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+The Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Hugo von Hofmannsthal
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Gedichte
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+Author: Hugo von Hofmannsthal
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+Release Date: March 13, 2010 [EBook #31625]
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+Language: German
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+Character set encoding: UTF-8
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
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+Produced by Jana Srna, Carlos Valiente, mcbax and the
+Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+(This file was produced from images generously made
+available by Bielefeld University.)
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
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+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
+
+ Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Ende des Textes an den Anfang
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+ ]
+
+
+
+
+ HUGO VON HOFMANNSTHAL
+
+ GEDICHTE
+
+ 1922
+
+ IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
+
+
+
+
+INHALT
+
+
+ DIE GESAMMELTEN GEDICHTE
+
+ Vorfrühling 7
+
+ Erlebnis 9
+
+ Vor Tag 11
+
+ Reiselied 13
+
+ Die beiden 14
+
+ Lebenslied 15
+
+ Gute Stunde 17
+
+ Dein Antlitz ... 18
+
+ Weltgeheimnis 19
+
+ Ballade des äußeren Lebens 20
+
+ Nox portentis gravida 21
+
+ Glückliches Haus 23
+
+ Botschaft 24
+
+ Terzinen über Vergänglichkeit (I-IV) 26
+
+ Manche freilich ... 29
+
+ Ein Traum von großer Magie 30
+
+ Im Grünen zu singen (I-III) 32
+
+ Liedchen des Harlekin 34
+
+ Zerbinetta 35
+
+ Gesang der Ungeborenen 37
+
+ Lied der Welt 38
+
+
+ GESTALTEN
+
+ Ein Knabe (I-II) 41
+
+ Der Jüngling in der Landschaft 42
+
+ Der Schiffskoch, ein Gefangener, singt 43
+
+ Des alten Mannes Sehnsucht nach dem Sommer 44
+
+ Verse auf ein kleines Kind 46
+
+ Der Kaiser von China spricht 47
+
+ Großmutter und Enkel 49
+
+ Gespräch 51
+
+ Gesellschaft 53
+
+ Der Jüngling und die Spinne 55
+
+ Idylle. Nach einem antiken Vasenbild: Zentaur mit verwundeter
+ Frau am Rand eines Flusses 58
+
+
+ PROLOGE UND TRAUERREDEN
+
+ Prolog zu dem Buch ›Anatol‹ 69
+
+ Zu einem Buch ähnlicher Art 72
+
+ Zum Gedächtnis des Schauspielers Mitterwurzer 74
+
+ Auf den Tod des Schauspielers Hermann Müller 77
+
+ Verse zum Gedächtnis des Schauspielers Josef Kainz 79
+
+ Zu einer Totenfeier für Arnold Böcklin 82
+
+
+
+
+DIE GESAMMELTEN GEDICHTE
+
+
+
+
+VORFRÜHLING
+
+
+ Es läuft der Frühlingswind
+ Durch kahle Alleen,
+ Seltsame Dinge sind
+ In seinem Wehn.
+
+ Er hat sich gewiegt,
+ Wo Weinen war,
+ Und hat sich geschmiegt
+ In zerrüttetes Haar.
+
+ Er schüttelte nieder
+ Akazienblüten
+ Und kühlte die Glieder,
+ Die atmend glühten.
+
+ Lippen im Lachen
+ Hat er berührt,
+ Die weichen und wachen
+ Fluren durchspürt.
+
+ Er glitt durch die Flöte
+ Als schluchzender Schrei,
+ An dämmernder Röte
+ Flog er vorbei.
+
+ Er flog mit Schweigen
+ Durch flüsternde Zimmer
+ Und löschte im Neigen
+ Der Ampel Schimmer.
+
+ Es läuft der Frühlingswind
+ Durch kahle Alleen,
+ Seltsame Dinge sind
+ In seinem Wehn.
+
+ Durch die glatten
+ Kahlen Alleen
+ Treibt sein Wehn
+ Blasse Schatten
+
+ Und den Duft,
+ Den er gebracht,
+ Von wo er gekommen
+ Seit gestern nacht.
+
+
+
+
+ERLEBNIS
+
+
+ Mit silbergrauem Dufte war das Tal
+ Der Dämmerung erfüllt, wie wenn der Mond
+ Durch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.
+ Mit silbergrauem Duft des dunklen Tales
+ Verschwammen meine dämmernden Gedanken,
+ Und still versank ich in dem webenden,
+ Durchsichtgen Meere und verließ das Leben.
+ Wie wunderbare Blumen waren da,
+ Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,
+ Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen
+ In warmen Strömen drang und glomm. Das Ganze
+ War angefüllt mit einem tiefen Schwellen
+ Schwermütiger Musik. Und dieses wußt ich,
+ Obgleich ichs nicht begreife, doch ich wußt es:
+ Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,
+ Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,
+ Verwandt der tiefsten Schwermut.
+ Aber seltsam!
+ Ein namenloses Heimweh weinte lautlos
+ In meiner Seele nach dem Leben, weinte,
+ Wie einer weint, wenn er auf großem Seeschiff
+ Mit gelben Riesensegeln gegen Abend
+ Auf dunkelblauem Wasser an der Stadt,
+ Der Vaterstadt, vorüberfährt. Da sieht er
+ Die Gassen, hört die Brunnen rauschen, riecht
+ Den Duft der Fliederbüsche, sieht sich selber.
+ Ein Kind, am Ufer stehn, mit Kindesaugen,
+ Die ängstlich sind und weinen wollen, sieht
+ Durchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer --
+ Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter,
+ Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitend
+ Mit gelben, fremdgeformten Riesensegeln.
+
+
+
+
+VOR TAG
+
+
+ Nun liegt und zuckt am fahlen Himmelsrand
+ In sich zusammgesunken das Gewitter.
+ Nun denkt der Kranke: ›Tag! jetzt werd ich schlafen!‹
+ Und drückt die heißen Lider zu. Nun streckt
+ Die junge Kuh im Stall die starken Nüstern
+ Nach kühlem Frühduft. Nun im stummen Wald
+ Hebt der Landstreicher ungewaschen sich
+ Aus weichem Bett vorjährigen Laubes auf
+ Und wirft mit frecher Hand den nächsten Stein
+ Nach einer Taube, die schlaftrunken fliegt,
+ Und graust sich selber, wie der Stein so dumpf
+ Und schwer zur Erde fällt. Nun rennt das Wasser,
+ Als wollte es der Nacht, der fortgeschlichnen, nach
+ Ins Dunkel stürzen, unteilnehmend, wild
+ Und kalten Hauches hin, indessen droben
+ Der Heiland und die Mutter leise, leise
+ Sich unterreden auf dem Brücklein: leise.
+ Und doch ist ihre kleine Rede ewig
+ Und unzerstörbar wie die Sterne droben.
+ Er trägt sein Kreuz und sagt nur: ›Meine Mutter!‹
+ Und sieht sie an, und: ›Ach, mein lieber Sohn!‹
+ Sagt sie. -- Nun hat der Himmel mit der Erde
+ Ein stumm beklemmend Zwiegespräch. Dann geht
+ Ein Schauer durch den schweren, alten Leib:
+ Sie rüstet sich, den neuen Tag zu leben.
+ Nun steigt das geisterhafte Frühlicht. Nun
+ Schleicht einer ohne Schuh von einem Frauenbett,
+ Läuft wie ein Schatten, klettert wie ein Dieb
+ Durchs Fenster in sein eigenes Zimmer, sieht
+ Sich im Wandspiegel und hat plötzlich Angst
+ Vor diesem blassen, übernächtigen Fremden,
+ Als hätte dieser selbe heute nacht
+ Den guten Knaben, der er war, ermordet
+ Und käme jetzt, die Hände sich zu waschen
+ Im Krüglein seines Opfers wie zum Hohn,
+ Und darum sei der Himmel so beklommen
+ Und alles in der Luft so sonderbar.
+ Nun geht die Stalltür. Und nun ist auch Tag.
+
+
+
+
+REISELIED
+
+
+ Wasser stürzt, uns zu verschlingen,
+ Rollt der Fels, uns zu erschlagen,
+ Kommen schon auf starken Schwingen
+ Vögel her, uns fortzutragen.
+
+ Aber unten liegt ein Land,
+ Früchte spiegelnd ohne Ende
+ In den alterslosen Seen.
+
+ Marmorstirn und Brunnenrand
+ Steigt aus blumigem Gelände,
+ Und die leichten Winde wehn.
+
+
+
+
+DIE BEIDEN
+
+
+ Sie trug den Becher in der Hand
+ -- Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand --,
+ So leicht und sicher war ihr Gang,
+ Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
+
+ So leicht und fest war seine Hand:
+ Er ritt auf einem jungen Pferde,
+ Und mit nachlässiger Gebärde
+ Erzwang er, daß es zitternd stand.
+
+ Jedoch, wenn er aus ihrer Hand
+ Den leichten Becher nehmen sollte,
+ So war es beiden allzu schwer:
+ Denn beide bebten sie so sehr,
+ Daß keine Hand die andre fand
+ Und dunkler Wein am Boden rollte.
+
+
+
+
+LEBENSLIED
+
+
+ Den Erben laß verschwenden
+ An Adler, Lamm und Pfau
+ Das Salböl aus den Händen
+ Der toten alten Frau!
+ Die Toten, die entgleiten,
+ Die Wipfel in dem Weiten --
+ Ihm sind sie wie das Schreiten
+ Der Tänzerinnen wert!
+
+ Er geht wie den kein Walten
+ Vom Rücken her bedroht.
+ Er lächelt, wenn die Falten
+ Des Lebens flüstern: Tod!
+ Ihm bietet jede Stelle
+ Geheimnisvoll die Schwelle;
+ Es gibt sich jeder Welle
+ Der Heimatlose hin.
+
+ Der Schwarm von wilden Bienen
+ Nimmt seine Seele mit;
+ Das Singen von Delphinen
+ Beflügelt seinen Schritt:
+ Ihn tragen alle Erden
+ Mit mächtigen Gebärden.
+ Der Flüsse Dunkelwerden
+ Begrenzt den Hirtentag!
+
+ Das Salböl aus den Händen
+ Der toten alten Frau
+ Laß lächelnd ihn verschwenden
+ An Adler, Lamm und Pfau:
+ Er lächelt der Gefährten. --
+ Die schwebend unbeschwerten
+ Abgründe und die Gärten
+ Des Lebens tragen ihn.
+
+
+
+
+GUTE STUNDE
+
+
+ Hier lieg ich, mich dünkt es der Gipfel der Welt,
+ Hier hab ich kein Haus, und hier hab ich kein Zelt!
