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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Ein Hungerkünstler + +Author: Franz Kafka + +Release Date: December 12, 2009 [EBook #30655] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HUNGERKÜNSTLER *** + + + + +Produced by Jana Srna + + + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Der Text stammt aus: Die neue Rundschau XXXIII (1922). S. 983-992. + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen. + ] + + + + + EIN HUNGERKÜNSTLER + + Erzählung von + FRANZ KAFKA + + +In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr +zurückgegangen. Während es sich früher gut lohnte, große derartige +Vorführungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute völlig +unmöglich. Es waren andere Zeiten. Damals beschäftigte sich die ganze +Stadt mit dem Hungerkünstler; von Hungertag zu Hungertag stieg die +Teilnahme; jeder wollte den Hungerkünstler zumindest einmal täglich +sehn; an den spätern Tagen gab es Abonnenten, welche tagelang vor dem +kleinen Gitterkäfig saßen; auch in der Nacht fanden Besichtigungen +statt, zur Erhöhung der Wirkung bei Fackelschein; an schönen Tagen wurde +der Käfig ins Freie getragen, und nun waren es besonders die Kinder, +denen der Hungerkünstler gezeigt wurde; während er für die Erwachsenen +oft nur ein Spaß war, an dem sie der Mode halber teilnahmen, sahen die +Kinder staunend, mit offenem Mund, der Sicherheit halber einander bei +der Hand haltend, zu, wie er bleich, im schwarzen Trikot, mit mächtig +vortretenden Rippen, sogar einen Sessel verschmähend, auf hingestreutem +Stroh saß, einmal höflich nickend, angestrengt lächelnd Fragen +beantwortete, auch durch das Gitter den Arm streckte, um seine +Magerkeit befühlen zu lassen, dann aber wieder ganz in sich selbst +versank, um niemanden sich kümmerte, nicht einmal um den für ihn so +wichtigen Schlag der Uhr, die das einzige Möbelstück des Käfigs war, +sondern nur vor sich hinsah mit fast geschlossenen Augen und hie und da +aus einem winzigen Gläschen Wasser nippte, um sich die Lippen zu +feuchten. + +Außer den wechselnden Zuschauern waren auch ständige, vom Publikum +gewählte Wächter da, merkwürdigerweise gewöhnlich Fleischhauer, +welche, immer drei gleichzeitig, die Aufgabe hatten, Tag und Nacht +den Hungerkünstler zu beobachten, damit er nicht etwa auf irgendeine +heimliche Weise doch Nahrung zu sich nehme. Es war das aber lediglich +eine Formalität, eingeführt zur Beruhigung der Massen, denn die +Eingeweihten wußten wohl, daß der Hungerkünstler während der Hungerzeit +niemals, unter keinen Umständen, selbst unter Zwang nicht, auch das +Geringste nur gegessen hätte; die Ehre seiner Kunst verbot dies. +Freilich, nicht jeder Wächter konnte das begreifen, es fanden sich +manchmal nächtliche Wachgruppen, welche die Bewachung sehr lax +durchführten, absichtlich in eine ferne Ecke sich zusammensetzten und +dort sich ins Kartenspiel vertieften, in der offenbaren Absicht, dem +Hungerkünstler eine kleine Erfrischung zu gönnen, die er ihrer Meinung +nach aus irgendwelchen geheimen Vorräten hervorholen konnte. Nichts +war dem Hungerkünstler quälender als solche Wächter; sie machten ihn +trübselig; sie machten ihm das Hungern entsetzlich schwer; manchmal +überwand er seine Schwäche und sang während dieser Wachzeit, solange +er es nur aushielt, um den Leuten zu zeigen, wie ungerecht sie ihn +verdächtigten. Doch half das wenig; sie wunderten sich dann nur über +seine Geschicklichkeit, selbst während des Singens zu essen. Viel lieber +waren ihm die Wächter, welche sich eng zum Gitter setzten, mit der +trüben Nachtbeleuchtung des Saales sich nicht begnügten, sondern ihn mit +den elektrischen Taschenlampen bestrahlten, die ihnen der Impresario +zur Verfügung stellte. Das grelle Licht störte ihn gar nicht, schlafen +konnte er ja überhaupt nicht und ein wenig hindämmern konnte er immer, +bei jeder Beleuchtung und zu jeder Stunde, auch im übervollen, lärmenden +Saal. Er war sehr gerne bereit, mit solchen Wächtern die Nacht gänzlich +ohne Schlaf zu verbringen; er war bereit, mit ihnen zu scherzen, ihnen +Geschichten aus seinem Wanderleben zu erzählen, dann wieder ihre +Erzählungen anzuhören, alles nur um sie wachzuhalten, um ihnen immer +wieder zeigen zu können, daß er nichts Eßbares im Käfig hatte und daß +er hungerte, wie keiner von ihnen es könnte. Am glücklichsten aber war +er, wenn dann der Morgen kam, und ihnen auf seine Rechnung ein +überreiches Frühstück gebracht wurde, auf das sie sich warfen mit dem +Appetit gesunder Männer nach einer mühevoll durchwachten Nacht. Es +gab zwar sogar Leute, die in diesem Frühstück eine ungebührliche +Beeinflussung der Wächter sehen wollten, aber das ging doch zu weit, und +wenn man sie fragte, ob etwa sie nur um der Sache willen ohne Frühstück +die Nachtwache übernehmen wollten, verzogen sie sich, aber bei ihren +Verdächtigungen blieben sie dennoch. + +Dieses allerdings gehörte schon zu den vom Hungern überhaupt nicht zu +trennenden Verdächtigungen. Niemand war ja imstande, alle die Tage und +Nächte beim Hungerkünstler ununterbrochen als Wächter zu verbringen, +niemand also konnte aus eigener Anschauung wissen, ob wirklich +ununterbrochen, fehlerlos gehungert worden war; nur der Hungerkünstler +selbst konnte das wissen, nur er also gleichzeitig der von seinem +Hungern vollkommen befriedigte Zuschauer sein. Er aber war wieder aus +einem andern Grunde niemals befriedigt; vielleicht war er gar nicht +vom Hungern so sehr abgemagert, daß manche zu ihrem Bedauern den +Vorführungen fern bleiben mußten, weil sie seinen Anblick nicht +ertrugen, sondern er war nur so abgemagert aus Unzufriedenheit mit sich +selbst. Er allein nämlich wußte, auch kein Eingeweihter sonst wußte das, +wie leicht das Hungern war. Es war die leichteste Sache von der Welt. +Er verschwieg es auch nicht, aber man glaubte ihm nicht, hielt ihn +günstigstenfalls für bescheiden, meist aber für reklamesüchtig oder gar +für einen Schwindler, dem das Hungern allerdings leicht war, weil er es +sich leicht zu machen verstand, und der auch noch die Stirn hatte, es +halb zu gestehn. Das alles mußte er hinnehmen, hatte sich auch im Laufe +der Jahre daran gewöhnt, aber innerlich nagte diese Unbefriedigtheit +immer an ihm, und noch niemals, nach keiner Hungerperiode -- dieses +Zeugnis mußte man