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+The Project Gutenberg EBook of Der Mantel, by Nicolaj Gogol
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Mantel
+ Eine Novelle
+
+Author: Nicolaj Gogol
+
+Translator: Rudolf Kassner
+
+Release Date: February 3, 2009 [EBook #27973]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MANTEL ***
+
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+
+Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+ ]
+
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+
+
+ DER MANTEL
+
+
+ Eine Novelle
+ von
+ Nicolaj Gogol
+
+
+
+ Ins Deutsche übertragen
+ von
+ Rudolf Kassner
+
+
+ Im Insel-Verlag zu Leipzig
+
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+In einer Ministerialabteilung -- besser ich nenne sie nicht, denn
+es gibt nichts Empfindlicheres als unsere Beamten, Offiziere und
+Kanzlisten. Heute fühlt wirklich schon jeder Privatmensch in seiner
+Person die ganze Gesellschaft beleidigt. Da soll neulich der Bericht
+eines Polizeihauptmannes -- ich weiß nicht mehr aus welcher Stadt --
+vorgelegen haben, worin dieser breit ausführt, daß die kaiserlichen
+Verordnungen allenthalben nichts mehr gelten und der geheiligte Name
+eines Polizeihauptmannes mit unverhohlener Verachtung ausgesprochen
+werde, und zum Beweis legte er dem Bericht einen dickleibigen Roman bei,
+allwo auf jeder zehnten Seite ein Polizeihauptmann in völlig betrunkenem
+Zustande erscheint. Um also Unannehmlichkeiten zu vermeiden, nenne ich
+die Ministerialabteilung, um die es sich hier handelt, lieber =eine=
+Ministerialabteilung, irgendeine ...
+
+In einer Ministerialabteilung also diente ein Beamter, irgendeiner. Man
+kann nicht gut sagen, er hätte herausgeragt aus der Schar der anderen,
+denn er war klein, pockennarbig, rothaarig, kurzsichtig, hatte eine
+Glatze und kleine verrunzelte Bäckchen, und aus seiner Gesichtsfarbe
+konnte man auf Hämorrhoiden schließen. Doch dagegen ist nichts zu
+machen. Schuld trägt das Petersburger Klima. Um seinen Rang nicht zu
+vergessen, da man bei uns vor allem den Rang angeben muß -- er war das,
+was man einen ewigen Titularrat nennt, über welchen sich bekanntlich
+hier schon verschiedene Schriftsteller lustig gemacht haben; diese
+können nun einmal nicht von der Gewohnheit lassen, gerade auf solche
+Leute loszugehen, die sich nicht wehren können. Er hieß Baschmatschkin,
+und sein Vorname lautete Akaki Akakiewitsch. Es ist wohl möglich, daß
+letzterer dem Leser merkwürdig und ein wenig gesucht erscheine, doch ich
+kann ihm versichern, daß nach diesem Namen in Wirklichkeit nicht gesucht
+worden war, daß vielmehr Umstände eingetreten waren, die jeden anderen
+ausschlossen, und das hatte sich so zugetragen. Akaki Akakiewitsch
+wurde, wenn ich mich recht erinnere, in der Nacht des 23. März geboren.
+Seine selige Mutter, eine Beamtenfrau und ein überaus braves Weib,
+machte, wie sich das gehört, sofort Anstalten, daß das Kind getauft
+werde. Sie lag noch im Bett, und rechts von ihr stand der Pate
+Iwan Iwanowitsch Jeroschkin, Abteilungschef im Senat und ein ganz
+ausgezeichneter Mann, und die Patin Arina Semenowa Bjelobruschowa, die
+Gattin eines Polizeileutnants und zudem mit seltenen Tugenden begabt.
+Pate und Patin ließen der Wöchnerin die Wahl zuerst unter folgenden drei
+Namen: Mokia, Sossia und Chosdadat, der Märtyrer, doch sie wollte nicht:
+»Nein, das sind alles so Namen.« Um sie zufriedenzustellen, wurde der
+Kalender an einer anderen Stelle aufgeschlagen, und da kamen die Namen:
+Trefilius, Dula und Barachassius heraus. »Das ist ja wie eine Strafe
+Gottes!« rief jetzt die Mutter. »Was für schreckliche Namen! Nie noch
+habe ich diese Namen gehört! Wenn wenigstens Barabas oder Baruch dastünde
+-- aber Trefilius und Barachassius! Ach! Ach!« Noch einmal drehten der
+Pate und die Patin die Seite um: da standen aber Pafsikachius und
+Bachtissius. »Ich sehe schon,« schrie jetzt die Alte, »das ist sein Los.
+Und weil es nicht anders sein kann, so soll er wie sein Vater heißen.
+Dieser hieß Akaki und darum soll auch sein Sohn so heißen!« So kam
+es also zu Akaki Akakiewitsch. Die Taufe wurde nun vollzogen, und
+dabei weinte das Knäblein und verzog das Gesicht so, als hätte es
+vorausgefühlt, daß es einmal Titularrat sein würde. Ich habe das alles
+ausgeführt, damit der Leser selber sehe, daß es gar nicht anders sein
+konnte und ein anderer Name unter diesen Umständen rein unmöglich und
+gänzlich ausgeschlossen gewesen wäre.
+
+Wann Akaki Akakiewitsch nun ins Ministerium kam und wer ihn dorthin
+brachte, daran kann sich wohl niemand mehr erinnern. Die Direktoren
+und Kanzleivorsteher wechselten, doch ihn sah man immer auf demselben
+Posten, in derselben Haltung, bei derselben Arbeit, so daß einer glauben
+konnte, Akaki Akakiewitsch wäre so auf die Welt gekommen: in Uniform und
+mit der Glatze. In seiner Abteilung bewies man ihm auch weiter keine
+Achtung. Die Türsteher standen nicht nur nicht auf, wenn er kam, sondern
+sie sahen ihn nicht einmal, als wäre da anstatt eines Titularrats
+eine ganz kleine Fliege hereingeflogen gekommen. Die Kanzleivorstände
+behandelten ihn von oben herab. So ein Sekretär hielt ihm einfach den
+Stoß Papiere unter die Nase hin und nahm sich erst weiter nicht die Mühe
+hinzuzufügen: Bitte schreiben Sie das ab! oder: Heute gibt es wieder
+einmal eine hübsche, interessante Arbeit für Sie! oder sonst etwas
+Verbindliches, wie es sich unter wohlerzogenen Leuten schickt. Und Akaki
+Akakiewitsch nahm auch alles so entgegen, wie man es ihm bot, und hatte
+nur Augen für das Papier und sah gar nicht erst auf den, der es ihm
+reichte und ob dieser auch dazu berechtigt wäre; er nahm es entgegen und
+machte sich sofort an die Arbeit. Die jungen Beamten lachten ihn aus und
+machten Witze mit ihm, wie das solche Kanzleigehirne eben verstehen;
+so erzählten sie in seiner Gegenwart Geschichten über ihn und seine
+Wirtschafterin, ein siebzigjähriges Weib, und sagten, daß diese ihn
+prügle, oder fragten, wann Hochzeit sein werde; auch streuten sie
+Papierschnitzel auf seine Glatze und meinten, das sei Schnee. Doch Akaki
+Akakiewitsch erwiderte mit keiner Silbe und tat, als sähe er nichts. Es
+störte ihn auch nicht im geringsten in seiner Arbeit; mitten unter allen
+diesen Sticheleien machte er nicht einen einzigen Fehler im Briefe. Nur
+wenn sie schon ganz unerträglich waren und diese freundlichen Kollegen
+etwa seine Hand zu stoßen begannen und ihn also an der Arbeit hinderten,
+rief er: »So laßt mich doch in Ruhe! Warum müßt ihr mich in einem fort
+ärgern?« Und etwas Fremdes und Fernes lag stets in diesen seinen Worten
+und in der Stimme, mit der er sie sprach. Ich sage, darin ward etwas
+laut, was in den Menschen das Mitleid erregen mußte, so daß wirklich
+einmal ein junger Mann, der seit kurzem hier angestellt war und nach
+dem Muster der anderen sich auch allerhand Scherze mit Akaki Akakiewitsch
+erlaubte, ganz plötzlich davon abließ, als sähe er jetzt alles ganz
+anders und als hätte sich alles nun vor seinen Augen verkehrt und
+verwandelt. Eine wunderbare Macht trennte ihn für immer von seinen
+Kollegen, mit denen er sich schon befreundet hatte, in der Meinung, es
+wären eben liebenswürdige Leute von Welt wie andere auch. Und noch nach
+Jahren, in Augenblicken des Frohsinns, stand da plötzlich im Geiste der
+kleine Beamte mit der Glatze auf dem Kopfe vor ihm und sprach dieselben
+Worte: Laßt mich doch in Ruhe! Warum müßt ihr mich in einem fort ärgern?
+Und mit diesen Worten tönten andere mit: Ich bin dein Bruder. Und der
+junge Mann bedeckte sein Gesicht mit den Händen und erschrak jetzt und
+noch oft und oft in seinem Leben davor, wieviel Unmenschliches im
+Menschen wohne, wieviel Grausamkeit und Roheit gerade in diesen feinen,
+gebildeten Männern von Welt und weiß Gott auch in solchen noch stecke,
+welche allenthalben für gutmütig und rechtschaffen gelten.
+
+Es wäre wohl schwer gewesen, einen Menschen zu finden, der mehr in
+seinem Berufe lebte. Akaki Akakiewitsch diente mit Eifer, doch das ist
+noch nicht das Wort: er diente mit Liebe. Während er so schrieb, erstand
+vor seinem Auge eine bunte und ihm liebe Welt, und der Genuß an dieser
+Welt drückte sich auch in seinem Gesichte deutlich aus; da gab es immer
+Buchstaben, die er ganz besonders mochte; wenn er die zu Papier brachte,
+war er wie närrisch, lächelte in sich hinein, zwinkerte mit seinen
+kleinen Augen und half gleichsam mit den Lippen nach, so daß man aus
+seiner Grimasse wohl lesen konnte, welchen Buchstaben eben seine Feder
+produzierte. Wenn sie ihn nach seinem Eifer entlohnt hätten, müßte er
+schon längst Staatsrat sein -- wohl auch zu seinem eigenen Erstaunen; so
+hatte er sich, wie seine Kollegen sich ausdrückten, statt eines kleinen
+Bandes im Knopfloch die Hämorrhoiden ersessen. Natürlich will ich damit
+nicht behaupten, daß seine Vorgesetzten auf ihn nicht aufmerksam
+geworden wären. Einer, ein guter Mensch, wollte ihn auch für seinen
+langen Dienst belohnen und gab den Auftrag, ihm von nun an eine
+wichtigere Arbeit anzuvertrauen als das bloße Abschreiben wäre: Akaki
+Akakiewitsch sollte Berichte für ein anderes Bureau liefern, und die
+Arbeit bestand schließlich nur darin, daß er den Titel änderte und die
+erste Person in die dritte verwandelte, doch das machte ihm solche Mühe,
+daß er ganz in Schweiß geriet, sich die Stirn rieb und endlich bat:
+Nein, laßt mich lieber wieder abschreiben! Und seitdem schrieb er wieder
+ab.