+
+ Die Wege der Menschen sind um mich her,
+ Hinauf zu den Bergen und nieder zum Meer:
+
+ Sie tragen die Ware, die ihnen gefällt,
+ Unwissend, daß jede mein Leben enthält.
+
+ Sie bringen in Schwingen aus Binsen und Gras
+ Die Früchte, von denen ich lange nicht aß:
+
+ Die Feige erkenn ich, nun spür ich den Ort,
+ Doch lebte der lange vergessene fort!
+
+ Und war mir das Leben, das schöne, entwandt,
+ Es hielt sich im Meer, und es hielt sich im Land!
+
+
+
+
+DEIN ANTLITZ ...
+
+
+ Dein Antlitz war mit Träumen ganz beladen.
+ Ich schwieg und sah dich an mit stummem Beben.
+ Wie stieg das auf! Daß ich mich einmal schon
+ In frühern Nächten völlig hingegeben
+
+ Dem Mond und dem zuviel geliebten Tal,
+ Wo auf den leeren Hängen auseinander
+ Die magern Bäume standen und dazwischen
+ Die niedern kleinen Nebelwolken gingen
+
+ Und durch die Stille hin die immer frischen
+ Und immer fremden silberweißen Wasser
+ Der Fluß hinrauschen ließ -- wie stieg das auf!
+
+ Wie stieg das auf! Denn allen diesen Dingen
+ Und ihrer Schönheit -- die unfruchtbar war --
+ Hingab ich mich in großer Sehnsucht ganz,
+ Wie jetzt für das Anschaun von deinem Haar
+ Und zwischen deinen Lidern diesen Glanz!
+
+
+
+
+WELTGEHEIMNIS
+
+
+ Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
+ Einst waren alle tief und stumm,
+ Und alle wußten drum.
+
+ Wie Zauberworte, nachgelallt
+ Und nicht begriffen in den Grund,
+ So geht es jetzt von Mund zu Mund.
+
+ Der tiefe Brunnen weiß es wohl;
+ In den gebückt, begriffs ein Mann,
+ Begriff es und verlor es dann.
+
+ Und redet' irr und sang ein Lied --
+ Auf dessen dunklen Spiegel bückt
+ Sich einst ein Kind und wird entrückt.
+
+ Und wächst und weiß nichts von sich selbst
+ Und wird ein Weib, das einer liebt
+ Und -- wunderbar wie Liebe gibt!
+
+ Wie Liebe tiefe Kunde gibt! --
+ Da wird an Dinge, dumpf geahnt,
+ In ihren Küssen tief gemahnt ...
+
+ In unsern Worten liegt es drin,
+ So tritt des Bettlers Fuß den Kies,
+ Der eines Edelsteins Verlies.
+
+ Der tiefe Brunnen weiß es wohl,
+ Einst aber wußten alle drum,
+ Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.
+
+
+
+
+BALLADE DES ÄUSSEREN LEBENS
+
+
+ Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
+ Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,
+ Und alle Menschen gehen ihre Wege.
+
+ Und süße Früchte werden aus den herben
+ Und fallen nachts wie tote Vögel nieder
+ Und liegen wenig Tage und verderben.
+
+ Und immer weht der Wind, und immer wieder
+ Vernehmen wir und reden viele Worte
+ Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.
+
+ Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
+ Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
+ Und drohende, und totenhaft verdorrte ...
+
+ Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen
+ Einander nie? und sind unzählig viele?
+ Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
+
+ Was frommt das alles uns und diese Spiele,
+ Die wir doch groß und ewig einsam sind
+ Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?
+
+ Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?
+ Und dennoch sagt der viel, der ›Abend‹ sagt,
+ Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
+
+ Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
+
+
+
+
+NOX PORTENTIS GRAVIDA
+
+
+ In hohen Bäumen ist ein Nebelspiel,
+ Und drei der schönen Sterne funkeln nah:
+ Die Hyazinthen an der dunkeln Erde
+ Erinnern sich, daß hier geschehen werde,
+ Was früher schon und öfter wohl geschah:
+ Daß Hermes und die beiden Dioskuren,
+ Funkelnd vor Übermut, die luftigen Spuren
+ Der windgetragenen Grazien umstellen
+ Und spielend, mit der Grausamkeit der Jagd,
+ Sie aus den Wipfeln scheuchen, ja die Wellen
+ Des Flusses nahe treiben, bis es tagt.
+
+ Der Dichter hat woanders seinen Weg,
+ Und mit den Augen der Meduse schauend
+ Sieht er das umgelegene fahle Feld
+ Sogleich entrückt und weiß nicht, wie es ist,
+ Und fügt es andern solchen Orten zu,
+ Wo seine Seele wie ein Kind verstellt,
+ Ein Dasein hat von keiner sichern Frist
+ In Adlersluft und abgestorbner Ruh.
+ Dort streut er ihr die Schatten und die Scheine
+ Der Erdendinge hin und Edelsteine.
+
+ Den dritten Teil des Himmels aber nimmt
+ Die Wolke ein von solcher Todesschwärze,
+ Wie sie die Seele dessen anfällt, der
+ Durch Nacht den Weg sich sucht mit einer Kerze:
+ Die Wolke, die hinzog am nächsten Morgen,
+ Mit Donnerschlag von tausenden Gewittern
+ Und blauem Lichte stark wie nahe Sonnen
+ Und schauerlichem Sturz von heißen Steinen,
+ Die Insel heimzusuchen, wo das Zittern
+ Aufblühen ließ die wundervollsten Wonnen;
+ Vor ungeheurer Angst erstorbenes Weinen
+ Der Kaufpreis war: daß in verstörten Gärten,
+ Die nie sich sahen, sich fürs Leben fanden
+ Und trunken sterbend, Rettung nicht begehrten;
+ Daß Gott entsprang den Luft- und Erdenbanden,
+ Verwaiste Kinder gleich Propheten glühten
+ Und alle Seelen wie die Sterne blühten.
+
+
+
+
+GLÜCKLICHES HAUS
+
+
+ Auf einem offenen Altane sang
+ Ein Greise orgelspielend gegen Himmel,
+ Indes auf einer Tenne, ihm zu Füßen,
+ Der schlanke mit dem bärtigen Enkel focht,
+ Daß durch den reinen Schaft des Oleanders
+ Ein Zittern aufwärtslief; allein ein Vogel
+ Still in der Krone blütevollem Schein
+ Floh nicht und äugte klugen Blicks herab.
+ Auf dem behauenen Rand des Brunnens aber
+ Die junge Frau gab ihrem Kind die Brust.
+
+ Allein der Wanderer, dem die Straße sich
+ Entlang der Tenne ums Gemäuer bog,
+ Warf hinter sich den einen Blick des Fremden
+ Und trug in sich -- gleich jener Abendwolke
+ Entschwebend, über stillem Fluß und Wald --
+ Das wundervolle Bild des Friedens fort.
+
+
+
+
+BOTSCHAFT
+
+
+ Ich habe mich bedacht, daß schönste Tage
+ Nur jene heißen dürfen, da wir redend
+ Die Landschaft uns vor Augen in ein Reich
+ Der Seele wandelten; da hügelan
+ Dem Schatten zu wir stiegen in den Hain,
+ Der uns umfing wie schon einmal Erlebtes,
+ Da wir auf abgetrennten Wiesen still
+ Den Traum vom Leben niegeahnter Wesen,
+ Ja ihres Gehns und Trinkens Spuren fanden
+ Und überm Teich ein gleitendes Gespräch,
+ Noch tiefere Wölbung spiegelnd als der Himmel:
+ Ich habe mich bedacht auf solche Tage,
+ Und daß nächst diesen drei: gesund zu sein,
+ Am eignen Leib und Leben sich zu freuen,
+ Und an Gedanken, Flügeln junger Adler,
+ Nur eines frommt: gesellig sein mit Freunden.
+ So will ich, daß du kommst und mit mir trinkst
+ Aus jenen Krügen, die mein Erbe sind,
+ Geschmückt mit Laubwerk und beschwingten Kindern,
+ Und mit mir sitzest in dem Gartenturm:
+ Zwei Jünglinge bewachen seine Tür,
+ In deren Köpfen mit gedämpftem Blick
+ Halbabgewandt ein ungeheueres
+ Geschick dich steinern anschaut, daß du schweigst
+ Und meine Landschaft hingebreitet siehst:
+ Daß dann vielleicht ein Vers von dir sie mir
+ Veredelt künftig in der Einsamkeit
+ Und da und dort Erinnerung an dich
+ Ein Schatten nistet und zur Dämmerung
+ Die Straße zwischen dunklen Wipfeln rollt
+ Und schattenlose Wege in der Luft
+ Dahinrolln wie ein ferner goldner Donner.
+
+
+
+
+TERZINEN ÜBER VERGÄNGLICHKEIT
+
+
+I
+
+ Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:
+ Wie kann das sein, daß diese nahen Tage
+ Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?
+
+ Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
+ Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:
+ Daß alles gleitet und vorüberrinnt
+
+ Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
+ Herüberglitt aus einem kleinen Kind
+ Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.
+
+ Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war
+ Und meine Ahnen, die im Totenhemd,
+ Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,
+
+ So eins mit mir als wie mein eignes Haar.
+
+
+II
+
+ Die Stunden! wo wir auf das helle Blauen
+ Des Meeres starren und den Tod verstehn,
+ So leicht und feierlich und ohne Grauen,
+
+ Wie kleine Mädchen, die sehr blaß aussehn,
+ Mit großen Augen, und die immer frieren,
+ An einem Abend stumm vor sich hinsehn
+
+ Und wissen, daß das Leben jetzt aus ihren
+ Schlaftrunknen Gliedern still hinüberfließt
+ In Bäum' und Gras, und sich matt lächelnd zieren
+
+ Wie eine Heilige, die ihr Blut vergießt.
+
+
+III
+
+ Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen,
+ Und Träume schlagen so die Augen auf
+ Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,
+
+ Aus deren Krone den blaßgoldnen Lauf
+ Der Vollmond anhebt durch die große Nacht.
+ ... Nicht anders tauchen unsre Träume auf,
+
+ Sind da und leben wie ein Kind, das lacht,
+ Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben
+ Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.
+
+ Das Innerste ist offen ihrem Weben,
+ Wie Geisterhände in versperrtem Raum
+ Sind sie in uns und haben immer Leben.
+
+ Und drei sind Eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.
