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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:37:57 -0700 |
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Langkau and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + + + + +Woher die Kindlein +kommen. + +Der Jugend von 8-12 Jahren erzählt +durch ++Dr. med.+ Hans Hoppeler + +Kinderheim Zürichberg. + +Sechzehntes bis zwanzigstes Tausend. + +[Illustration] + +Verlag: _Art. Institut Orell Füßli_, Zürich. + + +Alle Rechte vorbehalten. + ++Copyright 1916 by Art. Institut Orell Füssli, Zürich+ + + + + +Vorwort an die Eltern. + + +Die Notwendigkeit, seine Kinder über die Entstehung des Lebens _selber_ zu +belehren, statt diese Aufgabe dem Zufall und der Straße zu überlassen, +wird heutzutage nur noch von wenigen Eltern bestritten. Und doch ergab +kürzlich eine Rundfrage in meinem Kinderpflege-Kurse, daß von den vielen +anwesenden Töchtern nicht einmal fünf Prozent durch ihre Eltern sexuelle +Aufklärung empfangen hatten. Ursache dieser Erscheinung: es kommt vielen +gar schwer vor, den geeigneten Moment, den richtigen Ton, die passenden +Worte zu finden, und so wird die Sache wider besseres Wollen immer +wieder verschoben, bis man plötzliche entdeckt, (-- oder auch jahrelang +_nicht_ entdeckt --), daß Gassenbuben oder gute Kameraden längst einem +zuvorgekommen sind. Wüßten aber die Mütter, _wie_ die Belehrung +ausgefallen, sie würden sich entsetzen. Aus solcher Überlegung heraus +entstand das vorliegende Büchlein, ein offenes Wort an Stelle geheimen +Flüsterns und ungesunden Tuschelns hinter Eltern und Lehrern. Gebt es +euern Kindern nicht zu spät, denn auch das harmloseste Gemüt kann durch +unversehens eintretende unberufene Aufklärung Schaden leiden. -- Wer die +Erzählung zu realistisch findet, bedenke, daß auf diesem Gebiete +Verschleierung und allzu blumenreiche Poesie mit der Realistik der +Straße niemals in Konkurrenz treten können. + +Möge die kleine Arbeit segensreich wirken und manchen Kindern ersparen, +was leider vielen von uns Erwachsenen nicht erspart geblieben ist. + +_Zürich_, im Juni 1916 + + +Dr.+ Hans Hoppeler. + + + + +Am Gartenzaune eines freundlichen Hauses an der Freien Straße in Zürich +stand ein blonder etwa 40jähriger Herr in dunklem Überzieher, und +blickte durch das kleine Vorgärtchen hinein in die geöffneten Fenster +des Erdgeschosses. Er trug ein braunes Reisetäschlein in der Hand und +kam offenbar vom Bahnhofe. Vielleicht hatte er eine weite Reise hinter +sich, war hungrig und müde. Trotzdem schien er es nicht sehr eilig zu +haben, an sein Ziel zu kommen; denn schon einige Minuten hatte er nun +hier vor dem Hause gestanden, und noch immer machte er keine Anstalten, +weiter zu gehen. Es war aber auch wirklich unterhaltsam und lustig, was +er da drinnen sah. Eine große Zahl Kinder, wohl fünfzig mochten es sein, +saßen da auf langen Bänken, alle mäuschenstill. Die Hände hielten sie +alle auf dem Rücken verschränkt, und gespannt blickten sie nach vorn, um +die prächtige Geschichte vom Zigeunerfriedel zu hören, die ihnen soeben +Tante Emma erzählte. Und wie konnte diese herrliche Tante des +Kindergartens erzählen! Grad' zu hören meinte man all' die Glocken, +Pfeifen, Orgeln und Ausrufer, wenn sie den Jahrmarkt von Goßlingen +schilderte, und Tränen des Mitleids liefen da und dort einem Kinde über +die Wangen, wenn sie vom langen Balthasar berichtete, dem +Zigeunerhauptmann mit dem furchtbar großen Schlapphut, der den Friedel +plagte bei Tag und bei Nacht, bis er seine Seiltänzervorstellungen +gelernt hatte. Auf der zweitvordersten Bank saß Hannchen. Ihre dunklen +Augen funkelten und ihre kleinen Fäustchen waren fest geballt, sodaß die +Fingernägelchen sich tief in die Handballen eingruben. Mit diesen +Fingernägelchen hatte sie vorgestern den Armin gekratzt, als er in +grober Weise ihr Brüderchen die Treppe hinuntergestoßen, und mit diesen +Nägelchen hätte sie jetzt des Balthasars Gesicht furchtbar zugerichtet, +wenn er zur Stelle gewesen wäre. Glühend rot waren ihre Wangen, und der +Atem ging keuchend. Suchend wanderten ihre Augen umher, als ob sie den +bösen Zigeuner irgendwo finden müßten. Da blieb ihr Blick haften an dem +Mann auf der Straße, dem Mann mit dem dunklen Überzieher und dem +Reisetäschchen. Wie gebannt schaute sie ihm einen Moment ins Angesicht. +Da plötzlich fährt sie in die Höhe mit gellendem, jubelndem Schrei. +»Onkel Theophil!« hallte es in mächtigen Tönen durchs Zimmer. Mit zwei +Sprüngen ist Hannchen am Fenster, mit dem dritten steht sie oben auf dem +Gesims, und jetzt -- Tante Emma, die eilends herzurannte, kam längst zu +spät -- jetzt ist sie schon flink wie ein Eichhörnchen herunter +geklettert und dem Onkel in die Arme geflogen. Droben an den Fenstern +standen die Kinder Kopf an Kopf. Vergessen waren Karussel und +Jahrmarktbuden, vergessen Balthasar und Zigeunerfriedel, vergessen ob +dem einen großen Wort: Onkel Theophil! Hatte nicht Hannchen schon oft +und erst gestern wieder von ihm erzählt? Erzählt von ihren prächtigen +Ferien in Basel bei Onkel und Tante? Hatte es nicht einst die +Photographie in die Schule bringen und ihn allen zeigen dürfen, den +prächtigen Onkel? Hatten sie nicht alle einen ganz besonderen Respekt +vor Hannchen und ihren zwei Brüdern, weil sie diesen Onkel besaßen, den +Onkel Theophil? Und jetzt war er da! Und wie bestürzt er aussah, ganz +verlegen und erschrocken. Er hatte ja gar nicht daran gedacht, daß die +Kinder ihn sehen würden, und nun war eine so furchtbare Revolution im +Kindergarten ausgebrochen, alles war außer Rand und Band gekommen nur +wegen ihm. Das hatte er nicht beabsichtigt. Aber das große Durcheinander +währte nicht lange. Tante Emma klatschte in die Hände, und im Nu gab es +Ruhe. »Kinder, nun singen wir dem Onkel ein hübsches Liedchen, ja?« +Begeistert stimmten die Kleinen zu, Tantes Stimmgabel gab den Ton an, +und: »Mir sind chlini Musikante« tönte es alsbald lustig und fröhlich +aus fünfzig kleinen Mäulchen, während hundert flinke Händchen dazu +trompeteten, geigten und aus Leibeskräften trommelten. Kaum war der +letzte Ton verklungen, so verkündete die Kreuzkirche mit vier lauten +Schlägen, daß es Zeit sei, zu schließen. Wohl hätten die Kinder gar zu +gerne noch die Geschichte vom Zigeunerfriedel gehört, aber doch mochten +sie es kaum erwarten, den Onkel ganz aus der Nähe zu sehen. Darum waren +sie alle zufrieden, als ihnen die Tante den Schluß der Geschichte für +morgen in Aussicht stellte und sie nach kurzem entließ. Wie ein +fröhlicher Bergbach stürmten sie zum Tore hinaus, und jedes wollte des +freundlichen Mannes Hand drücken. Hannchen aber sorgte dafür, daß keines +an derselben zu lange hängen blieb; mit großer Beharrlichkeit stieß es +jedes der Kinder nach erfolgtem Gruße wieder weg, um zu zeigen, daß hier +niemand als es das Recht habe, geführt zu werden. Der Trupp setzte sich +in Bewegung, Hannchen immer an Onkels Seite, triumphierend bald links +und bald rechts blickend, als wollte es sagen: »Gäll he, dä g'hört +mine!« Die Gesellschaft wurde allmählich kleiner, indem bei jeder +Wegkreuzung wieder einige Kinder abschwenken mußten, und endlich waren +der Onkel und Hanni allein. Jetzt bogen sie in die Hofackerstraße ein, +und schon sah man das elterliche Haus in der Nähe, als plötzlich in +großen Sprüngen Hannchens siebenjähriger Bruder dahergerannt kam. »Ein +Schwesterchen, ein Schwesterchen!« so rief er schon von weitem; »man +kann nicht hinein, es ist geschlossen, es ist geschlossen, aber es ist +wahr, der Storch hat es gebracht, und er hat die Mutter ins Bein +gebissen, und die Frau Burkhard ist da, und der Herr Doktor ist schon +wieder fort, und er hat eine gelbe Tasche gehabt mit etwas darin, aber +ich weiß nicht was! Und zur Taufe, da dürfen wir Kutsche fahren, und +dann sitze ich vorn auf dem Bock!« »Nein, da sitze ich, ich bin älter +als du,« fiel plötzlich Walter ein, der soeben dazu gekommen war, und +sicherlich hätte es einen artigen Streit abgesetzt, wenn nicht auf +einmal beide den Onkel erkannt hätten. »Onkel Theophil«, jubelten sie, +fielen ihm um den Hals und küßten ihn zum Willkomm. Derweil stob +Hannchen mit Windeseile davon, auf das Haus zu. »O bleib nur da,« riefen +ihm die Buben nach, »oben lassen sie dich doch nicht hinein!« Aber +Hannchen hörte nichts und war schon hinter der Haustüre verschwunden. +Ein neues Schwesterchen, ha wie fein, das mußte sie sehen! + +»Wann ist denn das Schwesterchen gekommen?« fragte unterdessen der Onkel +die Knaben. »Heute mittag«, berichtete eifrig Walter, »grad vorhin +kamen wir aus der Schule, da stand oben auf der Treppe die Luise, unser +Mädchen, hob den Finger auf und machte: »Pst, ganz leise, sonst weckt +ihr das neue Schwesterchen; vor einer Stunde hat der Storch es +gebracht!« Und dann sagte sie noch, die Mutter sei krank, wir sollten +nur gleich in den Garten und spielen, aber ohne zu lärmen.« »Ja, und +jetzt sind wir sieben«, rief stolz der kleine Fritz, »sechs und eins +sind sieben, das haben wir gestern in der Schule gelernt.« »Ruft nicht +so laut,« mahnte der Onkel; »seht, da kommt Hannchen schon wieder.« +Richtig, da kam sie, aber ganz mit gesenktem Köpfchen. Sie war wirklich +nicht hineingelassen worden droben, Luise hatte sie wieder +hinuntergeschickt in den Garten, gleich wie die andern. Große Tränen +glänzten in ihren Augen, und als nun der Onkel seine kleine Nichte +liebkosen und trösten wollte, da brach sie in heftiges Schluchzen aus. +»Ich mag den Storch nicht, nie, nie soll er mir kommen, was braucht er +der Mutter weh zu tun?