ihm ausstellen -- hatte er freiwillig den Käfig +verlassen. Als Höchstzeit für das Hungern hatte der Impresario vierzig +Tage festgesetzt, darüber hinaus ließ er niemals hungern, auch in den +Weltstädten nicht, und zwar aus gutem Grund. Vierzig Tage etwa konnte +man erfahrungsgemäß durch allmählich sich steigernde Reklame das +Interesse einer Stadt immer mehr aufstacheln, dann aber versagte das +Publikum, eine wesentliche Abnahme des Zuspruches war festzustellen; +es bestanden natürlich in dieser Hinsicht kleine Unterschiede zwischen +den Städten und Ländern, als Regel aber galt, daß vierzig Tage die +Höchstzeit war. Dann also am vierzigsten Tage wurde die Tür des mit +Blumen umkränzten Käfigs geöffnet, eine begeisterte Zuschauerschaft +erfüllte das Amphitheater, eine Militärkapelle spielte, zwei Ärzte +betraten den Käfig, um die nötigen Messungen am Hungerkünstler +vorzunehmen, durch ein Megaphon wurden die Resultate dem Saale +verkündet, und schließlich kamen zwei junge Damen, glücklich darüber, +daß gerade sie ausgelost worden waren, und wollten den Hungerkünstler +aus dem Käfig ein paar Stufen hinabführen, wo auf einem kleinen +Tischchen eine sorgfältig ausgewählte Krankenmahlzeit serviert war. Und +in diesem Augenblick wehrte sich der Hungerkünstler immer. Zwar legte +er noch freiwillig seine Knochenarme in die hilfsbereit ausgestreckten +Hände der zu ihm hinabgebeugten Damen, aber aufstehen wollte er nicht. +Warum jetzt gerade nach vierzig Tagen aufhören? Er hätte es noch lange, +unbeschränkt lange ausgehalten; warum gerade jetzt aufhören, wo er im +besten, ja noch nicht einmal im besten Hungern war? Warum wollte man +ihn des Ruhmes berauben, weiter zu hungern, nicht nur der größte +Hungerkünstler aller Zeiten zu werden, der er ja wahrscheinlich schon +war, aber auch noch sich selbst zu übertreffen bis ins Unbegreifliche, +denn für seine Fähigkeit zu hungern fühlte er keine Grenzen. Warum hatte +diese Menge, die ihn so sehr zu bewundern vorgab, so wenig Geduld mit +ihm; wenn er es aushielt, noch weiter zu hungern, warum wollte sie es +nicht aushalten? Auch war er müde, saß gut im Stroh und sollte sich nun +hoch und lang aufrichten und zu dem Essen gehn, das ihm schon allein +in der Vorstellung Übelkeiten verursachte, deren Äußerung er nur mit +Rücksicht auf die Damen mühselig unterdrückte. Und er blickte empor in +die Augen der scheinbar so freundlichen, in Wirklichkeit so grausamen +Damen und schüttelte den auf dem schwachen Halse überschweren Kopf. Aber +dann geschah, was immer geschah. Der Impresario kam, hob stumm -- die +Musik machte das Reden unmöglich -- die Arme über dem Hungerkünstler, +so als lade er den Himmel ein, sich sein Werk hier auf dem Stroh einmal +anzusehn, diesen bedauernswerten Märtyrer, welcher der Hungerkünstler +allerdings war, nur in ganz anderem Sinn; faßte den Hungerkünstler um +die dünne Taille, wobei er durch übertriebene Vorsicht glaubhaft machen +wollte, mit einem wie gebrechlichen Ding er es hier zu tun habe; und +übergab ihn -- nicht ohne ihn im geheimen ein wenig zu schütteln, so daß +der Hungerkünstler mit den Beinen und dem Oberkörper unbeherrscht hin +und her schwankte -- den inzwischen totenbleich gewordenen Damen. Nun +duldete der Hungerkünstler alles; der Kopf lag auf der Brust, es war, +als sei er hingerollt und halte sich dort unerklärlich; der Leib war +ausgehöhlt; die Beine drückten sich im Selbsterhaltungstrieb fest in den +Knien aneinander, scharrten aber doch den Boden, so als sei es nicht der +wirkliche, den wirklichen suchten sie erst; und die ganze, allerdings +sehr kleine Last des Körpers lag auf einer der Damen, welche +hilfesuchend, mit fliegendem Atem -- so hatte sie sich dieses Ehrenamt +nicht vorgestellt -- zuerst den Hals möglichst streckte, um wenigstens +das Gesicht vor der Berührung mit dem Hungerkünstler zu bewahren, dann +aber, da ihr dies nicht gelang und ihre glücklichere Gefährtin ihr nicht +zu Hilfe kam, sondern sich damit begnügte, zitternd die Hand des +Hungerkünstlers, dieses kleine Knochenbündel, vor sich herzutragen, +unter dem entzückten Gelächter des Saales in Weinen ausbrach und von +einem längst bereitgestellten Diener abgelöst werden mußte. Dann kam +das Essen, von dem der Impresario dem Hungerkünstler während eines +ohnmachtähnlichen Halbschlafes ein wenig einflößte, unter lustigem +Plaudern, das die Aufmerksamkeit vom Zustand des Hungerkünstlers +ablenken sollte; dann wurde noch ein Trinkspruch auf das Publikum +ausgebracht, welcher dem Impresario angeblich vom Hungerkünstler +zugeflüstert worden war; das Orchester bekräftigte alles durch einen +großen Tusch; man ging auseinander und niemand hatte das Recht, mit dem +Gesehenen unzufrieden zu sein, niemand, nur der Hungerkünstler, immer +nur er. + + * * * * * + +So lebte er mit regelmäßigen kleinen Ruhepausen viele Jahre, in +scheinbarem Glanz, von der Welt geehrt, bei alledem aber meist in trüber +Laune, die immer noch trüber wurde dadurch, daß niemand sie ernst zu +nehmen verstand. Womit sollte man ihn auch trösten? Was blieb ihm zu +wünschen übrig? Und wenn sich einmal ein Gutmütiger fand, der ihn +bedauerte und ihm erklären wollte, daß seine Traurigkeit wahrscheinlich +von dem Hungern käme, konnte es, besonders bei vorgeschrittener +Hungerzeit, geschehn, daß der Hungerkünstler mit einem Wutausbruch +antwortete und zum Schrecken aller wie ein Tier an dem Gitter zu rütteln +begann. Doch hatte für solche Zustände der Impresario ein Strafmittel, +das er gern anwandte. Er entschuldigte den Hungerkünstler vor +versammeltem Publikum, gab zu, daß nur die durch das Hungern +hervorgerufene, für satte Menschen nicht ohne weiteres begreifliche +Reizbarkeit das Benehmen des Hungerkünstlers verzeihlich machen könne; +kam dann im Zusammenhang damit auch auf die ebenso zu erklärende +Behauptung des Hungerkünstlers zu sprechen, er könnte noch viel länger +hungern, als er hungere; lobte das hohe Streben, den guten Willen, die +große Selbstverleugnung, die gewiß auch in dieser Behauptung enthalten +seien; suchte dann aber die Behauptung einfach genug durch Vorzeigen von +Photographien, die gleichzeitig verkauft wurden, zu widerlegen, denn auf +den Bildern sah man den Hungerkünstler an einem vierzigsten Hungertag, +im Bett, fast verlöscht vor Entkräftung. Diese dem Hungerkünstler zwar +wohlbekannte, immer