+
+
+IV
+
+ Zuweilen kommen niegeliebte Frauen
+ Im Traum als kleine Mädchen uns entgegen
+ Und sind unsäglich rührend anzuschauen,
+
+ Als wären sie mit uns auf fernen Wegen
+ Einmal an einem Abend lang gegangen,
+ Indes die Wipfel atmend sich bewegen
+
+ Und Duft herunterfällt und Nacht und Bangen,
+ Und längs des Weges, unsres Wegs, des dunkeln,
+ Im Abendschein die stummen Weiher prangen
+
+ Und, Spiegel unsrer Sehnsucht, traumhaft funkeln,
+ Und allen leisen Worten, allem Schweben
+ Der Abendluft und erstem Sternefunkeln
+
+ Die Seelen schwesterlich und tief erbeben
+ Und traurig sind und voll Triumphgepränge
+ Vor tiefer Ahnung, die das große Leben
+
+ Begreift und seine Herrlichkeit und Strenge.
+
+
+
+
+MANCHE FREILICH ...
+
+
+ Manche freilich müssen drunten sterben,
+ Wo die schweren Ruder der Schiffe streifen,
+ Andre wohnen bei dem Steuer droben,
+ Kennen Vogelflug und die Länder der Sterne.
+
+ Manche liegen immer mit schweren Gliedern
+ Bei den Wurzeln des verworrenen Lebens,
+ Andern sind die Stühle gerichtet
+ Bei den Sibyllen, den Königinnen,
+ Und da sitzen sie wie zu Hause,
+ Leichten Hauptes und leichter Hände.
+
+ Doch ein Schatten fällt von jenen Leben
+ In die anderen Leben hinüber,
+ Und die leichten sind an die schweren
+ Wie an Luft und Erde gebunden:
+
+ Ganz vergessener Völker Müdigkeiten
+ Kann ich nicht abtun von meinen Lidern,
+ Noch weghalten von der erschrockenen Seele
+ Stummes Niederfallen ferner Sterne.
+
+ Viele Geschicke weben neben dem meinen.
+ Durcheinander spielt sie alle das Dasein.
+ Und mein Teil ist mehr als dieses Lebens
+ Schlanke Flamme oder schmale Leier.
+
+
+
+
+EIN TRAUM VON GROSSER MAGIE
+
+
+ Viel königlicher als ein Perlenband
+ Und kühn wie junges Meer im Morgenduft,
+ So war ein großer Traum -- wie ich ihn fand.
+
+ Durch offene Glastüren ging die Luft.
+ Ich schlief im Pavillon zu ebner Erde,
+ Und durch vier offne Türen ging die Luft --
+
+ Und früher liefen schon geschirrte Pferde
+ Hindurch und Hunde eine ganze Schar
+ An meinem Bett vorbei. Doch die Gebärde
+
+ Des Magiers -- des Ersten, Großen -- war
+ Auf einmal zwischen mir und einer Wand:
+ Sein stolzes Nicken, königliches Haar.
+
+ Und hinter ihm nicht Mauer: es entstand
+ Ein weiter Prunk von Abgrund, dunklem Meer
+ Und grünen Matten hinter seiner Hand.
+
+ Er bückte sich und zog das Tiefe her.
+ Er bückte sich, und seine Finger gingen
+ Im Boden so, als ob es Wasser wär.
+
+ Vom dünnen Quellenwasser aber fingen
+ Sich riesige Opale in den Händen
+ Und fielen tönend wieder ab in Ringen.
+
+ Dann warf er sich mit leichtem Schwung der Lenden --
+ Wie nur aus Stolz -- der nächsten Klippe zu;
+ An ihm sah ich die Macht der Schwere enden.
+
+ In seinen Augen aber war die Ruh
+ Von schlafend- doch lebendgen Edelsteinen.
+ Er setzte sich und sprach ein solches Du
+
+ Zu Tagen, die uns ganz vergangen scheinen,
+ Daß sie herkamen trauervoll und groß:
+ Das freute ihn zu lachen und zu weinen.
+
+ Er fühlte traumhaft aller Menschen Los,
+ So wie er seine eignen Glieder fühlte.
+ Ihm war nichts nah und fern, nichts klein und groß.
+
+ Und wie tief unten sich die Erde kühlte,
+ Das Dunkel aus den Tiefen aufwärts drang,
+ Die Nacht das Laue aus den Wipfeln wühlte,
+
+ Genoß er allen Lebens großen Gang
+ So sehr -- daß er in großer Trunkenheit
+ So wie ein Löwe über Klippen sprang.
+ . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
+
+ Cherub und hoher Herr ist unser Geist --
+ Wohnt nicht in uns, und in die obern Sterne
+ Setzt er den Stuhl und läßt uns viel verwaist:
+
+ Doch Er ist Feuer uns im tiefsten Kerne
+ -- So ahnte mir, da ich den Traum da fand --
+ Und redet mit den Feuern jener Ferne
+
+ Und lebt in mir wie ich in meiner Hand.
+
+
+
+
+IM GRÜNEN ZU SINGEN
+
+
+I
+
+ Hörtest du denn nicht hinein,
+ Daß Musik das Haus umschlich?
+ Nacht war schwer und ohne Schein,
+ Doch der sanft auf hartem Stein
+ Lag und spielte, das war ich.
+
+ Was ich konnte, sprach ich aus:
+ ›Liebste du, mein Alles du!‹
+ Östlich brach ein Licht heraus,
+ Schwerer Tag trieb mich nach Haus,
+ Und mein Mund ist wieder zu.
+
+
+II
+
+ War der Himmel trüb und schwer,
+ Waren einsam wir so sehr,
+ Voneinander abgeschnitten!
+ Aber das ist nun nicht mehr:
+ Lüfte fließen hin und her;
+ Und die ganze Welt inmitten
+ Glänzt, als ob sie gläsern wär.
+
+ Sterne kamen aufgegangen,
+ Flimmern mein- und deinen Wangen,
+ Und sie wissens auch:
+ Stark und stärker wird ihr Prangen;
+ Und wir atmen mit Verlangen,
+ Liegen selig wie gefangen,
+ Spüren eins des andern Hauch.
+
+
+III
+
+ Die Liebste sprach: ›Ich halt dich nicht,
+ Du hast mir nichts geschworn.
+ Die Menschen soll man halten nicht,
+ Sind nicht zur Treu geborn.
+
+ Zieh deine Straßen hin, mein Freund,
+ Beschau dir Land um Land,
+ In vielen Betten ruh dich aus,
+ Viel Frauen nimm bei der Hand.
+
+ Wo dir der Wein zu sauer ist,
+ Da trink du Malvasier,
+ Und wenn mein Mund dir süßer ist,
+ So komm nur wieder zu mir!‹
+
+
+
+
+LIEDCHEN DES HARLEKIN
+
+
+ Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen,
+ Alle Lust und alle Qual,
+ Alles kann ein Herz ertragen
+ Einmal um das andere Mal.
+
+ Aber weder Lust noch Schmerzen,
+ Abgestorben auch der Pein,
+ Das ist tödlich deinem Herzen,
+ Und so darfst du mir nicht sein!
+
+ Mußt dich aus dem Dunkel heben,
+ Wär es auch um neue Qual,
+ Leben mußt du, liebes Leben,
+ Leben noch dies eine Mal!
+
+
+
+
+ZERBINETTA
+
+
+ Noch glaub ich dem einen ganz mich gehörend,
+ Noch mein' ich mir selber so sicher zu sein,
+ Da mischt sich im Herzen leise betörend
+ Schon einer nie gekosteten Freiheit,
+ Schon einer neuen verstohlenen Liebe
+ Schweifendes freches Gefühle sich ein!
+ Noch bin ich wahr, und doch ist es gelogen,
+ Ich halte mich treu und bin schon schlecht.
+ Mit falschen Gewichten wird alles gewogen --
+ Und halb mich wissend und halb im Taumel
+ Betrüg ich ihn endlich und lieb ihn noch recht!
+ Ja, halb mich wissend und halb im Taumel
+ Betrüge ich endlich und liebe noch recht!
+ So war es mit Pagliazzo
+ Und mit Mezzetin!
+ Dann war es Cavicchio,
+ Dann Buratin,
+ Dann Pasquariello!
+ Ach, und zuweilen,
+ Will es mir scheinen,
+ Waren es zwei!
+ Doch niemals Launen,
+ Immer ein Müssen!
+ Immer ein neues
+ Beklommenes Staunen.
+ Daß ein Herz so gar sich selber,
+ Gar sich selber nicht versteht!
+ Als ein Gott kam jeder gegangen,
+ Und sein Schritt schon machte mich stumm,
+ Küßte er mir Stirn und Wangen,
+ War ich von dem Gott gefangen
+ Und gewandelt um und um!
+
+
+
+
+GESANG DER UNGEBORENEN
+
+
+ Vater, dir drohet nichts,
+ Siehe, es schwindet schon,
+ Mutter, das Ängstliche,
+ Das dich beirrte!
+ Wäre denn je ein Fest,
+ Wären nicht insgeheim
+ Wir die Geladenen,
+ Wir auch die Wirte?
+
+
+
+
+LIED DER WELT
+
+
+ Flieg hin, Zeit, du bist meine Magd,
+ Schmück mich, wenn es nächtet, schmück mich, wenn es tagt,
+ Flicht mir mein Haar, spiel mir um den Schuh,
+ Ich bin die Frau, die Magd bist du.
+ Heia!
+ Doch einmal trittst du zornig herein,
+ Die Sterne schießen schiefen Schein,
+ Der Wind durchfährt den hohen Saal,
+ Die Sonn geht aus, das Licht wird fahl,
+ Der Boden gibt einen toten Schein,
+ Da wirst du meine Herrin sein!
+ O weh!
+ Und ich deine Magd, schwach und verzagt,
+ Gott sei's geklagt!
+ Flieg hin, Zeit! Die Zeit ist noch weit!
+ Heia!
+
+
+
+
+GESTALTEN
+
+
+
+
+EIN KNABE
+
+
+I
+
+ Lang kannte er die Muscheln nicht für schön:
+ Er war zu sehr aus einer Welt mit ihnen;
+ Der Duft der Hyazinthen war ihm nichts
+ Und nichts das Spiegelbild der eigenen Mienen.
+
+ Doch alle seine Tage waren so
+ Geöffnet wie ein leierförmig Tal,
+ Darin er Herr zugleich und Knecht zugleich
+ Des weißen Lebens war und ohne Wahl.
+
+ Wie einer, der noch tut, was ihm nicht ziemt,
+ Doch nicht für lange, ging er auf den Wegen:
+ Der Heimkehr und unendlichem Gespräch
+ Hob seine Seele ruhig sich entgegen.
+
+
+II
+
+ Eh er gebändigt war für sein Geschick,
+ Trank er viel Flut, die bitter war und schwer.
+ Dann richtete er sonderbar sich auf
+ Und stand am Ufer seltsam leicht und leer.
