summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/37108-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '37108-8.txt')
-rw-r--r--37108-8.txt1979
1 files changed, 1979 insertions, 0 deletions
diff --git a/37108-8.txt b/37108-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..fa3bfed
--- /dev/null
+++ b/37108-8.txt
@@ -0,0 +1,1979 @@
+The Project Gutenberg EBook of Gesänge und Inschriften, by Walt Whitman
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Gesänge und Inschriften
+
+Author: Walt Whitman
+
+Translator: Gustav Landauer
+
+Release Date: August 16, 2011 [EBook #37108]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESÄNGE UND INSCHRIFTEN ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/American Libraries.)
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+
+ Das Inhaltsverzeichnis befindet sich am Ende des Buches.
+ ]
+
+
+
+
+ WALT WHITMAN
+
+ GESÄNGE UND INSCHRIFTEN
+
+ ÜBERTRAGEN
+ VON
+ GUSTAV LANDAUER
+
+ KURT WOLFF VERLAG MÜNCHEN
+ 1921
+
+
+
+
+WALT WHITMAN
+
+
+Die Gestalt des Dichters Walt Whitman und alles was er geschrieben hat
+mutet an, als ob Amerika, die Vereinigten Staaten, auf die Goetheworte:
+»Amerika, du hast es besser, Als unser alter Kontinent, der alte; Hast
+keine verfallenen Schlösser, Und keine Basalte!« ein lautes: Ja, ja, ja,
+so ist es! hätten über die See herüberrufen wollen. Hat doch Whitman
+selbst oft genug von sämtlichen Dichtern der Veruneinigten Staaten
+Europas, übrigens in Worten größten Respektes, gesagt, daß sie der
+Vergangenheit und dem Zeitalter des Feudalismus angehören, mit Ausnahme
+des einen Goethe, der seine besondere Stellung dadurch hat, daß er ein
+König ohne Land, ein Dichter ohne Nation ist. Amerika ist für Walt
+Whitman das Reich der Zukunft, der noch nicht fertigen, sondern erst
+zusammenwachsenden, anschießenden Volksgemeinschaft.
+
+Es wäre nüchterne Kleinlichkeit, vielleicht auch so etwas wie politische
+Eifersucht, wollte man dem Dichter einwenden, solcher Standpunkt zeuge
+doch von gefährlichem, übertriebenem Hochmut. Denn um Whitmans
+Selbstgefühl, das er von sich und seinem Volke hat, zu verstehen, muß
+man die Art Politik beiseite lassen; die wohnt etliche Stockwerke tiefer
+als solche Kulturbetrachtung aus der Höhe der wollenden
+Dichterphantasie. Whitman hat -- wiewohl er es nicht gerade so ausdrückt
+-- von seinem Volke das Gefühl, daß es ein neuer Beginn ist, frische,
+aus Völkermischung entstandene Barbaren, die einen Abschnitt in die
+Geschichte bringen. Man denke daran, wie die Germanen, schon zu den
+Zeiten des Arminius, der sogar seinen Namen von der römischen gens
+Arminia genommen hat -- wie hieß er in Wahrheit? Gewiß nicht Hermann,
+aber vielleicht Sigfrid? --, wie diese Germanen vielfach vertraut waren
+mit der großen griechisch-römischen Kultur, und wie sie doch, zumal als
+der neue Mythos, das Christentum, über sie gekommen war, mit einer ganz
+neuen, primitiver scheinenden Kultur anheben mußten. So sind für
+Whitman, der in sich selbst die große, wilde, durch keinerlei Konvention
+gebrochene Natur fühlt, die Amerikaner ein eben erst werdendes neues
+Volk, Barbaren und Beginnende: und den neuen, großen Glauben, die neue
+Kunst, die allem großen Volke vorleuchten muß, will er selbst ihnen
+schaffen helfen. Sein Selbstgefühl ist viel mehr ein Gefühl seines Volks
+als seiner selbst; man darf sich durch das mystische »Myself« (Ich)
+seiner Verse nicht irre machen lassen; er hat es ganz klar empfunden und
+gesagt, daß er nur ein erster, kleiner Beginn ist, ein früher Vorläufer
+eines amerikanisch-perikleischen Zeitalters. Und er hat überdies immer
+gemeint, daß Amerika nur den besonderen Beruf hat, ein paar Schritte
+voraus zu sein, daß aber alle Völker der Erde den nämlichen Weg gehen
+werden.
+
+Welchen Weg? Er sagt ihn uns in seinen »Trommelschlägen«, die er während
+des Krieges ertönen ließ:
+
+ Seid nicht verzagt, Empfindung wird den Weg zur Freiheit bahnen jetzt;
+ Die sich lieben untereinander, sollen die Unbesieglichen werden.
+ ... Dachtet ihr, Advokaten schüfen euch den Zusammenhalt?
+ Oder Verträge auf einem Papier? oder die Waffen?
+ Nein fürwahr, so ist weder die Welt, noch irgendein lebendes Ding
+ zusammengewachsen.
+
+Seine »Demokratie« ist ein freies Volk tätiger Menschen, die alle
+Hemmnisse des Kastengeistes hinter sich gelassen, alle Gespinste
+überjährter Vergangenheit durchbrochen haben; jeder auf seiner Scholle
+oder in seinem Handwerk, an seiner Maschine, ein Mann für sich selbst.
+Whitman vereint gleich Proudhon, mit dem er in vielem geistig verbunden
+ist, konservativen und revolutionären Geist, Individualismus und
+Sozialismus. Die Liebe aber zwischen den Menschen, die noch notwendig
+dazu kommen muß, ist nach seiner Lehre, für sein Künstlergefühl, keine
+vage, im allgemeinen verschwimmende Menschenliebe; sie soll vielmehr,
+wie die Liebe, die die Familie gegründet hat, vom Geiste der
+Ausschließlichkeit beseelt sein, sie soll bestimmte Menschen, Männer mit
+Männern, Frauen mit Frauen und natürlich auch Männer mit Frauen zu neuen
+sozialen Gruppen zusammenschließen. Das ist der Zusammenhang, in dem die
+Kameradschaft, der Whitmans schönste und innigste Gedichte gelten, mit
+all seinen Träumen von neuen Lebens- und Volksgestalten steht. Es ist
+vergebliches Bemühen modischer Pseudowissenschaft, in diesen
+Kameradschaftsgefühlen irgend etwas Perverses oder Pathologisches oder
+gar Degeneriertes finden zu wollen. Wir müssen wieder lernen, daß starke
+Männer und starke Zeiten sentimental sind; und daß schwächliche Zeiten
+und Generationen es sind, die sich scheuen, sich rückhaltlos und
+inbrünstig ihren Gefühlen, für das geliebte Weib, oder den innig
+geliebten Freund, oder das Meer und die Landschaft und das Weltall
+hinzugeben. Whitman war diese kosmische Liebe und dieser Überschwang des
+Gefühls zu eigen; und nur aus diesem Chaos und Abgrund der Innigkeit
+kann, so ist sein Glaube, sein neues Volk erstehen. Auch hier, ohne daß
+er je auf Parallelen aus ist oder nur an sie denkt, deutliche Anklänge
+an die Geisteswelt des Künstlervolkes, der Griechen, und an ihre
+gesellschaftlichen Einrichtungen und Gewöhnungen. Eine besondere
+Richtung des Empfindens hat Whitman gehabt; daraus auf eine besondere
+Veranlagung seiner Natur zu schließen, sei solchen überlassen, die sich
+auf einer Zwischenstufe der Wissenschaft befinden.
+
+Der besonderen Natur jeder gestaltenden Phantasie entspricht es, daß in
+allem Gefühl und in allem Geformten die Erotik lebt. Hätte Whitman so
+wie Faust das Evangelium Johannis zu übersetzen unternommen, sein erster
+Satz hätte wohl lauten müssen: »Im Anfang war das Gefühl.« Er betont das
+Gefühl und damit die Poesie als den Anfang alles Lebens und alles Volkes
+aber auch ganz bewußt, weil er weiß, von welcher Seite her den
+Amerikanern die Gefahr droht: »Was der amerikanischen Bevölkerung am
+gefährlichsten ist,« sagt er, »das ist ein Übermaß von Wohlstand,
+»Geschäft«, Weltlichkeit, Materialismus; was am meisten fehlt ... das
+ist ein warmes und glühendes Volksgefühl, das alle Teile zu einem Ganzen
+vereinigen würde. Wer anders als eine Schar erhabenster Dichter kann
+jene Gefahr in Zukunft abwehren, diesen Mangel ausfüllen?« Nur ein
+großes Volk, meint er, kann große Dichter haben; aber vorher muß die
+Poesie es sein, die das große Volk gestaltet, »künstlerischen Charakter,
+Geistigkeit und Würde« ihm verleiht.
+
+Der Dichter also, der Walt Whitman in seinem Gefühl von sich selbst und
+seiner Aufgabe sein will, ist Priester, Prophet, Schöpfer. Daß er
+außerordentliche Gewalt auf sein Volk und die geistige Macht seines
+Volkes -- und derer, die in fremden Völkern als einzelne zu seinem Volke
+gehören -- ausgeübt hat und weiter übt, ist sicher. Wie die Geschichte
+weiter geht, ob sein kühnstes Verkünden so Wirklichkeit wird, wie
+Phantasie und Wollen sich irgend erfüllen können, indem sie eine
+Wirklichkeit, die nicht genau gerade so aussieht, räumlich schaffen
+helfen, das kann keiner heute sagen. Aber das ist gewiß, daß er Amerikas
+größter Dichter und ein innig starker Lyriker für uns alle ist; und daß
+er der Lyrik eine neue Form und ein ungeheures neues Stoffgebiet -- alle
+Tatsächlichkeiten der körperlichen und geistigen Welt -- gegeben hat.
+
+ Ich glaube, ein Grashalm ist nichts Geringeres, als das Tagwerk der
+ Sterne.
+
+In diesem Sinne hat er sein erstes Gedichtbuch (1855) »Grashalme«
+genannt und hat dann im Lauf von mehr als dreißig Jahren sein ganzes
+dichterisches Werk in immer neuen Auflagen in dieses Buch, sein Buch,
+das er selbst ist, eingefügt.