+
+Was nicht zum Schreiben gehört, das existierte für Akaki Akakiewitsch
+nicht. So vergaß er ganz auf seine Kleidung. Die Uniform war nicht mehr
+grün, sondern rötlich und wie mit Mehl bestäubt; der Kragen war so eng
+und niedrig, daß sein Hals, der eigentlich kurz war, ganz lang erschien
+und der Titularrat jenen Katzen aus Gips glich, welche die Hausierer auf
+dem Kopfe, so ein Dutzend im Korbe, herumtragen. Und immer blieb etwas
+an seiner Uniform hängen: ein wenig Heu oder ein Bindfaden; zudem hatte
+er es darauf abgesehen, unter ein Fenster gerade in dem Augenblick zu
+treten, da man Kehricht auf das Pflaster warf, und so trug er stets etwas
+davon auf seinem Hute weiter: Stücke Schale von einer Wassermelone,
+Brotrinde und ähnliches. Man kann wohl behaupten, daß er dem, was
+täglich auf der Straße vorgeht, auch nicht die geringste Aufmerksamkeit
+schenkte. Bekanntlich läßt sein Bruder im Amte zu keiner Zeit die Augen
+davon, in der Tat hat er diese schon so geschärft, daß er es schon
+merkt, wenn einer auf dem anderen Trottoir unten die Hosen abgetreten
+hat, welcher Umstand ihn immer von neuem zu lautem Lachen reizt. Wohin
+immer Akaki blickte, überall sah er die sauberen, geraden Linien seiner
+Handschrift, und erst wenn sich ihm von ungefähr eine Pferdeschnauze auf
+die Schulter legte und ihn aus seinen großen Nüstern anblies, wurde er
+gewahr, daß er sich nicht mitten in einer Zeile, sondern mitten auf der
+Straße befände.
+
+Zuhause setzte er sich gleich zu Tisch, schlang die Suppe herunter und
+aß ein Stück Rindfleisch mit Knoblauch dazu. Er schmeckte nicht, was er
+aß, und so kam es, daß er auch die Fliegen und was sonst etwa noch auf
+dem Essen lag, mit herunterschluckte. Wenn er fühlte, daß der Magen voll
+zu werden anfing, stand er auf, nahm Tintenfaß und Feder heraus und
+schrieb nun die Briefe und Schriften ab, die er mit nach Hause gebracht
+hatte. Gab es zufällig keine Briefe, so hatte er sich Kopien mitgenommen
+und schrieb sie jetzt zu seinem Vergnügen ab, besonders gerne, wenn sich
+so ein Schriftstück weniger durch Schönheit des Stils, wie durch die
+Adresse an eine neue oder wichtige Persönlichkeit auszeichnete.
+
+Um die Zeit, da Petersburgs grauer Himmel sich völlig verdunkelt und das
+ganze Beamtenvolk jeder nach seinem Gehalt oder Geschmack abgegessen
+hat, um die Zeit, da alles sich vom Gekritzel der Federn, von den vielen
+Gängen für sich und für andere oder sonst welchen Mühen, die sich der
+Mensch freiwillig aufzwingt mehr als nötig, erholt, um die Zeit, da die
+Beamten alle sich beeilen, die noch übrige Zeit dem Vergnügen zu widmen:
+der eilt in ein Theater, dieser auf die Straße, um gewisse kleine
+Hüte zu begucken, ein dritter in eine Gesellschaft, um sich hier in
+Komplimenten zu verausgaben an ein zierliches Kind, den Stern eines
+kleinen Beamtenkreises, ein vierter -- und das kommt allerdings am
+häufigsten vor -- kriecht zu seinem Amtsbruder hinauf in den dritten
+oder vierten Stock, die Wohnung besteht aus zwei kleinen Zimmern mit
+Vorzimmer und Küche und ist nicht ganz ohne Ansprüche auf Schönheit, es
+steht da etwa eine Lampe drin nach dem neuesten Geschmack oder sonst ein
+seltener Gegenstand, der viel Opfer gekostet hat und ganz bestimmt nur
+um den Preis unterdrückter Mittagessen und unterlassener Theaterbesuche
+zu erstehen war; ich sage, um die Zeit, da diese Beamten sich in den
+Wohnungen ihrer Kollegen zerstreuen mit Whist, Tee und Zwieback, und
+einer sitzt dabei und dampft aus seinem langen Tschibuk, und ein anderer
+neben ihm erzählt einen Klatsch aus den höchsten Kreisen, ein Vergnügen,
+dem ein Russe niemals und unter gar keinen Bedingungen entsagen will,
+und wenn ihm keiner einfällt, so gibt er wohl zum hundertsten Male
+die Anekdote zum besten vom Kommandanten, dem gemeldet wird, daß ein
+Übeltäter dem Pferde am Denkmal Peters des Großen den Schweif abgehauen
+hätte, ich sage, um die Zeit, da alles die Freude und das Vergnügen
+sucht, blieb Akaki Akakiewitsch durchaus jeder Art von Zerstreuung
+ferne. Niemand konnte sagen, er hätte ihn jemals abends wo in
+Gesellschaft gesehen. Sobald er sich satt geschrieben hatte, ging
+er zu Bett, im voraus schon lächelnd beim Gedanken daran, was Gott
+ihm wohl morgen zum Abschreiben geben werde.
+
+So floß friedlich das Leben eines Menschen hin, der mit vierhundert Rubel
+Gehalt sich in sein Los schicken konnte, und dieses Leben wäre weiter
+so dahingeflossen in gleichem Frieden bis ins höchste Greisenalter, wenn
+es nicht böse Zufälle gäbe auf dem Lebenswege nicht nur der Titular-,
+sondern auch der Geheim-, der wirklichen Geheim- und der Hofräte, ja
+selbst derer, die niemandem einen Rat geben und auch von keinem einen
+solchen empfangen.
+
+Alle die mit einem Jahresgehalt von vierhundert Rubel und darum haben in
+Petersburg einen gar argen Feind, und dieser Feind ist kein anderer als
+unser Winterfrost, trotzdem er natürlich für sehr gesund gilt. So um
+neun Uhr morgens, um die Zeit, da sich die Straßen füllen mit solchen,
+die in die Ministerien müssen, beginnt er so kräftige und beißende
+Nasenstüber auszuteilen, daß die armen Beamten wirklich nicht mehr
+wissen wohin mit ihren Nasen. Und wenn denen in hoher Stellung schon die
+Stirn vor Kälte brennt und Tränen in die Augen treten, geht es unseren
+armen Titularräten erst recht schlecht. Das einzige, was diesen zu tun
+übrigbleibt, ist sich so schnell wie möglich in ihren dünnen Mäntelchen
+durch die fünf oder sechs Gassen zu schlagen und dann in der Portierloge
+sich die Füße am Ofen zu wärmen, so lange, bis alle auf dem Wege
+eingefrorenen Talente und Fähigkeiten zum Dienst wieder aufgetaut wären.
+Akaki Akakiewitsch begann nun schon seit einiger Zeit zu fühlen, daß ihn
+da was im Rücken und auf den Schultern gar heftig zwicke und beiße,
+trotzdem er sich bemühte, den Weg ins Bureau so schnell wie möglich
+zurückzulegen. Und er dachte, ob nicht am Ende sein Mantel die Schuld
+trüge, und richtig, da er ihn zu Hause genau durchsuchte, entdeckte er,
+daß an drei oder vier Stellen, gerade am Rücken und an den Schultern,
+sich der Stoff durchgerieben hatte und ganz durchsichtig geworden und
+daß auch das Futter zerrissen wäre. Man muß im übrigen wissen, daß die
+Kollegen auch diesen Mantel zur Zielscheibe ihres Spottes gewählt, daß
+sie ihm den ehrenwerten Namen eines Mantels überhaupt genommen und ihn
+Kapuze getauft hatten. In der Tat hatte er im Laufe der Zeit eine
+fragwürdige Form angenommen, auch war der Kragen von Jahr zu Jahr
+schmäler geworden, da er zum Flicken der anderen Teile herhalten mußte,
+und diese Flecken verrieten keineswegs die Kunst eines Schneiders,
+vielmehr waren sie von höchst ungeübter und grober Hand eingesetzt.
+
+Da nun Akaki Akakiewitsch mit Augen sah, woran er wäre, beschloß er,
+den Mantel sofort zu Petrowitsch, dem Schneider, zu tragen. Dieser
+lebte irgendwo im vierten Stock eines Hinterhauses und befaßte sich
+mit Reparaturen aller Art von Hosen und Fräcken der Beamten und anderer
+Leute, natürlich nur in Stunden, da er nüchtern und sein Kopf frei war.
+Ich brauchte über ihn natürlich nicht lange zu reden, doch da es nun
+einmal so Sitte ist, daß in einer Erzählung über den Charakter einer
+Figur kein Zweifel herrsche, so her mit diesem Schneider. Vor Jahren
+hieß er noch einfach Grigori und war Leibeigener bei irgendeinem Herrn.
+Petrowitsch begann er sich erst zu nennen, da er freigelassen wurde und
+sich an allen Feiertagen tüchtig zu betrinken anfing, zuerst nur an den
+großen, später aber an allen ohne Unterschied, wo immer nur im Kalender
+sich ein Kreuz fand. Darin war er der Sitte seiner Väter durchaus treu
+geblieben, und wenn er darob mit seinem Weibe zankte, so nannte er sie
+ein weltliches Geschöpf ohne Sitte und ohne Art und zudem eine Deutsche.
+Da ich nun schon einmal bei seinem Weibe bin, so muß ich auch über sie
+ein paar Worte sagen. Leider ist von ihr nicht viel mehr bekannt, als
+daß sie eben das Eheweib des Petrowitsch sei und daß sie eine Haube
+und nicht ein Tuch um den Kopf trage. Sie konnte sich wohl in keinem
+Falle rühmen, schön zu sein; höchstens daß Soldaten von der Garde ihr
+einmal unter die Haube guckten, doch sie drehten sich da jedesmal den
+Schnurrbart, lachten und sprachen ein nicht wiederzugebendes Wort aus.
+
+Auf der Stiege zu Petrowitsch -- die Wahrheit zu sagen war diese gerade
+frisch eingeseift und stank, wie alle Petersburger Hintertreppen, stark
+nach Schnaps -- ich sage auf der Stiege überlegte Akaki Akakiewitsch,
+wieviel Petrowitsch wohl verlangen dürfte, und war in Gedanken fest
+entschlossen, nicht mehr als zwei Rubel zu geben. Die Tür stand offen,
+denn die Küche, wo des Petrowitsch Weib einen Fisch briet, war so voll
+Rauch, daß man nicht einmal die Schwaben sehen konnte. Akaki konnte also
+durchgehen, ohne von der Wirtin gesehen zu werden, und trat ins Zimmer
+des Petrowitsch, welcher an einem breiten ungestrichenen Tisch saß und
+die Beine wie ein Pascha gekreuzt hatte. Die Füße waren wie bei allen
+Schneidern bloß, und vor allem mußte dem Kunden der Daumen auffallen;
+Akaki Akakiewitsch kannte ihn gut mit seinem verstümmelten Nagel, der
+dick und hart wie Schildpatt war. Um den Hals hingen ihm Fäden von Zwirn
+und Seide und auf den Knien hatte er einen alten Fetzen. Schon seit
+einigen Minuten suchte er den Zwirn in das Nadelöhr zu bekommen, doch
+es wollte ihm nicht gelingen, und da begann er denn auf die Finsternis
+zu schimpfen und auch auf den Zwirn: Er geht nicht hinein, das Luder.
+Akaki Akakiewitsch war es nicht angenehm, gerade in einem Augenblick zu
+kommen, da Petrowitsch in schlechter Stimmung war: es wäre ihm lieber
+gewesen, bei Petrowitsch eine Bestellung zu machen, da dieser seine
+Courage vertrunken hatte und nach Fusel roch. In diesem Zustande ging er
+nämlich auf alles ein und stand immer wieder von seinem Sitze auf und
+verbeugte sich in einem fort und war überaus dankbaren Gemütes. Freilich
+später kam dann das Weib und weinte und schrie, der Mann sei betrunken
+gewesen gestern und hätte nur darum die Arbeit für so wenig übernommen.
