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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:11 -0700 |
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| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:11 -0700 |
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diff --git a/31658-8.txt b/31658-8.txt new file mode 100644 index 0000000..becbeba --- /dev/null +++ b/31658-8.txt @@ -0,0 +1,1591 @@ +The Project Gutenberg EBook of Liebesgedichte, by Ricarda Huch + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Liebesgedichte + +Author: Ricarda Huch + +Release Date: March 15, 2010 [EBook #31658] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEBESGEDICHTE *** + + + + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Das Verzeichnis der Gedichtanfänge wurde vom Ende des Textes an den + Anfang verschoben. + ] + + + + + Ricarda Huch + + Liebesgedichte + + + Im Insel-Verlag zu Leipzig + + + + +DIE ANFÄNGE DER GEDICHTE + + + Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher 3 + + Ich werde nicht an deinem Herzen satt 4 + + Wo hast du all die Schönheit hergenommen 5 + + Was für ein Feuer, o was für ein Feuer 6 + + Eine Melodie 7 + + Wie liebten wir so treu in jenen Tagen 8 + + Still vom Frühlingsabendhimmel 9 + + Ein Engel hat den vollen Kranz der Liebe 10 + + Ein Todesengel, göttlich sanft und schön 11 + + Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt 12 + + Gestern weint ich in den Schoß des Glückes 13 + + O blühende Heide, welken wirst du müssen 14 + + Sinkt nun der Frühlingstraum verwelkt von allen Bäumen 15 + + Sturmlied. O Brausen des Meers 16 + + Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben 17 + + Wie Laodamiens Gatte für drei Stunden 18 + + Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle 19 + + Es bebten Berg und Täler von Gewittern 20 + + Dein Name, hör ich plötzlich ihn gesprochen 21 + + Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein 22 + + Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange 23 + + Wie wenn Gott winkt, und die Ströme und Meere der Erde 24 + + Die Harfe war besaitet ohne Ziel 25 + + Du gingest durch ein Felsental im Feuer 26 + + Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen 27 + + Denn unsre Liebe hat zu heiß geflammt 28 + + Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll 29 + + In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte 30 + + Schwill an, mein Strom, schwill über deine Weide 31 + + Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft 32 + + Du lässest Duft und Wohllaut, wo du gingest 33 + + Du warst, o Hand, die Taube, die mich nährte 34 + + Wenn je ein Schönes mir zu bilden glückte 35 + + Die Sterbliche, die dem Olympier teuer 36 + + Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmückt 37 + + Wie sich der Frühling opfernd vor der Sonne 38 + + Du warst nur kurze Tage mein Gefährte 39 + + Du warst in dieser götterlosen Zeit 40 + + Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen 41 + + Du führtest mich zuerst ins Heiligtum 42 + + Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer 43 + + Wir fanden im Zwielicht hohe Wege 44 + + Die Sage weiß von eines Brunnens Tugend 45 + + Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend 46 + + Wie aus des Ostens Dunst im Siegeswagen 47 + + Wie sich die Erde scheidend von der Sonne 48 + + Am Klavier. Nie laß mich hören alte Töne 49 + + O schöne Hand, Kelch, dessen Duft Musik 50 + + Wie eines Königs Hand Berührtes adelt 51 + + Die Erde, von des Himmels Macht umrundet 52 + + Um diese Hügel, die dem Blick entgleiten 53 + + Sieh mich, das Meer, das dir zu Füßen brandet 54 + + An unsrer Seite geht Erinnerung 55 + + Leben. Hell strömt aus Schluchten 56 + + Wie zwei Tote, die um Liebe starben 57 + + Da wo der frühen Falter gelbes Lodern 58 + + Wie lastet mir das Leben ohne dich 59 + + Musik bewegt mich, daß ich dein gedenke 60 + + Uralter Worte kundig kommt die Nacht 61 + + Wir wanderten von junger Liebe trunken 62 + + + + + Der Becher klingt; mein Herz ist der Becher! + Trink Liebe, trinke dich satt! + Es zittert; o berauschter Zecher, + Der fest in bebenden Händen es hat! + Wer hat wie du ein Meer zum Pokale? + Ein Meer voll wachsender Glut! + Es saugt aus eurem feuchten Strahle, + Ihr trunkenen Augen, die himmlische Flut. + + + + + Ich werde nicht an deinem Herzen