+
+Whitman, geboren am 31. Mai 1819 als Sohn eines Zimmermanns und
+Hausbauers im Staate New York, hat einen typisch amerikanischen
+Lebenslauf gehabt, bis recht spät der Dichter aus ihm herausbrach; er
+besuchte die Volksschule, war eine Art Laufbursche erst bei einem
+Rechtsanwalt, dann einem Arzt, wurde Setzerlehrling und, im Alter von
+neunzehn Jahren, Dorfschullehrer. Dann gründet er ein Wochenblatt, reist
+als Setzer und Journalist vielfach im Lande hin und her und wird
+schließlich Zimmermann wie sein Vater in Brooklyn. Vorher hatte er
+vielerlei Aufsätze, auch kleine und größere Novellen veröffentlicht.
+Während er Zimmermann war -- aber nicht gerade durch die körperliche
+Arbeit, sondern durch die Muße; man beklagte sich wohl in der Familie
+über sein vieles Spazierengehen und Herumliegen -- kam das Neue über
+ihn: auf einmal und zugleich der neue Geist, die neue Form, und mit dem
+Unendlichkeitsgefühl auch der Unendlichkeitsstoff. Später, während des
+Krieges, ist er drei Jahre lang freiwilliger Krankenpfleger, wobei er
+den Kranken durch sein Geplauder und durch sein teilnahmsvolles
+schweigendes Bei-ihnen-Sitzen, durch seine Liebe und die suggestive
+Kraft seiner Person -- alle seine Bilder zeigen, daß die Innigkeit, die
+Versunkenheit und die Mitteilsamkeit seines Wesens sich auch in seiner
+Leiblichkeit gestaltet hatte -- am meisten Gutes tat. Eine Zeitlang
+bekleidete er dann einen untergeordneten Posten in einem Ministerium,
+wobei er der Maßreglung um seiner Gedichte willen nicht entging; 1873
+erlitt er den ersten Schlaganfall, war aber noch lange in starker
+geistiger Kraft tätig; lebte von den Erträgnissen seiner Schriften und
+Unterstützungen des Kreises, der sich mehr und mehr an ihn schloß; in
+Camden, New Jersey, ist er am 26. März 1892 gestorben.
+
+Im Alter von über dreißig Jahren also ist Whitman zu seiner Dichterkraft
+gekommen; was er vorher geschrieben, hat kaum eine Beziehung zu dem
+Wesen, das nun herauskam. Einer, der langsam reift und über den es dann
+noch mit vehementer Plötzlichkeit kommt, ist er. Das Vorwort, das er
+1855 seinem Buche mitgab, vereinigte die Reife des Mannes, der wie
+eingewachsen auf seinem Platze steht, mit der blutjungen Hingerissenheit
+des Beginnenden. »Der reichste Mann ist der, der aller Pracht, die er
+sieht, Gleichartiges aus dem größeren Vorrat seines eigenen Selbst
+entgegenstellt.« Das ist seine erste Entdeckung, zu der erst später
+Einflüsse von Fichte und Hegel gekommen sind, während, wie Bertz in
+einem übrigens ungenießbaren Buch richtig zeigt, Emerson schon damals
+eingewirkt hat: daß der Mensch in seinem Ich, in seiner Geistigkeit die
+ganze Welt trägt, daß die Welt nur eine unendliche Fülle von Mikrokosmen
+ist, eine Pluralität und Unzähligkeit von »Identitäten«, von
+selbstbewußten Kreuzungspunkten der Weltenströme. Was er also den
+Amerikanern als Religion des Geist- und Universalgefühls bringt, ist
+eine neue Form der ewigen Lehre der Philosophen und Mystiker von Indien
+über die christliche Mystik zu den Magikern der Renaissancezeit und
+weiter über Berkeley und Fichte bis in unsere Tage: der heute sogenannte
+Monismus dagegen hat nur schwache Ähnlichkeit mit dieser Erkenntnis. Am
+meisten Verwandtschaft hat Whitmans Lehre noch mit dem nicht
+entsagungsvollen, sondern freudig dem vollen Leben zugewandten magischen
+Pantheismus, wie er sich in der Renaissance von Nicolaus Cusanus her bei
+Paracelsus, Agrippa von Nettesheim und ähnlichen Geistern gebildet
+hatte. Der viele Aberglaube bei diesen darf unsere Vergleichung nicht
+stören; das war ihre gerade erst von ihnen geschaffene Natur»wissenschaft«,
+wie Whitman in unserer Natur»wissenschaft« und Technik schwelgt.
+Ja, sogar in der Form findet man bei jenen Magiern der Renaissance
+-- die Whitman kaum gekannt haben wird -- Verwandtes; so hat
+Agrippa von Nettesheim ein gewaltiges Motto zu seinem Buch »Von der
+Eitelkeit der Wissenschaften«[1], das nach Geist und Form völlig
+whitmanisch ist. Ich führe es hier an:
+
+ Unter Göttern bleibt keiner ungezaust von Momus.
+ Unter Heroen jagt nach jedweden Ungeheuern Herkules.
+ Unter Dämonen wütet der König der Unterwelt Pluton gegen alle Schatten.
+ Unter Philosophen lacht über alles Demokritus.
+ Dagegen weint über das Ganze Heraklitus.
+ Nichts weiß von gar nichts Pyrrhon.
+ Und alles zu wissen dünkt sich Aristoteles.
+ Verächter des Ganzen ist Diogenes.
+ Von all dem nichts fehlt hier Agrippa. (Whitmans Myself, Ich.)
+ Verachtet, weiß, weiß nicht, weint, lacht, wütet, jagt, zaust alles.
+ Selbst Philosoph, Dämon, Heros, Gott und die ganze Welt.
+
+ [1] In zwei Bänden bei Georg Müller, München deutsch erschienen, von
+ Fritz Mauthner neu herausgegeben.
+
+Aber auch mit uralten indischen Gedichten berührt sich Whitman aufs
+engste, die ja durchaus nicht alle mit dem Gefühl, daß das Ich eine
+Weltidentität sei, den Pessimismus oder die Weltflucht verbanden; wie
+man denn in Amerika gleich sagte, diese Gedichte Whitmans seien wie ein
+Konglomerat aus der »Bhagavad-Gita« und dem »New York Herald«. Das war
+sehr witzig, aber sehr falsch, denn die »Bhagavad-Gita« enthält das, was
+man da den »New York Herald« nennt, nämlich die kataloghafte Aufzählung
+der konkreten Tatsächlichkeiten der ganzen Welt, schon völlig selbst in
+sich, und die Dinge, die das indische Gedicht aufzählt, um ein Bild von
+der unendlichen Mannigfaltigkeit zu geben, waren einmal ebenso modern,
+wie die Welt der Technik, der Natur und Kultur, die Whitman in seine
+Gedichte aufnimmt.
+
+Nichts drängt sich beim Lesen dieser Gedichte so auf, wie das Gefühl der
+Unmittelbarkeit, der gänzlichen Abwesenheit der literarischen
+Reminiszenz oder irgendwelchen Alexandrinismus. Obwohl Whitman viel
+gelesen hat, war er doch gar kein Leser und Zusammenleser, nahm nur das
+in sich auf, was schon vorher in ihm war. Darum ist es so überaus wahr,
+was er in seinen »Grashalmen« dem Leser als Abschiedswort sagt:
+
+ Camerado, dies ist kein Buch,
+ Wer dies berührt, berührt einen Menschen ...
+
+Wie jeder echte Künstler hat auch Whitman die volle Bewußtheit seines
+Schaffens, und das Beste, was ästhetisch-kritisch über ihn zu sagen ist,
+sagt er uns selbst. Das Bezeichnende an seiner Poesie ist ihre
+»suggestiveness«; ihre Suggestivkraft, in der er, wie ein Dirigent eines
+Orchesters nicht fürs Ohr, sondern fürs Auge, immer neues
+Gestaltengewoge vor uns hinschweben läßt, uns die »Atmosphäre des Themas
+oder Gedankens« gibt, in der dann unser eigenes Erleben weiter
+dahinfliegt. Er ist ein Dichter von ganz ungemeiner Sinnlichkeit und
+Gegenständlichkeit; er scheint nur mit den Sinnen gedacht zu haben; auch
+seine ganz im inneren Erlebnis versunkenen Abstraktionen bewahren diesen
+konkreten Charakter. Auch wenn er das Unsagbare sagen will, und wenn er
+sagen, fast stammeln will, daß es unsäglich ist, schreit er wie aus
+tiefster Besinnung zum Beginn des Gedichts etwa auf:
+
+ Das da ist in mir -- ich weiß nicht, was es ist -- doch ich weiß, es ist
+ in mir
+
+und schafft uns dadurch sofort die Stimmung des leibhaftigen Erlebens.
+
+Daß übrigens die konkrete Aufzählung einzelner Wirklichkeiten, die zu
+einem Ganzen gehören, selbst ohne Ausdruck der Empfindung des
+Miterlebenden, wenn die angeführten Tatsächlichkeiten nur von starker
+Sinnfälligkeit erfüllt sind, wie ein Gedicht wirken kann, möchte ich an
+einem Beispiel zeigen, mit dem ich schon ab und zu Freunde hineingelegt
+habe. Wie mancher möchte das folgende für ein Gedicht Whitmans halten,
+das etwa den Titel »Nacht im Feldlager« führen könnte:
+
+ Werda! der Schildwache vorm Zelt.
+ Werda! der Infanterieposten.
+ Werda! wenn die Runde kam.
+ Hin- und Wiedergehen der Schildwache.
+ Geklapper des Säbels auf dem Sporn.
+ Bellen der Hunde fern.
+ Knurren der Hunde nahe.
+ Krähen der Hähne.
+ Scharren der Pferde.
+ Schnauben der Pferde.
+ Häckerlingschneiden.
+ Singen, Diskurrieren und Zanken der Leute.
+ Kanonendonner.
+ Brüllen des Rindviehs.
+ Schreien der Maulesel.
+
+So, in scheinbare Verse abgeteilt findet sich das bei Goethe. Sind aber
+keine Verse, sondern ein Versuch, bei Gelegenheit der Belagerung von
+Mainz, »die mannigfaltigen fern und nah erregten Töne« »genau zu
+unterscheiden« und aufzuzeichnen. Ich kenne manches »impressionistische«
+»Gedicht« manches Modernen, das schlechter ist als dieser Tönekatalog
+Goethes.
+
+Daher, daß sein poetisches Empfinden, sein rhythmisches Verklären und
+sein Wahrnehmen immer beieinander sind, daher kommt es, daß es nichts in
+der Welt gibt, was sich unter Whitmans Hand nicht zu Dichterischem
+wandelt, daß er auch ganz und gar nicht auf die literarisch überlieferte
+Mustertafel der Gleichnisse angewiesen ist, sondern ihm in einer
+wahrhaft homerischen Fülle Neues und Ungewohntes zum Bilde wird. Ist
+aber dieses Beisammenwohnen des Sehens und des Empfindens, des Denkens
+mit allen Gegenständen der Welt nicht dasselbe, was er aus den Menschen
+herausholen will: Liebe?
