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+The Project Gutenberg EBook of Das Wirken der Seele, by Rudolf Eisler
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Das Wirken der Seele
+ Ideen zu einer organischen Psychologie
+
+Author: Rudolf Eisler
+
+Release Date: February 18, 2011 [EBook #35318]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WIRKEN DER SEELE ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna, Iris Schröder-Gehring and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+
+
+
+
+
+
+ Das
+ Wirken der Seele
+
+ Ideen zu einer organischen Psychologie
+
+
+ Von
+
+ DR. RUDOLF EISLER
+
+
+ [Illustration: Dekoration]
+
+
+ LEIPZIG
+ Alfred Kröner Verlag
+ 1909
+
+
+Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.
+
+
+
+
+Vorwort.
+
+
+Die vorliegende Arbeit[A] enthält die Grundzüge einer
++organisch-teleologischen Psychologie+, deren systematischen Ausbau sich
+der Verfasser für eine spätere Zeit vorbehält. Es wird hier versucht, zu
+zeigen, wie sich eine konsequente Durchführung des psychologischen
+»Voluntarismus«, für den das Streben und Wollen, die zielsetzende
+Tätigkeit der Psyche (als des »Innenseins« des Organismus) das
++Dynamische+, das innerste Triebwerk des Seelenlebens ist, gestalten
+muß, wenn dieser Voluntarismus im guten Sinne des Wortes +monistisch+
+und +evolutionistisch+ gefärbt ist, d. h. wenn er bei vollster
+Anerkennung der Eigenkraft des Psychischen einer Durchbrechung des
+geschlossenen Naturzusammenhanges nirgends Raum gewährt, und wenn er die
+innere, durch äußere Faktoren mitbedingte Entwicklungsarbeit der Psyche
+gebührend berücksichtigt. Wenn auch naturgemäß so manches schon Bekannte
+gebracht werden mußte, so hofft der Verfasser doch, durch seine Schrift
+nicht bloß weiteren Kreisen, sondern auch dem Psychologen, Biologen und
+Philosophen manche Anregungen bieten zu können[B].
+
+
+ +Wien+, April 1909.
+
+ Dr. +Rudolf Eisler+.
+
+ [A] Unter Zugrundelegung der gleichnamigen Abhandlung in der
+ »Zeitschrift für den Ausbau der Entwicklungslehre«, II. Jahrgang.
+ 1908.
+
+ [B] Vgl. +Eisler+, Krit. Einführ. in die Philos., Berlin 1905;
+ +Leib und Seele+, Leipzig 1908; +Grundlagen der Philos. des
+ Geisteslebens+, Leipzig 1908; Wörterbuch der philos. Begriffe,
+ Berlin, 3. Aufl., 1909, sowie die in Vorbereitung befindliche im
+ gleichen Verlage (im Herbste) erscheinende »Geschichte des
+ Monismus«.
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Seite
+
+ I. Die Psyche und ihr Verhältnis zum Physischen 5
+
+ II. Die psychische Kausalität 19
+
+ III. Der Wille als psychischer Motor 28
+
+ IV. Der Zweck im Seelischen 43
+
+ V. Psychische Entwicklung 58
+
+ Anmerkungen 70
+
+
+
+
+I. Die Psyche und ihr Verhältnis zum Physischen.
+
+
+Die Zeiten, da man unter der Seele eine immaterielle, einfache,
+unzerstörbare Substanz hinter dem Bewußtsein und dessen Modifikationen
+verstand, scheinen nun doch vorüber zu sein. Zwar fehlt es gerade in
+jüngster Zeit nicht an einer +dualistischen Reaktion+ nicht bloß gegen
+den Materialismus, sondern auch gegen die »Identitätstheorie« und jeden
+sonstwie gearteten »Monismus«, aber erstens ist diese Reaktion nur ein
+neuer Vorstoß des alten Seelenglaubens, und zweitens weist sie vielfach
++Konzessionen+ gegenüber der monistischen Ansicht auf, welche bezeugen,
+daß es mit der metaphysischen Hypothese der absolut einfachen, dem Leibe
+völlig selbständig gegenüberstehenden und von ihm trennbaren
+Seelensubstanz rapid zu Ende geht.
+
+Die psychologische »Aktualitätstheorie« mag sich mancher Einseitigkeiten
+und Übertreibungen schuldig gemacht haben, wie wir weiter unten zeigen
+werden. Aber das nimmt ihr keinesfalls das außerordentliche Verdienst,
+an Stelle der »transzendenten«, aller Erfahrung sich entziehenden
+Seelensubstanz mit besonderen »Vermögen« und Tätigkeiten das +konkrete
+Bewußtsein+ als Inbegriff und Zusammenhang von Erlebnissen selbst
+gesetzt zu haben. Mit vollem Recht betont diese Aktualitätstheorie[1]
+zweierlei. Erstens, daß die +psychischen Vorgänge+, die
+Bewußtseinserlebnisse als solche +weder Schein noch bloße Erscheinung+
+sind, sondern volle Wirklichkeit und Wirksamkeit haben, so daß also das
+Psychische nicht aus unerfahrbaren, hinter und unter den
+Bewußtseinserlebnissen stehenden Prozessen besteht. Zweitens, daß das
+Psychische +nichts starr Substantielles, Ruhendes+, sondern »aktuell«
+ist, daß es nicht Zustand einer absolut beharrenden, unveränderlichen
+Substanz ist, sondern in einem Zusammenhang von Vorgängen, von
+lebendigen Prozessen besteht, in welchen nichts sich absolut
+gleichbleibt. Die psychischen Gebilde sind nicht Dinge, sondern
++fließende Resultate beständiger Aktionen und Reaktionen+, sie sind in
+einem +unaufhörlichen Flusse+ begriffen und bilden die +Momente einer
+fortlaufenden Entwicklung und Entfaltung+, deren Konstanz in erster
+Linie +formaler+ Art ist. Die Seele ist hiernach keine »Substanz« im
+Sinne des naturwissenschaftlichen Substanzbegriffs. Dieser ist durch die
+Beschaffenheit des Inhalts der »äußeren«, sinnlich vermittelten
+Erfahrung gefordert; er dient zu deren objektiven Vereinheitlichung, zur
+Setzung fester Ansatzpunkte für die Anschauung und das Denken der
+Objekte. Für die Psychologie aber ist der abstrakte Substanzbegriff ohne
+Nutzen, er ist hier überflüssig, weil das Zentrum, um das sich die
+psychischen Erlebnisse gruppieren, unmittelbar im +Subjektmoment+
+gegeben ist, und er ist sogar schädlich, weil er den konkreten
+Tatbestand des Erlebens leicht zugunsten eines unbekannten, mit
+hypothetischen oder fiktiven Kräften und Eigenschaften ausgestatteten
+Seelendinges verfälscht, dem Reichtum der Bewußtseinsmannigfaltigkeit
+nicht genügt, der im Widerspruche zu der vorgeblichen »Einfachheit« der
+Seelensubstanz steht, und endlich die Wechselbeziehungen zwischen
+Psychischem und Physischem zu einem Rätsel macht. Denn alle Versuche,
+die »Wechselwirkung« zwischen der einfachen Seelensubstanz und dem
+Körper verständlich zu machen, scheitern teils an der Heterogenität
+beider Wirklichkeitsglieder, teils an der Durchbrechung, welche hier das
+Prinzip der geschlossenen Naturkausalität und das Prinzip der Erhaltung
+der physischen Energie erleiden[2].
+
+Übrigens gilt das meiste des hier Gesagten auch für jene Annahme, wonach
+das Psychische zwar nicht Zustand einer unbekannten Seelensubstanz, aber
+doch ein vom Physischen absolut verschiedenes, trennbares und
+eigenartiges +Geschehen+ ist, das mit jenem in Wechselwirkung steht.
+Erstens läßt sich nicht, wie dies von mancher Seite geschieht, das
+Psychische in genau demselben Sinne wie das Physische als eine »Energie«
+auffassen; denn es ist unräumlich[3], unmassenhaft und entbehrt auch
+sonst der Eigenschaften, welche eine physikalisch-chemische
+Arbeitsleistung ermöglichen. Ist es aber keine Energie im physikalischen
+Sinne, läßt es sich seiner Natur nach weder aus physischer Energie
+gewinnen noch in solche umsetzen, schon weil es keinen Bestandteil des
+Inhalts der äußeren Erfahrung bildet, ist ferner nicht einzusehen, wie
+ein immaterielles Geschehen Bewegung erzeugen oder auch nur der Richtung
+nach abändern und wie Bewegung, Druck und Stoß, kurz mechanische Kraft,
+auf ein Immaterielles, Unräumliches einwirken kann, dann ist die Annahme
+eines solchen, dem Physischen als selbständiges Geschehen
+gegenüberstehenden Psychischen, auch abgesehen von anderen
+Schwierigkeiten, schon suspekt. Ein Psychisches kann auf ein Physisches
+nicht wahrhaft einwirken, ohne daß die Menge der physikalisch-chemischen
+Energie einen +Zuwachs+ erhält, und umgekehrt kann das Physische,
+Materielle nicht auf das Seelische eine Wirkung ausüben, ohne daß
+physische Energie +verloren+ geht. Es müßte denn neben der normalen Art
+physischer Wirksamkeit noch eine zweite geben, welche das Energieprinzip
+intakt läßt -- eine undurchführbare und vor allem ganz unnötige Annahme.
+
+Nun könnte man glauben, es bleibe nur noch der materialistische Ausweg,
+das Psychische mit dem Physischen zu identifizieren oder es als
+»Funktion« desselben zu bestimmen. Dem ist aber nicht so. Der
++Materialismus+ ist als Dogma eine unhaltbare Theorie und was er
+Richtiges enthält, die +strenge Koordination+ zwischen psychischen und
+physiologischen Vorgängen, bietet auch der nicht materialistische
+Monismus, von dem gleich die Rede sein wird. In keiner seiner Abarten
+ist der Materialismus haltbar, aus Gründen, die hier nur angedeutet
+werden können. Das »Psychische«, d. h. irgendein beliebiges »Erleben«,
+wie die Empfindung eines Tones, die Vorstellung einer Gestalt, das
+Gefühl einer Lust oder Unlust, eine Begierde oder ein Abscheu, ein
+Willensentschluß, ein Urteilsakt u. dgl., +ist ein subjektiver+, auf ein
+Subjekt, ein Ich unmittelbar sich beziehender, in physikalischen
+Ausdrücken nicht beschreibbarer Vorgang, der etwas anderes ist als der
+Inhalt oder Gegenstand des Erlebens, das objektive Raumgebilde, an
+welchem Bewegung und Energie auftritt. Es ist einfach absurd, zu
+behaupten, ein Schmerz etwa »sei nichts als Bewegung«; denn wir meinen
+ja mit Schmerz, Lust, Wille u. dgl. qualitativ etwas ganz Bestimmtes,
+Erlebbares, was sich ohne weiteres von einer Bewegung, von einem
+räumlichen Geschehen unterscheidet. +Psychische Erlebnisse+ sind weder
+stoffliche Substanzen, die von anderen gleichsam ausgeschieden werden
+könnten, noch physische Vorgänge, sie sind +nicht Objekte+ des Erlebens,
+sondern das +subjektive Erleben selbst in dessen unmittelbarem
+Auftreten+. Das Psychische ist kein wäg- oder räumlich meßbares,
+mechanische Arbeit verrichtendes Etwas, keine »Nervenschwingung« u.
+dgl., mag es auch mit einer solchen untrennbar verknüpft sein. Es hat
+mit Massen und Massenbewegungen nichts zu tun, es kann nicht eine
+»Eigenschaft« unter materiellen Eigenschaften bilden, es geht nicht in
+die mathematischen Formeln für physikalisch-chemische Vorgänge ein. Aber
+auch nicht eine kausale Funktion, eine Wirkung physiologischer Prozesse
+kann das Psychische, das subjektive Erleben sein. Erkenntnistheoretisch
+nicht, weil das Physische als solches schon durch ein Subjekt und dessen
+psychisches Erleben (Empfinden, Vorstellen, Wollen) +bedingt+ und im
+besten Falle nur die von einem Bewußtsein qualitativ abhängige
+»Erscheinung« eines »An sich« ist, das nicht selbst physisch ist, wenn
+es auch den objektiven »Grund« für das Auftreten physischer Phänomene
+abgibt. Aber auch aus methodologischen Gründen kann das Psychische nicht
+die Wirkung des Physischen, Physiologischen sein, ganz abgesehen von
+seiner Ungleichartigkeit gegenüber dem letzteren. Physiologische
+Prozesse sind physikalisch-chemischer Art, soweit sie vom Standpunkte
+der »äußeren« Erfahrung betrachtet werden. Die +methodische Konsequenz+
+erfordert es, den einmal eingenommenen Standpunkt bis zum Ende und
++ausnahmslos festzuhalten+. Es ergibt sich daraus die +Geschlossenheit+
+der physischen Kausalität, wonach jeder physische Vorgang, auch im
+Organismus, immer wieder nur einen physischen Vorgang zur Wirkung und
+zur Ursache haben kann, sollen nicht, was die +Einheit und
+Vollständigkeit+ der Erfahrung und Erkenntnis beeinträchtigt, die
+Standpunkte fortwährend miteinander vermengt und vertauscht werden. Der
+Materialismus leidet also an +demselben Fehler+ wie der Dualismus, wenn
+er ein Bewirktwerden des Psychischen durch Physisches, etwa durch
+Gehirnprozesse annimmt, ganz abgesehen davon, daß ganz und gar nicht
+abzusehen ist, wie aus rein Objektivem und Materiellem etwas
+»Subjektives«, »Immaterielles« (im guten Sinne des Wortes) entstehen
+oder hervorgehen kann. Auch ist hier, wie beim Dualismus, das Gesetz der
+Konstanz der Energie, welches die Anwendung des apriorischen
+Kausalprinzips auf die äußere Erfahrung ist, ein festes Bollwerk gegen
+alle Auffassung des Psychischen, des Bewußtseins als kausaler Funktion
+physiologischer Prozesse.
+
+Meint man nun, gewiß sei das Psychische im Bewußtsein vom
+Physiologischen verschieden, aber das sei nur Schein oder Erscheinung,
+in Wirklichkeit oder »an sich« sei das Erleben doch nur physischer Art,
+so ist darauf zu erwidern, daß hier +das richtige Verhältnis geradezu
+umgedreht+ wird. Das Physische kann zwar kein Schein, wohl aber
+»objektive Erscheinung« sein, denn es ist durch das erkennende Subjekt,
+durch ein Psychisches also, qualitativ bedingt. Aber das Psychische
+(Geistige) als solches, das Bewußtsein im weitesten Sinne, kann +nicht
+bloße Erscheinung+ sein. Denn damit etwas »erscheint«, ist schon ein
+psychisches Erleben (Erkennen) notwendig, +durch das+, und ein Subjekt,
++für welches+ es erscheint. Ein Physisches, das nicht schon zugleich
+psychisch ist, kann sich also gar nicht »erscheinen«, nicht irgendwie
+»erfassen«. Kann es sich aber erleben, erkennen, dann ist es eben nicht
+mehr rein physisch und hat eigenartige Erlebnisse, eben das Psychische:
+Empfindung, Vorstellung usw., das unmittelbar und sicher da ist. An der
+Existenz psychischer Erlebnisse in uns können wir nicht im geringsten
+zweifeln; daß wir fühlen wollen, denken usw., muß auch für den größten
+Skeptiker, der das Dasein der Körper in Frage stellt, evident sein.
+Es gibt kein unmittelbareres und gewisseres Sein als das Bewußtsein;
+es ist nicht bloße Erscheinung, sondern die +Urbedingung aller
+Erscheinungsmöglichkeit+; es setzt sich selbst logisch voraus,
+ist völlig unableitbar[4].
+
+Mit der Wendung: »eigentlich« ist das Psychische nur eine
+Nervenschwingung, ist es also nichts. So wie der Dualist geht auch der
+Materialist hinter die Erfahrung zurück, indem er das unmittelbare
+Erlebnis, das wir als unbefangene Beurteiler selbst das Psychische
+nennen, transzendiert. Das gleiche tut natürlich der Vertreter der
+»Philosophie des Unbewußten«, wenn er das psychische Wirken in das
+absolut Unbewußte verlegt. Ein Unbewußtes absoluter Art, das zugleich
+psychisch sein soll, ist ein Unding, ein »unbewußter Geist«, ist eine
+contradictio in adjecto, denn »Bewußtsein« und »psychisch« sind ja zwei
+Bezeichnungen für ein Geschehen, von dem man gar nichts wissen könnte,
+wäre es nicht im Erleben gegeben. In der Tat sind die »unbewußte
+Vorstellung« und der »unbewußte Wille« nur Entlehnungen aus dem
+Bewußtsein, das »Unbewußte« hat in diesem sein Vorbild, ist nur eine
+metaphysische Kopie und Verdoppelung desselben.
+
+Zwischen Materialismus und Dualismus schwankt jene Lehre, nach welcher
+das Psychische, das Bewußtsein nur ein »Epiphänomen« des Physiologischen
+ist[5]. Das Seelische ist hiernach nicht selbst physisch, es ist auch
+nicht eine Wirkung des Physischen, sondern eine Art Schatten, welcher
+das physiologische Geschehen im Zentralnervensystem begleitet, in steter
+»Abhängigkeit« von diesem, aber ohne eigene Wirksamkeit. Im Menschen,
+der einen lebenden Automaten darstellt, vollzöge sich alles ganz genau
+so, wie es sich vollzieht, auch wenn es kein Bewußtsein gäbe. Dieses
+kommt nur auf einer bestimmten Stufe der organischen Entwicklung zum
+Physiologischen hinzu (als ein »surajoutée«), man weiß nicht wie und
+woher und wozu. Denn einen Einfluß auf das organische Getriebe soll es
+ja nicht haben, und aus dem Physischen soll es ja nicht entstehen, da es
+diesem nur parallel geht. Es schwebt durchaus in der Luft und erscheint
+als biologisch nutzlos und schon vom Standpunkte des Darwinismus wegen
+dieser Zwecklosigkeit als genetisch unbegreiflich[6]. Daß man sich gegen
+eine solche Form des »psycho-physischen Parallelismus« energisch gewandt
+hat, ist durchaus in der Ordnung. Ebensowenig wie das Prinzip der
+Stetigkeit und die Kausalität es zuläßt, daß aus Bewegungen durch bloße
+Komplikation etwas ganz Neues, das Bewußtsein, entsteht, ebensowenig
+kann dieses plötzlich, bei den Organismen, aus dem Nichts zum Physischen
+hinzukommen. Es müßte denn das Erzeugnis eines Schöpfers sein, eine
+Annahme, die kaum als eine wissenschaftliche gelten kann, ganz einerlei,
+ob man für sich nun an einen Gott glaubt oder nicht.
+
+Ein neben dem physischen einhergehendes, ohne innere Verbindung mit
+demselben ablaufendes psychisches Geschehen, das gleichwohl in steter
+Korrelation zu ihm steht, obzwar es selbst »inkausal« ist und auch vom
+Physischen keine Wirkungen empfängt, ist nicht das, was die Psychologie
+und die Biologie von dem Begriffe des Seelischen mit Recht fordern
+können. Dieser Begriff muß den Tatsachen der Erfahrung möglichst gerecht
+werden und sie möglichst umfassend erklären können. Und er muß deshalb
+auch in rationeller Beziehung zum Begriff des Physischen, bzw.
+Physiologischen stehen.
+
+Ist nun das Psychische nicht der Zustand oder die Tätigkeit eines
+transzendenten Seelenwesens, auch nicht die bloße Funktion oder
+Erscheinung des Physischen, des Nervensystems, ist es weder selbst ein
+physischer Prozeß, noch ein neben diesem einhergehender Vorgang, was ist
+es denn, was kann es denn noch sein?
+
+Jedenfalls ist das Psychische, da es nicht das Erzeugnis eines rein
+Materiellen sein kann, ein +Prinzip+ des Seins, ein »Urgeschehen«. Es
+ist mindestens +ebenso primär+, ursprünglich wie das Physische. Wie
+Subjekt und Objekt Korrelate sind, die getrennt nicht bestehen, sondern
+zu +einer und derselben Erfahrung+ als deren beide Seiten, Glieder,
+Beziehungspunkte gehören, ohne daß das eine ein Produkt des andern ist,
+so erweisen sich auch Psychisches und Physisches als untrennbare, nur in
+der Abstraktion unterscheidbare und voneinander abzulösende »Seiten« der
++Gesamterfahrung+. Diese ist die ursprüngliche Einheit, die »Identität«
+des Psychischen und Physischen. Die Verschiedenheit beider »Seiten«
+bedingt einen, vom metaphysischen durchaus zu sondernden +empirischen+
+(phänomenalen) Dualismus auf Grundlage eines ebenso empirischen
+Monismus. In der Abstraktion und zwecks begrifflicher Verarbeitung des
+Erfahrungsinhalts müssen wir von zwei »Seiten« des Geschehens sprechen.
+Die eine ist das Physische, die andere das Psychische. Sehen wir nämlich
+davon ab, daß die Inhalte der Sinneswahrnehmung und des diese
+verarbeitenden Denkens in konkreter Wirklichkeit zu einem Subjekt, einem
+»Bewußtsein überhaupt«, einem Erleben gehören, behandeln wir diese
+Inhalte, die Objekte der Erfahrung, als von aller Individualität
+(Subjektivität) unabhängige, selbständige, gesetzlich miteinander
+verknüpfte, in raum-zeitlich-kausalen Relationen zueinander stehende
+Dinge und Eigenschaften, die wir in mathematischen Formeln quantitativ
+festlegen, dann ergibt sich jene Auffassungsweise, die wir »äußere«
+Erfahrung und »mittelbare« Erkenntnis nennen, deren Gegenstand das
+Physische, Körperliche, Materielle ist. Dieses besteht also, ungeachtet
+des »Idealismus«, den die Erkenntniskritik für die Objekte der Erfahrung
+als solche statuiert, nicht aus psychischen Erlebnissen, sondern wird
+von diesen +methodisch unterschieden+. Das Psychische hingegen ergibt
+sich aus einer anderen »Auffassungsweise« der Erfahrung, nämlich sofern
+diese +in voller Unmittelbarkeit und Konkretheit+, ohne jede Abstraktion
+und Hypostasierung, ohne »Objektivierung« hingenommen und gedacht wird.
+Das Erfahren, Erleben selbst in allen seinen Momenten und Elementen
+(Empfindung, Vorstellung, Wollen, Denken usw.), als +unmittelbarer
+subjektiver Prozeß+, als Bewußtsein, für ein Ich-Gegeben-Sein, als
+unmittelbarste Aktion und Reaktion eines Subjekts ist das Psychische.
+Ein und derselbe Tatbestand also, ein Erlebnisganzes bildet den
+Ausgangspunkt für zwei verschiedene +Betrachtungsweisen+, für den
+»empirischen Dualismus«, der, philosophisch gedeutet, zu irgendeiner Art
+des +Monismus+, wenn auch nicht zum Materialismus führt, wofern man sich
+nur der Korrelation beider Seiten der Gesamterfahrung bewußt bleibt[7].
+
+Gehen wir vom menschlichen Organismus als einem Teil unserer Erfahrung,
+oder, noch besser, geradezu von unserem eigenen Ich aus. Erfasse ich mich
+mittels der Sinne und denke ich mich als ein +Objekt+ unter Objekten,
+abstrahiere ich von dem Umstand, daß das, was ich sinnlich an mir vorfinde,
+zu meinem Ich, Subjekt, Bewußtsein zugehört, denke ich es methodisch als
+System von Bewegungen oder Energien selbständiger, miteinander in
+Wechselwirkung stehender Elemente um, dann bin ich für mein eigenes wie für
+das fremde Erkennen ein +Physisches+, ein Körper (Leib) mit körperlichen
+Vorgängen, ein Raumding unter gleichartigen Dingen. Ich finde dann an mir
+nichts als ausgedehnte Masse, Bewegungen der Glieder, der Muskeln,
+Nervenschwingungen, kurz, physikalisch-chemische Prozesse, die miteinander
+in durchgängigem Zusammenhang stehen, ohne daß irgendwo die kausale
+Verkettung eine Lücke zeigt. Vom Standpunkt der »äußeren« Erfahrung,
+welcher der der Naturwissenschaft ist, bin ich, wie jeder andere
+Organismus, nichts als bewegte Materie, ein Komplex physikalisch-chemischer
+Energien, kurz, ganz so, wie der Materialismus es lehrt. Aber dieser
+Materialismus ist völlig +einseitig+. Denn sobald ich den Standpunkt der
+äußeren mit dem der »inneren« (unmittelbaren) Erfahrung vertausche, ändert
+sich das Bild. Jetzt bin ich nicht mehr bewegte Materie oder
+Energiekomplex, sondern ein lebendiges, empfindendes, fühlendes, wollendes,
+denkendes +Subjekt+, ein +einheitlicher Zusammenhang von Erlebnissen+, die
+als solche -- mögen sie auch Körper und Bewegungen zum Inhalt oder
+Gegenstand haben -- weder Körper noch Bewegungen sind. Ich habe Erlebnisse
+von Farben, Tönen, Ausdehnung usw., aber das subjektive Erleben als
+solches, das Auftreten oder Erzeugen von Vorstellungen, Gefühlen usw. ist
+nicht selbst farbig, tönend, ausgedehnt, schwer u. dgl., sondern intensiv,
+klar, lebhaft, deutlich usw., es muß +anders beschrieben und bestimmt+
+werden als das Physische, als +der objektivierte und hypostasierte
+Erfahrungsinhalt+. Ebendasselbe also, was von dem einen Gesichtspunkt als
+Körper sich darstellt, erscheint, ist in seinem unmittelbaren
+»Für-sich-Sein«, als erlebendes Subjekt, eine »Seele«, ein psychischer
+Zusammenhang. Insofern das Physische als solches ein +Abstraktionsprodukt+
+ist und von den Formen der Anschauung und des Denkens abhängig ist, kann es
+als »Erscheinung« bestimmt werden. Das Psychische (Geistige) hingegen, das
+die Bedingung der Erkenntnisformen, ja der Zusammenhang von
+Erkenntnisfunktionen (neben anderen) selbst ist, das ferner niemals
+direktes Objekt eines fremden Erkennens sein kann, ist nicht bloße
+Erscheinung (im Kantischen Sinne), sondern (mindestens +relativ+) ein »An
+sich« des Organismus, jedenfalls aber das mehr unmittelbare, mehr konkrete,
+vollere Sein oder Geschehen.
+
+Die »Identitätstheorie«, wonach Psychisches und Physisches zwei
+»Seiten«, »Attribute«, »Erscheinungen«, »Aspekte« eines und desselben
+Wesens bilden, kann in realistischer oder auch in mehr oder weniger
+idealistischer Weise formuliert werden. Wir glauben nun, daß die
+realistische Identitätstheorie mit ihrer Annahme eines an sich
+unbekannten Wesens, dessen Äußerungen oder Seiten das Psychische und
+Physische darstellen, immerhin durchführbar ist, halten sie aber doch
+entweder für einen »agnostischen« Verzicht auf eine weitere
+Vereinheitlichung der Erkenntnis oder aber, wenn sie als der Weisheit
+letzter Ausspruch gilt, für +halb-dualistisch+ und in manche
+Schwierigkeiten verwickelnd. Wir ziehen es daher vor, den Monismus
++idealistisch+ (oder besser »ideal-realistisch«) zu fassen, indem wir
+sagen: +Was an sich, für sich, unmittelbar erfaßt psychisch ist, das ist
+der objektiven Erscheinung nach, mittelbar erkannt, methodisch
+verarbeitet physisch.+ Der äußeren, körperlichen Organisation
+»entspricht« die innere, seelische Organisation; erstere ist die
+»Erscheinung«, der »Ausdruck«, die »Objektivation« der letzteren, diese
+das »An sich«, das »Innensein« jener, so aber, daß beide nur aus der
++einheitlichen Gesamterfahrung+, in der sie untrennbar sind,
+herausgehoben sind. Diese und das beiden Betrachtungsweisen Gemeinsame
+(Entwicklung, Differenzierung, Intensität und andere Eigenschaften) ist
+das »Identische« der beiden Daseinsweisen[8]. Seele und Leib sind
+demnach +nicht zwei trennbare Dinge+, nicht zwei Substanzen, aber es ist
+auch nicht die Seele mit dem Körper, dieser mit der Seele identisch.
