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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:05:40 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:05:40 -0700
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+The Project Gutenberg EBook of Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis, by
+Otto Schoetensack (1850-1912)
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis
+ Aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg
+
+Author: Otto Schoetensack (1850-1912)
+
+Release Date: June 11, 2011 [EBook #36382]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNTERKIEFER DES HOMO ***
+
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+
+Produced by Frank van Drogen, Jens Nordmann and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Schreibweise
+und Formatierung wurden prinzipiell beibehalten.
+
+Die Buchstaben "C" und "c" mit Akut wurden ersetzt durch [/C] und[/c].
+
+Die Buchstaben "O" "S" und "s" mit Karet wurden ersetzt durch [vO], [vS]
+und [vs].
+
+Auf Seite 114 wurde das Symbol für "weiblich" ersetzt durch [fem.] und das
+Symbol für "männlich" durch [masc.]
+
+
+Formatierung:
+
+Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=), kursiver Text mit
+Unterstrichen (_Text_) und fett gedruckter Text mit Dollarzeichen
+($Text$) markiert.
+
+Bindestriche, wie "-----", ersetzen in den Beschreibungen der Abbildungen
+eine durchgezogene Linie und Unterstriche, wie "_____", eine
+gestrichelte Linie.
+
+Die Tabelle auf Seite 25 wurde geteilt.
+
+
+
+
+ DER UNTERKIEFER DES HOMO HEIDELBERGENSIS
+
+ AUS DEN SANDEN VON MAUER BEI HEIDELBERG
+
+
+ EIN BEITRAG
+
+ ZUR PALÄONTOLOGIE DES MENSCHEN
+
+
+ VON
+
+ OTTO SCHOETENSACK
+
+
+
+ MIT 13 TAFELN, DAVON 10 IN LICHTDRUCK
+
+
+ LEIPZIG
+
+ VERLAG VON WILHELM ENGELMANN
+
+ 1908
+
+
+ ALLE RECHTE, INSBESONDERE DAS DER ÜBERSETZUNG, VORBEHALTEN.
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ VORWORT.
+
+
+Der den Gegenstand vorliegender Abhandlung bildende menschliche
+Unterkiefer wurde in den 10 km südöstlich von Heidelberg anstehenden, in
+der Literatur als Sande von Mauer bekannten fluviatilen Ablagerungen
+aufgefunden. Das Alter dieser Sande wird nach den darin angetroffenen
+Säugetierresten gemeinhin als altdiluvial angegeben; einige darin
+vertretene Arten lassen aber auch deutliche Beziehungen zu dem jüngsten
+Abschnitte des Tertiärs, dem Pliocän, erkennen. So durfte man vermuten,
+daß etwa in diesen Schichten sich findende Menschenknochen bedeutsame
+Aufschlüsse über die Morphogenese des menschlichen sowie überhaupt des
+Primatenskelettes geben würden. Diese Annahme hat nunmehr durch den Fund
+der Mandibula Bestätigung erfahren.
+
+Ich habe mich bemüht, in dieser Schrift vor allem eine möglichst
+erschöpfende Beschreibung des Fundobjektes und der -- bei fossilen
+Menschenresten äußerst wichtigen -- Fundumstände zu geben. Bei den
+vergleichenden Studien habe ich mich im wesentlichen auf das von den
+Direktoren der hiesigen Universitätssammlungen, den Herren O. BÜTSCHLI,
+M. FÜRBRINGER und W. SALOMON, sowie von Herrn H. KLAATSCH in Breslau mir
+in entgegenkommendster Weise zur Verfügung gestellte Material gestützt.
+Letztgenannter Freund sowie Herr G. PORT standen mir bei meinen
+Untersuchungen mit ihren reichen Erfahrungen bei, die mir insbesondere
+bei den diagraphischen und Röntgenaufnahmen sehr zustatten kamen. Die
+Herren GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER in Agram und J. FRAIPONT in Brüssel
+waren so liebenswürdig, mir Gipsabgüsse fossiler Unterkiefer zu
+überlassen. Ferner lieh mir Herr Assistent W. SPITZ bei den
+photographischen Aufnahmen freundlichst seinen Beistand. -- Allen diesen
+Herren sei hiermit herzlicher Dank ausgesprochen.
+
+ Universität Heidelberg im September 1908.
+
+ OTTO SCHOETENSACK.
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ DER UNTERKIEFER DES HOMO HEIDELBERGENSIS
+
+
+ AUS DEN SANDEN VON MAUER BEI HEIDELBERG
+
+
+
+
+ GEOLOGISCHER TEIL
+
+ ANTHROPOLOGISCHER TEIL
+
+ ANHANG ZUM ANTHROPOLOGISCHEN TEIL
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ I. Geologisch paläontologischer Teil.
+
+
+Das Dorf Mauer, auf dessen Feldmark unser Fund am 21. Oktober 1907
+gemacht wurde, ist 10 km südöstlich von Heidelberg und 6 km südlich von
+Neckargemünd, dicht an der südlichen Grenze des Odenwaldgebirges
+gelegen. Dieses wird in seinem südlichen Teile von dem aus dem
+schwäbischen Muschelkalkgebiete kommenden Neckar durchbrochen, der
+unterhalb Neckarelz auf den Buntsandstein stößt, den er bis zum Eintritt
+in die Rheinebene in vielfach gewundenem Laufe erodiert hat. Diese
+Talbildung reicht, worauf E. W. BENECKE[8] zuerst hingewiesen hat und
+was auch A. SAUER[70] in den Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte
+des Großherzogtums Baden, Blatt Neckargemünd, bestätigt, bis in die
+Tertiärzeit zurück.
+
+Wenige Kilometer südlich von Neckargemünd verschwindet der Buntsandstein
+dauernd unter der Oberfläche, und das Muschelkalkgebirge stellt sich
+ein. Mannigfach zergliedert und reichlich mit Löß und Lehm bedeckt,
+bietet es fruchtbares Ackerland dar, das, von der bei Neckargemünd in
+den Neckar sich ergießenden Elsenz durchflossen, frühzeitig zur
+Besiedelung einlud. -- Schon in alter Zeit führte eine Verkehrsstraße
+von hier aus in das Schwabenland, der jetzt auch die Eisenbahnlinie
+Heidelberg-Neckargemünd-Jagstfeld folgt, die uns von Heidelberg in
+30 Minuten an den Fundort bringt.
+
+Die geologischen und topographischen Verhältnisse des unteren
+Elsenztales lassen sich an der Hand der oben genannten Karte, von der
+auf Taf. I, Fig. I ein Ausschnitt auf 1:50000 reduziert gegeben
+ist[I.], leicht übersehen. Im nördlichen Teile herrscht der
+Buntsandstein vor, der in ostwestlicher Richtung von dem Neckar
+durchfurcht wird. Senkrecht zu diesem Flusse erblicken wir zwei parallel
+verlaufende Täler, die »in ihrer engen felsigen Beschaffenheit dem
+Haupttale des Neckars unter- und oberhalb Neckargemünds gleichen«. Es
+sind dies, wie SAUER gezeigt hat, Teile einer alten =Neckarschlinge=, die
+weiter südlich, wo sie in das leichter zerstörbare Muschelkalkgebirge
+eintrat, eine beträchtliche Talerweiterung erfuhr und den
+terrassenförmigen Absatz der unter dem Namen »=Sande von Mauer=«
+bekannten, von SAUER als altdiluvial bezeichneten Aufschüttungen
+veranlaßte, deren Ursprung auch durch typische =Neckargerölle= bezeugt
+wird.
+
+ [I.] Die Signaturen auf dieser Karte sind mit Hilfe eines
+ Vergrößerungsglases lesbar.
+
+Von den beiden vom Neckar verlassenen Paralleltälern wird das westliche
+von der Elsenz zum Abfluß benutzt, während das östliche, durch welches
+jetzt die Landstraße von Wiesenbach nördlich zum Neckar führt, trocken
+liegt. Daß dies schon seit der mittel-diluvialen Zeit der Fall ist, wird
+durch die Verbreitung der Ablagerungen von älterem und jüngerem Löß
+erwiesen, die sich auf und nahe der Sohle des Wiesenbacher Tales
+vorfinden.
+
+Die »Sande von Mauer«, auf der Karte (Taf. I, Fig. 2) mit der Signatur
+»dun« versehen und großpunktiert eingezeichnet, sind namentlich an dem
+rechten Elsenzgehänge durch Gruben erschlossen, die schon zu BRONNS
+Zeiten (in den dreißiger und vierziger Jahren des vor. Jahrh.)
+paläontologisches Material lieferten.
+
+Seit 30 Jahren hat die etwa 500 m nördlich vom Dorfe Mauer im Gewann
+Grafenrain gelegene, von Herrn J. RÖSCH in Mauer zur Gewinnung von
+Bausand betriebene Sandgrube zahlreiche Tierreste ergeben, die von dem
+genannten Herrn mit großer Sorgfalt geborgen und in uneigennütziger
+Weise, hauptsächlich durch Schenkung an badische Staatssammlungen, der
+Wissenschaft zugänglich gemacht wurden.
+
+Bei dem lebhaften Abbau des Sandes, von dem nach gütiger Mitteilung des
+Herrn RÖSCH seit 1877 159750 cbm gewonnen sind, wobei 182250 cbm Abraum
+beseitigt, insgesamt also 342000 cbm bewegt werden mußten, entstehen
+beständig frische Anbrüche, die entsprechend dem wechselnden Bilde, das
+fluviatile Ablagerungen darzubieten pflegen, in den einzelnen Schichten
+wohl stark variieren, in der Gesamterscheinung aber, wie die von
+E. W. BENECKE und E. COHEN[9] gegebene Beschreibung und die von A. SAUER
+mitgeteilten Profile erkennen lassen, Übereinstimmung mit dem
+nachstehenden Profile zeigen, das 12 Tage nach Auffindung des
+menschlichen Unterkiefers unter freundlicher Mitwirkung von
+Prof. W. SALOMON, Herrn W. SPITZ und den Praktikanten des Heidelberger
+geologisch-paläontologischen Instituts aufgenommen wurde:
+
+=Profil der Sandgrube im Grafenrain (Grundstück Nr. 789), Gemarkung Mauer
+(Amtsbezirk Heidelberg), aufgenommen am 2. November 1907= (vgl. Taf. III,
+Fig. 5).
+
+Richtung der Grubenwand Nord 26 West. Fußpunkt 1,40 m nördlich von der
+Fundstelle des menschlichen Unterkiefers.
+
+ Ordnungszahl Mächtigkeit
+ der Schichten in Metern
+
+ Jüngerer { 27 5,74 Jüngerer =Löß=, unten mit kleinen
+ Löß { Lößkindeln.
+
+ { 26 2,25 Brauner =Lehm= ohne sandige Lagen.
+ { 25 1,30 Brauner =Lehm=, stellenweise etwas
+ Älterer { sandig, aber ohne ausgesprochene
+ Löß bzw. { Sandschmitzchen.
+ Sandlöß { 24 1,63 =Letten=, meist stark sandig, mit
+ { vereinzelten Sandschmitzchen und
+ { Lagen von Lößkindeln.
+
+ { 23 etwa 1,80 Grauer, mittelkörniger =Sand=, in
+ { abwechselnden Lagen ± verfestigt
+ { (etwa 15 Gesimse).
+ { 22 0,36 Graue feste =Sand=bank,
+ { mittelkörnig, mit HCl ganz schwach
+ { brausend, gesimsbildend.
+ { 21 1,30 Lockerer eisenschüssiger =Sand=,
+ { bald gröber, bald feiner, mit HCl
+ { ganz schwach brausend.
+ { 20 0,07 Festere, sehr eisenschüssige
+ { mittelkörnige =Sand=bank.
+ { 19 0,40 Eisenschüssiger =Sand=.
+ { 18 0,70 Grauer mittelkörniger =Sand=, mit
+ { HCl nicht brausend, unmittelbar
+ { über dem Letten stark
+ { eisenschüssig.
+ { 17 0,70 Brauner =sandiger Letten= und
+ { lettiger Sand; oben reiner, unten
+ { ziemlich reiner Letten;
+ { gesimsbildend.
+ { 16 0,22-0,25 =Sand=schicht mit dünnen
+ { eisenschüssigen Lagen nach S.
+ { anschwellend, nach N. auskeilend.
+ { 15 etwa 0,20-0,23 =Geröll=schicht mit
+ { Eistransportblöcken und
+ { Unioresten.
+ { 14 etwa 0,34 Grauer bis gelbbrauner =Sand= mit
+ { Andeutung von Schrägschichtung und
+ { Neigung zur Windpfeilerbildung.
+ { 13 etwa 0,50 =Sand=, reich an kleinen Geröllen,
+ { z. T. eisenschüssig.
+ { 12 etwa 0,50 Grauer mittelkörniger =Sand= mit
+ { einer schwach eisenschüssigen
+ { Schicht.
+ { Lettenbank.
+ { 11 2,25 Sehr fester =Letten=, mit HCl
+ { schwach brausend.
+ { 10 1,65 Abwechselnde Schichten von schwach
+ { eisenschüssigem =Sand= und grauem,
+ Mauerer { manchmal auch braunem Letten. Die
+ Sande. { jüngste der nach oben an
+ { Mächtigkeit zunehmenden etwa 9
+ { Lettenschichten enthält nur sehr
+ { wenig Sand.
+ { 9 etwa 0,55 Reiner =Sand= mit unregelmäßig
+ { verteilten eisenschüssigen
+ { Stellen.
+ { 8 etwa 0,25 Mittelkörniger, grauer =Sand= mit
+ { vereinzelten kleinen Geröllen und
+ { vielen Lettenbrocken.
+ { 7 1,35 Mittelkörniger =Sand= mit
+ { vereinzelten kleinen Geröllen und
+ { Lettenbröckchen.
+ { 6 0,60-0,65 Grauer, mittelkörniger =Sand= mit
+ { vereinzelten Geröllen und kleinen
+ { Geröllschmitzchen. (Die Lage mit
+ { den vereinzelten Geröllen tritt
+ { nur stellenweise auf.)
+ { 5 etwa 0,23 Grobkörniger, mit HCl nicht
+ { brausender =Sand= mit
+ { eisenschüssigen Bändern.
+ { 4 etwa 0,10 =Geröll=schicht, durch
+ { kohlensauren Kalk etwas verkittet,
+ { mit ganz dünnen Lagen von Letten,
+ { der mit HCl schwach braust.
+ { $(Fundschicht des menschlichen
+ { Unterkiefers.)$
+ { 3 0,22 Gröberer =Sand=, mit HCl nicht
+ { brausend.
+ { 2 etwa 0,20 =Geröll=schicht, z. T. deutlich
+ { zu einem Conglomerat verkittet.
+ { Der verkittende Sand ist stark
+ { eisenschüssig, mit HCl nicht
+ { brausend. Weiß-Juragerölle und
+ { Reste von Unio sind häufig.
+ { 1 etwa 0,45 Mittelkörniger, mit HCl nicht
+ { brausender =Sand=.
+
+ Grubensohle.
+
+Hiernach wurde der menschliche Unterkiefer etwa 0,87 m über der Sohle
+und etwa 24,10 m =unter der Oberkante der Sandgrube= aufgefunden, welch
+letztere Zahl der vom Geometer festgestellten 24,63 m (vgl. Taf. II,
+Fig. 3) bis auf 0,53 m nahekommt. Um diesen Punkt für die Zukunft
+festzulegen, ließ ich auf dieser Stelle einen kubischen Sandstein mit
+der eingemeißelten Inschrift »Fundstelle des menschlichen Unterkiefers
+21. Oktober 1907« errichten. Dieser Stein soll liegen bleiben, auch wenn
+die Grube wieder zugeworfen wird. Es soll dann oben ein neuer Stein mit
+entsprechender Inschrift gesetzt werden.
+
+Die in dem vorstehenden Profil mit No. 23-1 bezeichneten, von 5,18 m
+älterem Löß und 5,74 m jüngerem Löß überlagerten Mauerer Sande haben
+wegen ihres Reichtums an Tierresten seit langer Zeit die Aufmerksamkeit
+der Geologen auf sich gelenkt. So führt A. BRAUN[13] in der auf der
+Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Mainz 1842 gegebenen
+vergleichenden Zusammenstellung der lebenden und diluvialen
+Molluskenfauna des Rheintals mit der tertiären des Mainzer Beckens unter
+der Rubrik »Ältere Diluvialbildung« die Sande bei Bruchsal, =bei Mauer im
+Elsenztal= und bei Mosbach zwischen Mainz und Wiesbaden an. Während er
+von Mosbach auf Grund der Untersuchungen des Bergsekretärs RAHT
+66 Conchylienarten zu verzeichnen in der Lage ist, muß er sich für Mauer
+auf folgende Bemerkung beschränken: »Der dortige, durch seine
+interessanten Säugetierknochen bekannte, hoch von Löß bedeckte Sand
+enthält eine Menge von Unionen und größeren Helices, jedoch sämtlich so
+weich und mürbe, daß eine vollständige Herauslösung und genaue
+Bestimmung bis jetzt nicht möglich war.«
+
+FR. SANDBERGER[69] bemerkt sodann in seinem 1870/75 erschienenen Werke
+»Die Land- und Süßwasserconchylien der Vorwelt«, in dem über die
+Binnenmollusken der Mittelpleistocänschichten handelnden Kapitel
+folgendes: »Im Neckartale selbst sind in keiner sonstigen unter dem
+Tallöß gelagerten Ablagerung Binnenmollusken nachgewiesen, wohl aber in
+dem bei Neckargemünd in dasselbe einmündenden Elsenztale. Hier finden
+sich bei Mauer etwa 100' über dem Spiegel der Elsenz Sand- und
+Geröllbänke, welche schon A. BRAUN als Lagerstätte fossiler Wirbeltiere
+und Binnenmollusken bekannt waren. Im Jahre 1868 beobachtete ich hier
+von oben nach unten in einer Sandgrube:
+
+ 1. Tallöß mit zahlreichen Conchylien 20 Fuß.
+
+ 2. =Rötlichen Sand= mit diagonaler Schichtung und einzelnen
+ Stücken von =Helix rufescens=, =Helix hispida= und =Succinea
+ oblonga=, an der Grenze gegen 3 auch mit zerbrochenen Unionen 36 »
+
+ 3. Groben Kies, bestehend aus Geröllen von Buntsandstein,
+ Wellenkalk, Muschelkalk, Hornstein und Feldspatbrocken mit
+ Equus caballus und Elephas primigenius (?) 40 »
+
+Da von Binnenmollusken nur die oben genannten Arten, von Säugetieren
+aber nur noch Rhinoceros Merckii Jaeg. und Ursus spelaeus gefunden
+worden sind, so läßt sich das Alter der Sande noch nicht genauer
+feststellen, doch deutet das Fehlen von Rhinoceros tichorhinus, Felis
+spelaea und Hyaena spelaea auf ein höheres Alter, als das des
+Cannstatter Tuffes, und vielleicht hat A. BRAUN recht, wenn er den Sand
+von Mauer mit jenem von Mosbach bei Wiesbaden parallelisiert.«
+
+BENECKE und COHEN[9] erwähnen bereits 12 Conchylienarten von Mauer, die
+auf einigen Exkursionen gesammelt wurden, und weisen darauf hin, daß man
+hier eine reiche Fauna zusammenbringen könne, welche wahrscheinlich für
+die schon mehrfach gemachte Annahme, daß der Sand von Mauer mit dem
+Sande von Mosbach bei Wiesbaden gleichalterig sei, sichere Anhaltspunkte
+ergeben würde.
+
+A. ANDREAE[5] hat nun in seiner für das Gebiet der Diluvialgeologie und
+der Malakozoologie gleich wichtigen Abhandlung über den Diluvialsand von
+Hangenbieten im Unterelsaß, Straßburg 1884, dieses Desiderat namentlich
+in bezug auf die Mollusken erfüllt, indem er in einer tabellarischen
+Übersicht der Fauna des Diluvialsandes von Hangenbieten, verglichen mit
+der Fauna des Diluvialsandes von Mosbach bei Biebrich und von Mauer bei
+Heidelberg, sowie mit der recenten Fauna des Elsaß und des
+Oberrheingebietes, =von Mauer= 35 Arten angibt, welche Zahl aber, wie er
+bemerkt, noch sehr der Vervollständigung bedarf; denn von Hangenbieten
+sind 79 und aus dem Diluvialsand von Mosbach 93 Molluskenarten bekannt
+geworden. Von Mauer werden folgende angeführt, die sämtlich auch in
+Mosbach vertreten sind:
+
+ Hyalinia (Polita) nitidula Drap. sp.
+ » » radiatula Ald. sp.
+ » (Vitrea) crystallina Müll. sp.
+ * Patula (Goniodiscus) solaria Menke sp.
+ » (Patulastra) pygmaea Drap. sp.
+ Helix (Vallonia) pulchella Müll.
+ » » costata Müll.
+ * » » tenuilabris Braun.
+ * » (Petasia) bidens Chemn. sp.
+ » (Trichia) hispida L.
+ » » rufescens Penn.
+ » (Eulota) fruticum Müll.
+ » (Arionta) arbustorum L.
+ Buliminus (Ena) montanus Drap.
+ Cochlicopa (Zua) lubrica Müll. sp.
+ Pupa (Pupilla) muscorum L. sp.
+ » (Vertigo) pygmaea Drap.
+ * Clausilia (Pirostoma) pumila (Ziegl.) C. Pfeiff.?
+ Succinea (Tapada) putris L. sp.?
+ » » Pfeifferi Rossm.
+ » » oblonga Drap.
+ Valvata (Concinna) antiqua Sow.
+ » » piscinalis Müll. sp.
+ * » » naticina Menke.
+ Bythinia tentaculata L. sp.
+ Limnaeus (Limnophysa) palustris Müll. sp.
+ Planorbis (Gyraulus) Rossmaessleri [II.] (Auersw.) S. Schm.
+ Ancylus fluviatilis Müll.
+ Unio pictorum L. sp.
+ » batavus Lam.
+ * Sphaerium rivicola Leach sp.?
+ * » solidum Norm. sp.
+ Pisidium amnicum Müll. sp.
+ * » supinum A. Schm.
+ » Henslowianum Shepp.
+
+ NB. Die mit ? bezeichneten Arten sind in Fragmenten oder angezweifeltem
+ Vorkommen vorhanden.
+
+ [II.] Nach gütiger Mitteilung von O. BOETTGER eine zweifelhafte Art, auf
+ die keine Schlüsse zu bauen sind.
+
+Wie ANDREAE bemerkt, fehlen die mit einem Stern bezeichneten Mollusken
+jetzt in der Fauna des Oberrheingebietes. Um darüber Klarheit zu
+erhalten, ob dies auch auf das Neckargebiet zutrifft, wandte ich mich an
+den ausgezeichneten Kenner desselben, Herrn D. GEYER in Stuttgart, der
+so freundlich war, hierüber, sowie über die weitere Frage Auskunft zu
+geben, welche Schlüsse auf das derzeitige Klima die in den Sanden von
+Mauer abgelagerten Mollusken gestatten. Ich teile das Wesentlichste aus
+diesem Berichte hier mit: Es handelt sich bei den Ablagerungen von Mauer
+offenbar um fluviatile Bildungen, welche durch den Neckar zustande
+gekommen sind. Nun wäre es aber durchaus irrig, anzunehmen, daß die in
+den Sanden abgelagerten Schalen aus größeren Entfernungen bzw. aus einem
+weiten Gebiete hierher geführt und Vertreter der gesamten Fauna seien.
+Die große Masse stammt vielmehr aus der nächsten Nähe, da die
+zahlreichen scharfen Windungen bzw. Schleifen des Neckars ebenso viele
+Dämme bildeten, welche die auf den Fluten schwebenden leeren Schalen zur
+Ablagerung nötigten; denn nur um solche handelt es sich, da die mit
+lebenden Tieren gefüllten Schalen untersinken und im Sande und Geröll
+zerrieben werden. Felsen-, Berg-, Heide- und großenteils auch
+Waldbewohner sucht man vergeblich in Ausspülungen; diese setzen sich
+zusammen aus Wasser-, Ufer-, Wiesen- und Gebüschbewohnern, denen nur
+einzelne Waldschnecken sich zugesellen.
+
+Von den in obiger Liste angeführten 35 Arten sind 21 Land- und 14
+Wassermollusken. Von ersteren sind nur 3 Baumtiere: Helix fruticum,
+eigentlich Buschtier; Helix arbustorum, die aber auch gern auf dem
+Boden am Wasser lebt, und Buliminus montanus, der sich am meisten von
+den dreien an Bäume hält. Helix rufescens lebt meist am Boden und steigt
+nur zuweilen an Krautpflanzen auf. Die übrigen =Landschnecken= sind alle
+ausschließlich Bodentiere. Die Busch- und Baumtiere leben heute noch in
+nächster Nähe von Mauer.
+
+Die in obiger Liste mit einem Stern bezeichneten Arten fehlen heute auch
+im Neckargebiete bis auf Sphaerium rivicola, Sph. solidum und Pisidium
+supinum. Sie leben aber größtenteils noch im Osten, wie aus den in der
+Fußnote[III.] auszugsweise wiedergegebenen Mitteilungen des Herrn
+D. GEYER hervorgeht. Sein Resumé lautet: »=Sollen Folgerungen in bezug auf
+das Klima aus den in den Sanden von Mauer zur Ablagerung gelangten
+Molluskenschalen gemacht werden, so kann man allenfalls auf ein mehr
+kontinentales Klima, als wir es heute haben, schließen=.«
+
+ [III.] =Patula solaria Menke=, auch aus den diluvialen
+ Kalktuffablagerungen von Cannstatt bei Stuttgart bekannt, fehlt jetzt dem
+ ganzen Neckargebiete. Es ist eine östliche Art, verbreitet in
+ Siebenbürgen, Nordungarn, Galizien, Mähren (ferner relictoid auf dem
+ Zopten und im Moschwitzer Walde in Schlesien), Erzherzogtum Österreich
+ (von hier in die südöstliche Ecke Bayerns übergreifend), Steiermark,
+ Kärnten, Krain, Dalmatien und Lombardei. Die Art lebt am Boden, im Grase,
+ unter Laub und Steinen im Walde.
+
+ =Helix tenuilabris Braun= fehlt dem Neckargebiete, lebt in Sibirien. Man
+ hat bis in die neueste Zeit die in den schwäbischen Juratälern lebende
+ H. adela Westerl. fälschlich für tenuilabris Braun gehalten.
+
+ =Helix bidens Chemn.= gehört Mittel- und Osteuropa an, lebt in sehr
+ feuchten schattigen Orten, besonders gern an Bachrändern, im
+ Erlengebüsch. Sie fehlt dem deutschen Nordwesten, ist aber sonst in
+ Norddeutschland nicht selten, auch in Thüringen nicht; sie geht bis zum
+ Main, im Regnitztal auch über den Main nach Süden über Erlangen hinaus.
+ Aus den bayr. Alpen und dem ganzen Jurazuge ist sie nicht bekannt,
+ findet sich dagegen auf der zwischen beiden Gebirgszügen liegenden
+ bayerischen Hochebene; sie fehlt in Württemberg, Baden und im Elsaß.
+
+ =Clausilia pumila Ziegl.= lebt gern an denselben Orten wie Helix bidens.
+ Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich CLESSIN zufolge nach Osten bis
+ Siebenbürgen, nach Süden bis Kroatien, nach Norden bis Livland und
+ Schweden; in Deutschland findet sie ihre Westgrenze, die noch nicht
+ genau angegeben werden kann. Sie findet sich noch in Mecklenburg und
+ Holstein, ebenso in Thüringen und geht bis zum Main bei Koburg und
+ Ochsenfurt. Südlich des Mains ist in Deutschland noch kein Fund bekannt
+ geworden, wie sie denn jetzt im Neckargebiete sicher fehlt.
+
+ =Valvata naticina Menke= lebt in schlammigen Stellen ruhigen Wassers der
+ größeren Flüsse. Ihre Verbreitung ist eine östliche: Donau bei Budapest,
+ Südrußland, Moskau, Livland, Ostpreußen, Landsberg a. d. Warthe. Im
+ Neckargebiet fehlt sie jetzt sicher.
+
+ =Sphaerium rivicola Leach. sp.= ? lebt im Neckar, etwa von Marbach
+ an; sie steckt im Sande zwischen den Steinen der Steindämme. Dem
+ Oberlauf der Flüsse, die rasch fallen und viel Geröll führen, fehlt sie,
+ wie die meisten großen und kleinen Bivalven. Sie ist über den größten
+ Teil Europas verbreitet.
+
+ =Sphaerium solidum Normand.= hat nach CLESSIN in Deutschland fast
+ dasselbe Verbreitungsgebiet wie Sph. rivicola; ist D. GEYER aus dem
+ Neckar noch nicht bekannt, dürfte aber auch hier aufzufinden sein.
+
+ =Pisidium supinum A. Schm.= wurde von D. GEYER selbst im Neckar bei
+ Besigheim gesammelt, scheint aber selten zu sein. Nach O. BOETTGER im
+ Main zwischen Frankfurt und Mainz häufig. Da sie schwer aufzufinden ist,
+ so ist ihr Verbreitungsgebiet nur ungenügend bekannt.
+
+Die von ANDREAE a. a. O. mitgeteilte Liste der in den Mauerer Sanden
+festgestellten Säugetiere ist namentlich durch W. v. REICHENAU[64 u.
+65], Beiträge zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von
+Mauer und Mosbach, erweitert und berichtigt worden, auf welche wichtige
+Arbeit bei den Bemerkungen zu den einzelnen Species Bezug genommen
+werden soll. Hinzufügen konnte ich selbst noch Sus scrofa var. cfr
+priscus Marcel de Serres, Cervus (Alces) latifrons Johns. und Felis cfr
+catus. Zwei von ANDREAE angeführte Arten: Elephas primigenius Blumenb.
+und Bos primigenius Boj. mußten ausgeschieden werden, da deren Reste
+wahrscheinlich aus der die Mauerer Sande überlagernden Lößstufe stammen.
+
+Da in letzter Zeit ausschließlich die im Profil der Sandgrube am
+Grafenrain mit 1-10 bezeichneten Sandschichten abgebaut wurden, so
+stammen die von mir selbst jüngst gesammelten Tierreste sämtlich aus
+diesem Horizonte, =in welchem, und zwar in Schicht 4 0,87 m über der
+Sohle, der menschliche Unterkiefer gefunden wurde=. Daß aber auch die
+oberen über der Lettenbank lagernden Sandschichten 12-23, die früher
+ausgebeutet wurden, ergiebig an Säugetierresten waren, kann ich aus
+eigner Erfahrung bestätigen. Auch A. SAUER[70] bekräftigt dies in bezug
+auf Elephas antiquus, der, einer Bemerkung in den Erläuterungen zu Blatt
+Neckargemünd S. 67 zufolge, »in der Sandschicht b wie d, also nicht bloß
+im Liegenden, sondern auch im Hangenden der Lehmbank c (vgl. das
+untenstehende Profil[IV.]) aufgefunden wurde«.
