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+The Project Gutenberg EBook of Liebesgedichte, by Ricarda Huch
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Liebesgedichte
+
+Author: Ricarda Huch
+
+Release Date: March 15, 2010 [EBook #31658]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEBESGEDICHTE ***
+
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+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
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+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
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+
+ Das Verzeichnis der Gedichtanfänge wurde vom Ende des Textes an den
+ Anfang verschoben.
+ ]
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+ Ricarda Huch
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+ Liebesgedichte
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+
+ Im Insel-Verlag zu Leipzig
+
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+DIE ANFÄNGE DER GEDICHTE
+
+
+ Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher 3
+
+ Ich werde nicht an deinem Herzen satt 4
+
+ Wo hast du all die Schönheit hergenommen 5
+
+ Was für ein Feuer, o was für ein Feuer 6
+
+ Eine Melodie 7
+
+ Wie liebten wir so treu in jenen Tagen 8
+
+ Still vom Frühlingsabendhimmel 9
+
+ Ein Engel hat den vollen Kranz der Liebe 10
+
+ Ein Todesengel, göttlich sanft und schön 11
+
+ Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt 12
+
+ Gestern weint ich in den Schoß des Glückes 13
+
+ O blühende Heide, welken wirst du müssen 14
+
+ Sinkt nun der Frühlingstraum verwelkt von allen Bäumen 15
+
+ Sturmlied. O Brausen des Meers 16
+
+ Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben 17
+
+ Wie Laodamiens Gatte für drei Stunden 18
+
+ Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle 19
+
+ Es bebten Berg und Täler von Gewittern 20
+
+ Dein Name, hör ich plötzlich ihn gesprochen 21
+
+ Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein 22
+
+ Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange 23
+
+ Wie wenn Gott winkt, und die Ströme und Meere der Erde 24
+
+ Die Harfe war besaitet ohne Ziel 25
+
+ Du gingest durch ein Felsental im Feuer 26
+
+ Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen 27
+
+ Denn unsre Liebe hat zu heiß geflammt 28
+
+ Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll 29
+
+ In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte 30
+
+ Schwill an, mein Strom, schwill über deine Weide 31
+
+ Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft 32
+
+ Du lässest Duft und Wohllaut, wo du gingest 33
+
+ Du warst, o Hand, die Taube, die mich nährte 34
+
+ Wenn je ein Schönes mir zu bilden glückte 35
+
+ Die Sterbliche, die dem Olympier teuer 36
+
+ Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmückt 37
+
+ Wie sich der Frühling opfernd vor der Sonne 38
+
+ Du warst nur kurze Tage mein Gefährte 39
+
+ Du warst in dieser götterlosen Zeit 40
+
+ Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen 41
+
+ Du führtest mich zuerst ins Heiligtum 42
+
+ Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer 43
+
+ Wir fanden im Zwielicht hohe Wege 44
+
+ Die Sage weiß von eines Brunnens Tugend 45
+
+ Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend 46
+
+ Wie aus des Ostens Dunst im Siegeswagen 47
+
+ Wie sich die Erde scheidend von der Sonne 48
+
+ Am Klavier. Nie laß mich hören alte Töne 49
+
+ O schöne Hand, Kelch, dessen Duft Musik 50
+
+ Wie eines Königs Hand Berührtes adelt 51
+
+ Die Erde, von des Himmels Macht umrundet 52
+
+ Um diese Hügel, die dem Blick entgleiten 53
+
+ Sieh mich, das Meer, das dir zu Füßen brandet 54
+
+ An unsrer Seite geht Erinnerung 55
+
+ Leben. Hell strömt aus Schluchten 56
+
+ Wie zwei Tote, die um Liebe starben 57
+
+ Da wo der frühen Falter gelbes Lodern 58
+
+ Wie lastet mir das Leben ohne dich 59
+
+ Musik bewegt mich, daß ich dein gedenke 60
+
+ Uralter Worte kundig kommt die Nacht 61
+
+ Wir wanderten von junger Liebe trunken 62
+
+
+
+
+ Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher!
+ Trink Liebe, trinke dich satt!
+ Es zittert; o berauschter Zecher,
+ Der fest in bebenden Händen es hat!
+ Wer hat wie du ein Meer zum Pokale?
+ Ein Meer voll wachsender Glut!
+ Es saugt aus eurem feuchten Strahle,
+ Ihr trunkenen Augen, die himmlische Flut.
+
+
+
+
+ Ich werde nicht an deinem Herzen satt,
+ Nicht satt an deiner Küsse Glutergießen.
+ Ich will dich, wie der Christ den Heiland hat:
+ Er darf als Mahl den Leib des Herrn genießen.
+ So will ich dich, o meine Gottheit, haben,
+ In meinem Blut dein Fleisch und Blut begraben.
+ So will ich deinen süßen Leib empfangen,
+ Bis du in mir und ich in dir vergangen.
+
+
+
+
+ Wo hast du all die Schönheit hergenommen,
+ Du Liebesangesicht, du Wohlgestalt!
+ Um dich ist alle Welt zu kurz gekommen.
+ Weil du die Jugend hast, wird alles alt,
+ Weil du das Leben hast, muß alles sterben,
+ Weil du die Kraft hast, ist die Welt kein Hort,
+ Weil du vollkommen bist, ist sie ein Scherben,
+ Weil du der Himmel bist, gibt's keinen dort!
+
+
+
+
+ Was für ein Feuer, o was für ein Feuer
+ Warf in den Busen mir der Liebe Hand!
+ Schon setzt es meinen zarten Leib in Brand
+ Und wächst an deiner Brust noch ungeheuer.
