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+The Project Gutenberg EBook of Der Moses des Michelangelo, by Sigmund Freud
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Moses des Michelangelo
+
+Author: Sigmund Freud
+
+Release Date: December 26, 2009 [EBook #30762]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MOSES DES MICHELANGELO ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der
+ Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften III (1914). S. 15-36.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+Der Moses des Michelangelo[1].
+
+Von ***
+
+ [1] Die Redaktion hat diesem, strenge genommen nicht programmgerechten,
+ Beitrage die Aufnahme nicht versagt, weil der ihr bekannte Verfasser
+ analytischen Kreisen nahe steht, und weil seine Denkweise immerhin
+ eine gewisse Ähnlichkeit mit der Methodik der Psychoanalyse zeigt.
+
+
+Ich schicke voraus, daß ich kein Kunstkenner bin, sondern Laie. Ich habe
+oft bemerkt, daß mich der Inhalt eines Kunstwerkes stärker anzieht als
+dessen formale und technische Eigenschaften, auf welche doch der Künstler
+in erster Linie Wert legt. Für viele Mittel und manche Wirkungen der
+Kunst fehlt mir eigentlich das richtige Verständnis. Ich muß dies sagen,
+um mir eine nachsichtige Beurteilung meines Versuches zu sichern.
+
+Aber Kunstwerke üben eine starke Wirkung auf mich aus, insbesondere
+Dichtungen und Werke der Plastik, seltener Malereien. Ich bin so
+veranlaßt worden, bei den entsprechenden Gelegenheiten lange vor ihnen
+zu verweilen, und wollte sie auf meine Weise erfassen, d. h. mir
+begreiflich machen, wodurch sie wirken. Wo ich das nicht kann, z. B.
+in der Musik, bin ich fast genußunfähig. Eine rationalistische oder
+vielleicht analytische Anlage sträubt sich in mir dagegen, daß ich
+ergriffen sein und dabei nicht wissen solle, warum ich es bin, und was
+mich ergreift.
+
+Ich bin dabei auf die anscheinend paradoxe Tatsache aufmerksam geworden,
+daß gerade einige der großartigsten und überwältigendsten Kunstschöpfungen
+unserem Verständnis dunkel geblieben sind. Man bewundert sie, man fühlt
+sich von ihnen bezwungen, aber man weiß nicht zu sagen, was sie
+vorstellen. Ich bin nicht belesen genug um zu wissen, ob dies schon
+bemerkt worden ist, oder ob nicht ein Ästhetiker gefunden hat, solche
+Ratlosigkeit unseres begreifenden Verstandes sei sogar eine notwendige
+Bedingung für die höchsten Wirkungen, die ein Kunstwerk hervorrufen
+soll. Ich könnte mich nur schwer entschließen, an diese Bedingung zu
+glauben.
+
+Nicht etwa daß die Kunstkenner oder Enthusiasten keine Worte fänden,
+wenn sie uns ein solches Kunstwerk anpreisen. Sie haben deren genug,
+sollte ich meinen. Aber vor einer solchen Meisterschöpfung des Künstlers
+sagt in der Regel jeder etwas anderes und keiner das, was dem schlichten
+Bewunderer das Rätsel löst. Was uns so mächtig packt, kann nach meiner
+Auffassung doch nur die Absicht des Künstlers sein, insoferne es ihm
+gelungen ist, sie in dem Werke auszudrücken und von uns erfassen zu
+lassen. Ich weiß, daß es sich um kein bloß verständnismäßiges Erfassen
+handeln kann; es soll die Affektlage, die psychische Konstellation,
+welche beim Künstler die Triebkraft zur Schöpfung abgab, bei uns wieder
+hervorgerufen werden. Aber warum soll die Absicht des Künstlers nicht
+angebbar und in Worte zu fassen sein wie irgendeine andere Tatsache des
+seelischen Lebens? Vielleicht daß dies bei den großen Kunstwerken nicht
+ohne Anwendung der Analyse gelingen wird. Das Werk selbst muß doch diese
+Analyse ermöglichen, wenn es der auf uns wirksame Ausdruck der Absichten
+und Regungen des Künstlers ist. Und um diese Absicht zu erraten, muß ich
+doch vorerst den _Sinn_ und _Inhalt_ des im Kunstwerk Dargestellten
+herausfinden, also es _deuten_ können. Es ist also möglich, daß ein
+solches Kunstwerk der Deutung bedarf, und daß ich erst nach Vollziehung
+derselben erfahren kann, warum ich einem so gewaltigen Eindruck
+unterlegen bin. Ich hege selbst die Hoffnung, daß dieser Eindruck keine
+Abschwächung erleiden wird, wenn uns eine solche Analyse geglückt ist.
+
+Nun denke man an den Hamlet, das über dreihundert Jahre alte Meisterstück
+Shakespeares[2]. Ich verfolge die psychoanalytische Literatur und
+schließe mich der Behauptung an, daß erst die Psychoanalyse durch die
+Zurückführung des Stoffes auf das Ödipusthema das Rätsel der Wirkung
+dieser Tragödie gelöst hat. Aber vorher, welche Überfülle von
+verschiedenen, miteinander unverträglichen Deutungsversuchen, welche
+Auswahl von Meinungen über den Charakter des Helden und die Absichten
+des Dichters! Hat Shakespeare unsere Teilnahme für einen Kranken in
+Anspruch genommen oder für einen unzulänglichen Minderwertigen, oder für
+einen Idealisten, der nur zu gut ist für die reale Welt? Und wieviele
+dieser Deutungen lassen uns so kalt, daß sie für die Erklärung der
+Wirkung der Dichtung nichts leisten können, und uns eher darauf
+verweisen, deren Zauber allein auf den Eindruck der Gedanken und den
+Glanz der Sprache zu begründen! Und doch, sprechen nicht gerade diese
+Bemühungen dafür, daß ein Bedürfnis verspürt wird, eine weitere Quelle
+dieser Wirkung aufzufinden?
+
+ [2] Vielleicht 1602 zuerst gespielt.
+
+Ein anderes dieser rätselvollen und großartigen Kunstwerke ist die
+Marmorstatue des Moses, in der Kirche von S. Pietro in Vincoli zu Rom
+von Michelangelo aufgestellt, bekanntlich nur ein Teilstück jenes riesigen
+Grabdenkmals, welches der Künstler für den gewaltigen Papstherrn
+Julius II. errichten sollte[3]. Ich freue mich jedesmal, wenn ich eine
+Äußerung über diese Gestalt lese wie: sie sei »die Krone der modernen
+Skulptur« (Herman _Grimm_). Denn ich habe von keinem Bildwerk je eine
+stärkere Wirkung erfahren. Wie oft bin ich die steile Treppe vom unschönen
+Corso Cavour heraufgestiegen zu dem einsamen Platz, auf dem die verlassene
+Kirche steht, habe immer versucht, dem verächtlich-zürnenden Blick des
+Heros standzuhalten, und manchmal habe ich mich dann behutsam aus dem
+Halbdunkel des Innenraumes geschlichen, als gehörte ich selbst zu dem
+Gesindel, auf das sein Auge gerichtet ist, das keine Überzeugung
+festhalten kann, das nicht warten und nicht vertrauen will und jubelt,
+wenn es die Illusion des Götzenbildes wieder bekommen hat.
+
+ [3] Nach Henry _Thode_ ist die Statue in den Jahren 1512 bis 1516
+ ausgeführt worden.
+
+[Illustration: Mit Genehmigung des Verlags Robert Langewiesche aus dem
+Band »Michelangelo« der Sammlung »Blaue Bücher«]
+
+Aber warum nenne ich diese Statue rätselvoll? Es besteht nicht der leiseste
+Zweifel, daß sie Moses darstellt, den Gesetzgeber der Juden, der die Tafeln
+mit den heiligen Geboten hält. Soviel ist sicher, aber auch nichts darüber
+hinaus. Ganz kürzlich erst (1912) hat ein Kunstschriftsteller (Max
+_Sauerlandt_) den Ausspruch machen können: »Über kein Kunstwerk der Welt
+sind so widersprechende Urteile gefällt worden wie über diesen panköpfigen
+Moses. Schon die einfache Interpretation der Figur bewegt sich in
+vollkommenen Widersprüchen ...« An der Hand einer Zusammenstellung, die
+nur um fünf Jahre zurückliegt, werde ich darlegen, welche Zweifel sich
+an die Auffassung der Figur des Moses knüpfen, und es wird nicht schwer
+sein zu zeigen, daß hinter ihnen das Wesentliche und Beste zum
+Verständnis dieses Kunstwerkes verhüllt liegt[4].
+
+ [4] Henry _Thode_, Michelangelo, Kritische Untersuchungen über seine
+ Werke, I. Bd., 1908.
+
+
+1.