+
+ Denn wer hundert Meter ohne Liebe wandelt, der wandelt in seinem
+ Totenhemd mit seinem eignen Begräbnis.
+
+Die Form Whitmans, die so wenig improvisierte Begeisterungsrede ist, wie
+ein impressionistisches Bild, das den Eindruck der Augenblicklichkeit
+schafft, mit ein paar Pinselhieben hingeworfen wird, ist ein streng
+rhythmisches Gefüge, das aber nur das Gesetz des Tempos anerkennt, im
+übrigen sich durch keine Traditionen der Poetik binden läßt. Das
+Chaotische und Massenhafte, das nicht objektiv gebändigt dargestellt
+werden sollte, sondern in aller Gegenständlichkeit immer ein Erleben der
+Empfindung, ein Ausfluß der Subjektivität ist, hat zu dieser Form
+geführt, die wie ein gewaltig fortreißendes Heraussprechen und
+Herausbrechen aus einem Erleben wirkt, das mehr als ein schmales,
+isoliertes Menschen-Ich ist, das vielmehr alles, was draußen vorgefunden
+wird, aus der eigenen Universalität herausgeholt zu haben scheint.
+
+Eines Tages, in der Zeit, als er die Kriegsverwundeten pflegte, schrieb
+Whitman in sein Tagebuch: »Es ist seltsam: solange ich bei den
+entsetzlichsten Szenen zugegen bin, Sterben, Operationen, ekelhafte
+Wunden (vielleicht voller Maden), bleibe ich ruhig und fest und
+energisch, wenn auch mein Mitgefühl sehr erregt ist; aber oft,
+stundenlang nachher, vielleicht wenn ich zu Hause bin oder allein
+spazieren gehe, wird es mir schlecht, und ich zittere tatsächlich, wenn
+ich mich an den bestimmten Fall wieder erinnere.« Das hat er nur so
+aufgeschrieben, um die Tatsache zu verzeichnen; es ist ihm nichts dabei
+eingefallen, was die Tatsache zum Sinnbild gemacht hätte. Aber es kann
+einem dabei seine ganze Natur und die ganze und besondere Größe seines
+Dichtertums aufgehen. Denn daß die Erlebnisse, wenn sie schon vorbei
+sind, auf einmal mit verstärkter Wucht wiederkehren, daß die
+Erinnerungen mit der vollen Kraft des Erlebens auf ihn einstürmen, das
+ist ein Zeichen seiner manchmal bis ins Visionäre gesteigerten
+Phantasie, ebenso wie sein Verhalten in der Mitte des Geschehnisses von
+seiner unverbrüchlichen Sachlichkeit, seiner geborenen Tapferkeit,
+seiner beherrschten Menschenliebe Kunde gibt.
+
+
+
+
+DAS SELBST SING ICH
+
+
+ _Das Selbst_ sing ich, schlechtweg den Einzelmenschen,
+ Doch äußere dazu das Wort Demokratisch, das Wort En- masse.
+
+ Physiologie sing ich von Kopf zu Fuß,
+ Nicht Physiognomie noch Hirn allein ist würdig der Muse, falls völlige
+ Form die würdigste ist,
+ Das Weibliche sing ich gleichen Rangs mit dem Männlichen.
+
+ Weiten des Lebens, Gluten, Drang und Macht,
+ Freudig um freieste Tat, erstanden aus Gottesrecht,
+ Den modernen Menschen sing ich.
+
+
+
+
+ALS ICH SCHWEIGEND BRÜTETE
+
+
+ Als ich schweigend brütete,
+ Von meinen Gedichten nicht loskam, erwägend, verweilend,
+ Erhob sich vor mir ein Gespenst unheimlichen Anblicks,
+ Furchtbar in Schönheit, Alter und Macht,
+ Geist von Dichtern alter Lande,
+ Als werfe es auf mich seine Augen wie Flamme,
+ Und mit dem Finger auf viele unsterbliche Dichtungen deutend,
+ Und drohender Stimme _Was singst du?_ sprach es,
+ _Weißt du nicht, daß es für Sänger, die dauern, ein Thema nur gibt?_
+ _Und das ist das Thema des Kriegs, das Glück der Schlachten,_
+ _Die Zeugung vollkommner Soldaten._
+
+ _Sei's drum_, gab ich zur Antwort,
+ _Ich, hoffärtger Schatten, singe auch Krieg, längern und größern, als je
+ einer war,_
+ _Angehoben in meinem Buch mit wechselndem Glück,_
+ _Mit Flucht, Vormarsch und Rückzug, vertagtem und schwankendem Sieg,_
+ _(Sicherm doch, dünkt mich, oder so gut wie sicherm, am Ende,) das
+ Schlachtfeld die Welt,_
+ _Um Leben und Tod, um den LEIB und um die ewige SEELE,_
+ _Siehe, auch ich bin gekommen im Singen des Schlachtgesangs,_
+ _Ich vor allem bringe tapfre Soldaten hervor._
+
+
+
+
+IN ENGEN SCHIFFEN ZUR SEE
+
+
+ In engen Schiffen zur See,
+ Endloses Blau ringsum gedehnt,
+ Mit pfeifenden Winden, Musik der Wogen, breiter, herrischer Wogen,
+ Oder einsam winziges Boot, Boje auf weiten Gewässern,
+ Das froh, vertrauend, weiße Segel spreitend,
+ Den Äther spaltet im Schaum und Glitzern des Tags, oder unter wechselnden
+ Sternen zur Nacht,
+ Von Matrosen, jungen und alten, wie's kommt, sei ich, Nachklang vom Land,
+ gelesen,
+ In voller Beziehung endlich.
+
+ _Hier sind unsre Gedanken, Seefahrergedanken,_
+ _Hier liegt nicht Land bloß, Festland vor_, mag dann ihre Rede gehen,
+ _Der Himmel wölbt sich hier, wir spüren das wogende Deck untern Füßen,_
+ _Wir spüren das lange Pulsieren, Ebbe und Flut endloser Regung,_
+ _Die Töne des niegesehen Geheimen, die weiten schweifenden Zeichen und
+ Reize der Salzwelt, die flüssigen Laute und Silben,_
+ _Der Duft, das leise Knarren des Tauwerks, das Maß der Schwermut,_
+ _Ohne Grenzen die Sicht, weit und verdämmernd der Horizont, alles ist
+ hier,_
+ _Und das ist Meeresgedicht._
+
+ Dann wanke nicht, mein Buch, erfülle dein Geschick,
+ Du nicht ein Nachklang nur des Lands allein,
+ Du auch wie ein einsam winziges Boot, das den Äther spaltet, unbekannter
+ Bestimmung, doch immer vertrauend.
+ Genosse jeglichen Schiffs, das fährt, fahr zu!
+ Bring ihnen meine Liebe gefaltet (liebe Matrosen, ich falte sie hier in
+ jedes Blatt für euch;)
+ Spute dich, Buch! spreite weiß deine Segel, mein Kahn, dwars durch die
+ herrischen Wogen,
+ Sing zu, fahr zu, trag über das endlose Blau von mir zu jedem Meer
+ Diesen Sang für Matrosen und all ihre Schiffe.
+
+
+
+
+AN FREMDE LANDE
+
+
+ Ich höre, ihr suchet etwas, um diesen Knoten zu lösen, die Neue Welt,
+ Und Amerika zu erklären, seine athletische Demokratie,
+ Also nehmt hier meine Gedichte, daß sie euch zeigen, was ihr begehrt.
+
+
+
+
+AN EINEN HISTORIKER
+
+
+ Du, der Geschwundenes feiert,
+ Der das Äußre erforscht hat, die Oberflächen der Rassen, des Lebens, das
+ sich zur Schau gestellt hat,
+ Der vom Menschen gehandelt hat als Geschöpf von Politik, Gemengen,
+ Herrschern und Priestern,
+ Ich, Sasse der Alleghenyberge, der von ihm handelt, wie er an sich ist im
+ eigenen Recht,
+ Den Puls des Lebens drückend, das sich selten zur Schau gestellt hat (die
+ große Pracht des Menschen in sich),
+ Der Sänger der Persönlichkeit, zeichnend, was erst noch kommen soll,
+ Ich entwerfe die Geschichten der Zukunft.
+
+
+
+
+DEN STAATEN
+
+
+ Den Staaten oder einem von ihnen, oder jeglicher Stadt in den Staaten,
+ _Widerstrebt viel, gehorcht wenig_,
+ Einmal fragloser Gehorsam, zumal völlig geknechtet,
+ Einmal völlig geknechtet, erlangt kein Volk oder Staat, keine Stadt
+ dieser Erde je ihre Freiheit wieder.
+
+
+
+
+AN EINE SÄNGERIN
+
+
+ Da, nimm dies Geschenk,
+ Ich hab es für einen Helden bewahrt, Mann der Rede, oder General,
+ Für einen, der der guten alten Sache diente, der großen Idee, dem
+ Fortschritt und der Freiheit des Menschengeschlechts,
+ Einem tapfern Despotentrotzer, kühnen Empörer;
+ Und nun seh ich, was ich bewahrte, ist dein just ebensogut wie eines.
+
+
+
+
+SCHLIESST EURE TÜREN NICHT
+
+
+ Schließt eure Türen nicht vor mir, stolze Bibliotheken,
+ Denn was in all euren Fächern, voll wie sie sind, fehlte und doch am
+ meisten not tut, bringe ich,
+ Aus dem Krieg heraus, der anhebt, hab ich ein Buch gemacht,
+ Nichts die Worte, alles in meinem Buch die Bahn,
+ Ein besonderes Buch, abseits vom Rest und nicht vom Verstand erfaßt,
+ Doch ihr, sprachlose Abgründe ihr, werdet jegliche Seite durchdringen.
+
+
+
+
+KÜNFTIGE DICHTER
+
+
+ Künftige Dichter! Musiker, Sänger, Redner der Zukunft!
+ Nicht heut ist's an dem, mich zu rechtfertigen und gut zu sagen, wer ich
+ sei,
+ Doch ihr, ein neues Geschlecht, Ursprüngliche, Ringer, Bürger des
+ Kontinents, größer als je geschaut,
+ Wacht auf! denn ihr müßt mich rechtfertigen.