+Doch da legte man ein paar Kopeken zu, und die Sache war gemacht. Heute
+aber, schien es, war Petrowitsch nüchtern und darum fest, er tat den
+Mund nicht auf und war also eher geneigt, weiß Gott was für Preise zu
+verlangen. Akaki Akakiewitsch fühlte das sehr deutlich und wollte schon
+wieder zurück, doch er war schon zu weit gekommen, Petrowitsch hatte ihn
+erblickt und blinzelte ihn mit seinem einzigen Auge von der Seite an, so
+daß der Titularrat ganz gegen seinen Willen: »Guten Tag, Petrowitsch!«
+ausrief. »Gott zum Gruß, Herr!« erwiderte Petrowitsch, und das Auge des
+Schneiders fiel auf die Hand des Akaki Akakiewitsch und wollte wissen,
+was für eine Beute dieser ihm heute denn brächte. »Ich komme zu dir,
+Petrowitsch ... denn ... weil ...« Man muß wissen, daß der Titularrat
+sich meist nur in Umstands- und Beiwörtern und in sonst welchen Silben,
+die ganz ohne Sinn waren, ausdrückte. Und wenn eine Sache sehr schwierig
+war, hatte er die Gewohnheit, den Satz überhaupt nicht zu beenden ...
+
+»Was habt Ihr da?« sagte Petrowitsch und musterte inzwischen mit seinem
+einen Auge die ganze Uniform von oben bis unten, Kragen, Aermel, Rücken,
+Falten, Achselschlingen, er kannte das alles sehr gut, denn es war seine
+eigene Arbeit. Das ist bei Schneidern so Gewohnheit; das erste, was
+jeder tut.
+
+»Da hab ich was für dich, Petrowitsch. Den Mantel ... Das Tuch ... Du
+siehst, es ist überall noch gut, ganz fest. Er ist nur etwas verstaubt
+und sieht darum so alt aus, doch er ist noch ganz neu ... neu ... Nur
+hier ist so etwas ... am Rücken. Und auch noch auf der Schulter ist er
+ein wenig durchgewetzt, und dann da noch auf dieser Schulter ... Siehst
+du es auch? Das ist alles. Nicht viel Arbeit.«
+
+Petrowitsch nahm den Mantel, breitete ihn auf dem Tisch aus und prüfte
+ihn lange. Er schüttelte mit dem Kopfe, und seine Hand griff nach einer
+runden Tabaksdose mit dem Porträt eines Generals darauf -- man konnte
+nicht sehen welches, denn dort, wo das Gesicht hätte sein sollen, war
+das Holz mit dem Finger durchgedrückt und mit einem Stückchen Papier
+zugeklebt. Petrowitsch schnupfte ein wenig Tabak und hielt jetzt den
+Mantel gegen das Licht und schüttelte noch einmal sein Haupt; dann
+kehrte er das Futter heraus und schüttelte wieder mit dem Kopfe; noch
+einmal nahm er die Dose mit dem geköpften General, zog etwas Tabak ein,
+legte sie aufs Fensterbrett und sagte endlich: »Nein, da ist nichts mehr
+auszubessern. Der Mantel ist schlecht.«
+
+Dem Titularrat schlug das Herz. »Warum nicht, Petrowitsch?« fragte er
+mit der jammernden Stimme eines kleinen Kindes. »Er ist doch nur an den
+Schultern etwas durchgewetzt. Du hast sicher bei dir noch alte Flecken
+zum Stopfen.«
+
+»Die habe ich schon; aber man kann sie nicht mehr aufnähen. Das Tuch ist
+schon ganz mürbe und hält den Stich nicht mehr: so ist es!«
+
+»Da nähst du eben einen Lappen darauf!«
+
+»Worauf denn? Nein, nein, den kann man nicht mehr zusammenflicken, der
+hat schon zuviel durchgemacht.«
+
+»Doch, doch, stopf ihn nur!«
+
+»Nein,« sagte Petrowitsch jetzt ganz entschlossen, »da ist nichts mehr
+zu stopfen. Am besten, Ihr macht Euch, wenn der Winter kommt, Fußlappen
+daraus. Strümpfe sind doch nicht warm. Die haben die Deutschen erfunden,
+um noch mehr Geld zu machen. (Petrowitsch liebte es, gelegentlich auf
+die Deutschen zu schimpfen.) Den Mantel aber, versteht sich, müßt Ihr
+Euch neu machen lassen.«
+
+Bei dem Worte neu wurde es dem Titularrat dunkel vor den Augen, und
+alles drehte sich ihm im Zimmer, und er sah nur ganz klar vor sich den
+General mit dem zugeklebten Gesichte auf der Tabaksdose.
+
+»Wieso einen neuen?« rief er wie aus dem Traume. »Ich habe doch kein
+Geld dafür.«
+
+»Ja, einen neuen,« bestätigte Petrowitsch mit grausamer Ruhe.
+
+»Und wenn es schon ein neuer sein muß, was würde ...?«
+
+»Ihr meint, was er kostet?«
+
+»Ja.«
+
+»Nun, so hundertundfünfzig Rubel müßt Ihr darauf schon verwenden,«
+meinte Petrowitsch und kniff die Lippen zusammen. Er liebte nämlich die
+starken Effekte. Er liebte es, den Leuten Schrecken einzujagen und dann
+so von der Seite zuzusehen, was der Geschreckte für ein Gesicht machte.
+
+»Hundertundfünfzig Rubel für einen Mantel!« schrie Akaki Akakiewitsch
+auf, vielleicht das erstemal wieder nach seiner Geburt, denn für
+gewöhnlich eignete ihm große Stille.
+
+»Ja, gewiß!« sagte Petrowitsch. »Und wenn Ihr den Kragen aus Marder und
+die Kapuze mit Seide gefüttert haben wollt, so kommt er auf
+zweihundert.«
+
+»Petrowitsch, ich bitte dich,« flehte der Titularrat, ohne auf
+Petrowitsch zu hören und auf dessen Effekte zu achten, »bessere mir den
+Mantel aus, damit er noch einige Zeit wenigstens hält!«
+
+»Nein, das geht nicht. Das hieße Arbeit verschwenden und das Geld auf
+die Straße werfen,« schloß Petrowitsch, und Akaki Akakiewitsch lief
+hinaus. Petrowitsch jedoch behielt noch lange seine Stellung, kniff
+höchst bedeutsam die Lippen zusammen und ließ die Hände von der Arbeit,
+so zufrieden war er damit, daß er diesmal weder sich selber erniedrigt
+noch die Schneiderkunst verraten hatte.
+
+Auf der Straße ging Akaki Akakiewitsch wie im Traume. »So etwas. Ich
+hätte doch nicht gedacht, daß es dazu kommen würde!« Und dann fügte er
+hinzu nach einigem Überlegen: »So steht die Sache. Das kam dabei heraus.
+Wer hätte vermuten können, daß es damit so stände.« Und wieder schwieg
+er, und jetzt noch einmal: »So steht es also mit mir. Das konnte ich
+doch nicht erwarten, niemals ... So etwas ...« Anstatt nach Hause ging
+er nun, ohne es zu wissen, genau in der entgegengesetzten Richtung. Auf
+dem Wege streifte ihn ein Schornsteinfeger, und die Schulter war ganz
+schwarz davon. Auch fiel eine Kelle mit Kalk auf ihn von einem Hause,
+an welchem gebaut wurde. Er merkte nichts. Erst als er gegen einen
+Wachtposten angerannt war, der, die Hellebarde neben sich, aus seinem
+Beutel Tabak auf die schwielige Hand tat, wachte er auf, denn der Posten
+schrie ihn an: »Mußt du mir denn ins Maul kriechen? Wozu ist denn das
+Trottoir da?« Jetzt sah er auf und ging nach Hause. Und hier erst begann
+er die Gedanken zu sammeln und klar seine Lage zu übersehen, hier erst
+begann er mit sich nicht mehr zusammenhanglos, sondern überlegt und
+offen zu sprechen, als redete er mit einem klugen Freunde, dem man eine
+Herzenssache anvertrauen kann. »Nein, nein, heute kann niemand mit
+Petrowitsch reden. Sein Weib muß ihn durchgeprügelt haben. Ich gehe
+besser am nächsten Sonntag noch einmal zu ihm. Sonnabend ist er
+betrunken, und da bekommt er Sonntag darauf die Augen nicht auf und
+bedarf einer Stärkung. Sein Weib gibt ihm das Geld nicht, und da bin
+ich dann da und drücke ihm einen Sechser in die Hand, und so wird er mit
+sich reden lassen, und der Mantel wird dann noch gehen ...« So schloß
+der Titularrat, sprach sich Mut zu und wartete auf den nächsten Sonntag.
+Kaum hatte er gesehen, daß des Schneiders Weib aus dem Hause ging,
+eilte er schnurstracks zu ihm. In der Tat hatte Petrowitsch Mühe, sein
+einziges Auge aufzubekommen und war ganz voll Schlaf und ließ den Kopf
+hängen. Doch kaum hatte er verstanden, worum es sich wieder handle, als
+er schon wie vom Satan getrieben rief: »Nein, nein, das geht nicht. Ihr
+müßt einen neuen bestellen!« Der Augenblick war da, ihm den Sechser in
+die Hand zu drücken. »Ich danke Euch, Herr! Da kann ich mich ein wenig
+stärken gehen auf Eure Gesundheit. Doch den Mantel laßt nun einmal, er
+taugt wirklich nichts mehr. Ich mache Euch einen neuen, schönen und
+dabei bleibt es.« Der Titularrat fing immer wieder von der Reparatur an,
+doch Petrowitsch hörte gar nicht auf ihn und rief: »Ich mache Euch einen
+neuen. Verlaßt Euch auf mich, ich werde mir Mühe geben! Ich werde Euch
+sogar, weil es jetzt so Mode ist, silberne Pfötchen aufs Appliqué
+nähen.«
+
+Akaki Akakiewitsch sah nun ganz klar, daß der neue Mantel nicht mehr
+zu umgehen sei, und sein Mut war weg. Von welchem Gelde sollte er sich
+ihn nur machen lassen? Freilich durfte er auf die Remuneration zu den
+Feiertagen hoffen, doch die war schon im voraus eingeteilt: er brauchte
+neue Hosen, mußte den Schuster bezahlen fürs Ansetzen von Kappen an den
+Schuhen, und dann wollte er bei der Näherin drei Hemden bestellen. Kurz,
+das Geld war schon verausgabt. Und wenn auch der Direktor so gnädig
+wäre, ihm statt vierzig Rubel fünfundvierzig oder gar fünfzig zu
+bewilligen, würde die Kleinigkeit, die übrigbliebe, nur ein Tropfen im
+Meere sein im Vergleiche zu der Summe, die der neue Mantel kosten soll.
+Natürlich das wußte er schon, daß Petrowitsch, weiß der Teufel warum,
+bei guter Laune gerne solche verrückte Preise machte, so daß selbst sein
+Weib sich nicht mehr halten konnte und ihn anschrie: »Bist du närrisch
+geworden? Einmal arbeitest du für nichts und dann wieder treibt dich der
+Teufel, einen Preis zu verlangen, den du selber gar nicht wert bist.«
+Wenn der Titularrat auch wußte, daß Petrowitsch den Mantel für achtzig
+Rubel liefern würde -- woher aber die achtzig nehmen? Die Hälfte konnte
+er noch zusammenkriegen, ja, die Hälfte sogar sicher, vielleicht auch
+eine Kleinigkeit mehr: aber die andere Hälfte, wer sollte die ihm
+geben?... Doch der Leser muß zuerst erfahren, woher er die erste Hälfte
+nehmen wollte. Akaki Akakiewitsch hatte nämlich die Gewohnheit, von
+jedem verausgabten Rubel eine Kopeke in eine kleine Sparbüchse zu tun,
+die zugeschlossen war und einen schmalen Schlitz enthielt, durch den
+so eine Kopeke ging. Jedes halbe Jahr zählte er die Summe, die sich
+angesammelt hatte, und wechselte sie in Silber um. Das hatte er nun
+seit geraumer Zeit durchgeführt, und auf diese Weise war im Laufe von
+mehreren Jahren die Summe von vierzig Rubel zusammengekommen. Die eine
+Hälfte war also da, in seinen Händen, woher aber, noch einmal, die
+anderen vierzig Rubel? Akaki Akakiewitsch überlegte hin und her und
+beschloß endlich, mindestens ein ganzes Jahr sich einzuschränken, das
+heißt: keinen Tee mehr am Abend zu trinken, kein Licht mehr anzuzünden
+und, wenn er abends arbeiten müsse, zur Wirtin zu gehen und dort bei
+der Kerze zu schreiben; dann auf der Straße so leise und vorsichtig
+wie möglich aufzutreten, ja auf den Zehen zu gehen, um die Sohlen nicht
+durchzuwetzen; endlich die Wäsche so selten wie möglich zum Waschen zu
+geben und sie zu Hause gleich auszuziehen, damit sie nicht abgenützt
+werde, und im halbwollenen Schlafrock dazusitzen, der sehr alt sei und
+dem die Zeit darum nichts mehr anhaben könnte. Es fiel ihm ja, um die
+Wahrheit zu sagen, anfangs schwer, sich an alle diese Entbehrungen zu
+gewöhnen, doch mit der Zeit wurde es ihm immer leichter, ja allmählich
+ward er ein Meister in der Kunst zu hungern, im Geiste sich mit dem
+Gedanken an den neuen Mantel nährend.
