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+The Project Gutenberg EBook of Manor, by Karl Heinrich Ulrichs
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Manor
+
+Author: Karl Heinrich Ulrichs
+
+Release Date: March 18, 2011 [EBook #35605]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MANOR ***
+
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+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+
+ [ Anmerkung zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
+ ]
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+
+
+ KARL HEINRICH ULRICHS
+
+ MANOR
+
+ Nachdruck der 1914 als Wegwalt-Druck Nr. 3
+ erschienenen Ausgabe für Freunde des
+ Verlags rosa Winkel aus Anlaß
+ des 100. Todestages von
+ Karl Heinrich Ulrichs
+ und des 20jährigen
+ Bestehens des
+ Verlags rosa
+ Winkel
+ Berlin
+ 1995
+
+
+
+
+Die vorliegende kleine Novelle »Manor« von K. H. Ulrichs wurde als
+Wegwalt-Druck Nr. 3 Ende Januar 1914 in 1200 Exemplaren ausgegeben.
+Davon wurden 200 Exemplare als Vorzugsausgabe auf Japan-Papier gedruckt
+und im Interesse der Bücherliebhaber handschriftlich numeriert. Die
+Herstellung geschah in der Kunstdruckerei Emil Nagel Nachf. zu Berlin
+SW 68, Lindenstr. 105. * Den Verlag besorgte die WEGWALT-WERKSTATT
+WILHELMSHAGEN
+
+
+
+
+Mitten im nördlichen Ocean liegt eine Gruppe von 35 Inseln, einsam und
+verlassen, gleich fern von Schottland, Island und Norwegen, die Faröer
+genannt; öde, felsig, wolkenumschleiert, durchtönt vom schwermutsvollen
+Geschrei flatternder Möwen und Kieren, umrauscht von brandenden Wogen,
+fast stets in Nebel gehüllt. Im Sommer Bergesgipfel, 1800 und 2000 Fuß
+über dem Meere; rauhe Felsen; düstere Schluchten; Tannenurwälder;
+tausende von Quellen, die sich oft aus großer Höhe tosend und schäumend
+hinabstürzen von Block zu Block. Die Ufer tiefeingeschnitten von Buchten
+und Fjorden; fast überall unnahbar von hohen Felsen umsäumt. Das Meer
+klippenvoll ringsum; hie und da gänzlich verrammelt; beunruhigt von
+Wasserwirbeln; von wilden Strömungen durchwogt. Nur 17 sind bewohnt.
+Strömö und Wagö trennt nur ein schmaler Sund; durchschwimmbar; freilich
+gehört ein kühner Schwimmer dazu. Mancher Ortsname erinnert an die Zeit,
+da auf den Färöern noch keine Kirchen standen und der alte Glaube noch
+nicht vertrieben war, z. B. Thorshavn an der Küste von Strömö, d. i.
+Strominsel.
+
+In jenen Tagen ruderte von Strömö ein Fischer mit seinem 15jährigen
+Sohne ins offene Meer hinaus. Es erhob sich ein Sturm; das Boot schlug
+um; in den Klippen von Wagö warf es den Sohn. Das sah auf Wagö ein
+junger Schiffer. Sprang in die Wellen, schwamm zwischen die Klippen,
+ergriff den treibenden Körper, zog ihn ans Land. Setzte sich mit ihm auf
+einen Block; hegte den Halberstarrten auf seinen Knieen in den Armen. Da
+schlug dieser die Augen auf.
+
+Schiffer: »Wie heißt Du?«
+
+Knabe: »Har; ich bin von Strömö«.
