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diff --git a/old/33864-8.txt b/old/33864-8.txt new file mode 100644 index 0000000..7201e98 --- /dev/null +++ b/old/33864-8.txt @@ -0,0 +1,3436 @@ +The Project Gutenberg EBook of Der Neuen Gedichte, by Rainer Maria Rilke + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Neuen Gedichte + Anderer Teil + +Author: Rainer Maria Rilke + +Release Date: October 15, 2010 [EBook #33864] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER NEUEN GEDICHTE *** + + + + +Produced by Marc D'Hooghe at: http://www.freeliterature.org + + + + +DER NEUEN GEDICHTE + +ANDERER TEIL + +Von + +RAINER MARIA RILKE + +LEIPZIG + +IM INSEL-VERLAG + +MCMXIX + + +A MON GRAND AMI AUGUSTE RODIN + + + + +ARCHAÏSCHER TORSO APOLLOS + + +Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, +darin die Augenäpfel reiften. Aber +sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, +in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, + +sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug +der Brust dich blenden, und im leisen Drehen +der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen +zu jener Mitte, die die Zeugung trug. + +Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz +unter der Schultern durchsichtigem Sturz +und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle + +und bräche nicht aus allen seinen Rändern +aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, +die dich nicht sieht. Du mßt dein Leben ändern. + + + + +KRETISCHE ARTEMIS + + +Wind der Vorgebirge: war nicht ihre +Stirne wie ein lichter Gegenstand? +Glatter Gegenwind der leichten Tiere, +formtest du sie: ihr Gewand + +bildend an die unbewußten Brüste +wie ein wechselvolles Vorgefühl? +Während sie, als ob sie alles wüßte, +auf das Fernste zu, geschürzt und kühl, + +stürmte mit den Nymphen und den Hunden, +ihren Bogen probend, eingebunden +in den harten hohen Gurt; + +manchmal nur aus fremden Siedelungen +angerufen und erzürnt bezwungen +von dem Schreien um Geburt. + + + + +LEDA + + +Als ihn der Gott in seiner Not betrat, +erschrak er fast, den Schwall so schön zu finden; +er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden. +Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat, + +bevor er noch des unerprobten Seins +Gefühle prüfte. Und die Aufgetane +erkannte schon den Kommenden im Schwane +und wußte schon: er bat um eins, + +das sie, verwirrt in ihrem Widerstand, +nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder, +und halsend durch die immer schwächre Hand + +ließ sich der Gott in die Geliebte los. +Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder +und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß. + + + + +DELPHINE + + +Jene Wirklichen, die ihrem Gleichen +überall zu wachsen und zu wohnen +gaben, fühlten an verwandten Zeichen +Gleiche in den aufgelösten Reichen, +die der Gott, mit triefenden Tritonen, +überströmt bisweilen übersteigt; +denn da hatte sich das Tier gezeigt: +anders als die stumme, stumpfgemute +Zucht der Fische, Blut von ihrem Blute, +und von fern dem Menschlichen geneigt. + +Eine Schar kam, die sich überschlug, +froh, als fühlte sie die Fluten glänzend: +Warme, Zugetane, deren Zug +wie mit Zuversicht die Fahrt bekränzend, +leichtgebunden um den runden Bug +wie um einer Vase Rumpf und Rundung, +selig, sorglos, sicher vor Verwundung, +aufgerichtet, hingerissen, rauschend +und im Tauchen mit den Wellen tauschend +die Trireme heiter weitertrug. + +Und der Schiffer nahm den neugewährten +Freund in seine einsame Gefahr +und ersann für ihn, für den Gefährten, +dankbar eine Welt und hielt für wahr, +daß er Töne liebte, Götter, Gärten +und das tiefe, stille Sternenjahr. + + + + +DIE INSEL DER SIRENEN + + +Wenn er denen, die ihm gastlich waren, +spät, nach ihrem Tage noch, da sie +fragten nach den Fahrten und Gefahren, +still berichtete: er wußte nie, + +wie sie schrecken und mit welchem jähen +Wort sie wenden, daß sie so wie er +in dem blau gestillten Inselmeer +die Vergoldung jener Inseln sähen, + +deren Anblick macht, daß die Gefahr +umschlägt; denn nun ist sie nicht im Tosen +und im Wüten, wo sie immer war: +lautlos kommt sie über die Matrosen, + +welche wissen, daß es dort auf jenen +goldnen Inseln manchmal singt--, +und sich blindlings in die Ruder lehnen, +wie umringt + +von der Stille, die die ganze Weite +in sich hat und an die Ohren weht, +so als wäre ihre andre Seite +der Gesang, dem keiner widersteht. + + + + +KLAGE UM ANTINOUS + + +Keiner begriff mir von euch den bithynischen Knaben +(daß ihr den Strom anfaßtet und von ihm hübt...). +Ich verwöhnte ihn zwar. Und dennoch: wir haben +ihn nur mit Schwere erfüllt und für immer getrübt. + +Wer vermag denn zu lieben? Wer kann es?--Noch keiner. +Und so hab ich unendliches Weh getan--. +Nun ist er am Nil der stillenden Götter einer, +und ich weiß kaum welcher und kann ihm nicht nahn. + +Und ihr warfet ihn noch, Wahnsinnige, bis in die Sterne, +damit ich euch rufe und dränge: meint ihr den? +Was ist er nicht einfach ein Toter. Er wäre es gerne. +Und vielleicht wäre ihm nichts geschehn. + + + + +DER TOD DER GELIEBTEN + + +Er wußte nur vom Tod, was alle wissen: +daß er uns nimmt und in das Stumme stößt. +Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen, +nein, leis aus seinen Augen ausgelöst, + +hinüberglitt zu unbekannten Schatten, +und als er fühlte, daß sie drüben nun +wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten +und ihre Weise wohlzutun: + +da wurden ihm die Toten so bekannt, +als wäre er durch sie mit einem jeden +ganz nah verwandt; er ließ die andern reden + +und glaubte nicht und nannte jenes Land +das gutgelegene, das immersüße--. +Und tastete es ab für ihre Füße. + + + + +KLAGE UM JONATHAN + + +Ach, sind auch Könige nicht von Bestand +und dürfen hingehn wie gemeine Dinge, +obwohl ihr Druck wie der der Siegelringe +sich widerbildet in das weiche Land. + +Wie aber konntest du, so angefangen +mit deines Herzens Initial, +aufhören plötzlich: Wärme meiner Wangen. +O daß dich einer noch einmal +erzeugte, wenn sein Samen in ihm glänzt. + +Irgendein Fremder sollte dich zerstören, +und der dir innig war, ist nichts dabei +und muß sich halten und die Botschaft hören; +wie wunde Tiere auf den Lagern löhren, +möcht ich mich legen mit Geschrei: + +denn da und da, an meinen scheusten Orten, +bist du mir ausgerissen wie das Haar, +das in den Achselhöhlen wächst und dorten, +wo ich ein Spiel für Frauen war, + +bevor du meine dort verfitzten Sinne +aufsträhntest, wie man einen Knaul entflicht; +da sah ich auf und wurde deiner inne:-- +jetzt aber gehst du mir aus dem Gesicht. + + + + +TRÖSTUNG DES ELIA + + +Er hatte das getan und dies, den Bund +wie jenen Altar wieder aufzubauen, +zu dem sein weitgeschleudertes Vertrauen +zurück als Feuer fiel von ferne, und +hatte er dann nicht Hunderte zerhauen, +weil sie ihm stanken mit dem Baal im Mund, +am Bache schlachtend bis ans Abendgrauen, + +das mit dem Regengrau sich groß verband? +Doch als ihn von der Königin der Bote +nach solchem Werktag antrat und bedrohte, +da lief er wie ein Irrer in das Land, + +so lange, bis er unterm Ginsterstrauche +wie weggeworfen aufbrach in Geschrei, +das in der Wüste brüllte: Gott, gebrauche +mich länger nicht. Ich bin entzwei. + +Doch grade da kam ihn der Engel ätzen +mit einer Speise, die er tief empfing, +so daß er lange dann an Weideplätzen +und Wassern immer zum Gebirge ging, + +zu dem der Herr um seinetwillen kam: +im Sturme nicht und nicht im Sich-Zerspalten +der Erde, der entlang in schweren Falten +ein leeres Feuer ging, fast wie aus Scham +über des Ungeheuren ausgeruhtes +Hinstürzen zu dem angekommnen Alten, +der ihn im sanften Sausen seines Blutes +erschreckt und zugedeckt vernahm. + + + + +SAUL UNTER DEN PROPHETEN + + +Meinst du denn, daß man sich sinken sieht? +Nein, der König schien sich noch erhaben, +da er seinen starken Harfenknaben +töten wollte bis ins zehnte Glied. + +Erst da ihn der Geist auf solchen Wegen +überfiel und auseinanderriß, +sah er sich im Innern ohne Segen, +und sein Blut ging in der Finsternis +abergläubig dem Gericht entgegen. + +Wenn sein Mund jetzt troff und prophezeite, +war es nur, damit der Flüchtling weit +flüchten könne. So war dieses zweite +Mal. Doch einst: er hatte prophezeit + +fast als Kind, als ob ihm jede Ader +mündete in einen Mund aus Erz; +alle schritten, doch er schritt gerader; +alle schrieen, doch ihm schrie das Herz. + +Und nun war er nichts als dieser Haufen +umgestürzter Würden, Last auf Last; +und sein Mund war wie der Mund der Traufen, +der die Güsse, die zusammenlaufen, +fallen läßt, eh er sie faßt. + + + + +SAMUELS ERSCHEINUNG VOR SAUL + + +Da schrie die Frau zu Endor auf: Ich sehe-- +Der König packte sie am Arme: Wen? +Und da die Starrende beschrieb, noch ehe, +da war ihm schon, er hätte selbst gesehn: + +den, dessen Stimme ihn noch einmal traf: +Was störst du mich? Ich habe Schlaf. +Willst du, weil dir die Himmel fluchen, +und weil der Herr sich vor dir schloß und schwieg, +in meinem Mund nach einem Siege suchen? +Soll ich dir meine Zähne einzeln sagen? +Ich habe nichts als sie.... Es schwand. Da schrie +das Weib, die Hände vors Gesicht geschlagen, +als ob sie's sehen müßte: Unterlieg-- + +Und er, der in der Zeit, die ihm gelang, +das Volk wie ein Feldzeichen überragte, +fiel hin, bevor er noch zu klagen wagte: +so sicher war sein Untergang. +Die aber, die ihn wider Willen schlug, +hoffte, daß er sich faßte und vergäße; +und als sie hörte, daß er nie mehr äße, +ging sie hinaus und schlachtete und buk +und brachte ihn dazu, daß er sich setzte; +er saß wie einer, der zu viel vergißt: +alles, was war, bis auf das Eine, Letzte. +Dann aß er, wie ein Knecht zu Abend ißt. + + + + +EIN PROPHET + + +Ausgedehnt von riesigen Gesichten, +hell vom Feuerschein aus dem Verlauf +der Gerichte, die ihn nie vernichten,-- +sind die Augen, schauend unter dichten +Brauen. Und in seinem Innern richten +sich schon wieder Worte auf, + +nicht die seinen (denn was wären seine, +und wie schonend wären sie vertan), +andre, harte: Eisenstücke, Steine, +die er schmelzen muß wie ein Vulkan, + +um sie in dem Ausbruch seines Mundes +auszuwerfen, welcher flucht und flucht; +während seine Stirne, wie des Hundes +Stirne, das zu tragen sucht, + +was der Herr von seiner Stirne nimmt: +Dieser, Dieser, den sie alle fänden, +folgten sie den großen Zeigehänden, +die Ihn weisen, wie Er ist: ergrimmt. + + + + +JEREMIAS + + +Einmal war ich weich wie früher Weizen, +doch, du Rasender, du hast vermocht, +mir das hingehaltne Herz zu reizen, +daß es jetzt wie eines Löwen kocht. + +Welchen Mund hast du mir zugemutet, +damals, da ich fast ein Knabe war: +eine Wunde wurde er: nun blutet +aus ihm Unglücksjahr um Unglücksjahr. + +Täglich tönte ich von neuen Nöten, +die du, Unersättlicher, ersannst, +und sie konnten mir den Mund nicht töten; +sieh du zu, wie du ihn stillen kannst, + +wenn, die wir zerstoßen und zerstören, +erst verloren sind und fernverlaufen +und vergangen sind in der Gefahr: +denn dann will ich in den Trümmerhaufen +endlich meine Stimme Wiederhören, +die von Anfang an ein Heulen war. + + + + +EINE SIBYLLE + + +Einst, vor Zeiten, nannte man sie alt. +Doch sie blieb und kam dieselbe Straße +täglich. Und man änderte die Maße, +und man zählte sie wie einen Wald + +nach Jahrhunderten. Sie aber stand +jeden Abend auf derselben Stelle, +schwarz wie eine alte Zitadelle, +hoch und hohl und ausgebrannt; + +von den Worten, die sich unbewacht +wider ihren Willen in ihr mehrten, +immerfort umschrieen und umflogen, +während die schon wieder heimgekehrten +dunkel unter ihren Augenbogen +saßen, fertig für die Nacht. + + + + +ABSALOMS ABFALL + + +Sie hoben sie mit Geblitz: +der Sturm aus den Hörnern schwellte +seidene, breitgewellte +Fahnen. Der herrlich Erhellte +nahm im hoch offenen Zelte, +das jauchzendes Volk umstellte, +zehn Frauen in Besitz, + +die (gewohnt an des alternden Fürsten +sparsame Nacht und Tat) +unter seinem Dürsten +wogten wie Sommersaat. + +Dann trat er heraus zum Rate, +wie vermindert um nichts, +und jeder, der ihm nahte, +erblindete seines Lichts. + +So zog er auch den Heeren +voran wie ein Stern dem Jahr; +über allen Speeren +wehte sein warmes Haar, +das der Helm nicht faßte +und das er manchmal haßte, +weil es schwerer war +als seine reichsten Kleider. + +Der König hatte geboten, +daß man den Schönen schone. +Doch man sah ihn ohne +Helm an den bedrohten +Orten die ärgsten Knoten +zu roten Stücken von Toten +auseinanderhaun. +Dann wußte lange keiner +von ihm, bis plötzlich einer +schrie: Er hängt dort hinten +an den Terebinthen +mit hochgezogenen Braun. + +Das war genug des Winks. +Joab, wie ein Jäger, +erspähte das Haar--: ein schräger +gedrehter Ast: da hings. +Er durchrannte den schlanken Kläger, +und seine Waffenträger +durchbohrten ihn rechts und links. + + + + +ESTHER + + +Die Dienerinnen kämmten sieben Tage +die Asche ihres Grams und ihrer Plage +Neige und Niederschlag aus ihrem Haar +und trugen es und sonnten es im Freien +und speisten es mit reinen Spezereien +noch diesen Tag und den: dann aber war + +die Zeit gekommen, da sie ungeboten, +zu keiner Frist, wie eine von den Toten +den drohend offenen Palast betrat, +um gleich, gelegt auf ihre Kammerfrauen, +am Ende ihres Weges _den_ zu schauen, +an dem man stirbt, wenn man ihm naht. + +Er glänzte so, daß sie die Kronrubine +aufflammen fühlte, die sie an sich trug; +sie füllte sich ganz rasch mit seiner Miene +wie ein Gefäß und war schon voll genug + +und floß schon über von des Königs Macht, +bevor sie noch den dritten Saal durchschritt, +der sie mit seiner Wände Malachit +grün überlief. Sie hatte nicht gedacht, + +so langen Gang zu tun mit allen Steinen, +die schwerer wurden von des Königs Scheinen +und kalt von ihrer Angst. Sie ging und ging. + +Und als sie endlich fast von nahe ihn, +aufruhend auf dem Thron von Turmalin, +sich türmen sah, so wirklich wie ein Ding: + +empfing die rechte von den Dienerinnen +die Schwindende und hielt sie zu dem Sitze. +Er rührte sie mit seines Zepters Spitze; +und sie begriff es ohne Sinne, innen. + + + + +DER AUSSÄTZIGE KÖNIG + + +Da trat auf seiner Stirn der Aussatz aus +und stand auf einmal unter seiner Krone, +als war er König über allen Graus, +der in die andern fuhr, die fassungsohne + +hinstarrten nach dem furchtbaren Vollzug +an jenem, welcher, schmal wie ein Verschnürter, +erwartete, daß einer nach ihm schlug; +doch noch war keiner Manns genug: +als machte ihn nur immer unberührter +die neue Würde, die sich übertrug. + + + + +LEGENDE VON DEN DREI LEBENDIGEN UND DEN DREI TOTEN + + +Drei Herren hatten mit Falken gebeizt +und freuten sich auf das Gelag. +Da nahm sie der Greis in Beschlag +und führte. Die Reiter hielten gespreizt +vor dem dreifachen Sarkophag, + +der ihnen dreimal entgegenstank, +in den Mund, in die Nase, ins Sehn; +und sie wußten es gleich: da lagen lang +drei Tote mitten im Untergang +und ließen sich gräßlich gehn. + +Und sie hatten nur noch ihr Jägergehör +reinlich hinter dem Sturmbandlör; +doch da zischte der Alte sein: +--Sie gingen nicht durch das Nadelöhr +und gehen niemals--hinein. + +Nun blieb ihnen noch ihr klares Getast, +das stark war vom Jagen und heiß; +doch das hatte ein Frost von hinten gefaßt +und trieb ihm Eis in den Schweiß. + + + + +DER KÖNIG VON MÜNSTER + + +Der König war geschoren; +nun ging ihm die Krone zu weit +und bog ein wenig die Ohren, +in die von Zeit zu Zeit + +gehässiges Gelärme +aus Hungermäulern fand. +Er saß, von wegen der Wärme, +auf seiner rechten Hand, + +mürrisch und schwergesäßig. +Er fühlte sich nicht mehr echt: +der Herr in ihm war mäßig, +und der Beischlaf war schlecht. + + + + +TOTENTANZ + + +Sie brauchen kein Tanz-Orchester; +sie hören in sich ein Geheule, +als wären sie Eulennester. +Ihr Ängsten näßt wie eine Beule, +und der Vorgeruch ihrer Fäule +ist noch ihr bester Geruch. + +Sie fassen den Tänzer fester, +den rippenbetreßten Tänzer, +den Galan, den echten Ergänzer +zu einem ganzen Paar. +Und er lockert der Ordensschwester +über dem Haar das Tuch; +sie tanzen ja unter Gleichen. +Und er zieht der wachslichtbleichen +leise die Lesezeichen +aus ihrem Stunden-Buch. + +Bald wird ihnen allen zu heiß, +sie sind zu reich gekleidet; +beißender Schweiß verleidet +ihnen Stirne und Steiß +und Schauben und Hauben und Steine; +sie wünschen, sie wären nackt +wie ein Kind, ein Verrückter und Eine: +die tanzen noch immer im Takt. + + + + +DAS JÜNGSTE GERICHT + + +So erschrocken, wie sie nie erschraken, +ohne Ordnung, oft durchlocht und locker, +hocken sie in dem geborstnen Ocker +ihres Ackers, nicht von ihren Laken + +abzubringen, die sie liebgewannen. +Aber Engel kommen an, um Öle +einzuträufeln in die trocknen Pfannen +und um jedem in die Achselhöhle + +das zu legen, was er in dem Lärme +damals seines Lebens nicht entweihte; +denn dort hat es noch ein wenig Wärme, + +daß es nicht des Herren Hand erkälte +oben, wenn er es aus jeder Seite +leise greift, zu fühlen, ob es gälte. + + + + +DIE VERSUCHUNG + + +Nein, es half nicht, daß er sich die scharfen +Stacheln einhieb in das geile Fleisch; +alle seine trächtigen Sinne warfen +unter kreißendem Gekreisch + +Frühgeburten: schiefe, hingeschielte +kriechende und fliegende Gesichte, +Nichte, deren nur auf ihn erpichte +Bosheit sich verband und mit ihm spielte. + +Und schon hatten seine Sinne Enkel; +denn das Pack war fruchtbar in der Nacht +und in immer bunterem Gesprenkel +hingehudelt und verhundertfacht. +Aus dem Ganzen ward ein Trank gemacht: +seine Hände griffen lauter Henkel, +und der Schatten schob sich auf wie Schenkel +warm und zu Umarmungen erwacht--. + +Und da schrie er nach dem Engel, schrie: +und der Engel kam in seinem Schein +und war da: und jagte sie +wieder in den Heiligen hinein, + +daß er mit Geteufel und Getier +in sich weiterringe wie seit Jahren +und sich Gott, den lange noch nicht klaren, +innen aus dem Jäsen destillier. + + + + +DER ALCHIMIST + + +Seltsam verlächelnd schob der Laborant +den Kolben fort, der halbberuhigt rauchte. +Er wußte jetzt, was er noch brauchte, +damit der sehr erlauchte Gegenstand + +da drin entstände. Zeiten brauchte er. +Jahrtausende für sich und diese Birne, +in der es brodelte; im Hirn Gestirne +und im Bewußtsein mindestens das Meer. + +Das Ungeheuere, das er gewollt, +er ließ es los in dieser Nacht. Es kehrte +zurück zu Gott und in sein altes Maß; + +er aber, lallend wie ein Trunkenbold, +lag über dem Geheimfach und begehrte +den Brocken Gold, den er besaß. + + + + +DER RELIQUIENSCHREIN + + +Draußen wartete auf alle Ringe +und auf jedes Kettenglied +Schicksal, das nicht ohne sie geschieht. +Drinnen waren sie nur Dinge, Dinge, +die er schmiedete; denn vor dem Schmied +war sogar die Krone, die er bog, +nur ein Ding, ein zitterndes und eines, +das er finster wie im Zorn erzog +zu dem Tragen eines reinen Steines. + +Seine Augen wurden immer kälter +von dem kalten täglichen Getränk; +aber als der herrliche Behälter +(goldgetrieben, köstlich, vielkarätig) +fertig vor ihm stand, das Weihgeschenk, +daß darin ein kleines Handgelenk +fürder wohne, weiß und wundertätig: + +blieb er ohne Ende auf den Knien, +hingeworfen, weinend, nicht mehr wagend, +seine Seele niederschlagend +vor dem ruhigen Rubin, +der ihn zu gewahren schien +und ihn, plötzlich um sein Dasein fragend, +ansah wie aus Dynastien. + + + + +DAS GOLD + + +Denk es wäre nicht: es hätte müssen +endlich in den Bergen sich gebären +und sich niederschlagen in den Flüssen +aus dem Wollen, aus dem Gären + +ihres Willens; aus der Zwangidee, +daß ein Erz ist über allen Erzen. +Weithin warfen sie aus ihren Herzen +immer wieder Meroë + +an den Rand der Lande, in den Äther, +über das Erfahrene hinaus; +und die Söhne brachten manchmal später +das Verheißene der Väter, +abgehärtet und verhehrt, nach Haus, + +wo es anwuchs eine Zeit, um dann +fortzugehn von den an ihm Geschwächten, +die es niemals liebgewann. +Nur (so sagt man) in den letzten Nächten +steht es auf und sieht sie an. + + + + +DER STYLIT + + +Völker schlugen über ihm zusammen, +die er küren durfte und verdammen; +und erratend, daß er sich verlor, +klomm er aus dem Volksgeruch mit klammen +Händen einen Säulenschaft empor, + +der noch immer stieg und nichts mehr hob, +und begann, allein auf seiner Fläche, +ganz von vorne seine eigne Schwäche +zu vergleichen mit des Herren Lob; + +und da war kein Ende: er verglich; +und der andre wurde immer größer. +Und die Hirten, Ackerbauer, Flößer +sahn ihn klein und außer sich + +immer mit dem ganzen Himmel reden, +eingeregnet manchmal, manchmal licht; +und sein Heulen stürzte sich auf jeden, +so als heulte er ihm ins Gesicht. +Doch er sah seit Jahren nicht, + +wie der Menge Drängen und Verlauf +unten unaufhörlich sich ergänzte, +und das Blanke an den Fürsten glänzte +lange nicht so hoch hinauf. + +Aber wenn er oben, fast verdammt +und von ihrem Widerstand zerschunden, +einsam mit verzweifeltem Geschreie +schüttelte die täglichen Dämonen: +fielen langsam auf die erste Reihe +schwer und ungeschickt aus seinen Wunden +große Würmer in die offnen Kronen +und vermehrten sich im Samt. + + + + +DIE ÄGYPTISCHE MARIA + + +Seit sie damals, bettheiß, als die Hure +übern Jordan floh und, wie ein Grab +gebend, stark und unvermischt das pure +Herz der Ewigkeit zu trinken gab, + +wuchs ihr frühes Hingegebensein +unaufhaltsam an zu solcher Größe, +daß sie endlich, wie die ewige Blöße +aller, aus vergilbtem Elfenbein + +dalag in der dürren Haare Schelfe. +Und ein Löwe kreiste; und ein Alter +rief ihn winkend an, daß er ihm helfe: + +(und so gruben sie zu zwein.) + +Und der Alte neigte sie hinein. +Und der Löwe, wie ein Wappenhalter, +saß dabei und hielt den Stein. + + + + +KREUZIGUNG + + +Längst geübt, zum kahlen Galgenplatze +irgendein Gesindel hinzudrängen, +ließen sich die schweren Knechte hängen, +dann und wann nur eine große Fratze + +kehrend nach den abgetanen Drein. +Aber oben war das schlechte Henkern +rasch getan; und nach dem Fertigsein +ließen sich die freien Männer schlenkern. + +Bis der eine (fleckig wie ein Selcher) +sagte: Hauptmann, dieser hat geschrien. +Und der Hauptmann sah vom Pferde: Welcher? +und es war ihm selbst, er hätte ihn + +den Elia rufen hören. Alle +waren zuzuschauen voller Lust, +und sie hielten, daß er nicht verfalle, +gierig ihm die ganze Essiggalle +an sein schwindendes Gehust. + +Denn sie hofften noch ein ganzes Spiel +und vielleicht den kommenden Elia. +Aber hinten ferne schrie Maria, +und er selber brüllte und verfiel. + + + + +DER AUFERSTANDENE + + +Er vermochte niemals bis zuletzt +ihr zu weigern oder abzuneinen, +daß sie ihrer Liebe sich berühme; +und sie sank ans Kreuz in dem Kostüme +eines Schmerzes, welches ganz besetzt +war mit ihrer Liebe größten Steinen. + +Aber da sie dann, um ihn zu salben, +an das Grab kam, Tränen im Gesicht, +war er auferstanden ihrethalben, +daß er seliger ihr sage: Nicht-- + +Sie begriff es erst in ihrer Höhle, +wie er ihr, gestärkt durch seinen Tod, +endlich das Erleichternde der Öle +und des Rührens Vorgefühl verbot, + +um aus ihr die Liebende zu formen, +die sich nicht mehr zum Geliebten neigt, +weil sie, hingerissen von enormen +Stürmen, seine Stimme übersteigt. + + + + +MAGNIFIKAT + + +Sie kam den Hang herauf, schon schwer, fast ohne +an Trost zu glauben, Hoffnung oder Rat; +doch da die hohe tragende Matrone +ihr ernst und stolz entgegentrat + +und alles wußte ohne ihr Vertrauen, +da war sie plötzlich an ihr ausgeruht; +vorsichtig hielten sich die vollen Frauen, +bis daß die junge sprach: Mir ist zumut, + +als wär ich, Liebe, von nun an für immer. +Gott schüttet in der Reichen Eitelkeit +fast ohne hinzusehen ihren Schimmer; +doch sorgsam sucht er sich ein Frauenzimmer +und füllt sie an mit seiner fernsten Zeit. + +Daß er mich fand. Bedenk nur; und Befehle +um meinetwillen gab von Stern zu Stern--. +Verherrliche und hebe, meine Seele, +so hoch du kannst: den Herrn. + + + + +ADAM + + +Staunend steht er an der Kathedrale +steilem Aufstieg, nah der Fensterrose, +wie erschreckt von der Apotheose, +welche wuchs und ihn mit einem Male + +niederstellte über die und die. +Und er ragt und freut sich seiner Dauer +schlicht entschlossen; als der Ackerbauer, +der begann und der nicht wußte, wie + +aus dem fertig-vollen Garten Eden +einen Ausweg in die neue Erde +finden. Gott war schwer zu überreden; + +und er drohte ihm, statt zu gewähren, +immer wieder, daß er sterben werde. +Doch der Mensch bestand: sie wird gebären. + + + + +EVA + + +Einfach steht sie an der Kathedrale +großem Aufstieg, nah der Fensterrose, +mit dem Apfel in der Apfelpose, +schuldlos-schuldig ein für alle Male + +an dem Wachsenden, das sie gebar, +seit sie aus dem Kreis der Ewigkeiten +liebend fortging, um sich durchzustreiten +durch die Erde, wie ein junges Jahr. + +Ach, sie hätte gern in jenem Land +noch ein wenig weilen mögen, achtend +auf der Tiere Eintracht und Verstand. + +Doch da sie den Mann entschlossen fand, +ging sie mit ihm, nach dem Tode trachtend, +und sie hatte Gott noch kaum gekannt. + + + + +IRRE IM GARTEN + +DIJON + + +Noch schließt die aufgegebene Karthause +sich um den Hof, als würde etwas heil. +Auch die sie jetzt bewohnen, haben Pause +und nehmen nicht am Leben draußen teil. + +Was irgend kommen konnte, das verlief. +Nun gehn sie gerne mit bekannten Wegen +und trennen sich und kommen sich entgegen, +als ob sie kreisten, willig, primitiv. + +Zwar manche pflegen dort die Frühlingsbeete, +demütig, dürftig, hingekniet; +aber sie haben, wenn es keiner sieht, +eine verheimlichte, verdrehte + +Gebärde für das zarte frühe Gras, +ein prüfendes, verschüchtertes Liebkosen: +denn das ist freundlich, und das Rot der Rosen +wird vielleicht drohend sein und Übermaß + +und wird vielleicht schon wieder übersteigen, +was ihre Seele wiederkennt und weiß. +Dies aber läßt sich noch verschweigen: +wie gut das Gras ist und wie leis. + + + + +DIE IRREN + + +Und sie schweigen, weil die Scheidewände +weggenommen sind aus ihrem Sinn, +und die Stunden, da man sie verstände, +heben an und gehen hin. + +Nächtens oft, wenn sie ans Fenster treten: +plötzlich ist es alles gut. +Ihre Hände liegen im Konkreten, +und das Herz ist hoch und könnte beten, +und die Augen schauen ausgeruht + +auf den unverhofften, oftentstellten +Garten im beruhigten Geviert, +der im Widerschein der fremden Welten +weiterwächst und niemals sich verliert. + + + + +AUS DEM LEBEN EINES HEILIGEN + + +Er kannte Ängste, deren Eingang schon +wie Sterben war und nicht zu überstehen. +Sein Herz erlernte, langsam durchzugehen; +er zog es groß wie einen Sohn. + +Und namenlose Nöte kannte er, +finster und ohne Morgen wie Verschläge; +und seine Seele gab er folgsam her, +da sie erwachsen war, auf daß sie läge + +bei ihrem Bräutigam und Herrn; und blieb +allein zurück an einem solchen Orte, +wo das Alleinsein alles übertrieb, +und wohnte weit und wollte niemals Worte. + +Aber dafür, nach Zeit und Zeit, erfuhr +er auch das Glück, sich in die eignen Hände, +damit er eine Zärtlichkeit empfände, +zu legen wie die ganze Kreatur. + + + + +DIE BETTLER + + +Du wußtest nicht, was den Haufen +ausmacht. Ein Fremder fand +Bettler darin. Sie verkaufen +das Hohle aus ihrer Hand. + +Sie zeigen dem Hergereisten +ihren Mund voll Mist, +und er darf (er kann es sich leisten) +sehn, wie ihr Aussatz frißt. + +Es zergeht in ihren zerrührten +Augen sein fremdes Gesicht; +und sie freuen sich des Verführten +und speien, wenn er spricht. + + + + +FREMDE FAMILIE + + +So wie der Staub, der irgendwie beginnt +und nirgends ist, zu unerklärtem Zwecke +an einem leeren Morgen in der Ecke, +in die man sieht, ganz rasch zu Grau gerinnt, + +so bildeten sie sich, wer weiß aus was, +im letzten Augenblick vor deinen Schritten +und waren etwas Ungewisses mitten +im nassen Niederschlag der Gasse, das + +nach dir verlangte. Oder nicht nach dir. +Denn eine Stimme, wie vom vorigen Jahr, +sang dich zwar an und blieb doch ein Geweine; +und eine Hand, die wie geliehen war, +kam zwar hervor und nahm doch nicht die deine. +Wer kommt denn noch? Wen meinen diese vier? + + + + +LEICHEN WÄSCHE + + +Sie hatten sich an ihn gewöhnt. Doch als +die Küchenlampe kam und unruhig brannte +im dunkeln Luftzug, war der Unbekannte +ganz unbekannt. Sie wuschen seinen Hals, + +und da sie nichts von seinem Schicksal wußten, +so logen sie ein anderes zusamm, +fortwährend waschend. Eine mußte husten +und ließ solang den schweren Essigschwamm + +auf dem Gesicht. Da gab es eine Pause +auch für die zweite. Aus der harten Bürste +klopften die Tropfen; während seine grause +gekrampfte Hand dem ganzen Hause +beweisen wollte, daß ihn nicht mehr dürste. + +Und er bewies. Sie nahmen wie betreten +eiliger jetzt mit einem kurzen Huster +die Arbeit auf, so daß an den Tapeten +ihr krummer Schatten in dem stummen Muster + +sich wand und wälzte wie in einem Netze, +bis daß die Waschenden zu Ende kamen. +Die Nacht im vorhanglosen Fensterrahmen +war rücksichtslos. Und einer ohne Namen +lag bar und reinlich da und gab Gesetze. + + + + +EINE VON DEN ALTEN + +PARIS + + +Abends manchmal (weißt du, wie das tut?) +wenn sie plötzlich stehn und rückwärts nicken +und ein Lächeln, wie aus lauter Flicken, +zeigen unter ihrem halben Hut. + +Neben ihnen ist dann ein Gebäude, +endlos, und sie locken dich entlang +mit dem Rätsel ihrer Räude, +mit dem Hut, dem Umhang und dem Gang. + +Mit der Hand, die hinten unterm Kragen +heimlich wartet und verlangt nach dir: +wie um deine Hände einzuschlagen +in ein aufgehobenes Papier. + + + + +DER BLINDE + +PARIS + + +Sieh, er geht und unterbricht die Stadt, +die nicht ist auf seiner dunkeln Stelle, +wie ein dunkler Sprung durch eine helle +Tasse geht. Und wie auf einem Blatt + +ist auf ihm der Widerschein der Dinge +aufgemalt; er nimmt ihn nicht hinein. +Nur sein Fühlen rührt sich, so als finge +es die Welt in kleinen Wellen ein: + +eine Stille, einen Widerstand--, +und dann scheint er wartend wen zu wählen: +hingegeben hebt er seine Hand, +festlich fast, wie um sich zu vermählen. + + + + +EINE WELKE + + +Leicht, wie nach ihrem Tode +trägt sie die Handschuh, das Tuch. +Ein Duft aus ihrer Kommode +verdrängte den lieben Geruch, + +an dem sie sich früher erkannte, +Jetzt fragte sie lange nicht, wer +sie sei (:eine ferne Verwandte), +und geht in Gedanken umher + +und sorgt für ein ängstliches Zimmer, +das sie ordnet und schont, +weil es vielleicht noch immer +dasselbe Mädchen bewohnt. + + + + +ABENDMAHL + + +Ewiges will zu uns. Wer hat die Wahl +und trennt die großen und geringen Kräfte? +Erkennst du durch das Dämmern der Geschäfte +im klaren Hinterraum das Abendmahl: + +wie sie sich's halten und wie sie sich's reichen +und in der Handlung schlicht und schwer beruhn. +Aus ihren Händen heben sich die Zeichen; +sie wissen nicht, daß sie sie tun + +und immer neu mit irgendwelchen Worten +einsetzen, was man trinkt und was man teilt. +Denn da ist keiner, der nicht allerorten +heimlich von hinnen geht, indem er weilt. + +Und sitzt nicht immer einer unter ihnen, +der seine Eltern, die ihm ängstlich dienen, +wegschenkt an ihre abgetane Zeit? +(Sie zu verkaufen, ist ihm schon zu weit.) + + + + +DIE BRANDSTÄTTE + + +Gemieden von dem Frühherbstmorgen, der +mißtrauisch war, lag hinter den versengten +Hauslinden, die das Heidehaus beengten, +ein Neues, Leeres. Eine Stelle mehr, + +auf welcher Kinder, von Gott weiß woher, +einander zuschrien und nach Fetzen haschten. +Doch alle wurden stille, sooft er, +der Sohn von hier, aus heißen, halbveraschten + +Gebälken Kessel und verbogne Tröge +mit einem langen Gabelaste zog,-- +um dann mit einem Blick, als ob er löge, +die andern anzusehn, die er bewog + +zu glauben, was an dieser Stelle stand. +Denn seit es nicht mehr war, schien es ihm so +seltsam: phantastischer als Pharao. +Und er war anders, wie aus fernem Land. + + + + +DIE GRUPPE + +PARIS + + +Als pflückte einer rasch zu einem Strauß: +ordnet der Zufall hastig die Gesichter, +lockert sie auf und drückt sie wieder dichter, +ergreift zwei ferne, läßt ein nahes aus, + +tauscht das mit dem, bläst irgendeines frisch, +wirft einen Hund, wie Kraut, aus dem Gemisch +und zieht, was niedrig schaut, wie durch verworrne +Stiele und Blätter, an dem Kopf nach vorne + +und bindet es ganz klein am Rande ein; +und streckt sich wieder, ändert und verstellt +und hat nur eben Zeit, zum Augenschein + +zurückzuspringen mitten auf die Matte, +auf der im nächsten Augenblick der glatte +Gewichteschwinger seine Schwere schwellt. + + + + +SCHLANGENBESCHWÖRUNG + + +Wenn auf dem Markt, sich wiegend, der Beschwörer +die Kürbisflöte pfeift, die reizt und lullt, +so kann es sein, daß er sich einen Hörer +herüberlockt, der ganz aus dem Tumult + +der Buden eintritt in den Kreis der Pfeife, +die will und will und will und die erreicht, +daß das Reptil in seinem Korb sich steife +und die das steife schmeichlerisch erweicht, + +abwechselnd immer schwindelnder und blinder +mit dem, was schreckt und streckt, und dem, was löst--; +und dann genügt ein Blick: so hat der Inder +dir eine Fremde eingeflößt, + +in der du stirbst. Es ist, als überstürze +glühender Himmel dich. Es geht ein Sprung +durch dein Gesicht. Es legen sich Gewürze +auf deine nordische Erinnerung, + +die dir nichts hilft. Dich feien keine Kräfte, +die Sonne gärt, das Fieber fällt und trifft; +von böser Freude steilen sich die Schäfte, +und in den Schlangen glänzt das Gift. + + + + +SCHWARZE KATZE + + +Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle, +dran dein Blick mit einem Klange stößt; +aber da an diesem schwarzen Felle +wird dein stärkstes Schauen aufgelöst: + +wie ein Tobender, wenn er in vollster +Raserei ins Schwarze stampft, +jählings am benehmenden Gepolster +einer Zelle aufhört und verdampft. + +Alle Blicke, die sie jemals trafen, +scheint sie also an sich zu verhehlen, +um darüber drohend und verdrossen +zuzuschauern und damit zu schlafen. +Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt, +ihr Gesicht und mitten in das deine: +und da triffst du deinen Blick im geelen +Amber ihrer runden Augensteine +unerwartet wieder: eingeschlossen +wie ein ausgestorbenes Insekt. + + + + +VOR-OSTERN + +NEAPEL + + +Morgen wird in diesen tiefgekerbten +Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen +unten dunkel nach dem Hafen drängen, +hell das Gold der Prozessionen rollen; +statt der Fetzen werden die ererbten +Bettbezüge, welche wehen wollen, +von den immer höheren Balkonen +(wie in Fließendem gespiegelt) hängen. + +Aber heute hämmert an den Klopfern +jeden Augenblick ein voll Bepackter, +und sie schleppen immer neue Käufe; +dennoch stehen strotzend noch die Stände. +An der Ecke zeigt ein aufgehackter +Ochse seine frischen Innenwände, +und in Fähnchen enden alle Läufe. +Und ein Vorrat wie von tausend Opfern + +drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke, +zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer +aller Türen, und vor dem Gegähne +der Melonen strecken sich die Brote. +Voller Gier und Handlung ist das Tote; +doch viel stiller sind die jungen Hähne +und die abgehängten Ziegenböcke +und am allerleisesten die Lämmer, + +die die Knaben um die Schultern nehmen +und die willig von den Schritten nicken; +während in der Mauer der verglasten +spanischen Madonna die Agraffe +und das Silber in den Diademen +von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter +schimmert. Aber drüber in dem Fenster +zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe +und führt rasch in einer angemaßten +Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken. + + + + +DER BALKON + +NEAPEL + + +Von der Enge, oben, des Balkones +angeordnet wie von einem Maler +und gebunden wie zu einem Strauß +alternder Gesichter und ovaler, +klar im Abend, sehn sie idealer, +rührender und wie für immer aus. + +Diese aneinander angelehnten +Schwestern, die, als ob sie sich von weit +ohne Aussicht nacheinander sehnten, +lehnen, Einsamkeit an Einsamkeit; + +und der Bruder mit dem feierlichen +Schweigen, zugeschlossen, voll Geschick, +doch von einem sanften Augenblick +mit der Mutter unbemerkt verglichen; + +und dazwischen, abgelebt und länglich, +längst mit keinem mehr verwandt, +einer Greisin Maske, unzugänglich, +wie im Fallen von der einen Hand +aufgehalten, während eine zweite, +welkere, als ob sie weitergleite, +unten vor den Kleidern hängt zur Seite + +von dem Kinder-Angesicht, +das das Letzte ist, versucht, verblichen, +von den Stäben wieder durchgestrichen +wie noch unbestimmbar, wie noch nicht. + + + + +AUSWANDERER-SCHIFF + +NEAPEL + +Denk, daß einer heiß und glühend flüchte, +und die Sieger wären hinterher, +und auf einmal machte der +Flüchtende kurz, unerwartet, Kehr +gegen Hunderte--: so sehr +warf sich das Erglühende der Früchte +immer wieder an das blaue Meer, + +als das langsame Orangenboot +sie vorübertrug bis an das große +graue Schiff, zu dem, von Stoß zu Stoße, +andre Boote Fische hoben, Brot,-- +während es voll Flohn in seinem Schöße +Kohlen aufnahm, offen wie der Tod. + + + + +LANDSCHAFT + + +Wie zuletzt, in einem Augenblick +aufgehäuft aus Hängen, Häusern, Stücken +alter Himmel und zerbrochnen Brücken, +und von drüben her, wie vom Geschick, +von dem Sonnenuntergang getroffen, +angeschuldigt, aufgerissen, offen-- +ginge dort die Ortschaft tragisch aus: + +fiele nicht auf einmal in das Wunde, +drin zerfließend, aus der nächsten Stunde +jener Tropfen kühlen Blaus, +der die Nacht schon in den Abend mischt, +so daß das von ferne Angefachte +sachte, wie erlöst, erlischt. + +Ruhig sind die Tore und die Bogen, +durchsichtige Wolken wogen +über blassen Häuserreihn, +die schon Dunkel in sich eingesogen; +aber plötzlich ist vom Mond ein Schein +durchgeglitten, licht, als hätte ein +Erzengel irgendwo sein Schwert gezogen. + + + + +RÖMISCHE CAMPAGNA + + +Aus der vollgestellten Stadt, die lieber +schliefe, träumend von den hohen Thermen, +geht der grade Gräberweg ins Fieber; +und die Fenster in den letzten Fermen + +sehn ihm nach mit einem bösen Blick. +Und er hat sie immer im Genick, +wenn er hingeht, rechts und links zerstörend, +bis er draußen atemlos beschwörend + +seine Leere zu den Himmeln hebt, +hastig um sich schauend, ob ihn keine +Fenster treffen. Während er den weiten + +Aquädukten zuwinkt herzuschreiten, +geben ihm die Himmel für die seine +ihre Leere, die ihn überlebt. + + + + +LIED VOM MEER + +CAPRI. PICCOLA MARINA + + +Uraltes Wehn vom Meer, +Meerwind bei Nacht: +du kommst zu keinem her; +wenn einer wacht, +so muß er sehn, wie er +dich übersteht: +uraltes Wehn vom Meer, +welches weht +nur wie für Urgestein, +lauter Raum +reißend von weit herein. + +O wie fühlt dich ein +treibender Feigenbaum +oben im Mondschein. + + + + +NÄCHTLICHE FAHRT + +SANKT PETERSBURG + + +Damals als wir mit den glatten Trabern +(schwarzen, aus dem Orloffschen Gestüt)--, +während hinter hohen Kandelabern +Stadtnachtfronten lagen, angefrüht +stumm und keiner Stunde mehr gemäß--, +fuhren, nein: vergingen oder flogen +und um lastende Paläste bogen +in das Wehn der Newa-Quais, + +hingerissen durch das wache Nachten, +das nicht Himmel und nicht Erde hat,-- +als das Drängende von unbewachten +Gärten gärend aus dem Ljetnij-Ssad +aufstieg, während seine Steinfiguren +schwindend mit ohnmächtigen Konturen +hinter uns vergingen, wie wir fuhren--: + +damals hörte diese Stadt +auf zu sein. Auf einmal gab sie zu, +daß sie niemals war, um nichts als Ruh +flehend; wie ein Irrer, dem das Wirrn +plötzlich sich entwirrt, das ihn verriet, + +und der einen jahrelangen kranken +gar nicht zu verwandelnden Gedanken, +den er nie mehr denken muß: Granit-- +aus dem leeren schwankenden Gehirn +fallen fühlt, bis man ihn nicht mehr sieht. + + + + +PAPAGEIENPARK + +PARIS + + +Unter türkischen Linden, die blühen, an Rasenrändern, +in leise von ihrem Heimweh geschaukelten Ständern +atmen die Ära und wissen von ihren Ländern, +die sich, auch wenn sie nicht hinsehn, nicht verändern. + +Fremd im beschäftigten Grünen wie eine Parade, +zieren sie sich und fühlen sich selber zu schade, +und mit den kostbaren Schnäbeln aus Jaspis und Jade +kauen sie Graues, verschleudern es, finden es fade. + +Unten klauben die duffen Tauben, was sie nicht mögen, +während sich oben die höhnischen Vögel verbeugen +zwischen den beiden fast leeren vergeudeten Trögen. + +Aber dann wiegen sie wieder und schläfern und äugen, +spielen mit dunkelen Zungen, die gerne lögen, +zerstreut an den Fußfesselringen. Warten auf Zeugen. + + + + +DIE PARKE + + +I + + +Unaufhaltsam heben sich die Parke +aus dem sanft zerfallenden Vergehn; +überhäuft mit Himmeln, überstarke +Überlieferte, die überstehn, + +um sich auf den klaren Rasenplänen +auszubreiten und zurückzuziehn, +immer mit demselben souveränen +Aufwand, wie beschützt durch ihn, + +und den unerschöpflichen Erlös +königlicher Größe noch vermehrend, +aus sich steigend, in sich wiederkehrend: +huldvoll, prunkend, purpurn und pompös. + + + + +II + + +Leise von den Alleen +ergriffen, rechts und links, +folgend dem Weitergehen +irgendeines Winks, + +trittst du mit einem Male +in das Beisammensein +einer schattigen Wasserschale +mit vier Bänken aus Stein; + +in eine abgetrennte +Zeit, die allein vergeht. +Auf feuchte Postamente, +auf denen nichts mehr steht, + +hebst du einen tiefen +erwartenden Atemzug; +während das silberne Triefen +vor dem dunkeln Bug + +dich schon zu den Seinen +zählt und weiterspricht. +Und du fühlst dich unter Steinen, +die hören, und rührst dich nicht. + + + +III + + +Den Teichen und den eingerahmten Weihern +verheimlicht man noch immer das Verhör +der Könige. Sie warten unter Schleiern, +und jeden Augenblick kann Monseigneur + +vorüberkommen; und dann wollen sie +des Königs Laune oder Trauer mildern +und von den Marmorrändern wieder die +Teppiche mit alten Spiegelbildern + +hinunterhängen, wie um einen Platz: +auf grünem Grund, mit Silber, Rosa, Grau, +gewährtem Weiß und leicht gerührtem Blau +und einem Könige und einer Frau +und Blumen in dem wellenden Besatz. + + + +IV + + +Und Natur, erlaucht und als verletze +sie nur unentschloßnes Ungefähr, +nahm von diesen Königen Gesetze, +selber selig, um den Tapis-vert + +ihrer Bäume Traum und Übertreibung +aufzutürmen aus gebauschtem Grün +und die Abende nach der Beschreibung +von Verliebten in die Avenün + +einzumalen mit dem weichen Pinsel, +der ein firnisklares aufgelöstes +Lächeln glänzend zu enthalten schien: + +der Natur ein liebes, nicht ihr größtes, +aber eines, das sie selbst verliehn, +um auf rosenvoller Liebes-Insel +es zu einem größern aufzuziehn. + + + +V + + +Götter von Alleen und Altanen, +niemals ganzgeglaubte Götter, die +altern in den gradbesehnittnen Bahnen, +höchstens angelächelte Dianen, +wenn die königliche Venerie + +wie ein Wind die hohen Morgen teilend +aufbrach, übereilt und übereilend--; +höchstens angelächelte, doch nie + +angeflehte Götter. Elegante +Pseudonyme, unter denen man +sich verbarg und blühte oder brannte,-- +leichtgeneigte, lächelnd angewandte +Götter, die noch manchmal dann und wann + +das gewähren, was sie einst gewährten, +wenn das Blühen der entzückten Gärten +ihnen ihre kalte Haltung nimmt; +wenn sie ganz von ersten Schatten beben +und Versprechen um Versprechen geben, +alle unbegrenzt und unbestimmt. + + + +VI + + +Fühlst du, wie keiner von allen +Wegen steht und stockt; +von gelassenen Treppen fallen, +durch ein Nichts von Neigung +leise weitergelockt, +über alle Terrassen +die Wege, zwischen den Massen +verlangsamt und gelenkt, +bis zu den weiten Teichen, +wo sie (wie einem Gleichen) +der reiche Park verschenkt + +an den reichen Raum: den Einen, +der mit Scheinen und Widerscheinen +seinen Besitz durchdringt, +aus dem er von allen Seiten +Weiten mit sich bringt, +wenn er aus schließenden Weihern +zu wolkigen Abendfeiern +sich in die Himmel schwingt. + + + +VII + + +Aber Schalen sind, drin der Najaden +Spiegelbilder, die sie nicht mehr baden, +wie ertrunken liegen, sehr verzerrt; +die Alleen sind durch Balustraden +in der Ferne wie versperrt. + +Immer geht ein feuchter Blätterfall +durch die Luft hinunter wie auf Stufen, +jeder Vogelruf ist wie verrufen, +wie vergiftet jede Nachtigall. + +Selbst der Frühling ist da nicht mehr gebend, +diese Büsche glauben nicht an ihn; +ungern duftet trübe, überlebend +abgestandener Jasmin + +alt und mit Zerfallendem vermischt. +Mit dir weiter rückt ein Bündel Mücken, +so als würde hinter deinem Rücken +alles gleich vernichtet und verwischt. + + + + +BILDNIS + + +Daß von dem verzichtenden Gesichte +keiner ihrer großen Schmerzen fiele, +trägt sie langsam durch die Trauerspiele +ihrer Züge schönen welken Strauß, +wild gebunden und schon beinah lose; +manchmal fällt, wie eine Tuberose, +ein verlornes Lächeln müd heraus. + +Und sie geht gelassen drüber hin, +müde, mit den schönen blinden Händen, +welche wissen, daß sie es nicht fänden, + +und sie sagt Erdichtetes, darin +Schicksal schwankt, gewolltes, irgendeines, +und sie gibt ihm ihrer Seele Sinn, +daß es ausbricht wie ein Ungemeines: +wie das Schreien eines Steines-- + +und sie läßt mit hochgehobnem Kinn +alle diese Worte wieder fallen, +ohne