satt, + Nicht satt an deiner Küsse Glutergießen. + Ich will dich, wie der Christ den Heiland hat: + Er darf als Mahl den Leib des Herrn genießen. + So will ich dich, o meine Gottheit, haben, + In meinem Blut dein Fleisch und Blut begraben. + So will ich deinen süßen Leib empfangen, + Bis du in mir und ich in dir vergangen. + + + + + Wo hast du all die Schönheit hergenommen, + Du Liebesangesicht, du Wohlgestalt! + Um dich ist alle Welt zu kurz gekommen. + Weil du die Jugend hast, wird alles alt, + Weil du das Leben hast, muß alles sterben, + Weil du die Kraft hast, ist die Welt kein Hort, + Weil du vollkommen bist, ist sie ein Scherben, + Weil du der Himmel bist, gibt's keinen dort! + + + + + Was für ein Feuer, o was für ein Feuer + Warf in den Busen mir der Liebe Hand! + Schon setzt es meinen zarten Leib in Brand + Und wächst an deiner Brust noch ungeheuer. + Zwei Fackeln lodern nun in eins zusammen: + Die Augen, die mich anschaun, sind zwei Kerzen, + Die Lippen, die mich küssen, sind zwei Flammen, + Die Sonne selbst halt ich an meinem Herzen. + + + + + Eine Melodie + Singt mein Herz, die du gesungen. + Still auf deinem Knie + Lag mein Haupt, von deinem Arm umschlungen. + + Schwerer Duft der Nacht + Zog mit müdem Hauch vorüber. + Bang hab ich gedacht: + Sterben müßt ich, hätt ich dich noch lieber. + + Liebst du auch so sehr? + Warum singst du solche Lieder? + Aus verhülltem Meer + Läuten Glocken auf und tauchen nieder. + + Tief im dunklen Dom + Schwanken Weihrauch und Choräle ... + Wie ein Tränenstrom + Zieht es einsam jetzt durch meine Seele. + + + + + Wie liebten wir so treu in jenen Tagen, + Fest wie die Sonne stand das Herz uns da. + Getrennt, wie hatten wir uns viel zu sagen, + Und sagten stets nur eines: Liebst du? Ja! + O Liebe, kannst du wie ein Traum der Nächte + Vorübergehn, die du unendlich scheinst? + Mir ist, als ob er fernher mein gedächte + Und fragte: Liebst du mich? Sag ja wie einst! + + + + + Still vom Frühlingsabendhimmel + Schwebt ein Wolkenkahn zu mir hernieder; + Durch das irre Weltgetümmel + Zieht er lautlos wie auf Traumgefieder. + + Mein Geliebter lenkt den Nachen, + Gram und Inbrunst in den schönen Zügen. + »Heim ziehn alle, die noch wachen. + Komm und laß uns Seel an Seele schmiegen.« + + Langsam schwer in Abgrundsferne + Sinkt erlöschend der begrünte Hügel, + Und das Himmelreich der Sterne + Taucht aus seiner Augen dunklem Spiegel. + + + + + Ein Engel hat den vollen Kranz der Liebe + Einst auf dies töricht junge Haupt gesetzt, + Und daß er Rosen überschwenglich triebe, + Mit seiner Tränen Flut ihn reich benetzt. + Die Sonne sank, seit wir uns Treu gelobten. + Wie grün er war, der Kranz ist lang verbleicht -- -- + O Scham, Triumph und Demut des Erprobten, + Dem Gott die Krone ewgen Lebens reicht! + + + + + Ein Todesengel, göttlich sanft und schön, + Trägst du gen Himmel mächtig meine Seele. + Durch alle Nacht hindurch, wie Stürme wehn, + Fühlst du den Weg, den ich allein verfehle. + Wie rücken die Gestirne weit, so weit! + Der Erde fern und fern der Ewigkeit + Nichts faß ich mehr als deines Herzens Schlagen. + Ein Adler ist's, der steigt: einst wird es tagen. + + + + + Ach Gott, ein Grablied meinem Herzen stimmt, + Weil von der Erde nun es Abschied nimmt. + + Verschworen hat's den argen Mummenschanz, + Den Schleier nimmt es und den Rosenkranz. + + Ins Kloster geht's, die Kutte legt es an, + Ein Heilger wird's, zu dem man beten kann. + + Einst tanzt es als ein Sternlein hoch im Blau; + Hernieder fiel es und erlosch im Tau. + + Ein Schwärmer stieg's in die entzückte Luft, + Versprühte buntes Licht; nun ist's verpufft! + + Johanniskäfer war's und glühte schön; + Nun ist's ein Würmchen, häßlich anzusehn. + + Wie Nachtigall sang's Liebe immerzu; + Ein Käuzchen ward es nun und ruft schuhu. + + + + + Gestern weint ich in den Schoß des Glückes: + Ach, mir fehlt die Sonne deines Blickes! + + Laß mich, laß mich deine stolzen süßen + Goldnen Augen einmal noch genießen, + + Daß ich froh die Blicke wieder wende + Auf den Tanz der Weltallsgegenstände, + + Und das Glöckchen wieder höre klingen + Lieblich in den bunten Erdendingen. + + Da erblickt ich in der großen Ferne + Eine Wiese voller Blumensterne, + + Überrieselt von der Sonne Röte, + Bienenübersummt wie Hauch der Flöte, + + Und das Glück sprach: Sieh, so wirst du liegen + Und dich