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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Das Buch der Bilder + +Author: Rainer Maria Rilke + +Release Date: November 30, 2010 [EBook #34521] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS BUCH DER BILDER *** + + + + + + + + + +DAS BUCH DER BILDER + +VON + +RAINER MARIA RILKE + + +LEIPZIG + +IM INSEL-VERLAG + +MCMXX + + + +DES ERSTEN BUCHES ERSTER TEIL + + + +EINGANG + + +Wer du auch seist: Am Abend tritt hinaus +aus deiner Stube, drin du alles weißt; +als letztes vor der Ferne liegt dein Haus: +Wer du auch seist. +Mit deinen Augen, welche müde kaum +von der verbrauchten Schwelle sich befrein, +hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum +und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein. +Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß +und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift. +Und wie dein Wille ihren Sinn begreift, +lassen sie deine Augen zärtlich los.... + + + + +AUS EINEM APRIL + + + Wieder duftet der Wald. + Es heben die schwebenden Lerchen +mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war; +zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war,-- + aber nach langen, regnenden Nachmittagen + kommen die goldübersonnten + neueren Stunden, +vor denen flüchtend, an fernen Häuserfronten + alle die wunden +Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen. + +Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser +über der Steine ruhig dunkelnden Glanz. +Alle Geräusche ducken sich ganz +in die glänzenden Knospen der Reiser. + + + + +ZWEI GEDICHTE ZU HANS THOMAS SECHZIGSTEM GEBURTSTAGE + + + +MONDNACHT + + +Süddeutsche Nacht, ganz breit im reifen Monde +und mild wie aller Märchen Wiederkehr. +Vom Turme fallen viele Stunden schwer +in ihre Tiefen nieder wie ins Meer,-- +und dann ein Rauschen und ein Ruf der Ronde, +und eine Weile bleibt das Schweigen leer; +und eine Geige dann (Gott weiß woher) +erwacht und sagt ganz langsam: + Eine Blonde ... + + + +RITTER + + +Reitet der Ritter im schwarzen Stahl +hinaus in die rauschende Welt. +Und draußen ist alles: der Tag und das Tal +und der Freund und der Feind und das Mahl im Saal +und der Mai und die Maid und der Wald und der Gral, +und Gott ist selber vieltausendmal +an alle Straßen gestellt. + +Doch in dem Panzer des Ritters drinnen, +hinter den finstersten Ringen, +hockt der Tod und muß sinnen und sinnen: +Wann wird die Klinge springen +über die Eisenhecke, +die fremde befreiende Klinge, +die mich aus meinem Verstecke +holt, drin ich so viele +gebückte Tage verbringe,-- +daß ich mich endlich strecke +und spiele +und singe. + + + + +MÄDCHENMELANCHOLIE + + +Mir fällt ein junger Ritter ein +fast wie ein alter Spruch. + +Der kam. So kommt manchmal im Hain +der große Sturm und hüllt dich ein. +Der ging. So läßt das Benedein +der großen Glocken dich allein +oft mitten im Gebet.... +Dann willst du in die Stille schrein +und weinst doch nur ganz leis hinein +tief in dein kühles Tuch. + +Mir fällt ein junger Ritter ein, +der weit in Waffen geht. + +Sein Lächeln war so weich und fein: +wie Glanz auf altem Elfenbein, +wie Heimweh, wie ein Weihnachtsschnein +im dunkeln Dorf, wie Türkisstein, +um den sich lauter Perlen reihn, +wie Mondenschein +auf einem lieben Buch. + + + + +VON DEN MÄDCHEN + + + +I + + +Andere müssen auf langen Wegen +zu den dunklen Dichtern gehn; +fragen immer irgendwen, +ob er nicht einen hat singen sehn +oder Hände auf Saiten legen. +Nur die Mädchen fragen nicht, +welche Brücke zu Bildern führe; +lächeln nur, lichter als Perlenschnüre, +die man an Schalen von Silber hält. + +Aus ihrem Leben geht jede Türe +in einen Dichter +und in die Welt. + + + +II + + +Mädchen, Dichter sind, die von euch lernen +das zu sagen, was ihr einsam seid; +und sie lernen leben an euch Fernen, +wie die Abende an großen Sternen +sich gewöhnen an die Ewigkeit. + +Keine darf sich je dem Dichter schenken, +wenn sein Auge auch um Frauen bat: +denn er kann euch nur als Mädchen denken: +das Gefühl in euren Handgelenken +würde brechen von Brokat. + +Laßt ihn einsam sein in seinem Garten, +wo er euch wie Ewige empfing +auf den Wegen, die er täglich ging, +bei den Bänken, welche schattig warten, +und im Zimmer, wo die Laute hing. + +Geht!... Es dunkelt. Seine Sinne suchen +eure Stimme und Gestalt nicht mehr. +Und die Wege liebt er lang und leer +und kein Weißes unter dunklen Buchen,-- +und die stumme Stube liebt er sehr. +... Eure Stimmen hört er ferne gehn +(unter Menschen, die et müde meidet) +und: sein zärtliches Gedenken leidet +im Gefühle, daß euch viele sehn. + + + + +DAS LIED DER BILDSÄULE + + +Wer ist es, wer mich so liebt, daß er +sein liebes Leben verstößt? +Wenn einer für mich ertrinkt im Meer, +so bin ich vom Steine zur Wiederkehr +ins Leben, ins Leben erlöst. + +Ich sehne mich so nach dem rauschenden Blut; +der Stein ist so still. +Ich träume vom Leben: das Leben ist gut. +Hat keiner den Mut, +durch den ich erwachen will? + +Und werd ich einmal im Leben sein, +das mir alles Goldenste gibt,-- + * * * * * +so werd ich allein , +weinen, weinen nach meinem Stein. +Was hilft mir mein Blut, wenn es reift wie der Wein? +Es kann aus dem Meer nicht den Einen schrein, +der mich am meisten geliebt. + + + + +DER WAHNSINN + + +Sie muß immer sinnen: Ich bin... ich bin.... +Wer bist du denn, Marie? + Eine Königin, eine Königin! + In die Kniee vor mir, in die Knie! + +Sie muß immer weinen: Ich war ... ich war.... +Wer warst du denn, Marie? + Ein Niemandskind, ganz arm und bar, + und ich kann dir nicht sagen wie. + +Und wurdest aus einem solchen Kind +eine Fürstin, vor der man kniet? + Weil die Dinge alle anders sind, + als man sie beim Betteln sieht. + +So haben die Dinge dich groß gemacht, + und kannst du noch sagen wann? + Eine Nacht, eine Nacht, über eine Nacht,-- + und sie sprachen mich anders an. + Ich trat in die Gasse hinaus und sieh: + die ist wie mit Saiten bespannt; + da wurde Marie Melodie, Melodie ... + und tanzte von Rand zu Rand. + Die Leute schlichen so ängstlich hin, + wie hart an die Häuser gepflanzt,-- + denn das darf doch nur eine Königin, + daß sie tanzt in den Gassen: tanzt!... + + + + +DIE LIEBENDE + + +Ja, ich sehne mich nach dir. Ich gleite +mich verlierend selbst mir aus der Hand, +ohne Hoffnung, daß ich Das bestreite, +was zu mir kommt wie aus deiner Seite +ernst und unbeirrt und unverwandt. + +... jene Zeiten: O wie war ich Eines, +nichts was rief und nichts was mich verriet, +meine Stille war wie eines Steines, +über den der Bach sein Murmeln zieht. + +Aber jetzt in diesen Frühlingswochen +hat mich etwas langsam abgebrochen +von dem unbewußten dunkeln Jahr. +Etwas hat mein armes warmes Leben +irgendeinem in die Hand gegeben, +der nicht weiß, was ich noch gestern war. + + + + +DIE BRAUT + + +Ruf mich, Geliebter, ruf mich laut! +Laß deine Braut nicht so lange am Fenster stehn. +In den alten Platanenalleen +wacht der Abend nicht mehr: +sie sind leer. + +Und kommst du mich nicht in das nächtliche Haus +mit deiner Stimme verschließen, +so muß ich mich aus meinen Händen hinaus +in die Gärten des Dunkelblaus +ergießen.... + + + + +DIE STILLE + + +Hörst du, Geliebte, ich hebe die Hände-- +hörst du: es rauscht.... +Welche Gebärde der Einsamen fände +sich nicht von vielen Dingen belauscht? +Hörst du, Geliebte, ich schließe die Lider, +und auch das ist Geräusch bis zu dir, +hörst du, Geliebte, ich hebe sie wieder.... +... Aber warum bist du nicht hier. + +Der Abdruck meiner kleinsten Bewegung +bleibt in der seidenen Stille sichtbar; +unvernichtbar drückt die geringste Erregung +in den gespannten Vorhang der Ferne sich ein. +Auf meinen Atemzügen heben und senken +die Sterne sich. +Zu meinen Lippen kommen die Düfte zur Tränke, +und ich erkenne die Handgelenke +entfernter Engel. +Nur die ich denke: Dich +seh ich nicht. + + + + +MUSIK + + +Was spielst du, Knabe? Durch die Gärten gings +wie viele Schritte, flüsternde Befehle. +Was spielst du, Knabe? Siehe, deine Seele +verfing sich in den Stäben der Syrinx. + +Was lockst du sie? Der Klang ist wie ein Kerker, +darin sie sich versäumt und sich versehnt; +stark ist dein Leben, doch dein Lied ist stärker, +an deine Sehnsucht schluchzend angelehnt.-- + +Gib ihr ein Schweigen, daß die Seele leise +heimkehre in das Flutende und Viele, +darin sie lebte, wachsend, weit und weise, +eh du sie zwangst in deine zarten Spiele. + +Wie sie schon matter mit den Flügeln schlägt: +So wirst du, Träumer, ihren Flug vergeuden, +daß ihre Schwinge, vom Gesang zersägt, +sie nicht mehr über meine Mauern trägt, +wenn ich sie rufen werde zu den Freuden. + + + + +DIE ENGEL + + +Sie haben alle müde Münde +und helle Seelen ohne Saum. +Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde) +geht ihnen manchmal durch den Traum. + +Fast gleichen sie einander alle; +in Gottes Gärten schweigen sie, +wie viele, viele Intervalle +in seiner Macht und Melodie. + +Nur wenn sie ihre Flügel breiten, +sind sie die Wecker eines Winds: +Als ginge Gott mit seinen weiten +Bildhauerhänden durch die Seiten +im dunklen Buch des Anbeginns. + + + + +DER SCHUTZENGEL + + +Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen, +wenn ich erwachte in der Nacht und rief. +Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen +ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief. +Du bist der Schatten, drin ich still entschlief, +und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen,-- +du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen, +der dich ergänzt in glänzendem Relief. + +Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen. +Du bist der Anfang, der sich groß ergießt, +ich bin das langsame und bange Amen, +das deine Schönheit scheu beschließt. + +Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen, +wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien +und wie Verlorengehen und Entfliehn,-- +da hobst du mich aus Herzensfinsternissen +und wolltest mich auf allen Türmen hissen +wie Scharlachfahnen und wie Draperien. + +Du: der von Wundern redet wie vom Wissen +und von den Menschen wie von Melodien +und von den Rosen: von Ereignissen, +die flammend sich in deinem Blick vollziehn,-- +du Seliger, wann nennst du einmal Ihn, +aus dessen siebentem und letztem Tage +noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage +verloren liegt. +Befiehlst du, daß ich frage? + + + + +MARTYRINNEN + + +Martyrin ist sie. Und als harten Falls +mit einem Ruck +das Beil durch ihre kurze Jugend ging, +da legte sich der feine rote Ring +um ihren Hals und war der erste Schmuck, +den sie mit einem fremden Lächeln nahm: +aber auch den erträgt sie nur mit Scham. +Und wenn sie schläft, muß ihre junge Schwester +(die, kindisch noch, sich mit der Wunde schmückt +von jenem Stein, der ihr die Stirn erdrückt,) +die harten Arme um den Hals ihr halten, +und oft im Traume fleht die andre: Fester, fester. +Und da fällt es dem Kinde manchmal ein, +die Stirne mit dem Bild von jenem Stein +zu bergen in des sanften Nachtgewandes Falten, +das von der Schwester Atmen hell sich hebt, +voll wie ein Segel, das vom Winde lebt. + +Das ist die Stunde, da sie heilig sind, +die stille Jungfrau und das blasse Kind. + +Da sind sie wieder wie vor allem Leide +und schlafen arm und haben keinen Ruhm, +und ihre Seelen sind wie weiße Seide, +und von derselben Sehnsucht beben beide +und fürchten sich vor ihrem Heldentum. + +Und du kannst meinen: Wenn sie aus den Betten +aufstünden bei dem nächsten Morgenlichte +und, mit demselben träumenden Gesichte, +die Gassen kämen in den kleinen Städten,-- +es bliebe keiner hinter ihnen staunen, +kein Fenster klirrte an den Häuserreihn, +und nirgends bei den Frauen ging ein Raunen, +und keines von den Kindern würde schrein. +Sie schritten durch die Stille in den Hemden +(die flachen Falten geben keinen Glanz) +so fremd und dennoch keinem zum Befremden, +so wie zu Festen, aber ohne Kranz. + + + + +DIE HEILIGE + + +Das Volk war durstig; also ging das eine +durstlose Mädchen, ging die Steine +um Wasser flehen für ein ganzes Volk. +Doch ohne Zeichen blieb der Zweig der Weide, +und sie ermattete am langen Gehn +und dachte endlich nur, daß einer leide, +(ein kranker Knabe, und sie hatten beide +sich einmal abends ahnend angesehn). +Da neigte sich die junge Weidenrute +in ihren Händen dürstend wie ein Tier: +jetzt ging sie blühend über ihrem Blute, +und rauschend ging ihr Blut tief unter ihr. + + + + +KINDHEIT + + +Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit +mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen. +O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen.... +Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen, +und auf den Plätzen die Fontänen springen, +und in den Gärten wird die Welt so weit.