bleibend; denn nicht eins von allen +ist der wehen Wirklichkeit gemäß, +ihrem einzigen Eigentum, +das sie wie ein fußloses Gefäß +halten muß, hoch über ihren Ruhm +und den Gang der Abende hinaus. + + + + +VENEZIANISCHER MORGEN + +RICHARD BEER-HOFMANN ZUGEEIGNET + + +Fürstlich verwöhnte Fenster sehen immer, +was manchesmal uns zu bemühn geruht: +die Stadt, die immer wieder, wo ein Schimmer +von Himmel trifft auf ein Gefühl von Flut, + +sich bildet, ohne irgendwann zu sein. +Ein jeder Morgen muß ihr die Opale +erst zeigen, die sie gestern trug, und Reihn +von Spiegelbildern ziehn aus dem Kanale, +und sie erinnern an die andern Male: +dann gibt sie sich erst zu und fällt sich ein + +wie eine Nymphe, die den Zeus empfing. +Das Ohrgehäng erklingt an ihrem Ohre; +sie aber hebt San Giorgio Maggiore +und lächelt lässig in das schöne Ding. + + + + +SPÄTHERBST IN VENEDIG + + +Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder, +der alle aufgetauchten Tage fängt. +Die gläsernen Paläste klingen spröder +an deinen Blick. Und aus den Gärten hängt + +der Sommer wie ein Haufen Marionetten +kopfüber, müde, umgebracht. +Aber vom Grund aus alten Waldskeletten +steigt Willen auf: als sollte über Nacht + +der General des Meeres die Galeeren +verdoppeln in dem wachen Arsenal, +um schon die nächste Morgenluft zu teeren + +mit einer Flotte, welche ruderschlagend +sich drängt und jäh, mit allen Flaggen tagend, +den großen Wind hat, strahlend und fatal. + + + + +SAN MARCO + +VENEDIG + + +In diesem Innern, das wie ausgehöhlt +sich wölbt und wendet in die goldnen Smalten, +rundkantig, glatt, mit Köstlichkeit geölt, +ward dieses Staates Dunkelheit gehalten + +und heimlich aufgehäuft, als Gleichgewicht +des Lichtes, das in allen seinen Dingen +sich so vermehrte, daß sie fast vergingen. +Und plötzlich zweifelst du: vergehn sie nicht? + +und drängst zurück die harte Galerie, +die wie ein Gang im Bergwerk nah am Glanz +der Wölbung hängt; und du erkennst die heile + +Helle des Ausblicks: aber irgendwie +wehmütig messend ihre müde Weile +am nahen Überstehn des Viergespanns. + + + + +EIN DOGE + + +Fremde Gesandte sahen, wie sie geizten +mit ihm und allem, was er tat; +während sie ihn zu seiner Größe reizten, +umstellten sie das goldene Dogat + +mit Spähern und Beschränkern immer mehr, +bange, daß nicht die Macht sie überfällt, +die sie in ihm (so wie man Löwen hält) +vorsichtig nährten. Aber er, + +im Schutze seiner halbverhängten Sinne, +ward dessen nicht gewahr und hielt nicht inne, +größer zu werden. Was die Signorie + +in seinem Innern zu bezwingen glaubte, +bezwang er selbst. In seinem greisen Haupte +war es besiegt. Sein Antlitz zeigte wie. + + + + +DIE LAUTE + + +Ich bin die Laute. Willst du meinen Leib +beschreiben, seine schön gewölbten Streifen: +sprich so, als sprächest du von einer reifen +gewölbten Feige. Übertreib + +das Dunkel, das du in mir siehst. Es war +Tullias Dunkelheit. In ihrer Scham +war nicht so viel, und ihr erhelltes Haar +war wie ein heller Saal. Zuweilen nahm + +sie etwas Klang von meiner Oberfläche +in ihr Gesicht und sang zu mir. +Dann spannte ich mich gegen ihre Schwäche, +und endlich war mein Inneres in ihr. + + + + +DER ABENTEURER + + + +I + + +Wenn er unter jene, welche waren, +trat: der Plötzliche, der schien, +war ein Glanz wie von Gefahren +in dem ausgesparten Raum um ihn, + +den er lächelnd überschritt, um einer +Herzogin den Fächer aufzuheben: +diesen warmen Fächer, den er eben +wollte fallen sehen. Und wenn keiner + +mit ihm eintrat in die Fensternische +(wo die Parke gleich ins Träumerische +stiegen, wenn er nur nach ihnen wies), +ging er lässig an die Kartentische +und gewann. Und unterließ + +nicht, die Blicke alle zu behalten, +die ihn zweifelnd oder zärtlich trafen, +und auch die in Spiegel fielen, galten. +Er beschloß, auch heute nicht zu schlafen, + +wie die letzte lange Nacht, und bog +einen Blick mit seinem rücksichtslosen, +welcher war: als hätte er von Rosen +Kinder, die man irgendwo erzog. + + + +II + + +In den Tagen--(nein, es waren keine), +da die Flut sein unterstes Verlies +ihm bestritt, als war es nicht das seine, +und ihn, steigend, an die Steine +der daran gewöhnten Wölbung stieß, + +fiel ihm plötzlich einer von den Namen +wieder ein, die er vor Zeiten trug. +Und er wußte wieder: Leben kamen, +wenn er lockte; wie im Flug + +kamen sie: noch warme Leben Toter, +die er, ungeduldiger, bedrohter, +weiterlebte mitten drin; +oder die nicht ausgelebten Leben, +und er wußte sie hinaufzuheben, +und sie hatten wieder Sinn. + +Oft war keine Stelle an ihm sicher, +und er zitterte: Ich bin ---- +doch im nächsten Augenblicke glich er +dem Geliebten einer Königin. + +Immer wieder war ein Sein zu haben: +die Geschicke angefangner Knaben, +die, als hätte man sie nicht gewagt, +abgebrochen waren, abgesagt, +nahm er auf und riß sie in sich hin; +denn er mußte einmal nur die Gruft +solcher Aufgegebener durchschreiten, +und die Düfte ihrer Möglichkeiten +lagen wieder in der Luft. + + + + +FALKEN-BEIZE + + +Kaiser sein heißt unverwandelt vieles +überstehen bei geheimer Tat: +wenn der Kanzler nachts den Turm betrat, +fand er ihn, des hohen Federspieles +kühnen fürstlichen Traktat + +in den eingeneigten Schreiber sagen; +denn er hatte im entlegnen Saale +selber nächtelang und viele Male +das noch ungewohnte Tier getragen, + +wenn es fremd war, neu und aufgebräut. +Und er hatte dann sich nie gescheut, +Pläne, welche in ihm aufgesprungen +oder zärtlicher Erinnerungen +tieftiefinneres Geläut +zu verachten, um des bangen jungen + +Falken willen, dessen Blut und Sorgen +zu begreifen er sich nicht erließ. +Dafür war er auch wie mitgehoben, +wenn der Vogel, den die Herren loben, +glänzend von der Hand geworfen, oben +in dem mitgefühlten Frühlingsmorgen +wie ein Engel auf den Reiher stieß. + + + + +CORRIDA + +IN MEMORIAM MONTEZ, 1830 + + +Seit er, klein beinah, aus dem Toril +ausbrach, aufgescheuchten Augs und Ohrs, +und den Eigensinn des Picadors +und die Bänderhaken wie im Spiel + +hinnahm, ist die stürmische Gestalt +angewachsen--sieh: zu welcher Masse, +aufgehäuft aus altem schwarzen Hasse, +und das Haupt zu einer Faust geballt, + +nicht mehr spielend gegen irgendwen, +nein: die blutigen Nackenhaken hissend +hinter den gefällten Hörnern, wissend +und von Ewigkeit her gegen den, + +der in Gold und mauver Rosaseide +plötzlich umkehrt und, wie einen Schwärm +Bienen und als ob er's eben leide, +den Bestürzten unter seinem Arm + +durchläßt,--während seine Blicke heiß +sich noch einmal heben, leichtgelenkt, +und als schlüge draußen jener Kreis +sich aus ihrem Glanz und Dunkel nieder +und aus jedem Schlagen seiner Lider, + +ehe er gleichmütig, ungehässig, +an sich selbst gelehnt, gelassen, lässig +in die wiederhergerollte große +Woge über dem verlornen Stoße +seinen Degen beinah sanft versenkt. + + + + +DON JUANS KINDHEIT + + +In seiner Schlankheit war, schon fast entscheidend, +der Bogen, der an Frauen nicht zerbricht; +und manchmal, seine Stirne nicht mehr meidend, +ging eine Neigung durch sein Angesicht + +zu einer, die vorüberkam, zu einer, +die ihm ein fremdes altes Bild verschloß: +er lächelte. Er war nicht mehr der Weiner, +der sich ins Dunkel trug und sich vergoß. + +Und während ein ganz neues Selbstvertrauen +ihn öfter tröstete und fast verzog, +ertrug er ernst den ganzen Blick der Frauen, +der ihn bewunderte und ihn bewog. + + + + +DON JUANS AUSWAHL + + +Und der Engel trat ihn an: Bereite +dich mir ganz. Und da ist mein Gebot. +Denn daß einer jene überschreite, +die die Süßesten an ihrer Seite +bitter machen, tut mir not. +Zwar auch du kannst wenig besser lieben, +(unterbrich mich nicht: du irrst), +doch du glühest, und es steht geschrieben, +daß du viele führen wirst +zu der Einsamkeit, die diesen +tiefen Eingang hat. Laß ein +die, die ich dir zugewiesen, +daß sie wachsend Heloïsen +überstehn und Überschrein. + + + + +SANKT GEORG + + +Und sie hatte ihn die ganze Nacht +angerufen, hingekniet, die schwache +wache Jungfrau: Siehe, dieser Drache, +und ich weiß es nicht, warum er wacht. + +Und da brach er aus dem Morgengraun +auf dem Falben, strahlend Helm und Haubert, +und er sah sie, traurig und verzaubert +aus dem Knieen aufwärtsschaun + +zu dem Glänze, der er war. +Und er sprengte glänzend längs der Länder +abwärts mit erhobnem Doppelhänder +in die offene Gefahr, + +viel zu furchtbar, aber doch erfleht. +Und sie kniete knieender, die Hände +fester faltend, daß er sie bestände; +denn sie wußte nicht, daß der besteht, + +den ihr Herz, ihr reines und bereites, +aus dem Licht des göttlichen Geleites +niederreißt. Zu Seiten seines Streites +stand, wie Türme stehen, ihr Gebet. + + + + +DAME AUF EINEM BALKON + + +Plötzlich tritt sie, in den Wind gehüllt, +licht in Lichtes, wie herausgegriffen, +während jetzt die Stube wie geschliffen +hinter ihr die Türe füllt + +dunkel wie der Grund einer Kamee, +die ein Schimmern durchläßt durch die Ränder; +und du meinst, der Abend war nicht, ehe +sie heraustrat, um auf das Geländer + +noch ein wenig von sich fortzulegen, +noch die Hände,--um ganz leicht zu sein: +wie dem Himmel von den Häuserreihn +hingereicht, von allem zu bewegen. + + + + +BEGEGNUNG IN DER KASTANIEN-ALLEE + + +Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit +kühl wie ein Seidenmantel umgegeben, +den er noch nahm und ordnete: als eben +am andern transparenten Ende, weit, + +aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben, +weiß eine einzelne Gestalt +aufleuchtete, um lange fern zu bleiben +und schließlich, von dem Lichterniedertreiben +bei jedem Schritte überwallt, + +ein helles Wechseln auf sich herzutragen, +das scheu im Blond nach hinten lief. +Aber auf einmal war der Schatten tief, +und nahe Augen lagen aufgeschlagen + +in einem neuen deutlichen Gesicht, +das wie in einem Bildnis verweilte +in dem Moment, da man sich wieder teilte: +erst war es immer, und dann war es nicht. + + + + +DIE SCHWESTERN + + +Sieh, wie sie dieselben Möglichkeiten +anders an sich tragen und verstehn, +so als sähe man verschiedne Zeiten +durch zwei gleiche Zimmer gehn. + +Jede meint die andere zu stützen, +während sie doch müde an ihr ruht; +und sie können nicht einander nützen, +denn sie legen Blut auf Blut, + +wenn sie sich wie früher sanft berühren +und versuchen, die Allee entlang +sich geführt zu fühlen und zu führen: +ach, sie haben nicht denselben Gang. + + + + +ÜBUNG AM KLAVIER + + +Der Sommer summt. Der Nachmittag macht müde; +sie atmete verwirrt ihr frisches Kleid +und legte in die triftige Etüde +die Ungeduld nach einer Wirklichkeit, + +die kommen konnte morgen, heute abend, +die vielleicht da war, die man nur verbarg; +und vor den Fenstern, hoch und alles habend, +empfand sie plötzlich den verwöhnten Park. + +Da brach sie ab; schaute hinaus, verschränkte +die Hände, wünschte sich ein langes Buch +und schob auf einmal den Jasmingeruch +erzürnt zurück. Sie fand, daß er sie kränkte. + + + + +DIE LIEBENDE + + +Das ist mein Fenster. Eben +bin ich so sanft erwacht. +Ich dachte, ich würde schweben. +Bis wohin reicht mein Leben, +und wo beginnt die Nacht? + +Ich könnte meinen, alles +wäre noch ich ringsum; +durchsichtig wie eines Kristalles +Tiefe, verdunkelt, stumm. + +Ich könnte auch noch die Sterne +fassen in mir; so groß +scheint mir mein Herz; so gerne +ließ es ihn wieder los, + +den ich vielleicht zu lieben, +vielleicht zu halten begann. +Fremd wie niebeschrieben +sieht mich mein Schicksal an. + +Was bin ich unter diese +Unendlichkeit gelegt, +duftend wie eine Wiese, +hin und her bewegt, + +rufend zugleich und bange, +daß einer den Ruf vernimmt, +und zum Untergange +in einem andern bestimmt. + + + + +DAS ROSENINNERE + + +Wo ist zu diesem Innen +ein Außen? Auf welches Weh +legt man solches Linnen? +Welche Himmel spiegeln sich drinnen +in dem Binnensee +dieser offenen Rosen, +dieser sorglosen, sieh: +wie sie lose im Losen +liegen, als könnte nie +eine zitternde Hand sie verschütten. +Sie können sich selber kaum +halten; viele ließen +sich überfüllen und fließen +über von Innenraum +in die Tage, die immer +voller und voller sich schließen, +bis der ganze Sommer ein Zimmer +wird, ein Zimmer in einem Traum. + + + + +DAMEN-BILDNIS AUS DEN ACHTZIGER JAHREN + + +Wartend stand sie an den schwergerafften +dunklen Atlasdraperien, +die ein Aufwand falscher Leidenschaften +über ihr zu ballen schien; + +seit den noch so nahen Mädchenjahren +wie mit einer anderen vertauscht: +müde unter den getürmten Haaren, +in den Rüschen-Roben unerfahren +und von allen Falten wie belauscht + +bei dem Heimweh und dem schwachen Planen, +wie das Leben weiter werden soll: +anders, wirklicher, wie in Romanen, +hingerissen und verhängnisvoll,-- + +daß man etwas erst in die Schatullen +legen dürfte, um sich im Geruch +von Erinnerungen einzulullen; +daß man endlich in dem Tagebuch + +einen Anfang fände, der nicht schon +unterm Schreiben sinnlos wird und Lüge, +und ein Blatt von einer Rose trüge +in dem schweren leeren Medaillon, + +welches liegt auf jedem Atemzug. +Daß man einmal durch das Fenster winkte +diese schlanke Hand, die neuberingte, +hätte dran für Monate genug. + + + + +DAME VOR DEM SPIEGEL + + +Wie in einem Schlaftrunk Spezerein, +löst sie leise in dem flüssigklaren +Spiegel ihr ermüdetes Gebaren; +und sie tut ihr Lächeln ganz hinein. + +Und sie wartet, daß die Flüssigkeit +davon steigt; dann gießt sie ihre Haare +in den Spiegel und, die wunderbare +Schulter hebend aus dem Abendkleid, + +trinkt sie still aus ihrem Bild. Sie trinkt, +was ein Liebender im Taumel tränke, +prüfend, voller Mißtraun; und sie winkt + +erst der Zofe, wenn sie auf dem Grunde +ihres Spiegels Lichter findet, Schränke +und das Trübe einer späten Stunde. + + + + +DIE GREISIN + + +Weiße Freundinnen mitten im Heute +lachen und horchen und planen für morgen +abseits erwägen gelassene Leute +langsam ihre besonderen Sorgen, + +das Warum und das Wann und das Wie, +und man hört sie sagen: Ich glaube--; +aber in ihrer Spitzenhaube +ist sie sicher, als wüßte sie, + +daß sie sich irren, diese und alle. +Und das Kinn, im Niederfalle, +lehnt sich an die weiße Koralle, +die den Schal zur Stirne stimmt. + +Einmal aber, bei einem Gelache, +holt sie aus springenden Lidern zwei wache +Blicke und zeigt diese harte Sache, +wie man aus einem geheimen Fache +schöne ererbte Steine nimmt. + + + + +DAS BETT + + +Laß sie meinen, daß sich in privater +Wehmut löst, was einer dort bestritt. +Nirgend sonst als da ist ein Theater; +reiß den hohen Vorhang fort--; da tritt + +vor den Chor der Nächte, der begann +ein unendlich breites Lied zu sagen, +jene Stunde auf, bei der sie lagen, +und zerreißt ihr Kleid und klagt sich an, + +um der andern, um der Stunde willen, +die sich wehrt und wälzt im Hintergrunde; +denn sie konnte sie mit sich nicht stillen. +Aber da sie zu der fremden Stunde + +sich gebeugt: da war auf ihr, +was sie am Geliebten einst gefunden, +nur so drohend und so groß verbunden +und entzogen wie in einem Tier. + + + + +DER FREMDE + + +Ohne Sorgfalt, was die Nächsten dächten, +die er müde nicht mehr fragen hieß, +ging er wieder fort; verlor, verließ--. +Denn er hing an solchen Reisenächten + +anders als an jeder Liebesnacht. +Wunderbare hatte er durchwacht, +die mit starken Sternen überzogen +enge Fernen auseinanderbogen +und sich wandelten wie eine Schlacht; + +andre, die mit in den Mond gestreuten +Dörfern, wie mit hingehaltnen Beuten, +sich ergaben, oder durch geschonte +Parke graue Edelsitze zeigten, +die er gerne in dem hingeneigten +Haupte einen Augenblick bewohnte, +tiefer wissend, daß man nirgends bleibt; +und schon sah er bei dem nächsten Biegen +wieder Wege, Brücken, Länder liegen +bis an Städte, die man übertreibt. + +Und dies alles immer unbegehrend +hinzulassen, schien ihm mehr als seines +Lebens Lust, Besitz und Ruhm. +Doch auf fremden Plätzen war ihm eines +täglich ausgetretnen Brunnensteines +Mulde manchmal wie ein Eigentum. + + + + +DIE ANFAHRT + + +War in des Wagens Wendung dieser Schwung? +War er im Blick, mit dem man die barocken +Engelfiguren, die bei blauen Glocken +im Felde standen voll Erinnerung, + +annahm und hielt und wieder ließ, bevor +der Schloßpark schließend um die Fahrt sich drängte, +an die er streifte, die er überhängte +und plötzlich freigab: denn da war das Tor, + +das nun, als hätte es sie angerufen, +die lange Front zu einer Schwenkung zwang, +nach der sie stand. Aufglänzend ging ein Gleiten +die Glastür abwärts; und ein Windhund drang +aus ihrem Aufgehn, seine nahen Seiten +heruntertragend von den flachen Stufen. + + + + +DIE SONNENUHR + + +Selten reicht ein Schauer feuchter Fäule +aus dem Gartenschatten, wo einander +Tropfen fallen hören und ein Wander- +vogel lautet, zu der Säule, +die in Majoran und Koriander +steht und Sommerstunden zeigt; + +nur sobald die Dame (der ein Diener +nachfolgt) in dem hellen Florentiner +über ihren Rand sich neigt, +wird sie schattig und verschweigt--. + +Oder wenn ein sommerlicher Regen +aufkommt aus dem wogenden Bewegen +hoher Kronen, hat sie eine Pause; +denn sie weiß die Zeit nicht auszudrücken, +die dann in den Frucht- und Blumenstücken +plötzlich glüht im weißen Gartenhause. + + + + +SCHLAFMOHN + + +Abseits im Garten blüht der böse Schlaf, +in welchem die, die heimlich eingedrungen, +die Liebe fanden junger Spiegelungen, +die willig waren, offen und konkav, + +und Träume, die mit aufgeregten Masken +auftraten, riesiger durch die Kothurne--: +das alles stockt in diesen oben flasken +weichlichen Stengeln, die die Samenurne + +(nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend +zu welken meinten) festverschlossen heben: +gefranste Kelche auseinanderschlagend, +die fieberhaft das Mohngefäß umgeben. + + + + +DIE FLAMINGOS + +PARIS, JARDIN DES PLANTES + + +In Spiegelbildern wie von Fragonard +ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte +nicht mehr gegeben, als dir einer böte, +wenn er von seiner Freundin sagt: sie war + +noch sanft von Schlaf. Denn steigen sie ins Grüne +und stehn, auf rosa Stielen leicht gedreht, +beisammen, blühend, wie in einem Beet, +verführen sie verführender als Phryne + +sich selber; bis sie ihres Auges Bleiche +hinhalsend bergen in der eignen Weiche, +in welcher Schwarz und Fruchtrot sich versteckt. + +Auf einmal kreischt ein Neid durch die Volière; +sie aber haben sich erstaunt gestreckt +und schreiten einzeln ins Imaginäre. + + + + +PERSISCHES HELIOTROP + + +Es könnte sein, daß dir der Rose Lob +zu laut erscheint für deine Freundin: nimm +das schön gestickte Kraut und überstimm +mit dringend flüsterndem Heliotrop + +den ßülbül, der an ihren Lieblingsplätzen +sie schreiend preist und sie nicht kennt. +Denn sieh: wie süße Worte nachts in Sätzen +beisammenstehn ganz dicht, durch nichts getrennt, +aus der Vokale wachem Violett +hindüftend durch das stille Himmelbett--: + +so schließen sich vor dem gesteppten Laube +deutliche Sterne zu der seidnen Traube +und mischen, daß sie fast davon verschwimmt, +die Stille mit Vanille und mit Zimt. + + + + +SCHLAFLIED + + +Einmal, wenn ich dich verlier, +wirst du schlafen können, ohne +daß ich wie eine Lindenkrone +mich verflüstre über dir? + +Ohne daß ich hier wache und +Worte, beinah wie Augenlider, +auf deine Brüste, auf deine Glieder +niederlege, auf deinen Mund? + +Ohne daß ich dich verschließ +und dich allein mit Deinem lasse, +wie einen Garten mit einer Masse +von Melissen und Sternanis? + + + + +DER PAVILLON + + +Aber selbst noch durch die Flügeltüren +mit dem grünen, regentrüben Glas +ist ein Spiegeln lächelnder Allüren +und ein Glanz von jenem Glück zu spüren, +das sich dort, wohin sie nicht mehr führen, +einst verbarg, verklärte und vergaß. + +Aber selbst noch in den Steingirlanden +über der nicht mehr berührten Tür +ist ein Hang zur Heimlichkeit vorhanden +und ein stilles Mitgefühl dafür, + +und sie schauern manchmal wie gespiegelt, +wenn ein Wind sie schattig überlief; +auch das Wappen, wie auf einem Brief +viel zu glücklich, überstürzt gesiegelt, + +redet noch. Wie wenig man verscheuchte: +alles weiß noch, weint noch, tut noch weh. +Und im Fortgehn durch die tränenfeuchte, +abgelegene Allee + +fühlt man lang noch auf dem Rand des Dachs +jene Urnen stehen, kalt, zerspalten, +doch entschlossen, noch zusammzuhalten +um die Asche alter Achs. + + + + +DIE ENTFÜHRUNG + + +Oft war sie als Kind ihren Dienerinnen +entwichen, um die Nacht und den Wind +(weil sie drinnen so anders sind) +draußen zu sehn an ihrem Beginnen; + +doch keine Sturmnacht hatte gewiß +den riesigen Park so in Stücke gerissen, +wie ihn jetzt ihr Gewissen zerriß, + +da er sie nahm von der seidenen Leiter +und sie weitertrug, weiter, weiter: + +bis der Wagen alles war. + +Und sie roch ihn, den schwarzen Wagen, +um den verhalten das Jagen stand +und die Gefahr. +Und sie fand ihn mit Kaltem ausgeschlagen; +und das Schwarze und Kalte war auch in ihr. +Sie kroch in ihren Mantelkragen +und befühlte ihr Haar, als bliebe es hier, +und hörte fremd einen Fremden sagen: +Ichbinbeidir. + + + + +ROSA HORTENSIE + + +Wer nahm das Rosa an? Wer wußte auch, +daß es sich sammelte in diesen Dolden? +Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden, +entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch. + + +Daß sie für solches Rosa nichts verlangen, +bleibt es für sie und lächelt aus der Luft? +Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen, +wenn es vergeht, großmütig wie ein Duft? + +Oder vielleicht auch geben sie es preis, +damit es nie erführe vom Verblühn. +Doch unter diesem Rosa hat ein Grün +gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiß. + + + + +DAS WAPPEN + + +Wie ein Spiegel, der, von ferne tragend, +lautlos in sich aufnahm, ist der Schild; +offen einstens, dann zusammenschlagend +über einem Spiegelbild + +jener Wesen, die in des Geschlechts +Weiten wohnen, nicht mehr zu bestreiten, +seiner Dinge, seiner Wirklichkeiten +(rechte links und linke rechts), + +die er eingesteht und sagt und zeigt. +Drauf, mit Ruhm und Dunkel ausgeschlagen, +ruht der Spangenhelm, verkürzt, + +den das Flügelkleinod übersteigt, +während seine Decke wie mit Klagen +reich und aufgeregt herniederstürzt. + + + + +DER JUNGGESELLE + + +Lampe auf den verlassenen Papieren, +und ringsum Nacht bis weit hinein ins Holz +der Schränke. Und er konnte sich verlieren +an sein Geschlecht, das nun mit ihm zerschmolz; +ihm schien, je mehr er las, er hätte ihren, +sie aber hatten alle seinen Stolz. + +Hochmütig steiften sich die leeren Stühle +die Wand entlang, und lauter Selbstgefühle +machten sich schläfernd in den Möbeln breit; +von