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+The Project Gutenberg EBook of Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken, by
+Sigmund Freud
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken
+ Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden
+ und der Neurotiker III
+
+Author: Sigmund Freud
+
+Release Date: August 14, 2011 [EBook #37070]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANIMISMUS, MAGIE UND ALLMACHT ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
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+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der
+ Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften II (1913). S. 1-21.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der
+Neurotiker.
+
+Von SIGM. FREUD.
+
+III.
+
+Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken.
+
+
+
+
+1.
+
+
+Es ist ein notwendiger Mangel der Arbeiten, welche Gesichtspunkte der
+Psychoanalyse auf Themen der Geisteswissenschaften anwenden wollen, daß
+sie dem Leser von beiden zu wenig bieten müssen. Sie beschränken sich
+darum auf den Charakter von Anregungen, sie machen dem Fachmanne
+Vorschläge, die er bei seiner Arbeit in Erwägung ziehen soll. Dieser
+Mangel wird sich aufs äußerste fühlbar machen in einem Aufsatz, welcher
+das ungeheure Gebiet dessen, was man Animismus nennt, behandeln will(1).
+
+ (1) Die geforderte Zusammendrängung des Stoffes bringt auch den
+ Verzicht auf eingehende Literaturnachweise mit sich. An deren Stelle
+ stehe der Hinweis auf die bekannten Werke von Herbert _Spencer_, J. G.
+ _Frazer_, A. _Lang_, E. B. _Tylor_ und W. _Wundt_, aus denen alle
+ Behauptungen über Animismus und Magie entnommen sind. Die
+ Selbständigkeit des Verfassers kann sich nur in der von ihm
+ getroffenen Auswahl der Materien sowie der Meinungen kundgeben.
+
+Animismus im engeren Sinne heißt die Lehre von den Seelenvorstellungen,
+im weiteren die von geistigen Wesen überhaupt. Man unterscheidet noch
+Animatismus, die Lehre von der Belebtheit der uns unbelebt erscheinenden
+Natur, und reiht hier den Animalismus und Manismus an. Der Name
+Animismus, früher für ein bestimmtes philosophisches System verwendet,
+scheint seine gegenwärtige Bedeutung durch E. B. _Tylor_ erhalten zu
+haben(2).
+
+ (2) E. B. _Tylor_, Primitive Culture. I. Bd., p. 425, 4. Aufl., 1903.
+ -- W. _Wundt_, Mythus und Religion, II. Bd., p. 173, 1906.
+
+Was zur Aufstellung dieser Namen Anlaß gegeben hat, ist die Einsicht in
+die höchst merkwürdige Natur- und Weltauffassung der uns bekannten
+primitiven Völker, der historischen sowohl wie der jetzt noch lebenden.
+Diese bevölkern die Welt mit einer Unzahl von geistigen Wesen, die ihnen
+wohlwollend oder übelgesinnt sind; sie schreiben diesen Geistern und
+Dämonen die Verursachung der Naturvorgänge zu und halten nicht nur die
+Tiere und Pflanzen, sondern auch die unbelebten Dinge der Welt für durch
+sie belebt. Ein drittes und vielleicht wichtigstes Stück dieser
+primitiven »Naturphilosophie« erscheint uns weit weniger auffällig, weil
+wir selbst noch nicht weit genug von ihm entfernt sind, während wir doch
+die Existenz der Geister sehr eingeschränkt haben und die Naturvorgänge
+heute durch die Annahme unpersönlicher physikalischer Kräfte erklären.
+Die Primitiven glauben nämlich an eine ähnliche »Beseelung« auch der
+menschlichen Einzelwesen. Die menschlichen Personen enthalten Seelen,
+welche ihren Wohnsitz verlassen und in andere Menschen einwandern
+können; diese Seelen sind die Träger der geistigen Tätigkeiten und bis
+zu einem gewissen Grad von den »Leibern« unabhängig. Ursprünglich wurden
+die Seelen als sehr ähnlich den Individuen vorgestellt und erst im Laufe
+einer langen Entwicklung haben sie die Charaktere des Materiellen bis zu
+einem hohen Grad von »Vergeistigung« abgestreift(3).
+
+ (3) _Wundt_, l. c., IV. Kapitel »Die Seelenvorstellungen«.
+
+Die Mehrzahl der Autoren neigt zu der Annahme, daß diese
+Seelenvorstellungen der ursprüngliche Kern des animistischen Systems
+sind, daß die Geister nur selbständig gewordenen Seelen entsprechen, und
+daß auch die Seelen von Tieren, Pflanzen und Dingen in Analogie mit den
+Menschenseelen gebildet wurden.
+
+Wie sind die primitiven Menschen zu den eigentümlich dualistischen
+Grundanschauungen gekommen, auf denen dieses animistische System ruht?
+Man meint, durch die Beobachtung der Phänomene des Schlafes (mit dem
+Traum) und des ihm so ähnlichen Todes, und durch die Bemühung, sich
+diese jeden Einzelnen so nahe angehenden Zustände zu erklären. Vor allem
+müßte das Todesproblem der Ausgangspunkt der Theoriebildung geworden
+sein. Für den Primitiven wäre die Fortdauer des Lebens -- die
+Unsterblichkeit -- das Selbstverständliche. Die Vorstellung des Todes
+ist etwas spät und nur zögernd Rezipiertes, sie ist ja auch für uns noch
+inhaltsleer und unvollziehbar. Über den Anteil, den andere Beobachtungen
+und Erfahrungen an der Gestaltung der animistischen Grundlehren gehabt
+haben mögen, über Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder u. dgl., haben
+sehr lebhafte, zu keinem Abschluß gelangte Diskussionen
+stattgefunden(4).
+
+ (4) Vgl. außer bei _Wundt_ und H. _Spencer_ die orientierenden Artikel
+ der Encyclopedia Britannica 1911 (Animism, Mythology usw.).
+
+Wenn der Primitive auf die sein Nachdenken anregenden Phänomene mit der
+Bildung der Seelenvorstellungen reagierte und diese dann auf die Objekte
+der Außenwelt übertrug, so wird sein Verhalten dabei als durchaus
+natürlich und weiter nicht rätselhaft beurteilt. _Wundt_ äußert
+angesichts der Tatsache, daß sich die nämlichen animistischen
+Vorstellungen bei den verschiedensten Völkern und zu allen Zeiten
+übereinstimmend gezeigt haben, dieselben »seien das notwendige
+psychologische Erzeugnis des mythenbildenden Bewußtseins und der
+primitive Animismus dürfe als der geistige Ausdruck des _menschlichen
+Naturzustandes_ gelten, insoweit dieser überhaupt für unsere Beobachtung
+erreichbar ist«(5). Die Rechtfertigung der Belebung des Unbelebten hat
+bereits _Hume_ in seiner »Natural History of Religion« gegeben, indem er
+schrieb: »There is an universal tendency among mankind to conceive all
+beings like themselves and to transfer to every object those qualities
+with which they are familiarly acquainted and of which they are
+intimately conscious«(6).
+
+ (5) l. c., p. 154.
+
+ (6) Bei _Tylor_, Primitive Culture, I. Bd., p. 477.
+
+Der Animismus ist ein Denksystem, er gibt nicht nur die Erklärung eines
+einzelnen Phänomens, sondern gestattet es, das Ganze der Welt als einen
+einzigen Zusammenhang, aus einem Punkte, zu begreifen. Die Menschheit
+hat, wenn wir den Autoren folgen wollen, drei solcher Denksysteme, drei
+große Weltanschauungen im Laufe der Zeiten hervorgebracht: Die
+animistische (mythologische), die religiöse und die wissenschaftliche.
+Unter diesen ist die erstgeschaffene, die des Animismus, vielleicht die
+folgerichtigste und erschöpfendste, eine, die das Wesen der Welt restlos
+erklärt. Diese erste Weltanschauung der Menschheit ist nun eine
+psychologische Theorie. Es geht über unsere Absicht hinaus zu zeigen,
+wie viel von ihr noch im Leben der Gegenwart nachweisbar ist, entweder
+entwertet in der Form des Aberglaubens, oder lebendig als Grundlage
+unseres Sprechens, Glaubens und Philosophierens.
+
+Es greift auf jene Stufenfolge der drei Weltanschauungen zurück, wenn
+gesagt wird, daß der Animismus selbst noch keine Religion ist, aber die
+Vorbedingungen enthält, auf denen sich später die Religionen aufbauen.
+Es ist auch augenfällig, daß der Mythus auf animistischen
+Voraussetzungen ruht; die Einzelheiten der Beziehung von Mythus und
+Animismus erscheinen aber als in wesentlichen Punkten ungeklärt.
+
+
+
+
+2.
+
+
+Unsere psychoanalytische Arbeit wird an anderer Stelle einsetzen. -- Man
+darf nicht annehmen, daß die Menschen sich aus reiner spekulativer
+Wißbegierde zur Schöpfung ihres ersten Weltsystems aufgeschwungen haben.
+Das praktische Bedürfnis, sich der Welt zu bemächtigen, muß seinen
+Anteil an dieser Bemühung haben. Wir sind darum nicht erstaunt zu
+erfahren, daß mit dem animistischen System etwas anderes Hand in Hand
+geht, eine Anweisung, wie man verfahren müsse, um der Menschen, Tiere
+und Dinge, respektive ihrer Geister, Herr zu werden. Diese Anweisung,
+welche unter dem Namen »_Zauberei_ und _Magie_« bekannt ist, will S.
+_Reinach_(7) die Strategie des Animismus heißen; ich würde es vorziehen,
+sie mit _Hubert_ und _Mauß_ der Technik zu vergleichen(8).
+
+ (7) Cultes, Mythes et Religions, T. II, Introduction, p. XV, 1909.
+
+ (8) Année sociologique, VII. Bd., 1904.
+
+Kann man Zauberei und Magie begrifflich voneinander trennen? Es ist
+möglich, wenn man sich mit einiger Eigenmächtigkeit über die
+Schwankungen des Sprachgebrauches hinwegsetzen will. Dann ist Zauberei
+im wesentlichen die Kunst, die Geister zu beeinflussen, indem man sie
+behandelt wie unter gleichen Bedingungen die Menschen, also indem man
+sie beschwichtigt, versöhnt, sich geneigt macht, sie einschüchtert,
+ihrer Macht beraubt, sie seinem Willen unterwirft, durch dieselben
+Mittel, die man für lebende Menschen wirksam gefunden hat. Magie ist
+aber etwas anderes; sie sieht im Grunde von den Geistern ab und sie
+bedient sich besonderer Mittel, nicht der banalen psychologischen
+Methodik. Wir werden leicht erraten, daß die Magie das ursprünglichere
+und bedeutsamere Stück der animistischen Technik ist, denn unter den
+Mitteln, mit denen Geister behandelt werden sollen, befinden sich auch
+magische(9), und die Magie findet ihre Anwendung auch in Fällen, wo die
+Vergeistigung der Natur, wie uns scheint, nicht durchgeführt worden ist.
+
+ (9) Wenn man einen Geist durch Lärm und Geschrei verscheucht, so ist
+ dies eine rein zauberische Handlung; wenn man ihn zwingt, indem man
+ sich seines Namens bemächtigt, so hat man Magie gegen ihn gebraucht.
+
+Die Magie muß den mannigfaltigsten Absichten dienen, die Naturvorgänge
+dem Willen des Menschen unterwerfen, das Individuum gegen Feinde und
+Gefahren schützen und ihm die Macht geben, seine Feinde zu schädigen.
+Die Prinzipien aber, auf deren Voraussetzung das magische Tun beruht --
+oder vielmehr das Prinzip der Magie -- ist so augenfällig, daß es von
+allen Autoren erkannt werden mußte. Man kann es am knappsten, wenn man
+von dem beigefügten Werturteil absieht, mit den Worten E. B. _Tylors_
+ausdrücken: »mistaking an ideal connexion for a real one«. An zwei
+Gruppen von magischen Handlungen wollen wir diesen Charakter erläutern.
+
+Eine der verbreitetsten magischen Prozeduren, um einem Feind zu schaden,
+besteht darin, sich ein Ebenbild von ihm aus beliebigem Material zu
+machen. Auf die Ähnlichkeit kommt es dabei wenig an. Man kann auch
+irgendein Objekt zu seinem Bild »ernennen«. Was man dann diesem Ebenbild
+antut, das stößt auch dem gehaßten Urbild zu, an welcher Körperstelle
+man das erstere verletzt, an derselben erkrankt das letztere. Man kann
+dieselbe magische Technik anstatt in den Dienst privater Feindseligkeit
+auch in den der Frömmigkeit stellen und so Göttern gegen böse Dämonen zu
+Hilfe kommen. Ich zitiere nach _Frazer_(10): »Jede Nacht, wenn der
+Sonnengott Ra (im alten Ägypten) zu seinem Heim im glühenden Westen
+herabstieg, hatte er einen bitteren Kampf gegen eine Schar von Dämonen
+zu bestehen, die ihn unter der Führung des Erzfeindes Apepi überfielen.
+Er kämpfte mit ihnen die ganze Nacht und häufig waren die Mächte der
+Finsternis stark genug, noch des Tages dunkle Wolken an den blauen
+Himmel zu senden, die seine Kraft schwächten und sein Licht abhielten.
+Um dem Gotte beizustehen, wurde in seinem Tempel zu Theben täglich
+folgende Zeremonie aufgeführt: Es wurde aus Wachs ein Bild seines
+Feindes Apepi gemacht, in der Gestalt eines scheußlichen Krokodils oder
+einer langgeringelten Schlange und der Name des Dämons mit grüner Tinte
+darauf geschrieben. In ein Papyrusgehäuse gehüllt, auf dem eine ähnliche
+Zeichnung angebracht war, wurde dann diese Figur mit schwarzem Haar
+umwickelt, vom Priester angespuckt, mit einem Steinmesser bearbeitet und
+auf den Boden geworfen. Dann trat er mit seinem linken Fuß auf sie und
+endlich verbrannte er sie in einem von gewissen Pflanzen genährten
+Feuer. Nachdem Apepi in solcher Weise beseitigt worden war, geschah mit
+allen Dämonen seines Gefolges das nämliche. Dieser Gottesdienst, bei dem
+gewisse Reden hergesagt werden mußten, wurde nicht nur morgens, mittags
+und abends wiederholt, sondern auch jederzeit dazwischen, wenn ein Sturm
+wütete, wenn ein heftiger Regenguß niederging oder schwarze Wolken die
+Sonnenscheibe am Himmel verdeckten. Die bösen Feinde verspürten die
+Züchtigung, die ihren Bildern widerfahren war, als ob sie sie selbst
+erlitten hätten; sie flohen und der Sonnengott triumphierte von
+neuem.(11)«
+
+ (10) The magic art. II, p. 67.
+
+ (11) Das biblische Verbot, sich ein Bild von irgend etwas Lebendem zu
+ machen, entstammte wohl keiner prinzipiellen Ablehnung der bildenden
+ Kunst, sondern sollte der von der hebräischen Religion verpönten Magie
+ ein Werkzeug entziehen. _Frazer_, l. c., p. 87, Note.
+
+Aus der unübersehbaren Fülle ähnlich begründeter magischer Handlungen
+will ich nur noch zweierlei hervorheben, die bei den primitiven Völkern
+jederzeit eine große Rolle gespielt haben und zum Teil im Mythus und
+Kultus höherer Entwicklungsstufen erhalten geblieben sind, nämlich die
+Arten des Regen- und des Fruchtbarkeitszaubers. Man erzeugt den Regen
+auf magischem Wege, indem man ihn imitiert, etwa auch noch die ihn
+erzeugenden Wolken oder den Sturm nachahmt. Es sieht aus, als ob man
+»regnen spielen« wollte. Die japanischen Ainos z. B. machen Regen in der
+Weise, daß ein Teil von ihnen Wasser aus großen Sieben ausgießt, während
+ein anderer eine große Schüssel mit Segel und Ruder ausstattet, als ob
+sie ein Schiff wäre, und sie so um Dorf und Gärten herumzieht. Die
+Fruchtbarkeit des Bodens sicherte man sich aber auf magische Weise,
+indem man ihm das Schauspiel eines menschlichen Geschlechtsverkehres
+zeigte. So pflegen -- ein Beispiel anstatt unendlich vieler -- in
+manchen Teilen Javas zur Zeit des Herannahens der Reisblüte Bauer und
+Bäuerin sich nachts auf die Felder zu begeben, um durch das Beispiel,
+das sie ihm geben, den Reis zur Fruchtbarkeit anzuregen(12). Dagegen
+fürchtete man von verpönten inzestuösen Geschlechtsbeziehungen, daß sie
+Mißwuchs und Unfruchtbarkeit des Bodens erzeugen würden(13).
+
+ (12) The magic art. II, p. 98.
+
+ (13) Davon ein Nachklang im König Oedipus des Sophokles.
+
+Auch gewisse negative Vorschriften -- magische Vorsichten also -- sind
+dieser ersten Gruppe einzureihen. Wenn ein Teil der Bewohner eines
+Dayakdorfes auf Wildschweinjagd ausgezogen ist, so dürfen die
+Zurückgebliebenen unterdes weder Öl noch Wasser mit ihren Händen
+berühren; sonst würden die Jäger weiche Finger bekommen und die Beute
+aus ihren Händen schlüpfen lassen(14). Oder, wenn ein Gilyakjäger im
+Walde dem Wilde nachstellt, so ist es seinen Kindern zu Hause verboten,
+Zeichnungen auf Holz oder im Sand zu machen. Die Pfade im dichten Wald
+könnten sonst so verschlungen werden wie die Linien der Zeichnung, so
+daß der Jäger den Weg nach Hause nicht findet(15).
+
+ (14) The magic art. I, p. 120.
+
+ (15) l. c., p. 122.
+
+Wenn in diesen letzten wie in so vielen anderen Beispielen magischer
+Wirkung die Entfernung keine Rolle spielt, die Telepathie also als
+selbstverständlich hingenommen wird, so wird auch uns das Verständnis
+dieser Eigentümlichkeit der Magie keine Schwierigkeit bereiten.
+
+Es unterliegt keinem Zweifel, was an all diesen Beispielen als das
+Wirksame betrachtet wird. Es ist die _Ähnlichkeit_ zwischen der
+vollzogenen Handlung und dem erwarteten Geschehen. _Frazer_ nennt darum
+diese Art der Magie _imitative_ oder _homöopathische_. Wenn ich will,
+daß es regne, so brauche ich nur etwas zu tun, was wie Regnen aussieht
+oder an Regnen erinnert. In einer weiteren Phase der Kulturentwicklung
+wird man anstatt dieses magischen Regenzaubers Bittgänge zu einem
+Gotteshaus veranstalten und den dort wohnenden Heiligen um Regen
+anflehen. Endlich wird man auch diese religiöse Technik aufgeben und
+dafür versuchen, durch welche Einwirkungen auf die Atmosphäre Regen
+erzeugt werden kann.
+
+In einer anderen Gruppe von magischen Handlungen kommt das Prinzip der
+Ähnlichkeit nicht mehr in Betracht, dafür ein anderes, welches sich aus
+den nachstehenden Beispielen leicht ergeben wird.
+
+Um einem Feinde zu schaden, kann man sich auch eines anderen Verfahrens
+bedienen. Man bemächtigt sich seiner Haare, Nägel, Abfallstoffe oder
+selbst eines Teiles seiner Kleidung und stellt mit diesen Dingen etwas
+Feindseliges an. Es ist dann gerade so, als hätte man sich der Person
+selbst bemächtigt, und was man den von der Person herrührenden Dingen
+angetan hat, muß ihr selbst widerfahren. Zu den wesentlichen
+Bestandteilen einer Persönlichkeit gehört nach der Anschauung der
+Primitiven ihr Name; wenn man also den Namen einer Person oder eines
+Geistes weiß, hat man eine gewisse Macht über den Träger des Namens
+erworben. Daher die merkwürdigen Vorsichten und Beschränkungen im
+Gebrauche der Namen, die in dem Aufsatz über das Tabu gestreift worden
+sind(16). Die Ähnlichkeit wird in diesen Beispielen offenbar ersetzt
+durch _Zusammengehörigkeit_.
+
+ (16) Imago, I, p. 317 und ff.
+
+Der Kannibalismus der Primitiven leitet seine sublimere Motivierung in
+ähnlicher Weise ab. Indem man Teile vom Leib einer Person durch den Akt
+des Verzehrens in sich aufnimmt, eignet man sich auch die Eigenschaften
+an, welche dieser Person angehört haben. Daraus erfolgen dann Vorsichten
+und Beschränkungen der Diät unter besonderen Umständen. Eine Frau wird
+in der Gravidität vermeiden, das Fleisch gewisser Tiere zu genießen,
+weil deren unerwünschte Eigenschaften, z. B. die Feigheit, so auf das
+von ihr genährte Kind übergehen könnten. Es macht für die magische
+Wirkung keinen Unterschied, auch wenn der Zusammenhang ein bereits
+aufgehobener ist, oder wenn er überhaupt nur in einmaliger,
+bedeutungsvoller Berührung bestand. So ist z. B. der Glaube an ein
+magisches Band, welches das Schicksal einer Wunde mit dem der Waffe
+verknüpft, durch welche sie hervorgerufen wurde, unverändert durch
+Jahrtausende zu verfolgen. Wenn ein Melanesier sich des Bogens
+bemächtigt hat, durch den er verwundet wurde, so wird er ihn sorgfältig
+an einem kühlen Ort verwahren, um so die Entzündung der Wunde
+niederzuhalten. Ist der Bogen aber im Besitz der Feinde geblieben, so
+wird er gewiß in nächster Nähe eines Feuers aufgehängt werden, damit die
+Wunde nur ja recht entzündet werde und brenne. _Plinius_ rät in seiner
+Nat. Hist. XXVIII, wenn man bereut, einen anderen verletzt zu haben,
+solle man auf die Hand spucken, welche die Verletzung verschuldet hat;
+der Schmerz des Verletzten werde dann sofort gelindert. _Francis Bacon_
+erwähnt in seiner Natural History den allgemein giltigen Glauben, daß
+das Salben einer Waffe, welche eine Wunde geschlagen hat, diese Wunde
+selbst heilt. Die englischen Bauern sollen noch heute nach diesem Rezept
+handeln, und wenn sie sich mit einer Sichel geschnitten haben, das
+Instrument von da an sorgfältig rein halten, damit die Wunde nicht in
+Eiterung gerate. Im Juni des Jahres 1902, berichtet eine lokale
+englische Wochenschrift, stieß sich eine Frau namens Matilda Henry in
+Norwich zufällig einen eisernen Nagel in die Sohle. Ohne die Wunde
+untersuchen zu lassen oder auch nur den Strumpf auszuziehen, hieß sie
+ihre Tochter den Nagel gut einölen, in der Erwartung, daß ihr dann
+nichts geschehen könne. Sie selbst starb einige Tage später an
+Wundstarrkrampf(17), infolge dieser verschobenen Antisepsis.
+
+ (17) _Frazer_, The magic art. I, p. 201-203.
+
+Die Beispiele der letzteren Gruppe erläutern, was _Frazer_ als
+_kontagiöse_ Magie von der _imitativen_ sondert. Was in ihnen als
+wirksam gedacht wird, ist nicht mehr die Ähnlichkeit, sondern der
+Zusammenhang im Raum, die _Kontiguität_, wenigstens die vorgestellte
+Kontiguität, die Erinnerung an ihr Vorhandensein. Da aber Ähnlichkeit
+und Kontiguität die beiden wesentlichen Prinzipien der Assoziationsvorgänge
+sind, stellt sich als Erklärung für all die Tollheit der
+magischen Vorschriften wirklich die Herrschaft der Ideenassoziation
+heraus. Man sieht, wie zutreffend sich _Tylors_ oben zitierte
+Charakteristik der Magie erweist: mistaking an ideal connexion
+for a real one, oder wie es fast gleichlautend _Frazer_ ausgedrückt hat:
+men mistook the order of their ideas for the order of nature, and hence
+imagined that the control which they have, or seem to have, over their
+thoughts, permitted them to exercise a corresponding control over
+things.(18)
+
+ (18) The magic art. I, p. 420 ff.
+
+Es wird dann zunächst befremdend wirken, daß diese einleuchtende
+Erklärung der Magie von manchen Autoren als unbefriedigend verworfen
+werden konnte(19). Bei näherer Überlegung muß man aber dem Einwand Recht
+geben, daß die Assoziationstheorie der Magie bloß die Wege aufklärt,
+welche die Magie geht, aber nicht deren eigentliches Wesen, nämlich
+nicht das Mißverständnis, welches sie psychologische Gesetze an die
+Stelle natürlicher setzen heißt. Es bedarf hier offenbar eines
+dynamischen Moments, aber während die Suche nach einem solchen die
+Kritiker der _Frazer_schen Lehre in die Irre führt, wird es leicht, eine
+befriedigende Aufklärung der Magie zu geben, wenn man nur die
+Assoziationstheorie derselben weiterführen und vertiefen will.
+
+ (19) Vgl. den Artikel _Magic_ (N. W. T.) in der 11. Auflage der
+ Encyclopedia Britannica.
+
+Betrachten wir zunächst den einfacheren und bedeutsameren Fall der
+imitativen Magie. Nach _Frazer_ kann diese allein geübt werden, während
+die kontagiöse Magie in der Regel die imitative voraussetzt(20). Die
+Motive, welche zur Ausübung der Magie drängen, sind leicht zu erkennen,
+es sind die Wünsche des Menschen. Wir brauchen nun bloß anzunehmen, daß
+der primitive Mensch ein großartiges Zutrauen zur Macht seiner Wünsche
+hat. Im Grund muß all das, was er auf magischem Wege herstellt, doch nur
+darum geschehen, weil er es will. So ist anfänglich bloß sein Wunsch das
+Betonte.
+
+ (20) l. c., p. 54.
+
+Für das Kind, welches sich unter analogen psychischen Bedingungen
+befindet, aber motorisch noch nicht leistungsfähig ist, haben wir an
+anderer Stelle die Annahme vertreten, daß es seine Wünsche zunächst
+wirklich halluzinatorisch befriedigt, indem es die befriedigende
+Situation durch die zentrifugalen Erregungen seiner Sinnesorgane
+herstellen läßt(21). Für den erwachsenen Primitiven ergibt sich ein
+anderer Weg. An seinem Wunsch hängt ein motorischer Impuls, der Wille,
+und dieser -- der später im Dienst der Wunschbefriedigung das Antlitz
+der Erde verändern wird -- wird jetzt dazu verwendet, die Befriedigung
+darzustellen, so daß man sie gleichsam durch motorische Halluzination
+erleben kann. Eine solche _Darstellung_ des befriedigten Wunsches ist
+dem _Spiele_ der Kinder völlig vergleichbar, welches bei diesen die rein
+sensorische Technik der Befriedigung ablöst. Wenn Spiel und imitative
+Darstellung dem Kinde und dem Primitiven genügen, so ist dies nicht ein
+Zeichen von Bescheidenheit in unserem Sinne oder von Resignation infolge
+Erkenntnis ihrer realen Ohnmacht, sondern die wohl verständliche Folge
+der überwiegenden Wertung ihres Wunsches, des von ihm abhängigen Willens
+und der von ihm eingeschlagenen Wege. Mit der Zeit verschiebt sich der
+psychische Akzent von den Motiven der magischen Handlung auf deren
+Mittel, auf die Handlung selbst. Vielleicht sagen wir richtiger, an
+diesen Mitteln erst wird ihm die Überschätzung seiner psychischen Akte
+evident. Nun hat es den Anschein, als wäre es nichts anderes als die
+magische Handlung, die kraft ihrer Ähnlichkeit mit dem Gewünschten
+dessen Geschehen erzwingt. Auf der Stufe des animistischen Denkens gibt
+es noch keine Gelegenheit, den wahren Sachverhalt objektiv zu erweisen,
+wohl aber auf späteren, wenn alle solche Prozeduren noch gepflegt
+werden, aber das psychische Phänomen des Zweifels als Ausdruck einer
+Verdrängungsneigung bereits möglich ist. Dann werden die Menschen
+zugeben, daß die Beschwörungen von Geistern nichts leisten, wenn nicht
+der Glaube an sie dabei ist, und daß auch die Zauberkraft des Gebets
+versagt, wenn keine Frömmigkeit dahinter wirkt(22).