+Sondern je nach der Betrachtungsweise ist dasselbe Wirkliche, der
+»Organismus«, durchweg »Seele« oder durchweg »Körper«. Und weil dem so
+ist, weil Psychisches und Physisches +Korrelate+ sind, die sich auf
++dasselbe Wesen+ beziehen, besteht zwischen ihnen vollkommene
++Harmonie+, »entspricht« jedem psychischen ein physisches
+(physiologisches) Geschehen und umgekehrt, ohne daß eine wahre
+Wechselwirkung zwischen ihnen zu bestehen braucht. So genommen, verliert
+der »psychophysische Parallelismus« alles Mystische und Unbegreifliche,
+denn jetzt handelt es sich nicht mehr um zwei fremd einander
+gegenüberstehende und doch in genauer Übereinstimmung befindliche,
+selbständige Seins-Reihen, sondern +nur um eine Wirklichkeit, die von
+zwei Gesichtspunkten aus betrachtet und denkend verarbeitet wird+[9].
+
+Jedem psychischen Vorgang entspricht ein physiologischer Prozeß, und
+umgekehrt hat jeder physiologische Vorgang in einem psychischen
+Geschehen mehr oder weniger bewußter Art sein Korrelat. Es besteht also
+eine wechselseitige +Abhängigkeit beider Daseinsweisen voneinander+, die
+aber nicht direkt kausal ist, sondern »funktionell« im Sinne der
+Mathematik, wiewohl man sich populär und im einzelnen auch der kausalen
+Ausdrucksweise bedienen kann, wenn man sich nur der +Laxheit+ derselben
+bewußt bleibt. Die Fälle scheinbar echter Wechselwirkung zwischen Leib
+und Seele erklären sich wie folgt. Es gibt außer den vollbewußten,
+apperzipierten psychischen Vorgängen »unterbewußte« und für sich allein,
+gesondert überhaupt nicht gewußte, nicht bemerkte, nicht »apperzipierte«
+(keineswegs aber absolut unbewußte, apsychische) Prozesse und Elemente
+von solchen, die sich zum Teil zu dem vereinigen und in dem aufgehen,
+was wir das dunkle »Lebensgefühl« nennen. An diesem partizipieren jene
+psychischen Teilvorgänge, die den +vegetativen+ Lebensprozessen parallel
+gehen, ohne ins Licht des eigentlichen, des klaren Selbstbewußtseins zu
+fallen. Die Abhängigkeit des geistigen Lebens, des Denkens z. B., vom
+»leiblichen« bedeutet nun, streng genommen, nicht eine kausale
+Beeinflussung des Geistigen durch das Körperliche als solches, sondern
+durch jene »Innenseite« desselben, die in Form mehr oder weniger
+dunkler Empfindungen, dumpfer Gefühle und Strebungen u. dgl. auftritt.
+Das »Leibliche« wirkt also, wenn man will, auf das Seelische ein, aber
+schon als Bestandteil des Psychischen, als ein +Seelisches niederer
+Ordnung+, als eine +Provinz der psychischen Organisation+[10]. In diesem
+Sinne ist es wahr, daß z. B. Verdauungsbeschwerden einen Einfluß auf die
+Denktätigkeit, die Stimmung usw. ausüben; aber nicht die
+physikalisch-chemischen Vorgänge im Magen sind die Ursachen der
+psychischen Depression, sondern die diesen Vorgängen entsprechenden
+»Innenzustände«, bzw. diese Vorgänge vom Standpunkt der inneren
+Erfahrung aufgefaßt. Ebenso sind Störungen des Gehirns, die durch Läsion
+desselben bedingt sind, nur insofern die Ursachen geistiger Erkrankung,
+als sie zugleich, an sich, Störungen unbewußter psychischer Prozesse,
+Dispositionen und Verbindungsmöglichkeiten sind, an die sich die
+eigentliche Geistesstörung knüpft. So wie der Leib nur als Psychisches
+auf den Geist einwirkt, mit dem zusammen er einen Teil der seelischen
+Gesamtorganisation bildet, so wirkt die Seele auf den Leib wahrhaft nur,
+sofern dieser ein »Innensein« hat, d. h. als unmittelbares Erlebnis,
+nicht wie er als Komplex von Atomen und Energien abstrakt aufgefaßt und
+bestimmt wird. Nur die unmethodische willkürliche +Vertauschung der
+Standpunkte+, die ja gewiß bequem ist, verführt zu dem Glauben, es könne
+etwa der Wille eine Bewegung kausal beeinflussen. In Wahrheit geschieht
+folgendes: ein von Empfindungen oder Vorstellungen ausgehender
+Willensimpuls hat zur Folge eine Veränderung in Muskelempfindungen u.
+dgl., kurz, eine Art Umlagerung von Bewegungsvorstellungen. Die
+Willenshandlung beginnt psychisch mit dem Antrieb und endet in
+Muskel- und ähnlichen Empfindungen, und dem geht parallel eine physische
+Reihe, welche mit Gehirnprozessen beginnt und in einer Bewegung etwa des
+Armes endigt. Auf diese Weise geht der Willensimpuls tatsächlich der
+angeführten Bewegung zeitlich voran; aber gleichwohl fallen innere
+Willenshandlung und äußere Gesamtbewegung zeitlich zusammen, indem je
+einem Moment der ersteren ein Moment der letzteren zugeordnet ist[11].
+In der Bewegung kommt der Wille zum sichtbaren und meßbaren +Ausdruck+,
+er ist der innere +Grund+ der Bewegung, aber nicht die phänomenale
+»Ursache« derselben, welche in einem Nervenprozesse zu suchen ist, gemäß
+dem Prinzip der geschlossenen Naturkausalität und dem der Konstanz der
+Energie. Der Willensvorgang ist der Grund, daß die objektive Erscheinung
+einer Körperbewegung für ein Subjekt auftritt, und insofern kann man
+sagen, die Körperbewegung ist durch das Psychische »bedingt«, sie würde
+ohne dieses nicht auftreten, da sie ja nur die »Außenseite« desselben
+ist. +In Wahrheit wirkt die Seele immer nur auf ein Glied oder Element
+ihrer Organisation und dies erscheint objektiv als Wechselwirkung
+zwischen Bestandteilen der körperlichen Organisation.+ Alles
+physiologische Geschehen läßt sich insofern als ein +Zeichen+ für einen
+psychischen Vorgang auffassen; ja der gesamte körperliche Organismus
+bildet geradezu ein +System der Ausdrucksbewegungen+, in welchen sich
+mehr oder weniger bewußte oder unterbewußte, höhere oder niedere
+psychische Zustände und Vorgänge verraten, manifestieren.
+
+Wir verstehen nun, warum und inwiefern das Psychische an ein
+Nervensystem und dessen Funktionen, bzw. an organische Substanz, an
+Substanz überhaupt »gebunden« ist. Nicht weil es ein Produkt dieser
+Substanz ist, sondern weil es das »Innensein« derselben bildet, weil das
+Subjektive als materielles Sein und Geschehen erscheint oder unter
+entsprechenden Bedingungen (Anwesenheit eines wahrnehmenden Subjekts
+usw.) erscheinen kann und muß. Da höheres Geistesleben nur auf der Basis
+eines niederen, sinnlichen, teilweise schon »mechanisierten«
+Seelenlebens erwächst, so ist es begreiflich, daß dieses höhere,
+entwickeltere, +differenzierte Geistesleben+ auch in Form einer
++differenzierteren Materie+ erscheint und demnach an ein Nervensystem,
+beim Menschen sogar an ein Großhirn gebunden ist, während das Seelische
+in niederer Form auch nur niedere, weniger organisierte Substanz zum
+Korrelat hat. Diese substantiellen »Träger« des Seelischen sind
+erkenntnistheoretisch und naturphilosophisch als »Objektivationen« einer
+Organisation, einer »Struktur«, eines Seins zu betrachten, das aus der
++Wirksamkeit des Seelenlebens auf sich selbst+, in aktiver und reaktiver
+Anpassung auf die Umwelt, durch Übung und Vererbung und andere Faktoren
+hervorgegangen ist. Die Seele »baut« sich ihren Leib selbst, nicht durch
+mystische Formung des Körpers, sondern durch +Selbstorganisation+, die
+den Ausgangspunkt und die Basis für höhere Entwicklungen bildet und
+objektiv als mehr oder weniger differenzierte Materie mit
+entsprechenden, physischen, physiologischen Funktionen erscheint. In
+diesem Sinne ist der +Leib+ in Wahrheit die +verkörperte und teilweise
+mechanisierte Seele+, diese die +lebendige, aktive »Form«, die
+»Entelechie« des Leibes+, in dem sie sich objektiviert und stabilisiert.
+Jedes psychische Geschehen ist also insofern zugleich physisch, als es
+in einer physischen Erscheinung zum »Ausdruck« kommt und es hat
+Physisches zur Folge, insofern es der +innere Grund+ einer Veränderung
+in den physischen Phänomenen, die den Organismus betreffen, ist.
+Direkte, +phänomenale+, exakt-meßbare, naturwissenschaftliche +Ursache+
+einer organisch-physischen Veränderung ist stets wieder ein +physischer+
+Vorgang im Organismus als Reaktion auf einen äußeren Reiz. Indem dieser
+den Organismus erregt, +bedeutet+ diese »Erregung« zweierlei: vom
+Standpunkt der äußeren Erfahrung eine Auslösung physischer Energie, vom
+Standpunkt der inneren Erfahrung ein inneres »Verspüren« und einen
+»Antrieb« zur Tätigkeit. Die äußere Handlung, die daraus resultieren
+kann, ist +der objektive Ausdruck der inneren, psychischen Aktion oder
+Reaktion+, die an sich nichts Physisches, Materielles bewirken kann. Es
+muß dies wiederholt betont werden, damit die zuweilen schwer zu
+vermeidende laxere Ausdrucksweise eines Bewirktwerdens physischer
+Vorgänge durch psychische nicht mißverstanden, +nicht im
+metaphysisch-ontologischen Sinne+ genommen und dann etwa gar der Vorwurf
+des Selbstwiderspruches erhoben wird. --
+
+Wir sind nun so weit, daß wir auch der Einseitigkeit der +extremen
+Aktualitätstheorie+ begegnen können. Wenn diese die Seele (das Ich) für ein
+bloßes »Bündel« von Vorstellungen, für einen bloßen »Komplex« von
+elementaren Zuständen und Vorgängen, für ein bloßes »Summationsphänomen«
+erklärt (+Hume+, +Mill+, +Mach+ u. a.), so besteht die Einseitigkeit hier
+darin, daß nur auf die Vielheit und Mannigfaltigkeit der seelischen
+Teilinhalte +geachtet+ wird. Wenn wir nämlich auf diese Vielheit achten, d.
+h. +Teile apperzeptiv aus dem Zusammenhang des Erlebens herausheben+, dann
+entgeht uns leicht der +Einheitscharakter+ des Erlebens, oder wir werden
+wenigstens geneigt, ihn zu unterschätzen. Wir verfallen dann geradeso in
+Einseitigkeit wie die Dualisten, welche die Einheit des Ich
++hypostasieren+, vom Erleben abtrennen und zu einer vom Leibe gesonderten
+Seelensubstanz machen. Die +Einheit+ des Erlebens ist also weder Schein
+noch ein selbständiges Wesen, sie ist weder ein bloßes Summationsphänomen,
+noch eine transzendente Wesenheit, sondern sie ist +so real wie das
+Bewußtsein überhaupt+ es ist, sie ist +eine im Bewußtsein, in der Fülle der
+Erlebnisse sich entfaltende und erhaltende Einheit, eine aktive
+Einheitsfunktion+, kurz das, was wir ein »Subjekt« nennen. Das Subjekt hat
+mit der Substanz die +Konstanz+ und +Identität+ gemein, ohne die Starrheit
+jener zu teilen, ohne einen dinghaften Charakter zu besitzen. Das Subjekt
+ist +kein einzelner Bewußtseinsinhalt+, sondern die +aktive Form und das
+lebendig Formende des Bewußtseins+, es besteht +nicht neben+ der
+Mannigfaltigkeit der Erlebnisse, sondern +in ihnen+, in ihrem inneren
+Zusammenhange, der mehr als eine Summe oder ein Aggregat ist. Und die
+Erlebnisse, die Bewußtseinszustände, sind +nicht vor und ohne das Subjekt+
+da, sondern immer schon +Abhängige, Aktionen und Reaktionen eines wenn auch
+noch so primitiven Subjektmoments+, eines »primären Ichs« (+Jodl+), um das
+als Zentrum, als Ausgangs- und Quellpunkt sie sich gruppieren. Die +Seele+
+ist also +das in der Mannigfaltigkeit der Bewußtseins-Erlebnisse sich
+identisch setzende, erhaltende und entwickelnde Subjekt, eine gegliederte,
+organisierte Einheit in der Vielheit, ein aktiv-reaktives Einheitsprinzip+
+-- nicht transzendenter, wohl aber, als Bedingung alles Erlebens,
+»transzendentaler« Art (im Kantischen Sinne). Die Seele ist also dem
+Bewußtsein immanent, sie ist das aktive und reagierende +Bewußtsein
+selbst+, das sich +inhaltlich+ stets nur in einem Zusammenhang von
+Erlebnissen (»empirisches Ich«) findet, stets aber über jeden Bestandteil,
+jedes Moment dieses Zusammenhanges hinausragt als ein formales,
++synthetisches+ Prinzip, nicht als ein Wesen mit unbekannten
+Eigenschaften[12]. Das Wesen der Seele ergibt sich vielmehr aus den
++Grundtätigkeiten+, in denen sie ihre Natur bekundet. Diese
+Grundtätigkeiten sind es, worauf die Mannigfaltigkeit psychischer Prozesse
+zurückführt, und aus den +Gesetzen+ jener, aus der +konstanten
+Wirkungsweise, Funktion derselben+ sind die typischen Zusammenhänge,
+Verbindungen und Gebilde des Bewußtseins wenigstens formal zu erklären. Man
+muß also von der Oberfläche der Bewußtseinsvorgänge auf das +innerste
+Getriebe+ derselben zurückgehen, wobei man teilweise zu relativ
+»Unbewußtem«, d. h. Ungewußtem gelangt, nicht aber zu einem absolut und
+wahrhaft Unbewußtem, prinzipiell Nicht-Erlebbaren. Eine absolut
+»subjektlose« Psychologie, die alles aus der bloßen Verbindung absolut
+selbständiger Elemente erklären will, spottet ihrer selbst und weiß nicht
+wie. Sie führt zur Verdinglichung jener »Elemente«, die nur +als Glieder
+eines einheitlichen Zusammenhanges+ Existenz und Wirksamkeit haben, aus
+denen also das »Subjektmoment« nie herauszudestillieren ist. +Einheit und
+Vielheit, Subjekt und Inhalt des Bewußtseins sind untrennbare, schon
+ursprünglich, wenn auch noch undifferenziert bestehende Seiten des
+Erlebens, des Bewußtseins, die auseinander nicht oder nur scheinbar
+abzuleiten sind.+ Schon im primitivsten Seelenleben muß eine
+»Subjektivität«, wenn auch noch ohne Abhebung von einer Objektenwelt,
+bestehen, welche in ihren Erlebnissen sich findet, sich bejaht, sich setzt
+und erhält, als einfache »Trieb-Seele« mit wenig veränderlichem Inhalt,
+meist mit äußerst geringen Entwicklungsmöglichkeiten. Aus solchen
+primitiven »Seelen« haben sich, durch das Zusammenwirken innerer und
+äußerer Faktoren, nicht zum wenigsten aber durch aktive Anpassung, die
+hochorganisierten Seelen der Menschen gebildet, als +Subjekte höherer
+Ordnung+, aber wesensverwandt mit den der untermenschlichen Seelen.
+
+
+
+
+II. Die psychische Kausalität.
+
+
+Wir hörten bisher, daß die Seele nicht im metaphysischen Sinne auf den
+Leib (als Materie oder Energiekomplex) einwirkt, sondern daß sie in
+Wahrheit, genau gesprochen, +stets nur auf sich selbst wirkt und von
+sich selbst Wirkungen empfängt+, so aber, daß alle Wirkungen +körperlich
+irgendwie zum Ausdruck+ kommen, wobei eine Wechselwirkung zwischen dem
+Nervensystem (und dessen Funktionen) und dem übrigen Organismus besteht.
+Jedes psychische Geschehen hat sein physiologisches Gegenstück, seine
+physische »Seite«. Infolge des Zurückwirkens der seelischen Organisation
+auf sich selbst, das seinen physiologischen Ausdruck hat, ist es
+verständlich, warum an den Veränderungen, an der Entwicklung des
+Organismus +psychische Faktoren+ beteiligt sind, ohne daß sie den
+physischen Zusammenhang durchbrechen, also ohne daß irgend einmal an
+Stelle physikalisch-chemischer Ursachen von leiblichen Prozessen rein
+psychische Ursachen treten.
+
+Gibt es aber überhaupt eine +psychische Kausalität+, wird man fragen,
+oder haben am Ende jene recht, welche das Psychische als »inkausal«, als
+ohne wirksame Eigenschaft bestimmen und behaupten, nur das Physische
+bzw. Physiologische könne wirken bzw. als wirkend gedacht werden? Die
+Vertreter des »psychophysischen Materialismus« sind der Meinung, das
+Psychische, das Bewußtsein -- wenigstens soweit es objektiviert, aus dem
+unmittelbaren, konkreten Erleben methodisch herausgehoben werde
+(+Münsterberg+[13]) -- sei ein »Epiphänomen«, eine schattenhafte
+»Begleiterscheinung«, ein »Nebenerfolg« der Nervenprozesse, es habe
+keine Aktivität und Kraft, keinen ureigenen, inneren Zusammenhang, keine
+Eigenkausalität, sondern es bestehe aus Verbindungen, deren Ursache oder
+Grundlage einzig und allein der raum-zeitliche Zusammenhang der
+Gehirnprozesse sei. Es gibt hiernach keine wahre psychische Tätigkeit,
+was wir so nennen ist nichts als die Summe von »Spannungsempfindungen«
+u. dgl. Empfindungen und Vorstellungen verbinden sich dann miteinander,
+wenn auch die entsprechenden Gehirnprozesse sich miteinander verbinden,
+und alle Veränderungen und Störungen im Ablauf des Bewußtseins sind nur
+Spiegelungen zerebraler Modifikationen.
+
+Eine solche Auffassung ist aber unhaltbar. So wenig ein einzelner
+physischer Vorgang einen psychischen bewirken oder auf ihn einwirken kann,
+ebensowenig kann eine Verbindung physischer Vorgänge eine psychische
+Verbindung bewirken. Und ebensowenig als ein Bewußtseinsvorgang die bloße
+»Erscheinung« eines physischen Geschehens sein kann, ist es denkbar, daß
+der Zusammenhang eines seelischen Geschehens nur der Widerschein eines
+physischen Kausalnexus ist. Alles was gegen diese Art Abhängigkeit des
+Psychischen vom Physischen spricht, spricht auch gegen diesen Spezialfall,
+vor allem der Umstand, daß das Seelische nicht bloße Erscheinung eines
+Geschehens sein kann, das des Seelischen ganz ermangelt, dem also die
++Bedingung des Sich-erscheinen-könnens+ durchaus abgeht. Auch läßt sich der
+psychische Zusammenhang nicht aus der bloßen Verbindung der Nervenprozesse
+erklären, ableiten. Ich mag noch so eifrig und genau in das Getriebe der
+Hirnprozesse hineinschauen können, so werde ich, wenn ich nicht die schon
+damit verknüpften Bewußtseinsvorgänge erlebt habe und kenne, diese und
+deren Beschaffenheit nicht zu erkennen vermögen; denn die Qualität, die das
+Psychische als solches konstituiert, das eigenartige Erleben eines Tones,
+einer Farbe, einer Lust, eines Zornes usw. liegt keineswegs im
+Nervenvorgang, ist aus ihm nimmer herauszulesen, zu erraten. Und ebenso
+werden wir zwar aus raum-zeitlichen Verbindungen von Gehirnprozessen
+Schlüsse auf psychische Zusammenhänge ziehen, manches an diesen aus jenen
+begreiflich machen können, aber den Schlüssel zum +Verständnis+ des
+seelischen Zusammenhanges, der spezifischen psychischen Verbindungen und
+Gebilde, geben die physiologischen Zusammenhänge nicht. Das Physiologische
+dient zur Erklärung des Psychischen in der Regel nur da, wo eine
++Gemeinsamkeit+ von Modifikationen beider statthat, wie
+Ausfallserscheinungen, Hemmungen, Störungen verschiedener Art,
+Simultaneität oder Sukzession u. dgl. Das Qualitative, Spezifische der
+psychischen Verbindung ist +nur psychologisch+, nicht physiologisch zu
+verstehen, wofern man nicht, was oft der Fall ist, unbewußt schon das
+Psychische +voraussetzt+ oder psychische Zustände und Zusammenhänge in das
+Physiologische +hineinträgt+.
+
+Die Auffassung des Psychischen als »inkausal« ist nur dann begreiflich,
+wenn man sich die unberechtigte Verdinglichung der Empfindungen und
+Vorstellungen seitens der »Assoziationspsychologie« und die
+Einseitigkeit des psychologischen »Atomismus« (oder der »atomistischen
+Psychologie«) vor Augen hält.
+
+Schon +Herbart+ hat den folgenschweren Fehler begangen, die psychischen
+Elemente -- bei ihm die Vorstellungen -- als selbständige Wesenheiten
+aufzufassen, die miteinander konkurrieren, um die Vorherrschaft im
+Bewußtsein kämpfen, einander hemmen und verdrängen; in ihrem Zusammen-
+und Gegeneinanderwirken werden sie zu Kräften, ja zu einer Art
+lebendiger Dinge, die mit Tendenzen ausgestattet sind. Ähnlich sind für
+die +Assoziationspsychologen+ die Empfindungen oft selbständige
+Elemente, die primär nebeneinander bestehen, miteinander in Verbindung
+treten usw., kurz, kausale Faktoren, aus deren Wirken das seelische
+Leben abgeleitet wird.
+
+Diese Auffassung ist die Reaktion gegen die ältere
+»Vermögenspsychologie«. Diese stattet die substantielle (bzw.
+dynamische) Seele mit spezifischen Kräften, Vermögen, Tätigkeiten aus,
+welche das Bewußtsein erzeugen und Bewußtseinsverbindungen herstellen.
+Ähnlich wirkt das »Unbewußte« +Ed. v. Hartmanns+ als Agens hinter dem
+Bewußtsein und ist das eigentlich und einzig Aktive, Kausale im Ablauf
+des Seelischen.
+
+Wenn man nun, mit Recht, sich nicht zu einer solchen
+Vermögenspsychologie bekennen will, zugleich aber einsieht, daß »reine
+Empfindungen« nicht primäre, selbständige, absolute Wirklichkeiten,
+sondern in gewissem Sinne +Abstraktions- und Zerlegungsprodukte+ sind,
+Glieder eines einheitlichen Zusammenhanges, dann kann man leicht dazu
+gelangen, diesen psychischen Elementen alles Wirken, alle Kausalität
+abzusprechen und sie bloß dem Physiologischen zuzuerkennen, wie es
++Münsterberg+ tut[14].
+
+Aber hier vermischt sich Wahrheit mit Irrtum. Richtig ist: 1. Es gibt keine
+psychische Kausalität und Aktivität +hinter+ und +neben+ den
+Bewußtseinsvorgängen, keine transzendenten Vermögen oder Kräfte, wenigstens
+kommen sie für die Psychologie nicht in Betracht; 2. Empfindungen als
++isolierte+, aus der Einheit des Seelenlebens herausgehobene Elemente, als
+Abstraktionsgebilde sind ohne Wirksamkeit, weil ohne absolute, konkrete
+Wirklichkeit. Verfehlt ist aber unseres Erachtens die Abtrennung der
+Psychologie als einer »objektivierenden« Wissenschaft, welche es mit
+inkausalen, physiologisch zu erklärenden Abstraktionsgebilden zu tun hat,
+von den »subjektivierenden« Geisteswissenschaften, welche das konkrete,
+wirkliche, »stellungnehmende« Subjekt und dessen Aktionen zum Gegenstande
+haben. Die Psychologie will entschieden das Psychische, d. h. das
++wirkliche Erleben des Subjekts in dessen Zusammenhange+ erforschen, nicht
+Abstrakta, nicht Objektivierungen, mit denen es die Physik und Physiologie
+zu tun hat[15]. Die abstrakten Empfindungen sind nicht das Psychische,
+nicht der Gegenstand der Psychologie, sondern höchstens +Hilfsmittel+ zur
+Erkenntnis des Psychischen. Die völlige Abstrahierung und
+Verselbständigung der Empfindungen verfälscht und tötet das Seelenleben,
+sie wird dem Tatbestande der inneren, unmittelbaren Erfahrung nicht
+gerecht. Nicht erst in den einzelnen Geisteswissenschaften und in der
+Philosophie brauchen wir die geistige, psychische Kausalität, schon in der
+Psychologie müssen wir sie berücksichtigen, sonst erreichen wir den +Zweck+
+dieser Wissenschaft: das Verständnis des Seelenlebens in seiner
+Gesetzlichkeit, nicht. Mag auch -- und das ist der haltbare Kern der
++Münsterberg+schen Ausführungen -- die Psychologie wie jede
+Gesetzeswissenschaft nicht das unmittelbare Erlebnis in seiner vollen
+individuellen Bestimmtheit erfassen, sondern es mehr oder weniger
+begrifflich umschreiben und logisch verarbeiten, so entfällt hier doch, im
+Unterschiede von den Naturwissenschaften, die Notwendigkeit einer
+Abstraktion vom erlebenden Subjekt und dessen Zuständen und Akten. Gerade
+die +Beziehung der Erlebnisse zum Subjekt+ ist es, was sie zu psychischen
+Vorgängen macht, ohne diese Beziehung haben wir nur fiktive Wesenheiten
+oder aber, bei konsequenter Objektivierung, physische Inhalte vor uns.
+
+Doch genug darüber, bleiben wir bei der +psychischen Kausalität+ und
+sehen wir, wie sie zu denken ist. Da wir die metaphysische Hypothese
+einer an sich unbewußten Seelensubstanz ablehnen müssen, so entfallen
+für uns die »Seelenvermögen«, kraft deren der Geist im Bewußtsein wirkt.
+Diejenigen, welche erklären, von einer Tätigkeit, Aktivität der Seele
++neben+ den Bewußtseinsvorgängen, den Vorstellungen, Gefühlen usw. sei
+nichts zu finden, haben nicht unrecht. Aber die Folgerung, es gebe
+überhaupt keine psychische Aktivität, ist falsch. Diese +Aktivität+
+besteht, zwar nicht hinter und neben den Einzelerlebnissen, wohl aber in
+einem +Zusammenhange+ der Erlebnisse und ist durch besondere Gefühle
+charakterisiert, so daß das Ich unmittelbar davon Kunde hat, daß und
+wann es tätig ist. Aus der bloßen Summe von Empfindungen, die sich
+passiv miteinander verbinden, besteht die Bewußtseinsaktivität nicht,
+wenn sie auch nur +in+ und +an+ dem Verlaufe des Erlebens zu
+konstatieren ist. Der eigenartige +Zusammenhang+ und +Ablauf+ von
+Erlebnissen, der als psychische Tätigkeit und Wirksamkeit sich abhebt,
+ist +ebenso real+ wie die einzelnen Momente und Elemente des Erlebens,
++ebenso primär+, ja in gewissem Sinne ursprünglicher. Denn erst die
+psychische +Analyse+, die durch die bestimmt gerichtete +Aufmerksamkeit+
+an dem einheitlichen Bewußtseinszusammenhange willkürlich oder
+unwillkürlich bewerkstelligt wird, hebt aus demselben Momente und
+Elemente heraus, die in Wahrheit niemals isoliert und selbständig
+vorkommen, sondern Glieder des Zusammenhanges bilden, von ihm
+untrennbar sind. +Die psychische Tätigkeit entfaltet und manifestiert
+sich in einer Mannigfaltigkeit von Momenten, existiert nicht ohne diese
+und neben diesen Momenten; aber umgekehrt haben diese Momente auch keine
+Existenz außerhalb des Tätigkeitszusammenhanges, aus dem sie sich
+herausheben und für sich fixieren lassen.+
+
+Die Existenz einer psychischen Kausalität, das wollen wir hier betonen,
+unterliegt keinem berechtigten Zweifel. Ist doch das Wirken des Ichs,
+die psychische Kausalität geradezu das +Ur- und Vorbild aller
+Kausalität+. Tätigkeit, Kausalität, Kraft wird von uns nicht als
+Bestandteil der Außenwelt erlebt, wahrgenommen, sondern das Objektive,
+der Wahrnehmungsinhalt wird kausal +gedeutet+, d. h. es wird auf ihn die
+Kategorie des Wirkens angewendet, die durch den raum-zeitlichen
+Zusammenhang des Objektiven nur ausgelöst wird, im übrigen aber der
+Funktion und Gesetzlichkeit des Denkens entspringt, die am
+unmittelbarsten im und am eigenen Erleben, am eigenen Ich sich betätigt.
