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+The Project Gutenberg EBook of Das Problem des platonischen Symposion., by
+A. v. Kleemann
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Das Problem des platonischen Symposion.
+
+Author: A. v. Kleemann
+
+Release Date: April 26, 2011 [EBook #35967]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS PROBLEM DES PLATONISCHEN ***
+
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+
+Produced by Alexander Bauer and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Es wurde größte Sorgfalt darauf verwendet den Text originalgetreu
+ zu übertragen. Lediglich offensichtliche Fehler wurden korrigiert.
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+ Ende des Textes.
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+ Im Original _gesperrt_ gesetzter Text wurde mit _ markiert.]
+
+
+
+
+ Das Problem
+ des
+ platonischen Symposion.
+
+ Von
+ Dr. A. v. Kleemann.
+
+ Sonderabdruck aus dem Jahresberichte des k. k. Sophien-Gymnasiums
+ im II. Bezirke in Wien.
+
+ WIEN.
+ Im Selbstverlage des Verfassers.
+ 1906.
+
+
+
+
+ K. u. k. Hofbuchdruckerei Carl Fromme, Wien.
+
+
+
+
+Das Problem des platonischen Symposion.
+
+
+
+
+I.
+
+
+Unter all den herrlichen Werken, die Platons Genius geschaffen hat,
+gebührt dem Symposion die Krone. Seine echt attische Grazie und Anmut
+erinnert an die Schöpfungen des Praxiteles. Keine andere Schrift zeigt
+Platons universales Können in gleichem Maße. Der Dichter wie der
+Philosoph hat hier die höchste Staffel erklommen.
+
+Den Forscher aber stellt dieses Wunderwerk vor eine schwierige Aufgabe.
+Seine Lehren stehen zu dem Inhalt anderer platonischer Schriften aus
+früherer und späterer Zeit in so schroffem Widerspruche, daß man
+versucht wäre, die Echtheit des Symposion in Zweifel zu ziehen, wäre
+sie nicht über jeden Zweifel erhaben.
+
+Eine gegensätzliche Auffassung zeigt das Symposion z. B. gegenüber dem
+‚Gorgias‘ in der Beurteilung der Dichter: im ‚Gorgias‘ ausnahmslos als
+Diener des Pöbels gebrandmarkt (p. 502 b ff.), erfahren sie im Symposion
+die entgegengesetzte Behandlung; ihre Ersten, Homer und Hesiod, werden
+mit den großen Gesetzgebern Lykurgos und Solon in eine Linie gestellt
+und um des unvergänglichen Ruhmes ihrer Schöpfungen willen den Heroen
+gleichgesetzt (p. 209 a-e).
+
+Wie das Schaffen des Dichters, so betrachtet das Symposion auch die
+Äußerungen des Ehrgeizes (φιλοτιμία) als Betätigung des geistigen
+Zeugungstriebes, mithin des höchsten Preises wert. Ja, das Streben nach
+unvergänglichem Nachruhm, im Grunde eine φιλοτιμία höheren Grades, wird
+geradezu als das eigentliche Motiv der geistigen Zeugung bezeichnet.
+
+Damit harmoniert nun keineswegs die Verurteilung der φιλοτιμία im Staat
+(I, 347 b).
+
+Indes ließe sich in diesen beiden Fällen ebenso wie bei der Differenz in
+der Beurteilung des παιδοσπορεῖν, welche das Symposion gegenüber dem
+‚Phaidros‘ aufweist (der Phaidros tut p. 250 e ff. das παιδοσπορεῖν
+verächtlich ab und betrachtet es als Abirren vom wahren Ziel, während
+das Symposion darin das Ewigkeitsstreben des Menschen -- wenn auch in
+niederem Grade -- erfüllt sieht), mit der Annahme eines Wandels der
+Anschauung durchkommen.
+
+Aber die Stellung, die Platon im Symposion gegenüber der
+Unsterblichkeitsfrage einnimmt, läßt sich so einfach nicht erklären.
+
+Streben nach Unsterblichkeit und Ewigkeit bezeichnet das Symposion als
+das Wesen des Eros. Ein Streben setzt, wie Platon nicht verborgen ist,
+ein Entbehren voraus. P. 200 a ff. legt er dies ausführlich dar und
+begegnet im vorhinein dem Einwand, daß doch z. B. der Reiche nach
+Reichtum strebe, sein Besitz ihn also nicht am Streben hindere, mit
+der Bemerkung, dieses Streben richte sich nur darauf, den Besitz des
+Reichtums für die Zukunft zu erhalten, da der Reiche in der Gegenwart
+reich sei, ob er wolle oder nicht. Es kann hiernach gar kein Zweifel
+sein, daß Platon im Symposion die Seele nicht als unsterblich betrachtet
+hat. Natorps Versuch,[1] die Differenz zwischen der Auffassung des
+Symposion und der des ‚Phaidon‘ aufzulösen, ist unbedingt zurückzuweisen,
+als dem klaren Wortlaut des Symposion widersprechend. Da Platon Symp.
+p. 207 a ff. ausdrücklich sagt, wer bloß die körperliche Zeugung
+betätigt habe, lebe, dem Tiere gleich, einzig und allein in seinen
+Kindern fort, so geht es nicht an, den Glauben an die Unsterblichkeit
+der Seele, d. h. jeder Seele in das Symposion hineinzuinterpretieren.
+
+ [1] P. Natorp, Platos Ideenlehre, p. 168.
+
+Der Umstand, daß im Symposion die Seele nicht als unsterblich gilt,
+würde dieses Werk einer frühen Schaffensperiode Platons zuweisen, einer
+Zeit, da er, der Auffassung des Sokrates getreu, die Unsterblichkeit
+der Seele durchaus nicht als einen Hauptlehrsatz seiner Philosophie
+betrachtete. Nun enthält aber das Symposion die Ideenlehre, jene
+ureigenste Schöpfung platonischen Geistes, was seine Zugehörigkeit
+zu ‚Phaidon‘, ‚Phaidros‘ etc. beweist und allen jenen Dialogen die
+Priorität sichert, welche von der Ideenlehre noch nichts wissen oder
+nur deren erste Keime aufweisen: also (von der Apologie abgesehen)
+Protagoras, Hippias minor, Laches, Charmides und -- Gorgias. Über dem
+Gorgias schwebt der Geist der Ideenlehre, hat Th. Gomperz[2] treffend
+gesagt; er geht dieser also voraus. Derselbe Gorgias aber verficht
+bereits mit höchster Energie die Lehre von der Unsterblichkeit der
+Seele, in Übereinstimmung mit allen späteren Werken Platons. Wie haben
+wir uns danach das Verhältnis des Symposion zum Gorgias zu denken? Jeder
+der beiden Dialoge scheint Anspruch auf die Priorität zu erheben. Bei
+reiflicher Überlegung werden wir dieselbe aber doch dem Gorgias
+zuerkennen müssen. Denn es erscheint undenkbar, daß eine Schrift, welche
+eine bestimmte Lehre bloß in ihren keimenden Anfängen enthält, jener
+Schrift nachgefolgt ist, die diese Lehre bereits voll ausgebildet zeigt.
+Wir müssen also das Symposion dem Gorgias nachfolgen lassen und damit
+ein Schwanken Platons gegenüber dem Unsterblichkeitsglauben annehmen.
+Es steht ja auch die Lehre des Symposion, die Seele sei zwar nicht von
+vornherein unsterblich, könne es aber (durch die geistige Zeugung)
+_werden_, zwischen dem Glauben an die Vergänglichkeit der Seele und der
+Überzeugung von ihrer Unsterblichkeit in der Mitte und gleicht mehr
+einer Modifikation des Unsterblichkeitsglaubens. Wodurch aber kann
+Platon veranlaßt worden sein, an der Lehre von der Unsterblichkeit der
+Seele eine Modifikation vorzunehmen, die er später doch wieder beseitigt
+hat?
+
+ [2] Griech. Denker, II, p. 285.
+
+Diese Frage zu beantworten, sei gleich in medias res, d. h. zur Analyse
+der Eroslehren des Symposion übergegangen.
+
+
+
+
+II.
+
+
+Das Symposion gipfelt in Sokrates' Rede, welche für die philosophische
+Würdigung des Dialoges fast allein in Betracht kommt; nicht zwar, als ob
+die Reden der übrigen Teilnehmer philosophisch gänzlich bedeutungslos
+wären, vielmehr enthält jede einen Gedanken, den Sokrates in seiner Rede
+verwertet oder doch, wenn auch nur polemisch, berücksichtigt: so berührt
+bereits Phaidros (p. 178 d ff.) den hohen sittlichen Wert des Eros und
+stellt (p. 180 b) die später von Sokrates begründete Behauptung auf, um
+Tugend und Glückseligkeit zu erwerben, sei des Eros Hilfe besser als
+die jedes anderen Gottes. Pausanias unterscheidet zwei Arten des Eros,
+eine gute und eine schlechte: die schlechte gelte bloß den Reizen des
+Körpers, die gute der Tugend und Vollkommenheit (p. 180 d ff.). Diesen
+Gegensatz, den dann Eryximachos in seiner Rede auf die ganze organische
+und anorganische Natur ausdehnt (p. 186 a ff.), akzeptiert Sokrates mit
+seiner Unterscheidung zwischen körperlichem und geistigem Eros. Die
+Reden des Eryximachos und Aristophanes enthalten die damals gangbaren
+Theorien über das Wesen der Liebe, die des ersteren empedokleische und
+heraklitische Ansichten, die des letzteren jene bereits im ‚Lysis‘
+behandelte Definition der Liebe als des Strebens nach dem Eigenen, dem
+οἰκεῖον.[3] Auch mit diesen Theorien setzt sich Sokrates in seiner Rede
+auseinander; er legt dar, wie weit sie berechtigt sind. Des Gorgias
+Schüler Agathon endlich betont zu Sokrates' lebhafter Befriedigung, erst
+müsse das Wesen des zu preisenden Gottes festgestellt sein, bevor man
+über sein Wirken sprechen könne (p. 195 a beziehungsweise 199 c).[4]
+
+ [3] Vgl. Th. Gomperz, a. a. O. II, p. 312.
