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+The Project Gutenberg EBook of Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande
+Baden und den angrenzenden Gegenden, by Various
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden
+
+Author: Various
+
+Editor: Bernhard Baader
+
+Release Date: November 9, 2008 [EBook #27206]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN ***
+
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+
+Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+Neugesammelte Volkssagen
+
+aus dem Lande Baden
+
+und den
+
+angrenzenden Gegenden.
+
+
+Von
+
+Bernhard Baader.
+
+
+Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem
+Lande Baden &c.
+
+
+Karlsruhe.
+
+A. Geßner'sche Buchhandlung.
+
+1859.
+
+
+
+
+Vorbericht.
+
+
+Zu meinen »Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden«
+(Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit
+gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde
+entnommen habe, und füge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende
+Berichtigungen bei. Gerne hätte ich einen förmlichen zweiten Theil
+geliefert, aber bei meinem vorgerückten Alter war ich dazu außer Stande,
+und ich überlasse nun rüstigeren Kräften, aus unserem sagenreichen Lande
+weitere Schätze zu Tage zu fördern.
+
+Karlsruhe, den 15. September 1858.
+
+ _Bernhard Baader._
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichniß.
+
+
+ Seite
+
+ 1. Die Eisschreiber 1
+
+ 2. Poppele beschenkt Arme 1
+
+ 3. Kirschen in Geld verwandelt 2
+
+ 4. Teufelsritze 3
+
+ 5. Das beschirmte Kruzifix 3
+
+ 6. Spukgeist bei Ruchenschwand 3
+
+ 7. Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres 4
+
+ 8. Mildthätiges Männlein 4
+
+ 9. Schatz gehoben 5
+
+ 10. Hostie vor Entheiligung bewahrt 6
+
+ 11. Die Basler Silberglocke 7
+
+ 12. Wie der Teufel in einen Mann kommt 7
+
+ 13. Geist gebannt 7
+
+ 14. Die Burg Rötteln 9
+
+ 15. Die Häfnet-Jungfrau 9
+
+ 16. Erdleute 10
+
+ 17. Reiter mit Geisfüßen 12
+
+ 18. Zigeuner 13
+
+ 19. Zaubermelkerei 14
+
+ 20. Fronfastenweiber 15
+
+ 21. Brennende Männer 15
+
+ 22. Goldtinktur 16
+
+ 23. Geist unter der Hölzlesbrücke 16
+
+ 24. Heiligkeit des Sonnabends 16
+
+ 25. Scherben werden zu Goldstücken 17
+
+ 26. Sitzenkirch 17
+
+ 27. Die Sausenburg 17
+
+ 28. Kraft des Wolfssegens 20
+
+ 29. Kind von Gold 21
+
+ 30. Kreuz zu St. Trutbert 22
+
+ 31. Geld in Asche verwandelt 22
+
+ 32. Brandkorn wird zu Gelde 22
+
+ 33. Messen nachgeholt 23
+
+ 34. Weiße Jungfrau 24
+
+ 35. Geist nieset 25
+
+ 36. Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb 26
+
+ 37. Geistige Nonne 26
+
+ 38. Geld sonnt sich 27
+
+ 39. Geldmännlein 27
+
+ 40. Todter von Erde und Wasser ausgeworfen 28
+
+ 41. Todtenvorschau 29
+
+ 42. Hexe als Hase 29
+
+ 43. Die Grüninger Kapelle 30
+
+ 44. Der Schatz im Ambringer Grunde 31
+
+ 45. Kirchenverhöhnung bestraft 32
+
+ 46. Die Tafel bei Kirchhofen 32
+
+ 47. Das Brunnenbecken zu St. Ulrich 33
+
+ 48. Das Huttenweiblein 34
+
+ 49. Der heilige Bernhard zu Freiburg 35
+
+ 50. Pferde schauen zum Speicher hinaus 36
+
+ 51. St. Martin bei Oberried 37
+
+ 52. Schützen-Klaus 38
+
+ 53. Teufel helfen am Bau der Eisenbahn 38
+
+ 54. Des Schwarzenberger's Bekehrung 38
+
+ 55. Forelle am Kandelfelsen 39
+
+ 56. Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's 40
+
+ 57. Der Ahornbauer 41
+
+ 58. Der Blindensee will ausbrechen 41
+