+In und mit der Kategorie des Wirkens »introjizieren« wir in die Objekte
+der Sinneswahrnehmung ein Analogon der Eigentätigkeit des Ichs, d. h.
+wir fassen gewisse äußere Zusammenhänge als +Manifestationen innerer
+Verknüpfungen+ auf, jenen analog, welche wir in unserem Wollen und Tun
+unmittelbar setzen und erleben. So wie in uns alles Tun +motiviert+ ist,
+in einem andern, vorangehenden Tun, Erleben seinen +Grund+ hat, so ist
+auch das objektive, physische Geschehen für uns begründet, +verursacht+,
+und so wie wir innerlich +aktiv+ und +reaktiv+ sind, so erscheinen uns
+auch die Außendinge als mit +Kräften+ begabt, vermöge deren sie wirken,
+einander beeinflussen; kurz, sie sind uns insofern tätige »Subjekte«,
+bei denen wir nur später, auf höherer Kulturstufe und in der exakten,
+quantitativen Wissenschaft, von aller inneren Qualität, von allem
+»Für-sich-Sein« absehen[16]. Weit entfernt also, daß die psychische
+Kausalität nicht existiert oder nur die Erscheinung, das Epiphänomen der
+physiologischen Kausalität ist, erweist sich gerade die physische
+Kausalität erkenntniskritisch als schon abhängig von der Gesetzlichkeit
+des Subjekts und dessen ureigenem Wirken.
+
+Nur wenn man die primäre Wirksamkeit der einheitlichen Psyche, des
+aktiven und reagierenden Bewußtseinssubjekts verkennt, verfällt man dem
+Irrtum, aus den psychischen Elementen selbständige Kräfte zu machen.
+Alle Momente, Faktoren, Elemente des Bewußtseins können wirken, Kraft
+entfalten nur insofern, als sie eben +Glieder des Ich-Zusammenhanges+
+sind; sie sind +nicht die primären, vollen Ursachen+ des psychischen
+Geschehens, sondern Teilursachen, Anlässe u. dgl., während die
++einheitliche Psyche+ das primär und eigentlich in ihnen Wirksame, der
+tiefste Untergrund und oberste Grund der psychischen Verbindungen ist.
+Natürlich nicht als unbeschränkte, selbstherrliche Macht, sondern in
+Abhängigkeit von der +Umwelt+ und deren Reizen und in verschiedenem Maße
+der Bezogenheit auf die Einflüsse dieser. Die Psyche wirkt aktiv und
+reaktiv, aber nicht allein und isoliert, sondern im Verein mit äußeren
+Faktoren, durch die der Ablauf der Bewußtseinsvorgänge mannigfach
+bestimmt, modifiziert wird. So wenig die Psyche absolut »passiv« ist, so
+wenig ist ihre »Spontaneität« absoluter Art; gleichwohl sind in ihr Tun
+und Erleiden, aktiver und passiver Bewußtseinsverlauf wohl
+unterschieden. Von den psychischen Zuständen, in denen wir von
+momentanen Reizen und Einflüssen außer und in uns direkt abhängig sind
+und triebartig auf sie reagieren, sondern sich mehr oder weniger scharf
+die geistigen Akte ab, in welchen die +Totalität+, die ganze Wucht des
+Ichs, der charakterisierte, in die fernste Vergangenheit zurückreichende
+Zusammenhang der Erlebnisse energisch zum Ausdruck gelangt, so daß der
+momentane Reiz zurücktritt oder unwirksam wird.
+
+Die +Geschlossenheit+ der psychischen Kausalität, auf die wir hier
+gleich zu sprechen kommen, darf nicht mißverstanden werden[17]. Sie ist,
+methodologisch, eine Forderung des um Konsequenz des einmal
+eingenommenen Betrachtungsstandpunktes besorgten Denkens und das
+Gegenstück zur Lückenlosigkeit des physischen Kausalzusammenhanges.
+Psychische Vorgänge gehen ureigentlich immer wieder nur aus psychischen
+Vorgängen hervor und haben, direkt und genau genommen, immer wieder nur
+psychische Vorgänge (die objektiv als Bewegungen oder Energien sich
+darstellen) zur Folge; physische Ursachen oder Wirkungen als solche
+gehören nicht in die Reihe psychischer Zusammenhänge. Aber das bedeutet
+nicht etwa, daß die Seele alle ihre Erlebnisse aus sich allein heraus
+entwickelt, und daß die Umwelt nicht in den Ablauf des psychischen
+Geschehens eingreift. Vielmehr ist ein +beständiger Wechsel aktiver und
+reaktiver (passiver), bewußter und unterbewußter (relativ unbewußter)
+Vorgänge+ vorhanden, so daß das Wirken der »äußeren« Faktoren und des
+»Leibes« fortwährend das spontane, aktive Wirken der Psyche durchkreuzt
+und durchzieht, und erst dieser +Gesamtzusammenhang+ psychischer
+Erlebnisse ist absolut »geschlossen«. Die Umwelt wirkt aber auf die
+Psyche nicht als Komplex von Bewegungen oder Energien ein, sondern als
+das »An sich« dieser Vorgänge, das vielleicht selbst ein Psychisches
+niederster Stufe, jedenfalls aber nicht selbst physisch ist. Hält man
+daran fest, dann kann man keinen Widerspruch zwischen der
+Geschlossenheit der psychischen Kausalität und dem unleugbaren Einflusse
+der »Naturkausalität« auf die Psyche, auf das Bewußtsein finden. Auch
+ist hier von keinem »Dualismus« die Rede. Denn die psychische
+Kausalität, die in verschiedenen Formen, je nach ihrer Richtung,
+auftritt -- als sinnliche und geistige, logische, ethische usw.
+Kausalität, ist das unmittelbar erfaßte Wirken derselben Organisation,
+die objektiv als der Leib eines Lebewesens, des Menschen erscheint. Die
+Wirksamkeit des leiblichen Organismus bzw. des Nervensystems ist nur die
+Sichtbarwerdung, die »Objektivation« des Wirkens der Seele in allen
+ihren »Provinzen« und »Phasen«.
+
+Psychische Vorgänge und Zustände sind also Ursachen anderer nur insoweit,
+als sie +Modifikationen der einheitlichen Psyche+ sind. Weil die Seele im
+Moment 1 so beschaffen ist, so agiert oder reagiert, ist sie im Moment 2, 3
+... so beschaffen, so agierend oder reagierend. Die Einheit der Psyche --
+nicht einer unbekannten Seelensubstanz, sondern des »primären Ichs« -- ist
+der rote Faden, der durch den gesamten Bewußtseinsverlauf sich zieht, ohne
+von ihm real abtrennbar zu sein[18]. Nicht die psychischen Elemente sind
+das Agierende, sie kommen nicht von selbst zusammen, erzeugen nicht das
+Denken usw., sondern die Psyche, das Ich, das Subjekt ist der tätige
+Faktor, der spontan oder triebhaft synthetisch wirkt, psychische Gebilde
+erzeugt, Bewußtseinszusammenhänge bestimmter Art erstellt. Und die
++Gesetze+, welche die Psychologie zu erkunden sucht, sind nicht fremde
+Mächte, welche das seelische Geschehen äußerlich determinieren, sondern nur
++Formeln für das konstante, permanente Auswirken der Psyche, der
+Subjekt-Aktionen+. Aus diesen Aktionen (bzw. Reaktionen) die bunte
+Mannigfaltigkeit des Seelenlebens nicht aprioristisch zu deduzieren, was
+unmöglich ist, wohl aber begreiflich zu machen, ist die Aufgabe einer sich
+selbst und ihr Ziel verstehenden Psychologie, die von Metaphysik
+freizuhalten ist, wenn sie auch schließlich in eine solche mündet und
+außerdem erkenntnistheoretischer Voraussetzungen nicht entraten kann.
+
+Eine solche Psychologie wird den psychischen »Mechanismus«, soweit er
+besteht, anerkennen. Aber sie wird erstens den Versuch unternehmen, die
++lebendige Triebkraft+ dieses Mechanismus zur Erklärung desselben
+heranzuziehen und zweitens wird sie nicht dem vergeblichen Bemühen sich
+unterziehen, aus dem bloßen und fertigen Mechanismus, aus dem mehr oder
+weniger automatisch gewordenen »Spiel der Vorstellungen« das +gesamte+
+Seelenleben abzuleiten, wie es die +Assoziationspsychologie+ oft
+unternimmt. Der Mangel dieser ist es, daß sie nicht bis zur psychischen
+Kraft, zur psychischen +Dynamik+ vordringt, daß sie nicht das +wahre+
+Agens der psychischen Zusammenhänge erfaßt, sondern statt dessen bald
+das Gehirn, bald die Empfindungen heranzieht, und daß sie die
++mechanisierten+ nicht von den +primären, aktiv-reaktiven+
+Bewußtseinsprozessen scharf genug unterscheidet. Sie +verdinglicht+
+Elemente, die nur als +Glieder des einen Bewußtseinszusammenhanges+
+bestehen, macht sie zu selbständigen Kräften und unternimmt schließlich
+auch oft den vergeblichen Versuch, die +nicht-intellektuellen+
+Funktionen des Bewußtseins, besonders den Willen, aus bloßen
+Empfindungen u. dgl. zu konstruieren. So ist sie im schlechten Sinne des
+Wortes psychologischer +Intellektualismus+, während diejenige
+Psychologie, welche dem vollen Tatbestand des Seelenlebens möglichst
+gerecht zu werden sucht, +voluntaristisch+ ist.
+
+Der Betrachtung der Rolle des Willens im Seelenleben uns zuwendend,
+verweisen wir bezüglich weiterer mit der psychischen Kausalität
+zusammenhängender Fragen (Erhaltung bzw. Wachstum psychischer Energie
+u. dgl.) auf den letzten Abschnitt.
+
+Hier sollte nur gegenüber allen Versuchen, die Existenz einer
+psychischen Kausalität zu leugnen, gezeigt werden, wie es nicht möglich
+ist, durch bloße außerpsychische, physiologische Zusammenhänge die
+simultanen und sukzessiven Verbindungen psychischer Vorgänge zu
+erklären. Diese Verbindungen sind qualitativ von ihren Elementen und
+Momenten verschieden, sie sind auf bloße Abhängigkeiten in der Zeit
+nicht zurückzuführen, und durch den Nachweis der ihnen entsprechenden
+Verbindungen von Nervenprozessen keineswegs schon erklärt. Im Denken,
+Wollen und Handeln erleben wir »unmittelbar«, »anschaulich«, d. h. nicht
+erst durch abstrakte Konstruktion und Projektion, Zusammenhänge kausaler
+Art, ein stetiges Hervorgehen der Folgen aus ihren Gründen, eine innere
+Motivierung und Determination zu bestimmten Aktionen und Reaktionen. Und
+wo uns die Zwischenglieder solcher Kausalzusammenhänge im klaren
+Bewußtsein nicht vorliegen, da suchen wir mit Recht methodisch nach
+solchen; und wie die Physik es vermeidet, physische Vorgänge aus
+nicht-physischen abzuleiten, so muß die im guten Sinne positivistische,
+nicht-metaphysische Psychologie die gesuchten Zwischenglieder als
++psychische+ Faktoren annehmen, als welche sie sich in der Tat oft auch
+empirisch erweisen. Wissen wir auch nicht immer, +wie+ wir es vermögen,
+kausal zu sein, wodurch unser Wollen und Handeln Wirkungen hervorbringt,
+so wissen wir doch wenigstens, +daß+ wir wirken und Wirkungen erleiden,
+daß unsere Erlebnisse miteinander zusammenhängen und einander
+hervorrufen, wobei natürlich der Einfluß der Faktoren der Umwelt nicht
+zu übersehen ist. So kompliziert die Verhältnisse des Seelenlebens sind,
+so ist es doch sehr möglich, aus der Mannigfaltigkeit individueller
+Modifikationen +typische, regelmäßige+, sowohl innerhalb einer
+Individualpsyche als auch bei einer Vielheit von Individuen +konstant
+wiederkehrende Abfolgen und Verbindungen+ herauszuheben. Wir können eben
+die Individualseelen gleichsam als Vertreter eines gemeinsamen Typus,
+des »Psychischen überhaupt«, ansehen und die Kausalzusammenhänge, welche
+wir bei allen Individuen konstatieren, gehören zum Wesen des allgemein
+Psychischen. So gibt es typische Zusammenhänge in den Gemütsbewegungen,
+den Willenshandlungen, den Denkprozessen, in der Reproduktion und
+Assoziation von Vorstellungen usw. Und auch die +Abweichungen+ von dem
+Allgemeinen sind solcher Art, daß sie sich vielfach wieder zu
++speziellen Typen+ vereinigen lassen. Die Existenz einer psychischen
+Kausalität, eines psychischen Wirkens und Gewirktwerdens, ist aber
+keineswegs an das Auftreten allgemeingültiger Zusammenhänge gebunden.
+Auch da, wo es solche vielleicht nicht gibt (-- man denke etwa an die
+historische Kausalität --) sind die betreffenden psychischen Vorgänge
+Modifikationen des Subjekts, die durcheinander bedingt sind und
+auseinander in bestimmter Abfolge hervorgehen. Um die psychische
+Kausalität, den +Kausalnexus der psychischen Aktionen und Reaktionen+,
+der sich von der +Kausalität der objektivierten Erfahrungsinhalte+ durch
+den Standpunkt der Betrachtung und Erkenntnis unterscheidet, kommt man
+nicht herum.
+
+
+
+
+III. Der Wille als psychischer Motor.
+
+
+Das Wesen des psychologischen +Intellektualismus+ ist es, in den
+intellektuellen Prozessen und deren Elementen, also im Denken,
+Vorstellen oder in den Empfindungen den Ausgangspunkt, die Grundlage,
+den Kern alles Seelenlebens zu erblicken. Gefühl und Wille sind hiernach
+sekundär, abgeleitet, sie sind Produkte, Seiten, Reflexe, Abhängige des
+Intellektuellen oder bloße Komplexe von Empfindungen. Einen spezifischen
+Willen gibt es hiernach nicht; was wir so nennen, ist eine Summe von
+Vorstellungen, Empfindungen, ev. auch Gefühlen, verbunden mit
+ausgeführten oder ideell antizipierten Bewegungen; entwickelt hat sich
+der Wille, nach dieser »heterogenetischen« Theorie, aus Reflexen, die
+später kompliziert, bewußter wurden. Eine eigentliche Willenskraft, die
+mehr ist als »ideomotorische« oder Bewegungsvorstellung plus
+Spannungsempfindungen u. dgl., haben wir nicht anzunehmen. Während die
+ältere Psychologie intellektualistischer Richtung aus Akten des Denkens,
+des Urteilens, Schließens, kurz aus der Reflexion psychische Vorgänge
+ableitete, die entweder viel zu einfach oder primitiv sind, als daß sie
+mit bewußter Überlegung u. dgl. etwas zu tun haben können (z. B.
+Instinkte), oder aber überhaupt nicht intellektueller Art sind (z. B.
+Affekte), spricht der neuere Intellektualismus oft von angeborenen
+(ererbten) Vorstellungen, die unbewußt oder bewußt das Handeln leiten,
+von Urteilen u. dgl. schon auf niedriger Bewußtseinsstufe, von
+Empfindungen der Muskeln, Sehnen usw. als Willensgrundlagen. Der
+psychologische Intellektualismus verkennt die Ursprünglichkeit und
+Wirksamkeit des Gefühls- und Willenlebens, er übersieht dessen
+fundamentale Rolle, dessen Einfluß nicht bloß auf das äußere Handeln,
+sondern auf den Intellekt und das Vorstellen selbst. Und da sich einer
+genaueren Erforschung des Seelenlebens der Wille geradezu als das
++zentrale Agens+ des psychischen Geschehens enthüllt, so gibt uns die
+intellektualistische Psychologie ein einseitiges und verzerrtes Bild vom
+seelischen Erleben und dessen innerem Zusammenhang. Wie ein bloßes
+Vorstellen, Empfinden oder Denken sich in ein Wollen verwandeln oder
+ein solches erzeugen kann, ohne daß schon von Anfang an ein
+willensartiger +Impuls+, ein Streben bestand, ist unerfindlich, ebenso
+wie aus bloßen mechanischen Reflexen ein Willensentscheid sich
+entwickeln konnte. So wenig das Psychische aus dem Physischen, das
+Subjektive aus dem Objektiven, das Ich aus dem Nicht-Ich abzuleiten ist,
+so wenig ist es einzusehen, daß und wie aus absolut Willenlosem jemals
+so etwas wie Streben, Trieb, Willensimpuls hervorgehen konnte. Und so
+wenig ein psychischer Vorgang einem physischen, einer Bewegung
+gleichgesetzt werden kann, so unmöglich ist es für jeden Unbefangenen,
+fast möchten wir sagen, Unverdorbenen, den lebendigen Prozeß des Wollens
+bloßem Empfinden, Vorstellen u. dgl. gleichzusetzen. Ist doch das Wollen
+geradezu das +Sicherste+, was das Ich in sich selbst finden kann, so daß
+man mit Recht sagen kann: volo, ergo sum. Im Wollen erfaßt sich das Ich
+am +unmittelbarsten+, es setzt sich selbst wollend und unterscheidet von
+sich, von seinem Eigenwillen die fremden Willen, die ihm als Objekte
+seines Wahrnehmens erscheinen und seinen Willen kreuzen und hemmen. Der
+Wille ist das +Konstanteste+ im Ich, er ist der +Einheitspunkt+, um den
+sich das Erleben bewegt, von dem es ausgeht und zu dem es gravitiert.
+Wollen, Ziele setzen und anstreben, ist ein so prononzierter Akt des
+Subjekts, daß man eher zweifeln kann, ob es Empfindungen oder
+Vorstellungen im Sinne des psychologischen Atomismus gibt als an der
+Existenz dieses Wollens[19].
+
+Damit ist schon angedeutet, daß der Wille +keine metaphysische,
+transzendente Potenz hinter dem Bewußtsein+ ist. Von einem solchen
+Willen können wir absolut nichts wissen, was wir vom Willen aussagen,
+ist unserem bewußten Erleben entnommen. Der Wille ist +keine
+geheimnisvolle Kraft+, die wir erst erschließen müssen, sondern das
+Konstante, Allgemeine im konkreten Wollen, das sich denkend und
+praktisch betätigt, das um sich und seine Ziele deutlich weiß oder sie
+dumpf fühlt, das jedenfalls durch unmittelbares Erleben und psychische
+Analyse in uns zu finden ist. Ein Voluntarismus im Sinne +Schopenhauers+
+oder +Ed. v. Hartmanns+ ist also für die Psychologie unbrauchbar. Und
+zwar auch aus folgendem Grunde.
+
+Für die »autogenetische« Willenstheorie, wie sie vorzüglich +Wundt+
+vertritt, ist der Wille zwar etwas +Primäres+ und +Spezifisches+, aber
++nicht ein einfaches Bewußtseinselement+ analog den Empfindungen. Weder
+ist daher, wie manche Psychologen glauben, das Bewußtsein eine
+Verbindung dreier Vermögen, Funktionen usw.: Vorstellung (Empfindung),
+Gefühl und Wille, noch gibt es einen absolut einfachen, »blinden«,
+intelligenzlosen Willen +neben+ und +vor+ dem übrigen Bewußtsein, eine
+Willenstätigkeit neben und gesondert von dem übrigen Erleben. So wenig
+aus einer reinen Empfindung oder Vorstellung ein Wollen hervorgehen
+kann, so wenig kann aus einem absolut einfachen, blinden Willen der
+Intellekt entstehen. Vor einem solchen extremen (»alogischen«)
+Voluntarismus müssen wir uns nicht minder hüten wie vor dem, die
+Eigenart des Willens verkennenden Intellektualismus. Die Psychologie hat
+den Willen so zu nehmen, wie er sich im Erleben wirklich darstellt und
+wie er demgemäß auch begrifflich zu bestimmen ist.
+
+Hierbei muß sie sich aber hüten, sich das Wollen gleichsam
++hinwegzuanalysieren+. So wie die Einheit des Ichs leicht dem Beobachter
+sich entzieht, der durch die analytisch gewonnenen Elemente des Erlebens
+gefesselt wird, so kann die analytische Betrachtung des Wollens leicht
+die +Täuschung+ erzeugen, als ob der Wille nur aus Empfindungen,
+Vorstellungen, höchstens auch noch Gefühlen bestände, obzwar es auf der
+Hand liegt, daß aus der Zusammensetzung solcher Elemente noch nicht das
+Wollen herauskommt, das zwar nichts Einfaches, aber doch kein
+»Summationsphänomen« ist. Bei der Analyse des Willensaktes darf nicht
+vergessen werden, neben den Momenten desselben auch wieder das Ganze,
+den eigenartigen +Gesamtverlauf+ zu apperzipieren; erst dann
+rekonstruieren wir psychologisch das wirkliche Erlebnis, ohne es zu
+verfälschen. Es zeigt sich dann klipp und klar, daß »Wollen« +ein
+Prozeß, ein Bewußtseinsverlauf+ ist, der als solcher ganz eigenartig,
+spezifisch, unvergleichbar ist, sich aber in +Momente+ sondert, sondern
+läßt, welche wir als Empfindungen, Vorstellungen, Gefühle ... bezeichnen
+und für sich untersuchen können. Das »Ich will« ist der Ausdruck für ein
+Verhalten des Ichs, welches nicht neben dem Vorstellen usw. herläuft,
+sondern in sich Momente, Elemente, Faktoren enthält, sich in solche
+zerlegen läßt, die in Vorgängen, deren Willenscharakter abgeschwächt
+oder zurückgedrängt ist, als spezifisches Vorstellen, Fühlen usw.
+auftreten. Es gibt verschiedene Formen und Entwicklungsstufen des
+Willens, vom dumpfen Trieb und Streben angefangen bis zum komplizierten
+Wahlakt, aber nirgends findet sich konkret-empirisch ein »reiner« Wille,
+der absolut empfindungs- und gefühlsfrei wäre. Mit dem Fühlen hängt der
+Wille am innigsten zusammen, ohne daß er aber nur eine Summe von
+(selbständigen) Gefühlen ist. Vielmehr ist das Gefühl ursprünglich stets
+schon ein +Willensmoment+, die Einleitung, Begleitung, Endigung einer
+Willensfunktion. Der vollständige, primäre Vorgang ist der
+Willensvorgang mit seinen Momenten und Seiten; das Gefühl ist
+entweder ein solches Moment oder aber abgeschwächte, gehemmte
+Wollung, die auf einen eigentlichen, vollen Willen wirken und von
+ihm Wirkungen empfangen kann.
+
+Der volle, ungebrochene psychische Vorgang ist ein +Willensvorgang+, mit
+den Momenten des Empfindens, Vorstellens, Fühlens, Strebens, kurz, das,
+was +Fouillée+[20] treffend als »processus appétitif« bezeichnet hat. Zu
+unterscheiden sind zwei Stufen des Willens: Triebwille (Trieb) und
+Willkür; ersterer ist der einfache, eindeutig bestimmte, letzterer der
+kompliziertere, aktivere, bewußtere Wille. Der Triebwille ist als
++Ausgangspunkt der gesamten Seelenentwicklung+ sowohl onto- als
+phylogenetisch aufzufassen. Alle äußeren Anzeichen sprechen dafür, und
+seine Natur ist eine solche, daß sich sowohl die progressive als die
+regressive Entwicklung des Bewußtseins aus ihr verstehen läßt. Im
+Vereine mit dem »Willkürwillen« durchzieht der Triebwille das +gesamte
+Seelenleben+ des Menschen, in den verschiedensten Formen und Richtungen
+findet er sich hier und seine Herrschaft ist eine um so größere, je mehr
+wir uns dem Tierischen nähern.
+
+Nach der einen Seite hat sich der Trieb zum +Reflexvorgang+, nach der
+andern, durch Komplikation der Motive, zum Willkürlichen entwickelt[21].
+Dies hat in vortrefflicher Weise +Wundt+ ausgeführt, dem wir uns hierin
+nur anschließen können. Mit ihm müssen wir es ablehnen, aus dem
+seelenlosen Reflex das Willensleben genetisch abzuleiten, da so etwas
+wie »Tendenz«, Erstreben schon von Anfang an den Lebewesen eigen gewesen
+sein muß, sollten jemals wollende Wesen im höheren Sinne aus ihnen
+werden. Ein absolut willenloser Zustand ist weder psychologisch noch
+auch +biologisch+ denkbar. Letzteres deshalb nicht, weil ohne einen
+wirklichen Trieb zur Selbsterhaltung, zum Selbstschutze, zur Abwehr
+feindlicher An- und Eingriffe, zur Aufsuchung, Festhaltung und
+Verarbeitung günstiger Lebensbedingungen und Erhaltungsfaktoren, ein
+Bestehen und Fortschreiten des Lebens, der Lebewesen kaum möglich
+gewesen wäre. Ein indifferentes, bloß empfindendes Lebewesen würde nicht
+auf Reize so +reagiert+ haben, wie es unverkennbar schon die niedrigsten
+Organismen tun. Ohne Bedürfnis und triebmäßige Befriedigung desselben,
+ohne Impulse zur Nahrung, Bewegung usw. sind die Tatsachen der Biologie
+nicht wahrhaft verständlich; denn nicht bloß die äußeren
+physikalisch-chemisch beschreibbaren Lebenserscheinungen,
+Lebensäußerungen wollen wir in der Biologie und organischen
+Naturphilosophie erkennen, auch ihren inneren Grund, ihre innere
+Dynamik, ihr Triebwerk suchen wir zu erforschen. Will man nun die
+Unklarheiten und metaphysischen oder sonstigen überflüssigen Annahmen
+des »Vitalismus« vermeiden, auf unbekannte, ad hoc erdachte und
+konstruierte »Lebenskräfte« (Entelechien, Dominanten u. dgl.) Verzicht
+leisten, will man ferner die Geschlossenheit der Naturkausalität auch
+auf dem Gebiete des Organischen festhalten, dann bleibt nichts übrig,
+als die Biophysik und Biochemie durch eine +Biopsychik+ zu ergänzen
+(nicht zu verdrängen) und einzusehen, daß psychische Regungen niederer
+und höherer Art, Strebungen eindeutiger und komplizierter Form,
+Tendenzen zur +Erhaltung der organischen Einheit+ und Triebe und
++Wollungen+, die daraus als Konsequenzen fließen, Mittel zum obersten
+Zweck sind -- direkt und indirekt die Lebensvorgänge regieren und
+modifizieren, so aber, daß diese an sich psychischen Gestaltungen und
+Regulierungen objektiv als ein +System physischer Prozesse+ erscheinen,
+die bei den niedersten Lebewesen noch an die gesamte Plasmamasse, bei
+höheren aber an ein besonderes Organ, das Nervensystem und schließlich
+das Gehirn gebunden sind. Mit voller Berücksichtigung des Anteils
+äußerer Faktoren und der ungewollten Neben- und Nachwirkungen des
+Wollens (»Heterogonie der Zwecke«) müssen wir doch mit +Wundt+ den
+Willen (Trieb usw.) als +innerstes teleologisches Agens des Lebens, als
+Schöpfer biotischer Zweckmäßigkeit+ ansprechen. Von diesem Standpunkte
+läßt sich der Mechanismus des Lebens +als Werkzeug und zugleich als
+Niederschlag des Lebenswillens+ und dessen Funktionen ansehen, als
+äußere »Hülle«, deren Inneres den Willen als Motor, als sich selbst
+verwirklichende und entfaltende Kraft birgt.
+
+Weit entfernt, daß der Wille ein Entwicklungsprodukt von mechanischen
+Reflexen ist, lassen sich umgekehrt die +Reflexe+ und automatischen
+Vorgänge am besten als +Residuen ursprünglicher Willensprozesse+
+betrachten. Wir sehen ja täglich, wie durch Übung Tätigkeiten, die erst
+vollbewußt und willkürlich waren, mit der Zeit immer triebmäßiger
+werden, bis sie schließlich (Klavierspielen, Gehen, manuelle
+Fertigkeiten u. dgl.) »mechanisiert«, automatisch geworden sind, d. h.
