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+Project Gutenberg's Buch von der Deutschen Poeterey, by Martin Opitz
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Buch von der Deutschen Poeterey
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+Author: Martin Opitz
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+Editor: Wilhelm Braune
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+Release Date: January 1, 2011 [EBook #34806]
+
+Language: German
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+Character set encoding: UTF-8
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BUCH VON DER DEUTSCHEN POETEREY ***
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+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
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+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
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+
+ Buch
+ von der deutschen Poeterei
+
+ von
+
+ Martin Opitz
+
+ Abdruck der ersten Ausgabe (1624)
+
+ Vierter Druck
+
+ Halle a. S.
+ Verlag von Max Niemeyer
+ 1913
+
+
+ Neudrucke deutscher Litteraturwerke des XVI. u. XVII. Jahrhunderts.
+ No. 1.
+
+
+
+
+Einleitung.
+
+
+Seit dem Erscheinen dieser Ausgabe (1876. 1882) ist das Buch von der
+deutschen Poeterei Gegenstand eindringender Forschung geworden, durch
+welche seine Stellung in der Geschichte der Poetik, sowie die
+Beziehungen zu den Quellen Opitzens hinlänglich klargestellt worden
+sind. Abgeschlossen wurden diese Untersuchungen durch die mit Einleitung
+und eingehendem Commentar versehene Ausgabe: 'Martin Opitzens
+Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae und Buch von der
+Deutschen Poeterey, herausgegeben von Dr. Georg ~Witkowski~.' Leipzig
+1888.
+
+Die wichtigeren Einzelabhandlungen sind: O. Fritsch, Martin Opitzens
+Buch von der d. P. Ein kritischer Versuch (Diss.), Halle 1884; -- K.
+Borinski, Die Kunstlehre der Renaissance in Opitz' Buch von der d. P.
+(Diss.), München 1883, und danach in desselben 'Die Poetik der
+Renaissance und die Anfänge der litterarischen Kritik in Deutschland',
+Berlin 1886, S. 63 ff.; -- W. Berghoeffer, Martin Opitz Buch von der d.
+P. (Göttinger Diss.), Frankfurt a/M. 1888; [-- R. Beckherrn, M. Opitz,
+P. Ronsard und D. Heinsius (Diss.) Königsberg 1888; -- G. Wenderoth, Die
+poetischen Theorien der französischen Plejade in Martin Opitz' deutscher
+Poeterei: Euphorion 13, 445-468.]
+
+ * * * * *
+
+Das Buch von der deutschen Poeterei erschien in Breslau 1624. Die
+Ausgabe ist in 4^o und besteht aus 38 ungezählten Blättern (= 9½ Bogen)
+mit den Signaturen =A=-=K=, angehängt sind dann noch zwei Blätter »=An
+den Leser=« mit Signatur =L=.
+
+Diese Ausgabe ($A$) liegt unserem Abdrucke zu Grunde. Derselbe ist für
+diesen Druck, unter Berücksichtigung der Ausgabe von Witkowski, von
+neuem mit dem Originale (Ex. der Stadtbibliothek in Leipzig) sorgfältig
+verglichen worden. Abgewichen ist von der Originalausgabe nur insofern,
+als ihre Druckfehler verbessert sind. Diese zerfallen in 3 Klassen:
+
+1) Druckfehler, die von Opitz selbst in dem Anhange »=An den Leser=«
+(S. 59) als solche aufgeführt werden. Es folgt hier das Verzeichniss
+derselben nach Seite und Zeile unseres Abdrucks: 7 7 inimicæ vene. 9 27
+Ην' ποτέ σοι χρὁνος οῦτος έν. 10 7 =heutiges tagen=. 11 33 ἰδιόρητα.
+12 11 =Marcilius=. 15 2 μὲν̀. 15 30 d, escorte. 19 1 =habe=] =hate=.
+23 21 =kürtze=] =kurtze=. 27 37 τωὴ, ὴ ψυχὴ. 29 6 =nechst=] =echst=.
+29 11 L irrite. 32 7 ciel] liel. 32 21 =auff einandere=. 32 31
+=abstehlen=] =abstehen=; -- =möge=] =mögen=. 37 20 =stehen=] =sehen=.
+38 24 θάλααστα. 38 25 θάλ ασταν. 38 29 distichion. 38 30 =Ancareonten=.
+41 8 =nach=] =noch=. 41 20 =lateinischen ~vnd~= hexametros. 41 37 communs
+=~der~ gemeinen=. 43 39 =abschnitt=] =abschrit=. 44 35 =himmelront=.
+44 40 =Iu summa=. 53 23 STRO. I. 56 4 ἐνκρίνεσθαι. -- Ausserdem gibt
+Opitz noch zu 15 29 =genawe= an, welches aber schon im Texte ebenso
+richtig dasteht.
+
+2) Ferner sind folgende gröbere Druckfehler verbessert, die zum Teil in
+allen, zum Teil auch nur in einzelnen der älteren Ausgaben beseitigt sind:
+26 34 =satt=] =saat= (doch vgl. Anz. f. dtsch. alt. 14, 287). 27 17
+=reime=] =reine=. 28 29 =denn=] =den=. 29 38 =Haupt-brecher-Löwen-zwinger=.
+33 2 =erempel=. 36 28 =ö=] ὂ. 40 2 =doppeltlaudender=. 40 10 =der
+andere=] =~das~ a.= 42 12 =abschritt= (43 39 derselbe Fehler von Opitz
+verbessert). 46 14 C'ouurir. 48 19 =nicht=] =nchit=. 48 23
+=vneigeflochtenen=. 49 22 =Capittl=. 51 44 =Meisterück=. 56 29 =des
+Frawenz=. 57 30 statt =besitzen= das 2. mal =besetzen=. -- Nicht
+besonders erwähnt sind umgekehrte =n= oder =u=, wie 18 3 =vou= u. a.
+
+3) Endlich sind nach Witkowski's Vorgange noch folgende Fehler
+verbessert: 9 7 =Volckern=. 9 27 τοι] σοι. 15 40 Pro longeant. 18 30
+=saeit= (=sueit= Goldast statt =sneit=). 28 26 Αρηος. 34 28 =mir=]
+=nur=. 36 29 =vnnd mitlere=. 37 21 Punkt nach =es=. 38 22 H. 38 23
+αυτὴν. 49 3 Sous] Solus.[1]
+
+ [1] Unrichtig ändert Witkowski 46 18 =beseite= (mhd. #besîte#) in
+ =beiseite=. -- Den von Witkowski S. 80 bemerkten Druckfehlern unserer
+ ersten Ausgabe sind noch einige hinzuzufügen, die zum Teil auch von
+ Witkowski übernommen sind: ausser geringfügigen (12 31 =großes=. 13 14
+ =Geistes, welchen=. 40 18 =auff=. 43 15 =auf=. 59 5 =erinnern=) der
+ störendere 45 25 =~des~ Himmels kertzen=.
+
+Die Abkürzungen sind aufgelöst. Häufiger ist nur =ē= für =en= (32 mal),
+=vṅ= für =vnd= (12 m.), =ṅ= für =nn= (10 m.); ausserdem =ṅ= für =mm=
+(4 m.) und einmal =ē= für =em=.
+
+ * * * * *
+
+Die auf $A$ folgenden Ausgaben waren ebenfalls Einzeldrucke; erst 1690
+wurde das Werk in die Gesammtausgabe aufgenommen. Die Titel der
+einzelnen Ausgaben findet man verzeichnet bei Hoffmann von Fallersleben,
+Martin Opitz von Boberfeld (Leipzig 1858) und in Witkowski's Ausgabe
+S. 77-80, dessen Chiffern ich annehme. Sie erschienen: $B$ Frankfurt und
+Breslau 1634. $C$ Wittenberg 1634. $E$ Wittenberg 1635 (zum Drittenmahl
+auffgeleget). $G$ Wittenberg 1638 (zum Vierdtenmahl auffgeleget). $H$
+Wittenberg 1641 (zum Fünfften mahl auffgeleget). $I$ Frankfurt a/M.
+1645. Die erste Ausgabe, in welcher sich Hanman's Anmerkungen befinden
+(-- Jetzo aber von Enoch Hannman an vnterschiedlichen Orthen vermehrt
+vnd mit schönen Anmerckungen verbessert. Nunmehr zum sechstenmahl
+correct getruckt.). Über Hanmanns Anmerkungen s. Borinski, Poetik der
+Renaissance s. 285 ff., Witkowski s. 68 ff. -- $K$ Wittenberg 1647
+(Nunmehr zum Sechsten mahl auffgeleget). Ohne Hanmanns Anmerkungen. $L$
+Frankfurt a/M. o. J. (ca. 1650). Mit den Anmerkungen; »zum siebenden mal
+correct gedruckt«. $M$ Frankfurt a/M. 1658 dsgl., »zum achten mal
+correct gedruckt«. $N$ Breslau, Fellgibel o. J. Diese Ausgabe gehört in
+den 1. Teil der 1690 erschienenen Gesamtausgabe von Opitzens Werken, hat
+aber besonderen Titel und Paginierung und kommt auch separat vor. -- Die
+genannten Ausgaben sind sämmtlich 8^o (resp. 12^o); eine zweite
+Quartausgabe vom Jahre 1626 führt Grässe im Trésor des livres an und
+Goedeke im Grundriss^1. Die Angabe scheint aber auf Irrtum zu beruhen.
+Ueber eine 2. Ausgabe Wittenberg 1634 und eine Danziger 1635 [vielmehr
+1634, s. u.], welche nicht nachweisbar sind, s. Witkowski $D$ u. $F$.
+
+Endlich wurde die Poeterei aufgenommen in die beiden in der Mitte des
+18. Jahrhunderts veranstalteten Opitzausgaben: $O$ von Bodmer, Zürich
+1745 (nur der 1. Teil erschienen, darin die Poeterei S. 1-70); $P$ von
+Triller, Frankfurt a/M. 1746 (Vier Bände, die Poeterei eröffnet den 1.
+Band).
+
+Auf allen Ausgaben nach der ersten lautet der Titel »Prosodia Germanica,
+=Oder Buch von der deutschen Poeterey &c.=« Man wird kaum annehmen
+dürfen, dass der Zusatz »Prosodia Germanica« von Opitz selbst herrühre,
+da Opitz sicher nach der Ausgabe von 1624 bei keiner folgenden beteiligt
+gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Veränderungen, sondern
+sind sogar derart aus der ersten Ausgabe, und dann wieder eine aus der
+andern, abgedruckt, dass das von Opitz selbst dort gegebene
+Druckfehlerverzeichniss ~nicht~ berücksichtigt worden ist, wie überhaupt
+das ganze Nachwort »=An den Leser=« (S. 59. 60) in allen Ausgaben von
+$B$ ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
+alle folgenden Ausgaben hindurchziehen, teils in einzelnen derselben
+verbessert werden, aber zuweilen durch Conjectur anders als Opitz
+vorgeschrieben. Z. B. sind die Fehler =Marcilius= statt =Manilius=
+12 11, liel st. ciel 32 7, =der= st. =oder= 41 37 bis 1690 in allen
+Ausgaben, erst Triller und Bodmer bessern richtig. 32 31 steht 1624
+=abstehen=, Opitz corrigiert =abstehlen=, die folgenden Ausgaben machen
+aus =abstehen= das nahe liegende =absehen=, und diese Lesart ist auch
+noch in $OP$ vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 32 31 das =mögen=
+statt =möge= in allen späteren Ausgaben conserviert; u. a. m.
+
+Es geht daraus hervor, dass für den Text der Poeterei allein die Ausgabe
+$A$ von 1624 in Betracht kommt.
+
+~Heidelberg~ [Dritter Druck 1902]. $Wilhelm Braune.$
+
+ * * * * *
+
+Auch dieser ~vierte~ Druck ist mit der Originalausgabe verglichen
+worden. Für Nachträge zur Einleitung bin ich G. Witkowski zu Dank
+verbunden; insbesondere hat er den alten Druck $F$ in der Buchhandlung
+von Gustav Fock (aus dem Nachlasse Reinhold Bechsteins) aufgefunden und
+mir den Titel der Ausgabe, deren Verbleib ihm nicht bekannt ist,
+freundlichst mitgeteilt:
+
+$F$ Prosodia Germanica .... =Martin Opitzen= [wie in $C$] =Dantzig,
+Gedruckt durch Andream Hünefeldt, Im Jahr, 1634=. [12o =A=-=E= 11b].
+
+~Heidelberg~ 1913. $W. B.$
+
+
+
+
+ _MARTINI
+ OPITII_
+
+ Buch von der Deutschen
+ Poeterey.
+
+ In welchem alle jhre eigen-
+ schafft vnd zuegehör gründt-
+ lich erzehlet, vnd mit exem-
+ peln außgeführet wird.
+
+
+ Gedruckt in der Fürstlichen
+ Stadt Brieg, bey Augustino
+ Gründern.
+
+ In Verlegung David Müllers Buch-
+ händlers in Breßlaw. 1624.
+
+
+
+
+ _Horatius ad Pisones:_
+
+ _Descriptas servare vices, operumque colores,
+ Cur ego, si nequeo, ignoroque, Poëta salutor?
+ Cur nescire, pudens pravè, quam discere malo?_
+
+
+
+
+[A 2a] Denen Ehrenvesten, Wolweisen, Wolbenambten vnd Wolgelehrten
+HErren Bürgermeistern vnd Rathsverwandten der Stadt Buntzlaw, seinen
+günstigen Herren vnd beförderern.
+
+
+EHrenveste, Wolweise, Wolbenambte vnd Wolgelehrte insonders günstige
+HErren,
+
+Was bißanhero von einem vnnd dem andern, auch vornemen Leuten, zum
+offteren an mich ist begehret worden, das ich nemlich von vnserer
+Deutschen Poeterey, derselben art vnd zuegehör, etwas richtiges
+auffsetzen möchte, habe ich vorwichene tage zue wercke gebracht. Zwar
+erstlich, solchem ehrlichen begehren wie billich zue verhengen: nachmals
+aber, die jenigen vor derer augen diese vorneme wissenschafft ein grewel
+ist zue wiederlegen, vnd die, so sie als ein leichte ding vor handen zue
+nemen vnbedacht sich vnterstehen, ab zue halten, die gelehrten aber vnd
+von natur hierzue geartete gemüter auff zue wecken, mir, der ich dißfals
+bey weitem nicht genung bin, die hand zue bitten, vnd den weg so ich
+allbereit vmb etwas eröffnet vollendts zu bähnen. Weitleufftiger vnd
+eigentlicher zue schrei-[A 2b]ben hat mich nicht allein die enge der
+zeit, sondern auch sonsten allerley vngelegenheit verhindert, die mir
+von denen zuegefüget wird, welche, wann es bey jhnen stünde, wünschen
+wolten, das auch das gedächtniß der Poeterey vnnd aller gutten Künste
+vertilget vnd außgerottet würde. Ob mich nun wol dergleichen vnbilliche
+Wiederwertigkeit, die ich ohne meinen verdienst tragen muß, offtermals
+kaum nicht zwinget wie Nero zue sagen; _Vellem nescire literas_: jedoch
+habe ich, in erwegung derer Vrsachen die mir etwas beßers rahten, vnd
+das die Zahl vieler grossen Männer die mir huldt sein die wenigen
+abgünstigen weit hinwieget, zwar ietzund in diesem geringen wesen den
+willen mit meinem schlechten studieren etwas zue fruchten erweisen
+wollen: vnnd wil auch nachmals besten fleißes mich bemühen, an größeren
+vnd mehr wichtigen sachen (denn ich gar wol weiß, das es mit der
+Poeterey alleine nicht außgerichtet sey, vnd weder offentlichen noch
+Privatämptern mit versen könne vorgestanden werden) durch beystandt
+Göttlicher hülffe alle mein heil zue versuchen. Indeßen, Großgünstige
+HErren, wollen sie, zum pfande meiner künfftigen vorsorge wie mein
+geliebtes Vaterlandt vnnd sie meiner je mehr vnd mehr ruhm vnd ehre
+haben mögen, dieses buch auff, vnd annemen, vnd beynebenst geneiget
+erwegen das ich auch darumb jhnen solches billich vor andern
+zueschreiben sollen, damit ich nicht, wann ich [A 3a] sie in diesen vnd
+andern meinen schrifften lenger mit stilleschweigen vbergienge, von
+denen die meinen künfftigen vorsatz nicht wissen für vndanckbar möge
+gescholten werden. Welchen lasters ich nicht alleine anderwerts frey vnd
+ledig bin, sondern auch dißfals kühnlich sagen darff, das ich solche
+große liebe zue meinem Vaterlande trage, dergleichen zwar von allen
+erfordert, aber bey wenigen erfunden wird. Ich muß nur bekennen, das ich
+nicht vnlengst auß weit abgelegenen orten, da es mir an ehre, föderung,
+freundschafft vnd alle dem was ich bedürffend nicht gemangelt hette,
+mich mehrentheils darumb zuerücke gemacht, vnnd meinen zuestandt in
+vngewißheit gesetzet, das ich das verlangen, daheime vnd bey den
+meinigen die zeit zue verschliessen, nicht lenger ertragen können.
+Welches ich sonsten kaum so rundt herauß sagen wolte, auß furchte, das
+es mir von andern für eine zärtligkeit vnd weichmuth möchte außgeleget
+werden, wenn mir nicht wißend, das Vlyßes so sehr auff sein Ithaca zue
+geeilet, als Agamemnon auff sein _Mycène_, vnd der grosse mann hertzlich
+gewünschet, auch nur ein räuchlein so darauß auffgienge von fernen zue
+schawen. Der Vater der Musen Alfonsus in Sicilien, als jhm einer
+erzehlete wie Rom so gewaltig, Venedig so groß, Florentz so reich,
+Meilandt so Volckreich were, gab er jhm dieses gar gerne zue, aber, hub
+er darneben an, ich wil niergendts lieber sein als zue _Carioncilla_:
+[A 3b] welches ein flecken war, darinnen der löbliche vnnd tugendhaffte
+König gebohren vnd auffgewachsen. Kan mir also niemand zue rechte vbel
+deuten, das ich mein Buntzlaw, ohne ruhm zue sagen, die erzieherinn
+vieler stattlichen berühmbten leute, welche ich bey anderer gelegenheit
+schon wil zue erzehlen wissen, als ein Kind seine Mutter ehre, vnd
+bestes vermögens hand zue wercke lege, wie nicht alleine ich durch das
+Vaterland, sondern auch das Vaterland durch mich bekandter werde.
