ein Stückchen grün noch vom + versunknen üppigen Sommer her. + Dort sieht man Tannen. Feierlich + stehn sie an Teiches Rand, sich in + dem Wasser spiegelnd. Horch. Ein Schrei. + Das ist der Vogel in der Luft. + Und schön und schön und schöner wird's. + Man faßt es nicht. Das Gelb ist wie + der Ruhm, das Blau, das zärtliche, + wie Liebe, und das Braun dort gleicht + der Ehre. Wege schlängeln sich + durch das Gebüsch, und alles dies + hängt wie ein süßes Farbenwerk + zusammen. Glücklich ist's. Nicht ich + bin glücklich. Es, das All, ist es. + Doch ganz gewiß auch ich. Wenn das + Gesamte, das Verbund'ne, das + Zerfloss'ne und Umwobene + so schön ist, bin auch ich so schön, + schön durch Genuß. Denn das + Umfassende faßt ja auch mich ein. So + gehör' ich dir, Natur. So bin + ich Ton im Chor, und im Gesang + bin eine dünne Stimme ich. + + _Der Gebieter_ + + Du Lümmel, sag', was tust du hier? + Du schaffst wohl g'rad' am Tagwerk? Was? + Natur begaffen, fauler Strick! + Wart'. Mit der Peitsche will ich dich + das All erfassen lehren. So. Und jetzt + marsch an die Arbeit. Fort. + + + + +Helblings Geschichte + + +Ich heiße Helbling und erzähle hier meine Geschichte selbst, da sie +sonst wahrscheinlich von niemandem aufgeschrieben würde. Heutzutage, wo +die Menschheit raffiniert geworden ist, kann es keine besonders kuriose +Sache mehr sein, wenn einer, wie ich, sich hinsetzt und anfängt, an +seiner eigenen Geschichte zu schreiben. Sie ist kurz, meine Geschichte, +denn ich bin noch jung, und sie wird nicht zu Ende geschrieben, denn ich +habe voraussichtlich noch lange zu leben. Das Hervorstechende an mir +ist, daß ich ein ganz, beinahe übertrieben gewöhnlicher Mensch bin. Ich +bin einer der Vielen, und das gerade finde ich so seltsam. Ich finde die +Vielen seltsam, und denke immer: »Was machen, was treiben sie nur alle?« +Ich verschwinde förmlich unter der Masse dieser Vielen. Wenn ich +mittags, wenn es zwölf Uhr schlägt, von der Bank, wo ich beschäftigt +bin, nach Hause eile, so eilen sie alle mit, einer sucht den andern zu +überholen, einer will längere Schritte nehmen als der andere, und doch +denkt man dabei: »Es kommen doch alle nach Hause.« In der Tat kommen sie +alle nach Hause, denn es ist kein ungewöhnlicher Mensch unter ihnen, dem +es arrivieren könnte, daß er den Weg nicht mehr fände nach Hause. Ich +bin mittelgroß von Gestalt und habe deshalb Gelegenheit, mich zu freuen, +darüber, daß ich weder hervorstechend klein, noch herausplatzend groß +bin. Ich habe so das Maß, wie man auf schriftdeutsch sagt. Wenn ich zu +Mittag esse, denke ich immer, ich könnte eigentlich anderswo, wo es +vielleicht fideler zuginge am Eßtisch, ebenso gut, oder noch feiner +essen, und denke dann darüber nach, wo das wohl sein könnte, wo die +lebhaftere Unterhaltung mit dem besseren Essen verbunden wäre. Ich lasse +alle Stadtteile und alle Häuser, die ich kenne, in meiner Erinnerung +vorübergehen, bis ich etwas ausfindig gemacht habe, das etwas für mich +sein könnte. Im allgemeinen halte ich sehr viel auf meine Person, ja, +ich denke eigentlich nur an mich, und bin immer darauf bedacht, es mir +so gut gehen zu lassen, wie nur irgend denkbar. Da ich ein Mensch aus +guter Familie bin, mein Vater ist ein angesehener Kaufmann in der +Provinz, so finde ich leicht an den Dingen, die sich mir nähern wollen, +und denen ich auf den Leib rücken soll, allerlei auszusetzen, zum +Beispiel: es ist mir alles zu wenig fein. Ich habe stets die Empfindung, +daß an mir etwas Kostbares, Empfindsames und Leichtzerbrechliches ist, +das geschont werden muß, und halte die andern für lange nicht so kostbar +und feinfühlig. Wieso das nur kommen mag! Es ist gerade, als wäre man zu +wenig grob geschnitzt für dieses Leben. Es ist jedenfalls ein Hemmnis, +das mich hindert, mich auszuzeichnen, denn wenn ich beispielsweise einen +Auftrag erledigen soll, so besinne ich mich immer erst eine halbe +Stunde, manchmal auch eine ganze! Ich überlege und träume so vor mich +hin: »Soll ich es anpacken, oder soll ich noch zögern, es anzupacken!«, +und unterdessen, ich fühle das, werden schon einige meiner Kollegen +bemerkt haben, daß ich ein träger Mensch bin, während ich doch nur als +zu empfindsam gelten kann. Ach, man wird so falsch beurteilt. Ein +Auftrag erschreckt mich immer, veranlaßt mich, mit meiner flachen Hand +strichweise über den Pultdeckel zu fahren, bis ich entdecke, daß ich +höhnisch beobachtet werde, oder ich tätschle mir mit der Hand die +Wangen, greife mich unter das Kinn, fahre mir über die Augen, reibe die +Nase und streiche die Haare von der Stirne weg, als ob dort meine +Aufgabe läge, und nicht auf dem Bogen Papier, der vor mir, auf dem Pult, +ausgebreitet liegt. Vielleicht habe ich meinen Beruf verfehlt, und +dennoch glaube ich zuversichtlich, daß ich es mit jedem Beruf so hätte, +so machen würde und verderben würde. Ich genieße, infolge meiner +vermeintlichen Trägheit, wenig Achtung. Man nennt mich einen Träumer und +Schlafpelz. O, die Menschen sind darin talentvoll, einem ungebührliche +Titel anzuhängen. Es ist allerdings wahr: die Arbeit liebe ich nicht +besonders, weil ich mir immer einbilde, sie beschäftige und locke zu +wenig meinen Geist. Das ist auch wieder so ein Punkt. Ich weiß nicht, ob +ich Geist besitze, und ich darf es kaum glauben, denn ich habe bereits +öfters die Überzeugung gewonnen, daß ich mich jedesmal dumm anstelle, +wenn man mir einen verstand- und scharfsinnfordernden Auftrag gibt. Das +macht mich in der Tat stutzig, und veranlaßt mich darüber nachzudenken, +ob ich zu den seltsamen Menschen gehöre, die nur klug sind, wenn sie es +sich einbilden, und aufhören, klug zu sein, sobald sie zeigen sollten, +daß sie es wirklich sind. Es fallen mir eine Menge intelligenter, +schöner, spitzfindiger Sachen ein, aber sobald ich sie in Anwendung +bringen soll, versagen sie mir und verlassen mich, und ich stehe dann da +wie ein ungelehriger Lehrjunge. Deshalb mag ich meine Arbeit nicht gern, +weil sie mir einesteils zu wenig geistvoll ist und mir andersteils +sogleich über den Kopf hinauswächst, sobald sie den Anstrich des +Geistvollen erhält. Wo ich nicht denken soll, da denke ich immer, und wo +ich verpflichtet wäre, es zu tun, kann ich es nicht. Aus diesem +zwiespältigen Grunde verlasse ich auch den Bureausaal immer einige +Minuten vor zwölf und komme immer erst einige Minuten später als die +andern an, was mir schon einen ziemlich schlechten Ruf eingetragen hat. +Aber es ist mir so gleichgültig, so unsäglich gleichgültig, was sie von +mir sagen. Ich weiß zum Beispiel sehr wohl, daß sie mich für einen +Schafskopf ansehen, aber ich fühle, daß wenn sie ein Recht zu dieser +Annahme haben, ich sie daran nicht verhindern kann. Ich sehe auch +wirklich etwas schafsköpfisch aus in meinem Gesicht, Betragen, Gang, +Sprechen und Wesen. Es ist kein Zweifel, daß ich, um ein Beispiel +herauszunehmen, in den Augen einen etwas blödsinnigen Ausdruck habe, der +die Menschen leicht irreführt und ihnen eine geringe Meinung von meinem +Verstand gibt. Mein Wesen hat viel Läppisches und dazu noch Eitles an +sich, meine Stimme klingt sonderbar, so als wüßte ich selber, der +Sprecher, nicht, daß ich rede, wenn ich rede. Etwas Verschlafenes, +Noch-nicht-ganz-Aufgewecktes haftet mir an, und daß es bemerkt wird, +habe ich bereits aufgezeichnet. Mein Haar streiche ich immer ganz glatt +auf dem Kopf, das erhöht vielleicht noch den Eindruck trotziger und +hilfloser Dummheit, den ich mache. Dann stehe ich so da, am Pult, und +kann halbstundenlang in den Saal, oder zum Fenster hinausglotzen. Die +Feder, mit der ich schreiben sollte, halte ich in der untätigen Hand. +Ich stehe und trete von einem Fuß auf den andern, da mir eine größere +Beweglichkeit nicht gestattet ist, sehe meine Kollegen an und begreife +gar nicht, daß ich in ihren Augen, die zu mir hinüberschielen, ein +erbärmlicher, gewissenloser Faulenzer bin, lächle, wenn mich einer +ansieht, und träume, ohne zu sinnen. Wenn ich das könnte: Träumen! Nein, +ich habe keine Vorstellung davon. Nicht die mindeste! Ich denke mir +immer, wenn ich einen Haufen Geld hätte, würde ich nicht mehr arbeiten, +und freue mich wie ein Kind darüber, daß ich dieses denken konnte, wenn +der Gedanke ausgedacht ist. Das Gehalt, das ich bekomme, erscheint mir +zu klein, und ich denke gar nicht daran, mir zu sagen, daß ich nicht +einmal so viel verdiene mit meinen Leistungen, trotzdem ich weiß, daß +ich so gut wie nichts leiste. Seltsam, ich habe gar nicht das Talent, +mich einigermaßen zu schämen. Wenn mich einer, zum Beispiel ein +Vorgesetzter, anschnauzt, so bin ich darüber im höchsten Grade empört, +denn es verletzt mich, angeschnauzt zu werden. Ich ertrage das nicht, +obgleich ich mir sage, daß ich eine Rüge verdient habe. Ich glaube, ich +widersetze mich dem Vorwurf des Vorgesetzten deshalb, damit ich das +Gespräch mit ihm ein wenig in die Länge ziehen kann, vielleicht eine +halbe Stunde, dann ist doch wiederum eine halbe Stunde verstrichen, +während deren Verlauf ich mich wenigstens nicht gelangweilt habe. Wenn +meine Kollegen glauben, ich langweile mich, so haben sie allerdings +recht, denn ich langweile mich zum Entsetzen. Nicht die geringste +Anregung! Mich langweilen, und darüber nachsinnen, wie ich die +Langeweile etwa unterbrechen könnte: darin besteht eigentlich meine +Beschäftigung. Ich vollbringe so wenig, daß ich selber von mir denke: +»Wirklich, du vollbringst nichts!« Oftmals kommt es über mich, daß ich +gähnen muß, ganz unabsichtlich, indem ich meinen Mund aufsperre, gegen +die Höhe der Zimmerdecke, und dann mit der Hand nachfahre, um langsam +die Mundöffnung zu verdecken. Alsdann finde ich es für angebracht, mit +den Fingerspitzen meinen Schnurrbart zu drehen und etwa auf das Pult zu +klopfen, mit der Innenfläche eines meiner Finger, ganz wie in einem +Traum. Manchmal erscheint mir das alles wie ein unverständlicher Traum. +Dann bemitleide ich mich und möchte über mich weinen. Aber, wenn das +Traumartige verfliegt, möchte ich mich, der Länge und Breite nach, auf +den Boden werfen, möchte umstürzen, mir an einer Kante des Pultes recht +weh tun, damit ich den zeitvertreibenden Genuß eines Schmerzes empfinden +könnte. Meine Seele ist nicht ganz schmerzlos über meinen Zustand, denn +ich vernehme manchmal, wenn ich recht das Ohr spitze, darin einen +leisen, klagenden Ton der Anklage, ähnlich der Stimme meiner noch +lebenden Mutter, die mich immer für etwas Rechtes gehalten hat, im +Gegensatz zum Vater, der da viel strengere Grundsätze besitzt, als sie. +Aber meine Seele ist mir ein zu dunkles und wertloses Ding, als daß ich +schätzte, was sie vernehmen läßt. Ich halte nichts von ihrem Ton. Ich +denke mir, daß man nur aus Langeweile auf das Gemurmel der Seele horcht. +Wenn ich im Bureau stehe, werden meine Glieder langsam zu Holz, das man +wünscht, anzünden zu können, damit es verbrenne: Pult und Mensch werden +Eines mit der Zeit. Die Zeit, das gibt mir immer zu denken. Sie vergeht +schnell, doch in all der Schnelligkeit scheint sie sich plötzlich zu +krümmen, scheint zu brechen, und dann ist es, als ob gar keine Zeit mehr +da wäre. Manchmal hört man sie rauschen wie eine Schar auffliegender +Vögel, oder zum Beispiel im Wald: da höre ich immer die Zeit rauschen, +und das tut einem recht wohl, denn dann braucht der Mensch nicht mehr zu +denken. Aber es ist meistens anders: so totenstill! Kann das ein +Menschenleben sein, das man nicht spürt, sich vorwärts, dem Ende +zudrängen! Mein Leben scheint mir bis zu diesem Augenblick ziemlich +inhaltlos gewesen zu sein, und die Gewißheit, daß es inhaltlos bleiben +wird, gibt etwas Endloses, etwas, das einem befiehlt, einzuschlafen und +nur noch das Unumgänglichste zu verrichten. So tue ich es denn auch: ich +tu nur so, als ob ich eifrig schaffe, wenn ich den übelriechenden Atem +meines Chefs hinter mir spüre, der heranschleicht, um mich bei der +Trägheit überraschen zu können. Seine Luft, die er ausströmt, ist sein +Verräter. Der gute Mann verschafft mir immer eine kleine Abwechslung, +deshalb mag ich ihn noch ganz wohl leiden. Aber was veranlaßt mich denn +eigentlich nur, so wenig meine Pflicht und meine Vorschriften zu +respektieren? Ich bin ein kleines, blasses, schüchternes, schwaches, +elegantes, zimperliches Kerlchen voll lebensuntüchtiger Empfindsamkeiten +und würde die Härte des Lebens, wenn es mir einmal schief gehen sollte, +nicht ertragen können. Kann mir der Gedanke, daß man mich aus meiner +Stellung entlassen wird, wenn ich so fortfahre, keine Furcht einjagen? +Wie es scheint, nicht, und wie es wiederum scheint: wohl! Ich fürchte +mich ein bißchen, und fürchte mich wieder ein bißchen nicht. Vielleicht +bin ich zur Furcht zu unintelligent, ja, es scheint mir beinahe, als ob +der kindliche Trotz, den ich anwende, um mir vor meinen Mitmenschen +Genugtuung zu verschaffen, ein Zeichen von Schwachköpfigkeit ist. Aber, +aber: es paßt wundervoll zu meinem Charakter, der mir stets vorschreibt, +mich ein wenig außergewöhnlich zu benehmen, wenn auch zu meinem +Nachteil. So zum Beispiel bringe ich, was auch nicht statthaft ist, +kleine Bücher ins Bureau, wo ich sie ausschneide und lese, ohne +eigentlich Genuß am Lesen zu haben. Aber es sieht wie die feine +Widerspenstigkeit eines gebildeten, mehr, als die andern sein wollenden +Menschen aus. Ich will eben immer mehr sein, und habe einen +Jagdhundeifer nach Auszeichnung. Wenn ich das Buch jetzt lese, und es +tritt ein Kollege zu mir heran mit der Frage, die vielleicht ganz am +Platz ist: »Was lesen Sie da, Helbling?«, so ärgert mich das, weil es in +diesem Fall anständig ist, ein ärgerliches Wesen zu zeigen, das den +zutulichen Fragenden wegtreibt. Ich tue ungemein wichtig, wenn ich lese, +blicke mich nach allen Seiten nach Menschen um, die mir zusehen, wie +klug da einer seinen Geist und Witz ausbilde, schneide mit prachtvoller +Langsamkeit Seite für Seite aus, lese nicht einmal mehr, sondern lasse +es mir genügen, die Haltung eines in eine Lektüre Versunkenen angenommen +zu haben. So bin ich: schwindelköpfig und auf den Effekt berechnet. Ich +bin eitel, aber von einer merkwürdig billigen Zufriedenheit in meiner +Eitelkeit. Meine Kleider sind von plumpem Ansehen, aber ich bin eifrig +im Wechseln von Anzügen, denn es macht mir ein Vergnügen, den Kollegen +zu zeigen, daß ich mehrere Anzüge besitze und daß ich einigen Geschmack +in der Wahl von Farben habe. Grün trage ich gern, weil es mich an den +Wald erinnert, und Gelb trage ich an windigen, luftigen Tagen, weil es +zum Wind und zum Tanzen paßt. Es kann sein, daß ich mich darin irre, ich +zweifle gar nicht daran, denn wie oft ich mich am Tag irre, wird mir +genugsam vorgehalten. Man glaubt schließlich selber, daß man ein +Einfaltspinsel ist. Aber was macht es aus, ob man ein Tropf oder ein +Mann von Achtung ist, da doch der Regen ebensogut auf einen Esel wie auf +eine respektable Erscheinung herabregnet. Und gar die Sonne! Ich bin +glücklich, in der Sonne, wenn es zwölf Uhr geschlagen hat, nach Hause +laufen zu dürfen, und wenn es regnet, spanne ich den üppigen, bauchigen +Regenschirm über mich, damit mein Hut, den ich sehr schätze, nicht naß +wird. Mit meinem Hut gehe ich sehr sanft um, und es scheint mir immer, +wenn ich meinen Hut noch berühren kann, in der zarten Weise, wie ich es +gewohnt bin, so sei ich immer noch ein ganz glücklicher Mensch. +Besondere Freude macht es mir, ihn, wenn es Feierabend geworden ist, +sorgsam auf die Scheitel zu setzen. Das ist mir immer der geliebte +Abschluß eines jeden Tages. Mein Leben besteht ja aus lauter +Kleinigkeiten, das wiederhole ich mir immer wieder, und das kommt mir so +wunderlich vor. Für große Ideale, die die Menschheit betreffen, habe ich +es nie passend gefunden, zu schwärmen, denn ich bin im Grunde mehr +kritisch als schwärmerisch veranlagt, wofür ich mir ein Kompliment +mache. Ich bin so einer, der es als herabsetzend empfindet, wenn er +einem idealen Menschen in langen Haaren, Sandalen an den nackten Beinen, +Schurzfell um die Lenden und Blumen im Haar begegnet. Ich lächle dann +verlegen in solchen Fällen. Laut lachen, was man doch am liebsten +möchte, kann man nicht, auch ist es eigentlich mehr zum +Ärgerlich-werden, als zum Lachen, unter Menschen zu leben, die an einer +glatten Scheitel, wie ich sie trage, keinen Geschmack finden. Ich ärgere +mich eben gerne, deshalb ärgere ich mich, wo sich mir nur immer eine +Gelegenheit bietet. Ich mache öfters hämische Bemerkungen, und habe es +doch sicherlich wenig nötig, meine Bosheit an andern auszulassen, da ich +doch genug weiß, was es heißt, unter der Spottsucht anderer zu leiden. +Aber das ist es ja: ich mache gar keine Beobachtungen, nehme keine +Lehren an und verfahre immer noch so, wie an dem Tage, da ich aus der +Schule entlassen wurde. Viel Schulknabenhaftes klebt an mir und wird +wahrscheinlich mein beständiger Begleiter durchs Leben bleiben. Es soll +solche Menschen geben, die gar keine Spur von Besserungsfähigkeit und +kein Talent besitzen, sich an der anderen Benehmen auszubilden. Nein, +ich bilde mich nicht, denn ich finde es unter meiner Würde, mich dem +Bildungsdrang hinzugeben. Außerdem bin ich schon gebildet genug, um +einen Stock mit einiger Manier in der Hand zu tragen und eine Schleife +um den Hemdkragen binden zu können und den Eßlöffel mit der rechten Hand +anzufassen und zu sagen, auf eine bezügliche Frage: »Danke, ja, es war +sehr hübsch gestern abend!« Was soll die Bildung viel aus mir machen? +Hand auf die Brust: ich glaube, da käme die Bildung ganz und gar an den +Unrichtigen. Ich strebe nach Geld und nach bequemen Würden, das ist mein +Bildungsdrang! Über einen Erdarbeiter komme ich mir furchtbar erhaben +vor, wenn er mich auch, wenn er wollte, mit dem Zeigefinger seiner +linken Hand in ein Erdloch, wo ich mich beschmutzen würde, +hinabschleudern könnte. Kraft und Schönheit an armen Menschen und in +bescheidenem Gewande machen auf mich keinen Eindruck. Ich denke immer, +wenn ich solch einen Menschen sehe, wie gut es unsereiner doch habe mit +der überlegenen Weltstellung, einem solch ausgearbeiteten Tropf +gegenüber, und kein Mitleid beschleicht mein Herz. Wo hätte ich ein +Herz? Ich habe vergessen, daß ich eines habe. Gewiß ist das traurig, +aber wo fände ich es für angebracht, Trauer zu empfinden. Trauer +empfindet man nur, wenn man einen Geldverlust aufzuweisen hat, oder wenn +einem der neue Hut nicht recht passen will, oder wenn plötzlich die +Werte auf der Börse sinken, und dann muß man sich noch fragen, ob das +Trauer ist oder nicht, und es ist bei näherem Zusehen keine, sondern nur +ein angeflogenes Bedauern, das verfliegt wie der Wind. Es ist, nein, wie +kann ich mich da ausdrücken: es ist wunderbar seltsam, so keine Gefühle +zu haben, so gar nicht zu wissen, was ein Empfinden ist. Gefühle, die +die eigene Person betreffen, hat jeder, und das sind im Grunde +verwerfliche, der Gesamtheit gegenüber anmaßliche Gefühle. Aber Gefühle +für einen jeden? Wohl hat man bisweilen Lust, sich darüber zu befragen, +spürt etwas wie eine leise Sehnsucht danach, ein guter, bereitwilliger +Mensch zu werden, aber, wann käme man dazu? Etwa um sieben Uhr des +Morgens, oder sonst wann? Schon am Freitag und dann während des darauf +folgenden ganzen Samstages besinne ich mich darauf, was ich am Sonntage +unternehmen könnte, weil doch immer am Sonntag etwas unternommen werden +muß. Allein gehe ich selten. Gewöhnlich schließe ich mich einer +Gesellschaft von jungen Leuten an, wie sich eben einer anschließt, es +geht ganz einfach, man geht einfach mit, obschon man weiß, daß man ein +ziemlich langweiliger Geselle ist. Ich fahre zum Beispiel mit einem +Dampfboot über den See, oder gehe zu Fuß in den Wald, oder fahre mit der +Eisenbahn an entferntere schöne Orte. Oft begleite ich junge Mädchen zum +Tanz, und ich habe die Erfahrung gemacht, daß mich die Mädchen gerne +leiden mögen. Ich habe ein weißes Gesicht, schöne Hände, einen +eleganten, flatternden Frack, Handschuhe, Ringe an den Fingern, einen +mit Silber beschlagenen Stock, sauber gewichste Schuhe und ein zartes, +sonntägliches Wesen, eine so merkwürdige Stimme und etwas leis +Verdrossenes um den Mund, etwas, wofür ich selber kein Wort habe, das +mich aber den jungen Mädchen zu empfehlen scheint. Wenn ich spreche, +klingt es, als ob ein Mann von Gewicht spräche. Das Wichtigtuerische +gefällt, da ist kein Zweifel zu hegen. Was den Tanz betrifft, so tanze +ich, wie einer, der eben erst Tanzunterricht genommen und genossen hat: +flott, zierlich, pünktlich, genau, aber zu schnell und zu saftlos. Es +ist Genauigkeit und Sprunghaftigkeit in meinem Tanz, aber nur keine +Grazie. Wie könnte ich der Grazie fähig sein! Aber ich tanze +leidenschaftlich gern. Wenn ich tanze, vergesse ich, daß ich Helbling +bin, denn ich bin dann nichts mehr als nur noch ein glückliches +Schweben. Das Bureau mit seinen mannigfaltigen Qualen würde mir keine +Erinnerung zu Gesicht bringen. Um mich herum sind gerötete Gesichter, +Duft und Glanz von Mädchenkleidern, Mädchenaugen blicken mich an, ich +fliege: kann man sich seliger denken? Nun habe ich es doch: einmal in +dem Kreise der Woche vermag ich selig zu sein. Eines der Mädchen, die +ich stets begleite, ist meine Braut, aber sie behandelt mich schlecht, +schlechter, als mich die andern behandeln. Sie ist mir, wie ich wohl +bemerke, auch keineswegs treu, liebt mich wohl kaum, und ich, liebe ich +sie etwa? Ich habe viele Fehler an mir, die ich freimütig ausgesprochen +habe, aber hier scheinen mir alle meine Fehler und Mängel vergeben zu +sein: ich liebe sie. Es ist mein Glück, daß ich sie lieben, und um +ihretwillen oft verzagen darf. Sie gibt mir ihre Handschuhe und ihren +rosaseidenen Schirm zu tragen, wenn es Sommer ist, und im Winter darf +ich ihr im tiefen Schnee nachtrotteln, um ihr die Schlittschuhe +nachzutragen. Ich begreife die Liebe nicht, aber spüre sie. Gut und böse +sind doch nichts gegen die Liebe, die gar nichts anderes und übriges +kennt, als Liebe. Wie soll ich das sagen: so nichtswürdig und leer ich +sonst immer bin, so ist doch noch nicht alles verloren, denn ich bin +wirklich der treuen Liebe fähig, obschon ich zur Treulosigkeit +Gelegenheit genug hätte. Ich fahre mit ihr im Sonnenschein, unter dem +blauen Himmel, in einem Nachen, den ich vorwärtsrudere, auf dem See, und +lächle sie immer an, während sie sich zu langweilen scheint. Ich bin ja +auch ein ganz langweiliger Kerl. Ihre Mutter hat eine kleine, armselige, +etwas verrufene Arbeiterkneipe, wo ich Sonntage lang zubringen kann mit +Sitzen, Schweigen und sie-Ansehen. Manchmal beugt sich auch ihr Gesicht +zu dem meinigen hinunter, um mich einen Kuß ihr auf den Mund drücken zu +lassen. Sie hat ein süßes, süßes Gesicht. An ihrer Wange befindet sich +eine alte, vernarbte Schramme, was ihren Mund ein wenig verzerrt, aber +ins Süße. Augen hat sie ganz kleine, mit denen sie einen so listig +anblinzelt, als wollte sie sagen: »Dir will ich es auch noch zeigen!« +Oft setzt sie sich zu mir auf das schäbige, harte Wirtshaussofa, und +flüstert mir ins Ohr, daß es doch schön sei, verlobt zu sein. Ich weiß +selten etwas zu ihr zu sagen, denn ich fürchte immer, daß es nicht +passend wäre, so schweige ich, und wünsche doch heftig, zu ihr etwas zu +sprechen. Einmal hat sie mir ihr kleines, duftendes Ohr an meine Lippen +gereicht: Ob ich ihr nichts zu sagen hätte, das man nur flüstern könne? +Ich sagte zitternd, daß ich nichts wüßte, und da hat sie mir eine +Ohrfeige gegeben und hat dazu gelacht, aber nicht freundlich, sondern +kalt. Mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester steht sie nicht gut +und will nicht haben, daß ich der Kleinen Freundlichkeiten erweise. Ihre +Mutter hat eine rote Nase vom Trinken, und ist ein lebhaftes, kleines +Weib, das sich gern zu den Männern an den Tisch setzt. Aber meine Braut +setzt sich auch zu den Männern. Sie hat mir einmal leise gesagt: »Ich +bin nicht mehr keusch,« in einem Ton der Natürlichkeit, und ich habe +nichts dagegen einzuwenden gehabt. Was wäre es gewesen, was ich ihr dazu +hätte sagen können. Andern Mädchen gegenüber habe ich einen gewissen +Schneid, sogar Wortwitz, aber bei ihr sitze ich stumm und sehe sie an +und verfolge jede ihrer Manieren mit meinen Augen. Ich sitze jedesmal so +lang, bis die Wirtschaft geschlossen werden muß, oder noch länger, bis +sie mich nach Hause schickt. Wenn die Tochter nicht da ist, setzt sich +ihre Mutter zu mir an den Tisch und versucht, die Abwesende in meinen +Augen schlecht zu machen. Ich wehre nur so mit der Hand ab und lächle +dazu. Die Mutter haßt ihre Tochter, und es liegt auf der Hand, daß sie +sich beide hassen, denn sie sind sich im Wege mit ihren Absichten. Beide +wollen einen Mann haben, und beide mißgönnen einander den Mann. Wenn ich +abends so auf dem Sofa sitze, merken es alle Leute, die in der Kneipe +verkehren, daß ich der Bräutigam bin, und jeder will an mich +wohlwollende Worte richten, was mir ziemlich gleichgültig ist. Das +kleine Mädchen, das noch in die Schule geht, liest neben mir in ihren +Büchern, oder sie schreibt große, lange Buchstaben in ihr Schreibheft +und reicht es mir immer dar, um mich das Geschriebene durchsehen zu +lassen. Sonst habe ich nie auf so kleine Geschöpfe geachtet, und nun mit +einem Male sehe ich ein, wie interessant jedes kleine, aufwachsende +Geschöpf ist. Daran ist meine Liebe zu der andern schuld. Man wird +besser und aufgeweckter durch eine ehrliche Liebe. Im Winter sagt sie zu +mir: »Du, es wird schön sein im Frühling, wenn wir zusammen durch die +Gartenwege spazieren werden,« und im Frühling sagt sie: »Es ist +langweilig mit dir.« Sie will in einer großen Stadt verheiratet sein, +denn sie will noch etwas haben vom Leben. Die Theater und Maskenbälle, +schöne Kostüme, Wein, lachende Unterhaltung, fröhliche, erhitzte +Menschen, das liebt sie, dafür schwärmt sie. Ich schwärme eigentlich +auch dafür, aber wie das sich alles machen soll, weiß ich nicht. Ich +habe ihr gesagt: »Vielleicht verliere ich auf nächsten Winter meine +Stellung!« Da hat sie mich groß angeschaut und mich gefragt: »Warum?