+mit einem Minimum von Bewußtsein und Willensimpuls leicht und eindeutig
+bestimmt ablaufen[22]. Und so finden wir auch phylogenetisch, durch
+Vergleichung verschiedener Entwicklungsstufen miteinander, ein
+Hervorgehen von Reflexen und Automatismen aus Trieb- und
+Willkürhandlungen, die durch Übung (und Mitübung) abgekürzt, eindeutig,
+minderbewußt wurden und schließlich auf dem Wege der Vererbung als
+Reflexdispositionen auftreten. Eine Art +Entseelung+ findet so statt,
+durch die Arbeit erspart wird und die auch durch die größere
+Bestimmtheit und Leichtigkeit der Handlung vielfach außerordentlich
+zweckmäßig, erhaltungsgemäß wirkt. Freilich darf man sich auch die
+Reflexe nicht als absolut »apsychisch« vorstellen; sind auch ihre
+Antriebe vielfach nur unterbewußt oder für sich überhaupt nicht bewußt,
+nicht apperzipierbar, so weist doch vieles darauf hin, daß sie nicht
+fehlen, wenigstens nicht als Bestandteil des organischen
+Gesamttriebsystems, ganz abgesehen davon, daß Reflexe nun auch in den
+Dienst eigentlicher Willensakte gestellt, vom Willen beherrscht werden
+können. Jedenfalls reihen sich auch die Reflexe in den Zusammenhang von
+Willenstendenzen des Lebewesens ein, sie werden von ihm eingeschlossen
+und gehören zu ihm als Wirkungen, Nachwirkungen des Willens.
+
+Der Wille ist also nicht ein Aggregat willenloser Zustände, sondern eine
+ursprüngliche und spezifische +Richtung+ des Bewußtseins, die sich in
+Momente und Elemente gliedern läßt[23]. Nicht nur für die beobachtende
+Analyse tritt der Wille als konkrete Wollung in solche Elemente
+auseinander, er hat sich auch im Laufe der Entwicklung +differenziert+
+und +kompliziert+. Im ursprünglichen, primitiven Trieb sondern sich
+Empfindung, Gefühl und Streben noch keineswegs scharf voneinander ab,
+sondern sie sind, wie wir noch jetzt an vielen unserer Triebhandlungen
+ersehen können, vielmehr zur Einheit verschmolzen. Die +Empfindung+, die
+unlust- oder lustbetont ist und in eine Tendenz zur Entfernung des
+Unangenehmen oder zur Festhaltung des Angenehmen mündet, ist mit allen
+ihren Konsequenzen nur ein undeutliches +Glied des einheitlichen
+Triebvorganges+, während auf höheren Stufen der Entwicklung Empfindung,
+Vorstellung, Gefühl deutlicher hervortreten und größere Selbständigkeit,
+wenn auch keine isolierte Existenz haben. Aber auch der komplizierteste
+Willkürwille ist von dem primitiven Willen, dem Trieb, nur graduell
+unterschieden, indem er, statt eindeutig, durch einen oder wenige Reize
+bestimmt, ausgelöst zu sein, einen »Kampf der Motive«, einen Konflikt
+verschiedener Willensrichtungen (Wahl), Überlegung, Reflexion u. dgl.
+voraussetzt, im übrigen aber geradeso Tendenz zur Verwirklichung eines
+Zieles ist. Der Trieb ist +reaktiver+, der Willkürwille aber +aktiver+
+Wille, indem der letztere, von der Umwelt relativ unabhängig, aus dem
+selbstbewußten, formal permanenten Ich entspringt und eine Grundrichtung
+des Lebens zum Ausdruck bringt, die für das individuelle Ich
+charakteristisch, der Umwelt gegenüber etwas Selbständiges,
+Initiatorisches ist. Natürlich ist auch die Willkürhandlung nicht
+gesetzlos, sondern ebenso kausal bestimmt wie alles Geschehen. Aber die
+Kausalität und Gesetzlichkeit, die hier in Frage steht, ist psychischer
+Art, sie ist keine äußere Macht über den Willen und das Ich, sondern nur
+die Konstanz und Regelmäßigkeit, die Identität und Einheit des wollend
+sich betätigenden Subjekts. Daher ist die +Notwendigkeit+ der
+Willenskausalität, wie sie im Handeln, Denken, kurz in allen psychischen
+Akten sich darstellt, durchaus mit einer +Freiheit+ des Willens, des
+Subjekts vereinbar, die nichts anderes ist, als Autonomie,
+Eigengesetzlichkeit, +Eigenrichtung+ des Willens. Der wohlverstandene
+Indeterminismus und der wohlverstandene Determinismus sind demnach nur
+Seiten des »Autodeterminismus«[24].
+
+Wenn nun der Voluntarismus im Willen das +Dynamische+, das innerste
+Triebwerk des Seelenlebens erblickt, wenn ihm der Wille Ausgangspunkt
+aller seelischen Entwicklung ist und er in allen psychischen Erlebnissen
+den direkten oder indirekten, lebendigen oder mechanisierten,
+selbstbewußt-planmäßigen oder minderbewußt-triebhaften Einfluß des
+Willens findet, wenn er endlich das Empfinden, Vorstellen, Denken, kurz,
+die Intelligenz als untrennbar und abhängig vom Willenszusammenhange
+ansieht, so wird dies nicht mehr dahin mißverstanden werden, als ob es
+einen gleichsam nackten Willen als einfache Qualität und Kraft hinter
+den Erlebnissen gebe. Sondern der Satz: der Wille ist das dynamische
+Prinzip des Bewußtseins, bedeutet nur, daß das Bewußtsein insofern
+Aktivität und Reaktivität aufweist, als es selbst willensartig,
+willensdurchzogen, selbst wollend, strebend ist, als in ihm +Impulse+
+walten, welche dem Erlebnisverlauf die +Direktive+ geben, Impulse, die
+teilweise in muskuläre Vorgänge münden, die also objektiv sich als
+Bewegungen darstellen, so daß das Motorische die objektivierte Äußerung
+des Willens ist. Daß +bloße+ Muskelempfindungen, Bewegungsvorstellungen
+u. dgl. noch nicht Wille sind, sehen wir leicht, wenn wir den Zustand,
+in dem wir uns einfach eine Bewegung unseres Leibes vorstellen, mit
+demjenigen vergleichen, in welchem wir die vorgestellte Bewegung auch
+anstreben, wollen; auch die Gefühlsbetonung der Bewegungsvorstellung ist
+noch nicht das Willensphänomen, sondern dazu gehört noch eine besondere
+»Stellungnahme« seitens des Subjekts, die in der Besonderheit des
+Bewußtseinsverlaufes zum Ausdruck kommt[25]. Es muß wiederholt betont
+werden, daß »Wollen« zwar kein einfacher, elementarer Zustand hinter und
+neben dem übrigen Erleben, aber auch keine bloße Summation von
+willenlosen Vorgängen ist.
+
+Der Voluntarismus, mag er nun in extremer oder gemäßigterer Form
+auftreten, bestreitet wesentlich zweierlei: 1. die Möglichkeit, aus
+bloßen intellektuellen Prozessen das Seelenleben befriedigend zu
+erklären, 2. den Aufbau der geistigen Gebilde durch bloße »Assoziation«;
+die Aktivität des Bewußtseins wird von der Assoziationspsychologie oft
+verkannt oder ungenügend zur Geltung gebracht.
+
+Was das Verhältnis des +Intellekts+ zum Willen anbelangt, so ist folgendes
+zu sagen. Eine reine, willenlose Intelligenz, ein teilnahmsloses Vorstellen
+und Denken ist uns nirgends gegeben. Mag das Willensmoment noch so
++abgeschwächt+ sein, mag es sich dem klaren Bewußtsein entziehen, weil es
+während des Funktionierens nicht selbst zur Apperzeption gelangt, gänzlich
+fehlt es nie. Schon die primitiven +Sinneswahrnehmungen+ sind gefühlsbetont
+und mit irgendeinem Grade des Strebens behaftet, das in gewissen Fällen (z.
+B. bei hohen Intensitäten) stark hervortreten kann; außerdem bringen wir
+vielfach den Sinnesreizen Tendenzen zur Perzeption entgegen, wir suchen
+Empfindungen (Licht, Töne usw.) auf, haben ein Bedürfnis nach Betätigung
+unserer Sinnesorgane, ein »funktionelles Bedürfnis« bestimmter Art[26]. Das
+neutrale, »indifferente« Wahrnehmen ist schon ein Grenzfall, ein
+Entwicklungsprodukt, keineswegs das Primäre, wo Empfinden oder Wahrnehmen
+und Streben viel inniger vereint sind, wo also die Wahrnehmung durchaus
+»appetitiv«, triebhaft ist, was auch biologisch wohl begründet ist. Denn
+die Sinneswahrnehmung steht zunächst völlig im Dienste des
+Selbsterhaltungswillens, der die Sinnesreize teils aufsucht, teils
+vermeidet und der also eine +Auswahl+ unter ihnen trifft.
+
+Diese auswählende, auslesende Tätigkeit der Psyche ist nun überhaupt von
+fundamentaler Bedeutung. Wir zeigen dies zunächst an der Tatsache der
++Apperzeption+[27] im allgemeinen, die besonders durch +Wundt+ in ihrer
+Wichtigkeit erkannt wurde, so daß fortan der Assoziationspsychologie
+eine »Apperzeptionspsychologie« entgegentreten konnte. Unter der
+»Apperzeption« ist nun nichts anderes zu verstehen als eine Leistung des
+Willens, des Willens zur Bewußtheit insbesondere. Je nachdem der Wille
+Trieb- oder Willkürwille ist, haben wir +passive+ (reaktive) oder
++aktive+ Apperzeption vor uns, ohne daß beide voneinander schroff
+geschieden sind. Die Apperzeption ist also nicht, wie man zuweilen
+gemeint hat, ein mystisches, metaphysisches Vermögen, ein Akt hinter
+und vor dem Bewußtsein, sondern eine Leistung im und am Bewußtsein,
+an den Erlebnissen. Apperzeption ist +Fixierung von Erlebnisinhalten
+durch den Willen+, Festhaltung, Bevorzugung, Auswahl eines
+Bewußtseinsbestandteiles, der dadurch vor anderen momentan ausgezeichnet
+wird, indem er klarer, deutlicher, selbständiger, bewußter wird. Das
+Apperzipierte ist gleichsam im »Blickpunkt« des Erlebens. Durch diese
+Klarwerdung eines Erlebnisses tritt dasselbe aus dem Gesamtzustande des
+Subjekts schärfer hervor, das übrige tritt entsprechend zurück, ist
+minder bewußt oder unterbewußt. Diese Bevorzugung kann ein Erlebnis
+zunächst +triebhaft erzwingen+, indem es aus irgendeinem Grunde
+(Intensität, Gefühlston usw.) die Aufmerksamkeit, d. h. den
+Erlebniswillen auf sich zieht und das übrige verdrängt. Geht aber ein
+bestimmter +Erlebniswille+, eine Erwartung, ein Suchen u. dgl. voraus,
+ist die Aufmerksamkeit schon im vornherein auf einen zu gewärtigenden
+Inhalt eingestellt, dann findet eine +aktive+ Apperzeption statt, hinter
+der die konzentrierte aktive Energie des Ichs steckt. In jedem Falle
+wird aber ein Inhalt dadurch apperzipiert, nicht bloß perzipiert, daß er
+in möglichst günstige, zweckmäßige Beziehung zum auffassenden oder
+verarbeitenden psychisch-physischen Organ gebracht wird, indem alles
+Störende, Beeinträchtigende durch den Willen abgewiesen, gehemmt,
+zurückgedrängt wird. In verschiedenen Gefühlen und Empfindungen (der
+Muskeln usw.) kommt dieser Zustand der »Spannung« zum Ausdruck, ohne mit
+ihnen identisch zu sein; denn wir verspüren unweigerlich das Triebhafte
+bzw. das Willkürliche im Aufmerken und Apperzipieren -- Vorgänge,
+die nur Momente und Seiten eines einheitlichen Geschehens bilden.
+Das +physiologische+ Korrelat der Apperzeption kann entweder die
+Funktion bestimmter Gehirnpartien sein oder in einer erhöhten
+Energie, in einem besonderen Grade eines bestimmten Zusammenwirkens
+von Gehirnprozessen bestehen.
+
+Auf die passive oder reaktive Apperzeption kommen wir noch weiter unten
+zu sprechen. Zunächst haben wir von der +aktiven+ Apperzeption zu
+sprechen, um das Verhältnis des Willens zum Intellekt klarzulegen und
+der Einseitigkeit des Assoziationismus entgegenzutreten.
+
+Betrachten wir das +Denken+ (den aktiven Intellekt) näher seiner
+subjektiven psychischen Seite nach, so sehen wir, daß es sich vom bloßen
+Vorstellen, von bloß assoziativen Verbindungen unmittelbar in der Art
+des Erlebens unterscheidet. Das Denken erweist sich, kurz gesagt,
+subjektiv als eine +Willenstätigkeit+[28]. Ein willenloses Denken, ein
+willensfreier Intellekt existiert nicht, oder nur in der Abstraktion.
+Denken als Prozeß ist +innere Handlung+ im Unterschiede von der
+»Praxis«, lebendige Aktion, +aktive Ich-Leistung+. Ohne +Antriebe+,
++Motive zum Denken+, ohne ein zu erreichendes +Denkziel+, dem ein
++Interesse+ uns nachgehen läßt, käme es zu keinem wirklichen Denken und
+Erkennen. Der Wille ist dem Denken »immanent«, aber nicht, wie oft
+erklärt wird, weil Wille nur eine Eigenschaft, eine Richtung des Denkens
+ist, sondern weil das Wollen ein primäres Moment der Denkhandlung, die
+subjektive Bedingung und Grundlage, die innerste Triebkraft des Denkens,
+dieses also eine Betätigung, eine Richtung des Willens, des
+»Denkwillens« ist. Denken ist eine +geistige Arbeit+ an einem Materiale
+(Vorstellungen, Begriffe, Urteile), +aktive Formung und Gliederung+, die
+zu oberst dem +Willen+ zur +Einheit+ Genüge tut, ihm entspringt. Ich
+denke nur, weil ich Inhalte geistig beherrschen, durchdringen,
+zusammenhängend-einheitlich erfassen will, abgesehen von anderen
+Motiven, etwa praktischen. Der Wille setzt das Denken in Bewegung, gibt
+ihm Anstoß und Richtung. Durch die aktive Apperzeption wird nur das im
+Bewußtsein fixiert und mit anderem ebenso Fixierten zusammengehalten,
+vereinigt, was in der Richtung des Denkwillens liegt oder zu liegen
+scheint; alles andere wird zurückgedrängt, vernachlässigt. Indem ich
+denke, +wähle+ ich unter meinen zur Disposition stehenden Vorstellungen
+und Vorstellungsdispositionen jene, welche meinem so und so bestimmten
+Denkwillen entsprechen oder wenigstens zu entsprechen scheinen.
+Natürlich muß mir ein Material von Inhalten zur Verfügung stehen,
+welches nicht selbst erst durch mein Denken geschaffen wird, und von
+diesem Material gehen Anregungen aus, welche mich -- teilweise triebhaft
+-- in meinem konkreten, speziellen Denken bestimmen; ich »richte« mich
+nach dem +Inhalte+ meiner Erlebnisse, auch wenn ich noch so aktive
+(»freie«) Geistesarbeit verrichte, ich verfahre nicht willkürlich im
+Sinne ungebundener, gesetzloser, absoluter Freiheit. Der Denkwille hat
+seine +eigene feste Gesetzlichkeit+, die er anerkennt, anerkennen muß,
+will er sein Ziel erreichen, so daß die +Denkgesetze+ zwar nicht
+mechanische, aber +teleologische Notwendigkeit+ besitzen, indem sie der
+»Autonomie des Denkwillens« entspringen. -- Intellekt und Wille sind
+nicht zwei gesonderte Vermögen oder Kräfte, sondern was wir Intellekt,
+Verstand, bzw. Vernunft nennen, ist der rein geistig sich betätigende
+Wille selbst; das Denken, die sich betätigende Vernunft ist
+Willenshandlung. Die +Wechselwirkung zwischen Intellekt und Wille+
+besteht darin, daß einerseits das Erstreben, Wollen bestimmter Inhalte
+einen Einfluß auf das Denken ausübt und daß dieses von der Energie und
+Richtung des Willens abhängig ist, und daß anderseits das Denken und
+dessen Produkte (Urteile, Begriffe) den Willen, der insofern
+»Vernunftwille« ist, zu motivieren, zu leiten vermag; der Vernunftwille
+wiederum kann einen (hemmenden, mäßigenden) Einfluß auf Triebe,
+Leidenschaften u. dgl. ausüben. So lassen sich also Wille und Intellekt
+als wechselseitige Abhängige, als einander bestimmende Momente und
+Faktoren anerkennen, ohne daß auf der einen Seite ein intelligenzloser
+Wille, auf der andern ein willensfreier Intellekt zu stehen braucht.
+
+Unter dem Einflusse der aktiven Apperzeption entstehen nun u. a. die
++Denkgebilde+, als eine Form der »apperzeptiven Verbindungen«
+(+Wundt+). Ein +Begriff+ z. B. ist nicht eine bloße Assoziation von
+Vorstellungen, sondern ein Denkgebilde, bei dem die Apperzeption nur
+bestimmte, logisch zweckmäßige Elemente von Erlebnissen festhält,
+heraushebt und einheitlich zusammenfaßt. Begriffe entstehen nie passiv,
+ganz von selbst, auch die empirisch fundierten Begriffe sind, subjektiv
+angesehen, Denkgebilde, Produkte aktiver Geistesbetätigung. So verhält
+es sich auch mit dem +Urteil+. Dieses ist keine assoziative Abfolge von
+Vorstellungen, sondern eine aktive Synthese auf Grundlage einer Analyse
+des Erlebnisses, ein Akt der In-Beziehung-Setzung, die niemals von
+selbst dem Subjekt gegeben ist. Beziehen, Vergleichen, Zerlegen,
+Verbinden usw. sind nicht fertige Bewußtseinsinhalte, sondern
+Ich-Betätigungen, die an einem Materiale stattfinden, ohne in diesem
+schon vorzuliegen. Die Tätigkeit des denkenden Subjekts schwebt aber
+nicht in absolut freier Willkür über diesem Material, sondern gehört zu
+eben demselben Bewußtsein, dessen Inhalt jenes bildet; sie ist eine
+»Form« des Bewußtseins, eine Art des Zusammenhanges, die sich
+unmittelbar als »aktiv« charakterisiert und von anderen Arten abhebt.
+Die apperzeptive Tätigkeit läßt sich zwar von dem apperzipierten Inhalt
+unterscheiden und begrifflich fixieren, bildet aber in Wirklichkeit ein
+mit diesem Inhalt zur Einheit verbundenes Ganzes.
+
++Gedanken+ sind also Gebilde aktiver Geistestätigkeit, welche den Willen
+zum Motor hat. Das Denken benutzt das durch Assoziation gelieferte
+Vorstellungsmaterial, es ist aber nicht selbst bloße Assoziation.
+Während bei dieser Vorstellung auf Vorstellung folgt, in bunter Reihe,
+durch Ähnlichkeit, Berührung in Raum und Zeit usw. hervorgetrieben,
+erweist sich das Denken als ein den Verlauf der Vorstellungen
++hemmender+, +regulierender+ Prozeß, der zu bestimmten Zusammenhängen
+führt, durch welche dem Ablauf des Vorstellens ein gewisser Abschluß
+zuteil wird. Die Gesetzlichkeit des Denkens ist aus bloßen
+»Assoziationsgesetzen« nicht abzuleiten, nicht zu begreifen, sie ist
+anderer Art als die des »Spieles der Einbildungskraft«, das um so
+leichter und besser von statten geht, je unbeherrschter das Vorstellen
+ist. Das Denken hingegen, besonders das streng logische Denken bedeutet
++Disziplin+, +Planmäßigkeit+, +Zwecksamkeit im Geistesleben+. Nicht bloß
+das Denken, auch die aktiv gestaltende, Normen befolgende, beachtende
++Phantasie+ ist mehr als bloße Assoziation. Durch eine Art
+»schöpferischer Synthese« entstehen im Denken und in der aktiven
+Phantasie seelische Gebilde, die sich zwar in Elemente zerlegen
+lassen, welche zum Aufbau der Gebilde beitragen, die aber diesen
+Elementen und ihrer bloßen Summe gegenüber qualitativ etwas Neues,
+Spezifisches darstellen. --
+
+Was nun die +Assoziation+ selbst betrifft, so hat die
+Assoziationspsychologie meistens nicht nur den Fehler begangen, aus
+jener alles ableiten zu wollen, sondern auch noch den, daß sie die
+Assoziation nicht richtig aufgefaßt hat. Wir sprachen schon von der
+unzulässigen Verdinglichung der Vorstellungen und Empfindungen und von
+der Ausstattung dieser mit Kräften gegenseitiger Anziehung. Es gibt aber
+im konkreten Erleben keine selbständigen, reinen Empfindungen und
+Vorstellungen, die sich von selbst, ganz unabhängig von einem erlebenden
+Subjekt, miteinander verbinden. Eine Vorstellung ist kein beseeltes
+Wesen, welches von einem andern, einer zweiten Vorstellung einen Anstoß
+zum Wiederauftreten im Bewußtsein empfangen kann. Sondern alle
+Assoziation ist nur dadurch möglich, daß Vorstellungen usw. +Abhängige
+eines erlebenden Subjekts+, Momente und Glieder bzw. Seiten eines
+einheitlichen Zusammenhanges sind, durch den sie ebenso bedingt sind,
+wie sie ihn selbst mit konstituieren. Die Assoziationen schweben nicht
+in der Luft, sind nicht Beziehungen zwischen Objekten, sondern +Formen
+des Zusammenhanges von Erlebnissen im Subjekt und durch den jeweiligen
+Zustand desselben bedingt+. Sowohl die allgemeine, als die besondere,
+individuelle Natur des erlebenden Subjekts kommt in den Assoziationen,
+in anderer Weise als in den (aktiven) Apperzeptionsverbindungen, zum
+Ausdruck, so daß die Assoziationen zwar gesetzlich, aber keineswegs
+eindeutig bestimmt sind.
+
+Nun ist das Subjekt in zentralster Selbstunterscheidung von den Objekten
+Wille, zunächst als triebhaft, dann aber vorzugsweise als aktiv wollend.
+Daher ist die Assoziation durch den Willen, durch das Streben
+bedingt[29]. Es »assoziieren« sich also nicht reine Vorstellungen
+miteinander, sondern +willensbehaftete Erlebnisse des einheitlichen
+Subjekts+. In der Einheit des erlebenden Subjekts bzw. des Strebens sind
+die Assoziationen letzten Endes gegründet, aus ihr fließen sie. Die
+Assoziation besteht darin, daß durch »triebhafte« Einwirkung auf die
+Apperzeption Erlebnisse einander ins Bewußtsein rufen (»reproduzieren«)
+und mit ihnen Zusammenhänge bilden, die bald durch innere, bald durch
+mehr äußerliche Beziehungen bedingt sind, so aber, daß das
+Willenselement nie fehlt. Die Assoziation ist, wie dies +Wundt+ erkannt
+hat, ein +Triebvorgang+, wenn auch ein solcher, wo das Moment des
+Strebens vielfach in den Hintergrund des Bewußtseins tritt. Dies ist
+wohl begreiflich, wenn man an die durch Übung erzielte »Mechanisierung«
+des Bewußtseins, der Willens- und Triebhandlung denkt. Assoziation ist
+in der Tat relativ +mechanisierte Geistesarbeit+, und das um so mehr, je
+weniger das Triebmoment, das manchmal ziemlich stark hervortreten kann,
+zurücktritt, ohne aber je ganz zu fehlen (vgl. +Fouillée+ a. a. O.).
+Erlebnisse, die irgendwie zur +Einheit im Ich+ zusammengehen können --
+bei verschiedenen Individuen in verschiedener Weise -- haben die
+Tendenz, sich zu »assoziieren«, d. h. sie assoziieren sich, sofern nicht
+äußere oder innere störende, hemmende, ablenkende Faktoren (z. B. der
+Denkwille) ins Spiel treten. Die Vorstellungen assoziieren sich aber
+nicht direkt und von selbst, sondern nur so, daß sie +auf das Streben
+einwirken, (als Momente desselben) und dieses zur Reproduktion
+(Erneuerung) anderer Vorstellungen anregen, reizen, aus dessen Natur
+heraus, die auf Einheit geht+.
+
+Vorstellungen sind keine Dinge oder Kräfte, die, wenn sie dem Ich nicht
+präsent sind, irgendwo unbewußt lauern, bis sie wieder ins Bewußtsein
+treten können. Nimmt man von der Vorstellung das Bewußtsein weg, dann hebt
+man sie selbst auf, denn sie ist nur eine besondere Form, eine Modifikation
+des Bewußtseins (im weitesten Sinne), welches nicht neben den Erlebnissen
+einhergeht, zu ihnen hinzukommt, sondern ein Ausdruck für das Gemeinsame
+aller Erlebnisse, eben das Erleben (Erlebtwerden) ist. Es gibt also keine
+absolut unbewußten Vorstellungen und die Reproduktion, mit der die
+Assoziation verbunden ist, ist keine Hervorholung der Vorstellungen aus dem
+Unbewußten ins Licht des Bewußtseins. Jede »reproduzierte« Vorstellung ist
+vielmehr ein +neues+, besonderes Erlebnis, das inhaltlich zwar einem
+früheren Erlebnis sehr ähnlich ist, trotzdem aber, abgesehen von mehr oder
+weniger erheblichen Abweichungen, funktionell nicht mit dem alten Erlebnis
+zusammenfällt. Freilich muß die Reproduktion der Vorstellungen
++Bedingungen+ haben, durch die sie ermöglicht wird. Diese Bedingungen sind,
+objektiv-physisch betrachtet, »Spuren«, potentielle Energien bzw.
+molekulare Umlagerungen im Zentralnervensystem, im Gehirn. Und bei der
+Assoziation dürften infolge von »Bahnungen« u. dgl. zusammengehörige,
+früher irgendwie verbunden gewesene Partien oder Funktionsanlagen in
+Tätigkeit treten, indem die Erregung der einen Partie oder der einen
+Funktionsanlage eine Erregung bestimmter anderer Bestandteile nach sich
+zieht. Psychologisch aber kann natürlich nicht von Molekularumlagerungen u.
+dgl. gesprochen werden. Gleichwohl ist man berechtigt, von funktionellen
++Dispositionen+ zur Reproduktion von Vorstellungen u. dgl. zu reden. Es
+sind das nicht bestimmte, unbewußt existierende, bereitliegende Inhalte,
+sondern Nachwirkungen früherer Erlebnisse in der psychischen
+Organisationseinheit, +Tendenzen+ der Psyche zur Erneuerung von Erlebnissen
+unter bestimmten Anregungen, Antrieben, welche von gewissen anderen
+Erlebnissen (gefühlsbetonten Wahrnehmungen oder Vorstellungen) ausgehen. So
+zeigt sich auch die +Erinnerung+ und die Fähigkeit dazu, das +Gedächtnis+,
+als ein nicht rein intellektuelles, sondern +volitionelles Phänomen+,
+dessen physiologisches Korrelat wohl in der Aufspeicherung potentieller
+Energie im Gehirn und deren Übergehen in aktuelle Energie besteht.
+Psychische »Dispositionen« sind also nicht selbst Vorstellungen, sondern
+nur »Bereitschaften« zu solchen, es sind psychische Potenzen als das
+Innensein der Gehirndispositionen. So verhält es sich auch mit den sog.
++Anlagen+, die nichts anderes sind als ursprüngliche, ererbte, angeborene
+psycho-physische Dispositionen, im Unterschiede von den individuell
+erworbenen Dispositionen und Fertigkeiten. Alle Dispositionen, ererbte und
+erworbene, sind Resultate der +Übung+, als solche stehen sie zur Richtung
+des +geringsten Widerstandes, der kleinsten Kraftaufwendung+ in Beziehung,
+haben also eine +ökonomische+ Bedeutung, aus der sich auch die ihnen eigene
+Tendenz oder Strebung begreift. Sind die Dispositionen einerseits
+Nachwirkungen von Willens- und Triebhandlungen, inneren und äußeren, so
+üben sie anderseits einen außerordentlichen Einfluß auf die
+Weiterentwicklung des Seelenlebens aus, sie werden zur Grundlage neuer und
+höherer, reicherer geistiger Prozesse und zugleich mitbestimmend für die
++Richtung+, welche diese nehmen.