+ 59. Zum todten Hund 42
+
+ 60. Messen angelobt 42
+
+ 61. Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf 43
+
+ 62. Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten 44
+
+ 63. Mordthat offenbart 45
+
+ 64. Wunderbarer Hirsch 46
+
+ 65. Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier 47
+
+ 66. Das Grabenthier 47
+
+ 67. Gespenstiges Thier 47
+
+ 68. Feenweg 48
+
+ 69. Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach 49
+
+ 70. Verwunschener Schüler 50
+
+ 71. Geist erlöst 50
+
+ 72. Die lange Ell 51
+
+ 73. Der Teufel kommt um die Beute 51
+
+ 74. Reden bringt um den Schatz 52
+
+ 75. Feiertags-Entheiligung bestraft 52
+
+ 76. Schatz und Spuk auf der Schauenburg 53
+
+ 77. Teufelsstein 53
+
+ 78. St. Antonius bei Oberachern 54
+
+ 79. Hohinrot's Erbauung 55
+
+ 80. Brigitte 55
+
+ 81. Wunderquelle 57
+
+ 82. Vergeltung 57
+
+ 83. Gotteslästerung bestraft 58
+
+ 84. Kröten in Geld verwandelt 58
+
+ 85. Schatz versinkt beim Fluchen 58
+
+ 86. Bestrafte Sakramentschänder 59
+
+ 87. Stole schützt vor dem höllischen Feuer 59
+
+ 88. Mariabild zu Steinbach 61
+
+ 89. Meisterschuß 62
+
+ 90. Bund mit dem Teufel 62
+
+ 91. Geist vertragen 64
+
+ 92. Lichtenthals Erbauung 65
+
+ 93. Erdweiblein 66
+
+ 94. Fordere den Teufel nicht heraus 67
+
+ 95. Seefrauen 67
+
+ 96. Forbachs ältestes Haus 69
+
+ 97. Verwünschung 69
+
+ 98. Der Wolfsstein 70
+
+ 99. Knorr 70
+
+ 100. Der Grafensprung 72
+
+ 101. Erdweiblein 72
+
+ 102. Schatz bei Gernsbach 73
+
+ 103. Der Bildstock am Hördtelstein 74
+
+ 104. Schätze bei Michelbach 75
+
+ 105. Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn 76
+
+ 106. Steine in Geld verwandelt 77
+
+ 107. Der Rötterer Berg bei Rastatt 77
+
+ 108. Steinbild in Sulzbach 78
+
+ 109. Doppelmord wegen eines halben Kreuzers 79
+
+ 110. Messe nachgeholt 79
+
+ 111. Burgstadel 80
+
+ 112. Spielleute beim Hexentanz 82
+
+ 113. Der Jungfernsprung bei Dahn 83
+
+ 114. Schatz gehoben 84
+
+ 115. Die Schlorpengasse 84
+
+ 116. Laß die Todten ruhen 85
+
+ 117. Todesvorzeichen 85
+
+ 118. Schuhwechsel 86
+
+ 119. Todesvorzeichen 86
+
+ 120. Der Thurmberg bei Durlach 87
+
+ 121. Schatz ausgeliefert 89
+
+ 122. Der Feuerschläger 90
+
+ 123. Königsbach 90
+
+ 124. Nachgeholte Wallfahrt 92
+
+ 125. Geist zu Weingarten 93
+
+ 126. Marienburg 93
+
+ 127. Reden bringt um den Schatz 94
+
+ 128. Wie Bruchsal um den Eichelberg kam 95
+
+ 129. Muttergottesröslein 96
+
+ 130. Hexenkuchen 96
+
+ 131. Tochter dem Teufel verschrieben 97
+
+ 132. Gespenstige Rathsversammlung 100
+
+ 133. Meerweiblein 100
+
+ 134. Zauberarbeit 102
+
+ 135. Raubmörder geht um 102
+
+ 136. Einem Todten gehört ein Licht 103
+
+ 137. Ladung vor Gottes Gericht 104
+
+ 138. Schatzhöhle bei Waldangelloch 104
+
+ 139. Fahrsamenbesitzer und Banner 105
+
+ 140. Schatz bei Sinsheim 108
+
+ 141. Fußstapfe im Stein 108
+
+ 142. Vorzeichen reicher Weinernte 108
+
+ 143. Der wilde Jäger 109
+
+ 144. Geisterlärm verhindert Waldfrevel 109
+
+ 145. Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht 110
+
+ 146. Boxberg's Name 110
+
+ 147. Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel 110
+
+ 148. Hexe verunglückt 111
+
+ 149. Hexenstein 111
+
+ 150. Hexe als Gans 112
+
+ 151. Goldene Kugel 112
+
+ 152. Hexe als Löwe 113
+
+ 153. Heiligenfrevel bestraft 113
+
+ 154. Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt 114
+
+ 155. Der Radstein 114
+
+
+
+
+1.
