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diff --git a/27973-h/27973-h.htm b/27973-h/27973-h.htm new file mode 100644 index 0000000..2dd0b66 --- /dev/null +++ b/27973-h/27973-h.htm @@ -0,0 +1,2167 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <title>The Project Gutenberg eBook of Der Mantel, by Nicolaj Gogol</title> + <style type="text/css"> +/*<![CDATA[ XML blockout */ +<!-- + body { margin-left: 20%; margin-right: 20%; } + + p { margin-top: 0.75em; + margin-bottom: 0.75em; + text-align: justify; + text-indent: 1.5em; + } + p.center, + p.dropcap, + #tnote p, + #ads p { text-indent: 0em; } + + h1, h2 { text-align: center; + clear: both; + margin-top: 0em; + font-weight: normal; + } + h1 { letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em; } + h2 { margin-bottom: 1.5em; } + + .new-h2 { margin-top: 6em; } + + ins { text-decoration: none; border-bottom: 1px dashed #039; } + + .gesperrt { letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em; } + em.gesperrt { font-weight: normal; font-style: normal; } + .smcap { font-variant: small-caps; } + + .center { text-align: center; } + .right { text-align: right; } + + .figcenter { margin: auto; text-align: center; } + + .pagenum { position: absolute; + display: inline; + right: 13%; + font-size: x-small; + text-align: right; + color: #808080; + font-style: normal; + border: 1px solid silver; + padding: 1px 4px 1px 4px; + font-variant: normal; + font-weight: normal; + text-decoration: none; + text-indent: 0em; + } + + .dropcap:first-letter { font-size: 2.75em; float: left; margin: -0.17em 0.1em -0.2em 0em; } + .dropcap .first-word { text-transform: uppercase; } + + #tnote { width: 26em; + border: 1px dashed #808080; + background-color: #f6f6f6; + text-align: justify; + padding: 0em 0.75em; + margin: 120px auto 120px auto; + } + + #ads { margin: 0em 5% 120px 5%; } + #ads .description { font-size: 0.9em; } + #ads hr { color: black; background-color: black; margin: 1em 0em; height: 1px; border: none; } + + @page { margin: 2cm; } + + @media print { + body { margin: 2em; } + h2 { page-break-before: always; } + #tnote, pre, .pagenum { display: none; } + ins, a { text-decoration: none; border: none; color: black; } + } +// --> +/* XML end ]]>*/ + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Der Mantel, by Nicolaj Gogol + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Mantel + Eine Novelle + +Author: Nicolaj Gogol + +Translator: Rudolf Kassner + +Release Date: February 3, 2009 [EBook #27973] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MANTEL *** + + + + +Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online +Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + + + + + +</pre> + + +<div id="tnote"> +<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p> +<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden +übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden +korrigiert. Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>, +der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</p> +</div> + +<h1>DER MANTEL</h1> + +<p class="center" style="line-height: 2em; letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em;">Eine Novelle<br/> +von<br/> +<big>Nicolaj Gogol</big></p> + +<div class="figcenter" style="width: 80px; margin: 6em auto 2em auto;"> +<img src="images/emblem.png" width="80" height="77" alt="" title="" /> +</div> + +<p class="center" style="line-height: 2em; letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em;"><small>Ins Deutsche übertragen<br/> +von</small><br/> +Rudolf Kassner</p> + +<p class="center" style="letter-spacing: 0.3em; margin: auto; padding-left: 0.3em; font-size: 1.1em; width: 20em; padding-top: 0.3em; border-top: 3px double black;">Im Insel-Verlag zu Leipzig</p> + + + +<p class="dropcap" style="margin-top: 6em;"><span class="first-word">In</span> +<span class="pagenum"><a name="Page_5">5</a></span> +einer Ministerialabteilung – besser ich nenne sie +nicht, denn es gibt nichts Empfindlicheres als unsere +Beamten, Offiziere und Kanzlisten. Heute fühlt wirklich +schon jeder Privatmensch in seiner Person die +ganze Gesellschaft beleidigt. Da soll neulich der +Bericht eines Polizeihauptmannes – ich weiß nicht +mehr aus welcher Stadt – vorgelegen haben, worin +dieser breit ausführt, daß die kaiserlichen Verordnungen +allenthalben nichts mehr gelten und der geheiligte +Name eines Polizeihauptmannes mit unverhohlener +Verachtung ausgesprochen werde, und zum +Beweis legte er dem Bericht einen dickleibigen Roman +bei, allwo auf jeder zehnten Seite ein Polizeihauptmann +in völlig betrunkenem Zustande erscheint. Um +also Unannehmlichkeiten zu vermeiden, nenne ich +die Ministerialabteilung, um die es sich hier handelt, +lieber <em class="gesperrt">eine</em> Ministerialabteilung, irgendeine …</p> + +<p>In einer Ministerialabteilung also diente ein Beamter, +irgendeiner. Man kann nicht gut sagen, er +hätte herausgeragt aus der Schar der anderen, denn +er war klein, pockennarbig, rothaarig, kurzsichtig, +hatte eine Glatze und kleine verrunzelte Bäckchen, +und aus seiner Gesichtsfarbe konnte man auf Hämorrhoiden +schließen. Doch dagegen ist nichts zu +machen. Schuld trägt das Petersburger Klima. Um +seinen Rang nicht zu vergessen, da man bei uns vor +allem den Rang angeben muß – er war das, was +man einen ewigen Titularrat nennt, über welchen +sich bekanntlich hier schon verschiedene Schriftsteller +lustig gemacht haben; diese können nun einmal +<span class="pagenum"><a name="Page_6">6</a></span>nicht von der Gewohnheit lassen, gerade auf +solche Leute loszugehen, die sich nicht wehren können. +Er hieß Baschmatschkin, und sein Vorname +lautete Akaki Akakiewitsch. Es ist wohl möglich, +daß letzterer dem Leser merkwürdig und ein wenig +gesucht erscheine, doch ich kann ihm versichern, +daß nach diesem Namen in Wirklichkeit nicht gesucht +worden war, daß vielmehr Umstände eingetreten +waren, die jeden anderen ausschlossen, und +das hatte sich so zugetragen. Akaki Akakiewitsch +wurde, wenn ich mich recht erinnere, in der Nacht +des 23. März geboren. Seine selige Mutter, eine +Beamtenfrau und ein überaus braves Weib, machte, +wie sich das gehört, sofort Anstalten, daß das Kind +getauft werde. Sie lag noch im Bett, und rechts von +ihr stand der Pate Iwan Iwanowitsch Jeroschkin, Abteilungschef +im Senat und ein ganz ausgezeichneter +Mann, und die Patin Arina Semenowa Bjelobruschowa, +die Gattin eines Polizeileutnants und zudem mit +seltenen Tugenden begabt. Pate und Patin ließen +der Wöchnerin die Wahl zuerst unter folgenden drei +Namen: Mokia, Sossia und Chosdadat, der Märtyrer, +doch sie wollte nicht: »Nein, das sind alles so Namen.« +Um sie zufriedenzustellen, wurde der Kalender an +einer anderen Stelle aufgeschlagen, und da kamen +die Namen: Trefilius, Dula und Barachassius heraus. +»Das ist ja wie eine Strafe Gottes!« rief jetzt die +Mutter. »Was für schreckliche Namen! Nie noch +habe ich diese Namen gehört! Wenn wenigstens +Barabas oder Baruch dastünde – aber Trefilius und +<span class="pagenum"><a name="Page_7">7</a></span>Barachassius! Ach! Ach!« Noch einmal drehten der +Pate und die Patin die Seite um: da standen aber +Pafsikachius und Bachtissius. »Ich sehe schon,« schrie +jetzt die Alte, »das ist sein Los. Und weil es nicht +anders sein kann, so soll er wie sein Vater heißen. +Dieser hieß Akaki und darum soll auch sein Sohn +so heißen!« So kam es also zu Akaki Akakiewitsch. +Die Taufe wurde nun vollzogen, und dabei weinte +das Knäblein und verzog das Gesicht so, als hätte +es vorausgefühlt, daß es einmal Titularrat sein würde. +Ich habe das alles ausgeführt, damit der Leser selber +sehe, daß es gar nicht anders sein konnte und ein +anderer Name unter diesen Umständen rein unmöglich +und gänzlich ausgeschlossen gewesen wäre.</p> + +<p>Wann Akaki Akakiewitsch nun ins Ministerium +kam und wer ihn dorthin brachte, daran kann sich +wohl niemand mehr erinnern. Die Direktoren und +Kanzleivorsteher wechselten, doch ihn sah man immer +auf demselben Posten, in derselben Haltung, bei derselben +Arbeit, so daß einer glauben konnte, Akaki +Akakiewitsch wäre so auf die Welt gekommen: in +Uniform und mit der Glatze. In seiner Abteilung +bewies man ihm auch weiter keine Achtung. Die Türsteher +standen nicht nur nicht auf, wenn er kam, +sondern sie sahen ihn nicht einmal, als wäre da anstatt +eines Titularrats eine ganz kleine Fliege hereingeflogen +gekommen. Die Kanzleivorstände behandelten ihn +von oben herab. So ein Sekretär hielt ihm einfach +den Stoß Papiere unter die Nase hin und nahm +sich erst weiter nicht die Mühe hinzuzufügen: Bitte +<span class="pagenum"><a name="Page_8">8</a></span>schreiben Sie das ab! oder: Heute gibt es wieder einmal +eine hübsche, interessante Arbeit für Sie! oder +sonst etwas Verbindliches, wie es sich unter wohlerzogenen +Leuten schickt. Und Akaki Akakiewitsch +nahm auch alles so entgegen, wie man es ihm bot, +und hatte nur Augen für das Papier und sah gar nicht +erst auf den, der es ihm reichte und ob dieser auch +dazu berechtigt wäre; er nahm es entgegen und machte +sich sofort an die Arbeit. Die jungen Beamten lachten +ihn aus und machten Witze mit ihm, wie das solche +Kanzleigehirne eben verstehen; so erzählten sie in +seiner Gegenwart Geschichten über ihn und seine +Wirtschafterin, ein siebzigjähriges Weib, und sagten, +daß diese ihn prügle, oder fragten, wann Hochzeit sein +werde; auch streuten sie Papierschnitzel auf seine +Glatze und meinten, das sei Schnee. Doch Akaki +Akakiewitsch erwiderte mit keiner Silbe und tat, als +sähe er nichts. Es störte ihn auch nicht im geringsten +in seiner Arbeit; mitten unter allen diesen Sticheleien +machte er nicht einen einzigen Fehler im Briefe. Nur +wenn sie schon ganz unerträglich waren und diese +freundlichen Kollegen etwa seine Hand zu stoßen +begannen und ihn also an der Arbeit hinderten, rief +er: »So laßt mich doch in Ruhe! Warum müßt ihr +mich in einem fort ärgern?