+
+Der Begriff der +Richtung+ (dessen Bedeutung von +R. Goldscheid+[30]
+betont wurde) ist überhaupt für die Psychologie wichtig. Er ist hier wie
+in der Naturwissenschaft unentbehrlich, weil der Qualitäts- und der
+Intensitätsbegriff nicht ausreichen, um gewisse Unterschiede in den
+psychischen Vorgängen festzulegen. In erster Linie und primär ist die
+»Richtung« im Seelischen ein Modus des Willens, dessen Wirksamkeit
+verschieden ist, je nach dem Ziele, auf das der Wille gerichtet,
+eingestellt ist. Mit gutem Sinne können wir z. B. von einer Richtung des
+Vorstellungsverlaufes sprechen, die entweder von momentanen,
+triebartigen Impulsen oder aber vom zweckbewußten Willen (Denkwillen)
+abhängig ist. Der Wille beeinflußt die Richtung der Erlebnisse, die Art
+des Ablaufes, des zeitlichen Zusammenhanges, des (relativen) Abschlusses
+derselben, abgesehen davon, daß der Aufmerksamkeitswille verschieden
+gerichtet sein kann, indem er bald auf das eigene subjektive Erleben,
+bald auf die objektiven Inhalte desselben sich lenkt. Der Wille als
+solcher ist, in Beziehung auf seinen Zielpunkt, ein (dynamisches)
+»Gerichtetsein«, dessen direkte oder indirekte, totale oder partielle
+Objektivierung die Richtung der psychischen Energie der Gehirn- und
+Nervenprozesse ist. Für den Unterschied zwischen Trieb und Willkür
+(Wahl) mechanisierter (automatischer) und aktiver Geistesfunktion ist
+die Unterscheidung eindeutig und mehrdeutig bestimmter Richtung von
+Wichtigkeit, z. B. für das Problem der Willensfreiheit. --
+
+Es würde den Rahmen dieser Arbeit weit übersteigen, sollte der Anteil
+des Willens an den seelischen Geschehnissen im einzelnen aufgezeigt
+werden. Es genügt, wenn wir dartun konnten, daß sowohl im niederen,
+einfachen, wie im höheren, komplizierten Seelen- und Geistesleben der
+Wille in verschiedener Form und Richtung das +zentral Wirksame+, die
+innerste Energie des Bewußtseins ist, und daß der +vollständige+,
+unabgekürzte, ungehemmte psychische Vorgang eine +Willenshandlung+ ist.
+Erst durch +Abschwächung+, +Abstumpfung+ des Strebens und Fühlens, des
+Appetitiven und Affektiven kommt das verhältnismäßige »rein«
+Intellektuelle, das neutrale Wahrnehmen, Vorstellen und Denken zustande,
++teilweise aber selbst wieder unter dem Einfluß des Willens+, nämlich
+des Kulturwillens, der eine möglichste Beherrschung, Zurückdrängung des
+Triebhaften, Affektiven mit sich bringt.
+
+
+
+
+IV. Der Zweck im Seelischen.
+
+
+Während in früheren Perioden der wissenschaftlichen Forschung die Idee
+des Zweckes und der Zweckmäßigkeit, kurz, die +Teleologie+ meist in der
+Form eines Gegensatzes zum Kausalitätsbegriff oder aber so auftrat, daß
+in der Natur zwei Arten von Ursächlichkeiten, die kausale und die
+finale, nebeneinander, ohne innere Verbindung walten sollten, ist es ein
+Postulat unserer Zeit -- das aber schon bei älteren Denkern, besonders
+bei +Leibniz+ sich geltend machte -- die Teleologie so zu fassen, +daß
+sie zu der kausalen Betrachtungsweise in keinen Widerspruch gerät+,
+vielmehr mit ihr aufs beste harmoniert. Von einer »transzendenten«
+Teleologie, wonach Gott oder die Natur den Dingen bestimmte Zwecke
+gesetzt hat, denen diese unbewußt oder bewußt nachgehen, will man mit
+Recht, wenigstens innerhalb der empirischen Wissenschaft, nichts wissen.
+Anderseits ist den noch immer in großer Zahl vorhandenen Gegnern aller
+Teleologie entgegenzuhalten, daß man in der Biologie und in den
+Geisteswissenschaften ohne Teleologie nicht auskommt. Nur muß das eine
++immanente+, eine »Auto-Teleologie« (+Pauly+) sein, welche Ziele und
+Zwecke nicht als Wesenheiten außerhalb der lebenden, handelnden Wesen,
+sondern als etwas diesen +Innerliches, Immanentes, von ihnen selbst
+Gesetztes, Erstrebtes, Verwirklichtes+ bestimmt und den Einfluß
++äußerer+, nicht-teleologischer, rein kausaler Faktoren gebührend
+würdigt. Finalität und Kausalität schließen einander nicht aus, sondern
+sind, wie wir gleich sehen werden, nur +zwei Betrachtungsweisen bzw.
+Phasen einer und derselben Reihe des Geschehens+, ohne daß deshalb, wie
+manche meinen, etwa die Finalität nur subjektiv, nur ein »Regulativ« für
+unser Erkennen sein muß.
+
+Wo wir innerhalb der empirischen Wissenschaft kein Seelisches annehmen
+dürfen oder, besser, nicht anzunehmen brauchen, beim Anorganischen, und
+überall da, wo wir nicht in der Lage sind, mit Sicherheit bestimmte
+psychische Handlungen einfühlend zu erkennen, da sind wir berechtigt,
+bloß von einer »regulativen« und heuristischen Anwendung des
+Zweckbegriffes zu sprechen, d. h. die Dinge so anzusehen, +als ob+ sie
+einem Zwecke dienten, um leichter zu kausalen Reihen zu kommen und diese
+besser zu verstehen. Aber das ist nicht der einzige zulässige Gebrauch,
+den man von der Teleologie machen darf, und zwar nicht erst in der
+Metaphysik, sondern schon in der Biologie, Psychologie und in den
+Geisteswissenschaften. Hier ist es vielfach oft die Idee des Zweckes,
+die erst +Einheit in die Erfahrung+ bringt, diese erst »konstituiert«
+und das Geschehen erst sinnvoll, bedeutsam macht. Aber auch hier ist die
+»Finalität« nur eine Seite oder Phase desselben Geschehens, das zugleich
+sich kausal beschreiben läßt. »Konstitutiv« ist der Zweckbegriff hier
+aber schon deshalb, weil wir, während Zwecksamkeit, Finalität in das
+Physische zunächst nur +hineingelegt+ wird, sie +an uns selbst, in
+unserem seelischen Verhalten unmittelbar erleben+ oder setzen und sie
+ebenso als ein allem Seelischen unmittelbar Anhaftendes ansehen müssen,
+als ein +Charakteristikon des Psychischen selbst+[31].
+
+In der Tat, der +Zweckbegriff+, der formal unserem beziehenden Denken
+entspringt, hat sein Ur- und Vorbild im eigenen Erleben des +Subjekts+.
+Dieses ist selbst durch und durch ein Zwecke-setzendes, »zielstrebiges«
+Wesen und es ist tätig, um diesen seinen Zwecken zu genügen, um sie zu
+verwirklichen, aus der Potenz in die Aktivität überzuführen. +Das
+Subjekt ist ein Zwecke-objektivierendes Wesen.+ Sein ganzes Tun ist ein
++Inbegriff von Mitteln zur Realisation von Zwecken+, zur Erreichung von
+Zielen. Zunächst ist aber zu zeigen, wie das möglich ist, ohne daß das
+Kausalitätsgesetz durchbrochen, außer Geltung gesetzt wird.
+
+Ein einfaches Beispiel für eine Zwecktätigkeit ist die Handlung, bei der
+ich den Arm ausstrecke, um ein Buch zu ergreifen. Psychologisch geht
+folgendes vor: ich habe ein Ziel in Gestalt einer Vorstellung vor Augen,
+die »Lust« dazu und das Streben nach dessen Erreichung, welches sich in
+Bewegungsempfindungen u. dgl. umsetzt und schließlich zu jenem
+psychischen Zustande führt, welcher mit dem Besitze des Buches verbunden
+ist. Dieselbe Reihe ist nun auch rein kausal beschreibbar. Zuerst war
+meine Armbewegung »Mittel« zur Besitzergreifung des Buches, diese aber
+»Zweck« meiner Handlung; jetzt ist die Handlung (das Ausstrecken des
+Armes) »Ursache« des Ergreifens und Festhaltens des Buches und zwar
+sowohl psychisch (als unmittelbares Erlebnis von Empfindungen und
+Vorstellungen) wie physisch (als objektiv-physikalisch aufgefaßte
+Bewegung). Was bei der einen Betrachtungsweise Mittel und Zweck ist, ist
+für die andere Ursache und Wirkung. Der Zweck ist nichts als die im
+Erleben antizipierte, die +vorstellend erstrebte Wirkung+, die reale
+Wirkung ist der +aktualisierte Zweck+, ohne daß sie stets genau mit
+diesem übereinstimmt. Die oft gestellte Frage: wie kann etwas, was noch
+nicht da ist, was der Zukunft angehört, Ursache eines Geschehens sein,
+beantwortet sich dahin, daß +nicht die reale Wirkung selbst+ Ursache des
+Handelns ist, sondern die +Vorstellung der Wirkung+, des Resultates und
+zwar als +Inhalt oder Motiv des Willens+. Zweck ist soviel wie
+Willensziel, Willensinhalt, nicht etwas selbständig Existierendes und
+Wirksames. Der Zweck wirkt nur +im und durch den Willen+, dieser ist als
+psychischer Vorgang die Ursache von Handlungen, durch welche das
+Gewollte, der Zweck, verwirklicht wird. Das Eigenartige der
+Zwecksamkeit, das »Wozu« ist kein besonderes Geschehen, dem physisch
+etwas parallel geht, sondern liegt schon im +Zusammenhange des Wollens+,
+der allein sein physiologisches Gegenstück hat. Das Subjekt will etwas,
+und zwar weil es ein anderes will usf. Dies führt zu einem ganzen
++System von Wollungen+, deren jede auf die andere so bezogen ist, daß
+eine aus der andern mit +innerer Notwendigkeit+ erfolgt, einer
+Notwendigkeit, die final und kausal +zugleich+ ist, je nachdem wir in
+der Ordnung der Reihen vorgehen. Dieses System von Zwecksetzungen, in
+welchem jeder Zweck wieder Mittel für einen anderen Zweck sein kann, ist
+nicht bloß formal zur Einheit verknüpfbar, sondern erweist sich bei
+gehöriger Selbstbesinnung und vergleichender Betrachtung fremden
+Seelenlebens als +einheitlich gerichtet+, indem es dem obersten
+subjektiven Zweck, der +Erhaltung und Betätigung der Einheit des
+Subjekts+, also dem +Einheitswillen+ sich unterordnet. Dieser
+Einheitswille, der +Wille zur Bewahrung der Ich-Einheit in aller
+Mannigfaltigkeit der Erlebnisse+, ist der oberste Grund, dem das
+seelische Handeln entfließt, das Motiv der Motive. Indem nun die Psyche
+in ein solches System von Wollungen oder Zielsetzungen sich
+auseinanderlegt, ist sie so recht eine »Entelechie« (im Sinne noch mehr
+des Leibniz als des Aristoteles), +eine sich von innen aus aktiv-reaktiv
+entfaltende, entwickelnde Subjektivität+, ein »Organismus«, dessen
+Objektivation oder Ausdruck der leibliche Organismus ist[32].
+
+Wenn der +Neo-Lamarckismus+ so sehr die Wirksamkeit psychischer Faktoren
+und die Geltung einer »Auto-Teleologie« betont, so ist er durchaus im
+Rechte, vorausgesetzt, daß er nicht die Bedeutung äußerer Faktoren (Milieu,
+Auslese usw.) vernachlässigt. In der Tat: wollen wir das Leben nicht bloß
+äußerlich in dessen Erscheinungen beschreiben, sondern es in seinem inneren
+Wirken verstehen, wollen wir die Zweckmäßigkeit der Lebensprozesse und
+deren Produkte begreifen, so können wir nicht umhin, auf die +Bedürfnisse+
+zurückzugreifen, die durch Anregung des Strebens zu lebensnützlichen
+Reaktionen verschiedenster Art führen. Es gibt zweifellos eine +aktive
+Anpassung+, bei welcher der Organismus, seinen durch den Wechsel der
+äußeren Bedingungen erregten +Bedürfnissen+ folgend, so tätig ist, daß
+diesen Bedürfnissen Genüge getan wird, bis, durch +Übung+ und +Vererbung+
+festgewordener Übungsresultate, eine größere Harmonie des Baues und der
+Funktionen des Organismus mit dem Naturmilieu erreicht ist. Die erreichte
+Zweckmäßigkeit ist also ein Resultat der psychischen, zielstrebigen
+Einwirkung des Organismus auf sich selbst, die, wir wissen bereits warum --
+ihr physisches, physiologisches Korrelat hat. Die Zielstrebigkeit ist aber
+nur zum geringeren Teil direkt auf Realisierung von bestimmten
+Vorstellungsinhalten gerichtet, vielfach und primär ist sie nur triebhafte
+Reaktion zur Abstellung von Unlust oder Gewinnung von Lust nach einer
+bestimmten Richtung, Tendenz zur Herstellung des gestörten Gleichgewichts,
+zur Entfernung störender Reize u. dgl. Das objektiv Zweckmäßige ist zwar
+durch das zielstrebige Verhalten des Organismus bedingt, aber keineswegs
+ein direktes Resultat desselben, sondern das Produkt einer +Komplikation
+von Faktoren+ und einer ganzen Reihe von Zielstrebigkeiten und Handlungen.
+
+Es mußte dies betont werden, weil es auch für die Psychologie als
+solche, nicht bloß für die Biologie gilt. Auch hier müssen wir von den
++primären+ Zielstrebigkeiten und Zwecksetzungen jene +Folgen+ und
++Nebenwirkungen+ unterscheiden, die, indem sie irgendwie in die Richtung
+der individuellen Zielstrebigkeit hineinpassen, später selbst finalen
+Charakter erlangen, ohne daß vorher auch nur im geringsten an sie
+gedacht worden wäre. Für die individuelle, wie für die soziale,
+kulturelle Entwicklung ist dieses Prinzip der »Heterogonie der Zwecke«
+(+Wundt+) von nicht geringer Bedeutung, es erklärt uns die beständige
+Steigerung, das Wachstum geistiger Werte, und es zeigt uns, wie es das
+Wesen des Geistes ist, +Kausalität in Finalität+ zu verwandeln, bzw.
+in deren Dienst zu nehmen.
+
+Das Umgekehrte ist nun die +Verwandlung von Finalität in Kausalität+.
+Wir meinen damit freilich nicht, als ob je im Seelenleben die Finalität
+verloren ginge und an ihre Stelle reine, mechanische Kausalität träte.
+Wir wissen bereits, daß die »Mechanisierung«, von der in der Psychologie
+die Rede ist, nur eine Abkürzung und ein Eindeutig-Werden von
+Willenshandlungen ist, keine absolute Entseelung. Aber Tatsache ist es,
+daß Handlungen, welche ursprünglich mit mehr oder weniger
+Bewußtseinsklarheit auf ein bestimmtes Ziel gerichtet waren, später
+durch das, was wir »Gewöhnung« nennen, rein triebmäßig und schließlich
++ganz automatisch+, ohne Richtung auf ein bewußtes Ziel verlaufen
+können, so daß sie uns als bloße Wirkungen psycho-physischer
+Antezedentien erscheinen. Nur insofern diese Handlungen Glieder des
+teleologischen Zusammenhanges der Gesamtpsyche sind, haben sie jetzt
+finalen Charakter, nicht aber für sich genommen. Oder wenn man will,
+läßt sich diese Art psychischer Kausalität als Grenzfall psychischer
+Finalität ansehen, als +stabilisierte Zielstrebigkeit+. Der psychische
+»Mechanismus« ist, weit entfernt die Quelle der geistigen Finalität
+zu sein, schon nur ein +Spezialfall, eine Phase und ein Niederschlag
+der Finalität+, die nach zwei Richtungen sich entfaltet: einerseits
+zur vollbewußten +aktiven+ Zwecktätigkeit im Denken, Wollen und
+Gestalten, anderseits zum seelischen +Automatismus+. Zugleich bleibt
+der Satz bestehen, daß die psychische Kausalität im allgemeinen Sinne
+durch eine Betrachtungsweise desselben Zusammenhanges gegeben ist, der
+sonst als finaler Zusammenhang sich darstellt, und zwar am
++unmittelbarsten+ sich darstellt.
+
+Daß die Psychologie nicht umhin kann, die +Teleologie des Seelenlebens+
+zu berücksichtigen, ist bisher hauptsächlich von jenen Psychologen
+betont worden, welche biologische Gesichtspunkte in ihre Wissenschaft
+hineintragen. In der Tat: so wichtig und notwendig es ist, die
+biologischen Prozesse schließlich auch psychologisch zu interpretieren,
+psychische Faktoren zum Verständnis von Lebensvorgängen verschiedener
+Art heranzuziehen, so unumgänglich ist auch die Erklärung fundamentaler
+psychischer Funktionen durch Rekurrierung auf +biotische+ Momente. Es
+ist dies ganz natürlich, denn das Seelenleben ist auch ein Ausschnitt,
+bzw. eine Seite des Lebens schlechthin, und das Leben ist qualitativ
+eine Manifestation seelischer Faktoren. Wir übertragen also nicht
+etwa in äußerlicher Form, durch künstliche Analogien, biologische
+Gesichtspunkte auf das Seelische, sondern dieses hat an sich selbst,
+vermöge seiner Identität mit dem Leben die Eigenschaften desselben.
+Daher gelten die von der Entwicklungstheorie verwandten Momente:
+Anpassung, Kampf ums Dasein, Auslese, Übung, Korrelation, Vererbung
+usw. auch für die Psychologie. Freilich muß man sich hier vor
++Einseitigkeiten+ hüten, wie sie etwa die +extreme Selektionstheorie+
+aufweist, und man muß der spezifischen Beschaffenheit des Psychischen
+als solchen gebührend Rechnung tragen.
+
+Der teleologische Charakter des Seelenlebens hängt aufs innigste damit
+zusammen, daß dasselbe etwas +Organisches+, kein Aggregat selbständiger
+Elemente, kein äußerlich verbundenes Ganzes, sondern eine +innerlich
+zusammenhängende Einheit+[33] ist, die in lebendiger Wechselwirkung mit
+ihren Gliedern steht. Diese Glieder sind ebenso durch das Ganze
+bedingt, wie das Ganze durch die Teile; es sind ja beide nur
+Abstraktionen aus dem +konkreten Zusammenhang, der zugleich Einheit und
+Mannigfaltigkeit ist+. Die Seele ist, das muß aller mechanistischen
+Psychologie gegenüber entschieden betont werden, eine sich in der
+Mannigfaltigkeit ihrer Modifikationen entfaltende und entwickelnde
++aktuale Organisation+ und hat alle Eigenschaften einer solchen. Was
++Herbart+ von der metaphysischen, einfachen Seelensubstanz lehrte, die
+sich wie alle »Realen« gegenüber Störungen ständig zu erhalten strebt,
+gilt auch, nur noch viel plausibler, von der gegliederten Seeleneinheit,
+die +im+ Erlebniszusammenhange, +nicht hinter+ diesem besteht und tätig
+ist. Die Zielstrebigkeit, die das Psychische charakterisiert, äußert
+sich in verschiedener Weise, so aber, daß das Streben nach Erhaltung und
+Durchsetzung, sowie nach Steigerung, Bereicherung, Potenzierung der
+Subjekt-Einheit +sowohl das Primärste als auch das Letzte und Höchste+
+ist, was die Psyche als solche, als Individuum unter anderen, im
+Reagieren und Agieren bestimmt. Die Psyche ist von Natur aus so geartet,
+daß sie Störungen, die sie erleidet, zu beseitigen, daß sie alles Neue
+sich, dem Grundbestande ihrer Modifikationen einzuordnen strebt,
+Widersprüche, soweit ihr diese zum mehr oder minder klaren Bewußtsein
+kommen, nicht duldet. Und wie sie sich selbst als Ganzes im Konflikte
+mit der physischen und psychischen Umwelt zu erhalten strebt, so hat die
+Psyche auch die Tendenz, alles für sie und ihre Einheit und Entwicklung
+Förderliche möglichst festzuhalten, zu erhalten. Nicht die Vorstellungen
+für sich allein haben einen Selbsterhaltungstrieb, sondern die Psyche,
+das erlebende Subjekt ist es, welches Teile seiner Erlebnisse gegenüber
+andern triebmäßig oder willkürlich +begünstigt+ und sie so anderen
+gegenüber sich behaupten läßt, wobei natürlich die Möglichkeit der
++Konkurrenz verschiedener Tendenzen+ nicht zu übersehen ist, die sich
+aber schließlich irgendwie der Einheitstendenz des Ganzen einordnen
+müssen, soll das Seelenleben »normal«, intakt oder wenigstens im
+relativen Gleichgewicht bleiben. Daß Vorstellungen usw. im Bewußtsein
+herrschend werden u. dgl., ist gewiß kausal bedingt, wir können häufig
+die Faktoren aufzeigen, welche die Erhaltung, Fixierung, Begünstigung
+von Erlebnissen zur notwendigen Folge haben, aber zugleich liegt hier
+eine Finalität vor, da diese Erhaltung im Dienste der psychischen
+Zielstrebigkeit steht, so daß der psychische Zusammenhang durch einen
+Zweck bestimmt ist; die kausale Notwendigkeit ist hier also auch
+teleologische Notwendigkeit. Das ganze +logische Denken+ z. B. läßt dies
+deutlich erkennen, denn der »reine Denkzweck« ist zugleich der Grund,
+aus dem die Bildung bestimmter Urteile und Schlüsse erfolgt, und im
+Erkenntnisprozesse wieder sind die +Kategorien+ Mittel zur Herstellung
+eines +objektiv-einheitlichen Zusammenhanges+, zur Konstituierung von
+objektiver Erfahrung und von Erfahrungsobjekten[34]. Die Gesetze des
+Denkens und Erkennens fließen gewiß aus dem Wesen der »Sachen«, sind
++nicht bloß individuell-subjektiv+, nicht relativ, aber sie sind auch
+nicht in der Luft schwebende Wesenheiten, existieren nicht an sich,
+sondern gehören zum »Bewußtsein überhaupt«, sind +Forderungen des auf
+reine Erkenntnis gerichteten Willens+, der nur durch sie seinen Zweck:
+die Erkenntnis, die Erfassung der Wahrheit und Wirklichkeit, erreichen
+kann und daher +sich selbst bindet+, um so bewußter und entschiedener,
+je mehr er die +Tauglichkeit+ der einzelnen Denk- und Erkenntnismittel
+im Fortschritte der wissenschaftlichen Entwicklung und als +an der
+Erfahrung sich bewährend+ einsieht....
+
+Der teleologische Charakter des Seelenlebens tritt schlagend in dem
+zutage, was man +Interesse+ benannt und oft auch schon bei der Erklärung
+psychischer Prozesse verwertet hat. Was in irgendeiner bemerkbaren
+Beziehung zum Willen und damit zur Zielstrebigkeit der Psyche steht,
+daran nimmt diese Interesse, d. h. sie erfaßt es willig, reiht es leicht
+dem Zusammenhang ihrer Erlebnisse ein, verweilt triebmäßig oder
+willkürlich bei ihm, beschäftigt sich mit ihm. Interesse erweckt etwas,
+wenn es tauglich ist, die psychische Organisation irgendwie zu fördern,
+irgendwelche Bedürfnisse des Subjekts zu befriedigen. Je nach der Art
+der Bedürfnisse und Zwecke, für die etwas geeignet sein kann, gibt es
+verschiedene +Richtungen+ des Interesses, verschiedene Arten des
+Interessanten, welches wieder allgemein oder individuell, für die Psyche
+überhaupt oder für bestimmt geartete Subjekte erregend sein kann. Daher
+die Relativität und Wandelbarkeit des Interesses, je nach der
+»Stimmung«, den vorangegangenen Erlebnissen, der Beschäftigung usw.,
+kurz, je nach den jeweilig vorherrschenden Tendenzen und Zielsetzungen,
+denen Erlebnisse und deren Gegenstände begegnen. Je mehr wir uns für
+etwas interessieren, desto mehr ist unsere seelische Energie einem
+Inhalt zugewandt, desto mehr »Seelenkraft« ist an dessen Verarbeitung
+beteiligt, desto besser und nachhaltiger wird der Inhalt vom Ich
+aufgenommen und verwertet. Daher die große Bedeutung des Interesses für
+die Aufmerksamkeit und Apperzeption, für das Gedächtnis und die
+Erinnerung, für die Richtung unseres Denkens und Handelns. Das Interesse
+selbst aber ist ohne die allgemeine und spezielle +Finalität+ der Psyche
+nicht zu verstehen, denn es ist nur der gefühlsmäßige Ausdruck für
+dieselbe, ein Moment derselben, nicht etwa ein selbständiges
+»Seelenvermögen«. Die »interessierte« Seele ist nur die nach einer
+bestimmten Richtung besonders erregte, an einem Erlebnis besonderen
+Anteil, besondere Lust nehmende Seele, für die in irgendeinem Ausmaße
+das Erlebnis bedeutsam ist. Das Interesse ist es, was die Psyche eine
++Auslese+ unter den ihr sich in Fülle darbietenden Eindrücken treffen
+und sie nur dasjenige assimilieren läßt, was auf Dispositionen, in
+»Bereitschaft liegende« Bewußtseinszustände bestimmter Art stößt. Solche
+Dispositionen, welche für die Richtung des Interesses bedeutsam sind,
+sind auch überall da vorhanden, wo sog. »funktionelle Bedürfnisse«
+bestehen, d. h. Tendenzen bestimmter Organe oder Seelenpartien zur
+Betätigung der ihnen gemäßen Funktionen. Ein Beispiel dafür ist der
+»Lichthunger«, der uns nach längerem Verweilen im Dunkeln befällt, der
+Bewegungsdrang nach längerer Ruhe, die Lust am Hören von Klängen, am
+Reden, an Phantasiespielen usw. Im +Spiel+ und in der +Kunst+ kommen
+funktionelle Bedürfnisse stark zur Geltung[35]. Daher auch die
+teleologische Bedeutung von Spiel und Kunst, welche nicht bloß eine
+wohltätige Kraftentladung in der Psyche bewirken, sondern auch durch die
++Übung+ bestimmter, sonst vernachlässigter psychischer Systeme und
+Organe subjektiv zweckmäßig sind[36]. Uninteressiert sind wir beim
+ästhetischen Genuß nur insofern, als wir nicht auf irgendeinen Nutzen,
+auf irgendwelche Gütererlangung ausschauen, aber willen- und
+interesselos sind wir keineswegs, sondern ein »Wille zur Schau«, zum
++reichen und dabei harmonischen Erleben+ besteht, der im und durch das
+ästhetische Erleben befriedigt wird, genau so, wie das Spiel in gewissem
+Sinne Selbstzweck ist....
+
+Ebenso wie das Interesse, bezieht sich auch das Phänomen der +Wertung+
+auf die Finalität des erlebenden Subjektes. Was irgendwie zur
+Befriedigung eines Bedürfnisses zur Erreichung eines Strebenszieles
+nicht bloß geeignet, sondern auch notwendig, gefordert ist, das ist uns
++wert+, das ist für uns und alle Gleichgerichteten ein Wert. Werten kann
+also nur ein zielstrebiges Wesen, und die Grundrichtung, die es
+überhaupt oder jeweils verfolgt, sein +Grundwille+ und alles daraus
+folgende Streben ist gleichsam das »a priori« aller Wertung. Erst und
+nur im bewußten oder unbewußten Hinblick auf einen Zweck ist etwas für
+uns wertvoll, als Mittel zu einem Zweck, das selbst in anderer Hinsicht
+ein Zweck sein kann, bis hinauf zum obersten Endzweck, der, als
+identisch mit dem Inhalt des reinen Grundwillens, an sich, »absolut«
+wertvoll[37] ist; die Relativität und Subjektivität der Einzelwerte,
+deren Abhängigkeit von verschiedenen Verhältnissen, von der Art der
+psycho-physischen Organisation, vom Milieu, von historischen und
+sozialen Bedingungen schließt keineswegs das Bestehen +objektiver,
+intersubjektiver+, relativ konstanter Werte und die Absolutheit der
++obersten Grundwerte+ der Menschheit für den menschlichen bzw.