« »Ja, er hat sie ins Bein gebissen,« berichtete +nochmals Fritz. Aber der Onkel schüttelte den Kopf: »Das glaube ich +nicht; wer hat es dir denn gesagt?« »Die Frau Weber im Stockwerk unter +uns, und sie hat ihn ja gesehen.« »Nein, Fritzchen, Frau Weber hat ihn +_nicht_ gesehen,« erwiderte jetzt sehr bestimmt der Onkel. Und, als fiele +ihm plötzlich etwas ein, fuhr er fort: »Kinder wißt ihr was, wir gehen +miteinander ins Gartenhäuschen, ich will euch etwas erzählen, denn laut +spielen und lärmen dürft ihr jetzt doch nicht!« »O ja, o ja, eine +Geschichte, eine Geschichte!« Jubelnd geleiteten die Kinder den Onkel +durch den hübschen Garten zu einem aus leichten Holzlatten gezimmerten +Häuschen, das mit seinem prächtigen grünen Laubdach und den hübschen +grünen Stühlen rings um den runden Gartentisch ein reizendes Plätzchen +war, wie geschaffen zum Geschichten-Erzählen. Aber siehe da, der Tisch +war schon besetzt: Ruth, Elsa und Karl, die drei größeren der sechs +Geschwister, saßen rings herum, und außerdem noch Frieda und Hedwig, die +beiden Cousinen und unzertrennlichen Gefährtinnen der Kinder. Sie +spielten zu Vieren »Eile mit Weile,« während Elsa als fünfte eifrig den +Kampf der Farben verfolgte und jedesmal laut herauslachte, wenn wieder +eines »heimgejagt« wurde. Jetzt sah Elsa auf, erblickte den Onkel, und +mit einem Sprung hing sie ihm am Halse; die andern folgten, und jetzt +wäre der gute Onkel beinahe erstickt unter der Zahl der Arme, die ihn +von allen Seiten umfingen, und unter den Küssen, mit denen ihn seine +zärtlichen kleinen Neffen und Nichten begrüßten. Da schüttelte er mit +einem Ruck alle die krabbligen Kletterer von sich ab, gratulierte ihnen +herzlich zum neuen Schwesterlein, und dann hieß er alle achte absitzen, +während er selbst oben am Tische Platz nahm. + +»Onkel, nun erzähl' uns ein Märchen!« rief Walter. »Nein, lieber eine +wahre Geschichte,« übertönte ihn Fritz. »Vor allem wünsche ich, daß ihr +hübsch ruhig seid, während ich rede,« nahm nun der Onkel das Wort. »Ich +erzähle euch heute eine wahre Geschichte, etwas Hohes und Ernstes, etwas +Uraltes und doch immer wieder Neues; ich will euch erzählen, _wie der +liebe Gott die Kinder erschafft_!« + +Da wurden die Kinder plötzlich ganz still! Sie dachten an ihr neues +Schwesterlein droben im zarten Bettchen, das sie heute abend zum ersten +Male sehen sollten, und nun durften sie hören, wie der liebe Gott das +kleine Kindlein erschaffen habe. Und nicht von einem Jungen oder Mädchen +sollten sie es vernehmen, sondern vom Onkel, der nie etwas Unwahres +sagte, auf dessen Worte man sich verlassen konnte, wie auf Felsen. +»Wirklich Onkel, das willst du uns erzählen? Weißt du es denn auch ganz +sicher?« fragte ganz glücklich Frieda. »Aber Frieda«, erwiderte +vorwurfsvoll ihre Schwester, »der Onkel weiß doch alles!« »Ich weiß es +auch«, rief fröhlich der kleine Fritz, »der Storch bringt sie!« Da +mußten die Großen herzlich lachen. »O du Dummerle,« meinte Karl, »ein +Storch kann doch gar nicht ein sechs Pfund schweres Kindlein im Schnabel +tragen, er muß froh sein, wenn er stark genug ist, ein fettes, +zappelndes Fröschlein zu halten. Und denke doch vom Himmel bis nach +Zürich, das wäre doch ein furchtbar weiter Weg!« Jetzt aber wehrte sich +Walter wacker für den Storch: »Der Storch bringt sie sicher, ich weiß +es; Tante Selma hat in ihrem Album eine Karte, da sieht man's gemalt. +Aber er trägt das Kind nicht im Schnabel, es reitet auf seinem Rücken!« +Da lachten aber die Großen noch mehr als zuvor. »Ein ganz Kleines kann +ja noch gar nicht sitzen,« versicherten sie; »sogar der Ruedi Brenner +sitzt noch nicht einmal allein, und der ist doch sieben Monate alt.« Da +wurden der Walter und die übrigen Anhänger des Storches ganz kleinlaut +und sagten nichts mehr. + +Dafür meldete sich jetzt Hannchen zum Wort. »Ich weiß es; der liebe +Gott hat im Himmel eine große Maschine, mit der macht er die Kinder; und +dann bringen die Engel des Nachts die Kindlein auf die Erde, in alle +Häuser, wo die Leute darum gebeten haben. In unserer Wohnstube hängt ein +Bild, da sieht man gerade, wie ein schöner Engel mit einem Kleinen +hinunterfliegt.« + +Und so berichteten die Kinder noch manches, rieten hin und her, aber +keines wußte es recht, wie der liebe Gott die Kindlein macht. Darum +rückte jetzt der Onkel seinen Stuhl zurecht, und indem er freundlich +rings im Kreise herumblickte, wo lauter erwartungsvolle Gesichter auf +ihn gerichtet waren, begann er mit klarer Stimme seine Erzählung und +sagte: + +»Zuerst müßt ihr wissen, daß wirklich der Storch keine Kinder bringt. +Ihr kennt ja alle die Geschichte vom Rotkäppchen; aber sie ist nur ein +Märchen, denn ein Wolf kann doch keine Großmutter hinunterschlucken. Und +ihr kennt die Geschichte vom gestiefelten Kater, aber auch sie ist ein +Märchen, denn eine Katze kann doch keine Schuhe anziehen und darin +herumspringen. Und gerade so ist auch die Geschichte vom Storch ein +Märchen, denn ein Storch kann doch keine Kindlein tragen. Man erzählt +das nur zum Spaß den Kleinen, weil sie gerne Märchen hören; aber wenn +die Kinder größer werden, dann sagt man ihnen, daß es nur ein Spaß war. +Es ist grad wie mit dem St. Niklaus. Die Kleinen meinen, der alte Mann +mit dem langen weißen Barte wohne draußen im Walde, und fürchten sich +sehr vor ihm. Aber die größeren Kinder, so wie ihr seid, die wissen +schon, daß es ja gar keinen Niklaus gibt im Walde, und daß das alles +nur Märlein sind. + +Also der Storch bringt die Kinder nicht. Aber wer denn? Vielleicht doch +die Engel? Nein, auch die Engel nicht, sonst hätten wir sie sicher schon +oft über den Häusern schweben sehen, denn es kommen ja alle Tage viele +Kindlein zur Welt. Natürlich hätte der liebe Gott Englein genug, aber er +braucht sie zu andern Dingen, und hat eine viel bessere Weise ersonnen, +den Menschen Kindlein zu schenken. Er dachte nämlich: was man geschenkt +bekommt, das freut einen, was man aber selber verdient hat, das freut +einen noch viel mehr. Darum will ich den Menschen die Kindlein nicht +einfach wie ein Geschenk auf den Tisch legen, sondern sie sollen sich +die Kindlein selber verdienen, dann werden sie um so größere Freude an +ihnen haben. Und ihr werdet gleich merken, wie recht der liebe Gott +hatte, als er so dachte. + +Denkt euch einmal zwei Knaben, die auf dem Gipfel eines hohen Berges die +Aussicht bewundern. Der eine ist mit der Bahn hinaufgefahren; der andere +aber hat den ganzen langen, steilen Weg zu Fuß gemacht. Welcher von +beiden wird wohl die größere Freude an der prächtigen Aussicht +empfinden? Gewiß der zweite Knabe; denn er hat durch viele Anstrengung +und manchen Schweißtropfen die prächtige Aussicht sozusagen verdient, +sie kommt ihm vor wie ein reicher Lohn für die gehabte Mühe. -- Oder +denkt euch zwei Freunde, von denen jeder eine wertvolle Markensammlung +besitzt. Welcher wird mehr Freude an derselben haben, derjenige, der sie +vom Großvater geschenkt bekommen, oder der, welcher sie selber im Laufe +von Jahren durch viel Fleiß und manchen ersparten Batzen +zusammengetragen hat? Ihr denkt doch auch der letztere, nicht wahr? Und +ihr glaubt doch auch, daß es schöner sein muß, ein Häuschen als eigen zu +besitzen, für das man zwanzig Jahre lang gearbeitet und gespart, als +wenn man es von einem reichen Vetter geerbt hat? Und so könnten wir noch +manche Beispiele nennen, die alle uns dasselbe lehren: _Was wir selber +erarbeitet, durch Anstrengung erworben haben, macht uns größere und +tiefere Freude, als was uns mühelos in den Schoß gefallen ist._ + +Das weiß nun unser Vater im Himmel, von dem ja alle guten Gaben kommen, +sehr wohl, und darum legt er den Menschen die herrlichsten Gaben, die er +zu schenken hat, die kleinen Kindlein, nicht einfach in den Schoß, +sondern sie müssen sich dieselben verdienen. Zwar nicht so, wie ein +Arbeiter seinen Taglohn verdient; denn ein einziges Kindlein mit seiner +unsterblichen Seele ist viel wertvoller und kostbarer, als alle Arbeit, +die ein Mensch leisten kann. Aber doch so, daß ein Vater und eine Mutter +viel bezahlen müssen, um ein Kindlein zu haben. + +Nun fragt ihr aber ganz verwundert: bezahlen? Kann man denn kleine +Kinder um Geld kaufen? Ja wohl, bezahlen müssen die Eltern! Zwar nicht +Geld, aber viel Arbeit, Mühe und Schmerzen! Drum kommen die Kinder nicht +wie die Sechsjährigen auf die Welt, die schon allein essen, springen und +zur Schule gehen können, sondern Gott gibt sie den Eltern klein und ganz +unbeholfen. Ein junges Hühnchen schlüpft aus dem Ei und springt gleich +davon, ein junges Menschlein aber braucht ein ganzes Jahr, bis es die +ersten Schritte wagt. Da muß die Mutter es herumtragen, ausfahren, +trocken legen, ihm die Nahrung reichen und hunderterlei andere kleine +Dienste erweisen, und wenn es endlich allein gehen kann, dann müssen +Vater und Mutter ihm erst recht auf Schritt und Tritt nachgehen, und oft +in tausend Ängsten sein, damit ihm ja nichts Böses zustoße. + +Seht ihr's jetzt, wie die Eltern _Mühe_ und _Arbeit_ bezahlen müssen, bis +sie ein großes Kind haben? Aber wir haben gehört, daß es auch _Schmerzen_ +kostet, ein Kindlein zu bekommen, und von diesen Schmerzen wollen wir +auch noch reden. + +Zuerst aber muß ich euch etwas ganz Wunderbares sagen. Ihr wißt, wie es +zugeht, wenn ein junges Vögelchen entsteht. Das Vogel-Weibchen legt ein +Ei, setzt sich eine Zeitlang darauf, und wenn es inwendig im Ei schön +warm geworden ist, hört man auf einmal ein ganz kleines Schnäbelchen +gegen die Schale picken, ein Löchlein entsteht, und schwipps, schlüpft +das junge Vögelchen heraus. + +Und nun denkt euch: _auch die kleinen Kindlein schlüpfen aus einem Ei!