+
+Ruderte ihn über den Sund nach Strömö zurück; brachte ihn zu Lära,
+seiner Mutter. Dankbar umschlang beim Abschied der Knabe den Hals seines
+Retters. Der Vater ward als Leiche von den Wellen ans Land gespült. Der
+Schiffer hieß Manor. War elternlos, vier Jahre älter als Har. Hatte ihn
+lieb gewonnen. Sehnte sich, ihn wiederzusehen. Ruderte nun bisweilen
+hinüber nach Strömö, oder durchschwamm die lauwarmen Wellen, da der
+Sommer kam, abends wenns Tagewerk vollbracht. Har ging ans Ufer, erklomm
+eine Klippe, schwenkte sein Tuch, wenn er von weitem Manors Nachen
+kommen sah. Blieben dann beisammen ein oder zwei Stunden lang. Ruderten
+hinaus bei ruhiger See und sangen Matrosenlieder. Oder entkleideten
+sich, tauchten in die Wellen, schwammen zur nahen Sandbank, die
+gegenüber lag; und die Robben entflohen, die dort auf dem Sande sich
+sonnten. Oder gingen in den dunkelgrünen Wald hoher Tannen, deren
+rauschende Wipfel die Sprache Tors verkündeten, oder setzten sich unter
+die Zweige einer alten Buche auf einen Stein. Plauderten; machten Pläne.
+Kommt einmal ein Schiff, das auf den Walfischfang segle, dann wollten
+sie beide mit. Und saßen sie so auf dem Stein, dann legte Manor seinen
+Arm um Hars Schultern und nannte ihn: »Min Jong«; und dem Knaben war
+nicht wohler, als wenn Manor ihn so umschlungen hielt. War es schon
+spät, wenn er kam, dann ging er leise bis an den Fliederbusch, der Hars
+Fenster beschattete, und klopfte an die Scheiben. Har erwachte und stahl
+sich zu ihm hinaus. Fühlte sich so glücklich, konnte er bei Manor sein.
+
+
+
+
+II.
+
+
+Da kam ein dänischer Dreimaster, ankerte in Wagö's sicherer Bucht,
+suchte Matrosen für eine Fahrt von zwei Monaten zum Walfischfang. Manor
+ging an Bord. Den schlankgewachsnen jugendfrischen Burschen nahm der
+Kapitän sogleich an. Har wollte mit als Schiffsjunge. Lära aber sagte
+jammernd: »Bist mein einzig Kind! Deinen Vater verschlang mir die See.
+Du willst mich verlassen?« Har blieb. Manor ging. Das Schiff lichtete
+die Anker.
+
+Zwei Monate waren verflossen. Es ward schon wieder winterlich. Har
+bestieg die Klippe, schaute in die Ferne, sah eines Morgens das Schiff
+kommen, schwenkte freudig das Tuch. Doch es war stürmisch; die Brandung
+ging hoch. Es steuerte auf die Bucht von Wagö zu. Konnte Wagö nicht
+erreichen, ward verschlagen in die gefährlichen Riffe von Strömö,
+strandete vor Hars Augen. Er sah, wie die Schiffbrüchigen mit den Wellen
+kämpften. Erblickte einen unter ihnen, der mit kräftigem Arm eine Planke
+ergriff, im nächsten Augenblick aber samt Planke in den Strudel der
+Brandung hinabgeschlürft ward. Er kannte ihn. Es war Manor.
+
+Viel Leichen trieb die Flut ans Land. Man breitete Stroh auf den Strand,
+legte sie darauf, Leiche an Leiche. Har half mit, musterte die
+niedergelegten. Da brachte man auch Manors Leiche, legte sie auf das
+Stroh. Lag nun vor ihm da mit nassem Haar, aus dem Seewasser emportroff,
+geschlossenen Augen, kalt, mit erblaßten Lippen und bleichen Wangen, aus
+denen das Blut gewichen, schlank von Gestalt, im Tode noch schön
+anzuschaun. »So also, Manor, muß ich dich wiedersehen!« rief er aus,
+warf sich schluchzend über den geliebten Körper und kostete noch einen
+Augenblick die Wonne der Umarmung.
+
+Man brachte die Leichen über den Sund; begrub sie noch an demselben Tage
+in den Sanddünen von Wagö.
+
+
+
+
+III.
