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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:48:31 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Zeitgemäßes über Krieg und Tod + +Author: Sigmund Freud + +Release Date: September 8, 2009 [EBook #29941] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD *** + + + + +Produced by Jana Srna and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + + + + + +</pre> + + +<div id="tnote"> +<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> +<p>Der Text stammt aus: <cite>Imago. Zeitschrift für Anwendung der +Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV</cite> (1915). S. 1–21.</p> +<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden +übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden +korrigiert. Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>, +der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</p> +</div> + +<div><span class="pagenum"><a name="Page_1">1</a></span></div> +<h1>Zeitgemäßes über Krieg und Tod.</h1> + +<p class="center" style="margin: 2em auto;">Von SIGM. FREUD.</p> + +<h2>I. Die Enttäuschung des Krieges.</h2> + +<p>Von dem Wirbel dieser Kriegszeit gepackt, einseitig unterrichtet, +ohne Distanz von den großen Veränderungen, die sich bereits +vollzogen haben oder zu vollziehen beginnen, und ohne +Witterung der sich gestaltenden Zukunft, werden wir selbst irre an +der Bedeutung der Eindrücke, die sich uns aufdrängen, und an dem +Wert der Urteile, die wir bilden. Es will uns scheinen, als hätte +noch niemals ein Ereignis soviel kostbares Gemeingut der Menschheit +zerstört, soviele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so gründlich +das Hohe erniedrigt. Selbst die Wissenschaft hat ihre leidenschaftslose +Unparteilichkeit verloren; ihre aufs tiefste erbitterten Diener suchen +ihr Waffen zu entnehmen, um einen Beitrag zur Bekämpfung des +Feindes zu leisten. Der Anthropologe muß den Gegner für minderwertig +und degeneriert erklären, der Psychiater die Diagnose seiner +Geistes- oder Seelenstörung verkünden. Aber wahrscheinlich empfinden +wir das Böse dieser Zeit unmäßig stark und haben kein Recht, es +mit dem Bösen anderer Zeiten zu vergleichen, die wir nicht erlebt haben.</p> + +<p>Der Einzelne, der nicht selbst ein Kämpfer und somit ein +Partikelchen der riesigen Kriegsmaschinerie geworden ist, fühlt sich +in seiner Orientierung verwirrt und in seiner Leistungsfähigkeit gehemmt. +Ich meine, ihm wird jeder kleine Wink willkommen sein, +der es ihm erleichtert, sich wenigstens in seinem eigenen Innern zurechtzufinden. +Unter den Momenten, welche das seelische Elend der +Daheimgebliebenen verschuldet haben, und deren Bewältigung ihnen +so schwierige Aufgaben stellt, möchte ich zwei hervorheben und an +dieser Stelle behandeln: Die Enttäuschung, die dieser Krieg hervorgerufen +hat, und die veränderte Einstellung zum Tode, zu der er +uns – wie alle anderen Kriege – nötigt.</p> + +<p>Wenn ich von Enttäuschung rede, weiß jedermann sofort, was +<span class="pagenum"><a name="Page_2">2</a></span>damit gemeint ist. Man braucht kein Mitleidsschwärmer zu sein, +man kann die biologische und psychologische Notwendigkeit des +Leidens für die Ökonomie des Menschenlebens einsehen und darf +doch den Krieg in seinen Mitteln und Zielen verurteilen und das +Aufhören der Kriege herbeisehnen. Man sagte sich zwar, die Kriege +könnten nicht aufhören, so lange die Völker unter so verschiedenartigen +Existenzbedingungen leben, so lange die Wertungen des +Einzellebens bei ihnen weit auseinandergehen, und so lange die Gehässigkeiten, +welche sie trennen, so starke seelische Triebkräfte repräsentieren. +Man war also darauf vorbereitet, daß Kriege zwischen den +primitiven und den zivilisierten Völkern, zwischen den Menschenrassen, +die durch die Hautfarbe voneinander geschieden werden, +ja Kriege mit und unter den wenig entwickelten oder verwilderten +Völkerindividuen Europas die Menschheit noch durch geraume Zeit +in Anspruch nehmen werden. Aber man getraute sich etwas anderes +zu hoffen. Von den großen weltbeherrschenden Nationen weißer +Rasse, denen die Führung des Menschengeschlechtes zugefallen ist, +die man mit der Pflege weltumspannender Interessen beschäftigt +wußte, deren Schöpfungen die technischen Fortschritte in der Beherrschung +der Natur wie die künstlerischen und wissenschaftlichen +Kulturwerte sind, von diesen Völkern hatte man erwartet, daß sie +es verstehen würden, Mißhelligkeiten und Interessenkonflikte auf +anderem Wege zum Austrag zu bringen. Innerhalb jeder dieser +Nationen waren hohe sittliche Normen für den Einzelnen aufgestellt +worden, nach denen er seine Lebensführung einzurichten hatte, wenn +er an der Kulturgemeinschaft teilnehmen wollte. Diese oft überstrengen +Vorschriften forderten viel von ihm, eine ausgiebige Selbstbeschränkung, +einen weitgehenden Verzicht auf Triebbefriedigung. Es war +ihm vor allem versagt, sich der außerordentlichen Vorteile zu bedienen, +die der Gebrauch von Lüge und Betrug im Wettkampf +mit den Nebenmenschen schafft. Der Kulturstaat hielt diese sittlichen +Normen für die Grundlage seines Bestandes, er schritt ernsthaft ein, +wenn man sie anzutasten wagte, erklärte es oft für untunlich, sie +auch nur einer Prüfung durch den kritischen Verstand zu unterziehen. +Es war also anzunehmen, daß er sie selbst respektieren wolle und +nichts gegen sie zu unternehmen gedenke, wodurch er der Begründung +seiner eigenen Existenz widersprochen hätte. Endlich konnte +man zwar die Wahrnehmung machen, daß es innerhalb dieser Kulturnationen +gewisse eingesprengte Völkerreste gäbe, die ganz allgemein +unliebsam wären und darum nur widerwillig, auch nicht im +vollen Umfange, zur Teilnahme an der gemeinsamen Kulturarbeit +zugelassen würden, für die sie sich als genug geeignet erwiesen +hatten. Aber die großen Völker selbst, konnte man meinen, hätten +soviel Verständnis für ihre Gemeinsamkeiten und soviel Toleranz +für ihre Verschiedenheiten erworben, daß »fremd« und »feindlich« +nicht mehr wie noch im klassischen Altertum für sie zu einem Begriff +verschmelzen durften.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_3">3</a></span> +Vertrauend auf diese Einigung der Kulturvölker haben ungezählte +Menschen ihren Wohnort in der Heimat gegen den Aufenthalt +in der Fremde eingetauscht und ihre Existenz an die Verkehrsbeziehungen +zwischen den befreundeten Völkern geknüpft. Wen aber +die Not des Lebens nicht ständig an die nämliche Stelle bannte, der +konnte sich aus allen Vorzügen und Reizen der Kulturländer ein +neues größeres Vaterland zusammensetzen, in dem er sich ungehemmt +und unverdächtigt erging. Er genoß so das blaue und das graue +Meer, die Schönheit der Schneeberge und die der grünen Wiesenflächen, +den Zauber des nordischen Waldes und die Pracht der südlichen +Vegetation, die Stimmung der Landschaften, auf denen große +historische Erinnerungen ruhen, und die Stille der unberührten Natur. +Dies neue Vaterland war für ihn auch ein Museum, erfüllt mit +allen Schätzen, welche die Künstler der Kulturmenschheit seit vielen +Jahrhunderten geschaffen und hinterlassen hatten. Während er von +einem Saal dieses Museums in einen anderen wanderte, konnte er +in parteiloser Anerkennung feststellen, was für verschiedene Typen +von Vollkommenheit Blutmischung, Geschichte und die Eigenart der +Mutter Erde an seinen weiteren Kompatrioten ausgebildet hatten. +Hier war die kühle unbeugsame Energie aufs höchste entwickelt, +dort die graziöse Kunst, das Leben zu verschönern, anderswo der +Sinn für Ordnung und Gesetz oder andere der Eigenschaften, die +den Menschen zum Herrn der Erde gemacht haben.</p> + +<p>Vergessen wir auch nicht daran, daß jeder Kulturweltbürger +sich einen besonderen »Parnaß« und eine »Schule von Athen« geschaffen +hatte. Unter den großen Denkern, Dichtern, Künstlern aller +Nationen, hatte er die ausgewählt, denen er das Beste zu schulden +vermeinte, was ihm an Lebensgenuß und Lebensverständnis zugänglich +geworden war, und sie den unsterblichen Alten in seiner +Verehrung zugesellt wie den vertrauten Meistern seiner eigenen +Zunge. Keiner von diesen Großen war ihm darum fremd erschienen, +weil er in anderer Sprache geredet hatte, weder der unvergleichliche +Ergründer der menschlichen Leidenschaften, noch der schönheitstrunkene +Schwärmer oder der gewaltig drohende Prophet, der feinsinnige +Spötter, und niemals warf er sich dabei vor, abtrünnig geworden +zu sein der eigenen Nation und der geliebten Muttersprache.