oben goß sich Nacht auf die Pendüle, +und zitternd rann aus ihrer goldnen Mühle, +ganz fein gemahlen, seine Zeit. + +Er nahm sie nicht. Um fiebernd unter jenen, +als zöge er die Laken ihrer Leiber, +andre Zeiten wegzuzerrn. +Bis er ins Flüstern kam; (was war ihm fern?) +Er lobte einen dieser Briefeschreiber, +als sei der Brief an ihn: wie du mich kennst; +und klopfte lustig auf die Seitenlehnen. +Der Spiegel aber, innen unbegrenzter, +ließ leise einen Vorhang aus, ein Fenster--: +denn dorten stand, fast fertig, das Gespenst. + + + + +DER EINSAME + + +Nein: ein Turm soll sein aus meinem Herzen +und ich selbst an seinen Rand gestellt: +wo sonst nichts mehr ist, noch einmal Schmerzen +und Unsäglichkeit, noch einmal Welt. + +Noch ein Ding allein im Übergroßen, +welches dunkel wird und wieder licht, +noch ein letztes, sehnendes Gesicht +in das Nie-zu-Stillende verstoßen, + +noch ein äußerstes Gesicht aus Stein, +willig seinen inneren Gewichten, +das die Weiten, die es still vernichten, +zwingen, immer seliger zu sein. + + + + +DER LESER + + +Wer kennt ihn, diesen, welcher sein Gesicht +wegsenkte aus dem Sein zu einem zweiten, +das nur das schnelle Wenden voller Seiten +manchmal gewaltsam unterbricht? + +Selbst seine Mutter wäre nicht gewiß, +ob er es ist, der da mit seinem Schatten +Getränktes liest. Und wir, die Stunden hatten, +was wissen wir, wieviel ihm hinschwand, bis + +er mühsam aufsah: alles auf sich hebend, +was unten in dem Buche sich verhielt, +mit Augen, welche, statt zu nehmen, gebend +anstießen an die fertig-volle Welt: +wie stille Kinder, die allein gespielt, +auf einmal das Vorhandene erfahren; +doch seine Züge, die geordnet waren, +blieben für immer umgestellt. + + + + +DER APFELGARTEN + +BORGEBY-GARD + + +Komm gleich nach dem Sonnenuntergänge, +sieh das Abendgrün des Rasengrunds; +ist es nicht, als hätten wir es lange +angesammelt und erspart in uns, + +um es jetzt aus Fühlen und Erinnern, +neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun, +noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern, +in Gedanken vor uns hinzustreun + +unter Bäume wie von Dürer, die +das Gewicht von hundert Arbeitstagen +in den überfüllten Früchten tragen, +dienend, voll Geduld, versuchend, wie + +das, was alle Maße übersteigt, +noch zu heben ist und hinzugeben, +wenn man willig, durch ein langes Leben +nur das Eine will und wächst und schweigt? + + + + +DIE BERUFUNG + + +Da aber als in sein Versteck der Hohe, +sofort Erkennbare: der Engel, trat +aufrecht, der lautere und lichterlohe, +da tat er allen Anspruch ab und bat, + +bleiben zu dürfen, der von seinen Reisen +innen verwirrte Kaufmann, der er war; +er hatte nie gelesen und nun gar +ein solches Wort, zu viel für einen Weisen. + +Der Engel aber, herrisch, wies und wies +ihm, was geschrieben stand auf seinem Blatte, +und gab nicht nach und wollte wieder: lies. + +Da las er: so, daß sich der Engel bog, +und war schon einer, der gelesen _hatte_ +und konnte und gehorchte und vollzog. + + + + +DER BERG + + +Sechsunddreißigmal und hundertmal +hat der Maler jenen Berg geschrieben, +weggerissen, wieder hingetrieben +(sechsunddreißigmal und hundertmal) + +zu dem unbegreiflichen Vulkane, +selig, voll Versuchung, ohne Rat,-- +während der mit Umriß Angetane +seiner Herrlichkeit nicht Einhalt tat: + +tausendmal aus allen Tagen tauchend, +Nächte ohnegleichen von sich ab +fallen lassend, alle wie zu knapp; +jedes Bild im Augenblick verbrauchend, +von Gestalt gesteigert zu Gestalt, +teilnahmslos und weit und ohne Meinung--, +um auf einmal wissend, wie Erscheinung, +sich zu heben hinter jedem Spalt. + + + + +DER BALL + + +Du Runder, der das Warme aus zwei Händen +im Fliegen oben fortgibt, sorglos wie +sein Eigenes; was in den Gegenständen +nicht bleiben kann, zu unbeschwert für sie, + +zu wenig Ding und doch noch Ding genug, +um nicht aus allem draußen Aufgereihten +unsichtbar plötzlich in uns einzugleiten: +das glitt in dich, du zwischen Fall und Flug + +noch Unentschlossener, der, wenn er steigt, +als hätte er ihn mit hinaufgehoben, +den Wurf entführt und freiläßt--, und sich neigt +und einhält und den Spielenden von oben +auf einmal eine neue Stelle zeigt, +sie ordnend wie zu einer Tanzfigur, + +um dann, erwartet und erwünscht von allen, +rasch, einfach, kunstlos, ganz Natur, +dem Becher hoher Hände zuzufallen. + + + + +DAS KIND + + +Unwillkürlich sehn sie seinem Spiel +lange zu; zuweilen tritt das runde +seiende Gesicht aus dem Profil, +klar und ganz wie eine volle Stunde, + +welche anhebt und zu Ende schlägt. +Doch die andern zählen nicht die Schläge, +trüb von Mühsal und vom Leben träge; +und sie merken gar nicht, wie es trägt--; + +wie es alles trägt, auch dann, noch immer, +wenn es müde in dem kleinen Kleid +neben ihnen wie im Wartezimmer +sitzt und warten will auf seine Zeit. + + + + +DER HUND + + +Da oben wird das Bild von einer Welt +aus Blicken immerfort erneut und gilt. +Nur manchmal, heimlich, kommt ein Ding und stellt +sich neben ihn, wenn er durch dieses Bild + +sich drängt, ganz unten, anders, wie er ist; +nicht ausgestoßen und nicht eingereiht +und wie im Zweifel seine Wirklichkeit +weggebend an das Bild, das er vergißt, + +um dennoch immer wieder sein Gesicht +hineinzuhalten, fast mit einem Flehen, +beinah begreifend, nah am Einverstehen +und doch verzichtend: denn er wäre nicht. + + + + +DER KÄFERSTEIN + + +Sind nicht Sterne fast in deiner Nähe, +und was gibt es, das du nicht umspannst, +da du dieser harten Skarabäe +Karneolkern gar nicht fassen kannst + +ohne jenen Raum, der ihre Schilder +niederhält, auf deinem ganzen Blut +mitzutragen; niemals war er milder, +näher, hingegebener. Er ruht + +seit Jahrtausenden auf diesen Käfern, +wo ihn keiner braucht und unterbricht; +und die Käfer schließen sich und schläfern +unter seinem wiegenden Gewicht. + + + + +BUDDHA IN DER GLORIE + + +Mitte aller Mitten, Kern der Kerne, +Mandel, die sich einschließt und versüßt,-- +dieses alles bis an alle Sterne +ist dein Fruchtfleisch: Sei gegrüßt. + +Sieh, du fühlst, wie nichts mehr an dir hängt; +im Unendlichen ist deine Schale, +und dort steht der starke Saft und drängt. +Und von außen hilft ihm ein Gestrahle, + +denn ganz oben werden deine Sonnen +voll und glühend umgedreht. +Doch in dir ist schon begonnen, +was die Sonnen übersteht. + + + + + + +INHALT + + +Archaischer Torso Apollos +Kretische Artemis +Leda +Delphine +Die Insel der Sirenen +Klage um Antinous +Der Tod der Geliebten +Klage um Jonathan +Tröstung des Elia +Saul unter den Propheten +Samuels Erscheinung vor Saul +Ein Prophet +Jeremias +Eine Sibylle +Absaloms Abfall +Esther +Der aussätzige König +Legende von den drei Lebendigen und den drei Toten +Der König von Münster +Totentanz +Das Jüngste Gericht +Die Versuchung +Der Alchimist +Der Reliquienschrein +Das Gold +Der Stylit +Die ägyptische Maria +Kreuzigung +Der Auferstandene +Magnifikat +Adam +Eva +Irre im Garten (Dijon) +Die Irren +Aus dem Leben eines Heiligen +Die Bettler +Fremde Familie +Leichenwäsche +Eine von den Alten (Paris) +Der Blinde (Paris) +Eine Welke +Abendmahl +Die Brandstätte +Die Gruppe (Paris) +Schlangenbeschwörung +Schwarze Katze +Vor-Ostern (Neapel) +Der Balkon (Neapel) +Auswanderer-Schiff (Neapel) +Landschaft +Römische Campagna +Lied vom Meer (Capri, Piccola Marina) +Nächtliche Fahrt (Sankt Petersburg) +Papageienpark (Paris) +Die Parke I-VII +Bildnis +Venezianischer Morgen +Spätherbst in Venedig +San Marco (Venedig) +Ein Doge +Die Laute +Der Abenteurer I, II +Falkenbeize +Corrida (In memoriam Montez, 1830) +Don Juans Kindheit +Don Juans Auswahl +Sankt Georg +Dame auf einem Balkon +Begegnung in der Kastanien-Allee +Die Schwestern +Übung am Klavier +Die Liebende +Das Roseninnere +Damen-Bildnis aus den achtziger Jahren +Dame vor dem Spiegel +Die Greisin +Das Bett +Der Fremde +Die Anfahrt +Die Sonnenuhr +Schlafmohn +Die Flamingos (Paris, Jardin des Plantes) +Persisches Heliotrop +Schlaflied +Der Pavillon +Die Entführung +Rosa Hortensie +Das Wappen +Der Junggeselle +Der Einsame +Der Leser +Der Apfelgarten (Borgeby-Gard) +Die Berufung +Der Berg +Der Ball +Das Kind +Der Hund +Der Käferstein +Buddha in der Glorie + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Neuen Gedichte, by Rainer Maria Rilke + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER NEUEN GEDICHTE *** + +***** This file should be named 33864-8.txt or 33864-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/3/8/6/33864/ + +Produced by Marc D'Hooghe at: http://www.freeliterature.org + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/old/33864-8.zip b/old/33864-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..3ec5c3e --- /dev/null +++ b/old/33864-8.zip diff --git a/old/33864-h.zip b/old/33864-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..61b8fd3 --- /dev/null +++ b/old/33864-h.zip diff --git a/old/33864-h/33864-h.htm b/old/33864-h/33864-h.htm new file mode 100644 index 0000000..1ef6d64 --- /dev/null +++ b/old/33864-h/33864-h.htm @@ -0,0 +1,3524 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> +<!-- $Id: header.txt 236 2009-12-07 18:57:00Z vlsimpson $ --> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> + <title> + The Project Gutenberg eBook of Der Neuen Gedichte, by AUTHOR. + </title> + <style type="text/css"> + +body { + margin-left: 10%; + margin-right: 10%; +} + + h1,h2,h3,h4,h5,h6 { + text-align: center; /* all headings centered */ + clear: both; +} + +p { + margin-top: .75em; + text-align: justify; + margin-bottom: .75em; +} + +hr { + width: 33%; + margin-top: 2em; + margin-bottom: 2em; + margin-left: auto; + margin-right: auto; + clear: both; +} + + +.bb {border-bottom: solid 2px;} + +.bl {border-left: solid 2px;} + +.bt {border-top: solid 2px;} + +.br {border-right: solid 2px;} + +.bbox {border: solid 2px;} + +.center {text-align: center;} + +.smcap {font-variant: small-caps;} + +.u {text-decoration: underline;} + +.caption {font-weight: bold;} + + + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Der Neuen Gedichte, by Rainer Maria Rilke + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Neuen Gedichte + Anderer Teil + +Author: Rainer Maria Rilke + +Release Date: October 15, 2010 [EBook #33864] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER NEUEN GEDICHTE *** + + + + +Produced by Marc D'Hooghe at: http://www.freeliterature.org + + + + + +</pre> + + + +<h1>DER NEUEN GEDICHTE</h1> +<h2>ANDERER TEIL</h2> + +<h3>Von</h3> + +<h2>RAINER MARIA RILKE</h2> + +<h4>LEIPZIG</h4> + +<h4>IM INSEL-VERLAG</h4> + +<h4>MCMXIX</h4> + +<hr style="width: 95%;" /> +<h4><a href="#INHALT">INHALT</a></h4> +<hr style="width: 45%;" /> + + +<h4>A MON GRAND AMI AUGUSTE RODIN</h4> + +<hr style="width: 65%;" /> + +<p> +<a name="ARCHAISCHER_TORSO_APOLLOS" id="ARCHAISCHER_TORSO_APOLLOS"></a>ARCHAÏSCHER TORSO APOLLOS<br /> +<br /> +<br /> +Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,<br /> +darin die Augenäpfel reiften. Aber<br /> +sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,<br /> +in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,<br /> +<br /> +sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug<br /> +der Brust dich blenden, und im leisen Drehen<br /> +der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen<br /> +zu jener Mitte, die die Zeugung trug.<br /> +<br /> +Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz<br /> +unter der Schultern durchsichtigem Sturz<br /> +und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle<br /> +<br /> +und bräche nicht aus allen seinen Rändern<br /> +aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,<br /> +die dich nicht sieht. Du mßt dein Leben ändern.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="KRETISCHE_ARTEMIS" id="KRETISCHE_ARTEMIS"></a>KRETISCHE ARTEMIS<br /> +<br /> +<br /> +Wind der Vorgebirge: war nicht ihre<br /> +Stirne wie ein lichter Gegenstand?<br /> +Glatter Gegenwind der leichten Tiere,<br /> +formtest du sie: ihr Gewand<br /> +<br /> +bildend an die unbewußten Brüste<br /> +wie ein wechselvolles Vorgefühl?<br /> +Während sie, als ob sie alles wüßte,<br /> +auf das Fernste zu, geschürzt und kühl,<br /> +<br /> +stürmte mit den Nymphen und den Hunden,<br /> +ihren Bogen probend, eingebunden<br /> +in den harten hohen Gurt;<br /> +<br /> +manchmal nur aus fremden Siedelungen<br /> +angerufen und erzürnt bezwungen<br /> +von dem Schreien um Geburt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="LEDA" id="LEDA"></a>LEDA<br /> +<br /> +<br /> +Als ihn der Gott in seiner Not betrat,<br /> +erschrak er fast, den Schwall so schön zu finden;<br /> +er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden.<br /> +Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat,<br /> +<br /> +bevor er noch des unerprobten Seins<br /> +Gefühle prüfte. Und die Aufgetane<br /> +erkannte schon den Kommenden im Schwane<br /> +und wußte schon: er bat um eins,<br /> +<br /> +das sie, verwirrt in ihrem Widerstand,<br /> +nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder,<br /> +und halsend durch die immer schwächre Hand<br /> +<br /> +ließ sich der Gott in die Geliebte los.<br /> +Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder<br /> +und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DELPHINE" id="DELPHINE"></a>DELPHINE<br /> +<br /> +<br /> +Jene Wirklichen, die ihrem Gleichen<br /> +überall zu wachsen und zu wohnen<br /> +gaben, fühlten an verwandten Zeichen<br /> +Gleiche in den aufgelösten Reichen,<br /> +die der Gott, mit triefenden Tritonen,<br /> +überströmt bisweilen übersteigt;<br /> +denn da hatte sich das Tier gezeigt:<br /> +anders als die stumme, stumpfgemute<br /> +Zucht der Fische, Blut von ihrem Blute,<br /> +und von fern dem Menschlichen geneigt.<br /> +<br /> +Eine Schar kam, die sich überschlug,<br /> +froh, als fühlte sie die Fluten glänzend:<br /> +Warme, Zugetane, deren Zug<br /> +wie mit Zuversicht die Fahrt bekränzend,<br /> +leichtgebunden um den runden Bug<br /> +wie um einer Vase Rumpf und Rundung,<br /> +selig, sorglos, sicher vor Verwundung,<br /> +aufgerichtet, hingerissen, rauschend<br /> +und im Tauchen mit den Wellen tauschend<br /> +die Trireme heiter weitertrug.<br /> +<br /> +Und der Schiffer nahm den neugewährten<br /> +Freund in seine einsame Gefahr<br /> +und ersann für ihn, für den Gefährten,<br /> +dankbar eine Welt und hielt für wahr,<br /> +daß er Töne liebte, Götter, Gärten<br /> +und das tiefe, stille Sternenjahr.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_INSEL_DER_SIRENEN" id="DIE_INSEL_DER_SIRENEN"></a>DIE INSEL DER SIRENEN<br /> +<br /> +<br /> +Wenn er denen, die ihm gastlich waren,<br /> +spät, nach ihrem Tage noch, da sie<br /> +fragten nach den Fahrten und Gefahren,<br /> +still berichtete: er wußte nie,<br /> +<br /> +wie sie schrecken und mit welchem jähen<br /> +Wort sie wenden, daß sie so wie er<br /> +in dem blau gestillten Inselmeer<br /> +die Vergoldung jener Inseln sähen,<br /> +<br /> +deren Anblick macht, daß die Gefahr<br /> +umschlägt; denn nun ist sie nicht im Tosen<br /> +und im Wüten, wo sie immer war:<br /> +lautlos kommt sie über die Matrosen,<br /> +<br /> +welche wissen, daß es dort auf jenen<br /> +goldnen Inseln manchmal singt—,<br /> +und sich blindlings in die Ruder lehnen,<br /> +wie umringt<br /> +<br /> +von der Stille, die die ganze Weite<br /> +in sich hat und an die Ohren weht,<br /> +so als wäre ihre andre Seite<br /> +der Gesang, dem keiner widersteht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="KLAGE_UM_ANTINOUS" id="KLAGE_UM_ANTINOUS"></a>KLAGE UM ANTINOUS<br /> +<br /> +<br /> +Keiner begriff mir von euch den bithynischen Knaben<br /> +(daß ihr den Strom anfaßtet und von ihm hübt...).<br /> +Ich verwöhnte ihn zwar. Und dennoch: wir haben<br /> +ihn nur mit Schwere erfüllt und für immer getrübt.<br /> +<br /> +Wer vermag denn zu lieben? Wer kann es?—Noch keiner.<br /> +Und so hab ich unendliches Weh getan—.<br /> +Nun ist er am Nil der stillenden Götter einer,<br /> +und ich weiß kaum welcher und kann ihm nicht nahn.<br /> +<br /> +Und ihr warfet ihn noch, Wahnsinnige, bis in die Sterne,<br /> +damit ich euch rufe und dränge: meint ihr den?<br /> +Was ist er nicht einfach ein Toter. Er wäre es gerne.<br /> +Und vielleicht wäre ihm nichts geschehn.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_TOD_DER_GELIEBTEN" id="DER_TOD_DER_GELIEBTEN"></a>DER TOD DER GELIEBTEN<br /> +<br /> +<br /> +Er wußte nur vom Tod, was alle wissen:<br /> +daß er uns nimmt und in das Stumme stößt.<br /> +Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,<br /> +nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,<br /> +<br /> +hinüberglitt zu unbekannten Schatten,<br /> +und als er fühlte, daß sie drüben nun<br /> +wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten<br /> +und ihre Weise wohlzutun:<br /> +<br /> +da wurden ihm die Toten so bekannt,<br /> +als wäre er durch sie mit einem jeden<br /> +ganz nah verwandt; er ließ die andern reden<br /> +<br /> +und glaubte nicht und nannte jenes Land<br /> +das gutgelegene, das immersüße—.<br /> +Und tastete es ab für ihre Füße.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="KLAGE_UM_JONATHAN" id="KLAGE_UM_JONATHAN"></a>KLAGE UM JONATHAN<br /> +<br /> +<br /> +Ach, sind auch Könige nicht von Bestand<br /> +und dürfen hingehn wie gemeine Dinge,<br /> +obwohl ihr Druck wie der der Siegelringe<br /> +sich widerbildet in das weiche Land.<br /> +<br /> +Wie aber konntest du, so angefangen<br /> +mit deines Herzens Initial,<br /> +aufhören plötzlich: Wärme meiner Wangen.<br /> +O daß dich einer noch einmal<br /> +erzeugte, wenn sein Samen in ihm glänzt.<br /> +<br /> +Irgendein Fremder sollte dich zerstören,<br /> +und der dir innig war, ist nichts dabei<br /> +und muß sich halten und die Botschaft hören;<br /> +wie wunde Tiere auf den Lagern löhren,<br /> +möcht ich mich legen mit Geschrei:<br /> +<br /> +denn da und da, an meinen scheusten Orten,<br /> +bist du mir ausgerissen wie das Haar,<br /> +das in den Achselhöhlen wächst und dorten,<br /> +wo ich ein Spiel für Frauen war,<br /> +<br /> +bevor du meine dort verfitzten Sinne<br /> +aufsträhntest, wie man einen Knaul entflicht;<br /> +da sah ich auf und wurde deiner inne:—<br /> +jetzt aber gehst du mir aus dem Gesicht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="TROSTUNG_DES_ELIA" id="TROSTUNG_DES_ELIA"></a>TRÖSTUNG DES ELIA<br /> +<br /> +<br /> +Er hatte das getan und dies, den Bund<br /> +wie jenen Altar wieder aufzubauen,<br /> +zu dem sein weitgeschleudertes Vertrauen<br /> +zurück als Feuer fiel von ferne, und<br /> +hatte er dann nicht Hunderte zerhauen,<br /> +weil sie ihm stanken mit dem Baal im Mund,<br /> +am Bache schlachtend bis ans Abendgrauen,<br /> +<br /> +das mit dem Regengrau sich groß verband?<br /> +Doch als ihn von der Königin der Bote<br /> +nach solchem Werktag antrat und bedrohte,<br /> +da lief er wie ein Irrer in das Land,<br /> +<br /> +so lange, bis er unterm Ginsterstrauche<br /> +wie weggeworfen aufbrach in Geschrei,<br /> +das in der Wüste brüllte: Gott, gebrauche<br /> +mich länger nicht. Ich bin entzwei.<br /> +<br /> +Doch grade da kam ihn der Engel ätzen<br /> +mit einer Speise, die er tief empfing,<br /> +so daß er lange dann an Weideplätzen<br /> +und Wassern immer zum Gebirge ging,<br /> +<br /> +zu dem der Herr um seinetwillen kam:<br /> +im Sturme nicht und nicht im Sich-Zerspalten<br /> +der Erde, der entlang in schweren Falten<br /> +ein leeres Feuer ging, fast wie aus Scham<br /> +über des Ungeheuren ausgeruhtes<br /> +Hinstürzen zu dem angekommnen Alten,<br /> +der ihn im sanften Sausen seines Blutes<br /> +erschreckt und zugedeckt vernahm.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SAUL_UNTER_DEN_PROPHETEN" id="SAUL_UNTER_DEN_PROPHETEN"></a>SAUL UNTER DEN PROPHETEN<br /> +<br /> +<br /> +Meinst du denn, daß man sich sinken sieht?<br /> +Nein, der König schien sich noch erhaben,<br /> +da er seinen starken Harfenknaben<br /> +töten wollte bis ins zehnte Glied.<br /> +<br /> +Erst da ihn der Geist auf solchen Wegen<br /> +überfiel und auseinanderriß,<br /> +sah er sich im Innern ohne Segen,<br /> +und sein Blut ging in der Finsternis<br /> +abergläubig dem Gericht entgegen.<br /> +<br /> +Wenn sein Mund jetzt troff und prophezeite,<br /> +war es nur, damit der Flüchtling weit<br /> +flüchten könne. So war dieses zweite<br /> +Mal. Doch einst: er hatte prophezeit<br /> +<br /> +fast als Kind, als ob ihm jede Ader<br /> +mündete in einen Mund aus Erz;<br /> +alle schritten, doch er schritt gerader;<br /> +alle schrieen, doch ihm schrie das Herz.<br /> +<br /> +Und nun war er nichts als dieser Haufen<br /> +umgestürzter Würden, Last auf Last;<br /> +und sein Mund war wie der Mund der Traufen,<br /> +der die Güsse, die zusammenlaufen,<br /> +fallen läßt, eh er sie faßt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SAMUELS_ERSCHEINUNG_VOR_SAUL" id="SAMUELS_ERSCHEINUNG_VOR_SAUL"></a>SAMUELS ERSCHEINUNG VOR SAUL<br /> +<br /> +<br /> +Da schrie die Frau zu Endor auf: Ich sehe—<br /> +Der König packte sie am Arme: Wen?<br /> +Und da die Starrende beschrieb, noch ehe,<br /> +da war ihm schon, er hätte selbst gesehn:<br /> +<br /> +den, dessen Stimme ihn noch einmal traf:<br /> +Was störst du mich? Ich habe Schlaf.<br /> +Willst du, weil dir die Himmel fluchen,<br /> +und weil der Herr sich vor dir schloß und schwieg,<br /> +in meinem Mund nach einem Siege suchen?<br /> +Soll ich dir meine Zähne einzeln sagen?<br /> +Ich habe nichts als sie.... Es schwand. Da schrie<br /> +das Weib, die Hände vors Gesicht geschlagen,<br /> +als ob sie's sehen müßte: Unterlieg—<br /> +<br /> +Und er, der in der Zeit, die ihm gelang,<br /> +das Volk wie ein Feldzeichen überragte,<br /> +fiel hin, bevor er noch zu klagen wagte:<br /> +so sicher war sein Untergang.<br /> +Die aber, die ihn wider Willen schlug,<br /> +hoffte, daß er sich faßte und vergäße;<br /> +und als sie hörte, daß er nie mehr äße,<br /> +ging sie hinaus und schlachtete und buk<br /> +und brachte ihn dazu, daß er sich setzte;<br /> +er saß wie einer, der zu viel vergißt:<br /> +alles, was war, bis auf das Eine, Letzte.