an zwei traute Lippen schmiegen. + + Aber einst, nach langen Sommertagen -- -- -- + Und da schwieg es, wollte nichts mehr sagen. + + + + + O blühende Heide, welken wirst du müssen! + Du Sternenantlitz, mußt du auch vergehn? + Es gäb ein andres Glück als dich zu küssen, + Und andre Wünsche als dich anzusehn? + Ihr Seelenaugen, warmes Licht der Liebe, + Erlöschen sollt ihr? nie mehr widerspiegeln + Die goldne Bläue über diesen Hügeln? + Du wärst dahin, und Erd und Himmel bliebe? + + + + + Sinkt nun der Frühlingstraum verwelkt von allen Bäumen, + So bebt mein Herz von einem Jubelschrei: + Es muß vorübergehn, was lebt in Erdenräumen -- + Ich habe dich, und du gehst nicht vorbei. + Hoch auf am Ararat der Liebe branden + Die wilden Wasser der Vergänglichkeit, + Wir sehn die Welt zu unsren Füßen stranden, + Umstrahlt vom Himmel, der das Grab der Zeit. + + + + + STURMLIED + + O Brausen des Meers und Stimme des Sturms + Und Irren im Nebelschwarm! + In Hafens Ruhe, im Schutze des Turms, + Wie eng und arm. + + Ich will kein Kissen mir unters Haupt, + Kein Schreiten auf Teppichen weich; + Hat mir der Sturm auch die Segel geraubt -- + Da war ich reich! + + O herrliche Fahrt im Windeshauch + Hinauf und hinab und zurück! + Nur kämpfend, und unterlieg ich auch, + Ist Leben Glück. + + + + + Du, dem ich angehöre, laß, wenn ich gestorben, + Was von mir übrig, meine Asche, bei dir sein. + Und deine Hand, um die mein Leben einst geworben, + Tauch in den Staub, der einst dein Fleisch war, ein. + Läßt du den trüben Strom durch deine Hände fluten, + Die einst, wie Frühlings Hauch aufzückt im jungen Stamme, + Berührend diesen Leib entzündeten zur Flamme, + Fühlst du ihn plötzlich wohl erglühn in alten Gluten. + + + + + Wie Laodamiens Gatte für drei Stunden + Vom Nebelschoß des Todes losgebunden, + Erschienest du, wie einst mir zu gehören; + Und da ich noch mit innigstem Beschwören + An deinem traumesschweren Leibe sauge, + Senkst du in meine Brust zum letztenmal + Mit dunkler Kraft das mitternächtge Auge, + Und tauchst hinunter in die leere Qual! + + + + + Drei Tage kniet ich weinend auf der Schwelle + Und rief den Namen an, einst mir so mild. + Dann drang ich in des Tempels letzte Zelle + Und sah erbebend das verehrte Bild. + Das Götterangesicht, das langentbehrte, + Enthüllend stand er streng im Flammenschein. + Erst als die Glut mich griff, doch nicht verzehrte, + Sprach er: Ich kenne dich. Und du bist mein. + + + + + Es bebten Berg und Täler von Gewittern, + Das Licht erlosch am Himmel in die Nacht. + Noch überläuft die fernen Hügel Zittern, + Doch löst sich linde schon der Stürme Schlacht. + Im frisch entwölkten Blau strahlt durchs Gewimmel + Der Sterne stolz ein Schwert mit Schneid und Knauf. + O Erde, rolle jauchzend durch die Himmel: + Das Sternbild unsrer Liebe ging dir auf! + + + + + Dein Name, hör ich plötzlich ihn gesprochen, + Scheint aus Gewölken wie ein Blitz zu fallen, + Der alle Siegel schmelzend aufgebrochen, + Der Tore wirft von nie betretnen Hallen. + Du stürzest, schöner Name, nicht entzündend + In diese Brust; ein Strahl, ein ewig neuer, + Zuckst du hindurch und in der Seele mündend, + Vermählst du ihre Flut mit deinem Feuer. + + + + + Mich band die Liebe an den Pfahl der Pein, + Durchbohrend mit dem Schwerte, das nicht tötet, + Mein Eingeweide, bis der scharfe Stein, + Auf dem ich kniee, sich mit Blute rötet. + Doch neig ich dankend mich den Schmerzenslosen; + Denn über mir seh ich wie eine Sonne + Die Marterkrone dunkelroter Rosen: + Mein Blut in Blüte, die mich krönt zur Wonne. + + + + + Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange, + In dunkler Nacht, die um dich her erglühte. + Ich diente dir mit Liebesüberschwange + Und trank das Feuer, das dein Atem sprühte. + Du flohst, ich suchte lang in Finsternissen. + Da kannten mich die Götter und Dämonen + An jenem Glanze, den ich dir entrissen, + Und führten mich ins Licht, mit dir zu thronen. + + + + + Wie wenn Gott winkt, und die Ströme und Meere der Erde + Brausend sich wenden, gestürzt vor der Allmacht Gebärde, + Stürmt dir mein Blut, wenn du winkst; aus den Schluchten der Seele + Quillt es mit Inbrunst, gewendet zu deinem Befehle. + + + + + Die Harfe war besaitet ohne Ziel. + Kein wehnder Wind erregte sie zu Tönen, + Kein Finger konnte sie dem Lied gewöhnen. + Du legst die Hand auf das