+
+ [IV.] Anfang des Jahres 1898 bot die Sandgrube im Grafenrain nach SAUER
+ folgendes Profil dar:
+
+ {0,5 m jüngerer Löß;
+ Lößstufe {2 m Lößlehm;
+ {3,5 m Löß und Lößlehm, in Wechsellagerung nach unten} älterer
+ {zu deutlich geschichtet und sandig werdend } Löß, bzw.
+ } Sandlöß.
+
+ Durch eine scharfe, nach NW einfallende Erosionsfläche getrennt, welche
+ z. T. noch durch Anhäufung großer Gerölle von Buntsandstein markiert ist,
+ folgen darunter:
+
+ {a. 0-2,5 m wohlgeschichteter, feiner, lichtgrauer
+ { Sand;
+ {b. 5 m licht-rötlichbrauner, scharfer Sand;
+ Altdiluviale {c. 2,5 m sandiger, fester Lehm;
+ Neckaraufschüttungen {d. 4-6 m gelb bis rotbrauner, scharfer Sand mit
+ (Mauerer Sande) { Kieslagen, in den oberen Teilen mit
+ { zwei etwa 0,5-1 dm starken Streifen
+ { eines zähen, blauen Tones.
+
+Ich lasse nun eine mit Erläuterungen versehene Aufzählung der in den
+Sanden von Mauer festgestellten Säugetiere folgen, wobei die in der
+Sammlung des Heidelberger geologisch-paläontologischen Instituts
+vorhandenen Fossilien besonders berücksichtigt sind. Um etwas
+Vollständiges zu bieten, wäre eine gründliche Bearbeitung des gesamten,
+in den verschiedenen Sammlungen vorhandenen Materials erforderlich --
+eine Aufgabe, der sich erfreulicherweise in letzter Zeit einige
+Spezialforscher zugewendet haben.
+
+=Felis leo fossilis = Felis spelaea Goldfuß?= Von einer großen Katze aus
+den Mauerer Sanden befinden sich im geologisch-paläontologischen
+Institut Heidelberg ein isolierter P 4 (Reißzahn) des Oberkiefers und
+das Bruchstück eines linken Unterkiefers mit M 1 (Reißzahn), von dem die
+vordere Zacke fehlt; von P 4 und P 3 ist außerdem die Krone abgebrochen,
+und von C steckt nur noch ein Teil der Wurzel in der Alveole[V.]. Nach
+W. v. REICHENAU[65], der diese Objekte bestimmt, in seinen Beiträgen zur
+näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von Mauer und Mosbach
+S. 303/4 beschrieben und auf Taf. IX, Fig. 1 und Taf. X, Fig. 1 abgebildet
+hat, rühren sie von einem Individuum her, das, wie der stark abgenutzte
+P 4 sup. zeigt, in einem vorgeschrittenen Alter stand. Besagter Zahn
+weist relativ kleine Dimensionen auf: Seine Länge -- Vorderrand des
+Innentuberkels mitgemessen -- beträgt nämlich nur 36 mm, während sie
+sich sonst bei Felis spelaea zwischen 39-43 bewegt.
+
+=Felis cfr catus=. Hiervon liegt ein 3. oder 4. Rückenwirbel vor, den ich
+jüngst in dem unteren Horizonte der Mauerer Sande angetroffen habe.
+Derselbe stimmt gut überein mit dem im Heidelberger zoologischen
+Institut befindlichen Skelet einer recenten Wildkatze aus der Umgegend
+von Heidelberg, nur sind die Dimensionen bei dem Wirbel von Mauer
+beträchtlich größer. Herr H. G. STEHLIN hatte die Freundlichkeit,
+unabhängig von mir eine Bestimmung des letzteren vorzunehmen, die mit
+der meinigen übereinstimmt. Er schreibt: »Sollte Felis catus ferus auch
+in den Mosbacher Sanden festgestellt sein, so würde ich den Wirbel auf
+diese Species beziehen; anderenfalls wäre er am passendsten als Felis
+cfr catus zu rubrizieren.« In der Revision der Mosbacher Säugetierfauna
+von H. SCHRÖDER[80] ist Felis catus ferus nicht aufgeführt.
+
+=Canis Neschersensis (Croizet) de Blainville=. W. v. REICHENAU
+beschreibt in seinen Beiträgen S. 195-201 und Taf. X, Fig. 2-4 drei
+Unterkieferhälften aus den Mosbacher Sanden sowie zwei P 4 des
+Oberkiefers, einer ebendaher, der andere von Mauer -- letzterer im
+Museum Hildesheim --, die er dem C. Neschersensis zuteilt, der, in Größe
+zwischen Wolf und Schakal stehend, fast genau mit dem lebenden
+Pyrenäenwolf (C. Lycaon Erxl.) übereinstimmt.
+
+ [V.] Jüngst wurde noch ein Schädelfragment aufgefunden, dessen
+ Zusammensetzung noch nicht beendet ist.
+
+=Ursus arvernensis Croizet=. Von einem verhältnismäßig kleinen Bären
+wurden mehrfach Reste von Unterkiefern sowie auch einzelne Zähne in den
+Sanden von Mauer und Mosbach aufgefunden, die von W. v. REICHENAU
+bestimmt, in den bereits erwähnten Beiträgen beschrieben und z. T. auch
+abgebildet sind. Die mannigfachen Abweichungen, die Ursus arvernensis
+von den von RISTORI zu dem gleichen Formenkreise gestellten Ursus
+ruscinensis Depéret und Ursus etruscus Cuvier zeigt, sind in der v.
+REICHENAUSCHEN Schrift durch Maße belegt. Unter anderem geht daraus
+hervor, daß der Kiefer des Ursus arvernensis beträchtlich kleiner, bzw.
+kürzer ist, als die von RISTORI veröffentlichten italienischen.
+
+Die Reste des Ursus arvernensis von Mauer sind leider in
+alle Himmelsrichtungen zerstreut. Es befinden sich: 1) Im
+K. Naturalienkabinett in Stuttgart: eine linke Unterkieferhälfte mit der
+Zahnreihe, abgebildet bei v. REICHENAU Taf. VIII, Fig. 4. 2) Im
+Römermuseum zu Hildesheim: Bruchstück eines rechten Unterkiefers mit
+abgebrochenem Caninus, den Alveolen von P 1-3, mit P 4 und M 1
+(v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 3); ferner isoliert: ein oberer Caninus und
+zwei untere (v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 11-13), sowie die Krone eines
+solchen. 3) Im geologisch-paläontologischen Institut der Universität
+Heidelberg: Ein oberer dritter Incisivus (v. REICHENAU Taf. IX,
+Fig. 15), sowie die Krone eines an der Wurzel abgebrochenen Caninus, den
+ich jüngst noch in der Schicht des menschlichen Unterkiefers zu sammeln
+Gelegenheit fand.
+
+=Ursus Deningeri v. Reichenau=. Dieser neue Formenkreis von großen Bären
+ist von W. v. REICHENAU an Resten aus den altdiluvialen Sanden von Mauer
+und Mosbach erkannt, die bisher dem Ursus spelaeus Rosenmüller
+zugesprochen wurden. Allein der Ursus Deningeri weist im Vergleich mit
+den Höhlenbären beträchtliche Differenzen auf. So besitzt z. B. sein
+vierter unterer Prämolar »an der Innenseite des kräftigen Protoconids
+zwei bis drei Sekundärhöcker, die durch eine Furche vom Protoconid
+getrennt sind«, was ihn vom Höhlenbären auf den ersten Blick
+unterscheiden läßt. Ursus Deningeri hat Verwandtschaftsbeziehungen zu
+dem ihm voraufgegangenen Ursus etruscus Cuvier, an den er sich bezüglich
+der Formen- und Größenverhältnisse, namentlich auch hinsichtlich
+der starken Variation des Schädels und Kiefers anschließt.
+Insbesondere zwingt, wie v. REICHENAU bemerkt, die Vergleichung des
+Unterkiefergebisses von Ursus etruscus und Deningeri geradezu zu der
+Annahme, daß letzterer aus ersterem hervorgegangen ist. Ursus Deningeri
+erreichte eine beträchtliche Größe, die derjenigen des Höhlenbären nicht
+nachsteht, wie der im Mainzer Museum aus dem Mosbacher Sande stammende
+Schädel erkennen läßt, dessen Schädelbasis vom Vorderrande des Foramen
+magnum bis zum Vorderrande der Alveole des mittleren Schneidezahnes
+457 mm mißt. Das Profil des Ursus Deningeri-Schädels ähnelt am meisten dem
+recenten Ursus beringianus; nur sind die Nasalia des Ursus Deningeri
+mehr gewölbt und die Prämaxillaria mehr gestreckt. Die Schädelbasis des
+Ursus beringianus mißt übrigens nur 363 mm.
+
+In einem Nachtrage zu seinen Beiträgen führt W. v. REICHENAU aus, daß in
+den ihm aus der Sammlung der Senckenbergischen Naturforschenden
+Gesellschaft zugegangenen oberen Molaren von Mosbach sich Ursus
+Deningeri so sehr dem echten Höhlenbären nähert, daß ihm in ersterem
+eine Ahnenform der Spelaearctos spelaeus-Gruppe vorzuliegen scheine.
+»Aus der Etruscus-Arvernensis-Reihe würde sich zunächst die noch mehr
+polymorphe Deningeri-Reihe entwickelt haben, aus welcher dann diejenigen
+Höhlenbären hervorgingen, denen die drei vorderen Prämolaren des
+Unterkiefers fehlen.«
+
+Von Ursus Deningeri aus den Sanden von Mauer befinden sich: 1) Im
+geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg: Ein Oberkieferfragment
+mit Gaumenplatte und Gebiß (M 2, M 1, P 4 gut erhalten, C z. T.
+abgebrochen, Incisivi fehlend); ferner die Kronen eines Caninus des
+linken Unterkiefers und eines M 2 des rechten Oberkiefers. 2) Im
+Römermuseum Hildesheim: ein Caninus. -- Die beiden letztgenannten
+Objekte sind abgebildet bei W. v. REICHENAU Taf. IX, Fig. 5 u. 10.
+
+=Sus scrofa var. cfr priscus Marcel de Serres=. Hiervon befinden sich im
+geologisch-paläontologischen Institut Heidelberg zwei noch in den
+Alveolen steckende Molaren (M 3-M 2 inf. dext.), die nach einer
+Bestimmung des Hr. W. v. REICHENAU als Sus priscus Serres bezeichnet
+sind. Auch Hr. H. G. STEHLIN, der so freundlich war, sein Urteil über
+diese Zähne abzugeben, ist der Meinung, »daß sie ihren beträchtlichen
+Dimensionen nach ganz wohl zu Sus scrofa priscus Serres gehören können,
+obwohl sie in der relativen Breite ihren Äquivalenten an der
+Typusmandibel von Lunel-Vieil etwas nachzustehen scheinen. Die Frage,
+inwiefern Sus scrofa priscus für älteres Quartär charakteristisch ist,
+bedarf noch sehr der genaueren Prüfung. Tatsache scheint zu sein, daß
+S. scrofa des älteren Quartärs meist bedeutendere Körpergröße erreichte,
+als dasjenige der späteren Zeiten. Allein ich kenne neolithische
+Suszähne vom Rinnehügel am Burtnecksee, welche in Größe und Struktur
+auffallend mit der von HARLÉ im Altquartär von Montsaunés entdeckten
+übereinstimmen. Auch wird man gut tun, nicht zu übersehen, daß unter den
+vorderhand als S. scrofa priscus zusammengefaßten Materialien gewiß
+Differenzen bestehen, welche vielleicht noch einmal zur Unterscheidung
+=mehrerer= Varietäten führen könnten. Beim gegenwärtigen Stand unserer
+Kenntnisse ist das Tier von Mauer am passendsten als Sus scrofa var. cfr
+pricus Marcel de Serres zu rubrizieren.« -- Auch in den Mosbacher Sanden
+sind mehrfach einzelne Zähne von Sus scrofa aufgefunden. NEHRING, ein
+ausgezeichneter Kenner der Quartärfaunen Mitteleuropas, gibt an, daß er
+selbst bei seinen Ausgrabungen in dem Diluvium von Thiede (unweit
+Braunschweig), Westeregeln (zwischen Magdeburg und Halberstadt),
+Oberfranken, am Rhein usw. niemals den geringsten Rest von Sus gefunden
+habe, nur aus präglacialen und aus altdiluvialen Ablagerungen seien ihm
+solche bekannt geworden. Es ist dies verständlich, wenn man in Betracht
+zieht, daß die Wildschweine durch anhaltenden Frost ganz besonders
+leiden; sie können in dem festgefrorenen Boden nicht wühlen und sind
+somit in der Aufsuchung ihrer Nahrung sehr behindert. Weiteres hierüber
+findet sich bei O. SCHOETENSACK[79], Beiträge zur Kenntnis der
+neolithischen Fauna Mitteleuropas 1904 S. 13.
+
+=Cervus (Alces) latifrons Johns=. Zu den häufigsten Resten gehören nach H.
+SCHRÖDER in den Mosbacher Sanden Skeletteile, Gebisse und Geweihe dieses
+riesenhaften Elches, dessen Schaufeln an einer sehr langen und kräftigen
+Stange sitzen. Auch mir fielen die überaus starken Molaren eines
+Cerviden in den Sanden von Mauer auf, die M. SCHLOSSER zu bestimmen die
+Freundlichkeit hatte. Einzelne Zähne dieses Elches sind schon in den
+alten Beständen der Heidelberger Sammlung vorhanden. Es gelang mir,
+solche aber auch in mehreren Exemplaren in der Fundschicht des
+menschlichen Unterkiefers festzustellen. -- So häufig wie in Mosbach
+scheint Cervus (Alces) latifrons in Mauer nicht gewesen zu sein. Von
+zwei zusammengehörigen Prämolaren des rechten Unterkiefers (Nr. 18 d.
+Heidelb. Sammlg.) mißt P 3 mesiodistal 24,7 mm und P 4 29 mm; der
+linguobuccale Durchmesser steigt bei ersterem bis zu 17,2 mm, bei
+letzterem bis zu 20,5 mm an; die Schmelzleisten sind ungemein kräftig
+ausgebildet.
+
+=Cervus elaphus L. var.= Reste des Edelhirsches sind häufig in den
+Mauerer Sanden. Außer Skeletteilen der Extremitäten finden sich
+besonders oft isolierte Zähne sowie mehr oder weniger fragmentarische
+Unterkieferhälften. Eine solche (rechte) mit vollständig erhaltener
+Zahnreihe schließt sich in bezug auf die Länge dieser genau einem uns
+vorliegenden recenten Cervus elaphus aus der Schweiz an: Die Gesamtlänge
+von 3 P + 3 M beträgt bei beiden 118 mm; dagegen beträgt die Länge vom
+Angulus bis zum Incisivrand bei dem Mauerer Exemplar etwa 320 mm, bei
+unserem recenten aber nur 285 mm. RÜTIMEYER[67], Fauna der Pfahlbauten
+S. 59, gibt für den Unterkiefer des recenten Edelhirsches 300 mm und für
+den großen Pfahlbauhirsch sogar 345 mm an. -- Von einem mitten
+durchgebrochenen, sonst aber -- auch an beiden Gelenkflächen
+-- vollkommen erhaltenen Metatarsus gebe ich nachstehend die Maße,
+verglichen mit den von RÜTIMEYER mitgeteilten:
+
+ Mauer Pfahlbauhirsch Recent
+
+ Metatarsus, volle Länge 320 370 260
+ » obere Gelenkfläche quer 38,8 38 30
+ » untere » » 45 45 34
+
+Von Geweihen, die leider nur in Bruchstücken vorliegen, scheinen sich
+hauptsächlich die kräftigsten erhalten zu haben. Diese gleichen z. T.
+den von POHLIG[62] in seiner Abhandlung »Die Cerviden des thüringischen
+Diluvial-Travertines« als Cervus (elaphus) Antiqui abgebildeten von
+Taubach; doch ist der Umfang der Stange unmittelbar über der Rose bei
+zwei von Mauer vorliegenden Exemplaren beträchtlicher (20 und 24 cm!).
+Ich möchte mir daher in der Bestimmung der Geweihreste des Edelhirsches
+von Mauer dieselbe Vorsicht auferlegen, wie sie H. SCHRÖDER »in Ansehung
+der ganz außerordentlichen Variabilität der Geweihe und der noch
+größeren Meinungsverschiedenheiten der Autoren über die Beziehungen und
+gegenseitige Abgrenzung der Varietäten, namentlich fossiler Hirsche« in
+seiner Revision der Mosbacher Säugetierfauna für geboten hält.
+
+=Cervus capreolus L.= Reste vom Reh sind in den Mauerer Sanden nicht
+häufig. In der Heidelberger Sammlung befinden sich ein oberes und ein
+unteres Ende von zwei verschiedenen Geweihstangen, die von
+ausgewachsenen Tieren herrühren; ferner das Unterkieferfragment eines
+jugendlichen. Abweichungen von dem recenten Reh vermag ich nicht daran
+zu erkennen.
+
+=Bison= sp. nov. ind. Ebenso wie in dem Mosbacher Sande ist ein Bison auch
+in Mauer häufig. Leider sind die seit Jahrzehnten hier aufgefundenen
+Reste in alle Himmelsrichtungen zerstreut, so daß ein Studium derselben
+sehr erschwert ist. Nach den Messungen, die ich an den in dem
+geologisch-paläontologischen Institut der Universität Heidelberg
+befindlichen zwei Schädelfragmenten, drei isolierten Hornzapfen und
+einem Unterkiefer vornehmen konnte, weicht der Bison von Mauer
+beträchtlich von dem in dem europäischen Diluvium weit verbreiteten
+Bison priscus Boj. ab. Er schließt sich, soweit sich dies nach den
+wenigen vorliegenden Resten beurteilen läßt, mehr an den recenten Bison
+europaeus Ow. an. Da eine erschöpfende Bearbeitung dieser Frage nicht in
+dem Rahmen dieser Abhandlung liegt, so beschränke ich mich darauf, den
+von mir genommenen Maßen einige von L. RÜTIMEYER[67], Die Fauna der
+Pfahlbauten S. 74 und H. v. MEYER[52], Nova Acta Acad. Leopold., 1835,
+S. 138 angeführte Vergleichszahlen beizufügen:
+
+ Masse des Unterkiefers[VI.] in Millimetern
+
+ Spaltenüberschriften:
+
+ A: Mauer
+ B: Bojanus }
+ C: Nordmann Paläontologie Südrußlands } nach Rütimeyer
+ D: Robenhausen Pfahlbau }
+
+ A B C D
+
+ Höhe hinter M 3 68,2 65 68 --
+ Höhe vor P 1 42 38 -- --
+ Länge der Backenzahnreihe etwa 153 164 147 145
+ M 3 Länge 42,8 45 42 42
+ Breite 19,6 -- -- 17,5
+ M 2 Länge 27,9 31 27 27
+ Breite 19,4 -- -- 17,5
+ M 1 Länge 23,9 31 22 23
+ P 1-3 Länge etwa 56 56 57 50
+
+ [VI.] An demselben sind die bereits stark abgekauten Backzähne bis auf
+ P 1 erhalten; Ast und Symphyse fehlen.
+
+ ------------------------+---------------------+----------------------+
+ | Bison von Mauer | Bison europaeus |
+ +---------------------+----------------------+
+ |Schädelfragment 1 | |
+ | |Schädelfragment 2[VII.] |
+ | | |Isolierter Hornzapfen 201 |
+ | | | |Isolierter Hornzapfen 202 |
+ | | | | |Isolierter Hornzapfen 211 |
+ | | | | | +----------------------+
+ | | | | | |Berlin |
+ | | | | | | |Paris |
+ | | | | | | | |Petersburg |
+ | | | | | | | | |Schönbrunn|
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+------+
+ Breite der Stirn | | | | | | | | | | |
+ zwischen d. über d. | | | | | | | | | | |
+ Einbiegungen | | | | | | | | | | |
+ Augenhöhlen nach einer| | | | | | | | | | |
+ geraden Linie | 264| 275| --| --| --|258|220|270|231| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Breite der Stirn | | | | | | | | | | |
+ zwischen der Basis der | | | | | | | | | | |
+ Hornzapfen | 260| -- | --| --| --|234|230|280|230| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Umfang der | | | | | | | | | | |
+ Hornzapfenbasis | -- | -- | --| --|330|290| --| --| --| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Länge der geraden Linie | | | | | | | | | | |
+ v. untern Teile der | | | | | | | | | | |
+ Hornzapfenbasis bis | | | | | | | | | | |
+ zur Spitze des Zapfens| -- | -- |300|295|230|285| --| --|230| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Dieselbe Länge nach der | | | | | | | | | | |
+ Krümmung des Zapfens | -- | -- |330|330|290|498| --| --|320| |
+ | | | | |[a]| | | | | |
+ | | | | |385| | | | | |
+ | | | | |[b]| | | | | |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Längendurchmesser des | | | | | | | | | | |
+ Hinterhauptsloches |44,5|43,5| --| --| --| 38| --| --| 30| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Entfernung vom | | | | | | | | | | |
+ Hinterhauptskamme bis | | | | | | | | | | |
+ zum oberen Rande des | | | | | | | | | | |
+ Hinterhauptsloches | 102| 101| --| --| --|100| --| --|110| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Größte Breite des | | | | | | | | | | |
+ Hinterhauptes nach | | | | | | | | | | |
+ einer geraden | | | | | | | | | | |
+ Grundlinie | 260| 260| --| --| --|246|200|265|240| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+ |
+ Entferng. v. ein. | | | | | | | | | | |
+ Hornzapfenbasis zur | | | | | | | | | | |
+ anderen am hintern | | | | | | | | | | |
+ Teil des Schädels nach| | | | | | | | | | |
+ ein. geraden Linie | 273| 300| --| --| --|302| --| --| --| |
+ ------------------------+----+----+---+---+---+---+---+---+---+------+
+ [a] vordere Curvatur [b] hintere Curvatur
+
+ ------------------------+--------------------------------------------+
+ | Bison priscus |
+ +--------------------------------------------+
+ |Diluvium (Niederterrasse Kirchheim bei |
+ |Heidelberg). Städt. Sammlungen Heidelberg. |
+ |Eig. Messung. |
+ | |Aus dem Rhein bei Sandhofen Mannheim |
+ | |Mus. Frankfurt a. M. |
+ | | |Aus dem Rhein |
+ | | |Mus. Darmstadt |
+ | | | |Aus dem Rhein |
+ | | | |Mus. Darmstadt |
+ | | | | |Aus dem Rhein |
+ | | | | |Mus. Speyer |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+------------------------+
+ Breite der Stirn | | | | | | |
+ zwischen d. über d. | | | | | | |
+ Einbiegungen | | | | | | |
+ Augenhöhlen nach einer| | | | | | |
+ geraden Linie |330|301|304|345|315| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Breite der Stirn | | | | | | |
+ zwischen der Basis der | | | | | | |
+ Hornzapfen |325|355|437|404|379| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Umfang der | | | | | | |
+ Hornzapfenbasis |390|380|364|382|458| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Länge der geraden Linie | | | | | | |
+ v. untern Teile der | | | | | | |
+ Hornzapfenbasis bis | | | | | | |
+ zur Spitze des Zapfens|460|477|448|382|351| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Dieselbe Länge nach der | | | | | | |
+ Krümmung des Zapfens |520|514|546|487|465| |
+ |[a]| | | | | |
+ |650| | | | | |
+ |[b]| | | | | |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Längendurchmesser des | | | | | | |
+ Hinterhauptsloches | 40| 48| 47| 51| 48| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Entfernung vom | | | | | | |
+ Hinterhauptskamme bis | | | | | | |
+ zum oberen Rande des | | | | | | |
+ Hinterhauptsloches |117|107|118|110|128| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Größte Breite des | | | | | | |
+ Hinterhauptes nach | | | | | | |
+ einer geraden | | | | | | |
+ Grundlinie | --|297|291|310| --| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+ |
+ Entferng. v. ein. | | | | | | |
+ Hornzapfenbasis zur | | | | | | |
+ anderen am hintern | | | | | | |
+ Teil des Schädels nach| | | | | | |
+ ein. geraden Linie |320|359|400|312|358| |
+ ------------------------+---+---+---+---+---+------------------------+
+ [a] vordere Curvatur [b] hintere Curvatur
+
+ [VII.] A. PAGENSTECHER, Frühlings landwirtschaftliche Zeitung, 1878.
+ XXVII, 2. Heft, S. 25, schätzt das Alter dieses Individuums auf Grund der
+ beiden bei dem Fossil gefundenen Backzähne -- oberer Molar und unterer
+ Milchmolar -- auf höchstens zwei Jahre. Die Zugehörigkeit des letzteren
+ zu dem Schädelfragment ist jedenfalls sehr fraglich, da sonst nichts von
+ dem Unterkiefer vorliegt.
+
+A. ANDREAE[5] führt unter der Fauna von Mauer auch Bos primigenius Boj.
+an. Ich konnte unter den im Heidelberger geologisch-paläontologischen
+Institut befindlichen Tierresten aus den Mauerer Sanden nur Bison
+priscus feststellen. Auch in den Mosbacher Sanden kommt nach
+F. KINKELIN[31 u. 38] und H. SCHRÖDER[80 u. 81] nur Bison vor. Es liegt
+daher die Vermutung nahe, daß es sich bei den von ANDREAE erwähnten
+Resten um solche handelt, die aus der Lößstufe stammen.
+
+=Equus= sp. Nach brieflicher Mitteilung des Herrn W. v. REICHENAU, der mit
+der Bearbeitung der Equidenreste aus den Sanden von Mosbach und Mauer
+beschäftigt ist, stellen die aus letzterem Fundorte vorliegenden
+einzelnen Zähne von Equus in ihrem sehr variablen Verhalten eine
+=Übergangsreihe dar, ausgehend von der Form Equus Stenonis Cocchi= (mit
+kurzachsigem vorderen Innenpfeiler der Kaufläche), bis zur Taubacher
+Form hinüberleitend. Dasselbe ist bei dem großen Equus Mosbachensis der
+Fall. Equus germanicus Wüst = E. caballus var. germanica Nehring ist in
+Mauer nicht vertreten.
+
+=Rhinoceros etruscus Falc.= ist häufig in den Sanden von Mauer.
+Namentlich vom Kopfskelet sind zahlreiche Reste aufgefunden; darunter
+Unterkieferfragmente mit Zahnreihen und isolierte Zähne. Das
+Gliedmaßenskelet ist u. a. durch ein leidlich gut erhaltenes Becken
+vertreten; von dem Rumpfskelet kommen häufig Rippen vor. Alles für die
+Bestimmung der Species wichtige Material, das sich in der Heidelberger
+Universitätssammlung vorfindet, ist zurzeit in Händen von HENRY
+SCHRÖDER, dem ausgezeichneten Kenner der Rhinozeroten, der so freundlich
+war, mir folgendes vorläufige Ergebnis seiner Untersuchungen zur
+Verfügung zu stellen: »Betreffend die =Rhinocerosreste von Mauer= kann
+ich heute noch auf meiner vor 10 Jahren in der Revision der Mosbacher
+Säugetierfauna gegebenen Bestimmung des Rhinoceros etruscus Falc.
+beharren; mir ist bisher kein Stück unter die Hände gekommen, das man
+als Rhinoceros Merckii deuten könnte, wenn man als Typus dieser Art die
+Taubacher Form annimmt.« Die von SCHRÖDER angezogene, Rhinoceros etrusc.
+Falc. betreffende Stelle lautet: »Diese aus dem oberen Pliocän des
+Arnotales und aus dem Forestbed Englands bekannte Rhinocerosart ist in
+Mosbach häufig. Die besterhaltenen Stücke besitzt das Museum der
+Landesanstalt und das Mainzer Museum, beide je einen Schädel mit
+Prämolaren und Molaren, letzteres einen vollständigen Unterkiefer und
+ersteres vollständig erhaltene Reihen des definitiven und des
+Milchgebisses. Rhinoceros etruscus unterscheidet sich durch nur sanft
+aufsteigende Parietalia, starke, fast horizontal verlaufende Cingula an
+der Innenseite der Prämolaren des Oberkiefers und größere Niedrigkeit
+der Zahnkronen von dem echten Rhinoceros Merckii, das zudem noch
+erheblich größer ist. Die Übereinstimmung der Mosbacher Zähne mit
+solchen aus dem italienischen Pliocän ist vollkommen. Übrigens vermutete
+bereits SANDBERGER Rhinoceros etruscus in Mosbach.«
+
+=Elephas antiquus Falc.= kommt häufig vor in den Sanden von Mauer.
+Ansehnliche Reste des Rumpf-, Kopf- und Gliedmaßenskelettes sind in der
+Sammlung des Heidelberger geologisch-paläontologischen Instituts
+vorhanden, die sich auf die verschiedensten Altersstadien erstrecken. Es
+erschien mir besonders wichtig, dieses Leitfossil auch aus dem gleichen
+Horizonte, aus dem der menschliche Unterkiefer stammt, nachzuweisen, was
+durch die freundliche Unterstützung des Herrn J. RÖSCH in
+befriedigendster Weise gelungen ist. Es wurde nämlich 11,5 m südlich von
+der im geologischen Profil mit einem Kreuz bezeichneten Fundstelle der
+Oberkiefer eines ganz jungen Individuums und 25 m nordwestlich von der
+genannten Stelle der Unterkiefer eines noch nicht völlig ausgewachsenen
+Individuums aufgefunden. Von letztgenannter Mandibula, die aus der
+Symphyse in zwei Teile zerfallen war, die sich leicht wieder
+zusammensetzen lassen, fehlt beiderseits der obere Teil des Ramus
+ascendens. Auf Taf. IV, Fig. 6 ist ein Teil der linken Hälfte des
+Unterkiefers so abgebildet, daß die Schmelzfiguren der Kaufläche des
+ersten Molaren zu erkennen sind. Sie sind typisch rautenförmig, am
+distalen Teile mehr als am mesialen mit zahlreichen Ausbuchtungen
+versehen. Die Stärke der Schmelzwand beträgt 1,5-2,0 mm. Von dem
+nachdrängenden M 2 ist die Kaufläche der Querjoche noch völlig intakt.
+Die Höhe des Corpus mandibulae beträgt unter M 1 148 und unter M 2 155
+mm. Die Dicke des Corpus mißt an der Basis 112 mm und steigt nach oben
+bis zu 160 mm an. Der mesiodistale Durchmesser von M 1 beträgt im
+Maximum 157, der linguobuccale 63 mm, beide Maße an der Kaufläche
+genommen. Da nach ZITTEL beim recenten (indischen) Elefanten der erste
+Molar erst im 15. Jahre mit der ganzen Zahnkrone in Funktion ist und der
+zweite Molar im 20. Jahre zum Vorschein kommt, die Altersgrenze des
+Elefanten aber weit über 100 Jahre liegen soll, so dürfen wir annehmen,
+daß die vorliegende Mauerer Mandibula von einem Individuum stammt, das
+seine Vollkraft noch nicht ganz erreicht hatte.