<br /> +Dann aß er, wie ein Knecht zu Abend ißt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="EIN_PROPHET" id="EIN_PROPHET"></a>EIN PROPHET<br /> +<br /> +<br /> +Ausgedehnt von riesigen Gesichten,<br /> +hell vom Feuerschein aus dem Verlauf<br /> +der Gerichte, die ihn nie vernichten,—<br /> +sind die Augen, schauend unter dichten<br /> +Brauen. Und in seinem Innern richten<br /> +sich schon wieder Worte auf,<br /> +<br /> +nicht die seinen (denn was wären seine,<br /> +und wie schonend wären sie vertan),<br /> +andre, harte: Eisenstücke, Steine,<br /> +die er schmelzen muß wie ein Vulkan,<br /> +<br /> +um sie in dem Ausbruch seines Mundes<br /> +auszuwerfen, welcher flucht und flucht;<br /> +während seine Stirne, wie des Hundes<br /> +Stirne, das zu tragen sucht,<br /> +<br /> +was der Herr von seiner Stirne nimmt:<br /> +Dieser, Dieser, den sie alle fänden,<br /> +folgten sie den großen Zeigehänden,<br /> +die Ihn weisen, wie Er ist: ergrimmt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="JEREMIAS" id="JEREMIAS"></a>JEREMIAS<br /> +<br /> +<br /> +Einmal war ich weich wie früher Weizen,<br /> +doch, du Rasender, du hast vermocht,<br /> +mir das hingehaltne Herz zu reizen,<br /> +daß es jetzt wie eines Löwen kocht.<br /> +<br /> +Welchen Mund hast du mir zugemutet,<br /> +damals, da ich fast ein Knabe war:<br /> +eine Wunde wurde er: nun blutet<br /> +aus ihm Unglücksjahr um Unglücksjahr.<br /> +<br /> +Täglich tönte ich von neuen Nöten,<br /> +die du, Unersättlicher, ersannst,<br /> +und sie konnten mir den Mund nicht töten;<br /> +sieh du zu, wie du ihn stillen kannst,<br /> +<br /> +wenn, die wir zerstoßen und zerstören,<br /> +erst verloren sind und fernverlaufen<br /> +und vergangen sind in der Gefahr:<br /> +denn dann will ich in den Trümmerhaufen<br /> +endlich meine Stimme Wiederhören,<br /> +die von Anfang an ein Heulen war.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="EINE_SIBYLLE" id="EINE_SIBYLLE"></a>EINE SIBYLLE<br /> +<br /> +<br /> +Einst, vor Zeiten, nannte man sie alt.<br /> +Doch sie blieb und kam dieselbe Straße<br /> +täglich. Und man änderte die Maße,<br /> +und man zählte sie wie einen Wald<br /> +<br /> +nach Jahrhunderten. Sie aber stand<br /> +jeden Abend auf derselben Stelle,<br /> +schwarz wie eine alte Zitadelle,<br /> +hoch und hohl und ausgebrannt;<br /> +<br /> +von den Worten, die sich unbewacht<br /> +wider ihren Willen in ihr mehrten,<br /> +immerfort umschrieen und umflogen,<br /> +während die schon wieder heimgekehrten<br /> +dunkel unter ihren Augenbogen<br /> +saßen, fertig für die Nacht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="ABSALOMS_ABFALL" id="ABSALOMS_ABFALL"></a>ABSALOMS ABFALL<br /> +<br /> +<br /> +Sie hoben sie mit Geblitz:<br /> +der Sturm aus den Hörnern schwellte<br /> +seidene, breitgewellte<br /> +Fahnen. Der herrlich Erhellte<br /> +nahm im hoch offenen Zelte,<br /> +das jauchzendes Volk umstellte,<br /> +zehn Frauen in Besitz,<br /> +<br /> +die (gewohnt an des alternden Fürsten<br /> +sparsame Nacht und Tat)<br /> +unter seinem Dürsten<br /> +wogten wie Sommersaat.<br /> +<br /> +Dann trat er heraus zum Rate,<br /> +wie vermindert um nichts,<br /> +und jeder, der ihm nahte,<br /> +erblindete seines Lichts.<br /> +<br /> +So zog er auch den Heeren<br /> +voran wie ein Stern dem Jahr;<br /> +über allen Speeren<br /> +wehte sein warmes Haar,<br /> +das der Helm nicht faßte<br /> +und das er manchmal haßte,<br /> +weil es schwerer war<br /> +als seine reichsten Kleider.<br /> +<br /> +Der König hatte geboten,<br /> +daß man den Schönen schone.<br /> +Doch man sah ihn ohne<br /> +Helm an den bedrohten<br /> +Orten die ärgsten Knoten<br /> +zu roten Stücken von Toten<br /> +auseinanderhaun.<br /> +Dann wußte lange keiner<br /> +von ihm, bis plötzlich einer<br /> +schrie: Er hängt dort hinten<br /> +an den Terebinthen<br /> +mit hochgezogenen Braun.<br /> +<br /> +Das war genug des Winks.<br /> +Joab, wie ein Jäger,<br /> +erspähte das Haar—: ein schräger<br /> +gedrehter Ast: da hings.<br /> +Er durchrannte den schlanken Kläger,<br /> +und seine Waffenträger<br /> +durchbohrten ihn rechts und links.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="ESTHER" id="ESTHER"></a>ESTHER<br /> +<br /> +<br /> +Die Dienerinnen kämmten sieben Tage<br /> +die Asche ihres Grams und ihrer Plage<br /> +Neige und Niederschlag aus ihrem Haar<br /> +und trugen es und sonnten es im Freien<br /> +und speisten es mit reinen Spezereien<br /> +noch diesen Tag und den: dann aber war<br /> +<br /> +die Zeit gekommen, da sie ungeboten,<br /> +zu keiner Frist, wie eine von den Toten<br /> +den drohend offenen Palast betrat,<br /> +um gleich, gelegt auf ihre Kammerfrauen,<br /> +am Ende ihres Weges <i>den</i> zu schauen,<br /> +an dem man stirbt, wenn man ihm naht.<br /> +<br /> +Er glänzte so, daß sie die Kronrubine<br /> +aufflammen fühlte, die sie an sich trug;<br /> +sie füllte sich ganz rasch mit seiner Miene<br /> +wie ein Gefäß und war schon voll genug<br /> +<br /> +und floß schon über von des Königs Macht,<br /> +bevor sie noch den dritten Saal durchschritt,<br /> +der sie mit seiner Wände Malachit<br /> +grün überlief. Sie hatte nicht gedacht,<br /> +<br /> +so langen Gang zu tun mit allen Steinen,<br /> +die schwerer wurden von des Königs Scheinen<br /> +und kalt von ihrer Angst. Sie ging und ging.<br /> +<br /> +Und als sie endlich fast von nahe ihn,<br /> +aufruhend auf dem Thron von Turmalin,<br /> +sich türmen sah, so wirklich wie ein Ding:<br /> +<br /> +empfing die rechte von den Dienerinnen<br /> +die Schwindende und hielt sie zu dem Sitze.<br /> +Er rührte sie mit seines Zepters Spitze;<br /> +und sie begriff es ohne Sinne, innen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_AUSSATZIGE_KONIG" id="DER_AUSSATZIGE_KONIG"></a>DER AUSSÄTZIGE KÖNIG<br /> +<br /> +<br /> +Da trat auf seiner Stirn der Aussatz aus<br /> +und stand auf einmal unter seiner Krone,<br /> +als war er König über allen Graus,<br /> +der in die andern fuhr, die fassungsohne<br /> +<br /> +hinstarrten nach dem furchtbaren Vollzug<br /> +an jenem, welcher, schmal wie ein Verschnürter,<br /> +erwartete, daß einer nach ihm schlug;<br /> +doch noch war keiner Manns genug:<br /> +als machte ihn nur immer unberührter<br /> +die neue Würde, die sich übertrug.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="LEGENDE_VON_DEN_DREI_LEBENDIGEN_UND_DEN_DREI_TOTEN" id="LEGENDE_VON_DEN_DREI_LEBENDIGEN_UND_DEN_DREI_TOTEN"></a>LEGENDE VON DEN DREI LEBENDIGEN UND DEN DREI TOTEN<br /> +<br /> +<br /> +Drei Herren hatten mit Falken gebeizt<br /> +und freuten sich auf das Gelag.<br /> +Da nahm sie der Greis in Beschlag<br /> +und führte. Die Reiter hielten gespreizt<br /> +vor dem dreifachen Sarkophag,<br /> +<br /> +der ihnen dreimal entgegenstank,<br /> +in den Mund, in die Nase, ins Sehn;<br /> +und sie wußten es gleich: da lagen lang<br /> +drei Tote mitten im Untergang<br /> +und ließen sich gräßlich gehn.<br /> +<br /> +Und sie hatten nur noch ihr Jägergehör<br /> +reinlich hinter dem Sturmbandlör;<br /> +doch da zischte der Alte sein:<br /> +—Sie gingen nicht durch das Nadelöhr<br /> +und gehen niemals—hinein.<br /> +<br /> +Nun blieb ihnen noch ihr klares Getast,<br /> +das stark war vom Jagen und heiß;<br /> +doch das hatte ein Frost von hinten gefaßt<br /> +und trieb ihm Eis in den Schweiß.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_KONIG_VON_MUNSTER" id="DER_KONIG_VON_MUNSTER"></a>DER KÖNIG VON MÜNSTER<br /> +<br /> +<br /> +Der König war geschoren;<br /> +nun ging ihm die Krone zu weit<br /> +und bog ein wenig die Ohren,<br /> +in die von Zeit zu Zeit<br /> +<br /> +gehässiges Gelärme<br /> +aus Hungermäulern fand.<br /> +Er saß, von wegen der Wärme,<br /> +auf seiner rechten Hand,<br /> +<br /> +mürrisch und schwergesäßig.<br /> +Er fühlte sich nicht mehr echt:<br /> +der Herr in ihm war mäßig,<br /> +und der Beischlaf war schlecht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="TOTENTANZ" id="TOTENTANZ"></a>TOTENTANZ<br /> +<br /> +<br /> +Sie brauchen kein Tanz-Orchester;<br /> +sie hören in sich ein Geheule,<br /> +als wären sie Eulennester.<br /> +Ihr Ängsten näßt wie eine Beule,<br /> +und der Vorgeruch ihrer Fäule<br /> +ist noch ihr bester Geruch.<br /> +<br /> +Sie fassen den Tänzer fester,<br /> +den rippenbetreßten Tänzer,<br /> +den Galan, den echten Ergänzer<br /> +zu einem ganzen Paar.<br /> +Und er lockert der Ordensschwester<br /> +über dem Haar das Tuch;<br /> +sie tanzen ja unter Gleichen.<br /> +Und er zieht der wachslichtbleichen<br /> +leise die Lesezeichen<br /> +aus ihrem Stunden-Buch.<br /> +<br /> +Bald wird ihnen allen zu heiß,<br /> +sie sind zu reich gekleidet;<br /> +beißender Schweiß verleidet<br /> +ihnen Stirne und Steiß<br /> +und Schauben und Hauben und Steine;<br /> +sie wünschen, sie wären nackt<br /> +wie ein Kind, ein Verrückter und Eine:<br /> +die tanzen noch immer im Takt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAS_JUNGSTE_GERICHT" id="DAS_JUNGSTE_GERICHT"></a>DAS JÜNGSTE GERICHT<br /> +<br /> +<br /> +So erschrocken, wie sie nie erschraken,<br /> +ohne Ordnung, oft durchlocht und locker,<br /> +hocken sie in dem geborstnen Ocker<br /> +ihres Ackers, nicht von ihren Laken<br /> +<br /> +abzubringen, die sie liebgewannen.<br /> +Aber Engel kommen an, um Öle<br /> +einzuträufeln in die trocknen Pfannen<br /> +und um jedem in die Achselhöhle<br /> +<br /> +das zu legen, was er in dem Lärme<br /> +damals seines Lebens nicht entweihte;<br /> +denn dort hat es noch ein wenig Wärme,<br /> +<br /> +daß es nicht des Herren Hand erkälte<br /> +oben, wenn er es aus jeder Seite<br /> +leise greift, zu fühlen, ob es gälte.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_VERSUCHUNG" id="DIE_VERSUCHUNG"></a>DIE VERSUCHUNG<br /> +<br /> +<br /> +Nein, es half nicht, daß er sich die scharfen<br /> +Stacheln einhieb in das geile Fleisch;<br /> +alle seine trächtigen Sinne warfen<br /> +unter kreißendem Gekreisch<br /> +<br /> +Frühgeburten: schiefe, hingeschielte<br /> +kriechende und fliegende Gesichte,<br /> +Nichte, deren nur auf ihn erpichte<br /> +Bosheit sich verband und mit ihm spielte.<br /> +<br /> +Und schon hatten seine Sinne Enkel;<br /> +denn das Pack war fruchtbar in der Nacht<br /> +und in immer bunterem Gesprenkel<br /> +hingehudelt und verhundertfacht.<br /> +Aus dem Ganzen ward ein Trank gemacht:<br /> +seine Hände griffen lauter Henkel,<br /> +und der Schatten schob sich auf wie Schenkel<br /> +warm und zu Umarmungen erwacht—.<br /> +<br /> +Und da schrie er nach dem Engel, schrie:<br /> +und der Engel kam in seinem Schein<br /> +und war da: und jagte sie<br /> +wieder in den Heiligen hinein,<br /> +<br /> +daß er mit Geteufel und Getier<br /> +in sich weiterringe wie seit Jahren<br /> +und sich Gott, den lange noch nicht klaren,<br /> +innen aus dem Jäsen destillier.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_ALCHIMIST" id="DER_ALCHIMIST"></a>DER ALCHIMIST<br /> +<br /> +<br /> +Seltsam verlächelnd schob der Laborant<br /> +den Kolben fort, der halbberuhigt rauchte.<br /> +Er wußte jetzt, was er noch brauchte,<br /> +damit der sehr erlauchte Gegenstand<br /> +<br /> +da drin entstände. Zeiten brauchte er.<br /> +Jahrtausende für sich und diese Birne,<br /> +in der es brodelte; im Hirn Gestirne<br /> +und im Bewußtsein mindestens das Meer.<br /> +<br /> +Das Ungeheuere, das er gewollt,<br /> +er ließ es los in dieser Nacht. Es kehrte<br /> +zurück zu Gott und in sein altes Maß;<br /> +<br /> +er aber, lallend wie ein Trunkenbold,<br /> +lag über dem Geheimfach und begehrte<br /> +den Brocken Gold, den er besaß.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_RELIQUIENSCHREIN" id="DER_RELIQUIENSCHREIN"></a>DER RELIQUIENSCHREIN<br /> +<br /> +<br /> +Draußen wartete auf alle Ringe<br /> +und auf jedes Kettenglied<br /> +Schicksal, das nicht ohne sie geschieht.<br /> +Drinnen waren sie nur Dinge, Dinge,<br /> +die er schmiedete; denn vor dem Schmied<br /> +war sogar die Krone, die er bog,<br /> +nur ein Ding, ein zitterndes und eines,<br /> +das er finster wie im Zorn erzog<br /> +zu dem Tragen eines reinen Steines.<br /> +<br /> +Seine Augen wurden immer kälter<br /> +von dem kalten täglichen Getränk;<br /> +aber als der herrliche Behälter<br /> +(goldgetrieben, köstlich, vielkarätig)<br /> +fertig vor ihm stand, das Weihgeschenk,<br /> +daß darin ein kleines Handgelenk<br /> +fürder wohne, weiß und wundertätig:<br /> +<br /> +blieb er ohne Ende auf den Knien,<br /> +hingeworfen, weinend, nicht mehr wagend,<br /> +seine Seele niederschlagend<br /> +vor dem ruhigen Rubin,<br /> +der ihn zu gewahren schien<br /> +und ihn, plötzlich um sein Dasein fragend,<br /> +ansah wie aus Dynastien.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAS_GOLD" id="DAS_GOLD"></a>DAS GOLD<br /> +<br /> +<br /> +Denk es wäre nicht: es hätte müssen<br /> +endlich in den Bergen sich gebären<br /> +und sich niederschlagen in den Flüssen<br /> +aus dem Wollen, aus dem Gären<br /> +<br /> +ihres Willens; aus der Zwangidee,<br /> +daß ein Erz ist über allen Erzen.<br /> +Weithin warfen sie aus ihren Herzen<br /> +immer wieder Meroë<br /> +<br /> +an den Rand der Lande, in den Äther,<br /> +über das Erfahrene hinaus;<br /> +und die Söhne brachten manchmal später<br /> +das Verheißene der Väter,<br /> +abgehärtet und verhehrt, nach Haus,<br /> +<br /> +wo es anwuchs eine Zeit, um dann<br /> +fortzugehn von den an ihm Geschwächten,<br /> +die es niemals liebgewann.<br /> +Nur (so sagt man) in den letzten Nächten<br /> +steht es auf und sieht sie an.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_STYLIT" id="DER_STYLIT"></a>DER STYLIT<br /> +<br /> +<br /> +Völker schlugen über ihm zusammen,<br /> +die er küren durfte und verdammen;<br /> +und erratend, daß er sich verlor,<br /> +klomm er aus dem Volksgeruch mit klammen<br /> +Händen einen Säulenschaft empor,<br /> +<br /> +der noch immer stieg und nichts mehr hob,<br /> +und begann, allein auf seiner Fläche,<br /> +ganz von vorne seine eigne Schwäche<br /> +zu vergleichen mit des Herren Lob;<br /> +<br /> +und da war kein Ende: er verglich;<br /> +und der andre wurde immer größer.<br /> +Und die Hirten, Ackerbauer, Flößer<br /> +sahn ihn klein und außer sich<br /> +<br /> +immer mit dem ganzen Himmel reden,<br /> +eingeregnet manchmal, manchmal licht;<br /> +und sein Heulen stürzte sich auf jeden,<br /> +so als heulte er ihm ins Gesicht.<br /> +Doch er sah seit Jahren nicht,<br /> +<br /> +wie der Menge Drängen und Verlauf<br /> +unten unaufhörlich sich ergänzte,<br /> +und das Blanke an den Fürsten glänzte<br /> +lange nicht so hoch hinauf.<br /> +<br /> +Aber wenn er oben, fast verdammt<br /> +und von ihrem Widerstand zerschunden,<br /> +einsam mit verzweifeltem Geschreie<br /> +schüttelte die täglichen Dämonen:<br /> +fielen langsam auf die erste Reihe<br /> +schwer und ungeschickt aus seinen Wunden<br /> +große Würmer in die offnen Kronen<br /> +und vermehrten sich im Samt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_AGYPTISCHE_MARIA" id="DIE_AGYPTISCHE_MARIA"></a>DIE ÄGYPTISCHE MARIA<br /> +<br /> +<br /> +Seit sie damals, bettheiß, als die Hure<br /> +übern Jordan floh und, wie ein Grab<br /> +gebend, stark und unvermischt das pure<br /> +Herz der Ewigkeit zu trinken gab,<br /> +<br /> +wuchs ihr frühes Hingegebensein<br /> +unaufhaltsam an zu solcher Größe,<br /> +daß sie endlich, wie die ewige Blöße<br /> +aller, aus vergilbtem Elfenbein<br /> +<br /> +dalag in der dürren Haare Schelfe.<br /> +Und ein Löwe kreiste; und ein Alter<br /> +rief ihn winkend an, daß er ihm helfe:<br /> +<br /> +(und so gruben sie zu zwein.)<br /> +<br /> +Und der Alte neigte sie hinein.<br /> +Und der Löwe, wie ein Wappenhalter,<br /> +saß dabei und hielt den Stein.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="KREUZIGUNG" id="KREUZIGUNG"></a>KREUZIGUNG<br /> +<br /> +<br /> +Längst geübt, zum kahlen Galgenplatze<br /> +irgendein Gesindel hinzudrängen,<br /> +ließen sich die schweren Knechte hängen,<br /> +dann und wann nur eine große Fratze<br /> +<br /> +kehrend nach den abgetanen Drein.<br /> +Aber oben war das schlechte Henkern<br /> +rasch getan; und nach dem Fertigsein<br /> +ließen sich die freien Männer schlenkern.<br /> +<br /> +Bis der eine (fleckig wie ein Selcher)<br /> +sagte: Hauptmann, dieser hat geschrien.<br /> +Und der Hauptmann sah vom Pferde: Welcher?<br /> +und es war ihm selbst, er hätte ihn<br /> +<br /> +den Elia rufen hören. Alle<br /> +waren zuzuschauen voller Lust,<br /> +und sie hielten, daß er nicht verfalle,<br /> +gierig ihm die ganze Essiggalle<br /> +an sein schwindendes Gehust.<br /> +<br /> +Denn sie hofften noch ein ganzes Spiel<br /> +und vielleicht den kommenden Elia.<br /> +Aber hinten ferne schrie Maria,<br /> +und er selber brüllte und verfiel.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_AUFERSTANDENE" id="DER_AUFERSTANDENE"></a>DER AUFERSTANDENE<br /> +<br /> +<br /> +Er vermochte niemals bis zuletzt<br /> +ihr zu weigern oder abzuneinen,<br /> +daß sie ihrer Liebe sich berühme;<br /> +und sie sank ans Kreuz in dem Kostüme<br /> +eines Schmerzes, welches ganz besetzt<br /> +war mit ihrer Liebe größten Steinen.<br /> +<br /> +Aber da sie dann, um ihn zu salben,<br /> +an das Grab kam, Tränen im Gesicht,<br /> +war er auferstanden ihrethalben,<br /> +daß er seliger ihr sage: Nicht—<br /> +<br /> +Sie begriff es erst in ihrer Höhle,<br /> +wie er ihr, gestärkt durch seinen Tod,<br /> +endlich das Erleichternde der Öle<br /> +und des Rührens Vorgefühl verbot,<br /> +<br /> +um aus ihr die Liebende zu formen,<br /> +die sich nicht mehr zum Geliebten neigt,<br /> +weil sie, hingerissen von enormen<br /> +Stürmen, seine Stimme übersteigt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="MAGNIFIKAT" id="MAGNIFIKAT"></a>MAGNIFIKAT<br /> +<br /> +<br /> +Sie kam den Hang herauf, schon schwer, fast ohne<br /> +an Trost zu glauben, Hoffnung oder Rat;<br /> +doch da die hohe tragende Matrone<br /> +ihr ernst und stolz entgegentrat<br /> +<br /> +und alles wußte ohne ihr Vertrauen,<br /> +da war sie plötzlich an ihr ausgeruht;<br /> +vorsichtig hielten sich die vollen Frauen,<br /> +bis daß die junge sprach: Mir ist zumut,<br /> +<br /> +als wär ich, Liebe, von nun an für immer.<br /> +Gott schüttet in der Reichen Eitelkeit<br /> +fast ohne hinzusehen ihren Schimmer;<br /> +doch sorgsam sucht er sich ein Frauenzimmer<br /> +und füllt sie an mit seiner fernsten Zeit.<br /> +<br /> +Daß er mich fand. Bedenk nur; und Befehle<br /> +um meinetwillen gab von Stern zu Stern—.<br /> +Verherrliche und hebe, meine Seele,<br /> +so hoch du kannst: den Herrn.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="ADAM" id="ADAM"></a>ADAM<br /> +<br /> +<br /> +Staunend steht er an der Kathedrale<br /> +steilem Aufstieg, nah der Fensterrose,<br /> +wie erschreckt von der Apotheose,<br /> +welche wuchs und ihn mit einem Male<br /> +<br /> +niederstellte über die und die.<br /> +Und er ragt und freut sich seiner Dauer<br /> +schlicht entschlossen; als der Ackerbauer,<br /> +der begann und der nicht wußte, wie<br /> +<br /> +aus dem fertig-vollen Garten Eden<br /> +einen Ausweg in die neue Erde<br /> +finden. Gott war schwer zu überreden;<br /> +<br /> +und er drohte ihm, statt zu gewähren,<br /> +immer wieder, daß er sterben werde.<br /> +Doch der Mensch bestand: sie wird gebären.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="EVA" id="EVA"></a>EVA<br /> +<br /> +<br /> +Einfach steht sie an der Kathedrale<br /> +großem Aufstieg, nah der Fensterrose,<br /> +mit dem Apfel in der Apfelpose,<br /> +schuldlos-schuldig ein für alle Male<br /> +<br /> +an dem Wachsenden, das sie gebar,<br /> +seit sie aus dem Kreis der Ewigkeiten<br /> +liebend fortging, um sich durchzustreiten<br /> +durch die Erde, wie ein junges Jahr.<br /> +<br /> +Ach, sie hätte gern in jenem Land<br /> +noch ein wenig weilen mögen, achtend<br /> +auf der Tiere Eintracht und Verstand.<br /> +<br /> +Doch da sie den Mann entschlossen fand,<br /> +ging sie mit ihm, nach dem Tode trachtend,<br /> +und sie hatte Gott noch kaum gekannt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="IRRE_IM_GARTEN" id="IRRE_IM_GARTEN"></a>IRRE IM GARTEN<br /> +<br /> +DIJON<br /> +<br /> +<br /> +Noch schließt die aufgegebene Karthause<br /> +sich um den Hof, als würde etwas heil.<br /> +Auch die sie jetzt bewohnen, haben Pause<br /> +und nehmen nicht am Leben draußen teil.<br /> +<br /> +Was irgend kommen konnte, das verlief.<br /> +Nun gehn sie gerne mit bekannten Wegen<br /> +und trennen sich und kommen sich entgegen,<br /> +als ob sie kreisten, willig, primitiv.<br /> +<br /> +Zwar manche pflegen dort die Frühlingsbeete,<br /> +demütig, dürftig, hingekniet;<br /> +aber sie haben, wenn es keiner sieht,<br /> +eine verheimlichte, verdrehte<br /> +<br /> +Gebärde für das zarte frühe Gras,<br /> +ein prüfendes, verschüchtertes Liebkosen:<br /> +denn das ist freundlich, und das Rot der Rosen<br /> +wird vielleicht drohend sein und Übermaß<br /> +<br /> +und wird vielleicht schon wieder übersteigen,<br /> +was ihre Seele wiederkennt und weiß.<br /> +Dies aber läßt sich noch verschweigen:<br /> +wie gut das Gras ist und wie leis.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_IRREN" id="DIE_IRREN"></a>DIE IRREN<br /> +<br /> +<br /> +Und sie schweigen, weil die Scheidewände<br /> +weggenommen sind aus ihrem Sinn,<br /> +und die Stunden, da man sie verstände,<br /> +heben an und gehen hin.<br /> +<br /> +Nächtens oft, wenn sie ans Fenster treten:<br /> +plötzlich ist es alles gut.<br /> +Ihre Hände liegen im Konkreten,<br /> +und das Herz ist hoch und könnte beten,<br /> +und die Augen schauen ausgeruht<br /> +<br /> +auf den unverhofften, oftentstellten<br /> +Garten im beruhigten Geviert,<br /> +der im Widerschein der fremden Welten<br /> +weiterwächst und niemals sich verliert.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="AUS_DEM_LEBEN_EINES_HEILIGEN" id="AUS_DEM_LEBEN_EINES_HEILIGEN"></a>AUS DEM LEBEN EINES HEILIGEN<br /> +<br /> +<br /> +Er kannte Ängste, deren Eingang schon<br /> +wie Sterben war und nicht zu überstehen.<br /> +Sein Herz erlernte, langsam durchzugehen;<br /> +er zog es groß wie einen Sohn.<br /> +<br /> +Und namenlose Nöte kannte er,<br /> +finster und ohne Morgen wie Verschläge;<br /> +und seine Seele gab er folgsam her,<br /> +da sie erwachsen war, auf daß sie läge<br /> +<br /> +bei ihrem Bräutigam und Herrn; und blieb<br /> +allein zurück an einem solchen Orte,<br /> +wo das Alleinsein alles übertrieb,<br /> +und wohnte weit und wollte niemals Worte.<br /> +<br /> +Aber dafür, nach Zeit und Zeit, erfuhr<br /> +er auch das Glück, sich in die eignen Hände,<br /> +damit er eine Zärtlichkeit empfände,<br /> +zu legen wie die ganze Kreatur.