« +Was hätte ich ihr für eine Antwort geben sollen? Ich kann ihr doch nicht +meine ganze Charakteranlage in einem Atem herunterschildern. Sie würde +mich verachten. Bis jetzt meint sie immer, daß ich ein Mann sei von +einiger Tüchtigkeit, ein Mann, allerdings ein etwas komischer und +langweiliger, aber doch ein Mann, der seine Stellung in der Welt habe. +Wenn ich ihr nun sage: »Du irrst dich, meine Stellung ist eine äußerst +schwankende,« so hat sie keinen Grund, weiter meinen Umgang zu wünschen, +da sie doch alle ihre Hoffnungen in bezug auf mich zerstört sieht. Ich +lasse es gehen, ich bin ein Meister darin, eine Sache schlitteln zu +lassen, wie man zu sagen pflegt. Vielleicht, wenn ich Tanzlehrer oder +Restaurateur oder Regisseur wäre, oder sonst irgendeinen Beruf hätte, +der mit dem Vergnügen der Menschen zusammenhängt, würde ich Glück haben, +denn ich bin so ein Mensch, so ein tänzelnder, schwebender, +beineherumwerfender, leichter, flotter, leiser, sich stets verbückender +und zartempfindender, der Glück hätte, wenn er Wirt, Tänzer, +Bühnenleiter oder so etwas wie Schneider wäre. Wenn ich Gelegenheit +habe, ein Kompliment zu machen, bin ich glücklich. Läßt das nicht tief +blicken? Ich bringe sogar da Verneigungen an, wo es gar nicht üblich +ist, oder wo nur Scharwenzler und Dummköpfe sich verbeugen, so sehr bin +ich in die Sache verliebt. Für eine ernste Mannesarbeit habe ich weder +einen Geist noch eine Vernunft, noch Ohr, noch Auge und Sinn. Es ist mir +das mir am fernsten Liegende, was es auf der Welt geben könnte. Ich will +Profit machen, aber es soll mich nur ein Zwinkern mit den Augen, +höchstens ein faules Handausstrecken kosten. Sonst ist Scheu vor der +Arbeit an Männern etwas nicht ganz Natürliches, aber mich kleidet es, +mir paßt es, wenn es auch ein trauriges Kleid ist, das mir da so +vorzüglich paßt, und wenn der Schnitt des Kleides auch ein erbärmlicher +ist: warum sollte ich nicht sagen: »Es sitzt mir,« wenn doch jedes +Menschenauge sieht, daß es mir faltenlos sitzt. Die Scheu vor der +Arbeit! Aber ich will nichts mehr darüber sagen. Ich meine übrigens +immer, das Klima, die feuchte Seeluft, sei schuld daran, daß ich nicht +zum Arbeiten komme, und suche jetzt, gedrängt von dieser Erkenntnis, +Stellung im Süden, oder in den Bergen. Ich könnte ein Hotel dirigieren, +oder eine Fabrik leiten, oder die Kasse einer kleineren Bank verwalten. +Eine sonnige, freie Landschaft müßte imstande sein, in mir Talente zu +entwickeln, die bis jetzt in mir geschlafen haben. Eine +Südfruchthandlung wäre auch nichts übles. Auf jeden Fall bin ich ein +Mensch, der immer meint, durch eine äußerliche Veränderung innerlich +ungeheuer zu gewinnen. Ein anderes Klima würde auch eine andere +Mittagstafel erzeugen, und das ist es vielleicht, was mir fehlt. Bin ich +eigentlich krank? Mir fehlt so viel, mir mangelt eigentlich alles. +Sollte ich ein unglücklicher Mensch sein? Sollte ich ungewöhnliche +Anlagen besitzen? Sollte es eine Art Krankheit sein, sich beständig, wie +ich es tue, mit solchen Fragen abzugeben? Jedenfalls ist es eine nicht +ganz normale Sache. Heute bin ich wieder zehn Minuten zu spät in die +Bank gekommen. Ich komme nicht mehr dazu, zur rechten Zeit anzutreten, +wie andere. Ich sollte eigentlich ganz allein auf der Welt sein, ich, +Helbling, und sonst kein anderes lebendes Wesen. Keine Sonne, keine +Kultur, ich nackt auf einem hohen Stein, kein Sturm, nicht einmal eine +Welle, kein Wasser, kein Wind, keine Straßen, keine Banken, kein Geld, +keine Zeit und kein Atem. Ich würde dann jedenfalls nicht mehr Angst +haben. Keine Angst mehr und keine Fragen, und ich würde auch nicht mehr +zu spät kommen. Ich könnte die Vorstellung haben, daß ich im Bett läge, +ewig im Bett. Das wäre vielleicht das Schönste! + + + + +Brief eines Vaters an seinen Sohn + + +Du beklagst dich, mein lieber Sohn, darüber, daß ich dich höchst +mangelhaft erziehe, daß ich dich z. B. nach Nidau hinausschicke, um eine +Kommission zu verrichten, und darüber, daß ich dir befehle, in den +Holzkeller hinunterzuspazieren, um Holz zu spalten. Sei nicht +unaufrichtig, sei nicht sentimental, Junge: weiß ich ja doch ganz genau, +daß dir das Laufen auf der heißen und staubbedeckten Landstraße, die +nach Nidau, dem altersgrauen Städtchen hinausführt, Vergnügen macht, und +daß du leidenschaftlich gern Holz spaltest. Du wirfst mir vor, daß im +Mülleimerheruntertragen und im Holzhacken keine Erziehung liege. Ich bin +aber anderer Ansicht. Es liegt sehr viel Erziehung von der besten Sorte +in der Verrichtung gewissermaßen schäbiger, schimmeliger und niedriger +Arbeiten. Wenn du z. B. mit dem Milchtopf in der Hand über die Gasse +gehen mußt, um Milch beim Milchhändler zu holen, eine Verrichtung, deren +du dich vielleicht ein wenig schämst, weil bekannte Leute dir begegnen, +von denen du weißt, daß sie sich sagen, »jetzt muß er sogar Milch über +die Gasse holen,« so ist das, wenn auch nicht scheinbar, doch aber in +Wirklichkeit eine ausgezeichnete Erziehung, denn da lernst du dich +demütigen, und im Genuß dessen, was demütigend ist, liegt eine köstliche +Bildung. So und ähnlich, lieber Sohn, bilde ich dich, und ich glaube, du +darfst mir dankbar sein dafür. Du scheinst es nicht zu sein: nun, ich +denke, du verstehst es eben noch nicht. Später wirst du es zu schätzen, +zu würdigen und zu verstehen wissen. + +Ferner, mein Junge, glaubst du sollen dürfen herausgemerkt haben (eine +richtige Sohnes-Spitzfindigkeit), daß ich dich gerade dann an irgendeine +Beschäftigung anzuspannen liebe, wenn ich weiß oder du mir zu verstehen +gibst, daß du dich gern mit deinen bevorzugten Kameraden im Freien, sei +es im Wald oder sei es am See, herumtummeln möchtest. So boshaft, meinst +du, bin ich? Und wenn auch? Sollen denn arme, sorgengeplagte Väter, +stets angespannt an den kläglichen, elendiglichen Täglichen-Brot-Gedanken, +nicht auch, zur Erheiterung und Abwechslung, sich kleine, +feine, reizende Bosheiten leisten dürfen? Bedenke das. Bedenke, +wie viele Sorgen ich habe, und du wirst generös genug sein, mir +zu erlauben, dich von Zeit zu Zeit ein wenig zu necken mit: »Du spaltest +jetzt hübsch Holz, verstanden!«, sowie ich etwa merke, daß du das Baden +oder das Herumstreifen in den Gassen im Sinne hast. Väter haben auch +ihre Schwächen, merke dir das. + +Etwas sehr Seltsames, in der Tat Frappierendes sagst du, indem du mir +den Vorwurf machst, daß ich ja selber Sonntagnachmittag, zum schwarzen +Kaffee, die Schundromane lese, die ich geruhe, dir, dem Sohn, wenn ich +dich beim heimlichen Lesen und Verschlingen ertappe, um den Kopf +herumzuschlagen. Doch du bist im Unrecht, und dein Vorwurf ist eine +Weinerlichkeit. Ich werde fortfahren, dir die Romanlektüre zu verbieten, +so gut, wie ich fortfahren zu dürfen meine, sie mir persönlich zu +gestatten. Sei taktvoll und mißgönne nicht ein Vergnügen einem Menschen, +der anfängt zu altern, deshalb, weil es Pflicht dieses Menschen ist, den +Genuß dieses Vergnügens seinem Sohne zu versagen. + +Ich gebe nun im allgemeinen von Herzen gern zu, daß ich deine Erziehung +ziemlich vernachlässige, doch ich mache mir deswegen keine Sorgen. Sei +versichert: Deinen Weg durch das Leben wirst du schon finden, denn es +gibt Dutzende Lebenswege, und jeder Lebensweg führt ohne alle Frage vor +das eherne, erzene Tor der Unabänderlichkeit. Du wirst mir erlauben, ein +wenig mit dir zu philosophieren. Werde ein Philosoph, mein Junge, was +sagen will, bilde Tapferkeit in dir aus, und dann brauchst du gar nicht +so viel Erziehung, das Leben wird dich genügend erziehen, habe keine +Bange. Sieh, wenn ich dich ein bißchen wild und unerzogen lasse, so +taugst du um so viel besser für das Leben; ungebildet lasse, so wird +dich um so viel besser das spätere Leben bilden, striegeln, glätten und +plätten können; ungehobelt lasse, so wirst du dich um so besser eignen +für die Zurechthobelung und Polierung durch eben das Leben, welches mit +Vergnügen an den Menschen herumhobelt. Die Welt, in welche du wirst zu +sitzen und zu stehen kommen, wird Erzieher an dir sein und dich +gründlich erziehen. Auch dafür, also dafür, daß ich dich vernachlässigt +habe, wirst du mir einst danken. Bedenke, ich bitte dich, folgendes; und +alsdann lasse mich ausruhen vom Schreiben und diesen väterlichen Brief +beendigen. + +Nimm an, ich hätte dich mustergültig erziehen lassen: mit was für +einer furchtbaren Verantwortungslast auf Kopf und auf Rücken würdest +du dann dastehen. Denn wisse: eine wirklich und in jeder Hinsicht +gute, eine sogenannte glänzende Erziehung verpflichtet, sie +verpflichtet den Empfänger zu ihr entsprechenden glänzenden Leistungen, +sie verpflichtet auch zu der glänzenden Karriere. Sei du glücklich, +mein Sohn, daß du wirst atmen dürfen, ohne immer nur an das Emporkommen +denken zu müssen. Deine mangelhafte Erziehung verpflichtet dich nicht +zu dem Gespenste, zu der Mustergültigkeit, zu dem fürchterlichen +Müssen-in-jeder-Hinsicht-hervorragen. Frei wirst du sein. Ein Sohn der +Natur, ein Sohn der Welt wirst du sein. Atmen und leben wirst du dürfen. +Die da musterhaft sind, die leben nicht, und hiermit grüßt dich überaus +herzlich, im Bewußtsein, daß er dir etwas Vernünftiges gesagt hat, dein + + Vater. + + + + +Spazieren + + +Es ging einer spazieren. Er hätte in die Eisenbahn steigen und in die +Ferne reisen können, doch er wollte nur in die Nähe wandern. Das Nahe +kam ihm bedeutender vor als das bedeutende und wichtige Ferne. Demnach +also kam ihm das Unbedeutende bedeutend vor. Das mag man ihm wohl +gönnen. Er hieß Tobold, doch ob er nun so hieß oder anders, so besaß er +jedenfalls wenig Geld in der Tasche und lustigen Mut im Herzen. So ging +er hübsch langsam vorwärts, er war kein Freund übergroßer Schnelligkeit. +Die Hast verachtete er; mit dem stürmischen Eilen wäre er nur in ein +Schwitzen gekommen. Wozu das, dachte er, und er marschierte bedächtig, +sorgfältig, artig und mäßig. Die Schritte, die er machte, waren gemessen +und wohlabgewogen, und das Tempo enthielt eine sehenswerte +Behaglichkeit, die Sonne brannte schön heiß, worüber sich Tobold +aufrichtig und ehrlich freute. Zwar hätte er auch Regen gerne +hingenommen. Er würde dann einen Regenschirm aufgespannt haben und +säuberlich unter dem Regen marschiert sein. Er sehnte sich sogar ein +bißchen nach Nässe, aber da Sonne schien, war er mit Sonne +einverstanden. Er war nämlich einer, der fast an nichts etwas +auszusetzen hatte. Nun nahm er seinen Hut vom Kopfe ab, um ihn in der +Hand zu tragen. Der Hut war alt. Eine gewisse handwerksburschenmäßige +Abgeschossenheit zeichnete den Hut sichtlich aus. Es war ein schäbiger +Hut, und dennoch behandelte ihn sein Träger mit Hochachtung, und zwar +deshalb, weil Erinnerungen am Hut hingen. Tobold vermochte sich stets +nur schwer von langgetragenen und abgeschabten Sachen zu trennen. So zum +Beispiel trug er jetzt zerrissene Schuhe. Er hätte ein neues Paar +Stiefel wohl kaufen können. So über und über arm war er denn doch nicht. +Als gänzlich bettelarm wollen wir ihn nicht hinstellen. Aber die Schuhe +waren alt, sie hingen voll Erinnerungen, mit ihnen war er schon viele +Wege gegangen, und wie hatten die Schuhe bis dahin so treu ausgehalten. +Tobold liebte alles Alte, alles Ge- und Verbrauchte, ja, er liebte sogar +bisweilen Verschimmeltes. So zum Beispiel liebte er alte Leute, hübsch +abgenutzte alte Menschen. Kann man daraus Tobold einen berechtigten +Vorwurf machen? Kaum! denn es ist ja ein hübscher Zug von Pietät. Nicht +wahr? Und so schrittwechselte er denn ins herrliche liebe Blaue hinaus +weiter. O wie blau war der Himmel, und wie schneeigweiß waren die +Wolken. Wolken und Himmel immer wieder anzuschauen war für Tobold ein +Glück. Deshalb reiste er ja so gern zu Fuß, weil der Fußgänger alles so +ruhig und reich und frei betrachten kann, während der Eisenbahnfahrer +nirgends stehenbleiben und anhalten kann als gerade exakt nur auf den +Bahnstationen, wo meistens elegant befrackte Kellner fragen, ob ein Glas +Bier gefällig sei. Tobold verzichtete gern auf einige acht Gläser Bier, +wenn er nur frei sein konnte und auf seinen Beinen gehen durfte, denn +seine eigenen Beine freuten ihn, und das Gehen machte ihm ein stilles +Vergnügen. Ein Kind sagte ihm jetzt guten Tag, und Tobold sagte ihm auch +guten Tag, und so ging er, und er dachte noch lang an das liebe kleine +Kind, das ihn so schön angeschaut, ihn so reizend angelächelt, und ihm +so freundlich guten Tag gesagt hatte. + + + + +Der Schäfer + + +Es liegt einer in der Sonne, nein, nicht ganz. Er liegt unter einem +hohen Baum, die Beine und faulenzenden Füße an der Sonne und den Kopf, +der ein träumerischer Kopf ist, im Schatten. Er ist ein Schäfer, der da +halb in der Sonne und halb im Schatten liegt; seine Tiere weiden nicht +fern von hier, er darf sie ruhig sich selber überlassen. So liegt er +denn da und weiß nicht recht, an was er denken soll. Er darf an alles +denken, und er braucht wieder an nichts zu denken. Bald denkt er an +dies, bald an das, bald an jenes, bald wieder an etwas anderes. Die +Gedanken kommen und gehen, tauchen vor dem Kopf auf und verschwinden +wieder; sie sammeln sich und zerstreuen sich wieder, verbinden sich zu +einem großen Ganzen und lösen sich wieder in kleine Teile auf. Der da +liegt, hat Zeit zu denken, hat Zeit, gedankenlos und arbeitslos zu sein. +Arbeit mag schön sein und nützlich, doch um wie viel, um wie viel +schöner ist es, nichts zu tun, den Tag zu verträumen und zu +verfaulenzen, wie er, der da schläft unter dem hohen Baum. Schläft er? +O, von Zeit zu Zeit, bilden wir uns ein, fallen ihm vor Trunkenheit und +Müdigkeit, vor lauter Daseinslust die Augen zu, die Sinne schwinden ihm, +und er schlummert ein in die süße Bewußtlosigkeit. Schlafen ist schön, +aber wie schön ist erst wieder das leise liebe Erwachen, und so schläft +er denn bald ein und bald erwacht er wieder, und so verfließt und +vergeht und verweht ihm, den Winden ähnlich, die über den grünen Plan +wegstreichen, die Zauberin Zeit, vier Uhr, fünf Uhr, sechs und sieben +Uhr, bis es allmählich Abend wird und goldenes angenehmes Dunkel vom +Himmel zur Erde herabschwebt. Schäfer, Schläfer, der du die Zeit +verträumst, bist du glücklich? Ja, ganz gewiß, du bist es, du bist +glücklich. Finstere Gedanken kennst du nicht, willst du nicht kennen. +Kommt dir je etwas Unholdes in den Sinn, so legst du dich auf die andere +Seite, oder du greifst nach dem Instrument, das du stets bei dir hast +und machst Musik, und bald umgibt dich wieder sonnenhelle Heiterkeit. +Nun, so lassen wir ihn denn liegen. Es braucht sich niemand um ihn zu +bekümmern. Macht er sich doch auch selbst keinen Kummer. + + + + +Die Einladung + + +Ich habe dir ein himmlisch schönes Plätzchen zu zeigen, Himmlische. Der +Ort liegt ganz im stillen, bescheidenen, grünen Wald verborgen, wie ein +Gedanke in einem Gedanken. Es ist eine weiche, milde Schlucht, die von +niemand besucht wird. Sie liegt in den Bäumen so warm begraben, o so süß +versteckt, dort, bilde ich mir ein, möchte ich dich küssen, mit innigen, +sanften, süßen und langen Küssen, mit Küssen, die alles Reden, selbst +das schönste und beste, verbieten. Der Ort, so zart und so abgelegen, +wie er ist, steht in keinem Reisebuch als Sehenswürdigkeit verzeichnet. +Ein kleiner, durch dichtes Gebüsch sich windender Fußpfad führt zu der +Schlucht, zu dem Wunderort, wo ich dir zeigen möchte, Wunderbare, wie +ich dich liebe, wo ich dir zeigen möchte, Engel, wie ich dich +vergöttere. Dort umschlingt und umhalst man sich wie von selber, und wie +von selber berühren sich die Lippen. Du weißt noch nicht, wie ich küssen +kann. So komm an den Ort, wo nichts ist als das liebliche Rauschen der +hohen Bäume, dort wirst du es erfahren. Ich werde kein Wort reden, und +auch du wirst kein Wort reden, wir werden beide schweigen, nur die +Blätter werden leise flüstern, und der süße Sonnenschein wird durch das +zierliche Geäste brechen. O wie still, wie still wird es sein, wenn wir +uns küssen, wie schön wird es sein, wenn unsere Lippen liebesdurstig und +-hungrig aneinanderhängen, wie süß wird es sein, wenn wir in der +stillen, lieben Schlucht uns lieben. Wir wollen uns liebkosen und küssen +in einem fort, bis der Abend kommt und mit ihm die silbern blitzenden +Sterne und der Mond, der göttliche. Zu sagen werden wir uns nichts +haben, denn es soll alles nur ein Kuß, ein unaufhörlicher, +ununterbrochener, stunden-stundenlanger entzückender Kuß sein. Wer +lieben will, will nicht mehr sprechen, denn wer sprechen will, will +nicht mehr lieben. O komm an den heilig entrückten Ort der Tat, an den +Ort der Ausübung, wo alles sich verliert in Erfüllung, und wo alles +ertrinkt und erstirbt in Liebe. Die Vögel werden uns mit ihrem +fröhlichen Gesang umzwitschern und in der Nacht wird eine himmlische +Stille um uns sein. Was man Welt nennt, wird hinter uns liegen, und +gefangen gehalten von dem Entzücken, werden wir beide Kinder der Erde +sein und fühlen, was Leben heißt, empfinden, was Dasein heißt. Wer nicht +liebt, hat kein Dasein, ist nicht da, ist gestorben. Wer Lust zu lieben +hat, steht von den Toten auf, und nur wer liebt, ist lebendig. + + + + +Der nächtliche Aufstieg + + +Alles war mir so seltsam, so, als hätte ich es nie gesehen und sähe es +zum erstenmal im Leben. Ich fuhr mit der Eisenbahn durch ein Gebirge. Es +war Abend, und die Sonne war so schön. Die Berge kamen mir so groß vor, +so gewaltig, und sie waren es auch. Durch Höhe und Tiefe wird ein Land +reich und groß, es gewinnt an Raum. Verschwenderisch mutete mich die +Bergnatur an mit den hochaufragenden Felsgebilden und mit den +hochaufschießenden schönen dunklen Wäldern. Ich sah die schmalen Wege +sich um die Berge schlängeln, so anmutig, so poesiereich. Der Himmel war +klar und hoch, und auf den Wegen gingen Männer und Frauen. An den Halden +standen so schön, so still die Häuser. Ein Gedicht schien mir das Ganze, +ein altes herrliches Gedicht, ewig neu durch lebendiges Fortdauern. Dann +wurde es dunkler. Bald schimmerten die Sterne in die tiefe schwarze +Schlucht hinab, und ein glänzend weißer Mond trat an den Himmel. +Schneeweiß war die Straße, die durch die Schluchten lief. Eine tiefe +Freude bemächtigte sich meiner. Ich war glücklich, daß ich in den Bergen +war. Und die reine frische, kalte Luft. Wie herrlich war sie. Ich atmete +sie mit Leidenschaft ein. So fuhr der Zug langsam weiter, und endlich +stieg ich aus. Ich gab meine Sachen ab und schritt nun zu Fuß weiter, +hinaus in die Berge. Es war so hell und zugleich so schwarz. Die Nacht +war göttlich. Hohe Tannen ragten vor mir auf, Quellen hörte ich gurgeln +und murmeln, das war eine so köstliche Melodie, ein so geheimnisvolles +Sagen und Singen. Ich sang selber ein Lied in die Nacht hinein, während +ich auf der hellen Straße immer höher stieg. Es kam ein Dorf, und dann +ging es durch einen ganz finstern Wald. Ich stieß mit dem Fuß gegen +Wurzeln und Steine, und da ich den geraden Weg verloren hatte, stieß ich +oft auch den Wandererkopf an Bäume hart an. Ich mußte aber nur lachen +darüber. O wie prächtig war dieser erste nächtliche Aufstieg. Alles so +still. Es lag etwas Heiliges über allem. Der Anblick der schwarzen +Tannen freute mich tief. Mitternacht war es, als ich oben im Hochtale +vor dem kleinen dunklen Hause anlangte, im Fenster war Licht. Es wartete +jemand auf mich. Wie ist das doch schön, in stiller rauschender Nacht in +einer hochgelegenen Natureinöde anzulangen, zu Fuß, gleich einem wild +daherfahrenden Handwerksgesellen und zu wissen, daß man von jemand +Liebem erwartet wird. Ich klopfte. Ein Hund fing an zu bellen, daß es +weithin hallte. Ich hörte, daß jemand die Treppe eilig hinunter zu +laufen kam. Die Tür wurde geöffnet. Jemand hielt mir die Lampe oder +Laterne vor das Gesicht. Man erkannte mich, o das war schön, das war so +schön -- -- + + + + +Die Landschaft + + +Alles war so schaurig. Nirgends ein Himmel, und die Erde war naß. Ich +ging, und indem ich ging, legte ich mir die Frage vor, ob es nicht +besser sei, mich umzudrehen und wieder heimzugehen. Aber ein +unbestimmtes Etwas zog mich an, und ich verfolgte meinen Weg durch all +die düstere Verhängtheit weiter. Ich fand an der unendlichen Trauer, die +hier ringsum herrschte, Gefallen. Herz und Phantasie gingen mir auf in +dem Nebel, in dem Grau. Es war alles so grau. Ich blieb stehen, gebannt +vom Schönen in diesem Unschönen, bezaubert von den Hoffnungen inmitten +dieser Hoffnungslosigkeiten. Es schien mir, als sei es mir fortan +unmöglich, noch irgend etwas zu hoffen. Dann schien es mir wieder, als +schlängle sich ein süßes, unsagbar reizendes Glück durch die trauervolle +Landschaft, und ich glaubte Töne zu hören, aber es war alles still. +Noch ein anderer Mensch schritt durch das Gehölz, durch all dieses +schwermütige Schwarz. Seine vermummte Gestalt war noch um etwas +schwärzer als das Schwarz der Landschaft. Wer war er, und was wollte er? +Und nun tauchten bald noch andere schwarze Gestalten auf, aber keine der +Gestalten kümmerte sich um die andere, jede schien genug mit sich selbst +zu tun zu haben. Auch ich kümmerte mich nicht mehr, was diese Leute +wollten und wohin sie gehen mochten in der Finsternis, sondern ich +kümmerte mich um mich selbst und zog hinaus in die eigene Unklarheit +hinein, die mich mit nassen, kalten Armen rasch umarmte und an sich riß. +O es kam mir vor, als sei ich einst ein König gewesen und müsse nun als +ein Bettler ziehen in die weite Welt, die da strotzt von Unkenntnis, die +da strotzt von dicken und finsteren Gedanken- und Gefühlslosigkeiten; es +kam mir vor, als sei es ewig nutzlos, gut zu sein, und ewig unmöglich, +redliche Absichten zu tragen, und als sei alles töricht und als seien +wir alle nur kleine Kinder, zum voraus den Torheiten und Unmöglichkeiten +überliefert. Dann gleich nachher war wieder alles, alles gut, und ich +ging mit unaussprechlich freudiger Seele weiter durch die schöne fromme +Dunkelheit. + + + + +Der Dichter + + +Der Morgentraum und der Abendtraum, das Licht und die Nacht; Mond, Sonne +und Sterne. Das rosige Licht des Tages und das bleiche Licht der Nacht. +Die Stunden und die Minuten; die Wochen und das ganze liebe Jahr. +Vielmals schaute ich zum Mond empor wie zum heimlichen Freund meiner +Seele. Die Sterne waren meine lieben Kameraden. Wenn in die blasse kalte +Nebelwelt hinab die Sonne goldig schien, wie freute ich mich da. Die +Natur war mein Garten, meine Leidenschaft, meine Liebste. Alles, was ich +sah, war mein eigen, der Wald und das Feld, die Bäume und die Wege. Wenn +ich in den Himmel sah, glich ich einem Prinzen. Aber das Schönste war +der Abend. Abende waren mir Märchen und die Nacht mit ihrer himmlischen +Finsternis war für mich ein Zauberschloß voll von süßen und +undurchdringlichen Geheimnissen. Oft durchdrang die Nacht der +seelenvolle Ton einer Handharfe, von irgendeinem armen Manne gespielt. +Da konnte ich lauschen, lauschen. Da war alles gut, gerecht und schön, +und die Welt war voll unaussprechlicher Herrlichkeit und Heiterkeit. +Aber ich war auch ohne Musik heiter. Ich fühlte mich umgarnt von den +Stunden. Ich redete mit ihnen, wie mit liebevollen Wesen und bildete mir +ein, daß auch sie mit mir sprächen, ich schaute sie an, wie wenn sie ein +Gesicht gehabt hätten, und hatte das Gefühl, als ob auch sie mich still +betrachteten, wie mit einer seltsamen Art von freundlichen Augen. Oft +kam ich mir wie im Meer ertrunken vor, so still und geräuschlos und +lautlos lebte ich dahin. Ich pflegte einen vertraulichen Umgang mit +allem, was kein Mensch merkt. Daran, an was zu denken kein Mensch sich +Mühe gibt, dachte ich tagelang. Doch war es ein süßes Denken, und nur +selten besuchte mich die Trauer. Mitunter sprang es wie ein unsichtbarer +übermütiger Tänzer zu mir in die abgelegene Stube hinein und reizte mich +zu einem Lachen. Ich tat niemand weh, und auch mir tat niemand weh. Ich +war so hübsch, so schön beiseit. + + + + +Das Liebespaar + + +Sie und er gingen zusammen spazieren. Allerlei reizende Gedanken kamen +ihnen in den Kopf, doch jedes behielt hübsch für sich, was es dachte. +Der Tag war schön, wie ein Kind, das in der Wiege oder im Arm seiner +Mutter liegt und lächelt. Die Welt war zusammengesetzt aus lauter +Hellgrün und Hellblau und Hellgelb. Grün waren die Wiesen, blau war der +Himmel, und gelb war das Kornfeld. Blau war wieder der Fluß, der sich in +der Ferne, zu des wohligen Hügels Füßen, durch die lichte, süße, warme +Gegend schlängelte, welche, wie wir bereits angedeutet haben, einem +Kinderlächeln an Schönheit und Lieblichkeit glich. Die beiden, die durch +die Landschaft gingen, schwiegen. Er hatte ihr etwas zu sagen, und sie, +sie fühlte es. Sie ging neben ihm her in der Erwartung dessen, was er +ihr sagen sollte. Längst schon hatte er ihr sagen wollen, was er jetzt +willens war zu sagen, und längst schon hatte sie gehofft, er werde ihr +endlich einmal sagen, was ihm, wie sie sah, auf den Lippen schwebte. +Eine Liebeserklärung, eine stotternde, lag ihm auf den Lippen, und sie +sah das. Seine Augen und der Ton seiner Stimme hatten ihr längst +gestanden, daß er sie liebe. Sie fühlte, daß sie reizend sei für ihn, +und indem sie dies fühlte, umstrickte sie ihn immer noch mehr mit ihren +Reizen, ohne es fast zu wollen. Gibst du einem Mädchen zu verstehen, daß +sie schön sei, so ist sie dadurch um so viel schöner, als du Verständnis +zeigst. Nie ist eine Frau so reizend als dann, wenn sie sieht, daß sie +reizt. Also wurde denn die, die hier ging, nur immer reizender, je +weniger sie mehr zu fürchten brauchte, es gebreche ihr an der Kunst und +an der Kraft, ihn, der dicht neben ihr herging, zu fesseln. Sie +betrachtete ihn im geheimen bereits als ihren Gefangenen, und sie +fühlte, daß sie für ihn der Zaubergarten sei voll von verführerischen +Düften, daß sie für ihn das Netz sei, in dessen Wunderfäden er sich +verstrickt hatte. Sie war sein Meer, in dessen Fluten er ertrunken war +-- sie war das Gesetz, dem er gehorchte. Er legte jetzt, statt irgend +etwas zu sagen, seinen Arm um ihren schlanken Leib, und damit war +bereits alles getan, um die beiden in gleich hohem Maß oder Unmaß zu +beglücken. Damit war alles gesagt, was er ihr schon so lange hatte sagen +wollen und hatte sagen sollen, und alles gestanden, was er Süßes um +ihretwillen fühlte. Sie kamen nun in einen kleinen, aber wunderbaren +Wald hinein, der ihnen wie ein Liebesort erschien. Es war so still, so +grün, so dunkel im Wald wie in einer uralten Kirche. Der Waldboden glich +einem grünen Teppich, einem grünen Bett. Kein Fürstensaal in alter und +neuer Welt war je so schön wie dieser liebe grüne Wald, der sie wie mit +weichen Märchenarmen umfing. Hier nun fing ein sanftes, überinniges und +über-übersüßes Küssen an, als schnäbelten und liebkosten sich zwei +Waldvögelchen in der Weltabgeschiedenheit, verloren und verborgen in +Verborgenheiten und Verlorenheiten. Bisher Stümper in der Liebe, war er +mit einmal ein Meister geworden. Er erdrückte und erstickte sein Mädchen +nicht mit Küssen; er setzte nur Lippe an Lippe und beharrte so in einem +langen, langen, himmlischen Brennen, die Hand ganz zart an ihr Haar +gedrückt. Es war nichts mehr da als der Wald und der Kuß, als die Stämme +im Wald und die beiden glücklichen Menschen, als die ununterbrochene +Stille und der ununterbrochene süße, herrliche Kuß. + + + + +Der Mond + + +Gestern war eine wunderbar schöne Mondnacht, so leise, so mild, so +still, als sei die ganze Welt in ein dunkeles süßes Entzücken gesunken. +Ich ging durch die Gassen und Gäßchen. Viele Menschen waren auf den +Beinen, als habe der Mondeszauber die Leute aus den Häusern ins Freie +hinausgezogen. Die Straßen ganz glatt und weich und hell im Mondlicht +und alles so still und so freundlich. Eine verhaltene Freude strahlte +durch alle Straßen, überdies war gerade in dieser schönen Nacht +Weihnachtsmarkt und darum viel Leben in der Stadt. Ich ging durch ein +enges Gartengäßchen, das sich den Berg entlang schmiegt. Dort war der +Zauber überwältigend. Es war wie ein Märchen, der felsige Boden klang +unter den Tritten und Schritten. Langsam ging ich weiter. Bei jedem +Schritt, den ich tat, blieb ich stehen, drehte mich um und schaute zum +göttlich schönen sanften Mond hinauf und zu den Tannen und uralten +Stadttürmen. -- Zwischen den aufwärts gebogenen, ärmelartigen +Tannenästen zitterten und schimmerten die Sterne, Liebesblicken ähnlich, +hindurch. Bald war ich oben am Berge, der sich über der traulichen Stadt +erhebt wie ein alter Riese. Eine in den weißen Felsen gehauene Treppe +führte mich hinauf, und oben angekommen, schaute ich hinunter in die +weiche, schleierhafte, milde Tiefe, die einer Traumerscheinung glich. +Ich ging noch weiter hinauf, durch den Wald, der ganz weiß war. Alles +war weiß vom Mond, so bleich, so süß. Ich dachte an Vater und Mutter, +und ein unnennbar zartes, weiblich-banges, zaghaftes Empfinden beschlich +mich. Ich wünschte, daß ich ewig so in der Mondnacht stehen und alten +lieben Gedanken mich überlassen könne, ewig so bleiben und in die +Vergangenheit zurückdenken könne. Der dunkelhelle Himmel mit seinen +weißlich-wolligen Wolken erschien mir wie eine schöne, liebe, üppige +Wiese. Der Mond glich dem träumerischen Schäfer, das weiche Gewölk den +Schäfchen, und die Sterne, die ab und zu daraus hervorblinzelten, waren +wie die Blumen. Aus der Stadt herauf drang Musik und Stimmenlärm. +Unsagbar feierlich war mir zumute. Es kam mir vor, als sei die ganze +weitausgedehnte stille Nacht ein körperartiges Wesen, und der Mond sei +seine Seele. Lange blieb ich noch stehen. + + + + +Ein Nachmittag + + +Ich ging den sonnigen Hang des langgestreckten, hohen Berges entlang auf +einem hübschen Weg unter niederhängenden Tannenzweigen, an vereinzelten +Bauernhöfen vorbei, bis ich zu einem Schlößchen kam, in welchem ehedem +ein adliger Sonderling wohnte. Oftmals schaute ich zu den hohen weißen +Felsen hinauf. Der Tag war so mild, es war Ende Dezember. Eine feine, +sozusagen sorgsame, zarte Kälte vereinigte sich mit der nachmittäglichen +Sonnenwärme. In der Luft lag es wie etwas Süßes, die ganze waldige +Gegend schien wie aus sich selber heraus schön und wie für sich selber +still-glücklich. Ich kam in das weite, breite, imposante und behagliche +Dorf. Die Häuser sahen aus, wie wenn sie stolz auf sich seien, so alt +und so schön waren sie. Frauen und spielende Kinder begegneten mir. Da +in dem Dorf die Uhrmacherkunst heimisch ist, so traf ich auch einen +Uhrmacher an. Ich stieg zu der alten, zierlich-ehrwürdigen Kirche +hinauf, die auf dicht mit dunkelgrünem Buchs besetzter kühner Anhöhe, +hart über dem Dorfe steht. Sinnend schaute ich mir die alten Gräber mit +ihren Inschriften an. Die Kirchuhr zeigte halb fünf, es fing an, Abend +zu werden. Da beeilte ich mich, den Berg hinaufzusteigen. Oben auf der +winterlichen Bergweide lag Schnee, der wunderbar glänzte, die +Schneefläche so silbern, und unten in der Tiefe so abendsonnig-dunkel +das weite, graugrüne Land, und in der Ferne das göttlich-schöne, kühne, +zarte Hochgebirge. Es war mir, als wolle meine Seele in die Seele der +Landschaft, die ich da so groß vor mir sah, hineintauchen. Ein Abendrot, +wie ich es so schön und so reich noch nie glaubte gesehen zu haben, kam +nun noch über die Welt und machte sie zur bezaubernden Rätselerscheinung. +Die Welt war ein Gedicht, und der Abend war ein Traum. Der +kalte, glänzendweiße Silberschnee und das glühende Rot befreundeten +sich miteinander, es war, als liebe der Abendhimmel den +bleichen Freund, den Schnee, und sinke in ein süßes, phantastisches und +überglückliches Erröten darüber. Schnee und Abendrot schienen sich +getraut zu haben, und es war, als küßten und liebkosten sie einander. +Herrlich