+ideal-menschlichen Grundwillen aus, ein Umstand, der für die Ethik und
+Sozialphilosophie von höchster Bedeutung ist und der vor allem die
+Versöhnung zwischen Historismus und Apriorismus ermöglicht, sofern man
+nur mitten im Geschichtlichen, im menschlichen Entwicklungsprozeß das
+Apriorische, die in Form von Ideen und Idealen gegebenen, vom
+Gesamtwillen gesetzten und anerkannten +Grundwerte+ zu finden und die
+Geschichte als eine, freilich nicht geradlinige und rein rationelle
+Annäherung an die Verwirklichung und +Objektivierung dieser Wertideale+
+zu erkennen weiß[38].
+
+Eine Art Wertung liegt schon in den +Gefühlen der Lust und der Unlust+
+vor, welche zweifellos eine teleologische Bedeutung besitzen, die man
+nur richtig auffassen muß. Denn es ist zu berücksichtigen, daß etwas für
+bestimmte Partien oder auch für den Gesamtorganismus direkt oder
+indirekt unzweckmäßig sein kann, was +relativ+ für bestimmte Partien und
+Funktionen, also im Hinblick auf besondere Tendenzen der Psyche als
+zweckmäßig empfunden wird und Lust bereitet. Dies festhaltend, kann man
+ruhig behaupten, daß das Gefühlsleben ebenfalls die Finalität des
+Subjekts zum Ausdruck bringt, daß lustvolle Gefühle Zeichen, Symptome
+für Bedürfnisbefriedigungen sind, d. h. für Zustände, die der Psyche +in
+irgendeiner Beziehung+ und Weise genehm, die für sie irgendwie
+zweckmäßig sind, während Unlust in der Regel auf das Gegenteil hinweist.
+Die scheinbare Durchbrechung der Regel erklärt sich eben aus dem
+Bestehen +verschiedener Tendenzen+ der Psyche und aus dem +Konflikte+,
+in welchen dieselben unter Umständen miteinander geraten können. Ferner
+kann die Erfahrung und Verstandeserwägung das Bewußtsein der üblen
+Folgen an sich lustvoller Erlebnisse und Handlungen als Gegengewicht
+gegen diese ins Treffen führen und dies zeigt, daß eben eine Entwicklung
+des Wertens wie eine solche der seelischen Fähigkeiten überhaupt
+besteht; wo die Wertvoraussetzungen anders sich gestalten, muß natürlich
+auch, ungeachtet der Zähigkeit mancher organisch gewordener Wertungen,
+die Wertung sich modifizieren. Ist doch die Zweckmäßigkeit, auf die das
+Werten sich bezieht, überhaupt nichts Festes, Starres, sondern ein
+Werdendes, ein Produkt der Entwicklung. Je nach dem erreichten
+Entwicklungszustande nimmt das erlebende Subjekt in verschiedener
+Weise Stellung zu seinen Erlebnissen, wertet es diese, bzw. deren
+Inhalt verschieden. Stets kommt aber in der Wertung die Natur und
+Gesetzlichkeit des Subjekts, des einzelnen wie der Subjektivität
+schlechthin zum Ausdruck, und diese Gesetzlichkeit ist im Kerne
+finaler Art[39].
+
+Diese Finalität dürfen wir nicht vergessen, wenn wir vom +Wettbewerb+
+der Vorstellungen usw. um die Erhaltung im Seelenleben, im Bewußtsein,
+im subjektiven und objektiven Geiste sprechen. Ein solcher Wettbewerb
+besteht zweifellos, aber er ist ebensowenig wie der Daseinskampf in der
+Natur rein kausal oder mechanisch zu erklären. Denn was bestimmte
+Bewußtseinsinhalte miteinander streiten läßt, das sind die verschiedenen
++Tendenzen+, die der in mannigfache Verhältnisse gelangende seelische
+Organismus aufweist, und was bestimmten Vorstellungen, Ideen usw. den
+Sieg verleiht, das ist das +Überwiegen einer Tendenz vor anderen+. Es
+siegt stets das direkt oder indirekt (auf Grund von Urteilen,
+Vergleichungen) als relativ Wertvollste, für das so und so beschaffene
+Subjekt relativ Zweckmäßigste, Befundene, sei es im Denken, sei es im
+Wollen und Handeln (»Kampf der Motive«). Es obsiegen im intra- und
+intersubjektiven geistigen Wettbewerbe schließlich die an der Erfahrung
+am besten bewährten Ideen (Wissenschaft) und Handlungsweisen (Sitte,
+Recht, Technik usw.). Der Zweck, die Willensrichtung und die Beziehung
+auf sie ist also das Ausschlaggebende, nicht die Vorstellung für sich
+genommen, nicht die blutleere Theorie. Ein Wille, und sei es auch nur
+ein »reiner« Denk- und Erkenntniswille ist das +aktiv Auslesende+, den
+Wettbewerb Regelnde, Normierende, dem schließlich sich unwesentliche
+oder störende Tendenzen unterordnen müssen, damit der reine Zweck rein
+erfüllt wird, was eben nur durch +Erhaltung des bestimmt gerichteten
+Willens in der ganzen Mannigfaltigkeit seiner Betätigungen+, also durch
+das, was wir »Konsequenz«, »Folgerichtigkeit«, +Einstimmigkeit mit sich
+selbst+ nennen, erreicht wird. Daß innerhalb der Willensgesetzlichkeit
+das Herrschendwerden gewisser Bewußtseinsinhalte und die Zurückdrängung
+oder gar Verkümmerung anderer durch das +Milieu+ in dessen verschiedenen
+Arten (Natur, Rasse, Gesellschaft usw.) mitbedingt ist, steht außer
+Frage; man denke nur an den Wandel der Lieblingsideen bei verschiedenen
+Völkern und in verschiedenen Perioden der Geschichte, denke an den
+Wechsel der Stile, der Moden, der Denkweisen, an das Überwiegen
+bestimmter Denkmittel, Gefühlsweisen, Willenstendenzen usw.
+
+Es besteht eben im Geistesleben zweierlei +Anpassung+: einmal eine
++passive+, besser +reaktive+ Anpassung von Erlebnissen (Vorstellungen
+usw.) an ein physisches oder psychisches Milieu, dann aber auch eine
++aktive+ Anpassung des Milieus an die Natur des Seelenlebens. Die
+passive Anpassung ist teils +indirekter+ Art, durch eigentliche
++Selektion+, die aber im Seelischen noch weniger belangreich sein dürfte
+als im Biologischen, teils eine +direkte+, indem das +Milieu+ durch die
+von ihm ausgehenden Reize und Einflüsse das Seelenleben der Individuen
+und Völker in einer zu diesem Milieu in Beziehung stehenden Weise
+modifiziert. Während auf den niederen Stufen der Geistesentwicklung die
+passive Anpassung überwiegt, kommt auf den höheren immer mehr die
++aktive Anpassung+ zur Geltung. Die ganze +Kulturarbeit+ des Menschen
+gibt davon Zeugnis, wie sehr es der menschliche Geist versteht, Inhalte
+seines Erlebens so zu formen, daß sie seinen ureigenen Bedürfnissen,
+Tendenzen, Zwecken zu entsprechen vermögen. Nicht bloß die Außenwelt
+wird diesen Zwecken angepaßt, auch das Innenleben, wie es sich besonders
+im »objektiven Geist«, in Religion, Sitte, Sittlichkeit, Recht,
+Wissenschaft usw. bekundet, wird aktiv gestaltet, beständig umgeformt,
+und zwar im ganzen und großen schließlich doch immer wieder in der
+Richtung, welche die Linie der +Realisierung des reinen
+Menschheitswillens+ bedeutet, also im Sinne der +Kulturidee+. Hierbei
+findet, +da die Einheit des Geisteslebens immer wieder nach
+Selbsterhaltung strebt und bewußte Widersprüche in ihrem Bereiche nicht
+dauernd erträgt+, eine beständige, wenn auch nicht immer gleich
+merkliche +gegenseitige Anpassung der geistigen Gebilde aneinander+
+statt, die aller Einseitigkeit, aller Verkümmerung einzelner Partien des
+Seelenlebens immer wieder entgegenarbeitet. So gibt es z. B. eine
+Anpassung zwischen Recht und Wirtschaft, zwischen Glauben und Wissen,
+zwischen Individualismus und Kollektivismus. Es besteht eine Art
++Selbstregulierung+ des Geisteslebens, durch welche Störungen und
+Einseitigkeiten, welche der Integrität der seelischen Einheit Abbruch zu
+tun drohen, soweit als möglich aufgehoben werden, und diese
+Selbstregulierung ist ein Mittel zur Anpassung der Mannigfaltigkeit
+geistiger Inhalte an die Einheit und Gesetzlichkeit der individuellen
+und der sozialen Psyche. -- Die Bedeutung der aktiven Anpassung im
+Geistesleben erhellt u. a. aus der Methodik des wissenschaftlichen
+Erkennens. Denn es findet nicht nur eine (besonders von +E. Mach+
+hervorgehobene) +Anpassung des Denkens an die Erfahrung+ statt, sondern
+auch eine +Anpassung der Erfahrung an das Denken+, bzw. an den
+Denkwillen, indem die Erfahrung methodisch so geformt wird, daß sie die
+allgemeine, »apriorische« Gesetzlichkeit des Intellekts in ihrer
+Struktur immer schärfer und ausgedehnter zum Ausdruck bringt. Dies ist
+nur ein Spezialfall aus der fortschreitenden +Rationalisierung+ des
+gesamten Lebens, welche triebhaft einsetzt und dann vornehmlich durch
+die spontane, autonome, planmäßige, zweckbewußte Arbeit des Geistes, der
+alle seine Inhalte seinen Forderungen, den Postulaten des
+Vernunftwillens zu unterwerfen strebt, erfolgt. In der fortschreitenden
++Vergeistigung der Natur+, sowohl der äußeren als auch der inneren Natur
+des Menschen besteht ja der Sinn aller wahren, vollen Kultur. Durch die
+reaktive und aktive Formung, welche das Geistesleben beständig an seinen
+Objekten vornimmt, erzeugt es einen stets zunehmenden +Reichtum
+geistiger Werte+ und zugleich entwickelt es sich selbst zu immer höheren
+Daseinsstufen; die +Funktion+ wirkt hier, wie im Biologischen, durch
+Übung und deren Nachwirkungen sowie durch Vererbung derselben, zu der
+auch die Tradition gehört, auf die +Organisation+, von der sie ausgeht,
+zurück, so daß auch hier ein besonnener »Lamarckismus« Recht behält.
+
+Wenn es wahr ist, daß alle Entwicklung zwar auch durch äußere Faktoren
+bedingt und bestimmt ist, aber doch in erster Linie unmittelbar von
+innen her erfolgt, so gilt dies nun ganz besonders für die +seelische
+Evolution+. Dies folgt schon aus der Finalität der Psyche, aus deren
++Gerichtetsein auf immer neu sich entfaltende Ziele+. In unaufhörlicher
+Bewegung muß ein Seelenleben sein, dessen +innerstes Triebwerk+
+wirkliches Streben, wahre Tendenz, also »Wille« im allgemeinsten Sinne
+des Wortes ist. Nur die +Verbindung von immanenter Teleologie und
+Voluntarismus+ ist geeignet, uns die wachsende Zweckmäßigkeit des
+Psychischen ohne Berufung auf »transzendente«, von außen gesetzte Zwecke
+oder auf geheimnisvolle Zweckursachen verständlich zu machen. Gewiß sind
+nicht alle erzielten Resultate von Anfang an Objekt und Inhalt des
+Willens, gewiß weiß das Subjekt oft nichts oder nur wenig von dem, was
+es erzeugt und wozu es erwächst, aber wenn es auch wahr ist, daß nur
+eine Summation, ein fortlaufender Zusammenhang relativ selbständiger
+Zielstrebungen und Zwecksetzungen die endlich erreichten
+Zweckmäßigkeiten mit sich bringt, so ist es doch ebenso wahr, daß ohne
+diese Strebungen, in denen das Wesen des Subjekts, der Psyche zum
+Ausdruck gelangt, nichts von dem erreicht würde, was tatsächlich
+gewonnen wird. Mit außerordentlicher Genialität hat insbesondere
++Leibniz+ diese +Selbstentwicklung+ der Seele erfaßt und nur den Fehler
+begangen, die Seele als einfache Substanz, als Monade unter anderen
+Monaden zu fassen, statt sie als eine, eine Vielheit von »Elementen« und
+Momenten einschließende +aktuale Organisation+ zu betrachten, wie wir es
+heute tun müssen. Es gibt eben nicht ein besonderes, qualitativ
+unbekanntes Wesen, Seele genannt, sondern die Seele ist +der
+einheitliche, sich von seinen ihn zur Erscheinung bringenden Momenten
+und Elementen selbst unterscheidende, abhebende Zusammenhang
+zielstrebiger Aktionen und Reaktionen+, eine sich permanent setzende,
+durchsetzende, erhaltende, entfaltende »Subjekt-Einheit« als das
+»Innensein« dessen, was objektiv angesehen oder gedacht als physischer
+Organismus sich darstellt. Insofern diese Einheit aus sich heraus tätig,
+wirksam ist, Fähigkeiten zu verschiedenen Handlungen besitzt, ist sie im
+wahrsten Sinne des Wortes eine »Kraft«, während die objektiv-physischen
+Kräfte uns nur als gedankliche Ausgangspunkte von kausalen Relationen
+gegeben sind. Jede Seele ist ein sich selbst unmittelbar erfassendes
++Aktionszentrum+, nicht »substantiell«, sondern durch ihr Wirken und
+ihre Dispositionen dazu. Sie »wirkt« aber dadurch, daß sie strebend,
+wollend, also auf Ziele »gerichtet« ist; +ihr Wirken ist also final
+bestimmt+. So kann man die Seele als eine Art +Apparat zur
+Verwirklichung von Zwecken+ ansehen, freilich als einen +lebendigen,
+aktiven, bewußten Apparat+, nicht als einen bloßen Sitz oder ein
+Reservoir von Kräften.
+
+Wir sehen aus dem Vorangehenden, wie notwendig die +teleologische
+Fundierung der Psychologie+ ist. Es ist in der Tat ganz und gar unmöglich,
+die Gesetzlichkeit, die im Seelenleben waltet, zu verstehen, wenn man nicht
+den +Strebungscharakter+ und damit die Finalität des Psychischen voll
+berücksichtigt. Die Zielstrebigkeit in ihren verschiedenen Abstufungen und
+Bewußtseinsgraden beherrscht das +gesamte Seelenleben+, sie ist die
+Grundbedingung, die +Urvoraussetzung+ für das Funktionieren desselben. Sie
+waltet im Wollen direkt, kommt im Gefühlsleben zum Ausdruck und durchsetzt
+auch die +intellektuellen+ Prozesse, angefangen von der Empfindung und
+Sinneswahrnehmung bis hinauf zum Denken und Erkennen. Die Grundfunktionen
+des Bewußtseins und deren Wirkungen stehen alle, direkt oder indirekt, im
+Dienste der reaktiven Zielstrebigkeit oder der aktiven Zwecksetzung, handle
+es sich nun um das Gedächtnis, die Phantasie, die Abstraktion, die Übung,
+die Gewöhnung, die Ermüdung, die Aufmerksamkeit u. dgl. oder um die im
+Spiel, in der Kunst, im religiösen, sittlichen, sozialen Leben wirksamen
+Seelenfunktionen. Überall bestehen hier +Bedürfnisse+, teils materialer,
+teils formaler Art, Tendenzen der psychischen Organisation und ihrer
+»Provinzen«, die triebhaft oder mittels des »Vernunftwillens« zur Erfüllung
+drängen. Was oft als rein mechanische Reflextätigkeit oder als Resultat
+unbewußten Wissens und Planens erscheint, wie die +Instinkthandlung+, ist
+das fixierte, durch Übung und Vererbung der psychischen Organisation fest
+einverleibte +Resultat+ von zielstrebigen Reaktionen, die durch allmähliche
+Anpassung zu objektiv zweckmäßigen Erfolgen geführt haben. Man muß sich
+also vor zweierlei hüten: einerseits vor dem Fehler, da, wo schon
+triebhafte, impulsive, wenn auch sehr beschränkte, nur auf das
+Allernächste, auf die Entfernung unlustvoller und die Festhaltung
+lustvoller Reize gerichtete Zielstrebigkeit besteht, bloß das Resultat rein
+mechanisch-reflektorischer Vorgänge zu erblicken; anderseits aber auch vor
+dem ebenso gefährlichen Irrtum, einfach organisierten Lebewesen tierischer
+und pflanzlicher Art schon Denk- und Willensakte zuzuschreiben, die nur in
+einem komplizierten Bewußtsein möglich sind, die Fähigkeit aktiver
+Vergleichung, Abstraktion, Überlegung, Wahl voraussetzen oder auch durch
+eine große Zahl in Bereitschaft stehender Erfahrungen bedingt sind. Schon
+der Ausdruck »Zielstrebigkeit« (bekanntlich von +K. E. v. Baer+ eingeführt)
+ist cum grano salis zu verstehen, sonst kann er leicht Unheil anrichten. Es
+ist nicht so, als ob es an sich Ziele gäbe, die dem Lebewesen irgendwoher
+gesteckt sind und auf die es nun unbewußt oder bewußt zustrebt. Wir wissen
+wenigstens nichts davon, solange wir auf dem Boden der Empirie verbleiben
+und metaphysischen Theorien innerhalb der empirischen Forschung keinen Raum
+gönnen. Zielstrebigkeit ist für uns nichts anderes als ein +Ausfluß des
+Lebens selbst+; das Ziel ist dem Streben durchaus immanent, es ist durch
+das erlebende Subjekt selbst »gesetzt«, ist von ihm unabtrennbar. Dieses
+ist durch und durch +Wille zur Erhaltung, Durchsetzung, möglichst auch
+Steigerung und Entfaltung der eigenen Einheit+, nicht aber ist es
+irgendwoher auf dieses Ziel eingestellt worden. Und alle die Zwecke, die
+von lebenden Subjekten angestrebt werden, sind nur +Konsequenzen aus der
+primären Zielstrebigkeit, in allmählicher Entwicklung entfaltet und
+jeweilig modifiziert und modifizierbar durch das Milieu, in welchem das
+Subjekt lebt+. Es muß dies wiederholt betont werden, damit die Gegner aller
+Teleologie einsehen lernen, daß von irgendwelchen »reaktionären« Tendenzen
+in dieser Form der »Auto-Teleologie« nicht im geringsten die Rede ist. Für
+eine große Strecke der Finalität ist jedwedes Vorauswissen zweckmäßiger
+Erfolge unbedingt ausgeschlossen, auch ist die +Erreichung+ solcher Erfolge
+keineswegs eindeutig bestimmt, nur zu oft finden Irrtümer statt, es bedarf
+oft einer großen Reihe von Erfahrungen, damit unter den in Bereitschaft
+stehenden Bedingungen die +richtigen Mittel+ zur Anwendung kommen. Die
+Kenntnis der richtigen Mittel zum Zweck ist vielfach erst das Produkt
+langer Entwicklung, die »Zufälligkeit der Mittel« (+Pauly+) ist ein nicht
+genug zu beachtender Umstand, der für die neben der Zweckmäßigkeit stark
+hervortretende »Dysteleologie« von hoher Bedeutung ist. +Zielstrebigkeit
+schließt also noch nicht die richtige Technik der Mittel ein, der Mangel
+einer solchen freilich nicht die Existenz einer Zielstrebigkeit aus.+ So
+sehen wir z. B. eine bestimmt geartete Individualität, einen bestimmt
+gerichteten Charakter zuweilen sich in der Wahl der diesem Charakter
+gemäßen Lebensbedingungen (Beruf usw.) vergreifen, weil er sich eben in
+seinem »dunklen Drange« des »rechten Weges« +nicht+ bewußt ist. Mit Recht
+ist gesagt worden, der Charakter eines Menschen sei dessen Schicksal. Das
+bedeutet psychologisch: der Grundwille, der das Wesen dieses bestimmten
+Subjekts ausmacht, leitet bewußt oder impulsiv dessen ganzes Tun und
+Lassen, wobei nicht auf die äußeren Verhältnisse und deren bestimmenden,
+teilweise auch zwingenden Einflüsse vergessen werden darf. Die Mittel aber,
+diesem Grundwillen Genüge zu tun, werden oft nicht richtig gewählt, weil
+Erfahrung oder Vernunfteinsicht nicht im rechten Maße vorhanden ist, so daß
+auch diese Faktoren das Geschick des Menschen bestimmen. Das
+»Dysteleologische« ist, kurz gesagt, nicht bloß auf Rechnung äußerer
+Faktoren zu setzen, sondern es entspringt vielfach der Finalität, dem
+Teleologischen selbst, teils als +ungewollter Nebenerfolg+, teils infolge
+der +Beschränktheit des Subjekts+. An diese Dysteleologie ist in letzter
+Linie der +Konflikt+ verschiedener oder gegensätzlicher Tendenzen und
+Zielstrebigkeiten, insbesondere zwischen verschiedenen Subjekten, schuld.
+
+
+
+
+V. Die psychische Entwicklung.
+
+
+Wir haben bereits der verschiedenen Faktoren, welche an der Entwicklung
+des Seelenlebens beteiligt sind, Erwähnung getan. Nun erübrigt uns noch
+die zusammenfassende Darlegung des Wesens dieser Entwicklung.
+
+Zunächst ist von einer Entwicklung der Psyche +als Ganzes+ zu sprechen.
+Wir wissen, daß diese Entwicklung eine Entfaltung von +innen+ heraus
+ist. Damit wurde keineswegs bestritten, daß eine durchgängige
+Beeinflussung der Psyche durch das äußere +Milieu+ besteht. Direkt und
+indirekt kommt dieser Einfluß zur Geltung und alle Seelenentwicklung
+steht, wenn sie auch innerlicher Art ist, zu jenem in Beziehung, paßt
+sich ihm nach Möglichkeit an und schmiegt sich den waltenden
+Verhältnissen an. Aber das Milieu wirkt auf die Psyche entsprechend der
+eigenen Natur dieser. Es wirkt als eine Summe von +Reizen+, welche in
+der psychischen Organisation +Tendenzen+ wachruft, die zu bestimmt
+gerichteten +Reaktionen+ führen, die wieder auf die psychische
+Organisation +zurückwirken+; dann erst kann auch die natürliche Auslese
+einsetzen, welche das Erhaltungsgemäße, Zweckmäßige begünstigt, indem
+sie zugleich das Untaugliche auszumerzen bestrebt ist. In jedem Falle
+aber ist die psychische Entwicklung »zielstrebig«, indem zum Wesen der
+Psyche die Tendenz zur Erhaltung und Durchsetzung der eigenen Einheit
+gehört, aus welcher Tendenz in Reaktion zu den äußeren Reizen die
+Entwicklung der Seele mit teleologischer und zugleich kausaler
+Notwendigkeit erfolgt. Je höher entwickelt die Seele ist, desto mehr
+wird die Reaktivität derselben zur +Aktivität+, desto relativ
+unabhängiger wird sie vom Zwange des Milieu, desto mehr kann sie
+ihren ureigenen Tendenzen folgen, ihr Milieu selbsttätig modifizieren,
+ein +neues Milieu+, einen neuen Wirkungskreis schaffen. Die gesamte
++Kulturtätigkeit+ ist nichts anderes als ein aktives Anpassen des
+Milieu an die Tendenzen, Bedürfnisse, Zwecke, Ideale der
+menschheitlichen Psyche.
+
+In welcher Hinsicht können wir von der Psyche sagen, daß sie sich
+entwickelt? +In extensiver+ und +intensiv-qualitativer+ Hinsicht, so
+aber, daß hier die Extension, das Quantitative sogleich auch
+qualitativen Charakter besitzt. Die psychische Entwicklung besteht
+zunächst darin, daß die +Zahl der Erlebnisse+ des Subjekts wächst, daß
+der +Umfang seines Bewußtseins+ ein immer größerer wird, sich auf eine
+immer größere Menge von Vorstellungen, Gefühlen usw. erstreckt. Das gilt
+sowohl vom Individuum als auch vom »Gesamtgeist«, von der
+»Kollektivseele« eines Volkes, einer sozialen Gemeinschaft. Während das
+Individualsubjekt den Schatz seines Bewußtseins durch Erfahrung, Lernen,
+eigenes Denken vergrößert, entwickelt sich die Kollektivseele, als das
+Gemeinsame in einer Vielheit von Einzelseelen und zugleich als der durch
+Wechselwirkung bedingte einheitliche Zusammenhang dieser, durch
++Akkumulation von Kollektiverfahrungen und der Produkte des
+Gemeinschaftswirkens+ auf allen Gebieten geistiger Betätigung. Was beim
+Individuum die Vererbung bedeutet, das ist für die Kollektivseele, für
+den Gesamtgeist die +Tradition+, durch welche die folgenden Generationen
+von vornherein in eine Welt geistiger Werte gestellt sind, an die sie
+anknüpfen und die sie weiter verarbeiten können. Die Tradition stellt
+einen seelischen Zusammenhang in der Zeit dar, der trotz wiederholten
+scheinbaren Durchbruchs der geschichtlichen Kontinuität, trotz
+zeitweiligen Zurücktretens, Vergessenwerdens, Nichtbeachtetseins
+geistiger Werte zustande kommt. Die Tradition ist die sozialhistorische
+Art der Vererbung, die Vererbung eine Art Tradition. Das letztere ist
+ohne weiteres verständlich, wenn wir bedenken, daß freilich fertige
+Vorstellungen, Gedanken, Wertungen u. dgl. nicht vererbt werden können
+-- weil für solche in der unentfalteten Psyche des Keimes gar kein Organ
+vorhanden ist, und aus anderen Ursachen -- wohl aber psychische
++Anlagen+ oder Dispositionen allgemeinster und auch spezieller Art.
+Vermöge solcher Anlagen, d. h. Tendenzen der primitiven
+Seelenorganisation zu bestimmt gerichteten Reaktionen und Aktionen,
+Tendenzen, die freilich erst durch Reize ausgelöst werden müssen, ist
+die Psyche +besser ausgestattet+ als die früheren Generationen, sie kann
+sich extensiv und intensiv höher entwickeln, einen komplizierteren und
+feineren Habitus annehmen. Gewiß wird nicht alles und jegliches, was ein
+erlebendes Subjekt erlebt hat, vererbt werden. Die »direkte Vererbung
+erworbener Eigenschaften« ist keineswegs durch die Neo-Darwinisten aus
+der Schule +Weismanns+ widerlegt, aber sie darf auch nicht ins Extreme
+gezogen werden. Vererbbar dürfte nur das sein, was infolge +lang
+wiederholter+ oder sonstwie +nachhaltiger+ Eindrücke die psychische
+Struktur erheblicher beeinflußt, modifiziert hat[40]. Insbesondere
+gehören hierher die Resultate psychischer +Übung+ nach irgendwelcher
+Richtung hin; diese Resultate bestehen in der größeren Leichtigkeit und
+Sicherheit bestimmter Funktionen, bestimmter Bewußtseinsakte oder
+Koordinationen solcher, die in den von den elterlichen Seelen sich
+abspaltenden, ablösenden »Seelenkeim« eingehen, wobei man aber nicht an
+substantielle Wesenheiten und Modifikationen denken darf. Die Erlebnisse
+der Subjekte gehen nicht spurlos vorüber, sie wirken auf die psychische
+Organisation zurück und manches von diesen Wirkungen kommt in den
+Nachkommen scharf zum Ausdruck. Infolge bald des Zusammenwirkens, bald
+des einander Entgegenwirkens der Tendenzen väterlicher- und
+mütterlicherseits in der »Keimpsyche«, sowie des Einflusses äußerer
+Faktoren ist die psychische wie alle Vererbung natürlich etwas ungemein
+Kompliziertes, keineswegs etwas eindeutig Bestimmtes. Und da wir bei der
+Beurteilung dessen, was psychisch ererbt ist, den Einfluß der
+Nachahmung, Erziehung, des gleichen Milieu usw. nicht vergessen dürfen,
+so ist es kein Wunder, wenn wir über den Umfang der direkten Vererbung
+noch recht wenig wissen. Erfahrung und Logik sprechen aber für das
+Bestehen einer solchen, so sicher es auch ist, daß zur Erwerbung
+bestimmter psychischer (oder auch physischer) Eigenschaften schon
+gewisse +Prädispositionen+ nötig sind....