+ Zwei Fackeln lodern nun in eins zusammen:
+ Die Augen, die mich anschaun, sind zwei Kerzen,
+ Die Lippen, die mich küssen, sind zwei Flammen,
+ Die Sonne selbst halt ich an meinem Herzen.
+
+
+
+
+ Eine Melodie
+ Singt mein Herz, die du gesungen.
+ Still auf deinem Knie
+ Lag mein Haupt, von deinem Arm umschlungen.
+
+ Schwerer Duft der Nacht
+ Zog mit müdem Hauch vorüber.
+ Bang hab ich gedacht:
+ Sterben müßt ich, hätt ich dich noch lieber.
+
+ Liebst du auch so sehr?
+ Warum singst du solche Lieder?
+ Aus verhülltem Meer
+ Läuten Glocken auf und tauchen nieder.
+
+ Tief im dunklen Dom
+ Schwanken Weihrauch und Choräle ...
+ Wie ein Tränenstrom
+ Zieht es einsam jetzt durch meine Seele.
+
+
+
+
+ Wie liebten wir so treu in jenen Tagen,
+ Fest wie die Sonne stand das Herz uns da.
+ Getrennt, wie hatten wir uns viel zu sagen,
+ Und sagten stets nur eines: Liebst du? Ja!
+ O Liebe, kannst du wie ein Traum der Nächte
+ Vorübergehn, die du unendlich scheinst?
+ Mir ist, als ob er fernher mein gedächte
+ Und fragte: Liebst du mich? Sag ja wie einst!
+
+
+
+
+ Still vom Frühlingsabendhimmel
+ Schwebt ein Wolkenkahn zu mir hernieder;
+ Durch das irre Weltgetümmel
+ Zieht er lautlos wie auf Traumgefieder.
+
+ Mein Geliebter lenkt den Nachen,
+ Gram und Inbrunst in den schönen Zügen.
+ »Heim ziehn alle, die noch wachen.
+ Komm und laß uns Seel an Seele schmiegen.«
+
+ Langsam schwer in Abgrundsferne
+ Sinkt erlöschend der begrünte Hügel,
+ Und das Himmelreich der Sterne
+ Taucht aus seiner Augen dunklem Spiegel.
+
+
+
+
+ Ein Engel hat den vollen Kranz der Liebe
+ Einst auf dies töricht junge Haupt gesetzt,
+ Und daß er Rosen überschwenglich triebe,
+ Mit seiner Tränen Flut ihn reich benetzt.
+ Die Sonne sank, seit wir uns Treu gelobten.
+ Wie grün er war, der Kranz ist lang verbleicht -- --
+ O Scham, Triumph und Demut des Erprobten,
+ Dem Gott die Krone ewgen Lebens reicht!
+
+
+
+
+ Ein Todesengel, göttlich sanft und schön,
+ Trägst du gen Himmel mächtig meine Seele.
+ Durch alle Nacht hindurch, wie Stürme wehn,
+ Fühlst du den Weg, den ich allein verfehle.
+ Wie rücken die Gestirne weit, so weit!
+ Der Erde fern und fern der Ewigkeit
+ Nichts faß ich mehr als deines Herzens Schlagen.
+ Ein Adler ist's, der steigt: einst wird es tagen.
+
+
+
+
+ Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt,
+ Weil von der Erde nun es Abschied nimmt.
+
+ Verschworen hat's den argen Mummenschanz,
+ Den Schleier nimmt es und den Rosenkranz.
+
+ Ins Kloster geht's, die Kutte legt es an,
+ Ein Heilger wird's, zu dem man beten kann.
+
+ Einst tanzt es als ein Sternlein hoch im Blau;
+ Hernieder fiel es und erlosch im Tau.
+
+ Ein Schwärmer stieg's in die entzückte Luft,
+ Versprühte buntes Licht; nun ist's verpufft!
+
+ Johanniskäfer war's und glühte schön;
+ Nun ist's ein Würmchen, häßlich anzusehn.
+
+ Wie Nachtigall sang's Liebe immerzu;
+ Ein Käuzchen ward es nun und ruft schuhu.
+
+
+
+
+ Gestern weint ich in den Schoß des Glückes:
+ Ach, mir fehlt die Sonne deines Blickes!
+
+ Laß mich, laß mich deine stolzen süßen
+ Goldnen Augen einmal noch genießen,
+
+ Daß ich froh die Blicke wieder wende
+ Auf den Tanz der Weltallsgegenstände,
+
+ Und das Glöckchen wieder höre klingen
+ Lieblich in den bunten Erdendingen.
+
+ Da erblickt ich in der großen Ferne
+ Eine Wiese voller Blumensterne,
+
+ Überrieselt von der Sonne Röte,
+ Bienenübersummt wie Hauch der Flöte,
+
+ Und das Glück sprach: Sieh, so wirst du liegen
+ Und dich an zwei traute Lippen schmiegen.
+
+ Aber einst, nach langen Sommertagen -- -- --
+ Und da schwieg es, wollte nichts mehr sagen.
+
+
+
+
+ O blühende Heide, welken wirst du müssen!
+ Du Sternenantlitz, mußt du auch vergehn?
+ Es gäb ein andres Glück als dich zu küssen,
+ Und andre Wünsche als dich anzusehn?
+ Ihr Seelenaugen, warmes Licht der Liebe,
+ Erlöschen sollt ihr? nie mehr widerspiegeln
+ Die goldne Bläue über diesen Hügeln?
+ Du wärst dahin, und Erd und Himmel bliebe?
