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RUDOLF EISLER + + + [Illustration: Dekoration] + + + LEIPZIG + Alfred Kröner Verlag + 1909 + + +Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig. + + + + +Vorwort. + + +Die vorliegende Arbeit[A] enthält die Grundzüge einer ++organisch-teleologischen Psychologie+, deren systematischen Ausbau sich +der Verfasser für eine spätere Zeit vorbehält. Es wird hier versucht, zu +zeigen, wie sich eine konsequente Durchführung des psychologischen +»Voluntarismus«, für den das Streben und Wollen, die zielsetzende +Tätigkeit der Psyche (als des »Innenseins« des Organismus) das ++Dynamische+, das innerste Triebwerk des Seelenlebens ist, gestalten +muß, wenn dieser Voluntarismus im guten Sinne des Wortes +monistisch+ +und +evolutionistisch+ gefärbt ist, d. h. wenn er bei vollster +Anerkennung der Eigenkraft des Psychischen einer Durchbrechung des +geschlossenen Naturzusammenhanges nirgends Raum gewährt, und wenn er die +innere, durch äußere Faktoren mitbedingte Entwicklungsarbeit der Psyche +gebührend berücksichtigt. Wenn auch naturgemäß so manches schon Bekannte +gebracht werden mußte, so hofft der Verfasser doch, durch seine Schrift +nicht bloß weiteren Kreisen, sondern auch dem Psychologen, Biologen und +Philosophen manche Anregungen bieten zu können[B]. + + + +Wien+, April 1909. + + Dr. +Rudolf Eisler+. + + [A] Unter Zugrundelegung der gleichnamigen Abhandlung in der + »Zeitschrift für den Ausbau der Entwicklungslehre«, II. Jahrgang. + 1908. + + [B] Vgl. +Eisler+, Krit. Einführ. in die Philos., Berlin 1905; + +Leib und Seele+, Leipzig 1908; +Grundlagen der Philos. des + Geisteslebens+, Leipzig 1908; Wörterbuch der philos. Begriffe, + Berlin, 3. Aufl., 1909, sowie die in Vorbereitung befindliche im + gleichen Verlage (im Herbste) erscheinende »Geschichte des + Monismus«. + + + + +Inhalt. + + + Seite + + I. Die Psyche und ihr Verhältnis zum Physischen 5 + + II. Die psychische Kausalität 19 + + III. Der Wille als psychischer Motor 28 + + IV. Der Zweck im Seelischen 43 + + V. Psychische Entwicklung 58 + + Anmerkungen 70 + + + + +I. Die Psyche und ihr Verhältnis zum Physischen. + + +Die Zeiten, da man unter der Seele eine immaterielle, einfache, +unzerstörbare Substanz hinter dem Bewußtsein und dessen Modifikationen +verstand, scheinen nun doch vorüber zu sein. Zwar fehlt es gerade in +jüngster Zeit nicht an einer +dualistischen Reaktion+ nicht bloß gegen +den Materialismus, sondern auch gegen die »Identitätstheorie« und jeden +sonstwie gearteten »Monismus«, aber erstens ist diese Reaktion nur ein +neuer Vorstoß des alten Seelenglaubens, und zweitens weist sie vielfach ++Konzessionen+ gegenüber der monistischen Ansicht auf, welche bezeugen, +daß es mit der metaphysischen Hypothese der absolut einfachen, dem Leibe +völlig selbständig gegenüberstehenden und von ihm trennbaren +Seelensubstanz rapid zu Ende geht. + +Die psychologische »Aktualitätstheorie« mag sich mancher Einseitigkeiten +und Übertreibungen schuldig gemacht haben, wie wir weiter unten zeigen +werden. Aber das nimmt ihr keinesfalls das außerordentliche Verdienst, +an Stelle der »transzendenten«, aller Erfahrung sich entziehenden +Seelensubstanz mit besonderen »Vermögen« und Tätigkeiten das +konkrete +Bewußtsein+ als Inbegriff und Zusammenhang von Erlebnissen selbst +gesetzt zu haben. Mit vollem Recht betont diese Aktualitätstheorie[1] +zweierlei. Erstens, daß die +psychischen Vorgänge+, die +Bewußtseinserlebnisse als solche +weder Schein noch bloße Erscheinung+ +sind, sondern volle Wirklichkeit und Wirksamkeit haben, so daß also das +Psychische nicht aus unerfahrbaren, hinter und unter den +Bewußtseinserlebnissen stehenden Prozessen besteht. Zweitens, daß das +Psychische +nichts starr Substantielles, Ruhendes+, sondern »aktuell« +ist, daß es nicht Zustand einer absolut beharrenden, unveränderlichen +Substanz ist, sondern in einem Zusammenhang von Vorgängen, von +lebendigen Prozessen besteht, in welchen nichts sich absolut +gleichbleibt. Die psychischen Gebilde sind nicht Dinge, sondern ++fließende Resultate beständiger Aktionen und Reaktionen+, sie sind in +einem +unaufhörlichen Flusse+ begriffen und bilden die +Momente einer +fortlaufenden Entwicklung und Entfaltung+, deren Konstanz in erster +Linie +formaler+ Art ist. Die Seele ist hiernach keine »Substanz« im +Sinne des naturwissenschaftlichen Substanzbegriffs. Dieser ist durch die +Beschaffenheit des Inhalts der »äußeren«, sinnlich vermittelten +Erfahrung gefordert; er dient zu deren objektiven Vereinheitlichung, zur +Setzung fester Ansatzpunkte für die Anschauung und das Denken der +Objekte. Für die Psychologie aber ist der abstrakte Substanzbegriff ohne +Nutzen, er ist hier überflüssig, weil das Zentrum, um das sich die +psychischen Erlebnisse gruppieren, unmittelbar im +Subjektmoment+ +gegeben ist, und er ist sogar schädlich, weil er den konkreten +Tatbestand des Erlebens leicht zugunsten eines unbekannten, mit +hypothetischen oder fiktiven Kräften und Eigenschaften ausgestatteten +Seelendinges verfälscht, dem Reichtum der Bewußtseinsmannigfaltigkeit +nicht genügt, der im Widerspruche zu der vorgeblichen »Einfachheit« der +Seelensubstanz steht, und endlich die Wechselbeziehungen zwischen +Psychischem und Physischem zu einem Rätsel macht. Denn alle Versuche, +die »Wechselwirkung« zwischen der einfachen Seelensubstanz und dem +Körper verständlich zu machen, scheitern teils an der Heterogenität +beider Wirklichkeitsglieder, teils an der Durchbrechung, welche hier das +Prinzip der geschlossenen Naturkausalität und das Prinzip der Erhaltung +der physischen Energie erleiden[2]. + +Übrigens gilt das meiste des hier Gesagten auch für jene Annahme, wonach +das Psychische zwar nicht Zustand einer unbekannten Seelensubstanz, aber +doch ein vom Physischen absolut verschiedenes, trennbares und +eigenartiges +Geschehen+ ist, das mit jenem in Wechselwirkung steht. +Erstens läßt sich nicht, wie dies von mancher Seite geschieht, das +Psychische in genau demselben Sinne wie das Physische als eine »Energie« +auffassen; denn es ist unräumlich[3], unmassenhaft und entbehrt auch +sonst der Eigenschaften, welche eine physikalisch-chemische +Arbeitsleistung ermöglichen. Ist es aber keine Energie im physikalischen +Sinne, läßt es sich seiner Natur nach weder aus physischer Energie +gewinnen noch in solche umsetzen, schon weil es keinen Bestandteil des +Inhalts der äußeren Erfahrung bildet, ist ferner nicht einzusehen, wie +ein immaterielles Geschehen Bewegung erzeugen oder auch nur der Richtung +nach abändern und wie Bewegung, Druck und Stoß, kurz mechanische Kraft, +auf ein Immaterielles, Unräumliches einwirken kann, dann ist die Annahme +eines solchen, dem Physischen als selbständiges Geschehen +gegenüberstehenden Psychischen, auch abgesehen von anderen +Schwierigkeiten, schon suspekt. Ein Psychisches kann auf ein Physisches +nicht wahrhaft einwirken, ohne daß die Menge der physikalisch-chemischen +Energie einen +Zuwachs+ erhält, und umgekehrt kann das Physische, +Materielle nicht auf das Seelische eine Wirkung ausüben, ohne daß +physische Energie +verloren+ geht. Es müßte denn neben der normalen Art +physischer Wirksamkeit noch eine zweite geben, welche das Energieprinzip +intakt läßt -- eine undurchführbare und vor allem ganz unnötige Annahme. + +Nun könnte man glauben, es bleibe nur noch der materialistische Ausweg, +das Psychische mit dem Physischen zu identifizieren oder es als +»Funktion« desselben zu bestimmen. Dem ist aber nicht so. Der ++Materialismus+ ist als Dogma eine unhaltbare Theorie und was er +Richtiges enthält, die +strenge Koordination+ zwischen psychischen und +physiologischen Vorgängen, bietet auch der nicht materialistische +Monismus, von dem gleich die Rede sein wird. In keiner seiner Abarten +ist der Materialismus haltbar, aus Gründen, die hier nur angedeutet +werden können. Das »Psychische«, d. h. irgendein beliebiges »Erleben«, +wie die Empfindung eines Tones, die Vorstellung einer Gestalt, das +Gefühl einer Lust oder Unlust, eine Begierde oder ein Abscheu, ein +Willensentschluß, ein Urteilsakt u. dgl., +ist ein subjektiver+, auf ein +Subjekt, ein Ich unmittelbar sich beziehender, in physikalischen +Ausdrücken nicht beschreibbarer Vorgang, der etwas anderes ist als der +Inhalt oder Gegenstand des Erlebens, das objektive Raumgebilde, an +welchem Bewegung und Energie auftritt. Es ist einfach absurd, zu +behaupten, ein Schmerz etwa »sei nichts als Bewegung«; denn wir meinen +ja mit Schmerz, Lust, Wille u. dgl. qualitativ etwas ganz Bestimmtes, +Erlebbares, was sich ohne weiteres von einer Bewegung, von einem +räumlichen Geschehen unterscheidet. +Psychische Erlebnisse+ sind weder +stoffliche Substanzen, die von anderen gleichsam ausgeschieden werden +könnten, noch physische Vorgänge, sie sind +nicht Objekte+ des Erlebens, +sondern das +subjektive Erleben selbst in dessen unmittelbarem +Auftreten+. Das Psychische ist kein wäg- oder räumlich meßbares, +mechanische Arbeit verrichtendes Etwas, keine »Nervenschwingung« u. +dgl., mag es auch mit einer solchen untrennbar verknüpft sein. Es hat +mit Massen und Massenbewegungen nichts zu tun, es kann nicht eine +»Eigenschaft« unter materiellen Eigenschaften bilden, es geht nicht in +die mathematischen Formeln für physikalisch-chemische Vorgänge ein. Aber +auch nicht eine kausale Funktion, eine Wirkung physiologischer Prozesse +kann das Psychische, das subjektive Erleben sein. Erkenntnistheoretisch +nicht, weil das Physische als solches schon durch ein Subjekt und dessen +psychisches Erleben (Empfinden, Vorstellen, Wollen) +bedingt+ und im +besten Falle nur die von einem Bewußtsein qualitativ abhängige +»Erscheinung« eines »An sich« ist, das nicht selbst physisch ist, wenn +es auch den objektiven »Grund« für das Auftreten physischer Phänomene +abgibt. Aber auch aus methodologischen Gründen kann das Psychische nicht +die Wirkung des Physischen, Physiologischen sein, ganz abgesehen von +seiner Ungleichartigkeit gegenüber dem letzteren. Physiologische +Prozesse sind physikalisch-chemischer Art, soweit sie vom Standpunkte +der »äußeren« Erfahrung betrachtet werden. Die +methodische Konsequenz+ +erfordert es, den einmal eingenommenen Standpunkt bis zum Ende und ++ausnahmslos festzuhalten+. Es ergibt sich daraus die +Geschlossenheit+ +der physischen Kausalität, wonach jeder physische Vorgang, auch im +Organismus, immer wieder nur einen physischen Vorgang zur Wirkung und +zur Ursache haben kann, sollen nicht, was die +Einheit und +Vollständigkeit+ der Erfahrung und Erkenntnis beeinträchtigt, die +Standpunkte fortwährend miteinander vermengt und vertauscht werden. Der +Materialismus leidet also an +demselben Fehler+ wie der Dualismus, wenn +er ein Bewirktwerden des Psychischen durch Physisches, etwa durch +Gehirnprozesse annimmt, ganz abgesehen davon, daß ganz und gar nicht +abzusehen ist, wie aus rein Objektivem und Materiellem etwas +»Subjektives«, »Immaterielles« (im guten Sinne des Wortes) entstehen +oder hervorgehen kann. Auch ist hier, wie beim Dualismus, das Gesetz der +Konstanz der Energie, welches die Anwendung des apriorischen +Kausalprinzips auf die äußere Erfahrung ist, ein festes Bollwerk gegen +alle Auffassung des Psychischen, des Bewußtseins als kausaler Funktion +physiologischer Prozesse. + +Meint man nun, gewiß sei das Psychische im Bewußtsein vom +Physiologischen verschieden, aber das sei nur Schein oder Erscheinung, +in Wirklichkeit oder »an sich« sei das Erleben doch nur physischer Art, +so ist darauf zu erwidern, daß hier +das richtige Verhältnis geradezu +umgedreht+ wird. Das Physische kann zwar kein Schein, wohl aber +»objektive Erscheinung« sein, denn es ist durch das erkennende Subjekt, +durch ein Psychisches also, qualitativ bedingt. Aber das Psychische +(Geistige) als solches, das Bewußtsein im weitesten Sinne, kann +nicht +bloße Erscheinung+ sein. Denn damit etwas »erscheint«, ist schon ein +psychisches Erleben (Erkennen) notwendig, +durch das+, und ein Subjekt, ++für welches+ es erscheint. Ein Physisches, das nicht schon zugleich +psychisch ist, kann sich also gar nicht »erscheinen«, nicht irgendwie +»erfassen«. Kann es sich aber erleben, erkennen, dann ist es eben nicht +mehr rein physisch und hat eigenartige Erlebnisse, eben das Psychische: +Empfindung, Vorstellung usw., das unmittelbar und sicher da ist. An der +Existenz psychischer Erlebnisse in uns können wir nicht im geringsten +zweifeln; daß wir fühlen wollen, denken usw., muß auch für den größten +Skeptiker, der das Dasein der Körper in Frage stellt, evident sein. +Es gibt kein unmittelbareres und gewisseres Sein als das Bewußtsein; +es ist nicht bloße Erscheinung, sondern die +Urbedingung aller +Erscheinungsmöglichkeit+; es setzt sich selbst logisch voraus, +ist völlig unableitbar[4]. + +Mit der Wendung: »eigentlich« ist das Psychische nur eine +Nervenschwingung, ist es also nichts. So wie der Dualist geht auch der +Materialist hinter die Erfahrung zurück, indem er das unmittelbare +Erlebnis, das wir als unbefangene Beurteiler selbst das Psychische +nennen, transzendiert. Das gleiche tut natürlich der Vertreter der +»Philosophie des Unbewußten«, wenn er das psychische Wirken in das +absolut Unbewußte verlegt. Ein Unbewußtes absoluter Art, das zugleich +psychisch sein soll, ist ein Unding, ein »unbewußter Geist«, ist eine +contradictio in adjecto, denn »Bewußtsein« und »psychisch« sind ja zwei +Bezeichnungen für ein Geschehen, von dem man gar nichts wissen könnte, +wäre es nicht im Erleben gegeben. In der Tat sind die »unbewußte +Vorstellung« und der »unbewußte Wille« nur Entlehnungen aus dem +Bewußtsein, das »Unbewußte« hat in diesem sein Vorbild, ist nur eine +metaphysische Kopie und Verdoppelung desselben. + +Zwischen Materialismus und Dualismus schwankt jene Lehre, nach welcher +das Psychische, das Bewußtsein nur ein »Epiphänomen« des Physiologischen +ist[5]. Das Seelische ist hiernach nicht selbst physisch, es ist auch +nicht eine Wirkung des Physischen, sondern eine Art Schatten, welcher +das physiologische Geschehen im Zentralnervensystem begleitet, in steter +»Abhängigkeit« von diesem, aber ohne eigene Wirksamkeit. Im Menschen, +der einen lebenden Automaten darstellt, vollzöge sich alles ganz genau +so, wie es sich vollzieht, auch wenn es kein Bewußtsein gäbe. Dieses +kommt nur auf einer bestimmten Stufe der organischen Entwicklung zum +Physiologischen hinzu (als ein »surajoutée«), man weiß nicht wie und +woher und wozu. Denn einen Einfluß auf das organische Getriebe soll es +ja nicht haben, und aus dem Physischen soll es ja nicht entstehen, da es +diesem nur parallel geht. Es schwebt durchaus in der Luft und erscheint +als biologisch nutzlos und schon vom Standpunkte des Darwinismus wegen +dieser Zwecklosigkeit als genetisch unbegreiflich[6]. Daß man sich gegen +eine solche Form des »psycho-physischen Parallelismus« energisch gewandt +hat, ist durchaus in der Ordnung. Ebensowenig wie das Prinzip der +Stetigkeit und die Kausalität es zuläßt, daß aus Bewegungen durch bloße +Komplikation etwas ganz Neues, das Bewußtsein, entsteht, ebensowenig +kann dieses plötzlich, bei den Organismen, aus dem Nichts zum Physischen +hinzukommen. Es müßte denn das Erzeugnis eines Schöpfers sein, eine +Annahme, die kaum als eine wissenschaftliche gelten kann, ganz einerlei, +ob man für sich nun an einen Gott glaubt oder nicht. + +Ein neben dem physischen einhergehendes, ohne innere Verbindung mit +demselben ablaufendes psychisches Geschehen, das gleichwohl in steter +Korrelation zu ihm steht, obzwar es selbst »inkausal« ist und auch vom +Physischen keine Wirkungen empfängt, ist nicht das, was die Psychologie +und die Biologie von dem Begriffe des Seelischen mit Recht fordern +können. Dieser Begriff muß den Tatsachen der Erfahrung möglichst gerecht +werden und sie möglichst umfassend erklären können. Und er muß deshalb +auch in rationeller Beziehung zum Begriff des Physischen, bzw. +Physiologischen stehen. + +Ist nun das Psychische nicht der Zustand oder die Tätigkeit eines +transzendenten Seelenwesens, auch nicht die bloße Funktion oder +Erscheinung des Physischen, des Nervensystems, ist es weder selbst ein +physischer Prozeß, noch ein neben diesem einhergehender Vorgang, was ist +es denn, was kann es denn noch sein? + +Jedenfalls ist das Psychische, da es nicht das Erzeugnis eines rein +Materiellen sein kann, ein +Prinzip+ des Seins, ein »Urgeschehen«. Es +ist mindestens +ebenso primär+, ursprünglich wie das Physische. Wie +Subjekt und Objekt Korrelate sind, die getrennt nicht bestehen, sondern +zu +einer und derselben Erfahrung+ als deren beide Seiten, Glieder, +Beziehungspunkte gehören, ohne daß das eine ein Produkt des andern ist, +so erweisen sich auch Psychisches und Physisches als untrennbare, nur in +der Abstraktion unterscheidbare und voneinander abzulösende »Seiten« der ++Gesamterfahrung+. Diese ist die ursprüngliche Einheit, die »Identität« +des Psychischen und Physischen. Die Verschiedenheit beider »Seiten« +bedingt einen, vom metaphysischen durchaus zu sondernden +empirischen+ +(phänomenalen) Dualismus auf Grundlage eines ebenso empirischen +Monismus. In der Abstraktion und zwecks begrifflicher Verarbeitung des +Erfahrungsinhalts müssen wir von zwei »Seiten« des Geschehens sprechen. +Die eine ist das Physische, die andere das Psychische. Sehen wir nämlich +davon ab, daß die Inhalte der Sinneswahrnehmung und des diese +verarbeitenden Denkens in konkreter Wirklichkeit zu einem Subjekt, einem +»Bewußtsein überhaupt«, einem Erleben gehören, behandeln wir diese +Inhalte, die Objekte der Erfahrung, als von aller Individualität +(Subjektivität) unabhängige, selbständige, gesetzlich miteinander +verknüpfte, in raum-zeitlich-kausalen Relationen zueinander stehende +Dinge und Eigenschaften, die wir in mathematischen Formeln quantitativ +festlegen, dann ergibt sich jene Auffassungsweise, die wir »äußere« +Erfahrung und »mittelbare« Erkenntnis nennen, deren Gegenstand das +Physische, Körperliche, Materielle ist. Dieses besteht also, ungeachtet +des »Idealismus«, den die Erkenntniskritik für die Objekte der Erfahrung +als solche statuiert, nicht aus psychischen Erlebnissen, sondern wird +von diesen +methodisch unterschieden+. Das Psychische hingegen ergibt +sich aus einer anderen »Auffassungsweise« der Erfahrung, nämlich sofern +diese +in voller Unmittelbarkeit und Konkretheit+, ohne jede Abstraktion +und Hypostasierung, ohne »Objektivierung« hingenommen und gedacht wird. +Das Erfahren, Erleben selbst in allen seinen Momenten und Elementen +(Empfindung, Vorstellung, Wollen, Denken usw.), als +unmittelbarer +subjektiver Prozeß+, als Bewußtsein, für ein Ich-Gegeben-Sein, als +unmittelbarste Aktion und Reaktion eines Subjekts ist das Psychische. +Ein und derselbe Tatbestand also, ein Erlebnisganzes bildet den +Ausgangspunkt für zwei verschiedene +Betrachtungsweisen+, für den +»empirischen Dualismus«, der, philosophisch gedeutet, zu irgendeiner Art +des +Monismus+, wenn auch nicht zum Materialismus führt, wofern man sich +nur der Korrelation beider Seiten der Gesamterfahrung bewußt bleibt[7]. + +Gehen wir vom menschlichen Organismus als einem Teil unserer Erfahrung, +oder, noch besser, geradezu von unserem eigenen Ich aus. Erfasse ich mich +mittels der Sinne und denke ich mich als ein +Objekt+ unter Objekten, +abstrahiere ich von dem Umstand, daß das, was ich sinnlich an mir vorfinde, +zu meinem Ich, Subjekt, Bewußtsein zugehört, denke ich es methodisch als +System von Bewegungen oder Energien selbständiger, miteinander in +Wechselwirkung stehender Elemente um, dann bin ich für mein eigenes wie für +das fremde Erkennen ein +Physisches+, ein Körper (Leib) mit körperlichen +Vorgängen, ein Raumding unter gleichartigen Dingen. Ich finde dann an mir +nichts als ausgedehnte Masse, Bewegungen der Glieder, der Muskeln, +Nervenschwingungen, kurz, physikalisch-chemische Prozesse, die miteinander +in durchgängigem Zusammenhang stehen, ohne daß irgendwo die kausale +Verkettung eine Lücke zeigt. Vom Standpunkt der »äußeren« Erfahrung, +welcher der der Naturwissenschaft ist, bin ich, wie jeder andere +Organismus, nichts als bewegte Materie, ein Komplex physikalisch-chemischer +Energien, kurz, ganz so, wie der Materialismus es lehrt. Aber dieser +Materialismus ist völlig +einseitig+. Denn sobald ich den Standpunkt der +äußeren mit dem der »inneren« (unmittelbaren) Erfahrung vertausche, ändert +sich das Bild. Jetzt bin ich nicht mehr bewegte Materie oder +Energiekomplex, sondern ein lebendiges, empfindendes, fühlendes, wollendes, +denkendes +Subjekt+, ein +einheitlicher Zusammenhang von Erlebnissen+, die +als solche -- mögen sie auch Körper und Bewegungen zum Inhalt oder +Gegenstand haben -- weder Körper noch Bewegungen sind. Ich habe Erlebnisse +von Farben, Tönen, Ausdehnung usw., aber das subjektive Erleben als +solches, das Auftreten oder Erzeugen von Vorstellungen, Gefühlen usw. ist +nicht selbst farbig, tönend, ausgedehnt, schwer u. dgl., sondern intensiv, +klar, lebhaft, deutlich usw., es muß +anders beschrieben und bestimmt+ +werden als das Physische, als +der objektivierte und hypostasierte +Erfahrungsinhalt+. Ebendasselbe also, was von dem einen Gesichtspunkt als +Körper sich darstellt, erscheint, ist in seinem unmittelbaren +»Für-sich-Sein«, als erlebendes Subjekt, eine »Seele«, ein psychischer +Zusammenhang. Insofern das Physische als solches ein +Abstraktionsprodukt+ +ist und von den Formen der Anschauung und des Denkens abhängig ist, kann es +als »Erscheinung« bestimmt werden. Das Psychische (Geistige) hingegen, das +die Bedingung der Erkenntnisformen, ja der Zusammenhang von +Erkenntnisfunktionen (neben anderen) selbst ist, das ferner niemals +direktes Objekt eines fremden Erkennens sein kann, ist nicht bloße +Erscheinung (im Kantischen Sinne), sondern (mindestens +relativ+) ein »An +sich« des Organismus, jedenfalls aber das mehr unmittelbare, mehr konkrete, +vollere Sein oder Geschehen. + +Die »Identitätstheorie«, wonach Psychisches und Physisches zwei +»Seiten«, »Attribute«, »Erscheinungen«, »Aspekte« eines und desselben +Wesens bilden, kann in realistischer oder auch in mehr oder weniger +idealistischer Weise formuliert werden. Wir glauben nun, daß die +realistische Identitätstheorie mit ihrer Annahme eines an sich +unbekannten Wesens, dessen Äußerungen oder Seiten das Psychische und +Physische darstellen, immerhin durchführbar ist, halten sie aber doch +entweder für einen »agnostischen« Verzicht auf eine weitere +Vereinheitlichung der Erkenntnis oder aber, wenn sie als der Weisheit +letzter Ausspruch gilt, für +halb-dualistisch+ und in manche +Schwierigkeiten verwickelnd. Wir ziehen es daher vor, den Monismus ++idealistisch+ (oder besser »ideal-realistisch«) zu fassen, indem wir +sagen: +Was an sich, für sich, unmittelbar erfaßt psychisch ist, das ist +der objektiven Erscheinung nach, mittelbar erkannt, methodisch +verarbeitet physisch.