+Nebenst dieser gemeinen vrsache hiesiger meiner zueschreibung habe ich
+nicht weniger in acht zue nemen, die grosse gunst vnd freundschafft, mit
+welcher ein ietweder von den Herren mir bey aller vorgehenden
+gelegenheit zum offtersten begegnet: ja das sie auch mir entweder mit
+Blutfreundschafft oder verwandtniß bey gethan sind, oder, worunter ich
+Herren Sänfftleben verstehe, mich zue alle dem was ich weiß vnnd kan,
+wie wenig es auch ist angewiesen vnd geleitet haben. Werden also die
+HErren, in betrachtung obgemeldeter vrsachen, in guttem verstehen, das
+ich Jhren namen hiesigen geringfügigen buche, das doch hoffentlich an
+seinem orte wird ersprößlich sein, vorsetzen, vnd dadurch, weil anietzo
+nichts anders in meinem vermögen gewesen, nur etzlicher maßen mein
+danckbares gemüte vnd gutten vorsatz [A 4a] erweisen wollen. Befehle sie
+hiermit in den schutz des Höchsten, mich aber in jhre beharliche gunst
+vnd liebe; der ich gleichfalls jederzeit bin
+
+ E. E. W.
+ Dienstwilligster
+ Martin Opitz.
+
+
+
+
+ [A 4b] _AD
+ DN. MARTINUM OPITIUM
+ Poësin Germanicam ædentem,
+ Parodia ex Carm. II. Lib. II. Horat._
+
+ _#Nullus argento color est, etc.#_
+
+ _INgenI nullus decor est, ineptis
+ Illitæ chartis inimice venæ
+ #Martie Opiti#, nisi patriæ aptos
+ Vernet in usus.
+ Vivet extento venerandus ævo
+ #Heinsius# plectri genitor Batavi:
+ Illum aget prorâ metuente sisti
+ Gloria ad Indos.
+ Altius scandes patriâ canendo
+ Barbyto, qvàm si Latium peritæ
+ Atticæ jungas, Syriæque Peithus
+ Noveris artem.
+ Carminis multos cacoêthes urit,
+ Nec scit expelli; nisi mille vulgo
+ Finxerit versus peregrina jactans
+ Gutture verba.
+ Conditam Almanis numeris Poësin
+ Exteræ distans, solio polorum
+ Inseret Phœbus populumque vernis
+ Instruet uti
+ Vocibus, laudem, & sine nube nomen
+ Deferens illi, viridemque laurum,
+ Teutonæ ingenteis repolit loqvelæ
+ Qvisqvis acervos._
+
+ _Augustinus Iskra Siles:_
+
+
+
+
+[B 1a] _MARTINI OPITII_
+
+Buch von der Deutschen Poeterey.
+
+
+
+
+Das I. Capitel.
+
+Vorrede.
+
+
+WIewol ich mir von der Deutschen Poeterey, auff ersuchung vornemer
+Leute, vnd dann zue beßerer fortpflantzung vnserer sprachen, etwas auff
+zue setzen vorgenommen; bin ich doch solcher gedancken keines weges, das
+ich vermeine, man könne iemanden durch gewisse regeln vnd gesetze zu
+einem Poeten machen. Es ist auch die Poeterey eher getrieben worden, als
+man je von derselben art, ampte vnd zuegehör, geschrieben: vnd haben die
+Gelehrten, was sie in den Poeten (welcher schrifften auß einem
+Göttlichen antriebe vnd von natur herkommen, wie Plato hin vnd wieder
+hiervon redet) auffgemercket, nachmals durch richtige verfassungen
+zuesammen geschlossen, vnd aus vieler tugenden eine kunst gemacht. Bey
+den Griechen hat es Aristoteles vornemlich gethan; bey den Lateinern
+Horatius; vnd zue unserer Voreltern zeiten Vida vnnd Scaliger so
+außführlich, das weiter etwas darbey zue thun vergebens ist. Derentwegen
+ich nur etwas, so ich in gemeine von aller Poeterey zue erinnern von
+nöthen zue sein erachte, hiervor setzen wil, nachmals das was vnsere
+deutsche Sprache vornemlich angehet, etwas vmbstendtlicher für augen
+stellen.
+
+
+
+
+Das II. Capitel.
+
+Worzue die Poeterey, vnd wann sie erfunden worden.
+
+
+DIe Poeterey ist anfanges nichts anders gewesen als eine verborgene
+Theologie, vnd vnterricht von Göttlichen sachen. Dann weil die erste vnd
+rawe [B 1b] Welt gröber vnd vngeschlachter war, als das sie hette die
+lehren von weißheit vnd himmlischen dingen recht fassen vnd verstehen
+können, so haben weise Männer, was sie zue erbawung der Gottesfurcht,
+gutter sitten vnd wandels erfunden, in reime vnd fabeln, welche
+sonderlich der gemeine pöfel zue hören geneiget ist, verstecken vnd
+verbergen mussen. Denn das man jederzeit bey allen Völckern vor gewiß
+geglaubet habe, es sey ein einiger vnd ewiger GOtt, von dem alle dinge
+erschaffen worden vnd erhalten werden, haben andere, die ich hier nicht
+mag außschreiben, genungsam erwiesen. Weil aber GOtt ein vnbegreiffliches
+wesen vnnd vber menschliche vernunfft ist, haben sie vorgegeben, die
+schönen Cörper vber vns, Sonne, Monde vnd Sternen, item allerley gutte
+Geister des Himmels wehren Gottes Söhne vnnd Mitgesellen, welche wir
+Menschen vieler grossen wolthaten halber billich ehren solten. Solches
+inhalts werden vieleichte die Bücher des Zoroasters, den Man für einen
+der eltesten Lehrer der göttlichen vnd menschlichen wissenschafft helt,
+gewesen sein, welcher, wie Hermippus bey dem Plinius im ersten Capitel
+des 30. Buches bezeuget, zwantzig mal hundert tausendt Verß von der
+Philosophie hinterlassen hat. Item was Linus, wie Diogenes Laertius
+erwehnet, von erschaffung der Welt, dem lauffe der Sonnen vnd des
+Mondens, vnd von erzeugung der Früchte vorgegeben hat. Dessen werckes
+anfang soll gewesen sein:
+
+ Ἦν ποτέ τοι χρόνος οὗτος ἐν ᾧ ἅμα πάντ' ἐπεφύκει
+
+ Es war die zeit da erstlich in gemein
+ Hier alle ding' erschaffen worden sein.
+
+Neben diesem haben Eumolpus, Museus, Orpheus, Homerus, Hesiodus vnnd
+andere, als die ersten Väter der Weißheit, wie sie Plato nennet, vnd
+aller gutten ordnung, die bäw-[B 2a]rischen vnd fast viehischen Menschen
+zue einem höfflichern vnd bessern leben angewiesen. Dann inn dem sie so
+viel herrliche Sprüche erzehleten, vnd die worte in gewisse reimen vnd
+maß verbunden, so das sie weder zue weit außschritten, noch zue wenig in
+sich hatten, sondern wie eine gleiche Wage im reden hielten, vnd viel
+sachen vorbrachten, welche einen schein sonderlicher propheceiungen vnd
+geheimnisse von sich gaben, vermeineten die einfältigen leute, es müste
+etwas göttliches in jhnen stecken, vnd liessen sich durch die
+anmutigkeit der schönen getichte zue aller tugend vnnd guttem wandel
+anführen. Hat also Strabo vrsache, den Eratosthenes lügen zue heissen,
+welcher, wie viel vnwissende leute heutiges tages auch thun, gemeinet,
+es begehre kein Poete durch vnterrichtung, sondern alle bloß durch
+ergetzung sich angeneme zue machen. +Hergegen+, spricht er Strabo im
+ersten Buche, +haben die alten gesagt, die Poeterey sey die erste
+Philosophie, eine erzieherinn des lebens von jugend auff, welche die art
+der sitten der bewegungen des gemütes vnd alles thuns vnd lassens lehre.
+Ja die vnsrigen+ (er verstehet die Stoischen) +haben darvor gehalten,
+das ein weiser alleine ein Poete sey. Vnd dieser vrsachen wegen werden
+in den Griechischen städten die Knaben zueföderst in der Poesie
+vnterwiesen: nicht nur vmb der blossen erlüstigung willen, sondern damit
+sie die sittsamkeit erlernen.+ Ingleichem stimmet auch Strabo mit dem
+Lactantius vnd andern in diesem ein, es seyen die Poeten viel älter als
+die Philosophen, vnd für weise leute gehalten worden, ehe man von dem
+namen der Weißheit gewust hat: vnnd hetten nachmals Cadmus, Pherecydes,
+vnd Hecatéus der Poeten lehre zwar sonsten behalten, aber die abmessung
+der wörter vnd [B 2b] Verse auffgelöset: biß die folgenden nach vnd nach
+etwas darvon enzogen, vnd die rednerische weise, gleichsam als von einem
+hohen Stande, in die gemeine art vnd forme herab geführet haben. Solches
+können wir auch aus dem abnehmen, das je älter ein Scribent ist, je
+näher er den Poeten zue kommen scheinet. Wie denn Casaubonus saget, das
+so offte er des Herodotus seine Historien lese, es jhn bedüncke, als
+wehre es Homerus selber.
+
+
+
+
+Das III. Capitel.
+
+Von etlichen sachen die den Poeten vorgeworffen werden; vnd derselben
+entschuldigung.
+
+
+AVß oberzehlten sachen ist zue sehen, wie gar vnverstendig die jenigen
+handeln, welche aus der Poeterey nicht weiß ich was für ein geringes
+wesen machen, vnd wo nicht gar verwerffen, doch nicht sonderlich
+achten; auch wol vorgeben, man wisse einen Poeten in offentlichen
+ämptern wenig oder nichts zue gebrauchen; weil er sich in dieser
+angenemen thorheit vnd ruhigen wollust so verteuffe, das er die andern
+künste vnd wissenschafften, von welchen man rechten nutz vnd ehren
+schöpffen kan, gemeiniglich hindan setze. Ja wenn sie einen gar
+verächtlich halten wollen, so nennen sie jhn einen Poeten: wie dann
+_Erasmo Roterodamo_ von groben leuten geschahe. Welcher aber zur antwort
+gab: Er schätzte sich dessen lobes viel zue vnwürdig; denn auch nur ein
+mittelmässiger Poete höher zue halten sey als zehen _Philosophastri_.
+Sie wissen ferner viel von jhren lügen, ärgerlichen schrifften vnd leben
+zue sagen, vnd vermeinen, es sey keiner ein gutter Poete, er musse dann
+zu gleich ein böser Mensch sein. Welches allerseits vngegründetes
+vrtheil ich kaum einer antwort würdig achte; vnnd jhnen alleine für das
+erste zue bedencken gebe, wer Solon, Pythagoras, Socrates, Cicero vnd
+andere gewesen, die sich doch [B 3a] des Poetennamens nie geschämet
+haben. Ich köndte auch sonsten viel vortreffliche leute erzehlen, die
+auff diese kunst (wo ich sie eine kunst nennen soll) jhren höchsten
+fleiß gewendet haben, vnd dennoch dem gemeinen nutze mit vnsterblichem
+lobe vorgegangen sind. So ist auch ferner nichts närrischer, als wann
+sie meinen, die Poeterey bestehe bloß in jhr selber; die doch alle
+andere künste vnd wissenschafften in sich helt. Apuleius nennet den
+Homerus einen viel wissenden vnnd aller dinge erfahrenen Menschen;
+Tertullianus von der Seele: einen Vater der freyen künste. Plato,
+welcher im Tragedien schreiben so weit kommen, das er auch andern kampff
+anbitten dörffen, hat vermischet, wie Proclus von jhm saget, τὴν τε
+Πυθαγόρειον καὶ Σωκρατικὴν ἰδιότητα, die Pythagorische vnnd Socratische
+eigenschafft, hat die Geometrie vom Theodorus Cyreneus, die
+wissenschafft des Gestirnes von den Egyptischen Priestern erlernet, vnd
+ist aller dinge kündig gewesen. So hat man vnsere Musen zue mahlen
+pflegen, als sie mitt zuesammen gehenckten händen in einem reyen
+tantzten, jhnen auch den namen Μοῦσαι, gleichsam als ὁμοῦσαι, gegeben,
+das gemeine bandt vnd verwandschafft aller künste hierdurch an zue
+deuten. Wann auch die verse nur blosse worte sindt, (wiewol das so wenig
+möglich ist, als das der Cörper ohne die Seele bestehen könne) was ist
+es denn das Eratosthenes ein getichte von beschreibung der Welt, so
+Hermus geheissen, das Parmenides vnnd Empedocles von natur der dinge,
+das Seruilius vnd Heliodorus, derer Galenus erwehnet, von der ärtzney
+geschrieben haben? Oder, wer kan leugnen, das nicht Virgilius ein gutter
+Ackersman, Lucretius ein vornemer naturkündiger, Manilius ein Astronomus,
+Lucanus ein Historienschreiber, Oppianus ein Jägermeister, vnd einer vnd
+der andere der Philosophie obristen sein, da sie doch nichts als Poeten
+sein. Es sey denn das wir glauben wollen, Theocritus habe Schaffe
+getrieben, vnd Hesiodus sey hin-[B 3b]ter dem Pfluge gegangen. Doch muß
+ich gleichwol bekennen, das auch an verachtung der Poeterey die jenigen
+nicht wenig schuldt tragen, welche ohn allen danck Poeten sein wollen,
+vnd noch eines theils zum vberfluß, ebener massen wie Julius Cesar seine
+kahle glitze, sie jhre vnwissenheit vnter dem Lorbeerkrantze verdecken.
+Gewißlich wenn ich nachdencke, was von der zeit an, seit die Griechische
+vnd Römische sprachen wieder sind hervor gesucht worden, vor hauffen
+Poeten sind herauß kommen, muß ich mich verwundern, wie sonderlich wir
+Deutschen so lange gedult können tragen, vnd das edele Papir mit jhren
+vngereimten reimen beflecken. Die worte vnd Syllaben in gewisse gesetze
+zue dringen, vnd verse zue schreiben, ist das allerwenigste was in einem
+Poeten zue suchen ist. Er muß ἐυφαντασιωτός, von sinnreichen einfällen
+vnd erfindungen sein, muß ein grosses vnverzagtes gemüte haben, muß hohe
+sachen bey sich erdencken können, soll anders seine rede eine art
+kriegen, vnd von der erden empor steigen. Ferner so schaden auch dem
+gueten nahmen der Poeten nicht wenig die jenigen, welche mit jhrem
+vngestümen ersuchen auff alles was sie thun vnd vorhaben verse fodern.
+Es wird kein buch, keine hochzeit, kein begräbnüß ohn vns gemacht; vnd
+gleichsam als niemand köndte alleine sterben, gehen vnsere gedichte
+zuegleich mit jhnen vnter. Mann wil vns auff allen Schüsseln vnd kannen
+haben, wir stehen an wänden vnd steinen, vnd wann einer ein Hauß ich
+weiß nicht wie an sich gebracht hat, so sollen wir es mit vnsern Versen
+wieder redlich machen. Dieser begehret ein Lied auff eines andern Weib,
+jenem hat von des nachbaren Magdt getrewmet, einen andern hat die
+vermeinte Bulschafft ein mal freundtlich angelacht, oder, wie dieser
+Leute gebrauch ist, viel mehr außgelacht; ja deß närrischen ansuchens ist
+kein ende. Mussen wir also entweder durch abschlagen jhre feindschafft
+erwarten, oder durch willfahren den würden der Poesie einen mercklichen
+abbruch thun. [B 4a] Denn ein Poete kan nicht schreiben wenn er wil,
+sondern wenn er kan, vnd jhn die regung des Geistes welchen Ovidius vnnd
+andere vom Himmel her zue kommen vermeinen, treibet. Diese vnbesonnene
+Leute aber lassen vns weder die rechte zeit noch gelegenheit: wie sich
+denn Politianus in einer epistel hefftig darüber beschwäret, vnd
+Ronsardt, wie Muretus meldet, hat pflegen zue sagen, er empfinde nicht
+so grosse lust wann er seine eigene Liebe beschriebe, als er grossen
+verdruß empfinde, wann er anderer jhre liebe beschreiben muste. Wiewol
+etliche, gemeiniglich aber die schlimmesten, sich selber hierzue
+antragen, vnd den leuten jhre träwme fast einzwingen. Diese meinet
+sonderlich Aristoteles, _Eth. ad Nic. lib. 9. c. 7._ da er saget, das
+sie jhre getichte vber die maße lieb haben, vnd so hertzlich gegen jhnen
+geneiget sein: wie die eltern gegen den kindern. Vnd _Cicero 5. Tusc._
+spricht auch fast auff diesen schlag: _In hoc enim genere nescio quo
+pacto magis quam in aliis suum cuique pulchrum est. adhuc neminem
+cognoui Poetam, & mihi fuit cum Aquinio amicitia, qui sibi non optimus
+videretur._ Das ferner die Poeten mit der warheit nicht allzeit
+vbereinstimmen, ist zum theil oben deßenthalben Vrsache erzehlet worden,
+vnd soll man auch wissen, das die gantze Poeterey im nachäffen der Natur
+bestehe, vnd die dinge nicht so sehr beschreibe wie sie sein, als wie
+sie etwan sein köndten oder solten. Es sehen aber die menschen nicht
+alleine die sachen gerne, welche an sich selber eine ergetzung haben;
+als schöne Wiesen, Berge, Felde, flüße, ziehrlich Weibesvolck vnd
+dergleichen: sondern sie hören auch die dinge mit lust erzehlen, welche
+sie doch zue sehen nicht begehren; als wie Hercules seine Kinder
+ermordet, wie Dido sich selber entleibet, wie die Städte in den brand
+gesteckt werden, wie die pest gantze Länder durchwütet, vnd was sonsten
+mehr bei den Poeten zue finden ist. Dienet also dieses alles zue
+vberredung vnd vnterricht auch ergetzung der Leute; [B 4b] welches der
+Poeterey vornemster zweck ist. Die nahmen der Heidnischen Götter
+betreffendt, derer sich die stattlichsten Christlichen Poeten ohne
+verletzung jhrer religion jederzeit gebrauchet haben, angesehen das
+hierunter gemeiniglich der Allmacht Gottes, welcher die ersten menschen
+nach den sonderlichen wirckungen seiner vnbegreifflichen Maiestet
+vnterschiedene namen gegeben, als das sie, wie Maximus Tyrius meldet,
+durch Minerven die vorsichtigkeit, durch den Apollo die Sonne, durch den
+Neptunus die Lufft welche die Erde vnnd Meer durchstreichet; zue zeiten
+aber vorneme Leute, die wie Cicero im andern buche von den Gesetzen
+saget, vmb jhres vordienstes willen in den Himmel beruffen sein, zue
+zeiten was anders angedeutet wird, ist allbereit hin vnd wieder so viel
+bericht darvon geschehen, das es weiterer außführung hoffentlich nicht
+wird von nöthen sein. Was auch der Poeten Leben angehet, (damit ich mich
+nicht zue lange auffhalte) ist es nicht ohn, das freylich etliche von
+jhnen etwas auß der art schlagen, vnd denen, die in anderer Leute
+mängeln falcken, in jhren eigenen Maulwörffe sein, anlaß geben jhnen
+vbel nach zue reden. Die Vrsache kan wol zum theile sein, das jhre
+Poetische gemüter vnterweilen etwas sicherer vnd freyer sein, als es
+eine vnd andere zeit leidet, vnd nach des volckes Vrtheil nicht viel
+fragen. Zum theile thut auch der wein etwas; sonderlich bey denen,
+welchen Horatius besser gefellt da er schreibet:
+
+ _Prisco si credis, Mæcenas docte, Cratino,
+ Nulla valere diu, nec viuere carmina possunt,
+ Quæ scribuntur aquæ potoribus._
+
+ Mecenas, wil du mir vnd dem Cratinus gleuben,
+ Der der da wasser trinckt kan kein guet carmen schreiben;
+
+Als Pindarus, der stracks im anfange seiner bücher saget: [C 1a] Ἄριστον
+μὲν ὕδωρ, +Das Wasser ist das beste das man findt+. Mit welchem es
+Alceus, Aristophanes, Alcman, Ennius vnd andere nicht gehalten hetten;
+auch Eschilus nicht, dem Sophocles vorgeworffen, der wein hette seine
+Tragedien gemacht, nicht er. Vnd zum theile thut auch zue dem etwas
+nachleßigen wandel mancher Poeten nicht wenig die gemeinschafft etlicher
+alten, die jhre reine sprache mit garstigen epicurischen schrifften
+besudelt, vnd sich an jhrer eigenen schande erlustiget haben. Mit denen
+wir aber vmbgehen mußen wie die bienen, welche jhr honig auß den
+gesunden blumen saugen, vnd die gifftigen Kräuter stehen lassen. Doch
+wie ehrliche, auffrichtige, keusche gemüter (welche von den auch
+keuschen Musen erfodert werden) derer die jhre geschickligkeit mit vblen
+sitten vertunckeln nicht entgelten können, so sind auch nicht alle
+Poeten die von Liebessachen schreiben zue meiden; denn viel vnter jhnen
+so züchtig reden, das sie ein jegliches ehrbares frawenzimmer vngeschewet
+lesen möchte. Man kan jhnen auch deßentwegen wol jhre einbildungen
+lassen, vnd ein wenig vbersehen, weil die liebe gleichsam der wetzstein
+ist an dem sie jhren subtilen Verstand scherffen, vnd niemals mehr
+sinnreiche gedancken vnd einfälle haben, als wann sie von jhrer
+Buhlschafften Himlischen schöne, jugend, freundligkeit, haß vnnd gunst
+reden. Wie dann hiervon der Frantzösischen Poeten Adler Peter Ronsardt
+ein artiges Sonnet geschrieben, welches ich nebenst meiner vbersetzung
+(wiewol dieselbe dem texte nicht genawe zuesaget) hierbey an zue ziehen
+nicht vnterlassen kan:
+
+ _Ah belle liberté, qui me seruois d'escorte,
+ Quand le pied me portoit où libre ie voulois!