+
+ Zu seinen Füßen rollten Muscheln hin,
+ Und Hyazinthen hatte er im Haar,
+ Und ihre Schönheit wußte er, und auch,
+ Daß dies der Trost des schönen Lebens war.
+
+ Doch mit unsicherm Lächeln ließ er sie
+ Bald wieder fallen, denn ein großer Blick
+ Auf diese schönen Kerker zeigte ihm
+ Das eigne unbegreifliche Geschick.
+
+
+
+
+DER JÜNGLING IN DER LANDSCHAFT
+
+
+ Die Gärtner legten ihre Beete frei,
+ Und viele Bettler waren überall
+ Mit schwarzverbundnen Augen und mit Krücken --
+ Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,
+ Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.
+
+ Die nackten Bäume ließen alles frei:
+ Man sah den Fluß hinab und sah den Markt,
+ Und viele Kinder spielten längs den Teichen.
+ Durch diese Landschaft ging er langsam hin
+ Und fühlte ihre Macht und wußte -- daß
+ Auf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.
+
+ Auf jene fremden Kinder ging er zu
+ Und war bereit, an unbekannter Schwelle
+ Ein neues Leben dienend hinzubringen.
+ Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,
+ Die frühern Wege und Erinnerung
+ Verschlungner Finger und getauschter Seelen
+ Für mehr als nichtigen Besitz zu achten.
+
+ Der Duft der Blumen redete ihm nur
+ Von fremder Schönheit -- und die neue Luft
+ Nahm er stillatmend ein, doch ohne Sehnsucht:
+ Nur daß er dienen durfte, freute ihn.
+
+
+
+
+DER SCHIFFSKOCH, EIN GEFANGENER, SINGT:
+
+
+ Weh, geschieden von den Meinigen,
+ Lieg ich hier seit vielen Wochen;
+ Ach und denen, die mich peinigen,
+ Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen.
+
+ Schöne purpurflossige Fische,
+ Die sie mir lebendig brachten,
+ Schauen aus gebrochenen Augen,
+ Sanfte Tiere muß ich schlachten.
+
+ Stille Tiere muß ich schlachten,
+ Schöne Früchte muß ich schälen
+ Und für sie, die mich verachten,
+ Feurige Gewürze wählen.
+
+ Und wie ich gebeugt beim Licht in
+ Süß- und scharfen Düften wühle,
+ Steigen auf ins Herz der Freiheit
+ Ungeheuere Gefühle!
+
+ Weh, geschieden von den Meinigen,
+ Lieg ich hier seit wieviel Wochen!
+ Ach und denen, die mich peinigen,
+ Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen!
+
+
+
+
+DES ALTEN MANNES SEHNSUCHT NACH DEM SOMMER
+
+
+ Wenn endlich Juli würde anstatt März,
+
+ Nichts hielte mich, ich nähme einen Rand,
+ Zu Pferd, zu Wagen oder mit der Bahn
+ Käm ich hinaus ins schöne Hügelland.
+
+ Da stünden Gruppen großer Bäume nah,
+ Platanen, Rüster, Ahorn oder Eiche:
+ Wie lang ists, daß ich keine solchen sah!
+
+ Da stiege ich vom Pferde oder riefe
+ Dem Kutscher: Halt! und ginge ohne Ziel
+ Nach vorwärts in des Sommerlandes Tiefe.
+
+ Und unter solchen Bäumen ruht ich aus;
+ In deren Wipfel wäre Tag und Nacht
+ Zugleich, und nicht so wie in diesem Haus,
+
+ Wo Tage manchmal öd sind wie die Nacht
+ Und Nächte fahl und lauernd wie der Tag.
+ Dort wäre Alles Leben, Glanz und Pracht.
+
+ Und aus dem Schatten in des Abendlichts
+ Beglückung tret ich, und ein Hauch weht hin,
+ Doch nirgend flüsterts: ›Alles dies ist nichts.‹
+
+ Das Tal wird dunkel, und wo Häuser sind,
+ Sind Lichter, und das Dunkel weht mich an,
+ Doch nicht vom Sterben spricht der nächtige Wind.
+
+ Ich gehe übern Friedhof hin und sehe
+ Nur Blumen sich im letzten Scheine wiegen,
+ Von gar nichts anderm fühl ich eine Nähe.
+
+ Und zwischen Haselsträuchern, die schon düstern,
+ Fließt Wasser hin, und wie ein Kind, so lausch ich
+ Und höre kein ›Dies ist vergeblich‹ flüstern!
+
+ Da ziehe ich mich hurtig aus und springe
+ Hinein, und wie ich dann den Kopf erhebe,
+ Ist Mond, indes ich mit dem Bächlein ringe.
+
+ Halb heb ich mich aus der eiskalten Welle,
+ Und einen glatten Kieselstein ins Land
+ Weit schleudernd steh ich in der Mondeshelle.
+
+ Und auf das mondbeglänzte Sommerland
+ Fällt weit ein Schatten: dieser, der so traurig
+ Hier nickt, hier hinterm Kissen an der Wand?
+
+ So trüb und traurig, der halb aufrecht kauert
+ Vor Tag und böse in das Frühlicht starrt
+ Und weiß, daß auf uns beide etwas lauert?
+
+ Er, den der böse Wind in diesem März
+ So quält, daß er die Nächte nie sich legt,
+ Gekrampft die schwarzen Hände auf sein Herz?
+
+ Ach, wo ist Juli und das Sommerland!
+
+
+
+
+VERSE AUF EIN KLEINES KIND
+
+
+ Dir wachsen die rosigen Füße,
+ Die Sonnenländer zu suchen:
+ Die Sonnenländer sind offen!
+ An schweigenden Wipfeln blieb dort
+ Die Luft der Jahrtausende hangen,
+ Die unerschöpflichen Meere
+ Sind immer noch, immer noch da.
+ Am Rande des ewigen Waldes
+ Willst du aus der hölzernen Schale
+ Die Milch mit der Unke dann teilen?
+ Das wird eine fröhliche Mahlzeit,
+ Fast fallen die Sterne hinein!
+ Am Rande des ewigen Meeres
+ Schnell findest du einen Gespielen:
+ Den freundlichen guten Delphin.
+ Er springt dir ans Trockne entgegen,
+ Und bleibt er auch manchmal aus,
+ So stillen die ewigen Winde
+ Dir bald die aufquellenden Tränen.
+ Es sind in den Sonnenländern
+ Die alten, erhabenen Zeiten
+ Für immer noch, immer noch da!
+ Die Sonne mit heimlicher Kraft,
+ Sie formt dir die rosigen Füße,
+ Ihr ewiges Land zu betreten.
+
+
+
+
+DER KAISER VON CHINA SPRICHT:
+
+
+ In der Mitte aller Dinge
+ Wohne Ich, der Sohn des Himmels.
+ Meine Frauen, meine Bäume,
+ Meine Tiere, meine Teiche
+ Schließt die erste Mauer ein.
+ Drunten liegen meine Ahnen:
+ Aufgebahrt mit ihren Waffen,
+ Ihre Kronen auf den Häuptern,
+ Wie es einem jeden ziemt,
+ Wohnen sie in den Gewölben.
+ Bis ins Herz der Welt hinunter
+ Dröhnt das Schreiten meiner Hoheit.
+ Stumm von meinen Rasenbänken,
+ Grünen Schemeln meiner Füße,
+ Gehen gleichgeteilte Ströme
+ Osten-, west- und süd- und nordwärts,
+ Meinen Garten zu bewässern,
+ Der die weite Erde ist.
+ Spiegeln hier die dunkeln Augen,
+ Bunten Schwingen meiner Tiere,
+ Spiegeln draußen bunte Städte,
+ Dunkle Mauern, dichte Wälder
+ Und Gesichter vieler Völker.
+ Meine Edlen, wie die Sterne,
+ Wohnen rings um mich, sie haben
+ Namen, die ich ihnen gab,
+ Namen nach der einen Stunde,
+ Da mir einer näher kam,
+ Frauen, die ich ihnen schenkte,
+ Und den Scharen ihrer Kinder,
+ Allen Edlen dieser Erde
+ Schuf ich Augen, Wuchs und Lippen,
+ Wie der Gärtner an den Blumen.
+ Aber zwischen äußern Mauern
+ Wohnen Völker meine Krieger,
+ Völker meine Ackerbauer.
+ Neue Mauern und dann wieder
+ Jene unterworfnen Völker,
+ Völker immer dumpfern Blutes,
+ Bis ans Meer, die letzte Mauer,
+ Die mein Reich und mich umgibt.
+
+
+
+
+GROSSMUTTER UND ENKEL
+
+
+ ›Ferne ist dein Sinn, dein Fuß
+ Nur in meiner Tür!‹
+ Woher weißt du's gleich beim Gruß?
+ ›Kind, weil ich es spür.‹
+
+ Was? ›Wie Sie aus süßer Ruh
+ Süß durch dich erschrickt.‹ --
+ Sonderbar, wie =Sie= hast du
+ Vor dich hingenickt.
+
+ ›Einst ...‹ Nein: jetzt im Augenblick!
+ Mich beglückt der Schein --
+ ›Kind, was haucht dein Wort und Blick
+ Jetzt in mich hinein?
+
+ Meine Mädchenzeit voll Glanz
+ Mit verstohlnem Hauch
+ Öffnet mir die Seele ganz!‹
+ Ja, ich spür es auch:
+
+ Und ich bin bei dir und bin
+ Wie auf fremdem Stern:
+ Ihr und dir mit wachem Sinn
+ Schwankend nah und fern!
+
+ ›Als ich dem Großvater dein
+ Mich fürs Leben gab,
+ Trat ich so verwirrt nicht ein
+ Wie nun in mein Grab.‹
+
+ Grab? Was redest du von dem?
+ Das ist weit von dir!
+ Sitzest plaudernd und bequem
+ Mit dem Enkel hier.
+
+ Deine Augen frisch und reg,
+ Deine Wangen hell --
+ ›Flog nicht übern kleinen Weg
+ Etwas schwarz und schnell?‹
+
+ Etwas ist, das wie im Traum
+ Mich Verliebten hält.
+ Wie der enge schwüle Raum
+ Seltsam mich umstellt!
+
+ ›Fühlst du, was jetzt mich umblitzt
+ Und mein stockend Herz?
+ Wenn du bei dem Mädchen sitzt,
+ Unter Kuß und Scherz,
+
+ Fühl es fort und denk an mich,
+ Aber ohne Graun:
+ Denk, wie ich im Sterben glich
+ Jungen, jungen Fraun.‹
+
+
+
+
+GESPRÄCH
+
+
+DER JÜNGERE:
+
+ Ihr gleicht nun völlig dem vertriebnen Herzog,
+ Der zaubern kann und eine Tochter hat:
+ Dem im Theaterstück, dem Prospero.
