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+<title>Das Werk Heinrich Manns</title>
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+The Project Gutenberg EBook of Das Werk Heinrich Manns, by Rudolf Leonhard
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
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+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Das Werk Heinrich Manns
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+Author: Rudolf Leonhard
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+Release Date: August 2, 2010 [EBook #33327]
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+Language: German
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WERK HEINRICH MANNS ***
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+<h1>Rudolf Leonhard</h1>
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+<h1>Das Werk Heinrich Manns</h1>
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+<p class="lyrics">
+»Aber er, der ehemals lachend den<br />
+Lästerungen getrotzt hat, würde heute<br />
+wohl mit Lächeln den Ruhm hinnehmen,<br />
+der selten mehr ist als ein <br />
+weitverbreiteter Irrtum über unsere<br />
+Person.«
+</p>
+<p class="signature">
+Heinrich Mann über Choderlos de Laclos.
+</p>
+
+<p>
+
+</p><p>Seitdem der Roman aus der quellenden Unordnung
+eines gereihten Berichts zahlreicher, zählbarer Ereignisse
+zu einer Kunstform beschränkt wurde, ist er nur
+voller, erfüllter geworden: hat er, in höherem Sinne als
+eine andre Form, die Totalität des Kunstwerks gefunden.
+&mdash; Anders als im Drama, vergleitet in ihm das Ereignis
+und steht ohne Auszeichnung zwischen Zuständen;
+und die Auswahl, deren Gesetz auch er unterstellt ist, geschieht
+breiter, vielleicht weniger scharf und gewiß weniger
+beschränkt. Und so ist seither &mdash; auch deshalb schon, weil er
+näher als irgendeine Kunstform dem Gange des Lebens
+zugeordnet ist &mdash; natürlich eigentlich nur die Rundung
+und Vereinigung von jedes Dichters epischem Bekenntnis
+in <i>einem</i> Roman. So hat Mörike einen Roman bescheiden
+geschrieben, hat Schlegel die eine Luzinde hinterlassen,
+die nicht formlos, sondern monströs ist, der erste
+Roman vom Blute des neunzehnten Jahrhunderts, der
+erste zynische Roman nach den pädagogischen; Novalis
+den einen Ofterdingen, den er nicht vollendete; und
+Goethe hat die drei Leben, die er eins hinter das andre
+gesetzt hat, jedes in einem Roman festgestellt. Dies ist
+natürlich; der Roman ist angelegt, der Ertrag eines
+Lebens zu sein, und dies waren nur Beispiele; es ließe
+sich zeigen, daß manches an Nummern reichere Werk doch
+um den <i>einen</i> Roman gruppiert ist, mit andern Romanen,
+die Wiederholungen, Ergänzungen, Verwicklungen
+und Abschweifungen darstellen, und Übertragungen:
+wie etwa Thomas Manns Königliche Hoheit,
+bei aller Verschiebung, Entwicklung und Umfärbung,
+eine Wiederaufnahme der Buddenbrooks ist. Entgegen
+scheint nur das umfangreiche Werk der großen epischen
+Naturen zu stehn, erbaut zu einer Reihe &mdash; meist an Ton
+und Umfang sogar, nicht nur an Art und Komposition
+gleicher Romane, deren keiner vor dem andern ausgezeichnet
+scheint. Für die Novelle ist es die Ausnahme,
+daß sie allein bestehn muß; ihre Notwendigkeit ist die
+Sammlung, der Band, ihr Gesetz ist die Gruppe. Ihr
+Streben zum Absoluten erfüllt sich auf dem Wege der
+Ergänzung und ausfüllenden Relation, denn sie hat
+zwar die formale Totalität jedes Kunstwerks, nicht aber
+die stoffliche: selten ist das Faktum, in dem ihr Bau gipfelt,
+von so einziger Rundheit und Strahlkraft, daß in
+ihr selbst die Einzigkeit des schöpferischen Willens vollendet
+steht. Dem Roman wieder ist die stoffliche Totalität,
+die Vollständigkeit des Weltbildes &mdash; die kraft der
+Kunstmittel dem Gesetz, daß Kunst Auswahl ist, so wenig
+widerspricht wie die Kunst der Welt &mdash; selbstverständlich.
+Aber große epische Naturen zwingen, eigenwillig bei
+aller dienenden Objektivität, das Gesetz <i>ihrer</i> Totalität
+dem Roman auf und nötigen den einzelnen Roman,
+ungenügsam vor dem abgeschlossenen, in der endlosen Fülle
+ihrer Anschauung in die Reihe. Für sie ist der Roman,
+so geschlossen und undeutelbar sein eignes Leben auch
+steht, nur Kapitel im Werke; und es ist natürlich, daß
+sie, falls das Leben ihnen Vollendung gönnt, <i>einen</i> Titel
+über die ganze Reihe setzen; sei es die Geschichte nur der
+Rougon Macquarts, sei es die ganze Comédie humaine.
+In der Tat gehört der Vater Goriot zu Eugénie Grandet
+wie die Grenadière zur Peau de Chagrin. Diese Romanreihen
+des naturwissenschaftlichen Jahrhunderts, in einem
+Lande entstanden, das zuerst die bürgerliche Wirtschaft, die
+bürgerliche Gesellschaft, die Herrschaft des Bürgertums
+vollendete, sind Musterfälle des deskriptiven Romans.
+Sie finden ihre Einheit und Totalität in der Fülle des
+bürgerlichen Lebens selbst, in der Vollständigkeit der
+Typen, der möglichst großen Zahl der Fälle; ganz deskriptiv
+dem bürgerlichen Leben gegenüber und ohne jede Kritik,
+wie bei Balzac, dessen Romane eine über alles, selbst das
+bürgerliche, Maß gediehene Dokumentierung der Bürgerlichkeit
+und des Bürgertums sind &mdash; ohne jede Kritik,
+denn Balzacs gelegentliche Moralität ist, selbst bürgerlich,
+als Erscheinung des bürgerlichen Lebens stofflich gegeben;
+oder mit einer destruktiven, in der Wucht, Aufrichtigkeit
+und Schonungslosigkeit der Beschreibung liegenden Kritik
+ohne bewußte Richtung. Die Richtung ist in dieser Kritik,
+wie Kritik notwendig in jeder Beschreibung ist; sie kann
+hinein- oder herausgelesen werden, von einem, der zugleich
+ein übersichtiger Leser und ein gewaltiger Darsteller
+von gewaltsamer Aufrichtigkeit ist. &mdash; Aber schon
+im Frankreich des bürgerlichen Zeitalters geschah eine
+Fortentwicklung: Gustave Flaubert fand den antibourgeoisen
+Roman, voll nicht nur innewohnenden, sondern
+deutlichen Hasses, aber antibürgerlich noch und darum
+stark und befangen, und antibürgerlich durch seine Vollkommenheit
+&mdash; also durch Dasein und schweigendes
+Ethos &mdash;, und mit dem Ergebnis einer überaus edlen
+Absonderung und Privatheit.
+
+</p><p>In Rußland ersetzt die Einheit der Stimmung jene
+französische Einheit des Stoffes, jene von der Grenze,
+die die Zahl der Erscheinungen bedeutet, umzogne Einheit.
