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+The Project Gutenberg EBook of Student und Alkohol, by L. Loewenfeld
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Student und Alkohol
+ Vortrag gehalten am 21. Februar 1910
+
+Author: L. Loewenfeld
+
+Release Date: July 5, 2009 [EBook #29327]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK STUDENT UND ALKOHOL ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
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+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+Im gleichen Verlag erschienen:
+
+Schriften des Sozialwissenschaftlichen Vereins in München:
+
+ Heft 1: ~Die Arbeiterwohnungsfrage~ in den Städten mit besonderer
+ Berücksichtigung Münchens von Professor ~Dr. Lujo Brentano~. Preis
+ Mk. --.80.
+
+ Heft 2: ~»Wohlfahrts«-Einrichtungen und »Betriebs«-Einrichtungen~
+ von ~Dr. Adolf Günther~ (München). Preis Mk. 1.20.
+
+ Heft 3: ~Die soziologische Methode in der Privatrechtswissenschaft~
+ von ~Dr. H. Sinzheimer~ (Frankfurt a. M.). Preis Mk. --.80.
+
+ Heft 4: ~Die Raja-Bevölkerung in der Türkei~ von ~Ernst Yper~. Preis
+ Mk. --.60.
+
+ Heft 5: ~Nationale Kolonialpolitik~ von ~Dr. Moritz Julius Bonn~.
+ Preis Mk. 1.--.
+
+
+
+
+ Schriften des Sozialwissenschaftlichen Vereins der Universität
+
+ 1910 München Heft 6
+
+
+
+
+ Student und Alkohol.
+
+
+ Vortrag
+
+ gehalten am 21. Februar 1910
+
+ von
+
+ ~Dr. L. Loewenfeld~.
+
+
+ ~München 1910~
+ M. Rieger'sche Universitäts-Buchhandlung
+ (G. Himmer)
+
+
+
+
+Wenn man die Stellung der deutschen Studentenschaft der Gegenwart zur
+Alkoholfrage besprechen will, stößt man zunächst anscheinend auf eine
+Schwierigkeit. Es ist, als ob man die Stellung der Deutschen überhaupt
+zur Alkoholfrage behandeln wollte. Wir wissen aber, daß bei unseren
+lieben deutschen Mitbürgern alle Abstufungen und Variationen der
+Ansichten vertreten sind, die überhaupt in Bezug auf die Alkoholfrage
+vorkommen. Von den Anhängern der absoluten Abstinenz, die am liebsten
+die Alkoholproduktion aus der Welt schaffen würden, bis zu Jenen, die
+ihren höchsten Lebensgenuß im Trinken erblicken, finden wir bei den
+Angehörigen der deutschen Nation alle Übergänge, und ähnlich liegen die
+Dinge bei der Studentenschaft.
+
+Und doch kann man nicht behaupten, daß die Studenten in Bezug auf die
+Alkoholfrage nichts Besonderes bieten und lediglich die verschiedenen
+Auffassungen der Gesamtbevölkerung vertreten. Bei näherer Betrachtung
+ergibt sich nämlich, daß bei einem großen Teile der deutschen Studenten,
+vielleicht gegenwärtig noch der Majorität derselben, eine Ansicht
+besteht, die in gleicher Weise nicht bei anderen Klassen der Bevölkerung
+ausgebildet ist, und der man deshalb eine gewisse Eigenart nicht
+absprechen kann. Diese Ansicht läßt sich ungefähr folgendermaßen
+formulieren:
+
+Das Biertrinken bildet ein Attribut des Studententums; es gehört
+gewissermaßen zum Wesen des Studentseins. Der richtige Student trinkt
+Bier, und wenn er dabei auch gelegentlich über die Schnur haut, so ist
+dies von gar keiner Bedeutung. Diese Ansicht, so große Verbreitung sie
+auch noch derzeit besitzt, ist für den nüchtern Denkenden keineswegs
+ohne Weiteres verständlich. Die Assoziation von Studentsein und
+Biertrinken ist ja in der Natur der Sache nicht begründet, so daß sie
+Jedermann einleuchten müßte. Wir wissen, daß bei uns die schwer
+arbeitenden Klassen das Biertrinken für nötig halten, weil sie den
+irrtümlichen Glauben hegen, daß sie hierdurch allein die für ihre Arbeit
+nötige Kraft erlangen können. Wir wissen auch, daß gewisse Berufsarten,
+z. B. die des Gastwirtes, des Weinhändlers, den Genuß geistiger Getränke
+sozusagen mit sich bringen. Von etwas derartigem ist bei dem Studenten
+keine Rede. Es kann niemand behaupten, daß die berufliche Tätigkeit des
+Studenten, das Studium, besonderen Durst oder überhaupt einen
+Körperzustand hervorruft, der das Biertrinken nötig macht, oder daß
+letzteres die geistige Leistungsfähigkeit erhöht und damit das Studieren
+erleichtert. Man weiß zur Genüge, daß das Gegenteil der Fall ist. Die
+Assoziation von Studentsein und Biertrinken läßt sich auch nicht auf die
+Ansicht zurückführen, daß der Student als junger Mann Anspruch auf einen
+gewissen Lebensgenuß hat und ein solcher ohne Bierkonsum nicht möglich
+ist. Die Studenten in anderen Ländern, so insbesonders in England und
+Amerika, sind dem Lebensgenusse gewiß ebensowenig abhold wie die
+deutschen Studenten und halten hiefür das Biertrinken nicht für
+erforderlich. Soweit meine Kenntnis reicht, verzichtet auch die
+allerdings noch nicht sehr erhebliche Anzahl deutscher Studierender, die
+der Alkoholabstinenz huldigen, keineswegs auf die der Jugend gebührenden
+Freuden.
+
+Wenn wir zu einer Erklärung der fraglichen Assoziation gelangen wollen,
+erübrigt uns daher nur, unseren Blick in die Vergangenheit zu wenden,
+d. h. wir müssen uns etwas mit der Geschichte des Studententums in
+Deutschland befassen und zusehen, wie sich die noch gegenwärtig in der
+Studentenwelt herrschenden Trinksitten und die damit zusammenhängenden
+Anschauungen entwickelt haben. Da ergibt sich nun folgendes:
+
+ * * * * *
+
+Die Studenten wurden im Mittelalter, namentlich in den ersten Zeiten
+nach Gründung der deutschen Universitäten in strenger, fast
+klösterlicher Zucht gehalten. Unternehmungslustige Magister mieteten mit
+Erlaubnis der Universitätsbehörden Privathäuser, richteten sie
+entsprechend ein und warben dafür Scholaren als Mieter, denen sie
+Wohnung und Verköstigung boten. Alsbald wurde den Scholaren das Wohnen
+in den Bursen -- so wurden die erwähnten Anstalten bezeichnet -- sogar
+durch Universitätsstatut befohlen, und nur ausnahmsweise das Wohnen
+außerhalb einer Burse gestattet. In den Bursen wurde die Einhaltung
+einer strengen Hausordnung verlangt; die Studenten mußten sehr früh
+aufstehen, durften ohne Erlaubnis nicht ausgehen und die Nacht nicht
+außerhalb der Burse zubringen. Der Wirtshausbesuch war verboten. Die
+Verpflegung war eine sehr einfache; es wurde auch Bier gereicht, doch
+kaum in Mengen um Exzesse zu gestatten. Auch die Tracht war genau
+vorgeschrieben; dieselbe ähnelte der der Kleriker, und durch eine Reihe
+von Erlassen suchte man immer wieder diese Vorschriften einzuschärfen.
+
+Trotz alledem mangelte es schon im Mittelalter nicht an Klagen über das
+Verhalten der Studenten, wobei auch Trinkexzesse eine Rolle spielten.
+Die Bursenvorsteher leisteten in der Überwachung der Scholaren nicht,
+was ihnen zukam; sie gestatteten aus Gewinnsucht ihren Pensionären, um
+sich dieselben möglichst zu erhalten, die größten Freiheiten und ließen
+jede Ungebühr passieren. So kam es, daß die Bursen allgemach einen
+geradezu verderblichen Einfluß auf das studentische Leben ausübten, und
+man beispielsweise das _Collegium illustre_ in Tübingen eine Wohnung des
+Lasters und Müßiggangs nannte. Im 16. Jahrhundert verschwanden unter dem
+Einflusse der Reformation und des aufblühenden Humanismus die Bursen,
+die sich offenbar überlebt hatten. An den neugegründeten
+protestantischen Universitäten verzichtete man auf die Schaffung dieser
+Anstalten, und an den älteren wurden sie mehr und mehr aufgegeben. Die
+Studierenden nahmen zumeist bei Professoren eine Art Pension und
+erlangten das, was man die =akademische Freiheit= nannte. Allein der
+Gebrauch, den sie von dieser Freiheit machten, war in manchen
+Beziehungen, namentlich auch in bezug auf die Trinkgewohnheiten, kein
+sehr erfreulicher.
+
+Man darf, wenn man das studentische Leben jener Zeit richtig würdigen
+will, nicht außer acht lassen, daß die Kultur der Gesamtbevölkerung
+Deutschlands damals noch sehr tief stand. Die Sitten waren roh, die
+Neigung zum Trinken, das Erbübel der germanischen Rasse, machte sich
+namentlich in Norddeutschland in ungezügelter Weise geltend, und
+=Luther= hatte wohl recht, wenn er den Ausspruch tat, daß derjenige, der
+das Bierbrauen erfand, _ille fuit pestis Germaniae_.