aber von neuem ihn entnervende Verdrehung der +Wahrheit war ihm zuviel. Was die Folge der vorzeitigen Beendigung +des Hungerns war, stellte man hier als die Ursache dar! Gegen diesen +Unverstand, gegen diese Welt des Unverstandes zu kämpfen, war unmöglich. +Noch hatte er immer wieder in gutem Glauben begierig am Gitter dem +Impresario zugehört, beim Erscheinen der Photographien aber ließ er +das Gitter jedesmal los, sank mit Seufzen ins Stroh zurück, und das +beruhigte Publikum konnte wieder herankommen und ihn besichtigen. + +Wenn die Zeugen solcher Szenen ein paar Jahre später daran +zurückdachten, wurden sie sich oft selbst unverständlich. Denn +inzwischen war jener erwähnte Umschwung eingetreten; fast plötzlich +war das geschehen; es mochte tiefere Gründe haben, aber wem lag +daran, sie aufzufinden; jedenfalls sah sich eines Tages der verwöhnte +Hungerkünstler von der vergnügungssüchtigen Menge verlassen, die lieber +zu anderen Schaustellungen strömte. Noch einmal jagte der Impresario mit +ihm durch halb Europa, um zu sehn, ob sich nicht noch hie und da das +alte Interesse wiederfände; alles vergeblich; wie in einem geheimen +Einverständnis hatte sich überall geradezu eine Abneigung gegen das +Schauhungern ausgebildet. Natürlich hatte das in Wirklichkeit nicht +plötzlich so kommen können, und man erinnerte sich jetzt nachträglich +an manche zu ihrer Zeit im Rausch der Erfolge nicht genügend beachtete, +nicht genügend unterdrückte Vorboten, aber jetzt etwas dagegen zu +unternehmen, war zu spät. Zwar war es sicher, daß einmal auch für das +Hungern wieder die Zeit kommen werde, aber für die Lebenden war das kein +Trost. Was sollte nun der Hungerkünstler tun? Der, welchen Tausende +umjubelt hatten, konnte sich nicht in Schaubuden auf kleinen Jahrmärkten +zeigen, und um einen andern Beruf zu ergreifen, war der Hungerkünstler +nicht nur zu alt, sondern vor allem dem Hungern allzu fanatisch ergeben. +So verabschiedete er denn den Impresario, den Genossen einer Laufbahn +ohnegleichen, und ließ sich von einem großen Zirkus schnell engagieren; +um seine Empfindlichkeit zu schonen, sah er die Vertragsbedingungen gar +nicht an. + +Ein großer Zirkus mit seiner Unzahl von einander immer wieder +ausgleichenden und ergänzenden Menschen und Tieren und Apparaten kann +jeden und zu jeder Zeit gebrauchen, auch einen Hungerkünstler, bei +entsprechend bescheidenen Ansprüchen natürlich, und außerdem war es +ja in diesem besonderen Fall nicht nur der Hungerkünstler selbst, der +engagiert wurde, sondern auch sein alter berühmter Name, ja man konnte +bei der Eigenart dieser im zunehmenden Alter nicht abnehmenden Kunst +nicht einmal sagen, daß ein ausgedienter, nicht mehr auf der Höhe seines +Könnens stehender Künstler sich in einen ruhigen Zirkusposten flüchten +wolle, im Gegenteil, der Hungerkünstler versicherte, daß er, was +durchaus glaubwürdig war, eben so gut hungere wie früher, ja er +behauptete sogar, er werde, wenn man ihm seinen Willen lasse, und dies +versprach man ihm ohne weiteres, eigentlich erst jetzt die Welt in +berechtigtes Erstaunen setzen, eine Behauptung allerdings, die mit +Rücksicht auf die Zeitstimmung, welche der Hungerkünstler im Eifer +leicht vergaß bei den Fachleuten nur ein Lächeln hervorrief. + +Im Grunde aber verlor auch der Hungerkünstler den Blick für die +wirklichen Verhältnisse nicht und nahm es als selbstverständlich hin, +daß man ihn mit seinem Käfig nicht etwa als Glanznummer mitten in +die Manege stellte, sondern draußen an einem im übrigen recht gut +zugänglichen Ort in der Nähe der Stallungen unterbrachte. Große, bunt +gemalte Aufschriften umrahmten den Käfig und verkündeten, was dort +zu sehen war. Wenn das Publikum in den Pausen der Vorstellung zu den +Ställen drängte, um die Tiere zu besichtigen, war es fast unvermeidlich, +daß es beim Hungerkünstler vorüberkam und ein wenig dort haltmachte, man +wäre vielleicht länger bei ihm geblieben, wenn nicht in dem schmalen +Gang die Nachdrängenden, welche diesen Aufenthalt auf dem Weg zu den +ersehnten Ställen nicht verstanden, eine längere ruhige Betrachtung +unmöglich gemacht hätten. Dieses war auch der Grund, warum der +Hungerkünstler vor diesen Besuchszeiten, die er als seinen Lebenszweck +natürlich herbeiwünschte, doch auch wieder zitterte. In der ersten Zeit +hatte er die Vorstellungspausen kaum erwarten können; entzückt hatte er +der sich heranwälzenden Menge entgegengesehn, bis er sich nur zu bald +-- auch die hartnäckigste, fast bewußte Selbsttäuschung hielt den +Erfahrungen nicht stand -- davon überzeugte, daß es zumeist der Absicht +nach, immer wieder, ausnahmslos, lauter Stallbesucher waren. Und dieser +Anblick von der Ferne blieb noch immer der schönste. Denn wenn sie bis +zu ihm herangekommen waren, umtobte ihn sofort Geschrei und Schimpfen +der ununterbrochen neu sich bildenden Parteien, jener, welche -- sie +wurde dem Hungerkünstler bald die peinlichere -- ihn bequem ansehen +wollte, nicht etwa aus Verständnis, sondern aus Laune und Trotz, und +jener zweiten, die zunächst nur nach den Ställen verlangte. War der +große Haufe vorüber, dann kamen die Nachzügler, und diese allerdings, +denen es nicht mehr verwehrt war, stehen zu bleiben, solange sie nur +Lust hatten, eilten mit langen Schritten, fast ohne Seitenblick, +vorüber, um rechtzeitig zu den Tieren zu kommen. Und es war kein allzu +häufiger Glücksfall, daß ein Familienvater mit seinen Kindern kam, mit +dem Finger auf den Hungerkünstler zeigte, ausführlich erklärte, um +was es sich hier handelte, von früheren Jahren erzählte, wo er bei +ähnlichen, aber unvergleichlich großartigeren Vorführungen gewesen war, +und dann die Kinder, wegen ihrer ungenügenden Vorbereitung von Schule +und Leben her, zwar immer noch verständnislos blieben -- was war ihnen +Hungern? -- aber doch in dem Glanz ihrer forschenden Augen etwas von +neuen, kommenden, gnädigeren Zeiten verrieten. Vielleicht, so sagte sich +der Hungerkünstler dann manchmal, würde alles doch ein wenig besser +werden, wenn sein Standort nicht gar so nahe bei den Ställen wäre. Den +Leuten wurde dadurch die Wahl zu leicht gemacht, nicht zu reden davon, +daß ihn die Ausdünstungen der Ställe, die Unruhe der Tiere in der Nacht, +das Vorübertragen der rohen Fleischstücke für die Raubtiere, die Schreie +bei der Fütterung sehr verletzten und dauernd