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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + + + + +Title: Rembrandt + Künstler-Monographien: III + + +Author: Hermann Knackfuss + + + +Release Date: January 21, 2011 [eBook #35030] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REMBRANDT*** + + +E-text prepared by Constanze Hofmann, Juliet Sutherland, Wolfgang Menges, +and the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net) + + + +Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this + file which includes the original illustrations. + See 35030-h.htm or 35030-h.zip: + (http://www.gutenberg.org/files/35030/35030-h/35030-h.htm) + or + (http://www.gutenberg.org/files/35030/35030-h.zip) + + +Anmerkungen zur Transkription: + + Passagen, die im Originaltext nicht in Fraktur gesetzt waren, + sind hier durch =Gleichheitszeichen= gekennzeichnet, gesperrt + gedruckte Passagen durch _Unterstriche_. Weitere Anmerkungen + befinden sich am Ende des Textes. + + + + + +Künstler-Monographien + +In Verbindung mit Andern herausgegeben +von +H. KNACKFUß + +III + +REMBRANDT + +Mit 159 Abbildungen +von Gemälden, Radierungen und Zeichnungen + +Vierte Auflage + + + + + + + +[Illustration: Verlags-Signet.] + +Bielefeld und Leipzig +Verlag von Velhagen & Klasing +1897 + + + +Von diesem Werke ist für Liebhaber und Freunde besonders luxuriös +ausgestatteter Bücher außer der vorliegenden Ausgabe + + eine numerierte Ausgabe + +veranstaltet, von der nur 100 Exemplare auf Extra-Kunstdruckpapier +hergestellt sind. Jedes Exemplar ist in der Presse sorgfältig numeriert +(von 1-100) und in einen reichen Ganzlederband gebunden. Der Preis eines +solchen Exemplars beträgt 20 M. Ein Nachdruck dieser Ausgabe, auf welche +jede Buchhandlung Bestellungen annimmt, wird nicht veranstaltet. + + Die Verlagshandlung. + +Druck von Fischer & Wittig in Leipzig. + + + + +[Illustration: _Selbstbildnis Rembrandts_, gemalt um 1641. Im +Buckinghampalast. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: _Rembrandts Gattin Saskia_, gemalt um 1640. In der königl. +Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + + + + +Rembrandt. + + +[Illustration: Abb. 1. _Rembrandts Bildnis_, zubenannt mit den drei +Bartspitzen. Radierung des Meisters aus seiner Jugendzeit.] + +Die holländische Malerei kann man füglich als ein Erzeugnis der staatlichen +Selbständigkeit Hollands bezeichnen. Solange die Niederlande ein Ganzes +bildeten, war von einer besonderen holländischen Kunst gegenüber der +tonangebenden flandrischen nicht die Rede. Die Verschiedenheit des Erfolges +aber, mit dem die nördlichen und die südlichen Provinzen aus dem langen, +blutigen Kriege gegen die spanische Herrschaft hervorgingen, hatte eine +ausgesprochene Verschiedenheit der Kunstentwickelung hier und dort zur +Folge, wenn auch die Stammverwandtschaft sich niemals ganz verleugnete und +namentlich in der Wesenseigentümlichkeit die flandrische und die +holländische Malerei übereinstimmten, daß in der Farbe mehr als in der Form +das Mittel dichterischen Ausdrucks gesucht und gefunden wurde. Das Jahr +1609, in welchem der Abschluß eines zwölfjährigen Waffenstillstandes +thatsächlich die Anerkennung der sieben vereinigten Provinzen als eines +selbständigen Staates in sich trug, war gewissermaßen das Geburtsjahr der +holländischen Malerei, die sich nunmehr in höherem Maße als jemals irgend +eine andere Kunst des christlichen Zeitalters als eine nationale +gestaltete. Ein lebendiges Kunstbedürfnis war in diesen Provinzen von +alters her vorhanden, und der hohe Wohlstand, der nach dem +Waffenstillstandsabschluß so unglaublich schnell aufblühte und der selbst +während der Wiederaufnahme der erst 1648 endgültig zum Abschluß gelangenden +Freiheitskämpfe fortwährend zunahm, brachte naturgemäß eine Steigerung +dieses Bedürfnisses mit sich. Aber der junge protestantische Freistaat +hatte mit allem gebrochen, was bisher der Malerei die höchsten Aufgaben +geboten hatte. Hier waren jetzt nicht mehr die Kirchen mit prunkvollen +Altargemälden auszustatten, die Fürstenpaläste nicht mit üppigen +Göttergeschichten und Thaten antiker Helden zu schmücken; es handelte sich +darum, die behagliche bürgerliche Häuslichkeit durch künstlerische Zierde +würdig zu verschönern und für Rathäuser und Gildehäuser Werke zu liefern, +die frei von jeder Überschwenglichkeit das Wesen nüchterner und stolzer +Bürgerlichkeit wahrten. Worin die Aufgabe bestand, die das neue Volk seinen +Künstlern stellte, faßt ein französischer Schriftsteller sehr zutreffend in +das Wort zusammen: »es verlangte, daß man ihm sein Abbild liefere«. Das ist +in der That der Inhalt der holländischen Malerei: das ehrliche, +wahrheitsgetreue Abbild von Land und Leuten und Dingen, die Wiedergabe der +schlichten Wirklichkeit, wie die Heimat und die Gegenwart sie zeigten und +im Künstlerauge sich spiegeln ließen, mag nun Bildnis, Genre, Landschaft, +Tierstück oder Stillleben der Gegenstand des Gemäldes sein. Dieses ehrliche +Abbilden der Wirklichkeit war ein großer Teil der Kunst des einen, der über +zahlreiche ausgezeichnete Maler hoch emporragend als der größte +holländische Maler dasteht; aber es war nicht seine ganze Kunst. Rembrandt +wußte seine staunenswürdige Befähigung zu geistreich treffender Wiedergabe +der Natur seinem eigenen freien Schaffensdrange dienstbar zu machen und +fand in ihr das Mittel, den Gebilden seiner eigenwilligen und lebhaften, +gelegentlich geradezu schwärmerischen Einbildungskraft eine Gestalt zu +verleihen, die nicht nur seinem eigenen Wesen entsprach, sondern auch seine +damaligen Landsleute unmittelbar ansprechen mußte. So offenbarte er sich, +unterstützt durch eine großartige Vollkommenheit in der Beherrschung seines +Handwerkszeuges, die ihn zu einem der allerbesten Maler und zum +geistreichsten Radierer aller Zeiten machte, als einer der selbständigsten +und eigengestaltigsten Künstler der Welt. + +[Illustration: Abb. 2. _Rembrandts Mutter._ Radierung von 1628.] + +[Illustration: Abb. 3. _Rembrandts Mutter._ Radierung. Das Monogramm ist +aus =RH= (Rembrandt Harmensz) und =L= (von Leiden) gebildet.] + +Rembrandts Elternhaus stand zu Leiden, am Weddesteeg in der Nähe des Weißen +Thores (Wittepoort). Es war eine Mühle, Besitztum einer Familie, deren +einer Zweig vom Rhein, das heißt von dem Mündungsarm des Flusses, der +allein diesen Namen behält und der in mehreren Kanälen die Stadt +durchfließt, den Zunamen van Ryn führte. Als das fünfte von sechs Kindern +der Eheleute Harmen (Hermann) Gerritszoon (Gerrits oder Gerhards Sohn) van +Ryn und Neeltje (Cornelia) Willemsdochter wurde am 15. Juli 1606 oder 1607 +-- die Jahreszahl steht nicht ganz fest -- der Knabe geboren, der in der +Taufe den ungewöhnlichen Vornamen Rembrandt erhielt und der daher, nach der +damals in Holland und auch anderwärts verbreiteten Sitte, den Vornamen des +Vaters dem eigenen hinzuzufügen, Rembrandt Harmenszoon (oder abgekürzt +Harmensz) van Ryn hieß. + +Während Rembrandts drei ältere Brüder zu handwerklichen Berufsarten erzogen +worden waren, wurde ihm eine gewähltere Ausbildung zu teil. Er ward in eine +Lateinschule geschickt und sollte später die Universität seiner Vaterstadt +besuchen, »um, wenn er das Alter erreicht hätte, durch seine Wissenschaft +der Stadt und dem Staate nützen zu können.« Aber seine ausgesprochene +Neigung und Begabung zur Malerei führte frühzeitig den Übergang zu diesem +Beruf herbei. Jakob van Swanenburgh, ein sonst kaum bekannter Leidener +Maler, wurde zuerst sein Lehrer; nachdem er dessen Unterricht drei Jahre +lang genossen, wurde Rembrandt nach Amsterdam zu Pieter Lastman geschickt, +von dem er nur sechs Monate lang unterrichtet worden sein soll. Beide Maler +hatten, wie man es zu ihrer Zeit für unbedingt erforderlich hielt, in +Italien studiert, und ihre Kunst ward von dem Bemühen, die Italiener +nachzuahmen, beherrscht; Lastman war in Rom ein Schüler des Frankfurters +Adam Elshaimer gewesen, der seinen fein gemalten Bildchen durch starke +Lichtwirkungen -- Lampen-, Feuer- und Mondschein -- einen besonderen Reiz +zu verleihen strebte. So untergeordnet die Stellung ist, welche Rembrandts +Lehrer in der Kunstgeschichte einnehmen, unzweifelhaft hat der gelehrige +Schüler aus ihren Unterweisungen großen Nutzen gezogen; von Lastman wurde +er vermutlich auch in der Kunst des Radierens unterrichtet. Nach Leiden +zurückgekehrt, bildete er selbst sich weiter, und man darf annehmen, daß +sein eigener Trieb ihn auf das eingehende Studium der Natur in einer Weise +hinwies, wie seine Lehrer es wohl schwerlich gethan hatten. + +[Illustration: Abb. 4. _Selbstbildnis Rembrandts mit stieren Augen._ +Radierung. (Auch unter der Bezeichnung »Der Mann mit dem beschnittenen +Barett« bekannt.)] + +[Illustration: Abb. 5. _Kahlköpfiger Mann._ Radierung von 1630.] + +Die ersten bezeichneten Gemälde des jungen Künstlers tragen die Jahreszahl +1627. Das eine derselben, »der Apostel Paulus im Gefängnis,« befindet sich +im Museum zu Stuttgart, das andere, »der Geldwechsler,« im Museum zu +Berlin. Beide Bilder besitzen keine hervorstechenden Reize; es sind glatt +gemalte Jugendwerke, die den unbefangenen Beschauer recht kalt lassen; und +dennoch kann man in ihnen schon diejenigen Eigenschaften gleichsam keimen +sehen, welche Rembrandt später so groß gemacht haben: der tiefe, +gedankenvolle Blick des gefangenen Apostels kündigt den zukünftigen Meister +des seelischen Ausdruckes an, das kleine Berliner Bild zieht den Beschauer +durch die von einer verdeckten Kerze in der Hand des Wechslers ausgehende +malerische Helldunkelwirkung an, obgleich diese Wirkung hier noch mehr an +die Bilder des Gerhard Honthorst, als an Rembrandts spätere Meisterwerke +erinnert. Zwei kleine Gemälde biblischen Inhalts aus dem Jahr 1628, beide +mit =R H= (Rembrandt Harmensz) und daran gehängtem =L= (als Hinweis auf des +Künstlers Vaterstadt Leiden) bezeichnet, sind durch die zu Berlin im Jahre +1883 zu Ehren der silbernen Hochzeit des damaligen Kronprinzenpaares +veranstaltete Ausstellung von im Berliner Privatbesitz befindlichen Werken +alter Meister weiteren Kreisen bekannt geworden. Das eine, im Besitz Seiner +Majestät des Kaisers, stellt Simsons Verrat durch Delila vor, das andere, +im Besitz von Herrn Otto Pein, den Apostel Petrus zwischen den Knechten des +Hohenpriesters; das letztere ist ein durch Feuer- und Kerzenlicht +wirkungsvoll gemachtes Nachtstück. Noch auf einige andere Bilder ist in +jüngster Zeit die Aufmerksamkeit gelenkt worden, in denen man +Erstlingsarbeiten des jungen Rembrandt erblicken zu dürfen glaubt, +namentlich auf einige malerisch beleuchtete Studienköpfe (in Kassel, Gotha +und an anderen Orten), die man für Selbstbildnisse des Künstlers hält. +Rembrandt hat nämlich während seines ganzen Lebens sich selbst mit Vorliebe +zu einem Gegenstand seines Studiums gemacht; mochte er eine Beleuchtung des +menschlichen Antlitzes, einen Ausdruck, eine kleidsame Tracht studieren +wollen, so fand er in seiner eigenen Person ein stets bereites und williges +Modell, das zugleich wegen seiner kräftigen, offenen und ansprechenden Züge +und seiner gesunden Farbe ein sehr dankbarer Gegenstand der Darstellung +war. Daher die außerordentlich große Anzahl der gemalten und der in Kupfer +geätzten Selbstbildnisse, die Rembrandt hinterlassen hat. + +[Illustration: Abb. 6. _Der Mann mit dem breitkrempigen Hut._ Radierung von +1630.] + +[Illustration: Abb. 7. _Unbärtiger Alter mit hoher Mütze._ Radierung.] + +Das erste mit einer Jahreszahl bezeichnete Werk der Radiernadel Rembrandts, +von 1628, macht uns mit der ehrwürdigen Erscheinung seiner Mutter bekannt. +Dieses köstliche kleine Brustbild, so sprechend lebenswahr, so geistreich +und zugleich so liebevoll hingezeichnet, ist ein vollendetes Meisterwerk, +in der Ausführung ebenso unübertrefflich wie in der Auffassung (Abb. 2). +Außer in diesem Brustbildchen hat Rembrandt in den ersten Jahren seines +Schaffens für die Öffentlichkeit noch mehrmals die eigentümliche Schönheit +seiner betagten Mutter in Radierungen festgehalten. Darunter zeichnet sich +besonders eines aus (zubenannt »mit dem schwarzen Schleier«), welches die +alte Dame von der Seite, vor einem Tische sitzend, zeigt; man kann nur +staunen, wenn man sieht, wie lebensvoll hier wieder, bei weiter +durchgebildeter malerischer Ausführung, das von zahllosen Runzeln +durchfurchte, ausdrucksvolle Gesicht gezeichnet ist, wie wunderbar die +verschrumpfte Haut der alten Hände mit den hervortretenden Adern +wiedergegeben, wie meisterhaft die Stoffe behandelt sind (Abb. 3). + +Die Art und Weise kennen zu lernen, wie die Seele des Menschen sich in +seinem Antlitz spiegelt und wie das Spiel der Gesichtsmuskeln zum Ausdruck +der Empfindungen wird, war für Rembrandt von Anfang an ein Gegenstand der +eifrigsten Beobachtung. Um das eingehend studieren zu können, setzte er +sich mit der Kupferplatte vor den Spiegel und machte sich selbst irgend +einen bestimmten Ausdruck vor, den er dann mit der Radiernadel festhielt. +So hat er sich lachend gezeichnet, mit verdrießlichem Gesicht, mit +verschlossener, finsterer Miene und mit dem Ausdruck starren Entsetzens +(Abb. 4); aber auch in der Ruhe seines natürlichen Ausdruckes hat er das +von den Sorgen des Lebens noch nicht belastete, jugendheitere Antlitz mit +dem ersten sprossenden Barte der Nachwelt durch die Kupferplatte +überliefert (Abb. 1). Personen aus seiner Umgebung, die wohl nicht daran +dachten, ein Kupferstichbildnis ihrer Person zu bestellen, die aber dem +jungen Künstler gutwillig ein paar Stunden still hielten, waren weitere +Gegenstände der Übung von Auge und Hand (Abb. 5 und 6). + +[Illustration: Abb. 8. _Bettler und Bettlerin._ Radierung von 1630.] + +[Illustration: Abb. 9. _Die Frau mit der Kürbisflasche._ Radierung.] + +Eine ganze Anzahl von Radierungen legt ferner Zeugnis davon ab, wie +Rembrandt sich mit großem Fleiße übte, zufällig Gesehenes mit der denkbar +größten Schnelligkeit in wenigen treffenden Strichen festzuhalten oder auch +aus dem Gedächtnis wiederzugeben. Ganz besonders reizten ihn Erscheinungen +aus den niedersten Volksschichten, die ihren Charakter am unverhülltesten +zur Schau trugen und deren zerlumpte Kleidung ebenso wie ihre Häßlichkeit +ihm eine eigentümliche Anregung boten, eben weil sie sich so +charakteristisch darstellen ließen. Es war der natürliche Widerwille gegen +die kalt und leer und dadurch abstoßend gewordene äußerliche +Schönheitssucherei der den Italienern nachtretenden Kunst, der sich in +dieser Weise -- bei Rembrandt nicht zuerst, aber bei ihm vielleicht am +kräftigsten -- äußerte. Da fielen ihm die verschmitzten Augen eines alten +Bettlers mit lächerlich hoher Mütze auf oder ein auf der Straße in +langatmigem Gespräch sich unterhaltendes Bettlerpaar und ähnliche lumpige +Gestalten, und er bannte sie auf die Kupferplatte; oder es reizte ihn, die +Erscheinung eines Bauern festzuhalten, der seine Verschlagenheit hinter +einer unglaublich dummen Miene verbirgt (Abb. 7-9, 12, 13). -- Aber auch +zur Niederschrift von Kompositionen, in denen der jugendliche +Schaffensdrang sich Luft machte, wurde die Radiernadel benutzt (Abb. 16). + +[Illustration: Abb. 10. _Der Mann mit der Pelzmütze._ Radierung von 1631.] + +Es fehlte dem jungen Maler nicht an Bestellungen. Aus dem Jahre 1630 ist +schon das Bildnis eines augenscheinlich den besten Ständen angehörigen, in +schwarzen Sammet gekleideten und mit doppelter goldener Kette geschmückten +alten Herrn vorhanden. Dieses in der Gemäldegalerie zu Kassel befindliche +Bild legt zugleich in seiner leichten und freien Behandlung Zeugnis ab von +Rembrandts schneller Vervollkommnung in der Ölmalerei. Mehrere um die +nämliche Zeit gemalte Studienköpfe, die in verschiedenen Sammlungen +aufbewahrt werden, erzählen von dem Fleiß und der Gewissenhaftigkeit +seiner Übungen und fordern durch die geistreiche Weise der Anpassung und +der Ausführung unsere höchste Bewunderung heraus (Abb. 11). + +[Illustration: Abb. 11. _Bildnis eines alten Mannes_, um 1631 gemalter +Studienkopf. In der königl. Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer +Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 12. _Bettler._ Radierung.] + +Im Jahre 1631 verließ Rembrandt seine Vaterstadt Leiden, in die er nur zu +kurzen Besuchen zeitweilig zurückkehrte, und siedelte nach Amsterdam, der +stolzen und reichen Hauptstadt der vereinigten Provinzen, über, wo für +seine Thätigkeit das denkbar fruchtbarste Feld bereit sein mußte. In der +That gelangte der Vierundzwanzigjährige hier schnell zu großem Rufe, und es +sammelte sich bald eine Schar von Schülern um ihn; es wird erzählt, er habe +diese in gesonderten Zellen arbeiten lassen, zu dem Zwecke, daß das +Individuelle ihrer Begabung besser gewahrt bleibe und ihre Kunst vor +schulmäßiger Gleichförmigkeit behütet werde. + +[Illustration: Abb. 13. _Bauer, die Hände auf dem Rücken haltend._ +Radierung von 1631.] + +[Illustration: Abb. 14. _Die heilige Familie._ Gemälde von 1631 in der +königl. Pinakothek zu München. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 15. _Bildnis eines polnischen Edelmannes_, gemalt 1631. +Im Museum der Ermitage zu St. Petersburg. (Nach einer Originalphotographie +von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +In Amsterdam fand Rembrandts Neigung, dem an und für sich Häßlichen +künstlerischen Reiz abzugewinnen, reiche Nahrung. Vor allem zog ihn das +Judenviertel mit seinen malerischen Erscheinungen an. Hier waren für Geld +die interessantesten Modelle zu haben, und mit wahrer Lust verewigte +Rembrandt die jüdischen Charakterköpfe; die an und für sich schon +auffallende Tracht der Amsterdamer Juden bereicherte er dabei gern in +phantastischer Weise durch bunte Stoffe und mancherlei Schmuckstücke aus +dem Vorrat seiner Werkstatt (Abb. 10). Rembrandts Werkstatt gestaltete sich +nämlich allmählich zu einer förmlichen Sammlung von malerischen +Kostbarkeiten und fremdartigen Kleidungsstücken; zu deren Anschaffung gab +es wohl nirgends bessere Gelegenheiten als in Amsterdam, wo Kaufleute von +allen Enden der Welt zusammenströmten und wo die Trödlerläden des +Judenviertels, das Rembrandt so gern durchstreifte, solcher Liebhaberei gar +einladend entgegenkamen. Übrigens suchte Rembrandt die jüdischen Modelle +nicht bloß um ihres persönlichen malerischen und charakteristischen Äußeren +willen als dankbare Vorwürfe für Radierungen und Studienbilder auf. Er +erblickte in ihnen auch die Vertreter des auserwählten Volkes, und es war +eine Art geschichtlicher Gewissenhaftigkeit, wenn er sie als die einzig +echten Modelle für biblische Kompositionen ansah, -- und Gewissenhaftigkeit +war ja der eigentliche Grundzug der holländischen Kunst. Die ehrwürdigen +Erscheinungen der alten Patriarchen wurden vor ihm lebendig, und er +versuchte, wenn auch fürs erste noch nicht in Gemälden, so doch in +Zeichnungen, die er nur für sich selber machte, Vorgänge aus deren Leben in +einer unmittelbar der Wirklichkeit abgelauscht scheinenden Weise zu +verbildlichen. Ein Beispiel gibt uns die anscheinend in dieser frühen Zeit +entstandene Federzeichnung in der Albertina zu Wien, welche den Vater Jakob +zeigt, wie er seinen Benjamin zärtlich zwischen den Knieen hält, während +Juda vor ihn hintritt und spricht: »Laß den Knaben mit mir ziehen; ich will +Bürge für ihn sein, von meinen Händen sollst du ihn fordern« (Abb. 17). + +[Illustration: Abb. 16. _Ein Kampf._ Radierung.] + +Das erste bedeutendere biblische Gemälde, welches Rembrandt ausführte -- +die Probe eines gewaltigen Fortschritts gegen jene frühen Leidener +Versuche --, war eine »Darstellung im Tempel;« dasselbe befindet sich in +der königlichen Gemäldesammlung im Haag und ist mit der Jahreszahl 1631 +bezeichnet. Den nämlichen Gegenstand behandelte die erste datierte +figürliche Komposition unter Rembrandts Radierungen. Vielleicht war das +eine Vorübung für das Gemälde. Das zart ausgeführte Blättchen, von 1630, +fesselt durch die Tiefe und Mannigfaltigkeit des Ausdrucks in den kleinen +Figuren; es führt den Beinamen, »mit dem Engel,« weil über der Gestalt der +Prophetin Hanna ein Engel herabschwebt, welcher der Greisin in dem Knäblein +den Erlöser zeigt. Auch in einer späteren, größeren Radierung desselben +Inhaltes -- denn Rembrandt liebte es, sich in einen Gegenstand, den er +einmal erfaßt hatte, immer von neuem zu vertiefen -- erscheint die greise +Seherin, eine hohe, feierliche Gestalt, im Mittelpunkt der Komposition als +deren eigentliche Hauptfigur; von oben senkt sich eine dunkle Wolke in die +dämmerigen Wölbungen des Tempels herab, von der Seite bricht ein +Lichtstrahl herein, und wo sich beide berühren, schwebt über dem Haupte +Hannas die Taube des heiligen Geistes. Dieses Blatt ist unvollendet +geblieben, zum Teil nur in leichten Umrissen angelegt; aber auch so macht +es einen mächtigen Eindruck durch die hohe Poesie der Lichtwirkung; ein +unübertreffliches Meisterwerk ist für sich allein schon der Kopf des alten +Simeon. In dem Gemälde von 1631 ist, nach der zumeist üblichen +Auffassungsweise, Simeon der Hauptträger der Handlung. Das Bild, in +kleinem Maßstab mit der größten Sorgfalt ausgeführt, offenbart den Maler +als den unvergleichlichen Meister des Helldunkels, der im Durchbrechen +geschlossener Schattenmassen durch strahlende Lichtwellen das Mittel +findet, seine dichterischen Empfindungen ergreifend zum Ausdruck zu +bringen. Während die phantastischen Formen des Tempelbaues im Dunkel +verschwimmen, sammelt das Licht sich auf der Hauptgruppe; es überflutet mit +vollem Glanze das Jesuskind, das ehrwürdige Haupt Simeons und die zum Segen +erhobene Hand des Oberpriesters und gleitet, schon etwas abgeschwächt, über +die knieende Gestalt Marias und die Gestalten ihrer Umgebung, um sich nach +und nach wieder im Dunkel zu verlieren. Der Vorgang selbst ist ganz +realistisch aufgefaßt, überirdische Erscheinungen sind nicht dabei +angebracht. Mit der Radierung von 1630 stimmt das Gemälde darin überein, +daß man im Hintergrunde eine große Treppe sieht, auf der sich viele +Gestalten im Halbdunkel bewegen. + +[Illustration: Abb. 17. _Juda, Jakob und Benjamin._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Dieses Bild eröffnet die stattliche Reihe der gemalten Meisterwerke +Rembrandts. Der hervorstechendste Zug im Wesen Rembrandts war eine +unverwüstliche Arbeitslust; sein ganzes Leben hindurch, in guten und in +bösen Tagen, hat er mit unermüdlichem Fleiß gearbeitet. So ist es möglich +geworden, daß er weit über dreihundert Gemälde hinterlassen hat, abgesehen +von solchen, deren Echtheit fraglich ist, und von einigen zu Grunde +gegangenen. Dazu kommt eine gleich große Anzahl (353) eigenhändiger +Radierungen. Da er seine Arbeiten gern mit der Jahreszahl bezeichnete, so +läßt sich bis gegen das Ende seines Lebens seine Thätigkeit fast Schritt +für Schritt verfolgen. + +Das Jahr 1631 sah außer der »Darstellung im Tempel« noch ein anderes aus +dem Evangelium geschöpftes Gemälde entstehen: die »Heilige Familie« der +Münchener Pinakothek. Es ist ein schönes, gemütvolles Bild. Das auf dem +Schoß der Mutter liegende Kind hat eben die Brust losgelassen und ist +eingeschlafen; es wird von Maria mit dem stillen Lächeln der Mutterlust +betrachtet; neben Maria steht die Wiege mit weißem Leinen; Joseph beugt +sich mit gedankenvoll betrachtendem Blick herüber (Abb. 14). + +[Illustration: Abb. 18. _Diana und Endymion._ In der Liechtensteingalerie +zu Wien. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 19. _Rembrandts Schwester._ In der Liechtensteingalerie +zu Wien. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 20. _Die Anatomiestunde._ Gemälde von 1632 im königl. +Museum im Haag. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. +in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 21. _Kopf eines Hörers_ aus der »Anatomiestunde« im +königl. Museum im Haag. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément +& Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Zu den ersten der in Amsterdam gemalten Bildnisse gehört ein stolz und kühn +blickender Mann mit großem Schnurrbart (in der Sammlung der Ermitage zu +Petersburg). Er trägt einen mit reicher Goldkette geschmückten +pelzbesetzten Mantel, eine ebenso geschmückte Pelzmütze, hat Perlengehänge +in den Ohren und hält einen Stock mit verziertem goldenen Knopf. Es ist +anscheinend ein polnischer Edelmann, den sein Weg einmal in den damaligen +Mittelpunkt des Weltverkehrs, nach Amsterdam, führte (Abb. 15). + +Unter den Radierungen Rembrandts vom Jahre 1631 befindet sich eine, welche +durch ihren Gegenstand auffällt. Es ist eine Diana im Bade. Bei diesem +Titel denken wir unwillkürlich an eine klassische Schönheit oder doch +mindestens an eine Erscheinung von straffer Jugendlichkeit. Rembrandt aber +hat seine »Diana« nach einem grundhäßlichen, abgeblühten Modell mit +abschreckender Naturtreue gezeichnet. Es fehlte ihm aller und jeder Sinn +für das, was wir im Sinne der griechischen Kunst schön nennen. Wenn man +unter »Renaissance« den engeren Begriff der Veredelung der Kunst durch die +Kenntnis antiker Schönheit versteht, so ist für Rembrandt die Renaissance +gar nicht dagewesen; zu einem Freunde sagte er einmal, auf seine Sammlung +alter Stoffe, Waffen und Geräte zeigend: »Das sind meine Antiken.« +Rembrandts mythologische Kompositionen berühren uns denn auch mindestens +sehr fremdartig. Er hat deren freilich nicht viele geschaffen. Die +damalige internationale Kunst und somit auch die Schule, aus der Rembrandt +hervorgegangen war, wurde ja von einer Vorliebe für Darstellungen aus der +antiken Götterwelt beherrscht. Aber dem Wesen Rembrandts lagen derartige +Stoffe sehr fern, auch ist seine Kenntnis von diesen Dingen schwerlich groß +gewesen; sein Buch war die Bibel, und es scheint nicht, daß er überhaupt +viel anderes als dieses Buch gelesen hat. Übrigens hatten ebenso wie er +selbst seine Landsleute nicht mehr viel Geschmack für die Mythologie; dem +nüchternen Sinn und der protestantischen Strenggläubigkeit der Holländer +konnte die Verbildlichung heidnischer Götterfabeln nicht zusagen. + +[Illustration: Abb. 22. _Köpfe von Hörern_ aus der »Anatomiestunde« im +königl. Museum im Haag. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément +& Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Vielleicht das Hübscheste, was Rembrandt an mythologischen +Darstellungen geschaffen hat, ist ein in der Liechtensteingalerie zu +Wien befindliches Gemälde: »Diana und Endymion.« In der Flut des +Mondlichts schwebend hat die keusche Göttin sich auf die Erde +herabgesenkt; wie mondbeglänzte Wolkengebilde schimmern Schwäne, die +sie getragen, im Dunkel der Luft. Mit dem Jagdspeer in der Hand, groß +und stolz, tritt sie dem blöden Burschen entgegen, der ihr +Wohlgefallen erregt hat. Das Licht, das von ihr ausstrahlt, fällt ihm +ins Gesicht, da er, aus seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schlafen, +aufgestört, sich nach ihr umblickt, während seine derben Hunde scheu +die Hunde der himmlischen Jägerin anknurren (Abb. 18). + +Das Gesicht der Göttin zeigt hier eine unverkennbare Ähnlichkeit mit einem +rotblonden Mädchen, das Rembrandt in den Jahren 1632 und 1633 wiederholt +gemalt hat. Man hält dieses Mädchen mit Grund für eine von seinen +Schwestern, die vielleicht mit ihm nach Amsterdam übergesiedelt war (Abb. +19). + +[Illustration: Abb. 23. _Der vortragende Professor_ (Dr. Nikolaas Tulp) aus +der »Anatomiestunde« im königl. Museum im Haag. (Nach einer +Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und +Paris.)] + +Im Jahre 1632 wagte Rembrandt sich an einen figurenreichen mythologischen +Gegenstand: es ist der im Berliner Museum befindliche »Raub der +Proserpina.