+
+Das auf Taf. V, Fig. 10 abgebildete Oberkieferfragment eines ganz jungen
+Tieres wurde zusammen mit anderen demselben Individuum angehörigen
+Knochen der Kieferregion und der Hirnkapsel -- wovon zwei Felsenbeine
+und das Hinterhauptsbein leidlich gut erhalten sind -- aufgefunden. Die
+Maxillae superiores und die Ossa palatina sind erhalten; ebenso auf
+jeder Seite zwei Milchmolaren, von denen der mesiale drei Lamellen, der
+distale deren sieben aufweist. Nach ZITTEL, Handbuch der Paläontologie
+V. Abt. IV. Bd. 1891. S. 468, verhält sich die Zahl der Querjoche bei
+Elephas antiquus folgendermaßen:
+
+ D 1[VIII.] D 2 D 3 M 1 M 2 M 3
+ sup. 3 5-7 8-11 9-12 12-13 15-20
+ inf. 3 6-8 9-11 10-12 12-13 16-21.
+
+ [VIII.] Da sich zu diesen drei Milchmolaren bei Elephas zuweilen ein
+ vorderster rudimentärer gesellt, so nehmen manche Autoren, z. B.
+ M. WEBER, Die Säugetiere, Jena 1904, folgende typische Formel der
+ Backenzähne für Elephas an: D (od. Pd) 4/4 M 3/3
+
+Es liegen demnach bei unserem Oberkiefer D 1 und D 2 vor. Während
+ersterer Zahn eine starke Abnutzung der Kaufläche aufweist und die
+Schmelzfiguren deutlich erkennen läßt, ist bei D 2 die Usur nicht so
+weit vorgeschritten: Die Schmelzfiguren werden distalwärts immer
+schwächer. H. POHLIG[61] bildet in Nova Acta Acad. Leopold. 1892
+Taf. IIb das Fragment einer rechtsseitigen Oberkieferhälfte des im
+städtischen Museum zu Weimar befindlichen Elephas antiquus ab »mit dem
+vollständigsten aller bekannten hintersten Milchmolaren«, und
+A. PORTIS[63] bringt in Palaeontographica N. F. V. 4 (XXV.) Taf. XIX,
+Fig. 1 die Abbildung eines im Münchener Museum befindlichen Unterkiefers
+des Elephas antiquus von Taubach »mit den beiden zweiten gut entwickelten
+und abgenutzten Milchmolaren und mit Alveolen, aus denen die Embryonen
+des dritten[IX.] Zahnes herausgefallen sind«. Der Oberkiefer von Mauer
+ergänzt die vorgenannten Objekte in erfreulicher Weise.
+
+ [IX.] Distal-mesialwärts gerechnet.
+
+Vom Elephas antiquus ist im Jahre 1887 in der Sandgrube im Grafenrain
+auch das auf Taf. IV, Fig. 7 abgebildete Schädelfragment nebst
+Unterkiefer aufgefunden, das von Herrn J. RÖSCH in Mauer dem
+zoologischen Institut der Universität Heidelberg geschenkt wurde. Da der
+Zerfall des sehr mürben Knochengewebes durch Wegnahme des es
+zusammenhaltenden Sandes zu befürchten war, so wurde auf Anordnung und
+unter Leitung des Hr. Geh. Hofrat BÜTSCHLI eine Kiste um das wichtige
+Fundstück gezimmert, in welcher die Überführung nach Heidelberg
+stattfand. Hier konnte mit aller Sorgfalt die Präparation desselben
+erfolgen. Bemerkenswert ist es, daß an dem Kiefer nur der linke
+Incisivus zur Ausbildung gelangte, während der rechte, wie die nur
+30 × 20 mm messende Alveole zeigt, sehr früh ausgefallen sein muß. Die
+Länge des linken Schneidezahnes beträgt von der Alveole bis zur Spitze
+in gerader Linie 1,16 mm, längs der äußeren Kurve gemessen 1,26 mm, der
+Umfang desselben beim Austritt aus der Alveole 0,38 mm. Es seien noch
+folgende Maße mitgeteilt: Das Hinterhauptsloch mißt zwischen den
+Condylen 80 mm, von oben nach der Schädelbasis 74 mm. Breite des
+Schädels zwischen den Jochbogen 710 mm. Die Entfernung von dem Processus
+condyloideus des Unterkiefers bis zum äußersten Punkte der Symphysis
+beträgt 720 mm; eine Senkrechte von dem genannten Processus auf die
+Fortsetzungslinie der Basis des Unterkieferkörpers mißt 458 mm. Die
+Entfernung zwischen den beiden Processus condyloidei beträgt 560 mm,
+zwischen den Processus coronoidei 360 mm; die Höhe des Körpers unter M 2
+150 mm.
+
+Von den Kauflächen der Molaren der rechten Ober- und Unterkieferhälften
+bringt Taf. IV, Fig. 8 und 9 Photographien, die von Hr. W. SPITZ nach
+einem von ihm gewonnenen Abklatsch hergestellt sind. Es sind oben wie
+unten von M 1 nur noch Reste vorhanden; M 2 beginnt bei der mit einem
+Pfeil bezeichneten Stelle. Während M 2 sup. (Fig. 8) die Schmelzfiguren
+nur undeutlich erkennen läßt, treten solche bei dem unteren Molaren
+(Fig. 9) genügend scharf hervor. Man kann außer dem mesial nur halb
+entwickelten Querjoch zehn weitere unterscheiden, die zum Teil typische
+Rautenform aufweisen. Distal werden die Schmelzfiguren undeutlicher. M 2
+sup. hat an der Kaufläche gemessen eine Länge von etwa 140 mm und eine
+Breite von 60 mm. M 2 inf. ist 197 mm lang und 55 mm breit.
+
+Elephas trogontherii ist nach H. SCHRÖDER in der Fassung, die ihm POHLIG
+gegeben hat und die von mehreren Autoren angenommen ist, für
+stratigraphische Zwecke nicht verwendbar. »Faßt man die Species enger
+und beschränkt sie auf die Zahnform, die ein Mittelding zwischen
+E. meridionalis und primigenius zu sein scheint, so kann ich nur sagen,
+daß ich E. trogontherii, wie er bei Mosbach mehrfach gefunden ist, unter
+dem Material, das ich von Mauer gesehen habe, nicht finden konnte.
+Meines Erachtens lassen sich alle Stücke auf E. antiquus beziehen.«
+Diesen Worten SCHRÖDERS pflichte ich vollkommen bei. Auch mir sind aus
+den Mauerer Sanden nur typische Reste des E. antiquus bekannt geworden.
+
+=Castor fiber L.= Bruchstücke von Unterkiefern sowie einzelne Schneide-
+und Backzähne des Bibers sind in den Mauerer Sanden öfters aufgefunden.
+Noch jüngst konnte ich eine rechte Unterkieferhälfte mit Bezahnung aus
+der Fundschicht der menschlichen Mandibula der Heidelberger Sammlung
+einverleiben. Danach schließt sich der Biber von Mauer dem recenten an,
+nur weisen die Maße der Backzähne des ersteren bedeutend höhere Zahlen
+auf.
+
+=Wie schon in dem vorstehenden Verzeichnis bemerkt, weist die Säugerfauna
+aus den Sanden von Mauer enge Beziehung zu derjenigen aus den Mosbacher
+Sanden auf. Beide aber lassen wiederum deutliche Beziehungen zu den
+präglacialen Forestbeds von Norfolk sowie zu dem südeuropäischen
+Oberpliocän erkennen. Insbesondere deuten Rhinoceros etruscus Falc. und
+das von der Form Equus Stenonis Cocchi bis zur Taubacher Form
+hinüberleitende Pferd von Mauer bestimmt auf das Pliocän hin, während
+die übrigen Mammalia zum größeren Teil dem ältesten Diluvium angehören.
+Der Unterkiefer von Mauer dürfte also von den bisher aufgefundenen
+stratigraphisch beglaubigten menschlichen Resten der älteste sein=[X.].
+
+ [X.] Die Umgegend von Heidelberg hat auch zwei Funde aus einem =späteren=
+ Abschnitte der Diluvialzeit ergeben. Es sind dies 1) das einer völlig
+ intakten Lößwand bei Dossenheim (jüngerer Löß mit Helix hispida,
+ Succinea oblonga und Pupa muscorum) entnommene proximale Ende eines
+ Metacarpalknochens eines kleinen Boviden, welches deutlich einen 4 mm
+ tiefen, transversalen Einschnitt zeigt, wie er nur durch den Menschen
+ hervorgebracht sein kann. Der Schnitt ist, wie mit der Lupe erkennbar,
+ wahrscheinlich durch öfteren Ansatz eines Feuersteinmessers ausgeführt.
+ Dieses Artefakt wurde dem geologisch-paläontologischen Institut der
+ Universität Heidelberg übergeben. 2) wurde in den diluvialen
+ Lehmablagerungen oberhalb Ziegelhausens, in beträchtlicher Tiefe, eine
+ 120 mm lange und 48 mm breite Lanzenspitze aus kieseligem Gestein
+ aufgefunden, die, unten abgestumpft, beiderseitig Einbuchtungen zeigt
+ und an den Rändern gezähnelt ist. In Form und Technik entspricht das
+ Artefakt ganz einer im Solutréen Horizonte der Grotte von Laugerie Haute
+ in der Dordogne gefundenen Lanzenspitze (vgl. ED. PIETTE, Association
+ française pour l'avancement des sciences, 26. Aug. 1875, Taf. XVII,
+ Fig. 7). Diesen Gegenstand führte ich, da damals die prähistorische
+ Abteilung der städtischen Sammlungen in Heidelberg noch nicht bestand,
+ der Staatssammlung in Karlsruhe zu. (Vgl. O. SCHOETENSACK, Über
+ paläolithische Funde in der Gegend von Heidelberg, Ber. d. Oberrhein.
+ geolog. Vereins, 35. Vers. zu Freiburg i. B. 1902.)
+
+ Endlich gelang es mir, auch die ersten Spuren einer =neolithischen=
+ Ansiedelung im Amtsbezirk Heidelberg auf dem Grunde der alten Bergheimer
+ Kirche, festzustellen (Zeitschr. f. Ethnologie 1899, Verh. S. 566-574).
+ Seitdem sind durch die von K. PFAFF ausgeführten städtischen
+ Ausgrabungen zahlreiche neolithische Funde in näherer und weiterer
+ Umgebung der Stadt gemacht. Es konnte dabei eine kontinuierliche
+ Besiedelung dieser Gegend seit der jüngeren Steinzeit bis zur Gegenwart
+ festgestellt werden.
+
+
+
+
+ II. Anthropologischer Teil.
+
+
+Aus dem vorhergehenden Abschnitte ist die stratigraphische Lagerung des
+menschlichen Unterkiefers ersichtlich, der 24,10 m unter der Oberfläche
+in der von Herrn F. RÖSCH abgebauten Sandgrube im Gewann Grafenrain zu
+Mauer, Amtsbezirk Heidelberg, aufgefunden wurde.
+
+Schon seit langer Zeit habe ich die Aufmerksamkeit auf diese Fundstätte
+gerichtet. Der Beweis der Coexistenz des Menschen mit Elephas antiquus,
+der in dem an Wirbeltierresten so reichen Kalktuff von Taubach bei
+Weimar durch die Untersuchungen von A. PORTIS erbracht war, machte es
+zur Pflicht, auch in den Mauerer Sanden auf Spuren des Menschen zu
+fahnden. Allerdings waren die Aussichten auf einen Erfolg in Mauer weit
+geringer, als in Taubach. Handelt es sich an letzterem Orte doch nach
+PORTIS[63] um menschliche Niederlassungen am Ufer stehenden Gewässers,
+auf dessen Boden die aus dem Muschelkalkgebiete kommenden Bäche Kalktuff
+ablagerten[XI.]. Von diesem wurden die weggeworfenen Gegenstände:
+abgenagte, oft auch zerschlagene oder mit Brandspuren versehene Knochen,
+Feuerstein- und Knochenartefakte u. a. m. bedeckt[XII.]. Bei Mauer aber
+sind es, wie in dem geologisch-paläontologischen Teile ausgeführt wurde,
+Aufschüttungen eines alten Neckarlaufes, die bald »eine rein sandige,
+bald schlickartig lehmige oder grobkiesige Beschaffenheit« aufweisen.
+Hier kann man von vornherein keine Anzeichen einer regelrechten
+menschlichen Ansiedelung erwarten. Der Strom, an dessen Ufern der Mensch
+sich wohl zeitweise aufgehalten haben mochte, mußte bei Hochwasser
+gründlich derartige Spuren verwischen. Die im Bereiche des
+Überschwemmungsgebietes liegenden Tierreste wurden dabei wohl eine
+Strecke fortgeführt, bis sie, vom Sand und Kies bedeckt, dauernd zur
+Ablagerung gelangten. Weit kann der Transport nicht stattgefunden haben,
+da die Knochen meist noch deutlich das Oberflächenrelief scharf
+ausgeprägt zeigen. Stets finden sich nur einzelne Teile des Skelettes
+der Säugetiere, am häufigsten isolierte Zähne und Fragmente von
+Unterkiefern, die wegen der starken Schicht kompakten Knochengewebes dem
+Verwesungsprozeß hartnäckig widerstehen.
+
+ [XI.] Nach den neueren, durch H. HAHNE und E. WÜST[34] ausgeführten
+ Untersuchungen liegen »die paläolithischen Fundschichten der Gegend von
+ Weimar im Ilmtale zwischen Weimar und dem 4 km ilmaufwärts von Weimar
+ gelegenen Dorfe Taubach in einer aus Ablagerungen des Ilmtales
+ aufgebauten Terrasse, welche durch spätere Erosion in drei Teilstücke:
+ das Taubacher auf der rechten, das Ehringsdorfer und das Weimarer auf der
+ linken Ilmseite, zerlegt ist«. Nach den genannten Forschern lassen »die
+ Entstehungsart und Altersfolge der Fundschichten von vornherein nicht
+ unbeträchtliche zeitliche Unterschiede zwischen den menschlichen Spuren
+ der verschiedenen Horizonte annehmen«. E. WÜST[102] gelangt übrigens in
+ seiner neuesten Schrift zu dem Schlusse, daß die in Rede stehenden
+ Ablagerungen von Weimar-Ehringsdorf-Taubach dem dritten Interglacial
+ zugerechnet werden müssen.
+
+ [XII.] Es gelang mir, aus dem Kalktuff von Taubach auch einen Kinderzahn
+ nachzuweisen, den ich unter den von A. WEISS daselbst gesammelten
+ Fossilien vorfand und der wissenschaftlichen Bearbeitung durch A. NEHRING
+ zuführte. Vgl. die Mitteilungen VIRCHOWS in der Berliner Anthrop. Ges.
+ Zeitschr. f. Ethnologie 1895 Verh. S. 338. Bald danach kam ein zweiter,
+ schon früher in der gleichen Schicht aufgefundener Zahn (M 1 inf.) zum
+ Vorschein, dessen bisher angezweifelter Fundbericht nunmehr Anerkennung
+ fand; ebd. S. 573.
+
+Daß uns auch vom Menschen ein Unterkiefer überliefert wurde, ist ein
+außergewöhnlich glücklicher Zufall. 30 Jahre lang fortgesetzte, bis zu
+25 m Tiefe ausgeführte Grabungen waren erforderlich, um dieses für die
+Urgeschichte des Menschen so wichtige Dokument zutage zu fördern! Seit
+nahezu zwei Jahrzehnten kontrollierte ich die Grabungen in der Sandgrube
+im Grafenrain auf Spuren des Menschen. Kohlenreste oder Brandspuren an
+Säugetierknochen suchte ich vergeblich, die kleinen, größtenteils aus
+dem Muschelkalk der Umgebung stammenden Hornsteine zeigten keine Spur
+der Bearbeitung, spitz zulaufende Knochenfragmente, die ich in der
+Hoffnung, ihre Bearbeitung feststellen zu können, daheim sorgfältig von
+der durch kohlensauren Kalk verkitteten Sanddecke befreite, erwiesen
+sich durchweg als auf natürlichem Wege entstandene Bruchstücke. So blieb
+denn die einzige Hoffnung, daß sich unter den zahlreichen
+Säugetierresten auch einmal ein menschlicher zeigen würde. Auf diese
+Möglichkeit habe ich Herrn J. RÖSCH seit zwei Jahrzehnten beständig
+hingewiesen, indem ich die Bedeutung eines solchen Fundes in den Mauerer
+Sanden in stratigraphisch durchaus gesicherter Lage betonte. Ich machte
+besonders darauf aufmerksam, daß ein derartiger Fund sofort sachgemäß
+behandelt und auch ohne Verzug alle Einzelheiten der Lagerung und der
+Fundumstände auf das zuverlässigste festgestellt werden müßten. Herr
+RÖSCH, bei dem wissenschaftliche Bestrebungen stets ein offenes Ohr und
+volles Verständnis fanden, ging in liebenswürdigster Weise auf meine
+Vorschläge ein, indem er versprach, mich von einem etwaigen Funde sofort
+zu benachrichtigen und mir diesen zur Untersuchung zu überlassen. Am 31.
+Oktober 1907 fand Herr RÖSCH Gelegenheit, sein Wort einzulösen; am
+nächsten Tage erreichte mich folgende Nachricht von ihm[XIII.]: »Schon
+vor 20 Jahren haben Sie sich bemüht, durch Funde in meiner Sandgrube
+Spuren des Urmenschen zu finden, um den Nachweis zu liefern, daß zu
+gleicher Zeit mit dem Mammut (Elephas antiquus ist gemeint) auch schon
+der Mensch in unserer Gegend gelebt hat. Gestern wurde nun dieser
+Beweis erbracht, indem über 20 m unter der Ackeroberfläche auf der Sohle
+meiner Sandgrube die untere Kinnlade, sehr gut erhalten, mit sämtlichen
+Zähnen, von einem Urmenschen stammend, gefunden wurde. Auf der linken
+Hälfte der Kinnlade werden die Zähne durch ein Conglomerat bedeckt,
+dagegen ist die rechte Hälfte frei.«
+
+ [XIII.] Auch Herr Geh. Hofrat BÜTSCHLI erhielt eine Mitteilung über den
+ Fund, die er so freundlich war mir sogleich zu übermitteln.
+
+Der nächste Zug brachte mich nach Mauer, wo ich »zu einem in der That
+ganz schröckhaften Vergnügen«[XIV.] die gewordene Kunde vollauf bestätigt
+fand. Auf Taf. VI, Fig. 11-14 ist das Fundstück, in zwei Hälften
+getrennt, so wie ich es antraf, wiedergegeben. Die Hälften waren noch
+vereinigt, als die Schaufel des Arbeiters in der Sandgrube auf den
+Gegenstand stieß. Erst bei dem Herauswerfen desselben wurde die mediane
+Verbindung aufgehoben, wobei die Schneidezähne und die Juga alveolaria
+derselben in Mitleidenschaft gezogen wurden; außerdem ist auf der
+lateralen Seite der linken Unterkieferhälfte, oberhalb der Basis, ein
+Stückchen abgesprungen. Dieses war leider nicht mehr beizubringen;
+dagegen sind sämtliche Teile der Incisivi vorhanden. Wie die Abbildung
+erkennen läßt, hafteten neben und an den Eck- und Backzähnen des
+Unterkiefers dicke verfestigte Krusten von ziemlich grobem Sand, ein
+Charakteristikum der aus den Mauerer Sanden stammenden Fossilien. Die
+Verkittung ist durch kohlensauren Kalk erfolgt. An der linken
+Kieferhälfte lag außerdem auf den Prämolaren und den beiden ersten
+Molaren, fest verbunden mit dem Sande, ein 6 cm langes und etwa 4 cm
+breites Geröll von Kalkstein, vermutlich Muschelkalk. Dieses Geröll ist,
+ebenso wie die gesamte Oberfläche des Unterkiefers, durch dendritische
+Ablagerung von Limonit und wohl auch Manganverbindungen bedeckt, die dem
+Knochen eine zum Teil ockergelbe, zum Teil schwarzbraune Färbung
+verleihen. Auch die an der Symphyse zutage tretende spongiöse Substanz
+zeigt die gleiche Erscheinung, ein Beweis, daß der Unterkiefer in der
+Medianlinie wohl schon gelockert war.
+
+ [XIV.] Worte JOH. FRIEDR. ESPERS beim Auffinden »einer Maxilla von einem
+ Menschen unter den unbekannten vierfüßigen Tieren« in der Gailenreuther
+ Höhle anno 1774.
+
+Die Fundstelle in der Sandgrube fand ich noch ganz unberührt. Der 52
+Jahre alte Arbeiter DANIEL HARTMANN bestätigte mir, daß er tags zuvor
+beim Ausheben des Sandes vermittels einer Schaufel auf den Unterkiefer
+gestoßen sei, der beim Herauswerfen in zwei Hälften vorgelegen habe. Es
+waren zur Zeit der Auffindung des Kiefers in der Sandgrube noch ein
+Arbeiter und ein Knecht, der gerade eine Fuhre Sand holte, zugegen. In
+Anbetracht der Wichtigkeit des Fundes hielt ich es für geboten, hierüber
+vom Großh. Notar WEIHRAUCH in Neckargemünd ein von den drei Arbeitern,
+Herrn J. RÖSCH und von mir unterzeichnetes Protokoll aufnehmen zu
+lassen, dem Photographien des Fundobjektes (Taf. VI, Fig. 11-14), der
+Fundstelle (Taf. II, Fig. 4) und der von dem Geometer gefertigte
+Lageplan (Taf. II, Fig. 3) angeheftet sind. Aus dieser zu den Akten des
+geologisch-paläontologischen Instituts gegebenen Urkunde, d. d.
+Neckargemünd 19. November 1907, geht auch hervor, daß Herr J. RÖSCH den
+Fund, wie ich dankerfüllt hinzufüge, schenkungsweise der Universität
+Heidelberg überlassen hat.
+
+Die nächste Sorge war nun, die Fundstelle und ihre nächste Umgebung
+genau daraufhin zu untersuchen, ob nicht noch mehr menschliche Reste
+aufzufinden seien. Nach den obigen Darlegungen waren die Aussichten
+hierfür allerdings sehr gering; aber selbst Tierreste, die in der Nähe
+des menschlichen Unterkiefers lagerten, durften nun ein höheres
+Interesse beanspruchen. Die Fundschicht selbst, die 0,10 m mächtig in
+dem geologischen Profil als »Geröllschicht, durch kohlensauren Kalk
+etwas verkittet, mit ganz dünnen Lagen von Letten, der mit HCl schwach
+braust«, bezeichnet ist, bot nichts Absonderliches. Es hatte eine
+Anhäufung von kleinen Geröllen hier stattgefunden, unter denen der
+Unterkiefer bei der Wegschwemmung wohl schließlich liegen blieb. Das
+bereits beschriebene Kalkgeröll verkittete sich dabei vollkommen mit der
+vom Sand bedeckten Zahnreihe der linken Unterkieferhälfte. Bei den durch
+die Arbeiter ohne Unterbrechung Tag für Tag fortgesetzten
+Sandaushebungen, die sich südlich und nördlich von dem Fundorte
+ausdehnten, kamen nun, teils in der Fundschicht, teils in den darüber
+gelagerten Schichten 5-10 des Profils, also bis zur Lettenbank 11,
+beständig Reste der im geologisch-paläontologischen Teil angeführten
+Säugetiere zutage. Insbesondere gelang es, vom Elephas antiquus Falc.
+zwei noch mit den Molaren versehene Unterkieferhälften eines nahezu
+erwachsenen (Taf. IV, Fig. 6) und das Oberkieferfragment eines ganz
+jungen Individuums (Taf. V, Fig. 10) als wichtige Belegstücke zu
+sichern. Näheres hierüber findet sich im geologisch-paläontologischen
+Teil.
+
+Um den menschlichen Unterkiefer dauernd zu erhalten, erschien es
+angezeigt, rasch zu einer Präparierung desselben zu schreiten. Die in
+dem feuchten Sande von Mauer gebetteten Knochen müssen zu diesem Zweck
+einige Tage der Luft ausgesetzt und dann geraume Zeit in eine Leimlösung
+gelegt werden. Damit letztere in alle Teile des menschlichen
+Unterkiefers eindringen konnte, wurden die an der Pars alveolaris
+haftenden Sandinkrustationen, sowie das der linken Kieferhälfte
+aufgelagerte Kalkgeröll entfernt. Herr Geh. Hofrat BÜTSCHLI war so
+freundlich, mich hierbei mit seinem Rate zu unterstützen und den
+Konservator des zoologischen Institutes, der auch zurzeit den im I.
+Abschnitt dieser Abhandlung beschriebenen Elephas antiquus-Schädel von
+Mauer präpariert hatte, für die Ausführung der subtilen Arbeit zur
+Verfügung zu stellen. Es wurde beschlossen, die durch kohlensauren Kalk
+verkitteten Sandkrusten teils mechanisch, teils durch Aufträufeln von
+verdünnter Salzsäure zu entfernen, was bei der rechten Kieferhälfte
+vortrefflich gelang (vgl. Taf. VII, Fig. 15 u. 16); bei der linken
+Hälfte dagegen lösten sich mit dem Geröll die Kronen der beiden
+Prämolaren und der beiden ersten Molaren ab, so daß das Objekt das durch
+Taf. VII, Fig. 17 u. 18 veranschaulichte Aussehen erhielt. Die
+Zahnkronen konnten von dem Geröll durch fortgesetzte Betupfung desselben
+mit verdünnter Salzsäure abgelöst werden; sie sind auf Taf. VIII,
+Fig. 28-31 in annähernd natürlicher Größe[XV.] wiedergegeben, und zwar
+sowohl von der oberen, als auch von der unteren, der Pulpahöhle
+zugewendeten Seite. Leider passen sie nicht mehr vollständig auf den
+Hals der betreffenden Zähne, da winzige Splitter des Schmelzes an dem
+unteren Teile der Kronen abgesprungen sind. Offenbar wurde der
+Zusammenhang der Kronen mit den Wurzeln an dem Halse der betreffenden
+Zähne durch das darauf lagernde relativ schwere Geröllstück schon
+gelockert, als der Unterkiefer mit der Schaufel herausgeworfen wurde;
+sonst hätten sich bei der Präparierung die Kronen von den Wurzeln
+schwerlich getrennt. Wie ich übrigens noch zeigen werde, ergab die also
+ermöglichte Untersuchung der Pulpahöhlen der abgebrochenen Zähne
+bemerkenswerte Resultate, die sich sonst nicht hätten gewinnen lassen.
+
+ [XV.] Die genauen Maße sind in der speziellen Beschreibung der Zähne
+ (Anhang I) angeführt.
+
+Gehen wir nun zur $Beschreibung des Unterkiefers$ über, so drängt sich die
+Eigenart unseres Objektes auf den ersten Blick auf. Es zeigt eine
+Kombination von Merkmalen, wie sie bisher weder an einer recenten noch
+fossilen menschlichen Mandibula angetroffen worden ist. Selbst dem
+Fachmanne wäre es nicht zu verargen, wenn er sie nur zögernd als
+menschliche anerkennen würde: Fehlt ihr doch dasjenige Merkmal gänzlich,
+welches als specifisch menschlich gilt, nämlich ein äußerer Vorsprung
+der Kinnregion, und findet sich doch dieser Mangel vereinigt mit äußerst
+befremdenden Dimensionen des Unterkieferkörpers und der Äste.
+
+Angenommen, nur ein Fragment wäre gefunden ohne Zähne, so würde es nicht
+möglich sein, dieses als menschlich zu diagnostizieren. Mit gutem Grunde
+würde man bei einem Teil der Symphysenregion die Zugehörigkeit zu einem
+Anthropoiden, etwa von gorilloidem Habitus, vermuten und bei einem
+Bruchstücke des Ramus ascendens an eine große Gibbon-Varietät denken.
+
+=Der absolut sichere Beweis dafür, daß wir es mit einem menschlichen
+Teile zu tun haben, liegt lediglich in der Beschaffenheit des Gebisses=.
+Die vollzählig erhaltenen Zähne tragen den Stempel »Mensch« zur
+Evidenz: Die Canini zeigen keine Spur einer stärkeren Ausprägung den
+anderen Zahngruppen gegenüber. Diesen ist insgesamt die gemäßigte und
+harmonische Ausbildung eigen, wie sie die recente Menschheit besitzt.
+
+Auch in ihren Dimensionen treten die $Zähne$ der Heidelberger Mandibula
+nicht aus der Variationsbreite des recenten Menschen heraus. Allerdings
+sind ihre Maße relativ groß, wenn man moderne europäische Objekte zur
+Vergleichung heranzieht. Sowie man aber letztere auf jetzige niedere
+Rassen ausdehnt, verschwindet die Differenz. In den Einzelmaßen werden
+vielmehr die Zähne -- nicht aber der Kiefer -- des Homo Heidelbergensis
+von manchen der jetzigen Australier übertroffen.
+
+Ein gewisses Mißverhältnis zwischen dem Kiefer und den Zähnen ist bei
+der fossilen Mandibula unverkennbar: Die Zähne sind zu klein für den
+Knochen. Der vorhandene Raum würde ihnen eine ganz andere Entfaltung
+gestatten. Am auffälligsten tritt dies beim dritten Molaren hervor, der
+hinter den beiden anderen beträchtlich zurückbleibt, obwohl gerade an
+dieser Stelle die Breite des Corpus mandibulae ein derartiges Maß
+erreicht (23,5 mm), wie es bisher noch an keinem menschlichen Objekte
+gefunden wurde, und obgleich die postmolare Grube am vorderen Abhange
+des Ramus genügend Raum für einen vierten Molaren darbot. Ob die
+relative Kleinheit des dritten Molaren unserer Mandibula mit der
+Reduktionstendenz dieses Zahnes beim modernen Europäer in Beziehung
+gebracht werden kann, soll hier unerörtert bleiben.
+
+Sämtliche Zähne sind so weit abgekaut, daß die Dentinmasse zutage tritt.
+Dadurch, daß auf der linken Seite die Kronen der Prämolaren sowie des
+ersten und zweiten Molaren an dem darauf liegenden Gesteinsstücke haften
+geblieben sind, wurde ein Einblick in die Struktur der Kronen
+ermöglicht, der in willkommener Weise die Ergebnisse der
+Röntgendurchstrahlung ergänzt.
+
+Bei der großen Bedeutung, welche jeglicher Einzelheit des Tatbestandes
+in vorliegendem Falle zukommt, erscheint es angezeigt, eine gleichsam
+protokollarische Übersicht über jeden Zahn zu geben und durch
+tabellarische Aufstellung der Maße die Vergleichung mit anderen Objekten
+vorzunehmen.