_ +Ist das nicht wunderbar? Nun meint ihr aber: o, das kann nicht möglich +sein, denn noch nie sahen wir ein solches Ei! + +Aber hört nur weiter. Niemand kann dieses Eilein sehen, denn es liegt an +einem ganz stillen, traulichen Örtlein verborgen: im Schoße der Mutter! +Ihr wißt ja, wie es inwendig im Menschen viele merkwürdige Dinge hat, +und ihr würdet staunen, wenn ihr irgendwo ein Deckelchen öffnen und +hineingucken könntet. Da würdet ihr bei eurer Mutter oben im Kopfe +jenen wunderbaren Nervenapparat sehen, mit dem sie an euch denkt und +sinnt; weiter unten, im Brustraume, da könntet ihr das Herz betrachten, +das Tag und Nacht so treu für euch schlägt; und noch etwas tiefer, da +würdet ihr zwei wunderbare Kästlein finden, und in diesen eine Anzahl +allerliebster runder Eierchen, aus denen neue Kindlein werden. Die +Kästchen sind verschlossen, und ratet mal, wer darf sie wohl öffnen? Der +Vater! Durch seine große Liebe zu der Mutter tut sich das Türchen auf, +ein Eilein kommt heraus, setzt sich auf ein hübsches, weiches +Polsterchen ganz tief im Schoße der Mutter, und fängt nun an, zu +wachsen. + +Zuerst ist es kaum so groß, wie ein Stecknadelkopf. Nach und nach aber +wird es immer größer, zuletzt wie eine große Puppe. Die Schale des Eies +ist ganz weich, wie Sammt, und unter ihr schlummert mit geschlossenen +Äuglein das neue Kindlein. + +Dann fragt vielleicht ein Mädchen: + +»Mutter, warum bist du auch nicht mehr dünn und schlank wie früher, und +hast einen so großen Leib?« Und die Mutter sagt: »Weil's da ein +Brüderchen oder Schwesterchen für dich drinnen hat; das ist schon groß +und braucht viel Platz.« »War ich denn auch da drinnen, liebe Mutter?« +fragt das Mädchen weiter. »Gewiß, du kleiner Schelm, und zwar so groß +und schwer, ich mochte dich kaum tragen!« Da lacht die Kleine lustig: »O +Mutter, ich freue mich, bis ich ein Schwesterchen oder Brüderchen habe; +geht's wohl noch lange?« + +Aber es geht nicht mehr lange. Denn wenn das Kindchen fertig gewachsen +an seinem warmen Plätzchen, dann legt sich die Mutter zu Bette, und +durch eine kleine Öffnung schlüpft das neue Menschlein auf die Welt. Das +nennt man die _Geburt_, und der Tag, an dem ihr euer Mütterchen verlassen +habt und auf die Welt gekommen seid, ist euer _Geburtstag_. + +Oft hat die Mutter tüchtige Schmerzen dabei, drum ist sie nachher müde +und muß einige Tage zu Bette bleiben, damit sie ausruhen kann. Dann +sagen manche Leute: »Schaut her, der Storch hat eure Mutter ins Bein +gebissen, darum ist sie nun krank.« Ihr aber wißt jetzt, daß das gar +nicht wahr ist, sondern daß die Mutter bloß zum Ausruhen einige Zeit +liegen muß, weil ihr die Geburt Schmerzen verursacht hat. + +Darum ist jetzt auch Frau Burkhard da, die Walter oben gesehen hat. Sie +ist die _Hebamme_, das heißt eine Frau, die man jedesmal ruft, wenn eine +Geburt herannaht. Sie hilft den Müttern in ihrer schweren Stunde, +lindert ihnen die Schmerzen so gut sie kann, und nimmt das neugeborene +Kindlein in Empfang, um es sorgsam in das bereitgehaltene Bettchen zu +legen. Euch alle hat Frau Burkhard in ihren Armen gehalten, als ihr kaum +den ersten Atemzug getan; darum ist sie euch allen so anhänglich und +freut sich eures gesunden und kräftigen Heranwachsens. + +Bisweilen wenn die Schmerzen der Mutter sehr stark sind oder sonst ein +wichtiger Rat nötig ist, ruft die Hebamme noch den Arzt herbei. Ihr habt +ja fast alle schon drunten am Kreuzplatz an dem großen Eckhause die +Tafel gelesen: +Dr.+ Fretz, Arzt und Geburtshelfer. Oft muß er seinen +Schlaf brechen und mitten in der Nacht an ein Geburtslager eilen. Aber +sowohl er, wie Frau Burkhard tun es mit Freuden, weil sie es für eine +hohe Ehre halten, einem neuen Kindlein ins Dasein zu helfen. Sie dürfen +mitwirken an der wunderbarsten Tat unseres Vaters im Himmel, an der +Erschaffung der Menschen.« -- + +Der Onkel machte eine Pause. Träumerisch blickte er hin nach dem rot +glühenden Abendhimmel, wo sich eben die Sonne, die Fürstin und Spenderin +alles Lebens, zum Untergehen anschickte. Auch die Kinder saßen +regungslos still, kaum hörte man sie atmen. Ihre Gedanken schweiften +hinauf zum Mütterlein, dem sie ihr Leben verdankten, das eben jetzt mit +Schmerzen ihnen wieder ein Schwesterlein geschenkt hatte. O wie schön +war, was der Onkel ihnen erzählt hatte, wie unendlich viel schöner, als +das Märlein vom Storche! Beim Mütterlein waren sie gewesen, lange bevor +sie zur Welt gekommen, unter ihrem treuen Herzen hatten sie geruht, wie +zarte keimende Pflänzlein in weicher Erde! + +Mild flutete das Licht der Abendsonne durch die Blätter der kühler +werdenden Laube und beleuchtete die nachdenklichen Kindergesichter mit +lieblichem Glanze. + +»Seht Kinder«, fuhr jetzt langsam der Onkel fort, »so wie jetzt dieser +Tag zur Neige geht, so geht auch unser irdisches Leben, das so wundersam +begonnen, einst zu Ende. Freudig und jubelnd stehen die Menschen am +Bettchen des Neugeborenen und lauschen entzückt seinem ersten Atem; +traurig und weinend stehen sie nach Jahren um das Lager des gleichen +Menschen, nachdem er seinen letzten Hauch getan. Und dann legt man den +still und kalt gewordenen Körper in die Erde. O wie weh tut es einem +Mutterherzen, wenn sie ihr Kindlein nach kurzem Dasein wieder verlieren +muß; wenn das Leben entflieht, das sie mit Wonne ihm einst gegeben. + +Aber schaut, liebe Kinder, dort die untergehende Sonne spendet uns Trost +in solchem Leide, sie hält uns eine mächtige Predigt von der +Unvergänglichkeit des Lebens. Denn so wie sie jetzt niedersinkt und +Dunkelheit zurückläßt, aber strahlend am Morgen wieder emporsteigt zum +neuen Tage, so wird auch ein verstorbenes Kindlein neu erwachen zu +schönerem Leben. Und gleich wie die Sonne nach langem Winterschlafe +neues Leben aus der toten Erde hervorzaubert, so daß Blättlein und +Blümlein sprießen überall, so wird auch Gott die in ihm Entschlafenen +erwecken zu herrlichem, ewigem Leben. + +Und die Sonne, die das zu stande bringt, ist unser Herr Jesus Christus. +Er selber ist das Leben, durch ihn hat Gott die Welt und auch uns +erschaffen, und seine Verheißung lautet: Ich lebe, und ihr sollt auch +leben! Und nun denkt euch, wiewohl er der Sohn des allmächtigen Gottes +ist, ist er doch ein armes kleines Kindlein geworden, wie wir. Mit +Schmerzen hat ihn Maria geboren, und nicht in vornehmem, prächtigem +Haus, sondern in einem Stall zu Bethlehem. Bleich und müde lag sie da, +als die Hirten kamen, um das Jesuskindlein anzubeten. Und so ist durch +das Wunder der Geburt der Herr Jesus unser Bruder geworden, unser +wahrhaftiger und leiblicher Bruder. War schon vorher die Geburt eines +Menschen etwas Hohes und Heiliges, so ist sie es noch viel mehr, seit +der Herr Jesus als kleines Kindlein zur Welt gekommen. Und bedeutete es +schon vorher eine hohe Ehre und Würde für die Frauen, dem lieben Gott +helfen zu dürfen bei der Erschaffung neuer Menschen, so jetzt noch viel +mehr, seit Maria gewürdigt wurde, den König aller Könige unter ihrem +Herzen zu tragen!« -- + +Unterdessen war die Dämmerung hereingebrochen. Die Kinder saßen da in +tiefem Entzücken. Noch nie hatte ihnen jemand so herrliche Dinge +erzählt. »O Onkel, wenn du nur immer da bleiben würdest!« brach jetzt +Hannchen das Schweigen. Es schlang seine Ärmchen kosend um den Onkel und +wollte ihm auf die Knie klettern. Er aber stellte die Kleine sanft auf +den Boden und erhob sich. »Bleibt ruhig da,« mahnte er, »ich gehe jetzt +leise hinauf, und wenn euer Mütterchen es erlaubt und wohl genug ist, +will ich euch alle rufen.« + +Mit großer Herzlichkeit wurde er droben empfangen und gleich zum Bett +seiner Schwester, die die Mutter der Kinder war, geführt. »Ist alles gut +gegangen?« war seine erste Frage. »Gott sei Dank,« antwortete sie +freudig, »der Arzt ist sehr zufrieden. Wir haben ihn zur Vorsorge kommen +lassen, aber er brauchte nicht einzugreifen. -- Aber nun hör' mal, +Theophil, seit wann bist du eigentlich hier, dein Zug kam doch vor vier +Uhr an, und jetzt ist's bald sieben?« Der Onkel lächelte schalkhaft und +sagte: »In eurer prächtigen Gartenlaube bin ich gesessen, da ist es so +schön!« »Ganz allein?« »Ganz allein mit deinen sechs Kindern und ihren +Cousinen. Ich habe ihnen eine Geschichte erzählt!« -- »O, du goldiger +Bruder, drum war es so still seit zwei Stunden; nicht einmal von +Hannchen, dem Wildfang, habe ich einen Laut gehört. Was erzähltest du +denn?« »Etwas sehr Schönes: Wie der liebe Gott die Kindlein erschafft!« + +Groß und verwundert blickte Frau Hotze ihren Bruder an; »ist es dein +Ernst, Theophil?« »Mein völliger Ernst! Du kennst ja seit langem meine +Überzeugung in dieser Hinsicht; wir wollen unsern Kleinen das köstliche +Geheimnis nicht so lange vorenthalten, bis Kameraden auf der Straße es +ihnen, vielleicht auf eine gar unschöne Weise, beibringen. Und da ich +wußte, daß du erst kürzlich die gleiche Ansicht geäußert, habe ich die +Gelegenheit ergriffen und den Kindern erzählt von den Wundern des +Lebens!