+Dostojewskis Romane, so unlyrisch, wie Epik nur
+irgend sein kann (welche Überraschung, wenn im &bdquo;Idioten&ldquo;
+einmal ein Baum, unbestimmter Gattung, mit Lyrik
+ein Herz bedrängt!), sind riesenhaft und nahe, und fast
+grenzenlos, um das Herz der Erscheinungen getürmt, einheitlich
+im Willen, &mdash; der, heißt das freilich, unbestimmt
+ist und auch den größeren Schein der Willenslosigkeit
+annehmen kann; &mdash; und es sind, auch hier, die Brüder
+Karamasoff ohne den Idioten zwar vollendet, zwar vollkommen,
+aber nicht bis zum letzten Ende vollständig. In
+Italien, auf vulkanischem, der Kontinuität der Epik abgünstigem
+Boden &mdash; höchstens in entarteten Malereien
+wird sie erreicht &mdash; hätte vielleicht d&rsquo;Annunzio ein großes
+episches Werk vollbringen können, und es wäre seine Einheit
+von der Leidenschaft oder doch von ihrer Geste bestimmt
+gewesen; Zufall, daß es nicht dazu kam &mdash; denn
+selbst die Wirksamkeit psychologischer Bedingnisse nur aus
+der Seele des einzelnen Dichters ist ursprünglich Zufall,
+nicht Gesetz. In Skandinavien sei an das Werk Knut
+Hamsuns erinnert; und es entsteht vielleicht ein großes
+episches Werk in den Schöpfungen des großen Dänen
+Aage von Kohl, seine Romane, außerordentlich an Umfang,
+Darstellung, Gehalt und Bedeutung, sind zueinander
+bestimmt wie abgerundete Stücke eines Werkes,
+das einst geschlossen sein wird.
+
+</p><p>Dies sei als Situation des europäischen Romans
+gegeben &mdash; wobei man unter &bdquo;europäisch&ldquo; nur die Benennung
+einer Herkunft, die Zugehörigkeit in die noch
+lose Weite eines Kulturkreises zu verstehn hat, noch nicht
+eine Eigenschaft, ein eindeutig charakteristisches Merkmal.
+Noch liegen Provinzen der Seele und geistige
+Reiche zwischen dem mit ironischem Behagen noch im Angriff
+durchtränkten, zu vielen Spitzen geschliffnen, klugen,
+überlegnen, gesprächigen Romane des Anatole France
+und der urtümlich hingeschleuderten, noch in der klingenden
+Klarheit dumpf durchbrausten, ungefügen und rednerisch
+dunklen Buntheit der Werke Dostojewskis und seiner
+Nachfolger. Sollte ein europäischer Roman entstehn &mdash;
+&bdquo;europäisch&ldquo; im Sinne einer Konzentration der Kräfte,
+im vollen Sinne eines Merkmals; im Sinne einer
+kommenden Zeit, da die Musik der Ursprünge voll in
+das eherne Spiel klarer, fechterisch gespannter, bronzener
+Gestalt gemündet hat &mdash;, sollte ein europäischer Roman
+entstehn, so war Deutschland für seine Geburt vorgesehn,
+geographisch und psychologisch, trotz aller Hemmnisse, die
+das jetzige öffentliche Leben des Landes einem so schmerzhaft
+aufrichtigen, so aggressiv politischen, in Leidenschaft
+und Geste so übermäßigen, einem so zynischen Werke bedeutet
+hätte. Aber es gab in Deutschland kein großes
+episches Werk, da es noch keine große epische Natur gegeben
+hatte. Wer war bei uns? Vielleicht E. T. A. Hoffmann;
+aber seine Prosa, noch immer mehr eine Angelegenheit
+der Philologen oder doch wenigstens schon der
+Bibliophilen, aber nur in Bruchstücken weiter bekannt,
+war ohne Vielfalt, war heftig, aber eintönig, und in den
+wesentlichen Stücken eng und von mäßiger Faktur.
+Kleist, der größte Prosaiker bislang, dessen Stil die meiste
+Intensität erreicht hatte, war im Kohlhaas jeder Ausbreitung
+eines Romans nahe gewesen, aber er war abgeschweift,
+tendierte zur Novelle, und sein Werk blieb so
+groß und im einzelnen einzig wie unvollendet. Keller,
+in seinem Wesen mehr Epiker und mit größerer Bestimmtheit
+Epiker als irgendeiner &mdash; in seinem Gleichmut
+gegenüber allen Zuständen, seiner Unerschütterlichkeit,
+dem oft schon recht gefährlichen Behagen &mdash;, hatte sich
+willentlich beschränkt, nicht stofflich wie etwa Willibald
+Alexis, und doch selbst stofflich auch; und er war
+herzlich, von epischer Fühllosigkeit, doch ohne Inbrunst;
+seine Demokratie &mdash; Epik ist demokratisch &mdash; war Gefühl
+und noch mehr Gewohnheit, und zu wenig Idee,
+um die Einheit eines Werkes festzustellen. O, wir hatten
+Romane; Gutzkow, der das Rechte wollte und von der
+Literaturgeschichte verleumdet wird, kam zu keinem Ausgleich
+zwischen Geist und Wirklichkeit; es lag an ihm, an
+seinem Lärm und seiner Unruhe noch mehr als an den
+Tatsachen; so führte er in ein andres Gebiet und doch
+nicht weit von Tieck. Wir hatten Romane; Spielhagen
+war vielleicht der bestimmten Anschauung einer gesamten
+Zeit in Wirklichkeit nahe, aber er war bei aller Lebhaftigkeit
+befangen, schwächlich und von frevlerischer Nüchternheit,
+nicht weniger Freytag. Fontane beschränkte sich
+auf lebendige und warme Schilderung; Naturalisten
+klebten an der Wirklichkeit wie ihr Gegner Heyse, ein
+Spieler, am Schein, und waren dem Geiste gleich fern,
+fern und ferner. Sie alle &mdash; erinnern wir uns nur an
+Spielhagen &mdash; waren Bürger, meist weniger in der Art
+Balzacs als seiner Modelle. &mdash;
+
+</p><p>Betrachten wir das Werk Heinrich Manns. Er begann
+mit Novellen, in einem Bande &bdquo;Das Wunderbare&ldquo;.
+Sie sind &mdash; nicht für uns, die wir sie voll genießen, aber
+vom Dichter aus gesehn &mdash; Versuche. Sie ertasten den
+dichterischen Ton und halten sich nahe am direkt und zunächst
+Poetischen. In der Titelnovelle spielen die weißen
+Winden eine ähnliche Rolle wie Rosen in einer Stormschen
+Erzählung. Das novellistische Ereignis ist eine
+ungewöhnliche Begegnung in märchenhafter Landschaft;
+einer Landschaft, deren Lage und Licht von ruhender
+Innigkeit breit beschrieben wird &mdash; aber schon hier wird,
+in verzehrender Gebärde, dem novellistischen Ausholen
+die Frage enthoben: wie man leben soll, wie das Wunderbare
+aufnehmen, das Geistige halten.
