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+The Project Gutenberg EBook of Das Werk Heinrich Manns, by Rudolf Leonhard
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Das Werk Heinrich Manns
+
+Author: Rudolf Leonhard
+
+Release Date: August 2, 2010 [EBook #33327]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WERK HEINRICH MANNS ***
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+Produced by Jens Sadowski
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+Rudolf Leonhard
+
+Das Werk Heinrich Manns
+
+ »Aber er, der ehemals lachend den
+ Lästerungen getrotzt hat, würde heute
+ wohl mit Lächeln den Ruhm hinnehmen,
+ der selten mehr ist als ein
+ weitverbreiteter Irrtum über unsere
+ Person.«
+ Heinrich Mann über Choderlos de Laclos.
+
+
+
+Seitdem der Roman aus der quellenden Unordnung eines gereihten Berichts
+zahlreicher, zählbarer Ereignisse zu einer Kunstform beschränkt wurde, ist
+er nur voller, erfüllter geworden: hat er, in höherem Sinne als eine andre
+Form, die Totalität des Kunstwerks gefunden. -- Anders als im Drama,
+vergleitet in ihm das Ereignis und steht ohne Auszeichnung zwischen
+Zuständen; und die Auswahl, deren Gesetz auch er unterstellt ist, geschieht
+breiter, vielleicht weniger scharf und gewiß weniger beschränkt. Und so ist
+seither -- auch deshalb schon, weil er näher als irgendeine Kunstform dem
+Gange des Lebens zugeordnet ist -- natürlich eigentlich nur die Rundung und
+Vereinigung von jedes Dichters epischem Bekenntnis in _einem_ Roman. So hat
+Mörike einen Roman bescheiden geschrieben, hat Schlegel die eine Luzinde
+hinterlassen, die nicht formlos, sondern monströs ist, der erste Roman vom
+Blute des neunzehnten Jahrhunderts, der erste zynische Roman nach den
+pädagogischen; Novalis den einen Ofterdingen, den er nicht vollendete; und
+Goethe hat die drei Leben, die er eins hinter das andre gesetzt hat, jedes
+in einem Roman festgestellt. Dies ist natürlich; der Roman ist angelegt,
+der Ertrag eines Lebens zu sein, und dies waren nur Beispiele; es ließe
+sich zeigen, daß manches an Nummern reichere Werk doch um den _einen_ Roman
+gruppiert ist, mit andern Romanen, die Wiederholungen, Ergänzungen,
+Verwicklungen und Abschweifungen darstellen, und Übertragungen: wie etwa
+Thomas Manns Königliche Hoheit, bei aller Verschiebung, Entwicklung und
+Umfärbung, eine Wiederaufnahme der Buddenbrooks ist. Entgegen scheint nur
+das umfangreiche Werk der großen epischen Naturen zu stehn, erbaut zu einer
+Reihe -- meist an Ton und Umfang sogar, nicht nur an Art und Komposition
+gleicher Romane, deren keiner vor dem andern ausgezeichnet scheint. Für die
+Novelle ist es die Ausnahme, daß sie allein bestehn muß; ihre Notwendigkeit
+ist die Sammlung, der Band, ihr Gesetz ist die Gruppe. Ihr Streben zum
+Absoluten erfüllt sich auf dem Wege der Ergänzung und ausfüllenden
+Relation, denn sie hat zwar die formale Totalität jedes Kunstwerks, nicht
+aber die stoffliche: selten ist das Faktum, in dem ihr Bau gipfelt, von so
+einziger Rundheit und Strahlkraft, daß in ihr selbst die Einzigkeit des
+schöpferischen Willens vollendet steht. Dem Roman wieder ist die stoffliche
+Totalität, die Vollständigkeit des Weltbildes -- die kraft der Kunstmittel
+dem Gesetz, daß Kunst Auswahl ist, so wenig widerspricht wie die Kunst der
+Welt -- selbstverständlich. Aber große epische Naturen zwingen, eigenwillig
+bei aller dienenden Objektivität, das Gesetz _ihrer_ Totalität dem Roman
+auf und nötigen den einzelnen Roman, ungenügsam vor dem abgeschlossenen, in
+der endlosen Fülle ihrer Anschauung in die Reihe. Für sie ist der Roman, so
+geschlossen und undeutelbar sein eignes Leben auch steht, nur Kapitel im
+Werke; und es ist natürlich, daß sie, falls das Leben ihnen Vollendung
+gönnt, _einen_ Titel über die ganze Reihe setzen; sei es die Geschichte nur
+der Rougon Macquarts, sei es die ganze Comédie humaine. In der Tat gehört
+der Vater Goriot zu Eugénie Grandet wie die Grenadière zur Peau de Chagrin.
+Diese Romanreihen des naturwissenschaftlichen Jahrhunderts, in einem Lande
+entstanden, das zuerst die bürgerliche Wirtschaft, die bürgerliche
+Gesellschaft, die Herrschaft des Bürgertums vollendete, sind Musterfälle
+des deskriptiven Romans. Sie finden ihre Einheit und Totalität in der Fülle
+des bürgerlichen Lebens selbst, in der Vollständigkeit der Typen, der
+möglichst großen Zahl der Fälle; ganz deskriptiv dem bürgerlichen Leben
+gegenüber und ohne jede Kritik, wie bei Balzac, dessen Romane eine über
+alles, selbst das bürgerliche, Maß gediehene Dokumentierung der
+Bürgerlichkeit und des Bürgertums sind -- ohne jede Kritik, denn Balzacs
+gelegentliche Moralität ist, selbst bürgerlich, als Erscheinung des
+bürgerlichen Lebens stofflich gegeben; oder mit einer destruktiven, in der
+Wucht, Aufrichtigkeit und Schonungslosigkeit der Beschreibung liegenden
+Kritik ohne bewußte Richtung. Die Richtung ist in dieser Kritik, wie Kritik
+notwendig in jeder Beschreibung ist; sie kann hinein- oder herausgelesen
+werden, von einem, der zugleich ein übersichtiger Leser und ein gewaltiger
+Darsteller von gewaltsamer Aufrichtigkeit ist. -- Aber schon im Frankreich
+des bürgerlichen Zeitalters geschah eine Fortentwicklung: Gustave Flaubert
+fand den antibourgeoisen Roman, voll nicht nur innewohnenden, sondern
+deutlichen Hasses, aber antibürgerlich noch und darum stark und befangen,
+und antibürgerlich durch seine Vollkommenheit -- also durch Dasein und
+schweigendes Ethos --, und mit dem Ergebnis einer überaus edlen Absonderung
+und Privatheit.