« + +Da verklärte dankbare Freude der Mutter Antlitz. »O du lieber Bruder, +komm her, daß ich dir danke. Welch großen Dienst hast du mir getan. +Schon lange paßte ich auf eine Gelegenheit, meine Kinder in dieses +Geheimnis einzuweihen, aber sie wollte sich nie bieten. Dazu braucht es +eine ruhige Stunde, aber wo findet man die in unserm lebhaften, +arbeitsreichen Haushalt? Habe herzlichen Dank! Doch nun bring mir die +Kinder, die lieben, damit sie ihr Schwesterchen sehen und ich sie +umarme, denn nun verlangt es mich doppelt nach ihnen.« + +Das ließ sich der Onkel nicht zweimal sagen, und bald stand er wieder +vor der Laube im Garten, wo die Kinder eifrig flüsternd im Halbdunkel +saßen und klopfenden Herzens auf den großen Moment warteten, da man sie +rufen würde. »Nun dürft ihr alle kommen«, sagte er mit gedämpfter +Stimme, »aber seid ja recht ruhig!« + +Das letztere hätte der Onkel nicht zu sagen brauchen, denn ganz von +selbst gingen alle auf den Zehenspitzen über die Kieswege, dann leise +über die Treppen hinauf, und jetzt standen sie vor der geheimnisvollen +Türe. Keines wagte zu öffnen, fast hörbar klopften die Herzen. Da drehte +sachte der Onkel den Riegel, und im stillen Gänsemarsch traten sie über +die Schwelle und sahen die Mutter, etwas bleicher als sonst, in den +Kissen liegen. + +Aber jetzt konnte sich Hannchen nicht länger halten. Mit einem +Jubelschrei stürzte es sich an das Bett, kletterte wie ein Kätzlein +hinauf und umarmte stürmisch die Mutter, als wollte es sie nie mehr +loslassen. »Mutti, hast du stark Schmerzen gehabt?« fragte die Kleine. +»Nein Herzchen, diesmal nicht so sehr, das letztemal war es schlimmer!« +»Das letztemal? O Mutti! das war ja ich! aber ich kann ganz sicher +nichts dafür. Und gleichwohl hast du mich lieb?« »Erst recht, mein +Hannchen; alle hab' ich euch mit Schmerzen geboren, drum seid ihr alle +mir so lieb.« Und eins ums andere kam, um die Mutter zu küssen, und +mehrmals war die Wange ganz naß, die die Kinder an das Angesicht ihres +Mütterchens schmiegten. + +Jetzt aber kam das Schwesterchen an die Reihe. Winzig klein, die Äuglein +geschlossen, lag es warm eingehüllt in seinem Korbe und hatte keine +Ahnung, daß es von vielen neugierigen Kinderaugen liebend betrachtet +werde. Keines wagte sich ganz nahe, nur Hannchen streckte ihren rechten +Zeigefinger aus und tupfte ganz sachte an das Näslein der Kleinen, um zu +sehen, ob es auch wirklich warm und lebendig sei. Dann kam Frau Burkhard +und führte die Kinder hinaus. Luise gab ihnen das Nachtessen, und bald +lag jedes sanft schlafend in seinem Nestchen, nachdem noch der Onkel +statt der Mutter die Runde gemacht und ihnen den Gute-Nacht-Kuß gegeben +hatte. -- + +Am andern Vormittag durften alle Kinder ins Schlafzimmer, um zu sehen, +wie Julchen -- so mußte das neue Schwesterchen heißen -- den ersten +Schoppen bekam an der Brust seiner Mutter. Hannchen stand zur Erlangung +besserer Übersicht auf den Schemel und war ganz entzückt über die +lustige Weise, wie Julchen seinen kleinen niedlichen Mund spitzte zum +Saugen. + +»Aber Mutter, warum gibst du dem Kinde nicht aus der Flasche, wie Tante +Gertrud?« fragte Hannchen ganz erstaunt; »habe ich denn auch an deiner +Brust getrunken, als ich klein war?« »Natürlich, mein Kind,« antwortete +die Mutter, »euch allen habe ich von meiner Milch geben können. Denn der +liebe Gott schafft nicht nur die Kinder im Schoß der Mutter, sondern er +gibt ihr auch eine Nahrung in ihre Brust, von der das Kind trinken soll +nach der Geburt, manchen Monat lang, bis es seine Zähne bekommt und +sitzen kann.« -- + +Nach dem Mittagessen erschien der Vater, der von einer großen +Geschäftsreise heimkam und nicht wenig erstaunt war über das +vorgefallene große Ereignis, das er erst für die nächste Woche erwartet +hatte. Hannchen wich nicht von seiner Seite und erzählte ihm alles +genau, so daß ihr Plaudermäulchen keinen Moment stille stand. »Und weißt +du,« berichtete der kleine Wildfang eifrig, »Mutti gibt dem Julchen +selber zu trinken, sie braucht gar keine Flasche, und Julchen kann +schon ordentlich saugen, ganz von selbst, es hat ihm's niemand gezeigt. +Ich will schnell Mutti fragen, ob du auch mal zusehen darfst; wenn du +auf den Schemel stehst, siehst du es sehr gut!« -- + +Abends mußte dann der Onkel verreisen, die drei Großen begleiteten ihn +auf den Bahnhof. Als aber vier Wochen um waren, an einem prächtigen +Sonntage, da kam er wieder, diesmal samt seiner Frau, der Tante, und +zwar zu Julchens Taufe als Pate. Groß war die Freude im Hause Hotze! Und +als nun gar zwei große Landauer vorfuhren, das Julchen im prächtigen +Paradetuch hineingetragen wurde, und auch Muttchen, das längst wieder +auf den Beinen war, einstieg, da war der Jubel unbeschreiblich. Karl +durfte vorne und Fritz bei der hintern Kutsche auf den Bock steigen, +Hannchen aber dem Vater auf den Schoß sitzen. Die drei Großen fuhren mit +Onkel und Tante im zweiten Wagen. Kein Wölklein trübte den herrlichen +Tag, wie im Fluge gingen nach der ernsten kirchlichen Feier die schönen +Stunden zu Hause dahin. + +Um sechs Uhr mußten die Basler Abschied nehmen, zum großen Leidwesen +aller. Hannchen hätte sicherlich geweint, wenn nicht schnell die Mutter +ihm versprochen hätte, es dürfe heute Abend dem Julchen das neue +Schlüttli, das die Tante gebracht, ganz alleine anziehen. Das wirkte, +und tapfer schluckte es seine Tränen hinunter. + +»War's nicht ein schöner Tag, Kinderchen?« fragte der Onkel beim +Abschied. »Ja«, riefen sie alle, »aber halt am allerschönsten war es vor +vier Wochen im Gartenhäuschen, als du uns erzähltest, wie der liebe Gott +die Kindlein erschafft!« + + + + +Schlußwort + +an alle Kinder, welche diese Erzählung gelesen haben. + + +So, nun wißt auch Ihr, wie die Kindlein zur Welt kommen, denn es ist +wirklich genau so, wie der Onkel berichtete. Nun braucht Ihr nicht mehr +die Köpfe zu strecken, wenn ein Bub in der Schulpause ganz leise vom +Werden der Kindlein berichtet, oder wenn ein Mädchen auf dem Heimwege +meldet, es wolle Euch etwas sagen, aber kein Mensch dürfe es wissen -- +und dann erzählt es, wie die Kinder geboren werden. Da sagt Ihr dann +einfach: O, das wissen wir schon lange, das hat uns ja die Mutter zu +lesen gegeben! Nie werdet Ihr von nun an dabei sein, wenn über diese +ernsten Dinge heimlich und unschön geredet wird, und nie werdet Ihr +mithelfen, wenn Kameraden lachen über eine Frau, weil man merkt, sie +werde bald ein Kindlein haben. Von einer solchen Frau sagt man: sie ist +»in gesegneten Umständen«, weil Gott einen großen Segen auf sie gelegt +hat; darum sollen wir sie mit Achtung, ja mit Ehrfurcht grüßen. Ist Euch +noch etwas nicht klar, so fragt Eure Eltern, die wissen es besser, als +vorwitzige Schulkinder. -- + +So recht werdet Ihr dies allerdings erst verstehen, wenn Ihr groß seid. +Vielleicht wird dann dem einen oder andern von Euch auch ein liebes +Kindlein geschenkt, und dann werdet Ihr an den Onkel denken im +Gartenhäuschen und mit ihm sagen: es ist etwas Herrliches und +Wunderbares, wenn der liebe Gott neues Leben erschafft! + + + + + +End of Project Gutenberg's Woher die Kindlein kommen, by Dr. Hans Hoppeler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WOHER DIE KINDLEIN KOMMEN *** + +***** This file should be named 28279-8.txt or 28279-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/8/2/7/28279/ + +Produced by Norbert H. Langkau and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/28279-8.zip b/28279-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..beb04c4 --- /dev/null +++ b/28279-8.zip diff --git a/28279-h.zip b/28279-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..2faf942 --- /dev/null +++ b/28279-h.zip diff --git a/28279-h/28279-h.htm b/28279-h/28279-h.htm new file mode 100644 index 0000000..79379fb --- /dev/null +++ b/28279-h/28279-h.htm @@ -0,0 +1,1082 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" lang="de" xml:lang="de" /> + <title> + The Project Gutenberg eBook of Woher die Kindlein kommen, by Dr. med. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Woher die Kindlein kommen + +Author: Dr. Hans Hoppeler + +Release Date: March 8, 2009 [EBook #28279] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WOHER DIE KINDLEIN KOMMEN *** + + + + +Produced by Norbert H. Langkau and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + + + +</pre> + + + + + + + +<h1>Woher die Kindlein kommen.</h1> + +<p class="titlepage">Der Jugend von 8-12 Jahren erzählt<br /> +durch<br /> +<span class="f">Dr. med.</span> Hans Hoppeler<br /> +Kinderheim Zürichberg.</p> + +<p class="titlepage">Sechzehntes bis zwanzigstes Tausend.</p> + +<div class="figcenter pad"> + <img src="images/title.png" width="300" height="287" + alt="Kindlein im Kinderwagen" /> +</div> + +<p class="titlepage">Verlag: <span class="g">Art. Institut Orell Füßli</span>, Zürich.</p> + + +<p class="titlepage">Alle Rechte vorbehalten.</p> + +<p class="titlepage"><span class="f">Copyright 1916 by Art. Institut Orell Füssli, Zürich</span></p> + + + +<h2>Vorwort an die Eltern.