+
+ [4] Platons alte Gegnerschaft gegen die Rhetorik zeigt
+ sich auch hierin: das einzige, was er an ihr zu billigen
+ findet, ist ihre klare Einteilung und Disposition.
+
+Eben darum aber, weil Sokrates den Reden seiner Vorgänger alles
+Brauchbare entnimmt, kommt diesen Reden kein besonderes philosophisches
+Interesse zu: sie dienen künstlerischen, wohl auch didaktischen Zwecken.
+So genügt es für unser Vorhaben, die Rede des Sokrates zu analysieren.
+
+In seinem Vorgespräch mit Agathon (p. 199 c-201 d) stellt Sokrates fest,
+daß der Eros ein Objekt haben müsse; da man aber nur begehre, was man
+nicht hat, der Eros aber auf das Schöne und das davon unzertrennliche
+Gute ausgehe, so könne Eros selbst weder schön noch gut sein. Weit
+gefehlt aber wäre es, ihn darum für häßlich und schlecht zu halten. An
+dieser Stelle entwickelt Sokrates den Begriff des Mittleren (μεταξύ). An
+dem Beispiel des ὀρθὰ δοξάζειν wird dies deutlich gemacht. Als bloßes
+δοξάζειν kann es nicht σοφία sein, als _ὀρθὰ_ δοξάζειν aber auch nicht
+ἀμαθία. Ein solches μεταξύ ist auch der Eros, der kein Gott sein kann
+als τῶν καλῶν καὶ ἀγαθῶν ἄμοιρος (p. 202 d), sondern nur ein Mittelding
+zwischen θνητός und ἀθάνατος.
+
+Anknüpfend hieran erzählt nun Sokrates den bekannten Mythus von der
+Entstehung des Eros. Am Geburtstagsfeste der Aphrodite wurde er gezeugt
+von einem göttlichen Vater, Poros, dem Reichtum, und einer nicht
+göttlichen Mutter, Penia, der Armut.
+
+Seine Natur zeigt seine Herkunft: nach der Mutter ist er πένης, σκληρός,
+αὐχμηρός, ἐνδείᾳ ξύνοικος (p. 203 d), nach dem Vater τοῖς καλοῖς καὶ
+τοῖς ἀγαθοῖς ἐπίβουλος, φρονήσεως ἐπιθυμητής, φιλοσοφῶν διὰ παντὸς τοῦ
+βίου.
+
+Diese Schilderung des Eros ist selbstverständlich Allegorie. Was ist
+Eros in Wirklichkeit? Ein Streben des Menschen. Es wohnt diesem also ein
+Streben inne, das weder schön und gut noch schlecht und häßlich ist,
+ein Streben, das zwischen göttlich und sterblich in der Mitte steht.
+Demgemäß ist unter Eros' Elternpaar die menschliche Natur zu verstehen,
+aus der jenes Streben hervorgeht. Zwei Prinzipe enthält diese Natur: ein
+göttliches, das ist Poros, der Sohn der Metis; ein irdisches, das ist
+Penia, die Armut und der Mangel. Das Streben, welches aus der Verbindung
+dieser Prinzipe entspringt, ist der Eros, dessen Begriff sonach
+gewöhnlich zu eng gefaßt ist. Er ist eigentlich das jedem Menschen
+infolge der Zusammensetzung seines Wesens beständig innewohnende Streben
+nach dem Guten, genauer nach dem immerwährenden Besitz des Guten. Das
+Objekt des Eros ist somit im Grunde die Athanasie, ohne welche ja ein
+immerwährender Besitz nicht möglich ist.
+
+Wenn dies die wahre Natur des Eros ist, so muß ein Ewigkeitsstreben
+auch jener Gattung desselben zugrunde liegen, die -- ohne eigentlich
+erkennbaren Grund -- gewöhnlich allein den Namen ‚Eros‘ führt. Dies
+ist auch tatsächlich der Fall. Der Zeugungstrieb, der jenen Eros
+charakterisiert, ist in Wahrheit Unsterblichkeitstrieb: er geht nicht
+eigentlich auf das Schöne, sondern auf Erzeugung im Schönen aus.
+Erzeugung und Geburt aber sind das Göttliche und Ewige im menschlichen
+Dasein, was auch dadurch bestätigt wird, daß das Schöne zur Zeugung
+lockt, das Häßliche davon abstößt. Auch der Zeugungstrieb ist also
+Ewigkeitstrieb (p. 206 b-207 a).
+
+Wie Sokrates weiter ausführt, ist dieser Zeugungstrieb ein zwiefacher:
+ein niederer, den auch die Tiere kennen, der Drang nach körperlicher
+Fortpflanzung, und ein höherer, geistiger, zu dem nur der Mensch sich
+erheben kann. Dies gibt einen deutlichen Wink, wie jener Mythus von
+Poros und Penia und der Entstehung des Eros zu verstehen ist. _Seele_
+und _Leib_ sind die beiden Prinzipe der menschlichen Natur, die Seele
+das göttliche, der Leib das irdische. In dem Mythus steckt so die
+orphische Lehre vom Sündenfall der Seele -- Poros betrinkt sich und ahnt
+in seiner Trunkenheit nicht, _wen_ er zur Mutter seines Sohnes macht --,
+desgleichen die orphisch-pythagoreische Anschauung von dem Gegensatz
+zwischen der Natur des Leibes und der der Seele. Man wird an Philolaos'
+Wortspiel ‚σῶμα-σῆμα‘,[5] an die Auffassung des Leibes als des Grabes
+der Seele erinnert, wenn diese als das göttliche Prinzip im Menschen
+geschildert ist, das befleckt wird durch die Vermengung mit dem
+irdischen, dem Leib.
+
+ [5] Diels, frg. 14.
+
+Der tiefste Sinn des Eros also ist: der Mensch will göttlich,
+unsterblich, ewig werden, weil ein göttliches Element in seiner Natur
+enthalten ist. An dieser Stelle wird es gut sein, sich zu erinnern, daß
+ἀθάνατος, ἀθανασία nicht einfach ‚unsterblich‘, ‚Unsterblichkeit‘,
+sondern mindestens ebensosehr ‚göttlich‘, ‚Göttlichkeit‘ bedeutet. Für
+den Griechen ist eben Göttlichkeit von Unsterblichkeit nicht zu trennen:
+denn Unsterblichkeit ist die vornehmste Eigenschaft der Götter. Darum
+bedeutet ἀθάνατος, ἀθανασία unzählige Male schlechthin ‚göttlich‘,
+‚Göttlichkeit‘. Im Symposion selbst finden wir diese Bedeutung: Eros,
+heißt es p. 202 d/e, ist ein Wesen μεταξὺ θνητοῦ καὶ ἀθανάτου; nach den
+elementarsten Regeln der Logik ist es klar, daß ἀθάνατος hier nur
+‚göttlich‘ bedeuten kann. Gleich darauf lesen wir auch tatsächlich die
+Worte πᾶν τὸ δαιμόνιον μεταξύ ἐστι θεοῦ τε καὶ θνητοῦ.
+
+Das Ewigkeitsstreben des Menschen äußert sich nun zunächst als Streben
+nach körperlicher Fortpflanzung. Es wäre verfehlt, führt Sokrates
+p. 207 d ff. aus, in der Fortpflanzung nicht eine gewisse Befriedigung
+des Ewigkeitstriebes zu sehen. Wohl bleibt das Alte nicht ewig, sondern
+wird durch ein Neues ersetzt. Aber dies gilt im Grunde von allem, was
+dem Flusse des Werdens unterworfen ist; nicht nur der physische Mensch
+erneut sich beständig, ohne doch darum ein anderer genannt zu werden,
+auch alles Psychische und Geistige -- besonders deutlich ist dies am
+Gedächtnis und der Erinnerung zu sehen -- ist in immerwährendem Vergehn
+und Neuwerden begriffen. In dieser Weise hat eben das Vergängliche an
+der Ewigkeit teil und insofern bedeutet die Fortpflanzung eine
+Befriedigung des Ewigkeitstriebes.
+
+Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß es heraklitischer Geist ist,
+der aus diesen Gedanken spricht. Im Symposion beugt sich Platon demnach
+vor der großartigen Weltanschauung des Ephesiers und erkennt ihre
+Berechtigung an.