+
+ Ich selbst schreibe nur ein oder zwei andeutende Worte für das, was
+ kommt,
+ Ich trete nur kurz vor zu Schwung und in Hast zurück in die Dunkelheit.
+
+ Ich bin ein Mann, der im Schlendern, ohne so recht zu halten, zufälligen
+ Blick euch zuwirft und dann sein Antlitz wendet,
+ Der euch Beweis und Erklärung vertraut,
+ Die Hauptsache euch vermacht.
+
+
+
+
+AN DICH
+
+
+ Fremder, wenn du mich flüchtig streifst und Lust hast, zu mir zu
+ sprechen, warum solltest du nicht zu mir sprechen?
+ Und warum sollt ich nicht sprechen zu dir?
+
+
+
+
+AUSGEHEND VON PAUMANOK
+
+
+1.
+
+ Ausgehend vom fischförmigen Paumanok, wo ich geboren bin,
+ Wohlgezeugt, und erzogen von einer vollendeten Mutter,
+ Wandrer bisher in vielen Landen, Freund des Pflasters und Volksgedrängs;
+ Siedler in meiner Stadt Manahatta oder auf Savannen des Südens,
+ Oder Soldat im Lager oder mit Ranzen und Flinte, oder Gräber in
+ Kalifornien,
+ Oder ruppig daheim in Dakotas Wäldern, Wildbret zur Nahrung, der Trunk
+ aus dem Quell,
+ Oder zurückgezogen zu Sinnen und Grübeln in tiefer Verborgenheit,
+ Fern vom Gerassel der Mengen Pausen der Wonnen einlegend,
+ Vertraut mit dem frisch freien Spender Missouri dem Strömenden, vertraut
+ dem gewaltigen Niagara,
+ Vertraut mit den Büffelherden, die dort in den Ebenen grasen, dem zottig
+ breitbrüstigen Stier,
+ Mit Erde, Felsen, Maiblumen bekannt, Sterne, Regen, Schnee mein Staunen,
+ Fertig mit dem Lauschen auf Spottvogelweisen und der Ergründung des
+ Bergfalkenflugs,
+ Im Ohr noch den unvergleichlichen Ruf der Einsiedeldrossel von
+ Sumpfzedern im Morgengraun,
+ Rühr ich, einsamer Sänger des Westens, die Trommel für eine neue Welt.
+
+
+2.
+
+ Americanos! Erobrer! Marken der Menschheit!
+ Vorderste! Marken der Zeit! Freiheit! Massen!
+ Für euch ein Programm von Gesängen.
+ Präriengesänge,
+ Gesänge des langgestreckten Mississippi und hinab zur mexikanischen See,
+ Gesänge von Ohio, Indiana, Illinois, Iowa, Wisconsin und Minnesota,
+ Gesänge entspringend im Mittelpunkt Kansas und von da gleichgerichtet
+ nach allen Seiten,
+ Schießend in feurigen Pulsen ohn Ende, überall Leben zu wecken.
+
+
+3.
+
+ Nimm meine Blätter, Amerika, nimm sie Süd und nimm sie Nord,
+ Heißt sie überall willkommen, denn sie sind eure eigenen Sprossen,
+ Schließt einen Ring um sie, Ost und West, denn sie möchten um euch einen
+ Ring schließen,
+ Und ihr Vorgänger geht freundlich mit ihnen um, denn sie sind freundlich
+ zu euch.
+
+ Ich drang in alte Zeiten,
+ Ich saß forschend zu Füßen der großen Meister,
+ Jetzt wenn's sein könnt o möchten die Meister wiederkehren und mich
+ erforschen.
+
+ Im Namen unsrer Staaten soll ich die Antike verschmähen?
+ Nein doch, sie sind der Antike Kinder, gekommen, um sie zu rechtfertigen.
+
+
+4.
+
+ Gestorbene Dichter, Philosophen, Priester,
+ Märtyrer, Künstler, Erfinder, begrabne Regierungen,
+ Sprachgestalter an andern Küsten,
+ Einstmals gewaltige Völker, nun verfallen, abberufen oder vernichtet,
+ Ich trau mich nicht weiter, eh ich dankbar gut geschrieben, was zu uns
+ von euch her geschwommen kam,
+ Ich hab es durchlaufen, bewundre es willig, (eine Weile hingegeben,)
+ Glaube, daß nichts je größer sein kann, nichts mehr Verdienst haben als
+ es hat,
+ Betrachte es alles gespannt lange Zeit, geb dann ihm den Abschied,
+ Ich stehe an meiner Stelle hier im eigenen Tag.
+
+ Hier Volk aus Frauen und Männern,
+ Hier der Welt Erbschaft und Erbinschaft, hier die Flamme der Stoffe,
+ Hier Geistigkeit Übersetzerin, frei-anerkannte,
+ Immerstrebende, sichtbarer Formen Finale,
+ Erfüllerin, lang Erharrte, zur rechten Zeit nun Kommende,
+ Ja, hier naht meine Herrin die Seele.
+
+
+5.
+
+ Die Seele,
+ Nun und immer und nun und immer -- länger als braune und feste Scholle --
+ länger als Wasser ebbt und flutet.
+
+ Ich will die Gedichte der Stoffe machen, denn ich glaube, sie werden die
+ geistigsten Dichtungen sein,
+ Und ich will die Gedichte von meinem Leib und der Sterblichkeit machen,
+ Denn mich dünkt, so beschaffe ich mir die Gedichte von meiner Seele und
+ Unsterblichkeit.
+
+ Ich will ein Lied für diese Staaten machen, daß kein einziger Staat unter
+ keinen Umständen einem anderen Staat unterworfen sein kann,
+ Und ich will ein Lied machen, daß Einvernehmen und Art bei Tag und Nacht
+ sein soll zwischen all diesen Staaten und zwischen je zweien von
+ ihnen,
+ Und ich will ein Lied machen für die Ohren des Präsidenten, voller Waffen
+ mit drohenden Spitzen,
+ Und hinter den Waffen zahllose mißvergnügte Gesichter;
+ Und ein Lied mach ich von dem Einen, der aus allen gebildet ist, dessen
+ Haupt über allen ist,
+ Dem krallenbewehrten funkelnden Einen,
+ Kriegerisch entschiedenen Einen, der allumfassend über allen ist,
+ (So hoch sonstwer das Haupt trägt, dies Haupt ist über allen.)
+
+ Ich will unsre Zeitgenossen anerkennen,
+ Ich will der ganzen Geographie des Erdballs spürend nachgehn und jegliche
+ Stadt groß oder klein geziemend grüßen,
+ Und Gewerbe! Ich will in meine Gedichte setzen, daß in euch Heldentum ist
+ zu Wasser und Land,
+ Und ich will alles Heldentum melden von amerikanischem Standpunkt aus.
+
+ Ich will das Lied der Kameradschaft singen,
+ Ich will zeigen, was diese allein schließlich kitten muß,
+ Ich glaube, diese sollen ihr eigenes Bild männlicher Liebe finden, das
+ sie an mir bewähren,
+ Ich will drum lodernd das Feuer aus mir flammen lassen, das gedroht hat,
+ mich zu verzehren,
+ Ich will forttun, was dies schwelende Feuer zu lang niedergehalten hat,
+ Ich will ihm zügellos Freiheit lassen,
+ Ich will das Evangelium-Gedicht von Kameraden und Liebe schreiben,
+ Denn wer wenn nicht ich soll Liebe verstehn mit all ihrem Leid und Lust?
+ Und wer wenn nicht ich soll Dichter der Kameraden sein?
+
+
+6.
+
+ Ich bin der Gläubige, baue auf Gaben, Alter, Rassen,
+ Ich entsteige dem Volk in seinem eigenen Geist,
+ Was hier singt, ist unbedingter Glaube.
+
+ Omnes! omnes! mögen andre wegsehn, wovon sie wollen,
+ Ich mache auch das Gedicht vom Bösen, ich huldige auch diesem Teil,
+ Ich bin selbst just so böse wie gut und wie mein Volk ist -- und ich
+ sage, es gibt in der Tat nichts Böses,
+ (Oder wenn's derlei gibt, so sag ich, es ist just so bedeutend für euch,
+ das Land oder mich wie irgendwas sonst.)
+
+ Ich auch, Nachfolger vieler und Vorgänger vieler, bin Stifter einer
+ Religion, ich begebe mich auf den Kampfplatz,
+ (Kann sein, ich bin bestimmt, die hellsten Rufe da auszustoßen, des
+ Siegers gellendes Jauchzen,
+ Wer weiß? es mag noch aus mir dringen und über alles steigen.)
+
+ Kein Ding ist für sich selber da,
+ Ich sage, die ganze Erde und alle Sterne am Himmel sind um der Religion
+ willen da.
+
+ Ich sage, keiner ist noch je halb fromm genug gewesen,
+ Keiner hat noch je halb genug verehrt oder angebetet,
+ Keiner hat angefangen zu denken, wie göttlich er selber ist, und wie
+ sicher die Zukunft ist.
+ Ich sage, die wirkliche und dauernde Größe dieser Staaten muß ihre
+ Religion sein,
+ Sonst gibt es keine wirkliche und dauernde Größe;
+ (Charakter nicht noch Leben des Namens wert ohne Religion,
+ Kein Land, kein Mann oder Weib ohne Religion.)
+
+
+7.
+
+ Als ich in Alabama meinen Morgengang machte,
+ Sah ich, wie das Weibchen des Spötters auf seinem Nest im Dornstrauch auf
+ seiner Brut saß.
+ Ich sah auch das Männchen,
+ Ich blieb stehn, um es ganz nahe zu hören, wie es die Kehle blähte und
+ fröhlich sang.
+
+ Und als ich so stand, kam es mir, daß, warum er wirklich sang, nicht dort
+ allein zu finden war,
+ Nicht bloß für sein Weibchen oder für sich und nicht für alles, was das
+ Echo zurückrief,
+ Sondern zart, verborgen, weither von drüben,
+ Ererbtes Gebot und heimliche Schenkung den Neugebornen.
+
+
+8.
+
+ Demokratie! Nah bei dir bläht sich nun eine Kehle auf und singt fröhlich
+ ihr Lied.
+
+ Ma femme! für den fernen Nachwuchs und unsern eignen,
+ Für die zu uns gehörigen und die da kommen sollen,
+ Will ich jauchzend, um für sie bereit zu sein, nun Jubellieder
+ hinausschmettern stärkre und stolzere als je auf Erden gehört worden
+ sind.