« Und etwas Fremdes und +Fernes lag stets in diesen seinen Worten und in der +Stimme, mit der er sie sprach. Ich sage, darin ward +etwas laut, was in den Menschen das Mitleid erregen +mußte, so daß wirklich einmal ein junger Mann, +der seit kurzem hier angestellt war und nach dem +<span class="pagenum"><a name="Page_9">9</a></span>Muster der anderen sich auch allerhand Scherze mit +Akaki Akakiewitsch erlaubte, ganz plötzlich davon +abließ, als sähe er jetzt alles ganz anders und als hätte +sich alles nun vor seinen Augen verkehrt und verwandelt. +Eine wunderbare Macht trennte ihn für +immer von seinen Kollegen, mit denen er sich schon +befreundet hatte, in der Meinung, es wären eben +liebenswürdige Leute von Welt wie andere auch. Und +noch nach Jahren, in Augenblicken des Frohsinns, +stand da plötzlich im Geiste der kleine Beamte mit +der Glatze auf dem Kopfe vor ihm und sprach dieselben +Worte: Laßt mich doch in Ruhe! Warum +müßt ihr mich in einem fort ärgern? Und mit diesen +Worten tönten andere mit: Ich bin dein Bruder. Und +der junge Mann bedeckte sein Gesicht mit den Händen +und erschrak jetzt und noch oft und oft in seinem +Leben davor, wieviel Unmenschliches im Menschen +wohne, wieviel Grausamkeit und Roheit gerade in +diesen feinen, gebildeten Männern von Welt und +weiß Gott auch in solchen noch stecke, welche allenthalben +für gutmütig und rechtschaffen gelten.</p> + +<p>Es wäre wohl schwer gewesen, einen Menschen +zu finden, der mehr in seinem Berufe lebte. Akaki +Akakiewitsch diente mit Eifer, doch das ist noch +nicht das Wort: er diente mit Liebe. Während er +so schrieb, erstand vor seinem Auge eine bunte und +ihm liebe Welt, und der Genuß an dieser Welt drückte +sich auch in seinem Gesichte deutlich aus; da gab +es immer Buchstaben, die er ganz besonders mochte; +wenn er die zu Papier brachte, war er wie närrisch, +<span class="pagenum"><a name="Page_10">10</a></span>lächelte in sich hinein, zwinkerte mit seinen kleinen +Augen und half gleichsam mit den Lippen nach, so +daß man aus seiner Grimasse wohl lesen konnte, +welchen Buchstaben eben seine Feder produzierte. +Wenn sie ihn nach seinem Eifer entlohnt hätten, +müßte er schon längst Staatsrat sein – wohl auch +zu seinem eigenen Erstaunen; so hatte er sich, wie +seine Kollegen sich ausdrückten, statt eines kleinen +Bandes im Knopfloch die Hämorrhoiden ersessen. +Natürlich will ich damit nicht behaupten, daß seine +Vorgesetzten auf ihn nicht aufmerksam geworden +wären. Einer, ein guter Mensch, wollte ihn auch +für seinen langen Dienst belohnen und gab den Auftrag, +ihm von nun an eine wichtigere Arbeit anzuvertrauen +als das bloße Abschreiben wäre: Akaki +Akakiewitsch sollte Berichte für ein anderes Bureau +liefern, und die Arbeit bestand schließlich nur darin, +daß er den Titel änderte und die erste Person in +die dritte verwandelte, doch das machte ihm solche +Mühe, daß er ganz in Schweiß geriet, sich die Stirn +rieb und endlich bat: Nein, laßt mich lieber wieder +abschreiben! Und seitdem schrieb er wieder ab.</p> + +<p>Was nicht zum Schreiben gehört, das existierte +für Akaki Akakiewitsch nicht. So vergaß er ganz +auf seine Kleidung. Die Uniform war nicht mehr +grün, sondern rötlich und wie mit Mehl bestäubt; +der Kragen war so eng und niedrig, daß sein Hals, +der eigentlich kurz war, ganz lang erschien und der +Titularrat jenen Katzen aus Gips glich, welche die +Hausierer auf dem Kopfe, so ein Dutzend im Korbe, +<span class="pagenum"><a name="Page_11">11</a></span>herumtragen. Und immer blieb etwas an seiner +Uniform hängen: ein wenig Heu oder ein Bindfaden; +zudem hatte er es darauf abgesehen, unter ein Fenster +gerade in dem Augenblick zu treten, da man Kehricht +auf das Pflaster warf, und so trug er stets etwas davon +auf seinem Hute weiter: Stücke Schale von einer +Wassermelone, Brotrinde und ähnliches. Man kann +wohl behaupten, daß er dem, was täglich auf der +Straße vorgeht, auch nicht die geringste Aufmerksamkeit +schenkte. Bekanntlich läßt sein Bruder im Amte +zu keiner Zeit die Augen davon, in der Tat hat +er diese schon so geschärft, daß er es schon merkt, +wenn einer auf dem anderen Trottoir unten die +Hosen abgetreten hat, welcher Umstand ihn immer +von neuem zu lautem Lachen reizt. Wohin immer +Akaki blickte, überall sah er die sauberen, geraden +Linien seiner Handschrift, und erst wenn sich ihm +von ungefähr eine Pferdeschnauze auf die Schulter +legte und ihn aus seinen großen Nüstern anblies, +wurde er gewahr, daß er sich nicht mitten in einer +Zeile, sondern mitten auf der Straße befände.</p> + +<p>Zuhause setzte er sich gleich zu Tisch, schlang +die Suppe herunter und aß ein Stück Rindfleisch +mit Knoblauch dazu. Er schmeckte nicht, was er aß, +und so kam es, daß er auch die Fliegen und was +sonst etwa noch auf dem Essen lag, mit herunterschluckte. +Wenn er fühlte, daß der Magen voll zu +werden anfing, stand er auf, nahm Tintenfaß und +Feder heraus und schrieb nun die Briefe und Schriften +ab, die er mit nach Hause gebracht hatte. Gab es +<span class="pagenum"><a name="Page_12">12</a></span>zufällig keine Briefe, so hatte er sich Kopien mitgenommen +und schrieb sie jetzt zu seinem Vergnügen +ab, besonders gerne, wenn sich so ein Schriftstück +weniger durch Schönheit des Stils, wie durch die +Adresse an eine neue oder wichtige Persönlichkeit +auszeichnete.</p> + +<p>Um die Zeit, da Petersburgs grauer Himmel sich +völlig verdunkelt und das ganze Beamtenvolk jeder +nach seinem Gehalt oder Geschmack abgegessen hat, +um die Zeit, da alles sich vom Gekritzel der Federn, +von den vielen Gängen für sich und für andere oder +sonst welchen Mühen, die sich der Mensch freiwillig +aufzwingt mehr als nötig, erholt, um die Zeit, da +die Beamten alle sich beeilen, die noch übrige Zeit +dem Vergnügen zu widmen: der eilt in ein Theater, +dieser auf die Straße, um gewisse kleine Hüte zu begucken, +ein dritter in eine Gesellschaft, um sich hier +in Komplimenten zu verausgaben an ein zierliches +Kind, den Stern eines kleinen Beamtenkreises, ein +vierter – und das kommt allerdings am häufigsten +vor – kriecht zu seinem Amtsbruder hinauf in den +dritten oder vierten Stock, die Wohnung besteht aus +zwei kleinen Zimmern mit Vorzimmer und Küche +und ist nicht ganz ohne Ansprüche auf Schönheit, +es steht da etwa eine Lampe drin nach dem neuesten +Geschmack oder sonst ein seltener Gegenstand, der +viel Opfer gekostet hat und ganz bestimmt nur um +den Preis unterdrückter Mittagessen und unterlassener +Theaterbesuche zu erstehen war; ich sage, um die +Zeit, da diese Beamten sich in den Wohnungen ihrer +<span class="pagenum"><a name="Page_13">13</a></span>Kollegen zerstreuen mit Whist, Tee und Zwieback, +und einer sitzt dabei und dampft aus seinem langen +Tschibuk, und ein anderer neben ihm erzählt einen +Klatsch aus den höchsten Kreisen, ein Vergnügen, +dem ein Russe niemals und unter gar keinen Bedingungen +entsagen will, und wenn ihm keiner einfällt, +so gibt er wohl zum hundertsten Male die +Anekdote zum besten vom Kommandanten, dem gemeldet +wird, daß ein Übeltäter dem Pferde am +Denkmal Peters des Großen den Schweif abgehauen +hätte, ich sage, um die Zeit, da alles die Freude und +das Vergnügen sucht, blieb Akaki Akakiewitsch +durchaus jeder Art von Zerstreuung ferne. Niemand +konnte sagen, er hätte ihn jemals abends wo in Gesellschaft +gesehen. Sobald er sich satt geschrieben +hatte, ging er zu Bett, im voraus schon lächelnd beim +Gedanken daran, was Gott ihm wohl morgen zum +Abschreiben geben werde.</p> + +<p>So floß friedlich das Leben eines Menschen hin, +der mit vierhundert Rubel Gehalt sich in sein Los +schicken konnte, und dieses Leben wäre weiter so +dahingeflossen in gleichem Frieden bis ins höchste +Greisenalter, wenn es nicht böse Zufälle gäbe auf +dem Lebenswege nicht nur der Titular-, sondern auch +der Geheim-, der wirklichen Geheim- und der Hofräte, +ja selbst derer, die niemandem einen Rat geben +und auch von keinem einen solchen empfangen.</p> + +<p>Alle die mit einem Jahresgehalt von vierhundert +Rubel und darum haben in Petersburg einen gar +argen Feind, und dieser Feind ist kein anderer als +<span class="pagenum"><a name="Page_14">14</a></span>unser Winterfrost, trotzdem er natürlich für sehr gesund +gilt. So um neun Uhr morgens, um die Zeit, +da sich die Straßen füllen mit solchen, die in die +Ministerien müssen, beginnt er so kräftige und +beißende Nasenstüber auszuteilen, daß die armen +Beamten wirklich nicht mehr wissen wohin mit ihren +Nasen. Und wenn denen in hoher Stellung schon +die Stirn vor Kälte brennt und Tränen in die Augen +treten, geht es unseren armen Titularräten erst recht +schlecht. Das einzige, was diesen zu tun übrigbleibt, +ist sich so schnell wie möglich in ihren dünnen Mäntelchen +durch die fünf oder sechs Gassen zu schlagen +und dann in der Portierloge sich die Füße am Ofen +zu wärmen, so lange, bis alle auf dem Wege eingefrorenen +Talente und Fähigkeiten zum Dienst wieder +aufgetaut wären. Akaki Akakiewitsch begann nun +schon seit einiger Zeit zu fühlen, daß ihn da was im +Rücken und auf den Schultern gar heftig zwicke und +beiße, trotzdem er sich bemühte, den Weg ins Bureau +so schnell wie möglich zurückzulegen. Und er dachte, +ob nicht am Ende sein Mantel die Schuld trüge, und +richtig, da er ihn zu Hause genau durchsuchte, entdeckte +er, daß an drei oder vier Stellen, gerade am +Rücken und an den Schultern, sich der Stoff durchgerieben +hatte und ganz durchsichtig geworden und +daß auch das Futter zerrissen wäre. Man muß im +übrigen wissen, daß die Kollegen auch diesen Mantel +zur Zielscheibe ihres Spottes gewählt, daß sie ihm +den ehrenwerten Namen eines Mantels überhaupt +genommen und ihn Kapuze getauft hatten. In der +<span class="pagenum"><a name="Page_15">15</a></span>Tat hatte er im Laufe der Zeit eine fragwürdige Form +angenommen, auch war der Kragen von Jahr zu Jahr +schmäler geworden, da er zum Flicken der anderen +Teile herhalten mußte, und diese Flecken verrieten +keineswegs die Kunst eines Schneiders, vielmehr waren +sie von höchst ungeübter und grober Hand eingesetzt.</p> + +<p>Da nun Akaki Akakiewitsch mit Augen sah, +woran er wäre, beschloß er, den Mantel sofort zu +Petrowitsch, dem Schneider, zu tragen. Dieser lebte +irgendwo im vierten Stock eines Hinterhauses und +befaßte sich mit Reparaturen aller Art von Hosen +und Fräcken der Beamten und anderer Leute, natürlich +nur in Stunden, da er nüchtern und sein Kopf +frei war. Ich brauchte über ihn natürlich nicht lange +zu reden, doch da es nun einmal so Sitte ist, daß in +einer Erzählung über den Charakter einer Figur kein +Zweifel herrsche, so her mit diesem Schneider. Vor +Jahren hieß er noch einfach Grigori und war Leibeigener +bei irgendeinem Herrn. Petrowitsch begann +er sich erst zu nennen, da er freigelassen wurde und +sich an allen Feiertagen tüchtig zu betrinken anfing, +zuerst nur an den großen, später aber an allen ohne +Unterschied, wo immer nur im Kalender sich ein +Kreuz fand. Darin war er der Sitte seiner Väter +durchaus treu geblieben, und wenn er darob mit +seinem Weibe zankte, so nannte er sie ein weltliches +Geschöpf ohne Sitte und ohne Art und zudem eine +Deutsche. Da ich nun schon einmal bei seinem +Weibe bin, so muß ich auch über sie ein paar Worte +sagen. Leider ist von ihr nicht viel mehr bekannt, +<span class="pagenum"><a name="Page_16">16</a></span>als daß sie eben das Eheweib des Petrowitsch sei +und daß sie eine Haube und nicht ein Tuch um den +Kopf trage. Sie konnte sich wohl in keinem Falle +rühmen, schön zu sein; höchstens daß Soldaten von +der Garde ihr einmal unter die Haube guckten, doch +sie drehten sich da jedesmal den Schnurrbart, lachten +und sprachen ein nicht wiederzugebendes Wort aus.