+
+In Rußland ersetzt die Einheit der Stimmung jene französische Einheit des
+Stoffes, jene von der Grenze, die die Zahl der Erscheinungen bedeutet,
+umzogne Einheit. Dostojewskis Romane, so unlyrisch, wie Epik nur irgend
+sein kann (welche Überraschung, wenn im »Idioten« einmal ein Baum,
+unbestimmter Gattung, mit Lyrik ein Herz bedrängt!), sind riesenhaft und
+nahe, und fast grenzenlos, um das Herz der Erscheinungen getürmt,
+einheitlich im Willen, -- der, heißt das freilich, unbestimmt ist und auch
+den größeren Schein der Willenslosigkeit annehmen kann; -- und es sind,
+auch hier, die Brüder Karamasoff ohne den Idioten zwar vollendet, zwar
+vollkommen, aber nicht bis zum letzten Ende vollständig. In Italien, auf
+vulkanischem, der Kontinuität der Epik abgünstigem Boden -- höchstens in
+entarteten Malereien wird sie erreicht -- hätte vielleicht d'Annunzio ein
+großes episches Werk vollbringen können, und es wäre seine Einheit von der
+Leidenschaft oder doch von ihrer Geste bestimmt gewesen; Zufall, daß es
+nicht dazu kam -- denn selbst die Wirksamkeit psychologischer Bedingnisse
+nur aus der Seele des einzelnen Dichters ist ursprünglich Zufall, nicht
+Gesetz. In Skandinavien sei an das Werk Knut Hamsuns erinnert; und es
+entsteht vielleicht ein großes episches Werk in den Schöpfungen des großen
+Dänen Aage von Kohl, seine Romane, außerordentlich an Umfang, Darstellung,
+Gehalt und Bedeutung, sind zueinander bestimmt wie abgerundete Stücke eines
+Werkes, das einst geschlossen sein wird.
+
+Dies sei als Situation des europäischen Romans gegeben -- wobei man unter
+»europäisch« nur die Benennung einer Herkunft, die Zugehörigkeit in die
+noch lose Weite eines Kulturkreises zu verstehn hat, noch nicht eine
+Eigenschaft, ein eindeutig charakteristisches Merkmal. Noch liegen
+Provinzen der Seele und geistige Reiche zwischen dem mit ironischem Behagen
+noch im Angriff durchtränkten, zu vielen Spitzen geschliffnen, klugen,
+überlegnen, gesprächigen Romane des Anatole France und der urtümlich
+hingeschleuderten, noch in der klingenden Klarheit dumpf durchbrausten,
+ungefügen und rednerisch dunklen Buntheit der Werke Dostojewskis und seiner
+Nachfolger. Sollte ein europäischer Roman entstehn -- »europäisch« im Sinne
+einer Konzentration der Kräfte, im vollen Sinne eines Merkmals; im Sinne
+einer kommenden Zeit, da die Musik der Ursprünge voll in das eherne Spiel
+klarer, fechterisch gespannter, bronzener Gestalt gemündet hat --, sollte
+ein europäischer Roman entstehn, so war Deutschland für seine Geburt
+vorgesehn, geographisch und psychologisch, trotz aller Hemmnisse, die das
+jetzige öffentliche Leben des Landes einem so schmerzhaft aufrichtigen, so
+aggressiv politischen, in Leidenschaft und Geste so übermäßigen, einem so
+zynischen Werke bedeutet hätte. Aber es gab in Deutschland kein großes
+episches Werk, da es noch keine große epische Natur gegeben hatte. Wer war
+bei uns? Vielleicht E. T. A. Hoffmann; aber seine Prosa, noch immer mehr
+eine Angelegenheit der Philologen oder doch wenigstens schon der
+Bibliophilen, aber nur in Bruchstücken weiter bekannt, war ohne Vielfalt,
+war heftig, aber eintönig, und in den wesentlichen Stücken eng und von
+mäßiger Faktur. Kleist, der größte Prosaiker bislang, dessen Stil die
+meiste Intensität erreicht hatte, war im Kohlhaas jeder Ausbreitung eines
+Romans nahe gewesen, aber er war abgeschweift, tendierte zur Novelle, und
+sein Werk blieb so groß und im einzelnen einzig wie unvollendet. Keller, in
+seinem Wesen mehr Epiker und mit größerer Bestimmtheit Epiker als
+irgendeiner -- in seinem Gleichmut gegenüber allen Zuständen, seiner
+Unerschütterlichkeit, dem oft schon recht gefährlichen Behagen --, hatte
+sich willentlich beschränkt, nicht stofflich wie etwa Willibald Alexis, und
+doch selbst stofflich auch; und er war herzlich, von epischer
+Fühllosigkeit, doch ohne Inbrunst; seine Demokratie -- Epik ist
+demokratisch -- war Gefühl und noch mehr Gewohnheit, und zu wenig Idee, um
+die Einheit eines Werkes festzustellen. O, wir hatten Romane; Gutzkow, der
+das Rechte wollte und von der Literaturgeschichte verleumdet wird, kam zu
+keinem Ausgleich zwischen Geist und Wirklichkeit; es lag an ihm, an seinem
+Lärm und seiner Unruhe noch mehr als an den Tatsachen; so führte er in ein
+andres Gebiet und doch nicht weit von Tieck. Wir hatten Romane; Spielhagen
+war vielleicht der bestimmten Anschauung einer gesamten Zeit in
+Wirklichkeit nahe, aber er war bei aller Lebhaftigkeit befangen,
+schwächlich und von frevlerischer Nüchternheit, nicht weniger Freytag.
+Fontane beschränkte sich auf lebendige und warme Schilderung; Naturalisten
+klebten an der Wirklichkeit wie ihr Gegner Heyse, ein Spieler, am Schein,
+und waren dem Geiste gleich fern, fern und ferner. Sie alle -- erinnern wir
+uns nur an Spielhagen -- waren Bürger, meist weniger in der Art Balzacs als
+seiner Modelle. --
+
+Betrachten wir das Werk Heinrich Manns. Er begann mit Novellen, in einem
+Bande »Das Wunderbare«. Sie sind -- nicht für uns, die wir sie voll
+genießen, aber vom Dichter aus gesehn -- Versuche. Sie ertasten den
+dichterischen Ton und halten sich nahe am direkt und zunächst Poetischen.
+In der Titelnovelle spielen die weißen Winden eine ähnliche Rolle wie Rosen
+in einer Stormschen Erzählung. Das novellistische Ereignis ist eine
+ungewöhnliche Begegnung in märchenhafter Landschaft; einer Landschaft,
+deren Lage und Licht von ruhender Innigkeit breit beschrieben wird -- aber
+schon hier wird, in verzehrender Gebärde, dem novellistischen Ausholen die
+Frage enthoben: wie man leben soll, wie das Wunderbare aufnehmen, das
+Geistige halten.