+
+Und seit diesen Tagen wurde sein ganzes Wesen gleichsam voller, als
+hätte er geheiratet, als stünde ihm jetzt ein Wesen zur Seite, als
+wäre er nicht mehr allein und hätte sich eine köstliche Lebensgefährtin
+endlich entschlossen, den Weg des Lebens mit ihm zu wandeln, und ich
+sage, diese köstliche Lebensgefährtin war eben der Mantel, innen
+wattiert und mit starkem Futter versehen. Akaki Akakiewitsch wurde
+in der Tat lebhafter und fester gleich einem Menschen, der ein Ziel
+hat. Aus seinem Gesichte und aus seinen Schritten waren von selbst
+aller Zweifel, jegliche Unentschlossenheit, alle die schwankenden und
+unbestimmten Züge verschwunden. In sein Auge kam zuweilen Feuer und in
+seinem Hirne blitzten dann kühne, ja freche Gedanken auf: könnte der
+Kragen am Ende nicht doch aus Marder sein? Ich sage, Akaki Akakiewitsch
+wurde durch solche und ähnliche Gedanken zerstreut, und einmal hätte er
+beim Abschreiben beinahe einen Fehler gemacht, so daß er laut aufschrie
+und sich bekreuzte. Jeden Monat mindestens einmal klopfte er bei
+Petrowitsch an, um über den Mantel zu schwatzen: wo würde man wohl am
+besten das Tuch kaufen, und welche Farbe sollte es eigentlich haben und
+wie teuer wird es sein? Und jedesmal kam er, wenn auch nicht ganz ohne
+Kummer, so doch zufrieden nach Hause bei dem Gedanken, daß nun endlich
+die Zeit da sein werde, da man alles Notwendige kaufen und der Mantel
+fertig sein würde. Und die Zeit kam schneller als er geglaubt hatte,
+denn wider alles Erwarten hatte der Direktor ihm nicht nur vierzig,
+sondern ganze fünfzig Rubel bewilligt. Ob dieser es nun geahnt hat,
+daß Akaki Akakiewitsch einen neuen Mantel brauchte, oder ob das so von
+selber gekommen ist, Akaki Akakiewitsch hatte auf einmal zwanzig Rubel
+mehr. Und dieser Umstand beschleunigte die Sache. Noch zwei, drei Monate
+hungern, und Akaki Akakiewitsch hatte die achtzig Rubel beisammen. Sein
+sonst so ruhiges Herz begann laut zu schlagen, da er sich mit Petrowitsch
+zusammen nach dem Laden aufmachte. Sie kauften sehr gutes Tuch, nicht zu
+teuer, war dieses doch durch ein halbes Jahr hindurch der alleinige
+Gegenstand ihres Denkens gewesen und hatten sie doch selten einen Monat
+verstreichen lassen, ohne im Laden um den Preis zu handeln; dafür meinte
+aber auch Petrowitsch jetzt, daß es bestimmt kein besseres Tuch gebe.
+Als Futter wählten sie Coulaincour, guten, festen, der nach der Aussage
+des Petrowitsch besser wäre als Seide und auch so aussehe und glänze.
+Marder kauften sie nicht, das war zu teuer, dafür wählten sie aber ein
+Katzenfell, das beste, das sie im Laden fanden und das man im übrigen
+von weitem ganz gut für Marder halten konnte. Petrowitsch brauchte im
+ganzen vier Wochen für den Mantel, denn es gab viel zu steppen, sonst
+würde er wohl früher damit fertig geworden sein. Für die Arbeit nahm er
+zwanzig Rubel, billiger ging es schon nicht. Alles war auf Seide genäht,
+und bei jeder Naht half Petrowitsch noch mit den Zähnen nach.
+
+Es war nun -- ich kann nicht genau sagen, an welchem Tage -- es war
+jedenfalls am glorreichsten Tage in des Akaki Akakiewitsch Leben, daß
+Petrowitsch den Mantel endlich brachte. Am Morgen, genau um die Stunde,
+da der Titularrat ins Bureau mußte. Auch wäre zu keiner anderen
+Jahreszeit der Mantel so gelegen gekommen, denn die starken Fröste
+hatten schon eingesetzt und drohten allem Anschein nach noch heftiger zu
+werden. Petrowitsch erschien mit dem Mantel ganz so, wie sich das für
+einen guten Schneider gehört. In seinem Gesicht lag ein Ausdruck, den
+Akaki Akakiewitsch an ihm noch nicht wahrgenommen hatte. Es schien, als
+fühlte er durchaus, daß er keine geringe Sache hier zur Vollendung
+gebracht hätte und daß er erst jetzt den Abgrund gewahr geworden wäre,
+der einen Flickschneider von jenem entschieden trenne, der neue Anzüge
+machte. Petrowitsch nahm den Mantel aus dem Tuch heraus, in das er ihn
+gewickelt hatte. (Das Tuch war frisch aus der Wäsche gekommen, und er
+legte es auch gleich wieder zusammen und steckte es ein zum sofortigen
+Gebrauch.) Er blickte ihn stolz an und warf ihn mit beiden Händen sehr
+leicht Akaki Akakiewitsch um die Schultern; dann zog er ihn ein wenig
+nach unten mit der Hand; dann mußte ihn Akaki Akakiewitsch aufgeknöpft
+lassen und der Mantel Falten werfen. Doch Akaki Akakiewitsch wollte als
+ein Mann von Erfahrung auch die Ärmel probieren; Petrowitsch half ihm
+-- auch die Ärmel paßten. Kurz der Mantel war vollkommen. Petrowitsch
+unterließ auch nicht die Bemerkung, daß er ihn deshalb nur so billig
+gemacht hätte, weil er weit vom Zentrum entfernt lebe und Akaki
+Akakiewitsch schon seit langem kenne; auf dem Newsky Prospekt hätte
+ihm ein Schneider für die Arbeit allein fünfundsiebzig Rubel genommen.
+Akaki Akakiewitsch wollte mit Petrowitsch darüber jetzt nicht rechten,
+fürchtete er doch überhaupt all die Riesensummen, mit denen der Schneider
+Staub zu machen liebte. Er zahlte ihn aus, dankte ihm noch und ging
+alsogleich mit dem neuen Mantel ins Bureau. Petrowitsch ging ihm nach
+und sah sich auf diese Weise seinen Mantel aus der Ferne an, er bog
+auch in eine Seitengasse ein und kam auf derselben Straße Akakiewitsch
+entgegen, so daß er den Mantel jetzt auch von vorne sehen konnte.
+Inzwischen aber schritt Akaki Akakiewitsch in wahrhaft feiertäglicher
+Laune weiter. Er fühlte es in jedem Augenblicke, daß er jetzt den neuen
+Mantel anhätte, und zuweilen lächelte er vor innerem Glücke. In der
+Tat brachte ihm der Mantel auch jeden Vorteil, das heißt: er war sowohl
+warm als auch gut überhaupt. Auf den Weg achtete der Titularrat nicht,
+und schon war er im Ministerium. Im Vorzimmer nahm er den Mantel
+ab, betrachtete ihn von allen Seiten und übergab ihn dem Portier zu
+besonderer Aufsicht. Ich weiß nicht, auf welche Weise die Kollegen im
+Amte erfahren hatten, daß Akaki Akakiewitsch einen neuen Mantel hätte
+und daß die alte Kapuze nicht mehr existierte: alle stürmten im selben
+Augenblicke ins Vorzimmer hinaus, um den Mantel zu sehen. Dort
+beglückwünschten und begrüßten sie feierlichst Akaki Akakiewitsch, so
+daß er anfangs wohl lachte, zuletzt aber ganz verlegen wurde. Als nun
+aber alle in ihn drangen, der neue Mantel müßte eingeweiht werden und er
+ihnen allen eine Gesellschaft geben, wußte Akaki Akakiewitsch schon gar
+nicht mehr wohin und was er antworten und wie er sich ausreden sollte,
+bis er ganz rot im Gesicht ihnen in seiner Einfalt versicherte, daß
+es doch kein neuer Mantel wäre, sondern ein alter. Doch da rief einer
+aus der Schar, ein Gehilfe des Chefs, wohl um zu zeigen, daß er nicht
+hochmütig sei und den Verkehr mit niederen Beamten nicht meide: »So ist
+es. Ich will an seiner Stelle die Gesellschaft geben und bitte euch
+alle für heute abend zu mir; im übrigen trifft es sich, daß heute mein
+Namenstag ist.« Die Beamten gratulierten jetzt dem Gehilfen und nahmen
+mit Freude die Einladung an. Nur Akaki Akakiewitsch bat um Entschuldigung,
+er könne nicht kommen; doch da redeten sie alle auf ihn ein, daß das
+ungezogen sei, ja einfach eine Schande, und so konnte er nicht nein
+sagen. Ja die Einladung war ihm sogar sehr lieb, da ihm jetzt einfiel,
+daß er auf diese Weise auch abends den neuen Mantel werde anziehen
+können.
+
+Der ganze Tag war nun für Akaki Akakiewitsch ein Fest und ein Triumph.
+Er ging in der allerglücklichsten Gemütsverfassung nach Hause, nahm dort
+den Mantel ab und hing ihn mit der größten Vorsicht an die Wand. Immer
+wieder liebäugelte er mit dem Stoff und dem Futter und nahm auch zum
+Vergleich die alte Kapuze heraus. Er mußte lachen, so groß erschien ihm
+der Unterschied zwischen beiden. Und noch lange nach dem Essen mußte er
+lachen, sooft ihm die überaus traurige Verfassung seiner alten Kapuze
+einfiel. Sein Mahl verzehrte er mit aller Heiterkeit, und diesmal
+schrieb er nach dem Essen nicht ab, vielmehr faulenzte er am Bett, bis
+es dunkel wurde. Doch dann schob er es nicht mehr hinaus, zog den neuen
+Mantel an und ging auf die Straße.