gebannte Spiel: + Die Saiten, die sich keinem Griff bequemen, + Erzittern unter dir entzückt und bang, + Jäh überstürzt von ihrem Klang + In raschem Quell und schweren, dunklen Strömen. + + + + + Du gingest durch ein Felsental im Feuer, + Gebundnen Fußes wie ein Ungetreuer, + Verzehrt, verdorrt, verschmachtet, ohne Flucht + Vor dreistem Blick und schnödem Hohn der Spötter. + Nun da der Tag sich neigt auf unsern Wegen, + Und du, das Haupt der heilgen Nacht entgegen, + Hervortrittst aus der gnadenlosen Schlucht, + Strahlst du unsterblich wie die goldnen Götter. + + + + + Du reichtest mir den Kelch voll bittrer Flammen + Und ließest mich in dunklen Labyrinthen. + Allein, vergessen Heimat und Entstammen, + Erlitt ich Dienst und Kampf bei Fremdgesinnten. + Ich wanderte verhüllt am Todesflusse + Im Schrei des dürren Laubs und hoffte nichts. + Da trittst du vor mich hin, ein Gott des Lichts, + Und glühst mich jung mit diamantnem Kusse. + + + + + Denn unsre Liebe hat zu heiß geflammt, + Die wir entrissen alten Göttermächten. + Von Sterblichen verdammt + Schlug sie empor in unterirdschen Nächten. + + Sie loderte wie Fackeln überm Grab. + Der Sterne Heer zerschmolz in ihrem Hauch + Und troff auf sie herab. + So schmolzen schmerzlich unsre Seelen auch. + + O Wohlgeruch, o Glut! O Lust und Glanz! + O Qual, nie nah genug so nah zusammen! + Empfang uns endlich ganz, + Abgrund der Nacht, in deinen Liebesflammen. + + + + + Der Liebe Meer versiegte nicht, es schwoll, + Sich selber speisend, hoch um unsre Wege. + Erst netzt es unsre Füße Schaumes voll, + Dann hub es sich bis an des Herzens Schläge. + Einst kommt der Tag, in seines Schwellens Drang + Reißt es vom Gipfel uns, dem kaum errungnen, + Und überflutet höchsten Glückes Gang, + Und rauscht Gesänge über uns Verschlungnen. + + + + + In jener Zeit, da ich dich nicht mehr nannte, + Schuf ich ein Weihgefäß aus edler Erde + Und barg darin, die einst an dir entbrannte, + Die Flamme, daß sie rein gehütet werde. + Von der empfangnen Brunst errötend bebte + Das Weihgefäß, doch sprang es nicht entzwei. + Kein Funken meiner Liebesglut entschwebte! + Nun nimm es du, daß es dir heilig sei. + + + + + Schwill an, mein Strom, schwill über deine Weide, + Umschlinge Haupt und Stamm zu dir hinab. + Daß sich kein Blatt aus deiner Flut mehr scheide, + Taucht sie die Zweige schluchzend in dein Grab. + Daß dich doch dürstete, wie sie verschmachtet! + Verzehre sie, wie sie dich trinken will! + In dich gebogen, ganz von dir umnachtet, + Von dir verschlungen wird die Seele still. + + + + + Ich bin dein Schatten, du bist, der mich schafft, + Du gibst Gestalt und Maß mir und Bewegen. + Mit dir nur kann ich heben mich und legen, + Ich dein Geschöpf, du Willen mir und Kraft. + + Dir angeschmiegt bin ich in deiner Haft, + Wie die von Ketten schwer den Fuß nicht regen. + Was du mir tust, ich kämpfe nicht entgegen, + Durch dein Gebot belebt und hingerafft. + + Doch bin ich dein, auch du gehörst der Deinen. + Du kannst mir nicht entfliehn, dich neu gewänn ich, + Mich nicht verstoßen, neu würd ich erkoren. + + Solange Sonn und Sterne dich bescheinen, + Siehst du zu deinen Füßen unzertrennlich + Die Liebende, für dich aus dir geboren. + + + + + Du lässest Duft und Wohllaut, wo du gingest, + Die Luft, die dich umgab, wird süß und trunken. + Was du mit deinem goldnen Blick umfingest, + Ward überfüllt von reifen Liebesfunken. + Es blüht und glüht und schwillt und klingt und leuchtet + Um dein Erscheinen her und deinen Namen. + Du schüttest aus, von Lebenstau befeuchtet, + O Paradiesesfrucht, der Schönheit Samen. + + + + + Du warst, o Hand, die Taube, die mich nährte, + Mit Milch und Honig, Brot und Wein. + Du gabst, was Rausch und Nüchternheit gewährte + Und jene Zauber, die zur Liebe weihn. + Du hast mir Todesglut ins Herz gegossen, + Doch deine Schwinge war der Nacht Geleit; + Das Fleisch, das du gespeist, das dich genossen, + Betaust du drüben mit Unsterblichkeit. + + + + + Wenn je ein Schönes mir zu bilden glückte, + War's, weil ich hingegeben deinem Wesen, + Mit meiner Seele mich in dich verzückte, + + Und, wie der Winzer nach dem Traubenlesen + Erglüht und schwankt in Purpurgeist gebadet, + Wie Kranke, die nach tiefem Schlaf genesen, + + Wie ein Geliebter, den ein Gott sich ladet, + Ihm teilt an goldnem Tisch des Nektars Blüte, -- + Zurück