+
+
+Am Abend saß Har in der Hütte düster und stumm. Lära wollte ihn trösten.
+Er aber wollte keinen Trost; er fluchte den Göttern. Ging zu Bett.
+Konnte nicht einschlafen. Gegen Mitternacht verfiel er in Halbschlummer.
+
+Da weckte ihn ein Geräusch. Er schaute auf. Es war draußen am Fenster.
+Die Zweige des Fliederstrauchs knickten sich und es raschelte in seinen
+trocknen Blättern. Das Fenster ward geöffnet; eine Gestalt stieg herein.
+Ha! Er kannte die Gestalt! Trotz der Dunkelheit hatte er sie sogleich
+erkannt! Langsamen Schritts kam sie heran; legte sich zu ihm ins Bett;
+er zitterte; aber er wehrte ihr nicht. Streichelte ihm die Wangen, aber
+mit kalter Hand, o! so kalt, so kalt! Ihn durchschauerte Fieberfrost.
+Küßte den warmen schwellenden Knabenmund mit eiskalten Lippen. Er fühlte
+des Küssenden nasses Gewand; nasses Haar hing auf die Stirn ihm herab.
+Ihn durchfuhr ein Grauen. Aber es war mit Wonne gemischt. Die Gestalt
+seufzte. Ihm klang's, als wolle sie sagen:
+
+»Mich trieb die Sehnsucht her zu Dir! Ich finde nicht Ruhe im Grab!«
+
+Er wagte nicht zu sprechen. Zu atmen wagte er kaum. Und schon erhob sich
+die Gestalt. Seufzte als wollte sie sagen:
+
+»Nun muß ich wieder zurück!« Erstieg die Fensterbank; entfernte sich wie
+sie gekommen.
+
+»Manor ist dagewesen«, sagte Har leise vor sich hin.
+
+In derselben Nacht war ein Fischer von Strömö draußen im Sund mit seinem
+Boot. Es leuchtete die See. Von seinem Ruder troffen schimmernde Funken
+herab. Da, kurz vor Mitternacht, hörte er seltsames Rauschen. Sah, wie
+etwas hindurchschoß durch die leuchtenden Wellen, etwas, dessen Gestalt
+er nicht unterschied, mit der Geschwindigkeit eines großen Fisches, in
+der Richtung auf Strömö. Ein Fisch war es nicht, so viel konnte er im
+Dunkel erkennen.
+
+In nächster Nacht kam Manor wieder, eiskalt wie gestern, doch
+verlangender. Umschlang den Knaben mit kalten Armen; küßte ihm Wange und
+Mund; legte den Kopf ihm auf die weiche Brust. Har erbebte. Ihm fing das
+Herz zu pochen an bei dieser innigen Umschlingung. Und gerade auf das
+pochende Herz legte Manor den Kopf. Die Lippen suchten den sanft
+schwellenden Hügel über dem Herzen, der durch das Pochen mit in Bewegung
+geriet. Dort begann er zu saugen, verlangend und dürstend, wie ein
+Säugling an Mutterbrust. Doch schon nach wenigen Augenblicken ließ er
+nach; erhob sich; entfernte sich. Har war zu Mut, als ob ein saugendes
+Tier sich an ihm vollgesogen.
+
+Auch in dieser Nacht hatte der Fischer wieder im Sunde zu tun. Genau um
+dieselbe Stunde wie gestern kams wieder herangerauscht. Kam diesmal nah
+an ihm vorüber. Im blassen Mondlicht konnte er erkennen: es war ein
+schwimmender Mensch. Schwamm auf der rechten Seite liegend, wie
+bisweilen Matrosen schwimmen, aber bekleidet mit einem Totenhemd. Ihn
+schien der Schwimmer gar nicht zu bemerken, obgleich er das Gesicht ihm
+zugekehrt hielt.
+
+Schwamm mit geschlossenen Augen. Der Anblick war ihm so befremdend, daß
+er seine ausgespannten Netze einzog und wegruderte.