standen auf der Winterweide die großen, kahlen Buchen, einst so +grün, so grün im vergangenen heißen Sommer. Ich kam ins Dorf, alles war +verschneit, es war schon dunkel geworden, eine Bauernfrau stand in der +Dorfstraße. Ich ging ins einsame Tal hinunter, es kam eine Kirche und +ein zweites Dorf. Es war Nacht, und ein prächtiger, wundersamer +Sternenhimmel schimmerte auf die dunkle, liebe, stille Welt herab. + + + + +Die kleine Schneelandschaft + + +Gestern haben wir Schnee bekommen, und heute in der Morgenfrühe ging ich +hinaus zur sorgsamen und ruhigen Besichtigung der Schneelandschaft. +Niedlich, wie ein artiges Kätzchen, das sich geputzt hat, liegt jetzt +das reiche, liebliche Land da. Jedes Kind, sollte ich meinen, kann die +Schönheit einer Schneelandschaft im Herzen verstehen, das feine saubere +Weiß ist so leicht verständlich, ist so kindlich. Etwas Engelhaftes +liegt jetzt über der Erde, und eine süße, reizvolle Unschuld liegt +weißlich und grünlich ausgebreitet da. Ich freute mich über meine +Aufgabe, über das Amt, über die angenehme Pflicht, die mir vorschrieb, +sorgfältig und aufmerksam Notiz vom Schnee und seinen Reizen zu nehmen. +Wunderbare Feinheit und Schönheit lag darin, daß das Gras so artig und +mit so zarten Spitzen aus der Schneefläche herausschaute. Ich ging +wieder zu meinem alten unverwüstlichen, gütigen Zauberer, zum Wald, und +zum Wald wie im Traum wieder hinaus, und da lag es da, das Kinderland in +seiner Kinderfarbe. Die Bäumchen und Bäume schienen einen graziösen Tanz +auf dem weißen Felde aufzuführen, und die Häuser hatten weiße Mützen, +Kappen, Kopfbedeckungen oder Dächer. Es sah so appetitlich, so lockig, +so lustig und so lieb aus, ganz wie das zarte, süße Kunstwerk eines +geschickten Zuckerbäckers. Noch ein Morgenlicht leuchtete in einem +Fenster, und ein anmutig Haus stand in einiger Entfernung, das hatte +Fenster wie Augen, welche fröhlich und listig blinzelten. Das Haus war +wie ein Gesicht, und die fünf grünen Fenster waren wie seine Augen. Geh +doch hin, lieber Leser, noch steht das zauberische Landbild da, mit +Schnee auf seinem lieblichen Antlitz. Man darf nur nie zu träge sein und +sich vor ein paar hundert Schritten nicht fürchten, zeitig aus dem +Faulenzerbett aufstehen, sich auf die Glieder stellen und nur ein wenig +hinauswandern, so sieht sich das Auge satt, und das freiheitsbedürftige +Herz kann aufatmen. Geh hin zu der artigen Schneelandschaft, welche dich +wie mit einem schönen freundschaftlichen Munde anlächelt. Lächle auch du +sie an und grüße sie von mir. + + + + +Das Mädchen + + +Vor einigen Tagen machte ich in einer anrüchigen Kneipe die +Bekanntschaft eines kühnen Professors der schönen Künste, der mich +huldvoll einlud, ihn in seiner Schaffenswerkstätte zu besuchen, um die +fertigen und werdenden Kunstwerke zu besichtigen. Doch was will das +bedeuten im Vergleich mit dem Schulkind, das ich vor noch nicht ganz +einer Stunde sah, als ich vom leisen, milden sauberen Morgenspaziergang +behaglich heimkehrte. Die süße Kleine, sie führte an ihrer Hand, gleich +einer überzarten und überjungen Mutter, eine noch Kleinere, die wohl ihr +Schwesterchen war. Göttlich mutete mich das lebendige, unschuldige, +liebe Menschenbildnis an, und ich wünschte allsogleich, daß ich doch ein +tapferer und meisterlicher Maler sei, damit ich das reizende Mädchen +abmalen könnte, frisch und wonnig nach der Natur. Still und unauffällig, +damit ihr meine Bewunderung und meine Rührung verborgen bleibe, und +damit sie ja nichts merke von dem Entzücken, in welches ihre Erscheinung +mich versetzte, ging ich hinter ihr her. Sie glich dem Wunder, das darum +so wunderbar ist, weil es sich selbst noch nie gelernt hat, +hochzuschätzen, und weil es lächelt in aller gütigen und kindlichen +Bescheidenheit. Zwei längliche zarte Zöpfchen hingen der Holden über +Nacken und Rücken, und an jeden lieben, lustigen Zopf war ein blaues +Band zierlich gebunden. Himmlisch weich ging sie dahin, und einmal +drehte sie das Köpfchen um, und da war es mir, als trete die Sonne aus +dem grauen kalten Gewölk hervor, um die Erde mit ihren süßen Strahlen zu +beglücken, so freundlich war das runde liebe Gesicht der kleinen +Schönen. -- Ihr Gang war wie eine herzumstrickende, jugendlich-fröhliche +Melodie. Mozartische Melodien können nicht schöner und frischer tönen. +Das Allersüßeste und -lieblichste war, wie von ihren Kinderhöschen der +schneeweiße Rand ein ganz klein wenig zum Vorschein trat. O, solch ein +Kind macht dich, wenn du es siehst, zum edleren, willigeren, +freundlicheren und besseren Menschen; du lernst wieder Gott für das +segenüberschüttete, bilderreiche Dasein danken; du bist wieder so recht +aus dem entzückten Herzen froh, darüber, daß du Mensch bist unter +Menschen. Eine Straßenecke kam, da bog ich links ab, um nach Hause zu +gehen. + + + + +Das Eisenbahn-Abenteuer + + +Einmal machte ich eine Eisenbahnfahrt, wobei ich ganz allein in einem +Wagenabteil saß wie der gedankenreiche Eremit in seiner schweigsamen, +weltabgelegenen Klause. Auf irgendeiner Station hielt der Zug an, die +Türe wurde mit beamtenhafter Schroffheit aufgerissen, und zu mir hinein +in das sonderbare, auf Rädern gestellte Zimmer stieg eine Frau. Es war +mir nicht anders, als wenn der Sonnenschein ins nächtlich-schwärzliche +Kupee einstiege, so hell mutete mich die liebe frauliche Erscheinung an, +die wie auf Besuch zu mir kam. Freundlich sagte sie guten Abend. Wer als +ich war glücklicher darüber? Der Zug setzte sich alsbald wieder in +Bewegung, und hinaus in die Nacht und ins unbekannte Land wurde die +Kammer getragen, in welcher nun zwei Personen saßen, die sich +gegenseitig freundlich anschauten. Ein Lächeln ergab ein Wort und indes +die Räder fleißig fort und fortrasselten, hatte ich wie ein Schelm und +Dieb die passende Gelegenheit wahrgenommen, saß schon an ihrer Seite und +legte den Arm um ihre reizende Figur. Emsig arbeiteten die Räder, und +Gegenden, die ich nicht kannte, flogen draußen in der stillen +Mitternacht an uns beiden glücklichen Leuten vorüber. Emsig arbeitete +ich mit meinen Lippen auf den ihrigen, die köstlich waren, wie Lippen +eines Kindes. Ein Kuß lockte den andern hervor, ein Kuß folgte auf den +andern. Ich ließ mir bei dem süßen Geschäft so recht Zeit, und da wurde +ich zum Künstler im Küssen, zum Künstler in der Liebkosung. O wie die +Liebe, die Süße lächelte mit dem schönen Mund und mit den schönen +dunklen Augen, welche, indem sie in die meinigen schauten, mich küßten. +Paradieseslüsternheit lag auf ihren Lippen, und Paradieseslust glänzte +ihr aus den Augen. Ich unterdessen hatte es so recht schön gelernt, wie +man es anstellen muß, um dem Kuß den höchsten Reiz abzugewinnen und ihm +die tiefste Wonne mitzugeben. Unter unserem lusterfüllten Liebesgemach +rasselten immerfort die Räder, und der Zug sauste durch die Länder, und +wir zwei hielten uns umschlungen wie die Seligen in den überirdischen +Gefilden, Wange an Wange gedrückt und Körper an Körper, als seien wir +vorher zwei verschiedene Gedanken gewesen, doch jetzt nur noch ein +einziger. Wie beglückte es mich, daß sich das süße Geschöpf durch das, +was ich tat, glücklich fühlte. Ihren wonnigen Liebesdurst zu stillen +machte mich zum Glücklichsten der Sterblichen, machte mich zum Gott. +Doch jetzt blieb der Eisenbahnzug wieder stehen, die reizendste der +Frauen stieg aus, während ich weiterfahren mußte. + + + + +Die Stadt + + +Es war an einem sonnigen Wintertag, als der Reisende mit der Eisenbahn +in der Stadt anlangte. Eine einzige zusammenhängende Freundlichkeit war +die ganze Welt. Die Häuser waren so hell, und der Himmel war so blau. +Zwar war das Essen im Bahnhofsrestaurant herzlich schlecht mit hartem +Schafsbraten und lieblosem Gemüse. Aber das Herz des Reisenden war mit +einer eigentümlichen Freude erfüllt. Er konnte es sich selber nicht +erklären. Die Bahnhofshalle war so groß, so licht, der arme alte +Dienstmann, der ihm den Koffer trug, war so dienstfertig mit seinen +alten Gliedmaßen und so artig mit seinem alten zerriebenen Gesicht. +Alles war schön, alles, alles. Selbst das Geldwechseln am Schalter des +Wechselbureaus hatte einen eigenen undefinierbaren Zauber. Der Reisende +mußte nur immer über alle die wehmütig-warmen Erscheinungen lächeln, und +weil er alles, was er sah, schön fand, fühlte er sich auch wieder von +allem angelächelt. Er hatte sein Mittagessen verzehrt, seinen schwarzen +Kaffee mit Kirschwasser ausgetrunken und ging jetzt mit eleganten, +leichten, scherzenden Schritten, so recht reisendenmäßig, in die +wundervolle uralte Stadt hinein, die da blendete im gelblich-hellen +Mittagssonnenlicht. Menschen jeglichen Schlages, Mädchen, Knaben und +erwachsene Leute gingen eilig an dem Gemächlichen und Vergnüglichen +vorüber. Der Reisende konnte sich so recht Zeit nehmen. Die Leute aber +mußten an ihre täglichen Arbeitsplätze eilen, daß es nur so an ihm +vorüberglitt, wie deutliche und doch wieder undeutliche und +unverständliche Geistererscheinungen. Wie kam dem schauenden und +denkenden Fremdling der Anblick des täglichen Lebens so rätselhaft und +fremdartig vor. Da kam er über eine hohe, breite, freie Brücke, unter +welcher ein großer blauer Strom herrlich-tiefsinnig vorüberfloß. Er +stand still, es überwältigte ihn. Zu beiden Seiten des Stromes war die +alte Stadt aufgebaut, graziös und kühn. Leichten, milden Schwunges +ragten die Dächer in die helle heitere Luft. Es glich einer romantischen +Musik, einem unvergänglichen, reizenden Gedicht. Er ging langsamen, +sorgfältigen Schrittes weiter. Mit jedem neuen Schritt ward er +aufmerksam auf eine neue Schönheit. Alles kam ihm wie altbekannt vor, +und doch war ihm alles neu. Alles überraschte ihn, und indem es das tat, +beglückte es ihn. Auf hoher Plattform stand ein uralter wunderbarer Dom, +der mit seinem dunkelroten Stein in der blauen Luft stand wie ein Held +aus undenklich alten Zeiten. In der Sonne, auf den Fensterbänken lagen +wohlig ausgestreckt die Katzen, und alte Mütterchen schauten zu den +Fenstern hinaus, als seien die alten schönen Zeiten wieder lebendig +geworden. O, es war so schön für den Reisenden, daß er in der +gassenreichen, halbdunklen, warmen Stadt so angenehm und leicht +umherspazieren konnte. Burgen und Kirchen und vornehme Patrizierhäuser +wechselten mit dem Marktplatz und mit dem Rathaus ab. Mit einmal stand +der Reisende wieder im Freien, dann stand er wieder in einer stillen, +feinen Vorstadtstraße, gelblich angehaucht vom süßen, lieben +Winterlichte, dann schaute er an einem Wohnhaus hinauf, dann ging er +wieder, dann fragte er einen Knaben nach dem Weg. Zuletzt stand er auf +einer kleinen anmutigen, von einer Mauer eingefaßten, luftigen Anhöhe, +und von hier aus konnte er die ganze Stadt so recht überblicken und aus +dem befriedigten Herzen grüßen. + + + + +Das Veilchen + + +Es war ein dunkler, warmer Märzabend, als ich durch das reizende, +gartenreiche Villenviertel ging. Vielerlei Menschenaugen hatten mich +schon gestreift. Es war mir, als schauten die Augen mich tiefer und +ernster an als sonst, und auch ich schaute den vorübergehenden Menschen +ernster und länger in die Augen. Vielleicht ist es der beginnende +Frühling mit der wohllüstigen warmen Luft, der in die Augen einen +höheren Glanz legt und in die Menschenseelen einen alten und neuen +Zauber. Frauen nehmen sich in der Frühlings- und Vorfrühlingsluft mit +den weichen Brüsten, die sie tragen, und von denen sie gehoben und +getragen werden, wunderbar aus. Die Gartenstraße war schwärzlich, aber +sehr sauber und weich. Es kam mir vor, und ich wollte mir einbilden, ich +gehe auf einem weichen, kostbaren Teppich. Voll Melodien schien die +Atmosphäre. Aus der dunklen geheimnisvollen Gartenerde streckten schon +die ersten Blumen ihre blauen und gelben und roten Köpfchen schüchtern +hervor. Es duftete, und ich wußte nicht recht nach was. Es schwebte ein +stilles, angenehmes Fragen durch die süße, dunkle, weiche Luft. Ich ging +so, und indem ich ging, schmeichelte sich ein zartes unbestimmtes +Glücksgefühl in mein Herz hinein. Mir war zumute, als gehe ich durch +einen herrlichen, lieben und uralten Park, da kam eine schöne, junge, +zarte Frau auf mich zu, violett gekleidet. Anmutig war ihr Gang +und edel ihre Haltung, und wie sie näher kam, schaute sie mich mit +rehartig-braunen Augen seltsam scheu an. Auch ich schaute sie an, und +als sie weiter gegangen war, drehte ich mich nach ihr um, denn ich +konnte der Lust und dem hinreißenden Verlangen, sie noch einmal, +wenn auch nur im Rücken, zu sehen, nicht widerstehen. Wie eine +Phantasieerscheinung glitt die reizende Gestalt mehr und mehr in die +Ferne. Ein Weh durchschnitt mir die Seele. »Warum muß sie davongehen?« +sagte ich mir. Ich schaute ihr nach, bis sie im zunehmenden Abenddunkel +verschwand und wie ein süßer, übersüßer Duft verduftete. Da träumte ich +vor mich hin, es sei mir ein großes, frauenförmiges Veilchen begegnet +mit braunen Augen, und das Veilchen sei nun verschwunden. Die Laternen +indessen waren schon angezündet und strahlten rötlich-gelb in den +blassen Abend. Ich ging in mein Zimmer, zündete die Lampe an, setzte +mich an meinen altertümlichen Schreibtisch und versank in Gedanken. + + + + +Die Kapelle + + +In der Großstadt, mitten in dem unabsehbaren Meer von gleichförmigen +Häusern findet sich in einem finsteren Hof eine Art von Kapelle, in +welcher allerlei Leute aus den niederen Ständen zum freundlichen +Gottesdienst zusammenkommen. Auch ich war einmal in der Versammlung. +Ein drolliges, munteres Dienstmädchen, dem ich gut war, hatte mich +eingeladen, mitzukommen, und ich bereute nicht, daß ich mit ihr gegangen +war. Ehrbare Bürger, die mehr an die Hoheit des Geldes als an die Hoheit +und Herrlichkeit Gottes glauben, hängen den armen, schlichten Leuten, +die in die bescheidenen Versammlungen gehen, gern diesen oder jenen +Spottnamen an, und versuchen lächerlich zu machen, was den gläubigen und +unschuldigen Seelen heilig ist. Auch ich also ging eines Abends, da +schon in den dunklen Straßen die Lichter brannten, zu den Kindern in die +Versammlung. Ich will gern die Leute, die noch an einen Gott glauben, +Kinder nennen. Kinder sind mitunter geistreicher als die Erwachsenen, +und die Unklugen sind mitunter klüger als die Klugen. Gewiß! es kam auch +mich ein Anflug spöttischen Lächelns an, als ich eintrat in das +kindlich-fromme Lokal, dessen Wände weiß waren wie die zierlose, +schmucklose Unschuld selber. Ich setzte mich jedoch still nieder, und +alsbald fingen die Leute, Männer wie Frauen, an zu singen wie aus einem +einzigen frohmütigen Munde zum Lobe Gottes. Engel schienen zu singen, +nicht schlichte, schlechte Menschen. Von dem süßen jungen, blühenden +Glauben getragen, hallte der Gesang, gleich einem feinen Duft, der die +Eigenschaft hat, zu tönen, hin und her und verhallte an den Wänden. Ich +schaute mit eigentümlichen Empfindungen, ganz bezaubert von den Tönen, +zur Decke des Saales hinauf, welche blau war, wie ein milder +träumerischer Himmel. Weiße Sterne waren in den hellblauen Grund +hineingezeichnet, und die Sterne schienen zu lächeln vom göttlichen +Himmel hinab auf die jubilierende Versammlung. Eine heitere Kraft lag in +dem Gesang, und der Gesang selber war ein sonderbares, leichtes, liebes +Wesen, welches auf geistergleiche Weise lebte. Die, die sangen, schienen +sich zu freuen über den Gesang, doch schienen sie nicht zu ahnen, wie +die Töne sich von ihnen sonderten und ihr eigenes Leben in der Luft des +Saales lebten. Es klang, als werde es geboren und lebe eine kurze Weile +und müsse alsdann sterben. Aber es fing von Neuem wieder an zu tönen und +sich am sterblich-schönen Dasein zu erfreuen. Ruhig und liebevoll +glitzerten und schimmerten die goldenhellen Kerzenlichter hinab in das +Singen, das einem Himmel glich an Keuschheit und Schönheit, und als sie +mit dem Gesang innehielten, mußten sie lächeln, die lieben guten Leute, +wie kleine Kinder, die ihre Aufgabe vollendet haben und sich nun darüber +freuen. Nach einer Weile war der Gottesdienst beendet, und ebenso still, +wie sie die Kapelle aufgesucht hatten, verließen die Leute sie wieder. + + + + +Der Tänzer + + +Ich sah einst im Theater einen Tänzer, der mir und vielen anderen +Leuten, die ihn ebenfalls sahen, einen tiefen Eindruck machte. Er +verspottete den Boden mit seinen Beinen, so wenig Schwere kannte er, und +so leicht schritt er dahin. Eine graziöse Musik spielte zu seinem Tanz, +und wir alle, die im Theater saßen, dachten darüber nach, was wohl +schöner und süßer könne genannt werden, die leichtfertigen lieblichen +Töne oder das Spiel von des lieben, schönen Tänzers Beinen. Er hüpfte +daher wie ein artiges sprungfertiges, wohlerzogenes Hündchen, welches, +indem es übermütig umherspringt, Rührung und Sympathie erweckt. Gleich +dem Wiesel im Walde lief er über die Bühne, und wie der ausgelassene +Wind tauchte er auf und verschwand er. -- Solcherlei Lustigkeit schien +keiner von allen denen, die im Theater saßen, je gesehen oder für +möglich gehalten zu haben. Der Tanz wirkte wie ein Märchen aus +unschuldigen, alten Zeiten, wo die Menschen, mit Kraft und Gesundheit +ausgestattet, Kinder waren, die miteinander in königlicher Freiheit +spielten. Der Tänzer selber wirkte wie ein Wunderkind aus wunderbaren +Sphären. Wie ein Engel flog er durch die Luft, die er mit seiner +Schönheit zu versilbern, zu vergolden und zu verherrlichen schien. Es +war, als liebe die Luft ihren Liebling, den göttlichen Tänzer. Wenn er +aus der Luft niederschwebte, so war es weniger ein Fallen als ein +Fliegen, ähnlich wie ein großer Vogel fliegt, der nicht fallen kann, und +wenn er den Boden wieder mit seinen leichten Füßen berührte, so setzte +er auch sogleich wieder zu neuen kühnen Schritten und Sprüngen an, als +sei es ihm unmöglich, je mit Tanzen und Schweben aufzuhören, als wolle, +als solle und als müsse er unaufhörlich weitertanzen. Indem er tanzte, +machte er den schönsten Eindruck, den ein junger Tänzer zu machen +vermag, nämlich den, daß er glücklich sei im Tanze. Er war selig durch +die Ausübung seines Berufes. Hier machte einmal die gewohnte tägliche +Arbeit einen Menschen selig -- aber es war ja nicht Arbeit, oder aber er +bewältigte sie spielend, gleich, als scherze und tändele er mit den +Schwierigkeiten, und so, als küsse er die Hindernisse, derart, daß sie +ihn lieb gewinnen und ihn wieder küssen mußten. Einem heiteren, über und +über in Anmut getauchten Königssohne aus dem goldenen Zeitalter glich +er, und alle Sorgen und Bekümmernisse, alle unschönen Gedanken schwanden +denen dahin, die ihn anschauten. Ihn anschauen hieß ihn gleich auch +schon lieben und verehren und bewundern. Ihn seine Kunst ausüben sehen, +hieß für ihn schwärmen. Wer ihn gesehen hatte, träumte und phantasierte +noch lang nachher von ihm. + + + + +Die Sonate + + +Angenehme Wehmut -- Schmerz, der den Stolz nicht kränkt. Freude über +solcherlei Schmerz. Ein leichter, gefälliger Gram. Selige Erinnerungen. +Die Erinnerungen üppig wie eine blühende Wiese. Leises, wehmutreiches +Andenken. Jetzt eine Schar von Vorwürfen, die er sich selber macht. Nur +die Vorwürfe, die man sich selber macht, sind schöne. Die andern soll +man und will man vergessen. Man hat zuletzt niemandem als nur sich +selbst Vorwürfe zu machen. O, daß doch alle, alle Menschen nur allein +sich selbst und sonst niemandem etwas vorwerfen wollten. Reue? Ja, Reue! +Reue ist süß und tönereich. Die Reue ist ein Weltreich, unendlich und +unermeßlich an Ausdehnung. Aber die Reue ist etwas Zartes. Kaum vernimmt +man sie. Freude über die Reue. Ein edles Herz freut sich über eine edle +Empfindung. Dann will ich auch etwas von Hoffnungslosigkeit dabei haben. +Engel sind ohne Hoffnung, haben Hoffnung nicht nötig. Hofft ein Engel? +Nein. Engel sind über alle, alle Hoffnungen erhaben. Etwas Engelgleiches +soll in der Sonate tönen, die ich im Sinne habe. Doch soll auch Hoffnung +wieder dazwischen klingen, wie wenn jemand ganz, ganz arm und verlassen +ist und dennoch immer, immer wieder hofft, gleichsam wie aus lieber, +alter kindlicher Gewohnheit. Jetzt wieder Freude, und zwar Freude über +jemandes andern Freude. Reine Kindlichkeit, reines glückliches +Mitempfinden. Selig sein im Gedanken, daß jemand anders es ist. Ist +nicht die Musik selber so? Ist nicht die Musik selber selig, darüber, +daß sie Herrlichkeit, Heiterkeit und Seligkeit verbreitet? Dann und so +kommt eine unsagbare perlende Verzagtheit. Stilles, süßes Weinen. +Auflösung in eine göttlich schöne Schwäche. Ein Weinen über sich selber +und über alles, was da ist und je da war. Nicht ein Entsetzen, nicht ein +Grauen. Die Sonate hier verbietet derlei Heftigkeiten. Sanft wie ein +leicht betrübter blauer Himmel will und soll sie tönen. Ihre Farbe ist +das matte Edelweiß der Perle, und ihr Ton ist das Entschuldigen. Es gibt +keine Schuld, weil es zu viel gibt, es gibt keinen Schmerz, weil er zu +groß, zu gewaltig ist für das Verständnis. Weil es zu viel +Enttäuschungen gibt, gibt es keine, soll es mit ein -- einmal keine +geben, keine mehr, keine mehr geben. Ah, dergleichen und ähnliches soll +sich in der Sonate, von welcher ich träume, widerspiegeln, und ein +junges schönes Mädchen, welches sich mit Leichtigkeit einzubilden +vermag, sie sei ein Engel, soll sie spielen. Ein Engel muß die +engelgleiche Sonate spielen, und es muß herniedertönen aus dem Himmel +des Spieles wie himmlischer Trost, wie himmelreichähnliches Behagen, +denn eine reizende Behaglichkeit, eine tiefsinnige Vergnügtheit denke +ich dem Werke einzugeben. Schmerz und Freude sind wie Freund und +Freundin, die sich umhalsen, umarmen und küssen. Lust und Weh sind wie +Bruder und Schwester, die sich geschwisterlich lieben. Das liebliche +sonnige Entzücken ist die Braut, und der Kummer, der sich ihr ins Herz +schleicht, ist der Bräutigam. Genugtuung und Enttäuschung sind +unzertrennlich. + + + + +Das Gebirge + + +Ich mußte mich an die Stille erst gewöhnen, auch an die rauhe Bergluft. +Alles atmete Einsamkeit und Reinheit, alles war Ruhe, Stille und Größe. +Im Anfang meines Aufenthaltes schneite es noch. Es schneite noch +manchmal auf die ausgedehnten Weiden und auf die vielen schönen Tannen +herab, aber nach und nach wurde es wärmer. Auch in die Berge kam der +süße Knabe Frühling und beglückte das Land mit seinem schönen, +glücklichen Lächeln. Die blauen und gelben Blumen sprossen aus der Erde +hervor, und der Felsen bekam ein milderes, weißeres, weicheres Aussehen. +Des Nachts hörte ich in all der wundersamen tiefen Stille nur das +ruhige, leise Plätschern eines Brunnens. Einsam stand im Schwarz der +Nacht als noch schwärzerer Fleck das Wirtshaus da. Ein einzelnes Fenster +etwa war erleuchtet. Ich las viel. Bei schlechtem Wetter saß ich in der +kleinen, heimeligen, reinlichen Stube und beschäftigte mich mit dem +Ordnen und Zerlegen von allerlei Gedanken. Ich war ein rechter +Müßiggänger. Eine alte ruinenhafte Klosterkirche war in der Nähe. Doch +ich schenkte dem Gebäude längst schon keine Aufmerksamkeit mehr. Ich war +in der Gegend kein Fremder mehr. Mich lockte es, immer wieder zu den +Tannen, diesen Königinnen, zu gehen und bewundernd an ihnen +emporzuschauen. Ich staunte immer wieder von neuem über ihre +Zierlichkeit, Pracht und Schönheit, über die Hoheit, deren Abbild sie +sind, und über den Edelsinn, den sie verkörpern. Wohin ich schaute, +überall waren Tannen; in der Ferne und in der Nähe, unten in der +Schlucht und oben aus dem Rücken der Berge. Die Berge wurden immer +grüner und schöner, und es war süß für mich, im hellen warmen +Sonnenschein über ihre weichen, milden und üppigen Weiden zu gehen, auf +denen jetzt die lieben treuen Tiere friedlich und wonnig weideten. +Pferde und Kühe standen oder lagen, zu schönen Gruppen vereinigt, unter +den prächtigen, langästigen Tannen. Die Blumen dufteten, alles war ein +Summen, ein Singen, ein Sinnen und ein Ruhen. Die ganze Bergnatur schien +ein glückliches, liebes, fröhliches Kind zu sein, und ich ging jeden +Tag, am Vor- oder am Nachmittag, zu diesem Kinde hin und schaute ihm in +die glänzend-unschuldigen Augen. Mir war, als werde ich selber dadurch +mit jedem Tag schöner. Muß mich nicht die Betrachtung und der +sorgfältige Genuß von etwas Edlem und Schönem schön und edel machen? Ich +bildete mir solcherlei jedenfalls ein und ging in der Gegend herum wie +ein Träumer und Dichter. Die holde Dichterin Natur dichtete immer +größere und schönere Gedichte; indem ich so stand oder still davonging, +war es mir, als spaziere und lustwandele ich in einem Gedicht, in einem +tiefen, sonnenhellen, grünen und goldenen Traum herum, und ich war +glücklich. Es war kein Geräusch, das nicht anmutig klang, alles war ein +Klingen, ein Tönen, bald ein nahes, bald wieder ein entferntes, ich +konnte nur horchen, es genießen und mit meinem Ohr es trinken. Ein +paarmal machte ich weitere Ausflüge, meistens aber blieb ich in inniger +sanfter Nähe warm daliegen, bezaubert vom blauen Himmel und gebannt von +der himmlisch-schönen, weißen Götterlandschaft, die mich wie mit großen +weichen Götterarmen zu sich zog. Alle Begierden, weiter in die lichte +Ferne zu wandern, starben an dem Entzücken und am Genuß, die die Nähe +mich empfinden ließ mit ihrem beseligenden Tönen. Von allen Weiden +tönten die Glocken, die die Tiere am Halse leise schüttelten beim +sanften Grasen. Tag und Nacht tönte es und duftete es. Ich habe einen +solchen Frieden nie gesehen, und ich werde ihn nie wieder so sehen. +Eines Tages reiste ich ab. O wie oft, wie oft drehte ich mich beim +Weggehen um, damit ich all das Schöne, das ich nun verließ, noch einmal +sähe, die heiteren Berge, die lieben roten Dächer zwischen den edlen +Tannen, den stolzen Felsen, das ganze reizende Gebirge. + + + + +Der Traum + + +Ich habe einen traurigen, freudlosen Traum gehabt in der vergangenen +Nacht. Wohl sechsmal erwachte ich davon, aber immer wieder, so, als +sollte ich stets von neuem geprüft werden, fiel ich hinunter in die +Gewalt der düsteren Einbildungen, in die Macht des fieberartigen +Traumes. Mir träumte, daß ich in eine Art von Anstalt und Institut +hineingekommen sei, in einen Sonderbund, in eine verriegelte, +unnatürliche Absonderung, welche von höchst kalten und höchst +eigentümlichen Verordnungen regiert wurde. Elend war mir zumute, und +eiskalter Schauder rieselte mir durch die entsetzte, angsterfüllte +Seele, die sich vergeblich sehnte, ein Verständnis zu finden. Alles war +mir unverständlich, doch das Grausamste war, daß sie nur über die +Ratlosigkeit und Hilflosigkeit lächelten, in der sie mich sahen. Nach +allen Seiten schaute ich mich mit flehenden Augen um, damit ich ein +freundliches Auge sähe, doch ich sah nur den offenen mitleidlosen Hohn +mich mit seinen Blicken messen. Alle, die da waren, musterten mich auf +so sonderbare Weise, auf so rätselhafte Weise. Meine Angst vor der +ringsum herrschenden Ordnung, deren Wesen mich mit Grauen erfüllte, +wurde von Minute zu Minute größer, und mit ihr vergrößerte sich die +Unfähigkeit, die ich offenbarte, mich in die seltsamen, absonderlichen +Verhältnisse zu schicken. Deutlich erinnere ich mich, wie ich bald zu +diesem, bald zu jenem Beamten in kummervoller, bittender Tonart sagte, +daß ich »alles das«, so drückte ich mich in der höchsten Herzbeklemmung +aus, ja ganz und gar nicht verstehe, und daß man mich doch lieber hinaus +in die Welt ziehen lassen wolle, damit ich meinen Mut und meinen +angeborenen Geist wiederfände. Doch statt mir zu antworten, zuckten sie +nur die Achseln, liefen hin und her, zeigten sich sehr in Anspruch +genommen, gaben mir zu verstehen, daß sie keine Zeit hätten, sich näher +mit mir und mit meinem Unglück zu beschäftigen, und ließen mich in all +der unaussprechlichen, fürchterlichen Bestürzung stehen. Augenscheinlich +paßte, paßte ich gar nicht zu ihnen. Warum denn nun war ich zu ihnen +hineingekommen in diese enge und kalte Umgrenzung? Durch viele Zimmer +und Nebenzimmer tastete ich mich; ich schwankte hin und her wie ein +Verlorener. Mir war, als sei ich im Begriff, in dem Meer der Befremdung +zu ertrinken. Freundschaft, Liebe und Wärme waren verwandelt in Haß, +Verrat und Tücke, und das Mitempfinden schien gestorben seit tausend +Jahren oder schien in unendliche Entfernungen gestoßen. Eine Klage wagte +ich nicht zu äußern. Ich hatte zu keinem, zu keinem dieser +unverständlichen Menschen ein Vertrauen. Jeder hatte seine strenge, +enge, stumpfe, wohlabgemessene Beschäftigung, und darüber hinaus stierte +er wie in eine grenzenlose Leere. Ohne Erbarmen mit sich selber kannten +sie auch kein Erbarmen mit einem andern. Tot, wie sie waren, setzten sie +nur Tote voraus. Endlich erwachte ich aus all dem Hoffnungslosen. O wie +freute ich mich, daß es nur ein Traum war. + + + + +Der Jagdhund + + +Auf meinen kleinen, ich muß und darf sagen, winzig kleinen Wanderungen +sehe ich allerlei Hunde, und ich habe die drolligen