+
+Unter Hinweis auf diese im Anhang gegebene Zusammenstellung sollen
+zunächst nur diejenigen Punkte hervorgehoben werden, welche mit
+Rücksicht auf die Zähne einen Beitrag zu der Frage nach der Stellung
+unseres Unterkiefers zu verwandten Bildungen liefern können.
+
+Was zunächst die Höckerbildung der Molaren anbelangt, so läßt sich die
+ursprüngliche Fünfzahl mit Ausnahme des dritten linken bei allen Molaren
+der Heidelberger Mandibula nachweisen. Diesem Zustande nähern sich von
+den recenten Menschen, wie die Untersuchungen von M. DE TERRA[90]
+zeigen (vgl. Anhang III), am meisten die Australier. Von den
+europäischen Fossilfunden gestattet nur der von Krapina eine
+Vergleichung, da in anderen Fällen (Spy, Ochos) die Abkauung zu weit
+vorgeschritten ist. Wie aus GORJANOVI[/C]-KRAMBERGERS Zusammenstellung
+hervorgeht, zeigt der Mensch von Krapina eine stärkere Tendenz zum
+Übergang in den Vierhöckertypus, als unser Fossil.
+
+Für die Beurteilung der Beziehung der Molaren des Homo Heidelbergensis
+zu denen der heutigen Menschheit ist der Einblick in das Innere der
+Kronen des ersteren wertvoll. Wie die Maßangaben des Querschnittes der
+Pulpahöhle beim modernen Europäer ergeben, die mir von Hr. cand. med.
+K. TRUEB aus seiner demnächst erscheinenden Inauguraldissertation
+freundlichst zur Verfügung gestellt wurden (vgl. Anhang IV), ist das
+Cavum pulpae der Molaren der Mandibula von Mauer von ungewöhnlicher
+Größe: Es hat beim ersten Molaren einen linguobuccalen Durchmesser von
+4,8 und einen mesiodistalen von 4,3 mm. Beim recenten Europäer sind die
+höchsten Zahlen für M 1 inf. im Alter vom 6.-9. Jahre mit 4,087 und vom
+11.-14. Jahre mit 4,125 (im Mittel) zu finden; die höchste von TRUEB
+festgestellte Zahl ist 4,8 bei einem Mädchen von 9 Jahren und die
+niedrigste 3,5 bei einem 14jährigen Knaben.
+
+Bei dem zweiten Molaren unseres Fossils steigert sich die Differenz noch
+beträchtlich, da hier der linguobuccale Durchmesser 5,7 mm und der
+mesiodistale 6,3 mm beträgt, der bei den von TRUEB gemessenen Zähnen in
+einzelnen Fällen nur bis 4,8 mm aufsteigt, im Mittel aber in allen
+Lebensaltern beträchtlich hinter Mauer M 2 zurücksteht[XVI.]. --
+Dagegen verhält sich die Dicke der die Pulpahöhle umgebenden Dentinwand
+inkl. Zement, wie die Tabelle zeigt, bei den Zähnen des Heidelberger
+Fossils ähnlich wie bei denjenigen des recenten Europäers.
+
+ [XVI.] Es sei auch auf die auf Taf. IX wiedergegebenen Röntgenbilder
+ verwiesen, die diesen Unterschied bei dem Homo Heidelbergensis (Fig.
+ 32-38) und bei einem recenten Europäer (Fig. 39 u. 40) -- das Alter
+ beider kann auf etwa 40 Jahre geschätzt werden -- deutlich
+ veranschaulichen.
+
+Es liegt auf der Hand, daß wir es bei dem Homo Heidelbergensis mit der
+Fortführung eines Merkmales zu tun haben, das heute für den
+Jugendzustand von Europäern typisch ist. Damit soll nicht eine sekundäre
+Ausprägung eines infantilen Charakters behauptet werden, sondern die
+Persistenz eines sehr primitiven Charakters überhaupt, wie er in der
+Stammesgeschichte des Primatengebisses als notwendiges Durchgangsstadium
+angenommen werden muß. Bei diesem Fortbildungsprozeß erhielt eben die
+relativ dünne Wandung eine den Höckerbildungen entsprechende Faltung und
+Biegung.
+
+Das oben schon betonte Mißverhältnis kommt hier wieder zum Ausdruck: Die
+Massivität des Knochens ließ entsprechend kräftige Wandungen der
+Pulpahöhle erwarten als Anpassung an eine gewaltige Kraftleistung. Das
+Gegenteil ist der Fall und läßt nur den Schluß zu, daß an die Zähne
+keine großen Ansprüche gestellt worden sind und demnach die kräftige
+Entfaltung des Kiefers nicht im Dienste der Zähne zustande gekommen ist.
+Ein derartiger kindlicher Charakter bei einer fossilen Form schließt
+jeden Gedanken an eine Spezialisierung der Vorfahrenform nach anderer
+Richtung aus. =Kein Anthropoidenstadium kann hier vorangegangen sein. Wir
+haben es hier vielmehr mit einem uralten gemeinsamen Urzustand zu tun,
+wie er auch dem der Anthropoiden vorangegangen sein muß=.
+
+Die Untersuchung der anderen Zahngruppen führt vollkommen zu demselben
+Ergebnis. An den Prämolaren findet sich in gleicher Weise, wie an den
+Molaren die Weite der Pulpahöhle. Der linguobuccale Durchmesser
+derselben am ersten Prämolaren des Homo Heidelbergensis (3,5 mm) wird
+von keinem der daraufhin untersuchten Europäerzähne erreicht. Die
+zwischen dem vorderen und hinteren Prämolaren bestehende Verschiedenheit
+in der Ausbildung des Reliefs, stärkerer Prominenz des lingualen Höckers
+bei P 2, fällt durchaus in die Variationsbreite des recenten Menschen.
+Dem P 1 fehlt jede Spur einer Anpassung an den oberen Caninus, wie sie
+zu erwarten wäre, wenn in der Vorfahrenreihe eine den Anthropoiden
+ähnliche Ausprägung der Canini bestanden hätte.
+
+Dieser negative Befund bei dem ältesten bisher bekannt gewordenen
+menschlichen Unterkiefer und die Übereinstimmung desselben mit den
+anderen fossilen Unterkiefern in den zwar beträchtlichen, aber
+keineswegs exzeptionellen Dimensionen der Incisivi und Canini, wobei
+letztere keine an Affen erinnernde Prominenz besitzen, stehen in vollem
+Einklang mit den von KLAATSCH vertretenen und sich mehr und mehr Bahn
+brechenden Anschauungen über die Beziehungen des Menschen zu den
+Anthropoiden. Wäre z. B. ein dem Gorilla ähnlicher Vorfahrenzustand
+anzunehmen bezüglich derjenigen Merkmale, durch welche Mensch und
+Menschenaffe sich unterscheiden, so müßte, je weiter geologisch
+zurückliegend, um so mehr eine Hinneigung zur Anthropoidenbahn sich
+kundgeben. Daß dies im Falle der Heidelberger Mandibula sich ebensowenig
+bewahrheitet, als es für die niederen Menschenrassen gilt, ist eine
+vortreffliche Bestätigung der von vorgenanntem Forscher aufgestellten
+Abstammungslehre des Menschengeschlechts.
+
+Wenden wir uns nun der Betrachtung des Unterkieferbogens der
+Heidelberger Mandibula zu, so fällt an der äußeren Fläche des $Corpus
+mandibulae$ sogleich das Fehlen einer Kinnvorragung auf (Taf. VIII,
+Fig. 19 und 20). Die völlig intakte rechte Kieferhälfte läßt darüber
+keinen Zweifel. Bei horizontaler Stellung des Alveolarrandes verläuft
+die Profillinie der Symphysenregion in sanfter Wölbung abwärts und nach
+hinten. An der Rundung, die das ganze Gebiet beherrscht, nehmen sogar
+die Incisiven teil, wie dies die laterale Ansicht der Mandibula
+(Fig. 19) und der Querschnitt in der Medianlinie (Fig. 20) erkennen
+lassen. Die teilweise freigelegten Wurzeln zeigen die Gleichartigkeit
+ihrer Krümmung mit der darunter befindlichen, nach vorn konvexen Fläche
+gerade an der Stelle, wo sich beim Europäer eine nach vorn konkave Linie
+bildet (Fig. 21).
+
+Der Basalrand der Symphyse zeigt eine auffällige Erscheinung. Legt man
+die Mandibula auf eine horizontale Unterlage und betrachtet sie von
+vorn, so erkennt man, daß nur die seitlichen Partien des Corpus
+aufliegen, während die mediane Region in einer transversalen Ausdehnung
+von 50 mm frei emporragt. Man hat den Eindruck, als sei hier ein Stück
+herausgeschnitten. Die Ausdehnung dieser morphologisch wichtigen
+Bildung, welche von KLAATSCH auch an Australierkiefern beobachtet und
+von ihm Incisura submentalis[XVII.] bezeichnet wurde, verrät einen
+Zusammenhang mit der Ausdehnung der Insertion des Musculus digastricus,
+insofern beide die gleiche laterale Begrenzung zeigen. An dieser Stelle
+befindet sich an der Außenfläche dicht über dem freien Rande ein kleines
+Höckerchen, das bereits von GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER am Kieferfragment
+Krapina H als Tuberculum beschrieben und von KLAATSCH auch an
+Australiern beobachtet worden ist. Fast genau darüber liegen die
+Foramina mentalia; in weiterer Verlängerung aufwärts erreicht die von
+dem Tuberculum aus gezogene Linie den Alveolarrand zwischen den
+Prämolaren und Molaren.
+
+ [XVII.] Vgl. den von H. KLAATSCH auf der Frankfurter Versammlung der
+ Deutschen Anthropologischen Gesellschaft 1908 gehaltenen
+ bedeutungsvollen Vortrag über Cranio-Morphologie und
+ Cranio-Trigonometrie, in welchem grundlegend die Morphologie des
+ menschlichen Unterkiefers behandelt und mit Rücksicht auf die
+ Australier-Mandibula und deren von dem Europäerkiefer abweichendes
+ Verhalten zum Teil eine ganz neue Terminologie geschaffen wird, der ich
+ -- insoweit dies bei unserm Fossil tunlich ist -- folgen werde.
+
+Die Foramina mentalia zeigen eine beachtenswerte Komplikation durch das
+Vorhandensein von Nebenlöchern. Das linke Foramen ist vom Alveolarrande
+14,6 mm und vom Basalrande 13,5 mm entfernt. Seine mesiodistale
+Ausdehnung beträgt 6,7 mm, sein vertikaler Durchmesser 4,7 mm; 2,7 mm
+über demselben, mehr im Bereiche von P 2 gelegen, befindet sich ein
+zweites kleineres Loch (Taf. VII, Fig. 18). Das rechte Foramen, 5,4 mm
+lang und 3,5 mm hoch, liegt 15,7 mm vom Alveolar- und 14,5 mm vom
+Basalrande entfernt. Es zeigt zwei Nebenlöcher, von denen das eine in
+der Größe eines Stecknadelkopfes 4,5 mm höher, mehr unter P 2 gelegen
+ist, während das andere[XVIII.] sich 4,2 mm niedriger und mehr nach M 1
+hin befindet (Taf. VIII, Fig. 19).
+
+ [XVIII.] Dieses tritt auf der Photographie nicht deutlich genug hervor,
+ da es in der nacherwähnten Furche gelegen ist.
+
+Zwischen den Foramina mentalia und dem Basalrande, letzterem parallel
+gerichtet, zieht sich eine Furche hin, welche sich nach hinten bis über
+den zweiten Molaren hinaus, nach vorn bis über die Mitte der Insertion
+des Digastricus verfolgen läßt (Taf. VII, Fig. 15). Man hat den
+Eindruck, als sei der Kieferrand aufgewulstet worden. Diese Bildung
+wurde von KLAATSCH auch an Australierkiefern, in stark variierender
+Ausdehnung distalwärts, festgestellt und von ihm als »Sulcus
+supramarginalis oder mentalis« bezeichnet.
+
+Der Basalrand ist im Bereiche der Molaren von beträchtlicher Dicke (über
+10 mm unter M 2). Seine Profillinie beschreibt eine ganz schwach nach
+abwärts konvexe Linie. Auf der Grenze zwischen Corpus und Ramus geht
+diese Linie in eine konkave Krümmung über; zugleich verjüngt sich der
+Basalrand beträchtlich in transversaler Richtung. Folgt man ihm
+mesialwärts, so gelangt man zur Ansatzgrube des Biventer, der Fossa
+digastrica, welche links 22, rechts bis zu 26 mm lang und in maximo
+7,5 mm breit ist. Die Grube, deren Fläche bei horizontaler Stellung des
+Alveolarrandes im medialen Teile fast genau abwärts, nur ein wenig
+lingualwärts, schaut, folgt in ihrem leicht gebogenen Verlaufe der
+Krümmung des Corpus mandibulae im Bereiche der oben beschriebenen
+Incisur. Letztere wird durch einen kleinen Vorsprung, der sich zwischen
+den beiderseitigen Fossae digastricae befindet, in eine linke und rechte
+Hälfte geschieden. Diese den tiefsten Teil der Symphyse bildende »Spina
+interdigastrica« (KLAATSCH) ist auf Taf. X, Fig. 41 und 42 sichtbar.
+
+Geht man von ihr auf die Innenfläche der Symphyse über (vgl. die
+Bruchfläche Taf. VIII, Fig. 20 und Taf. XIII, Fig. 48), so erscheint die
+im oberen Teile 17 mm erreichende Dicke vom Befunde beim recenten
+Menschen ebenso abweichend, wie die Rundung der lingualen Fläche. Von
+der Innenseite der Incisivi senkt sich die mediale Fläche schräg
+abwärts. Ihre im ganzen konvexe Beschaffenheit wird durch eine ganz
+minimale, nur bei genauer Betrachtung zu bemerkende Einsenkung
+unterbrochen, die sich hinter den Incisivi befindet; links ist sie etwas
+deutlicher als rechts. Im Bereiche der Prämolaren und von M 1 und 2
+besteht eine gleichmäßige Rundung der inneren Fläche. Indem in der Nähe
+des Basalrandes sich Vertiefungen einstellen, gewinnt der darüber
+gelegene Teil das Aussehen eines Wulstes, in welchem die von WALKHOFF
+als »Lingualwulst« bezeichnete Bildung erkannt wird. In der Medianebene
+findet sie ihre untere Begrenzung durch eine queroval ausgezogene Grube.
+Hier ist die Ansatzstelle des Musculus genioglossus. Die Anheftung
+geschieht in den seitlichen Partien dieser »Fossa genioglossi«[48].
+
+Zwischen den paarigen, leicht angedeuteten Muskelfeldern und ein wenig
+darüber wird eine einem kleinen Blutgefäßkanale entsprechende Öffnung
+angetroffen. Ein ähnlicher Kanal befindet sich über der Spina
+interdigastrica. Zwischen ihm und der Fossa genioglossi bildet die
+innere Symphysenfläche einen rundlichen Höcker mit schwacher Andeutung
+bilateraler Gliederung. Hier hat der Musculus geniohyoideus seinen
+Ursprung.
+
+Eine Spina mentalis interna im Sinne der für den Europäer geltenden
+Terminologie ist an der Mandibula des Homo Heidelbergensis nicht
+vorhanden; denn gerade die Ansatzstelle des Genioglossus ist es, welche
+sensu stricto als Spina mentalis gilt. Gegen diese tritt beim Europäer
+die Insertion des Geniohyoideus ganz zurück. Da sich nun beim Homo
+Heidelbergensis lediglich im Bereiche gerade dieses Muskels eine
+Erhebung findet, so empfiehlt es sich, auf diese den von KLAATSCH für
+die entsprechende Bildung bei niederen recenten Menschenrassen
+eingeführten Ausdruck »Spina geniohyoidei« anzuwenden.
+
+Von dieser Stelle distalwärts findet sich auf der Innenfläche des Corpus
+der Heidelberger Mandibula die Fossa sublingualis, eine elliptische, in
+der Richtung des Alveolarrandes gestreckte Grube von mehr als 20 mm
+Länge und etwas weniger als 10 mm Breite. Sie reicht von der Gegend des
+P 2 bis zur Grenze zwischen M 2 und 3; ihre weite Ausdehnung besonders
+nach hinten fällt im Vergleich mit dem recenten Europäer auf. Ein
+unbedeutender flacher Wulst trennt die für die Glandula sublingualis
+bestimmte Grube von der Fossa Gland. submaxillaris, die weit auf den
+Unterkieferast hinaufreicht.
+
+Zwischen beiden Gruben sind Andeutungen der Insertion des Musculus
+mylohyoideus zu erwarten, aber abweichend von der Regel beim recenten
+Europäer ist die Linea mylohyoidea lediglich bis zum vorderen Rande des
+dritten Molaren rechts und etwa bis zur Mitte des zweiten Molaren links
+zu verfolgen. Sie verstreicht auf dem Wulst zwischen den Gruben; eine
+Muskelrauhigkeit bis zur Symphysenregion ist nicht nachweisbar.
+
+Bezüglich der =Höhe und Dicke des Corpus mandibulae= sei auf die
+nachstehenden Maximalmaße[XIX.] verwiesen:
+
+ Spaltenüberschriften:
+
+ A: Distal von M 3
+ B: zwischen M 3 u. M 2
+ C: unter M 2
+ D: zwischen M 2 u. M 1
+ E: zwischen M 1 und P 2
+ F: zwischen P 2 und P 1
+ G: zwischen P 1 u. C
+ H: zwischen C u. J 2
+ I: zwischen den mittleren Incisiven
+
+ -------------+----+----+----+----+----+----+----+----+--------------
+ | A | B | C | D | E | F | G | H | I
+ -------------+----+----+----+----+----+----+----+----+--------------
+ Höhe am | | | | | | | | |
+ freien Rande | | | | | | | | |
+ gemessen |29,9|30,6|31,8|34,3|33,0|31,4|31,3|33,3| etwa 33,5 mm
+ | | | | | | | | |
+ Dicke |23,5|21,4|20,0|18,5|19,4|19,2|19,1|19,3| etwa 17,5 mm
+ -------------+----+----+----+----+----+----+----+----+--------------
+
+ [XIX.] Diese sind am Original genommen; die am Gipsabguß genommenen Maße
+ weichen hiervon etwas ab.
+
+Die außerordentlichen Werte, die sich hieraus für die massive
+Beschaffenheit des Corpus ergeben, finden in der Region des letzten
+Molaren eine Steigerung, die für ein menschliches Gebilde äußerst
+fremdartig erscheint. Die größte Distanz ist hier gegeben durch den
+Abstand der Linea obliqua außen von der Crista buccinatoria innen.
+Erstere ist stumpf und gerundet. Sie geht in sanfter, nach vorn
+konkaver Biegung aus dem vorderen Rande des Ramus hervor und endet
+bereits am dritten Molaren. Die Crista buccinatoria erscheint hinter M 3
+als eine scharfe Leiste, welche in flachem, nach vorn konkavem Bogen auf
+der mesialen Seite des dritten Molaren sich mit dem Alveolarrande
+vereinigt. Die dachförmig die Fossa submaxillaris überlagernde Linea
+mylohyoidea erscheint wie eine Abzweigung der Crista buccinatoria. Der
+beträchtliche Raum zwischen dieser und der Linea obliqua wird von zwei
+verschiedenen Gebilden eingenommen, einem labialen und einem buccalen.
+Wie eine Fortsetzung des Alveolarrandes nach hinten stellt ersteres sich
+als ein rauhes Feld von spitzwinkeliger Dreiecksform ein. Es ist das von
+KLAATSCH auch an Australierkiefern beobachtete »Trigonum postmolare« und
+stellt das Gebiet des vierten Molaren dar, der bei dem Homo
+Heidelbergensis vollständig Platz zu seiner Entfaltung gehabt hätte. Das
+Trigonum erstreckt sich, der Crista buccinatoria entsprechend,
+bogenförmig aufwärts bis zum Niveau des Foramen mandibulare. Die flache
+Grube buccalwärts hiervon ist die von KLAATSCH als Fossa praecoronoidea
+bezeichnete Bildung. Sie beginnt auf der Innenfläche des Ramus am
+obersten Ende des Processus coronoideus in sagittaler Richtung, aus
+welcher sie, buccal von M 3 in horizontalen Verlauf übergehend, im
+Bereich des zweiten Molaren auf der Außenfläche des Corpus verstreicht.
+
+ * * * * *
+
+Die $Rami mandibulae$ (Taf. VIII, Fig. 19) zeichnen sich durch ihre
+beträchtliche Breite aus, die an den oberen Enden der Fortsätze bis zu
+60 mm beträgt, während sie bei zwölf Unterkiefern des recenten Europäers
+aus dem Heidelberger anatomischen Institut im Mittel nur 37,4 mm
+aufweist. Die Höhe des Astes vom Condylus coronoideus bis zur Basis
+beträgt 66,3 mm. Dieses Maß liegt in der Variationsbreite des recenten
+Europäers. Die Äste steigen von dem hinteren Rande des Körpers
+auffallend steil in die Höhe; der Winkel, welchen der hintere Rand
+derselben mit dem unteren Rande des Corpus bildet, beträgt 107°. -- Für
+den Ansatz der Musc. temporalis und masseter bot sich bei der gewaltigen
+Breite des Proc. coronoideus und des Angulus eine sehr ausgedehnte
+Fläche dar.
+
+Sehr auffällig ist im Gegensatz zu der Mandibula des recenten Europäers
+die nur als eine schwache Einbuchtung erscheinende Incisura semilunaris.
+In einer Entfernung von 16 mm unterhalb dieser beginnt das lang
+gespaltene, am Eingang bis zu 6,5 mm weite Foramen mandibulare. Von der
+plumpen und breiten Lingula ist beiderseits die Zacke etwas abgebrochen;
+auf der rechten Kieferhälfte scheint der Bruch alt, auf der linken neu
+zu sein.
+
+Der Sulcus mylohyoideus ist sehr schmal und tief. Der Verlauf des den
+Unterkörper durchsetzenden Canalis mandibulae ist auf dem Röntgenbilde
+Taf. IX, Fig. 32 und 36 gut zu verfolgen.
+
+Die Form des Processus coronoideus ist von derjenigen des recenten
+Europäers sehr abweichend. Der Fortsatz endet stumpf, die Ränder sind
+abgerundet. Eine Muskelinsertionsgrube, die beim recenten Europäer nicht
+selten hinter und unter der Spitze vorkommt, ist nur schwach angedeutet.
+
+Der Processus condyloideus ist vor allem bemerkenswert durch die ganz
+ungewöhnliche Größe der Gelenkfläche, welche in der Entfaltung des
+rechts 13 und links 16 mm betragenden Durchmessers zum Ausdruck kommt,
+während der transversale (22,8 mm) in die Variationsbreite des recenten
+Europäers fällt. Die Stellung der Condylen ist aus Taf. X, Fig. 41
+ersichtlich. Die Fossa pterygoidea (Insertion des Musc. pterygoid.
+extern.) ersetzt durch Ausdehnung und Rauhigkeit, was ihr an Tiefe
+abgeht.
+
+Die hintere Kante des Processus condyloideus verjüngt sich nach abwärts
+konisch, wobei die Außen- und Innenfläche in transversaler Richtung
+leicht konkav, in sagittaler schwach gewölbt sind. Etwa 30 mm unter dem
+obersten Ende des Processus beginnen die vom Musculus pterygoideus
+internus herrührenden Zackenbildungen (Taf. VII, Fig. 17). Von hier an
+gestaltet sich der Umriß des distalen Kieferrandes zu einer gleichmäßig
+gerundeten, nahezu den Teil eines Kreises darstellenden Linie, so daß
+ein Angulus nicht irgendwie scharf markiert ist (Taf. VIII, Fig. 19).
+Soweit die Muskelinsertion reicht, erscheint die etwa 4 mm dicke
+Knochenplatte des Ramus wie komprimiert. Unmittelbar vor der vordersten
+Zacke des Musc. pteryg. intern. zeigt sich jene sanfte Aushöhlung des
+unteren Randes, die auch beim recenten Europäer sich findet. In ihrem
+Bereiche verbreitet sich der Basalrand zu dem oben dargestellten
+Verhalten. Die Insertionsfläche des Pterygoideus internus ist ausgedehnt
+infolge der rundlichen Ausbuchtung der ganzen Angulusregion. Ihre
+Rauhigkeiten sind nur schwach entwickelt. Von den nach innen
+vorspringenden knopfförmigen Zacken des Pterygoideus internus gehen
+kleine Cristen aus. Die, wie oben schon festgestellt, sehr bedeutende
+Insertionsfläche des Masseter ist nur wenig durch Reliefbildung
+ausgezeichnet.
+
+Um das deskriptive Gesamtbild der Mandibula des Homo Heidelbergensis zu
+vervollständigen und um die nötige Grundlage für die $Vergleichung$ dieses
+Objektes $mit anderen Unterkiefern$ zu gewinnen, sind die von KLAATSCH[48]
+in seinem Frankfurter Vortrage angegebenen Methoden angewendet. Bei den
+hiernach gefertigten Projektionszeichnungen und diagraphischen Kurven
+ist der Alveolarrand im Bereiche der Incisiven und des letzten Molaren
+als Horizontale angenommen. Alles Weitere besagt die in Fig. 43, Taf. XI
+wiedergegebene Profilprojektion, in welcher die Meßlinien und Winkel
+nach KLAATSCHS Nomenklatur angegeben sind.
+
+Stellt man z. B. wie in Fig. 44 die Mandibula eines $recenten Europäers$
+gemeinsam mit unserem Fossil auf die die Hinterfläche des dritten
+Molaren tangierende Postmolarvertikale ein, so treten die Unterschiede
+zwischen beiden Objekten sehr deutlich hervor: Während die
+Alveolarhorizontale und die Basaltangente beim vorliegenden
+Europäerunterkiefer nahezu parallel laufen, bilden sie beim Homo
+Heidelbergensis einen nach vorn offenen spitzen Winkel von 11°. Seine
+Größe ist zu berechnen aus dem Winkel, den die Basaltangente mit der
+Symphysenvertikale bildet. Dieser beträgt 79°.
+
+Der =Ramus= des recenten Europäers bleibt fast in allen Dimensionen
+innerhalb der Ausdehnung des fossilen; nur der Processus coronoideus des
+ersteren ragt ein wenig hervor, überschreitet jedoch nicht die
+Condylocoronoidtangente des Fossils. Während diese Linie bei dem Homo
+Heidelbergensis nach vorn absinkt, steigt sie beim recenten Europäer
+stark nach vorn an. Der Condylus erscheint bei letzterem abgesunken.
+Auch die Öffnung des Mandibularkanals liegt beim recenten Europäer viel
+tiefer. Man kann sich vorstellen, daß bei diesem die schräge Stellung
+des Ramus durch teilweisen Wegfall des distalen Teiles hervorgerufen
+ist. Diese Vorstellung einer Reduktion drängt sich auch bei der
+Betrachtung der =Kinnregion= des recenten Europäers auf. Die Zahnreihe
+erscheint verkürzt, und das Kinn erscheint wie ausgeschnitten, so daß
+die Kinnprominenz nur wenig die Incisionvertikale[XX.] unseres Fossils
+nach vorn überragt.
+
+ [XX.] Dieser Ausdruck ist neuerdings von KLAATSCH anstatt des
+ bisherigen »Symphysion« eingeführt.
+
+Wenn es nach dieser Vergleichung möglich erscheint, daß der Homo
+Heidelbergensis der Vorfahrenreihe des europäischen Menschen angehört,
+so werden wir sofort an weitere Punkte erinnert, in denen sich
+Parallelen zwischen dem ontogenetischen Prozeß der Kieferbildung des
+recenten Europäers und des Homo Heidelbergensis ergeben. Die allmähliche
+Ausbildung der Kinnprominenz in der individuellen Entwicklung verlangt
+als stammesgeschichtliche Ausgangsform eine zurückweichende vordere
+Symphysenfläche. Die Spina mentalis interna entwickelt sich erst im
+Kindesalter. Lange Zeit hindurch bewahrt sich der jugendliche
+Europäerkiefer einen viel voluminöseren Condylus, als wie beim
+Erwachsenen.
+
+Diese gemeinsamen niederen Merkmale machen es notwendig, nachzuforschen,
+welche verwandtschaftliche Stellung die Mandibula des Homo
+Heidelbergensis zu den Unterkiefern der übrigen nicht europäischen
+Menschenrassen und der Anthropoiden einnimmt. Es sollen daher einige
+Beispiele herausgegriffen und zum Schluß auch die anderen bisher bekannt
+gewordenen Fossilreste des Menschen in den Kreis der Betrachtungen
+gezogen werden.
+
+Nach den in Fig. 44, Taf. XI wiedergegebenen Profildiagrammen nimmt die
+Mandibula des Homo Heidelbergensis nicht nur zu dem Unterkiefer des
+Europäers, sondern auch zu demjenigen des $afrikanischen Negers$ eine
+vermittelnde Stellung ein. Es ist bei letzterem eine Zunahme des Corpus
+in der Symphysenhöhe eingetreten. Die zurückweichende Symphysenregion
+ist beibehalten, und die Umbildung zum »negativen Kinn« ist erfolgt. Der
+Ramus hat sich verschmälert und verlängert, wobei eine Vertiefung der
+Incisur stattfand.
+
+Fig. 45, Taf. XII zeigt Profildiagramme des Unterkiefers des Homo
+Heidelbergensis, eines Australiers (Melville Island, K. 80)[XXI.] und
+eines Dajak (B. N. C. 104). Im Vergleich zu dem Heidelberger Fossil ist
+bei dem $Australier$ eine Verschmälerung des Ramus eingetreten, unter
+Beibehaltung der nach vorn absteigenden Condylocoronoidtangente; ferner
+hat sich bei letzterem ein »negatives Kinn« schwach ausgebildet. Der
+Unterkiefer des $Dajak$ bleibt in der Breite des Ramus unserem Fossil
+näher. In der Umbildung der Symphyse bietet er eine Parallele zu der
+Mandibula Spy I dar.
+
+ [XXI.] K. bedeutet Australier Kollektion KLAATSCH, B. bedeutet Breslau
+ Anatomie, und zwar N. C. = Neuer Katalog, A. C. = Alter Katalog.