</p> + +<p>Auf der Stiege zu Petrowitsch – die Wahrheit +zu sagen war diese gerade frisch eingeseift und stank, +wie alle Petersburger Hintertreppen, stark nach +Schnaps – ich sage auf der Stiege überlegte Akaki +Akakiewitsch, wieviel Petrowitsch wohl verlangen +dürfte, und war in Gedanken fest entschlossen, nicht +mehr als zwei Rubel zu geben. Die Tür stand offen, +denn die Küche, wo des Petrowitsch Weib einen +Fisch briet, war so voll Rauch, daß man nicht einmal +die Schwaben sehen konnte. Akaki konnte also +durchgehen, ohne von der Wirtin gesehen zu werden, +und trat ins Zimmer des Petrowitsch, welcher +an einem breiten ungestrichenen Tisch saß und die +Beine wie ein Pascha gekreuzt hatte. Die Füße +waren wie bei allen Schneidern bloß, und vor allem +mußte dem Kunden der Daumen auffallen; Akaki +Akakiewitsch kannte ihn gut mit seinem verstümmelten +Nagel, der dick und hart wie Schildpatt war. Um +den Hals hingen ihm Fäden von Zwirn und Seide +und auf den Knien hatte er einen alten Fetzen. Schon +seit einigen Minuten suchte er den Zwirn in das +Nadelöhr zu bekommen, doch es wollte ihm nicht +gelingen, und da begann er denn auf die Finsternis +<span class="pagenum"><a name="Page_17">17</a></span>zu schimpfen und auch auf den Zwirn: Er geht +nicht hinein, das Luder. Akaki Akakiewitsch war +es nicht angenehm, gerade in einem Augenblick +zu kommen, da Petrowitsch in schlechter Stimmung +war: es wäre ihm lieber gewesen, bei Petrowitsch +eine Bestellung zu machen, da dieser seine Courage +vertrunken hatte und nach Fusel roch. In diesem +Zustande ging er nämlich auf alles ein und stand +immer wieder von seinem Sitze auf und verbeugte +sich in einem fort und war überaus dankbaren +Gemütes. Freilich später kam dann das Weib und +weinte und schrie, der Mann sei betrunken gewesen +gestern und hätte nur darum die Arbeit für so wenig +übernommen. Doch da legte man ein paar Kopeken +zu, und die Sache war gemacht. Heute aber, schien +es, war Petrowitsch nüchtern und darum fest, er tat +den Mund nicht auf und war also eher geneigt, weiß +Gott was für Preise zu verlangen. Akaki Akakiewitsch +fühlte das sehr deutlich und wollte schon wieder +zurück, doch er war schon zu weit gekommen, +Petrowitsch hatte ihn erblickt und blinzelte ihn mit +seinem einzigen Auge von der Seite an, so daß der +Titularrat ganz gegen seinen Willen: »Guten Tag, +Petrowitsch!« ausrief. »Gott zum Gruß, Herr!« erwiderte +Petrowitsch, und das Auge des Schneiders +fiel auf die Hand des Akaki Akakiewitsch und wollte +wissen, was für eine Beute dieser ihm heute denn +brächte. »Ich komme zu dir, Petrowitsch … denn +… weil …« Man muß wissen, daß der Titularrat +sich meist nur in Umstands- und Beiwörtern und in +<span class="pagenum"><a name="Page_18">18</a></span>sonst welchen Silben, die ganz ohne Sinn waren, +ausdrückte. Und wenn eine Sache sehr schwierig +war, hatte er die Gewohnheit, den Satz überhaupt +nicht zu beenden …</p> + +<p>»Was habt Ihr da?« sagte Petrowitsch und +musterte inzwischen mit seinem einen Auge die +ganze Uniform von oben bis unten, Kragen, Aermel, +Rücken, Falten, Achselschlingen, er kannte das alles +sehr gut, denn es war seine eigene Arbeit. Das ist +bei Schneidern so Gewohnheit; das erste, was jeder tut.</p> + +<p>»Da hab ich was für dich, Petrowitsch. Den +Mantel … Das Tuch … Du siehst, es ist überall +noch gut, ganz fest. Er ist nur etwas verstaubt und +sieht darum so alt aus, doch er ist noch ganz neu +… neu … Nur hier ist so etwas … am Rücken. +Und auch noch auf der Schulter ist er ein wenig +durchgewetzt, und dann da noch auf dieser Schulter +… Siehst du es auch? Das ist alles. Nicht viel Arbeit.«</p> + +<p>Petrowitsch nahm den Mantel, breitete ihn auf +dem Tisch aus und prüfte ihn lange. Er schüttelte +mit dem Kopfe, und seine Hand griff nach einer +runden Tabaksdose mit dem Porträt eines Generals +darauf – man konnte nicht sehen welches, denn +dort, wo das Gesicht hätte sein sollen, war das Holz +mit dem Finger durchgedrückt und mit einem +Stückchen Papier zugeklebt. Petrowitsch schnupfte +ein wenig Tabak und hielt jetzt den Mantel gegen +das Licht und schüttelte noch einmal sein Haupt; +dann kehrte er das Futter heraus und schüttelte +wieder mit dem Kopfe; noch einmal nahm er die +<span class="pagenum"><a name="Page_19">19</a></span>Dose mit dem geköpften General, zog etwas Tabak +ein, legte sie aufs Fensterbrett und sagte endlich: +»Nein, da ist nichts mehr auszubessern. Der Mantel +ist schlecht.«</p> + +<p>Dem Titularrat schlug das Herz. »Warum nicht, +Petrowitsch?« fragte er mit der jammernden Stimme +eines kleinen Kindes. »Er ist doch nur an den +Schultern etwas durchgewetzt. Du hast sicher bei +dir noch alte Flecken zum Stopfen.«</p> + +<p>»Die habe ich schon; aber man kann sie nicht +mehr aufnähen. Das Tuch ist schon ganz mürbe und +hält den Stich nicht mehr: so ist es!«</p> + +<p>»Da nähst du eben einen Lappen darauf!«</p> + +<p>»Worauf denn? Nein, nein, den kann man nicht +mehr zusammenflicken, der hat schon zuviel durchgemacht.«</p> + +<p>»Doch, doch, stopf ihn nur!«</p> + +<p>»Nein,« sagte Petrowitsch jetzt ganz entschlossen, +»da ist nichts mehr zu stopfen. Am besten, Ihr macht +Euch, wenn der Winter kommt, Fußlappen daraus. +Strümpfe sind doch nicht warm. Die haben die +Deutschen erfunden, um noch mehr Geld zu machen. +(Petrowitsch liebte es, gelegentlich auf die Deutschen +zu schimpfen.) Den Mantel aber, versteht sich, müßt +Ihr Euch neu machen lassen.«</p> + +<p>Bei dem Worte neu wurde es dem Titularrat +dunkel vor den Augen, und alles drehte sich ihm im +Zimmer, und er sah nur ganz klar vor sich den +General mit dem zugeklebten Gesichte auf der Tabaksdose.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_20">20</a></span> +»Wieso einen neuen?« rief er wie aus dem Traume. +»Ich habe doch kein Geld dafür.«</p> + +<p>»Ja, einen neuen,« bestätigte Petrowitsch mit grausamer +Ruhe.</p> + +<p>»Und wenn es schon ein neuer sein muß, was +würde …?«</p> + +<p>»Ihr meint, was er kostet?«</p> + +<p>»Ja.«</p> + +<p>»Nun, so hundertundfünfzig Rubel müßt Ihr +darauf schon verwenden,« meinte Petrowitsch und +kniff die Lippen zusammen. Er liebte nämlich die +starken Effekte. Er liebte es, den Leuten Schrecken +einzujagen und dann so von der Seite zuzusehen, +was der Geschreckte für ein Gesicht machte.</p> + +<p>»Hundertundfünfzig Rubel für einen Mantel!« +schrie Akaki Akakiewitsch auf, vielleicht das erstemal +wieder nach seiner Geburt, denn für gewöhnlich +eignete ihm große Stille.</p> + +<p>»Ja, gewiß!« sagte Petrowitsch. »Und wenn Ihr +den Kragen aus Marder und die Kapuze mit Seide +gefüttert haben wollt, so kommt er auf zweihundert.«</p> + +<p>»Petrowitsch, ich bitte dich,« flehte der Titularrat, +ohne auf Petrowitsch zu hören und auf dessen Effekte +zu achten, »bessere mir den Mantel aus, damit er noch +einige Zeit wenigstens hält!«</p> + +<p>»Nein, das geht nicht. Das hieße Arbeit verschwenden +und das Geld auf die Straße werfen,« +schloß Petrowitsch, und Akaki Akakiewitsch lief +hinaus. Petrowitsch jedoch behielt noch lange seine +Stellung, kniff höchst bedeutsam die Lippen zusammen +<span class="pagenum"><a name="Page_21">21</a></span>und ließ die Hände von der Arbeit, so zufrieden +war er damit, daß er diesmal weder sich selber erniedrigt +noch die Schneiderkunst verraten hatte.</p> + +<p>Auf der Straße ging Akaki Akakiewitsch wie im +Traume. »So etwas. Ich hätte doch nicht gedacht, +daß es dazu kommen würde!« Und dann fügte er +hinzu nach einigem Überlegen: »So steht die Sache. +Das kam dabei heraus. Wer hätte vermuten können, +daß es damit so stände.« Und wieder schwieg er, +und jetzt noch einmal: »So steht es also mit mir. +Das konnte ich doch nicht erwarten, niemals … So +etwas …« Anstatt nach Hause ging er nun, ohne es +zu wissen, genau in der entgegengesetzten Richtung. +Auf dem Wege streifte ihn ein Schornsteinfeger, und +die Schulter war ganz schwarz davon. Auch fiel +eine Kelle mit Kalk auf ihn von einem Hause, an +welchem gebaut wurde. Er merkte nichts. Erst als +er gegen einen Wachtposten angerannt war, der, die +Hellebarde neben sich, aus seinem Beutel Tabak auf +die schwielige Hand tat, wachte er auf, denn der +Posten schrie ihn an: »Mußt du mir denn ins Maul +kriechen? Wozu ist denn das Trottoir da?« Jetzt +sah er auf und ging nach Hause. Und hier erst begann +er die Gedanken zu sammeln und klar seine +Lage zu übersehen, hier erst begann er mit sich nicht +mehr zusammenhanglos, sondern überlegt und offen +zu sprechen, als redete er mit einem klugen Freunde, +dem man eine Herzenssache anvertrauen kann. +»Nein, nein, heute kann niemand mit Petrowitsch +reden. Sein Weib muß ihn durchgeprügelt haben. +<span class="pagenum"><a name="Page_22">22</a></span>Ich gehe besser am nächsten Sonntag noch einmal +zu ihm. Sonnabend ist er betrunken, und da bekommt +er Sonntag darauf die Augen nicht auf und bedarf +einer Stärkung. Sein Weib gibt ihm das Geld nicht, +und da bin ich dann da und drücke ihm einen Sechser +in die Hand, und so wird er mit sich reden lassen, +und der Mantel wird dann noch gehen …« So +schloß der Titularrat, sprach sich Mut zu und wartete +auf den nächsten Sonntag. Kaum hatte er gesehen, +daß des Schneiders Weib aus dem Hause ging, eilte +er schnurstracks zu ihm. In der Tat hatte Petrowitsch +Mühe, sein einziges Auge aufzubekommen und war +ganz voll Schlaf und ließ den Kopf hängen. Doch +kaum hatte er verstanden, <ins title="warum">worum</ins> es sich wieder +handle, als er schon wie vom Satan getrieben rief: +»Nein, nein, das geht nicht. Ihr müßt einen neuen +bestellen!« Der Augenblick war da, ihm den Sechser +in die Hand zu drücken. »Ich danke Euch, Herr! +Da kann ich mich ein wenig stärken gehen auf Eure +Gesundheit. Doch den Mantel laßt nun einmal, er +taugt wirklich nichts mehr. Ich mache Euch einen +neuen, schönen und dabei bleibt es.« Der Titularrat +fing immer wieder von der Reparatur an, doch Petrowitsch +hörte gar nicht auf ihn und rief: »Ich mache +Euch einen neuen. Verlaßt Euch auf mich, ich werde +mir Mühe geben! Ich werde Euch sogar, weil es jetzt +so Mode ist, silberne Pfötchen aufs Appliqué nähen.