vierfüßigen Burschen +schon ordentlich liebgewonnen. Da ist vornehmlich der Karrenhund, den +die Metzger und Milchhändler an ihre Handwagen spannen. Er ist ein +prächtiger, pflichtbewußter Kerl, und ich achte ihn ganz +außerordentlich. Längst schon hatte ich immer im Sinn, einmal ein Wort +über ihn zu sagen. Er verdient Anerkennung in jeder Hinsicht, und wer +sich die Mühe nimmt, ihn aufmerksam zu beobachten, wie er so ganz und +gar der Eifer und die Treue selber ist, wie er seinen Zweck und seine +Bestimmung so schön versteht und aufgeht in der Aufgabe, die er zu +erledigen hat, der wird nicht anders können als ihn loben. Freudig, ja +oft sogar feurig und stürmisch zieht er den Wagen vorwärts, und wenn er +so recht arbeiten, ziehen und seine Kraft anstrengen kann, läßt er ein +kräftiges, fröhliches Gebell vernehmen, daß man deutlich hört und sieht, +wie ihm der Dienst Vergnügen macht. Heute früh auf meinem Rundgang sah +ich einen Hund sich mit wahrer Wonne im frischen Schnee hin- und +herwälzen, was einen Anblick gewährte, der sich meinem Kopfe einprägte. +Reizend spielen oft große starke Hunde mit ganz kleinen Kindern, und +überaus sehenswert ist es, wie der kraftvolle Kerl sich da dem zarten +Kinde so hübsch, so gefällig anpaßt und auf die kleinste und feinste +Bewegung sorgfältig acht gibt, die das Kind beliebt auszuführen. An +Aufmerksamkeit ist der Hund ein König, und sein treues ehrliches +Verständnis leuchtet ihm überraschend schön aus den Augen. In unserer +Stadt gibt es viele Hunde, und daß sie gut gehalten und gut behandelt +werden, sieht man ihnen an. Beinahe schrecklich in ihrem wütenden Eifer +sind Jagdhunde. Ich saß einmal vergangenen Sommer im stillen tiefgrünen +Wald auf einem Stein. Ringsum wundersames, zartes, dichterisches +Schweigen. Mit einmal rast die klägliche, jämmerliche Jagd daher. Ein +armer Hase springt durch die Waldesstille, und hinter ihm her, mit +zornigem Geheul, welches die Stille jäh unterbricht, rennt der Hund mit +ungestümen Sätzen, der glühende, eingefleischte Verfolger, entsetzlich +hingegeben seiner grausamen Aufgabe. Er kriegte aber den Hasen nicht, +denn später sprang er wieder an mir vorbei, jetzt, so, wie wenn er +verwundet worden wäre, Jammerlaute ausstoßend. Er hatte sein Ziel nicht +erreicht, das leidenschaftlich ins Auge gefaßte Ziel, und gab sich jetzt +dem Schmerze hin. Er war ganz Trauer, ganz tödliche Enttäuschung. + + + + +Der Vater + + +Wenn ich durch das feine, elegante, französische Neuquartier spaziere, +dessen Häuser einen zierlichen Geschmack verraten, gelange ich, dicht +neben der Hauptpost vorbei, und manch ein altes, edles, gartenumsäumtes +Herrenhaus streifend, welches in seinem Parke liegt, wie das stille, +köstliche Kleinod in seiner Umfassung, langsam in die trauliche, +träumerische Altstadt, die mich jedesmal, wenn ich sie sehe, wie ein +reizendes und höchst nachdenkliches Denkmal aus der Vergangenheit +anmutet. Still und spitz und tiefsinnig, freundlich lächelnden +Greiseserscheinungen ähnlich, ragen dort die alten Türme in die Luft +empor, und wenn ich, den ehemaligen Festungsgraben entlang, noch ein +paar Schritte weitergehe, so stehe ich vor einem seltsamen, niedrigen, +großdachigen Haus, zu welchem, wie ich sehe, ein kleiner, hübscher, +tiefgelegener Garten gehört. In dem Hause wohnen eine alte Frau und zwei +alte Männer, und einer der beiden behaglichen Alten ist mein Vater, den +ich von Zeit zu Zeit, etwa nach dem Abendessen, besuche, um mit ihm zu +plaudern, der gerne ein Gespräch über die Stadt und ihre Bewohner führt. +Hier also, inmitten alter, phantastisch hoher Dächer und wunderbarer +Türme, im Bereiche dessen, was die Zeiten hartnäckig und standhaft +überdauert hat, wohnt er, der alte Mann mit seinen schneeweißen Haaren, +der noch jeden Morgen beizeiten aufsteht und seine kleinen idyllischen +Geschäfte immer noch besorgt mit fast jugendlichem Eifer. Alte Leute und +altertümliche Wohnungen passen vortrefflich zusammen, und es stimmt mich +fröhlich, zu wissen, daß er so gut haust und wohnt, der alte Mann, der +mir so nahe steht, dem ich so nahe stehe. Alles ist dort alt, die Gärten +und ihre hohen prächtigen Tannen, das steinerne Gewölbe und der liebe +stolze Berg mit seinem harten treuen Felsen. Gegenwärtig liegt Schnee +auf den Dächern, Türmen und Tannen, und auch in meines alten Vaters +Garten liegt er, wo im süßen, warmen, goldenen Sommer die heiße Sonne +ihre Gewalt entfaltete und die sanften Flammen, die Rosen, blühten. +Gerade sehr viel gehe ich nicht zum alten Manne. Es soll meinem Gefühl +nach eine zarte Scheu sein zwischen Sohn und Vater, und dann habe ich am +ersten Tage schon gemerkt, daß er der erklärte treue Freund gewisser +strikter wunderlicher Gewohnheiten ist, und in seinen lieben, guten, +eingesessenen Gewohnheiten mag, soll und will ich ihn nicht stören. Süße +zarte Rosen im kleinen grünen Garten und schneeiges Weiß auf dem alten +Kopfe. Welt, wie bist du wunderbar, wie bist du so leicht und doch so +schwer verständlich. Ewiges reizendes Geheimnis! Fast noch lieber als zu +ihm hineinzutreten und ihn zu sehen ist mir das bloße Draußenstehenbleiben +vor seinem schönen bescheidenen Haus und dann so das Denkendürfen, +daß er nun ruhig und behaglich drinnen sei, in der kleinen +Küche beim stillen friedlichen Abendbrot oder im lieblichen, +länglichen Wohn- und Schreibzimmer, seine Zeitung lesend. Das tut mir +wohl bis hinein in die Seele. Einmal stand ich auch so da und schaute zu +des Vaters rötlichem Fenster hinaus, sehend und wissend, daß er +wohlaufgehoben sei. Da war gerade der Mond am Himmel, und wundervoll +war's, wie er so mild, zart und freundlich, sanft und groß und gut auf +die schlafende dunkle Welt hinabblickte. + + + + +Der Träumer + + +Es lag einer im Grase auf einem kleinen Abhang am Waldesrande. Vor ihm +lag eine gemähte Wiese und hinter ihm standen ernste alte Tannen wie +treue Schützer und Wächter. Vormittag war's, und eine freundliche milde +Sonne schaute aus weißlichem Gewölk warm auf den Faulpelz herab, der die +trägen Glieder so lang als er konnte auf dem weichen Boden ausstreckte. +Über seine Beine, seinen Rücken und sein Gesicht krochen Ameisen, und +Mücken tanzten um ihn herum. Das plagte und ärgerte ihn aber nicht im +geringsten. Er lag da, als beabsichtige er, den ganzen lieben langen Tag +zu verfaulenzen, und in der Tat, er trug derlei Absichten. Die Welt sah +so leicht aus, so bläulich, so sorgenlos. Höchstens glich ein feiner +Dunst am Himmel einer Art von Kummer, aber der Kummer selber machte sich +nicht gar viel Gedanken. Eine Beigabe von Ernst macht die Fröhlichkeit +nur fröhlicher, und ein leiser Schmerz versüßt und verfeinert die +Freude, macht sie nur noch freudiger. Unserem Burschen und Tagedieb zu +Häupten hingen ein paar Tannenzapfen und ärmelartige Tannenzweige, und +noch weiter oben, nämlich am Himmel, schwebten weiße heiße Wolken. Er +träumte, der hier lag. Gab es keine Pflichten für den Lümmel? Ei was, +Pflichten! Braucht doch nicht jeder Mensch Pflichten zu haben. Ein Bach, +der zu des Träumers Füßen sich durch das Gras schlängelte, gab artige +glucksende Melodien zum besten. Einmal schaute ein Fuchs aus dem +gegenüberliegenden Waldrand heraus und floh, als der Mensch im Gras sich +regte, in weiten Sätzen hinweg. Das ging so, bis es Nachmittag und Abend +wurde, wo das Abendrot sich zeigte und die Singvögel anfingen wunderbar +wehmütig und süß zu singen. Der Bursche lauschte. Es wollte ihn ein +Bangen besuchen. Ein Weh wollte ihn beschleichen. Aber er war auf den +Besuch gefaßt, und da tat er, als merke er nichts davon. Der Abend mit +seinen Tönen und Farben und Düften sank einer Frau in die Arme. Die Frau +war die Nacht, und diese herrschte nun. Der Bursche blieb aber ganz +ruhig liegen. Das Gras war weich. Es kam ihm wie ein Bett vor, eben +recht zum Schlafen. Alles war finster geworden, und kein Sterbenslaut +regte sich mehr. Stille, Stille. Nichts war mehr zu unterscheiden. O, da +schlief der Waldmensch ein, und ungestörter hat nie ein junger oder +alter Mensch geschlafen. Schlief fleißig die ganze Nacht durch, und als +er erwachte, war es schöner, heller, gütiger, milder Morgen. + + + + +Der Pole + + +In einem Dorf, nahe an der Grenze von Galizien, in einer Gegend also, wo +deutsche, russische und polnische Elemente sich berühren, erlebte ich +eines Nachts, es war im Winter, und das flache Land war mit Schnee +bedeckt, eine Wirtshausszene, die mir lebhaft in Erinnerung geblieben +ist, und die ich darum gern aufzeichnen möchte. Ich und ein paar +Burschen hatten uns zu einem tapferen Gelage im miserablen, düsteren und +räuberhüttenähnlichen Gasthaus eingefunden. Das Bier, wenn ich so +zurückdenke, war entsetzlich schlecht, und das Gastzimmer, dortig +herrschender Volksarmut entsprechend, schrecklich unsauber; doch das +hinderte uns junge vergnügliche Leute nicht, wacker zu trinken und +lustig zu singen und zu johlen. Nach und nach kamen noch andere Kerle, +ein Schreiner, Maurer, und dann war ja vor allen Dingen ein Bursche da, +den sie August nannten, ein junger Stallbursche aus dem gräflichen +Schloß, welches mit seinen stolzen, herrischen Türmen unfern in der +Winternacht lag. Der junge Pole, das war er, fing, da er schon mehrere +Gläser von dem abscheulichen Zeug getrunken hatte, zu der Musik, die ein +anderer bereitwillig zum besten gab, zu tanzen an, und er tanzte auf +polnische Weise, wobei er über das ganze Gesicht lachte. Überaus anmutig +sah es aus, wie der junge Tänzer in dem wüsten, von aller Grazie und von +allem Edelsinn so weit entfernten Lokal die Grazie und das artige +Benehmen verkörperte, dadurch, daß er sich bald, wie vor einer +unsichtbaren Dame, verneigte und bald wieder sich stolz in die Brust +warf, als stehe er einem Gegner auf dem Kampfplatz gegenüber. Er +spreizte seine bestiefelten jungen Beine nach dem Takte der Musik, bog +wieder das Knie, und mit Arm und Hand führte er sehr manierliche +Bewegungen aus. Von Zeit zu Zeit wollte er, in dem Rausch, in dem er +sich befand, wild und ungebärdig werden, doch wie wenn er wieder seinen +strengen Herrn und Meister vor sich sehe, bändigte er die Wildheit und +beugte sich unter die guten und schönen Formen, derartig, daß es wie die +Selbstzucht aussah, und daß es duftete wie nach höherer Erkenntnis. Das +Bild, das der junge hübsche Mensch darbot, indem er solchermaßen mit der +Ausschweifung kämpfte, ist mir unvergeßlich geblieben. Gibt es auf Erden +doch nichts Besseres und Erquicklicheres zu sehen als den Kampf, den der +Mensch kämpft gegen die Untugenden, die in ihm schlummern, als den +stolzen Streit des Menschen mit sich selber. Der Bursche hatte nun +ausgetanzt und setzte sich wieder zu dem Volke der Johlenden, +Schreienden und Trinkenden. Der, der die Handharfe gespielt hatte, +spielte aber munter weiter, und da war es mir, als müßten die Töne von +dem Instrument in der dicken Rauchluft des Zimmers hängen und kleben +bleiben, so garstig voll von Dunst und Rauch war die jämmerliche Stube. +Immer mehr wurde getobt und getrunken. Da mit einem Male, wie ein Blitz +aus dem Himmel, war Streit unter den Leuten, und in eines Kerle Faust +zückte ein Messer. »Wollt ihr mir so kommen, ihr Bösewichte? Wartet +nur!« schrie voller sonderbarer Autorität die Wirtin. »Wenn ihr raufen +wollt, so macht das draußen auf der Straße miteinander ab!« Die ganze +Stube schien betrunken. Alles drehte sich. Es war eine höllische Szene. +Einige von uns gingen in die Nacht hinaus, ich mit ihnen. Wie schön war +die Nacht mit ihrem Schnee und mit ihrem silbernen, hohen, großen Mond +am Himmel. Es zwang mich hinaufzuschauen zum Mond und zu den süßen +Sternen. + + + + +Der Doktor + + +Eines Tages, in der heißen Mittagssonne, schon viele inhaltreiche Jahre +sind seither vergangen, sah ich, noch erinnere ich mich dessen deutlich, +auf dem menschenbelebten Platz, auf dem ich stand, aus der Masse von +vielerlei unbedeutenden Leuten, welche er gewissermaßen mit seiner +sonderbaren Erscheinung überragte, einen Mann auftauchen, der ganz in +edles, schönes, feierliches Schwarz gekleidet war, eine Art Doktorhut +auf dem Kopfe hatte, und einen eleganten Spazierstock beinahe +gravitätisch in der Hand trug. Ich nannte den Mann ohne weiteres für +mich im stillen einen Doktor der schönen Literatur, und ich darf sagen, +er faszinierte mich. Alle übrigen Menschen, verglichen mit ihm, +erschienen mir platt, unfein und gedankenlos, so, als habe sich kein +einziger von ihnen je bemüht, sich Rechenschaft darüber abzulegen, warum +und wozu er eigentlich lebe. Mit meinen Augen verfolgte ich den +seltsamen und in gewissem Sinne abenteuerlichen Mann, der einem +Geistlichen oder fast besser noch einem vermummten Fürsten glich in der +Lässigkeit, mit welcher er seines Weges ging. Ein Zauberer schien er zu +sein, denn er trug eine unzweideutige Verachtung gegenüber seiner +Umgebung zur Schau, und zwar so, als fühle er sich genötigt, sich selber +gering zu achten, deshalb, weil er unter keinen besseren Leuten lebe. +Eine Brille verunzierte nicht, sondern zierte und schmückte sein +bleiches, gedankenvolles Gesicht. Das Gesicht schien ohne die Brille +nicht sein Gesicht zu sein. Edel, gleich einem Gesandten, der gewöhnt +ist, an königlichen und kaiserlichen Höfen zu verkehren, schritt die +schlanke, leicht vornüber geneigte, feine Gestalt dahin, und indem der +Mann so ging, war es, als fühle er sich belästigt von einem +unabweisbaren Reichtum von Gedanken. Er schien etwas wegzuwerfen und +abzuweisen, und gleichzeitig schien er wiederum irgend etwas zu suchen, +etwas, das schöner sei als alles andere. Was dieser Mann sein eigen +nannte, betrachtete er als etwas, dessen er auch schon Grund hatte, +überdrüssig zu sein. Nur was er ersehnte, vermochte er zu achten, und +nur was er erstrebte, schien er zu besitzen. Auffallend war mir, wie er +sich so leicht durch die Menschen schlängelte, als befinde er sich auf +vergnüglich-liederlichen Wegen, als etwa auf dem Weg in die nächstbeste +elegante Konditorei, zum zierlichen Rendezvous mit einer Dame. Doch das +war die Maske, in die sich die Person zu hüllen liebt, die nicht mag und +nicht will merken lassen, wie ernsthaft sie denkt, damit sie es um so +besser tun kann. Ich wollte mir eingebildet haben, daß er mir wie der +privilegierte und berechtigte Vertreter alles dessen erscheine, was +geistvoll sei, und daß er auf mich den Eindruck mache, der mir sagte, +daß es zu des Mannes Leidenschaften gehöre, stets eine Leidenschaft zu +nähren. Jedenfalls gefiel er mir im höchsten Grade, und in dem +Augenblick, wo ich ihn sah, liebte und verehrte ich ihn auch schon. Bald +indessen verschwand er, und auch ich entfernte mich von dem Standort, +von wo aus ich ihn so aufmerksam betrachtet hatte. + + + + +Der Liebesbrief + + +Ich habe einen kleinen sorgfältigen Streifzug in die Gegend hinaus +gemacht, damit ich dir mitteilen könne, was ich Schönes gesehen habe. +Auf dem Weg hatte ich allerlei Einfälle, doch sie mußten sich alle +wieder auf und davon machen und mußten verschwinden neben dem Gedanken, +der sich nur mit dir beschäftigte, du liebes Mädchen, du süßes, liebes +Wesen. In meinen Gedanken gingest du neben mir und vor mir her. Ich war, +indem ich so ging, ganz nur Denken, ganz nur Sinnen, ganz nur Gedanke, +ganz nur treues, zartes Bei-dir-sein. Lächelst du? Bald sollst du noch +mehr über mich zu lächeln haben mit deinem lieben Mund. Es ist schön für +einen Mann, treu an seinem Mädchen zu hängen und sich zu sehnen mit +leiser immerwährender Sehnsucht nach der Gegenwart der Holden. Ich kam +in einen wunderhübschen kleinen Wald hinein, wo es still und weich und +artig war, und wo die goldenen Vormittagssonnenstrahlen zwischen den +Ästen und Stämmen ins grüne Heiligtum, ins grüne Waldesinnere +hereinbrachen. Da ich so bei deinem Bilde war, kams mich an, die +Sonnenstrahlen mit deinem hellen, wogenden Haar zu vergleichen, und als +ich hinauskam aus dem zarten, kühlen, schüchtern-stillen Waldesdunkel in +das helle, blaue, weite Freie, stand ich Wanderer wieder still. Der +Himmel mit seinem sanften, lieben Blau erinnerte mich an deine Augen. +Weiter ging ich, und da stand ich bald vor einem Haus mit Garten, und im +Garten standen die schönsten Blumen, die ihre leichten Köpfchen so +zierlich-schwankend trugen. Da stand dein Köpfchen vor mir mit seiner +Stirne, Wangen und Lippen, und indem ich das Haus betrachtete, das so +lieblich nach Behaglichkeit und Wohnlichkeit duftete, dachte ich, es +müsse süß sein, mit dir zusammen häuslich darin zu hausen. Bald nachher +traf ich Äpfel an, die an den Zweigen eines Apfelbaumes hingen und mich +mit ihren roten und gelben Backen freundlich anlachten. Ich bildete mir +ein, dein rundes Gesicht mit seinen roten, blaßroten Wangen lächele +zauberisch aus dem Blätterwerk zu mir herab. Reizende Illusionen. Ruhig, +wie es meine Art ist, und von Träumereien umfangen, ging ich meinen +bescheidenen Weg weiter, der mich hügelabwärts zu einem blauen, breiten, +sonnigen Strome führte. Mit sanfter, wohliger Gewalt floß das schöne +Wasser dahin zwischen grünen glücklichen Ländereien. Ich dachte, wie +dein sanftes, zartes Wesen mich mit Gewalt zu dir ziehe und wie ich +glücklich sei darüber. Bist du glücklich? Wenn du es bist, bin ich es +auch. + + + + +Der Hanswurst + + +Da ist einer, sie nennen ihn Hanswurst, weil er so ein dummer Mensch +ist, der zu nichts Rechtem zu gebrauchen ist. Ich kenne ihn wohl, den +liederlichen, unklugen Burschen. Es ist mir im Leben noch keiner +begegnet, zu dem ich rascher hätte sagen mögen: »Du bist ein Schelm«, +und keiner, der mich mehr nötigte, über ihn zu lachen. Wenn dumme und +ungesunde Einfälle Zinsen eintragen, so gehört er zu den reichen Leuten, +aber die Wahrheit ist: er ist arm wie eine Spitzmaus. Ein Sperling hat +nicht so wenig Aussicht, es in der Welt zu etwas zu bringen als er, und +dennoch kennt er nur Fröhlichkeit, und es ist mir noch nie gegönnt +gewesen, einen Zug von Unlust in seinem Spitzbubengesicht zu entdecken. +Einmal wollte ihn jemand befördern, Hanswurst aber ergriff die Flucht +vor der Beförderung, als wenn sie ein Unheil sei; so dumm benahm er sich +im wichtigsten Moment seines Lebens. Er ist und bleibt ein Kind, ein +Dummkopf, der das Bedeutende vom Unbedeutenden, das Schätzenswerte vom +Wertlosen nicht zu unterscheiden vermag. Oder sollte er am Ende klüger +sein, als er selber ahnt, sollte er mehr Witz haben, als er fähig ist zu +verantworten? Liebe Frage, ich bitte dich, bleibe hübsch unbeantwortet. +Hanswurst ist jedenfalls glücklich in seiner Haut. Eine Zukunft hat er +nicht, aber er begehrt auch gar nicht, etwas derartiges zu haben. Was +soll aus ihm werden? Bete doch einer für ihn! Er selber ist zu dumm +dazu. + + + + +Sonntagmorgen + + +Heute, am Sonntag, ging ich früh ins nahegelegene Land hinaus. In +unserer Gegend berühren sich Stadt und Land wie zwei gute wackere +Freunde. Ich machte nur hundert Schritte, oder vielleicht noch hundert +dazu, und da lag schon der ländliche, zarte Winter vor mir mit seinen +strubbligen Bäumen und seinem lieblichen Wiesengrün. Ich kam zum Wald, +der so schön, so still in der grauen, kalten Luft dastand mit graziösen +Tannenwipfeln. Aus einem entfernteren Pfarrdorf klangen die +Sonntagsglocken laut und doch leis und still daher über den Waldsaum +hinüber. Kälte und hartgefrorener Weg und ein schönes breites Bauernhaus +in dem Gewirr von schwärzlichen Winterbäumen. Ein zarter, friedlicher +Rauch stieg wie lächelnd aus dem Kamin, und ein kleiner, lustiger, +kecker Feldweg schlängelte sich quer durch den Acker in den Wald hinein. +Ich ging an sonntäglich gekleideten Menschen vorbei in meinen alten, +lieben Wunderwald hinein, später jenseits wieder hinaus, wo wieder Weg +und Feld, grauer Himmel, Baum und Haus und andre Leute mir begegneten. +Es lag in aller Winterkälte und -gestorbenheit so viel warmer Friede, so +viel uraltes und ewig wieder junges und frohes Leben. Eine grüne Anhöhe +guckte schelmisch zu mir hernieder. Ich liebe, liebe mein Land mit +seinen Pfaden, Ecken, Kreisen und Winkeln. Bald war ich zu Hause im +angenehm geheizten Zimmer. Ich setzte mich an den Tisch, ergriff die +Feder und schrieb dieses. + + + + +Ausgang + + +Ich ging hinaus in das kalte Morgengrauen. Bäume und Häuser schwarz und +Rauch in der Straße. Nach und nach hellte es sich auf. In den Stuben +brannten die Lampen. Wovon ich aber besonders sprechen will: ich ging +hinter drei Mädchen, die zur Schule liefen. Viele andere kleine Kinder +liefen ebenfalls zur Schule. Eines der drei Mädchen ging so schön. Ihre +kleinen, weichen und schon so vollen Beine machten die lieblichste +Musik. Ich konnte mich nicht satt daran schauen. Zwei winzige Zöpfe +hingen ihr den Nacken herab über den Rücken. Die Kleine war schon so +weiblich bei der Jugendlichkeit, schon so reif bei der unschuldigen +Unreife. Herrlich sah es aus, wie die Schuhe so weich, mild und voll +waren mit dem Fuß, und wie die ganze Figur so leicht und doch so +angenehm schwer vor mir hinlief, und wie das kleine zierliche +Stiefelabsätzchen sich so anmutig krümmte unter der schönen, leichten, +weichen Last. Die Formen an dem Kind waren so groß, redeten so weich. +Bald traten indessen die Mädchen in das Schulhaus, und ich ging meines +Weges durch den kalten, dunklen Wintermorgen weiter. Ein paar Häuser und +ein paar Bäume und wenige Menschen. Es tat mir alles so wohl. Der Weg +und die Wiese waren hartgefroren, und die Berge entlang lag eine graue +Wolkenschicht, so fest, als könne sie nicht mehr weggehen. Zierlich wie +Kinder standen kleine Bäume im Wiesengrün, und dann sah ich eine zarte, +liebe, feine, grüne Anhöhe und das altersgraue Dach von einem +Bauernhaus, zwei Hunde, noch einen anderen Hund, der mich mit seiner +warm-nassen Nase antupfte, als sei es ihm darum zu tun, mir guten Morgen +in aller frischen, kalten Frühe zu wünschen, Arbeiter, die Steine +abluden. Einmal sah ich zu einem niedrigen Fenster hinein. Eine schöne +junge Frau im schneeweißen, reizenden Morgengewand stand hinter den +Fensterscheiben und schaute mich an. Manches schaute auch ich an. Man +sieht immer etwas. + + + + +Die Millionärin + + +In ihrer fünfzimmerigen Wohnung wohnte ganz allein eine reiche Dame. Ich +sage da Dame, aber die Frau verdiente nicht, Dame genannt zu werden, die +Arme. Sie lief unordentlich daher, und die Nachbarsleute titulierten sie +Hexe und Zigeunerin. Ihre eigene Person erschien ihr wertlos, am Leben +hatte sie keine Freude. Sie kämmte und wusch sich oft nicht einmal, und +dazu trug sie alte und schlechte Kleider, so sehr gefiel sie sich in der +Vernachlässigung ihrer selber. Reich war sie, wie eine Fürstin hätte sie +leben können, aber sie hatte keinen Sinn für den Luxus und auch keine +Zeit dazu. Reich, wie sie war, war sie die Ärmste. Ganz allein mußte sie +ihre Tage und ihre Abende zubringen. Kein Mensch, außer etwa der Emma, +ihrem ehemaligen Dienstmädchen, leistete ihr Gesellschaft. Mit allen +ihren Verwandten war sie verfeindet. Etwa noch Frau Polizeirat Stumpfnas +besuchte sie zuweilen, sonst niemand. Die Leute hatten einen Abscheu vor +ihr, weil sie wie eine Bettlerin daherkam, sie nannten sie eine +Geizhalsin, und freilich war sie geizig. Der Geiz war ihr zur +Leidenschaft geworden. Sie hatte kein Kind. So war der Geiz ihr Kind. +Der Geiz ist kein schönes, kein liebes Kind. Wahrhaftig nicht. Aber +irgend etwas muß der Mensch haben zum Herzen und Liebkosen. Die arme +reiche Dame mußte oft in der stillen Nacht, wenn sie so allein saß im +freudelosen Zimmer, in ihr Taschentuch weinen. Die Tränen, die sie +weinte, meinten es noch am ehrlichsten mit ihr. Sonst wurde sie nur +gehaßt und betrogen. Der Schmerz, den sie in der Seele fühlte, war der +einzige aufrichtige Freund, den sie hatte. Sonst hatte sie weder Freund +noch Freundin, noch Sohn, noch Tochter. Sie sehnte sich umsonst nach +einem Sohne, der sie kindlich würde getröstet haben. Ihr Wohnzimmer war +kein Wohnzimmer, sondern ein Bureau, überladen mit Geschäftspapieren, +und in ihrem Schlafzimmer stand der gold- und juwelengefüllte eiserne +Kassenschrank. Wahrlich: ein unheimliches, ein trauriges Schlafzimmer +für eine Frau. Ich lernte diese Frau kennen, und sie interessierte mich +lebhaft. Ich erzählte ihr mein Leben, und sie erzählte mir das ihrige. +Bald darauf starb sie. Sie hinterließ mehrere Millionen. Die Erben kamen +und warfen sich über die Erbschaft. Arme Millionärin! In der Stadt, wo +sie lebte, sind viele, viele arme kleine Kinder, die nicht einmal +genügend zu essen haben. In was für einer sonderbaren Welt leben wir? + + + + +Erinnerung + + +So viel ich mich erinnere, war es so: er, der sonderbare ältere Mann und +ich, der ebenso seltsame, sonderbare, jedoch junge Mann, saßen einander +in seinem, des älteren Mannes, Zimmer gegenüber. Er schwieg nur immer, +und ich, ich redete nur immer. -- Was war es, was mich bewegen konnte, +so stürmisch zu reden, und was war es, was ihn, der mir gegenüber saß, +bewegen konnte, so beharrlich zu schweigen? Je ungeduldiger, feuriger +und offenherziger ich sprach, um so tiefer hüllte er sich in sein +geheimnisvolles, düsteres und trauriges Schweigen. Mit traurigen Augen +betrachtete er mich vom Kopf bis zu den Füßen, und von Zeit zu Zeit, und +das war mir das Allerunangenehmste, gähnte er, indem er die Hand wie +entschuldigend zum Munde führte. Seltsame Käuze, sonderbare Sonderlinge +waren wir sicherlich beide, er mit seinem Gähnen und beharrlichen +Stillschweigen und ich mit meinem fortgesetzten Bestürmen eines Ohres, +das offenbar auf alles, was ich sagte, gar nicht hörte, das ganz wo +anders hinhorchte, als auf mein herzliches Reden. Jedenfalls war es eine +bedeutungsvolle Stunde, und darum ist sie mir so lebhaft in der +Erinnerung geblieben. Auf der einen, d. h. auf seiner, des älteren, +gereiften Mannes Seite ein glanzloses Auge und ein Benehmen, welches +Gelangweiltheit verkündete, und auf der anderen, d. h. auf meiner Seite +idealisch loderndes Wesen und eine hingeworfene, hingegossene +Beredsamkeit, die, der leichten Welle ähnlich, am Felsen von des +mürrischen Mannes trockenem und hartem Betragen zerschellte. Sonderbar +bei der ganzen Sache war, daß ich wohl wußte, wie wenig Wert all mein +Reden und Sprechen habe, wie wenig Eindruck es machen müsse, und daß ich +vielleicht gerade darum mich nur um so inniger in das beseelte Sprechen +hineinsprach. Ich glich einem Brunnen, der nicht anders konnte als zu +sprudeln, einer Quelle, die hervorbrach mit all ihrem drängenden Inhalt, +ohne daß sie es wollte. Ich wollte und wollte wieder absolut nicht +reden. Es drang so heraus, und alles, was ich fühlte und dachte, sprang +mir als Wort und Satz über die Lippen, welche öfters in der Eile und in +der seltsamen Beklemmung anfingen zu stottern, wobei es mir war, als +sehe ich mein Gegenüber spöttisch lächeln, als habe er eine Art von +dunkler, stiller Freude, mich in der Bedrängnis zu sehen, welche mich +umflatterte. + + + + +Die Schneiderin + + +In einem alten, wenn nicht gar uralten Haus in der Obergasse wohnte, +wie man mir erzählte, eine junge hübsche Frau, Schneiderin ihres +Lebenszweckes und Berufes. Sie bewohnte ein großes, saalartiges Gemach, +welches nach unserer Meinung eher als Versammlungslokal für gelehrte +Häupter, Stadträte und mehr derlei Personen denn als Wohnzimmer für eine +lebenslustige und zierliche Frau gepaßt haben würde. Die jugendliche +Modekünstlerin vermochte des Nachts in ihrem Bett kaum einzuschlafen. +Leser, wie hättest du es? Möchtest du in solch einem schaurigen, +traurigen, alten Zimmer leben? Gewiß könntest auch du dort keinen +rechten Schlaf finden. Das Zimmer war so groß, die Stille, die in dem +Zimmer herrschte, war so sonderbar, und die Finsternis so dick, +geheimnisvoll und unergründlich. Du hättest deinen Finger können in die +Dunkelheit stecken wie in eine Art dicker schwarzer Milch, so +dickfinster war die unheimliche Stube. Wie von aller gesitteter und +gebildeter Welt verlassen, lag in den langen zweideutigen finsteren +Nächten die junge schöne Frau da, sie kam sich so hilflos und schutzlos +vor, und es war ihr stets zumute, als solle sich etwas Schreckliches, +Entsetzliches und Ungeheuerliches zutragen. Ihr Zimmer erschien ihr wie +eine Totengruft, und wenn sie ins Bett stieg, flüsterten ihr die +ängstlichen Einbildungen ins Ohr, daß sie in einen Sarg hineinsteige. +Eines Nachts, mitten in der totenstillen, unaussprechlich ruhigen +Mitternacht, erwachte die Schneiderin; ein Geräusch war in all der +Geräuschlosigkeit vernehmbar, deutlich, oh, nur zu deutlich hörte sie +es, und indem sie es hörte, meinte sie, ihren Verstand vor Schreck +verlieren zu müssen. Es blätterte jemand in der Finsternis in ihrem +Modejournal. Die Frau, die sich im Bett aufgerichtet hatte, wollte laut +aufschreien vor Angst, doch die Angst selber unterdrückte den +Angstschrei, das Entsetzen selber weigerte sich, den Schrei des +Entsetzens auszustoßen. Der Schrecken selber, wie ein entarteter Vater, +erstickte seinen Sohn, den Schreckensschrei. Stelle dir das vor, lieber +Leser, und jetzt stelle dir vor, wie es zu der Schneiderin in das Bett +hineinstieg. Es war der Tod, der in stiller Mitternacht die junge Frau +besuchte, um sie mit seinen eisigen Armen zu umfassen, um sie zu küssen +mit seinen fürchterlichen Küssen. Am anderen Morgen, da jemand zur +Schneiderin kam, fand er sie tot. Sie lag tot im Bett. + + + + +Das Stellengesuch + + + Hochgeehrte Herren! + +Ich bin ein armer, junger, stellenloser Handelsbeflissener, heiße +Wenzel, suche eine geeignete Stelle und erlaube mir hiermit, Sie höflich +und artig anzufragen, ob vielleicht in Ihren luftigen, hellen, +freundlichen Räumen eine solche frei sei. Ich weiß, daß Ihre werte Firma +groß, stolz, alt und reich ist, und ich darf mich daher wohl der +angenehmen Vermutung hingeben, daß bei Ihnen ein leichtes, nettes, +hübsches Plätzchen offen ist, in welches ich, wie in eine Art warmes +Versteck, hineinschlüpfen kann. Ich eigne mich, müssen Sie wissen, +vortrefflich für die Besetzung eines derartigen bescheidenen +Schlupfwinkels, denn meine ganze Natur ist zart, und mein Wesen ist ein +stilles, manierliches und träumerisches Kind, das man glücklich macht, +dadurch, daß man von ihm denkt, es fordere nicht viel, und dadurch, daß +man ihm erlaubt, von einem ganz, ganz geringen Stück Dasein Besitz zu +ergreifen, wo es sich auf seine Weise nützlich erweisen und sich dabei +wohlfühlen darf. Ein stilles, süßes, kleines Plätzchen im Schatten ist +von jeher der holde Inhalt aller meiner Träume gewesen, und wenn sich +jetzt die Illusionen, die ich mir von Ihnen mache, dazu versteigen, zu +hoffen, daß sich der junge und alte Traum in entzückende, lebendige +Wirklichkeit verwandle, so haben Sie an mir den eifrigsten und treuesten +Diener, dem es Gewissenssache sein wird, alle seine geringfügigen +Obliegenheiten exakt und pünktlich zu erfüllen. Große und schwierige +Aufgaben kann ich nicht lösen und Pflichten weitgehender Natur sind zu +schwer für meinen Kopf. Ich bin nicht sonderlich klug, und was die +Hauptsache ist, ich mag den Verstand nicht gern so sehr anstrengen, ich +bin eher ein Träumer als ein Denker, eher eine Null als eine Kraft, eher +dumm als scharfsinnig. Sicherlich gibt es in Ihrem weitverzweigten +Institut, das ich mir überreich an Ämtern und Nebenämtern vorstelle, +eine Art von Arbeit, die man wie träumend verrichten kann. -- Ich bin, +um es offen zu sagen, ein Chinese, will sagen, ein Mensch, den alles, +was klein und bescheiden ist, schön und lieblich anmutet, und dem alles +Große und Vielerforderische fürchterlich und entsetzlich ist. Ich kenne +nur das Bedürfnis, mich wohl zu fühlen, damit ich jeden Tag Gott für das +liebe, segensreiche Dasein danken kann. Die Leidenschaft, es weit in der +Welt zu bringen, ist mir unbekannt. Afrika mit seinen Wüsten ist mir +nicht fremder. So, nun wissen Sie, was ich für einer bin. -- Ich führe, +wie Sie sehen, eine zierliche und geläufige Feder, und ganz ohne +Intelligenz brauchen Sie sich mich nicht vorzustellen. Mein Verstand ist +klar; doch weigert er sich, Vieles und Allzuvieles zu fassen, wovor er +einen Abscheu hat. Ich bin redlich, und ich bin mir bewußt, daß das in +der Welt, in der wir leben, herzlich wenig bedeutet, und somit, +hochgeehrte Herren, warte ich, bis ich sehen werde, was Ihnen beliebt zu +antworten Ihrem in Hochachtung und vorzüglicher Ergebenheit ertrinkenden + + Wenzel. + + + + +»Geschwister Tanner« + + +Der hinreißende Glanz in den dunklen hauptstädtischen Straßen, die +Lichter, die Menschen, der Bruder. Ich in der Wohnung meines Bruders. +Ich werde diese schlichte Dreizimmerwohnung nie vergessen. Es war mir +immer, als sei ein Himmel in dieser Wohnung mit Sternen, Mond und +Wolken. Wunderbare Romantik, süßes Ahnen! Der Bruder bis in alle Nacht +im Theater, wo er die Dekorationen machte. Um drei und vier Uhr des +Morgens kam er heim, und dann saß ich noch da, bezaubert von all den +Gedanken, von all den schönen Bildern, die mir durch den Kopf gingen; es +war, als bedürfe ich keines Schlafes mehr, als sei das Denken, Dichten +und Wachen mein holder, kräftigender Schlaf, als sei das stundenlange +Schreiben am Schreibtisch meine Welt, mein Genuß, Erholung und Ruhe. Der +dunkelfarbige Schreibtisch so altertümlich, als sei er ein alter +Zauberer. Wenn ich seine feingearbeiteten, kleinen Schubladen aufzog, +sprangen, so bildete ich mir ein, Sätze, Worte und Sprüche daraus +hervor. Die schneeweißen Gardinen, das singende Gaslicht, die +länglich-dunkle Stube, die Katze und all die Meeresstille in den langen +gedankenreichen Nächten. Von Zeit zu Zeit ging ich zu den munteren +Mädchen in die Mädchenkneipe, das gehört auch mit dazu. Um nochmals die +Katze zu erwähnen: sie setzte sich immer auf die beiseite gelegten, +vollgeschriebenen Papiere und blinzelte mich mit ihren unergründlich-gelben +Augen so eigentümlich an, so fragend. Ihre Gegenwart glich +der Gegenwart einer seltsamen, schweigsamen Fee. Ich habe +vielleicht dem lieben stillen Tier viel zu verdanken. Was kann man +wissen? Ich kam mir überhaupt, je mehr ich vordrang mit Schreiben, wie +behütet und wie beschützt vor von einem gütigen Wesen. Ein sanfter, +zarter, großer Schleier wob um mich. Es sei hier allerdings auch der +Likör erwähnt, der auf der Kommode stand. Ich sprach ihm so viel zu, als +ich durfte und konnte. Alles, was mich umgab, wirkte labend und belebend +auf mich. Gewisse Zustände, Verhältnisse, Kreise sind einmal da, um +vielleicht nie mehr wieder zu erscheinen, oder dann erst wieder, wo man +es am allerwenigsten voraussetzt. Sind nicht Voraussetzungen und +Vermutungen unheilig, frech und unzart? Der Dichter muß schweifen, muß +sich mutig verlieren, muß immer alles, alles wieder wagen, muß hoffen, +darf, darf nur hoffen. -- Ich erinnere mich, daß ich die Niederschrift +des Buches mit einem hoffnungslosen Wortgetändel, mit allerlei +gedankenlosem Zeichnen und Krizzeln begann. -- Ich hoffte nie, daß ich +je etwas Ernstes, Schönes und Gutes fertigstellen könnte. -- Der bessere +Gedanke und damit verbunden der Schaffensmut tauchte nur langsam, dafür +aber eben nur um so geheimnisreicher, aus den Abgründen der +Selbstnichtachtung und des leichtsinnigen Unglaubens hervor. -- Es glich +der aufsteigenden Morgensonne. Abend und Morgen, Vergangenheit und +Zukunft und die reizende Gegenwart lagen wie zu meinen Füßen, das Land +wurde dicht vor mir lebendig, und mich dünkte, ich könne das menschliche +Treiben, das ganze Menschenleben mit Händen greifen, so lebhaft sah ich +es. -- Ein Bild löste das andere ab, und die Einfälle spielten +miteinander wie glückliche, anmutige, artige Kinder. Voller Entzücken +hing ich am fröhlichen Grundgedanken, und indem ich nur fleißig immer +weiter schrieb, fand sich der Zusammenhang. + + + + +Eine Stadt + + +Eines Tages, mitten im Sommer, langte ich in einer Stadt an, in welcher +ich einstmals gewohnt hatte, die ich aber nun schon seit manchem Jahr +nicht mehr wiedersah. Sie sah so bleich, so farblos aus, die Stadt, daß +ich mich vor ihr fürchtete. Ich ging durch die altbekannten Gassen, in +der Vermutung, daß mich ihr Anblick ergötzen und erquicken werde, doch +es war ganz anders, der Anblick schlug mich nieder, und ein seltsames, +unbeschreibliches Verzagen ging mir durch die enttäuschte Seele. Es kam +mir alles so tot vor, die Leute erschienen mir wie Gespenster. Unerfreut +starrten mich die bleichen Häuser an, und ich wiederum betrachtete sie +voller Mißtrauen. Die Frauen kamen mir wie keine Frauen, die Männer wie +keine Männer vor, und ich selber war zum unglücklichen Gespenst geworden +in der gespenstischen und unglücklichen Umgebung. Das elektrische Tram +erschien mir wie irrsinnig, die ganze Stadt machte mir den kummervollen +Eindruck eines traurigen, hoffnungslosen Traumes. Gebeugt von der Unruhe +und niedergeschlagen von den üblen Eindrücken, trat ich in ein +Wirtshaus, um mich ein wenig zu erfrischen, aber ich fand nur +neuerlichen Schrecken. »Warum bin ich nur hierher gekommen,« dachte ich, +und ich verließ die Halle. In der Gasse, durch die ich nun ging, roch es +wie nach dem Entsetzen. Ein altes geschminktes Weibsbild lächelte +gräßlich aus einem Fenster zu mir herunter. Mir schien, als wenn der +Mord hier herum zu Hause sei. Ich sehnte mich nach einer Tiefe, nach +einer Kühle, aber es war ringsum alles flach, schwül und leer. Staub in +den engen, fürchterlich kleinen Gassen, in denen Zwerge und +ungezieferartige Tiere zu leben und zu hausen schienen und nicht +Menschen. Die Fenster grinsten wie Grimassen mich an, und die offenen +Haustüren sahen aus, als seien sie sperrangelweit offen für jegliche Art +von Verrat, Laster und Verbrechen. Keine Tugend, keine Ehrlichkeit, +keine Ehrsamkeit schien mehr in dieser weltverlassenen Stadt möglich, +ich konnte kein Kindergesicht finden, die Kinder schienen gestorben zu +sein in dieser Stadt des starrenden und stierenden Entsetzens. Ich ging +wie wund umher, ich hätte mich am liebsten am Straßenboden niedersetzen +und heulen mögen, wie ein Tier, wie ein armer Hund, der seinen lieben +gütigen Herrn verloren. Ohne Stern war diese Stadt, ohne Sonne und ohne +Mond. Traurig ging ich weiter. Da zog es mich in ein Haus, o, in ein +Haus hinein, in das ich früher so oft gegangen. In dem Hause hatte ich +einstens gewohnt, und wie fröhlich war ich aus- und eingegangen. Jetzt +konnte ich das gar nicht mehr begreifen. Furchtsam stieg ich die Treppe +hinauf, die schlecht gehalten war. Eine Beklemmnis begleitete mich +hinauf, und da sah ich das dunkle Zimmer wieder, in welchem ich ehemals +logiert hatte, aber es war ein anderes Zimmer. Ich kannte es nicht mehr. +Es glich einem Sarg, und ein eisiger Schauer lief mir über den Rücken. +Ich ging nun auf die Suche nach einer Frau, die ich geliebt hatte, aber +die Leute schauten mich fremd und verständnislos an, als habe ich mich +nach einer Frau erkundigt, die vor tausend Jahren lebte. Wie süß, wie +liebevoll war sie gewesen. Ich fühlte noch die sanften Liebkosungen +ihrer Hand auf meiner Stirn, und es war mir, wie ich nun so meines Weges +weiterging, als sollte sie auf mich hinzutreten und mich küssen. Aber es +begegnete mir niemand, der mich kannte. Alles, alles war fremd. Mir war +nichts wert, und ihnen allen, den fremden Leuten, war ich nichts wert. +Ich drehte der Stadt den Rücken und wanderte weiter. + + + + +Spaziergang + + +Ich habe einen wohligen, kleinen, appetitlichen Spaziergang gemacht, +leicht und angenehm wickelte er sich ab. Ich ging durch ein Dorf, dann +durch eine Art von Hohlweg, dann durch einen Wald, dann über ein Feld, +dann wieder durch ein Dorf, dann über eine eiserne Brücke, unter welcher +der breite, sonnige, grüne Strom vorüberfloß, dann den Strom langsam +entlang und so fort, bis es Abend wurde. Doch ich muß wieder zu dem Wald +zurückkehren. Übrigens werde ich sehr wahrscheinlich auch über die +Brücke noch etwas zu sagen haben. Im Wald war es so heilig-still, so +feierlich, und als ich aus dem feuchten, dunkelgrünen Tannenwald +herauskam, sah ich am Rand des Waldes zwei Kinder, die Holz +zusammengelesen hatten, und die so helle Gesichter und Arme hatten. Die +Wintersonne warf einen milden, goldenen Wunderglanz über den Feldhügel, +über grüne Wiesen und dunkelbraunes Ackerland. Kahle, schwarze Bäume +standen in der Sonne. Da sah ich, indem ich so ging, ein neues +Kindergesicht, ein süßes, welches mich anlächelte. Und dann kam ich, wie +gesagt, zu der Brücke, die ganz im Golde und im Silber der Sonne +schimmerte und zuckte. Wonnig und großartig floß das Wasser unter der +Brücke. Später, im Feldweg, begegnete mir eine Frau, deren ich mich +darum erinnere, weil sie mich so freundlich grüßte. Da dachte ich: +»Welch ein Vergnügen ist es doch, unter den Menschen sein zu dürfen.« +Die Häuser am anderen Ufer des Flusses standen so schön, so frei auf der +grünen Anhöhe, und die Fenster waren voll gelben Schimmers. Eine Schar +Vögel flog in den brennenden Abendschimmer hinein. Ich verfolgte mit +meinen Augen die Kette, bis sie verschwand. Eine Seite der Welt war +ruhig und warm und dunkel, die andere war kalt und goldig und +schimmernd-hell. Ruhig, Schritt für Schritt, ging ich weiter, bis ich +einbog ins Land. Alsdann sah ich einige Leute, eine Frau und ein Kind +unter abend-schwärzlichen Bäumen. Ihre Augen sahen mich so fragend an. +Dann ging ich neben einem Haus vorbei, das ganz allein auf freiem weiten +Felde stand, ein zierliches, wunderseltsames altes liebes Gärtchen davor +oder daneben. Das Gärtchen umzäunt von einer wunderlichen, +phantastischen Hecke. Nun wurde mir mit einem Mal alles zu Traum, Liebe +und Phantasie. Alles, was ich jetzt anschaute, nahm große und hohe Form +an. Die Gegend selber schien zu dichten, zu phantasieren. Sie schien +über ihrer eigenen Schönheit zu träumen. Das Land war wie versunken in +ein tiefes, musikalisches Denken. Ich blieb bezaubert von der Schönheit, +die mich umgab, stehen und schaute mich aufmerksam nach allen Seiten um. +Es war Abend geworden, das Grün sprach eine herrliche abendliche +Sprache. Farben sind wie Sprachen. Dem Haus, bei dem ich stand, hing das +Dach in die Fenster hinab wie eine Kopfbedeckung in die Augen. Sind +nicht die Fenster die Augen der Häuser? Ich mußte jetzt zum Halbmond +hinaufblicken, der hoch über dem Waldberg stand. Wundersam war es mir, +zu sehen, wie die dunkle Erde so warm, so gesellig, so wohlig-ruhig +dalag, und wie der Mond da oben in der schimmernd-blassen und kalten +Himmelseinsamkeit schwebte und glänzte. Seine Farbe war ein scharfes, +eisigkaltes Silbergrün. Göttlich schön und unaussprechlich dunkel stand +der Wald mit seinen reizenden Tannenspitzen unter dem graziösen +Herrscher, dem herrlichen Mond. Ich kam an einem anderen Haus vorüber, +eine Frau stand an der Tür, und ein Kätzchen kauerte neben ihr. Ich ging +mit meinen Gedanken in das Haus hinein und blieb mit ihnen darin wohnen. +»Wie sind Menschen und Häuser einander ähnlich,« sagte ich murmelnd zu +mir selber. Dunkler und dunkler wurde es. Abende sind Gottheiten, und im +Abend ist man wie in einer süßen, hohen, wehmutreichen Kirche. Am +blassen Himmel stand jetzt ein feuriges, süßes Rot. Es war, als sei der +Himmel eine Wange, die vor Glück und vor Seligkeit erglühe. Ein +Bauernbursche führte eine braune Kuh neben mir vorüber. Die kleinen +Dorfkinder sagten gar wunderschön aus dem zunehmenden Abenddunkel heraus +guten Abend. Alle Gesichter waren rötlich angeglüht vom rosig-glühenden +Abendrot. Schon zeigten sich die Sterne. Da war gerade das Wirtshaus am +Weg. Ich ging hinein. + + + + +Das Kätzchen + + +Ich kam nur eben vom Berg herab in eine kleine, nette, altertümliche +Vorstadt hinein. Ein Haus stand da, das war so zart, als blinzle es mit +seinen Augen, will sagen, mit seinen Fenstern. Eine alte Frau stand an +der Straße und streckte ihren Kopf in eines der Fenster, sie führte wohl +ein gehäkeltes Gespräch mit einer Nachbarin. Aber die Hauptsache ist: +ich sah vor dem Haus eine Katze, nein, keine Katze, sondern ein junges +Kätzchen, gelb und schneeweiß von Farbe. Durchs Fenster, welches +geschlossen war, sah ich eine gute alte Frau an der Nähmaschine sitzen +und fleißig nähen. Ganz entzückt von dem lieben kleinen Kätzchen blieb +ich stehen, um das Tier sorgfältig zu betrachten, welches da ganz still +saß, den Schwanz zwischen die Vorderpfoten geringelt. Die Frau sah, daß +da ein fremder Mann so still stand, sie trat ans andere Fenster, das +offen war, und schaute zu mir heraus mit freundlichen Augen. »Ach so,« +sagte sie, »Sie schauen sich wohl die Katze an.« »Ja,« sagte ich. Das +Kätzchen schaute zu der Frau hinauf und ließ ein kleines, feines, süßes +Miauen vernehmen, wobei es die Zähnchen zeigte. Ich grüßte die Frau und +ging weiter. Noch aber bog ich mich einmal zurück und sah, wie das +Kätzchen nach einem dürren Blatt haschte. Wie der Wind wirbelte das +liebe muntere Tier herum. Wirklich wehte auch gerade der Seewind. Ich +kam durch die Stadt, die nur eine einzige, dafür aber breite Straße +besitzt. Nun, und da kugelten zwei Jungen am Boden, zwei drollige +Jungen, noch nicht einmal für die Schule reif. Was vermag ich noch +beizufügen? Nicht sonderlich viel. Ein großes altersgraues Schloß war +da, und daneben floß ein Strom. Ich ging heim, und während ich so +heimwärts ging, hatte ich immer noch in Gedanken mit dem gelben und +weißen Kätzchen zu tun. Wie man doch nur achten mag auf so kleinliche +Dinge. + + + + +Tannenzweig, Taschentuch und Käppchen + + +An einem Vormittag stieg ich den waldbesetzten, steilen Berg hinauf. Es +war heißes Wetter, und der Aufstieg kostete mich manchen Schweißtropfen. +Der grüne Wald glich an Helligkeit und Schönheit einem Lied. Wie ich +oben auf der Höhe ankam, konnte ich so recht frei in die weiße +schimmernde Tiefe blicken. Das tat ich, und ich konnte mich an der +herrlichen Aussicht gar nicht satt schauen. Wie schön, wie wohltuend ist +eine Aussicht von einem hohen Berge. Der Blick schweift in die weite, +umflorte, helle Ferne und steigt nieder in die wohllüstige, +göttlich-schöne Tiefe. Wundersames Blau war am Himmel. Der Himmel +zerfloß in süßem Blau, war ganz getränkt von Blau. Blau und grün und die +goldene Sonne stimmen wunderbar zusammen, gleich einem süßen, milden, +dreistimmigen, freundlichen Lied, wo jede Stimme sich um die andere +schlängelt, wo jede Stimme die andere liebkost und küßt, wo alle drei +seligen, glücklichen Stimmen einander umwinden und umschlingen. Ich kam +nachher zu einer Bank mitten im kühlen, grünen, hohen Tannenwald +gelegen, und was sah ich darauf liegen? Einen Tannenzweig, ein +Taschentüchelchen und ein Puppenkäppchen. Wie stimmte mich nun wieder +dieser neue Anblick fröhlich, wo mich vorher der Anblick der Naturhöhe +und -tiefe beglückt, berauscht und erheitert hatte. »Ein Kind muß hier +gewesen sein und hat diese lieben Zaubersachen hier liegen lassen,« +sagte ich, indem mich ein Lächeln ankam, zu mir selber. Der grüne +Tannenzweig lag auf dem kindlich weißen, zarten und blassen Taschentuch +so weich, und das Käppchen, wie lächelte es den aufmerksamen Beschauer +so freundlich, so naiv an. »O Gott, o Gott,« rief es in mir, »wie ist +die Welt durch das Dasein süßer, lieber, unschuldiger Kinder schön und +ewig, ewig wieder gut. Daß man doch nie aufhöre und immer wieder von +neuem anfange, an die Güte, an die Schönheit, an das Glück, an die Größe +und an die Liebe der Welt zu glauben.« Noch warf ich auf Tannenzweig, +Taschentuch und Käppchen rasch einen Blick und eilte weiter, denn es +ging gegen Mittag, und ich wollte punkt zwölf beim Mittagessen sein. + + + + +Der Mann + + +Einmal saß ich in einem Restaurant am Viehmarktplatz. Es sitzen dort +mitunter sehr feine Herren, doch von den feinen Herren will ich nicht +reden. Feine Herren bieten gar wenig Interessantes dar. Wollen +unterhalten sein, sind selber absolut nicht unterhaltend. Ein Mann saß +in einer Ecke, der hatte einen heiteren, gütigen, freien Blick. Seine +Augen ruhten wie in unabsehbaren Fernen, in Ländern, die mit der Erde +nichts zu tun haben. Der spielte alsogleich auf einer Art von Flöte, daß +alle die, die im vornehmen Restaurant saßen, die Augen auf ihn richteten +und auf seine Musik lauschten. Wie ein großes, gut gelauntes, starkes +Kind saß der Mann da mit seinen sonnigen Augen. Nachdem das +Flötenkonzert vorbei war, kam ein Klarinett an die Reihe, welches er +nicht minder vortrefflich spielte und handhabte wie die Flöte. Er +spielte sehr einfache Weisen, aber er spielte sie vorzüglich. Hierauf +krähte er wie ein Hahn, bellte er wie ein Hund, miaute er wie eine Katze +und machte er mu! wie eine Kuh. Er hatte sichtlich seine eigene Freude +über die verschiedenen Töne, die er zum Besten gab, doch das Beste kam +hinterdrein, denn jetzt zog er aus einem Henkelkorb, den er unter dem +Tisch stehen hatte, eine Ratte hervor und spielte liebes Kindchen mit +ihr. Er gab der Ratte von seinem Bier zu trinken, und es zeigte sich +deutlich, daß Ratten sehr gerne Bier trinken. Ferner steckte er das +Tier, vor dem alle vernünftigen Menschen einen so entschiedenen Abscheu +haben, in die Rocktasche, und zu guter Letzt küßte er es auf sein +spitziges Maul, wobei er fröhlich vor sich hin lachte. Eigentümlich war +der Mann mit dem versonnenen, verlorenen Ausdruck in den glänzend-klaren +Augen. Ein Freund der Musik und ein Freund der Tiere war er. Sehr +sonderbar war er. Er machte auf mich einen tiefen, zum mindesten doch +nachhaltigen Eindruck. Überdies sprach er sehr gut französisch. + + + + +Das Pferd und die Frau + + +Daß ich zwei kleine Erinnerungen aus der Großstadt doch nicht vergesse +niederzuschreiben. Die eine betrifft einen Pferdekopf, die andere eine +alte arme Streichholzverkäuferin. Um beide Dinge, um das Pferd sowohl +wie um die Frau ist es Nacht. In einer Nacht, wie in so vielen anderen +Nächten, die bereits verbummelt und in das Vergessen hinabgeschüttet +waren, zog ich im eleganten, gleichwohl aber nur geliehenen Überzieher +durch die Straße, als ich an einer der belebtesten Stellen ein Pferd, +das vor ein schweres Fuhrwerk gespannt war, erblickte. Das Pferd stand +still da im undeutlichen Dunkel, und viele, viele Menschen eilten an dem +schönen Tier vorüber, ohne ihm eine Spur von Aufmerksamkeit zu schenken. +Auch ich eilte, ich hatte es sehr eilig. Ein Mensch, der bestrebt ist, +sich amüsieren zu gehen, hat es stets furchtbar eilig. Doch betroffen +durch den wunderbaren Anblick des weißen Pferdes in der schwarzen Nacht +blieb ich stehen. Die langen Strähnen hingen dem Tier herab bis zu den +großen Augen, aus denen eine unnennbare Trauer schaute. Unbeweglich, als +sei es eine weiße Geistererscheinung, aus dem Grab herausgestiegen, +stand das Pferd da, mit einer Ergebenheit und Duldung, die an Majestät +mahnte. Doch weiter riß es mich, denn ich wollte mich ja amüsieren. Auch +in einer anderen Nacht war ich auf dem Sprung in das nichtswürdige +Vergnügen. Allerlei Lokale hatte ich bereits durchstreift, da bog ich in +eine finstere Straße hinein, und da rief's mich aus dem Dunkel an: +»Streichhölzchen, mein junger Herr.« Eine alte arme Frau hatte dermaßen +gerufen. Ich blieb stehen, denn ich war gerade voll herzlich guter +Laune, griff in die Westentasche nach einem Geldstück und gab es der +Frau, ohne ihr von ihrer Ware etwas abzunehmen. Wie sie mir da dankte +und mir Glück in die dunkle Zukunft wünschte. Und wie sie mir ihre alte, +kalte, magere Hand darreichte! Ich ergriff die Hand und drückte sie, und +froh über das kleine Erlebnis lief ich meinen Weg weiter. + + + + +Die Handharfe + + +Ich stand in der finsteren, sternenlosen Nacht an einer Straße, die +hinauf ins Gebirge führt. Da kamen mit Musik und lustigem Gespräche drei +Knechte oder Burschen an mir vorüber und gingen im kecken Taktschritt +weiter. Bald umfing sie die Finsternis, und ich sah schon nichts mehr +von ihnen, aber die Handharfe, welche einer von den dreien kunstgerecht +spielte, drang zurück aus dem Dunkel und bezauberte mein Ohr. Im Spiel +der Handharfe sind bisweilen simple junge Leute große Meister. Dieses +Instrument bedarf einer starken, festen Faust, und hieran lassen es +Burschen aus den Bergen gewiß nicht fehlen. So stand ich denn und +lauschte. Der prächtige, königliche Ton, sanft, groß und warm, ging +mit den Burschen in immer weitere Ferne. Sie mochten jetzt im Walde +angelangt sein, der Ton wurde weicher und leiser, in Wellen stieg er +auf und nieder. Ich dachte über einen Vergleich nach und verglich +den Klang mit einem Schwane, der tönend durch die Finsternis gleite. +Bald war alles still. In den Berggegenden ziehen die Knechte gerne +handharfespielend vor die Häuser, in denen ihre Mädchen wohnen. +Auch die drei Burschen gingen zu einem Mädchen. + + + + +Die Fee + + +Ein armer, junger Wanderbursche, eine Art umherziehender Dichter, kam +auf einer seiner wilden Wanderungen vor ein artiges, graziöses +Schlößchen, das ganz im leichten, hellen, süßen Frühlingsgrün versteckt +war. Aus einem Fenster schaute eine Frau und weil der junge Mann so +still stand und zu ihr aufschaute, so gefiel es der Dame, die eine Fee +oder etwas Feeähnliches war, zu ihm zu sagen, er solle doch zu ihr +hineinkommen. Das tat der Bursche, und aufs Allerfreundlichste hieß ihn +die schöne Frau willkommen. »Bleibe doch bei mir«, sagte sie zu ihm, +»was willst du nur immer weiter und weiter wandern?« Eine Zeitlang blieb +der Bursche bei ihr, eine Zeitlang gefiel ihm das Leben bei der süßen, +lieben, hohen Fee. Doch bald stellte sich in seiner Brust die +Wandersehnsucht wieder ein. Er wurde traurig, und er kam sich wie +versteinert vor. Das Marschieren fehlte ihm. »Was hast du? Gefällt es +dir nicht mehr bei mir?« fragte die Frau den Veränderten. Er gab aber +keine Antwort, sondern schaute zum Fenster hinaus in die grünliche, +bläuliche Ferne, wo für ihn der ganze Genuß des Daseins lag. Die Fee +wollte ihn küssen, doch er wich dem Kusse aus. Sie ging aus dem Zimmer +und weinte. Das ging so eine Weile, bis endlich der Bursche eines frühen +Morgens reisefertig vor der lieben Dame stand, um Abschied von ihr zu +nehmen. Göttliches, bezauberndes Morgenrot brannte am Himmel, und die +Vögel auf den grünen Zweigen sangen so verführerisch. »Ich will, ich +muß gehen,« sagte er, »ich muß wieder hinauswandern in die weite Welt. +Ich sterbe hier, ich fühle es. Ich muß meine Beine brauchen. Ich muß +Landstraßenluft einatmen, und wenn auch das Essen noch so schlecht ist, +so will ich doch lieber wieder im dürftigen Speisehaus essen als hier im +reizenden Schloß, wo ich träge bin. Lassen Sie mich ziehen und haben Sie +Dank für die vielerlei Freundlichkeit, die Sie mir zu genießen gegeben +haben.