+
+ (21) Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen
+ Geschehens. Jahrb. f. psychoanalyt. Forschungen, III. Bd., 1912, p. 2.
+
+ (22) Der König in »_Hamlet_« (III, 4.): »My words fly up, my thoughts
+ remain below; Words without thoughts never to heaven go«.
+
+Die Möglichkeit einer auf der Kontiguitätsassoziation beruhenden
+kontagiösen Magie wird uns dann zeigen, daß sich die psychische
+Wertschätzung vom Wunsch und vom Willen her auf alle psychischen Akte,
+die dem Willen zu Gebote stehen, ausgedehnt hat. Es besteht also jetzt
+eine allgemeine Überschätzung der seelischen Vorgänge, d. h. eine
+Einstellung zur Welt, welche uns nach unseren Einsichten in die
+Beziehung von Realität und Denken als solche Überschätzung des letzteren
+erscheinen muß. Die Dinge treten gegen deren Vorstellungen zurück; was
+mit den letzteren vorgenommen wird, muß sich auch an den ersteren
+ereignen. Die Relationen, die zwischen den Vorstellungen bestehen,
+werden auch zwischen den Dingen vorausgesetzt. Da das Denken keine
+Entfernungen kennt, das räumlich Entlegenste wie das zeitlich
+Verschiedenste mit Leichtigkeit in einen Bewußtseinsakt zusammenbringt,
+wird auch die magische Welt sich telepathisch über die räumliche Distanz
+hinaussetzen und ehemaligen Zusammenhang wie gegenwärtigen behandeln.
+Das Spiegelbild der Innenwelt muß im animistischen Zeitalter jenes
+andere Weltbild, das wir zu erkennen glauben, unsichtbar machen.
+
+Heben wir übrigens hervor, daß die beiden Prinzipien der Assoziation --
+Ähnlichkeit und Kontiguität -- in der höheren Einheit der _Berührung_
+zusammentreffen. Kontiguitätsassoziation ist Berührung im direkten,
+Ähnlichkeitsassoziation solche im übertragenen Sinne. Eine von uns noch
+nicht erfaßte Identität im psychischen Vorgang wird wohl durch den
+Gebrauch des nämlichen Wortes für beide Arten der Verknüpfung verbürgt.
+Es ist derselbe Umfang des Begriffes Berührung, der sich bei der Analyse
+des Tabu herausstellte(23).
+
+ (23) Vgl. die vorige Abhandlung dieser Reihe, Imago, I.
+
+Zusammenfassend können wir nun sagen: das Prinzip, welches die Magie,
+die Technik der animistischen Denkweise regiert, ist das der »Allmacht
+der Gedanken«.
+
+
+
+
+3.
+
+
+Die Bezeichnung »Allmacht der Gedanken« habe ich von einem
+hochintelligenten, an Zwangsvorstellungen leidenden Manne angenommen,
+dem es nach seiner Herstellung durch psychoanalytische Behandlung
+möglich geworden ist, auch seine Tüchtigkeit und Verständigkeit zu
+erweisen(24). Er hatte sich dieses Wort geprägt zur Begründung aller
+jener sonderbaren und unheimlichen Geschehnisse, die ihn wie andere mit
+seinem Leiden Behaftete zu verfolgen schienen. Dachte er eben an eine
+Person, so kam sie ihm auch schon entgegen, als ob er sie beschworen
+hätte; erkundigte er sich plötzlich nach dem Befinden eines lange
+vermißten Bekannten, so mußte er hören, daß dieser eben gestorben sei,
+so daß er glauben konnte, er habe sich ihm telepathisch bemerkbar
+gemacht; stieß er gegen einen Fremden eine nicht einmal ganz ernst
+gemeinte Verwünschung aus, so durfte er erwarten, daß dieser bald darauf
+starb und ihn mit der Verantwortlichkeit für sein Ableben belastete. Von
+den meisten dieser Fälle konnte er mir im Laufe der Behandlung selbst
+mitteilen, wie der täuschende Anschein entstanden war, und was er selbst
+an Veranstaltungen hinzugetan hatte, um sich in seinen abergläubischen
+Erwartungen zu bestärken(25). Alle Zwangskranken sind in solcher Weise,
+meist gegen ihre bessere Einsicht, abergläubisch.
+
+ (24) Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose, Jahrb. f.
+ psychoanalyt. u. psychopath. Forschungen, I. Bd., 1909.
+
+ (25) Es scheint, daß wir den Charakter des »Unheimlichen« solchen
+ Eindrücken verleihen, welche die Allmacht der Gedanken und die
+ animistische Denkweise überhaupt bestätigen wollen, während wir uns
+ bereits im Urteil von ihr abgewendet haben.
+
+Der Fortbestand der Allmacht der Gedanken tritt uns bei der
+Zwangsneurose am deutlichsten entgegen, die Ergebnisse dieser primitiven
+Denkweise sind hier dem Bewußtsein am nächsten. Wir müssen uns aber
+davor hüten, darin einen auszeichnenden Charakter dieser Neurose zu
+erblicken, denn die analytische Untersuchung deckt das nämliche bei den
+anderen Neurosen auf. Bei ihnen allen ist nicht die Realität des
+Erlebens, sondern die des Denkens für die Symptombildung maßgebend. Die
+Neurotiker leben in einer besonderen Welt, in welcher, wie ich es an
+anderer Stelle ausgedrückt habe, nur die »neurotische Währung« gilt,
+d. h. nur das intensiv Gedachte, mit Affekt Vorgestellte ist bei ihnen
+wirksam, dessen Übereinstimmung mit der äußeren Realität aber
+nebensächlich. Der Hysteriker wiederholt in seinen Anfällen und fixiert
+durch seine Symptome Erlebnisse, die sich nur in seiner Phantasie so
+zugetragen haben, allerdings in letzter Auflösung auf wirkliche
+Ereignisse zurückgehen oder aus solchen aufgebaut worden sind. Das
+Schuldbewußtsein der Neurotiker würde man ebenso schlecht verstehen,
+wenn man es als unberechtigt abweisen, wie wenn man es auf reale
+Missetaten zurückführen wollte. Ein Zwangsneurotiker kann von einem
+Schuldbewußtsein gedrückt sein, das einem Massenmörder wohl anstünde; er
+wird sich dabei gegen seine Mitmenschen als der rücksichtsvollste und
+skrupulöseste Genosse benehmen und seit seiner Kindheit so benommen
+haben. Doch ist sein Schuldgefühl begründet; es fußt auf den intensiven
+und häufigen Todeswünschen, die sich in ihm unbewußt gegen seine
+Mitmenschen regen. Es ist begründet, insoferne unbewußte Gedanken und
+nicht absichtliche Taten in Betracht kommen. So erweist sich die
+Allmacht der Gedanken, die Überschätzung der seelischen Vorgänge gegen
+die Realität, als unbeschränkt wirksam im Affektleben des Neurotikers
+und in allen von diesem ausgehenden Folgen. Unterzieht man ihn aber der
+psychoanalytischen Behandlung, welche das bei ihm Unbewußte bewußt
+macht, so wird er nicht glauben können, daß Gedanken frei sind, und wird
+sich jedesmal fürchten, böse Wünsche zu äußern, als ob sie infolge
+dieser Äußerung in Erfüllung gehen müßten. Durch dieses Verhalten wie
+durch seinen im Leben betätigten Aberglauben zeigt er uns aber, wie nahe
+er dem Wilden steht, der durch seine bloßen Gedanken die Außenwelt zu
+verändern meint.
+
+Die primären Zwangshandlungen dieser Neurotiker sind eigentlich durchaus
+magischer Natur. Sie sind, wenn nicht Zauber, so doch Gegenzauber, zur
+Abwehr der Unheilserwartungen bestimmt, mit denen die Neurose zu
+beginnen pflegt. So oft ich das Geheimnis zu durchdringen vermochte,
+zeigte es sich, daß diese Unheilserwartung den Tod zum Inhalt hatte. Das
+Todesproblem steht nach _Schopenhauer_ am Eingang jeder Philosophie; wir
+haben gehört, daß auch die Bildung der Seelenvorstellungen und des
+Dämonenglaubens, die den Animismus kennzeichnen, auf den Eindruck
+zurückgeführt wird, den der Tod auf den Menschen macht. Ob diese ersten
+Zwangs- oder Schutzhandlungen dem Prinzip der Ähnlichkeit, respektive
+des Kontrastes folgen, ist schwer zu beurteilen, denn sie werden unter
+den Bedingungen der Neurose gewöhnlich durch die Verschiebung auf
+irgendein Kleinstes, eine an sich höchst geringfügige Aktion
+entstellt(26). Auch die Schutzformeln der Zwangsneurose finden ihr
+Gegenstück in den Zauberformeln der Magie. Die Entwicklungsgeschichte
+der Zwangshandlungen kann man aber beschreiben, indem man hervorhebt,
+wie sie, vom Sexuellen möglichst weit entfernt, als Zauber gegen böse
+Wünsche beginnen, um als Ersatz für verbotenes sexuelles Tun, das sie
+möglichst getreu nachahmen, zu enden.
+
+ (26) Ein weiteres Motiv für diese Verschiebung auf eine kleinste
+ Aktion wird sich aus den nachstehenden Erörterungen ergeben.
+
+ * * * * *
+
+Wenn wir die vorhin erwähnte Entwicklungsgeschichte der menschlichen
+Weltanschauungen annehmen, in welcher die _animistische_ Phase von der
+_religiösen_, diese von der _wissenschaftlichen_ abgelöst wird, wird es
+uns nicht schwer, die Schicksale der »Allmacht der Gedanken« durch diese
+Phasen zu verfolgen. Im animistischen Stadium schreibt der Mensch sich
+selbst die Allmacht zu; im religiösen hat er sie den Göttern abgetreten,
+aber nicht ernstlich auf sie verzichtet, denn er behält sich vor, die
+Götter durch mannigfache Beeinflussungen nach seinen Wünschen zu lenken.
+In der wissenschaftlichen Weltanschauung ist kein Raum mehr für die
+Allmacht des Menschen, er hat sich zu seiner Kleinheit bekannt und sich
+resigniert dem Tode wie allen anderen Naturnotwendigkeiten unterworfen.
+Aber in dem Vertrauen auf die Macht des Menschengeistes, welcher mit den
+Gesetzen der Wirklichkeit rechnet, lebt ein Stück des primitiven
+Allmachtglaubens weiter.
+
+ * * * * *
+
+Bei der Rückverfolgung der Entwicklung libidinöser Strebungen im
+Einzelmenschen, von ihrer Gestaltung in der Reife bis zu den ersten
+Anfängen der Kindheit, hat sich zunächst eine wichtige Unterscheidung
+ergeben, die in den »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie 1905«
+niedergelegt ist. Die Äußerungen der sexuellen Triebe sind von Anfang an
+zu erkennen, aber sie richten sich zuerst noch auf kein äußeres Objekt.
+Die einzelnen Triebkomponenten der Sexualität arbeiten jede für sich auf
+Lustgewinn und finden ihre Befriedigung am eigenen Körper. Dies Stadium
+heißt das des _Autoerotismus_, es wird von dem der _Objektwahl_
+abgelöst.
+
+Es hat sich bei weiterem Studium als zweckmäßig, ja als unabweisbar
+gezeigt, zwischen diese beiden Stadien ein drittes einzuschieben, oder,
+wenn man so will, das erste Stadium des Autoerotismus in zwei zu
+zerlegen. In diesem Zwischenstadium, dessen Bedeutsamkeit sich der
+Forschung immer mehr aufdrängt, haben die vorher vereinzelten
+Sexualtriebe sich bereits zu einer Einheit zusammengesetzt und auch ein
+Objekt gefunden; dies Objekt ist aber kein äußeres, dem Individuum
+fremdes, sondern es ist das eigene, um diese Zeit konstituierte Ich. Mit
+Rücksicht auf später zu beobachtende pathologische Fixierungen dieses
+Zustandes heißen wir das neue Stadium das des _Narzißmus_. Die Person
+verhält sich so, als wäre sie in sich selbst verliebt, die Ichtriebe und
+die libidinösen Wünsche sind für unsere Analyse noch nicht voneinander
+zu sondern.
+
+Wenngleich uns eine genügend scharfe Charakteristik dieses narzißtischen
+Stadiums, in welchem die bisher dissoziierten Sexualtriebe zu einer
+Einheit zusammentreten und das Ich als Objekt besetzen, noch nicht
+möglich ist, so ahnen wir doch bereits, daß die narzißtische
+Organisation nie mehr völlig aufgegeben wird. Der Mensch bleibt in
+gewissem Maße narzißtisch, auch nachdem er äußere Objekte für seine
+Libido gefunden hat; die Objektbesetzungen, die er vornimmt, sind
+gleichsam Emanationen der beim Ich verbleibenden Libido und können
+wieder in dieselbe zurückgezogen werden. Die psychologisch so
+merkwürdigen Zustände von Verliebtheit, die Normalvorbilder der
+Psychosen, entsprechen dem höchsten Stande dieser Emanationen im
+Vergleich zum Niveau der Ichliebe.
+
+Es liegt nun nahe, die von uns aufgefundene Hochschätzung der
+psychischen Aktionen -- die wir von unserem Standpunkt aus eine
+Überschätzung heißen -- bei den Primitiven und Neurotikern in Beziehung
+zum Narzißmus zu bringen und sie als wesentliches Teilstück desselben
+aufzufassen. Wir würden sagen, das Denken ist bei den Primitiven noch in
+hohem Maße sexualisiert, daher rührt der Glaube an die Allmacht der
+Gedanken, die unerschütterliche Zuversicht auf die Möglichkeit der
+Weltbeherrschung und die Unzugänglichkeit gegen die leicht zu machenden
+Erfahrungen, welche den Menschen über seine wirkliche Stellung in der
+Welt belehren könnten. Bei den Neurotikern ist einerseits ein
+beträchtliches Stück dieser primitiven Einstellung konstitutionell
+verblieben, anderseits wird durch die bei ihnen eingetretene
+Sexualverdrängung eine neuerliche Sexualisierung der Denkvorgänge
+herbeigeführt. Die psychischen Folgen müssen in beiden Fällen dieselben
+sein, bei ursprünglicher, wie bei regressiv erzielter libidinöser
+Überbesetzung des Denkens: intellektueller Narzißmus, Allmacht der
+Gedanken(27).
+
+ (27) It is almost an axiom with writers on this subject, that a sort
+ of Solipsism or Berkleianism (as Professor _Sully_ terms it as he
+ finds it in the Child) operates in the savage to make him refuse to
+ recognise death as a fact. -- _Marett_, Pre-animistic religion,
+ Folklore, XI. Bd., 1900, p. 178.
+
+Wenn wir im Nachweis der Allmacht der Gedanken bei den Primitiven ein
+Zeugnis für deren Narzißmus erblicken dürfen, so können wir den Versuch
+wagen, die Entwicklungsstufen der menschlichen Weltanschauung mit den
+Stadien der libidinösen Entwicklung des Einzelnen in Vergleich zu
+ziehen. Es entspricht dann zeitlich wie inhaltlich die animistische
+Phase dem Narzißmus, die religiöse Phase jener Stufe der Objektfindung,
+welche durch die Bindung an die Eltern charakterisiert ist, und die
+wissenschaftliche Phase hat ihr volles Gegenstück in jenem Reifezustand
+des Individuums, welcher auf das Lustprinzip verzichtet hat und unter
+Anpassung an die Realität sein Objekt in der Außenwelt sucht(28).
+
+ (28) Es soll hier nur angedeutet werden, daß der ursprüngliche
+ Narzißmus des Kindes maßgebend für die Auffassung seiner
+ Charakterentwicklung ist und die Annahme eines primitiven
+ Minderwertigkeitsgefühles bei demselben ausschließt.
+
+Nur auf einem Gebiete ist auch in unserer Kultur die »Allmacht der
+Gedanken« erhalten geblieben, auf dem der Kunst. In der Kunst allein
+kommt es noch vor, daß ein von Wünschen verzehrter Mensch etwas der
+Befriedigung ähnliches macht, und daß dieses Spielen -- dank der
+künstlerischen Illusion -- Affektwirkungen hervorruft, als wäre es etwas
+Reales. Mit Recht spricht man vom Zauber der Kunst und vergleicht den
+Künstler mit einem Zauberer. Aber dieser Vergleich ist vielleicht
+bedeutsamer, als er zu sein beansprucht. Die Kunst, die gewiß nicht als
+l'art pour l'art begonnen hat, stand ursprünglich im Dienste von
+Tendenzen, die heute zum großen Teile erloschen sind. Unter diesen
+lassen sich mancherlei magische Absichten vermuten(29).
+
+ (29) S. _Reinach_, L'art et la magie in der Sammlung Cultes, Mythes et
+ Religions, I. Bd., p. 125 bis 136. -- _Reinach_ meint, die primitiven
+ Künstler, welche uns die eingeritzten oder aufgemalten Tierbilder in
+ den Höhlen Frankreichs hinterlassen haben, wollten nicht »Gefallen
+ erregen«, sondern »beschwören«. Er erklärt es so, daß sich diese
+ Zeichnungen an den dunkelsten und unzugänglichsten Stellen der Höhlen
+ befinden, und daß die Darstellungen der gefürchteten Raubtiere unter
+ ihnen fehlen. »Les modernes parlent souvent, par hyperbole, de la
+ magie du pinceau ou du ciseau d'un grand artiste et, en général, de la
+ magie de l'art. Entendu au sens propre, qui est celui d'une contrainte
+ mystique exercée par la volonté de l'homme sur d'autres volontés ou
+ sur les choses, cette expression n'est plus admissible; mais nous
+ avons vu qu'elle était autrefois rigoureusement vraie, du moins dans
+ l'opinion des artistes« (p. 136).
+
+
+
+
+4.
+
+
+Die erste Weltauffassung, welche den Menschen gelang, die des Animismus,
+war also eine psychologische. Sie bedurfte noch keiner Wissenschaft zu
+ihrer Begründung, denn Wissenschaft setzt erst ein, wenn man eingesehen
+hat, daß man die Welt nicht kennt und darum nach Wegen suchen muß, um
+sie kennen zu lernen. Der Animismus war aber dem primitiven Menschen
+natürlich und selbstgewiß; er wußte, wie die Dinge der Welt sind,
+nämlich so wie der Mensch sich selbst verspürte. Wir sind also
+vorbereitet darauf, zu finden, daß der primitive Mensch
+Strukturverhältnisse seiner eigenen Psyche in die Außenwelt
+verlegte(30), und dürfen anderseits den Versuch machen, was der
+Animismus von der Natur der Dinge lehrt, in die menschliche Seele
+zurückzuversetzen.
+
+ (30) Durch sogenannte endopsychische Wahrnehmung erkannte.
+
+Die Technik des Animismus, die Magie, zeigt uns am deutlichsten und
+unvermengtesten die Absicht, den realen Dingen die Gesetze des
+Seelenlebens aufzuzwingen, wobei Geister noch keine Rolle spielen
+müssen, während auch Geister zu Objekten magischer Behandlung genommen
+werden können. Die Voraussetzungen der Magie sind also ursprünglicher
+und älter als die Geisterlehre, die den Kern des Animismus bildet.
+Unsere psychoanalytische Betrachtung trifft hier mit einer Lehre von
+R. R. _Marett_ zusammen, welche ein _präanimistisches_ Stadium dem
+Animismus vorhergehen läßt, dessen Charakter am besten durch den Namen
+_Animatismus_ (Lehre von der allgemeinen Belebtheit) angedeutet wird. Es
+ist wenig mehr aus der Erfahrung über den Präanimismus zu sagen, da man
+noch kein Volk angetroffen hat, welches der Geistervorstellungen
+entbehrte(31).
+
+ (31) R. R. _Marett_, Pre-animistic religion, Folklore, XI. Bd., Nr. 2,
+ London 1900. -- Vgl. _Wundt_, Mythus und Religion, II. Bd., p. 171
+ und ff.
+
+Während die Magie noch alle Allmacht den Gedanken vorbehält, hat der
+Animismus einen Teil dieser Allmacht den Geistern abgetreten und damit
+den Weg zur Bildung einer Religion eingeschlagen. Was soll nun den
+Primitiven zu dieser ersten Verzichtleistung bewogen haben? Kaum die
+Einsicht in die Unrichtigkeit seiner Voraussetzungen, denn er behält ja
+die magische Technik bei.
+
+Die Geister und Dämonen sind, wie an anderer Stelle angedeutet
+wurde(32), nichts als die Projektionen seiner Gefühlsregungen(33); er
+macht seine Affektbesetzungen zu Personen, bevölkert mit ihnen die Welt,
+und findet nun seine inneren seelischen Vorgänge außer seiner wieder,
+ganz ähnlich wie der geistreiche Paranoiker _Schreber_, der die
+Bindungen und Lösungen seiner Libido in den Schicksalen der von ihm
+kombinierten »Gottesstrahlen« gespiegelt fand(34).
+
+ (32) Imago, I. Bd., Tabu, p. 324.
+
+ (33) Wir nehmen an, daß in diesem frühen narzißtischen Stadium
+ Besetzungen aus libidinöser und anderen Erregungsquellen vielleicht
+ noch ununterscheidbar miteinander vereinigt sind.
+
+ (34) _Schreber_, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken. 1903. --
+ _Freud_, Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch
+ beschriebenen Fall von Paranoia, Jahrb. f. psychoanalyt. Forsch.,
+ III. Bd., 1911.
+
+Wir wollen hier wie bei einem früheren Anlasse(35) dem Problem
+ausweichen, woher die Neigung überhaupt rührt, seelische Vorgänge nach
+außen zu projizieren. Der einen Annahme dürfen wir uns aber getrauen,
+daß diese Neigung dort eine Verstärkung erfährt, wo die Projektion den
+Vorteil einer psychischen Erleichterung mit sich bringt. Ein solcher
+Vorteil ist mit Bestimmtheit zu erwarten, wenn die nach Allmacht
+strebenden Regungen in Konflikt miteinander geraten sind, dann können
+sie offenbar nicht alle allmächtig werden. Der Krankheitsprozeß der
+Paranoia bedient sich tatsächlich des Mechanismus der Projektion, um
+solche im Seelenleben entstandene Konflikte zu erledigen. Nun ist der
+vorbildliche Fall eines solchen Konfliktes der zwischen den beiden
+Gliedern eines Gegensatzpaares, der Fall der ambivalenten Einstellung,
+den wir in der Situation des Trauernden beim Tode eines teuern
+Angehörigen eingehend zergliedert haben(36). Ein solcher Fall wird uns
+besonders geeignet scheinen, die Schöpfung von Projektionsgebilden zu
+motivieren. Wir treffen hier wiederum mit Meinungen der Autoren
+zusammen, welche die bösen Geister für die erstgeborenen unter den
+Geistern erklären und die Entstehung der Seelenvorstellungen aus dem
+Eindruck des Todes auf die Überlebenden ableiten. Wir machen nur den
+einen Unterschied, daß wir nicht das intellektuelle Problem
+voranstellen, welches der Tod dem Lebenden aufgibt, sondern die zur
+Erforschung treibende Kraft in den Gefühlskonflikt verlegen, in welchen
+diese Situation den Überlebenden stürzt.
+
+ (35) Vgl. die letztzitierte Abhandlung über _Schreber_, p. 59.
+
+ (36) Abhandlung über das Tabu, Imago, I. Bd., p. 322 und ff.
+
+Die erste theoretische Leistung des Menschen -- die Schöpfung der
+Geister -- würde also aus derselben Quelle entspringen wie die ersten
+sittlichen Beschränkungen, denen er sich unterwirft, die
+Tabuvorschriften. Doch soll die Gleichheit des Ursprungs nichts für die
+Gleichzeitigkeit der Entstehung präjudizieren. Wenn es wirklich die
+Situation des Überlebenden gegen den Toten war, die den primitiven
+Menschen zuerst nachdenklich machte, ihn nötigte, einen Teil seiner
+Allmacht an die Geister abzugeben und ein Stück der freien Willkür
+seines Handelns zu opfern, so wären diese Kulturschöpfungen eine erste
+Anerkennung der Ἀνάγκη, die sich dem menschlichen Narzißmus widersetzt.
+Der Primitive würde sich vor der Übermacht des Todes beugen mit
+derselben Geste, durch die er diesen zu verleugnen scheint.
+
+Wenn wir den Mut zur weiteren Ausbeutung unserer Voraussetzungen haben,
+können wir fragen, welches wesentliche Stück unserer psychologischen
+Struktur in der Projektionsschöpfung der Seelen und Geister seine
+Spiegelung und Wiederkehr findet. Es ist dann schwer zu bestreiten, daß
+die primitive Seelenvorstellung, soweit sie auch noch von der späteren
+völlig immateriellen Seele absteht, doch das Wesen derselben teilt, also
+Person oder Ding als eine Zweiheit auffaßt, auf deren beide Bestandteile
+die bekannten Eigenschaften und Veränderungen des Ganzen verteilt sind.
+Diese ursprüngliche Dualität -- nach einem Ausdruck von H. _Spencer_(37)
+-- ist bereits identisch mit jenem Dualismus, der sich in der uns
+geläufigen Trennung von Geist und Körper kundgibt, und dessen
+unzerstörbare sprachliche Äußerungen wir z. B. in der Beschreibung des
+Ohnmächtigen oder Rasenden: _er sei nicht bei sich_, erkennen(38).
+
+ (37) Im I. Band der »Prinzipien der Soziologie«.
+
+ (38) H. _Spencer_, l. c., p. 179.
+
+Was wir so, ganz ähnlich wie der Primitive, in die äußere Realität
+projizieren, kann kaum etwas anderes sein als die Erkenntnis eines
+Zustandes, in dem ein Ding den Sinnen und dem Bewußtsein gegeben,
+_präsent_ ist, neben welchem ein anderer besteht, in dem dasselbe
+_latent_ ist, aber wiedererscheinen kann, also die Koëxistenz von
+Wahrnehmen und Erinnern, oder, ins Allgemeine ausgedehnt, die Existenz
+_unbewußter_ Seelenvorgänge neben den _bewußten_(39). Man könnte sagen,
+der »Geist« einer Person oder eines Dinges reduziere sich in letzter
+Analyse auf deren Fähigkeit erinnert und vorgestellt zu werden, wenn sie
+der Wahrnehmung entzogen sind.
+
+ (39) Vgl. meine kleine Schrift: A note on the Unconscious in
+ Psycho-Analysis aus den Proceedings of the Society for Psychical
+ Research, Part LXVI, vol. XXVI, London 1912.
+
+Man wird nun freilich weder von der primitiven, noch von der heutigen
+Vorstellung der »Seele« erwarten dürfen, daß ihre Abgrenzung vom anderen
+Teile die Linien einhalte, welche unsere heutige Wissenschaft zwischen
+der bewußten und der unbewußten Seelentätigkeit zieht. Die animistische
+Seele vereinigt vielmehr Bestimmungen von beiden Seiten in sich. Ihre
+Flüchtigkeit und Beweglichkeit, ihre Fähigkeit, den Körper zu verlassen,
+dauernd oder vorübergehend von einem anderen Leib Besitz zu nehmen, dies
+sind Charaktere, die unverkennbar an das Wesen des Bewußtseins erinnern.
+Aber die Art, wie sie sich hinter der persönlichen Erscheinung verborgen
+hält, mahnt an das Unbewußte; die Unveränderlichkeit und
+Unzerstörbarkeit schreiben wir heute nicht mehr den bewußten, sondern
+den unbewußten Vorgängen zu, und diese betrachten wir auch als die
+eigentlichen Träger der seelischen Tätigkeit.