mir kam mit Harmonie begnadet, + Lebendgen Feuers Wogen im Gemüte. + + + + + Die Sterbliche, die dem Olympier teuer, + In seiner Gottheit Glanz von ihr erfleht, + Schmolz, da er kam, sein unerträglich Feuer. + + Ich bin die immerdar in Flammen steht. + Von deinen Augen götterhaft durchdrungen + Entbrannte dieser Leib, der stets vergeht, + + Stets von der Glut erneut, die ihn bezwungen. + Erlischt die Brunst auch nicht in Lethes Bade, + Die Schmerzen fühl ich selig kühl verschlungen, + + Noch schwer von Erdenwonne schon in Gnade. + + + + + Wie ein Satrap den Leib der Braut sich schmückt, + Daß er erschimmert unter Goldgehängen, + Ein atmend Bildwerk, so mein Fleisch verdrängen + Die Küsse, die dein Mund ihm eingedrückt. + + Ambrosisch ward, das du in Glut getaucht, + Mit Tränenschnüren hundertfach umschlungen, + Das du gebadet hast in Liebkosungen, + Darin dein Atem seinen Duft verhaucht. + + Es altert nicht und wird dir nie gemein, + Entwürdigt durch der Jahre steten Druck. + Die Zeit muß dienend meinen Leib verschönen: + + Je süßer leuchtet sein verliehner Schein, + Je reicher ihn verhüllt der Liebe Schmuck, + Und deine Gnaden seine Demut krönen. + + + + + Wie sich der Frühling opfernd vor der Sonne + Auf Hügeln, süß von Weihrauch, selbst verzehrt, + So geb ich dir, o Herr, der mich begehrt, + Die deinem Blick erschloßne Liebeswonne. + + In deine Flamme warf ich meine Blüte. + Dein göttlich Feuer stürmend schnell genießt + Den zarten Flor, der mir vom Herzen sprießt: + Mich selber denn, da du mich liebst, behüte! + + Laß nach, o Glut, daß ich nicht sterbe! Längst + Mit immer neuen Opfern dich verehrend, + Hab ich, was mein war, deinem Wunsch gegeben; + + Verlange nicht, daß du mich ganz empfängst, + Mein Leben auch. -- Du schütteltest verwehrend + Das Haupt und sprachest: Liebe! wozu leben? + + + + + Du warst nur kurze Tage mein Gefährte, + Doch ist mein Wesen so von dir durchstrahlt, + Und so dein Bild in meinem Tun gemalt, + Als ob ein Leben deine Nähe währte. + + So kann, ins Glas gesprüht, ein Tropfen Wein + Des Wassers Nüchternheit in sich verschlingen + Und es mit Süße, Farbe, Duft durchdringen, + Daß keins vom andern je mehr zu entzwein. + + So schwingen Sterne sich und aber Sterne + Um eine Sonne, die sich nie enthüllt, + Mit ihrer Kraft und ihrem Licht sie füllt, + Und sie regiert aus unermeßner Ferne. + + + + + Du warst in dieser götterlosen Zeit, + Wo trübe Träumer ohne Lichtgedanken + Wie leere Schiffe unterm Himmel schwanken, + Der Stern, der mich geführt hat und gefeit. + + Die Spur, die du gegangen, zu betreten, + Daß ich nicht irrte, war mein hohes Ziel. + Von irdischen Geschäften, Drang und Spiel + Trug mich empor das Glück dich anzubeten. + + Wie nachts ein Segel steuernd heimatwärts + Der Leuchte zu die schweren Nebel spaltet + Und so gelenkt sich in den Hafen rettet, + + Ging ich getrost, den Blick an dich gekettet, + Die Hände gläubig auf der Brust gefaltet, + Durch Flut und Dunkel an dein strahlend Herz. + + + + + Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen + Mit scheuem Mund der Armut Bitte raunt + Und andachtsvoll auf fremde Schätze staunt, + Die seinem kargen Lose nicht gebühren, + + Kam ich zu dir, der meine leeren Hände + Mir überhäufte, reichgeboren mild, + Mich schmückte wie ein wundertätig Bild, + Daß ich nun selbst besitze und verschwende. + + Der Herrschaft Zeichen strahlt aus Diademen + Von meinem Haupte Demant und Rubin. + Doch es erlischt die prahlerische Helle + + Vor dir, denn was du gabest, kannst du nehmen, + Und immer steht wie einst die Bettlerin + Mit nacktem Fuß auf deiner goldnen Schwelle. + + + + + Du führtest mich zuerst ins Heiligtum + Zu lichter Götter Bildern und Altären, + Du lehrtest, was sie weigern und gewähren, + Der Menschen Schicksal und der Helden Ruhm. + + Du schmolzest sanft mit langem Liebeskuß + Der Kindheit Siegel mir von Mund und Augen, + Und ließest mich von deinem Blute saugen, + Zu meiner mischend deiner Seele Fluß. + + So ward mein Blut, Geliebter, dir leibeigen, + Von einem Quell des deinen unterjocht, + Der es mit Sehnsucht nach sich selbst entzündet. + + Nach dir muß es verlangen, stürzen, steigen, + Bis es im Meere deines Herzens mündet, + Und gleichen Schlag mit seinem Schlage pocht. + + + + + Geliebter Herr, du tauftest mich mit Feuer, + Die zu beseligen du