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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:48:31 -0700 |
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diff --git a/29941-8.txt b/29941-8.txt new file mode 100644 index 0000000..f69bcbf --- /dev/null +++ b/29941-8.txt @@ -0,0 +1,1408 @@ +Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Zeitgemäßes über Krieg und Tod + +Author: Sigmund Freud + +Release Date: September 8, 2009 [EBook #29941] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD *** + + + + +Produced by Jana Srna and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der + Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV (1915). S. 1-21. + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert. + ] + + + + +Zeitgemäßes über Krieg und Tod. + +Von SIGM. FREUD. + + +I. Die Enttäuschung des Krieges. + +Von dem Wirbel dieser Kriegszeit gepackt, einseitig unterrichtet, ohne +Distanz von den großen Veränderungen, die sich bereits vollzogen haben +oder zu vollziehen beginnen, und ohne Witterung der sich gestaltenden +Zukunft, werden wir selbst irre an der Bedeutung der Eindrücke, die sich +uns aufdrängen, und an dem Wert der Urteile, die wir bilden. Es will uns +scheinen, als hätte noch niemals ein Ereignis soviel kostbares Gemeingut +der Menschheit zerstört, soviele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so +gründlich das Hohe erniedrigt. Selbst die Wissenschaft hat ihre +leidenschaftslose Unparteilichkeit verloren; ihre aufs tiefste +erbitterten Diener suchen ihr Waffen zu entnehmen, um einen Beitrag zur +Bekämpfung des Feindes zu leisten. Der Anthropologe muß den Gegner für +minderwertig und degeneriert erklären, der Psychiater die Diagnose +seiner Geistes- oder Seelenstörung verkünden. Aber wahrscheinlich +empfinden wir das Böse dieser Zeit unmäßig stark und haben kein Recht, +es mit dem Bösen anderer Zeiten zu vergleichen, die wir nicht erlebt +haben. + +Der Einzelne, der nicht selbst ein Kämpfer und somit ein Partikelchen +der riesigen Kriegsmaschinerie geworden ist, fühlt sich in seiner +Orientierung verwirrt und in seiner Leistungsfähigkeit gehemmt. Ich +meine, ihm wird jeder kleine Wink willkommen sein, der es ihm +erleichtert, sich wenigstens in seinem eigenen Innern zurechtzufinden. +Unter den Momenten, welche das seelische Elend der Daheimgebliebenen +verschuldet haben, und deren Bewältigung ihnen so schwierige Aufgaben +stellt, möchte ich zwei hervorheben und an dieser Stelle behandeln: Die +Enttäuschung, die dieser Krieg hervorgerufen hat, und die veränderte +Einstellung zum Tode, zu der er uns -- wie alle anderen Kriege -- +nötigt. + +Wenn ich von Enttäuschung rede, weiß jedermann sofort, was damit +gemeint ist. Man braucht kein Mitleidsschwärmer zu sein, man kann die +biologische und psychologische Notwendigkeit des Leidens für die +Ökonomie des Menschenlebens einsehen und darf doch den Krieg in seinen +Mitteln und Zielen verurteilen und das Aufhören der Kriege herbeisehnen. +Man sagte sich zwar, die Kriege könnten nicht aufhören, so lange die +Völker unter so verschiedenartigen Existenzbedingungen leben, so lange +die Wertungen des Einzellebens bei ihnen weit auseinandergehen, und so +lange die Gehässigkeiten, welche sie trennen, so starke seelische +Triebkräfte repräsentieren. Man war also darauf vorbereitet, daß Kriege +zwischen den primitiven und den zivilisierten Völkern, zwischen den +Menschenrassen, die durch die Hautfarbe voneinander geschieden werden, +ja Kriege mit und unter den wenig entwickelten oder verwilderten +Völkerindividuen Europas die Menschheit noch durch geraume Zeit in +Anspruch nehmen werden. Aber man getraute sich etwas anderes zu hoffen. +Von den großen weltbeherrschenden Nationen weißer Rasse, denen die +Führung des Menschengeschlechtes zugefallen ist, die man mit der Pflege +weltumspannender Interessen beschäftigt wußte, deren Schöpfungen die +technischen Fortschritte in der Beherrschung der Natur wie die +künstlerischen und wissenschaftlichen Kulturwerte sind, von diesen +Völkern hatte man erwartet, daß sie es verstehen würden, Mißhelligkeiten +und Interessenkonflikte auf anderem Wege zum Austrag zu bringen. +Innerhalb jeder dieser Nationen waren hohe sittliche Normen für den +Einzelnen aufgestellt worden, nach denen er seine Lebensführung +einzurichten hatte, wenn er an der Kulturgemeinschaft teilnehmen wollte. +Diese oft überstrengen Vorschriften forderten viel von ihm, eine +ausgiebige Selbstbeschränkung, einen weitgehenden Verzicht auf +Triebbefriedigung. Es war ihm vor allem versagt, sich der +außerordentlichen Vorteile zu bedienen, die der Gebrauch von Lüge und +Betrug im Wettkampf mit den Nebenmenschen schafft. Der Kulturstaat hielt +diese sittlichen Normen für die Grundlage seines Bestandes, er schritt +ernsthaft ein, wenn man sie anzutasten wagte, erklärte es oft für +untunlich, sie auch nur einer Prüfung durch den kritischen Verstand zu +unterziehen. Es war also anzunehmen, daß er sie selbst respektieren +wolle und nichts gegen sie zu unternehmen gedenke, wodurch er der +Begründung seiner eigenen Existenz widersprochen hätte. Endlich konnte +man zwar die Wahrnehmung machen, daß es innerhalb dieser Kulturnationen +gewisse eingesprengte Völkerreste gäbe, die ganz allgemein unliebsam +wären und darum nur widerwillig, auch nicht im vollen Umfange, zur +Teilnahme an der gemeinsamen Kulturarbeit zugelassen würden, für die sie +sich als genug geeignet erwiesen hatten. Aber die großen Völker selbst, +konnte man meinen, hätten soviel Verständnis für ihre Gemeinsamkeiten +und soviel Toleranz für ihre Verschiedenheiten erworben, daß »fremd« und +»feindlich« nicht mehr wie noch im klassischen Altertum für sie zu einem +Begriff verschmelzen durften. + +Vertrauend auf diese Einigung der Kulturvölker haben ungezählte Menschen +ihren Wohnort in der Heimat gegen den Aufenthalt in der Fremde +eingetauscht und ihre Existenz an die Verkehrsbeziehungen zwischen den +befreundeten Völkern geknüpft. Wen aber die Not des Lebens nicht ständig +an die nämliche Stelle bannte, der konnte sich aus allen Vorzügen und +Reizen der Kulturländer ein neues größeres Vaterland zusammensetzen, in +dem er sich ungehemmt und unverdächtigt erging. Er genoß so das blaue +und das graue Meer, die Schönheit der Schneeberge und die der grünen +Wiesenflächen, den Zauber des nordischen Waldes und die Pracht der +südlichen Vegetation, die Stimmung der Landschaften, auf denen große +historische Erinnerungen ruhen, und die Stille der unberührten Natur. +Dies neue Vaterland war für ihn auch ein Museum, erfüllt mit allen +Schätzen, welche die Künstler der Kulturmenschheit seit vielen +Jahrhunderten geschaffen und hinterlassen hatten. Während er von einem +Saal dieses Museums in einen anderen wanderte, konnte er in parteiloser +Anerkennung feststellen, was für verschiedene Typen von Vollkommenheit +Blutmischung, Geschichte und die Eigenart der Mutter Erde an seinen +weiteren Kompatrioten ausgebildet hatten. Hier war die kühle unbeugsame +Energie aufs höchste entwickelt, dort die graziöse Kunst, das Leben zu +verschönern, anderswo der Sinn für Ordnung und Gesetz oder andere der +Eigenschaften, die den Menschen zum Herrn der Erde gemacht haben. + +Vergessen wir auch nicht daran, daß jeder Kulturweltbürger sich einen +besonderen »Parnaß« und eine »Schule von Athen« geschaffen hatte. Unter +den großen Denkern, Dichtern, Künstlern aller Nationen, hatte er die +ausgewählt, denen er das Beste zu schulden vermeinte, was ihm an +Lebensgenuß und Lebensverständnis zugänglich geworden war, und sie den +unsterblichen Alten in seiner Verehrung zugesellt wie den vertrauten +Meistern seiner eigenen Zunge. Keiner von diesen Großen war ihm darum +fremd erschienen, weil er in anderer Sprache geredet