+
+Diesen Orientierungen im Tone, in der Kunst der Erzählung folgt jene im
+Stoff, in den Leidenschaften: es folgt, in großem Wurfe bereits des
+Heinrich Mannschen Griffes, der Roman »Im Schlaraffenland«, ein »Roman
+unter feinen Leuten.« Es bleibt unverständlich, daß dieser Roman des
+Berliner Bürgertums nicht mindestens seine Modelle in einer ungeheuren
+Explosion durcheinander schleuderte, so heftig ist er nach einer Seite
+gespannt (-- aber das Berliner Bürgertum vermag eben sogar seine Karikatur
+mit belanglosem Interesse zu verdauen, zu belächeln, und, da es sie sehr
+gern bejaht, ohne Konsequenzen zu ziehn, abzustumpfen). Schon hier hat
+Heinrich Mann Totalität erreicht, aber der Kreis ist ganz nach einer Seite
+ausgewölbt, verzogen. Der große Stil der Leidenschaft, an Personen und
+Gegenständen eines Kreises von machtvoller Alltäglichkeit, Verquollenheit
+und Unform erprobt, muß eine riesige Groteske ergeben, aber eine Groteske
+leidenschaftlichen Stils und machtvollen Formats. Schon reicht der Atem
+Heinrich Manns zu souveräner Führung der Gestalten durch die ununterbrochne
+Darstellung ausgedehnter Feste. Der Dichter, dessen Richtung auf das
+Heroische, auf die großen Leidenschaften und die schönen Taten deutlicher
+wird, ergreift zunächst mit einem wilden Gemisch aus feindlichem Interesse,
+verächtlicher Aufmerksamkeit und sogar einer Art hassender Neigung -- für
+alles, was selbst hier wahre Geste, Willen und Aufrichtigkeit bedeutet,
+Lebensformen, die solchen, wie er sie sucht, so fern wie möglich liegen,
+den Kreisen gütiger, geistiger Menschen, von denen heiße Jünglinge schon
+schmerzlich träumen; ergreift diese Lebensformen. -- Er findet Fratzen,
+fett überquellende und hagere; und findet, im Übermaß besorgter, aber
+wuchtiger Arbeit, Gefallen an den Fratzen; verleugnet aber nicht, daß seine
+Intensität nur halb wirkt, und ruht, wo sie inbrünstig werden soll, daß,
+nach einem Meisterwerk bereits, wie es in jeder Hinsicht und Beziehung in
+Deutschland ohne Vorgang ist, daß trotz erstaunlicher, fast übermäßig sich
+gebärdender Sicherheit noch leerer Raum in ihm ist.
+
+Gleich das nächste Werk ist das höchste, das farbigste, das stärkste, das
+tiefste und lebendigste, das an Erfüllung möglich ist. Es sind --
+ehrfürchtig formen unsre Lippen den vertrauten Namen -- die drei Romane der
+Herzogin von Assy. Sie heißen: »Die Göttinnen.« Jene Violante von Assy --
+ist einer unter uns, der sie nicht geliebt hat, seit sie in seiner Jugend
+ihm an der dalmatinischen Küste begegnete, mit ihrer großen Welle schwarzen
+Haars über steinerner Stirn; jene Violante von Assy, die dreier Göttinnen
+Leben nacheinander durchmacht und damit alles Leben: Dianens, das heißt die
+Politik, das heißt die Tat, die immer nur zur Freiheit will; Minervens, das
+Leben der Kunst, des reinen Seins also und der klaren Einheit von Nähe und
+Ferne im Geiste; und in dem der Venus sich erfüllt, in einer Liebe, die sie
+selbst nicht ausschließt, die ungenügsam noch in der Leidenschaft ist und
+gesonnen wäre, sich mit dem All eben zu begnügen, wenn sie sich, in jeder
+Gestalt des Findens und Verbindens, nicht hütete auszuschweifen -- jene
+Violante, die so in einem klaren Ende vergeht. Violante von Assy, deren
+biegsam düstere Jugendgeschichte allein schon eine vollkommne Novelle ist;
+Violante von Assy, die einem winzigen König, einem lächerlich Entarteten
+der Macht, mit tödlicher Ruhe begegnet, die von einem bärtigen Tribunen
+genommen wird, ohne auf den Gedanken zu kommen, daß sie sich je verlieren
+könnte, die über die süchtigen, eifrigen Fettfalten eines Geldmannes die
+matt gemeißelten Achseln zuckt; die mit dem Maler Jakobus ringt, daß Blut
+spritzt, sich gegen Della Pergola, den gefährlichen Journalisten, mühelos
+behauptet, die sich dem bezaubernden, primitiven, tierisch entwickelten
+Abenteurer, dem Sohn der geschäftigen Fürstin Cucuru, bedenkenlos
+überlassen darf; die der Bildhauerin Properzia Ponti, der großen massigen,
+begegnet, die San Bacco, dem ritterlichen Freiheitskämpfer in allen
+Erdteilen, ruhig und ernst geneigt ist, und die den Nino traumhaft liebt.
+-- Aber wo sollen wir beginnen, und wo erst aufhören; die Fülle dieser
+Bände, dieses erhabenen Kunstwerkes, aus dessen klaren und kaum
+übersehbaren Massen nicht ein einziges Wort zu streichen ginge, anzudeuten,
+dazu gehörte ein Band seines Umfangs -- und seines schwellenden Tones,
+reif, süß, üppig und schmerzlich. Violante, Herzogin von Assy -- unter
+allen, die uns umgaben, entgegen ihnen allen, die stolz auf ihre Kaste sind
+und auf die Bezüge, in denen sie stehn, entgegen ihnen allen ist sie stolz
+auf ihre Einzigkeit; auf ihren Typus also, der die Idee des Individuums ist
+-- und damit verkündete sie, zuerst, die neue Größe des neuen Menschen. Wie
+wäre von ihr auszusagen, außer mit den Worten Heinrich Manns! Da aber, nun
+ist es oft genug gesagt, im Roman nichts fehlen darf, da _der_ Roman
+vollkommen ist, der ganz ist und alles enthält -- und dieser: was enthält
+er nicht! Von der dalmatinischen Revolution über die Ermordung der Blà bis
+zur kurzen Aussprache mit dem alten Diener, die an ihrer Stelle kommen und
+nach der Ökonomie des Ganzen nur dort und nur in diesem Umfange kommen
+durfte, aber kommen mußte: nach dem Anfange des dritten Bandes -- -- darum
+ist dieser dreifaltige Roman vollkommen. Was ließe sich mehr sagen als
+dieses, das kaum genügt! Und er ist beschämend wie alles Vollkommne,
+verpflichtend wie die Vollkommenheit -- und beglückend, da die
+Vollkommenheit möglich ist und näher, heißer als nur Ziel und Möglichkeit!
+
+Hier, ohne Studien und Übergang, ohne Reife, den Geruch nach Schweiß und
+aufdringliches Bemühn, ist sie schon erreicht: die Vollkommenheit, die
+Vieldeutigkeit aller Seiten; die Rundung der Töne (wenn Tamburini, der
+bäurisch robuste Priester, der derb begabte Politiker der Kirche, mit
+vollen Backen über dem Worte »Geld« hinausgeht, wir lachen nicht; nichts
+von Groteske; wir sehn ihm feindlich vielleicht, aber in schweigender
+Achtung und fast belustigt, was er tun wird, nach). Hier ist die Intensität
+der Inbrunst nach der Skepsis; hier ist das verzweifelte Schillern des
+Menschlichen, daß wir lesend erbeben, über so festem Grunde, daß wir die
+Vergeßlichkeit verlernen. Hier ist die Strenge des Menschentums, die
+Süßigkeit der Welt, groß geschwungne Üppigkeit und trunken taumelnde
+Trauer, Anbetung und, inbrünstig und farbig auch sie, Ironie, irritierend,
+belebend, nicht zersetzend. Hier ist Reife, Süße, Üppigkeit und Schmerz,
+Gewalt des Menschen und Größe der Erde -- im Lächeln ewiger Statuen und im
+Dunkeln fallender Terrassen, in Leidenschaften, Verwüstungen, Starrheit und
+groß beweglicher Erhebung, hier ist der Mensch; das Neue; die große Zeit,
+hier schon erfüllt: »ich möchte, daß Sie das andere sehen: das was sein
+könnte und im Grunde auch ist.« Hier ist, unvermittelt und kostbar, die
+mehr als die Zukunft bedeutet: die Zeitlosigkeit unsrer Zeit.