+
+</p><p>Diesen Orientierungen im Tone, in der Kunst der Erzählung
+folgt jene im Stoff, in den Leidenschaften: es
+folgt, in großem Wurfe bereits des Heinrich Mannschen
+Griffes, der Roman &bdquo;Im Schlaraffenland&ldquo;, ein &bdquo;Roman
+unter feinen Leuten.&ldquo; Es bleibt unverständlich, daß dieser
+Roman des Berliner Bürgertums nicht mindestens seine
+Modelle in einer ungeheuren Explosion durcheinander
+schleuderte, so heftig ist er nach einer Seite gespannt
+(&mdash; aber das Berliner Bürgertum vermag eben sogar seine
+Karikatur mit belanglosem Interesse zu verdauen, zu belächeln,
+und, da es sie sehr gern bejaht, ohne Konsequenzen
+zu ziehn, abzustumpfen). Schon hier hat Heinrich
+Mann Totalität erreicht, aber der Kreis ist ganz nach
+einer Seite ausgewölbt, verzogen. Der große Stil der
+Leidenschaft, an Personen und Gegenständen eines Kreises
+von machtvoller Alltäglichkeit, Verquollenheit und
+Unform erprobt, muß eine riesige Groteske ergeben,
+aber eine Groteske leidenschaftlichen Stils und machtvollen
+Formats. Schon reicht der Atem Heinrich Manns
+zu souveräner Führung der Gestalten durch die ununterbrochne
+Darstellung ausgedehnter Feste. Der Dichter,
+dessen Richtung auf das Heroische, auf die großen Leidenschaften
+und die schönen Taten deutlicher wird, ergreift
+zunächst mit einem wilden Gemisch aus feindlichem Interesse,
+verächtlicher Aufmerksamkeit und sogar einer Art
+hassender Neigung &mdash; für alles, was selbst hier wahre
+Geste, Willen und Aufrichtigkeit bedeutet, Lebensformen,
+die solchen, wie er sie sucht, so fern wie möglich liegen, den
+Kreisen gütiger, geistiger Menschen, von denen heiße Jünglinge
+schon schmerzlich träumen; ergreift diese Lebensformen.
+&mdash; Er findet Fratzen, fett überquellende und hagere;
+und findet, im Übermaß besorgter, aber wuchtiger Arbeit,
+Gefallen an den Fratzen; verleugnet aber nicht, daß seine
+Intensität nur halb wirkt, und ruht, wo sie inbrünstig werden
+soll, daß, nach einem Meisterwerk bereits, wie es in
+jeder Hinsicht und Beziehung in Deutschland ohne Vorgang
+ist, daß trotz erstaunlicher, fast übermäßig sich gebärdender
+Sicherheit noch leerer Raum in ihm ist.
+
+</p><p>Gleich das nächste Werk ist das höchste, das farbigste,
+das stärkste, das tiefste und lebendigste, das an Erfüllung
+möglich ist. Es sind &mdash; ehrfürchtig formen unsre Lippen
+den vertrauten Namen &mdash; die drei Romane der Herzogin
+von Assy. Sie heißen: &bdquo;Die Göttinnen.&ldquo; Jene Violante
+von Assy &mdash; ist einer unter uns, der sie nicht geliebt hat, seit
+sie in seiner Jugend ihm an der dalmatinischen Küste begegnete,
+mit ihrer großen Welle schwarzen Haars über
+steinerner Stirn; jene Violante von Assy, die dreier
+Göttinnen Leben nacheinander durchmacht und damit
+alles Leben: Dianens, das heißt die Politik, das heißt
+die Tat, die immer nur zur Freiheit will; Minervens,
+das Leben der Kunst, des reinen Seins also und der
+klaren Einheit von Nähe und Ferne im Geiste; und in
+dem der Venus sich erfüllt, in einer Liebe, die sie selbst
+nicht ausschließt, die ungenügsam noch in der Leidenschaft
+ist und gesonnen wäre, sich mit dem All eben zu begnügen,
+wenn sie sich, in jeder Gestalt des Findens und Verbindens,
+nicht hütete auszuschweifen &mdash; jene Violante, die so
+in einem klaren Ende vergeht. Violante von Assy, deren
+biegsam düstere Jugendgeschichte allein schon eine vollkommne
+Novelle ist; Violante von Assy, die einem winzigen
+König, einem lächerlich Entarteten der Macht, mit
+tödlicher Ruhe begegnet, die von einem bärtigen Tribunen
+genommen wird, ohne auf den Gedanken zu kommen,
+daß sie sich je verlieren könnte, die über die süchtigen,
+eifrigen Fettfalten eines Geldmannes die matt gemeißelten
+Achseln zuckt; die mit dem Maler Jakobus ringt, daß
+Blut spritzt, sich gegen Della Pergola, den gefährlichen
+Journalisten, mühelos behauptet, die sich dem bezaubernden,
+primitiven, tierisch entwickelten Abenteurer, dem
+Sohn der geschäftigen Fürstin Cucuru, bedenkenlos
+überlassen darf; die der Bildhauerin Properzia Ponti,
+der großen massigen, begegnet, die San Bacco, dem
+ritterlichen Freiheitskämpfer in allen Erdteilen, ruhig
+und ernst geneigt ist, und die den Nino traumhaft liebt. &mdash;
+Aber wo sollen wir beginnen, und wo erst aufhören; die
+Fülle dieser Bände, dieses erhabenen Kunstwerkes, aus
+dessen klaren und kaum übersehbaren Massen nicht ein
+einziges Wort zu streichen ginge, anzudeuten, dazu gehörte
+ein Band seines Umfangs &mdash; und seines schwellenden
+Tones, reif, süß, üppig und schmerzlich. Violante,
+Herzogin von Assy &mdash; unter allen, die uns umgaben,
+entgegen ihnen allen, die stolz auf ihre Kaste sind und
+auf die Bezüge, in denen sie stehn, entgegen ihnen allen
+ist sie stolz auf ihre Einzigkeit; auf ihren Typus also,
+der die Idee des Individuums ist &mdash; und damit verkündete
+sie, zuerst, die neue Größe des neuen Menschen.
+Wie wäre von ihr auszusagen, außer mit den Worten
+Heinrich Manns! Da aber, nun ist es oft genug gesagt,
+im Roman nichts fehlen darf, da <i>der</i> Roman vollkommen
+ist, der ganz ist und alles enthält &mdash; und dieser: was enthält
+er nicht! Von der dalmatinischen Revolution über
+die Ermordung der Blà bis zur kurzen Aussprache mit
+dem alten Diener, die an ihrer Stelle kommen und nach
+der Ökonomie des Ganzen nur dort und nur in diesem
+Umfange kommen durfte, aber kommen mußte: nach dem
+Anfange des dritten Bandes &mdash; &mdash; darum ist dieser dreifaltige
+Roman vollkommen. Was ließe sich mehr sagen
+als dieses, das kaum genügt! Und er ist beschämend wie
+alles Vollkommne, verpflichtend wie die Vollkommenheit
+&mdash; und beglückend, da die Vollkommenheit möglich ist
+und näher, heißer als nur Ziel und Möglichkeit!
+
+</p><p>Hier, ohne Studien und Übergang, ohne Reife, den
+Geruch nach Schweiß und aufdringliches Bemühn, ist
+sie schon erreicht: die Vollkommenheit, die Vieldeutigkeit
+aller Seiten; die Rundung der Töne (wenn Tamburini,
+der bäurisch robuste Priester, der derb begabte
+Politiker der Kirche, mit vollen Backen über dem Worte
+&bdquo;Geld&ldquo; hinausgeht, wir lachen nicht; nichts von Groteske;
+wir sehn ihm feindlich vielleicht, aber in schweigender
+Achtung und fast belustigt, was er tun wird,
+nach). Hier ist die Intensität der Inbrunst nach der
+Skepsis; hier ist das verzweifelte Schillern des Menschlichen,
+daß wir lesend erbeben, über so festem Grunde,
+daß wir die Vergeßlichkeit verlernen. Hier ist die Strenge
+des Menschentums, die Süßigkeit der Welt, groß geschwungne
+Üppigkeit und trunken taumelnde Trauer,
+Anbetung und, inbrünstig und farbig auch sie, Ironie,
+irritierend, belebend, nicht zersetzend. Hier ist Reife,
+Süße, Üppigkeit und Schmerz, Gewalt des Menschen
+und Größe der Erde &mdash; im Lächeln ewiger Statuen und im
+Dunkeln fallender Terrassen, in Leidenschaften, Verwüstungen,
+Starrheit und groß beweglicher Erhebung,
+hier ist der Mensch; das Neue; die große Zeit, hier schon
+erfüllt: &bdquo;ich möchte, daß Sie das andere sehen: das was
+sein könnte und im Grunde auch ist.&ldquo; Hier ist, unvermittelt
+und kostbar, die mehr als die Zukunft bedeutet:
+die Zeitlosigkeit unsrer Zeit.