auserkoren, + Daß ich aus eignen Schmerzen neugeboren + Dir auferstände reiner, stärker, treuer. + + Nicht daß du früher minder mich gewertet, + Für mich nur tilgend, was du kaum getadelt. + Wie Gold im Flammenbad sein Wesen adelt, + Ward meiner Art Gebrechlichkeit gehärtet. + + Verbargst du dich mir einst in strengen Falten, + Nun gib, Geliebter, deine Liebe ganz! + Nicht brauchst du fürder dich zurückzuhalten. + + Ergieße Sehnsucht, Inbrunst, Glut und Glanz! + Mein Herz empfängt die tödlichen Gewalten, + Wie ein vergöttert Haupt den Sternenkranz. + + + + + Wir fanden im Zwielicht hohe Wege, + Ein trauriger Wind ward fernher rege. + Die schwarzen Büsche, die sich bücken, + Zerbläst sein Wehn, + Der Himmel blitzt weiß durch Blätterlücken, + Die schnell vergehn. + + Das Herz wird uns schwer, der Fuß wird müde, + Wie wenn uns ein Hauch mit Furcht belüde. + Die böse Zeit in Schicksalsgründen + Für immer schwand; + Was kann uns der Wind für Unheil künden, + Uns Hand in Hand? + + Er kommt von den Hügeln, wo wir klagten, + Von Wolken und Winden nur umjagten, + Verlornen, wo auf bleicher Erde + Nichts wächst, nichts bleibt, + Kein wandernder Schäfer seine Herde + Vorübertreibt. + + + + + Die Sage weiß von eines Brunnens Tugend, + So fruchtbar und geheimnisvoll erlaucht, + Daß er den Greis, der wankend untertaucht, + Verwandelnd schmückt mit neugewirkter Jugend. + + Sieh, wie der Leib, der seiner Kraft vertraut, + Sich selig hebt aus den erglühten Wogen, + Von ihrer Inbrunst schwellend vollgesogen, + Mit frischen Lebens Morgenrot betaut, + + Bald an sich selbst, bald an der Welt sich weidet, + Die Arme breitend nach der Frühlingsflur, + Mit wundertätgen Tropfen sie befeuchtend, + + So wenn mein Herz aus deinen Armen scheidet, + Grüß ich verjüngt die lachende Natur, + Von deiner Kraft und deiner Schönheit leuchtend. + + + + + Dir fern und ferner, deiner nicht gedenkend, + Verhehlend was einst Glück war, Stolz und Ehre, + Ging ich durch Täler, über Berg und Meere, + In Schutt und Schlamm die müden Füße senkend. + + Doch du gingst mir zur Seite unsichtbar, + Von deinem dunklen Blick war ich umfangen, + Dein Atem hauchte mild um meine Wangen, + Daß ich verlassen doch dein eigen war. + + So gleitet still der Tod, dem wir gehören, + Um unsre Schritte, die sich von ihm wenden, + Und wenn verhüllt von blendend bunten Flören + + Das Auge noch im Kram des Lebens wählt, + Ruht unsre Seele in des Gottes Händen, + Des treusten, dem von Anfang sie vermählt. + + + + + Wie aus des Ostens Dunst im Siegeswagen + Die Sonne rollt an des Regierers Statt, + Geschöpf und Herr, in eigner Fülle satt, + Von selbsterzeugter Flamme Kraft getragen, + + Und wie was Lebendes ihr zugewendet, + Das falbe Blatt, das ihre Strahlen greift, + Die Frucht, die still im Safte kochend reift, + An ihrem Übermaße sich vollendet, + + So gehst du sonder Makel, sonder Gleichen, + Ein Siegender auf unbegangner Bahn + Gelassen durch der Menschenwelt Getriebe; + + Und was wir ahnen als der Gottheit Zeichen, + Machst du erkennbar allen, die dir nahn: + Vollendung, deren Widerhall die Liebe. + + + + + Wie sich die Erde scheidend von der Sonne + Mit hastgem Flug in stürmsche Nacht entfernt, + Den nackten Leib mit kaltem Schnee besternt, + Verstummt, beraubt der sommerlichen Wonne, + + Und tiefer sinkend in des Winters Schatten + Sich plötzlich nähert dem, wovor sie flieht, + Mit Rosenlicht sich warm umschlungen sieht, + Entgegenstürzend dem verlornen Gatten, + + So ging ich, leidend der Verbannung Strafe, + Von deinem Antlitz fort ins Ungemach, + Dem öden Norden schutzlos zugewendet, + + Stets tiefer neigend mich dem Todesschlafe, + Und wurde so an deinem Herzen wach, + Von morgenroter Herrlichkeit geblendet. + + + + + AM KLAVIER + + Nie laß mich hören alte Töne, + Die duften Erinnerungen: + Vergangne Zeit, traurige, schöne, + Silbern Meer, summende Heide, + Rast und Traum auf ewigen Steinen, + Vom Himmel umschlungen + Wir beide, + Fülle des Glückes, verhaltnes Weinen. + + Deine Küsse sind so: + Süß wie einst, süßer als einst. + Was du denkst, was du hoffst, was du weinst, + Was in Jahren entfloh, + Ungeküßter Küsse Glut, + Ungestillter Sehnsucht Drang, + Götterkraft, Jugendblut, + Liebe das Leben lang + Überglüht mich heiß, + Überfließt mich ganz, + Wie von den Bergen Weiß + Des Mondes fließt, + Fern ferner