+
+ * * * * *
+
+Wir sagten vorhin, der Animismus sei ein Denksystem, die erste
+vollständige Theorie der Welt, und wollen nun aus der psychoanalytischen
+Auffassung eines solchen Systems gewisse Folgerungen ableiten. Die
+Erfahrung jedes unserer Tage kann uns die Haupteigenschaften des
+»Systems« immer von neuem vorführen. Wir träumen in der Nacht und haben
+es erlernt, am Tage den Traum zu deuten. Der Traum kann, ohne seine
+Natur zu verleugnen, wirr und zusammenhangslos erscheinen, er kann aber
+auch im Gegenteil die Ordnung der Eindrücke eines Erlebnisses nachahmen,
+eine Begebenheit aus der anderen ableiten und ein Stück seines Inhaltes
+auf ein anderes beziehen. Dies scheint ihm besser oder schlechter
+gelungen zu sein, fast niemals gelingt es so vollkommen, daß nicht
+irgendwo eine Absurdität, ein Riß im Gefüge zum Vorschein käme. Wenn wir
+den Traum der Deutung unterziehen, erfahren wir, daß diese inkonstante
+und ungleichmäßige Anordnung der Traumbestandteile auch etwas für das
+Verständnis des Traumes recht Unwichtiges ist. Das Wesentliche am Traum
+sind die Traumgedanken, die allerdings sinnreich, zusammenhängend und
+geordnet sind. Aber deren Ordnung ist eine ganz andere als die von uns
+am manifesten Trauminhalt erinnerte. Der Zusammenhang der Traumgedanken
+ist aufgegeben worden und kann dann entweder überhaupt verloren bleiben
+oder durch den neuen Zusammenhang des Trauminhalts ersetzt werden. Fast
+regelmäßig hat, außer der Verdichtung der Traumelemente, eine Umordnung
+derselben stattgefunden, die von der früheren Anordnung mehr oder
+weniger unabhängig ist. Wir sagen abschließend, das, was durch die
+Traumarbeit aus dem Material der Traumgedanken geworden ist, hat eine
+neue Beeinflussung erfahren, die sogenannte »_sekundäre Bearbeitung_«,
+deren Absicht offenbar dahingeht, die aus der Traumarbeit resultierende
+Zusammenhangslosigkeit und Unverständlichkeit zugunsten eines neuen
+»Sinnes« zu beseitigen. Dieser neue, durch die sekundäre Bearbeitung
+erzielte Sinn ist nicht mehr der Sinn der Traumgedanken.
+
+Die sekundäre Bearbeitung des Produktes der Traumarbeit ist ein
+vortreffliches Beispiel für das Wesen und die Ansprüche eines Systems.
+Eine intellektuelle Funktion in uns fordert Vereinheitlichung,
+Zusammenhang und Verständlichkeit von jedem Material der Wahrnehmung
+oder des Denkens, dessen sie sich bemächtigt, und scheut sich nicht
+einen unrichtigen Zusammenhang herzustellen, wenn sie infolge besonderer
+Umstände den richtigen nicht erfassen kann. Wir kennen solche
+Systembildungen nicht nur vom Traume, sondern auch von den Phobien, dem
+Zwangsdenken und den Formen des Wahnes. Bei den Wahnerkrankungen (der
+Paranoia) ist die Systembildung das Sinnfälligste, sie beherrscht das
+Krankheitsbild, sie darf aber auch bei den anderen Formen von
+Neuropsychosen nicht übersehen werden. In allen Fällen können wir dann
+nachweisen, daß eine _Umordnung_ des psychischen Materials zu einem
+neuen Ziel stattgefunden hat, oft eine im Grunde recht gewaltsame, wenn
+sie nur unter dem Gesichtspunkt des Systems begreiflich erscheint. Es
+wird dann zum besten Kennzeichen der Systembildung, daß jedes der
+Ergebnisse desselben mindestens zwei Motivierungen aufdecken läßt, eine
+Motivierung aus den Voraussetzungen des Systems -- also eventuell eine
+wahnhafte -- und eine versteckte, die wir aber als die eigentlich
+wirksame, reale, anerkennen müssen.
+
+Zur Erläuterung ein Beispiel aus der Neurose: In der Abhandlung über das
+Tabu erwähnte ich eine Kranke, deren Zwangsverbote die schönsten
+Übereinstimmungen mit dem Tabu der Maori zeigen(40). Die Neurose dieser
+Frau ist auf ihren Mann gerichtet; sie gipfelt in der Abwehr des
+unbewußten Wunsches nach seinem Tod. Ihre manifeste, systematische
+Phobie gilt aber der Erwähnung des Todes überhaupt, wobei ihr Mann
+völlig ausgeschaltet ist und niemals Gegenstand bewußter Sorge wird.
+Eines Tages hört sie den Mann den Auftrag erteilen, seine stumpf
+gewordenen Rasiermesser sollen in einen bestimmten Laden zum Schleifen
+gebracht werden. Von einer eigentümlichen Unruhe getrieben, macht sie
+sich selbst auf den Weg nach diesem Laden und fordert nach ihrer
+Rückkehr von dieser Rekognoszierung von ihrem Manne, er müsse diese
+Messer für alle Zeiten aus dem Wege räumen, denn sie habe entdeckt, daß
+neben dem von ihm genannten Laden sich eine Niederlage von Särgen,
+Trauerwaren u. dgl. befindet. Die Messer seien durch seine Absicht in
+eine unlösbare Verbindung mit dem Gedanken an den Tod geraten. Dies ist
+nun die systematische Motivierung des Verbots. Wir dürfen sicher sein,
+daß die Kranke auch ohne die Entdeckung jener Nachbarschaft das Verbot
+der Rasiermesser nach Hause gebracht hätte. Denn es hätte dazu
+hingereicht, daß sie auf dem Wege nach dem Laden einem Leichenwagen,
+einer Person in Trauerkleidung oder einer Trägerin eines Leichenkranzes
+begegnete. Das Netz der Bedingungen war weit genug ausgespannt, um die
+Beute in jedem Falle zu fangen; es lag dann an ihr, ob sie es zuziehen
+wollte oder nicht. Man konnte mit Sicherheit feststellen, daß sie für
+andere Fälle die Bedingungen des Verbots nicht aktivierte. Dann hieß es
+eben, es sei ein »besserer Tag« gewesen. Die wirkliche Ursache des
+Verbots der Rasiermesser war natürlich, wie wir mit Leichtigkeit
+erraten, ihr Sträuben gegen eine Lustbetonung der Vorstellung, der Mann
+könne sich mit dem geschärften Rasiermesser den Hals abschneiden.
+
+ (40) Imago, Bd. I, p. 221.
+
+In ganz ähnlicher Weise vervollständigt und detailliert sich eine
+Gehhemmung, eine Abasie oder Agoraphobie, wenn es diesem Symptom einmal
+gelungen ist, sich zur Vertretung eines unbewußten Wunsches oder der
+Abwehr gegen denselben aufzuschwingen. Was sonst noch an unbewußten
+Phantasien und an wirksamen Reminiszenzen in dem Kranken vorhanden ist,
+drängt diesem einmal eröffneten Ausweg zum symptomatischen Ausdruck zu
+und bringt sich in zweckmäßiger Neuordnung im Rahmen der Gehstörung
+unter. Es wäre also ein vergebliches, eigentlich ein törichtes Beginnen,
+wenn man das symptomatische Gefüge und die Einzelheiten, z. B. einer
+Agoraphobie aus der Grundvoraussetzung derselben verstehen wollte. Alle
+Konsequenz und Strenge des Zusammenhanges ist doch nur scheinbar.
+Schärfere Beobachtung kann, wie bei der Fassadenbildung des Traumes, die
+ärgsten Inkonsequenzen und Willkürlichkeiten der Symptombildung
+aufdecken. Die Einzelheiten einer solchen systematischen Phobie
+entnehmen ihre reale Motivierung versteckten Determinanten, die mit der
+Gehhemmung nichts zu tun haben müssen, und darum fallen auch die
+Gestaltungen einer solchen Phobie bei verschiedenen Personen so
+mannigfaltig und so widersprechend aus.
+
+ * * * * *
+
+Suchen wir nun den Rückweg zu dem uns beschäftigenden System des
+Animismus, so schließen wir aus unseren Einsichten über andere
+psychologische Systeme, daß die Motivierung einer einzelnen Sitte oder
+Vorschrift durch den »Aberglauben« auch bei den Primitiven nicht die
+einzige und die eigentliche Motivierung zu sein braucht und uns der
+Verpflichtung nicht überhebt, nach den versteckten Motiven derselben zu
+suchen. Unter der Herrschaft eines animistischen Systems ist es nicht
+anders möglich, als daß jede Vorschrift und jede Tätigkeit eine
+systematische Begründung erhalte, welche wir heute eine »abergläubische«
+heißen. »Aberglaube« ist wie »Angst«, wie »Traum«, wie »Dämon«, eine der
+psychologischen Vorläufigkeiten, die vor der psychoanalytischen
+Forschung zergangen sind. Kommt man hinter diese, die Erkenntnis wie
+Wandschirme abwehrenden Konstruktionen, so ahnt man, daß dem Seelenleben
+und der Kulturhöhe der Wilden ein Stück verdienter Würdigung bisher
+vorenthalten wurde.
+
+Betrachtet man die Triebverdrängung als ein Maß des erreichten
+Kulturniveaus, so muß man zugestehen, daß auch unter dem animistischen
+System Fortschritte und Entwicklungen vorgefallen sind, die man mit
+Unrecht ihrer abergläubischen Motivierung wegen geringe schätzt. Wenn
+wir hören, daß Krieger eines wilden Volksstammes sich die größte
+Keuschheit und Reinlichkeit auferlegen, sobald sie sich auf den
+Kriegspfad begeben(41), so wird uns die Erklärung nahegelegt, daß sie
+ihren Unrat beseitigen, damit sich der Feind dieses Teiles ihrer Person
+nicht bemächtige, um ihnen auf magische Weise zu schaden, und für ihre
+Enthaltsamkeit sollen wir analoge abergläubische Motivierungen vermuten.
+Nichtsdestoweniger bleibt die Tatsache des Triebverzichtes bestehen, und
+wir verstehen den Fall wohl besser, wenn wir annehmen, daß der wilde
+Krieger sich solche Beschränkungen zur Ausgleichung auferlegt, weil er
+im Begriffe steht, sich die sonst untersagte Befriedigung grausamer und
+feindseliger Regungen im vollen Ausmaße zu gestatten. Dasselbe gilt für
+die zahlreichen Fälle von sexueller Beschränkung, solange man mit
+schwierigen oder verantwortlichen Arbeiten beschäftigt ist(42). Mag sich
+die Begründung dieser Verbote immerhin auf einen magischen Zusammenhang
+berufen, die fundamentale Vorstellung, durch Verzicht auf
+Triebbefriedigung größere Kraft zu gewinnen, bleibt doch unverkennbar,
+und die hygienische Wurzel des Verbots ist neben der magischen
+Rationalisierung derselben nicht zu vernachlässigen. Wenn die Männer
+eines wilden Volksstammes zur Jagd, zum Fischfang, zum Krieg, zum
+Einsammeln kostbarer Pflanzenstoffe ausgezogen sind, so bleiben ihre
+Frauen unterdes im Hause zahlreichen drückenden Beschränkungen
+unterworfen, denen von den Wilden selbst eine in die Ferne reichende,
+sympathetische Wirkung auf das Gelingen der Expedition zugeschrieben
+wird. Doch gehört wenig Scharfsinn dazu, um zu erraten, daß jenes in die
+Ferne wirkende Moment kein anderes als das Heimwärtsdenken, die
+Sehnsucht der Abwesenden, ist, und daß hinter diesen Einkleidungen die
+gute psychologische Einsicht steckt, die Männer werden ihr Bestes nur
+dann tun, wenn sie über den Verbleib der unbeaufsichtigten Frauen
+vollauf beruhigt sind. Andere Male wird es direkt, ohne magische
+Motivierung ausgesprochen, daß die eheliche Untreue der Frau die
+Bemühungen des in verantwortlicher Tätigkeit abwesenden Mannes zum
+Scheitern bringt.
+
+ (41) _Frazer_, Taboo and the perils of the soul, p. 158.
+
+ (42) _Frazer_, l. c., p. 200.
+
+Die unzähligen Tabuvorschriften, denen die Frauen der Wilden während
+ihrer Menstruation unterliegen, werden durch die abergläubische Scheu
+vor dem Blute motiviert und haben in ihr wohl auch eine reale
+Begründung. Aber es wäre unrecht die Möglichkeit zu übersehen, daß diese
+Blutscheu hier auch ästhetischen und hygienischen Absichten dient, die
+sich in allen Fällen mit magischen Motivierungen drapieren müßten.
+
+Wir täuschen uns wohl nicht darüber, daß wir uns durch solche
+Erklärungsversuche dem Vorwurf aussetzen, daß wir den heutigen Wilden
+eine Feinheit der seelischen Tätigkeiten zumuten, die weit über die
+Wahrscheinlichkeit hinausgeht. Allein ich meine, es könnte uns mit der
+Psychologie dieser Völker, die auf der animistischen Stufe stehen
+geblieben sind, leicht so ergehen wie mit dem Seelenleben des Kindes,
+das wir Erwachsene nicht mehr verstehen, und dessen Reichhaltigkeit und
+Feinfühligkeit wir darum so sehr unterschätzt haben.
+
+Ich will noch einer Gruppe von bisher unerklärten Tabuvorschriften
+gedenken, weil sie eine dem Psychoanalytiker vertraute Aufklärung
+zuläßt. Bei vielen wilden Völkern ist es unter verschiedenen
+Verhältnissen verboten, scharfe Waffen und schneidende Instrumente im
+Hause zu halten(43). _Frazer_ zitiert einen deutschen Aberglauben, daß
+man ein Messer nicht mit der Schneide nach oben liegen lassen dürfe.
+Gott und die Engel könnten sich daran verletzen. Soll man in diesem Tabu
+nicht die Ahnung gewisser »Symptomhandlungen« erkennen, zu denen die
+scharfe Waffe durch unbewußte böse Regungen gebraucht werden könnte?
+
+ (43) _Frazer_, l. c., p. 237.
+
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ haben mögen, die über Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder u. dgl., haben
+ haben mögen, über Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder u. dgl., haben
+
+ avons vu qu'elle était autrefois rigouresement vraie, du moins dans
+ avons vu qu'elle était autrefois rigoureusement vraie, du moins dans
+
+ Anerkennung der Ἀναγκη, die sich dem menschlichen Narzißmus widersetzt.
+ Anerkennung der Ἀνάγκη, die sich dem menschlichen Narzißmus widersetzt.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Animismus, Magie und Allmacht der
+Gedanken, by Sigmund Freud
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANIMISMUS, MAGIE UND ALLMACHT ***
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
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+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
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+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
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+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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+status with the IRS.
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+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
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+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
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+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
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+works.
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+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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@@ -0,0 +1,1449 @@
+The Project Gutenberg EBook of Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken, by
+Sigmund Freud
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken
+ Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden
+ und der Neurotiker III
+
+Author: Sigmund Freud
+
+Release Date: August 14, 2011 [EBook #37070]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANIMISMUS, MAGIE UND ALLMACHT ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der
+ Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften II (1913). S. 1-21.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Griechischer Text wurde transliteriert und mit ~ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der
+Neurotiker.
+
+Von SIGM. FREUD.
+
+III.
+
+Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken.
+
+
+
+
+1.
+
+
+Es ist ein notwendiger Mangel der Arbeiten, welche Gesichtspunkte der
+Psychoanalyse auf Themen der Geisteswissenschaften anwenden wollen, daß
+sie dem Leser von beiden zu wenig bieten müssen. Sie beschränken sich
+darum auf den Charakter von Anregungen, sie machen dem Fachmanne
+Vorschläge, die er bei seiner Arbeit in Erwägung ziehen soll. Dieser
+Mangel wird sich aufs äußerste fühlbar machen in einem Aufsatz, welcher
+das ungeheure Gebiet dessen, was man Animismus nennt, behandeln will(1).
+
+ (1) Die geforderte Zusammendrängung des Stoffes bringt auch den
+ Verzicht auf eingehende Literaturnachweise mit sich. An deren Stelle
+ stehe der Hinweis auf die bekannten Werke von Herbert _Spencer_, J. G.
+ _Frazer_, A. _Lang_, E. B. _Tylor_ und W. _Wundt_, aus denen alle
+ Behauptungen über Animismus und Magie entnommen sind. Die
+ Selbständigkeit des Verfassers kann sich nur in der von ihm
+ getroffenen Auswahl der Materien sowie der Meinungen kundgeben.
+
+Animismus im engeren Sinne heißt die Lehre von den Seelenvorstellungen,
+im weiteren die von geistigen Wesen überhaupt. Man unterscheidet noch
+Animatismus, die Lehre von der Belebtheit der uns unbelebt erscheinenden
+Natur, und reiht hier den Animalismus und Manismus an. Der Name
+Animismus, früher für ein bestimmtes philosophisches System verwendet,
+scheint seine gegenwärtige Bedeutung durch E. B. _Tylor_ erhalten zu
+haben(2).
+
+ (2) E. B. _Tylor_, Primitive Culture. I. Bd., p. 425, 4. Aufl., 1903.
+ -- W. _Wundt_, Mythus und Religion, II. Bd., p. 173, 1906.
+
+Was zur Aufstellung dieser Namen Anlaß gegeben hat, ist die Einsicht in
+die höchst merkwürdige Natur- und Weltauffassung der uns bekannten
+primitiven Völker, der historischen sowohl wie der jetzt noch lebenden.
+Diese bevölkern die Welt mit einer Unzahl von geistigen Wesen, die ihnen
+wohlwollend oder übelgesinnt sind; sie schreiben diesen Geistern und
+Dämonen die Verursachung der Naturvorgänge zu und halten nicht nur die
+Tiere und Pflanzen, sondern auch die unbelebten Dinge der Welt für durch
+sie belebt. Ein drittes und vielleicht wichtigstes Stück dieser
+primitiven »Naturphilosophie« erscheint uns weit weniger auffällig, weil
+wir selbst noch nicht weit genug von ihm entfernt sind, während wir doch
+die Existenz der Geister sehr eingeschränkt haben und die Naturvorgänge
+heute durch die Annahme unpersönlicher physikalischer Kräfte erklären.
+Die Primitiven glauben nämlich an eine ähnliche »Beseelung« auch der
+menschlichen Einzelwesen. Die menschlichen Personen enthalten Seelen,
+welche ihren Wohnsitz verlassen und in andere Menschen einwandern
+können; diese Seelen sind die Träger der geistigen Tätigkeiten und bis
+zu einem gewissen Grad von den »Leibern« unabhängig. Ursprünglich wurden
+die Seelen als sehr ähnlich den Individuen vorgestellt und erst im Laufe
+einer langen Entwicklung haben sie die Charaktere des Materiellen bis zu
+einem hohen Grad von »Vergeistigung« abgestreift(3).
+
+ (3) _Wundt_, l. c., IV. Kapitel »Die Seelenvorstellungen«.
+
+Die Mehrzahl der Autoren neigt zu der Annahme, daß diese
+Seelenvorstellungen der ursprüngliche Kern des animistischen Systems
+sind, daß die Geister nur selbständig gewordenen Seelen entsprechen, und
+daß auch die Seelen von Tieren, Pflanzen und Dingen in Analogie mit den
+Menschenseelen gebildet wurden.
+
+Wie sind die primitiven Menschen zu den eigentümlich dualistischen
+Grundanschauungen gekommen, auf denen dieses animistische System ruht?
+Man meint, durch die Beobachtung der Phänomene des Schlafes (mit dem
+Traum) und des ihm so ähnlichen Todes, und durch die Bemühung, sich
+diese jeden Einzelnen so nahe angehenden Zustände zu erklären. Vor allem
+müßte das Todesproblem der Ausgangspunkt der Theoriebildung geworden
+sein. Für den Primitiven wäre die Fortdauer des Lebens -- die
+Unsterblichkeit -- das Selbstverständliche. Die Vorstellung des Todes
+ist etwas spät und nur zögernd Rezipiertes, sie ist ja auch für uns noch
+inhaltsleer und unvollziehbar. Über den Anteil, den andere Beobachtungen
+und Erfahrungen an der Gestaltung der animistischen Grundlehren gehabt
+haben mögen, über Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder u. dgl., haben
+sehr lebhafte, zu keinem Abschluß gelangte Diskussionen
+stattgefunden(4).
+
+ (4) Vgl. außer bei _Wundt_ und H. _Spencer_ die orientierenden Artikel
+ der Encyclopedia Britannica 1911 (Animism, Mythology usw.).
+
+Wenn der Primitive auf die sein Nachdenken anregenden Phänomene mit der
+Bildung der Seelenvorstellungen reagierte und diese dann auf die Objekte
+der Außenwelt übertrug, so wird sein Verhalten dabei als durchaus
+natürlich und weiter nicht rätselhaft beurteilt. _Wundt_ äußert
+angesichts der Tatsache, daß sich die nämlichen animistischen
+Vorstellungen bei den verschiedensten Völkern und zu allen Zeiten
+übereinstimmend gezeigt haben, dieselben »seien das notwendige
+psychologische Erzeugnis des mythenbildenden Bewußtseins und der
+primitive Animismus dürfe als der geistige Ausdruck des _menschlichen
+Naturzustandes_ gelten, insoweit dieser überhaupt für unsere Beobachtung
+erreichbar ist«(5). Die Rechtfertigung der Belebung des Unbelebten hat
+bereits _Hume_ in seiner »Natural History of Religion« gegeben, indem er
+schrieb: »There is an universal tendency among mankind to conceive all
+beings like themselves and to transfer to every object those qualities
+with which they are familiarly acquainted and of which they are
+intimately conscious«(6).
+
+ (5) l. c., p. 154.
+
+ (6) Bei _Tylor_, Primitive Culture, I. Bd., p. 477.
+
+Der Animismus ist ein Denksystem, er gibt nicht nur die Erklärung eines
+einzelnen Phänomens, sondern gestattet es, das Ganze der Welt als einen
+einzigen Zusammenhang, aus einem Punkte, zu begreifen. Die Menschheit
+hat, wenn wir den Autoren folgen wollen, drei solcher Denksysteme, drei
+große Weltanschauungen im Laufe der Zeiten hervorgebracht: Die
+animistische (mythologische), die religiöse und die wissenschaftliche.
+Unter diesen ist die erstgeschaffene, die des Animismus, vielleicht die
+folgerichtigste und erschöpfendste, eine, die das Wesen der Welt restlos
+erklärt. Diese erste Weltanschauung der Menschheit ist nun eine
+psychologische Theorie. Es geht über unsere Absicht hinaus zu zeigen,
+wie viel von ihr noch im Leben der Gegenwart nachweisbar ist, entweder
+entwertet in der Form des Aberglaubens, oder lebendig als Grundlage
+unseres Sprechens, Glaubens und Philosophierens.
+
+Es greift auf jene Stufenfolge der drei Weltanschauungen zurück, wenn
+gesagt wird, daß der Animismus selbst noch keine Religion ist, aber die
+Vorbedingungen enthält, auf denen sich später die Religionen aufbauen.
+Es ist auch augenfällig, daß der Mythus auf animistischen
+Voraussetzungen ruht; die Einzelheiten der Beziehung von Mythus und
+Animismus erscheinen aber als in wesentlichen Punkten ungeklärt.
+
+
+
+
+2.
+
+
+Unsere psychoanalytische Arbeit wird an anderer Stelle einsetzen. -- Man
+darf nicht annehmen, daß die Menschen sich aus reiner spekulativer
+Wißbegierde zur Schöpfung ihres ersten Weltsystems aufgeschwungen haben.
+Das praktische Bedürfnis, sich der Welt zu bemächtigen, muß seinen
+Anteil an dieser Bemühung haben. Wir sind darum nicht erstaunt zu
+erfahren, daß mit dem animistischen System etwas anderes Hand in Hand
+geht, eine Anweisung, wie man verfahren müsse, um der Menschen, Tiere
+und Dinge, respektive ihrer Geister, Herr zu werden. Diese Anweisung,
+welche unter dem Namen »_Zauberei_ und _Magie_« bekannt ist, will S.
+_Reinach_(7) die Strategie des Animismus heißen; ich würde es vorziehen,
+sie mit _Hubert_ und _Mauß_ der Technik zu vergleichen(8).
+
+ (7) Cultes, Mythes et Religions, T. II, Introduction, p. XV, 1909.
+
+ (8) Année sociologique, VII. Bd., 1904.
+
+Kann man Zauberei und Magie begrifflich voneinander trennen? Es ist
+möglich, wenn man sich mit einiger Eigenmächtigkeit über die
+Schwankungen des Sprachgebrauches hinwegsetzen will. Dann ist Zauberei
+im wesentlichen die Kunst, die Geister zu beeinflussen, indem man sie
+behandelt wie unter gleichen Bedingungen die Menschen, also indem man
+sie beschwichtigt, versöhnt, sich geneigt macht, sie einschüchtert,
+ihrer Macht beraubt, sie seinem Willen unterwirft, durch dieselben
+Mittel, die man für lebende Menschen wirksam gefunden hat. Magie ist
+aber etwas anderes; sie sieht im Grunde von den Geistern ab und sie
+bedient sich besonderer Mittel, nicht der banalen psychologischen
+Methodik. Wir werden leicht erraten, daß die Magie das ursprünglichere
+und bedeutsamere Stück der animistischen Technik ist, denn unter den
+Mitteln, mit denen Geister behandelt werden sollen, befinden sich auch
+magische(9), und die Magie findet ihre Anwendung auch in Fällen, wo die
+Vergeistigung der Natur, wie uns scheint, nicht durchgeführt worden ist.
+
+ (9) Wenn man einen Geist durch Lärm und Geschrei verscheucht, so ist
+ dies eine rein zauberische Handlung; wenn man ihn zwingt, indem man
+ sich seines Namens bemächtigt, so hat man Magie gegen ihn gebraucht.
+
+Die Magie muß den mannigfaltigsten Absichten dienen, die Naturvorgänge
+dem Willen des Menschen unterwerfen, das Individuum gegen Feinde und
+Gefahren schützen und ihm die Macht geben, seine Feinde zu schädigen.
+Die Prinzipien aber, auf deren Voraussetzung das magische Tun beruht --
+oder vielmehr das Prinzip der Magie -- ist so augenfällig, daß es von
+allen Autoren erkannt werden mußte. Man kann es am knappsten, wenn man
+von dem beigefügten Werturteil absieht, mit den Worten E. B. _Tylors_
+ausdrücken: »mistaking an ideal connexion for a real one«. An zwei
+Gruppen von magischen Handlungen wollen wir diesen Charakter erläutern.
+
+Eine der verbreitetsten magischen Prozeduren, um einem Feind zu schaden,
+besteht darin, sich ein Ebenbild von ihm aus beliebigem Material zu
+machen. Auf die Ähnlichkeit kommt es dabei wenig an. Man kann auch
+irgendein Objekt zu seinem Bild »ernennen«. Was man dann diesem Ebenbild
+antut, das stößt auch dem gehaßten Urbild zu, an welcher Körperstelle
+man das erstere verletzt, an derselben erkrankt das letztere. Man kann
+dieselbe magische Technik anstatt in den Dienst privater Feindseligkeit
+auch in den der Frömmigkeit stellen und so Göttern gegen böse Dämonen zu
+Hilfe kommen. Ich zitiere nach _Frazer_(10): »Jede Nacht, wenn der
+Sonnengott Ra (im alten Ägypten) zu seinem Heim im glühenden Westen
+herabstieg, hatte er einen bitteren Kampf gegen eine Schar von Dämonen
+zu bestehen, die ihn unter der Führung des Erzfeindes Apepi überfielen.
+Er kämpfte mit ihnen die ganze Nacht und häufig waren die Mächte der
+Finsternis stark genug, noch des Tages dunkle Wolken an den blauen
+Himmel zu senden, die seine Kraft schwächten und sein Licht abhielten.