+
+Von den in Fig. 46, Taf. XII dargestellten Profilprojektionen wollen wir
+zunächst die Mandibula eines weiblichen $Gorilla$ ins Auge fassen, die
+nicht so stark einseitig modifizierte Formenverhältnisse wie bei dem
+männlichen aufweist. Denkt man sich unser Fossil nahezu um die Hälfte
+der Länge des Alveolarteils nach vorn verlängert unter entsprechender
+Zunahme des mesiodistalen Durchmessers der Molaren und Prämolaren und
+kombiniert damit eine Verschmälerung des ganzen Kiefers, so entsteht die
+Gorillamandibula. Der Ramus nimmt dabei an Höhe bedeutend zu, und der
+Processus coronoideus erhebt sich etwas über den Condylus. Die breite
+Furche, welche sich buccal vom Trigonum postmolare nach oben erstreckt
+und von dem vorderen Rande des Ramus nach außen begrenzt wird, folgt der
+Verschiebung nicht, sondern endet in halber Höhe des Ramus. Die
+vergrößerten Molaren drängen nach hinten so stark vor, daß sie die
+Crista buccinatoria eine Strecke weit okkupieren. Der Vorderrand des
+Processus coronoideus, bzw. der Anfangsteil der Linea obliqua, läßt beim
+Gorilla die nach vorn konkave leichte Aushöhlung vermissen, die bei dem
+Homo Heidelbergensis vorhanden und auch beim recenten Menschen meist
+anzutreffen ist. Der Ramus des Gorilla bekommt dadurch nach vorn eine
+mehr gerade und schärfere Kante, als sie unser Fossil aufweist. Im
+oberen Teile hingegen behält der Processus coronoideus des Gorilla
+unserem Diagramme zufolge eine dem Fossil verwandte Form, jedoch mit
+vertiefter Incisura semilunaris. Bei der im Besitz des Heidelberger
+anatomischen Instituts befindlichen Mandibula eines weiblichen Gorilla
+nähert sich aber der Proc. coronoid. mehr demjenigen des recenten
+Europäers. In den Breiteverhältnissen übertrifft die in unserem Diagramm
+dargestellte Gorillamandibula nicht diejenige des Fossils.
+
+Die Condylen des Gorillakiefers bewahren sich die bedeutende Entfaltung
+und die transversale Stellung der Achsen. Die subcondyloide Aushöhlung
+des Hinterrandes ist stärker, und die Insertionsplatte der Muskeln setzt
+sich schärfer ab als bei dem Homo Heidelbergensis; umgekehrt verhält es
+sich am Basalrande, wo die Incisura praemuscularis beim Gorilla relativ
+schwach entwickelt ist. Trotzdem die Fossa praecoronoidea beim Gorilla
+lingualbuccal sehr weit ausgedehnt ist, bleibt die postmolare Breite bei
+dem im Diagramm wiedergegebenen Exemplare (21 mm) hinter derjenigen des
+Heidelberger Fossils zurück. Eine Übereinstimmung zwischen beiden
+besteht dagegen in der hohen Lage des Foramen mandibulare sowie in der
+geringen Ausprägung der Linea mylohyoidea, die sich beim Gorilla auch
+nur bis zum zweiten Molaren verfolgen läßt.
+
+Auch die Symphysenregion zeigt bei beiden eine ähnliche Rundung. Der
+Mandibula des Gorilla fehlt aber die Incisura submentalis. Ihr Raum
+erscheint ausgefüllt durch eine Verlängerung der unmittelbar vor der
+Biventerinsertion gelegenen Knochenmasse. Die rudimentäre Beschaffenheit
+des Musculus digastricus läßt die Umwandlung erkennen, die sich in der
+Vorfahrenreihe des Gorilla abgespielt haben muß. Es muß bei ihm als
+Ausgangspunkt ein ähnliches Stadium angenommen werden, wie wir es bei
+dem Heidelberger Fossil antreffen. Die Fossa genioglossi vertiefte sich,
+und die erwähnte, teils der Spina genioglossi, teils dem vorderen Rande
+der Digastricusinsertion angehörige Knochenplatte füllte den Raum
+zwischen den beiden Hälften des Corpus eine Strecke weit aus. Hierbei
+wurde der nur noch schwache Digastricus ganz auf den Basalrand gedrängt.
+Die flache Excavation hinter den Incisivi dehnte sich aus und
+verkleinerte den Lingualwulst. In allen diesen Punkten läßt sich nichts
+dagegen anführen, daß der Gorilla den sekundären, der Homo
+Heidelbergensis den primären Zustand repräsentiert. Der gemeinsame
+Ausgangszustand war dem letzteren offenbar viel näher. Die Zunahme des
+Eckzahnes in der Anthropoidenreihe ist der Faktor, der den von der Bahn
+des Menschen entfernenden Schritt verschuldete.
+
+Man kann daher auf den $Orang$ (Fig. 46, Taf. XII) nahezu die gleichen
+Betrachtungen anwenden wie auf den Gorilla. Noch primitiver bleibt
+ersterer in der mäßigen Beschaffenheit der Condylen, der geringeren
+Vertiefung der Incisura semilunaris und in dem relativ breiten Ramus.
+Hingegen bedingt der völlige Schwund des Biventer beim Orang noch
+stärkere, aber ganz in der Richtung wie beim Gorilla verlaufende
+Umformungen der Symphysenregion.
+
+Vom Schimpansen stand zum Vergleich geeignetes Material leider nicht zur
+Verfügung, wohl aber von $Gibbons$ (Fig. 46). Diese bieten in ihren
+mannigfaltigen Variationen, abgesehen von dem mehr gestreckten Corpus
+mandibulae und dessen geringerer postmaler Breite, noch nähere Anklänge
+an das Stadium des Homo Heidelbergensis, als die anderen Anthropoiden.
+Ganz besonders auffällig sind in dieser Hinsicht die Gestalt des sehr
+breiten Ramus mit der oft sehr flachen Incisura semilunaris, die starke
+Ausprägung der Incisura praemuscularis und die Symphysenregion, die im
+Relief der Vorder- und der Lingualfläche weniger modifiziert ist als bei
+den übrigen Anthropoiden. Es sind sogar Andeutungen der Incisura
+submentalis vorhanden, ein untrüglicher Beweis, daß diese einst
+gemeinsamer Besitz war. Bei Hylobates lar finden sich ferner sogar
+Andeutungen des Sulcus supramarginalis, der bei den anderen Anthropoiden
+ganz vermißt wird.
+
+=Das Resultat ist also, daß ein durch sein Gebiß als menschlich
+sichergestelltes Fossil dem Ausgangszustande der Anthropoiden nahesteht,
+wie es die von= KLAATSCH =und mir vertretenen Anschauungen erwarten
+ließen=.
+
+Es soll nun noch die Mandibula des Homo Heidelbergensis mit anderen
+fossilen menschlichen Unterkiefern verglichen werden. Von Wichtigkeit
+ist es, zu prüfen, ob sie eine morphologische Sonderstellung einnimmt.
+
+Der Beginn der Erforschung fossiler Menschenkiefer war gegeben durch die
+1866 erfolgte Entdeckung DUPONTS[15-17], der in der Höhle »La Naulette«
+am linken Ufer der Lesse in Belgien zusammen mit Knochen vom Mammut und
+Rhinoceros das Fragment eines menschlichen Unterkiefers antraf. Was
+sofort an demselben auffiel, war der sehr kräftig und gedrungen gebaute
+Körper, sowie die zurückweichende Gestaltung der Kinnregion, worin man
+Ähnlichkeiten mit Affen zu erkennen glaubte. GABRIEL DE MORTILLET[54]
+meinte sogar: Das betreffende Wesen habe noch keine Sprachfähigkeit
+besessen, da die Spina mentalis interna zu fehlen scheine. Zum erstenmal
+wurde die wissenschaftliche Welt durch Wahrnehmungen »pithecoider«
+Eigenschaften an einem Menschenkiefer beunruhigt. Die Ära der Diskussion
+über die Affenabstammung des Menschen begann. In dieser Periode der
+Unklarheit ist der Scharfblick TOPINARDS[95] hervorzuheben, der mit
+kritischem Auge die Merkmale des La Naulette-Kiefers prüfte und seine
+menschliche Natur feststellte. Zugleich zeigte dieser Forscher, daß die
+vom recenten Europäer vorhandenen Abweichungen nicht eine Annäherung im
+genetischen Sinne an die Anthropoiden bedeuten. In seinen
+Formverhältnissen, besonders in der gedrungenen Gestalt des Corpus, ist
+das Kieferfragment von $La Naulette$ demjenigen von Krapina, welches
+GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER[30] mit G bezeichnet, sehr ähnlich. Beide
+Kiefer weichen hierin beträchtlich von dem Heidelberger Fossil ab. Für
+La Naulette liegt eine weitere Differenz darin, daß die Alveolen der
+Molaren vom ersten bis zum dritten größer werden; doch handelt es sich
+bei La Naulette M 3 nach R. BAUME[7] wahrscheinlich um einen im
+Durchbruch befindlichen Zahn, bei dem die Alveole stets weiter zu sein
+pflegt.
+
+Große Erregung rief auch die Auffindung des berühmten
+Unterkieferfragments durch CH. MA[VS]KA 1882 in der [vS]ipkahöhle bei
+Neutitschein in Mähren hervor. Die lebhafte Diskussion zwischen VIRCHOW
+und SCHAAFFHAUSEN über die Bedeutung der im Kiefer eingeschlossenen
+Zähne wurde erst in neuester Zeit durch WALKHOFF dahin erledigt, daß es
+sich um ein kindliches Objekt im Zahnwechsel handelt. Aus diesem Grunde
+eignet sich der [vS]ipkakiefer nicht gut zu vergleichenden Studien mit
+der einem erwachsenen Individuum angehörigen Mandibula des Homo
+Heidelbergensis.
+
+Hingegen ist hierfür der Unterkiefer von $Spy$ I sehr brauchbar. Mit der
+Beschreibung desselben durch J. FRAIPONT[18] in den Archives de Biologie
+1887 beginnt eigentlich erst eine wissenschaftliche Bearbeitung des
+menschlichen Unterkiefers. Bis zur Entdeckung der Reste des
+Krapinamenschen, Ende der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, war
+die Spymandibula das klassische Objekt in seiner Art. FRAIPONT
+charakterisiert sie mit den Worten: »Elle est très robuste, très haute,
+récurrente, dépourvue d'éminence mentonnière.« Leider fehlt ihr der
+obere und der distale untere Teil der Äste; jedoch wird diese Lücke
+einigermaßen ausgefüllt durch den Rekonstruktionsversuch, den KLAATSCH
+im Anschluß an denjenigen des Neandertalschädels ausgeführt und auf dem
+Berliner Anatomenkongreß 1908 demonstriert hat.
+
+Auf den ersten Blick zeigt es sich, daß zwischen Spy I und dem Homo
+Heidelbergensis viel Verwandtschaftliches besteht, aber auch manches
+Trennende. In letzterer Hinsicht fällt besonders auf, daß der Spykiefer
+seinen Ruf enormer Mächtigkeit neben dem Heidelberger Fossil einbüßt.
+Gegen letzteres erscheint das belgische grazil und gemäßigt. FRAIPONT
+gibt als Symphysenhöhe 38 mm an. An dem mir von genanntem Forscher
+freundlichst überlassenen Gipsabguß läßt sich eine solche von nur 35 mm
+feststellen, was etwa derjenigen des Heidelberger Unterkiefers
+entspricht; der Defekt der Alveolen der Incisivi erschwert bei letzterem
+die Messung. In der Symphysendicke bleibt Spy (15 mm) gegen Heidelberg
+(17,5 mm) zurück. Auffälliger ist die Schmalheit des Corpus von Spy in
+den seitlichen Teilen. Am Foramen mentale zeigt Spy 13,5 mm, Heidelberg
+18,5; die postmolare Dicke beträgt bei Spy 16, bei dem Heidelberger
+Fossil aber 23,5 mm!
+
+Unter diesen Umständen kann bei der Spymandibula von einem Mißverhältnis
+zwischen Zähnen und Kiefer, wie es der Homo Heidelbergensis zeigt, nicht
+die Rede sein. Obwohl relativ groß, haben die Zähne im Spykiefer
+genügend Raum, keinesfalls aber Überfluß daran, wie es bei dem
+Heidelberger der Fall ist. Trotz der kleinen, besonders bei M 2
+hervortretenden, Differenzen in den Größenverhältnissen der Molaren ist
+das Gesamtbild des Gebisses beider, wenn man von der stärkeren Abkauung
+bei Spy absieht, ein sehr ähnliches, der Verlauf des Alveolarrandes fast
+identisch; nur buchtet sich derjenige des Heidelberger Fossils im
+Bereiche der Incisiven und Prämolaren ein wenig vor. Dies zeigt sich
+deutlich, wenn man die Alveolarrandkurven von beiden aufeinander
+projizert. Hierbei erkennt man auch ein geringes Zurückbleiben der Kurve
+von Heidelberg gegen Spy in der Breite der Molarenregion.
+
+Ferner offenbart die Symphysengegend beider Unterkiefer eine
+fundamentale Übereinstimmung durch den gemeinsamen Besitz einer Incisura
+submentalis in einer solchen Ausdehnung, wie sie bei recenten kaum
+vorkommen dürfte. Bei Spy ist dieselbe allerdings 10 mm schmäler und
+weniger tief ausgeschnitten. Auch eine Spina interdigastrica ist bei Spy
+vorhanden. Ferner sind die Insertionsgruben des Musculus digastricus in
+ihrer halbmondförmigen Gestalt sehr ähnlich, jedoch erscheint die beim
+Heidelberger Fossil wahrnehmbare Umgestaltung der Insertionsfläche aus
+einer mesial beinahe horizontalen in eine distal mehr lingual gerichtete
+an der Spymandibula weniger ausgeprägt. Die kleine Prominenz, welche
+sich bei der Heidelberger Mandibula an der lateralen Grenze der
+Digastricusinsertion auf der Außenfläche vorfindet, ist bei Spy nur auf
+der linken Seite deutlich entwickelt. Die Bedeutung dieses Tuberculum
+mentale posterius für die Kinnbildung ist von KLAATSCH in seinem
+Frankfurter Vortrage dargelegt worden. Ebendort lenkte er die
+Aufmerksamkeit auf die Furche, welche zwischen dem vorgenannten
+Tuberculum und dem Foramen mentale, dem Kieferrande parallel laufend,
+von ihm an Australierkiefern in stark variierender Ausdehnung
+festgestellt und Sulcus supramarginalis oder mentalis benannt wurde.
+Dieser ist auch an der Spymandibula, links deutlicher als rechts,
+wahrnehmbar. Daß er mit der viel besser ausgeprägten und bedeutend
+weiter ausgedehnten Rinnenbildung identisch ist, die ich an dem
+Heidelberger Fossil beschrieben habe, bedarf nur des Hinweises. Die
+Foramina mentalia von Spy liegen, soweit der Gipsabguß dies erkennen
+läßt, unter M 1, also mehr distalwärts als bei unserem Fossil.
+
+Der vorderen Symphysenfläche der Spymandibula fehlt die das ganze Gebiet
+beherrschende Rundung. Die Gegend unter dem Alveolarrand erscheint wie
+eingedrückt. Es ist die Bildung entstanden, welche KLAATSCH in
+zahlreichen Variationen an Australierkiefern beobachten konnte und für
+die er die Bezeichnung Impressio subincisiva externa eingeführt hat.
+Hiervon zu unterscheiden ist die Impressio subincisiva interna, die bei
+dem Heidelberger Fossil nur ganz schwach angedeutet, bei Spy aber
+stärker ausgeprägt ist. So wird der Alveolarrand des letzteren lingual
+und labial verschmälert. Durch die Impressio subincisiva externa tritt
+das darunter befindliche Gebiet ein wenig hervor. Diese Prominenz ist
+es, die FRAIPONT zu dem Urteil veranlaßt: Le menton existe déjà ici
+virtuellement. Ohne daß auf diese Frage hier näher eingegangen wird,
+läßt sich doch feststellen, daß die Verschiedenheit der Symphysenregion
+der Unterkiefer von Heidelberg und Spy sich nur im Sinne einer
+sekundären Veränderung des letzteren deuten läßt. Aus dem Heidelberger
+Kiefer läßt sich der von Spy modellieren, nicht aber umgekehrt.
+
+An Stelle der Rundung der Regio mentalis der Heidelberger Mandibula,
+welche die Messung eines Symphysenwinkels gar nicht gestattet, ist bei
+Spy eine Abflachung und steilere Stellung der Vorderfläche getreten (den
+Winkel gibt FRAIPONT mit 111° an). Die allgemeine Verschmälerung des
+Corpus mandibulae von Spy erscheint nun als eine Reduktion aus einem dem
+Heidelberger Fossil ähnlichen Stadium. Das innere Relief der Symphyse
+ist dabei ziemlich unverändert geblieben; doch machen sich leichte
+Unebenheiten in der Fossa genioglossi bemerkbar: Anfänge der Bildung
+einer Spina mentalis interna.
+
+Recht abweichend vom Homo Heidelbergensis verhält sich beim Menschen von
+Spy die Linea mylohyoidea, indem sie, eine tiefe Fossa submaxillaris
+überbrückend, als sehr deutlich wahrnehmbarer Wulst sich bis zur
+Digastricusinsertion hinzieht.
+
+Die Fossa praecoronoidea bei Spy ist schwächer entwickelt und das
+Trigonum postmolare kürzer als bei dem Heidelberger Fossil. Das Diastema
+postmolare, der freie Raum zwischen dem dritten Molaren und dem vorderen
+Rande des Ramus, ist hingegen weiter bei Spy. Der fragmentarische
+Processus coronoideus bei letzterem läßt noch das Vorhandensein einer
+Incisura subcoronoidea erkennen und eine ähnliche Form des Ramus wie bei
+dem Homo Heidelbergensis vermuten.
+
+=Faßt man alle diese Tatsachen zusammen, so erhellt zweifellos ein
+Zusammenhang zwischen den beiden Unterkiefern, und zwar in dem Sinne,
+daß das Heidelberger Fossil bis in die Einzelheiten einem
+Vorfahrenstadium desjenigen von Spy I entspricht[XXII.]. Wir müssen
+daher die Mandibula des Homo Heidelbergensis als präneandertaloid
+bezeichnen. Da sie zugleich präanthropoide Merkmale aufweist, so wird
+ihre Stellung als diejenige eines ganz fundamentalen »Generalized Type«
+im Sinne Huxleys immer mehr befestigt=.
+
+ [XXII.] Fragmente einer Mandibula von Spy II sind beschrieben bei
+ FRAIPONT 1. c. p. 632: »Cette mandibule devait être plus haute, plus
+ massive, plus robuste encore que celle du sujet No. 1«. »Le bord
+ alvéolaire est très épais et en rapport avec le développement des
+ alvéoles qui logent d'énormes molaires. Les branches volumineuses ...«.
+ Hiernach ist es möglich, daß eine individuelle Variation vorlag, die
+ noch mehr von dem ursprünglichen Typus des Homo Heidelbergensis
+ bewahrte. Auffallend hingegen ist, daß FRAIPONT die Molaren als »enorm«
+ bezeichnet.
+
+Sehen wir zu, ob die Vergleichung des Heidelberger Fossils mit dem
+Unterkiefermaterial von $Krapina$ die eben geäußerte Auffassung bestätigt.
+An letzterem fällt besonders die außerordentliche individuelle Variation
+auf. Da ist zunächst der gewaltige, fast vollständig erhaltene
+Unterkiefer J, der in GORJANOVI[/C]-KRAMBERGERS[30] trefflicher
+Monographie vom Jahre 1906 in Fig. 2 und 2a, Taf. VI abgebildet ist.
+Nach diesen Bildern und nach dem Text ergibt sich, daß er in seinen
+Dimensionen das Heidelberger Fossil in manchen Punkten übertrifft. Der
+Abstand der Condyli (Mittelpunkt der Flächen) voneinander beträgt bei
+Krapina J 121,8 mm, d. h. etwa ein Fünftel mehr als beim recenten
+Europäer im Durchschnitt; bei der Heidelberger Mandibula finde ich 110
+mm, ein Maß, mit dem Spy I nach dem von KLAATSCH[47] ausgeführten
+Rekonstruktionsversuch genau übereinstimmen würde. Der Abstand der
+Condylen, an der Außenfläche gemessen, der bei Heidelberg 130,4 mm
+beträgt, zeigt bei Krapina J mindestens 145 mm, wozu nach
+GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER l. c. p. 159 noch 1-2 mm hinzutreten dürften,
+da der Kiefer aus Fragmenten zusammengesetzt ist. Die Condylenflächen
+von Krapina J sind durch Arthritis deformans verändert; die linke ist
+weniger davon berührt. Sie zeigt eine ähnliche Gestaltung wie am
+Heidelberger Fossil. Während der transversale Durchmesser des linken
+Condylus bei Krapina J 28,8 mm gegen Heidelberg 22,8 mm zeigt, ist der
+sagittale Durchmesser bei beiden gleich. Die Dickendimensionen des
+Corpus sind bei Krapina J geringer als bei Heidelberg: an der Symphyse
+15 gegen 17,5 mm und distal von M 3 sogar 15 (nach der Abbildung
+gemessen) gegen 23,5 mm. Ob bei Krapina J eine Incisura submentalis
+besteht, läßt sich nach der Abbildung nicht entscheiden, ist aber nach
+der von GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER l. c. Fig. 2, Taf. VI gegebenen
+Profilansicht wahrscheinlich. Das Foramen mentale liegt relativ weit
+hinten: unter der distalen Wurzel des ersten Molaren. Die vordere, eine
+Impressio incisiva aufweisende Symphysenfläche von Krapina J ist stärker
+zurückweichend als bei Spy I; es fehlt ihr die ausgesprochene Rundung,
+welche das Heidelberger Fossil aufweist.
+
+Der Ramus von Krapina J ist in seiner Form in mancher Hinsicht der
+Heidelberger Mandibula ähnlich, läßt aber in anderer Beziehung
+Abweichungen erkennen. So hat der Processus coronoideus vorn noch ganz
+die typische Beschaffenheit, während die Incisura tiefer eingeschnitten
+ist. Ferner ragt die Spitze des Processus coronoideus höher als der
+Condylus auf, im Gegensatz zum Heidelberger Kiefer. Während bei diesem
+Basaltangente und Alveolarrand divergieren, laufen sie bei Krapina J
+fast parallel; auch ist bei letzterem eine Incisura praemuscularis nicht
+ausgeprägt. Der Ramus des Menschen von Krapina ist etwas höher als
+derjenige des Homo Heidelbergensis; dagegen ist die Breite des ersteren
+unverhältnismäßig gering, was ein Blick auf die Abbildung beider
+erkennen läßt. Die Mehrzahl der von Krapina J angeführten Merkmale
+spricht für sekundäre Abänderungen eines Urzustandes, wie ihn das
+Heidelberger Fossil noch zeigt.
+
+Ganz dasselbe Resultat ergeben die Unterkieferfragmente von
+Krapina H und G, von denen ich Gipsabgüsse der Güte des Herrn
+GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER verdanke. Das erstere, von dem das Corpus mit
+sämtlichen Zähnen erhalten ist, ähnelt dem oben beschriebenen J sehr.
+Die vordere Symphysenfläche ist jedoch noch mehr zurückweichend und
+vollständig abgeplattet, so daß man hier den Winkel messen kann, den sie
+mit der Alveolarebene bildet; er beträgt 67°, ein für menschliche
+Verhältnisse außergewöhnlich niedriger. Bei einseitiger Beurteilung
+dieser Tatsache könnte es scheinen, als liege hier ein niederer Zustand
+als bei dem Heidelberger Fossil vor; aber sorgfältige Prüfung der
+Vorderfläche des Kiefers H zeigt die Veränderungen, die er im Vergleich
+zu demjenigen des Homo Heidelbergensis erfuhr, an den er sich in anderen
+Punkten direkt anschließt.
+
+Die fundamentale Übereinstimmung der Unterkiefer von Heidelberg, Spy und
+Krapina liegt in dem Besitz der Incisura submentalis. In ihrer
+Ausprägung nähert sich Krapina H unserem Fossil mehr, als das bei Spy I
+der Fall ist. Krapina H bietet sogar eine einseitige Fortbildung des
+Zustandes der Heidelberger Mandibula durch die bedeutende Ausdehnung der
+Insertion des Digastricus, der außerordentlich entwickelt gewesen sein
+muß. Die Fossa digastrica liegt bei Krapina ganz nahe der Mittellinie,
+die eine deutliche Spina interdigastrica aufweist. Die Dicke des
+Basalrandes beträgt an der Symphyse 15,4 mm, unter dem Eckzahn sogar
+16,4 mm; alveolarwärts verjüngt sich der Körper. Es ist, als wäre die
+Symphysenregion, vom Alveolarrande anfangend, komprimiert und die
+Knochenmasse basalwärts gedrängt. So weit geht die Reduktion der
+knöchernen Hülle, daß die Juga alveolaria der Incisivi und besonders der
+Canini als starke Wülste sich markieren.
+
+Trotz der stark »fliehenden« Beschaffenheit der Kinnregion zeigt ihr
+Relief in der Medianebene schon die Anfänge der Kinnbildung, wie
+GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER ganz richtig erkannt hat. Außen eine sanfte
+Kinnschwellung, die jedoch nicht als positive Erhebung zu gelten
+braucht, sondern als eine lokale Erhaltung der ursprünglichen Wölbung
+angesehen werden kann, die nur infolge des Einsinkens der darüber
+befindlichen Knochenmasse hervortritt. Innen erhebt sich bereits aus der
+Fossa genioglossi eine kleine Spina mentalis.
+
+Die lateralen Partien des Kieferfragmentes Krapina H zeigen, ebenso wie
+bei J, die von KLAATSCH als wichtig für die Kinnbildung erkannten
+Unebenheiten: den Sulcus supramarginalis und das Tuberculum mentale
+laterale (von GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER als Tuberculum submentale
+bezeichnet). In der Bewahrung dieses Reliefs stehen Krapina H und J dem
+Heidelberger Fossil näher als Spy I.
+
+Welch ein anderes Bild bietet auf den ersten Blick das
+Unterkieferfragment Krapina G dar! Die Höhe des Corpus, das rechts bis
+zum aufsteigenden Aste, links nur bis zum ersten Molar erhalten ist,
+bleibt gegen Krapina H bedeutend zurück, so daß man an das
+Kieferfragment von La Naulette erinnert wird. Die Dickenverhältnisse des
+Körpers sind relativ bedeutende: an der Symphyse 14,4 und unter dem
+Eckzahne rechts 14,8, links 15,5 mm. Die vordere Symphysenfläche zeigt
+eine ganz schwache Rundung und die linguale Fläche eine Wulstung mit
+kaum angedeuteter Impressio incisiva interna, beides Punkte, in denen
+sich Krapina G näher an die Heidelberger Mandibula anschließt, als Spy
+oder die anderen Kiefer von Krapina. Hingegen stimmt G mit letzteren und
+mit Spy überein in der am Heidelberger Fossil fehlenden starken
+Ausprägung der Linea mylohyoidea. Daneben bestehen aber ganz eigene
+Merkmale: Der Basalrand von G ist unten von der Mitte bis zum zweiten
+Prämolaren abgeplattet. Die flachen, sehr großen Fossae digastricae
+schauen fast genau abwärts und nur ganz wenig lingual. Die Incisura
+submentalis besteht, ist aber sehr flach. Sulcus supramarginalis,
+Tubercula mentalia lateralia, und, wie GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER
+zutreffend nachweist, auch eine mediane Kinnprominenz sind gleichsam in
+statu nascendi angedeutet. -- Ganz ungewöhnlich ist offenbar die
+Stellung der Vorderzähne gewesen. Wie die vorgebogen gewesenen Alveolen
+erkennen lassen, bestand eine starke Zahnprognathie. Hierin weicht
+Krapina G vom Heidelberger Fossil und allen anderen ab.
+
+Es sind noch verschiedene Unterkieferfragmente von Krapina vorhanden,
+die teils ihres defekten Zustandes wegen, teils weil sie von
+jugendlichen Individuen herrühren, zum Vergleich nicht herangezogen
+wurden.
+
+=Im ganzen genommen folgt aus obiger Betrachtung, daß die individuellen
+Variationen der Mandibula des Menschen von Krapina auf einen
+Ausgangszustand hinweisen, der dem Heidelberger Fossil ganz nahe
+gestanden hat=.
+
+Es sei noch in Kürze des Unterkiefers von $Ochos$ gedacht, der vor zwei
+Jahren in einer Höhle des Brünner Devonkalkgebietes zusammen mit Resten
+diluvialer Tiere aufgefunden und von A. RZEHAK[68] in den Verhandlungen
+des Naturforschenden Vereins in Brünn 1906 beschrieben ist. Leider fehlt
+das Corpus mandibulae fast vollständig, so daß eigentlich nur der
+Alveolarteil erhalten ist. »Es sieht aus, als ob der Körper nicht von
+Raubtieren abgebissen, sondern von Menschenhand abgeschlagen worden
+wäre, da der Bruchrand ziemlich glatt und eine Bißspur nirgends zu sehen
+ist. An den ehemals scharfen Rändern ist der Knochen schwach, aber
+deutlich abgerollt. Die aufsteigenden Äste fehlen ebenfalls, dagegen
+sind mit Ausnahme des rechtsseitigen Weisheitszahnes alle Zähne in situ
+vorhanden.« Diese sind in der tabellarischen Aufzählung der Maße
+berücksichtigt. An dem Fragmente selbst fällt die bedeutende
+Lingualwulstung auf, die derjenigen des Heidelberger Fossils nahesteht;
+auch scheinen, soweit dies aus der Abbildung zu erkennen ist, die
+Wurzeln der Incisivi etwas von der ursprünglichen Krümmung behalten zu
+haben. Die oberhalb des Bruchrandes angedeutete Impressio subincisiva
+externa verrät bereits sekundäre Modifikationen.
+
+=Aus der Vergleichung der Mandibula des Homo Heidelbergensis mit den
+anderen besprochenen fossilen Kiefern ergibt sich, daß kein einziger von
+diesen es mit unserm Objekt hinsichtlich der morphologischen Bedeutung
+aufnehmen kann. Das Heidelberger Fossil übertrifft sie alle durch die
+Kombination primitiver Merkmale. Relativ am nächsten steht ihm der
+Unterkiefer von Spy; er erscheint noch am gleichmäßigsten in allen
+Teilen aus dem Heidelbergtypus umgeformt. Die individuellen Variationen
+von Krapina stellen einseitige (vielleicht von alten Rassen
+eingeschlagene) Entwicklungsbahnen dar=.
+
+=Daß auch die Unterkiefer heutiger Rassen sich auf eine dem
+Heidelbergtypus ganz nahe stehende Urform zurückführen lassen, wurde
+bereits an einigen Profildiagrammen gezeigt=.