+
+Auch in den nächsten Nächten kam Manor wieder. Umarmte den Knaben
+bisweilen im Schlaf. Denn hin und wieder überkam ihn Schlaf, bis Manor
+kam. Erwachte dann in seiner Umarmung. Jedesmal suchten die Lippen die
+weiche Erhöhung über dem Herzen. War es Tag geworden, so sah Har dann
+und wann, wie aus der linken Brustwarze ihm noch ein schwaches Tröpflein
+Blut hervorperlte. Wischte es mit dem Hemde weg. War auch wohl schon von
+selbst ein Tröpflein ins Hemd gelaufen. Nur in der Vollmondnacht kam er
+nicht.
+
+Ein Toter ist oft mächtig erfüllt von Sehnsucht nach einem oder dem
+anderen unter seinen zurückgelassenen Lieben, so mächtig, daß er Nachts
+das Grab verläßt und zu ihm kommt. Denn das ist alter Glaube, daß Urda
+manchem um Mitternacht kurzes Halbleben zurückgibt und dann seltsame
+Kräfte von jenseit des Grabes verleiht. Kommt besonders vor bei jungen
+Leuten, die in der Blüte der Jahre der bittere Tod hinwegraffte. Den
+Zurückkehrenden erfüllt zugleich große Blut- und Wärmebedürftigkeit.
+Dann lechzt er nach dem frischen Blut der Lebenden und, wie ein
+Liebender, nach Umarmungen. Aber er teilt auch große Sehnsucht mit und
+bereitet dadurch oft heftige Qual.
+
+So auch hier. Har quälte sich den ganzen Tag und härmte sich. Mit
+Ungeduld aber erwartete er die Nacht und ersehnte die wonnigen Schauer
+der mitternächtigen Umarmung.
+
+
+
+
+IV.
+
+
+So mochten zwölf Tage vergangen sein.
+
+Lära: »Bist so bleich und so blaß. Was ist Dir, Har?«
+
+Er: »Nichts, Mutter.«
+
+Sie: »Bist so still.«
+
+Er seufzte. -- -- --
+
+Im letzten Häuschen des Dorfes wohnte eine weise Frau, die allerlei
+Geheimnisse wußte. Zu der ging die besorgte Mutter. Die weise Frau warf
+Runenstäbe.
+
+Weise Frau: »Ihn besuchen die Toten.«
+
+Lära: »Die Toten?«
+
+Weise Frau: »Ja, des Nachts; und daran muß einer sterben, wenn dem
+Besuch nicht bei Zeiten Einhalt geschieht, eh es zu spät ist.«
+
+Bestürzt kehrte Lära heim.
+
+Sie: »Ists wahr, Har, bekommst Du Totenbesuch?«
+
+Er blickte zu Boden. »Manor ist dagewesen,« sagte er leise und sank ihr
+weinend an die Brust.
+
+Sie: »So mögen dir die Götter gnädig sein!«
+
+Er: »Die Götter? Pah! Was sollen mir jetzt noch die Götter! Als er sich
+an die Planke klammerte, o weh! o weh! da war es Zeit, mir gnädig zu
+sein, wenn sie es wollten. Aber erbarmungslos ließen sie ihn versinken.
+Wie hab ich ihn so lieb gehabt!« -- --
+
+Nun bemerkte sie auch die Blutspuren in seinem Hemde. Da ging sie zu den
+Dorfältesten. Diese ruderten hinüber nach Wagö mit Mutter und Sohn, auch
+die weise Frau nahmen sie mit. Zu den Wagöern sagten sie:
+
+»Eure Gräber schließen nicht. Einer verläßt sein Grab jede Nacht; kommt
+herüber zu uns; saugt sich voll am Blut dieses Knaben.«
+
+Die Wagöer: »So wollen wir ihn festmachen.«
+
+Griffen einen tannenen Pfahl, manneslang und mehr als armesdick, den sie
+mit einem Beil viereckig behieben, unten fußlang zugespitzt. Gingen zu
+den Dünen; einer trug den Pfahl, ein anderer eine schwere Axt. Oeffneten
+Manors Grab. Da lag er ruhig und still vor ihnen da im Totenhemd.