« Das merkwürdige Bild enthüllt in Farbe, Wirkung, Empfindung +und Ausdruck in der bezeichnendsten Weise Rembrandts künstlerische Vorzüge +und Besonderheiten. Es ist wie alle Gemälde dieser seiner frühen Zeit sehr +fein und sorgfältig gemalt. Die Kräuter des Vordergrundes, bei denen man +die einzelnen Äderchen der Blätter sieht, sind staunenswürdig, und ebenso +genau bis ins einzelste sind die etwa zollgroßen Köpfchen und die reichen +Stoffe ausgeführt. Bei dieser fast peinlichen Vortragsweise ist das Bild +indessen von wahrhaft gewaltigem Leben erfüllt. Die schwarzen Rosse des +Hades sausen wie eine flüchtige Erscheinung in den dampfenden Abgrund +hinein; schwarzer Wolkendampf liegt unter dem Himmelsblau festgeballt über +dem Eingang der Schlucht. Proserpina kratzt und schlägt ihren Entführer ins +Gesicht; entsetzt versuchen ihre Gespielinnen ihr Gewand festzuhalten, um +sie von dem goldenen Wagen herabzuziehen, dessen Schnelligkeit doch ihr +rasendes Nacheilen vereitelt. + +[Illustration: Abb. 24. _Der Federschneider_ (angeblich des Amsterdamer +Schreib- und Rechenmeisters Coppenol Bildnis). In der königl. +Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in +München.)] + +[Illustration: Abb. 25. _Der Perser._ Radierung von 1632.] + +In dem nämlichen Jahre 1632 malte Rembrandt ein größeres Gemälde, welches +Mit- und Nachwelt zur höchsten Bewunderung hingerissen hat: »die +Anatomiestunde.« Nachdem das Sezieren menschlicher Leichen zu +Unterrichtszwecken im Jahre 1555 gesetzlich gestattet worden war, wurde es +in mehreren Städten Hollands gebräuchlich, regelmäßige öffentliche Vorträge +über Anatomie stattfinden zu lassen. Diese Vorträge wurden in eigens dazu +bestimmten Sälen gehalten, welche in entsprechender, für unsere +Anschauungen bisweilen recht seltsamer Weise ausgestattet waren; ein +solches »=Theatrum anatomicum=« zeigte z. B. auf der Brüstung, welche den +Zuhörerraum abschloß, eine aus Gerippen gebildete Darstellung des +Sündenfalles. Regelmäßig gehörten zur Ausstattung dieser Säle die Bildnisse +der Wundärzte, welche in der betreffenden Stadt zu Ansehen gekommen waren; +wie im allgemeinen in Holland eine besondere Art der Bildnismalerei, das +Genossenschaftsbild, beliebt war, so ließen auch die Chirurgen gern ihre +Bildnisse in einem gemeinschaftlichen Bilde vereinigen, dessen Mittelpunkt +der an der Leiche oder am Gerippe erklärende Professor bildete. Eine +Aufgabe solcher Art war es, die Rembrandt als einem nun schon zu gutem +Namen gelangten Bildnismaler gestellt wurde durch den Auftrag, das Porträt +des Anatomieprofessors Nikolaas Tulp im Verein mit den sieben Vorstehern +der Amsterdamer Chirurgengilde zu malen. Rembrandt hat es mit hoher +Meisterschaft verstanden, aus der Nebeneinanderstellung einer Anzahl von +Bildnissen ein einheitliches, in sich abgerundetes und schon an und für +sich als Komposition den Beschauer fesselndes Kunstwerk, ein Bild im besten +Sinne des Wortes zu schaffen. Auf einem Tische liegt, verkürzt von unten +gesehen, die Leiche; sie ist in ihrer oberen Hälfte hell beleuchtet und +bildet so als große Lichtmasse ein Gegengewicht gegen die vereinzelt auf +den dunklen Kleidern und dem dunklen Hintergrunde hervorleuchtenden +Gesichter mit den weißen Halskrausen. Tulp, der den Hut auf dem Kopfe hat, +während seine Zuhörer ihn barhäuptig umgeben, hat an der Leiche den linken +Vorderarm der Haut entkleidet und erklärt dessen Muskulatur; er hebt gerade +einen der Beugemuskeln der Finger heraus, und indem er die Finger der +eigenen linken Hand beugt, veranschaulicht er die Thätigkeit, welche diesem +Muskel im Leben zukommt. Wir fühlen, wie der Anatom fast unabsichtlich die +Muskeln, über die er spricht, bei sich selbst in Wirkung setzt, und +bewundern Rembrandts feine und scharfe Beobachtung. Die Vorsteher der +Chirurgengilde, teils sitzend, teils sich herandrängend, folgen mit +verschiedenartig abgestufter Aufmerksamkeit dem Vortrage des Professors +(Abb. 20). Der Kopf des letzteren ist ein Meisterwerk der Bildniskunst +(Abb. 23). Wenn sich auch nicht das Gleiche von den sämtlichen Köpfen der +Hörer sagen läßt, so finden sich doch auch unter diesen einige ganz +vortreffliche und alle sind sie von innerem Leben erfüllt (Abb. 21 und 22). +Das Gemälde befand sich lange an seiner ursprünglichen Stelle, in der +»Snykamer« (Schneidezimmer) zu Amsterdam; 1828 kaufte König Wilhelm I +dasselbe der Chirurgengilde für 32000 Gulden ab, um es der Gemäldesammlung +im Haag einzuverleiben. + +[Illustration: Abb. 26. _Der Rattengiftverkäufer._ Radierung von 1632.] + +[Illustration: Abb. 27. _Der blinde Geigenspieler._ Radierung.] + +Jedenfalls trug das Anatomiebild viel dazu bei, Rembrandts Ruf als +Bildnismaler zu erhöhen; aus dem Jahre 1632 sind mehr als zehn auf +Bestellung von ihm gemalte Einzelbildnisse nachgewiesen, unter denen +vielleicht das in der Kasseler Gemäldegalerie befindliche meisterhaft +gemalte, lebensvolle Bild eines Mannes, der sich die Feder schneidet, +angeblich des Amsterdamer Schreibmeisters Coppenol, das vorzüglichste ist +(Abb. 24). + +[Illustration: Abb. 28. _Der heilige Hieronymus im Gebet._ Radierung von +1632.] + +[Illustration: Abb. 29. _Die große Auferweckung des Lazarus._ Radierung +(stark verkleinert).] + +[Illustration: Abb. 30. _Der barmherzige Samariter._ Radierung von 1633.] + +Dabei ließ Rembrandt die Radiernadel niemals ruhen. Er setzte seine Studien +nach dem Leben unermüdlich fort, und neben Gestalten aus dem Volke hielt er +gelegentlich eine fremdartige ausländische Erscheinung fest, wie jenen +seltsam gekleideten Mann, der den Kupferstichsammlern unter dem Namen »der +Perser« bekannt ist (Abb. 25). Manches, was er in den Straßen der Stadt und +auf ländlichen Spaziergängen sah, gestaltete er zu seinen Genrebildchen, +denen er durch hochkünstlerische Ausführung einen unvergänglichen Reiz +verlieh. Ein köstliches Beispiel ist der »Rattengifthändler.« Es ist ein +schauderhafter Kerl, den wir da in einer Dorfstraße von Haus zu Haus ziehen +sehen, einen Säbel an der Seite und eine Stange mit einem Korb in der Hand, +von dem tote Ratten herabbaumeln, während auf seinem Rande eine lebende +Ratte herumklettert und ein anderes dieser Tiere auf der Schulter des +Mannes sitzt, um von dessen Macht über ihresgleichen sichtbares Zeugnis +abzulegen; fast noch schauderhafter als der Rattenfänger ist sein +Begleiter, der Knabe mit der Giftschachtel, ein Urbild körperlicher und +geistiger Verkommenheit; wir begreifen die Gebärde des Ekels, mit welcher +der alte Jude, der da auf den unteren Flügel seiner Hausthür gelehnt ins +Freie schaut, die Hand zurückweist, die ihm den Rattentod anbietet (Abb. +26). Ein Beispiel anderer Art ist die rührende Gestalt des von seinem +Hündchen geführten blinden Geigenspielers (Abb. 27). In allen seinen +Darstellungen entfaltet Rembrandt neben der Gabe, die Persönlichkeiten, so +wie er sie gesehen oder sich gedacht hat, aufs treffendste zu +charakterisieren, die noch unvergleichlichere Gabe, den Beschauer in den +Gesichtern lesen zu lassen, was die Persönlichkeiten in dem gegebenen +Augenblick denken, und ebenso wie die stärksten Empfindungen die feinsten +Regungen der Seele zum Ausdruck zu bringen. Er thut nichts dazu, eine +Darstellung launig oder ernst wirken zu lassen; er gibt nur immer die Sache +selbst, und durch die Unmittelbarkeit, mit welcher das scharf und richtig +Geschaute -- im Geist oder in der Wirklichkeit Geschaute -- wiedergegeben +wird, wirkt ganz von selbst, wie im Leben, so in der Verbildlichung das +Komische komisch und das Ernste ernst. Diese Tiefe der Auffassung verleiht +auch Rembrandts religiösen Darstellungen einen so hohen Wert, wenn uns auch +deren äußere Form, weil uns ungewohnt, fremdartig vorkommen mag. Niemals +wohl sind die Empfindungen eines Mannes, der in heißem Gebet um Erleuchtung +fleht, mit größerer Tiefe und in schlichterer Klarheit zum Ausdruck +gebracht worden, als in dem Blatt von 1632: »der heilige Hieronymus« (Abb. +28). Zugleich läßt dieses Blatt, das mit leichter und schneller Hand +ausgeführt ist, Rembrandts große Begabung für das Landschaftliche erkennen. +-- Im Besitz einer unübertrefflichen Fertigkeit in der Handhabung der +Radiernadel begnügte sich Rembrandt nicht mehr damit, Studien und +Kompositionen in kleinerem Maßstabe, mehr für sich selbst als für andere, +in Kupfer zu ätzen. Er trat mit großen, sorgfältig ausgeführten und in +Wirkung gebrachten Radierungen biblischen Inhaltes an die Öffentlichkeit. +An der Spitze dieser Blätter steht die »Auferweckung des Lazarus,« die zum +Unterschied von einem späteren, kleineren Blatte desselben Inhalts »die +große« genannt wird. Es ist eine Äußerung stärkster und kühnster Phantasie, +seltsam beim ersten Anblick, aber unmittelbar ergreifend durch die +malerische Wirkung von hell und dunkel und wie mit Zaubermacht fesselnd bei +näherer Betrachtung. Wir befinden uns in einer phantastischen Räumlichkeit; +der Gruftbau ist mit Vorhängen ausgestattet und an den Wänden mit den +Waffen des Verstorbenen geschmückt; von dem eigentlichen Grabe ist die Erde +beiseite geschaufelt und so das enge Steinbett bloßgelegt worden; die +Vorhänge des Eingangs sind zurückgezogen, so daß ein volles Licht von +draußen her in das Dunkel des Todes hineinflutet. Über ein herangelegtes +Brett ist der Heiland an den Rand des Grabes getreten, und in erhabener +Ruhe, nur mit einer machtvollen Gebärde der Hand, ruft er den Toten empor, +der sich langsam, wie von schwerem Traum befangen, aufzurichten beginnt. +Dem Wiedererweckten stürzen die Schwestern entgegen, noch etwas zagend die +eine, mit freudig ausgebreiteten Armen die andere. Staunend sehen die +übrigen Anwesenden den unglaublichen Vorgang; überzeugender sind niemals +von einem Künstler die mannigfaltigen Äußerungsformen des höchsten Staunens +über das Unbegreifliche geschildert worden (Abb. 29). Unter den Radierungen +Rembrandts ist dieses Blatt zu allen Zeiten eins der gesuchtesten gewesen. +Beachtenswert ist die Gewandung des Christus; strenger -- um nicht mit +einem viel mißbrauchten Ausdruck zu sagen stilvoller -- gezeichnet, als es +sonst bei Rembrandt vorkommt, verrät sie noch die Nachwirkungen der +italienischen Schule, in der sich Rembrandts Lehrer gebildet hatten. + +[Illustration: Abb. 31. _Die Flucht nach Ägypten._ Radierung von 1633.] + +[Illustration: Abb. 32. _Rembrandt mit dem Tuch um den Hals._ Radiertes +Selbstbildnis des Meisters von 1633.] + +Während hier, bei der Verbildlichung eines Wunders, Rembrandt sich ganz dem +freien Fluge seiner Dichterkraft hingab, versuchte er in anderen Fällen, +biblische Erzählungen durch die äußerste Natürlichkeit der Darstellung so +recht glaubhaft zu veranschaulichen und sich und dem Beschauer menschlich +nahe zu legen. Ein Beispiel ist die gleichfalls in ziemlich großem Maßstabe +ausgeführte Radierung von 1633: »der barmherzige Samariter.« Dieses Blatt +gehört nicht zu den glücklichsten Schöpfungen Rembrandts: namentlich stört +uns das sehr hölzern ausgefallene Pferd, von dem der Verwundete +herabgehoben wird. Aber die Absicht, das Erzeugnis seiner Einbildungskraft +so zu gestalten, als ob er etwas in der Wirklichkeit Gesehenes wiedergäbe, +ist dem Meister vortrefflich gelungen; in diesem Sinne ist selbst der +häßliche Hund im Vordergrunde nicht ohne Bedeutung; er trägt mit dazu bei, +den Anschein zu erwecken, als ob das Ganze sozusagen ein Augenblicksbild +nach dem Leben wäre (Abb. 30). Wie Rembrandt, auch von dem allerleisesten +Anflug von äußerlichem Idealismus frei, sich die heiligen Gestalten so +vorstellte, wie er in der ihn umgebenden Wirklichkeit die Armen und +Bedürftigen sah, das zeigt uns recht sprechend die feine kleine Radierung +aus demselben Jahre: »die Flucht nach Ägypten.« Unedler in der äußeren +Erscheinung läßt sich der Nährvater Joseph füglich nicht denken. Aber +Rembrandt wirkt nicht durch körperliche, sondern durch sittliche Schönheit. +Könnte wohl eine edlere Gestalt so tiefes, warmes Gefühl durchblicken +lassen, wie dieser ärmliche Handwerker, der in banger Sorge sein Liebstes +in Sicherheit zu bringen sucht, der mit pochendem Herzen und bebenden +Knieen das Reittier an seiner Hand mit immer beschleunigteren Schritten +über die unwegsamen Waldpfade leitet? Wie streitet in dem flüchtig +gezeichneten Gesicht der Maria, die, in einen großen Mantel eingewickelt, +das sorglich eingehüllte Kind vorsichtig in den Armen haltend, auf dem mit +spärlichem Gepäck belasteten Esel sitzt, die Furcht mit dem Vertrauen auf +den Führer! Ein Kleinod reizvoller Erfindung ist dabei die Landschaft; man +fühlt, daß das Tageslicht, welches den Wanderern lange Schatten voranwirft, +dem Erlöschen nahe ist und daß bald die Schrecken der Finsternis die +Flüchtigen umgeben werden (Abb. 31). In mehreren anderen Blättern, welche +die Flucht nach Ägypten, einen von Rembrandt oft bearbeiteten Gegenstand, +behandeln, versetzt der Künstler uns in diese Nacht. Da sehen wir, wie +Joseph mit dem spärlichen Scheine einer flackernden Laterne den unebenen +Pfad zu erhellen sucht, und ein anderes Mal, wie die Flüchtlinge, an der +Grenze ihrer Kräfte angekommen, unter einem Baume ausruhen; an einem Aste +ist die Laterne aufgehängt und bescheint mit unsicherem Lichte die +dichtbelaubten Zweige und die todmüden Wanderer. + +[Illustration: Abb. 33. _Das widrige Geschick._ Radierung von 1633. +(Zweiter Plattenzustand.)] + +Ein radiertes Selbstbildnis brachte Rembrandt im Jahre 1633 in Gestalt +einer Beleuchtungsstudie. Wir sehen ihn bei scharf auf seinen Rücken +einfallendem Lichte mit ganz beschattetem Gesicht, aus dem nur die Augen +blitzend hervorleuchten; die vom Licht gestreiften Locken hängen lang und +wirr auf die Schultern herab (Abb. 32). Man liest auf den meisten Abdrücken +dieser Radierung, die nach dem Halstuch, das der Künstler hier +umgeschlungen hat, benannt zu werden pflegt, anscheinend ganz deutlich die +Jahreszahl 1653; aber die scheinbare Ziffer 5 ist eine 3, die ihren auf den +ersten Abdrücken klar ausgeprägten obersten Strich durch die Abnutzung der +Platte verloren hat. + +[Illustration: Abb. 34. _Jan Cornelisz Silvius_, Prediger zu Amsterdam. +Radierung von 1633. (Erster, sehr seltener Plattenzustand.)] + +Jetzt bekam Rembrandt auch Bestellungen auf Radierungen. Ein Amsterdamer +Buchhändler beauftragte ihn mit der Anfertigung des Titelkupfers für ein +Werk, das im folgenden Jahre (1634) herausgegeben wurde: »De Zeevaerts Lof« +(Lob der Seefahrt), und Rembrandt führte für diesen Zweck das Bild aus, das +unter dem Titel »das widrige Geschick« bekannt ist. In einer Barke, die mit +fröhlichen Menschen -- genießenden und thätigen -- angefüllt ist, steht +Fortuna und hält Mast und Segel des Schiffes; sie wendet dem Beschauer den +Rücken, und so auch einem lorbeerbekränzten Reiter, dessen Roß gestürzt ist +und der jammernd dem davonsegelnden Schiffe nachblickt; hinter ihm sieht +man eine große Herme des Janus mit dem Doppelantlitz, das vorwärts und +rückwärts schaut, und in größerer Entfernung einen Tempel, auf dessen +Treppe viel Volk sich drängt. Die Darstellung bezieht sich, wie der +Begleittext erläutert, auf die Schlacht bei Actium, und der gestürzte Held +ist Antonius (Abb. 33). -- Angesehene Persönlichkeiten, deren Bild zu +besitzen der Wunsch größerer Kreise war, ließen gern ihr Bildnis in +Kupferstich herstellen, wie dies schon im Anfang des XVI. Jahrhunderts +aufgekommen war; oder wenn sie selbst es nicht thaten, so veranlaßten wohl +ihre Freunde die Anfertigung eines solchen Bildes. Daß einem Porträtmaler +wie Rembrandt, der die Radiernadel so gewandt handhabte, derartige Aufträge +in Fülle zugingen, versteht sich von selbst. Den Anfang machte das im Jahre +1633 radierte Bildnis des Predigers Jan Cornelisz Silvius (Janus Silvius). +Selbstredend erforderten solche Blätter eine ganz andere, bildmäßigere +Durcharbeitung, als wenn der Künstler nur zu seiner Übung oder zu seiner +und seiner Angehörigen Freude einen Kopf nach dem Leben radierte. So war er +denn auch mit den ersten Abdrücken, welche er von der Platte mit dem Bilde +des Silvius abzog, nicht zufrieden; er bearbeitete, wie er dies überhaupt +öfters that, die Platte von neuem; durch Vertiefung der Schatten suchte er +das Bild zu beleben, zerstörte dabei aber einigermaßen die Einheitlichkeit +der Wirkung. Daher besitzen die von der Platte in ihrem ersten Zustand +genommenen Abdrücke des überhaupt ziemlich seltenen Blattes einen +besonderen Wert, nicht nur wegen ihrer großen Seltenheit, sondern auch weil +sie das treffliche Bildnis in größerer Schönheit zeigen (Abb. 34). + +[Illustration: Abb. 35. _Der Dichter Jan Hermansz Krul_, gemalt 1633. In +der königl. Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 36. _Kopf des Mannes aus dem Doppelbildnis »Der +Schiffsbaumeister und seine Frau,«_ gemalt 1633, in der Sammlung der +Königin von England im Buckinghampalast. (Nach einer Originalphotographie +von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 37. _Bürgermeister Pancras und seine Frau._ Gemälde im +Buckinghampalast. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Die Zahl der gemalten Bildnisse aus dem Jahre 1633 ist sehr groß. Rembrandt +wurde der gesuchteste Porträtmaler Amsterdams. Herren und Damen der besten +Gesellschaft wendeten sich an ihn, und er schuf in ihren Bildnissen +Meisterwerke ersten Ranges. Dahin gehören, um nur einige der bekanntesten +zu nennen, das Kniestück des Dichters Jan Hermansz Krul in der +Gemäldegalerie zu Kassel (Abb. 35) und das prächtige Doppelbildnis eines +Schiffsbaumeisters und seiner Frau in der Sammlung der Königin von England +im Buckinghampalast. Das letztere ist als Genrebild angeordnet: der Mann +ist damit beschäftigt, die Zeichnung eines Schiffes zu entwerfen, und wird +durch seine Frau, die mit einem Brief herbeikommt, in der Arbeit +unterbrochen. (Abb. 36 gibt den Kopf des Mannes aus diesem Bilde wieder.) +Wie Rembrandt sich darauf verstand, Doppelbildnisse genremäßig zu +gestalten, davon gibt in der nämlichen Sammlung der Königin von England das +Bild des Bürgermeisters Pancras und seiner Frau ein schönes Beispiel. Diese +beiden Leute scheinen es geliebt zu haben, ihren Reichtum zur Schau zu +stellen, das Ehepaar ist in der Vorbereitung zu irgend einer festlichen +Gelegenheit, welche höchste Prunkentfaltung erfordert, dargestellt; die +Bürgermeisterin sitzt vor einem Spiegel, mit einem reichen Mantel +bekleidet, und schmückt sich; ihr Gatte, bereits in vollständiger +Feierkleidung, steht neben ihr und hält weitere Juwelen für sie bereit +(Abb. 37). + +Ungeachtet der zahlreichen Bildnisaufträge, welche den Meister im Jahre +1633 beschäftigten -- aus der Zeit von 1632 bis 1634 werden einige vierzig +von Rembrandt gemalte Porträts aufgezählt --, fand er immer noch Zeit, +kleine Bilder freier Erfindung auszuführen, wie die »Philosophen« in der +Sammlung des Louvre und das köstliche, im Rot des Morgenlichtes glühende +Bild im Buckinghampalast: »Christus erscheint der Maria Magdalena als +Gärtner.« Und daneben wurde er nicht müde, zu seiner Übung und zu seiner +Freude Bildnisse eigener Wahl auszuführen, in Radierungen und Gemälden. Er +putzte seine jüdischen Modelle mit hohen Turbanen und sonstigem +phantastischen Kleiderschmuck zu Patriarchen und Hohenpriestern heraus, und +am häufigsten saß er selbst sich in mannigfaltigem Aufputz Modell; aus eben +diesen Jahren stammt eine außerordentlich große Zahl von Selbstbildnissen +Rembrandts. Wir finden darunter merkwürdige Versuche mit ungewöhnlichen +Kostümstücken: eine sehr selten gewordene Radierung von 1634, »Rembrandt +mit dem Flamberg,« zeigt ihn in einer Art von Kurfürstentracht, mit einem +Schwert in der Hand. So malte er sich auch in allerlei Verkleidungen, bald +in goldgesticktem Sammetmantel und Federbarett, mit vornehmer Miene (Abb. +53), bald als ernstblickenden Krieger in Harnisch und Sturmhaube. Wir +dürfen bei Betrachtung derartiger Bildnisse nicht vergessen, daß es dem +Meister nicht darauf ankam, ein Abbild seiner Person zu liefern, sondern +daß es sich für ihn um irgend eine künstlerische Aufgabe handelte, sei es +um etwas Innerliches, einen Ausdruck, sei es um etwas Malerisches in +Beleuchtung oder Tracht, sei es um all dieses zusammen. Daher erkennen wir +in diesen Studien wohl die Züge des Meisters alsbald wieder, aber vor den +wenigsten derselben gewinnen wir den Eindruck, ein sprechend ähnliches +Porträt vor uns zu haben. Doch malte Rembrandt sich auch wiederholt in +solcher Weise, daß wir über seine ausgesprochene Absicht, sich selbst, wie +er war, getreulich für die Seinigen und für die Nachwelt abzubilden, nicht +im Zweifel sein können. Zu diesen Selbstbildnissen im engeren Sinne gehört +das prächtige Bild von 1633 im Louvre (Abb. 38), und ein sehr ähnliches, +aber anders gekleidetes, in der nämlichen Sammlung, das von jenem nur durch +einen geringen Zeitunterschied getrennt wird (Abb. 49). + +[Illustration: Abb. 38. _Selbstbildnis_, gemalt im Jahre 1633. Im Museum +des Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 39. _Der Kartenspieler._ Radierung. (Erster +Plattenzustand.)] + +Rembrandt hatte im Jahre 1633 wohl besonderen Grund, seine Person mit +Aufmerksamkeit zu betrachten. Ein in der Dresdener Galerie befindliches +Gemälde aus diesem Jahre zeigt uns das Brustbild einer jungen Dame mit +zarter, rosiger Haut und goldigblondem lockigen Haar, die unter dem +Schatten eines rotsammetnen Hutes hervor dem Beschauer mit lustigen Augen +entgegenlacht (Abb. 40). Das ist Saskia van Ulenburgh (oder -- in der +Schreibweise ihrer Heimat -- Uilenborg), die verwaiste Tochter des zu +Leeuwarden ansässig gewesenen Rechtsgelehrten Rombertus Ulenburgh. Wie und +wo Rembrandt diese Tochter eines alten und hochangesehenen friesischen +Geschlechts kennen gelernt hat, wissen wir nicht. Ward ihm die Aufgabe +gestellt, ihr Bild zu malen, und ist ihm bei dieser Gelegenheit das sonnige +Lächeln, das er so reizvoll festzuhalten wußte, ins Herz gedrungen? Oder +galt dieses Lächeln Saskias schon dem Manne ihrer Wahl? Genug, sie ward +seine Braut. In bräutlichem Ernst sehen wir sie dastehen in dem herrlichen, +mit unvergleichlichem Farbenzauber übergossenen Bildnis in der Kasseler +Gemäldegalerie, einem Bilde, das in dem Beschauer einen nachhaltigen +Eindruck zurückläßt, und auf dessen Ausführung Rembrandt eine mehr als +gewöhnliche Sorgfalt verwandt hat. Saskia erscheint hier in vornehmem +Schmuck; sie trägt einen rotsammetnen Hut mit Goldverzierungen und weißer +Straußenfeder, ein Kleid aus dunkelrotem Sammet, mit Unterärmeln aus einem +leichten, goldiggrauen Stoff mit farbigen Müsterchen, einen mattbläulichen, +mit Gold und Farben bestickten Kragen, einen Pelzmantel hat sie leicht +umgeworfen, im Haar, um den Hals, an der Brust und den Armen glänzt und +blitzt es von Gold, Perlen und Juwelen; in der behandschuhten Rechten hält +sie einen Zweig von Rosmarin, und sinnend blickt sie vor sich hin, dem +Beschauer die jungfräulich reinen Linien ihres Profils zeigend (Abb. 42). +Saskia war keine Schönheit, aber sie war sehr hübsch und dabei von +blühender Jugendfrische und glücklicher Heiterkeit reizvoll umkleidet. Sie +war eine Verwandte jenes Predigers Jan Silvius, der zu Rembrandts +frühesten Auftraggebern zählte, und als am 10. Juni 1634 Rembrandt und +Saskia sich in Amsterdam zur Ehe aufbieten ließen, erschien Silvius als +Stellvertreter der Braut. Wir erfahren durch das betreffende, noch +vorhandene Aktenstück, daß Rembrandts Vater damals schon gestorben war; +denn nur von seiner Mutter wird die Einwilligung zur Eheschließung +eingeholt. + +[Illustration: Abb. 40. _Erstes Bildnis von Rembrandts späterer Gattin +Saskia van Ulenburgh._ In der Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach einer +Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und +Paris.)] + +[Illustration: Abb. 41. _Junges Mädchen mit Korb._ Radierung.] + +Unter den Radierungen Rembrandts aus dem Jahre 1633 befindet sich eine, die +auf besondere Beachtung ein Anrecht hat. Denn vielleicht hat sie die erste +Veranlassung zu einem großen Auftrag gegeben, der Rembrandt eine Reihe von +Jahren hindurch beschäftigte. Es ist eine Abnahme Christi vom Kreuz, zum +Unterschied von anderen inhaltsgleichen Radierungen Rembrandts »die große +Kreuzabnahme« benannt. Drei Männer sind mit Leitern an das Kreuz +hinangestiegen und haben den Leichnam vom Holze gelöst; jetzt legt der +oberste von ihnen sich über den Querbalken des Kreuzes und hält den oberen +Zipfel eines Leintuches, das sie schonend unter den Körper des Toten +geschoben haben; von den beiden anderen auf den Leitern Stehenden an den +Armen gehalten, gleitet der nackte Leichnam schwer und in sich +zusammensinkend herab, um von zwei unten stehenden Männern, die ihre Hände +ehrfürchtig unter dem Leintuch halten, aufgenommen zu werden. Joseph von +Arimathia, Nikodemus, die zwei Marien und einige Jünger umgeben, teils +stehend, teils am Boden kauernd, den Fuß des Kreuzes. Ihre Blicke folgen +der Bewegung der Leiche; nur die Mutter hält das Antlitz tief gesenkt. Ein +kostbarer Teppich wird von den Frauen bereit gehalten, um den Toten darauf +zu betten. Joseph von Arimathia beaufsichtigt das Ganze; er ist durch seine +Kleidung als der reiche Mann gekennzeichnet, und wie er auf seinen Stock +gestützt mit gemessener Ruhe dasteht, weiß er in seiner Haltung bei aller +Ergriffenheit die Würde des angesehenen Ratsherrn zu bewahren. Es ist +dunkle Nacht, und undeutlich heben sich in der Ferne die Festungswerke und +Kuppeln der Stadt von dem schwachen Dämmerschein am Horizont ab; aber aus +dem schwarzen Himmel fluten übernatürliche Lichtstrahlen herab, die zu dem +frommen Werke leuchten und den heiligen Leichnam in einen Glorienschein +einhüllen. »Hier ist der Beweis gegeben,« sagt der französische +Kunstschriftsteller Charles Blanc, »wieviel auf der Gesinnung beruht. Die +Darstellung einiger bei der Leiche ihres Gottes weinenden Christen kann des +antiken Reizes, der heidnischen Schönheit wohl entbehren und dennoch einen +erhebenden Eindruck zurücklassen. Nur eine Seele braucht dem Bilde +eingehaucht zu werden, und dies hat Rembrandt gethan, als er das Licht +seines Genius darauf hinstrahlen ließ. Wie sollte man sich nicht für einen +solchen Vorgang interessieren, da doch der Himmel selbst sich dafür +interessiert!« (Abb. 43.) + +[Illustration: Abb. 42. _Bildnis von Rembrandts Braut Saskia van +Ulenburgh._ In der königl. Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer +Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 43. _Die große Kreuzabnahme._ Radierung von 1633.] + +[Illustration: Abb. 44. _Die Kreuzabnahme_, gemalt für den Statthalter +Friedrich Heinrich, jetzt in der königl. Pinakothek zu München. (Nach einer +Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 45. _Die Verkündigung bei den Hirten._ Radierung von +1634.] + +[Illustration: Abb. 46. _Christus und die Samariterin_ (mit der Ruine). +Radierung von 1634.] + +Ganz in derselben Weise, nur noch ergreifender gestaltet durch das +Zaubermittel der Farbe, sehen wir die Kreuzabnahme dargestellt in einem +Gemälde, welches sich jetzt in der Alten Pinakothek zu München befindet +(Abb. 44). Dieses Gemälde bildet mit vier anderen ebendort befindlichen +Bildern eine zusammengehörige Folge, welche das Ende von des Erlösers +irdischem Dasein, von der Aufrichtung des Kreuzes bis zur Himmelfahrt +behandelt. Es sind tief ergreifende Schöpfungen. Die äußere Häßlichkeit der +Gestalten, die wir da sehen, verschwindet gänzlich hinter der Schönheit +ihrer Seele. Wohl mag einer, der an äußerlicher Kunstbetrachtung Gefallen +findet, auch an den Kompositionen im ganzen manche Unschönheiten und Härten +entdecken; aber durch die geheimnisvolle Poesie der Lichtwirkung, die hier +um so eindringlicher wirkt, als die siegreiche Kraft des Lichtes gegenüber +ringsum breit gelagerter Finsternis dem Inhalt des Dargestellten so +unmittelbar entspricht, wird der Beschauer wie mit Zaubermacht gebannt, und +der Wohllaut einer in unbeschreiblicher Eigentümlichkeit gestimmten Farbe +dringt gleich den Melodien alter Kirchenlieder in seine Seele. Rembrandt +malte diese Bilder im Auftrage seines Landesherrn, des Statthalters +Friedrich Heinrich Prinzen von Oranien. Die letzten derselben vollendete er +im Jahre 1638, und er erhielt für jedes den Betrag von 600 Gulden; über +diese Angelegenheit, die Ablieferung und Bezahlung der »Grablegung« und der +»Auferstehung« sind drei eigenhändige Briefe Rembrandts erhalten. Zu den +fünf Passionsbildern gehörte noch, um die Geschichte des Erlösungswerkes zu +vervollständigen, eine Darstellung der Geburt Christi. Alle sechs Gemälde +sind durch Erbschaft in die kurfürstliche Gemäldegalerie zu Düsseldorf und +von da mit den übrigen wertvollsten Schätzen dieser Sammlung nach München +gekommen. Das Bild der Geburt ist fast noch ergreifender als die übrigen. +In äußerster Armut und Demut lagern Maria und Joseph im Stalle; der +letztere hält eine Lampe, um den verehrungsvoll herantretenden Hirten das +Kind zu zeigen, und so scheint dieses, voll beleuchtet, nun die eigentliche +Lichtquelle zu sein, deren Wiederschein die dürftige Umgebung verschönert. +In ähnlicher und doch wieder verschiedener Weise hat Rembrandt, wohl zu +derselben Zeit, als er das Gemälde ausführte, die Geburt Jesu in einer +Radierung dargestellt. Hier ist es noch mehr als dort die »stille Nacht.