+
+</p><p>Kein Atemholen: der Atem reicht, in kurzer Zeit den
+starken Band der &bdquo;Jagd nach Liebe&ldquo; folgen zu lassen.
+Ein Thema aus den Romanen der Herzogin: wie Claude
+Marehn, wie die Gestalten dieses Buches, ja wie seine
+Vorgänge und sein Stil gehetzt, aufgeregt und auf dem
+Zuge sind, so jagte Rustschuk hinter Violante, und nicht
+nur Rustschuk. Ein Thema der Romane Violantes, im
+Bande der Venus schon vollendet, hier aber zu einem
+Weltbild zugeschärft: aus dem Gesichtswinkel einer
+Manie, der reichsten übrigens, und ohne jede Verzerrung.
+Wenn hier auch München das Berlin des ersten Romans
+ablöst, hier ist nur noch ein Schein von Bürgertum oder
+seiner andern Seite, der Bohème, nichts von Groteske.
+Zwar Macht, Geld, Erfolg, alles Erstrebenswerte des
+Bürgers wird genannt, und es geschieht im bürgerlichen
+Sinne höchst Verblüffendes &mdash; doch dieses Buch steht
+schon nach der reinen Erfüllung der Herzogin von Assy;
+da ist zuviel Leidenschaft, um die versteckte Halbohnmacht
+einer Groteske, die, wenn auch sieghaft, den überlegnen
+Geist dem Bürgertum ausliefert, zu erlauben. Nur die
+Kapitelüberschriften wiederholen den im Schlaraffenlande
+bereits zu Ende versuchten Ton. Hier ist, ganz in
+Handlung, für den bürgerlichen Alltag allzurasche, unerhörte, umgesetzt, ein Lied: kalte schleudernde oder funkelnde
+Abenteuer. Hinter den Abschnitten eines Festes,
+das in breitem Zuge Treppen und Flure eines Hauses
+und in langem Erzähleratem ein weites Kapitel füllt,
+erscheint jedesmal ein liebendes Paar, das stumm sich
+selig aneinander hält und blickt: ein Handlungsrefrain,
+wie er nun &mdash; etwa seit Phili vom Hause der Assy in
+der Papierkrone durch den nüchternen Morgen stolperte &mdash;
+häufig wird; ein Flötenruf, eine unsagbare Geste, ein
+Schmerzwort, das die Zähne bloß zerrt, ein Dolchstoß
+des unerbittlichen, schamlosen Geistes, und wieder ein
+Flötenruf: Handlungen, die Kehrreime in einem Liede
+sind. Das Lied, hier hat es ein Ende: Claude liegt zu
+Bett, sterbend und verzehrt wie die Assy, aber nicht erfüllt,
+satt, voll Geist und Licht gesogen wie die Assy;
+Geldgierige um sein Bett wie um ihrs; eine Ergänzung:
+was für ein andres, verzognes Sterben! Aber Ute ist
+bei ihm, während Violante einsam lag, &mdash; denn Nino
+war in jenem öffentlichen Hause, schmachlos, wild, vorzeitig
+gefallen, wie es notwendig war. Hier gibt es Ute,
+die wir so liebten, mit ihrem roten Haar und großen
+Gliedern!
+
+</p><p>Weiter: ein Band Novellen, &bdquo;Flöten und Dolche&ldquo;.
+Hier ist jene Fulvia, uralt, die Liebesgeschichten verachtet
+hat, weil ihr Herz nach Wichtigerem schlug, nach der Freiheit.
+Und sie, die Frau, lehrte die Freiheit den Stolzen,
+Besitzenden, Abweisenden, der die Geliebte des Freiheitskämpfers
+verlangte, &mdash; daß auch er lernte, für die Freiheit
+zu fallen. Oder für sie, Fulvia? Nein: für die
+Freiheit. Die Liebe hat sich der Idee unterstellt; zu holdem
+Selbstbetrug vielleicht, aber blutig und im vollen
+Ernst. Daneben steht der &bdquo;Drei-Minuten-Roman&ldquo;:
+jenes Mannes, der die Gefährtin, eine sinkende und
+schon entwertete Courtisane, nach geringen Versuchen
+nie geliebt hat und immer zu lieben wünschte: und dem
+einmal, vielleicht, das Leben wirklich war, als er um sie
+in einer dunklen Straße kurz weinte; aber schon damals
+war er namenlos stolz auf diese Tränen .&nbsp;.&nbsp;. In &bdquo;Pippo
+Spano&ldquo; äußert sich die Meistergestalt dieses Buches,
+vorgezeichnet in allem, was Mann bisher geschaffen
+hatte, und erwartet, seit ihre Elemente in den Romanen
+der Herzogin lagen: der Komödiant, der gewissenhafte
+Abenteurer verantwortungsvoller Worte. Ihm wird
+die Leidenschaft der großen, starken, raschen Menschen
+zugetragen, um die er weiß, nach der er sich kaum zu
+sehnen wagt; ein leidenschaftlicher Versuch verstrickt ihn,
+sie anzunehmen &mdash; ihn, dem die Entführung der kleinen
+Prinzessin Nora doch nur seelische Übung war, nicht einmal
+gesellschaftliche Habilitation &mdash;; ihm gelingt noch der
+Glaube an dieses Leben, dieses heroische Leben der Frau,
+die das Buch besiegt; aber schon denkt er, was für ein
+Werk er daraus formen wird, spielt auf der Bühne seines
+Manuskripts, die Tat mißlingt, er bleibt: ein beschämter,
+verurteilter Komödiant. Welche Herbheit! welche Süßigkeit!
+Wie hat er gespielt! Wie hat er gelebt &mdash; nicht wissend,
+daß er lebte, daß dieses Leben war, doppelt, da er dies
+Leben, dieses Versagen erlebte! So weit und reich ist
+das Leben in der Novelle Heinrich Manns; in jenen
+kühnen Sätzen, in denen seit der Herzogin von Assy die
+ganze Seele in eine rasche, berückende, prunkende Geste
+gebracht ist (und dies bei Menschen, die alles andre eher
+als primitiv sind); in denen selten eine direkte Rührung,
+immer aber eine direkte Erschütterung aufgerissen ist.
+Das Sein gerann in ihnen &mdash; sie sind längst nicht lebend,
+mehr als ein Aufriß, viel mehr als ein Ausschnitt des
+Lebens, sie sind Tat. Und es kommt alles auf die Tat
+an, eine Verwandlung ist geschehn, die unvergänglich
+ist: ein Märchen steht hier, schnell und kühn auch dieses, in
+berückenden Absätzen, durch die es flügelnd rauscht, ehern
+tönt und edelsteinern funkelt wie in allen Sätzen Heinrich
+Manns; ein Märchen steht hier, ein Leben abwickelnd, und
+heißt &bdquo;ein Gang vors Tor&ldquo;. Da er zurückkehrt, müde, bestaubt
+und verdorben, der Ausgezogne, der Mensch, und
+erfährt, daß alles: Liebe, Wunden, Verbrechen, Sehnsucht
+und Taten nur ein Gang vors Tor waren, denn
+das Beste war immer geschehn, bevor er die Augen
+öffnete, sein Traum hatte es vorweggespielt &mdash; da kehrt er
+um und will lieber, als bei den Alten sitzen zu bleiben,
+den Gang vors Tor noch einmal tun und wieder alles
+beginnen, was er versucht hat. In dieser übernatürlichen,
+antinaturalistischen Kunst, in der die Realität nicht um
+des Bildes, um der Kunst willen verachtet wird, sondern
+zugunsten der Wahrheit, die Zukunft heißt, &mdash; grade in
+ihr siegt, für immer, die Aktivität des Lebens.