-- +Und durch das alles gehn im kleinen Kleid, +ganz anders als die andern gehn und gingen--: +O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen, +o Einsamkeit. + +Und in das alles fern hinauszuschauen: +Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen +und Kinder, welche anders sind und bunt; +und da ein Haus und dann und wann ein Hund +und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen--: +O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen, +o Tiefe ohne Grund. + +Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen +in einem Garten, welcher sanft verblaßt, +und manchmal die Erwachsenen zu streifen, +blind und verwildert in des Haschens Hast, +aber am Abend still, mit kleinen steifen +Schritten nach Haus zu gehn, fest angefaßt--: +O immer mehr entweichendes Begreifen, +o Angst, o Last. + +Und stundenlang am großen grauen Teiche +mit einem kleinen Segelschiff zu knien; +es zu vergessen, weil noch andre gleiche +und schönere Segel durch die Ringe ziehn, +und denken müssen an das kleine bleiche +Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien--: +O Kindheit, o entgleitende Vergleiche. +Wohin? Wohin? + + + + +AUS EINER KINDHEIT + + +Das Dunkeln war wie Reichtum in dem Raume, +darin der Knabe, sehr verheimlicht, saß. +Und als die Mutter eintrat wie im Traume, +erzitterte im stillen Schrank ein Glas. +Sie fühlte, wie das Zimmer sie verriet, +und küßte ihren Knaben: Bist du hier?... +Dann schauten beide bang nach dem Klavier, +denn manchen Abend hatte sie ein Lied, +darin das Kind sich seltsam tief verfing. + +Es saß sehr still. Sein großes Schauen hing +an ihrer Hand, die ganz gebeugt vom Ringe, +als ob sie schwer in Schneewehn ginge, +über die weißen Tasten ging. + + + + +DER KNABE + + +Ich möchte einer werden so wie die, +die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren, +mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren +in ihres Jagens großem Winde wehn. +Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne, +groß und wie eine Fahne aufgerollt. +Dunkel, aber mit einem Helm von Gold, +der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht +zehn Männer aus derselben Dunkelheit +mit Helmen, die wie meiner unstät sind, +bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind. +Und einer steht bei mir und bläst uns Raum +mit der Trompete, welche blitzt und schreit, +und bläst uns eine schwarze Einsamkeit, +durch die wir rasen wie ein rascher Traum: +die Häuser fallen hinter uns ins Knie, +die Gassen biegen sich uns schief entgegen, +die Plätze weichen aus: wir fassen sie, +und unsre Rosse rauschen wie ein Regen. + + + + +DIE KONFIRMANDEN + +(PARIS, IM MAI 1903) + + +In weißen Schleiern gehn die Konfirmanden +tief in das neue Grün der Gärten ein. +Sie haben ihre Kindheit überstanden, +und was jetzt kommt, wird anders sein. + +O kommt es denn! Beginnt jetzt nicht die Pause, +das Warten auf den nächsten Stundenschlag? +Das Fest ist aus, und es wird laut im Hause, +und trauriger vergeht der Nachmittag.... + +Das war ein Aufstehn zu dem weißen Kleide +und dann durch Gassen ein geschmücktes Gehn +und eine Kirche, innen kühl wie Seide, +und lange Kerzen waren wie Alleen, +und alle Lichter schienen wie Geschmeide, +von feierlichen Augen angesehn. + +Und es war still, als der Gesang begann: +Wie Wolken stieg er in der Wölbung an +und wurde hell im Niederfall; und linder +denn Regen fiel er in die weißen Kinder. +Und wie im Wind bewegte sich ihr Weiß, +und wurde leise bunt in seinen Falten +und schien verborgne Blumen zu enthalten--: +Blumen und Vögel, Sterne und Gestalten +aus einem alten fernen Sagenkreis. + +Und draußen war ein Tag aus Blau und Grün +mit einem Ruf von Rot an hellen Stellen. +Der Teich entfernte sich in kleinen Wellen, +und mit dem Winde kam ein fernes Blühn +und sang von Gärten draußen vor der Stadt. + +Es war, als ob die Dinge sich bekränzten, +sie standen licht, unendlich leicht besonnt; +ein Fühlen war in jeder Häuserfront, +und viele Fenster gingen auf und glänzten. + + + + +DAS ABENDMAHL + + +Sie sind versammelt, staunende Verstörte, +am ihn, der wie ein Weiser sich beschließt, +und der sich fortnimmt denen er gehörte, +und der an ihnen fremd vörüberfließt. +Die alte Einsamkeit kommt über ihn, +die ihn erzog zu seinem tiefen Handeln; +nun wird er wieder durch den Ölwald wandeln, +und die ihn lieben, werden vor ihm fliehn. + +Er hat sie zu dem letzten Tisch entboten +und (wie ein Schuß die Vögel aus den Schoten +scheucht) scheucht er ihre Hände aus den Broten +mit seinem Wort: sie fliegen zu ihm her; +sie flattern bange durch die Tafelrunde +und suchen einen Ausgang. Aber er +ist überall wie eine Dämmerstunde. + + + + + +DES ERSTEN BUCHES ZWEITER TEIL + + + + +INITIALE + +Aus unendlichen Sehnsüchten steigen +endliche Taten wie schwache Fontänen, +die sich zeitig und zitternd neigen. +Aber, die sich uns sonst verschweigen, +unsere fröhlichen Kräfte--zeigen +sich in diesen tanzenden Tränen. + + + + +ZUM EINSCHLAFEN ZU SAGEN + + +Ich möchte jemanden einsingen, +bei jemandem sitzen und sein. +Ich möchte dich wiegen und kleinsingen +und begleiten schlafaus und schlafein. +Ich möchte der einzige sein im Haus, +der wüßte: die Nacht war kalt. +Und möchte horchen herein und hinaus +in dich, in die Welt, in den Wald.-- +Die Uhren rufen sich schlagend an, +und man sieht der Zeit auf den Grund. +Und unten geht noch ein fremder Mann +und stört einen fremden Hund. +Dahinter wird Stille. Ich habe groß +die Augen auf dich gelegt; +sie halten dich sanft und lassen dich los, +wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt. + + + + +MENSCHEN BEI NACHT + + + +Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht. +Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht, +und du sollst ihn nicht suchen trotzdem. +Und machst du nachts deine Stube licht, +um Menschen zu schauen ins Angesicht, +so mußt du bedenken: wem. + +Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt, +das von ihren Gesichtern träuft, +und haben sie nachts sich zusammengesellt, +so schaust du eine wankende Welt +durcheinandergehäuft. +Auf ihren Stirnen hat gelber Schein +alle Gedanken verdrängt, +in ihren Blicken flackert der Wein, +an ihren Händen hängt +die schwere Gebärde, mit der sie sich +bei ihren Gesprächen verstehn; +und dabei sagen sie: Ich und Ich +und meinen: Irgendwen. + + + + +DER NACHBAR + + +Fremde Geige, gehst du mir nach? +In wieviel fernen Städten schon sprach +deine einsame Nacht zu meiner? +Spielen dich Hunderte? Spielt dich einer? + +Gibt es in allen großen Städten +solche, die sich ohne dich +schon in den Flüssen verloren hätten? +Und warum trifft es immer mich? + +Warum bin ich immer der Nachbar derer, +die dich bange zwingen zu singen +und zu sagen: Das Leben ist schwerer +als die Schwere von allen Dingen? + + + + +PONT DU CARROUSEL + + +Der blinde Mann, der auf der Brücke steht, +grau wie ein Markstein namenloser Reiche, +er ist vielleicht das Ding, das immer gleiche, +um das von fern die Sternenstunde geht +und der Gestirne heller Mittelpunkt. +Denn alles um ihn irrt und rinnt und prunkt. + +Er ist der unbewegliche Gerechte, +in viele wirre Wege hingestellt; +der dunkle Eingang in die Unterwelt +bei einem oberflächlichen Geschlechte. + + + + +DER EINSAME + + +Wie einer, der auf fremden Meeren fuhr, +so bin ich bei den ewig Einheimischen; +die vollen Tage stehn auf ihren Tischen, +mir aber ist die Ferne voll Figur. + +In mein Gesicht reicht eine Welt herein, +die vielleicht unbewohnt ist wie ein Mond, +sie aber lassen kein Gefühl allein, +und alle ihre Worte sind bewohnt. + +Die Dinge, die ich weither mit mir nahm, +sehn selten aus, gehalten an das Ihre--: +in ihrer großen Heimat sind sie Tiere, +hier halten sie den Atem an vor Scham. + + + + +DIE ASCHANTI + +(Jardin d'Acclimatation) + + +Keine Vision von fremden Ländern, +kein Gefühl von braunen Frauen, die +tanzen aus den fallenden Gewändern. + +Keine wilde, fremde Melodie. +Keine Lieder, die vom Blute stammten, +und kein Blut, das aus den Tiefen schrie. + +Keine braunen Mädchen, die sich samten +breiteten in Tropenmüdigkeit; +keine Augen, die wie Waffen flammten, + +und die Munde zum Gelächter breit. +Und ein wunderliches Sich-verstehen +mit der hellen Menschen Eitelkeit. + +Und mir war so bange hinzusehen. + +O wie sind die Tiere so viel treuer, +die in Gittern auf und nieder gehn, +ohne Eintracht mit dem Treiben neuer +fremder Dinge, die sie nicht verstehn; +und sie brennen wie ein stilles Feuer +leise aus und sinken in sich ein, +teilnahmslos dem neuen Abenteuer +und mit ihrem großen Blut allein. + + + + +DER LETZTE + + +Ich habe kein Vaterhaus +und habe auch keines verloren; +meine Mutter hat mich in die Welt hinaus +geboren. +Da steh ich nun in der Welt und geh +in die Welt immer tiefer hinein +und habe mein Glück und habe mein Weh +und habe jedes allein. +Und bin doch manch eines Erbe. +Mit drei Zweigen hat mein Geschlecht geblüht +auf sieben Schlössern im Wald +und wurde seines Wappens müd +und war schon viel zu alt;-- +und was sie mir ließen und was ich erwerbe +zum alten Besitze, ist heimatlos. +In meinen Händen, in meinem Schoß +muß ich es halten, bis ich sterbe. +Denn was ich fortstelle, +hinein in die Welt, +fällt, +ist wie auf eine Welle +gestellt. + + + + +BANGNIS + + +Im welken Walde ist ein Vogelruf, +der sinnlos scheint in diesem welken Walde. +Und dennoch ruht der runde Vogelruf +in dieser Weile, die ihn schuf, +breit wie ein Himmel auf dem welken Walde. +Gefügig räumt sich alles in den Schrei. +Das ganze Land scheint lautlos drin zu liegen, +der große Wind scheint sich hineinzuschmiegen, +und die Minute, welche weiter will, +ist bleich und still, als ob sie Dinge wüßte, +an denen jeder sterben müßte, +aus ihm herausgestiegen. + + + + +KLAGE + + +O wie ist alles fern +und lange vergangen. +Ich glaube, der Stern, +von welchem ich Glanz empfange, +ist seit Jahrtausenden tot. +Ich glaube, im Boot, +das vorüberfuhr, +hörte ich etwas Banges sagen. +Im Hause hat eine Uhr +geschlagen.... +In welchem Haus? ... +Ich möchte aus meinem Herzen hinaus +unter den großen Himmel treten. +Ich möchte beten. +Und einer von allen Sternen +müßte wirklich noch sein. +Ich glaube, ich wüßte, +welcher allein +gedauert hat, +welcher wie eine weiße Stadt +am Ende des Strahls in den Himmeln steht.... + + + + +EINSAMKEIT + + +Die Einsamkeit ist wie ein Regen. +Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen; +von Ebenen, die fern sind und entlegen, +geht sie zum Himmel, der sie immer hat. +Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt. + +Regnet hernieder in den Zwitterstunden, +wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen, +und wenn die Leiber, welche nichts gefunden, +enttäuscht und traurig voneinander lassen; +und wenn die Menschen, die einander hassen, +in einem Bett zusammen schlafen müssen: + +dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen.... + + + + +HERBSTTAG + + +Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. +Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, +und auf den Fluren laß die Winde los. + +Befiehl den letzten Früchten voll zu sein; +gib ihnen noch zwei südlichere Tage, +dränge sie zur Vollendung hin und jage +die letzte Süße in den schweren Wein. + +Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. +Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, +wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben +und wird in den Alleen hin und her +unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. + + + + +ERINNERUNG + + +Und du wartest, erwartest das Eine, +das dein Leben unendlich vermehrt; +das Mächtige, Ungemeine, +das Erwachen der Steine, +Tiefen, dir zugekehrt. + +Es dämmern im Bücherständer +die Bände in Gold und Braun; +und du denkst an durchfahrene Länder, +an Bilder, an die Gewänder +wiederverlorener Fraun. + +Und da weißt du auf einmal: Das war es. +Du erhebst dich, und vor dir steht +eines vergangenen Jahres +Angst und Gestalt und Gebet. + + + + +ENDE DES HERBSTES + + +Ich sehe seit einer Zeit, +wie alles sich verwandelt. +Etwas steht auf und handelt +und tötet und tut Leid. + +Von Mal zu Mal sind all +die Gärten nicht dieselben; +von den gilbenden zu der gelben +langsamem Verfall: +wie war der Weg mir weit. + +Jetzt bin ich beiden leeren +und schaue durch alle Alleen. +Fast bis zu den fernen Meeren +kann ich den ernsten schweren +verwehrenden Himmel sehn. + + + + +HERBST + + +Die Blätter fallen, fallen wie von weit, +als welkten in den Himmeln ferne Gärten; +sie fallen mit verneinender Gebärde. + +Und in den Nächten fällt die schwere Erde +aus allen Sternen in die Einsamkeit. + +Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. +Und sieh dir andre an: es ist in allen. + +Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen +unendlich sanft in seinen Händen hält. + + + + +AM RANDE DER NACHT + + +Meine Stube und diese Weite, +wach über nachtendem Land, - +ist Eines. Ich bin eine Saite, +über rauschende breite +Resonanzen gespannt. + +Die Dinge sind Geigenleiber, +von murrendem Dunkel voll; +drin träumt das Weinen der Weiber, +drin rührt sich im Schlafe der Groll +ganzer Geschlechter.... +Ich soll +silbern erzittern: dann wird +alles unter mir beben, +und was in den Dingen irrt, +wird nach dem Lichte streben, +das von meinem tanzenden Tone, +um welchen der Himmel wellt, +durch schmale, schmachtende Spalten +in die alten +Abgründe ohne +Ende fällt.... + + + + +GEBET + + +Nacht, stille Nacht, in die verwoben sind +ganz weiße Dinge, rote, bunte Dinge, +verstreute Farben, die erhoben sind +zu Einem Dunkel, Einer Stille,--bringe +doch mich auch in Beziehung zu dem Vielen, +das du erwirbst und überredest. Spielen +denn meine Sinne noch zu sehr mit Licht? +Würde sich denn mein Angesicht +noch immer störend von den Gegenständen +abheben? Urteile nach meinen Händen: +liegen sie nicht wie Werkzeug da und Ding? +Ist nicht der Ring selbst schlicht +an meiner Hand, und liegt das Licht +nicht ganz so, voll Vertrauen, über ihnen,-- +als ob sie Wege wären, die beschienen +nicht anders sich verzweigen als im Dunkel?... + + + + +FORTSCHRITT + + +Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter, +als ob es jetzt in breitern Ufern ginge. +Immer verwandter werden mir die Dinge +und alle Bilder immer angeschauter. +Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter: +mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche +ich in die windigen Himmel aus der Eiche, +und in den abgebrochnen Tag der Teiche +sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl. + + + + +VORGEFÜHL + + +Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben. +Ich ahne die Winde, die kommen, und muß sie leben, +während die Dinge unten sich noch nicht rühren: +die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen + ist Stille; +die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist + noch schwer. + +Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie + das Meer. +Und breite mich aus und falle in mich hinein +und werfe mich ab und bin ganz allein +in dem großen Sturm. + + + + +STURM + + +Wenn die Wolken, von Stürmen geschlagen, +jagen: +Himmel von hundert Tagen +über einem einzigen Tag--: + +Dann fühl ich dich, Hetman, von fern +(der du deine Kosaken gern +zu dem größesten Herrn +führen wolltest). +Deinen wagrechten Nacken +fühl ich, Mazeppa. + +Dann bin auch ich an das rasende Rennen +eines rauchenden Rückens gebunden; +alle Dinge sind mir verschwunden, +nur die Himmel kann ich erkennen: + +Überdunkelt und überschienen +lieg ich flach unter ihnen, +wie Ebenen liegen; +meine Augen sind offen wie Teiche, +und in ihnen flüchtet das gleiche +Fliegen. + + + + +ABEND IN SKÅNE + + +Der Park ist hoch. Und wie aus einem Haus +tret ich aus seiner Dämmerung heraus +in Ebene und Abend. In den Wind, +denselben Wind, den auch die Wolken fühlen, +die hellen Flüsse und die Flügelmühlen, +die langsam mahlend stehn am Himmelsrand. +Jetzt bin auch ich ein Ding in seiner Hand, +das kleinste unter diesen--Schau: + +Ist das ein Himmel?: +Selig lichtes Blau, +in das sich immer reinere Wolken drängen, +und drunter alle Weiß in Übergängen, +und drüber jenes dünne große Grau, +warmwallend wie auf roter Untermalung, +und über allem diese stille Strahlung +sinkender Sonne. + +Wunderlicher Bau, +in sich bewegt und von sich selbst gehalten, +Gestalten bildend, Riesenflügel, Falten +und Hochgebirge vor den ersten Sternen +und plötzlich, da: ein Tor in solche Fernen, +wie sie vielleicht nur Vögel kennen.... + + + + +ABEND + + +Der Abend wechselt langsam die Gewänder, +die ihm ein Rand von alten Bäumen hält; +du schaust: und von dir scheiden sich die Länder, +ein himmelfahrendes und eins, das fällt; + +und lassen dich, zu keinem ganz gehörend, +nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt, +nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend +wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt; + +und lassen dir (unsäglich zu entwirrn) +dein Leben, bang und riesenhaft und reifend, +so daß es, bald begrenzt und bald begreifend, +abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn. + + + + +ERNSTE STUNDE + + +Wer jetzt weint irgendwo in der Welt, +ohne Grund weint in der Welt, +weint über mich. + +Wer jetzt lacht irgendwo in der Nacht, +ohne Grund lacht in der Nacht, +lacht mich aus. + +Wer jetzt geht irgendwo in der Welt, +ohne Grund geht in der Welt, +geht zu mir. + +Wer jetzt stirbt irgendwo in der Welt, +ohne Grund stirbt in der Welt, +sieht mich an. + + + + +STROPHEN + + +Ist einer, der nimmt alle in die Hand, +daß sie wie Sand durch seine Finger rinnen. +Er wählt die schönsten aus den Königinnen +und läßt sie sich in weißen Marmor hauen, +still liegend in des Mantels Melodie; +und legt die Könige zu ihren Frauen, +gebildet aus dem gleichen Stein wie sie. + +Ist einer, der nimmt alle in die Hand, +daß sie wie schlechte Klingen sind und brechen. +Er ist kein Fremder, denn er wohnt im Blut, +das unser Leben ist und rauscht und ruht. +Ich kann nicht glauben, daß er unrecht tut; +doch hör ich viele Böses von ihm sprechen. + + + + +STURMNACHT + + +Der Gott erschrak in seiner Einsamkeit. +Er sah tief unten in der grauen Zeit +den Herbsttag gehn. Der war so greisenhaft, +als reichte nicht zum Abendrande weit +der matte Pfeil vom Bogen seiner Kraft. +Oft stand er still und starrte nach den Hügeln, +und endlich sank er matt ins arme Gras; +und wie der giere Geier auf das Aas, +so fiel auf ihn mit schweren, schwarzen Flügeln +die nasse Nacht, die seine Seele fraß. + +Die schwarze Nacht saß auf dem toten Tag, +und Gott erschrak: +sein Blick ging lange in dem Dunkel irr; +und als er trat aus Wolken und Gewirr, +fand er die Ferne nicht, nicht Flut noch Feld: +die schwarze Nacht fraß an der ganzen Welt. + +Da ahnte Gott, der schauernd niederblickte, +wie unter diesem schweren Schwingenschlag +die weite Welt erstarrte und erstickte +so wie ein Tag. +Und plötzlich wußte er: Er liebte sie. +Doch reglos schattend blieb das Nachtgefieder, +als von dem Rand der leeren Himmel nieder +sein Wille schrie.... + +Aber der Gott wird größer im Grimme; +wenn er einmal sein einsames Leid +in die erwachenden Weiten schreit, +ist der Sturm seine Stimme. +Und dann reißt sein wehendes Wort +von den Monden die Wolken fort: +und so sah er im Schimmer thronen +lauter ähnliche Ewigkeiten, +sah die Sterne der Stille wohnen +und die Welten im Wandel schreiten. + +Und sein Bangen fand alles geborgen +in dem leise liebkosenden Licht,-- +aber über dem Gestern und Morgen +schwieg die Nacht, und sie rührte sich nicht. + +Und da war der Gott wie ein Kind, +und er wurde vor Weinen blind, +und durch den wimmernden Wind +griff er mit hilflosen Händen: +ob sie im Äther die Ufer fänden, +welche die Spitzen der Türme sind. +Sein Weinen verwaiste und rief: +"Ist denn die Welt so tief, so tief, +daß der Gott, der Sommer und Sonnen sann, +der in alle Gedanken tauchte, +den Rauch, der um ihre Gipfel rauchte-- +ihren Atem--nicht einmal erreichen kann? +Ist dort kein Garten, der Blüten weht, +kein lauschendes Leid, kein waches Gebet, +keine Stille, die mich versteht?" + + * * * * * + +Auf Erden war nur ein winziges Licht, +das in dem samtenen Dunkel dicht +an der Wiege des Kindes wachte +und an sein ärmliches Dasein dachte, +als die Stimme des Sturmes klang. +Da wurde dem Funken so heimwehbang, +daß er aus blinkendem Becher sachte +wie der Quell aus dem Felsen sprang +und, die Falten des Vorhangs entlang, +wünschend nach allen Wänden griff, +bis sich berstend die Balken bogen,-- +und auf hohen, lodernden Wogen +trieb die Wiege, das schlummernde Schiff. + +Da regt sich die Welt. Von den Hängen hebt +scheu sich die Nacht vor dem siegenden Scheine. +Es lächelt der Gott; er weiß nur das eine: +Sie lebt! + + + + + +DES ZWEITEN BUCHES ERSTER TEIL + + + + +INITIALE + +Gib deine Schönheit immer hin +ohne rechnen und reden. +Du schweigst. Sie sagt für dich: Ich bin. +Und kommt in tausendfachem Sinn, +kommt endlich über jeden. + + + + +VERKÜNDIGUNG + + + +DIE WORTE DES ENGELS + + +Du bist nicht näher an Gott als wir; +wir sind ihm alle weit. +Aber wunderbar sind dir +die Hände benedeit. +So reifen sie bei keiner Frau, +so schimmernd aus dem Saum: +Ich bin der Tag, ich bin der Tau, +du aber bist der Baum. + +Ich bin jetzt matt, mein Weg war weit, +vergib mir, ich vergaß, +was er, der groß in Goldgeschmeid +wie in der Sonne saß, +dir künden ließ, du Sinnende, +(verwirrt hat mich der Raum). +Sieh: Ich bin das Beginnende, +du aber bist der Baum. + +Ich spannte meine Schwingen aus +und wurde seltsam weit; +jetzt überfließt dein kleines Haus +von meinem großen Kleid. +Und dennoch bist du so allein +wie nie und schaust mich kaum; +das macht: Ich bin ein Hauch im Hain, +du aber bist der Baum. + +Die Engel alle bangen so, +lassen einander los: +noch nie war das Verlangen so, +so ungewiß und groß. +Vielleicht, daß etwas bald geschieht, +das du im Traum begreifst. +Gegrüßt sei, meine Seele sieht: +Du bist bereit und reifst. +Du bist ein großes, hohes Tor, +und aufgehn wirst du bald. +Du, meines Liedes liebstes Ohr, +jetzt fühle ich: Mein Wort verlor +sich in dir wie im Wald. + +So kam ich und vollendete +dir tausendeinen Traum. +Gott sah mich an: er blendete.... + +Du aber bist der Baum. + + + + +DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE + + + +LEGENDE + + +Einst als am Saum der Wüsten sich +auftat die Hand des Herrn +wie eine Frucht, die sommerlich +verkündet ihren Kern, +da war ein Wunder: Fern +erkannten und begrüßten sich +drei Könige und ein Stern. + +Drei Könige von Unterwegs +und der Stern Überall, +die zogen alle (überlegs!) +so rechts ein Rex und links ein Rex +zu einem stillen Stall. + +Was brachten die nicht alles mit +zum Stall von Bethlehem! +Weithin erklirrte jeder Schritt, +und der auf einem