bedrückten. Aber bei der +Direktion vorstellig zu werden, wagte er nicht; immerhin verdankte er +ja den Tieren die Menge der Besucher, unter denen sich hie und da auch +ein für ihn Bestimmter finden konnte, und wer wußte, wohin man ihn +verstecken würde, wenn er an seine Existenz erinnern wollte und damit +auch daran, daß er, genau genommen, nur ein Hindernis auf dem Weg zu den +Ställen war. + +Ein kleines Hindernis allerdings, ein immer kleiner werdendes Hindernis. +Man gewöhnte sich an die Sonderbarkeit, in den heutigen Zeiten +Aufmerksamkeit für einen Hungerkünstler beanspruchen zu wollen, und mit +dieser Gewöhnung war das Urteil über ihn gesprochen. Er mochte so gut +hungern, als er nur konnte, und er tat es, aber nichts konnte ihn mehr +retten, man ging an ihm vorüber. Versuche, jemandem die Hungerkunst zu +erklären! Wer es nicht fühlt, dem kann man es nicht begreiflich machen. +Die schönen Aufschriften wurden schmutzig und unleserlich, man riß sie +herunter, niemandem fiel es ein, sie zu ersetzen; das Täfelchen mit der +Ziffer der abgeleisteten Hungertage, das in der ersten Zeit sorgfältig +täglich erneut worden war, blieb schon längst immer das gleiche, denn +nach den ersten Wochen war das Personal selbst dieser kleinen Arbeit +überdrüssig geworden; und so hungerte zwar der Hungerkünstler weiter, +wie er es früher einmal erträumt hatte, und es gelang ihm ohne Mühe ganz +so, wie er es damals vorausgesagt hatte, aber niemand zählte die Tage, +niemand, nicht einmal der Hungerkünstler selbst wußte, wie groß die +Leistung schon war, und sein Herz wurde schwer. Und wenn einmal in der +Zeit ein Müßiggänger stehen blieb, sich über die alte Ziffer lustig +machte und von Schwindel sprach, so war das in diesem Sinn die dümmste +Lüge, welche Gleichgültigkeit und eingeborene Bösartigkeit erfinden +konnte, denn nicht der Hungerkünstler betrog, er arbeitete ehrlich, aber +die Welt betrog ihn um seinen Lohn. + + * * * * * + +Doch vergingen wieder viele Tage, und auch das nahm ein Ende. Einmal +fiel einem Aufseher der Käfig auf, und er fragte die Diener, warum man +hier diesen gut brauchbaren Käfig mit dem verfaulten Stroh drinnen +unbenützt stehen lasse; niemand wußte es, bis sich einer mit Hilfe der +Ziffertafel an den Hungerkünstler erinnerte. Man rührte mit Stangen das +Stroh auf und fand den Hungerkünstler darin. »Du hungerst noch immer?« +fragte der Aufseher, »wann wirst du denn endlich aufhören?« »Verzeiht +mir alle«, flüsterte der Hungerkünstler; nur der Aufseher, der das Ohr +ans Gitter hielt, verstand ihn. »Gewiß,« sagte der Aufseher und legte +den Finger an die Stirn, um damit den Zustand des Hungerkünstlers dem +Personal anzudeuten, »wir verzeihen dir.« »Immerfort wollte ich, daß ihr +mein Hungern bewundert«, sagte der Hungerkünstler. »Wir bewundern es +auch«, sagte der Aufseher entgegenkommend. »Ihr sollt es aber nicht +bewundern«, sagte der Hungerkünstler. »Nun, dann bewundern wir es also +nicht,« sagte der Aufseher, »warum sollen wir es denn nicht bewundern?« +»Weil ich hungern muß, ich kann nicht anders«, sagte der Hungerkünstler. +»Da sieh mal einer,« sagte der Aufseher, »warum kannst du denn nicht +anders?« »Weil ich,« sagte der Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein +wenig und sprach mit wie zum Kuß gespitzten Lippen gerade in das Ohr +des Aufsehers hinein, damit nichts verloren ginge, »weil ich nicht die +Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich sie gefunden, glaube +mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und +alle.« Das waren die letzten Worte, aber noch in seinen gebrochenen +Augen war die feste, wenn auch nicht mehr stolze Überzeugung, daß er +weiterhungre. + +»Nun macht aber Ordnung!«, sagte der Aufseher, und man begrub den +Hungerkünstler samt dem Stroh. In den Käfig aber gab man einen jungen +Panther. Es war eine selbst dem stumpfsten Sinn fühlbare Erholung, in +dem so lange öden Käfig dieses wilde Tier sich herumwerfen zu sehn. Ihm +fehlte nichts. Die Nahrung, die ihm schmeckte, brachten ihm ohne langes +Nachdenken die Wächter; nicht einmal die Freiheit schien er zu vermissen; +dieser edle, mit allem Nötigen bis knapp zum Zerreißen ausgestattete +Körper schien auch die Freiheit mit sich herumzutragen; irgendwo im +Gebiß schien sie zu stecken; und die Freude am Leben kam mit derart +starker Glut aus seinem Rachen, daß es für die Zuschauer nicht leicht +war, ihr standzuhalten. Aber sie überwanden sich, umdrängten den Käfig +und wollten sich gar nicht fortrühren. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Ein Hungerkünstler, by Franz Kafka + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HUNGERKÜNSTLER *** + +***** This file should be named 30655-8.txt or 30655-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/0/6/5/30655/ + +Produced by Jana Srna + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Ein Hungerkünstler + +Author: Franz Kafka + +Release Date: December 12, 2009 [EBook #30655] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HUNGERKÜNSTLER *** + + + + +Produced by Jana Srna + + + + + +</pre> + + +<div id="tnote"> +<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> +<p>Der Text stammt aus: <cite>Die neue Rundschau XXXIII</cite> (1922). +S. 983–992.</p> +<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden +übernommen.</p> +</div> + +<div><span class="pagenum"><a name="Page_983">983</a></span></div> +<h1>EIN HUNGERKÜNSTLER</h1> + +<p class="center" style="line-height: 1.5em; margin-bottom: 1.5em;">Erzählung von<br/> +FRANZ KAFKA</p> + + +<p class="drop-cap">In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Hungerkünstlern sehr +zurückgegangen. Während es sich früher gut lohnte, große derartige +Vorführungen in eigener Regie zu veranstalten, ist dies heute +völlig unmöglich. Es waren andere Zeiten. Damals beschäftigte sich +die ganze Stadt mit dem Hungerkünstler; von Hungertag zu Hungertag +stieg die Teilnahme; jeder wollte den Hungerkünstler zumindest +einmal täglich sehn; an den spätern Tagen gab es Abonnenten, welche +tagelang vor dem kleinen Gitterkäfig saßen; auch in der Nacht fanden +Besichtigungen statt, zur Erhöhung der Wirkung bei Fackelschein; an +schönen Tagen wurde der Käfig ins Freie getragen, und nun waren +es besonders die Kinder, denen der Hungerkünstler gezeigt wurde; +während er für die Erwachsenen oft nur ein Spaß war, an dem sie +der Mode halber teilnahmen, sahen die Kinder staunend, mit offenem +Mund, der Sicherheit halber einander bei der Hand haltend, zu, wie +er bleich, im schwarzen Trikot, mit mächtig vortretenden Rippen, +sogar einen Sessel verschmähend, auf hingestreutem Stroh saß, einmal +höflich nickend, angestrengt lächelnd Fragen beantwortete, auch durch +<span class="pagenum"><a name="Page_984">984</a></span>das Gitter den Arm streckte, um seine Magerkeit befühlen zu lassen, +dann aber wieder ganz in sich selbst versank, um niemanden sich kümmerte, +nicht einmal um den für ihn so wichtigen Schlag der Uhr, die das +einzige Möbelstück des Käfigs war, sondern nur vor sich hinsah mit +fast geschlossenen Augen und hie und da aus einem winzigen Gläschen +Wasser nippte, um sich die Lippen zu feuchten.