+ Ich will die Lieder der Leidenschaft dichten, um ihnen ihren Weg zu
+ bereiten,
+ Und eure Lieder, verstoßne Verbrecher, denn ich banne euch sanften Blicks
+ in meine Verse und nehme euch mit mir so gut wie die andern.
+
+ Ich will das wahre Gedicht der Reichen dichten,
+ Für Körper und Geist alles zu holen, was haftet und Fortgang hat und
+ nicht vom Tode verworfen wird;
+ Ich will Egoismus ausströmen und zeigen, wie er in allem steckt, und ich
+ will der Sänger der Persönlichkeit sein,
+ Und ich will zeigen, daß Mann und Weib beide einander gleich sind,
+ Und des Geschlechts Organe und Akte! zieht euch in mir zusammen, denn ich
+ bin gewillt, von euch mit tapferer heller Stimme zu künden und euern
+ Ruhm zu melden,
+ Und ich will zeigen, daß hier Unvollkommenheit heute nicht ist und
+ künftig nicht sein kann,
+ Und ich will zeigen, daß alles, was irgendwen trifft, schöne Ergebnisse
+ zeitigen mag,
+ Und ich will zeigen, daß nichts Schöneres zustoßen kann als der Tod,
+ Und ich will einen Faden durch meine Gedichte spinnen, daß Zeit und
+ Begebenheiten ein Ganzes sind,
+ Und daß alle Dinge des Weltalls völlige Wunder sind, eins so tief wie das
+ andre.
+
+ Ich will nicht Gedichte schreiben in bezug auf Teile,
+ Sondern ich will Gedichte, Gesänge, Gedanken schreiben in bezug auf
+ Zusammen,
+ Und ich will nicht in bezug auf einen Tag singen, sondern in bezug auf
+ alle Tage,
+ Und ich will kein Gedicht machen noch den geringsten Teil eines Gedichts,
+ der nicht Bezug auf die Seele hat,
+ Weil ich die Gegenstände des Weltalls beschaut habe und finde, es gibt
+ keinen und nicht das geringste Stückchen von einem, das nicht Bezug
+ auf die Seele hat.
+
+
+9.
+
+ Hat einer begehrt, die Seele zu sehen?
+ Sieh, deine eigne Gestalt und Haltung, Personen, Wesen, Tiere, die Bäume,
+ die fliehenden Ströme, die Felsen und Wüsten.
+
+ Alle halten geistige Lust und lassen sie wieder los;
+ Wie kann der wahre Leib je sterben und je begraben sein?
+
+ Von deinem wahren Leib und jedermanns und jedenweibs wahrem Leib
+ Entrinnt Stück für Stück den Händen der Leichenwäscher und birgt sich in
+ passenden Sphären,
+ Und nimmt mit, was ihm zugewachsen vom Augenblick der Geburt bis zur
+ Stunde des Todes.
+
+ So gut wie die Lettern, die der Setzer gefügt hat, den Druck, die
+ Bedeutung, den Sinn wiederholen,
+ Kehrt eines Manns Wesen und Leben oder eines Weibs Wesen und Leben in
+ Leib und Seele zurück,
+ Unbekümmert vor dem Tod und nachher.
+
+ Siehe, der Leib umschließt die Bedeutung und ist der Sinn und umschließt
+ die Seele und ist sie;
+ Wer du auch seist, wie göttlich und stolz ist dein Leib und jedes Stück
+ von ihm!
+
+
+10.
+
+ Mit mir, doch fest verbunden, doch vorwärts eile, eile.
+
+ Für dein Leben hänge an mir,
+ (Zureden müßte man mir vielleicht oft, eh ich bereit, mich dir wirklich
+ zu geben, aber was liegt daran?
+ Muß nicht oft der Natur zugeredet werden?)
+
+ Kein gezierter dolce affetuoso ich,
+ Bärtig, sonnverbrannt, graunackig, störrisch hab ich erreicht,
+ Daß man, komm ich daher, mit mir um die echten Preise des Weltalls ringt,
+ Denn solche biete ich jedem, der standhält, sie zu gewinnen.
+
+
+11.
+
+ O trauter Camerado! O endlich du und ich, und nichts als wir.
+ O nun ein Wort zum Weiterschreiten, zwecklos klar!
+ O Überschwengliches -- beweislos, wild, Musik!
+ O sieghaft oben bin ich -- so auch du;
+ O Hand in Hand -- o heilsame Lust -- o Neuer, der Liebe und Sehnsucht
+ gewonnen!
+ O fest verbunden zu eilen -- zu eilen, vorwärts zu eilen mit mir.
+
+
+
+
+DER GRUNDSTEIN ALLER METAPHYSIK
+
+
+ Und nun, meine Herrn,
+ Geb ich Ihnen ein Wort zur Erinnerung und zur Besinnung,
+ Als Grundstein und als Finale für jegliche Metaphysik.
+ (So zu den Studenten der alte Professor
+ Am Schluß seines überfüllten Kollegs.)
+ Hab nun die neuen und die antiken, Systeme der Griechen und Deutschen
+ erforscht,
+ Hab Kant erforscht und gedeutet, Fichte und Schelling und Hegel,
+ Gedeutet die Lehre Platons, und Sokrates größer als Platon,
+ Und habe den, der größer, als Sokrates suchte und deutete, Christus den
+ Göttlichen lange erforscht,
+ Und nun blicke ich heute zurück auf all diese griechischen und deutschen
+ Systeme,
+ Sehe alle die Philosophen, christliche Kirchen und Richtungen seh ich,
+ Unterirdisch aber und hell sehe ich Sokrates, und unterirdisch Christus
+ den Göttlichen seh ich,
+ Die Liebe des Menschen zum Kameraden, das Band zwischen Freund und
+ Freund,
+ Des wohlgeborgenen Gatten und Weibs, von Kindern und Eltern,
+ Von Stadt zu Stadt und Land zu Land.
+
+
+
+
+ICH SAH IN LOUISIANA EINE EICHE WACHSEN --
+
+
+ Ich sah in Louisiana eine Eiche wachsen,
+ Ganz allein stand sie und das Moos hing von ihren Ästen,
+ Ohne Genossen wuchs sie und äußerte immergrün dunkel und froh ihre
+ Blätter,
+ Und ihr Anblick, rauh, stark, unbiegsam, rüstig, gemahnte mich an mich
+ selbst,
+ Nur daß ich staunte, wie sie ihr Laub froh äußern konnte, da sie allein
+ stand, ohne den nahen Freund, denn ich wußte, ich könnte es nicht,
+ Und ich brach einen Zweig, der etliche Blätter trug, und spann etwas Moos
+ darum,
+ Und nahm ihn mit, und in meinem Zimmer hab' ich ihn aufgehängt,
+ Nicht daß ich Erinnerung an meine lieben Freunde brauchte,
+ (Denn ich glaube, schließlich denk ich kaum an andres als an sie,)
+ Aber er bleibt mir ein seltsames Zeichen, er mahnt mich an mannhafte
+ Liebe,
+ Trotz allem und obwohl der Eichbaum dort in Louisiana grünt einsam für
+ sich in weitem Flachland,
+ Und seiner Lebtag froh sein Laub herausstrahlt ohne Freund und Liebenden
+ bei sich,
+ Weiß ich sehr wohl, ich könnte es nicht.
+
+
+
+
+SALUT AU MONDE!
+
+
+ Du, wer du auch bist!
+ Du Tochter oder Sohn Englands!
+ Du aus den gewaltigen slawischen Stämmen und Reichen! Du Russe in
+ Rußland!
+ Du Dunkelsproß, schwarzer Afrikaner mit göttlicher Seele, Breiter,
+ Schmalköpfiger, edel Gebauter, stolzer Bestimmung, auf gleichem Fuß
+ mit mir!
+ Du Norweger! Schwede! Däne! Isländer! Preuße Du!
+ Du Spanier aus Spanien! Du Portugiese!
+ Du französisches Weib und Franzose aus Frankreich!
+ Du Belgier! Du Freiheitsfreund in den Niederlanden! (Stamm, dem ich
+ selber entsprossen;)
+ Du handfester Österreicher! Lombarde! Ungar! Du Böhme! Steirischer Bauer!
+ Du Nachbar der Donau!
+ Du Arbeitsmann vom Rhein, von der Elbe oder der Weser! Du Arbeitsfrau
+ auch!
+ Du Sardinier! Du Bayer! Schwabe! Sachse! Wallache! Bulgare!
+ Du Römer! Neapolitaner! Du Grieche!
+ Du geschmeidiger Matador in der Arena von Sevilla!
+ Du Bergbewohner, der gesetzlos auf dem Taurus oder Kaukasus haust!
+ Du Hirt Bokharas, der seine Stuten weidet und Hengste züchtet!
+ Du schöner Perser, der im vollen Galopp im Sattel Pfeile nach dem Ziele
+ schießt!
+ Du Chinese und Chinesin aus China! Tartar der Tartarei!
+ Ihr Frauen der Erde im Dienst eures Amtes!
+ Du Jude, der im hohen Alter durch alle Gefahren durch pilgert, um einst
+ auf Palästinas Boden zu stehen!
+ Ihr andern Juden, die in allen Ländern auf ihren Messias warten!
+ Du sinnender Armenier, der an einem Euphratstrom brütet! Du Starrer unter
+ den Ruinen von Ninive! Du Araratbesteiger!
+ Du müder Pilger, der sich fortschleppt, um das ferne Funkeln der Minarete
+ von Mekka zu grüßen!
+ Ihr Scheiks auf der Stecke von Suez nach Bab-el-Mandeb, Gebieter eurer
+ Familien und Stämme!
+ Ihr Ölbaumpflanzer, die ihre Früchte hegen auf den Feldern von Nazareth,
+ Damaskus oder am See Tiberias!
+ Du tibetanischer Kaufmann im weiten Innern, oder in den Läden von Lassa
+ feilschend!
+ Du japanischer Mann oder Frau! Bewohner Madagaskars, Ceylons, Sumatras,
+ Borneos!
+ All ihr Festlandbewohner in Asien, Afrika, Europa, Australien, wo eure
+ Stätte sei!
+ Alle ihr auf den zahllosen Eiländern der Inselmeere!
+ Und ihr in den fernen Jahrhunderten, wo ihr mich hört!
+ Und du jeglicher und allenthalben, den ich nicht bezeichne, doch den ich
+ mit einschließe!
+ Heil euch! Willkommen euch allen, von mir und Amerika dargebracht!
+
+ Jeder von uns unvermeidlich,
+ Jeder von uns grenzenlos -- jeder mit seinem oder ihrem Recht auf die
+ Erde,
+ Jeder von uns mit dem Anspruch auf das ewige Erbe der Erde,
+ Jeder hienieden so göttlich wie irgendeiner hienieden.