hatte, weder der +unvergleichliche Ergründer der menschlichen Leidenschaften, noch der +schönheitstrunkene Schwärmer oder der gewaltig drohende Prophet, der +feinsinnige Spötter, und niemals warf er sich dabei vor, abtrünnig +geworden zu sein der eigenen Nation und der geliebten Muttersprache. + +Der Genuß der Kulturgemeinschaft wurde gelegentlich durch Stimmen +gestört, welche warnten, daß infolge altüberkommener Differenzen Kriege +auch unter den Mitgliedern derselben unvermeidlich wären. Man wollte +nicht daran glauben, aber wie stellte man sich einen solchen Krieg vor, +wenn es dazu kommen sollte? Als eine Gelegenheit die Fortschritte im +Gemeingefühl der Menschen aufzuzeigen seit jener Zeit, da die +griechischen Amphiktyonien verboten hatten, eine dem Bündnis angehörige +Stadt zu zerstören, ihre Ölbäume umzuhauen und ihr das Wasser +abzuschneiden. Als einen ritterlichen Waffengang, der sich darauf +beschränken wollte, die Überlegenheit des einen Teils festzustellen, +unter möglichster Vermeidung schwerer Leiden, die zu dieser Entscheidung +nichts beitragen könnten, mit voller Schonung für den Verwundeten, der +aus dem Kampf ausscheiden muß, und für den Arzt und Pfleger, der sich +seiner Herstellung widmet. Natürlich mit allen Rücksichten für den nicht +kriegführenden Teil der Bevölkerung, für die Frauen, die dem +Kriegshandwerk ferne bleiben, und für die Kinder, die, herangewachsen, +einander von beiden Seiten Freunde und Mithelfer werden sollen. Auch mit +Erhaltung all der internationalen Unternehmungen und Institutionen, in +denen sich die Kulturgemeinschaft der Friedenszeit verkörpert hatte. + +Ein solcher Krieg hätte immer noch genug des Schrecklichen und schwer zu +Ertragenden enthalten, aber er hätte die Entwicklung ethischer +Beziehungen zwischen den Großindividuen der Menschheit, den Völkern und +Staaten, nicht unterbrochen. + +Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus und er +brachte die -- Enttäuschung. Er ist nicht nur blutiger und +verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mächtig +vervollkommneten Waffen des Angriffs und der Verteidigung, sondern +mindestens ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie irgend ein +früherer. Er setzt sich über alle Einschränkungen hinaus, zu denen man +sich in friedlichen Zeiten verpflichtet, die man das Völkerrecht genannt +hatte, anerkennt nicht die Vorrechte des Verwundeten und des Arztes, die +Unterscheidung des friedlichen und des kämpfenden Teils der Bevölkerung, +die Ansprüche des Privateigentums. Er wirft nieder, was ihm im Wege +steht, in blinder Wut, als sollte es keine Zukunft und keinen Frieden +unter den Menschen nach ihm geben. Er zerreißt alle Bande der +Gemeinschaft unter den miteinander ringenden Völkern und droht eine +Erbitterung zu hinterlassen, welche eine Wiederanknüpfung derselben für +lange Zeit unmöglich machen wird. + +Er brachte auch das kaum begreifliche Phänomen zum Vorschein, daß die +Kulturvölker einander so wenig kennen und verstehen, daß sich das eine +mit Haß und Abscheu gegen das andere wenden kann. Ja daß eine der großen +Kulturnationen so allgemein mißliebig ist, daß der Versuch gewagt werden +kann, sie als »barbarisch« von der Kulturgemeinschaft auszuschließen, +obwohl sie ihre Eignung durch die großartigsten Beitragsleistungen +längst erwiesen hat. Wir leben der Hoffnung, eine unparteiische +Geschichtsschreibung werde den Nachweis erbringen, daß gerade diese +Nation, die, in deren Sprache wir schreiben, für deren Sieg unsere +Lieben kämpfen, sich am wenigsten gegen die Gesetze der menschlichen +Gesittung vergangen habe, aber wer darf in solcher Zeit als Richter +auftreten in eigener Sache? + +Völker werden ungefähr durch die Staaten, die sie bilden, repräsentiert; +diese Staaten durch die Regierungen, die sie leiten. Der einzelne +Volksangehörige kann in diesem Krieg mit Schreck feststellen, was sich +ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten aufdrängen wollte, daß der +Staat dem Einzelnen den Gebrauch des Unrechts untersagt hat, nicht weil +er es abschaffen, sondern weil er es monopolisieren will wie Salz und +Tabak. Der kriegführende Staat gibt sich jedes Unrecht, jede +Gewalttätigkeit frei, die den Einzelnen entehren würde. Er bedient sich +nicht nur der erlaubten List, sondern auch der bewußten Lüge und des +absichtlichen Betruges gegen den Feind, und dies zwar in einem Maße, +welches das in früheren Kriegen Gebräuchliche zu übersteigen scheint. +Der Staat fordert das Äußerste an Gehorsam und Aufopferung von seinen +Bürgern, entmündigt sie aber dabei durch ein Übermaß von Verheimlichung +und eine Zensur der Mitteilung und Meinungsäußerung, welche die Stimmung +der so intellektuell Unterdrückten wehrlos macht gegen jede ungünstige +Situation und jedes wüste Gerücht. Er löst sich los von Zusicherungen +und Verträgen, durch die er sich gegen andere Staaten gebunden hatte, +bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier und seinem Machtstreben, die +dann der Einzelne aus Patriotismus gutheißen soll. + +Man wende nicht ein, daß der Staat auf den Gebrauch des Unrechts nicht +verzichten kann, weil er sich dadurch in Nachteil setzte. Auch für den +Einzelnen ist die Befolgung der sittlichen Normen, der Verzicht auf +brutale Machtbetätigung in der Regel sehr unvorteilhaft, und der Staat +zeigt sich nur selten dazu fähig, den Einzelnen für das Opfer zu +entschädigen, das er von ihm gefordert hat. Man darf sich auch nicht +darüber verwundern, daß die Lockerung aller sittlichen Beziehungen +zwischen den Großindividuen der Menschheit eine Rückwirkung auf die +Sittlichkeit der Einzelnen geäußert hat, denn unser Gewissen ist nicht +der unbeugsame Richter, für den die Ethiker es ausgeben, es ist in +seinem Ursprunge »_soziale Angst_« und nichts anderes. Wo die +Gemeinschaft den Vorwurf aufhebt, hört auch die Unterdrückung der bösen +Gelüste auf, und die Menschen begehen Taten von Grausamkeit, Tücke, +Verrat und Roheit, deren Möglichkeit man mit ihrem kulturellen Niveau +für unvereinbar gehalten hätte. + +So mag der Kulturweltbürger, den ich vorhin eingeführt habe, ratlos +dastehen in der ihm fremd gewordenen Welt, sein großes Vaterland +zerfallen, die gemeinsamen Besitztümer verwüstet, die Mitbürger entzweit +und erniedrigt! + +Zur Kritik seiner Enttäuschung wäre einiges zu bemerken. Sie ist, +strenge genommen, nicht berechtigt, denn sie besteht in der Zerstörung +einer Illusion. Illusionen empfehlen sich uns dadurch, daß sie +Unlustgefühle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedigungen genießen +lassen. Wir müssen es dann ohne Klage hinnehmen, daß sie irgend einmal +mit einem Stück der Wirklichkeit zusammenstoßen, an dem sie zerschellen. + +Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttäuschung rege gemacht: die +geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich nach innen als die +Wächter der sittlichen Normen gebärden, und die Brutalität im Benehmen +der Einzelnen, denen man als Teilnehmer an der höchsten menschlichen +Kultur ähnliches nicht zugetraut hat. + +Beginnen wir mit dem zweiten Punkt und versuchen wir es, die Anschauung, +die wir kritisieren wollen, in einen einzigen knappen Satz zu fassen. +Wie stellt man sich denn eigentlich den Vorgang vor, durch welchen ein +einzelner Mensch zu einer höheren Stufe von Sittlichkeit gelangt? Die +erste Antwort wird wohl lauten: Er ist eben von Geburt und von Anfang an +gut und edel. Sie soll hier weiter nicht berücksichtigt werden. Eine +zweite Antwort wird auf die Anregung eingehen, daß hier ein +Entwicklungsvorgang vorliegen müsse, und wird wohl annehmen, diese +Entwicklung bestehe darin, daß die bösen Neigungen des Menschen in ihm +ausgerottet und unter dem Einfluß von Erziehung und Kulturumgebung durch +Neigungen zum Guten ersetzt werden. Dann darf man sich allerdings +verwundern, daß bei dem so Erzogenen das Böse wieder so tatkräftig zum +Vorschein kommt. + +Aber diese Antwort enthält auch den Satz, dem wir widersprechen wollen. +In Wirklichkeit gibt es keine »Ausrottung« des Bösen. Die psychologische +-- im strengeren Sinne die psychoanalytische -- Untersuchung zeigt +vielmehr, daß das tiefste Wesen des Menschen in Triebregungen besteht, +die elementarer Natur, bei allen Menschen gleichartig sind und auf die +Befriedigung gewisser ursprünglicher Bedürfnisse zielen. Diese +Triebregungen sind an sich weder gut noch böse. Wir klassifizieren sie +und ihre Äußerungen in solcher Weise je nach ihrer Beziehung zu den +Bedürfnissen und Anforderungen der menschlichen Gemeinschaft. Zuzugeben +ist, daß alle die Regungen, welche von der Gesellschaft als böse verpönt +werden -- nehmen wir als Vertretung derselben die eigensüchtigen und die +grausamen -- sich unter diesen primitiven befinden. + +Diese primitiven Regungen legen einen langen Entwicklungsweg zurück, bis +sie zur Betätigung beim Erwachsenen zugelassen werden. Sie werden +gehemmt, auf andere Ziele und Gebiete gelenkt, gehen Verschmelzungen +miteinander ein, wechseln ihre Objekte, wenden sich zum Teil gegen die +eigene Person. Reaktionsbildungen gegen gewisse Triebe täuschen die +inhaltliche Verwandlung derselben vor, als ob aus Egoismus -- +Altruismus, aus Grausamkeit -- Mitleid geworden wäre. Diesen +Reaktionsbildungen kommt zugute, daß manche Triebregungen fast von +Anfang an in Gegensatzpaaren auftreten, ein sehr merkwürdiges und der +populären Kenntnis fremdes Verhältnis, das man die »Gefühlsambivalenz« +benannt hat. Am leichtesten zu beobachten und vom Verständnis zu +bewältigen ist die Tatsache, daß starkes Lieben und starkes Hassen so +häufig miteinander bei derselben Person vereint vorkommen. Die +Psychoanalyse fügt dem hinzu, daß die beiden entgegengesetzten +Gefühlsregungen nicht selten auch die nämliche Person zum Objekt nehmen. + +Erst nach Überwindung all solcher »Triebschicksale« stellt sich das +heraus, was man den Charakter eines Menschen nennt, und was mit »gut« +oder »böse« bekanntlich nur sehr unzureichend klassifiziert werden kann. +Der Mensch ist selten im ganzen gut oder böse, meist »gut« in dieser +Relation, böse in einer anderen oder »gut« unter solchen äußeren +Bedingungen, unter anderen entschieden »böse«. Interessant ist die +Erfahrung, daß die kindliche Präexistenz starker »böser« Regungen oft +geradezu die Bedingung wird für eine besonders deutliche Wendung des +Erwachsenen zum »Guten«. Die stärksten kindlichen Egoisten können die +hilfreichsten und aufopferungsfähigsten Bürger werden; die meisten +Mitleidschwärmer, Menschenfreunde, Tierschützer haben sich aus kleinen +Sadisten und Tierquälern entwickelt. + +Die Umbildung der »bösen« Triebe ist das Werk zweier im gleichen Sinne +wirkenden Faktoren, eines inneren und eines äußeren. Der innere Faktor +besteht in der Beeinflussung der bösen -- sagen wir: eigensüchtigen -- +Triebe durch die Erotik, das Liebesbedürfnis des Menschen im weitesten +Sinne genommen. Durch die Zumischung der _erotischen_ Komponenten werden +die eigensüchtigen Triebe in _soziale_ umgewandelt. Man lernt das +Geliebtwerden als einen Vorteil schätzen, wegen dessen man auf andere +Vorteile verzichten darf. Der äußere Faktor ist der Zwang der Erziehung, +welche die Ansprüche der kulturellen Umgebung vertritt, und die dann +durch die direkte Einwirkung des Kulturmilieus fortgesetzt wird. Kultur +ist durch Verzicht auf Triebbefriedigung gewonnen worden und fordert von +jedem neu Ankommenden, daß er denselben Triebverzicht leiste. Während +des individuellen Lebens findet eine beständige Umsetzung von äußerem +Zwang in inneren Zwang statt. Die Kultureinflüsse leiten dazu an, daß +immer mehr von den eigensüchtigen Strebungen durch erotische Zusätze in +altruistische, soziale verwandelt werden. Man darf endlich annehmen, daß +aller innere Zwang, der sich in der Entwicklung des Menschen geltend +macht, ursprünglich, d. h. in _der Menschheitsgeschichte_ nur äußerer +Zwang war. Die Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stück +Neigung (Disposition) zur Umwandlung der egoistischen in soziale Triebe +als ererbte Organisation mit, die auf leichte Anstöße hin diese +Umwandlung durchführt. Ein anderes Stück dieser Triebumwandlung muß im +Leben selbst geleistet werden. In solcher Art steht der einzelne Mensch +nicht nur unter der Einwirkung seines gegenwärtigen Kulturmilieus, +sondern unterliegt auch dem Einflusse der Kulturgeschichte seiner +Vorfahren. + +Heißen wir die einem Menschen zukommende Fähigkeit zur Umbildung der +egoistischen Triebe unter dem Einfluß der Erotik seine _Kultureignung_, +so können wir aussagen, daß dieselbe aus zwei Anteilen besteht, einem +angeborenen und einem im Leben erworbenen, und daß das Verhältnis der +beiden zueinander und zu dem unverwandelt gebliebenen Anteil des +Trieblebens ein sehr variables ist. + +Im allgemeinen sind wir geneigt, den angeborenen Anteil zu hoch zu +veranschlagen, und überdies laufen wir Gefahr, die gesamte Kultureignung +in ihrem Verhältnis zum primitiv gebliebenen Triebleben zu überschätzen, +d. h. wir werden dazu verleitet, die Menschen »besser« zu beurteilen, +als sie in Wirklichkeit sind. Es besteht nämlich noch ein anderes +Moment, welches unser Urteil trübt und das Ergebnis im günstigen Sinne +verfälscht. + +Die Triebregungen eines anderen Menschen sind unserer Wahrnehmung +natürlich entrückt. Wir schließen auf sie aus seinen Handlungen und +seinem Benehmen, welche wir auf _Motive_ aus seinem Triebleben +zurückführen. Ein solcher Schluß geht notwendigerweise in einer Anzahl +von Fällen irre. Die nämlichen, kulturell »guten« Handlungen können das +einemal von »edlen« Motiven herstammen, das anderemal nicht. Die +theoretischen Ethiker heißen nur solche Handlungen »gut«, welche der +Ausdruck guter Triebregungen sind, den anderen versagen sie ihre +Anerkennung. Die von praktischen Absichten geleitete Gesellschaft +kümmert sich aber im ganzen um diese Unterscheidung nicht; sie begnügt +sich damit, daß ein Mensch sein Benehmen und seine Handlungen nach den +kulturellen Vorschriften richte, und fragt wenig nach seinen Motiven. + +Wir haben gehört, daß der _äußere Zwang_, den Erziehung und Umgebung auf +den Menschen üben, eine weitere Umbildung seines Trieblebens zum Guten, +eine Wendung vom Egoismus zum Altruismus herbeiführt. Aber dies ist +nicht die notwendige oder regelmäßige Wirkung des äußeren Zwanges. +Erziehung und Umgebung haben nicht nur Liebesprämien anzubieten, sondern +arbeiten auch mit Vorteilsprämien anderer Art, mit Lohn und Strafen. Sie +können also die Wirkung äußern, daß der ihrem Einfluß Unterliegende sich +zum guten Handeln im kulturellen Sinne entschließt, ohne daß sich eine +Triebveredlung, eine Umsetzung egoistischer in soziale Neigungen, in ihm +vollzogen hat. Der Erfolg wird im groben derselbe sein; erst unter +besonderen Verhältnissen wird es sich zeigen, daß der eine immer gut +handelt, weil ihn seine Triebneigungen dazu nötigen, der andere nur gut +ist, weil, insolange und insoweit dies kulturelle Verhalten seinen +eigensüchtigen Absichten Vorteile bringt. Wir aber werden bei +oberflächlicher Bekanntschaft mit den Einzelnen kein Mittel haben, die +beiden Fälle zu unterscheiden, und gewiß durch unseren Optimismus +verführt werden, die Anzahl der kulturell veränderten Menschen arg zu +überschätzen. + +Die Kulturgesellschaft, die die gute Handlung fordert und sich um die +Triebbegründung derselben nicht kümmert, hat also eine große Zahl von +Menschen zum Kulturgehorsam gewonnen, die dabei nicht ihrer Natur +folgen. Durch diesen Erfolg ermutigt, hat sie