+
+Der Moses des Michelangelo ist sitzend dargestellt, den Rumpf nach vorne
+gerichtet, den Kopf mit dem mächtigen Bart und den Blick nach links
+gewendet, den rechten Fuß auf dem Boden ruhend, den linken aufgestellt,
+so daß er nur mit den Zehen den Boden berührt, den rechten Arm mit den
+Tafeln und einem Teil des Bartes in Beziehung; der linke Arm ist in den
+Schoß gelegt. Wollte ich eine genauere Beschreibung geben, so müßte ich
+dem vorgreifen, was ich später vorzubringen habe. Die Beschreibungen der
+Autoren sind mitunter in merkwürdiger Weise unzutreffend. Was nicht
+verstanden war, wurde auch ungenau wahrgenommen oder wiedergegeben.
+H. _Grimm_ sagt, daß die rechte Hand, »unter deren Arme die Gesetzestafeln
+ruhen, in den Bart greife«. Ebenso W. _Lübke_: »Erschüttert greift er
+mit der Rechten in den herrlich herabflutenden Bart ...«; _Springer_:
+»Die eine (linke) Hand drückt Moses an den Leib, mit der anderen greift
+er wie unbewußt in den mächtig wallenden Bart.« C. _Justi_ findet, daß
+die Finger der (rechten) Hand mit dem Bart spielen, »wie der zivilisierte
+Mensch in der Aufregung mit der Uhrkette«. Das Spielen mit dem Bart hebt
+auch _Müntz_ hervor. H. _Thode_ spricht von der »ruhig festen Haltung
+der rechten Hand auf den aufgestemmten Tafeln«. Selbst in der rechten
+Hand erkennt er nicht ein Spiel der Aufregung, wie _Justi_ und ähnlich
+_Boito_ wollen. »Die Hand verharrt so, wie sie in den Bart greifend,
+gehalten ward, ehe der Titan den Kopf zur Seite wandte.« Jakob
+_Burkhardt_ stellt aus, »daß der berühmte linke Arm im Grunde nichts
+anderes zu tun habe, als diesen Bart an den Leib zu drücken«.
+
+Wenn die Beschreibungen nicht übereinstimmen, werden wir uns über die
+Verschiedenheit in der Auffassung einzelner Züge der Statue nicht
+verwundern. Ich meine zwar, wir können den Gesichtsausdruck des Moses
+nicht besser charakterisieren als _Thode_, der eine »Mischung von
+Zorn, Schmerz und Verachtung« aus ihm las, »den Zorn in den dräuend
+zusammengezogenen Augenbrauen, den Schmerz in dem Blick der Augen, die
+Verachtung in der vorgeschobenen Unterlippe und den herabgezogenen
+Mundwinkeln«. Aber andere Bewunderer müssen mit anderen Augen gesehen
+haben. So hatte _Dupaty_ geurteilt: Ce front auguste semble n'être qu'un
+voile transparent, qui couvre à peine un esprit immense[5]. Dagegen
+meint _Lübke_: »In dem Kopfe würde man vergebens den Ausdruck höherer
+Intelligenz suchen; nichts als die Fähigkeit eines ungeheuren Zornes,
+einer alles durchsetzenden Energie spricht sich in der zusammengedrängten
+Stirne aus.« Noch weiter entfernt sich in der Deutung des
+Gesichtsausdruckes _Guillaume_ (1875), der keine Erregung darin fand,
+»nur stolze Einfachheit, beseelte Würde, Energie des Glaubens. Moses'
+Blick gehe in die Zukunft, er sehe die Dauer seiner Rasse, die
+Unveränderlichkeit seines Gesetzes voraus«. Ähnlich läßt _Müntz_ »die
+Blicke Moses' weit über das Menschengeschlecht hinschweifen; sie seien
+auf die Mysterien gerichtet, die er als Einziger gewahrt hat«. Ja, für
+_Steinmann_ ist dieser Moses »nicht mehr der starre Gesetzgeber, nicht
+mehr der fürchterliche Feind der Sünde mit dem Jehovazorn, sondern der
+königliche Priester, welchen das Alter nicht berühren darf, der segnend
+und weissagend, den Abglanz der Ewigkeit auf der Stirne, von seinem
+Volke den letzten Abschied nimmt«.
+
+ [5] _Thode_, l. c., p. 197.
+
+Es hat noch andere gegeben, denen der Moses des Michelangelo überhaupt
+nichts sagte, und die ehrlich genug waren, es zu äußern. So ein Rezensent
+in der Quarterly Review 1858: »There is an absence of meaning in the
+general conception, which precludes the idea of a self-sufficing
+whole ...« Und man ist erstaunt zu erfahren, daß noch andere nichts an
+dem Moses zu bewundern fanden, sondern sich auflehnten gegen ihn, die
+Brutalität der Gestalt anklagten und die Tierähnlichkeit des Kopfes.
+
+Hat der Meister wirklich so undeutliche oder zweideutige Schrift in den
+Stein geschrieben, daß so verschiedenartige Lesungen möglich wurden?
+
+Es erhebt sich aber eine andere Frage, welcher sich die erwähnten
+Unsicherheiten leicht unterordnen. Hat Michelangelo in diesem Moses ein
+»zeitloses Charakter- und Stimmungsbild« schaffen wollen oder hat er den
+Helden in einem bestimmten, dann aber höchst bedeutsamen Moment seines
+Lebens dargestellt? Eine Mehrzahl von Beurteilern entscheidet sich für
+das letztere und weiß auch die Szene aus dem Leben Moses' anzugeben,
+welche der Künstler für die Ewigkeit festgebannt hat. Es handelt sich
+hier um die Herabkunft vom Sinai, woselbst er die Gesetzestafeln von
+Gott in Empfang genommen hat, und um die Wahrnehmung, daß die Juden
+unterdes ein goldenes Kalb gemacht haben, das sie jubelnd umtanzen.
+Auf dieses Bild ist sein Blick gerichtet, dieser Anblick ruft die
+Empfindungen hervor, die in seinen Mienen ausgedrückt sind und die
+gewaltige Gestalt alsbald in die heftigste Aktion versetzen werden.
+Michelangelo hat den Moment der letzten Zögerung, der Ruhe vor dem
+Sturm, zur Darstellung gewählt; im nächsten wird Moses aufspringen --
+der linke Fuß ist schon vom Boden abgehoben -- die Tafeln zu Boden
+schmettern und seinen Grimm über die Abtrünnigen entladen.
+
+In Einzelheiten dieser Deutung weichen auch deren Vertreter voneinander
+ab.
+
+Jak. _Burkhardt_: »Moses scheint in dem Momente dargestellt, da er die
+Verehrung des goldenen Kalbes erblickt und aufspringen will. Es lebt in
+seiner Gestalt die Vorbereitung zu einer gewaltigen Bewegung, wie man
+sie von der physischen Macht, mit der er ausgestattet ist, nur mit
+Zittern erwarten mag.«
+
+W. _Lübke_: »Als sähen die blitzenden Augen eben den Frevel der Verehrung
+des goldenen Kalbes, so gewaltsam durchzuckt eine innere Bewegung die
+ganze Gestalt. Erschüttert greift er mit der Rechten in den herrlich
+herabflutenden Bart, als wolle er seiner Bewegung noch einen Augenblick
+Herr bleiben, um dann um so zerschmetternder loszufahren.«
+
+_Springer_ schließt sich dieser Ansicht an, nicht ohne ein Bedenken
+vorzutragen, welches weiterhin noch unsere Aufmerksamkeit beanspruchen
+wird: »Durchglüht von Kraft und Eifer kämpft der Held nur mühsam die
+innere Erregung nieder ...... Man denkt daher unwillkürlich an eine
+dramatische Szene und meint, Moses sei in dem Augenblick dargestellt,
+wie er die Verehrung des goldenen Kalbes erblickt und im Zorn
+aufspringen will. Diese Vermutung trifft zwar schwerlich die wahre
+Absicht des Künstlers, da ja Moses, wie die übrigen fünf sitzenden
+Statuen des Oberbaues[6] vorwiegend dekorativ wirken sollte; sie darf
+aber als ein glänzendes Zeugnis für die Lebensfülle und das persönliche
+Wesen der Mosesgestalt gelten.«
+
+ [6] Vom Grabdenkmal des Papstes nämlich.
+
+Einige Autoren, die sich nicht gerade für die Szene des goldenen Kalbes
+entscheiden, treffen doch mit dieser Deutung in dem wesentlichsten
+Punkte zusammen, daß dieser Moses im Begriffe sei aufzuspringen und zur
+Tat überzugehen.
+
+Herman _Grimm_: »Eine Hoheit erfüllt sie (diese Gestalt), ein
+Selbstbewußtsein, ein Gefühl, als stünden diesem Manne die Donner des
+Himmels zu Gebote, doch er bezwänge sich, ehe er sie entfesselte,
+erwartend, ob die Feinde, die er vernichten will, ihn anzugreifen
+wagten. Er sitzt da, als wollte er eben aufspringen, das Haupt stolz aus
+den Schultern in die Höhe gereckt, mit der Hand, unter deren Arme die
+Gesetzestafeln ruhen, in den Bart greifend, der in schweren Strömen auf
+die Brust sinkt, mit weit atmenden Nüstern und mit einem Munde, auf
+dessen Lippen die Worte zu zittern scheinen.«
+
+_Heath Wilson_ sagt, Moses' Aufmerksamkeit sei durch etwas erregt, er
+sei im Begriffe aufzuspringen, doch zögere er noch. Der Blick, in dem
+Entrüstung und Verachtung gemischt seien, könne sich noch in Mitleid
+verändern.