+ Denn ihr seid stark genug, in dieser Stadt
+ Mit eurem Kind so frei dahinzuleben,
+ Als wäret ihr auf einer wüsten Insel.
+ Ihr habt den Zaubermantel und die Bücher,
+ Mit Geistern zur Bedienung und zur Lust
+ Euch und die Tochter zu umgeben, nicht?
+ Sie kommen, wenn ihr winkt, und sie verblassen,
+ Wenn ihr die Stirne runzelt. Dieses Kind
+ Lernt früh, was wir erst spät begreifen lernten:
+ Daß alles Lebende aus solchem Stoff
+ Wie Träume und ganz ähnlich auch zergeht.
+ Sie wächst so auf und fürchtet sich vor nichts:
+ Mit Tieren und mit Toten redet sie
+ Zutraulich wie mit ihresgleichen, blüht
+ Schamhafter als die festverschloßne Knospe,
+ Weil sie auch aus der leeren Luft so etwas
+ Wie Augen stets auf sich gerichtet fühlt.
+ Allmählich wird sie größer, und ihr lehrt sie:
+ ›Hab du das Leben lieb, dich nicht zu lieb,
+ Und nur um seiner selbst, doch immerfort
+ Nur um des Guten willen, das darin ist.‹
+ In all dem ist für sie kein Widerspruch,
+ Denn so wie bunte Muscheln oder Vögel
+ Hat sie die Tugend lieb. Bis eines Tages
+ Ihr sie vermählt mit Einem, den ihr völlig
+ Durchschaut, den ihr geprüft auf solche Art,
+ Die kein unedler Mensch erträgt, als wäre er
+ Schiffbrüchig ausgeworfen auf der Insel,
+ Die ihr beherrscht, und ganz euch zugefallen
+ Wie Strandgut.
+
+
+DER ÄLTERE:
+
+ Nun meine ich, ist mir ein Maß geschenkt,
+ Ein unveränderlich und sichres Maß,
+ Das mich für immer und untrüglich abhält,
+ Ein leeres Ding für voll zu nehmen, mich
+ Für Schales zu vergeuden, fremdem Fühlen
+ Und angelerntem Denken irgend Platz
+ In einer meiner Adern zu gestatten.
+ Nun kann zwar Krankheit, Elend oder Tod
+ Mich noch bedrohen, aber Lüge kaum.
+ Dazu ist dies mein neues Amt zu voll
+ Einfacher Hoheit. Und daran gemessen
+ Vergeht erlogne Wichtigkeit zu Nichts.
+ Ins Schloß gefallen sind die letzten Türen,
+ Durch die ich hatte einen schlimmen Weg
+ Antreten können. Durch und durch verstört,
+ Im Kern beschmutzt und völlig irr an Güte
+ Werd ich nun nicht mehr. Denn mich hat ein Glanz
+ Vom wahren Sinn des Lebens angeglüht.
+
+
+
+
+GESELLSCHAFT
+
+
+SÄNGERIN
+
+ Sind wir jung und sind nicht alt,
+ Lieder haben viel Gewalt,
+ Machen leicht und machen schwer,
+ Ziehen deine Seele her.
+
+
+FREMDER
+
+ Leben gibt es nah und fern,
+ Was ich zeige, seht ihr gern --
+ Nicht die Schwere vieler Erden,
+ Nur die spielenden Gebärden.
+
+
+JUNGER HERR
+
+ Vieles, was mir Freude schafft,
+ Fühl ich hier herangeflogen,
+ Aber gar so geisterhaft:
+ Glücklich -- bin ich wie betrogen!
+
+
+DICHTER
+
+ Einen hellen Widerschein
+ Sehe ich im Kreise wandern:
+ Spürt auch jeder sich allein,
+ Spürt sich doch in allen andern.
+
+
+MALER
+
+ Und wie zwischen leichten Lichtern
+ Flattert zwischen den Gesichtern
+ Schwaches Lachen hin und her.
+
+
+FREMDER
+
+ Lieder machen leicht und schwer!
+
+
+DICHTER
+
+ Lieder haben große Kraft --
+ Leben gibt es nah und fern.
+
+
+JUNGER HERR
+
+ Was sie reden, hör ich gern,
+ Sei es immer geisterhaft.
+
+
+
+
+DER JÜNGLING UND DIE SPINNE
+
+
+DER JÜNGLING
+
+ (=vor sich mit wachsender Trunkenheit=):
+
+ Sie liebt mich! Wie ich nun die Welt besitze,
+ Ist über alle Worte, alle Träume:
+ Mir gilt es, daß von jeder dunklen Spitze
+ Die stillen Wolken tieferleuch'te Räume
+ Hinziehn, von ungeheurem Traum erfaßt:
+ So trägt es mich -- daß ich mich nicht versäume! --
+ Dem schönen Leben, Meer und Land zu Gast.
+ Nein! wie ein Morgentraum vom Schläfer fällt
+ Und in die Wirklichkeit hineinverblaßt,
+ Ist mir die Wahrheit jetzt erst aufgehellt:
+ Nicht treib ich als ein Gast umher, mich haben
+ Dämonisch zum Gebieter hergestellt
+ Die Fügungen des Schicksals: Junge Knaben
+ Sind da, die Ernst und Spiele von mir lernten,
+ Ich seh, wie manche meine Mienen haben,
+ Geheimnisvoll ergreift es mich, sie ernten
+ Zu sehn, und an den Ufern, an den Hügeln
+ Spür ich in einem wundervoll entfernten
+ Traumbilde sich mein Innerstes entriegeln
+ Beim Anblick, den mir ihre Taten geben.
+ Ich schaue an den Himmel auf, da spiegeln
+ Die Wolkenreiche, spiegeln mir im Schweben
+ Ersehntes, Hergegebnes, mich, das Ganze!
+ Ich bin von einem solchen großen Leben
+ Umrahmt, ich habe mit dem großen Glanze
+ Der schönen Sterne eine also nah
+ Verwandte Trunkenheit --
+ Nach welcher Zukunft greif ich Trunkner da?
+ Doch schwebt sie her, ich darf sie schon berühren:
+ Denn zu den Sternen steigt, was längst geschah,
+ Empor, und andre, andre Ströme führen
+ Das Ungeschehene herauf, die Erde
+ Läßt es empor aus unsichtbaren Türen,
+ Bezwungen von der bittenden Gebärde!
+
+ (=So tritt er ans offene Fenster, das mit hellem Mondlicht
+ angefüllt und von den Schatten wilder Weinblätter eingerahmt ist.
+ Indem tritt unter seinen Augen aus dem Dunkel eines Blattes eine
+ große Spinne mit laufenden Schritten hervor und umklammert den Leib
+ eines kleinen Tieres. Es gibt in der Stille der Nacht einen äußerst
+ leisen, aber kläglichen Laut, und man meint die Bewegungen der
+ heftig umklammernden Glieder zu hören.=)
+
+
+DER JÜNGLING
+
+ (=muß zurücktreten=):
+
+ Welch eine Angst ist hier, welch eine Not.
+ Mein Blut muß ebben, daß ich dich da sehe,
+ Du häßliche Gewalt, du Tier, du Tod!
+ Der großen Träume wundervolle Nähe
+ Klingt ab, wie irgendwo das ferne Rollen
+ Von einem Wasserfall, den ich schon ehe
+ Gehört, da schien er kühn und angeschwollen,
+ Jetzt sinkt das Rauschen, und die hohe Ferne
+ Wird leer und öd aus einer ahnungsvollen:
+ Die Welt besitzt sich selber, o ich lerne!
+ Nicht hemme ich die widrige Gestalt
+ So wenig als den Lauf der schönen Sterne.
+ Vor meinen Augen tut sich die Gewalt,
+ Sie tut sich schmerzend mir im Herzen innen,
+ Sie hat an jeder meiner Fibern Halt,
+ Ich kann ihr -- und ich will ihr nicht entrinnen:
+ Als wärens Wege, die zur Heimat führen,
+ Reißt es nach vorwärts mich mit allen Sinnen
+ Ins Ungewisse, und ich kann schon spüren
+ Ein unbegreiflich riesiges Genügen
+ Im Vorgefühl: ich werde dies gewinnen:
+ Schmerzen zu leiden, Schmerzen zuzufügen.
+ Nun spür ich schaudernd etwas mich umgeben,
+ Es türmt sich auf bis an die hohen Sterne,
+ Und seinen Namen weiß ich nun: das Leben.
+
+
+
+
+IDYLLE
+
+NACH EINEM ANTIKEN VASENBILD: ZENTAUR MIT VERWUNDETER FRAU AM RAND EINES
+FLUSSES
+
+
+ (=Der Schauplatz im Böcklinschen Stil. Eine offene Dorfschmiede.
+ Dahinter das Haus, im Hintergrunde ein Fluß. Der Schmied an der
+ Arbeit, sein Weib müßig an die Türe gelehnt, die von der Schmiede
+ ins Haus führt. Auf dem Boden spielt ein blondes kleines Kind mit
+ einer zahmen Krabbe. In einer Nische ein Weinschlauch, ein paar
+ frische Feigen und Melonenschalen.=)
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Wohin verlieren dir die sinnenden Gedanken sich,
+ Indes du schweigend mir das Werk, feindselig fast,
+ Mit solchen Lippen, leise zuckenden, beschaust?
+
+
+DIE FRAU
+
+ Im blütenweißen, kleinen Garten saß ich oft,
+ Den Blick aufs väterliche Handwerk hingewandt,
+ Das nette Werk des Töpfers: wie der Scheibe da,
+ Der surrenden im Kreis, die edle Form entstieg,
+ Im stillen Werden einer zarten Blume gleich,
+ Mit kühlem Glanz des Elfenbeins. Darauf erschuf
+ Der Vater Henkel, mit Akanthusblatt geziert,
+ Und ein Akanthus-, ein Olivenkranz wohl auch
+ Umlief als dunkelroter Schmuck des Kruges Rand.
+ Den schönen Körper dann belebte er mit Reigenkranz
+ Der Horen, der vorüberschwebend lebenspendenden.
+ Er schuf, gestreckt auf königliche Ruhebank,
+ Der Phädra wundervollen Leib, von Sehnsucht matt,
+ Und drüber flatternd Eros, der mit süßer Qual die Glieder füllt.