+
+Die höhere Art des Zeugungstriebes äußert sich in der geistigen Zeugung,
+deren eigentlich treibendes Motiv die φιλοτιμία, der Ehrgeiz, speziell
+das Streben nach unvergänglichem Nachruhm ist. Geistige Zeugung ist das
+Schaffen der Dichter und überhaupt aller Künstler, vor allem aber der
+Gesetzgeber (Lykurgos und Solon). Hier zeigt es sich nun deutlich, wie
+notwendig es ist, bei ‚ἀθανασία‘ nicht der Bedeutung ‚Göttlichkeit‘ zu
+vergessen. Die geistige Zeugung als Zeugung höherer Art sollte auch
+eine höhere Athanasie gewähren denn die bloß körperliche Zeugung; der
+Nachruhm allein scheint aber nur eine schattenhafte, sozusagen magere
+Unsterblichkeit zu verleihen: fortzuleben im Gedächtnis der anderen
+Menschen statt in seiner Nachkommen Fleisch und Blut -- verdient solche
+Unsterblichkeit wirklich höheren Preis? Sollen sich die Menschen mit
+solcher bloß ‚platonischen‘ Unsterblichkeit zufrieden geben? Ein
+homerischer Zeuge verneint uns diese Frage. Ich denke der berühmten
+Worte des Achill λ 488-491:
+
+ Μὴ δή μοι θάνατόν γε παραύδα, φαίδιμ' Ὀδυσσεῦ.
+ βουλοίμην κ' ἐπάρουρος ἐὼν θητευέμεν ἄλλῳ
+ ἀνδρὶ παρ' ἀκλήρῳ, ᾧ μὴ βίοτος πολὺς εἴη,
+ ἢ πᾶσιν νεκύεσσι καταφθιμένοισιν ἀνάσσειν.
+
+Hier kommt uns nun die andere Bedeutung von ἀθανασία zu Hilfe. Wer den
+wahren und echten Nachruhm erlangt, wird damit zum Heros: ὧν καὶ _ἱερὰ
+πολλὰ_, heißt es Symp. p. 209 e, ἤδη γέγονε διὰ τοὺς τοιούτους παῖδας,
+διὰ δὲ τοὺς ἀνθρωπίνους οὐδενός πω.[6]
+
+ [6] Gedenkt diese Stelle des Heroenkultes, so erinnert
+ eine frühere, die παιδογονία betreffende, an den
+ Ahnenkult: οἱ μὲν οὖν ἐγκύμονες κατὰ σώματα ὄντες πρὸς
+ τὰς γυναῖκας μᾶλλον τρέπονται καὶ ταύτῃ ἐρωτικοί εἰσι,
+ διὰ παιδογονίας ἀθανασίαν καὶ μνήμην καὶ εὐδαιμονίαν, ὡς
+ οἴονται, αὑτοῖς εἰς τὸν ἔπειτα χρόνον πάντα ποριζόμενοι
+ p. 208 e.
+
+Die höchste Form der geistigen Zeugung ist aber die, welcher die
+Erkenntnis der Idee des Schönen und Guten[7] zugrunde liegt, und diese
+Art des Eros erzielt auch die reinste Athanasie: denn das wahre Wissen
+hat die wahre Tugend zur Folge; wer nun die Idee des Schönen und Guten,
+d. i. das wahrhaft Seiende, kennt, der erzeugt nicht mehr bloße
+Abbilder der Tugend (εἴδωλα ἀρετῆς p. 212 a), sondern die wahre und
+wirkliche Tugend. Und wie das ὄντως ὄν _über_ der sichtbaren Welt liegt,
+so ist auch die auf der Erkenntnis des wahrhaft Seienden beruhende
+Tugend eine überirdische und setzt den Menschen den Göttern gleich. Ganz
+offenbar ist dies der Sinn der Stelle 212 a .... τεκόντι δὲ ἀρετὴν ἀληθῆ
+καὶ θρεψαμένῳ ὑπάρχει θεοφιλεῖ γενέσθαι, καὶ εἴπερ τῳ ἄλλῳ ἀνθρώπων
+ἀθανάτῳ καὶ ἐκείνῳ. Von einer Erhöhung der Philosophen unter die Götter
+weiß ja auch der dem Symposion nahestehende Phaidon zu erzählen
+(p. 82 c).[8] Auch ist es klar, daß die auf Grund der Ideenerkenntnis
+erworbene Athanasie höherer Art sein muß als das Heroentum; mit dem
+Nachruhm aber ist es hier nicht getan: gerade die wahre Tugend kann
+vergessen und verschollen bleiben, ja selbst verfolgt und mißhandelt
+werden. Ihr Lohn darf nicht von der Mißgunst und dem Unverstand der Mit-
+und Nachwelt abhängen; sagt doch Platon auch ausdrücklich ὑπάρχει
+_θεοφιλεῖ_ γενέσθαι. Wir haben hier also zwischen den Zeilen zu lesen,
+daß der wahre Philosoph -- dabei ist natürlich in erster Linie an
+Sokrates zu denken -- nach seinem Tode den Göttern sich gesellt. Es ist
+dies die seiner allein würdige Athanasie.
+
+ [7] Platon erklärt im Symposion wiederholt ausdrücklich,
+ daß sich das Schöne vom Guten nicht trennen lasse:
+ p. 201 c, 204 e ff., indirekt auch p. 212 a.
+
+ [8] Ich erinnere auch an die stolzen Worte des Empedokles
+ (Diels frg. 112).
+
+ ..... ἐγὼ δ' ὑμῖν θεὸς ἄμβροτος, οὐκέτι θνητός
+ πωλεῦμαι μετὰ πᾶσι τετιμένος κτλ.
+
+ Überhaupt haben ja die Alten in der Gottwerdung eines
+ Sterblichen zwar etwas Außergewöhnliches, aber durchaus
+ nichts Unmögliches gesehen.
+
+Wie oben erörtert, liegt in der Unsterblichkeitsfrage das Problem des
+Symposion beschlossen. Die Auffassung des ‚Gorgias‘, der zufolge der
+Mensch eine unsterbliche Seele hat, ist aufgegeben. Bloß ein Streben
+nach der Ewigkeit wohnt ihm inne, ein Streben, das auf verschiedene
+Weise Befriedigung finden kann. Zugleich ist die Erklärung für dieses
+Streben gegeben: der Mensch ist eine Mischung aus einem göttlichen
+Prinzip -- der Seele -- und einem irdischen -- dem Leib. Und zwar ist
+diese Zusammensetzung so innig, daß der Tod keineswegs, wie dies Platons
+Annahme im Gorgias und später wieder im Phaidon war, die Trennung von
+Körper und Seele bedeutet. Vielmehr geht die Seele mit dem Körper im
+Tode unter, oder genauer gesagt, da ja Seele wie Körper jeden Augenblick
+vergehn, um neu zu werden, im Tode erlischt die Fähigkeit, sich aufs
+neue zu schaffen, wenn der Mensch nicht für seine Unsterblichkeit, sei
+es körperlich oder geistig, gesorgt hat. Das göttliche Prinzip veranlaßt
+nun den Menschen, nach der Athanasie, nach Göttlichkeit und Ewigkeit
+zu streben. Aber nicht dieses Streben allein wird durch die Mischung
+jener beiden Prinzipe erklärt, sondern überhaupt jedes Streben.[9]
+Dem Göttlichen wie dem Irdischen ist an sich das Streben fremd;
+dem Göttlichen, weil es sich absoluter Vollkommenheit erfreut,
+dem Irdischen, weil es die eigene Unvollkommenheit gar nicht fühlt
+(p. 204 a ff.). Erst die Mischung ruft das Streben, das Begehren hervor:
+das göttliche Prinzip weckt im Menschen das Streben nach immerwährender
+Glückseligkeit. Hierdurch ist das Werden verursacht, dessen göttliche
+Kraft eben darin besteht, daß es an die Stelle des Alten aus dem Alten
+heraus stets ein Neues treten läßt. Ganz dasselbe findet bei der
+körperlichen Fortpflanzung statt, so daß also auch der Liebe zu den
+Nachkommen jenes Ewigkeitsstreben zugrunde liegt.
+
+ [9] Im Grunde ist für Platon jedes Streben wenigstens
+ subjektiv ein Streben nach dem immerwährenden Besitz des
+ Guten.
+
+In dieser Theorie des Werdens kann man das erste Stadium der Lehre von
+der Weltseele erblicken; tatsächlich läßt ja Platon den Eryximachos eine
+kosmische Liebestheorie aufstellen.
+
+Ein Werden hat zunächst auch die geistige Zeugung zur Folge: aber sie
+ist der Weg, zur wahren Ewigkeit zu gelangen. Sie vermag aus dem Werden,
+das nur ein scheinbares Sein ist -- es ist und es ist nicht --, ein
+wirkliches Sein zu schaffen, insbesondere wenn sie aus der Erkenntnis
+der Idee des Schönen und Guten hervorgeht.
+
+Die Weltanschauung des Symposion ist sonach eine allumfassende; dem
+Werden wie dem Sein wird in gleicher Weise Rechnung getragen. Das
+erstere ist ganz in heraklitischem Geiste gewürdigt, zwar, wie nicht
+anders möglich, zum Sein in Gegensatz gestellt, aber keineswegs in den
+völlig unüberbrückbaren der Eleaten. Platon hat erkannt, daß Werden
+und Vergehn zwar in der Wirklichkeit unzertrennlich sind, darum aber
+noch nicht gleich bewertet werden müssen: das Vergehn ist irdisch,
+ungöttlich, die Kraft des steten Neuwerdens aber ist göttlich. Das
+Ziel des Werdens ist Vollkommenheit, aus dem Werden kann sich ein Sein
+gestalten. So schließt das Symposion einen kosmischen Ring um Sinnliches
+und Übersinnliches. Es ist ein Evangelium des Optimismus.
+
+Das Symposion zeugt demnach von dem Versuch des Philosophen, die Lehren
+Heraklits und der Pythagoreer von einem höheren Standpunkt zu vereinen.