+
+_Wölfflin_ spricht von »gehemmter Bewegung«. Der Hemmungsgrund liegt
+hier im Willen der Person selbst, es ist der letzte Moment des
+Ansichhaltens vor dem Losbrechen, d. h. vor dem Aufspringen.
+
+Am eingehendsten hat C. _Justi_ die Deutung auf die Wahrnehmung des
+goldenen Kalbes begründet und sonst nicht beachtete Einzelheiten der
+Statue in Zusammenhang mit dieser Auffassung gebracht. Er lenkt unseren
+Blick auf die in der Tat auffällige Stellung der beiden Gesetzestafeln,
+welche im Begriffe seien, auf den Steinsitz herabzugleiten: »Er (Moses)
+könnte also entweder in der Richtung des Lärmes schauen mit dem Ausdruck
+böser Ahnungen, oder es wäre der Anblick des Gräuels selbst, der ihn wie
+ein betäubender Schlag trifft. Durchbebt von Abscheu und Schmerz hat er
+sich niedergelassen[7]. Er war auf dem Berge vierzig Tage und Nächte
+geblieben, also ermüdet. Das Ungeheure, ein großes Schicksal, Verbrechen,
+selbst ein Glück kann zwar in einem Augenblick wahrgenommen, aber nicht
+gefaßt werden nach Wesen, Tiefe, Folgen. Einen Augenblick scheint
+ihm sein Werk zerstört, er verzweifelt an diesem Volke. In solchen
+Augenblicken verrät sich der innere Aufruhr in unwillkürlichen kleinen
+Bewegungen. Er läßt die beiden Tafeln, die er in der Rechten hielt, auf
+den Steinsitz herabrutschen, sie sind über Eck zu stehen gekommen, vom
+Unterarm an die Seite der Brust gedrückt. Die Hand aber fährt an Brust
+und Bart, bei der Wendung des Halses nach rechts muß sie den Bart nach
+der linken Seite ziehen und die Symmetrie dieser breiten männlichen
+Zierde aufheben; es sieht aus, als spielten die Finger mit dem Bart, wie
+der zivilisierte Mensch in der Aufregung mit der Uhrkette. Die linke
+gräbt sich in den Rock am Bauch (im alten Testament sind die Eingeweide
+Sitz der Affekte). Aber das linke Bein ist bereits zurückgezogen und das
+rechte vorgesetzt; im nächsten Augenblick wird er auffahren, die
+psychische Kraft von der Empfindung auf den Willen überspringen, der
+rechte Arm sich bewegen, die Tafeln werden zu Boden fallen und Ströme
+Blutes die Schmach des Abfalls sühnen ....« »Es ist hier noch nicht der
+Spannungsmoment der Tat. Noch waltet der Seelenschmerz fast lähmend.«
+
+ [7] Es ist zu bemerken, daß die sorgfältige Anordnung des Mantels um
+ die Beine der sitzenden Gestalt dieses erste Stück der Auslegung
+ _Justis_ unhaltbar macht. Man müßte vielmehr annehmen, es sei
+ dargestellt, wie Moses im ruhigen erwartungslosen Dasitzen durch eine
+ plötzliche Wahrnehmung aufgeschreckt werde.
+
+Ganz ähnlich äußert sich Fritz _Knapp_; nur daß er die Eingangssituation
+dem vorhin geäußerten Bedenken entzieht, auch die angedeutete Bewegung
+der Tafeln konsequenter weiterführt: »Ihn, der soeben noch mit seinem
+Gotte allein war, lenken irdische Geräusche ab. Er hört Lärm, das
+Geschrei von gesungenen Tanzreigen weckt ihn aus dem Traume. Das Auge,
+der Kopf wenden sich hin zu dem Geräusch. Schrecken, Zorn, die ganze
+Furie wilder Leidenschaften durchfahren im Moment die Riesengestalt. Die
+Gesetzestafeln fangen an herabzugleiten, sie werden zur Erde fallen und
+zerbrechen, wenn die Gestalt auffährt, um die donnernden Zornesworte
+in die Massen des abtrünnigen Volkes zu schleudern .... Dieser Moment
+höchster Spannung ist gewählt ....« _Knapp_ betont also die Vorbereitung
+zur Handlung und bestreitet die Darstellung der anfänglichen Hemmung
+infolge der übergewaltigen Erregung.
+
+Wir werden nicht in Abrede stellen, daß Deutungsversuche wie die
+letzterwähnten von _Justi_ und _Knapp_ etwas ungemein Ansprechendes
+haben. Sie verdanken diese Wirkung dem Umstande, daß sie nicht bei dem
+Gesamteindruck der Gestalt stehen bleiben, sondern einzelne Charaktere
+derselben würdigen, welche man sonst von der Allgemeinwirkung überwältigt
+und gleichsam gelähmt zu beachten versäumt. Die entschiedene Seitenwendung
+von Kopf und Augen der im übrigen nach vorne gerichteten Figur stimmt
+gut zu der Annahme, daß dort etwas erblickt wird, was plötzlich die
+Aufmerksamkeit des Ruhenden auf sich zieht. Der vom Boden abgehobene
+Fuß läßt kaum eine andere Deutung zu, als die einer Vorbereitung zum
+Aufspringen[8], und die ganz sonderbare Haltung der Tafeln, die doch
+etwas hochheiliges sind und nicht wie ein beliebiges Attribut irgendwie
+im Raum untergebracht werden dürfen, findet ihre gute Aufklärung in der
+Annahme, sie glitten infolge der Erregung ihres Trägers herab und würden
+dann zu Boden fallen. So wüßten wir also, daß diese Statue des Moses
+einen bestimmten bedeutsamen Moment aus dem Leben des Mannes darstellt,
+und wären auch nicht in Gefahr, diesen Moment zu verkennen.
+
+ [8] Obwohl der linke Fuß des ruhig sitzenden Giuliano in der
+ Medicikapelle ähnlich abgehoben ist.
+
+Allein zwei Bemerkungen von _Thode_ entreißen uns wieder, was wir schon
+zu besitzen glaubten. Dieser Beobachter sagt, er sehe die Tafeln nicht
+herabgleiten, sondern »fest verharren«. Er konstatiert »die ruhig feste
+Haltung der rechten Hand auf den aufgestemmten Tafeln«. Blicken wir
+selbst hin, so müssen wir _Thode_ ohne Rückhalt recht geben. Die Tafeln
+sind festgestellt und nicht in Gefahr zu gleiten. Die rechte Hand stützt
+sie oder stützt sich auf sie. Dadurch ist ihre Aufstellung zwar nicht
+erklärt, aber sie wird für die Deutung von _Justi_ und Anderen
+unverwendbar.
+
+Eine zweite Bemerkung trifft noch entscheidender. _Thode_ mahnt daran,
+daß »diese Statue als eine von sechsen gedacht war und daß sie sitzend
+dargestellt ist. Beides widerspricht der Annahme, Michelangelo habe
+einen bestimmten historischen Moment fixieren wollen. Denn, was das
+erste anbetrifft, so schloß die Aufgabe, nebeneinander sitzende Figuren
+als Typen menschlichen Wesens (Vita activa! Vita contemplativa!)
+zu geben, die Vorstellung einzelner historischer Vorgänge aus. Und
+bezüglich des zweiten widerspricht die Darstellung des Sitzens, welche
+durch die gesamte künstlerische Konzeption des Denkmals bedingt war, dem
+Charakter jenes Vorganges, nämlich dem Herabsteigen vom Berge Sinai zu
+dem Lager«.
+
+Machen wir uns dies Bedenken _Thodes_ zu eigen; ich meine, wir werden
+seine Kraft noch steigern können. Der Moses sollte mit fünf (in einem
+späteren Entwurf drei) anderen Statuen das Postament des Grabdenkmals
+zieren. Sein nächstes Gegenstück hätte ein Paulus werden sollen. Zwei
+der anderen, die Vita activa und contemplativa sind als Lea und Rahel an
+dem heute vorhandenen, kläglich verkümmerten Monument ausgeführt worden,
+allerdings stehend. Diese Zugehörigkeit des Moses zu einem Ensemble macht
+die Annahme unmöglich, daß die Figur in dem Beschauer die Erwartung
+erwecken solle, sie werde nun gleich von ihrem Sitze aufspringen, etwa
+davonstürmen und auf eigene Faust Lärm schlagen. Wenn die anderen
+Figuren nicht gerade auch in der Vorbereitung zu so heftiger Aktion
+dargestellt waren, -- was sehr unwahrscheinlich ist, -- so würde es den
+übelsten Eindruck machen, wenn gerade die eine uns die Illusion geben
+könnte, sie werde ihren Platz und ihre Genossen verlassen, also sich
+ihrer Aufgabe im Gefüge des Denkmals entziehen. Das ergäbe eine grobe
+Inkohärenz, die man dem großen Künstler nicht ohne die äußerste Nötigung
+zumuten dürfte. Eine in solcher Art davonstürmende Figur wäre mit der
+Stimmung, welche das ganze Grabmonument erwecken soll, aufs äußerste
+unverträglich.