sich verleiten lassen, die +sittlichen Anforderungen möglichst hoch zu spannen und so ihre +Teilnehmer zu noch weiterer Entfernung von ihrer Triebveranlagung +gezwungen. Diesen ist nun eine fortgesetzte Triebunterdrückung +auferlegt, deren Spannung sich in den merkwürdigsten Reaktions- und +Kompensationserscheinungen kundgibt. Auf dem Gebiete der Sexualität, wo +solche Unterdrückung am wenigsten durchzuführen ist, kommt es so zu den +Reaktionserscheinungen der neurotischen Erkrankungen. Der sonstige Druck +der Kultur zeitigt zwar keine pathologische Folgen, äußert sich aber in +Charakterverbildungen und in der steten Bereitschaft der gehemmten +Triebe, bei passender Gelegenheit zur Befriedigung durchzubrechen. Wer +so genötigt wird, dauernd im Sinne von Vorschriften zu reagieren, die +nicht der Ausdruck seiner Triebneigungen sind, der lebt, psychologisch +verstanden, über seine Mittel und darf objektiv als Heuchler bezeichnet +werden, gleichgiltig ob ihm diese Differenz klar bewußt worden ist oder +nicht. Es ist unleugbar, daß unsere gegenwärtige Kultur die Ausbildung +dieser Art von Heuchelei in außerordentlichem Umfange begünstigt. Man +könnte die Behauptung wagen, sie sei auf solcher Heuchelei aufgebaut und +müßte sich tiefgreifende Abänderungen gefallen lassen, wenn es die +Menschen unternehmen würden, der psychologischen Wahrheit nachzuleben. +Es gibt also ungleich mehr Kulturheuchler als wirklich kulturelle +Menschen, ja man kann den Standpunkt diskutieren, ob ein gewisses Maß +von Kulturheuchelei nicht zur Aufrechthaltung der Kultur unerläßlich +sei, weil die bereits organisierte Kultureignung der heute lebenden +Menschen vielleicht für diese Leistung nicht zureichen würde. Anderseits +bietet die Aufrechthaltung der Kultur auch auf so bedenklicher Grundlage +die Aussicht, bei jeder neuen Generation eine weitergehende +Triebumbildung als Trägerin einer besseren Kultur anzubahnen. + +Den bisherigen Erörterungen entnehmen wir bereits den einen Trost, daß +unsere Kränkung und schmerzliche Enttäuschung wegen des unkulturellen +Benehmens unserer Weltmitbürger in diesem Kriege unberechtigt waren. Sie +beruhten auf einer Illusion, der wir uns gefangen gaben. In Wirklichkeit +sind sie nicht so tief gesunken, wie wir fürchten, weil sie gar nicht so +hoch gestiegen waren, wie wirs von ihnen glaubten. Daß die menschlichen +Großindividuen, die Völker und Staaten, die sittlichen Beschränkungen +gegeneinander fallen ließen, wurde ihnen zur begreiflichen Anregung, +sich für eine Weile dem bestehenden Drucke der Kultur zu entziehen und +ihren zurückgehaltenen Trieben vorübergehend Befriedigung zu gönnen. +Dabei geschah ihrer relativen Sittlichkeit innerhalb des eigenen +Volkstums wahrscheinlich kein Abbruch. + +Wir können uns aber das Verständnis der Veränderung, die der Krieg an +unseren früheren Kompatrioten zeigt, noch vertiefen und empfangen dabei +eine Warnung, kein Unrecht an ihnen zu begehen. Seelische Entwicklungen +besitzen nämlich eine Eigentümlichkeit, welche sich bei keinem anderen +Entwicklungsvorgang mehr vorfindet. Wenn ein Dorf zur Stadt, ein Kind +zum Mann heranwächst, so gehen dabei Dorf und Kind in Stadt und Mann +unter. Nur die Erinnerung kann die alten Züge in das neue Bild +einzeichnen; in Wirklichkeit sind die alten Materialien oder Formen +beseitigt und durch neue ersetzt worden. Anders geht es bei einer +seelischen Entwicklung zu. Man kann den nicht zu vergleichenden +Sachverhalt nicht anders beschreiben als durch die Behauptung, daß jede +frühere Entwicklungsstufe neben der späteren, die aus ihr geworden ist, +erhalten bleibt; die Sukzession bedingt eine Koexistenz mit, obwohl es +doch dieselben Materialien sind, an denen die ganze Reihenfolge von +Veränderungen abgelaufen ist. Der frühere seelische Zustand mag sich +jahrelang nicht geäußert haben, er bleibt doch soweit bestehen, daß er +eines Tages wiederum die Äußerungsform der seelischen Kräfte werden +kann, und zwar die einzige, als ob alle späteren Entwicklungen +annulliert, rückgängig gemacht worden wären. Diese außerordentliche +Plastizität der seelischen Entwicklungen ist in ihrer Richtung nicht +unbeschränkt; man kann sie als eine besondere Fähigkeit zur Rückbildung +-- Regression -- bezeichnen, denn es kommt wohl vor, daß eine spätere +und höhere Entwicklungsstufe, die verlassen wurde, nicht wieder erreicht +werden kann. Aber die primitiven Zustände können immer wieder +hergestellt werden; das primitive Seelische ist im vollsten Sinne +unvergänglich. + +Die sogenannten Geisteskrankheiten müssen beim Laien den Eindruck +hervorrufen, daß das Geistes- und Seelenleben der Zerstörung +anheimgefallen sei. In Wirklichkeit betrifft die Zerstörung nur spätere +Erwerbungen und Entwicklungen. Das Wesen der Geisteskrankheit besteht in +der Rückkehr zu früheren Zuständen des Affektlebens und der Funktion. +Ein ausgezeichnetes Beispiel für die Plastizität des Seelenlebens gibt +der Schlafzustand, den wir allnächtlich anstreben. Seitdem wir auch +tolle und verworrene Träume zu übersetzen verstehen, wissen wir, daß +wir mit jedem Einschlafen unsere mühsam erworbene Sittlichkeit wie +ein Gewand von uns werfen -- um es am Morgen wieder anzutun. Diese +Entblößung ist natürlich ungefährlich, weil wir durch den Schlafzustand +gelähmt, zur Inaktivität verurteilt sind. Nur der Traum kann von der +Regression unseres Gefühllebens auf eine der frühesten Entwicklungsstufen +Kunde geben. So ist es z. B. bemerkenswert, daß alle unsere Träume von +rein egoistischen Motiven beherrscht werden. Einer meiner englischen +Freunde vertrat einmal diesen Satz vor einer wissenschaftlichen +Versammlung in Amerika, worauf ihm eine anwesende Dame die Bemerkung +machte, das möge vielleicht für Österreich richtig sein, aber sie dürfe +von sich und ihren Freunden behaupten, daß sie auch noch im Traume +altruistisch fühlen. Mein Freund, obwohl selbst ein Angehöriger der +englischen Rasse, mußte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der +Traumanalyse der Dame energisch widersprechen: Im Traume sei auch die +edle Amerikanerin ebenso egoistisch wie der Österreicher. + +Es kann also auch die Triebumbildung, auf welcher unsere Kultureignung +beruht, durch Einwirkungen des Lebens -- dauernd oder zeitweilig -- +rückgängig gemacht werden. Ohne Zweifel gehören die Einflüsse des +Krieges zu den Mächten, welche solche Rückbildung erzeugen können, und +darum brauchen wir nicht allen jenen, die sich gegenwärtig unkulturell +benehmen, die Kultureignung abzusprechen, und dürfen erwarten, daß sich +ihre Triebveredlung in ruhigeren Zeiten wieder herstellen wird. + +Vielleicht hat uns aber ein anderes Symptom bei unseren Weltmitbürgern +nicht weniger überrascht und geschreckt als das so schmerzlich +empfundene Herabsinken von ihrer ethischen Höhe. Ich meine die +Einsichtslosigkeit, die sich bei den besten Köpfen zeigt, ihre +Verstocktheit, Unzugänglichkeit gegen die eindringlichsten Argumente, +ihre kritiklose Leichtgläubigkeit für die anfechtbarsten Behauptungen. +Dies ergibt freilich ein trauriges Bild, und ich will ausdrücklich +betonen, daß ich keineswegs als verblendeter Parteigänger alle +intellektuelle Verfehlungen nur auf einer der beiden Seiten finde. +Allein diese Erscheinung ist noch leichter zu erklären und weit weniger +bedenklich als die vorhin gewürdigte. Menschenkenner und Philosophen +haben uns längst belehrt, daß wir Unrecht daran tun, unsere Intelligenz +als selbständige Macht zu schätzen und ihre Abhängigkeit vom +Gefühlsleben zu übersehen. Unser Intellekt könne nur verläßlich +arbeiten, wenn er den Einwirkungen starker Gefühlsregungen entrückt sei; +im gegenteiligen Falle benehme er sich einfach wie ein Instrument zu +Handen eines Willens und liefere das Resultat, das ihm von diesem +aufgetragen sei. Logische Argumente seien also ohnmächtig gegen +affektive Interessen, und darum sei das Streiten mit Gründen, die nach +_Falstaffs_ Wort so gemein sind wie Brombeeren, in der Welt der +Interessen so unfruchtbar. Die psychoanalytische Erfahrung hat diese +Behauptung womöglich noch unterstrichen. Sie kann alle Tage zeigen, daß +sich die scharfsinnigsten Menschen plötzlich einsichtslos wie +Schwachsinnige benehmen, sobald die verlangte Einsicht einem +Gefühlswiderstand bei ihnen begegnet, aber auch alles Verständnis wieder +erlangen, wenn dieser Widerstand überwunden ist. Die logische +Verblendung, die dieser Krieg oft gerade bei den besten unserer +Mitbürger hervorgezaubert hat, ist also ein sekundäres Phänomen, eine +Folge der Gefühlserregung, und hoffentlich dazu bestimmt, mit ihr zu +verschwinden. + +Wenn wir solcher Art unsere uns entfremdeten Mitbürger wieder verstehen, +werden wir die Enttäuschung, die uns die Großindividuen der Menschheit, +die Völker, bereitet haben, um vieles leichter ertragen, denn an diese +dürfen wir nur weit bescheidenere Ansprüche stellen. Dieselben +wiederholen vielleicht die Entwicklung der Individuen und treten uns +heute noch auf sehr primitiven Stufen der Organisation, der Bildung +höherer Einheiten, entgegen. Dem entsprechend ist das erziehliche Moment +des äußeren Zwanges zur Sittlichkeit, welches wir beim Einzelnen so +wirksam fanden, bei ihnen noch kaum nachweisbar. Wir hatten zwar +gehofft, daß die großartige, durch Verkehr und Produktion hergestellte +Interessengemeinschaft den Anfang eines solchen Zwanges ergeben werde, +allein es scheint, die Völker gehorchen ihren Leidenschaften derzeit +weit mehr als ihren Interessen. Sie bedienen sich höchstens der +Interessen, um die Leidenschaften zu _rationalisieren_; sie schieben +ihre Interessen vor, um die Befriedigung ihrer Leidenschaften begründen +zu können. Warum die Völkerindividuen einander eigentlich +geringschätzen, hassen, verabscheuen, und zwar auch in Friedenszeiten, +und jede Nation die andere, das ist freilich rätselhaft. Ich weiß es +nicht zu sagen. Es ist in diesem Falle gerade so, als ob sich alle +sittlichen Erwerbungen der Einzelnen auslöschten, wenn man eine Mehrheit +oder gar Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten, +ältesten und rohesten, seelischen Einstellungen übrig blieben. An diesen +bedauerlichen Verhältnissen werden vielleicht erst späte Entwicklungen +etwas ändern können. Aber etwas mehr Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit +allerseits, in den Beziehungen der Menschen zueinander und zwischen +ihnen und den sie Regierenden dürfte auch für diese Umwandlung die Wege +ebnen. + + +II. Unser Verhältnis zum Tode. + +Das zweite Moment, von dem ich es ableite, daß wir uns so befremdet +fühlen in dieser einst so schönen und trauten Welt, ist die Störung des +bisher von uns festgehaltenen Verhältnisses zum Tode. + +Dies Verhältnis war kein aufrichtiges. Wenn man uns anhörte, so waren +wir natürlich bereit zu vertreten, daß der Tod der notwendige Ausgang +alles Lebens sei, daß jeder von uns der Natur einen Tod schulde und +vorbereitet sein müsse, die Schuld zu bezahlen, kurz, daß der Tod +natürlich sei, unableugbar und unvermeidlich. In Wirklichkeit pflegten +wir uns aber zu benehmen, als ob es anders wäre. Wir haben die +unverkennbare Tendenz gezeigt, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem +Leben zu eliminieren. Wir haben versucht, ihn totzuschweigen; wir +besitzen ja auch das Sprichwort: man denke an etwas wie an den Tod. Wie +an den eigenen natürlich. Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar, und +so oft wir den Versuch dazu machen, können wir bemerken, daß wir +eigentlich als Zuschauer weiter dabei bleiben. So konnte in der +psychoanalytischen Schule der Ausspruch gewagt werden: Im Grunde glaube +niemand an seinen eigenen Tod oder, was dasselbe ist: Im Unbewußten sei +jeder von uns von seiner Unsterblichkeit überzeugt. + +Was den Tod eines anderen betrifft, so wird der Kulturmensch es +sorgfältig vermeiden, von dieser Möglichkeit zu sprechen, wenn der zum +Tode Bestimmte es hören kann. Nur Kinder setzen sich über diese +Beschränkung hinweg; sie drohen einander ungescheut mit den Chancen des +Sterbens und bringen es auch zustande, einer geliebten Person +dergleichen ins Gesicht zu sagen, wie z. B.: Liebe Mama, wenn du leider +gestorben sein wirst, werde ich dies oder jenes. Der erwachsene +Kultivierte wird den Tod eines anderen auch nicht gerne in seine +Gedanken einsetzen, ohne sich hart oder böse zu erscheinen; es sei denn, +daß er berufsmäßig als Arzt, Advokat u. dgl. mit dem Tode zu tun habe. +Am wenigsten wird er sich gestatten, an den Tod des anderen zu denken, +wenn mit diesem Ereignis ein Gewinn an Freiheit, Besitz, Stellung +verbunden ist. Natürlich lassen sich Todesfälle durch dies unser +Zartgefühl nicht zurückhalten; wenn sie sich ereignet haben, sind wir +jedesmal tief ergriffen und wie in unseren Erwartungen erschüttert. Wir +betonen regelmäßig die zufällige Veranlassung des Todes, den Unfall, die +Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter, und verraten so unser +Bestreben, den Tod von einer Notwendigkeit zu einer Zufälligkeit +herabzudrücken. Eine Häufung von Todesfällen erscheint uns als etwas +überaus Schreckliches. Dem Verstorbenen selbst bringen wir ein +besonderes Verhalten entgegen, fast wie eine Bewunderung für einen, der +etwas sehr Schwieriges zustande gebracht hat. Wir stellen die Kritik +gegen ihn ein, sehen ihm sein etwaiges Unrecht nach, geben den Befehl +aus: De mortuis nil nisi bene, und finden es gerechtfertigt, daß man ihm +in der Leichenrede und auf dem Grabstein das Vorteilhafteste nachrühmt. +Die Rücksicht auf den Toten, deren er doch nicht mehr bedarf, steht uns +über der Wahrheit, den meisten von uns gewiß auch über der Rücksicht für +den Lebenden. + +Diese kulturell-konventionelle Einstellung gegen den Tod ergänzt sich +nun durch unseren völligen Zusammenbruch, wenn das Sterben eine der uns +nahestehenden Personen, einen Eltern- oder Gattenteil, ein Geschwister, +Kind oder teuren Freund getroffen hat. Wir begraben mit ihm unsere +Hoffnungen, Ansprüche, Genüsse, lassen uns nicht trösten und weigern +uns, den Verlorenen zu ersetzen. Wir benehmen uns dann wie eine Art von +_Asra_, welche _mitsterben, wenn die sterben, die sie lieben_. + +Dies unser Verhältnis zum Tode hat aber eine starke Wirkung auf unser +Leben. Das Leben verarmt, es verliert an Interesse, wenn der höchste +Einsatz in den Lebensspielen, eben das Leben selbst, nicht gewagt werden +darf. Es wird so schal, gehaltlos wie etwa ein amerikanischer Flirt, bei +dem es von vorneherein feststeht, daß nichts vorfallen darf, zum +Unterschied von einer kontinentalen Liebesbeziehung, bei welcher beide +Partner stets der ernsten Konsequenzen eingedenk bleiben müssen. Unsere +Gefühlsbindungen, die unerträgliche Intensität unserer Trauer, machen +uns abgeneigt, für uns und die unserigen Gefahren aufzusuchen. Wir +getrauen uns nicht, eine Anzahl von Unternehmungen in Betracht zu +ziehen, die gefährlich, aber eigentlich unerläßlich sind wie +Flugversuche, Expeditionen in ferne Länder, Experimente mit +explodierbaren Substanzen. Uns lähmt dabei das Bedenken, wer der Mutter +den Sohn, der Gattin den Mann, den Kindern den Vater ersetzen soll, wenn +ein Unglück geschieht. Die Neigung, den Tod aus der Lebensrechnung +auszuschließen, hat so viele andere Verzichte und Ausschließungen im +Gefolge. Und doch hat der Wahlspruch der _Hansa_ gelautet: Navigare +necesse est, vivere non necesse! (Seefahren muß man, leben muß man +nicht.) + +Es kann dann nicht anders kommen, als daß wir in der Welt der Fiktion, +in der Literatur, im Theater Ersatz suchen für die