« +Maria ruht, in ihren Mantel eingewickelt, im Stroh, an ihrer Seite der +Neugeborene; an der anderen Seite des Kindes, zusammengekauert, wacht +lesend der Mann Marias; ihnen gegenüber ruhen die Tiere des Stalles. Da +treten die Hirten herein, Männer, Weiber und Kinder -- man sieht, wie sie +sich bemühen, leise zu gehen --, an ihrer Spitze ein bärtiger Mann mit +einer Laterne, und begrüßen in feierlicher Stille in dem Kinde den Erlöser +der Armen. + +[Illustration: Abb. 47. _Bildnis einer alten Dame_, gemalt 1634, in der +Nationalgalerie zu London. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Es versteht sich von selbst, daß ein so fleißiger und gewandter Maler wie +Rembrandt während der fünf Jahre, die er zur Vollendung der vom Statthalter +bestellten sechs Gemälde, die ihren großen Inhalt in kleinem Umfange +einschließen, brauchte, nur einen verhältnismäßig geringen Bruchteil seiner +Zeit auf diese Arbeit verwendete. + +[Illustration: Abb. 48. _Christus und die Jünger in Emmaus._ Radierung von +1634.] + +Das Jahr 1634 brachte ihm, wie schon erwähnt, eine Fülle von +Porträtbestellungen. Unter den Meisterwerken seiner Bildniskunst aus diesem +Jahre, von denen einige zu seinen allervorzüglichsten Werken gehören, sei +das Brustbild einer bejahrten Dame in weißer Haube und Halskrause, in der +Nationalgalerie zu London, hervorgehoben (Abb. 47). + +[Illustration: Abb. 49. _Selbstbildnis_, gemalt im Jahre 1634. Im Museum +des Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 50. _Die Lesende._ Radierung von 1634.] + +[Illustration: Abb. 51. _Rembrandts Frau Saskia van Ulenburgh._ +Silberstiftzeichnung im Berliner Kupferstichkabinett. =»Dit is naer mijn +huijsvrou geconterfeit do sij 21 jaer oud was den derden dach als wij +getroudt waeren de 8 junijus 1633.«=] + +[Illustration: Abb. 52. _Saskia am Fenster sitzend._ Angetuschte +Federzeichnung.] + +Auch unter den Radierungen des Jahres 1634 befinden sich mehrere ganz +hervorragende Meisterwerke. Da ist zuerst das große Blatt »die Verkündigung +bei den Hirten« zu nennen. In prachtvoller waldiger Berglandschaft haben +die Hirten bei der Herde geruht. Da bricht aus einer dicht geballten Wolke, +die sich herabsenkt, ein Himmelslicht in die dunkle Nacht hinein, daß das +Vieh geängstigt aus dem Schlafe aufspringt und davonrennt. Auch die Hirten +fliehen, werfen sich nieder, blicken starr empor, während die Stäbe ihren +Händen entfallen. Auf den Rand der Wolke ist, von dem strahlenden Licht +durchschienen, dessen Urquell Scharen kleiner Englein jubelnd umkreisen, +ein Engel in weißen Gewändern getreten und spricht, die eine Hand zum +Himmel erhebend, die andere beruhigend ausstreckend, zu den Erschreckten +die Himmelsworte: »Fürchtet euch nicht, ich verkünde euch eine große +Freude« (Abb. 45). Ein wirkungs- und ausdrucksvolles Blatt schildert die +Begegnung des Heilandes mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Jesus sitzt +im Lichte der Abendsonne auf dem Rande des Brunnens, der sich an die +Trümmer eines ausgedehnten alten Bauwerks anlehnt; man glaubt zu hören, wie +von den Lippen des ermüdeten Wanderers milde, ernste Worte fließen, und das +Weib steht ihm gegenüber, äußerlich ruhig, aber innerlich bewegt, daß sie +vergißt, den Krug, den sie schon an der Kette befestigt hat, hinabzulassen; +in der Ferne erhebt sich die Stadt Sichar mit stolzen Gebäuden, und am +Abhang des Hügels steigen die Jünger empor, die sich wundern, daß ihr +Meister mit dem Weibe redet (Abb. 46). Ein kleines Blatt, wieder ein +Meisterwerk des Ausdruckes, stellt die Begebenheit mit den beiden Jüngern +zu Emmaus dar. »Der Tag hat sich geneigt,« und die Abendsonne scheint, +kräftige Schatten werfend, in den auf einer Seite offen gedachten Raum, wo +Christus mit den beiden Jüngern, die Stab und Wandertasche abgelegt haben, +an einem kleinen Tische sitzt. Eben hat der Heiland das Brot mit beiden +Händen gefaßt, um es zu brechen; »da wurden ihre Augen geöffnet«: starr +blickend schlägt der eine, der ihm gegenübersitzt, ein bäuerlich +aussehender Mann mit hoher Judenmütze, die Hände zusammen, und der andere, +ein würdevoller Greis, hält im Zerlegen des Fleisches inne, mit einem +Blick, der in das Innerste des Unbekannten dringen zu wollen scheint, +fragend, ob er wirklich der Gekreuzigte sei; um dessen Haupt aber flammt +ein mächtiger Strahlenkranz, der weit über die Bedeutung des sonst in der +Kunst gebräuchlichen Heiligenscheins hinausgeht; wir würden, auch wenn uns +der Vorgang ganz unbekannt wäre, doch nicht darüber im Zweifel sein können, +daß hier zwischen Sterblichen ein Überirdischer sitzt, der gleich +verschwinden wird (Abb. 48). Dies Verschwinden selbst hat Rembrandt einmal +darzustellen versucht in einer geistreichen Handzeichnung, die im Dresdener +Kupferstichkabinett aufbewahrt wird: in dem Augenblicke, wo die Jünger den +Christus erkannt haben, ist dieser ihren Blicken entschwunden, und sie +starren auf den leeren Stuhl, über dem noch ein geheimnisvoller Lichtglanz +zu schweben scheint. -- Im Gegensatz zu solchen Schöpfungen dichterischer +Gestaltungskraft stehen Blätter, die mit haarscharfem Realismus aus dem +Leben abgeschrieben sind, wie die lesende Frau, die sich in sonntäglicher +Muße so ganz in ihr Buch vertieft hat (Abb. 50). Ein ähnliches Meisterwerk +feinster Beobachtung führt uns das ganz hastig, augenscheinlich ohne Wissen +des Abgebildeten, in die Kupferplatte gekratzte Brustbild eines +Kartenspielers vor Augen (Abb. 39). Auch das seltene kleine Blatt mit der +Halbfigur eines vom Markte heimkehrenden jungen Mädchens (Abb. 41) ist ein +hübsches Beispiel der Augenblicksbilder, in denen Rembrandt zufällig in +seinen Gesichtskreis kommende Erscheinungen verewigte. + +[Illustration: Abb. 53. _Selbstbildnis in gesticktem Sammetmantel und +Federbarett_, gemalt 1635. In der fürstl. Liechtensteinschen Galerie zu +Wien. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 54. _Weiblicher Studienkopf (Saskia)._ Radierung von +1635.] + +[Illustration: Abb. 55. _Rembrandt und seine Frau._ In der königl. +Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 56. _Selbstbildnis Rembrandts_, gemalt um 1635, in der +Nationalgalerie zu London. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 57. _Die Austreibung aus dem Tempel._ Radierung von +1635. (Erster Plattenzustand.)] + +[Illustration: Abb. 58. _Christus am Kreuz._ Radierung.] + +Einen willkommenen Gegenstand des Studiums gab dem Meister +begreiflicherweise seine junge Frau. Eine reizende Silberstiftzeichnung, +die im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt wird, zeigt uns Saskia am +dritten Tage nach ihrer Trauung, wie sie, den Kopf leicht in die Hand +gestützt, in heiterer Zufriedenheit unter ihrem breitrandigen Strohhute +hervorschaut, mit einem Blick, der nicht auf unbekannte Beschauer des +Blattes berechnet ist, sondern nur dem Zeichner selbst gilt (Abb. 51). +Merkwürdig ist bei diesem Blatte, daß in der Unterschrift zwar der Monat +richtig, aber sowohl der Tag als das Jahr unrichtig angegeben sind. Sollte +Rembrandt in der Freude seines Herzens ganz in der Zeitrechnung irre +geworden sein? Daß das Umgehen mit Zahlen nicht seine starke Seite war, +dafür bietet allerdings auch sein Briefwechsel mit dem Sekretär des Prinzen +von Oranien Belege. Thatsächlich fand Rembrandts Trauung mit Saskia, nach +dem Ausweis des Eheschließungsregisters des Amtes Bildt in Friesland, am +22. Juni 1634 statt. -- Eine spätere Zeichnung, mit Feder und Tusche ganz +flüchtig, aber sehr treffend hingeworfen, zeigt uns die junge Frau in +ganzer Gestalt, wie sie mit der häuslichen Schürze angethan am Fenster +sitzt, in dessen Nähe die aufgeschlagene Bibel lehnt (Abb. 52). Wie sich +selbst, so putzte Rembrandt auch seine Gattin gern mit allerlei +Kostümstücken aus der Garderobe seiner Werkstatt heraus. Er radierte ihr +Bild in den verschiedensten Beleuchtungen und Ansichten; besonders anmutig +erscheint sie auf dem seltenen Blatte, welches sie in gerader +Vorderansicht, wiederum die Hand an Stirn und Wange gelehnt, mit einem +leichten Schleier über den seitlich lose herabhängenden Haaren zeigt (Abb. +54). + +[Illustration: Abb. 59. _Simson bedroht seinen Schwiegervater._ Gemälde von +1635, im königl. Museum zu Berlin. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 60. _Die Kuchenbäckerin._ Radierung von 1635.] + +Es drängte Rembrandt, sein eheliches Glück in einem größeren Gemälde der +Nachwelt gleichsam urkundlich zu überliefern. So schuf er das weltberühmte +Doppelbildnis, welches die Dresdener Gemäldegalerie besitzt. In der Tracht +eines Kavaliers, den Raufdegen an der Seite, ein Sammetbarett mit wallenden +Straußenfedern auf dem langen, lockigen Haar, sitzt Rembrandt vor einer +reichbedeckten Tafel; mit der Rechten schwingt er ein Glas schäumenden +Weines empor, die Linke hat er um die Hüften der Gattin gelegt, die er auf +seinen Knieen wiegt. Mit ungebändigter Fröhlichkeit lacht Rembrandt in die +Welt hinein; mit starker Wendung des Halses sieht Saskia sich um und blickt +den Beschauer vergnügt, aber doch mit schicklicher Gemessenheit an. Ein +unbeschreiblicher üppiger Farbenreiz verklärt das Bild und verstärkt den +rückhaltlosen künstlerischen Ausdruck höchster Daseinsfreude (Abb. 55). Das +ganze Bild atmet Wohlleben; Saskia trägt kostbaren Juwelenschmuck, der +freilich nur einen geringen Teil vorstellt von den Schätzen, mit denen +Rembrandt das geliebte Weib überhäufte. Wir erfahren, daß im Jahre 1638 +einige seiner Verwandten bei Gelegenheit einer an und für sich +geringfügigen Vermögensauseinandersetzung ihn laut anschuldigten, er habe +sein ganzes väterliches Erbteil in Schmuck und Prunk vergeudet, und daß er +deswegen -- freilich ohne Erfolg -- eine Verleumdungsklage gegen dieselben +anstrengte. -- Wir müssen dem Meister dankbar sein, daß er uns sein +Gesicht auch einmal im Sonnenschein der hellsten Fröhlichkeit gezeigt hat. +Denn sonst tragen die Bildnisse, die er im jugendlichen Mannesalter nach +sich selbst gemalt hat -- abgesehen von denjenigen, welche nicht seinen +natürlichen, sondern einen gemachten, eben für das betreffende Bild +angenommenen Ausdruck haben --, einen tiefen Ernst zur Schau. So zeigt uns +auch das um dieselbe Zeit wie das Dresdener Bild entstandene Selbstbildnis +in der Londoner Nationalgalerie, das eines der schönsten unter den schönen +ist, die ernst gedankenvollen Züge des klar und scharf beobachtenden, mehr +aber noch innerlich arbeitenden Künstlers (Abb. 56). + +[Illustration: Abb. 61. _Jakob Cats_, Rechtsgelehrter, Dichter und +Staatsmann (nachmals Ratspensionär in Holland und Großsiegelbewahrer). +Radierung von 1635.] + +Dem Jahre 1635, das wir mit Sicherheit als dasjenige der Entstehung des +Dresdener Doppelbildnisses ansehen dürfen, gehört ein ebenfalls in der +Gemäldegalerie zu Dresden befindliches Bild mythologischen Inhalts an: »Der +Raub des Ganymedes.« Der Liebling des Göttervaters ist als ein noch ganz +kleiner Knabe gedacht, der eben Kirschen essen wollte, als der Adler auf +ihn herabstieß, um ihn in die Lüfte zu führen; und nun schreit er ganz +erbärmlich und gibt seinem Schrecken in einer nicht näher zu beschreibenden +Weise Ausdruck. Da helfen uns nun freilich alle malerischen Vorzüge nicht +über die Ungeheuerlichkeit der Geschmacklosigkeit und über den +vollständigen Mangel an Formenschönheit hinweg. Das Bild ist der stärkste +Beweis, daß es Rembrandt gänzlich an Sinn und Verständnis für dasjenige +fehlte, was einer mythologischen Darstellung die Berechtigung geben kann. +Aber auch mit einem Gemälde biblischen Inhaltes, das er zu derselben Zeit +ausführte, war er nicht gerade glücklich. Wie Simson zu seinem +Schwiegervater, der ihm die Gattin vorenthält, die Drohworte spricht: »Ich +habe einmal eine rechte Sache wider die Philister, ich will euch Schaden +thun,« ist der Gegenstand des im Berliner Museum befindlichen Gemäldes. +Lange hat man geglaubt, dasselbe stelle eine Begebenheit aus dem Leben des +Herzogs Adolf von Geldern vor; aber der morgenländisch gekleidete Riese mit +der Überfülle des langen dunklen Haupthaares ist deutlich genug als Simson +gekennzeichnet (Abb. 59). Trotz des Mangels an unmittelbarer +Verständlichkeit und trotz der man möchte sagen geradezu unbehilflichen +Anordnung macht übrigens dieses Bild einen großartigen Eindruck durch die +Macht seiner Farbenwirkung. + +[Illustration: Abb. 62. _Jan Uytenbogaard_, Prediger der Remonstranten- +(Arminianer-) Gemeinde. Radierung von 1635.] + +Zu den Radierungen des Jahres 1635 gehört ein hochberühmtes Blatt: +»Christus reinigt den Tempel.« Es ist eine wuchtige Darstellung voll +bewegten Lebens. Christus, eine kraftvolle Gestalt, die wie eine Erinnerung +an eine Dürersche Figur aussieht, dringt in leidenschaftlicher Entrüstung +auf die Käufer und Verkäufer ein, die unbekümmert um die in einem höher +gelegenen Chorraum vor sich gehende feierliche gottesdienstliche Handlung +in den Hallen des Tempels ihren Schacher treiben; es ist ein seltsamer, +aber wirkungsvoller Gedanke, daß der Heiligenschein hier nicht das Haupt, +sondern die Faust des Erlösers umstrahlt, welche die Geißel schwingt. Die +Tische der Wechsler stürzen, das Geld rollt auf den Boden, auch Leute +stürzen hin in der Hast des Fliehens, während andere ihre Ware noch schnell +zu sichern bemüht sind; so rennen Menschen und Tiere -- denn auch +Viehhändler, nicht bloß Taubenkrämer, hat Rembrandt sich unter den +Verkäufern gedacht, die das Heiligtum entweihten --, die Gewänder des +Christus umkläfft, ohne sich doch an ihn heranzuwagen, ein häßlicher Köter. +Je länger man das Bild betrachtet, um so staunenswürdigere Einzelheiten +wird man entdecken, namentlich in den Gesichtern und Gebärden der +verschiedenen in ihrem Geschäft gestörten jüdischen Händler (Abb. 57). + +[Illustration: Abb. 63. _Johannes Antonides van der Linden_, berühmter Arzt +und Professor an der Universität zu Leiden. Radierung.] + +Von sonstigen biblischen Darstellungen gehört dieser Zeit wohl auch das +kleine Blatt mit der Kreuzigung an, das so überaus einfach und anspruchslos +komponiert ist und doch durch die sprechende Gegenüberstellung der +ohnmächtig zu Boden gesunkenen Mutter und des hilflos am Kreuze +emporgestreckten Sohnes eine so ergreifende Wirkung ausübt (Abb. 58). + +[Illustration: Abb. 64. _Mann mit langen Haaren._ Radierung.] + +Neben so tief empfundenen ernsten Schöpfungen fehlen auch die leichteren +Bilder aus dem Leben nicht; welche Fülle von Geist und Humor steckt in dem +kostbaren Straßenbild: »die Kuchenbäckerin« (Abb. 60). + +Hauptprachtblätter finden wir unter den Bildnisradierungen des Jahres 1635. +Da sehen wir ein Brustbild eines alten Herrn von lebhaftem Temperament, mit +klugen, hell blickenden Augen unter der vieldurchfurchten Stirn, mit +sorgfältig ausgebürstetem Schnurrbart und einem schwarzseidenen Käppchen +auf dem kahlen Scheitel, die Schultern mit einem Pelzkragen bedeckt, auf +dem eine goldene Gnadenkette glitzert. Das ist Jakob Cats, der Dichter und +Staatsmann, der verdienstvolle Lehrer des Prinzen von Oranien, ein heute +noch unter dem Namen »Vater Cats« in Holland volkstümlicher Schriftsteller +(Abb. 61). Neben diesem Meisterwerk von Geist und Leben steht ebenbürtig +das zu malerischer Haltung und bildmäßiger Wirkung sorgfältig +durchgearbeitete Porträt des Remonstrantenpredigers Jan Uytenbogaard. Der +achtundsiebzigjährige Geistliche, der von 1599 bis 1614 zuerst Feldkaplan, +dann Hofprediger des Prinzen Moritz von Oranien gewesen, dann wegen seiner +Freundschaft mit Barnevelt und Grotius in Ungnade gefallen und nach +Frankreich geflüchtet war, seit dem Regierungsantritt des Prinzen Friedrich +Heinrich (1625) aber wieder in der Heimat geduldet wurde und der nun im +Haag lebte, blickt mit seinen ansprechenden Zügen, in denen die Spuren von +Sorgen und Kummer den Ausdruck väterlichen Wohlwollens nicht haben +verwischen können, vom Lesen der theologischen Schriften, die seinen Tisch +bedecken, auf und heftet die müden Augen auf den Beschauer (Abb. 62). Unter +der Radierung stehen von Hugo Grotius verfaßte lateinische Verse folgenden +Inhalts: + + Dem die Gemeinde dereinst und das Kriegsvolk lauschte bewundernd, + Und, ward gleich er beschämt ob seiner Sitten, der Hof: + Vielfach umhergeschleudert, doch nicht von den Jahren gebrochen, + Also kehrt dir, o Haag, dein Uytenbogaard zurück. + +Wir sehen aus solchen Bildnissen, daß Rembrandt mit den Besten und +Gebildetsten seiner Nation verkehrte. Neben dem rechtsgelehrten und +dichterisch begabten Staatsmann und dem überzeugungsmutigen Priester sei in +dieser Reihe der an der Leidener Hochschule wirkende berühmte Arzt Jan +Antonsz (oder, wie er als Gelehrter schrieb, Johannes Antonides) van der +Linden genannt, von dem Rembrandt wohl einmal bei Gelegenheit eines Besuchs +in seiner Vaterstadt -- die Jahreszahl ist nicht angegeben -- ein in +Haltung und Ausdruck so überaus liebenswürdiges Bildnis radiert hat (Abb. +63). + +[Illustration: Abb. 65. _Der eingeschlafene Greis mit der großen Mütze._ +Radierung.] + +So groß auch die Fertigkeiten waren, welche Rembrandt erlangt hatte, seine +Studienübungen ließ er niemals ruhen. Wie einst Dürer es nicht verschmäht +hatte, die Feder eines Vogels oder das Fell eines Hasen zum Gegenstand des +gewissenhaftesten Studiums zu machen, so malte Rembrandt mit eingehender +Treue Zusammenstellungen lebloser Gegenstände, mannigfaltig gefiederte +Vögel u. dergl., um sich von der Natur in dem Geheimnis wohllautender +Farbenstimmungen belehren zu lassen. Vor allem aber blieb das menschliche +Antlitz der Gegenstand seines unausgesetzten Studiums. Neben Radierungen +nach verschiedenartigen Modellen (Abb. 64 und 65) legen zahlreiche +Handzeichnungen, bald mehr oder minder sorgfältig ausgeführt, meistens aber +ganz flüchtig hingeworfene Augenblicksbilder von seinem Eifer Zeugnis ab +(Abb. 66, 67, 68). Auch einer Karikatur begegnen wir gelegentlich unter +diesen Blättern, wie sie der Meister vielleicht einmal im fröhlichen +Gespräch im Freundeskreise hinzeichnete, um eine Persönlichkeit, von der +gerade die Rede war, allen erkennbar auch im Bilde vorzuführen (Abb. 69). +Am häufigsten sind unter Rembrandts Studienköpfen, mögen sie nun mit der +Feder, mit dem Stifte oder mit der Radiernadel gezeichnet sein, immer die +Juden. Allmählich fanden sich nun unter des Meisters Judenbekanntschaften +auch solche ein, die nicht als bezahlte Modelle oder als +Antiquitätenhändler, sondern als Auftraggeber mit ihm in Verkehr traten. + +Das Bild eines Juden von großem Namen lernen wir in einer Radierung von +1636 kennen. Dieser Mann, der auf den ersten Anblick kaum einen jüdischen +Eindruck macht, zumal auch die Tracht von Bart und Kleidung nichts von den +damals den Juden eigenen Besonderheiten zeigt, sondern mit der allgemeinen +Mode übereinstimmt, und hinter dessen unbedeutend scheinenden Zügen mit den +schweren Augenlidern man erst nach längerem Betrachten einen lebhaften +Geist und den vielseitig begabten und geschulten Verstand eines großen +Gelehrten vermuten kann, ist Manasseh-ben-Israel (Abb. 70). Zu Lissabon im +Jahre 1604 geboren, war er als Kind mit seinem Vater nach Amsterdam +gekommen, wo so viele portugiesische Juden damals Zuflucht und Freiheit der +Religionsübung fanden; seine in jungen Jahren erworbene Gelehrsamkeit war +so groß, daß er im Alter von achtzehn Jahren zum Oberrabbiner einer der +drei Amsterdamer Synagogen ernannt wurde. Sein größter Ruhm war eine ganz +außergewöhnliche Sprachenkenntnis; außerdem war er Doktor der Medizin; er +hat zahlreiche Schriften, meist theologischen Inhalts, hinterlassen. + +[Illustration: Abb. 66. _Alte Frau._ Handzeichnung in der Albertina zu +Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach +i. E. und Paris.)] + +Die Jahreszahl 1636 lesen wir auch auf mehreren hervorragenden Radierungen +biblischen Inhalts. Da ist in einem kleinen Blatt der Tod des heiligen +Stephanus dargestellt. Schön ist da weder die Gestalt des jugendlichen +Glaubenszeugen, noch auch selbst der Linienzug der Komposition. Aber wie +diese rohe Menge mit wahrer Wonne den Schuld- und Wehrlosen steinigt, das +ist eine für alle Zeiten wahre Schilderung des zu rohen Leidenschaften +aufgehetzten Pöbels. An der zeichnerischen Behandlung sogar sieht man, wie +Rembrandt sich in seinen Gegenstand vertieft hat: man möchte sagen, daß +diese hastigen, hart und schroff gegeneinander stoßenden und sich +durchkreuzenden Strichlagen von Leidenschaft und zugleich von Widerwillen +gegen die rohe That beseelt sind (Abb. 71). Wie ganz anders ist die +Behandlung bei dem wundervollen Blatt, das die Rückkehr des verlorenen +Sohnes zum Gegenstande hat! Wie deutlich sieht man hier, daß die Hand des +Künstlers von hingebenden und innigen Empfindungen geleitet worden ist! +Niemals ist aber auch dieser so oft behandelte, künstlerisch so dankbare +Vorwurf in so rührender und ergreifender Schilderung bearbeitet worden. Wie +dieser verkommene, nur mit den notdürftigsten Lumpen bedeckte Mensch sein +von den Spuren des Lasters und des Elends entstelltes Gesicht, das aber +jetzt durch den Ausdruck der Reue und des durch die Vergebung +wiedergefundenen Friedens innerlich verschönt wird, an die Vaterbrust +drückt, und wie dieser Vater, erschüttert über den Anblick, den sein Sohn +ihm bietet, aber für kein anderes Gefühl zugänglich als für das der alles +vergebenden und vergessenden Freude über den Wiedergefundenen, mit großen +Schritten herbeigeeilt ist und sich liebevoll über ihn beugt, das ist ein +Meisterwerk der Seelenmalerei, das kaum seinesgleichen hat. Ebenso lebendig +sprechen die Empfindungen der Nebenpersonen zu uns. Die Mutter, die hastig +den Fensterladen aufstößt, ist noch nicht Herr geworden über die Gefühle, +die auf sie einstürmen; der Diener, der Schuhe und schöne Kleider für den +Ankömmling herbeibringt, weiß nicht, wohin er sehen und was er dazu sagen +soll, und hinter ihm erscheint der Bruder, unfähig, in seiner Miene den +Unwillen über die freundliche Aufnahme, die jener findet, zu verbergen. +Durch den Bogen des Hofthores sieht man ins Freie, wo ein Hügel mit einigen +Gebäuden die Aussicht beschränkt; es sind nur wenige Striche, welche die +Landschaft andeuten, aber sie genügen, um die Vorstellung in uns zu wecken, +daß der Heimgekehrte in weiter Wanderung über Berg und Thal gekommen ist +(Abb. 72). + +[Illustration: Abb. 67. _Brustbild eines alten Mannes._ Handzeichnung in +der Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément +& Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Von der Emsigkeit, mit welcher der Meister studierte, legt ein Blatt mit +sechs Studienköpfen Zeugnis ab, die mit rücksichtsloser Ausnutzung des +Raumes, den die gerade bereit liegende Platte gewährte, zusammengedrängt +sind und sich gegenseitig den Platz streitig machen. Am weitesten +ausgeführt ist der mittelste von diesen Köpfen, und unschwer erkennen wir +hier die von ungebändigten krausen Löckchen umrahmten, sehr anmutig +aufgefaßten Züge von Frau Saskia (Abb. 73). Auf einem anderen Blatte aus +demselben Jahre 1636 finden wir Saskia in Gesellschaft ihres Gatten. Diese +zu allen Zeiten besonders hochgeschätzte Radierung bildet gewissermaßen den +Gegensatz zu dem Dresdener Gemälde; während dort die Lust des Genießens +geschildert ist, sehen wir hier, wie das liebende Beisammensein dem Ernst +der Arbeit keinen Abbruch thut. Es ist Abend; denn nur von einer oberhalb +des Bildes über dem Tische hängenden Lampe können wir uns die Beleuchtung +ausgehend denken. Saskia hat sich hingesetzt, um von des Tages Arbeit zu +ruhen; Rembrandt aber, der Unermüdliche, wechselt, indem er die Werkstatt +mit dem Wohngemach vertauscht, nur die Art seiner Thätigkeit; die Augen +durch ein breitrandiges Barett vor dem Lampenschein beschirmend, hat er +Papier oder Kupferplatte herbeigeholt, um den künstlerischen Eingebungen zu +folgen, die der Augenblick ihm bietet (Abb. 75). + +[Illustration: Abb. 68. _Alter Mann lesend._ Handzeichnung in der Albertina +zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 69. _Alter Mann._ Handzeichnung in der Albertina zu +Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach +i. E. und Paris.)] + +Zwei große Gemälde tragen die Jahreszahl 1636. Das eine derselben ist eine +»Danae« oder nach einer in jüngster Zeit vorgeschlagenen Bezeichnung eine +»Braut des Tobias.