+
+ * * * * *
+
+=Nachdem die morphologische Stellung unseres Fossils nach verschiedenen
+Richtungen beleuchtet worden ist, möge hier eine Zusammenfassung des
+Resultates folgen: Die Mandibula des Homo Heidelbergensis läßt den
+Urzustand erkennen, welcher dem gemeinsamen Vorfahren der Menschheit und
+der Menschenaffen zukam. Dieser Fund bedeutet den weitesten Vorstoß
+abwärts in die Morphogenese des Menschenskelettes, den wir bis heute zu
+verzeichnen haben. -- Angenommen, es würde ein geologisch noch älterer
+Unterkiefer aus der Vorfahrenlinie des Menschen gefunden, so stünde
+nicht zu erwarten, daß er viel anders aussehen würde, als unser Fossil,
+das uns bereits bis zu jener Grenze führt, wo es spezieller Beweise
+bedarf (wie hier des Gebisses), um die Zugehörigkeit zum Menschen
+darzutun. Noch weiter abwärts kämen wir zu dem gemeinsamen Ahnen
+sämtlicher Primaten. Solch einem Unterkiefer würden wir die
+Vorfahrenschaft zum heutigen Menschen wohl kaum noch ansehen können;
+seine Beziehung zu unserem Fossil würde aber bestimmt erkennbar sein.
+Das geht hervor aus den Annäherungen, welche die Unterkiefer niederer
+Affen und recenter wie fossiler Halbaffen bald in diesem, bald in jenem
+Punkte zu ihm aufweisen. Besonders der Ramus mandibulae ist in dieser
+Hinsicht sehr lehrreich. Als Beispiele seien herausgegriffen: Die
+Ähnlichkeit des Processus coronoideus und der flachen Incisura
+semilunaris bei Cynocephalus, die Andeutung einer Incisura subcoronoidea
+bei Mycetes, die Breite der Äste bei fossilen Lemuriden=.
+
+
+
+
+ ANHANG
+
+ ZUM ANTHROPOLOGISCHEN TEIL
+
+ DIE ZÄHNE DES HOMO HEIDELBERGENSIS
+
+
+
+
+ I. SPEZIELLE BESCHREIBUNG
+ II. TABELLEN DER MASZE UND VERGLEICHSZAHLEN
+ III. DIE HÖCKER DER MOLAREN
+ IV. DIE PULPAHÖHLEN
+ V. RÖNTGENBILDER
+
+
+
+
+ I. Spezielle Beschreibung.
+
+
+$J 1 dext.$ (Fig. 25 a u. b, Taf. VIII). Die Kaukante des mittleren
+rechten Schneidezahnes ist stark abgenutzt, so daß der Schmelzbelag oben
+vollständig verschwunden ist. Das Zahnbein ist hier muldenförmig
+ausgehöhlt und von einem ganz schmalen Schmelzsaume umrandet. Die
+Lippenfläche selbst bietet nichts Absonderliches. Die Zungenfläche zeigt
+an der Basis einen eben angedeuteten Schmelzwulst, der gegen die
+Schneidekante zu, sich allmählich abflachend, ausläuft. Vom unteren
+Schmelzrande 4,1 mm entfernt findet sich eine seichte Querfurche, die
+von einer Seite zur andern verläuft, sich auf die Seitenflächen
+fortsetzt und noch am Seitenrande der Lippenfläche erkennbar ist. Weiter
+aufwärts, 5,6 mm vom unteren Schmelzrande entfernt, findet sich eine
+ebenso verlaufende, aber deutlichere Furche. Die beiden Wurzelflächen
+sind der Länge nach eingefurcht, die distale tiefer als die mesiale. Die
+Wurzelspitze ist mesial etwas gekrümmt. -- Die Maße sind folgende:
+Totale Länge 23,2[XXIII.]; Kronenlänge oder -höhe 7,5[XXIII.];
+Kronenbreite (mesiodistaler Durchmesser) 5,5; Kronendicke
+(labiolingualer Durchmesser) 7,1; Wurzeldurchmesser 7,2 und 4,2 mm.
+
+$J 1 sin.$ (Fig. 26 a u. b). Der mittlere linke Schneidezahn ist ebenso
+stark abgenutzt wie J 1 dext. An der Lippenfläche findet sich 2,2 mm vom
+unteren Schmelzrande entfernt eine ganz schwache Querfurche und 3,6 mm
+höher eine gleiche. Die Zungenfläche ist derjenigen des rechten
+mittleren Schneidezahnes sehr ähnlich; sie zeigt zwei horizontal
+bogenförmig verlaufende Querfurchen, von welchen die eine 4 mm, die
+andere 5,7 mm vom unteren Schmelzrande entfernt ist. Die Seitenflächen
+zeigen keine Besonderheiten. Die Spitze der von beiden Seiten stark
+flach gedrückten Wurzel ist abgebrochen und steckt im Kiefer. Die beiden
+Wurzelflächen sind der Länge nach eingefurcht, die mesiale schwächer als
+die distale. -- Maße: Kronenlänge 6,9[XXIII.]; Kronenbreite 5,0;
+Kronendicke 7,1; Wurzeldurchmesser 7,2 und 4,1 mm.
+
+ [XXIII.] Diese niedrigen Zahlen sind durch die Abnutzung bedingt. Die
+ Kronenlänge ist stets an der Lippenfläche in der Mittellinie gemessen.
+
+$J 2 dext.$ (Fig. 24 a u. b). Die Krone des seitlichen rechten
+Schneidezahnes ist, wie bei J 1 dext. stark abgekaut; sie ist 0,5 mm
+breiter als bei letzterem. Ihre Lippenfläche weist außer einer eben
+angedeuteten Querfurchung keine Besonderheiten auf. Die Zungenfläche
+zeigt ähnlich wie bei J 1 dext. einen Basalwulst, der sich gegen die
+Schneide hin in der Weise abdacht, daß in der Mittellinie eine Erhebung
+bestehen bleibt. Distal von dieser findet sich eine deutlich erkennbare
+Einsenkung, mesial ist solche kaum wahrnehmbar. Die beiden Wurzelflächen
+sind wie bei J 1 dext. der Länge nach gefurcht. Da die Wurzel dieses
+Zahnes bei der Ausgrabung des Unterkiefers mitten durchschlagen wurde --
+die Spitze steckt noch im Kiefer --, so gewinnt man einen Einblick in
+den Wurzelkanal, der ziemlich geräumig und seitlich zusammengedrückt
+ist. Maße: Kronenlänge 8,0; Kronenbreite 6,0; Kronendicke 7,8;
+Wurzeldurchmesser 7,9 und 4,5 mm.
+
+$J 2 sin.$ (Fig. 27). Die Schmelzfläche des seitlichen linken
+Schneidezahnes ist bis in die Hälfte des Zahnes hinein abgesprengt, so
+daß die Pulpakammer ungefähr in der Mitte ihrer Tiefe eröffnet ist. Die
+Kaukante ist wie bei den übrigen Incisiven stark abgenutzt. Die
+Lippenfläche zeigt 2,5 mm von der unteren Schmelzgrenze entfernt eine
+seichte Querfurche. Die Zungenfläche weist unten eine deutliche
+Schmelzerhebung und nach oben verschiedene Grübchen und Leisten auf, die
+den Eindruck der Schmelzhyperplasie machen. -- Maße: Kronenlänge 8,2;
+Kronenbreite 6,3; Kronendicke 7,7; linguolabialer Wurzeldurchmesser 7,6
+mm.
+
+$C dext.$ (Taf. VIII, Fig. 22). Die Schneidekante des rechten Eckzahnes
+ist stark abgenutzt, so daß in der Kauebene eine halbmondförmige Figur
+entsteht, die von einem durchschnittlich 1 mm dicken Schmelzrande
+gebildet wird, innerhalb dessen etwas tiefer liegend ein dunkelbraun
+gefärbter, ebenfalls halbmondförmig gestalteter Kern von Dentin
+erscheint. Dieser ist mesiodistal 5,2 mm lang und labiolingual bis zu
+2,3 mm breit. Die Lippenfläche der Krone ist sowohl mesiodistal wie in
+der Richtung von oben nach unten gewölbt, und zwar ist die erstgenannte
+Kurve auf der mesialen Seite stärker gebogen als auf der distalen. Die
+Lippenfläche, zeigt deutlich zwei horizontale Schmelzerhebungen, welchen
+je eine Querfurche entspricht, von denen die obere deutlicher als die
+untere ausgeprägt ist.
+
+An der Basis der Zungenfläche ist ein Tuberculum angedeutet, von dem
+zwei Randleisten bis zur Kaukante ausgehen, sowie eine sich früher
+verlierende Mittelleiste. Zwischen den Randleisten und der Mittelleiste
+verläuft, distal deutlicher als mesial, je eine Furche. Am Ende der
+Mittelleiste und etwas nach der distalen Seite gerückt, findet sich eine
+grubenförmige Vertiefung. -- Sonst wäre noch zu erwähnen, daß die
+Schmelzgrenze sich an der Lippenfläche 1,2 mm tiefer herabsenkt, als an
+der Zungenfläche, sowie daß die Höhenlage des Schmelzrandes auf der
+mesialen Seite 0,9 mm über diejenige der distalen emporragt. -- Maße:
+Kronenlänge 8,7; Kronenbreite 7,6; Kronendicke 9,0 mm.
+
+$C sin.$ (Fig. 23). Die Kaukante des linken Eckzahnes verhält sich ganz
+ähnlich wie bei C 1 dext.; leider ist beim Schaufeln des den Unterkiefer
+enthaltenden Sandes von der mesialen Seitenfläche ein wenig vom Schmelz
+abgesprengt worden. Die Lippenfläche entspricht derjenigen des Caninus
+der rechten Seite; nur sind die quer verlaufenden Schmelzerhebungen und
+Furchen weniger deutlich ausgeprägt. Lingual ist ebenfalls ein basales
+Tuberculum angedeutet, von dem in gleicher Weise wie beim rechten
+Eckzahne zwei Randleisten, zwei Furchen und eine kleinere Mittelleiste
+auslaufen; jedoch fehlt das Grübchen oberhalb dieser.
+
+Die Schmelzgrenze senkt sich an der Lippenfläche 0,8 mm tiefer herab,
+als an der Zungenfläche; die Höhenlage des Schmelzrandes ragt auf der
+mesialen Seite ebenso wie bei C 1 dext. 0,9 mm über diejenige der
+distalen empor. -- Maße: Kronenlänge 8,9; Kronenbreite 7,7; Kronendicke
+9,0 mm.
+
+$P 1 dext.$ (Fig. 22). An dem rechten vorderen Prämolarzahn ist der
+Wangenhöcker ziemlich stark abgekaut, so daß das Zahnbein in einer bis
+0,5 mm breiten und 5,5 mm langen, eben bemerkbaren Einbuchtung zutage
+tritt. Der Zungenhöcker zeigt in der Mitte eine an der Basis 3,4 mm
+breite, nach oben spitz zulaufende 6,2 mm lange gratartige
+Schmelzleiste, welche die obere Kante nicht erreicht. Rechts und links
+davon sind zwei deutlich ausgeprägte Randleisten vorhanden, die von der
+Mittelleiste jederseits durch ein Grübchen getrennt sind, von denen
+jedes gegen die Basis in eine seichte Schmelzfalte ausläuft. Der
+linguale Höcker erreicht nicht vollständig die Höhe der Kauebene. Maße:
+Kronenhöhe in der Mittellinie 8,0; Kronenbreite 8,1; Kronendicke 9,0 mm.
+
+$P 1 sin.$ (Fig. 28 a u. b). An dem noch vorhandenen Rest der Krone des
+ersten linken Prämolarzahnes ist der Zungenhöcker abgebrochen. An der
+Kaufläche des Wangenhöckers sieht man eine ähnliche Abnutzung wie bei P
+1 dext. Die Schmelzschicht der Wangenseite ist in ihrem unteren Teile
+ebenfalls zerstört.
+
+$P 2 dext.$ (Fig. 22). Der rechte zweite Prämolarzahn zeigt deutlich zwei
+Höcker, von denen der buccale eine Abnutzung aufweist. Der labiale
+Höcker erreicht gerade die Höhe der Kauebene. Beide Höcker sind durch
+eine gut entwickelte Schmelzleiste verbunden, die in der Mitte vertieft
+und eingeschnitten ist. Zu beiden Seiten dieser Mittelleiste finden sich
+randständig von den Seitenwülsten begrenzt Grübchen, von denen das
+mesiale oval ist, während das distale eine V-förmige Furchenzeichnung
+aufweist. -- Maße: Kronenlänge über der Mittellinie 6,9; Kronenbreite
+7,5; Kronendicke 9,2 mm.
+
+$P 2 sin.$ (Fig. 29 a u. b). An dem noch vorhandenen Rest der Krone des
+zweiten linken Prämolarzahnes ist sowohl an der labialen und lingualen,
+wie auch an der mesialen Seite der Kaufläche der Schmelz stark
+beschädigt, so daß Messungen nicht mehr ausführbar sind. Soweit die
+Kaufläche noch erhalten ist, sieht man, daß der Zungenhöcker gut
+entwickelt ist. Derselbe ist durch eine Schmelzleiste mit dem
+Wangenhöcker verbunden. Neben dieser Leiste befindet sich ein Grübchen
+mit sternförmiger Zeichnung.
+
+$M 1 dext.$ (Fig. 22). Die fünf Höcker des ersten rechten Mahlzahnes sind
+so weit abgekaut, daß das dunkel gefärbte Dentin gleich den Augen eines
+Spielwürfels zutage tritt. Die Kaufläche zeigt eine zickzackartig
+verlaufende Längsfurche. Von dieser zweigen buccalwärts zwei
+Querfurchen, lingualwärts eine ab, welche, die Höcker voneinander
+scheidend, sich über den Seitenrand der Krone hinab bis zur
+Schmelzgrenze verfolgen lassen. -- Die Anordnung der Höcker und Furchen
+auf diesem Molar entspricht gut dem von RÖSE in »E. SELENKA,
+Menschenaffen I, S. 127, Fig. 159 c und d«, aufgestellten Idealtypus des
+menschlichen fünfhöckerigen M 1 inf. -- Maße: Kronenlänge 5,1;
+Kronenbreite 11,6; Kronendicke 11,2 mm.
+
+$M 1 sin.$ (Fig. 30 a u. b). Die Krone des ersten linken Molaren war durch
+kohlensauren Kalk so fest mit einem Kalksteingeröll verkittet (Taf. VI,
+Fig. 11 u. 14), daß sie bei der vermittelst Salzsäure bewirkten Ablösung
+des Gerölls an diesem haften blieb. Hierbei lösten sich am Rande geringe
+Mengen von Schmelz ab, die eine genaue Messung der Krone nicht mehr
+gestatten. Die Kaufläche dieses Mahlzahnes ist stärker abgenützt, als
+diejenige von M 1 dext. Sie hat eine nahezu viereckige Gestalt und zeigt
+eine ähnliche Anordnung der fünf Höcker, wie der rechte erste Molar; nur
+ist der distale Höcker ganz an der Wangenseite gelegen, so daß die ihn
+vom lingualen Höcker abtrennende Längsfurche in der Mitte des Zahnes
+verläuft. -- Das Pulpenkammerdach zeigt, von unten betrachtet, wie die
+Abbildung Taf. VIII, Fig. 30 b erkennen läßt, fünf Ausstülpungen, die
+den Höckern entsprechen. -- Die Dicke der Schmelzschicht läßt sich an
+diesem Zahne nicht zuverlässig ermitteln, da die Krone nicht glatt
+abgesprengt ist wie bei M 2 sin.
+
+$M 2 dext.$ (Fig. 22). Die Höcker des zweiten rechten Molaren sind nur im
+mesialen Teile derart abgekaut, daß lingual und buccal je ein Dentinkern
+sichtbar wird. Bei dem beträchtlichen Umfange des übrigen (distalen)
+Teiles der Kaufläche ist daher, zumal die abgetrennte Krone von M 2 sin.
+deutlich fünf Höcker erkennen läßt, zu vermuten, daß hier ebenfalls
+weitere drei Höcker zur Ausbildung gelangten. Eine Stütze für diese
+Annahme bietet das Röntgenbild, das, namentlich wenn man die Glasplatte
+gegen das Licht hält, am Dach der Pulpakammer distalwärts zwei Höcker
+dicht nebeneinander erkennen läßt, die eine ähnliche Anordnung der
+beiden buccodistalen Höcker wie bei M 1 dext. vermuten lassen, während
+der fünfte linguodistal stehende Höcker auf dem Röntgenogramm verdeckt
+wird. Bezüglich der Schmelzfurche läßt sich noch folgendes erkennen: Die
+Längsfurche ist in der Mitte durch eine quere Schmelzleiste
+durchbrochen, welche auf beiden Seiten von einer Querfurche begrenzt
+ist. Die vordere Querfurche gabelt sich buccal- und lingualwärts, die
+hintere in distaler Richtung, wobei sie sich zum Schluß nochmals gabelt.
+Die vordere Querfurche setzt sich auf der buccalen Außenwand der
+Zahnkrone bis zur Basis fort. Maße: Kronenlänge 5,2; Kronenbreite 12,7;
+Kronendicke 12,0 mm.
+
+$M 2 sin.$ (Fig. 31 a u. b). Die Kaufläche des zweiten linken Molaren
+gehört, wie insbesondere das Pulpadach deutlich erkennen läßt, dem
+Fünfhöckertypus an. Die Längsfurche beginnt mit einer mesial
+gerichteten Gabelung, verläuft dann lingualwärts gebogen bis zur
+Querfurche, die wie bei M 2 dext. von einer Querleiste begrenzt wird.
+Die Längsfurche setzt sich distal von dieser fort, zuerst buccal-, zum
+Schluß distalwärts sich gabelnd.
+
+Von unten betrachtet, zeigt das Pulpenkammerdach fünf den Höckern
+entsprechende Ausstülpungen, die eine kreuzförmige Erhebung umgeben. Der
+distale Längsschenkel des Kreuzes ist länger als der mesiale und weicht
+gegen die Zungenseite hin ab. Die Verteilung der Einsenkungen ist aus
+der Abbildung Fig. 31 b ersichtlich. -- Maße: Kronenlänge 6,0;
+Kronenbreite etwa 12,9; Kronendicke etwa 11,0 mm.
+
+$M 3 dext.$ (Fig. 22). Der dritte rechte Molar zeigt den Fünfhöckertypus.
+Die im mesialen Teile der Kaufläche stark vertiefte Längsfurche grenzt
+durch eine Umbiegung nach der lingualen Seite hin den Zungenhöcker von
+dem Wangenhöcker deutlich ab. Buccalwärts von dieser Biegung findet sich
+ein Grübchen. Die Längsfurche wird durch eine auf der Abbildung nicht so
+deutlich hervortretende Querleiste unterbrochen, von welcher distal eine
+Querfurche verläuft, die sich auf die buccale Fläche der Zahnkrone
+fortsetzt; auch lingual kerbt sie den Seitenrand deutlich ein. Sie zeigt
+mehrere kleine Verästelungen. Die Fortsetzung der Längsfurche gabelt
+sich bereits in einer Entfernung von 1,2 mm von der Querfurche. Die
+ebenfalls nur 1,2 mm langen Schenkel dieser rechtwinkeligen Gabelung
+erreichen nicht den Rand der Krone. Man sieht aber an der Seitenwand
+derselben noch Andeutungen einer Abgrenzung des Höckers, dessen
+Verschwinden offenbar auf die Abkauung zurückzuführen ist. Bemerkenswert
+ist noch, daß dieser fünfte Höcker genau am distalen Ende des Zahnes
+gelegen ist, während er sich bei M 1 dext. mehr der buccalen Seite
+zuneigt. Die auf der Abbildung an der buccalen Seite befindliche dunkle
+Stelle ist nicht vertieft, wie es den Anschein haben könnte, sondern
+schwarz gefärbt, während die Dentinkerne auf den anderen Molaren
+rostbraun sind. -- Die Kaufläche dieses Zahnes läßt eine größere
+Zersplitterung, als bei M 1 u. 2 erkennen, ähnlich wie dies auch am
+Weisheitszahn des recenten Europäers beobachtet werden kann. -- Maße:
+Kronenlänge 5,3; Kronenbreite 12,2; Kronendicke 10,9 mm.
+
+$M 3 sin.$ (Fig. 23). Der dritte linke Molar ist stärker abgekaut als der
+rechte. Infolgedessen ist die Zeichnung der Furchen undeutlicher. Die
+Längsfurche liegt näher der lingualen, als der buccalen Seite. Die
+Querfurche liegt mehr im distalen Teil der Kaufläche. Sie geht auf der
+Wangenseite bis zur Schmelzgrenze hinab, während sie auf der Zungenseite
+nur den Rand einschneidet. Die Längsfurche verläuft nicht in
+kontinuierlicher Tiefe, sondern sie wird von der Querfurche durch zwei
+Querleisten nahezu aufgehoben. Zwischen diesen Querleisten und vor der
+mesialen findet sich jeweils ein Grübchen. -- Maße: Kronenlänge 5,1;
+Kronenbreite 11,5; Kronendicke 11,3 mm.
+
+
+
+
+ II. Tabellen der Maße und Vergleichszahlen.
+
+ Alle Maße in Millimeter.
+
+
+ Spaltenüberschriften:
+ A = Totale Länge
+ B = Kronenlänge oder -höhe
+ C = Kronenbreite (mesiodistaler Durchmesser)
+ D = Kronendicke (labiolingualer Durchmesser)
+ E = Labiolingualer Wurzeldurchmesser
+ F = Mesiodistaler Wurzeldurchmesser
+
+ -------------------------------------------------------------------------
+ | A | B | C | D | E | F
+ -----------------------+-----+----------------+-------+-------+-----+----
+ $J 1 inf.$ | | | | | |
+ (Taf. VIII. | | | | | |
+ Fig. 25 u. 26) | | | | | |
+ | | | | | |
+ Homo Heidelberg. dext. |23,2 | 7,5} stark | 5,5 | 7,1 | 7,2 | 4,2
+ » » sin. | -- | 6,9} abgekaut | 5,0 | 7,1 | 7,2 | 4,1
+ | | { im | | | |
+ Krapina[XXIV.] |26,0 |10,2{ Gebrauch | 6,2 | 8,1 | -- | --
+ | | { gewesen | | | |
+ Spy I[XXV.] | -- | -- } sehr stark| 4,0 | 7,0 | -- | --
+ » II |22,5 | 5,5} abgekaut | 6,0 | 7,5 | -- | --
+ Ochos dext.[XXVI.] | -- | -- | 5,0 | 7,5 | -- | --
+ » sin. | -- | -- | 5,0 | 7,7 | -- | --
+ Recenter Europäer | | | | | |
+ nach MÜHLREITER[XXVII.]|18-27| 7,9-11,5 |4,7-6,3|5,2-6,8| -- | --
+ » BLACK[XXVIII.] | | 7,0-10,5 |5,0-6,0|5,5-6,5| -- | --
+ | | | | | |
+ $J 2 inf.$ | | | | | |
+ (Fig. 24 u. 27) | | | | | |
+ | | | | | |
+ Homo Heidelberg. dext. | -- | 8,0} stark | 6,0 | 7,8 | 7,9 | 4,5
+ » sin. | -- | 8,2} abgekaut | 6,3 | 7,7 | 7,6 | --
+ | | { im | | | |
+ Krapina |26,5 |10,0{ Gebrauch | 7,5 | 8,2 | -- | --
+ | | { gewesen | | | |
+ Spy I | -- | -- } sehr stark| 5,0 | 7,0 | -- | --
+ » II | -- | 6,0} abgekaut | 6,0 | 8,0 | -- | --
+ Ochos dext. | -- | -- | 6,5 | 8,0 | -- | --
+ » sin. | -- | -- | 5,5 | 8,2 | -- | --
+ Recenter Europäer | | | | | |
+ nach MÜHLREITER |19-29| 8,2-11,8 |5,0-7,2|5,4-7,2| -- | --
+ » BLACK | | 7,0-12,0 |5,0-6,5|6,0-7,5| -- | --
+ -------------------------------------------------------------------------
+
+ [XXIV.] Nach GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER, Der Diluviale Mensch von Krapina,
+ S. 203.
+
+ [XXV.] FRAIPONT u. LOHEST, Recherches ethnographiques sur des ossements
+ humains découverts à Spy.
+
+ [XXVI.] Alle Maße der Zähne von Ochos nach gütiger brieflicher
+ Mitteilung von Prof. A. RZEHAK in Brünn.
+
+ [XXVII.] G. MÜHLREITER, Anatomie des menschlichen Gebisses S. 121.
+
+ [XXVIII.] G. V. BLACK -- nicht BLAKE, wie einige Autoren schreiben --,
+ Descriptive Anatomy of the human teeth, zitiert von A. GYSI, Schweiz.
+ Vierteljahrsschrift Bd. V. No. 1, 1895 und von W. BRANCO, Die
+ menschenähnlichen Zähne aus dem Bohnerz der Schwäbischen Alb, Stuttgart,
+ 1898. Letzterem Werke entnehme ich auch die Zahnmaße von Dryopithecus
+ rhenanus Pohlig und den recenten Anthropoiden. Die BLACKschen Maße
+ stützen sich auf die Gebisse der weißen amerikanischen Bevölkerung,
+ welche aus einer Mischung der hauptsächlichsten europäischen Völker
+ hervorgegangen ist.
+
+
+ Spaltenüberschriften:
+ A = Totale Länge
+ B = Kronenlänge oder -höhe
+ C = Kronenbreite (mesiodistaler Durchmesser)
+ D = Kronendicke (labiolingual. bzw. buccaler Durchmesser)
+
+ -------------------------------------------------------------------------
+ | A | B | C | D
+ --------------------------+---------+----------------+---------+---------
+ $C inf.$ (Fig. 22 u. 23) | | | |
+ | | | |
+ Homo Heidelbergensis dext.| -- | 8,7} stark | 7,6 | 9,0
+ » » sin. | -- | 8,9} abgekaut | 7,7 | 9,0
+ Krapina im Gebrauch | | | |
+ gewesen | 35,2 | 13,4 | 8,0-8,4 |etwa 10,0
+ » noch nicht im | | | |
+ Gebrauch gewesen | -- | 12,3-14,0 | 7,55-8,2| 8,2-10,0
+ Spy I | -- | --} sehr stark| 6,0 | 8,0
+ » II | -- | 7,0} abgekaut | 7,5 | 9,0
+ Ochos dext. | -- | -- | 7,5 | 9,5
+ » sin. | -- | -- | 7,0 | 9,6
+ Recenter Europäer | | | |
+ nach MÜHLREITER | 20-34 | 8,5-14,5 | 5,5-8,0 | 6,9-9,5
+ » BLACK | -- | 8,0-12,0 | 5,0-9,0 | 6,0-10,0
+ Dryopithecus Fontani }| | | |
+ Lartet[XXIX.] }| -- |{ 15,5 labial }| 9,5 | 11,5
+ (Saint Gaudens) }| -- |{ 18(?) lingual}| |
+ | | | |
+ $P 1 inf.$ (Fig. 22 u. 28)| | | |
+ | | | |
+ Homo Heidelbergensis dext.| -- | 8,0}mäßig stark| 8,1 | 9,0
+ » » sin. | -- | ?} abgekaut | 7,3 | ?
+ Krapina im Gebrauch | | | |
+ gewesen |23,7-27,0| 8,6-9,0 | 7,8-8,3 | 9,0-10,0
+ » noch nicht im | | | |
+ Gebrauch gewesen | -- | 10,2 | 8,1 | 8,5
+ Spy I | -- | 5,0} sehr stark| 6,5 | 8,5
+ » II | -- | 6,0} abgekaut | 7,5 | 9,0
+ Ochos dext. | -- | -- | 7,5 | 9,6
+ » sin. | -- | -- | 7,5 | 9,9
+ Recenter Europäer | | | |
+ nach MÜHLREITER |18,5-27,0| 7,5-11,0 | 6,0-8,0 | 6,7-8,9
+ » BLACK | -- | 6,5-9,0 | 6,0-8,0 | 7,0-8,0
+ Dryopithecus Fontani }| | | |
+ Lartet }| -- | 10,0 labial | 13,0 | 7,5 [a]
+ (Saint Gaudens) }| | | |
+ | | | |
+ $P 2 inf.$ (Fig. 22 u. 29)| | | |
+ | | | |
+ Homo Heidelbergensis dext.| -- | 6,7 } etwas | 7,5 | 9,2
+ » » sin. | -- | -- } abgekaut| -- | --
+ Krapina im Gebrauch | | | |
+ gewesen | 25,9 | 8,0 | 8,5 | 9,9
+ » noch nicht im | | | |
+ Gebrauch gewesen | -- | 7,7 | 8,35 | 9,55
+ Spy I | -- | 5,0 | 6,5 | 8,0
+ » II | -- | 7,0 | 7,0-7,5 | 9,0
+ Ochos dext. | -- | -- | 7,0 | 9,7
+ » sin. | -- | -- | 6,5 | 9,3
+ Recenter Europäer | | | |
+ nach MÜHLREITER |19,0-27,5| 6,9-10,0 | 6,2-8,8 | 7,0-9,6
+ » BLACK | -- | 6,0-10,0 | 6,5-8,0 | 7,9-9,0
+ Dryopithecus Fontani }| | | |
+ Lartet }| -- |{ 7,0 labial }| 8,5 | 7,5 [b]
+ (Saint Gaudens) }| |{ 5,5 lingual }| |
+ -------------------------------------------------------------------------
+ [a] Dies. Zahn hat eine schiefe Stellung
+ [b] der Zahn steht schief wie P 1.
+
+ [XXIX.] Alle Maße der mehr oder weniger im Gebrauch gewesenen Zähne des
+ Dryopithecus Fontani Lartet nach gütiger brieflicher Mitteilung von M.
+ EDOUARD HARLÉ in Bordeaux. -- Die bei den Molaren noch hinzugefügten
+ Maße von anderen fossilen und recenten Anthropoiden dürften ein
+ willkommenes Vergleichsmaterial bieten.