+ Gewaltgen Krügen liebte er ein Bacchusfest
+ Zum Schmuck zu geben, wo der Purpurtraubensaft
+ Aufsprühte unter der Mänade nacktem Fuß
+ Und fliegend Haar und Thyrsusschwung die Luft erfüllt.
+ Auf Totenurnen war Persephoneias hohes Bild,
+ Die mit den seelenlosen, roten Augen schaut,
+ Und Blumen des Vergessens, Mohn, im heiligen Haar,
+ Das lebenfremde, asphodelische Gefilde tritt.
+ Des Redens wär kein Ende, zählt ich alle auf,
+ Die göttlichen, an deren schönem Leben ich
+ -- Zum zweiten Male lebend, was gebildet war --
+ An deren Gram und Haß und Liebeslust
+ Und wechselndem Erlebnis jeder Art
+ Ich also Anteil hatte, ich, ein Kind,
+ Die mir mit halbverstandener Gefühle Hauch
+ Anrührten meiner Seele tiefstes Saitenspiel,
+ Daß mir zuweilen war, als hätte ich im Schlaf
+ Die stets verborgenen Mysterien durchirrt
+ Von Lust und Leid, Erkennende mit wachem Aug,
+ Davon, an dieses Sonnenlicht zurückgekehrt,
+ Mir mahnendes Gedenken andern Lebens bleibt
+ Und eine Fremde, Ausgeschloßne aus mir macht
+ In dieser nährenden, lebendgen Luft der Welt.
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Den Sinn des Seins verwirrte allzu vieler Müßiggang
+ Dem schön gesinnten, gern verträumten Kind, mich dünkt.
+ Und jene Ehrfurcht fehlte, die zu trennen weiß,
+ Was Göttern ziemt, was Menschen! Wie Semele dies,
+ Die töricht fordernde, vergehend erst begriff.
+ Des Gatten Handwerk lerne heilig halten du,
+ Das aus des mütterlichen Grundes Eingeweiden stammt
+ Und, sich die hundertarmig Ungebändigte,
+ Die Flamme, unterwerfend, klug und kraftvoll wirkt.
+
+
+DIE FRAU
+
+ Die Flamme anzusehen, lockts mich immer neu,
+ Die wechselnde, mit heißem Hauch berauschende.
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Vielmehr erfreue Anblick dich des Werks!
+ Die Waffen sich, der Pflugschar heilige Härte auch,
+ Und dieses Beil, das wilde Bäume uns zur Hütte fügt.
+ So schafft der Schmied, was alles andre schaffen soll.
+ Wo duftig aufgeworfne Scholle Samen trinkt
+ Und gelbes Korn der Sichel dann entgegenquillt,
+ Wo zwischen stillen Stämmen nach dem scheuen Wild
+ Der Pfeil hinschwirrt und tödlich in den Nacken schlägt,
+ Wo harter Huf von Rossen staubaufwirbelnd dröhnt
+ Und rasche Räder rollen zwischen Stadt und Stadt,
+ Wo der gewaltig klirrende, der Männerstreit
+ Die hohe liederwerte Männlichkeit enthüllt:
+ Da wirk ich fort und halt umwunden so die Welt
+ Mit starken Spuren meines Tuens, weil es tüchtig ist.
+
+ (=Pause.=)
+
+
+DIE FRAU
+
+ Zentauren seh ich einen nahen, Jüngling noch,
+ Ein schöner Gott mir scheinend, wenn auch halb ein Tier,
+ Und aus dem Hain, entlang dem Ufer, traben her.
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ (=einen Speer in der Hand, den er dem Schmied hinhält=)
+
+ Find ich dem stumpfgewordnen Speere Heilung hier
+ Und neue Spitze der geschwungnen Wucht? Verkünd!
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Ob deinesgleichen auch, dich selber sah ich nie.
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ Zum ersten Male lockte mir den Lauf
+ Nach eurem Dorf Bedürfnis, das du kennst.
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Ihm soll
+ In kurzem abgeholfen sein. Indes erzählst
+ Du, wenn du dir den Dank der Frau verdienen willst,
+ Von fremden Wundern, die du wohl gesehn, wovon
+ Hieher nicht Kunde dringt, wenn nicht ein Wandrer kommt.
+
+
+DIE FRAU
+
+ Ich reiche dir zuerst den vollen Schlauch: er ist
+ Mit kühlem, säuerlichem Apfelwein gefüllt,
+ Denn andrer ist uns nicht. Das nächste Dürsten stillt
+ Wohl etwa weit von hier aus beßrer Schale dir
+ Mit heißerm Safte eine schönre Frau als ich.
+
+ (=Sie hat den Wein aus dem Schlauch in eine irdene Trinkschale
+ gegossen, die er langsam schlürft.=)
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ Die allgemeinen Straßen zog ich nicht und mied
+ Der Hafenplätze vielvermengendes Gewühl,
+ Wo einer leicht von Schiffern bunte Mär erfährt.
+ Die öden Heiden wählte ich zum Tagesweg,
+ Flamingos nur und schwarze Stiere störend auf,
+ Und stampfte nachts das Heidekraut dahin im Duft,
+ Das hyazinthne Dunkel über mir.
+ Zuweilen kam ich wandernd einem Hain vorbei,
+ Wo sich, zu flüchtig eigensinnger Lust gewillt,
+ Aus einem Schwarme von Najaden eine mir
+ Für eine Strecke Wegs gesellte, die ich dann
+ An einen jungen Satyr wiederum verlor,
+ Der syrinxblasend, lockend wo am Wege saß.
+
+
+DIE FRAU
+
+ Unsäglich reizend dünkt dies Ungebundne mir.
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Die Waldgebornen kennen Scham und Treue nicht,
+ Die erst das Haus verlangen und bewahren lehrt.
+
+
+DIE FRAU
+
+ Ward dir, dem Flötenspiel des Pan zu lauschen? Sag!
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ In einem stillen Kesseltal ward mirs beschert.
+ Da wogte mit dem schwülen Abendwind herab
+ Vom Rand der Felsen rätselhaftestes Getön,
+ So tief aufwühlend wie vereinter Drang
+ Von allem Tiefsten, was die Seele je durchbebt,
+ Als flög mein Ich im Wirbel fortgerissen mir
+ Durch tausendfach verschiedne Trunkenheit hindurch.
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Verbotenes laß lieber unberedet sein!
+
+
+DIE FRAU
+
+ Laß immerhin, was regt die Seele schöner auf?
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Das Leben zeitigt selbst den höhern Herzensschlag,
+ Wie reife Frucht vom Zweige sich erfreulich löst.
+ Und nicht zu andern Schauern sind geboren wir,
+ Als uns das Schicksal über unsre Lebenswelle haucht.
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ So blieb die wunderbare Kunst dir unbekannt,
+ Die Götter üben: unter Menschen Mensch,
+ Zu andern Zeiten aufzugehn im Sturmeshauch,
+ Und ein Delphin zu plätschern wiederum im Naß
+ Und ätherkreisend einzusaugen Adlerlust?
+ Du kennst, mich dünkt, nur wenig von der Welt, mein Freund.
+
+
+DER SCHMIED
+
+ Die ganze kenn ich, kennend meinen Kreis,
+ Maßloses nicht verlangend, noch begierig ich,
+ Die flüchtge Flut zu ballen in der hohlen Hand.
+ Den Bach, der deine Wiege schaukelte, erkennen lern,
+ Den Nachbarbaum, der dir die Früchte an der Sonne reift
+ Und dufterfüllten lauen Schatten niedergießt,
+ Das kühle grüne Gras, es trats dein Fuß als Kind.
+ Die alten Eltern tratens, leise frierende,
+ Und die Geliebte trats, da quollen duftend auf
+ Die Veilchen, schmiegend unter ihre Sohlen sich,
+ Das Haus begreif, in dem du lebst und sterben sollst,
+ Und dann, ein Wirkender, begreif dich selber ehrfurchtsvoll,
+ An diesen hast du mehr, als du erfassen kannst --,
+ Den Wanderliebenden, ich halt ihn länger nicht, allein
+ Der letzten Glättung noch bedarfs, die Feile fehlt,
+ Ich finde sie und schaffe dir das letzte noch.
+
+ (=Er geht ins Haus.=)
+
+
+DIE FRAU
+
+ Dich führt wohl nimmermehr der Weg hieher zurück.
+ Hinstampfend durch die hyazinthne Nacht, berauscht,
+ Vergissest meiner du am Wege, fürcht ich, bald,
+ Die deiner, fürcht ich, nicht so bald vergessen kann.
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ Du irrst: verdammt von dir zu scheiden, wärs,
+ Als schlügen sich die Gitter dröhnend hinter mir
+ Von aller Liebe dufterfülltem Garten zu.
+ Doch kommst du, wie ich meine, mir Gefährtin mit,
+ So trag ich solchen hohen Reiz als Beute fort,
+ Wie nie die hohe Aphrodite ausgegossen hat,
+ Die allbelebende, auf Meer und wilde Flut.
+
+
+DIE FRAU
+
+ Wie könnt ich Gatten, Haus und Kind verlassen hier?
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ Was sorgst du lang, um was du schnell vergessen hast?
+
+
+DIE FRAU
+
+ Er kommt zurück, und schnell zerronnen ist der Traum!
+
+
+DER ZENTAUR
+
+ Mit nichten, da doch Lust und Weg noch offen steht.
+ Mit festen Fingern greif mir ins Gelock und klammre dich,
+ Am Rücken ruhend, mir an Arm und Nacken an!
+
+ (=Sie schwingt sich auf seinen Rücken, und er stürmt hell schreiend
+ zum Fluß hinunter, das Kind erschrickt und bricht in klägliches
+ Weinen aus. Der Schmied tritt aus dem Haus. Eben stürzt sich der
+ Zentaur in das aufrauschende Wasser des Flusses. Sein bronzener
+ Oberkörper und die Gestalt der Frau zeichnen sich scharf auf der
+ abendlich vergoldeten Wasserfläche ab. Der Schmied wird sie gewahr;
+ in der Hand den Speer des Zentauren, läuft er ans Ufer hinab und
+ schleudert, weit vorgebeugt, den Speer, der mit zitterndem Schaft
+ einen Augenblick im Rücken der Frau stecken bleibt, bis diese mit
+ einem gellenden Schrei die Locken des Zentauren fahren läßt und mit
+ ausgebreiteten Armen rücklings ins Wasser stürzt. Der Zentaur fängt
+ die Sterbende in seinen Armen auf und trägt sie hocherhoben
+ stromabwärts, dem andern Ufer zuschwimmend.=)
+
+
+
+
+PROLOGE UND TRAUERREDEN
+
+
+
+
+PROLOG ZU DEM BUCH ›ANATOL‹
+
+
+ Hohe Gitter, Taxushecken,
+ Wappen nimmermehr vergoldet,
+ Sphinxe, durch das Dickicht schimmernd ...