«</p> + +<p>Akaki Akakiewitsch sah nun ganz klar, daß der +neue Mantel nicht mehr zu umgehen sei, und sein +Mut war weg. Von welchem Gelde sollte er sich ihn +<span class="pagenum"><a name="Page_23">23</a></span>nur machen lassen? Freilich durfte er auf die Remuneration +zu den Feiertagen hoffen, doch die war +schon im voraus eingeteilt: er brauchte neue Hosen, +mußte den Schuster bezahlen fürs Ansetzen von +Kappen an den Schuhen, und dann wollte er bei der +Näherin drei Hemden bestellen. Kurz, das Geld war +schon verausgabt. Und wenn auch der Direktor so +gnädig wäre, ihm statt vierzig Rubel fünfundvierzig +oder gar fünfzig zu bewilligen, würde die Kleinigkeit, +die übrigbliebe, nur ein Tropfen im Meere sein im +Vergleiche zu der Summe, die der neue Mantel kosten +soll. Natürlich das wußte er schon, daß Petrowitsch, +weiß der Teufel warum, bei guter Laune gerne solche +verrückte Preise machte, so daß selbst sein Weib sich +nicht mehr halten konnte und ihn anschrie: »Bist du +närrisch geworden? Einmal arbeitest du für nichts +und dann wieder treibt dich der Teufel, einen Preis +zu verlangen, den du selber gar nicht wert bist.« +Wenn der Titularrat auch wußte, daß Petrowitsch +den Mantel für achtzig Rubel liefern würde – woher +aber die achtzig nehmen? Die Hälfte konnte er noch +zusammenkriegen, ja, die Hälfte sogar sicher, vielleicht +auch eine Kleinigkeit mehr: aber die andere +Hälfte, wer sollte die ihm geben?… Doch der Leser +muß zuerst erfahren, woher er die erste Hälfte nehmen +wollte. Akaki Akakiewitsch hatte nämlich die Gewohnheit, +von jedem verausgabten Rubel eine Kopeke +in eine kleine Sparbüchse zu tun, die zugeschlossen +war und einen schmalen Schlitz enthielt, durch den +so eine Kopeke ging. Jedes halbe Jahr zählte er die +<span class="pagenum"><a name="Page_24">24</a></span>Summe, die sich angesammelt hatte, und wechselte +sie in Silber um. Das hatte er nun seit geraumer +Zeit durchgeführt, und auf diese Weise war im Laufe +von mehreren Jahren die Summe von vierzig Rubel +zusammengekommen. Die eine Hälfte war also da, +in seinen Händen, woher aber, noch einmal, die +anderen vierzig Rubel? Akaki Akakiewitsch überlegte +hin und her und beschloß endlich, mindestens +ein ganzes Jahr sich einzuschränken, das heißt: keinen +Tee mehr am Abend zu trinken, kein Licht mehr +anzuzünden und, wenn er abends arbeiten müsse, zur +Wirtin zu gehen und dort bei der Kerze zu schreiben; +dann auf der Straße so leise und vorsichtig wie möglich +aufzutreten, ja auf den Zehen zu gehen, um die +Sohlen nicht durchzuwetzen; endlich die Wäsche so +selten wie möglich zum Waschen zu geben und sie +zu Hause gleich auszuziehen, damit sie nicht abgenützt +werde, und im halbwollenen Schlafrock dazusitzen, +der sehr alt sei und dem die Zeit darum nichts +mehr anhaben könnte. Es fiel ihm ja, um die Wahrheit +zu sagen, anfangs schwer, sich an alle diese Entbehrungen +zu gewöhnen, doch mit der Zeit wurde +es ihm immer leichter, ja allmählich ward er ein +Meister in der Kunst zu hungern, im Geiste sich mit +dem Gedanken an den neuen Mantel nährend.</p> + +<p>Und seit diesen Tagen wurde sein ganzes Wesen +gleichsam voller, als hätte er geheiratet, als stünde +ihm jetzt ein Wesen zur Seite, als wäre er nicht +mehr allein und hätte sich eine köstliche Lebensgefährtin +endlich entschlossen, den Weg des Lebens +<span class="pagenum"><a name="Page_25">25</a></span>mit ihm zu wandeln, und ich sage, diese köstliche +Lebensgefährtin war eben der Mantel, innen wattiert +und mit starkem Futter versehen. Akaki Akakiewitsch +wurde in der Tat lebhafter und fester gleich +einem Menschen, der ein Ziel hat. Aus seinem Gesichte +und aus seinen Schritten waren von selbst aller +Zweifel, jegliche Unentschlossenheit, alle die schwankenden +und unbestimmten Züge verschwunden. In +sein Auge kam zuweilen Feuer und in seinem Hirne +blitzten dann kühne, ja freche Gedanken auf: könnte +der Kragen am Ende nicht doch aus Marder sein? +Ich sage, Akaki Akakiewitsch wurde durch solche +und ähnliche Gedanken zerstreut, und einmal hätte +er beim Abschreiben beinahe einen Fehler gemacht, +so daß er laut aufschrie und sich bekreuzte. Jeden +Monat mindestens einmal klopfte er bei Petrowitsch +an, um über den Mantel zu schwatzen: wo würde +man wohl am besten das Tuch kaufen, und welche +Farbe sollte es eigentlich haben und wie teuer wird +es sein? Und jedesmal kam er, wenn auch nicht ganz +ohne Kummer, so doch zufrieden nach Hause bei +dem Gedanken, daß nun endlich die Zeit da sein +werde, da man alles Notwendige kaufen und der +Mantel fertig sein würde. Und die Zeit kam schneller +als er geglaubt hatte, denn wider alles Erwarten hatte +der Direktor ihm nicht nur vierzig, sondern ganze +fünfzig Rubel bewilligt. Ob dieser es nun geahnt +hat, daß Akaki Akakiewitsch einen neuen Mantel +brauchte, oder ob das so von selber gekommen ist, +Akaki Akakiewitsch hatte auf einmal zwanzig Rubel +<span class="pagenum"><a name="Page_26">26</a></span>mehr. Und dieser Umstand beschleunigte die Sache. +Noch zwei, drei Monate hungern, und Akaki Akakiewitsch +hatte die achtzig Rubel beisammen. Sein +sonst so ruhiges Herz begann laut zu schlagen, da +er sich mit Petrowitsch zusammen nach dem Laden +aufmachte. Sie kauften sehr gutes Tuch, nicht zu +teuer, war dieses doch durch ein halbes Jahr hindurch +der alleinige Gegenstand ihres Denkens gewesen und +hatten sie doch selten einen Monat verstreichen lassen, +ohne im Laden um den Preis zu handeln; dafür meinte +aber auch Petrowitsch jetzt, daß es bestimmt kein +besseres Tuch gebe. Als Futter wählten sie Coulaincour, +guten, festen, der nach der Aussage des +Petrowitsch besser wäre als Seide und auch so aussehe +und glänze. Marder kauften sie nicht, das war +zu teuer, dafür wählten sie aber ein Katzenfell, das +beste, das sie im Laden fanden und das man im +übrigen von weitem ganz gut für Marder halten konnte. +Petrowitsch brauchte im ganzen vier Wochen für den +Mantel, denn es gab viel zu steppen, sonst würde er +wohl früher damit fertig geworden sein. Für die Arbeit +nahm er zwanzig Rubel, billiger ging es schon nicht. +Alles war auf Seide genäht, und bei jeder Naht half +Petrowitsch noch mit den Zähnen nach.</p> + +<p>Es war nun – ich kann nicht genau sagen, an +welchem Tage – es war jedenfalls am glorreichsten +Tage in des Akaki Akakiewitsch Leben, daß Petrowitsch +den Mantel endlich brachte. Am Morgen, +genau um die Stunde, da der Titularrat ins Bureau +mußte. Auch wäre zu keiner anderen Jahreszeit der +<span class="pagenum"><a name="Page_27">27</a></span>Mantel so gelegen gekommen, denn die starken +Fröste hatten schon eingesetzt und drohten allem +Anschein nach noch heftiger zu werden. Petrowitsch +erschien mit dem Mantel ganz so, wie sich das für +einen guten Schneider gehört. In seinem Gesicht lag +ein Ausdruck, den Akaki Akakiewitsch an ihm noch +nicht wahrgenommen hatte. Es schien, als fühlte +er durchaus, daß er keine geringe Sache hier zur +Vollendung gebracht hätte und daß er erst jetzt den +Abgrund gewahr geworden wäre, der einen Flickschneider +von jenem entschieden trenne, der neue +Anzüge machte. Petrowitsch nahm den Mantel aus +dem Tuch heraus, in das er ihn gewickelt hatte. +(Das Tuch war frisch aus der Wäsche gekommen, +und er legte es auch gleich wieder zusammen und +steckte es ein zum sofortigen Gebrauch.) Er blickte +ihn stolz an und warf ihn mit beiden Händen sehr +leicht Akaki Akakiewitsch um die Schultern; dann +zog er ihn ein wenig nach unten mit der Hand; +dann mußte ihn Akaki Akakiewitsch aufgeknöpft +lassen und der Mantel Falten werfen. Doch Akaki +Akakiewitsch wollte als ein Mann von Erfahrung +auch die Ärmel probieren; Petrowitsch half ihm – +auch die Ärmel paßten. Kurz der Mantel war vollkommen. +Petrowitsch unterließ auch nicht die Bemerkung, +daß er ihn deshalb nur so billig gemacht +hätte, weil er weit vom Zentrum entfernt lebe und +Akaki Akakiewitsch schon seit langem kenne; auf +dem Newsky Prospekt hätte ihm ein Schneider für +die Arbeit allein fünfundsiebzig Rubel genommen. +<span class="pagenum"><a name="Page_28">28</a></span>Akaki Akakiewitsch wollte mit Petrowitsch darüber +jetzt nicht rechten, fürchtete er doch überhaupt all +die Riesensummen, mit denen der Schneider Staub zu +machen liebte. Er zahlte ihn aus, dankte ihm noch +und ging alsogleich mit dem neuen Mantel ins Bureau. +Petrowitsch ging ihm nach und sah sich auf diese +Weise seinen Mantel aus der Ferne an, er bog auch in +eine Seitengasse ein und kam auf derselben Straße +Akakiewitsch entgegen, so daß er den Mantel jetzt +auch von vorne sehen konnte. Inzwischen aber +schritt Akaki Akakiewitsch in wahrhaft feiertäglicher +Laune weiter. Er fühlte es in jedem Augenblicke, +daß er jetzt den neuen Mantel anhätte, und zuweilen +lächelte er vor innerem Glücke. In der Tat brachte +ihm der Mantel auch jeden Vorteil, das heißt: er +war sowohl warm als auch gut überhaupt. Auf +den Weg achtete der Titularrat nicht, und schon war +er im Ministerium. Im Vorzimmer nahm er den +Mantel ab, betrachtete ihn von allen Seiten und +übergab ihn dem Portier zu besonderer Aufsicht. +Ich weiß nicht, auf welche Weise die Kollegen im +Amte erfahren hatten, daß Akaki Akakiewitsch einen +neuen Mantel hätte und daß die alte Kapuze nicht +mehr existierte: alle stürmten im selben Augenblicke +ins Vorzimmer hinaus, um den Mantel zu sehen. Dort +beglückwünschten und begrüßten sie feierlichst Akaki +Akakiewitsch, so daß er anfangs wohl lachte, zuletzt +aber ganz verlegen wurde. Als nun aber alle in ihn +drangen, der neue Mantel müßte eingeweiht werden +und er ihnen allen eine Gesellschaft geben, wußte +<span class="pagenum"><a name="Page_29">29</a></span>Akaki Akakiewitsch schon gar nicht mehr wohin +und was er antworten und wie er sich ausreden +sollte, bis er ganz rot im Gesicht ihnen in seiner +Einfalt versicherte, daß es doch kein neuer Mantel +wäre, sondern ein alter. Doch da rief einer aus der +Schar, ein Gehilfe des Chefs, wohl um zu zeigen, +daß er nicht hochmütig sei und den Verkehr mit +niederen Beamten nicht meide: »So ist es. Ich will an +seiner Stelle die Gesellschaft geben und bitte euch +alle für heute abend zu mir; im übrigen trifft es sich, +daß heute mein Namenstag ist.« Die Beamten +gratulierten jetzt dem Gehilfen und nahmen mit +Freude die Einladung an. Nur Akaki Akakiewitsch +bat um Entschuldigung, er könne nicht kommen; +doch da redeten sie alle auf ihn ein, daß das ungezogen +sei, ja einfach eine Schande, und so konnte +er nicht nein sagen. Ja die Einladung war ihm sogar +sehr lieb, da ihm jetzt einfiel, daß er auf diese +Weise auch abends den neuen Mantel werde anziehen +können.