+
+An einer besseren, gebildeten Gesellschaft, der sich die Studenten
+hätten anschließen können, mangelte es noch gänzlich, und so begreift es
+sich, daß die Studenten, die auf sich angewiesen waren, in ihren Sitten
+sehr verwilderten und sich dies insbesonders im Konsum geistiger
+Getränke äußerte. Während aber anfänglich jeder im Trinken seiner
+Neigung folgen konnte, trat schon im 16. und noch mehr im 17.
+Jahrhundert in den studentischen Trinkgebräuchen eine folgenschwere
+Änderung ein, deren Überreste noch heutzutage nicht überwunden sind. Es
+entwickelten sich gewisse Trinkmanieren, die sich zu einer Art
+Zechgesetz, einem Trink- oder Saufkomment ausbildeten, der in der Folge
+die geselligen Zusammenkünfte der Studenten beherrschte. Hiebei spielte
+das Zutrinken und Volltrinken eine solche Rolle, daß weltliche und
+geistliche Fürsten, sowie die akademischen Obrigkeiten Mandate dagegen
+erließen, was jedoch dem Unwesen wenig Einhalt tat.
+
+Die älteste der Urkunden, die wir über die studentischen Trinkkomments
+besitzen, bildet das _Jus potandi_ des _Blasius Multibibus_ vom Jahre
+1616. Darnach trank man schon damals »_totales_ und _partiales_«, man
+trank sich zu und mußte mit demselben Quantum Bescheid tun. Man trank
+auf Brüderschaft und ließ einen ungeheuren Becher »das römische Reich«
+die Runde machen; dazu wurden Kneiplieder gesungen. Diese Gestaltung
+nahmen die studentischen Trinksitten erst im 17. Jahrhundert an. Bier
+war der gewöhnliche Stoff, der bei den studentischen Gelagen konsumiert
+wurde, und daß es dabei an Uebermaß nicht fehlte, hiefür spricht nur zu
+deutlich eine Äußerung Abels »wohlerfahrener Leibmedikus derer
+Studenten«: »Jetztund währet das Saufen bis in die finstere Nacht; da
+trinket man erstlich aus Durst, darnach aus Wollust, dann zur
+Trunkenheit, und endlich bis alle Vernunft gebrochen und man ganz toll
+worden, ja dem unvernünftigen Vieh gleich.«
+
+Bemerkenswert ist, daß, während die akademischen Behörden vielfach gegen
+die Trinkunsitten eiferten, einzelne Professoren dieselben aus Habsucht
+begünstigten, ja die bei ihnen in Pension sich befindenden Studenten zum
+Trinken sogar verleiteten. Insbesonders wurde hierüber in Jena geklagt.
+Dort hatten die Professoren das Recht, im Kollegienbrauhause das für
+ihre Familie und Hausgenossen nötige Bierquantum tranksteuerfrei
+herzustellen. Dies benützten einzelne Professoren dazu, daß sie neben
+ihrer akademischen Lehrtätigkeit das Gewerbe eines Schankwirtes ausübten
+und förmliche Zechstuben für die Studenten hielten. Selbst in den
+Hörsälen wurden geistige Getränke verabreicht und ein Wittenberger
+Visitationsdekret von 1616 lautet dahin, »daß aller Bier- und Weinschank
+im Juristenkolleg als einer uns an der Tranksteuer, daneben der Jugend
+und Bürgerschaft schädlicher Steuerung wieder abgeschafft und der
+Universität unter den Lektionen im großen Churfürstenkollegium Gäste zu
+setzen, keineswegs nachgelassen werden soll.« Es scheint demnach, daß
+man gelegentlich Hörsäle auch als Trinkstuben benützte. Auch das
+Branntweintrinken nahm allmählich unter den Studenten überhand.
+
+ * * * * *
+
+Das studentische Kneipleben im 18. Jahrhundert fand im wesentlichen
+nicht in Wirtshäusern, sondern auf den Buden statt. Man nannte diese
+Kneipen »Hospiz«, da sie von dem Budenbesitzer, dem »Hospes«
+veranstaltet und geleitet wurden. Ursprünglich war der Hospes ein
+Pennäle (angehender Student), der seine Landsleute invitierte. Die
+Bewirtung begann mit Kaffee und Brötchen und ging dann zur eigentlichen
+Kneiperei über. Der Hospes war, falls er nicht das Amt einem erwählten
+Vizehospes abtrat, _eo ipso_ Kneipwart und Präses, sein Abzeichen der
+Hausschlüssel, mit dem er _Silentium_ gebot. Er hatte unbeschränkte
+Macht, konnte Jeden zu jedem beliebigen Quantum verdonnern und brauchte
+nur _pro libito_ zu trinken, d. h. zu nippen. So blieb er imstande,
+seiner Verpflichtung als Wirt nachzukommen und konnte seine Absicht,
+alle Anwesenden »naß zuzudecken«, bequem erreichen. Man trank dabei auf
+das Wohl der Geliebten, und wenn zwei Zechgenossen auf dieselbe Dame
+Anspruch erhoben, so wurde die Sache durch Trinkduelle entschieden. Dem
+Hospes erstattete man den Dank durch Vortrinken von »Ganzen«, und so kam
+die Kneiperei gehörig in Zug. Ein tüchtiger Student mußte nach der
+damaligen Auffassung Bedeutendes im Biertrinken und im Tabakrauchen
+leisten.
+
+Ende des 18. Jahrhunderts kamen neben dem Hospiz auch als »Kommers« oder
+»Kommersch« bezeichnete studentische Veranstaltungen auf, die einen
+etwas feierlicheren Charakter trugen. Dieser Charakter wurde am Anfang
+des 19. Jahrhunderts nach den Freiheitskriegen durch die Aufnahme des
+»Landesvaters« noch ausgeprägter. Man hatte nun zwei Arten geselliger
+Veranstaltungen, bei denen das Bier eine große Rolle spielte: die
+gewöhnliche Kneiperei, die anfänglich vorherrschend auf den Buden der
+Studierenden noch stattfand und erst allmählich, insbesonders mit der
+Entwicklung der studentischen Verbindungen in bestimmte Gastlokale
+(Kneipen genannt) verlegt wurde, und den Kommers mit seinen feierlichen
+Zutaten, die der Pflege des patriotischen Geistes dienten. Die aus den
+früheren Jahrhunderten überkommenen Trinksitten erhielten sich hiebei in
+erheblichem Maße (Vor- und Nachtrinken, Trinken von »Ganzen«, Trinken in
+der Runde &c.). Wie sich die Dinge im Verlaufe des letzten Jahrhunderts
+weiter gestalteten, hierauf weitläufig einzugehen, kann ich mir
+ersparen, da Ihnen die Hauptsache wohl bekannt ist.
+
+Wenn auch die deutsche Studentenschaft im allgemeinen den
+Trinkgewohnheiten früherer Jahrhunderte mehr oder weniger huldigte, so
+waren es doch hauptsächlich die farbentragenden Korporationen, welche
+diese Sitten kultivierten und die Beachtung derselben als eine _conditio
+sine qua non_ von ihren Mitgliedern verlangten. Eine entschiedene
+Änderung in dieser Hinsicht ist erst seit etwa 20 Jahren zu bemerken.
+Die Antialkoholbewegung und die Tätigkeit der Vereine gegen den
+Mißbrauch geistiger Getränke sind nicht ohne Einfluß auf das
+studentische Leben geblieben. Der Konsum geistiger Getränke ist, soweit
+meine Kenntnis reicht, in den studentischen Kreisen erheblich
+zurückgegangen. Auch in den Korporationen hat man, wie ich höre, die
+Trinkanforderungen herabgesetzt, und es soll in einzelnen derselben der
+Trinkzwang sogar schon beseitigt sein. Man hat offenbar auch in
+studentischen Kreisen bereits angefangen, die Schädlichkeit der ererbten
+Trinksitten mehr und mehr einzusehen, und diese Erkenntnis auch
+praktisch zu betätigen. Allein wie schon Eingangs erwähnt wurde, äußern
+bei der Majorität der Studentenschaft die von alters her übernommenen
+Trinksitten noch immer eine gewisse Herrschaft. Man hält an dem
+Irrglauben fest, daß mit dem Aufgeben dieser Gepflogenheiten die
+studentische Geselligkeit einen irreparablen Stoß erfahren und damit das
+studentische Leben einer seiner schönsten Seiten beraubt würde. Daß
+derartige Anschauungen sich noch bei einem so großen Teile der
+Studentenschaft erhalten konnten, ist m. E. wesentlich darauf
+zurückzuführen, daß die Hygiene keinen Unterrichtsgegenstand an den
+Gymnasien bildet und deshalb der junge Student zumeist ohne sachgemäße
+Aufklärung über die eminente hygienische und soziale Bedeutung der
+Alkoholfrage in das Universitätsleben eintritt. Er unterliegt daher dem
+suggestiven Einflusse der herrschenden Trinksitten und muß vielfach erst
+durch ungünstige persönliche Erfahrungen darüber belehrt werden, daß die
+vulgären, auch in den studentischen Kreisen noch so verbreiteten
+Anschauungen über den Alkoholgenuß irrtümlich sind.