+
+Wo der Beamte lebte, der die Gesellschaft gab, das weiß ich leider
+nicht genau zu sagen; mein Gedächtnis läßt mich jetzt oft im Stich,
+und Petersburgs Häuser und Straßen gehen alle in meinem Kopfe so
+durcheinander, daß ich mich oft schwer darin zurechtfinde. Nur so viel
+weiß ich zu sagen, daß er im besten Viertel wohnte, also nicht sehr nahe
+von Akaki Akakiewitsch. Zuerst mußte dieser wohl noch durch öde Gassen
+mit spärlicher Beleuchtung schreiten, doch in dem Maße, als er sich der
+Wohnung des Gehilfen näherte, wurden die Straßen lebhafter, bewohnter
+und besser beleuchtet. Blitzschnell eilten Fußgänger an ihm vorbei,
+er sah schön gekleidete Frauen, die Herren trugen Biberkragen, das
+Auge begegnete hier nur ganz selten den hölzernen Bauernschlitten
+mit dem durchlöcherten Boden, hingegen flogen elegante Kutscher mit
+himbeerfarbenen Sammetmützen, lackierten Schlitten mit Bärendecken
+durch die Straßen, und die Kufen und Räder knirschten am Schnee. Für
+Akaki Akakiewitsch war das alles neu; schon seit vielen Jahren war
+er abends nicht auf der Straße gewesen. Neugierig blieb er vor einem
+hellerleuchteten Laden stehen und sah darin ein Bild, eine hübsche Frau
+darstellend, die sich den Schuh auszieht und so ihr Bein sehen läßt;
+hinter ihr steckt ein Herr mit Backenbart und Fliege unter der Lippe
+den Kopf zur Tür hinein. Akaki Akakiewitsch schüttelte den Kopf und
+lächelte und ging weiter. Und warum lächelte er? Weil er hier einer ihm
+ganz und gar fremden Welt zum ersten Male begegnete, für die auch ihm
+das Gefühl nicht ganz fehlen konnte. Oder dachte er so wie alle anderen
+Beamten: »Diese Franzosen! Die verstehen das!?« Vielleicht dachte er
+auch das nicht. Ach, wir vermögen ja dem Menschen nicht in die Seele zu
+blicken und zu wissen, was er denkt.
+
+Endlich erreichte er das Haus. Der Gehilfe lebte auf großem Fuße, die
+Treppe war erleuchtet, die Wohnung im zweiten Stock. Im Vorzimmer sah
+Akaki Akakiewitsch eine ganze lange Reihe Galoschen. Mitten unter ihnen
+dampfte ein Samowar. An den Wänden hingen die Mäntel, einige darunter
+mit Biberkragen oder Sammetaufschlägen. Hinter der Wand hörte man Lärm
+und Worte, die plötzlich klar und deutlich wurden, da sich die Tür
+öffnete und ein Diener heraustrat mit leeren Teegläsern, Sahne und einem
+Korb mit Zwieback auf der Tablette. Die Gäste waren also schon einige
+Zeit beisammen und hatten das erste Glas Tee schon getrunken. Akaki
+Akakiewitsch ging, nachdem er seinen Mantel eigenhändig an die Wand
+gehängt hatte, ins Zimmer, und vor seinen Augen glänzten im Nu die
+Kerzen, die Beamtenuniformen, die Pfeifen und Kartentische, und seine
+Ohren waren betäubt vom Lärm des Gespräches und des Stuhlrückens.
+Voller Scheu blieb er in der Mitte des Zimmers stehen und versuchte zu
+überlegen, was er denn weiter jetzt tun sollte. Doch kaum hatten ihn
+seine Kollegen bemerkt, als sie ihn mit großem Geschrei umringten und
+gleich auch hinaus ins Vorzimmer stürzten, um den Mantel noch einmal zu
+besichtigen. Akaki Akakiewitsch war nicht wenig verlegen, doch konnte
+er in seiner Einfalt nicht anders als sich freuen, da er sah, daß alle
+diesen Mantel priesen. Es versteht sich von selber, daß sie seinen
+Mantel sowie auch ihn sogleich stehen ließen und sich an die Whisttische
+setzten. Alles, der Lärm, das Reden, die Menge Leute, war für den
+Titularrat wie ein Traum, und er wußte nicht, wie ihm sei und wohin er
+mit den Händen und Füßen und überhaupt mit dem ganzen Körper sollte.
+Endlich setzte er sich an einen Whisttisch, sah bald in die Karten,
+bald von den Spielern dem oder jenem ins Gesicht, begann zu gähnen
+und fühlte, daß er sich langweile, um so mehr, als schon lange die
+Zeit gekommen war, da er zu Bett zu gehen pflegte. So wollte er sich
+verabschieden, doch das ließen sie nicht zu, er sollte noch mit ihnen
+ein Glas Champagner zu Ehren des neuen Mantels trinken. Nach einer
+Stunde wurde auch das Abendessen serviert: Suppe, kalter Kalbsbraten,
+Pastete, Kuchen und Champagner. Akaki Akakiewitsch mußte zwei Gläser
+Champagner mittrinken. Wenn er auch nach diesen fühlte, daß im Zimmer
+die Heiterkeit zunehme, so konnte er dennoch nicht vergessen, daß es
+schon zwölf Uhr und längst Zeit für ihn sei, nach Hause zu gehen. Damit
+sie sich aber nicht wieder etwas ausdachten, um ihn zurückzuhalten,
+ging er ganz leise und unbemerkt aus dem Zimmer und suchte nach seinem
+Mantel. Nicht ohne Mitgefühl sah er diesen am Boden liegen, und so
+schüttelte er ihn erst durch, nahm jedes Federchen weg, zog ihn an
+und ging hinaus und die Treppe hinunter auf die Straße. Einige kleine
+Branntweinläden, diese unvermeidlichen nächtlichen Sammelpunkte für die
+Türsteher und ähnliche Leute, waren noch offen, andere, die geschlossen
+waren, ließen dünne Lichtstrahlen durch alle Türritzen und bewiesen
+damit, daß sie noch nicht leer wären und Bediente hier ihren Klatsch
+fortsetzten und über die Herrschaft zu Gericht säßen. Akaki Akakiewitsch
+ging in heiterer Seelenstimmung, plötzlich war er sogar ganz von selber
+hinter einem Dämchen her, die wie ein Blitz an ihm vorbeigeschossen war
+und deren Körper ihm so merkwürdig beweglich vorkam. Doch blieb er bald
+zurück und ging wieder langsam weiter und war selber ganz erstaunt, wie
+er so plötzlich in den Trab gekommen wäre. Bald zogen sich vor ihm jene
+langen, öden Straßen hin, die schon bei Tage uns düster zu stimmen
+vermögen. Jetzt schienen sie noch tiefer und einsamer; die Laternen
+kamen immer seltener, immer spärlicher wurde hier anscheinend das Öl
+ausgefolgt. Schon kamen die Häuser und Zäune aus Holz. Nirgends eine
+Seele. Alles Licht kam vom Schnee auf der Straße, finster kauerten die
+niedrigen Hütten mit den geschlossenen Fensterläden. Akaki Akakiewitsch
+kam jetzt dorthin, wo eine Straße einen schier endlosen Platz
+durchschnitt, man konnte die Häuser gegenüber nicht mehr sehen, der
+Platz glich einer grauenhaften Wüste. Weit, Gott weiß wo, leuchtete ein
+schwaches Feuer in einer Bude, als welche in einem Kreis von Licht zu
+stehen schien. Akaki Akakiewitschs gute Laune war weg. Er betrat den
+Platz nicht ohne ein gewisses Grauen, als ahnte sein Herz Böses. Er sah
+sich um und zurück -- das Meer lag um ihn. »Besser nicht umsehen,«
+dachte er und ging mit geschlossenen Augen weiter, und als er sie wieder
+öffnete, um zu sehen, wo er denn wäre, sah er vor seiner Nase Leute
+stehen mit Bärten; mehr konnte er nicht mehr unterscheiden. Da wurde es
+plötzlich dunkel vor seinen Augen, und er spürte einen Schlag auf seiner
+Brust. »Das ist ja mein Mantel,« rief einer von den Männern und packte
+den Titularrat am Kragen. Akaki Akakiewitsch wollte nach der Wache
+schreien, als ihm ein Mann eine riesige Faust in den Mund stieß und
+rief: »Schrei nur!« Akaki Akakiewitsch fühlte, daß sie ihm den Mantel
+von den Schultern rissen und ihm eins mit den Knien versetzten, so daß
+er nach vorn in den Schnee fiel und nichts mehr von sich wußte. Nach
+einiger Zeit kam er zu sich und stand auf, doch war niemand mehr da. Er
+spürte, daß der Boden eiskalt und er ohne Mantel sei, und er wollte
+rufen, doch seine Stimme erreichte nicht einmal das andere Ende des
+Platzes. In seiner Verzweiflung lief er schreiend über den ganzen Platz
+bis zur Bude. Der Wachtposten stand, auf seine Hellebarde gestützt, da
+und sah anscheinend nicht ohne Neugierde zu, wer zum Teufel mit solchem
+Geschrei auf ihn zugelaufen komme. Akaki Akakiewitsch schrie mit
+erstickter Stimme ihn an, daß er schlafe und gar nicht sehe, wie man die
+Leute vor seinen Augen beraube. Der Wachtposten bestand darauf, daß er
+nichts gesehen hätte, zum mindesten nicht mehr, als daß zwei Menschen
+ihn mitten am Platz stehengelassen hätten, er habe gemeint, es wären
+Freunde; der Herr sollte nur, statt ihn hier ganz umsonst anzuschreien,
+morgen zur Polizei gehen, dort werde man schon nach dem Diebe fahnden.
+
+Akaki Akakiewitsch kam in vollständiger Unordnung zu Hause an; sein
+Haar, ohnehin nur mehr noch spärlich an der Schläfe und im Nacken, war
+zerzaust; die Seite, die Brust und die Hosen waren mit Schnee bedeckt.
+Seine alte Wirtin hörte ihn diesmal anders als sonst an der Tür klopfen,
+sprang eilig aus dem Bett und lief, nur mit einem Strumpfe, ihm die Tür
+zu öffnen, während sie ihr Hemd keusch an die Brust hielt; doch ließ sie
+dieses gleich los, da sie den Titularrat in seiner traurigen Verfassung
+erblickte. Und als sie nun vernahm, worum es sich handle, schlug sie
+die Hände zusammen und meinte, er müsse zum Polizeihauptmann, der
+Polizeileutnant sei eine Schlafmütze, mache Versprechungen und ziehe
+die Sache nur hinaus; sie kenne den Hauptmann, weil Anna, die Estin, die
+früher bei ihr in der Küche gewesen sei, jetzt bei ihm als Amme diene;
+auch sehe sie ihn selber öfters, wenn er am Hause hier vorbeifahre, im
+übrigen gehe er jeden Sonntag in die Kirche, sage sein Gebet und sehe
+dabei alle Leute sehr freundlich an, er sei jedenfalls nach allem, was
+man beobachten konnte, ein guter Mensch. Akaki Akakiewitsch hörte ihr
+zu und ging, ohne ein Wort zu sagen, in sein Zimmer -- wie er dort die
+Nacht verbracht hat, kann sich jeder denken, der sich an die Stelle
+eines anderen zu versetzen imstande ist. Am nächsten Morgen machte
+er sich gleich zum Polizeihauptmann auf. Man sagte ihm dort, der
+Polizeihauptmann schlafe. Er kam um zehn Uhr wieder: er schläft noch.