+
+
+
+
+ Sinkt nun der Frühlingstraum verwelkt von allen Bäumen,
+ So bebt mein Herz von einem Jubelschrei:
+ Es muß vorübergehn, was lebt in Erdenräumen --
+ Ich habe dich, und du gehst nicht vorbei.
+ Hoch auf am Ararat der Liebe branden
+ Die wilden Wasser der Vergänglichkeit,
+ Wir sehn die Welt zu unsren Füßen stranden,
+ Umstrahlt vom Himmel, der das Grab der Zeit.
+
+
+
+
+ STURMLIED
+
+ O Brausen des Meers und Stimme des Sturms
+ Und Irren im Nebelschwarm!
+ In Hafens Ruhe, im Schutze des Turms,
+ Wie eng und arm.
+
+ Ich will kein Kissen mir unters Haupt,
+ Kein Schreiten auf Teppichen weich;
+ Hat mir der Sturm auch die Segel geraubt --
+ Da war ich reich!
+
+ O herrliche Fahrt im Windeshauch
+ Hinauf und hinab und zurück!
+ Nur kämpfend, und unterlieg ich auch,
+ Ist Leben Glück.
+
+
+
+
+ Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben,
+ Was von mir übrig, meine Asche, bei dir sein.
+ Und deine Hand, um die mein Leben einst geworben,
+ Tauch in den Staub, der einst dein Fleisch war, ein.
+ Läßt du den trüben Strom durch deine Hände fluten,
+ Die einst, wie Frühlings Hauch aufzückt im jungen Stamme,
+ Berührend diesen Leib entzündeten zur Flamme,
+ Fühlst du ihn plötzlich wohl erglühn in alten Gluten.
+
+
+
+
+ Wie Laodamiens Gatte für drei Stunden
+ Vom Nebelschoß des Todes losgebunden,
+ Erschienest du, wie einst mir zu gehören;
+ Und da ich noch mit innigstem Beschwören
+ An deinem traumesschweren Leibe sauge,
+ Senkst du in meine Brust zum letztenmal
+ Mit dunkler Kraft das mitternächtge Auge,
+ Und tauchst hinunter in die leere Qual!
+
+
+
+
+ Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle
+ Und rief den Namen an, einst mir so mild.
+ Dann drang ich in des Tempels letzte Zelle
+ Und sah erbebend das verehrte Bild.
+ Das Götterangesicht, das langentbehrte,
+ Enthüllend stand er streng im Flammenschein.
+ Erst als die Glut mich griff, doch nicht verzehrte,
+ Sprach er: Ich kenne dich. Und du bist mein.
+
+
+
+
+ Es bebten Berg und Täler von Gewittern,
+ Das Licht erlosch am Himmel in die Nacht.
+ Noch überläuft die fernen Hügel Zittern,
+ Doch löst sich linde schon der Stürme Schlacht.
+ Im frisch entwölkten Blau strahlt durchs Gewimmel
+ Der Sterne stolz ein Schwert mit Schneid und Knauf.
+ O Erde, rolle jauchzend durch die Himmel:
+ Das Sternbild unsrer Liebe ging dir auf!
+
+
+
+
+ Dein Name, hör ich plötzlich ihn gesprochen,
+ Scheint aus Gewölken wie ein Blitz zu fallen,
+ Der alle Siegel schmelzend aufgebrochen,
+ Der Tore wirft von nie betretnen Hallen.
+ Du stürzest, schöner Name, nicht entzündend
+ In diese Brust; ein Strahl, ein ewig neuer,
+ Zuckst du hindurch und in der Seele mündend,
+ Vermählst du ihre Flut mit deinem Feuer.
+
+
+
+
+ Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein,
+ Durchbohrend mit dem Schwerte, das nicht tötet,
+ Mein Eingeweide, bis der scharfe Stein,
+ Auf dem ich kniee, sich mit Blute rötet.
+ Doch neig ich dankend mich den Schmerzenslosen;
+ Denn über mir seh ich wie eine Sonne
+ Die Marterkrone dunkelroter Rosen:
+ Mein Blut in Blüte, die mich krönt zur Wonne.
+
+
+
+
+ Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange,
+ In dunkler Nacht, die um dich her erglühte.
+ Ich diente dir mit Liebesüberschwange
+ Und trank das Feuer, das dein Atem sprühte.
+ Du flohst, ich suchte lang in Finsternissen.
+ Da kannten mich die Götter und Dämonen
+ An jenem Glanze, den ich dir entrissen,
+ Und führten mich ins Licht, mit dir zu thronen.
+
+
+
+
+ Wie wenn Gott winkt, und die Ströme und Meere der Erde
+ Brausend sich wenden, gestürzt vor der Allmacht Gebärde,
+ Stürmt dir mein Blut, wenn du winkst; aus den Schluchten der Seele
+ Quillt es mit Inbrunst, gewendet zu deinem Befehle.
+
+
+
+
+ Die Harfe war besaitet ohne Ziel.
+ Kein wehnder Wind erregte sie zu Tönen,
+ Kein Finger konnte sie dem Lied gewöhnen.
+ Du legst die Hand auf das gebannte Spiel:
+ Die Saiten, die sich keinem Griff bequemen,
+ Erzittern unter dir entzückt und bang,
+ Jäh überstürzt von ihrem Klang
+ In raschem Quell und schweren, dunklen Strömen.
+
+
+
+
+ Du gingest durch ein Felsental im Feuer,
+ Gebundnen Fußes wie ein Ungetreuer,
+ Verzehrt, verdorrt, verschmachtet, ohne Flucht
+ Vor dreistem Blick und schnödem Hohn der Spötter.