+ Ah! que ie te regrette! helas, combien de fois
+ Ay-ie rompu le ioug, que maulgré moy ie porte!_
+
+ _Puis ie l'ay rattaché, estant nay de la sorte,
+ [C 1b] Que sans aimer ie suis & du plomb & du bois,
+ Quand ie suis amoureux i'ay l'esprit & la vois,
+ L'inuention meilleure, & la Muse plus forte._
+
+ _Il me faut donc aimer pour auoir bon esprit,
+ Afin de conceuoir des enfans par escrit,
+ Prolongeant ma memoire aux despens de ma vie._
+
+ _Ie ne veux m'enquerir s'on sent apres la mort:
+ Ie le croy: ie perdroy d'escrire toute enuie:
+ Le bon nom qui nous suit est nostre reconfort._
+
+ Du güldne Freiheit du, mein wünschen vnd begehren,
+ Wie wol doch were mir, im fall ich jederzeit
+ Mein selber möchte sein, vnd were gantz befreyt
+ Der liebe die noch nie sich wollen von mir kehren,
+
+ Wiewol ich offte mich bedacht bin zue erweren.
+ Doch lieb ich gleichwol nicht, so bin ich wie ein scheit,
+ Ein stock vnd rawes bley. die freye dienstbarkeit,
+ Die sichere gefahr, das tröstliche beschweren
+
+ Ermuntert meinen geist, das er sich höher schwingt
+ Als wo der pöfel kreucht, vnd durch die wolcken dringt,
+ Geflügelt mitt vernunfft, vnd mutigen gedancken,
+
+ Drumm geh' es wie es wil, vnd muß ich schon darvon,
+ So vberschreit ich doch des lebens enge schrancken:
+ Der name der mir folgt ist meiner sorgen lohn.
+
+[C 2a] Welchen namen wenn die Poeten nicht zue gewarten hetten, würden
+viel derselben durch die boßheit der Leute, die sie mehr auß neide alß
+billicher vrsache verfolgen, von jhrem löblichen vorsatze zuerücke
+gehalten vnd abgeschreckt werden. Es wird aber bey jhnen nicht stehen,
+vnd ich bin der tröstlichen hoffnung, es werde nicht alleine die
+Lateinische Poesie, welcher seit der vertriebenen langwierigen barbarey
+viel große männer auff geholffen, vngeacht dieser trübseligen zeiten und
+höchster verachtung gelehrter Leute, bey jhrem werth erhalten werden;
+sondern auch die Deutsche, zue welcher ich nach meinem armen vermögen
+allbereit die fahne auffgesteckt, von stattlichen gemütern allso
+außgevbet werden, das vnser Vaterland Franckreich vnd Italien wenig wird
+bevor dörffen geben.
+
+
+
+
+Das IIII. Capitel.
+
+Von der Deutschen Poeterey.
+
+
+VOn dieser Deutschen Poeterey nun zue reden, sollen wir nicht vermeinen,
+das vnser Land vnter so einer rawen vnd vngeschlachten Lufft liege, das
+es nicht eben dergleichen zue der Poesie tüchtige _ingenia_ könne
+tragen, als jergendt ein anderer ort vnter der Sonnen. Wein vnnd früchte
+pfleget man zue Loben von dem orte da sie herkommen sein; nicht die
+gemüter der menschen. Der weise Anacharsis ist in den Scitischen wüsten
+gebohren worden. Die Vornemsten Griechen sind in Egypten, Indien vnd
+Franckreich gereiset, die weißheit zue erlernen. Vnd, vber diß das wir
+so viel Vorneme Poeten, so heutiges tages bey vns erzogen worden, vnter
+augen können stellen, erwehnet Tacitus von den Deutschen in dem buche
+das er von jhnen geschrieben, das ob wol weder Mann noch Weib vnter
+jhnen zue seiner zeit den freyen künsten ob zue liegen pflegeten,
+faßeten sie doch alles was sie im [C 2b] gedächtniß behalten wolten in
+gewisse reimen vnd getichte. Wie er denn in einem andern orte saget, das
+sie viel von des Arminius seinen thaten zue singen pflegeten. Welches
+sie vieleichte den Frantzosen nachgethan haben, bey denen, wie Strabo im
+fünfften buche anzeiget, +Dreyerley Leute waren, die man in sonderlichen
+ehren hielt: _Bardi_, _Vates_ vnnd Druiden. Die Barden sungen
+Lobgetichte vnnd waren Poeten; Die _Vates_ opfferten vnd betrachteten
+die Natur aller dinge; Die Druiden pflegten vber die Natürliche
+Wissenschafft auch von gueten sitten zue vnterrichten.+ Welches auch
+Marcellinus im fünfften buche bekrefftiget: +Die Barden+, saget er,
++haben berümbter männer ritterliche thaten mit heroischen Versen
+beschrieben, vnd mit süßen melodien zue der leyer gesungen+, Vnd
+_Lucanus_ im ersten buche des bürgerlichen Krieges:
+
+ _Vos quoque qui fortes animas belloque peremptas
+ Laudibus in longum vates demittitis æuum,
+ Plurima securi fudistis carmina Bardi._
+
+Das ich der meinung bin, die Deutschen haben eben dieses im gebrauche
+gehabt, bestetiget mich, vber das was Tacitus meldet, auch der alten
+Cimbrer oder Dänen ebenmäßiger gebrauch, die von jhren Helden schöne und
+geistreiche Lieder ertichtet haben, deren nicht wenig von alten jahren
+her in Dennemarck noch verhanden sind, vnd von vielen gesungen werden.
+So ist auch Hiarnes bey jhnen einig vnnd alleine deßentwegen zum
+Königreiche kommen, weil er dem vorigen Könige zue ehren ein solch
+grabgetichte gemacht, das vor allen andern den preiß behalten.
+
+[C 3a] Vnd vber diß, sind doch eines vngenannten Freyherrens von Wengen,
+Juncker Winsbeckens, Reinmars von Zweter, der ein Pfältzischer vom Adel
+vnd bey Keyser Friedrichen dem ersten vnd Heinrichen dem sechsten
+auffgewartet hatt, Marners auch eines Edelmannes, Meister Sigeherrens,
+vnd anderer sachen noch verhanden, die manchen stattlichen Lateinischen
+Poeten an erfindung vnd ziehr der reden beschämen. Ich wil nur auß dem
+Walter von der Vogelweide, Keyser Philipses geheimen rahte, den Goldast
+anzeucht, einen einigen ort setzen; darauß leichtlich wird zue sehen
+sein, wie hoch sich selbige vorneme Männer, vngeachtet jhrer adelichen
+ankunfft vnd standes, der Poeterey angemaßet:
+
+ Nun sende vns Vater vnd Suhn den rechten Geist heraben,
+ Das wir mit deiner süssen füchte ein dürres hertze erlaben.
+ Vnkristenlichen dingen ist al al dui kristenheit so vol,
+ Swa kristentum ze siechhus lit da tut man jhm nicht wol.
+ Ihn dürstet sehre
+ Nach der lehre
+ Als er vom Rome was gewon,
+ Der jhn da schancte
+ Vnd jhn da trancte
+ Als é da wurde er varende von.
+ Swas im da leides je gewar
+ Das kam von Symonis gar.
+ Vnd ist er da so fründebar
+ Das er engetar
+ [C 3b] Nicht sin schaden genügen.
+ Kristentum vnd Kristenheit
+ Der disü zwei zusamme sueit
+ Gelih lanc, gelih breit,
+ Lieb vnd leit
+ Der wolte auch das wir trügen
+ In kriste Kristenliches leben
+ Sit er vns vf eine gegeben
+ So suln wir vns nicht scheiden, &c.
+
+Das nun von langer zeit her dergleichen zue vben in vergessen gestellt
+ist worden, ist leichtlicher zue beklagen, als die vrsache hiervon zue
+geben. Wiewol auch bey den Italienern erst Petrarcha die Poeterey in
+seiner Muttersprache getrieben hat, vnnd nicht sehr vnlengst Ronsardus;
+von deme gesaget wird, das er, damit er sein Frantzösisches desto besser
+außwürgen köndte, mit der Griechen schrifften gantzer zwölff jahr sich
+vberworffen habe; als von welchen die Poeterey jhre meiste Kunst, art
+vnd liebligkeit bekommen. Vnd muß ich nur bey hiesiger gelegenheit ohne
+schew dieses errinnern, das ich es für eine verlorene arbeit halte, im
+fall sich jemand an vnsere deutsche Poeterey machen wolte, der, nebenst
+dem das er ein Poete von natur sein muß, in den griechischen vnd
+Lateinischen büchern nicht wol durchtrieben ist, vnd von jhnen den
+rechten grieff erlernet hat; das auch alle die lehren, welche sonsten
+zue der Poesie erfodert werden, vnd ich jetzund kürtzlich berühren wil,
+bey jhm nichts verfangen können.
+
+
+
+
+Das V. Capitel.
+
+[C 4a] Von der zuegehör der Deutschen Poesie, vnd erstlich von der
+invention oder erfindung, vnd Disposition oder abtheilung der dinge von
+denen wir schreiben wollen.
+
+
+WEil die Poesie, wie auch die Rednerkunst, in dinge vnd worte
+abgetheilet wird; als wollen wir erstlich von erfindung vnd eintheilung
+der dinge, nachmals von der zuebereitung vnd ziehr der worte, vnnd
+endtlich vom maße der sylben, Verse, reimen, vnnd vnterschiedener art
+der _carminum_ vnd getichte reden.
+
+Die erfindung der dinge ist nichts anders als eine sinnreiche faßung
+aller sachen die wir vns einbilden können, der Himlischen vnd
+jrrdischen, die Leben haben vnd nicht haben, welche ein Poete jhm zue
+beschreiben vnd herfür zue bringen vornimpt: darvon in seiner Idea
+Scaliger außfürlich berichtet. An dieser erfindung henget stracks die
+abtheilung, welche bestehet in einer füglichen vnd artigen ordnung der
+erfundenen sachen. Hier mußen wir vns besinnen, in was für einem _genere
+carminis_ vnd art der getichte (weil ein jegliches seine besondere
+zuegehör hat) wir zue schreiben willens sein.
+
+Ein Heroisch getichte (das gemeiniglich weitleufftig ist, vnd von hohem
+wesen redet) soll man stracks von seinem innhalte vnd der Proposition
+anheben; wie Virgilius in den büchern vom Ackerbawe thut:
+
+ _Quid faciat lætas segetes, quo sidere terram
+ Vertere, Mæcenas, vlmisque adiungere vites
+ Conueniat; quæ cura boum, qui cultus habendo
+ Sit pecori, atque apibus quanta experientia parcis,
+ Hinc canere incipiam._
+
+Vnd ich (wiewol ich mich schäme, das ich in mangel ande-[C 4b]rer
+deutschen exempel mich meiner eigenen gebrauchen soll, weil mir meine
+wenigkeit vnd vnvermögen wol bewust ist) in dem ersten buche der noch
+vnaußgemachten Trostgetichte in Wiederwertigkeit des Krieges:
+
+ Des schweren Krieges last den Deutschland jetzt empfindet,
+ Vnd das Gott nicht vmbsonst so hefftig angezündet
+ Den eifer seiner macht, auch wo in solcher pein
+ Trost her zue holen ist, soll mein getichte sein.
+
+Nachmals haben die heiden jhre Götter angeruffen, das sie jhnen zue
+vollbringung des werckes beystehen wollen: denen wir Christen nicht
+allein folgen, sondern auch an frömigkeit billich sollen vberlegen sein.
+Virgilius spricht weiter an gedachtem orte:
+
+ _Vos, o clarissima mundi
+ Lumina, labentem cœlo quæ ducitis annum,
+ Liber, & alma Ceres, &c._
+
+Vnd ich:
+
+ Diß hab ich mir anjetzt zue schreiben fürgenommen.
+ Ich bitte wollest mir geneigt zue hülffe kommen
+ Du höchster trost der welt, du zueversicht in not,
+ Du Geist von GOtt gesandt, ia selber wahrer GOtt.
+
+ Gieb meiner Zungen doch mit deiner glut zue brennen,
+ Regiere meine faust, vnd laß mich glücklich rennen
+ Durch diese wüste bahn, durch dieses newe feldt,
+ Darauff noch keiner hat für mir den fuß gestelt.
+
+Wiewol etliche auch stracks zue erste die anruffung setzen. Als
+Lucretius:
+
+ [D 1a] _Aeneadum genetrix, hominum diuumque voluptas,
+ Alma Venus, &c._
+
+Vnd Wilhelm von Sallust in seiner andern woche:
+
+ _Grand Dieu, qui de ce Tout m'as fait voir la naissance,
+ Descouure son berceau, monstre-moy son enfance.
+ Pourmeine mon esprit par les fleuris destours
+ Des vergers doux-flairans, où serpentoit le cours
+ De quatre viues eaux: conte-moy quelle offence
+ Bannit des deux Edens Adam, & sa semence._
+
+ Gott, der du mich der welt geburt hast sehen lassen,
+ Laß mich nun jhre wieg' vnd kindheit jetzt auch fassen,
+ Vnd meinen Geist vnd sinn sich in dem kreiß' ergehn
+ Der gärte vol geruchs, hier wo vier flüsse schön'
+ Hinrauschen mitten durch: erzehl vmb was für sachen
+ Sich Adam vnd sein sam' auß Eden muste machen.
+
+Doch ist, wie hier zue sehen, in der anruffung allzeit die proposition
+zuegleich begrieffen. Auff dieses folget gemeiniglich die dedication;
+wie Virgilius seine _Georgica_ dem Keiser Augustus zuegeschrieben. Item
+die vrsache, warumb man eben dieses werck vor sich genommen: wie im
+dritten buche vom Ackerbawe zue sehen:
+
+ +_Cetera, quæ vacuas tenuissent carmina mentes,
+ Omnia, jam vulgata_+;
+
+vnd wie folget. Dem ich in den Trostgetichten auch habe nachkommen
+wollen:
+
+ Das ander ist bekandt. wer hat doch nicht geschrieben
+ [D 1b] Von Venus eitelkeit, vnd von dem schnöden lieben,
+ Der blinden jugendt lust? wer hat noch nie gehört
+ Wie der Poeten volck die grossen Herren ehrt,
+
+ Erhebt sie an die lufft, vnd weiß herauß zue streichen
+ Was besser schweigens werth, lest seine feder reichen
+ Wo Menschen tapfferkeit noch niemals hin gelangt,
+ Macht also das die welt mit bloßen lügen prangt?
+
+ Wer hat zue vor auch nicht von riesen hören sagen,
+ Die Waldt vnd Berg zuegleich auff einen orth getragen,
+ Zue stürtzen Jupitern mit aller seiner macht,
+ Vnnd was des wesens mehr? nun ich bin auch bedacht
+
+ Zue sehen ob ich mich kan auß dem staube schwingen,
+ Vnd von der dicken schar des armen volckes dringen
+ So an der erden klebt. ich bin begierde voll
+ Zue schreiben wie man sich im creutz' auch frewen soll,
+
+ Sein Meister seiner selbst. ich wil die neun Göttinnen,
+ Die nie auff vnser deutsch noch haben reden können,
+ Sampt jhrem Helicon mit dieser meiner handt
+ Versetzen allhieher in vnser Vaterlandt.