+
+Das extensive Wachstum psychischer Werte ist von +teleologischer+
+Bedeutung. Denn der größere Umfang von Vorstellungen usw. ermöglicht ein
+richtigeres, den mannigfachen Verhältnissen und Modifikationen des
+Daseins besser angepaßtes Verhalten des Subjekts. »Wissen ist Macht«.
+Die reicher ausgestattete Psyche verfügt über mehr Mittel zur
+Selbsterhaltung und Selbstförderung, sie ist dem Zwange von Raum und
+Zeit viel mehr entrückt, sie kann viel aktiver auftreten. Ohne einen
+gewissen Vorrat in Bereitschaft stehender Vorstellungen und Begriffe ist
+kein höheres Wollen, keine Überlegung, keine Planmäßigkeit des Handelns
+möglich. Teleologisch bedeutsam ist nun auch das +intensive+ Wachstum
+der Seele. Infolge der Übung ihrer Funktionen und infolge der daraus
+resultierenden Dispositionen +steigert sich die psychische Energie
+intensiv+, sie vermag bei gleichem oder geringerem Kraftaufwande +mehr
+und Besseres+ zu leisten, kurz, sie gewinnt an +Zwecktüchtigkeit+. Wir
+sehen denn auch in der individuellen wie in der kollektiven Evolution
+der Psyche die Leistungsfähigkeit dieser in vieler Beziehung durch die
+Vererbung der Übungsresultate sich steigern. Wir konstatieren vielfach
+eine +Steigerung+ der +Bewußtheit+ durch die Entwicklung, daneben
+freilich auch eine +Herabsetzung+ der Bewußtheit gewisser Funktionen.
+Und auch dieses Zurücktreten der Bewußtheit ist zweckmäßig. Die
+»Abstumpfung« durch Gewöhnung schützt vor der Überzahl der die Psyche
+sonst leicht störenden, verwirrenden, zerrüttenden Reize, sie entlastet
+die Seele, +erspart ihr Arbeit+, ermöglicht eine um so stärkere
++Konzentration+ in bestimmter Richtung, sie wirkt also entschieden
++ökonomisch+. Zugleich werden durch die »Mechanisierung« des Bewußtseins
+die Handlungen +sicherer+, indem sie viel weniger dem Irrtume ausgesetzt
+sind. Daher die Treffsicherheit alles »Instinktiven«, die freilich nur
+für bestimmte, normale, typische Umstände gilt; soll das Seelenleben
+nicht erstarren, so muß eine Modifizierbarkeit auch der Instinkte
+möglich sein und tatsächlich besteht sie in großem Ausmaße. Die
+Verminderung der Bewußtheit ist keine absolute Verarmung des
+Seelenlebens, wofern sie eben die Anbildung neuer, höherer
+Bewußtseinsinhalte und die Steigerung der psychischen Energie mitbedingt
+und ermöglicht. In dem rechten Verhältnis zwischen Bewußtheitssteigerung
+und Bewußtheitsschwächung liegt das Maximum des für das erlebende
+Subjekt Zweckmäßigen; dem entspricht das rechte Verhältnis zwischen
+Trieb- und aktivem Willensleben.
+
++Wundt+ spricht von einem »Wachstum geistiger Energie«[41] und wir
+müssen ebenfalls ein solches konstatieren. Zunächst sei bemerkt, daß
+damit dem Gesetz der +Erhaltung physischer Energie+ kein Abbruch getan
+wird. Denn es kann bei gleich bleibender Menge physischer Energie die
+Mannigfaltigkeit psychischer Qualitäten und Werte wachsen. Man muß
+ferner beachten, daß innerhalb gewisser Grenzen und Normen auch die
++Energie des Zentralnervensystems+ -- natürlich auf Kosten anderer
+physikalisch-chemischer Energie im und außerhalb des Organismus
+-- wächst, und zwar durch Ernährung und Übung. An die extensive und
+intensive Leistungsfähigkeit des Zentralnervensystems ist nun die
+Steigerung psychischer Energie im intensiven Sinne geknüpft, wie dies
+besonders +Jodl+ hervorgehoben hat (»Wachstum organischer Energie«). Daß
+innerhalb eines Partialsystems der Vorrat verfügbarer Energie durch
+Aufnahme von außen und Akkumulation zunehmen kann, ist ja ohne weiteres
+begreiflich und mit dem Gesetz der Erhaltung der Energie durchaus
+vereinbar; ebenso auch eine zeitweilige Abnahme an Nervenenergie.
+Während also ein Teil der Steigerung psychischer Leistungsfähigkeit
+-- die durch ihre Wirkungen, den zu verarbeitenden geistigen Stoff,
+einigermaßen, wenn auch nicht im physikalisch-exakten Sinne meßbar ist
+-- der Bereitschaft des ersparten Kraftaufwands und der durch die Übung
+erzielten besseren Richtung und Koordination der Energie zu verdanken
+ist, haben wir den andern Teil dem Wachstum des Innenseins dessen, was
+objektiv zerebrale Energie ist, zuzuschreiben. Der qualitativen und
+intensiven Steigerung dieser Energie und ihres Organs entspricht das
+Wachstum der Intensität und der Mannigfaltigkeit von seelischen Werten
+in deren immer vollkommeneren, bewußteren einheitlichen Zusammenfassung.
+Hier erscheint -- wie u. a. +Münsterberg+ betont -- das Prinzip des
+psycho-physischen Parallelismus nirgends durchbrochen.
+
+Das Wachstum geistiger Werte hängt, wie es wiederum +Wundt+ vortrefflich
+dargetan hat, mit der »schöpferischen Synthese« zusammen, die das
+Bewußtseinswirken charakterisiert; es ist ein Prinzip, welches besagt,
+»daß die psychischen Elemente durch ihre kausalen Wechselwirkungen und
+Folgewirkungen Verbindungen erzeugen, die zwar aus ihren Komponenten
+psychologisch erklärt werden können, gleichwohl aber neue qualitative
+Eigenschaften besitzen, die in den Elementen nicht enthalten waren,
+wobei namentlich auch an diese neuen Eigenschaften eigentümliche, in den
+Elementen nicht vorgebildete Wertbestimmungen geknüpft werden« (Philos.
+Studien X, 112f.). Es besteht eine Art »psychische Chemie«, vermöge
+deren eine Gesamtvorstellung, ein Gesamtgefühl usw. mehr ist als die
+bloße Summe der Elemente, in welche sich diese psychischen Gebilde
+zerlegen lassen. Im Verlaufe der individuellen und generellen
+Entwicklung entstehen so immer neue psychische Qualitäten und Werte, die
+wohl in den vorangehenden ihren zureichenden Grund haben, aber nicht
+restlos aus deren Zusammen zu erklären sind. Das Äquivalenzprinzip,
+welches auf dem Gebiete des Psychischen überall gilt, hat hier überall
+da, wo es sich um rein +Qualitatives+ handelt, keine Bedeutung. Was
+diesem Prinzip schöpferischer Energie in der Natur einigermaßen
+entspricht, das ist die immer neue Entstehung von +Formen+, insbesondere
+von organischen Gestaltungen, die auch nicht restlos auf die Summation
+von Elementen zurückzuführen sind. Die psychische Synthese ist aber
++nicht ein selbständiges Zusammentreten von Bewußtseinselementen,
+sondern ein Auftreten neuer Bewußtseinsmodifikationen auf Grundlage des
+Zusammenhanges anderer+, also eine Art +Reaktion des erlebenden Subjekts
+auf seine eigenen Erlebnisse+, welche das Material zu neuen Gestaltungen
+und Gliederungen darbieten; das Subjekt bereichert sich so aus und in
+sich selbst, es +entfaltet+ und +steigert+ sich in und an seinen eigenen
+Zuständen, Aktionen und Gebilden[42].
+
+Doch gibt es im seelischen Leben auch ein Analogon zur Erhaltung der
+Energie im Sinne des Äquivalenzprinzips, also so etwas wie eine
++Erhaltung psychischer Energie+[43]. Nämlich als Parallele zu dem
+intrazerebralen Verhältnis der Energien, welches derart ist, daß mit der
+erhöhten Energie bestimmter Partien oder Funktionen die entsprechende
+Verminderung der Energie anderer Partien oder Funktionen verbunden sein
+wird. Wir sehen in der Tat, wie eine Konzentration der Aufmerksamkeit
+für bestimmte Inhalte eine Schwächung der psychischen Energie für andere
+Inhalte bedingt, wie ferner die Steigerung gewisser Funktionen, wenn sie
+einseitig erfolgt, die Schwächung anderer zum Korrelat hat, kurz, wie
+das Zuströmen psychischer Energie nach einer bestimmten Richtung ein
+Abfließen solcher Energie von anderen Richtungen mit sich bringt. Die
+Begrenztheit der einem Subjekt zur Verfügung stehenden psychischen
+Leistungsfähigkeit hat diese Art von »Energie des Bewußtseins« zur
+Folge. Daß damit ein Wachstum seelischer Werte durchaus vereinbar ist,
+liegt auf der Hand. Selbsterhaltung und Selbstentfaltung gehören beide
+zusammen zum Wesen der psychischen Organisation, welche eine +Erhaltung
+in der Entwicklung+ aufweist. Und diese Entwicklung ist eine
++schöpferische+ (»évolution créatrice«, wie +Bergson+ sich ausdrückt),
+dabei aber gesetzmäßige, denn sie ist +das Gesetz des Seelischen
+selbst+, der Ausdruck des konstanten, unverlierbaren Wesens der
+Subjektivität. Die Seele »wächst« +so von innen heraus+, durch eine Art
+Entfaltung; sie differenziert sich selbsttätig oder in Reaktion auf die
+Reize der Umwelt, niemals aber kommt etwas direkt von außen in sie
+hinein, da psychische Modifikationen nicht direkt übertragbar sind,
+nicht in der Luft schweben können, nur als Modi eines Subjekts Sinn und
+Existenz haben. Insofern hat +Leibniz+ durchaus recht, wenn er sagt, die
+Seele (Monade) habe keine »Fenster«. Sie »spiegelt« das Universum,
+konzentriert wie in einem Focus die von der Umwelt erlittenen Eindrücke,
+aber in der +ihr+ gemäßen Weise, in Bewußtseinszuständen, welche zu den
+objektiven Momenten in Korrelation stehen, aber mit ihnen nicht
+identisch sind und ihnen auch nicht qualitativ gleichen.
+
+Von einer +Erhaltung+ des Psychischen ist auch insofern zu reden, als
+Psychisches weder neu entstehen noch in nichts vergehen kann. Wir müssen
+die Ewigkeit des Psychischen als Prinzip, als eines Wirklichkeitsfaktors im
+allgemeinen statuieren. Erstens, weil es das »Innensein« der Dinge ist,
+also ein Konstituens des Seins als solchen, und wir den Gedanken einer
+Entstehung oder Vernichtung des Seins logisch nicht zu konzipieren und
+durchzuführen vermögen. Zweitens weil das Psychische aus dem Physischen
+nicht hervorgegangen sein kann, was aus methodologisch-erkenntniskritischen
+Gründen anzunehmen ist. Ebenso, wie die physische Energie sich im
+beständigen Wandel der verschiedenen Energieformen ineinander konstant
+erhält, so bleibt auch das Psychische als solches bestehen, wenn auch die
++Formen+, in denen es jeweilig auftritt, beständig wechseln. Diese Formen
+sind äußerst mannigfaltig, keine gleicht der andern völlig, schon durch die
+wenigstens um ein Differenzial abweichende Stellung jedes Subjekts zur
+Umwelt müssen die Erlebnisse etwas anders ausfallen, abgesehen von den
+Komplikationen usw. Doch lassen sich psychische Formen, welche wesentlich
+miteinander übereinstimmen, zu +Typen+ vereinigen und diese wieder obersten
+Formen des psychischen Seins unterordnen. Die Art und der Grad des
+Bewußtseins und des Wollens ist für sie charakteristisch. Es findet eine
+Entwicklung von niederen, einfacheren, weniger reichen und klaren zu
+höheren, differenzierteren, klareren, umfassenderen Bewußtseinsformen
+statt, mit welchen partiell wieder ein Herabsteigen zu niederen,
+einfacheren Bewußtheitsgraden verbunden ist. Zugleich ist bei den niederen
+Bewußtseinsformen zwar ein dumpfes »Subjektgefühl« als vorhanden
+anzunehmen, nicht aber schon die Existenz eines reflektierten
+Selbstbewußtseins, ein Bewußtsein des eigenen Ichs in scharfer Abhebung von
+dessen Erlebnissen und ihren Inhalten, sowie ein Bewußtsein des eigenen
+Bewußtseins als solchen, welches wir eben als Reflexion, als Wissen, als
+Selbstbewußtsein im höheren Sinne bezeichnen. Zwar hat es keinen Sinn, von
++absolut unbewußten+ psychischen Prozessen zu reden, denn psychisch und
+bewußt sind eins; wohl aber gibt es +relativ unbewußte+ Vorgänge, d. h.
+solche, die nicht gesondert, sondern nur als ununterscheidbare Bestandteile
+eines übergeordneten, allgemeineren Bewußtseinszusammenhanges auftreten,
+die also »unterbewußt« sind[44]. Von den bewußten Vorgängen sind aber
+keineswegs alle auch als solche +gewußt+, d. h. beachtet und als
+Bewußtseinsakte auf das Subjekt als dessen Manifestationen bezogen. Das als
+solches gewußte, das +reflektierte+ Bewußtsein ist eine höhere Stufe des
+psychischen Lebens, ein +Bewußtsein höherer Ordnung+, ein potenziertes oder
+ein auf sich selber sich zurückbiegendes Bewußtsein, welches schon hohe
+Erinnerungs-, Apperzeptions- und Abstraktionsfähigkeit voraussetzt. Seine
+relativ höchste Stufe erreicht dieses Bewußtsein im begrifflichen Wissen
+und in den Urteilen der Psychologie, in der methodisch sicheren und klaren
+Beurteilung des seelischen Erlebens, in der Analyse und Synthese dessen,
+was sonst in der Regel nicht Gegenstand, nur Funktion des erlebenden
+Subjekts ist. Zu diesem Wissen gehört nicht bloß die Bewußtheit des eigenen
+Vorstellens und Denkens, sondern auch das Wissen um das eigene Wollen und
+Zwecksetzen, welches dadurch dem impulsiven Triebleben scharf
+gegenübertritt.
+
+In innigster Verkettung und Durchdringung spielen sich in der
+entwickelten Seele gewußte und einfach bewußte, unterbewußte und relativ
+unbewußte Vorgänge ab, einander wechselseitig beeinflussend. Bedeutsam
+ist hierbei die Rolle des +minder Bewußten+. Es macht einen wesentlichen
+Teil unserer Triebfedern und Motive aus, es ist mitbestimmend für die
+Richtung unseres Handelns, es gibt unserer Psyche die eigenartige,
+scheinbar grundlos wechselnde »Stimmung«, die sich über alles ergießt,
+was wir erleben. Die scheinbar geringfügigsten Eindrücke, die wir gar
+nicht bemerken, die aber nichtsdestoweniger in uns wirken, indem sie von
+unserer Umwelt ausgehen, kommen für die Richtung, die Lebhaftigkeit, die
+Geschwindigkeit, die Frische, den Gefühlston usw. unserer psychischen
+Reaktionen in Betracht; dazu gehören auch die +organischen
+Empfindungen+, die von unserem eigenen Leibe ausgehen und durch ihren
+Gefühlston das übrige Seelenleben beeinflussen[45], ferner die
+Empfindungen, die durch die Bewegung und Haltung unseres Körpers
+ausgelöst werden. Bedeutsam sind insbesondere auch die unterbewußten
++Nachwirkungen+ von Erlebnissen, welche kürzere oder längere Zeit in der
+Seele nachklingen, bis ein bestimmtes Erlebnis, welches zuerst die Seele
+in einer gewissen Spannung erhielt, sich ausgelebt hat; hierbei kommt es
+oft entweder zu einem Zusammenwirken zweier oder mehrerer Erlebnisse zu
+einer verstärkten Resultante, oder aber zu einer Interferenz und
+Opposition solcher Erlebnisse. Jedenfalls kann man mit Recht von
++psychischen Wellenzügen und Strömungen+ sprechen, von einem psychischen
+Anklingen und Abklingen u. dgl.[46]. Die +ganze Vergangenheit+ der
+Psyche ist für das jedesmalige neue Erleben in verschiedenem Grade
+bedeutsam, für ihr Erkennen wie für ihr Fühlen und Wollen. Das, was die
+Seele reaktiv und aktiv erlebt, durchgemacht hat, das ist sie, das
+bildet einen wesentlichen +Teil ihres Seins+; wie sie ist, so wirkt sie,
+und wie sie wirkt, so ist sie. Das Zentrum, der relativ konstante Kern
+der Seele, das sind die +Dispositionen+, die in Form von Gewohnheiten,
+Fertigkeiten, Neigungen auftreten und die, aus früheren Erlebnissen
+hervorgegangen, die neuen Erlebnisse formal mitbedingen. Weil diese
+Dispositionen in der Regel nicht zu klarem Bewußtsein gelangen, weil das
+»Unterbewußte« mit seinen Antrieben das ganze Seelenleben trägt und
+durchsetzt, aus einem stetig wachsenden Ressort aufsteigend, kennt sich
+das Subjekt nur wenig, wenn es bloß seine klar bewußten Erlebnisse in
+Betracht zieht. Nur ein Teil der psychischen Vorgänge ist aus klar
+bewußten Erlebnissen (und auch da nicht restlos) abzuleiten. Wo dies
+nicht gelingt, ist das Prinzip der Kausalität +keineswegs durchbrochen+,
+es gibt auch keine absolut »freisteigenden« Vorstellungen, absolut
+unbewußte Assoziationen u. dgl., sondern es besteht ein +minderbewußter,
+relativ unbewußter Untergrund+ und es gibt unterbewußte Vermittler von
+Bewußtseinsprozessen und deren Verbindungen. Eine scharfe psychologische
+Analyse kann nachträglich solche Zwischenglieder ermitteln, und wir
+können wohl annehmen, daß sie auch dann vorhanden sind, wenn wir sie
+nicht zu unterscheiden vermögen.
+
++Differenzierung+ und +Integrierung+ charakterisieren wie alle Entwicklung
+so auch die psychische Evolution. Das gilt wie für die Psyche als Ganzes so
+auch für deren Einzelerlebnisse, phylo- wie ontogenetisch. Ein dumpfes,
+verworrenes, chaotisches Bewußtsein ist der Ausgangspunkt dieser
+Entwicklung, die ihren idealen Höhepunkt in der klarsten und umfassendsten
+Synthese (»Integration«) einer reichsten Mannigfaltigkeit scharf
+unterschiedener (»differenzierter«) Inhalte des Bewußtseins erreicht. Ein
+gutes Beispiel dafür ist das Hervorgehen der mannigfachen +Sinne+ aus einem
+primitiven Hautsinn, der noch kaum lokalisiert ist. Durch Anpassung an die
+verschiedenen physikalisch-chemischen Reize verändert und verfeinert sich
+die psychophysische Organisation dahin, daß nun für jeden Typus des Reizes
+eine besondere Art des Empfindens besteht, die infolge der Arbeitsteilung
+auch schärfer ausgeprägt ist. Diese Mannigfaltigkeit von Empfindungsarten
+vermag das entwickelte Bewußtsein dadurch zu »integrieren«, daß es sie in
+immer klareren und deutlicheren Vorstellungen zusammenfaßt. Im gleichen
+Sinne entwickeln sich dann auch die gedanklichen Gebilde, Begriffe und
+Urteile, indem sie einerseits immer spezieller und bestimmter werden,
+anderseits immer zweckmäßiger zur Einheit des Denkens und Erkennens
+zusammengefaßt werden. Die Fähigkeit der Synthese entwickelt, steigert sich
+parallel damit und zwar in bestimmter »Gesetzlichkeit«, aus welcher die
+»apriorischen« Erkenntniskonstanten, die »Formen« der Erkenntnis
+entspringen; die Genesis dieser ist also keineswegs, wie man zuweilen
+geglaubt hat (+Spencer+ u. a.) mit einem empirischen Charakter derselben
+identisch, was hier nur nebenbei bemerkt sei[47]. Ebenso differenziert und
+integriert sich das +Gefühlsleben+, immer speziellere und feinere
+Gefühlsnuancen verdrängen das anfangs noch arme, rohe Gefühlsleben,
+zugleich schwächt sich teilweise die ursprüngliche Heftigkeit der Affekte
+ab. Endlich tritt das ursprünglich äußerst einfache, arme +Triebleben+ in
+eine Mannigfaltigkeit von Willenstendenzen auseinander, welche die
+verschiedensten Richtungen haben und doch immer mehr zur Einheit eines
+obersten »Grundwillens« verbunden werden. Während also die niedrigste
+Bewußtseinsstufe ein höchst einfaches, durch einzelne Reize unstetig
+ausgelöstes, des inneren Zusammenhanges noch entbehrendes
+»Momentanbewußtsein« sein muß, finden wir auf den höchsten Stufen der
+Entwicklung eine allseitige Differenzierung, eine außerordentliche Fülle
+von Qualitäten, verbunden mit einer »zentralisierten Organisation« des
+Seelischen; an Stelle bloßer Gefühls-und Strebungseinheit tritt die
+synthetische Einheit des wollenden und denkenden, sich in der
+Mannigfaltigkeit seiner Inhalte konstant zusammenschließenden
+Selbstbewußtseins.
+
+Differenzierung und Integrierung sind auch für das Verhältnis des
++Einzelgeistes+ zum +Gesamtbewußtsein+ charakteristisch[48]. Ein
+isolierter, absolut selbständiger Individualgeist ist nirgends zu finden,
+von Anfang an bildet das Einzelbewußtsein ein Glied eines Zusammenhanges,
+der durch die +Wechselwirkung gleich gearteter Individuen+ entsteht und
+sogleich auf die letzteren zurückwirkt. Erst +innerhalb+ des
+sozialpsychischen Verbandes erfolgt die immer weiter gehende
+Differenzierung der Individualseelen bzw. bestimmter Gruppen von solchen,
+eine Differenzierung, die so weit gehen kann, daß ein +Gegensatz+ zum
+Gesamtgeist entsteht. Aber diese psychische Differenzierung, die durch die
+Verschiedenheit der Lebensweise, des Berufes, des Milieu, der Erlebnisse
+usw. erfolgt, ist von einer Integrierung begleitet, indem der gleiche Beruf
+usw. einen gemeinsamen Berufs- und Korpsgeist erzeugt. Auf die Abtrennung
+der Individualitäten vom Gesamtbewußtsein folgt eine neue Bindung durch das
+letztere, ein +Gesamtbewußtsein höherer Stufe+ mit wachsender Bewußtheit
+des Zusammenhanges, mit Überwiegen des willentlichen Aneinanderschließens
+und Kooperierens vor dem zuerst rein triebmäßigen
+Zusammengehörigkeitsgefühl. Auf die, wie +Tönnies+ sagt, vom »Wesenwillen«
+beherrschte naturhafte »Gemeinschaft« folgt die durch mehr äußere
+Interessen und durch »Willkür« bedingte »Gesellschaft«, der aber, fügen wir
+hinzu, sich allmählich weitergreifend und verinnerlichend, eine von einem
++neuen Wesenwillen+ beherrschte, +kulturelle Gemeinschaft+ im Denken,
+Fühlen, Wollen und Handeln sich überlagert. Zwischen Gesamt- und
+Einzelbewußtsein findet eine beständige +Wechselwirkung+ statt. Einerseits
+wächst das Einzel-Ich in eine ihm als objektive Macht von Anfang an
+gegenüberstehende Gesamtheit hinein, durch deren Tendenzen es mehr oder
+weniger beeinflußt wird, abgesehen von dem Niederschlage
+kollektiv-psychischen Lebens, welches in Form von Dispositionen vom
+Individuum ererbt wird; der Gesamtgeist wirkt durch Erziehung, Zwang der
+Sitte, Nachahmung u. dgl. auf das Individualbewußtsein, in dem er schon
+partiell der Potenz nach enthalten ist, ein. Die aus dem »Gesamtgeist«
+differenzierten »Individualseelen« modifizieren ihrerseits den Gesamtgeist
+fortwährend, besonders die »führenden Geister«, welche einerseits der
+klarste und kräftigste Ausdruck von Tendenzen und Idealen des
+Gesamtgeistes, anderseits die relativ originellen Neugestalter des
+Gesamtgeistes sind. Endlich stehen die Gebilde des Gesamtgeistes: Recht,
+Wirtschaft, Religion usw. in Wechselwirkung miteinander, und zugleich
+besteht eine Entwicklung innerhalb jedes dieser Gebilde[49]....
+
+Die Entwicklung der Einzel- wie der Gesamtpsyche ist eine »gesetzliche«.
+Freilich kann hier nicht von Gesetzen im Sinne der Physik, sondern eben
+nur von +Entwicklungsgesetzen+, die hier den Charakter +typischer
+Sukzessionen+ haben, denen die kausal-teleologische Wirksamkeit des
+Psychischen zugrunde liegt, die Rede sein. Differenzierung und
+Integrierung, Auseinandertreten des relativ homogenen Erlebens in eine
+Mannigfaltigkeit gesonderter Bewußtseinsvorgänge und darauf folgende
+Zusammenfassung zu einheitlichem Zusammenhange -- das ist etwas, was die
+psychische mit der biologischen Entwicklung gemein hat. Ebenso finden
+wir das Prinzip der »Heterogonie der Zwecke« schon in der biologischen
+Sphäre, wo es freilich schon mit psychischen Faktoren zusammenhängt.
+Charakteristisch für das Psychische ist vor allem die +Entwicklung in
+Gegensätzen+, welche vom +Kontrastprinzip+ beherrscht wird und mit der
+Natur des Gefühls- und Willenlebens zusammenhängt. Dadurch nämlich, daß
+sich Gefühle und Strebungen zu höchster Stärke und Wirkung ausleben,
+findet eine Übersättigung und Abstumpfung der Psyche statt, die nun, des
+Alten überdrüssig, nach Neuem, nach Veränderung ihres Zustandes strebt.
+Da nun das Bewußtsein des Neuen vorzüglich durch die gegensätzlichen
+Strebungen, die infolge des Nachlassens der älteren an Kraft gewinnen,
+konstituiert wird, so ist der Umschlag der Tendenzen ins gerade
+Gegenteil, der Übergang von einem +Extrem+ zum andern leicht
+verständlich[50]. Besonders zeigt sich eine solche Entwicklung im
++geschichtlichen+ Geistesleben, im Wechsel z. B. von Moden, von
+künstlerischen Richtungen, von politischen oder religiösen Strömungen.
+Die Gegensätze folgen einander nicht bloß in der Zeit, sondern auch in
+einer und derselben Periode ruft das eine Extrem leicht das andere,
+gegensätzliche hervor, so daß z. B. nüchternste Wirklichkeitsbetrachtung
+auf der einen Seite mit Mystik und Aberglauben auf der andern in
+derselben Zeit zusammengehen können. Indem zur Thesis sich sogleich die
+Antithesis gesellt, fehlt es freilich auch fast nie an einer »mittleren
+Linie« der Geistesstimmung, an der Synthese von Extremen, bald in
+eklektischer Weise, bald aber auch in organischer, schöpferischer Form,
+die sich dann weiter entwickelt und, wenigstens als Tendenz, den
+Extremen Konkurrenz macht, wie dies besonders das Beispiel
+philosophischer Systeme oder Theorien lehrt. Da die Synthese nie
+absolut, nie vollendet ist, da in den synthetischen Versuchen immer
+wieder neue Einseitigkeiten vorkommen, kommt das Geistesleben nie zur
+Ruhe, sondern mit einer gewissen +Periodizität+ kommen die
+gleichartigen Tendenzen immer wieder, um freilich immer neue
+Modifikationen psychischer Gebilde zu erzeugen. Selbsterhaltung im
+Wechsel hier wie überall! Jene Tendenzen, welche zu ihrer Zeit durch
+andere verdrängt wurden, kommen wieder auf, wenn die Verhältnisse
+günstiger geworden, und dies wiederholt sich so lange, +bis alle
+Potenzen der Psyche zur Entfaltung gekommen+, bis alles in ihr
+Angelegte sich verwirklicht hat, bis alle Willensrichtungen und Ideen
+sich »ausgelebt« haben. Beharrungs- und Veränderungstendenz wirken
+hierbei stets zusammen, indem bald mehr die eine, bald mehr die
+andere überwiegt.