+Diese Tendenz, zwischen scheinbar konträren Weltanschauungen zu
+vermitteln, erklärt die Modifikation, die Platon im Symposion am
+Unsterblichkeitsglauben des ‚Gorgias‘ vorgenommen hat. Noch einmal läßt
+er seinen Blick voll Liebe auf _dieser_ Welt ruhen, bevor er sich
+endgiltig dem weltverachtenden Mystizismus der Pythagoreer
+überantwortet.
+
+Aber nicht bloß Heraklit und die Pythagoreer finden im Symposion
+gebührende Beachtung; auch für den Eleatismus in megarischem Gewand hat
+Platons System einen Platz frei: das αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν wird zum ὄντως
+ὄν hypostasiert. Freilich sind die Konsequenzen gerade dieser Lehre im
+Symposion nicht zu voller Klarheit gebracht; namentlich die Stellung der
+Götter zum αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν bleibt unaufgeklärt. Es kann allerdings
+nur eine Möglichkeit geben: das αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν muß als das allein
+wahrhaft Seiende auch für die Götter das Leben- und Sein-spendende
+Element bedeuten, wie es ja späterhin von der Idee des Guten tatsächlich
+ausgesagt wird. Damit stimmt auch überein, daß die Erkenntnis der Idee
+des Guten und Schönen den Menschen den Göttern gleichstellen soll. Aber
+dieses Abhängigkeitsverhältnis der Götter zum αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν ist
+im Symposion noch keineswegs klar ausgesprochen. Wenn nun Platon diese
+Entthronung der alten Götter in aller Stille vornimmt, so ist dies
+zweifellos ein Zeichen dafür, daß die Ideenlehre im Symposion noch
+jungen Datums ist. Noch lehrreicher in dieser Hinsicht aber ist der
+Umstand, daß das Symposion nur die Idee des καλὸν κἀγαθόν kennt. Ich
+halte es durchaus nicht für richtig, Platon hier im Symposion etwa von
+den übrigen Ideen absehen zu lassen. Mir scheint vielmehr die
+Hypostasierung bloß des αὐτὸ καλόν κἀγαθόν als ὄντως ὄν die erste Form
+der Ideenlehre zu bedeuten. Hierbei lasse ich mich von folgenden
+Erwägungen leiten.
+
+Der sokratischen Tugendwissenslehre fehlte die Bezugnahme auf einen
+letzten und höchsten Begriff. Ich erinnere an die Definition der
+Tapferkeit in Platons Protagoras (p. 360 d) als des Wissens vom δεινόν
+und μὴ δεινόν, eine Auffassung, gegen die Platon später im Laches
+polemisiert. Jede Tugend war für Sokrates eine andre φρόνησις, wie uns
+Aristoteles berichtet: Σωκράτης .... φρονήσεις ᾦετο εἶναι πάσας τὰς
+ἀρετάς .... Σ. μὲν οὖν λόγους τὰς ἀρετὰς ᾦετο εἶναι, ἐπιστήμας γὰρ εἶναι
+πάσας.[10] Besonders charakteristisch ist auch folgende Stelle des
+platonischen Laches (p. 194 d): πολλάκις ἀκήκοά σου, sagt dort Nikias
+zu Sokrates, λέγοντος, ὅτι ταῦτα ἀγαθὸς ἕκαστος ἡμῶν ἅπερ σοφός, ἂ δὲ
+ἀμαθὴς ταῦτα δὲ κακός. _Die_ Tugend zu definieren, hatte Sokrates nicht
+unternommen.
+
+ [10] Eth. N. VI, 13, 1144 b 17; zu vergleichen sind auch
+ die Stellen ibid. III, 11, 1116 b 4 und Eth. Eud. I, 5,
+ 1216 b 6.
+
+Offenbar unter dem Einfluß der Megariker, in deren Mitte er ja nach dem
+Tode des Sokrates weilte, hatte Platon diese Lücke in der sokratischen
+Philosophie empfunden. Die Megariker hatten das Gute in den Mittelpunkt
+des Seins gestellt und kannten nur eine Tugend, wie uns Diogenes
+Laertius VII, 161 berichtet, nämlich die Kenntnis des Guten: ἀρετάς τ'
+οὔτε πολλὰς εἰσῆγεν (Ἀρίστων), ὡς ὁ Ζήνων, οὔτε μίαν πολλοῖς ὀνόμασι
+καλουμένην, ὡς _οἱ Μεγαρικοί_. Der Berechtigung dieser Auffassung konnte
+sich Platon nicht verschließen,[11] zumal ja die sokratische Basis damit
+nicht verlassen wurde. So einfach aber auch diese Definition der Tugend
+als der Erkenntnis des Guten (und seines Gegenteils) erscheint, so groß
+waren die Schwierigkeiten, nun die Definitionen der Einzeltugenden mit
+jener Definition der Gesamttugend in Einklang zu bringen. Jeder Tugend
+mußte die Erkenntnis des Guten zugrunde liegen; worin aber hatte man
+die charakterisierenden Merkmale der Einzeltugenden zu sehen? Mit diesen
+Schwierigkeiten hat Platon ernstlich gerungen, wie die Dialoge Laches
+und Charmides zeigen. In diesen beiden Dialogen bemüht sich Platon
+vergeblich, die richtige Definition der ἀνδρεία (Laches), beziehungsweise
+der σωφροσύνη (Charmides) zu finden. Er muß sich begnügen, die
+diesbezüglichen sokratischen Definitionen als ungenügend zu erweisen.
+
+ [11] Wie der kleinere Hippias beweist.
+
+Erst im Gorgias ist das Problem mit Hilfe der pythagoreischen
+Psychologie, mit der Anerkennung der Begierden als eines selbständigen
+Faktors im Innenleben des Menschen gelöst. Die unterscheidenden Merkmale
+der Einzeltugenden sind gefunden: ἀρετή = σοφία ist die Erkenntnis des
+Guten, beziehungsweise der Diversität des Guten und Angenehmen; ὁσιότης
+ist die Erkenntnis des Guten, sofern es die Götter berührt; δικαιοσύνη,
+die Erkenntnis des Guten, welches die Menschen betrifft; das Feld der
+ἀνδρεία ist das Gute, wo es im Gegensatz zum Angenehmen steht; σώφρων
+aber ist der σοφός, weil er die Gefahr kennt, die von den Begierden
+droht, und diese darum im Zaume hält (Gorg. p. 507 ff.).
+
+Gleichzeitig enthält der Gorgias wichtige Begriffsbestimmungen des
+Guten. Nach Gorg. 503 e ff. beruht auf den (pythagoreischen)[12]
+Begriffen κόσμος und τάξις die Güte einer Sache, sie machen das εἶδος
+zum εἶδος (εἶδος hier noch nicht im Sinne von ἰδέα = ὄντως ὄν gebraucht).
+Das Gute also macht wahrhaft seiend, verleiht erhöhte Essenz und damit
+in den Augen eines Denkers jener Zeit notwendig auch erhöhte Existenz,
+muß daher selbst in erster Linie als wahrhaft seiend bezeichnet werden.
+Damit harmonierte nun vollkommen die Lehre der Megariker, daß in
+Wahrheit nichts existiere als das Gute, daß das Gute und das Sein
+identisch wären. So kommt es zunächst zur Hypostasierung nur der Idee
+des καλὸν κἀγαθόν; damit findet jene Gedankenrichtung, welche vom kl.
+Hippias über Laches und Charmides zum Gorgias geführt hatte, ihren
+vorläufigen Abschluß. Den endgiltigen bedeutet erst der teleologische
+Idealismus: erkenntnis-theoretische Rücksichten bestimmten Platon neben
+der Idee des Guten noch andere Ideen anzuerkennen; aber nach wie vor
+bleibt ihm die Idee des Guten der Angelpunkt des Seins, alle übrigen
+Ideen, sogar die des Seins, verdanken dieser Idee ihr Dasein (Rep. VI,
+p. 508 e).
+
+ [12] Aristoxenos bei Stobaios, fl. t. 43, 49 (Diels,
+ Frgm. p. 294).
+
+Der Anschauung der Eleaten, nur dem Gegenstande des Wissens -- also
+den Begriffen -- komme wahres Sein zu im Gegensatz zu den Gegenständen
+der Sinne, und dem sprachlichen Moment (z. B. Gorg. p. 520 d ἀδικίᾳ
+ἀδικοῦσιν οἱ ἄνθρωποι -- der Begriff erscheint als wirkende Ursache --)
+kann ich demnach für die _Konzeption_ der Ideenlehre nur sekundäre
+Bedeutung zuerkennen.
+
+Die Psychologie des Symposion ist noch ziemlich primitiv: es bleibt
+in der Hauptsache bei der Gegenüberstellung von Leib und Seele.
+Aus diesem Gegensatz hat sich schließlich die Lehre von den drei
+Seelenteilen herauskristallisiert. Im Symposion sind, wie früher im
+Gorgias (p. 465 c) und später im Phaidon, die Lüste und Begierden,
+das spätere ἐπιθυμητικόν, noch durch den Leib bedingt. Desgleichen
+fehlt eine klare Unterscheidung zwischen λογιστικόν und θυμοειδές
+(ich antizipiere die späteren termini). Bloß Ansätze dazu lassen sich
+erkennen, wie unten ausgeführt werden soll.
+
+Von großer Bedeutung ist ferner die Stellung des Symposion zum Begriff
+des ὀρθὰ δοξάζειν. Gewöhnlich betrachtet man den ‚Menon‘ als denjenigen
+Dialog Platons, in dem dieser Begriff zuerst aufgestellt wird. Auch Th.