</p> + +<p>Der Genuß der Kulturgemeinschaft wurde gelegentlich durch +Stimmen gestört, welche warnten, daß infolge altüberkommener Differenzen +Kriege auch unter den Mitgliedern derselben unvermeidlich +wären. Man wollte nicht daran glauben, aber wie stellte man sich +einen solchen Krieg vor, wenn es dazu kommen sollte? Als eine +Gelegenheit die Fortschritte im Gemeingefühl der Menschen aufzuzeigen +seit jener Zeit, da die griechischen Amphiktyonien verboten +hatten, eine dem Bündnis angehörige Stadt zu zerstören, ihre Ölbäume +umzuhauen und ihr das Wasser abzuschneiden. Als einen +ritterlichen Waffengang, der sich darauf beschränken wollte, die Überlegenheit +<span class="pagenum"><a name="Page_4">4</a></span>des einen Teils festzustellen, unter möglichster Vermeidung +schwerer Leiden, die zu dieser Entscheidung nichts beitragen könnten, +mit voller Schonung für den Verwundeten, der aus dem Kampf +ausscheiden muß, und für den Arzt und Pfleger, der sich seiner Herstellung +widmet. Natürlich mit allen Rücksichten für den nicht kriegführenden +Teil der Bevölkerung, für die Frauen, die dem Kriegshandwerk +ferne bleiben, und für die Kinder, die, herangewachsen, +einander von beiden Seiten Freunde und Mithelfer werden sollen. +Auch mit Erhaltung all der internationalen Unternehmungen und +Institutionen, in denen sich die Kulturgemeinschaft der Friedenszeit +verkörpert hatte.</p> + +<p>Ein solcher Krieg hätte immer noch genug des Schrecklichen +und schwer zu Ertragenden enthalten, aber er hätte die Entwicklung +ethischer Beziehungen zwischen den Großindividuen der Menschheit, +den Völkern und Staaten, nicht unterbrochen.</p> + +<p>Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus +und er brachte die – Enttäuschung. Er ist nicht nur blutiger und +verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mächtig vervollkommneten +Waffen des Angriffs und der Verteidigung, sondern +mindestens ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie irgend ein +früherer. Er setzt sich über alle Einschränkungen hinaus, zu denen +man sich in friedlichen Zeiten verpflichtet, die man das Völkerrecht +genannt hatte, anerkennt nicht die Vorrechte des Verwundeten und +des Arztes, die Unterscheidung des friedlichen und des kämpfenden +Teils der Bevölkerung, die Ansprüche des Privateigentums. Er wirft +nieder, was ihm im Wege steht, in blinder Wut, als sollte es keine +Zukunft und keinen Frieden unter den Menschen nach ihm geben. +Er zerreißt alle Bande der Gemeinschaft unter den miteinander +ringenden Völkern und droht eine Erbitterung zu hinterlassen, welche +eine Wiederanknüpfung derselben für lange Zeit unmöglich machen wird.</p> + +<p>Er brachte auch das kaum begreifliche Phänomen zum Vorschein, +daß die Kulturvölker einander so wenig kennen und verstehen, +daß sich das eine mit Haß und Abscheu gegen das andere +wenden kann. Ja daß eine der großen Kulturnationen so allgemein +mißliebig ist, daß der Versuch gewagt werden kann, sie als »barbarisch« +von der Kulturgemeinschaft auszuschließen, obwohl sie ihre +Eignung durch die großartigsten Beitragsleistungen längst erwiesen +hat. Wir leben der Hoffnung, eine unparteiische Geschichtsschreibung +werde den Nachweis erbringen, daß gerade diese Nation, die, in +deren Sprache wir schreiben, für deren Sieg unsere Lieben kämpfen, +sich am wenigsten gegen die Gesetze der menschlichen Gesittung +vergangen habe, aber wer darf in solcher Zeit als Richter auftreten +in eigener Sache?</p> + +<p>Völker werden ungefähr durch die Staaten, die sie bilden, repräsentiert; +diese Staaten durch die Regierungen, die sie leiten. Der +einzelne Volksangehörige kann in diesem Krieg mit Schreck feststellen, +was sich ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten aufdrängen +<span class="pagenum"><a name="Page_5">5</a></span>wollte, daß der Staat dem Einzelnen den Gebrauch des Unrechts +untersagt hat, nicht weil er es abschaffen, sondern weil er es monopolisieren +will wie Salz und Tabak. Der kriegführende Staat gibt +sich jedes Unrecht, jede Gewalttätigkeit frei, die den Einzelnen entehren +würde. Er bedient sich nicht nur der erlaubten List, sondern +auch der bewußten Lüge und des absichtlichen Betruges gegen den +Feind, und dies zwar in einem Maße, welches das in früheren Kriegen +Gebräuchliche zu übersteigen scheint. Der Staat fordert das +Äußerste an Gehorsam und Aufopferung von seinen Bürgern, entmündigt +sie aber dabei durch ein Übermaß von Verheimlichung +und eine Zensur der Mitteilung und Meinungsäußerung, welche die +Stimmung der so intellektuell Unterdrückten wehrlos macht gegen +jede ungünstige Situation und jedes wüste Gerücht. Er löst sich +los von Zusicherungen und Verträgen, durch die er sich gegen andere +Staaten gebunden hatte, bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier +und seinem Machtstreben, die dann der Einzelne aus Patriotismus +gutheißen soll.</p> + +<p>Man wende nicht ein, daß der Staat auf den Gebrauch des +Unrechts nicht verzichten kann, weil er sich dadurch in Nachteil +setzte. Auch für den Einzelnen ist die Befolgung der sittlichen Normen, +der Verzicht auf brutale Machtbetätigung in der Regel sehr +unvorteilhaft, und der Staat zeigt sich nur selten dazu fähig, den +Einzelnen für das Opfer zu entschädigen, das er von ihm gefordert +hat. Man darf sich auch nicht darüber verwundern, daß die Lockerung +aller sittlichen Beziehungen zwischen den Großindividuen der +Menschheit eine Rückwirkung auf die Sittlichkeit der Einzelnen geäußert +hat, denn unser Gewissen ist nicht der unbeugsame Richter, +für den die Ethiker es ausgeben, es ist in seinem Ursprunge »<em class="gesperrt">soziale +Angst</em>« und nichts anderes. Wo die Gemeinschaft den Vorwurf +aufhebt, hört auch die Unterdrückung der bösen Gelüste auf, +und die Menschen begehen Taten von Grausamkeit, Tücke, Verrat +und Roheit, deren Möglichkeit man mit ihrem kulturellen Niveau +für unvereinbar gehalten hätte.</p> + +<p>So mag der Kulturweltbürger, den ich vorhin eingeführt habe, +ratlos dastehen in der ihm fremd gewordenen Welt, sein großes +Vaterland zerfallen, die gemeinsamen Besitztümer verwüstet, die +Mitbürger entzweit und erniedrigt!</p> + +<p>Zur Kritik seiner Enttäuschung wäre einiges zu bemerken. +Sie ist, strenge genommen, nicht berechtigt, denn sie besteht in der +Zerstörung einer Illusion. Illusionen empfehlen sich uns dadurch, daß +sie Unlustgefühle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedigungen +genießen lassen. Wir müssen es dann ohne Klage hinnehmen, daß +sie irgend einmal mit einem Stück der Wirklichkeit zusammenstoßen, +an dem sie zerschellen.</p> + +<p>Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttäuschung rege gemacht: +die geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich nach +innen als die Wächter der sittlichen Normen gebärden, und die +<span class="pagenum"><a name="Page_6">6</a></span>Brutalität im Benehmen der Einzelnen, denen man als Teilnehmer +an der höchsten menschlichen Kultur ähnliches nicht zugetraut hat.</p> + +<p>Beginnen wir mit dem zweiten Punkt und versuchen wir es, +die Anschauung, die wir kritisieren wollen, in einen einzigen knappen +Satz zu fassen. Wie stellt man sich denn eigentlich den Vorgang +vor, durch welchen ein einzelner Mensch zu einer höheren Stufe +von Sittlichkeit gelangt? Die erste Antwort wird wohl lauten: Er +ist eben von Geburt und von Anfang an gut und edel. Sie soll +hier weiter nicht berücksichtigt werden. Eine zweite Antwort wird +auf die Anregung eingehen, daß hier ein Entwicklungsvorgang vorliegen +müsse, und wird wohl annehmen, diese Entwicklung bestehe +darin, daß die bösen Neigungen des Menschen in ihm ausgerottet +und unter dem Einfluß von Erziehung und Kulturumgebung durch +Neigungen zum Guten ersetzt werden. Dann darf man sich allerdings +verwundern, daß bei dem so Erzogenen das Böse wieder +so tatkräftig zum Vorschein kommt.