+
+</p><p>Der folgende Roman, &bdquo;Professor Unrat&ldquo;, ist der &bdquo;Natur&ldquo;
+näher, als, bis auf wenige spätere Novellen, eins
+der Mannschen Bücher; aber auch er, da er sie konzentriert,
+ordnet und versammelt, belebt und besinnt sie; nur seine
+Farbe bleibt ihr näher. Es gilt &bdquo;das Ende eines Tyrannen&ldquo;,
+das andre Problem: die Macht. Sie, die Verrat
+am Geiste ist &mdash; und äußere der Geist sich nur am Stehpult
+in einer grammatischen Arbeit, die, formal und fein,
+scharf und wesentlich dennoch einsam macht und erdrückt,
+&mdash;, muß ohne Liebe, ohne mindestens den Ausgleich der
+Demokratie, zum Irrsinn führen: der Mächtigste selbst,
+wenn seine Maßlosigkeit der unterworfne Pöbel dumpf
+erträgt, entfesselt die Anarchie. Welche Steigerung des
+Gefühls gibt es denn noch, als gegen sich selbst die Gewalt
+loszulassen? Daß Gymnasialprofessor Unrat an
+einer Chansonette zuschanden wird, bis zu der er seine
+Schüler verfolgt &mdash; den einen vor allen, der dem Geiste
+verfallen scheint und der Macht am gefährlichsten ist,
+da er sie von vornherein prompt und einfach bezweifelt &mdash;;
+die scharfe Heiterkeit dieses Buches; das Ungeheure der
+Unratschen Entgleisungen; der dröhnende Weltwitz, daß
+die Künstlerin Fröhlich, da sie der Macht nicht unterworfen
+werden kann, ihr gesellt werden muß und sie
+unfaßlich widerlegt und entarten macht; dies auf dem
+Grunde der Erkenntnis, daß der Bürger vor allen
+wurzellos ist, denn er klebt &mdash; dieses alles und daß dieses
+Buch neben allem auch amüsant ist, hindert und ändert
+nicht, daß es beispielhaft ist, ernst, und das Leben achtet,
+dem es sich unlegendär näher hält. Auch zu ihm wachsen
+Fäden von den &bdquo;Göttinnen&ldquo;: dieser Lohmann, wenn
+auch ein Kaufmannssohn der norddeutschen Kleinstadt, ist
+ein gymnasialer Verwandter Ninos, die Gesellschaft der
+Künstlerin Fröhlich läßt noch einmal an jenen Variétéhahn
+des dritten Bandes denken, und ein fernes Bild
+der Herzogin selbst taucht in der exotischen Gattin eines
+Konsuls auf, zu der Lohmann seine heftige, schwermütige,
+tief wahre und in der Form ein wenig mühsame Liebe,
+die mehr als nur aus Liebe notwendig ist, richtet.
+
+</p><p>Sie ist, diese Liebe, Thema einer Novelle &bdquo;Die Unbekannte&ldquo;
+des nächsten Bandes &bdquo;Stürmische Morgen&ldquo;.
+Die Gewalt einer Liebe wird zusammengefaßt; feierlicher,
+da sie schon in einer Knabenseele sich ereignet,
+größer, da sie mehr als nur Liebe, da sie die Beziehung
+zum Besondren, zur Schönheit und Bewegtheit des
+Lebens ist, Traum der Tat und Notwehr gegen den
+bürgerlichen Tag; und da sie nur ernster ist vor dem
+grausam witzigen Abbruch, der diesem Knabenherzen
+angetan wird, das &mdash; unverlogen, aber rein dargestellt,
+wie es eben ist &mdash; reiner ist als die Welt. &bdquo;Abdankung&ldquo;
+wiederholt, knapp und gewaltsamer im kleineren Kreise,
+das Thema von der Macht, die sich überbieten muß, der
+nur die Wollust noch bleibt, im letzten Übermut die unterworfnen
+Gewalten gegen die eigne verworfen hingewandte
+Brust aufstehn zu heißen. Auch diese Novelle
+endet kurz in ungeheurem Ernste. &mdash; Und &bdquo;Heldin&ldquo;, die
+stirbt, damit sie die Welt gut wissen darf; lebt sie doch
+von ihrer Liebe! und &bdquo;Jungfrauen&ldquo;, die sich noch einmal
+aus dem Sturm in den heiteren Kreis ihres schwesterlichen
+Lebensmorgens retten &mdash; welche Anfänge! Was
+für Morgenluft auf diesen Seiten! Meerfrisch, voll Witterung
+der Küsten einer Zukunft; Kinder, die nicht verkindlicht
+werden, verwickelte und nicht umgelogne Kinder
+einer großen Zeit und des ewigen Landes.
+
+</p><p>Stärker werden Macht und Geist, Erfolg und Liebe
+kontrastiert in dem Roman: &bdquo;Zwischen den Rassen&ldquo;.
+Ganz gleich, ob er eigner Not entstammt, wie Professor
+Unrat vielleicht eigner Rache, &mdash; ist nicht auch er im
+Werke Heinrich Manns von Anfang bestimmt? Nicht
+als Abkehr von den Unrassigen des Schlaraffenlandes:
+aber Violante von Assy stand über den Rassen &mdash; allen
+fern und geheimnisvoll zugewendet! Man erwarte hier
+keine naturwissenschaftlichen Probleme, keine billigen und
+falschen Theoreme: der Kampfplatz der Rassen ist das
+eigne Herz, es geht nicht um Blutmischung, die höchstens
+Anhalt und Ausdruck ist, sondern um Lebensführung.
+Was ist denn Wirklichkeit; ist alles Leben mehr als ein
+Gang vors Tor; sollen wir das Wunderbare zerstückelt
+tun oder ganz betrachten? Violante von Assy, die zeitlose
+Heilige unsrer Zeit, konnte nacheinander dem Geist
+und der Tat, der Anschauung und der Handlung leben,
+und lebte schließlich doch alles in jedem. Wir müssen uns
+entscheiden. Und es siegt die Betrachtung, die sich zur
+Handlung aufreißt und aufrichtet, der Geist &mdash; und jeder
+andre ist vernichtet &mdash;, der Tat gebiert, selbst Tat wird.
+Es siegt Arnold, als er aus sich tritt und mehr vermag
+als Pardi. Aber was sagt dies, ohnmächtige Abstraktionen,
+von der Fülle und Gewalt dieser Dichtung! In
+ihr ist nicht nur Jagd nach Liebe: in ihr ist Liebe. &bdquo;Wie
+wir uns lieben!&ldquo; &mdash; von hier an klingt es immer wieder.
+Wir schlagen auf: eine Mondnacht steht da, in zwei
+Sätzen weit, groß und ewig, weiß über brennende
+Büsche an den Waldrand. Wir blättern weiter: jede
+Nuance jeder Art von Geselligkeit, die raschen, mäßig
+wahren Wallungen einer einfachen Seele und jede
+Besinnung einer schwierigen. &mdash; Es muß noch einmal
+wiederholt werden: der Roman ist um so besser, je
+mehr er Dinge enthält und je aufrichtiger er sie darstellt.