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_BETTLER" id="DIE_BETTLER"></a>DIE BETTLER<br /> +<br /> +<br /> +Du wußtest nicht, was den Haufen<br /> +ausmacht. Ein Fremder fand<br /> +Bettler darin. Sie verkaufen<br /> +das Hohle aus ihrer Hand.<br /> +<br /> +Sie zeigen dem Hergereisten<br /> +ihren Mund voll Mist,<br /> +und er darf (er kann es sich leisten)<br /> +sehn, wie ihr Aussatz frißt.<br /> +<br /> +Es zergeht in ihren zerrührten<br /> +Augen sein fremdes Gesicht;<br /> +und sie freuen sich des Verführten<br /> +und speien, wenn er spricht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="FREMDE_FAMILIE" id="FREMDE_FAMILIE"></a>FREMDE FAMILIE<br /> +<br /> +<br /> +So wie der Staub, der irgendwie beginnt<br /> +und nirgends ist, zu unerklärtem Zwecke<br /> +an einem leeren Morgen in der Ecke,<br /> +in die man sieht, ganz rasch zu Grau gerinnt,<br /> +<br /> +so bildeten sie sich, wer weiß aus was,<br /> +im letzten Augenblick vor deinen Schritten<br /> +und waren etwas Ungewisses mitten<br /> +im nassen Niederschlag der Gasse, das<br /> +<br /> +nach dir verlangte. Oder nicht nach dir.<br /> +Denn eine Stimme, wie vom vorigen Jahr,<br /> +sang dich zwar an und blieb doch ein Geweine;<br /> +und eine Hand, die wie geliehen war,<br /> +kam zwar hervor und nahm doch nicht die deine.<br /> +Wer kommt denn noch? Wen meinen diese vier?<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="LEICHEN_WASCHE" id="LEICHEN_WASCHE"></a>LEICHEN WÄSCHE<br /> +<br /> +<br /> +Sie hatten sich an ihn gewöhnt. Doch als<br /> +die Küchenlampe kam und unruhig brannte<br /> +im dunkeln Luftzug, war der Unbekannte<br /> +ganz unbekannt. Sie wuschen seinen Hals,<br /> +<br /> +und da sie nichts von seinem Schicksal wußten,<br /> +so logen sie ein anderes zusamm,<br /> +fortwährend waschend. Eine mußte husten<br /> +und ließ solang den schweren Essigschwamm<br /> +<br /> +auf dem Gesicht. Da gab es eine Pause<br /> +auch für die zweite. Aus der harten Bürste<br /> +klopften die Tropfen; während seine grause<br /> +gekrampfte Hand dem ganzen Hause<br /> +beweisen wollte, daß ihn nicht mehr dürste.<br /> +<br /> +Und er bewies. Sie nahmen wie betreten<br /> +eiliger jetzt mit einem kurzen Huster<br /> +die Arbeit auf, so daß an den Tapeten<br /> +ihr krummer Schatten in dem stummen Muster<br /> +<br /> +sich wand und wälzte wie in einem Netze,<br /> +bis daß die Waschenden zu Ende kamen.<br /> +Die Nacht im vorhanglosen Fensterrahmen<br /> +war rücksichtslos. Und einer ohne Namen<br /> +lag bar und reinlich da und gab Gesetze.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="EINE_VON_DEN_ALTEN" id="EINE_VON_DEN_ALTEN"></a>EINE VON DEN ALTEN<br /> +<br /> +PARIS<br /> +<br /> +<br /> +Abends manchmal (weißt du, wie das tut?)<br /> +wenn sie plötzlich stehn und rückwärts nicken<br /> +und ein Lächeln, wie aus lauter Flicken,<br /> +zeigen unter ihrem halben Hut.<br /> +<br /> +Neben ihnen ist dann ein Gebäude,<br /> +endlos, und sie locken dich entlang<br /> +mit dem Rätsel ihrer Räude,<br /> +mit dem Hut, dem Umhang und dem Gang.<br /> +<br /> +Mit der Hand, die hinten unterm Kragen<br /> +heimlich wartet und verlangt nach dir:<br /> +wie um deine Hände einzuschlagen<br /> +in ein aufgehobenes Papier.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_BLINDE" id="DER_BLINDE"></a>DER BLINDE<br /> +<br /> +PARIS<br /> +<br /> +<br /> +Sieh, er geht und unterbricht die Stadt,<br /> +die nicht ist auf seiner dunkeln Stelle,<br /> +wie ein dunkler Sprung durch eine helle<br /> +Tasse geht. Und wie auf einem Blatt<br /> +<br /> +ist auf ihm der Widerschein der Dinge<br /> +aufgemalt; er nimmt ihn nicht hinein.<br /> +Nur sein Fühlen rührt sich, so als finge<br /> +es die Welt in kleinen Wellen ein:<br /> +<br /> +eine Stille, einen Widerstand—,<br /> +und dann scheint er wartend wen zu wählen:<br /> +hingegeben hebt er seine Hand,<br /> +festlich fast, wie um sich zu vermählen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="EINE_WELKE" id="EINE_WELKE"></a>EINE WELKE<br /> +<br /> +<br /> +Leicht, wie nach ihrem Tode<br /> +trägt sie die Handschuh, das Tuch.<br /> +Ein Duft aus ihrer Kommode<br /> +verdrängte den lieben Geruch,<br /> +<br /> +an dem sie sich früher erkannte,<br /> +Jetzt fragte sie lange nicht, wer<br /> +sie sei (:eine ferne Verwandte),<br /> +und geht in Gedanken umher<br /> +<br /> +und sorgt für ein ängstliches Zimmer,<br /> +das sie ordnet und schont,<br /> +weil es vielleicht noch immer<br /> +dasselbe Mädchen bewohnt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="ABENDMAHL" id="ABENDMAHL"></a>ABENDMAHL<br /> +<br /> +<br /> +Ewiges will zu uns. Wer hat die Wahl<br /> +und trennt die großen und geringen Kräfte?<br /> +Erkennst du durch das Dämmern der Geschäfte<br /> +im klaren Hinterraum das Abendmahl:<br /> +<br /> +wie sie sich's halten und wie sie sich's reichen<br /> +und in der Handlung schlicht und schwer beruhn.<br /> +Aus ihren Händen heben sich die Zeichen;<br /> +sie wissen nicht, daß sie sie tun<br /> +<br /> +und immer neu mit irgendwelchen Worten<br /> +einsetzen, was man trinkt und was man teilt.<br /> +Denn da ist keiner, der nicht allerorten<br /> +heimlich von hinnen geht, indem er weilt.<br /> +<br /> +Und sitzt nicht immer einer unter ihnen,<br /> +der seine Eltern, die ihm ängstlich dienen,<br /> +wegschenkt an ihre abgetane Zeit?<br /> +(Sie zu verkaufen, ist ihm schon zu weit.)<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_BRANDSTATTE" id="DIE_BRANDSTATTE"></a>DIE BRANDSTÄTTE<br /> +<br /> +<br /> +Gemieden von dem Frühherbstmorgen, der<br /> +mißtrauisch war, lag hinter den versengten<br /> +Hauslinden, die das Heidehaus beengten,<br /> +ein Neues, Leeres. Eine Stelle mehr,<br /> +<br /> +auf welcher Kinder, von Gott weiß woher,<br /> +einander zuschrien und nach Fetzen haschten.<br /> +Doch alle wurden stille, sooft er,<br /> +der Sohn von hier, aus heißen, halbveraschten<br /> +<br /> +Gebälken Kessel und verbogne Tröge<br /> +mit einem langen Gabelaste zog,—<br /> +um dann mit einem Blick, als ob er löge,<br /> +die andern anzusehn, die er bewog<br /> +<br /> +zu glauben, was an dieser Stelle stand.<br /> +Denn seit es nicht mehr war, schien es ihm so<br /> +seltsam: phantastischer als Pharao.<br /> +Und er war anders, wie aus fernem Land.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_GRUPPE" id="DIE_GRUPPE"></a>DIE GRUPPE<br /> +<br /> +PARIS<br /> +<br /> +<br /> +Als pflückte einer rasch zu einem Strauß:<br /> +ordnet der Zufall hastig die Gesichter,<br /> +lockert sie auf und drückt sie wieder dichter,<br /> +ergreift zwei ferne, läßt ein nahes aus,<br /> +<br /> +tauscht das mit dem, bläst irgendeines frisch,<br /> +wirft einen Hund, wie Kraut, aus dem Gemisch<br /> +und zieht, was niedrig schaut, wie durch verworrne<br /> +Stiele und Blätter, an dem Kopf nach vorne<br /> +<br /> +und bindet es ganz klein am Rande ein;<br /> +und streckt sich wieder, ändert und verstellt<br /> +und hat nur eben Zeit, zum Augenschein<br /> +<br /> +zurückzuspringen mitten auf die Matte,<br /> +auf der im nächsten Augenblick der glatte<br /> +Gewichteschwinger seine Schwere schwellt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SCHLANGENBESCHWORUNG" id="SCHLANGENBESCHWORUNG"></a>SCHLANGENBESCHWÖRUNG<br /> +<br /> +<br /> +Wenn auf dem Markt, sich wiegend, der Beschwörer<br /> +die Kürbisflöte pfeift, die reizt und lullt,<br /> +so kann es sein, daß er sich einen Hörer<br /> +herüberlockt, der ganz aus dem Tumult<br /> +<br /> +der Buden eintritt in den Kreis der Pfeife,<br /> +die will und will und will und die erreicht,<br /> +daß das Reptil in seinem Korb sich steife<br /> +und die das steife schmeichlerisch erweicht,<br /> +<br /> +abwechselnd immer schwindelnder und blinder<br /> +mit dem, was schreckt und streckt, und dem, was löst—;<br /> +und dann genügt ein Blick: so hat der Inder<br /> +dir eine Fremde eingeflößt,<br /> +<br /> +in der du stirbst. Es ist, als überstürze<br /> +glühender Himmel dich. Es geht ein Sprung<br /> +durch dein Gesicht. Es legen sich Gewürze<br /> +auf deine nordische Erinnerung,<br /> +<br /> +die dir nichts hilft. Dich feien keine Kräfte,<br /> +die Sonne gärt, das Fieber fällt und trifft;<br /> +von böser Freude steilen sich die Schäfte,<br /> +und in den Schlangen glänzt das Gift.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SCHWARZE_KATZE" id="SCHWARZE_KATZE"></a>SCHWARZE KATZE<br /> +<br /> +<br /> +Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,<br /> +dran dein Blick mit einem Klange stößt;<br /> +aber da an diesem schwarzen Felle<br /> +wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:<br /> +<br /> +wie ein Tobender, wenn er in vollster<br /> +Raserei ins Schwarze stampft,<br /> +jählings am benehmenden Gepolster<br /> +einer Zelle aufhört und verdampft.<br /> +<br /> +Alle Blicke, die sie jemals trafen,<br /> +scheint sie also an sich zu verhehlen,<br /> +um darüber drohend und verdrossen<br /> +zuzuschauern und damit zu schlafen.<br /> +Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,<br /> +ihr Gesicht und mitten in das deine:<br /> +und da triffst du deinen Blick im geelen<br /> +Amber ihrer runden Augensteine<br /> +unerwartet wieder: eingeschlossen<br /> +wie ein ausgestorbenes Insekt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="VOR-OSTERN" id="VOR-OSTERN"></a>VOR-OSTERN<br /> +<br /> +NEAPEL<br /> +<br /> +<br /> +Morgen wird in diesen tiefgekerbten<br /> +Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen<br /> +unten dunkel nach dem Hafen drängen,<br /> +hell das Gold der Prozessionen rollen;<br /> +statt der Fetzen werden die ererbten<br /> +Bettbezüge, welche wehen wollen,<br /> +von den immer höheren Balkonen<br /> +(wie in Fließendem gespiegelt) hängen.<br /> +<br /> +Aber heute hämmert an den Klopfern<br /> +jeden Augenblick ein voll Bepackter,<br /> +und sie schleppen immer neue Käufe;<br /> +dennoch stehen strotzend noch die Stände.<br /> +An der Ecke zeigt ein aufgehackter<br /> +Ochse seine frischen Innenwände,<br /> +und in Fähnchen enden alle Läufe.<br /> +Und ein Vorrat wie von tausend Opfern<br /> +<br /> +drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke,<br /> +zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer<br /> +aller Türen, und vor dem Gegähne<br /> +der Melonen strecken sich die Brote.<br /> +Voller Gier und Handlung ist das Tote;<br /> +doch viel stiller sind die jungen Hähne<br /> +und die abgehängten Ziegenböcke<br /> +und am allerleisesten die Lämmer,<br /> +<br /> +die die Knaben um die Schultern nehmen<br /> +und die willig von den Schritten nicken;<br /> +während in der Mauer der verglasten<br /> +spanischen Madonna die Agraffe<br /> +und das Silber in den Diademen<br /> +von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter<br /> +schimmert. Aber drüber in dem Fenster<br /> +zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe<br /> +und führt rasch in einer angemaßten<br /> +Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_BALKON" id="DER_BALKON"></a>DER BALKON<br /> +<br /> +NEAPEL<br /> +<br /> +<br /> +Von der Enge, oben, des Balkones<br /> +angeordnet wie von einem Maler<br /> +und gebunden wie zu einem Strauß<br /> +alternder Gesichter und ovaler,<br /> +klar im Abend, sehn sie idealer,<br /> +rührender und wie für immer aus.<br /> +<br /> +Diese aneinander angelehnten<br /> +Schwestern, die, als ob sie sich von weit<br /> +ohne Aussicht nacheinander sehnten,<br /> +lehnen, Einsamkeit an Einsamkeit;<br /> +<br /> +und der Bruder mit dem feierlichen<br /> +Schweigen, zugeschlossen, voll Geschick,<br /> +doch von einem sanften Augenblick<br /> +mit der Mutter unbemerkt verglichen;<br /> +<br /> +und dazwischen, abgelebt und länglich,<br /> +längst mit keinem mehr verwandt,<br /> +einer Greisin Maske, unzugänglich,<br /> +wie im Fallen von der einen Hand<br /> +aufgehalten, während eine zweite,<br /> +welkere, als ob sie weitergleite,<br /> +unten vor den Kleidern hängt zur Seite<br /> +<br /> +von dem Kinder-Angesicht,<br /> +das das Letzte ist, versucht, verblichen,<br /> +von den Stäben wieder durchgestrichen<br /> +wie noch unbestimmbar, wie noch nicht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="AUSWANDERER-SCHIFF" id="AUSWANDERER-SCHIFF"></a>AUSWANDERER-SCHIFF<br /> +<br /> +NEAPEL<br /> +<br /> +Denk, daß einer heiß und glühend flüchte,<br /> +und die Sieger wären hinterher,<br /> +und auf einmal machte der<br /> +Flüchtende kurz, unerwartet, Kehr<br /> +gegen Hunderte—: so sehr<br /> +warf sich das Erglühende der Früchte<br /> +immer wieder an das blaue Meer,<br /> +<br /> +als das langsame Orangenboot<br /> +sie vorübertrug bis an das große<br /> +graue Schiff, zu dem, von Stoß zu Stoße,<br /> +andre Boote Fische hoben, Brot,—<br /> +während es voll Flohn in seinem Schöße<br /> +Kohlen aufnahm, offen wie der Tod.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="LANDSCHAFT" id="LANDSCHAFT"></a>LANDSCHAFT<br /> +<br /> +<br /> +Wie zuletzt, in einem Augenblick<br /> +aufgehäuft aus Hängen, Häusern, Stücken<br /> +alter Himmel und zerbrochnen Brücken,<br /> +und von drüben her, wie vom Geschick,<br /> +von dem Sonnenuntergang getroffen,<br /> +angeschuldigt, aufgerissen, offen—<br /> +ginge dort die Ortschaft tragisch aus:<br /> +<br /> +fiele nicht auf einmal in das Wunde,<br /> +drin zerfließend, aus der nächsten Stunde<br /> +jener Tropfen kühlen Blaus,<br /> +der die Nacht schon in den Abend mischt,<br /> +so daß das von ferne Angefachte<br /> +sachte, wie erlöst, erlischt.<br /> +<br /> +Ruhig sind die Tore und die Bogen,<br /> +durchsichtige Wolken wogen<br /> +über blassen Häuserreihn,<br /> +die schon Dunkel in sich eingesogen;<br /> +aber plötzlich ist vom Mond ein Schein<br /> +durchgeglitten, licht, als hätte ein<br /> +Erzengel irgendwo sein Schwert gezogen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="ROMISCHE_CAMPAGNA" id="ROMISCHE_CAMPAGNA"></a>RÖMISCHE CAMPAGNA<br /> +<br /> +<br /> +Aus der vollgestellten Stadt, die lieber<br /> +schliefe, träumend von den hohen Thermen,<br /> +geht der grade Gräberweg ins Fieber;<br /> +und die Fenster in den letzten Fermen<br /> +<br /> +sehn ihm nach mit einem bösen Blick.<br /> +Und er hat sie immer im Genick,<br /> +wenn er hingeht, rechts und links zerstörend,<br /> +bis er draußen atemlos beschwörend<br /> +<br /> +seine Leere zu den Himmeln hebt,<br /> +hastig um sich schauend, ob ihn keine<br /> +Fenster treffen. Während er den weiten<br /> +<br /> +Aquädukten zuwinkt herzuschreiten,<br /> +geben ihm die Himmel für die seine<br /> +ihre Leere, die ihn überlebt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="LIED_VOM_MEER" id="LIED_VOM_MEER"></a>LIED VOM MEER<br /> +<br /> +CAPRI. PICCOLA MARINA<br /> +<br /> +<br /> +Uraltes Wehn vom Meer,<br /> +Meerwind bei Nacht:<br /> +du kommst zu keinem her;<br /> +wenn einer wacht,<br /> +so muß er sehn, wie er<br /> +dich übersteht:<br /> +uraltes Wehn vom Meer,<br /> +welches weht<br /> +nur wie für Urgestein,<br /> +lauter Raum<br /> +reißend von weit herein.<br /> +<br /> +O wie fühlt dich ein<br /> +treibender Feigenbaum<br /> +oben im Mondschein.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="NACHTLICHE_FAHRT" id="NACHTLICHE_FAHRT"></a>NÄCHTLICHE FAHRT<br /> +<br /> +SANKT PETERSBURG<br /> +<br /> +<br /> +Damals als wir mit den glatten Trabern<br /> +(schwarzen, aus dem Orloffschen Gestüt)—,<br /> +während hinter hohen Kandelabern<br /> +Stadtnachtfronten lagen, angefrüht<br /> +stumm und keiner Stunde mehr gemäß—,<br /> +fuhren, nein: vergingen oder flogen<br /> +und um lastende Paläste bogen<br /> +in das Wehn der Newa-Quais,<br /> +<br /> +hingerissen durch das wache Nachten,<br /> +das nicht Himmel und nicht Erde hat,—<br /> +als das Drängende von unbewachten<br /> +Gärten gärend aus dem Ljetnij-Ssad<br /> +aufstieg, während seine Steinfiguren<br /> +schwindend mit ohnmächtigen Konturen<br /> +hinter uns vergingen, wie wir fuhren—:<br /> +<br /> +damals hörte diese Stadt<br /> +auf zu sein. Auf einmal gab sie zu,<br /> +daß sie niemals war, um nichts als Ruh<br /> +flehend; wie ein Irrer, dem das Wirrn<br /> +plötzlich sich entwirrt, das ihn verriet,<br /> +<br /> +und der einen jahrelangen kranken<br /> +gar nicht zu verwandelnden Gedanken,<br /> +den er nie mehr denken muß: Granit—<br /> +aus dem leeren schwankenden Gehirn<br /> +fallen fühlt, bis man ihn nicht mehr sieht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="PAPAGEIENPARK" id="PAPAGEIENPARK"></a>PAPAGEIENPARK<br /> +<br /> +PARIS<br /> +<br /> +<br /> +Unter türkischen Linden, die blühen, an Rasenrändern,<br /> +in leise von ihrem Heimweh geschaukelten Ständern<br /> +atmen die Ära und wissen von ihren Ländern,<br /> +die sich, auch wenn sie nicht hinsehn, nicht verändern.<br /> +<br /> +Fremd im beschäftigten Grünen wie eine Parade,<br /> +zieren sie sich und fühlen sich selber zu schade,<br /> +und mit den kostbaren Schnäbeln aus Jaspis und Jade<br /> +kauen sie Graues, verschleudern es, finden es fade.<br /> +<br /> +Unten klauben die duffen Tauben, was sie nicht mögen,<br /> +während sich oben die höhnischen Vögel verbeugen<br /> +zwischen den beiden fast leeren vergeudeten Trögen.<br /> +<br /> +Aber dann wiegen sie wieder und schläfern und äugen,<br /> +spielen mit dunkelen Zungen, die gerne lögen,<br /> +zerstreut an den Fußfesselringen. Warten auf Zeugen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_PARKE" id="DIE_PARKE"></a>DIE PARKE<br /> +<br /> +<br /> +I<br /> +<br /> +<br /> +Unaufhaltsam heben sich die Parke<br /> +aus dem sanft zerfallenden Vergehn;<br /> +überhäuft mit Himmeln, überstarke<br /> +Überlieferte, die überstehn,<br /> +<br /> +um sich auf den klaren Rasenplänen<br /> +auszubreiten und zurückzuziehn,<br /> +immer mit demselben souveränen<br /> +Aufwand, wie beschützt durch ihn,<br /> +<br /> +und den unerschöpflichen Erlös<br /> +königlicher Größe noch vermehrend,<br /> +aus sich steigend, in sich wiederkehrend:<br /> +huldvoll, prunkend, purpurn und pompös.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +II<br /> +<br /> +<br /> +Leise von den Alleen<br /> +ergriffen, rechts und links,<br /> +folgend dem Weitergehen<br /> +irgendeines Winks,<br /> +<br /> +trittst du mit einem Male<br /> +in das Beisammensein<br /> +einer schattigen Wasserschale<br /> +mit vier Bänken aus Stein;<br /> +<br /> +in eine abgetrennte<br /> +Zeit, die allein vergeht.<br /> +Auf feuchte Postamente,<br /> +auf denen nichts mehr steht,<br /> +<br /> +hebst du einen tiefen<br /> +erwartenden Atemzug;<br /> +während das silberne Triefen<br /> +vor dem dunkeln Bug<br /> +<br /> +dich schon zu den Seinen<br /> +zählt und weiterspricht.<br /> +Und du fühlst dich unter Steinen,<br /> +die hören, und rührst dich nicht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +III<br /> +<br /> +<br /> +Den Teichen und den eingerahmten Weihern<br /> +verheimlicht man noch immer das Verhör<br /> +der Könige. Sie warten unter Schleiern,<br /> +und jeden Augenblick kann Monseigneur<br /> +<br /> +vorüberkommen; und dann wollen sie<br /> +des Königs Laune oder Trauer mildern<br /> +und von den Marmorrändern wieder die<br /> +Teppiche mit alten Spiegelbildern<br /> +<br /> +hinunterhängen, wie um einen Platz:<br /> +auf grünem Grund, mit Silber, Rosa, Grau,<br /> +gewährtem Weiß und leicht gerührtem Blau<br /> +und einem Könige und einer Frau<br /> +und Blumen in dem wellenden Besatz.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +IV<br /> +<br /> +<br /> +Und Natur, erlaucht und als verletze<br /> +sie nur unentschloßnes Ungefähr,<br /> +nahm von diesen Königen Gesetze,<br /> +selber selig, um den Tapis-vert<br /> +<br /> +ihrer Bäume Traum und Übertreibung<br /> +aufzutürmen aus gebauschtem Grün<br /> +und die Abende nach der Beschreibung<br /> +von Verliebten in die Avenün<br /> +<br /> +einzumalen mit dem weichen Pinsel,<br /> +der ein firnisklares aufgelöstes<br /> +Lächeln glänzend zu enthalten schien:<br /> +<br /> +der Natur ein liebes, nicht ihr größtes,<br /> +aber eines, das sie selbst verliehn,<br /> +um auf rosenvoller Liebes-Insel<br /> +es zu einem größern aufzuziehn.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +V<br /> +<br /> +<br /> +Götter von Alleen und Altanen,<br /> +niemals ganzgeglaubte Götter, die<br /> +altern in den gradbesehnittnen Bahnen,<br /> +höchstens angelächelte Dianen,<br /> +wenn die königliche Venerie<br /> +<br /> +wie ein Wind die hohen Morgen teilend<br /> +aufbrach, übereilt und übereilend—;<br /> +höchstens angelächelte, doch nie<br /> +<br /> +angeflehte Götter. Elegante<br /> +Pseudonyme, unter denen man<br /> +sich verbarg und blühte oder brannte,—<br /> +leichtgeneigte, lächelnd angewandte<br /> +Götter, die noch manchmal dann und wann<br /> +<br /> +das gewähren, was sie einst gewährten,<br /> +wenn das Blühen der entzückten Gärten<br /> +ihnen ihre kalte Haltung nimmt;<br /> +wenn sie ganz von ersten Schatten beben<br /> +und Versprechen um Versprechen geben,<br /> +alle unbegrenzt und unbestimmt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +VI<br /> +<br /> +<br /> +Fühlst du, wie keiner von allen<br /> +Wegen steht und stockt;<br /> +von gelassenen Treppen fallen,<br /> +durch ein Nichts von Neigung<br /> +leise weitergelockt,<br /> +über alle Terrassen<br /> +die Wege, zwischen den Massen<br /> +verlangsamt und gelenkt,<br /> +bis zu den weiten Teichen,<br /> +wo sie (wie einem Gleichen)<br /> +der reiche Park verschenkt<br /> +<br /> +an den reichen Raum: den Einen,<br /> +der mit Scheinen und Widerscheinen<br /> +seinen Besitz durchdringt,<br /> +aus dem er von allen Seiten<br /> +Weiten mit sich bringt,<br /> +wenn er aus schließenden Weihern<br /> +zu wolkigen Abendfeiern<br /> +sich in die Himmel schwingt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +VII<br /> +<br /> +<br /> +Aber Schalen sind, drin der Najaden<br /> +Spiegelbilder, die sie nicht mehr baden,<br /> +wie ertrunken liegen, sehr verzerrt;<br /> +die Alleen sind durch Balustraden<br /> +in der Ferne wie versperrt.<br /> +<br /> +Immer geht ein feuchter Blätterfall<br /> +durch die Luft hinunter wie auf Stufen,<br /> +jeder Vogelruf ist wie verrufen,<br /> +wie vergiftet jede Nachtigall.<br /> +<br /> +Selbst der Frühling ist da nicht mehr gebend,<br /> +diese Büsche glauben nicht an ihn;<br /> +ungern duftet trübe, überlebend<br /> +abgestandener Jasmin<br /> +<br /> +alt und mit Zerfallendem vermischt.