+Gomperz[13] ist dieser Ansicht; er sieht in der Art und Weise, wie ‚die
+im Menon erarbeitete Einsicht in die Stellung der richtigen Meinung als
+eines Mittleren zwischen Wissen und Unwissenheit im Symposion wie etwas
+Selbstverständliches aufgegriffen und verwertet wird‘, ein Zeichen für
+die Priorität des Menon vor dem Symposion. Aber dieser Ansicht kann ich
+mich nicht anschließen. Man darf nicht übersehen, daß es im Symposion
+Sokrates ist, der belehrt wird, während im Menon ein unerfahrener
+Jüngling -- der Unterricht des Gorgias, den Menon genossen hat, wiegt in
+Platons Augen nicht schwer -- von Sokrates belehrt wird. Und Sokrates
+ist doch an jener Stelle des Symposion (p. 201 e ff.) verblüfft genug:
+Οὐκ εὐφημήσεις, muß ihm Diotima zurufen, als er sich anschickt,
+despektierliche Folgerungen aus dem Mangel der Schönheit und Güte bei
+Eros zu ziehen. Noch schwerer aber wiegt, daß im Menon auf die δόξα ὀρθή
+die hoch bedeutsame Lehre von der Anamnesis gegründet wird, während im
+Symposion dieselbe nur als Beispiel für die Erläuterung des Begriffs
+des Mittleren erwähnt wird. Dies würde die Ausführlichkeit des Menon
+in diesem Punkt zur Genüge erklären. Vor allem aber sehe ich in der
+Auffassung der δόξα ὀρθή durch den Menon einen Fortschritt gegenüber dem
+Symposion: im Menon erscheint sie als ein Fragment der φρόνησις aus dem
+Vorleben der Seele (p. 85 c ff.) und demgemäß wird sie im Phaidros
+ausdrücklich dem _guten_ (weißen) Roß, dem θυμοειδές, zugeschrieben;[14]
+im Symposion aber erscheint das ὀρθὰ δοξάζειν als eine Mischung von
+‚Gut‘ und ‚Schlecht‘, aus ἀμαθία und σοφία: von der ἀμαθία hat es das μὴ
+ἔχειν λόγον δοῦναι, von der ἐπιστήμη das τοῦ ὄντος τυγχάνειν (p. 202 a).
+
+ [13] a. a. O. II, 317.
+
+ [14] Ἀληθινῆς δόξης ἑταῖρος heißt es p. 253 d vom weißen
+ Roß.
+
+Gegenüber dem Gorgias aber zeigt das Symposion mit seiner (übrigens
+schon im Lysis erfolgten) ausdrücklichen Anerkennung des Mittleren einen
+entschiedenen Fortschritt. Die spätere Rehabilitierung der im Gorgias
+in Bausch und Bogen (Aristeides allein ausgenommen) verurteilten
+Staatsmänner wird damit vorbereitet; sie ist bekanntlich im Menon
+vollzogen. Die Rehabilitierung der im Gorgias gleichfalls verworfenen
+Dichter hat bereits das Symposion besorgt, nachdem der ‚Jon‘ das
+Verdammungsurteil des Gorgias gemildert hatte. Dichter_feindlich_ ist
+auch der Jon noch; prinzipiell steht er mit dem Gorgias auf gleichem
+Standpunkt: er erkennt den Dichtern den Besitz der τέχνη, des bewußten,
+vernunftgemäßen Schaffens, ab. Aber er räumt ihnen ein, daß sie θείᾳ
+μοίρᾳ wirken. Diese Betonung einer θεία μανία der Dichter scheint mir
+mehr zu bedeuten als die bloße Illustration der in der Apologie
+(p. 22 b/c) hingeworfenen Bemerkung, die Dichter wirkten nur φύσει τινὶ
+καὶ ἐνθουσιάζοντες.[15] Sie scheint mir vielmehr der Unterscheidung
+verschiedener μανίαι im Phaidros näher zu stehen als der Auffassung
+der Apologie. Darum betrachte ich den Jon als eine Einschränkung des
+Gorgias, so daß sich mir die Reihenfolge Gorgias, Jon, Lysis, Symposion
+ergibt.
+
+ [15] So erklärt H. Raeder, Platons philosoph. Entwicklung
+ p. 92, den Jon.
+
+Ein weiterer Fortschritt des Symposion gegenüber dem Gorgias zeigt sich
+in folgendem: Platon unterscheidet neben jener Art der geistigen
+Zeugung, welche sich in den Werken der Künstler und Staatsmänner äußert,
+noch ein Schaffen auf Grund der Erkenntnis der Idee des Guten und
+Schönen. Hier bereitet sich offenbar die Trennung des guten Seelenteiles
+in λογιστικόν und θυμοειδές vor. Das letzte Wort über all diese Dinge
+aber spricht erst der Phaidros: der Grad der Ideenschau im Vorleben
+bewirkt die verschiedenen Talente (Philosophie, Dichtkunst, Politik
+etc.).
+
+Werfen wir nun einen kurzen Rückblick auf den Inhalt des Symposion.
+Sein tiefinnerstes Wesen ist die Versöhnung heraklitischer und
+pythagoreischer Gedanken, worauf auch sein Ton des sieghaften Optimismus
+zurückzuführen ist. Im Zusammenhang damit steht auch die noch ziemlich
+primitive Psychologie sowie das völlige Fehlen jener so überaus
+wichtigen Lehre von der Wiedererinnerung. Ein weiteres bedeutsames
+Charakteristikon des Symposion ist, daß _es_ die Ideenlehre in ihrer
+ursprünglichen Form enthält: einzig das αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν ist als ὄντως
+ὄν hypostasiert, womit Platon mehr dem Vorbild der Megariker denn der
+Eleaten folgte. Die Auffassung der Tugend als der Kenntnis des Guten war
+im Grunde schon die Ethik des ‚Gorgias‘. In dem Augenblick aber, da
+Platon im αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν das ὄντως ὄν zu erblicken glaubte, wurde
+seine Tugendlehre zugleich Ontologie.
+
+Ich sehe also im Symposion das erste größere Werk nach dem Gorgias,
+setze seine Abfassung daher einige Jahre nach diesem Dialoge an. Da ich
+nun mit Gomperz den Gorgias in die Zeit der Akademiegründung verlege,
+so müßte das Symposion etwa 385/4 v. Chr. verfaßt sein. In diese Zeit
+führt auch die bekannte Anspielung des Aristophanes auf den διοικισμός
+der Arkader (Symp. p. 193 a). In dieselbe Zeit fällt aber auch der Tod
+des Aristophanes. Es kann kaum ein Zweifel sein, daß Platon dem eben
+dahingegangenen großen Komödiendichter im Symposion eine Gedenktafel
+geweiht hat; tatsächlich ist ja die Gestalt des Aristophanes mit
+besonderer Liebe und Sympathie gezeichnet.
+
+An dieser Stelle möchte ich noch einige Worte über die Auslegung jener
+merkwürdigen Stelle am Schlusse des Symposion (p. 223 d) sprechen,
+wo Sokrates dem Tragödiendichter Agathon und dem Komödiendichter
+Aristophanes auseinandersetzt, der echte Dichter müsse in gleicher Weise
+Tragödien und Komödien schreiben können. Diese Worte hat man auf Platon
+selbst bezogen: der Phaidon sei die Tragödie, das Symposion die Komödie
+(Teichmüller, Lutoslawski, W. Christ, Natorp). Es wäre um unsere
+Kenntnis der platonischen Philosophie wahrlich übel bestellt, wenn die
+chronologische Forschung solchen -- mehr oder minder geistreichen --
+Einfällen entscheidendes Gewicht beimessen wollte. Mit Recht hat man
+dawider eingewendet, daß der Phaidon gar nicht als Tragödie bezeichnet
+werden könne.[16] Vor allem aber ist eine solche Äußerung Platons: „ich
+kann auch Komödien schreiben, nicht bloß Tragödien“ (wenn anders sie
+überhaupt so gemeint ist), nur als Erwiderung auf einen Angriff denkbar;
+man muß ihn als ‚Tragiker‘ _verspottet_ haben, wenn er sich wirklich im
+Symposion so äußert. Dazu bot aber der weihevolle Ernst des Phaidon
+keinen Anlaß, ganz abgesehen davon, daß dieser Dialog aus zwingenden
+Gründen dem Symposion nachgesetzt werden muß. Mit der Datierung
+Gorgias-Symposion läßt sich indes jene Auffassung der Stelle p. 223 d
+sehr wohl vereinen. Der Verfasser des schwarzgalligen Gorgias kann
+leicht als τραγικώτατος verspottet worden sein; und darauf bezöge sich
+dann jene Stelle des Symposion. Große Bedeutung kommt aber meines
+Erachtens solchen Beobachtungen, die ja nie zuverlässig sind, überhaupt
+nicht zu. Der Versuch, aus ihnen die chronologische Reihenfolge der
+platonischen Dialoge zu erschließen, käme einem Opfer des Intellektes
+gleich.
+
+ [16] R. Hirzel, der Dialog I, 225.
+
+Wenn ich das Symposion in die unmittelbare Nachbarschaft des Gorgias
+stelle, so dürfte es wohl am Platze sein, einigen Mutmaßungen Raum zu
+geben darüber, wie Platon dazugekommen sein könnte, dem Gorgias das
+Symposion folgen zu lassen, vor allem, was ihn wohl veranlaßt hat, seine
+Aufmerksamkeit der Erotik zuzuwenden, ja die Eroslehre geradezu zum
+Angelpunkt seines ganzen Systemes zu machen.