+ Nun da der Tag sich neigt auf unsern Wegen,
+ Und du, das Haupt der heilgen Nacht entgegen,
+ Hervortrittst aus der gnadenlosen Schlucht,
+ Strahlst du unsterblich wie die goldnen Götter.
+
+
+
+
+ Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen
+ Und ließest mich in dunklen Labyrinthen.
+ Allein, vergessen Heimat und Entstammen,
+ Erlitt ich Dienst und Kampf bei Fremdgesinnten.
+ Ich wanderte verhüllt am Todesflusse
+ Im Schrei des dürren Laubs und hoffte nichts.
+ Da trittst du vor mich hin, ein Gott des Lichts,
+ Und glühst mich jung mit diamantnem Kusse.
+
+
+
+
+ Denn unsre Liebe hat zu heiß geflammt,
+ Die wir entrissen alten Göttermächten.
+ Von Sterblichen verdammt
+ Schlug sie empor in unterirdschen Nächten.
+
+ Sie loderte wie Fackeln überm Grab.
+ Der Sterne Heer zerschmolz in ihrem Hauch
+ Und troff auf sie herab.
+ So schmolzen schmerzlich unsre Seelen auch.
+
+ O Wohlgeruch, o Glut! O Lust und Glanz!
+ O Qual, nie nah genug so nah zusammen!
+ Empfang uns endlich ganz,
+ Abgrund der Nacht, in deinen Liebesflammen.
+
+
+
+
+ Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll,
+ Sich selber speisend, hoch um unsre Wege.
+ Erst netzt es unsre Füße Schaumes voll,
+ Dann hub es sich bis an des Herzens Schläge.
+ Einst kommt der Tag, in seines Schwellens Drang
+ Reißt es vom Gipfel uns, dem kaum errungnen,
+ Und überflutet höchsten Glückes Gang,
+ Und rauscht Gesänge über uns Verschlungnen.
+
+
+
+
+ In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte,
+ Schuf ich ein Weihgefäß aus edler Erde
+ Und barg darin, die einst an dir entbrannte,
+ Die Flamme, daß sie rein gehütet werde.
+ Von der empfangnen Brunst errötend bebte
+ Das Weihgefäß, doch sprang es nicht entzwei.
+ Kein Funken meiner Liebesglut entschwebte!
+ Nun nimm es du, daß es dir heilig sei.
+
+
+
+
+ Schwill an, mein Strom, schwill über deine Weide,
+ Umschlinge Haupt und Stamm zu dir hinab.
+ Daß sich kein Blatt aus deiner Flut mehr scheide,
+ Taucht sie die Zweige schluchzend in dein Grab.
+ Daß dich doch dürstete, wie sie verschmachtet!
+ Verzehre sie, wie sie dich trinken will!
+ In dich gebogen, ganz von dir umnachtet,
+ Von dir verschlungen wird die Seele still.
+
+
+
+
+ Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft,
+ Du gibst Gestalt und Maß mir und Bewegen.
+ Mit dir nur kann ich heben mich und legen,
+ Ich dein Geschöpf, du Willen mir und Kraft.
+
+ Dir angeschmiegt bin ich in deiner Haft,
+ Wie die von Ketten schwer den Fuß nicht regen.
+ Was du mir tust, ich kämpfe nicht entgegen,
+ Durch dein Gebot belebt und hingerafft.
+
+ Doch bin ich dein, auch du gehörst der Deinen.
+ Du kannst mir nicht entfliehn, dich neu gewänn ich,
+ Mich nicht verstoßen, neu würd ich erkoren.
+
+ Solange Sonn und Sterne dich bescheinen,
+ Siehst du zu deinen Füßen unzertrennlich
+ Die Liebende, für dich aus dir geboren.
+
+
+
+
+ Du lässest Duft und Wohllaut, wo du gingest,
+ Die Luft, die dich umgab, wird süß und trunken.
+ Was du mit deinem goldnen Blick umfingest,
+ Ward überfüllt von reifen Liebesfunken.
+ Es blüht und glüht und schwillt und klingt und leuchtet
+ Um dein Erscheinen her und deinen Namen.
+ Du schüttest aus, von Lebenstau befeuchtet,
+ O Paradiesesfrucht, der Schönheit Samen.
+
+
+
+
+ Du warst, o Hand, die Taube, die mich nährte,
+ Mit Milch und Honig, Brot und Wein.
+ Du gabst, was Rausch und Nüchternheit gewährte
+ Und jene Zauber, die zur Liebe weihn.
+ Du hast mir Todesglut ins Herz gegossen,
+ Doch deine Schwinge war der Nacht Geleit;
+ Das Fleisch, das du gespeist, das dich genossen,
+ Betaust du drüben mit Unsterblichkeit.
+
+
+
+
+ Wenn je ein Schönes mir zu bilden glückte,
+ War's, weil ich hingegeben deinem Wesen,
+ Mit meiner Seele mich in dich verzückte,
+
+ Und, wie der Winzer nach dem Traubenlesen
+ Erglüht und schwankt in Purpurgeist gebadet,
+ Wie Kranke, die nach tiefem Schlaf genesen,
+
+ Wie ein Geliebter, den ein Gott sich ladet,
+ Ihm teilt an goldnem Tisch des Nektars Blüte, --
+ Zurück mir kam mit Harmonie begnadet,
+ Lebendgen Feuers Wogen im Gemüte.
+
+
+
+
+ Die Sterbliche, die dem Olympier teuer,
+ In seiner Gottheit Glanz von ihr erfleht,
+ Schmolz, da er kam, sein unerträglich Feuer.