<span class='pagenum'><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span></h2> + + +<p>Die Notwendigkeit, seine Kinder über die Entstehung des Lebens <span class="g">selber</span> zu +belehren, statt diese Aufgabe dem Zufall und der Straße zu überlassen, +wird heutzutage nur noch von wenigen Eltern bestritten. Und doch ergab +kürzlich eine Rundfrage in meinem Kinderpflege-Kurse, daß von den vielen +anwesenden Töchtern nicht einmal fünf Prozent durch ihre Eltern sexuelle +Aufklärung empfangen hatten. Ursache dieser Erscheinung: es kommt vielen +gar schwer vor, den geeigneten Moment, den richtigen Ton, die passenden +Worte zu finden, und so wird die Sache wider besseres Wollen immer +wieder verschoben, bis man plötzliche entdeckt, (— oder auch jahrelang +<span class="g">nicht</span> entdeckt —), daß Gassenbuben oder gute Kameraden längst einem +zuvorgekommen sind. Wüßten aber die Mütter, <span class="g">wie</span> die Belehrung +ausgefallen, sie würden sich entsetzen. Aus solcher Überlegung heraus +entstand das vorliegende Büchlein, ein offenes Wort an Stelle geheimen +Flüsterns und ungesunden Tuschelns hinter Eltern und Lehrern. Gebt es +euern Kindern nicht zu spät, denn auch das harmloseste Gemüt kann durch +unversehens eintretende unberufene Aufklärung Schaden leiden. — Wer die +Erzählung zu realistisch findet, bedenke, daß auf diesem Gebiete +Verschleierung und allzu blumenreiche Poesie mit der Realistik der +Straße niemals in Konkurrenz treten können.</p> + +<p>Möge die kleine Arbeit segensreich wirken und manchen Kindern ersparen, +was leider vielen von uns Erwachsenen nicht erspart geblieben ist.</p> + +<p><span class="g">Zürich</span>, im Juni 1916</p> + +<p class="right"><span class="f">Dr.</span> Hans Hoppeler.</p> + + +<hr /> + +<p class="newsection"><span class='pagenum'><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span>Am Gartenzaune eines freundlichen Hauses an der Freien Straße in Zürich +stand ein blonder etwa 40jähriger Herr in dunklem Überzieher, und +blickte durch das kleine Vorgärtchen hinein in die geöffneten Fenster +des Erdgeschosses. Er trug ein braunes Reisetäschlein in der Hand und +kam offenbar vom Bahnhofe. Vielleicht hatte er eine weite Reise hinter +sich, war hungrig und müde. Trotzdem schien er es nicht sehr eilig zu +haben, an sein Ziel zu kommen; denn schon einige Minuten hatte er nun +hier vor dem Hause gestanden, und noch immer machte er keine Anstalten, +weiter zu gehen. Es war aber auch wirklich unterhaltsam und lustig, was +er da drinnen sah. Eine große Zahl Kinder, wohl fünfzig mochten es sein, +saßen da auf langen Bänken, alle mäuschenstill. Die Hände hielten sie +alle auf dem Rücken verschränkt, und gespannt blickten sie nach vorn, um +die prächtige Geschichte vom Zigeunerfriedel zu hören, die ihnen soeben +Tante Emma erzählte. Und wie konnte diese herrliche Tante des +Kindergartens erzählen! Grad' zu hören meinte man all' die Glocken, +Pfeifen, Orgeln und Ausrufer, wenn sie den Jahrmarkt von Goßlingen +schilderte, und Tränen des Mitleids liefen da und dort einem Kinde über +die Wangen, wenn sie vom langen Balthasar berichtete, dem +Zigeunerhauptmann mit dem furchtbar großen Schlapphut, der den Friedel +plagte bei Tag und bei Nacht, bis er seine Seiltänzervorstellungen +<span class='pagenum'><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span>gelernt hatte. Auf der zweitvordersten Bank saß Hannchen. Ihre dunklen +Augen funkelten und ihre kleinen Fäustchen waren fest geballt, sodaß die +Fingernägelchen sich tief in die Handballen eingruben. Mit diesen +Fingernägelchen hatte sie vorgestern den Armin gekratzt, als er in +grober Weise ihr Brüderchen die Treppe hinuntergestoßen, und mit diesen +Nägelchen hätte sie jetzt des Balthasars Gesicht furchtbar zugerichtet, +wenn er zur Stelle gewesen wäre. Glühend rot waren ihre Wangen, und der +Atem ging keuchend. Suchend wanderten ihre Augen umher, als ob sie den +bösen Zigeuner irgendwo finden müßten. Da blieb ihr Blick haften an dem +Mann auf der Straße, dem Mann mit dem dunklen Überzieher und dem +Reisetäschchen. Wie gebannt schaute sie ihm einen Moment ins Angesicht. +Da plötzlich fährt sie in die Höhe mit gellendem, jubelndem Schrei. +»Onkel Theophil!« hallte es in mächtigen Tönen durchs Zimmer. Mit zwei +Sprüngen ist Hannchen am Fenster, mit dem dritten steht sie oben auf dem +Gesims, und jetzt — Tante Emma, die eilends herzurannte, kam längst zu +spät — jetzt ist sie schon flink wie ein Eichhörnchen herunter +geklettert und dem Onkel in die Arme geflogen. Droben an den Fenstern +standen die Kinder Kopf an Kopf. Vergessen waren Karussel und +Jahrmarktbuden, vergessen Balthasar und Zigeunerfriedel, vergessen ob +dem einen großen Wort: Onkel Theophil! Hatte nicht Hannchen schon oft +und erst gestern wieder von ihm erzählt? Erzählt von ihren prächtigen +Ferien in Basel bei Onkel und Tante? Hatte es nicht einst die +Photographie in die Schule bringen und ihn allen zeigen dürfen, den +prächtigen Onkel? Hatten sie nicht alle einen ganz besonderen Respekt +vor Hannchen<span class='pagenum'><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span> und ihren zwei Brüdern, weil sie diesen Onkel besaßen, den +Onkel Theophil? Und jetzt war er da! Und wie bestürzt er aussah, ganz +verlegen und erschrocken. Er hatte ja gar nicht daran gedacht, daß die +Kinder ihn sehen würden, und nun war eine so furchtbare Revolution im +Kindergarten ausgebrochen, alles war außer Rand und Band gekommen nur +wegen ihm. Das hatte er nicht beabsichtigt. Aber das große Durcheinander +währte nicht lange. Tante Emma klatschte in die Hände, und im Nu gab es +Ruhe. »Kinder, nun singen wir dem Onkel ein hübsches Liedchen, ja?« +Begeistert stimmten die Kleinen zu, Tantes Stimmgabel gab den Ton an, +und: »Mir sind chlini Musikante« tönte es alsbald lustig und fröhlich +aus fünfzig kleinen Mäulchen, während hundert flinke Händchen dazu +trompeteten, geigten und aus Leibeskräften trommelten. Kaum war der +letzte Ton verklungen, so verkündete die Kreuzkirche mit vier lauten +Schlägen, daß es Zeit sei, zu schließen. Wohl hätten die Kinder gar zu +gerne noch die Geschichte vom Zigeunerfriedel gehört, aber doch mochten +sie es kaum erwarten, den Onkel ganz aus der Nähe zu sehen. Darum waren +sie alle zufrieden, als ihnen die Tante den Schluß der Geschichte für +morgen in Aussicht stellte und sie nach kurzem entließ. Wie ein +fröhlicher Bergbach stürmten sie zum Tore hinaus, und jedes wollte des +freundlichen Mannes Hand drücken. Hannchen aber sorgte dafür, daß keines +an derselben zu lange hängen blieb; mit großer Beharrlichkeit stieß es +jedes der Kinder nach erfolgtem Gruße wieder weg, um zu zeigen, daß hier +niemand als es das Recht habe, geführt zu werden. Der Trupp setzte sich +in Bewegung,<span class='pagenum'><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span> Hannchen immer an Onkels Seite, triumphierend bald links +und bald rechts blickend, als wollte es sagen: »Gäll he, dä g'hört +mine!« Die Gesellschaft wurde allmählich kleiner, indem bei jeder +Wegkreuzung wieder einige Kinder abschwenken mußten, und endlich waren +der Onkel und Hanni allein. Jetzt bogen sie in die Hofackerstraße ein, +und schon sah man das elterliche Haus in der Nähe, als plötzlich in +großen Sprüngen Hannchens siebenjähriger Bruder dahergerannt kam. »Ein +Schwesterchen, ein Schwesterchen!« so rief er schon von weitem; »man +kann nicht hinein, es ist geschlossen, es ist geschlossen, aber es ist +wahr, der Storch hat es gebracht, und er hat die Mutter ins Bein +gebissen, und die Frau Burkhard ist da, und der Herr Doktor ist schon +wieder fort, und er hat eine gelbe Tasche gehabt mit etwas darin, aber +ich weiß nicht was! Und zur Taufe, da dürfen wir Kutsche fahren, und +dann sitze ich vorn auf dem Bock!« »Nein, da sitze ich, ich bin älter +als du,« fiel plötzlich Walter ein, der soeben dazu gekommen war, und +sicherlich hätte es einen artigen Streit abgesetzt, wenn nicht auf +einmal beide den Onkel erkannt hätten. »Onkel Theophil«, jubelten sie, +fielen ihm um den Hals und küßten ihn zum Willkomm. Derweil stob +Hannchen mit Windeseile davon, auf das Haus zu. »O bleib nur da,« riefen +ihm die Buben nach, »oben lassen sie dich doch nicht hinein!« Aber +Hannchen hörte nichts und war schon hinter der Haustüre verschwunden. +Ein neues Schwesterchen, ha wie fein, das mußte sie sehen!</p> + +<p>»Wann ist denn das Schwesterchen gekommen?« fragte unterdessen der Onkel +die Knaben. »Heute mittag«, berichtete<span class='pagenum'><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span> eifrig Walter, »grad vorhin +kamen wir aus der Schule, da stand oben auf der Treppe die Luise, unser +Mädchen, hob den Finger auf und machte: »Pst, ganz leise, sonst weckt +ihr das neue Schwesterchen; vor einer Stunde hat der Storch es +gebracht!« Und dann sagte sie noch, die Mutter sei krank, wir sollten +nur gleich in den Garten und spielen, aber ohne zu lärmen.« »Ja, und +jetzt sind wir sieben«, rief stolz der kleine Fritz, »sechs und eins +sind sieben, das haben wir gestern in der Schule gelernt.« »Ruft nicht +so laut,« mahnte der Onkel; »seht, da kommt Hannchen schon wieder.« +Richtig, da kam sie, aber ganz mit gesenktem Köpfchen. Sie war wirklich +nicht hineingelassen worden droben, Luise hatte sie wieder +hinuntergeschickt in den Garten, gleich wie die andern. Große Tränen +glänzten in ihren Augen, und als nun der Onkel seine kleine Nichte +liebkosen und trösten wollte, da brach sie in heftiges Schluchzen aus. +»Ich mag den Storch nicht, nie, nie soll er mir kommen, was braucht er +der Mutter weh zu tun?