</p> + +<p>Aber diese Antwort enthält auch den Satz, dem wir widersprechen +wollen. In Wirklichkeit gibt es keine »Ausrottung« des +Bösen. Die psychologische – im strengeren Sinne die psychoanalytische +– Untersuchung zeigt vielmehr, daß das tiefste Wesen des +Menschen in Triebregungen besteht, die elementarer Natur, bei allen +Menschen gleichartig sind und auf die Befriedigung gewisser ursprünglicher +Bedürfnisse zielen. Diese Triebregungen sind an sich weder +gut noch böse. Wir klassifizieren sie und ihre Äußerungen in solcher +Weise je nach ihrer Beziehung zu den Bedürfnissen und Anforderungen +der menschlichen Gemeinschaft. Zuzugeben ist, daß alle die +Regungen, welche von der Gesellschaft als böse verpönt werden – +nehmen wir als Vertretung derselben die eigensüchtigen und die +grausamen – sich unter diesen primitiven befinden.</p> + +<p>Diese primitiven Regungen legen einen langen Entwicklungsweg +zurück, bis sie zur Betätigung beim Erwachsenen zugelassen +werden. Sie werden gehemmt, auf andere Ziele und Gebiete gelenkt, +gehen Verschmelzungen miteinander ein, wechseln ihre Objekte, +wenden sich zum Teil gegen die eigene Person. Reaktionsbildungen +gegen gewisse Triebe täuschen die inhaltliche Verwandlung derselben +vor, als ob aus Egoismus – Altruismus, aus Grausamkeit – Mitleid +geworden wäre. Diesen Reaktionsbildungen kommt zugute, daß +manche Triebregungen fast von Anfang an in Gegensatzpaaren auftreten, +ein sehr merkwürdiges und der populären Kenntnis fremdes +Verhältnis, das man die »Gefühlsambivalenz« benannt hat. Am +leichtesten zu beobachten und vom Verständnis zu bewältigen ist +die Tatsache, daß starkes Lieben und starkes Hassen so häufig miteinander +bei derselben Person vereint vorkommen. Die Psychoanalyse +fügt dem hinzu, daß die beiden entgegengesetzten Gefühlsregungen +nicht selten auch die nämliche Person zum Objekt nehmen.</p> + +<p>Erst nach Überwindung all solcher »Triebschicksale« stellt sich das +heraus, was man den Charakter eines Menschen nennt, und was +<span class="pagenum"><a name="Page_7">7</a></span>mit »gut« oder »böse« bekanntlich nur sehr unzureichend klassifiziert +werden kann. Der Mensch ist selten im ganzen gut oder böse, +meist »gut« in dieser Relation, böse in einer anderen oder »gut« +unter solchen äußeren Bedingungen, unter anderen entschieden »böse«. +Interessant ist die Erfahrung, daß die kindliche Präexistenz starker +»böser« Regungen oft geradezu die Bedingung wird für eine besonders +deutliche Wendung des Erwachsenen zum »Guten«. Die +stärksten kindlichen Egoisten können die hilfreichsten und aufopferungsfähigsten +Bürger werden; die meisten Mitleidschwärmer, Menschenfreunde, +Tierschützer haben sich aus kleinen Sadisten und Tierquälern +entwickelt.</p> + +<p>Die Umbildung der »bösen« Triebe ist das Werk zweier im +gleichen Sinne wirkenden Faktoren, eines inneren und eines äußeren. +Der innere Faktor besteht in der Beeinflussung der bösen – sagen +wir: eigensüchtigen – Triebe durch die Erotik, das Liebesbedürfnis +des Menschen im weitesten Sinne genommen. Durch die Zumischung +der <em class="gesperrt">erotischen</em> Komponenten werden die eigensüchtigen Triebe in +<em class="gesperrt">soziale</em> umgewandelt. Man lernt das Geliebtwerden als einen Vorteil +schätzen, wegen dessen man auf andere Vorteile verzichten darf. +Der äußere Faktor ist der Zwang der Erziehung, welche die Ansprüche +der kulturellen Umgebung vertritt, und die dann durch die +direkte Einwirkung des Kulturmilieus fortgesetzt wird. Kultur ist durch +Verzicht auf Triebbefriedigung gewonnen worden und fordert von +jedem neu Ankommenden, daß er denselben Triebverzicht leiste. +Während des individuellen Lebens findet eine beständige Umsetzung +von äußerem Zwang in inneren Zwang statt. Die Kultureinflüsse +leiten dazu an, daß immer mehr von den eigensüchtigen Strebungen +durch erotische Zusätze in altruistische, soziale verwandelt werden. +Man darf endlich annehmen, daß aller innere Zwang, der sich in der +Entwicklung des Menschen geltend macht, ursprünglich, d. h. in <em class="gesperrt">der +Menschheitsgeschichte</em> nur äußerer Zwang war. Die <ins title="Menschen">Menschen,</ins> +die heute geboren werden, bringen ein Stück Neigung (Disposition) +zur Umwandlung der egoistischen in soziale Triebe als ererbte Organisation +mit, die auf leichte Anstöße hin diese Umwandlung durchführt. +Ein anderes Stück dieser Triebumwandlung muß im Leben +selbst geleistet werden. In solcher Art steht der einzelne Mensch +nicht nur unter der Einwirkung seines gegenwärtigen Kulturmilieus, +sondern unterliegt auch dem Einflusse der Kulturgeschichte seiner +Vorfahren.</p> + +<p>Heißen wir die einem Menschen zukommende Fähigkeit zur +Umbildung der egoistischen Triebe unter dem Einfluß der Erotik +seine <em class="gesperrt">Kultureignung</em>, so können wir aussagen, daß dieselbe aus +zwei Anteilen besteht, einem angeborenen und einem im Leben erworbenen, +und daß das Verhältnis der beiden zueinander und zu +dem unverwandelt gebliebenen Anteil des Trieblebens ein sehr variables +ist.</p> + +<p>Im allgemeinen sind wir geneigt, den angeborenen Anteil zu +<span class="pagenum"><a name="Page_8">8</a></span>hoch zu veranschlagen, und überdies laufen wir Gefahr, die gesamte +Kultureignung in ihrem Verhältnis zum primitiv gebliebenen Triebleben +zu überschätzen, d. h. wir werden dazu verleitet, die Menschen +»besser« zu beurteilen, als sie in Wirklichkeit sind. Es besteht +nämlich noch ein anderes Moment, welches unser Urteil trübt und +das Ergebnis im günstigen Sinne verfälscht.</p> + +<p>Die Triebregungen eines anderen Menschen sind unserer Wahrnehmung +natürlich entrückt. Wir schließen auf sie aus seinen Handlungen +und seinem Benehmen, welche wir auf <em class="gesperrt">Motive</em> aus seinem +Triebleben zurückführen. Ein solcher Schluß geht notwendigerweise +in einer Anzahl von Fällen irre. Die nämlichen, kulturell »guten« +Handlungen können das einemal von »edlen« Motiven herstammen, +das anderemal nicht. Die theoretischen Ethiker heißen nur solche +Handlungen »gut«, welche der Ausdruck guter Triebregungen sind, +<ins title="dem">den</ins> anderen versagen sie ihre Anerkennung. Die von praktischen +Absichten geleitete Gesellschaft kümmert sich aber im ganzen um +diese Unterscheidung nicht; sie begnügt sich damit, daß ein Mensch +sein Benehmen und seine Handlungen nach den kulturellen Vorschriften +richte, und fragt wenig nach seinen Motiven.</p> + +<p>Wir haben gehört, daß der <em class="gesperrt">äußere Zwang</em>, den Erziehung +und Umgebung auf den Menschen üben, eine weitere Umbildung +seines Trieblebens zum Guten, eine Wendung vom Egoismus zum +Altruismus herbeiführt. Aber dies ist nicht die notwendige oder +regelmäßige Wirkung des äußeren Zwanges. Erziehung und Umgebung +haben nicht nur Liebesprämien anzubieten, sondern arbeiten +auch mit Vorteilsprämien anderer Art, mit Lohn und Strafen. Sie +können also die Wirkung äußern, daß der ihrem Einfluß Unterliegende +sich zum guten Handeln im kulturellen Sinne entschließt, +ohne daß sich eine Triebveredlung, eine Umsetzung egoistischer in +soziale Neigungen, in ihm vollzogen hat. Der Erfolg wird im +groben derselbe sein; erst unter besonderen Verhältnissen wird es +sich zeigen, daß der eine immer gut handelt, weil ihn seine Triebneigungen +dazu nötigen, der andere nur gut ist, weil, insolange und +insoweit dies kulturelle Verhalten seinen eigensüchtigen Absichten +Vorteile bringt. Wir aber werden bei oberflächlicher Bekanntschaft +mit den Einzelnen kein Mittel haben, die beiden Fälle zu unterscheiden, +und gewiß durch unseren Optimismus verführt werden, die +Anzahl der kulturell veränderten Menschen arg zu überschätzen.