+
+ Ich bin die immerdar in Flammen steht.
+ Von deinen Augen götterhaft durchdrungen
+ Entbrannte dieser Leib, der stets vergeht,
+
+ Stets von der Glut erneut, die ihn bezwungen.
+ Erlischt die Brunst auch nicht in Lethes Bade,
+ Die Schmerzen fühl ich selig kühl verschlungen,
+
+ Noch schwer von Erdenwonne schon in Gnade.
+
+
+
+
+ Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmückt,
+ Daß er erschimmert unter Goldgehängen,
+ Ein atmend Bildwerk, so mein Fleisch verdrängen
+ Die Küsse, die dein Mund ihm eingedrückt.
+
+ Ambrosisch ward, das du in Glut getaucht,
+ Mit Tränenschnüren hundertfach umschlungen,
+ Das du gebadet hast in Liebkosungen,
+ Darin dein Atem seinen Duft verhaucht.
+
+ Es altert nicht und wird dir nie gemein,
+ Entwürdigt durch der Jahre steten Druck.
+ Die Zeit muß dienend meinen Leib verschönen:
+
+ Je süßer leuchtet sein verliehner Schein,
+ Je reicher ihn verhüllt der Liebe Schmuck,
+ Und deine Gnaden seine Demut krönen.
+
+
+
+
+ Wie sich der Frühling opfernd vor der Sonne
+ Auf Hügeln, süß von Weihrauch, selbst verzehrt,
+ So geb ich dir, o Herr, der mich begehrt,
+ Die deinem Blick erschloßne Liebeswonne.
+
+ In deine Flamme warf ich meine Blüte.
+ Dein göttlich Feuer stürmend schnell genießt
+ Den zarten Flor, der mir vom Herzen sprießt:
+ Mich selber denn, da du mich liebst, behüte!
+
+ Laß nach, o Glut, daß ich nicht sterbe! Längst
+ Mit immer neuen Opfern dich verehrend,
+ Hab ich, was mein war, deinem Wunsch gegeben;
+
+ Verlange nicht, daß du mich ganz empfängst,
+ Mein Leben auch. -- Du schütteltest verwehrend
+ Das Haupt und sprachest: Liebe! wozu leben?
+
+
+
+
+ Du warst nur kurze Tage mein Gefährte,
+ Doch ist mein Wesen so von dir durchstrahlt,
+ Und so dein Bild in meinem Tun gemalt,
+ Als ob ein Leben deine Nähe währte.
+
+ So kann, ins Glas gesprüht, ein Tropfen Wein
+ Des Wassers Nüchternheit in sich verschlingen
+ Und es mit Süße, Farbe, Duft durchdringen,
+ Daß keins vom andern je mehr zu entzwein.
+
+ So schwingen Sterne sich und aber Sterne
+ Um eine Sonne, die sich nie enthüllt,
+ Mit ihrer Kraft und ihrem Licht sie füllt,
+ Und sie regiert aus unermeßner Ferne.
+
+
+
+
+ Du warst in dieser götterlosen Zeit,
+ Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken
+ Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken,
+ Der Stern, der mich geführt hat und gefeit.
+
+ Die Spur, die du gegangen, zu betreten,
+ Daß ich nicht irrte, war mein hohes Ziel.
+ Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel
+ Trug mich empor das Glück dich anzubeten.
+
+ Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts
+ Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet
+ Und so gelenkt sich in den Hafen rettet,
+
+ Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet,
+ Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet,
+ Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz.
+
+
+
+
+ Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen
+ Mit scheuem Mund der Armut Bitte raunt
+ Und andachtsvoll auf fremde Schätze staunt,
+ Die seinem kargen Lose nicht gebühren,
+
+ Kam ich zu dir, der meine leeren Hände
+ Mir überhäufte, reichgeboren mild,
+ Mich schmückte wie ein wundertätig Bild,
+ Daß ich nun selbst besitze und verschwende.
+
+ Der Herrschaft Zeichen strahlt aus Diademen
+ Von meinem Haupte Demant und Rubin.
+ Doch es erlischt die prahlerische Helle
+
+ Vor dir, denn was du gabest, kannst du nehmen,
+ Und immer steht wie einst die Bettlerin
+ Mit nacktem Fuß auf deiner goldnen Schwelle.
+
+
+
+
+ Du führtest mich zuerst ins Heiligtum
+ Zu lichter Götter Bildern und Altären,
+ Du lehrtest, was sie weigern und gewähren,
+ Der Menschen Schicksal und der Helden Ruhm.
+
+ Du schmolzest sanft mit langem Liebeskuß
+ Der Kindheit Siegel mir von Mund und Augen,
+ Und ließest mich von deinem Blute saugen,
+ Zu meiner mischend deiner Seele Fluß.
+
+ So ward mein Blut, Geliebter, dir leibeigen,
+ Von einem Quell des deinen unterjocht,
+ Der es mit Sehnsucht nach sich selbst entzündet.
+
+ Nach dir muß es verlangen, stürzen, steigen,
+ Bis es im Meere deines Herzens mündet,
+ Und gleichen Schlag mit seinem Schlage pocht.
+
+
+
+
+ Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer,
+ Die zu beseligen du auserkoren,
+ Daß ich aus eignen Schmerzen neugeboren
+ Dir auferstände reiner, stärker, treuer.
+
+ Nicht daß du früher minder mich gewertet,
+ Für mich nur tilgend, was du kaum getadelt.
+ Wie Gold im Flammenbad sein Wesen adelt,
+ Ward meiner Art Gebrechlichkeit gehärtet.
+
+ Verbargst du dich mir einst in strengen Falten,
+ Nun gib, Geliebter, deine Liebe ganz!