+
+
+
+
+Anmerkungen.
+
+
+Zu I.
+
+[1] Den Aktualitätsstandpunkt nehmen ein: +Spinoza+, +Hume+, +Fichte+,
++Schopenhauer+, +Fechner+, +Paulsen+, +Wundt+, +Joël+, +J. St. Mill+,
++Spencer+, +Höffding+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Mach+, +Fouillée+,
++Bergson+, +Luquet+ u. a. Nach +Wundt+ ist das geistige Leben »nicht
+eine Verbindung unveränderter Objekte und wechselnder Zustände, sondern
+in allen seinen Bestandteilen Ereignis, nicht ruhendes Sein, sondern
+Tätigkeit, nicht Stillstand, sondern Entwicklung« (Vorlesungen über die
+Menschen- und Tierseele {2}[C], S. 495). Die innere Erfahrung ist »ein
+Zusammenhang von Vorgängen« (Grundriß der Psychol.).
+
+ [C] Diese Ziffern bedeuten die Auflage des angeführten Werkes.
+
+[2] Vgl. meine Schrift »Leib und Seele«, Leipzig 1906.
+
+[3] Die reine Zeitlichkeit des psychischen Geschehens, die Stetigkeit
+desselben, das wir erst zu einer Summe von Elementen veräußerlichen,
+betont neuerdings +H. Bergson+.
+
+[4] Vgl. +Lachelier+, Psychologie und Metaphysik; +Busse+, Geist und
+Körper, u. a.
+
+[5] So +Huxley+, +Ribot+ u. a.
+
+[6] Vgl. die Kritik der Epiphänomen-Theorie bei +Fouillée+, Der
+Evolutionismus der Kraft-Ideen, Leipzig 1907; +Busse+, Geist und Körper.
+
+[7] Vgl. +Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 3ff.
+
+[8] Vgl. +L. W. Stern+, Person und Sache I.
+
+[9] Eine parallelistische Identitätslehre vertreten in verschiedener
+Weise: +Schopenhauer+, Welt als Wille und Vorstellung 1, § 18ff.;
++Fechner+, Zend-Avesta II, 164f.; I, 252f.; Über die Seelenfrage, S.
+9ff., 110ff., 220f.; +Paulsen+, Einleit. in die Philosophie, S. 115;
++Ebbinghaus+, Grundz. der Psychologie I, 42f.; +Heymans+, Einführung in
+die Metaphysik, S. 227ff.; +Ziehen+, Über die allgem. Beziehungen
+zwischen Gehirn und Seelenleben, 1902; +Wundt+, Grundriß der
+Psychol. {5}, S. 2ff.; Grundzüge der physiolog. Psychologie, II {4}, 648;
++B. Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und Geisteslebens, 2;
++Höffding+, Psychologie 2, C. 2; +Riehl+, Der philos. Kritizismus II 1,
+63; +Grot+, Archiv f. systemat. Philos. IV; +Spencer+, Princ. of
+Psychol. I {3}, p. 107ff., 627; +Fouillée+, Der Evolutionismus der
+Kraft-Ideen, S. 37 u. a.; +Koenig+, Zeitschr. f. Philosophie und philos.
+Kritik, Bd. 115; +Paulsen+, Zeitschr. f. Philosophie, Bd. 115;
++Heymans+, Zeitschr. für Psychol. und Physiol. der Sinnesorgane, 18. Bd.
+1898; +Münsterberg+, Grundzüge der Psychologie I, 435, 492; +Riehl+, Zur
+Einführung in die Philos. S. 156ff.; +Jodl+, Lehrb. d. Psychol. C. 2,
+§ 24; +Eisler+, Leib und Seele, 1906; +B. Erdmann+, Wissensch. Hypothesen
+über Leib und Seele, 1908; Experimentelle Arbeiten zur Bestätigung des
+Energieprinzips im Organismus; +Rubner+, Die Quelle der tierischen
+Wärme, Zeitschrift für Biologie, Bd. 30, 1894; +Atwater+, Neue Versuche
+über Stoff- und Kraftwechsel im menschlichen Körper, Ergebnisse der
+Physiologie, Bd. III, 1, 1904. +Gegen+ den Parallel. vgl. +Busse+,
++Höfler+, +Wentscher+, +Erhardt+, +Bergson+ u. a.
+
+[10] Vgl. meine Schrift »Leib und Seele«, sowie meine Abhandlung »Die
+Theorie des Panpsychismus«, in: Zeitschr. f. d. Ausbau der
+Entwicklungswissenschaft I, H. 8.
+
+[11] Vgl. +B. Kern+, Das Wesen des menschlichen Seelen- und
+Geisteslebens, 1907.
+
+[12] Über den Begriff der Seele vgl. +Fechner+, Über die Seelenfrage, S.
+9, 210ff.; Zend-Avesta I, S. XIX; II, 148; +Wundt+, Logik II 2, 2, S.
+245ff.; Grundriß der Psychol. {5}, S. 386; Grundzüge der physiol.
+Psychol. II {4}, 633ff.; System d. Philos. {2}, S. 372ff., 606; +Jodl+,
+Lehrbuch d. Psychol. S. 31; +Paulsen+, Einleitung in die Philos. {2}, S.
+136, +Höffding+, Psychol. {2}, S. 16ff.; +Ebbinghaus+, Grundzüge der
+Psychologie I, 17f.; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen;
++P. Carus+, Soul of Man, S. 419, u. a. Die Seele als Subjekt-Einheit;
++Sigwart+, Logik II 2, 207f.; +A. Vannérus+, Archiv f. systemat. Philos.
+I, 1895, S. 363ff. Die Seele als Substanz: +L. Busse+, Geist und Körper,
+S. 324ff. Vgl. +W. James+, Princ. of Psychol. I, 160ff., 342ff., u. a.
+
+
+Zu II.
+
+[13] Nach +Münsterberg+ ist das Psychische als der Gegenstand der
+Psychologie nichts Reales, sondern ein Abstraktionsprodukt, das Produkt
+einer Objektivierung, während die Geisteswissenschaften es mit dem
+konkreten, stellungnehmenden, zwecksetzenden Subjekt und dessen Akten zu
+tun haben, also »subjektivierend« verfahren (Grundzüge der Psychol. I,
+57f., 62, 202). »Die Einheit des geistigen Lebens ist gar nicht ein
+Zusammenhang psychologischer Objekte, sondern ein Zusammenhang von
+Tatsachen, aus denen psychologische Objekte abgeleitet werden können«
+(a. a. O. S. 382; vgl. Psychology and Life 1899). Vgl. dagegen
++Höffding+, Philos. Probleme, S. 13; +G. Villa+, Monist, 1902; +Eisler+,
+Zeitschrift für Philosophie und philos. Kritik, Bd. 122, S 80ff.; +J.
+Cohn+, Vierteljahrsschr. für wissensch. Philos. Bd. 26.
+
+[14] Vgl. auch +R. Wahle+, Über den Mechanismus des geistigen
+Lebens, 1906.
+
+[15] Die psychische Kausalität ist uns als innerer Zusammenhang unserer
+Erlebnisse unmittelbar, d. h. ohne daß es erst einer Deutung,
+Projektion, begrifflich-hypothetischen Ergänzung bedarf, gegeben (vgl.
++Wundt+, Logik I {2}, 625ff., System der Philos. {2}, S. 291, 593f.).
+»So erleben wir beständig Verbindungen, Zusammenhänge in uns, während
+wir den Sinneserregungen Verbindung und Zusammenhang unterlegen müssen.«
+»In dem Erlebnis wirken die Vorgänge des ganzen Gemüts zusammen. In ihm
+ist Zusammenhang gegeben, während die Sinne nur ein Mannigfaltiges von
+Einzelheiten darbieten. Der einzelne Vorgang ist von der ganzen
+Totalität des Seelenlebens im Erlebnis getragen, und der Zusammenhang,
+in welchem er in sich und mit dem Ganzen des Seelenlebens steht, gehört
+der unmittelbaren Erfahrung an.« »Alles psychologische Denken behält
+diesen Grundzug, daß das Auffassen des Ganzen die Interpretation des
+Einzelnen ermöglicht und bestimmt.... Der erfahrene Zusammenhang des
+Seelenlebens muß die feste, erlebte und unmittelbar sichere Grundlage
+der Psychologie bleiben.« (+Dilthey.+)
+
+[16] Vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie«, Leipzig, 1907.
+
+[17] Zu dieser Kausalität gehört auch das psychische Innensein der
+Faktoren, welche auf das erlebende Subjekt einwirken. Insofern hat
++Simmel+ mit seiner Bemerkung (Einleit. in die Moralwissenschaft II,
+297) nicht unrecht. Vgl. +Kreibig+, Die Aufmerksamkeit, S. 51.
+
+[18] Von diesem +primären Subjektmoment+ ist das +entwickelte
+Selbstbewußtsein+ wohl zu unterscheiden, welches die Psychologie nicht
+wie jenes hinnehmen kann, sondern genetisch erklären muß, soweit es mehr
+ist als einfache, nicht ableitbare Subjektivität.
+
+
+Zu III.
+
+[19] Über den psychologischen Voluntarismus vgl. +Schopenhauer+, Welt
+als Wille und Vorstellung; +J. H. Fichte+, Psychol. I; +Fortlage+,
+System der Psychol. I; +Ed. v. Hartmann+, Philosophie des Unbewußten,
+Moderne Psychologie; +Bilharz+, Metaphys.; +Paulsen+, Einleit. in die
+Philos.; +Wundt+, Logik II {2} 2; Grundriß der Psychol. {5}; System der
+Philos. {2}; +Höffding+, Psychol. {2}; +Tönnies+, Gemeinsch. u.
+Gesellsch.; +Rümelin+, Reden und Aufsätze I; +Losskij+, Zeitschr. f.
+Psychol. d. Sinnesorgane, Bd. 30, 1902; +Hughes+, Mimik d. Menschen;
++Goldscheid+, Ethik des Gesamtwillens I; +J. Ward+, Encycl. Brit. XX;
++L. F. Ward+, Pure Sociology; +Fouillée+, Psychol. des idées-forces I
+und II; Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10 u. 11; +Münsterberg+,
+Grundzüge der Psychologie I; +Sigwart+, Logik II {2}; +W. James+, Princ.
+of Psychology; +G. Villa+, Einleit. in d. Psychologie; +W. Jerusalem+,
+Lehrbuch der Psychologie {3}; +Schellwien+, Wille u. Erkenntnis;
++Nietzsche+, Werke, u. a. Auch +Dilthey+ ist hier anzuführen, ferner
++Joël+, +Bergson+ u. a. Vgl. +Eisler+, Krit. Einführung in die
+Philosophie, Berlin 1905; Wörterbuch der philos. Begriffe, 3. Aufl., Bd.
+III; Grundl. d. Philos. d. Geistesleb., 1908.
+
+[20] Vgl. L'évolutionisme des idées-forces, deutsch (Der Evolutionismus
+der Kraft-Ideen). Philosoph.-soziologische Bücherei III. Leipzig 1908,
+Dr. Werner Klinkhardt.
+
+[21] Über Reflexe vgl. +Wundt+, Grundzüge der physiologischen
+Psychologie, II {4}, 582ff.; Grundriß der Psychologie {5}, S. 230f.;
++Th. Ziegler+, Das Gefühl {2}, S. 215f., 308; +Fouillée+, Evolutionismus
+der Kraft-Ideen, S. 40, 325ff., u. a.
+
+[22] Über »Mechanisierung« des Bewußtseins vgl. +Wundt+, Grundriß der
+Psychologie {5}, S. 229ff.; System der Philosophie {2}, S. 571ff.;
++Höffding+, Psychol. {2}, S. 67; +Jodl+, Lehrbuch der Psychol. S. 427f.,
+432; +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen, S. 10, u. a.
+
+[23] Vgl. +Höffding+, +Natorp+, +Goldscheid+.
+
+[24] Vgl. +Joël+, Der freie Wille, 1909.
+
+[25] Gegen +Bain+, +Spencer+, +Ribot+, +Sergi+ u. a.
+
+[26] Über funktionelle Bedürfnisse vgl. +Döring+ (Philos. Güterlehre,
+1888), +Jerusalem+ u. a.
+
+[27] Über Apperzeption und geistige Verarbeitung von Erlebnissen vgl.
++Wundt+, Grundriß der Psychologie {5}, S. 249ff.; Grundzüge der
+physiolog. Psychol. II 4, 266ff.; +Külpe+, Grundr. d. Psychol., S. 441;
++James+, Princ. of Psychol.; +Stout+, Analyt. Psychol. II, 112;
++Jerusalem+, Lehrb. d. Psychol. {3}, S. 87; +Lipps+, Leitfaden d.
+Psychol., S. 63ff., +B. Erdmann+, Vierteljahrsschrift für wissensch.
+Philosophie X, 307ff., 340ff., 391ff.; +Baldwin+, Handbook of Psychol.
+I, 65; +Ed. v. Hartmann+, Moderne Psychologie, S. 172, 425, u. a. --
+Zwischen Apperzeptions- und Assoziationspsychologie soll nach
++Münsterberg+ die »Aktionstheorie« vermitteln, welche fordert, »daß
+jeder Bewußtseinsinhalt Begleiterscheinung eines nicht nur sensorischen,
+sondern sensorisch-motorischen Vorganges ist, und somit von den
+vorhandenen Dispositionen zur Handlung ebensosehr abhängt wie von
+peripheren und assoziativen Zuführungen« (Grundzüge der Psychologie I,
+549). Vgl. dazu +Fouillée+, Der Evolutionismus der Kraft-Ideen.
+
+[28] Über das Denken als Willenshandlung vgl. +Wundt+, Grundriß der
+Psychologie {5}, S. 301ff.; +Külpe+, Grundriß der Psychologie, S. 464
+(»antizipierende Apperzeption«); +Tönnies+, Gemeinsch. u. Gesellsch.,
+S. 139f., +Jerusalem+, Lehrbuch der Psychol. {3}, S. 103; +Kreibig+,
+Die Aufmerksamkeit, S. 3; ferner +Nietzsche+, +Höffding+, +Paulsen+,
++Fouillée+, +Sully+, +Jodl+, +Baldwin+, +James+, +Sigwart+
+(»Denkwille«) u. a.
+
+[29] Über die Rolle von Gefühl und Streben bei der Assoziation vgl.
++Horwicz+, Psychol. Analysen I, 168f.; +Windelband+, Präludien, S.
+190ff.; +Höffding+, Psychol. {2}, S. 445ff.; +Ed. v. Hartmann+,
+Philosophie des Unbewußten I 10, 246f.; +Wundt+, Vorles. über d.
+Menschen- u. Tierseele {2}, S. 338; System der Philos. {2}, S. 583,
++Fouillée+ u. a.
+
+[30] Der Richtungsbegriff und seine Bedeutung für die Philosophie.
+Annalen der Naturphilosophie VI, 58ff.
+
+
+Zu IV.
+
+[31] Den teleologischen Gesichtspunkt hat in programmatischer Weise +W.
+Dilthey+ dargetan (Ideen über eine beschreibende und zergliedernde
+Psychologie, Sitzungsber. der Kgl. Preuß. Akadem. der Wissenschaften zu
+Berlin, 1894; Studien zur Grundlegung der Geisteswissenschaften,
+Sitzungsbericht der Kgl. Akadem. der Wissenschaften 1905, XIV, S.
+332ff.). Er ist (wie +James+ u. a.) Gegner der »atomistischen«
+Psychologie und will, daß von den inneren Zusammenhängen der Seele in
+beschreibend-analytischer, konstruktiver Hypothesen sich entschlagender
+Weise vorgegangen wird, damit die volle Wirklichkeit des Seelenlebens
+zur Vorstellung gelange. Die Psychologie ist »Beschreibung und Analysis
+eines Zusammenhangs, welcher ursprünglich und immer als das Leben selbst
+gegeben ist«. Sie hat »die Regelmäßigkeiten im Zusammenhange des
+entwickelten Seelenlebens zum Gegenstand«. Sie muß »vom entwickelten
+Seelenleben ausgehen, nicht aus elementaren Vorgängen dasselbe
+ableiten«. Nur durch Abstraktion heben wir eine Funktion, eine
+Verbindungsweise aus einem konkreten Zusammenhang heraus. »Der einzelne
+Vorgang ist von der ganzen Totalität des Seelenlebens im Erlebnis
+getragen«. Der erworbene Zusammenhang ist wirksam in jedem psychischen
+Vorgang. -- Der psychische Strukturzusammenhang hat einen
+»teleologischen Charakter«. »Wo in Lust und Leid die seelische Einheit
+das ihr Wertvolle erfährt, reagiert sie in Aufmerksamkeit, Auswahl der
+Eindrücke und Verarbeitung derselben, in Streben, Willenshandlung, Wahl
+unter ihren Zielen, Aufsuchen der Mittel für ihre Zwecke« (Das Wesen der
+Philosophie, in: Die Kultur der Gegenwart I, 6, S. 32ff.). Diese
+seelische Teleologie hat +Dilthey+ geistesphilosophisch zum Teil
+ausgeführt. -- Zur Teleologie des Seelischen vgl. +Spencer+, +Romanes+,
++James+, +Baldwin+, +Dewey+, +Höffding+, +Ribot+, +Fouillée+, +Bergson+,
++Luquet+, +Ebbinghaus+, +Wundt+, +Jodl+, +Mach+, +Jerusalem+, +Simmel+,
++Groos+, +L. W. Stern+, ferner +A. Pauly+, +Francé+, +Kohnstamm+ u. a.
+Vgl. +Kohnstamm+, Intelligenz und Anpassung, Annalen der
+Naturphilosophie 1903; Grundlinien einer biologischen Psychologie,
+Versamml. deutscher Naturforscher und Ärzte, 1903; Die biologische
+Sonderstellung der Ausdrucksbewegungen, Journal für Psychologie und
+Neurologie, 7. Bd. (Unterscheidung von »Teleoklise«, d. h.
+Zwecktätigkeit und »Expressivität«, Ausdruckstätigkeit als der beiden
+spezifischen Formen des Lebens). Dazu sei bemerkt, daß auch die
++Ausdrucksbewegungen+ auf Zielstrebigkeiten beruhen, indem sie
+phylogenetisch aus Willens-(Trieb-)Vorgängen (bzw. deren physiologischen
+Korrelaten) hervorgegangen sind.
+
+[32] Die organische Auffassung der Seele wird konsequent von
++Ebbinghaus+ durchgeführt. Nach ihm ist die Seele »derselben Art wie das
+Nervensystem und damit wie der ganze Körper, nämlich ein seine eigene
+Erhaltung erstrebendes System innerlich erlebter Bildungen und
+Funktionen.... Diese Selbsterhaltung aber verwirklicht sie in zweifacher
+Weise. Einmal durch Kampf mit dem, was uns in äußerer Erscheinung als
+Außenwelt gegeben ist.... Und zweitens durch Betätigung ihrer bestimmten
+Eigenart, durch das Ausleben und Sichauswirken der ihr nun einmal
+verliehenen Kräfte und Anlagen« (Psychologie, in: Die Kultur der
+Gegenwart I, 6, S. 195). Den biologischen Standpunkt in der Psychologie
+vertreten ferner +James+, +Baldwin+, +Spencer+, +Romanes+, +Ribot+,
++G. H. Schneider+, +Jodl+, +Jerusalem+, +Kreibig+, +Groos+, +Mach+ u. a.
+
+[33] Wie dies besonders +Dilthey+, +James+ und neuerdings in
+geistvoller Weise +H. Bergson+ (Matière et Mémoire; L'évolution créatrice)
+betont haben.
+
+[34] Über den »voluntaristischen Kritizismus« vgl. meine »Einführung in
+die Erkenntnistheorie« 1907.
+
+[35] Vgl. +Döring+, +Jerusalem+ u. a.
+
+[36] Vgl. +Groos+, Spiele der Tiere, und Spiele der Menschen.
+
+[37] Vgl. +Münsterberg+, Philos. der Werte, Leipzig 1908.
+
+[38] +Goldscheid+, Entwicklungswerttheorie, Leipzig 1908, ferner
+Schriften von +Höffding+, +R. Richter+ u. a.
+
+[39] Teleologische Bedeutung haben die Gefühle nach +Spencer+, +Bain+,
++Ribot+, +Ebbinghaus+, +Jerusalem+, +Jodl+, +Z. Oppenheimer+ u. a. --
+Zum Willen bringen die Gefühle als Symptome (Reaktionen) oder Momente
+desselben +Schopenhauer+, +Ed. v. Hartmann+, +Nietzsche+, +Hamerling+,
++Paulsen+, +Windelband+, +Wundt+ u. a. Nach +Wundt+ sind Gefühle teils
+Anfangs-, teils Begleitzustände des Wollens.
+
+
+Zu V.
+
+[40] Über psychische Vererbung vgl. +Darwin+, Ausdr. d.
+Gemütsbewegungen; +Lloyd Morgan+, Animal Life and Intelligence, 1890;
++Galton+, Hereditary Genius, 1869; +Ribot+, L'hérédité, 2. éd. 1882;
++Wundt+, Grundriß der Psychol. {5}, S. 342; +Sully+, Handbuch der
+Psychologie, S. 55f.; +Spencer+, Psychologie; +Romanes+, Die geistige
+Entwicklung; +Lewes+, Probl. of Life; +L. Wilser+, Die Vererbung
+geistiger Eigenschaften; +Baldwin+, Handbook of Psychol. 1890f.; Die
+Entwicklung des Geistes beim Kinde und in der Rasse, 1895; +Semon+,
+Mneme {2}, 1908, u. a.
+
+[41] Grundriß der Psychologie {5}, S. 396; System der Philosophie {2},
+S. 304, 307.
+
+[42] Vgl. +L. W. Stern+, Person und Sache I.
+
+[43] Ein Gesetz der Erhaltung psychischer Energie stellt +Fouillée+ auf:
+»Das Lebewesen ist bemüht, gegenüber den äußeren Hindernissen eine
+ziemlich konstante Energiemenge zu bewahren; es ersetzt seine Verluste
+durch seine Erwerbungen und strebt unaufhörlich nach dem Gleichgewicht.
+Auf seelischem Gebiete zeigt sich diese Tendenz zum Gleichgewicht, zur
+Selbsterhaltung und zur Erhaltung der durchschnittlichen Energiemenge
+ebenfalls. Es besteht für das geistige Wachstum wie für die
+Gehirnzunahme eine Grenze; eine zu stark entfaltete Fähigkeit zieht die
+Schwächung anderer nach sich« (Evolutionism. d. Kraft-Ideen, S. 208f.).
+Es besteht ferner eine quantitative Korrelation, eine Wechselfolge und
+ein Rhythmus zwischen den verschiedenen Arten der psychischen Energie
+(ibid.). Vgl. +Münsterberg+, Grundzüge der Psychol. I; +Jodl+, Lehrbuch
+d. Psychologie, S. 88, +Grot+ u. a.
+
+[44] Gegner eines absolut Unbewußten sind auch +Fechner+, +Paulsen+,
++Rehmke+, +Brentano+, +Sigwart+, +Höffding+, +Ziehen+, +Wundt+, +Jodl+,
++Fouillée+ u. a.
+
+[45] Das betont u. a. +Jodl+.
+
+[46] Vgl. +B. Erdmann+, Wiss. Hyp. über Leib und Seele, S. 88ff.,
++Offner+, D. Gedächtnis, Berlin 1909, S. 23ff. Daß infolge des
+organischen Charakters der Psyche eine gewisse +Periodizität+ in ihr
+besteht, daß Zeiten der Hochspannung und Produktivität mit solchen der
+Depression und Erschöpfung in gewisser Gesetzmäßigkeit abwechseln,
+erscheint plausibel, mag es auch um die nähere Bestimmung dieser
+Perioden, wie sie +H. Swoboda+ versucht, noch mißlich bestellt sein.
+Vgl. +Swoboda+, Die Perioden des menschlichen Organismus in ihrer
+psychologischen und biologischen Bedeutung, 1904; Studien zur
+Grundlegung der Psychologie, 1905. Vgl. +Fließ+, Der Ablauf des Lebens.
+
+[47] Vgl. meine »Einführung in die Erkenntnistheorie«, Leipzig 1907.
+
+[48] Über das Gesamtbewußtsein und sein Verhältnis zum Einzelbewußtsein
+vgl. +Lazarus+, Das Leben der Seele I {2}, 333ff.; +Wundt+, Ethik {2},
+S. 449, 453, 458ff.; Völkerpsychologie I 1, S. 9ff.; +Schäffle+, Bau und
+Leben des sozialen Körpers {2}; +Baldwin+, Das soziale und sittliche
+Leben; +Tarde+, Les lois de l'imitation; +Le Bon+, Psychologie der
+Massen, deutsch, Leipzig 1907, Klinkhardt.
+
+[49] Vgl. meine »Grundlagen der Philos. des Geisteslebens«, 1908.
+
+[50] Über die Entwicklung in Gegensätzen vgl. +Wundt+, Grundriß der
+Psychologie {5}, S. 401f.; Logik II {2}, S. 282ff.
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+ "psycho-physischen" (Seiten 9, 50 und 62) und "psychophysischen"
+ (Seite 19)
+
+ Innerhalb des Haupttextes spricht man von "Bewußtsein", in den
+ Anzeigen wird von "Empfindung und Bewusstsein" gesprochen, beide
+ Schreibweisen wurden beibehalten
+
+
+Der Text der zur Transkription herangezogenen Ausgabe wurde in
+Hinblick auf Unregelmäßigkeiten in der Zeichensetzung und
+Rechtschreibung dem Original getreu übertragen. Folgende offensichtliche
+Druckfehler wurden korrigiert:
+
+ geändert von "unmittelbaren »Für sich-Sein«, als" in "unmittelbaren
+ »Für-sich-Sein«, als" Seite 12
+
+ geändert von "der gesamte Körperliche Organismus" in "der gesamte
+ körperliche Organismus" Seite 15
+
+ geändert von "Ähnlich wirkt das »Unbewußte« +E. v. Hartmanns+" in
+ "Ähnlich wirkt das »Unbewußte« +Ed. v. Hartmanns+" Seite 21
+
+ geändert von "leicht und eindeutig-bestimmt" in "leicht und
+ eindeutig bestimmt" Seite 32
+
+ geändert von "übrigen aber gerade so Tendenz" in "übrigen aber
+ geradeso Tendenz" Seite 33
+
+ geändert von "Für die individuale, wie" in "Für die individuelle,
+ wie" Seite 46
+
+ geändert von "Über die Seel nfrage, S. 9ff.," in "Über die
+ Seelenfrage, S. 9ff.," Seite 70, Anmerkung 9
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+ geändert von "Einleit. in der Philosophie, S. 115;" in "Einleit. in
+ die Philosophie, S. 115;" Seite 70, Anmerkung 9
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+ geändert von "Kraft Ideen; +P. Carus+," in "Kraft-Ideen; +P.
+ Carus+," Seite 71, Anmerkung 12
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+ Seite 71, Anmerkung 13
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+ geändert von "Men chen; +Goldscheid+, Ethik" in "Menschen;
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+ geändert von "Vgl. +Höffding+ +Natorp+," in "Vgl. +Höffding+,
+ +Natorp+," Seite 72, Anmerkung 23
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+ geändert von "Philosophie X, 307ff., 340ff,, 391ff." in "Philosophie
+ X, 307ff., 340ff., 391ff." Seite 72, Anmerkung 27
+
+ geändert von "erlebter Bildungen nnd Funktionen" in "erlebter
+ Bildungen und Funktionen" Seite 73, Anmerkung 32
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+ geändert von "+Forel, August+, =Gehirn und Seele=." in "+Forel,
+ Auguste+, =Gehirn und Seele=." Seite 76, Anzeigen
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+ geändert von "von +Ch. Darwin+ Preis" in "von +Ch. Darwin+. Preis"
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+ geändert von "(Jena) =Der Kampf um die »Welträtsel«=" in "(Jena),
+ =Der Kampf um die »Welträtsel«=" Seite 77, Anzeigen
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+ geändert von "Kart Preis 1 M." in "Kart. Preis 1 M."
+ Seite 77, Anzeigen
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Das Wirken der Seele, by Rudolf Eisler
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WIRKEN DER SEELE ***
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+will be renamed.
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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