+
+Die Eisschreiber.
+
+
+Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die
+Konstanzer dies Ereigniß, um es der Nachwelt kund zu thun, in die
+Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frühjahr wieder zu Wasser
+wurde.
+
+
+
+
+2.
+
+Poppele beschenkt Arme.
+
+
+In der Gegend von Hohenkrähen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu
+einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt
+war, allein Kegel schob.
+
+Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen
+Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstücke einsetzte. Nicht lange,
+so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darüber zu
+trösten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen
+sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehörenden in's Gras
+weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile
+wurde dem erstern das Felleisen so schwer, daß er durch seinen Gefährten
+nachsehen ließ, und siehe, der Kegel glänzte und war von gediegenem
+Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurück, wo
+er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er
+ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der plötzlich dastand, eine
+tüchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: »Den Kegel lässest Du liegen;
+Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!«
+
+Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, daß sie bei
+ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung
+haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele möge ihr helfen. Da
+kam er, als Jäger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage
+geschildert hatte, bat sie ihn um ein Fäßlein guten Weines. Er ließ sie
+gleich ein leeres von Haus herholen und füllte es dann aus einem andern,
+indem er sagte: »Den Wein laß Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit
+zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben!« Die Frau
+machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im
+Fäßlein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch
+von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm
+endlich, sich ein Krüglein voll zu holen; allein als er den Hahn des
+Fäßleins aufdrehen wollte, stand Poppele plötzlich da und gab ihm eine
+derbe Ohrfeige, mit den Worten: »Der Wein ist nicht für Dich, Du
+Verschwender! sondern für Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr
+hat.« Das Fäßlein war nun leer und auf immer versiegt.
+
+
+
+
+3.
+
+Kirschen in Geld verwandelt.
+
+
+Im Gemeindewaschhaus zu Stühlingen sah einmal eine Frau einen Haufen
+schöner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar
+Handvoll für ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren
+sie in Dreibätzner verwandelt. Schnell begab sich die Frau in das
+Waschhaus zurück; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch
+Geldstücke.
+
+
+
+
+4.
+
+Teufelsritze.
+
+
+Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwölf Bursche
+als Pelznikel und gingen umher in die Häuser. Als sie auf die Wohnung
+eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, daß es dreizehn
+seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwölf und nachher auf der
+Straße abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdächtig vor, daß er sie
+an's Haus zurück rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der
+dreizehnte mit fürchterlichem Gebrülle davon in die Lüfte. Hierbei
+kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite,
+bogenförmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und
+nicht mehr vertilgt werden können.
+
+
+
+
+5.
+
+Das beschirmte Kruzifix.
+
+
+Über dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit
+vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in
+den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht
+von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das
+Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden.
+
+
+
+
+6.
+
+Spukgeist bei Ruchenschwand.
+
+
+Franz Oberst zu Ruchenschwand erzählte:
+
+Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nach dem Abendgeläute auf den
+Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hörte dabei einen
+Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich
+später als sonst zurückging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen.
+Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm
+Orte zu, wohin er mir zu gehören schien. Aber in der Nähe des Grabens
+warf mich das Pferd plötzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes,
+zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wußte ich, wer
+am Stege so oft mich gefoppt, und hütete mich fortan, nach der
+Abendglocke diesen Weg zu machen.
+
+
+
+
+7.
+
+Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres.
+
+
+Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Säckingen in
+Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr
+ein fruchtbares.
+
+
+
+
+8.
+
+Mildthätiges Männlein.