+Um elf Uhr hieß es, er sei nicht zu Hause. Akaki Akakiewitsch kam um
+die Mittagsstunde -- doch die Schreiber wollten ihn jetzt nicht einmal
+hereinlassen und mußten erst wissen, was ihn herbringe und was überhaupt
+geschehen sei, so daß Akaki Akakiewitsch endlich, wohl das erstemal in
+seinem Leben, Mut bewies und in abgerissenen Sätzen erwiderte, er müsse
+den Polizeihauptmann persönlich sprechen, sie sollten es nur wagen, ihn
+nicht hereinzulassen, er komme aus dem Ministerium in einer dienstlichen
+Angelegenheit, er würde über sie alle, wie sie da wären, Beschwerde
+führen, und sie würden dann das Weitere schon sehen. Dagegen konnten
+die Schreiber nichts mehr erwidern, und einer ging hinaus, den
+Polizeihauptmann zu holen. Dieser hatte nun eine ganz sonderbare Art,
+den Bericht entgegenzunehmen. Statt auf die Hauptsache, den Raub des
+Mantels, einzugehen, fragte er Akaki Akakiewitsch, warum er so spät nach
+Hause gegangen sei und ob er nicht vielleicht gar in einem verrufenen
+Hause gewesen sei? so daß Akaki Akakiewitsch ganz verlegen wurde und
+hinauseilte, ohne zu wissen, ob die Angelegenheit nun ihren Weg gehen
+werde oder nicht. Er ging nicht ins Amt (das einzige Mal in seinem
+Leben); erst am nächsten Tag erschien er wieder dort, bleich, verstört
+und mit der alten Kapuze, die heute noch trauriger aussah. Die Kunde vom
+Raub des Mantels rührte wohl die meisten seiner Kollegen -- natürlich
+fehlte es nicht an solchen, die auch diesmal die Gelegenheit nicht
+vorübergehen lassen wollten, sich über Akaki Akakiewitsch lustig zu
+machen. Sie beschlossen auch, eine Kollekte zu veranstalten, doch es kam
+nur eine Kleinigkeit zusammen, weil sie eben große Auslagen gehabt
+hatten mit dem Porträt des Direktors und einem Buche, das sie auf
+Betreiben des Abteilungschefs, einem Freunde des Verfassers, kaufen
+mußten. Einer von ihnen beschloß, vom Mitleid bewegt, Akaki Akakiewitsch
+wenigstens mit einem guten Rat beizustehen und meinte, er solle nicht
+zum Polizeileutnant gehen, denn es könnte vorkommen, daß dieser, um sich
+beim Hauptmann beliebt zu machen, den Mantel auf die eine oder andere
+Art finde, daß der Mantel aber trotzdem auf der Polizei liegenbleibe,
+es sei denn, daß er sein Eigentumsrecht auf den Mantel gesetzlich
+nachzuweisen vermöchte; nun wäre aber da eine hochstehende Persönlichkeit,
+an die sollte er sich wenden, denn durch ihre Verbindungen vermöchte
+diese die Sache schneller zu betreiben, sobald sie davon erfahren
+hätte. Wer gerade diese hochstehende Persönlichkeit gewesen wäre, ist
+bis jetzt ebenso unbekannt geblieben wie deren Stellung. Nur so viel war
+zu ermitteln, daß die hochstehende Persönlichkeit es erst vor kurzem
+geworden und bis dahin noch ganz und gar nicht hochgestanden wäre.
+Natürlich im Vergleiche mit einer noch höherstehenden ließ sich ihre
+Stellung überhaupt nicht zu den hochstehenden rechnen; aber es wird
+sich immer ein Kreis von Menschen finden, für den eine nicht sehr
+hochstehende Persönlichkeit eben schon eine sehr hochstehende ist.
+Selbstverständlich suchte sie ihre hohe Bedeutung auf alle Weise und
+mit allerlei Mitteln zu bekräftigen; so z. B. führte sie ein, daß
+die niederen Beamten ihr bis zur Stiege entgegengingen, sooft sie im
+Amt erschien; daß ferner niemand es wagen dürfe, direkt vor ihr zu
+erscheinen, sondern daß es in folgender Reihenfolge vor sich gehen
+sollte: der Registrator übernimmt das Gesuch und übermittelt es dem
+Gouvernementssekretär, dieser dem Titularsekretär, und so auf diesem und
+gar keinem anderen Wege könne eine Sache bis zu ihr gelangen. So ist
+eben im heiligen Rußland alles mit Nachäfferei angesteckt, und jeder
+tuts seinem Vorgesetzten nach und nicht anders. Als ein Titularrat
+Direktor einer kleinen Kanzlei wurde, soll er sich, so erzählt man,
+sofort ein eigenes Zimmer haben abstecken lassen, das er Dienstzimmer
+nannte; vor die Tür stellte er zwei Diener mit roten Kragen und goldnen
+Tressen, sie hatten jedem Hereinkommenden die Tür zu öffnen, und dabei
+konnte man im Zimmer mit Mühe mehr als einen Tisch unterbringen. Die
+Empfänge und überhaupt alle Gewohnheiten der hochstehenden Persönlichkeit
+waren sehr majestätisch, aber durchaus nicht unkompliziert. Ihr System
+war Strenge. »Nur Strenge und noch einmal und immer wieder Strenge,«
+sagte sie bei jeder Gelegenheit, und beim letzten Worte pflegte sie
+jedesmal dem, mit dem sie gerade sprach, höchst bedeutsam ins Gesicht zu
+blicken -- obwohl natürlich zu besonderer Strenge nicht die geringste
+Ursache vorhanden war, denn die zehn Beamten, die den Mechanismus ihrer
+Kanzlei bildeten, kamen ohnehin nie ganz aus der Furcht heraus; sobald
+sie ihrer nur ansichtig wurden, ließen sie die Arbeit liegen und standen
+auf und warteten, bis sie an ihnen vorbei wäre. Ihre übliche Ansprache
+an die Untergebenen war eben auch ganz durch jene Strenge gekennzeichnet
+und bestand im Grunde nur aus den drei Sätzen: »Wie können Sie es wagen?
+Wissen Sie, mit wem Sie reden? Wissen Sie, wer vor Ihnen steht?« Dabei
+war er im Innersten seines Herzens ein guter Kerl, freundlich zu seinen
+Kameraden, gefällig; der Generalsrang hatte ihn eben ganz aus der
+Fassung gebracht. Er wurde durch diesen Titel in der Tat ganz verdreht,
+kam aus dem Geleise und wußte gar nicht mehr, wie ihm wäre. Mit
+Gleichgestellten gab er sich wie er ist -- als anständigen, in vieler
+Beziehung gar nicht dummen Menschen; fanden sich aber in der Gesellschaft
+Leute, die auch nur um eine einzige Stufe niedriger waren als er, war
+er wie verwandelt: er schwieg und schwieg, und seine Lage weckte um so
+mehr Bedauern, als er selber fühlte, daß er seine Zeit unvergleichlich
+angenehmer zubringen könnte. Man konnte ihm ja den Wunsch von den Augen
+ablesen, sich in ein interessantes Gespräch zu mischen oder einem Kreise
+beizugesellen, doch stets hielt ihn der Gedanke zurück: Wird es nicht
+von seiner Seite zu viel sein, wird es nicht familiär erscheinen, wird
+er dadurch nicht seiner Stellung schaden? Die Folge davon war, daß er
+ewig an ein und derselben Stelle wie angenagelt dastand, keinen Ton von
+sich gab und also sich den Ruf eines höchst langweiligen Menschen
+erwarb.
+
+Vor dieser hochstehenden Persönlichkeit erschien also Akaki Akakiewitsch
+im allerungünstigsten Augenblicke, will sagen: höchst ungünstig für
+sich selber, denn in einem gewissen Sinne kam er der hochstehenden
+Persönlichkeit ganz gelegen. Die hochstehende Persönlichkeit war in
+ihrem Kabinett und unterhielt sich sehr angeregt mit einem alten
+Bekannten und Jugendgespielen, der vor kurzem hier eingetroffen war
+und den sie lange nicht gesehen hatte. Und gerade in diesem Augenblicke
+mußte auch der Diener melden, daß ein gewisser Baschmatschkin draußen
+warte. Der General fragte sehr scharf: »Wer?« Die Antwort: »Ein
+Beamter.« »Er soll warten, ich habe jetzt keine Zeit.« Hier muß
+ich gleich bemerken, daß die hochstehende Persönlichkeit da ganz
+einfach log, sie hatte Zeit; die beiden Freunde hatten längst alles
+durchgesprochen und schon seit einiger Zeit die Unterhaltung mit leeren
+Phrasen zu füllen gesucht, wie: »Ja, ja, Iwan, so war es nun einmal!«
+oder »Stefan, es geht nicht anders auf der Welt,« einander abwechselnd
+auf die Schultern klopfend. Aber trotzdem ließ sie den Beamten warten,
+damit nämlich der Jugendgespiele, der seit langem nicht mehr diente und
+auf dem Dorfe lebte, erfahre, wie lange hier die Beamten im Vorzimmer
+zu warten verstünden. Erst nachdem sie sich, jeder an seiner Zigarre
+ziehend, in den sehr breiten, bequemen Fauteuils sattgeredet, vielmehr
+ausgeschwiegen hatten, fiel der hochstehenden Persönlichkeit wie von
+ungefähr etwas ein, und sie sagte zum Sekretär, der bei der Tür mit
+Schriften stand: »Draußen, scheint es, steht ein Beamter. Sagen Sie ihm,
+er kann herein!« Da sie nun das demütige Gesicht des Akaki Akakiewitsch
+und dessen abgetragene Uniform sah, kehrte sie sich ihm zu und schrie
+ihn ohne weiteres an: »Was wollt Ihr?« Mit ihrer schneidenden, harten
+Stimme, die sie zu Hause im Zimmer ganz allein vor dem Spiegel geprobt
+hatte, eine Woche schon, bevor sie ihren jetzigen Posten und den
+Generalsrang erhalten hatte. Akaki Akakiewitsch fühlte auch so die
+gebührende Ehrfurcht, war gleich verwirrt und erzählte, soweit
+Redefreiheit ihm erlaubt war, daß sein Mantel ganz neu, daß er auf eine
+ganz unmenschliche Weise beraubt worden wäre, daß er sich jetzt an seine
+Exzellenz wende, damit seine Exzellenz durch ihre Fürsprache etwa ...
+damit sie sich in Verbindung setze mit dem Herrn Oberpolizeimeister
+oder sonst jemandem von der Polizei und auf diese Weise nach dem Mantel
+gesucht werde. Seiner Exzellenz erschien nun diese Sprache zu familiär.
+»Was heißt denn das, mein Herr,« unterbrach er ihn, »kennen Sie nicht
+die Vorschrift? Wohin sind Sie denn überhaupt gekommen? Wissen Sie
+nicht, wie man in einem solchen Falle vorzugehen hat? Sie hätten zuerst
+ein Bittgesuch in der Kanzlei einreichen sollen, so wäre es zuerst in
+die Hände des Kanzleivorstehers gekommen, dieser hätte es dem Sekretär
+übergeben, und der Sekretär hat es dann mir einzuhändigen.«
+
+»Ach, Eure Exzellenz,« erwiderte Akaki Akakiewitsch, indem er alles,
+was er an Mut in seiner Seele barg, herausholte und fühlte, daß er ganz
+entsetzlich schwitze, »ich war so frei, Eure Exzellenz selber damit zu
+belästigen, weil die Sekretäre ... weil sich auf die Sekretäre doch kein
+Mensch auf der Welt verlassen kann!«
+
+»Was, was, was?« rief die hochstehende Persönlichkeit. »Woher dieser
+Geist? Woher solche Gedanken? Welcher Geist des Aufruhrs unter den
+jungen Leuten gegen ihre Vorgesetzten!« (Die hochstehende Persönlichkeit
+schien gar nicht zu bemerken, daß Akaki Akakiewitsch schon seine
+fünfzig Jahre beisammen hatte und daß er nur im Vergleiche zu einem
+Siebzigjährigen etwa noch jung genannt werden konnte.) »Wissen Sie,
+zu wem Sie reden? Wissen Sie, wer vor Ihnen steht? Wissen Sie das
+oder nicht, frage ich?« Hier stampfte die Exzellenz mit dem Fuße auf
+den Boden und schrie so laut, daß sich auch ein anderer als Akaki
+Akakiewitsch gefürchtet hätte. Akaki Akakiewitsch verging vor Angst,
+zitterte am ganzen Körper und konnte sich kaum auf den Beinen erhalten;
+wenn die Diener ihn nicht gehalten hätten, wäre er zu Boden gesunken;
+sie trugen ihn wie leblos heraus. Die hochstehende Persönlichkeit,
+zufrieden damit, daß der Erfolg ihre Erwartungen übertroffen, ja
+berauscht von dem Gedanken, daß ein Wort von ihr einen Menschen des
+Bewußtseins zu berauben vermochte, sah den Freund von der Seite an, um
+sich zu vergewissern, wie dieser sich dabei benehme, und sie sah nicht
+ohne Vergnügen, daß dieser Freund sich äußerst unbehaglich fühlte und
+seinerseits auch schon Angst zu spüren begann.