+Um dem Gotte beizustehen, wurde in seinem Tempel zu Theben täglich
+folgende Zeremonie aufgeführt: Es wurde aus Wachs ein Bild seines
+Feindes Apepi gemacht, in der Gestalt eines scheußlichen Krokodils oder
+einer langgeringelten Schlange und der Name des Dämons mit grüner Tinte
+darauf geschrieben. In ein Papyrusgehäuse gehüllt, auf dem eine ähnliche
+Zeichnung angebracht war, wurde dann diese Figur mit schwarzem Haar
+umwickelt, vom Priester angespuckt, mit einem Steinmesser bearbeitet und
+auf den Boden geworfen. Dann trat er mit seinem linken Fuß auf sie und
+endlich verbrannte er sie in einem von gewissen Pflanzen genährten
+Feuer. Nachdem Apepi in solcher Weise beseitigt worden war, geschah mit
+allen Dämonen seines Gefolges das nämliche. Dieser Gottesdienst, bei dem
+gewisse Reden hergesagt werden mußten, wurde nicht nur morgens, mittags
+und abends wiederholt, sondern auch jederzeit dazwischen, wenn ein Sturm
+wütete, wenn ein heftiger Regenguß niederging oder schwarze Wolken die
+Sonnenscheibe am Himmel verdeckten. Die bösen Feinde verspürten die
+Züchtigung, die ihren Bildern widerfahren war, als ob sie sie selbst
+erlitten hätten; sie flohen und der Sonnengott triumphierte von
+neuem.(11)«
+
+ (10) The magic art. II, p. 67.
+
+ (11) Das biblische Verbot, sich ein Bild von irgend etwas Lebendem zu
+ machen, entstammte wohl keiner prinzipiellen Ablehnung der bildenden
+ Kunst, sondern sollte der von der hebräischen Religion verpönten Magie
+ ein Werkzeug entziehen. _Frazer_, l. c., p. 87, Note.
+
+Aus der unübersehbaren Fülle ähnlich begründeter magischer Handlungen
+will ich nur noch zweierlei hervorheben, die bei den primitiven Völkern
+jederzeit eine große Rolle gespielt haben und zum Teil im Mythus und
+Kultus höherer Entwicklungsstufen erhalten geblieben sind, nämlich die
+Arten des Regen- und des Fruchtbarkeitszaubers. Man erzeugt den Regen
+auf magischem Wege, indem man ihn imitiert, etwa auch noch die ihn
+erzeugenden Wolken oder den Sturm nachahmt. Es sieht aus, als ob man
+»regnen spielen« wollte. Die japanischen Ainos z. B. machen Regen in der
+Weise, daß ein Teil von ihnen Wasser aus großen Sieben ausgießt, während
+ein anderer eine große Schüssel mit Segel und Ruder ausstattet, als ob
+sie ein Schiff wäre, und sie so um Dorf und Gärten herumzieht. Die
+Fruchtbarkeit des Bodens sicherte man sich aber auf magische Weise,
+indem man ihm das Schauspiel eines menschlichen Geschlechtsverkehres
+zeigte. So pflegen -- ein Beispiel anstatt unendlich vieler -- in
+manchen Teilen Javas zur Zeit des Herannahens der Reisblüte Bauer und
+Bäuerin sich nachts auf die Felder zu begeben, um durch das Beispiel,
+das sie ihm geben, den Reis zur Fruchtbarkeit anzuregen(12). Dagegen
+fürchtete man von verpönten inzestuösen Geschlechtsbeziehungen, daß sie
+Mißwuchs und Unfruchtbarkeit des Bodens erzeugen würden(13).
+
+ (12) The magic art. II, p. 98.
+
+ (13) Davon ein Nachklang im König Oedipus des Sophokles.
+
+Auch gewisse negative Vorschriften -- magische Vorsichten also -- sind
+dieser ersten Gruppe einzureihen. Wenn ein Teil der Bewohner eines
+Dayakdorfes auf Wildschweinjagd ausgezogen ist, so dürfen die
+Zurückgebliebenen unterdes weder Öl noch Wasser mit ihren Händen
+berühren; sonst würden die Jäger weiche Finger bekommen und die Beute
+aus ihren Händen schlüpfen lassen(14). Oder, wenn ein Gilyakjäger im
+Walde dem Wilde nachstellt, so ist es seinen Kindern zu Hause verboten,
+Zeichnungen auf Holz oder im Sand zu machen. Die Pfade im dichten Wald
+könnten sonst so verschlungen werden wie die Linien der Zeichnung, so
+daß der Jäger den Weg nach Hause nicht findet(15).
+
+ (14) The magic art. I, p. 120.
+
+ (15) l. c., p. 122.
+
+Wenn in diesen letzten wie in so vielen anderen Beispielen magischer
+Wirkung die Entfernung keine Rolle spielt, die Telepathie also als
+selbstverständlich hingenommen wird, so wird auch uns das Verständnis
+dieser Eigentümlichkeit der Magie keine Schwierigkeit bereiten.
+
+Es unterliegt keinem Zweifel, was an all diesen Beispielen als das
+Wirksame betrachtet wird. Es ist die _Ähnlichkeit_ zwischen der
+vollzogenen Handlung und dem erwarteten Geschehen. _Frazer_ nennt darum
+diese Art der Magie _imitative_ oder _homöopathische_. Wenn ich will,
+daß es regne, so brauche ich nur etwas zu tun, was wie Regnen aussieht
+oder an Regnen erinnert. In einer weiteren Phase der Kulturentwicklung
+wird man anstatt dieses magischen Regenzaubers Bittgänge zu einem
+Gotteshaus veranstalten und den dort wohnenden Heiligen um Regen
+anflehen. Endlich wird man auch diese religiöse Technik aufgeben und
+dafür versuchen, durch welche Einwirkungen auf die Atmosphäre Regen
+erzeugt werden kann.
+
+In einer anderen Gruppe von magischen Handlungen kommt das Prinzip der
+Ähnlichkeit nicht mehr in Betracht, dafür ein anderes, welches sich aus
+den nachstehenden Beispielen leicht ergeben wird.
+
+Um einem Feinde zu schaden, kann man sich auch eines anderen Verfahrens
+bedienen. Man bemächtigt sich seiner Haare, Nägel, Abfallstoffe oder
+selbst eines Teiles seiner Kleidung und stellt mit diesen Dingen etwas
+Feindseliges an. Es ist dann gerade so, als hätte man sich der Person
+selbst bemächtigt, und was man den von der Person herrührenden Dingen
+angetan hat, muß ihr selbst widerfahren. Zu den wesentlichen
+Bestandteilen einer Persönlichkeit gehört nach der Anschauung der
+Primitiven ihr Name; wenn man also den Namen einer Person oder eines
+Geistes weiß, hat man eine gewisse Macht über den Träger des Namens
+erworben. Daher die merkwürdigen Vorsichten und Beschränkungen im
+Gebrauche der Namen, die in dem Aufsatz über das Tabu gestreift worden
+sind(16). Die Ähnlichkeit wird in diesen Beispielen offenbar ersetzt
+durch _Zusammengehörigkeit_.
+
+ (16) Imago, I, p. 317 und ff.
+
+Der Kannibalismus der Primitiven leitet seine sublimere Motivierung in
+ähnlicher Weise ab. Indem man Teile vom Leib einer Person durch den Akt
+des Verzehrens in sich aufnimmt, eignet man sich auch die Eigenschaften
+an, welche dieser Person angehört haben. Daraus erfolgen dann Vorsichten
+und Beschränkungen der Diät unter besonderen Umständen. Eine Frau wird
+in der Gravidität vermeiden, das Fleisch gewisser Tiere zu genießen,
+weil deren unerwünschte Eigenschaften, z. B. die Feigheit, so auf das
+von ihr genährte Kind übergehen könnten. Es macht für die magische
+Wirkung keinen Unterschied, auch wenn der Zusammenhang ein bereits
+aufgehobener ist, oder wenn er überhaupt nur in einmaliger,
+bedeutungsvoller Berührung bestand. So ist z. B. der Glaube an ein
+magisches Band, welches das Schicksal einer Wunde mit dem der Waffe
+verknüpft, durch welche sie hervorgerufen wurde, unverändert durch
+Jahrtausende zu verfolgen. Wenn ein Melanesier sich des Bogens
+bemächtigt hat, durch den er verwundet wurde, so wird er ihn sorgfältig
+an einem kühlen Ort verwahren, um so die Entzündung der Wunde
+niederzuhalten. Ist der Bogen aber im Besitz der Feinde geblieben, so
+wird er gewiß in nächster Nähe eines Feuers aufgehängt werden, damit die
+Wunde nur ja recht entzündet werde und brenne. _Plinius_ rät in seiner
+Nat. Hist. XXVIII, wenn man bereut, einen anderen verletzt zu haben,
+solle man auf die Hand spucken, welche die Verletzung verschuldet hat;
+der Schmerz des Verletzten werde dann sofort gelindert. _Francis Bacon_
+erwähnt in seiner Natural History den allgemein giltigen Glauben, daß
+das Salben einer Waffe, welche eine Wunde geschlagen hat, diese Wunde
+selbst heilt. Die englischen Bauern sollen noch heute nach diesem Rezept
+handeln, und wenn sie sich mit einer Sichel geschnitten haben, das
+Instrument von da an sorgfältig rein halten, damit die Wunde nicht in
+Eiterung gerate. Im Juni des Jahres 1902, berichtet eine lokale
+englische Wochenschrift, stieß sich eine Frau namens Matilda Henry in
+Norwich zufällig einen eisernen Nagel in die Sohle. Ohne die Wunde
+untersuchen zu lassen oder auch nur den Strumpf auszuziehen, hieß sie
+ihre Tochter den Nagel gut einölen, in der Erwartung, daß ihr dann
+nichts geschehen könne. Sie selbst starb einige Tage später an
+Wundstarrkrampf(17), infolge dieser verschobenen Antisepsis.
+
+ (17) _Frazer_, The magic art. I, p. 201-203.
+
+Die Beispiele der letzteren Gruppe erläutern, was _Frazer_ als
+_kontagiöse_ Magie von der _imitativen_ sondert. Was in ihnen als
+wirksam gedacht wird, ist nicht mehr die Ähnlichkeit, sondern der
+Zusammenhang im Raum, die _Kontiguität_, wenigstens die vorgestellte
+Kontiguität, die Erinnerung an ihr Vorhandensein. Da aber Ähnlichkeit
+und Kontiguität die beiden wesentlichen Prinzipien der Assoziationsvorgänge
+sind, stellt sich als Erklärung für all die Tollheit der
+magischen Vorschriften wirklich die Herrschaft der Ideenassoziation
+heraus. Man sieht, wie zutreffend sich _Tylors_ oben zitierte
+Charakteristik der Magie erweist: mistaking an ideal connexion
+for a real one, oder wie es fast gleichlautend _Frazer_ ausgedrückt hat:
+men mistook the order of their ideas for the order of nature, and hence
+imagined that the control which they have, or seem to have, over their
+thoughts, permitted them to exercise a corresponding control over
+things.(18)
+
+ (18) The magic art. I, p. 420 ff.
+
+Es wird dann zunächst befremdend wirken, daß diese einleuchtende
+Erklärung der Magie von manchen Autoren als unbefriedigend verworfen
+werden konnte(19). Bei näherer Überlegung muß man aber dem Einwand Recht
+geben, daß die Assoziationstheorie der Magie bloß die Wege aufklärt,
+welche die Magie geht, aber nicht deren eigentliches Wesen, nämlich
+nicht das Mißverständnis, welches sie psychologische Gesetze an die
+Stelle natürlicher setzen heißt. Es bedarf hier offenbar eines
+dynamischen Moments, aber während die Suche nach einem solchen die
+Kritiker der _Frazer_schen Lehre in die Irre führt, wird es leicht, eine
+befriedigende Aufklärung der Magie zu geben, wenn man nur die
+Assoziationstheorie derselben weiterführen und vertiefen will.
+
+ (19) Vgl. den Artikel _Magic_ (N. W. T.) in der 11. Auflage der
+ Encyclopedia Britannica.
+
+Betrachten wir zunächst den einfacheren und bedeutsameren Fall der
+imitativen Magie. Nach _Frazer_ kann diese allein geübt werden, während
+die kontagiöse Magie in der Regel die imitative voraussetzt(20). Die
+Motive, welche zur Ausübung der Magie drängen, sind leicht zu erkennen,
+es sind die Wünsche des Menschen. Wir brauchen nun bloß anzunehmen, daß
+der primitive Mensch ein großartiges Zutrauen zur Macht seiner Wünsche
+hat. Im Grund muß all das, was er auf magischem Wege herstellt, doch nur
+darum geschehen, weil er es will. So ist anfänglich bloß sein Wunsch das
+Betonte.
+
+ (20) l. c., p. 54.
+
+Für das Kind, welches sich unter analogen psychischen Bedingungen
+befindet, aber motorisch noch nicht leistungsfähig ist, haben wir an
+anderer Stelle die Annahme vertreten, daß es seine Wünsche zunächst
+wirklich halluzinatorisch befriedigt, indem es die befriedigende
+Situation durch die zentrifugalen Erregungen seiner Sinnesorgane
+herstellen läßt(21). Für den erwachsenen Primitiven ergibt sich ein
+anderer Weg. An seinem Wunsch hängt ein motorischer Impuls, der Wille,
+und dieser -- der später im Dienst der Wunschbefriedigung das Antlitz
+der Erde verändern wird -- wird jetzt dazu verwendet, die Befriedigung
+darzustellen, so daß man sie gleichsam durch motorische Halluzination
+erleben kann. Eine solche _Darstellung_ des befriedigten Wunsches ist
+dem _Spiele_ der Kinder völlig vergleichbar, welches bei diesen die rein
+sensorische Technik der Befriedigung ablöst. Wenn Spiel und imitative
+Darstellung dem Kinde und dem Primitiven genügen, so ist dies nicht ein
+Zeichen von Bescheidenheit in unserem Sinne oder von Resignation infolge
+Erkenntnis ihrer realen Ohnmacht, sondern die wohl verständliche Folge
+der überwiegenden Wertung ihres Wunsches, des von ihm abhängigen Willens
+und der von ihm eingeschlagenen Wege. Mit der Zeit verschiebt sich der
+psychische Akzent von den Motiven der magischen Handlung auf deren
+Mittel, auf die Handlung selbst. Vielleicht sagen wir richtiger, an
+diesen Mitteln erst wird ihm die Überschätzung seiner psychischen Akte
+evident. Nun hat es den Anschein, als wäre es nichts anderes als die
+magische Handlung, die kraft ihrer Ähnlichkeit mit dem Gewünschten
+dessen Geschehen erzwingt. Auf der Stufe des animistischen Denkens gibt
+es noch keine Gelegenheit, den wahren Sachverhalt objektiv zu erweisen,
+wohl aber auf späteren, wenn alle solche Prozeduren noch gepflegt
+werden, aber das psychische Phänomen des Zweifels als Ausdruck einer
+Verdrängungsneigung bereits möglich ist. Dann werden die Menschen
+zugeben, daß die Beschwörungen von Geistern nichts leisten, wenn nicht
+der Glaube an sie dabei ist, und daß auch die Zauberkraft des Gebets
+versagt, wenn keine Frömmigkeit dahinter wirkt(22).
+
+ (21) Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen
+ Geschehens. Jahrb. f. psychoanalyt. Forschungen, III. Bd., 1912, p. 2.
+
+ (22) Der König in »_Hamlet_« (III, 4.): »My words fly up, my thoughts
+ remain below; Words without thoughts never to heaven go«.
+
+Die Möglichkeit einer auf der Kontiguitätsassoziation beruhenden
+kontagiösen Magie wird uns dann zeigen, daß sich die psychische
+Wertschätzung vom Wunsch und vom Willen her auf alle psychischen Akte,
+die dem Willen zu Gebote stehen, ausgedehnt hat. Es besteht also jetzt
+eine allgemeine Überschätzung der seelischen Vorgänge, d. h. eine
+Einstellung zur Welt, welche uns nach unseren Einsichten in die
+Beziehung von Realität und Denken als solche Überschätzung des letzteren
+erscheinen muß. Die Dinge treten gegen deren Vorstellungen zurück; was
+mit den letzteren vorgenommen wird, muß sich auch an den ersteren
+ereignen. Die Relationen, die zwischen den Vorstellungen bestehen,
+werden auch zwischen den Dingen vorausgesetzt. Da das Denken keine
+Entfernungen kennt, das räumlich Entlegenste wie das zeitlich
+Verschiedenste mit Leichtigkeit in einen Bewußtseinsakt zusammenbringt,
+wird auch die magische Welt sich telepathisch über die räumliche Distanz
+hinaussetzen und ehemaligen Zusammenhang wie gegenwärtigen behandeln.
+Das Spiegelbild der Innenwelt muß im animistischen Zeitalter jenes
+andere Weltbild, das wir zu erkennen glauben, unsichtbar machen.
+
+Heben wir übrigens hervor, daß die beiden Prinzipien der Assoziation --
+Ähnlichkeit und Kontiguität -- in der höheren Einheit der _Berührung_
+zusammentreffen. Kontiguitätsassoziation ist Berührung im direkten,
+Ähnlichkeitsassoziation solche im übertragenen Sinne. Eine von uns noch
+nicht erfaßte Identität im psychischen Vorgang wird wohl durch den
+Gebrauch des nämlichen Wortes für beide Arten der Verknüpfung verbürgt.
+Es ist derselbe Umfang des Begriffes Berührung, der sich bei der Analyse
+des Tabu herausstellte(23).
+
+ (23) Vgl. die vorige Abhandlung dieser Reihe, Imago, I.
+
+Zusammenfassend können wir nun sagen: das Prinzip, welches die Magie,
+die Technik der animistischen Denkweise regiert, ist das der »Allmacht
+der Gedanken«.
+
+
+
+
+3.
+
+
+Die Bezeichnung »Allmacht der Gedanken« habe ich von einem
+hochintelligenten, an Zwangsvorstellungen leidenden Manne angenommen,
+dem es nach seiner Herstellung durch psychoanalytische Behandlung
+möglich geworden ist, auch seine Tüchtigkeit und Verständigkeit zu
+erweisen(24). Er hatte sich dieses Wort geprägt zur Begründung aller
+jener sonderbaren und unheimlichen Geschehnisse, die ihn wie andere mit
+seinem Leiden Behaftete zu verfolgen schienen. Dachte er eben an eine
+Person, so kam sie ihm auch schon entgegen, als ob er sie beschworen
+hätte; erkundigte er sich plötzlich nach dem Befinden eines lange
+vermißten Bekannten, so mußte er hören, daß dieser eben gestorben sei,
+so daß er glauben konnte, er habe sich ihm telepathisch bemerkbar
+gemacht; stieß er gegen einen Fremden eine nicht einmal ganz ernst
+gemeinte Verwünschung aus, so durfte er erwarten, daß dieser bald darauf
+starb und ihn mit der Verantwortlichkeit für sein Ableben belastete. Von
+den meisten dieser Fälle konnte er mir im Laufe der Behandlung selbst
+mitteilen, wie der täuschende Anschein entstanden war, und was er selbst
+an Veranstaltungen hinzugetan hatte, um sich in seinen abergläubischen
+Erwartungen zu bestärken(25). Alle Zwangskranken sind in solcher Weise,
+meist gegen ihre bessere Einsicht, abergläubisch.
+
+ (24) Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose, Jahrb. f.
+ psychoanalyt. u. psychopath. Forschungen, I. Bd., 1909.
+
+ (25) Es scheint, daß wir den Charakter des »Unheimlichen« solchen
+ Eindrücken verleihen, welche die Allmacht der Gedanken und die
+ animistische Denkweise überhaupt bestätigen wollen, während wir uns
+ bereits im Urteil von ihr abgewendet haben.
+
+Der Fortbestand der Allmacht der Gedanken tritt uns bei der
+Zwangsneurose am deutlichsten entgegen, die Ergebnisse dieser primitiven
+Denkweise sind hier dem Bewußtsein am nächsten. Wir müssen uns aber
+davor hüten, darin einen auszeichnenden Charakter dieser Neurose zu
+erblicken, denn die analytische Untersuchung deckt das nämliche bei den
+anderen Neurosen auf. Bei ihnen allen ist nicht die Realität des
+Erlebens, sondern die des Denkens für die Symptombildung maßgebend. Die
+Neurotiker leben in einer besonderen Welt, in welcher, wie ich es an
+anderer Stelle ausgedrückt habe, nur die »neurotische Währung« gilt,
+d. h. nur das intensiv Gedachte, mit Affekt Vorgestellte ist bei ihnen
+wirksam, dessen Übereinstimmung mit der äußeren Realität aber
+nebensächlich. Der Hysteriker wiederholt in seinen Anfällen und fixiert
+durch seine Symptome Erlebnisse, die sich nur in seiner Phantasie so
+zugetragen haben, allerdings in letzter Auflösung auf wirkliche
+Ereignisse zurückgehen oder aus solchen aufgebaut worden sind. Das
+Schuldbewußtsein der Neurotiker würde man ebenso schlecht verstehen,
+wenn man es als unberechtigt abweisen, wie wenn man es auf reale
+Missetaten zurückführen wollte. Ein Zwangsneurotiker kann von einem
+Schuldbewußtsein gedrückt sein, das einem Massenmörder wohl anstünde; er
+wird sich dabei gegen seine Mitmenschen als der rücksichtsvollste und
+skrupulöseste Genosse benehmen und seit seiner Kindheit so benommen
+haben. Doch ist sein Schuldgefühl begründet; es fußt auf den intensiven
+und häufigen Todeswünschen, die sich in ihm unbewußt gegen seine
+Mitmenschen regen. Es ist begründet, insoferne unbewußte Gedanken und
+nicht absichtliche Taten in Betracht kommen. So erweist sich die
+Allmacht der Gedanken, die Überschätzung der seelischen Vorgänge gegen
+die Realität, als unbeschränkt wirksam im Affektleben des Neurotikers
+und in allen von diesem ausgehenden Folgen. Unterzieht man ihn aber der
+psychoanalytischen Behandlung, welche das bei ihm Unbewußte bewußt
+macht, so wird er nicht glauben können, daß Gedanken frei sind, und wird
+sich jedesmal fürchten, böse Wünsche zu äußern, als ob sie infolge
+dieser Äußerung in Erfüllung gehen müßten. Durch dieses Verhalten wie
+durch seinen im Leben betätigten Aberglauben zeigt er uns aber, wie nahe
+er dem Wilden steht, der durch seine bloßen Gedanken die Außenwelt zu
+verändern meint.
+
+Die primären Zwangshandlungen dieser Neurotiker sind eigentlich durchaus
+magischer Natur. Sie sind, wenn nicht Zauber, so doch Gegenzauber, zur
+Abwehr der Unheilserwartungen bestimmt, mit denen die Neurose zu
+beginnen pflegt. So oft ich das Geheimnis zu durchdringen vermochte,
+zeigte es sich, daß diese Unheilserwartung den Tod zum Inhalt hatte. Das
+Todesproblem steht nach _Schopenhauer_ am Eingang jeder Philosophie; wir
+haben gehört, daß auch die Bildung der Seelenvorstellungen und des
+Dämonenglaubens, die den Animismus kennzeichnen, auf den Eindruck
+zurückgeführt wird, den der Tod auf den Menschen macht. Ob diese ersten
+Zwangs- oder Schutzhandlungen dem Prinzip der Ähnlichkeit, respektive
+des Kontrastes folgen, ist schwer zu beurteilen, denn sie werden unter
+den Bedingungen der Neurose gewöhnlich durch die Verschiebung auf
+irgendein Kleinstes, eine an sich höchst geringfügige Aktion
+entstellt(26). Auch die Schutzformeln der Zwangsneurose finden ihr
+Gegenstück in den Zauberformeln der Magie. Die Entwicklungsgeschichte
+der Zwangshandlungen kann man aber beschreiben, indem man hervorhebt,
+wie sie, vom Sexuellen möglichst weit entfernt, als Zauber gegen böse
+Wünsche beginnen, um als Ersatz für verbotenes sexuelles Tun, das sie
+möglichst getreu nachahmen, zu enden.
+
+ (26) Ein weiteres Motiv für diese Verschiebung auf eine kleinste
+ Aktion wird sich aus den nachstehenden Erörterungen ergeben.
+
+ * * * * *
+
+Wenn wir die vorhin erwähnte Entwicklungsgeschichte der menschlichen
+Weltanschauungen annehmen, in welcher die _animistische_ Phase von der
+_religiösen_, diese von der _wissenschaftlichen_ abgelöst wird, wird es
+uns nicht schwer, die Schicksale der »Allmacht der Gedanken« durch diese
+Phasen zu verfolgen. Im animistischen Stadium schreibt der Mensch sich
+selbst die Allmacht zu; im religiösen hat er sie den Göttern abgetreten,
+aber nicht ernstlich auf sie verzichtet, denn er behält sich vor, die
+Götter durch mannigfache Beeinflussungen nach seinen Wünschen zu lenken.
+In der wissenschaftlichen Weltanschauung ist kein Raum mehr für die
+Allmacht des Menschen, er hat sich zu seiner Kleinheit bekannt und sich
+resigniert dem Tode wie allen anderen Naturnotwendigkeiten unterworfen.
+Aber in dem Vertrauen auf die Macht des Menschengeistes, welcher mit den
+Gesetzen der Wirklichkeit rechnet, lebt ein Stück des primitiven
+Allmachtglaubens weiter.
+
+ * * * * *
+
+Bei der Rückverfolgung der Entwicklung libidinöser Strebungen im
+Einzelmenschen, von ihrer Gestaltung in der Reife bis zu den ersten
+Anfängen der Kindheit, hat sich zunächst eine wichtige Unterscheidung
+ergeben, die in den »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie 1905«
+niedergelegt ist. Die Äußerungen der sexuellen Triebe sind von Anfang an
+zu erkennen, aber sie richten sich zuerst noch auf kein äußeres Objekt.
+Die einzelnen Triebkomponenten der Sexualität arbeiten jede für sich auf
+Lustgewinn und finden ihre Befriedigung am eigenen Körper. Dies Stadium
+heißt das des _Autoerotismus_, es wird von dem der _Objektwahl_
+abgelöst.
+
+Es hat sich bei weiterem Studium als zweckmäßig, ja als unabweisbar
+gezeigt, zwischen diese beiden Stadien ein drittes einzuschieben, oder,
+wenn man so will, das erste Stadium des Autoerotismus in zwei zu
+zerlegen. In diesem Zwischenstadium, dessen Bedeutsamkeit sich der
+Forschung immer mehr aufdrängt, haben die vorher vereinzelten
+Sexualtriebe sich bereits zu einer Einheit zusammengesetzt und auch ein
+Objekt gefunden; dies Objekt ist aber kein äußeres, dem Individuum
+fremdes, sondern es ist das eigene, um diese Zeit konstituierte Ich. Mit
+Rücksicht auf später zu beobachtende pathologische Fixierungen dieses
+Zustandes heißen wir das neue Stadium das des _Narzißmus_. Die Person
+verhält sich so, als wäre sie in sich selbst verliebt, die Ichtriebe und
+die libidinösen Wünsche sind für unsere Analyse noch nicht voneinander
+zu sondern.
+
+Wenngleich uns eine genügend scharfe Charakteristik dieses narzißtischen
+Stadiums, in welchem die bisher dissoziierten Sexualtriebe zu einer
+Einheit zusammentreten und das Ich als Objekt besetzen, noch nicht
+möglich ist, so ahnen wir doch bereits, daß die narzißtische
+Organisation nie mehr völlig aufgegeben wird. Der Mensch bleibt in
+gewissem Maße narzißtisch, auch nachdem er äußere Objekte für seine
+Libido gefunden hat; die Objektbesetzungen, die er vornimmt, sind
+gleichsam Emanationen der beim Ich verbleibenden Libido und können
+wieder in dieselbe zurückgezogen werden. Die psychologisch so
+merkwürdigen Zustände von Verliebtheit, die Normalvorbilder der
+Psychosen, entsprechen dem höchsten Stande dieser Emanationen im
+Vergleich zum Niveau der Ichliebe.