+
+Kein Atemholen: der Atem reicht, in kurzer Zeit den starken Band der »Jagd
+nach Liebe« folgen zu lassen. Ein Thema aus den Romanen der Herzogin: wie
+Claude Marehn, wie die Gestalten dieses Buches, ja wie seine Vorgänge und
+sein Stil gehetzt, aufgeregt und auf dem Zuge sind, so jagte Rustschuk
+hinter Violante, und nicht nur Rustschuk. Ein Thema der Romane Violantes,
+im Bande der Venus schon vollendet, hier aber zu einem Weltbild
+zugeschärft: aus dem Gesichtswinkel einer Manie, der reichsten übrigens,
+und ohne jede Verzerrung. Wenn hier auch München das Berlin des ersten
+Romans ablöst, hier ist nur noch ein Schein von Bürgertum oder seiner
+andern Seite, der Bohème, nichts von Groteske. Zwar Macht, Geld, Erfolg,
+alles Erstrebenswerte des Bürgers wird genannt, und es geschieht im
+bürgerlichen Sinne höchst Verblüffendes -- doch dieses Buch steht schon
+nach der reinen Erfüllung der Herzogin von Assy; da ist zuviel
+Leidenschaft, um die versteckte Halbohnmacht einer Groteske, die, wenn auch
+sieghaft, den überlegnen Geist dem Bürgertum ausliefert, zu erlauben. Nur
+die Kapitelüberschriften wiederholen den im Schlaraffenlande bereits zu
+Ende versuchten Ton. Hier ist, ganz in Handlung, für den bürgerlichen
+Alltag allzurasche, unerhörte, umgesetzt, ein Lied: kalte schleudernde oder
+funkelnde Abenteuer. Hinter den Abschnitten eines Festes, das in breitem
+Zuge Treppen und Flure eines Hauses und in langem Erzähleratem ein weites
+Kapitel füllt, erscheint jedesmal ein liebendes Paar, das stumm sich selig
+aneinander hält und blickt: ein Handlungsrefrain, wie er nun -- etwa seit
+Phili vom Hause der Assy in der Papierkrone durch den nüchternen Morgen
+stolperte -- häufig wird; ein Flötenruf, eine unsagbare Geste, ein
+Schmerzwort, das die Zähne bloß zerrt, ein Dolchstoß des unerbittlichen,
+schamlosen Geistes, und wieder ein Flötenruf: Handlungen, die Kehrreime in
+einem Liede sind. Das Lied, hier hat es ein Ende: Claude liegt zu Bett,
+sterbend und verzehrt wie die Assy, aber nicht erfüllt, satt, voll Geist
+und Licht gesogen wie die Assy; Geldgierige um sein Bett wie um ihrs; eine
+Ergänzung: was für ein andres, verzognes Sterben! Aber Ute ist bei ihm,
+während Violante einsam lag, -- denn Nino war in jenem öffentlichen Hause,
+schmachlos, wild, vorzeitig gefallen, wie es notwendig war. Hier gibt es
+Ute, die wir so liebten, mit ihrem roten Haar und großen Gliedern!
+
+Weiter: ein Band Novellen, »Flöten und Dolche«. Hier ist jene Fulvia,
+uralt, die Liebesgeschichten verachtet hat, weil ihr Herz nach Wichtigerem
+schlug, nach der Freiheit. Und sie, die Frau, lehrte die Freiheit den
+Stolzen, Besitzenden, Abweisenden, der die Geliebte des Freiheitskämpfers
+verlangte, -- daß auch er lernte, für die Freiheit zu fallen. Oder für sie,
+Fulvia? Nein: für die Freiheit. Die Liebe hat sich der Idee unterstellt; zu
+holdem Selbstbetrug vielleicht, aber blutig und im vollen Ernst. Daneben
+steht der »Drei-Minuten-Roman«: jenes Mannes, der die Gefährtin, eine
+sinkende und schon entwertete Courtisane, nach geringen Versuchen nie
+geliebt hat und immer zu lieben wünschte: und dem einmal, vielleicht, das
+Leben wirklich war, als er um sie in einer dunklen Straße kurz weinte; aber
+schon damals war er namenlos stolz auf diese Tränen . . . In »Pippo Spano«
+äußert sich die Meistergestalt dieses Buches, vorgezeichnet in allem, was
+Mann bisher geschaffen hatte, und erwartet, seit ihre Elemente in den
+Romanen der Herzogin lagen: der Komödiant, der gewissenhafte Abenteurer
+verantwortungsvoller Worte. Ihm wird die Leidenschaft der großen, starken,
+raschen Menschen zugetragen, um die er weiß, nach der er sich kaum zu
+sehnen wagt; ein leidenschaftlicher Versuch verstrickt ihn, sie anzunehmen
+-- ihn, dem die Entführung der kleinen Prinzessin Nora doch nur seelische
+Übung war, nicht einmal gesellschaftliche Habilitation --; ihm gelingt noch
+der Glaube an dieses Leben, dieses heroische Leben der Frau, die das Buch
+besiegt; aber schon denkt er, was für ein Werk er daraus formen wird,
+spielt auf der Bühne seines Manuskripts, die Tat mißlingt, er bleibt: ein
+beschämter, verurteilter Komödiant. Welche Herbheit! welche Süßigkeit! Wie
+hat er gespielt! Wie hat er gelebt -- nicht wissend, daß er lebte, daß
+dieses Leben war, doppelt, da er dies Leben, dieses Versagen erlebte! So
+weit und reich ist das Leben in der Novelle Heinrich Manns; in jenen kühnen
+Sätzen, in denen seit der Herzogin von Assy die ganze Seele in eine rasche,
+berückende, prunkende Geste gebracht ist (und dies bei Menschen, die alles
+andre eher als primitiv sind); in denen selten eine direkte Rührung, immer
+aber eine direkte Erschütterung aufgerissen ist. Das Sein gerann in ihnen
+-- sie sind längst nicht lebend, mehr als ein Aufriß, viel mehr als ein
+Ausschnitt des Lebens, sie sind Tat. Und es kommt alles auf die Tat an,
+eine Verwandlung ist geschehn, die unvergänglich ist: ein Märchen steht
+hier, schnell und kühn auch dieses, in berückenden Absätzen, durch die es
+flügelnd rauscht, ehern tönt und edelsteinern funkelt wie in allen Sätzen
+Heinrich Manns; ein Märchen steht hier, ein Leben abwickelnd, und heißt
+»ein Gang vors Tor«. Da er zurückkehrt, müde, bestaubt und verdorben, der
+Ausgezogne, der Mensch, und erfährt, daß alles: Liebe, Wunden, Verbrechen,
+Sehnsucht und Taten nur ein Gang vors Tor waren, denn das Beste war immer
+geschehn, bevor er die Augen öffnete, sein Traum hatte es vorweggespielt --
+da kehrt er um und will lieber, als bei den Alten sitzen zu bleiben, den
+Gang vors Tor noch einmal tun und wieder alles beginnen, was er versucht
+hat. In dieser übernatürlichen, antinaturalistischen Kunst, in der die
+Realität nicht um des Bildes, um der Kunst willen verachtet wird, sondern
+zugunsten der Wahrheit, die Zukunft heißt, -- grade in ihr siegt, für
+immer, die Aktivität des Lebens.