+
+Also dieser Moses darf nicht aufspringen wollen, er muß in hehrer Ruhe
+verharren können, wie die anderen Figuren, wie das beabsichtigte (dann
+nicht von Michelangelo ausgeführte) Bild des Papstes selbst. Dann aber
+kann der Moses, den wir betrachten, nicht die Darstellung des von Zorn
+erfaßten Mannes sein, der vom Sinai herabkommend, sein Volk abtrünnig
+findet und die heiligen Tafeln hinwirft, daß sie zerschmettern. Und
+wirklich, ich weiß mich an meine Enttäuschung zu erinnern, wenn ich bei
+früheren Besuchen in S. Pietro in Vincoli mich vor die Statue hinsetzte,
+in der Erwartung, ich werde nun sehen, wie sie auf dem aufgestellten Fuß
+emporschnellen, wie sie die Tafeln zu Boden schleudern und ihren Zorn
+entladen werde. Nichts davon geschah; anstatt dessen wurde der Stein
+immer starrer, eine fast erdrückende heilige Stille ging von ihm aus,
+und ich mußte fühlen, hier sei etwas dargestellt, was unverändert so
+bleiben könne, dieser Moses werde ewig so dasitzen und so zürnen.
+
+Wenn wir aber die Deutung der Statue mit dem Moment vor dem
+losbrechenden Zorn beim Anblick des Götzenbildes aufgeben müssen, so
+bleibt uns wenig mehr übrig als eine der Auffassungen anzunehmen, welche
+in diesem Moses ein Charakterbild erkennen wollen. Am ehesten von
+Willkür frei und am besten auf die Analyse der Bewegungsmotive der
+Gestalt gestützt erscheint dann das Urteil von _Thode_: »Hier, wie
+immer, ist es ihm um die Gestaltung eines Charaktertypus zu tun. Er
+schafft das Bild eines leidenschaftlichen Führers der Menschheit, der,
+seiner göttlichen gesetzgebenden Aufgabe bewußt, dem unverständigen
+Widerstand der Menschen begegnet. Einen solchen Mann der Tat zu
+kennzeichnen, gab es kein anderes Mittel, als die Energie des Willens zu
+verdeutlichen, und dies war möglich durch die Veranschaulichung einer
+die scheinbare Ruhe durchdringenden Bewegung, wie sie in der Wendung des
+Kopfes, der Anspannung der Muskeln, der Stellung des linken Beines sich
+äußert. Es sind dieselben Erscheinungen wie bei dem vir activus der
+Medicikapelle Giuliano. Diese allgemeine Charakteristik wird weiter
+vertieft durch die Hervorhebung des Konfliktes, in welchen ein solcher
+die Menschheit gestaltender Genius zu der Allgemeinheit tritt: die
+Affekte des Zornes, der Verachtung, des Schmerzes gelangen zu typischem
+Ausdruck. Ohne diesen war das Wesen eines solchen Übermenschen nicht zu
+verdeutlichen. Nicht ein Historienbild, sondern einen Charaktertypus
+unüberwindlicher Energie, welche die widerstrebende Welt bändigt, hat
+Michelangelo geschaffen, die in der Bibel gegebenen Züge, die eigenen
+inneren Erlebnisse, Eindrücke der Persönlichkeit Julius', und wie ich
+glaube auch solche der Savonarolaschen Kampfestätigkeit gestaltend.«
+
+In die Nähe dieser Ausführungen kann man etwa die Bemerkung von
+_Knackfuß_ rücken: Das Hauptgeheimnis der Wirkung des Moses liege in dem
+künstlerischen Gegensatz zwischen dem inneren Feuer und der äußerlichen
+Ruhe der Haltung.
+
+Ich finde nichts in mir, was sich gegen die Erklärung von _Thode_
+sträuben würde, aber ich vermisse irgend etwas. Vielleicht, daß sich
+ein Bedürfnis äußert nach einer innigeren Beziehung zwischen dem
+Seelenzustand des Helden und dem in seiner Haltung ausgedrückten
+Gegensatz von »scheinbarer Ruhe« und »innerer Bewegtheit«.
+
+
+2.
+
+Lange bevor ich etwas von der Psychoanalyse hören konnte, erfuhr ich,
+daß ein russischer Kunstkenner, Ivan _Lermolieff_, dessen erste Aufsätze
+1874 bis 1876 in deutscher Sprache veröffentlicht wurden, eine Umwälzung
+in den Galerien Europas hervorgerufen hatte, indem er die Zuteilung
+vieler Bilder an die einzelnen Maler revidierte, Kopien von Originalen
+mit Sicherheit unterscheiden lehrte und aus den von ihren früheren
+Bezeichnungen frei gewordenen Werken neue Künstlerindividualitäten
+konstruierte. Er brachte dies zustande, indem er vom Gesamteindruck und
+von den großen Zügen eines Gemäldes absehen hieß und die charakteristische
+Bedeutung von untergeordneten Details hervorhob, von solchen Kleinigkeiten
+wie die Bildung der Fingernägel, der Ohrläppchen, des Heiligenscheines
+und anderer unbeachteter Dinge, die der Kopist nachzuahmen vernachlässigt,
+und die doch jeder Künstler in einer ihn kennzeichnenden Weise ausführt.
+Es hat mich dann sehr interessiert zu erfahren, daß sich hinter dem
+russischen Pseudonym ein italienischer Arzt, namens _Morelli_, verborgen
+hatte. Er ist 1891 als Senator des Königreiches Italien gestorben. Ich
+glaube, sein Verfahren ist mit der Technik der ärztlichen Psychoanalyse
+nahe verwandt. Auch diese ist gewöhnt, aus gering geschätzten oder nicht
+beachteten Zügen, aus dem Abhub -- dem »refuse« -- der Beobachtung,
+Geheimes und Verborgenes zu erraten.
+
+An zwei Stellen der Mosesfigur finden sich nun Details, die bisher nicht
+beachtet, ja eigentlich noch nicht richtig beschrieben worden sind. Sie
+betreffen die Haltung der rechten Hand und die Stellung der beiden Tafeln.
+Man darf sagen, daß diese Hand in sehr eigentümlicher, gezwungener,
+Erklärung heischender Weise zwischen den Tafeln und dem -- Bart des
+zürnenden Helden vermittelt. Es ist gesagt worden, daß sie mit den
+Fingern im Barte wühlt, mit den Strängen desselben spielt, während sie
+sich mit dem Kleinfingerrand auf die Tafeln stützt. Aber dies trifft
+offenbar nicht zu. Es verlohnt sich, sorgfältiger ins Auge zu fassen,
+was die Finger dieser rechten Hand tun, und den mächtigen Bart, zu dem
+sie in Beziehung treten, genau zu beschreiben[9].
+
+ [9] Siehe die Beilage.
+
+Man sieht dann mit aller Deutlichkeit: Der Daumen dieser Hand ist
+versteckt, der Zeigefinger und dieser allein ist mit dem Bart in
+wirksamer Berührung. Er drückt sich so tief in die weichen Haarmassen
+ein, daß sie ober und unter ihm (kopfwärts und bauchwärts vom drückenden
+Finger) über sein Niveau hervorquellen. Die anderen drei Finger stemmen
+sich, in den kleinen Gelenken gebeugt, an die Brustwand, sie werden von
+der äußersten rechten Flechte des Bartes, die über sie hinwegsetzt, bloß
+gestreift. Sie haben sich dem Barte sozusagen entzogen. Man kann also
+nicht sagen, die rechte Hand spiele mit dem Bart oder wühle in ihm;
+nichts anderes ist richtig, als daß der eine Zeigefinger über einen Teil
+des Bartes gelegt ist und eine tiefe Rinne in ihm hervorruft. Mit einem
+Finger auf seinen Bart drücken, ist gewiß eine sonderbare und schwer
+verständliche Geste.