</p> + +<p>Die Kulturgesellschaft, die die gute Handlung fordert und sich +um die Triebbegründung derselben nicht kümmert, hat also eine +große Zahl von Menschen zum Kulturgehorsam gewonnen, die dabei +nicht ihrer Natur folgen. Durch diesen Erfolg ermutigt, hat sie +sich verleiten lassen, die sittlichen Anforderungen möglichst hoch zu +spannen und so ihre Teilnehmer zu noch weiterer Entfernung von +ihrer Triebveranlagung gezwungen. Diesen ist nun eine fortgesetzte +Triebunterdrückung auferlegt, deren Spannung sich in den merkwürdigsten +Reaktions- und Kompensationserscheinungen kundgibt. +<span class="pagenum"><a name="Page_9">9</a></span>Auf dem Gebiete der Sexualität, wo solche Unterdrückung am +wenigsten durchzuführen ist, kommt es so zu den Reaktionserscheinungen +der neurotischen Erkrankungen. Der sonstige Druck der +Kultur zeitigt zwar keine pathologische Folgen, äußert sich aber in +Charakterverbildungen und in der steten Bereitschaft der gehemmten +Triebe, bei passender Gelegenheit zur Befriedigung durchzubrechen. +Wer so genötigt wird, dauernd im Sinne von Vorschriften zu reagieren, +die nicht der Ausdruck seiner Triebneigungen sind, der lebt, +psychologisch verstanden, über seine Mittel und darf objektiv als +Heuchler bezeichnet werden, gleichgiltig ob ihm diese Differenz klar +bewußt worden ist oder nicht. Es ist unleugbar, daß unsere gegenwärtige +Kultur die Ausbildung dieser Art von Heuchelei in außerordentlichem +Umfange begünstigt. Man könnte die Behauptung wagen, +sie sei auf solcher Heuchelei aufgebaut und müßte sich tiefgreifende +Abänderungen gefallen lassen, wenn es die Menschen unternehmen +würden, der psychologischen Wahrheit nachzuleben. Es gibt also +ungleich mehr Kulturheuchler als wirklich kulturelle Menschen, ja +man kann den Standpunkt diskutieren, ob ein gewisses Maß von +Kulturheuchelei nicht zur Aufrechthaltung der Kultur unerläßlich +sei, weil die bereits organisierte Kultureignung der heute lebenden +Menschen vielleicht für diese Leistung nicht zureichen würde. Anderseits +bietet die Aufrechthaltung der Kultur auch auf so bedenklicher +Grundlage die Aussicht, bei jeder neuen Generation eine weitergehende +Triebumbildung als Trägerin einer besseren Kultur anzubahnen.</p> + +<p>Den bisherigen Erörterungen entnehmen wir bereits den einen +Trost, daß unsere Kränkung und schmerzliche Enttäuschung wegen +des unkulturellen Benehmens unserer Weltmitbürger in diesem Kriege +unberechtigt waren. Sie beruhten auf einer Illusion, der wir uns +gefangen gaben. In Wirklichkeit sind sie nicht so tief gesunken, wie +wir fürchten, weil sie gar nicht so hoch gestiegen waren, wie wirs +von ihnen glaubten. Daß die menschlichen Großindividuen, die Völker +und Staaten, die sittlichen Beschränkungen gegeneinander fallen +ließen, wurde ihnen zur begreiflichen Anregung, sich für eine Weile +dem bestehenden Drucke der Kultur zu entziehen und ihren zurückgehaltenen +Trieben vorübergehend Befriedigung zu gönnen. Dabei +geschah ihrer relativen Sittlichkeit innerhalb des eigenen Volkstums +wahrscheinlich kein Abbruch.</p> + +<p>Wir können uns aber das Verständnis der Veränderung, die +der Krieg an unseren früheren Kompatrioten zeigt, noch vertiefen +und empfangen dabei eine Warnung, kein Unrecht an ihnen zu begehen. +Seelische Entwicklungen besitzen nämlich eine Eigentümlichkeit, +welche sich bei keinem anderen Entwicklungsvorgang mehr vorfindet. +Wenn ein Dorf zur Stadt, ein Kind zum Mann heranwächst, +so gehen dabei Dorf und Kind in Stadt und Mann unter. Nur die +Erinnerung kann die alten Züge in das neue Bild einzeichnen; in +Wirklichkeit sind die alten Materialien oder Formen beseitigt und +<span class="pagenum"><a name="Page_10">10</a></span>durch neue ersetzt worden. Anders geht es bei einer seelischen Entwicklung +zu. Man kann den nicht zu vergleichenden Sachverhalt +nicht anders beschreiben als durch die Behauptung, daß jede frühere +Entwicklungsstufe neben der späteren, die aus ihr geworden ist, +erhalten bleibt; die Sukzession bedingt eine Koexistenz mit, obwohl +es doch dieselben Materialien sind, an denen die ganze Reihenfolge +von Veränderungen abgelaufen ist. Der frühere seelische Zustand +mag sich jahrelang nicht geäußert haben, er bleibt doch soweit bestehen, +daß er eines Tages wiederum die Äußerungsform der seelischen +Kräfte werden kann, und zwar die einzige, als ob alle späteren +Entwicklungen annulliert, rückgängig gemacht worden wären. +Diese außerordentliche Plastizität der seelischen Entwicklungen ist in +ihrer Richtung nicht unbeschränkt; man kann sie als eine besondere +Fähigkeit zur Rückbildung – Regression – bezeichnen, denn es +kommt wohl vor, daß eine spätere und höhere Entwicklungsstufe, +die verlassen wurde, nicht wieder erreicht werden kann. Aber die +primitiven Zustände können immer wieder hergestellt werden; das +primitive Seelische ist im vollsten Sinne unvergänglich.</p> + +<p>Die sogenannten Geisteskrankheiten müssen beim Laien den +Eindruck hervorrufen, daß das Geistes- und Seelenleben der Zerstörung +anheimgefallen sei. In Wirklichkeit betrifft die Zerstörung +nur spätere Erwerbungen und Entwicklungen. Das Wesen der +Geisteskrankheit besteht in der Rückkehr zu früheren Zuständen des +Affektlebens und der Funktion. Ein ausgezeichnetes Beispiel für die +Plastizität des Seelenlebens gibt der Schlafzustand, den wir allnächtlich +anstreben. Seitdem wir auch tolle und verworrene Träume zu übersetzen +verstehen, wissen wir, daß wir mit jedem Einschlafen unsere +mühsam erworbene Sittlichkeit wie ein Gewand von uns werfen – +um es am Morgen wieder anzutun. Diese Entblößung ist natürlich +ungefährlich, weil wir durch den Schlafzustand gelähmt, zur Inaktivität +verurteilt sind. Nur der Traum kann von der Regression +unseres Gefühllebens auf eine der frühesten Entwicklungsstufen +Kunde geben. So ist es z. B. bemerkenswert, daß alle unsere Träume +von rein egoistischen Motiven beherrscht werden. Einer meiner englischen +Freunde vertrat einmal diesen Satz vor einer wissenschaftlichen +Versammlung in Amerika, worauf ihm eine anwesende Dame +die Bemerkung machte, das möge vielleicht für Österreich richtig sein, +aber sie dürfe von sich und ihren Freunden behaupten, daß sie auch +noch im Traume altruistisch fühlen. Mein Freund, obwohl selbst ein +Angehöriger der englischen Rasse, <ins title="müßte">mußte</ins> auf Grund seiner eigenen +Erfahrungen in der Traumanalyse der Dame energisch widersprechen: +Im Traume sei auch die edle Amerikanerin ebenso egoistisch wie +der Österreicher.</p> + +<p>Es kann also auch die Triebumbildung, auf welcher unsere +Kultureignung beruht, durch Einwirkungen des Lebens – dauernd +oder zeitweilig – rückgängig gemacht werden. Ohne Zweifel gehören +die Einflüsse des Krieges zu den Mächten, welche solche Rückbildung +<span class="pagenum"><a name="Page_11">11</a></span>erzeugen können, und darum brauchen wir nicht allen jenen, die sich +gegenwärtig unkulturell benehmen, die Kultureignung abzusprechen, +und dürfen erwarten, daß sich ihre Triebveredlung in ruhigeren +Zeiten wieder herstellen wird.</p> + +<p>Vielleicht hat uns aber ein anderes Symptom bei unseren +Weltmitbürgern nicht weniger überrascht und geschreckt als das so +schmerzlich empfundene Herabsinken von ihrer ethischen Höhe. Ich +meine die Einsichtslosigkeit, die sich bei den besten Köpfen zeigt, +ihre Verstocktheit, Unzugänglichkeit gegen die eindringlichsten Argumente, +ihre kritiklose Leichtgläubigkeit für die anfechtbarsten Behauptungen. +Dies ergibt freilich ein trauriges Bild, und ich will ausdrücklich +betonen, daß ich keineswegs als verblendeter Parteigänger +alle intellektuelle Verfehlungen nur auf einer der beiden Seiten +finde. Allein diese Erscheinung ist noch leichter zu erklären und weit +weniger bedenklich als die vorhin gewürdigte. Menschenkenner und +Philosophen haben uns längst belehrt, daß wir Unrecht daran tun, +unsere Intelligenz als selbständige Macht zu schätzen und ihre Abhängigkeit +vom Gefühlsleben zu übersehen. Unser Intellekt könne +nur verläßlich arbeiten, wenn er den Einwirkungen starker Gefühlsregungen +entrückt sei; im gegenteiligen Falle benehme er sich einfach +wie ein Instrument zu Handen eines Willens und liefere das +Resultat, das ihm von diesem aufgetragen sei. Logische Argumente +seien also ohnmächtig gegen affektive Interessen, und darum sei das +Streiten mit Gründen, die nach <span class="gesperrt">Falstaffs</span> Wort so gemein sind +wie Brombeeren, in der Welt der Interessen so unfruchtbar. Die +psychoanalytische Erfahrung hat diese Behauptung womöglich noch +unterstrichen. Sie kann alle Tage zeigen, daß sich die scharfsinnigsten +Menschen plötzlich einsichtslos wie Schwachsinnige benehmen, sobald +die verlangte Einsicht einem Gefühlswiderstand bei ihnen begegnet, +aber auch alles Verständnis wieder erlangen, wenn dieser Widerstand +überwunden ist. Die logische Verblendung, die dieser Krieg +oft gerade bei den besten unserer Mitbürger hervorgezaubert hat, +ist also ein sekundäres Phänomen, eine Folge der Gefühlserregung, +und hoffentlich dazu bestimmt, mit ihr zu verschwinden.