+ Der äußeren, körperlichen Organisation +»entspricht« die innere, seelische Organisation; erstere ist die +»Erscheinung«, der »Ausdruck«, die »Objektivation« der letzteren, diese +das »An sich«, das »Innensein« jener, so aber, daß beide nur aus der ++einheitlichen Gesamterfahrung+, in der sie untrennbar sind, +herausgehoben sind. Diese und das beiden Betrachtungsweisen Gemeinsame +(Entwicklung, Differenzierung, Intensität und andere Eigenschaften) ist +das »Identische« der beiden Daseinsweisen[8]. Seele und Leib sind +demnach +nicht zwei trennbare Dinge+, nicht zwei Substanzen, aber es ist +auch nicht die Seele mit dem Körper, dieser mit der Seele identisch. +Sondern je nach der Betrachtungsweise ist dasselbe Wirkliche, der +»Organismus«, durchweg »Seele« oder durchweg »Körper«. Und weil dem so +ist, weil Psychisches und Physisches +Korrelate+ sind, die sich auf ++dasselbe Wesen+ beziehen, besteht zwischen ihnen vollkommene ++Harmonie+, »entspricht« jedem psychischen ein physisches +(physiologisches) Geschehen und umgekehrt, ohne daß eine wahre +Wechselwirkung zwischen ihnen zu bestehen braucht. So genommen, verliert +der »psychophysische Parallelismus« alles Mystische und Unbegreifliche, +denn jetzt handelt es sich nicht mehr um zwei fremd einander +gegenüberstehende und doch in genauer Übereinstimmung befindliche, +selbständige Seins-Reihen, sondern +nur um eine Wirklichkeit, die von +zwei Gesichtspunkten aus betrachtet und denkend verarbeitet wird+[9]. + +Jedem psychischen Vorgang entspricht ein physiologischer Prozeß, und +umgekehrt hat jeder physiologische Vorgang in einem psychischen +Geschehen mehr oder weniger bewußter Art sein Korrelat. Es besteht also +eine wechselseitige +Abhängigkeit beider Daseinsweisen voneinander+, die +aber nicht direkt kausal ist, sondern »funktionell« im Sinne der +Mathematik, wiewohl man sich populär und im einzelnen auch der kausalen +Ausdrucksweise bedienen kann, wenn man sich nur der +Laxheit+ derselben +bewußt bleibt. Die Fälle scheinbar echter Wechselwirkung zwischen Leib +und Seele erklären sich wie folgt. Es gibt außer den vollbewußten, +apperzipierten psychischen Vorgängen »unterbewußte« und für sich allein, +gesondert überhaupt nicht gewußte, nicht bemerkte, nicht »apperzipierte« +(keineswegs aber absolut unbewußte, apsychische) Prozesse und Elemente +von solchen, die sich zum Teil zu dem vereinigen und in dem aufgehen, +was wir das dunkle »Lebensgefühl« nennen. An diesem partizipieren jene +psychischen Teilvorgänge, die den +vegetativen+ Lebensprozessen parallel +gehen, ohne ins Licht des eigentlichen, des klaren Selbstbewußtseins zu +fallen. Die Abhängigkeit des geistigen Lebens, des Denkens z. B., vom +»leiblichen« bedeutet nun, streng genommen, nicht eine kausale +Beeinflussung des Geistigen durch das Körperliche als solches, sondern +durch jene »Innenseite« desselben, die in Form mehr oder weniger +dunkler Empfindungen, dumpfer Gefühle und Strebungen u. dgl. auftritt. +Das »Leibliche« wirkt also, wenn man will, auf das Seelische ein, aber +schon als Bestandteil des Psychischen, als ein +Seelisches niederer +Ordnung+, als eine +Provinz der psychischen Organisation+[10]. In diesem +Sinne ist es wahr, daß z. B. Verdauungsbeschwerden einen Einfluß auf die +Denktätigkeit, die Stimmung usw. ausüben; aber nicht die +physikalisch-chemischen Vorgänge im Magen sind die Ursachen der +psychischen Depression, sondern die diesen Vorgängen entsprechenden +»Innenzustände«, bzw. diese Vorgänge vom Standpunkt der inneren +Erfahrung aufgefaßt. Ebenso sind Störungen des Gehirns, die durch Läsion +desselben bedingt sind, nur insofern die Ursachen geistiger Erkrankung, +als sie zugleich, an sich, Störungen unbewußter psychischer Prozesse, +Dispositionen und Verbindungsmöglichkeiten sind, an die sich die +eigentliche Geistesstörung knüpft. So wie der Leib nur als Psychisches +auf den Geist einwirkt, mit dem zusammen er einen Teil der seelischen +Gesamtorganisation bildet, so wirkt die Seele auf den Leib wahrhaft nur, +sofern dieser ein »Innensein« hat, d. h. als unmittelbares Erlebnis, +nicht wie er als Komplex von Atomen und Energien abstrakt aufgefaßt und +bestimmt wird. Nur die unmethodische willkürliche +Vertauschung der +Standpunkte+, die ja gewiß bequem ist, verführt zu dem Glauben, es könne +etwa der Wille eine Bewegung kausal beeinflussen. In Wahrheit geschieht +folgendes: ein von Empfindungen oder Vorstellungen ausgehender +Willensimpuls hat zur Folge eine Veränderung in Muskelempfindungen u. +dgl., kurz, eine Art Umlagerung von Bewegungsvorstellungen. Die +Willenshandlung beginnt psychisch mit dem Antrieb und endet in +Muskel- und ähnlichen Empfindungen, und dem geht parallel eine physische +Reihe, welche mit Gehirnprozessen beginnt und in einer Bewegung etwa des +Armes endigt. Auf diese Weise geht der Willensimpuls tatsächlich der +angeführten Bewegung zeitlich voran; aber gleichwohl fallen innere +Willenshandlung und äußere Gesamtbewegung zeitlich zusammen, indem je +einem Moment der ersteren ein Moment der letzteren zugeordnet ist[11]. +In der Bewegung kommt der Wille zum sichtbaren und meßbaren +Ausdruck+, +er ist der innere +Grund+ der Bewegung, aber nicht die phänomenale +»Ursache« derselben, welche in einem Nervenprozesse zu suchen ist, gemäß +dem Prinzip der geschlossenen Naturkausalität und dem der Konstanz der +Energie. Der Willensvorgang ist der Grund, daß die objektive Erscheinung +einer Körperbewegung für ein Subjekt auftritt, und insofern kann man +sagen, die Körperbewegung ist durch das Psychische »bedingt«, sie würde +ohne dieses nicht auftreten, da sie ja nur die »Außenseite« desselben +ist. +In Wahrheit wirkt die Seele immer nur auf ein Glied oder Element +ihrer Organisation und dies erscheint objektiv als Wechselwirkung +zwischen Bestandteilen der körperlichen Organisation.+ Alles +physiologische Geschehen läßt sich insofern als ein +Zeichen+ für einen +psychischen Vorgang auffassen; ja der gesamte körperliche Organismus +bildet geradezu ein +System der Ausdrucksbewegungen+, in welchen sich +mehr oder weniger bewußte oder unterbewußte, höhere oder niedere +psychische Zustände und Vorgänge verraten, manifestieren. + +Wir verstehen nun, warum und inwiefern das Psychische an ein +Nervensystem und dessen Funktionen, bzw. an organische Substanz, an +Substanz überhaupt »gebunden« ist. Nicht weil es ein Produkt dieser +Substanz ist, sondern weil es das »Innensein« derselben bildet, weil das +Subjektive als materielles Sein und Geschehen erscheint oder unter +entsprechenden Bedingungen (Anwesenheit eines wahrnehmenden Subjekts +usw.) erscheinen kann und muß. Da höheres Geistesleben nur auf der Basis +eines niederen, sinnlichen, teilweise schon »mechanisierten« +Seelenlebens erwächst, so ist es begreiflich, daß dieses höhere, +entwickeltere, +differenzierte Geistesleben+ auch in Form einer ++differenzierteren Materie+ erscheint und demnach an ein Nervensystem, +beim Menschen sogar an ein Großhirn gebunden ist, während das Seelische +in niederer Form auch nur niedere, weniger organisierte Substanz zum +Korrelat hat. Diese substantiellen »Träger« des Seelischen sind +erkenntnistheoretisch und naturphilosophisch als »Objektivationen« einer +Organisation, einer »Struktur«, eines Seins zu betrachten, das aus der ++Wirksamkeit des Seelenlebens auf sich selbst+, in aktiver und reaktiver +Anpassung auf die Umwelt, durch Übung und Vererbung und andere Faktoren +hervorgegangen ist. Die Seele »baut« sich ihren Leib selbst, nicht durch +mystische Formung des Körpers, sondern durch +Selbstorganisation+, die +den Ausgangspunkt und die Basis für höhere Entwicklungen bildet und +objektiv als mehr oder weniger differenzierte Materie mit +entsprechenden, physischen, physiologischen Funktionen erscheint. In +diesem Sinne ist der +Leib+ in Wahrheit die +verkörperte und teilweise +mechanisierte Seele+, diese die +lebendige, aktive »Form«, die +»Entelechie« des Leibes+, in dem sie sich objektiviert und stabilisiert. +Jedes psychische Geschehen ist also insofern zugleich physisch, als es +in einer physischen Erscheinung zum »Ausdruck« kommt und es hat +Physisches zur Folge, insofern es der +innere Grund+ einer Veränderung +in den physischen Phänomenen, die den Organismus betreffen, ist. +Direkte, +phänomenale+, exakt-meßbare, naturwissenschaftliche +Ursache+ +einer organisch-physischen Veränderung ist stets wieder ein +physischer+ +Vorgang im Organismus als Reaktion auf einen äußeren Reiz. Indem dieser +den Organismus erregt, +bedeutet+ diese »Erregung« zweierlei: vom +Standpunkt der äußeren Erfahrung eine Auslösung physischer Energie, vom +Standpunkt der inneren Erfahrung ein inneres »Verspüren« und einen +»Antrieb« zur Tätigkeit. Die äußere Handlung, die daraus resultieren +kann, ist +der objektive Ausdruck der inneren, psychischen Aktion oder +Reaktion+, die an sich nichts Physisches, Materielles bewirken kann. Es +muß dies wiederholt betont werden, damit die zuweilen schwer zu +vermeidende laxere Ausdrucksweise eines Bewirktwerdens physischer +Vorgänge durch psychische nicht mißverstanden, +nicht im +metaphysisch-ontologischen Sinne+ genommen und dann etwa gar der Vorwurf +des Selbstwiderspruches erhoben wird. -- + +Wir sind nun so weit, daß wir auch der Einseitigkeit der +extremen +Aktualitätstheorie+ begegnen können. Wenn diese die Seele (das Ich) für ein +bloßes »Bündel« von Vorstellungen, für einen bloßen »Komplex« von +elementaren Zuständen und Vorgängen, für ein bloßes »Summationsphänomen« +erklärt (+Hume+, +Mill+, +Mach+ u. a.), so besteht die Einseitigkeit hier +darin, daß nur auf die Vielheit und Mannigfaltigkeit der seelischen +Teilinhalte +geachtet+ wird. Wenn wir nämlich auf diese Vielheit achten, d. +h. +Teile apperzeptiv aus dem Zusammenhang des Erlebens herausheben+, dann +entgeht uns leicht der +Einheitscharakter+ des Erlebens, oder wir werden +wenigstens geneigt, ihn zu unterschätzen. Wir verfallen dann geradeso in +Einseitigkeit wie die Dualisten, welche die Einheit des Ich ++hypostasieren+, vom Erleben abtrennen und zu einer vom Leibe gesonderten +Seelensubstanz machen. Die +Einheit+ des Erlebens ist also weder Schein +noch ein selbständiges Wesen, sie ist weder ein bloßes Summationsphänomen, +noch eine transzendente Wesenheit, sondern sie ist +so real wie das +Bewußtsein überhaupt+ es ist, sie ist +eine im Bewußtsein, in der Fülle der +Erlebnisse sich entfaltende und erhaltende Einheit, eine aktive +Einheitsfunktion+, kurz das, was wir ein »Subjekt« nennen. Das Subjekt hat +mit der Substanz die +Konstanz+ und +Identität+ gemein, ohne die Starrheit +jener zu teilen, ohne einen dinghaften Charakter zu besitzen. Das Subjekt +ist +kein einzelner Bewußtseinsinhalt+, sondern die +aktive Form und das +lebendig Formende des Bewußtseins+, es besteht +nicht neben+ der +Mannigfaltigkeit der Erlebnisse, sondern +in ihnen+, in ihrem inneren +Zusammenhange, der mehr als eine Summe oder ein Aggregat ist. Und die +Erlebnisse, die Bewußtseinszustände, sind +nicht vor und ohne das Subjekt+ +da, sondern immer schon +Abhängige, Aktionen und Reaktionen eines wenn auch +noch so primitiven Subjektmoments+, eines »primären Ichs« (+Jodl+), um das +als Zentrum, als Ausgangs- und Quellpunkt sie sich gruppieren. Die +Seele+ +ist also +das in der Mannigfaltigkeit der Bewußtseins-Erlebnisse sich +identisch setzende, erhaltende und entwickelnde Subjekt, eine gegliederte, +organisierte Einheit in der Vielheit, ein aktiv-reaktives Einheitsprinzip+ +-- nicht transzendenter, wohl aber, als Bedingung alles Erlebens, +»transzendentaler« Art (im Kantischen Sinne). Die Seele ist also dem +Bewußtsein immanent, sie ist das aktive und reagierende +Bewußtsein +selbst+, das sich +inhaltlich+ stets nur in einem Zusammenhang von +Erlebnissen (»empirisches Ich«) findet, stets aber über jeden Bestandteil, +jedes Moment dieses Zusammenhanges hinausragt als ein formales, ++synthetisches+ Prinzip, nicht als ein Wesen mit unbekannten +Eigenschaften[12]. Das Wesen der Seele ergibt sich vielmehr aus den ++Grundtätigkeiten+, in denen sie ihre Natur bekundet. Diese +Grundtätigkeiten sind es, worauf die Mannigfaltigkeit psychischer Prozesse +zurückführt, und aus den +Gesetzen+ jener, aus der +konstanten +Wirkungsweise, Funktion derselben+ sind die typischen Zusammenhänge, +Verbindungen und Gebilde des Bewußtseins wenigstens formal zu erklären. Man +muß also von der Oberfläche der Bewußtseinsvorgänge auf das +innerste +Getriebe+ derselben zurückgehen, wobei man teilweise zu relativ +»Unbewußtem«, d. h. Ungewußtem gelangt, nicht aber zu einem absolut und +wahrhaft Unbewußtem, prinzipiell Nicht-Erlebbaren. Eine absolut +»subjektlose« Psychologie, die alles aus der bloßen Verbindung absolut +selbständiger Elemente erklären will, spottet ihrer selbst und weiß nicht +wie. Sie führt zur Verdinglichung jener »Elemente«, die nur +als Glieder +eines einheitlichen Zusammenhanges+ Existenz und Wirksamkeit haben, aus +denen also das »Subjektmoment« nie herauszudestillieren ist. +Einheit und +Vielheit, Subjekt und Inhalt des Bewußtseins sind untrennbare, schon +ursprünglich, wenn auch noch undifferenziert bestehende Seiten des +Erlebens, des Bewußtseins, die auseinander nicht oder nur scheinbar +abzuleiten sind.+ Schon im primitivsten Seelenleben muß eine +»Subjektivität«, wenn auch noch ohne Abhebung von einer Objektenwelt, +bestehen, welche in ihren Erlebnissen sich findet, sich bejaht, sich setzt +und erhält, als einfache »Trieb-Seele« mit wenig veränderlichem Inhalt, +meist mit äußerst geringen Entwicklungsmöglichkeiten. Aus solchen +primitiven »Seelen« haben sich, durch das Zusammenwirken innerer und +äußerer Faktoren, nicht zum wenigsten aber durch aktive Anpassung, die +hochorganisierten Seelen der Menschen gebildet, als +Subjekte höherer +Ordnung+, aber wesensverwandt mit den der untermenschlichen Seelen. + + + + +II. Die psychische Kausalität. + + +Wir hörten bisher, daß die Seele nicht im metaphysischen Sinne auf den +Leib (als Materie oder Energiekomplex) einwirkt, sondern daß sie in +Wahrheit, genau gesprochen, +stets nur auf sich selbst wirkt und von +sich selbst Wirkungen empfängt+, so aber, daß alle Wirkungen +körperlich +irgendwie zum Ausdruck+ kommen, wobei eine Wechselwirkung zwischen dem +Nervensystem (und dessen Funktionen) und dem übrigen Organismus besteht. +Jedes psychische Geschehen hat sein physiologisches Gegenstück, seine +physische »Seite«. Infolge des Zurückwirkens der seelischen Organisation +auf sich selbst, das seinen physiologischen Ausdruck hat, ist es +verständlich, warum an den Veränderungen, an der Entwicklung des +Organismus +psychische Faktoren+ beteiligt sind, ohne daß sie den +physischen Zusammenhang durchbrechen, also ohne daß irgend einmal an +Stelle physikalisch-chemischer Ursachen von leiblichen Prozessen rein +psychische Ursachen treten. + +Gibt es aber überhaupt eine +psychische Kausalität+, wird man fragen, +oder haben am Ende jene recht, welche das Psychische als »inkausal«, als +ohne wirksame Eigenschaft bestimmen und behaupten, nur das Physische +bzw. Physiologische könne wirken bzw. als wirkend gedacht werden? Die +Vertreter des »psychophysischen Materialismus« sind der Meinung, das +Psychische, das Bewußtsein -- wenigstens soweit es objektiviert, aus dem +unmittelbaren, konkreten Erleben methodisch herausgehoben werde +(+Münsterberg+[13]) -- sei ein »Epiphänomen«, eine schattenhafte +»Begleiterscheinung«, ein »Nebenerfolg« der Nervenprozesse, es habe +keine Aktivität und Kraft, keinen ureigenen, inneren Zusammenhang, keine +Eigenkausalität, sondern es bestehe aus Verbindungen, deren Ursache oder +Grundlage einzig und allein der raum-zeitliche Zusammenhang der +Gehirnprozesse sei. Es gibt hiernach keine wahre psychische Tätigkeit, +was wir so nennen ist nichts als die Summe von »Spannungsempfindungen« +u. dgl. Empfindungen und Vorstellungen verbinden sich dann miteinander, +wenn auch die entsprechenden Gehirnprozesse sich miteinander verbinden, +und alle Veränderungen und Störungen im Ablauf des Bewußtseins sind nur +Spiegelungen zerebraler Modifikationen. + +Eine solche Auffassung ist aber unhaltbar. So wenig ein einzelner +physischer Vorgang einen psychischen bewirken oder auf ihn einwirken kann, +ebensowenig kann eine Verbindung physischer Vorgänge eine psychische +Verbindung bewirken. Und ebensowenig als ein Bewußtseinsvorgang die bloße +»Erscheinung« eines physischen Geschehens sein kann, ist es denkbar, daß +der Zusammenhang eines seelischen Geschehens nur der Widerschein eines +physischen Kausalnexus ist. Alles was gegen diese Art Abhängigkeit des +Psychischen vom Physischen spricht, spricht auch gegen diesen Spezialfall, +vor allem der Umstand, daß das Seelische nicht bloße Erscheinung eines +Geschehens sein kann, das des Seelischen ganz ermangelt, dem also die ++Bedingung des Sich-erscheinen-könnens+ durchaus abgeht. Auch läßt sich der +psychische Zusammenhang nicht aus der bloßen Verbindung der Nervenprozesse +erklären, ableiten. Ich mag noch so eifrig und genau in das Getriebe der +Hirnprozesse hineinschauen können, so werde ich, wenn ich nicht die schon +damit verknüpften Bewußtseinsvorgänge erlebt habe und kenne, diese und +deren Beschaffenheit nicht zu erkennen vermögen; denn die Qualität, die das +Psychische als solches konstituiert, das eigenartige Erleben eines Tones, +einer Farbe, einer Lust, eines Zornes usw. liegt keineswegs im +Nervenvorgang, ist aus ihm nimmer herauszulesen, zu erraten. Und ebenso +werden wir zwar aus raum-zeitlichen Verbindungen von Gehirnprozessen +Schlüsse auf psychische Zusammenhänge ziehen, manches an diesen aus jenen +begreiflich machen können, aber den Schlüssel zum +Verständnis+ des +seelischen Zusammenhanges, der spezifischen psychischen Verbindungen und +Gebilde, geben die physiologischen Zusammenhänge nicht. Das Physiologische +dient zur Erklärung des Psychischen in der Regel nur da, wo eine ++Gemeinsamkeit+ von Modifikationen beider statthat, wie +Ausfallserscheinungen, Hemmungen, Störungen verschiedener Art, +Simultaneität oder Sukzession u. dgl. Das Qualitative, Spezifische der +psychischen Verbindung ist +nur psychologisch+, nicht physiologisch zu +verstehen, wofern man nicht, was oft der Fall ist, unbewußt schon das +Psychische +voraussetzt+ oder psychische Zustände und Zusammenhänge in das +Physiologische +hineinträgt+. + +Die Auffassung des Psychischen als »inkausal« ist nur dann begreiflich, +wenn man sich die unberechtigte Verdinglichung der Empfindungen und +Vorstellungen seitens der »Assoziationspsychologie« und die +Einseitigkeit des psychologischen »Atomismus« (oder der »atomistischen +Psychologie«) vor Augen hält. + +Schon +Herbart+ hat den folgenschweren Fehler begangen, die psychischen +Elemente -- bei ihm die Vorstellungen -- als selbständige Wesenheiten +aufzufassen, die miteinander konkurrieren, um die Vorherrschaft im +Bewußtsein kämpfen, einander hemmen und verdrängen; in ihrem Zusammen- +und Gegeneinanderwirken werden sie zu Kräften, ja zu einer Art +lebendiger Dinge, die mit Tendenzen ausgestattet sind. Ähnlich sind für +die +Assoziationspsychologen+ die Empfindungen oft selbständige +Elemente, die primär nebeneinander bestehen, miteinander in Verbindung +treten usw., kurz, kausale Faktoren, aus deren Wirken das seelische +Leben abgeleitet wird. + +Diese Auffassung ist die Reaktion gegen die ältere +»Vermögenspsychologie«. Diese stattet die substantielle (bzw. +dynamische) Seele mit spezifischen Kräften, Vermögen, Tätigkeiten aus, +welche das Bewußtsein erzeugen und Bewußtseinsverbindungen herstellen. +Ähnlich wirkt das »Unbewußte« +Ed. v. Hartmanns+ als Agens hinter dem +Bewußtsein und ist das eigentlich und einzig Aktive, Kausale im Ablauf +des Seelischen. + +Wenn man nun, mit Recht, sich nicht zu einer solchen +Vermögenspsychologie bekennen will, zugleich aber einsieht, daß »reine +Empfindungen« nicht primäre, selbständige, absolute Wirklichkeiten, +sondern in gewissem Sinne +Abstraktions- und Zerlegungsprodukte+ sind, +Glieder eines einheitlichen Zusammenhanges, dann kann man leicht dazu +gelangen, diesen psychischen Elementen alles Wirken, alle Kausalität +abzusprechen und sie bloß dem Physiologischen zuzuerkennen, wie es ++Münsterberg+ tut[14]. + +Aber hier vermischt sich Wahrheit mit Irrtum. Richtig ist: 1. Es gibt keine +psychische Kausalität und Aktivität +hinter+ und +neben+ den +Bewußtseinsvorgängen, keine transzendenten Vermögen oder Kräfte, wenigstens +kommen sie für die Psychologie nicht in Betracht; 2. Empfindungen als ++isolierte+, aus der Einheit des Seelenlebens herausgehobene Elemente, als +Abstraktionsgebilde sind ohne Wirksamkeit, weil ohne absolute, konkrete +Wirklichkeit. Verfehlt ist aber unseres Erachtens die Abtrennung der +Psychologie als einer »objektivierenden« Wissenschaft, welche es mit +inkausalen, physiologisch zu erklärenden Abstraktionsgebilden zu tun hat, +von den »subjektivierenden« Geisteswissenschaften, welche das konkrete, +wirkliche, »stellungnehmende« Subjekt und dessen Aktionen zum Gegenstande +haben. Die Psychologie will entschieden das Psychische, d. h. das ++wirkliche Erleben des Subjekts in dessen Zusammenhange+ erforschen, nicht +Abstrakta, nicht Objektivierungen, mit denen es die Physik und Physiologie +zu tun hat[15]. Die abstrakten Empfindungen sind nicht das Psychische, +nicht der Gegenstand der Psychologie, sondern höchstens +Hilfsmittel+ zur +Erkenntnis des Psychischen. Die völlige Abstrahierung und +Verselbständigung der Empfindungen verfälscht und tötet das Seelenleben, +sie wird dem Tatbestande der inneren, unmittelbaren Erfahrung nicht +gerecht. Nicht erst in den einzelnen Geisteswissenschaften und in der +Philosophie brauchen wir die geistige, psychische Kausalität, schon in der +Psychologie müssen wir sie berücksichtigen, sonst erreichen wir den +Zweck+ +dieser Wissenschaft: das Verständnis des Seelenlebens in seiner +Gesetzlichkeit, nicht. Mag auch -- und das ist der haltbare Kern der ++Münsterberg+schen Ausführungen -- die Psychologie wie jede +Gesetzeswissenschaft nicht das unmittelbare Erlebnis in seiner vollen +individuellen Bestimmtheit erfassen, sondern es mehr oder weniger +begrifflich umschreiben und logisch verarbeiten, so entfällt hier doch, im +Unterschiede von den Naturwissenschaften, die Notwendigkeit einer +Abstraktion vom erlebenden Subjekt und dessen Zuständen und Akten. Gerade +die +Beziehung der Erlebnisse zum Subjekt+ ist es, was sie zu psychischen +Vorgängen macht, ohne diese Beziehung haben wir nur fiktive Wesenheiten +oder aber, bei konsequenter Objektivierung, physische Inhalte vor uns. + +Doch genug darüber, bleiben wir bei der +psychischen Kausalität+ und +sehen wir, wie sie zu denken ist. Da wir die metaphysische Hypothese +einer an sich unbewußten Seelensubstanz ablehnen müssen, so entfallen +für uns die »Seelenvermögen«, kraft deren der Geist im Bewußtsein wirkt. +Diejenigen, welche erklären, von einer Tätigkeit, Aktivität der Seele ++neben+ den Bewußtseinsvorgängen, den Vorstellungen, Gefühlen usw. sei +nichts zu finden, haben nicht unrecht. Aber die Folgerung, es gebe +überhaupt keine psychische Aktivität, ist falsch. Diese +Aktivität+ +besteht, zwar nicht hinter und neben den Einzelerlebnissen, wohl aber in +einem +Zusammenhange+ der Erlebnisse und ist durch besondere Gefühle +charakterisiert, so daß das Ich unmittelbar davon Kunde hat, daß und +wann es tätig ist. Aus der bloßen Summe von Empfindungen, die sich +passiv miteinander verbinden, besteht die Bewußtseinsaktivität nicht, +wenn sie auch nur +in+ und +an+ dem Verlaufe des Erlebens zu +konstatieren ist. Der eigenartige +Zusammenhang+ und +Ablauf+ von +Erlebnissen, der als psychische Tätigkeit und Wirksamkeit sich abhebt, +ist +ebenso real+ wie die einzelnen Momente und Elemente des Erlebens, ++ebenso primär+, ja in gewissem Sinne ursprünglicher. Denn erst die +psychische +Analyse+, die durch die bestimmt gerichtete +Aufmerksamkeit+ +an dem einheitlichen Bewußtseinszusammenhange willkürlich oder +unwillkürlich bewerkstelligt wird, hebt aus demselben Momente und +Elemente heraus, die in Wahrheit niemals isoliert und selbständig +vorkommen, sondern Glieder des Zusammenhanges bilden, von ihm +untrennbar sind. +Die psychische Tätigkeit entfaltet und manifestiert +sich in einer Mannigfaltigkeit von Momenten, existiert nicht ohne diese +und neben diesen Momenten; aber umgekehrt haben diese Momente auch keine +Existenz außerhalb des Tätigkeitszusammenhanges, aus dem sie sich +herausheben und für sich fixieren lassen.