Rappen ritt, +saß samten und bequem; +und der zu seiner Rechten ging, +der war ein goldner Mann; +und der zu seiner Linken fing +mit Schwung und Schwing +und Klang und Kling +aus einem runden Silberding, +das wiegend und in Ringen hing, +ganz blau zu rauchen an. + +Da lachte der Stern Überall +so seltsam über sie +und lief voraus und stand am Stall +und sagte zu Marie: + +Da bring ich eine Wanderschaft +aus vieler Fremde her. +Drei Könige mit Magenkraft, +von Gold und Topas schwer +und dunkel, tumb und heldenhaft,-- +erschrick mir nicht zu sehr. +Sie haben alle drei zu Haus +zwölf Töchter, keinen Sohn, +so bitten sie sich deinen aus +als Sonne ihres Himmelblaus +und Trost für ihren Thron. +Doch mußt du nicht gleich glauben: Bloß +ein Funkel fürst und Heidenscheich +sei deines Sohnes Los. +Bedenk, der Weg ist groß. +Sie wandern lange, Hirten gleich, +inzwischen fällt ihr reifes Reich +weiß Gott wem in den Schoß. +Und während hier, wie Westwind warm, +der Ochs ihr Ohr umschnaubt, +sind sie vielleicht schon alle arm +und so wie ohne Haupt. +Drum mach mit deinem Lächeln licht +die Wirrnis, die sie sind, +und wende du dein Angesicht +nach Aufgang und dein Kind; +dort liegt in blauen Linien, +was jeder dir verließ: +Smaragda und Rubinien +und die Tale von Türkis. + + + + +IN DER CERTOSA + + +Ein jeder aus der weißen Bruderschaft +vertraut sich pflanzend seinem kleinen Garten. +Auf jedem Beete steht, wer jeder sei. +Und einer harrt in heimlichen Hoffarten, +daß ihm im Mai +die ungestümen Blüten offenbarten +ein Bild von seiner unterdrückten Kraft. + +Und seine Hände halten, wie erschlafft, +sein braunes Haupt, das schwer ist von den Säften, +die ungeduldig durch das Dunkel rollen, +und sein Gewand, das faltig, voll und wollen, +zu seinen Füßen fließt, ist stramm gestrafft +um seinen Armen, die, gleich starken Schäften, +die Hände tragen, welche träumen sollen. + +Kein Miserere und kein Kyrie +will seine junge runde Stimme ziehn, +vor keinem Fluche will sie fliehn; +sie ist kein Reh. +Sie ist ein Roß und bäumt sich im Gebiß, +und über Hürde, Hang und Hindernis +will sie ihn tragen weit und weggewiß, +ganz ohne Sattel will sie tragen ihn. + +Er aber sitzt, und unter den Gedanken +zerbrechen fast die breiten Handgelenke, +so schwer wird ihm der Sinn und immer schwerer. + +Der Abend kommt, der sanfte Wiederkehrer, +ein Wind beginnt, die Wege werden leerer, +und Schatten sammeln sich im Talgesenke. +Und wie ein Kahn, der an der Kette schwankt, +so wird der Garten ungewiß und hangt +wie windgewiegt auf lauter Dämmerung. +Wer löst ihn los?... + +Der Frate ist so jung, +und langelang ist seine Mutter tot. +Er weiß von ihr: sie nannten sie La Stanca; +sie war ein Glas, ganz zart und klar. Man bot +es einem, der es nach dem Trunk zerschlug +wie einen Krug. + +So ist der Vater. +Und er hat sein Brot +als Meister in den roten Marmorbrüchen. +Und jede Wöchnerin in Pietrabianca +hat Furcht, daß er des Nachts mit seinen Flüchen +vorbei an ihrem Fenster kommt und droht. + +Sein Sohn, den er der Donna Dolorosa +geweiht in einer Stunde wilder Not, +sinnt im Arkadenhofe der Certosa, +sinnt, wie umrauscht von rötlichen Gerüchen: +denn seine Blumen blühen alle rot. + + + + + +DAS JÜNGSTE GERICHT + + + +AUS DEN BLÄTTERN EINES MÖNCHS + + +Sie werden alle wie aus einem Bade +aus ihren mürben Grüften auferstehn; +denn alle glauben an das Wiedersehn, +und furchtbar ist ihr Glauben, ohne Gnade. + +Sprich leise, Gott! Es könnte einer meinen, +daß die Posaune deiner Reiche rief; +und ihrem Ton ist keine Tiefe tief: +da steigen alle Zeiten aus den Steinen, +und alle die Verschollenen erscheinen +in welken Leinen, brüchigen Gebeinen +und von der Schwere ihrer Schollen schief. +Das wird ein wunderliches Wiederkehren +in eine wunderliche Heimat sein; +auch die dich niemals kannten, werden schrein +und deine Größe wie ein Recht begehren: +wie Brot und Wein. + +Allschauender, du kennst das wilde Bild, +das ich in meinem Dunkel zitternd dichte. +Durch dich kommt alles, denn du bist das Tor,-- +und alles war in deinem Angesichte, +eh es in unserm sich verlor. +Du kennst das Bild vom riesigen Gerichte: +Ein Morgen ist es, doch aus einem Lichte, +das deine reife Liebe nie erschuf, +ein Rauschen ist es, nicht aus deinem Ruf, +ein Zittern, nicht von göttlichem Verzichte, +ein Schwanken, nicht in deinem Gleichgewichte. +Ein Rascheln ist und ein Zusammenraffen +in allen den geborstenen Gebäuden, +ein Sichentgelten und ein Sich vergeuden, +ein Sichbegatten und ein Sichbegaffen, +und ein Betasten aller alten Freuden +und aller Lüste welke Wiederkehr. +Und über Kirchen, die wie Wunden klaffen, +ziehn schwarze Vögel, die du nie erschaffen, +in irren Zügen hin und her. + +So ringen sie, die lange Ausgeruhten, +und packen sich mit ihren nackten Zähnen +und werden bange, weil sie nicht mehr bluten, +und suchen, wo die Augenbecher gähnen, +mit kalten Fingern nach den toten Tränen. +Und werden müde. Wenige Minuten +nach ihrem Morgen bricht der Abend ein. +Sie werden ernst und lassen sich allein +und sind bereit, im Sturme aufzusteigen, +wenn sich auf deiner Liebe heitrem Wein +die dunklen Tropfen deines Zornes zeigen, +um deinem Urteil nah zu sein. +Und da beginnt es, nach dem großen Schrein: +das übergroße fürchterliche Schweigen. +Sie sitzen alle wie vor schwarzen Türen +in einem Licht, das sie, wie mit Geschwüren, +mit vielen grellen Flecken übersät. + +Und wachsend wird der Abend alt und spät. +Und Nächte fallen dann in großen Stücken +auf ihre Hände und auf ihren Rücken, +der wankend sich mit schwarzer Last belädt. +Sie warten lange. Ihre Schultern schwanken +unter dem Drucke wie ein dunkles Meer, +sie sitzen, wie versunken in Gedanken, +und sind doch leer. +Was stützen sie die Stirnen? +Ihre Gehirne denken irgendwo +tief in der Erde, eingefallen, faltig: +Die ganze alte Erde denkt gewaltig, +und ihre großen Bäume rauschen so. + +Allschauender, gedenkst du dieses bleichen +und bangen Bildes, das nicht seinesgleichen +unter den Bildern deines Willens hat? +Hast du nicht Angst vor dieser stummen Stadt, +die, an dir hangend wie ein welkes Blatt, +sich heben will zu deines Zornes Zeichen? +0, greife allen Tagen in die Speichen, +daß sie zu bald nicht diesem Ende nahen,-- +vielleicht gelingt es dir noch auszuweichen +dem großen Schweigen, das wir beide sahen. +Vielleicht kannst du noch einen aus uns heben, +der diesem fürchterlichen Wiederleben +den Sinn, die Sehnsucht und die Seele nimmt, +einen, der bis in seinen Grund ergrimmt +und dennoch froh durch alle Dinge schwimmt, +der Kräfte unbekümmerter Verbraucher, +der sich auf allen Saiten geigt +und unversehrt als unerkannter Taucher +in alle Tode niedersteigt. +... Oder, wie hoffst du diesen Tag zu tragen, +der länger ist als aller Tage Längen, +mit seines Schweigens schrecklichen Gesängen, +wenn dann die Engel dich, wie lauter Fragen, +mit ihrem schauerlichen Flügelschlagen umdrängen? +Sieh, wie sie zitternd in den Schwingen hängen +und dir mit hunderttausend Augen klagen, +und ihres sanften Liedes Stimmen wagen +sich aus den vielen wirren Übergängen +nicht mehr zu heben zu den klaren Klängen. +Und wenn die Greise mit den breiten Bärten, +die dich berieten bei den besten Siegen, +nur leise ihre weißen Häupter wiegen, +und wenn die Frauen, die den Sohn dir nährten, +und die von ihm Verführten, die Gefährten, +und alle Jungfraun, die sich ihm gewährten: +die lichten Birken deiner dunklen Gärten,-- +wer soll dir helfen, wenn sie alle schwiegen? + +Und nur dein Sohn erhübe sich unter denen, +welche sitzen um deinen Thron. +Grübe sich deine Stimme dann in sein Herz? +Sagte dein einsamer Schmerz dann: +Sohn! +Suchtest du dann das Angesicht +dessen, der das Gericht gerufen, +dein Gericht und deinen Thron: +Sohn! +Hießest du, Vater, dann deinen Erben, +leise begleitet von Magdalenen, +niedersteigen zu jenen, +die sich sehnen, wieder zu sterben? + +Das wäre dein letzter Königserlaß, +die letzte Huld und der letzte Haß; +aber dann käme alles zu Ruh: +der Himmel und das Gericht und du. +Alle Gewänder des Rätsels der Welt? +das sich so lange verschleiert hält, +fallen mit dieser Spange. +... Doch mir ist bange.... +Allschauender, sieh, wie mir bange ist, +miß meine Qual! +Mir ist bange, daß du schon lange vergangen bist, +als du zum erstenmal +in deinem Alleserfassen +das Bild dieses blassen +Gesichtes sahst, +dem du dich hilflos nahst, Allschauender. +Bist du damals entflohn? +Wohin? +Vertrauender +kann keiner dir kommen + +als ich, +der ich dich +nicht um Lohn +verraten will wie alle die Frommen. +Ich will nur, weil ich verborgen bin +und müde wie du, noch müder vielleicht, +und weil meine Angst vor dem großen Gericht +deiner gleicht, +will ich mich dicht, +Gesicht bei Gesicht, +an dich heften; +mit einigen Kräften +werden wir wehren dem großen Rade, +über welches die mächtigen Wasser gehn, +die rauschen und schnauben-- +denn: Wehe, sie werden auferstehn. +So ist ihr Glauben: groß und ohne Gnade. + + + + +KARL DER ZWÖLFTE VON SCHWEDEN +REITET IN DER UKRAINE + +I + +Könige in Legenden +sind wie Berge im Abend. Blenden +jeden, zu dem sie sich wenden. +Die Gürtel um ihre Lenden +und die lastenden Mantelenden +sind Länder und Leben wert. +Mit den reichgekleideten Händen +geht, schlank und nackt, das Schwert. + + +Ein junger König aus Norden war +in der Ukraine geschlagen. +Der haßte Frühling und Frauenhaar +und die Harfen und was sie sagen. +Der ritt auf einem grauen Pferd, +sein Auge schaute grau +und hatte niemals Glanz begehrt +zu Füßen einer Frau. +Keine war seinem Blicke blond, +keine hat küssen ihn gekonnt; +und wenn er zornig war, +so riß er einen Perlenmond +aus wunderschönem Haar. +Und wenn ihn Trauer überkam, +so machte er ein Mädchen zahm +und forschte, wessen Ring sie nahm +und wem sie ihren bot-- +Und: hetzte ihr den Bräutigam +mit hundert Hunden tot. + +Und er verließ sein graues Land, +das ohne Stimme war, +und ritt in einen Widerstand +und kämpfte um Gefahr, +bis ihn das Wunder überwand: +wie träumend ging ihm seine Hand +von Eisenband zu Eisenband +und war kein Schwert darin; +er war zum Schauen aufgewacht: + +es schmeichelte die schöne Schlacht +um seinen Eigensinn. +Er saß zu Pferde: ihm entging +keine Gebärde rings. +Auf Silber sprach jetzt Ring zu Ring, +und Stimme war in jedem Ding, +und wie in vielen Glocken hing +die Seele jedes Dings. +Und auch der Wind war anders groß, +der in die Fahnen sprang, +schlank wie ein Panther, atemlos +und taumelnd vom Trompetenstoß, +der lachend mit ihm rang. +Und manchmal griff der Wind hinab: +da ging ein Blutender,--ein Knab, +welcher die Trommel schlug; +er trug sie immer auf und ab +und trug sie wie sein Herz ins Grab +vor seinem toten Zug. +Da wurde mancher Berg geballt, +als wär die Erde noch nicht alt +und baute sich erst auf; +bald stand das Eisen wie Basalt, +bald schwankte wie ein Abendwald +mit breiter steigender Gestalt +der großbewegte Hauf. +Es dampfte dumpf die Dunkelheit, +was dunkelte, war nicht die Zeit,-- +und alles wurde grau, +aber schon fiel ein neues Scheit, +und wieder ward die Flamme breit +und festlich angefacht. +Sie griffen an: in fremder Tracht +ein Schwärm phantastischer Provinzen; +wie alles Eisen plötzlich lacht: +von einem silberlichten Prinzen +erschimmerte die Abendschlacht. +Die Fahnen flatterten wie Freuden, +und alle hatten königlich +in ihren Gesten ein Vergeuden,-- +an fernen flammenden Gebäuden +entzündeten die Sterne sich.... + +Und Nacht war. Und die Schlacht trat sachte +zurück wie ein sehr müdes Meer, +das viele fremde Tote brachte, +und alle Toten waren schwer. +Vorsichtig ging das graue Pferd +(von großen Fäusten abgewehrt) +durch Männer, welche fremd verstarben, +und trat auf flaches schwarzes Gras. +Der auf dem grauen Pferde saß, +sah unten auf den feuchten Farben +viel Silber wie zerschelltes Glas. +Sah Eisen welken, Helme trinken +und Schwerter stehn in Panzernaht, +sterbende Hände sah er winken +mit einem Fetzen von Brokat... + +Und sah es nicht. + +Und ritt dem Lärme +der Feldschlacht nach, als ob er schwärme, +mit seinen Wangen voller Wärme +und mit den Augen von Verliebten.... + + + + + +DER SOHN + + +Mein Vater war ein verbannter +König von überm Meer. +Ihm kam einmal ein Gesandter: +sein Mäntel war ein Panther, +und sein Schwert war schwer. + +Mein Vater war wie immer +ohne Helm und Hermelin; +es dunkelte das Zimmer +wie immer arm um ihn. +Es zitterten seine Hände +und waren blaß und leer,-- +in bilderlose Wände +blicklos schaute er. + +Die Mutter ging im Garten +und wandelte weiß im Grün +und wollte den Wind erwarten +vor dem Abendglühn. +Ich träumte, sie würde mich rufen, +aber sie ging allein,-- +ließ mich vom Rande der Stufen +horchen verhallenden Hufen +und ins Haus hinein: + +Vater! Der fremde Gesandte...? +Der reitet wieder im Wind.... +Was wollte der? Er erkannte +dein blondes Haar, mein Kind. + +Vater! Wie war er gekleidet! +Wie der Mantel von ihm floß! +Geschmiedet und geschmeidet +war Schulter, Brust und Roß. +Er war eine Stimme im Stahle, +er war ein Mann aus Nacht,-- +aber er hat eine schmale +Krone mitgebracht. +Sie klang bei jedem Schritte +an sein sehr schweres Schwert, +die Perle in ihrer Mitte +ist viele Leben wert. +Vom zornigen Ergreifen +verbogen ist der Reifen, +der oft gefallen war: +es ist eine Kinderkrone,-- +denn Könige sind ohne; +--gib sie meinem Haar! +Ich will sie manchmal tragen +in Nächten, blaß vor Scham. +Und will dir, Vater, sagen, +woher der Gesandte kam. +Was dort die Dinge gelten, +ob steinern steht die Stadt, +oder ob man in Zelten +mich erwartet hat. + +Mein Vater war ein Gekränkter +und kannte nur wenig Ruh. +Er hörte mir mit verhängter +Stirne nächtelang zu. +Mir lag im Haar der Ring. +Und ich sprach ganz nahe und sachte, +daß die Mutter nicht erwachte,-- +die an dasselbe dachte, +wenn sie, ganz weiß gelassen, +vor abendlichen Massen +durch dunkle Gärten ging. + + + +So wurden wir verträumte Geiger, +die leise aus den Türen treten, +um auszuschauen, eh sie beten, +ob nicht ein Nachbar sie belauscht. +Die erst, wenn alle sich zerstreuten, +hinter dem letzten Abendläuten, +die Lieder spielen, hinter denen +(wie Wald im Wind hinter Fontänen) +der dunkle Geigenkasten rauscht. +Denn dann nur sind die Stimmen gut, +wenn Schweigsamkeiten sie begleiten, +wenn hinter dem Gespräch der Saiten +Geräusche bleiben wie von Blut; +und bang und sinnlos sind die Zeiten, +wenn hinter ihren Eitelkeiten +nicht etwas waltet, welches ruht. + +Geduld: es kreist der leise Zeiger, +und was verheißen ward, wird sein: +wir sind die Flüstrer vor dem Schweiger, +wir sind die Wiesen vor dem Hain; +in ihnen geht noch dunkles Summen-- +(viel Stimmen sind und doch kein Chor) +und sie bereiten auf die stummen +tiefen heiligen Haine vor.... + + + + + +DIE ZAREN + +EIN GEDICHTKREIS (1899 und 1906) + + + + +I + + +Das war in Tagen, da die Berge kamen: +die Bäume bäumten sich, die noch nicht zahmen, +und rauschend in die Rüstung stieg der Strom. +Zwei fremde Pilger riefen einen Namen, +und aufgewacht aus seinem langen Lahmen +war Ilija, der Riese von Murom. + +Die alten Eltern brachen in den Äckern +an Steinen ab und an den wilden Wuchs; +da kam der Sohn, ganz groß, von seinen Weckern +und zwang die Furchen in die Furcht des Pflugs. +Er hob die Stämme, die wie Streiter standen, +und lachte ihres wankenden Gewichts, +und aufgestört wie schwarze Schlangen wanden +die Wurzeln, welche nur das Dunkel kannten, +sich in dem breiten Griff des Lichts. + +Es stärkte sich im frühen Tau die Mähre, +in deren Adern Kraft und Adel schlief; +sie reifte unter ihres Reiters Schwere, +ihr Wiehern war wie eine Stimme tief,-- +und beide fühlten, wie das Ungefähre +sie mit verheißenden Gefahren rief. + +Und reiten, reiten ... vielleicht tausend Jahre. +Wer zählt die Zeit, wenn einmal einer will. +(Vielleicht saß er auch tausend Jahre still.) +Das Wirkliche ist wie das Wunderbare: +es mißt die Welt mit eigenmächtigen Maßen; +Jahrtausende sind ihm zu jung. + +Weit schreiten werden, welche lange saßen +in ihrer tiefen Dämmerung. + + + + +II + + +Noch drohen große Vögel allenthalben, +und Drachen glühn und hüten überall +der Wälder Wunder und der Schluchten Fall; +und Knaben wachsen an, und Männer salben +sich zu dem Kampfe mit der Nachtigall, + +die oben in den Kronen von neun Eichen +sich lagert wie ein tausendfaches Tier, +und abends geht ein Schreien ohnegleichen, +ein schreiendes Bis-an-das-Ende-reichen, +und geht die ganze Nacht lang aus von ihr; + +die Frühlingsnacht, die schrecklicher als alles +und schwerer war und banger zu bestehn: +ringsum kein Zeichen eines Überfalles +und dennoch alles voller Übergehn, +hinwerfend sich und Stück für Stück sich gebend, +ja jenes Etwas, welches um sich griff, +anrufend noch, am ganzen Leibe bebend +und darin untergehend wie ein Schiff. + +Das waren Überstarke, die da blieben, +von diesem Riesigen nicht aufgerieben, +das aus den Kehlen wie aus Kratern brach; +sie dauerten, und alternd nach und nach +begriffen sie die Bangnis der Aprile, +und ihre ruhigen Hände hielten viele + +und führten sie durch Furcht und Ungemach +zu Tagen, da sie froher und gesünder +die Mauern bauten um die Städtegründer, +die über allem gut und kundig saßen. + +Und schließlich kamen auf den ersten Straßen +aus Höhlen und verhaßten Hinterhalten +die Tiere, die für unerbittlich galten. +Sie stiegen still aus ihren Übermaßen +(beschämte und veraltete Gewalten) +und legten sich gehorsam vor die Alten. + + + + +III + + +Seine Diener füttern mit mehr und mehr +ein Rudel von jenen wilden Gerüchten, +die auch noch Er sind, alles noch Er. + +Seine Günstlinge flüchten vor ihm her. + +Und seine Frauen flüstern und stiften +Bünde. Und er hört sie ganz innen +in ihren Gemächern mit Dienerinnen, +die sich scheu umsehn, sprechen von Giften. + +Alle Wände sind hohl von Schränken und Fächern, +Mörder ducken unter den Dächern +und spielen Mönche mit viel Geschick. + +Und er hat nichts als einen Blick +dann und wann; als den leisen +Schritt auf den Treppen, die kreisen; +nichts als das Eisen an seinem Stock. + +Nichts als den dürftigen Büßerrock +(durch den die Kälte aus den Fliesen +an ihm hinaufkriecht wie mit Krallen), +nichts, was er zu rufen Wagt, +nichts als die Angst vor allen diesen, +nichts als die tägliche Angst vor allen, +die ihn jagt durch diese gejagten + +Gesichter an dunklen, ungefragten, +vielleicht schuldigen Händen entlang. +Manchmal packt er einen im Gang +grade noch an des Mantels Falten, +und er zerrt ihn zornig her; +aber im Fenster weiß er nicht mehr: +Wer ist Haltender? Wer ist gehalten? +Wer bin ich und wer ist der? + + + + +IV + + +Es ist die Stunde, da das Reich sich eitel +in seines Glanzes vielen Spiegeln sieht. + +Der blasse Zar, des Stammes letztes Glied, +träumt auf dem Thron, davor das Fest geschieht, +und leise zittert sein beschämter Scheitel +und seine Hand, die vor den Purpurlehnen +mit einem unbestimmten Sehnen +ins wirre Ungewisse flieht. + +Und um sein Schweigen neigen sich Bojaren +in blanken Panzern und in Pantherfellen, +wie viele fremde fürstliche Gefahren, +die ihn mit stummer Ungeduld umstellen. +Tief in den Saal schlägt ihre Ehrfurcht Wellen. + +Und sie gedenken eines andern Zaren, +der oft mit Worten, die aus Wahnsinn waren, +ihnen die Stirnen an die Steine stieß. +Und denken also weiter: jener ließ +nicht so viel Raum, wenn er zu Throne saß, +auf dem verwelkten Samt des Kissens leer. + +Er war der Dinge dunkles Maß, +und die Bojaren wußten lang nicht mehr, +daß rot der Sitz des Sessels sei, so schwer +lag sein Gewand und wurde golden breit. + +Und weiter denken sie: Das Kaiserkleid +schläft auf den Schultern dieses Knaben ein. +Obgleich im ganzen Saal die Fackeln flacken, +sind bleich die Perlen, die in sieben Reihn +wie weiße Kinder knien um seinen Nacken, +und die Rubine an den Ärmelzacken, +die einst Pokale waren, klar von Wein, +sind schwarz wie Schlacken-- + +Und ihr Denken schwillt. + +Es drängt sich heftig an den blassen Kaiser, +auf dessen Haupt die Krone immer leiser +und dem der Wille immer fremder wird; +er lächelt. Lauter prüfen ihn die Preiser, +ihr Neigen nähert sich, sie schmeicheln heiser, +und eine Klinge hat im Traum geklirrt. + + + + +V + + +Der blasse Zar wird nicht am Schwerte sterben, +die fremde Sehnsucht macht ihn sakrosankt; +er wird die feierlichen Reiche erben, +an denen seine sanfte Seele krankt. + +Schon jetzt, hintretend an ein Kremlfenster, +sieht er ein Moskau, weißer, unbegrenzter, +in seine endlich fertige Nacht gewebt; +so wie es ist im ersten Frühlingswirken, +wenn in den Gassen der Geruch aus Birken +von lauter Morgenglocken bebt. + +Die großen Glocken, die so herrisch lauten, +sind seine Väter, jene ersten Zaren, +die sich noch vor den Tagen der Tataren +aus Sagen, Abenteuern und Gefahren, +aus Zorn und Demut zögernd auferbauten. + +Und er begreift auf einmal, wer sie waren, +und daß sie oft um ihres Dunkels Sinn +in seine eignen Tiefen niedertauchten +und ihn, den Leisesten von den Erlauchten, +in ihren Taten groß und fromm verbrauchten +schon lang vor seinem Anbeginn. + +Und eine Dankbarkeit kommt über ihn, +daß sie ihn so verschwenderisch vergeben +an aller Dinge Durst und Drang. +Er war die Kraft zu ihrem Überschwang, +der goldne Grund, vor dem ihr breites Leben +geheimnisvoll zu dunkeln schien. + +In allen ihren Werken schaut er sich +wie eingelegtes Silber in Zieraten, +und es gibt keine Tat in ihren Taten, +die nicht auch war in seinen stillen Staaten, +in denen alles Handelns Rot verblich. + + + + +VI + + +Noch immer schauen in den Silberplatten +wie tiefe Frauenaugen die Saphire, +Goldranken schlingen sich wie schlanke Tiere, +die sich im Glänze ihrer Brünste gatten, +und sanfte Perlen warten in dem Schatten +wilder Gebilde, daß ein Schimmer ihre +stillen Gesichter finde und verliere. +Und das ist Mantel, Strahlenkranz und Land, +und ein Bewegen geht von Rand zu Rand, +wie Korn im Wind und wie ein Fluß im Tale, +so glänzt es wechselnd durch die Rahmenwand. + +In ihrer Sonne dunkeln drei Ovale: +das große gibt dem Mutterantlitz Raum, +und rechts und links hebt eine mandelschmale +Jungfrauenhand sich aus dem Silbersaum. +Die beiden Hände, seltsam still und braun, +verkünden, daß im köstlichen Ikone +die Königliche wie im Kloster wohne, +die überfließen wird von jenem Sohne, +von jenem Tropfen, drinnen wolkenohne +die niegehofften Himmel blaun. + +Die Hände zeugen noch dafür; +aber das Antlitz ist wie eine Tür +in warme Dämmerungen aufgegangen, +in die das Lächeln von den Gnadenwangen +mit seinem Lichte irrend sich verlor. + +Da neigt sich tief der Zar davor und spricht: +Fühltest du nicht, wie sehr wir in dich drangen +mit allem: Fühlen, Fürchten und Verlangen; +wir warten auf dein liebes Angesicht, +das uns vergangen ist; wohin vergangen? + +Den großen Heiligen vergeht es nicht. + +Er bebte tief in seinem steifen Kleid, +das strahlend stand. Er wußte nicht, wie weit +er schon von allem war und ihrem Segnen, +wie selig nah in seiner Einsamkeit. + +Noch sinnt und sinnt der blasse Gossudar. +Und sein Gesicht, das unterm kranken Haar +schon lange tief und wie im Fortgehn war, +verging, wie jenes in dem Goldovale, +in seinem großen goldenen Talar. + +(Um ihrem Angesichte zu begegnen.) + +Zwei Goldgewänder schimmerten im Saale +und wurden in dem Glanz der Ampeln klar. + + + + + +DER SÄNGER SINGT VOR EINEM FÜRSTENKIND + +DEM ANDENKEN VON PAULA BECKER-MODERSOHN + + + + +Du blasses Kind, an jedem Abend soll +der Sänger dunkel stehn bei deinen Dingen +und soll dir Sagen, die im Blute klingen, +über die Brücke seiner Stimme bringen +und eine Harfe, seiner Hände voll. + +Nicht aus der Zeit ist, was er dir erzählt, +gehoben ist es wie aus Wandgeweben; +solche Gestalten hat es nie gegeben;-- +und Niegewesenes nennt er das Leben. +Und heute hat er diesen Sang erwählt: + +Du blondes Kind von Fürsten und aus Frauen, +die einsam warteten im weißen Saal,-- +fast alle waren bang, dich aufzubauen, +um aus den Bildern einst auf dich zu schauen: +auf deine Augen mit den ernsten Brauen, +auf deine Hände, hell und schmal. + +Du hast von ihnen Perlen und Türkisen, +von diesen Frauen, die in Bildern stehn, +als stünden sie allein in Abendwiesen,-- +du hast von ihnen Perlen und Türkisen,-- +und Ringe mit verdunkelten Devisen +und Seiden, welche welke Düfte wehn. + +Du trägst die Gemmen ihrer Gürtelbänder +ans hohe Fenster in den Glanz der Stunden, +und in die Seide sanfter Brautgewänder +sind deine kleinen Bücher eingebunden, +und drinnen hast du, mächtig über Länder, +ganz groß geschrieben und mit reichen, runden +Buchstaben deinen Namen vorgefunden. + +Und alles ist, als wär es schon geschehn. + +Sie haben so, als ob du nicht mehr kämst, +an alle Becher ihren Mund gesetzt, +zu allen Freuden ihr Gefühl gehetzt +und keinem Leide leidlos zugesehn; +so daß du jetzt +stehst und dich schämst. + +... Du blasses Kind, dein Leben ist auch eines,-- +der Sänger kommt dir sagen, daß du bist. +Und daß du mehr bist als ein Traum des Haines, +mehr als die Seligkeit des Sonnenscheines, +den mancher graue Tag vergißt. +Dein Leben ist so unaussprechlich deines, +weil es von vielen überladen ist. + +Empfindest du, wie die Vergangenheiten +leicht werden, wenn du eine Weile lebst, +wie sie dich sanft auf Wunder vorbereiten, +jedes Gefühl mit Bildern dir begleiten,-- +und nur ein Zeichen scheinen ganze Zeiten +für eine Geste, die du schön erhebst.