</p> + +<p>Der ganze Tag war nun für Akaki Akakiewitsch +ein Fest und ein Triumph. Er ging in der allerglücklichsten +Gemütsverfassung nach Hause, nahm +dort den Mantel ab und hing ihn mit der größten +Vorsicht an die Wand. Immer wieder liebäugelte er +mit dem Stoff und dem Futter und nahm auch zum +Vergleich die alte Kapuze heraus. Er mußte lachen, so +groß erschien ihm der Unterschied zwischen beiden. +Und noch lange nach dem Essen mußte er lachen, +sooft ihm die überaus traurige Verfassung seiner +<span class="pagenum"><a name="Page_30">30</a></span>alten Kapuze einfiel. Sein Mahl verzehrte er mit aller +Heiterkeit, und diesmal schrieb er nach dem Essen +nicht ab, vielmehr faulenzte er am Bett, bis es dunkel +wurde. Doch dann schob er es nicht mehr hinaus, +zog den neuen Mantel an und ging auf die Straße.</p> + +<p>Wo der Beamte lebte, der die Gesellschaft gab, +das weiß ich leider nicht genau zu sagen; mein Gedächtnis +läßt mich jetzt oft im Stich, und Petersburgs +Häuser und Straßen gehen alle in meinem Kopfe so +durcheinander, daß ich mich oft schwer darin zurechtfinde. +Nur so viel weiß ich zu sagen, daß er im +besten Viertel wohnte, also nicht sehr nahe von Akaki +Akakiewitsch. Zuerst mußte dieser wohl noch durch +öde Gassen mit spärlicher Beleuchtung schreiten, +doch in dem Maße, als er sich der Wohnung des +Gehilfen näherte, wurden die Straßen lebhafter, bewohnter +und besser beleuchtet. Blitzschnell eilten +Fußgänger an ihm vorbei, er sah schön gekleidete +Frauen, die Herren trugen Biberkragen, das Auge +begegnete hier nur ganz selten den hölzernen Bauernschlitten +mit dem durchlöcherten Boden, hingegen +flogen elegante Kutscher mit himbeerfarbenen Sammetmützen, +lackierten Schlitten mit Bärendecken durch die +Straßen, und die Kufen und Räder knirschten am +Schnee. Für Akaki Akakiewitsch war das alles neu; +schon seit vielen Jahren war er abends nicht auf +der Straße gewesen. Neugierig blieb er vor einem +hellerleuchteten Laden stehen und sah darin ein Bild, +eine hübsche Frau darstellend, die sich den Schuh +auszieht und so ihr Bein sehen läßt; hinter ihr steckt +<span class="pagenum"><a name="Page_31">31</a></span>ein Herr mit Backenbart und Fliege unter der +Lippe den Kopf zur Tür hinein. Akaki Akakiewitsch +schüttelte den Kopf und lächelte und ging +weiter. Und warum lächelte er? Weil er hier einer +ihm ganz und gar fremden Welt zum ersten Male +begegnete, für die auch ihm das Gefühl nicht ganz +fehlen konnte. Oder dachte er so wie alle anderen +Beamten: »Diese Franzosen! Die verstehen das!?« +Vielleicht dachte er auch das nicht. Ach, wir vermögen +ja dem Menschen nicht in die Seele zu blicken +und zu wissen, was er denkt.</p> + +<p>Endlich erreichte er das Haus. Der Gehilfe lebte +auf großem Fuße, die Treppe war erleuchtet, die +Wohnung im zweiten Stock. Im Vorzimmer sah Akaki +Akakiewitsch eine ganze lange Reihe Galoschen. Mitten +unter ihnen dampfte ein Samowar. An den Wänden +hingen die Mäntel, einige darunter mit Biberkragen +oder Sammetaufschlägen. Hinter der Wand hörte +man Lärm und Worte, die plötzlich klar und deutlich +wurden, da sich die Tür öffnete und ein Diener +heraustrat mit leeren Teegläsern, Sahne und einem +Korb mit Zwieback auf der Tablette. Die Gäste +waren also schon einige Zeit beisammen und hatten +das erste Glas Tee schon getrunken. Akaki Akakiewitsch +ging, nachdem er seinen Mantel eigenhändig +an die Wand gehängt hatte, ins Zimmer, und +vor seinen Augen glänzten im Nu die Kerzen, die +Beamtenuniformen, die Pfeifen und Kartentische, und +seine Ohren waren betäubt vom Lärm des Gespräches +und des Stuhlrückens. Voller Scheu blieb er in der +<span class="pagenum"><a name="Page_32">32</a></span>Mitte des Zimmers stehen und versuchte zu überlegen, +was er denn weiter jetzt tun sollte. Doch +kaum hatten ihn seine Kollegen bemerkt, als sie ihn +mit großem Geschrei umringten und gleich auch +hinaus ins Vorzimmer stürzten, um den Mantel noch +einmal zu besichtigen. Akaki Akakiewitsch war nicht +wenig verlegen, doch konnte er in seiner Einfalt nicht +anders als sich freuen, da er sah, daß alle diesen +Mantel priesen. Es versteht sich von selber, daß sie +seinen Mantel sowie auch ihn sogleich stehen ließen +und sich an die Whisttische setzten. Alles, der Lärm, +das Reden, die Menge Leute, war für den Titularrat +wie ein Traum, und er wußte nicht, wie ihm sei und +wohin er mit den Händen und Füßen und überhaupt +mit dem ganzen Körper sollte. Endlich setzte +er sich an einen Whisttisch, sah bald in die Karten, +bald von den Spielern dem oder jenem ins Gesicht, +begann zu gähnen und fühlte, daß er sich langweile, +um so mehr, als schon lange die Zeit gekommen +war, da er zu Bett zu gehen pflegte. So wollte er +sich verabschieden, doch das ließen sie nicht zu, er +sollte noch mit ihnen ein Glas Champagner zu Ehren +des neuen Mantels trinken. Nach einer Stunde wurde +auch das Abendessen serviert: Suppe, kalter Kalbsbraten, +Pastete, Kuchen und Champagner. Akaki +Akakiewitsch mußte zwei Gläser Champagner mittrinken. +Wenn er auch nach diesen fühlte, daß im +Zimmer die Heiterkeit zunehme, so konnte er dennoch +nicht vergessen, daß es schon zwölf Uhr und längst +Zeit für ihn sei, nach Hause zu gehen. Damit sie +<span class="pagenum"><a name="Page_33">33</a></span>sich aber nicht wieder etwas ausdachten, um ihn zurückzuhalten, +ging er ganz leise und unbemerkt aus +dem Zimmer und suchte nach seinem Mantel. Nicht +ohne Mitgefühl sah er diesen am Boden liegen, und +so schüttelte er ihn erst durch, nahm jedes Federchen +weg, zog ihn an und ging hinaus und die Treppe +hinunter auf die Straße. Einige kleine Branntweinläden, +diese unvermeidlichen nächtlichen Sammelpunkte +für die Türsteher und ähnliche Leute, waren +noch offen, andere, die geschlossen waren, ließen +dünne Lichtstrahlen durch alle Türritzen und bewiesen +damit, daß sie noch nicht leer wären und Bediente +hier ihren Klatsch fortsetzten und über die +Herrschaft zu Gericht säßen. Akaki Akakiewitsch ging +in heiterer Seelenstimmung, plötzlich war er sogar +ganz von selber hinter einem Dämchen her, die wie +ein Blitz an ihm vorbeigeschossen war und deren Körper +ihm so merkwürdig beweglich vorkam. Doch +blieb er bald zurück und ging wieder langsam weiter +und war selber ganz erstaunt, wie er so plötzlich +in den Trab gekommen wäre. Bald zogen sich vor +ihm jene langen, öden Straßen hin, die schon bei +Tage uns düster zu stimmen vermögen. Jetzt schienen +sie noch tiefer und einsamer; die Laternen kamen +immer seltener, immer spärlicher wurde hier anscheinend +das Öl ausgefolgt. Schon kamen die Häuser +und Zäune aus Holz. Nirgends eine Seele. Alles Licht +kam vom Schnee auf der Straße, finster kauerten die +niedrigen Hütten mit den geschlossenen Fensterläden. +Akaki Akakiewitsch kam jetzt dorthin, wo eine +<span class="pagenum"><a name="Page_34">34</a></span>Straße einen schier endlosen Platz durchschnitt, man +konnte die Häuser gegenüber nicht mehr sehen, der +Platz glich einer grauenhaften Wüste. Weit, Gott +weiß wo, leuchtete ein schwaches Feuer in einer +Bude, als welche in einem Kreis von Licht zu stehen +schien. Akaki Akakiewitschs gute Laune war weg. +Er betrat den Platz nicht ohne ein gewisses Grauen, +als ahnte sein Herz Böses. Er sah sich um und zurück +– das Meer lag um ihn. »Besser nicht umsehen,« +dachte er und ging mit geschlossenen Augen weiter, +und als er sie wieder öffnete, um zu sehen, wo er +denn wäre, sah er vor seiner Nase Leute stehen mit +Bärten; mehr konnte er nicht mehr unterscheiden. +Da wurde es plötzlich dunkel vor seinen Augen, +und er spürte einen Schlag auf seiner Brust. »Das +ist ja mein Mantel,« rief einer von den Männern und +packte den Titularrat am Kragen. Akaki Akakiewitsch +wollte nach der Wache schreien, als ihm ein +Mann eine riesige Faust in den Mund stieß und +rief: »Schrei nur!« Akaki Akakiewitsch fühlte, daß +sie ihm den Mantel von den Schultern rissen und +ihm eins mit den Knien versetzten, so daß er nach +vorn in den Schnee fiel und nichts mehr von sich +wußte. Nach einiger Zeit kam er zu sich und stand +auf, doch war niemand mehr da. Er spürte, daß der +Boden eiskalt und er ohne Mantel sei, und er wollte +rufen, doch seine Stimme erreichte nicht einmal das +andere Ende des Platzes. In seiner Verzweiflung lief +er schreiend über den ganzen Platz bis zur Bude. +Der Wachtposten stand, auf seine Hellebarde gestützt, +<span class="pagenum"><a name="Page_35">35</a></span>da und sah anscheinend nicht ohne Neugierde zu, +wer zum Teufel mit solchem Geschrei auf ihn zugelaufen +komme. Akaki Akakiewitsch schrie mit erstickter +Stimme ihn an, daß er schlafe und gar nicht +sehe, wie man die Leute vor seinen Augen beraube. Der +Wachtposten bestand darauf, daß er nichts gesehen +hätte, zum mindesten nicht mehr, als daß zwei Menschen +ihn mitten am Platz stehengelassen hätten, er +habe gemeint, es wären Freunde; der Herr sollte nur, +statt ihn hier ganz umsonst anzuschreien, morgen zur +Polizei gehen, dort werde man schon nach dem +Diebe fahnden.