+
+
+
+
+III.
+
+
+Wie bei einem Werke von solcher Leidenschaftlichkeit und solcher Schärfe
+der Polemik nicht anders denkbar ist, hat Platons Gorgias jedenfalls auf
+vielen Seiten lebhaften Widerspruch erregt. Sein schonungsloser Kampf
+gegen den Hedonismus mußte unter Philosophen und Laien Widersacher
+finden. Aber auch daß Platon im Gorgias seinen Meister Sokrates der
+ἡδονή gegenüber eine Stellung einnehmen ließ, die der historischen
+Wahrheit nicht entsprach, konnte nicht unwidersprochen bleiben. In der
+kurzen Zeit, die seit Sokrates' Tode verstrichen war, hatte man noch
+nicht vergessen, daß Sokrates durchaus kein Asket gewesen, daß er die
+Freuden des Lebens ohne Not niemals verschmäht hatte, daß er an den
+Blumen des Daseins nicht achtlos vorübergegangen war. Kronzeuge hierfür
+war die sokratische Erotik. Wie immer, so hatte auch hier die Fama
+maßlos übertrieben und namentlich Sokrates' Verhältnis zu Alkibiades
+pikant ausgeschmückt. Sicherlich hat man es nicht unterlassen, in der
+Polemik gegen den platonischen Gorgias darauf hinzuweisen. So wurde
+Platon nahegelegt, des historischen Sokrates Verhältnis zum Hedonismus
+im allgemeinen und zur Erotik im besonderen einmal wahrheitstreu
+darzulegen und jenen Übertreibungen energisch entgegenzutreten.
+
+Der Gorgias aber war wohl nicht nur ob des Mangels historischer Treue in
+der Schilderung des Sokrates angegriffen worden: man hat gewiß auch die
+Erotik überhaupt, die Tatsache des Liebeslebens gegen diesen Dialog
+ausgespielt. Die Erotik, die ja der Gorgias ganz unberücksichtigt
+gelassen hatte, schien für die hedonistische Weltanschauung ein
+gewichtiges Wort in die Wagschale zu legen; und man wird kaum mit der
+Annahme fehlgehen, daß gerade aus der Mitte der Sokratiker,[17] bei
+denen doch die Erotik eine so bedeutende Rolle spielte, auf dieselbe
+hingewiesen wurde. Die kyrenaische Schule huldigte ja dem Hedonismus.
+
+ [17] Freilich nicht von Seite des Antisthenes.
+
+Dies war nun bereits eine philosophische Frage. Platon mußte sich
+dadurch veranlaßt fühlen, nach Zweck, Sinn und Ziel des Eros überhaupt
+zu fragen. Der Gorgias hatte sich über die Liebe gar nicht geäußert, sie
+offenbar als eine ἐπιθυμία unter vielen betrachtet und sich nicht einmal
+darüber ausgesprochen, ob sie als eine nützliche oder schädliche
+anzusehen sei. Sehen wir nun, wie sich Platon zu dieser Frage stellen
+mußte.
+
+Die selbständige Untersuchung eines Problems beginnt man gewöhnlich mit
+der Kritik der bereits bestehenden Theorien. So verfuhr auch Platon mit
+den geltenden Liebestheorien im ‚Lysis‘; der Verschiedenheit der
+Ausdrücke φιλία (Lysis) und ἔρως (Symposion und Phaidros) kommt
+natürlich keine Bedeutung zu, da eben in der φιλία der Hellenen das
+erotische Moment enthalten war, wie gerade der ‚Lysis‘ zeigt.
+
+Das Ergebnis der platonischen Kritik im Lysis ist scheinbar ein rein
+negatives. Weder die alte Deutung der Liebe und Freundschaft als des
+Strebens nach dem Gleichen -- eine Deutung, die auch Empedokles
+übernommen hatte (Lys. p. 214 b), -- noch die heraklitische als der
+Anziehung des Ungleichen (p. 215 c ff.) trifft, so führt der Lysis aus,
+das Richtige. Freundschaft zwischen Gleichen sei unfruchtbar und
+nutzlos, eben infolge der Gleichheit: der eine hat dem anderen nichts zu
+geben. Zwischen Ungleichen aber ist Freundschaft erst recht unmöglich,
+z. B. zwischen ἄδικος und δίκαιος. So bleibt nur der Mittelweg: das
+μήτε ἀγαθὸν μήτε κακόν ist dem ἀγαθόν φίλον des κακὸν wegen, das ihm
+innewohnt (p. 217 b ff.). Aber dadurch werden neue Schwierigkeiten
+geweckt: das Gute soll nur durch das Schlechte φίλον sein, müßte also
+aufhören, φίλον zu sein, wenn das Schlechte verschwände. Der Mensch, der
+ein Mittelding zwischen ‚Gut‘ und ‚Schlecht‘ ist (p. 220 d), würde nicht
+mehr nach dem Guten streben, wenn das Schlechte wegfiele. Dies kann
+nicht richtig sein. So wird das Problem von einer neuen Seite in Angriff
+genommen: jedes φιλεῖν ist auch ein ἐπιθυμεῖν καὶ ἐρᾶν, dieses wiederum
+geht aus einem Mangel hervor (p. 221 a ff.). Damit ist die obige
+Schwierigkeit umgangen, das φίλον nicht durch das κακόν bedingt, nur
+durch den Mangel des ἀγαθόν. Dieses aber ist das Objekt der φιλία.
+
+Die Untersuchung wird fortgesetzt und endet scheinbar ergebnislos. Da
+der Mangel aus einer Beraubung hervorgeht (p. 221 e), scheinen ἔρως und
+φιλία das οἰκεῖον zum Objekt zu haben. Aber bedeutet dies nicht die
+Widerlegung des bisher Gewonnenen? Mit dem ὅμοιον darf das οἰκεῖον nicht
+identisch sein aus dem bereits angeführten Grunde. Soll nun unter dem
+οἰκεῖον das ἀγαθόν, unter dem ἀλλότριον das κακόν verstanden werden?
+Kann denn aber z. B. dem κακός das ἀγαθόν οἰκεῖον sein? Ist nicht
+vielmehr das κακόν dem κακός, das ἀγαθόν dem ἀγαθός οἰκεῖον? Aber der
+Gleiche kann dem Gleichen nicht φίλος sein! Sokrates schließt die
+Unterredung mit der Aufforderung, all das Gesagte noch einmal zu
+überdenken (τὰ εἰρημένα ἅπαντα ἀναπεμπάσασθαι p. 222 e).
+
+Diese Wendung allein bewiese, daß der Lysis nicht resultatlos schließt.
+Platon hat es aber an einem deutlichen Wink nicht fehlen lassen, was er
+als Endergebnis des Dialogs betrachtet wissen wollte: das οἰκεῖον wird,
+wenn auch ohne Angabe von Gründen, ausdrücklich als nicht identisch mit
+dem ὅμοιον bezeichnet (p. 222 c). Um ein positives Resultat zu erlangen,
+ist nur nötig, jene beiden Angaben zusammenzustellen, nach welchen
+einerseits das Gute, andrerseits das Eigene das Objekt der φιλία sein
+soll. Das heißt natürlich, ἀγαθόν und οἰκεῖον (nicht ὅμοιον!) sind
+identisch: der Mensch, der weder gut noch schlecht ist, strebt nach dem
+Guten als dem Eigenen. Damit sind alle Bedenken hinfällig geworden.
+
+Nur eine Frage bleibt noch offen: wieso kann dem Menschen das Gute
+οἰκεῖον sein, wenn er weder gut noch schlecht ist? Die Antwort darauf
+gibt erst das Symposion.
+
+Aber schon aus den Erörterungen des Lysis sehen wir, daß Platon
+die Frage nach dem Wesen des Eros alsbald mit der Frage nach der
+Beschaffenheit der menschlichen Natur verquickt hat, daß er erkannt
+hat, die erste Frage ließe sich erst nach Beantwortung der zweiten
+einer völlig befriedigenden Lösung zuführen.
+
+Wie aber kam Platon dazu, im ἀγαθόν das Objekt des ἔρως zu sehen?
+Jedenfalls war ihm, der die Reinheit der sokratischen Erotik kannte,
+klar, daß der Begriff des Eros ein umfassenderer sein mußte als der der
+sinnlichen Liebe. Ein Gemeinsames mußte indessen den höchsten Eros mit
+dem niedersten verbinden. Das aber konnte nur das Streben nach dem
+Schönen sein, ob man nun darunter wohlgeformte Körper oder so erhabene
+Dinge wie Weisheit und Tugend verstand. Denn auch das zählte für den
+Griechen, der das ἀγαθόν vom καλόν nicht trennte, zum Schönen. Diese
+gemeingriechische Auffassung wurde Platon auch durch die Pythagoreer
+bestätigt: auf κόσμος und τάξις beruht nach der pythagoreischen Quelle
+des Gorgias die Trefflichkeit eines Dinges, nicht minder aber die
+Schönheit; denn Ebenmaß und Gesetzmäßigkeit erwecken ein ästhetisches
+Lustgefühl. So ist für Platon das καλὸν κἀγαθόν das eigentliche Objekt
+des Eros; und da er -- schon im Gorgias -- den Menschen aus einem guten
+und einem nicht guten Element bestehen ließ, erklärte sich ihm der Eros
+aus der menschlichen Natur: auf das Gute (und Schöne) richtet sich das
+Streben des Menschen, weil es zwar seiner Natur innewohnt, aber nicht
+rein und ungetrübt.