-- + +Das ist der Sinn von allem, was einst war, +daß es nicht bleibt mit seiner ganzen Schwere, +daß es zu unserm Wesen wiederkehre, +in uns verwoben, tief und wunderbar: +So waren diese Frauen elfenbeinern, +von vielen Rosen rötlich angeschienen, +so dunkelten die müden Königsmienen, +so wurden fahle Fürstenmunde steinern +und unbewegt von Waisen und von Weinern, +so klangen Knaben an wie Violinen +und starben für der Frauen schweres Haar; +so gingen Jungfraun der Madonna dienen, +denen die Welt verworren war. +So wurden Lauten laut und Mandolinen, +in die ein Unbekannter größer griff,-- +in warmen Samt verlief der Dolche Schliff,-- +Schicksale bauten sich aus Glück und Glauben, +Abschiede schluchzten auf in Abendlauben,-- +und über hundert schwarzen Eisenhauben +schwankte die Feldschlacht wie ein Schiff. +So wurden Städte langsam groß und fielen +in sich zurück wie Wellen eines Meeres, +so drängte sich zu hochbelohnten Zielen +die rasche Vogelkraft des Eisenspeeres, +so schmückten Kinder sich zu Gartenspielen,-- +und so geschah Unwichtiges und Schweres +nur, um für dieses tägliche Erleben +dir tausend große Gleichnisse zu geben, +an denen du gewaltig wachsen kannst. +Vergangenheiten sind dir eingepflanzt, +um sich aus dir, wie Gärten, zu erheben. + +Du blasses Kind, du machst den Sänger reich +mit deinem Schicksal, das sich singen läßt: +So spiegelt sich ein großes Gartenfest +mit vielen Lichtern im erstaunten Teich. +Im dunklen Dichter wiederholt sich still +ein jedes Ding: ein Stern, ein Haus, ein Wald. +Und viele Dinge, die er feiern will, +umstehen deine rührende Gestalt. + + + + + +DIE AUS DEM HAUSE COLONNA + + +Ihr fremden Männer, die ihr jetzt so still +in Bildern steht, ihr saßet gut zu Pferde, +und ungeduldig gingt ihr durch das Haus; +wie ein schöner Hund, mit derselben Gebärde +ruhn eure Hände jetzt bei euch aus. + +Euer Gesicht ist so voll von Schauen, +denn die Welt war euch Bild und Bild; +aus Waffen, Fahnen, Früchten und Frauen +quillt euch dieses große Vertrauen, +daß alles _ist_ und daß alles _gilt_. + +Aber damals, als ihr noch zu jung +wart, die großen Schlachten zu schlagen, +zu jung, um den päpstlichen Purpur zu tragen, +nicht immer glücklich bei Reiten und Jagen, +Knaben noch, die sich den Frauen versagen, +habt ihr aus jenen Knaben tagen +keine, nicht eine Erinnerung? + +Wißt ihr nicht mehr, was damals war? + +Damals war der Altar +mit dem Bilde, auf dem Maria gebar, +in dem einsamen Seitenschiff. +Euch ergriff +eine Blumenranke; +der Gedanke, +daß die Fontäne allein +draußen im Garten in Mondenschein +ihre Wasser warf, +war wie eine Welt. + +Das Fenster ging bis zu den Füßen auf wie eine Tür; +und es war Park mit Wiesen und Wegen: +seltsam nah und doch so entlegen, +seltsam hell und doch wie verborgen, +und die Brunnen rauschten wie Regen, +und es war, als käme kein Morgen +dieser langen Nacht entgegen, +die mit allen Sternen stand. + +Damals wuchs euch, Knaben, die Hand, +die warm war. (Ihr aber wußtet es nicht.) +Damals breitete euer Gesicht sich aus. + + + + + +DES ZWEITEN BUCHES ZWEITERTEIL + + + + +FRAGMENTE AUS VERLORENEN TAGEN + + + +Wie Vögel, welche sich gewöhnt ans Gehn +und immer schwerer werden, wie im Fallen: +die Erde saugt aus ihren langen Krallen +die mutige Erinnerung von allen +den großen Dingen, welche hoch geschehn, +und macht sie fast zu Blättern, die sich dicht +am Boden halten-- +wie Gewächse, die, +kaum aufwärts wachsend, in die Erde kriechen, +in schwarzen Schollen unlebendig licht +und weich und feucht versinken und versiechen, +wie irre Kinder,--wie ein Angesicht +in einem Sarg,--wie frohe Hände, welche +unschlüssig werden, weil im vollen Kelche +sich Dinge spiegeln, die nicht nahe sind,-- +wie Hilferufe, die im Abendwind +begegnen vielen dunklen großen Glocken,-- +wie Zimmerblumen, die seit Tagen trocken, +wie Gassen, die verrufen sind,--wie Locken, +darinnen Edelsteine blind geworden sind,-- +wie Morgen im April +vor allen vielen Fenstern des Spitales: +die Kranken drängen sich am Saum des Saales +und schaun: die Gnade eines frühen Strahles +macht alle Gassen frühlinglich und weit; +sie sehen nur die helle Herrlichkeit, +welche die Häuser jung und lachend macht, +und wissen nicht, daß schon die ganze Nacht +ein Sturm die Kleider von den Himmeln reißt, +ein Sturm von Wassern, wo die Welt noch eist +ein Sturm, der jetzt noch durch die Gassen braust +und der den Dingen alle Bürde +von ihren Schultern nimmt,-- +daß etwas draußen groß ist und ergrimmt, +daß draußen die Gewalt geht, eine Faust, +die jeden von den Kranken würgen würde +inmitten dieses Glanzes, dem sie glauben.-- +... Wie lange Nächte in verwelkten Lauben, +die schon zerrissen sind auf allen Seiten +und viel zu weit, um noch mit einem zweiten, +den man sehr liebt, zusammen drin zu weinen,-- +wie nackte Mädchen, kommend über Steine, +wie Trunkene in einem Birkenhaine,-- +wie Worte, welche nichts Bestimmtes meinen +und dennoch gehn, ins Ohr hineingehn, weiter +ins Hirn und heimlich auf der Nervenleiter +durch alle Glieder Sprung um Sprung versuchen, +wie Greise, welche ihr Geschlecht verfluchen +und dann versterben, so daß keiner je +abwenden könnte das verhängte Weh, +wie volle Rosen, künstlich aufgezogen +im blauen Treibhaus, wo die Lüfte logen, +und dann vom Übermut in großem Bogen +hinausgestreut in den verwehten Schnee,-- +wie eine Erde, die nicht kreisen kann, +weil zuviel Tote ihr Gefühl beschweren, +wie ein erschlagener verscharrter Mann, +dem sich die Hände gegen Wurzeln wehren,-- +wie eine von den hohen, schlanken, roten +Hochsommerblumen, welche unerlöst +ganz plötzlich stirbt im Lieblingswind der Wiesen, +weil ihre Wurzel unten an Türkisen +im Ohrgehänge einer Toten +stößt.... + +Und mancher Tage Stunden waren so. +Als formte wer mein Abbild irgendwo, +um es mit Nadeln langsam zu mißhandeln. +Ich spürte jede Spitze seiner Spiele, +und war, als ob ein Regen auf mich fiele, +in welchem alle Dinge sich verwandeln. + + + + + +DIE STIMMEN + +NEUN BLÄTTER MIT EINEM TITELBLATT + + + +TITELBLATT + + +Die Reichen und Glücklichen haben gut schweigen, +niemand will wissen, was sie sind. +Aber die Dürftigen müssen sich zeigen, +müssen sagen: ich bin blind, +oder: ich bin im Begriff, es zu werden, +oder: es geht mir nicht gut auf Erden, +oder: ich habe ein krankes Kind, +oder: da bin ich zusammengefugt.... + +Und vielleicht, daß das gar nicht genügt. + +Und weil alle sonst, wie an Dingen, +an ihnen vorbeigehn, müssen sie singen. + +Und da hört man noch guten Gesang. + +Freilich die Menschen sind seltsam; sie hören +lieber Kastraten in Knabenchören. + +Aber Gott selber kommt und bleibt lang, +wenn ihn diese Beschnittenen stören. + + + + +DAS LIED DES BETTLERS + + +Ich gehe immer von Tor zu Tor, +verregnet und verbrannt; +auf einmal leg ich mein rechtes Ohr +in meine rechte Hand. +Dann kommt mir meine Stimme vor, +als hätt ich sie nie gekannt. + +Dann weiß ich nicht sicher, wer da schreit, +ich oder irgendwer. +Ich schreie um eine Kleinigkeit. +Die Dichter schrein um mehr. + +Und endlich mach ich noch mein Gesicht +mit beiden Augen zu; +wie's dann in der Hand liegt mit seinem Gewicht, +sieht es fast aus wie Ruh. +Damit sie nicht meinen, ich hätte nicht, +wohin ich mein Haupt tu. + + + + +DAS LIED DES BLINDEN + + +Ich bin blind, ihr draußen, das ist ein Fluch, +ein Widerwillen, ein Widerspruch, +etwas täglich Schweres. +Ich leg meine Hand auf den Arm der Frau, +meine graue Hand auf ihr graues Grau, +und sie führt mich durch lauter Leeres. + +Ihr rührt euch und rückt und bildet euch ein, +anders zu klingen als Stein auf Stein, +aber ihr irrt euch: ich allein +lebe und leide und lärme. +In mir ist ein endloses Schrein, +und ich weiß nicht, schreit mir mein +Herz oder meine Gedärme. + +Erkennt ihr die Lieder? Ihr sanget sie nicht, +nicht ganz in dieser Betonung. +Euch kommt jeden Morgen das neue Licht +warm in die offene Wohnung. +Und ihr habt ein Gefühl von Gesicht zu Gesicht, +und das verleitet zur Schonung. + + + + +DAS LIED DES TRINKERS + + +Es war nicht in mir. Es ging aus und ein. +Da wollt ich es halten. Da hielt es der Wein. +(Ich weiß nicht mehr, was es war.) +Dann hielt er mir jenes und hielt mir dies, +bis ich mich ganz auf ihn verließ. +Ich Narr. + +Jetzt bin ich in seinem Spiel, und er streut +mich verächtlich herum und verliert mich noch heut +an dieses Vieh, an den Tod. +Wenn der mich, schmutzige Karte, gewinnt, +so kratzt er mit mir seinen grauen Grind +und wirft mich fort in den Kot. + + + + +DAS LIED DES SELBSTMÖRDERS + + +Also noch einen Augenblick. +Daß sie mir immer wieder den Strick +zerschneiden. +Neulich war ich so gut bereit, +und es war schon ein wenig Ewigkeit +in meinen Eingeweiden. + +Halten sie mir den Löffel her, +diesen Löffel Leben. +Nein, ich will und ich will nicht mehr, +laßt mich mich übergeben. + +Ich weiß, das Leben ist gar und gut, +und die Welt ist ein voller Topf, +aber mir geht es nicht ins Blut, +mir steigt es nur zu Kopf. + +Andere nährt es, mich macht es krank; +begreift, daß man's verschmäht. +Mindestens ein Jahrtausend lang +brauch ich jetzt Diät. + + + + +DAS LIED DER WITWE + + +Am Anfang war mir das Leben gut. +Es hielt mich warm, es machte mir Mut. +Daß es das allen Jungen tut, +wie könnt ich das damals wissen. +Ich wußte nicht, was das Leben war--, +auf einmal war es nur Jahr und Jahr, +nicht mehr gut, nicht mehr neu, nicht mehr wunderbar, +wie mitten entzweigerissen. + +Das war nicht seine, nicht meine Schuld; +wir hatten beide nichts als Geduld, +aber der Tod hat keine. +Ich sah ihn kommen (wie schlecht er kam), +und ich schaute ihm zu, wie er nahm und nahm: +es war ja gar nicht das Meine. + +Was war denn das Meine; meines, mein? +War mir nicht selbst mein Elendsein +nur vom Schicksal geliehn? +Das Schicksal will nicht nur das Glück, +es will die Pein und das Schrein zurück, +und es kauft für alt den Ruin. + +Das Schicksal war da und erwarb für ein Nichts +jeden Ausdruck meines Gesichts, +bis auf die Art zu gehn. +Das war ein täglicher Ausverkauf, +und als ich leer war, gab es mich auf +und ließ mich offen stehn. + + + + +DAS LIED DES IDIOTEN + + +Sie hindern mich nicht. Sie lassen mich gehn. +Sie sagen, es könne nichts