« Auf den Namen kommt es hier nicht an; es ist +schlechtweg ein entkleidet auf weichem Lager ruhendes junges Weib. Das Bild +befindet sich in der Ermitage zu Petersburg, die überhaupt eine größere +Anzahl Rembrandtscher Gemälde besitzt, als in irgend einer anderen Sammlung +vereinigt sind; »schreckliche Natur, unvergleichliche Kunst« -- so wird +dasselbe von den einen gekennzeichnet, während es anderen schlechthin als +eines der ausgezeichnetsten Meisterwerke dieser an Kunstwerken ersten +Ranges so reichen und leider so entlegenen Sammlung gilt und den +Venusbildern Tizians ebenbürtig genannt wird. Das andere große Gemälde +dieses Jahres, das sich in der gräflich Schönbornschen Sammlung in Wien +befindet (eine gute alte Kopie in der Kasseler Galerie), kann auch von den +begeistertsten Verehrern Rembrandts kaum bewundert werden. Es stellt die +Überwältigung Simsons durch die Philister dar. Über den zu Boden geworfenen +wehrlosen Helden, der mit Händen und Füßen um sich schlägt, stürzen die +Gegner im Eisenharnisch, und einer bohrt ihm den Stahl ins Auge, während +Delila mit den abgeschnittenen Haaren in der Hand triumphierend davonläuft. +Die Schilderung des Vorganges ist so grauenhaft wie häßlich, und was das +Schlimmste ist, die grauenhafte Häßlichkeit streift an das Lächerliche. + +[Illustration: Abb. 70. _Manasseh-ben-Israel_, ein als Sprachgelehrter und +als Arzt berühmter portugiesischer Jude, Oberrabbiner zu Amsterdam. +Radierung von 1636.] + +Demselben Jahr gehört wahrscheinlich die prächtige Figur des sogenannten +Bürgerfähnrichs an, der, ganz in Braun gekleidet, in stolzer Haltung +dasteht, die Rechte auf die Hüfte gestemmt, in der Linken eine über die +Schulter genommene Fahne, von deren weißlichem Seidenton der dunkle Kopf +sich wundervoll abhebt; in dem Gesicht dürfen wir wohl die ins kriegerisch +Derbe übersetzten Züge des Malers wiedererkennen (Abb. 74). Das Bild +befindet sich im Besitz der Baronin James Rothschild zu Paris (eine alte +Kopie in der Galerie zu Kassel). -- Von Bildnissen unbekannter Personen mag +das unübertrefflich vornehm aufgefaßte Brustbild eines augenscheinlich den +höchsten Ständen angehörenden jungen Mannes mit großem Spitzenkragen, in +der Londoner Nationalgalerie, in diese Zeit fallen (Abb. 77). + +Das Jahr 1637 bringt uns wieder ein herrliches Selbstbildnis des Meisters, +das im Louvre aufbewahrt wird (Abb. 78). Eine Radierung dieses Jahres zeigt +uns das merkwürdig sprechende Bildnis eines unbekannten Mannes, eines +anscheinend kränklichen jungen Gelehrten, der mit sorgfältig gegen +Erkältung geschütztem Halse neben seinen Büchern sitzt, und dessen +nachdenklichem Gesicht man die Blässe seiner Hautfarbe ansieht (Abb. 76). +Ein anderes Blatt vereinigt drei reizend ausgeführte weibliche Studienköpfe +nach sehr verschiedenartigen Modellen (Abb. 79). + +[Illustration: Abb. 71. _Die Steinigung des Stephanus._ Radierung von +1636.] + +[Illustration: Abb. 72. _Die Rückkehr des verlorenen Sohnes._ Radierung von +1636.] + +[Illustration: Abb. 73. _Sechs Studienköpfe_, in der Mitte Rembrandts Frau. +Radierung von 1636.] + +Weiterhin ist dieses Jahr durch mehrere treffliche Kompositionen biblischen +Inhalts ausgezeichnet. Eine Radierung zeigt uns Abraham, wie er Hagar +verstößt. In reiche morgenländische Tracht gekleidet, steht der Patriarch +an der Schwelle seines Hauses; den einen Fuß hat er schon auf die unterste +Stufe der Eingangstreppe gesetzt, um in das Haus zurückzukehren. Denn eben +hat er zu Hagar, die, mit wenigen Habseligkeiten beladen, bitterlich +weinend von dannen zieht, während der kleine Ismael, mit einem Täschchen an +der Seite und einem Bündelchen in den Händen, ihr folgt, sein letztes Wort +gesprochen, und seine Handbewegung scheint zu sagen: Wir sind fertig +miteinander, dein Weinen rührt mich nicht mehr. Aus dem laubumrahmten +Fenster aber schaut Sara, und über ihre alten Züge fliegt ein unschönes +Lächeln; aber dieses siegesfrohe Lächeln gilt nicht der beseitigten +Nebenbuhlerin, sondern dem Gatten. Neben ihr sieht man im Schatten der +Hausthür das dickwangige Gesicht ihres Söhnchens, eines echten +Judenknäbleins (Abb. 80). -- Diesem Blatt ist eine reizvolle Federzeichnung +in der Albertina in Bezug auf die Kostümierung und auf das Verhältnis der +Figuren zur Landschaft so ähnlich, daß sie wohl in derselben Zeit +entstanden sein muß; sie stellt Juda dar, wie er der im sonnigen Grün am +Wege sitzenden Thamar seinen Ring und Stab zum Pfand gibt (Abb. 81). -- Dem +alten Testament ist auch der Stoff zu einem herrlichen Gemälde von 1637 +entnommen, das sich in der Louvresammlung zu Paris befindet. Wie der Engel +Raphael die Familie des Tobias verläßt, ist der Inhalt der großartigen und +wirkungsvollen Darstellung. Eben hat der Engel sich zu erkennen gegeben, +und Vater und Sohn Tobias, die eben noch mit ihm wie mit einem guten +Freunde vor der Hausthür stehend gesprochen haben, sind auf die Kniee +gefallen, während eine Wolke sich herabsenkt, um den entschwebenden +Himmelsboten aufzunehmen. Mit unendlichem Staunen erkennt der junge Tobias, +dessen Blicken die schattende Wolke den Engel schon entzieht, das +überirdische Wesen seines Begleiters. Der greise Vater aber begreift +leichter das Wunder Gottes; mit gefalteten Händen hat er sich demütig zu +Boden geworfen. Er ist vom Himmelslicht scharf beleuchtet und so auch die +junge Frau, die neben der Mutter in der rebenumlaubten Hausthür erscheint, +und die, während ihr Gesicht noch das höchste Erstaunen spiegelt, die Hände +faltet und betet; die Mutter, ganz überwältigt und geblendet von der +Erscheinung, wendet sich ab, und die Krücke entfällt ihren zitternden +Händen (Abb. 82). Die Geschichte des Tobias war ein Lieblingsgegenstand +Rembrandts. Die Handzeichnungensammlung der Albertina enthält eine ganze +Reihe von Federzeichnungen Rembrandts aus verschiedenen Zeiten, welche +diese Geschichte behandeln. Da blicken wir in die dürftige, aber +behagliche Häuslichkeit der Eltern des Tobias. Die Mutter spinnt, der +blinde Vater sitzt in der Ecke des Kamins und spricht, um seinen Sohn +besorgt, zu dem Boten, der diesen geleiten will; auf den Wanderstab +gestützt steht der Engel -- dem Beschauer durch seine Lichtgestalt und die +Fittiche als solcher kenntlich -- dem Alten gegenüber und scheint seinen +Worten aufmerksames Gehör zu schenken; der junge Tobias steht zur +Wanderschaft gegürtet am Kamin, und sein Hündlein springt mit freudiger +Ungeduld an ihm empor (Abb. 83). Dann sehen wir, wie Tobias, sein Bündel am +Stock über dem Rücken tragend, an der Seite des Engels, dessen Gesprächen +er lauscht, durch eine baumreiche Landschaft wandert; das Hündlein fehlt +nicht, das mit ihm lief (Abb. 84). Eine ungemein reizvolle, feine +Zeichnung versetzt uns dann an das Ufer des Tigris, das durch Wiesen und +Gesträuch allmählich zu ferner liegenden Höhen hinansteigt. In ganz +kindlichem Schrecken hat Tobias die Füße aus dem Wasser zurückgezogen, als +er den Fisch erblickte, und drückt sich schutzsuchend gegen den Engel, der +in großer und ruhiger Haltung ihn anweist, den Fisch zu ergreifen (Abb. +85). Noch schöner ist das durch Tusche in malerische Wirkung gebrachte +Blatt, welches zeigt, wie Tobias unter der Aufsicht des Engels den +zappelnden Fisch aufschneidet und die heilbringenden Eingeweide +herausnimmt. Man kann sich nichts Poetischeres denken als diese sonnige +Uferlandschaft; man fühlt die Hitze des Tages, die das Hündchen antreibt, +seinen Durst mit begierigen Zügen zu löschen, und man glaubt im Schatten +der üppig wachsenden Bäume erfrischende Wasserluft zu atmen (Abb. 86). + +[Illustration: Abb. 74. _Der Bürgerfähnrich._ Gemälde im Besitz der Baronin +Rothschild zu Paris. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in +München.)] + +[Illustration: Abb. 75. _Rembrandt und seine Frau._ Radierung von 1636. +(Zweiter Plattenzustand.)] + +Ein anderes Gemälde aus dem Jahre 1637, »Susanna im Bade,« im Museum im +Haag, nimmt den biblischen Stoff nur als Vorwand zur Darstellung +unverhüllter weiblicher Schönheit, freilich der Schönheit, wie sie +Rembrandt verstand, nicht als Formen-, sondern als Farbenreiz. Die +Nebenfiguren der beiden Alten sind nur durch den Kopf des einen, der +zwischen dem Gesträuch sichtbar wird, angedeutet. Susanna ist stehend +dargestellt, im Begriff ins Wasser hinabzusteigen; man sieht sie von der +Seite; das vorsichtig, wie um sich von der Einsamkeit des Ortes noch einmal +zu überzeugen, umschauende Gesicht ist dem Beschauer zugewendet. Die +unübertreffliche Lebenswahrheit, mit welcher die jugendliche Gestalt +dargestellt ist, würde nicht ausreichen, um dem Bilde das hohe +Schönheitslob zu spenden, das es thatsächlich verdient; aber wie die zarte +blonde Haut dieser Gestalt aus dem saftigen Dunkel der Büsche, die den +Hintergrund bilden, hervorleuchtet, das ist echteste Poesie. + +[Illustration: Abb. 76. _Junger Mann, sitzend und nachdenkend._ Radierung +von 1637.] + +Ein drittes Gemälde des nämlichen Jahres, das sich in der Ermitage zu +Petersburg befindet, hat seinen Stoff aus dem neuen Testament geschöpft. Es +behandelt das Gleichnis von den Arbeitern des Weinbergs: im Schein der +letzten Abendsonne sitzt der Herr des Weinbergs und hört dem einen Arbeiter +zu, der murrend spricht: »Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, +und du hast sie uns gleich gemacht.« Durch die Macht des Ausdrucks, mit der +Rembrandt selbst das scheinbar ganz Undarstellbare anschaulich zu machen +wußte, verstand er es in ganz einziger Weise, die Gleichnisse des +Evangeliums zu verbildlichen und die Möglichkeit der Darstellung in Stoffen +zu finden, wo kein anderer eine solche Möglichkeit erblicken würde. So hat +er in zwei Zeichnungen, die jetzt weit voneinander getrennt sind, indem die +eine in der Sammlung des Herzogs von Aumale, die andere in der Albertina zu +Wien sich befindet, das Gleichnis von dem unbarmherzigen Knecht behandelt, +welches im 18. Kapitel des Matthäusevangeliums erzählt wird. Auf dem einen +dieser Blätter sehen wir, wie der Knecht in demütiger Bitte, mit der +Gebärde der Anbetung vor dem Herrn auf die Kniee gefallen ist, der +nachrechnend über den Büchern sitzt, und wie dieser mit leicht gewendetem +Haupt und milder Handbewegung -- man glaubt ihn sprechen zu hören -- dem +Flehenden die Schuld erläßt. Das zweite Blatt (Abb. 87) zeigt uns die +nämlichen zwei Figuren; wieder kniet der Knecht am Boden, aber diesmal +kann er keine Vergebung mehr erwarten; denn zornig ist der Herr von seinem +Sitze aufgestanden, und die nämliche Hand, die vorhin Gnade gewährte, ist +jetzt zum erbarmungslosen Urteilsspruch über den Unbarmherzigen erhoben, +der unter der Wucht des Urteils zusammenknickt. + +[Illustration: Abb. 77. _Männliches Bildnis._ In der Nationalgalerie zu +London. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 78. _Selbstbildnis Rembrandts_, gemalt 1637. Im Museum +des Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 79. _Drei Studienköpfe._ Radierung von 1637.] + +Die Entstehungszeit der Handzeichnungen läßt sich meistens nur ganz +annäherungsweise vermuten, da bei der Mehrzahl derselben die leicht und +schnell hingeschriebenen Züge hierfür keine ausreichenden Merkmale bieten; +und Jahreszahlen hat Rembrandt diesen Skizzen selten beigefügt. Die +Jahreszahl zu vermerken hat der Meister für der Mühe wert gehalten, als er +1637 Gelegenheit hatte, einen Elefanten nach dem Leben zu zeichnen. In den +Städten Hollands, das damals den ganzen überseeischen Handel beherrschte, +und insbesondere in Amsterdam, wurden wohl öfter als irgendwo anders +ausländische Tiere zur Schau gestellt, und Rembrandt, der das Studium um +des Studiums willen liebte, suchte mit dem Skizzenbuch in der Hand solche +Schaustellungen auf. Den Elefanten hat er ganz meisterhaft gezeichnet; +nicht nur das Ganze der Erscheinung, sondern auch die Eigentümlichkeit der +Haut ist mit unübertrefflicher Charakteristik wiedergegeben (Abb. 89). +Flüchtiger, aber ebenso treffend hat Rembrandt einmal einen Löwen nach dem +Leben gezeichnet (Abb. 88). Daß er auch das Kamel, mit dessen Darstellung +sonst die Maler alttestamentlicher Gegenstände manchmal so sehr wenig Glück +gehabt haben, nach der Natur studiert hat, beweist uns die reizvolle +Zeichnung mit der Begegnung von Elieser und Rebekka am Brunnen. Das +liebenswürdige Blättchen, welches sich ebenso wie die vorgenannten +Studienzeichnungen in der Albertina, der an Rembrandtschen Handzeichnungen +reichsten Sammlung, befindet, ist in einzelnen Teilen, wie in der Figur des +ermüdet dasitzenden Mannes, sorgfältig durchgebildet, in anderen, wie in +den unter schattigen Bäumen sich um die Tränke drängenden Tieren, nur +flüchtig angelegt, und da es sehr zart gezeichnet ist, enthüllt es uns +nicht gleich beim ersten Anblick seine ganze Schönheit; haben wir uns aber +erst einmal hineingesehen, so entzückt es uns als ein köstliches +idyllisches Gedicht (Abb. 90). + +[Illustration: Abb. 80. _Abraham verstößt Hagar._ Radierung von 1637.] + +Zahme Tiere studierte Rembrandt häufiger mit der ganzen ihm eigenen +Sorgfalt; solche Studien führte er gelegentlich auch auf der Kupferplatte +aus. Ein Beispiel ist der, wie man heute sagen würde, mit photographischer +Treue wiedergegebene schlafende Hund (Abb. 91). + +[Illustration: Abb. 81. _Juda und Thamar._ Handzeichnung in der Albertina +zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +Zu den biblischen Erzählungen, welche auf Rembrandt eine ganz besondere +Anziehung ausübten, gehören neben der Geschichte des Tobias diejenigen des +Simson und des ägyptischen Joseph. Mit beiden beschäftigte er sich im Jahre +1638. Den zwei vorhergegangenen lebensgroßen Gemälden aus der Geschichte +Simsons ließ er ein figurenreiches Bild folgen, welches das Hochzeitsfest +des Helden zum Gegenstand hat. Die Dresdener Galerie besitzt dieses mit +einem wunderbaren Zauber der von den zartesten leuchtenden Perlmuttertönen +zu den glühendsten, goldig-purpurnen Tiefen abgestuften Farbe bekleidete +Gemälde. Durch die Farbe allein schon empfangen wir den Eindruck vornehmer +festlicher Pracht, und wir vergessen darüber die Seltsamkeiten in der +Darstellung der Personen. Den lichten Mittelpunkt des Gemäldes bildet die +im reichsten bräutlichen Schmucke prangende Tochter des Thimnithers; die +stolze Gelassenheit, mit der sie unter dem prächtigen Thronhimmel sitzt, +läßt uns die Kaltblütigkeit ahnen, mit der sie das Rätselgeheimnis Simsons +ihren Landsleuten verraten und sich dann von ihrem Vater einem anderen +Manne geben lassen wird. Zu ihrer Linken hat Simson auf breitem, +kissenbedecktem Ruhesitz seinen Platz am Kopfende der Tafel; mit +ungeschlachter Bewegung hat er seine wilde Kraftgestalt herumgedreht und +gibt, mit Mund und Händen sprechend, den Philistern das Rätsel auf, das ihm +nur ein Vorwand zum Händelsuchen ist; wie die Umstehenden ihm zuhören -- da +ist jeder Kopf wieder ein Meisterwerk des Ausdrucks. Weiter unten an der +reich besetzten Tafel geben die geputzten Gäste in bunter Reihe sich der +zwanglosesten Lustigkeit hin, -- »wie die Jünglinge zu thun pflegen,« im +damaligen Holland nämlich, bei den ausgelassenen Gelagen, welche dort an +der Tagesordnung waren. Es liegt eine Stimmung der Berauschtheit über dem +Gemälde, in den Figuren und in der Farbe, und die kalte Erscheinung der +Braut wird dadurch doppelt scharf hervorgehoben (Abb. 92). -- Der +Geschichte des ägyptischen Joseph gehört eine der berühmtesten Radierungen +Rembrandts an: »Joseph erzählt seine Träume.« Das unmittelbar Sprechende +des Ausdrucks bei den verschiedenen Personen, die innerliche Erregung +Josephs, der beim Erzählen sich besinnt, um nicht das Geringste ungenau +wiederzugeben von dem Merkwürdigen, das er geträumt hat, der nachdenkliche +Ernst des im Lehnstuhl sitzenden greisen Israel und der altersmüden, auf +dem Bette ruhenden Lea, alle Abstufungen der Mißgunst bei den Brüdern, die +teils mit der Aufmerksamkeit des Neides lauschen, teils spöttisch +untereinander zischeln, und von denen nur der junge Benjamin ohne Arg und +ohne Falsch, mit rein kindlicher Neugier dem Erzähler über sein Lesebuch +hinweg zuhört, -- und nicht minder die reizvolle malerische Wirkung des +Blattes rechtfertigen in vollstem Maße dessen alten Ruhm, der schon bei +Lebzeiten Rembrandts so groß war, daß man, wie ein Zeitgenosse erzählt, in +den Kreisen kunstsinniger Leute für ungebildet galt, wenn man nicht +mindestens zwei Abzüge davon besaß, ein »Josephchen mit dem weißen Gesicht« +und ein »Josephchen mit dem schwarzen Gesicht.« Auf den Abzügen nämlich, +welche Rembrandt von der Platte in ihrem ersten Zustand genommen hat, ist +bei dem hinter Joseph stehenden Bruder mit dem Turban auf dem Kopfe und dem +Sammetmantel um die Schultern das Gesicht hell beleuchtet. Als aber eine +Anzahl von Abzügen hergestellt war, veränderte Rembrandt die Platte, indem +er über jenes Gesicht, einen Teil des Turbans und die auf der Brust +sichtbare Unterkleidung kräftige Schattentöne legte und im Anschluß daran +die beiden benachbarten Gesichter und den anstoßenden Teil des +Hintergrundes, Thür und Vorhang, mehr oder weniger abtönte (Abb. 93). Bei +dieser Behandlung hat das »schwarze Gesicht« gegen das weiße entschieden an +Ausdruck verloren, aber der Hervorhebung der Hauptfigur kommt die Änderung +wesentlich zu gute. Übrigens wußte Rembrandt nicht bloß durch nachträgliche +Bearbeitungen der Kupferplatte derartige Abwandlungen in eine Radierung zu +bringen, daß die verschiedenartigen Abdrücke von den Sammlern wie +verschiedenartige Werke geschätzt wurden und heute noch geschätzt werden. +Auch die von ein und demselben Zustand einer Platte gezogenen Abdrücke sind +bei wirkungsvollen Blättern häufig voneinander verschieden. Denn Rembrandt +druckte seine Radierungen eigenhändig, und indem er hier den Ton +verstärkte, dort milderte, erzielte er neue künstlerische Reize und +Mannigfaltigkeiten der Wirkung. Wenn das Gerücht umging, er besitze +Geheimnisse der Kupferstecherkunst, die keinem anderen bekannt seien, so +bestand das Geheimnis außer in seinem Genie eben nur darin, daß er, selber +druckend, auch beim Druck noch als schaffender Künstler zu Werke ging. + +[Illustration: Abb. 82. _Der Engel verläßt Tobias._ Gemälde von 1637, im +Nationalmuseum des Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 83. _Die Abreise des Tobias._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 84. _Tobias und der Engel._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Von Bildnissen tragen nur wenige die Jahreszahl 1638. Man darf annehmen, +daß die Fertigstellung der vom Prinzen von Oranien bestellten Folge von +Gemälden mit der Erlösungsgeschichte jetzt seine Zeit fast vollständig in +Anspruch nahm. + +Zu den wenigen Bildnissen, zu deren Ausführung er zwischendurch noch Zeit +fand, gehört vielleicht das in der Ermitage zu Petersburg befindliche Bild +seiner Mutter. Rembrandt hatte seine bejahrte Mutter in den letzten Jahren +ihres Lebens -- sie starb im September 1640 -- mehrmals abgemalt. In +wunderbarer Weise wußte er in der Haltung und den Zügen der ehrwürdigen +Frau den klaren Seelenfrieden eines ruhigen, gottergebenen Greisenalters +zur Anschauung zu bringen. Eines der letzten ihrer Bildnisse, von 1639, +besitzt die Wiener Hofgemäldesammlung, ein ausgezeichnetes Bild, welches +die alte Dame in einer dem Geschmack ihres Sohnes entsprechenden reichen +Kleidung, beide Hände auf einen Stab stützend, zeigt. + +[Illustration: Abb. 85. _Tobias erschrickt vor dem Fisch._ Handzeichnung in +der Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément +& Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Unter den übrigen Gemälden des Jahres 1639 ragt das in lebensgroßer ganzer +Figur ausgeführte vornehme Bildnis eines in schwarzen Atlas gekleideten +Mannes in der Kasseler Galerie hervor. + +Aus dem letzten der Briefe, welche Rembrandt in der Angelegenheit seiner +für den Prinzen von Oranien gemalten Bilder an dessen Sekretär Constantin +Huigens richtete, erfahren wir, daß er Anfang 1639 diesem Herrn aus +Erkenntlichkeit für das Wohlwollen und die Zuneigung, die er ihm bewiesen +hat, ein Gemälde schenkt. Den Gegenstand des geschenkten Bildes nennt +Rembrandt nicht; aber er bittet den Empfänger, dasselbe in sehr heller +Beleuchtung und so, daß man es auf große Entfernung sehen könne, +aufzuhängen. + +Bei der Ablieferung eben der vom Statthalter bestellten Gemälde wurde +Rembrandt mit einem Manne bekannt und, wie es scheint, auch befreundet, der +für ihn insofern von besonderer Wichtigkeit war, als aus seinen Händen der +Schatzmeister des Prinzen die Mittel empfing, um Rembrandt zu bezahlen. Das +war der Steuereinnehmer der Staaten -- Obersteuerdirektor würden wir sagen +-- Pieter Uytenbogaerd. Dessen Bild führte Rembrandt alsbald in einer +prachtvollen Radierung aus. Uytenbogaerd -- nicht zu verwechseln mit dem +gleichfalls von Rembrandt abgebildeten gleichnamigen Prediger -- ist in +seiner amtlichen Thätigkeit dargestellt. Er sitzt in einem Gemach, dem, +trotzdem daß es nur der dienstlichen Arbeit dient, ein gewisser Aufwand +der Ausstattung nicht fehlt: der Arbeitstisch ist mit einer prächtigen +Decke bekleidet, und an der Wand hängt ein ziemlich großes Gemälde, das die +Errichtung der ehernen Schlange in der Wüste vorstellt. Aber das Gemälde +wird unseren Augen zum Teil entzogen durch ein unter der Zimmerdecke im +Handbereich des Einnehmers angebrachtes Aktengestell, von dem die Goldwage +über den Tisch herabhängt; und auf der schönen Tischdecke stehen schwere +Geldsäcke und ein schmuckloses kleines Pult zur Aufnahme des großen +Eintragebuches, in welches der seinem Stande gemäß sehr reich gekleidete +hohe Beamte Zahlen an Zahlen reiht. Er hält die Feder in der Rechten und +reicht mit der Linken eines der Säckchen, dessen Gewicht eben festgestellt +worden ist, einem jugendlichen Diener, der dasselbe kniend -- der junge +Freistaat hatte noch nicht alle Überbleibsel strenger spanischer Etikette +abgeschafft -- in Empfang nimmt. Auf dem Fußboden sehen wir eine große +eisenbeschlagene Kiste und mehrere Fässer, von denen eins, mit dem daneben +liegenden Hammer geöffnet, seinen aus Geldstücken bestehenden Inhalt +erkennen läßt. Im Hintergrunde blicken wir durch eine Art Schalter in einen +Vorraum, wo mehrere Personen auf ihre Abfertigung durch den Herrn Einnehmer +warten (Abb. 94). + +[Illustration: Abb. 86. _Tobias nimmt den Fisch aus._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Sein eigenes Bildnis hat uns Rembrandt in diesem Jahre in der herrlichen +Radierung gegeben, welche wohl das von all seinen Selbstbildnissen am +meisten bekannte ist: »Rembrandt mit dem aufgestützten Arm.« Der Meister +steht oder sitzt hinter einer am unteren Rand der Platte angegebenen +Brüstung und lehnt sich auf dieselbe mit dem linken Arm, um den der +bestickte Schultermantel malerisch herumgenommen ist; die rechte Hand hat +er in die Brust gesteckt, und den Kopf, den ein keck auf das rechte Ohr +geschobenes Barett bedeckt, wendet er über die linke Achsel dem Beschauer +zu. Die nachdenkliche Stirn ist schon furchig geworden, und die Gewohnheit +prüfenden Sehens hat die Haut über den Augenlidern herabgesenkt; aber trotz +solcher Zeichen scheidender Jugend spricht die höchste Frische des Geistes +und des Körpers aus diesem Gesicht, das die noch unverminderte Lockenfülle +in üppiger Länge einrahmt und das neben dem Schnurrbart ein spitzer +Kinnbart ziert. Dies ist das Gesicht, welches den meisten modernen +Darstellungen von Rembrandts Person zu Grunde liegt; auch zu dem Standbild, +welches dem Meister im Jahre 1852 zu Amsterdam errichtet worden ist, hat es +gedient. Ein anderes Selbstbildnis, das wohl nicht viel später entstanden +ist, sondern nur durch den Ausdruck, in dem eine gemachte Strenge mit +natürlicher Ermüdung streitet, die Züge älter erscheinen läßt, gibt uns den +ungewöhnlichen Anblick, daß Rembrandt seinem Bartwuchs an Kinn und Wangen +volle Freiheit gelassen hat. Gesicht und Haare sind hier mit besonderer +Feinheit ganz köstlich ausgeführt, und meisterhaft sind die verschiedenen +Stoffe gekennzeichnet, der Sammet des mit einer Straußenfeder geschmückten +Baretts, die Seide und die Goldtressen des pelzgefütterten Mantels (Abb. +95). + +[Illustration: Abb. 87. _Der unbarmherzige Knecht._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Ein sehr fremdartiger Gegenstand begegnet uns unter den Radierungen des +Jahres 1639. »Die Jugend vom Tod überrascht« heißt das Blatt. Vor einem +jungen Herrn und einer jungen Dame in gewählter Modetracht taucht plötzlich +der Tod als Gerippe mit Sense und emporgehobener Sanduhr aus dem Boden auf. +Sicherlich ist Rembrandt durch den Anblick der Totentanzbilder Holbeins, +dessen Holzschnitte einen Bestandteil seiner sehr umfangreichen +Kunstsammlung bildeten, zu dieser Phantasie angeregt worden. + +Das Hauptmeisterwerk des Jahres 1639 aber ist die Radierung »der Tod +Marias,« ein sehr großes, großartig geistreiches und wirkungsvolles Blatt. +Maria liegt in einem Himmelbett. Zu ihrer Rechten steht ein Priester mit +einem stabtragenden Knaben und einem Schleppträger, in phantastischer, dem +katholischen Bischofsornat in freier Umbildung entliehener Tracht; die +herabhängenden Hände ineinander faltend, blickt er die Sterbende ernst und +sinnend an; was seines Amtes war, hat er vollendet. Noch weiter im +Vordergrunde sitzt an einem Tische ein Vorleser in reicher morgenländischer +Tracht; er hat aufgehört zu lesen und wendet den Blick gleichfalls nach +Maria hin. Denn diese hat eben den letzten Atemzug gethan, schlaff liegen +Haupt und Hände in den Kissen. Wohl hebt Petrus, der vorderste der Apostel, +die sich im Verein mit Frauen, die den Ausbruch ihres Schmerzes +zurückzuhalten nicht mehr imstande sind, an der linken Seite des Bettes +zusammendrängen, mit dem Kopfkissen das Haupt Marias empor und versucht +durch ein Riechmittel, das er in ein Tuch gegossen hat, das Leben noch +einen Augenblick zu fesseln; ob noch eine Spur von Leben vorhanden sei, +sucht der mit einem Turban bekleidete Arzt am Puls zu erforschen. Aber die +Seele gehört der Erde nicht mehr an; während im Gemache überall die Trauer +über den irdischen Tod herrscht -- besonders schön ist die Gestalt des mit +ausgebreiteten Händen dastehenden Jüngers Johannes --, dringt vom Himmel +herab eine Wolke durch die Balkendecke des Zimmers; sie ist mit Licht +gleichsam gefüllt und wirft flutendes Licht auf das Bett und die Leiche. Im +Licht schwebt ein Engel herab, von Kinderengeln begleitet, um die Seele der +Reinsten in Empfang zu nehmen. -- Während die unteren Figuren, wenn auch +mit leichter Hand, so doch sehr sorgfältig ausgeführt sind, sind die Engel +und Wolken nur ganz flüchtig skizziert; aber was bei einem anderen Künstler +als grobe Nachlässigkeit erscheinen würde, dient hier als wirksamstes, +geistvollstes Mittel, um von dem Irdischen das Überirdische, Traumhafte, +Erscheinende, nicht mit dem materiellen Auge Wahrnehmbare und +Festzuhaltende zu sondern. Je länger wir das herrliche Blatt ansehen, um so +mehr werden wir davon hingerissen (Abb. 96). + +[Illustration: Abb. 88. _Studie eines ruhenden Löwen._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 89. _Der Elefant._ Handzeichnung von 1637 in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 90. _Elieser und Rebekka._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 91. _Der (kleine) schlafende Hund._ Radierung.] + +Nicht mit einer Jahreszahl bezeichnet, aber, seiner Behandlungsweise nach +zu urteilen, wohl um dieselbe Zeit entstanden ist das gleichfalls sehr +wirkungsvolle Blatt: »Der Triumph des Mardochai.« Von Haman geleitet, der +die Empfindung seiner Demütigung hinter gewaltsamer Gebärdensprache +verbirgt, reitet Mardochai, mit Scepter und goldener Halskette, mit +Fürstenhut und hermelinbesetztem Mantel ausgestattet, auf einem Schimmel +durch das Volk, das sich unterwürfig und jubelnd um ihn drängt, wie eben +die Menge dem Helden des Tages zu huldigen pflegt, mag sie auch gestern +noch dessen jetzt gedemütigtem Gegner zugejauchzt haben; von einer Art von +Balkon aus, in einer Säulenhalle, sehen der König Ahasverus und Esther dem +Schauspiel zu (Abb. 97). Ein Teil der Figuren ist auf diesem Blatte nur in +leichten Umrißlinien skizziert, aber dafür um so bewunderungswürdiger im +Ausdruck. Wir dürfen deshalb das Blatt nicht für unfertig halten: Rembrandt +hat diese Figuren so stehen lassen, weil er sah, daß ihre große Lichtmasse +der Bildwirkung des Ganzen zu gute kam. Übrigens hat Rembrandt auch manche +Platten unfertig liegen lassen und dennoch für die Liebhaber Abzüge davon +gemacht. Diese Abzüge haben den eigenen Reiz, daß sie erkennen lassen, in +welcher Weise der Meister bei seinen Radierungen zu Werke ging. Besonders +belehrend ist in dieser Beziehung das Blatt, welches den Titel »Pygmalion« +führt, aber weiter nichts vorstellt, als einen in seiner Werkstatt +sitzenden Maler -- wohl den Meister selbst --, der nach einem weiblichen +Modell eine Aktstudie zeichnet. Der größte Teil dieses Blattes ist mit +flüchtigen Umrissen so leicht angelegt, daß man nur eben erkennen kann, was +gemeint ist; dabei ist aber der obere Teil des Hintergrundes mit genauer +Aussparung der Umrisse bis zur letzten Vollendung ausgeführt; man sieht, +mit welcher unbedingten Sicherheit der Meister von vornherein wußte, was er +wollte. + +[Illustration: Abb. 92. _Simsons Hochzeit._ Gemälde von 1638. In der +Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 93. _Joseph erzählt seine Träume._ Radierung von 1638. +(Zweiter Plattenzustand, »mit dem schwarzen Gesicht.