+
+Erster Wagöer: »Seht! Er liegt noch so, wie wir ihn hingelegt.«
+
+Weise Frau: »Weil er sich jedesmal wieder in die alte Stellung legt.«
+
+Zweiter Wagöer: »Sein Gesicht ist ja fast frischer als sonst.«
+
+Weise Frau: »Kein Wunder. Dafür ist Hars Gesicht jetzt desto blasser.«
+
+Har stieg hinab und warf sich nochmals über die geliebte Leiche.
+
+»Manor! Manor!« rief er mit angsterfüllter Stimme. »Sie wollen Dich
+pfählen. Manor, erwache! Schlage die Augen auf! Dich ruft dein Har!«
+
+Aber er schlug die Augen nicht auf. Regungslos lag er unter Hars
+Umarmung, wie vor zwölf Tagen am Strande auf dem Stroh.
+
+Har wollte ihn nicht loslassen. Sie rissen ihn weg. Setzten Manor die
+Spitze des Pfahls auf die Brust. Aechzend wandte sich Har. Fiel der
+Mutter um den Hals. An ihrer Schulter barg er sein Gesicht.
+
+»Mutter!« rief er aus, »warum hast du mir das getan!«
+
+Die flache Rückseite der Axt hörte er niederfallen auf den Pfahl und den
+Pfahl stöhnen. Ein schwerer Schlag; noch ein Schlag und noch ein halb
+Dutzend Schläge.
+
+Erster Wagöer: »Nun ist er festgemacht!«
+
+Zweiter: »Das Wiederkommen soll er nun wohl bleiben lassen.«
+
+Har trugen sie halb ohnmächtig davon. »Nun wird er dich in Ruhe lassen,
+mein liebes Kind!« sagte Lära, da sie wieder in ihrer Hütte waren.
+
+Betrübt ging er zu Bett. »Nun kommt er nicht mehr!« sagte er kummervoll
+vor sich hin. War müde und matt. Friedlos aber und ruhelos wälzte er
+sich auf seinem Lager. Langsam schlichen die Minuten; träg krochen die
+Stunden dahin. Mitternacht kam und noch kein Schlaf hatte sich über
+seine Wimpern gesenkt.
+
+Horch! Was ist das? Im Fliederbaum ... -- Doch nein; das war ja
+unmöglich. Und doch! Wieder, wie früher, raschelte es in den Zweigen des
+Baums. Das Fenster öffnete sich. Manor war wieder da. Seufzte tief auf.
+Hatte eine große Wunde in der Brust, die viereckig war und ihm bis durch
+den Rücken ging. Legte sich wieder zu Har, umschlang ihn und sog. Sog
+verlangender denn zuvor und dürstender.
+
+Nebenan aber wachte diese Nacht Lära; horchte und zitterte. Früh morgens
+kam sie herein und trat an Hars Bett.
+
+Sie: »Mein armes Kind! Er ist doch wieder dagewesen.«
+
+Er: »Ja, Mutter; er ist wieder bei mir gewesen.«
+
+Das Bett aber war befleckt mit Leichenblut, das aus der großen Wunde
+hervorgeträufelt war.
+
+
+
+
+V.
+
+
+Einige Stunden später ruderte wieder ein Boot über den Sund; doch ohne
+Har. Man ging wieder zu den Dünen; öffnete wieder das Grab. Der
+viereckige Pfahl steckte noch in der Gruft, doch nicht mehr in Manors
+Brust. Aber er lag gekrümmt neben dem Pfahl. Gestreckt zu liegen
+hinderte der Pfahl.