+ ... Knarrend öffnen sich die Tore. --
+ Mit verschlafenen Kaskaden
+ Und verschlafenen Tritonen.
+ Rokoko, verstaubt und lieblich,
+ Seht ... das Wien des Canaletto,
+ Wien von siebzehnhundertsechzig ...
+ ... Grüne, braune, stille Teiche,
+ Glatt und marmorweiß umrandet,
+ In dem Spiegelbild der Nixen
+ Spielen Gold- und Silberfische ...
+ Auf dem glattgeschornen Rasen
+ Liegen zierlich gleiche Schatten
+ Schlanker Oleanderstämme;
+ Zweige wölben sich zur Kuppel,
+ Zweige neigen sich zur Nische
+ Für die steifen Liebespaare,
+ Heroinen und Heroen ...
+ Drei Delphine gießen murmelnd
+ Fluten in ein Muschelbecken ...
+ Duftige Kastanienblüten
+ Gleiten, schwirren leuchtend nieder
+ Und ertrinken in den Becken ...
+ ... Hinter einer Taxusmauer
+ Tönen Geigen, Klarinetten,
+ Und sie scheinen den graziösen
+ Amoretten zu entströmen,
+ Die rings auf der Rampe sitzen,
+ Fiedelnd oder Blumen windend,
+ Selbst von Blumen bunt umgeben,
+ Die aus Marmorvasen strömen:
+ Goldlack und Jasmin und Flieder ...
+ ... Auf der Rampe, zwischen ihnen
+ Sitzen auch kokette Frauen,
+ Violette Monsignori ...
+ Und im Gras, zu ihren Füßen
+ Und auf Polstern, auf den Stufen
+ Kavaliere und Abbati ...
+ Andre heben andre Frauen
+ Aus den parfümierten Sänften ...
+ ... Durch die Zweige brechen Lichter,
+ Flimmern auf den blonden Köpfchen,
+ Scheinen auf den bunten Polstern,
+ Gleiten über Kies und Rasen,
+ Gleiten über das Gerüste,
+ Das wir flüchtig aufgeschlagen.
+ Wein und Winde klettert aufwärts
+ Und umhüllt die lichten Balken,
+ Und dazwischen farbenüppig
+ Flattert Teppich und Tapete,
+ Schäferszenen, keck gewoben,
+ Zierlich von Watteau entworfen ...
+
+ Eine Laube statt der Bühne,
+ Sommersonne statt der Lampen,
+ Also spielen wir Theater,
+ Spielen unsre eignen Stücke,
+ Frühgereift und zart und traurig,
+ Die Komödie unsrer Seele,
+ Unsres Fühlens Heut und Gestern,
+ Böser Dinge hübsche Formel,
+ Glatte Worte, bunte Bilder,
+ Halbes, heimliches Empfinden,
+ Agonieen, Episoden ...
+ Manche hören zu, nicht alle ...
+ Manche träumen, manche lachen,
+ Manche essen Eis ... und manche
+ Sprechen sehr galante Dinge ...
+ ... Nelken wiegen sich im Winde,
+ Hochgestielte, weiße Nelken,
+ Wie ein Schwarm von weißen Faltern,
+ Und ein Bologneserhündchen
+ Bellt verwundert einen Pfau an.
+
+
+
+
+ZU EINEM BUCH ÄHNLICHER ART
+
+
+ Merkt auf, merkt auf! Die Zeit ist sonderbar,
+ Und sonderbare Kinder hat sie: Uns!
+ Wer allzusehr verliebt ist in das Süße,
+ Erträgt uns nicht, denn unsre Art ist herb,
+ Und unsre Unterhaltung wunderlich.
+ ›Schlagt eine kleine Bühne auf im Zimmer,
+ Denn die Haustochter will Theater spielen!‹
+ Meint ihr, sie wird als kleine Muse kommen,
+ Mit offnem Haar, und in den bloßen Armen
+ Wird eine leichte goldne Leier liegen?
+ Meint ihr als Schäferin, ein weißes Lamm
+ Am blauen Seidenband und auf den Lippen
+ Ein Lächeln, süß und billig wie die Reime
+ In Schäferspielen? Auf! und geht hinaus!
+ Geht fort, ich bitt euch, wenn ihr das erwartet!
+ Ihr könnt uns nicht ertragen, wir sind anders!
+ Wir haben aus dem Leben, das wir leben,
+ Ein Spiel gemacht, und unsere Wahrheit gleitet
+ Mit unserer Komödie durcheinander
+ Wie eines Taschenspielers hohle Becher --
+ Je mehr ihr hinseht, desto mehr betrogen!
+ Wir geben kleine Fetzen unsres Selbst
+ Für Puppenkleider. Wie die wahren Worte --
+ (An denen Lächeln oder Tränen hängen
+ Gleich Tau an einem Busch mit rauhen Blättern)
+ Erschrecken müssen, wenn sie sich erkennen,
+ In dieses Spiel verflochten, halb geschminkt,
+ Halb noch sich selber gleich, und so entfremdet
+ Der großen Unschuld, die sie früher hatten!
+ Ward je ein so verworrnes Spiel gespielt?
+ Es stiehlt uns von uns selbst und ist nicht lieblich
+ Wie Tanzen oder auf dem Wasser Singen,
+ Und doch ist es das reichste an Verführung
+ Von allen Spielen, die wir Kinder wissen.
+ Wir Kinder dieser sonderbaren Zeit
+ Was wollt ihr noch? So sind wir nun einmal,
+ Doch wollt ihr wirklich solche Dinge hören,
+ Bleibt immerhin! Wir lassen uns nicht stören.
+
+
+
+
+ZUM GEDÄCHTNIS DES SCHAUSPIELERS MITTERWURZER
+
+
+ Er losch auf einmal aus so wie ein Licht.
+ Wir trugen alle wie von einem Blitz
+ Den Widerschein als Blässe im Gesicht.
+
+ Er fiel: da fielen alle Puppen hin,
+ In deren Adern er sein Lebensblut
+ Gegossen hatte; lautlos starben sie,
+ Und wo er lag, da lag ein Haufen Leichen,
+ Wüst hingestreckt: das Knie von einem Säufer
+ In eines Königs Aug gedrückt, Don Philipp
+ Mit Caliban als Alp um seinen Hals,
+ Und jeder tot.
+
+ Da wußten wir, wer uns gestorben war:
+ Der Zauberer, der große, große Gaukler!
+ Und aus den Häusern traten wir heraus
+ Und fingen an zu reden, wer er war.
+ Wer aber war er, und wer war er nicht?
+
+ Er kroch von einer Larve in die andre,
+ Sprang aus des Vaters in des Sohnes Leib
+ Und tauschte wie Gewänder die Gestalten.
+
+ Mit Schwertern, die er kreisen ließ so schnell,
+ Daß niemand ihre Klinge funkeln sah,
+ Hieb er sich selbst in Stücke: Jago war
+ Vielleicht das eine, und die andre Hälfte
+ Gab einen süßen Narren oder Träumer.
+ Sein ganzer Leib war wie der Zauberschleier,
+ In dessen Falten alle Dinge wohnen:
+ Er holte Tiere aus sich selbst hervor:
+ Das Schaf, den Löwen, einen dummen Teufel
+ Und einen schrecklichen, und den, und jenen,
+ Und dich und mich. Sein ganzer Leib war glühend,
+ Von innerlichem Schicksal durch und durch
+ Wie Kohle glühend, und er lebte drin
+ Und sah auf uns, die wir in Häusern wohnen,
+ Mit jenem undurchdringlich fremden Blick
+ Des Salamanders, der im Feuer wohnt.
+
+ Er war ein wilder König. Um die Hüften
+ Trug er wie bunte Muscheln aufgereiht
+ Die Wahrheit und die Lüge von uns allen.
+ In seinen Augen flogen unsre Träume
+ Vorüber, wie von Scharen wilder Vögel
+ Das Spiegelbild in einem tiefen Wasser.
+
+ Hier trat er her, auf eben diesen Fleck,
+ Wo ich jetzt steh, und wie im Tritonshorn
+ Der Lärm des Meeres eingefangen ist,
+ So war in ihm die Stimme alles Lebens:
+ Er wurde groß. Er war der ganze Wald,
+ Er war das Land, durch das die Straßen laufen.
+ Mit Augen wie die Kinder saßen wir
+ Und sahn an ihm hinauf wie an den Hängen
+ Von einem großen Berg: in seinem Mund
+ War eine Bucht, drin brandete das Meer.
+
+ Denn in ihm war etwas, das viele Türen
+ Aufschloß und viele Räume überflog:
+ Gewalt des Lebens, diese war in ihm.
+ Und über ihn bekam der Tod Gewalt!
+ Blies aus die Augen, deren innrer Kern
+ Bedeckt war mit geheimnisvollen Zeichen,
+ Erwürgte in der Kehle tausend Stimmen
+ Und tötete den Leib, der Glied für Glied
+ Beladen war mit ungebornem Leben.
+
+ Hier stand er. Wann kommt einer, der ihm gleicht?
+ Ein Geist, der uns das Labyrinth der Brust,
+ Bevölkert mit verständlichen Gestalten,
+ Erschließt aufs neu zu schauerlicher Lust?
+ Die er uns gab, wir konnten sie nicht halten
+ Und starren nun bei seines Namens Klang
+ Hinab den Abgrund, der sie uns verschlang.
+
+
+
+
+AUF DEN TOD DES SCHAUSPIELERS HERMANN MÜLLER
+
+
+ Dies Haus und wir, wir dienen einer Kunst,
+ Die jeden tiefen Schmerz erquicklich macht
+ Und schmackhaft auch den Tod.
+
+ Und er, den wir uns vor die Seele rufen,
+ Er war so stark! Sein Leib war so begabt,
+ Sich zu verwandeln, daß es schien, kein Netz
+ Vermöchte ihn zu fangen! Welch ein Wesen!
+ Er machte sich durchsichtig, ließ das Weiße
+ Von seinem Aug die tiefste Heimlichkeit,
+ Die in ihm schlief, verraten, atmete
+ Die Seele der erdichteten Geschöpfe
+ Wie Rauch in sich und trieb sie durch die Poren
+ Von seinem Leib ans Tageslicht zurück.
+ Er schuf sich um und um, da quollen Wesen
+ Hervor, kaum menschlich, aber so lebendig --
+ Das Aug bejahte sie, ob nie zuvor
+ Dergleichen es geschaut: ein einzig Blinzeln,
+ Ein Atemholen zeugte, daß sie waren
+ Und noch vom Mutterleib der Erde dampften!