+
+ Vieleichte werden noch die bahn so ich gebrochen,
+ Geschicktere dann ich nach mir zue bessern suchen,
+ [D 2a] Wann dieser harte krieg wird werden hingelegt,
+ Vnd die gewündschte rhue zue Land vnd Meer gehegt.
+
+Das getichte vnd die erzehlung selber belangend, nimpt sie es nicht so
+genawe wie die Historien, die sich an die zeit vnd alle vmbstende
+nothwendig binden mußen, vnnd wiederholet auch nicht, wie Horatius
+erwehnet, den Troianischen krieg von der Helenen vnd jhrer brüder geburt
+an: lest viel außen was sich nicht hin schicken wil, vnd setzet viel das
+zwar hingehöret, aber newe vnd vnverhoffet ist, vntermenget allerley
+fabeln, historien, Kriegeskünste, schlachten, rathschläge, sturm,
+wetter, vnd was sonsten zue erweckung der verwunderung in den gemütern
+von nöthen ist; alles mit solcher ordnung, als wann sich eines auff das
+andere selber allso gebe, vnnd vngesucht in das buch keme. Gleichwol
+aber soll man sich in dieser freyheit zue tichten vorsehen, das man
+nicht der zeiten vergeße, vnd in jhrer warheit irre. Wiewol es
+Virgilius, da er vorgegeben, Eneas vnd Dido hetten zue einer zeit
+gelebet, da doch Dido hundert jahr zuevor gewesen, dem Keyser vnd
+Römischen volcke, durch welches die stadt Carthago bezwungen worden, zue
+liebe gethan, damit er gleichsam von den bösen flüchen der Dido einen
+anfang der feindschafft zwischen diesen zweyen mächtigen völckern
+machte. Ob aber bey vns Deutschen so bald jemand kommen möchte, der sich
+eines vollkommenen Heroischen werckes vnterstehen werde, stehe ich sehr
+im zweifel, vnnd bin nur der gedancken, es sey leichtlicher zue
+wündschen als zue hoffen.
+
+Die Tragedie ist an der maiestet dem Heroischen getichte gemeße, ohne
+das sie selten leidet, das man geringen standes personen vnd schlechte
+sachen einführe: weil sie nur von Königlichem willen, Todtschlägen,
+verzweiffelungen, Kinder- vnd Vätermörden, brande, blutschanden, kriege
+vnd auffruhr, kla-[D 2b]gen, heulen, seuffzen vnd dergleichen handelt.
+Von derer zugehör schreibet vornemlich Aristoteles, vnd etwas
+weitleufftiger Daniel Heinsius; die man lesen kan.
+
+Die Comedie bestehet in schlechtem wesen vnnd personen; redet von
+hochzeiten, gastgeboten, spielen, betrug vnd schalckheit der knechte,
+ruhmrätigen Landtsknechten, buhlersachen, leichtfertigkeit der jugend,
+geitze des alters, kupplerey vnd solchen sachen, die täglich vnter
+gemeinen Leuten vorlauffen. Haben derowegen die, welche heutiges tages
+Comedien geschrieben, weit geirret, die Keyser vnd Potentaten
+eingeführet; weil solches den regeln der Comedien schnurstracks
+zuewieder laufft.
+
+Zue einer Satyra gehören zwey dinge: die lehre von gueten sitten vnd
+ehrbaren wandel, vnd höffliche reden vnd schertzworte. Jhr vornemstes
+aber vnd gleichsam als die seele ist, die harte verweisung der laster
+vnd anmahnung zue der tugend: welches zue vollbringen sie mit allerley
+stachligen vnd spitzfindigen reden, wie mit scharffen pfeilen, vmb sich
+scheußt. Vnd haben alle Satyrische scribenten zum gebrauche, das sie
+vngeschewet sich vor feinde aller laster angeben, vnd jhrer besten
+freunde ja jhrer selbst auch nicht verschonen, damit sie nur andere
+bestechen mögen: wie es denn alle drey Horatius, Juuenalis vnnd Persius
+meisterlich an den tag gegeben.
+
+Das Epigramma setze ich darumb zue der Satyra, weil die Satyra ein lang
+Epigramma, vnd das Epigramma eine kurtze Satyra ist: denn die kürtze ist
+seine eigenschafft, vnd die spitzfindigkeit gleichsam seine seele vnd
+gestallt; die sonderlich an dem ende erscheinet, das allezeit anders als
+wir verhoffet hetten gefallen soll: in welchem auch die spitzfindigkeit
+vornemlich bestehet. Wiewol aber das Epigramma aller sachen vnnd wörter
+fähig ist, soll es doch lieber in Venerischem wesen, vberschrifften der
+begräbniße vnd gebäwe, Lobe vornemer Männer vnd Frawen, kurtzweiligen
+schertzreden vnnd anderem, es sey was [D 3a] es wolle, bestehen, als in
+spöttlicher hönerey vnd auffruck anderer leute laster vnd gebrechen.
+Denn es ist eine anzeigung eines vnverschämten sicheren gemütes, einen
+jetwedern, wie vnvernünfftige thiere thun, ohne vnterscheidt anlauffen.
+
+Die Eclogen oder Hirtenlieder reden von schaffen, geißen, seewerck,
+erndten, erdgewächsen, fischereyen vnnd anderem feldwesen; vnd pflegen
+alles worvon sie reden, als von Liebe, heyrathen, absterben,
+buhlschafften, festtagen vnnd sonsten auff jhre bäwrische vnd
+einfältige art vor zue bringen.
+
+In den Elegien hat man erstlich nur trawrige sachen, nachmals auch
+buhlergeschäffte, klagen der verliebten, wündschung des todes, brieffe,
+verlangen nach den abwesenden, erzehlung seines eigenen Lebens vnnd
+dergleichen geschrieben; wie dann die meister derselben, Ouidius,
+Propertius, Tibullus, Sannazar, Secundus, Lotichius vnd andere
+außweisen.
+
+Das ich der Echo oder des Wiederruffes zue ende der wörter gedencke,
+thue ich erstlich dem Dousa zue ehren, welcher mit etlichen solchen
+getichten gemacht hat, das wir etwas darvon halten; wiewol das so
+Secundus geschrieben (wie alle andere seine sachen) auch sehr artlich
+ist: darnach aber, weil ich sehe, das sie bey den Frantzosen gleichfalls
+im gebrauche sein; bey denen man sich ersehen kan. So sind jhrer auch
+zwey in meinen deutschen _Poematis_, die vnlengst zue Straßburg auß
+gegangen, zue finden. Welchen buches halben, das zum theil vor etlichen
+jahren von mir selber, zum theil in meinem abwesen von andern vngeordnet
+vnd vnvbersehen zuesammen gelesen ist worden, ich alle die bitte denen
+es zue gesichte kommen ist, sie wollen die vielfältigen mängel vnd
+irrungen so darinnen sich befinden, beydes meiner jugend, (angesehen das
+viel darunter ist, welches ich, da ich noch fast ein knabe gewesen,
+geschrieben habe) vnnd dann denen zuerechnen, die auß keiner bösen
+meinung meinen gueten namen dadurch zue erweitern bedacht ge-[D 3b]wesen
+sein. Ich verheiße hiermitt, ehestes alle das jenige, was ich von
+dergleichen sachen bey handen habe, in gewiße bücher ab zue theilen, vnd
+zue rettung meines gerüchtes, welches wegen voriger vbereileten edition
+sich mercklich verletzt befindet, durch offentlichen druck jedermann
+gemeine zue machen.
+
+Hymni oder Lobgesänge waren vorzeiten, die sie jhren Göttern vor dem
+altare zue singen pflagen, vnd wir vnserem GOtt singen sollen.
+Dergleichen ist der lobgesang den Heinsius vnserem erlöser, vnd der den
+ich auff die Christnacht geschrieben habe. Wiewol sie auch zuezeiten
+was anders loben; wie bey dem Ronsard ist der Hymnus der Gerechtigkeit,
+Der Geister, des Himmels, der Sternen, der Philosophie, der vier
+Jahreszeiten, des Goldes, &c.
+
+Sylven oder wälder sind nicht allein nur solche _carmina_, die auß
+geschwinder anregung vnnd hitze ohne arbeit von der hand weg gemacht
+werden, von denen Quintilianus im dritten Capitel des zehenden buches
+saget: _Diuersum est huic eorum vitium, qui primùm discurrere per
+materiam stylo quàm velocissimo volunt, & sequentes calorem atque
+impetum ex tempore scribunt: Hoc syluam vocant_; vnd wie an den schönen
+_syluis_ die _Statius_ geschrieben zue sehen ist, welche er in der
+Epistel für dem ersten buche nennet _libellos qui subito calore & quadam
+festinandi voluptate ipsi fluxerant_: sondern, wie jhr name selber
+anzeiget, der vom gleichniß eines Waldes, in dem vieler art vnd sorten
+Bäwme zue finden sindt, genommen ist, sie begreiffen auch allerley
+geistliche vnnd weltliche getichte, als da sind Hochzeit- vnd
+Geburtlieder, Glückwündtschungen nach außgestandener kranckheit, item
+auff reisen, oder auff die zuerückkunft von denselben, vnd dergleichen.
+
+Die Lyrica oder getichte die man zur Music sonderlich gebrauchen kan,
+erfodern zueföderst ein freyes lustiges gemüte, vnd wollen mit schönen
+sprüchen vnnd lehren häuffig geziehret [D 4a] sein: wieder der andern
+Carminum gebrauch, da man sonderliche masse wegen der sententze halten
+muß; damit nicht der gantze Cörper vnserer rede nur lauter augen zue
+haben scheine, weil er auch der andern glieder nicht entberen kan. Jhren
+inhalt betreffendt, saget Horatius:
+
+ _Musa dedit fidibus diuos, puerosque deorum
+ Et pugilem victorem, & equum certamine primum,
+ Et iuuenum curas, & libera vina referre._
+
+Er wil so viel zue verstehen geben, das sie alles was in ein kurtz
+getichte kan gebracht werden beschreiben können; buhlerey, täntze,
+banckete, schöne Menscher, Gärte, Weinberge, lob der mässigkeit,
+nichtigkeit des todes, &c. Sonderlich aber vermahnung zue der
+fröligkeit: welchen inhalts ich meiner Oden eine, zue beschliessung
+dieses Capitels, setzen wil:
+
+ ~Ode.~
+
+ Ich empfinde fast ein grawen
+ Das ich, Plato, für vnd für
+ Bin gesessen vber dir;
+ Es ist zeit hienauß zue schawen,
+ Vnd sich bei den frischen quellen
+ In dem grünen zue ergehn,
+ Wo die schönen Blumen stehn,
+ Vnd die Fischer netze stellen.
+
+ Worzue dienet das studieren,
+ Als zue lauter vngemach?
+ Vnter dessen laufft die Bach
+ Vnsers lebens das wir führen,
+ Ehe wir es innen werden,
+ [D 4b] Auff jhr letztes ende hin;
+ Dann kömpt (ohne geist vnd sinn),
+ Dieses alles in die erden.
+
+ Hola, Junger, geh' vnd frage
+ Wo der beste trunck mag sein;
+ Nim den Krug, vnd fülle Wein.
+ Alles trawren leidt vnd klage,
+ Wie wir Menschen täglich haben
+ Eh' vns Clotho fortgerafft
+ Wil ich in den süssen safft
+ Den die traube giebt vergraben.
+
+ Kauffe gleichfals auch melonen,
+ Vnd vergiß des Zuckers nicht;
+ Schawe nur das nichts gebricht.
+ Jener mag der heller schonen,
+ Der bey seinem Gold vnd Schätzen
+ Tolle sich zue krencken pflegt
+ Vnd nicht satt zue bette legt;
+ Ich wil weil ich kan mich letzen.
+
+ Bitte meine guete Brüder
+ Auff die music vnd ein glaß
+ Nichts schickt, dünckt mich, nicht sich baß
+ Als guet tranck vnd guete Lieder.
+ Laß ich gleich nicht viel zue erben,
+ Ey so hab' ich edlen Wein;
+ Wil mit andern lustig sein,
+ Muß ich gleich alleine sterben.
+
+
+
+
+[E 1a] Das VI. Capitel.
+
+Von der zuebereitung vnd ziehr der worte.
+
+
+NAch dem wir von den dingen gehandelt haben, folgen jetzund die worte;
+wie es der natur auch gemeße ist. Denn es muß ein Mensch jhm erstlich
+etwas in seinem gemüte fassen, hernach das was er gefast hat außreden.
+Die worte bestehen in dreyerley; inn der elegantz oder ziehrligkeit, in
+der _composition_ oder zuesammensetzung, vnd in der dignitet vnd
+ansehen.
+
+Die ziehrligkeit erfodert das die worte reine vnd deutlich sein. Damit
+wir aber reine reden mögen, sollen wir vns befleissen deme welches wir
+Hochdeutsch nennen besten vermögens nach zue kommen, vnd nicht derer
+örter sprache, wo falsch geredet wird, in vnsere schrifften vermischen:
+als da sind, +es geschach+, für, +es geschahe+, +er sach+, für, +er
+sahe+; +sie han+, für +sie haben+ vnd anderes mehr: welches dem reime
+auch bißweilen außhelffen sol; als:
+
+ Der darff nicht sorgen für den spot,
+ Der einen schaden krieget hot.
+
+So stehet es auch zum hefftigsten vnsauber, wenn allerley Lateinische,
+Frantzösische, Spanische vnnd Welsche wörter in den text vnserer rede
+geflickt werden; als wenn ich wolte sagen:
+
+ Nennt an die _courtoisie_, vnd die _deuotion_,
+ Die euch ein _cheualier_, _madonna_, thut erzeigen:
+ Ein' handvol von _fauor_ _petirt_ er nur zue lohn,
+ Vnd bleibet ewer Knecht vnd _seruiteur_ gantz eigen.
+
+Wie selttzam dieses nun klinget, so ist nichts desto weniger die
+thorheit innerhalb kurtzen Jharen so eingeriessen, das ein jeder, [E 1b]
+der nur drey oder vier außländische wörter, die er zum offtern nicht
+verstehet, erwuscht hat, bey aller gelegenheit sich bemühet dieselben
+herauß zue werffen, Da doch die Lateiner eine solche abschew vor
+dergleichen getragen, das in jhren versen auch fast kein griechisch wort
+gefunden wird, das zwar gantz griechisch ist. Dann Juuenalis setzet inn
+einem orte ζωὴ καὶ ψυχή, eben dieselben auß zue lachen, die sich in
+jhren buhlereyen mit griechischen wörtern behelffen: in dem andern orte
+aber thut er es darumb, das er die schändliche sünde, daran Christen
+auch nicht gedencken sollen, lateinisch auß zuesprechen abschew treget:
+wiewol er sonsten kein blat für das maul nimpt. Was aber die _nomina
+propria_ oder eigentlichen namen der Götter, Männer vnd Weiber vnd
+dergleichen betrifft, dürffen wir nach art der Lateiner vnd Griechen
+jhre casus nicht in acht nemen, sondern sollen sie so viel möglich auff
+vnsere endung bringen. Als, ich mag künlich nach der Deutschen gebrauche
+sagen:
+
+ Der schnelle plitz, des Jupiters geschoß,
+
+vnd nicht, +des Jouis+. Item, +der Venus pfeile+, nicht +veneris+. Wie
+es denn auch die Römer mit den griechischen wörtern machen. Die
+Frantzosen gleichfals. Bartaß in seinem Buche, dem er den titel die
+Herrligkeit gegeben:
+
+ _Vn grand Gymnosophiste, vn Druyde, vn Brachman._
+
+Item die Hollender. Als Heinsius:
+
+ van daer is zij gegaen
+ By Thetis haer vrindin, en sprack Neptunus aen.
+
+Doch können wir anfanges, weil es in vieler ohren noch etwas harte
+lautet, etliche lateinische endungen noch gebrauchen, biß wir in die
+gewonheit kommen sind. Als wenn ich der Erinnen, die Stobeus anzeucht,
+verß geben wollte.
+
+ Χαῖρέ μοι Ῥώμα θυγάτηρ Ἄρηος,
+
+mag ich wol setzen:
+
+[E 2a] +O Rom, des Martis kind, sey sehr gegrüßt von mir+; denn im fall
+ich spreche, +O Rom, du kind des Mars+, möchte es vielen zue anfange
+seltzam vorkommen.
+
+Die _diphthongi_ oder doppeltlautenden Buchstaben, weil sie bey vns
+nicht vblich, dürffen nur mit dem selblautenden buchstaben geschrieben
+werden, dessen thon sie haben; als +Enéas+, +Eschylus+, +Mecenas+ &c.
+
+Newe wörter, welches gemeiniglich _epitheta_, derer wir bald gedencken
+werden, vnd von andern wörtern zuesammen gesetzt sindt, zue erdencken,
+ist Poeten nicht allein erlaubet, sondern macht auch den getichten, wenn
+es mässig geschiehet, eine sonderliche anmutigkeit. Als wenn ich die
+nacht oder die Music eine arbeittrösterinn, eine kummerwenderinn, die
+Bellona mit einem dreyfachen worte kriegs-blut-dürstig, vnd so fortan
+nenne. Item den Nortwind einen wolckentreiber, einen felssen stürmer vnd
+meerauffreitzer: wie jhn Ronsardt (denn die Frantzosen nechst den
+Griechen hierinnen meister sindt) im 202. Sonnet seines andern buches
+der Buhlersachen heisset:
+
+ _Fier Aquilon horreur de la Scythie,
+ Le chasse-nue, & l'esbransle-rocher,
+ L'irrite-mer._
+
+Welches auß dem _Ouidio_ genommen ist.
+
+ _Apta mihi vis est, hac tristia nubila pello,
+ Hac freta concutio, nodosaque robora verto._
+
+Solches stehet auch an seinem orte bey den Lateinern nicht vbel; als da
+Catullus saget in seinem vberauß schönen getichte vom Atys:
+
++_Vbi cerua syluicultrix, vbi aper nemoriuagus_+ Vnd Publius Syrus von
+dem storche:
+
+ _Pietaticultrix, gracilipes, crotalistria,
+ Auis exulhiemis._
+
+[E 2b] In welchen erfindungen Joseph Scaliger zue vnserer zeit meines
+bedünckens alle andere, auch die alten selber, vbertroffen.