+
+Der folgende Roman, »Professor Unrat«, ist der »Natur« näher, als, bis auf
+wenige spätere Novellen, eins der Mannschen Bücher; aber auch er, da er sie
+konzentriert, ordnet und versammelt, belebt und besinnt sie; nur seine
+Farbe bleibt ihr näher. Es gilt »das Ende eines Tyrannen«, das andre
+Problem: die Macht. Sie, die Verrat am Geiste ist -- und äußere der Geist
+sich nur am Stehpult in einer grammatischen Arbeit, die, formal und fein,
+scharf und wesentlich dennoch einsam macht und erdrückt, --, muß ohne
+Liebe, ohne mindestens den Ausgleich der Demokratie, zum Irrsinn führen:
+der Mächtigste selbst, wenn seine Maßlosigkeit der unterworfne Pöbel dumpf
+erträgt, entfesselt die Anarchie. Welche Steigerung des Gefühls gibt es
+denn noch, als gegen sich selbst die Gewalt loszulassen? Daß
+Gymnasialprofessor Unrat an einer Chansonette zuschanden wird, bis zu der
+er seine Schüler verfolgt -- den einen vor allen, der dem Geiste verfallen
+scheint und der Macht am gefährlichsten ist, da er sie von vornherein
+prompt und einfach bezweifelt --; die scharfe Heiterkeit dieses Buches; das
+Ungeheure der Unratschen Entgleisungen; der dröhnende Weltwitz, daß die
+Künstlerin Fröhlich, da sie der Macht nicht unterworfen werden kann, ihr
+gesellt werden muß und sie unfaßlich widerlegt und entarten macht; dies auf
+dem Grunde der Erkenntnis, daß der Bürger vor allen wurzellos ist, denn er
+klebt -- dieses alles und daß dieses Buch neben allem auch amüsant ist,
+hindert und ändert nicht, daß es beispielhaft ist, ernst, und das Leben
+achtet, dem es sich unlegendär näher hält. Auch zu ihm wachsen Fäden von
+den »Göttinnen«: dieser Lohmann, wenn auch ein Kaufmannssohn der
+norddeutschen Kleinstadt, ist ein gymnasialer Verwandter Ninos, die
+Gesellschaft der Künstlerin Fröhlich läßt noch einmal an jenen Variétéhahn
+des dritten Bandes denken, und ein fernes Bild der Herzogin selbst taucht
+in der exotischen Gattin eines Konsuls auf, zu der Lohmann seine heftige,
+schwermütige, tief wahre und in der Form ein wenig mühsame Liebe, die mehr
+als nur aus Liebe notwendig ist, richtet.
+
+Sie ist, diese Liebe, Thema einer Novelle »Die Unbekannte« des nächsten
+Bandes »Stürmische Morgen«. Die Gewalt einer Liebe wird zusammengefaßt;
+feierlicher, da sie schon in einer Knabenseele sich ereignet, größer, da
+sie mehr als nur Liebe, da sie die Beziehung zum Besondren, zur Schönheit
+und Bewegtheit des Lebens ist, Traum der Tat und Notwehr gegen den
+bürgerlichen Tag; und da sie nur ernster ist vor dem grausam witzigen
+Abbruch, der diesem Knabenherzen angetan wird, das -- unverlogen, aber rein
+dargestellt, wie es eben ist -- reiner ist als die Welt. »Abdankung«
+wiederholt, knapp und gewaltsamer im kleineren Kreise, das Thema von der
+Macht, die sich überbieten muß, der nur die Wollust noch bleibt, im letzten
+Übermut die unterworfnen Gewalten gegen die eigne verworfen hingewandte
+Brust aufstehn zu heißen. Auch diese Novelle endet kurz in ungeheurem
+Ernste. -- Und »Heldin«, die stirbt, damit sie die Welt gut wissen darf;
+lebt sie doch von ihrer Liebe! und »Jungfrauen«, die sich noch einmal aus
+dem Sturm in den heiteren Kreis ihres schwesterlichen Lebensmorgens retten
+-- welche Anfänge! Was für Morgenluft auf diesen Seiten! Meerfrisch, voll
+Witterung der Küsten einer Zukunft; Kinder, die nicht verkindlicht werden,
+verwickelte und nicht umgelogne Kinder einer großen Zeit und des ewigen
+Landes.
+
+Stärker werden Macht und Geist, Erfolg und Liebe kontrastiert in dem Roman:
+»Zwischen den Rassen«. Ganz gleich, ob er eigner Not entstammt, wie
+Professor Unrat vielleicht eigner Rache, -- ist nicht auch er im Werke
+Heinrich Manns von Anfang bestimmt? Nicht als Abkehr von den Unrassigen des
+Schlaraffenlandes: aber Violante von Assy stand über den Rassen -- allen
+fern und geheimnisvoll zugewendet! Man erwarte hier keine
+naturwissenschaftlichen Probleme, keine billigen und falschen Theoreme: der
+Kampfplatz der Rassen ist das eigne Herz, es geht nicht um Blutmischung,
+die höchstens Anhalt und Ausdruck ist, sondern um Lebensführung. Was ist
+denn Wirklichkeit; ist alles Leben mehr als ein Gang vors Tor; sollen wir
+das Wunderbare zerstückelt tun oder ganz betrachten? Violante von Assy, die
+zeitlose Heilige unsrer Zeit, konnte nacheinander dem Geist und der Tat,
+der Anschauung und der Handlung leben, und lebte schließlich doch alles in
+jedem. Wir müssen uns entscheiden. Und es siegt die Betrachtung, die sich
+zur Handlung aufreißt und aufrichtet, der Geist -- und jeder andre ist
+vernichtet --, der Tat gebiert, selbst Tat wird. Es siegt Arnold, als er
+aus sich tritt und mehr vermag als Pardi. Aber was sagt dies, ohnmächtige
+Abstraktionen, von der Fülle und Gewalt dieser Dichtung! In ihr ist nicht
+nur Jagd nach Liebe: in ihr ist Liebe. »Wie wir uns lieben!« -- von hier an
+klingt es immer wieder. Wir schlagen auf: eine Mondnacht steht da, in zwei
+Sätzen weit, groß und ewig, weiß über brennende Büsche an den Waldrand. Wir
+blättern weiter: jede Nuance jeder Art von Geselligkeit, die raschen, mäßig
+wahren Wallungen einer einfachen Seele und jede Besinnung einer
+schwierigen. -- Es muß noch einmal wiederholt werden: der Roman ist um so
+besser, je mehr er Dinge enthält und je aufrichtiger er sie darstellt.
+Dieser hier enthält wie jeder Heinrich Manns und kaum weniger als die
+Romane der Herzogin von Assy alles, und mit der unnaturalistischen
+Lebensnähe letzter Wahrheit.