+
+
+ Spaltenüberschriften:
+ A = Totale Länge
+ B = Kronenlänge oder -höhe
+ C = Kronenbreite (mesiodistaler Durchmesser)
+ D = Kronendicke (buccolingualer Durchmesser)
+ E = Breite : Dicke wie
+
+ -------------------------------------------------------------------------
+ | A | B | C | D | E
+ --------------------------+---------+--------+---------+--------+--------
+ $M 1 inf.$ | | | | |
+ (Fig. 22 u. 30) | | | | |
+ | | | | |
+ Homo Heidelbergensis | | | | |
+ dext. | -- |5,1} [b]| 11,6 | 11,2 |100:96,6
+ » » sin. | -- | --} |etwa 11,1| |
+ Krapina im Gebrauch | | | | |
+ gewesen[XXX.] |19,3-26,4|6,5-9,4 |11,2-13,8|10,5- |100:
+ | | | | 12,4| 107,1
+ » noch nicht im | | | | |
+ Gebrauch gewesen | -- |6,5-9,0 |12,4-13,4|10,8- |
+ | | | | 12,4| --
+ Spy I | -- |5,0} [c]| 10,0 | 10,5 |100:105
+ » II | -- |5,0} |11,0-11,5|11,0- |
+ | | | | 11,5|100:100
+ Ochos dext. | -- | | 11,5 | 11,0 |100:95,7
+ » sin. | -- | | 12,0 | 11,2 |100:93,3
+ Recenter Europäer | | | | |
+ nach MÜHLREITER |18,3-26,0| 7,0-9,0|10,0-12,2|9,0-11,0|
+ » BLACK größte | -- | 10,0 | 12,0 | 11,5 |
+ mittel | -- | 7,7 | 11,2 | 10,3 |100:92
+ kleinste | -- | 7,0 | 11,0 | 10,0 |
+ Taubach[XXXI.] | -- | -- | 11,7 | 9,9 |100:84,6
+ Dryopithecus Fontani }| |{5,0[d]}| | |
+ Lartet }| -- |{6,0[e]}| 10,5 | 9,0 |100:85,7
+ (Saint Gaudens) }| | | | |
+ Chimpanse | -- | -- | 11,4 | 10,3 |100:90,3
+ Orang | -- | -- | 12,8 | 11,8 |100:92,2
+ » | -- | -- | 14,9 | 13,0 |100:87,2
+ Gorilla | -- | -- | 15,3 | 13,5 |100:88,2
+ Hylobates leuciscus | -- | -- | 6,0 | 15,0 |100:83,3
+ » syndactylus | -- | -- | 8,0 | 5,8 |100:72,5
+ | | | | |
+ $M 2 inf.$ (Fig. 22 u. 31)| | | | |
+ | | | | |
+ Homo Heidelbergensis dext.| -- | 5,2}[b]| 12,7 | 12,0 |100:94,5
+ » » sin. | -- | 6,0} |etwa 12,9| ? |
+ Krapina im Gebrauch | | | | |
+ gewesen[XXXII.] |19,9-21,0| 6,8-7,5|11,4-12,5|10,6- |100:92,7
+ | | | | 11,4|
+ » noch nicht im | | | | |
+ Gebrauch | -- | 6,2-8,0|10,7-12,1| |
+ gewesen | | | |10,3- |
+ | | | | 11,0|
+ Spy I | -- | 5,0[c]}| 10,0 | 10,0 |100:100
+ » II | -- |5,5-6,0}| 11,0 | 11,0 |100:100
+ Ochos dext. | -- | -- | 12,0 | 12,2 |100:
+ | | | | | 101,6
+ » sin. | -- | -- | 12,0 | 11,5 |100:95,8
+ Recenter Europäer | | | | |
+ nach BLACK größte | -- | 8,0 | 11,0 | 10,5 |
+ mittel | -- | 6,9 | 10,7 | 10,1 |100:94,4
+ kleinste | -- | 6,0 | 10,0 | 9,5 |
+ | | | | |
+ Dryopithecus Fontani }| -- |{ 5 [g]}| 12,0 | 10,5 |100:87,5
+ Lartet (Saint Gaudens) }| |{ 6 [e]}| | |
+ Isolierter Zahn derselben}| -- |{ 6 [g]}| 11,5 | 10,5 |100:91,3
+ Species, wenig abgekaut}| |{ 6 [e]}| | |
+ Dryopithecus rhenanus | | | | |
+ Pohlig sp. | | | | |
+ BRANCO, Taf. II, Fig. 1 | | | | |
+ [XXXIII.] | -- | -- | 13,1 | 11,0 |100:84,0
+ 5 | -- | -- | 11,8 | 9,8 |100:83,0
+ 6 | -- | -- | 11,0 | 9,3 |100:84,5
+ nicht abgebildet | -- | -- | 11,0 | 9,2 |100:83,5
+ Chimpanse | -- | -- | 12,0 | 11,2 |100:93,3
+ Orang | -- | -- | 15,5 | 13,9 |100:90,0
+ Gorilla | -- | -- | 16,0 | 14,6 |100:91,3
+ Hylobates leuciscus | -- | -- | 6,7 | 5,6 |100:83,6
+ » » | -- | -- | 6,6 | 6,0 |100:90,9
+ » syndactylus | -- | -- | 8,5 | 7,0 |100:82,3
+ | | | | |
+ $M 3 inf.$ | | | | |
+ (Fig. 22 u. 23) | | | | |
+ | | | | |
+ Homo Heidelbergensis dext.| -- | 5,3[a]| 12,2 | 10,9 |100:89,3
+ » » sin. | -- | 5,1[b]| 11,5 | 11,3 |100:98,3
+ Krapina im Gebrauch | | | | |
+ gewesen |21,0-24,5| 6,8-7,6|11,1-13,6|10,0- |100:96,1
+ | |[XXXIV.]| | 11,0|[XXXV.]
+ Spy I | -- | 5,5 | 11,0 | 11,0 |100:100
+ » II | -- | 7-7,5 |11,0-12,0|11,0- |
+ | | | | 12,0|100:100
+ Ochos sin.[XXXVI.] | -- | -- | 12,0 | 12,0 |100:100
+ Recenter Europäer | | | | |
+ nach BLACK größte | -- | 8,0 | 12,0 | 10,5 |
+ mittel | -- | 6,7 | 10,7 | 9,8 |100:91,6
+ kleinste | -- | 6,0 | 8,0 | 9,0 |
+ Dryopithecus Fontani }| -- |{ 6[g] }| 11,5 | 10,5 |100:91,3
+ Lartet (Saint Gaudens) }| |{ 6[e] }| | |
+ Isolierter Zahn derselb. }| -- |{ 6[g] }| 11,5 | 10,5 |100:91,3
+ Species, nur wenig }| | }|[XXXVII.]| |
+ abgekaut }| |{6,75 }| | |
+ }| | [e]}| | |
+ Anthropodus Brancoi | | | | |
+ Schlosser n. g. | | | | |
+ (-- Neopithecus | | | | |
+ Abel n. g.)[XXXVIII.] | -- | -- | 10,5 | 8,25 |100:78,6
+ Orang | -- | -- | 14,6 | 12,8 |100:87,7
+ Gorilla | -- | -- | 16,2 | 14,0 |100:86,4
+ Hylobates leuciscus | -- | -- | 5,9 | 5,2 |100:88,1
+ » » | -- | -- | 5,1 | 5,7 |100:
+ | | | | | 111,0
+ » syndactylus | -- | -- | 8,7 | 6,9 |100:79,3
+ -------------------------------------------------------------------------
+
+ [a] mäßig stark
+ [b] stark abgekaut
+ [c] sehr stark abgekaut
+ [d] labial
+ [e] lingual
+ [g] buccal
+
+
+ [XXX.] Nach GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER, Mitt. d. anthropolog. Ges. in
+ Wien 1901 S. 195. Auf S. 190 sind folgende Maße eines anderen M 1 inf.
+ von Krapina mitgeteilt: Längsdurchmesser 13,4 mm und Querdurchmesser
+ 12,3 mm. Bei diesem verhält sich also die Breite zur Dicke wie
+ 100:91,8.
+
+ [XXXI.] Nach A. NEHRING, Zeitschr. f. Ethnologie 1895 Verh. S. 577.
+
+ [XXXII.] Siehe Anmerkung vorige Seite.
+
+ [XXXIII.] Die in Fig. 1 u. 6 von W. BRANCO abgebildeten und als M 2
+ bezeichneten Zähne können nach M. SCHLOSSER, Beiträge zur Kenntnis der
+ Säugetiere aus den süddeutschen Bohnerzen S. 11, auch M 3 sein.
+
+ [XXXIV.] Diese Zahl fehlt bei GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER, Der diluviale
+ Mensch von Krapina, in der Übersicht S. 203; sie findet sich aber S.
+ 200.
+
+ [XXXV.] Nach GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER, Mitt. d. anthrop. Ges. Wien
+ 1901, S. 193.
+
+ [XXXVI.] M 3 dext. fehlt bei dem Unterkiefer von Ochos.
+
+ [XXXVII.] Es fehlt ein kleiner Splitter am Schmelz, doch ließ sich das
+ Maß noch ermitteln.
+
+ [XXXVIII.] Die Maße nach gütiger brieflicher Mitteilung von Prof. E.
+ KOKEN, Tübingen.
+
+
+
+
+ III. Die Höcker der Molaren.
+
+
+Die =Anzahl der Höcker der Molaren= des Heidelberger Unterkiefers sind
+schon in der Beschreibung der einzelnen Zähne angegeben. Sie werden hier
+der Übersicht halber nochmals zusammengestellt:
+
+ M 1 M 2 M 3
+ Rechts 5 5? 5
+ Links 5 5 ?
+
+Ich habe schon die Gründe aufgeführt, weshalb ich es für wahrscheinlich
+halte, daß Heidelberg M 2 dext. ebenfalls fünfhöckerig ist. -- Bei den
+Unterkiefern von Spy und Ochos sind diese Verhältnisse infolge der
+starken Abnutzung der Kaufläche nicht genügend zu erkennen. Dagegen war
+es möglich, an den Zähnen des Krapinamenschen wertvolle Beobachtungen
+anzustellen, die GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER in seiner Monographie S. 194
+und 200, sowie im Anatomischen Anzeiger 1907 S. 100-103 veröffentlicht
+und bezüglich der unteren Molaren in folgende Tabelle zusammengefaßt
+hat:
+
+ M 1 M 2 M 3
+ Anzahl Anzahl
+ der Zähne Höcker der Zähne Höcker
+ 9 5 1 5 Variabel oder
+ 2 4½ 5 4½ die Krone
+ 1 4 5 4 stark gefurcht.
+
+Über die =Anzahl der Höcker der Molaren bei den recenten Menschenrassen=
+finden sich in der Literatur zahlreiche Angaben. Aus den von M. DE TERRA,
+Beiträge zu einer Odontographie der Menschenrassen, S. 136, aufgestellten
+Tabellen seien hier nur einige Zahlen angeführt, die auf den
+Fünfhöckertypus Bezug haben:
+
+ =Molaren mit fünf Höckern haben=:
+ -------------------------------------------------------------------------
+ |Anzahl| M 1 |Anzahl| M 2 |Anzahl| M 3
+ | der | % | der | % | der | %
+ |Zähne | |Zähne | |Zähne |
+ ------------------------------+------+--------+------+------+------+-----
+ Prähistorischer Schweizer | 26 | 88,4 | 26 | 7,69 | 17 |64,7
+ Recente Europäer | 26 | 88,4 | 31 | 6,25 | 31 |38,7
+ Nordamerikanische Indianer | 8 | 8mal | 8 | 6mal | 5 |5mal
+ | |[XXXIX.]| | | |
+ Südamerik. Indianer (Peruaner)| 12 | 12mal | 8 | 4mal | 4 |4mal
+ Negroide Afrikaner | 108 | 93,4 | 104 | 33,6 | 95 |68,4
+ Nicht negroide Afrikaner | 71 | 81,6 | 76 | 14,5 | 61 |47,37
+ Malaien | 49 | 100,0 | 46 | 26,1 | 43 |67,4
+ Chinesen | 26 | 88,4 | 24 | 25,0 | 25 |60,0
+ Papua | 18 | 83,3 | 20 | 30,0 | 14 |85,7
+ Australier | 15 | 100,0 | 15 | 73,3 | 9 |66,6
+
+ [XXXIX.] DE TERRA hat hier wegen der geringen Anzahl der zur Verfügung
+ gewesenen Zähne den Prozentsatz nicht ausgerechnet.
+
+
+
+
+ IV. Die Pulpahöhlen.
+
+
+Es sollen nun noch die offen liegenden =Pulpahöhlen= der auf Taf. VIII,
+Fig. 23 abgebildeten linken Unterkieferhälfte des Homo Heidelbergensis
+einer Betrachtung unterzogen werden: Bei P 1 verläuft die Bruchfläche
+auf der lingualen Seite horizontal, auf der buccalen senkt sie sich
+schräg nach unten, so daß das Cavum dentis schräg durchschnitten ist.
+Man kann aber noch die Gestalt desselben in der Horizontale an der
+Grenze zwischen Wurzel und Krone rekonstruieren, die ein linguobuccal
+3,5 mm langes und mesiodistal 1,9 mm breites Oval darstellt, das einem
+Ameisenpuppenkokon in der Form ähnelt. Die Krone von P 2 ist horizontal
+abgeschlagen. Der ähnlich wie bei P 1 gestaltete Durchschnitt mißt
+linguobuccal 4,0 mm, mesiodistal 2,0 mm. Die Stärke der Wandung schwankt
+zwischen 2,0-2,5 mm.
+
+Von den beiden Molaren sind die Kronen ebenfalls nahezu horizontal
+abgetrennt. Die linguale und buccale Wand der Pulpenkammern sind nahezu
+geradlinig und parallel zueinander. Bei M 1 zeigt die mesiale Wand eine
+distalwärts, also in das Innere des Cavum dentis gerichtete Biegung,
+während die gegenüberliegende Wand distalwärts nach außen gebogen ist.
+Infolgedessen vollzieht sich innerhalb der Zahnhöhle der Übergang in die
+Parallelwände bei der mesialen Wand in einem spitzen Winkel, bei der
+distalen stumpfwinkelig. Außerhalb der Pulpenkammer sind die Ecken
+abgerundet. Im Querschnitt zeigt diese mesiodistal gemessen 4,3 mm,
+linguobuccal sogar 4,8 mm. Die Dicke der Wandung schwankt zwischen 2,1
+und 2,2 mm.
+
+Der Boden der Pulpenkammer ist unregelmäßig höckerig. Es läßt sich nicht
+entscheiden, inwieweit fremde Ablagerungen auf demselben stattgefunden
+haben. Die Eingänge zu den Wurzelkanälen sind nicht ordentlich
+erkennbar. Das Dach der Pulpenhöhle zeigt, von unten betrachtet, wie
+bereits erwähnt, fünf der Kaufläche zugewendete Ausstülpungen, die den
+Höckern entsprechen und von einer kreuzförmigen Erhebung umgeben sind.
+
+Bei M 2 verläuft die mesiale Wand der Pulpenkammer geradlinig, während
+die gegenüberliegende distalwärts gleichmäßig gewölbt ist. Der Übergang
+von der mesialen Wand in die Parallelwände vollzieht sich daher in einem
+leicht abgerundeten rechten Winkel, während die distale Wand mit den
+Parallelwänden einen Rundbogen bildet. Diese zeigen entsprechend der
+Wurzelteilung in der Mitte eine leichte Einsenkung, die auf der buccalen
+Seite nach unten hin zu verfolgen ist, ähnlich wie bei M 1. Der
+Pulpenboden läßt deutlich traubenförmig aufgelagerte mineralische
+Bestandteile erkennen. Von unten betrachtet zeigt das Pulpenkammerdach
+die bereits erwähnten, den Höckern entsprechenden fünf Ausstülpungen,
+die wie bei M 1 von einer kreuzförmigen Erhebung umgeben sind. Im
+Querschnitt mißt das Cavum dentis mesiodistal 6,3 mm und linguobuccal
+5,7 mm. Die Dicke der Wandung schwankt zwischen 1,8 und 2,4 mm.
+
+=Maßangaben des Querschnittes der Pulpahöhle und der Dentinwand an der
+Grenze zwischen Wurzel und Krone (Kronenbasis) beim Unterkiefer des Homo
+Heidelbergensis und des recenten Europäers=.
+
+
+ Spaltenüberschriften:
+ [A] Durchmesser der Pulpahöhle
+ [B] Dicke der Wandung
+
+ -----------------------------------------------------------------------
+ | Erster | Zweiter | Erster | Zweiter
+ | unterer | unterer | unterer | unterer
+ | Prämolar | Prämolar | Molar | Molar
+ ----------------------+-----------+-----------+-------------+------------
+ | [A] | [B] | [A] | [B] | [A] | [B] | [A] | [B]
+ ----------------------+-----+-----+-----+-----+-------+-----+-----+------
+ =Homo Heidelbergensis=| | | | | | | |
+ Linguobuccal. |3,5 |2,5 |4,0 |2,1 | 4,8 |2,2 |5,7 |2,4
+ Mesiodistal. |1,9 |2,0 |2,0 |2,0 | 4,3 |2,1 |6,3 |1,8
+ =Rec. Europäer=[XL.] | | | | | | | |
+ 6-14 Jahre | -- | -- | -- | -- | 4,087 |1,687|4,000|1,700
+ | | | | | [XLI.]| | |
+ 17-23 » |2,260|2,160|2,475|2,087| 4,125 |2,012|3,900|2,037
+ | | | | |[XLII.]| | |
+ 23-32 » |2,412|2,200|2,550|2,171| 3,750 |2,200|4,275|2,087
+ 32-43 » |1,940|2,340|2,120|2,086| 3,625 |2,300|3,685|2,157
+ 44-52 » |2,050|2,200|2,166|2,133| -- | -- |3,933|2,300
+ 53-66 » |1,850|2,100|2,300|2,166| -- | -- |3,760|2,500
+
+ [XL.] Diese Zahlen geben das arithmetische Mittel an, das von K. TRUEB
+ aus Einzelmaßen (jeweils bis zu acht) an Schliffpräparaten gewonnen
+ wurde, wie solche auch J. SZABÓ für seine Arbeit »Die Größenverhältnisse
+ des Cavum pulpae nach Altersstufen«, Österr. ungar. Vierteljahrsschrift
+ für Zahnheilkunde, Wien 1901, verwendet hat. Die von TRUEB benutzten
+ Zähne wurden in dem unter Leitung von Prof. PORT stehenden
+ zahnärztlichen Institut der Universität Heidelberg extrahiert.
+
+ [XLI.] 6-9 Jahre.
+
+ [XLII.] 11-14 Jahre.
+
+
+
+
+ V. Röntgenbilder.
+
+
+Auf Taf. IX sind in Fig. 32 und 36 =Röntgenbilder= der rechten und linken
+Unterkieferhälfte des Homo Heidelbergensis wiedergegeben, denen zum
+Vergleich in Fig. 39 und 40 die mittels Röntgenstrahlen durchleuchteten
+Kieferhälften eines recenten Europäers beigefügt sind, der annähernd
+dasselbe Lebensalter erreicht hat, wie das Individuum von Heidelberg. Da
+bei der bedeutenden Dicke des Unterkieferkörpers des letzteren die
+Wurzeln der Molaren nicht deutlich genug hervortreten, so wurden die
+betreffenden Stellen nochmals durchleuchtet. Von diesen Aufnahmen, sowie
+von denjenigen der Incisiven bringen Fig. 33, 34, 35, 37 und 38 eine
+Reproduktion.
+
+Der in der Seitenansicht sehr breite Wurzelkanal der =Incisivi= (Fig. 34,
+35 und 38) zeigt am untersten Viertel eine Verbreiterung mit einer
+centralen Einlagerung, so daß es den Anschein hat, als ob sich der Kanal
+gabelt. In der Vorderansicht verschwindet die Erscheinung durch Deckung.
+
+Die =Canini= zeigen auch im Wurzelteil einen sehr breiten Kanal, der indes
+keine Andeutung einer Gabelung aufweist. Bei einem Vergleich mit Fig. 39
+tritt der beträchtliche Unterschied in der Weite der Pulpahöhle und des
+Wurzelkanals sehr deutlich hervor.
+
+Was die =Praemolares= und =Molares= unseres Fossils anbelangt, so verweisen
+wir bezüglich der Weite der Pulpahöhlen auf die von uns angeführten Maße
+von P 1 und 2, sowie M 1 und 2 der linken Kieferhälfte. Bei der
+Betrachtung des Röntgenbildes ergibt sich, daß P 1 sin. (Fig. 36) an der
+Grenze zwischen dem oberen und zweiten Drittel der Wurzel eine
+Einlagerung zeigt, welche den Wurzelkanal in zwei Teile zu trennen
+scheint. Diese Gabelung läßt sich ziemlich weit nach unten verfolgen,
+wird dann aber undeutlich. Bei P 1 dext. (Fig. 32) findet man die
+gleiche Einlagerung, aber erst in der Mitte der Wurzel beginnend. Bei
+den beiden zweiten Prämolaren ist diese Erscheinung auf dem Röntgenbilde
+nicht zu beobachten.
+
+Während bei den =ersten und zweiten Molaren= die beiden Wurzelspitzen
+(Fig. 32, 33, 36 und 37) ziemlich parallel verlaufen mit einer distal
+gerichteten Krümmung, divergieren sie nicht unbedeutend bei M 3: die
+vordere steht ziemlich senkrecht, die hintere ist distalwärts gebogen.
+Die Wurzelspitzen sind vom Canalis alveolaris bei M 1 beträchtlich weit
+entfernt, bei M 2 kommen sie dem Kanal bedeutend näher -- es ist jedoch
+immer noch eine Spongiosaschicht zwischen Wurzelspitze und Kanal zu
+erkennen --, bei M 3 ragen sie Fig. 33 und 37 zufolge in den Kanal
+hinein. Ob dies jedoch wirklich der Fall ist, oder ob nicht vielmehr
+durch die Projektion bloß der Anschein, daß dem so sei, erweckt wird,
+entzieht sich exakter Entscheidung.
+
+
+
+
+ Literatur.
+
+
+ 1. ADLOFF, P., Zur Frage nach der Entstehung der heutigen
+ Säugetierzahnformen. Zeitschr. f. Morphologie u. Anthropologie,
+ Bd. V. Heft 2. 1902.
+
+ 2. -- Einige Besonderheiten des menschlichen Gebisses u. ihre
+ stammesgeschichtliche Bedeutung. Zeitschr. f. Morphologie u.
+ Anthropologie, Bd. X. Heft 1. 1906.
+
+ 3. -- Die Zähne des Homo primigenius von Krapina und ihre Bedeutung für
+ die systematische Stellung desselben. Zeitschr. f. Morphologie u.
+ Anthropologie, Bd. X. Heft 2. 1907.
+
+ 4. -- Ausgestorbene Menschenaffen und ihre Beziehungen zum Menschen.
+ Schriften d. physik.-ökonom. Ges. zu Königsberg i. Pr., XLVIII.
+ Jahrg. 1907.
+
+ 5. ANDREAE, A., Der Diluvialsand von Hangenbieten im Unter-Elsaß, seine
+ geolog. u. paläontolog. Verhältnisse u. Vergleich seiner Fauna mit
+ der recenten Fauna des Elsaß. (Abh. z. geolog. Specialkarte von
+ Elsaß-Lothringen, Bd. IV. Heft II.) Straßburg 1884.
+
+ 6. BAUME, R., Odontologische Forschungen. I. Teil. Versuch einer
+ Entwicklungsgeschichte des Gebisses. Leipzig 1882.
+
+ 7. -- Die Kieferfragmente von La Naulette und aus der Schipkahöhle als
+ Merkmale für die Existenz inferiorer Menschenrassen in der
+ Diluvialzeit. Leipzig 1883.
+
+ 8. BENECKE, W., Lagerung u. Zusammensetzung des geschichteten Gebirges
+ am südlichen Abhang des Odenwaldes. Heidelberg 1869.
+
+ 9. BENECKE, E. W. u. COHEN, E., Geognostische Beschreibung der Umgegend
+ von Heidelberg, zugleich als Erläuterungen zur geognostischen Karte
+ der Umgegend von Heidelberg (Sektionen Heidelberg u. Sinsheim).
+ Straßburg 1879.
+
+ 10. BLACK, G. V., Descriptive anatomy of the human teeth, Philadelphia
+ (Jahreszahl ?), zitiert von A. GYSI, Die geometrische Konstruktion
+ eines menschlichen, obern, bleibenden, normalen Gebisses mittlerer
+ Größe. Schweiz. Vierteljahrsschrift, Bd. V. No. 1. 1895.
+
+ 11. BRANCO, W., Die menschenähnlichen Zähne aus dem Bohnerz der
+ schwäbischen Alb. II. Teil: Art u. Ursache der Reduktion der Gebisse
+ bei Säugern. Programm der württemb. landwirtschaftl. Akademie
+ Hohenheim. Stuttgart 1897.
+
+ 12. -- Die menschenähnlichen Zähne aus dem Bohnerz der schwäbischen Alb.
+ I. Teil: Jahreshefte des Vereins f. vaterländ. Naturkunde in
+ Württemberg 1898.
+
+ 13. BRAUN, A., Vergleichende Zusammenstellung der lebenden u. diluvialen
+ Molluskenfauna des Rheintals mit der tertiären des Mainzer Beckens.
+ Bericht über die 20. Vers. der Ges. deutscher Naturforscher u. Ärzte
+ zu Mainz 1842. S. 142.
+
+ 14. COPE, E. D., On lemurine reversion in human dentition. The American
+ Naturalist. Vol. XX, 1886.
+
+ 15. DUPONT, E., Etudes sur les fossiles scientifiques exécutées pendant
+ l'hiver de 1865-1866 dans les cavernes des bords de la Lesse. Bull.
+ Acad. Roy. Belgique, 1866.
+
+ 16. -- Etude sur cinq cavernes de la Lesse et le ravin de Famignoul
+ pendant l'été de 1866. Bull. Acad. Roy. Belgique, 1867.
+
+ 17. -- L'homme pendant les âges de la pierre dans les environs de Dinant
+ sur Meuse. Bruxelles, 2 édit. 1872.
+
+ 18. FRAIPONT, J. u. LOHEST, M., Recherches ethnographiques sur des
+ ossements humains, découverts dans des dépôts quaternaires d'une
+ grotte à Spy et détermination de leur âge géologique. Archives de
+ Biologie. Bd. VII. Heft 3. 1887.
+
+ 19. GAUDRY, A., Le Dryopithèque. Mémoires de la soc. géol. de France.
+ Paléontologie 1890.
+
+ 20. -- Sur la similitude des dents de l'homme et de quelques animaux.
+ L'Anthropologie. XII. 1901.
+
+ 21. -- Contribution à l'histoire des hommes fossiles. L'Anthropologie.
+ XIV. 1903.
+
+ 22. GORJANOVI[/C]-KRAMBERGER, Der paläolithische Mensch u. seine
+ Zeitgenossen aus dem Diluvium von Krapina in Kroatien, Vortrag;
+ Mitt. d. anthrop. Ges. Wien (Sitzungsbericht). Bd. XXIX. 1889.
+
+ 23. -- Der diluviale Mensch aus Krapina in Kroatien. Mitt. d. anthrop.
+ Ges. in Wien. Bd. XXX. 1900.
+
+ 24. -- Der paläolithische Mensch u. seine Zeitgenossen aus dem Diluvium
+ von Krapina in Kroatien. Mitt. d. anthrop. Ges. Wien. Bd. XXXI.
+ 1901. S. 164-197.
+
+ 25. -- Der paläolithische Mensch u. seine Zeitgenossen aus dem Diluvium
+ von Krapina in Kroatien. Nachtrag als II. Teil. Mitt. d. anthrop.
+ Ges. Wien. Bd. XXXII. 1902. S. 189-216.
+
+ 26. -- Der paläolithische Mensch u. seine Zeitgenossen aus dem Diluvium
+ von Krapina in Kroatien. Zweiter Nachtrag als III. Teil. Mitt. d.
+ anthropolog. Ges. Wien. Bd. XXXIV. 1904. S. 187-199.
+
+ 27. -- Die Variationen am Skelette der altdiluvialen Menschen. Vortrag,
+ gehalten auf der Wanderversammlung der Wiener anthropolog.
+ Gesellschaft in Agram am 22. Mai 1904.
+
+ 28. -- Der paläolithische Mensch u. seine Zeitgenossen aus dem Diluvium
+ von Krapina in Kroatien. Dritter Nachtrag als IV. Teil. Mitt. d.
+ anthrop. Ges. Wien 1905. S. 197-229.
+
+ 29. -- Der diluviale Mensch von Krapina u. sein Verhältnis zum Menschen
+ von Neandertal u. Spy. Biologisches Zentralblatt. Bd. XXV. 1905.
+ Nr. 23 u. 24.
+
+ 30. -- Der diluviale Mensch von Krapina in Kroatien. Ein Beitrag zur
+ Paläoanthropologie. Studien über die Entwicklungsmechanik des
+ Primatenskelettes mit bes. Berücksichtigung der Anthropologie u.
+ Deszendenzlehre, herausg. von O. WALKHOFF. II. Lieferung. Wiesbaden
+ 1906.
+
+ 31. -- Die Kronen u. Wurzeln der Mahlzähne des Homo primigenius und ihre
+ genetische Bedeutung. Anatom. Anzeiger. XXXI. Band. Nr. 4 u. 5.
+ 1907.
+
+ 32. -- 1906. Der Unterkiefer von Ochos aus Mähren und sein Verhältnis zu
+ den Unterkiefern des Homo primigenius. Referat Geolog. Zentralbl.
+ 1907. Bd. IX. S. 93.
+
+ 33. -- Bemerkungen zu ADLOFF. »Die Zähne des Homo primigenius von
+ Krapina«. Anatom. Anzeiger. XXXII. Bd. Nr. 6 u. 7. 1908. S. 145-156.
+
+ 34. HAHNE, H. u. WÜST, E., Die paläolithischen Fundschichten und Funde
+ der Gegend von Weimar. Vorläufige Mitteilung. Centralbl. f. Min.,
+ Geol. u. Paläontologie. 1908. S. 197-210.
+
+ 35. HARLÉ, EDOUARD, Une mâchoire de dryopithèque. Bull. Soc. géolog. de
+ France. 1898. p. 377.
+
+ 36. -- Nouvelles pièces de dryopithèque et quelques coquilles de
+ Saint-Gaudens (Haute Garonne). Bull. Soc. géolog. de France. 1899.
+ p. 304.
+
+ 37. KINKELIN, F., Der Pliocänsee des Rhein- u. Maintales u. die
+ ehemaligen Mainläufe, ein Beitrag zur Kenntnis der Pliocän- u.
+ Diluvial-Zeit des westlichen Mitteldeutschlands. Ber. ü. d.
+ Senckenbergische naturforschende Gesellschaft, Frankfurt a./M.
+ 1888/89. 161 S.
+
+ 38. -- Die Tertiär- u. Diluvial-Bildungen des Untermaintales, der
+ Wetterau u. d. Südabhanges des Taunus, herausg. v. d. K. Preuß.
+ geolog. Landesanstalt. Berlin 1892. 302 S.
+
+ 39. KLAATSCH, H., Die Stellung des Menschen in der Primatenreihe und der
+ Modus seiner Hervorbringung aus einer niederen Form. Korr.-Bl. d.
+ deutsch. Ges. f. Anthrop., Ethn. u. Urgesch. 1899.
+
+ 40. -- Die fossilen Knochenreste des Menschen und ihre Bedeutung für das
+ Abstammungs-Problem. MERKEL u. BONNET, Ergebnisse der Anatomie u.
+ Entwicklungsgeschichte. IX. Band. 1899. Wiesbaden 1900.
+
+ 41. -- Über die Ausprägung der spezifisch menschlichen Merkmale in
+ unserer Vorfahrenreihe. Korr.-Bl. d. Deutsch. anthropolog. Ges.
+ Nr. 10. 1901.
+
+ 42. -- Entstehung u. Entwicklung des Menschengeschlechts. Weltall u.