Sonnenglanz, + Durch Nacht versüßt. + + + + + O schöne Hand, Kelch, dessen Duft Musik, + Wie Töne schweben geht der, den du führst, + Melodisch wird der Stein, den du berührst, + Wenn sie dich einhüllt, wird die Luft Musik. + + Du tust dich auf, um Wohllaut zu verschwenden, + Der ordnet, was Gewalt und Wahn verwirrten, + Und Seelen, die auf Erden sich verirrten, + Hinüberlockt, wo Wunsch und Zweifel enden. + + O Hand, Gebieterin der Töne, bleib + Auf diesem Herzen ruhn, das ruhlos schwingt, + So wandelst du in Frieden sein Verlangen. + + Dämonische, berühre diesen Leib, + Er bebt wie Saiten, wird ein Meer und klingt + Und rauscht empor, die Sonne zu empfangen. + + + + + Wie eines Königs Hand Berührtes adelt + Und tilgt vom Henker selbst den Blutgeruch, + In Ehre wandelnd seines Amtes Fluch, + Daß köstlich wird, was man zumeist getadelt, + + So, wenn du stürbest, würde Tod mir teuer, + Vor allen Göttern nun erflehter Gast, + Des Name wie des Teufels sonst verhaßt, + Mir Feind und Fratze war und Ungeheuer. + + Das Leben, dem noch immer Früchte reifen, + Das noch zu Festen hoch die Fackel hält, + Ich hieß es schal, zum Possenspiel entartet, + + Das schöne Leben! froh es abzustreifen, + Dem Purpur gleich, der unbeachtet fällt, + Wenn auf dem Hochzeitsbett die Liebe wartet. + + + + + Die Erde, von des Himmels Macht umrundet, + Ein goldner Keim gesenkt in seinen Schoß, + Empfängt von ihm ihr heilges Sternenlos, + Von ihm gespeist, erwärmt, umwölkt, verwundet. + + Mag er ihr zürnen, ihr Verschmachten stillen, + Mit Lorbeer sie bekränzen, Reb und Myrte, + Ob er mit eisgen Stacheln sie umgürte, + Sie hüllt sich innig ein in seinen Willen. + + O du, in dessen Brust gesenkt ich liege, + Mein Schicksal nehm ich an von deiner Güte + Und segne Glück und Weh, das du verhängst. + + Du warst, Geliebter, meines Lebens Wiege, + Du bist das Grab, wo ich mein Hoffen hüte, + Bis du mein Himmel wirst und mich umfängst. + + + + + Um diese Hügel, die dem Blick entgleiten, + Schwankt nun der Abend, müde, grau und feucht. + Still schwinden Haus und Baum und stehn verscheucht + Und gramvoll schwer in den Vergessenheiten. + + Unendlich Weinen löst den Tag in Weh. + Der Schnitter rauschend Werk, die vollen Stunden, + Das Tanzen, Schwärmen, Lieb und Wahn und Wunden, + War's heute? War's vor Jahren? War es je? + + Dies ist die Stunde, wo im fernen Land, + Wenn's ruhlos pocht aus deines Daches Röhre, + Und an den Uhren schnell die Zeiger summen, + + Und das Begrabne lebt und huscht im Sand, + Du meinen Namen rufst und ich nicht höre. + Und hört ich's, müßt ich schaudern und verstummen. + + + + + Sieh mich, das Meer, das dir zu Füßen brandet, + Laß dich umschlingen, küssen, schmelzen, komm! + Wie Well um Welle stürmend dich erklomm, + Bist du ein Gott, in Element gewandet. + + Laß deinen Leib von meinem Leib umgleiten! + Kein Flor, kein Hauch, kein Strahl mehr, der uns trennt. + Nur du, nur du, soweit der Blick erkennt, + Umbraust vom Mantel meiner Zärtlichkeiten. + + Den Ozean, den ihre Glut durchdrungen, + Verläßt die Sonne, und mit Huld zerstörend + Tilgt ihre Schönheit die geballte Nacht. + + Du laß die Welt in ewgen Dämmerungen! + Geduldger Andacht Ungestüm erhörend + Begrabe dich in meine Liebesmacht. + + + + + An unsrer Seite geht Erinnerung + Und flicht des Weges Zier zu Kranzgewinden, + Wie Bienenflug um sommerliche Linden + Summt süß Musik von ihrer Füße Schwung. + + Vom Schmelz der Dinge schimmern ihre Hände, + Sie hüten erd- und meerversunknen Hort. + Er hebt und rührt sich auf ihr weckend Wort + Und funkelt jung wie Tau in das Gelände. + + Nicht Blumen sind's, was sie zum Kranz gelesen; + Sie sammelt Saat des Lebens, das verging. + Aus neuer Hoffnung, längst versiegten Zähren, + + Verschmiedend glühend Heut und starr Gewesen, + Biegt unser goldnes Leben sie zum Ring, + Daß es unendlich kreist in ewgen Sphären. + + + + + LEBEN + + Hell strömt aus Schluchten der Vergangenheit + In unsre Becher, die wir schwärmend füllen, + Ambrosisch Blut, aus dessen Purpurhüllen + Verklärtes Leben funkelnd sich befreit: + + Sehnsucht und Liebe, Tränen, Lächeln, Lust + Und Kampf und Fluch und siegende Gedanken + Der Toten, die wie wir den Festwein tranken, + Lenzlaub im Haare, unser nicht bewußt; + + Und wir gewahren nicht, ins Heut versonnen, + Daß jeder Tropfen, den die Zeit ergießt, + Von