« »Ja, er hat sie ins Bein gebissen,« berichtete +nochmals Fritz. Aber der Onkel schüttelte den Kopf: »Das glaube ich +nicht; wer hat es dir denn gesagt?« »Die Frau Weber im Stockwerk unter +uns, und sie hat ihn ja gesehen.« »Nein, Fritzchen, Frau Weber hat ihn +<span class="g">nicht</span> gesehen,« erwiderte jetzt sehr bestimmt der Onkel. Und, als fiele +ihm plötzlich etwas ein, fuhr er fort: »Kinder wißt ihr was, wir gehen +miteinander ins Gartenhäuschen, ich will euch etwas erzählen, denn laut +spielen und lärmen dürft ihr jetzt doch nicht!« »O ja, o ja, eine +Geschichte, eine Geschichte!« Jubelnd geleiteten die Kinder den Onkel<span class='pagenum'><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span> +durch den hübschen Garten zu einem aus leichten Holzlatten gezimmerten +Häuschen, das mit seinem prächtigen grünen Laubdach und den hübschen +grünen Stühlen rings um den runden Gartentisch ein reizendes Plätzchen +war, wie geschaffen zum Geschichten-Erzählen. Aber siehe da, der Tisch +war schon besetzt: Ruth, Elsa und Karl, die drei größeren der sechs +Geschwister, saßen rings herum, und außerdem noch Frieda und Hedwig, die +beiden Cousinen und unzertrennlichen Gefährtinnen der Kinder. Sie +spielten zu Vieren »Eile mit Weile,« während Elsa als fünfte eifrig den +Kampf der Farben verfolgte und jedesmal laut herauslachte, wenn wieder +eines »heimgejagt« wurde. Jetzt sah Elsa auf, erblickte den Onkel, und +mit einem Sprung hing sie ihm am Halse; die andern folgten, und jetzt +wäre der gute Onkel beinahe erstickt unter der Zahl der Arme, die ihn +von allen Seiten umfingen, und unter den Küssen, mit denen ihn seine +zärtlichen kleinen Neffen und Nichten begrüßten. Da schüttelte er mit +einem Ruck alle die krabbligen Kletterer von sich ab, gratulierte ihnen +herzlich zum neuen Schwesterlein, und dann hieß er alle achte absitzen, +während er selbst oben am Tische Platz nahm.</p> + +<p>»Onkel, nun erzähl' uns ein Märchen!« rief Walter. »Nein, lieber eine +wahre Geschichte,« übertönte ihn Fritz. »Vor allem wünsche ich, daß ihr +hübsch ruhig seid, während ich rede,« nahm nun der Onkel das Wort. »Ich +erzähle euch heute eine wahre Geschichte, etwas Hohes und Ernstes, etwas +Uraltes und doch immer wieder Neues; ich will euch erzählen, <span class="g">wie der +liebe Gott die Kinder erschafft</span>!«<span class='pagenum'><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span></p> + +<p>Da wurden die Kinder plötzlich ganz still! Sie dachten an ihr neues +Schwesterlein droben im zarten Bettchen, das sie heute abend zum ersten +Male sehen sollten, und nun durften sie hören, wie der liebe Gott das +kleine Kindlein erschaffen habe. Und nicht von einem Jungen oder Mädchen +sollten sie es vernehmen, sondern vom Onkel, der nie etwas Unwahres +sagte, auf dessen Worte man sich verlassen konnte, wie auf Felsen. +»Wirklich Onkel, das willst du uns erzählen? Weißt du es denn auch ganz +sicher?« fragte ganz glücklich Frieda. »Aber Frieda«, erwiderte +vorwurfsvoll ihre Schwester, »der Onkel weiß doch alles!« »Ich weiß es +auch«, rief fröhlich der kleine Fritz, »der Storch bringt sie!« Da +mußten die Großen herzlich lachen. »O du Dummerle,« meinte Karl, »ein +Storch kann doch gar nicht ein sechs Pfund schweres Kindlein im Schnabel +tragen, er muß froh sein, wenn er stark genug ist, ein fettes, +zappelndes Fröschlein zu halten. Und denke doch vom Himmel bis nach +Zürich, das wäre doch ein furchtbar weiter Weg!« Jetzt aber wehrte sich +Walter wacker für den Storch: »Der Storch bringt sie sicher, ich weiß +es; Tante Selma hat in ihrem Album eine Karte, da sieht man's gemalt. +Aber er trägt das Kind nicht im Schnabel, es reitet auf seinem Rücken!« +Da lachten aber die Großen noch mehr als zuvor. »Ein ganz Kleines kann +ja noch gar nicht sitzen,« versicherten sie; »sogar der Ruedi Brenner +sitzt noch nicht einmal allein, und der ist doch sieben Monate alt.« Da +wurden der Walter und die übrigen Anhänger des Storches ganz kleinlaut +und sagten nichts mehr.</p> + +<p>Dafür meldete sich jetzt Hannchen zum Wort. »Ich<span class='pagenum'><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span> weiß es; der liebe +Gott hat im Himmel eine große Maschine, mit der macht er die Kinder; und +dann bringen die Engel des Nachts die Kindlein auf die Erde, in alle +Häuser, wo die Leute darum gebeten haben. In unserer Wohnstube hängt ein +Bild, da sieht man gerade, wie ein schöner Engel mit einem Kleinen +hinunterfliegt.«</p> + +<p>Und so berichteten die Kinder noch manches, rieten hin und her, aber +keines wußte es recht, wie der liebe Gott die Kindlein macht. Darum +rückte jetzt der Onkel seinen Stuhl zurecht, und indem er freundlich +rings im Kreise herumblickte, wo lauter erwartungsvolle Gesichter auf +ihn gerichtet waren, begann er mit klarer Stimme seine Erzählung und +sagte:</p> + +<p>»Zuerst müßt ihr wissen, daß wirklich der Storch keine Kinder bringt. +Ihr kennt ja alle die Geschichte vom Rotkäppchen; aber sie ist nur ein +Märchen, denn ein Wolf kann doch keine Großmutter hinunterschlucken. Und +ihr kennt die Geschichte vom gestiefelten Kater, aber auch sie ist ein +Märchen, denn eine Katze kann doch keine Schuhe anziehen und darin +herumspringen. Und gerade so ist auch die Geschichte vom Storch ein +Märchen, denn ein Storch kann doch keine Kindlein tragen. Man erzählt +das nur zum Spaß den Kleinen, weil sie gerne Märchen hören; aber wenn +die Kinder größer werden, dann sagt man ihnen, daß es nur ein Spaß war. +Es ist grad wie mit dem St. Niklaus. Die Kleinen meinen, der alte Mann +mit dem langen weißen Barte wohne draußen im Walde, und fürchten sich +sehr vor ihm. Aber die größeren Kinder, so wie ihr seid, die wissen +schon, daß es ja gar keinen Niklaus<span class='pagenum'><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span> gibt im Walde, und daß das alles +nur Märlein sind.</p> + +<p>Also der Storch bringt die Kinder nicht. Aber wer denn? Vielleicht doch +die Engel? Nein, auch die Engel nicht, sonst hätten wir sie sicher schon +oft über den Häusern schweben sehen, denn es kommen ja alle Tage viele +Kindlein zur Welt. Natürlich hätte der liebe Gott Englein genug, aber er +braucht sie zu andern Dingen, und hat eine viel bessere Weise ersonnen, +den Menschen Kindlein zu schenken. Er dachte nämlich: was man geschenkt +bekommt, das freut einen, was man aber selber verdient hat, das freut +einen noch viel mehr. Darum will ich den Menschen die Kindlein nicht +einfach wie ein Geschenk auf den Tisch legen, sondern sie sollen sich +die Kindlein selber verdienen, dann werden sie um so größere Freude an +ihnen haben. Und ihr werdet gleich merken, wie recht der liebe Gott +hatte, als er so dachte.</p> + +<p>Denkt euch einmal zwei Knaben, die auf dem Gipfel eines hohen Berges die +Aussicht bewundern. Der eine ist mit der Bahn hinaufgefahren; der andere +aber hat den ganzen langen, steilen Weg zu Fuß gemacht. Welcher von +beiden wird wohl die größere Freude an der prächtigen Aussicht +empfinden? Gewiß der zweite Knabe; denn er hat durch viele Anstrengung +und manchen Schweißtropfen die prächtige Aussicht sozusagen verdient, +sie kommt ihm vor wie ein reicher Lohn für die gehabte Mühe. — Oder +denkt euch zwei Freunde, von denen jeder eine wertvolle Markensammlung +besitzt. Welcher wird mehr Freude an derselben haben, derjenige, der sie +vom Großvater geschenkt bekommen, oder der, welcher sie selber im Laufe +von Jahren durch<span class='pagenum'><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span> viel Fleiß und manchen ersparten Batzen +zusammengetragen hat? Ihr denkt doch auch der letztere, nicht wahr? Und +ihr glaubt doch auch, daß es schöner sein muß, ein Häuschen als eigen zu +besitzen, für das man zwanzig Jahre lang gearbeitet und gespart, als +wenn man es von einem reichen Vetter geerbt hat? Und so könnten wir noch +manche Beispiele nennen, die alle uns dasselbe lehren: <span class="g">Was wir selber +erarbeitet, durch Anstrengung erworben haben, macht uns größere und +tiefere Freude, als was uns mühelos in den Schoß gefallen ist.</span></p> + +<p>Das weiß nun unser Vater im Himmel, von dem ja alle guten Gaben kommen, +sehr wohl, und darum legt er den Menschen die herrlichsten Gaben, die er +zu schenken hat, die kleinen Kindlein, nicht einfach in den Schoß, +sondern sie müssen sich dieselben verdienen. Zwar nicht so, wie ein +Arbeiter seinen Taglohn verdient; denn ein einziges Kindlein mit seiner +unsterblichen Seele ist viel wertvoller und kostbarer, als alle Arbeit, +die ein Mensch leisten kann. Aber doch so, daß ein Vater und eine Mutter +viel bezahlen müssen, um ein Kindlein zu haben.</p> + +<p>Nun fragt ihr aber ganz verwundert: bezahlen? Kann man denn kleine +Kinder um Geld kaufen? Ja wohl, bezahlen müssen die Eltern! Zwar nicht +Geld, aber viel Arbeit, Mühe und Schmerzen! Drum kommen die Kinder nicht +wie die Sechsjährigen auf die Welt, die schon allein essen, springen und +zur Schule gehen können, sondern Gott gibt sie den Eltern klein und ganz +unbeholfen. Ein junges Hühnchen schlüpft aus dem Ei und springt gleich +davon, ein junges Menschlein aber braucht ein ganzes Jahr, bis<span class='pagenum'><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span> es die +ersten Schritte wagt. Da muß die Mutter es herumtragen, ausfahren, +trocken legen, ihm die Nahrung reichen und hunderterlei andere kleine +Dienste erweisen, und wenn es endlich allein gehen kann, dann müssen +Vater und Mutter ihm erst recht auf Schritt und Tritt nachgehen, und oft +in tausend Ängsten sein, damit ihm ja nichts Böses zustoße.