+ Nicht brauchst du fürder dich zurückzuhalten.
+
+ Ergieße Sehnsucht, Inbrunst, Glut und Glanz!
+ Mein Herz empfängt die tödlichen Gewalten,
+ Wie ein vergöttert Haupt den Sternenkranz.
+
+
+
+
+ Wir fanden im Zwielicht hohe Wege,
+ Ein trauriger Wind ward fernher rege.
+ Die schwarzen Büsche, die sich bücken,
+ Zerbläst sein Wehn,
+ Der Himmel blitzt weiß durch Blätterlücken,
+ Die schnell vergehn.
+
+ Das Herz wird uns schwer, der Fuß wird müde,
+ Wie wenn uns ein Hauch mit Furcht belüde.
+ Die böse Zeit in Schicksalsgründen
+ Für immer schwand;
+ Was kann uns der Wind für Unheil künden,
+ Uns Hand in Hand?
+
+ Er kommt von den Hügeln, wo wir klagten,
+ Von Wolken und Winden nur umjagten,
+ Verlornen, wo auf bleicher Erde
+ Nichts wächst, nichts bleibt,
+ Kein wandernder Schäfer seine Herde
+ Vorübertreibt.
+
+
+
+
+ Die Sage weiß von eines Brunnens Tugend,
+ So fruchtbar und geheimnisvoll erlaucht,
+ Daß er den Greis, der wankend untertaucht,
+ Verwandelnd schmückt mit neugewirkter Jugend.
+
+ Sieh, wie der Leib, der seiner Kraft vertraut,
+ Sich selig hebt aus den erglühten Wogen,
+ Von ihrer Inbrunst schwellend vollgesogen,
+ Mit frischen Lebens Morgenrot betaut,
+
+ Bald an sich selbst, bald an der Welt sich weidet,
+ Die Arme breitend nach der Frühlingsflur,
+ Mit wundertätgen Tropfen sie befeuchtend,
+
+ So wenn mein Herz aus deinen Armen scheidet,
+ Grüß ich verjüngt die lachende Natur,
+ Von deiner Kraft und deiner Schönheit leuchtend.
+
+
+
+
+ Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend,
+ Verhehlend was einst Glück war, Stolz und Ehre,
+ Ging ich durch Täler, über Berg und Meere,
+ In Schutt und Schlamm die müden Füße senkend.
+
+ Doch du gingst mir zur Seite unsichtbar,
+ Von deinem dunklen Blick war ich umfangen,
+ Dein Atem hauchte mild um meine Wangen,
+ Daß ich verlassen doch dein eigen war.
+
+ So gleitet still der Tod, dem wir gehören,
+ Um unsre Schritte, die sich von ihm wenden,
+ Und wenn verhüllt von blendend bunten Flören
+
+ Das Auge noch im Kram des Lebens wählt,
+ Ruht unsre Seele in des Gottes Händen,
+ Des treusten, dem von Anfang sie vermählt.
+
+
+
+
+ Wie aus des Ostens Dunst im Siegeswagen
+ Die Sonne rollt an des Regierers Statt,
+ Geschöpf und Herr, in eigner Fülle satt,
+ Von selbsterzeugter Flamme Kraft getragen,
+
+ Und wie was Lebendes ihr zugewendet,
+ Das falbe Blatt, das ihre Strahlen greift,
+ Die Frucht, die still im Safte kochend reift,
+ An ihrem Übermaße sich vollendet,
+
+ So gehst du sonder Makel, sonder Gleichen,
+ Ein Siegender auf unbegangner Bahn
+ Gelassen durch der Menschenwelt Getriebe;
+
+ Und was wir ahnen als der Gottheit Zeichen,
+ Machst du erkennbar allen, die dir nahn:
+ Vollendung, deren Widerhall die Liebe.
+
+
+
+
+ Wie sich die Erde scheidend von der Sonne
+ Mit hastgem Flug in stürmsche Nacht entfernt,
+ Den nackten Leib mit kaltem Schnee besternt,
+ Verstummt, beraubt der sommerlichen Wonne,
+
+ Und tiefer sinkend in des Winters Schatten
+ Sich plötzlich nähert dem, wovor sie flieht,
+ Mit Rosenlicht sich warm umschlungen sieht,
+ Entgegenstürzend dem verlornen Gatten,
+
+ So ging ich, leidend der Verbannung Strafe,
+ Von deinem Antlitz fort ins Ungemach,
+ Dem öden Norden schutzlos zugewendet,
+
+ Stets tiefer neigend mich dem Todesschlafe,
+ Und wurde so an deinem Herzen wach,
+ Von morgenroter Herrlichkeit geblendet.
+
+
+
+
+ AM KLAVIER
+
+ Nie laß mich hören alte Töne,
+ Die duften Erinnerungen:
+ Vergangne Zeit, traurige, schöne,
+ Silbern Meer, summende Heide,
+ Rast und Traum auf ewigen Steinen,
+ Vom Himmel umschlungen
+ Wir beide,
+ Fülle des Glückes, verhaltnes Weinen.
+
+ Deine Küsse sind so:
+ Süß wie einst, süßer als einst.
+ Was du denkst, was du hoffst, was du weinst,
+ Was in Jahren entfloh,
+ Ungeküßter Küsse Glut,
+ Ungestillter Sehnsucht Drang,
+ Götterkraft, Jugendblut,
+ Liebe das Leben lang
+ Überglüht mich heiß,
+ Überfließt mich ganz,
+ Wie von den Bergen Weiß
+ Des Mondes fließt,
+ Fern ferner Sonnenglanz,
+ Durch Nacht versüßt.