Einbuße des Lebens. +Dort finden wir noch Menschen, die zu sterben verstehen, ja die es auch +zustande bringen, einen anderen zu töten. Dort allein erfüllt sich uns +auch die Bedingung, unter welcher wir uns mit dem Tod versöhnen könnten, +wenn wir nämlich hinter allen Wechselfällen des Lebens noch ein +unantastbares Leben übrig behielten. Es ist doch zu traurig, daß es im +Leben zugehen kann wie im Schachspiel, wo ein falscher Zug uns zwingen +kann, die Partie verloren zu geben, mit dem Unterschied aber, daß wir +keine zweite, keine Revanchepartie beginnen können. Auf dem Gebiete der +Fiktion finden wir jene Mehrheit von Leben, deren wir bedürfen. Wir +sterben in der Identifizierung mit dem einen Helden, überleben ihn aber +doch und sind bereit, ebenso ungeschädigt ein zweites Mal mit einem +anderen Helden zu sterben. + +Es ist evident, daß der Krieg diese konventionelle Behandlung des Todes +hinwegfegen muß. Der Tod läßt sich jetzt nicht mehr verleugnen; man muß +an ihn glauben. Die Menschen sterben wirklich, auch nicht mehr einzeln, +sondern viele, oft Zehntausende an einem Tag. Er ist auch kein Zufall +mehr. Es scheint freilich noch zufällig, ob diese Kugel den einen trifft +oder den andern; aber diesen anderen mag leicht eine zweite Kugel +treffen, die Häufung macht dem Eindruck des Zufälligen ein Ende. Das +Leben ist freilich wieder interessant geworden, es hat seinen vollen +Inhalt wieder bekommen. + +Man müßte hier eine Scheidung in zwei Gruppen vornehmen, diejenigen, die +selbst im Kampf ihr Leben preisgeben, trennen von den anderen, die zu +Hause geblieben sind und nur zu erwarten haben, einen ihrer Lieben an +den Tod durch Verletzung, Krankheit oder Infektion zu verlieren. Es wäre +gewiß sehr interessant, die Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer +zu studieren, aber ich weiß zu wenig darüber. Wir müssen uns an die +zweite Gruppe halten, zu der wir selbst gehören. Ich sagte schon, daß +ich meine, die Verwirrung und die Lähmung unserer Leistungsfähigkeit, +unter denen wir leiden, seien wesentlich mitbestimmt durch den Umstand, +daß wir unser bisheriges Verhältnis zum Tode nicht aufrecht halten +können und ein neues noch nicht gefunden haben. Vielleicht hilft es uns +dazu, wenn wir unsere psychologische Untersuchung auf zwei andere +Beziehungen zum Tode richten, auf jene, die wir dem Urmenschen, dem +Menschen der Vorzeit zuschreiben dürfen, und jene andere, die in jedem +von uns noch erhalten ist, aber sich unsichtbar für unser Bewußtsein in +tieferen Schichten unseres Seelenlebens verbirgt. + +Wie sich der Mensch der Vorzeit gegen den Tod verhalten, wissen wir +natürlich nur durch Rückschlüsse und Konstruktionen, aber ich meine, daß +diese Mittel uns ziemlich vertrauenswürdige Auskünfte ergeben haben. + +Der Urmensch hat sich in sehr merkwürdiger Weise zum Tode eingestellt. +Gar nicht einheitlich, vielmehr recht widerspruchsvoll. Er hat +einerseits den Tod ernst genommen, ihn als Aufhebung des Lebens +anerkannt und sich seiner in diesem Sinne bedient, anderseits aber auch +den Tod geleugnet, ihn zu nichts herabgedrückt. Dieser Widerspruch wurde +durch den Umstand ermöglicht, daß er zum Tode des anderen, des Fremden, +des Feindes eine radikal andere Stellung einnahm als zu seinem eigenen. +Der Tod des anderen war ihm recht, galt ihm als Vernichtung des +Verhaßten, und der Urmensch kannte kein Bedenken, ihn herbeizuführen. Er +war gewiß ein sehr leidenschaftliches Wesen, grausamer und bösartiger +als andere Tiere. Er mordete gerne und wie selbstverständlich. Den +Instinkt, der andere Tiere davon abhalten soll, Wesen der gleichen Art +zu töten und zu verzehren, brauchen wir ihm nicht zuzuschreiben. + +Die Urgeschichte der Menschheit ist denn auch vom Morde erfüllt. Noch +heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als Weltgeschichte +lernen, im wesentlichen eine Reihenfolge von Völkermorden. Das dunkle +Schuldgefühl, unter dem die Menschheit seit Urzeiten steht, das sich in +manchen Religionen zur Annahme einer _Urschuld_, einer Erbsünde, +verdichtet hat, ist wahrscheinlich der Ausdruck einer Blutschuld, mit +welcher sich die urzeitliche Menschheit beladen hat. Ich habe in meinem +Buche »_Totem_ und _Tabu_« (1913), den Winken von W. _Robertson Smith_, +_Atkinson_ und Ch. _Darwin_ folgend, die Natur dieser alten Schuld +erraten wollen, und meine, daß noch die heutige christliche Lehre uns +den Rückschluß auf sie ermöglicht. Wenn Gottes Sohn sein Leben opfern +mußte, um die Menschheit von der Erbsünde zu erlösen, so muß nach der +Regel der Talion, der Vergeltung durch Gleiches, diese Sünde eine +Tötung, ein Mord gewesen sein. Nur dies konnte zu seiner Sühne das Opfer +eines Lebens erfordern. Und wenn die Erbsünde ein Verschulden gegen +Gott-Vater war, so muß das älteste Verbrechen der Menschheit ein +Vatermord gewesen sein, die Tötung des Urvaters der primitiven +Menschenhorde, dessen Erinnerungsbild später zur Gottheit verklärt +wurde[1]. + + [1] Vgl. diese Zeitschr. Bd. II. 1913. (Die infantile Wiederkehr des + Totemismus.) + +Der eigene Tod war dem Urmenschen gewiß ebenso unvorstellbar und +unwirklich, wie heute noch jedem von uns. Es ergab sich aber für ihn ein +Fall, in dem die beiden gegensätzlichen Einstellungen zum Tode +zusammenstießen und in Konflikt miteinander gerieten, und dieser Fall +wurde sehr bedeutsam und reich an fernwirkenden Folgen. Er ereignete +sich, wenn der Urmensch einen seiner Angehörigen sterben sah, sein +Weib, sein Kind, seinen Freund, die er sicherlich ähnlich liebte wie wir +die unseren, denn die Liebe kann nicht um vieles jünger sein als die +Mordlust. Da mußte er in seinem Schmerz die Erfahrung machen, daß man +auch selbst sterben könne, und sein ganzes Wesen empörte sich gegen +dieses Zugeständnis; jeder dieser Lieben war ja doch ein Stück seines +eigenen geliebten Ichs. Anderseits war ihm ein solcher Tod doch auch +recht, denn in jeder der geliebten Personen stak auch ein Stück +Fremdheit. Das Gesetz der Gefühlsambivalenz, das heute noch unsere +Gefühlsbeziehungen zu den von uns geliebtesten Personen beherrscht, galt +in Urzeiten gewiß noch uneingeschränkter. Somit waren diese geliebten +Verstorbenen doch auch Fremde und Feinde gewesen, die einen Anteil von +feindseligen Gefühlen bei ihm hervorgerufen hatten[2]. + + [2] Siehe diese Zeitschr. Bd. I. 1912, Tabu und Ambivalenz. Und + »_Totem_ und _Tabu_«. + +Die Philosophen haben behauptet, das intellektuelle Rätsel, welches das +Bild des Todes dem Urmenschen aufgab, habe sein Nachdenken erzwungen und +sei der Ausgang jeder Spekulation geworden. Ich glaube, die Philosophen +denken da zu -- philosophisch, nehmen zu wenig Rücksicht auf die primär +wirksamen Motive. Ich möchte darum die obige Behauptung einschränken und +korrigieren: an der Leiche des erschlagenen Feindes wird der Urmensch +triumphiert haben, ohne einen Anlaß zu finden, sich den Kopf über die +Rätsel des Lebens und des Todes zu zerbrechen. Nicht das intellektuelle +Rätsel und nicht jeder Todesfall, sondern der Gefühlskonflikt beim Tode +geliebter und dabei doch auch fremder und gehaßter Personen hat die +Forschung der Menschen entbunden. Aus diesem Gefühlskonflikt wurde +zunächst die Psychologie geboren. Der Mensch konnte den Tod nicht mehr +von sich ferne halten, da er ihn in dem Schmerz um den Verstorbenen +verkostet hatte, aber er wollte ihn doch nicht zugestehen, da er sich +selbst nicht tot vorstellen konnte. So ließ er sich auf Kompromisse ein, +gab den Tod auch für sich zu, bestritt ihm aber die Bedeutung der +Lebensvernichtung, wofür ihm beim Tode des Feindes jedes Motiv gefehlt +hatte. An der Leiche der geliebten Person ersann er die Geister, und +sein Schuldbewußtsein ob der Befriedigung, die der Trauer beigemengt +war, bewirkte, daß diese