+Dieser hier enthält wie jeder Heinrich Manns und
+kaum weniger als die Romane der Herzogin von Assy
+alles, und mit der unnaturalistischen Lebensnähe letzter
+Wahrheit.
+
+</p><p>Wieder ein Roman: &bdquo;Die kleine Stadt&ldquo;. War jener
+ein Lied, ehern gesungen aus schluchzenden, zuckenden
+Mündern, war die Herzogin von Assy eine Kantate des
+Lebens, dieser ist ein fugiertes Hohes Lied, von einer
+Polyphonie, daß die Bewunderung die Sprache verliert.
+Die ganze Comédie humaine auf engem Raume, und
+nicht mehr Comédie; es gibt keinen Roman Europas,
+der mehr Gestalten bewegt, nicht einmal der der Göttinnen;
+aber wie sollte je ein Leser den Schneider Chiaralunzi
+mit dem Kaufmann Mancafede verwechseln!
+Die ganze Stadt ist Held dieses Buches; der zum Zwerge
+versunkne Uralte und der Baron, der Caféhauswirt und
+der Priester, der Advokat und die Hühnerlucia, Nello
+Gennari und Alba, und sie alle, jeder umhüllt von seiner
+Musik. &mdash; Das furiose Accelerando bis zum Prestissimo
+politischen Kampfes, der &mdash; merkt es wohl! &mdash; aufrichtig,
+um das Ideal, in bitterem Ernst geschieht; das Andante
+der Andacht, Allegro staccato geistiger oder künstlerischer
+Leidenschaft, und das verlorne Zeitmaß der Liebe &mdash;
+Heinrich Mann, dem die Kunst am ehsten sich immer in
+Bildern darstellt, während am Gesang ihn die Arbeit,
+das Werden interessiert, hat das äußerste an Musik den
+Dingen hergegeben und aus ihnen gezogen; nicht in der
+berauschenden Sprache nur, mehr als nur in der außerordentlichen
+Komposition: in den Begegnungen der
+Seelen, in den Geschehnissen, im Ablauf und im Sinn.
+Und in der Musik selbst: in der Aufführung der Armen
+Tonietta, die eine zielsichere Hand über Terrassen und
+durch Kapitel dehnt und leitet, wie das Spiel im dritten
+Bande der Göttinnen. Was für ein Regisseur! So ist,
+vice versa, der Kampf zwischen den Parteien kapitellang
+geführt, genau und unpedantisch, atemlos in der
+Gebärde und mit überlegen gespartem Atem in der Darstellung;
+eine Holzerei, könnte der Kritiker einer Realität
+sagen, aber an Ernst und Bedeutung gewiß nicht die
+gewöhnliche Klopffechterei der sattsam bekannten Dramatik,
+antwortet ein aufrichtiger Leser. Eine Komödiantengesellschaft
+ist in die Stadt gekommen: und ihr Leben
+und ihre Kunst verändern die Stadt, vergeistigen und
+vergröbern sie, stürzen und erheben sie, führen sie menschlich
+zusammen zu Tod und Frieden. Im Dichter war von je
+die Sehnsucht übermächtig &mdash; nicht nur nach jenen gütigen,
+geistigen Menschen, von denen in besten Zeiten Jünglinge
+träumen: nach jenen Menschen wenigstens, die stark und
+einheitlich leben, die so stark sind und so groß glauben, daß
+sie zur Tat kommen &mdash; sei es auch noch nicht die größte, die
+gütige Tat (zu der freilich, im stürmischen Morgen, jenes
+junge Mädchen, die Heldin kam); nach jenen Menschen,
+die wir nur noch, wie Pippo Spano, im Bilde kennen.
+So hatte Heinrich Mann die Menschen zu den Bildern
+geflüchtet, hatte Renaissancenaturen in die heutige Umwelt
+gestellt: in diesen letzten Bänden sind sie zu Menschen
+von der Wucht, dem herrischen Selbst, der reinen
+Stärke, der Verschrobenheit und harten Vielfältigkeit
+der Renaissance ausgestaltet, Menschen dieser Zeit
+oder einer kommenden. Und in der kleinen Stadt, die
+dies nach unten vollendet, leben Menschen, die, wie
+das Volk jener Zeit gewesen sein mag, sind. Er ist gerecht,
+der Dichter: auch der Priester, der Fanatische, ist
+verirrter Diener am Geiste und gerechtfertigt.
+
+</p><p>Dies ist nun das Geschehnis des nächsten Bandes, der
+Novellen, die nach der ersten &bdquo;Das Herz&ldquo; heißen; in
+einem Wort: die Renaissance des Menschen. Wie sollte
+es möglich sein, von diesen Novellen etwas zu sagen!
+Etwas, das mehr wäre als dies: sie erzählen von Herzen;
+sie vollenden die Renaissance des Menschen. Sie sind
+dem übrigen Werke fest verbunden: die Geschichte der
+armen Tonietta wird erzählt, dem nächsten Roman in
+wilder, genauer Verspottung vorgearbeitet (&bdquo;Gretchen&ldquo;);
+Herzen dulden und erfüllen sich; das Geschick der Schauspielerin
+wird wieder aufgenommen, und auch ihm geschieht
+die äußerste Erfüllung: die Härte schmilzt ab; daß
+sie spielen wird, daß sie im Wahnsinn peinvollen Erlebens
+schon aus dem Grunde ihrer Seele spielte, das
+rettet sie, es ist Ursprung und Heilung der Mängel ihres
+Erlebens, ist Gift und Heilmittel. Dies gilt, und gilt
+viel weiter: der Schauspieler, der alle Keime der vielen
+Gestalten seines Herzens wechselnd entwickelt, ist das
+Urbild des Künstlers, denn alle Kunst ist Selbstdarstellung;
+nicht nur die Dichtung Heinrich Manns, sogar die
+Malerei; und letzten Endes ist der Schauspieler der deutlichste
+Ausdruck des Menschen, mindestens des sozialen
+Menschen, wohl des moralischen Menschen, und wohl des
+ganzen Menschen überhaupt.
+
+</p><p>In den Romanen der Herzogin von Assy trafen und
+erkannten sich Renaissance und das Heute &mdash; nein, das
+Morgen &mdash; in der Mitte: in heroischer Landschaft der
+Gegenwart. Im letzten Novellenbande, der &bdquo;Rückkehr
+vom Hades&ldquo;, ist einheitlich von der späten Antike bis in
+die Zeit des Risorgimento die Renaissance des Menschen
+&mdash; als Mal für das lebende Geschlecht durchgeführt.