+
+Ich kann nicht unterlassen, hier zu erwähnen, daß man bei uns (in
+Bayern) maßgebenden Ortes bisher die Aufklärung der Gymnasialschüler
+über die Alkoholfrage eher zu verhindern als zu fördern geneigt war, und
+ich bin in der Lage, hiefür zwei prägnante Belege anzuführen. Einer
+meiner hiesigen Kollegen, Hofrat Dr. Theilhaber, unternahm vor
+einigen Jahren an einem Münchener Gymnasium die Gründung eines
+Alkoholabstinenzvereines, dessen Tendenz war, die Mitglieder nicht nur
+zur Abstinenz von geistigen Getränken anzuhalten, sondern auch durch
+Veranstaltungen von Ausflügen &c. an eine Geselligkeit ohne Biergenuß zu
+gewöhnen, gewiß ein löbliches, dem Gymnasialstudium nur förderliches
+Unternehmen. Und das Merkwürdige geschah: nach kurzem Bestehen wurde der
+Verein, der schon etwa 70 Mitglieder zählte, vom Rektorate, zweifellos
+auf höhere Weisung hin, aufgelöst.
+
+Der zweite Fall ist nicht minder bezeichnend. Der hiesige ärztliche
+Verein richtete vor einigen Jahren an das Kultusministerium eine
+Zuschrift, in welcher er sich erbot, an den hiesigen Gymnasien Vorträge
+über Hygiene zu veranstalten, bei welchen natürlich auch die
+Alkoholfrage entsprechend behandelt worden wäre. Daraufhin erhielt der
+Verein vom Ministerium den Bescheid, er möge die beabsichtigten Vorträge
+in einem von ihm gemieteten Lokale abhalten, und die Gymnasialschüler
+könnten dann von ihren Rektoraten die Erlaubnis erwirken, den Vorträgen
+anzuwohnen. Der ärztliche Verein hat selbstverständlich diese Zumutung
+lediglich _ad acta_ genommen.[1]
+
+ [1] Ich möchte nicht unterlassen beizufügen, daß nach neuerlichen
+ Nachrichten man sich bei uns höheren Orts gegen einen
+ Hygieneunterricht an den Gymnasien nicht mehr so ablehnend verhalten
+ soll, nachdem ein Hygieniker an die Spitze der bayrischen
+ Sanitätsverwaltung getreten ist.
+
+Wir ersehen aus dem Angeführten, daß die Trinksitten unserer
+akademischen Jugend keine Wurzel im modernen Leben und keinen
+Zusammenhang mit diesem haben. Sie bilden einen Ueberrest aus einer
+Periode der Sittenverwilderung und Unkultur, einen Ueberrest, der nicht
+wie so manches andere Altherkömmliche der Pflege würdig ist, sondern
+endlich aufgegeben werden sollte angesichts des Umstandes, daß dem
+Studierenden heutzutage, namentlich in den größeren Universitätsstädten,
+höhere, der geistigen und körperlichen Gesundheit förderlichere Genüsse
+zu Gebote stehen als die alkoholischen.
+
+ * * * * *
+
+M. D. u. H. Die kurze mir zur Verfügung stehende Zeit, gestattet mir
+selbstverständlich nicht, die verschiedenen Seiten der so wichtigen
+Alkoholfrage auch nur flüchtig zu berühren. Ich muß mich darauf
+beschränken, auf einige für Sie besonders wichtige Punkte hinzuweisen.
+Wenn wir die Wirkungen des Alkohols in Betracht ziehen, so stoßen wir
+auf zwei Reihen von Tatsachen, die wenn auch scheinbar entgegengesetzter
+Natur, doch innig zusammenhängen. Man könnte, um ein Bild zu gebrauchen,
+sagen, diese Tatsachen sind auf zwei Seiten eines und desselben Blattes
+verzeichnet. Auf der einen Seite finden wir Alles Schöne und Gute, das
+man dem Alkohol zuschreibt, auf der anderen Seite alle Mißstände und
+Übel, alles Elend, das auf den Alkohol sich zurückführen läßt.
+Betrachten wir uns zunächst das Schöne und Gute, die Annehmlichkeiten
+und Vorteile, die der Alkoholgenuß bringen soll. Diese sind es ja auch,
+welche die ungeheuere Verbreitung des Alkoholgenusses von den ältesten
+Zeiten bis zur Gegenwart bewirkt haben. Man rühmt dem Alkohol nach, daß
+er die geistige Tätigkeit anregt, den Geist sozusagen flüssiger macht,
+daß er ein Gefühl des Wohlbehagens und erhöhter Kraft erzeugt, daß er
+die Stimmung hebt, Frohsinn hervorruft, die düsteren Seiten des Lebens
+aus dem Bewußtsein verdrängt und dadurch auch die Sorgen verscheucht --
+er ist ja der Sorgenbrecher _par excellence_ --, daß er die sogenannte
+Gemütlichkeit und die Geselligkeit fördert, und dadurch die Menschen
+einander näher bringt. Man hat auch behauptet, daß er die Fantasie des
+Dichters und des bildenden Künstlers anregt und dadurch deren
+Produktivität in günstiger Weise beeinflußt. Es ist nun keineswegs zu
+leugnen, daß diese Behauptungen wenigstens zum großen Teile der Wahrheit
+entsprechen. Aber unsere Schätzung der Vorteile und Annehmlichkeiten des
+Alkoholgenusses muß eine wesentliche Einbuße erfahren, wenn wir
+zusehen, auf welche Weise dieselben zustande kommen. Sind die seelischen
+Veränderungen, welche der Alkohol herbeiführt, ein Geschenk, eine
+Wohltat, für die keine Kompensation geleistet werden muß, oder haben wir
+für dieselben zu bezahlen mit einer Einbuße an unserem psychischen
+Vermögen? Die Erfahrungen des täglichen Lebens wie die experimentellen
+Forschungen der Neuzeit lassen hierüber keinen Zweifel. Um es vorweg
+kurz und brüsk zu sagen, die Annehmlichkeiten, die wir dem Alkohol
+verdanken, müssen erkauft werden durch eine Herabsetzung unseres
+intellektuellen Niveaus, die bei den höheren Graden der
+Alkoholintoxikation bis zur Verblödung sich steigert. Wenn ein Mensch
+eine Heiterkeit in sich fühlt und nach Außen dokumentiert, für welche in
+seinen Verhältnissen kein Grund besteht, wenn er ohne äußere Ablenkung
+seine Sorgen, d. h. die für ihn wichtigsten Angelegenheiten vergißt,
+wenn er gesprächiger wird, als es seiner Gewohnheit entspricht, und die
+im geselligen Verkehre beobachtete Reserve aufgibt (gemütlich wird), so
+weist dies darauf hin, daß bei ihm die höchsten psychischen Leistungen
+eine Verringerung erfahren haben. Manches zu dem Wohlbehagen und der
+gehobenen Stimmung des Trinkenden mag die durch den Alkohol bewirkte
+erleichterte Auslösung von Bewegungsimpulsen beitragen. Ungleich
+bedeutungsvoller für das psychische Verhalten des Trinkers ist jedoch
+der Umstand, daß unter dem Einflusse des Alkohols, und zwar schon bei
+recht mäßigen Gaben, das Bewußtsein seiner Lebenslage und damit auch der
+regulierende Einfluß desselben auf sein Denken und Handeln -- die höchst
+stehende psychische Leistung -- abgeschwächt wird. So erklärt es sich,
+daß der Schweigsame redselig, der Trockene scheinbar witzig, der
+Zaghafte waghalsig, der Skeptische gläubig und vertrauensvoll wird. Aber
+dieses Plus an psychischer Aktivität bedeutet keine Überlegenheit des
+Trinkers, sondern in Wirklichkeit eine Inferiorität desselben, da sie
+auf einem Ausfall hemmender Momente beruht. Neben den höchststehenden
+werden auch die einfacheren psychischen Vorgänge, wie durch eine
+Überfülle von Experimenten, insbesondere durch die Untersuchungen
+Kraepelins und seiner Schüler, erwiesen ist, durch den Genuß schon sehr
+mäßiger Alkoholmengen verschlechtert (Schnelligkeit der Reaktion auf
+einen bestimmten Sinneseindruck, des Lesens, Addierens, des
+Auswendiglernens &c.). Wichtiger aber als diese an sich gewiß
+beachtenswerte Tatsache ist der Umstand, daß die durch den Alkohol
+bewirkte Herabsetzung der intellektuellen Leistungsfähigkeit sich nicht
+auf die Zeit des Genusses beschränkt, sondern, und zwar auch bei Gaben,
+die man allgemein noch als ganz mäßig betrachtet (60-80 ccm Alkohol =
+2 l Bier), sich auf einen Zeitraum von 24 und mehr Stunden erstrecken
+mag. Für Sie ergibt sich hieraus der gewiß sehr zu berücksichtigende
+Umstand, daß ein Studierender, der gewohnheitsmäßig Tag für Tag 2 l Bier
+konsumiert, -- dies ist ein Fall, der gewiß sehr häufig vorkommt --,
+seine geistige Arbeitskraft in einem Zustande andauernder Verminderung
+erhält.