+
+So weit war sich Platon bereits im Lysis über das Erosproblem klar
+geworden; es war ihm aber in diesem Dialog nicht darum zu tun, die
+Lösung der Frage zu geben, sondern die bestehenden Theorien zu
+kritisieren und den Boden für seine Auffassung zu bereiten. Denn bei
+der Erklärung des Eros als des Strebens nach dem Guten und Schönen
+blieb Platon nicht stehen. Das gute Element im Menschen hielt er,
+wie das Symposion uns lehrt, für göttlichen Ursprungs. So ist das
+Streben nach dem Guten und Schönen, der Eros, im Grunde ein Streben
+nach Göttlichkeit; tatsächlich strebt ja auch der Mensch nach dem
+_immerwährenden_ Besitz des Guten; ohne Unsterblichkeit, das Vorrecht
+der Götter, ist ein solcher aber nicht möglich: so mußte Platon als Ziel
+des Eros im tiefsten Grunde Unsterblichkeit und Göttlichkeit erscheinen.
+Dadurch war ihm die Möglichkeit gegeben, die Unsterblichkeitstheorie
+des ‚Gorgias‘ zu modifizieren und der heraklitischen Weltanschauung
+Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
+
+Aus diesen Anschauungen über das Wesen des Eros ergab sich nun weiters,
+daß, da jeder Mensch nach dem Guten strebt, alle Menschen ohne Ausnahme
+Erotiker genannt werden müßten; zugleich sah sich Platon vor die Aufgabe
+gestellt, den Eros im engeren Sinn auf den Ewigkeitstrieb zurückzuführen.
+Er erledigte sich derselben, indem er jenen Eros als Zeugungstrieb
+erklärte; denn die Zeugung ist göttlich, ihre Produkte überdauern den
+Urheber: die leiblichen Kinder ihre Eltern, die geistigen Schöpfungen
+ihren Schöpfer. So zielt also auch jener spezielle Eros auf
+Unsterblichkeit und Göttlichkeit, ja durch ihn betätigt sich
+hauptsächlich jener allgemeine Eros, der allen Menschen infolge
+der Zusammensetzung ihrer Natur innewohnt.
+
+Diese Lehren hat Platon im Symposion verkündet. Er hat in diesem
+Werk aber zugleich die Gelegenheit wahrgenommen, die Stellung des
+historischen Sokrates zur Erotik wie zur Lust überhaupt wahrheitsgemäß
+zu schildern. Diesem Zwecke dient vornehmlich die Rede des Alkibiades,
+welche alle jene Märchen zerstreut, die von einer sinnlichen Liebe des
+Sokrates zu jener glänzendsten Erscheinung Allgriechenlands zu erzählen
+wußten. Zugleich gibt Platon durch seine ganze Schilderung des Sokrates
+zu, daß dieser die Annehmlichkeiten des Lebens durchaus nicht verschmäht
+hat. Er will offenbar der verkehrten Auslegung seines Gorgias
+entgegentreten, als habe er der Vernichtung der Begierden, der Ächtung
+des ἡδύ das Wort geredet. Im Gorgias hatte er alle die verurteilt, die
+das ἡδύ höher stellten als das ἀγαθόν; damit war aber keineswegs
+verlangt, daß dem ἡδύ auch derjenige ausweiche, der gewohnt ist, dem
+ἀγαθόν zu folgen. Dieses Moment hebt das Symposion ausdrücklich hervor:
+es enthält geradezu den Beweis, daß das ἡδύ wahrhaft zu genießen nur
+vermöge, wer das ἀγαθόν höher stellt. Nie hätte Sokrates jene geradezu
+phänomenale ἐγκράτεια τῶν ἡδονῶν erreicht, wäre sein Leitstern nicht das
+ἀγαθόν gewesen. Und erst als ἐγκρατὴς τῶν ἡδονῶν konnte er das ἡδύ voll
+und ganz genießen.
+
+Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Rede des Alkibiades zu verstehen;
+sie hat den doppelten Zweck, einerseits die Stellung des historischen
+Sokrates zur ἡδονή klar zu legen, anderseits zu zeigen, wie weit die
+ἡδονή überhaupt berechtigt ist.
+
+
+
+
+IV.
+
+
+Hiermit wäre eigentlich unsere Untersuchung zu Ende. Ich will es mir
+aber nicht versagen, noch das Verhältnis des Symposion zum Phaidros zu
+besprechen, zu jenem Dialog, der gleichfalls das Thema der Erotik
+behandelt. Ob dem Symposion oder dem Phaidros die Priorität zuzusprechen
+ist, darüber gehen die Ansichten noch immer auseinander. Die sprachlichen
+Indizien sprechen entschieden für die spätere Abfassung des Phaidros;
+aus inhaltlichen Gründen weist neuerdings auch Raeder den Phaidros einer
+recht späten Epoche der schriftstellerischen Tätigkeit Platons zu: nicht
+nur Symposion und Phaidon, auch den Staat läßt er ihm vorausgehen.[18]
+Ivo Bruns[19] dagegen glaubt, gleichfalls aus inhaltlichen Gründen, die
+Priorität des Phaidros erweisen zu können. Bevor ich auf die Frage
+eingehe, sei mir eine Bemerkung allgemeiner Natur gestattet. Größere
+Genialität und Tiefe lassen sich nicht als chronologische Indizien
+verwerten bei Werken, die der Vollkraft ihres Schöpfers entstammen. Und
+gerade dies ist der Fall der platonischen Dichtungen Symposion und
+Phaidros. Wer im Symposion den höchsten Ausdruck platonischen Genies und
+Tiefsinnes findet, wird schwerlich zu widerlegen sein. Die Gedanken über
+das innerste Wesen der Liebe, welche das Symposion in unvergleichlicher
+Form bietet, sind auch heute noch nicht veraltet. An einen Denker der
+jüngsten Vergangenheit, an Friedrich Nietzsche gemahnt es, wenn Platon
+alles Schaffen für göttlich erklärt. Es wäre indes verfehlt, aus diesen
+Qualitäten des Symposion die Priorität des Phaidros erweisen zu wollen.
+Denn die Schrift, welcher der _relativ_ geringere Wert zukommt, kann
+sehr wohl die später entstandene sein. Ihr Schöpfer hatte eben den
+Gipfelpunkt seines Könnens bereits überschritten. Ein solches Verhältnis
+scheint mir zwischen Symposion und Phaidros zu bestehen. Platons Können
+hat meines Erachtens den Höhepunkt in _dem_ Augenblick überschritten, da
+seine Mystik anhebt. Mystische Anklänge sind nun im Phaidros bereits in
+großer Zahl vorhanden, während sie im Symposion noch völlig fehlen. Man
+kann wohl sagen, mit der Lehre von der Wiedererinnerung beginnt die
+Mystik Platons. Hier hebt der Nebel an und das Dämmerdunkel; Platon
+sucht in Tiefen hineinzuleuchten, die keines menschlichen Geistes Flamme
+zu erhellen vermag. Das einzig Gegebene, das irdische Leben, als Wirkung
+einer Präexistenz aufgefaßt -- da entzieht sich das Denken selber den
+Boden unter den Füßen. Auf dem Symposion hingegen liegt noch volle
+Sonne: sokratische, vielleicht überhaupt ionisch-attische Sonne und
+Klarheit.
+
+ [18] a. a. O. p. 245 ff.
+
+ [19] ‚Attische Liebestheorien‘, Neue Jahrb. f. d. klass.
+ Altert. III (1900) p. 17 ff.
+
+Wenden wir uns von diesen allgemeinen Erwägungen dem Vergleich der
+Lehren des Symposion und des Phaidros zu.
+
+Im Phaidros ist die Idee des Schönen eine Idee unter Ideen, nicht _die_
+Idee, die Ideenlehre ist durch die Lehre von der Anamnesis gegen
+erkenntnistheoretische Bedenken gestützt, die aus drei Teilen
+zusammengesetzte[20] Seele gilt als unsterblich: dies sind meines
+Erachtens entscheidende Indizien für die Priorität des Symposion vor
+dem Phaidros. Aber auch die Eroslehre selbst ist im Phaidros bedeutend
+reifer und entwickelter. Die so überaus einfache Auffassung des
+Symposion -- Eros das Streben des Menschen, das Göttliche seiner Natur
+zur Geltung zu bringen -- ist erweitert in wichtigen Punkten. In einer
+Präexistenz, führt Platon im Phaidros c. 22 f. (244 a ff.) aus, hat die
+Seele im Gefolge desjenigen Gottes, dessen Wesen dem ihrigen gleicht,
+wenn auch nur auf kurze Augenblicke und mit vieler Mühe, die Ideen
+leibhaft zu schauen vermocht. Ins irdische Dasein geraten, erwacht in
+ihr beim Anblick des Schönen, weil die Idee der Schönheit sozusagen die
+sinnenfälligste ist, die Erinnerung an jene wahre Welt und damit der
+Eros. Wie ganz anders hört sich diese Erklärung[21] des Erwachens der
+Liebe an als jene Symposionstelle p. 205 b ff., wo Platon zur Erklärung
+des befremdlichen Umstandes, daß nur die sinnliche Liebe Eros genannt
+wird, nicht, wie es sein sollte, der allen Menschen innewohnende Drang
+nach dem Guten, bloß den Analogiefall der ποίησις anführt! Es ist doch
+ganz undenkbar, daß die Auffassung des Symposion die spätere ist.