+
+Es liegt nun nahe, die von uns aufgefundene Hochschätzung der
+psychischen Aktionen -- die wir von unserem Standpunkt aus eine
+Überschätzung heißen -- bei den Primitiven und Neurotikern in Beziehung
+zum Narzißmus zu bringen und sie als wesentliches Teilstück desselben
+aufzufassen. Wir würden sagen, das Denken ist bei den Primitiven noch in
+hohem Maße sexualisiert, daher rührt der Glaube an die Allmacht der
+Gedanken, die unerschütterliche Zuversicht auf die Möglichkeit der
+Weltbeherrschung und die Unzugänglichkeit gegen die leicht zu machenden
+Erfahrungen, welche den Menschen über seine wirkliche Stellung in der
+Welt belehren könnten. Bei den Neurotikern ist einerseits ein
+beträchtliches Stück dieser primitiven Einstellung konstitutionell
+verblieben, anderseits wird durch die bei ihnen eingetretene
+Sexualverdrängung eine neuerliche Sexualisierung der Denkvorgänge
+herbeigeführt. Die psychischen Folgen müssen in beiden Fällen dieselben
+sein, bei ursprünglicher, wie bei regressiv erzielter libidinöser
+Überbesetzung des Denkens: intellektueller Narzißmus, Allmacht der
+Gedanken(27).
+
+ (27) It is almost an axiom with writers on this subject, that a sort
+ of Solipsism or Berkleianism (as Professor _Sully_ terms it as he
+ finds it in the Child) operates in the savage to make him refuse to
+ recognise death as a fact. -- _Marett_, Pre-animistic religion,
+ Folklore, XI. Bd., 1900, p. 178.
+
+Wenn wir im Nachweis der Allmacht der Gedanken bei den Primitiven ein
+Zeugnis für deren Narzißmus erblicken dürfen, so können wir den Versuch
+wagen, die Entwicklungsstufen der menschlichen Weltanschauung mit den
+Stadien der libidinösen Entwicklung des Einzelnen in Vergleich zu
+ziehen. Es entspricht dann zeitlich wie inhaltlich die animistische
+Phase dem Narzißmus, die religiöse Phase jener Stufe der Objektfindung,
+welche durch die Bindung an die Eltern charakterisiert ist, und die
+wissenschaftliche Phase hat ihr volles Gegenstück in jenem Reifezustand
+des Individuums, welcher auf das Lustprinzip verzichtet hat und unter
+Anpassung an die Realität sein Objekt in der Außenwelt sucht(28).
+
+ (28) Es soll hier nur angedeutet werden, daß der ursprüngliche
+ Narzißmus des Kindes maßgebend für die Auffassung seiner
+ Charakterentwicklung ist und die Annahme eines primitiven
+ Minderwertigkeitsgefühles bei demselben ausschließt.
+
+Nur auf einem Gebiete ist auch in unserer Kultur die »Allmacht der
+Gedanken« erhalten geblieben, auf dem der Kunst. In der Kunst allein
+kommt es noch vor, daß ein von Wünschen verzehrter Mensch etwas der
+Befriedigung ähnliches macht, und daß dieses Spielen -- dank der
+künstlerischen Illusion -- Affektwirkungen hervorruft, als wäre es etwas
+Reales. Mit Recht spricht man vom Zauber der Kunst und vergleicht den
+Künstler mit einem Zauberer. Aber dieser Vergleich ist vielleicht
+bedeutsamer, als er zu sein beansprucht. Die Kunst, die gewiß nicht als
+l'art pour l'art begonnen hat, stand ursprünglich im Dienste von
+Tendenzen, die heute zum großen Teile erloschen sind. Unter diesen
+lassen sich mancherlei magische Absichten vermuten(29).
+
+ (29) S. _Reinach_, L'art et la magie in der Sammlung Cultes, Mythes et
+ Religions, I. Bd., p. 125 bis 136. -- _Reinach_ meint, die primitiven
+ Künstler, welche uns die eingeritzten oder aufgemalten Tierbilder in
+ den Höhlen Frankreichs hinterlassen haben, wollten nicht »Gefallen
+ erregen«, sondern »beschwören«. Er erklärt es so, daß sich diese
+ Zeichnungen an den dunkelsten und unzugänglichsten Stellen der Höhlen
+ befinden, und daß die Darstellungen der gefürchteten Raubtiere unter
+ ihnen fehlen. »Les modernes parlent souvent, par hyperbole, de la
+ magie du pinceau ou du ciseau d'un grand artiste et, en général, de la
+ magie de l'art. Entendu au sens propre, qui est celui d'une contrainte
+ mystique exercée par la volonté de l'homme sur d'autres volontés ou
+ sur les choses, cette expression n'est plus admissible; mais nous
+ avons vu qu'elle était autrefois rigoureusement vraie, du moins dans
+ l'opinion des artistes« (p. 136).
+
+
+
+
+4.
+
+
+Die erste Weltauffassung, welche den Menschen gelang, die des Animismus,
+war also eine psychologische. Sie bedurfte noch keiner Wissenschaft zu
+ihrer Begründung, denn Wissenschaft setzt erst ein, wenn man eingesehen
+hat, daß man die Welt nicht kennt und darum nach Wegen suchen muß, um
+sie kennen zu lernen. Der Animismus war aber dem primitiven Menschen
+natürlich und selbstgewiß; er wußte, wie die Dinge der Welt sind,
+nämlich so wie der Mensch sich selbst verspürte. Wir sind also
+vorbereitet darauf, zu finden, daß der primitive Mensch
+Strukturverhältnisse seiner eigenen Psyche in die Außenwelt
+verlegte(30), und dürfen anderseits den Versuch machen, was der
+Animismus von der Natur der Dinge lehrt, in die menschliche Seele
+zurückzuversetzen.
+
+ (30) Durch sogenannte endopsychische Wahrnehmung erkannte.
+
+Die Technik des Animismus, die Magie, zeigt uns am deutlichsten und
+unvermengtesten die Absicht, den realen Dingen die Gesetze des
+Seelenlebens aufzuzwingen, wobei Geister noch keine Rolle spielen
+müssen, während auch Geister zu Objekten magischer Behandlung genommen
+werden können. Die Voraussetzungen der Magie sind also ursprünglicher
+und älter als die Geisterlehre, die den Kern des Animismus bildet.
+Unsere psychoanalytische Betrachtung trifft hier mit einer Lehre von
+R. R. _Marett_ zusammen, welche ein _präanimistisches_ Stadium dem
+Animismus vorhergehen läßt, dessen Charakter am besten durch den Namen
+_Animatismus_ (Lehre von der allgemeinen Belebtheit) angedeutet wird. Es
+ist wenig mehr aus der Erfahrung über den Präanimismus zu sagen, da man
+noch kein Volk angetroffen hat, welches der Geistervorstellungen
+entbehrte(31).
+
+ (31) R. R. _Marett_, Pre-animistic religion, Folklore, XI. Bd., Nr. 2,
+ London 1900. -- Vgl. _Wundt_, Mythus und Religion, II. Bd., p. 171
+ und ff.
+
+Während die Magie noch alle Allmacht den Gedanken vorbehält, hat der
+Animismus einen Teil dieser Allmacht den Geistern abgetreten und damit
+den Weg zur Bildung einer Religion eingeschlagen. Was soll nun den
+Primitiven zu dieser ersten Verzichtleistung bewogen haben? Kaum die
+Einsicht in die Unrichtigkeit seiner Voraussetzungen, denn er behält ja
+die magische Technik bei.
+
+Die Geister und Dämonen sind, wie an anderer Stelle angedeutet
+wurde(32), nichts als die Projektionen seiner Gefühlsregungen(33); er
+macht seine Affektbesetzungen zu Personen, bevölkert mit ihnen die Welt,
+und findet nun seine inneren seelischen Vorgänge außer seiner wieder,
+ganz ähnlich wie der geistreiche Paranoiker _Schreber_, der die
+Bindungen und Lösungen seiner Libido in den Schicksalen der von ihm
+kombinierten »Gottesstrahlen« gespiegelt fand(34).
+
+ (32) Imago, I. Bd., Tabu, p. 324.
+
+ (33) Wir nehmen an, daß in diesem frühen narzißtischen Stadium
+ Besetzungen aus libidinöser und anderen Erregungsquellen vielleicht
+ noch ununterscheidbar miteinander vereinigt sind.
+
+ (34) _Schreber_, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken. 1903. --
+ _Freud_, Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch
+ beschriebenen Fall von Paranoia, Jahrb. f. psychoanalyt. Forsch.,
+ III. Bd., 1911.
+
+Wir wollen hier wie bei einem früheren Anlasse(35) dem Problem
+ausweichen, woher die Neigung überhaupt rührt, seelische Vorgänge nach
+außen zu projizieren. Der einen Annahme dürfen wir uns aber getrauen,
+daß diese Neigung dort eine Verstärkung erfährt, wo die Projektion den
+Vorteil einer psychischen Erleichterung mit sich bringt. Ein solcher
+Vorteil ist mit Bestimmtheit zu erwarten, wenn die nach Allmacht
+strebenden Regungen in Konflikt miteinander geraten sind, dann können
+sie offenbar nicht alle allmächtig werden. Der Krankheitsprozeß der
+Paranoia bedient sich tatsächlich des Mechanismus der Projektion, um
+solche im Seelenleben entstandene Konflikte zu erledigen. Nun ist der
+vorbildliche Fall eines solchen Konfliktes der zwischen den beiden
+Gliedern eines Gegensatzpaares, der Fall der ambivalenten Einstellung,
+den wir in der Situation des Trauernden beim Tode eines teuern
+Angehörigen eingehend zergliedert haben(36). Ein solcher Fall wird uns
+besonders geeignet scheinen, die Schöpfung von Projektionsgebilden zu
+motivieren. Wir treffen hier wiederum mit Meinungen der Autoren
+zusammen, welche die bösen Geister für die erstgeborenen unter den
+Geistern erklären und die Entstehung der Seelenvorstellungen aus dem
+Eindruck des Todes auf die Überlebenden ableiten. Wir machen nur den
+einen Unterschied, daß wir nicht das intellektuelle Problem
+voranstellen, welches der Tod dem Lebenden aufgibt, sondern die zur
+Erforschung treibende Kraft in den Gefühlskonflikt verlegen, in welchen
+diese Situation den Überlebenden stürzt.
+
+ (35) Vgl. die letztzitierte Abhandlung über _Schreber_, p. 59.
+
+ (36) Abhandlung über das Tabu, Imago, I. Bd., p. 322 und ff.
+
+Die erste theoretische Leistung des Menschen -- die Schöpfung der
+Geister -- würde also aus derselben Quelle entspringen wie die ersten
+sittlichen Beschränkungen, denen er sich unterwirft, die
+Tabuvorschriften. Doch soll die Gleichheit des Ursprungs nichts für die
+Gleichzeitigkeit der Entstehung präjudizieren. Wenn es wirklich die
+Situation des Überlebenden gegen den Toten war, die den primitiven
+Menschen zuerst nachdenklich machte, ihn nötigte, einen Teil seiner
+Allmacht an die Geister abzugeben und ein Stück der freien Willkür
+seines Handelns zu opfern, so wären diese Kulturschöpfungen eine erste
+Anerkennung der ~Anankê~, die sich dem menschlichen Narzißmus
+widersetzt. Der Primitive würde sich vor der Übermacht des Todes beugen
+mit derselben Geste, durch die er diesen zu verleugnen scheint.
+
+Wenn wir den Mut zur weiteren Ausbeutung unserer Voraussetzungen haben,
+können wir fragen, welches wesentliche Stück unserer psychologischen
+Struktur in der Projektionsschöpfung der Seelen und Geister seine
+Spiegelung und Wiederkehr findet. Es ist dann schwer zu bestreiten, daß
+die primitive Seelenvorstellung, soweit sie auch noch von der späteren
+völlig immateriellen Seele absteht, doch das Wesen derselben teilt, also
+Person oder Ding als eine Zweiheit auffaßt, auf deren beide Bestandteile
+die bekannten Eigenschaften und Veränderungen des Ganzen verteilt sind.
+Diese ursprüngliche Dualität -- nach einem Ausdruck von H. _Spencer_(37)
+-- ist bereits identisch mit jenem Dualismus, der sich in der uns
+geläufigen Trennung von Geist und Körper kundgibt, und dessen
+unzerstörbare sprachliche Äußerungen wir z. B. in der Beschreibung des
+Ohnmächtigen oder Rasenden: _er sei nicht bei sich_, erkennen(38).
+
+ (37) Im I. Band der »Prinzipien der Soziologie«.
+
+ (38) H. _Spencer_, l. c., p. 179.
+
+Was wir so, ganz ähnlich wie der Primitive, in die äußere Realität
+projizieren, kann kaum etwas anderes sein als die Erkenntnis eines
+Zustandes, in dem ein Ding den Sinnen und dem Bewußtsein gegeben,
+_präsent_ ist, neben welchem ein anderer besteht, in dem dasselbe
+_latent_ ist, aber wiedererscheinen kann, also die Koëxistenz von
+Wahrnehmen und Erinnern, oder, ins Allgemeine ausgedehnt, die Existenz
+_unbewußter_ Seelenvorgänge neben den _bewußten_(39). Man könnte sagen,
+der »Geist« einer Person oder eines Dinges reduziere sich in letzter
+Analyse auf deren Fähigkeit erinnert und vorgestellt zu werden, wenn sie
+der Wahrnehmung entzogen sind.
+
+ (39) Vgl. meine kleine Schrift: A note on the Unconscious in
+ Psycho-Analysis aus den Proceedings of the Society for Psychical
+ Research, Part LXVI, vol. XXVI, London 1912.
+
+Man wird nun freilich weder von der primitiven, noch von der heutigen
+Vorstellung der »Seele« erwarten dürfen, daß ihre Abgrenzung vom anderen
+Teile die Linien einhalte, welche unsere heutige Wissenschaft zwischen
+der bewußten und der unbewußten Seelentätigkeit zieht. Die animistische
+Seele vereinigt vielmehr Bestimmungen von beiden Seiten in sich. Ihre
+Flüchtigkeit und Beweglichkeit, ihre Fähigkeit, den Körper zu verlassen,
+dauernd oder vorübergehend von einem anderen Leib Besitz zu nehmen, dies
+sind Charaktere, die unverkennbar an das Wesen des Bewußtseins erinnern.
+Aber die Art, wie sie sich hinter der persönlichen Erscheinung verborgen
+hält, mahnt an das Unbewußte; die Unveränderlichkeit und
+Unzerstörbarkeit schreiben wir heute nicht mehr den bewußten, sondern
+den unbewußten Vorgängen zu, und diese betrachten wir auch als die
+eigentlichen Träger der seelischen Tätigkeit.
+
+ * * * * *
+
+Wir sagten vorhin, der Animismus sei ein Denksystem, die erste
+vollständige Theorie der Welt, und wollen nun aus der psychoanalytischen
+Auffassung eines solchen Systems gewisse Folgerungen ableiten. Die
+Erfahrung jedes unserer Tage kann uns die Haupteigenschaften des
+»Systems« immer von neuem vorführen. Wir träumen in der Nacht und haben
+es erlernt, am Tage den Traum zu deuten. Der Traum kann, ohne seine
+Natur zu verleugnen, wirr und zusammenhangslos erscheinen, er kann aber
+auch im Gegenteil die Ordnung der Eindrücke eines Erlebnisses nachahmen,
+eine Begebenheit aus der anderen ableiten und ein Stück seines Inhaltes
+auf ein anderes beziehen. Dies scheint ihm besser oder schlechter
+gelungen zu sein, fast niemals gelingt es so vollkommen, daß nicht
+irgendwo eine Absurdität, ein Riß im Gefüge zum Vorschein käme. Wenn wir
+den Traum der Deutung unterziehen, erfahren wir, daß diese inkonstante
+und ungleichmäßige Anordnung der Traumbestandteile auch etwas für das
+Verständnis des Traumes recht Unwichtiges ist. Das Wesentliche am Traum
+sind die Traumgedanken, die allerdings sinnreich, zusammenhängend und
+geordnet sind. Aber deren Ordnung ist eine ganz andere als die von uns
+am manifesten Trauminhalt erinnerte. Der Zusammenhang der Traumgedanken
+ist aufgegeben worden und kann dann entweder überhaupt verloren bleiben
+oder durch den neuen Zusammenhang des Trauminhalts ersetzt werden. Fast
+regelmäßig hat, außer der Verdichtung der Traumelemente, eine Umordnung
+derselben stattgefunden, die von der früheren Anordnung mehr oder
+weniger unabhängig ist. Wir sagen abschließend, das, was durch die
+Traumarbeit aus dem Material der Traumgedanken geworden ist, hat eine
+neue Beeinflussung erfahren, die sogenannte »_sekundäre Bearbeitung_«,
+deren Absicht offenbar dahingeht, die aus der Traumarbeit resultierende
+Zusammenhangslosigkeit und Unverständlichkeit zugunsten eines neuen
+»Sinnes« zu beseitigen. Dieser neue, durch die sekundäre Bearbeitung
+erzielte Sinn ist nicht mehr der Sinn der Traumgedanken.
+
+Die sekundäre Bearbeitung des Produktes der Traumarbeit ist ein
+vortreffliches Beispiel für das Wesen und die Ansprüche eines Systems.
+Eine intellektuelle Funktion in uns fordert Vereinheitlichung,
+Zusammenhang und Verständlichkeit von jedem Material der Wahrnehmung
+oder des Denkens, dessen sie sich bemächtigt, und scheut sich nicht
+einen unrichtigen Zusammenhang herzustellen, wenn sie infolge besonderer
+Umstände den richtigen nicht erfassen kann. Wir kennen solche
+Systembildungen nicht nur vom Traume, sondern auch von den Phobien, dem
+Zwangsdenken und den Formen des Wahnes. Bei den Wahnerkrankungen (der
+Paranoia) ist die Systembildung das Sinnfälligste, sie beherrscht das
+Krankheitsbild, sie darf aber auch bei den anderen Formen von
+Neuropsychosen nicht übersehen werden. In allen Fällen können wir dann
+nachweisen, daß eine _Umordnung_ des psychischen Materials zu einem
+neuen Ziel stattgefunden hat, oft eine im Grunde recht gewaltsame, wenn
+sie nur unter dem Gesichtspunkt des Systems begreiflich erscheint. Es
+wird dann zum besten Kennzeichen der Systembildung, daß jedes der
+Ergebnisse desselben mindestens zwei Motivierungen aufdecken läßt, eine
+Motivierung aus den Voraussetzungen des Systems -- also eventuell eine
+wahnhafte -- und eine versteckte, die wir aber als die eigentlich
+wirksame, reale, anerkennen müssen.
+
+Zur Erläuterung ein Beispiel aus der Neurose: In der Abhandlung über das
+Tabu erwähnte ich eine Kranke, deren Zwangsverbote die schönsten
+Übereinstimmungen mit dem Tabu der Maori zeigen(40). Die Neurose dieser
+Frau ist auf ihren Mann gerichtet; sie gipfelt in der Abwehr des
+unbewußten Wunsches nach seinem Tod. Ihre manifeste, systematische
+Phobie gilt aber der Erwähnung des Todes überhaupt, wobei ihr Mann
+völlig ausgeschaltet ist und niemals Gegenstand bewußter Sorge wird.
+Eines Tages hört sie den Mann den Auftrag erteilen, seine stumpf
+gewordenen Rasiermesser sollen in einen bestimmten Laden zum Schleifen
+gebracht werden. Von einer eigentümlichen Unruhe getrieben, macht sie
+sich selbst auf den Weg nach diesem Laden und fordert nach ihrer
+Rückkehr von dieser Rekognoszierung von ihrem Manne, er müsse diese
+Messer für alle Zeiten aus dem Wege räumen, denn sie habe entdeckt, daß
+neben dem von ihm genannten Laden sich eine Niederlage von Särgen,
+Trauerwaren u. dgl. befindet. Die Messer seien durch seine Absicht in
+eine unlösbare Verbindung mit dem Gedanken an den Tod geraten. Dies ist
+nun die systematische Motivierung des Verbots. Wir dürfen sicher sein,
+daß die Kranke auch ohne die Entdeckung jener Nachbarschaft das Verbot
+der Rasiermesser nach Hause gebracht hätte. Denn es hätte dazu
+hingereicht, daß sie auf dem Wege nach dem Laden einem Leichenwagen,
+einer Person in Trauerkleidung oder einer Trägerin eines Leichenkranzes
+begegnete. Das Netz der Bedingungen war weit genug ausgespannt, um die
+Beute in jedem Falle zu fangen; es lag dann an ihr, ob sie es zuziehen
+wollte oder nicht. Man konnte mit Sicherheit feststellen, daß sie für
+andere Fälle die Bedingungen des Verbots nicht aktivierte. Dann hieß es
+eben, es sei ein »besserer Tag« gewesen. Die wirkliche Ursache des
+Verbots der Rasiermesser war natürlich, wie wir mit Leichtigkeit
+erraten, ihr Sträuben gegen eine Lustbetonung der Vorstellung, der Mann
+könne sich mit dem geschärften Rasiermesser den Hals abschneiden.
+
+ (40) Imago, Bd. I, p. 221.
+
+In ganz ähnlicher Weise vervollständigt und detailliert sich eine
+Gehhemmung, eine Abasie oder Agoraphobie, wenn es diesem Symptom einmal
+gelungen ist, sich zur Vertretung eines unbewußten Wunsches oder der
+Abwehr gegen denselben aufzuschwingen. Was sonst noch an unbewußten
+Phantasien und an wirksamen Reminiszenzen in dem Kranken vorhanden ist,
+drängt diesem einmal eröffneten Ausweg zum symptomatischen Ausdruck zu
+und bringt sich in zweckmäßiger Neuordnung im Rahmen der Gehstörung
+unter. Es wäre also ein vergebliches, eigentlich ein törichtes Beginnen,
+wenn man das symptomatische Gefüge und die Einzelheiten, z. B. einer
+Agoraphobie aus der Grundvoraussetzung derselben verstehen wollte. Alle
+Konsequenz und Strenge des Zusammenhanges ist doch nur scheinbar.
+Schärfere Beobachtung kann, wie bei der Fassadenbildung des Traumes, die
+ärgsten Inkonsequenzen und Willkürlichkeiten der Symptombildung
+aufdecken. Die Einzelheiten einer solchen systematischen Phobie
+entnehmen ihre reale Motivierung versteckten Determinanten, die mit der
+Gehhemmung nichts zu tun haben müssen, und darum fallen auch die
+Gestaltungen einer solchen Phobie bei verschiedenen Personen so
+mannigfaltig und so widersprechend aus.
+
+ * * * * *
+
+Suchen wir nun den Rückweg zu dem uns beschäftigenden System des
+Animismus, so schließen wir aus unseren Einsichten über andere
+psychologische Systeme, daß die Motivierung einer einzelnen Sitte oder
+Vorschrift durch den »Aberglauben« auch bei den Primitiven nicht die
+einzige und die eigentliche Motivierung zu sein braucht und uns der
+Verpflichtung nicht überhebt, nach den versteckten Motiven derselben zu
+suchen. Unter der Herrschaft eines animistischen Systems ist es nicht
+anders möglich, als daß jede Vorschrift und jede Tätigkeit eine
+systematische Begründung erhalte, welche wir heute eine »abergläubische«
+heißen. »Aberglaube« ist wie »Angst«, wie »Traum«, wie »Dämon«, eine der
+psychologischen Vorläufigkeiten, die vor der psychoanalytischen
+Forschung zergangen sind. Kommt man hinter diese, die Erkenntnis wie
+Wandschirme abwehrenden Konstruktionen, so ahnt man, daß dem Seelenleben
+und der Kulturhöhe der Wilden ein Stück verdienter Würdigung bisher
+vorenthalten wurde.
+
+Betrachtet man die Triebverdrängung als ein Maß des erreichten
+Kulturniveaus, so muß man zugestehen, daß auch unter dem animistischen
+System Fortschritte und Entwicklungen vorgefallen sind, die man mit
+Unrecht ihrer abergläubischen Motivierung wegen geringe schätzt. Wenn
+wir hören, daß Krieger eines wilden Volksstammes sich die größte
+Keuschheit und Reinlichkeit auferlegen, sobald sie sich auf den
+Kriegspfad begeben(41), so wird uns die Erklärung nahegelegt, daß sie
+ihren Unrat beseitigen, damit sich der Feind dieses Teiles ihrer Person
+nicht bemächtige, um ihnen auf magische Weise zu schaden, und für ihre
+Enthaltsamkeit sollen wir analoge abergläubische Motivierungen vermuten.
+Nichtsdestoweniger bleibt die Tatsache des Triebverzichtes bestehen, und
+wir verstehen den Fall wohl besser, wenn wir annehmen, daß der wilde
+Krieger sich solche Beschränkungen zur Ausgleichung auferlegt, weil er
+im Begriffe steht, sich die sonst untersagte Befriedigung grausamer und
+feindseliger Regungen im vollen Ausmaße zu gestatten. Dasselbe gilt für
+die zahlreichen Fälle von sexueller Beschränkung, solange man mit
+schwierigen oder verantwortlichen Arbeiten beschäftigt ist(42). Mag sich
+die Begründung dieser Verbote immerhin auf einen magischen Zusammenhang
+berufen, die fundamentale Vorstellung, durch Verzicht auf
+Triebbefriedigung größere Kraft zu gewinnen, bleibt doch unverkennbar,
+und die hygienische Wurzel des Verbots ist neben der magischen
+Rationalisierung derselben nicht zu vernachlässigen. Wenn die Männer
+eines wilden Volksstammes zur Jagd, zum Fischfang, zum Krieg, zum
+Einsammeln kostbarer Pflanzenstoffe ausgezogen sind, so bleiben ihre
+Frauen unterdes im Hause zahlreichen drückenden Beschränkungen
+unterworfen, denen von den Wilden selbst eine in die Ferne reichende,
+sympathetische Wirkung auf das Gelingen der Expedition zugeschrieben
+wird. Doch gehört wenig Scharfsinn dazu, um zu erraten, daß jenes in die
+Ferne wirkende Moment kein anderes als das Heimwärtsdenken, die
+Sehnsucht der Abwesenden, ist, und daß hinter diesen Einkleidungen die
+gute psychologische Einsicht steckt, die Männer werden ihr Bestes nur
+dann tun, wenn sie über den Verbleib der unbeaufsichtigten Frauen
+vollauf beruhigt sind. Andere Male wird es direkt, ohne magische
+Motivierung ausgesprochen, daß die eheliche Untreue der Frau die
+Bemühungen des in verantwortlicher Tätigkeit abwesenden Mannes zum
+Scheitern bringt.
+
+ (41) _Frazer_, Taboo and the perils of the soul, p. 158.
+
+ (42) _Frazer_, l. c., p. 200.
+
+Die unzähligen Tabuvorschriften, denen die Frauen der Wilden während
+ihrer Menstruation unterliegen, werden durch die abergläubische Scheu
+vor dem Blute motiviert und haben in ihr wohl auch eine reale
+Begründung. Aber es wäre unrecht die Möglichkeit zu übersehen, daß diese
+Blutscheu hier auch ästhetischen und hygienischen Absichten dient, die
+sich in allen Fällen mit magischen Motivierungen drapieren müßten.
+
+Wir täuschen uns wohl nicht darüber, daß wir uns durch solche
+Erklärungsversuche dem Vorwurf aussetzen, daß wir den heutigen Wilden
+eine Feinheit der seelischen Tätigkeiten zumuten, die weit über die
+Wahrscheinlichkeit hinausgeht. Allein ich meine, es könnte uns mit der
+Psychologie dieser Völker, die auf der animistischen Stufe stehen
+geblieben sind, leicht so ergehen wie mit dem Seelenleben des Kindes,
+das wir Erwachsene nicht mehr verstehen, und dessen Reichhaltigkeit und
+Feinfühligkeit wir darum so sehr unterschätzt haben.