+
+Darbey aber vns Deutschen diß zue mercken ist, das das _nomen verbale_,
+als treiber, stürmer, auffreitzer, &c. allzeit, wie bey den Lateinern,
+muß hinten gesetzt werden; wieder der Frantzosen gebrauch, derer sprache
+es nicht anders mit sich bringt. So Heinsius in dem Lobgetichte des
+Weingottes, welches er auch zum theil von dem Ronsardt entlehnet:
+
+ Nacht-looper, Heupe-soon, Hooch-schreeuwer, Groote-springer,
+ Goet-geuer, Minne-vrient, Hooft-breker, Leeuwen-dwinger,
+ Hert-vanger, Herßen-dief, Tong-binder, Schudde-dol,
+ Geest-roerder, Waggel-voet, Staet-kruijßer, Altijet-vol.
+
+Vnd nach meiner verdolmetschung:
+
+ Nacht-leuffer, Hüffte-sohn, Hoch-schreyer, Lüfften-springer,
+ Guet-geber, Liebesfreundt, Haupt-brecher, Löwen-zwinger,
+ Hertz-fänger, Hertzen-dieb, Mund-binder, Sinnen-toll,
+ Geist-rhürer, wackel-fuß, Stadt-kreischer, Allzeit-voll.
+
+Wie denn auch sonsten die _epitheta_ bey vns gar ein vbel außsehen
+haben, wenn sie hinter jhr _substantiuum_ gesetzet werden, als: +Das
+mündlein roht+, +der Weltkreiß rund+, +die hände fein+; für: +das rothe
+mündlein+, +der [E 3a] runde Weltkreiß+, +die feinen hände+, &c. wiewol
+bey vnsern reimenmachern nichts gemeiner ist.
+
+So bringen auch die Frantzosen newe _Verba_ herfür, welche, wenn sie mit
+bescheidenheit gesetzet werden, nicht vnartig sind. Als Ronsardt
+brauchet in einer Elegie an die Caßandra, das wort _Petrarquiser_, das
+ist, wie Petrarcha buhlerische reden brauchen:
+
+ _Apprendre l'art de bien Petrarquiser._
+
+Vnd ich habe es jhm mit einem anderen worte nachgethan, da ich die Leyer
+anrede:
+
+ Jetzt solt du billich mehr als wol,
+ O meine lust, Pindarisiren.
+
+Ich darff aber darumb nicht bald auß dem Frantzösischen sagen:
+_approchiren_, _marchiren_; oder auß dem Lateine: _dubitiren_,
+_seruiren_; _gaudiren_, wie zwar die zue thun pflegen, die eher jhre
+Muttersprache verterben, als das sie nicht wollen sehen laßen, das sie
+auch was frembdes gelernet haben.
+
+Wie nun wegen reinligkeit der reden frembde wörter vnnd dergleichen
+mußen vermieden werden; so muß man auch der deutligkeit halben sich für
+alle dem hüten, was vnsere worte tunckel vnd vnverstendtlich macht. Als
+wann ich sagen wollte: +Das weib das thier ergrieff+. Hier were zue
+zweiffeln, ob das weib vom thiere, oder das thier vom weibe were
+ergrieffen worden: welches die Griechen eine ἀμφιβολίαν nennen.
+
+Der πλεονασμὸς, da etwas vbriges gesaget wird, verstellet auch die rede
+zue weilen nicht wenig. Als wann ich spreche:
+
+ Ein schwartzes Kind das nicht war weiß;
+
+weil es sich wol ohne diß verstehet. So wie Pansa sagete: Das Kind were
+von der Mutter zehen monat im leibe getragen worden: fragete Cicero: ob
+andere weiber die kinder im rocke trügen. Doch hilfft bißweilen das was
+vbrig hinzue gesetzet wird auch zu [E 3b] auffmutzung der rede. So saget
+Virgilius:
+
+ _Vocemque his auribus hausi._
+
+ Mit meinen ohren hab' ich es vernommen;
+
+zue mehrer bestetigung deßen das er erzehlet.
+
+Die ἀναστροφὴ oder verkehrung der worte stehet bey vns sehr garstig,
+als: +Den sieg die Venus kriegt+; für: +Die Venus kriegt den sieg+.
+Item: +Sich selig dieser schätzen mag+; für: +Dieser mag sich selig
+schätzen+. Vnnd so offte dergeleichen gefunden wird, ist es eine gewiße
+anzeigung, das die worte in den verß gezwungen vnd gedrungen sein.
+
+Auff die außlesung der worte, sagen wir nun billich auch von jhrer
+zuesammensetzung; wie wir nemlich die buchstaben, syllaben vnd wörter
+aneinander fügen sollen.
+
+Weil ein buchstabe einen andern klang von sich giebet als der andere,
+soll man sehen, das man diese zum offteren gebrauche, die sich zue der
+sache welche wir für vns haben am besten schicken. Als wie Virgilius von
+dem berge Etna redet, brauchet er alles harte vnd gleichsam knallende
+buchstaben:
+
+ _Vidimus vndantem ruptis fornacibus Aetnam
+ Flammarumque globos, liquefactaque voluere saxa_
+
+ wie Etna, wenn er strewet
+ Die flammen in die lufft, vnd siedend' hartz außspeyet,
+ Vnd durch den holen schlund bald schwartze wolcken bläßt,
+ Bald gantze klüfften stein' vnd kugeln fliegen lest.
+
+Heinsius saget:
+
+ Gelyck als Etna schiet vyt haere diepe kolcken
+ Een grondeloose zee van vlammen in de wolcken.
+
+So, weil das L vnd R fließende buchstaben sein kan ich mir [E 4a] sie in
+beschreibung der bäche vnd wäßer wol nütze machen, als:
+
+ Der klare brunnen quilt mitt lieblichem gerausche &c.
+
+Wie nun bißweilen eine solche zuesammenstoßung der buchstaben recht vnd
+guet ist; soll man sie doch sonsten mitt einander so wißen zue
+vermengen, das nicht die rede dadurch gar zue raw oder zue linde werde.
+Eben dieses ist es auch, wann eine syllabe oder wort zue offte
+wiederholet wird; als: +Die die dir diese dinge sagen+.
+
+Item, Es siehet nicht wol auß, wenn ein Verß in lauter eynsylbigen
+wörtern bestehet. Deßen exempel Ronsard giebet:
+
+ _Ie vy le ciel si beau, si pur et net._
+
+Wiewol wir deutschen, wegen der menge der einsylbigen wörter die wir
+haben, es zuezeiten kaum vermeiden können.
+
+Hergegen sollen die verß, sonderlich die Masculini (wie wir sie im
+folgenden Capitel nennen werden) sich nicht mit viel sylbigen wörtern
+enden.
+
+ Ich wil euch williglich mit vnterthänigkeit.
+ Zue dienste sein, Hertzlieb, bey der gelegenheit.
+
+Dann die verß gar zue grob vnd harte dadurch gemacht werden.
+
+Das ansehen vnd die dignitet der Poetischen rede anlangt, bestehet
+dieselbe in den _tropis_ vnnd _schematibus_, wenn wir nemblich ein wort
+von seiner eigentlichen bedeutung auff eine andere ziehen. Dieser
+figuren abtheilung, eigenschafft vnd zuegehör allhier zue beschreiben,
+achte ich darumb vnvonnöthen, weil wir im deutschen hiervon mehr nicht
+als was die Lateiner zue mercken haben, vnd also genungsamen vnterricht
+hiervon neben den exempeln aus Scaligers vnnd anderer gelehrten leute
+büchern nemen können. Dessen wil ich nur erinnern, das für allen dingen
+nötig sey, höchste möglichkeit zue versuchen, wie man die _epitheta_; an
+denen bißher bey vns grosser mangel ge-[E 4a]wesen, sonderlich von den
+Griechen vnd Lateinischen abstehlen, vnd vns zue nutze machen möge: Dann
+sie den Poetischen sachen einen solchen glantz geben, das Stesichorus
+für den anmutigsten Poeten ist gehalten worden, weil er desselbigen zum
+füglichsten sich gebraucht hat.
+
+Sie mussen aber so gemacht werden, das sie entweder die dinge von denen
+wir reden von andern vnterscheiden; als da der Poet spricht: _nigra
+hirundo_, +die schwartze Schwalbe+, oder sie vermehren als: _frigida
+bello Dextera_, +eine handt die im kriege nicht viel außrichtet+.
+
+Sie mussen auch warhafftig sein, vnd etwas nicht anders beschreiben als
+es ist. Zum exempel: _florida Hybla_; weil viel Blumen darauff wachsen
+sollen: _Parnassia laurus_, _æstuosa Calabria_, vnd dergleichen. Strabo
+rhümet den Homerus, das er die eigenschafft eines, etwedern dinges sehr
+genaw in acht genommen, vnd jhm vnfehlber sein gehöriges _epitheton_
+allzeit gegeben habe. Die Poeten, denen mehr freyheit als den Oratoren
+eingeräumet ist, können auch wol den schnee weiß, vnnd den wein feuchte
+nennen: wie Aristoteles im dritten buche der Rhetoric, vnnd Quintilianus
+im sechsten Capitel des achten buches saget. Wiewol Virgilius nicht ohne
+vrsache setzet:
+
+ _cæduntque securibus humida vina;_
+
+Denn in dem er spricht, das man in den Mitternächtischen Ländern den
+gefrorenen Wein, der doch von natur sonst naß ist, mit äxten zuehawen
+muß, macht er das man desto mehr der vngewöhnlichen kälte nachdenckt.
+
+Letzlich haben wir in vnserer sprache dieses auch zue mercken, das wir
+nicht vier oder fünff _epitheta_ zu einem worte setzen, wie die
+Italiener thun, die wol sagen dürffen:
+
+ _Alma, bella, angelica, et fortunata donna;_
+
+ Du schönes, weisses, englisches, glückhafftes, edles bildt;
+
+[F 1a] Denn solches bloß zue außfüllung des verses dienet.
+
+Dieses sey nun von der allgemeinen zuegehör der Poetischen rede: weil
+aber die dinge von denen wir schreiben vnterschieden sind, als gehöret
+sich auch zue einem jeglichen ein eigener vnnd von den andern
+vnterschiedener Character oder merckzeichen der worte. Denn wie ein
+anderer habit einem könige, ein anderer einer priuatperson gebühret, vnd
+ein Kriegesman so, ein Bawer anders, ein Kauffmann wieder anders
+hergehen soll: so muß man auch nicht von allen dingen auff einerley
+weise reden; sondern zue niedrigen sachen schlechte, zue hohen
+ansehliche, zue mittelmässigen auch mässige vnd weder zue grosse noch
+zue gemeine worte brauchen.
+
+In den niedrigen Poetischen sachen werden schlechte vnnd gemeine leute
+eingeführet; wie in Comedien vnd Hirtengesprechen. Darumb tichtet man
+jhnen auch einfaltige vnnd schlechte reden an, die jhnen gemässe sein:
+So Tityrus bey dem Poeten, wenn er seines Gottes erwehnet, redet er
+nicht von seinem plitze vnd donner, sondern
+
+ +_Ille meas_+, sagt er, +_errare boues, vt cernis, & ipsum
+ Ludere quæ vellem calamo permisit agresti._+
+
+ Du siehst, er leßt mein Vieh herumb gehn ohne ziehl,
+ Vnd mich auff meiner flöt' auch spielen was ich wil.
+
+Wie Theocritus sonsten inn dem paß wol jederman vberlegen, so weiß ich
+doch nicht wie sein Aites mir sonderlich behaget: inmassen ich denn auch
+halte, das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
+Idyllion Lateinisch vnnd Hollendisch gegeben. Weil ich jhm aber im
+deutschen nachgefolget, vnd den niedrigen Character, von dem wir jetzo
+reden, nicht besser vorzuestellen weiß, wil ich meine übersetzung
+hierneben fügen.
+
+ [F 1b] =Theocriti Aites.=
+
+ Bist du gekommen dann, nach dem ich nun gewacht
+ Nach dir, mein liebstes Kind, den dritten tag vnnd Nacht?
+ Du bist gekommen, ja. doch wer nicht kan noch mag
+ Sein lieb sehn wann er wil, wird alt auff einen tag.
+ So viel der Früling wird dem Winter vorgesetzt,
+ Vor wilden pflaumen vns ein Apffel auch ergetzt,
+ Das Schaff mit dicker woll' ein Lamb beschämen kan,
+ Die Jungfraw süsser ist als die den dritten Man
+ Bereit hat fort geschickt; so viel als besser springt
+ Ein rehbock als ein Kalb, vnd wann sie lieblich singt
+ Die leichte Nachtigall den Vogeln abgewint,
+ So ist dein beysein mir das liebste das man findt.
+ Ich habe mich gesetzt bey diesen Buchbawm hin,
+ Gleich wie ein Wandersman thut im fürüber ziehn,
+ In dem die Sonne sticht. ach, das die liebe doch
+ Vns wolte beyderseits auch fügen an jhr ioch,
+ An jhr gewündtschtes Ioch, vnd das die nach vns sein
+ Von vns mit stettem rhum erzehlten vberein:
+ Es ist ein liebes par gewesen vor der zeit,
+ Das eine freyte selbst, das ander ward gefreyt:
+ Sie liebten beyde gleich. ward nicht das volck ergetzt
+ Wie liebe wiederumb mit liebe ward ersetzt!
+ Ach Jupiter, vnd jhr, jhr Götter gebt mir zue,
+ [F 2a] Wann ich nach langer zeit schon lieg' in meiner rhue,
+ Das ich erfahren mag, das dem der mich jtzt liebt
+ Vnd meiner trewen gunst ein jeder zeugniß giebt;
+ Doch mehr das junge volck. nun diß muß nur ergehn,
+ Jhr Götter, wie jhr wolt. es pflegt bey euch zue stehn
+ Doch lob' ich dich zwar hoch, so hoff' ich dennoch nicht
+ Das jrrgend jemand ist der etwas anders spricht.
+ Dann ob dein grimm mir schon offt' etwas vbels thut
+ So machst du es hernach doch doppelt wieder gut.
+ O volck von Megara, jhr schiffer weit bekandt,
+ Ich wündsche das jhr wol bewohnt das reiche landt
+ Vnd vfer bey Athen, weil jhr so höchlich liebt
+ Dioclem der sich auch im lieben sehr geübt:
+ Weil allzeit vmb sein grab sehr viel liebhaber stehn,
+ Die lernen einig nur mit küssen vmb recht gehn,
+ Vnd streiten gleich darumb, vnd wer dann Mundt an mundt
+ Am aller besten legt, dem wird der krantz vergunt,
+ Den er nach hause dann zue seiner Mutter bringt.
+ Ach, ach, wie glücklich ist dem es so wol gelingt
+ Das er mag richter sein. wie offte rufft er wol
+ Das Ganymedes jhm den Mund so machen sol
+ Als einen Stein durch den der goldschmiedt vrtheil spricht
+ Ob auch gewiß das Goldt recht gut sey oder nicht.
+
+[F 2b] Hergegen in wichtigen sachen, da von Göttern, Helden, Königen,
+Fürsten, Städten vnd der gleichen gehandelt wird, muß man ansehliche,
+volle vnd hefftige reden vorbringen, vnd ein ding nicht nur bloß nennen,
+sondern mit prächtigen hohen worten vmbschreiben. Virgilius sagt nicht:
+_die_ oder _luce sequenti_; sondern
+
+ _vbi primos crastinus ortus
+ Extulerit Titan, radiisque retexerit orbem._
+
+ Wann Titan morgen wird sein helles liecht auffstecken,
+ Vnd durch der stralen glantz die grosse welt entdecken.
+
+Die mittele oder gleiche art zue reden ist, welche zwar mit jhrer ziehr
+vber die niedrige steiget, vnd dennoch zue der hohen an pracht vnd
+grossen worten noch nicht gelanget. In dieser gestalt hat Catullus seine
+Argonautica geschrieben; welche wegen jhrer vnvergleichlichen schönheit
+allen der Poesie liebhabern bekandt sein, oder ja sein sollen. Bißhieher
+auch dieses: nun ist noch vbrig das wir von den reimen vnd
+vnterschiedenen art der getichte reden.
+
+
+
+
+Das VII. Capitel.
+
+Von den reimen, jhren wörtern vnd arten der getichte.
+
+
+EIn reim ist eine vber einstimmung des lautes der syllaben vnd wörter
+zue ende zweyer oder mehrer verse, welche wir nach der art die wir vns
+fürgeschrieben haben zuesammen setzen. Damit aber die syllben vnd worte
+in die reimen recht gebracht werden, sind nachfolgende lehren in acht
+zue nemen.
+
+Erstlich, weil offte ein Buchstabe eines doppelten lautes ist, soll man
+sehen, das er in schliessung der reimen nicht vermenget [F 3a] werde.
+Zum exempel: Das e in dem worte +ehren+ wird wie ein griechisch ε, in
+dem worte +nehren+ wie ein η außgesprochen: kan ich also mit diesen
+zweyen keinen reim schliessen. Item, wenn ich des Herren von Pybrac
+_Epigramma_ wolte geben:
+
+ _Adore assis, comme le Grec ordonne,
+ Dieu en courant ne veut estre honoré,
+ D'vn ferme coeur il veut estre adoré,
+ Mais ce coeur là il faut qu'il nous le donne._
+
+ Zum beten setze dich, wie jener Grieche lehret,
+ Denn GOtt wil auff der flucht nicht angeruffen sein:
+ Er heischet vnd begehrt ein starckes hertz' allein;
+ Das hat man aber nicht, wann er es nicht bescheret.
+
+Hier, weil das e im +lehret+ wie ε, das im +bescheret+ wie η gelesen
+wird, kan ich vor +bescheret+ das wort +verehret+ setzen. So schicken
+sich auch nicht zusammen +entgegen+ vnd +pflegen+; +verkehren+ vnd
++hören+: weil das ö von vnns als ein ε, vnnd die mitlere sylbe im
++verkehren+ wie mit einem η gelesen wirdt. So kan ich auch +ist+ vnd
++bist+ wegen des vngleichen lautes gegen einander nicht stellen.
+
+Das e, wann es vor einem andern selblautenden Buchstaben zue ende des
+wortes vorher gehet, es sey in wasserley versen es wolte, wird nicht
+geschrieben vnd außgesprochen, sondern an seine statt ein solches
+zeichen ' darfür gesetzt. Zum exempel wil ich nachfolgendes Sonnet
+setzen, weil diese außenlaßung zue sechs malen darinnen wiederholet
+wird:
+
+ Ich muß bekennen nur, wol tausendt wündtschen mir,
+ [F 3b] Vnd tausendt noch dar zue, ich möchte die doch meiden
+ Die mein' ergetzung ist, mein trost, mein weh vnd leiden
+ Doch macht mein starckes hertz', vnd jhre grosse ziehr,
+
+ An welcher ich sie selbst dir, Venus setze für,
+ Das ich, so lang' ein Hirsch wird lieben püsch' vnd Heiden,
+ So lange sich dein Sohn mit threnen wird beweiden,
+ Wil ohne wancken stehn, vnd halten vber jhr.