+
+
+
+
+ O schöne Hand, Kelch, dessen Duft Musik,
+ Wie Töne schweben geht der, den du führst,
+ Melodisch wird der Stein, den du berührst,
+ Wenn sie dich einhüllt, wird die Luft Musik.
+
+ Du tust dich auf, um Wohllaut zu verschwenden,
+ Der ordnet, was Gewalt und Wahn verwirrten,
+ Und Seelen, die auf Erden sich verirrten,
+ Hinüberlockt, wo Wunsch und Zweifel enden.
+
+ O Hand, Gebieterin der Töne, bleib
+ Auf diesem Herzen ruhn, das ruhlos schwingt,
+ So wandelst du in Frieden sein Verlangen.
+
+ Dämonische, berühre diesen Leib,
+ Er bebt wie Saiten, wird ein Meer und klingt
+ Und rauscht empor, die Sonne zu empfangen.
+
+
+
+
+ Wie eines Königs Hand Berührtes adelt
+ Und tilgt vom Henker selbst den Blutgeruch,
+ In Ehre wandelnd seines Amtes Fluch,
+ Daß köstlich wird, was man zumeist getadelt,
+
+ So, wenn du stürbest, würde Tod mir teuer,
+ Vor allen Göttern nun erflehter Gast,
+ Des Name wie des Teufels sonst verhaßt,
+ Mir Feind und Fratze war und Ungeheuer.
+
+ Das Leben, dem noch immer Früchte reifen,
+ Das noch zu Festen hoch die Fackel hält,
+ Ich hieß es schal, zum Possenspiel entartet,
+
+ Das schöne Leben! froh es abzustreifen,
+ Dem Purpur gleich, der unbeachtet fällt,
+ Wenn auf dem Hochzeitsbett die Liebe wartet.
+
+
+
+
+ Die Erde, von des Himmels Macht umrundet,
+ Ein goldner Keim gesenkt in seinen Schoß,
+ Empfängt von ihm ihr heilges Sternenlos,
+ Von ihm gespeist, erwärmt, umwölkt, verwundet.
+
+ Mag er ihr zürnen, ihr Verschmachten stillen,
+ Mit Lorbeer sie bekränzen, Reb und Myrte,
+ Ob er mit eisgen Stacheln sie umgürte,
+ Sie hüllt sich innig ein in seinen Willen.
+
+ O du, in dessen Brust gesenkt ich liege,
+ Mein Schicksal nehm ich an von deiner Güte
+ Und segne Glück und Weh, das du verhängst.
+
+ Du warst, Geliebter, meines Lebens Wiege,
+ Du bist das Grab, wo ich mein Hoffen hüte,
+ Bis du mein Himmel wirst und mich umfängst.
+
+
+
+
+ Um diese Hügel, die dem Blick entgleiten,
+ Schwankt nun der Abend, müde, grau und feucht.
+ Still schwinden Haus und Baum und stehn verscheucht
+ Und gramvoll schwer in den Vergessenheiten.
+
+ Unendlich Weinen löst den Tag in Weh.
+ Der Schnitter rauschend Werk, die vollen Stunden,
+ Das Tanzen, Schwärmen, Lieb und Wahn und Wunden,
+ War's heute? War's vor Jahren? War es je?
+
+ Dies ist die Stunde, wo im fernen Land,
+ Wenn's ruhlos pocht aus deines Daches Röhre,
+ Und an den Uhren schnell die Zeiger summen,
+
+ Und das Begrabne lebt und huscht im Sand,
+ Du meinen Namen rufst und ich nicht höre.
+ Und hört ich's, müßt ich schaudern und verstummen.
+
+
+
+
+ Sieh mich, das Meer, das dir zu Füßen brandet,
+ Laß dich umschlingen, küssen, schmelzen, komm!
+ Wie Well um Welle stürmend dich erklomm,
+ Bist du ein Gott, in Element gewandet.
+
+ Laß deinen Leib von meinem Leib umgleiten!
+ Kein Flor, kein Hauch, kein Strahl mehr, der uns trennt.
+ Nur du, nur du, soweit der Blick erkennt,
+ Umbraust vom Mantel meiner Zärtlichkeiten.
+
+ Den Ozean, den ihre Glut durchdrungen,
+ Verläßt die Sonne, und mit Huld zerstörend
+ Tilgt ihre Schönheit die geballte Nacht.
+
+ Du laß die Welt in ewgen Dämmerungen!
+ Geduldger Andacht Ungestüm erhörend
+ Begrabe dich in meine Liebesmacht.
+
+
+
+
+ An unsrer Seite geht Erinnerung
+ Und flicht des Weges Zier zu Kranzgewinden,
+ Wie Bienenflug um sommerliche Linden
+ Summt süß Musik von ihrer Füße Schwung.
+
+ Vom Schmelz der Dinge schimmern ihre Hände,
+ Sie hüten erd- und meerversunknen Hort.
+ Er hebt und rührt sich auf ihr weckend Wort
+ Und funkelt jung wie Tau in das Gelände.
+
+ Nicht Blumen sind's, was sie zum Kranz gelesen;
+ Sie sammelt Saat des Lebens, das verging.
+ Aus neuer Hoffnung, längst versiegten Zähren,
+
+ Verschmiedend glühend Heut und starr Gewesen,
+ Biegt unser goldnes Leben sie zum Ring,
+ Daß es unendlich kreist in ewgen Sphären.