+
+Wie Sie ersehen, ist der habituelle, sogenannte mäßige Alkoholgenuß für
+den geistig Arbeitenden keine ganz gleichgiltige Sache. Daß die
+Unmäßigkeit in _alcoholicis_ viel üblere Folgen hat, ist Ihnen wohl zur
+Genüge bekannt. Sie verringert nicht nur die Arbeitsfähigkeit in höherem
+Maße, sie führt auch zu einem Sinken des moralischen Niveaus, einer
+Abschwächung des Ehr- und Pflichtgefühls, einer Vernachlässigung der
+Rücksichten, die man seiner Stellung, seiner Familie und seinem Stande
+schuldet. An der Verbummelung von Semestern mit ihren unliebsamen
+Folgen, an den Durchfällen und schlechten Resultaten bei den Prüfungen,
+an dem gänzlichen Scheitern so mancher studentischen Existenz hat der
+Alkohol zweifellos den Hauptanteil, und auch diejenigen Studierenden,
+welche die ihnen durch den Alkohol zugefügte Schädigung ihrer
+Arbeitskraft durch große Willensanspannung allmählich überwinden, haben
+in ihrem späteren Leben häufig genug noch unter den Folgen ihres allzu
+flotten Studentenlebens zu leiden.
+
+Was nun die dem Alkohol zugeschriebene anregende Wirkung auf die
+Produktivität der Dichter und bildenden Künstler anbelangt, so beruht
+dieselbe im wesentlichen auf einer Täuschung. Es mag wohl sein, daß
+durch den Alkohol im Einzelfalle die Fantasie zu lebhafterer Tätigkeit
+angeregt wird, allein damit wird noch nicht die Schaffung eines
+Kunstwerkes erleichtert. Die unter dem Einflusse des Alkohols
+entstandenen Geistesprodukte sind minderwertig, da an ihnen die
+erforderliche Kritik nicht geübt wird. Altmeister Goethe hat über diesen
+Sachverhalt keinen Zweifel gelassen. In seinen Gesprächen mit Eckermann
+bemerkt er bezüglich des dramatischen Dichters: »Wollte er (der
+dramatische Dichter) durch geistige Getränke die mangelnde Produktivität
+herbeinötigen, die unzulängliche dadurch steigern, so würde dies
+allenfalls auch wohl gehen, allein man würde es allen Szenen, die er auf
+solche Weise gewissermaßen forciert hätte, =zu ihrem großen Nachteile=
+anmerken.«
+
+Bezüglich seines großen Freundes Schiller bemerkt er: »Er hat nie viel
+getrunken, er war sehr mäßig; aber in solchen Augenblicken körperlicher
+Schwäche suchte er seine Kraft durch Likörs oder ähnliches Spirituoses
+zu steigern. Das aber zehrte an seiner Gesundheit und war auch =der
+Produktion selbst schädlich, denn was gescheute Köpfe an seinen Sachen
+aussetzen, leite ich aus dieser Quelle her=.«
+
+Unter den Dichtern der Gegenwart hat eine ganze Anzahl sich sehr
+absprechend über den Einfluß des Alkohols auf das poetische Schaffen
+geäußert.
+
+Mit der Einwirkung des Alkohols auf die Muskelkraft verhält es sich
+ähnlich wie mit der auf die intellektuelle Leistungsfähigkeit. Bei uns
+besteht zwar noch in weiten Volkskreisen, insbesondere in der
+Arbeiterschaft, der Glaube, daß der Alkohol die Muskelkraft steigere und
+deshalb die Verrichtung körperlicher Arbeit erleichtere. Bei unserer
+biertrinkenden Bevölkerung kommt noch die Meinung dazu, daß das Bier
+eine Art flüssiger Nahrung darstelle und der schwer Arbeitende beim
+Verzicht auf dessen Genuß der Entkräftung ausgesetzt sei.
+
+Indes haben auch hier die wissenschaftlichen Untersuchungen wie die
+praktischen Erfahrungen an den verschiedensten Klassen von Individuen
+über allen Zweifel dargetan, daß der erwähnte Glaube ein Irrglaube ist.
+Der Alkohol ist nur vorübergehend imstande, die Muskelkraft zu steigern
+und das Ermüdungsgefühl zu beseitigen. Auf diese vorübergehende Anregung
+folgt eine dauernde Herabsetzung, die mit Steigerung des
+Ermüdungsgefühls einhergeht. Der Alkohol gleicht in seinen Wirkungen auf
+den Organismus der Peitsche, die vorübergehend bei dem ermüdeten Tiere
+einen erhöhten Kraftaufwand herbeiführt, aber nicht dem Hafer, der
+nachhaltig die Kraft steigert. Diese Tatsachen sind auch bereits seit
+längerer Zeit, wenigstens in den Kreisen des gebildeten Publikums zur
+Genüge bekannt und verwertet worden. Wer sich für irgend einen Sport
+trainiert und seine physische Leistungsfähigkeit möglichst steigern
+will, enthält sich alkoholischer Getränke. Sie alle wissen auch, daß man
+bei größeren anstrengenden Radtouren, bei schwierigen Bergbesteigungen,
+insbesonders Hochtouren, welche andauernde Kraftleistungen erheischen,
+sich des Alkohols enthalten muß, und unsere Heeresleitung hat bereits
+seit einigen Jahren in der Manöverzeit den Truppen den Genuß geistiger
+Getränke während der Märsche aus guten Gründen untersagt. Man hat auch
+die Erfahrung gemacht, daß die Strapazen im tropischen wie im arktischen
+Klima ungleich leichter von Alkoholabstinenten als von Trinkern ertragen
+werden.
+
+Wenn demnach der Glaube, daß der Alkohol die körperliche
+Leistungsfähigkeit erhöht, auf Täuschung beruht, so steht es nicht viel
+besser mit der bei uns so viel verbreiteten Ansicht, daß das Bier ein
+für den Arbeiter unentbehrliches flüssiges Nahrungsmittel sei. Das Bier
+repräsentiert allerdings, was bei dem Alkohol an sich nicht der Fall
+ist, ein Nahrungsmittel, soferne es etwa 4% Zucker und 0,7% Eiweiß
+enthält. Allein der im Bier enthaltene Alkohol vermindert wie der
+Alkohol überhaupt die Arbeitskraft, und der Nährwert des Bieres ist im
+Verhältnisse zu seinem Preise so gering, daß man dessen Verwendung als
+Nahrungsmittel seitens der Arbeiterklasse nur als ungeheuerliche
+Verschwendung betrachten kann. Das Bier ist bei Zugrundelegung der
+bayerischen Bierpreise 5mal teurer als Weißbrot, 8mal teurer als
+Schwarzbrot und 18mal teurer als Kartoffel.
+
+Wenn die Herabsetzung der geistigen und körperlichen Arbeitskraft durch
+den Alkohol auch einen nicht zu unterschätzenden Schaden für das
+Individuum bedeutet, so ist dieselbe doch noch mit einem Körperzustand
+vereinbar, der keine auffällige Abweichung von der Gesundheit darbietet.
+Allein bei einer sehr großen Anzahl von Trinkern kommt es früher oder
+später zu Gesundheitsstörungen, die auf den gewohnheitsmäßigen
+Alkoholgenuß allein oder z. T. zurückzuführen sind. Diese Folge tritt
+zwar vorwaltend, aber doch keineswegs ausschließlich in den Fällen ein,
+in welchen es sich um Unmäßigkeit im landläufigen Sinne, d. h. häufige
+Berauschung oder habituellen Konsum ungewöhnlich großer Alkoholmengen
+ohne solche Folgen handelt.
+
+ * * * * *
+
+Unter den Krankheitszuständen, die durch alkoholische Exzesse
+herbeigeführt werden, hat von jeher die als Säuferwahnsinn (_delirium
+tremens_) bezeichnete Geistesstörung besondere Aufmerksamkeit erregt,
+und man betrachtet dieselbe vielfach als die häufigste oder gewöhnliche
+Folge der Unmäßigkeit in _alcoholicis_. Das _Delirium tremens_ spielt
+jedoch unter den gesundheitlichen Schäden, die auf den Alkohol
+zurückzuführen sind, keineswegs die Hauptrolle, obwohl dasselbe kein
+seltenes Vorkommnis bildet. Wir begegnen dieser Geistesstörung in den
+Ländern, in welchen der Schnapskonsum in den unteren Klassen
+vorherrscht, weit häufiger als bei unserer Bier trinkenden Bevölkerung.
+Wir haben dafür dem Alkohol eine andere Bescherung zu danken, das
+Bierherz, eine von Bollinger zuerst näher beschriebene Vergrößerung und
+Entartung des Herzens, die auf den habituellen Genuß sehr großer
+Bierquantitäten zurückzuführen ist. Über die Häufigkeit des _Delirium
+tremens_ und des chronischen Alkoholismus gibt das statistische Jahrbuch
+für den preußischen Staat eine gewisse Auskunft. In den allgemeinen
+Krankenhäusern und Irrenanstalten Preußens wurden im Jahre 1902 13994
+Männer und 912 Frauen an Säuferwahnsinn und chronischem Alkoholismus
+behandelt. Hiemit ist jedoch nur ein Teil der durch den Alkohol
+verursachten oder mitverursachten Geistesstörungen berührt. Die
+Irrenärzte schätzen die Zahl der in den Irrenanstalten verpflegten
+Geistesgestörten, an deren Erkrankung der Alkohol einen Anteil hat, auf
+25-40% der Anstaltsinsassen, und man darf daher annehmen, daß von 150000
+in deutschen Anstalten verpflegten Irren bei etwa 50000 der Alkohol als
+Krankheitsursache allein oder neben anderen Momenten wirksam war. In der
+hiesigen psychiatrischen Klinik fanden im Jahre 1905 1373 Personen
+Aufnahme, darunter 836 Männer, 537 Frauen; die alkoholischen Psychosen
+betrugen bei den Männern 30,3, bei den Frauen 5,6% der Gesamterkrankungen.