+
+
+Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schäfer
+seine Heerde, und eben wollte er sein kärgliches Mittagsmahl verzehren,
+als er ein altes Männlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe
+grüßte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Während sie
+beisammen saßen, erkundigte sich das Männlein nach des Schäfers
+Verhältnissen, und als es gehört, daß er viele Kinder und kein Vermögen
+habe, hieß es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und
+gelangten zu einer großen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne
+Thüre und über derselben ein rundes Loch war. Aus diesem holte das
+Männlein einen Schlüssel hervor, schloß damit die Thüre auf und trat
+nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten
+und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Geheiß seines
+Führers schlug der Schäfer die Deckel der Kisten in die Höhe, deren eine
+mit Silber-, die andere mit Goldmünzen angefüllt war. »Nimm Dir nur«,
+sprach das Männlein, »von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber
+mußt du stehen lassen, denn sie enthält die Goldtinktur!« Ohne zu
+säumen, pfropfte der Schäfer alle seine Taschen mit Goldstücken voll und
+folgte dann dem Männlein wieder aus der Kammer, welches deren Thüre
+zuschloß, den Schlüssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten
+verschwand. In großer Freude brachte der Schäfer das Geld nach Hause,
+sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu
+verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach
+dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthürme
+er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge
+konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei
+Kirchthürme zu sehen, wieder auffinden.
+
+
+
+
+9.
+
+Schatz gehoben.
+
+
+Im Walde bei Brugg zeigte sich öfters unter einer Weißhasel ein
+nächtliches Lichtlein. Daraus schloß eine Frau, daß dort ein Schatz
+vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging
+sie mit ihren beiden Söhnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht
+dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer
+Weißhasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort
+gegraben, stießen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf
+einer eisernen Kiste saß. Er hatte feurige Augen und knurrte
+unaufhörlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit
+der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann
+hoben sie die Kiste ungestört heraus und brachten sie nach Hause, wo sie
+dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefüllt fanden.
+
+
+
+
+10.
+
+Hostie vor Entheiligung bewahrt.
+
+
+Ein Mann in Brig, welcher für sehr fromm galt, verschied, nachdem er
+von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In
+der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwölf Uhr zwei schöne
+Jünglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der
+die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von
+ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof geführt.
+Dort öffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete
+sich in die Höhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch
+unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Geheiß
+seiner Führer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem
+Gesicht in den Sarg zurücksank. Nachdem die Jünglinge das Grab wieder
+zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des
+Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, daß es
+zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, daß der Verstorbene
+ein sündhaftes Leben geführt habe und seine Frömmigkeit nur Heuchelei
+gewesen sey.
+
+
+
+
+11.
+
+Die Basler Silberglocke.
+
+
+Zur ersten Zwinglischen Predigt im Münster zu Basel sollte mit der
+alten, hochgeweihten Silberglocke geläutet werden; aber beim ersten Zuge
+fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man weiß die Stelle, wo sie
+liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird
+jedoch erst dann gelingen, wenn das Münster wieder eine katholische
+Kirche ist.
+
+
+
+
+12.
+
+Wie der Teufel in einen Mann kommt.
+
+
+Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der böse Geist getrieben,
+wobei er um die Erlaubniß bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er
+sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: »So, nun wohne ich in
+vierzehn Tagen wieder in einem Menschen«. »Wie so?« fragte der
+Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: »Der Grashalm, in welchen
+ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie
+und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem
+Melkkübel trinkt«. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in
+einer andern Gegend wohnte, vom bösen Geiste besessen.
+
+
+
+
+13.
+
+Geist gebannt.
+
+
+In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthümer so
+arg, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck
+ließen sie nacheinander einige Geistliche kommen; aber keiner derselben
+vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester
+von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich
+sagte: »Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim
+Vorbeigehen an einem Rübenacker, eine Rübe herausgezogen?« »Ja, das habe
+ich gethan,« antwortete der Geistliche, »aber weißt Du nicht, daß ich
+nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen
+Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?« Auf
+dieses mußte das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters
+Beschwörung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt
+und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem
+Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht
+rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht
+abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde.
+Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme:
+»He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den
+andern Weg einschlagen!« Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand;
+aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's
+Neue mußte er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles
+recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des
+Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg
+sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung Nachts das
+Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen, daß die Hirten um diese Zeit
+mit ihren Heerden den Berg verlassen müssen.
+
+
+
+
+14.
+
+Die Burg Rötteln.