erstgeschaffenen Geister böse Dämonen wurden, +vor denen man sich ängstigen mußte. Die Veränderungen des Todes legten +ihm die Zerlegung des Individuums in einen Leib und in eine -- +ursprünglich mehrere -- Seelen nahe; in solcher Weise ging sein +Gedankengang dem Zersetzungsprozeß, den der Tod einleitet, parallel. Die +fortdauernde Erinnerung an den Verstorbenen wurde die Grundlage der +Annahme anderer Existenzformen, gab ihm die Idee eines Fortlebens nach +dem anscheinenden Tode. + +Diese späteren Existenzen waren anfänglich nur Anhängsel an die durch +den Tod abgeschlossene, schattenhaft, inhaltsleer und bis in späte +Zeiten hinauf geringgeschätzt; sie trugen noch den Charakter +kümmerlicher Auskünfte. Wir erinnern, was die Seele des Achilleus dem +Odysseus erwidert: + + »Denn dich Lebenden einst verehrten wir, gleich den Göttern, + Argos Söhn'; und jetzo gebietest du mächtig den Geistern, + Wohnend allhier. Drum laß dich den Tod nicht reuen, Achilleus. + Also ich selbst; und sogleich antwortet' er, solches erwidernd: + Nicht mir rede vom Tod ein Trostwort, edler Odysseus! + Lieber ja wollt' ich das Feld als Tagelöhner bestellen + Einem dürftigen Mann, ohn' Erb' und eigenen Wohlstand, + Als die sämtliche Schaar der geschwundenen Toten beherrschen.« + + (Odyssee XI v. 484-491) + +Oder in der kraftvollen, bitter-parodistischen Fassung von H. _Heine_: + + »Der kleinste lebendige Philister + Zu Stuckert am Neckar + Viel glücklicher ist er + Als ich, der Pelide, der tote Held, + Der Schattenfürst in der Unterwelt«. + +Erst später brachten es die Religionen zustande, diese Nachexistenz für +die wertvollere, vollgültige auszugeben und das durch den Tod +abgeschlossene Leben zu einer bloßen Vorbereitung herabzudrücken. Es war +dann nur konsequent, wenn man auch das Leben in die Vergangenheit +verlängerte, die früheren Existenzen, die Seelenwanderung und +Wiedergeburt ersann, alles in der Absicht, dem Tod seine Bedeutung als +Aufhebung des Lebens zu rauben. So frühzeitig hat die Verleugnung des +Todes, die wir als konventionell-kulturell bezeichnet haben, ihren +Anfang genommen. + +An der Leiche der geliebten Person entstanden nicht nur die Seelenlehre, +der Unsterblichkeitsglaube und eine mächtige Wurzel des menschlichen +Schuldbewußtseins, sondern auch die ersten ethischen Gebote. Das erste +und bedeutsamste Verbot des erwachenden Gewissens lautete: _Du sollst +nicht töten._ Es war als die Reaktion gegen die hinter der Trauer +versteckte Haßbefriedigung am geliebten Toten gewonnen worden, und wurde +allmählich auf den ungeliebten Fremden und endlich auch auf den Feind +ausgedehnt. + +An letzterer Stelle wird es vom Kulturmenschen nicht mehr verspürt. Wenn +das wilde Ringen dieses Krieges seine Entscheidung gefunden hat, wird +jeder der siegreichen Kämpfer froh in sein Heim zurückkehren, zu seinem +Weib und Kindern, unverweilt und ungestört durch Gedanken an die Feinde, +die er im Nahekampf oder durch die fernwirkende Waffe getötet hat. Es +ist bemerkenswert, daß sich die primitiven Völker, die noch auf der Erde +leben und dem Urmenschen gewiß näher stehen als wir, in diesem Punkte +anders verhalten -- oder verhalten haben, so lange sie noch nicht den +Einfluß unserer Kultur erfahren hatten. Der Wilde -- Australier, +Buschmann, Feuerländer -- ist keineswegs ein reueloser Mörder; wenn er +als Sieger vom Kriegspfade heimkehrt, darf er sein Dorf nicht betreten +und sein Weib nicht berühren, ehe er seine kriegerischen Mordtaten durch +oft langwierige und mühselige Bußen gesühnt hat. Natürlich liegt die +Erklärung aus seinem Aberglauben nahe; der Wilde fürchtet noch die +Geisterrache der Erschlagenen. Aber die Geister der erschlagenen Feinde +sind nichts anderes als der Ausdruck seines bösen Gewissens ob seiner +Blutschuld; hinter diesem Aberglauben verbirgt sich ein Stück ethischer +Feinfühligkeit, welches uns Kulturmenschen verloren gegangen ist[3]. + + [3] S. diese Zeitschr., Bd. II. l. c. + +Fromme Seelen, welche unser Wesen gerne von der Berührung mit Bösem und +Gemeinem ferne wissen möchten, werden gewiß nicht versäumen, aus der +Frühzeitigkeit und Eindringlichkeit des Mordverbotes befriedigende +Schlüsse zu ziehen auf die Stärke ethischer Regungen, welche uns +eingepflanzt sein müssen. Leider beweist dieses Argument noch mehr für +das Gegenteil. Ein so starkes Verbot kann sich nur gegen einen ebenso +starken Impuls richten. Was keines Menschen Seele begehrt, braucht man +nicht zu verbieten[4], es schließt sich von selbst aus. Gerade die +Betonung des Gebotes: Du sollst nicht töten, macht uns sicher, daß wir +von einer unendlich langen Generationsreihe von Mördern abstammen, denen +die Mordlust, wie vielleicht noch uns selbst, im Blute lag. Die +ethischen Strebungen der Menschheit, an deren Stärke und Bedeutsamkeit +man nicht zu nörgeln braucht, sind ein Erwerb der Menschengeschichte; in +leider sehr wechselndem Ausmaße sind sie dann zum ererbten Besitz der +heute lebenden Menschen geworden. + + [4] Vgl. die glänzende Argumentation von _Frazer_ in dieser Zeitschr., + Bd. III. p. 377. + +Verlassen wir nun den Urmenschen und wenden wir uns dem Unbewußten im +eigenen Seelenleben zu. Wir fußen hier ganz auf der Untersuchungsmethode +der Psychoanalyse, der einzigen, die in solche Tiefen reicht. Wir +fragen: wie verhält sich unser Unbewußtes zum Problem des Todes? Die +Antwort muß lauten: fast genau so wie der Urmensch. In dieser wie in +vielen anderen Hinsichten lebt der Mensch der Vorzeit ungeändert in +unserem Unbewußten fort. Also unser Unbewußtes glaubt nicht an den +eigenen Tod, es gebärdet sich wie unsterblich. Was wir unser +»Unbewußtes« heißen, die tiefsten, aus Triebregungen bestehenden +Schichten unserer Seele, kennt überhaupt nichts Negatives, keine +Verneinung -- Gegensätze fallen in ihm zusammen -- und kennt darum auch +nicht den eigenen Tod, dem wir nur einen negativen Inhalt geben können. +Dem Todesglauben kommt also nichts Triebhaftes in uns entgegen. +Vielleicht ist dies sogar das Geheimnis des Heldentums. Die rationelle +Begründung des Heldentums ruht auf dem Urteil, daß das eigene Leben +nicht so wertvoll sein kann wie gewisse abstrakte und allgemeine Güter. +Aber ich meine, häufiger dürfte das instinktive und impulsive Heldentum +sein, welches von solcher Motivierung absieht und einfach nach der +Zusicherung des _Anzengruber_'schen Steinklopferhanns: _Es kann dir nix +g'scheh'n_, den Gefahren trotzt. Oder jene Motivierung dient nur dazu, +die Bedenken wegzuräumen, welche die dem Unbewußten entsprechende +heldenhafte Reaktion hintanhalten können. Die Todesangst, unter deren +Herrschaft wir häufiger stehen, als wir selbst wissen, ist dagegen etwas +Sekundäres, und meist aus Schuldbewußtsein hervorgegangen. + +Anderseits anerkennen wir den Tod für Fremde und Feinde und verhängen +ihn über sie ebenso bereitwillig und unbedenklich wie der Urmensch. Hier +zeigt sich freilich ein Unterschied, den man in der Wirklichkeit für +entscheidend erklären wird. Unser Unbewußtes führt die Tötung nicht aus, +es denkt und wünscht sie bloß. Aber es wäre unrecht, diese _psychische_ +Realität im Vergleiche zur _faktischen_ so ganz zu unterschätzen. Sie +ist bedeutsam und folgenschwer genug. Wir beseitigen in unseren +unbewußten Regungen täglich und stündlich alle, die uns im Wege stehen, +die uns beleidigt und geschädigt haben. Das »Hol' ihn der Teufel«, das +sich so häufig in scherzendem Unmut über unsere Lippen drängt, und das +eigentlich sagen will: Hol' ihn der Tod, in unserem Unbewußten ist es +ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch. Ja, unser Unbewußtes mordet selbst +für Kleinigkeiten; wie die alte athenische Gesetzgebung des _Drakon_ +kennt es für Verbrechen keine andere Strafe als den Tod, und dies mit +einer