+
+ [20] Das Gleichnis vom Wagenlenker und den beiden Rossen
+ würde meiner Überzeugung nach genügen, die Priorität
+ des Symposion zu erweisen; entsprechend der bereits
+ ausgebildeten Lehre von den drei Seelenteilen ist auch
+ jene Unterscheidung zwischen den zwei Arten des geistigen
+ Zeugungstriebes, die das Symposion bloß andeutet, im
+ Phaidros viel schärfer: vgl. c. 37 (p. 256 a ff.).
+
+ [21] Daß diese Erklärung schon im Symposion im Mythos
+ von Poros und Penia enthalten sei -- Eros wird am
+ Geburtstagsfest der Aphrodite gezeugt -- (Zeller,
+ II⁴ 612 Anm.), vermag ich nicht zuzugeben: Aphrodite
+ ist ja in erster Linie Göttin der Liebe.
+
+Einmal erwacht, richtet sich nun der Eros zunächst darauf, die Seele
+ihrem göttlichen Führer wieder ähnlich zu machen. Der Liebende, im
+dunklen Drange nach der Rückkehr in die Gefolgschaft seines Gottes,
+erkennt im Gegenstand seiner Liebe eine ihm wesensverwandte Seele und
+schöpft aus dieser Erkenntnis die Kraft, sich der Rückkehr in die
+Göttergefolgschaft würdig zu machen. Durch diese Auffassung eint der
+Phaidros zwei scheinbar widerstreitende Ansichten des Lysis und des
+Symposion. Lys. p. 221 e ff. sagt Sokrates, da das Objekt des Eros wie
+jeglicher ἐπιθυμία das οἰκεῖον sei, müßten zwei Freunde φύσει οἰκεῖοι
+sein; Übereinstimmung der Natur sei die Vorbedingung für alle Liebe. Im
+Symposion hingegen wird Aristophanes, der diese Auffassung verficht, von
+Sokrates mit dem Bemerken widerlegt, daß das οἰκεῖον nur, sofern es gut
+sei, Objekt des Eros sei. Der Phaidros weiß beide Ansichten zu vereinen:
+er bestätigt, daß die Übereinstimmung der Naturen die Grundlage des
+Liebesbundes sei, daß die Freunde tatsächlich φύσει οἰκεῖοι seien. Weil
+aber die Menschen den verschiedenen Göttern nachgebildet sind, so ist
+das οἰκεῖον zugleich ein ἀγαθόν.
+
+Mit Unrecht sieht daher Bruns[22] in der Aristophanesrede des Symposion
+die Erotik des Phaidros; ebenso unzutreffend ist, was er in der Anmerkung
+auf Seite 24 sagt, daß der geistige Verkehr im Phaidros in der Hauptsache
+auf den Knaben gerichtet sei, der im Symposion nur noch die Rolle des
+Anregers spiele. Dieses Argument ließe sich zunächst einfach umkehren.
+Vor allem aber besagt jene Phaidrosstelle 253 a, die Bruns selbst
+zitiert, gerade das Gegenteil: ἰχνεύοντες δὲ παρ' ἑαυτῶν ἀνευρίσκειν τὴν
+τοῦ σφετέρου θεοῦ φύσιν εὐποροῦσι διὰ τὸ συντόνως ἠναγκάσθαι πρὸς τὸν
+θεὸν βλέπειν, καὶ ἐφαπτόμενοι αὐτοῦ τῇ μνήμῃ ἐνθουσιῶντες ἐξ ἐκείνου
+λαμβάνουσι τὰ ἔθη καὶ τὰ ἐπιτηδεύματα, καθ' ὅσον δυνατὸν θεοῦ ἀνθρώπῳ
+μετασχεῖν· καὶ τούτων δὴ τὸν ἐρώμενον αἰτιώμενοι ἔτι τε μᾶλλον ἀγαπῶσι
+κτλ. Auch hiernach ist der Geliebte doch im Grunde nur das Medium, wenn
+er dabei auch mehr gewinnt als der ἐρώμενος im Symposion. Der Phaidros
+stellt eben die Frage nach dem Nutzen, den die Liebe dem Geliebten
+bringt, und bedeutet so die Ergänzung des Symposion. Die Vermutung liegt
+nahe, daß man gegen die Erotik des Symposion eingewendet hat, sie
+berücksichtige nur den Liebenden und vernachlässige die Interessen des
+Geliebten; sie sei geradezu eine Warnung, sich lieben zu lassen. Wir
+verstehen dann, warum in der Eroslehre des Phaidros der Geliebte so in
+den Vordergrund gerückt ist, daß ein Forscher vom Range Bruns' übersehen
+konnte, daß auch in diesem Dialog der Geliebte im Grunde nur das Medium
+für den Liebenden ist. Platon sucht eben jenem Vorwurf zu begegnen.
+Vielleicht dient auch die Wiedergabe der Lysiasrede dem gleichen Zweck:
+sie zeigt den wahren Egoismus im Gegensatz zur platonischen Auffassung.
+
+ [22] a. a. O. p. 24/5.
+
+Aber noch in einem anderen Punkt knüpft der Phaidros an das Symposion
+an, bezw. bildet er dessen Lehren aus. Wie oben erwähnt, muß bereits
+nach dem Symposion das αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν als das alleinige ὄντως ὄν
+den Urquell und die Bedingung alles Seienden bedeuten. Aber dies
+ist keineswegs klar ausgesprochen, ja daß Platon in der leiblichen
+Fortpflanzung eine Befriedigung des Ewigkeitsstrebens sieht, steht dazu
+im Widerspruch. Auch die Götter müssen, wenn das αὐτὸ καλὸν κἀγαθόν
+allein wahrhaft ist, demselben ihr Dasein danken; wohnt nun dem
+Menschen, wie das Symposion lehrt, ein göttliches Prinzip inne, das sich
+zur Geltung bringen will, so ist auch das auf die Idee des Schönen und
+Guten zurückzuführen und eine Befriedigung dieses Ewigkeitsstrebens ohne
+jede Bezugnahme auf das ὄντως ὄν ausgeschlossen. Diesen logischen Irrtum
+des Symposion korrigiert nun der Phaidros. Er sagt es deutlich heraus,
+daß die Ideen auch die Urheber der Göttlichkeit sind: πρὸς οἷσπερ (τοῖς
+εἴδεσι) θεὸς ὢν θεῖός ἐστιν, lesen wir p. 249 c. Darum strebt der
+Mensch nicht nur, wenn ihm die Erinnerung an jene wahre Welt kommt,
+dahin zurück, nein, auch dort angelangt, gilt sein Streben wie das aller
+übrigen, die Götter mit eingeschlossen, der Erkenntnis der Ideen. Sie
+eben sind der Quell alles Seins. Jetzt erst ist der Eros gleich
+Erkenntnistrieb, was er im Symposion _nicht_ war. Ebendadurch ist auch
+Platons geänderte Stellung zur sinnlichen Liebe bedingt: bei der
+strengen Durchführung des Dualismus konnte er im παιδοσπορεῖν keine
+Erfüllung des Ewigkeitsdranges mehr, nur ein Abirren vom wahren Ziel
+erblicken. Erst im Phaidros ist die Liebe ‚platonisch‘.
+
+Ich glaube nicht, daß die Gründe, welche für die Priorität des Symposion
+sprechen, hiermit erschöpft sind; doch sei eine eingehendere Behandlung
+dieses Punktes, insonderheit der Nachweis, daß nicht nur der ‚Phaidon‘
+und der ‚Phaidros‘, sondern auch der ‚Menon‘ dem Symposion nachgefolgt
+ist, einer späteren Gelegenheit aufgespart.
+
+
+
+
+ K. u. k. Hofbuchdruckerei Carl Fromme in Wien.
+
+
+
+
+ [ Liste aller vorgenommenen Änderungen. Die jeweils erste Zeile gibt
+ den unkorrigierten Text wieder, die zweite Zeile die Korrektur.
+
+ Schüler Agathon endlich betont zu Sokrates lebhafter Befriedigung, erst
+ Schüler Agathon endlich betont zu Sokrates' lebhafter Befriedigung, erst
+
+ δοξάζειν kann es nicht σοφιία sein, als _ὀρθὰ_ δοξάζειν aber auch nicht
+ δοξάζειν kann es nicht σοφία sein, als _ὀρθὰ_ δοξάζειν aber auch nicht
+
+ διὰ παιδογονίας ἀθανασίαν καὶ μνήμην καἰ εὐδαιμονίαν, ὡς
+ διὰ παιδογονίας ἀθανασίαν καὶ μνήμην καὶ εὐδαιμονίαν, ὡς
+
+ ..... ἐγὼ δ'ὑμῖν θεὸς ἄμβροτος, οὐκέτι θνητός
+ ..... ἐγὼ δ' ὑμῖν θεὸς ἄμβροτος, οὐκέτι θνητός
+
+ mußte die Erkenntuis des Guten zugrunde liegen; worin aber hatte man
+ mußte die Erkenntnis des Guten zugrunde liegen; worin aber hatte man
+
+ führt auch die bekannte Anspielung des Aristophanes auf den δοικισμός
+ führt auch die bekannte Anspielung des Aristophanes auf den διοικισμός
+
+ Altert. III (1900) p. 17 ff.).
+ Altert. III (1900) p. 17 ff.
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Das Problem des platonischen Symposion., by
+A. v. Kleemann
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS PROBLEM DES PLATONISCHEN ***
+
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+Produced by Alexander Bauer and the Online Distributed
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+
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+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
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+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
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+For additional contact information:
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+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
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+
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+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
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+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
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