geschehn. +Wie gut. +Es kann nichts geschehn. Alles kommt und kreist +immerfort um den Heiligen Geist, +um den gewissen Geist (du weißt)--, +wie gut. + +Nein, man muß wirklich nicht meinen, es sei +irgendeine Gefahr dabei. +Da ist freilich das Blut. +Das Blut ist das Schwerste. Das Blut ist schwer, +manchmal glaub ich, ich kann nicht mehr--. +(Wie gut.) + +Ah, was ist das für ein schöner Ball; +rot und rund wie ein Überall. +Gut, daß ihr ihn erschuft. +Ob der wohl kommt, wenn man ruft? + +Wie sich das alles seltsam benimmt, +ineinandertreibt, auseinanderschwimmt: +freundlich, ein wenig unbestimmt; +wie gut. + + + + +DAS LIED DER WAISE + + +Ich bin niemand und werde auch niemand sein. +Jetzt bin ich ja zum Sein noch zu klein; +aber auch später. + +Mütter und Väter, +erbarmt euch mein. + +Zwar es lohnt nicht des Pflegens Müh: +ich werde doch gemäht. +Mich kann keiner brauchen: jetzt ist es zu früh, +und morgen ist es zu spät. + +Ich habe nur dieses eine Kleid, +es wird dünn, und es verbleicht, +aber es hält eine Ewigkeit +auch noch vor Gott vielleicht. + +Ich habe nur dieses bißchen Haar +(immer dasselbe blieb), +das einmal Eines Liebstes war. + +Nun hat er nichts mehr lieb. + + + + +DAS LIED DES ZWERGES + + +Meine Seele ist vielleicht grad und gut; +aber mein Herz, mein verbogenes Blut, +alles das, was mir wehe tut, +kann sie nicht aufrecht tragen. +Sie hat keinen Garten, sie hat kein Bett, +sie hängt an meinem scharfen Skelett +mit entsetztem Flügelschlagen? + +Aus meinen Händen wird auch nichts mehr. +Wie verkümmert sie sind, sieh her: +zähe hüpfen sie, feucht und schwer, +wie kleine Kröten nach Regen. +Und das andere an mir ist +abgetragen und alt und trist; +warum zögert Gott, auf den Mist +alles das hinzulegen? + +Ob er mir zürnt für mein Gesicht +mit dem mürrischen Munde? +Es war ja so oft bereit, ganz licht +und klar zu werden im Grunde; +aber nichts kam ihm je so dicht +wie die großen Hunde. +Und die Hunde haben das nicht. + + + + +DAS LIED DES AUSSÄTZIGEN + + +Sieh, ich bin einer, den alles verlassen hat. +Keiner weiß in der Stadt von mir, +Aussatz hat mich befallen. +Und ich schlage mein Klapperwerk, +klopfe mein trauriges Augenmerk +in die Ohren allen, +die nahe Vorübergehn. +Und die es hölzern hören, sehn +erst gar nicht her, und was hier geschehn, +wollen sie nicht erfahren. + +Soweit der Klang meiner Klapper reicht, +bin ich zuhause; aber vielleicht +machst du meine Klapper so laut, +daß sich keiner in meine Ferne traut, +der mir jetzt aus der Nähe weicht. +So daß ich sehr lange gehen kann, +ohne Mädchen, Frau oder Mann +oder Kind zu entdecken. + +Tiere will ich nicht schrecken. + + + + + +VON DEN FONTÄNEN + + + +Auf einmal weiß ich viel von den Fontänen, +den unbegreiflichen Bäumen aus Glas. +Ich könnte reden wie von eignen Tränen, +die ich, ergriffen von sehr großen Träumen, +einmal vergeudete und dann vergaß. + +Vergaß ich denn, daß Himmel Hände reichen +zu vielen Dingen und in das Gedränge? +Sah ich nicht immer Großheit ohnegleichen +im Aufstieg alter Parke vor den weichen +erwartungsvollen Abenden,--in bleichen, +aus fremden Mädchen steigenden Gesängen, +die überfließen aus der Melodie +und wirklich werden und als müßten sie +sich spiegeln in den aufgetanen Teichen? + +Ich muß mich nur erinnern an das alles, +was an Fontänen und an mir geschah, +dann fühl ich auch die Last des Niederfalles, +in welcher ich die Wasser wiedersah: +und weiß von Zweigen, die sich abwärts wandten, +von Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten, +von Teichen, welche nur die Uferkanten +schwachsinnig und verschoben wiederholten, +von Abendhimmeln, welche von verkohlten +westlichen Wäldern ganz entfremdet traten, +sich anders wölbten, dunkelten und taten, +als wär das nicht die Welt, die sie gemeint.... + +Vergaß ich denn, daß Stern bei Stern versteint +und sich verschließt gegen die Nachbargloben? +Daß sich die Welten nur noch wie verweint +im Raum erkennen?--Vielleicht sind wir oben, +in Himmel andrer Wesen eingewoben, +die zu uns aufschaun abends. Vielleicht loben +uns ihre Dichter. Vielleicht beten viele +zu uns empor. Vielleicht sind wir die Ziele +von fremden Flüchen, die uns nie erreichen, +Nachbaren eines Gottes, den sie meinen +in unsrer Höhe, wenn sie einsam weinen, +an den sie glauben und den sie verlieren, +und dessen Bildnis, wie ein Schein aus ihren +suchenden Lampen, flüchtig und verweht, +über unsere zerstreuten Gesichter geht.... + + + + + +DER LESENDE + + + +Ich las schon lang. Seit dieser Nachmittag, +mit Regen rauschend, an den Fenstern lag. +Vom Winde draußen hörte ich nichts mehr: +mein Buch war schwer. +Ich sah ihm in die Blätter wie in Mienen, +die dunkel werden von Nachdenklichkeit, +und um mein Lesen staute sich die Zeit.-- +Auf einmal sind die Seiten überschienen, +und statt der bangen Wortverworrenheit +steht: Abend, Abend ... überall auf ihnen; +ich schau noch nicht hinaus, und doch zerreißen +die langen Zeilen, und die Worte rollen +von ihren Fäden fort, wohin sie wollen.... +Da weiß ich es: über den übervollen +glänzenden Gärten sind die Himmel weit; +die Sonne hat noch einmal kommen sollen.-- +Und jetzt wird Sommernacht, soweit man sieht: +Zu wenig Gruppen stellt sich das Verstreute, +dunkel auf langen Wegen gehn die Leute, +und seltsam weit, als ob es mehr bedeute, +hört man das Wenige, das noch geschieht. + +Und wenn ich jetzt vom Buch die Augen hebe, +wird nichts befremdlich sein und alles groß. +Dort draußen ist, was ich hier drinnen lebe, +und hier und dort ist alles grenzenlos; +nur daß ich mich noch mehr damit verwebe, +wenn meine Blicke an die Dinge passen +und an die ernste Einfachheit der Massen,-- +da wächst die Erde über sich hinaus. +Den ganzen Himmel scheint sie zu umfassen: +der erste Stern ist wie das letzte Haus. + + + + + +DER SCHAUENDE + + + +Ich sehe den Bäumen die Stürme an, +die aus laugewordenen Tagen +an meine ängstlichen Fenster schlagen, +und höre die Fernen Dinge sagen, +die ich nicht ohne Freund ertragen, +nicht ohne Schwester lieben kann. + +Da geht der Sturm, ein Umgestalter, +geht durch den Wald und durch die Zeit, +und alles ist wie ohne Alter: +die Landschaft, wie ein Vers im Psalter, +ist Ernst und Wucht und Ewigkeit. + +Wie ist das klein, womit wir ringen, +was mit uns ringt, wie ist das groß; +ließen wir, ähnlicher den Dingen, +uns so vom großen Sturm bezwingen,-- +wir würden weit und namenlos. + +Was wir besiegen, ist das Kleine, +und der Erfolg selbst macht uns klein. +Das Ewige und Ungemeine +will nicht von uns gebogen sein. +Das ist der Engel, der den Ringern +des Alten Testaments erschien: +Wenn seiner Widersacher Sehnen +im Kampfe sich metallen dehnen, +fühlt er sie unter seinen Fingern +wie Saiten tiefer Melodien. + +Wen dieser Engel überwand, +welcher so oft auf Kampf verzichtet, +der geht gerecht und aufgerichtet +und groß aus jener harten Hand, +die sich, wie formend, an ihn schmiegte. +Die Siege laden ihn nicht ein. +Sein Wachstum ist: Der Tiefbesiegte +von immer Größerem zu sein. + + + + + +AUS EINER STURMNACHT + +ACHT BLÄTTER MIT EINEM TITELBLATT + + + + +TITELBLATT + + +Die Nacht, vom wachsenden Sturme bewegt, +wie wird sie auf einmal weit,-- +als bliebe sie sonst zusammengelegt +in die kleinlichen Falten der Zeit. +Wo die Sterne ihr wehren, dort endet sie nicht +und beginnt nicht mitten im Wald +und nicht an meinem Angesicht +und nicht mit deiner Gestalt. +Die Lampen stammeln und wissen nicht: +Lügen wir Licht? +Ist die Nacht die einzige Wirklichkeit +seit Jahrtausenden.... + + + + +In solchen Nächten kannst du in den Gassen +Zukünftigen begegnen, schmalen blassen +Gesichtern, die dich nicht erkennen +und dich schweigend vorüberlassen. +Aber wenn sie zu reden begännen, +wärst du ein Lange vergangener, +wie du da stehst, +langeverwest. +Doch sie bleiben im Schweigen wie Tote, +obwohl sie die Kommenden sind. +Zukunft beginnt noch nicht. +Sie halten nur ihr Gesicht in die Zeit +und können, wie unter Wasser, nicht schauen; +und ertragen sie's doch eine Weile, +sehn sie wie unter den Wellen: die Eile +von Fischen und das Tauchen von Tauen. + + + + +In solchen Nächten gehn die Gefängnisse auf. +Und durch die bösen Träume der Wächter +gehn mit leisem Gelächter +die Verächter ihrer Gewalt. +Wald! Sie kommen zu dir, um in dir zu schlafen, +mit ihren langen Strafen behangen. + Wald! + + + + +In solchen Nächten ist auf einmal Feuer +in einer Oper. Wie ein Ungeheuer +beginnt der Riesenraum mit seinen Rängen +Tausende, die sich in ihm drängen, +zu kauen. +Männer und Frauen +staun sich in den Gängen, +und wie sich alle aneinander hängen, +bricht das Gemäuer, und es reißt sie mit. +Und niemand weiß mehr, wer ganz unten litt; +während ihm einer schon das Herz zertritt, +sind seine Ohren noch ganz voll von Klängen, +die dazu hingehn.... + + + + +In solchen Nächten, wie vor vielen Tagen, +fangen die Herzen in den Sarkophagen +vergangner Fürsten wieder an zu gehn: +und so gewaltig drängt ihr Wiederschlagen +gegen die Kapseln, welche widerstehn, +daß sie die goldnen Schalen weitertragen +durch Dunkel und Damaste, die zerfallen. +Schwarz schwankt der Dom mit allen seinen Hallen. +Die Glocken, die sich in die Türme krallen, +hängen wie Vögel, bebend stehn die Türen, +und an den Trägern zittert jedes Glied: +als trügen seinen gründenden Granit +blinde Schildkröten, die sich rühren. + + + + +In solchen Nächten wissen die Unheilbaren: +Wir waren.... +Und sie denken unter den Kranken +einen einfachen guten Gedanken +weiter, dort, wo er abbrach. +Doch von den Söhnen, die sie gelassen, +geht der jüngste vielleicht in den einsamsten Gassen; +denn gerade diese Nächte +sind ihm, als ob er zum erstenmal dächte: +Lange lag es über ihm bleiern, +aber jetzt wird sich alles entschleiern,-- +und: daß er das feiern wird, + fühlt er.... + + + + +In solchen Nächten sind alle die Städte gleich, +alle beflaggt. +Und an den Fahnen vom Sturm gepackt +und wie an Haaren hinausgerissen +in irgendein Land mit ungewissen +Umrissen und Flüssen. +In allen Gärten ist dann ein Teich, +an jedem Teiche dasselbe Haus, +in jedem Hause dasselbe Licht; +und alle Menschen sehn ähnlich aus +und halten die Hände vorm Gesicht. + + + + +In solchen Nächten werden die Sterbenden klar, +greifen sich leise ins wachsende Haar, +dessen Halme aus ihres Schädels Schwäche +in diesen langen Tagen treiben, +als wollten sie über der Oberfläche +des Todes bleiben. +Ihre Gebärde geht durch das Haus, +als wenn überall Spiegel hingen; +und sie geben--mit diesem Graben +in ihren Haaren--Kräfte aus, +die sie in Jahren gesammelt haben, + welche vergingen. + + + + +In solchen Nächten wächst mein Schwesterlein, +das vor mir war und vor mir starb, ganz klein. +Viel solche Nächte waren schon seither: +Sie muß schon schön sein. Bald wird irgendwer + sie frein. + + + + + +DIE BLINDE + + + +_Der Fremde_: + Du bist nicht bang, davon zu sprechen? +_Die Blinde_: + Nein. + Es ist so ferne. Das war eine andre. + Die damals sah, die laut und schauend lebte, + die starb. +_Der Fremde_: + Und hatte einen schweren Tod? +_Die Blinde_: + Sterben ist Grausamkeit an Ahnungslosen. + Stark muß man sein, sogar wenn Fremdes stirbt. +_Der Fremde_: +Sie war dir fremd? +_Die Blinde_: + --Oder: sie ists geworden. + Der Tod entfremdet selbst dem Kind die Mutter.