+
+Wie er die Treppe herunter, wie er weiter auf die Straße gekommen sei,
+daran konnte Akaki Akakiewitsch sich nicht erinnern. Er spürte weder
+Hand noch Fuß; in seinem ganzen Leben war er noch nicht von einem
+General angeschrien worden, noch dazu von einem fremden. Auf der Straße
+wehte der Schnee, Akaki Akakiewitsch ging mit offenem Mund, der Wind
+blies wie immer in Petersburg von allen vier Seiten, im Nu hatte er sich
+erkältet, so kam er zu Hause an, ohne die Kraft zu haben, auch nur ein
+Wort zu sagen. Er fror und legte sich ins Bett. Den nächsten Tag lag
+er im Fieber. Dank dem großmütigen, hilfsbereiten Petersburger Klima
+schritt die Krankheit schneller vor, als man sonst hätte erwarten
+dürfen, und nachdem der Doktor ihm den Puls gefühlt hatte, fand er
+nichts anderes mehr zu tun vor, als ein Rezept zu schreiben, nur damit
+der Kranke nicht ganz ohne die wohltätige Hilfe der Medizin sei, und
+erklärte ihm auch, daß er nicht mehr als höchstens zwei Tage werde zu
+leben haben; und sich zur Wirtin kehrend, setzte er hinzu: »Und Ihr,
+Alte, verliert nur keine Zeit und bestellt lieber gleich einen Sarg aus
+Fichtenholz; einer aus Eiche ist für ihn sowieso zu teuer.« Hatte Akaki
+Akakiewitsch diese für ihn so überaus trostreichen Worte gehört oder
+nicht, haben sie ihn zu erschüttern vermocht, bedauerte er jetzt sein
+sorgenreiches, erbärmliches Leben -- niemand vermag es zu sagen, denn
+Akaki Akakiewitsch befand sich die ganze Zeit über im Delirium. Ein
+Gesicht nach dem anderen ohne Unterbrechung jagte durch sein Gehirn:
+Petrowitsch erschien ihm, und er bestellte bei ihm einen Mantel, in- und
+auswendig voll von Fallen gegen die Diebe; diese lagen unter dem Bett,
+und er schrie nach der Wirtin, sie sollte einen von ihnen unter seiner
+Bettdecke, wohin dieser schon geraten sei, hervorziehen. Dann fragte
+er, warum vor ihm die alte Kapuze hänge, da er jetzt doch einen neuen
+Mantel besäße; auch schien ihm, er stünde vor dem General und ließ
+sich herunterreißen und sagte nur immer wieder: Verzeihung, Exzellenz,
+Verzeihung! Dann wieder fluchte er und nahm so entsetzliche Worte in den
+Mund, daß sich die Wirtin bekreuzigte; noch nie hatte sie solche Worte
+aus diesem Munde vernommen, und jetzt folgten diese Flüche stets
+unmittelbar auf: »Eure Exzellenz«. Später sprach er nur mehr noch ganz
+sinnloses Zeug, man konnte nur unterscheiden, daß sie alle sich um ein
+und denselben Mantel drehten. Endlich gab der arme Akaki Akakiewitsch
+seinen Geist auf.
+
+Weder seine Zimmer noch irgendwelche Sachen darin wurden mit dem
+staatlichen Siegel versehen, denn erstens hatte er keine Erben und
+zweitens hinterließ er nur sehr wenig und zwar: ein Bündelchen mit
+Gänsefedern, ein Buch Amtspapier, drei Paar Socken, zwei bis drei
+abgerissene Hosenknöpfe und dann die dem Leser bekannte Kapuze. Wem das
+alles blieb, weiß Gott; ich gestehe, daß ich mich auch weiter darum
+nicht gekümmert habe.
+
+Sie trugen Akaki Akakiewitsch heraus und begruben ihn. Und Petersburg
+blieb nun ohne Akaki Akakiewitsch, als wie wenn er niemals in dieser Stadt
+gelebt hätte. Mit ihm schwand hin und verbarg sich für ewig ein Geschöpf,
+das keines Menschen Schutz genossen hatte, niemandem teuer und für
+niemand von irgendwelchem Interesse und nicht einmal die Aufmerksamkeit
+eines Naturforschers auf sich zu ziehen imstande war, als welcher es ja
+nicht einmal verschmäht, eine gemeine Fliege aufzuspießen und unter dem
+Mikroskop zu betrachten -- ergeben hatte er den Hohn seiner Kollegen
+ertragen und stieg, ohne irgendeine außerordentliche Tat verrichtet zu
+haben, ins Grab hinab. Doch auch er ist einmal, ganz kurz vor seinem
+Lebensende, im Licht gestanden, und der Mantel hatte für einen
+Augenblick sein armseliges Leben reich gemacht, und dann fiel ihn das
+Unglück an, nicht anders als es die Mächtigen der Erde anfällt.
+
+Einige Tage nach seinem Tode wurde aus dem Ministerium ein Diener in
+sein Quartier geschickt mit dem Befehle, sofort zu erscheinen, der
+Vorstand will es; doch kam der Amtsdiener ohne ihn zurück mit der
+Antwort, Akaki Akakiewitsch könne nicht mehr kommen. Auf die Frage:
+warum? erwiderte er: »Darum, er ist tot; vor vier Tagen haben sie ihn
+begraben.« So erfuhren sie im Amte den Tod des Akaki Akakiewitsch, und
+am nächsten Tage saß schon ein neuer an seiner Statt; dieser war viel
+größer und schrieb die Buchstaben bei weitem nicht mehr in so gerader
+Linie, sondern eben viel schiefer.
+
+Doch wer kann sich vorstellen, daß hier noch nicht alles von Akaki
+Akakiewitsch gesagt ist, daß dieser vielmehr verurteilt war, noch einige
+Tage fortzuleben nach seinem Tode, gleichsam zum Ersatz dafür, daß sein
+Leben so unbemerkt geblieben war. Es hatte sich jedenfalls so zugetragen,
+und unsere nüchterne Erzählung nimmt jetzt ganz unerwartet ein
+phantastisches Ende.
+
+In Petersburg entstand plötzlich das Gerücht, daß in der Umgebung der
+Kalinkinbrücke sich nachts ein Gespenst zeige, es gleiche einem Beamten,
+der so tue, als ob er einen Mantel suchte, den man ihm genommen hätte,
+und nun von allen Schultern, ohne Unterschied des Ranges und Berufes, in
+der Meinung, es sei sein eigener, alle Mäntel reiße, ob diese nun mit
+Katzen-, Biber-, Fuchs-, Nerz- oder Bärenfell oder auch nur mit Watte
+gefüttert wären. Ein Ministerialbeamter sah mit eigenen Augen das
+Gespenst und erkannte in ihm sofort Akaki Akakiewitsch, und er bekam
+davon einen solchen Schrecken, daß er auf und davon stürzte, das
+Gespenst nicht genauer betrachten konnte und nur sah, wie dieses ihm mit
+dem Finger drohte. Von allen Seiten liefen Klagen ein, daß nicht nur
+Titular-, sondern auch Hofräte von einer tüchtigen Erkältung befallen
+wären, weil ihnen der Pelz von den Schultern gerissen worden wäre. Die
+Polizei machte Anstalten, des Gespenstes tot oder lebendig habhaft zu
+werden und hatte den Beschluß gefaßt, dieses aufs strengste, anderen
+zur Warnung, zu bestrafen, doch blieb jede Bemühung ohne Erfolg. Einmal
+hatte ein Wachtposten in der Kiryschkingasse das Gespenst schon am
+Kragen, gerade im Augenblicke, als dieses einem verabschiedeten
+Musikanten, der seinerzeit die Flöte geblasen hat, den Mantel rauben
+wollte. Er hatte es schon, sage ich, fest und rief nur zwei Kameraden,
+die sollten ihn halten, solange bis er aus dem Stiefel seine Tabaksdose
+gezogen hätte, um seine mindestens schon sechsmal erfrorene Nase zu
+erfrischen, doch war der Tabak derart, daß ihn nicht einmal ein Gespenst
+aushalten konnte. Kaum hatte der Wachtposten, mit dem Finger das rechte
+Nasenloch zuhaltend, ins linke den Schnupftabak gezogen, als das
+Gespenst so heftig zu niesen begann, daß es nur so in aller drei Augen
+spritzte. Und so, während sie sich noch die Augen rieben, verschwand
+das Gespenst, und sie wußten später nicht einmal, ob sie es wirklich in
+Händen gehabt hätten oder nicht. Seitdem hatten die Wachtposten alle
+eine solche Furcht vor Gespenstern, daß sie es nicht mehr wagten, diese
+lebend zu fangen, und ihnen nur von weitem zuriefen: »Du, geh du nur
+deines Weges!« und das Gespenst des Titularrats sich jetzt schon
+jenseits der Kalinkinbrücke zeigte und dort allen furchtsamen Leuten
+keine geringe Angst einjagte.
+
+Doch wir haben ganz und gar die hochstehende Persönlichkeit sitzen
+lassen, die doch in Wirklichkeit die Ursache davon war, daß unsere wahre
+Geschichte nun eine so phantastische Richtung genommen hat. Zunächst
+sind wir es der Gerechtigkeit schuldig zu berichten, daß sie bald
+nachdem seinerzeit der arme, heruntergerissene Akaki Akakiewitsch
+herausgegangen war, etwas wie Bedauern fühlte. Mitleid war ihr ja nicht
+fremd: ihr Herz war guter Regungen entschieden fähig, wenn sie auch ihr
+Rang meist daran hinderte, diese zu äußern. Sowie sie aber ihr Freund
+verlassen hatte, fing sie an, sich über den armen Akaki Akakiewitsch
+Gedanken zu machen. Und seitdem sah er jeden Tag im Geiste den bleichen
+Titularrat vor sich, niedergedrückt von seinem Verweis. Ja der Gedanke
+an ihn beunruhigte ihn so, daß er nach einer Woche beschloß, zu ihm
+einen Beamten zu schicken, um zu erfahren, wer er denn sei und in
+welcher Lage, und ob man nicht etwas für ihn tun könnte; und als ihm
+berichtet wurde, daß Akaki Akakiewitsch kurz darauf an Fieber gestorben
+wäre, war er ganz betroffen, fühlte Gewissensbisse und konnte den ganzen
+Tag nicht in Stimmung kommen.