+
+ Kein menschlich weib hat nicht solch gehn, solch stehn, solch lachen,
+ Solch reden, solche tracht, solch schlaffen vnnd solch wachen:
+ Kein Waldt, kein Heller fluß, kein hoher Berg, kein Grundt
+
+ Beherbrigt eine Nymf' an welcher solche gaben,
+ Zue schawen mögen sein; die so schön haar kan haben,
+ Solch' augen als ein stern, so einen roten mundt.
+
+Hiervon werden außgeschlossen, wie auch Ernst Schwabe in seinem Büchlein
+erinnert, die eigenen namen, als: +Helene+, +Euphrosine+; darnach alle
+einsylbige wörter, als: +Schnee+, +See+, +wie+, +die+, &c.
+
+Zue ende der reimen, wann ein Vocalis den folgenden [F 4a] verß anhebet,
+kan man das e stehen lassen oder weg thun. Stehen bleibt es:
+
+ wie rufft er vor dem ende
+ Vns seinen Kindern zue.
+
+Weg gethan aber wird es:
+
+ Jhr hölen voller moß, jhr auffgeritzten stein'
+ Jhr felder, &c.
+
+Wann auff das e ein Consonans oder mitlautender Buchstabe folget, soll
+es nicht aussen gelassen werden: ob schon niemandt bißher nicht gewesen
+ist, der in diesem nicht verstossen. Ich kan nicht recht sagen:
+
+ Die wäll der starcken Stadt vnnd auch jhr tieffe Graben;
+
+Weil es +die Wälle+ vnd +jhre Graben+ sein soll. Auch nicht wie Melißus:
+
+ Rot rößlein wolt' ich brechen,
+
+für, +Rote rößlein+.
+
+Gleichfals nicht:
+
+ Nemt an mein schlechte reime,
+
+für: +Meine+.
+
+Es soll auch das e zueweilen nicht auß der mitten der wörter gezogen
+werden; weil durch die zuesammenziehung der sylben die verse
+wiederwertig vnd vnangeneme zue lesen sein. Als, wann ich schriebe:
+
+ Mein Lieb, wann du mich drücktst an deinen lieblchen Mundt,
+ So thets meinm hertzen wol vnd würde frisch vnd gsundt.
+
+Welchem die reime nicht besser als so von statten gehen, [F 4b] mag es
+künlich bleiben lassen: Denn er nur die vnschuldigen wörter, den Leser
+vnd sich selbst darzue martert vnnd quelet. Wiewol es nicht so gemeinet
+ist, das man das e niemals aussenlassen möge: Weil es in Cancelleyen
+(welche die rechten lehrerinn der reinen sprache sind) vnd sonsten
+vblich, auch im außreden nicht verhinderlich ist. Vnnd kan ich wol
+sagen, +vom+ für +von dem+, +zum+ für +zue dem+, vnd dergleichen. So ist
+es auch mit den _verbis_. Als:
+
+ Die Erde trinckt für sich, die Bäwme trincken erden,
+ Vom Meere pflegt die lufft auch zue getruncken werden,
+ Die Sonne trinckt das Meer, der Monde trinckt die Sonnen;
+ Wolt dann, jhr freunde, mir das trincken nicht vergonnen?
+
+Hier, ob gleich die wörter +trincket+, +pfleget+, +wollet+, inn eine
+sylbe gezogen sind, geschieht jhnen doch keine gewalt. Hiesige verß aber
+sindt in Griechischen bei dem Anacreon:
+
+ Ἑ γῆ μέλαινα πίνει
+ Πίνει δὲ δένδρε' ἀυτὴν
+ Πίνει θάλασσα δ' ἄυρας,
+ Ο δ' ἥλιος θάλασσαν,
+ Τὸν δ' ἥλιον σελήνη.
+ Τὶ μοι μάχεσθ' ἑταῖροι,
+ Κ' ἀυτῷ θέλοντι πίνειν;
+
+Welche oden ich sonst auch in ein _distichon_ gebracht; weil ich zue den
+lateinischen Anacreonten weder lust noch glück habe.
+
+ [G 1a] _Terra bibit, terram plantæ, auras æquor, amici,
+ Æquor Sol, Solem Luna; nec ipse bibam?_
+
+Stehet das h zue anfange eines wortes, so kan das e wol geduldet werden;
+als:
+
+ Vnd was hilfft es das mein spiel
+ Alle die es hören loben
+ Du hergegen, o mein licht?
+ Die ich lobe, hörst es nicht.
+
+Oder auch aussen bleiben; als:
+
+ Was kan die künstlich' hand?
+
+Ferner soll auch das e denen wörtern zue welchen es nicht gehöret
+vnangehencket bleiben; als in _casu nominatiuo_:
+
+ +Der Venus Sohne.+ Item, wie Melißus sagt:
+ +Ein wolerfahrner helde.+
+
+Vnd:
+
+ Dir scheint der Morgensterne;
+
+Weil es +Sohn+, +Held+, +Stern+ heisset.
+
+Vber diß, die letzte sylbe in den männlichen, vnd letzten zwo inn den
+weiblichen reimen (wie wir sie bald abtheilen werden) sollen nicht an
+allen Buchstaben gleiche sein; als, in einem weiblichen reime:
+
+ Wir sollen frembdlingen gar billich ehr' erzeigen,
+ Vnd so viel möglich ist, ein willig hertze zeigen.
+
+Es ist falsch; weil die letzten zwo sylben gantz eines sindt: kan aber
+so recht gemacht werden:
+
+ Wir sollen frembdlingen gar billich ehr' erzeigen,
+ Vnd, wann es müglich ist, die Sonn' auch selbst zueneigen.
+
+Wiewol es die Frantzosen so genaw nicht nemen. Dann in [G 1b]
+nachfolgender Echo, welche vom tantze redet, alle verß gleiche fallen.
+
+ _Qui requiert fort & mesure & cadance? Dance.
+ Qui faict souuent aux nopces residence? Dance.
+ Qui faict encor filles en abondance? Dance.
+ Qui faict sauter fols par outrecuidance? Dance.
+ Qui est le grand ennemy de prudence? Dance.
+ Qui met aux frons cornes pour euidence? Dance.
+ Qui faict les biens tomber en decadence? Dance._
+
+Gleichfals begehet man einen fehler, wann in dem _rythmo fœminino_
+die letzte sylbe des einen verses ein t, des andern ein d hat; weil t
+harte vnd d gelinde außgesprochen wird. Als im 23. Psalme:
+
+ Auff einer grünen Awen er mich weidet,
+ Zum schönen frischen wasser er mich leitet.
+
+So auch, wann das eine u ein selblautender, das andere ein
+doppeltlautender Buchstabe ist, vnd fast wie ein i außgesprochen wird.
+Als im 42. Psalme:
+
+ Bey jhm wird heil gefunden,
+ Israel er von sünden.
+
+Dann in dem worte +sünden+ ist das u ein _diphthongus_.
+
+Vnd letzlich wird der reim auch falsch, wann in dem einen verse das
+letzte wort einen doppelten _consonantem_; vnnd das in dem andern einen
+einfachen hat; als: wann der eine verß sich auff das wort +harren+; der
+andere auff das wort +verwahren+, oder der eine auff +rasen+, der andere
+auff +gleicher massen+ endete. Denn es eine andere gelegenheit mit der
+Frantzösischen sprache hatt, da zwar zweene _consonantes_ geschrieben,
+aber gemeiniglich nur einer außgesprochen wird.
+
+[G 2a] Das wir nun weiter fortfahren, so ist erstlich ein jeglicher
+verß, wie sie die Frantzosen auch abtheilen, (denn der Italiener zarte
+reimen alleine auf die weibliche endung außgehen) entweder ein
+_fœmininus_, welcher zue ende abschiessig ist, vnd den accent in der
+letzten sylben ohne eine hat, Als:
+
+ Er hat rund vmb sich her das wasser außgespreitet,
+ Den köstlichen pallast des Himmels zue bereitet;
+
+Oder _masculinus_, das ist, männlicher verß, da der thon auff der
+letzten sylben in die höhe steiget; als:
+
+ Den donner, reiff vnd schnee, der wolcken blawes zelt,
+ Ost, Norden, Sud vnd West in seinen dienst bestelt.
+
+Nachmals ist auch ein jeder verß entweder ein _iambicus_ oder
+_trochaicus_; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner
+eine gewisse grösse der sylben können inn acht nemen; sondern das wir
+aus den _accenten_ vnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd
+welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Iambus ist dieser:
+
+ Erhalt vns Herr bey deinem wort.
+
+Der folgende ein Trochéus:
+
+ Mitten wir im leben sind.
+
+Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die
+dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem anderen verse die
+erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch, &c. außgesprochen
+werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit
+selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch
+von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist, das die Lateiner nach den
+_quantitatibus_ oder grössen der sylben jhre verse richten vnd
+reguliren. Denn es gar einen übelen klang hat:
+
+[G 2b] +Venus die hat Juno nicht vermocht zue obsiegen+; weil +Venus+
+vnd +Juno+ Iambische, +vermocht+ ein Trochéisch wort sein soll:
++obsiegen+ aber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein,
+hat eben den thon welchen bey den lateinern der _dactylus_ hat, der sich
+zueweilen (denn er gleichwol auch kan geduldet werden, wenn er mit
+vnterscheide gesatzt wird) in vnsere sprache, wann man dem gesetze der
+reimen keine gewalt thun wil, so wenig zwingen leßt, als _castitas_,
+_pulchritudo_ vnd dergleichen in die lateinischen _hexametros_ vnnd
+_pentametros_ zue bringen sind. Wiewol die Frantzosen vnd andere, in den
+eigentlichen namen sonderlich, die accente so genawe nicht in acht nemen
+wie ich dann auch auff art des Ronsardts in einer Ode geschrieben:
+
+ Bin ich mehr als Anacreon,
+ Als Stesichór vnd Simonídes,
+ Als Antimáchus vnd Bion,
+ Als Phílet oder Bacchylídes?
+
+Doch, wie ich dieses nur lust halben gethan, so bin ich der gedancken,
+man solle den lateinischen accenten so viel möglich nachkommen.
+
+Vnter den Iambischen versen sind die zue föderste zue setzen, welche man
+Alexandrinische, von jhrem ersten erfinder, der ein Italiener soll
+gewesen sein, zue nennen pfleget, vnd werden an statt der Griechen vnd
+Römer heroischen verse gebraucht: Ob gleich Ronsardt die _Vers communs_
+oder gemeinen verse, von denen wir stracks sagen werden, hierzue
+tüchtiger zue sein vermeinet; weil die Alexandrinischen wegen jhrer
+weitleufftigkeit der vngebundenen vnnd freyen rede zue sehr ähnlich
+sindt, wann sie nicht jhren mann finden, der sie mit lebendigen farben
+herauß zue streichen weiß. Weil aber dieses einem Poeten zuestehet, vnd
+die vber welcher vermögen es ist nicht gezwungen sind [G 3a] sich darmit
+zue ärgern, vnsere sprache auch ohne diß in solche enge der wörter wie
+die Frantzösische nicht kan gebracht werden, mussen vnd können wir sie
+an statt der heroischen verse gar wol behalten: inmassen dann auch die
+Niederländer zue thun pflegen.
+
+Der weibliche verß hat dreyzehen, der männliche zwölff sylben; wie der
+_iambus trimeter_. Es muß aber allezeit die sechste sylbe eine _cæsur_
+oder abschnitt haben, vnd _masculinæ terminationis_, das ist, entweder
+ein einsylbig wort sein, oder den _accent_ in der letzten sylben haben;
+wie auch ein vornemer Mann, der des Herren von Bartas Wochen in vnsere
+sprache vbersetzt hat, erinnert. Zum exempel sey dieses:
+
+ Dich hette Jupiter, nicht Paris, jhm erkohren,
+ Vnd würd' auch jetzt ein Schwan wann dich kein schwan gebohren,
+ Du heissest Helena, vnd bist auch so geziehrt,
+ Vnd werest du nicht keusch, du würdest auch entführt.
+
+Hier sind die ersten zweene verß weibliche, die andern zweene männliche:
+Denn mann dem weiblichen in diesem _genere carminis_ gemeiniglich die
+oberstelle leßt; wiewol auch etliche von den männlichen anfangen.
+
+Bey dieser gelegenheit ist zue erinnern, das die _cæsur_ der sechsten
+syllben, sich weder mit dem ende jhres eigenen verses, noch des
+vorgehenden oder nachfolgenden reimen soll; oder kürtzlich; es sol kein
+reim gemacht werden, als da wo er hin gehöret: als:
+
+ Ein guet gewissen fragt nach bösen mäulern nicht,
+ Weil seiner tugend liecht so klar hereiner bricht
+ Als wie Aurora selbst, &c.
+
+Dann solches stehet eben so vbel als die reimen der lateini-[G 3b]schen
+verse; deren exempel zwar bey den gutten Autoren wenig zue finden, der
+Mönche bücher aber vor etzlich hundert Jahren alle voll sindt gewesen.
+
+So ist es auch nicht von nöthen, das der _periodus_ oder sententz
+allzeit mit dem verse oder der _strophe_ sich ende: ja es stehet
+zierlich, wann er zum wenigsten biß zue des andern, dritten, vierdten
+verses, auch des ersten in der folgenden strophe _cæsúr_ behalten wird.
+Zum exempel:
+
+ 1. nein nein, wie bleich ich bin,
+ Nicht vom studiren nur, so bleibt doch wie vorhin
+ Mein vorsatz vnbewegt; 2. ich wil mein glücke tragen
+ So lang' ich kan vnd mag; wil setzen auff den wagen
+ Der grawen ewigkeit durch meiner Leyer kunst
+ Die braune Flauia: 3. an stat der Musen gunst
+ Ist jhrer augen glut: 4. das sternenliechte fewer
+ Kömpt, wie der schöne Nort den Schieffen, mir zue stewer.
+
+Item:
+
+ 1. Ja wir gedencken vns wie meister fast zue werden
+ Des grossen Jupiters, vnd donnern auff der erden
+ Durch des Geschützes plitz; 2. die Berge zittern auch,
+ Die wolcken werden schwartz von vnsers Pulvers rauch',
+ Vnd lauffen schneller fort. 3. verhaw' vns zue dem strande
+ Des meeres weg vnd steg, wir segeln auch zue lande,
+ Vnd schiffen ohne see. 4. veriag' vns aus der welt,
+ [G 4a] Wir haben eine new', in welcher Gold vnd Geldt
+ Nicht minder häuffig ist. 5. wilt du vnns gifft beybringen,
+ Die Porcellane wird vns in der hand zuespringen,
+ Vnd sagen was du thust. 6. wie schlecht die Bügel sein,
+ So setzen wir vns doch mit jhnen fester ein,
+ Vnd lassen vnns so bald nicht auß dem sattel heben.
+ 7. Es pflegt die Sonnenvhr vns vnterricht zue geben
+ Vmb welche zeit es sey. 8. Der köstliche Magnet
+ Zeigt wo das schwache Schiff auch bey der nacht hingeht,
+ Vmbringt mit wind' vnnd flut. 9. wir kennen hier von fernen
+ Durch eines glases liecht den Monden vnnd die Sternen,
+ Als stünden wir darbey, vnd sind zue krieges zeit
+ Vor einem einfall auch viel mehr als sonst befreit.
+
+Die reimen deren weibliche verß eilff sylben, vnd die männlichen zehen
+haben, nennen die Frantzosen _vers communs_ oder gemeine verse, weil sie
+bey jhnen sehr im brauche sind. Wie aber die Alexandrinischen verse auff
+der sechsten sylben, so haben diese auff der vierdten jhren abschnitt.
+Als:
+
+ Im fall du wilt Was Göttlich ist erlangen.
+ So laß den leib in dem du bist gefangen,
+ Auff, auff, mein Geist, vnd du mein gantzer sinn,
+ Wirff alles das was welt ist von dir hin.
+
+Weil die Sonnet vnnd _Quatrains_ oder vierversichten _epi-[G 4b]grammata_
+fast allezeit mit Alexandrinischen oder gemeinen versen geschrieben
+werden, (denn sich die andern fast darzue nicht schicken) als wil ich
+derselben gleich hier erwehnen.
+
+Wann her das Sonnet bey den Frantzosen seinen namen habe, wie es denn
+auch die Italiener so nennen, weiß ich anders nichts zue sagen, als
+dieweil _Sonner_ klingen oder wiederschallen, vnd _sonnette_ eine
+klingel oder schelle heist, diß getichte vielleicht von wegen seiner hin
+vnd wieder geschrenckten reime, die fast einen andern laut als die
+gemeinen von sich geben, also sey getauffet worden. Vnd bestetigen mich
+in dieser meinung etzliche Holländer, die dergleichen _carmina_ auff
+jhre sprache klincgetichte heissen: welches wort auch bey vnns kan
+auffgebracht werden; wiewol es mir nicht gefallen wil.
+
+Ein jeglich Sonnet aber hat viertzehen verse, vnd gehen der erste,
+vierdte, fünffte vnd achte auff eine endung des reimens auß; der andere,
+dritte, sechste vnd siebende auch auff eine. Es gilt aber gleiche, ob
+die ersten vier genandten weibliche termination haben, vnd die andern
+viere männliche: oder hergegen. Die letzten sechs verse aber mögen sich
+zwar schrencken wie sie wollen; doch ist am bräuchlichsten, das der
+neunde vnd zehende einen reim machen, der eilffte vnd viertzehende auch
+einen, vnd der zwölffte vnd dreyzehende wieder einen. Zum exempel mag
+dieses sein, welches ich heute im spatzieren gehen, durch gegebenen
+anlaß, ertichtet.
+
+ Sonnet.
+
+ Du schöne Tyndaris, wer findet deines gleichen,
+ Vnd wolt' er hin vnd her das gantze landt durchziehn?
+ Dein' augen trutzen wol den edelsten Rubin,
+ Vnd für den Lippen muß ein Türkiß auch verbleichen,
+ [H 1a] Die zeene kan kein goldt an hoher farb' erreichen,
+ Der Mund ist Himmelweit, der halß sticht Attstein hin.
+ Wo ich mein vrtheil nur zue fellen würdig bin,
+ Alecto wird dir selbst des haares halber weichen,
+ Der Venus ehemann geht so gerade nicht,
+ Vnd auch der Venus sohn hat kein solch scharff gesicht;
+ In summa du bezwingst die Götter vnnd Göttinnen.