+Das _Delirium tremens_ war nur in 10% der Alkoholpsychosen vertreten.
+
+Wie auf das Gehirn übt der Alkohol auch auf das Rückenmark und die
+peripheren Nerven seinen schädigenden und zerstörenden Einfluß aus, und
+so begreift es sich, daß neben den Geistesstörungen und Neurosen
+(_Epilepsie_) alkoholischer Provenienz, auch viele andere
+Nervenkrankheiten gleichen Ursprungs vorkommen. Neben dem Nervensystem
+unterliegen der Verdauungsapparat, das Cirkulationssystem und die Niere
+ungemein häufig schweren und schwersten Schädigungen durch den Alkohol,
+die zum großen Teile zum tötlichen Ausgange führen. Im Magen und Darm
+kommt es unter dem Einflusse des Alkoholmißbrauches zu tiefgreifenden
+und überaus hartnäckigen katarrhalischen Zuständen, die Leber erkrankt
+in Form einer chronischen in Schrumpfung ausgehenden Entzündung, die
+schweres Siechtum und schließlich den Tod herbeiführt. Das Herz wird von
+Hypertrophie und Entartung befallen, eine Veränderung, die wie wir schon
+erwähnten, besonders häufig in unserem lieben München gefunden wurde
+(das Bierherz Bollingers), die Gefäße unterliegen der als Verkalkung
+gemeinhin bezeichneten Erkrankung, die durch Schlaganfälle oft zu frühem
+Ende führt. Die Nieren werden wie die Leber Sitz einer chronischen
+unheilbaren Entzündung, die den gleichen Ausgang wie das Leberleiden zur
+Folge hat.
+
+Auch an der Verursachung der Stoffwechselkrankheiten, der Gicht und
+Fettsucht, insbesondere aber auch der Zuckerkrankheit, hat der Alkohol
+einen großen Anteil. Damit ist jedoch die körperliche Schädigung, welche
+der Alkoholmißbrauch bedingt, noch nicht umgrenzt. Bei den Trinkern
+finden wir in der Regel eine verminderte Widerstandsfähigkeit des
+Gesamtorganismus, die sich bei interkurrenten Erkrankungen
+verschiedenster Art, insbesondere fieberhaften, bei Wunden und
+operativen Eingriffen, sowie in erhöhter Disposition zu Infektionen,
+speziell zur Tuberkulose kundgibt. Trinker sind durch ernstere
+Erkrankungen jeder Art mehr gefährdet als nüchterne Individuen, sie
+überstehen Narkosen und Operationen schwerer und verfallen der
+Tuberkulose häufiger.
+
+Der Mißbrauch des Alkohols hat aber auch noch andere Gefahren für
+Gesundheit und Leben im Gefolge. Er spielt unter den Ursachen der
+Unfälle eine ganz hervorragende Rolle. Wie häufig Angetrunkene durch
+Unvorsichtigkeit schwere Verletzungen sich zuziehen, selbst ums Leben
+kommen, ist bekannt. Allein auch die Nachwirkungen von Alkoholexzessen
+führen oft zu einer Vernachlässigung von Vorsichtsmaßregeln und damit zu
+Unfällen, und darauf ist es zurückzuführen, daß in industriellen
+Etablissements an Montagen die Zahl der Unfälle am größten ist. Auch der
+sogenannte mäßige Genuß geistiger Getränke ist nicht ohne Einfluß auf
+die Herbeiführung von Unfällen, und unsere Verkehrsverwaltung hat sicher
+weise gehandelt, indem sie dem Zugpersonale den Konsum geistiger
+Getränke während der Fahrzeit untersagte. Könnte man den Schaden, den
+der Alkohol direkt und indirekt an Gesundheit und Leben herbeiführt,
+genauer umgrenzen, es würde sich ein Tatbestand ergeben, der auch viele
+Alkoholfreunde erschrecken müßte. Und dabei ist noch besonders
+bedauerlich, daß der Alkohol nicht lediglich in den unteren
+Volksklassen, der Masse der Ungebildeten, seine Opfer findet. Auch in
+den Kreisen der intellektuell Höherstehenden und Gebildeten, bei denen
+man mehr Einsicht und Selbstzucht erwarten sollte, führt der
+unglückliche Hang für Alkoholfreuden, die Liebhaberei für
+feucht-fröhliche Geselligkeit keineswegs selten zu Siechtum und Tod.
+Dazu kommt nun noch, daß der gesundheitliche Schaden, den der Trinker
+sich zufügt, sich nicht auf seine Person beschränkt. Es ist zur Genüge
+bekannt, daß die Nachkommenschaft der Trinker zum großen Teile mit
+körperlichen und geistigen Defekten behaftet, schwächlich, kränklich und
+einem frühen Untergange geweiht ist. Selbst ein einmaliger Rausch kann
+für den in diesem Zustand erzeugten Sprößling verhängnisvoll werden.
+
+ * * * * *
+
+Einen anderen Abschnitt in dem Verzeichnisse des Elends, das der Alkohol
+der Menschheit beschert, bildet der Anteil desselben an der
+Kriminalität. Ich kann mich in bezug auf diesen Punkt kurz fassen. Man
+hat berechnet, daß bei etwa 1/3 aller Straftaten, die im Deutschen
+Reiche alljährlich zur Verurteilung gelangen, das ist bei etwa 180000
+Delikten, der Alkohol eine Rolle spielte. Was diese Verurteilungen an
+materiellem und moralischem Schaden für die betreffenden Individuen und
+ihre Familien bedeuten, bedarf keiner weiteren Ausführung. Besonders
+prägnant zeigt sich der Einfluß des Alkohols bei den schweren
+Körperverletzungen, und man darf getrost behaupten, daß diese zum
+größten Teile mit Alkoholexzessen in Zusammenhang stehen. Der Anteil der
+Studentenschaft an der Kriminalität ist erfreulicherweise ein geringer,
+wenn man von nächtlichen Ruhestörungen, Sachbeschädigungen &c. absieht,
+die ja auch nicht selten recht unliebsame Folgen haben. Dafür kommt
+jedoch bei der Studentenschaft ein anderes sehr bedauerliches Moment in
+Betracht -- das sind die Ehrenhändel mit ihrem Gefolge von Duellen, die
+sicher weit überwiegend auf Angetrunkenheit des einen oder beider
+Beteiligten zurückzuführen sind.
+
+An die Verbrechen, die dem Einflusse des Alkohols zuzuschreiben sind,
+reihen sich die von unseren Strafgesetzen nicht erreichbaren
+unmoralischen Handlungen der Trinker an, unter deren Folgen die
+Angehörigen derselben zu leiden haben. Der Trinker vernachlässigt seinen
+Beruf, seine Arbeit, vergeudet seinen Verdienst oder sein Einkommen in
+Spirituosen, während er seine Familie darben läßt, mißhandelt Frau und
+Kinder, eignet sich nicht selten sogar den Verdienst der Frau an, um
+seinem Laster zu fröhnen. Unsagbar ist das Elend, das über viele
+Arbeiterfamilien durch die Trunksucht des Ehemanns heraufbeschworen
+wird. Aber auch in den besser situierten Klassen führt die Unmäßigkeit
+des Familienoberhauptes gewöhnlich zu den traurigsten Verhältnissen; das
+Gleiche gilt natürlich für die Trunksucht der Frau.
