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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:54 -0700 |
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diff --git a/32034-8.txt b/32034-8.txt new file mode 100644 index 0000000..1759611 --- /dev/null +++ b/32034-8.txt @@ -0,0 +1,1386 @@ +The Project Gutenberg EBook of König Nußknacker und der arme Reinhold, by +Heinrich Hoffmann + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: König Nußknacker und der arme Reinhold + Ein Kindermährchen in Bildern + +Author: Heinrich Hoffmann + +Release Date: April 17, 2010 [EBook #32034] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KONIG NUSSKNACKER *** + + + + +Produced by Ralph Janke, Jason Isbell, Markus Brenner and +the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This file was made using scans of +public domain works in the International Children's Digital +Library.) + + + + + + + König Nußknacker + und der + arme Reinhold. + + Ein Kindermährchen + in Bildern + + von + Heinrich Hoffmann + + Verfasser des Struwwelpeter. + + + [Illustration] + + + Freut euch und lacht! + Dafür ist's gemacht. + + Achtzehnte unveränderte Auflage. + + Frankfurt am Main. + _Literarische Anstalt,_ + Rütten & Loening. + + + + + Großmütterlein erzählt. + + + [Illustration] + + Großmütterlein sitzet zur Sommerszeit + Im Garten an kühler Linde. + Da blühen die Blumen weit und breit + Und nicken im leisen Winde. + + Die Sonne geht bald hinab zur Ruh'; + Es summen die Bienen noch eilig; + Die Vöglein singen ein Lied dazu. + Wie ist es da schön und heilig! + + Großmütterlein winkt; da kommen geschwind + Die Kleinen und knieen daneben. + Sie küßt auf die Augen ein jedes Kind + Und läßt sich die Händchen geben. + + »Du liebes, du gutes Großmütterchen, du! + Wir bitten und betteln und quälen. + Wir lassen dich wahrlich nicht eher in Ruh', + Du mußt uns ein Märchen erzählen!« + + Großmütterchen sprach: »Nun wohl! Es sei! + Ein Neues erzähl' ich euch heute. + Ernst geht es und spaßig her dabei. + Jetzt still, ihr kleinen Leute!« + + Da schweigt das Vöglein; die Biene setzt + Sich still in die Blume tief innen. + Die Kinder lauschen tief athmend jetzt; + Großmütterlein will ja beginnen. + + + + + König Nußknacker und der arme Reinhold. + + + [Illustration] + + Weihnachtszeit, du goldne Zeit! + Bäume grünen weit und breit + Wie in warmen Frühlingstagen. + Und die Kinderherzen schlagen + In Beglückung + O wie fröhlich! + In Verzückung + O wie selig! + Schaut umher! es flimmern da, + Schaut umher, es schimmern da + Kerzen hell in dunkler Nacht, + Augen hell in Funkelpracht; + Denn es haben + All die Gaben + Reich und glänzend sich enthüllt + Und die Brust mit Lust erfüllt. + Dankend in der Eltern Arm + Drängt sich da der Kinder Schwarm. + Froher Jubel weit und breit! + Weihnachtszeit, du goldne Zeit! + + + [Illustration] + + Aber ach! nicht aller Orten + Ist der Tag ein Fest geworden! + + Dort im Schnee die Hütte seht, + Wie sie so verlassen steht! + Armuth, Noth und schwere Sorgen + Wohnen drinnen still verborgen. + Mutterhand, so leis und lind, + Pflegt ein fieberkrankes Kind, + Pflegt den einz'gen lieben Sohn, + Schwer erkrankt acht Tage schon. + In dem engen stillen Raum + Grünt _kein_ froher Weihnachtsbaum, + Und _kein_ heller Kerzenschimmer + Leuchtet durch das kleine Zimmer. + Aber Liebe sorgt und wacht + Noch in später Mitternacht. + Manche heiße Thräne rinnt; + Mutter betet für ihr