</p> + +<p>Wenn wir solcher Art unsere uns entfremdeten Mitbürger +wieder verstehen, werden wir die Enttäuschung, die uns die Großindividuen +der Menschheit, die Völker, bereitet haben, um vieles +leichter ertragen, denn an diese dürfen wir nur weit bescheidenere +Ansprüche stellen. Dieselben wiederholen vielleicht die Entwicklung +der Individuen und treten uns heute noch auf sehr primitiven Stufen +der Organisation, der Bildung höherer Einheiten, entgegen. Dem +entsprechend ist das erziehliche Moment des äußeren Zwanges zur +Sittlichkeit, welches wir beim Einzelnen so wirksam fanden, bei ihnen +noch kaum nachweisbar. Wir hatten zwar gehofft, daß die großartige, +durch Verkehr und Produktion hergestellte Interessengemeinschaft +den Anfang eines solchen Zwanges ergeben werde, allein es +scheint, die Völker gehorchen ihren Leidenschaften derzeit weit mehr +<span class="pagenum"><a name="Page_12">12</a></span>als ihren Interessen. Sie bedienen sich höchstens der Interessen, um +die Leidenschaften zu <em class="gesperrt">rationalisieren</em>; sie schieben ihre Interessen +vor, um die Befriedigung ihrer Leidenschaften begründen zu können. +Warum die Völkerindividuen einander eigentlich geringschätzen, +hassen, verabscheuen, und zwar auch in Friedenszeiten, und jede +Nation die andere, das ist freilich rätselhaft. Ich weiß es nicht zu +sagen. Es ist in diesem Falle gerade so, als ob sich alle sittlichen +Erwerbungen der Einzelnen auslöschten, wenn man eine Mehrheit +oder gar Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten, +ältesten und rohesten, seelischen Einstellungen übrig blieben. +An diesen bedauerlichen Verhältnissen werden vielleicht erst späte +Entwicklungen etwas ändern können. Aber etwas mehr Wahrhaftigkeit +und Aufrichtigkeit allerseits, in den Beziehungen der Menschen +zueinander und zwischen ihnen und den sie Regierenden dürfte auch +für diese Umwandlung die Wege ebnen.</p> + + +<h2>II. Unser Verhältnis zum Tode.</h2> + +<p>Das zweite Moment, von dem ich es ableite, daß wir uns so +befremdet fühlen in dieser einst so schönen und trauten Welt, ist +die Störung des bisher von uns festgehaltenen Verhältnisses zum +Tode.</p> + +<p>Dies Verhältnis war kein aufrichtiges. Wenn man uns anhörte, +so waren wir natürlich bereit zu vertreten, daß der Tod +der notwendige Ausgang alles Lebens sei, daß jeder von uns der +Natur einen Tod schulde und vorbereitet sein müsse, die Schuld +zu bezahlen, kurz, daß der Tod natürlich sei, unableugbar und unvermeidlich. +In Wirklichkeit pflegten wir uns aber zu benehmen, als +ob es anders wäre. Wir haben die unverkennbare Tendenz gezeigt, +den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem Leben zu eliminieren. +Wir haben versucht, ihn totzuschweigen; wir besitzen ja auch das +Sprichwort: man denke an etwas wie an den Tod. Wie an den +eigenen natürlich. Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar, und so +oft wir den Versuch dazu machen, können wir bemerken, daß wir +eigentlich als Zuschauer weiter dabei bleiben. So konnte in der +psychoanalytischen Schule der Ausspruch gewagt werden: Im +Grunde glaube niemand an seinen eigenen Tod oder, was dasselbe +ist: Im Unbewußten sei jeder von uns von seiner Unsterblichkeit +überzeugt.</p> + +<p>Was den Tod eines anderen betrifft, so wird der Kulturmensch +es sorgfältig vermeiden, von dieser Möglichkeit zu sprechen, +wenn der zum Tode Bestimmte es hören kann. Nur Kinder setzen +sich über diese Beschränkung hinweg; sie drohen einander ungescheut +mit den Chancen des Sterbens und bringen es auch zustande, +einer geliebten Person dergleichen ins Gesicht zu sagen, wie z. B.: +Liebe Mama, wenn du leider gestorben sein wirst, werde ich dies +<span class="pagenum"><a name="Page_13">13</a></span>oder jenes. Der erwachsene Kultivierte wird den Tod eines anderen +auch nicht gerne in seine Gedanken einsetzen, ohne sich hart oder +böse zu erscheinen; es sei denn, daß er berufsmäßig als Arzt, +Advokat u. dgl. mit dem Tode zu tun habe. Am wenigsten wird +er sich gestatten, an den Tod des anderen zu denken, wenn mit +diesem Ereignis ein Gewinn an Freiheit, Besitz, Stellung verbunden +ist. Natürlich lassen sich Todesfälle durch dies unser Zartgefühl +nicht zurückhalten; wenn sie sich ereignet haben, sind wir jedesmal +tief ergriffen und wie in unseren Erwartungen erschüttert. Wir betonen +regelmäßig die zufällige Veranlassung des Todes, den Unfall, +die Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter, und verraten so +unser Bestreben, den Tod von einer Notwendigkeit zu einer Zufälligkeit +herabzudrücken. Eine Häufung von Todesfällen erscheint +uns als etwas überaus Schreckliches. Dem Verstorbenen selbst +bringen wir ein besonderes Verhalten entgegen, fast wie eine Bewunderung +für einen, der etwas sehr Schwieriges zustande gebracht hat. +Wir stellen die Kritik gegen ihn ein, sehen ihm sein etwaiges Unrecht +nach, geben den Befehl aus: De mortuis nil nisi bene, und +finden es gerechtfertigt, daß man ihm in der Leichenrede und auf dem +Grabstein das Vorteilhafteste nachrühmt. Die Rücksicht auf den +Toten, deren er doch nicht mehr bedarf, steht uns über der Wahrheit, +den meisten von uns gewiß auch über der Rücksicht für den +Lebenden.</p> + +<p>Diese kulturell-konventionelle Einstellung gegen den Tod ergänzt +sich nun durch unseren völligen Zusammenbruch, wenn das +Sterben eine der uns nahestehenden Personen, einen Eltern- oder +Gattenteil, ein Geschwister, Kind oder teuren Freund getroffen hat. +Wir begraben mit ihm unsere Hoffnungen, Ansprüche, Genüsse, +lassen uns nicht trösten und weigern uns, den Verlorenen zu ersetzen. +Wir benehmen uns dann wie eine Art von <span class="gesperrt">Asra</span>, welche +<em class="gesperrt">mitsterben, wenn die sterben, die sie lieben</em>.</p> + +<p>Dies unser Verhältnis zum Tode hat aber eine starke Wirkung +auf unser Leben. Das Leben verarmt, es verliert an Interesse, +wenn der höchste Einsatz in den Lebensspielen, eben das Leben +selbst, nicht gewagt werden darf. Es wird so schal, gehaltlos wie +etwa ein amerikanischer Flirt, bei dem es von vorneherein feststeht, +daß nichts vorfallen darf, zum Unterschied von einer kontinentalen +Liebesbeziehung, bei welcher beide Partner stets der ernsten +Konsequenzen eingedenk bleiben müssen. Unsere Gefühlsbindungen, +die unerträgliche Intensität unserer Trauer, machen uns abgeneigt, +für uns und die unserigen Gefahren aufzusuchen. Wir getrauen +uns nicht, eine Anzahl von Unternehmungen in Betracht zu ziehen, +die gefährlich, aber eigentlich unerläßlich sind wie Flugversuche, Expeditionen +in ferne Länder, Experimente mit explodierbaren Substanzen. +Uns lähmt dabei das Bedenken, wer der Mutter den Sohn, +der Gattin den Mann, den Kindern den Vater ersetzen soll, wenn +ein Unglück geschieht. Die Neigung, den Tod aus der Lebensrechnung +<span class="pagenum"><a name="Page_14">14</a></span>auszuschließen, hat so viele andere Verzichte und Ausschließungen +im Gefolge. Und doch hat der Wahlspruch der <span class="gesperrt">Hansa</span> +gelautet: Navigare necesse est, vivere non necesse! (Seefahren +muß man, leben muß man nicht.)</p> + +<p>Es kann dann nicht anders kommen, als daß wir in der Welt +der Fiktion, in der Literatur, im Theater Ersatz suchen für die +Einbuße des Lebens. Dort finden wir noch Menschen, die zu sterben +verstehen, ja die es auch zustande bringen, einen anderen zu töten. +Dort allein erfüllt sich uns auch die Bedingung, unter welcher wir uns +mit dem Tod versöhnen könnten, wenn wir nämlich hinter allen +Wechselfällen des Lebens noch ein unantastbares Leben übrig behielten. +Es ist doch zu traurig, daß es im Leben zugehen kann wie +im Schachspiel, wo ein falscher Zug uns zwingen kann, die Partie +verloren zu geben, mit dem Unterschied aber, daß wir keine zweite, +keine Revanchepartie beginnen können. Auf dem Gebiete der Fiktion +finden wir jene Mehrheit von Leben, deren wir bedürfen. Wir +sterben in der Identifizierung mit dem einen Helden, überleben +ihn aber doch und sind bereit, ebenso ungeschädigt ein zweites Mal +mit einem anderen Helden zu sterben.