</p> + +<p>Außer den wechselnden Zuschauern waren auch ständige, vom +Publikum gewählte Wächter da, merkwürdigerweise gewöhnlich +Fleischhauer, welche, immer drei gleichzeitig, die Aufgabe hatten, +Tag und Nacht den Hungerkünstler zu beobachten, damit er nicht +etwa auf irgendeine heimliche Weise doch Nahrung zu sich nehme. +Es war das aber lediglich eine Formalität, eingeführt zur Beruhigung +der Massen, denn die Eingeweihten wußten wohl, daß der Hungerkünstler +während der Hungerzeit niemals, unter keinen Umständen, +selbst unter Zwang nicht, auch das Geringste nur gegessen hätte; +die Ehre seiner Kunst verbot dies. Freilich, nicht jeder Wächter +konnte das begreifen, es fanden sich manchmal nächtliche Wachgruppen, +welche die Bewachung sehr lax durchführten, absichtlich in +eine ferne Ecke sich zusammensetzten und dort sich ins Kartenspiel +vertieften, in der offenbaren Absicht, dem Hungerkünstler eine kleine +Erfrischung zu gönnen, die er ihrer Meinung nach aus irgendwelchen +geheimen Vorräten hervorholen konnte. Nichts war dem Hungerkünstler +quälender als solche Wächter; sie machten ihn trübselig; sie +machten ihm das Hungern entsetzlich schwer; manchmal überwand +er seine Schwäche und sang während dieser Wachzeit, solange er es +nur aushielt, um den Leuten zu zeigen, wie ungerecht sie ihn verdächtigten. +Doch half das wenig; sie wunderten sich dann nur über +seine Geschicklichkeit, selbst während des Singens zu essen. Viel +lieber waren ihm die Wächter, welche sich eng zum Gitter setzten, +mit der trüben Nachtbeleuchtung des Saales sich nicht begnügten, +sondern ihn mit den elektrischen Taschenlampen bestrahlten, die ihnen +der Impresario zur Verfügung stellte. Das grelle Licht störte ihn gar +nicht, schlafen konnte er ja überhaupt nicht und ein wenig hindämmern +konnte er immer, bei jeder Beleuchtung und zu jeder Stunde, auch +im übervollen, lärmenden Saal. Er war sehr gerne bereit, mit solchen +Wächtern die Nacht gänzlich ohne Schlaf zu verbringen; er war bereit, +mit ihnen zu scherzen, ihnen Geschichten aus seinem Wanderleben +zu erzählen, dann wieder ihre Erzählungen anzuhören, alles nur +um sie wachzuhalten, um ihnen immer wieder zeigen zu können, daß +<span class="pagenum"><a name="Page_985">985</a></span>er nichts Eßbares im Käfig hatte und daß er hungerte, wie keiner +von ihnen es könnte. Am glücklichsten aber war er, wenn dann der +Morgen kam, und ihnen auf seine Rechnung ein überreiches Frühstück +gebracht wurde, auf das sie sich warfen mit dem Appetit gesunder +Männer nach einer mühevoll durchwachten Nacht. Es gab +zwar sogar Leute, die in diesem Frühstück eine ungebührliche Beeinflussung +der Wächter sehen wollten, aber das ging doch zu weit, +und wenn man sie fragte, ob etwa sie nur um der Sache willen +ohne Frühstück die Nachtwache übernehmen wollten, verzogen sie +sich, aber bei ihren Verdächtigungen blieben sie dennoch.</p> + +<p>Dieses allerdings gehörte schon zu den vom Hungern überhaupt +nicht zu trennenden Verdächtigungen. Niemand war ja imstande, +alle die Tage und Nächte beim Hungerkünstler ununterbrochen als +Wächter zu verbringen, niemand also konnte aus eigener Anschauung +wissen, ob wirklich ununterbrochen, fehlerlos gehungert worden war; +nur der Hungerkünstler selbst konnte das wissen, nur er also gleichzeitig +der von seinem Hungern vollkommen befriedigte Zuschauer +sein. Er aber war wieder aus einem andern Grunde niemals befriedigt; +vielleicht war er gar nicht vom Hungern so sehr abgemagert, daß +manche zu ihrem Bedauern den Vorführungen fern bleiben mußten, +weil sie seinen Anblick nicht ertrugen, sondern er war nur so abgemagert +aus Unzufriedenheit mit sich selbst. Er allein nämlich +wußte, auch kein Eingeweihter sonst wußte das, wie leicht das +Hungern war. Es war die leichteste Sache von der Welt. Er verschwieg +es auch nicht, aber man glaubte ihm nicht, hielt ihn +günstigstenfalls für bescheiden, meist aber für reklamesüchtig oder gar +für einen Schwindler, dem das Hungern allerdings leicht war, weil +er es sich leicht zu machen verstand, und der auch noch die Stirn +hatte, es halb zu gestehn. Das alles mußte er hinnehmen, hatte sich +auch im Laufe der Jahre daran gewöhnt, aber innerlich nagte diese +Unbefriedigtheit immer an ihm, und noch niemals, nach keiner +Hungerperiode – dieses Zeugnis mußte man ihm ausstellen – hatte er +freiwillig den Käfig verlassen. Als Höchstzeit für das Hungern hatte +der Impresario vierzig Tage festgesetzt, darüber hinaus ließ er niemals +hungern, auch in den Weltstädten nicht, und zwar aus gutem Grund. +Vierzig Tage etwa konnte man erfahrungsgemäß durch allmählich sich +steigernde Reklame das Interesse einer Stadt immer mehr aufstacheln, +dann aber versagte das Publikum, eine wesentliche Abnahme des Zuspruches +war festzustellen; es bestanden natürlich in dieser Hinsicht +<span class="pagenum"><a name="Page_986">986</a></span>kleine Unterschiede zwischen den Städten und Ländern, als Regel +aber galt, daß vierzig Tage die Höchstzeit war. Dann also am vierzigsten +Tage wurde die Tür des mit Blumen umkränzten Käfigs geöffnet, +eine begeisterte Zuschauerschaft erfüllte das Amphitheater, +eine Militärkapelle spielte, zwei Ärzte betraten den Käfig, um die +nötigen Messungen am Hungerkünstler vorzunehmen, durch ein Megaphon +wurden die Resultate dem Saale verkündet, und schließlich kamen +zwei junge Damen, glücklich darüber, daß gerade sie ausgelost worden +waren, und wollten den Hungerkünstler aus dem Käfig ein paar Stufen +hinabführen, wo