«)] + +[Illustration: Abb. 94. _Uytenbogaerd_, Steuereinnehmer von Holland (auch +»der Goldwäger« genannt). Radierung von 1639.] + +Gleichsam zur Erholung von seinen gedanken- und empfindungsreichen +Schöpfungen radierte Rembrandt zwischendurch immer wieder einmal +Straßenbilder nach dem Leben. Die komische Figur eines armen alten Mannes +mit hoher Judenmütze trägt die Jahreszahl 1639 (Abb. 98). Auch die Übungen +nach den Köpfen bezahlter Modelle setzte der Meister nicht aus. So ist die +wunderbar fein gezeichnete Radierung von 1640 mit dem Brustbild eines +bärtigen Greises, der eine ungewöhnlich geformte Mütze trägt (hiernach als +»Mann mit der gespaltenen Mütze«, oder auch als »Greis mit dem viereckigen +Bart« bezeichnet), sicherlich kein bestelltes Bildnis, sondern nur eine +derartige Übungsarbeit (Abb. 99). + +Ein in großem Format radiertes Kniestück, welches eine reichgekleidete +behäbige Frau mit kleinen Augen und dicken Lippen und mit prächtigem +aufgelösten Haar zeigt, bekannt unter dem Namen »die große Judenfrau« (Abb. +100), wird von einigen als ein Bild von Frau Saskia angesehen. Aber die +alte Bezeichnung dürfte doch zutreffender sein, so daß wir das Bildnis +einer reichen Jüdin vor uns hätten. Denn wenn Rembrandt auch bei den +Studien, die er nach sich selbst oder seiner Frau machte, es mit der +Ähnlichkeit nicht immer genau nahm, eine derartige Verhäßlichung Saskias +würde doch allzu befremdlich sein. Wie ungleich anmutiger die Gattin des +Meisters, obgleich sie inzwischen stärker und gesetzter geworden, um das +Jahr 1640 noch war, beweist uns das schöne Bild in der Dresdener Galerie, +welches die etwa Achtundzwanzigjährige zeigt, wie sie mit freundlichen +Blicken dem Beschauer eine Nelke hinreicht, während die an die Brust +gelegte linke Hand, welche die reizvollen Grübchen der Fingergelenke sehen +läßt, zu sagen scheint, daß die kleine Blumengabe herzlich gemeint sei +(Titelbild). + +[Illustration: Abb. 95. _Selbstbildnis Rembrandts mit dem Federbarett._ +Radierung.] + +Eines der allerbesten Meisterwerke von Rembrandts Bildnismalerei trägt die +Jahreszahl 1640. Es ist das Bild des Vergolders, welcher Rembrandt die +Rahmen für seine Gemälde lieferte. Wie dieser ehrsame Handwerker, der sich +indessen mit der Würde, die einem Bürger der Stadt Amsterdam zukommt, zu +tragen weiß, mit seinen schlichten und ehrlichen Zügen so schlicht und +ehrlich wiedergegeben ist, das ist die denkbar wahrheitsgetreueste +Nachbildung der Wirklichkeit, dabei aber zugleich durch den künstlerischen +Reiz, der sich nicht erklären, sondern nur empfinden läßt, durch die +unfaßbare Poesie der Malerei eines der größten Kunstwerke aller Zeiten +(Abb. 101). Im Gegensatze zu der Farbenfreudigkeit jenes annähernd +gleichzeitigen Bildnisses der Saskia bewegt sich hier der Wohllaut der +Farben in den einfachsten Tönen: vor einem grauen Hintergrund ein schwarzer +Rock, ein schwarzer Hut, dazu eine weiße Krause und die gesunde +Gesichtsfarbe des Mannes; weiter nichts -- aber es war Rembrandt, der diese +Töne zusammengestimmt hat. Das Prachtgemälde bildete früher einen +Bestandteil der Sammlung des Herzogs von Morny zu Paris; seit dem Verkauf +dieser Sammlung im Jahre 1865 hat es mehrmals den Besitzer gewechselt und +befindet sich jetzt in den Händen des Herrn Havemeyer zu New York. + +Von mehreren biblischen Gemälden, die Rembrandt 1640 vollendete, sind zwei, +eine Heimsuchung und eine Kreuzabnahme, in den Sammlungen englischer Lords +verborgen. Ein drittes, eine heilige Familie, befindet sich im Louvre. +Dieses kleine, schöne Bild ist ganz häuslich und ganz menschlich aufgefaßt, +es wird auch daher schlechtweg »die Familie des Tischlers« genannt. Auch +die Beleuchtung ist keine überirdische, sondern sie geht von einem ganz +natürlich zu erklärenden Sonnenstrahl aus. Wie aber trotzdem Rembrandt +durch die Poesie des Lichtes die Darstellung weit über das Alltägliche +hinauszuheben gewußt hat, daß wir das Göttliche ahnen, das in dieser +Handwerkerfamilie wohnt, das läßt sich nicht treffender schildern, als es +Charles Blanc mit meisterhaften Worten gethan hat: »Es ist die düstere +Werkstätte eines Zimmermanns; eine junge Frau hält ein Kind in den Armen, +die Großmutter beugt sich hin, um den Enkel zu betrachten, und neben dem +Fenster, welches einen grauen, bedeckten Himmel durchblicken läßt, läßt der +Handwerksmann seinen Hobel über ein Brett gleiten. Obgleich der Himmel +umwölkt ist, hat doch ein dünner Sonnenstrahl durch eine unsichtbare +Öffnung sich eingeschlichen, berührt das Kind, erwärmt, vergoldet, +überschwemmt es mit Licht und bricht sich sodann an allen Teilen des +Zimmers, in Bälde aber von dem Halbdunkel aufgezehrt. Das Gesicht der +jungen Mutter glänzt und erheitert sich, jenes der Alten leuchtet infolge +jener plötzlichen Heiterkeit, das Kind scheint selbst ein leuchtender +Körper zu sein! Doch wie? sind wir nicht in Marias Behausung? Diese Mutter +ist eine Jungfrau, und ihr Kind verheißt uns einen Gott!« + +[Illustration: Abb. 96. _Der Tod der Maria._ Radierung von 1639 (stark +verkleinert).] + +[Illustration: Abb. 97. _Der Triumph des Mardochai._ Radierung.] + +[Illustration: Abb. 98. _Jude mit der hohen Mütze._ Radierung von 1639.] + +Um diese Zeit fing Rembrandt an, einer neuen Gattung gewissenhaften +Studiums seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Von des Meisters großer Begabung, +seinen Kompositionen durch dichterisch erfundene Landschaft einen +stimmungsvollen Hintergrund zu geben, sind uns bisher schon manche Proben +geboten worden. Mit dem reizvollen Blatt »der Kanal« aber beginnt im Jahre +1640 die Reihe der Radierungen, in denen Rembrandt Stückchen seines +Heimatbodens schlicht und treu der Wirklichkeit nachzeichnete und dabei +Gegenden, die einem anderen ganz und gar poesielos erschienen wären, +künstlerische Reize abgewann, weil er sie eben mit Künstleraugen anschaute. +Das Jahr 1641 bringt uns von solchen geistvollen, der Natur +nachgeschriebenen Blättern zwei besonders berühmte, »die Windmühle« und +»die Strohhütte mit dem großen Baum.« Auf dem erstgenannten, das auch als +»die Mühle Rembrandts« bezeichnet wird, weil lange Zeit die irrige Meinung +verbreitet war, Rembrandt, der Müllerssohn, habe in einer Windmühle am +Rhein, zwischen Leiderdorp und Koudekerk, das Licht der Welt erblickt, +sehen wir nichts als eine Windmühle, ein paar Häuser und einen ganz flachen +Horizont; aber welcher feine, namenlose Reiz -- das unerklärbare Geheimnis +echter Kunst -- liegt in der Wahrheit, mit der dieses an und für sich so +reizlos scheinende Stück aus einer eintönigen Gegend wiedergegeben ist +(Abb. 102). Das andere, in bedeutend größerem Maßstabe ausgeführte Blatt +zaubert aus einer niedrigen alten Strohhütte und einem Lindenbaum, einem +zwischen flachen Wiesenufern regungslos hingleitenden Wasser, einigen in +der Ferne sichtbaren Windmühlenflügeln und einer den niedrigen Horizont +abschließenden Stadt ein hochpoetisches Bild hervor (Abb. 103). -- Drei +Skizzenbuchblätter Rembrandts aus der Handzeichnungensammlung der Albertina +mögen als weitere Beispiele dienen von des Meisters feinfühligem +landschaftlichen Sinn und seiner Gabe, auch im Unbedeutendsten das +künstlerisch Ansprechende zu sehen (Abb. 104, 105, 106). Dabei wendet der +Meister des Helldunkels bei solchen auf Spaziergängen gesammelten Studien +fast gar kein Wirkungsmittel von Hell und Dunkel an; er zeichnet fast nur +mit Umrißlinien, und mit diesen Umrißlinien weiß er eine ganze Stimmung zu +malen, er läßt uns den eigentümlichen Zauber einer ruhigen, spiegelnden +Wasserfläche und den feinen Reiz der in duftiger Zartheit schimmernden +weiten Ferne so vollständig empfinden, als ob alle Mittel der Farbenkunst +hier aufgeboten wären. + +[Illustration: Abb. 99. _Der Greis mit dem viereckigen Bart_ (auch »der +Greis mit der gespaltenen Mütze« genannt). Radierung von 1640.] + +[Illustration: Abb. 100. _Die (große) Judenfrau._ Radierung.] + +Das Jahr 1641 weist wieder eine ansehnliche Zahl von Bildnissen auf. Zu +ihnen gehört das Prachtbild der Mutter des nachmaligen Bürgermeisters Jan +Six, welches sich noch im Besitz der Familie Six zu Amsterdam befindet. +Ferner das vor kurzem für das Berliner Museum erworbene Doppelbildnis des +Mennonitenpredigers Anslo und einer Dame in Witwentracht, die in tiefem +Leid den lebhaft vorgetragenen Trostworten des geistlichen Herren zuhört +(Abb. 107). -- Um die nämliche Zeit dürfte das in Abb. 108 wiedergegebene, +in der Ermitage zu Petersburg befindliche Bild entstanden sein, das +sorgfältig ausgeführte Porträt einer unbekannten ältlichen Dame in +Pelzmantel und schwarzem Schleier; die an sich harten Züge dieser Frau +gewinnen durch Rembrandts Auffassung etwas Liebenswürdiges, und wunderbar +schön sind die Hände gezeichnet. -- Wie der Künstler selbst um diese Zeit +aussah, zeigt uns ein prächtiges Brustbild in der Sammlung des +Buckinghampalastes (Titelbild). + +[Illustration: Abb. 101. _Bildnis von 1640_, bekannt unter der Bezeichnung +»_Rembrandts Rahmenmacher_.« Im Besitz von H. O. Havemeyer in New York. +(Nach einem Schabkunstblatt von J. Dixon.)] + +[Illustration: Abb. 102. _Die Windmühle._ Radierung von 1641.] + +Unter den radierten Bildnissen von 1641 zeichnet sich das in höchster +malerischer Weichheit ausgeführte Bild eines vornehmen jungen Mannes aus, +der vor seinem Schreibpulte sitzt; eben hat er ein Buch zugeschlagen und +denkt nun über etwas nach, das er niederschreiben will (Abb. 109). -- Von +sonstigen Radierungen dieses Jahres verdient das Blatt besondere +Erwähnung, welches die Madonna in den Wolken darstellt. Weder die Jungfrau +noch das Kind sind schön, und die starke Betonung der jüdischen +Stammeseigentümlichkeit und der Zugehörigkeit zu den niederen Ständen +berührt uns gar fremdartig; und dennoch liegt eine unbeschreibliche +Erhabenheit in dem gottergeben nach oben gewendeten Antlitz der Mutter und +in dem Zauber des Lichts, das von den beiden ausstrahlt und die +Wolkenränder beleuchtet, während in der Tiefe nächtliches Dunkel lagert. +Es ist bei Rembrandt etwas ganz Ungewöhnliches, daß er in seinen +Kompositionen den irdischen Boden so vollständig verläßt, wie er es in +diesem Blatte gethan hat. Häufiger gab er in dem Bestreben, die biblischen +Gestalten so recht glaubhaft zu verkörpern, den biblischen Darstellungen +ein so schlicht natürliches Ansehen, daß man einfache Genrebilder in ihnen +zu sehen glaubt. Dahin gehört das sehr feine kleine Blatt von 1641, +welches darstellt, wie Jakob den Laban, der ihn nicht heimziehen lassen +will, mit stolzem Selbstbewußtsein zur Rede stellt, das auch, wenn man den +Gegenstand einmal erkannt hat, als ein Meisterwerk des Ausdrucks +bewunderungswürdig ist, ohne daß man sich indessen darüber zu wundern +braucht, wenn das Blatt gewöhnlich nur »die drei Orientalen« genannt wird +(Abb. 110). + +Im Ausdruck liegt auch in erster Linie das Bewunderungswürdige des in +Lebensgröße ausgeführten Gemäldes von 1641: »das Opfer des Manoah,« in der +Dresdener Galerie. Die beiden alten Leute, denen die Geburt des Simson +verheißen worden ist, knieen in frommer Demut vor dem Opferaltar; in +ruhiger Zuversicht betet das Weib, nicht minder gläubig, aber erschüttert +durch den Anblick des in der Lohe emporfahrenden Engels, der Mann. +Wunderbar ist es ausgedrückt, wie die Erscheinung des Engels sich +verflüchtigt -- im nächsten Augenblick wird er unsichtbar sein; nur schade, +daß die Gestalt des Verschwindenden gar so unglücklich in der Form +ausgefallen ist, so daß sie den Eindruck beeinträchtigt, den das sonst +durch die Einfachheit der Komposition und den Ernst der Farbenstimmung so +großartig wirkende Bild ausübt (Abb. 111). + +[Illustration: Abb. 103. _Die Strohhütte mit dem großen Baume._ Radierung +von 1641 (stark verkleinert).] + +Ein gleichfalls sehr großartiges, wirkungsvolles biblisches Gemälde aus dem +Jahre 1642 befindet sich in der Ermitage zu Petersburg. Es stellt die +Versöhnung Jakobs mit Esau dar: »Esau lief ihm entgegen und herzte ihn und +fiel ihm um den Hals und küßte ihn, und sie weinten.« Es liegt eine +seltsame Stimmung über dem Bilde. Dunkele Wolken bedecken den Himmel, die +nur an einer Stelle eine unbestimmte Helligkeit durchblicken lassen; die +begleitenden Völker der beiden Brüder verschwinden in der Finsternis: aber +sie selbst sind hell beleuchtet, daß der reiche Schmuck an ihren Kleidern +und an Esaus Kriegsschwert glänzt und blitzt. Niemand könnte sagen, woher +bei einer solchen Dunkelheit ein solches Licht kommt; es ist der +künstlerische Ausdruck einer Empfindung, das Licht der Bruderliebe, das wie +ein plötzlicher Himmelsstrahl in die Nacht des kampfbereiten Unfriedens +hereinbricht (Abb. 112). + +Das Wirken eines geheimnisvollen Lichts, für das es keine natürliche +Erklärung gibt, dessen Quelle nur eine künstlerische Einbildungskraft ist, +welche an die Stelle alles dessen, was auf der Erde Licht spenden kann, +eine selbstgeschaffene Sonne setzt, beherrscht von nun an Rembrandts +Kompositionen. Mit seinem seltsam zauberischen Goldton beginnt es selbst +die natürlichen Lokalfarben aufzuzehren. + +Nirgends tritt dieses Licht so stark, nirgends aber auch so befremdlich in +die Erscheinung, wie in dem größten und berühmtesten Gemälde des Meisters, +das er in dem nämlichen Jahre 1642 vollendete und das, weltberühmt unter +dem unzutreffenden Namen »die Scharwache« (oder »die Nachtwache«), den +stolzesten Besitz des Reichsmuseums zu Amsterdam bildet. Wie Rembrandt zehn +Jahre früher die Vorsteher der Chirurgengilde und den Professor Tulp in +einem gemeinschaftlichen Bilde abgemalt hatte, so wurde ihm jetzt die +Aufgabe gestellt, den Amsterdamer Schützenhauptmann Frans Banning Cock mit +seiner Kompanie in einem großen Gemälde zu verewigen, welches für deren +Gildenhaus bestimmt war. Aber hier war eine ungleich größere Anzahl von +Personen zu vereinigen, als in dem Chirurgenbild. Rembrandts Vorgänger +hatten derartige Aufgaben gelöst, so gut es ging, und sich bemüht, einem +jeden der Beitragzahler sein Recht zukommen zu lassen, daß er ebenso +deutlich gesehen und erkannt würde wie die übrigen; die Vereinigung der +Personen bei einem Festmahl war die beliebteste Art und Weise, Leben in die +Nebeneinanderstellung der vielen gleichmäßig beleuchteten Bildnisköpfe zu +bringen. Rembrandt aber schuf ein Bild voll bewegten Lebens, indem er den +Augenblick wählte, wie die Kompanie, im Begriff sich zu einem Zuge zu +ordnen, aber noch in voller Unordnung, das Schützenhaus verläßt. Und über +diesen bewegten Vorgang goß er sein Zauberlicht aus, mit dessen Hilfe er +aus dem Genossenschaftsbild der Amsterdamer Schützen ein in seiner Art ganz +einzig dastehendes, jeden Beschauer mit einer seltsamen Macht ergreifendes +Kunstwerk schuf. In der Mitte des Bildes schreitet an der Spitze seiner +Kompanie der Kapitän Frans Banning Cock. Ein voller Lichtstrahl trifft +seinen Oberkörper, und seine im Gespräch mit dem neben ihm gehenden +Leutnant Willem van Ruytenberg erhobene Hand wirft einen scharfen +Schlagschatten auf dessen helles Lederkoller. Der in vornehme dunkele +Tracht gekleidete Hauptmann führt als Würdezeichen nur einen Stab, der +Leutnant trägt die Partisane in der Hand. Hinter den beiden drängen sich +die mannigfaltig gekleideten und ausgerüsteten Schützen mit Arkebusen und +Spießen; Zugordner mit Hellebarden werden auf beiden Seiten sichtbar, und +eifrig rührt der Tambour seine Trommel. Neben einem der Schützen, der eben +beschäftigt ist, im Gehen sein Gewehr zu laden, läuft neckisch lachend ein +Knabe, der sich eine Sturmhaube aufgestülpt hat. Zwei andere Kinder, +besonders auffallend ein hellgekleidetes Mädchen, an dessen Gürtel ein +weißer Hahn -- wie vermutet wird, ein Schützenpreis -- hängt, bewegen sich, +den Zug quer durchkreuzend, am Fuß der Treppe, auf deren Höhe zwischen +anderen der Fahnenträger Jan Visser Cornelißen seine stolze Gestalt zeigt. +Die Namen der Schützen sind auf einer am Thorpfeiler angebrachten Tafel +angeschrieben. Es sind sechzehn Personen, die hier genannt werden; wir +können aus dieser Zahl die Summe berechnen, welche Rembrandt für seine +Arbeit bekam, da wir aus einer in Erbschaftsangelegenheiten gemachten +gerichtlichen Aussage eines der Beteiligten erfahren, daß der Beitrag des +einzelnen zu dem Bilde hundert Gulden betrug. Das Bild befand sich bis zum +Anfang des vorigen Jahrhunderts in dem am Singel gelegenen Vereinshause der +Bürgerschützen. Dann wurde es in das Stadthaus übergeführt, und bei dieser +Gelegenheit soll es, um es dem vorhandenen Raum zwischen zwei Thüren +anzupassen, an den Seiten beschnitten worden sein. In der That zeigt eine +in der Londoner Nationalgalerie befindliche alte Kopie (die wegen ihrer +guten Erhaltung, infolge deren sie manches deutlicher erkennen läßt als das +Original, unserer Abbildung zu Grunde gelegt ist) mehr von der Gestalt des +Trommlers als das Original, und gegenüber werden hinter dem auf einer +Brüstung sitzenden Sergeanten mit der Hellebarde noch zwei Figuren +sichtbar, welche dort gänzlich fehlen (Abb. 113). + +[Illustration: Abb. 104. _Landschaft mit Windmühle._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 105. _Landschaft mit Häusern am Wasser._ Handzeichnung +in der Albertina zu Wien. (Nach einer Aufnahme von Braun, Clément & Cie. in +Dornach i. E. und Paris.)] + +In dem nämlichen Jahre, welches die Vollendung des Bildes sah, das allein +schon ausreichen würde, Rembrandts Namen die Unsterblichkeit zu sichern, +entriß der Tod dem Meister die Gattin. Saskia hatte Rembrandt in +siebenjähriger Ehe vier Kinder geschenkt, von denen aber nur das letzte, +ein Sohn, der am 22. September 1641 auf den Namen Titus getauft wurde, die +Mutter überlebte. Am 5. Juni 1642 machte Saskia, krank und bettlägerig, ihr +Testament. Vierzehn Tage später ward sie aus dem Hause in der Breestraat, +welches Rembrandt wenige Jahre vorher gekauft und mit künstlerischer Pracht +eingerichtet hatte, hinausgetragen und auf dem Friedhof der Alten Kirche +(=Oude Kerk=) begraben. -- Rembrandts Trost war seine Arbeit. Beim Anblick +der Radierungen, welche die Jahreszahl 1642 tragen, möchten wir denken, daß +der Meister hier einen Teil der Empfindungen, die ihn beim Verlust der +Gattin bewegten, verarbeitet hat. Wie der heilige Hieronymus, den er +darstellt, wie er tief versunken über dem Buch der Bücher sinnt und sich +nicht davon trennen kann, ob auch die Nacht hereinbricht und nur noch ein +spärlicher Dämmerungsschimmer durch das Fenster des Gemaches dringt, so +sucht auch er Beruhigung in der Einsamkeit und in der heiligen Schrift. Er +denkt an den Tod des Erlösers und skizziert mit wenigen ausdrucksvollen +Strichen eine ergreifende Darstellung der Kreuzabnahme auf eine +Kupferplatte (Abb. 114). Er vergegenwärtigt sich die Verheißungen des +Siegers über den Tod und schafft das hochpoetische Blatt, welches uns den +Heiland zeigt, wie er den Lazarus aus seinem in einer Felsengrotte +gelegenen Grabe ins Leben zurückruft, nicht wie auf jener älteren Radierung +mit machtvollem Gebot, sondern mit mildem und friedlichem Segensspruch +(Abb. 116). -- Dann versucht er sich das Bild der Verstorbenen so lebendig +zurückzurufen, daß er das, was in seinem Gedächtnis erscheint, auf die +Leinwand bannen kann, als ob Saskia noch leibhaftig vor ihm säße. Nicht +ohne Rührung können wir das im Jahre 1643 gemalte wunderbar schöne Bild im +Berliner Museum betrachten, welches uns die Gattin des Meisters in +verklärter Lieblichkeit, mit ihrem holdseligsten Lächeln zeigt. + +Die Jahre 1644 und 1645 bringen außer Bildnissen wieder mehrere biblische +Gemälde. Von 1644 ist das figurenreiche und empfindungstiefe Bild in der +Londoner Nationalgalerie: »Die Ehebrecherin vor Christus.« Von den Werken +des folgenden Jahres besitzt das Berliner Museum zwei ganz kleine, aber +durch die feine Wirkung anziehende Bildchen: das eine stellt die Frau des +Tobias dar, wie sie die Ziege heimbringt, die ihr Mann nicht annehmen will +wegen des Verdachts, daß sie gestohlen sei; das andere, das sich durch die +Schönheit der Farbe ebenso wie durch diejenige der Wirkung auszeichnet, +zeigt den heiligen Joseph, dem im Traume der Engel erscheint, um ihm die +Flucht nach Ägypten zu befehlen. + +[Illustration: Abb. 106. _Landschaft mit Kanal und Zugbrücke._ +Handzeichnung in der Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie +von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Wie Rembrandt 1643 seine Gattin in einem Bilde hatte wiederaufleben lassen, +so machte er sich 1645 das Andenken seines schon 1638 verstorbenen +Freundes, des Predigers Jan Cornelisz Silvius, lebendig, indem er dessen +ausdrucksvolle Züge in einem gemalten Bildnis, welches sich jetzt im +Besitze von Herrn A. von Carstanjen in Berlin befindet, und außerdem in +einer lebensvollen Radierung wiedergab. + +Ein Hauptwerk von Rembrandts Porträtmalerei ist das mit der Jahreszahl 1645 +bezeichnete Bild eines alten jüdischen Kaufmannes, der in dunkelbraunem +Rock, in braunem Pelzmantel und Pelzmütze dasitzt, die beiden mageren Hände +auf einen Stock gestützt, die Blicke kühl und ruhig auf den Beschauer +heftend. Dieses Gemälde ist schon in alter Zeit wiederholt kopiert worden; +das Original befindet sich in der Ermitage zu Petersburg, gute alte +Nachbildungen in den Galerien von London und Kassel. Das holländische +Reichsmuseum zu Amsterdam besitzt ein nicht minder vortreffliches Bildnis, +das um die nämliche Zeit entstanden sein muß, in dem Bild der bejahrten +Witwe des Admirals Swartenhondt, die in schwarzseidenem Kleide mit +Pelzbesatz, in weißem Kragen und weißer Haube im Lehnstuhl sitzt und mit +zusammengelegten Händen über dasjenige nachzudenken scheint, was sie eben +in der neben ihr liegenden Bibel gelesen hat. -- Ein Prachtbild aus +annähernd derselben Zeit ist auch das in Abb. 115 wiedergegebene Porträt +eines alten Rabbiners im Buckinghampalast. + +Wenn wir solche Bildnisse mit den früheren vergleichen, so gewahren wir +eine augenfällige Veränderung der Vortragsweise. An die Stelle der +fleißigen Sorgfalt, mit der er sonst die Farben miteinander zu verschmelzen +pflegte, ist eine kühne Sicherheit getreten, welche das ganze Maß von +Vollendung scheinbar ganz mühelos erreicht, indem jeder Pinselstrich mit +Unfehlbarkeit die Stelle trifft, wo er sitzen soll. Mit den vierziger +Jahren beginnt, ungefähr gleichzeitig mit dem Auftreten der eigentümlichen +goldigen Beleuchtung, in Rembrandts Malerei die breite Vortragsweise, die +das Staunen und die Bewunderung aller ist, welche Rembrandts Werke mit +Handwerksinteresse betrachten. + +Eine ergreifende Schöpfung ist die kleine Radierung von 1645, welche +Abraham und Isaak auf dem Weg zur Opferstätte zeigt. Sie sind auf der +einsamen Höhe des von Wolken umzogenen Berges angelangt. Abraham, der in +der reichen morgenländischen Tracht erscheint, die Rembrandt sich für die +Patriarchen ersonnen hatte, hat das Feuerbecken zu Boden gesetzt und hat +sich nach seinem Knaben umgewendet; der aber steht erstaunt und hält das +Holzbündel, das er von der Schulter genommen hat, noch unschlüssig vor +sich; seine Augen suchen fragend nach dem Opfertier, das unter dem breiten +Schächtmesser, welches der Vater am Gürtel trägt, verbluten soll; sein +kindlicher Verstand kann nicht fassen, was der Vater mit einem Gesicht, +dessen Muskeln zu zucken scheinen, um die Rührung gewaltsam +niederzukämpfen, und mit aufwärts deutender Hand ihm sagt, daß Gott sich +schon das Opferlamm ersehen habe (Abb. 117). Dem Gedanken nach zu diesem +Blatt gehörig, wenn auch vielleicht nicht gleichzeitig mit demselben +entstanden, ist ein anderes, welches die Schwere des Opfers, das +darzubringen Abraham sich dort anschickt, durch ein gemütvolles Genrebild +hervorhebt: Abraham sitzt vor der Thür seines Hauses und seine knochige +Hand gleitet zärtlich über die runde Wange des Knaben, den er lieb hat und +der sich, fröhlich lachend, mit einem Apfel in der Hand, zwischen die Kniee +des Vaters schmiegt (Abb. 118 gibt den seltenen ersten Plattenzustand der +Radierung wieder). -- Mehrere nach der Natur radierte Landschaften tragen +die Jahreszahl 1645. Davon ist die »Ansicht von Omval« ein vorzüglich +reizendes Blatt: ein Blick über das Wasser auf einen kleinen Ort mit +Windmühlen und spitzem Kirchturm, im Vordergrund eine malerische +Weidengruppe mit tiefen Schatten. Das unter dem Namen »die Sixbrücke« +bekannte sehr seltene Blatt -- ein Kanal mit ein paar Kähnen, eine flache +Fernsicht, vorn eine Brücke und ein paar Bäumchen -- verdient besondere +Erwähnung wegen des Geschichtchens, das sich an seine Entstehung knüpft. +Rembrandt wurde von Jan Six häufig auf dessen Landgut mitgenommen. Bei +einem dieser Ausflüge, so wird erzählt, als die beiden Freunde sich zu +Tisch setzen wollten, bemerkten sie, daß der Senf fehlte, und Six schickte +seinen Diener in das Dorf, um solchen zu holen; da Rembrandt die +Langsamkeit des Dieners kannte, so bot er Six die Wette an, er werde eine +Radierung ausführen, bevor der Diener zurück sei; er nahm eine der +Kupferplatten, die er bei sich zu tragen pflegte, radierte die vom Fenster +aus sich darbietende Aussicht und gewann die Wette. Das Blatt ist in +derselben Weise mit Umrißlinien gezeichnet, wie Rembrandt es mit seinen +landschaftlichen Stift- oder Federzeichnungen nach der Natur zu thun +pflegte. Gelegentlich begegnen wir unter seinen landschaftlichen +Skizzenbuchblättern aber auch solchen, in denen er kräftige Licht- und +Schattenwirkungen festgehalten hat, die in der Natur ihm ähnliche +Erscheinungen vor Augen führten, wie seine Einbildungskraft sie zu schaffen +liebte; dahin gehört die angetuschte Federzeichnung in der Albertina, +welche ein paar alte Strohhütten in der grellen Beleuchtung zeigt, die +entsteht, wenn die tiefstehende Sonne ihre Strahlen unter schweren, +schwarzen Gewitterwolken hersendet (Abb. 119). + +Wenn Rembrandt Landschaftsbilder malte, so pflegte er im Gegensatz zu +seinen gewissenhaften Zeichnungen sich nicht an die Wirklichkeit zu halten, +sondern sich in freien Phantasien zu ergehen. Ein anspruchsloses Stückchen +abgemalter Wirklichkeit aber zeigt uns die ganz kleine reizende +Winterlandschaft von 1646 in der Galerie zu Kassel, die uns mit drei Tönen +-- einer blauen Luft, einer bräunlichen Reihe von Gebäuden und einer goldig +überstrahlten Eisfläche -- mitten in einen sonnigen holländischen Wintertag +versetzt, an dem die Schlittschuhläufer vergnügt in der erfrischenden Luft +sich tummeln. + +An Figurenbildern bringt das Jahr 1646 eine Anbetung der Hirten, in der +Nationalgalerie zu London, und eine heilige Familie, in der Kasseler +Galerie. Das letztgenannte versetzt uns ebenso wie das Pariser Bild von +1640 und ein 1645 gemaltes Bild des nämlichen Gegenstandes, das sich in der +Ermitage zu Petersburg befindet, in die ärmliche Behausung eines +Handwerkers. Aber welche Fülle heimlichster häuslicher Poesie, die das +scheinbare Genrebild weit über das Alltägliche hinaushebt, hat der Meister +dahineingearbeitet! Die junge Mutter sitzt in bescheiden bürgerlichem +Hauskleid da und drückt den Knaben an sich, der ihr zärtliche Wörtchen ins +Ohr flüstert. Man glaubt zu sehen, wie sie den Oberkörper vorwärts und +rückwärts wiegt, während sie in das auf dem Estrich brennende Feuer blickt, +an dem das irdene Breitöpfchen für den Kleinen gewärmt wird. Ein warmes +Licht, wie von eben erloschener Abendsonne, erhellt das Gemach; seine +Strahlen sammeln sich auf dem frischen Linnen der Korbwiege und werfen von +da aus goldige Reflexe auf die dürftige Bettstatt. Draußen aber, wo vor der +Thüre der fleißige Hausvater noch mit Holzhacken beschäftigt ist, herrscht +schon kühle Dämmerung; während drinnen die Koseworte, die Mutter und Kind +austauschen, von dem traulichen Knistern der Flamme und von dem +behaglichen Schnurren der neben dem Feuer liegenden Hauskatze begleitet +werden, glaubt man in den Wipfeln der Bäume, die man durch das Fenster und +den offenen Eingang erblickt, den Abendwind leise rauschen zu hören. Um +auch äußerlich etwas dafür zu thun, daß das Gemälde nicht für ein +alltägliches Familienbild gehalten werde, hat Rembrandt dasselbe so +dargestellt, als ob es ein für gewöhnlich verdecktes und eben nur für kurze +Zeit dem Beschauer enthülltes geweihtes Bild sei, -- die Sitte, +Kirchenbilder an den Wochentagen mit einem Vorhang zu verdecken, besteht in +den Niederlanden noch heute --; er hat einen reich verzierten Goldrahmen um +die Darstellung herumgemalt, an dem oben eine Stange befestigt ist mit +einem das Bild für gewöhnlich verhüllenden, jetzt aber beiseite gezogenen +rotseidenen Vorhang. Bei dem Petersburger Bild aus dem vorhergegangenen +Jahre hatte Rembrandt ein anderes Mittel angewendet, um das Familienbild in +das Gebiet des Göttlichen zu erheben; dort schweben leuchtende +Engelgestalten über Mutter und Kind. + +[Illustration: Abb. 107. _Der Mennonitenprediger Cornelis Claes Anslo und +eine Witwe._ Gemälde von 1641 im königl. Museum zu Berlin.] + +[Illustration: Abb. 108. _Bildnis einer alten Dame._ In der Ermitage zu St. +Petersburg. (Nach einem Schabkunstblatt von Richard Earlom.)] + +[Illustration: Abb. 109. _Bildnis eines Unbekannten._ (Der Mann mit Kette +und Kreuz.) Radierung von 1641.] + +Aus dem Jahre 1647 besitzt das Berliner Museum ein ganz kostbares kleines +Gemälde: »Susanna im Bade.