+ Weil man dan denen auch die vns gleich nicht sindt wol,
+ Geht es schon sawer ein, doch guttes gönnen soll,
+ So wündtsch' ich das mein feind dich möge lieb gewinnen.
+
+Oder, im fall dieses jemanden angenemer sein möchte; Welches zum theil
+von dem Ronsardt entlehnet ist:
+
+ Jhr, Himmel, lufft vnnd wind, jhr hügel voll von schatten,
+ Jhr hainen, jhr gepüsch', vnd du, du edler Wein,
+ Jhr frischen brunnen, jhr, so reich am wasser sein,
+ Jhr wüsten die jhr stets mußt an der Sonnen braten,
+ Jhr durch den weissen taw bereifften schönen saaten,
+ Jhr hölen voller moß, jhr auffgeritzten stein',
+ Jhr felder welche ziehrt der zarten blumen schein,
+ Jhr felsen wo die reim' am besten mir gerhaten,
+ [H 1b] Weil ich ja Flavien, das ich noch nie thun können,
+ Muß geben guete nacht, vnd gleichwol mundt vnnd sinnen
+ Sich fürchten allezeit, vnd weichen hinter sich,
+ So bitt' ich Himmel, Lufft, Wind, Hügel, hainen, Wälder,
+ Wein, brunnen, wüsteney, saat', hölen, steine, felder,
+ Vnd felsen sagt es jhr, sagt, sagt es jhr vor mich.
+
+Item diß, von gemeinen versen:
+
+ Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen,
+ Vnd tausendt noch! die seufftzer sind vmbsonst
+ Herauff geholt, kein anschlag, list noch kunst
+ Verfängt bey jhr. wie wann im kühlen Mertzen
+ Der Schnee zuegeht durch krafft der Himmels kertzen,
+ Vnd netzt das feldt; so feuchtet meine brunst
+ Der zehren bach, die noch die minste gunst
+ Nicht außgebracht: mein' augen sind dem hertzen
+ Ein schädlich gifft: das dencken an mein liecht
+ Macht das ich irr' vnd weiß mich selber nicht,
+ Macht das ich bin gleich einem blossen scheine,
+ Das kein gelenck' vnd gliedtmaß weder krafft
+ Noch stercke hat, die adern keinen safft
+ Noch blut nicht mehr, kein marck nicht die gebeine.
+
+Vnd letzlich eines, in welchem die letzten sechs verse einer vmb den
+andern geschrencket ist:
+
+ Ich machte diese verß in meiner Pierinnen
+ [H 2a] Begrünten wüsteney, wie Deutschland embsig war
+ Sein mörder selbst zuesein, da herdt vnd auch altar
+ In asche ward gelegt durch trawriges beginnen
+ Der blutigen begiehr, da gantzer völcker sinnen
+ Vnd tichten ward verkehrt, da aller laster schar,
+ Mord, vnzucht, schwelgerey vnd triegen gantz vnd gar
+ Den platz, der alten ehr' vnd tugendt hielten innen.
+ Damit die böse zeit nun würde hingebracht,
+ Hab' ich sie wollen hier an leichte reime wenden.
+ Mars thuts der liebe nach das er der threnen lacht:
+ Mein krieg ist lobens werth, vnd seiner ist zue schenden:
+ Denn meiner wird gestilt durch zweyer leute schlacht,
+ Den andern können auch viel tausendt noch nicht enden.
+
+_Quatrains_ oder _quatrini_, wie auß dem namen zue sehen, sind
+vierverßichte getichte oder _epigrammata_; derer hat der Herr von Pybrac
+hundert vnd sechs vnd zwantzig im Frantzösischen geschrieben; von
+welchen ich nur dieses setzen wil:
+
+ _En bonne part ce qu'on dit tu dois prendre,
+ Et l'imparfaict du prochain supporter
+ Couurir sa faute, et ne la rapporter:
+ Prompt à louër, et tardif à reprendre._
+
+ Was man dir sagt solt du zum besten wenden,
+ Vnd wie du kanst des nechsten seine schuldt
+ Beseite thun, vnd tragen mit gedult:
+ Zum loben schnell', vnd langsam sein zum schenden.
+
+[H 2b] Hier reimen sich der erste vnd letzte verß so weiblich sind
+zuesammen, vnd die mitleren zwey männlichen deßgleichen zuesammen.
+Wiewol man auch einen vmb den andern schrencken mag, oder lauter
+männliche oder weiblich setzen. Als:
+
+ An meine Venus.
+
+ Du sagst, es sey der Spiegel voller list,
+ Vnd zeige dich dir schöner als du bist:
+ Komm, wilt du sehn das er nicht lügen kan,
+ Vnd schawe dich mit meinen augen an.
+
+Welch _epigramma_ im lateinischen bei dem _Grudio_, sonsten einem bösen
+Poeten, wiewol er eines gueten Poetens bruder ist, gefunden wird.
+
+Die andern verse mag ein jeder mit sieben, acht, fünff, sechs, auch vier
+vnd drey sylben, vnd entweder die männlichen oder die weiblichen lenger
+machen nach seinem gefallen.
+
+Die reimen der ersten strophe sind auch zue schrencken auff vielerley
+art, die folgenden strophen aber mussen wegen der Music, die sich zue
+diesen _generibus carminum_ am besten schicken, auff die erste sehen.
+Ein exempel einer Trocheischen Ode oder Liedes ist in dem fünfften
+Capitel zue finden. Wil ich derhalben einen Iambischen gesang hieher
+schreiben.
+
+ ~Ode.~
+
+ Derselbe welcher diese nacht
+ Erst hat sein leben hingebracht,
+ Ist eben auch wie die gestorben
+ Die lengst zueuor verbliechen sein,
+ Vnd derer leichnam vnd gebein
+ Vor vielen Jharen sind vertorben.
+ Der Mensch stirbt zeitlich oder spat,
+ [H 3a] So baldt er nur gesegnet hat
+ So wird er in den Sandt versencket,
+ Vnd legt sich zue der langen rhue.
+ Wenn Ohr vnd Auge schon ist zue,
+ Wer ist der an die Welt gedencket?
+ Die Seele doch allein vnd bloß,
+ Fleugt wann sie wird des Cörpers loß,
+ Zum Himmel, da sie her gerhüret.
+ Was diesen schnöden leib betrifft,
+ Wird nichts an jhm als stanck vnd gifft,
+ Wie schön' er vormals war, gespüret.
+ Es ist in jhm kein geist mehr nicht,
+ Das fleisch felt weg, die haut verbricht.
+ Ein jeglich haar das muß verstieben;
+ Vnd, was ich achte mehr zue sein,
+ Die jenige kömpt keinem ein,
+ Die er für allem pflag zue lieben.
+ Der todt begehrt nichts vmb vnd an:
+ Drumb, weil ich jetzt noch wündtschen kan,
+ So wil ich mir nur einig wehlen
+ Gesunden leib vnd rechten sinn:
+ Hernachmals, wann ich kalt schon bin,
+ Da wil ich Gott den rest befehlen.
+ Homerus, Sappho, Pindarus,
+ Anacreon, Hesiodus,
+ Vnd andere sind ohne sorgen,
+ [H 3b] Man red' jetzt auff sie was man wil:
+ So, sagt man nun gleich von mir viel,
+ Wer weiß geschieht es vber morgen.
+ Wo dient das wündtschen aber zue,
+ Als das ein Mensch ohn alle rhue
+ Sich tag vnd nacht nur selbst verzehret?
+ Wer wündtschet kränckt sich jeder zeit,
+ Wer todt ist, ist ohn alles leidt.
+ O wol dem, der nichts mehr begehret.
+
+Zue zeiten werden aber beydes Iambische vnd Trocheische verse durch
+einander gemenget. Auch kan man Alexandrinische oder gemeine vor vnd
+vnter die kleinen setzen. Als:
+
+ Jhr schwartzen augen, jhr, vnd du, auch schwartzes Haar,
+ Der frischen Flavia, die vor mein hertze war,
+ Auff die ich pflag zue richten,
+ Mehr als ein weiser soll,
+ Mein schreiben, thun vnd tichten,
+ Gehabt euch jetzundt wol.
+ Nicht gerne sprech' ich so, ruff' auch zue zeugen an
+ Dich, Venus, vnnd dein kindt, das ich gewiß hieran
+ Die minste schuldt nicht trage:
+ Ja alles kummers voll
+ Mich stündlich kränck' vnd plage
+ Das ich sie lassen soll, &c.
+
+Die Saphischen gesänge belangendt, bin ich des Ronsardts meinung, das
+sie, in vnseren sprachen sonderlich, nimmermehr können angeneme sein,
+wann sie nicht mit lebendigen stimmen [H 4a] vnd in musicalische
+instrumente eingesungen werden, welche das leben vnd die Seele der
+Poeterey sind. Dann ohne zweiffel, wann Sappho hat diese verse gantz
+verzucket, mit vneingeflochtenen fliegenden haaren vnnd lieblichem
+anblicke der verbuhleten augen, in jhre Cither, oder was es gewesen ist,
+gesungen, hat sie jhnen mehr anmutigkeit gegeben, als alle trompeten vnd
+paucken den mannhafftigen vnnd kühnen versen, die jhr Landtsmann Alcéus,
+als er ein Kriegesoberster gewesen, ertichtet hat. Zum exempel gleichwol
+wil ich zwey Strophen des Ronsardts herschreiben: Dann ich dergleichen
+nie vor mich genommen.
+
+ _Belle dont les yeux doucement m'ont tué,
+ Par vn doux regard qu'au cœur ils m'ont rué,
+ Et m'ont en vn roc insensible mué
+ En mon poil grison:
+ Que i'estois heureux en ma ieune saison
+ Auant qu'auoir beu l'amoureuse poison!
+ Bien loin de souspirs, de pleurs et de prison!
+ Libre ie vivoy, &c._
+
+Eine ander solche Ode hebet er also an:
+
+ _Mon âge et mon sang ne sont plus en vigeur:
+ Les ardents pensers ne m'eschauffent le cœur,
+ Plus mon chef grison ne se veut enfermer.
+ Sous le ioug d'aimer, &c._
+
+In den Pindarischen Oden, im fall es jemanden sich daran zue machen
+geliebet, ist die στροφὴ frey, vnd mag ich so viel verse vnd reimen
+darzue nemen als ich wil, sie auch nach meinem gefallen eintheilen vnd
+schrencken: ἀντιστροφὴ aber muß auff die στροφήν sehen, vnd keine andere
+ordnung der reimen machen: ἐπῳδός ist wieder vngebunden. Wan wir dann
+mehr strophen tichten wol-[H 4b]ten, mussen wir den ersten in allem
+nachfolgen: wiewol die Gelehrten; vnd denen Pindarus bekandt ist, es
+ohne diß wissen, vnd die andern die es aus jhm nicht wissen, werden es
+auß diesem berichte schwerlich wissen lernen. Ich vor meine person, bin
+newlich vorwitzig gewesen, vnd habe mich vnterwinden dürffen auff
+Bernhardt Wilhelm Nüßlers, meines gelehrtesten freundes, vnd statlichen
+Poetens, es sey in vnserer oder lateinischer sprache, hochzeit eine
+dergleichen Oden vnd eine andere auff absterben eines vornemen vom adel
+zue schreiben; mit welchen ich, ob sie schon auff der eile weg gemacht
+sindt, dieses Capitel beschlissen wil.
+
+ Στροφὴ α.
+
+ Du güldne Leyer, meine ziehr
+ Vnd frewde, die Apollo mir
+ Gegeben hat von hand zue handt,
+ Zwar erstlich das mein Vaterlandt
+ Den völckern gleiche möge werden
+ Die jhre sprachen dieser zeit
+ Durch schöne verse weit vnd breit
+ Berhümbt gemacht auff aller erden:
+ (Italien, ich meine dich,
+ Vnd Franckreich, dem auch Thebe sich,
+ Wie hoch sie fleuget, kaum mag gleichen,
+ Dem Flaccus willig ist zue weichen.)
+ Vnd dann, das derer heller schein
+ Die gantz nach rhum' vnd ehren streben,
+ Bey denen welche nach vns leben,
+ Auch möge klar vnd prächtig sein:
+
+ Ἀντίστροφος α.
+
+ [I 1a] Du güldne Leyer, nun ist zeit
+ Zue suchen alle ziehrligkeit
+ Die ein Poete wissen soll:
+ Jetzt solt du billich mehr als wol,
+ O meine lust, Pindarisiren;
+ Dein bester freund der leben mag,
+ Der Musen rhum, hebt diesen tag
+ Ein newes leben an zue führen:
+ Sein gantzes wündtschen wird erfült;
+ Ein bildt, ein außerwehltes bildt
+ Ersättigt alles sein begehren:
+ Die lieder, die gelehrten zehren,
+ Darmit er vormals war gewohnt,
+ Weit ausser dem gemeinen hauffen,
+ Nicht einen schlechten weg zue lauffen,
+ Die werden reichlich jetzt belohnt.
+
+ Ἐπῳδὸς α.
+
+ Krieget nicht gar recht vnd eben
+ Solchen danck ein hoher Geist,
+ Welcher einig sich befleist
+ Bey dem Himmel selbst zue schweben,
+ Ist auff lob vnd rhum bedacht
+ Wenn die schöne Sonn' erwacht,
+ Vnd der tag dem schatten weichet
+ Wie gar hoch der name reichet
+ Welchen giebt der künste liecht,
+ Denen die nach tugendt trachten,
+ [I 1b] Ist es minder doch zue achten,
+ Wann der liebe lohn gebricht.
+
+ Στροφὴ β.
+
+ Die Lieb' hat erstlich Gott gerührt
+ Das er der dinge grund vollführt;
+ Sie ist es die den baw der welt
+ Vor allem brechen frey behelt;
+ Sie pflegt die sternen zue bewegen,
+ Das sie den elementen nicht
+ Versagen jhrer schönheit liecht;
+ Das fewer pflegt die lufft zue regen
+ Durch hitz' auff jhren angetrieb,
+ Die lufft hat dann das wasser lieb.
+ Das wasser das bewegt die erden;
+ Vnd wiederumb, die wässer werden
+ Gesogen von der erden klufft,
+ Das wasser zeucht die lufft zuesammen,
+ Das fewer wird mit seinen flammen
+ Verzogen in die kühle lufft.
+
+ Ἀντιστρ. β.
+
+ Das hier vnd dorte Berg vnd Waldt
+ Mit grünen Bäwmen mannigfalt
+ Sehr luftig vberschattet steht,
+ Das so manch heilsam kraut auffgeht,
+ Das Wiesen, Felder, Büsch' vnd Awen
+ Mit zarten blumen sein geziehrt,
+ Das Saate newes korn gebiehrt,
+ Das so viel wildpret ist zue schawen,
+ [I 2a] Das wann der Lentz das Jhar verjüngt
+ Ein jeder Vogel frölich singt,
+ Vnd leßt sich nicht gern' vber stimmen,
+ Das so viel Fisch' im Meere schwimmen,
+ Ja das wir Menschen selber sein,
+ Vnd vns das blutige beginnen
+ Der waffen nicht hat tilgen können,
+ Das thut die liebe nur allein.
+
+ Ἐπῳδ. β.
+
+ Liebe nun wer nur zue lieben
+ Rechten fug vnd mittel hat;
+ Es ist keine solche that
+ Die verbotten ist zue vben,
+ Wann du nur bestrickt nicht bist
+ Von der wollust hinterlist,
+ Die mit jhrem falschen scheine
+ Jung vnd nicht jung in gemeine
+ Leitet an verkehrten wahn,
+ Außer diesen eiteln sachen,
+ Die den klügsten wahnloß machen,
+ Liebe wer da lieben kan.
+
+ Στρ. γ.
+
+ Du, Bernhardt Wilhelm, den zuevor
+ Der drey mal dreyen Schwestern chor
+ Mit alle dem was er gehabt
+ Gantz ohne masse hat begabt,
+ Wirst ietzt von Venus auch verehret
+ [I 2b] Mit einer ohne welcher gunst
+ Du hassen kanst verstand vnd kunst,
+ Vnd was zur wissenschafft gehöret;
+ In derer augen freundtligkeit,
+ Im munde die verschwiegenheit,
+ Zucht in den höfflichen geberden,
+ Im gange demut funden werden;
+ Die der natur bekandte macht
+ An tugendt, witz' vnd andern gaben
+ Fast vber jhr geschlecht' erhaben,
+ Vnd als jhr Meisterstück' erdacht.
+
+ Ἀντιστρ. γ.
+
+ Nichts bessers wündsch' ich selber mir:
+ Du wirst hinfort mit grosser ziehr,
+ Durch deine hochgelehrte handt,
+ Die ohne diß weit ist bekandt,
+ Dein' eigne frewde können schreiben:
+ Du wirst besitzen alles gut
+ Was Hermus auß der gelben flut
+ An seinen reichen strandt soll treiben;
+ Was der verbrandte Mohr besitzt
+ Wo stets die rote Sonne hitzt,
+ Was Spanien von edlen dingen
+ Pflegt auß der newen welt zue bringen.
+ Getrewe hertzen bleiben rein
+ Von kummer schätz' vnd Goldt zue kriegen,
+ Jhr meistes hoffen vnd genügen
+ Ist lieben, vnd geliebet sein.
+
+ Ἐπῳδ. γ.
+
+ [I 3a] O jhr seligen zwey liebe,
+ Venus schickt jhr abendt liecht,
+ Vnd errinnert das man nicht
+ Jhre frewde mehr verschiebe.
+ Bräutlein leget euch zue rhue;
+ Jupiters Fraw saget zue
+ Auß den sawersüssen nöthen
+ Einen artigen Poeten.
+ Was das liebe Kindelein
+ Wirdt mit halbem munde machen,
+ Was es kürmeln wird vnd lachen
+ Werden lauter verse sein.
+
+
+Trawerliedt vber das absterben Herren Adams von Bibran, auff Profen vnd
+Damßdorff.
+
+_Ex Italico summi viri Abrahami Bibrani, Adami fratris, quamuis paullò
+liberiùs, translatum._
+
+ _STRO. I._
+
+ O Die selig' edle Seele,
+ Die sich in die wahre rhue
+ Nach dem hohen Himmel zue
+ Auß des Leibes finstern höle
+ Frewdig hat hienauff gemacht;
+ Da sie dann, wie bey der nacht
+ Vor den andern kleinen Sternen
+ Phebe selber, gläntzt von fernen,
+ Da sich Gott jhr vmb vnd an,
+ Zeigt zue sehn vnd zue geniessen,
+ [I 3b] Da sie mit nicht-menschen-füssen
+ Das gestirne tretten kan.