+
+Der viel bewunderte Bart des Moses läuft von Wangen, Oberlippe und Kinn
+in einer Anzahl von Strängen herab, die man noch in ihrem Verlauf
+voneinander unterscheiden kann. Einer der äußersten rechten Haarstränge,
+der von der Wange ausgeht, läuft auf den oberen Rand des lastenden
+Zeigefingers zu, von dem er aufgehalten wird. Wir können annehmen, er
+gleitet zwischen diesem und dem verdeckten Daumen weiter herab. Der ihm
+entsprechende Strang der linken Seite fließt fast ohne Ablenkung bis
+weit auf die Brust herab. Die dicke Haarmasse nach innen von diesem
+letzteren Strang, von ihm bis zur Mittellinie reichend, hat das
+auffälligste Schicksal erfahren. Sie kann der Wendung des Kopfes nach
+links nicht folgen, sie ist genötigt, einen sich weich aufrollenden
+Bogen, ein Stück einer Guirlande, zu bilden, welche die inneren rechten
+Haarmassen überkreuzt. Sie wird nämlich von dem Druck des rechten
+Zeigefingers festgehalten, obwohl sie links von der Mittellinie
+entsprungen ist und eigentlich den Hauptanteil der linken Barthälfte
+darstellt. Der Bart erscheint so in seiner Hauptmasse nach rechts
+geworfen, obwohl der Kopf scharf nach links gewendet ist. An der Stelle,
+wo der rechte Zeigefinger sich eindrückt, hat sich etwas wie ein Wirbel
+von Haaren gebildet; hier liegen Stränge von links über solchen von
+rechts, beide durch den gewalttätigen Finger komprimiert. Erst jenseits
+von dieser Stelle brechen die von ihrer Richtung abgelenkten Haarmassen
+frei hervor, um nun senkrecht herabzulaufen, bis ihre Enden von der im
+Schoß ruhenden, geöffneten linken Hand aufgenommen werden.
+
+Ich gebe mich keiner Täuschung über die Einsichtlichkeit meiner
+Beschreibung hin und getraue mich keines Urteils darüber, ob uns der
+Künstler die Auflösung jenes Knotens im Bart wirklich leicht gemacht
+hat. Aber über diesen Zweifel hinweg bleibt die Tatsache bestehen, daß
+der Druck des Zeigefingers der _rechten_ Hand hauptsächlich Haarstränge
+der _linken_ Barthälfte betrifft, und daß durch diese übergreifende
+Einwirkung der Bart zurückgehalten wird, die Wendung des Kopfes und
+Blickes nach der linken Seite mitzumachen. Nun darf man fragen, was
+diese Anordnung bedeuten soll und welchen Motiven sie ihr Dasein
+verdankt. Wenn es wirklich Rücksichten der Linienführung und
+Raumausfüllung waren, die den Künstler dazu bewogen haben, die
+herabwallende Bartmasse des nach links schauenden Moses nach rechts
+herüber zu streichen, wie sonderbar ungeeignet erscheint als Mittel
+hiefür der Druck des einen Fingers? Und wer, der aus irgendeinem Grund
+seinen Bart auf die andere Seite gedrängt hat, würde dann darauf
+verfallen, durch den Druck eines Fingers die eine Barthälfte über der
+anderen zu fixieren? Vielleicht aber bedeuten diese im Grunde
+geringfügigen Züge nichts und wir zerbrechen uns den Kopf über Dinge,
+die dem Künstler gleichgiltig waren?
+
+Setzen wir unter der Voraussetzung fort, daß auch diese Details eine
+Bedeutung haben. Es gibt dann eine Lösung, welche die Schwierigkeiten
+aufhebt und uns einen neuen Sinn ahnen läßt. Wenn an der Figur des Moses
+die _linken_ Bartstränge unter dem Druck des _rechten_ Zeigefingers
+liegen, so läßt sich dies vielleicht als der Rest einer Beziehung
+zwischen der rechten Hand und der linken Barthälfte verstehen, welche in
+einem früheren Momente als dem dargestellten eine weit innigere war. Die
+rechte Hand hatte vielleicht den Bart weit energischer angefaßt, war bis
+zum linken Rand desselben vorgedrungen, und als sie sich in die Haltung
+zurückzog, welche wir jetzt an der Statue sehen, folgte ihr ein Teil
+des Bartes nach und legt nun Zeugnis ab von der Bewegung, die hier
+abgelaufen ist. Die Bartguirlande wäre die Spur des von dieser Hand
+zurückgelegten Weges.
+
+So hätten wir also eine Rückbewegung der rechten Hand erschlossen. Die
+eine Annahme nötigt uns andere wie unvermeidlich auf. Unsere Phantasie
+vervollständigt den Vorgang, von dem die durch die Bartspur bezeugte
+Bewegung ein Stück ist, und führt uns zwanglos zur Auffassung zurück,
+welche den ruhenden Moses durch den Lärm des Volkes und den Anblick des
+goldenen Kalbes aufschrecken läßt. Er saß ruhig da, den Kopf mit dem
+herabwallenden Bart nach vorne gerichtet, die Hand hatte wahrscheinlich
+nichts mit dem Barte zu tun. Da schlägt das Geräusch an sein Ohr, er
+wendet Kopf und Blick nach der Richtung, aus der die Störung kommt,
+erschaut die Szene und versteht sie. Nun packen ihn Zorn und Empörung,
+er möchte aufspringen, die Frevler bestrafen, vernichten. Die Wut, die
+sich von ihrem Objekt noch entfernt weiß, richtet sich unterdes als
+Geste gegen den eigenen Leib. Die ungeduldige, zur Tat bereite Hand
+greift nach vorne in den Bart, welcher der Wendung des Kopfes gefolgt
+war, preßt ihn mit eisernem Griffe zwischen Daumen und Handfläche mit
+den zusammenschließenden Fingern, eine Geberde von einer Kraft und
+Heftigkeit, die an andere Darstellungen Michelangelos erinnern mag. Dann
+aber tritt, wir wissen noch nicht wie und warum, eine Änderung ein, die
+vorgestreckte, in den Bart versenkte Hand wird eilig zurückgezogen, ihr
+Griff gibt den Bart frei, die Finger lösen sich von ihm, aber so tief
+waren sie in ihn eingegraben, daß sie bei ihrem Rückzug einen mächtigen
+Strang von der linken Seite nach rechts herüberziehen, wo er unter dem
+Druck des einen, längsten und obersten Fingers die rechten Bartflechten
+überlagern muß. Und diese neue Stellung, die nur durch die Ableitung aus
+der ihr vorhergehenden verständlich ist, wird jetzt festgehalten.
+
+Es ist Zeit, uns zu besinnen. Wir haben angenommen, daß die rechte Hand
+zuerst außerhalb des Bartes war, daß sie sich dann in einem Moment hoher
+Affektspannung nach links herüberstreckte, um den Bart zu packen, und
+daß sie endlich wieder zurückfuhr, wobei sie einen Teil des Bartes
+mitnahm. Wir haben mit dieser rechten Hand geschaltet, als ob wir frei
+über sie verfügen dürften. Aber dürfen wir dies? Ist diese Hand denn
+frei? Hat sie nicht die heiligen Tafeln zu halten oder zu tragen, sind
+ihr solche mimische Exkursionen nicht durch ihre wichtige Aufgabe
+untersagt? Und weiter, was soll sie zu der Rückbewegung veranlassen,
+wenn sie einem starken Motiv gefolgt war, um ihre anfängliche Lage zu
+verlassen?
+
+Das sind nun wirklich neue Schwierigkeiten. Allerdings gehört die rechte
+Hand zu den Tafeln. Wir können hier auch nicht in Abrede stellen, daß uns
+ein Motiv fehlt, welches die rechte Hand zu dem erschlossenen Rückzug
+veranlassen könnte. Aber wie wäre es, wenn sich beide Schwierigkeiten
+miteinander lösen ließen und erst dann einen ohne Lücke verständlichen
+Vorgang ergeben würden? Wenn gerade etwas, was an den Tafeln geschieht,
+uns die Bewegungen der Hand aufklärte?
+
+An diesen Tafeln ist einiges zu bemerken, was bisher der Beobachtung
+nicht wert gefunden wurde[10]. Man sagte: Die Hand stützt sich auf die
+Tafeln oder: die Hand stützt die Tafeln. Man sieht auch ohne weiteres
+die beiden rechteckigen, aneinander gelegten Tafeln stehen auf der
+Kante. Schaut man näher zu, so findet man, daß der untere Rand der
+Tafeln anders gebildet ist als der obere, schräg nach vorne geneigte.
+Dieser obere ist geradlinig begrenzt, der untere aber zeigt in seinem
+vorderen Anteil einen Vorsprung wie ein Horn, und gerade mit diesem
+Vorsprung berühren die Tafeln den Steinsitz. Was kann die Bedeutung
+dieses Details sein, welches übrigens an einem großen Gipsabguß in der
+Sammlung der Wiener Akademie der bildenden Künste ganz unrichtig
+wiedergegeben ist? Es ist kaum zweifelhaft, daß dieses Horn den der
+Schrift nach oberen Rand der Tafeln auszeichnen soll. Nur der obere Rand
+solcher rechteckigen Tafeln pflegt abgerundet oder ausgeschweift zu
+sein. Die Tafeln stehen also hier auf dem Kopf. Das ist nun eine
+sonderbare Behandlung so heiliger Gegenstände. Sie sind auf den Kopf
+gestellt und werden fast auf einer Spitze balanciert. Welches formale
+Moment kann bei dieser Gestaltung mitwirken? Oder soll auch dieses
+Detail dem Künstler gleichgiltig gewesen sein?