+
+ * * * * *
+
+Sie können hier nun einwenden: über die traurigen Folgen der Unmäßigkeit
+in _alcoholicis_ besteht allerdings kein Zweifel, damit ist jedoch
+bezüglich des mäßigen Alkoholgenusses nichts bewiesen. Sie können ferner
+darauf hinweisen, daß eine sehr große Anzahl von Personen beider
+Geschlechter bei mäßigem Alkoholgenuß ein sehr hohes Alter erreicht und
+Gesundheit und Arbeitsfähigkeit bis in das Alter hinein sich erhalten
+hat. Sie können ferner in bezug auf die geistige Arbeitskraft noch
+erwähnen, daß die hervorragendsten Männer unserer Nation Luther,
+Schiller, Goethe, Kant, Schopenhauer, Bismarck keine Anhänger der
+Alkoholabstinenz waren. Hieraus könnte anscheinend gefolgert werden, daß
+die Abstinenz in _alcoholicis_ gegenüber der andauernden Mäßigkeit in
+bezug auf Gesundheit und Arbeitskraft keinen Vorteil biete. Doch wäre
+diese Folgerung ein Irrtum. Zunächst haben wir zu berücksichtigen, daß
+man eine genaue Definition dessen, was man unter =mäßigem Alkoholgenuß=
+zu verstehen hat, nicht geben kann, weil die individuelle
+Widerstandsfähigkeit gegen die Einwirkungen des Alkohols zu verschieden
+ist. Der Eine mag durch den Konsum von 2-3 Glas Bier bereits in einen
+Zustand von Angeheitertheit geraten, der bei einem Anderen (einem
+Trinkfesten) nach dem Konsum des vierfachen dieses Quantums noch nicht
+eintritt. Die vulgäre Anschauung geht dahin, daß die Unmäßigkeit erst da
+beginnt, wo das »Zuviel«, d. h. das Berauschtsein mehr oder minder
+deutlich sich geltend macht, oder auch ganz außergewöhnlich große
+Alkoholmengen gewohnheitsmäßig konsumiert werden. Soll nun der, von 2-3
+Glas Bier Angeheiterte als unmäßig, der nach Genuß von 12 Glas Bier noch
+nüchtern Scheinende als mäßig gelten? Die unselige Idee, daß man
+dasjenige Quantum, welches noch keine deutlichen Zeichen von Berauschung
+hervorruft, ob es größer oder kleiner ist, noch als mäßig und deshalb
+als hygienisch harmlos betrachtet, hat die Folge, daß zahllose Menschen
+sich durch ihre alkoholischen Gewohnheiten gesundheitlich schädigen,
+ohne daran zu denken, daß bei ihnen etwas derartiges vorliegt. Wenn wir
+für die Bestimmung der Mäßigkeit an Stelle des Nüchternbleibens einen
+anderen Gesichtspunkt, die Vermeidung gesundheitlicher Nachteile
+verwerten wollen, so stoßen wir auf ähnliche Schwierigkeiten. Der
+gewohnheitsmäßige Gebrauch kann lange Jahre hindurch scheinbar ohne
+nachteiligen Einfluß auf den Organismus bleiben, und dann kommt es doch
+noch zur Entwicklung von Krankheiten, die auf den Alkoholgenuß allein
+oder neben anderen Momenten zurück zu führen sind. Dies gilt
+insbesonders für die Erkrankungen des Herzens und der Gefäße, der
+Nieren, die Gicht und die Fettsucht. Das gleiche Quantum, das in dem
+einen Falle bis in die 60er und 70er Jahre ohne erkennbaren
+gesundheitlichen Schaden konsumiert wird, führt in einem anderen Falle
+schon in den 50er Jahren, wenn nicht früher zu einer Erkrankung oder
+begünstigt die Entwicklung einer solchen.
+
+Sie sind nun in der Lage zu beurteilen, was man von dem Erwerb einer
+gewissen Trinkfestigkeit zu halten hat, die man namentlich in
+korpsstudentischen Kreisen als nötig erachtet, damit der Student in
+jeder Gesellschaft seinen Mann stellen kann und auch bei größerem
+Alkoholkonsum seiner Direktion nicht verlustig geht. Die Trinkfestigkeit
+bedeutet nicht eine erhöhte Widerstandsfähigkeit des ganzen Organismus
+gegen Alkoholeinwirkung, sondern lediglich eine gewisse Angewöhnung des
+Gehirns an größere Alkoholmengen. Bei der ausgesprochensten
+Trinkfestigkeit kann aber der Organismus durch den habituellen
+Alkoholkonsum den schwersten Schaden erleiden. Ein recht bezeichnendes
+und lehrreiches Beispiel liefern die Arbeiter im Braugewerbe und die
+ihnen nahestehenden Geschäftsleute. Die hiesigen Braugehilfen erhielten
+in meiner Jugendzeit noch 16 bis 18 l Bier täglich, und tranken dieses
+Quantum jedenfalls zum größten Teile. Sie waren selbstverständlich sehr
+trinkfeste Leute, und dabei auch gewöhnlich von Haus aus von robuster
+Konstitution, da man schwächliche Individuen im Braugewerbe kaum
+verwenden kann. Und doch hat die Erfahrung gelehrt, daß ein großer Teil
+dieser kräftigen Menschen bereits in den 40er Jahren zu Grunde ging, und
+zwar namentlich an Herzleiden, die zweifellos durch den täglichen
+Bierkonsum der Betreffenden verursacht wurden.[2]
+
+ [2] Sehr beachtenswert ist auch die große Sterblichkeit der
+ Braugehilfen an Tuberkulose. Nach Sendtner starben in München von
+ 1859-1888 28,9% der Brauer an Schwindsucht.
+
+Ich selbst hatte Gelegenheit, einen Bierwirt zu behandeln, der während
+eines Zeitraums von 20 Jahren täglich 18-20 l Bier ohne irgendwelche
+Berauschung zu sich genommen hatte. Er starb ebenfalls Ende der 40er
+Jahre und es fand sich bei ihm das Münchener Bierherz in ausgeprägtester
+Form. Diese Herzerkrankung entsteht nicht über Nacht, sie entwickelt
+sich in schleichender Form. Die Aufnahme so großer Flüssigkeitsmengen,
+wie sie der frühere tägliche Bierkonsum der hiesigen Braugehilfen mit
+sich brachte, bedingt eine bedeutende Vermehrung der Herzarbeit. Diese
+verursacht zunächst eine Hypertrophie der muskulösen Wandungen des
+Organs, die bei Fortdauer der enormen Flüssigkeitszufuhr unter dem
+toxischen Einflusse des Alkohols allmählich in Entartung übergeht, einen
+Zustand, der früher oder später zur Erlahmung des Herzens führt.
+
+In schleichender Weise entwickeln sich auch die sogenannte
+Arterienverkalkung, die Leber- und Nierenleiden der trinkfesten Trinker.
+In beklagenswerter Verblendung fahren diese mit ihren alkoholischen
+Gewohnheiten fort, bis ein Stadium der Erkrankung eintritt, das keinen
+Zweifel mehr über die schädigende Wirkung ihrer Trinkgewohnheiten läßt.
+Die Einsicht, die damit gewonnen wird, und die Einschränkung des
+Alkoholgenusses oder gänzlicher Verzicht auf denselben hält aber dann
+oft den schlimmen Ausgang des Leidens nur wenig auf.
+
+Wir sind also nicht in der Lage, anzugeben, welches Quantum Alkohol,
+wenn wir von ganz kleinen Mengen absehen, bei andauerndem täglichem
+Genusse sicher ohne schädigenden Einfluß auf den Organismus bleibt,
+und deßhalb ist die Abstinenz vom hygienischen Standpunkte aus,
+der Mäßigkeit in _alcoholicis_ entschieden vorzuziehen. Dies
+ergibt sich auch aus den Tatsachen, welche mehrere englische
+Lebensversicherungsgesellschaften bezüglich der Lebensdauer und
+der Häufigkeit der Erkrankungen bei Abstinenten und mäßigen
+Trinkern ermittelt haben. So ergab sich bei der englischen
+Lebensversicherungsgesellschaft _Sceptre_, daß bei den von ihr
+versicherten Abstinenten in einem Zeitraum von 5 Jahren nahezu 19%
+weniger Todesfälle vorkamen als bei den versicherten Nichtabstinenten,
+obwohl auch diese sich zum großen Teile aus Personen zusammensetzten,
+bei denen man entschiedene Mäßigkeit voraussetzen kann.
+
+Eine andere englische Lebensversicherungsgesellschaft »_Temperance and
+General Provident Institution_« hatte bei den Abstinenten sogar 29%
+weniger Todesfälle als bei den übrigen Versicherten. Ebenso ergab ein
+Vergleich der Krankheitswochen bei den Mitgliedern verschiedener
+Krankenkassen, daß die Abstinenten bedeutend weniger von Erkrankungen
+heimgesucht wurden, als die Nichtabstinenten. Die Zahl der
+Krankheitswochen betrug für den Zeitraum von fünf Jahren bei den _Sons
+of Temperance_ (Abstinenten) 7,48 Wochen, bei nicht abstinenten
+Kassenmitgliedern 24,68 bis 27,66 Wochen. Diese Zahlen sprechen sehr
+deutlich, und der Hinweis auf die Hochbetagten, die täglich ein gewisses
+Bier- oder Weinquantum zu sich nehmen, wird dadurch der Beweiskraft
+bezüglich der Unschädlichkeit mäßigen Alkoholgenusses völlig beraubt.
+Die Betreffenden sind eben Individuen, die entweder eine ungewöhnliche
+Resistenz gegen die Alkoholwirkung oder, was wahrscheinlicher ist,
+überhaupt eine ungewöhnlich robuste Konstitution besitzen, und aus ihrem
+Verhalten läßt sich daher keine Folgerung für den Durchschnitt ziehen.
+
+ * * * * *
+
+Was nun den Einfluß des Alkohols auf die Arbeitskraft der geistig
+Höchststehenden betrifft, so gibt man sich einer Täuschung hin, wenn man
+denselben für völlig irrelevant hält. Eine gewiß in dieser Sache
+kompetente Persönlichkeit, Altmeister Goethe, hat uns in einer jeden
+Zweifel ausschließenden Weise darüber belehrt, daß auch bei den größten
+Geistern der nachteilige Einfluß des Alkohols auf die Arbeitskraft
+ähnlich wie beim Durchschnittsmenschen sich äußert. In seinen
+Tagebüchern vom Jahre 1779 (Goethe war damals 30 Jahre alt), ist
+bemerkt: »Seit drei Tagen keinen Wein. Man könnte noch mehr, ja das
+Unglaubliche leisten, wenn man mäßiger wäre.« Und an einer anderen
+Stelle: »Wenn ich den Wein abschaffen könnte, wäre ich glücklich. Ich
+trinke fast keinen Wein mehr und gewinne fast täglich mehr Blick und
+Geschick zum tätigen Leben.«
+
+Interessant ist auch, was er 1808 an seinen damals in Heidelberg
+studierenden Sohn August schrieb: »Es ist mir lieb, zu hören, daß Du
+Dich auch vor dem so sehr zur Gewohnheit gewordenen Getränk (dem Wein)
+in Acht nimmst, das mehr, als man glaubt, einem besonnenen, heiteren und
+tätigen Leben entgegen wirkt.«
+
+Und Bismarck, der große Kanzler, hat nach Moritz Busch über das Bier
+sich dahin geäußert, daß es dumm, faul und impotent macht.