Kind. + + * * * * * + + Wenn ihr froh und glücklich seid, + O, dann denkt an fremdes Leid! + + + [Illustration] + + Späte Nacht ist's. _Reinhold_ liegt + Sanft in Schlummer eingewiegt. + Mutter hat den kranken Jungen + Endlich in den Schlaf gesungen. + + Längst gestorben ist der Vater; + Ohne Schützer und Berather + Muß die Wittwe nun allein + Ihrem Kinde Alles sein. + + Müde schließt sie selbst die Augen, + Die so sehr die Ruhe brauchen. + Alles schläft so still, so still! + Mäuslein huscht, wohin es will; + Kätzlein unter'm Ofen ruht + Gar zu gut. + 'S Vöglein hat den Kopf gesenkt, + Weil es nur an Schlafen denkt. + Schwach nur brennt der Lampe Licht. + Weckt die lieben Schläfer nicht! + Wer jetzt etwas fragen will, + Frage leise, leise! -- Still! + + * * * * * + + Gesegnet sei der Schlaf der Nacht + Euch, die ihr sorgenschwer gewacht! + + * * * * * + + + [Illustration] + + Schlafend ruh'n sie. -- Da verbreitet + Sich ein Lichtglanz hell und klar, + Und zum Bett des Kranken schreitet + Hin ein Knabe wunderbar. + Schimmernd leuchtet sein Gewand, + Eine Lilie trägt die Hand, + In der blonden Locken Glanz + Schmiegt sich leicht ein Blumenkranz. + Süß ist seiner Stimme Klang, + Seine Worte wie Gesang: + + »Du lieber Reinhold, hör' mein Wort! + Wach' auf! Du sollst zur Stund' genesen! + Dir scheucht ein Wink die Leiden fort. + Dein Schmerz sei wie ein Traum gewesen! + + Wenn Alles sich auf Erden freut, + Wenn alle Engel jauchzend singen, + Dann sollst auch du die Festnacht heut' + Nicht freudelos allein verbringen. + + Steh' auf! Ich will dein Führer sein; + Der muntern Lieder weiß ich viele. + Ich führ' dich in ein Märchen ein + Und zeig' dir wundervolle Spiele.« + + + [Illustration] + + Es führt nun der Engel den Knaben hinaus, + Hinaus aus der Stube, hinweg von dem Haus, + Er führt ihn durch Wiesen auf sanftem Weg, + Durch Blumengelände und grünes Geheg'. + Hinweg war der Winter und alle sein Weh', + Verschwunden das Eis, geschmolzen der Schnee. + + Die Luft war rein, + Voll Sonnenschein; + Im Bach der lustige Wellentanz; + Rings Frühlingslust und Sommerglanz! + Da athmete Reinhold tief und frei, + Und alle Krankheit war vorbei. + + Und durch ein goldnes Thor hinein + In einen Saal von Edelstein + Da treten Beide. Welche Pracht! + Das leuchtet und funkelt bei Tag und Nacht. + Der Engel hat dem Knaben jetzt + Ein kleines Kästlein hingesetzt, + Und spricht: »Spiel' mit den Häuschen d'rin, + Bis daß ich wieder bei dir bin; + Und was auch sonst geschehen mag, + Es ist für dich ein Freudentag.« + Er sprach es und verließ den Ort. + + Doch Reinhold setzte sich sofort, + Und stellte die Häuschen hübsch in Reih' + Und grüne Bäume auch dabei; + Und mitten, wo es ihm gefällt, + Hat er die Kirche hingestellt. + + + [Illustration] + + Die Häuslein stehn jetzt prächtig da. + Nun gebet Achtung, was geschah! + Sie fangen an sich auszustrecken, + Sich rechts und links hinaus zu recken, + Sie werden höher, werden breiter, + Sie wachsen weiter, immer weiter; + Die Thür, das Fenster und das Dach, + Es wächst das Alles allgemach. + Die kleine Kirche schießt empor, + Und auch der grüne Baum davor. + Was Alles in den Häusern steht, + Wächst wie das Kraut im Gartenbeet: + Und Schrank und Bett und Tisch und Stuhl, + Im Hof das Huhn, die Ent' im Pfuhl, + Der Hund, die Katz', der Ochs im Stall, + Die Töpfe und die Schüsseln all'; + Die Eier wachsen und die Braten; + Die Kuchen sind sehr wohl gerathen. + Und in den