<br /> +Mit dir weiter rückt ein Bündel Mücken,<br /> +so als würde hinter deinem Rücken<br /> +alles gleich vernichtet und verwischt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="BILDNIS" id="BILDNIS"></a>BILDNIS<br /> +<br /> +<br /> +Daß von dem verzichtenden Gesichte<br /> +keiner ihrer großen Schmerzen fiele,<br /> +trägt sie langsam durch die Trauerspiele<br /> +ihrer Züge schönen welken Strauß,<br /> +wild gebunden und schon beinah lose;<br /> +manchmal fällt, wie eine Tuberose,<br /> +ein verlornes Lächeln müd heraus.<br /> +<br /> +Und sie geht gelassen drüber hin,<br /> +müde, mit den schönen blinden Händen,<br /> +welche wissen, daß sie es nicht fänden,<br /> +<br /> +und sie sagt Erdichtetes, darin<br /> +Schicksal schwankt, gewolltes, irgendeines,<br /> +und sie gibt ihm ihrer Seele Sinn,<br /> +daß es ausbricht wie ein Ungemeines:<br /> +wie das Schreien eines Steines—<br /> +<br /> +und sie läßt mit hochgehobnem Kinn<br /> +alle diese Worte wieder fallen,<br /> +ohne bleibend; denn nicht eins von allen<br /> +ist der wehen Wirklichkeit gemäß,<br /> +ihrem einzigen Eigentum,<br /> +das sie wie ein fußloses Gefäß<br /> +halten muß, hoch über ihren Ruhm<br /> +und den Gang der Abende hinaus.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="VENEZIANISCHER_MORGEN" id="VENEZIANISCHER_MORGEN"></a>VENEZIANISCHER MORGEN<br /> +<br /> +RICHARD BEER-HOFMANN ZUGEEIGNET<br /> +<br /> +<br /> +Fürstlich verwöhnte Fenster sehen immer,<br /> +was manchesmal uns zu bemühn geruht:<br /> +die Stadt, die immer wieder, wo ein Schimmer<br /> +von Himmel trifft auf ein Gefühl von Flut,<br /> +<br /> +sich bildet, ohne irgendwann zu sein.<br /> +Ein jeder Morgen muß ihr die Opale<br /> +erst zeigen, die sie gestern trug, und Reihn<br /> +von Spiegelbildern ziehn aus dem Kanale,<br /> +und sie erinnern an die andern Male:<br /> +dann gibt sie sich erst zu und fällt sich ein<br /> +<br /> +wie eine Nymphe, die den Zeus empfing.<br /> +Das Ohrgehäng erklingt an ihrem Ohre;<br /> +sie aber hebt San Giorgio Maggiore<br /> +und lächelt lässig in das schöne Ding.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SPATHERBST_IN_VENEDIG" id="SPATHERBST_IN_VENEDIG"></a>SPÄTHERBST IN VENEDIG<br /> +<br /> +<br /> +Nun treibt die Stadt schon nicht mehr wie ein Köder,<br /> +der alle aufgetauchten Tage fängt.<br /> +Die gläsernen Paläste klingen spröder<br /> +an deinen Blick. Und aus den Gärten hängt<br /> +<br /> +der Sommer wie ein Haufen Marionetten<br /> +kopfüber, müde, umgebracht.<br /> +Aber vom Grund aus alten Waldskeletten<br /> +steigt Willen auf: als sollte über Nacht<br /> +<br /> +der General des Meeres die Galeeren<br /> +verdoppeln in dem wachen Arsenal,<br /> +um schon die nächste Morgenluft zu teeren<br /> +<br /> +mit einer Flotte, welche ruderschlagend<br /> +sich drängt und jäh, mit allen Flaggen tagend,<br /> +den großen Wind hat, strahlend und fatal.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SAN_MARCO" id="SAN_MARCO"></a>SAN MARCO<br /> +<br /> +VENEDIG<br /> +<br /> +<br /> +In diesem Innern, das wie ausgehöhlt<br /> +sich wölbt und wendet in die goldnen Smalten,<br /> +rundkantig, glatt, mit Köstlichkeit geölt,<br /> +ward dieses Staates Dunkelheit gehalten<br /> +<br /> +und heimlich aufgehäuft, als Gleichgewicht<br /> +des Lichtes, das in allen seinen Dingen<br /> +sich so vermehrte, daß sie fast vergingen.<br /> +Und plötzlich zweifelst du: vergehn sie nicht?<br /> +<br /> +und drängst zurück die harte Galerie,<br /> +die wie ein Gang im Bergwerk nah am Glanz<br /> +der Wölbung hängt; und du erkennst die heile<br /> +<br /> +Helle des Ausblicks: aber irgendwie<br /> +wehmütig messend ihre müde Weile<br /> +am nahen Überstehn des Viergespanns.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="EIN_DOGE" id="EIN_DOGE"></a>EIN DOGE<br /> +<br /> +<br /> +Fremde Gesandte sahen, wie sie geizten<br /> +mit ihm und allem, was er tat;<br /> +während sie ihn zu seiner Größe reizten,<br /> +umstellten sie das goldene Dogat<br /> +<br /> +mit Spähern und Beschränkern immer mehr,<br /> +bange, daß nicht die Macht sie überfällt,<br /> +die sie in ihm (so wie man Löwen hält)<br /> +vorsichtig nährten. Aber er,<br /> +<br /> +im Schutze seiner halbverhängten Sinne,<br /> +ward dessen nicht gewahr und hielt nicht inne,<br /> +größer zu werden. Was die Signorie<br /> +<br /> +in seinem Innern zu bezwingen glaubte,<br /> +bezwang er selbst. In seinem greisen Haupte<br /> +war es besiegt. Sein Antlitz zeigte wie.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_LAUTE" id="DIE_LAUTE"></a>DIE LAUTE<br /> +<br /> +<br /> +Ich bin die Laute. Willst du meinen Leib<br /> +beschreiben, seine schön gewölbten Streifen:<br /> +sprich so, als sprächest du von einer reifen<br /> +gewölbten Feige. Übertreib<br /> +<br /> +das Dunkel, das du in mir siehst. Es war<br /> +Tullias Dunkelheit. In ihrer Scham<br /> +war nicht so viel, und ihr erhelltes Haar<br /> +war wie ein heller Saal. Zuweilen nahm<br /> +<br /> +sie etwas Klang von meiner Oberfläche<br /> +in ihr Gesicht und sang zu mir.<br /> +Dann spannte ich mich gegen ihre Schwäche,<br /> +und endlich war mein Inneres in ihr.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_ABENTEURER" id="DER_ABENTEURER"></a>DER ABENTEURER<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +I<br /> +<br /> +<br /> +Wenn er unter jene, welche waren,<br /> +trat: der Plötzliche, der schien,<br /> +war ein Glanz wie von Gefahren<br /> +in dem ausgesparten Raum um ihn,<br /> +<br /> +den er lächelnd überschritt, um einer<br /> +Herzogin den Fächer aufzuheben:<br /> +diesen warmen Fächer, den er eben<br /> +wollte fallen sehen. Und wenn keiner<br /> +<br /> +mit ihm eintrat in die Fensternische<br /> +(wo die Parke gleich ins Träumerische<br /> +stiegen, wenn er nur nach ihnen wies),<br /> +ging er lässig an die Kartentische<br /> +und gewann. Und unterließ<br /> +<br /> +nicht, die Blicke alle zu behalten,<br /> +die ihn zweifelnd oder zärtlich trafen,<br /> +und auch die in Spiegel fielen, galten.<br /> +Er beschloß, auch heute nicht zu schlafen,<br /> +<br /> +wie die letzte lange Nacht, und bog<br /> +einen Blick mit seinem rücksichtslosen,<br /> +welcher war: als hätte er von Rosen<br /> +Kinder, die man irgendwo erzog.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +II<br /> +<br /> +<br /> +In den Tagen—(nein, es waren keine),<br /> +da die Flut sein unterstes Verlies<br /> +ihm bestritt, als war es nicht das seine,<br /> +und ihn, steigend, an die Steine<br /> +der daran gewöhnten Wölbung stieß,<br /> +<br /> +fiel ihm plötzlich einer von den Namen<br /> +wieder ein, die er vor Zeiten trug.<br /> +Und er wußte wieder: Leben kamen,<br /> +wenn er lockte; wie im Flug<br /> +<br /> +kamen sie: noch warme Leben Toter,<br /> +die er, ungeduldiger, bedrohter,<br /> +weiterlebte mitten drin;<br /> +oder die nicht ausgelebten Leben,<br /> +und er wußte sie hinaufzuheben,<br /> +und sie hatten wieder Sinn.<br /> +<br /> +Oft war keine Stelle an ihm sicher,<br /> +und er zitterte: Ich bin ——<br /> +doch im nächsten Augenblicke glich er<br /> +dem Geliebten einer Königin.<br /> +<br /> +Immer wieder war ein Sein zu haben:<br /> +die Geschicke angefangner Knaben,<br /> +die, als hätte man sie nicht gewagt,<br /> +abgebrochen waren, abgesagt,<br /> +nahm er auf und riß sie in sich hin;<br /> +denn er mußte einmal nur die Gruft<br /> +solcher Aufgegebener durchschreiten,<br /> +und die Düfte ihrer Möglichkeiten<br /> +lagen wieder in der Luft.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="FALKEN-BEIZE" id="FALKEN-BEIZE"></a>FALKEN-BEIZE<br /> +<br /> +<br /> +Kaiser sein heißt unverwandelt vieles<br /> +überstehen bei geheimer Tat:<br /> +wenn der Kanzler nachts den Turm betrat,<br /> +fand er ihn, des hohen Federspieles<br /> +kühnen fürstlichen Traktat<br /> +<br /> +in den eingeneigten Schreiber sagen;<br /> +denn er hatte im entlegnen Saale<br /> +selber nächtelang und viele Male<br /> +das noch ungewohnte Tier getragen,<br /> +<br /> +wenn es fremd war, neu und aufgebräut.<br /> +Und er hatte dann sich nie gescheut,<br /> +Pläne, welche in ihm aufgesprungen<br /> +oder zärtlicher Erinnerungen<br /> +tieftiefinneres Geläut<br /> +zu verachten, um des bangen jungen<br /> +<br /> +Falken willen, dessen Blut und Sorgen<br /> +zu begreifen er sich nicht erließ.<br /> +Dafür war er auch wie mitgehoben,<br /> +wenn der Vogel, den die Herren loben,<br /> +glänzend von der Hand geworfen, oben<br /> +in dem mitgefühlten Frühlingsmorgen<br /> +wie ein Engel auf den Reiher stieß.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="CORRIDA" id="CORRIDA"></a>CORRIDA<br /> +<br /> +IN MEMORIAM MONTEZ, 1830<br /> +<br /> +<br /> +Seit er, klein beinah, aus dem Toril<br /> +ausbrach, aufgescheuchten Augs und Ohrs,<br /> +und den Eigensinn des Picadors<br /> +und die Bänderhaken wie im Spiel<br /> +<br /> +hinnahm, ist die stürmische Gestalt<br /> +angewachsen—sieh: zu welcher Masse,<br /> +aufgehäuft aus altem schwarzen Hasse,<br /> +und das Haupt zu einer Faust geballt,<br /> +<br /> +nicht mehr spielend gegen irgendwen,<br /> +nein: die blutigen Nackenhaken hissend<br /> +hinter den gefällten Hörnern, wissend<br /> +und von Ewigkeit her gegen den,<br /> +<br /> +der in Gold und mauver Rosaseide<br /> +plötzlich umkehrt und, wie einen Schwärm<br /> +Bienen und als ob er's eben leide,<br /> +den Bestürzten unter seinem Arm<br /> +<br /> +durchläßt,—während seine Blicke heiß<br /> +sich noch einmal heben, leichtgelenkt,<br /> +und als schlüge draußen jener Kreis<br /> +sich aus ihrem Glanz und Dunkel nieder<br /> +und aus jedem Schlagen seiner Lider,<br /> +<br /> +ehe er gleichmütig, ungehässig,<br /> +an sich selbst gelehnt, gelassen, lässig<br /> +in die wiederhergerollte große<br /> +Woge über dem verlornen Stoße<br /> +seinen Degen beinah sanft versenkt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DON_JUANS_KINDHEIT" id="DON_JUANS_KINDHEIT"></a>DON JUANS KINDHEIT<br /> +<br /> +<br /> +In seiner Schlankheit war, schon fast entscheidend,<br /> +der Bogen, der an Frauen nicht zerbricht;<br /> +und manchmal, seine Stirne nicht mehr meidend,<br /> +ging eine Neigung durch sein Angesicht<br /> +<br /> +zu einer, die vorüberkam, zu einer,<br /> +die ihm ein fremdes altes Bild verschloß:<br /> +er lächelte. Er war nicht mehr der Weiner,<br /> +der sich ins Dunkel trug und sich vergoß.<br /> +<br /> +Und während ein ganz neues Selbstvertrauen<br /> +ihn öfter tröstete und fast verzog,<br /> +ertrug er ernst den ganzen Blick der Frauen,<br /> +der ihn bewunderte und ihn bewog.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DON_JUANS_AUSWAHL" id="DON_JUANS_AUSWAHL"></a>DON JUANS AUSWAHL<br /> +<br /> +<br /> +Und der Engel trat ihn an: Bereite<br /> +dich mir ganz. Und da ist mein Gebot.<br /> +Denn daß einer jene überschreite,<br /> +die die Süßesten an ihrer Seite<br /> +bitter machen, tut mir not.<br /> +Zwar auch du kannst wenig besser lieben,<br /> +(unterbrich mich nicht: du irrst),<br /> +doch du glühest, und es steht geschrieben,<br /> +daß du viele führen wirst<br /> +zu der Einsamkeit, die diesen<br /> +tiefen Eingang hat. Laß ein<br /> +die, die ich dir zugewiesen,<br /> +daß sie wachsend Heloïsen<br /> +überstehn und Überschrein.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SANKT_GEORG" id="SANKT_GEORG"></a>SANKT GEORG<br /> +<br /> +<br /> +Und sie hatte ihn die ganze Nacht<br /> +angerufen, hingekniet, die schwache<br /> +wache Jungfrau: Siehe, dieser Drache,<br /> +und ich weiß es nicht, warum er wacht.<br /> +<br /> +Und da brach er aus dem Morgengraun<br /> +auf dem Falben, strahlend Helm und Haubert,<br /> +und er sah sie, traurig und verzaubert<br /> +aus dem Knieen aufwärtsschaun<br /> +<br /> +zu dem Glänze, der er war.<br /> +Und er sprengte glänzend längs der Länder<br /> +abwärts mit erhobnem Doppelhänder<br /> +in die offene Gefahr,<br /> +<br /> +viel zu furchtbar, aber doch erfleht.<br /> +Und sie kniete knieender, die Hände<br /> +fester faltend, daß er sie bestände;<br /> +denn sie wußte nicht, daß der besteht,<br /> +<br /> +den ihr Herz, ihr reines und bereites,<br /> +aus dem Licht des göttlichen Geleites<br /> +niederreißt. Zu Seiten seines Streites<br /> +stand, wie Türme stehen, ihr Gebet.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAME_AUF_EINEM_BALKON" id="DAME_AUF_EINEM_BALKON"></a>DAME AUF EINEM BALKON<br /> +<br /> +<br /> +Plötzlich tritt sie, in den Wind gehüllt,<br /> +licht in Lichtes, wie herausgegriffen,<br /> +während jetzt die Stube wie geschliffen<br /> +hinter ihr die Türe füllt<br /> +<br /> +dunkel wie der Grund einer Kamee,<br /> +die ein Schimmern durchläßt durch die Ränder;<br /> +und du meinst, der Abend war nicht, ehe<br /> +sie heraustrat, um auf das Geländer<br /> +<br /> +noch ein wenig von sich fortzulegen,<br /> +noch die Hände,—um ganz leicht zu sein:<br /> +wie dem Himmel von den Häuserreihn<br /> +hingereicht, von allem zu bewegen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="BEGEGNUNG_IN_DER_KASTANIEN-ALLEE" id="BEGEGNUNG_IN_DER_KASTANIEN-ALLEE"></a>BEGEGNUNG IN DER KASTANIEN-ALLEE<br /> +<br /> +<br /> +Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit<br /> +kühl wie ein Seidenmantel umgegeben,<br /> +den er noch nahm und ordnete: als eben<br /> +am andern transparenten Ende, weit,<br /> +<br /> +aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,<br /> +weiß eine einzelne Gestalt<br /> +aufleuchtete, um lange fern zu bleiben<br /> +und schließlich, von dem Lichterniedertreiben<br /> +bei jedem Schritte überwallt,<br /> +<br /> +ein helles Wechseln auf sich herzutragen,<br /> +das scheu im Blond nach hinten lief.<br /> +Aber auf einmal war der Schatten tief,<br /> +und nahe Augen lagen aufgeschlagen<br /> +<br /> +in einem neuen deutlichen Gesicht,<br /> +das wie in einem Bildnis verweilte<br /> +in dem Moment, da man sich wieder teilte:<br /> +erst war es immer, und dann war es nicht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_SCHWESTERN" id="DIE_SCHWESTERN"></a>DIE SCHWESTERN<br /> +<br /> +<br /> +Sieh, wie sie dieselben Möglichkeiten<br /> +anders an sich tragen und verstehn,<br /> +so als sähe man verschiedne Zeiten<br /> +durch zwei gleiche Zimmer gehn.<br /> +<br /> +Jede meint die andere zu stützen,<br /> +während sie doch müde an ihr ruht;<br /> +und sie können nicht einander nützen,<br /> +denn sie legen Blut auf Blut,<br /> +<br /> +wenn sie sich wie früher sanft berühren<br /> +und versuchen, die Allee entlang<br /> +sich geführt zu fühlen und zu führen:<br /> +ach, sie haben nicht denselben Gang.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="UBUNG_AM_KLAVIER" id="UBUNG_AM_KLAVIER"></a>ÜBUNG AM KLAVIER<br /> +<br /> +<br /> +Der Sommer summt. Der Nachmittag macht müde;<br /> +sie atmete verwirrt ihr frisches Kleid<br /> +und legte in die triftige Etüde<br /> +die Ungeduld nach einer Wirklichkeit,<br /> +<br /> +die kommen konnte morgen, heute abend,<br /> +die vielleicht da war, die man nur verbarg;<br /> +und vor den Fenstern, hoch und alles habend,<br /> +empfand sie plötzlich den verwöhnten Park.<br /> +<br /> +Da brach sie ab; schaute hinaus, verschränkte<br /> +die Hände, wünschte sich ein langes Buch<br /> +und schob auf einmal den Jasmingeruch<br /> +erzürnt zurück. Sie fand, daß er sie kränkte.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_LIEBENDE" id="DIE_LIEBENDE"></a>DIE LIEBENDE<br /> +<br /> +<br /> +Das ist mein Fenster. Eben<br /> +bin ich so sanft erwacht.<br /> +Ich dachte, ich würde schweben.<br /> +Bis wohin reicht mein Leben,<br /> +und wo beginnt die Nacht?<br /> +<br /> +Ich könnte meinen, alles<br /> +wäre noch ich ringsum;<br /> +durchsichtig wie eines Kristalles<br /> +Tiefe, verdunkelt, stumm.<br /> +<br /> +Ich könnte auch noch die Sterne<br /> +fassen in mir; so groß<br /> +scheint mir mein Herz; so gerne<br /> +ließ es ihn wieder los,<br /> +<br /> +den ich vielleicht zu lieben,<br /> +vielleicht zu halten begann.<br /> +Fremd wie niebeschrieben<br /> +sieht mich mein Schicksal an.<br /> +<br /> +Was bin ich unter diese<br /> +Unendlichkeit gelegt,<br /> +duftend wie eine Wiese,<br /> +hin und her bewegt,<br /> +<br /> +rufend zugleich und bange,<br /> +daß einer den Ruf vernimmt,<br /> +und zum Untergange<br /> +in einem andern bestimmt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAS_ROSENINNERE" id="DAS_ROSENINNERE"></a>DAS ROSENINNERE<br /> +<br /> +<br /> +Wo ist zu diesem Innen<br /> +ein Außen? Auf welches Weh<br /> +legt man solches Linnen?<br /> +Welche Himmel spiegeln sich drinnen<br /> +in dem Binnensee<br /> +dieser offenen Rosen,<br /> +dieser sorglosen, sieh:<br /> +wie sie lose im Losen<br /> +liegen, als könnte nie<br /> +eine zitternde Hand sie verschütten.<br /> +Sie können sich selber kaum<br /> +halten; viele ließen<br /> +sich überfüllen und fließen<br /> +über von Innenraum<br /> +in die Tage, die immer<br /> +voller und voller sich schließen,<br /> +bis der ganze Sommer ein Zimmer<br /> +wird, ein Zimmer in einem Traum.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAMEN-BILDNIS_AUS_DEN_ACHTZIGER_JAHREN" id="DAMEN-BILDNIS_AUS_DEN_ACHTZIGER_JAHREN"></a>DAMEN-BILDNIS AUS DEN ACHTZIGER JAHREN<br /> +<br /> +<br /> +Wartend stand sie an den schwergerafften<br /> +dunklen Atlasdraperien,<br /> +die ein Aufwand falscher Leidenschaften<br /> +über ihr zu ballen schien;<br /> +<br /> +seit den noch so nahen Mädchenjahren<br /> +wie mit einer anderen vertauscht:<br /> +müde unter den getürmten Haaren,<br /> +in den Rüschen-Roben unerfahren<br /> +und von allen Falten wie belauscht<br /> +<br /> +bei dem Heimweh und dem schwachen Planen,<br /> +wie das Leben weiter werden soll:<br /> +anders, wirklicher, wie in Romanen,<br /> +hingerissen und verhängnisvoll,—<br /> +<br /> +daß man etwas erst in die Schatullen<br /> +legen dürfte, um sich im Geruch<br /> +von Erinnerungen einzulullen;<br /> +daß man endlich in dem Tagebuch<br /> +<br /> +einen Anfang fände, der nicht schon<br /> +unterm Schreiben sinnlos wird und Lüge,<br /> +und ein Blatt von einer Rose trüge<br /> +in dem schweren leeren Medaillon,<br /> +<br /> +welches liegt auf jedem Atemzug.<br /> +Daß man einmal durch das Fenster winkte<br /> +diese schlanke Hand, die neuberingte,<br /> +hätte dran für Monate genug.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAME_VOR_DEM_SPIEGEL" id="DAME_VOR_DEM_SPIEGEL"></a>DAME VOR DEM SPIEGEL<br /> +<br /> +<br /> +Wie in einem Schlaftrunk Spezerein,<br /> +löst sie leise in dem flüssigklaren<br /> +Spiegel ihr ermüdetes Gebaren;<br /> +und sie tut ihr Lächeln ganz hinein.<br /> +<br /> +Und sie wartet, daß die Flüssigkeit<br /> +davon steigt; dann gießt sie ihre Haare<br /> +in den Spiegel und, die wunderbare<br /> +Schulter hebend aus dem Abendkleid,<br /> +<br /> +trinkt sie still aus ihrem Bild. Sie trinkt,<br /> +was ein Liebender im Taumel tränke,<br /> +prüfend, voller Mißtraun; und sie winkt<br /> +<br /> +erst der Zofe, wenn sie auf dem Grunde<br /> +ihres Spiegels Lichter findet, Schränke<br /> +und das Trübe einer späten Stunde.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_GREISIN" id="DIE_GREISIN"></a>DIE GREISIN<br /> +<br /> +<br /> +Weiße Freundinnen mitten im Heute<br /> +lachen und horchen und planen für morgen<br /> +abseits erwägen gelassene Leute<br /> +langsam ihre besonderen Sorgen,<br /> +<br /> +das Warum und das Wann und das Wie,<br /> +und man hört sie sagen: Ich glaube—;<br /> +aber in ihrer Spitzenhaube<br /> +ist sie sicher, als wüßte sie,<br /> +<br /> +daß sie sich irren, diese und alle.<br /> +Und das Kinn, im Niederfalle,<br /> +lehnt sich an die weiße Koralle,<br /> +die den Schal zur Stirne stimmt.<br /> +<br /> +Einmal aber, bei einem Gelache,<br /> +holt sie aus springenden Lidern zwei wache<br /> +Blicke und zeigt diese harte Sache,<br /> +wie man aus einem geheimen Fache<br /> +schöne ererbte Steine nimmt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAS_BETT" id="DAS_BETT"></a>DAS BETT<br /> +<br /> +<br /> +Laß sie meinen, daß sich in privater<br /> +Wehmut löst, was einer dort bestritt.<br /> +Nirgend sonst als da ist ein Theater;<br /> +reiß den hohen Vorhang fort—; da tritt<br /> +<br /> +vor den Chor der Nächte, der begann<br /> +ein unendlich breites Lied zu sagen,<br /> +jene Stunde auf, bei der sie lagen,<br /> +und zerreißt ihr Kleid und klagt sich an,<br /> +<br /> +um der andern, um der Stunde willen,<br /> +die sich wehrt und wälzt im Hintergrunde;<br /> +denn sie konnte sie mit sich nicht stillen.<br /> +Aber da sie zu der fremden Stunde<br /> +<br /> +sich gebeugt: da war auf ihr,<br /> +was sie am Geliebten einst gefunden,<br /> +nur so drohend und so groß verbunden<br /> +und entzogen wie in einem Tier.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_FREMDE" id="DER_FREMDE"></a>DER FREMDE<br /> +<br /> +<br /> +Ohne Sorgfalt, was die Nächsten dächten,<br /> +die er müde nicht mehr fragen hieß,<br /> +ging er wieder fort; verlor, verließ—.<br /> +Denn er hing an solchen Reisenächten<br /> +<br /> +anders als an jeder Liebesnacht.<br /> +Wunderbare hatte er durchwacht,<br /> +die mit starken Sternen überzogen<br /> +enge Fernen auseinanderbogen<br /> +und sich wandelten wie eine Schlacht;<br /> +<br /> +andre, die mit in den Mond gestreuten<br /> +Dörfern, wie mit hingehaltnen Beuten,<br /> +sich ergaben, oder durch geschonte<br /> +Parke graue Edelsitze zeigten,<br /> +die er gerne in dem hingeneigten<br /> +Haupte einen Augenblick bewohnte,<br /> +tiefer wissend, daß man nirgends bleibt;<br /> +und schon sah er bei dem nächsten Biegen<br /> +wieder Wege, Brücken, Länder liegen<br /> +bis an Städte, die man übertreibt.<br /> +<br /> +Und dies alles immer unbegehrend<br /> +hinzulassen, schien ihm mehr als seines<br /> +Lebens Lust, Besitz und Ruhm.<br /> +Doch auf fremden Plätzen war ihm eines<br /> +täglich ausgetretnen Brunnensteines<br /> +Mulde manchmal wie ein Eigentum.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_ANFAHRT" id="DIE_ANFAHRT"></a>DIE ANFAHRT<br /> +<br /> +<br /> +War in des Wagens Wendung dieser Schwung?