+ + +Die Existenz einer psychischen Kausalität, das wollen wir hier betonen, +unterliegt keinem berechtigten Zweifel. Ist doch das Wirken des Ichs, +die psychische Kausalität geradezu das +Ur- und Vorbild aller +Kausalität+. Tätigkeit, Kausalität, Kraft wird von uns nicht als +Bestandteil der Außenwelt erlebt, wahrgenommen, sondern das Objektive, +der Wahrnehmungsinhalt wird kausal +gedeutet+, d. h. es wird auf ihn die +Kategorie des Wirkens angewendet, die durch den raum-zeitlichen +Zusammenhang des Objektiven nur ausgelöst wird, im übrigen aber der +Funktion und Gesetzlichkeit des Denkens entspringt, die am +unmittelbarsten im und am eigenen Erleben, am eigenen Ich sich betätigt. +In und mit der Kategorie des Wirkens »introjizieren« wir in die Objekte +der Sinneswahrnehmung ein Analogon der Eigentätigkeit des Ichs, d. h. +wir fassen gewisse äußere Zusammenhänge als +Manifestationen innerer +Verknüpfungen+ auf, jenen analog, welche wir in unserem Wollen und Tun +unmittelbar setzen und erleben. So wie in uns alles Tun +motiviert+ ist, +in einem andern, vorangehenden Tun, Erleben seinen +Grund+ hat, so ist +auch das objektive, physische Geschehen für uns begründet, +verursacht+, +und so wie wir innerlich +aktiv+ und +reaktiv+ sind, so erscheinen uns +auch die Außendinge als mit +Kräften+ begabt, vermöge deren sie wirken, +einander beeinflussen; kurz, sie sind uns insofern tätige »Subjekte«, +bei denen wir nur später, auf höherer Kulturstufe und in der exakten, +quantitativen Wissenschaft, von aller inneren Qualität, von allem +»Für-sich-Sein« absehen[16]. Weit entfernt also, daß die psychische +Kausalität nicht existiert oder nur die Erscheinung, das Epiphänomen der +physiologischen Kausalität ist, erweist sich gerade die physische +Kausalität erkenntniskritisch als schon abhängig von der Gesetzlichkeit +des Subjekts und dessen ureigenem Wirken. + +Nur wenn man die primäre Wirksamkeit der einheitlichen Psyche, des +aktiven und reagierenden Bewußtseinssubjekts verkennt, verfällt man dem +Irrtum, aus den psychischen Elementen selbständige Kräfte zu machen. +Alle Momente, Faktoren, Elemente des Bewußtseins können wirken, Kraft +entfalten nur insofern, als sie eben +Glieder des Ich-Zusammenhanges+ +sind; sie sind +nicht die primären, vollen Ursachen+ des psychischen +Geschehens, sondern Teilursachen, Anlässe u. dgl., während die ++einheitliche Psyche+ das primär und eigentlich in ihnen Wirksame, der +tiefste Untergrund und oberste Grund der psychischen Verbindungen ist. +Natürlich nicht als unbeschränkte, selbstherrliche Macht, sondern in +Abhängigkeit von der +Umwelt+ und deren Reizen und in verschiedenem Maße +der Bezogenheit auf die Einflüsse dieser. Die Psyche wirkt aktiv und +reaktiv, aber nicht allein und isoliert, sondern im Verein mit äußeren +Faktoren, durch die der Ablauf der Bewußtseinsvorgänge mannigfach +bestimmt, modifiziert wird. So wenig die Psyche absolut »passiv« ist, so +wenig ist ihre »Spontaneität« absoluter Art; gleichwohl sind in ihr Tun +und Erleiden, aktiver und passiver Bewußtseinsverlauf wohl +unterschieden. Von den psychischen Zuständen, in denen wir von +momentanen Reizen und Einflüssen außer und in uns direkt abhängig sind +und triebartig auf sie reagieren, sondern sich mehr oder weniger scharf +die geistigen Akte ab, in welchen die +Totalität+, die ganze Wucht des +Ichs, der charakterisierte, in die fernste Vergangenheit zurückreichende +Zusammenhang der Erlebnisse energisch zum Ausdruck gelangt, so daß der +momentane Reiz zurücktritt oder unwirksam wird. + +Die +Geschlossenheit+ der psychischen Kausalität, auf die wir hier +gleich zu sprechen kommen, darf nicht mißverstanden werden[17]. Sie ist, +methodologisch, eine Forderung des um Konsequenz des einmal +eingenommenen Betrachtungsstandpunktes besorgten Denkens und das +Gegenstück zur Lückenlosigkeit des physischen Kausalzusammenhanges. +Psychische Vorgänge gehen ureigentlich immer wieder nur aus psychischen +Vorgängen hervor und haben, direkt und genau genommen, immer wieder nur +psychische Vorgänge (die objektiv als Bewegungen oder Energien sich +darstellen) zur Folge; physische Ursachen oder Wirkungen als solche +gehören nicht in die Reihe psychischer Zusammenhänge. Aber das bedeutet +nicht etwa, daß die Seele alle ihre Erlebnisse aus sich allein heraus +entwickelt, und daß die Umwelt nicht in den Ablauf des psychischen +Geschehens eingreift. Vielmehr ist ein +beständiger Wechsel aktiver und +reaktiver (passiver), bewußter und unterbewußter (relativ unbewußter) +Vorgänge+ vorhanden, so daß das Wirken der »äußeren« Faktoren und des +»Leibes« fortwährend das spontane, aktive Wirken der Psyche durchkreuzt +und durchzieht, und erst dieser +Gesamtzusammenhang+ psychischer +Erlebnisse ist absolut »geschlossen«. Die Umwelt wirkt aber auf die +Psyche nicht als Komplex von Bewegungen oder Energien ein, sondern als +das »An sich« dieser Vorgänge, das vielleicht selbst ein Psychisches +niederster Stufe, jedenfalls aber nicht selbst physisch ist. Hält man +daran fest, dann kann man keinen Widerspruch zwischen der +Geschlossenheit der psychischen Kausalität und dem unleugbaren Einflusse +der »Naturkausalität« auf die Psyche, auf das Bewußtsein finden. Auch +ist hier von keinem »Dualismus« die Rede. Denn die psychische +Kausalität, die in verschiedenen Formen, je nach ihrer Richtung, +auftritt -- als sinnliche und geistige, logische, ethische usw. +Kausalität, ist das unmittelbar erfaßte Wirken derselben Organisation, +die objektiv als der Leib eines Lebewesens, des Menschen erscheint. Die +Wirksamkeit des leiblichen Organismus bzw. des Nervensystems ist nur die +Sichtbarwerdung, die »Objektivation« des Wirkens der Seele in allen +ihren »Provinzen« und »Phasen«. + +Psychische Vorgänge und Zustände sind also Ursachen anderer nur insoweit, +als sie +Modifikationen der einheitlichen Psyche+ sind. Weil die Seele im +Moment 1 so beschaffen ist, so agiert oder reagiert, ist sie im Moment 2, 3 +... so beschaffen, so agierend oder reagierend. Die Einheit der Psyche -- +nicht einer unbekannten Seelensubstanz, sondern des »primären Ichs« -- ist +der rote Faden, der durch den gesamten Bewußtseinsverlauf sich zieht, ohne +von ihm real abtrennbar zu sein[18]. Nicht die psychischen Elemente sind +das Agierende, sie kommen nicht von selbst zusammen, erzeugen nicht das +Denken usw., sondern die Psyche, das Ich, das Subjekt ist der tätige +Faktor, der spontan oder triebhaft synthetisch wirkt, psychische Gebilde +erzeugt, Bewußtseinszusammenhänge bestimmter Art erstellt. Und die ++Gesetze+, welche die Psychologie zu erkunden sucht, sind nicht fremde +Mächte, welche das seelische Geschehen äußerlich determinieren, sondern nur ++Formeln für das konstante, permanente Auswirken der Psyche, der +Subjekt-Aktionen+. Aus diesen Aktionen (bzw. Reaktionen) die bunte +Mannigfaltigkeit des Seelenlebens nicht aprioristisch zu deduzieren, was +unmöglich ist, wohl aber begreiflich zu machen, ist die Aufgabe einer sich +selbst und ihr Ziel verstehenden Psychologie, die von Metaphysik +freizuhalten ist, wenn sie auch schließlich in eine solche mündet und +außerdem erkenntnistheoretischer Voraussetzungen nicht entraten kann. + +Eine solche Psychologie wird den psychischen »Mechanismus«, soweit er +besteht, anerkennen. Aber sie wird erstens den Versuch unternehmen, die ++lebendige Triebkraft+ dieses Mechanismus zur Erklärung desselben +heranzuziehen und zweitens wird sie nicht dem vergeblichen Bemühen sich +unterziehen, aus dem bloßen und fertigen Mechanismus, aus dem mehr oder +weniger automatisch gewordenen »Spiel der Vorstellungen« das +gesamte+ +Seelenleben abzuleiten, wie es die +Assoziationspsychologie+ oft +unternimmt. Der Mangel dieser ist es, daß sie nicht bis zur psychischen +Kraft, zur psychischen +Dynamik+ vordringt, daß sie nicht das +wahre+ +Agens der psychischen Zusammenhänge erfaßt, sondern statt dessen bald +das Gehirn, bald die Empfindungen heranzieht, und daß sie die ++mechanisierten+ nicht von den +primären, aktiv-reaktiven+ +Bewußtseinsprozessen scharf genug unterscheidet. Sie +verdinglicht+ +Elemente, die nur als +Glieder des einen Bewußtseinszusammenhanges+ +bestehen, macht sie zu selbständigen Kräften und unternimmt schließlich +auch oft den vergeblichen Versuch, die +nicht-intellektuellen+ +Funktionen des Bewußtseins, besonders den Willen, aus bloßen +Empfindungen u. dgl. zu konstruieren. So ist sie im schlechten Sinne des +Wortes psychologischer +Intellektualismus+, während diejenige +Psychologie, welche dem vollen Tatbestand des Seelenlebens möglichst +gerecht zu werden sucht, +voluntaristisch+ ist. + +Der Betrachtung der Rolle des Willens im Seelenleben uns zuwendend, +verweisen wir bezüglich weiterer mit der psychischen Kausalität +zusammenhängender Fragen (Erhaltung bzw. Wachstum psychischer Energie +u. dgl.) auf den letzten Abschnitt. + +Hier sollte nur gegenüber allen Versuchen, die Existenz einer +psychischen Kausalität zu leugnen, gezeigt werden, wie es nicht möglich +ist, durch bloße außerpsychische, physiologische Zusammenhänge die +simultanen und sukzessiven Verbindungen psychischer Vorgänge zu +erklären. Diese Verbindungen sind qualitativ von ihren Elementen und +Momenten verschieden, sie sind auf bloße Abhängigkeiten in der Zeit +nicht zurückzuführen, und durch den Nachweis der ihnen entsprechenden +Verbindungen von Nervenprozessen keineswegs schon erklärt. Im Denken, +Wollen und Handeln erleben wir »unmittelbar«, »anschaulich«, d. h. nicht +erst durch abstrakte Konstruktion und Projektion, Zusammenhänge kausaler +Art, ein stetiges Hervorgehen der Folgen aus ihren Gründen, eine innere +Motivierung und Determination zu bestimmten Aktionen und Reaktionen. Und +wo uns die Zwischenglieder solcher Kausalzusammenhänge im klaren +Bewußtsein nicht vorliegen, da suchen wir mit Recht methodisch nach +solchen; und wie die Physik es vermeidet, physische Vorgänge aus +nicht-physischen abzuleiten, so muß die im guten Sinne positivistische, +nicht-metaphysische Psychologie die gesuchten Zwischenglieder als ++psychische+ Faktoren annehmen, als welche sie sich in der Tat oft auch +empirisch erweisen. Wissen wir auch nicht immer, +wie+ wir es vermögen, +kausal zu sein, wodurch unser Wollen und Handeln Wirkungen hervorbringt, +so wissen wir doch wenigstens, +daß+ wir wirken und Wirkungen erleiden, +daß unsere Erlebnisse miteinander zusammenhängen und einander +hervorrufen, wobei natürlich der Einfluß der Faktoren der Umwelt nicht +zu übersehen ist. So kompliziert die Verhältnisse des Seelenlebens sind, +so ist es doch sehr möglich, aus der Mannigfaltigkeit individueller +Modifikationen +typische, regelmäßige+, sowohl innerhalb einer +Individualpsyche als auch bei einer Vielheit von Individuen +konstant +wiederkehrende Abfolgen und Verbindungen+ herauszuheben. Wir können eben +die Individualseelen gleichsam als Vertreter eines gemeinsamen Typus, +des »Psychischen überhaupt«, ansehen und die Kausalzusammenhänge, welche +wir bei allen Individuen konstatieren, gehören zum Wesen des allgemein +Psychischen. So gibt es typische Zusammenhänge in den Gemütsbewegungen, +den Willenshandlungen, den Denkprozessen, in der Reproduktion und +Assoziation von Vorstellungen usw. Und auch die +Abweichungen+ von dem +Allgemeinen sind solcher Art, daß sie sich vielfach wieder zu ++speziellen Typen+ vereinigen lassen. Die Existenz einer psychischen +Kausalität, eines psychischen Wirkens und Gewirktwerdens, ist aber +keineswegs an das Auftreten allgemeingültiger Zusammenhänge gebunden. +Auch da, wo es solche vielleicht nicht gibt (-- man denke etwa an die +historische Kausalität --) sind die betreffenden psychischen Vorgänge +Modifikationen des Subjekts, die durcheinander bedingt sind und +auseinander in bestimmter Abfolge hervorgehen. Um die psychische +Kausalität, den +Kausalnexus der psychischen Aktionen und Reaktionen+, +der sich von der +Kausalität der objektivierten Erfahrungsinhalte+ durch +den Standpunkt der Betrachtung und Erkenntnis unterscheidet, kommt man +nicht herum. + + + + +III. Der Wille als psychischer Motor. + + +Das Wesen des psychologischen +Intellektualismus+ ist es, in den +intellektuellen Prozessen und deren Elementen, also im Denken, +Vorstellen oder in den Empfindungen den Ausgangspunkt, die Grundlage, +den Kern alles Seelenlebens zu erblicken. Gefühl und Wille sind hiernach +sekundär, abgeleitet, sie sind Produkte, Seiten, Reflexe, Abhängige des +Intellektuellen oder bloße Komplexe von Empfindungen. Einen spezifischen +Willen gibt es hiernach nicht; was wir so nennen, ist eine Summe von +Vorstellungen, Empfindungen, ev. auch Gefühlen, verbunden mit +ausgeführten oder ideell antizipierten Bewegungen; entwickelt hat sich +der Wille, nach dieser »heterogenetischen« Theorie, aus Reflexen, die +später kompliziert, bewußter wurden. Eine eigentliche Willenskraft, die +mehr ist als »ideomotorische« oder Bewegungsvorstellung plus +Spannungsempfindungen u. dgl., haben wir nicht anzunehmen. Während die +ältere Psychologie intellektualistischer Richtung aus Akten des Denkens, +des Urteilens, Schließens, kurz aus der Reflexion psychische Vorgänge +ableitete, die entweder viel zu einfach oder primitiv sind, als daß sie +mit bewußter Überlegung u. dgl. etwas zu tun haben können (z. B. +Instinkte), oder aber überhaupt nicht intellektueller Art sind (z. B. +Affekte), spricht der neuere Intellektualismus oft von angeborenen +(ererbten) Vorstellungen, die unbewußt oder bewußt das Handeln leiten, +von Urteilen u. dgl. schon auf niedriger Bewußtseinsstufe, von +Empfindungen der Muskeln, Sehnen usw. als Willensgrundlagen. Der +psychologische Intellektualismus verkennt die Ursprünglichkeit und +Wirksamkeit des Gefühls- und Willenlebens, er übersieht dessen +fundamentale Rolle, dessen Einfluß nicht bloß auf das äußere Handeln, +sondern auf den Intellekt und das Vorstellen selbst. Und da sich einer +genaueren Erforschung des Seelenlebens der Wille geradezu als das ++zentrale Agens+ des psychischen Geschehens enthüllt, so gibt uns die +intellektualistische Psychologie ein einseitiges und verzerrtes Bild vom +seelischen Erleben und dessen innerem Zusammenhang. Wie ein bloßes +Vorstellen, Empfinden oder Denken sich in ein Wollen verwandeln oder +ein solches erzeugen kann, ohne daß schon von Anfang an ein +willensartiger +Impuls+, ein Streben bestand, ist unerfindlich, ebenso +wie aus bloßen mechanischen Reflexen ein Willensentscheid sich +entwickeln konnte. So wenig das Psychische aus dem Physischen, das +Subjektive aus dem Objektiven, das Ich aus dem Nicht-Ich abzuleiten ist, +so wenig ist es einzusehen, daß und wie aus absolut Willenlosem jemals +so etwas wie Streben, Trieb, Willensimpuls hervorgehen konnte. Und so +wenig ein psychischer Vorgang einem physischen, einer Bewegung +gleichgesetzt werden kann, so unmöglich ist es für jeden Unbefangenen, +fast möchten wir sagen, Unverdorbenen, den lebendigen Prozeß des Wollens +bloßem Empfinden, Vorstellen u. dgl. gleichzusetzen. Ist doch das Wollen +geradezu das +Sicherste+, was das Ich in sich selbst finden kann, so daß +man mit Recht sagen kann: volo, ergo sum. Im Wollen erfaßt sich das Ich +am +unmittelbarsten+, es setzt sich selbst wollend und unterscheidet von +sich, von seinem Eigenwillen die fremden Willen, die ihm als Objekte +seines Wahrnehmens erscheinen und seinen Willen kreuzen und hemmen. Der +Wille ist das +Konstanteste+ im Ich, er ist der +Einheitspunkt+, um den +sich das Erleben bewegt, von dem es ausgeht und zu dem es gravitiert. +Wollen, Ziele setzen und anstreben, ist ein so prononzierter Akt des +Subjekts, daß man eher zweifeln kann, ob es Empfindungen oder +Vorstellungen im Sinne des psychologischen Atomismus gibt als an der +Existenz dieses Wollens[19]. + +Damit ist schon angedeutet, daß der Wille +keine metaphysische, +transzendente Potenz hinter dem Bewußtsein+ ist. Von einem solchen +Willen können wir absolut nichts wissen, was wir vom Willen aussagen, +ist unserem bewußten Erleben entnommen. Der Wille ist +keine +geheimnisvolle Kraft+, die wir erst erschließen müssen, sondern das +Konstante, Allgemeine im konkreten Wollen, das sich denkend und +praktisch betätigt, das um sich und seine Ziele deutlich weiß oder sie +dumpf fühlt, das jedenfalls durch unmittelbares Erleben und psychische +Analyse in uns zu finden ist. Ein Voluntarismus im Sinne +Schopenhauers+ +oder +Ed. v. Hartmanns+ ist also für die Psychologie unbrauchbar. Und +zwar auch aus folgendem Grunde. + +Für die »autogenetische« Willenstheorie, wie sie vorzüglich +Wundt+ +vertritt, ist der Wille zwar etwas +Primäres+ und +Spezifisches+, aber ++nicht ein einfaches Bewußtseinselement+ analog den Empfindungen. Weder +ist daher, wie manche Psychologen glauben, das Bewußtsein eine +Verbindung dreier Vermögen, Funktionen usw.: Vorstellung (Empfindung), +Gefühl und Wille, noch gibt es einen absolut einfachen, »blinden«, +intelligenzlosen Willen +neben+ und +vor+ dem übrigen Bewußtsein, eine +Willenstätigkeit neben und gesondert von dem übrigen Erleben. So wenig +aus einer reinen Empfindung oder Vorstellung ein Wollen hervorgehen +kann, so wenig kann aus einem absolut einfachen, blinden Willen der +Intellekt entstehen. Vor einem solchen extremen (»alogischen«) +Voluntarismus müssen wir uns nicht minder hüten wie vor dem, die +Eigenart des Willens verkennenden Intellektualismus. Die Psychologie hat +den Willen so zu nehmen, wie er sich im Erleben wirklich darstellt und +wie er demgemäß auch begrifflich zu bestimmen ist. + +Hierbei muß sie sich aber hüten, sich das Wollen gleichsam ++hinwegzuanalysieren+. So wie die Einheit des Ichs leicht dem Beobachter +sich entzieht, der durch die analytisch gewonnenen Elemente des Erlebens +gefesselt wird, so kann die analytische Betrachtung des Wollens leicht +die +Täuschung+ erzeugen, als ob der Wille nur aus Empfindungen, +Vorstellungen, höchstens auch noch Gefühlen bestände, obzwar es auf der +Hand liegt, daß aus der Zusammensetzung solcher Elemente noch nicht das +Wollen herauskommt, das zwar nichts Einfaches, aber doch kein +»Summationsphänomen« ist. Bei der Analyse des Willensaktes darf nicht +vergessen werden, neben den Momenten desselben auch wieder das Ganze, +den eigenartigen +Gesamtverlauf+ zu apperzipieren; erst dann +rekonstruieren wir psychologisch das wirkliche Erlebnis, ohne es zu +verfälschen. Es zeigt sich dann klipp und klar, daß »Wollen« +ein +Prozeß, ein Bewußtseinsverlauf+ ist, der als solcher ganz eigenartig, +spezifisch, unvergleichbar ist, sich aber in +Momente+ sondert, sondern +läßt, welche wir als Empfindungen, Vorstellungen, Gefühle ... bezeichnen +und für sich untersuchen können. Das »Ich will« ist der Ausdruck für ein +Verhalten des Ichs, welches nicht neben dem Vorstellen usw. herläuft, +sondern in sich Momente, Elemente, Faktoren enthält, sich in solche +zerlegen läßt, die in Vorgängen, deren Willenscharakter abgeschwächt +oder zurückgedrängt ist, als spezifisches Vorstellen, Fühlen usw. +auftreten. Es gibt verschiedene Formen und Entwicklungsstufen des +Willens, vom dumpfen Trieb und Streben angefangen bis zum komplizierten +Wahlakt, aber nirgends findet sich konkret-empirisch ein »reiner« Wille, +der absolut empfindungs- und gefühlsfrei wäre. Mit dem Fühlen hängt der +Wille am innigsten zusammen, ohne daß er aber nur eine Summe von +(selbständigen) Gefühlen ist. Vielmehr ist das Gefühl ursprünglich stets +schon ein +Willensmoment+, die Einleitung, Begleitung, Endigung einer +Willensfunktion. Der vollständige, primäre Vorgang ist der +Willensvorgang mit seinen Momenten und Seiten; das Gefühl ist +entweder ein solches Moment oder aber abgeschwächte, gehemmte +Wollung, die auf einen eigentlichen, vollen Willen wirken und von +ihm Wirkungen empfangen kann. + +Der volle, ungebrochene psychische Vorgang ist ein +Willensvorgang+, mit +den Momenten des Empfindens, Vorstellens, Fühlens, Strebens, kurz, das, +was +Fouillée+[20] treffend als »processus appétitif« bezeichnet hat. Zu +unterscheiden sind zwei Stufen des Willens: Triebwille (Trieb) und +Willkür; ersterer ist der einfache, eindeutig bestimmte, letzterer der +kompliziertere, aktivere, bewußtere Wille. Der Triebwille ist als ++Ausgangspunkt der gesamten Seelenentwicklung+ sowohl onto- als +phylogenetisch aufzufassen. Alle äußeren Anzeichen sprechen dafür, und +seine Natur ist eine solche, daß sich sowohl die progressive als die +regressive Entwicklung des Bewußtseins aus ihr verstehen läßt. Im +Vereine mit dem »Willkürwillen« durchzieht der Triebwille das +gesamte +Seelenleben+ des Menschen, in den verschiedensten Formen und Richtungen +findet er sich hier und seine Herrschaft ist eine um so größere, je mehr +wir uns dem Tierischen nähern. + +Nach der einen Seite hat sich der Trieb zum +Reflexvorgang+, nach der +andern, durch Komplikation der Motive, zum Willkürlichen entwickelt[21]. +Dies hat in vortrefflicher Weise +Wundt+ ausgeführt, dem wir uns hierin +nur anschließen können. Mit ihm müssen wir es ablehnen, aus dem +seelenlosen Reflex das Willensleben genetisch abzuleiten, da so etwas +wie »Tendenz«, Erstreben schon von Anfang an den Lebewesen eigen gewesen +sein muß, sollten jemals wollende Wesen im höheren Sinne aus ihnen +werden. Ein absolut willenloser Zustand ist weder psychologisch noch +auch +biologisch+ denkbar. Letzteres deshalb nicht, weil ohne einen +wirklichen Trieb zur Selbsterhaltung, zum Selbstschutze, zur Abwehr +feindlicher An- und Eingriffe, zur Aufsuchung, Festhaltung und +Verarbeitung günstiger Lebensbedingungen und Erhaltungsfaktoren, ein +Bestehen und Fortschreiten des Lebens, der Lebewesen kaum möglich +gewesen wäre. Ein indifferentes, bloß empfindendes Lebewesen würde nicht +auf Reize so +reagiert+ haben, wie es unverkennbar schon die niedrigsten +Organismen tun. Ohne Bedürfnis und triebmäßige Befriedigung desselben, +ohne Impulse zur Nahrung, Bewegung usw. sind die Tatsachen der Biologie +nicht wahrhaft verständlich; denn nicht bloß die äußeren +physikalisch-chemisch beschreibbaren Lebenserscheinungen, +Lebensäußerungen wollen wir in der Biologie und organischen +Naturphilosophie erkennen, auch ihren inneren Grund, ihre innere +Dynamik, ihr Triebwerk suchen wir zu erforschen. Will man nun die +Unklarheiten und metaphysischen oder sonstigen überflüssigen Annahmen +des »Vitalismus« vermeiden, auf unbekannte, ad hoc erdachte und +konstruierte »Lebenskräfte« (Entelechien, Dominanten u. dgl.) Verzicht +leisten, will man ferner die Geschlossenheit der Naturkausalität auch +auf dem Gebiete des Organischen festhalten, dann bleibt nichts übrig, +als die Biophysik und Biochemie durch eine +Biopsychik+ zu ergänzen +(nicht zu verdrängen) und einzusehen, daß psychische Regungen niederer +und höherer Art, Strebungen eindeutiger und komplizierter Form, +Tendenzen zur +Erhaltung der organischen Einheit+ und Triebe und ++Wollungen+, die daraus als Konsequenzen fließen, Mittel zum obersten +Zweck sind -- direkt und indirekt die Lebensvorgänge regieren und +modifizieren, so aber, daß diese an sich psychischen Gestaltungen und +Regulierungen objektiv als ein +System physischer Prozesse+ erscheinen, +die bei den niedersten Lebewesen noch an die gesamte Plasmamasse, bei +höheren aber an ein besonderes Organ, das Nervensystem und schließlich +das Gehirn gebunden sind. Mit voller Berücksichtigung des Anteils +äußerer Faktoren und der ungewollten Neben- und Nachwirkungen des +Wollens (»Heterogonie der Zwecke«) müssen wir doch mit +Wundt+ den +Willen (Trieb usw.) als +innerstes teleologisches Agens des Lebens, als +Schöpfer biotischer Zweckmäßigkeit+ ansprechen. Von diesem Standpunkte +läßt sich der Mechanismus des Lebens +als Werkzeug und zugleich als +Niederschlag des Lebenswillens+ und dessen Funktionen ansehen, als +äußere »Hülle«, deren Inneres den Willen als Motor, als sich selbst +verwirklichende und entfaltende Kraft birgt. + +Weit entfernt, daß der Wille ein Entwicklungsprodukt von mechanischen +Reflexen ist, lassen sich umgekehrt die +Reflexe+ und automatischen +Vorgänge am besten als +Residuen ursprünglicher Willensprozesse+ +betrachten. Wir sehen ja täglich, wie durch Übung Tätigkeiten, die erst +vollbewußt und willkürlich waren, mit der Zeit immer triebmäßiger +werden, bis sie schließlich (Klavierspielen, Gehen, manuelle +Fertigkeiten u. dgl.) »mechanisiert«, automatisch geworden sind, d. h. +mit einem Minimum von Bewußtsein und Willensimpuls leicht und eindeutig +bestimmt ablaufen[22]. Und so finden wir auch phylogenetisch, durch +Vergleichung verschiedener Entwicklungsstufen miteinander, ein +Hervorgehen von Reflexen und Automatismen aus Trieb- und +Willkürhandlungen, die durch Übung (und Mitübung) abgekürzt, eindeutig, +minderbewußt wurden und schließlich auf dem Wege der Vererbung als +Reflexdispositionen auftreten. Eine Art +Entseelung+ findet so statt, +durch die Arbeit erspart wird und die auch durch die größere +Bestimmtheit und Leichtigkeit der Handlung vielfach außerordentlich +zweckmäßig, erhaltungsgemäß wirkt. Freilich darf man sich auch die +Reflexe nicht als absolut »apsychisch« vorstellen; sind auch ihre +Antriebe vielfach nur unterbewußt oder für sich überhaupt nicht bewußt, +nicht apperzipierbar, so weist doch vieles darauf hin, daß sie nicht +fehlen, wenigstens nicht als Bestandteil des organischen +Gesamttriebsystems, ganz abgesehen davon, daß Reflexe nun auch in den +Dienst eigentlicher Willensakte gestellt, vom Willen beherrscht werden +können. Jedenfalls reihen sich auch die Reflexe in den Zusammenhang von +Willenstendenzen des Lebewesens ein, sie werden von ihm eingeschlossen +und gehören zu ihm als Wirkungen, Nachwirkungen des Willens. + +Der Wille ist also nicht ein Aggregat willenloser Zustände, sondern eine +ursprüngliche und spezifische +Richtung+ des Bewußtseins, die sich in +Momente und Elemente gliedern läßt[23]. Nicht nur für die beobachtende +Analyse tritt der Wille als konkrete Wollung in solche Elemente +auseinander, er hat sich auch im Laufe der Entwicklung +differenziert+ +und +kompliziert+. Im ursprünglichen, primitiven Trieb sondern sich +Empfindung, Gefühl und Streben noch keineswegs scharf voneinander ab, +sondern sie sind, wie wir noch jetzt an vielen unserer Triebhandlungen +ersehen können, vielmehr zur Einheit verschmolzen. Die +Empfindung+, die +unlust- oder lustbetont ist und in eine Tendenz zur Entfernung des +Unangenehmen oder zur Festhaltung des Angenehmen mündet, ist mit allen +ihren Konsequenzen nur ein undeutliches +Glied des einheitlichen +Triebvorganges+, während auf höheren Stufen der Entwicklung Empfindung, +Vorstellung, Gefühl deutlicher hervortreten und größere Selbständigkeit, +wenn auch keine isolierte Existenz haben. Aber auch der komplizierteste +Willkürwille ist von dem primitiven Willen, dem Trieb, nur graduell +unterschieden, indem er, statt eindeutig, durch einen oder wenige Reize +bestimmt, ausgelöst zu sein, einen »Kampf der Motive«, einen Konflikt +verschiedener Willensrichtungen (Wahl), Überlegung, Reflexion u. dgl. +voraussetzt, im übrigen aber geradeso Tendenz zur Verwirklichung eines +Zieles ist. Der Trieb ist +reaktiver+, der Willkürwille aber +aktiver+ +Wille, indem der letztere, von der Umwelt relativ unabhängig, aus dem +selbstbewußten, formal permanenten Ich entspringt und eine Grundrichtung +des Lebens zum Ausdruck bringt, die für das individuelle Ich +charakteristisch, der Umwelt gegenüber etwas Selbständiges, +Initiatorisches ist. Natürlich ist auch die Willkürhandlung nicht +gesetzlos, sondern ebenso kausal bestimmt wie alles Geschehen. Aber die +Kausalität und Gesetzlichkeit, die hier in Frage steht, ist psychischer +Art, sie ist keine äußere Macht über den Willen und das Ich, sondern nur +die Konstanz und Regelmäßigkeit, die Identität und Einheit des wollend +sich betätigenden Subjekts. Daher ist die +Notwendigkeit+ der +Willenskausalität, wie sie im Handeln, Denken, kurz in allen psychischen +Akten sich darstellt, durchaus mit einer +Freiheit+ des Willens, des +Subjekts vereinbar, die nichts anderes ist, als Autonomie, +Eigengesetzlichkeit, +Eigenrichtung+ des Willens. Der wohlverstandene +Indeterminismus und der wohlverstandene Determinismus sind demnach nur +Seiten des »Autodeterminismus«[24]. + +Wenn nun der Voluntarismus im Willen das +Dynamische+, das innerste +Triebwerk des Seelenlebens erblickt, wenn ihm der Wille Ausgangspunkt +aller seelischen Entwicklung ist und er in allen psychischen Erlebnissen +den direkten oder indirekten, lebendigen oder mechanisierten, +selbstbewußt-planmäßigen oder minderbewußt-triebhaften Einfluß des +Willens findet, wenn er endlich das Empfinden, Vorstellen, Denken, kurz, +die Intelligenz als untrennbar und abhängig vom Willenszusammenhange +ansieht, so wird dies nicht mehr dahin mißverstanden werden, als ob es +einen gleichsam nackten Willen als einfache Qualität und Kraft hinter +den Erlebnissen gebe. Sondern der Satz: der Wille ist das dynamische +Prinzip des Bewußtseins, bedeutet nur, daß das Bewußtsein insofern +Aktivität und Reaktivität aufweist, als es selbst willensartig, +willensdurchzogen, selbst wollend, strebend ist, als in ihm +Impulse+ +walten, welche dem Erlebnisverlauf die +Direktive+ geben, Impulse, die +teilweise in muskuläre Vorgänge münden, die also objektiv sich als +Bewegungen darstellen, so daß das Motorische die objektivierte Äußerung +des Willens ist. Daß +bloße+ Muskelempfindungen, Bewegungsvorstellungen +u. dgl. noch nicht Wille sind, sehen wir leicht, wenn wir den Zustand, +in dem wir uns einfach eine Bewegung unseres Leibes vorstellen, mit +demjenigen vergleichen, in welchem wir die vorgestellte Bewegung auch +anstreben, wollen; auch die Gefühlsbetonung der Bewegungsvorstellung ist +noch nicht das Willensphänomen, sondern dazu gehört noch eine besondere +»Stellungnahme« seitens des Subjekts, die in der Besonderheit des +Bewußtseinsverlaufes zum Ausdruck kommt[25]. Es muß wiederholt betont +werden, daß »Wollen« zwar kein einfacher, elementarer Zustand hinter und +neben dem übrigen Erleben, aber auch keine bloße Summation von +willenlosen Vorgängen ist. + +Der Voluntarismus, mag er nun in extremer oder gemäßigterer Form +auftreten, bestreitet wesentlich zweierlei: 1. die Möglichkeit, aus +bloßen intellektuellen Prozessen das Seelenleben befriedigend zu +erklären, 2. den Aufbau der geistigen Gebilde durch bloße »Assoziation«; +die Aktivität des Bewußtseins wird von der Assoziationspsychologie oft +verkannt oder ungenügend zur Geltung gebracht. + +Was das Verhältnis des +Intellekts+ zum Willen anbelangt, so ist folgendes +zu sagen. Eine reine, willenlose Intelligenz, ein teilnahmsloses Vorstellen +und Denken ist uns nirgends gegeben. Mag das Willensmoment noch so ++abgeschwächt+ sein, mag es sich dem klaren Bewußtsein entziehen, weil es +während des Funktionierens nicht selbst zur Apperzeption gelangt, gänzlich +fehlt es nie. Schon die primitiven +Sinneswahrnehmungen+ sind gefühlsbetont +und mit irgendeinem Grade des Strebens behaftet, das in gewissen Fällen (z. +B. bei hohen Intensitäten) stark hervortreten kann; außerdem bringen wir +vielfach den Sinnesreizen Tendenzen zur Perzeption entgegen, wir suchen +Empfindungen (Licht, Töne usw.) auf, haben ein Bedürfnis nach Betätigung +unserer Sinnesorgane, ein »funktionelles Bedürfnis« bestimmter Art[26]. Das +neutrale, »indifferente« Wahrnehmen ist schon ein Grenzfall, ein +Entwicklungsprodukt, keineswegs das Primäre, wo Empfinden oder Wahrnehmen +und Streben viel inniger vereint sind, wo also die Wahrnehmung durchaus +»appetitiv«, triebhaft ist, was auch biologisch wohl begründet ist. Denn +die Sinneswahrnehmung steht zunächst völlig im Dienste des +Selbsterhaltungswillens, der die Sinnesreize teils aufsucht, teils +vermeidet und der also eine +Auswahl+ unter ihnen trifft. + +Diese auswählende, auslesende Tätigkeit der Psyche ist nun überhaupt von +fundamentaler Bedeutung. Wir zeigen dies zunächst an der Tatsache der ++Apperzeption+[27] im allgemeinen, die besonders durch +Wundt+ in ihrer +Wichtigkeit erkannt wurde, so daß fortan der Assoziationspsychologie +eine »Apperzeptionspsychologie« entgegentreten konnte. Unter der +»Apperzeption« ist nun nichts anderes zu verstehen als eine Leistung des +Willens, des Willens zur Bewußtheit insbesondere. Je nachdem der Wille +Trieb- oder Willkürwille ist, haben wir +passive+ (reaktive) oder ++aktive+ Apperzeption vor uns, ohne daß beide voneinander schroff +geschieden sind. Die Apperzeption ist also nicht, wie man zuweilen +gemeint hat, ein mystisches, metaphysisches Vermögen, ein Akt hinter +und vor dem Bewußtsein, sondern eine Leistung im und am Bewußtsein, +an den Erlebnissen. Apperzeption ist +Fixierung von Erlebnisinhalten +durch den Willen+, Festhaltung, Bevorzugung, Auswahl eines +Bewußtseinsbestandteiles, der dadurch vor anderen momentan ausgezeichnet +wird, indem er klarer, deutlicher, selbständiger, bewußter wird. Das +Apperzipierte ist gleichsam im »Blickpunkt« des Erlebens. Durch diese +Klarwerdung eines Erlebnisses tritt dasselbe aus dem Gesamtzustande des +Subjekts schärfer hervor, das übrige tritt entsprechend zurück, ist +minder bewußt oder unterbewußt. Diese Bevorzugung kann ein Erlebnis +zunächst +triebhaft erzwingen+, indem es aus irgendeinem Grunde +(Intensität, Gefühlston usw.) die Aufmerksamkeit, d. h. den +Erlebniswillen auf sich zieht und das übrige verdrängt. Geht aber ein +bestimmter +Erlebniswille+, eine Erwartung, ein Suchen u. dgl. voraus, +ist die Aufmerksamkeit schon im vornherein auf einen zu gewärtigenden +Inhalt eingestellt, dann findet eine +aktive+ Apperzeption statt, hinter +der die konzentrierte aktive Energie des Ichs steckt. In jedem Falle +wird aber ein Inhalt dadurch apperzipiert, nicht bloß perzipiert, daß er +in möglichst günstige, zweckmäßige Beziehung zum auffassenden oder +verarbeitenden psychisch-physischen Organ gebracht wird, indem alles +Störende, Beeinträchtigende durch den Willen abgewiesen, gehemmt, +zurückgedrängt wird. In verschiedenen Gefühlen und Empfindungen (der +Muskeln usw.) kommt dieser Zustand der »Spannung« zum Ausdruck, ohne mit +ihnen identisch zu sein; denn wir verspüren unweigerlich das Triebhafte +bzw. das Willkürliche im Aufmerken und Apperzipieren -- Vorgänge, +die nur Momente und Seiten eines einheitlichen Geschehens bilden. +Das +physiologische+ Korrelat der Apperzeption kann entweder die +Funktion bestimmter Gehirnpartien sein oder in einer erhöhten +Energie, in einem besonderen Grade eines bestimmten Zusammenwirkens +von Gehirnprozessen bestehen. + +Auf die passive oder reaktive Apperzeption kommen wir noch weiter unten +zu sprechen. Zunächst haben wir von der +aktiven+ Apperzeption zu +sprechen, um das Verhältnis des Willens zum Intellekt klarzulegen und +der Einseitigkeit des Assoziationismus entgegenzutreten. + +Betrachten wir das +Denken+ (den aktiven Intellekt) näher seiner +subjektiven psychischen Seite nach, so sehen wir, daß es sich vom bloßen +Vorstellen, von bloß assoziativen Verbindungen unmittelbar in der Art +des Erlebens unterscheidet. Das Denken erweist sich, kurz gesagt, +subjektiv als eine +Willenstätigkeit+[28]. Ein willenloses Denken, ein +willensfreier Intellekt existiert nicht, oder nur in der Abstraktion. +Denken als Prozeß ist +innere Handlung+ im Unterschiede von der +»Praxis«, lebendige Aktion, +aktive Ich-Leistung+. Ohne +Antriebe+, ++Motive zum Denken+, ohne ein zu erreichendes +Denkziel+, dem ein ++Interesse+ uns nachgehen läßt, käme es zu keinem wirklichen Denken und +Erkennen. Der Wille ist dem Denken »immanent«, aber nicht, wie oft +erklärt wird, weil Wille nur eine Eigenschaft, eine Richtung des Denkens +ist, sondern weil das Wollen ein primäres Moment der Denkhandlung, die +subjektive Bedingung und Grundlage, die innerste Triebkraft des Denkens, +dieses also eine Betätigung, eine Richtung des Willens, des +»Denkwillens« ist. Denken ist eine +geistige Arbeit+ an einem Materiale +(Vorstellungen, Begriffe, Urteile), +aktive Formung und Gliederung+, die +zu oberst dem +Willen+ zur +Einheit+ Genüge tut, ihm entspringt. Ich +denke nur, weil ich Inhalte geistig beherrschen, durchdringen, +zusammenhängend-einheitlich erfassen will, abgesehen von anderen +Motiven, etwa praktischen. Der Wille setzt das Denken in Bewegung, gibt +ihm Anstoß und Richtung. Durch die aktive Apperzeption wird nur das im +Bewußtsein fixiert und mit anderem ebenso Fixierten zusammengehalten, +vereinigt, was in der Richtung des Denkwillens liegt oder zu liegen +scheint; alles andere wird zurückgedrängt, vernachlässigt. Indem ich +denke, +wähle+ ich unter meinen zur Disposition stehenden Vorstellungen +und Vorstellungsdispositionen jene, welche meinem so und so bestimmten +Denkwillen entsprechen oder wenigstens zu entsprechen scheinen. +Natürlich muß mir ein Material von Inhalten zur Verfügung stehen, +welches nicht selbst erst durch mein Denken geschaffen wird, und von +diesem Material gehen Anregungen aus, welche mich -- teilweise triebhaft +-- in meinem konkreten, speziellen Denken bestimmen; ich »richte« mich +nach dem +Inhalte+ meiner Erlebnisse, auch wenn ich noch so aktive +(»freie«) Geistesarbeit verrichte, ich verfahre nicht willkürlich im +Sinne ungebundener, gesetzloser, absoluter Freiheit. Der Denkwille hat +seine +eigene feste Gesetzlichkeit+, die er anerkennt, anerkennen muß, +will er sein Ziel erreichen, so daß die +Denkgesetze+ zwar nicht +mechanische, aber +teleologische Notwendigkeit+ besitzen, indem sie der +»Autonomie des Denkwillens« entspringen. -- Intellekt und Wille sind +nicht zwei gesonderte Vermögen oder Kräfte, sondern was wir Intellekt, +Verstand, bzw. Vernunft nennen, ist der rein geistig sich betätigende +Wille selbst; das Denken, die sich betätigende Vernunft ist +Willenshandlung. Die +Wechselwirkung zwischen Intellekt und Wille+ +besteht darin, daß einerseits das Erstreben, Wollen bestimmter Inhalte +einen Einfluß auf das Denken ausübt und daß dieses von der Energie und +Richtung des Willens abhängig ist, und daß anderseits das Denken und +dessen Produkte (Urteile, Begriffe) den Willen, der insofern +»Vernunftwille« ist, zu motivieren, zu leiten vermag; der Vernunftwille +wiederum kann einen (hemmenden, mäßigenden) Einfluß auf Triebe, +Leidenschaften u. dgl. ausüben. So lassen sich also Wille und Intellekt +als wechselseitige Abhängige, als einander bestimmende Momente und +Faktoren anerkennen, ohne daß auf der einen Seite ein intelligenzloser +Wille, auf der andern ein willensfreier Intellekt zu stehen braucht. + +Unter dem Einflusse der aktiven Apperzeption entstehen nun u. a. die ++Denkgebilde+, als eine Form der »apperzeptiven Verbindungen« +(+Wundt+). Ein +Begriff+ z. B. ist nicht eine bloße Assoziation von +Vorstellungen, sondern ein Denkgebilde, bei dem die Apperzeption nur +bestimmte, logisch zweckmäßige Elemente von Erlebnissen festhält, +heraushebt und einheitlich zusammenfaßt. Begriffe entstehen nie passiv, +ganz von selbst, auch die empirisch fundierten Begriffe sind, subjektiv +angesehen, Denkgebilde, Produkte aktiver Geistesbetätigung. So verhält +es sich auch mit dem +Urteil+. Dieses ist keine assoziative Abfolge von +Vorstellungen, sondern eine aktive Synthese auf Grundlage einer Analyse +des Erlebnisses, ein Akt der In-Beziehung-Setzung, die niemals von +selbst dem Subjekt gegeben ist. Beziehen, Vergleichen, Zerlegen, +Verbinden usw. sind nicht fertige Bewußtseinsinhalte, sondern +Ich-Betätigungen, die an einem Materiale stattfinden, ohne in diesem +schon vorzuliegen. Die Tätigkeit des denkenden Subjekts schwebt aber +nicht in absolut freier Willkür über diesem Material, sondern gehört zu +eben demselben Bewußtsein, dessen Inhalt jenes bildet; sie ist eine +»Form« des Bewußtseins, eine Art des Zusammenhanges, die sich +unmittelbar als »aktiv« charakterisiert und von anderen Arten abhebt. +Die apperzeptive Tätigkeit läßt sich zwar von dem apperzipierten Inhalt +unterscheiden und begrifflich fixieren, bildet aber in Wirklichkeit ein +mit diesem Inhalt zur Einheit verbundenes Ganzes. + ++Gedanken+ sind also Gebilde aktiver Geistestätigkeit, welche den Willen +zum Motor hat. Das Denken benutzt das durch Assoziation gelieferte +Vorstellungsmaterial, es ist aber nicht selbst bloße Assoziation. +Während bei dieser Vorstellung auf Vorstellung folgt, in bunter Reihe, +durch Ähnlichkeit, Berührung in Raum und Zeit usw. hervorgetrieben, +erweist sich das Denken als ein den Verlauf der Vorstellungen ++hemmender+, +regulierender+ Prozeß, der zu bestimmten Zusammenhängen +führt, durch welche dem Ablauf des Vorstellens ein gewisser Abschluß +zuteil wird. Die Gesetzlichkeit des Denkens ist aus bloßen +»Assoziationsgesetzen« nicht abzuleiten, nicht zu begreifen, sie ist +anderer Art als die des »Spieles der Einbildungskraft«, das um so +leichter und besser von statten geht, je unbeherrschter das Vorstellen +ist. Das Denken hingegen, besonders das streng logische Denken bedeutet ++Disziplin+, +Planmäßigkeit+, +Zwecksamkeit im Geistesleben+. Nicht bloß +das Denken, auch die aktiv gestaltende, Normen befolgende, beachtende ++Phantasie+ ist mehr als bloße Assoziation. Durch eine Art +»schöpferischer Synthese« entstehen im Denken und in der aktiven +Phantasie seelische Gebilde, die sich zwar in Elemente zerlegen +lassen, welche zum Aufbau der Gebilde beitragen, die aber diesen +Elementen und ihrer bloßen Summe gegenüber qualitativ etwas Neues, +Spezifisches darstellen. -- + +Was nun die +Assoziation+ selbst betrifft, so hat die +Assoziationspsychologie meistens nicht nur den Fehler begangen, aus +jener alles ableiten zu wollen, sondern auch noch den, daß sie die +Assoziation nicht richtig aufgefaßt hat. Wir sprachen schon von der +unzulässigen Verdinglichung der Vorstellungen und Empfindungen und von +der Ausstattung dieser mit Kräften gegenseitiger Anziehung. Es gibt aber +im konkreten Erleben keine selbständigen, reinen Empfindungen und +Vorstellungen, die sich von selbst, ganz unabhängig von einem erlebenden +Subjekt, miteinander verbinden. Eine Vorstellung ist kein beseeltes +Wesen, welches von einem andern, einer zweiten Vorstellung einen Anstoß +zum Wiederauftreten im Bewußtsein empfangen kann. Sondern alle +Assoziation ist nur dadurch möglich, daß Vorstellungen usw. +Abhängige +eines erlebenden Subjekts+, Momente und Glieder bzw. Seiten eines +einheitlichen Zusammenhanges sind, durch den sie ebenso bedingt sind, +wie sie ihn selbst mit konstituieren. Die Assoziationen schweben nicht +in der Luft, sind nicht Beziehungen zwischen Objekten, sondern +Formen +des Zusammenhanges von Erlebnissen im Subjekt und durch den jeweiligen +Zustand desselben bedingt+. Sowohl die allgemeine, als die besondere, +individuelle Natur des erlebenden Subjekts kommt in den Assoziationen, +in anderer Weise als in den (aktiven) Apperzeptionsverbindungen, zum +Ausdruck, so daß die Assoziationen zwar gesetzlich, aber keineswegs +eindeutig bestimmt sind. + +Nun ist das Subjekt in zentralster Selbstunterscheidung von den Objekten +Wille, zunächst als triebhaft, dann aber vorzugsweise als aktiv wollend. +Daher ist die Assoziation durch den Willen, durch das Streben +bedingt[29]. Es »assoziieren« sich also nicht reine Vorstellungen +miteinander, sondern +willensbehaftete Erlebnisse des einheitlichen +Subjekts+. In der Einheit des erlebenden Subjekts bzw. des Strebens sind +die Assoziationen letzten Endes gegründet, aus ihr fließen sie. Die +Assoziation besteht darin, daß durch »triebhafte« Einwirkung auf die +Apperzeption Erlebnisse einander ins Bewußtsein rufen (»reproduzieren«) +und mit ihnen Zusammenhänge bilden, die bald durch innere, bald durch +mehr äußerliche Beziehungen bedingt sind, so aber, daß das +Willenselement nie fehlt. Die Assoziation ist, wie dies +Wundt+ erkannt +hat, ein +Triebvorgang+, wenn auch ein solcher, wo das Moment des +Strebens vielfach in den Hintergrund des Bewußtseins tritt. Dies ist +wohl begreiflich, wenn man an die durch Übung erzielte »Mechanisierung« +des Bewußtseins, der Willens- und Triebhandlung denkt. Assoziation ist +in der Tat relativ +mechanisierte Geistesarbeit+, und das um so mehr, je +weniger das Triebmoment, das manchmal ziemlich stark hervortreten kann, +zurücktritt, ohne aber je ganz zu fehlen (vgl. +Fouillée+ a. a. O.). +Erlebnisse, die irgendwie zur +Einheit im Ich+ zusammengehen können -- +bei verschiedenen Individuen in verschiedener Weise -- haben die +Tendenz, sich zu »assoziieren«, d. h. sie assoziieren sich, sofern nicht +äußere oder innere störende, hemmende, ablenkende Faktoren (z. B. der +Denkwille) ins Spiel treten. Die Vorstellungen assoziieren sich aber +nicht direkt und von selbst, sondern nur so, daß sie +auf das Streben +einwirken, (als Momente desselben) und dieses zur Reproduktion +(Erneuerung) anderer Vorstellungen anregen, reizen, aus dessen Natur +heraus, die auf Einheit geht+. + +Vorstellungen sind keine Dinge oder Kräfte, die, wenn sie dem Ich nicht +präsent sind, irgendwo unbewußt lauern, bis sie wieder ins Bewußtsein +treten können. Nimmt man von der Vorstellung das Bewußtsein weg, dann hebt +man sie selbst auf, denn sie ist nur eine besondere Form, eine Modifikation +des Bewußtseins (im weitesten Sinne), welches nicht neben den Erlebnissen +einhergeht, zu ihnen hinzukommt, sondern ein Ausdruck für das Gemeinsame +aller Erlebnisse, eben das Erleben (Erlebtwerden) ist. Es gibt also keine +absolut unbewußten Vorstellungen und die Reproduktion, mit der die +Assoziation verbunden ist, ist keine Hervorholung der Vorstellungen aus dem +Unbewußten ins Licht des Bewußtseins. Jede »reproduzierte« Vorstellung ist +vielmehr ein +neues+, besonderes Erlebnis, das inhaltlich zwar einem +früheren Erlebnis sehr ähnlich ist, trotzdem aber, abgesehen von mehr oder +weniger erheblichen Abweichungen, funktionell nicht mit dem alten Erlebnis +zusammenfällt. Freilich muß die Reproduktion der Vorstellungen ++Bedingungen+ haben, durch die sie ermöglicht wird. Diese Bedingungen sind, +objektiv-physisch betrachtet, »Spuren«, potentielle Energien bzw. +molekulare Umlagerungen im Zentralnervensystem, im Gehirn. Und bei der +Assoziation dürften infolge von »Bahnungen« u. dgl. zusammengehörige, +früher irgendwie verbunden gewesene Partien oder Funktionsanlagen in +Tätigkeit treten, indem die Erregung der einen Partie oder der einen +Funktionsanlage eine Erregung bestimmter anderer Bestandteile nach sich +zieht. Psychologisch aber kann natürlich nicht von Molekularumlagerungen u. +dgl. gesprochen werden. Gleichwohl ist man berechtigt, von funktionellen ++Dispositionen+ zur Reproduktion von Vorstellungen u. dgl. zu reden. Es +sind das nicht bestimmte, unbewußt existierende, bereitliegende Inhalte, +sondern Nachwirkungen früherer Erlebnisse in der psychischen +Organisationseinheit, +Tendenzen+ der Psyche zur Erneuerung von Erlebnissen +unter bestimmten Anregungen, Antrieben, welche von gewissen anderen +Erlebnissen (gefühlsbetonten Wahrnehmungen oder Vorstellungen) ausgehen. So +zeigt sich auch die +Erinnerung+ und die Fähigkeit dazu, das +Gedächtnis+, +als ein nicht rein intellektuelles, sondern +volitionelles Phänomen+, +dessen physiologisches Korrelat wohl in der Aufspeicherung potentieller +Energie im Gehirn und deren Übergehen in aktuelle Energie besteht. +Psychische »Dispositionen« sind also nicht selbst Vorstellungen, sondern +nur »Bereitschaften« zu solchen, es sind psychische Potenzen als das +Innensein der Gehirndispositionen. So verhält es sich auch mit den sog. ++Anlagen+, die nichts anderes sind als ursprüngliche, ererbte, angeborene +psycho-physische Dispositionen, im Unterschiede von den individuell +erworbenen Dispositionen und Fertigkeiten. Alle Dispositionen, ererbte und +erworbene, sind Resultate der +Übung+, als solche stehen sie zur Richtung +des +geringsten Widerstandes, der kleinsten Kraftaufwendung+ in Beziehung, +haben also eine +ökonomische+ Bedeutung, aus der sich auch die ihnen eigene +Tendenz oder Strebung begreift. Sind die Dispositionen einerseits +Nachwirkungen von Willens- und Triebhandlungen, inneren und äußeren, so +üben sie anderseits einen außerordentlichen Einfluß auf die +Weiterentwicklung des Seelenlebens aus, sie werden zur Grundlage neuer und +höherer, reicherer geistiger Prozesse und zugleich mitbestimmend für die ++Richtung+, welche diese nehmen. + +Der Begriff der +Richtung+ (dessen Bedeutung von +R. Goldscheid+[30] +betont wurde) ist überhaupt für die Psychologie wichtig. Er ist hier wie +in der Naturwissenschaft unentbehrlich, weil der Qualitäts- und der +Intensitätsbegriff nicht ausreichen, um gewisse Unterschiede in den +psychischen Vorgängen festzulegen. In erster Linie und primär ist die +»Richtung« im Seelischen ein Modus des Willens, dessen Wirksamkeit +verschieden ist, je nach dem Ziele, auf das der Wille gerichtet, +eingestellt ist. Mit gutem Sinne können wir z. B. von einer Richtung des +Vorstellungsverlaufes sprechen, die entweder von momentanen, +triebartigen Impulsen oder aber vom zweckbewußten Willen (Denkwillen) +abhängig ist. Der Wille beeinflußt die Richtung der Erlebnisse, die Art +des Ablaufes, des zeitlichen Zusammenhanges, des (relativen) Abschlusses +derselben, abgesehen davon, daß der Aufmerksamkeitswille verschieden +gerichtet sein kann, indem er bald auf das eigene subjektive Erleben, +bald auf die objektiven Inhalte desselben sich lenkt. Der Wille als +solcher ist, in Beziehung auf seinen Zielpunkt, ein (dynamisches) +»Gerichtetsein«, dessen direkte oder indirekte, totale oder partielle +Objektivierung die Richtung der psychischen Energie der Gehirn- und +Nervenprozesse ist. Für den Unterschied zwischen Trieb und Willkür +(Wahl) mechanisierter (automatischer) und aktiver Geistesfunktion ist +die Unterscheidung eindeutig und mehrdeutig bestimmter Richtung von +Wichtigkeit, z. B. für das Problem der Willensfreiheit. -- + +Es würde den Rahmen dieser Arbeit weit übersteigen, sollte der Anteil +des Willens an den seelischen Geschehnissen im einzelnen aufgezeigt +werden. Es genügt, wenn wir dartun konnten, daß sowohl im niederen, +einfachen, wie im höheren, komplizierten Seelen- und Geistesleben der +Wille in verschiedener Form und Richtung das +zentral Wirksame+, die +innerste Energie des Bewußtseins ist, und daß der +vollständige+, +unabgekürzte, ungehemmte psychische Vorgang eine +Willenshandlung+ ist. +Erst durch +Abschwächung+, +Abstumpfung+ des Strebens und Fühlens, des +Appetitiven und Affektiven kommt das verhältnismäßige »rein« +Intellektuelle, das neutrale Wahrnehmen, Vorstellen und Denken zustande, ++teilweise aber selbst wieder unter dem Einfluß des Willens+, nämlich +des Kulturwillens, der eine möglichste Beherrschung, Zurückdrängung des +Triebhaften, Affektiven mit sich bringt. + + + + +IV. Der Zweck im Seelischen. + + +Während in früheren Perioden der wissenschaftlichen Forschung die Idee +des Zweckes und der Zweckmäßigkeit, kurz, die +Teleologie+ meist in der +Form eines Gegensatzes zum Kausalitätsbegriff oder aber so auftrat, daß +in der Natur zwei Arten von Ursächlichkeiten, die kausale und die +finale, nebeneinander, ohne innere Verbindung walten sollten, ist es ein +Postulat unserer Zeit -- das aber schon bei älteren Denkern, besonders +bei +Leibniz+ sich geltend machte -- die Teleologie so zu fassen, +daß +sie zu der kausalen Betrachtungsweise in keinen Widerspruch gerät+, +vielmehr mit ihr aufs beste harmoniert. Von einer »transzendenten« +Teleologie, wonach Gott oder die Natur den Dingen bestimmte Zwecke +gesetzt hat, denen diese unbewußt oder bewußt nachgehen, will man mit +Recht, wenigstens innerhalb der empirischen Wissenschaft, nichts wissen. +Anderseits ist den noch immer in großer Zahl vorhandenen Gegnern aller +Teleologie entgegenzuhalten, daß man in der Biologie und in den +Geisteswissenschaften ohne Teleologie nicht auskommt. Nur muß das eine ++immanente+, eine »Auto-Teleologie« (+Pauly+) sein, welche Ziele und +Zwecke nicht als Wesenheiten außerhalb der lebenden, handelnden Wesen, +sondern als etwas diesen +Innerliches, Immanentes, von ihnen selbst +Gesetztes, Erstrebtes, Verwirklichtes+ bestimmt und den Einfluß ++äußerer+, nicht-teleologischer, rein kausaler Faktoren gebührend +würdigt. Finalität und Kausalität schließen einander nicht aus, sondern +sind, wie wir gleich sehen werden, nur +zwei Betrachtungsweisen bzw. +Phasen einer und derselben Reihe des Geschehens+, ohne daß deshalb, wie +manche meinen, etwa die Finalität nur subjektiv, nur ein »Regulativ« für +unser Erkennen sein muß. + +Wo wir innerhalb der empirischen Wissenschaft kein Seelisches annehmen +dürfen oder, besser, nicht anzunehmen brauchen, beim Anorganischen, und +überall da, wo wir nicht in der Lage sind, mit Sicherheit bestimmte +psychische Handlungen einfühlend zu erkennen, da sind wir berechtigt, +bloß von einer »regulativen« und heuristischen Anwendung des +Zweckbegriffes zu sprechen, d. h. die Dinge so anzusehen, +als ob+ sie +einem Zwecke dienten, um leichter zu kausalen Reihen zu kommen und diese +besser zu verstehen. Aber das ist nicht der einzige zulässige Gebrauch, +den man von der Teleologie machen darf, und zwar nicht erst in der +Metaphysik, sondern schon in der Biologie, Psychologie und in den +Geisteswissenschaften. Hier ist es vielfach oft die Idee des Zweckes, +die erst +Einheit in die Erfahrung+ bringt, diese erst »konstituiert« +und das Geschehen erst sinnvoll, bedeutsam macht. Aber auch hier ist die +»Finalität« nur eine Seite oder Phase desselben Geschehens, das zugleich +sich kausal beschreiben läßt. »Konstitutiv« ist der Zweckbegriff hier +aber schon deshalb, weil wir, während Zwecksamkeit, Finalität in das +Physische zunächst nur +hineingelegt+ wird, sie +an uns selbst, in +unserem seelischen Verhalten unmittelbar erleben+ oder setzen und sie +ebenso als ein allem Seelischen unmittelbar Anhaftendes ansehen müssen, +als ein +Charakteristikon des Psychischen selbst+[31]. + +In der Tat, der +Zweckbegriff+, der formal unserem beziehenden Denken +entspringt, hat sein Ur- und Vorbild im eigenen Erleben des +Subjekts+. +Dieses ist selbst durch und durch ein Zwecke-setzendes, »zielstrebiges« +Wesen und es ist tätig, um diesen seinen Zwecken zu genügen, um sie zu +verwirklichen, aus der Potenz in die Aktivität überzuführen. +Das +Subjekt ist ein Zwecke-objektivierendes Wesen.