unsrer Seele löst und so durchglutet + + Herniederrinnt in einen dunklen Bronnen, + Der einst in andre Schalen überfließt + Berauschter Zecher, die der Tag umflutet. + + + + + Wie zwei Tote, die um Liebe starben, + -- Duftend Feuer schmilzt sie nun zusammen -- + Ruhn wir still, umblaut von Frühlingsflammen, + Satt in Wonne nach der Trennung Darben. + + Hoch im Himmel mit geblähten Säumen + Drehn die Stunden sich in Sturmestänzen, + Ihre blanken Sohlen sehn wir glänzen, + Doch kein Ton fällt aus so fernen Räumen. + + Aber langsam sinken die vergangnen + Tage, die das Herz in Qual belauschte, + Schwer hinunter in verhüllte Tiefen, + + Wie wenn unterirdisch Goldestriefen + In des Felsens hohle Becken rauschte, + Jenseit von uns ewig dicht Umfangnen. + + + + + Da wo der frühen Falter gelbes Lodern + Um wild Gestrüpp am Bergeshange zückte, + Und Bäche quollen durch verjährtes Modern, + Verweilten wir, die Glückes Last erdrückte. + + Wie von des Meisters Hand entfesselt Erz + Goß sich die Kraft der Sonne auf uns nieder, + Sie stürzte rot durch unser schlagend Herz + Und wuchs wie goldne Haut um unsre Glieder. + + Nun ist mir so, als ob dort oben bliebe, + Den Elementen kund und zugesellt, + Unsterblich eins: das Strahlenbild der Liebe, + + Indessen wir, Staub ohne Sinn und Dauer, + Der vor der Stunde blindem Schlag zerfällt, + Hinunterstiegen in das Tal der Trauer. + + + + + Wie lastet mir das Leben ohne dich! + Nun können wir's auf Fingerspitzen regen, + Ein goldnes Bällchen, wie die Gaukler pflegen, + Das an Gewicht noch eben Felsen glich. + Es tanzt und schimmert, dünnes Glasgewebe + Und unverletzlich doch wie Diamant, + Ein selges Wesen, Sternen anverwandt; + Ach, daß es unsern Händen nie entschwebe! + + + + + Musik bewegt mich, daß ich dein gedenke, + So will auch Meer und Wolke, Berg und Stern, + Wie anderer Art als du, dir noch so fern, + Daß ich zu dir das Herz voll Andacht lenke. + Kein edles Bild, das nicht mein Auge zwinge + Von dir zu träumen, kein beseelter Reim, + Der nicht zu dir Erinnern führe heim -- + Geschwister sind sich alle schönen Dinge. + + + + + Uralter Worte kundig kommt die Nacht; + Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande, + Sie wechselt die Gestalten und Gewande + Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht. + + Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht + Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande. + Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande + Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht. + + Ich halte dich und bin von dir umschlossen, + Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus; + So fühl ich dich in Fleisch und Blut gegossen, + + Von deinem Leib und Leben meins umkleidet. + Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus, + Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet. + + + + + Wir wanderten von junger Liebe trunken + In dieses Friedhofs grün verhangnen Gängen, + Wo Immergrün und Efeu sich bedrängen, + Mit Toten in der Gräber Nacht versunken. + + Der alten Weiden Schatten und der Birken + Schlug schirmend über unserm Haupt zusammen, + Gelassen duldend ungesühnte Flammen + Zu flüchtger Rast in heiligen Bezirken. + + Von langer Irrfahrt sind wir nun zurück + Und suchen, die verwildert Kraut umspann, + Der Väter Kreuz, auf eingesunknen Stätten, + + Still in vergangner Wonne, künftgem Glück. + Hier werden wir, wenn unsre Zeit verrann, + Nie mehr geschieden, nicht mehr zwei, uns betten. + + + + + 21.-30. TAUSEND + + DIESE »LIEBESGEDICHTE« ERSCHIENEN + ZUERST IM JAHRE 1907 UNTER + DEM TITEL »NEUE GEDICHTE«. + + * + + DRUCK DER SPAMERSCHEN + BUCHDRUCKEREI, LEIPZIG. + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + Am Klavier. Die laß mich hören alte Töne 49 + Am Klavier. Nie laß mich hören alte Töne 49 + + Nie laß mich hören, alte Töne, + Nie laß mich hören alte Töne, + + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Liebesgedichte, by Ricarda Huch + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK LIEBESGEDICHTE *** + +***** This file should be named 31658-8.txt or 31658-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/6/5/31658/ + +Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online +Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. 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