</p> + +<p>Es ist evident, daß der Krieg diese konventionelle Behandlung +des Todes hinwegfegen muß. Der Tod läßt sich jetzt nicht mehr +verleugnen; man muß an ihn glauben. Die Menschen sterben wirklich, +auch nicht mehr einzeln, sondern viele, oft Zehntausende an +einem Tag. Er ist auch kein Zufall mehr. Es scheint freilich noch +zufällig, ob diese Kugel den einen trifft oder den andern; aber diesen +anderen mag leicht eine zweite Kugel treffen, die Häufung macht +dem Eindruck des Zufälligen ein Ende. Das Leben ist freilich +wieder interessant geworden, es hat seinen vollen Inhalt wieder bekommen.</p> + +<p>Man müßte hier eine Scheidung in zwei Gruppen vornehmen, +diejenigen, die selbst im Kampf ihr Leben preisgeben, trennen von +den anderen, die zu Hause geblieben sind und nur zu erwarten +haben, einen ihrer Lieben an den Tod durch Verletzung, Krankheit +oder Infektion zu verlieren. Es wäre gewiß sehr interessant, die +Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer zu studieren, aber +ich weiß zu wenig darüber. Wir müssen uns an die zweite Gruppe +halten, zu der wir selbst gehören. Ich sagte schon, daß ich meine, +die Verwirrung und die Lähmung unserer Leistungsfähigkeit, unter +denen wir leiden, seien wesentlich mitbestimmt durch den Umstand, +daß wir unser bisheriges Verhältnis zum Tode nicht aufrecht halten +können und ein neues noch nicht gefunden haben. Vielleicht hilft es +uns dazu, wenn wir unsere psychologische Untersuchung auf zwei +andere Beziehungen zum Tode richten, auf jene, die wir dem Urmenschen, +dem Menschen der Vorzeit zuschreiben dürfen, und jene +andere, die in jedem von uns noch erhalten ist, aber sich unsichtbar +für unser Bewußtsein in tieferen Schichten unseres Seelenlebens +verbirgt.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_15">15</a></span> +Wie sich der Mensch der Vorzeit gegen den Tod verhalten, +wissen wir natürlich nur durch Rückschlüsse und Konstruktionen, +aber ich meine, daß diese Mittel uns ziemlich vertrauenswürdige +Auskünfte ergeben haben.</p> + +<p>Der Urmensch hat sich in sehr merkwürdiger Weise zum +Tode eingestellt. Gar nicht einheitlich, vielmehr recht widerspruchsvoll. +Er hat einerseits den Tod ernst genommen, ihn als Aufhebung +des Lebens anerkannt und sich seiner in diesem Sinne +bedient, anderseits aber auch den Tod geleugnet, ihn zu nichts +herabgedrückt. Dieser Widerspruch wurde durch den Umstand ermöglicht, +daß er zum Tode des anderen, des Fremden, des Feindes +eine radikal andere Stellung einnahm als zu seinem eigenen. Der +Tod des anderen war ihm recht, galt ihm als Vernichtung des +Verhaßten, und der Urmensch kannte kein Bedenken, ihn herbeizuführen. +Er war gewiß ein sehr leidenschaftliches Wesen, grausamer +und bösartiger als andere Tiere. Er mordete gerne und wie +selbstverständlich. Den Instinkt, der andere Tiere davon abhalten +soll, Wesen der gleichen Art zu töten und zu verzehren, brauchen +wir ihm nicht zuzuschreiben.</p> + +<p>Die Urgeschichte der Menschheit ist denn auch vom Morde +erfüllt. Noch heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als +Weltgeschichte lernen, im wesentlichen eine Reihenfolge von Völkermorden. +Das dunkle Schuldgefühl, unter dem die Menschheit seit +Urzeiten steht, das sich in manchen Religionen zur Annahme einer +<em class="gesperrt">Urschuld</em>, einer Erbsünde, verdichtet hat, ist wahrscheinlich der +Ausdruck einer Blutschuld, mit welcher sich die urzeitliche Menschheit +beladen hat. Ich habe in meinem Buche »<span class="gesperrt">Totem</span> und <span class="gesperrt">Tabu</span>« (1913), +den Winken von W. <span class="gesperrt">Robertson Smith</span>, <span class="gesperrt">Atkinson</span> und Ch. +<span class="gesperrt">Darwin</span> folgend, die Natur dieser alten Schuld erraten wollen, +und meine, daß noch die heutige christliche Lehre uns den Rückschluß +auf sie ermöglicht. Wenn Gottes Sohn sein Leben opfern mußte, +um die Menschheit von der Erbsünde zu erlösen, so muß nach der +Regel der Talion, der Vergeltung durch Gleiches, diese Sünde +eine Tötung, ein Mord gewesen sein. Nur dies konnte zu seiner +Sühne das Opfer eines Lebens erfordern. Und wenn die Erbsünde +ein Verschulden gegen Gott-Vater war, so muß das älteste Verbrechen +der Menschheit ein Vatermord gewesen sein, die Tötung +des Urvaters der primitiven Menschenhorde, dessen Erinnerungsbild +später zur Gottheit verklärt wurde<a name="FNanchor_1_1" href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>.</p> + +<p>Der eigene Tod war dem Urmenschen gewiß ebenso unvorstellbar +und unwirklich, wie heute noch jedem von uns. Es ergab +sich aber für ihn ein Fall, in dem die beiden gegensätzlichen Einstellungen +zum Tode zusammenstießen und in Konflikt miteinander +gerieten, und dieser Fall wurde sehr bedeutsam und reich an fernwirkenden +Folgen. Er ereignete sich, wenn der Urmensch einen +<span class="pagenum"><a name="Page_16">16</a></span>seiner Angehörigen sterben sah, sein Weib, sein Kind, seinen Freund, +die er sicherlich ähnlich liebte wie wir die unseren, denn die Liebe +kann nicht um vieles jünger sein als die Mordlust. Da mußte er +in seinem Schmerz die Erfahrung machen, daß man auch selbst +sterben könne, und sein ganzes Wesen empörte sich gegen dieses +Zugeständnis; jeder dieser Lieben war ja doch ein Stück seines +eigenen geliebten Ichs. Anderseits war ihm ein solcher Tod doch auch +recht, denn in jeder der geliebten Personen stak auch ein Stück +Fremdheit. Das Gesetz der Gefühlsambivalenz, das heute noch +unsere Gefühlsbeziehungen zu den von uns geliebtesten Personen +beherrscht, galt in Urzeiten gewiß noch uneingeschränkter. Somit +waren diese geliebten Verstorbenen doch auch Fremde und Feinde +gewesen, die einen Anteil von feindseligen Gefühlen bei ihm hervorgerufen +hatten<a name="FNanchor_2_2" href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>.</p> + +<p>Die Philosophen haben behauptet, das intellektuelle Rätsel, +welches das Bild des Todes dem Urmenschen aufgab, habe sein +Nachdenken erzwungen und sei der Ausgang jeder Spekulation +geworden. Ich glaube, die Philosophen denken da zu – philosophisch, +nehmen zu wenig Rücksicht auf die primär wirksamen Motive. Ich +möchte darum die obige Behauptung einschränken und korrigieren: +an der Leiche des erschlagenen Feindes wird der Urmensch triumphiert +haben, ohne einen Anlaß zu finden, sich den Kopf über die +Rätsel des Lebens und des Todes zu zerbrechen. Nicht das intellektuelle +Rätsel und nicht jeder Todesfall, sondern der Gefühlskonflikt +beim Tode geliebter und dabei doch auch fremder und gehaßter +Personen hat die Forschung der Menschen entbunden. Aus diesem +Gefühlskonflikt wurde zunächst die Psychologie geboren. Der Mensch +konnte den Tod nicht mehr von sich ferne halten, da er ihn in dem +Schmerz um den Verstorbenen verkostet hatte, aber er wollte ihn +doch nicht zugestehen, da er sich selbst nicht tot vorstellen konnte. +So ließ er sich auf Kompromisse ein, gab den Tod auch für sich zu, +bestritt ihm aber die Bedeutung der Lebensvernichtung, wofür ihm +beim Tode des Feindes jedes Motiv gefehlt hatte. An der Leiche +der geliebten Person ersann er die Geister, und sein Schuldbewußtsein +ob der Befriedigung, die der Trauer beigemengt war, bewirkte, +daß diese erstgeschaffenen Geister böse Dämonen wurden, vor denen +man sich ängstigen mußte. Die Veränderungen des Todes legten +ihm die Zerlegung des Individuums in einen Leib und in eine – +ursprünglich mehrere – Seelen nahe; in solcher Weise ging sein +Gedankengang dem Zersetzungsprozeß, den der Tod einleitet, parallel. +Die fortdauernde Erinnerung an den Verstorbenen wurde die +Grundlage der Annahme anderer Existenzformen, gab ihm die Idee +eines Fortlebens nach dem anscheinenden Tode.</p> + +<p>Diese späteren Existenzen waren anfänglich nur Anhängsel +<span class="pagenum"><a name="Page_17">17</a></span>an die durch den Tod abgeschlossene, schattenhaft, inhaltsleer und +bis in späte Zeiten hinauf geringgeschätzt; sie trugen noch den +Charakter kümmerlicher Auskünfte. Wir erinnern, was die Seele +des Achilleus dem Odysseus erwidert:</p> + +<div class="poem" style="width: 30em;"> +<div class="stanza"> +<span class="i0">»Denn dich Lebenden einst verehrten wir, gleich den Göttern,<br /></span> +<span class="i0">Argos Söhn'; und jetzo gebietest du mächtig den Geistern,<br /></span> +<span class="i0">Wohnend allhier. Drum laß dich den Tod nicht reuen, Achilleus.