</p> + +<p>Seht ihr's jetzt, wie die Eltern <span class="g">Mühe</span> und <span class="g">Arbeit</span> bezahlen müssen, bis +sie ein großes Kind haben? Aber wir haben gehört, daß es auch <span class="g">Schmerzen</span> +kostet, ein Kindlein zu bekommen, und von diesen Schmerzen wollen wir +auch noch reden.</p> + +<p>Zuerst aber muß ich euch etwas ganz Wunderbares sagen. Ihr wißt, wie es +zugeht, wenn ein junges Vögelchen entsteht. Das Vogel-Weibchen legt ein +Ei, setzt sich eine Zeitlang darauf, und wenn es inwendig im Ei schön +warm geworden ist, hört man auf einmal ein ganz kleines Schnäbelchen +gegen die Schale picken, ein Löchlein entsteht, und schwipps, schlüpft +das junge Vögelchen heraus.</p> + +<p>Und nun denkt euch: <span class="g">auch die kleinen Kindlein schlüpfen aus einem Ei!</span> +Ist das nicht wunderbar? Nun meint ihr aber: o, das kann nicht möglich +sein, denn noch nie sahen wir ein solches Ei!</p> + +<p>Aber hört nur weiter. Niemand kann dieses Eilein sehen, denn es liegt an +einem ganz stillen, traulichen Örtlein verborgen: im Schoße der Mutter! +Ihr wißt ja, wie es inwendig im Menschen viele merkwürdige Dinge hat, +und ihr würdet staunen, wenn ihr irgendwo ein Deckelchen öffnen und +hineingucken könntet. Da würdet ihr bei eurer<span class='pagenum'><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span> Mutter oben im Kopfe +jenen wunderbaren Nervenapparat sehen, mit dem sie an euch denkt und +sinnt; weiter unten, im Brustraume, da könntet ihr das Herz betrachten, +das Tag und Nacht so treu für euch schlägt; und noch etwas tiefer, da +würdet ihr zwei wunderbare Kästlein finden, und in diesen eine Anzahl +allerliebster runder Eierchen, aus denen neue Kindlein werden. Die +Kästchen sind verschlossen, und ratet mal, wer darf sie wohl öffnen? Der +Vater! Durch seine große Liebe zu der Mutter tut sich das Türchen auf, +ein Eilein kommt heraus, setzt sich auf ein hübsches, weiches +Polsterchen ganz tief im Schoße der Mutter, und fängt nun an, zu +wachsen.</p> + +<p>Zuerst ist es kaum so groß, wie ein Stecknadelkopf. Nach und nach aber +wird es immer größer, zuletzt wie eine große Puppe. Die Schale des Eies +ist ganz weich, wie Sammt, und unter ihr schlummert mit geschlossenen +Äuglein das neue Kindlein.</p> + +<p>Dann fragt vielleicht ein Mädchen:</p> + +<p>»Mutter, warum bist du auch nicht mehr dünn und schlank wie früher, und +hast einen so großen Leib?« Und die Mutter sagt: »Weil's da ein +Brüderchen oder Schwesterchen für dich drinnen hat; das ist schon groß +und braucht viel Platz.« »War ich denn auch da drinnen, liebe Mutter?« +fragt das Mädchen weiter. »Gewiß, du kleiner Schelm, und zwar so groß +und schwer, ich mochte dich kaum tragen!« Da lacht die Kleine lustig: »O +Mutter, ich freue mich, bis ich ein Schwesterchen oder Brüderchen habe; +geht's wohl noch lange?«</p> + +<p>Aber es geht nicht mehr lange. Denn wenn das Kindchen<span class='pagenum'><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span> fertig gewachsen +an seinem warmen Plätzchen, dann legt sich die Mutter zu Bette, und +durch eine kleine Öffnung schlüpft das neue Menschlein auf die Welt. Das +nennt man die <span class="g">Geburt</span>, und der Tag, an dem ihr euer Mütterchen verlassen +habt und auf die Welt gekommen seid, ist euer <span class="g">Geburtstag</span>.</p> + +<p>Oft hat die Mutter tüchtige Schmerzen dabei, drum ist sie nachher müde +und muß einige Tage zu Bette bleiben, damit sie ausruhen kann. Dann +sagen manche Leute: »Schaut her, der Storch hat eure Mutter ins Bein +gebissen, darum ist sie nun krank.« Ihr aber wißt jetzt, daß das gar +nicht wahr ist, sondern daß die Mutter bloß zum Ausruhen einige Zeit +liegen muß, weil ihr die Geburt Schmerzen verursacht hat.</p> + +<p>Darum ist jetzt auch Frau Burkhard da, die Walter oben gesehen hat. Sie +ist die <span class="g">Hebamme</span>, das heißt eine Frau, die man jedesmal ruft, wenn eine +Geburt herannaht. Sie hilft den Müttern in ihrer schweren Stunde, +lindert ihnen die Schmerzen so gut sie kann, und nimmt das neugeborene +Kindlein in Empfang, um es sorgsam in das bereitgehaltene Bettchen zu +legen. Euch alle hat Frau Burkhard in ihren Armen gehalten, als ihr kaum +den ersten Atemzug getan; darum ist sie euch allen so anhänglich und +freut sich eures gesunden und kräftigen Heranwachsens.</p> + +<p>Bisweilen wenn die Schmerzen der Mutter sehr stark sind oder sonst ein +wichtiger Rat nötig ist, ruft die Hebamme noch den Arzt herbei. Ihr habt +ja fast alle schon drunten am Kreuzplatz an dem großen Eckhause die +Tafel gelesen: <span class="f">Dr.</span> Fretz, Arzt und Geburtshelfer. Oft muß er seinen +Schlaf<span class='pagenum'><a name="Page_20" id="Page_20">[20]</a></span> brechen und mitten in der Nacht an ein Geburtslager eilen. Aber +sowohl er, wie Frau Burkhard tun es mit Freuden, weil sie es für eine +hohe Ehre halten, einem neuen Kindlein ins Dasein zu helfen. Sie dürfen +mitwirken an der wunderbarsten Tat unseres Vaters im Himmel, an der +Erschaffung der Menschen.« —</p> + +<p>Der Onkel machte eine Pause. Träumerisch blickte er hin nach dem rot +glühenden Abendhimmel, wo sich eben die Sonne, die Fürstin und Spenderin +alles Lebens, zum Untergehen anschickte. Auch die Kinder saßen +regungslos still, kaum hörte man sie atmen. Ihre Gedanken schweiften +hinauf zum Mütterlein, dem sie ihr Leben verdankten, das eben jetzt mit +Schmerzen ihnen wieder ein Schwesterlein geschenkt hatte. O wie schön +war, was der Onkel ihnen erzählt hatte, wie unendlich viel schöner, als +das Märlein vom Storche! Beim Mütterlein waren sie gewesen, lange bevor +sie zur Welt gekommen, unter ihrem treuen Herzen hatten sie geruht, wie +zarte keimende Pflänzlein in weicher Erde!</p> + +<p>Mild flutete das Licht der Abendsonne durch die Blätter der kühler +werdenden Laube und beleuchtete die nachdenklichen Kindergesichter mit +lieblichem Glanze.</p> + +<p>»Seht Kinder«, fuhr jetzt langsam der Onkel fort, »so wie jetzt dieser +Tag zur Neige geht, so geht auch unser irdisches Leben, das so wundersam +begonnen, einst zu Ende. Freudig und jubelnd stehen die Menschen am +Bettchen des Neugeborenen und lauschen entzückt seinem ersten Atem; +traurig und weinend stehen sie nach Jahren um das Lager des gleichen +Menschen, nachdem er seinen letzten Hauch getan.<span class='pagenum'><a name="Page_21" id="Page_21">[21]</a></span> Und dann legt man den +still und kalt gewordenen Körper in die Erde. O wie weh tut es einem +Mutterherzen, wenn sie ihr Kindlein nach kurzem Dasein wieder verlieren +muß; wenn das Leben entflieht, das sie mit Wonne ihm einst gegeben.</p> + +<p>Aber schaut, liebe Kinder, dort die untergehende Sonne spendet uns Trost +in solchem Leide, sie hält uns eine mächtige Predigt von der +Unvergänglichkeit des Lebens. Denn so wie sie jetzt niedersinkt und +Dunkelheit zurückläßt, aber strahlend am Morgen wieder emporsteigt zum +neuen Tage, so wird auch ein verstorbenes Kindlein neu erwachen zu +schönerem Leben. Und gleich wie die Sonne nach langem Winterschlafe +neues Leben aus der toten Erde hervorzaubert, so daß Blättlein und +Blümlein sprießen überall, so wird auch Gott die in ihm Entschlafenen +erwecken zu herrlichem, ewigem Leben.</p> + +<p>Und die Sonne, die das zu stande bringt, ist unser Herr Jesus Christus. +Er selber ist das Leben, durch ihn hat Gott die Welt und auch uns +erschaffen, und seine Verheißung lautet: Ich lebe, und ihr sollt auch +leben! Und nun denkt euch, wiewohl er der Sohn des allmächtigen Gottes +ist, ist er doch ein armes kleines Kindlein geworden, wie wir. Mit +Schmerzen hat ihn Maria geboren, und nicht in vornehmem, prächtigem +Haus, sondern in einem Stall zu Bethlehem. Bleich und müde lag sie da, +als die Hirten kamen, um das Jesuskindlein anzubeten. Und so ist durch +das Wunder der Geburt der Herr Jesus unser Bruder geworden, unser +wahrhaftiger und leiblicher Bruder. War schon vorher die Geburt eines +Menschen etwas Hohes und Heiliges,<span class='pagenum'><a name="Page_22" id="Page_22">[22]</a></span> so ist sie es noch viel mehr, seit +der Herr Jesus als kleines Kindlein zur Welt gekommen. Und bedeutete es +schon vorher eine hohe Ehre und Würde für die Frauen, dem lieben Gott +helfen zu dürfen bei der Erschaffung neuer Menschen, so jetzt noch viel +mehr, seit Maria gewürdigt wurde, den König aller Könige unter ihrem +Herzen zu tragen!« —</p> + +<p>Unterdessen war die Dämmerung hereingebrochen. Die Kinder saßen da in +tiefem Entzücken. Noch nie hatte ihnen jemand so herrliche Dinge +erzählt. »O Onkel, wenn du nur immer da bleiben würdest!« brach jetzt +Hannchen das Schweigen. Es schlang seine Ärmchen kosend um den Onkel und +wollte ihm auf die Knie klettern. Er aber stellte die Kleine sanft auf +den Boden und erhob sich. »Bleibt ruhig da,« mahnte er, »ich gehe jetzt +leise hinauf, und wenn euer Mütterchen es erlaubt und wohl genug ist, +will ich euch alle rufen.«</p> + +<p>Mit großer Herzlichkeit wurde er droben empfangen und gleich zum Bett +seiner Schwester, die die Mutter der Kinder war, geführt. »Ist alles gut +gegangen?