+ Und Menschen! Schließt die Augen, denkt zurück!
+ Bald üppige Leiber, drin nur noch im Winkel
+ Des Augs ein letztes Fünkchen Seele glost,
+ Bald Seelen, die um sich, nur sich zum Dienst
+ Ein durchsichtig Gehäus, den Leib, erbauen:
+ Gemeine Menschen, finstre Menschen, Könige,
+ Menschen zum Lachen, Menschen zum Erschaudern --
+ Er schuf sich um und um: da standen sie.
+ Doch wenn das Spiel verlosch und sich der Vorhang
+ Lautlos wie ein geschminktes Augenlid
+ Vor die erstorbne Zauberhöhle legte
+ Und er hinaustrat, da war eine Bühne
+ So vor ihm aufgetan wie ein auf ewig
+ Schlafloses aufgerißnes Aug, daran
+ Kein Vorhang je mitleidig niedersinkt:
+ Die fürchterliche Bühne Wirklichkeit.
+ Da fielen der Verwandlung Künste alle
+ Von ihm, und seine arme Seele ging
+ Ganz hüllenlos und sah aus Kindesaugen.
+ Da war er in ein unerbittlich Spiel
+ Verstrickt, unwissend, wie ihm dies geschah;
+ Ein jeder Schritt ein tiefrer als der frühere
+ Und unerbittlich jedes stumme Zeichen:
+ Das Angesicht der Nacht war mit im Bund,
+ Der Wind im Bund, der sanfte Frühlingswind,
+ Und alle =gegen= ihn! Nicht den gemeinen,
+ Den zarten Seelen stellt das dunkle Schicksal
+ Fallstricke dieser Art. Dann kam ein Tag,
+ Da hob er sich, und sein gequältes Auge
+ Erfüllte sich mit Ahnung und mit Traum,
+ Und festen Griffs, wie einen schweren Mantel,
+ Warf er das Leben ab und achtete
+ Nicht mehr, denn Staub an seines Mantels Saum,
+ Die nun in nichts zerfallenden Gestalten.
+
+ So denkt ihn. Laßt ehrwürdige Musik
+ Ihn vor euch rufen, ahnet sein Geschick
+ Und mich laßt schweigen, denn hier ist die Grenze,
+ Wo Ehrfurcht mir das Wort im Mund zerbricht.
+
+
+
+
+VERSE ZUM GEDÄCHTNIS DES SCHAUSPIELERS JOSEF KAINZ
+
+
+ O hätt ich seine Stimme, hier um ihn
+ Zu klagen! Seinen königlichen Anstand,
+ Mit meiner Klage dazustehn vor euch!
+ Dann wahrlich wäre diese Stunde groß
+ Und Glanz und Königtum auf mir, und mehr
+ Als Trauer: denn dem Tun der Könige
+ Ist Herrlichkeit und Jubel beigemengt,
+ Auch wo sie klagen und ein Totenfest begehn.
+
+ O seine Stimme, daß sie unter uns
+ Die Flügel schlüge! -- Woher tönte sie?
+ Woher drang dies an unser Ohr? Wer sprach
+ Mit solcher Zunge? Welcher Fürst und Dämon
+ Sprach da zu uns? Wer sprach von diesen Brettern
+ Herab? Wer redete da aus dem Leib
+ Des Jünglings Romeo, wer aus dem Leib
+ Des unglückseligen Richard Plantagenet
+ Oder des Tasso? Wer?
+ Ein Unverwandelter in viel Verwandlungen,
+ Ein niebezauberter Bezauberer,
+ Ein Ungerührter, der uns rührte, einer,
+ Der fern war, da wir meinten, er sei nah,
+ Ein Fremdling über allen Fremdlingen,
+ Einsamer über allen Einsamen,
+ Der Bote aller Boten, namenlos
+ Und Bote eines namenlosen Herrn.
+
+ Er ist an uns vorüber. Seine Seele
+ War eine allzu schnelle Seele, und
+ Sein Aug glich allzusehr dem Aug des Vogels.
+ Dies Haus hat ihn gehabt -- doch hielt es ihn?
+ Wir haben ihn gehabt -- er fiel dahin,
+ Wie unsre eigne Jugend uns entfällt,
+ Grausam und prangend gleich dem Wassersturz.
+
+ O Unrast! O Geheimnis, offenkundiges
+ Geheimnis menschlicher Natur! O Wesen,
+ Wer warest du? O Schweifender! O Fremdling!
+ O nächtlicher Gespräche Einsamkeit
+ Mit deinen höchst zufälligen Genossen!
+ O starrend tiefe Herzenseinsamkeit!
+ O ruheloser Geist! Geist ohne Schlaf!
+ O Geist! O Stimme! Wundervolles Licht!
+ Wie du hinliefest, weißes Licht, und rings
+ Ins Dunkel aus den Worten dir Paläste
+ Hinbautest, drin für eines Herzschlags Frist
+ Wir mit dir wohnten -- Stimme, die wir nie
+ Vergessen werden -- o Geschick -- o Ende --
+ Geheimnisvolles Leben! Dunkler Tod!
+
+ O wie das Leben um ihn rang und niemals
+ Ihn ganz verstricken konnte ins Geheimnis
+ Wollüstiger Verwandlung! Wie er =blieb=!
+ Wie königlich er standhielt! Wie er schmal,
+ Gleich einem Knaben, =stand=! O kleine Hand
+ Voll Kraft, o kleines Haupt auf feinen Schultern,
+ O vogelhaftes Auge, das verschmähte,
+ Jung oder alt zu sein, schlafloses Aug,
+ O Aug des Sperbers, der auch vor der Sonne
+ Den Blick nicht niederschlägt, o kühnes Aug,
+ Das beiderlei Abgrund gemessen hat,
+ Des Lebens wie des Todes -- Aug des =Boten=!
+ O Bote aller Boten, Geist! Du Geist!
+ Dein Bleiben unter uns war ein Verschmähen,
+ Fortwollender! Enteilter! Aufgeflogener!
+
+ Ich klage nicht um dich. Ich weiß jetzt, wer du warst,
+ Schauspieler ohne Maske du, Vergeistiger,
+ Du bist empor, und wo mein Auge dich
+ Nicht sieht, dort kreisest du, dem Sperber gleich,
+ Dem Unzerstörbaren, und hältst in Fängen
+ Den Spiegel, der ein weißes Licht herabwirft,
+ Weißer als Licht der Sterne: dieses Lichtes
+ Bote und Träger bist du immerdar,
+ Und als des Schwebend-Unzerstörbaren
+ Gedenken wir des Geistes, der du bist.
+
+ O Stimme! Seele! aufgeflogene!
+
+
+
+
+ZU EINER TOTENFEIER FÜR ARNOLD BÖCKLIN
+
+
+ (=In die letzten Takte der Symphonie tritt der Prolog auf, seine
+ Fackelträger hinter ihm. -- Der Prolog ist ein Jüngling; er ist
+ venezianisch gekleidet, ganz in Schwarz, als ein Trauernder.=)
+
+ Nun schweig, Musik! Nun ist die Szene mein,
+ Und ich will klagen, denn mir steht es zu!
+ Von dieser Zeiten Jugend fließt der Saft
+ In mir; und er, des Standbild auf mich blickt,
+ War meiner Seele so geliebter Freund!
+ Und dieses Guten hab ich sehr bedurft,
+ Denn Finsternis ist viel in dieser Zeit,
+ Und wie der Schwan, ein selig schwimmend Tier,
+ Aus der Najade triefend weißen Händen
+ Sich seine Nahrung küßt, so bog ich mich
+ In dunklen Stunden über seine Hände
+ Um meiner Seele Nahrung: tiefen Traum.
+ Schmück ich dein Bild mit Zweig und Blüten nur?
+ Und du hast mir das Bild der Welt geschmückt
+ Und aller Blütenzweige Lieblichkeit
+ Mit einem solchen Glanze überhöht,
+ Daß ich mich trunken an den Boden warf
+ Und jauchzend fühlte, wie sie ihr Gewand
+ Mir sinken ließ, die leuchtende Natur!
+ Hör mich, mein Freund! Ich will nicht Herolde
+ Aussenden, daß sie deinen Namen schrein
+ In die vier Winde, wie wenn Könige sterben:
+ Ein König läßt dem Erben seinen Reif
+ Und einem Grabstein seines Namens Schall.
+ Doch du warst solch ein großer Zauberer,
+ Dein Sichtbares ging fort, doch weiß ich nicht,
+ Was da und dort nicht alles von dir bleibt,
+ Mit heimlicher fortlebender Gewalt
+ Sich dunklen Auges aus der nächtigen Flut
+ Zum Ufer hebt -- oder sein haarig Ohr
+ Hinter dem Efeu horchend reckt,
+ drum will ich
+ Nie glauben, daß ich irgendwo allein bin,
+ Wo Bäume oder Blumen sind, ja selbst
+ Nur schweigendes Gestein und kleine Wölkchen
+ Unter dem Himmel sind: leicht daß ein Etwas,
+ Durchsichtiger wie Ariel, mir im Rücken
+ Hingaukelt, denn ich weiß: geheimnisvoll
+ War zwischen dir und mancher Kreatur
+ Ein Bund geknüpft, ja! und des Frühlings Au,
+ Siehe, sie lachte dir so, wie ein Weib
+ Den anlacht, dem sie in der Nacht sich gab!
+
+ Ich meint um dich zu klagen, und mein Mund
+ Schwillt an von trunkenem und freudigem Wort:
+ Drum ziemt mir nun nicht länger hier zu stehen.
+ Ich will den Stab dreimal zu Boden stoßen
+ Und dies Gezelt mit Traumgestalten füllen.
+ Die will ich mit der Last der Traurigkeit
+ So überbürden, daß sie schwankend gehn,
+ Damit ein jeder weinen mag und fühlen:
+ Wie große Schwermut allem unsern Tun
+ Ist beigemengt.
+ Es weise euch ein Spiel
+ Das Spiegelbild der bangen, dunklen Stunde,
+ Und großen Meisters trauervollen Preis
+ Vernehmet nun aus schattenhaftem Munde!
+
+
+
+
+ Gedruckt bei
+ Poeschel & Trepte
+ in Leipzig
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Hugo von Hofmannsthal
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
+
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+Produced by Jana Srna, Carlos Valiente, mcbax and the
+Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+(This file was produced from images generously made
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+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
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+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
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+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
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+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
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+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
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+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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