auf einem kleinen Tischchen eine sorgfältig ausgewählte +Krankenmahlzeit serviert war. Und in diesem Augenblick +wehrte sich der Hungerkünstler immer. Zwar legte er noch freiwillig +seine Knochenarme in die hilfsbereit ausgestreckten Hände der +zu ihm hinabgebeugten Damen, aber aufstehen wollte er nicht. Warum +jetzt gerade nach vierzig Tagen aufhören? Er hätte es noch lange, +unbeschränkt lange ausgehalten; warum gerade jetzt aufhören, wo er +im besten, ja noch nicht einmal im besten Hungern war? Warum +wollte man ihn des Ruhmes berauben, weiter zu hungern, nicht nur +der größte Hungerkünstler aller Zeiten zu werden, der er ja wahrscheinlich +schon war, aber auch noch sich selbst zu übertreffen bis +ins Unbegreifliche, denn für seine Fähigkeit zu hungern fühlte er +keine Grenzen. Warum hatte diese Menge, die ihn so sehr zu bewundern +vorgab, so wenig Geduld mit ihm; wenn er es aushielt, +noch weiter zu hungern, warum wollte sie es nicht aushalten? Auch +war er müde, saß gut im Stroh und sollte sich nun hoch und lang +aufrichten und zu dem Essen gehn, das ihm schon allein in der Vorstellung +Übelkeiten verursachte, deren Äußerung er nur mit Rücksicht +auf die Damen mühselig unterdrückte. Und er blickte empor in die +Augen der scheinbar so freundlichen, in Wirklichkeit so grausamen +Damen und schüttelte den auf dem schwachen Halse überschweren +Kopf. Aber dann geschah, was immer geschah. Der Impresario kam, +hob stumm – die Musik machte das Reden unmöglich – die Arme +über dem Hungerkünstler, so als lade er den Himmel ein, sich sein +Werk hier auf dem Stroh einmal anzusehn, diesen bedauernswerten +Märtyrer, welcher der Hungerkünstler allerdings war, nur in ganz +anderem Sinn; faßte den Hungerkünstler um die dünne Taille, wobei +er durch übertriebene Vorsicht glaubhaft machen wollte, mit einem +wie gebrechlichen Ding er es hier zu tun habe; und übergab ihn +– nicht ohne ihn im geheimen ein wenig zu schütteln, so daß der +<span class="pagenum"><a name="Page_987">987</a></span>Hungerkünstler mit den Beinen und dem Oberkörper unbeherrscht +hin und her schwankte – den inzwischen totenbleich gewordenen +Damen. Nun duldete der Hungerkünstler alles; der Kopf lag auf der +Brust, es war, als sei er hingerollt und halte sich dort unerklärlich; +der Leib war ausgehöhlt; die Beine drückten sich im Selbsterhaltungstrieb +fest in den Knien aneinander, scharrten aber doch den Boden, +so als sei es nicht der wirkliche, den wirklichen suchten sie erst; +und die ganze, allerdings sehr kleine Last des Körpers lag auf einer +der Damen, welche hilfesuchend, mit fliegendem Atem – so hatte sie +sich dieses Ehrenamt nicht vorgestellt – zuerst den Hals möglichst +streckte, um wenigstens das Gesicht vor der Berührung mit dem +Hungerkünstler zu bewahren, dann aber, da ihr dies nicht gelang und +ihre glücklichere Gefährtin ihr nicht zu Hilfe kam, sondern sich damit +begnügte, zitternd die Hand des Hungerkünstlers, dieses kleine +Knochenbündel, vor sich herzutragen, unter dem entzückten Gelächter +des Saales in Weinen ausbrach und von einem längst bereitgestellten +Diener abgelöst werden mußte. Dann kam das Essen, von dem der +Impresario dem Hungerkünstler während eines ohnmachtähnlichen +Halbschlafes ein wenig einflößte, unter lustigem Plaudern, das die +Aufmerksamkeit vom Zustand des Hungerkünstlers ablenken sollte; +dann wurde noch ein Trinkspruch auf das Publikum ausgebracht, +welcher dem Impresario angeblich vom Hungerkünstler zugeflüstert +worden war; das Orchester bekräftigte alles durch einen großen +Tusch; man ging auseinander und niemand hatte das Recht, mit dem +Gesehenen unzufrieden zu sein, niemand, nur der Hungerkünstler, +immer nur er.</p> + +<hr/> + +<p class="large-cap">So lebte er mit regelmäßigen kleinen Ruhepausen viele Jahre, in +scheinbarem Glanz, von der Welt geehrt, bei alledem aber meist in +trüber Laune, die immer noch trüber wurde dadurch, daß niemand +sie ernst zu nehmen verstand. Womit sollte man ihn auch trösten? Was +blieb ihm zu wünschen übrig? Und wenn sich einmal ein Gutmütiger +fand, der ihn bedauerte und ihm erklären wollte, daß seine Traurigkeit +wahrscheinlich von dem Hungern käme, konnte es, besonders +bei vorgeschrittener Hungerzeit, geschehn, daß der Hungerkünstler +mit einem Wutausbruch antwortete und zum Schrecken aller wie ein +Tier an dem Gitter zu rütteln begann. Doch hatte für solche Zustände +der Impresario ein Strafmittel, das er gern anwandte. Er entschuldigte +den Hungerkünstler vor versammeltem Publikum, gab zu, +<span class="pagenum"><a name="Page_988">988</a></span>daß nur die durch das Hungern hervorgerufene, für satte Menschen +nicht ohne weiteres begreifliche Reizbarkeit das Benehmen des Hungerkünstlers +verzeihlich machen könne; kam dann im Zusammenhang +damit auch auf die ebenso zu erklärende Behauptung des Hungerkünstlers +zu sprechen, er könnte noch viel länger hungern, als er +hungere; lobte das hohe Streben, den guten Willen, die große Selbstverleugnung, +die gewiß auch in dieser Behauptung enthalten seien; +suchte dann aber die Behauptung einfach genug durch Vorzeigen von +Photographien, die gleichzeitig verkauft wurden, zu widerlegen, denn +auf den Bildern sah man den Hungerkünstler an einem vierzigsten +Hungertag, im Bett, fast verlöscht vor Entkräftung. Diese dem +Hungerkünstler zwar wohlbekannte, immer aber von neuem ihn entnervende +Verdrehung der Wahrheit war ihm zuviel. Was die Folge +der vorzeitigen Beendigung des Hungerns war, stellte man hier als +die Ursache dar! Gegen diesen Unverstand, gegen diese Welt des +Unverstandes zu kämpfen, war unmöglich. Noch hatte er immer +wieder in gutem Glauben begierig am Gitter dem Impresario zugehört, +beim Erscheinen der Photographien aber ließ er das Gitter +jedesmal los, sank mit Seufzen ins Stroh zurück, und das beruhigte +Publikum konnte wieder herankommen und ihn besichtigen.