Häusern ganz geschwind + Wächst Vater, Mutter, Magd und Kind. + Doch statt des Saals von Edelstein + Schließt Alles blauer Himmel ein, + Und vorn da steht zu jeder Seit' + Ein goldner Stuhl, bequem und breit. -- + Nur Reinhold blieb das, was er war, + Ein Bursch von sechs bis sieben Jahr'; + Er ist vor Staunen starr und stumm + Und sieht sich sehr verwundert um. + + + [Illustration] + + Und wie nun Reinhold steht und schaut + Und sich nicht rechts, nicht links getraut, + Da schallt von fern durch Markt und Straßen + Ein fröhliches Trompetenblasen. + + Dann immer näher klingt's herbei + Laut wie ein jubelnd Lustgeschrei. + Es wirbelt bald, bald tönt es lang + In schmetterndem Trompetenklang, + Und der Trompeter schmuck und bunt + Mit der Trompete an dem Mund + Kommt prächtig blasend hergeschritten + Und stellt sich auf den Platz inmitten. + Die Scheiben klirren; er bläst so froh! + Sein lustig Lied, es lautet so: + + »Ich bin der famose Trompeter! + Wie ich, so bläst nicht ein Jeder. + Schnettereng! Schnettereng! Schnettereng! + Es wird mir die Stadt fast zu eng. + + Ich blase so fröhlich und schnelle; + Das klinget so weithin und helle! + Trarara! Trarara! Trarara! + Der lust'ge Trompeter ist da! + + Nun blas' ich auf Markt und auf Gassen; + Nun müssen sie alles verlassen. + Schnettereng! Schnettereng! Schnettereng! + Da gibt es ein großes Gedräng'. + + Aus allen den Winkeln und Ecken, + Und wo sie auch immer nur stecken; + Trarara! Trarara! Trarara! + Sie kommen von fern und von nah'. + + Es kommen die Wilden, die Frommen; + Die Blonden, die Braunen, sie kommen. + Schnettereng! Schnettereng! Schnettereng! + Juchheisa! die Kinder in Meng'!« + + + [Illustration] + + Nun regt es sich an allen Enden, + Es krabbelt hinter Thür und Wänden; + Von allen Fenstern grüßen, nicken + Die Braunen, Blonden, Schmalen, Dicken; + Und Kinder hier, und Kinder dort, + Und immer mehr, in einem fort; + Von Rechts, von Links, aus Thür und Thor + Ein Strom von Kindern quillt hervor. + _Prinz_ und _Prinzessin_, wunderfein; + _Carl_ mit der Fahne hinterdrein; + Der _Kaspar_ gar durch's Fenster steigt; + Der _Max_ sich mit dem Drachen zeigt; + _Mariechen_ bringt der Puppen zwei, + Und _Bastian_ seinen Karr'n herbei; + Der _Eduard_ kommt mit Helm und Flint'; + Der _Jonas_ trommelt blitzgeschwind. + Zwei Brüder schöne Blumen bringen, + Und alle jubeln, alle singen: + + »Reinholdchen, + Du Goldchen! + Wir kommen heran + Zu allerlei Spielen und Tänzen. + Wir winden + Und binden + Dir, kleiner Kumpan, + Viel duftende Blumen zu Kränzen. + + Wir freuen + Des neuen + Gespielen uns sehr. + Wir haben dir Vieles zu zeigen. + Wir singen, + Wir springen + Die Kreutz und die Quer, + Wie Vögel in grünen Gezweigen.« + + + [Illustration] + + Die Kinder spielten manches Spiel + Mit Reinhold, dem dies sehr gefiel. + Noch niemals hatte so wie heut' + Der arme Junge sich erfreut. + + Da kamen plötzlich in die Mitte + Zwei Herren mit sehr stolzem Schritte. + Da war zuerst ein weißer Hahn, + Trug in der Hand 'ne goldne Fahn'; + Drauf waren zierlich dargestellt + Nußblatt und Nuß im blauen Feld. + Gar prächtig war der Herr und stolz, + Und fast so steif, als wie von Holz. + Ein zweiter Gockel trat hervor, + Die Schreibefeder hinter'm Ohr; + Im schwarzen Rock erschien er hier + Und blickte ernst in sein Papier. + Sie krähten laut nach jeder Seit', + Und sangen, daß man's hörte weit: + + »Kikriki! Macht Platz, macht Platz! + Ich bin ein Hahn, und bin kein Spatz; + Ich bin kein Spatz, und bin ein Hahn; + Jetzt geht erst das Spektakul an! + + Der König kommt in dieses Land. + Wir machen's Jedermann bekannt; + Und Jedermann, so wird verfügt, + Muß heiter sein und sehr vergnügt. + + Wer murrt und knurrt, und wer nicht lacht, + Mit dem wird kurz Prozeß gemacht. + Wer nicht mit Lichtern schmückt sein Haus, + Dem bläst das Lebenslicht man aus. + + Kikriki! + Das merken Sie!