</p> + +<p>Akaki Akakiewitsch kam in vollständiger Unordnung +zu Hause an; sein Haar, ohnehin nur mehr +noch spärlich an der Schläfe und im Nacken, war +zerzaust; die Seite, die Brust und die Hosen waren +mit Schnee bedeckt. Seine alte Wirtin hörte ihn diesmal +anders als sonst an der Tür klopfen, sprang eilig +aus dem Bett und lief, nur mit einem Strumpfe, +ihm die Tür zu öffnen, während sie ihr Hemd +keusch an die Brust hielt; doch ließ sie dieses gleich +los, da sie den Titularrat in seiner traurigen Verfassung +erblickte. Und als sie nun vernahm, worum es sich +handle, schlug sie die Hände zusammen und meinte, +er müsse zum Polizeihauptmann, der Polizeileutnant +sei eine Schlafmütze, mache Versprechungen und ziehe +die Sache nur hinaus; sie kenne den Hauptmann, +weil Anna, die Estin, die früher bei ihr in der Küche +gewesen sei, jetzt bei ihm als Amme diene; auch sehe +sie ihn selber öfters, wenn er am Hause hier vorbeifahre, +<span class="pagenum"><a name="Page_36">36</a></span>im übrigen gehe er jeden Sonntag in die Kirche, sage +sein Gebet und sehe dabei alle Leute sehr freundlich +an, er sei jedenfalls nach allem, was man beobachten +konnte, ein guter Mensch. Akaki Akakiewitsch hörte +ihr zu und ging, ohne ein Wort zu sagen, in sein +Zimmer – wie er dort die Nacht verbracht hat, kann +sich jeder denken, der sich an die Stelle eines anderen +zu versetzen imstande ist. Am nächsten Morgen +machte er sich gleich zum Polizeihauptmann auf. +Man sagte ihm dort, der Polizeihauptmann schlafe. +Er kam um zehn Uhr wieder: er schläft noch. Um +elf Uhr hieß es, er sei nicht zu Hause. Akaki +Akakiewitsch kam um die Mittagsstunde – doch die +Schreiber wollten ihn jetzt nicht einmal hereinlassen +und mußten erst wissen, was ihn herbringe +und was überhaupt geschehen sei, so daß Akaki +Akakiewitsch endlich, wohl das erstemal in seinem +Leben, Mut bewies und in abgerissenen Sätzen erwiderte, +er müsse den Polizeihauptmann persönlich +sprechen, sie sollten es nur wagen, ihn nicht hereinzulassen, +er komme aus dem Ministerium in einer +dienstlichen Angelegenheit, er würde über sie alle, +wie sie da wären, Beschwerde führen, und sie würden +dann das Weitere schon sehen. Dagegen konnten +die Schreiber nichts mehr erwidern, und einer ging +hinaus, den Polizeihauptmann zu holen. Dieser +hatte nun eine ganz sonderbare Art, den Bericht +entgegenzunehmen. Statt auf die Hauptsache, den +Raub des Mantels, einzugehen, fragte er Akaki +Akakiewitsch, warum er so spät nach Hause gegangen +<span class="pagenum"><a name="Page_37">37</a></span>sei und ob er nicht vielleicht gar in einem verrufenen +Hause gewesen sei? so daß Akaki Akakiewitsch +ganz verlegen wurde und hinauseilte, ohne zu wissen, +ob die Angelegenheit nun ihren Weg gehen werde +oder nicht. Er ging nicht ins Amt (das einzige +Mal in seinem Leben); erst am nächsten Tag erschien +er wieder dort, bleich, verstört und mit der alten +Kapuze, die heute noch trauriger aussah. Die Kunde +vom Raub des Mantels rührte wohl die meisten seiner +Kollegen – natürlich fehlte es nicht an solchen, +die auch diesmal die Gelegenheit nicht vorübergehen +lassen wollten, sich über Akaki Akakiewitsch +lustig zu machen. Sie beschlossen auch, eine Kollekte +zu veranstalten, doch es kam nur eine Kleinigkeit +zusammen, weil sie eben große Auslagen gehabt +hatten mit dem Porträt des Direktors und einem +Buche, das sie auf Betreiben des Abteilungschefs, +einem Freunde des Verfassers, kaufen mußten. Einer +von ihnen beschloß, vom Mitleid bewegt, Akaki +Akakiewitsch wenigstens mit einem guten Rat beizustehen +und meinte, er solle nicht zum Polizeileutnant +gehen, denn es könnte vorkommen, daß +dieser, um sich beim Hauptmann beliebt zu machen, +den Mantel auf die eine oder andere Art finde, daß +der Mantel aber trotzdem auf der Polizei liegenbleibe, +es sei denn, daß er sein Eigentumsrecht auf +den Mantel gesetzlich nachzuweisen vermöchte; nun +wäre aber da eine hochstehende Persönlichkeit, an +die sollte er sich wenden, denn durch ihre Verbindungen +vermöchte diese die Sache schneller zu +<span class="pagenum"><a name="Page_38">38</a></span>betreiben, sobald sie davon erfahren hätte. Wer +gerade diese hochstehende Persönlichkeit gewesen +wäre, ist bis jetzt ebenso unbekannt geblieben wie +deren Stellung. Nur so viel war zu ermitteln, daß die +hochstehende Persönlichkeit es erst vor kurzem +geworden und bis dahin noch ganz und gar nicht +hochgestanden wäre. Natürlich im Vergleiche mit +einer noch höherstehenden ließ sich ihre Stellung +überhaupt nicht zu den hochstehenden rechnen; +aber es wird sich immer ein Kreis von Menschen +finden, für den eine nicht sehr hochstehende Persönlichkeit +eben schon eine sehr hochstehende ist. Selbstverständlich +suchte sie ihre hohe Bedeutung auf +alle Weise und mit allerlei Mitteln zu bekräftigen; +so z. B. führte sie ein, daß die niederen Beamten +ihr bis zur Stiege entgegengingen, sooft sie im Amt +erschien; daß ferner niemand es wagen dürfe, direkt +vor ihr zu erscheinen, sondern daß es in folgender +Reihenfolge vor sich gehen sollte: der Registrator +übernimmt das Gesuch und übermittelt es dem +Gouvernementssekretär, dieser dem Titularsekretär, +und so auf diesem und gar keinem anderen Wege +könne eine Sache bis zu ihr gelangen. So ist eben +im heiligen Rußland alles mit Nachäfferei angesteckt, +und jeder tuts seinem Vorgesetzten nach und nicht +anders. Als ein Titularrat Direktor einer kleinen +Kanzlei wurde, soll er sich, so erzählt man, sofort +ein eigenes Zimmer haben abstecken lassen, das er +Dienstzimmer nannte; vor die Tür stellte er zwei +Diener mit roten Kragen und goldnen Tressen, sie +<span class="pagenum"><a name="Page_39">39</a></span>hatten jedem Hereinkommenden die Tür zu öffnen, +und dabei konnte man im Zimmer mit Mühe mehr +als einen Tisch unterbringen. Die Empfänge und +überhaupt alle Gewohnheiten der hochstehenden +Persönlichkeit waren sehr majestätisch, aber durchaus +nicht unkompliziert. Ihr System war Strenge. +»Nur Strenge und noch einmal und immer wieder +Strenge,« sagte sie bei jeder Gelegenheit, und beim +letzten Worte pflegte sie jedesmal dem, mit dem sie gerade +sprach, höchst bedeutsam ins Gesicht zu blicken +– obwohl natürlich zu besonderer Strenge nicht die +geringste Ursache vorhanden war, denn die zehn Beamten, +die den Mechanismus ihrer Kanzlei bildeten, +kamen ohnehin nie ganz aus der Furcht heraus; sobald +sie ihrer nur ansichtig wurden, ließen sie die Arbeit +liegen und standen auf und warteten, bis sie an ihnen +vorbei wäre. Ihre übliche Ansprache an die Untergebenen +war eben auch ganz durch jene Strenge gekennzeichnet +und bestand im Grunde nur aus den +drei Sätzen: »Wie können Sie es wagen? Wissen Sie, +mit wem Sie reden? Wissen Sie, wer vor Ihnen steht?« +Dabei war er im Innersten seines Herzens ein guter +Kerl, freundlich zu seinen Kameraden, gefällig; der +Generalsrang hatte ihn eben ganz aus der Fassung +gebracht. Er wurde durch diesen Titel in der Tat +ganz verdreht, kam aus dem Geleise und wußte gar +nicht mehr, wie ihm wäre. Mit Gleichgestellten gab +er sich wie er ist – als anständigen, in vieler Beziehung +gar nicht dummen Menschen; fanden sich +aber in der Gesellschaft Leute, die auch nur um eine +<span class="pagenum"><a name="Page_40">40</a></span>einzige Stufe niedriger waren als er, war er wie verwandelt: +er schwieg und schwieg, und seine Lage +weckte um so mehr Bedauern, als er selber fühlte, +daß er seine Zeit unvergleichlich angenehmer zubringen +könnte. Man konnte ihm ja den Wunsch +von den Augen ablesen, sich in ein interessantes Gespräch +zu mischen oder einem Kreise beizugesellen, +doch stets hielt ihn der Gedanke zurück: Wird es +nicht von seiner Seite zu viel sein, wird es nicht familiär +erscheinen, wird er dadurch nicht seiner Stellung +schaden? Die Folge davon war, daß er ewig an ein +und derselben Stelle wie angenagelt dastand, keinen +Ton von sich gab und also sich den Ruf eines höchst +langweiligen Menschen erwarb.</p> + +<p>Vor dieser hochstehenden Persönlichkeit erschien +also Akaki Akakiewitsch im allerungünstigsten Augenblicke, +will sagen: höchst ungünstig für sich selber, +denn in einem gewissen Sinne kam er der hochstehenden +Persönlichkeit ganz gelegen. Die hochstehende +Persönlichkeit war in ihrem Kabinett und +unterhielt sich sehr angeregt mit einem alten Bekannten +und Jugendgespielen, der vor kurzem hier +eingetroffen war und den sie lange nicht gesehen +hatte. Und gerade in diesem Augenblicke mußte +auch der Diener melden, daß ein gewisser Baschmatschkin +draußen warte. Der General fragte sehr +scharf: »Wer?« Die Antwort: »Ein Beamter.« »Er +soll warten, ich habe jetzt keine Zeit.« Hier muß +ich gleich bemerken, daß die hochstehende Persönlichkeit +da ganz einfach log, sie hatte Zeit; die beiden +<span class="pagenum"><a name="Page_41">41</a></span>Freunde hatten längst alles durchgesprochen und +schon seit einiger Zeit die Unterhaltung mit leeren +Phrasen zu füllen gesucht, wie: »Ja, ja, Iwan, so war +es nun einmal!« oder »Stefan, es geht nicht anders auf +der Welt,« einander abwechselnd auf die Schultern +klopfend. Aber trotzdem ließ sie den Beamten warten, +damit nämlich der Jugendgespiele, der seit langem +nicht mehr diente und auf dem Dorfe lebte, erfahre, +wie lange hier die Beamten im Vorzimmer zu warten +verstünden. Erst nachdem sie sich, jeder an seiner Zigarre +ziehend, in den sehr breiten, bequemen Fauteuils +sattgeredet, vielmehr ausgeschwiegen hatten, fiel der +hochstehenden Persönlichkeit wie von ungefähr etwas +ein, und sie sagte zum Sekretär, der bei der Tür +mit Schriften stand: »Draußen, scheint es, steht ein +Beamter. Sagen Sie ihm, er kann herein!« Da sie nun +das demütige Gesicht des Akaki Akakiewitsch und +dessen abgetragene Uniform sah, kehrte sie sich ihm +zu und schrie ihn ohne weiteres an: »Was wollt Ihr?« +Mit ihrer schneidenden, harten Stimme, die sie zu +Hause im Zimmer ganz allein vor dem Spiegel geprobt +hatte, eine Woche schon, bevor sie ihren jetzigen +Posten und den Generalsrang erhalten hatte. Akaki +Akakiewitsch fühlte auch so die gebührende Ehrfurcht, +war gleich verwirrt und erzählte, soweit +Redefreiheit ihm erlaubt war, daß sein Mantel ganz +neu, daß er auf eine ganz unmenschliche Weise beraubt +worden wäre, daß er sich jetzt an seine Exzellenz +wende, damit seine Exzellenz durch ihre Fürsprache +etwa … damit sie sich in Verbindung setze mit dem +<span class="pagenum"><a name="Page_42">42</a></span>Herrn Oberpolizeimeister oder sonst jemandem von +der Polizei und auf diese Weise nach dem Mantel +gesucht werde. Seiner Exzellenz erschien nun diese +Sprache zu familiär. »Was heißt denn das, mein Herr,« +unterbrach er ihn, »kennen Sie nicht die Vorschrift? +Wohin sind Sie denn überhaupt gekommen? Wissen +Sie nicht, wie man in einem solchen Falle vorzugehen +hat? Sie hätten zuerst ein Bittgesuch in der Kanzlei +einreichen sollen, so wäre es zuerst in die Hände des +Kanzleivorstehers gekommen, dieser hätte es dem +Sekretär übergeben, und der Sekretär hat es dann +mir einzuhändigen.«</p> + +<p>»Ach, Eure Exzellenz,« erwiderte Akaki Akakiewitsch, +indem er alles, was er an Mut in seiner Seele +barg, herausholte und fühlte, daß er ganz entsetzlich +schwitze, »ich war so frei, Eure Exzellenz selber +damit zu belästigen, weil die Sekretäre … weil sich +auf die Sekretäre doch kein Mensch auf der Welt +verlassen kann!«</p> + +<p>»Was, was, was?« rief die hochstehende Persönlichkeit. +»Woher dieser Geist? Woher solche Gedanken? +Welcher Geist des Aufruhrs unter den +jungen Leuten gegen ihre Vorgesetzten!« (Die hochstehende +Persönlichkeit schien gar nicht zu bemerken, +daß Akaki Akakiewitsch schon seine fünfzig Jahre +beisammen hatte und daß er nur im Vergleiche zu +einem Siebzigjährigen etwa noch jung genannt werden +konnte.) »Wissen Sie, zu wem Sie reden? Wissen +Sie, wer vor Ihnen steht? Wissen Sie das oder nicht, +frage ich?