-- + Doch es war schrecklich in den ersten Tagen. + Am ganzen Leibe war ich wund. Die Welt, + die in den Dingen blüht und reift, + war mit den Wurzeln aus mir ausgerissen, + mit meinem Herzen (schien mir), und ich lag + wie aufgewühlte Erde offen da und trank + den kalten Regen meiner Tränen, + der aus den toten Augen unaufhörlich + und leise strömte, wie aus leeren Himmeln, + wenn Gott gestorben ist, die Wolken fallen. + Und mein Gehör war groß und allem offen. + Ich hörte Dinge, die nicht hörbar sind: + die Zeit, die über meine Haare floß, + die Stille, die in zarten Gläsern klang, + und fühlte: nah bei meinen Händen ging + der Atem einer großen weißen Rose. + Und immer wieder dacht ich: Nacht und: Nacht + und glaubte einen hellen Streif zu sehn, + der wachsen würde wie ein Tag; + und glaubte auf den Morgen zuzugehn, + der längst in meinen Händen lag. + Die Mutter weckt ich, wenn der Schlaf mir schwer + hinunterfiel vom dunklen Gesicht, + der Mutter rief ich: "Du, komm her! + Mach Licht!" + Und horchte. Lange, lange blieb es still, + und meine Kissen fühlte ich verneinen,-- + dann wars, als säh ich etwas scheinen: + das war der Mutter wehes Weinen, + an das ich nicht mehr denken will. + Mach Licht! Mach Licht! Ich schrie es oft im Traum: + Der Raum ist eingefallen. Nimm den Raum + mir vom Gesicht und von der Brust. + Du mußt ihn heben, hochheben, + mußt ihn wieder den Sternen geben; + ich kann nicht leben so, mit dem Himmel auf mir. + Aber Sprech ich zu dir, Mutter? + Oder zu wem denn? Wer ist denn dahinter? + Wer ist denn hinter dem Vorhang?--Winter? + Mutter: Sturm? Mutter: Nacht? Sag! + Oder: Tag?... Tag! + Ohne mich! Wie kann es denn ohne mich Tag sein? + Fehl ich denn nirgends? + Fragt denn niemand nach mir? + Sind wir denn ganz vergessen? + Wir?... Aber du bist ja dort; + du hast ja noch alles, nicht? + Um dein Gesicht sind noch alle Dinge bemüht, + ihm wohlzutun. + Wenn deine Augen ruhn + und wenn sie noch so müd waren, + sie können wieder steigen. + ... Meine schweigen. + Meine Blumen werden die Farbe verlieren. + Meine Spiegel werden zufrieren. + In meinen Büchern werden die Zeilen verwachsen. + Meine Vögel werden in den Gassen + herumflattern und sich an fremden Fenstern verwunden. + Nichts ist mehr mit mir verbunden. + Ich bin von allem verlassen.-- + Ich bin eine Insel. +_Der Fremde_: + Und ich bin über das Meer gekommen. +_Die Blinde_: + Wie? Auf die Insel?... Hergekommen? +_Der Fremde_: + Ich bin noch im Kahne. + Ich habe ihn leise angelegt-- + an dich. Er ist bewegt: + seine Fahne weht landein. +_Die Blinde_: + Ich bin eine Insel und allein. + Ich bin reich.-- + Zuerst, als die alten Wege noch waren + in meinen Nerven, ausgefahren + von vielem Gebrauch: + da litt ich auch. + Alles ging mir aus dem Herzen fort, + ich wußte erst nicht wohin; + aber dann fand ich sie alle dort, + alle Gefühle, das, was ich bin, + stand versammelt und drängte und schrie + an den vermauerten Augen, die sich nicht rührten. + Alle meine verführten Gefühle.... + Ich weiß nicht, ob sie Jahre so standen, + aber ich weiß von den Wochen, + da sie alle zurückkamen gebrochen + und niemanden erkannten. + + Dann wuchs der Weg zu den Augen zu. + Ich weiß ihn nicht mehr. + Jetzt geht alles in mir umher, + sicher und sorglos; wie Genesende + gehn die Gefühle, genießend das Gehn, + durch meines Leibes dunkles Haus. + Einige sind Lesende + über Erinnerungen; + aber die jungen + sehn alle hinaus. + Denn wo sie hintreten an meinen Rand, + ist mein Gewand von Glas. + Meine Stirne sieht, meine Hand las + Gedichte in anderen Händen. + Mein Fuß spricht mit den Steinen, die er betritt, + meine Stimme nimmt jeder Vogel mit + aus den täglichen Wänden. + Ich muß nichts mehr entbehren jetzt, + alle Farben sind übersetzt + in Geräusch und Geruch. + Und sie klingen unendlich schön + als Töne. + Was soll mir ein Buch? + In den Bäumen blättert der Wind; + und ich weiß, was dorten für Worte sind, + und wiederhole sie manchmal leis. + Und der Tod, der Augen wie Blumen bricht, + findet meine Augen nicht.... +_Der Fremde_ (leise): + Ich weiß. + + + + + +REQUIEM + +CLARA WESTHOFF GEWIDMET + + + +Seit einer Stunde ist um ein Ding mehr +auf Erden. Mehr um einen Kranz. +Vor einer Weile war das leichtes Laub ... Ich wand's: +und jetzt ist dieser Efeu seltsam schwer +und so von Dunkel voll, als tränke er +aus meinen Dingen zukünftige Nächte. +Jetzt graut mir fast vor dieser nächsten Nacht, +allein mit diesem Kranz, den ich gemacht, +nicht ahnend, daß da etwas wird, +wenn sich die Ranken ründen um den Reifen; +ganz nur bedürftig, dieses zu begreifen: +daß etwas nicht mehr sein kann. Wie verirrt +in nie betretene Gedanken, darinnen wunderliche Dinge stehn, +die ich schon einmal gesehen haben muß.... + +... Flußabwärts treiben die Blumen, welche die +Kinder gerissen haben im Spiel; aus den offenen +Fingern fiel eine und eine, bis daß der Strauß nicht +mehr zu erkennen war. Bis der Rest, den sie nach +Haus gebracht, gerade gut zum Verbrennen war. +Dann konnte man ja die ganze Nacht, wenn einen +alle schlafen meinen, um die gebrochenen Blumen +weinen. + +Gretel, von allem Anbeginn +war dir bestimmt, sehr zeitig zu sterben, +blond zu sterben. +Lange schon, eh dir zu leben bestimmt war. + +Darum stellte der Herr eine Schwester vor dich +und dann einen Bruder, +damit vor dir wären zwei Nahe, zwei Reine, +welche das Sterben dir zeigten, +das deine: +dein Sterben. +Deine Geschwister wurden erfunden, +nur, damit du dich dran, gewöhntest +und dich an zweien Sterbestunden +mit der dritten versöhntest, +die dir seit Jahrtausenden droht. +Für deinen Tod +sind Leben erstanden; +Hände, welche Blüten banden, +Blicke, welche die Rosen rot +und die Menschen mächtig empfanden, +hat man gebildet und wieder vernichtet +und hat zweimal das Sterben gedichtet, +eh es, gegen dich selbst gerichtet, +aus der verloschenen Bühne trat. + +... Nahte es dir schrecklich, geliebte Gespielin? +war es dein Feind? +Hast du dich ihm ans Herz geweint? +Hat es dich aus den heißen Kissen +in die flackernde Nacht gerissen, +in der niemand schlief im ganzen Haus...? +Wie sah es aus? +Du mußt es wissen.... +Du bist dazu in die Heimat gereist. + * * * * * +Du weißt, +wie die Mandeln blühn, +und daß Seen blau sind. +Viele Dinge, die nur im Gefühle der Frau sind, +welche die erste Liebe erfuhr, +weißt du. Dir flüsterte die Natur +in des Südens spätdämmernden Tagen +so unendliche Schönheit ein, +wie sonst nur selige Lippen sie sagen +seliger Menschen, die zu zwein +eine Welt haben und eine Stimme-- +leiser hast du das alles gespürt,-- +(o wie hat das unendlich Grimme +deine unendliche Demut berührt). +Deine Briefe kamen von Süden, +warm noch von Sonne, aber verwaist,-- +endlich bist du selbst deinen müden +bittenden Briefen nachgereist; +denn du warst nicht gerne im Glänze, +jede Farbe lag auf dir wie Schuld, +und du lebtest in Ungeduld, +denn du wußtest: Das ist nicht das Ganze. +Leben ist nur ein Teil ... Wovon? +Leben ist nur ein Ton ... Worin? +Leben hat Sinn nur verbunden mit vielen +Kreisen des weithin wachsenden Raumes,-- +Leben ist so nur der Traum eines Traumes, +aber Wachsein ist anderswo. +So ließest du's los. +Groß ließest du's los. +Und wir kannten dich klein. +Dein war so wenig: ein Lächeln, ein kleines, +ein bißchen melancholisch schon immer, +sehr sanftes Haar und ein kleines Zimmer, +das dir seit dem Tode der Schwester weit war. +Als ob alles andere nur dein Kleid war, +so scheint es mir jetzt, du stilles Gespiel. +Aber sehr viel +warst du. Und wir wußten's manchmal, +wenn du am Abend kamst in den Saal; +wußten manchmal: jetzt müßte man beten; +eine Menge ist eingetreten, +eine Menge, welche dir nachgeht, +weil du den Weg weißt. +Und du hast ihn wissen gemußt +und hast ihn gewußt +gestern.... +Jüngste der Schwestern. + +Sieh her, +dieser Kranz ist so schwer. +Und sie werden ihn auf dich legen, +diesen schweren Kranz. +Kann's dein Sarg aushalten? +Wenn er bricht +unter dem schwarzen Gewicht, +kriecht in die Falten +von deinem Kleid +Efeu. +Weit rankt er hinauf, +rings rankt er dich um, +und der Saft, der sich in seinen Ranken bewegt, +regt dich auf mit seinem Geräusch; +so keusch bist du. +Aber du bist nicht mehr zu. +Langgedehnt bist du und laß. +Deines Leibes Türen sind angelehnt, +und naß +tritt der Efeu ein.... + * * * * * +Wie Reihn +von Nonnen, +die sich fuhren +an schwarzem Seil, +weil es dunkel ist in dir, du Bronnen. +In den leeren Gängen +deines Blutes drängen sie zu deinem Herzen; +wo sonst deine sanften Schmerzen +sich begegneten mit bleichen +Freuden und Erinnerungen, +wandeln sie wie im Gebet +in das Herz, das, ganz verklungen, +dunkel, allen offen steht. +Aber dieser Kranz ist schwer +nur im Licht, +nur unter Lebenden, hier bei mir; +und sein Gewicht +ist nicht mehr, +wenn ich ihn zu dir legen werde. +Die Erde ist voller Gleichgewicht, +deine Erde. +Er ist schwer von meinen Augen, die daran hängen, +schwer von den Gängen, +die ich um ihn getan; +Ängste aller, welche ihn sahn, +haften daran. +Nimm ihn zu dir, denn er ist dein, +seit er ganz fertig ist. +Nimm ihn von mir. +Laß mich allein! Er ist wie ein Gast.... +Fast schäm ich mich seiner. +Hast du auch Furcht, Gretel? + +Du kannst nicht mehr gehn? +Kannst nicht mehr bei mir in der Stube stehn? +Tun dir die Füße weh? +So bleib, wo jetzt alle beisammen sind, +man wird ihn dir morgen bringen, mein Kind, +durch die entlaubte Allee. +Man wird ihn dir bringen, warte getrost,-- +man bringt dir morgen noch mehr. + +Wenn es auch morgen tobt und tost, +das schadet den Blumen nicht sehr. +Man wird sie dir bringen. Du hast das Recht, +sie sicher zu haben, mein Kind, +und wenn sie auch morgen schwarz und schlecht +und lange vergangen sind. +Sei deshalb nicht bange. Du wirst nicht mehr +unterscheiden, was steigt oder sinkt; +die Farben sind zu, und die Töne sind leer, +und du wirst auch gar nicht mehr wissen, wer +dir alle die Blumen bringt. + +Jetzt weißt du das andre, das uns verstößt, +sooft wir's im Dunkel erfaßt; +von dem, was du sehntest, bist du erlöst +zu etwas, was du hast. +Unter uns warst du von kleiner Gestalt, +vielleicht bist du jetzt ein erwachsener Wald +mit Winden und Stimmen im Laub.-- +Glaub mir, Gespiel, dir geschah nicht Gewalt: +dein Tod war schon alt, +als dein Leben begann; +drum griff er es an, +damit es ihn nicht überlebte. + +Schwebte etwas um mich? +Trat Nachtwind herein? +Ich bebte nicht. +Ich bin stark und allein.-- +Was hab ich heute geschafft? + +... Efeulaub holt' ich am Abend und wand's +und bog es zusammen, bis es ganz gehorchte. +Noch glänzt es mit schwarzem Glanz. +Und meine Kraft +kreist in dem Kranz. + + + +SCHLUSSSTÜCK + + +Der Tod ist groß. +Wir sind die Seinen +lachenden Munds. +Wenn wir uns mitten im Leben meinen, +wagt er zu weinen +mitten in uns. + + + + INHALT + + DES ERSTEN BUCHES ERSTER TEIL + + Eingang + Aus einem April + Mondnacht + Ritter + Mädchenmelancholie + Von den Mädchen I + II + Das Lied der Bildsäule + Der Wahnsinn + Die Liebende + Die Braut + Die Stille + Musik + Die Engel + Der Schutzengel + Martyrinnen + Die Heilige + Kindheit + Aus einer Kindheit + Der Knabe + Die Konfirmanden + Das Abendmahl + + DES ERSTEN BUCHES ZWEITER TEIL + + Initiale + Zum Einschlafen zu sagen + Menschen bei Nacht + Der Nachbar + Pont du Carrousel + Der Einsame + Die Aschanti + Der Letzte + Bangnis + Klage + Einsamkeit + Herbsttag + Erinnerung + Ende des Herbstes + Herbst + Am Rande der Nacht + Gebet + Fortschritt + Vorgefühl + Sturm + Abend in Skåne + Abend + Ernste Stunde + Strophen + Sturmnacht + + DES ZWEITEN BUCHES ERSTER TEIL + + Initiale + Verkündigung + Die heiligen drei Könige + In der Certosa + Das Jüngste Gericht + Karl der Zwölfte von Schweden reitet in der Ukraine + Der Sohn (und: So wurden wir verträumte Geiger) + Die Zaren + Der Sänger singt vor einem Fürstenkind + Die aus dem Hause Colonna + + DES ZWEITEN BUCHES ZWEITER TEIL + + Fragmente aus verlorenen Tagen + Die Stimmen + Von den Fontänen + Der Lesende + Der Schauende + Aus einer Sturmnacht + Die Blinde + Requiem + Schlußstück + + + + + +End of Project Gutenberg's Das Buch der Bilder, by Rainer Maria Rilke + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS BUCH DER BILDER *** + +***** This file should be named 34521-8.txt or 34521-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/4/5/2/34521/ + + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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