+ Sein ganzes Tun ist ein ++Inbegriff von Mitteln zur Realisation von Zwecken+, zur Erreichung von +Zielen. Zunächst ist aber zu zeigen, wie das möglich ist, ohne daß das +Kausalitätsgesetz durchbrochen, außer Geltung gesetzt wird. + +Ein einfaches Beispiel für eine Zwecktätigkeit ist die Handlung, bei der +ich den Arm ausstrecke, um ein Buch zu ergreifen. Psychologisch geht +folgendes vor: ich habe ein Ziel in Gestalt einer Vorstellung vor Augen, +die »Lust« dazu und das Streben nach dessen Erreichung, welches sich in +Bewegungsempfindungen u. dgl. umsetzt und schließlich zu jenem +psychischen Zustande führt, welcher mit dem Besitze des Buches verbunden +ist. Dieselbe Reihe ist nun auch rein kausal beschreibbar. Zuerst war +meine Armbewegung »Mittel« zur Besitzergreifung des Buches, diese aber +»Zweck« meiner Handlung; jetzt ist die Handlung (das Ausstrecken des +Armes) »Ursache« des Ergreifens und Festhaltens des Buches und zwar +sowohl psychisch (als unmittelbares Erlebnis von Empfindungen und +Vorstellungen) wie physisch (als objektiv-physikalisch aufgefaßte +Bewegung). Was bei der einen Betrachtungsweise Mittel und Zweck ist, ist +für die andere Ursache und Wirkung. Der Zweck ist nichts als die im +Erleben antizipierte, die +vorstellend erstrebte Wirkung+, die reale +Wirkung ist der +aktualisierte Zweck+, ohne daß sie stets genau mit +diesem übereinstimmt. Die oft gestellte Frage: wie kann etwas, was noch +nicht da ist, was der Zukunft angehört, Ursache eines Geschehens sein, +beantwortet sich dahin, daß +nicht die reale Wirkung selbst+ Ursache des +Handelns ist, sondern die +Vorstellung der Wirkung+, des Resultates und +zwar als +Inhalt oder Motiv des Willens+. Zweck ist soviel wie +Willensziel, Willensinhalt, nicht etwas selbständig Existierendes und +Wirksames. Der Zweck wirkt nur +im und durch den Willen+, dieser ist als +psychischer Vorgang die Ursache von Handlungen, durch welche das +Gewollte, der Zweck, verwirklicht wird. Das Eigenartige der +Zwecksamkeit, das »Wozu« ist kein besonderes Geschehen, dem physisch +etwas parallel geht, sondern liegt schon im +Zusammenhange des Wollens+, +der allein sein physiologisches Gegenstück hat. Das Subjekt will etwas, +und zwar weil es ein anderes will usf. Dies führt zu einem ganzen ++System von Wollungen+, deren jede auf die andere so bezogen ist, daß +eine aus der andern mit +innerer Notwendigkeit+ erfolgt, einer +Notwendigkeit, die final und kausal +zugleich+ ist, je nachdem wir in +der Ordnung der Reihen vorgehen. Dieses System von Zwecksetzungen, in +welchem jeder Zweck wieder Mittel für einen anderen Zweck sein kann, ist +nicht bloß formal zur Einheit verknüpfbar, sondern erweist sich bei +gehöriger Selbstbesinnung und vergleichender Betrachtung fremden +Seelenlebens als +einheitlich gerichtet+, indem es dem obersten +subjektiven Zweck, der +Erhaltung und Betätigung der Einheit des +Subjekts+, also dem +Einheitswillen+ sich unterordnet. Dieser +Einheitswille, der +Wille zur Bewahrung der Ich-Einheit in aller +Mannigfaltigkeit der Erlebnisse+, ist der oberste Grund, dem das +seelische Handeln entfließt, das Motiv der Motive. Indem nun die Psyche +in ein solches System von Wollungen oder Zielsetzungen sich +auseinanderlegt, ist sie so recht eine »Entelechie« (im Sinne noch mehr +des Leibniz als des Aristoteles), +eine sich von innen aus aktiv-reaktiv +entfaltende, entwickelnde Subjektivität+, ein »Organismus«, dessen +Objektivation oder Ausdruck der leibliche Organismus ist[32]. + +Wenn der +Neo-Lamarckismus+ so sehr die Wirksamkeit psychischer Faktoren +und die Geltung einer »Auto-Teleologie« betont, so ist er durchaus im +Rechte, vorausgesetzt, daß er nicht die Bedeutung äußerer Faktoren (Milieu, +Auslese usw.) vernachlässigt. In der Tat: wollen wir das Leben nicht bloß +äußerlich in dessen Erscheinungen beschreiben, sondern es in seinem inneren +Wirken verstehen, wollen wir die Zweckmäßigkeit der Lebensprozesse und +deren Produkte begreifen, so können wir nicht umhin, auf die +Bedürfnisse+ +zurückzugreifen, die durch Anregung des Strebens zu lebensnützlichen +Reaktionen verschiedenster Art führen. Es gibt zweifellos eine +aktive +Anpassung+, bei welcher der Organismus, seinen durch den Wechsel der +äußeren Bedingungen erregten +Bedürfnissen+ folgend, so tätig ist, daß +diesen Bedürfnissen Genüge getan wird, bis, durch +Übung+ und +Vererbung+ +festgewordener Übungsresultate, eine größere Harmonie des Baues und der +Funktionen des Organismus mit dem Naturmilieu erreicht ist. Die erreichte +Zweckmäßigkeit ist also ein Resultat der psychischen, zielstrebigen +Einwirkung des Organismus auf sich selbst, die, wir wissen bereits warum -- +ihr physisches, physiologisches Korrelat hat. Die Zielstrebigkeit ist aber +nur zum geringeren Teil direkt auf Realisierung von bestimmten +Vorstellungsinhalten gerichtet, vielfach und primär ist sie nur triebhafte +Reaktion zur Abstellung von Unlust oder Gewinnung von Lust nach einer +bestimmten Richtung, Tendenz zur Herstellung des gestörten Gleichgewichts, +zur Entfernung störender Reize u. dgl. Das objektiv Zweckmäßige ist zwar +durch das zielstrebige Verhalten des Organismus bedingt, aber keineswegs +ein direktes Resultat desselben, sondern das Produkt einer +Komplikation +von Faktoren+ und einer ganzen Reihe von Zielstrebigkeiten und Handlungen. + +Es mußte dies betont werden, weil es auch für die Psychologie als +solche, nicht bloß für die Biologie gilt. Auch hier müssen wir von den ++primären+ Zielstrebigkeiten und Zwecksetzungen jene +Folgen+ und ++Nebenwirkungen+ unterscheiden, die, indem sie irgendwie in die Richtung +der individuellen Zielstrebigkeit hineinpassen, später selbst finalen +Charakter erlangen, ohne daß vorher auch nur im geringsten an sie +gedacht worden wäre. Für die individuelle, wie für die soziale, +kulturelle Entwicklung ist dieses Prinzip der »Heterogonie der Zwecke« +(+Wundt+) von nicht geringer Bedeutung, es erklärt uns die beständige +Steigerung, das Wachstum geistiger Werte, und es zeigt uns, wie es das +Wesen des Geistes ist, +Kausalität in Finalität+ zu verwandeln, bzw. +in deren Dienst zu nehmen. + +Das Umgekehrte ist nun die +Verwandlung von Finalität in Kausalität+. +Wir meinen damit freilich nicht, als ob je im Seelenleben die Finalität +verloren ginge und an ihre Stelle reine, mechanische Kausalität träte. +Wir wissen bereits, daß die »Mechanisierung«, von der in der Psychologie +die Rede ist, nur eine Abkürzung und ein Eindeutig-Werden von +Willenshandlungen ist, keine absolute Entseelung. Aber Tatsache ist es, +daß Handlungen, welche ursprünglich mit mehr oder weniger +Bewußtseinsklarheit auf ein bestimmtes Ziel gerichtet waren, später +durch das, was wir »Gewöhnung« nennen, rein triebmäßig und schließlich ++ganz automatisch+, ohne Richtung auf ein bewußtes Ziel verlaufen +können, so daß sie uns als bloße Wirkungen psycho-physischer +Antezedentien erscheinen. Nur insofern diese Handlungen Glieder des +teleologischen Zusammenhanges der Gesamtpsyche sind, haben sie jetzt +finalen Charakter, nicht aber für sich genommen. Oder wenn man will, +läßt sich diese Art psychischer Kausalität als Grenzfall psychischer +Finalität ansehen, als +stabilisierte Zielstrebigkeit+. Der psychische +»Mechanismus« ist, weit entfernt die Quelle der geistigen Finalität +zu sein, schon nur ein +Spezialfall, eine Phase und ein Niederschlag +der Finalität+, die nach zwei Richtungen sich entfaltet: einerseits +zur vollbewußten +aktiven+ Zwecktätigkeit im Denken, Wollen und +Gestalten, anderseits zum seelischen +Automatismus+. Zugleich bleibt +der Satz bestehen, daß die psychische Kausalität im allgemeinen Sinne +durch eine Betrachtungsweise desselben Zusammenhanges gegeben ist, der +sonst als finaler Zusammenhang sich darstellt, und zwar am ++unmittelbarsten+ sich darstellt. + +Daß die Psychologie nicht umhin kann, die +Teleologie des Seelenlebens+ +zu berücksichtigen, ist bisher hauptsächlich von jenen Psychologen +betont worden, welche biologische Gesichtspunkte in ihre Wissenschaft +hineintragen. In der Tat: so wichtig und notwendig es ist, die +biologischen Prozesse schließlich auch psychologisch zu interpretieren, +psychische Faktoren zum Verständnis von Lebensvorgängen verschiedener +Art heranzuziehen, so unumgänglich ist auch die Erklärung fundamentaler +psychischer Funktionen durch Rekurrierung auf +biotische+ Momente. Es +ist dies ganz natürlich, denn das Seelenleben ist auch ein Ausschnitt, +bzw. eine Seite des Lebens schlechthin, und das Leben ist qualitativ +eine Manifestation seelischer Faktoren. Wir übertragen also nicht +etwa in äußerlicher Form, durch künstliche Analogien, biologische +Gesichtspunkte auf das Seelische, sondern dieses hat an sich selbst, +vermöge seiner Identität mit dem Leben die Eigenschaften desselben. +Daher gelten die von der Entwicklungstheorie verwandten Momente: +Anpassung, Kampf ums Dasein, Auslese, Übung, Korrelation, Vererbung +usw. auch für die Psychologie. Freilich muß man sich hier vor ++Einseitigkeiten+ hüten, wie sie etwa die +extreme Selektionstheorie+ +aufweist, und man muß der spezifischen Beschaffenheit des Psychischen +als solchen gebührend Rechnung tragen. + +Der teleologische Charakter des Seelenlebens hängt aufs innigste damit +zusammen, daß dasselbe etwas +Organisches+, kein Aggregat selbständiger +Elemente, kein äußerlich verbundenes Ganzes, sondern eine +innerlich +zusammenhängende Einheit+[33] ist, die in lebendiger Wechselwirkung mit +ihren Gliedern steht. Diese Glieder sind ebenso durch das Ganze +bedingt, wie das Ganze durch die Teile; es sind ja beide nur +Abstraktionen aus dem +konkreten Zusammenhang, der zugleich Einheit und +Mannigfaltigkeit ist+. Die Seele ist, das muß aller mechanistischen +Psychologie gegenüber entschieden betont werden, eine sich in der +Mannigfaltigkeit ihrer Modifikationen entfaltende und entwickelnde ++aktuale Organisation+ und hat alle Eigenschaften einer solchen. Was ++Herbart+ von der metaphysischen, einfachen Seelensubstanz lehrte, die +sich wie alle »Realen« gegenüber Störungen ständig zu erhalten strebt, +gilt auch, nur noch viel plausibler, von der gegliederten Seeleneinheit, +die +im+ Erlebniszusammenhange, +nicht hinter+ diesem besteht und tätig +ist. Die Zielstrebigkeit, die das Psychische charakterisiert, äußert +sich in verschiedener Weise, so aber, daß das Streben nach Erhaltung und +Durchsetzung, sowie nach Steigerung, Bereicherung, Potenzierung der +Subjekt-Einheit +sowohl das Primärste als auch das Letzte und Höchste+ +ist, was die Psyche als solche, als Individuum unter anderen, im +Reagieren und Agieren bestimmt. Die Psyche ist von Natur aus so geartet, +daß sie Störungen, die sie erleidet, zu beseitigen, daß sie alles Neue +sich, dem Grundbestande ihrer Modifikationen einzuordnen strebt, +Widersprüche, soweit ihr diese zum mehr oder minder klaren Bewußtsein +kommen, nicht duldet. Und wie sie sich selbst als Ganzes im Konflikte +mit der physischen und psychischen Umwelt zu erhalten strebt, so hat die +Psyche auch die Tendenz, alles für sie und ihre Einheit und Entwicklung +Förderliche möglichst festzuhalten, zu erhalten. Nicht die Vorstellungen +für sich allein haben einen Selbsterhaltungstrieb, sondern die Psyche, +das erlebende Subjekt ist es, welches Teile seiner Erlebnisse gegenüber +andern triebmäßig oder willkürlich +begünstigt+ und sie so anderen +gegenüber sich behaupten läßt, wobei natürlich die Möglichkeit der ++Konkurrenz verschiedener Tendenzen+ nicht zu übersehen ist, die sich +aber schließlich irgendwie der Einheitstendenz des Ganzen einordnen +müssen, soll das Seelenleben »normal«, intakt oder wenigstens im +relativen Gleichgewicht bleiben. Daß Vorstellungen usw. im Bewußtsein +herrschend werden u. dgl., ist gewiß kausal bedingt, wir können häufig +die Faktoren aufzeigen, welche die Erhaltung, Fixierung, Begünstigung +von Erlebnissen zur notwendigen Folge haben, aber zugleich liegt hier +eine Finalität vor, da diese Erhaltung im Dienste der psychischen +Zielstrebigkeit steht, so daß der psychische Zusammenhang durch einen +Zweck bestimmt ist; die kausale Notwendigkeit ist hier also auch +teleologische Notwendigkeit. Das ganze +logische Denken+ z. B. läßt dies +deutlich erkennen, denn der »reine Denkzweck« ist zugleich der Grund, +aus dem die Bildung bestimmter Urteile und Schlüsse erfolgt, und im +Erkenntnisprozesse wieder sind die +Kategorien+ Mittel zur Herstellung +eines +objektiv-einheitlichen Zusammenhanges+, zur Konstituierung von +objektiver Erfahrung und von Erfahrungsobjekten[34]. Die Gesetze des +Denkens und Erkennens fließen gewiß aus dem Wesen der »Sachen«, sind ++nicht bloß individuell-subjektiv+, nicht relativ, aber sie sind auch +nicht in der Luft schwebende Wesenheiten, existieren nicht an sich, +sondern gehören zum »Bewußtsein überhaupt«, sind +Forderungen des auf +reine Erkenntnis gerichteten Willens+, der nur durch sie seinen Zweck: +die Erkenntnis, die Erfassung der Wahrheit und Wirklichkeit, erreichen +kann und daher +sich selbst bindet+, um so bewußter und entschiedener, +je mehr er die +Tauglichkeit+ der einzelnen Denk- und Erkenntnismittel +im Fortschritte der wissenschaftlichen Entwicklung und als +an der +Erfahrung sich bewährend+ einsieht.... + +Der teleologische Charakter des Seelenlebens tritt schlagend in dem +zutage, was man +Interesse+ benannt und oft auch schon bei der Erklärung +psychischer Prozesse verwertet hat. Was in irgendeiner bemerkbaren +Beziehung zum Willen und damit zur Zielstrebigkeit der Psyche steht, +daran nimmt diese Interesse, d. h. sie erfaßt es willig, reiht es leicht +dem Zusammenhang ihrer Erlebnisse ein, verweilt triebmäßig oder +willkürlich bei ihm, beschäftigt sich mit ihm. Interesse erweckt etwas, +wenn es tauglich ist, die psychische Organisation irgendwie zu fördern, +irgendwelche Bedürfnisse des Subjekts zu befriedigen. Je nach der Art +der Bedürfnisse und Zwecke, für die etwas geeignet sein kann, gibt es +verschiedene +Richtungen+ des Interesses, verschiedene Arten des +Interessanten, welches wieder allgemein oder individuell, für die Psyche +überhaupt oder für bestimmt geartete Subjekte erregend sein kann. Daher +die Relativität und Wandelbarkeit des Interesses, je nach der +»Stimmung«, den vorangegangenen Erlebnissen, der Beschäftigung usw., +kurz, je nach den jeweilig vorherrschenden Tendenzen und Zielsetzungen, +denen Erlebnisse und deren Gegenstände begegnen. Je mehr wir uns für +etwas interessieren, desto mehr ist unsere seelische Energie einem +Inhalt zugewandt, desto mehr »Seelenkraft« ist an dessen Verarbeitung +beteiligt, desto besser und nachhaltiger wird der Inhalt vom Ich +aufgenommen und verwertet. Daher die große Bedeutung des Interesses für +die Aufmerksamkeit und Apperzeption, für das Gedächtnis und die +Erinnerung, für die Richtung unseres Denkens und Handelns. Das Interesse +selbst aber ist ohne die allgemeine und spezielle +Finalität+ der Psyche +nicht zu verstehen, denn es ist nur der gefühlsmäßige Ausdruck für +dieselbe, ein Moment derselben, nicht etwa ein selbständiges +»Seelenvermögen«. Die »interessierte« Seele ist nur die nach einer +bestimmten Richtung besonders erregte, an einem Erlebnis besonderen +Anteil, besondere Lust nehmende Seele, für die in irgendeinem Ausmaße +das Erlebnis bedeutsam ist. Das Interesse ist es, was die Psyche eine ++Auslese+ unter den ihr sich in Fülle darbietenden Eindrücken treffen +und sie nur dasjenige assimilieren läßt, was auf Dispositionen, in +»Bereitschaft liegende« Bewußtseinszustände bestimmter Art stößt. Solche +Dispositionen, welche für die Richtung des Interesses bedeutsam sind, +sind auch überall da vorhanden, wo sog. »funktionelle Bedürfnisse« +bestehen, d. h. Tendenzen bestimmter Organe oder Seelenpartien zur +Betätigung der ihnen gemäßen Funktionen. Ein Beispiel dafür ist der +»Lichthunger«, der uns nach längerem Verweilen im Dunkeln befällt, der +Bewegungsdrang nach längerer Ruhe, die Lust am Hören von Klängen, am +Reden, an Phantasiespielen usw. Im +Spiel+ und in der +Kunst+ kommen +funktionelle Bedürfnisse stark zur Geltung[35]. Daher auch die +teleologische Bedeutung von Spiel und Kunst, welche nicht bloß eine +wohltätige Kraftentladung in der Psyche bewirken, sondern auch durch die ++Übung+ bestimmter, sonst vernachlässigter psychischer Systeme und +Organe subjektiv zweckmäßig sind[36]. Uninteressiert sind wir beim +ästhetischen Genuß nur insofern, als wir nicht auf irgendeinen Nutzen, +auf irgendwelche Gütererlangung ausschauen, aber willen- und +interesselos sind wir keineswegs, sondern ein »Wille zur Schau«, zum ++reichen und dabei harmonischen Erleben+ besteht, der im und durch das +ästhetische Erleben befriedigt wird, genau so, wie das Spiel in gewissem +Sinne Selbstzweck ist.... + +Ebenso wie das Interesse, bezieht sich auch das Phänomen der +Wertung+ +auf die Finalität des erlebenden Subjektes. Was irgendwie zur +Befriedigung eines Bedürfnisses zur Erreichung eines Strebenszieles +nicht bloß geeignet, sondern auch notwendig, gefordert ist, das ist uns ++wert+, das ist für uns und alle Gleichgerichteten ein Wert. Werten kann +also nur ein zielstrebiges Wesen, und die Grundrichtung, die es +überhaupt oder jeweils verfolgt, sein +Grundwille+ und alles daraus +folgende Streben ist gleichsam das »a priori« aller Wertung. Erst und +nur im bewußten oder unbewußten Hinblick auf einen Zweck ist etwas für +uns wertvoll, als Mittel zu einem Zweck, das selbst in anderer Hinsicht +ein Zweck sein kann, bis hinauf zum obersten Endzweck, der, als +identisch mit dem Inhalt des reinen Grundwillens, an sich, »absolut« +wertvoll[37] ist; die Relativität und Subjektivität der Einzelwerte, +deren Abhängigkeit von verschiedenen Verhältnissen, von der Art der +psycho-physischen Organisation, vom Milieu, von historischen und +sozialen Bedingungen schließt keineswegs das Bestehen +objektiver, +intersubjektiver+, relativ konstanter Werte und die Absolutheit der ++obersten Grundwerte+ der Menschheit für den menschlichen bzw. +ideal-menschlichen Grundwillen aus, ein Umstand, der für die Ethik und +Sozialphilosophie von höchster Bedeutung ist und der vor allem die +Versöhnung zwischen Historismus und Apriorismus ermöglicht, sofern man +nur mitten im Geschichtlichen, im menschlichen Entwicklungsprozeß das +Apriorische, die in Form von Ideen und Idealen gegebenen, vom +Gesamtwillen gesetzten und anerkannten +Grundwerte+ zu finden und die +Geschichte als eine, freilich nicht geradlinige und rein rationelle +Annäherung an die Verwirklichung und +Objektivierung dieser Wertideale+ +zu erkennen weiß[38]. + +Eine Art Wertung liegt schon in den +Gefühlen der Lust und der Unlust+ +vor, welche zweifellos eine teleologische Bedeutung besitzen, die man +nur richtig auffassen muß. Denn es ist zu berücksichtigen, daß etwas für +bestimmte Partien oder auch für den Gesamtorganismus direkt oder +indirekt unzweckmäßig sein kann, was +relativ+ für bestimmte Partien und +Funktionen, also im Hinblick auf besondere Tendenzen der Psyche als +zweckmäßig empfunden wird und Lust bereitet. Dies festhaltend, kann man +ruhig behaupten, daß das Gefühlsleben ebenfalls die Finalität des +Subjekts zum Ausdruck bringt, daß lustvolle Gefühle Zeichen, Symptome +für Bedürfnisbefriedigungen sind, d. h. für Zustände, die der Psyche +in +irgendeiner Beziehung+ und Weise genehm, die für sie irgendwie +zweckmäßig sind, während Unlust in der Regel auf das Gegenteil hinweist. +Die scheinbare Durchbrechung der Regel erklärt sich eben aus dem +Bestehen +verschiedener Tendenzen+ der Psyche und aus dem +Konflikte+, +in welchen dieselben unter Umständen miteinander geraten können. Ferner +kann die Erfahrung und Verstandeserwägung das Bewußtsein der üblen +Folgen an sich lustvoller Erlebnisse und Handlungen als Gegengewicht +gegen diese ins Treffen führen und dies zeigt, daß eben eine Entwicklung +des Wertens wie eine solche der seelischen Fähigkeiten überhaupt +besteht; wo die Wertvoraussetzungen anders sich gestalten, muß natürlich +auch, ungeachtet der Zähigkeit mancher organisch gewordener Wertungen, +die Wertung sich modifizieren. Ist doch die Zweckmäßigkeit, auf die das +Werten sich bezieht, überhaupt nichts Festes, Starres, sondern ein +Werdendes, ein Produkt der Entwicklung. Je nach dem erreichten +Entwicklungszustande nimmt das erlebende Subjekt in verschiedener +Weise Stellung zu seinen Erlebnissen, wertet es diese, bzw. deren +Inhalt verschieden. Stets kommt aber in der Wertung die Natur und +Gesetzlichkeit des Subjekts, des einzelnen wie der Subjektivität +schlechthin zum Ausdruck, und diese Gesetzlichkeit ist im Kerne +finaler Art[39]. + +Diese Finalität dürfen wir nicht vergessen, wenn wir vom +Wettbewerb+ +der Vorstellungen usw. um die Erhaltung im Seelenleben, im Bewußtsein, +im subjektiven und objektiven Geiste sprechen. Ein solcher Wettbewerb +besteht zweifellos, aber er ist ebensowenig wie der Daseinskampf in der +Natur rein kausal oder mechanisch zu erklären. Denn was bestimmte +Bewußtseinsinhalte miteinander streiten läßt, das sind die verschiedenen ++Tendenzen+, die der in mannigfache Verhältnisse gelangende seelische +Organismus aufweist, und was bestimmten Vorstellungen, Ideen usw. den +Sieg verleiht, das ist das +Überwiegen einer Tendenz vor anderen+. Es +siegt stets das direkt oder indirekt (auf Grund von Urteilen, +Vergleichungen) als relativ Wertvollste, für das so und so beschaffene +Subjekt relativ Zweckmäßigste, Befundene, sei es im Denken, sei es im +Wollen und Handeln (»Kampf der Motive«). Es obsiegen im intra- und +intersubjektiven geistigen Wettbewerbe schließlich die an der Erfahrung +am besten bewährten Ideen (Wissenschaft) und Handlungsweisen (Sitte, +Recht, Technik usw.). Der Zweck, die Willensrichtung und die Beziehung +auf sie ist also das Ausschlaggebende, nicht die Vorstellung für sich +genommen, nicht die blutleere Theorie. Ein Wille, und sei es auch nur +ein »reiner« Denk- und Erkenntniswille ist das +aktiv Auslesende+, den +Wettbewerb Regelnde, Normierende, dem schließlich sich unwesentliche +oder störende Tendenzen unterordnen müssen, damit der reine Zweck rein +erfüllt wird, was eben nur durch +Erhaltung des bestimmt gerichteten +Willens in der ganzen Mannigfaltigkeit seiner Betätigungen+, also durch +das, was wir »Konsequenz«, »Folgerichtigkeit«, +Einstimmigkeit mit sich +selbst+ nennen, erreicht wird. Daß innerhalb der Willensgesetzlichkeit +das Herrschendwerden gewisser Bewußtseinsinhalte und die Zurückdrängung +oder gar Verkümmerung anderer durch das +Milieu+ in dessen verschiedenen +Arten (Natur, Rasse, Gesellschaft usw.) mitbedingt ist, steht außer +Frage; man denke nur an den Wandel der Lieblingsideen bei verschiedenen +Völkern und in verschiedenen Perioden der Geschichte, denke an den +Wechsel der Stile, der Moden, der Denkweisen, an das Überwiegen +bestimmter Denkmittel, Gefühlsweisen, Willenstendenzen usw. + +Es besteht eben im Geistesleben zweierlei +Anpassung+: einmal eine ++passive+, besser +reaktive+ Anpassung von Erlebnissen (Vorstellungen +usw.) an ein physisches oder psychisches Milieu, dann aber auch eine ++aktive+ Anpassung des Milieus an die Natur des Seelenlebens. Die +passive Anpassung ist teils +indirekter+ Art, durch eigentliche ++Selektion+, die aber im Seelischen noch weniger belangreich sein dürfte +als im Biologischen, teils eine +direkte+, indem das +Milieu+ durch die +von ihm ausgehenden Reize und Einflüsse das Seelenleben der Individuen +und Völker in einer zu diesem Milieu in Beziehung stehenden Weise +modifiziert. Während auf den niederen Stufen der Geistesentwicklung die +passive Anpassung überwiegt, kommt auf den höheren immer mehr die ++aktive Anpassung+ zur Geltung. Die ganze +Kulturarbeit+ des Menschen +gibt davon Zeugnis, wie sehr es der menschliche Geist versteht, Inhalte +seines Erlebens so zu formen, daß sie seinen ureigenen Bedürfnissen, +Tendenzen, Zwecken zu entsprechen vermögen. Nicht bloß die Außenwelt +wird diesen Zwecken angepaßt, auch das Innenleben, wie es sich besonders +im »objektiven Geist«, in Religion, Sitte, Sittlichkeit, Recht, +Wissenschaft usw. bekundet, wird aktiv gestaltet, beständig umgeformt, +und zwar im ganzen und großen schließlich doch immer wieder in der +Richtung, welche die Linie der +Realisierung des reinen +Menschheitswillens+ bedeutet, also im Sinne der +Kulturidee+. Hierbei +findet, +da die Einheit des Geisteslebens immer wieder nach +Selbsterhaltung strebt und bewußte Widersprüche in ihrem Bereiche nicht +dauernd erträgt+, eine beständige, wenn auch nicht immer gleich +merkliche +gegenseitige Anpassung der geistigen Gebilde aneinander+ +statt, die aller Einseitigkeit, aller Verkümmerung einzelner Partien des +Seelenlebens immer wieder entgegenarbeitet. So gibt es z. B. eine +Anpassung zwischen Recht und Wirtschaft, zwischen Glauben und Wissen, +zwischen Individualismus und Kollektivismus. Es besteht eine Art ++Selbstregulierung+ des Geisteslebens, durch welche Störungen und +Einseitigkeiten, welche der Integrität der seelischen Einheit Abbruch zu +tun drohen, soweit als möglich aufgehoben werden, und diese +Selbstregulierung ist ein Mittel zur Anpassung der Mannigfaltigkeit +geistiger Inhalte an die Einheit und Gesetzlichkeit der individuellen +und der sozialen Psyche. -- Die Bedeutung der aktiven Anpassung im +Geistesleben erhellt u. a. aus der Methodik des wissenschaftlichen +Erkennens. Denn es findet nicht nur eine (besonders von +E. Mach+ +hervorgehobene) +Anpassung des Denkens an die Erfahrung+ statt, sondern +auch eine +Anpassung der Erfahrung an das Denken+, bzw. an den +Denkwillen, indem die Erfahrung methodisch so geformt wird, daß sie die +allgemeine, »apriorische« Gesetzlichkeit des Intellekts in ihrer +Struktur immer schärfer und ausgedehnter zum Ausdruck bringt. Dies ist +nur ein Spezialfall aus der fortschreitenden +Rationalisierung+ des +gesamten Lebens, welche triebhaft einsetzt und dann vornehmlich durch +die spontane, autonome, planmäßige, zweckbewußte Arbeit des Geistes, der +alle seine Inhalte seinen Forderungen, den Postulaten des +Vernunftwillens zu unterwerfen strebt, erfolgt. In der fortschreitenden ++Vergeistigung der Natur+, sowohl der äußeren als auch der inneren Natur +des Menschen besteht ja der Sinn aller wahren, vollen Kultur. Durch die +reaktive und aktive Formung, welche das Geistesleben beständig an seinen +Objekten vornimmt, erzeugt es einen stets zunehmenden +Reichtum +geistiger Werte+ und zugleich entwickelt es sich selbst zu immer höheren +Daseinsstufen; die +Funktion+ wirkt hier, wie im Biologischen, durch +Übung und deren Nachwirkungen sowie durch Vererbung derselben, zu der +auch die Tradition gehört, auf die +Organisation+, von der sie ausgeht, +zurück, so daß auch hier ein besonnener »Lamarckismus« Recht behält. + +Wenn es wahr ist, daß alle Entwicklung zwar auch durch äußere Faktoren +bedingt und bestimmt ist, aber doch in erster Linie unmittelbar von +innen her erfolgt, so gilt dies nun ganz besonders für die +seelische +Evolution+. Dies folgt schon aus der Finalität der Psyche, aus deren ++Gerichtetsein auf immer neu sich entfaltende Ziele+. In unaufhörlicher +Bewegung muß ein Seelenleben sein, dessen +innerstes Triebwerk+ +wirkliches Streben, wahre Tendenz, also »Wille« im allgemeinsten Sinne +des Wortes ist. Nur die +Verbindung von immanenter Teleologie und +Voluntarismus+ ist geeignet, uns die wachsende Zweckmäßigkeit des +Psychischen ohne Berufung auf »transzendente«, von außen gesetzte Zwecke +oder auf geheimnisvolle Zweckursachen verständlich zu machen. Gewiß sind +nicht alle erzielten Resultate von Anfang an Objekt und Inhalt des +Willens, gewiß weiß das Subjekt oft nichts oder nur wenig von dem, was +es erzeugt und wozu es erwächst, aber wenn es auch wahr ist, daß nur +eine Summation, ein fortlaufender Zusammenhang relativ selbständiger +Zielstrebungen und Zwecksetzungen die endlich erreichten +Zweckmäßigkeiten mit sich bringt, so ist es doch ebenso wahr, daß ohne +diese Strebungen, in denen das Wesen des Subjekts, der Psyche zum +Ausdruck gelangt, nichts von dem erreicht würde, was tatsächlich +gewonnen wird. Mit außerordentlicher Genialität hat insbesondere ++Leibniz+ diese +Selbstentwicklung+ der Seele erfaßt und nur den Fehler +begangen, die Seele als einfache Substanz, als Monade unter anderen +Monaden zu fassen, statt sie als eine, eine Vielheit von »Elementen« und +Momenten einschließende +aktuale Organisation+ zu betrachten, wie wir es +heute tun müssen. Es gibt eben nicht ein besonderes, qualitativ +unbekanntes Wesen, Seele genannt, sondern die Seele ist +der +einheitliche, sich von seinen ihn zur Erscheinung bringenden Momenten +und Elementen selbst unterscheidende, abhebende Zusammenhang +zielstrebiger Aktionen und Reaktionen+, eine sich permanent setzende, +durchsetzende, erhaltende, entfaltende »Subjekt-Einheit« als das +»Innensein« dessen, was objektiv angesehen oder gedacht als physischer +Organismus sich darstellt. Insofern diese Einheit aus sich heraus tätig, +wirksam ist, Fähigkeiten zu verschiedenen Handlungen besitzt, ist sie im +wahrsten Sinne des Wortes eine »Kraft«, während die objektiv-physischen +Kräfte uns nur als gedankliche Ausgangspunkte von kausalen Relationen +gegeben sind. Jede Seele ist ein sich selbst unmittelbar erfassendes ++Aktionszentrum+, nicht »substantiell«, sondern durch ihr Wirken und +ihre Dispositionen dazu. Sie »wirkt« aber dadurch, daß sie strebend, +wollend, also auf Ziele »gerichtet« ist; +ihr Wirken ist also final +bestimmt+. So kann man die Seele als eine Art +Apparat zur +Verwirklichung von Zwecken+ ansehen, freilich als einen +lebendigen, +aktiven, bewußten Apparat+, nicht als einen bloßen Sitz oder ein +Reservoir von Kräften. + +Wir sehen aus dem Vorangehenden, wie notwendig die +teleologische +Fundierung der Psychologie+ ist. Es ist in der Tat ganz und gar unmöglich, +die Gesetzlichkeit, die im Seelenleben waltet, zu verstehen, wenn man nicht +den +Strebungscharakter+ und damit die Finalität des Psychischen voll +berücksichtigt. Die Zielstrebigkeit in ihren verschiedenen Abstufungen und +Bewußtseinsgraden beherrscht das +gesamte Seelenleben+, sie ist die +Grundbedingung, die +Urvoraussetzung+ für das Funktionieren desselben. Sie +waltet im Wollen direkt, kommt im Gefühlsleben zum Ausdruck und durchsetzt +auch die +intellektuellen+ Prozesse, angefangen von der Empfindung und +Sinneswahrnehmung bis hinauf zum Denken und Erkennen. Die Grundfunktionen +des Bewußtseins und deren Wirkungen stehen alle, direkt oder indirekt, im +Dienste der reaktiven Zielstrebigkeit oder der aktiven Zwecksetzung, handle +es sich nun um das Gedächtnis, die Phantasie, die Abstraktion, die Übung, +die Gewöhnung, die Ermüdung, die Aufmerksamkeit u. dgl. oder um die im +Spiel, in der Kunst, im religiösen, sittlichen, sozialen Leben wirksamen +Seelenfunktionen. Überall bestehen hier +Bedürfnisse+, teils materialer, +teils formaler Art, Tendenzen der psychischen Organisation und ihrer +»Provinzen«, die triebhaft oder mittels des »Vernunftwillens« zur Erfüllung +drängen. Was oft als rein mechanische Reflextätigkeit oder als Resultat +unbewußten Wissens und Planens erscheint, wie die +Instinkthandlung+, ist +das fixierte, durch Übung und Vererbung der psychischen Organisation fest +einverleibte +Resultat+ von zielstrebigen Reaktionen, die durch allmähliche +Anpassung zu objektiv zweckmäßigen Erfolgen geführt haben. Man muß sich +also vor zweierlei hüten: einerseits vor dem Fehler, da, wo schon +triebhafte, impulsive, wenn auch sehr beschränkte, nur auf das +Allernächste, auf die Entfernung unlustvoller und die Festhaltung +lustvoller Reize gerichtete Zielstrebigkeit besteht, bloß das Resultat rein +mechanisch-reflektorischer Vorgänge zu erblicken; anderseits aber auch vor +dem ebenso gefährlichen Irrtum, einfach organisierten Lebewesen tierischer +und pflanzlicher Art schon Denk- und Willensakte zuzuschreiben, die nur in +einem komplizierten Bewußtsein möglich sind, die Fähigkeit aktiver +Vergleichung, Abstraktion, Überlegung, Wahl voraussetzen oder auch durch +eine große Zahl in Bereitschaft stehender Erfahrungen bedingt sind. Schon +der Ausdruck »Zielstrebigkeit« (bekanntlich von +K. E. v. Baer+ eingeführt) +ist cum grano salis zu verstehen, sonst kann er leicht Unheil anrichten. Es +ist nicht so, als ob es an sich Ziele gäbe, die dem Lebewesen irgendwoher +gesteckt sind und auf die es nun unbewußt oder bewußt zustrebt. Wir wissen +wenigstens nichts davon, solange wir auf dem Boden der Empirie verbleiben +und metaphysischen Theorien innerhalb der empirischen Forschung keinen Raum +gönnen. Zielstrebigkeit ist für uns nichts anderes als ein +Ausfluß des +Lebens selbst+; das Ziel ist dem Streben durchaus immanent, es ist durch +das erlebende Subjekt selbst »gesetzt«, ist von ihm unabtrennbar. Dieses +ist durch und durch +Wille zur Erhaltung, Durchsetzung, möglichst auch +Steigerung und Entfaltung der eigenen Einheit+, nicht aber ist es +irgendwoher auf dieses Ziel eingestellt worden. Und alle die Zwecke, die +von lebenden Subjekten angestrebt werden, sind nur +Konsequenzen aus der +primären Zielstrebigkeit, in allmählicher Entwicklung entfaltet und +jeweilig modifiziert und modifizierbar durch das Milieu, in welchem das +Subjekt lebt+. Es muß dies wiederholt betont werden, damit die Gegner aller +Teleologie einsehen lernen, daß von irgendwelchen »reaktionären« Tendenzen +in dieser Form der »Auto-Teleologie« nicht im geringsten die Rede ist. Für +eine große Strecke der Finalität ist jedwedes Vorauswissen zweckmäßiger +Erfolge unbedingt ausgeschlossen, auch ist die +Erreichung+ solcher Erfolge +keineswegs eindeutig bestimmt, nur zu oft finden Irrtümer statt, es bedarf +oft einer großen Reihe von Erfahrungen, damit unter den in Bereitschaft +stehenden Bedingungen die +richtigen Mittel+ zur Anwendung kommen. Die +Kenntnis der richtigen Mittel zum Zweck ist vielfach erst das Produkt +langer Entwicklung, die »Zufälligkeit der Mittel« (+Pauly+) ist ein nicht +genug zu beachtender Umstand, der für die neben der Zweckmäßigkeit stark +hervortretende »Dysteleologie« von hoher Bedeutung ist. +Zielstrebigkeit +schließt also noch nicht die richtige Technik der Mittel ein, der Mangel +einer solchen freilich nicht die Existenz einer Zielstrebigkeit aus.+ So +sehen wir z. B. eine bestimmt geartete Individualität, einen bestimmt +gerichteten Charakter zuweilen sich in der Wahl der diesem Charakter +gemäßen Lebensbedingungen (Beruf usw.) vergreifen, weil er sich eben in +seinem »dunklen Drange« des »rechten Weges« +nicht+ bewußt ist. Mit Recht +ist gesagt worden, der Charakter eines Menschen sei dessen Schicksal. Das +bedeutet psychologisch: der Grundwille, der das Wesen dieses bestimmten +Subjekts ausmacht, leitet bewußt oder impulsiv dessen ganzes Tun und +Lassen, wobei nicht auf die äußeren Verhältnisse und deren bestimmenden, +teilweise auch zwingenden Einflüsse vergessen werden darf. Die Mittel aber, +diesem Grundwillen Genüge zu tun, werden oft nicht richtig gewählt, weil +Erfahrung oder Vernunfteinsicht nicht im rechten Maße vorhanden ist, so daß +auch diese Faktoren das Geschick des Menschen bestimmen. Das +»Dysteleologische« ist, kurz gesagt, nicht bloß auf Rechnung äußerer +Faktoren zu setzen, sondern es entspringt vielfach der Finalität, dem +Teleologischen selbst, teils als +ungewollter Nebenerfolg+, teils infolge +der +Beschränktheit des Subjekts+. An diese Dysteleologie ist in letzter +Linie der +Konflikt+ verschiedener oder gegensätzlicher Tendenzen und +Zielstrebigkeiten, insbesondere zwischen verschiedenen Subjekten, schuld. + + + + +V. Die psychische Entwicklung. + + +Wir haben bereits der verschiedenen Faktoren, welche an der Entwicklung +des Seelenlebens beteiligt sind, Erwähnung getan. Nun erübrigt uns noch +die zusammenfassende Darlegung des Wesens dieser Entwicklung. + +Zunächst ist von einer Entwicklung der Psyche +als Ganzes+ zu sprechen. +Wir wissen, daß diese Entwicklung eine Entfaltung von +innen+ heraus +ist. Damit wurde keineswegs bestritten, daß eine durchgängige +Beeinflussung der Psyche durch das äußere +Milieu+ besteht. Direkt und +indirekt kommt dieser Einfluß zur Geltung und alle Seelenentwicklung +steht, wenn sie auch innerlicher Art ist, zu jenem in Beziehung, paßt +sich ihm nach Möglichkeit an und schmiegt sich den waltenden +Verhältnissen an. Aber das Milieu wirkt auf die Psyche entsprechend der +eigenen Natur dieser. Es wirkt als eine Summe von +Reizen+, welche in +der psychischen Organisation +Tendenzen+ wachruft, die zu bestimmt +gerichteten +Reaktionen+ führen, die wieder auf die psychische +Organisation +zurückwirken+; dann erst kann auch die natürliche Auslese +einsetzen, welche das Erhaltungsgemäße, Zweckmäßige begünstigt, indem +sie zugleich das Untaugliche auszumerzen bestrebt ist. In jedem Falle +aber ist die psychische Entwicklung »zielstrebig«, indem zum Wesen der +Psyche die Tendenz zur Erhaltung und Durchsetzung der eigenen Einheit +gehört, aus welcher Tendenz in Reaktion zu den äußeren Reizen die +Entwicklung der Seele mit teleologischer und zugleich kausaler +Notwendigkeit erfolgt. Je höher entwickelt die Seele ist, desto mehr +wird die Reaktivität derselben zur +Aktivität+, desto relativ +unabhängiger wird sie vom Zwange des Milieu, desto mehr kann sie +ihren ureigenen Tendenzen folgen, ihr Milieu selbsttätig modifizieren, +ein +neues Milieu+, einen neuen Wirkungskreis schaffen. Die gesamte ++Kulturtätigkeit+ ist nichts anderes als ein aktives Anpassen des +Milieu an die Tendenzen, Bedürfnisse, Zwecke, Ideale der +menschheitlichen Psyche. + +In welcher Hinsicht können wir von der Psyche sagen, daß sie sich +entwickelt? +In extensiver+ und +intensiv-qualitativer+ Hinsicht, so +aber, daß hier die Extension, das Quantitative sogleich auch +qualitativen Charakter besitzt. Die psychische Entwicklung besteht +zunächst darin, daß die +Zahl der Erlebnisse+ des Subjekts wächst, daß +der +Umfang seines Bewußtseins+ ein immer größerer wird, sich auf eine +immer größere Menge von Vorstellungen, Gefühlen usw. erstreckt. Das gilt +sowohl vom Individuum als auch vom »Gesamtgeist«, von der +»Kollektivseele« eines Volkes, einer sozialen Gemeinschaft. Während das +Individualsubjekt den Schatz seines Bewußtseins durch Erfahrung, Lernen, +eigenes Denken vergrößert, entwickelt sich die Kollektivseele, als das +Gemeinsame in einer Vielheit von Einzelseelen und zugleich als der durch +Wechselwirkung bedingte einheitliche Zusammenhang dieser, durch ++Akkumulation von Kollektiverfahrungen und der Produkte des +Gemeinschaftswirkens+ auf allen Gebieten geistiger Betätigung. Was beim +Individuum die Vererbung bedeutet, das ist für die Kollektivseele, für +den Gesamtgeist die +Tradition+, durch welche die folgenden Generationen +von vornherein in eine Welt geistiger Werte gestellt sind, an die sie +anknüpfen und die sie weiter verarbeiten können. Die Tradition stellt +einen seelischen Zusammenhang in der Zeit dar, der trotz wiederholten +scheinbaren Durchbruchs der geschichtlichen Kontinuität, trotz +zeitweiligen Zurücktretens, Vergessenwerdens, Nichtbeachtetseins +geistiger Werte zustande kommt. Die Tradition ist die sozialhistorische +Art der Vererbung, die Vererbung eine Art Tradition. Das letztere ist +ohne weiteres verständlich, wenn wir bedenken, daß freilich fertige +Vorstellungen, Gedanken, Wertungen u. dgl. nicht vererbt werden können +-- weil für solche in der unentfalteten Psyche des Keimes gar kein Organ +vorhanden ist, und aus anderen Ursachen -- wohl aber psychische ++Anlagen+ oder Dispositionen allgemeinster und auch spezieller Art. +Vermöge solcher Anlagen, d. h. Tendenzen der primitiven +Seelenorganisation zu bestimmt gerichteten Reaktionen und Aktionen, +Tendenzen, die freilich erst durch Reize ausgelöst werden müssen, ist +die Psyche +besser ausgestattet+ als die früheren Generationen, sie kann +sich extensiv und intensiv höher entwickeln, einen komplizierteren und +feineren Habitus annehmen. Gewiß wird nicht alles und jegliches, was ein +erlebendes Subjekt erlebt hat, vererbt werden. Die »direkte Vererbung +erworbener Eigenschaften« ist keineswegs durch die Neo-Darwinisten aus +der Schule +Weismanns+ widerlegt, aber sie darf auch nicht ins Extreme +gezogen werden. Vererbbar dürfte nur das sein, was infolge +lang +wiederholter+ oder sonstwie +nachhaltiger+ Eindrücke die psychische +Struktur erheblicher beeinflußt, modifiziert hat[40]. Insbesondere +gehören hierher die Resultate psychischer +Übung+ nach irgendwelcher +Richtung hin; diese Resultate bestehen in der größeren Leichtigkeit und +Sicherheit bestimmter Funktionen, bestimmter Bewußtseinsakte oder +Koordinationen solcher, die in den von den elterlichen Seelen sich +abspaltenden, ablösenden »Seelenkeim« eingehen, wobei man aber nicht an +substantielle Wesenheiten und Modifikationen denken darf. Die Erlebnisse +der Subjekte gehen nicht spurlos vorüber, sie wirken auf die psychische +Organisation zurück und manches von diesen Wirkungen kommt in den +Nachkommen scharf zum Ausdruck. Infolge bald des Zusammenwirkens, bald +des einander Entgegenwirkens der Tendenzen väterlicher- und +mütterlicherseits in der »Keimpsyche«, sowie des Einflusses äußerer +Faktoren ist die psychische wie alle Vererbung natürlich etwas ungemein +Kompliziertes, keineswegs etwas eindeutig Bestimmtes. Und da wir bei der +Beurteilung dessen, was psychisch ererbt ist, den Einfluß der +Nachahmung, Erziehung, des gleichen Milieu usw. nicht vergessen dürfen, +so ist es kein Wunder, wenn wir über den Umfang der direkten Vererbung +noch recht wenig wissen. Erfahrung und Logik sprechen aber für das +Bestehen einer solchen, so sicher es auch ist, daß zur Erwerbung +bestimmter psychischer (oder auch physischer) Eigenschaften schon +gewisse +Prädispositionen+ nötig sind.... + +Das extensive Wachstum psychischer Werte ist von +teleologischer+ +Bedeutung. Denn der größere Umfang von Vorstellungen usw. ermöglicht ein +richtigeres, den mannigfachen Verhältnissen und Modifikationen des +Daseins besser angepaßtes Verhalten des Subjekts. »Wissen ist Macht«. +Die reicher ausgestattete Psyche verfügt über mehr Mittel zur +Selbsterhaltung und Selbstförderung, sie ist dem Zwange von Raum und +Zeit viel mehr entrückt, sie kann viel aktiver auftreten. Ohne einen +gewissen Vorrat in Bereitschaft stehender Vorstellungen und Begriffe ist +kein höheres Wollen, keine Überlegung, keine Planmäßigkeit des Handelns +möglich. Teleologisch bedeutsam ist nun auch das +intensive+ Wachstum +der Seele. Infolge der Übung ihrer Funktionen und infolge der daraus +resultierenden Dispositionen +steigert sich die psychische Energie +intensiv+, sie vermag bei gleichem oder geringerem Kraftaufwande +mehr +und Besseres+ zu leisten, kurz, sie gewinnt an +Zwecktüchtigkeit+. Wir +sehen denn auch in der individuellen wie in der kollektiven Evolution +der Psyche die Leistungsfähigkeit dieser in vieler Beziehung durch die +Vererbung der Übungsresultate sich steigern. Wir konstatieren vielfach +eine +Steigerung+ der +Bewußtheit+ durch die Entwicklung, daneben +freilich auch eine +Herabsetzung+ der Bewußtheit gewisser Funktionen. +Und auch dieses Zurücktreten der Bewußtheit ist zweckmäßig. Die +»Abstumpfung« durch Gewöhnung schützt vor der Überzahl der die Psyche +sonst leicht störenden, verwirrenden, zerrüttenden Reize, sie entlastet +die Seele, +erspart ihr Arbeit+, ermöglicht eine um so stärkere ++Konzentration+ in bestimmter Richtung, sie wirkt also entschieden ++ökonomisch+. Zugleich werden durch die »Mechanisierung« des Bewußtseins +die Handlungen +sicherer+, indem sie viel weniger dem Irrtume ausgesetzt +sind. Daher die Treffsicherheit alles »Instinktiven«, die freilich nur +für bestimmte, normale, typische Umstände gilt; soll das Seelenleben +nicht erstarren, so muß eine Modifizierbarkeit auch der Instinkte +möglich sein und tatsächlich besteht sie in großem Ausmaße. Die +Verminderung der Bewußtheit ist keine absolute Verarmung des +Seelenlebens, wofern sie eben die Anbildung neuer, höherer +Bewußtseinsinhalte und die Steigerung der psychischen Energie mitbedingt +und ermöglicht. In dem rechten Verhältnis zwischen Bewußtheitssteigerung +und Bewußtheitsschwächung liegt das Maximum des für das erlebende +Subjekt Zweckmäßigen; dem entspricht das rechte Verhältnis zwischen +Trieb- und aktivem Willensleben. + ++Wundt+ spricht von einem »Wachstum geistiger Energie«[41] und wir +müssen ebenfalls ein solches konstatieren. Zunächst sei bemerkt, daß +damit dem Gesetz der +Erhaltung physischer Energie+ kein Abbruch getan +wird. Denn es kann bei gleich bleibender Menge physischer Energie die +Mannigfaltigkeit psychischer Qualitäten und Werte wachsen. Man muß +ferner beachten, daß innerhalb gewisser Grenzen und Normen auch die ++Energie des Zentralnervensystems+ -- natürlich auf Kosten anderer +physikalisch-chemischer Energie im und außerhalb des Organismus +-- wächst, und zwar durch Ernährung und Übung. An die extensive und +intensive Leistungsfähigkeit des Zentralnervensystems ist nun die +Steigerung psychischer Energie im intensiven Sinne geknüpft, wie dies +besonders +Jodl+ hervorgehoben hat (»Wachstum organischer Energie«). Daß +innerhalb eines Partialsystems der Vorrat verfügbarer Energie durch +Aufnahme von außen und Akkumulation zunehmen kann, ist ja ohne weiteres +begreiflich und mit dem Gesetz der Erhaltung der Energie durchaus +vereinbar; ebenso auch eine zeitweilige Abnahme an Nervenenergie. +Während also ein Teil der Steigerung psychischer Leistungsfähigkeit +-- die durch ihre Wirkungen, den zu verarbeitenden geistigen Stoff, +einigermaßen, wenn auch nicht im physikalisch-exakten Sinne meßbar ist +-- der Bereitschaft des ersparten Kraftaufwands und der durch die Übung +erzielten besseren Richtung und Koordination der Energie zu verdanken +ist, haben wir den andern Teil dem Wachstum des Innenseins dessen, was +objektiv zerebrale Energie ist, zuzuschreiben. Der qualitativen und +intensiven Steigerung dieser Energie und ihres Organs entspricht das +Wachstum der Intensität und der Mannigfaltigkeit von seelischen Werten +in deren immer vollkommeneren, bewußteren einheitlichen Zusammenfassung. +Hier erscheint -- wie u. a. +Münsterberg+ betont -- das Prinzip des +psycho-physischen Parallelismus nirgends durchbrochen. + +Das Wachstum geistiger Werte hängt, wie es wiederum +Wundt+ vortrefflich +dargetan hat, mit der »schöpferischen Synthese« zusammen, die das +Bewußtseinswirken charakterisiert; es ist ein Prinzip, welches besagt, +»daß die psychischen Elemente durch ihre kausalen Wechselwirkungen und +Folgewirkungen Verbindungen erzeugen, die zwar aus ihren