+
+Wieder ein Roman: »Die kleine Stadt«. War jener ein Lied, ehern gesungen
+aus schluchzenden, zuckenden Mündern, war die Herzogin von Assy eine
+Kantate des Lebens, dieser ist ein fugiertes Hohes Lied, von einer
+Polyphonie, daß die Bewunderung die Sprache verliert. Die ganze Comédie
+humaine auf engem Raume, und nicht mehr Comédie; es gibt keinen Roman
+Europas, der mehr Gestalten bewegt, nicht einmal der der Göttinnen; aber
+wie sollte je ein Leser den Schneider Chiaralunzi mit dem Kaufmann
+Mancafede verwechseln! Die ganze Stadt ist Held dieses Buches; der zum
+Zwerge versunkne Uralte und der Baron, der Caféhauswirt und der Priester,
+der Advokat und die Hühnerlucia, Nello Gennari und Alba, und sie alle,
+jeder umhüllt von seiner Musik. -- Das furiose Accelerando bis zum
+Prestissimo politischen Kampfes, der -- merkt es wohl! -- aufrichtig, um
+das Ideal, in bitterem Ernst geschieht; das Andante der Andacht, Allegro
+staccato geistiger oder künstlerischer Leidenschaft, und das verlorne
+Zeitmaß der Liebe -- Heinrich Mann, dem die Kunst am ehsten sich immer in
+Bildern darstellt, während am Gesang ihn die Arbeit, das Werden
+interessiert, hat das äußerste an Musik den Dingen hergegeben und aus ihnen
+gezogen; nicht in der berauschenden Sprache nur, mehr als nur in der
+außerordentlichen Komposition: in den Begegnungen der Seelen, in den
+Geschehnissen, im Ablauf und im Sinn. Und in der Musik selbst: in der
+Aufführung der Armen Tonietta, die eine zielsichere Hand über Terrassen und
+durch Kapitel dehnt und leitet, wie das Spiel im dritten Bande der
+Göttinnen. Was für ein Regisseur! So ist, vice versa, der Kampf zwischen
+den Parteien kapitellang geführt, genau und unpedantisch, atemlos in der
+Gebärde und mit überlegen gespartem Atem in der Darstellung; eine Holzerei,
+könnte der Kritiker einer Realität sagen, aber an Ernst und Bedeutung gewiß
+nicht die gewöhnliche Klopffechterei der sattsam bekannten Dramatik,
+antwortet ein aufrichtiger Leser. Eine Komödiantengesellschaft ist in die
+Stadt gekommen: und ihr Leben und ihre Kunst verändern die Stadt,
+vergeistigen und vergröbern sie, stürzen und erheben sie, führen sie
+menschlich zusammen zu Tod und Frieden. Im Dichter war von je die Sehnsucht
+übermächtig -- nicht nur nach jenen gütigen, geistigen Menschen, von denen
+in besten Zeiten Jünglinge träumen: nach jenen Menschen wenigstens, die
+stark und einheitlich leben, die so stark sind und so groß glauben, daß sie
+zur Tat kommen -- sei es auch noch nicht die größte, die gütige Tat (zu der
+freilich, im stürmischen Morgen, jenes junge Mädchen, die Heldin kam); nach
+jenen Menschen, die wir nur noch, wie Pippo Spano, im Bilde kennen. So
+hatte Heinrich Mann die Menschen zu den Bildern geflüchtet, hatte
+Renaissancenaturen in die heutige Umwelt gestellt: in diesen letzten Bänden
+sind sie zu Menschen von der Wucht, dem herrischen Selbst, der reinen
+Stärke, der Verschrobenheit und harten Vielfältigkeit der Renaissance
+ausgestaltet, Menschen dieser Zeit oder einer kommenden. Und in der kleinen
+Stadt, die dies nach unten vollendet, leben Menschen, die, wie das Volk
+jener Zeit gewesen sein mag, sind. Er ist gerecht, der Dichter: auch der
+Priester, der Fanatische, ist verirrter Diener am Geiste und
+gerechtfertigt.
+
+Dies ist nun das Geschehnis des nächsten Bandes, der Novellen, die nach der
+ersten »Das Herz« heißen; in einem Wort: die Renaissance des Menschen. Wie
+sollte es möglich sein, von diesen Novellen etwas zu sagen! Etwas, das mehr
+wäre als dies: sie erzählen von Herzen; sie vollenden die Renaissance des
+Menschen. Sie sind dem übrigen Werke fest verbunden: die Geschichte der
+armen Tonietta wird erzählt, dem nächsten Roman in wilder, genauer
+Verspottung vorgearbeitet (»Gretchen«); Herzen dulden und erfüllen sich;
+das Geschick der Schauspielerin wird wieder aufgenommen, und auch ihm
+geschieht die äußerste Erfüllung: die Härte schmilzt ab; daß sie spielen
+wird, daß sie im Wahnsinn peinvollen Erlebens schon aus dem Grunde ihrer
+Seele spielte, das rettet sie, es ist Ursprung und Heilung der Mängel ihres
+Erlebens, ist Gift und Heilmittel. Dies gilt, und gilt viel weiter: der
+Schauspieler, der alle Keime der vielen Gestalten seines Herzens wechselnd
+entwickelt, ist das Urbild des Künstlers, denn alle Kunst ist
+Selbstdarstellung; nicht nur die Dichtung Heinrich Manns, sogar die
+Malerei; und letzten Endes ist der Schauspieler der deutlichste Ausdruck
+des Menschen, mindestens des sozialen Menschen, wohl des moralischen
+Menschen, und wohl des ganzen Menschen überhaupt.
+
+In den Romanen der Herzogin von Assy trafen und erkannten sich Renaissance
+und das Heute -- nein, das Morgen -- in der Mitte: in heroischer Landschaft
+der Gegenwart. Im letzten Novellenbande, der »Rückkehr vom Hades«, ist
+einheitlich von der späten Antike bis in die Zeit des Risorgimento die
+Renaissance des Menschen -- als Mal für das lebende Geschlecht
+durchgeführt. Die Rückkehr vom Hades, ernstestes Komädiantenstück, voll
+Süßigkeit und Wildheit, thrazischem Aberglauben und achivischer Andacht;
+die Branzilla, Sängerin, härter als Properzia Ponti, nur physisch von der
+Sängerin der kleinen Stadt verschieden, sie, die böse ist vor Größe, sie,
+die Verbrecherin des Vollkommnen. Wie ist hier gearbeitet: drei die Zeit
+deutlich machende Winzigkeiten -- eine Borte, ein Toilettenstück, irgend
+etwas -- werden angegeben; dann beginnt ein Dialog, der, die Stichworte
+selbst aufnehmend, meist Monolog ist; und ergießt sein letztes. Ferner:
+Mnaïs, die andre Galathea, die dem vor sie hingestohlnen Knaben nachts ihr
+einfaches Hirtinnen- und Statuengeschick erzählt, abergläubisch, innig in
+gütiger Bescheidenheit, bebend vor Süße. »Einfach sein und sich lieben!«
+wiederholte Properzia Ponti, die das eine nicht, das andre zu gewaltig und
+falsch konnte. Ähnlich diesen der Monolog der Ginevra degli Amieri, die (in
+»Zwischen den Rassen« schon erwähnt) nach dem Tode wiederkommt und nur vom
+Geliebten, dem sie sich zu gestehn nicht gewagt hatte, aufgenommen wird.