+
+ _ANTISTRO. I._
+
+ Wie die vlmen durch die reben
+ Mehr als sonsten lieblich sein;
+ Wie der Lorbeerbawm den schein
+ Seinen wäldern pflegt zue geben,
+ Also war auch deine ziehr.
+ Pallas weinet für vnd für,
+ Ceres voll von weh vnd zehren
+ Leget jhren krantz von ähren
+ Vnd die sichel hinter sich:
+ Profen, deine lust vnd frewde
+ Lieget gantz vertiefft im leide,
+ Vnd gedencket nur an dich.
+
+ _EPOD. I._
+
+ Das auch betrübte graß beklagt dich bey den brunnen,
+ Für das reiche korn
+ Wächset tresp' vnd dorn;
+ Es trawret selbst das große radt der Sonnen,
+ Vnd hüllet vmb sich her der wolcken schwartzes kleidt;
+ Tranck vnd eßen
+ Wird vergeßen
+ Von aller herd' vnd vieh' ohn vnterscheidt.
+
+ _STRO. II._
+
+ Berg' vnd thäler hört man ruffen
+ Bibran, Bibran, tag vnd nacht;
+ Aber nein, des todes macht
+ Lest sie gantz vergebens hoffen.
+ Wird der klee zue winterszeit
+ Durch das eiß gleich abgemeyt,
+ Sehen wir jhn doch im Lentzen
+ [I 4a] Nachmals auff den awen gläntzen:
+ Täglich fellt die Sonn' in's meer,
+ Scheinet aber morgen wieder:
+ Legt ein mensch ein mal sich nieder
+ Er kömpt nimmer zue vns her.
+
+ _ANTISTRO. II._
+
+ Wil derwegen vns gebühren
+ Wie es möglich nur mag sein
+ Sein begräbniß vnd gebein
+ Allenthalben außzueziehren
+ Mit dem frembden tulipan
+ Tausendtschön vnd maioran,
+ Mit violen vnd narcißen,
+ Vnd den blumen bey den flüssen
+ Die vom Mertzen sind genannt.
+ Sonderlich soll jhm sein leben
+ Auff das newe wiedergeben
+ Der Poeten weise handt.
+
+ _EPOD. II._
+
+ Jhr keuschen Lorbeersträuch', an denen gäntzlich lieget,
+ Das ein mensch der schon
+ Muß allhier darvon
+ Doch in der grub' ein ewiges lob krieget,
+ Schawt das jhr für den todt dem edlen cörper hier
+ Gleichfalls rahtet,
+ Vnd vmbschatet
+ Mit grüner lust sein' asche für vnd für.
+
+
+
+
+Das VIII. Capitel.
+
+Beschluß dieses buches.
+
+
+[I 4b] SO viel ist es, was ich von vnserer Poesie auffsetzen wollen.
+Wiewol ich keinen zweiffel trage, es sey noch allerseits eines vnd das
+andere zue erinnern, welches nicht weniger notwendig seyn mag, als etwas
+von denen sachen, derer ich erwehne. Es kan auch wol sein, das mir in
+dem eilen (denn ich vor fünff tagen, wie meine freunde wissen, die feder
+erst angesetzt habe) diß vnd jenes mag einkommen sein, das entweder gar
+außengelassen, oder ja im minsten verbeßert sollte werden. Ich hoffe
+aber, es wird mir der guethertzige Leser, in betrachtung der kurtzen
+zeit so ich hierbey verschloßen, etwas vbersehen, vnd bedencken, Rom sey
+nicht auff einen tag gebawet worden. Was noch vbrig ist, wil ich
+entweder inkünfftig selbst gründtlicher verführen, oder denen lassen,
+die mir an liebe gegen vnsere sprache gleiche, vnd an geschickligkeit
+vberlegen sein. Von denselben zue lernen bin ich so begierig, als ich
+willig gewesen bin, andere, die auch dieses nicht gewust haben, zue
+vnterrichten. Welche meine geringschätzige arbeit bey statlichen
+auffgeweckten gemütern, wo nicht mehr, doch so viel verfangen wird, das
+sie gleichsam als durch einen sporen hiermit auffgemuntert, vnserer
+Muttersprache die hand bietten, vnd jhrer Poesie den glantz, welchen sie
+lengest hette kriegen sollen, geben werden. Welches aber alsdenn
+vollkömlich geschehen kan, wenn zue dem was hiebevor in diesem buche
+erzehlet ist worden, die vornemlich jhren fleiß werden anlegen, welche
+von natur selber hierzue geartet sein, vnnd von sich sagen können was
+Ovidius:
+
+ _Est Deus in nobis, agitante calescimus illo._
+
+ Es ist ein Geist in vns, vnd was von vns geschrieben,
+ Gedacht wird vnd gesagt, das wird durch jhn getrieben.
+
+Wo diese natürliche regung ist, welche Plato einen Göttli-[K 1a]chen
+furor nennet, zum vnterscheide des aberwitzes oder blödigkeit, dürffen
+weder erfindung noch worte gesucht werden; vnnd wie alles mit lust vnd
+anmutigkeit geschrieben wird, so wird es auch nachmals von jederman mit
+dergleichen lust vnd anmutigkeit gelesen. An den andern wollen wir zwar
+den willen vnd die bemühung loben, der nachkommenen gunst aber können
+wir jhnen nicht verheißen.
+
+Wiewol wir die vbung vnd den fleiß nicht verwerffen: dann im fall
+dieselbigen mit der natur vereiniget werden, muß etwas folgen das böse
+mäuler leichtlicher tadeln können als nachmachen.
+
+Eine guete art der vbung aber ist, das wir vns zueweilen auß den
+Griechischen vnd Lateinischen Poeten etwas zue vbersetzen vornemen:
+dadurch denn die eigenschafft vnd glantz der wörter, die menge der
+figuren, vnd das vermögen auch dergleichen zue erfinden zue wege
+gebracht wird. Auff diese weise sind die Römer mit den Griechen, vnd die
+newen scribenten mit den alten verfahren: so das sich Virgilius selber
+nicht geschämet, gantze plätze auß andern zue entlehnen; wie sonderlich
+Macrobius im fünfften vnd sechsten buche beweiset. Wir sollen vns auch
+an vnserem eigenen fleiße nicht genügen laßen; sondern, weil viel augen
+mehr sehen als eines, vber die sachen welche wir an das liecht zue
+bringen vermeinen, berühmbter männer vrtheil ergehen laßen. Welches
+inngleichen die Römer so wol verstanden, vnd in acht genommen, das sie
+nicht leichtlich etwas offentlich außkommen laßen, das nicht zuevor von
+einem vnd dem andern geschätzet vnd durchgezogen worden. Ja, wie man
+keinen ringer oder fechter in offentlichen schawplatze auffführete, er
+mußte vorher seinen namen geben, vnd eine probe thun: welches sie
+ἀπογράφεσθαι vnnd ἐγκρίνεσθαι . einschreiben vnnd approbiren hiessen: so
+gaben auch die, welche in der zahl der Poeten wolten gerechnet werden,
+jhre getichte anderen Poeten zue vbersehen, vnd erkündigten sich darüber
+jhrer meinung: dieses war [K 1b] jhre ἀπογραφὴ vnnd ἔγκρισις; wie
+_Casaubonus_ vber den _Persium_ erinnert, vnd auß einer alten Inscription
+zue sehen ist:
+
+ _HIC . CVM . ESSET . ANNORVM.
+ XIII . ROMAE . CERTAMINE.
+ IOVIS . CAPITOLINI . LVSTRO.
+ SEXTO . CLARITATE . INGENI.
+ CORONATUS . EST . INTER.
+ POETAS . LATINOS . OMNIBVS.
+ SENTENTIIS . IVDICVM._
+
+Plinius der Jüngere, welcher vber alle seine sachen gelehrter freunde
+guet achten erfordert, saget in der 17. Epistel des 7. Buches, das jhn
+diese gewohnheit gar nicht rewe. Denn er bedächte, welch ein grosses es
+sey, durch der leute hände gehen, vnd könne jhm nicht einbilden, das man
+dasselbe nicht solle mit vielen vnd zum offtern vbersehen, was man
+begehret, das es allen vnd immer gefallen solle. Welches denn der
+grösseste lohn ist, den die Poeten zue gewarten haben; daß sie nemlich
+inn königlichen vnnd fürstlichen Zimmern platz finden, von grossen vnd
+verständigen Männern getragen, von schönen leuten (denn sie auch das
+Frawenzimmer zue lesen vnd offte in goldt zue binden pfleget) geliebet,
+in die bibliothecken einverleibet, offentlich verkauffet vnd von
+jederman gerhümet werden. Hierzue kömpt die hoffnung vieler künfftigen
+zeiten, in welchen sie fort für fort grünen, vnd ein ewiges gedächtniß
+in den hertzen der nachkommenen verlassen. Diese glückseligkeit erwecket
+bey auffrichtigen gemüttern solche wollust, das Demosthenes sagete, es
+sey jhm nichts angenemers, als wenn auch nur zwey weiblein welche wasser
+trügen (wie zue Athen bräuchlich war) einer den andern einbliesse: Das
+ist Demosthenes. Welcher ob er zwar als der vornemeste redener in hohen
+ehren gehalten worden, ist doch der rhum nicht geringer denn Homerus
+erlanget. Vnd wie der Autor des gespreches von den Oratoren saget, +des
+_Euripidis_ [K 2a] oder _Sophoclis_ berhümbter name ist so weit
+erschollen als des Lysiæ oder Hyperidis; vnd viel begehren weniger den
+rhum des _Ciceronis_ alß _Virgilii_. Es ist auch kein buch des _Asinii_
+oder _Messallæ_ so beschrieen, als des _Ouidii_ _Medea_, oder _Varii_
+sein Thyestes. Vnd+, redet er weiter, +ich schewe mich nicht den
+zuestand der Poeten vnd jhr glückhafftes wesen mit dem vnruhigen vnd
+sorglichen leben der Redner zue vergleichen. Ob zwar diese durch
+streitsachen vnnd gefahr zue dem Bürgermeister ampte sind erhoben
+worden; so wil ich doch lieber _Virgilii_ sichere vnnd geheime
+einsamkeit, in welcher es jhm weder an gnade bey dem Keyser Augusto,
+noch an kundschafft bey dem Römischen volcke gemangelt hat.+
+
+Nebenst dieser hoheit des gueten namens, ist auch die vnvergleichliche
+ergetzung, welche wir bey vns selbst empfinden, wenn wir der Poeterey
+halben so viel bücher vnnd schrifften durchsuchen: wenn wir die
+meinungen der weisen erkündigen, vnser gemüte wieder die zuefälle dieses
+lebens außhärten, vnd alle künste vnnd wissenschafften durchwandern? So
+war ich dieses für meine grösseste frewde vnd lust auff der Welt halte,
+so war wündsche ich, das die die in ansehung jhres reichthumbs vnnd
+vermeineter vberflüssigkeit aller notdurfft jhren stand weit vber den
+vnserigen erheben, die genüge vnd rhue, welche wir schöpffen auß dem
+geheimen gespreche vnd gemeinschafft der grossen hohen Seelen, die von
+so viel hundert ja tausendt Jharen her mit vns reden, empfinden solten;
+ich weiß, sie würden bekennen, das es weit besser sey, viel wissen vnd
+wenig besitzen, als alles besitzen vnd nichts wissen. Vber dieser
+vnglaublichen ergetzung haben jhrer viel hunger vnd durst erlitten, jhr
+gantze [K 2b] vermögen auffgesetzt, vnd fast jhrer selbst vergessen.
+Zoroaster, welcher, wie oben erwehnet, alle seine gedancken Poetisch
+auffgesetzt, soll zwantzig Jhar in höchster einsamkeit zuegebracht
+haben, damit er in erforschung der dinge nicht geirret würde. Vnd da
+alle andere wollüsten vns vnter den händen zuegehen, auch offtermals
+nichts von sich vbrig lassen als blosse rewe vnd eckel; so begleitet vns
+diese vnsere durch alle staffeln des alters, ist eine ziehr im
+wolstande, vnd in wiederwertigkeit ein sicherer hafen. Derentwegen wolle
+vns ja niemandt verargen, das wir die zeit, welche viel durch
+Fressereyen, Bretspiel, vnnütze geschwätze, verleumbdung ehrlicher
+leute, vnd sonderlich die lustige vberrechnung des vermögens hinbringen,
+mit anmutigkeit vnsers studierens, vnd denen sachen verschliessen,
+welche die armen offte haben, vnd die reichen nicht erkauffen können.
+Wir folgen dem, an welches vns Gott vnd die natur leitet, vnd auß dieser
+zueversicht hoffen wir, es werde vns an vornemer leute gunst vnd liebe,
+welche wir, nebenst dem gemüte vnserem Vaterlande zue dienen, einig
+hierdurch suchen, nicht mangeln. Den verächtern aber dieser göttlichen
+wissenschaft, damit sie nicht gantz leer außgehen, wollen wir inn den
+Tragedien so wir künfftig schreiben möchten die Personen derer geben,
+welche in dem Chore nach erzehlung trawriger sachen weinen vnd heulen
+mussen: da sie sich denn vber jhren vnverstand vnd grobheit nach der
+lenge beklagen mögen.
+
+
+
+
+[L 1a] An den Leser.
+
+
+Günstiger Leser, weil ich bey verfertigung des Büchleins nicht gewesen,
+ist es, sonderlich was die Griechischen wörter betrifft, etwas falsch
+gesetzet worden; dessen ich euch hiermit errinnern wollen.[2]
+
+ [2] _Hier folgt ein Verzeichniss von 30 Druckfehlern, die in unserem
+ Abdrucke danach verbessert worden sind. Vgl. übrigens die Einleitung,
+ sowie den Abdruck des Verzeichnisses bei Witkowski S. 206._
+
+ -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
+
+Das vbrige, dessen ich vieleichte nicht gewahr worden; wollet jhr
+vnbeschweret selber zu rechte bringen.
+
+[L 1b] Hierneben habe ich auch nicht sollen vnverwehnet lassen, das mir
+vnlengst eines gelehrten mannes in der frembde schreiben zuekommen,
+welcher der meinung ist, wann wir die eigentlichen namen der Götter vnd
+anderer sachen, als Jupiter, Orpheus, Phebus, Diana vnnd dergleichen in
+vnsere sprache brächten, würde sie nicht von allen verstanden werden,
+vnd solte man sich dieselben Deutsch zue geben befleissen. Wie aber
+solches vnmöglich ist, vnd gleichwol von dieser art namen ein grosses
+theil der Poeterey bestehet, also wissen wir, das es eben die
+gelegenheit mit den Lateinern zum ersten gehabt, welche diese wörter
+mehrentheiles von den Griechen vnd sonsten empfangen, vnd sie jhnen, wie
+hernachmals auch in der Italienischen, Frantzösischen, Spanischen vnd
+andern sprachen gesche-[L 2a]hen, durch stetten gebrauch so gemeine
+gemacht haben, das sie sie nicht weniger als ihre eigene wörter
+verstanden. Indeßen aber köndte es wol nicht schaden, das ein liebhaber
+vnserer schönen Muttersprache jhm so viel zeit neme, vnd in derselben
+ein sonderlich _Dictionarium_ oder Namenbuch der Völcker, Leute, Götter,
+Länder, örter, städte, flüße, porten, gebirge, vnd sonsten auß den
+geistlichen vnd weltlichen scribenten zuesammen trüge. Wie dieses nun
+bloß an einer bemühung gelegen, weil _Caroli Stephani_ vnd anderer
+bücher nur dörfften auffgesucht vnd vmbgesetzt werden; also würde jhm
+ein solcher doch sehr guetes Lob vnd rhum, welchem die edelsten gemüter
+nachtrachten, bey männiglich zu wege bringen. Gott befohlen.
+
+
+ _Druck von Ehrhardt Karras, Halle a. S._
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Veränderungeu, sondern
+ gewesen ist. Dieselben zeigen nicht nur keine Veränderungen, sondern
+
+ B ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
+ $B$ ab fehlt, so dass sich dieselben unsinnigen Druckfehler teils durch
+
+ noch in OP vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 32 31 das =mögen=
+ noch in $OP$ vorhanden. Ebenso ist in derselben Zeile 32 31 das =mögen=
+
+ A von 1624 in Betracht kommt.
+ $A$ von 1624 in Betracht kommt.
+
+ Ἦ ν ποτέ τοι χρόνος οὗτος ἐν ᾧ ἅμα πάντ' ἐπεφύκει
+ Ἦν ποτέ τοι χρόνος οὗτος ἐν ᾧ ἅμα πάντ' ἐπεφύκει
+
+ Πυθαγόρειον καί Σωκρατικὴν ἰδιότητα, die Pythagorische vnnd Socratische
+ Πυθαγόρειον καὶ Σωκρατικὴν ἰδιότητα, die Pythagorische vnnd Socratische
+
+ μὲν ὓδωρ, +Das Wasser ist das beste das man findt+. Mit welchem es
+ μὲν ὕδωρ, +Das Wasser ist das beste das man findt+. Mit welchem es
+
+ einem orte ζωὴ καὶ ψυχὴ, eben dieselben auß zue lachen, die sich in
+ einem orte ζωὴ καὶ ψυχή, eben dieselben auß zue lachen, die sich in
+
+ Χᾶιρέ μοι Ρώμα θυγάτηρ Ἄρηος,
+ Χαῖρέ μοι Ῥώμα θυγάτηρ Ἄρηος,
+
+ So, weil das L vnd R fließende buchstaben kein kan ich mir [E 4a] sie in
+ So, weil das L vnd R fließende buchstaben sein kan ich mir [E 4a] sie in
+
+ halte, das Heinfius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
+ halte, das Heinsius gleichfals grossen gefallen daran treget, der dieses
+
+ Ο δ' ἣλιος θάλασσαν,
+ Ο δ' ἥλιος θάλασσαν,
+
+ Τὸν δ ἣλιον σελήνη.
+ Τὸν δ' ἥλιον σελήνη.
+
+ Au weh! ich bin tausendt tausendt schmertzen,
+ Au weh! ich bin in tausendt tausendt schmertzen,
+
+ Αντίστροφος α.
+ Ἀντίστροφος α.
+
+ Επῳδὸς α.
+ Ἐπῳδὸς α.
+
+ Αντιστρ. β.
+ Ἀντιστρ. β.
+
+ Επῳδ. β.
+ Ἐπῳδ. β.
+
+ Αντιστρ. γ.
+ Ἀντιστρ. γ.
+
+ Επῳδ. γ.
+ Ἐπῳδ. γ.
+
+ ]
+
+
+
+
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
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+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
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+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
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+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
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+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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+that
+
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+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
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+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
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+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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