« Hier stampfte die Exzellenz mit dem +<span class="pagenum"><a name="Page_43">43</a></span>Fuße auf den Boden und schrie so laut, daß sich +auch ein anderer als Akaki Akakiewitsch gefürchtet +hätte. Akaki Akakiewitsch verging vor Angst, zitterte +am ganzen Körper und konnte sich kaum auf den +Beinen erhalten; wenn die Diener ihn nicht gehalten +hätten, wäre er zu Boden gesunken; sie trugen ihn +wie leblos heraus. Die hochstehende Persönlichkeit, +zufrieden damit, daß der Erfolg ihre Erwartungen +übertroffen, ja berauscht von dem Gedanken, daß +ein Wort von ihr einen Menschen des Bewußtseins +zu berauben vermochte, sah den Freund von der +Seite an, um sich zu vergewissern, wie dieser sich +dabei benehme, und sie sah nicht ohne Vergnügen, +daß dieser Freund sich äußerst unbehaglich fühlte +und seinerseits auch schon Angst zu spüren begann.</p> + +<p>Wie er die Treppe herunter, wie er weiter auf die +Straße gekommen sei, daran konnte Akaki Akakiewitsch +sich nicht erinnern. Er spürte weder Hand +noch Fuß; in seinem ganzen Leben war er noch nicht +von einem General angeschrien worden, noch dazu +von einem fremden. Auf der Straße wehte der +Schnee, Akaki Akakiewitsch ging mit offenem Mund, +der Wind blies wie immer in Petersburg von allen +vier Seiten, im Nu hatte er sich erkältet, so kam er +zu Hause an, ohne die Kraft zu haben, auch nur ein +Wort zu sagen. Er fror und legte sich ins Bett. +Den nächsten Tag lag er im Fieber. Dank dem +großmütigen, hilfsbereiten Petersburger Klima schritt +die Krankheit schneller vor, als man sonst hätte erwarten +dürfen, und nachdem der Doktor ihm den +<span class="pagenum"><a name="Page_44">44</a></span>Puls gefühlt hatte, fand er nichts anderes mehr zu +tun vor, als ein Rezept zu schreiben, nur damit der +Kranke nicht ganz ohne die wohltätige Hilfe der +Medizin sei, und erklärte ihm auch, daß er nicht mehr +als höchstens zwei Tage werde zu leben haben; und sich +zur Wirtin kehrend, setzte er hinzu: »Und Ihr, Alte, +verliert nur keine Zeit und bestellt lieber gleich einen +Sarg aus Fichtenholz; einer aus Eiche ist für ihn sowieso +zu teuer.« Hatte Akaki Akakiewitsch diese +für ihn so überaus trostreichen Worte gehört oder +nicht, haben sie ihn zu erschüttern vermocht, bedauerte +er jetzt sein sorgenreiches, erbärmliches Leben +– niemand vermag es zu sagen, denn Akaki Akakiewitsch +befand sich die ganze Zeit über im Delirium. +Ein Gesicht nach dem anderen ohne Unterbrechung +jagte durch sein Gehirn: Petrowitsch erschien ihm, +und er bestellte bei ihm einen Mantel, in- und auswendig +voll von Fallen gegen die Diebe; diese lagen +unter dem Bett, und er schrie nach der Wirtin, sie +sollte einen von ihnen unter seiner Bettdecke, wohin +dieser schon geraten sei, hervorziehen. Dann fragte +er, warum vor ihm die alte Kapuze hänge, da er +jetzt doch einen neuen Mantel besäße; auch schien +ihm, er stünde vor dem General und ließ sich herunterreißen +und sagte nur immer wieder: Verzeihung, +Exzellenz, Verzeihung! Dann wieder fluchte er und +nahm so entsetzliche Worte in den Mund, daß sich +die Wirtin bekreuzigte; noch nie hatte sie solche +Worte aus diesem Munde vernommen, und jetzt +folgten diese Flüche stets unmittelbar auf: »Eure +<span class="pagenum"><a name="Page_45">45</a></span>Exzellenz«. Später sprach er nur mehr noch ganz +sinnloses Zeug, man konnte nur unterscheiden, daß +sie alle sich um ein und denselben Mantel drehten. +Endlich gab der arme Akaki Akakiewitsch seinen +Geist auf.</p> + +<p>Weder seine Zimmer noch irgendwelche Sachen +darin wurden mit dem staatlichen Siegel versehen, +denn erstens hatte er keine Erben und zweitens +hinterließ er nur sehr wenig und zwar: ein Bündelchen +mit Gänsefedern, ein Buch Amtspapier, drei Paar +Socken, zwei bis drei abgerissene Hosenknöpfe und +dann die dem Leser bekannte Kapuze. Wem das +alles blieb, weiß Gott; ich gestehe, daß ich mich auch +weiter darum nicht gekümmert habe.</p> + +<p>Sie trugen Akaki Akakiewitsch heraus und begruben +ihn. Und Petersburg blieb nun ohne Akaki +Akakiewitsch, als wie wenn er niemals in dieser Stadt +gelebt hätte. Mit ihm schwand hin und verbarg sich +für ewig ein Geschöpf, das keines Menschen Schutz +genossen hatte, niemandem teuer und für niemand +von irgendwelchem Interesse und nicht einmal die +Aufmerksamkeit eines Naturforschers auf sich zu +ziehen imstande war, als welcher es ja nicht einmal +verschmäht, eine gemeine Fliege aufzuspießen und +unter dem Mikroskop zu betrachten – ergeben hatte er +den Hohn seiner Kollegen ertragen und stieg, ohne +irgendeine außerordentliche Tat verrichtet zu haben, +ins Grab hinab. Doch auch er ist einmal, ganz kurz +vor seinem Lebensende, im Licht gestanden, und der +Mantel hatte für einen Augenblick sein armseliges +<span class="pagenum"><a name="Page_46">46</a></span>Leben reich gemacht, und dann fiel ihn das Unglück +an, nicht anders als es die Mächtigen der Erde anfällt.</p> + +<p>Einige Tage nach seinem Tode wurde aus dem +Ministerium ein Diener in sein Quartier geschickt +mit dem Befehle, sofort zu erscheinen, der Vorstand +will es; doch kam der Amtsdiener ohne ihn zurück +mit der Antwort, Akaki Akakiewitsch könne nicht +mehr kommen. Auf die Frage: warum? erwiderte +er: »Darum, er ist tot; vor vier Tagen haben sie +ihn begraben.« So erfuhren sie im Amte den Tod +des Akaki Akakiewitsch, und am nächsten Tage saß +schon ein neuer an seiner Statt; dieser war viel größer +und schrieb die Buchstaben bei weitem nicht mehr +in so gerader Linie, sondern eben viel schiefer.</p> + +<p>Doch wer kann sich vorstellen, daß hier noch +nicht alles von Akaki Akakiewitsch gesagt ist, daß +dieser vielmehr verurteilt war, noch einige Tage fortzuleben +nach seinem Tode, gleichsam zum Ersatz +dafür, daß sein Leben so unbemerkt geblieben war. +Es hatte sich jedenfalls so zugetragen, und unsere +nüchterne Erzählung nimmt jetzt ganz unerwartet +ein phantastisches Ende.</p> + +<p>In Petersburg entstand plötzlich das Gerücht, +daß in der Umgebung der Kalinkinbrücke sich nachts +ein Gespenst zeige, es gleiche einem Beamten, der +so tue, als ob er einen Mantel suchte, den man ihm +genommen hätte, und nun von allen Schultern, ohne +Unterschied des Ranges und Berufes, in der Meinung, +es sei sein eigener, alle Mäntel reiße, ob diese nun mit +<span class="pagenum"><a name="Page_47">47</a></span>Katzen-, Biber-, Fuchs-, Nerz- oder Bärenfell oder +auch nur mit Watte gefüttert wären. Ein Ministerialbeamter +sah mit eigenen Augen das Gespenst und +erkannte in ihm sofort Akaki Akakiewitsch, und er +bekam davon einen solchen Schrecken, daß er auf +und davon stürzte, das Gespenst nicht genauer +betrachten konnte und nur sah, wie dieses ihm mit +dem Finger drohte. Von allen Seiten liefen Klagen +ein, daß nicht nur Titular-, sondern auch Hofräte +von einer tüchtigen Erkältung befallen wären, weil +ihnen der Pelz von den Schultern gerissen worden +wäre. Die Polizei machte Anstalten, des Gespenstes +tot oder lebendig habhaft zu werden und hatte den +Beschluß gefaßt, dieses aufs strengste, anderen zur +Warnung, zu bestrafen, doch blieb jede Bemühung +ohne Erfolg. Einmal hatte ein Wachtposten in der +Kiryschkingasse das Gespenst schon am Kragen, gerade +im Augenblicke, als dieses einem verabschiedeten +Musikanten, der seinerzeit die Flöte geblasen hat, +den Mantel rauben wollte. Er hatte es schon, sage +ich, fest und rief nur zwei Kameraden, die sollten +ihn halten, solange bis er aus dem Stiefel seine Tabaksdose +gezogen hätte, um seine mindestens schon sechsmal +erfrorene Nase zu erfrischen, doch war der Tabak +derart, daß ihn nicht einmal ein Gespenst aushalten +konnte. Kaum hatte der Wachtposten, mit dem Finger +das rechte Nasenloch zuhaltend, ins linke den +Schnupftabak gezogen, als das Gespenst so heftig +zu niesen begann, daß es nur so in aller drei Augen +spritzte. Und so, während sie sich noch die Augen +<span class="pagenum"><a name="Page_48">48</a></span>rieben, verschwand das Gespenst, und sie wußten +später nicht einmal, ob sie es wirklich in Händen +gehabt hätten oder nicht. Seitdem hatten die Wachtposten +alle eine solche Furcht vor Gespenstern, daß +sie es nicht mehr wagten, diese lebend zu fangen, +und ihnen nur von weitem zuriefen: »Du, geh du +nur deines Weges!« und das Gespenst des Titularrats +sich jetzt schon jenseits der Kalinkinbrücke zeigte +und dort allen furchtsamen Leuten keine geringe +Angst einjagte.</p> + +<p>Doch wir haben ganz und gar die hochstehende +Persönlichkeit sitzen lassen, die doch in Wirklichkeit +die Ursache davon war, daß unsere wahre Geschichte +nun eine so phantastische Richtung genommen hat. +Zunächst sind wir es der Gerechtigkeit schuldig +zu berichten, daß sie bald nachdem seinerzeit der +arme, heruntergerissene Akaki Akakiewitsch herausgegangen +war, etwas wie Bedauern fühlte. Mitleid +war ihr ja nicht fremd: ihr Herz war guter Regungen +entschieden fähig, wenn sie auch ihr Rang meist daran +hinderte, diese zu äußern. Sowie sie aber ihr Freund +verlassen hatte, fing sie an, sich über den armen Akaki +Akakiewitsch Gedanken zu machen. Und seitdem +sah er jeden Tag im Geiste den bleichen Titularrat +vor sich, niedergedrückt von seinem Verweis. Ja der +Gedanke an ihn beunruhigte ihn so, daß er nach +einer Woche beschloß, zu ihm einen Beamten zu +schicken, um zu erfahren, wer er denn sei und in +welcher Lage, und ob man nicht etwas für ihn tun +könnte; und als ihm berichtet wurde, daß Akaki +<span class="pagenum"><a name="Page_49">49</a></span>Akakiewitsch kurz darauf an Fieber gestorben wäre, +war er ganz betroffen, fühlte Gewissensbisse und +konnte den ganzen Tag nicht in Stimmung kommen.</p> + +<p>Doch er wollte sich ein wenig zerstreuen und +den peinlichen Eindruck vergessen, und darum +fuhr er abends zu einem seiner Kameraden, wo er +Leute aus der guten Gesellschaft vorfand und, was +noch wichtiger war, alle beinahe denselben Rang +hatten, so daß er sich ganz frei bewegen konnte. +Und das hatte eine wunderbare Wirkung auf sein +Gemüt. Er war aufgeweckt, war sehr zuvorkommend +im Gespräche, liebenswürdig – mit einem +Worte, verbrachte den Abend äußerst angenehm. +Zum Souper trank er zwei Gläser Champagner – +bekanntlich kein schlechtes Mittel, die Heiterkeit +zu heben. Sie machten ihn zu tollen Streichen +aufgelegt, das heißt: er beschloß, nicht nach Hause, +sondern zu einer ihm bekannten Dame, Katharina +Iwanowa, zu fahren, einer Deutschen, zu der +er in sehr freundschaftlichen Beziehungen stand. +Es muß noch gesagt werden, daß die hochstehende +Persönlichkeit nicht mehr sehr jung, ein sehr guter +Gatte und sehr ehrbarer Familienvater war. Zwei +Söhne, von denen einer schon in der Kanzlei Dienst +tat, und eine liebliche, sechzehnjährige Tochter mit +einer hübschen, ein wenig gebogenen Nase gaben +ihm jeden Morgen einen Kuß und sagten »bonjour, +papa«. Seine Gattin, die weder alt noch häßlich +war, reichte ihm jedesmal zuerst ihre Hand zum +Kusse und küßte dann das Innere der Hand ihres +<span class="pagenum"><a name="Page_50">50</a></span>Gatten. Trotzdem also die hochstehende Persönlichkeit +mit den häuslichen Zärtlichkeiten sich durchaus +zufrieden geben konnte, fand sie es doch sehr schicklich, +für ihre Freundschaftsbedürfnisse eine Freundin +in einem anderen Stadtteil zu haben. Diese war +weder hübscher noch jünger als seine Frau, aber es +gibt nun schon solche Rätsel im Leben der Menschen, +und die zu lösen ist hier nicht meine Aufgabe. Die +hochstehende Persönlichkeit ging also die Stiege +hinab, setzte sich in den Schlitten und rief dem +Kutscher zu: »Zu Katharina Iwanowa!