+Und »Der Tyrann«, der Branzilla im Bösen und in der Einsamkeit verwandt,
+vollkommen im Verbrechen, der, dennoch sehnsüchtig aus der Macht, die
+Wahrheit sagte, als er verriet, gegen sich selbst, und verzerrt bleibt
+statt beschämt. Alle diese Erhabenheit, diese sanften und harten, diese
+schonungslosen Werke -- und das letzte: »Auferstehung«, das Werk von
+unerreichter Komposition, unnachahmlich gedrängter Kraft des Vorgangs und
+des Tones -- die Geschichte jenes Abtrünnigen und doch Zurückgeführten, die
+man auf den Knien lesen sollte: sie hat unser Leben errettet, wir können
+uns nicht mehr töten, vielleicht werden wir ewig sein: unvermittelt ist zu
+wissen, daß der Weg der Menschheit, führe er im Kreise und durch Not und
+Schmutz, daß er aufwärts steigt; gehe er durch Jahrhunderte oder
+Jahrtausende, er geht zum Ziel, und nicht zu einem zufälligen: zur
+Menschheit, des Menschen Weg. Ihn führt, den Weg des Geistes, auch hier die
+Liebe; wie schon Fulvia, wie Violante von Assy, ist die Frau vielleicht
+nicht Trägerin der Idee -- auch dies mag sein -- aber Führerin; sie mag sie
+selbst vom Manne genommen haben, mag sein, sie fanden sich in ihr -- und
+ihr führt sie den andern zu.
+
+Schon liegen neue Novellen vor, an die Art des Bandes »Das Herz«
+geschlossen, in wenigen Sätzen das Wesen eines Geschicks, die Seltsamkeit
+des Vertrauten, den Sinn des Alltags sagend: »Der Vater« etwa, und »Der
+Bruder«. Groß steht unter ihnen »Die Tote«, die Novelle eines Betrognen,
+der sich betrügen läßt -- da dieser Betrug seine Seele reicher wandelt,
+statt sie aufzuheben; es kommt für diese Entwicklung des Geistes so wenig
+auf das Mittel an, daß nicht nur ein Betrug, sondern sogar ein in jeder
+Hinsicht -- ökonomisch und psychisch -- unwirksamer Betrug sie bewirkt:
+doppelte Parodie, und wie reich, und wie einfach! Schon besteht ein neuer
+Roman, »Der Untertan«. Noch einmal kehrt Heinrich Mann in die deutsche
+kleine Stadt zurück, zu unerbittlicher Kritik, hingestellt, nicht
+hingesagt, in einem Kunstwerk von geschmeidiger Härte. Er findet nur einen
+Gerechten, den alten Buck, den Aufrechten der vierziger Jahre, einen
+deutschen, ruhigeren, aber nicht weniger festen San Bacco. Und dieser
+stirbt: am Ende liegt er auf dem Bett, wie früher Claude Marehn und
+Violante von Assy; und an _seinem_ Bett erscheint der Feind. Wäre nicht die
+Hoffnung, daß einige Knaben mit gefurchteren Stirnen, als sie in der Stadt
+üblich sind, noch bis zuletzt ihn, den Verfemten, gegrüßt haben -- o, warum
+sind die San Baccos, die Bucks so alt! und die Ninos sind so gefährdet! --
+Dies wird als der Roman des neuen Kurses, der erste und der einzige,
+bekannt werden, eindringlicher, als es kurz gesagt werden kann; und wenn
+dem Bürger den ersten Roman noch zu genießen gelang, hier empfängt er den
+Todesstoß.
+
+Dies ist das epische Werk Heinrich Manns -- zu dessen Lobe noch etwas sagen
+zu wollen vermessen wäre. Aber es ist noch nicht das Werk: da sind noch die
+Dramen, deren eins »die Schauspielerin« wieder darstellt, und eins,
+»Variété«, Episoden der Umgebung, die ihr Geschick ist, da ist die rührende
+Gestalt Brabachs, und Madame Legros, die neue, einfachere, aber reiner
+besessene Jungfrau von Orleans, davon entzündet, daß ein Unschuldiger
+leidet, darum in eine Umgebung sich begebend, die gelockert ist, weil keine
+Idee sie hält, die zerfallen wird -- und einfach zu sich zurückkehrend.
+
+Da sind noch Essays, in einer bisher ungekannten Vollendung; über »Geist
+und Tat« die wichtigsten, Aufrufe zum Geiste (und des Geistes zur Tat)
+gegen die Macht, über Flaubert, Choderlos de Laclos, Zola. Auch diese
+Aufsätze gehören in das Werk eines Unerschöpflichen. Es nimmt einen Umfang
+an, daß die homerische Frage aufgeworfen werden könnte, wenn ihn nicht
+einige gesehn und gehört hätten -- einen Mann hinter einem Werke. Seine
+Aufsätze sind Romane europäischer Begebenheiten und Personen, Novellen
+europäischer Gedanken (die keiner besser formulieren könnte, als er es tat:
+im Aufsatz über den Europäer, den er erkannte, wenn er ihn nicht
+entdeckte). Sie haben den heroischen Stil seiner Epik, diese Wendungen, die
+erzittern lassen vor ihrer Genauigkeit, diese Sätze, die Tore aufsprengen
+bis in den Abgrund, diese Leuchtkugelworte, die Musik dieses Schmelzens
+oder Berstens. Seine Sprache, das vollendetste Deutsch, das seit Heinrich
+von Kleist geschrieben wurde (aber den an Härte übertrifft wie Stifter an
+Reinheit, den Amerikaner Poe an Präzision; und Shakespeares gelenkigen
+Überschwang erreicht), seine Sprache hat die Vorzüge aller europäischen
+Dialekte; ihr gelingt das südlich dunkle Timbre und die scharfe
+Sachlichkeit eines gescheiten Norddeutschen; sie kann die ausrufende,
+biegsame Naivität des Italienischen haben und die schnelle Helligkeit des
+Französischen, ja seine hart hitzigen Wendungen, seine Verschiebungen
+gewinnen, -- und kann dies alles, während sie mehr als nur fehlerloses
+Deutsch bleibt. Das ist die europäische Sprache -- europäischer Romane, des
+europäischen Romans, den Heinrich Mann geschaffen hat.