</p> + +<p>Wenn die Zeugen solcher Szenen ein paar Jahre später daran zurückdachten, +wurden sie sich oft selbst unverständlich. Denn inzwischen +war jener erwähnte Umschwung eingetreten; fast plötzlich war das +geschehen; es mochte tiefere Gründe haben, aber wem lag daran, sie +aufzufinden; jedenfalls sah sich eines Tages der verwöhnte Hungerkünstler +von der vergnügungssüchtigen Menge verlassen, die lieber zu +anderen Schaustellungen strömte. Noch einmal jagte der Impresario +mit ihm durch halb Europa, um zu sehn, ob sich nicht noch hie +und da das alte Interesse wiederfände; alles vergeblich; wie in einem +geheimen Einverständnis hatte sich überall geradezu eine Abneigung +gegen das Schauhungern ausgebildet. Natürlich hatte das in Wirklichkeit +nicht plötzlich so kommen können, und man erinnerte sich +jetzt nachträglich an manche zu ihrer Zeit im Rausch der Erfolge +nicht genügend beachtete, nicht genügend unterdrückte Vorboten, aber +jetzt etwas dagegen zu unternehmen, war zu spät. Zwar war es +sicher, daß einmal auch für das Hungern wieder die Zeit kommen +werde, aber für die Lebenden war das kein Trost. Was sollte nun der +Hungerkünstler tun? Der, welchen Tausende umjubelt hatten, konnte sich +nicht in Schaubuden auf kleinen Jahrmärkten zeigen, und um einen +<span class="pagenum"><a name="Page_989">989</a></span>andern Beruf zu ergreifen, war der Hungerkünstler nicht nur zu alt, +sondern vor allem dem Hungern allzu fanatisch ergeben. So verabschiedete +er denn den Impresario, den Genossen einer Laufbahn +ohnegleichen, und ließ sich von einem großen Zirkus schnell engagieren; +um seine Empfindlichkeit zu schonen, sah er die Vertragsbedingungen +gar nicht an.</p> + +<p>Ein großer Zirkus mit seiner Unzahl von einander immer wieder +ausgleichenden und ergänzenden Menschen und Tieren und Apparaten +kann jeden und zu jeder Zeit gebrauchen, auch einen Hungerkünstler, +bei entsprechend bescheidenen Ansprüchen natürlich, und außerdem +war es ja in diesem besonderen Fall nicht nur der Hungerkünstler +selbst, der engagiert wurde, sondern auch sein alter berühmter Name, +ja man konnte bei der Eigenart dieser im zunehmenden Alter nicht +abnehmenden Kunst nicht einmal sagen, daß ein ausgedienter, nicht +mehr auf der Höhe seines Könnens stehender Künstler sich in einen +ruhigen Zirkusposten flüchten wolle, im Gegenteil, der Hungerkünstler +versicherte, daß er, was durchaus glaubwürdig war, eben so gut hungere +wie früher, ja er behauptete sogar, er werde, wenn man ihm seinen +Willen lasse, und dies versprach man ihm ohne weiteres, eigentlich +erst jetzt die Welt in berechtigtes Erstaunen setzen, eine Behauptung +allerdings, die mit Rücksicht auf die Zeitstimmung, welche der Hungerkünstler +im Eifer leicht vergaß bei den Fachleuten nur ein Lächeln +hervorrief.</p> + +<p>Im Grunde aber verlor auch der Hungerkünstler den Blick für die +wirklichen Verhältnisse nicht und nahm es als selbstverständlich hin, +daß man ihn mit seinem Käfig nicht etwa als Glanznummer mitten +in die Manege stellte, sondern draußen an einem im übrigen recht +gut zugänglichen Ort in der Nähe der Stallungen unterbrachte. Große, +bunt gemalte Aufschriften umrahmten den Käfig und verkündeten, was +dort zu sehen war. Wenn das Publikum in den Pausen der Vorstellung +zu den Ställen drängte, um die Tiere zu besichtigen, war es +fast unvermeidlich, daß es beim Hungerkünstler vorüberkam und ein +wenig dort haltmachte, man wäre vielleicht länger bei ihm geblieben, +wenn nicht in dem schmalen Gang die Nachdrängenden, welche diesen +Aufenthalt auf dem Weg zu den ersehnten Ställen nicht verstanden, +eine längere ruhige Betrachtung unmöglich gemacht hätten. Dieses +war auch der Grund, warum der Hungerkünstler vor diesen Besuchszeiten, +die er als seinen Lebenszweck natürlich herbeiwünschte, doch +auch wieder zitterte. In der ersten Zeit hatte er die Vorstellungspausen +<span class="pagenum"><a name="Page_990">990</a></span>kaum erwarten können; entzückt hatte er der sich heranwälzenden +Menge entgegengesehn, bis er sich nur zu bald – auch die +hartnäckigste, fast bewußte Selbsttäuschung hielt den Erfahrungen +nicht stand – davon überzeugte, daß es zumeist der Absicht nach, +immer wieder, ausnahmslos, lauter Stallbesucher waren. Und dieser +Anblick von der Ferne blieb noch immer der schönste. Denn wenn +sie bis zu ihm herangekommen waren, umtobte ihn sofort Geschrei +und Schimpfen der ununterbrochen neu sich bildenden Parteien, jener, +welche – sie wurde dem Hungerkünstler bald die peinlichere – ihn +bequem ansehen wollte, nicht etwa aus Verständnis, sondern aus Laune +und Trotz, und jener zweiten, die zunächst nur nach den Ställen verlangte. +War der große Haufe vorüber, dann kamen die Nachzügler, +und diese allerdings, denen es nicht mehr verwehrt war, stehen zu +bleiben, solange sie nur Lust hatten, eilten mit langen Schritten, fast +ohne Seitenblick, vorüber, um rechtzeitig zu den Tieren zu kommen. +Und es war kein allzu häufiger Glücksfall, daß ein Familienvater mit +seinen Kindern kam, mit dem Finger auf den Hungerkünstler zeigte, +ausführlich erklärte, um was es sich hier handelte, von früheren +Jahren erzählte, wo er bei ähnlichen, aber unvergleichlich großartigeren +Vorführungen gewesen war, und dann die Kinder, wegen ihrer ungenügenden +Vorbereitung von Schule und Leben her, zwar immer +noch verständnislos blieben – was war ihnen Hungern? – aber doch +in dem Glanz ihrer forschenden Augen etwas von neuen, kommenden, +gnädigeren Zeiten verrieten. Vielleicht, so sagte sich der Hungerkünstler +dann manchmal, würde alles doch ein wenig besser werden, +wenn sein Standort nicht gar so nahe bei den Ställen wäre. Den +Leuten wurde dadurch die Wahl zu leicht gemacht, nicht zu reden +davon, daß ihn die Ausdünstungen der Ställe, die Unruhe der Tiere +in der Nacht, das Vorübertragen der rohen Fleischstücke für die +Raubtiere, die Schreie bei der Fütterung sehr verletzten und dauernd +bedrückten. Aber bei der Direktion vorstellig zu werden, wagte er +nicht; immerhin verdankte er ja den Tieren die Menge der Besucher, +unter denen sich hie und da auch ein für ihn Bestimmter finden +konnte, und wer wußte, wohin man ihn verstecken würde, wenn er an +seine Existenz erinnern wollte und damit auch daran, daß er, genau +genommen, nur ein Hindernis auf dem Weg zu den Ställen war.