<br /> +War er im Blick, mit dem man die barocken<br /> +Engelfiguren, die bei blauen Glocken<br /> +im Felde standen voll Erinnerung,<br /> +<br /> +annahm und hielt und wieder ließ, bevor<br /> +der Schloßpark schließend um die Fahrt sich drängte,<br /> +an die er streifte, die er überhängte<br /> +und plötzlich freigab: denn da war das Tor,<br /> +<br /> +das nun, als hätte es sie angerufen,<br /> +die lange Front zu einer Schwenkung zwang,<br /> +nach der sie stand. Aufglänzend ging ein Gleiten<br /> +die Glastür abwärts; und ein Windhund drang<br /> +aus ihrem Aufgehn, seine nahen Seiten<br /> +heruntertragend von den flachen Stufen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_SONNENUHR" id="DIE_SONNENUHR"></a>DIE SONNENUHR<br /> +<br /> +<br /> +Selten reicht ein Schauer feuchter Fäule<br /> +aus dem Gartenschatten, wo einander<br /> +Tropfen fallen hören und ein Wander-<br /> +vogel lautet, zu der Säule,<br /> +die in Majoran und Koriander<br /> +steht und Sommerstunden zeigt;<br /> +<br /> +nur sobald die Dame (der ein Diener<br /> +nachfolgt) in dem hellen Florentiner<br /> +über ihren Rand sich neigt,<br /> +wird sie schattig und verschweigt—.<br /> +<br /> +Oder wenn ein sommerlicher Regen<br /> +aufkommt aus dem wogenden Bewegen<br /> +hoher Kronen, hat sie eine Pause;<br /> +denn sie weiß die Zeit nicht auszudrücken,<br /> +die dann in den Frucht- und Blumenstücken<br /> +plötzlich glüht im weißen Gartenhause.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SCHLAFMOHN" id="SCHLAFMOHN"></a>SCHLAFMOHN<br /> +<br /> +<br /> +Abseits im Garten blüht der böse Schlaf,<br /> +in welchem die, die heimlich eingedrungen,<br /> +die Liebe fanden junger Spiegelungen,<br /> +die willig waren, offen und konkav,<br /> +<br /> +und Träume, die mit aufgeregten Masken<br /> +auftraten, riesiger durch die Kothurne—:<br /> +das alles stockt in diesen oben flasken<br /> +weichlichen Stengeln, die die Samenurne<br /> +<br /> +(nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend<br /> +zu welken meinten) festverschlossen heben:<br /> +gefranste Kelche auseinanderschlagend,<br /> +die fieberhaft das Mohngefäß umgeben.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_FLAMINGOS" id="DIE_FLAMINGOS"></a>DIE FLAMINGOS<br /> +<br /> +PARIS, JARDIN DES PLANTES<br /> +<br /> +<br /> +In Spiegelbildern wie von Fragonard<br /> +ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte<br /> +nicht mehr gegeben, als dir einer böte,<br /> +wenn er von seiner Freundin sagt: sie war<br /> +<br /> +noch sanft von Schlaf. Denn steigen sie ins Grüne<br /> +und stehn, auf rosa Stielen leicht gedreht,<br /> +beisammen, blühend, wie in einem Beet,<br /> +verführen sie verführender als Phryne<br /> +<br /> +sich selber; bis sie ihres Auges Bleiche<br /> +hinhalsend bergen in der eignen Weiche,<br /> +in welcher Schwarz und Fruchtrot sich versteckt.<br /> +<br /> +Auf einmal kreischt ein Neid durch die Volière;<br /> +sie aber haben sich erstaunt gestreckt<br /> +und schreiten einzeln ins Imaginäre.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="PERSISCHES_HELIOTROP" id="PERSISCHES_HELIOTROP"></a>PERSISCHES HELIOTROP<br /> +<br /> +<br /> +Es könnte sein, daß dir der Rose Lob<br /> +zu laut erscheint für deine Freundin: nimm<br /> +das schön gestickte Kraut und überstimm<br /> +mit dringend flüsterndem Heliotrop<br /> +<br /> +den ßülbül, der an ihren Lieblingsplätzen<br /> +sie schreiend preist und sie nicht kennt.<br /> +Denn sieh: wie süße Worte nachts in Sätzen<br /> +beisammenstehn ganz dicht, durch nichts getrennt,<br /> +aus der Vokale wachem Violett<br /> +hindüftend durch das stille Himmelbett—:<br /> +<br /> +so schließen sich vor dem gesteppten Laube<br /> +deutliche Sterne zu der seidnen Traube<br /> +und mischen, daß sie fast davon verschwimmt,<br /> +die Stille mit Vanille und mit Zimt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="SCHLAFLIED" id="SCHLAFLIED"></a>SCHLAFLIED<br /> +<br /> +<br /> +Einmal, wenn ich dich verlier,<br /> +wirst du schlafen können, ohne<br /> +daß ich wie eine Lindenkrone<br /> +mich verflüstre über dir?<br /> +<br /> +Ohne daß ich hier wache und<br /> +Worte, beinah wie Augenlider,<br /> +auf deine Brüste, auf deine Glieder<br /> +niederlege, auf deinen Mund?<br /> +<br /> +Ohne daß ich dich verschließ<br /> +und dich allein mit Deinem lasse,<br /> +wie einen Garten mit einer Masse<br /> +von Melissen und Sternanis?<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_PAVILLON" id="DER_PAVILLON"></a>DER PAVILLON<br /> +<br /> +<br /> +Aber selbst noch durch die Flügeltüren<br /> +mit dem grünen, regentrüben Glas<br /> +ist ein Spiegeln lächelnder Allüren<br /> +und ein Glanz von jenem Glück zu spüren,<br /> +das sich dort, wohin sie nicht mehr führen,<br /> +einst verbarg, verklärte und vergaß.<br /> +<br /> +Aber selbst noch in den Steingirlanden<br /> +über der nicht mehr berührten Tür<br /> +ist ein Hang zur Heimlichkeit vorhanden<br /> +und ein stilles Mitgefühl dafür,<br /> +<br /> +und sie schauern manchmal wie gespiegelt,<br /> +wenn ein Wind sie schattig überlief;<br /> +auch das Wappen, wie auf einem Brief<br /> +viel zu glücklich, überstürzt gesiegelt,<br /> +<br /> +redet noch. Wie wenig man verscheuchte:<br /> +alles weiß noch, weint noch, tut noch weh.<br /> +Und im Fortgehn durch die tränenfeuchte,<br /> +abgelegene Allee<br /> +<br /> +fühlt man lang noch auf dem Rand des Dachs<br /> +jene Urnen stehen, kalt, zerspalten,<br /> +doch entschlossen, noch zusammzuhalten<br /> +um die Asche alter Achs.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_ENTFUHRUNG" id="DIE_ENTFUHRUNG"></a>DIE ENTFÜHRUNG<br /> +<br /> +<br /> +Oft war sie als Kind ihren Dienerinnen<br /> +entwichen, um die Nacht und den Wind<br /> +(weil sie drinnen so anders sind)<br /> +draußen zu sehn an ihrem Beginnen;<br /> +<br /> +doch keine Sturmnacht hatte gewiß<br /> +den riesigen Park so in Stücke gerissen,<br /> +wie ihn jetzt ihr Gewissen zerriß,<br /> +<br /> +da er sie nahm von der seidenen Leiter<br /> +und sie weitertrug, weiter, weiter:<br /> +<br /> +bis der Wagen alles war.<br /> +<br /> +Und sie roch ihn, den schwarzen Wagen,<br /> +um den verhalten das Jagen stand<br /> +und die Gefahr.<br /> +Und sie fand ihn mit Kaltem ausgeschlagen;<br /> +und das Schwarze und Kalte war auch in ihr.<br /> +Sie kroch in ihren Mantelkragen<br /> +und befühlte ihr Haar, als bliebe es hier,<br /> +und hörte fremd einen Fremden sagen:<br /> +Ichbinbeidir.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="ROSA_HORTENSIE" id="ROSA_HORTENSIE"></a>ROSA HORTENSIE<br /> +<br /> +<br /> +Wer nahm das Rosa an? Wer wußte auch,<br /> +daß es sich sammelte in diesen Dolden?<br /> +Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden,<br /> +entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.<br /> +<br /> +<br /> +Daß sie für solches Rosa nichts verlangen,<br /> +bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?<br /> +Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen,<br /> +wenn es vergeht, großmütig wie ein Duft?<br /> +<br /> +Oder vielleicht auch geben sie es preis,<br /> +damit es nie erführe vom Verblühn.<br /> +Doch unter diesem Rosa hat ein Grün<br /> +gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiß.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAS_WAPPEN" id="DAS_WAPPEN"></a>DAS WAPPEN<br /> +<br /> +<br /> +Wie ein Spiegel, der, von ferne tragend,<br /> +lautlos in sich aufnahm, ist der Schild;<br /> +offen einstens, dann zusammenschlagend<br /> +über einem Spiegelbild<br /> +<br /> +jener Wesen, die in des Geschlechts<br /> +Weiten wohnen, nicht mehr zu bestreiten,<br /> +seiner Dinge, seiner Wirklichkeiten<br /> +(rechte links und linke rechts),<br /> +<br /> +die er eingesteht und sagt und zeigt.<br /> +Drauf, mit Ruhm und Dunkel ausgeschlagen,<br /> +ruht der Spangenhelm, verkürzt,<br /> +<br /> +den das Flügelkleinod übersteigt,<br /> +während seine Decke wie mit Klagen<br /> +reich und aufgeregt herniederstürzt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_JUNGGESELLE" id="DER_JUNGGESELLE"></a>DER JUNGGESELLE<br /> +<br /> +<br /> +Lampe auf den verlassenen Papieren,<br /> +und ringsum Nacht bis weit hinein ins Holz<br /> +der Schränke. Und er konnte sich verlieren<br /> +an sein Geschlecht, das nun mit ihm zerschmolz;<br /> +ihm schien, je mehr er las, er hätte ihren,<br /> +sie aber hatten alle seinen Stolz.<br /> +<br /> +Hochmütig steiften sich die leeren Stühle<br /> +die Wand entlang, und lauter Selbstgefühle<br /> +machten sich schläfernd in den Möbeln breit;<br /> +von oben goß sich Nacht auf die Pendüle,<br /> +und zitternd rann aus ihrer goldnen Mühle,<br /> +ganz fein gemahlen, seine Zeit.<br /> +<br /> +Er nahm sie nicht. Um fiebernd unter jenen,<br /> +als zöge er die Laken ihrer Leiber,<br /> +andre Zeiten wegzuzerrn.<br /> +Bis er ins Flüstern kam; (was war ihm fern?)<br /> +Er lobte einen dieser Briefeschreiber,<br /> +als sei der Brief an ihn: wie du mich kennst;<br /> +und klopfte lustig auf die Seitenlehnen.<br /> +Der Spiegel aber, innen unbegrenzter,<br /> +ließ leise einen Vorhang aus, ein Fenster—:<br /> +denn dorten stand, fast fertig, das Gespenst.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_EINSAME" id="DER_EINSAME"></a>DER EINSAME<br /> +<br /> +<br /> +Nein: ein Turm soll sein aus meinem Herzen<br /> +und ich selbst an seinen Rand gestellt:<br /> +wo sonst nichts mehr ist, noch einmal Schmerzen<br /> +und Unsäglichkeit, noch einmal Welt.<br /> +<br /> +Noch ein Ding allein im Übergroßen,<br /> +welches dunkel wird und wieder licht,<br /> +noch ein letztes, sehnendes Gesicht<br /> +in das Nie-zu-Stillende verstoßen,<br /> +<br /> +noch ein äußerstes Gesicht aus Stein,<br /> +willig seinen inneren Gewichten,<br /> +das die Weiten, die es still vernichten,<br /> +zwingen, immer seliger zu sein.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_LESER" id="DER_LESER"></a>DER LESER<br /> +<br /> +<br /> +Wer kennt ihn, diesen, welcher sein Gesicht<br /> +wegsenkte aus dem Sein zu einem zweiten,<br /> +das nur das schnelle Wenden voller Seiten<br /> +manchmal gewaltsam unterbricht?<br /> +<br /> +Selbst seine Mutter wäre nicht gewiß,<br /> +ob er es ist, der da mit seinem Schatten<br /> +Getränktes liest. Und wir, die Stunden hatten,<br /> +was wissen wir, wieviel ihm hinschwand, bis<br /> +<br /> +er mühsam aufsah: alles auf sich hebend,<br /> +was unten in dem Buche sich verhielt,<br /> +mit Augen, welche, statt zu nehmen, gebend<br /> +anstießen an die fertig-volle Welt:<br /> +wie stille Kinder, die allein gespielt,<br /> +auf einmal das Vorhandene erfahren;<br /> +doch seine Züge, die geordnet waren,<br /> +blieben für immer umgestellt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_APFELGARTEN" id="DER_APFELGARTEN"></a>DER APFELGARTEN<br /> +<br /> +BORGEBY-GARD<br /> +<br /> +<br /> +Komm gleich nach dem Sonnenuntergänge,<br /> +sieh das Abendgrün des Rasengrunds;<br /> +ist es nicht, als hätten wir es lange<br /> +angesammelt und erspart in uns,<br /> +<br /> +um es jetzt aus Fühlen und Erinnern,<br /> +neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun,<br /> +noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern,<br /> +in Gedanken vor uns hinzustreun<br /> +<br /> +unter Bäume wie von Dürer, die<br /> +das Gewicht von hundert Arbeitstagen<br /> +in den überfüllten Früchten tragen,<br /> +dienend, voll Geduld, versuchend, wie<br /> +<br /> +das, was alle Maße übersteigt,<br /> +noch zu heben ist und hinzugeben,<br /> +wenn man willig, durch ein langes Leben<br /> +nur das Eine will und wächst und schweigt?<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DIE_BERUFUNG" id="DIE_BERUFUNG"></a>DIE BERUFUNG<br /> +<br /> +<br /> +Da aber als in sein Versteck der Hohe,<br /> +sofort Erkennbare: der Engel, trat<br /> +aufrecht, der lautere und lichterlohe,<br /> +da tat er allen Anspruch ab und bat,<br /> +<br /> +bleiben zu dürfen, der von seinen Reisen<br /> +innen verwirrte Kaufmann, der er war;<br /> +er hatte nie gelesen und nun gar<br /> +ein solches Wort, zu viel für einen Weisen.<br /> +<br /> +Der Engel aber, herrisch, wies und wies<br /> +ihm, was geschrieben stand auf seinem Blatte,<br /> +und gab nicht nach und wollte wieder: lies.<br /> +<br /> +Da las er: so, daß sich der Engel bog,<br /> +und war schon einer, der gelesen <i>hatte</i><br /> +und konnte und gehorchte und vollzog.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_BERG" id="DER_BERG"></a>DER BERG<br /> +<br /> +<br /> +Sechsunddreißigmal und hundertmal<br /> +hat der Maler jenen Berg geschrieben,<br /> +weggerissen, wieder hingetrieben<br /> +(sechsunddreißigmal und hundertmal)<br /> +<br /> +zu dem unbegreiflichen Vulkane,<br /> +selig, voll Versuchung, ohne Rat,—<br /> +während der mit Umriß Angetane<br /> +seiner Herrlichkeit nicht Einhalt tat:<br /> +<br /> +tausendmal aus allen Tagen tauchend,<br /> +Nächte ohnegleichen von sich ab<br /> +fallen lassend, alle wie zu knapp;<br /> +jedes Bild im Augenblick verbrauchend,<br /> +von Gestalt gesteigert zu Gestalt,<br /> +teilnahmslos und weit und ohne Meinung—,<br /> +um auf einmal wissend, wie Erscheinung,<br /> +sich zu heben hinter jedem Spalt.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_BALL" id="DER_BALL"></a>DER BALL<br /> +<br /> +<br /> +Du Runder, der das Warme aus zwei Händen<br /> +im Fliegen oben fortgibt, sorglos wie<br /> +sein Eigenes; was in den Gegenständen<br /> +nicht bleiben kann, zu unbeschwert für sie,<br /> +<br /> +zu wenig Ding und doch noch Ding genug,<br /> +um nicht aus allem draußen Aufgereihten<br /> +unsichtbar plötzlich in uns einzugleiten:<br /> +das glitt in dich, du zwischen Fall und Flug<br /> +<br /> +noch Unentschlossener, der, wenn er steigt,<br /> +als hätte er ihn mit hinaufgehoben,<br /> +den Wurf entführt und freiläßt—, und sich neigt<br /> +und einhält und den Spielenden von oben<br /> +auf einmal eine neue Stelle zeigt,<br /> +sie ordnend wie zu einer Tanzfigur,<br /> +<br /> +um dann, erwartet und erwünscht von allen,<br /> +rasch, einfach, kunstlos, ganz Natur,<br /> +dem Becher hoher Hände zuzufallen.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DAS_KIND" id="DAS_KIND"></a>DAS KIND<br /> +<br /> +<br /> +Unwillkürlich sehn sie seinem Spiel<br /> +lange zu; zuweilen tritt das runde<br /> +seiende Gesicht aus dem Profil,<br /> +klar und ganz wie eine volle Stunde,<br /> +<br /> +welche anhebt und zu Ende schlägt.<br /> +Doch die andern zählen nicht die Schläge,<br /> +trüb von Mühsal und vom Leben träge;<br /> +und sie merken gar nicht, wie es trägt—;<br /> +<br /> +wie es alles trägt, auch dann, noch immer,<br /> +wenn es müde in dem kleinen Kleid<br /> +neben ihnen wie im Wartezimmer<br /> +sitzt und warten will auf seine Zeit.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_HUND" id="DER_HUND"></a>DER HUND<br /> +<br /> +<br /> +Da oben wird das Bild von einer Welt<br /> +aus Blicken immerfort erneut und gilt.<br /> +Nur manchmal, heimlich, kommt ein Ding und stellt<br /> +sich neben ihn, wenn er durch dieses Bild<br /> +<br /> +sich drängt, ganz unten, anders, wie er ist;<br /> +nicht ausgestoßen und nicht eingereiht<br /> +und wie im Zweifel seine Wirklichkeit<br /> +weggebend an das Bild, das er vergißt,<br /> +<br /> +um dennoch immer wieder sein Gesicht<br /> +hineinzuhalten, fast mit einem Flehen,<br /> +beinah begreifend, nah am Einverstehen<br /> +und doch verzichtend: denn er wäre nicht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="DER_KAFERSTEIN" id="DER_KAFERSTEIN"></a>DER KÄFERSTEIN<br /> +<br /> +<br /> +Sind nicht Sterne fast in deiner Nähe,<br /> +und was gibt es, das du nicht umspannst,<br /> +da du dieser harten Skarabäe<br /> +Karneolkern gar nicht fassen kannst<br /> +<br /> +ohne jenen Raum, der ihre Schilder<br /> +niederhält, auf deinem ganzen Blut<br /> +mitzutragen; niemals war er milder,<br /> +näher, hingegebener. Er ruht<br /> +<br /> +seit Jahrtausenden auf diesen Käfern,<br /> +wo ihn keiner braucht und unterbricht;<br /> +und die Käfer schließen sich und schläfern<br /> +unter seinem wiegenden Gewicht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="BUDDHA_IN_DER_GLORIE" id="BUDDHA_IN_DER_GLORIE"></a>BUDDHA IN DER GLORIE<br /> +<br /> +<br /> +Mitte aller Mitten, Kern der Kerne,<br /> +Mandel, die sich einschließt und versüßt,—<br /> +dieses alles bis an alle Sterne<br /> +ist dein Fruchtfleisch: Sei gegrüßt.<br /> +<br /> +Sieh, du fühlst, wie nichts mehr an dir hängt;<br /> +im Unendlichen ist deine Schale,<br /> +und dort steht der starke Saft und drängt.<br /> +Und von außen hilft ihm ein Gestrahle,<br /> +<br /> +denn ganz oben werden deine Sonnen<br /> +voll und glühend umgedreht.<br /> +Doch in dir ist schon begonnen,<br /> +was die Sonnen übersteht.<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<br /> +<a name="INHALT" id="INHALT"></a>INHALT<br /> +<br /> +<br /> +<a href="#ARCHAISCHER_TORSO_APOLLOS">Archaischer Torso Apollos</a><br /> +<a href="#KRETISCHE_ARTEMIS">Kretische Artemis</a><br /> +<a href="#LEDA">Leda</a><br /> +<a href="#DELPHINE">Delphine</a><br /> +<a href="#DIE_INSEL_DER_SIRENEN">Die Insel der Sirenen</a><br /> +<a href="#KLAGE_UM_ANTINOUS">Klage um Antinous</a><br /> +<a href="#DER_TOD_DER_GELIEBTEN">Der Tod der Geliebten</a><br /> +<a href="#KLAGE_UM_JONATHAN">Klage um Jonathan</a><br /> +<a href="#TROSTUNG_DES_ELIA">Tröstung des Elia</a><br /> +<a href="#SAUL_UNTER_DEN_PROPHETEN">Saul unter den Propheten</a><br /> +<a href="#SAMUELS_ERSCHEINUNG_VOR_SAUL">Samuels Erscheinung vor Saul</a><br /> +<a href="#EIN_PROPHET">Ein Prophet</a><br /> +<a href="#JEREMIAS">Jeremias</a><br /> +<a href="#EINE_SIBYLLE">Eine Sibylle</a><br /> +<a href="#ABSALOMS_ABFALL">Absaloms Abfall</a><br /> +<a href="#ESTHER">Esther</a><br /> +<a href="#DER_AUSSATZIGE_KONIG">Der aussätzige König</a><br /> +<a href="#LEGENDE_VON_DEN_DREI_LEBENDIGEN_UND_DEN_DREI_TOTEN">Legende von den drei Lebendigen und den drei Toten</a><br /> +<a href="#DER_KONIG_VON_MUNSTER">Der König von Münster</a><br /> +<a href="#TOTENTANZ">Totentanz</a><br /> +<a href="#DAS_JUNGSTE_GERICHT">Das Jüngste Gericht</a><br /> +<a href="#DIE_VERSUCHUNG">Die Versuchung</a><br /> +<a href="#DER_ALCHIMIST">Der Alchimist</a><br /> +<a href="#DER_RELIQUIENSCHREIN">Der Reliquienschrein</a><br /> +<a href="#DAS_GOLD">Das Gold</a><br /> +<a href="#DER_STYLIT">Der Stylit</a><br /> +<a href="#DIE_AGYPTISCHE_MARIA">Die ägyptische Maria</a><br /> +<a href="#KREUZIGUNG">Kreuzigung</a><br /> +<a href="#DER_AUFERSTANDENE">Der Auferstandene</a><br /> +<a href="#MAGNIFIKAT">Magnifikat</a><br /> +<a href="#ADAM">Adam</a><br /> +<a href="#EVA">Eva</a><br /> +<a href="#IRRE_IM_GARTEN">Irre im Garten</a> (Dijon)<br /> +<a href="#DIE_IRREN">Die Irren</a><br /> +<a href="#AUS_DEM_LEBEN_EINES_HEILIGEN">Aus dem Leben eines Heiligen</a><br /> +<a href="#DIE_BETTLER">Die Bettler</a><br /> +<a href="#FREMDE_FAMILIE">Fremde Familie</a><br /> +<a href="#LEICHEN_WASCHE">Leichenwäsche</a><br /> +<a href="#EINE_VON_DEN_ALTEN">Eine von den Alten</a> (Paris)<br /> +<a href="#DER_BLINDE">Der Blinde</a> (Paris)<br /> +<a href="#EINE_WELKE">Eine Welke</a><br /> +<a href="#ABENDMAHL">Abendmahl</a><br /> +<a href="#DIE_BRANDSTATTE">Die Brandstätte</a><br /> +<a href="#DIE_GRUPPE">Die Gruppe</a> (Paris)<br /> +<a href="#SCHLANGENBESCHWORUNG">Schlangenbeschwörung</a><br /> +<a href="#SCHWARZE_KATZE">Schwarze Katze</a><br /> +<a href="#VOR-OSTERN">Vor-Ostern</a> (Neapel)<br /> +<a href="#DER_BALKON">Der Balkon</a> (Neapel)<br /> +<a href="#AUSWANDERER-SCHIFF">Auswanderer-Schiff</a> (Neapel)<br /> +<a href="#LANDSCHAFT">Landschaft</a><br /> +<a href="#ROMISCHE_CAMPAGNA">Römische Campagna</a><br /> +<a href="#LIED_VOM_MEER">Lied vom Meer</a> (Capri, Piccola Marina)<br /> +<a href="#NACHTLICHE_FAHRT">Nächtliche Fahrt</a> (Sankt Petersburg)<br /> +<a href="#PAPAGEIENPARK">Papageienpark</a> (Paris)<br /> +<a href="#DIE_PARKE">Die Parke</a> I-VII<br /> +<a href="#BILDNIS">Bildnis</a><br /> +<a href="#VENEZIANISCHER_MORGEN">Venezianischer Morgen</a><br /> +<a href="#SPATHERBST_IN_VENEDIG">Spätherbst in Venedig</a><br /> +<a href="#SAN_MARCO">San Marco</a> (Venedig)<br /> +<a href="#EIN_DOGE">Ein Doge</a><br /> +<a href="#DIE_LAUTE">Die Laute</a><br /> +<a href="#DER_ABENTEURER">Der Abenteurer</a> I, II<br /> +<a href="#FALKEN-BEIZE">Falkenbeize</a><br /> +<a href="#CORRIDA">Corrida</a> (In memoriam Montez, 1830)<br /> +<a href="#DON_JUANS_KINDHEIT">Don Juans Kindheit</a><br /> +<a href="#DON_JUANS_AUSWAHL">Don Juans Auswahl</a><br /> +<a href="#SANKT_GEORG">Sankt Georg</a><br /> +<a href="#DAME_AUF_EINEM_BALKON">Dame auf einem Balkon</a><br /> +<a href="#BEGEGNUNG_IN_DER_KASTANIEN-ALLEE">Begegnung in der Kastanien-Allee</a><br /> +<a href="#DIE_SCHWESTERN">Die Schwestern</a><br /> +<a href="#UBUNG_AM_KLAVIER">Übung am Klavier</a><br /> +<a href="#DIE_LIEBENDE">Die Liebende</a><br /> +<a href="#DAS_ROSENINNERE">Das Roseninnere</a><br /> +<a href="#DAMEN-BILDNIS_AUS_DEN_ACHTZIGER_JAHREN">Damen-Bildnis aus den achtziger Jahren</a><br /> +<a href="#DAME_VOR_DEM_SPIEGEL">Dame vor dem Spiegel</a><br /> +<a href="#DIE_GREISIN">Die Greisin</a><br /> +<a href="#DAS_BETT">Das Bett</a><br /> +<a href="#DER_FREMDE">Der Fremde</a><br /> +<a href="#DIE_ANFAHRT">Die Anfahrt</a><br /> +<a href="#DIE_SONNENUHR">Die Sonnenuhr</a><br /> +<a href="#SCHLAFMOHN">Schlafmohn</a><br /> +<a href="#DIE_FLAMINGOS">Die Flamingos</a> (Paris, Jardin des Plantes)<br /> +<a href="#PERSISCHES_HELIOTROP">Persisches Heliotrop</a><br /> +<a href="#SCHLAFLIED">Schlaflied</a><br /> +<a href="#DER_PAVILLON">Der Pavillon</a><br /> +<a href="#DIE_ENTFUHRUNG">Die Entführung</a><br /> +<a href="#ROSA_HORTENSIE">Rosa Hortensie</a><br /> +<a href="#DAS_WAPPEN">Das Wappen</a><br /> +<a href="#DER_JUNGGESELLE">Der Junggeselle</a><br /> +<a href="#DER_EINSAME">Der Einsame</a><br /> +<a href="#DER_LESER">Der Leser</a><br /> +<a href="#DER_APFELGARTEN">Der Apfelgarten</a> (Borgeby-Gard)<br /> +<a href="#DIE_BERUFUNG">Die Berufung</a><br /> +<a href="#DER_BERG">Der Berg</a><br /> +<a href="#DER_BALL">Der Ball</a><br /> +<a href="#DAS_KIND">Das Kind</a><br /> +<a href="#DER_HUND">Der Hund</a><br /> +<a href="#DER_KAFERSTEIN">Der Käferstein</a><br /> +<a href="#BUDDHA_IN_DER_GLORIE">Buddha in der Glorie</a><br /> +</p> + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Neuen Gedichte, by Rainer Maria Rilke + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER NEUEN GEDICHTE *** + +***** This file should be named 33864-h.htm or 33864-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/3/8/6/33864/ + +Produced by Marc D'Hooghe at: http://www.freeliterature.org + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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