« So sprach der unkluge Bursche, und ohne auf das zu achten, was +die Fee sagte, ging er weg, und indem er wegging, sang er mit lauter, +frischer, fröhlicher Stimme ein Burschenlied in die offene, schöne, +warme Welt hinein. Weg war er, und die Fee hat ihn nie mehr wieder +gesehen. + + + + +Kleine Wanderung + + +Ich lief heute durch das Gebirge. Das Wetter war naß, und die ganze +Gegend war grau. Aber die Straße war weich und stellenweise sehr sauber. +Zuerst hatte ich den Mantel an; bald aber zog ich ihn ab, faltete ihn +zusammen und legte ihn auf den Arm. Das Laufen auf der wundervollen +Straße bereitete mir mehr und immer mehr Vergnügen, bald ging es +aufwärts und bald stürzte es wieder nieder. Die Berge waren groß, sie +schienen sich zu drehen. Die ganze Gebirgswelt erschien mir wie ein +gewaltiges Theater. Herrlich schmiegte sich die Straße an die Bergwände +an. Da kam ich hinab in eine tiefe Schlucht, zu meinen Füßen rauschte +ein Fluß, die Eisenbahn flog mit prächtig weißem Dampf an mir vorüber. +Wie ein glatter, weißer Strom ging die Straße durch die Schlucht und wie +ich so lief, war's mir, als biege und winde sich das enge Tal um sich +selber. Graue Wolken lagen auf den Bergen, als ruhten sie dort aus. Mir +begegnete ein junger Handwerksbursche mit Rucksack auf dem Rücken, der +fragte mich, ob ich zwei andere junge Burschen gesehen habe. Nein, sagte +ich. Ob ich schon von weit her komme? Ja, sagte ich, und zog meines +Weges weiter. Nicht lange, und so sah und hörte ich die zwei jungen +Wanderburschen mit Musik daherziehen. Ein Dorf war besonders schön mit +niedrigen Häusern dicht unter den weißen Felswänden. Einige Fuhrwerke +begegneten mir, sonst nichts, und ein paar Kinder hatte ich auf der +Landstraße gesehen. Man braucht nicht viel Besonderes zu sehen. Man +sieht so schon viel. + + + + +Wirtshäuselei + + +Eines Tages, im heißen Sommer, geschah es, trug es sich zu und machte es +sich, daß ich mich ganz furchtbar für Gaststuben interessierte. Ich weiß +nicht, ob es ein Zauberspuk war, genug, es zog mich bald in dieses, bald +in jenes Wirtshaus hinein. Meistens sind ja die Wirtshäuser auch gerade +so schön bequem an der Straße gelegen. Und kurz und gut, ich kehrte dir, +lieber Leser, da und dort hübsch artig und solid ein. Ich bin sonst ein +sehr, ein sehr solider Mensch, doch an diesem Tag erreichte ich den +Gipfel alles dessen, was handwerksburschenhaft und unsolid ist. Wie eine +Leidenschaft war es über mich gekommen, daß ich alles, was einem +»Schwanen«, einem »Löwen«, einem »Bären«, einer »Krone« oder einem +»Rebstock« ähnelte, untersucht und erforscht haben mußte. Bald war es +ein Zweier, bald ein Dreier und bald ein halber Liter, was ich trank, +und ich trank mit dem größten Vergnügen beides, Rot- wie Weißwein. +Wollte ich ein Weinkenner werden? Lag eine dunkle Absicht in mir, mich +zum Weinhändler und -schmecker auszubilden? War das Ganze eine +Phantasie? Ein Traum? Nein, nein, es war Wirklichkeit. Die Sonne, o wie +lächelte sie so süß auf den heiter-blauen Tag herab, den ich vertrank. +Und so ging es von einer Einkehrsgelegenheit recht manierlich in die +nächstbeste andere. Es war ein Einkehren und draus wieder Herausfegen, +und als die Sonne untersank, hatte ich etwas so Schönes, etwas so +rätselhaft Schönes im Besitz. Etwas Herrliches hatte ich mir zu eigen +gemacht. Ich besaß Reichtümer, unerhörte Reichtümer, es flimmerte und +tanzte mir vor den Augen. Kaum vermochte ich noch zu gehen, so stark +drückte eine holde, reiche Last auf mich herab. Das Gehen kam mir wie +ein fremdartiges, unbegreifliches Etwas vor, und eine Lust war in mir, +umzufallen und friedfertig am Boden liegen zu bleiben. Was hatte, was +hatte ich denn nur jetzt? Was war's, was ich an mich gerissen, was ich +mir erobert hatte? Ich besann und besann mich, aber ich vermochte es mir +nicht zu erklären. + + + + +Der Morgen + + +Gestern bin ich früh aufgestanden. Ich schaute zum Fenster hinaus. In +der Ferne, über dem Waldrücken war der Himmel glühend rot. Es war noch +vor Sonnenaufgang, die Welt war kalt und dunkel. Das Hochgebirge +zeichnete sich mit seinen zackigen Gipfeln herrlich-groß und dunkel im +brennenden Morgenrot ab. Ich zog mich rasch an, und ging hinunter, um in +den wundervollen, frischen Wintermorgen hinauszugehen. Der ganze Himmel +war voll rötlichen Gewölkes. Im Dorf, das nur wenige Schritte von +unserer Stadt entfernt ist, war die glänzende, rosige Straße voll +Schulkinder, die eilig zur Schule liefen. Rührend erschienen mir die +zahlreichen jungen Gestalten in ihrer Emsigkeit in dem goldenen Morgen, +der silberig glänzte. Eine seltsame, jugendliche Klarheit wehte, gleich +einem frischen Wind, durch die Gasse. Auch wehte ja der Morgenwind und +einige welke Blätter fingen über die Straße an zu tanzen. Prächtig +schimmerte der Glanz des Göttermorgens durch die Äste der kahlen Bäume. +Ich atmete aus voller Brust die köstliche Luft ein, einige Häuser +schimmerten grünlich, andere strahlten in süßem, reinem Rosarot, und das +Grün der Wiesen war so frisch. Aus der Nacht und ihrem Dunkel war alles +hell und unsäglich freundlich aufgestanden. Die Gesichter der Menschen +leuchteten so morgendlich. Die Augen blitzten und glitzerten, und am +Himmel schimmerten noch die Sterne in überirdischer, verzehrender +Schönheit. Überall ein Glanz und ein Wind. Der Wind fegte daher wie +jugendliche Hoffnung, wie neue, nie empfundene Zuversicht. Alles bewegte +sich, die Wäsche flatterte und knatterte, der Eisenbahnrauch flog auf +und verlor sich. Auch ich verlor mich. Ich war wie verzaubert, wie neu +geboren, und voll Entzücken schaute ich zum Morgenrot hinauf, wo das +selige, goldene Gewölke schwamm. In Herrlichkeit und in Seligkeit +zerrinnend löste es sich auf, und da trat die Sonne hervor, der Tag war +da. + + + + +Der Ausflug + + +Ich ging aus der Stube auf die Straße. Es war zu schönes Wetter, ich +vermochte nicht das schöne Wetter zu betrachten und dabei zu Hause zu +bleiben. Mild wie ein kleines, artiges Kind sah die Welt aus, so still +und hell, so freundlich-grünlich. Gravitätisch und ernsthaft schritt ich +vorwärts wie einer, der einen wichtigen Gang zu machen hat, etwa wie ein +sanfter, gesetzter Steuereinnehmer oder fast wie ein Notar, der über das +Land läuft. Es ist mir zur Gewohnheit geworden, stets so aufzutreten, +wie wenn ich Wichtiges und Nützliches im Sinne hätte. Man sieht gut aus +so, und die Leute achten einen. Beim Bahnübergang mußte ich warten, aber +ich blieb ganz gern eine kleine, feine Weile stehen. Alsdann und so ging +es weiter, durch ein Dorf, das ganz in Lieblichkeit gebadet dastand, +durch einen Wald, zum Wald wieder hinaus über ein Feld durch ein anderes +Dorf. Stellenweise war der Weg recht pappig, breiig und schmutzig. Da +tat ich, als sei ich weiß wunder wie entsetzt über die Unreinlichkeit, +wie der feinste Herr der Welt. Das Dorf war groß und schön, und da stand +auf der grünen sanften Anhöhe ein Bauernhaus, eine rechte Pracht von +einem Haus. Spielende Kinder auf der Landstraße und alles so leise, so +dunkel, so hell und so weich. Es war, als erwarte die ganze Welt etwas +Liebes und Schönes, stehe darum so zart da, so still. Das Dorf hatte ein +so kluges, gescheites Aussehen, und das Wirtshaus stand so imposant an +der Straße, daß ich recht ordentlich Respekt vor ihm bekam und kaum an +ihm aufzuschauen wagte. Auch war die gestrenge Ortspolizei in nächster +Nähe, bei deren Anblick ich mir so eigentümlich vagabundenhaft vorkam. O +das Gehen in die weite, saubere, stille Welt hinein ist eine Königslust. +Ein zweites Dorf tauchte bald danach auf. Dann ging ich den Berg hinauf. +Auf dem Berg oben stand in der Waldlichtung ein wunderschönes, altes +Gehöfte, so stolz, still und einsam. Bald ging ich wieder bergabwärts, +durch den winterlich kahlen Wald. Abends war ich zu Hause, gerade schön +pünktlich zum Abendessen. Ich bin und bleibe halt ein sonderbarer Freund +der Pünktlichkeit. + + + + +Schnee + + +Wir haben hier Schnee, lieber Freund, soviel du begehrst und du Lust +hast. Das ganze Land ist dick mit Schnee bedeckt. Wohin man blickt: +Schnee; Schnee da und Schnee dort. Auf allen Gegenständen liegt er, und +die Leute unserer Stadt, groß und klein, werfen sich, um sich ein +Vergnügen zu machen, Schneebälle an. Die Kinder können soviel Schlitten +fahren als sie wollen, und das wollen sie gern. Gestern stieg ich im +Schnee den Berg hinauf, und je höher ich kam, um so tiefer watete ich im +tiefen, weichen Zeug. Nicht nur die Zweige und Äste der Bäume, sondern +auch die hohen Stämme waren mit der weißen Last bedeckt. Es war nämlich +Schneesturm gewesen, und da fegte aus Westen das tolle Schneewesen +daher, als wolle es von seitwärts die Welt mit Weiß überschütten. Nimmt +mich wunder, daß nicht Haus und alles zugedeckt worden ist. Immer höher +in den verschneiten Wald hinauf stieg ich. Es ging nicht ab ohne einiges +Ächzen, denn im frischen tiefen Schnee läuft sichs schwer. Ich zog den +Hut vom schwitzenden Kopf ab wie im Sommer, und mein Wintermantel wurde +mir lästig. Da hörte ich Axtschläge. Ein junger Bursche stand ganz +allein in der weißen, abendlichen Waldeinsamkeit und machte sich mit +einer Tanne zu schaffen. Weiterhin und so stieß ich auf ein sonderbares +unerwartetes Hindernis. Zwei große Tannen, vom Sturm zu Boden gerissen, +lagen ihrer stattlichen Länge nach mitten im engen Waldweg und +versperrten denselben mit ihren weitausgreifenden Ästen. Doch ich +arbeitete mich wacker durch und ging weiter. Schon wurde es finster im +weißen Zauberwald. Da ging ich bergabwärts, durch all den Schnee. Einmal +warf es mich um, daß ich im Schnee saß, als habe ich mich zu Tisch +setzen wollen, um zu soupieren. Ich raffte mich auf, mußte lachen und +beschleunigte den Heimweg. + + + + +Der Blick + + +Eines Tages, im Sommer, es war in der Mittagsstunde, und ich ging +langsam nach Hause, um zum Essen zu gehen, begegnete mir in der +Gartenstraße des Villenquartieres, durch welches ich meine Schritte +lenkte, in all der Hitze und in all der Stille, die auf der +menschenleeren, hellen, ja, man muß sagen, grellen Straße herrschte, +eine so sonderbare Frau, als je eine vor kürzerer oder längerer Zeit mir +konnte begegnet sein. Müde und matt, so, als sehne sie sich im tiefsten +Innern nach einer Befriedigung und Sättigung, schritt sie auf der andern +Seite der Straße daher und indem sie mir näher kam, entdeckte ich an der +edlen Haltung, die sie nachlässig und fast verächtlich zur Schau trug, +eingeborener Gewohnheit gehorchend, und an den kostbaren Kleidern, daß +sie von vornehmem Stande sein müsse. Sozusagen träge und eine halbe +Interessiertheit ins Auge legend, schaute ich die fremde Dame kühl und +ruhig an; sie jedoch strafte mich, den sie ebenfalls anschaute, mit +einem langen und tiefen Blick voll Stolz und Klage. Es wollte mir später +vorkommen, als sei der Blick der schönen, stolzen, unglücklichen Frau, +bevor er mich getroffen habe, in den Himmel gedrungen und von hoch oben +herab auf mich gefallen, und noch heute sehe ich ihn, dunkelbraun und +voll Glut, auf mich gerichtet, den Blick der Frau. + + + + +Der Heidenstein + + +In dem Wald, der, weil er so schön ist, mich immer wieder zu sich zieht, +steht unter den hohen, schlanken, ernsten Tannen ein Stein, den die +Leute den Heidenstein nennen, ein schwärzlicher, moosüberzogener +Granitblock, auf welchen oft die Schulknaben klettern, ein wundersamer +Zeuge aus uralten, wundersamen Zeiten, bei dessen sonderbarem Anblick +man unwillkürlich stillsteht, um über das Leben nachzudenken. Still und +hart und groß steht er inmitten des lieben grünen heimeligen Waldes da, +gewaschen von unzählbaren Regengüssen, versteckt im Bereiche der +schweigenden treuherzigen Tannen, Bild der Vergangenheit, Ausdruck der +schier ewigen Beständigkeit und als ein Beweis vom unausdenklichen Alter +der Erde. Oft schon bin ich vor dem schönen Stein stillgestanden, den +zwei alte wunderliche Tannenbäume zieren, die auf dem ehrwürdigen +Gestein Platz zum kräftigen Wachstum gefunden haben. Auch heute habe ich +ihn wieder gesehen, und indem ich ihn so sah, sprangen mir folgende +leise für mich hingemurmelte Worte über die Lippen: »Wie schwach und +weich und leichtverletzlich ist doch das Menschenleben, verglichen mit +deinem Leben, du alter, unzerstörbarer Stein, der du lebst vom Beginn +der Welt an bis heute, der du leben und stehen wirst bis an das +fragwürdige Ende alles Lebens. Dich scheint das Alter eher zu festigen +und zu kräftigen, als anzugreifen und zu schwächen. Rings in der Gegend +sterben die empfindlichen Menschen. Geschlechter folgen auf +Geschlechter, die, Träumen ähnlich, und dem bloßen, zarten Hauch +verwandt, auftauchen und verschwinden. Dir ist keine Schwäche bekannt. +Ungeduld ist dir fremd. Gedanken rühren dich nicht an und das Gefühl +tritt nicht bis zu dir. Und doch lebst du, bist lebendig, führst dein +steinern Dasein. Sage mir, lebst du?« -- Voller sonderbarer Fragen, +voller Ahnungen entfernte ich mich von dem merkwürdigen alten, +trotzigen, steinharten Gesellen, und ich hatte das Gefühl, als sei er +ein Zauberer, als sei der Wald durch ihn verzaubert. + + + + +Der Waldberg + + +Ich bin um den einen von den beiden länglichen Waldbergen, die unserer +Stadt naheliegen, herumgegangen, wobei ich drei bis vier freundliche, +kluge, stille und sehr, sehr liebe Dorfschaften zu streifen, zu berühren +und zu passieren hatte. Wie ich mich entsinne, war das Wetter ein +winterliches-freundliches. Indessen ließ die Landstraße da und dort an +Sauberkeit und schöner, feiner Glätte zu wünschen übrig, was als großes +Unglück nun auch nicht gerade bezeichnet werden kann. Gibt es ja doch +Schuhputzer, die einem später das stark in Anspruch genommene Schuhwerk +wieder reinigen und in Ordnung setzen können. Die Welt gewährte einen +grünen, hauchartigen Anblick. Die Farben waren sehr zart, und was die +Formen und Erscheinungen betrifft, so begegneten mir auf der Straße +einige Fuhrleute mit Fuhrwerken, sowie eine alte behäbige, +korbdahertragende Bauersfrau und ein städtischer mürrischer Händler. Zur +linken Seite hatte ich fortlaufend und mit mir, dem Fußgänger, gleichsam +weitermarschierend, den Waldberg, während zur Rechten sich eine zarte, +schöne Ebene erstreckte, mit Feldern und Äckern und Moorlandschaft. Ein +kleines Landstädtchen mit Kirchturm in der Ferne und ein Stück Fluß, und +in einiger Nähe drei Frauen, die im Feldweg arbeiteten. Sie lachten und +redeten miteinander, als sie den einzelnen Wanderer so wacker und +fleißig dahermarschieren sahen. Ich muß und will gerne gestehen, daß +ich, wenn ich schon einmal marschiere, es mit einem gewissen sichtlichen +Eifer und Ernst tue, daß mir jedermann anmerkt, wie ich dabei genieße, +eine Offenherzigkeit, für die ich mich nicht schelten möchte. Ich kam +nun in ein Dorf und trat ohne viel Besinnen ins heimelige, einladende +Dorfwirtshaus, wo ich mir ein Glas Bier geben ließ. Nicht lange, und so +traten zwei der schönsten Bauerntypen herein, der eine langnasig und +mittelalt, der andere so alt und dabei so fröhlich, wie nur ein alter, +steinalter Landmann sein kann, der auf ein Leben voller Arbeit und +Mühsal gütig und heiter zurückblickt und fast -- herabblickt. Der +Langnasige hatte eine Tabakspfeife im Munde so trefflich eingeklemmt, +daß es aussah, als sei die Pfeife ein Teil des Gesichtes. Sein Gesicht +war das schönste Tabakspfeifengesicht, das ich je sah, und es war +unmöglich, sich das Gesicht ohne Pfeife vorzustellen. Die beiden +wackeren kernigen Erscheinungen setzten sich, nicht ohne vorher ein +wenig sich zu besinnen, zu mir an den Wirtstisch und verlangten vom +Mädchen ein Bäzzi- oder sogenanntes Drusenwasser. Ich erkundigte mich +sogleich nach der Beschaffenheit ihres Schnapses oder Branntweines, und +beide Leute beeilten sich, mit mir zu konversieren, was eine gar +freundliche und erquickliche Unterhaltung abgab. O es ist so ernst, so +schön, mit Menschen zu reden, die es hart haben im Leben. Der alte Bauer +war niemand anders als der Dorfälteste. Wie rührend erschien er mir. Ihm +zu Ehren trank ich zwei Gläser über den eigentlichen Durst hinaus und +verweilte länger im Gasthaus als ich zuerst wollte. Dann ging ich. Ich +zog den Hut vor den beiden, und sie beide lüpften oder besser lüfteten +die Kappen, und so zog ich hinaus, gleich einem kecken, gutgelaunten +Wanderburschen, auf die Straße, auf welcher es bereits Abend war, und +nun ging es leise, still und schön in die Welt und nachher in die Nacht +hinein. Viele liebe, rötlich-blasse Dorfkindergesichter sah ich noch, +und immer war der gute, herzliche, waldige Berg so warm und so +heimatanmutig mir zur Seite. Endlich kam ich auf einer feinen runden +Straßenwindung um ihn herum. So hatte ich ihn denn umgangen und umlaufen +und voller Stolz langte ich rechtzeitig zu Hause an. + + + + +Zwei kleine Sachen + + +I. + +Es muß jedes zuallererst für sich selber sorgen, damit es sich überall +leicht und sorglos kann sehen lassen. In dir ist eine Neigung, stets an +das andere zu denken und dich selbst zu vergessen. Sagt dir dafür das +andere Dank, und kann es das? Man ist nicht gern dankbar. Es will jedes +sich selbst das, was es ist, verdanken. »Das verdanke ich mir selbst,« +sagt eins gern. Indem du nun aber an jemanden bloß nur denkst, hast du +ihm noch zu nichts geholfen, dich aber hast du vielleicht schon +bedeutend dabei vernachlässigt. Weißt du, daß man die nicht liebt, die +sich vernachlässigen. + + +II. + +Ich ging so, und indem ich so meines Weges zog, begegnete mir ein Hund, +und ich schenkte dem guten Tier alle sorgfältige Beachtung, indem ich es +ziemlich lange anschaute. Bin ich nicht ein törichter Mensch? Ist es +denn etwa nicht töricht, eines Hundes wegen sich auf der Straße +aufzuhalten und kostbare Zeit zu verlieren? Aber indem ich so ging, +hatte ich ganz und gar nicht das Gefühl, daß die Zeit kostbar sei, und +so ging ich denn nach einiger Zeit gemächlich weiter. Ich dachte: »Wie +ist es doch heute heiß,« und es war in der Tat recht warmes Wetter. + + + + +Herbstnachmittag + + +Ich erinnere mich, einen schönen Nachmittag gehabt zu haben. Ich ging +über das Land, einen gemütlichen Zigarrenstumpen im Munde. Sonne +strahlte über die grüne Gegend. Im Felde arbeiteten Männer, Kinder und +Frauen, der goldene Kanal floß mir zur linken Seite, und zur rechten +hatte ich die Äcker vor den Augen. Schlendrig ging ich weiter. Ein +Bäckerwagen sprengte an mir vorüber. Sonderbar ist es, daß ich mich auf +jede Einzelheit wie auf eine Kostbarkeit so deutlich besinne. Es muß +eine große Kraft in meinem Gedächtnisse sein, ich bin froh darüber. +Erinnerungen sind Leben. So kam ich denn an manchem stattlich-heiteren +und behäbigen Bauernhaus vorbei, die Bäuerin beschwichtigte wohl etwa +den Hund, der im Sinne hatte, den Fußgänger und fremden Mann anzubellen. +Reizend ist es, still und gemächlich übers Land zu gehen und von +ernsten, starken Bäuerinnen freundlich gegrüßt zu werden. Ein solcher +Gruß tut wohl wie der Gedanke an die Unvergänglichkeit. Es öffnet sich +ein Himmel, wenn Menschen freundlich miteinander sind. Die Nachmittags- +und jetzt bald Abendsonne streute flüssiges Liebes- und Phantasiegold +über die Straße und machte sie rötlich zünden. Es war auf allem ein +Hauch von Violett, aber eben nur ein zarter, kaum sichtbarer Hauch. +Hauch ist nichts Fingerdickes zum Greifen, sondern tastet und schwebt +nur über dem sichtbaren und unsichtbaren Ganzen als ahnungsvoller +Schimmer, als Ton, als Gefühl. Ich kam an einem Wirtshaus vorbei, ohne +einzukehren; ich dachte das später zu tun. Im Behaglichkeitstempo +schritt ich weiter, ähnlich etwa wie ein sanfter, milder Pfarrer oder +Lehrer oder Bote. Manch ein Menschenauge guckte mich neugierig an, um zu +enträtseln, wer ich sein könnte. Da wurde es im wunderbaren tönenden +Lande immer schöner. Jeder Schritt leitete in andere Schönheit hinein. +Mir war es, wie wenn ich dichtete, träumte, phantasierte. Ein blasses, +schönes, dunkeläugiges Bauernmädchen, dessen Gesicht von der süßen Sonne +überhaucht war, schaute mich mit dem glänzend-schwarzen Zauber ihrer +Augen fragend an und sagte mir guten Abend. Ich erwiderte den Gruß und +zog weiter, zu Bäumen hin, die voller roter, goldener Paradiesesfrüchte +hingen. Wundersam leuchteten die schönen Äpfel in der Abendsonne durch +das dunkele Grün der Blätter, und über alle grünen Wiesen tönte ein +warmes, heiteres Glockentönen. Prächtige Kühe von brauner, weißer und +schwarzer Farbe lagen und standen, zu anmutigen Gruppen vereinigt, über +die saftigen Wiesen verstreut, die sich bis zum silbernen Kanal hinab +erstreckten. Ich hatte nicht Augen genug, um anzuschauen, was es alles +anzuschauen gab, und nicht Ohr genug, um auf alles zu horchen. Schauen +und Horchen verbanden sich zu einem einzigen Genuß, die ganze weite +grüne und goldene Landschaft tönte, die Glocken, der Tannenwald, die +Tiere und die Menschen. Es war wie ein Gemälde, von einem Meister +hingezaubert. Der Buchenwald war braun und gelb; Grün und Gelb und Rot +und Blau musizierten. Die Farben ergossen sich in die Töne, und die Töne +spielten mit den göttlich schönen Farben wie Freunde mit süßen +Freundinnen, wie Götter mit Göttern. Nur langsam ging ich unter dem +Himmelblau und zwischen dem Grün und Braun vorwärts, und langsam wurde +es dunkel. Mehrere Hüterbuben kamen auf mich zu, sie wollten wissen, wie +spät es sei. Später, im Dorf, kam ich am alten, großen, ehrwürdigen +Pfarrhaus vorbei. Jemand sang und spielte drinnen im Haus. Es waren +herrliche Töne, wenigstens bildete ich es mir ein. Wie leicht ist es, +auf einem stillen Abendspaziergang sich Schönes einzubilden. Eine Stunde +später war es Nacht, der Himmel glänzte schwarz. Mond und Sterne traten +hervor. + + + + +Der Felsen + + +Sommerabend war's. Die Luft war mild. Ein lindes, leises Lüftchen wehte +über den Felsen, auf welchem der weiße Pavillon steht. Er gleicht einem +kleinen griechischen Tempel, und man kann ihn schon aus weiter Ferne +sehen, wie er so schlank aus dem grünen Gebüsch hervorragt. Der Felsen +erhebt sich steil über dem Rand unseres Sees. Nur schmale Fußpfade +führen über ihn, und daher muß man sorgsam auf die Schritte achtgeben. +Heute am schönen Sommerabend standen allerlei stille Leute, Männer wie +Frauen, am Geländer beim Pavillon und schauten in die farbige abendliche +Tiefe hinunter, wo der See in seinem Glanze lag, von der Wärme und von +den Abendwinden umstreichelt. Das Wasser glich einem süßen Spiegel an +sanfter schimmernder Unbeweglichkeit, und die da hinabschauten, +vermochten mit den Augen kaum aufmerksam und innig genug zu schauen und +sich in das schöne große Bild zu versenken. Das warme grüne Ufer hielt +den silbernen, goldenen Abendsee wie mit zarten, liebenden Mutterhänden +und -armen umschlossen, als sei das Ufer die zärtliche, wachsame Mutter +und der See, der einem Traum an Schönheit glich, das unschuldige Kind, +an Süße und an Liebreiz mit nichts als allein nur mit ihm selbst zu +vergleichen. Alles so weit, still und warm. Der leise Wind wehte aus +unbestimmbarer Ferne wie schüchtern daher; er schien sich leise zu +freuen über sich selber, er schien kaum recht zu wagen, +daherzustreichen, er war wie ein Kind, das sich die zarte, zaghafte +Frage vorlegt: »Darf ich wohl, oder darf ich nicht?« Ein Zagen, ein +Zittern, ein Schweben, ein Liebkosen, und zugleich alles so groß und so +klein, so fern und so nah. Unbeschreiblich und unfaßbar schön war es, +wie das Dunkel nach und nach zunahm und die Tageshelle sich in dem +dunklen Golde verlor. Wie ein Gedanke sich verliert in einen anderen, +schwand der reiche, stolze Sommertag dahin. Zweierlei Gemälde kämpften +miteinander. Ich schlug mich durch das dunkelgrüne Eichengebüsch, das im +Abendlichte goldig schwamm, und kam zu einer Gruppe anmutig lagernder +junger Burschen, von denen einer sagte: »Es ist ein milder Abend heute.« +Aus dem See heraus klangen Stimmen und Liedertöne, und dazwischen drang +der Ton einer Handharfe warm und wundersam zum Felsen hinauf, von +welchem aus man die Boote und Gondeln unten auf dem lieben Wasser hin +und her gleiten sehen konnte. Auf einem Felsvorsprung, der ein kühnes, +graziöses Lustplätzchen bildete, lagen ein Mädchen und ein Bursche eng +beieinander, die sich in der Sommerabendschönheit glücklich fühlten und +sich mit leisem, zweistimmigem, süßem Singen und mit Händedrücken und +mit fortwährendem Einander-Anschauen die Zeit vertrieben. Ich blieb +stehen, um zu lauschen, was sie sich zu sagen haben mochten. Doch sie +redeten kein Wort. Ganz in ein Schauen, in ein Sein und in ein Fühlen +versunken, lagen sie da, ganz nur Genuß, ganz nur Genügen und Vergnügen. +Jetzt küßten sie sich, und es sah aus, als wollten sie durch die ganze +liebe warme Sommernacht an dem Kusse hängen bleiben. Ich strich mich +weg, tiefer in das dunkele Gestrüpp, welches mir mit seinem Laub das +Gesicht berührte. Es war jetzt Nacht geworden. + + + + +Die Eisenbahnfahrt + + +Ich saß im Eisenbahnwagen. Es war so hell, appetitlich und still darin. +Gleichsam achtungsvoll und so säuberlich stiegen die lieben einfachen +Leute in den Wagen. Wer redete, der tat es ruhig und freundlich, wollte +nicht prunken und auffallen damit. Einige der Männer rauchten +Zigarrenstumpen. Auch ich rauchte. Ein paar junge Soldaten waren da, die +sich gar nicht lärmend benahmen, vielmehr dasaßen wie artige Kinder. Sie +machten aber einen durchaus soldatischen Eindruck. Die Kraft liebt zu +ruhen, und die erlittene starke Anstrengung verhält sich gern still. So +leis war es und ging es zu im Eisenbahnwagen. Alsbald setzte sich der +Zug ganz fein und vorsichtig in Bewegung, als sage er: »Nur hübsch +ruhig. Wir gelangen schon ans Ziel.« Wie schön war diese Fahrt; ich +werde sie nie vergessen. Warum vergißt man dieses nie und anderes so +bald? Das ist sonderbar und doch wieder leicht begreiflich. Sacht und +sanft also rollte unser Wagen nun hinaus ins grüne, freie Weite. Die +Welt sah so weit und doch zugleich so nah, klein und eng aus. So +wunderbar hell war's. Die höheren Bergketten hatten noch Schnee; die +Ebene aber duftete und grünte schon wie so recht mitten im lieblichen +Frühling. Etwas Frühlingshaftes rumorte mir im Herzen. Ich war glücklich +und wußte nicht warum. Am schönsten erschien's mir, zu sehen, wie +friedlich alle meine Reisegenossen im Wagen saßen. Heiterkeit und ein +gesunder warmer Zweck drückte sich auf ihren Gesichtern ab, und die +Gesichter, wie waren sie so hübsch verschieden. Wir fuhren über eine +Brücke. Manierlich baten die Bahnbeamten um die Fahrkarten. Ich hätte +schwören mögen, nie so honette, brave Leute gesehen zu haben. Ich +schaute immer aufmerksam aus dem Fenster, so recht der Welt, die da +draußen sich weit und breit erstreckte, ins große gute Auge. +Bauernhäuser und -gärten und weiße Landstraßen, Felder und grüne üppige +Hügel und die lieben dunklen Wälder. Es sah alles so sauber, so +wohnlich, so wohlhabend aus. Der Himmel zeigte ein schüchternes, feines +Blau, und weiße Wolken zogen aus der Nähe in die Ferne und aus der Ferne +in die Nähe. Es wechselte alles ab. Alles war Gleichheit, Ähnlichkeit +und doch auch Abwechslung. So ist es für mich am schönsten. Ich will +nicht verblüfft, sondern gern nur still immer wieder überrascht sein. +Auf einer ländlichen Station stiegen Bauersleute ein, stattlich +angezogen mit dem Sonntagskleid. Im Wesen und Benehmen des Bauern lag es +wie kluge, einfache Feierlichkeit, und die Bäuerin war geradezu schön zu +nennen durch einen Zug von Zurückhaltung, den sie höchst angenehm zur +Schau trug. Weiter ging's. Artig und gedämpft lief und dampfte es +vorwärts. Es war kein Rasen. Auch mit Gemächlichkeit wird ein Ziel +erreicht. Grad erst recht. Ah, das war eine recht, recht schöne +Eisenbahnfahrt, das! Ich will sie warm betten in die Erinnerung, daß sie +mir noch oft in Gedanken vor dem Gesicht erscheinen mag. + + + + +Das Lachen + + +Ich habe ein himmlisches Lachen gehört, ein Kinderlachen, ein +wunderbares Gelächter, ein ganz feines, silberreines. Ein göttliches +Kichern war's. Ich kam gestern, Sonntag, gegen sieben Uhr heim, da hörte +ich's, und ich muß hier unbedingt Bericht davon erstatten. Wie arm in +ihrem Ernst und mit ihren trocken-ernsthaften Mienen sind die +Erwachsenen, die Großen. Wie reich, wie groß, wie glücklich sind die +Kleinen, die Kinder. Ein so volles, reiches, süßes Glück lag im Lachen +der zwei Kinder, die neben einer Erwachsenen einhergingen, eine so +überschwengliche, reizende Freude. Sie waren ganz Seligkeit, indem sie +sich dem Lachen hingaben. Ich lief absichtlich langsam, damit ich sie +recht lange lachen hören könne. Ein Genuß war's für sie, sie genossen +die ganze Köstlichkeit, die in einem Lachen liegen kann. Sie konnten gar +nicht aufhören mit Lachen, und ich sah, wie es sie schüttelte. Sie +krümmten sich förmlich darunter. O, so rein war's, so ganz nur kindlich! +Worüber sie vielleicht am unbändigsten und am lieblichsten lachten, war +die strenge Miene, die das erwachsene Fräulein neben ihnen zu ziehen für +nötig erachtete. Des großen Mädchens Ernst gab ihnen am meisten zu +lachen. Doch endlich, von so viel liebreizender Lustigkeit hingerissen, +lachte auch die Gemessene, die Ernste und die Große. Sie war besiegt von +den Kindern und lachte nun wie ein Kind mit den Siegerinnen, den +Kleinen. Wie sind über die Grämlichen die Glücklichen Sieger! Die zwei +Kinder lachten in ihrer Unschuld über alles, über Heutiges und +Gestriges, über dieses und jenes, über sich selber. Sie mußten über ihr +eigenes Lachen lachen. Ihr Lachen kam ihnen immer lächerlicher, lustiger +vor. Ganz deutlich fühlte und hörte ich's. Ich pries mich glücklich, daß +ich das Glöckchenkonzert, das Lachkonzert anhören durfte. Die ganze +Straße entlang lachten sie. Sie wollten fast umfallen, sich fast +auflösen und zergehen vor Lachen. Alles an ihnen, den lieben glücklichen +Kindern, lachte mit, die Köpfe, die Glieder, die Hände, Füße und Beine. +Sie bestanden ganz nur noch aus Lachen. Wie schimmerte und glitzerte die +Lachlust in ihren Augen! Ich glaube fast, sie mußten so gräßlich, so +grausam, so anhaltend lachen über einen dummen, kleinen Jungen. So +schelmisch und wieder so schön war's, so rührend und so ausgelassen. +Wahrscheinlich war der Lachanlaß nur ganz geringfügig gewesen. Kinder +sind eben Künstler im Erfassen eines Grundes, recht selig zu sein. Ein +kleiner, leiser Vorfall mag es gewesen sein, und da machten sie eine +große Geschichte daraus, hingen solch ein langes, großes, breites, +üppiges Lachen daran. Kinder wissen, was sie glücklich macht. + + + + +Der Berg + + +Ohne dich einer Anstrengung zu unterziehen freilich gelangst du nicht +hinauf auf den schönen Berg. Doch ich bilde mir ein, daß du die Arbeit +des Besteigens nicht scheuen wirst. Heller, warmer, ja sogar heißer, +heiterer Sommermorgen, Sommervormittag ist es, und die Welt, soweit du +zu schauen vermagst, besteht aus einem Meer, aus einem Strom, aus einem +Hauch von Blau und Grün. Oftmals bleibst du eine kleine Weile stehen, um +Atem zu schöpfen, dir den Schweiß vom Kopf abzuwischen, und hinunter in +die Tiefe zu blicken. Nun wirst du mir erlauben, zu denken, du seist +oben auf dem grünen, weichen und breiten Bergrücken glücklich und +freudig angekommen, wo dich auch gleich kühle, reine Bergluft umweht, +die du mit Entzücken einatmest, daß dir die Brust und das Herz sich +ausweiten. Göttlich schön mutet dich, lieber Freund, das Stehen auf der +erstiegenen Höhe an, und du bildest dir ein, daß du im Genuß der süßen, +hohen Bergesfreiheit ertrinken müssest. Ganz wie ertrunken im Meer der +köstlichen Luft und im Meer des Bergsteigerglückes kommst du dir vor. +Selig bist du, daß du hinabschauen kannst auf die Welt, die dir wie ein +heiteres, reiches Gemälde zu Füßen liegt, die da unten liegt und tönt +und duftet wie ein Lied, wie ein Gedicht, wie eine Illusion. Langsam +gehst du unter Tannenästen und reizendem Buchengrün, welches dich mit +seiner frischen Götterfarbe wie mit einem Kinderlächeln anlächelt, auf +der Weide weiter, liegst vielleicht eine halbe oder ganze Stunde +glückselig und gedankenlos am Boden; erhebst dich wieder und schreitest +weiter durch all die ringsverbreitete süße, heiße Melodie von Blau und +Grün. Das Grün ist so üppig und saftig, daß du meinst, es sei eine Flut, +in welcher du watest, badest, schwelgst. Es ist ein Schwelgen, ein +lustumschlungenes Gehen und Lustwandeln in Arkadien. Griechenland ist +nicht edler und schöner, und Japan mit seinen Fürstengärten kann nicht +lust- und glücküberschütteter sein. Sanft, zart und fern dringt aus der +tiefen Menschenebene das Geräusch des tätigen, täglichen Lebens an dein +horchendes Ohr herauf, indes deine Augen das blendend schöne und liebe +Weiß der Wolke trinken, die wie ein Märchenschiff am blauen Himmel +schwimmt. Süßes Girren und Brausen, Summen und Lüftelispeln, und da +stehst du, unter all dem Licht, in all dem Licht, zwischen all den +Farben, und schaust hinüber zu den Nachbarbergen, welche, Traumfiguren +ähnlich, still und groß und gedämpft in die Luft hinaufragen, und du +grüßest sie wie Freunde, du bist ihnen Freund, sie sind es dir. Du bist +der Freund der ganzen Welt; ans Herz möchtest du ihr sinken, der +wunderbaren Freundin. Umschlungen hält sie dich und du sie. Du verstehst +sie, liebst sie und sie dich. + + + + +Schwärmerei + + +Ob ich mit ihr dann den Berg hinaufgehen werde? Nein, ich glaube, es +wird schöner sein, ins weiche niedere Land hineinzuspazieren mit ihr. +Bergsteigen und Anstrengungen überwinden kann ich, wenn ich allein bin. +Mit ihr soll es ein Lustwandeln sein wie in einem angenehmen, weichen, +leichten Garten. Zu überreden werde ich sie schon wissen. Sie wird schon +zu verführen sein. Will ich sie verführen? Ja! Aber ich will ihr treu +sein bis weit, weit hinaus. Treue und Liebe sollen kein Ende nehmen. Wie +ich schwärme! Also leise übers grüne Land soll es gehen, durch die +sanfte und offenherzige Gegend, an den Menschen, an den Tieren und an +den lieben, heimeligen Bauernhäusern vorbei, Bäume stehen links und +rechts neben dem Weg in den Wiesen, und weiße Wolken fliegen oder liegen +am hellblauen Himmel. Alles ist dort grün, weiß und blau, da und dort +das zarte, alte Rot eines Hausdaches, das bis an die Erde herabreicht. +Alles hell, alles freundlich, alles still. Nun und so kommen wir, denke +ich mir, in einen dunklen, grünen Wald, in ein rechtes Kircheninneres +von Wald, wo die hohen, schlanken, zarten Tannen wie Säulen stehen, und +wo es kühl ist, daß man leise schauert. Unsere Schritte sind nicht +hörbar auf dem tannenreisbelegten, weichen, braunen Boden. Wie ein +Sinnbild der Treue und des liebevollen Harrens ist der Wald; bald treten +wir aus dem Wald wieder heraus und sehen einen grünen Wiesenhügel mit +gelben, länglichen Kornplätzen. Der Wind streicht liebkosend über das +Korn und macht es wogen wie Wellen. Es ist so warm, und die Farben sind +so süß. Auf dem weißen Weg gehen wir langsam weiter. Jeder Schritt ist +ein Erleben, und in jedem Augenblick liegt es wie ein Ereignis. +Verständlich, als wenn es ein glückliches Lächeln sei, liegt das Leben +da und ist das treue, schöne Land vor unseren Augen ausgebreitet. Da +erkühne ich mich, bilde ich mir ein, des Mädchens zarte Hand leise, +leise anzufassen, und nun weiß sie auch schon alles, alles. Die +Herrliche, sie senkt die Augen, und indem sie das tut, bindet sie mich +für immer, schließt sie mich für immer ein in den weichen Kerker. -- Ich +bin ihr Gefangener. Ich will reden, doch alle Worte, die mir einfallen, +genügen mir nicht, und so schweige ich. Eine weiße und rote Rose geht +neben mir, das ist sie, sie, deren dunkler, wunderbarer Wunsch nun mein +Gesetz, Stern und Regierung ist. Still hat sie gewartet, bis ich käme +und sie bäte, Herrscherin zu sein -- -- -- + + + + +Oskar + + +Sehr früh schon fing er dieses sonderbare Treiben an, daß er auf die +Seite ging und ein so ausdrückliches Gefallen am Alleinsein fand. Er +erinnerte sich in späteren Jahren deutlich, daß niemand ihn auf solche +Dinge aufmerksam machte. Ganz von allein kam es und war es da, das +seltsame Bedürfnis, einsam und abgelegen zu sein. Ganz allein aus sich +selber holte er den Gedanken, daß es schön sei, sich zu verschließen, um +so wieder frische Lust zu gewinnen, und neue Sehnsucht zu empfinden, +offen zu sein, und harmlos unter die Menschen zu treten. Es war eine Art +Rechnung, die er machte, eine Art Aufgabe, die er sich stellte. In ein +armseliges, halbzerstörtes Haus an der Bergstraße war er gezogen; hier +bewohnte er ein dürftiges, kleines Zimmer, welches ausgestattet und +ausstaffiert war mit einem bemerkenswerten Mangel an Mobiliar. Einheizen +ließ er nicht, obgleich es Winter war. Er wollte es nicht behaglich +haben. -- Rauh und unwirklich und schlecht sollte es rings um ihn sein. +Ausharren und etwas ertragen wollte er. Er befahl sich das. Und auch das +hatte ihm niemand gesagt. Er ganz allein war auf die Idee gekommen, +die ihm sagte, daß es für ihn gut sei, wenn er sich befehle, +Unannehmlichkeiten und Unholdheiten freundlich und gutmütig zu ertragen. +Er nahm sich wie in eine Art von hoher Schule. Er ging da, gleich einem +absonderlichen, wilden Studenten, in die Hochschule. Es galt für ihn, +die Beobachtung zu machen, wie weit er sich erkühnen dürfe, es zu +treiben, wie viel er imstande sei, zu wagen. Bisweilen kam das Bangen zu +ihm ins Zimmer und streifte ihn mit dem kalten Flor des Verzagens. Aber +er war einmal hineingetreten in das Wagnis, absonderlich zu sein, und es +mußte so weitergehen, fast ohne daß er es wollte. Wer in die +Seltsamkeiten hineingegangen ist, den nehmen sie und führen ihn mit +regierenden Händen weiter, reißen ihn fort, lassen ihn nicht wieder los. +Einsam verbrachte er die Tage und die Nächte. Zwei kleine Kinder lagen +im anderen Zimmer, hart an der Wand. Er hörte sie vielmal kläglich +weinen. Ganze lange dunkle Nächte lag er schlaflos da, als sei der +Schlaf sein Feind, fürchte und fliehe ihn, und als sei das Wachbleiben +sein guter Kamerad, der sich nicht von ihm zu trennen vermöge. Täglich +machte er denselben Gang durch die winterlich gefrorenen Wiesen, wobei +es ihm war, als befinde er sich auf tagelanger Wanderung durch fremde, +unbekannte Gegenden. Ein Tag glich dem andern. Kein junger Mensch würde +dieses Leben haben schön finden können. Er aber wollte es einmal so; er +befahl sich, daß er diese Lebensweise schön finde. Da er Reize sehen +wollte, sah er sie auch, da er die Tiefe suchte, fand er sie, da er Not +kennen lernen wollte, gab sie sich ihm zu erkennen. Freudig und stolz +ertrug er alle sogenannte Langeweile. Das Einerlei und die eine und +selbe Farbe waren ihm schön, und der eine Ton war sein Leben. Er wollte +nichts wissen von Langeweile. Es gab keine für ihn. So regierte er sich. +So lebte er. Er verkehrte wie mit sinnlich-körperlichen Wesen mit den +stillen Frauen, den Stunden. Sie kamen und gingen, und Oskar, so hieß +er, verlor nie die Geduld. Ungeduld bedeutete Tod für ihn. Ausdauer, in +die er sich mit freiem Willen wohllüstig senkte, war sein menschlich +Leben. Süß wie Rosenduft umstrickte und umduftete ihn der Gedanke, daß +er arm sei. Er gehörte mit Leib und Seele und mit allen seinen Gedanken +und Gefühlen und mit dem ganzen Herzen zu den Armen. Er liebte die +versteckten Wege zwischen den hohen Hecken, und die Abende waren seine +Freunde. Keinen höheren Genuß kannte er, als den Genuß von Tag und +Nacht. + + + + +Die Einfahrt + + +Lange Jahre war ich fern gewesen vom lieben alten Land, und nun saß ich +mit Landsleuten, mit stillen, bescheidenen Arbeitsleuten zusammen, im +Eisenbahnwagen, der mich schon als solcher in der Seele entzückte. +Langsam, als sei er die Beute einer tiefen Nachdenklichkeit und als sei +es ihm ein Bedürfnis, zögerlich vorzurücken, fuhr der Zug, es war ein +Arbeiterzug. Ich war recht froh, daß es ein so stiller Zug war und daß +ich jetzt zusammensaß mit den ärmlichen, ernsten Leuten aus dem Volk. Es +war mir, als lerne ich wieder mein Volk so recht aus dem Grunde kennen, +als fahre ich mit dem Eisenbahnzug in das Herz des Volkes hinein. Abend +wurde es. Auf jeder kleinen, dörflichen Station hielt der Wagen an, und +liebe, brave, arbeitsame Menschen stiegen ein und aus. Mich beschlich +eine wunderbare, angenehme Zärtlichkeit für das Land und für die Leute. +Land und Leute öffneten sich mir so still, so groß. Immer größer, immer +schöner wurde das abendliche Gebirgslandschaftsbild. Eine zarte, stille +Freundschaftsglut bemächtigte sich meines Innern, das mir zu blühen, zu +lachen, zu weinen schien. Ich fühlte, wie ein Glanz mir in die Augen +kam. Da schaute ich immer hinaus in die Landschaft mit ihren +phantastisch-steilen, grünen Höhen und immer fuhr der Zug zart und leise +weiter. Ich will die Fahrt nie, nie vergessen. Göttlich-schön war es, +wie ich und die andern Leute so still hineinfuhren, hineingleiteten in +die Berge, welche mir wie Lieder, wie alte großartige Melodien +entgegentönten. Unvergeßlich wird mir das goldig-dunkle Abendgebirge im +Sinne bleiben. Still redeten die Insassen des Wagens miteinander, +Männer, Jünglinge und Frauen. Die Nation trat mir nah; das Vaterland und +sein hoher, goldener Gedanke schwebten mir ums Herz. Lange Jahre war es +immer flach und glatt und öd vor meinem Auge gewesen, daß die weite, +hoffnungsarme Leere mir die Seele verdorren machen wollte. Jetzt +ging es wieder freundlich in die kühne Höhe und sank in reiche, +himmlisch-schöne, gedankenvolle Abgründe hinunter. Eine stille +Vaterlandeslust brannte in mir und eine alte, süße, wundervolle Liebe +wurde wieder wach zu meinem Entzücken. O das war ein schönes +Eisenbahnfahren mit mildgesinnten, klugen, ernsten Landsgenossen in die +Umschlungenheit hinein. Es umschlang uns mit Felsen und mit Bergen. +Liebe, grüne Täler lachten in der Tiefe und von der Höhe herab nickte +stolz die edle Tanne. Ich sah das Haus an der Halde stehen und Menschen +auf den Wegen gehen, die sich in die Wälder schlängelten. Das Land +öffnete die Arme, und ich, ich sank hinein in die Umarmung und war +wieder der Sohn des Landes und seiner Bürger einer. Allmählich wurde es +Nacht. + + + + +Die Vaterstadt + + +Der junge, rüstige Reisende langte mit der Bahn in der Stadt an, in der +er geboren war. Der Ort erschien ihm lieblich wie nie zuvor. Er trat in +einen Zigarrenladen und kaufte sich Tabak. Der Zigarrenhändler entpuppte +sich als ein Schulkamerad von ihm. Viele Jahre war der Reisende fort +gewesen, wie war er jetzt entzückt, daß in der Heimatstadt alles so +schön gleich geblieben. Wundersam, wie ein Kindheitstraum, wo +Engelsgestalten sich zu uns niederneigen, erschien ihm das altbekannte +Leben und Treiben in den schönen, stillen, feinen Straßen. Dunkle +Aprilfarben erfüllten die Luft und überraschend für des Fremdlings Augen +war der Glanz, der in der Sphäre und auf allen Gegenständen lag. Etwas +Niegesehen-Großes breitete sich deutlich vor ihm aus und ließ ihn +Erregungen gänzlich neuer Art empfinden. Er war erregt und beglückt +dabei, er zitterte und er hätte dazu lachen und spielen mögen. Es war +ihm um die Brust, als sei er, seit er die alte, liebe Stadt betreten, +wieder viel jünger und viel gütiger und viel freundlicher geworden. +Unbefangen und freundlich schauten die Leute ihn an, ohne ihn lang und +scharf und groß anzublicken. So behaglich und frei und warm und köstlich +kam ihm alles vor, die Häuser so zierlich, die Bäume so prächtig. +Grünliches Treiben und Knospen war schon an den weichen, kräftigen +Zweigen sichtbar, und dazu ließen die Singvögel aus allen Gassen und +Nebengassen ihren süßen, lieben, einschmeichelnden Gesang vernehmen. Der +Reisende schaute und horchte. Horchte, horchte! Er ging nur ganz langsam +weiter und blieb immer stehen. Seine Unbefangenheit kämpfte mit einer +Art von Bangen und Ahnen, welches sich seiner Seele bemeisterte. Er fand +zuletzt ein Häuschen, das am Felsen angeschmiegt lag. Die Bäume im +zierlichen Garten waren so klein. Alles schien zu lächeln, zu lispeln +und zu zwitschern. Tiefsinnig-grün schaute ihn ein Stück Wiese an. Er +besann sich auf alte längst vergessene Träumereien. Alte +Lieblings-Einbildungen erhoben ihr schelmisches, liebliches Geflüster, +und die Fenster des Häuschens schienen lustig zu blinzeln wie Augen +eines gescheiten Menschengesichtes. Da trat er hinein. In dem Hause +wohnte sein alter Vater. + + + + +Das Grab der Mutter + + +An einem Sonntag, gegen Abend, ging ich zum Friedhof, der nur wenige +Schritte von dem Ort entfernt liegt, wo ich wohne. Es hatte kurz vorher +geregnet, es war daher alles noch feucht, der Weg, die Bäume. Ich kam in +den Totenhof hinein zu den alten, stillen, heiligen Gräbern, und hier +empfing mich wie mit süßen, lieben, keuschen Armen ein so schönes, +frisches Grün, wie ich es nie gesehen. Leise schritt ich auf dem +kiesbelegten Wege vorwärts. Es war alles so still. Kein Blatt bewegte +sich, nichts regte und rührte sich. Es war, als lausche alles. Wie wenn +das Grün die ringsverbreitete Feierlichkeit empfinde und über das uralte +und immer wieder junge Rätsel vom Tod und vom Leben in ein langes und +tiefes Sinnen versunken sei, hing es und lag es da in seiner feuchten, +wunderbaren Schönheit. Ich habe nie so etwas gesehen. Gewaltig mußte es +mich ergreifen, zu sehen, wie der Ort des ernsten Todes und des +Schweigens für immer so süß, so grün, so warm war. Kein Mensch außer mir +ließ sich erblicken. Außer dem Grün und den Grabsteinen war nichts da. +Ich wagte kaum zu atmen in all dieser Lautlosigkeit, und mein Schritt +kam mir frech und unzart vor mitten in all dem heiligen, ernsten und +zarten Schweigen. Unendlich freundlich und lieblich hing das reiche Grün +eines Akazienbaumes über ein Grab herab, bei dem ich stehen blieb. Es +war das Grab meiner Mutter. Da schien alles nun zu flüstern und zu +lispeln, zu reden und zu deuten. Das lebendige Bild der Lieben und der +Verehrten stieg mit seinem Gesicht und mit des Gesichtes edlem Ausdruck +sanft und schleierhaft hinauf aus des grünen, stillen Grabes unfaßbarer +Tiefe. Lange stand ich da. Doch nicht traurig. Auch ich und du, wir, wir +alle kommen einst dahin, wo alles, alles still ist und beschlossen ist +und alles aufhört und alles sich auflösen muß zu einem Schweigen. + + + + +Abend + + +Ich saß in der Wirtsstube zu den drei Tannen still am Tisch wie ein +schweigender, denkender, nachrechnender Händler und stand jetzt auf und +ging hinaus auf die abendliche Straße, wo der Abendzauber mich mit +seinem Dunkel empfing. Das Wirtshaus liegt zart und nah am Waldberg, +über welchem jetzt der Halbmond herrlich leuchtete. Auf der Dorfstraße +war es unsäglich schön. Einige Helligkeit war am Verschwinden, war noch +da, hauchte und schwebte noch da und dort herum. Doch die Sterne +erschienen bereits, zwischen großen, warmen Wolken, am dunkleren und +dunkleren Himmel. Dunkelheit fing mehr und mehr an zu regieren. Die +Leute standen so schön undeutlich da und gingen im Dunkel so schön warm +und sanft dahin. Jemand sagte mir freundlich guten Abend. Es war ein +Mädchen. Ich vermochte in der zaubervollen Dunkelheit rote Wangen und +liebe, helle Augen noch zu unterscheiden. Kinder gingen und spielten +über den weichen Weg. Alles war so still, lautlos, freundlich-nachbarlich, +gut und groß. Ich wünschte, daß die Zeit zwischen Tag und +Nacht, die schöne Zwischenzeit, die liebe, schöne Abendzeit +ewig, ewig andauern möchte. Eine Ewigkeit lang Abend. Weiter +ging ich. Es war mir, als gehe und trete ich im Land der Poesie selber, +so hold und wunderbar kam mir die Welt vor in ihrem zarten Abendmantel. +Über allem lag der Schleier der Zartheit und der Verhaltenheit. Mildes, +dunkles, süßes Bangen hielt Schritt mit mir, ging neben und hinter und +vor mir. Da kam ich über die Brücke. Die großen Wolken sanken hinab in +das stille, fließende Wasser und die Sterne zitterten von unten aus dem +Fluß herauf, als sei die Natur verwandelt und die ganze Welt verzaubert. +Unten und oben, das Vordere und das Zurückgesunkene! Wie trunken von all +der Schönheit marschierte ich weiter, ein Glücklicher, ein Berauschter. +Ich trank am Bild und hing am Bild des Abends. Da war grad das Wirtshaus +zur Brücke, ich ging ohne zu denken hinein, es zog mich so, ich hatte so +das Bedürfnis, kaum wußte ich, was ich tat. Als ich wieder draus +heraustrat, war es völlige Nacht mit völlig-göttlich-schöner Finsternis. +Überall die Lichter nun in den Fenstern. Ich machte, daß ich nach Hause +kam, es war Zeit. Auf dem Heimweg sah ich noch eine Frau mit ihren zwei +kleinen Kindern. Die blonden Locken von dem einen Kind gaben einen +hellen, frohen Schein im dichten Dunkel, und süß war es für mich, wie +mich der Engel mit kindlich-lieber Stimme grüßte. O wie schön ist ein +Gruß aus Kindermund in dunkler Nacht. + + + + +An den Bruder + + +Fast mache ich mir einen Vorwurf, daß ich solch ein Schlenderer, +Herumfeger und Spaziergänger bin, aber es ist hier eine so schöne +Gegend, ein so heiteres, gut aufgeräumtes und ich möchte sagen +gesprächiges Land. Alles ist hell, schön, frei und warm. Land und Leute +scheinen sich gleich unbefangen zu geben. Das Land bietet sich dar wie +ein artiges, liebes, kleines Kind mit Unschuld-Augen und -Fragen, und +mit Unschuld-Farben. Die Farben, mein lieber Maler, sind ein +weitverbreitetes Blau und ein ebenso weit ausgebreitetes helles Grün, +und dazwischen sind Stellen, die blendend weiß sind, und dann kommt +wogendes, duftendes, herzerquickendes Gelb, und das ist das Kornfeld, +durch welches der Wind leise weht. Tag und Nacht, Morgen und Abend sind +unendlich schön, sind ein Schauspiel, so recht zum Satt-Anschauen. Man +wird nie müde, nie satt, nie matt; man ist immer wieder begierig, immer +wieder ungesättigt, immer wieder unbefriedigt. Und doch ist zugleich ein +wundersamer Frieden und ein so schönes, festes, leichtes Genügen in der +Luft. Wenn du spazieren gehst, so gehst du wie in der Luft spazieren und +meinst, du werdest zu einem Teil des blauen Hauches, der über allem +schwebt. Dann regnet es wieder, und alles Gegenständliche ist dann so +naß, feucht und voll süßen Glanzes. Die Leute hier fühlen die Süße und +die Liebe, die in der Natur ist, die in der ganzen lebendigen Welt ist. +Sie stehen angenehm herum, und ihren Bewegungen ist nachzuspüren, daß +sie freie Leute sind. Wenn sie zur täglichen Arbeit gehen, so sieht es +nicht aus wie mürrisches Müssen, sondern wie freisinniges Wollen. Sie +schlendern so, wenn sie gehen und wenn sie etwas verrichten, so brauchen +sie nicht zu hasten, und das bietet ein appetitliches, gesundes Bild +dar. Was macht die Hauptstadt mit ihren heftigen Energien? Meine Energie +ist hübsch schlafen gegangen einstweilen. Ich gehe sehr energisch baden +und träume voller Energie in die blaue Luft hinauf. Ich bin ungemein +energisch im Gehenlassen und Nichtstun. Sie rennen sich doch nur oft die +Köpfe an Mauern wund mit ihrem ewigen Großes-Verrichten-Wollen. Ich, ich +will mich hier wieder recht behaglich zurechtfinden. Ich will gedeihen, +ich will wachsen. Das heißt, Bester: ich will es nicht. So etwas darf +man nicht wollen, sondern man wünscht es, man hofft es bloß, man träumt +davon. Ich bin jetzt sehr oft ganz, ganz gedankenlos, und wie paßt das +zu all der Schönheit, zu all der Freude und zu all der Größe der Natur. +Eine himmelblaue Welle ist über mich gekommen und hat mich unter ihrem +flüssigen, liebevollen Leib begraben. Ich lebe wieder auf, weil ich viel +vergessen habe, ich führe wieder ein Leben, weil ich sehe, daß das Leben +schön ist. Zuweilen ist's mir, als möchte ich die Welt, die ganze Welt +umarmen und ans frohe Herz drücken. Ich schwärme! und ich bin von Herzen +froh, daß ich es noch kann. Ich möchte es nicht verlernen. + + + + Frauenbund + zur Ehrung rheinländischer Dichter + gegründet 3. Juli 1909 + zu Darmstadt + + 1914 + + + + +Einbandzeichnung +von Karl Walser + + + + +Der geschäftsführende Vorstand: + + Frau Guido Schoeller, Düren, 1. Vorsitzende + Frau Geheimrat Prof. Litzmann, Bonn, 2. Vorsitzende + Frau Prof. Trübner, Karlsruhe, 3. Vorsitzende + Frau Kom.-Rat Rudolph Schoeller, Düren, Schatzmeisterin + Frau Emma von Eynern, Düren, stellvertretende Schatzmeisterin + Frau Elisabeth Schäfer, Vallendar, Schriftführerin + + +Der erweiterte Vorstand: + + Barmen: Frau Eduard Schulz + Bensheim: Frau Kommerzienrat Euler + Bielefeld: Frau Justizrat Ohly + Bonn: Frau Geheimrat Schultze + Coblenz: Frau Geh. Kommerzienrat von Oswald + Coblenz: Frau Regierungsrat Snethlage + Cöln: Frau Kommerzienrat Louis Hagen + Cöln: Frau Dr. Richard Schnitzler + Crefeld: Frau Emil von Beckerath + Crefeld: Fräulein Margarethe Hermes + Dortmund: Frau Konsul Robert Hoesch + Düsseldorf: Fräulein Minna Blanckertz + Düsseldorf: Frau Prof. Julius Buths + Düsseldorf: Frau Reg.-Präs. a. D. zur Nedden + Duisburg: Frau Oberbürgermeister Dr. Jarres + Elberfeld: Frau Addy Graf + Frankfurt a. M.: Fräulein Clara Roger + Hagen: Frau Irma Graeve + Hamm: Frau Christine Merkel + Langerwehe: Frau Irma Hasenclever + Mannheim: Frau Julie Bassermann + Mannheim: Frau Kommerzienrat Röchling + Mannheim: Frau Gerta Thorbecke + Merzig a. d. Saar: Frau Landrat Haniel + Minden: Frau Regierungsrat Moldehnke + Mülheim a. d. Ruhr: Frau M. Niebel + St. Johann-Saarbrücken: Frau Adolf Ehrhardt + Trier: Frau Prof. Dr. Hermine Hettner + Uerdingen: Frau Rudolf Wedekind + Wiesbaden: Frau Dr. H. Stempel + Worms: Fräulein Anna Reinhart + Zürich: Frau Dr. Ernst Schwarzenbach + + +Lesekommission: + + Frau Geheimrat Prof. Litzmann, Bonn, Vorsitzende + Frau Geheimrat Clemen, Bonn + Frau Ida Dehmel, Blankenese bei Hamburg + Ihre Exzellenz Baronin von Heycking, Crossen in Sachsen + Frau Guido Schoeller, Düren + Frau Kommerzienrat Rudolph Schoeller, Düren + Frau Addy Graf, Elberfeld + Frau Christine Merkel, Hamm i. W. + Frau Dr. Eulenberg, Kaiserswerth + Frau Alice Trübner, Karlsruhe + Frau Elisabeth Schäfer, Vallendar + Fräulein Thekla Rudorff, Wiesbaden + + +Rechnungsprüfer: + + Herr Gustav Renker, Düren + + +Mitgliederliste. + + +_Aachen_ (21) + + Fräulein Käte v. d. Bank + Frau Konsul Paula Brockhoff-Hoesch + Herr Konsul Alfred Brüls + Frau Otto Croon + Frau Geheimrat Delius + Frau Max Erckens + Frau Fr. v. Halfern + Frau Polizeipräsident v. Hammacher + Fräulein Bertha Herren + Frau Ernst Hirtz + Frau Honigmann-Kirdorf + Frl. Anna Honigmann + Frl. Lili Honigmann + Frau Geheimrat Kirdorf + Frau Max Kirdorf-Suermondt + Frau A. von Luttitz + Frau Prof. Marwedel + Frau Berta Peltzer + Frau Eugen Peltzer + Frau Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Schmid + Frau Marita Startz + + +_Alsfeld_ + + Fräulein Elsa Bücking + + +_Alten-Plathow_ b. Genthin + + Frau Martha v. Treskow + + +_Altkirch_ (Ober-Elsaß) + + Frl. Elfriede Widemann + + +_Alzey_ (Rheinpfalz) + + Frau Kreisamtmann Reinhart + + +_Amöneburg_ b. Biebrich a. Rh. + + Frau Otto Dyckerhoff + + +_Antwerpen_ (4) + + Frau Anna Davidis + Frau Paul Karcher + Frau Richard Rhodius + Frau Valentin Schoeller + + +_Baden-Baden_ (3) + + Frau Adele Borchard + Frau A. Platz + Frau Karina Scheitlin + + +_Baden_ (Schweiz) (3) + + Frau Victoire Boveri + Frau Eric Brown-Moser + Frau Direktor L. Dotzenheimer + + +_Bamberg_ + + Freifrau Hertha v. Seefried auf Buttenheim + + +_Barmen_ (31) + + Frau Addy Schulz, M. d. e. V. + Frau Eduard Braselmann + Frau Emil Bremme + Frau Richard Bredt-Schuell + Frau H. Brüninghaus + Frau Martha Conradi + Frau Emil Dierichs + Frau Alex Erbslöh + Frau Geh. Kommerzienrat Julius Erbslöh + Frl. Margreth Erbslöh + Frau Walter Erbslöh + Frl. Anna von Eynern + Frau Gustav Adolf Grote + Frau Kommerzienrat Theodor Hinsberg + Frau Grete Jung + Frau Dr. jur. v. Knapp + Frau Eugenie Krenzler + Frau Medizinalrat Dr. Kriege + Frau C. A. Kruse + Frau Ernst Molineus + Frau Carl Neumann + Frau Anna Platzhoff + Frau Erna Reber + Frau Fanny Schmahl + Frl. Hedwig Schmahl + Frau Auguste Tilgenkamp + Frau Cecilie Vorwerk-Blank + Frau Kommerzienrat Dr. E. Wittenstein + Frau Dr. Wesenfeld + Frau Ludwig Weerth + Frau Albert Wever jun. + + +_Basel_ (Schweiz) (3) + + Frau Finy Doetsch-Benziger + Fräulein Gretel Engler + Frau Otto Röchling + + +_Benrath_ a. Rh. + + Frau Dr. Rudolf Esch, geb. von Beckerath + + +_Bensheim_ a. d. Bergstraße (3) + + Frau Kommerzienrat Euler, M. d. e. V. + Frau Karl Euler + Frau Marietta Euler + + +_Berg.-Gladbach_ (4) + + Frau Paula Gibelius + Frau Auguste Leussen + Frau Kommerzienrat Zanders + Frau Hella Zweiffel-Weiler + + +_Berlin_ (40) Groß-Berlin + + Frau Melinka Luise Aschoff, geb. Krafft + Frau Henrietta Bagel + Frau Therese Balke + Frau Leutnant v. Berghes + Herr Stadtrat Hans Bergmann + Fräulein Lili Beerli + Frau Geheimrat Alice Dombois + Frau Oberbürgermeister Dominicus + Frau Dr. M. Dreger + Frau Konsul P. Gaertner, geb. Knoop + Frau Patentanwalt Goldberg + Ihre Exzellenz Frau Martha von Hagens + Frau Oberleutnant Haniel + Frau Paul Hamm + Frau Clara Harkort + Frau Hauptmann von Heiligenstedt + Frau Konsul Ernst Hengstenberg + Frau Mathilde Hengstenberg + Frau Erna Hergersberg-Storp + Frau Baurat Herzberg + Frau Elisabeth v. d. Heydt + Frau Hela Hoeckner, geb. Miquel + Frau Regierungsassessor a. D. Gennes + Frau Elly Keetman + Frau Ida Knobloch + Frau M. Koehler + Frau Baurat Krause + Frau Helene Krauß + Frau Elisabeth Lienau + Frl. Julie Nedelmann + Frau Dr. Osthoff + Freifrau v. Palm, geb. v. d. Heydt + Frau Marta von Pelken + Frau Bankdirektor Schlitter + Frau Dr. Schönenberger + Frau Baronin Paula v. Schorlemer + Fräulein Maria Storp + Frau Anna Strauß + Frau Prof. Uphues + Frau Geheimrat Dr. Stübben + + +_Biebrich_ a. Rh. + + Frau Reinhold Lynen + + +_Bielefeld_ (11) + + Frau Justizrat Ohly, M. d. e. V. + Frau Margarete Bertelsmann + Frau Justizrat Bock + Frau Marta Bozi + Frau Erich Delius + Frau Rechtsanwalt Fasbender + Frau Dr. Groneweg + Frau Rechtsanwalt Heidsiek + Fräulein Emilie v. Laer + Frau Carl Lohmann + Frau Landgerichtspräsident Waitz + + +_Bielstein_ (Rheinland) (2) + + Frau Carl Haas + Frl. Helene Kattwinkel + + +_Blankenese_ b. Hamburg (2) + + Frau Ida Dehmel + Frau Bankdirektor Haue + + +_Bocholt_ b. Remscheid + + Frau Adolf Reygers + + +_Bochum_ i. Westf. (4) + + Frau Erster Staatsanwalt Dr. Goedicke + Frau Landrichter Dr. Grundig + Frau Bankdirektor Mahnert + Frau Justizrat Dr. Mummenhoff + + +_Bonn_ (65) + + Frau Geheimrat Prof. B. Litzmann, 2. Vorsitzende + Frau Geheimrat Schultze, M. d. e. V. + Frau Geheimrat Prof. Paul Clemen, M. d. L. A. + Frau General v. Armin + Frl. Veronika Bouvier + Frau Brab-Thon + Frau Prof. Bunge + Frau Bullrich + Frau Hedwig Cohen-Bouvier + Frau Dr. Cords + Frau Amtsgerichtsrat Daniel + Frau Oberlandesgerichtsrat Eichacker + Frau v. d. Elst + Frau Dr. Enders + Frau Prof. Dr. Finkelnburg + Frau Th. Fleitmann + Frau Dr. Freusberg + Frau Sophie Gerhardt + Frau Oberstleutnant v. Gilsa + Frau Otto Glauert + Frau Prof. Graff + Frau Prof. Dr. Carl Grube + Frau Prof. Grüters + Frau Franz Guilleaume + Fräulein Betty Günther + Frau Geheimrat Hammerschmidt + Frau Geheimrat Hövermann + Frau Landgerichtspräsident Junkermann + Fräulein Ellen Kalthoff + Frau H. Klamroth + Frau Geheimrat Krüger + Frau Prof. A. Landsberg + Herr Geheimrat Prof. Berthold Litzmann + Frl. Elisabeth Litzmann + Fräulein Johanna Marx + Frau Maria Merckens + Frau Dr. Möller + Fräulein Dr. Annemarie Morisse + Frau Geheimrat von Mosengeil + Frl. Elisabeth Neubig + Frau Bauinspektor Oehlmann + Frau Prof. Pflüger + Frau Dr. Poensgen + Frau Liese Price, geb. Prym + Frau Dr. Paul Prym + Frau Johanna Poppe + Frau Dr. Rick + Frau Prof. Ruhland + Frau Geheimrat Prof. Rumpf + Frau Geheimrat Schede + Frau Dr. Schiedermaier + Freifrau Marie Schilling v. Cannstadt + Frau Liese Schmidtbonn + Frau Direktor Schumm-Walter + Frau Geh. Kommerzienrat Selve + Frau Bankdirektor Adele Steinberg + Frau Geheimrat Steinmann + Frau J. P. Tonger + Frau E. Wasserfuhr + Frau Kommerzienrat Louis Wessel + Frl. Gudrun Wiedemann + Frau Margarethe L. Windhorst + Frau Rechtsanwalt Wassermeyer II. + Frau Geheimrat Zitelmann + Frau Konsul Zuntz + + +_Brebach_ a. d. Saar + + Frau Dr. Baentsch + + +_Bremen_ (2) + + Frau Erich Fabarius + Frau E. Schröder + + +_Breslau_ + + Frau Assessor Dr. Osterloh + + +_Büderich_, Kr. Neuß (2) + + Frau Ilse Oppenheimer + Frau Dr. Maase + + +_Coblenz_ (34) + + Frau Geh. Kommerzienrat v. Oswald, M. d. e. V. + Frau Regierungsrat Snethlage, M. d. e. V. + Frau Oberregierungsrat Brückner + Frau Gerichtsrat Devin + Fräulein Therese Junckerstorff + Frau Justizrat Gräff + Frau Prof. Dr. Heidsiek + Fräulein Maria Hessel + Frau Generalmusikdirektor Prof. Kes + Fräulein Auguste Kleist + Frau Archivrat Knipping + Frau Syndikus Gustav Köpper + Frau Maria Kramer + Frau Dr. Otto Landau + Frau Sophie Lichtenhahn + Frau Willy Mayer-Alberti + Frau Dr. Michel + Frau Forstmeister Mohr + Frau Oberregierungsrat Momm + Frau Regierungsrat Neff + Frau Beigeordneter P. Prentzel + Frau Geheimrat Rasch + Frau