+
+Daneben darf nicht außer acht gelassen werden, daß auch manche große
+Geister, Dichter, bildende Künstler, Komponisten, durch Alkoholexzesse
+nicht nur ihre Schaffenskraft geschmälert, sondern sich geradezu geistig
+und körperlich ruiniert und ihr Leben verkürzt haben.
+
+Wir haben in Deutschland in den letzten Jahren wieder einige recht
+traurige Beispiele dieser Art erlebt, die Männer betrafen, deren
+frühzeitiger Heimgang von allen Gebildeten bedauert wurde und unserer
+Nation sicher erspart geblieben wäre, wenn die Betreffenden ihre Neigung
+für die feuchtfröhliche Geselligkeit besser gezügelt hätten.
+
+Nicht minder wichtig als die hygienische ist die finanzielle Seite der
+Alkoholfrage. Es ergibt sich dies ohne weiteres aus der Tatsache, daß im
+Deutschen Reiche ungefähr 3 1/2 Milliarden alljährlich für geistige
+Getränke verausgabt werden.[3] Das ist dreimal so viel als der so sehr
+beklagte Aufwand für Heer und Marine, und siebenmal so viel als die
+Kosten für die Unterhaltung der öffentlichen Schulen ausmachen. Auf den
+Kopf der Bevölkerung (63 Millionen) berechnet beträgt die Ausgabe für
+geistige Getränke 55 Mk. pro Jahr. Wenn man aber berücksichtigt, daß
+Kinder, Frauen und Greise einen wesentlich geringeren Anteil am
+Alkoholkonsum haben als die erwachsene männliche Bevölkerung im Alter
+von 20-60 Jahren, wird man für letztere einen durchschnittlichen
+Jahresverbrauch für alkoholische Getränke von 80-90 Mk. annehmen müssen.
+An einzelnen Orten wie namentlich in München ist jedoch der
+durchschnittliche Aufwand für geistige Getränke seitens der erwachsenen
+männlichen Bevölkerung bedeutend höher.
+
+ [3] Nach anderen Angaben betrug in den letzten Jahren der Aufwand für
+ geistige Getränke 3300 Millionen Mark.
+
+Die ungeheueren Summen, welche der Alkohol verschlingt, werden jedoch
+nur zum kleinsten Teile von der Klasse der Reichen und Wohlhabenden
+aufgewendet, sie fließen in der Hauptsache aus den Taschen der großen
+Menge, der wenig Bemittelten und der Mittellosen, die sich einen solchen
+Luxus nicht gestatten können, ohne die Ausgaben für die wichtigsten
+Lebensbedürfnisse für Wohnung, Nahrung, Kleidung, in einer höchst
+bedauerlichen Weise herabzusetzen. Und unter dieser Herabsetzung haben
+die Betreffenden nicht nur selbst, sondern noch mehr deren Familien,
+Frauen und Kinder, zu leiden. Daß die alkoholischen Neigungen der Masse
+die Erzielung von Ersparnissen hochgradig erschweren, unterliegt
+ebenfalls keinem Zweifel. Allein der materielle Schaden, den der
+Alkoholkonsum unserem Volke zufügt, ist mit der oben angegebenen Summe
+keineswegs völlig dargetan. Dazu kommen die Verluste an Verdienst, die
+nicht nur durch die Trunksucht, sondern auch durch vorübergehende
+Alkoholexzesse verursacht werden, die Ausgaben für Verpflegung von
+Alkoholikern in Kranken- und Irrenanstalten und für die Unterstützung
+ihrer Familien, die materiellen Folgen der Straftaten, die von
+Alkoholikern begangen werden und der Unfälle, die auf den Alkohol
+zurückzuführen sind.
+
+Wir können, wenn wir dies alles erwägen, nicht den geringsten Zweifel
+darüber hegen, daß der derzeitige Alkoholkonsum in Deutschland den
+Volkswohlstand wie die Volksgesundheit in gleich schwerer Weise
+schädigt. Aus dieser Sachlage ergibt sich, wie ich glaube, für Jeden,
+der Interesse an dem Gemeinwohl hat, die Verpflichtung, an dem Kampfe
+gegen die Trinksitten unseres Volkes durch Wort und Tat teilzunehmen.
+Was bisher durch die Bemühungen der Abstinentenvereine und der Vereine
+gegen den Mißbrauch geistiger Getränke erreicht wurde, ist zwar nicht
+ganz zu unterschätzen, aber doch im Verhältnis zu dem Nötigen nur
+sozusagen ein Tropfen auf eine glühende Platte. Wir dürfen nicht
+verkennen, daß die materielle Seite der Alkoholfrage sehr große
+Schwierigkeiten in sich schließt. Riesige Summen sind in den
+Alkoholgewerben angelegt, und die Regierungen gewinnen einen erheblichen
+Teil ihrer Steuereinnahmen aus dem Konsum alkoholischer Getränke. Es ist
+daher begreiflich, daß man bei dem Kampfe gegen die Trinksitten unseres
+Volkes auch mit mächtigen Gegnern zu rechnen hat, mit Gegnern, die zum
+Teil nicht aus Ueberzeugung, sondern ihres materiellen Vorteils halber
+der Antialkoholbewegung entgegentreten, sie lächerlich oder verächtlich
+zu machen suchen. Wenn wir bei der großen Masse eine entschiedene
+Besserung in bezug auf ihre Trinkgewohnheiten herbeiführen wollen,
+genügt nicht, wie man bisher zumeist glaubte, die Aufklärung durch Rede
+und Schrift. Die Kreise der Gebildeten und Bessersituierten müssen ein
+Beispiel geben, das erzieherlich auf die Masse wirkt. Wenn man
+heutzutage den Arbeitern Abstinenz oder wenigstens größere Mäßigkeit
+predigt, so hat man immer zu gewärtigen, daß auf die sogenannten
+besseren Stände hingewiesen wird, deren Angehörige neben den sonstigen
+sich ihnen bietenden Lebensgenüssen auch im Konsum geistiger Getränke
+sich ein reiches Maß gestatten. Da wird auch auf Sie, m. H., und auf
+Ihre Trinksitten hingewiesen. Sie dürfen daher nicht glauben, daß Ihr
+Beispiel für die Massen ohne Bedeutung ist. Sie repräsentieren die
+gebildete Jugend des Landes _par excellence_ und haben daher die
+Aufgabe, als die künftigen Träger der Staatsgewalt und als Angehörige
+der höheren, der gelehrten Berufe, ein Vorbild für die Massen zu geben,
+ein Vorbild, das sie nicht in ihren Trinkgewohnheiten bestärken, sondern
+von denselben abbringen mag.
+
+ * * * * *
+
+Ich eile zum Schlusse. Es würde mich zwar sehr freuen, wenn ich Sie Alle
+zur Alkoholabstinenz bekehren könnte, allein ich bin nicht so
+phantastisch und sanguinisch, um etwas derartiges zu erwarten. Meine
+Wünsche und Hoffnungen sind bescheidener. Ich würde es schon als einen
+sehr schönen Erfolg betrachten, wenn ich Sie dazu bestimmen könnte, der
+Alkoholfrage das Interesse zu schenken, das sie verdient, und Ihren
+Alkoholgenuß, wenn Sie schon von diesem nicht ganz lassen wollen,
+wenigstens so zu beschränken, daß durch denselben weder Ihre
+Arbeitskraft noch Ihre Gesundheit leidet. Sie müssen dabei, wie ich
+nicht verhehlen darf, vor allem auf den gewohnheitsmäßigen täglichen
+Genuß von Bier und Wein verzichten, Ihren Konsum auf einzelne Tage
+beschränken und in sehr bescheidenen Grenzen halten. Daß dadurch die
+Freuden der studentischen Geselligkeit geschmälert werden müßten, ist
+eine völlig ungerechtfertigte Annahme. »Jugend«, sagt Goethe, »ist
+Rausch ohne Wein«. Sie bedürfen nicht des verdummenden Einflusses der
+_Alcoholica_, um sich in eine gesellige Stimmung zu versetzen. Sie
+besitzen in Ihrer Jugend, Ihrer Bildung und Ihren freundschaftlichen
+Beziehungen zu gleichgesinnten Kameraden genügende Quellen geistiger
+Anregung. Sie müssen aber ferner in jenen Zeiten, in welchen besonders
+hohe Anforderungen an Ihre geistige Arbeitskraft gestellt werden, in der
+Zeit der Vorbereitung für ein Examen, sich des Alkoholgenusses dauernd
+und gänzlich enthalten. Es ist dies keine allzu schwere Aufgabe und eine
+Aufgabe, der Sie gerecht werden müssen, wenn Sie den Anforderungen Ihrer
+gegenwärtigen und künftigen Stellung genügen und Ihre Gesundheit
+ungeschmälert erhalten wollen. Sie dürfen eben nicht übersehen, daß die
+gemütlichen Zeiten des Studentenlebens schon lange vorüber sind. Auch
+der Student wird heutzutage von dem Kampf ums Dasein, von dem Drucke
+einer stetig sich steigernden Konkurrenz sehr bedeutend berührt. Die
+Fortschritte in allen Wissenschaften bedingen es, daß das
+wissenschaftliche Material, das der Student sich anzueignen hat, wächst,
+und damit die Prüfungsanforderungen zunehmen. Dazu kommen die mißlichen
+Verhältnisse, welche die enorme Überfüllung der gelehrten Berufe im
+Laufe der Jahre mit sich gebracht haben. In der gewaltig gesteigerten
+Konkurrenz hat der weniger Befähigte und weniger Unterrichtete ungleich
+geringere Chancen als früher, eine befriedigende Stellung zu erlangen.