+
+Was vermag dieser Stil! Wie biegt er sich, und wie trifft er: Ginevras Hirn
+liegt entblößt, daß wir jede Mühsal ihres Erkennens fühlen und erschreckt
+in ihre Zeit beschränkt sind; aber auch die sanfte Stirn der Contessa Blà
+leuchtet klar, auch Käthchen Zillig sitzt auf starken Rundungen weißblond
+bei uns, und die Künstlerin Fröhlich bewegt sich -- so schafft er mit
+bildnerischer Kraft den Leib. Wir schlagen einen Band auf -- das erste
+Wort, wir lesen: »mit trocknem Mißtrauen«. Wer fühlt es nicht? Wir blättern
+-- es ist »Zwischen den Rassen« -- zum ersten besten: »Gugigl warf
+ironische Blicke dazwischen; plötzlich schnitt er ein Gesicht und fragte,
+ob die Rede von Zuckerwerk sei. Die Damen kicherten. Pardi hatte nicht
+verstanden. Er blieb süß; und doch ging in seinem Lächeln jäh ein
+Hinterhalt auf, eine Drohung. Gugigl bekam eine treuherzige Miene. Darauf
+verbeugte Pardi sich ein wenig, als habe er Genugtuung erhalten, -- und
+wendete sich wieder Lola zu.« Wieviel Wechsel in einem Satze! Was für
+Verbindungen! Durch was für Zustände sind wir geführt worden! Aber um was
+nicht weiß auch alles dieser Dichter; welche Geheimnisse, welche Künste,
+welche Rezepte -- wie etwa, in der kleinen Stadt, jenes Italias mit den
+getrennten Fingern! Dieser Stil bleibt absolut überlegen jeder Situation,
+der unwahrscheinlichen Fülle von Episoden: das heißt er ist episch.
+Vielleicht wäre diese epische Fülle nicht möglich, wenn Mann Lyriker wäre,
+bei einer Vielzahl lyrischer Entladungen. So kommt, aus verdrängter Lyrik
+-- welche Arbeit! welche Entsagung! -- die tiefe Färbung jeder Einzelszene,
+die Glut, Herbheit und Süßigkeit, das Wirkende. Denn das Wirkende jeder
+Einzelheit in der Kunst ist lyrisch, alles Verbindende episch.
+
+Als Epiker geht Heinrich Mann ganz in die Menschenerde ein. Er fragt nicht
+nach dem Himmel, Gott ist höchstens ein Requisit der Gestalt; ihn selbst
+kümmert er nicht, und von der Hölle zeigt er nur die Zurückgekehrten. Aber
+nicht mehr, wie im bürgerlichen Roman, gilt es Charaktere; sondern mehr, es
+gilt Menschen. Psychologie ist nicht mehr als ein Mittel. Seine Gestalten
+sind ihr Typus, sind die Idee ihrer selbst. Wovon sprechen sie, in seiner
+Sprache? Von sich selbst, vom Leben, weil es des Menschen Leben ist, und
+vom Ideal; alles andre ist Durchgang, Ausdruck oder Zubehör. Wovon sprechen
+sie? Sie antworten sich immer selbst, mit Ausrufen, die einschneiden, sie
+erwarten nur Antworten, die sie schon wissen. »Wie wir uns lieben!«
+
+Es sind die letzten Menschen, die erlebten und zu erleben sind. Zwar die
+Skepsis erschüttert nur den Tyrannen (warum nicht den Empörer? ganz
+einfach: weil er recht hat!), doch sie alle sind fragwürdig gemacht, alle,
+sie haben sich zu behaupten. Man könnte sagen: amerikanische Schicksale --
+wenn die Unbegrenztheit ihrer Möglichkeiten nicht auf einer bewußten
+Regelung ihrer Triebe beruhte und nicht getränkt mit allen Raffinements und
+allen Edelmuten Europas wäre; und wenn die Farbe nicht ins Romanische
+tendierte, also höchstens nach Südamerika, das wir nicht recht zu Amerika
+mehr rechnen. Sie alle haben sich in diesen Schicksalen zu behaupten, warum
+sind die San Baccos alt, die Rinos so gefährdet, warum stirbt Violante,
+unbewegt und nach allen Erschütterungen? Sie sind in Frage gestellt, aber
+diese Fragwürdigkeit, zu allem bereit, ist unsre Kraft. Das Abenteuer ist
+unser Beginn. Dieses Werk ist, weit über das Antibourgeoise hinaus, die
+große Folge des unbürgerlichen Romans. Der Dichter sagt, wen er Bürger
+nennt: »alle, die häßlich empfinden und ihre häßlichen Empfindungen
+obendrein lügenhaft ausdrücken«. Nichts mehr von Bürgertum, nichts mehr vom
+Tage. Es gilt die weiteste Beziehung; nicht einer Familie wird durch die
+Zeiten gefolgt: eine Rasse wird in der Ewigkeit der Zeit gelebt, die
+geistige, die Menschheit heißt. Die Menschheit, nicht mehr als Comédie,
+schonungslos und ehrfürchtig angesehn, hinter dem Erfolg, auf der Jagd nach
+Liebe, die große, arme Menschheit, menschlich betrachtet, nach ihrem Recht
+befragt und mit ihrer Verheißung gesegnet.
+
+Alles ist in diesem Werk, alles Menschliche. Alles: Liebe und Erfolg, das
+Geld (groß ist, daß es hier nicht wie so oft verschwiegen oder verleugnet
+wird), Sucht nach Liebe und nach Erfolg, Qual des Strebens und Bitterkeit
+des Gelingens, das Schwerste sogar: das Vollkommene -- ist Schönheit
+geworden. Was aber ist Schönheit?
+
+Erstens: eine Waffe, dann -- ein Gebot. Und dann eine Verpflichtung. Kein
+Sein und keine Ruhe. Aufreizend, revolutionär. Hier ist keine Schilderung,
+kein Abmalen, hier ist kein Verweilen, das Romanwerk ist unter die Idee
+gestellt. Unter welche? Es gibt, von hier aus und zur Schönheit, nur eine:
+die Renaissance der Menschheit. Ihre Rufe: Gerechtigkeit! darum: Freiheit!,
+und darum: Demokratie! und Tat! Um ihretwillen hat Mann dem ihm doch
+fremden Zola preisend nachgelebt, sie hat er aus dem französischen Werke
+entwickelt. Sein eignes Werk, groß wie mindestens die Comédie humaine, ist
+der Roman, der die Idee wiedergefunden hat. Er, der Leidenschaftlichste,
+wenn nicht von Person, so doch zumindest im Werk: er bekennt den
+Rationalismus, nicht für die Betrachtung -- für die Ordnung. Die Kunst
+steht immer, wenn sie echt ist, ganz auf der linken Seite; auch ist sie
+rechts, die viel zu viel Bewegung hat, von je verdächtig. Die großen
+Romanwerke waren, außer den sehr anzweifelbaren Walter Scotts, liberal. Das
+letzte, Heinrich Manns, zieht die Konsequenz: es ist demokratisch. Dies
+aber im Sinne der groß, frei und ganz Lebenden, der Starken und Tätigen,
+der Gütigen und Geistigen -- es ist also die echte Demokratie, die nichts
+als die verwandelte Aristokratie ist: möglichste Herrschaft des Geistes,
+Tat des Geistes, der die Gewalt vernichtet. Hier greift er zu seinem
+nächsten, der Kunst, die nun ganz Ausdruck ist. Der neue Roman, europäisch,
+unbürgerlich und revolutionär, hat im Werke Heinrich Manns die Idee auf
+sich genommen: die Renaissance der Menschheit, die Auferstehung.
+
+
+
+
+
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+
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+works. See paragraph 1.E below.
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+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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+throughout numerous locations. Its business office is located at
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+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
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+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
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