« Es ist eine Schöpfung voll wunderbaren +Farbenzaubers; den Lichtpunkt bildet das weiße, jugendwarme Fleisch der +Susanna, die sich in dem saftig grünen Dunkel des Gartens sorglos +entkleidet und ihren roten Rock neben sich gelegt hat. Ebenso +bewunderungswürdig wie die Licht- und Farbenwirkung ist der Ausdruck der +Figuren; in ganz unvergleichlicher Weise ist die nichtswürdige Lüsternheit +der beiden Alten gekennzeichnet, die geräuschlos wie Diebe von hinten +heranschleichen. + +[Illustration: Abb. 110. _Die drei Orientalen._ (Jakob und Laban.) +Radierung von 1641.] + +In dem nämlichen Jahre schuf Rembrandt seine berühmteste Bildnisradierung. +Er bildete den damals als Sekretär in der städtischen Verwaltung thätigen +nachmaligen Bürgermeister Six in ganzer Figur ab, wie er an einem Fenster +seiner vornehm eingerichteten Wohnung lehnt und irgend ein wichtiges +Aktenstück aufmerksam durchliest. Es liegt ein unbeschreiblicher Zauber in +der diesmal ganz naturgetreuen Beleuchtung, die durch das große Fenster +zwischen den dunklen Vorhängen voll einfällt, den Kopf des Mannes und seine +Hände, die das Schriftstück ins Helle halten, mit gesammelter Kraft trifft, +sich dann auf dem Boden verbreitert, einen mit weiteren Aktenstößen +beladenen Stuhl hervorhebt und weiter seitwärts im Zimmer befindliche +Gegenstände mit blitzartigen Streiflichtern berührt. + +Wenn wir aus den Bildnissen, die Rembrandt anfertigte, auf seinen Umgang +schließen dürfen, so verkehrte er in der allerbesten Gesellschaft von +Amsterdam. Mit Six jedenfalls war er in aufrichtiger Freundschaft +verbunden. Dagegen scheint er mit seinen Kunstgenossen nur wenig Verkehr +gepflogen zu haben; wenigstens sind die Malerbildnisse selten unter seinen +Werken. Er stand in seiner Eigenart den übrigen Malern -- abgesehen +natürlich von seinen Schülern -- fremdartig gegenüber, und seine +Abgeschlossenheit mag zum großen Teil die seltsamen Gerüchte veranlaßt +haben, die in jenen Kreisen über ihn umliefen. Doch porträtierte Rembrandt +im Jahre 1647 den Tier- und Landschaftsmaler Nikolaas Berchem, der gleich +ihm ein Sammler von Kunstgegenständen und Merkwürdigkeiten war, nebst +seiner Frau (beide Gemälde befinden sich in einer englischen Sammlung) und +radierte das Bildnis des hauptsächlich durch italienische Landschaften +bekannten Malers Jan Asselyn, der in Freundeskreisen wegen seiner nicht +gerade vorteilhaften Gestalt den Beinamen =het Crabbetje= +(Verkleinerungsform von Krabbe) führte. An diese schöne Bildnisradierung +(Abb. 120) knüpft sich eine drollige Geschichte, die einem Fälscher +widerfahren sein soll. Auf dem Tische, auf welchen Asselyn seine Rechte +stützt, erblicken wir neben mehreren Büchern Pinsel und Palette; +ursprünglich hatte Rembrandt das Malgerät noch durch eine hinter dem Tische +stehende Staffelei -- auf holländisch =ezel= -- vervollständigt. Da ihm +aber dieses Gestell die Bildwirkung störte, so beseitigte er dasselbe +wieder, nachdem er eine geringe Anzahl von Abzügen genommen hatte. Eben +wegen der Seltenheit aber wurde nun »_=Asselijn met den ezel=_« von den +Sammlern besonders geschätzt und teuer bezahlt; daher verfiel ein deutscher +Kupferstecher auf den Gedanken, solche Abdrücke fälschlich herzustellen; er +kopierte das Bildnis des Asselyn und fügte im Hintergrunde -- nicht etwa +eine Staffelei, sondern, das holländische Wort mißverstehend, einen Esel +hinzu; natürlich hatte er damit bei den Sammlern Rembrandtscher Radierungen +wenig Glück, und man sagte ihm, er habe sein eigenes Bild neben dasjenige +Asselyns gesetzt. Ob die Geschichte wahr ist, kann dahingestellt bleiben, +aber sie ist bezeichnend für die Beliebtheit, deren sich Rembrandts Blätter +gleich nach ihrem Erscheinen erfreuten, so daß die Anfertigung +betrügerischer Nachbildungen als ein einträgliches Geschäft angesehen +werden konnte. -- Ein Maler, zu dem Rembrandt in näherer Freundschaft +stand, war Hercules Seghers. Dieser sonst wenig bekannte Künstler hat +seinen Namen hauptsächlich durch landschaftliche Radierungen auf die +Nachwelt gebracht, und Rembrandt hat es nicht verschmäht, die +stimmungsvollen Landschaftskompositionen seines Freundes mit Figuren zu +»staffieren« (Abb. 122). + +[Illustration: Abb. 111. _Das Opfer des Manoah._ Gemälde von 1641, in der +königl. Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 112. _Die Aussöhnung Esaus und Jakobs._ Gemälde von +1642 im Museum der Ermitage zu St. Petersburg. (Nach einer +Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und +Paris.)] + +Es war damals sehr beliebt, dichterisch erfundenen Landschaften dadurch, +daß man einen biblischen oder mythologischen Vorgang in ihnen sich +abspielen ließ, eine höhere Bedeutung zu geben. Rembrandt selbst verstand +sich meisterhaft darauf, die landschaftliche Stimmung mit der figürlichen +Darstellung einheitlich zu verweben, und so kann es uns nicht wunder +nehmen, wenn wir auch einmal einem Bilde von ihm begegnen, welches einen +biblischen Gegenstand in überwiegend landschaftlicher Weise behandelt. Die +Londoner Nationalgalerie besitzt von ihm eine reizvolle Abendlandschaft, in +welcher der Blick an einem dunklen Waldessaum vorbei in eine weite, +hügelige Ferne schweift; man fühlt die Einsamkeit, und man ahnt, daß ein +Wanderer, der hier die Sonne hat untergehen sehen, noch rüstig ausschreiten +muß, um vor Einbruch der gefahrdrohenden Finsternis eine Herberge zu +finden; der Wanderer aber, den wir hier erblicken, braucht nichts zu +fürchten: es ist Tobias, und neben ihm schreitet der Engel. + +[Illustration: Abb. 113. _Die Scharwache._ Genossenschaftsbild einer +Amsterdamer Schützenkompanie, gemalt 1642. (Nach einer alten Kopie, welche +das Bild ohne die später vorgenommenen seitlichen Beschneidungen zeigt, +photogr. von Braun & Cie.)] + +[Illustration: Abb. 114. _Christi Abnahme vom Kreuz._ Radierung von 1642.] + +Ein großes Meisterwerk im kleinsten Maßstabe ist das 1647 gemalte Bildnis +des gelehrten Arztes Ephraim Bonus, eines portugiesischen Juden, das sich +in der Sammlung des Herrn Six zu Amsterdam befindet. Das Bildchen ist nur +20 Centimeter hoch, kaum größer als die Radierung, in welcher Rembrandt das +Bildnis desselben Mannes weiteren Kreisen überlieferte. + +Sein eigenes Bildnis hat Rembrandt im Jahre 1647 mehrmals gemalt. Wohl +zeigt seine Haltung noch ein vornehmes Selbstbewußtsein, aber der Ernst, +der seinen Zügen schon lange eigen war, hat etwas geradezu Düsteres +angenommen, und selbst das einst so leuchtende Auge blickt trübe und müde. +Man ahnt nicht, welche Fülle von Schaffenslust noch hinter dieser jetzt +schon stark gefurchten Stirn wohnt (Abb. 121). + +In der That war das Jahr 1648 eines der fruchtbarsten in Rembrandts Leben, +und unter den mit dieser Jahreszahl bezeichneten Werken befinden sich +viele, die zu den glücklichsten Schöpfungen des Meisters zählen. In einer +Radierung von prächtiger Helldunkelwirkung zeigt er sich selbst in der +Emsigkeit der Arbeit. Mit einem runden Hut auf dem Kopf sitzt er an einem +kleinen Fenster und zeichnet in ein vor ihm liegendes Heft; die Gewißheit +des sicheren künstlerischen Erfassens leuchtet aus dem scharf beobachtenden +Blick. Aber was er uns in diesem Jahre bringt, sind nur zum geringsten +Teile die unmittelbaren Ergebnisse seiner scharfen Beobachtung. Allerdings +fehlen auch die geistvollen Wiedergaben des in der Wirklichkeit Gesehenen +nicht. Das kostbare Prachtblättchen, das uns in eine Synagoge blicken läßt, +wo verschiedene alte Juden kommen und gehen und sich in einer Weise +unterhalten, daß wir das Durcheinandersummen der gedämpften Stimmen zu +hören glauben, ist wie aus dem Leben abgeschrieben (Abb. 123). Das +wunderbar schön radierte Blatt, welches uns eine Bettlerfamilie zeigt, die +an einer Hausthür von einem freundlichen Greis mit einer Gabe bedacht wird, +ist eine der vollendetsten von des Meisters meisterhaften Schilderungen aus +dem Leben der Armen (Abb. 124). Aber vorzugsweise vertiefte Rembrandt jetzt +sich in die Welt des Wunderbaren. Man möchte sagen, daß die geheimnisvolle +Lichtquelle selbst, die Rembrandts Bilder beleuchtet, sich uns in einer +gespensterhaften Erscheinung offenbart, wenn wir das unvergleichliche Blatt +»Doktor Faust« betrachten. Die Sage von dem wissensdurstigen, mit Hilfe +böser Mächte in übernatürliche Geheimnisse eingedrungenen Dr. Johannes +Faustus war seit dem XVI. Jahrhundert in Deutschland und in England ein +beliebter Gegenstand volkstümlicher Bearbeitung. Das 1588 zu Frankfurt am +Main erschienene Volksbuch war fast in alle abendländischen Sprachen +übersetzt worden, die Erzählung konnte daher Rembrandt sehr wohl bekannt +sein. Die Darstellung eines Dr. Faust bot damals der bildenden Kunst +weniger Schwierigkeiten als heutzutage; denn auch die Gebildeten glaubten +damals noch allgemein an die Möglichkeit eines persönlichen Verkehrs mit +den Mächten der Finsternis und an die Möglichkeit, mit deren Hilfe ein +höheres Wissen zu erlangen, als sonst den Sterblichen beschieden ist; und +es gab wohl kaum jemand, der an der buchstäblichen Wahrheit dessen, was das +Buch erzählte, gezweifelt hätte. So hat denn Rembrandts »Faust« den Reiz +der vollsten Ursprünglichkeit, man möchte fast sagen der Wahrhaftigkeit. +Wir blicken in ein dunkeles Gemach, das mit allerlei Geräten der +Gelehrsamkeit vollgepfropft ist; Tag und Nacht hat der Gelehrte über die +Geheimnisse der schwarzen Kunst gegrübelt und hat sich nicht Zeit genommen, +seine Morgenkleidung mit einem anderen Anzug zu vertauschen. Endlich ist +ihm eine Beschwörung gelungen; aus dunkelen Dämpfen, welche den unteren +Teil des großen Fensters verhüllen, leuchtet eine strahlende Lichtscheibe +empor und trifft mit einem blitzenden Strahl das vertrocknete Gesicht des +Gelehrten. Dieser ist aufgesprungen, und beide Hände aufstützend, den +Oberkörper vorwärts beugend, blickt er mit Spannung und Erregung in den +Spiegel, den nebelhafte Hände, die unterhalb der Lichtscheibe sich aus den +Dämpfen gebildet haben, ihm zeigen. Wird seine Wissensbegehrlichkeit da +eine Befriedigung finden? Wiederholt ihm der Zauberspiegel nur die +kabbalistischen Worte, die in dem Lichtgespenst erscheinen? Das einzige für +uns verständliche Wort in den kreisenden Schriftreihen ist der Name des +ersten Menschen; und in der Mitte des Lichtes erscheinen in den vier +Winkeln eines Kreuzes die vier Buchstaben _=INRI=_; heißt das »=Jesus +Nazarenus Rex Judæorum=,« und wird damit dem Schwarzkünstler die Warnung +erteilt, daß der Abkömmling Adams sich die Offenbarungen des Christentums +genügen lassen und nicht weiter nach dem Unbegreiflichen forschen soll? Daß +dieser Gedanke in der Darstellung verborgen liege, hat bei Rembrandts +streng christlicher Gesinnung nichts Unwahrscheinliches (Abb. 125). + +[Illustration: Abb. 115. _Bildnis eines Rabbiners._ Gemälde im +Buckingham-Palast. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E., Paris und New York.)] + +[Illustration: Abb. 116. _Die (kleine) Auferweckung des Lazarus._ Radierung +von 1642.] + +[Illustration: Abb. 117. _Abraham und sein Sohn Isaak auf der Opferstätte._ +Radierung von 1645.] + +[Illustration: Abb. 118. _Abraham, Isaak liebkosend._ Radierung. (Erster +Plattenzustand.)] + +Zur Behandlung eines heidnischen Stoffes wurde der Meister veranlaßt durch +die Veröffentlichung des von seinem Freunde Six gedichteten Trauerspiels +»Medea.« Dazu lieferte er die große Prachtradierung »Vermählung des Jason +mit Krëusa.« Archäologische Studien hatte Rembrandt nicht gemacht. Eine +Hochzeit im griechischen Sagenalter dachte er sich als eine religiöse +Feier, deren Formen den christlichen Kirchengebräuchen entsprachen. Wir +blicken in einen phantastisch erdachten Säulenbau, in dessen Bogen und +Wölbungen ungeachtet der Seltsamkeit ihrer Konstruktion die eigentümliche +Poesie lagert, welche den hochgewölbten mittelalterlichen Kirchen +innewohnt. Auf der Chorerhöhung steht der Altar, auf dem die Opferflamme +lodert; darüber thront das Bild der Ehegöttin Juno, die der Pfau an ihrer +Seite kenntlich macht. Am Altar steht der Priester, dessen Kopfbedeckung +und Stab phantastische Umbildungen der bischöflichen Ornatstücke sind, und +spricht den Segen über das in fürstlicher Tracht vor ihm knieende Paar; +vornehme Zuschauer erfüllen das Schiff der Kirche, und dem Altar gegenüber +hat auf einer Emporbühne der Sängerchor Platz genommen. Eine festliche +Helligkeit dringt durch die hohen Fenster in den Raum, nur der Chorumgang +hinter dem Altar liegt im Dunkel; hier erblicken wir eine vornehm +gekleidete Gestalt, der ein kleiner Diener die Schleppe trägt. Die +Gesichtszüge dieser Frau verschwimmen im dämmerigen Schatten; aber wie sie +da ungesehen einherschleicht, das hat etwas Unheimliches, und auch ohne +den Ausdruck ihres Gesichts zu erkennen, ahnen wir, daß sie Verderben +bringt. Könnten wir nicht erraten, daß dies die verlassene Medea ist, so +würden uns die Verse der Unterschrift darüber belehren, die in +hochdeutscher Übersetzung also lauten: + + »Krëus' und Jason hier einander Treu' geloben; + Medea, Jasons Frau, unrecht beiseit' geschoben, + Wird angefacht vom Zorn, der Rachsucht nachzugehn. + Ach, ungetreuer Sinn, was kommst du teu'r zu stehn!« + +Die ersten Abdrücke dieses Blattes zeigen das Junobild mit bloßem Kopfe; +später befand es der Künstler für nötig, demselben durch Aufsetzen einer +Krone ein würdevolleres Ansehen zu geben; im dritten Plattenzustand sind +die Namensunterschrift Rembrandts mit der Jahreszahl 1648 und die +angeführten Verse hinzugekommen (Abb. 126). Das Blatt gehörte zu +denjenigen, von denen man als Kunstliebhaber mindestens zwei Abdrücke +besitzen mußte, ein »Junochen ohne Krone« und ein »Junochen mit Krone.« + +[Illustration: Abb. 119. _Landschaft mit Gewitterstimmung._ Handzeichnung +in der Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, +Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Bei dem großen Wert, den die Sammler allen seinen Radierungen damals schon +beilegten, so daß sie mit wahrer Begierde immer neuen Blättern +entgegensahen, konnte es Rembrandt sich schon erlauben, auch solche +Platten, an denen ihm die Lust vergangen war, so daß er sie unfertig liegen +ließ, durch Hinzufügung seiner Namensunterschrift für abgeschlossen zu +erklären und die Abzüge derselben in den Handel zu bringen. Ein sprechendes +Beispiel ist der »große heilige Hieronymus« von 1648, ein Blatt, auf dem +fast nichts Weiteres ausgeführt ist, als ein Weidenstamm im Vordergrund. +Freilich hat das Blatt auch so einen unbestreitbaren hohen Kunstwert; denn +das Gesicht des Heiligen, der mit einer Brille bewaffnet an seiner +Übersetzung des heiligen Wortes schreibt, ist, obgleich erst mit wenigen +Strichen angedeutet, ein Wunderwerk des Ausdrucks. + +Zweimal malte Rembrandt in diesem Jahre die Erscheinung des Erlösers zu +Emmaus. Das eine dieser Bilder befindet sich im Museum zu Kopenhagen, das +andere, das zu den ausdrucksvollsten Meisterwerken Rembrandts zählt, zu +Paris im Louvre. Der Augenblick des Erkennens ist dargestellt. Ganz +überwältigt blicken die beiden Jünger den Heiland an, der, von +geheimnisvollem Licht umflutet, die Augen nach oben wendet und das Brot +bricht; die schmerzlichen Züge seines Antlitzes spiegeln noch das +überstandene Erdenleiden wieder. Einen wirkungsvollen Gegensatz gegen die +weihevolle Ergriffenheit, mit der die Jünger das Wunderbare erkennen, +bildet die verhaltene blöde Verwunderung des jungen Dieners, der eben ein +Gericht auf den Tisch zu setzen sich anschickt und der das Staunen der +beiden nicht begreift; man meint zu sehen, wie seine Augen von jenem auf +diesen und dann wieder auf den dritten wandern (Abb. 127). + +[Illustration: Abb. 120. _Jan Asselyn_, Maler. Radierung von 1647.] + +Ein ebenso fesselndes Meisterwerk aus demselben Jahr besitzt die +Louvresammlung in dem Bilde »der barmherzige Samariter,« in welchem dem +Meister die Lösung dieser wiederholt von ihm behandelten Aufgabe am +glücklichsten gelungen ist. Es ist Abend; in dem Gasthaus, das vor dem +Thore einer Stadt an der Landstraße liegt, beginnt es lebendig zu werden; +mehrere Pferde sind neben dem Brunnen am Hause angebunden, und die Gäste +legen sich, da sie wieder Hufschläge gehört haben, mit gewohnheitsmäßiger +Neugier ins Fenster der Wirtsstube, um zu sehen, wer da noch ankommt. Die +Wirtin eilt dienstbeflissen an die Treppe des Hauses, um den neuen +Ankömmling in Empfang zu nehmen. Es ist ein gut gekleideter Mann, der da +die Treppe hinansteigt; aber nicht diesen soll sie beherbergen, sondern den +unglücklichen Verwundeten, nach dem jener mit liebevoller Besorgnis sich +umsieht. Dieser Verwundete ist ein Bild des Jammers, er stöhnt, jede +Bewegung der beiden Knechte, die ihn eben vom Pferde gehoben haben, +verursacht ihm Schmerzen. Niemand kann ihn ohne Bedauern ansehen, außer dem +Stalljungen, der das Pferd hält und der sich mit der Mitleidslosigkeit des +Knabenalters, bloß von Neugierde erfüllt, auf die Zehen hebt, um über den +Rücken des Pferdes hinweg besser sehen zu können (Abb. 128). + +Die großen weltgeschichtlichen Ereignisse des XVII. Jahrhunderts gingen im +allgemeinen fast unbemerkt an den holländischen Malern vorüber. Aber der +Abschluß des Westfälischen Friedens, der ja für den niederländischen +Freistaat die endgültige Anerkennung seiner Unabhängigkeit brachte, ward +wie von den Dichtern, so auch von den Malern gefeiert. Zumeist beschränkten +sich die bildlichen Verherrlichungen des Ereignisses auf die Abbildung von +Festmahlzeiten, die zur Feier des Friedens stattfanden. Rembrandt aber +widmete dem Ereignis eine große allegorische Komposition. Es ist eine +Skizze, vielleicht zur Ausführung in großem Maßstabe, die dann aber nicht +zur That wurde, bestimmt; unter dem Namen »die Eintracht des Landes« wird +sie im Boymans-Museum zu Rotterdam aufbewahrt. Allegorien waren freilich +nicht Rembrandts Fach, und es ist ein Gemisch von Großartigkeit und +Sonderbarkeiten, was wir da vor uns sehen. Es ist dem Maler nicht gelungen, +die Fülle der Gedanken, die er zum Ausdruck bringen wollte, im einzelnen +verständlich zu machen, und es sind Stöße von Erklärungsversuchen über +dieses unter Rembrandts Werken ganz vereinzelt dastehende Bild geschrieben +worden. + +[Illustration: Abb. 121. _Rembrandt im Alter von vierzig Jahren._ +Schabkunstblatt von Wrenk nach einem vielleicht nicht von dem Meister +selbst, sondern von seinem begabten Schüler Ferdinand Bol ausgeführten +Gemälde.] + +[Illustration: Abb. 122. _Die Landschaft mit der Flucht nach Ägypten._ +Radierung. Landschaft von Hercules Seghers, die Figuren von Rembrandt.] + +Als das Hauptwerk des Jahres 1649 gilt ein in der Sammlung des Lord Cowper +zu Panshanger befindliches Reiterbild, welches den Marschall Turenne, der +sich gerade in jenem Jahre in Holland aufhielt, vorstellen soll. + +Dem Jahre 1650 gehören mehrere von den feinen landschaftlichen Radierungen +des Meisters an: die köstlich gezeichnete »Landschaft mit dem Turm,« die +von den Resten eines alten Turmes, welche in der Ferne über einer von +Bäumen umgebenen Hütte sichtbar werden, den Namen führt, und das in seiner +Einfachheit so reizende Blättchen »der Kanal mit den Schwänen.« Auf diesem +letzteren Blatt hat der Meister zu den heimatlichen, von Gehölz umsäumten +und von ruhig fließendem Wasser durchzogenen Wiesen Höhenzüge, wie die +Wirklichkeit sie ihm nicht zeigte, hinzukomponiert (Abb. 129). Eine +ähnliche Verbindung von holländischer Landschaft mit Geländen, zu denen er +in den Mappen seiner Freunde, welche in Italien gewesen waren, die +Vorbilder fand, zeigt das berühmteste Landschaftsgemälde Rembrandts, die um +eben diese Zeit entstandene »große Landschaft mit Ruinen auf dem Berge« in +der Galerie zu Kassel. In träumerischer Dämmerung liegt die Ebene da, von +einem Bache durchschlängelt, den eine Brücke überspannt und den ein leise +dahingleitender Kahn und mehrere Schwäne beleben; am jenseitigen Ufer liegt +eine leere reichgeschmückte Gondel, diesseits sitzt ein Angler, und ein +einsamer Reiter verfolgt den am Bach entlang gehenden Weg. Jenseits des +Wassers werden zwischen dichten Baumgruppen die roten Ziegeldächer eines in +feierlicher Abendruhe daliegenden Gehöftes sichtbar, weiter nach vorn +schließt sich eine Windmühle an. Hinter den Gebäuden erhebt sich der Boden +zu einem ansehnlichen Bergrücken, der an einer Seite in schroffer Felswand +abfällt. Nahe dem Abhang bekrönen Trümmermassen die Höhe, die in einem +hochragenden Bauwerk gipfeln, das wie ein Überbleibsel eines antiken +Rundtempels aussieht. Ein wunderbarer goldiger Dämmerungston verbindet Berg +und Thal, in weiter Ferne verschmelzen duftige Höhenzüge mit dem lichten +Blau des Himmels, der den letzten Schimmer des untergegangenen +Tagesgestirnes festhält, und den eine an den Rändern noch beleuchtete dünne +Wolkenschicht zum Teil überzieht. Selten wohl ist es einem Landschafter +alter oder neuer Zeit gelungen, eine solche Tiefe der Stimmung im Beschauer +hervorzurufen; es liegt eine stille Feierlichkeit und ein leiser Anflug von +Schwermut über dem Bilde, die uns um so unwiderstehlicher einnehmen, je +länger wir dasselbe betrachten (Abb. 130). -- Zu den stimmungsvollen +Landschaftskompositionen gehört auch die prachtvoll farbig gezeichnete +Radierung mit der nur angelegten Figur des in die Schrift vertieften +heiligen Hieronymus, neben dem der Löwe sich wie ein sorglicher Wärter +umschaut. Wegen der eigentümlichen schwermütigen Poesie, des +Formenreichtums und der bis in die kleinsten Einzelheiten gehenden +Ausführung der Landschaft wird dieses Blatt durch die Bezeichnung »in +Dürers Geschmack« von den zahlreichen anderen Hieronymusbildern Rembrandts +unterschieden (Abb. 131). + +[Illustration: Abb. 123. _Juden in der Synagoge._ Radierung von 1648.] + +[Illustration: Abb. 124. _Die Bettler an der Hausthür._ Radierung von 1648. +(Verkleinert.)] + +[Illustration: Abb. 125. _Dr. Faust._ Radierung von 1648. (Verkleinert.)] + +Von 1651 sind einige ganz vorzügliche Radierungen. Da ist das wunderbar +feine kleine Blatt »der blinde Tobias,« die treffendste und rührendste +Darstellung der Hilflosigkeit eines Erblindeten, der mit Stab und Hand vor +sich her tastend, sich in seinem eigenen Zimmer zurechtsuchen muß. Dann das +treffliche Bildnis des Clemens de Jonghe, der einer der berühmtesten +Kupferstichhändler und Verleger seiner Zeit war und der uns hier mit seinen +klugen Augen so bestimmt und ruhig anschaut (Abb. 133). -- Ein prächtiges +gemaltes Bildnis eines unbekannten jungen Mannes im Louvre trägt die +nämliche Jahreszahl (Abb. 132). Ein biblisches Gemälde aus diesem Jahre +besitzt die herzogliche Gemäldesammlung zu Braunschweig in der großartig +wirkungsvollen, ergreifenden Darstellung der Erscheinung des Auferstandenen +vor Maria Magdalena. + +Ein ganz herrliches Bild von 1652 besitzt die Gemäldegalerie zu Kassel. Es +ist das Kniestück des Nikolaas Bruyningh, der als Sekretär an der +Gerichtsabteilung für Zahlungsunfähige zu Amsterdam angestellt war. Es ist +ein lebensfroher junger Mann, den wir da in vornehmer schwarzer +Atlaskleidung vor uns sitzen sehen; mit munterer Bewegung hat er sich auf +dem Stuhle umgedreht und blickt lächelnd vor sich hin; eine Fülle +dunkelblonder Locken umwallt das freundliche Gesicht (Abb. 134). + +[Illustration: Abb. 126. _Die Hochzeit Jasons und Krëusas._ Radierung von +1648. (Verkleinert.)] + +Die nämliche Jahreszahl trägt ein allerliebstes Blättchen: »der +zwölfjährige Jesus unter den Schriftgelehrten.« Die Radierung ist nur ganz +leicht angelegt, fast ohne Andeutung einer malerischen Wirkung, und dennoch +ist sie unbeschreiblich fesselnd. Man hört die milden und verständigen +Worte des Knaben, man sieht die mannigfaltigen Regungen, mit welchen die +gelehrten alten Juden -- jeder ein Charakterbild -- dieselben aufnehmen: +Aufmerksamkeit, Spott, Dünkel der Überlegenheit, ernstes Nachsinnen. Eine +andere nicht minder ansprechende Komposition desselben Gegenstandes zeigt +uns eine schnell und geistreich hingeschriebene Federzeichnung in der +Albertina, welche den Gegensatz zwischen der Kindlichkeit des Knaben und +dem Gelehrtenstolz der Rabbiner noch stärker hervorhebt (Abb. 135). Die +Betrachtung der zahlreichen Kompositionsentwürfe Rembrandts, welche diese, +alle ähnlichen Sammlungen an Reichtum weit überbietende Wiener Sammlung +beherbergt, ist überhaupt ein hoher Genuß. Von Rembrandts unvergleichlicher +Fähigkeit, mit wenigen Strichen unendlich viel zu sagen, bekommen wir die +staunenerregendsten Proben; als eines der sprechendsten Beispiele sei die +ganz flüchtige Federzeichnung angeführt, welche darstellt, wie Christus zum +Verhör vor Kaiphas gebracht worden ist und wie dieser, vom Richterstuhl +sich erhebend, ausruft: »Ihr habt gehört die Gotteslästerung, was dünkt +euch?« (Abb. 136.) + +[Illustration: Abb. 127. _Die Jünger zu Emmaus._ Gemälde von 1648. Im +Museum des Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Wenn wir die Jahreszahlen von 1649 bis 1653 verhältnismäßig selten auf +Werken Rembrandts vermerkt finden, so folgt daraus nicht, daß der Meister +in diesen Jahren weniger thätig gewesen sei. Im Gegenteil fallen mehrere +seiner allervorzüglichsten Schöpfungen in diese Zeit, wie man nach dem +Vergleich mit anderen mit Bestimmtheit sagen kann, wenn auch die +Jahresbezeichnung fehlt. Dahin gehört das herrliche Gemälde im Berliner +Museum, welches das Gesicht Daniels am Wasser Ulai (Daniel 8, 3) zum +Gegenstand hat, ein Meisterwerk großartiger traumhafter Stimmung. In +erhabener Berglandschaft kniet der Prophet, mit einem olivenfarbenen Rock +bekleidet, und wartet mit Schauern der Ehrfurcht auf das, was der Engel, +der in leuchtend weißem Gewande hinter ihn tritt, ihm zeigen wird: dämmerig +erscheint jenseits der Schlucht der Widder mit den seltsamen Hörnern. +Ferner werden einige in lebensgroßen Figuren ausgeführte biblische Gemälde, +die sich in der Ermitage zu Petersburg befinden, dieser Zeit zugeschrieben: +»Jakob weint beim Anblick von Josephs blutigem Rock« und »der Herr +erscheint Abraham im Thal Mamre.