</p> + +<p>Ein kleines Hindernis allerdings, ein immer kleiner werdendes +Hindernis. Man gewöhnte sich an die Sonderbarkeit, in den heutigen +Zeiten Aufmerksamkeit für einen Hungerkünstler beanspruchen zu +<span class="pagenum"><a name="Page_991">991</a></span>wollen, und mit dieser Gewöhnung war das Urteil über ihn gesprochen. +Er mochte so gut hungern, als er nur konnte, und er tat es, aber +nichts konnte ihn mehr retten, man ging an ihm vorüber. Versuche, +jemandem die Hungerkunst zu erklären! Wer es nicht fühlt, dem +kann man es nicht begreiflich machen. Die schönen Aufschriften +wurden schmutzig und unleserlich, man riß sie herunter, niemandem +fiel es ein, sie zu ersetzen; das Täfelchen mit der Ziffer der abgeleisteten +Hungertage, das in der ersten Zeit sorgfältig täglich erneut +worden war, blieb schon längst immer das gleiche, denn nach den +ersten Wochen war das Personal selbst dieser kleinen Arbeit überdrüssig +geworden; und so hungerte zwar der Hungerkünstler weiter, +wie er es früher einmal erträumt hatte, und es gelang ihm ohne Mühe +ganz so, wie er es damals vorausgesagt hatte, aber niemand zählte die +Tage, niemand, nicht einmal der Hungerkünstler selbst wußte, wie +groß die Leistung schon war, und sein Herz wurde schwer. Und +wenn einmal in der Zeit ein Müßiggänger stehen blieb, sich über +die alte Ziffer lustig machte und von Schwindel sprach, so war das +in diesem Sinn die dümmste Lüge, welche Gleichgültigkeit und +eingeborene Bösartigkeit erfinden konnte, denn nicht der Hungerkünstler +betrog, er arbeitete ehrlich, aber die Welt betrog ihn um +seinen Lohn.</p> + +<hr/> + +<p class="large-cap">Doch vergingen wieder viele Tage, und auch das nahm ein Ende. +Einmal fiel einem Aufseher der Käfig auf, und er fragte die Diener, +warum man hier diesen gut brauchbaren Käfig mit dem verfaulten +Stroh drinnen unbenützt stehen lasse; niemand wußte es, bis sich +einer mit Hilfe der Ziffertafel an den Hungerkünstler erinnerte. Man +rührte mit Stangen das Stroh auf und fand den Hungerkünstler darin. +»Du hungerst noch immer?« fragte der Aufseher, »wann wirst du denn +endlich aufhören?« »Verzeiht mir alle«, flüsterte der Hungerkünstler; +nur der Aufseher, der das Ohr ans Gitter hielt, verstand ihn. »Gewiß,« +sagte der Aufseher und legte den Finger an die Stirn, um +damit den Zustand des Hungerkünstlers dem Personal anzudeuten, +»wir verzeihen dir.« »Immerfort wollte ich, daß ihr mein Hungern +bewundert«, sagte der Hungerkünstler. »Wir bewundern es auch«, +sagte der Aufseher entgegenkommend. »Ihr sollt es aber nicht bewundern«, +sagte der Hungerkünstler. »Nun, dann bewundern wir es +also nicht,« sagte der Aufseher, »warum sollen wir es denn nicht bewundern?« +»Weil ich hungern muß, ich kann nicht anders«, sagte +<span class="pagenum"><a name="Page_992">992</a></span>der Hungerkünstler. »Da sieh mal einer,« sagte der Aufseher, »warum +kannst du denn nicht anders?« »Weil ich,« sagte der Hungerkünstler, +hob das Köpfchen ein wenig und sprach mit wie zum Kuß gespitzten +Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verloren +ginge, »weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. +Hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht +und mich vollgegessen wie du und alle.« Das waren die letzten Worte, +aber noch in seinen gebrochenen Augen war die feste, wenn auch +nicht mehr stolze Überzeugung, daß er weiterhungre.</p> + +<p style="margin-bottom: 120px;">»Nun macht aber Ordnung!«, sagte der Aufseher, und man begrub +den Hungerkünstler samt dem Stroh. In den Käfig aber gab man +einen jungen Panther. Es war eine selbst dem stumpfsten Sinn fühlbare +Erholung, in dem so lange öden Käfig dieses wilde Tier sich +herumwerfen zu sehn. Ihm fehlte nichts. Die Nahrung, die ihm +schmeckte, brachten ihm ohne langes Nachdenken die Wächter; nicht +einmal die Freiheit schien er zu vermissen; dieser edle, mit allem +Nötigen bis knapp zum Zerreißen ausgestattete Körper schien auch +die Freiheit mit sich herumzutragen; irgendwo im Gebiß schien sie +zu stecken; und die Freude am Leben kam mit derart starker Glut +aus seinem Rachen, daß es für die Zuschauer nicht leicht war, ihr +standzuhalten. Aber sie überwanden sich, umdrängten den Käfig und +wollten sich gar nicht fortrühren.</p> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Ein Hungerkünstler, by Franz Kafka + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN HUNGERKÜNSTLER *** + +***** This file should be named 30655-h.htm or 30655-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/0/6/5/30655/ + +Produced by Jana Srna + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> diff --git a/30655-page-images.zip b/30655-page-images.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..22df86b --- /dev/null +++ b/30655-page-images.zip diff --git a/30655-page-images/p0983.png b/30655-page-images/p0983.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..9f73020 --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0983.png diff --git a/30655-page-images/p0984.png b/30655-page-images/p0984.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..70aa993 --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0984.png diff --git a/30655-page-images/p0985.png b/30655-page-images/p0985.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..34d6b1d --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0985.png diff --git a/30655-page-images/p0986.png b/30655-page-images/p0986.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..ef0d35f --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0986.png diff --git a/30655-page-images/p0987.png b/30655-page-images/p0987.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..e5e833b --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0987.png diff --git a/30655-page-images/p0988.png b/30655-page-images/p0988.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..b0bb0d0 --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0988.png diff --git a/30655-page-images/p0989.png b/30655-page-images/p0989.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..a2ae2dd --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0989.png diff --git a/30655-page-images/p0990.png b/30655-page-images/p0990.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..cc0a5a3 --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0990.png diff --git a/30655-page-images/p0991.png b/30655-page-images/p0991.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..a2c890f --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0991.png diff --git a/30655-page-images/p0992.png b/30655-page-images/p0992.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..72e9c6d --- /dev/null +++ b/30655-page-images/p0992.png diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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