+
+Ich will noch einer Gruppe von bisher unerklärten Tabuvorschriften
+gedenken, weil sie eine dem Psychoanalytiker vertraute Aufklärung
+zuläßt. Bei vielen wilden Völkern ist es unter verschiedenen
+Verhältnissen verboten, scharfe Waffen und schneidende Instrumente im
+Hause zu halten(43). _Frazer_ zitiert einen deutschen Aberglauben, daß
+man ein Messer nicht mit der Schneide nach oben liegen lassen dürfe.
+Gott und die Engel könnten sich daran verletzen. Soll man in diesem Tabu
+nicht die Ahnung gewisser »Symptomhandlungen« erkennen, zu denen die
+scharfe Waffe durch unbewußte böse Regungen gebraucht werden könnte?
+
+ (43) _Frazer_, l. c., p. 237.
+
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ haben mögen, die über Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder u. dgl., haben
+ haben mögen, über Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder u. dgl., haben
+
+ avons vu qu'elle était autrefois rigouresement vraie, du moins dans
+ avons vu qu'elle était autrefois rigoureusement vraie, du moins dans
+
+ ]
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+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Animismus, Magie und Allmacht der
+Gedanken, by Sigmund Freud
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANIMISMUS, MAGIE UND ALLMACHT ***
+
+***** This file should be named 37070-8.txt or 37070-8.zip *****
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
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+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
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+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
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+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
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+ address specified in Section 4, "Information about donations to
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+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
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+ License. You must require such a user to return or
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+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
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+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+your equipment.
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+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
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+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
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+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
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+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
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+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+<pre>
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+The Project Gutenberg EBook of Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken, by
+Sigmund Freud
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
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+Title: Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken
+ Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden
+ und der Neurotiker III
+
+Author: Sigmund Freud
+
+Release Date: August 14, 2011 [EBook #37070]
+
+Language: German
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+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANIMISMUS, MAGIE UND ALLMACHT ***
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+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+
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+
+</pre>
+
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Der Text stammt aus: <cite>Imago. Zeitschrift für Anwendung der
+Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften&nbsp;II</cite> (1913).
+S.&nbsp;1&ndash;21.</p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. <span class="screen">Änderungen sind im Text
+<ins title="so wie hier">so gekennzeichnet</ins>. Der
+Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</span>
+Eine <a href="#tn-bottom">Liste der vorgenommenen Änderungen</a>
+findet sich am Ende des Textes.</p>
+</div>
+
+<div><a class="pagenum" name="Page_1" title="1"> </a></div>
+<h1><big>Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker.</big><br/>
+<small>Von SIGM. FREUD.</small><br/>
+III.<br/>
+Animismus, Magie und Allmacht der Gedanken.</h1>
+
+<h2>1.</h2>
+
+<p class="drop-cap">Es ist ein notwendiger Mangel der Arbeiten, welche Gesichtspunkte
+der Psychoanalyse auf Themen der Geisteswissenschaften
+anwenden wollen, daß sie dem Leser von beiden
+zu wenig bieten müssen. Sie beschränken sich darum auf den
+Charakter von Anregungen, sie machen dem Fachmanne Vorschläge,
+die er bei seiner Arbeit in Erwägung ziehen soll. Dieser Mangel
+wird sich aufs äußerste fühlbar machen in einem Aufsatz, welcher
+das ungeheure Gebiet dessen, was man Animismus nennt, behandeln
+will<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a>.</p>
+
+<p>Animismus im engeren Sinne heißt die Lehre von den Seelenvorstellungen,
+im weiteren die von geistigen Wesen überhaupt. Man
+unterscheidet noch Animatismus, die Lehre von der Belebtheit der
+uns unbelebt erscheinenden Natur, und reiht hier den Animalismus
+und Manismus an. Der Name Animismus, früher für ein bestimmtes
+philosophisches System verwendet, scheint seine gegenwärtige Bedeutung
+durch E.&nbsp;B. <span class="gesperrt">Tylor</span> erhalten zu haben<a name="FNanchor_2" href="#Footnote_2" class="fnanchor">(2)</a>.</p>
+
+<p>Was zur Aufstellung dieser Namen Anlaß gegeben hat, ist
+die Einsicht in die höchst merkwürdige Natur- und Weltauffassung
+<a class="pagenum" name="Page_2" title="2"> </a>
+der uns bekannten primitiven Völker, der historischen sowohl wie
+der jetzt noch lebenden. Diese bevölkern die Welt mit einer Unzahl
+von geistigen Wesen, die ihnen wohlwollend oder übelgesinnt sind;
+sie schreiben diesen Geistern und Dämonen die Verursachung der
+Naturvorgänge zu und halten nicht nur die Tiere und Pflanzen,
+sondern auch die unbelebten Dinge der Welt für durch sie belebt.
+Ein drittes und vielleicht wichtigstes Stück dieser primitiven »Naturphilosophie«
+erscheint uns weit weniger auffällig, weil wir selbst noch
+nicht weit genug von ihm entfernt sind, während wir doch die Existenz
+der Geister sehr eingeschränkt haben und die Naturvorgänge
+heute durch die Annahme unpersönlicher physikalischer Kräfte erklären.
+Die Primitiven glauben nämlich an eine ähnliche »Beseelung« auch
+der menschlichen Einzelwesen. Die menschlichen Personen enthalten
+Seelen, welche ihren Wohnsitz verlassen und in andere Menschen
+einwandern können; diese Seelen sind die Träger der geistigen Tätigkeiten
+und bis zu einem gewissen Grad von den »Leibern« unabhängig.
+Ursprünglich wurden die Seelen als sehr ähnlich den Individuen
+vorgestellt und erst im Laufe einer langen Entwicklung
+haben sie die Charaktere des Materiellen bis zu einem hohen Grad
+von »Vergeistigung« abgestreift<a name="FNanchor_3" href="#Footnote_3" class="fnanchor">(3)</a>.</p>
+
+<p>Die Mehrzahl der Autoren neigt zu der Annahme, daß diese
+Seelenvorstellungen der ursprüngliche Kern des animistischen Systems
+sind, daß die Geister nur selbständig gewordenen Seelen entsprechen,
+und daß auch die Seelen von Tieren, Pflanzen und Dingen in Analogie
+mit den Menschenseelen gebildet wurden.</p>
+
+<p>Wie sind die primitiven Menschen zu den eigentümlich dualistischen
+Grundanschauungen gekommen, auf denen dieses animistische
+System ruht? Man meint, durch die Beobachtung der Phänomene
+des Schlafes (mit dem Traum) und des ihm so ähnlichen Todes,
+und durch die Bemühung, sich diese jeden Einzelnen so nahe
+angehenden Zustände zu erklären. Vor allem müßte das Todesproblem
+der Ausgangspunkt der Theoriebildung geworden sein. Für
+den Primitiven wäre die Fortdauer des Lebens &ndash; die Unsterblichkeit
+&ndash; das Selbstverständliche. Die Vorstellung des Todes ist etwas
+spät und nur zögernd Rezipiertes, sie ist ja auch für uns noch
+inhaltsleer und unvollziehbar. Über den Anteil, den andere Beobachtungen
+und Erfahrungen an der Gestaltung der animistischen Grundlehren
+gehabt haben mögen, <ins title="die über">über</ins> Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder
+u.&nbsp;dgl., haben sehr lebhafte, zu keinem Abschluß gelangte
+Diskussionen stattgefunden<a name="FNanchor_4" href="#Footnote_4" class="fnanchor">(4)</a>.</p>
+
+<p>Wenn der Primitive auf die sein Nachdenken anregenden
+Phänomene mit der Bildung der Seelenvorstellungen reagierte und
+diese dann auf die Objekte der Außenwelt übertrug, so wird sein
+Verhalten dabei als durchaus natürlich und weiter nicht rätselhaft
+<a class="pagenum" name="Page_3" title="3"> </a>
+beurteilt. <span class="gesperrt">Wundt</span> äußert angesichts der Tatsache, daß sich die nämlichen
+animistischen Vorstellungen bei den verschiedensten Völkern
+und zu allen Zeiten übereinstimmend gezeigt haben, dieselben »seien
+das notwendige psychologische Erzeugnis des mythenbildenden Bewußtseins
+und der primitive Animismus dürfe als der geistige Ausdruck
+des <em class="gesperrt">menschlichen Naturzustandes</em> gelten, insoweit dieser
+überhaupt für unsere Beobachtung erreichbar ist«<a name="FNanchor_5" href="#Footnote_5" class="fnanchor">(5)</a>. Die Rechtfertigung
+der Belebung des Unbelebten hat bereits <span class="gesperrt">Hume</span> in seiner »Natural
+History of Religion« gegeben, indem er schrieb: »There is an universal
+tendency among mankind to conceive all beings like themselves
+and to transfer to every object those qualities with which they are
+familiarly acquainted and of which they are intimately conscious«<a name="FNanchor_6" href="#Footnote_6" class="fnanchor">(6)</a>.</p>
+
+<p>Der Animismus ist ein Denksystem, er gibt nicht nur die
+Erklärung eines einzelnen Phänomens, sondern gestattet es, das
+Ganze der Welt als einen einzigen Zusammenhang, aus einem
+Punkte, zu begreifen. Die Menschheit hat, wenn wir den Autoren
+folgen wollen, drei solcher Denksysteme, drei große Weltanschauungen
+im Laufe der Zeiten hervorgebracht: Die animistische (mythologische),
+die religiöse und die wissenschaftliche. Unter diesen ist die erstgeschaffene,
+die des Animismus, vielleicht die folgerichtigste und
+erschöpfendste, eine, die das Wesen der Welt restlos erklärt. Diese
+erste Weltanschauung der Menschheit ist nun eine psychologische
+Theorie. Es geht über unsere Absicht hinaus zu zeigen, wie viel
+von ihr noch im Leben der Gegenwart nachweisbar ist, entweder
+entwertet in der Form des Aberglaubens, oder lebendig als Grundlage
+unseres Sprechens, Glaubens und Philosophierens.</p>
+
+<p>Es greift auf jene Stufenfolge der drei Weltanschauungen
+zurück, wenn gesagt wird, daß der Animismus selbst noch keine
+Religion ist, aber die Vorbedingungen enthält, auf denen sich später
+die Religionen aufbauen. Es ist auch augenfällig, daß der Mythus
+auf animistischen Voraussetzungen ruht; die Einzelheiten der Beziehung
+von Mythus und Animismus erscheinen aber als in wesentlichen
+Punkten ungeklärt.</p>
+
+<h2>2.</h2>
+
+<p>Unsere psychoanalytische Arbeit wird an anderer Stelle einsetzen.
+&ndash; Man darf nicht annehmen, daß die Menschen sich aus
+reiner spekulativer Wißbegierde zur Schöpfung ihres ersten Weltsystems
+aufgeschwungen haben. Das praktische Bedürfnis, sich der
+Welt zu bemächtigen, muß seinen Anteil an dieser Bemühung haben.
+Wir sind darum nicht erstaunt zu erfahren, daß mit dem animistischen
+System etwas anderes Hand in Hand geht, eine Anweisung,
+wie man verfahren müsse, um der Menschen, Tiere und Dinge,
+respektive ihrer Geister, Herr zu werden. Diese Anweisung, welche
+unter dem Namen »<em class="gesperrt">Zauberei</em> und <em class="gesperrt">Magie</em>« bekannt ist, will
+<a class="pagenum" name="Page_4" title="4"> </a>
+S. <span class="gesperrt">Reinach</span><a name="FNanchor_7" href="#Footnote_7" class="fnanchor">(7)</a> die Strategie des Animismus heißen; ich würde es vorziehen,
+sie mit <span class="gesperrt">Hubert</span> und <span class="gesperrt">Mauß</span> der Technik zu vergleichen<a name="FNanchor_8" href="#Footnote_8" class="fnanchor">(8)</a>.</p>
+
+<p>Kann man Zauberei und Magie begrifflich voneinander
+trennen? Es ist möglich, wenn man sich mit einiger Eigenmächtigkeit
+über die Schwankungen des Sprachgebrauches hinwegsetzen will.
+Dann ist Zauberei im wesentlichen die Kunst, die Geister zu beeinflussen,
+indem man sie behandelt wie unter gleichen Bedingungen
+die Menschen, also indem man sie beschwichtigt, versöhnt, sich geneigt
+macht, sie einschüchtert, ihrer Macht beraubt, sie seinem Willen
+unterwirft, durch dieselben Mittel, die man für lebende Menschen
+wirksam gefunden hat. Magie ist aber etwas anderes; sie sieht im
+Grunde von den Geistern ab und sie bedient sich besonderer
+Mittel, nicht der banalen psychologischen Methodik. Wir werden
+leicht erraten, daß die Magie das ursprünglichere und bedeutsamere
+Stück der animistischen Technik ist, denn unter den Mitteln, mit
+denen Geister behandelt werden sollen, befinden sich auch magische<a name="FNanchor_9" href="#Footnote_9" class="fnanchor">(9)</a>,
+und die Magie findet ihre Anwendung auch in Fällen, wo die Vergeistigung
+der Natur, wie uns scheint, nicht durchgeführt worden ist.</p>
+
+<p>Die Magie muß den mannigfaltigsten Absichten dienen, die
+Naturvorgänge dem Willen des Menschen unterwerfen, das Individuum
+gegen Feinde und Gefahren schützen und ihm die Macht
+geben, seine Feinde zu schädigen. Die Prinzipien aber, auf deren
+Voraussetzung das magische Tun beruht &ndash; oder vielmehr das
+Prinzip der Magie &ndash; ist so augenfällig, daß es von allen Autoren
+erkannt werden mußte. Man kann es am knappsten, wenn man von
+dem beigefügten Werturteil absieht, mit den Worten E.&nbsp;B. <span class="gesperrt">Tylors</span>
+ausdrücken: »mistaking an ideal connexion for a real one«. An zwei
+Gruppen von magischen Handlungen wollen wir diesen Charakter
+erläutern.</p>
+
+<p>Eine der verbreitetsten magischen Prozeduren, um einem Feind
+zu schaden, besteht darin, sich ein Ebenbild von ihm aus beliebigem
+Material zu machen. Auf die Ähnlichkeit kommt es dabei wenig an.
+Man kann auch irgendein Objekt zu seinem Bild »ernennen«. Was
+man dann diesem Ebenbild antut, das stößt auch dem gehaßten
+Urbild zu, an welcher Körperstelle man das erstere verletzt, an
+derselben erkrankt das letztere. Man kann dieselbe magische Technik
+anstatt in den Dienst privater Feindseligkeit auch in den der Frömmigkeit
+stellen und so Göttern gegen böse Dämonen zu Hilfe kommen.
+Ich zitiere nach <span class="gesperrt">Frazer</span><a name="FNanchor_10" href="#Footnote_10" class="fnanchor">(10)</a>: »Jede Nacht, wenn der Sonnengott Ra (im
+alten Ägypten) zu seinem Heim im glühenden Westen herabstieg,
+hatte er einen bitteren Kampf gegen eine Schar von Dämonen zu
+<a class="pagenum" name="Page_5" title="5"> </a>
+bestehen, die ihn unter der Führung des Erzfeindes Apepi überfielen.
+Er kämpfte mit ihnen die ganze Nacht und häufig waren die
+Mächte der Finsternis stark genug, noch des Tages dunkle Wolken
+an den blauen Himmel zu senden, die seine Kraft schwächten und
+sein Licht abhielten. Um dem Gotte beizustehen, wurde in seinem
+Tempel zu Theben täglich folgende Zeremonie aufgeführt: Es wurde
+aus Wachs ein Bild seines Feindes Apepi gemacht, in der Gestalt
+eines scheußlichen Krokodils oder einer langgeringelten Schlange und
+der Name des Dämons mit grüner Tinte darauf geschrieben. In
+ein Papyrusgehäuse gehüllt, auf dem eine ähnliche Zeichnung angebracht
+war, wurde dann diese Figur mit schwarzem Haar umwickelt,
+vom Priester angespuckt, mit einem Steinmesser bearbeitet
+und auf den Boden geworfen. Dann trat er mit seinem linken Fuß
+auf sie und endlich verbrannte er sie in einem von gewissen Pflanzen
+genährten Feuer. Nachdem Apepi in solcher Weise beseitigt worden
+war, geschah mit allen Dämonen seines Gefolges das nämliche.
+Dieser Gottesdienst, bei dem gewisse Reden hergesagt werden
+mußten, wurde nicht nur morgens, mittags und abends wiederholt,
+sondern auch jederzeit dazwischen, wenn ein Sturm wütete, wenn
+ein heftiger Regenguß niederging oder schwarze Wolken die Sonnenscheibe
+am Himmel verdeckten. Die bösen Feinde verspürten die Züchtigung,
+die ihren Bildern widerfahren war, als ob sie sie selbst erlitten
+hätten; sie flohen und der Sonnengott triumphierte von neuem.<a name="FNanchor_11" href="#Footnote_11" class="fnanchor">(11)</a>«</p>
+
+<p>Aus der unübersehbaren Fülle ähnlich begründeter magischer
+Handlungen will ich nur noch zweierlei hervorheben, die bei den
+primitiven Völkern jederzeit eine große Rolle gespielt haben und
+zum Teil im Mythus und Kultus höherer Entwicklungsstufen erhalten
+geblieben sind, nämlich die Arten des Regen- und des
+Fruchtbarkeitszaubers. Man erzeugt den Regen auf magischem
+Wege, indem man ihn imitiert, etwa auch noch die ihn erzeugenden
+Wolken oder den Sturm nachahmt. Es sieht aus, als ob man »regnen
+spielen« wollte. Die japanischen Ainos z.&nbsp;B. machen Regen in der
+Weise, daß ein Teil von ihnen Wasser aus großen Sieben ausgießt,
+während ein anderer eine große Schüssel mit Segel und Ruder ausstattet,
+als ob sie ein Schiff wäre, und sie so um Dorf und Gärten
+herumzieht. Die Fruchtbarkeit des Bodens sicherte man sich aber auf
+magische Weise, indem man ihm das Schauspiel eines menschlichen
+Geschlechtsverkehres zeigte. So pflegen &ndash; ein Beispiel anstatt unendlich
+vieler &ndash; in manchen Teilen Javas zur Zeit des Herannahens
+der Reisblüte Bauer und Bäuerin sich nachts auf die Felder
+zu begeben, um durch das Beispiel, das sie ihm geben, den Reis
+zur Fruchtbarkeit anzuregen<a name="FNanchor_12" href="#Footnote_12" class="fnanchor">(12)</a>. Dagegen fürchtete man von verpönten
+<a class="pagenum" name="Page_6" title="6"> </a>
+inzestuösen Geschlechtsbeziehungen, daß sie Mißwuchs und
+Unfruchtbarkeit des Bodens erzeugen würden<a name="FNanchor_13" href="#Footnote_13" class="fnanchor">(13)</a>.</p>
+
+<p>Auch gewisse negative Vorschriften &ndash; magische Vorsichten
+also &ndash; sind dieser ersten Gruppe einzureihen. Wenn ein Teil der
+Bewohner eines Dayakdorfes auf Wildschweinjagd ausgezogen ist,
+so dürfen die Zurückgebliebenen unterdes weder Öl noch Wasser
+mit ihren Händen berühren; sonst würden die Jäger weiche Finger
+bekommen und die Beute aus ihren Händen schlüpfen lassen<a name="FNanchor_14" href="#Footnote_14" class="fnanchor">(14)</a>. Oder,
+wenn ein Gilyakjäger im Walde dem Wilde nachstellt, so ist es
+seinen Kindern zu Hause verboten, Zeichnungen auf Holz oder im
+Sand zu machen. Die Pfade im dichten Wald könnten sonst so
+verschlungen werden wie die Linien der Zeichnung, so daß der Jäger
+den Weg nach Hause nicht findet<a name="FNanchor_15" href="#Footnote_15" class="fnanchor">(15)</a>.</p>
+
+<p>Wenn in diesen letzten wie in so vielen anderen Beispielen
+magischer Wirkung die Entfernung keine Rolle spielt, die Telepathie
+also als selbstverständlich hingenommen wird, so wird auch uns das
+Verständnis dieser Eigentümlichkeit der Magie keine Schwierigkeit
+bereiten.</p>
+
+<p>Es unterliegt keinem Zweifel, was an all diesen Beispielen als
+das Wirksame betrachtet wird. Es ist die <em class="gesperrt">Ähnlichkeit</em> zwischen
+der vollzogenen Handlung und dem erwarteten Geschehen. <span class="gesperrt">Frazer</span>
+nennt darum diese Art der Magie <em class="gesperrt">imitative</em> oder <em class="gesperrt">homöopathische</em>.
+Wenn ich will, daß es regne, so brauche ich nur etwas
+zu tun, was wie Regnen aussieht oder an Regnen erinnert. In einer
+weiteren Phase der Kulturentwicklung wird man anstatt dieses magischen
+Regenzaubers Bittgänge zu einem Gotteshaus veranstalten
+und den dort wohnenden Heiligen um Regen anflehen. Endlich
+wird man auch diese religiöse Technik aufgeben und dafür versuchen,
+durch welche Einwirkungen auf die Atmosphäre Regen erzeugt
+werden kann.</p>
+
+<p>In einer anderen Gruppe von magischen Handlungen kommt
+das Prinzip der Ähnlichkeit nicht mehr in Betracht, dafür ein anderes,
+welches sich aus den nachstehenden Beispielen leicht ergeben wird.</p>
+
+<p>Um einem Feinde zu schaden, kann man sich auch eines anderen
+Verfahrens bedienen. Man bemächtigt sich seiner Haare, Nägel,
+Abfallstoffe oder selbst eines Teiles seiner Kleidung und stellt mit
+diesen Dingen etwas Feindseliges an. Es ist dann gerade so, als
+hätte man sich der Person selbst bemächtigt, und was man den von
+der Person herrührenden Dingen angetan hat, muß ihr selbst widerfahren.
+Zu den wesentlichen Bestandteilen einer Persönlichkeit gehört
+nach der Anschauung der Primitiven ihr Name; wenn man also den
+Namen einer Person oder eines Geistes weiß, hat man eine gewisse
+Macht über den Träger des Namens erworben. Daher die merkwürdigen
+Vorsichten und Beschränkungen im Gebrauche der Namen,
+<a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a>
+die in dem Aufsatz über das Tabu gestreift worden sind<a name="FNanchor_16" href="#Footnote_16" class="fnanchor">(16)</a>. Die
+Ähnlichkeit wird in diesen Beispielen offenbar ersetzt durch <em class="gesperrt">Zusammengehörigkeit</em>.</p>
+
+<p>Der Kannibalismus der Primitiven leitet seine sublimere Motivierung
+in ähnlicher Weise ab. Indem man Teile vom Leib einer
+Person durch den Akt des Verzehrens in sich aufnimmt, eignet man
+sich auch die Eigenschaften an, welche dieser Person angehört haben.
+Daraus erfolgen dann Vorsichten und Beschränkungen der Diät unter
+besonderen Umständen. Eine Frau wird in der Gravidität vermeiden,
+das Fleisch gewisser Tiere zu genießen, weil deren unerwünschte
+Eigenschaften, z.&nbsp;B. die Feigheit, so auf das von ihr genährte Kind
+übergehen könnten. Es macht für die magische Wirkung keinen
+Unterschied, auch wenn der Zusammenhang ein bereits aufgehobener
+ist, oder wenn er überhaupt nur in einmaliger, bedeutungsvoller
+Berührung bestand. So ist z.&nbsp;B. der Glaube an ein magisches Band,
+welches das Schicksal einer Wunde mit dem der Waffe verknüpft,
+durch welche sie hervorgerufen wurde, unverändert durch Jahrtausende
+zu verfolgen. Wenn ein Melanesier sich des Bogens bemächtigt
+hat, durch den er verwundet wurde, so wird er ihn sorgfältig
+an einem kühlen Ort verwahren, um so die Entzündung der
+Wunde niederzuhalten. Ist der Bogen aber im Besitz der Feinde
+geblieben, so wird er gewiß in nächster Nähe eines Feuers aufgehängt
+werden, damit die Wunde nur ja recht entzündet werde
+und brenne. <span class="gesperrt">Plinius</span> rät in seiner Nat. Hist.&nbsp;XXVIII, wenn man
+bereut, einen anderen verletzt zu haben, solle man auf die Hand
+spucken, welche die Verletzung verschuldet hat; der Schmerz des
+Verletzten werde dann sofort gelindert. <span class="gesperrt">Francis Bacon</span> erwähnt
+in seiner Natural History den allgemein giltigen Glauben, daß das
+Salben einer Waffe, welche eine Wunde geschlagen hat, diese Wunde
+selbst heilt. Die englischen Bauern sollen noch heute nach diesem
+Rezept handeln, und wenn sie sich mit einer Sichel geschnitten haben,
+das Instrument von da an sorgfältig rein halten, damit die Wunde
+nicht in Eiterung gerate. Im Juni des Jahres 1902, berichtet eine
+lokale englische Wochenschrift, stieß sich eine Frau namens Matilda
+Henry in Norwich zufällig einen eisernen Nagel in die Sohle. Ohne
+die Wunde untersuchen zu lassen oder auch nur den Strumpf auszuziehen,
+hieß sie ihre Tochter den Nagel gut einölen, in der Erwartung,
+daß ihr dann nichts geschehen könne. Sie selbst starb
+einige Tage später an Wundstarrkrampf<a name="FNanchor_17" href="#Footnote_17" class="fnanchor">(17)</a>, infolge dieser verschobenen
+Antisepsis.</p>
+
+<p>Die Beispiele der letzteren Gruppe erläutern, was <span class="gesperrt">Frazer</span> als
+<em class="gesperrt">kontagiöse</em> Magie von der <em class="gesperrt">imitativen</em> sondert. Was in ihnen
+als wirksam gedacht wird, ist nicht mehr die Ähnlichkeit, sondern
+der Zusammenhang im Raum, die <em class="gesperrt">Kontiguität</em>, wenigstens die
+vorgestellte Kontiguität, die Erinnerung an ihr Vorhandensein. Da
+<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a>
+aber Ähnlichkeit und Kontiguität die beiden wesentlichen Prinzipien
+der Assoziationsvorgänge sind, stellt sich als Erklärung für all die
+Tollheit der magischen Vorschriften wirklich die Herrschaft der
+Ideenassoziation heraus. Man sieht, wie zutreffend sich <span class="gesperrt">Tylors</span>
+oben zitierte Charakteristik der Magie erweist: mistaking an ideal
+connexion for a real one, oder wie es fast gleichlautend <span class="gesperrt">Frazer</span>
+ausgedrückt hat: men mistook the order of their ideas for the order
+of nature, and hence imagined that the control which they have,
+or seem to have, over their thoughts, permitted them to exercise
+a corresponding control over things.<a name="FNanchor_18" href="#Footnote_18" class="fnanchor">(18)</a></p>
+
+<p>Es wird dann zunächst befremdend wirken, daß diese einleuchtende
+Erklärung der Magie von manchen Autoren als unbefriedigend
+verworfen werden konnte<a name="FNanchor_19" href="#Footnote_19" class="fnanchor">(19)</a>. Bei näherer Überlegung muß
+man aber dem Einwand Recht geben, daß die Assoziationstheorie
+der Magie bloß die Wege aufklärt, welche die Magie geht, aber
+nicht deren eigentliches Wesen, nämlich nicht das Mißverständnis,
+welches sie psychologische Gesetze an die Stelle natürlicher setzen
+heißt. Es bedarf hier offenbar eines dynamischen Moments, aber
+während die Suche nach einem solchen die Kritiker der <span class="gesperrt-left-part">Frazer</span>schen
+Lehre in die Irre führt, wird es leicht, eine befriedigende Aufklärung
+der Magie zu geben, wenn man nur die Assoziationstheorie derselben
+weiterführen und vertiefen will.</p>
+
+<p>Betrachten wir zunächst den einfacheren und bedeutsameren
+Fall der imitativen Magie. Nach <span class="gesperrt">Frazer</span> kann diese allein geübt
+werden, während die kontagiöse Magie in der Regel die imitative
+voraussetzt<a name="FNanchor_20" href="#Footnote_20" class="fnanchor">(20)</a>. Die Motive, welche zur Ausübung der Magie drängen,
+sind leicht zu erkennen, es sind die Wünsche des Menschen. Wir
+brauchen nun bloß anzunehmen, daß der primitive Mensch ein großartiges
+Zutrauen zur Macht seiner Wünsche hat. Im Grund muß
+all das, was er auf magischem Wege herstellt, doch nur darum
+geschehen, weil er es will. So ist anfänglich bloß sein Wunsch das
+Betonte.</p>
+
+<p>Für das Kind, welches sich unter analogen psychischen Bedingungen
+befindet, aber motorisch noch nicht leistungsfähig ist,
+haben wir an anderer Stelle die Annahme vertreten, daß es seine
+Wünsche zunächst wirklich halluzinatorisch befriedigt, indem es die
+befriedigende Situation durch die zentrifugalen Erregungen seiner
+Sinnesorgane herstellen läßt<a name="FNanchor_21" href="#Footnote_21" class="fnanchor">(21)</a>. Für den erwachsenen Primitiven ergibt
+sich ein anderer Weg. An seinem Wunsch hängt ein motorischer
+Impuls, der Wille, und dieser &ndash; der später im Dienst der Wunschbefriedigung
+das Antlitz der Erde verändern wird &ndash; wird jetzt
+<a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>
+dazu verwendet, die Befriedigung darzustellen, so daß man sie
+gleichsam durch motorische Halluzination erleben kann. Eine solche
+<em class="gesperrt">Darstellung</em> des befriedigten Wunsches ist dem <em class="gesperrt">Spiele</em> der Kinder
+völlig vergleichbar, welches bei diesen die rein sensorische Technik
+der Befriedigung ablöst. Wenn Spiel und imitative Darstellung dem
+Kinde und dem Primitiven genügen, so ist dies nicht ein Zeichen
+von Bescheidenheit in unserem Sinne oder von Resignation infolge
+Erkenntnis ihrer realen Ohnmacht, sondern die wohl verständliche
+Folge der überwiegenden Wertung ihres Wunsches, des von ihm
+abhängigen Willens und der von ihm eingeschlagenen Wege. Mit
+der Zeit verschiebt sich der psychische Akzent von den Motiven
+der magischen Handlung auf deren Mittel, auf die Handlung selbst.