« + + + [Illustration] + + Die beiden Kräher ziehen ab, + Und durch die Straßen, tripp und trapp! + Kommt's fern her und zuletzt ganz nah'; + Und endlich steht er wirklich da, + Der König, mächtig, schön und groß, + Mit Scepter, Kron' und rother Hos'. + Ein stolzer Fürst, voll Majestät! + Potz Tausend! welche Rarität! + + Nun öffnet er den weiten Mund, + Thut also seinen Willen kund: + + »König Nußknacker, so heiß' ich. + Harte Nüsse, die zerbeiß' ich. + Süße Kerne schluck' ich fleißig; + Doch die Schalen, ei! die schmeiß' ich + + Lieber Andern hin, + Weil ich König bin. + + Aber seid nicht bang! + Zwar mein Bart ist lang, + Und mein Kopf ist dick + Und gar wild mein Blick; + Doch was thut denn das? + Thu' kein'm Menschen was; + Bin im Herzensgrund, + Trotz dem großen Mund, + Ganz ein guter Jung', + Lieb' Veränderung; + Amüsir' mich gern + Wie die großen Herrn; + Arbeit wird mir schwer, + Und dann mag ich sehr + Frommen Kindersinn, + Weil ich König bin.« + + + [Illustration] + + Nußknacker schwieg jetzt stille und + Schloß seinen großen Königsmund; + Doch lärmend kam der ganze Haufen + Der Kinder auf ihn zugelaufen. + Das war ein helles Lustgeschrei! + Die Fahne flattert' hoch und frei, + Die Mützen flogen weit empor, + Und jubelnd sang der ganze Chor: + + »Heil Dir, Du Knupperhanns! + Hölzern in Pracht und Glanz! + Heil, Knacker, Dir! + + Beißen, wie Du, wer kann's? + Nüsse des Vaterland's + Läßt Du gewiß nicht ganz. + Heil, Knacker, Dir!« + + Und als das Lied zu Ende war, + Da rief die ganze Kinderschaar: + »Es lebe hoch! es lebe froh + Der König Nußknackeerio!« -- + Der aber war gerührt gar sehr, + Und sprechen konnt' er gar nichts mehr. + Die Kron' er von dem Haupte that + Und grüßte rings voll stummer Gnad'. + + + [Illustration] + + Er faßt sich endlich nach und nach + Und spricht zu Reinhold: Guten Tag! + Und der sagt frisch und wacker: + »Schön Dank, Herr König Knacker!« + Der König nimmt hierauf das Wort: + »Komm', setz' dich in den Sessel dort + Und passe auf, mein liebes Kind! + Jetzt kommt mein ganzes Hofgesind', + Und der Soldat zu Fuß und Pferd, + Und was noch sonst dazu gehört. + Das Alles zieht vorbei allhier + Mit Artigkeit und mit Manier, + Und was von Künsten Jeder weiß, + Das zeigt er dir auf mein Geheiß.« -- + Sie setzten sich. Auf jeder Seit' + Saß Einer in Bequemlichkeit. + + + [Illustration] + + Es kamen Zwei + Zuerst herbei, + Ein Rother und ein Grüner; + Die machten ihren Diener. + Sie hatten schöne Kleider an, + Viel gold'ne Schnüre waren d'ran, + Und spitze Hütlein trugen sie; + Die Augen keck aufschlugen sie. + Das waren lust'ge Dinger, + Hoftänzer und Hofspringer. + Und sie rüttelten sich, + Und sie schüttelten sich. + + + [Illustration] + + Nun tanzten sie so sonderbar, + Daß Alles stumm vor Staunen war. + Sie trappelten und zappelten, + Daß Arm' und Beine rappelten; + Und wie im Takt sie sprangen, + Sie auch ein Liedchen sangen: + + »Hanselmänner heißen wir, + Tausend Possen reißen wir, + Und sind kreuzfidel. + Schickt herum im deutschen Reich, + Keiner thut's uns Beiden gleich, + Wahrlich! meiner Seel'! + + Tolle Sprünge! Hin und her! + Arm' und Beine wackeln sehr, + Und es klappert laut. + Heuschreck kann es nicht so gut; + Flöhchen selbst verliert den Muth, + Wenn es so was schaut.