« In ihren +kostbaren, warmen Mantel eingewickelt, befand sie +sich in der Gemütslage, die jeder Russe für die +glücklichste hält, das heißt: er selber denkt an nichts, +während so ein angenehmer Gedanke nach dem +anderen ihm durch den Kopf geht, ohne daß er die +Mühe hätte, nach ihnen zu jagen und sie zu suchen. +Seine Exzellenz dachte an die Gesellschaft, aus der sie +kam, erinnerte sich an alle die treffenden Aussprüche, +mit welchen sie den ganzen Kreis zum Lachen gebracht +hatte; einige wiederholte sie jetzt halblaut vor sich +und fand, daß sie eben noch so witzig wären wie +vorhin und daß es darum gar nicht dumm sei, wenn +sie selber darüber gelacht habe. Nur zuweilen störte +ihre gute Stimmung ein heftiger Windstoß, der sie, +Gott weiß woher und warum, plötzlich überfiel, +ihr ins Gesicht Schneeflocken trieb und den Mantelkragen +ganz wie ein Segel blähte und diesen ihr +mit unnatürlicher Kraft um den Kopf schlug, so daß +ihre Kraft kaum reichte, sich da herauszuarbeiten. +<span class="pagenum"><a name="Page_51">51</a></span>Doch da fühlte sie schon, daß jemand sie sehr fest +am Kragen packe. Sie drehte sich um, sah einen +Menschen von kleinem Wuchs in einer alten, abgetragenen +Uniform, und erkannte in ihm nicht +ohne Schrecken Akaki Akakiewitsch. Das Gesicht +des Beamten war bleich wie Schnee, und er blickte +wie ein Toter. Doch der Schrecken der hochstehenden +Persönlichkeit war ohne Grenzen, da sie sah, daß +der Mund des Toten sich auftat und, indem er +einen entsetzlichen Leichengeruch ausströmte, die +Worte sprach: »Da bist du endlich. Jetzt habe ich +dich … Deinen Mantel brauche ich! Du hast dich +nicht um meinen gekümmert, du hast mich heruntergerissen! +Jetzt her mit deinem!«</p> + +<p>Die hochstehende Persönlichkeit wäre vor Schreck +beinahe gestorben. Wenn sie in der Kanzlei auch +viel Mut besaß und jeder, der ihr männliches Gesicht +und ihre Figur ansah, ausrief: O was für ein +Kerl! doch jetzt empfand sie gleich vielen Riesen eine +solche Angst, daß sie nicht ohne Grund für ihre +Gesundheit fürchtete. Sie selber nahm von ihrer +Schulter den Mantel und schrie dem Kutscher zu: +»Nach Hause, so schnell du kannst!« Da der Kutscher +die Stimme hörte, die gewöhnlich so nur in +sehr entschlossenen Augenblicken tönte und dann +meist von etwas begleitet war, das sehr handgreiflich +war, duckte er seinen Kopf, schwang die Peitsche +und kehrte wie der Blitz um. In sechs Minuten war +die hochstehende Persönlichkeit schon vor der Einfahrt +ihres Hauses. Bleich, geängstigt, ohne Mantel +<span class="pagenum"><a name="Page_52">52</a></span>fuhr sie also statt bei Katharina Iwanowa bei sich +selber vor, stahl sich irgendwie in ihr Zimmer und +brachte dort die Nacht in solcher Unruhe zu, daß +am nächsten Morgen beim Tee das Töchterchen zu +ihr sagte: »Du bist aber bleich heute, Papa.« Doch +Papa schwieg und sprach zu niemandem ein Wort +von dem, was sich mit ihm zugetragen hätte, wo er +gewesen wäre und wohin er fahren wollte. Das Erlebnis +machte auf ihn einen starken Eindruck. Er +redete schon bedeutend seltener seine Untergebenen +an mit dem bekannten: Wie können Sie es wagen? +Wissen Sie, wer vor Ihnen steht? Und wenn es schon +nicht anders ging, so geschah es doch niemals, bevor +er nicht gehört hätte, worum es sich <ins title="handelte">handelte.</ins></p> + +<p>Aber noch bemerkenswerter erscheint mir, daß +sich seitdem das Gespenst nicht mehr gezeigt hat. +Anscheinend hatte ihm der Generalsmantel vollkommen +gepaßt; zum mindesten hat man nicht mehr +von Fällen gehört, daß nachts Mäntel von den +Schultern der Passanten gerissen worden wären. +Natürlich ließen sich einige geschäftige Leute nicht +beruhigen und erzählten, in entfernten Stadtteilen +hätte sich das Gespenst des Beamten wieder gezeigt. +Und ein Wachtposten hat sogar mit eigenen Augen +gesehen, wie die Erscheinung aus einem Hause gekommen +sei, doch da er eher schwach von Kräften +war – so daß ihn einmal ein gewöhnliches ausgewachsenes +Schwein, das aus einem Hof gestürzt kam, +umwarf zum größten Gelächter der umstehenden +Droschkenkutscher, von denen er sich dann einen +<span class="pagenum"><a name="Page_53">53</a></span>Groschen für Tabak ausbat, weil sie Spott mit ihm +getrieben hätten – ich sage, da er eher schwach +von Kräften war, wagte er nicht, es anzuhalten, vielmehr +ging er ihm in der Finsternis nach so lange, bis +sich das Gespenst plötzlich umdrehte und ihn fragte, +was er eigentlich von ihm wolle, und ihm dabei eine +solche Faust zeigte, wie man sie an Lebendigen nicht +sieht. Der Wachtposten antwortete nur: »Nichts!« +und drehte im Augenblick um. Nur war das Gespenst +viel größer als der Titularrat und trug einen +ungeheuren Schnurrbart. Es ging mit großen Schritten +auf die Obuchoffsche Brücke zu und verschwand +dort endgültig im Dunkel der Nacht.</p> + + + +<div class="new-h2"> </div> +<p><span class="pagenum"><a name="Page_54">54</a></span></p> +<h2>Nachwort</h2> + + +<p class="dropcap"><span class="first-word">Dostojewski</span> schreibt an einen Freund: »Wir +alle kommen aus dem <span class="gesperrt">Mantel</span>.« Aus diesem Satze +erhellt deutlich die Bedeutung dieser unvergleichlichen +Erzählung. Es handelt sich hier nicht um eine neue +Kunstform oder eine neue Stimmung, vielmehr ganz +und gar um einen neuen Menschen. Was die Fresken +Masaccios für die Renaissance bedeuten, das bedeutet +Gogols »Mantel« für die großen Erzähler des russischen +Volkes. In Dostojewskis »Karamasows« hat +das, was im »<span class="gesperrt">Mantel</span>« begonnen wurde, sein Ende +und sein größtes Maß erreicht. Der Mensch im +»Mantel« erst ist die völlige Überwindung des +Menschen des achtzehnten Jahrhunderts, er ist es +und nicht die Romantiker oder Edgar A. Poe oder +der Mensch Balzacs.</p> + +<p class="right">R. K.</p> + +<p class="center gesperrt" style="width: 33em; font-size: 0.8em; margin: 10em auto; padding-top: 0.2em; padding-left: 0.2em; border-top: 1px solid black;">Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei, Leipzig</p> + +<h2 style="width: 18em; margin: 1.5em auto; font-size: large; font-style: italic; padding-bottom: 0.2em; border-bottom: 3px double black;">Im Insel-Verlag zu Leipzig erschienen:</h2> + +<div id="ads"> +<p>TAUSEND UND EINE NACHT. Aus der von +<i>Felix Paul Greve</i> besorgten vollständigen Ausgabe +ausgewählt von <i>Paul Ernst</i>. Doppeltitel, Initialen und +Einbandzeichnung von <i>Marcus Behmer</i>. Vier Bände. +In Halbleinen mit Überzug nach Zeichnung von +<i>Marcus Behmer</i> 16 M.; in Leder 28 M.</p> + +<p class="description dropcap">Durch unsere vollständige Ausgabe erhielt der deutsche +Leser zum erstenmal einen Begriff von der echten Dichtung +der Tausend und ein Nächte, die bisher nur in Bearbeitungen +bei uns bekannt war. Auch die neue Insel-Auswahl beruht auf +der vollständigen Übertragung und ist wirklich Auswahl, nicht +aber Kürzung und Bearbeitung.</p> + +<hr/> + +<p>DIE ERZÄHLUNGEN AUS DEN TAUSEND +UND EIN NÄCHTEN. Erste vollständige deutsche +Ausgabe in zwölf Bänden, auf Grund der Burtonschen +englischen Ausgabe besorgt von <i>Felix Paul +Greve</i>. Mit einer Einleitung von <i>Hugo von Hofmannsthal</i> +und einer Abhandlung von Professor <i>Karl +Dyroff</i> über Entstehung und Geschichte des Werkes. +Titel- und Einbandzeichnung von <i>Marcus Behmer</i>. +Geheftet 60 M.; in Leinen 72 M.; in Leder 84 M.</p> + +<hr/> + +<p>TAUSEND UND EIN TAG. Orientalische Erzählungen. +Ausgewählt und eingeleitet von <i>Paul +Ernst</i>. Übertragen von <i>Felix Paul Greve</i> und <i>Paul +Hansmann</i>. Titel- und Einbandzeichnung von <i>Marcus +Behmer</i>. Vier Bände. In Leinen 20 M.; in Leder 28 M.</p> + +<p class="description dropcap">Eine Sammlung, die die besten derjenigen Märchen und Erzählungen +enthält, die in 1001 Nacht fehlen. Hermann Hesse +im »März«: Wer Tausend und eine Nacht liebt, wird die Aussicht +auf weitere vier Bände solcher orientalischer Geschichten +mit heller Freude begrüßen.</p> + +<hr/> + +<p>DOSTOJEWSKI: SCHULD UND SÜHNE. +Deutsch von <i>H. Röhl</i>. In Leinen 3 M.; in Leder 5 M.</p> + +<hr/> + +<p>MICHAEL LERMONTOFF: EIN HELD UNSERER +ZEIT. Ein Roman. Übertragung von <i>Michael +Feofanoff</i>. In Leinen 4 M.; in Leder 5 M.</p> + +<hr/> + +<p>JWAN TURGENJEFF: GEDICHTE IN PROSA. +Übertragen von <i>Th. Comichau</i>. <i>Zweite Auflage.</i> In +Leinen 3 M.; in Leder M. 3.50.</p> + +<hr/> + +<p>JWAN TURGENJEFF: VÄTER UND SÖHNE. +Roman. In der vom Dichter selbst revidierten Übertragung. +In Leinen 3 M.; in Leder 5 M.</p> + +<hr/> + +<p>GUSTAVE FLAUBERT: FRAU BOVARY. Rom. +Übertrag. v. <i>A. Schurig</i>. In Leinen 3 M.; in Leder 5 M.</p> + +<hr/> + +<p>GUSTAVE FLAUBERT: SALAMBO. Roman. +Übertragen von <i>A. Schurig</i>. In Leinen 3 M.; in +Leder 5 M.</p> + +<hr/> + +<p>GUSTAVE FLAUBERT: DIE LEGENDE VON +ST. JULIAN DEM GASTFREIEN. Deutsch von +<i>Ernst Hardt</i>. In Pappband M. –.50.</p> + +<hr/> + +<p>ABBÉ PRÉVOST D'EXILES: GESCHICHTE +DER MANON LESCAUT UND DES CHEVALIER +DES GRIEUX. Deutsche Übertragung von +<i>Julius Zeitler</i>. Mit 4 Vollbildern von <i>Fr. von Bayros</i>. +<i>2. Auflage.</i> In Halbleder M. 6.50, in Leder M. 7.50.</p> + +<hr/> + +<p>HENRI MURGER: DIE BOHÊME. Szenen aus +dem Pariser Künstlerleben. Mit Titelzeichnung und +fünf Vollbildern von <i>Franz von Bayros</i>. <i>Zweite Auflage.</i> +In Leinen 6 M., in Leder M. 8.50. – Nichtillustrierte +Ausgabe: in Leinen 3 M., in Leder 5 M.</p> +</div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Der Mantel, by Nicolaj Gogol + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MANTEL *** + +***** This file should be named 27973-h.htm or 27973-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/2/7/9/7/27973/ + +Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online +Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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