+
+ [10] Siehe das Detail Figur D.
+
+[Illustration: Fig. D.]
+
+Da stellt sich nun die Auffassung ein, daß auch die Tafeln durch eine
+abgelaufene Bewegung in diese Position gekommen sind, daß diese Bewegung
+abhängig war von der erschlossenen Ortsveränderung der rechten Hand, und
+daß sie dann ihrerseits diese Hand zu ihrer späteren Rückbewegung
+gezwungen hat. Die Vorgänge an der Hand und die an den Tafeln setzen
+sich zu folgender Einheit zusammen: Anfänglich, als die Gestalt in Ruhe
+dasaß, trug sie die Tafeln aufrecht unter dem rechten Arm. Die rechte
+Hand faßte deren untere Ränder und fand dabei eine Stütze an dem nach
+vorn gerichteten Vorsprung. Diese Erleichterung des Tragens erklärt ohne
+weiteres, warum die Tafeln umgekehrt gehalten waren. Dann kam der
+Moment, in dem die Ruhe durch das Geräusch gestört wurde. Moses wendete
+den Kopf hin, und als er die Szene erschaut hatte, machte sich der Fuß
+zum Aufspringen bereit, die Hand ließ ihren Griff an den Tafeln los und
+fuhr nach links und oben in den Bart, wie um ihr Ungestüm am eigenen
+Leibe zu betätigen. Die Tafeln waren nun dem Druck des Armes anvertraut,
+der sie an die Brustwand pressen sollte. Aber diese Fixierung reichte
+nicht aus, sie begannen nach vorn und unten zu gleiten, der früher
+horizontal gehaltene obere Rand richtete sich nach vorn und abwärts, der
+seiner Stütze beraubte untere Rand näherte sich mit seiner vorderen
+Spitze dem Steinsitz. Einen Augenblick weiter und die Tafeln hätten sich
+um den neu gefundenen Stützpunkt drehen müssen, mit dem früher oberen
+Rande zuerst den Boden erreichen und an ihm zerschellen. _Um dies zu
+verhüten_, fährt die rechte Hand zurück, und entläßt den Bart, von dem
+ein Teil ohne Absicht mitgezogen wird, erreicht noch den Rand der Tafeln
+und stützt sie nahe ihrer hinteren, jetzt zur obersten gewordenen Ecke.
+So leitet sich das sonderbar gezwungen scheinende Ensemble von Bart, Hand
+und auf die Spitze gestelltem Tafelpaar aus der einen leidenschaftlichen
+Bewegung der Hand und deren gut begründeten Folgen ab. Will man die
+Spuren des abgelaufenen Bewegungssturmes rückgängig machen, so muß
+man die vordere obere Ecke der Tafeln heben und in die Bildebene
+zurückschieben, damit die vordere untere Ecke (mit dem Vorsprung) vom
+Steinsitz entfernen, die Hand senken und sie unter den nun horizontal
+stehenden unteren Tafelrand führen.
+
+Ich habe mir von Künstlerhand drei Zeichnungen machen lassen, welche
+meine Beschreibung verdeutlichen sollen. Die dritte derselben gibt
+die Statue wieder, wie wir sie sehen; die beiden anderen stellen die
+Vorstadien dar, welche meine Deutung postuliert, die erste das der Ruhe,
+die zweite das der höchsten Spannung, der Bereitschaft zum Aufspringen,
+der Abwendung der Hand von den Tafeln und des beginnenden Herabgleitens
+derselben. Es ist nun bemerkenswert, wie die beiden von meinem Zeichner
+ergänzten Darstellungen die unzutreffenden Beschreibungen früherer
+Autoren zu Ehren bringen. Ein Zeitgenosse _Michelangelos_, _Condivi_,
+sagte: »Moses, der Herzog und Kapitän der Hebräer, sitzt in der Stellung
+eines sinnenden Weisen, _hält unter dem rechten Arm die Gesetzestafeln_
+und stützt mit der linken Hand das Kinn (!), wie Einer, der müde und
+voll von Sorgen.« Das ist nun an der Statue _Michelangelos_ nicht zu
+sehen, aber es deckt sich mit der Annahme, welche der ersten Zeichnung
+zugrunde liegt. W. _Lübke_ hatte wie andere Beobachter geschrieben:
+»Erschüttert greift er mit der Rechten in den herrlich herabflutenden
+Bart ...« Das ist nun unrichtig, wenn man es auf die Abbildung der
+Statue bezieht, trifft aber für unsere zweite Zeichnung zu. _Justi_ und
+_Knapp_ haben, wie erwähnt, gesehen, daß die Tafeln im Herabgleiten sind
+und in der Gefahr schweben, zu zerbrechen. Sie mußten sich von _Thode_
+berichtigen lassen, daß die Tafeln durch die rechte Hand sicher fixiert
+seien, aber sie hätten Recht, wenn sie nicht die Statue, sondern unser
+mittleres Stadium beschreiben würden. Man könnte fast meinen, diese
+Autoren hätten sich von dem Gesichtsbild der Statue frei gemacht und
+hätten unwissentlich eine Analyse der Bewegungsmotive derselben begonnen,
+durch welche sie zu denselben Anforderungen geführt wurden, wie wir sie
+bewußter und ausdrücklicher aufgestellt haben.
+
+[Illustration: Fig. 1.]
+
+[Illustration: Fig. 2.]
+
+[Illustration: Fig. 3.]
+
+
+3.
+
+Wenn ich nicht irre, wird es uns jetzt gestattet sein, die Früchte
+unserer Bemühung zu ernten. Wir haben gehört, wie vielen, die unter
+dem Eindruck der Statue standen, sich die Deutung aufgedrängt hat,
+sie stelle Moses dar unter der Einwirkung des Anblicks, daß sein Volk
+abgefallen sei und um ein Götzenbild tanze. Aber diese Deutung mußte
+aufgegeben werden, denn sie fand ihre Fortsetzung in der Erwartung, er
+werde im nächsten Moment aufspringen, die Tafeln zertrümmern und das
+Werk der Rache vollbringen. Dies widersprach aber der Bestimmung der
+Statue als Teilstück des Grabdenkmals Julius II. neben drei oder fünf
+anderen sitzenden Figuren. Wir dürfen nun diese verlassene Deutung wieder
+aufnehmen, denn unser Moses wird nicht aufspringen und die Tafeln nicht
+von sich schleudern. Was wir an ihm sehen, ist nicht die Einleitung zu
+einer gewaltsamen Aktion, sondern der Rest einer abgelaufenen Bewegung:
+Er wollte es in einem Anfall von Zorn, aufspringen, Rache nehmen, an die
+Tafeln vergessen, aber er hat die Versuchung überwunden, er wird jetzt so
+sitzen bleiben in gebändigter Wut, in mit Verachtung gemischtem Schmerz.
+Er wird auch die Tafeln nicht wegwerfen, daß sie am Stein zerschellen,
+denn gerade ihretwegen hat er seinen Zorn bezwungen, zu ihrer Rettung
+seine Leidenschaft beherrscht. Als er sich seiner leidenschaftlichen
+Empörung überließ, mußte er die Tafeln vernachlässigen, die Hand, die
+sie trug, von ihnen abziehen. Da begannen sie herabzugleiten, gerieten
+in Gefahr zu zerbrechen. Das mahnte ihn. Er gedachte seiner Mission und
+verzichtete für sie auf die Befriedigung seines Affekts. Seine Hand fuhr
+zurück und rettete die sinkenden Tafeln, noch ehe sie fallen konnten. In
+dieser Stellung blieb er verharrend, und so hat ihn _Michelangelo_ als
+Wächter des Grabmals dargestellt.
+
+Eine dreifache Schichtung drückt sich in seiner Figur in vertikaler
+Richtung aus. In den Mienen des Gesichts spiegeln sich die Affekte,
+welche die herrschenden geworden sind, in der Mitte der Figur sind die
+Zeichen der unterdrückten Bewegung sichtbar, der Fuß zeigt noch die
+Stellung der beabsichtigten Aktion, als wäre die Beherrschung von oben
+nach unten vorgeschritten. Der linke Arm, von dem noch nicht die Rede
+war, scheint seinen Anteil an unserer Deutung zu fordern. Seine Hand ist
+mit weicher Gebärde in den Schoß gelegt und umfängt wie liebkosend die
+letzten Enden des herabfallenden Bartes. Es macht den Eindruck, als
+wollte sie die Gewaltsamkeit aufheben, mit der einen Moment vorher die
+andere Hand den Bart mißhandelt hatte.
+
+Nun wird man uns aber entgegenhalten: Das ist also doch nicht der Moses
+der Bibel, der wirklich in Zorn geriet und die Tafeln hinwarf, daß sie
+zerbrachen. Das wäre ein ganz anderer Moses von der Empfindung des
+Künstlers, der sich dabei herausgenommen hätte, den heiligen Text zu
+emendieren und den Charakter des göttlichen Mannes zu verfälschen.