+ Menschheit, herausg. v. H. KRÄMER. Bd. II. 1902.
+
+ 43. -- Anthropolog. u. paläolith. Ergebnisse einer Studienreise durch
+ Deutschland, Belgien und Frankreich. Zeitschr. f. Ethnol. 1903.
+
+ 44. -- Bericht über einen anthropolog. Streifzug nach London u. auf das
+ Plateau von Süd-England. Zeitschr. f. Ethnol. 1903.
+
+ 45. -- Die Fortschritte der Lehre von den fossilen Knochenresten des
+ Menschen in den Jahren 1900 bis 1903. MERKEL u. BONNET, Ergebnisse
+ der Anatomie u. Entwicklungsgeschichte. Bd. XII. 1903.
+
+ 46. -- Schlußbericht über meine Reise nach Australien in den Jahren
+ 1904-7. Zeitschr. f. Ethnol. 1907.
+
+ 47. -- Das Gesichtsskelett der Neandertalrasse und der Australier. Verh.
+ d. anatom. Ges. auf der 22. Vers. in Berlin 1908.
+
+ 48. -- Cranio-Morphologie u. Cranio-Trigonometrie. Vortrag, gehalten auf
+ der XXXIX. allgem. Vers. d. Deutschen anthropolog. Ges. in
+ Frankfurt a. M., Korr.-Bl. d. Deutschen Gesellschaft f.
+ Anthropologie, Ethnologie u. Urgeschichte, 1908.
+
+ 49. LE DOUBLE, Traité des variations des os du crâne de l'homme et de
+ leur signification au point de vue de l'anthropologie zoologique.
+ Paris 1903.
+
+ 50. MEYER, H. v., Über fossile Reste von Ochsen. Nova acta Acad.
+ Leopold. Carol. XVII. Halle 1835.
+
+ 51. -- Mitteilungen an Prof. BRONN. Neues Jahrb. f. Min. 1842 S. 583 u.
+ 1843, S. 579.
+
+ 52. -- Die diluvialen Rhinoceros-Arten, Palaeontographica. 1864. Bd. XI.
+
+ 53. MÖLLER, H., Über Elephas antiquus Falc. u. Rhinoceros Merckii als
+ Jagdtiere des altdiluvialen Menschen in Thüringen und über das erste
+ Auftreten des Menschen in Europa. Zeitschr. f. Naturwissenschaft.
+ Jena 1900.
+
+ 54. MORTILLET, G. DE, Le Préhistorique, Origine et antiquité de l'homme.
+ 2. éd. Paris 1885.
+
+ 55. MÜHLREITER, E., Anatomie des menschlichen Gebisses. Leipzig 1891.
+
+ 56. NEHRING, A., Übersicht über 24 mitteleuropäische Quartärfaunen.
+ Zeitschr. d. Deutschen geolog. Ges. 1880.
+
+ 57. -- Über einen fossilen Menschenzahn aus dem Diluvium von Taubach bei
+ Weimar. Zeitschr. f. Ethnologie 1905. Verh. S. 338.
+
+ 58. -- Über einen diluvialen Kinderzahn von Predmost in Mähren unter
+ Bezugnahme auf den schon früher beschriebenen Kinderzahn aus dem
+ Diluvium von Taubach bei Weimar. Zeitschr. f. Ethnologie 1905. Verh.
+ S. 425.
+
+ 59. -- Über einen menschlichen Molar aus dem Diluvium von Taubach bei
+ Weimar. Zeitschr. f. Ethnologie 1905. Verh. S. 573.
+
+ 60. PAGENSTECHER, A., Studien zum Ursprung des Rindes, mit einer
+ Beschreibung der fossilen Rinderreste des Heidelberger Museums.
+ FRÜHLINGS landwirtschaftliche Zeitung. XXVII. II. Heft. Jahrg. 1878.
+
+ 61. POHLIG, H., Dentition u. Kraniologie des Elephas antiquus Falc. mit
+ Beiträgen über Elephas primigenius Blum. u. Elephas meridionalis
+ Nesti. Nova acta Acad. Leopold. Carol. LIII. u. LVII. Halle 1889 u.
+ 1892.
+
+ 62. -- Die Cerviden des thüringischen Diluvial-Travertines mit Beiträgen
+ über andere diluviale und über recente Hirschformen.
+ Palaeontographica XXXIX. Stuttgart 1892.
+
+ 63. PORTIS, A., Über die Osteologie von Rhinoceros Merckii Jaeg. u. über
+ die diluviale Säugetierfauna von Taubach bei Weimar.
+ Palaeontographica. Bd. XXV. 1878.
+
+ 64. REICHENAU, W. v., Über eine neue fossile Bären-Art Ursus Deningeri
+ mihi aus den fluviatilen Sanden von Mosbach. Jahrb. d. Nassauischen
+ Vereins f. Naturk. Jahrg. 75. 1904. S. 1-11.
+
+ 65. -- Beiträge zur näheren Kenntnis der Carnivoren aus den Sanden von
+ Mauer und Mosbach, Abh. d. Großh. Hessischen geologischen
+ Landesanstalt, Bd. IV. Heft 2. Darmstadt 1906. S. 185-313.
+
+ 66. RÖSE, C., Über die Entstehung u. Formenveränderungen der
+ menschlichen Molaren. Anatomischer Anzeiger. Jena 1892. S. 392-421.
+
+ 67. RÜTIMEYER, L., Die Fauna der Pfahlbauten. Neue Denkschr. d. schweiz.
+ naturf. Ges. XIX. Zürich 1862.
+
+ 68. RZEHAK, A., Der Unterkiefer von Ochos. Ein Beitrag zur Kenntnis des
+ altdiluvialen Menschen. Verh. d. naturf. Ver. Brünn. XLIV. Bd. 1906.
+
+ 69. SANDBERGER, C. L. F., Die Land- u. Süßwasser-Conchylien der Vorwelt.
+ Wiesbaden 1870/75.
+
+ 70. SAUER, A., Erläuterungen zu Blatt Neckargemünd Nr. 32 d. geolog.
+ Spezialkarte d. Großherzogtums Baden, herausg. v. d. Gr. Bad.
+ geolog. Landesanstalt. Heidelberg 1898.
+
+ 71. SCHEFF, JUL. jun., Über das Rudimentärwerden des Weisheitszahnes,
+ Wiener medizin. Presse Nr. 37, 1887.
+
+ 72. SCHLOSSER, M., Die neueste Literatur über die ausgestorbenen
+ Anthropomorphen. Zoolog. Anzeiger. XXIII. Bd. Nr. 616. Leipzig 1900.
+
+ 73. -- Die menschenähnlichen Zähne aus dem Bohnerz der schwäbischen Alb.
+ Zoolog. Anzeiger. XXIV. Bd. Nr. 643. Leipzig 1901.
+
+ 74. -- Beiträge zur Kenntnis der Säugetierreste aus den süddeutschen
+ Bohnerzen. Geol. u. paläontolog. Abh., herausg. von E. KOKEN. N. F.
+ Bd. V. Heft 3. Jena 1902.
+
+ 75. SCHOETENSACK, O., Diluvial-Funde von Taubach bei Weimar. Erste
+ Mitteilung über einen in dem dortigen Kalktuff aufgefundenen
+ menschlichen Milchbackenzahn. Zeitschr. f. Ethnologie. 1895. Verh.
+ S. 92 u. 338.
+
+ 76. -- Die neolithische Niederlassung bei Heidelberg. Zeitschr. f.
+ Ethnologie 1899. Verh. S. 566 ff.
+
+ 77. -- Die Bedeutung Australiens für die Heranbildung des Menschen aus
+ einer niederen Form. Verh. d. naturhistor. medizin. Ver. Heidelberg
+ N. F. VII. Bd. 8. Heft. 1901 u. Zeitschr. f. Ethnol. 33. Jahrg.
+ 1901.
+
+ 78. -- Über paläolithische Funde in der Gegend von Heidelberg. Ber. d.
+ Oberrhein. geolog. Vereins. 35. Vers. zu Freiburg i./B. 1902.
+
+ 79. -- Beiträge zur Kenntnis der neolithischen Fauna Mitteleuropas mit
+ bes. Berücksichtigung der Funde am Mittelrhein. Verh. d. naturh.
+ medizin. Vereins zu Heidelberg. N. F. VIII. Bd. 1. Heft. 1904.
+
+ 80. SCHRÖDER, H., Revision der Mosbacher Säugetierfauna. Jahrb. d.
+ Nassauischen Vereins f. Naturkunde. Jahrg. 51. Wiesbaden 1898.
+
+ 81. -- Die Wirbeltierfauna des Mosbacher Sandes. I. Die Gattung
+ Rhinoceros. Abh. d. K. Preuß. Geol. Landesanstalt. N. F. Heft 18.
+ Berlin 1903.
+
+ 82. SCHWALBE, G., Über die spezifischen Merkmale des Neandertalschädels.
+ Verh. d. anatom. Ges. in Bonn 1901.
+
+ 83. -- Die Vorgeschichte des Menschen. Braunschweig 1904.
+
+ 84. -- Studien zur Vorgeschichte des Menschen. Sonderheft der
+ Zeitschrift für Anthropologie u. Morphologie. 1906.
+
+ 85. SCOTT, W. B., The evolution of the premolar teeth in the mammals.
+ Proc. of the Academy of nat. science of Philadelphia. 1892.
+
+ 86. SELENKA, E., Menschenaffen (Anthropomorphae), Studien über
+ Entwicklung u. Schädelbau. I. Lief.: Rassen, Schädel u. Bezahnung
+ des Orang-Utan. Wiesbaden 1898.
+
+ 87. -- Menschenaffen (Anthropomorphae), Studien über Entwickelung u.
+ Schädelbau. II. Lief.: Schädel des Gorilla u. Schimpanse. Wiesbaden
+ 1899.
+
+ 88. SZABÓ, J., Die Größenverhältnisse des Cavum pulpae nach
+ Altersstufen. Österr.-ungar. Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde.
+ 1900. S. 12-24.
+
+ 89. TERRA, M. DE, Mitteilungen zum Krapina-Fund unter besonderer
+ Berücksichtigung der Zähne. Schweiz. Vierteljahrsschrift f.
+ Zahnheilkunde. Bd. XIII. Nr. 1 u. 2. Zürich 1903.
+
+ 90. -- Beiträge zu einer Odontographie der Menschenrassen. Berlin 1905.
+
+ 91. -- Überblick über den heutigen Stand der Phylogenie des Menschen in
+ bezug auf die Zähne. Deutsche Monatsschrift für Zahnheilkunde.
+ Jahrg. XXIII. 1905.
+
+ 92. T[vO]RÖK, A. v., Grundzüge einer systematischen Kraniologie.
+ Stuttgart 1890.
+
+ 93. TOLDT, C., Über einige Struktur- u. Formverhältnisse des
+ menschlichen Unterkiefers. Corr.-Bl. d. Deutschen anthropolog. Ges.
+ Nr. 10. 1904.
+
+ 94. -- Die Ossicula und ihre Bedeutung für die Bildung des menschlichen
+ Kinnes. Sitzungsber. d. k. Akademie der Wissenschaften in Wien,
+ Mathem.-naturw. Klasse. Bd. CXIV. Abt. III. Juli 1905.
+
+ 95. TOPINARD, P., Les caractères simiens de la mâchoire de La Naulette.
+ Revue d'anthropologie. 3 Sér. I. 1886. p. 385-431.
+
+ 96. -- De l'évolution des molaires et prémolaires chez les primates et
+ en particulier chez l'homme. L'Anthropologie 1892. p. 641-710.
+
+ 97. TURNER, WM., An australian skull with three supernumerary upper
+ molar teeth. Journ. of Anatomy and Physiology. London. Vol. 34.
+ 1900.
+
+ 98. VIRCHOW, R., Der Kiefer aus der Schipka-Höhle und der Kiefer von
+ La Naulette. Zeitschr. f. Ethnol. 1882. S. 277-310.
+
+ 99. WALKHOFF, O., Der Unterkiefer der Anthropomorphen u. des Menschen in
+ seiner funktionellen Entwicklung u. Gestalt (Menschenaffen --
+ Anthropomorphae --, Studien über Entwicklung u. Schädelbau, herausg.
+ von E. SELENKA). Wiesbaden 1902.
+
+ 100. WEIDENREICH, FR., Die Bildung des Kinnes und seine angebliche
+ Beziehung zur Sprache. Anatom. Anzeiger. 1904. Nr. 21.
+
+ 101. WIEDERSHEIM, R., Der Bau des Menschen als Zeugnis für seine
+ Vergangenheit. Tübingen 1908.
+
+ 102. WÜST, E., Untersuchungen über das Pliocän u. das älteste Plistocän
+ Thüringens. Abh. d. Naturf. Ges. zu Halle. Bd. XXIII. 1901.
+
+ 103. -- Neues über die paläolithischen Fundstätten in der Gegend von
+ Weimar. S.-A. aus Zeitschr. f. Naturwissenschaften 1908.
+
+ 104. ZUCKERKANDL, E., Anatomie der Mundhöhle mit besonderer
+ Berücksichtigung der Zähne. Wien 1891.
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ Tafel I.
+
+
+ Ausschnitt aus der Geologischen Spezialkarte
+ des Großherzogtums Baden,
+ Blatt Neckargemünd.
+
+
+ Ausschnitte aus der Geologischen Spezialkarte des Großherzogtums Baden,
+ herausgegeben von der Großh. Badischen Geologischen Landesanstalt, Blatt
+ 32 (Neckargemünd). Maßstab von Fig. 1 1:50000, Fig. 2 1:25000.
+
+ =Erläuterung der Signaturen=[XLIII.]:
+
+ _a_, Jüngste Anschwemmungen der Haupt-
+ und Nebentäler (Mergel, Lehm, Sand) Jüngste Bildungen.
+
+ _dol_, Verschwemmter Löß des Gehänges Jungdiluviale
+ Aufschüttungen.
+
+ _dlo_, Jüngerer Löß }
+ _dle_, Jüngerer Lößlehm }
+ _dla_, Älterer Lößlehm } Mitteldiluviale
+ _dlu_, Älterer Löß } Aufschüttungen.
+ _dme_, Sande und Kiese des Elsenzgebietes }
+
+ =_dun_,= (=großpunktiert=) =Sande von Mauer= }
+ (alte Neckarkiese und Sande) } Altdiluviale
+ _du_, Höchstgelegene Buntsandsteinschotter } Aufschüttungen.
+
+ _km1_, Gipskeuper Mittlerer (bunter) Keuper.
+
+ _ku3_, Obere Dolomite und Tone }
+ _ku2_, Sandstein } Unterer (grauer) Keuper,
+ _ku1_, Untere Dolomite, Kalke und } Lettenkohlengruppe.
+ Schiefertone }
+
+ _mo2_, Nodosuskalk } Oberer (Haupt-)
+ _mo1_, Trochitenkalk } Muschelkalk.
+
+ _mm_, Dolomit, Zellenkalk und Mergel Mittlerer Muschelkalk.
+
+ _mu3_, Schichten der Myophoria }
+ orbicularis, oberer Wellenkalk }
+ _mu2_, Bank mit Spiriferina fragilis und } Unterer Muschelkalk.
+ hirsuta im Wellenkalk }
+ _mu1_, Wellendolomit }
+
+ _So_, Plattensandsteine einschließlich Röt Oberer Buntsandstein.
+
+ _Sm_, (eng schraffiert) Oberer }
+ Conglomerathorizont und hangende }
+ Schichten }
+ _Sm_, (mit kleinen Kreisen) Horizont }
+ des Kugelsandsteines und } Mittlerer Buntsandstein.
+ geröllfreier Hauptbuntsandstein }
+ _Sm_, (weit schraffiert) }
+ Pseudomorphosensandstein }
+
+ [XLIII.] Auf Fig. 1 nur mit einem Vergrößerungsglase lesbar.
+
+[Illustration: Tafel I.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel II.
+
+
+ Lageplan und photographische Abbildung der Sandgrube.
+
+
+ Fig. 3. Lageplan über den Fundort des menschlichen Unterkiefers im Gewann
+ Grafenrain, Grundstück No. 789, Gemarkung Mauer, Amtsbezirk
+ Heidelberg. Maßstab 1:3000.
+
+ Fig. 4. Photographische Aufnahme der Nord 26 West gerichteten Wand der
+ Sandgrube im Grafenrain. Der menschliche Unterkiefer wurde an der
+ mit einem × bezeichneten Stelle 24,10 m unter der Oberkante
+ gefunden.
+
+
+[Illustration: Tafel II.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel III.
+
+
+ Geologisches Profil der Sandgrube.
+
+
+ Fig. 5. Geologisches Profil der Sandgrube im Grafenrain, Gemarkung Mauer,
+ Amtsbezirk Heidelberg.
+
+Die Fundstelle des menschlichen Unterkiefers in der Schicht 4 24,10 m unter
+der Oberkante und 0,87 m über der Grubensohle, ist mit einem × bezeichnet.
+
+[Illustration: Tafel III.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel IV.
+
+
+ Elephas antiquus Falc. adult.
+
+
+ Fig. 6. Mesialer Teil der linken Unterkieferhälfte von Elephas antiquus
+ Falc. Während der erste Molar die typisch rautenförmigen Schmelzfiguren
+ der Kaufläche erkennen läßt, steckt der zweite zum Teil noch in der
+ Alveole. (Geologisch-paläontolog. Institut der Univ. Heidelberg.)
+
+ Fig. 7. Schädelfragment nebst Unterkiefer von Elephas antiquus Falc., von
+ dem in Fig. 8 die Kaufläche des oberen zweiten Molaren nebst Rest des
+ ersten und in Fig. 9 die Kaufläche des zweiten unteren Molaren nebst Rest
+ des ersten abgebildet ist. Nur der linke Incisivus gelangte bei diesem
+ Individuum zur Ausbildung; der rechte ist sehr früh ausgefallen. (Zoolog.
+ Institut der Univ. Heidelberg.)
+
+Größe von Fig. 7 etwa 1/15, die übrigen etwa halbe Größe. Genauere Maße
+sind im Text angegeben.
+
+[Illustration: Tafel IV.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel V.
+
+
+ Elephas antiquus Falc. juv.
+
+
+ Fig. 10. Oberkieferfragment eines sehr jungen Elephas antiquus Falc. mit
+ zwei Milchmolaren (D 1 u. 2) auf jeder Seite. Von D 2 zeigen nur die
+ mesialen Querjoche Schmelzfiguren, während die distalen noch nicht
+ abgenutzt sind. Maßstab 2/3 nat. Gr. (Geologisch-paläontolog. Institut
+ der Univ. Heidelberg.)
+
+[Illustration: Tafel V.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel VI.
+
+
+ Mandibula des Homo Heidelbergensis
+ in zwei Hälften getrennt,
+ wie sie aufgefunden wurde.
+
+
+ Fig. 11 u. 14. Die linke Hälfte des Unterkiefers des Homo
+ Heidelbergensis in lateraler und medialer Ansicht. Auf den
+ Prämolaren sowie auf M 1 u. 2 liegt, fest mit dem Sande verbunden,
+ ein 60 mm langes und etwa 40 mm breites Kalksteingeröll, dessen
+ Oberfläche in derselben Weise wie der Knochen durch dendritische
+ Eisen-Manganverbindungen gefleckt ist.
+
+ Fig. 12 u. 13. Die rechte Hälfte des Unterkiefers in lateraler und
+ medialer Ansicht. An den Zähnen sitzen dicke verfestigte Krusten von
+ typischem, ziemlich grobem »Mauerer-Sande«. Die Verkittung ist durch
+ kohlensauren Kalk erfolgt.
+
+Sämtliche Figuren in annähernd natürlicher Größe. Die genauen Maße sind
+im Text angegeben.
+
+[Illustration: Tafel VI.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel VII.
+
+
+ Mandibula des Homo Heidelbergensis
+ in zwei Hälften getrennt, nach Entfernung
+ des mit dem Kiefer verkittet gewesenen
+ Kalksteingerölles und Sandes.
+
+
+ Fig. 15 u. 16. Die rechte Hälfte des Unterkiefers des Homo
+ Heidelbergensis in lateraler und medialer Ansicht nach Entfernung des
+ mit ihm verkittet gewesenen Sandes.
+
+ Fig. 17 u. 18. Die linke Hälfte des Unterkiefers in medialer und
+ lateraler Ansicht nach Entfernung des mit ihm verkittet gewesenen
+ Kalkgerölles und Sandes. Die dabei abgelösten Zahnkronen der beiden
+ Prämolaren und von M 1 u. 2 sind auf Taf. VIII, Fig. 28-31 abgebildet.
+
+Sämtliche Figuren in annähernd natürlicher Größe. Die genauen Maße sind
+im Text angegeben.
+
+[Illustration: Tafel VII.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel VIII.
+
+
+ Mandibula des Homo Heidelbergensis
+ in seitlicher Ansicht.
+
+ Querschnitt besagter Mandibula und derjenigen
+ eines recenten Europäers in der Medianebene.
+
+ Zahnbogen des Fossils von oben gesehen
+ und einzelne Zähne.
+
+
+ Fig. 19. Der in der Symphyse zusammengesetzte Unterkiefer des Homo
+ Heidelbergensis in lateraler Ansicht. Das Original ist im Besitz des
+ Geologisch-paläontologischen Institutes der Universität Heidelberg.
+
+ Fig. 20. Querschnitt des Unterkiefers in der Medianlinie. Die mediane
+ Verbindung der beiden Hälften war aufgehoben.
+
+ Fig. 21. Querschnitt des Unterkiefers eines recenten Europäers in der
+ Medianlinie.
+
+ Fig. 22. Rechte Zahnreihe des Homo Heidelbergensis von oben gesehen:
+ J 1 ist herausgenommen, J 2 an der Wurzel abgebrochen (vgl. Fig. 25 u.
+ 24). In situ befinden sich: C, P 1 u. 2, M 1-3.
+
+ Fig. 23. Linke Zahnreihe von oben gesehen: J 1 ist an der Wurzel
+ abgebrochen, von J 2 ist die vordere Hälfte der Krone abgebrochen
+ (vgl. Fig. 26 u. 27). C ist in situ. Von P 1 u. 2, sowie von M 1 u. 2
+ sind die Kronen abgebrochen (vgl. Fig. 28-31). M 3 ist in situ.
+
+ Fig. 24 a u. b = J 2 dext. an der Wurzel abgebrochen, Vorder- und
+ Seitenansicht.
+
+ Fig. 25 a u. b = J 1 dext., Vorder- und Seitenansicht.
+
+ Fig. 26 a u. b = J 1 sin. an der Wurzel abgebrochen, Vorder- und
+ Seitenansicht.
+
+ Fig. 27 = J 2 sin. vordere Hälfte der Krone.
+
+ Fig. 28 a u. b = P 1 sin. die Krone von oben und von unten gesehen.
+
+ Fig. 29 a u. b = P 2 sin. » » » » » » » »
+
+ Fig. 30 a u. b = M 1 sin. » » » » » » » »
+
+ Fig. 31 a u. b = M 2 sin. » » » » » » » »
+
+Von den isolierten Schneidezähnen blieben die in der Abbildung Fig. 24
+u. 26 fehlenden unteren Enden in den Alveolen.
+
+Alles in annähernd natürlicher Größe. Die genauen Maße sind im Text
+(Anhang I) angegeben.
+
+Die Gestalt des Zahnbogens ist aus Fig. 41 u. 42, Taf. X ersichtlich.
+
+[Illustration: Tafel VIII.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel IX.
+
+
+ Röntgenbilder.
+
+
+ Fig. 32. Röntgenbild der rechten Hälfte des Unterkiefers des Homo
+ Heidelbergensis.
+
+ Fig. 33. Die drei Molaren derselben Hälfte in anderer Aufnahme, welche
+ die Wurzelspitzen namentlich des dritten Molaren besser erkennen läßt.
+
+ Fig. 34 a u. b. J 2 derselben Hälfte in Vorder- und Seitenansicht.
+
+ Fig. 35. J 1 derselben Hälfte in Vorder- und Seitenansicht.
+
+ Fig. 36. Röntgenbild der linken Hälfte des Unterkiefers des Homo
+ Heidelbergensis.
+
+ Fig. 37. Die drei Molaren derselben Hälfte in anderer Aufnahme.
+
+ Fig. 38 a u. b. J 1 derselben Hälfte in Vorder- und Seitenansicht.
+
+ Fig. 39 u. 40. Röntgenbild der rechten und linken Hälfte des
+ Unterkiefers eines =recenten Europäers,= der annähernd dasselbe
+ Lebensalter erreicht hat, wie der Homo Heidelbergensis.
+
+Diese Bilder wurden mit dem Röntgenapparate des zahnärztlichen
+Institutes der Universität Heidelberg unter gütiger Mitwirkung des Herrn
+Professor PORT hergestellt.
+
+[Illustration: Tafel IX.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel X.
+
+
+ Die Mandibula des Homo Heidelbergensis
+ von oben und unten gesehen
+ zur Veranschaulichung des Zahnbogens.
+
+
+ Fig. 41 u. 42. Der Unterkiefer des Homo Heidelbergensis von oben und
+ unten gesehen zur Veranschaulichung des Zahnbogens. Beide Figuren in
+ ungefährer natürlicher Größe. Den im Text enthaltenen genauen Maßen
+ seien noch folgende hinzugefügt:
+
+ 1. Entfernung der Berührungsstelle der mittleren Incisivi
+ a) von der distalen Seite des dritten Molaren rechts 65 mm, links
+ 64 mm,
+ b) von dem distalen Ende des Condylus rechts 130,4 mm, links 127 mm.
+
+ 2. Entfernung der Außenränder des zweiten Molaren 66,5 mm.
+
+ 3. Entfernung der beiden Condyli voneinander innen gemessen 86 mm, außen
+ gemessen 131,6 mm.
+
+Man vergleiche auch die Horizontalkurven in Fig. 47, Taf. XIII.
+
+[Illustration: Tafel X.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel XI.
+
+ Diagraphische Profilkurven der Unterkiefer
+ des Homo Heidelbergensis, eines recenten
+ Europäers und eines afrikanischen Negers.
+
+
+ Fig. 43. Homo Heidelbergensis. Profilprojektion der Mandibula: _aa_ =
+ Horizontalstellung der Alveolarebene. _BB_ = Basaltangente. _RR_ =
+ Ramustangente. _CC_ = Condylocoronoidtangente. _[iota]_ = Inzision.
+ _[iota]µ_ = Inzisionvertikale. _µ_ = Schnittpunkt derselben
+ mit der Basaltangente. _pp_ = Postmolarvertikale. _vv_ =
+ Coronoidvertikale. _f_ = Lage des Foramen mentale. _cm_ = Lage des
+ Foramen mandibulare. _sl_ = Lage der Fossa sublingualis.
+
+ Fig. 44. _____ Homo Heidelbergensis. ····· Recenter Europäer
+ (B.A.C. 390). ----- Afrikan. Neger (B. N. C. 20).
+
+[Illustration: Tafel XI.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel XII.
+
+
+ Diagraphische Profilkurven der Unterkiefer
+ des Homo Heidelbergensis, eines Australiers,
+ eines Dajak und von Anthropoiden.
+
+
+ Fig. 45. _____ Homo Heidelbergensis. ----- Australier-Melville Island
+ (K. 80). ····· Dajak (B. N. C. 104).
+
+ Fig. 46. _____ Homo Heidelbergensis. ..... Hylobates syndactylus.
+ ····· Hylobates lar. ----- Gorilla [fem.] (B.).
+ -.-.-. Orang [masc.] (B.).
+
+[Illustration: Tafel XII.]
+
+ * * * * *
+
+
+ Tafel XIII.
+
+
+ Diagraphische Horizontalkurven
+ des Unterkiefers vom Homo Heidelbergensis
+ und vergleichende Mediankurven
+ der Symphyse.
+
+
+ Fig. 47. Homo Heidelbergensis. Horizontal-Kurven.
+
+ _I_ ····· durch den Alveolarrand:
+ _a_ = Grenze zwischen Caninus und Prämolaren.
+ _b_ = » » Prämolaren und Molaren.
+
+ _II_ ----- durch die Foramina mentalia, die mit _f_ bezeichnet
+ sind.
+
+ _III_ _____ dicht über dem Basalrand; bei _x_ defekte Stelle.
+
+ Fig. 48. Vergleichende Projektion der Mediankurven-Diagramme der Symphyse
+ (-- Homo Heidelbergensis). Gemeinsame Einstellung auf Inzision und
+ Alveolarhorizont.
+
+[Illustration: Tafel XIII.]
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem
+Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
+
+ S. VII: Tertiärs, dem Pliozän -> Pliocän
+ S. 5: Rhinoceros Merkii -> Merckii
+ S. 11: Es befinden sich -> Es befinden sich:
+ S. 11: Fig. 4; -> Fig. 4.
+ S. 13: O. SCHOETENSACK[19] -> [79]
+ S. 13: gehören nach H. Schroeder -> Schröder
+ S. 13: Cervus (elephus) -> (elaphus)
+ S. 17: beträgt 1,5-2,0 mm. -> [Punkt hinzugefügt]
+ S. 17: unter M 2 155 mm. -> [Semikolon ersetzt durch Punkt]
+ S. 17. Der mesio-distale -> mesiodistale
+ S. 21: rechten, das Ehringdorfer -> Ehringsdorfer
+ S. 21: Weimar-Eringsdorf -> Ehringsdorf
+ S. 25: bei einem Bruchtsücke -> Bruchstücke
+ S. 35: B. -> [Punkt hinzugefügt]
+ S. 35: N. C. -> [Punkte hinzugefügt]
+ S. 35: A. C. -> [Punkt hinzugefügt bei C]
+ S. 37: Mammut und Rhinozeros -> Rhinoceros
+ S. 56: 11 -> 11,0
+ S. 58: 7,6-6,8 -> 6,8-7,6
+ S. 58: buccal. -> buccal,
+ S. 59: 10,50 -> 10,5
+ S. 60: Anzahl Zahne -> Zähne [Spalte 2]
+ S. 60: Anzahl Zahne -> Zähne [Spalte 4]
+ S. 60: Anzahl Zahne -> Zähne [Spalte 6]
+ S. 63: The American -> [Komma entfernt]
+ S. 64: Frankfurt a/M. -> Frankfurt a./M.
+ S. 64: Une machoire -> mâchoire
+ S. 65: Rhinoceros-Arten, Paläontographica -> Palaeontographica
+ S. 65: Rhinoceros Mercki -> Merckii
+ S. 65: Fühlings -> Frühlings
+ S. 65: Rhinoceros Merckii Jäg -> Jaeg
+ S. 67: Les charactères -> caractères
+ S. 89: Spezialkarte des Grossherzogtums -> Großherzogtums
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Unterkiefer des Homo
+Heidelbergensis, by Otto Schoetensack (1850-1912)
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER UNTERKIEFER DES HOMO ***
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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