« Bei dem letzteren Bilde wird namentlich +die für Rembrandt ungewöhnliche äußere Schönheit der Engel bewundert. Eine +hochpoetische Komposition des nämlichen Gegenstandes hat der Meister in +einer Federzeichnung hinterlassen, die sich in der Albertina befindet. +Jehovah selbst ist als erhabener Greis von seinen beiden jugendlichen +Begleitern unterschieden; die ganze Gruppe der drei Männer, vor der sich +Abraham zu Boden geworfen hat, ist eine großartige Lichterscheinung, in der +irdischen Umgebung aber ist die natürliche Tagesstimmung, »da der Tag am +heißesten war,« mit einigen Tuschlagen meisterhaft zur Anschauung gebracht: +der tiefe Ton des wolkenlosen Himmels, von dem alles Beleuchtete sich hell +abhebt, läßt uns die Sommerglut empfinden, und einladend winkt der Schatten +des Baumes, unter dem der Patriarch die himmlischen Gäste bewirten wird +(Abb. 137). + +[Illustration: Abb. 128. _Der barmherzige Samariter._ Gemälde von 1648. Im +Museum des Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 129. _Der Kanal mit den Schwänen._ Radierung von 1650.] + +Sein Bestes aber hat Rembrandt in dieser Zeit in zwei großen Radierungen +gegeben, welche die Heilsthätigkeit des Erlösers schildern. Das eine der +beiden Blätter zeigt Christus als Lehrer. Ein Bild der Menschenliebe, wie +kein Künstler es wärmer zu gestalten vermocht hat, steht der Heiland in +einem dunkelen Raum auf einer hell beleuchteten Erhöhung und spricht mit +erhobenen Händen zu dem Volke, das sich um ihn geschart hat. Nur wenige der +Zuhörer tragen eine einigermaßen ansehnliche Kleidung; bei weitem die +meisten, die da aufmerksam stehen und sitzen, sind Leute, auf denen die +tiefste Not des Daseins lastet; ärmlich ist auch der Raum und ärmlich die +Gasse, in welche wir durch eine niedrige Thoröffnung blicken. Die +Mühseligen und Beladenen sind es, die da erquickt werden; welchen Reichtum +müssen die Worte spenden, denen diese Hörer so regungslos lauschen! Wie in +der dunkelen Umgebung, von der sich die mild erhabene Gestalt des Lehrers +leuchtend abhebt, ein helles Sonnenlicht auf dem Kreise der Hörer liegt, so +ist das Ganze eine unvergleichliche malerische Dichtung über das Wort: »Ich +bin das wahre Licht« (Abb. 139). + +[Illustration: Abb. 130. _Die große Landschaft mit den Ruinen auf dem +Berge._ In der königl. Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer Photographie +von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 131. _Der heilige Hieronymus_, zubenannt »in Dürers +Geschmack.« Radierung.] + +[Illustration: Abb. 132. _Bildnis eines unbekannten jungen Mannes_, gemalt +1651. Im Louvre. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. +in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 133. _Clemens de Jonghe_, Kupferstichhändler. Radierung +von 1651.] + +Das andere, größere Blatt ist eine geistvolle Verbildlichung der Vorgänge, +die das 19. Kapitel des Matthäusevangeliums erzählt. Wieder blicken wir in +einen dunkelen Raum, und in der Mitte steht hell beleuchtet der Heiland +zwischen gedrängten Gruppen von Menschen, die seine Gegenwart angezogen +hat. »Es folgte ihm viel Volkes nach, und er heilte sie daselbst.« +Gebrechliche aller Art haben sich zu seinen Füßen gelagert, und weitere +kommen herbei oder werden herbeigebracht, wenn sie selbst sich nicht mehr +schleppen können. Man hört die Bitten der für sich oder für die Ihrigen in +gläubigem Vertrauen um Hilfe Flehenden, und man kann nicht zweifeln, daß +ihnen allen geholfen wird. Die armen Kranken füllen die rechte Hälfte des +Bildes aus; man ahnt, daß durch die Thüröffnung, die man da sieht, noch +viele herbeikommen werden. An der anderen Seite des Bildes gewahren wir +neben den Jüngern, die mit den Blicken am Munde ihres Meisters hängen und +mit schlichter Einfalt seine Worte erfassen, eine Schar von Männern ganz +anderer Art, in weite Gewänder stattlich gekleidet, mit dem Ausdruck des +Selbstbewußtseins und des Weisheitsdünkels auf den Gesichtern; mit +lebhaften Mienen und Gebärden reden sie untereinander und können sich nicht +einigen. Das sind die Pharisäer, die herangetreten waren, um Jesus zu +versuchen. Was sie erregt, ist der eben vernommene Ausspruch, der ihre +Angriffe abgeschnitten hat: »Das Wort fasset nicht jedermann, sondern +denen es gegeben ist.« Mit den Worten: »Wer es fassen kann, der fasse es!« +hat der Heiland sie stehen lassen, um sich einer Gruppe zuzuwenden, die ihm +vom Vordergrunde her naht. »Da wurden Kindlein zu ihm gebracht, daß er die +Hände auf sie legte und betete.« Einer der Jünger -- die herkömmliche +Tracht von Haar und Bart läßt ihn als Petrus erkennen -- will die junge +Frau, die ihren Säugling zu Jesus emporhebt, unwillig zurückschieben. Jesus +aber streckt ihr seine Rechte entgegen, und indem er die andere Hand +beschwichtigend erhebt, spricht er mit himmelsmildem Blick die Worte: +»Lasset die Kindlein und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen!« Zwischen +der Gruppe der Mütter und den Pharisäern sehen wir einen jungen Mann mit +langen Locken, in reicher, mit Stickereien verzierter Kleidung, am Boden +sitzen; nachdenklich stützt er sein Gesicht in die Hand. Das ist der reiche +Jüngling, den die Frage bewegt, was er thun soll, um das ewige Leben zu +haben, und der, um diese Frage an Jesus zu stellen, auf dessen Weggehen aus +der umgebenden Menge wartet. Damit ist in dem Bilde auch auf das, was dem +unmittelbar zur Anschauung Gebrachten nach dem Bericht des Evangelisten +folgt, ein Hinweis gegeben. Die ganze, an Inhalt in Beziehungen und +Gegensätzen so reiche Darstellung ist ein Meisterwerk des Ausdrucks, wie es +nichts Vollkommeneres gibt, und in der Poesie des Lichtes hat Rembrandt +hier sein Höchstes geleistet. Das ist mehr als Sonnenlicht, was hier die +Gestalten fast schattenlos einhüllt und dort seinen weichen Wiederschein +voraussendet in die Gruppen derer, die aus dem Dunkel herauskommen; es ist +das Licht der Erlösung, das in die Nacht des menschlichen Daseins scheint +(Abb. 138). Das Blatt war von jeher das berühmteste unter allen Radierungen +Rembrandts. Es führt von alters her die Bezeichnung »das +Hundertguldenblatt.« Über die Entstehung dieser Bezeichnung wird folgendes +erzählt: Eines Tages kam ein Kupferstichhändler aus Rom und bot Rembrandt +einige Stiche von Marcantonio Raimondi zum Kauf an, für die er zusammen +hundert Gulden forderte; da bot ihm Rembrandt als Bezahlung für die Stiche +einen Abdruck dieses eben fertig gewordenen Blattes an, und der Verkäufer +ging auf den Handel ein, sei es nun -- fügt der Gewährsmann hinzu --, daß +er dadurch Rembrandt sich verpflichten wollte, sei es, daß er wirklich mit +dem Tauschgeschäft zufrieden war. Heute ist die Bezeichnung +»Hundertguldenblatt« nicht mehr ganz zeitgemäß, denn bei einer +Versteigerung im Jahre 1867 erzielte ein schöner Abdruck des Blattes den +Preis von 27500 Francs. + +[Illustration: Abb. 134. _Kopf des Nikolaas Bruyningh_, aus dem Gemälde von +1652. In der königl. Galerie zu Kassel. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 135. _Der Knabe Jesus im Tempel._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Eine Anzahl von Meisterwerken der Radierkunst trägt die Jahreszahl 1654. Da +ist vor allem das durch die reizvolle Einfachheit des Vortrags doppelt +ansprechende Blatt, welches den von dem Meister schon so oft behandelten +Gegenstand der Erscheinung des Erlösers in Emmaus in neuer künstlerischer +Schönheit wiederbringt. Wie auf dem Gemälde von 1648 hat der Künstler auch +hier, in gebührender Unterordnung, aber in einer für die innere und für die +äußere Abrundung des Ganzen nicht unwesentlichen Bedeutung, den +aufwartenden Diener hinzugefügt; der mit der Wirtsschürze bekleidete +Bursche schickt sich eben an, die Kellertreppe hinabzusteigen, hält aber +plötzlich inne, da er gewahrt, daß bei den Gästen etwas Merkwürdiges vor +sich geht, für das ihm die Erklärung fehlt; ihm ist es natürlich unfaßbar, +warum die beiden den dritten, der doch als ihresgleichen mit ihnen gekommen +war, mit solcher Ergriffenheit anstaunen, in dem Augenblick, wo er jedem +von ihnen mit milder Freundlichkeit ein Stück Brot darreicht (Abb. 140). -- +Ein sehr sorgfältig ausgeführtes Blatt zeigt uns den heiligen Hieronymus, +wie er an einem stillen Plätzchen im Freien sitzend sich in das Lesen der +Bibel vertieft. Das ist wieder ein Meisterwerk der Stimmung; wir empfinden +die feiertägliche Ruhe, den heiligen Frieden dieser sonnigen Einsamkeit, +und wir würden uns einen hohen Kunstgenuß unnötigerweise verkürzen, wenn +wir daran Anstoß nehmen wollten, daß der Löwe, der sich so behaglich in der +Sonne reckt, in seinen Formen etwas dürftig geraten ist (Abb. 141). + +Rembrandt verschmähte es auch jetzt nicht, Figuren aus dem Alltagsleben auf +die Kupferplatte zu skizzieren. Ein unter dem Namen »das Kolef« +(Kolbenspiel) bekanntes Blatt, welches weniger dieses im Freien geübte +Spiel, als einen in behäbiger Nichtbeteiligung dabei sitzenden Mann zum +Gegenstand hat, eine in schnellen Zügen hingeworfene Abschrift der Natur, +trägt die Jahreszahl 1654. Auch das köstliche Bildchen, welches, gleich +ansprechend durch die unmittelbare Lebenswahrheit wie durch die malerische +Wirkung, uns ein paar arme wandernde Musikanten vorführt, die im Vorraum +eines Hauses, von dem aus der Stube kommenden Licht beleuchtet, mit +Leierkasten und Dudelsack einem Bauernpaar und dessen dickem Sprößling +einen bescheidenen Kunstgenuß bereiten, mag dieser Zeit angehören (Abb. +142). Wenigstens werden wir aufs lebhafteste an diese Musikanten erinnert +beim Anblick des alten Hirten mit dem Dudelsack, der seine Genossen in der +heiligen Nacht vor die Krippe zu Bethlehem führt, auf einem in der +Ausführung nur derb hingestrichelten, in der Empfindung aber +hochvollendeten, im Gedanken und in der Wirkung so wunderbar poetischen +Blatt (Abb. 143). Daß dieses im Jahre 1654 entstanden ist, beweist die +Jahreszahl auf einem gleich großen, offenbar als Gegenstück dazu in ganz +gleichartiger Behandlung ausgeführten Blatt, welches die Beschneidung des +Jesusknaben vorstellt. + +Zu einem in spanischer Sprache geschriebenen Buche des Manasseh-ben-Israel, +welches unter dem Titel »=Piedra gloriosa=« im folgenden Jahre zu Amsterdam +erschien, radierte Rembrandt vier Kupfer, welche in kleinstem Maßstab +großartige Darstellungen, wie Jakobs Traum von der Himmelsleiter und das +Gesicht des Propheten Hesekiel, brachten. + +[Illustration: Abb. 136. _Christus vor Kaiphas._ Handzeichnung in der +Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & +Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +[Illustration: Abb. 137. _Abraham vor Gott und den zwei Engeln._ +Handzeichnung in der Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie +von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Unter den Gemälden von 1654 befindet sich eins, das zu den schönsten +Schöpfungen des Meisters gehört: »Joseph wird bei Potiphar von dessen Frau +verklagt,« im Berliner Museum. Das Weib sitzt neben dem hell beleuchteten +Bett, und während sie mit der Linken den halbentblößten Busen zu verhüllen +sucht, deutet sie mit dem Daumen der rechten Hand auf Joseph, der im Gefühl +seiner Unschuld aufwärts blickt und die Hand beteuernd emporhebt; sie +vermeidet es, beim Vorbringen ihrer erlogenen Anschuldigung den Gatten +anzusehen, der hinter ihr steht und seine aufkeimende Entrüstung über +Joseph noch hinter der Miene vornehmer Gelassenheit und ernsten Erwägens +verbirgt. In der Farbenwirkung hat Rembrandt hier Wunderbares, im Ausdruck +Unglaubliches geleistet; »nein, wie die Frau lügt!« war die erste Äußerung +eines feinfühligen und unbefangenen Kunstfreundes beim Anblick dieses +Bildes. Verführerische Reize besitzt diese Frau nach unseren Anschauungen +allerdings nicht. Rembrandt hat in zwei Gemälden des nämlichen Jahres, von +denen das eine in ganz schlichtem Realismus eine junge Frau im Bade zeigt +(in der Londoner Nationalgalerie), das andere (im Louvre) die Bathseba +darstellt, wie sie, eben dem Bade entstiegen, mit widerstreitenden Gefühlen +die Botschaft Davids liest, auffallender noch als in den gleichartigen +Gemälden der dreißiger Jahre bewiesen, daß er für weibliche Formenschönheit +keinen Sinn hatte. Aber in seiner Weise, durch den Reiz der Farbe wußte er +die unverhüllte Frauengestalt zu verherrlichen. Die Züge des nämlichen +Modells, das zu diesen beiden Bildern die Anregung gegeben hat, erkennt man +in dem Brustbild einer jungen Frau, das als eins der allergrößten +Meisterwerke der gesamten Malerei einen Ehrenplatz im =Salon carré= des +Louvre einnimmt und ebenbürtig neben Leonardo da Vincis weltberühmter +»=Gioconda=« hängt. + +Die Galerie zu Kassel besitzt von 1654 ein eigentümlich düsteres Gemälde, +das unter dem Namen »die Wache« bekannte lebensgroße Bildnis (Kniestück) +eines mit eisernem Vollharnisch bepanzerten Mannes, der sich mit beiden +Händen auf einen Speer stützt und finster zur Seite blickt. Eine gewisse +Düsterheit wird ungefähr seit dieser Zeit in Rembrandts Gemälden +vorherrschend; der goldige Ton verdunkelt sich häufig zu einem tiefen +Braun, aus welchem die Zauberlichter des Meisters um so wirkungsvoller +hervorleuchten. Augenfälliger noch ist eine Veränderung der Vortragsweise: +die handsichere Breite der Behandlung geht in eine eigentümliche malerische +Weichheit über, welche die scharfen Umrisse der Gegenstände zu verwischen +liebt, ohne daß diese dadurch von ihrer Bestimmtheit einbüßten. + +[Illustration: Abb. 138. _Christus Kranke heilend und die Kinder zu sich +rufend._ Radierung, bekannt unter dem Namen »das Hundertguldenblatt.«] + +[Illustration: Abb. 139. _Christus predigend._ Radierung.] + +[Illustration: Abb. 140. _Christus und die Jünger in Emmaus._ Radierung von +1654.] + +Diese Art der malerischen Auffassung und Behandlung stimmt in der +vortrefflichsten Weise mit der innerlichen Auffassung überein bei mehreren, +gerade dieser Zeit angehörigen Bildern alter Leute. Die Petersburger +Galerie besitzt fünf Bildnisse von Greisen und Greisinnen, die mit der +Jahreszahl 1654 bezeichnet sind. Darunter sind namentlich zwei weibliche +Halbfiguren bemerkenswert durch die weiche Stimmung einer durch inneren +Frieden verklärten Lebensmüdigkeit, die den unter dunkelen Kopftüchern +hervorblickenden welken Gesichtern etwas eigentümlich Rührendes verleiht +(Abb. 144). Auch in anderen Sammlungen gibt es ähnlich empfundene Bildnisse +alter Frauen; es paßt zu dem vergeistigten Ausdruck der betagten Matrone, +wenn sie sich in das Lesen der Bibel versenkt (Abb. 145). Gewöhnlich führen +diese Gemälde die Bezeichnung »Rembrandts Mutter.« Die liebevolle +Auffassung macht diese Namensgebung erklärlich, deren Irrigkeit sich, +abgesehen von der nicht vorhandenen Ähnlichkeit mit den früheren Porträts +der Mutter Rembrandts, aus der Entstehungszeit der Bilder ergibt. + +Ein Selbstbildnis des Meisters aus dem Jahre 1654 (oder 1655, die letzte +Ziffer ist nicht ganz deutlich), ebenfalls in dunkelem Ton gehalten, +befindet sich in der Gemäldegalerie zu Kassel. Dieses Bild mit den +umdüsterten Zügen läßt uns erkennen, daß Rembrandt damals schon über seine +Jahre hinaus gealtert war. Aber seine Schaffenskraft bewahrte ihre +unverwüstliche Frische. + +[Illustration: Abb. 141. _Der heilige Hieronymus._ Radierung von 1654.] + +Mehrere prächtige Radierungen hat Rembrandt im Jahre 1655 der +Leidensgeschichte Christi gewidmet. Wie Pilatus den gefesselten Dulder von +der Terrasse des Amtsgebäudes dem schreienden, höhnenden Volke darstellt, +hat er in einem ergreifenden Blatte geschildert, das durch die +Eigentümlichkeit der Ausführung -- die Figuren sind fast nur mit +meisterhaften Umrißlinien gezeichnet, dazwischen stehen hier und da, +namentlich in der Architektur, einige fast schwarze Schatten -- eine +seltsam packende Wirkung ausübt. Ein figurenreiches Blatt von wunderbar +großartiger, traumhafter Lichtwirkung zeigt den Erlöser am Kreuz zwischen +den beiden Schächern, von Fluten himmlischen Lichtes verklärt, ein +Gegenstand spottenden oder gleichgültigen Gesprächs für die Menge, die sich +anschickt, den Richtplatz zu verlassen, mit namenlosem, erschütterndem +Schmerz von seinen Getreuen beklagt und von dem ergriffen aufs Knie +gesunkenen heidnischen Hauptmann angebetet. Die Krone dieser Darstellungen +aber ist die Kreuzabnahme, vielleicht die poetischste von allen Schöpfungen +Rembrandts. Das Blatt führt den Beinamen »mit der Fackel,« weil das helle +Licht, das sich auf dem bereits herabgenommenen und in einem +untergebreiteten Leintuch getragenen Leichnam und seiner nächsten Umgebung +sammelt, hier eine natürliche Erklärung in einer herzugehaltenen Fackel +findet; im Vordergrunde, auf dem von zertretenem Grase bedeckten, +taufeuchten Boden breitet Joseph von Arimathia ein zweites Leintuch über +die bereit stehende Bahre. Die Nacht ist vollständig finster, nur die +höchstgelegenen Gebäude von Jerusalem schimmern in der Ferne in einer +matten Helligkeit, deren Quelle uns verborgen bleibt (Abb. 146). -- Die +Beschäftigung mit dem Opfertode des Christus mag den Meister veranlaßt +haben, auch dessen altes Vorbild, die Opferung Isaaks, wieder einmal zu +verbildlichen. Er hat den Augenblick gewählt, wie Abraham, der +Kopfbedeckung und Mantel abgelegt hat, mit der einen Hand seinem Knaben, +der entkleidet dakniet und sich geduldig wie ein Lamm, mit opferwillig +vorgestrecktem Halse über das Knie des Vaters legt, die Augen zuhält und +mit dem gezückten Messer in der anderen Hand sich eben anschickt, das +Schwerste zu vollbringen und das Blut seines geliebten Kindes in das am +Boden stehende Becken fließen zu lassen; aber in diesem Augenblicke ist in +einem Lichtstrahle, der den Wolkendampf der Bergeshöhe durchbricht, ein +Engel herniedergeflogen und fällt dem Patriarchen von hinten in die Arme. +Unter dem rechten Flügel des Engels gewahrt man im Dunkelen den Widder, der +sich mit den Hörnern im Gesträuch verfangen hat; seitwärts werden am +Bergesabhange der Esel und die beiden Knechte, die hier zurückgeblieben +sind, sichtbar, und ganz in der Ferne erblickt man zwei Männer, welche den +Hang des gegenüberliegenden Berges beschreiten (Abb. 147). + +[Illustration: Abb. 142. _Wandernde Musikanten._ Radierung.] + +Im folgenden Jahre schöpfte Rembrandt aus der Geschichte Abrahams eine +merkwürdige Darstellung der Bewirtung der drei Himmlischen durch Abraham. +Der Patriarch, der die Weinkanne bereit hält, um seine überirdischen Gäste +zu bedienen, horcht mit demütiger Verneigung auf die Worte des Herrn, der +in der Gestalt eines ehrwürdigen Greises an seinem Tische Platz genommen +hat; die beiden Begleiter Jehovahs sind durch Fittiche als Engel +gekennzeichnet, aber sie sind nicht in der sonst üblichen und auch von +Rembrandt früher gebrauchten Weise als Jünglinge, sondern als gereifte +Männer dargestellt, und diese Verbindung von bärtigen Gesichtern und +Engelsflügeln hat für uns etwas gar Befremdliches; in der Schrift ist +allerdings von Männern und nicht von Jünglingen die Rede. Hinter der +Hausthür horcht Sara verstohlen und lächelt ungläubig über die Verheißung +eines Sohnes; vor der Hausthür aber übt sich Hagars Sohn Ismael, der +zukünftige Stammvater der Araber, im Bogenschießen (Abb. 148). + +Eine seiner meisterhaftesten Porträtradierungen ließ Rembrandt 1656 in dem +unübertrefflich malerischen und lebenswahren Bildnis des berühmten +Goldschmieds Janus Lutma aus Groningen entstehen, das uns einen +freundlichen alten Herrn zeigt, der, von Geräten seines Gewerbes umgeben, +behaglich im Lehnstuhl sitzt (Abb. 149). -- In dem nämlichen Jahre malte +der Meister seinen alten Freund Six in einem Prachtbildnis ab, das sich +heute noch im Besitz von dessen Nachkommen zu Amsterdam befindet. Ein nicht +minder berühmtes Porträt ist dasjenige des Dr. Tholinx in einer Pariser +Privatsammlung. Diese Persönlichkeit bildete Rembrandt etwas später auch in +einer dem Bilde Lutmas ebenbürtigen Radierung ab, von der es erwähnt sein +mag, daß im Jahre 1883 in England für einen Abdruck die Summe von 37750 +Francs, wohl der höchste Preis, den jemals ein Kupferstich erzielt hat, +bezahlt wurde. -- Für die veränderte Malweise Rembrandts ist das schöne +Bild eines nachdenklich dasitzenden Architekten, in der Galerie zu Kassel, +sehr bezeichnend, welches die weiche Behandlung auch in der +photographischen Verkleinerung noch deutlich wahrnehmen läßt (Abb. 150). + +[Illustration: Abb. 143. _Die Geburt Jesu._ Radierung.] + +Die Kasseler Galerie besitzt aus dem nämlichen Jahre 1656 ein in +lebensgroßen Figuren ausgeführtes biblisches Gemälde, das gleich +ausgezeichnet ist durch die milde Schönheit der das Ganze in weichen Tönen +überziehenden Farbe und durch die großartige Einfachheit, mit welcher hier +ein Stück patriarchalischen Familienlebens geschildert ist: »Jakob segnet +seine Enkel.« Der ehrwürdige Greis liegt unter einer mattroten Bettdecke, +deren stumpfe Farbe den graugoldigen Ton des übrigen Bildes wunderbar +hervorhebt; er ist mit einer hellen Jacke und einem weiß und gelben +Mützchen bekleidet; über die fröstelnden Schultern hat man ihm einen Mantel +von Fuchspelz gelegt, als er sich mit noch einmal zusammengerafften Kräften +aufrichtete. Sein Sohn Joseph, dessen Haupt ein großer Turban bedeckt, +steht neben ihm; er unterstützt ihn und versucht ehrfürchtig und schonend +die Hand des dem Tode nahen Greises vom Haupt des blondlockigen Ephraim, +der mit verständnisvoller Ehrfurcht den Segen empfängt, auf dasjenige des +dunkelhaarigen Erstgeborenen Manasseh hinüberzuführen. Josephs Gattin +Asnath, mit einem olivenfarbigen Kleide, mit Haube und Schleier bekleidet, +steht daneben; sie läßt ihre Augen zärtlich auf den Kindern ruhen und +scheint zugleich, den Verheißungsworten Jakobs folgend, in eine ferne +Zukunft zu schauen (Abb. 151). Die Züge dieser Frau, die hier ein so +schöner Ausdruck verklärt, haben eine Ähnlichkeit mit dem erwähnten +Frauenbildnis im =Salon carré= des Louvre, und es wird vermutet, daß wir +hier das Bildnis der Persönlichkeit vor uns haben, die damals Rembrandt am +nächsten stand. + +[Illustration: Abb. 144. _Bildnis einer alten Frau_, gemalt im Jahre 1654. +In der kaiserl. Gemäldesammlung der Ermitage zu Petersburg. (Nach einer +Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und +Paris.)] + +[Illustration: Abb. 145. _Bildnis einer alten Frau._ In der Sammlung des +Herzogs von Buccleugh zu London. (Nach einem Schabkunstblatt von James Mc. +Ardell.)] + +Die Einsamkeit des häuslichen Herdes nach dem Tode Saskias mochte dem +Meister allmählich unerträglich werden. Mit der alten Amme, welcher die +Erziehung des heranwachsenden Titus überlassen blieb, hatte er üble +Erfahrungen gemacht, er hatte die Gerichte zu Hilfe nehmen müssen, um sich +ihrer Anmaßlichkeit zu entledigen. Im Herbst 1649 hatte er dann Hendrikje +Stoffels, ein junges Mädchen von bäuerlicher Abkunft, das statt der +Namensunterschrift nur drei Kreuzchen machen konnte, in sein Haus genommen; +allmählich trat diese dem Herzen Rembrandts näher, und bald durfte sie +sich als die Nachfolgerin Saskias in dem stattlichen Hause der Breestraat +betrachten. + +[Illustration: Abb. 146. _Christi Abnahme vom Kreuz_ (zubenannt »mit der +Fackel«). Radierung von 1655.] + +Wie es in diesem Hause aussah, darüber gibt uns ein urkundliches +Schriftstück aus dem Jahre 1656 genaue Auskunft. Schon im Flur waren die +Wände mit Gemälden bedeckt, darunter viele Studien -- Landschaften, Tiere, +Köpfe und anderes -- von der Hand des Meisters, mehrere Genrebilder von +Rubens' berühmtem Schüler Adriaan Brouwer und Landschaften von Jan Lievensz +und Hercules Seghers; außerdem sah man da Kinderfiguren in Gips und eine +Gipsbüste; die Stühle waren zum Teil mit schwarzen Kissen bedeckt, zum Teil +mit Leder bezogen. Im Vorzimmer hingen einige fünfzig Bilder, neben Werken +von Rembrandt und verschiedenen zeitgenössischen holländischen und +vlämischen Malern auch solche italienischen Ursprunges, eines von Palma +Vecchio und eines, das dem Raffael zugeschrieben wurde; unter den eigenen +Werken des Meisters zeichnete sich hier eine in reichem Goldrahmen +prangende große »Kreuzabnahme« aus. Ein Spiegel in Ebenholzrahmen, ein +Tisch von Nußbaumholz mit einem kostbaren Teppich, sieben spanische Stühle +mit grünen Sammetkissen und ein marmornes Kühlbecken vervollständigten die +Einrichtung des Vorzimmers. Ein anstoßendes Zimmer war einfacher +eingerichtet, an den Wänden aber gleichfalls mit Gemälden geschmückt; neben +Bildern und Skizzen von der Hand des Hausherrn und seiner Zeitgenossen +hingen da auch Werke der alten niederländischen Meister, von van Eyck war +der Kopf eines alten Mannes da; ferner Kopien nach Annibale Caracci und +Kopien nach Rembrandt, die letzteren wohl Arbeiten, die seine Schüler ihm +verehrt hatten. In dem sogenannten Saal prangten zwischen den +niederländischen Bildern, von denen die meisten wieder von Rembrandt +selbst, eines von seinem Lehrer Lastmann war, Werke von Giorgione und +Raffael; der Tisch war von Eichenholz, der Tischteppich war gestickt, die +Stühle mit blauen Kissen bedeckt. Hier stand auch das Bett, mit blauen +Vorhängen umzogen; ein Wäscheschrank von Cedernholz und eine aus demselben +Holz angefertigte Wäschemangel bekundeten, daß hier das Bereich der Frau +vom Hause war. Ein besonderer Raum war das Kunstkabinett. Da sah man +Standbilder und Kopfe römischer Kaiser, vielleicht auch den einen oder +anderen wirklich antiken Kopf, neben indischen Gefäßen und chinesischen +Porzellanfiguren, eine eiserne Rüstung und mehrere Helme, auch einen +japanischen Helm und Gerätschaften wilder Völker, ferner Erdkugeln, +mineralische und zoologische Gegenstände, sowie eine Anzahl von +Gipsabgüssen nach dem Leben, darunter den Abguß eines Negers. Auf einem +Gestell befanden sich eine Menge von Muscheln und Seegewächsen, +Naturabgüsse »und viele andere Kuriositäten.