+
+
+
+
+LIED DER LANDSTRASSE
+
+
+1.
+
+ Und nun von Stund an erklär ich mich frei von Schranken und eingebildeten
+ Linien,
+ Ich gehe, wohin ich will, mein eigener Herr völlig und gänzlich,
+ Ich höre auf andre und prüfe gut, was sie sagen,
+ Breche ab, empfange, suche, betrachte,
+ Freundwillig, jedoch unbeugsamen Willens, der Krücken entratend, die mich
+ stützen wollen.
+
+ Ich atme die Weiten des Raums ein,
+ Ost und West sind mein, und Nord und Süd sind mein.
+ Ich bin weiter, besser als ich vermeint,
+ Ich wußte nicht, daß ich so gütig sei.
+
+ Alles erscheint mir nun schön,
+ Männern und Fraun kann ich immerzu sagen, ihr waret so gut zu mir, ich
+ wäre grad so zu euch.
+ Kraft will ich sammeln für mich und für euch, wenn ich wandre,
+ Unter Männer und Fraun will ich mich streun, wenn ich wandre,
+ Neue Lust und Herbheit will ich aus ihnen schütteln,
+ Verleugnet mich einer, so solls mich nicht stören,
+ Nimmt mich einer auf, ob Mann ob Frau, so sei er gesegnet und wolle mich
+ segnen.
+
+
+2.
+
+ Erschienen jetzt tausend vollkommene Männer, es sollt mich nicht wundern,
+ Erschienen jetzt tausend schöne Frauengestalten, ich würde nicht staunen.
+ Ich sehe jetzt in das Geheimnis, wo die besten Menschen herkommen.
+ Sie wachsen in freier Luft, haben Essen und Schlaf mit der Erde.
+ Hier ist Raum für große persönliche Tat.
+ (So eine Tat ergreift die Herzen des ganzen Menschengeschlechtes,
+ Was ihr an Stärke und Willen entströmt, reißt alle Gesetze um und spottet
+ aller Autorität und aller Reden gegen sie.)
+
+ Hier ist die Prüfung der Weisheit,
+ Weisheit wird nicht letztlich in Schulen geprüft,
+ Weisheit ist nicht übertragbar von dem, der sie hat, auf den, der sie
+ nicht hat,
+ Weisheit entstammt der Seele, ist keines Beweises fähig, ihr eigner
+ Beweis,
+ Paßt auf alle Stufen und Gegenstände und Eigenschaften und ist genügsam,
+ Ist die Gewißheit der Wirklichkeit und Unsterblichkeit der Dinge, und der
+ Trefflichkeit aller Dinge;
+ Etwas ist im Strom der sichtbaren Dinge, das sie aus der Seele
+ hervorruft.
+
+ Jetzt überprüf ich Philosophien und Religionen,
+ Sie mögen gut sein für Vorlesungssäle, doch nicht im geringsten unter den
+ massigen Wolken, an eilenden Strömen und in der Landschaft.
+
+ Hier ist Verwirklichung,
+ Hier ist der Mensch aus dem Kernholz geschnitten -- er bewährt, was er in
+ sich hat,
+ Das Gestern, das Morgen, die Herrlichkeit und die Liebe -- sind sie nicht
+ in euch, so seid ihr nicht in ihnen.
+ Nur der Kern jeder Sache ernährt;
+ Wo ist der Mann, der euch und mir die Schalen abstreift?
+ Wo ist der Mann, der euch und mir Masken und Hüllen zerreißt?
+
+ Hier ist Zusammenhalt, künstlich gedrechselter nicht, sondern spontaner;
+ Wißt ihr, was es heißt, im Vorbeigehn von Fremden geliebt zu werden?
+ Kennt ihr die Sprache der zugeworfenen Blicke?
+
+
+3.
+
+ Allons! Durch Streit und Krieg!
+ Genanntes Ziel ist unwiderruflich.
+ Sind die vergangenen Kämpfe geglückt?
+ Was ist geglückt? Du? Dein Volk? Die Natur?
+ Nun höre mich wohl -- es liegt im Wesen der Dinge, daß aus jedem
+ genossenen Glück, gleichviel wie es heiße, etwas hervorkommt, das
+ größeren Streit notwendig macht.
+
+ Mein Ruf ist der Kriegsruf, ich nähre tatkräftigen Aufstand,
+ Wer mit mir geht, muß in Waffen gehn,
+ Wer mit mir geht, kennt schmale Kost, Armut, scharfe Feinde,
+ Abtrünnigkeit.
+
+
+
+
+ICH SITZE UND SCHAUE
+
+
+ Ich sitze und blicke nach allen Qualen der Welt aus, und nach jeder
+ Unterdrückung und Schmach,
+ Ich höre verhohlenes, krampfhaftes Schluchzen von jungen Menschen in
+ Selbstquälerei, die in Reue sind nach geschehenen Taten,
+ Ich sehe im niederen Leben die Mutter von ihren Kindern mißhandelt,
+ sterbend, vernachlässigt, ausgemergelt, verzweifelt,
+ Ich sehe das Weib vom Gatten mißhandelt, ich sehe den niederträchtigen
+ Verführer der jungen Frauen,
+ Ich sehe das Nagen der Eifersucht und unerwiderter Liebe, mit Mühe
+ zurückgedrängt, ich sehe diese Gesichte auf Erden,
+ Ich sehe die Werke der Schlacht, der Seuche, der Tyrannei, ich sehe
+ Märtyrer und Gefangene,
+ Ich gewahre Hungersnot auf dem Meer, ich gewahre Seeleute, die Lose
+ werfen, wer von ihnen getötet werden soll, um den andern das Leben zu
+ retten,
+ Ich gewahre Schimpf und Verachtung von anmaßenden Herren Arbeitern
+ zugeworfen, den Armen, und Negern, und dergleichen,
+ Nach allem -- nach all der Gemeinheit und Todesnot ohne Ende halt ich im
+ Sitze Ausschau,
+ Sehe, höre und schweige.
+
+
+
+
+ALS ICH LAG, MEINEN KOPF IN DEINEM SCHOSS, CAMERADO
+
+
+ Als ich lag, meinen Kopf in deinem Schoß, Camerado,
+ Die Beichte wiederhol ich, die ich dir machte, was ich zu dir und der
+ Luft gesagt, wiederhol ich,
+ Ich weiß, ich bin ruhlos und mache andre ruhlos,
+ Ich weiß, meine Worte sind gefährliche Waffen und tödlich,
+ (Wahrlich, ich bin der echte Krieger,
+ Nicht der dort ist's mit dem Bajonett und nicht der rotgestreifte
+ Artillerist.)
+ Denn ich befehde Frieden, Sicherheit und alle festen Gesetze, um sie zu
+ stürzen,
+ Ich bin entschlossener, da alle mich abwiesen, als ich je wäre, wenn sie
+ mich grüßten,
+ Ich achte nicht und hab nie geachtet auf Erfahrung, Vorsicht, Mehrheit
+ oder Verlachen,
+ Und die Drohung sogenannter Hölle ist wenig für mich oder nichts,
+ Und die Lockung sogenannten Himmels ist wenig für mich oder nichts;
+ Lieber Camerado! Ich bekenne, ich habe dich mit mir gerissen und reiße
+ dich noch, und weiß nicht, nach welchem Ziel,
+ Oder ob wir siegreich sein werden, oder schmählich zu Boden geschlagen.
+
+
+
+
+LEB WOHL, SOLDAT --
+
+
+ Leb wohl, Soldat,
+ Mann rauhen Feldzugs (den wir teilten),
+ Der schnelle Marsch, das Lagerleben,
+ Der heiße Streit feindlicher Fronten, das lange Hinziehn,
+ Die roten Schlachten mit ihrem Gemetzel, die Wut, das wilde, gräßliche
+ Spiel,
+ Alles zeugt von tapferen und männlichen Herzen, von Zeiten, die du und
+ deinesgleichen gefüllt,
+ Mit Krieg und Kriegsgepräge.
+
+ Leb wohl, Kamerad,
+ Dein Amt ist aus, -- ich aber, kriegerischer,
+ Ich und dies mein streitendes Herz,
+ Wir stehen noch im eignen Feldzug,
+ Auf unbegangnen Wegen voller Gefahren und Hinterhalte,
+ Fechten in Niederlagen und Krisen, oft betrogen,
+ Und immer im Marsch, vorwärts marsch, den Krieg zu Ende, drauf,
+ Wir prägen wildere, schwerere Schlachten.
+
+
+
+
+WENDE DICH, FREIHEIT --
+
+
+ Wende dich, Freiheit, denn der Krieg ist zu Ende,
+ Von ihm und jedem, der künftig ausbricht, nicht mehr zweifelnd,
+ entschlossen, die Welt ausfegend,
+ Wende dich ab von nach hinten schauenden Ländern, die Abzüge des
+ Gewesenen häufen,
+ Von den Sängern, die nachschleifend den Ruhm des Gewesenen singen,
+ Von den Liedern feudaler Welt, Königstriumphen, Sklaven und Kasten,
+ Hin zu der Welt und den Siegen, die bevorstehn und kommen, gib die
+ Rückwärtswelt auf,
+ Gib den Sängern des Bisher den Laufpaß, gib ihnen das schleifende
+ Gestern,
+ Doch was bleibt, bleibe deinen Sängern, künftige Kriege gehen um dich,
+ (O, wie die Kriege des Gestern dir so recht die Wege gebahnt, und die
+ Kriege von heute bahnen sie auch;)
+ Wende dich denn getrost, o Freiheit -- wende dein Tod nicht kennendes
+ Antlitz,
+ Zukunftwärts, wo das Morgen, größer als alles Gestern,
+ Rasch und sicher wartet auf dich.
+
+
+
+
+HEIMKEHR DER HELDEN
+
+
+ Ich war bei der Heimkehr der Helden dabei,
+ (Doch die trefflichsten Helden sehen wir nie mehr,
+ Die sah ich nicht an dem Tag.)
+ Ich sah die endlosen Korps, ich sah den Zug der Armeen,
+ Ich sah sie nahn, defilieren in Divisionen,
+ Nordwärts fluten sodann, nach vollbrachtem Werk, und in Haufen von
+ Riesenlagern kampieren.
+ Keine Paradesoldaten -- jung und doch Veteranen,
+ Müde, gebräunt, stattlich und stark, Bauern- und Handwerkerschlag,
+ Gestählt in vielen Schlachten und schwitzenden Märschen,
+ Abgehärtet auf manchem schwer erkämpften blutigen Feld.