+Vielleicht sagen wir richtiger, an diesen Mitteln erst wird ihm die
+Überschätzung seiner psychischen Akte evident. Nun hat es den
+Anschein, als wäre es nichts anderes als die magische Handlung,
+die kraft ihrer Ähnlichkeit mit dem Gewünschten dessen Geschehen
+erzwingt. Auf der Stufe des animistischen Denkens gibt es noch
+keine Gelegenheit, den wahren Sachverhalt objektiv zu erweisen,
+wohl aber auf späteren, wenn alle solche Prozeduren noch gepflegt
+werden, aber das psychische Phänomen des Zweifels als Ausdruck
+einer Verdrängungsneigung bereits möglich ist. Dann werden die
+Menschen zugeben, daß die Beschwörungen von Geistern nichts
+leisten, wenn nicht der Glaube an sie dabei ist, und daß auch die
+Zauberkraft des Gebets versagt, wenn keine Frömmigkeit dahinter
+wirkt<a name="FNanchor_22" href="#Footnote_22" class="fnanchor">(22)</a>.</p>
+
+<p>Die Möglichkeit einer auf der Kontiguitätsassoziation beruhenden
+kontagiösen Magie wird uns dann zeigen, daß sich die psychische
+Wertschätzung vom Wunsch und vom Willen her auf alle psychischen
+Akte, die dem Willen zu Gebote stehen, ausgedehnt hat. Es
+besteht also jetzt eine allgemeine Überschätzung der seelischen Vorgänge,
+d.&nbsp;h. eine Einstellung zur Welt, welche uns nach unseren
+Einsichten in die Beziehung von Realität und Denken als solche
+Überschätzung des letzteren erscheinen muß. Die Dinge treten gegen
+deren Vorstellungen zurück; was mit den letzteren vorgenommen
+wird, muß sich auch an den ersteren ereignen. Die Relationen, die
+zwischen den Vorstellungen bestehen, werden auch zwischen den
+Dingen vorausgesetzt. Da das Denken keine Entfernungen kennt,
+das räumlich Entlegenste wie das zeitlich Verschiedenste mit Leichtigkeit
+in einen Bewußtseinsakt zusammenbringt, wird auch die magische
+Welt sich telepathisch über die räumliche Distanz hinaussetzen und
+ehemaligen Zusammenhang wie gegenwärtigen behandeln. Das Spiegelbild
+der Innenwelt muß im animistischen Zeitalter jenes andere Weltbild,
+das wir zu erkennen glauben, unsichtbar machen.</p>
+
+<p>Heben wir übrigens hervor, daß die beiden Prinzipien der
+Assoziation &ndash; Ähnlichkeit und Kontiguität &ndash; in der höheren Einheit
+<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a>
+der <em class="gesperrt">Berührung</em> zusammentreffen. Kontiguitätsassoziation ist
+Berührung im direkten, Ähnlichkeitsassoziation solche im übertragenen
+Sinne. Eine von uns noch nicht erfaßte Identität im psychischen
+Vorgang wird wohl durch den Gebrauch des nämlichen Wortes für
+beide Arten der Verknüpfung verbürgt. Es ist derselbe Umfang
+des Begriffes Berührung, der sich bei der Analyse des Tabu herausstellte<a name="FNanchor_23" href="#Footnote_23" class="fnanchor">(23)</a>.</p>
+
+<p>Zusammenfassend können wir nun sagen: das Prinzip, welches
+die Magie, die Technik der animistischen Denkweise regiert, ist das
+der »Allmacht der Gedanken«.</p>
+
+<h2>3.</h2>
+
+<p>Die Bezeichnung »Allmacht der Gedanken« habe ich von einem
+hochintelligenten, an Zwangsvorstellungen leidenden Manne angenommen,
+dem es nach seiner Herstellung durch psychoanalytische
+Behandlung möglich geworden ist, auch seine Tüchtigkeit und Verständigkeit
+zu erweisen<a name="FNanchor_24" href="#Footnote_24" class="fnanchor">(24)</a>. Er hatte sich dieses Wort geprägt zur
+Begründung aller jener sonderbaren und unheimlichen Geschehnisse,
+die ihn wie andere mit seinem Leiden Behaftete zu verfolgen
+schienen. Dachte er eben an eine Person, so kam sie ihm auch schon
+entgegen, als ob er sie beschworen hätte; erkundigte er sich plötzlich
+nach dem Befinden eines lange vermißten Bekannten, so mußte
+er hören, daß dieser eben gestorben sei, so daß er glauben konnte,
+er habe sich ihm telepathisch bemerkbar gemacht; stieß er gegen
+einen Fremden eine nicht einmal ganz ernst gemeinte Verwünschung
+aus, so durfte er erwarten, daß dieser bald darauf starb und ihn
+mit der Verantwortlichkeit für sein Ableben belastete. Von den
+meisten dieser Fälle konnte er mir im Laufe der Behandlung selbst
+mitteilen, wie der täuschende Anschein entstanden war, und was
+er selbst an Veranstaltungen hinzugetan hatte, um sich in seinen
+abergläubischen Erwartungen zu bestärken<a name="FNanchor_25" href="#Footnote_25" class="fnanchor">(25)</a>. Alle Zwangskranken sind
+in solcher Weise, meist gegen ihre bessere Einsicht, abergläubisch.</p>
+
+<p>Der Fortbestand der Allmacht der Gedanken tritt uns bei
+der Zwangsneurose am deutlichsten entgegen, die Ergebnisse dieser
+primitiven Denkweise sind hier dem Bewußtsein am nächsten. Wir
+müssen uns aber davor hüten, darin einen auszeichnenden Charakter
+dieser Neurose zu erblicken, denn die analytische Untersuchung deckt
+das nämliche bei den anderen Neurosen auf. Bei ihnen allen ist nicht
+die Realität des Erlebens, sondern die des Denkens für die Symptombildung
+maßgebend. Die Neurotiker leben in einer besonderen Welt,
+in welcher, wie ich es an anderer Stelle ausgedrückt habe, nur die
+<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>
+»neurotische Währung« gilt, d.&nbsp;h. nur das intensiv Gedachte, mit
+Affekt Vorgestellte ist bei ihnen wirksam, dessen Übereinstimmung
+mit der äußeren Realität aber nebensächlich. Der Hysteriker wiederholt
+in seinen Anfällen und fixiert durch seine Symptome Erlebnisse,
+die sich nur in seiner Phantasie so zugetragen haben, allerdings in
+letzter Auflösung auf wirkliche Ereignisse zurückgehen oder aus
+solchen aufgebaut worden sind. Das Schuldbewußtsein der Neurotiker
+würde man ebenso schlecht verstehen, wenn man es als unberechtigt
+abweisen, wie wenn man es auf reale Missetaten zurückführen
+wollte. Ein Zwangsneurotiker kann von einem Schuldbewußtsein
+gedrückt sein, das einem Massenmörder wohl anstünde; er wird
+sich dabei gegen seine Mitmenschen als der rücksichtsvollste und skrupulöseste
+Genosse benehmen und seit seiner Kindheit so benommen
+haben. Doch ist sein Schuldgefühl begründet; es fußt auf den intensiven
+und häufigen Todeswünschen, die sich in ihm unbewußt gegen
+seine Mitmenschen regen. Es ist begründet, insoferne unbewußte
+Gedanken und nicht absichtliche Taten in Betracht kommen. So
+erweist sich die Allmacht der Gedanken, die Überschätzung der
+seelischen Vorgänge gegen die Realität, als unbeschränkt wirksam
+im Affektleben des Neurotikers und in allen von diesem ausgehenden
+Folgen. Unterzieht man ihn aber der psychoanalytischen Behandlung,
+welche das bei ihm Unbewußte bewußt macht, so wird er nicht
+glauben können, daß Gedanken frei sind, und wird sich jedesmal
+fürchten, böse Wünsche zu äußern, als ob sie infolge dieser Äußerung
+in Erfüllung gehen müßten. Durch dieses Verhalten wie durch
+seinen im Leben betätigten Aberglauben zeigt er uns aber, wie nahe
+er dem Wilden steht, der durch seine bloßen Gedanken die Außenwelt
+zu verändern meint.</p>
+
+<p>Die primären Zwangshandlungen dieser Neurotiker sind
+eigentlich durchaus magischer Natur. Sie sind, wenn nicht Zauber,
+so doch Gegenzauber, zur Abwehr der Unheilserwartungen bestimmt,
+mit denen die Neurose zu beginnen pflegt. So oft ich das Geheimnis
+zu durchdringen vermochte, zeigte es sich, daß diese Unheilserwartung
+den Tod zum Inhalt hatte. Das Todesproblem steht nach
+<span class="gesperrt">Schopenhauer</span> am Eingang jeder Philosophie; wir haben gehört,
+daß auch die Bildung der Seelenvorstellungen und des Dämonenglaubens,
+die den Animismus kennzeichnen, auf den Eindruck zurückgeführt
+wird, den der Tod auf den Menschen macht. Ob diese ersten
+Zwangs- oder Schutzhandlungen dem Prinzip der Ähnlichkeit,
+respektive des Kontrastes folgen, ist schwer zu beurteilen, denn sie
+werden unter den Bedingungen der Neurose gewöhnlich durch die
+Verschiebung auf irgendein Kleinstes, eine an sich höchst geringfügige
+Aktion entstellt<a name="FNanchor_26" href="#Footnote_26" class="fnanchor">(26)</a>. Auch die Schutzformeln der Zwangsneurose
+finden ihr Gegenstück in den Zauberformeln der Magie. Die Entwicklungsgeschichte
+der Zwangshandlungen kann man aber beschreiben,
+<a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a>
+indem man hervorhebt, wie sie, vom Sexuellen möglichst weit entfernt,
+als Zauber gegen böse Wünsche beginnen, um als Ersatz
+für verbotenes sexuelles Tun, das sie möglichst getreu nachahmen,
+zu enden.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn wir die vorhin erwähnte Entwicklungsgeschichte der
+menschlichen Weltanschauungen annehmen, in welcher die <em class="gesperrt">animistische</em>
+Phase von der <em class="gesperrt">religiösen</em>, diese von der <em class="gesperrt">wissenschaftlichen</em>
+abgelöst wird, wird es uns nicht schwer, die Schicksale
+der »Allmacht der Gedanken« durch diese Phasen zu verfolgen.
+Im animistischen Stadium schreibt der Mensch sich selbst die Allmacht
+zu; im religiösen hat er sie den Göttern abgetreten, aber
+nicht ernstlich auf sie verzichtet, denn er behält sich vor, die Götter
+durch mannigfache Beeinflussungen nach seinen Wünschen zu lenken.
+In der wissenschaftlichen Weltanschauung ist kein Raum mehr für
+die Allmacht des Menschen, er hat sich zu seiner Kleinheit bekannt
+und sich resigniert dem Tode wie allen anderen Naturnotwendigkeiten
+unterworfen. Aber in dem Vertrauen auf die Macht des
+Menschengeistes, welcher mit den Gesetzen der Wirklichkeit rechnet,
+lebt ein Stück des primitiven Allmachtglaubens weiter.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Bei der Rückverfolgung der Entwicklung libidinöser Strebungen
+im Einzelmenschen, von ihrer Gestaltung in der Reife bis zu den
+ersten Anfängen der Kindheit, hat sich zunächst eine wichtige
+Unterscheidung ergeben, die in den »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
+1905« niedergelegt ist. Die Äußerungen der sexuellen Triebe
+sind von Anfang an zu erkennen, aber sie richten sich zuerst noch
+auf kein äußeres Objekt. Die einzelnen Triebkomponenten der
+Sexualität arbeiten jede für sich auf Lustgewinn und finden ihre
+Befriedigung am eigenen Körper. Dies Stadium heißt das des
+<em class="gesperrt">Autoerotismus</em>, es wird von dem der <em class="gesperrt">Objektwahl</em> abgelöst.</p>
+
+<p>Es hat sich bei weiterem Studium als zweckmäßig, ja als
+unabweisbar gezeigt, zwischen diese beiden Stadien ein drittes einzuschieben,
+oder, wenn man so will, das erste Stadium des Autoerotismus
+in zwei zu zerlegen. In diesem Zwischenstadium, dessen
+Bedeutsamkeit sich der Forschung immer mehr aufdrängt, haben die
+vorher vereinzelten Sexualtriebe sich bereits zu einer Einheit zusammengesetzt
+und auch ein Objekt gefunden; dies Objekt ist aber kein
+äußeres, dem Individuum fremdes, sondern es ist das eigene, um
+diese Zeit konstituierte Ich. Mit Rücksicht auf später zu beobachtende
+pathologische Fixierungen dieses Zustandes heißen wir
+das neue Stadium das des <em class="gesperrt">Narzißmus</em>. Die Person verhält sich
+so, als wäre sie in sich selbst verliebt, die Ichtriebe und die libidinösen
+Wünsche sind für unsere Analyse noch nicht voneinander zu
+sondern.</p>
+
+<p>Wenngleich uns eine genügend scharfe Charakteristik dieses
+narzißtischen Stadiums, in welchem die bisher dissoziierten Sexualtriebe
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a>
+zu einer Einheit zusammentreten und das Ich als Objekt
+besetzen, noch nicht möglich ist, so ahnen wir doch bereits, daß die
+narzißtische Organisation nie mehr völlig aufgegeben wird. Der
+Mensch bleibt in gewissem Maße narzißtisch, auch nachdem er
+äußere Objekte für seine Libido gefunden hat; die Objektbesetzungen,
+die er vornimmt, sind gleichsam Emanationen der beim Ich verbleibenden
+Libido und können wieder in dieselbe zurückgezogen
+werden. Die psychologisch so merkwürdigen Zustände von Verliebtheit,
+die Normalvorbilder der Psychosen, entsprechen dem höchsten
+Stande dieser Emanationen im Vergleich zum Niveau der Ichliebe.</p>
+
+<p>Es liegt nun nahe, die von uns aufgefundene Hochschätzung
+der psychischen Aktionen &ndash; die wir von unserem Standpunkt aus
+eine Überschätzung heißen &ndash; bei den Primitiven und Neurotikern
+in Beziehung zum Narzißmus zu bringen und sie als wesentliches
+Teilstück desselben aufzufassen. Wir würden sagen, das Denken ist
+bei den Primitiven noch in hohem Maße sexualisiert, daher rührt
+der Glaube an die Allmacht der Gedanken, die unerschütterliche
+Zuversicht auf die Möglichkeit der Weltbeherrschung und die Unzugänglichkeit
+gegen die leicht zu machenden Erfahrungen, welche den
+Menschen über seine wirkliche Stellung in der Welt belehren könnten.
+Bei den Neurotikern ist einerseits ein beträchtliches Stück dieser
+primitiven Einstellung konstitutionell verblieben, anderseits wird
+durch die bei ihnen eingetretene Sexualverdrängung eine neuerliche
+Sexualisierung der Denkvorgänge herbeigeführt. Die psychischen
+Folgen müssen in beiden Fällen dieselben sein, bei ursprünglicher,
+wie bei regressiv erzielter libidinöser Überbesetzung des Denkens:
+intellektueller Narzißmus, Allmacht der Gedanken<a name="FNanchor_27" href="#Footnote_27" class="fnanchor">(27)</a>.</p>
+
+<p>Wenn wir im Nachweis der Allmacht der Gedanken bei den
+Primitiven ein Zeugnis für deren Narzißmus erblicken dürfen, so
+können wir den Versuch wagen, die Entwicklungsstufen der menschlichen
+Weltanschauung mit den Stadien der libidinösen Entwicklung
+des Einzelnen in Vergleich zu ziehen. Es entspricht dann zeitlich
+wie inhaltlich die animistische Phase dem Narzißmus, die religiöse
+Phase jener Stufe der Objektfindung, welche durch die Bindung an
+die Eltern charakterisiert ist, und die wissenschaftliche Phase hat ihr
+volles Gegenstück in jenem Reifezustand des Individuums, welcher
+auf das Lustprinzip verzichtet hat und unter Anpassung an die
+Realität sein Objekt in der Außenwelt sucht<a name="FNanchor_28" href="#Footnote_28" class="fnanchor">(28)</a>.</p>
+
+<p>Nur auf einem Gebiete ist auch in unserer Kultur die »Allmacht
+der Gedanken« erhalten geblieben, auf dem der Kunst. In
+<a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a>
+der Kunst allein kommt es noch vor, daß ein von Wünschen verzehrter
+Mensch etwas der Befriedigung ähnliches macht, und daß
+dieses Spielen &ndash; dank der künstlerischen Illusion &ndash; Affektwirkungen
+hervorruft, als wäre es etwas Reales. Mit Recht spricht man vom
+Zauber der Kunst und vergleicht den Künstler mit einem Zauberer.
+Aber dieser Vergleich ist vielleicht bedeutsamer, als er zu sein beansprucht.
+Die Kunst, die gewiß nicht als l'art pour l'art begonnen
+hat, stand ursprünglich im Dienste von Tendenzen, die heute zum
+großen Teile erloschen sind. Unter diesen lassen sich mancherlei
+magische Absichten vermuten<a name="FNanchor_29" href="#Footnote_29" class="fnanchor">(29)</a>.</p>
+
+<h2>4.</h2>
+
+<p>Die erste Weltauffassung, welche den Menschen gelang, die
+des Animismus, war also eine psychologische. Sie bedurfte noch
+keiner Wissenschaft zu ihrer Begründung, denn Wissenschaft setzt
+erst ein, wenn man eingesehen hat, daß man die Welt nicht kennt
+und darum nach Wegen suchen muß, um sie kennen zu lernen.
+Der Animismus war aber dem primitiven Menschen natürlich und
+selbstgewiß; er wußte, wie die Dinge der Welt sind, nämlich so wie
+der Mensch sich selbst verspürte. Wir sind also vorbereitet darauf,
+zu finden, daß der primitive Mensch Strukturverhältnisse seiner
+eigenen Psyche in die Außenwelt verlegte<a name="FNanchor_30" href="#Footnote_30" class="fnanchor">(30)</a>, und dürfen anderseits
+den Versuch machen, was der Animismus von der Natur der Dinge
+lehrt, in die menschliche Seele zurückzuversetzen.</p>
+
+<p>Die Technik des Animismus, die Magie, zeigt uns am deutlichsten
+und unvermengtesten die Absicht, den realen Dingen die
+Gesetze des Seelenlebens aufzuzwingen, wobei Geister noch keine
+Rolle spielen müssen, während auch Geister zu Objekten magischer
+Behandlung genommen werden können. Die Voraussetzungen der
+Magie sind also ursprünglicher und älter als die Geisterlehre, die
+den Kern des Animismus bildet. Unsere psychoanalytische Betrachtung
+trifft hier mit einer Lehre von R.&nbsp;R. <span class="gesperrt">Marett</span> zusammen,
+welche ein <em class="gesperrt">präanimistisches</em> Stadium dem Animismus vorhergehen
+läßt, dessen Charakter am besten durch den Namen <em class="gesperrt">Animatismus</em>
+(Lehre von der allgemeinen Belebtheit) angedeutet wird.
+<a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>
+Es ist wenig mehr aus der Erfahrung über den Präanimismus zu
+sagen, da man noch kein Volk angetroffen hat, welches der Geistervorstellungen
+entbehrte<a name="FNanchor_31" href="#Footnote_31" class="fnanchor">(31)</a>.</p>
+
+<p>Während die Magie noch alle Allmacht den Gedanken vorbehält,
+hat der Animismus einen Teil dieser Allmacht den Geistern
+abgetreten und damit den Weg zur Bildung einer Religion eingeschlagen.
+Was soll nun den Primitiven zu dieser ersten Verzichtleistung
+bewogen haben? Kaum die Einsicht in die Unrichtigkeit
+seiner Voraussetzungen, denn er behält ja die magische Technik bei.</p>
+
+<p>Die Geister und Dämonen sind, wie an anderer Stelle angedeutet
+wurde<a name="FNanchor_32" href="#Footnote_32" class="fnanchor">(32)</a>, nichts als die Projektionen seiner Gefühlsregungen<a name="FNanchor_33" href="#Footnote_33" class="fnanchor">(33)</a>;
+er macht seine Affektbesetzungen zu Personen, bevölkert mit ihnen
+die Welt, und findet nun seine inneren seelischen Vorgänge außer
+seiner wieder, ganz ähnlich wie der geistreiche Paranoiker <span class="gesperrt">Schreber</span>,
+der die Bindungen und Lösungen seiner Libido in den Schicksalen
+der von ihm kombinierten »Gottesstrahlen« gespiegelt fand<a name="FNanchor_34" href="#Footnote_34" class="fnanchor">(34)</a>.</p>
+
+<p>Wir wollen hier wie bei einem früheren Anlasse<a name="FNanchor_35" href="#Footnote_35" class="fnanchor">(35)</a> dem Problem
+ausweichen, woher die Neigung überhaupt rührt, seelische
+Vorgänge nach außen zu projizieren. Der einen Annahme dürfen
+wir uns aber getrauen, daß diese Neigung dort eine Verstärkung
+erfährt, wo die Projektion den Vorteil einer psychischen Erleichterung
+mit sich bringt. Ein solcher Vorteil ist mit Bestimmtheit zu erwarten,
+wenn die nach Allmacht strebenden Regungen in Konflikt miteinander
+geraten sind, dann können sie offenbar nicht alle allmächtig
+werden. Der Krankheitsprozeß der Paranoia bedient sich tatsächlich
+des Mechanismus der Projektion, um solche im Seelenleben entstandene
+Konflikte zu erledigen. Nun ist der vorbildliche Fall eines
+solchen Konfliktes der zwischen den beiden Gliedern eines Gegensatzpaares,
+der Fall der ambivalenten Einstellung, den wir in der
+Situation des Trauernden beim Tode eines teuern Angehörigen
+eingehend zergliedert haben<a name="FNanchor_36" href="#Footnote_36" class="fnanchor">(36)</a>. Ein solcher Fall wird uns besonders
+geeignet scheinen, die Schöpfung von Projektionsgebilden zu motivieren.
+Wir treffen hier wiederum mit Meinungen der Autoren
+zusammen, welche die bösen Geister für die erstgeborenen unter
+den Geistern erklären und die Entstehung der Seelenvorstellungen
+aus dem Eindruck des Todes auf die Überlebenden ableiten. Wir
+machen nur den einen Unterschied, daß wir nicht das intellektuelle
+<a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a>
+Problem voranstellen, welches der Tod dem Lebenden aufgibt, sondern
+die zur Erforschung treibende Kraft in den Gefühlskonflikt
+verlegen, in welchen diese Situation den Überlebenden stürzt.</p>
+
+<p>Die erste theoretische Leistung des Menschen &ndash; die Schöpfung
+der Geister &ndash; würde also aus derselben Quelle entspringen wie die
+ersten sittlichen Beschränkungen, denen er sich unterwirft, die Tabuvorschriften.
+Doch soll die Gleichheit des Ursprungs nichts für die
+Gleichzeitigkeit der Entstehung präjudizieren. Wenn es wirklich die
+Situation des Überlebenden gegen den Toten war, die den primitiven
+Menschen zuerst nachdenklich machte, ihn nötigte, einen Teil
+seiner Allmacht an die Geister abzugeben und ein Stück der freien
+Willkür seines Handelns zu opfern, so wären diese Kulturschöpfungen
+eine erste Anerkennung der <span class="greek" lang="grc" xml:lang="grc" title="Anankê (im Original Ἀναγκη)">Ἀνάγκη</span>, die sich dem
+menschlichen Narzißmus widersetzt. Der Primitive würde sich vor
+der Übermacht des Todes beugen mit derselben Geste, durch die
+er diesen zu verleugnen scheint.</p>
+
+<p>Wenn wir den Mut zur weiteren Ausbeutung unserer Voraussetzungen
+haben, können wir fragen, welches wesentliche Stück
+unserer psychologischen Struktur in der Projektionsschöpfung der
+Seelen und Geister seine Spiegelung und Wiederkehr findet. Es ist
+dann schwer zu bestreiten, daß die primitive Seelenvorstellung, soweit
+sie auch noch von der späteren völlig immateriellen Seele absteht,
+doch das Wesen derselben teilt, also Person oder Ding als eine
+Zweiheit auffaßt, auf deren beide Bestandteile die bekannten Eigenschaften
+und Veränderungen des Ganzen verteilt sind. Diese ursprüngliche
+Dualität &ndash; nach einem Ausdruck von H. <span class="gesperrt">Spencer</span><a name="FNanchor_37" href="#Footnote_37" class="fnanchor">(37)</a> &ndash; ist
+bereits identisch mit jenem Dualismus, der sich in der uns geläufigen
+Trennung von Geist und Körper kundgibt, und dessen unzerstörbare
+sprachliche Äußerungen wir z.&nbsp;B. in der Beschreibung des
+Ohnmächtigen oder Rasenden: <em class="gesperrt">er sei nicht bei sich</em>, erkennen<a name="FNanchor_38" href="#Footnote_38" class="fnanchor">(38)</a>.</p>
+
+<p>Was wir so, ganz ähnlich wie der Primitive, in die äußere Realität
+projizieren, kann kaum etwas anderes sein als die Erkenntnis eines
+Zustandes, in dem ein Ding den Sinnen und dem Bewußtsein
+gegeben, <em class="gesperrt">präsent</em> ist, neben welchem ein anderer besteht, in dem
+dasselbe <em class="gesperrt">latent</em> ist, aber wiedererscheinen kann, also die Koëxistenz
+von Wahrnehmen und Erinnern, oder, ins Allgemeine ausgedehnt,
+die Existenz <em class="gesperrt">unbewußter</em> Seelenvorgänge neben den <em class="gesperrt">bewußten</em><a name="FNanchor_39" href="#Footnote_39" class="fnanchor">(39)</a>.