+Dürfen wir _Michelangelo_ diese Freiheit zumuten, die vielleicht nicht
+weit von einem Frevel am Heiligen liegt?
+
+Die Stelle der Heiligen Schrift, in welcher das Benehmen Moses' bei der
+Szene des goldenen Kalbes berichtet wird, lautet folgendermaßen (ich
+bitte um Verzeihung, daß ich mich in anachronistischer Weise der
+Übersetzung _Luthers_ bediene):
+
+(II. B. Kap. 32.) »7. Der Herr sprach aber zu Mose: Gehe, steig hinab;
+denn dein Volk, das du aus Aegyptenland geführt hast, hat's verderbt.
+8. Sie sind schnell von dem Wege getreten, den ich ihnen geboten habe.
+Sie haben sich ein gegossen Kalb gemacht, und haben's angebetet, und
+ihm geopfert, und gesagt: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus
+Aegyptenland geführt haben. 9. Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe,
+daß es ein halsstarrig Volk ist. 10. Und nun laß mich, daß mein Zorn
+über sie ergrimme, und sie vertilge; so will ich dich zum großen Volk
+machen. 11. Mose aber flehte vor dem Herrn, seinem Gott und sprach: Ach,
+Herr, warum will dein Zorn ergrimmen über dein Volk, das du mit großer
+Kraft und starker Hand hast aus Aegyptenland geführt?...
+
+... 14. Also gereuete den Herrn das Übel, das er dräuete seinem Volk zu
+thun. 15. Moses wandte sich, und stieg vom Berge, und hatte zwo Tafeln
+des Zeugnisses in seiner Hand, die waren geschrieben auf beiden Seiten.
+16. Und Gott hatte sie selbst gemacht, und selber die Schrift drein
+gegraben. 17. Da nun Josua hörte des Volkes Geschrei, daß sie jauchzeten,
+sprach er zu Mose: Es ist ein Geschrei im Lager wie im Streit. 18. Er
+antwortete: Es ist nicht ein Geschrei gegeneinander derer die obsiegen
+und unterliegen, sondern ich höre ein Geschrei eines Siegestanzes.
+19. Als er aber nahe zum Lager kam, und das Kalb und den Reigen sah,
+ergrimmte er mit Zorn, und warf die Tafeln aus seiner Hand, und zerbrach
+sie unten am Berge; 20. und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und
+zerschmelzte es mit Feuer, und zermalmte es mit Pulver, und stäubte es
+aufs Wasser, und gab's den Kindern Israels zu trinken; ...
+
+30. Des Morgens sprach Mose zum Volk: Ihr habt eine große Sünde gethan;
+nun will ich hinaufsteigen zu dem Herrn, ob ich vielleicht eure Sünde
+versöhnen möge. 31. Als nun Mose wieder zum Herrn kam, sprach er: Ach,
+das Volk hat eine große Sünde gethan, und haben sich güldene Götter
+gemacht. 32. Nun vergib ihnen ihre Sünde; wo nicht, so tilge mich auch
+aus deinem Buch, das du geschrieben hast. 33. Der Herr sprach zu Mose:
+Was? Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündiget. 34. So
+gehe nun hin und führe das Volk, dahin ich dir gesagt habe. Siehe, mein
+Engel soll vor dir hergehen. Ich werde ihre Sünde wohl heimsuchen, wenn
+meine Zeit kommt heimzusuchen. 35. Also strafte der Herr das Volk, daß
+sie das Kalb hatten gemacht, welches Aaron gemacht hatte.«
+
+Unter dem Einfluß der modernen Bibelkritik wird es uns unmöglich, diese
+Stelle zu lesen, ohne in ihr die Anzeichen ungeschickter Zusammensetzung
+aus mehreren Quellberichten zu finden. In Vers 8 teilt der Herr selbst
+Moses mit, daß das Volk abgefallen sei und sich ein Götzenbild gemacht
+habe. Moses bittet für die Sünder. Doch benimmt er sich in Vers 18 gegen
+Josua, als wüßte er es nicht, und wallt im plötzlichen Zorn auf (Vers 19),
+wie er die Szene des Götzendienstes erblickt. In Vers 14 hat er die
+Verzeihung Gottes für sein sündiges Volk bereits erlangt, doch begibt er
+sich Vers 31 ff. wieder auf den Berg, um diese Verzeihung zu erflehen,
+berichtet dem Herrn von dem Abfall des Volkes und erhält die Versicherung
+des Strafaufschubes. Vers 35 bezieht sich auf eine Bestrafung des Volkes
+durch Gott, von der nichts mitgeteilt wurde, während in den Versen
+zwischen 20 und 30 das Strafgericht, das Moses selbst vollzogen hat,
+geschildert wurde. Es ist bekannt, daß die historischen Partien des
+Buches, welches vom Auszug handelt, von noch auffälligeren Inkongruenzen
+und Widersprüchen durchsetzt sind.
+
+Für die Menschen der Renaissance gab es solche kritische Einstellung
+zum Bibeltexte natürlich nicht, sie mußten den Bericht als einen
+zusammenhängenden auffassen und fanden dann wohl, daß er der
+darstellenden Kunst keine gute Anknüpfung bot. Der Moses der Bibelstelle
+war von dem Götzendienst des Volkes bereits unterrichtet worden, hatte
+sich auf die Seite der Milde und Verzeihung gestellt und erlag dann
+doch einem plötzlichen Wutanfall, als er des goldenen Kalbes und der
+tanzenden Menge ansichtig wurde. Es wäre also nicht zu verwundern,
+wenn der Künstler, der die Reaktion des Helden auf diese schmerzliche
+Überraschung darstellen wollte, sich aus inneren Motiven von dem
+Bibeltext unabhängig gemacht hätte. Auch war solche Abweichung vom
+Wortlaut der heiligen Schrift aus geringeren Motiven keineswegs
+ungewöhnlich oder dem Künstler versagt. Ein berühmtes Gemälde des
+_Parmigiano_ in seiner Vaterstadt zeigt uns den Moses, wie er auf der
+Höhe eines Berges sitzend die Tafeln zu Boden schleudert, obwohl der
+Bibelvers ausdrücklich besagt: er zerbrach sie am Fuße des Berges. Schon
+die Darstellung eines sitzenden Moses findet keinen Anhalt am Bibeltext
+und scheint eher jenen Beurteilern Recht zu geben, welche annahmen, daß
+die Statue _Michelangelos_ kein bestimmtes Moment aus dem Leben des
+Helden festzuhalten beabsichtige.
+
+Wichtiger als die Untreue gegen den heiligen Text ist wohl die
+Umwandlung, die _Michelangelo_ nach unserer Deutung mit dem Charakter
+des Moses vorgenommen hat. Der Mann Moses war nach den Zeugnissen der
+Tradition jähzornig und Aufwallungen von Leidenschaft unterworfen. In
+einem solchen Anfalle von heiligem Zorne hatte er den Egypter erschlagen,
+der einen Israeliten mißhandelte, und mußte deshalb aus dem Lande in die
+Wüste fliehen. In einem ähnlichen Affektausbruch zerschmetterte er die
+beiden Tafeln, die Gott selbst beschrieben hatte. Wenn die Tradition
+solche Charakterzüge berichtet, ist sie wohl tendenzlos und hat den
+Eindruck einer großen Persönlichkeit, die einmal gelebt hat, erhalten.
+Aber _Michelangelo_ hat an das Grabdenkmal des Papstes einen anderen
+Moses hingesetzt, welcher dem historischen oder traditionellen Moses
+überlegen ist. Er hat das Motiv der zerbrochenen Gesetzestafeln
+umgearbeitet, er läßt sie nicht durch den Zorn Moses' zerbrechen,
+sondern diesen Zorn durch die Drohung, daß sie zerbrechen könnten,
+beschwichtigen oder wenigstens auf dem Wege zur Handlung hemmen. Damit
+hat er etwas Neues, Übermenschliches in die Figur des Moses gelegt, und
+die gewaltige Körpermasse und kraftstrotzende Muskulatur der Gestalt
+wird nur zum leiblichen Ausdrucksmittel für die höchste psychische
+Leistung, die einem Menschen möglich ist, für das Niederringen der
+eigenen Leidenschaft zugunsten und im Auftrage einer Bestimmung, der
+man sich geweiht hat.
+
+Hier darf die Deutung der Statue _Michelangelos_ ihr Ende erreichen.
+Man kann noch die Frage aufwerfen, welche Motive in dem Künstler tätig
+waren, als er den Moses, und zwar einen so umgewandelten Moses, für das
+Grabdenkmal des Papstes Julius II. bestimmte. Von vielen Seiten wurde
+übereinstimmend darauf hingewiesen, daß diese Motive in dem Charakter
+des Papstes und im Verhältnis des Künstlers zu ihm zu suchen seien.