« Da waren mancherlei Waffen, +ein kostbarer, mit Figuren geschmückter eiserner Schild, eine Totenmaske +des Prinzen Moritz von Oranien und die plastische Gruppe eines Löwen mit +einem Stier. Auch eine geschnitzte und vergoldete Bettstelle stand da. Den +reichsten Schatz aber bargen die Mappen. Mehrere Mappen waren ganz mit +Kupferstichen von Rembrandts berühmtem Landsmann Lukas von Leiden +angefüllt, andere mit den Stichen Marcantonios nach Raffael; eine enthielt +die Werke des Andrea Mantegna, eine andere die Holzschnitte und +Kupferstiche Lukas Cranachs, ein ganzer Schrank war mit den Werken von +Martin Schongauer, Israel von Meckenen, Hans Brosamer und Holbein gefüllt; +Stiche nach fast allen Bildern Tizians und nach den Schöpfungen +Michelangelos waren gesammelt. Man sieht, Rembrandt kannte die großen +Meister der Renaissance ganz genau, aber er war zu selbständig, um sich von +ihnen beeinflussen zu lassen. Er besaß eine Sammlung von Abbildungen der +römischen Baudenkmäler, die er doch gar nicht in seinen Schöpfungen +verwertete; eher mögen die gleichfalls in einer Mappe vereinigten Bilder +aus dem Morgenlande, welche Melchior Lorch und andere gestochen hatten, +gelegentlich von ihm benutzt worden sein, freilich auch nur sozusagen ganz +von weitem und in der freiesten Weise. Die Zahl der Mappen, in denen er +weitere Stiche von und nach berühmten früheren und gleichzeitigen Meistern +der Niederlande und Italiens bewahrte, war außerordentlich groß; Rembrandt +kannte und schätzte die Werke seiner Zeitgenossen, so verschieden ihre +Weise auch von der seinigen sein mochte. + +[Illustration: Abb. 147. _Abrahams Opfer._ Radierung von 1655.] + +[Illustration: Abb. 148. _Abraham bewirtet Jehovah._ Radierung von 1656.] + +Ein Teil des Kupferstichkabinetts war nicht in Mappen untergebracht, +sondern lag in indischen und chinesischen Körbchen zur bequemen +Besichtigung auf. Natürlich fehlten auch Rembrandts eigene Radierungen +nicht in der Sammlung; die Stiche des van Vliet nach Rembrandts Gemälden +nahmen einen besonderen Schrank ein. Zu den Stichen kamen die +Handzeichnungen, die sorgfältig geordneten Studien und Entwürfe des +Meisters selbst, Studien von Lastmann, nach der Herstellungsart, ob +Federzeichnungen oder Rötelzeichnungen, gesondert, und solche von anderen +Meistern. In diesem Kunstkabinett, das noch manche andere Dinge, einen +Schrein voll Teller, eine Sammlung Fächer, einen ausgestopften +Paradiesvogel und sonstige bunte Sachen enthielt, befand sich auch +Rembrandts Bibliothek; diese war nicht groß: eine alte Bibel, das +Trauerspiel »Medea« von Six, Dürers Proportionslehre, mehrere Bücher in +hochdeutscher Sprache, die wohl nur um ihrer Holzschnitte willen da waren, +und fünfzehn nicht näher bezeichnete Bände. Im Vorzimmer des +Kunstkabinetts sah man wieder mancherlei Bilder und plastische Bildwerke, +auch eingerahmte Stiche. Mit diesem Raum stand die Werkstatt, die aus einem +kleinen und einem großen Atelier bestand, in Verbindung. Das erstere +zerfiel in mehrere Abteilungen, die in verschiedenartiger Weise +ausgestattet waren; die erste war mit alten Arkebusen und Blasrohren +geschmückt, die zweite mit Büchsen und mit Bogen und Pfeilen, Wurfspießen +und Keulen aus Indien; die dritte enthielt Trommeln und Pfeifen, die vierte +Gipsabgüsse von Händen und Köpfen, außerdem eine Harfe und einen türkischen +Bogen; die fünfte umschloß außer Naturabgüssen, Bogen, Armbrüsten, alten +Helmen und Schilden eine Sammlung von Hirschgeweihen, ferner eine Anzahl +von Standbildern und Büsten, die zum Teil als antik galten, eine kleine +Kanone, eine Sammlung von alten bunten Stoffen, sieben Saiteninstrumente +und zwei kleine Gemälde von Rembrandt. In dem großen Atelier befanden sich +Hellebarden, Degen und indische Fächer, vollständige indische Kleidungen, +eine hölzerne Trompete, ein großer Helm und fünf Brustharnische, ein Bild +mit zwei Mohren von Rembrandt und eine Kinderfigur -- es ist nicht gesagt, +ob eine gemalte oder eine plastische -- von Michelangelo. Der Flur vor dem +Atelier war mit zwei Löwenfellen, einem großen Bilde, welches Diana +vorstellte, und einer Naturstudie nach einer Rohrdommel geschmückt. Zehn +größere und kleinere Gemälde des Meisters zierten ein kleines Zimmer, in +dem ein hölzernes Bett stand. -- Was sich in der Küche und im Gange befand, +dürfte den Leser wenig interessieren. + +[Illustration: Abb. 149. _Janus Lutma_, berühmter Goldschmied zu Groningen. +Radierung von 1656.] + +Es ist eine traurige Urkunde, der wir diesen Einblick in das Innere von +Rembrandts Wohnung verdanken. Es ist das von der Insolventenkammer behufs +öffentlicher Versteigerung aufgenommene Verzeichnis der beweglichen Habe +des Meisters. Rembrandt muß zu allen Zeiten bedeutende Einnahmen gehabt +haben; er selbst sagte zur Zeit seiner Ehe mit Saskia, als er der +Verschwendung beschuldigt wurde, gerichtlich aus, daß er überreichlich mit +Gütern versehen sei. Aber er gab das Geld mit vollen Händen aus; als Saskia +nicht mehr da war, um Juwelen über Juwelen von ihm zu empfangen, verschlang +der Sammeleifer des Kunstliebhabers alle Einnahmen des Künstlers; auch das +nicht unbeträchtliche Vermögen, welches Saskia hinterlassen hatte, reichte +nicht aus. + +Seit Beginn des Jahres 1653 hatte Rembrandt mehrere größere Summen +geliehen, die er nicht zur Zeit zurückgeben konnte, und so brach im Sommer +1656 das Verhängnis über ihn herein, daß er für zahlungsunfähig erklärt +wurde. Als Rembrandt die Unvermeidlichkeit dieses Ereignisses vor sich sah, +im Mai 1656, übertrug er das Eigentumsrecht an seinem Hause seinem noch +minderjährigen Sohne Titus, um diesen, dem die Hälfte von Saskias +Vermächtnis zukam, wenigstens einigermaßen sicher zu stellen. Aber nachdem +gegen Ende 1657 der größte Teil der beweglichen Habe Rembrandts und in +einer zweiten Versteigerung einige Zeit nachher der noch übrige Teil seiner +Zeichnungen und Stiche verkauft worden war, wurde im Januar 1658 auch sein +Haus versteigert. Dies führte zu langwierigen Prozessen zwischen dem +Vormund des jungen Titus und den Gläubigern Rembrandts. Erst im Jahre 1665 +wurde diese Sache endgültig zu Gunsten des ersteren entschieden, und im +November 1665 kam Titus van Ryn in den vollständigen Besitz des Vermögens, +das ihm als mütterliches Erbteil zustand. + +Als Rembrandts Haus ausgeleert wurde, suchte er mit Titus, Hendrikje und +einem Töchterchen Cornelia, welches diese ihm im Oktober 1654 geschenkt +hatte, im Gasthof »Zur Kaiserkrone« Unterkommen, und in eben diesem +Gasthaus fand die Versteigerung seiner Habe statt. + +Um dem Meister die Möglichkeit zu verschaffen, so sorglos, wie es unter +diesen Umständen möglich war, seiner Arbeit zu leben, fing Hendrikje in +Gemeinschaft mit Titus, der sich anfänglich ohne großen Erfolg auf die +Malerei gelegt hatte, einen Handel mit Bildern, Kupferstichen, +Holzschnitten und Kuriositäten an. Am 15. Dezember 1660 wurde diese +Geschäftsvereinigung in aller Form vor einem Notar und zwei Zeugen +abgeschlossen und dabei ausdrücklich erklärt, daß Rembrandt ohne +Entschädigung für Kost und Wohnung bei den Geschäftsinhabern, denen er sich +nach Möglichkeit nützlich machen werde, bleiben solle. + +Unter so beklagenswerten Verhältnissen verlor Rembrandt weder den +Schaffensmut noch die Schaffenskraft. In dem Zimmer eines Gasthofes, wo er +kümmerlich auf Borg lebte -- die Rechnung der »Kaiserkrone«, welche 1660 +bezahlt wurde, ist noch vorhanden --, später in Mietswohnungen, die er +immer nach kurzer Zeit wechselte, alles dessen beraubt, was sonst seiner +Werkstatt Behaglichkeit und Schmuck verliehen hatte, fuhr er fort, die +herrlichsten Werke zu schaffen. In dem verhängnisvollen Jahre 1656 malte er +außer den schon erwähnten Bildern noch ein Gegenstück zu seinem früheren +Anatomiebild für die Chirurgengilde; leider ist dieses Gemälde im vorigen +Jahrhundert bei einem Brand zu Grunde gegangen, bis auf ein kleines und +beschädigtes Bruchstück, das im Amsterdamer Museum aufbewahrt wird. Ferner +gehörte eine »Verleugnung Petri« in der Ermitage zu Petersburg +wahrscheinlich diesem Jahre an. + +Im folgenden Jahre entstand ein wirkungsvolles Prachtbild, die in der +Sammlung des Buckinghampalastes befindliche »Anbetung der drei Weisen.« +Maria sitzt demütig und bescheiden vor der Hütte und hält das von +himmlischem Lichte hell bestrahlte Kind dem ältesten der drei Könige +entgegen, der mit zwei Gefolgsleuten niedergekniet ist und seine Gabe +darreichend die Stirn gegen des Kindes Füße senkt. Joseph hält sich ganz +bescheiden im Schatten unter dem Strohdach des Stalles. Der zweite König +nimmt aus den Händen eines Pagen, dem er mit schweigender Gebärde beiseite +zu treten gebietet, das kostbare Geschenk, welches er darbringen will. Der +dritte tritt mit einer Bewegung des Staunens, daß er in solcher Ärmlichkeit +den neugeborenen König findet, aus dem Dunkel in das Licht, dessen +Wiederschein den Gold- und Juwelenschmuck seiner eigenen reichen +Königskleidung funkeln macht. Im Dunkel der Nacht verschwinden die +Gestalten des Gefolges, der Schirmträger und die übrigen prächtig +gekleideten Leute, die unter himmlischem Geleit vor diese Hütte gekommen +sind. Im Zauber der Lichtwirkung gehört das Bild zu den reizvollsten +Schöpfungen Rembrandts; ein gleiches Maß von Ausdruck der innersten +Frömmigkeit, wie die drei vor dem Christkind knieenden Figuren sie zeigen, +hat kaum je ein anderer der größten Meister erreicht, Ähnliches enthalten +in dieser Beziehung vielleicht nur die tiefstempfundenen Werke der +spätgotischen Zeit (Abb. 152). + +[Illustration: Abb. 150. _Bildnis eines Architekten_, gemalt 1656. In der +königl. Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +Des Meisters eigenes Bildnis aus dem Jahre 1657 besitzt die Dresdener +Galerie; man vermeint ein leises Lächeln die Lippen des Malers umschweben +zu sehen; solange er sich im Vollbesitz seiner Kunst weiß, darf er über +jedes Mißgeschick lächeln. So trägt er auch das Haupt mit vornehmem Stolz +aufrecht in dem vielleicht ein Jahr später entstandenen prächtigen +Selbstbildnis, welches die Münchener Pinakothek besitzt (Abb. 153). -- Ein +Meisterwerk der Porträtmalerei ist auch das Brustbild eines langlockigen +jungen Mannes im Louvre, von 1658. + +Mit eben dieser Jahreszahl ist eine Radierung bezeichnet, welche Christus +und die Samariterin am Brunnen darstellt. Eine getuschte Federzeichnung in +der Albertina hat mit diesem Blatte, von dem sie übrigens ebenso wie von +der inhaltsgleichen Radierung aus des Meisters Jugendzeit als Komposition +ganz verschieden ist, den Umstand gemein, daß eine malerische +Landschaftsstimmung wesentlich zur Wirkung des Ganzen beiträgt (Abb. 154). + +Um diese Zeit fing der Meister übrigens an, die Lust am Radieren zu +verlieren. Ein sehr wirkungsvolles Blatt ließ er im Jahre 1659 entstehen in +einer Darstellung der Heilung des Lahmgeborenen durch Petrus unter der +Schönen Pforte des Tempels (Abb. 156). + +Ein biblisches Gemälde von 1659 besitzt das Berliner Museum: »Jakob ringt +mit dem Engel.« Um dieselbe Zeit ist das ebenda befindliche Bild »Moses +zertrümmert die Gesetztafeln« entstanden. Ein meisterhaftes Bildnis von +1659, die Halbfigur eines alten Mannes, befindet sich in der Londoner +Nationalgalerie. + +Sich selbst hat der Meister im Jahre 1660 abgemalt in seiner +Arbeitskleidung, das ergrauende Haar mit einem weißen Tuch bedeckt, mit der +Palette in der Hand; seine Haut ist welk geworden, aber die Augen leuchten +noch voll Leben unter den Brauen hervor. Die Louvresammlung besitzt dieses +bewunderungswürdige Bildnis, welches sogar die ebendort befindlichen +älteren Selbstbildnisse des Meisters in Schatten stellt. + +Im folgenden Jahre vollendete er das vollkommenste unter allen seinen +Werken: die Bildnisgruppe der Vorsteher (»Probenmeister«) der +Tuchmacherzunft von Amsterdam. Wie er in seiner Jugendzeit in der +»Anatomiestunde« und in seiner Blütezeit in der »Scharwache« sein Bestes +geschaffen hatte, so krönte er auch im Alter seine Thätigkeit wieder durch +ein Genossenschaftsbild. Aber während er in jenem Gemälde sich die +strengste Naturwahrheit als Ziel gestellt und in diesem den Versuch gemacht +hatte, aus der an sich trockenen Aufgabe ein malerisches Gedicht zu +gewinnen, so vereinigte er jetzt mit gereifter Kraft die beiden Seiten +seines Könnens. Er schuf ein Bild von der ungesuchtesten Natürlichkeit und +mit schlichter, gleichmäßiger Beleuchtung, ohne von dem Zauber seiner ihm +allein eigentümlichen Farbe das Geringste zu opfern; er dichtete in Farben, +ohne der überzeugenden Lebenswahrheit auch nur im mindesten Eintrag zu +thun. In diesem Bilde von großartiger Einfachheit hat Rembrandt das letzte +Wort seiner Kunst gesprochen. An einem Tische, den ein orientalischer +Teppich von rotem Grundton bedeckt, sitzen vier Herren, mit dem Prüfen der +Rechnungen beschäftigt, ein fünfter erhebt sich eben vom Stuhl; alle fünf +sind gleichmäßig mit schwarzen Röcken, breiten weißen Kragen und schwarzen +Filzhüten bekleidet; hinter ihnen steht barhäuptig ein Diener, gleichfalls +in schwarzem Rock mit weißem Kragen; die Wand des Zimmers ist mit braunem +Holz getäfelt. Aus so wenigen Farben hat der Meister ein Bild von +unbeschreiblicher Harmonie zusammengewoben; jeder Gegenstand hat deutlich +und bestimmt die Farbe, die ihm zukommt: aber das Ganze ist gleichsam mit +einem braungoldigen Ton durchtränkt. Dabei ist das denkbar höchste Maß von +Körperhaftigkeit erreicht und nicht minder die sprechendste, zweifelloseste +Porträtähnlichkeit in jeder einzelnen Persönlichkeit. Diese ehrbaren Männer +leben vor unseren Augen (Abb. 155). Das Bild befand sich ursprünglich im +sogenannten Staalhof; jetzt prangt es im Reichsmuseum zu Amsterdam und +verdunkelt die trefflichsten Porträtbilder anderer Meister. + +[Illustration: Abb. 151. _Jakob segnet seine Enkel Ephraim und Manasse._ +Gemälde von 1656 in der königl. Gemäldegalerie zu Kassel. (Nach einer +Photographie von Franz Hanfstängl in München.)] + +[Illustration: Abb. 152. _Die Anbetung der Weisen._ Gemälde von 1657 in der +königl. Galerie des Buckinghampalastes. (Nach einer Originalphotographie +von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +1661 ist die letzte Jahreszahl, die auf einer Radierung des Meisters +vorkommt. Dieses letzte datierte Werk seiner Ätzkunst ist das Bildnis +seines nunmehr zweiundsechzigjährigen alten Freundes Coppenol, den er im +Laufe seines Lebens mehrmals mit Farben und mit der Radiernadel abgebildet +hatte. + +[Illustration: Abb. 153. _Selbstbildnis Rembrandts_, gemalt um 1658. In der +königl. Pinakothek in München. (Nach einer Photographie von Franz +Hanfstängl in München.)] + +Aus dem nämlichen Jahre besitzt die Louvresammlung ein mit fast verwegener +Meisterschaft gemaltes Bild, welches den Evangelisten Matthäus darstellt. +-- Ebendort befindet sich aus etwas späterer Zeit ein Gemälde, das uns eine +reichgekleidete wohlbeleibte Holländerin mit einem Knaben auf dem Schoße +zeigt; der Knabe hat Flügel an den Schultern, und daran merken wir, daß +hier Venus und Amor vorgestellt werden sollen. Daß Rembrandt sich auf +derartige Gegenstände nicht verstand, ist in diesem seinen letzten +mythologischen Gemälde endgültig dargethan. Aber als den großen Meister +biblischer Darstellungen bewährte er sich noch einmal in einem ergreifenden +Gemälde, welches in lebensgroßen Figuren die Rückkehr des verlorenen Sohnes +schildert (in der Ermitage zu Petersburg). -- Ein dem Gegenstande nach +nicht ganz verständliches Bild von 1662 besitzt das Museum van der Hoop in +Amsterdam. Dieses farbenprächtige Gemälde führt den Namen »die jüdische +Braut« und zeigt eine reich gekleidete junge Frau, der ein ältlicher Mann +mit würdevollem Äußeren zärtlich entgegentritt. + +[Illustration: Abb. 154. _Christus und die Samariterin._ Handzeichnung in +der Albertina zu Wien. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément +& Cie. in Dornach i. E. und Paris.)] + +Es liegt etwas, man möchte sagen Aufgeregtes in der Art und Weise, wie +diese Gemälde aus Rembrandts letzten Lebensjahren behandelt sind; man +könnte glauben, der Meister, der sein ganzes Leben lang so gewissenhaft an +seiner Ausbildung gearbeitet und der immer Fortschritte gemacht hatte, habe +nach der Vollendung des nicht mehr zu überbietenden Tuchmacherbildes in +unerhörten Kühnheiten der Malweise eine Möglichkeit, noch mehr zu +erreichen, gesucht. Sehr auffallend tritt dieses auch bei dem großen, +schönen Familienporträt im Museum zu Braunschweig zu Tage, auf dem ein +Mann, eine Frau und zwei Kinder abgebildet sind. + +[Illustration: Abb. 155. _Die Vorsteher der Tuchmacherzunft_ (=de +staalmeesters=). Gemälde von 1661 im Ryksmuseum zu Amsterdam. (Nach einer +Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und +Paris.)] + +Die Jahreszahl 1666 tragen das Bildnis einer alten Dame in der Londoner +Nationalgalerie und dasjenige des Dichters Jeremias de Decker in der +Ermitage. Der letztere war ein alter Freund Rembrandts; vor fast dreißig +Jahren hatte er dessen jetzt im Buckinghampalast befindliches Gemälde +»Christus erscheint der Magdalena« in einem Sonett gefeiert; in einem +Gedicht dankte er nun auch dem Meister für das Bildnis, das dieser ihm +»nicht aus Aussicht auf Gewinn, sondern aus Freundschaft« gemalt hatte, und +er pries den Ruhm, den Rembrandt errungen habe, »dem Neid zum Trotze, dem +verruchten Tier.« -- Seine unverwüstliche Frische der Auffassung und seine +Schärfe der Beobachtung bewies der Meister auch noch in einer ganzen Anzahl +von Selbstbildnissen, mit denen er seine Künstlerlaufbahn beschloß, wie er +sie damit begonnen hatte (Abb. 157). + +Als seine letzte Schöpfung gilt das in der Gemäldesammlung des +großherzoglichen Schlosses zu Darmstadt befindliche ergreifende Bild: +»Christus an der Martersäule.« Es ist mit der Jahreszahl 1668 bezeichnet. +Ein bitteres Gefallen an der Verbildlichung des Qualvollen spricht aus der +Darstellung. Der Heiland wird durch zwei Schergen in eine grausame Stellung +zum Empfang der Geißelhiebe gebracht; der eine zieht ihm die gefesselten +Hände vermittelst einer Rolle gewaltsam in die Höhe, während der andere ihm +die Füße in Eisen legt; die Magerkeit des entblößten Körpers erhöht die +Peinlichkeit des Anblicks. Das Gemälde ist in seinem schwarzgoldigen Ton +noch ein echtes Werk Rembrandts, und zugleich ist es das echte Werk eines +müden alten Mannes, mit vollem Können, aber ohne Herzenswärme gemalt. + +[Illustration: Abb. 156. _Petrus und Johannes an der Schönen Thür des +Tempels._ (Heilung des Lahmgeborenen.) Radierung von 1659.] + +Hendrikje Stoffels war wahrscheinlich schon bald nach 1661 gestorben, und +ihr Töchterchen Cornelia scheint nicht über das Kindesalter hinausgekommen +zu sein. Seinen Sohn Titus verlor Rembrandt im September 1668, nachdem +derselbe kurz zuvor geheiratet hatte. Er selbst war eine neue Ehe +eingegangen mit Catharina van Wyck, von der er noch zwei Kinder bekam. Der +Meister beschloß sein arbeitsames, von Ruhm und glänzenden Erfolgen +erhelltes und von harten Schicksalsschlägen verdüstertes Leben im Herbst +1669. Die Begräbnisliste der Westerkirche zu Amsterdam verzeichnet den 8. +Oktober 1669 als den Tag seiner Beerdigung. + +[Illustration: Abb. 157. _Rembrandts Selbstbildnis aus seiner letzten +Lebenszeit._ In der Sammlung des Herzogs von Buccleugh zu London. (Nach dem +Schabkunstblatt von Rich. Earlom.)] + +Die Geschichte seines Lebens verschwand auffallend schnell im Dunkel. Ein +Gemisch von schülerhaften Werkstattgeschichtchen und von böswilligen +Verleumdungen, das aus den Kreisen seiner eigenen Schüler hervorging, hat +die Stelle seiner Lebensbeschreibung vertreten müssen, bis in unserem +Jahrhundert holländische Forscher die urkundliche Wahrheit ans Licht +förderten. Sein Künstlerruhm aber war zu groß, um vom Neide berührt zu +werden. Die besten Meister der Kupferstecherkunst bemühten sich, die +Gemälde Rembrandts zu vervielfältigen. Namentlich wurde in der sogenannten +Schabkunstmanier, welche gegen das Ende des Dreißigjährigen Krieges in +Deutschland erfunden wurde und alsbald besonders in England zu großer +Beliebtheit gelangte, ein sehr geeignetes Mittel gefunden, die +Rembrandtsche Helldunkelwirkung wiederzugeben. Die Abbildungen 38, 56, 75, +101, 122, 145 und 157 sind nach solchen Schabkunst- (oder +Schwarzkunst-)Blättern deutscher und englischer Meister aus dem XVII. und +XVIII. Jahrhundert angefertigt. In der zweiten Hälfte des vorigen +Jahrhunderts hat der größte Kupferstecher jener Zeit, der preußische +Hofkupferstecher G. F. Schmidt, zahlreiche Rembrandtsche Gemälde durch +Radierungen, welche Rembrandts eigene Radiermanier nachahmten, +vervielfältigt. So trefflich diese Radierungen sind, so geben sie doch +Rembrandts Werke nicht mit unbedingter Treue wieder; jene Zeit war nicht +unbefangen genug, um sich in eine andere Zeit ganz rückhaltslos vertiefen +zu können: namentlich fällt es uns auf, daß G. F. Schmidt als echter Sohn +seiner Zeit die einfache Natürlichkeit des Ausdruckes, die für uns heute +einer der höchsten Ruhmestitel von Rembrandts Kunst ist, nicht begriffen +hat; der Zopfkünstler hat, gewiß unabsichtlich, fast überall etwas +Schauspielerisches in die Augen der Rembrandtschen Figuren gelegt, was doch +den Originalen so ganz und gar fremd ist. Durch wirklich zweifellos getreue +Vervielfältigung die weit zerstreuten Schöpfungen des Meisters größeren +Kreisen bekannt zu machen, blieb der Photographie in ihrer heutigen +Vollkommenheit vorbehalten. Neben den prachtvollen photographischen +Abbildungen, welche in der letzten Zeit von den Schätzen einzelner +Sammlungen veröffentlicht worden sind -- auf die Photographien von F. +Hanfstängl in München nach den Gemälden der Galerie zu Kassel sei ganz +besonders hingewiesen -- muß die Thätigkeit des Verlags von A. Braun & Co. +in Dornach (Elsaß) in erster Reihe hervorgehoben werden. Diese Firma hat, +wie von Raffael, Holbein und anderen Meistern, so auch von Rembrandt in den +verschiedenen Sammlungen Europas, von Madrid bis Petersburg und von London +bis Neapel, die Hauptwerke aufgesucht und in unübertrefflichen +Photographien wiedergegeben. Ein besonderes Verdienst dieser Firma ist es, +daß sie auch die Handzeichnungen des Meisters photographiert und so einen +dem großen Publikum vordem so gut wie gar nicht bekannten kostbaren Schatz +der Öffentlichkeit übergeben hat. Handzeichnungen Rembrandts kennen zu +lernen, hat heute, wo dieser Meister mehr als je geschätzt wird, das +höchste Interesse. Von Rembrandt kann man sagen, daß sein Ruhm stets +gewachsen ist; denn die Stimmen einzelner Kunstkenner vom Ende des vorigen +und dem Anfange unseres Jahrhunderts, denen für einen Meister, auf welchen +sich eine die Nachahmung der Antike als Grundlage aller Kunst ansehende +Kunstbeurteilung allerdings ganz und gar nicht anwenden ließ, das +Verständnis fehlte -- von Empfindung gar nicht zu reden --, fallen nicht +allzu schwer ins Gewicht. Der Bewunderung Rembrandts kommt freilich seinen +älteren Ruhmesgenossen gegenüber auch das zu gute, daß beim Beginn seiner +Blütezeit die letzten, welche ihm als ebenbürtig gelten konnten, tot waren, +-- denn die mitlebenden beiden großen Meister der spanischen Malerei kamen, +da sie außerhalb ihres Heimatlandes fast unbekannt blieben, nicht in +Betracht --, daß also das Parteinehmen und Vergleichen -- die Zerstörung +alles Kunstgenusses -- wegfiel, und daß nach ihm keiner gekommen ist, +dessen Name neben dem seinigen genannt werden dürfte. Er war der letzte +wirklich große Maler. + + + + + Künstler-Monographien + + In Verbindung mit Andern herausgegeben + von + H. Knackfuß. + + Verlag von Velhagen & Klasing in Bielefeld und Leipzig. + + In reich illustrierten, vornehm ausgestatteten Bänden mit Goldschnitt zum + Preise von 2-3 Mark pro Band. + + + Plan der Sammlung: + + Die Sammlung ist darauf angelegt, in erschöpfenden, reich illustrierten + Monographien, jeder Band selbständig in sich abgeschlossen, eine + vollständige + + Geschichte der klassischen und modernen Kunst + + zu bilden, deren handliche und äußerlich vornehme Form in kunst- und + litteraturliebenden Kreisen ungeteilten Beifall gefunden hat. + + + Verzeichnis der bis zum März 1897 erschienenen Bände: + + Band 1. Raffael (Mit 128 Abbildungen) 3 M. + " 2. Rubens (Mit 115 Abbildungen) 3 " + " 3. Rembrandt (Mit 156 Abbildungen) 3 " + " 4. Michelangelo (Mit 95 Abbildungen) 3 " + " 5. Dürer (Mit 134 Abbildungen) 3 " + " 6. Velazquez (Mit 46 Abbildungen) 2 " + " 7. Menzel (Mit 141 Abbildungen) 3 " + " 8. Teniers d. J. (Mit 63 Abbildungen) 2 " + " 9. A. v. Werner (Mit 125 Abbildungen) 3 " + " 10. Murillo (Mit 59 Abbildungen) 2 " + " 11. Knaus (Mit 67 Abbildungen) 3 " + " 12. Franz Hals (Mit 40 Abbildungen) 2 " + " 13. van Dyck (Mit 55 Abbildungen) 3 " + " 14. Ludwig Richter (Mit 183 Abbildungen) 3 " + " 15. Watteau (Mit 92 Abbildungen) 3 " + " 16. Thorwaldsen (Mit 146 Abbildungen) 3 " + " 17. Holbein d. J. (Mit 151 Abbildungen) 3 " + " 18. Defregger (Mit 96 Abbildungen) 3 " + " 19. Terborch und Jan Steen (Mit 95 Abbildungen) 3 " + " 20. Reinhold Begas (Mit 117 Abbildungen) 3 " + +Der Eintritt in das Abonnement verpflichtet nicht zur Abnahme der ganzen +Sammlung, vielmehr hat der Abonnent das Recht der Auswahl der ihm +zusagenden Bände und der Rückgabe der nicht gewünschten, so daß jedem +Kunst- und Bücherfreunde Gelegenheit geboten ist, seine Lieblingskünstler +sich auszuwählen und nach und nach die Sammlung zu einer vollständigen und +erschöpfenden Geschichte der bildenden Künste zu ergänzen. + +Der anerkannte und sehr schätzenswerte Vorzug einer zugleich +wissenschaftlich gründlichen und allgemein verständlichen Darstellung wird +in dieser Sammlung unterstützt durch eine reiche, glänzende Illustrierung, +und an dem vollendeten Druck, sowie an der eigenartigen, feinen äußeren +Ausstattung der Bände wird jeder Bücherliebhaber seine Freude haben. + +Der äußerst niedrige Preis der Bände ist darauf berechnet, diese Sammlung +in die weitesten Kreise zu bringen und auch Liebhabern mit bescheidenen +Mitteln die Anschaffung zu ermöglichen. + + +Als Ergänzung der Künstler-Monographien und in gleicher Ausstattung +erscheint: + + Allgemeine Kunstgeschichte. + + Herausgegeben von + H. Knackfuß und Max Gg. Zimmermann. + + 3 Bände gr. 8° mit über 1000 Abbildungen. Preis komplett 24 M. + + Hiervon ist bereits erschienen: + + Erster Band: + Kunstgeschichte des Altertums und des Mittelalters + bis zum Ende der romanischen Epoche + + von Professor Dr. Max. Gg. Zimmermann. + + Mit 411 Illustrationen. Preis: broschiert 8 M., elegant gebunden 10 M. + +In diesem Werke wird man eine übersichtliche, anziehend und klar +geschriebene Darstellung der Kunst in allen ihren Verzweigungen von der +ältesten Zeit bis zur Gegenwart finden, erläutert und belegt durch eine +große Fülle meisterhaft reproduzierter Abbildungen nach den Originalen. +Für den Bücherschrank des deutschen Hauses empfiehlt sich das Werk sowohl +durch seine gemeinverständliche Darstellung wie durch seinen handlichen +Umfang und mäßigen Preis, nicht minder werden die Abnehmer und Freunde der +Knackfußschen »Künstler-Monographien« dieses Werk willkommen heißen, das +eine Übersicht der Kunstentwickelung aller Zeiten im _Zusammenhange_ +bietet, während die Künstler-Monographien erschöpfende in sich +abgeschlossene Darstellungen einzelner großer Künstler geben. Die +Allgemeine Kunstgeschichte bildet also eine notwendige Ergänzung der +Künstler-Monographien, wie sie sich denn auch im Format dieser Sammlung +anschließt. Zum zahlreichen Abonnement ladet ein + + Die Verlagshandlung + Velhagen & Klasing + in Bielefeld und Leipzig. + + +[Illustration: Diskuswerfer des Myron. Bronzierter Gipsabguß in +Statuettengröße aus dem römischen Kunsthandel im Akademischen Kunstmuseum +zu Bonn. Das unbekannte Original des Abgusses war antike oder moderne +Wiederholung des Diskuswerfers im Palazzo Lancellotti zu Rom. Erstmalige +Veröffentlichung. (Abbildung aus »Allgemeine Kunstgeschichte«.)] + + + Bestell-Zettel + (zur Besorgung durch jede Ortsbuchhandlung). + + Unterzeichneter bestellt bei: + zur Ansicht -- in feste Rechnung + + Künstler-Monographien von H. Knackfuß + Band 1 (Raffael) und Folge (à Band 2-3 M.) + + oder daraus einzeln: + + Raffael (1) -- Rubens (2) -- Rembrandt (3) -- Michelangelo (4) -- + Dürer (5) -- Velazquez (6) -- Menzel (7) -- Teniers d. J. (8) -- A. v. + Werner (9) -- Murillo (10) -- Knaus (11) -- Franz Hals (12) -- A. van + Dyck (13) -- Ludwig Richter (14) -- Watteau (15) -- Thorwaldsen (16) -- + Holbein d. J. (17) -- Defregger (18) -- Terborch und Jan Steen (19) -- + Reinhold Begas (20). + + (Das Nichtgewünschte gefl. zu durchstreichen.) + + Unterschrift und genaue Adresse: + + + Unterzeichneter bestellt bei: + + Allgemeine Kunstgeschichte. Von H. Knackfuß und Max Gg. Zimmermann. + + I. Band: Altertum und Mittelalter. + + Preis: broschiert 8 M. -- gebunden 10 M. + + (Das Nichtgewünschte gefl. zu durchstreichen.) + + Unterschrift und genaue Adresse: + + + +Druck von Fischer & Wittig in Leipzig. + + +[Illustration: Signet.] + + + + + * * * * * * + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + + Seite 5: »noch nicht belastetete« wurde geändert in + »noch nicht belastete« + Abb. 24: »Coppeno« wurde geändert in »Coppenol« + Abb. 51: »Saskia von Uhlenburgh« wurde geändert in »Saskia van Ulenburgh« + Seite 82: »gleichnamiger Prediger« wurde geändert in + »gleichnamigen Prediger« + Seite 100: »sikkziert« wurde geändert in »skizziert« + Seite 100: »wie er den Lazerus« wurde geändert in »wie er den Lazarus« + Seite 101: »die beiden mageren Hänbe« wurde geändert in + »die beiden mageren Hände« + Seite 110: »das 1674 gemalte Bildnis« wurde geändert in + »das 1647 gemalte Bildnis« + Seite 128: »wer es fassen kaun« wurde geändert in »wer es fassen kann« + Seite 132: »ein eigentümlich düsters Gemälde« wurde geändert in + »ein eigentümlich düsteres Gemälde« + Seite 132: »in Rembrandts Gemälden vorherschend« wurde geändert in + »in Rembrandts Gemälden vorherrschend« + Seite 140: »Palma Veccchio« wurde geändert in »Palma Vecchio« + Seite 152: »wie er sie damit begonnen hatte (Abb. 153)« wurde geändert in + »wie er sie damit begonnen hatte (Abb. 157)« + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REMBRANDT*** + + +******* This file should be named 35030-8.txt or 35030-8.zip ******* + + +This and all associated files of various formats will be found in: +http://www.gutenberg.org/dirs/3/5/0/3/35030 + + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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