+
+Doch er wollte sich ein wenig zerstreuen und den peinlichen Eindruck
+vergessen, und darum fuhr er abends zu einem seiner Kameraden, wo er
+Leute aus der guten Gesellschaft vorfand und, was noch wichtiger war,
+alle beinahe denselben Rang hatten, so daß er sich ganz frei bewegen
+konnte. Und das hatte eine wunderbare Wirkung auf sein Gemüt. Er war
+aufgeweckt, war sehr zuvorkommend im Gespräche, liebenswürdig -- mit
+einem Worte, verbrachte den Abend äußerst angenehm. Zum Souper trank
+er zwei Gläser Champagner -- bekanntlich kein schlechtes Mittel, die
+Heiterkeit zu heben. Sie machten ihn zu tollen Streichen aufgelegt, das
+heißt: er beschloß, nicht nach Hause, sondern zu einer ihm bekannten
+Dame, Katharina Iwanowa, zu fahren, einer Deutschen, zu der er in sehr
+freundschaftlichen Beziehungen stand. Es muß noch gesagt werden, daß die
+hochstehende Persönlichkeit nicht mehr sehr jung, ein sehr guter Gatte
+und sehr ehrbarer Familienvater war. Zwei Söhne, von denen einer schon
+in der Kanzlei Dienst tat, und eine liebliche, sechzehnjährige Tochter
+mit einer hübschen, ein wenig gebogenen Nase gaben ihm jeden Morgen
+einen Kuß und sagten »bonjour, papa«. Seine Gattin, die weder alt noch
+häßlich war, reichte ihm jedesmal zuerst ihre Hand zum Kusse und küßte
+dann das Innere der Hand ihres Gatten. Trotzdem also die hochstehende
+Persönlichkeit mit den häuslichen Zärtlichkeiten sich durchaus
+zufrieden geben konnte, fand sie es doch sehr schicklich, für ihre
+Freundschaftsbedürfnisse eine Freundin in einem anderen Stadtteil zu
+haben. Diese war weder hübscher noch jünger als seine Frau, aber es
+gibt nun schon solche Rätsel im Leben der Menschen, und die zu lösen ist
+hier nicht meine Aufgabe. Die hochstehende Persönlichkeit ging also die
+Stiege hinab, setzte sich in den Schlitten und rief dem Kutscher zu: »Zu
+Katharina Iwanowa!« In ihren kostbaren, warmen Mantel eingewickelt,
+befand sie sich in der Gemütslage, die jeder Russe für die glücklichste
+hält, das heißt: er selber denkt an nichts, während so ein angenehmer
+Gedanke nach dem anderen ihm durch den Kopf geht, ohne daß er die Mühe
+hätte, nach ihnen zu jagen und sie zu suchen. Seine Exzellenz dachte an
+die Gesellschaft, aus der sie kam, erinnerte sich an alle die treffenden
+Aussprüche, mit welchen sie den ganzen Kreis zum Lachen gebracht hatte;
+einige wiederholte sie jetzt halblaut vor sich und fand, daß sie eben
+noch so witzig wären wie vorhin und daß es darum gar nicht dumm sei, wenn
+sie selber darüber gelacht habe. Nur zuweilen störte ihre gute Stimmung
+ein heftiger Windstoß, der sie, Gott weiß woher und warum, plötzlich
+überfiel, ihr ins Gesicht Schneeflocken trieb und den Mantelkragen ganz
+wie ein Segel blähte und diesen ihr mit unnatürlicher Kraft um den Kopf
+schlug, so daß ihre Kraft kaum reichte, sich da herauszuarbeiten. Doch
+da fühlte sie schon, daß jemand sie sehr fest am Kragen packe. Sie drehte
+sich um, sah einen Menschen von kleinem Wuchs in einer alten, abgetragenen
+Uniform, und erkannte in ihm nicht ohne Schrecken Akaki Akakiewitsch.
+Das Gesicht des Beamten war bleich wie Schnee, und er blickte wie ein
+Toter. Doch der Schrecken der hochstehenden Persönlichkeit war ohne
+Grenzen, da sie sah, daß der Mund des Toten sich auftat und, indem er
+einen entsetzlichen Leichengeruch ausströmte, die Worte sprach: »Da bist
+du endlich. Jetzt habe ich dich ... Deinen Mantel brauche ich! Du hast
+dich nicht um meinen gekümmert, du hast mich heruntergerissen! Jetzt her
+mit deinem!«
+
+Die hochstehende Persönlichkeit wäre vor Schreck beinahe gestorben. Wenn
+sie in der Kanzlei auch viel Mut besaß und jeder, der ihr männliches
+Gesicht und ihre Figur ansah, ausrief: O was für ein Kerl! doch jetzt
+empfand sie gleich vielen Riesen eine solche Angst, daß sie nicht ohne
+Grund für ihre Gesundheit fürchtete. Sie selber nahm von ihrer Schulter
+den Mantel und schrie dem Kutscher zu: »Nach Hause, so schnell du
+kannst!« Da der Kutscher die Stimme hörte, die gewöhnlich so nur in sehr
+entschlossenen Augenblicken tönte und dann meist von etwas begleitet
+war, das sehr handgreiflich war, duckte er seinen Kopf, schwang die
+Peitsche und kehrte wie der Blitz um. In sechs Minuten war die
+hochstehende Persönlichkeit schon vor der Einfahrt ihres Hauses. Bleich,
+geängstigt, ohne Mantel fuhr sie also statt bei Katharina Iwanowa bei
+sich selber vor, stahl sich irgendwie in ihr Zimmer und brachte dort
+die Nacht in solcher Unruhe zu, daß am nächsten Morgen beim Tee das
+Töchterchen zu ihr sagte: »Du bist aber bleich heute, Papa.« Doch Papa
+schwieg und sprach zu niemandem ein Wort von dem, was sich mit ihm
+zugetragen hätte, wo er gewesen wäre und wohin er fahren wollte.
+Das Erlebnis machte auf ihn einen starken Eindruck. Er redete schon
+bedeutend seltener seine Untergebenen an mit dem bekannten: Wie können
+Sie es wagen? Wissen Sie, wer vor Ihnen steht? Und wenn es schon nicht
+anders ging, so geschah es doch niemals, bevor er nicht gehört hätte,
+worum es sich handelte.
+
+Aber noch bemerkenswerter erscheint mir, daß sich seitdem das Gespenst
+nicht mehr gezeigt hat. Anscheinend hatte ihm der Generalsmantel
+vollkommen gepaßt; zum mindesten hat man nicht mehr von Fällen gehört,
+daß nachts Mäntel von den Schultern der Passanten gerissen worden wären.
+Natürlich ließen sich einige geschäftige Leute nicht beruhigen und
+erzählten, in entfernten Stadtteilen hätte sich das Gespenst des Beamten
+wieder gezeigt. Und ein Wachtposten hat sogar mit eigenen Augen gesehen,
+wie die Erscheinung aus einem Hause gekommen sei, doch da er eher schwach
+von Kräften war -- so daß ihn einmal ein gewöhnliches ausgewachsenes
+Schwein, das aus einem Hof gestürzt kam, umwarf zum größten Gelächter
+der umstehenden Droschkenkutscher, von denen er sich dann einen Groschen
+für Tabak ausbat, weil sie Spott mit ihm getrieben hätten -- ich sage,
+da er eher schwach von Kräften war, wagte er nicht, es anzuhalten,
+vielmehr ging er ihm in der Finsternis nach so lange, bis sich das
+Gespenst plötzlich umdrehte und ihn fragte, was er eigentlich von ihm
+wolle, und ihm dabei eine solche Faust zeigte, wie man sie an Lebendigen
+nicht sieht. Der Wachtposten antwortete nur: »Nichts!« und drehte im
+Augenblick um. Nur war das Gespenst viel größer als der Titularrat und
+trug einen ungeheuren Schnurrbart. Es ging mit großen Schritten auf die
+Obuchoffsche Brücke zu und verschwand dort endgültig im Dunkel der
+Nacht.
+
+
+
+
+Nachwort
+
+
+Dostojewski schreibt an einen Freund: »Wir alle kommen aus dem =Mantel=.«
+Aus diesem Satze erhellt deutlich die Bedeutung dieser unvergleichlichen
+Erzählung. Es handelt sich hier nicht um eine neue Kunstform oder eine
+neue Stimmung, vielmehr ganz und gar um einen neuen Menschen. Was die
+Fresken Masaccios für die Renaissance bedeuten, das bedeutet Gogols
+»Mantel« für die großen Erzähler des russischen Volkes. In Dostojewskis
+»Karamasows« hat das, was im »=Mantel=« begonnen wurde, sein Ende und
+sein größtes Maß erreicht. Der Mensch im »Mantel« erst ist die völlige
+Überwindung des Menschen des achtzehnten Jahrhunderts, er ist es und
+nicht die Romantiker oder Edgar A. Poe oder der Mensch Balzacs.
+
+ R. K.
+
+ Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei, Leipzig
+
+
+
+
+Im Insel-Verlag zu Leipzig erschienen:
+
+TAUSEND UND EINE NACHT. Aus der von _Felix Paul Greve_ besorgten
+vollständigen Ausgabe ausgewählt von _Paul Ernst_. Doppeltitel,
+Initialen und Einbandzeichnung von _Marcus Behmer_. Vier Bände.
+In Halbleinen mit Überzug nach Zeichnung von _Marcus Behmer_ 16 M.;
+in Leder 28 M.
+
+Durch unsere vollständige Ausgabe erhielt der deutsche Leser zum
+erstenmal einen Begriff von der echten Dichtung der Tausend und ein
+Nächte, die bisher nur in Bearbeitungen bei uns bekannt war. Auch die
+neue Insel-Auswahl beruht auf der vollständigen Übertragung und ist
+wirklich Auswahl, nicht aber Kürzung und Bearbeitung.
+
+ * * * * *
+
+DIE ERZÄHLUNGEN AUS DEN TAUSEND UND EIN NÄCHTEN. Erste vollständige
+deutsche Ausgabe in zwölf Bänden, auf Grund der Burtonschen englischen
+Ausgabe besorgt von _Felix Paul Greve_. Mit einer Einleitung von _Hugo
+von Hofmannsthal_ und einer Abhandlung von Professor _Karl Dyroff_ über
+Entstehung und Geschichte des Werkes. Titel- und Einbandzeichnung von
+_Marcus Behmer_. Geheftet 60 M.; in Leinen 72 M.; in Leder 84 M.
+
+ * * * * *
+
+TAUSEND UND EIN TAG. Orientalische Erzählungen. Ausgewählt und
+eingeleitet von _Paul Ernst_. Übertragen von _Felix Paul Greve_ und
+_Paul Hansmann_. Titel- und Einbandzeichnung von _Marcus Behmer_. Vier
+Bände. In Leinen 20 M.; in Leder 28 M.
+
+Eine Sammlung, die die besten derjenigen Märchen und Erzählungen
+enthält, die in 1001 Nacht fehlen. Hermann Hesse im »März«: Wer Tausend
+und eine Nacht liebt, wird die Aussicht auf weitere vier Bände solcher
+orientalischer Geschichten mit heller Freude begrüßen.
+
+ * * * * *
+
+DOSTOJEWSKI: SCHULD UND SÜHNE. Deutsch von _H. Röhl_. In Leinen 3 M.; in
+Leder 5 M.
+
+ * * * * *
+
+MICHAEL LERMONTOFF: EIN HELD UNSERER ZEIT. Ein Roman. Übertragung von
+_Michael Feofanoff_. In Leinen 4 M.; in Leder 5 M.
+
+ * * * * *
+
+JWAN TURGENJEFF: GEDICHTE IN PROSA. Übertragen von _Th. Comichau_.
+_Zweite Auflage._ In Leinen 3 M.; in Leder M. 3.50.
+
+ * * * * *
+
+JWAN TURGENJEFF: VÄTER UND SÖHNE. Roman. In der vom Dichter selbst
+revidierten Übertragung. In Leinen 3 M.; in Leder 5 M.
+
+ * * * * *
+
+GUSTAVE FLAUBERT: FRAU BOVARY. Rom. Übertrag. v. _A. Schurig_. In Leinen
+3 M.; in Leder 5 M.
+
+ * * * * *
+
+GUSTAVE FLAUBERT: SALAMBO. Roman. Übertragen von _A. Schurig_. In Leinen
+3 M.; in Leder 5 M.
+
+ * * * * *
+
+GUSTAVE FLAUBERT: DIE LEGENDE VON ST. JULIAN DEM GASTFREIEN. Deutsch von
+_Ernst Hardt_. In Pappband M. --.50.
+
+ * * * * *
+
+ABBÉ PRÉVOST D'EXILES: GESCHICHTE DER MANON LESCAUT UND DES CHEVALIER
+DES GRIEUX. Deutsche Übertragung von _Julius Zeitler_. Mit 4 Vollbildern
+von _Fr. von Bayros_. _2. Auflage._ In Halbleder M. 6.50, in Leder
+M. 7.50.
+
+ * * * * *
+
+HENRI MURGER: DIE BOHÊME. Szenen aus dem Pariser Künstlerleben. Mit
+Titelzeichnung und fünf Vollbildern von _Franz von Bayros_. _Zweite
+Auflage._ In Leinen 6 M., in Leder M. 8.50. -- Nichtillustrierte
+Ausgabe: in Leinen 3 M., in Leder 5 M.
+
+
+
+
+[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+steht.
+
+hängen. Doch kaum hatte er verstanden, warum es sich wieder handle, als
+hängen. Doch kaum hatte er verstanden, worum es sich wieder handle, als
+
+worum es sich handelte
+worum es sich handelte.
+]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Mantel, by Nicolaj Gogol
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MANTEL ***
+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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