+
+
+
+
+ LEBEN
+
+ Hell strömt aus Schluchten der Vergangenheit
+ In unsre Becher, die wir schwärmend füllen,
+ Ambrosisch Blut, aus dessen Purpurhüllen
+ Verklärtes Leben funkelnd sich befreit:
+
+ Sehnsucht und Liebe, Tränen, Lächeln, Lust
+ Und Kampf und Fluch und siegende Gedanken
+ Der Toten, die wie wir den Festwein tranken,
+ Lenzlaub im Haare, unser nicht bewußt;
+
+ Und wir gewahren nicht, ins Heut versonnen,
+ Daß jeder Tropfen, den die Zeit ergießt,
+ Von unsrer Seele löst und so durchglutet
+
+ Herniederrinnt in einen dunklen Bronnen,
+ Der einst in andre Schalen überfließt
+ Berauschter Zecher, die der Tag umflutet.
+
+
+
+
+ Wie zwei Tote, die um Liebe starben,
+ -- Duftend Feuer schmilzt sie nun zusammen --
+ Ruhn wir still, umblaut von Frühlingsflammen,
+ Satt in Wonne nach der Trennung Darben.
+
+ Hoch im Himmel mit geblähten Säumen
+ Drehn die Stunden sich in Sturmestänzen,
+ Ihre blanken Sohlen sehn wir glänzen,
+ Doch kein Ton fällt aus so fernen Räumen.
+
+ Aber langsam sinken die vergangnen
+ Tage, die das Herz in Qual belauschte,
+ Schwer hinunter in verhüllte Tiefen,
+
+ Wie wenn unterirdisch Goldestriefen
+ In des Felsens hohle Becken rauschte,
+ Jenseit von uns ewig dicht Umfangnen.
+
+
+
+
+ Da wo der frühen Falter gelbes Lodern
+ Um wild Gestrüpp am Bergeshange zückte,
+ Und Bäche quollen durch verjährtes Modern,
+ Verweilten wir, die Glückes Last erdrückte.
+
+ Wie von des Meisters Hand entfesselt Erz
+ Goß sich die Kraft der Sonne auf uns nieder,
+ Sie stürzte rot durch unser schlagend Herz
+ Und wuchs wie goldne Haut um unsre Glieder.
+
+ Nun ist mir so, als ob dort oben bliebe,
+ Den Elementen kund und zugesellt,
+ Unsterblich eins: das Strahlenbild der Liebe,
+
+ Indessen wir, Staub ohne Sinn und Dauer,
+ Der vor der Stunde blindem Schlag zerfällt,
+ Hinunterstiegen in das Tal der Trauer.
+
+
+
+
+ Wie lastet mir das Leben ohne dich!
+ Nun können wir's auf Fingerspitzen regen,
+ Ein goldnes Bällchen, wie die Gaukler pflegen,
+ Das an Gewicht noch eben Felsen glich.
+ Es tanzt und schimmert, dünnes Glasgewebe
+ Und unverletzlich doch wie Diamant,
+ Ein selges Wesen, Sternen anverwandt;
+ Ach, daß es unsern Händen nie entschwebe!
+
+
+
+
+ Musik bewegt mich, daß ich dein gedenke,
+ So will auch Meer und Wolke, Berg und Stern,
+ Wie anderer Art als du, dir noch so fern,
+ Daß ich zu dir das Herz voll Andacht lenke.
+ Kein edles Bild, das nicht mein Auge zwinge
+ Von dir zu träumen, kein beseelter Reim,
+ Der nicht zu dir Erinnern führe heim --
+ Geschwister sind sich alle schönen Dinge.
+
+
+
+
+ Uralter Worte kundig kommt die Nacht;
+ Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande,
+ Sie wechselt die Gestalten und Gewande
+ Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht.
+
+ Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht
+ Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande.
+ Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande
+ Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.
+
+ Ich halte dich und bin von dir umschlossen,
+ Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus;
+ So fühl ich dich in Fleisch und Blut gegossen,
+
+ Von deinem Leib und Leben meins umkleidet.
+ Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,
+ Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet.
+
+
+
+
+ Wir wanderten von junger Liebe trunken
+ In dieses Friedhofs grün verhangnen Gängen,
+ Wo Immergrün und Efeu sich bedrängen,
+ Mit Toten in der Gräber Nacht versunken.
+
+ Der alten Weiden Schatten und der Birken
+ Schlug schirmend über unserm Haupt zusammen,
+ Gelassen duldend ungesühnte Flammen
+ Zu flüchtger Rast in heiligen Bezirken.
+
+ Von langer Irrfahrt sind wir nun zurück
+ Und suchen, die verwildert Kraut umspann,
+ Der Väter Kreuz, auf eingesunknen Stätten,
+
+ Still in vergangner Wonne, künftgem Glück.
+ Hier werden wir, wenn unsre Zeit verrann,
+ Nie mehr geschieden, nicht mehr zwei, uns betten.
+
+
+
+
+ 21.-30. TAUSEND
+
+ DIESE »LIEBESGEDICHTE« ERSCHIENEN
+ ZUERST IM JAHRE 1907 UNTER
+ DEM TITEL »NEUE GEDICHTE«.
+
+ *
+
+ DRUCK DER SPAMERSCHEN
+ BUCHDRUCKEREI, LEIPZIG.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ Am Klavier. Die laß mich hören alte Töne 49
+ Am Klavier. Nie laß mich hören alte Töne 49
+
+ Nie laß mich hören, alte Töne,
+ Nie laß mich hören alte Töne,
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Liebesgedichte, by Ricarda Huch
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEBESGEDICHTE ***
+
+***** This file should be named 31658-8.txt or 31658-8.zip *****
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+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
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+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.