+
+ Pause -- die Heere warten,
+ Zahllos in Haufen aufgestellte Eroberer warten,
+ Es wartet die Welt, und dann -- sanft wie sinkende Nacht, sicher wie
+ Morgengraun,
+ Schmelzen sie hin, verschwinden.
+
+ Jauchzt, o Lande, siegreiche Lande!
+ Nicht euerm Sieg dort auf den roten schaudernden Feldern,
+ Jauchzt euerm Sieg hier und von nun an.
+ Schmelzt, ihr Heere, schmelzt fort -- zergeht, Soldaten in Uniform,
+ Löst euch endgültig auf, legt die tödlichen Waffen nieder,
+ Andre Waffen und Felder von nun an für euch, ob Süden, ob Norden,
+ Heilsamere Kriege, holde Kriege, lebenspendende Kriege.
+
+
+
+
+DER MYSTISCHE TROMPETER
+
+
+1.
+
+ Horch, welch wilder Musikant, welch seltsamer Trompeter
+ Unsichtbar heute Nacht in Lüften schwebt und tolle Weisen schmettert.
+
+ Ich höre dich, Trompeter, scharf lauschend vernehm ich dein Spiel,
+ Jetzt um mich strömend, wirbelnd wie ein Sturm,
+ Jetzt leise, unterdrückt, jetzt in der Ferne verloren.
+
+
+2.
+
+ Komm näher, Körperloser, vielleicht erklingt in dir
+ Ein toter Komponist, vielleicht erdrückte dich
+ Ein hohes Streben, ungeformtes Wollen,
+ Chaotisch drängten sich Klangwogen, Ozeane stiegen,
+ Daß nun dein Geist ekstatisch sich mir neigt und dröhnend schütternd
+ seine Rhythmenflut
+ Vertrauensvoll in meine, meine Ohren gießt,
+ Daß ich sie übersetze.
+
+
+3.
+
+ Blase, Trompeter, frei und hell, ich folge,
+ Und wie dein Vorspiel heiter froh verfließt,
+ Schwindet die fressende Welt, die Straßen, die lärmenden Stunden des
+ Tags,
+ Heilige Stille senkt sich wie Tau auf mich nieder,
+ Ich wandle in kühl erfrischender Nacht die Pfade des Paradieses,
+ Mir duftet das Gras, die feuchte Luft und die Rosen;
+ Dein Lied entfaltet den starr gefesselten Geist -- befreit mich, läßt
+ mich los,
+ Ich schwimme wohlig im Himmelssee.
+
+
+4.
+
+ Blase nur, Trompeter! und vor die sehenden Augen
+ Stell mir die alten Heiden, bring die feudale Welt.
+ Was Zaubers wirkt dein Spiel! es tauchen vor mir auf
+ Längst tote Herrn und Damen, Barone in ihren Schlössern, die Troubadoure
+ singen,
+ Gewappnet ziehn Ritter dem Unrecht entgegen oder suchen den heiligen
+ Gral;
+ Ich sehe Turniere und Streiter in schwerer Rüstung auf knirschenden
+ Rossen,
+ Ich höre das Jauchzen, das Dröhnen von Hieben und Stichen;
+ Ich sehe der Kreuzzugsheere Getümmel -- horch, wie die Zimbeln schallen,
+ Sieh dort den Zug der Mönche mit hoch erhobenem Kreuz.
+
+
+5.
+
+ Blas nur Trompeter! und zum Thema
+ Nimm nun das Thema, das alle einschließt, lösend und bindend,
+ Liebe, den Takt der Welt, den Trost und die Tränen,
+ Mannes und Weibes Herz mit nichts als Liebe,
+ Kein andres Thema als Liebe, -- knüpfende, hegende, allüberschwemmende
+ Liebe.
+
+ O wie die unsterblichen Wesen sich um mich drängen!
+ Ich sehe den großen Vergaser ewig tätig, ich kenne die Flammen, die
+ Heizer der Welt,
+ Glut und Röte, pochende Herzen der Liebenden,
+ So selig manche, und manche so still, dunkel, nahe dem Tode;
+ Liebe, außer der Liebenden nichts ist -- Liebe, die Zeit und Raum
+ überwindet,
+ Liebe, die Tag und Nacht ist -- Liebe, die Sonne und Mond ist und Sterne,
+ Liebe in Scharlach und Üppigkeit, duftkranke Liebe,
+ Keine Worte als Worte der Liebe, kein andres Denken als Liebe.
+
+
+6.
+
+ Blas nur, Trompeter -- beschwöre den Krieg.
+
+ Schnell rollt deinem Ruf ein murrendes Beben wie ferner Donner,
+ Sieh, die Bewaffneten eilen -- sieh durch geballten Staub das Glitzern
+ der Bajonette,
+ Da Kanoniere finsteren Blicks, und jetzt der rosige Blitz aus dem Rauch,
+ ich höre den Krach der Geschütze;
+ Nicht Krieg allein -- dein furchtbares Lied, wilder Spieler, bringt
+ jegliches Schreckensgesicht,
+ Taten ruchloser Räuber, Plünderung, Mord -- ich höre die Hilfeschreie!
+ Ich sehe scheiternde Schiffe auf hoher See, gewahre auf Deck und unter
+ Deck die gräßlichen Szenen.
+
+
+7.
+
+ Trompeter, mir ist ganz, als spieltest du auf mir,
+ Du schmelzest Herz und Hirn -- rührst sie und ziehst und wandelst sie
+ nach Laune;
+ Und jetzt erfüllt dein dumpfes Tönen mich mit Finsternis,
+ Du raubst das muntre Licht und jedes Hoffen,
+ Ich sehe die Getretnen, Unterjochten, Leidenden, Gedrückten des ganzen
+ Erdenrunds,
+ Ich fühle meines Geschlechts Demütigung und maßlose Schmach, sie wird die
+ meine,
+ Mein auch die Empörung der Menschheit, der Schimpf der Jahrhunderte, die
+ zuschanden gemachten Fehden und Wüte,
+ Völlige Niederlage lastet auf mir -- alles verloren -- der Feind
+ triumphiert,
+ (Doch in den Trümmern steht wie ein Riese der Stolz, ungebrochen zum
+ Äußersten,
+ Geduld, Entschlossenheit zum Äußersten.)
+
+
+8.
+
+ Trompeter, nun zum Ende
+ Gewähre höhere Weise als bisher,
+ Sing meiner Seele zu, erneure ihr sehnendes Hoffen,
+ Rüttle den trägen Glauben empor, gib mir Vision der Zukunft,
+ Gib mir einmal ihr Bild und ihre Lust.
+
+ O froher, jauchzender, gipfelnder Sang!
+ Nicht aus der Erde quillt dir die Gewalt,
+ Siegsmärsche -- der entjochte Mensch -- der Überwinder,
+ Dem Weltengott des Weltenmenschen Hymnen -- lauter Lust!
+ Die Menschheit neugeboren -- die Welt vollkommen, lauter Lust!
+ Frauen und Männer gesund, unschuldig, weise -- lauter Lust!
+ Lachende, rauschende Feste strotzend voll mit Lust!
+ Krieg, Elend, Kummer fort -- Erde von Fäulnis rein -- Lust einzig übrig!
+ Die Meere lusterfüllt -- die Lüfte lauter Lust!
+ Lust! Lust! in Freiheit, Andacht, Liebe! Lust! Lust! Im Überschwang des
+ Lebens!
+ Genug das bloße Sein! Genug zu atmen!
+ Lust! Lust! Überall Lust!
+
+
+
+
+WANDL ICH DURCH DIE BREIT MAJESTÄTISCHEN TAGE
+
+
+ Wandl ich durch die breit majestätischen Tage des Friedens,
+ (Denn der Krieg, der Blutstreit ist aus, und du, o grauenvolles Ideal,
+ Nach ruhmvollem Sieg gegen gewaltige Übermacht,
+ Folgst nun deiner Bahn, bald aber vielleicht dichteren Kriegen zu,
+ Vielleicht um bald in furchtbarere Kämpfe und Nöte zu treten,
+ Längere Feldzüge und Krisen, der Arbeit vor allen andern,)
+ So höre ich um mich den Lärm der Welt, Politik, Produktion,
+ Anerkannter Dinge Ankündigungen, Wissenschaft, Technik,
+ Das erfreuliche Wachstum der Städte, die Flut der Erfindungen.
+
+ Ich sehe die Schiffe (sie dauern ein paar Jahre),
+ Die gewaltigen Fabriken mit Werkführern, Arbeitern,
+ Und höre all das akzeptiert und hab nichts dagegen.
+
+ Doch auch ich verkünde gediegene Dinge,
+ Politik, Wissenschaft, Technik, Schiffe, Städte, Fabriken sind nicht
+ nichts,
+ Wie ein gewaltiger Zug, der Musik ferner Signale zuströmend, im
+ Siegerschritt und Herrlicheres vor Augen,
+ Ersetzen sie Wirklichkeiten -- alles ist, wie es sein soll.
+
+ Nun meine Wirklichkeiten;
+ Was sonst ist so wirklich wie meines?
+ Freiheit und göttliche Ausgleichung, jedes Sklaven Erlösung auf dem
+ Antlitz der Erde,
+ Die entzückten Verheißungen und Lichtgebilde der Seher, die geistige
+ Welt, zeitentrotzend diese Gesänge,
+ Und unsre Gesichte, die Gesichte der Dichter, die gediegensten
+ Ankündigungen von allen.
+
+
+
+
+HELLE MITTERNACHT
+
+
+ Dies ist deine Stunde, o Seele, die freie Flucht ins Wortlose,
+ Weg von Büchern, weg von Kunst, der Tag gelöscht, der Unterricht aus,
+ Hebst du dich völlig empor, schweigend, schauend, deine liebsten
+ Gegenstände betrachtend,
+ Nacht, Schlaf, Tod und die Sterne.
+
+
+
+
+JAHRE DES MODERNEN
+
+
+ Jahre des Modernen! Jahre des Unfertigen!
+ Euer Horizont erhebt sich, ich seh ihn schwinden für erhabnere Dramen,
+ Ich sehe nicht bloß Amerika, nicht bloß die Freiheitsnation, sondern
+ andre Nationen bereit,
+ Ich sehe erschütternde Auftritte und Abgänge, neue Zusammenschlüsse, die
+ Gemeinschaft der Rassen,
+ Ich seh diese Macht mit unwiderstehlicher Gewalt auf die Weltbühne
+ treten,
+ (Haben die alten Mächte, die alten Kriege ihre Rolle gespielt? sind die
+ Akte, die ihnen gemäß sind, zu Ende?)