<br /></span> +<span class="i0">Also ich selbst; und sogleich antwortet' er, solches erwidernd:<br /></span> +<span class="i0">Nicht mir rede vom Tod ein Trostwort, edler Odysseus!<br /></span> +<span class="i0">Lieber ja wollt' ich das Feld als Tagelöhner bestellen<br /></span> +<span class="i0">Einem dürftigen Mann, ohn' Erb' und eigenen Wohlstand,<br /></span> +<span class="i0">Als die sämtliche Schaar der geschwundenen Toten beherrschen.«</span> +</div> +<div class="stanza right" style="margin-top: -0.75em;"> +(Odyssee XI v. 484–491) +</div> +</div> + +<p>Oder in der kraftvollen, bitter-parodistischen Fassung von +H. <span class="gesperrt">Heine</span>:</p> + +<div class="poem" style="width: 17.5em;"> +<div class="stanza"> +<span class="i0">»Der kleinste lebendige Philister<br /></span> +<span class="i0">Zu Stuckert am Neckar<br /></span> +<span class="i0">Viel glücklicher ist er<br /></span> +<span class="i0">Als ich, der Pelide, der tote Held,<br /></span> +<span class="i0">Der Schattenfürst in der Unterwelt«.<br /></span> +</div> +</div> + +<p>Erst später brachten es die Religionen zustande, diese Nachexistenz +für die wertvollere, vollgültige auszugeben und das durch +den Tod abgeschlossene Leben zu einer bloßen Vorbereitung herabzudrücken. +Es war dann nur konsequent, wenn man auch das +Leben in die Vergangenheit verlängerte, die früheren Existenzen, +die Seelenwanderung und Wiedergeburt ersann, alles in der Absicht, +dem Tod seine Bedeutung als Aufhebung des Lebens zu rauben. +So frühzeitig hat die Verleugnung des Todes, die wir als konventionell-kulturell +bezeichnet haben, ihren Anfang genommen.</p> + +<p>An der Leiche der geliebten Person entstanden nicht nur die +Seelenlehre, der Unsterblichkeitsglaube und eine mächtige Wurzel +des menschlichen Schuldbewußtseins, sondern auch die ersten ethischen +Gebote. Das erste und bedeutsamste Verbot des erwachenden +Gewissens lautete: <em class="gesperrt">Du sollst nicht töten.</em> Es war als die Reaktion +gegen die hinter der Trauer versteckte Haßbefriedigung am geliebten +Toten gewonnen worden, und wurde allmählich auf den ungeliebten +Fremden und endlich auch auf den Feind ausgedehnt.</p> + +<p>An letzterer Stelle wird es vom Kulturmenschen nicht mehr +verspürt. Wenn das wilde Ringen dieses Krieges seine Entscheidung +gefunden hat, wird jeder der siegreichen Kämpfer froh in sein Heim +zurückkehren, zu seinem Weib und Kindern, unverweilt und ungestört +durch Gedanken an die Feinde, die er im Nahekampf oder +durch die fernwirkende Waffe getötet hat. Es ist bemerkenswert, daß +sich die primitiven Völker, die noch auf der Erde leben und dem +Urmenschen gewiß näher stehen als wir, in diesem Punkte anders +verhalten – oder verhalten haben, so lange sie noch nicht den +<span class="pagenum"><a name="Page_18">18</a></span>Einfluß unserer Kultur erfahren hatten. Der Wilde – Australier, +Buschmann, Feuerländer – ist keineswegs ein reueloser Mörder; +wenn er als Sieger vom Kriegspfade heimkehrt, darf er sein Dorf +nicht betreten und sein Weib nicht berühren, ehe er seine kriegerischen +Mordtaten durch oft langwierige und mühselige Bußen gesühnt hat. +Natürlich liegt die Erklärung aus seinem Aberglauben nahe; der +Wilde fürchtet noch die Geisterrache der Erschlagenen. Aber die +Geister der erschlagenen Feinde sind nichts anderes als der Ausdruck +seines bösen Gewissens ob seiner Blutschuld; hinter diesem Aberglauben +verbirgt sich ein Stück ethischer Feinfühligkeit, welches uns +Kulturmenschen verloren gegangen ist<a name="FNanchor_3_3" href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>.</p> + +<p>Fromme Seelen, welche unser Wesen gerne von der Berührung +mit Bösem und Gemeinem ferne wissen <ins title="möchten;">möchten,</ins> werden gewiß +nicht versäumen, aus der Frühzeitigkeit und Eindringlichkeit des +Mordverbotes befriedigende Schlüsse zu ziehen auf die Stärke ethischer +Regungen, welche uns eingepflanzt sein müssen. Leider beweist dieses +Argument noch mehr für das Gegenteil. Ein so starkes Verbot +kann sich nur gegen einen ebenso starken Impuls richten. Was keines +Menschen Seele begehrt, braucht man nicht zu verbieten<a name="FNanchor_4_4" href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a>, es schließt +sich von selbst aus. Gerade die Betonung des Gebotes: Du sollst +nicht töten, macht uns sicher, daß wir von einer unendlich langen +Generationsreihe von Mördern abstammen, denen die Mordlust, wie +vielleicht noch uns selbst, im Blute lag. Die ethischen Strebungen der +Menschheit, an deren Stärke und Bedeutsamkeit man nicht zu nörgeln +braucht, sind ein Erwerb der Menschengeschichte; in leider sehr +wechselndem Ausmaße sind sie dann zum ererbten Besitz der heute +lebenden Menschen geworden.</p> + +<p>Verlassen wir nun den Urmenschen und wenden wir uns dem +Unbewußten im eigenen Seelenleben zu. Wir fußen hier ganz auf +der Untersuchungsmethode der Psychoanalyse, der einzigen, die in +solche Tiefen reicht. Wir fragen: wie verhält sich unser Unbewußtes +zum Problem des Todes? Die Antwort muß lauten: fast genau so +wie der Urmensch. In dieser wie in vielen anderen Hinsichten lebt +der Mensch der Vorzeit ungeändert in unserem Unbewußten fort. +Also unser Unbewußtes glaubt nicht an den eigenen Tod, es gebärdet +sich wie unsterblich. Was wir unser »Unbewußtes« heißen, +die tiefsten, aus Triebregungen bestehenden Schichten unserer Seele, +kennt überhaupt nichts Negatives, keine Verneinung – Gegensätze +fallen in ihm zusammen – und kennt darum auch nicht den eigenen +Tod, dem wir nur einen negativen Inhalt geben können. Dem Todesglauben +kommt also nichts Triebhaftes in uns entgegen. Vielleicht +ist dies sogar das Geheimnis des Heldentums. Die rationelle Begründung +des Heldentums ruht auf dem Urteil, daß das eigene +Leben nicht so wertvoll sein kann wie gewisse abstrakte und allgemeine +<span class="pagenum"><a name="Page_19">19</a></span>Güter. Aber ich meine, häufiger dürfte das instinktive und +impulsive Heldentum sein, welches von solcher Motivierung absieht +und einfach nach der Zusicherung des <span class="gesperrt">Anzengruber</span>'schen Steinklopferhanns: +<em class="gesperrt">Es kann dir nix g'scheh'n</em>, den Gefahren trotzt. +Oder jene Motivierung dient nur dazu, die Bedenken wegzuräumen, +welche die dem Unbewußten entsprechende heldenhafte Reaktion +hintanhalten können. Die Todesangst, unter deren Herrschaft wir +häufiger stehen, als wir selbst wissen, ist dagegen etwas Sekundäres, +und meist aus Schuldbewußtsein hervorgegangen.</p> + +<p>Anderseits anerkennen wir den Tod für Fremde und +Feinde und verhängen ihn über sie ebenso bereitwillig und unbedenklich +wie der Urmensch. Hier zeigt sich freilich ein Unterschied, +den man in der Wirklichkeit für entscheidend erklären wird. Unser +Unbewußtes führt die Tötung nicht aus, es denkt und wünscht sie +bloß. Aber es wäre unrecht, diese <em class="gesperrt">psychische</em> Realität im Vergleiche +zur <em class="gesperrt">faktischen</em> so ganz zu unterschätzen. Sie ist bedeutsam +und folgenschwer genug. Wir beseitigen in unseren unbewußten +Regungen täglich und stündlich alle, die uns im Wege stehen, die +uns beleidigt und geschädigt haben. Das »Hol' ihn der Teufel«, das +sich so häufig in scherzendem Unmut über unsere Lippen drängt, +und das eigentlich sagen will: Hol' ihn der Tod, in unserem Unbewußten +ist es ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch. Ja, unser Unbewußtes +mordet selbst für Kleinigkeiten; wie die alte athenische +Gesetzgebung des <span class="gesperrt">Drakon</span> kennt es für Verbrechen keine andere +Strafe als den Tod, und dies mit einer gewissen Konsequenz, denn +jede Schädigung unseres allmächtigen und selbstherrlichen Ichs ist im +Grunde ein crimen laesae majestatis.