+Die Rückkehr vom Hades, ernstestes Komädiantenstück,
+voll Süßigkeit und Wildheit, thrazischem Aberglauben
+und achivischer Andacht; die Branzilla, Sängerin, härter
+als Properzia Ponti, nur physisch von der Sängerin
+der kleinen Stadt verschieden, sie, die böse ist vor Größe,
+sie, die Verbrecherin des Vollkommnen. Wie ist hier
+gearbeitet: drei die Zeit deutlich machende Winzigkeiten
+&mdash; eine Borte, ein Toilettenstück, irgend etwas &mdash; werden
+angegeben; dann beginnt ein Dialog, der, die Stichworte
+selbst aufnehmend, meist Monolog ist; und ergießt
+sein letztes. Ferner: Mnaïs, die andre Galathea, die
+dem vor sie hingestohlnen Knaben nachts ihr einfaches
+Hirtinnen- und Statuengeschick erzählt, abergläubisch,
+innig in gütiger Bescheidenheit, bebend vor Süße. &bdquo;Einfach
+sein und sich lieben!&ldquo; wiederholte Properzia Ponti,
+die das eine nicht, das andre zu gewaltig und falsch
+konnte. Ähnlich diesen der Monolog der Ginevra degli
+Amieri, die (in &bdquo;Zwischen den Rassen&ldquo; schon erwähnt)
+nach dem Tode wiederkommt und nur vom Geliebten,
+dem sie sich zu gestehn nicht gewagt hatte, aufgenommen
+wird. Und &bdquo;Der Tyrann&ldquo;, der Branzilla im Bösen
+und in der Einsamkeit verwandt, vollkommen im Verbrechen,
+der, dennoch sehnsüchtig aus der Macht, die
+Wahrheit sagte, als er verriet, gegen sich selbst, und verzerrt
+bleibt statt beschämt. Alle diese Erhabenheit, diese
+sanften und harten, diese schonungslosen Werke &mdash; und
+das letzte: &bdquo;Auferstehung&ldquo;, das Werk von unerreichter
+Komposition, unnachahmlich gedrängter Kraft des Vorgangs
+und des Tones &mdash; die Geschichte jenes Abtrünnigen
+und doch Zurückgeführten, die man auf den Knien lesen
+sollte: sie hat unser Leben errettet, wir können uns nicht
+mehr töten, vielleicht werden wir ewig sein: unvermittelt
+ist zu wissen, daß der Weg der Menschheit, führe er im
+Kreise und durch Not und Schmutz, daß er aufwärts
+steigt; gehe er durch Jahrhunderte oder Jahrtausende, er
+geht zum Ziel, und nicht zu einem zufälligen: zur Menschheit,
+des Menschen Weg. Ihn führt, den Weg des Geistes,
+auch hier die Liebe; wie schon Fulvia, wie Violante von
+Assy, ist die Frau vielleicht nicht Trägerin der Idee &mdash;
+auch dies mag sein &mdash; aber Führerin; sie mag sie selbst
+vom Manne genommen haben, mag sein, sie fanden sich
+in ihr &mdash; und ihr führt sie den andern zu.
+
+</p><p>Schon liegen neue Novellen vor, an die Art des
+Bandes &bdquo;Das Herz&ldquo; geschlossen, in wenigen Sätzen das
+Wesen eines Geschicks, die Seltsamkeit des Vertrauten,
+den Sinn des Alltags sagend: &bdquo;Der Vater&ldquo; etwa, und
+&bdquo;Der Bruder&ldquo;. Groß steht unter ihnen &bdquo;Die Tote&ldquo;,
+die Novelle eines Betrognen, der sich betrügen läßt &mdash;
+da dieser Betrug seine Seele reicher wandelt, statt sie
+aufzuheben; es kommt für diese Entwicklung des Geistes
+so wenig auf das Mittel an, daß nicht nur ein Betrug,
+sondern sogar ein in jeder Hinsicht &mdash; ökonomisch und
+psychisch &mdash; unwirksamer Betrug sie bewirkt: doppelte
+Parodie, und wie reich, und wie einfach! Schon besteht
+ein neuer Roman, &bdquo;Der Untertan&ldquo;. Noch einmal kehrt
+Heinrich Mann in die deutsche kleine Stadt zurück, zu unerbittlicher
+Kritik, hingestellt, nicht hingesagt, in einem
+Kunstwerk von geschmeidiger Härte. Er findet nur einen
+Gerechten, den alten Buck, den Aufrechten der vierziger
+Jahre, einen deutschen, ruhigeren, aber nicht weniger
+festen San Bacco. Und dieser stirbt: am Ende liegt er
+auf dem Bett, wie früher Claude Marehn und Violante
+von Assy; und an <i>seinem</i> Bett erscheint der Feind.
+Wäre nicht die Hoffnung, daß einige Knaben mit gefurchteren
+Stirnen, als sie in der Stadt üblich sind, noch
+bis zuletzt ihn, den Verfemten, gegrüßt haben &mdash; o,
+warum sind die San Baccos, die Bucks so alt! und die
+Ninos sind so gefährdet! &mdash; Dies wird als der Roman
+des neuen Kurses, der erste und der einzige, bekannt
+werden, eindringlicher, als es kurz gesagt werden kann;
+und wenn dem Bürger den ersten Roman noch zu genießen
+gelang, hier empfängt er den Todesstoß.
+
+</p><p>Dies ist das epische Werk Heinrich Manns &mdash; zu
+dessen Lobe noch etwas sagen zu wollen vermessen wäre.
+Aber es ist noch nicht das Werk: da sind noch die Dramen,
+deren eins &bdquo;die Schauspielerin&ldquo; wieder darstellt, und
+eins, &bdquo;Variété&ldquo;, Episoden der Umgebung, die ihr Geschick
+ist, da ist die rührende Gestalt Brabachs, und Madame
+Legros, die neue, einfachere, aber reiner besessene Jungfrau
+von Orleans, davon entzündet, daß ein Unschuldiger
+leidet, darum in eine Umgebung sich begebend, die gelockert
+ist, weil keine Idee sie hält, die zerfallen wird &mdash;
+und einfach zu sich zurückkehrend.
+
+</p><p>Da sind noch Essays, in einer bisher ungekannten
+Vollendung; über &bdquo;Geist und Tat&ldquo; die wichtigsten, Aufrufe
+zum Geiste (und des Geistes zur Tat) gegen die
+Macht, über Flaubert, Choderlos de Laclos, Zola. Auch
+diese Aufsätze gehören in das Werk eines Unerschöpflichen.
+Es nimmt einen Umfang an, daß die homerische
+Frage aufgeworfen werden könnte, wenn ihn nicht einige
+gesehn und gehört hätten &mdash; einen Mann hinter einem
+Werke. Seine Aufsätze sind Romane europäischer Begebenheiten
+und Personen, Novellen europäischer Gedanken
+(die keiner besser formulieren könnte, als er es tat:
+im Aufsatz über den Europäer, den er erkannte, wenn er
+ihn nicht entdeckte). Sie haben den heroischen Stil seiner
+Epik, diese Wendungen, die erzittern lassen vor ihrer Genauigkeit,
+diese Sätze, die Tore aufsprengen bis in den Abgrund,
+diese Leuchtkugelworte, die Musik dieses Schmelzens
+oder Berstens. Seine Sprache, das vollendetste
+Deutsch, das seit Heinrich von Kleist geschrieben wurde
+(aber den an Härte übertrifft wie Stifter an Reinheit,
+den Amerikaner Poe an Präzision; und Shakespeares gelenkigen
+Überschwang erreicht), seine Sprache hat die
+Vorzüge aller europäischen Dialekte; ihr gelingt das
+südlich dunkle Timbre und die scharfe Sachlichkeit eines gescheiten
+Norddeutschen; sie kann die ausrufende, biegsame
+Naivität des Italienischen haben und die schnelle Helligkeit
+des Französischen, ja seine hart hitzigen Wendungen, seine
+Verschiebungen gewinnen, &mdash; und kann dies alles, während
+sie mehr als nur fehlerloses Deutsch bleibt. Das ist
+die europäische Sprache &mdash; europäischer Romane, des
+europäischen Romans, den Heinrich Mann geschaffen hat.