+
+Für die Juristen hat der den Bedarf weit übersteigende Nachwuchs bereits
+die Folge gehabt, daß Maßnahmen als notwendig erachtet wurden, die auf
+eine stärkere Auslese der Kandidaten durch die Examina abzielen. Nach
+verbürgten Nachrichten sollen diejenigen, welche die dritte Note im
+Staatskonkurs erhalten, künftig als durchgefallen gelten, was eine
+außerordentliche Verschärfung der Examensanforderungen bedeuten
+würde.[4] Sie sehen, daß große und in Zukunft noch steigende Ansprüche
+an Ihre Arbeitskraft gestellt werden und Sie daher allen Grund haben,
+diese als ein kostbares Gut zu betrachten, das Sie sich ungeschmälert
+erhalten müssen. Dies kann aber nur dadurch geschehen, daß Sie sich
+nicht mit der landläufigen Mäßigkeit in _alcoholicis_ begnügen, sondern
+sich entweder zur Abstinenz oder wenigstens zu der von mir angedeuteten
+Beschränkung des Alkoholkonsums entschließen. Die Durchführung dieses
+Entschlusses erheischt jedoch etwas, was Viele von Ihnen noch nicht in
+genügendem Maße besitzen: das Freisein von Vorurteilen, die auch in den
+studentischen Kreisen noch allzusehr verbreitet sind, und eine gewisse
+moralische Festigkeit. Sie müssen sich von der Idee völlig losreißen,
+daß derjenige, der ungezählte Seidel hinunterstürzen kann, der richtige
+Mann ist, daß das scheinbare Vertragen eines großen Bierquantums ein
+Zeichen von Kraft und Männlichkeit bildet und die Beschränkung im
+Alkoholgenuß auf Unmännlichkeit und Schwäche hinweist. Es lastet noch,
+wie ich nicht verkennen will, wie ein Fluch auf dem deutschen Volke, daß
+man die Unmäßigkeit im Trinken nicht so ungünstig beurteilt, wie die im
+Essen, ja, daß man sie sogar vielfach noch als eine schätzenswerte
+Eigenschaft betrachtet, wenn ihr eine gewisse Trinkfestigkeit zur Seite
+steht. Von Ihnen darf ich nun wohl erwarten, daß Sie von diesen
+Vorurteilen sich gänzlich frei machen, durch den Anschein der
+Trinkfestigkeit sich nicht länger täuschen lassen und stets
+berücksichtigen: Nicht die Trinkfesten sind es, die den höchsten
+geistigen und körperlichen Anstrengungen gewachsen sind, sondern die
+Abstinenten und die im Alkoholgenuß sich sehr Beschränkenden. Sie
+werden, wenn Sie dies erwägen, auch allezeit die Festigkeit besitzen,
+den Grundsätzen, die Sie in der Alkoholfrage als die richtigen erkannt
+haben, treu zu bleiben, und auf deren Befolgung nicht aus irgendwelchen
+gesellschaftlichen Rücksichten zu verzichten. Sie werden Ihre
+Männlichkeit dadurch beweisen, daß Sie nicht wie der gemeine Haufe
+einfach mittun, wo getrunken wird, blos um keine Ausnahme zu machen und
+unliebsame Bemerkungen auf sich zu laden, sondern Ihren Standpunkt in
+der Alkoholfrage sowohl dem Einzelnen als der Masse gegenüber wahren,
+unbekümmert darum, was die Rückständigen und Versumpften von Ihnen
+halten mögen. Sie werden durch dieses selbstbewußte Vorgehen sich
+Achtung verschaffen, Ihre Zahl wird sich, wenn auch nur langsam, mehren,
+und allmählich wird es dahin kommen, daß Sie, die jetzt nur eine kleine
+Minorität in den studentischen Kreisen bilden, die Majorität erlangen
+und der Welt zeigen, daß die Fröhlichkeit des Studentenlebens nicht an
+den Gambrinusdienst gebunden ist. Sind aber einmal die Trinksitten der
+akademischen Jugend auf den Aussterbeetat gesetzt, dann kann eine Reform
+in bezug auf die Trinkgewohnheiten unserer ganzen gebildeten
+Gesellschaft nicht ausbleiben. Die Studierenden werden das, was sie in
+den Universitätsjahren geübt, in das praktische Leben hinübernehmen, und
+das Beispiel, das sie als Männer in den verschiedensten Lebensstellungen
+geben, wird vorbildlich auf die ganze gebildete Gesellschaft wirken.
+Dann, aber auch erst dann wird es möglich sein, jene Änderungen in den
+Trinkgewohnheiten der großen Masse, der unteren Volksschichten
+herbeizuführen, die im Interesse der Volksgesundheit und des
+Volkswohlstandes schon längst nötig gewesen wären.
+
+ [4] Inzwischen ist der Ministerialerlaß, der die in Frage stehende
+ Änderung in der Notenbewertung betrifft, publiziert worden.
+
+
+
+
+Literatur betreffs der studentischen Trinksitten.
+
+
+=O. Dolch=: Geschichte des deutschen Studententums, von der Gründung der
+deutschen Universitäten bis zu den deutschen Freiheitskriegen. Leipzig:
+Brockhaus 1858.
+
+=R. Fick=: Auf Deutschlands hohen Schulen. Eine illustrierte
+kulturgeschichtliche Darstellung deutschen Hochschul- und
+Studentenwesens. Berlin-Leipzig: H. L. Thilo 1900.
+
+=A. Tholuck=: Das akademische Leben des 17. Jahrhunderts. Halle: Anton
+1853.
+
+=A. Richter=: Bilder aus der deutschen Kulturgeschichte. II. Band 1893.
+Studentenleben im 16. und 17. Jahrhundert.
+
+
+
+
+ Druck der =J. P. Himmer='schen Buchdruckerei Augsburg.
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ von ~Dr. H. Sinzheimer~ (Frankfurt a. M.) Preis Mk. --.80.
+ von ~Dr. H. Sinzheimer~ (Frankfurt a. M.). Preis Mk. --.80.
+
+ studentische Leben eine seiner schönsten Seiten beraubt würde. Daß
+ studentische Leben einer seiner schönsten Seiten beraubt würde. Daß
+
+ zurückzuführen, daß die Hygiene kein Unterrichtsgegenstand an den
+ zurückzuführen, daß die Hygiene keinen Unterrichtsgegenstand an den
+
+ auf einen Ausfall hemmender Momente beruht. Neben den höchststehenden
+ auf einem Ausfall hemmender Momente beruht. Neben den höchststehenden
+
+ hiesigen psychiatrischen Klinik fanden im Jahre 1905, 1373 Personen
+ hiesigen psychiatrischen Klinik fanden im Jahre 1905 1373 Personen
+
+ Volksklassen der Masse der Ungebildeten, seine Opfer findet. Auch in
+ Volksklassen, der Masse der Ungebildeten, seine Opfer findet. Auch in
+
+ seinem Laster zu fröhnen. Unsagbar ist das Elend das über viele
+ seinem Laster zu fröhnen. Unsagbar ist das Elend, das über viele
+
+ Quantum jedenfalls zumgrößten Teile. Sie waren selbstverständlich sehr
+ Quantum jedenfalls zum größten Teile. Sie waren selbstverständlich sehr
+
+ Gewohnheiten fort, bis ein Stadium der Erkrankung eintritt, das kein
+ Gewohnheiten fort, bis ein Stadium der Erkrankung eintritt, das keinen
+
+ abwohl auch diese sich zum großen Teile aus Personen zusammensetzten,
+ obwohl auch diese sich zum großen Teile aus Personen zusammensetzten,
+
+ Kassenmitglieder 24,68 bis 27,66 Wochen. Diese Zahlen sprechen sehr
+ Kassenmitgliedern 24,68 bis 27,66 Wochen. Diese Zahlen sprechen sehr
+
+ Nation sicher erspart geblieben wäre, wenn die Betreffenden ihrer Neigung
+ Nation sicher erspart geblieben wäre, wenn die Betreffenden ihre Neigung
+
+ ein Vorbild, das Sie nicht in Ihren Trinkgewohnheiten bestärken, sondern
+ ein Vorbild, das sie nicht in ihren Trinkgewohnheiten bestärken, sondern
+
+ =A. Tholuck=: Das akademische Leben des 17. Jahrhrhunderts. Halle: Anton,
+ =A. Tholuck=: Das akademische Leben des 17. Jahrhunderts. Halle: Anton
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Student und Alkohol, by L. Loewenfeld
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK STUDENT UND ALKOHOL ***
+
+***** This file should be named 29327-8.txt or 29327-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
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+*** START: FULL LICENSE ***
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+
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+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
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+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
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+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
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+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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