+Julius II. war _Michelangelo_ darin verwandt, daß er Großes und
+Gewaltiges zu verwirklichen suchte, vor allem das Große der Dimension.
+Er war ein Mann der Tat, sein Ziel war angebbar, er strebte nach der
+Einigung Italiens unter der Herrschaft des Papsttums. Was erst mehrere
+Jahrhunderte später einem Zusammenwirken von anderen Mächten gelingen
+sollte, das wollte er allein erreichen, ein Einzelner in der kurzen
+Spanne Zeit und Herrschaft, die ihm gegönnt war, ungeduldig mit
+gewalttätigen Mitteln. Er wußte _Michelangelo_ als seinesgleichen zu
+schätzen, aber er ließ ihn oft leiden unter seinem Jähzorn und seiner
+Rücksichtslosigkeit. Der Künstler war sich der gleichen Heftigkeit des
+Strebens bewußt und mag als tiefer blickender Grübler die Erfolglosigkeit
+geahnt haben, zu der sie beide verurteilt waren. So brachte er seinen
+Moses an dem Denkmal des Papstes an, nicht ohne Vorwurf gegen den
+Verstorbenen, zur Mahnung für sich selbst, sich mit dieser Kritik über
+die eigene Natur erhebend.
+
+
+4.
+
+Im Jahre 1863 hat ein Engländer W. _Watkiss Lloyd_ dem Moses von
+_Michelangelo_ ein kleines Büchlein gewidmet[11]. Als es mir gelang,
+dieser Schrift von 46 Seiten habhaft zu werden, nahm ich ihren Inhalt
+mit gemischten Empfindungen zur Kenntnis. Es war eine Gelegenheit,
+wieder an der eigenen Person zu erfahren, was für unwürdige infantile
+Motive zu unserer Arbeit im Dienste einer großen Sache beizutragen
+pflegen. Ich bedauerte, daß _Lloyd_ so vieles vorweg genommen hatte,
+was mir als Ergebnis meiner eigenen Bemühung wertvoll war, und erst in
+zweiter Instanz konnte ich mich über die unerwartete Bestätigung freuen.
+An einem entscheidenden Punkte trennen sich allerdings unsere Wege.
+
+ [11] W. _Watkiss Lloyd_, The Moses of _Michelangelo_. London, Williams
+ and Norgate, 1863.
+
+_Lloyd_ hat zuerst bemerkt, daß die gewöhnlichen Beschreibungen der
+Figur unrichtig sind, daß Moses nicht im Begriffe ist, aufzustehen[12],
+daß die rechte Hand nicht in den Bart greift, daß nur deren Zeigefinger
+noch auf dem Barte ruht[13]. Er hat auch, was weit mehr besagen will,
+eingesehen, daß die dargestellte Haltung der Gestalt nur durch die
+Rückbeziehung auf einen früheren, nicht dargestellten, Moment aufgeklärt
+werden kann, und daß das Herüberziehen der linken Bartstränge nach
+rechts andeuten solle, die rechte Hand und die linke Hälfte des Bartes
+seien vorher in inniger, natürlich vermittelter Beziehung gewesen. Aber
+er schlägt einen anderen Weg ein, um diese mit Notwendigkeit erschlossene
+Nachbarschaft wieder herzustellen, er läßt nicht die Hand in den Bart
+gefahren, sondern den Bart bei der Hand gewesen sein. Er erklärt, man
+müsse sich vorstellen, »der Kopf der Statue sei einen Moment vor der
+plötzlichen Störung voll nach rechts gewendet gewesen über der Hand,
+welche damals wie jetzt die Gesetztafeln hält«. Der Druck auf die
+Hohlhand (durch die Tafeln) läßt deren Finger sich natürlich unter den
+herabwallenden Locken öffnen, und die plötzliche Wendung des Kopfes nach
+der anderen Seite hat zur Folge, daß ein Teil der Haarstränge für einen
+Augenblick von der nicht bewegten Hand zurückgehalten wird und jene
+Haarguirlande bildet, die als Wegspur (»wake«) verstanden werden soll.
+
+ [12] »But he is not rising or preparing to rise; the bust is fully
+ upright, not thrown forward for the alteration of balance preparatory
+ for such a movement; ...« (p. 10).
+
+ [13] »Such a description is altogether erroneous; the fillets of
+ the beard are detained by the right hand, but they are not held,
+ nor grasped, enclosed or taken hold of. They are even detained but
+ momentarily -- momentarily engaged, they are on the point of being
+ free for disengagement.« (p. 11).
+
+Von der anderen Möglichkeit einer früheren Annäherung von rechter Hand
+und linker Barthälfte läßt sich _Lloyd_ durch eine Erwägung zurückhalten,
+welche beweist, wie nahe er an unserer Deutung vorbeigegangen ist. Es
+sei nicht möglich, daß der Prophet, selbst nicht in höchster Erregung,
+die Hand vorgestreckt haben könne, um seinen Bart so beiseite zu ziehen.
+In dem Falle wäre die Haltung der Finger eine ganz andere geworden, und
+überdies hätten infolge dieser Bewegung die Tafeln herabfallen müssen,
+welche nur vom Druck der rechten Hand gehalten werden, es sei denn, man
+mute der Gestalt, um die Tafeln auch dann noch zu erhalten, eine sehr
+ungeschickte Bewegung zu, deren Vorstellung eigentlich eine Entwürdigung
+enthalte. (»Unless clutched by a gesture so awkward, that to imagine it
+is profanation.«)
+
+Es ist leicht zu sehen, worin die Versäumnis des Autors liegt. Er hat
+die Auffälligkeiten des Bartes richtig als Anzeichen einer abgelaufenen
+Bewegung gedeutet, es aber dann unterlassen, denselben Schluß auf die
+nicht weniger gezwungenen Einzelheiten in der Stellung der Tafeln
+anzuwenden. Er verwertet nur die Anzeichen vom Bart, nicht auch die von
+den Tafeln, deren Stellung er als die ursprüngliche hinnimmt. So verlegt
+er sich den Weg zu einer Auffassung wie die unsrige, welche durch die
+Wertung gewisser unscheinbarer Details zu einer überraschenden Deutung
+der ganzen Figur und ihrer Absichten gelangt.
+
+Wie nun aber, wenn wir uns beide auf einem Irrwege befänden? Wenn wir
+Einzelheiten schwer und bedeutungsvoll aufnehmen würden, die dem
+Künstler gleichgiltig waren, die er rein willkürlich oder auf gewisse
+formale Anlässe hin nur eben so gestaltet hätte, wie sie sind, ohne
+etwas Geheimes in sie hineinzulegen? Wenn wir dem Los so vieler
+Interpreten verfallen wären, die deutlich zu sehen glauben, was der
+Künstler weder bewußt noch unbewußt schaffen gewollt hat? Darüber kann
+ich nicht entscheiden. Ich weiß nicht zu sagen, ob es angeht, einem
+Künstler wie _Michelangelo_, in dessen Werken soviel Gedankeninhalt nach
+Ausdruck ringt, eine solche naive Unbestimmtheit zuzutrauen, und ob dies
+gerade für die auffälligen und sonderbaren Züge der Mosesstatue
+annehmbar ist. Endlich darf man noch in aller Schüchternheit hinzufügen,
+daß sich in die Verschuldung dieser Unsicherheit der Künstler mit dem
+Interpreten zu teilen habe. _Michelangelo_ ist oft genug in seinen
+Schöpfungen bis an die äußerste Grenze dessen, was die Kunst ausdrücken
+kann, gegangen; vielleicht ist es ihm auch beim Moses nicht völlig
+geglückt, wenn es seine Absicht war, den Sturm heftiger Erregung aus den
+Anzeichen erraten zu lassen, die nach seinem Ablauf in der Ruhe
+zurückbleiben.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ oft bemerkt, das mich der Inhalt eines Kunstwerkes stärker anzieht als
+ oft bemerkt, daß mich der Inhalt eines Kunstwerkes stärker anzieht als
+
+ in der Quarterly Review 1858: »There is an of absence of meaning in the
+ in der Quarterly Review 1858: »There is an absence of meaning in the
+
+ W. _Lübke_: »Als sehen die blitzenden Augen eben den Frevel der Verehrung
+ W. _Lübke_: »Als sähen die blitzenden Augen eben den Frevel der Verehrung
+
+ voneinander unterscheiden kann. Einer der äußersten rechten Haarsträhne,
+ voneinander unterscheiden kann. Einer der äußersten rechten Haarstränge,
+
+ entsprechende Strang der linken Seite fließt faßt ohne Ablenkung bis
+ entsprechende Strang der linken Seite fließt fast ohne Ablenkung bis
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der Moses des Michelangelo, by Sigmund Freud
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MOSES DES MICHELANGELO ***
+
+***** This file should be named 30762-8.txt or 30762-8.zip *****
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+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
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+electronic works
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+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
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+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
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+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
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+creating derivative works based on this work or any other Project
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+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
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+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
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+
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
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+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
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+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
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+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
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+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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