« + + + [Illustration] + + Das Tanzen ist zu Ende jetzt, + Die Beiden haben sich gesetzt, + Um von der Arbeit auszuruh'n + Und sich etwas zu Gut' zu thun, + Weil endlich selbst ein Hanselmann + Vom Springen müde werden kann. + Sie hatten Wein zu trinken, + Und aßen Brod und Schinken. + Die Köpfe wurden roth und warm, + Sie lagen sich vergnügt im Arm; + Ein Räuschlein hatten Beide schon + Und sangen laut in hellem Ton: + »Brüderle! Brüderle! + Trink' mir nicht mehr! + Köpfle und Beinle sonst + Werden zu schwer.« + Dann tranken sie die Flaschen aus + Und wankten selig fort nach Haus. + + + [Illustration] + + Der König sprach: »Ein Jeder kennt + Mein Leibgardisten-Regiment. + Nürnberger sind es, schön verziert; + Die kommen nun hierher marschirt.« + Und was er sagte, es war wahr; + Es kam die stolze Heldenschaar + In festem Schritt, mit Trommelschlag; + Der Letzte, der ging hinten nach. + Sie schwenkten rechts, sie schwenkten links; + Bald langsam, bald im Sturmschritt ging's. + Bei ihrem rauhen Kriegsgesang, + Da wurde einem angst und bang: + »Wir sind wilde Kerle, wir! + Schlimmer als das Tigerthier! + Seht, das Auge blitzt voll Feuer, + Und der Muth ist ungeheuer. + Da zittern die Leute an Arm und an Bein: + Wir spießen, + Wir schießen + Und knallen darein!« + + + [Illustration] + + Und als sie wußten gar nichts mehr, + Da präsentirten sie's Gewehr. + Der Offizier rief laut und barsch: + »Blumbumberum! Auseinander! Marsch!« + Sie ließen sich's nicht zweimal sagen; + Sie spürten Hunger in dem Magen, + Und Jeder lief nun ganz geschwind + Zum Essen heim, zu Weib und Kind. + + + [Illustration] + + Nun aber ging es Hopp! Hopp! Hopp! + Die Reiter kamen im Galopp. + Die Rosse schnaubten weißen Schaum; + Die Reiter hielten fest den Zaum. + Trompeter blies den Kopf sich roth; + Sie sangen in der Herzensnoth: + + »Geht aus dem Wege, Weib und Kind! + Wir reiten durch die Straßen. + Das geht wohl schneller als der Wind + Kommt über's Feld geblasen. + + Du frommes Pferdlein, wirf uns nicht, + O, wirf uns nicht herunter, + Daß Keiner Arm' und Beine bricht, + Wie's wohl geschieht mitunter!« + + Doch eine Wolke oben hing, + Ein schwarzes, schweres Wolkending. + + + [Illustration] + + Und endlich hielt die Reiterei + In einer langen schönen Reih'; + Doch eine Wolke oben hing, + Ein schwarzes, schweres Wolkending. + + Und in der Wolke saß versteckt + Herr Wind, der gern die Leute neckt. + Er streckte rasch den Kopf hervor + Und bläst dem Letzten auf das Ohr. + + O weh! Was nahm das für ein End'! + Am Boden lag das Regiment. + Die Reiter schrieen wie am Spieß, + Und der Trompeter kläglich blies. + + Nußknacker schalt die Stümper aus + Und schickte sie erzürnt nach Haus. + »Zum Kuckuck! schrie er, fort! sogleich! + In eure Schachtel packt ihr euch!« + + + [Illustration] + + Der König sagte weiter, + Und wurde sanft und heiter: + »Die Kerle sind zu gar nichts nütz'! + Jetzt aber kommt mein Leibgeschütz; + Das wird den lieben Kindern allen + Von allem Spiel zumeist gefallen.