+
+</p><p>Was vermag dieser Stil! Wie biegt er sich, und wie
+trifft er: Ginevras Hirn liegt entblößt, daß wir jede
+Mühsal ihres Erkennens fühlen und erschreckt in ihre
+Zeit beschränkt sind; aber auch die sanfte Stirn der Contessa
+Blà leuchtet klar, auch Käthchen Zillig sitzt auf
+starken Rundungen weißblond bei uns, und die Künstlerin
+Fröhlich bewegt sich &mdash; so schafft er mit bildnerischer Kraft
+den Leib. Wir schlagen einen Band auf &mdash; das erste
+Wort, wir lesen: &bdquo;mit trocknem Mißtrauen&ldquo;. Wer fühlt
+es nicht? Wir blättern &mdash; es ist &bdquo;Zwischen den Rassen&ldquo; &mdash;
+zum ersten besten: &bdquo;Gugigl warf ironische Blicke dazwischen;
+plötzlich schnitt er ein Gesicht und fragte, ob die
+Rede von Zuckerwerk sei. Die Damen kicherten. Pardi
+hatte nicht verstanden. Er blieb süß; und doch ging in
+seinem Lächeln jäh ein Hinterhalt auf, eine Drohung.
+Gugigl bekam eine treuherzige Miene. Darauf verbeugte
+Pardi sich ein wenig, als habe er Genugtuung erhalten,
+&mdash; und wendete sich wieder Lola zu.&ldquo; Wieviel Wechsel
+in einem Satze! Was für Verbindungen! Durch was
+für Zustände sind wir geführt worden! Aber um was
+nicht weiß auch alles dieser Dichter; welche Geheimnisse,
+welche Künste, welche Rezepte &mdash; wie etwa, in der kleinen
+Stadt, jenes Italias mit den getrennten Fingern! Dieser
+Stil bleibt absolut überlegen jeder Situation, der unwahrscheinlichen
+Fülle von Episoden: das heißt er ist
+episch. Vielleicht wäre diese epische Fülle nicht möglich,
+wenn Mann Lyriker wäre, bei einer Vielzahl lyrischer
+Entladungen. So kommt, aus verdrängter Lyrik &mdash;
+welche Arbeit! welche Entsagung! &mdash; die tiefe Färbung
+jeder Einzelszene, die Glut, Herbheit und Süßigkeit, das
+Wirkende. Denn das Wirkende jeder Einzelheit in der
+Kunst ist lyrisch, alles Verbindende episch.
+
+</p><p>Als Epiker geht Heinrich Mann ganz in die Menschenerde
+ein. Er fragt nicht nach dem Himmel, Gott ist
+höchstens ein Requisit der Gestalt; ihn selbst kümmert er
+nicht, und von der Hölle zeigt er nur die Zurückgekehrten.
+Aber nicht mehr, wie im bürgerlichen Roman, gilt es
+Charaktere; sondern mehr, es gilt Menschen. Psychologie
+ist nicht mehr als ein Mittel. Seine Gestalten sind ihr
+Typus, sind die Idee ihrer selbst. Wovon sprechen sie,
+in seiner Sprache? Von sich selbst, vom Leben, weil es
+des Menschen Leben ist, und vom Ideal; alles andre ist
+Durchgang, Ausdruck oder Zubehör. Wovon sprechen
+sie? Sie antworten sich immer selbst, mit Ausrufen, die
+einschneiden, sie erwarten nur Antworten, die sie schon
+wissen. &bdquo;Wie wir uns lieben!&ldquo;
+
+</p><p>Es sind die letzten Menschen, die erlebten und zu erleben
+sind. Zwar die Skepsis erschüttert nur den Tyrannen
+(warum nicht den Empörer? ganz einfach: weil er recht
+hat!), doch sie alle sind fragwürdig gemacht, alle, sie haben
+sich zu behaupten. Man könnte sagen: amerikanische
+Schicksale &mdash; wenn die Unbegrenztheit ihrer Möglichkeiten
+nicht auf einer bewußten Regelung ihrer Triebe
+beruhte und nicht getränkt mit allen Raffinements und
+allen Edelmuten Europas wäre; und wenn die Farbe
+nicht ins Romanische tendierte, also höchstens nach Südamerika,
+das wir nicht recht zu Amerika mehr rechnen.
+Sie alle haben sich in diesen Schicksalen zu behaupten,
+warum sind die San Baccos alt, die Rinos so gefährdet,
+warum stirbt Violante, unbewegt und nach allen Erschütterungen?
+Sie sind in Frage gestellt, aber diese
+Fragwürdigkeit, zu allem bereit, ist unsre Kraft. Das
+Abenteuer ist unser Beginn. Dieses Werk ist, weit über
+das Antibourgeoise hinaus, die große Folge des unbürgerlichen
+Romans. Der Dichter sagt, wen er Bürger
+nennt: &bdquo;alle, die häßlich empfinden und ihre häßlichen
+Empfindungen obendrein lügenhaft ausdrücken&ldquo;. Nichts
+mehr von Bürgertum, nichts mehr vom Tage. Es gilt
+die weiteste Beziehung; nicht einer Familie wird durch
+die Zeiten gefolgt: eine Rasse wird in der Ewigkeit der Zeit
+gelebt, die geistige, die Menschheit heißt. Die Menschheit,
+nicht mehr als Comédie, schonungslos und ehrfürchtig
+angesehn, hinter dem Erfolg, auf der Jagd nach Liebe, die
+große, arme Menschheit, menschlich betrachtet, nach ihrem
+Recht befragt und mit ihrer Verheißung gesegnet.
+
+</p><p>Alles ist in diesem Werk, alles Menschliche. Alles:
+Liebe und Erfolg, das Geld (groß ist, daß es hier nicht wie
+so oft verschwiegen oder verleugnet wird), Sucht nach Liebe
+und nach Erfolg, Qual des Strebens und Bitterkeit des
+Gelingens, das Schwerste sogar: das Vollkommene &mdash;
+ist Schönheit geworden. Was aber ist Schönheit?
+
+</p><p>Erstens: eine Waffe, dann &mdash; ein Gebot. Und dann
+eine Verpflichtung. Kein Sein und keine Ruhe. Aufreizend,
+revolutionär. Hier ist keine Schilderung, kein
+Abmalen, hier ist kein Verweilen, das Romanwerk ist
+unter die Idee gestellt. Unter welche? Es gibt, von hier
+aus und zur Schönheit, nur eine: die Renaissance der
+Menschheit. Ihre Rufe: Gerechtigkeit! darum: Freiheit!,
+und darum: Demokratie! und Tat! Um ihretwillen hat
+Mann dem ihm doch fremden Zola preisend nachgelebt,
+sie hat er aus dem französischen Werke entwickelt. Sein
+eignes Werk, groß wie mindestens die Comédie humaine,
+ist der Roman, der die Idee wiedergefunden hat. Er,
+der Leidenschaftlichste, wenn nicht von Person, so doch zumindest
+im Werk: er bekennt den Rationalismus, nicht
+für die Betrachtung &mdash; für die Ordnung. Die Kunst steht
+immer, wenn sie echt ist, ganz auf der linken Seite; auch ist
+sie rechts, die viel zu viel Bewegung hat, von je verdächtig.
+Die großen Romanwerke waren, außer den sehr anzweifelbaren
+Walter Scotts, liberal. Das letzte, Heinrich
+Manns, zieht die Konsequenz: es ist demokratisch. Dies
+aber im Sinne der groß, frei und ganz Lebenden, der Starken
+und Tätigen, der Gütigen und Geistigen &mdash; es ist also
+die echte Demokratie, die nichts als die verwandelte Aristokratie
+ist: möglichste Herrschaft des Geistes, Tat des Geistes,
+der die Gewalt vernichtet. Hier greift er zu seinem
+nächsten, der Kunst, die nun ganz Ausdruck ist. Der neue
+Roman, europäisch, unbürgerlich und revolutionär, hat im
+Werke Heinrich Manns die Idee auf sich genommen: die
+Renaissance der Menschheit, die Auferstehung.
+
+
+</p>
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
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+
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+
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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