+ Ich sehe die Freiheit, völlig gewappnet, siegreich und herrlich, links
+ vom Gesetz und rechts vom Frieden geleitet,
+ Ungeheures Trio einig im Schritt gegen das Kastenwesen;
+ Was für geschichtlichen Schürzungen eilen wir zu?
+ Ich sehe Männer hin und wieder marschieren in raschen Millionen,
+ Ich sehe die Grenzen und Schranken der alten Aristokratien zertrümmert,
+ Ich sehe die Grenzsteine europäischer Könige entfernt,
+ Ich sehe den Tag, wo das Volk seine Grenzsteine setzt (alle andern
+ verschwinden);
+ Nie wurden so scharfe Fragen gestellt wie heute,
+ Nie war der Durchschnittsmensch, seine Seele, energischer, näher an Gott,
+ Hört, wie er drängt und drängt und den Massen nicht Ruhe läßt!
+ Sein kühner Fuß ist allenthalben zu Land und See, den Stillen Ozean
+ besiedelt er und die Inselmeere,
+ Mit dem Dampfer, dem elektrischen Telegraphen, der Zeitung, den
+ Welthandels-Kriegsmaschinen,
+ Damit und mit den Fabriken in aller Welt verkettet er alle Länder zu
+ _einer_ Geographie;
+ Was für ein Flüstern, o Länder, läuft über euch weg, schlüpft unter den
+ Meeren durch?
+ Sind alle Völker geeint? Soll der Erdball nur ein Herz noch haben?
+ Bildet sich Menschheit im großen? wahrlich, Tyrannen erzittern, Kronen
+ verdüstern,
+ Ein neues Zeitalter setzt sich die störrische Erde, vielleicht
+ allgemeinen heiligen Krieg,
+ Niemand weiß, was nächstens geschieht, solche Zeichen füllen Tage und
+ Nächte;
+ Jahre der Prophetie! der Raum, wie ich vorwärts strebe und umsonst mich
+ mühe, ihn zu durchdringen, ist voller Gespenster,
+ Ungeborene Taten, Dinge, die bevorstehn, werfen ihre Schatten um mich,
+ Diese unglaubliche Hast und Hitze, diese seltsam ekstatischen
+ Fieberträume, o Jahre!
+ Eure Träume, o Jahre, wie durchbohren sie mich! (ich weiß nicht, schlaf
+ ich oder wach ich;)
+ Das fertige Amerika und Europa verglimmen, fallen schattenhaft von mir
+ ab,
+ Das Unfertige, riesenhafter als je, dringt auf mich, dringt auf mich ein.
+
+
+
+
+STAUB TOTER SOLDATEN
+
+
+ Staub toter Soldaten, ob Freunde, ob Feinde,
+ Wie ich rückwärts sinne und in Gedanken ein Lied summe,
+ Stellt sich der Krieg wieder ein, stellt eure Gestalten vor mich,
+ Stellt den Marsch der Armeen wieder her.
+
+ Geräuschlos wie Nebel und Dünste,
+ Heraus aus ihren Gräbern in Gräben,
+ Aus Friedhöfen in ganz Virginien und Tennessee,
+ In jeglicher Himmelsrichtung aus zahllosen Gruben hervor,
+ In schwebenden Wolken, großen Kolonnen, Gruppen selbzweit und -dritt oder
+ vereinzelt kommen sie an,
+ Und sammeln sich schweigend um mich.
+
+ Nun keinen Ton, ihr Trompeter,
+ Nicht an der Spitze meiner Kavallerie die mutigen Rosse getummelt,
+ Im Schimmer gezogener Säbel, mit Karabinern am Bein, (oh, meine wackern
+ Reiter!
+ Schöne Reiter mit Lohe im Antlitz! was führtet ihr für ein Leben,
+ Stolz in Wagnis und Lust.)
+
+ Keinen Ton auch, ihr Trommler, nicht beider Reveille im Morgengraun,
+ Nicht den langen Wirbel zum Lageralarm, selbst nicht gedämpften
+ Trauerschall,
+ Nichts von euch diesmal, o Trommler, die ihr meine Kriegstrommeln truget.
+
+ Abseits aber von diesen und den Märkten des Glücks und der wandelnden
+ Menge,
+ Zieh ich eng Kameraden zu mir, nicht gesehn von den andern und stumm,
+ Die Erschlagnen, die sich erheben und noch einmal leben, lebend
+ gewordenen Staub und Trümmer,
+ Und ich singe den Sang meiner stillen Seele im Namen aller toten
+ Soldaten.
+
+ Bleiche Gesichter mit staunenden Augen, sehr liebe Freunde, tretet heran,
+ Dicht zu mir, doch redet nicht.
+
+ Gespenster zahlloser Verlornen,
+ Unsichtbar den andern werdet künftig meine Gefährten,
+ Begleitet mich immer -- verlasst mich nicht, solange ich lebe.
+
+ Hold sind die blühenden Wangen der Lebenden -- hold der melodische Klang
+ redender Stimmen,
+ Doch hold, ach hold sind die stummen Augen der Toten.
+
+ Meine Gefährten, alles ist aus und lange vorbei,
+ Doch Liebe ist nicht aus, Freunde -- und welche Liebe!
+ Duft, der von Schlachtfeldern steigt, aus dem Gestank sich erhebt.
+
+ Durchdufte meinen Gesang, Liebe, unsterbliche Liebe,
+ Gib mir das Gedächtnis der toten Soldaten zu baden,
+ Sie einzukleiden und süß zu salben und ganz zu decken mit zarter Pracht.
+
+ Durchdufte alle -- mach alle heil,
+ Mach diesen Staub nährend und blühend,
+ Löse sie alle, Liebe, und mache sie fruchtbar mit feinster Chemie.
+
+ Gib mir Unerschöpflichkeit, mach mich zum Quell,
+ Daß ich Liebe aushauche, wo immer ich gehe, gleich ewig frischem Tau,
+ Für den Staub aller toten Soldaten, ob Freunde ob Feinde.
+
+
+
+
+DANK IN HOHEM ALTER
+
+
+ Dank im Alter, Dank, eh ich gehe,
+ Für Gesundheit, Mittagssonne, zarte Luft -- für Leben, bloßes Leben,
+ Für köstliches, nie vergehndes Gedenken (an dich, lieb Mutter mein,
+ Vater, an dich, Brüder, Schwestern, Freunde),
+ Für all meine Tage -- nicht bloß des Friedens -- für die Tage des Kriegs
+ desgleichen,
+ Für holde Worte, Liebkosungen, Gaben aus fremden Ländern,
+ Für Obdach, Wein und Fleisch, für süßes Verstehen und Grüßen,
+ (Ihr fernen, verschwimmenden, unbekannten, ob jung oder alten, zahllosen,
+ ungeschiednen geliebten Leser,
+ Wir sahn uns nie und werden's nie -- doch unsre Seelen küssen einander,
+ lang, fest und lang;)
+ Für Geschöpfe, Gruppen, Liebe, Taten, Worte, Bücher -- für Farben,
+ Formen,
+ Für all die tapfern, starken, hingegebnen herzhaften Männer, die vorwärts
+ sprangen, der Freiheit zu helfen, allerorten, allerzeiten,
+ Für tapfrere, stärkere Männer, hingegebnere Männer, (besondern Lorbeer,
+ eh ich gehe, den Erwählten des Lebenskriegs,
+ Den Lied- und Idee-Kanonieren -- großen Artilleristen -- den vordersten
+ Führern, den Kapitänen der Seele;)
+ Als verabschiedeter Soldat nach beendigtem Kriege -- als Wandrer aus
+ Myriaden, zu dem langen Zug der Rückschau.
+ Dank -- frohen Dank! -- Dank des Soldaten, des Wanderers Dank!
+
+
+
+
+INHALT
+
+
+ Einleitung 5
+
+ Das Selbst sing ich 17
+
+ Als ich schweigend brütete 18
+
+ In engen Schiffen zur See 19
+
+ An fremde Lande 21
+
+ An einen Historiker 22
+
+ Den Staaten 23
+
+ An eine Sängerin 24
+
+ Schließt eure Türen nicht 25
+
+ Künftige Dichter 26
+
+ An Dich 27
+
+ Ausgehend von Paumanok 28
+
+ Der Grundstein aller Metaphysik 37
+
+ Ich sah in Louisiana eine Eiche wachsen -- 38
+
+ Salut au monde! 39
+
+ Lied der Landstraße 41
+
+ Ich sitze und schaue 44
+
+ Als ich lag, meinen Kopf in Deinem Schoß, Camerado 45
+
+ Leb wohl, Soldat -- 46
+
+ Wende dich, Freiheit -- 47
+
+ Heimkehr der Helden 48
+
+ Der mystische Trompeter 49
+
+ Wandl ich durch die breit majestätischen Tage 53
+
+ Helle Mitternacht 54
+
+ Jahre des Modernen 55
+
+ Staub toter Soldaten 57
+
+ Dank in hohem Alter 60
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ WALT WHITMANN
+ WALT WHITMAN
+
+ Ich, Sasse der Alleghanyberge, der von ihm handelt, wie er an sich ist
+ Ich, Sasse der Alleghenyberge, der von ihm handelt, wie er an sich ist
+
+ Gesänge von Ohio, Indiana, Illinois, Jowa, Wisconsin und Minnesota,
+ Gesänge von Ohio, Indiana, Illinois, Iowa, Wisconsin und Minnesota,
+
+ Du aus den gewaltigen slawischen Stämmen und Reichen! du Russe in
+ Du aus den gewaltigen slawischen Stämmen und Reichen! Du Russe in
+
+ Müde, gebräunt, stattlich und stark, Bauern-und Handwerkerschlag,
+ Müde, gebräunt, stattlich und stark, Bauern- und Handwerkerschlag,
+
+ Anerkannter Dinge Ankündigungen, Wissenschaft Technik,
+ Anerkannter Dinge Ankündigungen, Wissenschaft, Technik,
+
+ Ausgehend vom Paumanok 28
+ Ausgehend von Paumanok 28
+
+ Wende dich, Freiheit 47
+ Wende dich, Freiheit -- 47
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Gesänge und Inschriften, by Walt Whitman
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESÄNGE UND INSCHRIFTEN ***
+
+***** This file should be named 37108-8.txt or 37108-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/7/1/0/37108/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/American Libraries.)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.