« + + Und die Kanone kam herbei; + Man sah, daß sie geladen sei. + Mit Zierlichkeit ging her vor ihr + Ein ganz schneeweißer Kanonier. + Es war des Königs Lieblingskoch, + Der ganz nach guten Sachen roch; + Trug einen Löffel, schön von Holz, + Und sang dazu mit großem Stolz: + + »Kinder, nehmet euch in Acht, + Wenn hier die Kanone kracht! + In den Mund und in den Magen + Werden euch die Kugeln schlagen. + Sonst zwar bin ich Zuckerkoch; + Heute kanonier' ich noch. + Aufgepaßt! Jetzt geb' ich Feuer! + Doch die Kugeln, die sind euer.« + + + [Illustration] + + Der Kinder Angst war gar zu groß; + Da schoß er die Kanone los. + Brumbum! -- das war ein arger Knall! + Die Scheiben klirrten von dem Schall. + Der böse Koch hat's gut gemacht; + Der Schuß grad' auf die Kinder kracht. + Doch that er keinem Einz'gen Schaden; + Denn Zuckerwerk war d'rein geladen. + Da flogen Nüsse und Rosinen, + Und Bretzeln, Mandeln, Apfelsinen, + Und süße Dinge allerhand. + Ein Regen war's von Zuckerkand! + Dem Kaspar flog es in den Mund, + Dem Andern in der Tasche Grund, + Dem dritten fiel es in den Schooß. + Juchhe! wie war die Lust da groß! + Sie rafften auf, sie kauten wacker, + Es lachte laut der König Knacker. + Die Kinder riefen: »Lieber Koch! + Erschieße uns doch einmal noch!« + Der aber sprach: »Ihr klugen Leut', + Es ist mein Pulver all' für heut'!« -- + + + [Illustration] + + Nun kamen Klapperstörche, drei, + Geflogen durch die Luft herbei + Hoch über Kirche, Thurm und Haus. + Sie sahen ernsthaft wichtig aus. + Ein jeder trug gar sanft und lind + Ein allerliebstes Wickelkind; + Im Schnabel trug er's ganz genau, + Eins gelb, eins grün, das dritte blau. + Und um den Hals in ihren Taschen, + Da war gar mancherlei zum Naschen. + Doch Störche plappern gar zu sehr; + Da konnten sie nicht schweigen mehr. + Die dummen Störche mußten eben + Zum Singen ihre Schnäbel heben: + + »Wir fliegen über's blaue Meer, + Klipp, Klapp! + Und bringen kleine Kinder her, + Klipp, Klapp! + Wir setzen hoch uns auf das Dach, + Und lassen sie ganz allgemach + Im Schornstein zu der Küch' herab. + Klipp, Klapp! Klipp, Klapp! + + * * * * * + + Nach heißen Landen zieh'n wir fort; + Klipp, Klapp! + Die lieben Kinder schlafen dort. + Klipp, Klapp! + Sie schlafen wie im Mutterarm + In Blumenkelchen tief und warm. + Dann brechen wir die Blumen ab. + Klipp, Klapp! Klipp, Klapp! + + * * * * * + + Wenn wir im Herbst nach Süden gehn, + Klipp, Klapp! + Dann sprecht: Auf fröhlich Wiedersehn! + Klipp, Klapp! + Wir bringen euch was Süßes mit, + Das Reisetäschlein voll Biskuit. + Wir geben's gerne und nicht knapp. + Klipp, Klapp! Klipp, Klapp!« + + + [Illustration] + + O, Klapperstörche, sagt: Warum + Seid ihr denn nicht geblieben stumm? + Wahrhaftig, Keiner von euch dachte, + Daß er ein Kind im Schnabel brachte. + Als ihr den Mund nun aufgesperrt, + Da fielen sie herab zur Erd', + Und fingen, wie man denken kann, + Entsetzlich gleich zu weinen an. + + [Illustration] + + + [Illustration] + + Die armen Wickelkinder nun, + Die werden sich wohl Schaden thun? + Bewahre! Nein! So geht es nicht, + Daß man sich Arm' und Beine bricht! + Wie sie am Boden eben sind, + Da wachsen sie im Nu, geschwind + Empor zu muntern, lust'gen Jungen, + Wie je nur durch das Feld gesprungen, + In Kleidern, wie vorher, genau, + Eins gelb, eins grün, das dritte blau. + Sie halten sich für große Leute + Und springen ellenhoch vor Freude. + Die Störche stehen starr und schauen, + Sie können kaum den Augen trauen; + Sie sperren auf die Schnäbel weit + Ob solcher Wunderbarlichkeit. + Dann klappern sie ihr Storchenlied + Und fliegen, daß kein Mensch sie