Komponenten +psychologisch erklärt werden können, gleichwohl aber neue qualitative +Eigenschaften besitzen, die in den Elementen nicht enthalten waren, +wobei namentlich auch an diese neuen Eigenschaften eigentümliche, in den +Elementen nicht vorgebildete Wertbestimmungen geknüpft werden« (Philos. +Studien X, 112f.). Es besteht eine Art »psychische Chemie«, vermöge +deren eine Gesamtvorstellung, ein Gesamtgefühl usw. mehr ist als die +bloße Summe der Elemente, in welche sich diese psychischen Gebilde +zerlegen lassen. Im Verlaufe der individuellen und generellen +Entwicklung entstehen so immer neue psychische Qualitäten und Werte, die +wohl in den vorangehenden ihren zureichenden Grund haben, aber nicht +restlos aus deren Zusammen zu erklären sind. Das Äquivalenzprinzip, +welches auf dem Gebiete des Psychischen überall gilt, hat hier überall +da, wo es sich um rein +Qualitatives+ handelt, keine Bedeutung. Was +diesem Prinzip schöpferischer Energie in der Natur einigermaßen +entspricht, das ist die immer neue Entstehung von +Formen+, insbesondere +von organischen Gestaltungen, die auch nicht restlos auf die Summation +von Elementen zurückzuführen sind. Die psychische Synthese ist aber ++nicht ein selbständiges Zusammentreten von Bewußtseinselementen, +sondern ein Auftreten neuer Bewußtseinsmodifikationen auf Grundlage des +Zusammenhanges anderer+, also eine Art +Reaktion des erlebenden Subjekts +auf seine eigenen Erlebnisse+, welche das Material zu neuen Gestaltungen +und Gliederungen darbieten; das Subjekt bereichert sich so aus und in +sich selbst, es +entfaltet+ und +steigert+ sich in und an seinen eigenen +Zuständen, Aktionen und Gebilden[42]. + +Doch gibt es im seelischen Leben auch ein Analogon zur Erhaltung der +Energie im Sinne des Äquivalenzprinzips, also so etwas wie eine ++Erhaltung psychischer Energie+[43]. Nämlich als Parallele zu dem +intrazerebralen Verhältnis der Energien, welches derart ist, daß mit der +erhöhten Energie bestimmter Partien oder Funktionen die entsprechende +Verminderung der Energie anderer Partien oder Funktionen verbunden sein +wird. Wir sehen in der Tat, wie eine Konzentration der Aufmerksamkeit +für bestimmte Inhalte eine Schwächung der psychischen Energie für andere +Inhalte bedingt, wie ferner die Steigerung gewisser Funktionen, wenn sie +einseitig erfolgt, die Schwächung anderer zum Korrelat hat, kurz, wie +das Zuströmen psychischer Energie nach einer bestimmten Richtung ein +Abfließen solcher Energie von anderen Richtungen mit sich bringt. Die +Begrenztheit der einem Subjekt zur Verfügung stehenden psychischen +Leistungsfähigkeit hat diese Art von »Energie des Bewußtseins« zur +Folge. Daß damit ein Wachstum seelischer Werte durchaus vereinbar ist, +liegt auf der Hand. Selbsterhaltung und Selbstentfaltung gehören beide +zusammen zum Wesen der psychischen Organisation, welche eine +Erhaltung +in der Entwicklung+ aufweist. Und diese Entwicklung ist eine ++schöpferische+ (»évolution créatrice«, wie +Bergson+ sich ausdrückt), +dabei aber gesetzmäßige, denn sie ist +das Gesetz des Seelischen +selbst+, der Ausdruck des konstanten, unverlierbaren Wesens der +Subjektivität. Die Seele »wächst« +so von innen heraus+, durch eine Art +Entfaltung; sie differenziert sich selbsttätig oder in Reaktion auf die +Reize der Umwelt, niemals aber kommt etwas direkt von außen in sie +hinein, da psychische Modifikationen nicht direkt übertragbar sind, +nicht in der Luft schweben können, nur als Modi eines Subjekts Sinn und +Existenz haben. Insofern hat +Leibniz+ durchaus recht, wenn er sagt, die +Seele (Monade) habe keine »Fenster«. Sie »spiegelt« das Universum, +konzentriert wie in einem Focus die von der Umwelt erlittenen Eindrücke, +aber in der +ihr+ gemäßen Weise, in Bewußtseinszuständen, welche zu den +objektiven Momenten in Korrelation stehen, aber mit ihnen nicht +identisch sind und ihnen auch nicht qualitativ gleichen. + +Von einer +Erhaltung+ des Psychischen ist auch insofern zu reden, als +Psychisches weder neu entstehen noch in nichts vergehen kann. Wir müssen +die Ewigkeit des Psychischen als Prinzip, als eines Wirklichkeitsfaktors im +allgemeinen statuieren. Erstens, weil es das »Innensein« der Dinge ist, +also ein Konstituens des Seins als solchen, und wir den Gedanken einer +Entstehung oder Vernichtung des Seins logisch nicht zu konzipieren und +durchzuführen vermögen. Zweitens weil das Psychische aus dem Physischen +nicht hervorgegangen sein kann, was aus methodologisch-erkenntniskritischen +Gründen anzunehmen ist. Ebenso, wie die physische Energie sich im +beständigen Wandel der verschiedenen Energieformen ineinander konstant +erhält, so bleibt auch das Psychische als solches bestehen, wenn auch die ++Formen+, in denen es jeweilig auftritt, beständig wechseln. Diese Formen +sind äußerst mannigfaltig, keine gleicht der andern völlig, schon durch die +wenigstens um ein Differenzial abweichende Stellung jedes Subjekts zur +Umwelt müssen die Erlebnisse etwas anders ausfallen, abgesehen von den +Komplikationen usw. Doch lassen sich psychische Formen, welche wesentlich +miteinander übereinstimmen, zu +Typen+ vereinigen und diese wieder obersten +Formen des psychischen Seins unterordnen. Die Art und der Grad des +Bewußtseins und des Wollens ist für sie charakteristisch. Es findet eine +Entwicklung von niederen, einfacheren, weniger reichen und klaren zu +höheren, differenzierteren, klareren, umfassenderen Bewußtseinsformen +statt, mit welchen partiell wieder ein Herabsteigen zu niederen, +einfacheren Bewußtheitsgraden verbunden ist. Zugleich ist bei den niederen +Bewußtseinsformen zwar ein dumpfes »Subjektgefühl« als vorhanden +anzunehmen, nicht aber schon die Existenz eines reflektierten +Selbstbewußtseins, ein Bewußtsein des eigenen Ichs in scharfer Abhebung von +dessen Erlebnissen und ihren Inhalten, sowie ein Bewußtsein des eigenen +Bewußtseins als solchen, welches wir eben als Reflexion, als Wissen, als +Selbstbewußtsein im höheren Sinne bezeichnen. Zwar hat es keinen Sinn, von ++absolut unbewußten+ psychischen Prozessen zu reden, denn psychisch und +bewußt sind eins; wohl aber gibt es +relativ unbewußte+ Vorgänge, d. h. +solche, die nicht gesondert, sondern nur als ununterscheidbare Bestandteile +eines übergeordneten, allgemeineren Bewußtseinszusammenhanges auftreten, +die also »unterbewußt« sind[44]. Von den bewußten Vorgängen sind aber +keineswegs alle auch als solche +gewußt+, d. h. beachtet und als +Bewußtseinsakte auf das Subjekt als dessen Manifestationen bezogen. Das als +solches gewußte, das +reflektierte+ Bewußtsein ist eine höhere Stufe des +psychischen Lebens, ein +Bewußtsein höherer Ordnung+, ein potenziertes oder +ein auf sich selber sich zurückbiegendes Bewußtsein, welches schon hohe +Erinnerungs-, Apperzeptions- und Abstraktionsfähigkeit voraussetzt. Seine +relativ höchste Stufe erreicht dieses Bewußtsein im begrifflichen Wissen +und in den Urteilen der Psychologie, in der methodisch sicheren und klaren +Beurteilung des seelischen Erlebens, in der Analyse und Synthese dessen, +was sonst in der Regel nicht Gegenstand, nur Funktion des erlebenden +Subjekts ist. Zu diesem Wissen gehört nicht bloß die Bewußtheit des eigenen +Vorstellens und Denkens, sondern auch das Wissen um das eigene Wollen und +Zwecksetzen, welches dadurch dem impulsiven Triebleben scharf +gegenübertritt. + +In innigster Verkettung und Durchdringung spielen sich in der +entwickelten Seele gewußte und einfach bewußte, unterbewußte und relativ +unbewußte Vorgänge ab, einander wechselseitig beeinflussend. Bedeutsam +ist hierbei die Rolle des +minder Bewußten+. Es macht einen wesentlichen +Teil unserer Triebfedern und Motive aus, es ist mitbestimmend für die +Richtung unseres Handelns, es gibt unserer Psyche die eigenartige, +scheinbar grundlos wechselnde »Stimmung«, die sich über alles ergießt, +was wir erleben. Die scheinbar geringfügigsten Eindrücke, die wir gar +nicht bemerken, die aber nichtsdestoweniger in uns wirken, indem sie von +unserer Umwelt ausgehen, kommen für die Richtung, die Lebhaftigkeit, die +Geschwindigkeit, die Frische, den Gefühlston usw. unserer psychischen +Reaktionen in Betracht; dazu gehören auch die +organischen +Empfindungen+, die von unserem eigenen Leibe ausgehen und durch ihren +Gefühlston das übrige Seelenleben beeinflussen[45], ferner die +Empfindungen, die durch die Bewegung und Haltung unseres Körpers +ausgelöst werden. Bedeutsam sind insbesondere auch die unterbewußten ++Nachwirkungen+ von Erlebnissen, welche kürzere oder längere Zeit in der +Seele nachklingen, bis ein bestimmtes Erlebnis, welches zuerst die Seele +in einer gewissen Spannung erhielt, sich ausgelebt hat; hierbei kommt es +oft entweder zu einem Zusammenwirken zweier oder mehrerer Erlebnisse zu +einer verstärkten Resultante, oder aber zu einer Interferenz und +Opposition solcher Erlebnisse. Jedenfalls kann man mit Recht von ++psychischen Wellenzügen und Strömungen+ sprechen, von einem psychischen +Anklingen und Abklingen u. dgl.[46]. Die +ganze Vergangenheit+ der +Psyche ist für das jedesmalige neue Erleben in verschiedenem Grade +bedeutsam, für ihr Erkennen wie für ihr Fühlen und Wollen. Das, was die +Seele reaktiv und aktiv erlebt, durchgemacht hat, das ist sie, das +bildet einen wesentlichen +Teil ihres Seins+; wie sie ist, so wirkt sie, +und wie sie wirkt, so ist sie. Das Zentrum, der relativ konstante Kern +der Seele, das sind die +Dispositionen+, die in Form von Gewohnheiten, +Fertigkeiten, Neigungen auftreten und die, aus früheren Erlebnissen +hervorgegangen, die neuen Erlebnisse formal mitbedingen. Weil diese +Dispositionen in der Regel nicht zu klarem Bewußtsein gelangen, weil das +»Unterbewußte« mit seinen Antrieben das ganze Seelenleben trägt und +durchsetzt, aus einem stetig wachsenden Ressort aufsteigend, kennt sich +das Subjekt nur wenig, wenn es bloß seine klar bewußten Erlebnisse in +Betracht zieht. Nur ein Teil der psychischen Vorgänge ist aus klar +bewußten Erlebnissen (und auch da nicht restlos) abzuleiten. Wo dies +nicht gelingt, ist das Prinzip der Kausalität +keineswegs durchbrochen+, +es gibt auch keine absolut »freisteigenden« Vorstellungen, absolut +unbewußte Assoziationen u. dgl., sondern es besteht ein +minderbewußter, +relativ unbewußter Untergrund+ und es gibt unterbewußte Vermittler von +Bewußtseinsprozessen und deren Verbindungen. Eine scharfe psychologische +Analyse kann nachträglich solche Zwischenglieder ermitteln, und wir +können wohl annehmen, daß sie auch dann vorhanden sind, wenn wir sie +nicht zu unterscheiden vermögen. + ++Differenzierung+ und +Integrierung+ charakterisieren wie alle Entwicklung +so auch die psychische Evolution. Das gilt wie für die Psyche als Ganzes so +auch für deren Einzelerlebnisse, phylo- wie ontogenetisch. Ein dumpfes, +verworrenes, chaotisches Bewußtsein ist der Ausgangspunkt dieser +Entwicklung, die ihren idealen Höhepunkt in der klarsten und umfassendsten +Synthese (»Integration«) einer reichsten Mannigfaltigkeit scharf +unterschiedener (»differenzierter«) Inhalte des Bewußtseins erreicht. Ein +gutes Beispiel dafür ist das Hervorgehen der mannigfachen +Sinne+ aus einem +primitiven Hautsinn, der noch kaum lokalisiert ist. Durch Anpassung an die +verschiedenen physikalisch-chemischen Reize verändert und verfeinert sich +die psychophysische Organisation dahin, daß nun für jeden Typus des Reizes +eine besondere Art des Empfindens besteht, die infolge der Arbeitsteilung +auch schärfer ausgeprägt ist. Diese Mannigfaltigkeit von Empfindungsarten +vermag das entwickelte Bewußtsein dadurch zu »integrieren«, daß es sie in +immer klareren und deutlicheren Vorstellungen zusammenfaßt. Im gleichen +Sinne entwickeln sich dann auch die gedanklichen Gebilde, Begriffe und +Urteile, indem sie einerseits immer spezieller und bestimmter werden, +anderseits immer zweckmäßiger zur Einheit des Denkens und Erkennens +zusammengefaßt werden. Die Fähigkeit der Synthese entwickelt, steigert sich +parallel damit und zwar in bestimmter »Gesetzlichkeit«, aus welcher die +»apriorischen« Erkenntniskonstanten, die »Formen« der Erkenntnis +entspringen; die Genesis dieser ist also keineswegs, wie man zuweilen +geglaubt hat (+Spencer+ u. a.) mit einem empirischen Charakter derselben +identisch, was hier nur nebenbei bemerkt sei[47]. Ebenso differenziert und +integriert sich das +Gefühlsleben+, immer speziellere und feinere +Gefühlsnuancen verdrängen das anfangs noch arme, rohe Gefühlsleben, +zugleich schwächt sich teilweise die ursprüngliche Heftigkeit der Affekte +ab. Endlich tritt das ursprünglich äußerst einfache, arme +Triebleben+ in +eine Mannigfaltigkeit von Willenstendenzen auseinander, welche die +verschiedensten Richtungen haben und doch immer mehr zur Einheit eines +obersten »Grundwillens« verbunden werden. Während also die niedrigste +Bewußtseinsstufe ein höchst einfaches, durch einzelne Reize unstetig +ausgelöstes, des inneren Zusammenhanges noch entbehrendes +»Momentanbewußtsein« sein muß, finden wir auf den höchsten Stufen der +Entwicklung eine allseitige Differenzierung, eine außerordentliche Fülle +von Qualitäten, verbunden mit einer »zentralisierten Organisation« des +Seelischen; an Stelle bloßer Gefühls-und Strebungseinheit tritt die +synthetische Einheit des wollenden und denkenden, sich in der +Mannigfaltigkeit seiner Inhalte konstant zusammenschließenden +Selbstbewußtseins. + +Differenzierung und Integrierung sind auch für das Verhältnis des ++Einzelgeistes+ zum +Gesamtbewußtsein+ charakteristisch[48]. Ein +isolierter, absolut selbständiger Individualgeist ist nirgends zu finden, +von Anfang an bildet das Einzelbewußtsein ein Glied eines Zusammenhanges, +der durch die +Wechselwirkung gleich gearteter Individuen+ entsteht und +sogleich auf die letzteren zurückwirkt. Erst +innerhalb+ des +sozialpsychischen Verbandes erfolgt die immer weiter gehende +Differenzierung der Individualseelen bzw. bestimmter Gruppen von solchen, +eine Differenzierung, die so weit gehen kann, daß ein +Gegensatz+ zum +Gesamtgeist entsteht. Aber diese psychische Differenzierung, die durch die +Verschiedenheit der Lebensweise, des Berufes, des Milieu, der Erlebnisse +usw. erfolgt, ist von einer Integrierung begleitet, indem der gleiche Beruf +usw. einen gemeinsamen Berufs- und Korpsgeist erzeugt. Auf die Abtrennung +der Individualitäten vom Gesamtbewußtsein folgt eine neue Bindung durch das +letztere, ein +Gesamtbewußtsein höherer Stufe+ mit wachsender Bewußtheit +des Zusammenhanges, mit Überwiegen des willentlichen Aneinanderschließens +und Kooperierens vor dem zuerst rein triebmäßigen +Zusammengehörigkeitsgefühl. Auf die, wie +Tönnies+ sagt, vom »Wesenwillen« +beherrschte naturhafte »Gemeinschaft« folgt die durch mehr äußere +Interessen und durch »Willkür« bedingte »Gesellschaft«, der aber, fügen wir +hinzu, sich allmählich weitergreifend und verinnerlichend, eine von einem ++neuen Wesenwillen+ beherrschte, +kulturelle Gemeinschaft+ im Denken, +Fühlen, Wollen und Handeln sich überlagert. Zwischen Gesamt- und +Einzelbewußtsein findet eine beständige +Wechselwirkung+ statt. Einerseits +wächst das Einzel-Ich in eine ihm als objektive Macht von Anfang an +gegenüberstehende Gesamtheit hinein, durch deren Tendenzen es mehr oder +weniger beeinflußt wird, abgesehen von dem Niederschlage +kollektiv-psychischen Lebens, welches in Form von Dispositionen vom +Individuum ererbt wird; der Gesamtgeist wirkt durch Erziehung, Zwang der +Sitte, Nachahmung u. dgl. auf das Individualbewußtsein, in dem er schon +partiell der Potenz nach enthalten ist, ein. Die aus dem »Gesamtgeist« +differenzierten »Individualseelen« modifizieren ihrerseits den Gesamtgeist +fortwährend, besonders die »führenden Geister«, welche einerseits der +klarste und kräftigste Ausdruck von Tendenzen und Idealen des +Gesamtgeistes, anderseits die relativ originellen Neugestalter des +Gesamtgeistes sind. Endlich stehen die Gebilde des Gesamtgeistes: Recht, +Wirtschaft, Religion usw. in Wechselwirkung miteinander, und zugleich +besteht eine Entwicklung innerhalb jedes dieser Gebilde[49].... + +Die Entwicklung der Einzel- wie der Gesamtpsyche ist eine »gesetzliche«. +Freilich kann hier nicht von Gesetzen im Sinne der Physik, sondern eben +nur von +Entwicklungsgesetzen+, die hier den Charakter +typischer +Sukzessionen+ haben, denen die kausal-teleologische Wirksamkeit des +Psychischen zugrunde liegt, die Rede sein. Differenzierung und +Integrierung, Auseinandertreten des relativ homogenen Erlebens in eine +Mannigfaltigkeit gesonderter Bewußtseinsvorgänge und darauf folgende +Zusammenfassung zu einheitlichem Zusammenhange -- das ist etwas, was die +psychische mit der biologischen Entwicklung gemein hat. Ebenso finden +wir das Prinzip der »Heterogonie der Zwecke« schon in der biologischen +Sphäre, wo es freilich schon mit psychischen Faktoren zusammenhängt. +Charakteristisch für das Psychische ist vor allem die +Entwicklung in +Gegensätzen+, welche vom +Kontrastprinzip+ beherrscht wird und mit der +Natur des Gefühls- und Willenlebens zusammenhängt. Dadurch nämlich, daß +sich Gefühle und Strebungen zu höchster Stärke und Wirkung ausleben, +findet eine Übersättigung und Abstumpfung der Psyche statt, die nun, des +Alten überdrüssig, nach Neuem, nach Veränderung ihres Zustandes strebt. +Da nun das Bewußtsein des Neuen vorzüglich durch die gegensätzlichen +Strebungen, die infolge des Nachlassens der älteren an Kraft gewinnen, +konstituiert wird, so ist der Umschlag der Tendenzen ins gerade +Gegenteil, der Übergang von einem +Extrem+ zum andern leicht +verständlich[50]. Besonders zeigt sich eine solche Entwicklung im ++geschichtlichen+ Geistesleben, im Wechsel z. B. von Moden, von +künstlerischen Richtungen, von politischen oder religiösen Strömungen. +Die Gegensätze folgen einander nicht bloß in der Zeit, sondern auch in +einer und derselben Periode ruft das eine Extrem leicht das andere, +gegensätzliche hervor, so daß z. B. nüchternste Wirklichkeitsbetrachtung +auf der einen Seite mit Mystik und Aberglauben auf der andern in +derselben Zeit zusammengehen können. Indem zur Thesis sich sogleich die +Antithesis gesellt, fehlt es freilich auch fast nie an einer »mittleren +Linie« der Geistesstimmung, an der Synthese von Extremen, bald in +eklektischer Weise, bald aber auch in organischer, schöpferischer Form, +die sich dann weiter entwickelt und, wenigstens als Tendenz, den +Extremen Konkurrenz macht, wie dies besonders das Beispiel +philosophischer Systeme oder Theorien lehrt. Da die Synthese nie +absolut, nie vollendet ist, da in den synthetischen Versuchen immer +wieder neue Einseitigkeiten vorkommen, kommt das Geistesleben nie zur +Ruhe, sondern mit einer gewissen +Periodizität+ kommen die +gleichartigen Tendenzen immer wieder, um freilich immer neue +Modifikationen psychischer Gebilde zu erzeugen. Selbsterhaltung im +Wechsel hier wie überall! Jene Tendenzen, welche zu ihrer Zeit durch +andere verdrängt wurden, kommen wieder auf, wenn die Verhältnisse +günstiger geworden, und dies wiederholt sich so lange, +bis alle +Potenzen der Psyche zur Entfaltung gekommen+, bis alles in ihr +Angelegte sich verwirklicht hat, bis alle Willensrichtungen und Ideen +sich »ausgelebt« haben. Beharrungs- und Veränderungstendenz wirken +hierbei stets zusammen, indem bald mehr die eine, bald mehr die +andere überwiegt. + + + + +Anmerkungen. + + +Zu I. + +[1] Den Aktualitätsstandpunkt nehmen ein: +Spinoza+, +Hume+, +Fichte+, ++Schopenhauer+, +Fechner+, +Paulsen+, +Wundt+, +Joël+, +J. St. Mill+, ++Spencer+, +Höffding+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Mach+, +Fouillée+, ++Bergson+, +Luquet+ u. a. Nach +Wundt+ ist das geistige Leben »nicht +eine Verbindung unveränderter Objekte und wechselnder Zustände, sondern +in allen seinen Bestandteilen Ereignis, nicht ruhendes Sein, sondern +Tätigkeit, nicht Stillstand, sondern Entwicklung« (Vorlesungen über die +Menschen- und Tierseele {2}[C], S. 495). Die innere Erfahrung ist »ein +Zusammenhang von Vorgängen« (Grundriß der Psychol.). + + [C] Diese Ziffern bedeuten die Auflage des angeführten Werkes. + +[2] Vgl. meine Schrift »Leib und Seele«, Leipzig 1906. + +[3] Die reine Zeitlichkeit des psychischen Geschehens, die Stetigkeit +desselben, das wir erst zu einer Summe von Elementen veräußerlichen, +betont neuerdings +H. Bergson+. + +[4] Vgl. +Lachelier+, Psychologie und Metaphysik; +Busse+, Geist und +Körper, u. a. + +[5] So +Huxley+, +Ribot+ u. a. + +[6] Vgl. die Kritik der Epiphänomen-Theorie bei +Fouillée+, Der +Evolutionismus der Kraft-Ideen, Leipzig 1907; +Busse+, Geist und Körper. + +[7] Vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 3ff. + +[8] Vgl. +L. W. Stern+, Person und Sache I. + +[9] Eine parallelistische Identitätslehre vertreten in verschiedener +Weise: +Schopenhauer+, Welt als Wille und Vorstellung 1, § 18ff.; ++Fechner+, Zend-Avesta II, 164f.; I, 252f.; Über die Seelenfrage, S. +9ff., 110ff., 220f.; +Paulsen+, Einleit. in die Philosophie, S. 115; ++Ebbinghaus+, Grundz. der Psychologie I, 42f.; +Heymans+, Einführung in +die Metaphysik, S. 227ff.; +Ziehen+, Über die allgem. Beziehungen +zwischen Gehirn und Seelenleben, 1902; +Wundt+, Grundriß der +Psychol. {5}, S. 2ff.; Grundzüge der physiolog. Psychologie, II {4}, 648; ++B. Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, 2; ++Höffding+, Psychologie 2, C. 2; +Riehl+, Der philos. Kritizismus II 1, +63; +Grot+, Archiv f. systemat. Philos. IV; +Spencer+, Princ. of +Psychol. I {3}, p. 107ff., 627; +Fouillée+, Der Evolutionismus der +Kraft-Ideen, S. 37 u. a.; +Koenig+, Zeitschr. f. Philosophie und philos. +Kritik, Bd. 115; +Paulsen+, Zeitschr. f. Philosophie, Bd. 115; ++Heymans+, Zeitschr. für Psychol. und Physiol. der Sinnesorgane, 18. Bd. +1898; +Münsterberg+, Grundzüge der Psychologie I, 435, 492; +Riehl+, Zur +Einführung in die Philos. S. 156ff.; +Jodl+, Lehrb. d. Psychol. C. 2, +§ 24; +Eisler+, Leib und Seele, 1906; +B. Erdmann+, Wissensch. Hypothesen +über Leib und Seele, 1908; Experimentelle Arbeiten zur Bestätigung des +Energieprinzips im Organismus; +Rubner+, Die Quelle der tierischen +Wärme, Zeitschrift für Biologie, Bd. 30, 1894; +Atwater+, Neue Versuche +über Stoff- und Kraftwechsel im menschlichen Körper, Ergebnisse der +Physiologie, Bd. III, 1, 1904. +Gegen+ den Parallel. vgl. +Busse+, ++Höfler+, +Wentscher+, +Erhardt+, +Bergson+ u. a. + +[10] Vgl. meine Schrift »Leib und Seele«, sowie meine Abhandlung »Die +Theorie des Panpsychismus«, in: Zeitschr. f. d. Ausbau der +Entwicklungswissenschaft I, H. 8. + +[11] Vgl. +B. Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und +Geisteslebens, 1907. + +[12] Über den Begriff der Seele vgl. +Fechner+, Über die Seelenfrage, S. +9, 210ff.; Zend-Avesta I, S. XIX; II, 148; +Wundt+, Logik II 2, 2, S. +245ff.; Grundriß der Psychol. {5}, S. 386; Grundzüge der physiol. +Psychol. II {4}, 633ff.; System d. Philos. {2}, S. 372ff., 606; +Jodl+, +Lehrbuch d. Psychol. S. 31; +Paulsen+, Einleitung in die Philos. {2}, S. +136, +Höffding+, Psychol. {2}, S. 16ff.; +Ebbinghaus+, Grundzüge der +Psychologie I, 17f.; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen; ++P. Carus+, Soul of Man, S. 419, u. a. Die Seele als Subjekt-Einheit; ++Sigwart+, Logik II 2, 207f.; +A. Vannérus+, Archiv f. systemat. Philos. +I, 1895, S. 363ff. Die Seele als Substanz: +L. Busse+, Geist und Körper, +S. 324ff. Vgl. +W. James+, Princ. of Psychol. I, 160ff., 342ff., u. a. + + +Zu II. + +[13] Nach +Münsterberg+ ist das Psychische als der Gegenstand der +Psychologie nichts Reales, sondern ein Abstraktionsprodukt, das Produkt +einer Objektivierung, während die Geisteswissenschaften es mit dem +konkreten, stellungnehmenden, zwecksetzenden Subjekt und dessen Akten zu +tun haben, also »subjektivierend« verfahren (Grundzüge der Psychol. I, +57f., 62, 202). »Die Einheit des geistigen Lebens ist gar nicht ein +Zusammenhang psychologischer Objekte, sondern ein Zusammenhang von +Tatsachen, aus denen psychologische Objekte abgeleitet werden können« +(a. a. O. S. 382; vgl. Psychology and Life 1899). Vgl. dagegen ++Höffding+, Philos. Probleme, S. 13; +G. Villa+, Monist, 1902; +Eisler+, +Zeitschrift für Philosophie und philos. Kritik, Bd. 122, S 80ff.; +J. +Cohn+, Vierteljahrsschr. für wissensch. Philos. Bd. 26. + +[14] Vgl. auch +R. Wahle+, Über den Mechanismus des geistigen +Lebens, 1906. + +[15] Die psychische Kausalität ist uns als innerer Zusammenhang unserer +Erlebnisse unmittelbar, d. h. ohne daß es erst einer Deutung, +Projektion, begrifflich-hypothetischen Ergänzung bedarf, gegeben (vgl. ++Wundt+, Logik I {2}, 625ff., System der Philos. {2}, S. 291, 593f.). +»So erleben wir beständig Verbindungen, Zusammenhänge in uns, während +wir den Sinneserregungen Verbindung und Zusammenhang unterlegen müssen.