+
+Weise Frau: »Er hat sich los machen können. Der Pfahl ist ja unten und
+oben gleich dick.«
+
+Erster Wagöer: »Hat sich von unten nach oben am Pfahl in die Höhe
+gewunden.«
+
+Zweiter: »Muß ihn aber unmenschliche Anstrengung gekostet haben.«
+
+Auf Rat der weisen Frau behieben sie heute einen stärkeren Pfahl, den
+sie oben doppelt so dick ließen als unten, daß er aussah wie ein Nagel
+mit Kopf. Zogen den alten Pfahl weg und pfählten ihn mit diesem.
+
+»So! Nun ist er angenagelt«, sagte der Axtmann, als er dem Pfahl den
+letzten Hieb auf den Kopf gegeben.
+
+Zweiter Wagöer: »Mag er sich winden und drehn, von dem windet er sich
+nicht los.«
+
+Lära kehrte zu Har zurück; erzählte was geschehn. »Nun ist es vorbei«,
+sagte er zu sich selbst, da er zu Bett ging. Schlummerlos lag er da.
+Mitternacht kam. Doch alles blieb still. Nichts raschelte draußen am
+Fenster in den Zweigen des Fliederstrauchs. Kein Schwimmer schreckte den
+Fischer mehr, der Nachts mit geschlossenen Augen des Sundes Woge
+durchschnitt.
+
+Lära: »Nun hast du Frieden vor ihm. Er hat dich so gequält.«
+
+Er: »O Mutter! Mutter! Er hat mich nicht gequält!«
+
+Härmte sich ab in vergeblichem Sehnen. »Mutter!« sagte er, »nun ists aus
+mit mir.« Zehrte ab; konnte sich nicht mehr vom Bett erheben.
+
+Sie: »Bist so müde und so matt, mein lieber Sohn!«
+
+Er: »Er zieht mich zu sich hinab.«
+
+Eines Morgens saß sie an seinem Bett, da er noch schlief. Ein Monat war
+verflossen seit dem Schiffbruch. Es war noch früh. Sie weinte. Da schlug
+er die Augen auf.
+
+»Mutter«, sagte er mit schwacher Stimme, »ich muß sterben.«
+
+Sie: »O nein, mein Kind! Du sollst so jung nicht sterben!«
+
+Er: »Doch, doch! Er ist wieder bei mir gewesen. Wir haben mit einander
+geredet. Wir saßen auf dem Stein unter der alten Buche im Wald wie
+sonst; er schlang seinen Arm wieder um meinen Hals und nannte mich »Min
+Jong«. Heut Nacht will er wieder kommen und mich holen. Er hat es mir
+versprochen. Ich kann es nicht aushalten ohne ihn.«
+
+Sie beugte sich über ihn und ihre Tränen flossen reichlich auf sein
+Bett. »Mein armes Kind!« sagte sie und legte ihm ihre Hand auf die
+Stirn.
+
+Als es Nacht ward, zündete sie eine Lampe an und wachte bei ihm am
+Bette. Still lag er da; schlief nicht; schaute schweigend vor sich hin.
+
+Er: »Mutter!«
+
+Sie: »Was willst Du, mein guter Sohn?«
+
+Er: »Legt mich mit in sein Grab! Ja? Und zieht ihm den schrecklichen
+Pfahl aus der Brust!«
+
+Sie versprach es ihm mit Händedruck und Kuß.
+
+Er: »O, bei ihm muß es sich so süß liegen im Grabe!« -- --
+
+Da kam Mitternacht heran. Auf einmal verklärten sich seine Züge. Hob ein
+wenig den Kopf, als horche er. Mit glänzenden Augen schaute er nach dem
+Fenster und nach den Zweigen des Fliederbaums.
+
+»Sieh, Mutter, da kommt er!« -- --
+
+Das waren seine letzten Worte. Da brachen ihm die Augen.
+
+Sank in die Kissen zurück und entschlief.
+
+Und sie taten, wie er gebeten.
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Manor, by Karl Heinrich Ulrichs
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MANOR ***
+
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+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
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+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
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+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
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+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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