sieht. + + + [Illustration] + + Es brachten die drei Burschen dann + Den schönsten Weihnachtsbaum heran; + Der war behangen und geschmückt + Mit Allem, was das Aug' entzückt. + Ein Kerzenlicht auf jedem Ast! + Schier brach er von der süßen Last. + Goldglöckchen hingen mitten drein, + Und Vöglein flogen aus und ein. + Wer's sehen konnte, meinte, dies + Sei wohl ein Stückchen Paradies. + Die Buben aber setzten breit + Sich zu des Baumes Herrlichkeit, + Sie aßen hungrig alle drei + Die Schüssel leer mit Hirsebrei. + Die goldnen Glocken klangen, + Die bunten Vögel sangen: + + »Auf den Feldern, + In den Wäldern + Manch ein Baum gar prangend steht, + Der von linden + Frühlingswinden + Wird mit Blüthen übersät; + + Der in Hülle + Und in Fülle + Goldne Frucht am Zweige trägt; + Wo in süßen + Wechselgrüßen + Nachtigall und Finke schlägt. + + Aber saget, + Ob wohl raget + Je ein Baum so voller Pracht, + Wie der reiche, + Dessen Zweige + Strahlen in der heil'gen Nacht! + + Und noch wahrer + Und noch klarer + Als die Lichtfluth euch entzückt, + Glänzt auf's Neue + All die treue + Liebe, die den Baum geschmückt.« + + + [Illustration] + + Es kam nunmehr ein großer Zug. + Die Arche Noäh war's, die trug + Gar mancherlei Gethier herbei. + Das Alles zog zu zwei und zwei + Fromm aus dem Kasten durch die Stadt, + Ein Zug der kaum ein Ende hat. + Herr Noah ging in ernstem Schritt, + Es gingen Frau und Kinder mit. + Die jüngsten Noahskinder, + Die trappelten dahinter. + Der Regenbogen glänzte sehr, + Und vorn da flog die Taube her. + Und Jedermann und alles Vieh + Sang eine schöne Melodie: + + »Nichts als Regen, vierzig Tage! + Regen, Regen immerfort! + Denkt euch, Kinder, welche Plage, + Eingesperrt im Kasten dort! + + Eins ist, was wir tröstlich fanden, + Daß es bei uns trocken war, + Während unsre Anverwandten + Sind ertrunken ganz und gar. + + Das Ertrinken, das ist gräulich; + So zu sterben ohne Sarg! + In der Arche war's abscheulich; + Aber doch noch nicht so arg.« + + + [Illustration] + + Der König sprach in mildem Ton + Zu Reinhold jetzt: »Du guter Sohn! + Die Sündfluth ist vorüber zwar, + Doch böse Buben sind nicht rar; + Die sind noch lang' nicht all geworden + Und finden sich an vielen Orten. + Ein sauber Pröbchen kann ich dir + In meinen Pagen zeigen hier. + Die Kerlchen sind dir wohlbekannt, + Hofschlingel werden sie genannt.« + Der König winkt'; da kam herbei + Die ganze Struwwelpeterei. + + Zuerst zeigt' _Struwwelpeter_ sich, + Dann kam der _böse Friederich_; + Der _Daumenlutscher_ lutschte sehr, + Der _Zappelphilipp_ hinterher + Kam mit dem Tischtuch auf dem Rücken; + _Hans_ aber wollt' sich gar nicht bücken, + Weil stets sein Blick in Lüften hing; + Dann _Robert_ mit dem Schirme ging. + Verhungert ganz und sehr elend + Kam _Suppenkaspar_ noch am End'. + Die Tintenbuben sprangen munter + Den Zug hinauf bald, bald hinunter. + + [Illustration] + + + [Illustration] + + Vorüber war auch dieser Zug. + Der König sprach: »Jetzt ist's genug! + Du hast mein ganzes Volk geseh'n; + Ich kann deßhalb nach Hause geh'n. + Ich hab' dir weiter nichts zu zeigen + Und will nunmehr zu Pferde steigen, + Um fort zu reiten auf mein Schloß.« + + Man brachte ihm das Schaukelroß, + Das Schaukelroß gar reich geschmückt, + Wie's sich für einen König schickt; + Und in den Sattel schwingt er sich, + Ein kühner Reiter, meisterlich. + Er hält am Pferdchen fest sich sehr; + Er schaukelt hin, er schaukelt her. + Doch Reinhold grüßt mit Zierlichkeit + Und spricht mit viel Manierlichkeit: + »O knackerige Majestät! + Es ist mir leid, daß Ihr schon geht. + Zwar Euer Mund ist groß und weit, + Doch größer Eure Gütigkeit.