« +»In dem Erlebnis wirken die Vorgänge des ganzen Gemüts zusammen. In ihm +ist Zusammenhang gegeben, während die Sinne nur ein Mannigfaltiges von +Einzelheiten darbieten. Der einzelne Vorgang ist von der ganzen +Totalität des Seelenlebens im Erlebnis getragen, und der Zusammenhang, +in welchem er in sich und mit dem Ganzen des Seelenlebens steht, gehört +der unmittelbaren Erfahrung an.« »Alles psychologische Denken behält +diesen Grundzug, daß das Auffassen des Ganzen die Interpretation des +Einzelnen ermöglicht und bestimmt.... Der erfahrene Zusammenhang des +Seelenlebens muß die feste, erlebte und unmittelbar sichere Grundlage +der Psychologie bleiben.« (+Dilthey.+) + +[16] Vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie«, Leipzig, 1907. + +[17] Zu dieser Kausalität gehört auch das psychische Innensein der +Faktoren, welche auf das erlebende Subjekt einwirken. Insofern hat ++Simmel+ mit seiner Bemerkung (Einleit. in die Moralwissenschaft II, +297) nicht unrecht. Vgl. +Kreibig+, Die Aufmerksamkeit, S. 51. + +[18] Von diesem +primären Subjektmoment+ ist das +entwickelte +Selbstbewußtsein+ wohl zu unterscheiden, welches die Psychologie nicht +wie jenes hinnehmen kann, sondern genetisch erklären muß, soweit es mehr +ist als einfache, nicht ableitbare Subjektivität. + + +Zu III. + +[19] Über den psychologischen Voluntarismus vgl. +Schopenhauer+, Welt +als Wille und Vorstellung; +J. H. Fichte+, Psychol. I; +Fortlage+, +System der Psychol. I; +Ed. v. Hartmann+, Philosophie des Unbewußten, +Moderne Psychologie; +Bilharz+, Metaphys.; +Paulsen+, Einleit. in die +Philos.; +Wundt+, Logik II {2} 2; Grundriß der Psychol. {5}; System der +Philos. {2}; +Höffding+, Psychol. {2}; +Tönnies+, Gemeinsch. u. +Gesellsch.; +Rümelin+, Reden und Aufsätze I; +Losskij+, Zeitschr. f. +Psychol. d. Sinnesorgane, Bd. 30, 1902; +Hughes+, Mimik d. Menschen; ++Goldscheid+, Ethik des Gesamtwillens I; +J. Ward+, Encycl. Brit. XX; ++L. F. Ward+, Pure Sociology; +Fouillée+, Psychol. des idées-forces I +und II; Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10 u. 11; +Münsterberg+, +Grundzüge der Psychologie I; +Sigwart+, Logik II {2}; +W. James+, Princ. +of Psychology; +G. Villa+, Einleit. in d. Psychologie; +W. Jerusalem+, +Lehrbuch der Psychologie {3}; +Schellwien+, Wille u. Erkenntnis; ++Nietzsche+, Werke, u. a. Auch +Dilthey+ ist hier anzuführen, ferner ++Joël+, +Bergson+ u. a. Vgl. +Eisler+, Krit. Einführung in die +Philosophie, Berlin 1905; Wörterbuch der philos. Begriffe, 3. Aufl., Bd. +III; Grundl. d. Philos. d. Geistesleb., 1908. + +[20] Vgl. L'évolutionisme des idées-forces, deutsch (Der Evolutionismus +der Kraft-Ideen). Philosoph.-soziologische Bücherei III. Leipzig 1908, +Dr. Werner Klinkhardt. + +[21] Über Reflexe vgl. +Wundt+, Grundzüge der physiologischen +Psychologie, II {4}, 582ff.; Grundriß der Psychologie {5}, S. 230f.; ++Th. Ziegler+, Das Gefühl {2}, S. 215f., 308; +Fouillée+, Evolutionismus +der Kraft-Ideen, S. 40, 325ff., u. a. + +[22] Über »Mechanisierung« des Bewußtseins vgl. +Wundt+, Grundriß der +Psychologie {5}, S. 229ff.; System der Philosophie {2}, S. 571ff.; ++Höffding+, Psychol. {2}, S. 67; +Jodl+, Lehrbuch der Psychol. S. 427f., +432; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10, u. a. + +[23] Vgl. +Höffding+, +Natorp+, +Goldscheid+. + +[24] Vgl. +Joël+, Der freie Wille, 1909. + +[25] Gegen +Bain+, +Spencer+, +Ribot+, +Sergi+ u. a. + +[26] Über funktionelle Bedürfnisse vgl. +Döring+ (Philos. Güterlehre, +1888), +Jerusalem+ u. a. + +[27] Über Apperzeption und geistige Verarbeitung von Erlebnissen vgl. ++Wundt+, Grundriß der Psychologie {5}, S. 249ff.; Grundzüge der +physiolog. Psychol. II 4, 266ff.; +Külpe+, Grundr. d. Psychol., S. 441; ++James+, Princ. of Psychol.; +Stout+, Analyt. Psychol. II, 112; ++Jerusalem+, Lehrb. d. Psychol. {3}, S. 87; +Lipps+, Leitfaden d. +Psychol., S. 63ff., +B. Erdmann+, Vierteljahrsschrift für wissensch. +Philosophie X, 307ff., 340ff., 391ff.; +Baldwin+, Handbook of Psychol. +I, 65; +Ed. v. Hartmann+, Moderne Psychologie, S. 172, 425, u. a. -- +Zwischen Apperzeptions- und Assoziationspsychologie soll nach ++Münsterberg+ die »Aktionstheorie« vermitteln, welche fordert, »daß +jeder Bewußtseinsinhalt Begleiterscheinung eines nicht nur sensorischen, +sondern sensorisch-motorischen Vorganges ist, und somit von den +vorhandenen Dispositionen zur Handlung ebensosehr abhängt wie von +peripheren und assoziativen Zuführungen« (Grundzüge der Psychologie I, +549). Vgl. dazu +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen. + +[28] Über das Denken als Willenshandlung vgl. +Wundt+, Grundriß der +Psychologie {5}, S. 301ff.; +Külpe+, Grundriß der Psychologie, S. 464 +(»antizipierende Apperzeption«); +Tönnies+, Gemeinsch. u. Gesellsch., +S. 139f., +Jerusalem+, Lehrbuch der Psychol. {3}, S. 103; +Kreibig+, +Die Aufmerksamkeit, S. 3; ferner +Nietzsche+, +Höffding+, +Paulsen+, ++Fouillée+, +Sully+, +Jodl+, +Baldwin+, +James+, +Sigwart+ +(»Denkwille«) u. a. + +[29] Über die Rolle von Gefühl und Streben bei der Assoziation vgl. ++Horwicz+, Psychol. Analysen I, 168f.; +Windelband+, Präludien, S. +190ff.; +Höffding+, Psychol. {2}, S. 445ff.; +Ed. v. Hartmann+, +Philosophie des Unbewußten I 10, 246f.; +Wundt+, Vorles. über d. +Menschen- u. Tierseele {2}, S. 338; System der Philos. {2}, S. 583, ++Fouillée+ u. a. + +[30] Der Richtungsbegriff und seine Bedeutung für die Philosophie. +Annalen der Naturphilosophie VI, 58ff. + + +Zu IV. + +[31] Den teleologischen Gesichtspunkt hat in programmatischer Weise +W. +Dilthey+ dargetan (Ideen über eine beschreibende und zergliedernde +Psychologie, Sitzungsber. der Kgl. Preuß. Akadem. der Wissenschaften zu +Berlin, 1894; Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften, +Sitzungsbericht der Kgl. Akadem. der Wissenschaften 1905, XIV, S. +332ff.). Er ist (wie +James+ u. a.) Gegner der »atomistischen« +Psychologie und will, daß von den inneren Zusammenhängen der Seele in +beschreibend-analytischer, konstruktiver Hypothesen sich entschlagender +Weise vorgegangen wird, damit die volle Wirklichkeit des Seelenlebens +zur Vorstellung gelange. Die Psychologie ist »Beschreibung und Analysis +eines Zusammenhangs, welcher ursprünglich und immer als das Leben selbst +gegeben ist«. Sie hat »die Regelmäßigkeiten im Zusammenhange des +entwickelten Seelenlebens zum Gegenstand«. Sie muß »vom entwickelten +Seelenleben ausgehen, nicht aus elementaren Vorgängen dasselbe +ableiten«. Nur durch Abstraktion heben wir eine Funktion, eine +Verbindungsweise aus einem konkreten Zusammenhang heraus. »Der einzelne +Vorgang ist von der ganzen Totalität des Seelenlebens im Erlebnis +getragen«. Der erworbene Zusammenhang ist wirksam in jedem psychischen +Vorgang. -- Der psychische Strukturzusammenhang hat einen +»teleologischen Charakter«. »Wo in Lust und Leid die seelische Einheit +das ihr Wertvolle erfährt, reagiert sie in Aufmerksamkeit, Auswahl der +Eindrücke und Verarbeitung derselben, in Streben, Willenshandlung, Wahl +unter ihren Zielen, Aufsuchen der Mittel für ihre Zwecke« (Das Wesen der +Philosophie, in: Die Kultur der Gegenwart I, 6, S. 32ff.). Diese +seelische Teleologie hat +Dilthey+ geistesphilosophisch zum Teil +ausgeführt. -- Zur Teleologie des Seelischen vgl. +Spencer+, +Romanes+, ++James+, +Baldwin+, +Dewey+, +Höffding+, +Ribot+, +Fouillée+, +Bergson+, ++Luquet+, +Ebbinghaus+, +Wundt+, +Jodl+, +Mach+, +Jerusalem+, +Simmel+, ++Groos+, +L. W. Stern+, ferner +A. Pauly+, +Francé+, +Kohnstamm+ u. a. +Vgl. +Kohnstamm+, Intelligenz und Anpassung, Annalen der +Naturphilosophie 1903; Grundlinien einer biologischen Psychologie, +Versamml. deutscher Naturforscher und Ärzte, 1903; Die biologische +Sonderstellung der Ausdrucksbewegungen, Journal für Psychologie und +Neurologie, 7. Bd. (Unterscheidung von »Teleoklise«, d. h. +Zwecktätigkeit und »Expressivität«, Ausdruckstätigkeit als der beiden +spezifischen Formen des Lebens). Dazu sei bemerkt, daß auch die ++Ausdrucksbewegungen+ auf Zielstrebigkeiten beruhen, indem sie +phylogenetisch aus Willens-(Trieb-)Vorgängen (bzw. deren physiologischen +Korrelaten) hervorgegangen sind. + +[32] Die organische Auffassung der Seele wird konsequent von ++Ebbinghaus+ durchgeführt. Nach ihm ist die Seele »derselben Art wie das +Nervensystem und damit wie der ganze Körper, nämlich ein seine eigene +Erhaltung erstrebendes System innerlich erlebter Bildungen und +Funktionen.... Diese Selbsterhaltung aber verwirklicht sie in zweifacher +Weise. Einmal durch Kampf mit dem, was uns in äußerer Erscheinung als +Außenwelt gegeben ist.... Und zweitens durch Betätigung ihrer bestimmten +Eigenart, durch das Ausleben und Sichauswirken der ihr nun einmal +verliehenen Kräfte und Anlagen« (Psychologie, in: Die Kultur der +Gegenwart I, 6, S. 195). Den biologischen Standpunkt in der Psychologie +vertreten ferner +James+, +Baldwin+, +Spencer+, +Romanes+, +Ribot+, ++G. H. Schneider+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Kreibig+, +Groos+, +Mach+ u. a. + +[33] Wie dies besonders +Dilthey+, +James+ und neuerdings in +geistvoller Weise +H. Bergson+ (Matière et Mémoire; L'évolution créatrice) +betont haben. + +[34] Über den »voluntaristischen Kritizismus« vgl. meine »Einführung in +die Erkenntnistheorie« 1907. + +[35] Vgl. +Döring+, +Jerusalem+ u. a. + +[36] Vgl. +Groos+, Spiele der Tiere, und Spiele der Menschen. + +[37] Vgl. +Münsterberg+, Philos. der Werte, Leipzig 1908. + +[38] +Goldscheid+, Entwicklungswerttheorie, Leipzig 1908, ferner +Schriften von +Höffding+, +R. Richter+ u. a. + +[39] Teleologische Bedeutung haben die Gefühle nach +Spencer+, +Bain+, ++Ribot+, +Ebbinghaus+, +Jerusalem+, +Jodl+, +Z. Oppenheimer+ u. a. -- +Zum Willen bringen die Gefühle als Symptome (Reaktionen) oder Momente +desselben +Schopenhauer+, +Ed. v. Hartmann+, +Nietzsche+, +Hamerling+, ++Paulsen+, +Windelband+, +Wundt+ u. a. Nach +Wundt+ sind Gefühle teils +Anfangs-, teils Begleitzustände des Wollens. + + +Zu V. + +[40] Über psychische Vererbung vgl. +Darwin+, Ausdr. d. +Gemütsbewegungen; +Lloyd Morgan+, Animal Life and Intelligence, 1890; ++Galton+, Hereditary Genius, 1869; +Ribot+, L'hérédité, 2. éd. 1882; ++Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 342; +Sully+, Handbuch der +Psychologie, S. 55f.; +Spencer+, Psychologie; +Romanes+, Die geistige +Entwicklung; +Lewes+, Probl. of Life; +L. Wilser+, Die Vererbung +geistiger Eigenschaften; +Baldwin+, Handbook of Psychol. 1890f.; Die +Entwicklung des Geistes beim Kinde und in der Rasse, 1895; +Semon+, +Mneme {2}, 1908, u. a. + +[41] Grundriß der Psychologie {5}, S. 396; System der Philosophie {2}, +S. 304, 307. + +[42] Vgl. +L. W. Stern+, Person und Sache I. + +[43] Ein Gesetz der Erhaltung psychischer Energie stellt +Fouillée+ auf: +»Das Lebewesen ist bemüht, gegenüber den äußeren Hindernissen eine +ziemlich konstante Energiemenge zu bewahren; es ersetzt seine Verluste +durch seine Erwerbungen und strebt unaufhörlich nach dem Gleichgewicht. +Auf seelischem Gebiete zeigt sich diese Tendenz zum Gleichgewicht, zur +Selbsterhaltung und zur Erhaltung der durchschnittlichen Energiemenge +ebenfalls. Es besteht für das geistige Wachstum wie für die +Gehirnzunahme eine Grenze; eine zu stark entfaltete Fähigkeit zieht die +Schwächung anderer nach sich« (Evolutionism. d. Kraft-Ideen, S. 208f.). +Es besteht ferner eine quantitative Korrelation, eine Wechselfolge und +ein Rhythmus zwischen den verschiedenen Arten der psychischen Energie +(ibid.). Vgl. +Münsterberg+, Grundzüge der Psychol. I; +Jodl+, Lehrbuch +d. Psychologie, S. 88, +Grot+ u. a. + +[44] Gegner eines absolut Unbewußten sind auch +Fechner+, +Paulsen+, ++Rehmke+, +Brentano+, +Sigwart+, +Höffding+, +Ziehen+, +Wundt+, +Jodl+, ++Fouillée+ u. a. + +[45] Das betont u. a. +Jodl+. + +[46] Vgl. +B. Erdmann+, Wiss. Hyp. über Leib und Seele, S. 88ff., ++Offner+, D. Gedächtnis, Berlin 1909, S. 23ff. Daß infolge des +organischen Charakters der Psyche eine gewisse +Periodizität+ in ihr +besteht, daß Zeiten der Hochspannung und Produktivität mit solchen der +Depression und Erschöpfung in gewisser Gesetzmäßigkeit abwechseln, +erscheint plausibel, mag es auch um die nähere Bestimmung dieser +Perioden, wie sie +H. Swoboda+ versucht, noch mißlich bestellt sein. +Vgl. +Swoboda+, Die Perioden des menschlichen Organismus in ihrer +psychologischen und biologischen Bedeutung, 1904; Studien zur +Grundlegung der Psychologie, 1905. Vgl. +Fließ+, Der Ablauf des Lebens. + +[47] Vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie«, Leipzig 1907. + +[48] Über das Gesamtbewußtsein und sein Verhältnis zum Einzelbewußtsein +vgl. +Lazarus+, Das Leben der Seele I {2}, 333ff.; +Wundt+, Ethik {2}, +S. 449, 453, 458ff.; Völkerpsychologie I 1, S. 9ff.; +Schäffle+, Bau und +Leben des sozialen Körpers {2}; +Baldwin+, Das soziale und sittliche +Leben; +Tarde+, Les lois de l'imitation; +Le Bon+, Psychologie der +Massen, deutsch, Leipzig 1907, Klinkhardt. + +[49] Vgl. meine »Grundlagen der Philos. des Geisteslebens«, 1908. + +[50] Über die Entwicklung in Gegensätzen vgl. +Wundt+, Grundriß der +Psychologie {5}, S. 401f.; Logik II {2}, S. 282ff. + + + + +_Alfred Kröner Verlag in Leipzig._ + + + _Allen, Grant_, =Der Farbensinn=. Ursprung und Entwicklung. Preis 2 M. + + _Baumann, J._, =Neuchristentum und reale Religion=. Preis 1 M. 60 Pf. + + -- " -- =Die Gemütsart Jesu=. Preis 1 M. 60 Pf. + + _Bender, W. D._, =Reformation und Kirchentum=. 9. Aufl. + Preis 1 M. 20 Pf. + + _Büchner, Ludwig_, =Darwinismus und Sozialismus= oder der Kampf um das + Dasein und die moderne Gesellschaft. 2. Aufl. Preis 1 M. + + -- " -- =Die Macht der Vererbung= und ihr Einfluss auf den moralischen + und geistigen Fortschritt der Menschheit. 2. Aufl. Preis 1 M. + + _Buckman, S. S._, =Vererbungsgesetze= und ihre Anwendung auf den + Menschen. Preis 2 M. + + _Carneri, B._, =Der moderne Mensch=. +Taschenausgabe+. Geb. Preis 1 M. + + -- " -- =Grundlegung der Ethik=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + -- " -- =Empfindung und Bewusstsein=. 2. Auflage. Preis 1 M. + + _Darwin, Charles_, =Gesammelte kleinere Schriften=. Herausgegeben von + Dr. +Ernst Krause+. + + I. Band: =Darwin und sein Verhältnis zu Deutschland=. Preis 5 M. + + II. Band: =Gesammelte kleinere Schriften=. Preis 5 M. + + -- " -- =Die Entstehung der Arten=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + -- " -- =Die Abstammung des Menschen=. +Volksausgabe+. Kart. + Preis 1 M. + + -- " -- =Die geschlechtliche Zuchtwahl=. +Volksausgabe+. Mit 75 + Abbildungen im Text. Kart. Preis 1 M. + + _Eisler, Rudolf_, =Das Wirken der Seele=. Preis 1 M. + + _Elfeld, Carl Julius_, =Die Religion und der Darwinismus=. Preis 2 M. + + _Feuerbach, Ludwig_, =Das Wesen der Religion=. Dreissig Vorlesungen. + +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + _Forel, Auguste_, =Gehirn und Seele=. 10. Auflage. Preis 1 M. + + _Haeckel, Ernst_, =Die Welträtsel=. Gemeinverständliche Studien über + monistische Philosophie. 10. Auflage. Geheftet Preis 8 M.; in + Leinwand geb. 9 M. + + -- " -- =Die Welträtsel=. +Volksausgabe+. Mit Nachträgen zur Begründung + der monistischen Weltanschauung. Kart. Preis 1 M. + + -- " -- =Die Welträtsel=. +Neu bearbeitete Taschenausgabe+. + In Leinwand geb. Preis 1 M. + + -- " -- =Die Lebenswunder=. Gemeinverständliche Studien über + biologische Philosophie. Ergänzungsband zu dem Buche über die + Welträtsel. 4. Auflage. Geheftet Preis 8 M.; in Leinwand geb. 9 M. + + -- " -- =Die Lebenswunder=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + -- " -- =Gemeinverständliche Vorträge und Abhandlungen aus dem Gebiete + der Entwickelungslehre=. 2. Auflage. 2 Bände mit 80 Abbildungen im + Text und 2 Tafeln in Farbendruck. Geh. Preis 12 M.; geb. in Leinen + 13 M. 50 Pf.; in Halbfranz. 15 M. + + -- " -- =Aus Insulinde=. +Malayische Reisebriefe+ 2. Aufl. Mit 72 + Abbildungen und 4 Karten im Text und 8 Einschaltbildern. In Leinwand + geb. Preis 6 M. + + -- " -- =Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft=. + Glaubensbekenntnis eines Naturforschers. 13. Aufl. Preis 1 M. 60 Pf. + + -- " -- =Über unsere gegenwärtige Kenntnis vom Ursprung des Menschen=. + 10. Auflage. Preis 1 M. 60 Pf. + + -- " -- =Das Weltbild von Darwin und Lamarck=. 2. Auflage. Preis 1 M. + + -- " -- =Das Protistenreich=. Eine populäre Übersicht über das + Formengebiet der niedersten Lebewesen. Mit 58 Abbild. im Text. + Preis 2 M. + + -- " -- =Freie Wissenschaft und freie Lehre=. 2. Aufl. + Preis 1 M. 60 Pf. + + _Hellwald, Friedrich von_, =Die menschliche Familie= nach ihrer + Entstehung und natürlichen Entwicklung. Preis 5 M. + + _Hertz, Heinrich_, =Über die Beziehungen zwischen Licht und + Elektrizität=. 12. Auflage. Preis 1 M. + + _Herzen, A._, =Grundlinien einer allgemeinen Psychophysiologie=. + Preis 2 M. + + _Kant, Immanuel_, =Kritik der reinen Vernunft=. +Volksausgabe+. + Kart. Preis 1 M. + + _Kick, A._, =Ernst Haeckel und die Schule=. Preis 1 M. + + _Kohut, Adolph_, =David Friedrich Strauss als Denker und Erzieher=. + Geheftet Preis 3 M.; geb. 4 M. + + _Krause, Ernst (Carus Sterne)_, =Erasmus Darwin und seine Stellung in + der Geschichte der Descendenz-Theorie=. Mit einem Lebens- und + Charakterbilde von +Charles Darwin+. Preis 2 M. + + _Lamarck, Jean_, =Zoologische Philosophie=. +Volksausgabe+. + Kart. Preis 1 M. + + _Lange, F. A._, =Geschichte des Materialismus und Kritik seiner + Bedeutung=. +Volksausgabe in 2 Bänden+. Kart. Preis 2 M. + + _Philipp, S._, =Über Ursprung und Lebenserscheinungen der tierischen + Organismen=. Preis 2 M. + + _Reichenau, W. v._, =Die Nester und Eier der Vögel= in ihren + natürlichen Beziehungen betrachtet. Preis 2 M. + + -- " -- =Bilder aus dem Naturleben=. Nach eigenen Erfahrungen als + Jäger und Sammler geschildert. 2. Auflage. Preis 5 M. + + _Ribot, Th._, =Die Schöpferkraft der Phantasie=. In Leinwand geb. + Preis 6 M. + + _Romanes, G. John_, =Die geistige Entwicklung beim Menschen=. + Ursprung der menschlichen Befähigung. Preis 6 M. + + -- " -- =Die geistige Entwicklung im Tierreich=. Nebst einer + nachgelassenen Arbeit: Über den Instinkt von +Ch. Darwin+. + Preis 5 M. + + _Schmidt, Heinrich_ (Jena), =Der Kampf um die »Welträtsel«=. Ernst + Haeckel, die »Welträtsel« und die Kritik. Preis 1 M. 60 Pf. + + -- " -- =Die Fruchtbarkeit in der Tierwelt=. Preis 1 M. + + _Schopenhauer, Arthur_, =Aphorismen zur Lebensweisheit=. +Über den + Tod. Leben der Gattung. Erblichkeit der Eigenschaften. + Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + _Spinoza, Baruch_, =Die Ethik=. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + _Stenglin, F. v._, =Über die letzten Dinge und die Überwindung des + Leides=. Geb. Preis 2 M. + + _Strauss, David Friedrich_, =Werke=. Herausgegeben von +Ed. Zeller+. + Auswahl in 6 Bänden in 5 eleg. Liebhabereinbänden. Preis 20 M. + + 1. Band: =Kleine Schriften=. Preis geb. 4 M. 50 Pf. + + 2. u. 3. Band: =Das Leben Jesu=. Preis in 1 Band geb. 6 M. + + 4. Band: =Der alte und der neue Glaube=. Preis geb. 4 M. 50 Pf. + + 5. Band: =Ulrich von Hutten=. Biographie. Preis geb. 4 M. 50 Pf. + + 6. Band: =Voltaire=. Sechs Vorträge. Preis geb. 4 M. 50 Pf. + + -- " -- =Ausgewählte Briefe=. Herausgegeben und erläutert von +Eduard + Zeller+. Preis 2 M.; geb. 3 M. + + -- " -- =Das Leben Jesu=. Für das deutsche Volk bearbeitet. 2 Teile. + +Volksausgabe+ in 2 Bänden. Kart. Preis 2 M. + + -- " -- =Der alte und der neue Glaube=. Ein Bekenntnis. + +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + -- " -- =Voltaire=. 6 Vorträge. Neu herausgegeben von Dr. +B. + Landsberg+. +Volksausgabe+. Kart. Preis 1 M. + + -- " -- =Poetisches Gedenkbuch=. Eingeleitet durch +Eduard Zeller+. + 2. Auflage. Preis 2 M.; geb. 3 M. + + _Zeller, Eduard_, =David Friedrich Strauss= in seinem Leben und seinen + Schriften. 2. Auflage. Preis 3 M. + + +_Zu beziehen durch alle Buchhandlungen._ + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + + +Im Original gesperrt gesetzter Text ist als +gesperrt+ gekennzeichnet. + +Im Original fett gesetzter Text ist als =fett= gekennzeichnet. + +Im Original (in den Anzeigen) fetter Text mit unterschiedlicher +Schriftart ist als _Schriftart_ gekennzeichnet. + +Anführungsstriche wurden durch » (unten) und « (oben) ersetzt. + +Innerhalb des Anhangs werden hochgestellte Ziffern als {Ziffer} +gekennzeichnet, sie geben die Auflage des zitierten Werkes an. + +Abkürzungen, insbesondere in den Anmerkungen, sind teilweise recht +unterschiedlich, sie wurden aus Authentizitätsgründen wie im Original +belassen. (z. B. Grundzüge und Grundz.) + +In den Anhängen ist die Formatierung in Bezug auf die Seitenzahl nicht +immer gleich, die Formatierung wurde zu S. xxf. bzw. S. xxff. (xx steht +für die entsprechende Seitenzahl) egalisiert. + +Der Buchtitel "Gemeinverständliche Vorträge und Abhandlungen aus dem +Gebiete der Entwickelungslehre" von Ernst Haeckel wird trotz des +offensichtlichen Druckfehlers in Entwicklungslehre in der Originalform +beibehalten, da dieses Buch auch innerhalb Büchereien teilweise unter +diesem Titel geführt wird. (Seite 76, Anzeigen) + + +Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen: + + "Bewußtseins-Erlebnisse" (Seite 17) und "Bewußtseinserlebnisse" + (Seite 5) + + "psycho-physische" (Seite 41) und "psychophysische" (Seiten 13 + und 66) + + "psycho-physischen" (Seiten 9, 50 und 62) und "psychophysischen" + (Seite 19) + + Innerhalb des Haupttextes spricht man von "Bewußtsein", in den + Anzeigen wird von "Empfindung und Bewusstsein" gesprochen, beide + Schreibweisen wurden beibehalten + + +Der Text der zur Transkription herangezogenen Ausgabe wurde in +Hinblick auf Unregelmäßigkeiten in der Zeichensetzung und +Rechtschreibung dem Original getreu übertragen. Folgende offensichtliche +Druckfehler wurden korrigiert: + + geändert von "unmittelbaren »Für sich-Sein«, als" in "unmittelbaren + »Für-sich-Sein«, als" Seite 12 + + geändert von "der gesamte Körperliche Organismus" in "der gesamte + körperliche Organismus" Seite 15 + + geändert von "Ähnlich wirkt das »Unbewußte« +E. v. Hartmanns+" in + "Ähnlich wirkt das »Unbewußte« +Ed. v. Hartmanns+" Seite 21 + + geändert von "leicht und eindeutig-bestimmt" in "leicht und + eindeutig bestimmt" Seite 32 + + geändert von "übrigen aber gerade so Tendenz" in "übrigen aber + geradeso Tendenz" Seite 33 + + geändert von "Für die individuale, wie" in "Für die individuelle, + wie" Seite 46 + + geändert von "Über die Seel nfrage, S. 9ff.," in "Über die + Seelenfrage, S. 9ff.," Seite 70, Anmerkung 9 + + geändert von "Einleit. in der Philosophie, S. 115;" in "Einleit. in + die Philosophie, S. 115;" Seite 70, Anmerkung 9 + + geändert von "Kraft Ideen; +P. Carus+," in "Kraft-Ideen; +P. + Carus+," Seite 71, Anmerkung 12 + + geändert von "Die Seele als Subjekt-Einheit: +Sigwart+," in "Die + Seele als Subjekt-Einheit; +Sigwart+," Seite 71, Anmerkung 12 + + geändert von "vgl. Psychoogy and Life" in "vgl. Psychology and Life" + Seite 71, Anmerkung 13 + + geändert von "+Bilharz+, Metaphvs.; +Paulsen+, Einleit. in die + Philos" in "+Bilharz+, Metaphys.; +Paulsen+, Einleit. in die + Philos." Seite 72, Anmerkung 19 + + geändert von "Men chen; +Goldscheid+, Ethik" in "Menschen; + +Goldscheid+, Ethik" Seite 72, Anmerkung 19 + + geändert von "Vgl. +Höffding+ +Natorp+," in "Vgl. +Höffding+, + +Natorp+," Seite 72, Anmerkung 23 + + geändert von "Philosophie X, 307ff., 340ff,, 391ff." in "Philosophie + X, 307ff., 340ff., 391ff." Seite 72, Anmerkung 27 + + geändert von "erlebter Bildungen nnd Funktionen" in "erlebter + Bildungen und Funktionen" Seite 73, Anmerkung 32 + + geändert von "+Forel, August+, =Gehirn und Seele=." in "+Forel, + Auguste+, =Gehirn und Seele=." Seite 76, Anzeigen + + geändert von "Preis 1 M. 60 Pf" in "Preis 1 M. 60 Pf." + Seite 76, Anzeigen + + geändert von "9. Aufl. Preis 1 M. 20 Pf" in "9. Aufl. Preis 1 M. + 20 Pf." Seite 76, Anzeigen + + geändert von "in Halbfranz 15 M." in "in Halbfranz. 15 M." + Seite 76, Anzeigen + + geändert von "von +Ch. Darwin+ Preis" in "von +Ch. Darwin+. Preis" + Seite 77, Anzeigen + + geändert von "(Jena) =Der Kampf um die »Welträtsel«=" in "(Jena), + =Der Kampf um die »Welträtsel«=" Seite 77, Anzeigen + + geändert von "Kart Preis 1 M." in "Kart. Preis 1 M." + Seite 77, Anzeigen + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Das Wirken der Seele, by Rudolf Eisler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WIRKEN DER SEELE *** + +***** This file should be named 35318-8.txt or 35318-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/5/3/1/35318/ + +Produced by Jana Srna, Iris Schröder-Gehring and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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