+Man könnte sagen, der »Geist« einer Person oder eines Dinges reduziere
+sich in letzter Analyse auf deren Fähigkeit erinnert und vorgestellt
+zu werden, wenn sie der Wahrnehmung entzogen sind.</p>
+
+<p>Man wird nun freilich weder von der primitiven, noch von
+der heutigen Vorstellung der »Seele« erwarten dürfen, daß ihre
+<a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a>
+Abgrenzung vom anderen Teile die Linien einhalte, welche unsere
+heutige Wissenschaft zwischen der bewußten und der unbewußten
+Seelentätigkeit zieht. Die animistische Seele vereinigt vielmehr Bestimmungen
+von beiden Seiten in sich. Ihre Flüchtigkeit und Beweglichkeit,
+ihre Fähigkeit, den Körper zu verlassen, dauernd oder
+vorübergehend von einem anderen Leib Besitz zu nehmen, dies
+sind Charaktere, die unverkennbar an das Wesen des Bewußtseins
+erinnern. Aber die Art, wie sie sich hinter der persönlichen Erscheinung
+verborgen hält, mahnt an das Unbewußte; die Unveränderlichkeit
+und Unzerstörbarkeit schreiben wir heute nicht mehr den
+bewußten, sondern den unbewußten Vorgängen zu, und diese
+betrachten wir auch als die eigentlichen Träger der seelischen Tätigkeit.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wir sagten vorhin, der Animismus sei ein Denksystem, die
+erste vollständige Theorie der Welt, und wollen nun aus der
+psychoanalytischen Auffassung eines solchen Systems gewisse Folgerungen
+ableiten. Die Erfahrung jedes unserer Tage kann uns die
+Haupteigenschaften des »Systems« immer von neuem vorführen.
+Wir träumen in der Nacht und haben es erlernt, am Tage den
+Traum zu deuten. Der Traum kann, ohne seine Natur zu verleugnen,
+wirr und zusammenhangslos erscheinen, er kann aber auch
+im Gegenteil die Ordnung der Eindrücke eines Erlebnisses nachahmen,
+eine Begebenheit aus der anderen ableiten und ein Stück
+seines Inhaltes auf ein anderes beziehen. Dies scheint ihm besser
+oder schlechter gelungen zu sein, fast niemals gelingt es so vollkommen,
+daß nicht irgendwo eine Absurdität, ein Riß im Gefüge
+zum Vorschein käme. Wenn wir den Traum der Deutung unterziehen,
+erfahren wir, daß diese inkonstante und ungleichmäßige Anordnung
+der Traumbestandteile auch etwas für das Verständnis des
+Traumes recht Unwichtiges ist. Das Wesentliche am Traum sind
+die Traumgedanken, die allerdings sinnreich, zusammenhängend und
+geordnet sind. Aber deren Ordnung ist eine ganz andere als die
+von uns am manifesten Trauminhalt erinnerte. Der Zusammenhang
+der Traumgedanken ist aufgegeben worden und kann dann entweder
+überhaupt verloren bleiben oder durch den neuen Zusammenhang
+des Trauminhalts ersetzt werden. Fast regelmäßig hat, außer der
+Verdichtung der Traumelemente, eine Umordnung derselben stattgefunden,
+die von der früheren Anordnung mehr oder weniger unabhängig
+ist. Wir sagen abschließend, das, was durch die Traumarbeit
+aus dem Material der Traumgedanken geworden ist, hat eine neue
+Beeinflussung erfahren, die sogenannte »<em class="gesperrt">sekundäre Bearbeitung</em>«,
+deren Absicht offenbar dahingeht, die aus der Traumarbeit resultierende
+Zusammenhangslosigkeit und Unverständlichkeit zugunsten
+eines neuen »Sinnes« zu beseitigen. Dieser neue, durch die sekundäre
+Bearbeitung erzielte Sinn ist nicht mehr der Sinn der Traumgedanken.</p>
+
+<p>Die sekundäre Bearbeitung des Produktes der Traumarbeit ist
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a>
+ein vortreffliches Beispiel für das Wesen und die Ansprüche eines
+Systems. Eine intellektuelle Funktion in uns fordert Vereinheitlichung,
+Zusammenhang und Verständlichkeit von jedem Material
+der Wahrnehmung oder des Denkens, dessen sie sich bemächtigt,
+und scheut sich nicht einen unrichtigen Zusammenhang herzustellen,
+wenn sie infolge besonderer Umstände den richtigen nicht erfassen
+kann. Wir kennen solche Systembildungen nicht nur vom Traume,
+sondern auch von den Phobien, dem Zwangsdenken und den Formen
+des Wahnes. Bei den Wahnerkrankungen (der Paranoia) ist die
+Systembildung das Sinnfälligste, sie beherrscht das Krankheitsbild,
+sie darf aber auch bei den anderen Formen von Neuropsychosen
+nicht übersehen werden. In allen Fällen können wir dann nachweisen,
+daß eine <em class="gesperrt">Umordnung</em> des psychischen Materials zu einem neuen
+Ziel stattgefunden hat, oft eine im Grunde recht gewaltsame, wenn
+sie nur unter dem Gesichtspunkt des Systems begreiflich erscheint.
+Es wird dann zum besten Kennzeichen der Systembildung, daß
+jedes der Ergebnisse desselben mindestens zwei Motivierungen aufdecken
+läßt, eine Motivierung aus den Voraussetzungen des Systems
+&ndash; also eventuell eine wahnhafte &ndash; und eine versteckte, die wir aber
+als die eigentlich wirksame, reale, anerkennen müssen.</p>
+
+<p>Zur Erläuterung ein Beispiel aus der Neurose: In der Abhandlung
+über das Tabu erwähnte ich eine Kranke, deren Zwangsverbote
+die schönsten Übereinstimmungen mit dem Tabu der Maori
+zeigen<a name="FNanchor_40" href="#Footnote_40" class="fnanchor">(40)</a>. Die Neurose dieser Frau ist auf ihren Mann gerichtet;
+sie gipfelt in der Abwehr des unbewußten Wunsches nach seinem
+Tod. Ihre manifeste, systematische Phobie gilt aber der Erwähnung
+des Todes überhaupt, wobei ihr Mann völlig ausgeschaltet ist und
+niemals Gegenstand bewußter Sorge wird. Eines Tages hört sie den
+Mann den Auftrag erteilen, seine stumpf gewordenen Rasiermesser
+sollen in einen bestimmten Laden zum Schleifen gebracht werden.
+Von einer eigentümlichen Unruhe getrieben, macht sie sich selbst
+auf den Weg nach diesem Laden und fordert nach ihrer Rückkehr
+von dieser Rekognoszierung von ihrem Manne, er müsse diese Messer
+für alle Zeiten aus dem Wege räumen, denn sie habe entdeckt,
+daß neben dem von ihm genannten Laden sich eine Niederlage von
+Särgen, Trauerwaren u.&nbsp;dgl. befindet. Die Messer seien durch seine
+Absicht in eine unlösbare Verbindung mit dem Gedanken an den
+Tod geraten. Dies ist nun die systematische Motivierung des Verbots.
+Wir dürfen sicher sein, daß die Kranke auch ohne die Entdeckung
+jener Nachbarschaft das Verbot der Rasiermesser nach
+Hause gebracht hätte. Denn es hätte dazu hingereicht, daß sie auf
+dem Wege nach dem Laden einem Leichenwagen, einer Person in
+Trauerkleidung oder einer Trägerin eines Leichenkranzes begegnete.
+Das Netz der Bedingungen war weit genug ausgespannt, um die
+Beute in jedem Falle zu fangen; es lag dann an ihr, ob sie es
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a>
+zuziehen wollte oder nicht. Man konnte mit Sicherheit feststellen,
+daß sie für andere Fälle die Bedingungen des Verbots nicht aktivierte.
+Dann hieß es eben, es sei ein »besserer Tag« gewesen. Die wirkliche
+Ursache des Verbots der Rasiermesser war natürlich, wie wir mit
+Leichtigkeit erraten, ihr Sträuben gegen eine Lustbetonung der Vorstellung,
+der Mann könne sich mit dem geschärften Rasiermesser
+den Hals abschneiden.</p>
+
+<p>In ganz ähnlicher Weise vervollständigt und detailliert sich eine
+Gehhemmung, eine Abasie oder Agoraphobie, wenn es diesem
+Symptom einmal gelungen ist, sich zur Vertretung eines unbewußten
+Wunsches oder der Abwehr gegen denselben aufzuschwingen. Was
+sonst noch an unbewußten Phantasien und an wirksamen Reminiszenzen
+in dem Kranken vorhanden ist, drängt diesem einmal eröffneten
+Ausweg zum symptomatischen Ausdruck zu und bringt sich
+in zweckmäßiger Neuordnung im Rahmen der Gehstörung unter.
+Es wäre also ein vergebliches, eigentlich ein törichtes Beginnen,
+wenn man das symptomatische Gefüge und die Einzelheiten, z.&nbsp;B.
+einer Agoraphobie aus der Grundvoraussetzung derselben verstehen
+wollte. Alle Konsequenz und Strenge des Zusammenhanges ist
+doch nur scheinbar. Schärfere Beobachtung kann, wie bei der Fassadenbildung
+des Traumes, die ärgsten Inkonsequenzen und Willkürlichkeiten
+der Symptombildung aufdecken. Die Einzelheiten einer solchen
+systematischen Phobie entnehmen ihre reale Motivierung versteckten
+Determinanten, die mit der Gehhemmung nichts zu tun haben müssen,
+und darum fallen auch die Gestaltungen einer solchen Phobie bei
+verschiedenen Personen so mannigfaltig und so widersprechend aus.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Suchen wir nun den Rückweg zu dem uns beschäftigenden
+System des Animismus, so schließen wir aus unseren Einsichten
+über andere psychologische Systeme, daß die Motivierung einer einzelnen
+Sitte oder Vorschrift durch den »Aberglauben« auch bei den
+Primitiven nicht die einzige und die eigentliche Motivierung zu sein
+braucht und uns der Verpflichtung nicht überhebt, nach den versteckten
+Motiven derselben zu suchen. Unter der Herrschaft eines
+animistischen Systems ist es nicht anders möglich, als daß jede Vorschrift
+und jede Tätigkeit eine systematische Begründung erhalte,
+welche wir heute eine »abergläubische« heißen. »Aberglaube« ist wie
+»Angst«, wie »Traum«, wie »Dämon«, eine der psychologischen
+Vorläufigkeiten, die vor der psychoanalytischen Forschung zergangen
+sind. Kommt man hinter diese, die Erkenntnis wie Wandschirme
+abwehrenden Konstruktionen, so ahnt man, daß dem Seelenleben und
+der Kulturhöhe der Wilden ein Stück verdienter Würdigung bisher
+vorenthalten wurde.</p>
+
+<p>Betrachtet man die Triebverdrängung als ein Maß des erreichten
+Kulturniveaus, so muß man zugestehen, daß auch unter dem animistischen
+System Fortschritte und Entwicklungen vorgefallen sind, die
+man mit Unrecht ihrer abergläubischen Motivierung wegen geringe
+<a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>
+schätzt. Wenn wir hören, daß Krieger eines wilden Volksstammes
+sich die größte Keuschheit und Reinlichkeit auferlegen, sobald sie
+sich auf den Kriegspfad begeben<a name="FNanchor_41" href="#Footnote_41" class="fnanchor">(41)</a>, so wird uns die Erklärung nahegelegt,
+daß sie ihren Unrat beseitigen, damit sich der Feind dieses
+Teiles ihrer Person nicht bemächtige, um ihnen auf magische Weise
+zu schaden, und für ihre Enthaltsamkeit sollen wir analoge abergläubische
+Motivierungen vermuten. Nichtsdestoweniger bleibt die
+Tatsache des Triebverzichtes bestehen, und wir verstehen den Fall
+wohl besser, wenn wir annehmen, daß der wilde Krieger sich solche
+Beschränkungen zur Ausgleichung auferlegt, weil er im Begriffe
+steht, sich die sonst untersagte Befriedigung grausamer und feindseliger
+Regungen im vollen Ausmaße zu gestatten. Dasselbe gilt
+für die zahlreichen Fälle von sexueller Beschränkung, solange man
+mit schwierigen oder verantwortlichen Arbeiten beschäftigt ist<a name="FNanchor_42" href="#Footnote_42" class="fnanchor">(42)</a>. Mag
+sich die Begründung dieser Verbote immerhin auf einen magischen
+Zusammenhang berufen, die fundamentale Vorstellung, durch Verzicht
+auf Triebbefriedigung größere Kraft zu gewinnen, bleibt doch unverkennbar,
+und die hygienische Wurzel des Verbots ist neben der
+magischen Rationalisierung derselben nicht zu vernachlässigen. Wenn
+die Männer eines wilden Volksstammes zur Jagd, zum Fischfang,
+zum Krieg, zum Einsammeln kostbarer Pflanzenstoffe ausgezogen
+sind, so bleiben ihre Frauen unterdes im Hause zahlreichen
+drückenden Beschränkungen unterworfen, denen von den Wilden
+selbst eine in die Ferne reichende, sympathetische Wirkung auf das
+Gelingen der Expedition zugeschrieben wird. Doch gehört wenig
+Scharfsinn dazu, um zu erraten, daß jenes in die Ferne wirkende
+Moment kein anderes als das Heimwärtsdenken, die Sehnsucht der
+Abwesenden, ist, und daß hinter diesen Einkleidungen die gute
+psychologische Einsicht steckt, die Männer werden ihr Bestes nur
+dann tun, wenn sie über den Verbleib der unbeaufsichtigten Frauen
+vollauf beruhigt sind. Andere Male wird es direkt, ohne magische
+Motivierung ausgesprochen, daß die eheliche Untreue der Frau die
+Bemühungen des in verantwortlicher Tätigkeit abwesenden Mannes
+zum Scheitern bringt.</p>
+
+<p>Die unzähligen Tabuvorschriften, denen die Frauen der Wilden
+während ihrer Menstruation unterliegen, werden durch die abergläubische
+Scheu vor dem Blute motiviert und haben in ihr wohl
+auch eine reale Begründung. Aber es wäre unrecht die Möglichkeit
+zu übersehen, daß diese Blutscheu hier auch ästhetischen und hygienischen
+Absichten dient, die sich in allen Fällen mit magischen
+Motivierungen drapieren müßten.</p>
+
+<p>Wir täuschen uns wohl nicht darüber, daß wir uns durch solche
+Erklärungsversuche dem Vorwurf aussetzen, daß wir den heutigen
+Wilden eine Feinheit der seelischen Tätigkeiten zumuten, die weit
+über die Wahrscheinlichkeit hinausgeht. Allein ich meine, es könnte
+<a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a>
+uns mit der Psychologie dieser Völker, die auf der animistischen
+Stufe stehen geblieben sind, leicht so ergehen wie mit dem Seelenleben
+des Kindes, das wir Erwachsene nicht mehr verstehen, und
+dessen Reichhaltigkeit und Feinfühligkeit wir darum so sehr unterschätzt
+haben.</p>
+
+<p>Ich will noch einer Gruppe von bisher unerklärten Tabuvorschriften
+gedenken, weil sie eine dem Psychoanalytiker vertraute
+Aufklärung zuläßt. Bei vielen wilden Völkern ist es unter verschiedenen
+Verhältnissen verboten, scharfe Waffen und schneidende
+Instrumente im Hause zu halten<a name="FNanchor_43" href="#Footnote_43" class="fnanchor">(43)</a>. <span class="gesperrt">Frazer</span> zitiert einen deutschen
+Aberglauben, daß man ein Messer nicht mit der Schneide nach oben
+liegen lassen dürfe. Gott und die Engel könnten sich daran verletzen.
+Soll man in diesem Tabu nicht die Ahnung gewisser
+»Symptomhandlungen« erkennen, zu denen die scharfe Waffe durch
+unbewußte böse Regungen gebraucht werden könnte?</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 120px;">
+<img src="images/deko.png" width="120" height="119" alt=""/>
+</div>
+
+
+<div class="footnotes">
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a>
+Die geforderte Zusammendrängung des Stoffes bringt auch den Verzicht
+auf eingehende Literaturnachweise mit sich. An deren Stelle stehe der Hinweis auf
+die bekannten Werke von Herbert <span class="gesperrt">Spencer</span>, J.&nbsp;G. <span class="gesperrt">Frazer</span>, A. <span class="gesperrt">Lang</span>, E.&nbsp;B. <span class="gesperrt">Tylor</span>
+und W. <span class="gesperrt">Wundt</span>, aus denen alle Behauptungen über Animismus und Magie entnommen
+sind. Die Selbständigkeit des Verfassers kann sich nur in der von ihm
+getroffenen Auswahl der Materien sowie der Meinungen kundgeben.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_2" href="#FNanchor_2" class="label">(2)</a>
+E.&nbsp;B. <span class="gesperrt">Tylor</span>, Primitive Culture. I.&nbsp;Bd., p.&nbsp;425, 4.&nbsp;Aufl., 1903. &ndash;
+W. <span class="gesperrt">Wundt</span>, Mythus und Religion, II.&nbsp;Bd., p.&nbsp;173, 1906.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_3" href="#FNanchor_3" class="label">(3)</a>
+<span class="gesperrt">Wundt</span>, l.&nbsp;c., IV.&nbsp;Kapitel »Die Seelenvorstellungen«.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_4" href="#FNanchor_4" class="label">(4)</a>
+Vgl. außer bei <span class="gesperrt">Wundt</span> und H. <span class="gesperrt">Spencer</span> die orientierenden Artikel der
+Encyclopedia Britannica 1911 (Animism, Mythology usw.).
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_5" href="#FNanchor_5" class="label">(5)</a>
+l.&nbsp;c., p.&nbsp;154.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_6" href="#FNanchor_6" class="label">(6)</a>
+Bei <span class="gesperrt">Tylor</span>, Primitive Culture, I.&nbsp;Bd., p.&nbsp;477.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_7" href="#FNanchor_7" class="label">(7)</a>
+Cultes, Mythes et Religions, T.&nbsp;II, Introduction, p.&nbsp;XV, 1909.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_8" href="#FNanchor_8" class="label">(8)</a>
+Année sociologique, VII.&nbsp;Bd., 1904.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_9" href="#FNanchor_9" class="label">(9)</a>
+Wenn man einen Geist durch Lärm und Geschrei verscheucht, so ist dies
+eine rein zauberische Handlung; wenn man ihn zwingt, indem man sich seines
+Namens bemächtigt, so hat man Magie gegen ihn gebraucht.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_10" href="#FNanchor_10" class="label">(10)</a>
+The magic art. II, p.&nbsp;67.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_11" href="#FNanchor_11" class="label">(11)</a>
+Das biblische Verbot, sich ein Bild von irgend etwas Lebendem zu machen,
+entstammte wohl keiner prinzipiellen Ablehnung der bildenden Kunst, sondern
+sollte der von der hebräischen Religion verpönten Magie ein Werkzeug entziehen.
+<span class="gesperrt">Frazer</span>, l.&nbsp;c., p.&nbsp;87, Note.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_12" href="#FNanchor_12" class="label">(12)</a>
+The magic art. II, p.&nbsp;98.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_13" href="#FNanchor_13" class="label">(13)</a>
+Davon ein Nachklang im König Oedipus des Sophokles.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_14" href="#FNanchor_14" class="label">(14)</a>
+The magic art. I, p.&nbsp;120.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_15" href="#FNanchor_15" class="label">(15)</a>
+l.&nbsp;c., p.&nbsp;122.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_16" href="#FNanchor_16" class="label">(16)</a>
+Imago, I, p.&nbsp;317 und&nbsp;ff.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_17" href="#FNanchor_17" class="label">(17)</a>
+<span class="gesperrt">Frazer</span>, The magic art. I, p.&nbsp;201&ndash;203.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_18" href="#FNanchor_18" class="label">(18)</a>
+The magic art. I, p.&nbsp;420&nbsp;ff.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_19" href="#FNanchor_19" class="label">(19)</a>
+Vgl. den Artikel <em class="gesperrt">Magic</em> (N.&nbsp;W.&nbsp;T.) in der 11.&nbsp;Auflage der Encyclopedia
+Britannica.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_20" href="#FNanchor_20" class="label">(20)</a>
+l.&nbsp;c., p.&nbsp;54.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_21" href="#FNanchor_21" class="label">(21)</a>
+Formulierungen über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens.
+Jahrb. f. psychoanalyt. Forschungen, III.&nbsp;Bd., 1912, p.&nbsp;2.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_22" href="#FNanchor_22" class="label">(22)</a>
+Der König in »<cite class="gesperrt">Hamlet</cite>« (III, 4.): »My words fly up, my thoughts
+remain below; Words without thoughts never to heaven go«.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_23" href="#FNanchor_23" class="label">(23)</a>
+Vgl. die vorige Abhandlung dieser Reihe, Imago, I.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_24" href="#FNanchor_24" class="label">(24)</a>
+Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose, Jahrb. f. psychoanalyt.
+u. psychopath. Forschungen, I.&nbsp;Bd., 1909.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_25" href="#FNanchor_25" class="label">(25)</a>
+Es scheint, daß wir den Charakter des »Unheimlichen« solchen Eindrücken
+verleihen, welche die Allmacht der Gedanken und die animistische Denkweise überhaupt
+bestätigen wollen, während wir uns bereits im Urteil von ihr abgewendet haben.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_26" href="#FNanchor_26" class="label">(26)</a>
+Ein weiteres Motiv für diese Verschiebung auf eine kleinste Aktion wird
+sich aus den nachstehenden Erörterungen ergeben.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_27" href="#FNanchor_27" class="label">(27)</a>
+It is almost an axiom with writers on this subject, that a sort of
+Solipsism or Berkleianism (as Professor <span class="gesperrt">Sully</span> terms it as he finds it in the
+Child) operates in the savage to make him refuse to recognise death as a fact. &ndash;
+<span class="gesperrt">Marett</span>, Pre-animistic religion, Folklore, XI.&nbsp;Bd., 1900, p.&nbsp;178.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_28" href="#FNanchor_28" class="label">(28)</a>
+Es soll hier nur angedeutet werden, daß der ursprüngliche Narzißmus des
+Kindes maßgebend für die Auffassung seiner Charakterentwicklung ist und die
+Annahme eines primitiven Minderwertigkeitsgefühles bei demselben ausschließt.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_29" href="#FNanchor_29" class="label">(29)</a>
+S. <span class="gesperrt">Reinach</span>, L'art et la magie in der Sammlung Cultes, Mythes et
+Religions, I.&nbsp;Bd., p.&nbsp;125 bis 136. &ndash; <span class="gesperrt">Reinach</span> meint, die primitiven Künstler, welche
+uns die eingeritzten oder aufgemalten Tierbilder in den Höhlen Frankreichs hinterlassen
+haben, wollten nicht »Gefallen erregen«, sondern »beschwören«. Er erklärt
+es so, daß sich diese Zeichnungen an den dunkelsten und unzugänglichsten Stellen
+der Höhlen befinden, und daß die Darstellungen der gefürchteten Raubtiere unter
+ihnen fehlen. »Les modernes parlent souvent, par hyperbole, de la magie du
+pinceau ou du ciseau d'un grand artiste et, en général, de la magie de l'art.
+Entendu au sens propre, qui est celui d'une contrainte mystique exercée par la
+volonté de l'homme sur d'autres volontés ou sur les choses, cette expression n'est
+plus admissible; mais nous avons vu qu'elle était autrefois <ins title="rigouresement">rigoureusement</ins> vraie,
+du moins dans l'opinion des artistes« (p.&nbsp;136).
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_30" href="#FNanchor_30" class="label">(30)</a>
+Durch sogenannte endopsychische Wahrnehmung erkannte.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_31" href="#FNanchor_31" class="label">(31)</a>
+R.&nbsp;R. <span class="gesperrt">Marett</span>, Pre-animistic religion, Folklore, XI.&nbsp;Bd., Nr.&nbsp;2, London
+1900. &ndash; Vgl. <span class="gesperrt">Wundt</span>, Mythus und Religion, II.&nbsp;Bd., p.&nbsp;171 und&nbsp;ff.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_32" href="#FNanchor_32" class="label">(32)</a>
+Imago, I.&nbsp;Bd., Tabu, p.&nbsp;324.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_33" href="#FNanchor_33" class="label">(33)</a>
+Wir nehmen an, daß in diesem frühen narzißtischen Stadium Besetzungen
+aus libidinöser und anderen Erregungsquellen vielleicht noch ununterscheidbar miteinander
+vereinigt sind.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_34" href="#FNanchor_34" class="label">(34)</a>
+<span class="gesperrt">Schreber</span>, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken. 1903. &ndash; <span class="gesperrt">Freud</span>,
+Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von
+Paranoia, Jahrb. f. psychoanalyt. Forsch., III.&nbsp;Bd., 1911.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_35" href="#FNanchor_35" class="label">(35)</a>
+Vgl. die letztzitierte Abhandlung über <span class="gesperrt">Schreber</span>, p.&nbsp;59.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_36" href="#FNanchor_36" class="label">(36)</a>
+Abhandlung über das Tabu, Imago, I.&nbsp;Bd., p.&nbsp;322 und&nbsp;ff.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_37" href="#FNanchor_37" class="label">(37)</a>
+Im I.&nbsp;Band der »Prinzipien der Soziologie«.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_38" href="#FNanchor_38" class="label">(38)</a>
+H. <span class="gesperrt">Spencer</span>, l.&nbsp;c., p.&nbsp;179.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_39" href="#FNanchor_39" class="label">(39)</a>
+Vgl. meine kleine Schrift: A note on the Unconscious in Psycho-Analysis
+aus den Proceedings of the Society for Psychical Research, Part&nbsp;LXVI, vol.&nbsp;XXVI,
+London 1912.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_40" href="#FNanchor_40" class="label">(40)</a>
+Imago, Bd.&nbsp;I, p.&nbsp;221.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_41" href="#FNanchor_41" class="label">(41)</a>
+<span class="gesperrt">Frazer</span>, Taboo and the perils of the soul, p.&nbsp;158.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_42" href="#FNanchor_42" class="label">(42)</a>
+<span class="gesperrt">Frazer</span>, l.&nbsp;c., p.&nbsp;200.
+</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_43" href="#FNanchor_43" class="label">(43)</a>
+<span class="gesperrt">Frazer</span>, l.&nbsp;c., p.&nbsp;237.
+</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div id="tnote-bottom">
+<p class="center"><a name="tn-bottom"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></a></p>
+
+<p>Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt,
+wobei jeweils zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle
+steht.</p>
+
+<ul id="corrections">
+<li><a href="#Page_2">Seite 2</a>:<br/>
+gehabt haben mögen, <span class="correction">die über</span> Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder<br/>
+gehabt haben mögen, <span class="correction">über</span> Traumbilder, Schatten, Spiegelbilder
+</li>
+<li><a href="#Page_16">Seite 16</a>:<br/>
+eine erste Anerkennung der <span class="correction">Ἀναγκη</span>, die sich dem<br/>
+eine erste Anerkennung der <span class="correction">Ἀνάγκη</span>, die sich dem
+</li>
+<li><a href="#Footnote_29">Fußnote 29:</a><br/>
+plus admissible; mais nous avons vu qu'elle était autrefois <span class="correction">rigouresement</span> vraie,<br/>
+plus admissible; mais nous avons vu qu'elle était autrefois <span class="correction">rigoureusement</span> vraie,
+</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Animismus, Magie und Allmacht der
+Gedanken, by Sigmund Freud
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANIMISMUS, MAGIE UND ALLMACHT ***
+
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