« war seine erste Frage. »Gott sei Dank,« antwortete sie +freudig, »der Arzt ist sehr zufrieden. Wir haben ihn zur Vorsorge kommen +lassen, aber er brauchte nicht einzugreifen. — Aber nun hör' mal, +Theophil, seit wann bist du eigentlich hier, dein Zug kam doch vor vier +Uhr an, und jetzt ist's bald sieben?« Der Onkel lächelte schalkhaft und +sagte: »In eurer prächtigen Gartenlaube bin ich gesessen, da ist es so +schön!« »Ganz allein?« »Ganz allein mit deinen sechs Kindern und ihren +Cousinen. Ich habe ihnen eine Geschichte erzählt!«<span class='pagenum'><a name="Page_23" id="Page_23">[23]</a></span> — »O, du goldiger +Bruder, drum war es so still seit zwei Stunden; nicht einmal von +Hannchen, dem Wildfang, habe ich einen Laut gehört. Was erzähltest du +denn?« »Etwas sehr Schönes: Wie der liebe Gott die Kindlein erschafft!«</p> + +<p>Groß und verwundert blickte Frau Hotze ihren Bruder an; »ist es dein +Ernst, Theophil?« »Mein völliger Ernst! Du kennst ja seit langem meine +Überzeugung in dieser Hinsicht; wir wollen unsern Kleinen das köstliche +Geheimnis nicht so lange vorenthalten, bis Kameraden auf der Straße es +ihnen, vielleicht auf eine gar unschöne Weise, beibringen. Und da ich +wußte, daß du erst kürzlich die gleiche Ansicht geäußert, habe ich die +Gelegenheit ergriffen und den Kindern erzählt von den Wundern des +Lebens!«</p> + +<p>Da verklärte dankbare Freude der Mutter Antlitz. »O du lieber Bruder, +komm her, daß ich dir danke. Welch großen Dienst hast du mir getan. +Schon lange paßte ich auf eine Gelegenheit, meine Kinder in dieses +Geheimnis einzuweihen, aber sie wollte sich nie bieten. Dazu braucht es +eine ruhige Stunde, aber wo findet man die in unserm lebhaften, +arbeitsreichen Haushalt? Habe herzlichen Dank! Doch nun bring mir die +Kinder, die lieben, damit sie ihr Schwesterchen sehen und ich sie +umarme, denn nun verlangt es mich doppelt nach ihnen.«</p> + +<p>Das ließ sich der Onkel nicht zweimal sagen, und bald stand er wieder +vor der Laube im Garten, wo die Kinder eifrig flüsternd im Halbdunkel +saßen und klopfenden Herzens auf den großen Moment warteten, da man sie +rufen würde. »Nun dürft ihr alle kommen«, sagte er mit gedämpfter +Stimme, »aber seid ja recht ruhig!«<span class='pagenum'><a name="Page_24" id="Page_24">[24]</a></span></p> + +<p>Das letztere hätte der Onkel nicht zu sagen brauchen, denn ganz von +selbst gingen alle auf den Zehenspitzen über die Kieswege, dann leise +über die Treppen hinauf, und jetzt standen sie vor der geheimnisvollen +Türe. Keines wagte zu öffnen, fast hörbar klopften die Herzen. Da drehte +sachte der Onkel den Riegel, und im stillen Gänsemarsch traten sie über +die Schwelle und sahen die Mutter, etwas bleicher als sonst, in den +Kissen liegen.</p> + +<p>Aber jetzt konnte sich Hannchen nicht länger halten. Mit einem +Jubelschrei stürzte es sich an das Bett, kletterte wie ein Kätzlein +hinauf und umarmte stürmisch die Mutter, als wollte es sie nie mehr +loslassen. »Mutti, hast du stark Schmerzen gehabt?« fragte die Kleine. +»Nein Herzchen, diesmal nicht so sehr, das letztemal war es schlimmer!« +»Das letztemal? O Mutti! das war ja ich! aber ich kann ganz sicher +nichts dafür. Und gleichwohl hast du mich lieb?« »Erst recht, mein +Hannchen; alle hab' ich euch mit Schmerzen geboren, drum seid ihr alle +mir so lieb.« Und eins ums andere kam, um die Mutter zu küssen, und +mehrmals war die Wange ganz naß, die die Kinder an das Angesicht ihres +Mütterchens schmiegten.</p> + +<p>Jetzt aber kam das Schwesterchen an die Reihe. Winzig klein, die Äuglein +geschlossen, lag es warm eingehüllt in seinem Korbe und hatte keine +Ahnung, daß es von vielen neugierigen Kinderaugen liebend betrachtet +werde. Keines wagte sich ganz nahe, nur Hannchen streckte ihren rechten +Zeigefinger aus und tupfte ganz sachte an das Näslein der Kleinen, um zu +sehen, ob es auch wirklich warm und lebendig sei. Dann kam Frau Burkhard +und führte die<span class='pagenum'><a name="Page_25" id="Page_25">[25]</a></span> Kinder hinaus. Luise gab ihnen das Nachtessen, und bald +lag jedes sanft schlafend in seinem Nestchen, nachdem noch der Onkel +statt der Mutter die Runde gemacht und ihnen den Gute-Nacht-Kuß gegeben +hatte. —</p> + +<p>Am andern Vormittag durften alle Kinder ins Schlafzimmer, um zu sehen, +wie Julchen — so mußte das neue Schwesterchen heißen — den ersten +Schoppen bekam an der Brust seiner Mutter. Hannchen stand zur Erlangung +besserer Übersicht auf den Schemel und war ganz entzückt über die +lustige Weise, wie Julchen seinen kleinen niedlichen Mund spitzte zum +Saugen.</p> + +<p>»Aber Mutter, warum gibst du dem Kinde nicht aus der Flasche, wie Tante +Gertrud?« fragte Hannchen ganz erstaunt; »habe ich denn auch an deiner +Brust getrunken, als ich klein war?« »Natürlich, mein Kind,« antwortete +die Mutter, »euch allen habe ich von meiner Milch geben können. Denn der +liebe Gott schafft nicht nur die Kinder im Schoß der Mutter, sondern er +gibt ihr auch eine Nahrung in ihre Brust, von der das Kind trinken soll +nach der Geburt, manchen Monat lang, bis es seine Zähne bekommt und +sitzen kann.« —</p> + +<p>Nach dem Mittagessen erschien der Vater, der von einer großen +Geschäftsreise heimkam und nicht wenig erstaunt war über das +vorgefallene große Ereignis, das er erst für die nächste Woche erwartet +hatte. Hannchen wich nicht von seiner Seite und erzählte ihm alles +genau, so daß ihr Plaudermäulchen keinen Moment stille stand. »Und weißt +du,« berichtete der kleine Wildfang eifrig, »Mutti gibt dem Julchen +selber zu trinken, sie braucht gar keine Flasche, und<span class='pagenum'><a name="Page_26" id="Page_26">[26]</a></span> Julchen kann +schon ordentlich saugen, ganz von selbst, es hat ihm's niemand gezeigt. +Ich will schnell Mutti fragen, ob du auch mal zusehen darfst; wenn du +auf den Schemel stehst, siehst du es sehr gut!« —</p> + +<p>Abends mußte dann der Onkel verreisen, die drei Großen begleiteten ihn +auf den Bahnhof. Als aber vier Wochen um waren, an einem prächtigen +Sonntage, da kam er wieder, diesmal samt seiner Frau, der Tante, und +zwar zu Julchens Taufe als Pate. Groß war die Freude im Hause Hotze! Und +als nun gar zwei große Landauer vorfuhren, das Julchen im prächtigen +Paradetuch hineingetragen wurde, und auch Muttchen, das längst wieder +auf den Beinen war, einstieg, da war der Jubel unbeschreiblich. Karl +durfte vorne und Fritz bei der hintern Kutsche auf den Bock steigen, +Hannchen aber dem Vater auf den Schoß sitzen. Die drei Großen fuhren mit +Onkel und Tante im zweiten Wagen. Kein Wölklein trübte den herrlichen +Tag, wie im Fluge gingen nach der ernsten kirchlichen Feier die schönen +Stunden zu Hause dahin.</p> + +<p>Um sechs Uhr mußten die Basler Abschied nehmen, zum großen Leidwesen +aller. Hannchen hätte sicherlich geweint, wenn nicht schnell die Mutter +ihm versprochen hätte, es dürfe heute Abend dem Julchen das neue +Schlüttli, das die Tante gebracht, ganz alleine anziehen. Das wirkte, +und tapfer schluckte es seine Tränen hinunter.</p> + +<p>»War's nicht ein schöner Tag, Kinderchen?« fragte der Onkel beim +Abschied. »Ja«, riefen sie alle, »aber halt am allerschönsten war es vor +vier Wochen im Gartenhäuschen, als du uns erzähltest, wie der liebe Gott +die Kindlein erschafft!«</p> + + +<h2><a name="Schlusswort" id="Schlusswort"></a>Schlußwort<span class='pagenum'><a name="Page_27" id="Page_27">[27]</a></span><br /> +<span style="font-size: smaller;">an alle Kinder, welche diese Erzählung gelesen haben.</span></h2> + + +<p>So, nun wißt auch Ihr, wie die Kindlein zur Welt kommen, denn es ist +wirklich genau so, wie der Onkel berichtete. Nun braucht Ihr nicht mehr +die Köpfe zu strecken, wenn ein Bub in der Schulpause ganz leise vom +Werden der Kindlein berichtet, oder wenn ein Mädchen auf dem Heimwege +meldet, es wolle Euch etwas sagen, aber kein Mensch dürfe es wissen — +und dann erzählt es, wie die Kinder geboren werden. Da sagt Ihr dann +einfach: O, das wissen wir schon lange, das hat uns ja die Mutter zu +lesen gegeben! Nie werdet Ihr von nun an dabei sein, wenn über diese +ernsten Dinge heimlich und unschön geredet wird, und nie werdet Ihr +mithelfen, wenn Kameraden lachen über eine Frau, weil man merkt, sie +werde bald ein Kindlein haben. Von einer solchen Frau sagt man: sie ist +»in gesegneten Umständen«, weil Gott einen großen Segen auf sie gelegt +hat; darum sollen wir sie mit Achtung, ja mit Ehrfurcht grüßen. Ist Euch +noch etwas nicht klar, so fragt Eure Eltern, die wissen es besser, als +vorwitzige Schulkinder. —</p> + +<p>So recht werdet Ihr dies allerdings erst verstehen, wenn Ihr groß seid. +Vielleicht wird dann dem einen oder andern von Euch auch ein liebes +Kindlein geschenkt, und dann werdet Ihr an den Onkel denken im +Gartenhäuschen und mit ihm sagen: es ist etwas Herrliches und +Wunderbares, wenn der liebe Gott neues Leben erschafft!</p> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of Project Gutenberg's Woher die Kindlein kommen, by Dr. Hans Hoppeler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WOHER DIE KINDLEIN KOMMEN *** + +***** This file should be named 28279-h.htm or 28279-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/8/2/7/28279/ + +Produced by Norbert H. Langkau and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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