« + Der König rief: »Leb' wohl, mein Sohn!« + Und ritt in schnellem Trapp davon. + + + [Illustration] + + Reinhold stand jetzt ganz verlassen + In den öden, stillen Gassen. + Da erschien in lichtem Glanz + Mit der Lilie und dem Kranz + Jener Knabe, wunderbar, + Der zuerst sein Führer war. + Und mit freundlichem Gesicht + Jetzt der Engel zu ihm spricht: + + »Laß uns gehn! Das Spiel ist aus. + Lieber Reinhold, komm' nach Haus, + Daß die Mutter nicht erwacht + Und um dich sich Sorge macht! + Doch von all' den schönen Dingen, + Die du heute hier geschaut, + Will ich dir ein Abbild bringen, + Wenn der frühe Morgen graut.« + + Durch die grünen Wiesen schreiten + Leicht hinwandelnd nun die Beiden; + Aber Kirche, Stadt und Baum + Werden klein, man sieht sie kaum; + Winzig Alles ganz und gar, + Wie es in dem Kästchen war. + + Reinhold tritt beim Lampenschimmer + In die Hütte, in sein Zimmer. + Ruhig schläft das Mütterlein; + Auf den Zehen tritt er ein. + Leise legt er schnell sich nieder, + Und der Schlaf umfängt ihn wieder. + + + [Illustration] + + Als der frühe Morgen graut + Und durch's kleine Fenster schaut, + Da erwachen Beide schon, + Und die Mutter sieht den Sohn, + Der noch eben krank gewesen, + Heiter, blühend und genesen. + Schönste aller Weihnachtsgaben, + Die ein Mutterherz kann haben! + Doch in herrlicher Verklärung + Glänzt die prächtige Bescheerung. + Hundertfacher Kerzenschein + Füllt das kleine Zimmerlein. + Alles hat in später Nacht + Hier der Engel hergebracht; + Weihnachtsbaum in vollem Prangen, + Wunderherrlich ausgeschmückt, + Und mit Allem reich behangen, + Was nur Aug' und Herz entzückt. + Da ist auch der Struwwelpeter, + Und der lustige Trompeter; + Nüsseknacker steht dabei, + Hanselmänner sind es zwei, + Arche Noäh, Storch und Hahn, + Häuser, Kirch' und Baum daran, + Reiterei und Fußsoldaten, + Die Kanone scharf geladen, + Und daneben auf der Erd' + Steht sogar das Schaukelpferd. + Reinhold und die Mutter seh'n + Staunend all' die Sachen steh'n. + + Auch die Katze und die Maus + Gingen heute leer nicht aus. + Kätzlein hatte Milch zu lecken; + Mäuslein aber in den Ecken + An dem Honigkuchen frißt, + Drauf ein M von Zucker ist. + + Und am Baum die Glocken klingen, + Und die gold'nen Vögel singen: + + »Nicht grämen sollt ihr euch und sorgen! + Gott sendet seine Engel aus. + Wen _er_ beschützt, der ist geborgen, + Und Frieden wohnt in seinem Haus. + + Und heilend auf die tiefsten Wunden + Legt mild die Hand er allemal, + Und mitten in den trübsten Stunden + Trifft euch der Freude Sonnenstrahl.« + + + +Krebs-Schmitt Nachf. Aug. Weisbrod, Frankfurt a. M. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of König Nußknacker und der arme Reinhold, by +Heinrich Hoffmann + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KONIG NUSSKNACKER *** + +***** This file should be named 32034-8.txt or 32034-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/2/0/3/32034/ + +Produced by Ralph Janke, Jason Isbell, Markus Brenner and +the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This file was made using scans of +public domain works in the International Children's Digital +Library.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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