gewissen Konsequenz, denn jede Schädigung unseres allmächtigen und +selbstherrlichen Ichs ist im Grunde ein crimen laesae majestatis. + +So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbewußten +Wunschregungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte von Mördern. Es +ist ein Glück, daß alle diese Wünsche nicht die Kraft besitzen, die +ihnen die Menschen in Urzeiten noch zutrauten[5]; in dem Kreuzfeuer von +gegenseitigen Verwünschungen wäre die Menschheit längst zugrunde +gegangen, die besten und weisesten der Männer darunter wie die schönsten +und holdesten der Frauen. + + [5] Vgl. über »Allmacht der Gedanken« in dieser Zeitschr., Bd. III. + 1913. + +Mit Aufstellungen wie dieser findet die Psychoanalyse bei den Laien +meist keinen Glauben. Man weist sie als Verleumdungen zurück, welche +gegen die Versicherungen des Bewußtseins nicht in Betracht kommen, und +übersieht geschickt die geringen Anzeichen, durch welche sich auch das +Unbewußte dem Bewußtsein zu verraten pflegt. Es ist darum am Platze +darauf hinzuweisen, daß viele Denker, die nicht von der Psychoanalyse +beeinflußt sein konnten, die Bereitschaft unserer stillen Gedanken, mit +Hinwegsetzung über das Mordverbot zu beseitigen, was uns im Wege steht, +deutlich genug angeklagt haben. Ich wähle hiefür ein einziges berühmt +gewordenes Beispiel an Stelle vieler anderer: + +Im »Père Goriot« spielt _Balzac_ auf eine Stelle in den Werken J. J. +_Rousseau's_ an, in welcher dieser Autor den Leser fragt, was er wohl +tun würde, wenn er -- ohne Paris zu verlassen und natürlich ohne +entdeckt zu werden -- einen alten Mandarin in Peking durch einen bloßen +Willensakt töten könnte, dessen Ableben ihm einen großen Vorteil +einbringen müßte. Er läßt erraten, daß er das Leben dieses Würdenträgers +für nicht sehr gesichert hält. »Tuer son mandarin« ist dann +sprichwörtlich worden für diese geheime Bereitschaft auch der heutigen +Menschen. + +Es gibt auch eine ganze Anzahl von zynischen Witzen und Anekdoten, +welche nach derselben Richtung Zeugnis ablegen, wie z. B. die dem +Ehemanne zugeschriebene Äußerung: Wenn einer von uns beiden stirbt, +übersiedle ich nach Paris. Solche zynische Witze wären nicht möglich, +wenn sie nicht eine verleugnete Wahrheit mitzuteilen hätten, zu der man +sich nicht bekennen darf, wenn sie ernsthaft und unverhüllt +ausgesprochen wird. Im Scherz darf man bekanntlich sogar die Wahrheit +sagen. + +Wie für den Urmenschen, so ergibt sich auch für unser Unbewußtes ein +Fall, in dem die beiden entgegengesetzten Einstellungen gegen den Tod, +die eine, welche ihn als Lebensvernichtung anerkennt, und die andere, +die ihn als unwirklich verleugnet, zusammenstoßen und in Konflikt +geraten. Und dieser Fall ist der nämliche wie in der Urzeit, der Tod +oder die Todesgefahr eines unserer Lieben, eines Eltern- oder +Gattenteils, eines Geschwisters, Kindes oder lieben Freundes. Diese +Lieben sind uns einerseits ein innerer Besitz, Bestandteile unseres +eigenen Ichs, anderseits aber auch teilweise Fremde, ja Feinde. Den +zärtlichsten und innigsten unserer Liebesbeziehungen hängt mit Ausnahme +ganz weniger Situationen ein Stückchen Feindseligkeit an, welches den +unbewußten Todeswunsch anregen kann. Aus diesem Ambivalenzkonflikt geht +aber nicht wie dereinst die Seelenlehre und die Ethik hervor, sondern +die Neurose, die uns tiefe Einblicke auch in das normale Seelenleben +gestattet. Wie häufig haben die psychoanalytisch behandelnden Ärzte mit +dem Symptom der überzärtlichen Sorge um das Wohl der Angehörigen oder +mit völlig unbegründeten Selbstvorwürfen nach dem Tode einer geliebten +Person zu tun gehabt. Das Studium dieser Vorfälle hat ihnen über die +Verbreitung und Bedeutung der unbewußten Todeswünsche keinen Zweifel +gelassen. + +Der Laie empfindet ein außerordentliches Grauen vor dieser +Gefühlsmöglichkeit und nimmt diese Abneigung als legitimen Grund zum +Unglauben gegen die Behauptungen der Psychoanalyse. Ich meine mit +Unrecht. Es wird keine Herabsetzung unseres Liebeslebens beabsichtigt, +und es liegt auch keine solche vor. Unserem Verständnis wie unserer +Empfindung liegt es freilich ferne, Liebe und Haß in solcher Weise +miteinander zu verkoppeln, aber indem die Natur mit diesem Gegensatzpaar +arbeitet, bringt sie es zustande, die Liebe immer wach und frisch zu +erhalten, um sie gegen den hinter ihr lauernden Haß zu versichern. Man +darf sagen, die schönsten Entfaltungen unseres Liebeslebens danken wir +der _Reaktion_ gegen den feindseligen Impuls, den wir in unserer Brust +verspüren. + +Resümieren wir nun: unser Unbewußtes ist gegen die Vorstellung des +eigenen Todes ebenso unzugänglich, gegen den Fremden ebenso mordlustig, +gegen die geliebte Person ebenso zwiespältig (ambivalent) wie der Mensch +der Urzeit. Wie weit haben wir uns aber in der konventionell-kulturellen +Einstellung gegen den Tod von diesem Urzustand entfernt! + +Es ist leicht zu sagen, wie der Krieg in diese Entzweiung eingreift. Er +streift uns die späteren Kulturauflagerungen ab und läßt den Urmenschen +in uns wieder zum Vorschein kommen. Er zwingt uns wieder, Helden zu +sein, die an den eigenen Tod nicht glauben können; er bezeichnet uns die +Fremden als Feinde, deren Tod man herbeiführen oder herbeiwünschen soll; +er rät uns, uns über den Tod geliebter Personen hinwegzusetzen. Der +Krieg ist aber nicht abzuschaffen; solange die Existenzbedingungen der +Völker so verschieden und die Abstoßungen unter ihnen so heftig sind, +wird es Kriege geben müssen. Da erhebt sich denn die Frage: Sollen wir +nicht diejenigen sein, die nachgeben und sich ihm anpassen? Sollen wir +nicht zugestehen, daß wir mit unserer kulturellen Einstellung zum Tode +psychologisch wieder einmal über unseren Stand gelebt haben, und +vielmehr umkehren und die Wahrheit fatieren? Wäre es nicht besser, dem +Tod den Platz in der Wirklichkeit und in unseren Gedanken einzuräumen, +der ihm gebührt, und unsere unbewußte Einstellung zum Tode, die wir +bisher so sorgfältig unterdrückt haben, ein wenig mehr hervorzukehren? +Es scheine das keine Höherleistung zu sein, eher ein Rückschritt in +manchen Stücken, eine Regression, aber es hat den Vorteil, der +Wahrhaftigkeit mehr Rechnung zu tragen und uns das Leben wieder +erträglicher zu machen. Das Leben zu ertragen, bleibt ja doch die erste +Pflicht aller Lebenden. Die Illusion wird wertlos, wenn sie uns darin +stört. + +Wir erinnern uns des alten Spruches: + + _Si vis pacem, para bellum._ + (Wenn du den Frieden erhalten willst, so rüste zum Krieg.) + +Es wäre zeitgemäß ihn abzuändern: + + _Si vis vitam, para mortem._ + (Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.) + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + Zwang war. Die Menschen die heute geboren werden, bringen ein Stück + Zwang war. Die Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stück + + Ausdruck guter Triebregungen sind, dem anderen versagen sie ihre + Ausdruck guter Triebregungen sind, den anderen versagen sie ihre + + englischen Rasse, müßte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der + englischen Rasse, mußte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der + + Gemeinem ferne wissen möchten; werden gewiß nicht versäumen, aus der + Gemeinem ferne wissen möchten, werden gewiß nicht versäumen, aus der + + Mit Aufstellungen wie diese findet die Psychoanalyse bei den Laien + Mit Aufstellungen wie dieser findet die Psychoanalyse bei den Laien + + ] + + + + + +End of Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD *** + +***** This file should be named 29941-8.txt or 29941-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/2/9/9/4/29941/ + +Produced by Jana Srna and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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