</p> + +<p>So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbewußten +Wunschregungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte +von Mördern. Es ist ein Glück, daß alle diese Wünsche nicht die +Kraft besitzen, die ihnen die Menschen in Urzeiten noch zutrauten<a name="FNanchor_5_5" href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a>; +in dem Kreuzfeuer von gegenseitigen Verwünschungen wäre die +Menschheit längst zugrunde gegangen, die besten und weisesten +der Männer darunter wie die schönsten und holdesten der Frauen.</p> + +<p>Mit Aufstellungen wie <ins title="diese">dieser</ins> findet die Psychoanalyse bei den +Laien meist keinen Glauben. Man weist sie als Verleumdungen zurück, +welche gegen die Versicherungen des Bewußtseins nicht in Betracht +kommen, und übersieht geschickt die geringen Anzeichen, durch welche +sich auch das Unbewußte dem Bewußtsein zu verraten pflegt. Es +ist darum am Platze darauf hinzuweisen, daß viele Denker, die nicht +von der Psychoanalyse beeinflußt sein konnten, die Bereitschaft unserer +stillen Gedanken, mit Hinwegsetzung über das Mordverbot zu beseitigen, +was uns im Wege steht, deutlich genug angeklagt haben. +Ich wähle hiefür ein einziges berühmt gewordenes Beispiel an Stelle +vieler anderer:</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_20">20</a></span> +Im »Père Goriot« spielt <span class="gesperrt">Balzac</span> auf eine Stelle in den Werken +J. J. <span class="gesperrt">Rousseau's</span> an, in welcher dieser Autor den Leser fragt, was +er wohl tun würde, wenn er – ohne Paris zu verlassen und natürlich +ohne entdeckt zu werden – einen alten Mandarin in Peking +durch einen bloßen Willensakt töten könnte, dessen Ableben ihm +einen großen Vorteil einbringen müßte. Er läßt erraten, daß er das +Leben dieses Würdenträgers für nicht sehr gesichert hält. »Tuer son +mandarin« ist dann sprichwörtlich worden für diese geheime Bereitschaft +auch der heutigen Menschen.</p> + +<p>Es gibt auch eine ganze Anzahl von zynischen Witzen und +Anekdoten, welche nach derselben Richtung Zeugnis ablegen, wie +z. B. die dem Ehemanne zugeschriebene Äußerung: Wenn einer von +uns beiden stirbt, übersiedle ich nach Paris. Solche zynische Witze +wären nicht möglich, wenn sie nicht eine verleugnete Wahrheit mitzuteilen +hätten, zu der man sich nicht bekennen darf, wenn sie ernsthaft +und unverhüllt ausgesprochen wird. Im Scherz darf man bekanntlich +sogar die Wahrheit sagen.</p> + +<p>Wie für den Urmenschen, so ergibt sich auch für unser Unbewußtes +ein Fall, in dem die beiden entgegengesetzten Einstellungen +gegen den Tod, die eine, welche ihn als Lebensvernichtung anerkennt, +und die andere, die ihn als unwirklich verleugnet, zusammenstoßen +und in Konflikt geraten. Und dieser Fall ist der nämliche wie in +der Urzeit, der Tod oder die Todesgefahr eines unserer Lieben, +eines Eltern- oder Gattenteils, eines Geschwisters, Kindes oder lieben +Freundes. Diese Lieben sind uns einerseits ein innerer Besitz, Bestandteile +unseres eigenen Ichs, anderseits aber auch teilweise Fremde, +ja Feinde. Den zärtlichsten und innigsten unserer Liebesbeziehungen +hängt mit Ausnahme ganz weniger Situationen ein Stückchen Feindseligkeit +an, welches den unbewußten Todeswunsch anregen kann. +Aus diesem Ambivalenzkonflikt geht aber nicht wie dereinst die +Seelenlehre und die Ethik hervor, sondern die Neurose, die uns tiefe +Einblicke auch in das normale Seelenleben gestattet. Wie häufig +haben die psychoanalytisch behandelnden Ärzte mit dem Symptom +der überzärtlichen Sorge um das Wohl der Angehörigen oder mit +völlig unbegründeten Selbstvorwürfen nach dem Tode einer geliebten +Person zu tun gehabt. Das Studium dieser Vorfälle hat ihnen über +die Verbreitung und Bedeutung der unbewußten Todeswünsche +keinen Zweifel gelassen.</p> + +<p>Der Laie empfindet ein außerordentliches Grauen vor dieser +Gefühlsmöglichkeit und nimmt diese Abneigung als legitimen Grund +zum Unglauben gegen die Behauptungen der Psychoanalyse. Ich +meine mit Unrecht. Es wird keine Herabsetzung unseres Liebeslebens +beabsichtigt, und es liegt auch keine solche vor. Unserem Verständnis +wie unserer Empfindung liegt es freilich ferne, Liebe und Haß in +solcher Weise miteinander zu verkoppeln, aber indem die Natur +mit diesem Gegensatzpaar arbeitet, bringt sie es zustande, die Liebe +immer wach und frisch zu erhalten, um sie gegen den hinter ihr +<span class="pagenum"><a name="Page_21">21</a></span>lauernden Haß zu versichern. Man darf sagen, die schönsten Entfaltungen +unseres Liebeslebens danken wir der <em class="gesperrt">Reaktion</em> gegen +den feindseligen Impuls, den wir in unserer Brust verspüren.</p> + +<p>Resümieren wir nun: unser Unbewußtes ist gegen die Vorstellung +des eigenen Todes ebenso unzugänglich, gegen den Fremden +ebenso mordlustig, gegen die geliebte Person ebenso zwiespältig +(ambivalent) wie der Mensch der Urzeit. Wie weit haben wir uns +aber in der konventionell-kulturellen Einstellung gegen den Tod von +diesem Urzustand entfernt!</p> + +<p>Es ist leicht zu sagen, wie der Krieg in diese Entzweiung +eingreift. Er streift uns die späteren Kulturauflagerungen ab und +läßt den Urmenschen in uns wieder zum Vorschein kommen. Er +zwingt uns wieder, Helden zu sein, die an den eigenen Tod nicht +glauben können; er bezeichnet uns die Fremden als Feinde, deren +Tod man herbeiführen oder herbeiwünschen soll; er rät uns, uns +über den Tod geliebter Personen hinwegzusetzen. Der Krieg ist +aber nicht abzuschaffen; solange die Existenzbedingungen der Völker +so verschieden und die Abstoßungen unter ihnen so heftig sind, wird +es Kriege geben müssen. Da erhebt sich denn die Frage: Sollen +wir nicht diejenigen sein, die nachgeben und sich ihm anpassen? +Sollen wir nicht zugestehen, daß wir mit unserer kulturellen Einstellung +zum Tode psychologisch wieder einmal über unseren Stand +gelebt haben, und vielmehr umkehren und die Wahrheit fatieren? +Wäre es nicht besser, dem Tod den Platz in der Wirklichkeit und +in unseren Gedanken einzuräumen, der ihm gebührt, und unsere +unbewußte Einstellung zum Tode, die wir bisher so sorgfältig unterdrückt +haben, ein wenig mehr hervorzukehren? Es scheine das keine +Höherleistung zu sein, eher ein Rückschritt in manchen Stücken, eine +Regression, aber es hat den Vorteil, der Wahrhaftigkeit mehr Rechnung +zu tragen und uns das Leben wieder erträglicher zu machen. +Das Leben zu ertragen, bleibt ja doch die erste Pflicht aller Lebenden. +Die Illusion wird wertlos, wenn sie uns darin stört.</p> + +<p>Wir erinnern uns des alten Spruches:</p> + +<p class="center gesperrt">Si vis pacem, para bellum.</p> + +<p class="center">(Wenn du den Frieden erhalten willst, so rüste zum Krieg.)</p> + +<p>Es wäre zeitgemäß ihn abzuändern:</p> + +<p class="center gesperrt">Si vis vitam, para mortem.</p> + +<p class="center">(Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.)</p> + +<div class="figcenter" style="width: 100px;"> +<img src="images/p0021-image.png" width="100" height="98" alt="" title="" /> +</div> + +<div class="footnotes"> +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_1" href="#FNanchor_1_1" class="label">[1]</a> Vgl. diese Zeitschr. Bd. II. 1913. (Die infantile Wiederkehr des Totemismus.)</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_2" href="#FNanchor_2_2" class="label">[2]</a> Siehe diese Zeitschr. Bd. I. 1912, Tabu und Ambivalenz. Und »<span class="gesperrt">Totem</span> +und <span class="gesperrt">Tabu</span>«.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_3" href="#FNanchor_3_3" class="label">[3]</a> S. diese Zeitschr., Bd. II. l. c.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4_4" href="#FNanchor_4_4" class="label">[4]</a> Vgl. die glänzende Argumentation von <span class="gesperrt">Frazer</span> in dieser Zeitschr., Bd. III. +p. 377.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5_5" href="#FNanchor_5_5" class="label">[5]</a> Vgl. über »Allmacht der Gedanken« in dieser Zeitschr., Bd. III. 1913.</p></div> +</div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD *** + +***** This file should be named 29941-h.htm or 29941-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/2/9/9/4/29941/ + +Produced by Jana Srna and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. 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