Regierungspräsident Scherenberg + Frau Oberbürgermeister Schueller + Frau Heide Schröder + Frau Georg Seligmann + Frau Kommerzienrat Seligmann + Frau Geh. Kommerzienrat Spaeter + Frau Bertha Stock + Frau Major Tondeur + Frau Mathilde Voigt + Fräulein M. Voß + Frau Major Weckmann + Frau Dr. Wolf + + +_Cöln_ (65) + + Frau Kommerzienrat Louis Hagen, M. d. e. V. + Frau Dr. Richard Schnitzler, M. d. e. V. + Frau Kommerzienrat Dr. jur. Albert Ahn + Frau M. Bachem-Sieger + Frau Carl Th. Deichmann + Frau Justizrat Eltzbacher + Fräulein H. Endemann + Frau Erdensohn + Frau Geheimrat Esser + Frau Maria Eul + Frau Leopold Frank + Frl. Hella Freusberg + Frau Oberleutnant Fusban + Frau Faesy-Hartmann + Frau Dr. Gaul + Fräulein Martha Gaul + Frau Friedrich Grüneberg + Frau Senatspräsident Günther + Frau Kommerzienrat Arnold v. Guilleaume + Frau Hilla Gruenwald + Frau W. C. Hartmann + Frau Kommerzienrat Albert Heimann + Frau Dr. Max Heimann + Frau Geheimer Sanitätsrat Heimsoeth + Frau Emil Hellmers + Frau Hugo Herz + Frau Kommerzienrat W. Heyer + Frau Carl v. Joest + Frau Elisabeth Kessel + Frau Heinrich Kiel + Frau Marie Krause + Frau Kommerzienrat Fritz Langen + Frau Adolf Leven + Frau Margarethe Loehmer + Frau Felix v. Mallinckrodt + Frau Dr. E. v. Mallinckrodt + Frau Marguerite Matthis + Frau Dr. H. C. Merrill + Fräulein Mathilde von Mevissen + Fräulein Melanie von Mevissen + Frau Geheimrat Neven-Du Mont + Frau August C. W. Nolte + Frau Dr. med. Nolden + Frau Emil Oelbermann + Frau Amtsrichter Dr. Oster + Frau Carl Peters + Frau Lina Piel-Weber + Frau Oberstaatsanwalt Pult + Frau Geheimrat A. Samelson + Frau Alfred Schmidt + Frau Oberregierungsrat Schuch + Fräulein Mella von Schnitzler + Frau Geheimrat Robert Schnitzler + Frau Justizrat Victor Schnitzler + Frau Carl Theodor Soelling + Frau Konsul Hch. v. Stein + Frau Eugenie Steinberg + Frau Paula Stierstadt + Frau W. Stühlen + Frau Paul Stein + Frau Leonhard Tietz + Frau Maria Traine + Frau Georg Friedrich Vowinkel + Frau Dr. H. Weiler + Frau Regierungsassessor Woltering + + +_Crefeld_ (25) + + Frau Emil v. Beckerath, M. d. e. V. + Fräulein Margarethe Hermes, M. d. e. V. + Frau Kommerzienrat Hedwig Bayerthal + Frau Baronin von Boetzelaer + Fräulein Martha Brüning + Frau J. Clauß + Frau Geheimrat Deussen + Frau Dr. Deuß + Frau Regierungsrat Dr. Jentges + Frau Walter Hermes + Frau Arthur Hertz + Frau Bernh. Hertz + Frl. Elisabeth Hoddick + Frau Eugen Jacobs + Frau Moritz Jörgens + Frau Kommerzienrat Leendertz + Frau Justizrat Mengelberg + Frau Paul te Neues + Frau Adele Oppenheimer + Fräulein Else Peltzer + Frau Kommerzienrat Scheibler + Frau Rudolf Schelleckes + Frau Sanitätsrat Dr. Schneider + Frau Kommerzienrat Arthur Schroers + Frl. Hedwig Vielhaber + + +_Crossen_ + + Ihre Exzellenz Baronin von Heycking + + +_Darmstadt_ (43) + + Frau Justizrat Dr. Bender + Frau Felix Boute + Frau Emil Callmann + Frau Prof. Dr. Dietz + Ihre Exzellenz Frau Minister Dittmar + Frl. Annuschka Dittmar + Fräulein Anna Ethel + Frau Rittmeister Helene Fenner + Frau Carl Flinsch + Frau Geheimrat Marie Haas + Frau Marta Haniel + Frau Dr. Maria Happel + Frau Geh. Forstrat Heinemann + Ihre Exzellenz Freifrau Max v. Heyl + Frau Gertrud Hoehn + Frau Geh. Oberbaurat Hofmann + Frau Dr. Arthur Human + Frau Prof. Kißner + Fräulein Emilie Knorr + Fräulein Anna Koch + Frau von Kraemer-Elsterstein + Frau Sanitätsrat von Maurer + Frau Legationsrat Dr. Neidhard + Fräulein Maria Rau + Frau Kommerzienrat Roeder + Ihre Exzellenz Frau Staatsminister Rothe + Herr Buchhändler Ludwig Saeng + Freifrau Emma Schenk zu Schweinberg + Frau Dr. Anna Schlapp + Frau Ferdinand Schmidt + Frau Hofkonzertmeister Schmidt + Frau Joseph Schneider + Frau Major Eugenie Schoerke + Fräulein Tilla Schröder + Frau Gottfried Schwab + Frau Major Selzam + Frau Kommerzienrat Eugen Trier + Frl. Maria Valckenberg + Frau Kabinettssekretär Dr. Wehner + Frau Baronin B. von Wedekind + Frau Prof. Dr. Weller + Freifrau Elsa Laura von Wolzogen + Frau Landgerichtsdirektor Zimmermann + + +_Degerloch_ (Württemberg) + + Frau Gretel Pfennig-Eisenlohr + + +_Deidesheim_ (Pfalz) + + Frau Kommerzienrat Eckel + + +_Detmold_ (Lippe) + + Frau Franz Krohn + + +_Dippelshof_ b. Darmstadt + + Frau Oberstleutnant Bullrich + + +_Dortmund_ (15) + + Frau Robert Hoesch, M. d. e. V. + Frau Dr. Brunck + Frau Olga Brügmann + Frau Dr. jur. Arnold Cremer + Frau Oberbürgermeister Eichhoff + Frau Johanna Fränkel + Frau Konsul Hild + Frau Konsul Albert Hoesch + Frau Christel Kirchhoff + Frau Dr. Overbeck + Frau Bankdirektor Tegeler + Frau Pastor Traub + Frau Henny Tull + Frau Dr. Wagenknecht + Frau Ottilie Wortmann + + +_Dresden_ (3) + + Herr Graf Kuno Hardenberg + Frau Kommerzienrat Ellen Hoesch + Herr Dr. med. Eduard Krauß + + +_Düren_ (67) + + Frau Guido Schoeller, 1. Vorsitzende + Frau Kommerzienrat Rudolph Schoeller, Schatzmeisterin + Frau Rudolf v. Eynern, stellvertretende Schatzmeisterin + Frl. Marthe Apffel + Frau Felix Banning + Frau Ernst Benrath + Fräulein Ide Bernhardt, Oberin + Frau Gustav Börstinghaus + Frau Carl Bücklers + Frau Fritz Busch + Frau Walter Corty + Frau Louis Draemann + Frau Robert Emmel + Frau Stadtbaurat Faensen + Frl. Marie Fonrobert + Frau Else von Gartzen + Fräulein Helene Gieser + Frau Chr. Ivo Heimbach + Frau Bernhard Heyder + Frau Arthur Hoesch + Fräulein Laura Hoesch + Fräulein Maria Hoesch + Frau Max Hoesch + Frau Robert Hoesch + Frau Walter Hoesch + Frl. Johanna Itzenplitz + Frau Paul Kappler + Frau Landrat Kesselkaul + Frau Oberbürgermeister Klotz + Frau Karl Krafft + Frau Leopold Krafft + Frau Dr. Toni Littaur + Frau Carl Münch + Frl. Hedwig Niemeyer + Frau Leopold Peill jr. + Frau Felix Peltzer + Frau Gustav Renker + Frau Richard Rhodius + Frau Fritz Schleicher + Frau Otto Schleicher + Frau Albert Schoeller + Frau Alfred Schoeller + Frau Arno Schoeller + Frau Geh. Kommerzienrat Arnold Schoeller + Frau Caesar Schoeller + Frau Carl Schoeller + Frau Kommerzienrat Heinrich Schoeller + Frl. Helene Schoeller + Frau Hermann Schoeller + Frau Leo Schoeller + Frau Dr. Max Schoeller + Frau Paul Schoeller + Frau Philipp Schoeller + Frau Viktor Schoeller + Frau Oberlandesgerichtsrat Walter Schoeller + Frau Sanitätsrat Dr. Schreiber + Frau Cäsar Schüll + Frau Felix Schüll + Frau Gustav Schüll + Frau Richard Schüll + Frau Walter Schüll + Frau Christel Schumacher + Frl. Luise Schürmann + Frau Notar Sendler + Frau C. H. Seybold + Frau Emil Wergifosse + Frau Maria Wingerath + + +_Düsseldorf_ (66) + + Frl. Minna Blanckertz, M. d. e. V. + Frau Prof. Julius Buths, M. d. e. V. + Frau Präsident zur Nedden, M. d. e. V. + Frau Geheimrat August Bagel + Frau Fritz Bagel + Fräulein Adele Baum + Frau Bergrat Behrens + Frau von Berghes + Frau Elisabeth Blanckertz + Frau Auguste Bölling + Frau Direktor Callsen + Frau Major Courth + Frau Ellen Cramer + Frau Ernst Cramer + Frau Franz Dauter + Frau Baronin v. Diergardt + Frau Achille Dreher + Frau Paul Eichwald + Frau Alfred Flechtheim + Frau Emil Flechtheim + Frau Anka von Gahlen + Frau Wwe. Hugo von Gahlen + Frau Isabella Gilles + Frau Paul Grolmann + Frau August Günther + Frl. Ottilie Günther + Frau Geheimrat Franz Haniel + Frau Dr. Höchst + Frau Prof. Dr. A. Hoffmann + Frau Richard Heimendahl + Frau Geheimrat Dr. Josephson + Frau Hedwig Kneist + Frau Oberregierungsrat Koenigs + Frau Ella Kohlschein + Frau Albert Krauß + Frau Carl Krauß + Frau Prof. Dr. Kraeger + Frau Regierungspräsident Kruse + Frau Oberlandgerichtsrat Landau + Frau Melinka v. Mauntz + Fräulein Berta Niebel + Frau Fritz Niebel + Frau Elsa Nörrenberg + Frau Prof. Georges Oeder + Frau Johanne Pape + Frau Dr. Albert Poensgen + Frl. Marta Poensgen + Frau Rechtsanwalt Presser + Rheinischer Frauenklub + Frau Henny Reusing + Frau Friedrich Scheven + Fräulein Ida Scheven + Frau Prof. Schill + Frl. Henriette Schmidt + Frau Dr. M. Schmidt-Salzer + Frau Valesca Schmitz + Frau Kommerzienrat Schmitz-Scholl + Frau Else Sohn + Freifrau Else v. Steinaecker + Fräulein Adele Stichweh + Frau Alexander Thielen + Fräulein Emmy Vollrath + Frau Hella Werner + Frau Toni Weygand + Frau Regierungsrat Wilke + Frau Hermann Wuppermann + + +_Duisburg_ (11) + + Frau Oberbürgermeister Dr. Jarres, M. d. e. V. + Frau Dr. Altland + Frau S. Epstein + Frau M. Esch-Hoerle + Frau Direktor Filius + Frau Pfarrer Haun + Frau Hermann Kahmen + Frau Kommerzienrat Lehnkering + Frau Richard Liebrecht + Frau Regierungsrat Mally Meiweg + Frau Amtsrichter Dr. Siebel + + +_Egmond-Hoef_ (N.-Holland) + + Frau Luise van den Arend + + +_Ehrenbreitstein_ b. Coblenz + + Fräulein Alice Warder-Gunning + + +_Elberfeld_ (59) + + Frau Addy Graf, geb. Keetman, M. d. e. V. + Frau Gustav Baum + Frau Geheimrat Fritz Bayer + Frau Rechtsanwalt Beitzke + Frau Eugen Blank + Frau Adolf Boeddinghaus + Frau Paul Boeddinghaus sen. + Frau Konsul Paul Boeddinghaus + Frau Wilhelm Boeddinghaus + Frau Geh. Regierungsrat v. Boettinger + Frau Carl Duncklenberg + Frau Kommerzienrat Adolf Eisfeller + Frau Konsul Werner Esser + Frau Grete Feist + Frau Kommerzienrat Adolf Friderichs + Frau Dr. jur. Abraham Frowein + Frl. Elisabeth Frowein + Frau Eduard Gebhard + Herr Klaus Gebhard + Frau Max Gebhard + Fräulein Grete Graf + Frau Auguste Grafe + Frau Dr. Grafe + Frau Beigeordnete Holz + Frau Kurt Isserstedt + Frau Geh. Kommerzienrat August Jung + Frau Alfred Keetman + Frau Geheimrat August Keetman + Frau Justizrat Else Köhler-Dieck + Frau C. D. Kost + Frau Paul Kost + Frau Direktor M. Lipp + Frau Paula Maurer + Frau Dr. Merkel + Frau Paul Meyer + Fräulein Selma Möller + Frau Carl Neuhaus-Wichelhaus + Frau Alexander Neuhaus + Frau Alma Petersen + Frau Elisabeth Plange + Frau Fritz Reimann + Frau Anna Frieda Scheffner + Frau Rudolf Schlieper + Frau Dr. R. Schmidt + Frl. Gerda Schniewind + Frau Julius Schniewind + Frl. Lili Schniewind + Frau Willy Schniewind + Frau Lili Seyd + Frau Hermann Seyd + Frau Adolf Simons + Frau Anna Springmann + Frau August de Weerth + Frl. Johanna de Weerth + Frau Margarete de Weerth + Frau Dr. Robert Wichelhaus + Frau Willy Wolff-Schniewind + Frau Direktor Wollstein + Frau Arthur Wolff + + +_Emmerich_ + + Frau Max Ostermayer + + +_Ems_ (Bad) (4) + + Frau Dr. Baur + Frau Dr. M. Koch + Frau Sanitätsrat Helma Reuter + Frau Franz Schmidt jr. + + +_Erbach_ + + Frau Kreisrat Starck + + +_Erfurt_ + + Fräulein Margarete Bach + + +_Esens_ (Ostfriesland) + + Frau Dr. Dietrich Johannsen + + +_Essen_ (Ruhr) (12) + + Freifrau von Bodenhausen-Degener + Frau Anna Goldschmidt + Fräulein A. Harbig + Frau Finanzrat Haux + Fräulein Sacha Homann + Frau Baurat Hueter + Frau Hanna Lechner + Frau Anna Metzendorf + Frau Direktor Rosendahl + Frau Luise Reuter, geb. Schulz + Frau Richard Seiffert + Frau Eugen von Waldthausen + + +_Eßlingen_ a. Neckar (Württemb.) (2) + + Frau Prof. Dr. Pfleiderer + Fräulein Paula Seitz + + +_Eupen_ (2) + + Frau Arthur Peters + Fräulein Julie Tonnar + + +_Euskirchen_ + + Frau Josef Lückerath + + +_Frankenthal_ (Pfalz) + + Frau Senatspräsident Baum + + +_Frankfurt_ a. M. (41) + + Fräulein Clara Roger, M. d. e. V. + Fräulein Hedwig Banner + Frau Pfarrer Basse + Frau Baronin von Bethmann + Frau Lise Davidis + Frau Justizrat Dr. Alexander Dietz + Frau Karl Dietze + Fräulein Johanna Ficus + Frau Otto Fiedler-Kalb + Frau von Flotow + Fräulein Martha Glück + Frau Mally Goltermann + Frau Dr. Goldschmidt + Frl. Mathilde Heerdt + Frau Olga Hirsch + Fräulein Thesy Humser + Fräulein Marie Jäger-Manskopf + Frau Direktor Kalb + Frl. Rose Livingston + Frau Dr. Lübbecke + Frau W. Merton, geb. Oswald + Frau Moritz v. Metzler + Frau Marie Paquet-Steinhausen + Frau Dr. med. Karl Propping + Frau Senatspräsident Quinke + Frau Max vom Rath + Frau Dr. Elsa Richarz + Frau L. de Ridder + Frau Dr. Roediger + Frau Direktor Roger + Frau Landrichter Carl Heinrich Roger + Frl. Betty Salomon + Frau Auguste Schiele + Fräulein Anna Schiele + Frau Clara Schiele + Frau Prof. Schreyer + Frau Dr. Steinbrenk + Frau Direktor A. Ullmann + Frau Arthur v. Weinberg + Frau M. Wendt + Fräulein Emma Wilhelmi + + +_Freiburg_ i. Breisgau (3) + + Frau Carola Bassermann + Frau Dr. Markwalder + Freiin von Wittenhorst-Sonsfeld + + +_Freudenstadt_ im Schwarzwald (Württemberg) + + Frau Amtsrichter Jetter + + +_Friedrichshafen_ + + Frau Direktor Colsman + + +_Gaienhofen_ a. Bodensee (3) + + Herr cand. phil. Karl Aretz + Frau Dr. Ludwig Finckh + Herr Dr. Hans Limbach + + +_Gelsenkirchen_ + + Frau Bertha Bischof-Binkelmann + + +_Gießen_ (3) + + Frau Geh. Kommerzienrat Heichelheim + Frau Dr. Ploch + Frau Prof. Zoeppritz + + +_Godesberg_ (4) + + Frau Bächer-Imhäusser + Frl. Johanna Cappell + Frau Johanna Kutter + Frau Oberstleutnant Krause + + +_Göttingen_ + + Frau Geheimrat Prof. Hirsch + + +_Groß-Marannen_ b. Wartenburg (Ostpr.) + + Frau v. d. Groeben, geb. von Carstanjen + + +_Grünberg_ (Schles.) + + Frau M. Junghan, geb. Haniel + + +_Grünwiese_ i. Ostpr. + + Frau Gina v. Simpson, geb. v. Fabrice + + +_Gummersbach_ + + Frau Ingenieur Müller-Thiel + + +_Hagen_ (19) + + Frau Irma Graeve, M. d. e. V. + Frau Wilh. Altenloh jr. + Frau Assessor v. Basse + Frau Ernst Bechem + Frau Rudolf Bechem + Frau L. Fischer-Eckert + Frau Kurt Gerstein + Fräulein Hedwig Graeve + Frau Emil Hoesch + Frau G. Ad. Kerckhoff + Frau Regierungsassessor Killing + Frau Margot Kinkel + Frau H. J. Köppern + Fräulein Luise Köppern + Fräulein Grete Kuhbier + Frau Anna Lohmann + Frl. Frieda Lohmann + Frl. Lotte Scheurmann + Frau Rudolf Springmann + + +_Hamburg_ (6) + + Frau Adolf Bartning + Frau Carl Günther + Frau Adele Milan-Doré + Frau Direktor Rosenstiel + Frau Dr. Stubmann + Frau Dr. Wentzel + + +_Hamm_ i. Westf. (6) + + Frau Christine Merkel, M. d. e. V. + Frau Rechtsanwalt Dr. Reinhild Eick + Frau Oberlandesgerichtsrat Freymuth + Frau Oberlandesgerichtsrat Dr. Grünebaum + Frau Dr. med. Loehnberg + Fräulein Trudel Merkel + + +_Harburg_ a. Elbe + + Fräulein Ida Eger + + +_Heidelberg_ (5) + + Frau Generalleutnant Marie Bendemann + Frau Dr. Deetjen + Frau Sanitätsrat Lange + Frau H. Merton + Frau Mathilde Reis + + +_Heidersdorf_, Kr. Nimptsch (Schles.) + + Frau Rittergutsbesitzer von Reisner + + +_Hirschhorn_ a. Neckar + + Frau Lina Derscheidt + + +_Hockenheim_ (Baden) + + Frau Lina Piazolo + + +_Hofheim_ i. Taunus (2) + + Freifrau Blanche von Fabrice + Frl. O. W. Roederstein + + +_Hof-Schwalbach_ (Taunus) + + Frl. Sophie Lindheimer + + +_Homburg_ v. d. Höhe + + Frau Dr. Miquel + + +_Horchheim_ b. Coblenz (2) + + Frl. Luise von Davidson + Frl. Irmgard Raffauf + + +_Horchheim_ b. Worms + + Frl. Elisabeth Walter + + +_Hügel_ (Rheinprov.) + + Frau Krupp von Bohlen und Halbach + + +_Iserlohn_ (2) + + Frau Kommerzienrat Otto Auer + Frau Artur Springorum + + +_Itzehoe_ i. Holstein + + Frau Felicitas König + + +_Jena_ + + Frau Geh. Oberfinanzrat Fuchs + + +_Jülich_ (Rheinld.) (3) + + Frau Maria Brügman + Frau Wilh. Voswinkel, geb. Schüll + Frau Geh. Oberregierungsrat und Landrat Dr. Vüllers + + +_Kaiserslautern_ i. Pfalz (5) + + Frau Prof. Eduard Brill + Frau Marianne Kieffer + Fräulein Emma Merkel + Frau Dr. E. Münch + Fräulein Bertha Reinhart + + +_Kaiserswerth_ a. Rhein + + Frau Dr. Herbert Eulenberg + + +_Karlsruhe_ i. Baden (11) + + Frau Prof. Alice Trübner, 3. Vorsitzende + Frl. Johanna Bartning + Frau Blankenhorn + Ihre Exzellenz Frau Minister Böhm + Frau Baurat Else Fuchs + Frau Geheimrat Lacher + Freiin von Marschall + Frau Generaloberarzt Oertel + Frau Prof. Georg Schreyögg + Fräulein Agathe Thoma + Fräulein Anna Wacker, Hauptlehrerin + + +_Kassel_-Wilhelmshöhe + + Frau Anna Merkel + + +_Kilchberg_ b. Zürich (2) + + Frau Arnold Schwarzenbach-Fürst + Frau Maria Steiger-Kirchhofer + + +_Kirchen_ a. d. Sieg (2) + + Frau Dr. Sonnenberg + Frau Dr. Carl Sager + + +_Kirn_ a. d. Nahe + + Frau Philipp Andres + + +_Klockow_ b. Friedland (Mecklenburg) + + Fräulein von Enckevort + + +_Königsberg_ + + Frau Generalleutnant Brodrück + + +_Königswinter_ a. Rh. + + Frau Dr. Ernst v. Eynern + + +_Konstanz_ a. Bodensee + + Frau Geh. Oberbergrat Honsell + + +_Kreuznach_ + + Frau Dr. Bartenstein + + +_Lambrecht_ (Rheinpfalz) + + Fräulein Jula Obermaier + + +_Landau_ (Pfalz) + + Frau Hauptmann Buch + + +_Landonvillers_ i. Lothringen + + Frau Geheimrat von Haniel + + +_Landshut_ (Schlesien) + + Frau Landrat Else Moritz + + +_Langenberg_ (3) + + Fräulein Leni Colsman + Frl. Thilde Colsman + Frau G. Conze jr. + + +_Langerfeld_ (Kreis Schwelm) + + Frau Erna Reber + + +_Langerwehe_ b. Düren (2) + + Frau Irma Hasenclever, M. d. e. V. + Frau Richard Schleicher + + +_Leipzig_ (7) + + Frau Else Dürr + Frau Gertrud Dumstrey-Freytag + Frau Cläre Kirstein + Herr Geh. Hofrat Martersteig + Frau Lucy Neugaß + Frl. Marie Reinicke + Frau Elisabeth Wolff + + +_Leverkusen_ b. Mülheim a. Rh. + + Frau Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Duisburg + + +_Liegnitz_ (Schlesien) + + Frl. Irmgard Negenborn + + +_Livorno_ + + Frau Emilie Holler + + +_Lodz_ (Russ.-Polen) (5) + + Frau Margot Fuhrmann + Frau Theodor Hüffer + Frau Martha Schulz + Frau Elfriede Schwartzschultz + Frau Dr. Wörnle + + +_Ludwigsburg_ b. Stuttgart + + Frau Elisabeth Lichtenberg + + +_Magdeburg_ + + Frau Irmgard von Gilsa, geb. von Daum + + +_Mainz_ (9) + + Frau Geheimrat Anna Bamberger + Frau Dr. Robert Braden + Frau Landgerichtsrat Eller + Frau Oberbürgermeister Dr. Göttelmann + Frau Dr. Knauer, geb. Ostmann + Frau Justizrat Dr. Lichter-Northmann + Frau Isabella Metzke + Frau Geh. Medizinalrat Dr. Reisinger + Fräulein A. Strauß + + +_Mannheim_ (36) + + Frau Julie Bassermann, M. d. e. V. + Frau Kommerzienrat Bertha Röchling, M. d. e. V. + Frau Gerta Thorbecke, geb. Schüll, M. d. e. V. + Frau Dr. Elisabeth Altmann-Gottheiner + Frl. Margarethe Bassermann + Fräulein Luise Bender + Frau Alice Bensheimer + Frau Fanny Boehringer + Frau Dr. Bohn + Frau Prof. René Bohn + Frau Julia Boveri-Lindley + Frau Helene Clemm + Frau Lili Clemm + Frau Kommerzienrat Engelhorn + Frau Otto Jörger + Frau Dr. Haas + Frau Wilhelmine Hirschhorn-Enthoven + Frau Gustav Hohenemser + Frl. Marie Kesselbach + Frau Geheimrat Carl Ladenburg + Frau Eduard Ladenburg + Frau Dr. Richard Ladenburg + Frau Rechtsanwalt A. Lindeck + Frau Kommerzienrat Emil Mayer + Frau Hermann Mayer + Frau Dora Mohr + Frau Helene Röchling + Frau von Roon, geb. Bassermann + Frau Prof. Schott + Frau Dr. Otto Seiler + Frau Dr. Simon + Frau Konsul Simon + Frau Kommerzienrat L. Stinnes + Frau Julius Thorbecke + Frau Maria Trumpp-Stahl + Frau W. Vögele + + +_Mehlem_ a. Rhein + + Frau Direktor Leister + + +_Meiningen_ (Thür.) + + Frau Lisbeth Lücke + + +_Merseburg_ + + Freifrau von Wilmowski, geb. Krupp + + +_Merzig_ (Saar) + + Frau Landrat Haniel, M. d. e. V. + + +_Mettlach_ (3) + + Frau von Boch + Frau Luitwin von Boch + Frau Roger von Boch + + +_Metz_ (Lothringen) (2) + + Frau Hauptmann Hethey + Frau Elfriede v. Wurmb + + +_Mexico_ (D. F. mexicana) + + Frau Cornelie Iwersen + + +_Michelstadt_ im Odenwald (2) + + Frau Kommerzienrat Arzt + Frau Mathilde Arzt + + +_Minden_ i. W. (4) + + Frau Regierungsrat Moldehnke, M. d. e. V. + Frau Hauptmann Bunge + Frau Kommerzienrat Robert Noll + Frau Dr. C. Wolbrecht + + +_Montabaur_ + + Freifrau Marschall von Bieberstein + + +_Montjoie_ (2) + + Fräulein Irma Scheibler + Herr Siegfried Scheibler + + +_Müddersheim_ b. Düren + + Frau Carl Bessenich + + +_Mülheim_ a. Rhein (2) + + Frau Kommerzienrat Charlier + Frau Gustav Martin + + +_Mülheim_ a. d. Ruhr (7) + + Frau M. Niebel, M. d. e. V. + Frau Ernst Coupienne + Frau Carl Itzenplitz + Frau Dr. Neumann + Frau Reichsbankdirektor Schmid + Frau Kommerzienrat Desy Stinnes + Frau Hugo Stinnes-Coupienne + + +_München_ (13) + + Fräulein Clara Baur + Frau Architekt Otto Baur + Frau Dr. Fritz Callmann + Frau Julie Dressel + Frau Elsa Frankl + Frau Emmy Frommel + Fräulein Jeffery + Fräulein Maria Laumen + Frau Hermann Lohse + Frau Else Papp + Frau Dr. Benno Rüttenauer + Frau Oberstabsarzt Schoenwerth + Frau Geh. Oberbaurat Schmick + + +_München-Gladbach_ + + Frau Generaldirektor Haus + + +_Münster_ i. W. (4) + + Freifrau Dolores von Brockdorff + Frau Olga Flechtheim-Faber + Frau Hanna Lohmann + Frau Justizrat Salzmann + + +_Nagelshausen_ b. Konstanz (Schweiz) + + Frau Rittmeister Meyer-Wolde + + +_Nauheim_ (Bad) + + Frau Medizinalrat Dr. Groedel + + +_Naumburg_ a. d. Saale + + Frl. Margarethe Bach + + +_Neuenahr_ (Bad) + + Frau B. Elsner + + +_Neumünster_ + + Frau Oberst Annie von Rode + + +_Neustadt_ a. d. Haardt (4) + + Frau Justizrat Clundt + Frau Anna Daqué, geb. Abresch + Frau Katharina Knoeckel + Frau Kommerzienrat Witter + + +_Neuwied_ + + Frau Julius Remy + + +_Nordrach_ (Bad i. Schwarzwald) + + Frau Dr. Schmidt + + +_Oberhausen_ (Rhld.) + + Frau Dr. Ernst Holzrichter + + +_Oberlahnstein_ b. Coblenz (2) + + Frau Bankier Lydia Herz + Fräulein Ida Lessing + + +_Offenbach_ a. Main + + Frau Kommerzienrat Adda Aßmann + + +_Opladen_ b. Cöln (2) + + Frau Direktor Metzen + Frau Max Roemer + + +_Oppenheim_ a. Rh. + + Frau Oberbürgermeister Schmidt + + +_Osnabrück_ (5) + + Frau Hauptmann Barnstedt + Frau Felix Schoeller sen. + Frau Felix Schoeller jr. + Frau Gerhard Schoeller + Frau Lothar Schoeller + + +_Otjariva_ (Süd-West-Afrika) + + Frau Irmgard Gärtner + + +_Perleberg_ + + Frau Maria von Hahn + + +_Petersburg_ (Rußland) + + Frau Gösta Nobel + + +_Pforzheim_ + + Frau Amtmann Kohlmeier + + +_Potsdam_ + + Frau Gräfin von Soden + + +_Poulheim_ b. Cöln + + Frau Werner Pagenstecher + + +_Pützchen_ (Kreis Bonn) (3) + + Fräulein Carla Gehrds + Frau Berta Peipers + Frau Dr. Else Wildenrath + + +_Rastenburg_ (Ostpreußen) (2) + + Frau Oberstleutnant Snethlage + Frau Amela Unger + + +_Remscheid_ (13) + + Frau Lise von Berg + Frau Heinrich Böker + Frau Moritz Böker + Frau Beigeordneter Dr. Eckert + Frau Gustav Engels + Frau Max Engels + Frau Hugo Felde + Frau Bernhard Hasenclever + Frau Alfred Hilger + Frau Gustav Hilger + Frau Karl Krumm + Frau Paul Mannesmann + Frau Dr. Oertgen + + +_Reutlingen_ (2) + + Frau Hofrat Finckh + Frau Cornelie Goltermann + + +_Rheydt_ (4) + + Frau Dr. Koch + Fräulein Maria Lenssen + Frau Dr. Carl Meyer + Frau Niemöller, geb. Goeters + + +_Rhöndorf_ a. Rh. + + Frau Helene Klemme + + +_Rockenhausen_ (Pfalz) + + Fräulein Mathilde Lotz + + +_Rom_ (Italien) + + Frau Minna v. Fleischl-Schwarzenbach + + +_Saarbrücken_ und _St. Johann_ (15) + + Frau Adolf Ehrhardt, M. d. e. V. + Frau Bankier Braun + Frau Erster Staatsanwalt Daniels + Frau Maria Deeß-Ott + Frau Anna Ehrhardt + Frl. Marie von Gustedt + Fräulein Else Hahne + Frau Ernst Heckel + Frau Kommerzienrat Karcher + Frau Sanitätsrat Keßler + Frau Bankdirektor Lazard jr. + Frau Rechtsanwalt Dr. Leibl + Frau Chiara Röchling + Frau Regierungsbaumeister Student + Frau Kom.-Rat Generaldirektor Weisdorff + + +_Saarburg_ i. Lothr. + + Frau Rittmeister Auler + + +_St. Moritz-Dorf_ (Engadin) + + Frau Adolf G. H. Angst + + +_Schäßburg-Segesvar_ (Ungarn) + + Herr Rechtsanwalt Dr. Leicht + + +_Schlebusch_ b. Cöln + + Frau Aenne Merkel + + +_Schotten_, Kreisamt (Oberhessen) + + Frau Kreisrat Kranzbühler + + +Rittergut _Schwarzhof_ (Livland) + + Frau Baronin Alice von Brasch + + +_Groß-Schwarzlosen_ i. d. Altmark + + Frau Direktor Rigmor Meyer + + +_Siegen_ (7) + + Fräulein Emilie Ax + Fräulein Elisabeth Gontermann + Frau Walter Gontermann, geb. Henckels + Frau Ludwig Koch + Frau Ernst Reichwald + Frl. Melly Seyberth + Frau Frieda Spannagel, geb. Delius + + +_Singen_ a. Hohentwiel + + Frau Dr. Huck + + +_Sinn_ (Hessen-Nassau) + + Frl. Maria Treupel + + +_Sljetina_ b. Sarajevo + + Frau Forstverwalter Dr. Lotte Fröhlich + + +_Solingen_ (4) + + Frau Sophie Coppel + Frau Ernst Henckels + Frau Paul Kind + Frau Berta Liesendahl + + +_Steinförde_ (Celle) + + Frau Bergwerksdirektor Käte Ficus + + +_Stettin_ (3) + + Frau Dr. Cläre Ackerknecht + Frau Oberlandesgerichtsrat Dr. Hanau + Frau Margarete Kuck + + +_Stolberg_ (4) + + Frau Adolf Bastin + Frau Ida Brandt + Frau Hermine Prym + Frau Susanne Schippau + + +_Stralsund_ + + Frau Regierungsassessor Dr. Banke + + +_Straßburg_ i. Els. (4) + + Frau Geheimrat Dr. Fehling + Frau Martin Schoeller + Frau Prof. Franz Schultz + Frau Stabsarzt Dr. Todt + + +_Stuttgart_ (8) + + Frau Prof. Martin Elsaesser + Frau Ingeborg Kes von der Marken + Frau Dr. H. Kessel + Frau Dr. phil. Gertrud Pfeilsticker + Frau Käte Schaller-Haerlin + Frau Max Th. Schaller + Frau Medizinalrat Dr. Schleicher + Frau Prof. Robert Weise + + +_Haus Tanneck_ b. Elsdorf + + Frau Komm.-Rat Fritz Langen + + +_Trier_ (6) + + Frau Professor Hettner, M. d. e. V. + Frau Oberbürgermeister von Bruchhausen + Frau Oberstleutnant Hartung + Frau Kommerzienrat Wilh. Rautenstrauch + Frau Oberförster Wenzel, geb. Hoesch + Frau Präsident Wette + + +_Troisdorf_ + + Frau Ludwig Mannstaedt + + +_Tübingen_ (2) + + Frau Elisabeth Lang + Frau Prof. Scheel + + +_Uerdingen_ (Niederrh.) (4) + + Frau Rudolf Wedekind, M. d. e. V. + Frau Leo Mauritz + Frau Geheimrat Dr. E. ter Meer + Frau Dr. H. Müller + + +_Ulm_ a. d. Donau + + Frau Dr. Friedrich E. Mouths + + +_Vallendar_ (Rheinland) (3) + + Frau Elisabeth Schäfer, Schriftführerin + Frau Friedrich Arntz + Herr Wilhelm Schäfer + + +_Vlotho_ i. W. (3) + + Frau Notar Adriani + Frau Paul Saatmann + Frau Paul Tintelnot + + +_Vohwinkel_ b. Elberfeld + + Frau Hermann Wülfing + + +_Wachenheim_ (Rheinpfalz) + + Frau Hildegard Kuhn + + +_Wahrburg_ b. Stendal + + Freifrau von Nordeck + + +_Schloß Walburg_ (Unterelsaß) + + Frau Richard Haniel, geb. von Levetzow + + +_Waldbroel_ b. Cöln + + Frau Landrat Gerdes + + +_Wallerfangen_ bei Saarlouis (2) + + Frau Hauptmann Bunge + Frau René von Boch-Galhau + + +_Weilburg_ a. d. Lahn + + Frau Kommerzienrat Rudolf Herz + + +_Weimar_ + + Freifrau Oberst v. Lepel + + +_Weinheim_ (2) + + Frau Henny von Arndt + Frau Regierungsassessor Pfisterer + + +_Weinsheim_ b. Worms + + Frau Toni Rücker + + +_Werdohl_ i. Westf. (2) + + Frau Constanze Colsman + Frau Adolf Schlesinger + + +_Wesel_ + + Frau Major Castendyk + + +_Westerburg_ + + Frau Landrat Abicht + + +_Wetter_ a. d. Ruhr + + Frau Hermann Harkort + + +_Wetzlar_ + + Frau Staatsarchivrat Else Richter + + +_Wiesbaden_ (14) + + Frau Dr. Stempel, M. d. e. V. + Frau Kommerzienrat Albert + Frau von Auer-Herrenkirchen + Frau Ida Haniel + Frau Otto Henkell + Frau Ernst Henckels + Frau Martha Heymons + Frau Elly Leykauff + Fräulein Helene Mencke + Frau Linnie Rappolt-Fischer + Fräulein Ila Rudorff + Fräulein Thekla Rudorff + Frau Justizrat Siebert + Frau Dr. Weise + + +_Winsen_ a. d. Luhe + + Frau Landrat Elly Ecker + + +_Woinowitz_ (Kreis Ratibor) + + Frau Anna von Banck, geb. Haniel + + +_Worms_ (25) + + Fräulein Anna Reinhart, M. d. e. V. + Frau Dr. Armknecht + Frau Joh. Bockmann + Frau Ellen Enzinger + Frau Franziska Doerr + Frau Dr. med. Fritz Gernsheim + Frau Emanuel Gernsheim + Frau Sally Gernsheim + Frau Julius Goldschmidt sen. + Ihre Exzellenz Freifrau v. Heyl zu Herrnsheim + Frau Elvira Hüttenbach + Frau Henny Kahn + Frau Max Levy + Fräulein Grete Loesch + Frau Ludwig Lohnstein + Frau Lotta Losekamm + Frau Marie Matthäi + Frau Dr. Mäurer + Frau Marie Michel + Frau Paula Reinhart + Frau Direktor Schaum + Fräulein Anna Schulz + Frau Theodor Stern + Fräulein Elisabeth Valckenberg + Frau A. Zemsch + + +_Zabrze_ (Schlesien) + + Frau Generaldirektor Kommerzienrat Hochgesand + + +_Zürich_ (14) + + Frau Dr. Ernst Schwarzenbach, M. d. e. V. + Frau Carola Escher-Prince + Frau Carl Fehr + Frau Marie Frick + Frau Koch-Jagenberg + Frau Prof. v. Monakow + Frau Kurt Schäffer + Frau Dr. Cäsar Schoeller + Frau Emma Sebes-Baumann + Frau Prof. Sieveking + Frau Therese Thomann + Frau Gertrud Veraguth-Keyser + Frau Oberst Ulrich + Frau Zuppinger-Eisentraut + + + Gedruckt im Herbst 1914 von + Oscar Brandstetter, Leipzig + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + mir, aus all der sonnigen Meeres- und Himmelshelligheit herab, zwei + mir, aus all der sonnigen Meeres- und Himmelshelligkeit herab, zwei + + Die Insel. + Die Insel + + war tapfer, war, als er das tat, höchst liebenswürdig, denn er tat es + war tapfer; war, als er das tat, höchst liebenswürdig, denn er tat es + + durch alle Straßen, überdies war gerade, in dieser schönen Nacht + durch alle Straßen, überdies war gerade in dieser schönen Nacht + + ich mir, in einen dunklen, grünen Wald. in ein rechtes Kircheninneres + ich mir, in einen dunklen, grünen Wald, in ein rechtes Kircheninneres + + _Coblenz_ (35) + _Coblenz_ (34) + + _Düsseldorf_ (67) + _Düsseldorf_ (66) + + _Gießen_ (4) + _Gießen_ (3) + + _Lodz_ (Russ.-Polen) (4) + _Lodz_ (Russ.-Polen) (5) + + _Trier_ + _Trier_ (6) + + ] + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Kleine Dichtungen, by Robert Walser + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KLEINE DICHTUNGEN *** + +***** This file should be named 37128-8.txt or 37128-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/7/1/2/37128/ + +Produced by Norbert H. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. 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