+
+
+Auf diesem verfallenen Bergschloß liegt viel Geld vergraben, bei dem ein
+Fräulein in weißem Kleid und Schleier umgeht. Am Tage sitzt sie öfters
+auf der Burgbrücke und spinnt, oder sie lustwandelt in der Umgebung des
+Schlosses. Von da hat sie einmal Kindern vergebens gewinkt, zu ihr zu
+kommen. Beim Mondschein wurde schon ein Unsichtbarer gehört, der, wie
+unter einer Last keuchend, nach der Burg ging. In dieser erscheinen in
+manchen Nächten gespenstige Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen
+Wald eine einsame Flamme herbei und fährt an der steilen Mauer hinauf
+und zu einem Erkerfenster hinein. Auf dem Burghof hat schon ein Mann
+eine mannsdicke, baumlange Schlange in der Sonne liegen sehen, und in
+früherer Zeit sind manchmal Nachts feurige Drachen von dem Schloß nach
+der Chrischonakapelle oder von dieser nach jenem geflogen. Daselbst
+befindet sich ein Kegelspiel, welches derjenige, der es fortnimmt, nicht
+behalten kann, sondern wieder herbringen muß. Was man in den
+Felsenkeller thut, wird in der Nacht von unbekannter Gewalt
+herausgeworfen. Von der Burg geht ein unterirdischer Gang, unter dem
+Wiesenfluß hinweg, in das Brombacher Schlößlein; er ist aber gegenwärtig
+großen Theils verschüttet.
+
+
+
+
+15.
+
+Die Häfnet-Jungfrau.
+
+
+In dem Schlößlein zu Steinen wohnten vor Zeiten die Zwingherren der
+Gegend. Die Tochter eines von ihnen war so hoffärtig, daß sie nicht auf
+der bloßen Erde in die Kirche gehen wollte und darum sich stets vom
+Schlößlein bis zum Kirchhof, ja über denselben bis zum Gotteshaus einen
+Dielenweg legen ließ, der mit Tuch oder Taffet bedeckt werden mußte. Als
+sie gestorben und beerdigt war, stand der Sarg in der nächsten Frühe
+außen an der Kirchhofmauer, und eben so die zwei folgenden Morgen,
+nachdem er jedesmal wieder auf dem Gottesacker eingegraben worden war.
+Auf dieses lud man den Sarg auf einen zweirädrigen Wagen, spannte an
+letztern zwei junge, schwarze Stiere, welche noch kein Joch getragen,
+und ließ sie laufen, wohin sie wollten. Stracks gingen sie auf den
+Häfnetbuck, wo sie, im unwegsamen Wald, an einer Quelle stehen blieben.
+Hier nun verscharrte man den Sarg, wo er auch im Boden blieb; das
+Fräulein aber geht daselbst um, und die Quelle heißt wegen ihr der
+_Jungfernbrunnen_. Bei Sonnenaufgang wäscht und kämmt sie sich daran;
+aber auch Vorübergehende, die schmutzig und ungestrehlt waren, hat sie
+schon in dem Brunnen gewaltsam gereinigt und mit derben Strichen
+gekämmt. Beim Schlößlein zeigt sie sich ebenfalls und pflegt dort im
+Bach ihr Weißzeug zu waschen[1].
+
+ [1] Wie man sieht, sind in Hebel's Gedicht »Die Häfnet-Jungfrau« die
+ Hauptzüge der Sage beibehalten.
+
+
+
+
+16.
+
+Erdleute.
+
+
+Als in der Höhle bei Hasel noch Erdleute wohnten, kamen sie nicht
+allein in dieses Dorf, sondern auch in die andern Orte der Umgegend. Die
+Erdweiblein brachten den Leuten von ihrem frisch gebackenen Kuchen,
+wiegten in Abwesenheit der Mütter die kleinen Kinder, fanden Abends mit
+ihren Rädern sich in den Spinnstuben ein, blieben aber nie länger, als
+bis zehn Uhr, weil sonst, wie sie sagten, ihr Herr sie zanke. Auch
+halfen sie und die Erdmännlein Hanf schleißen, das Vieh pflegen (welches
+dabei vorzüglich gedieh), die Frucht schneiden und in Garben binden.
+Hierbei sprang einmal einem der Männlein ein Knebel so heftig an den
+Kopf, daß es ein klägliches Geschrei erhob. Auf dieses liefen alle
+Erdleute aus der Nähe herbei und fragten, was geschehen sey; aber als
+sie es erfahren, gingen sie mit den Worten: »Selber than, selber han«
+wieder auseinander. Bei Hausen hatten sie eine kleine Höhle, die das
+_Erdmännleinsloch_ hieß, und in die dortige Hammerschmiede kamen oft
+Nachts solche Männlein und arbeiteten wacker mit.
+
+Ein anderes Erdmännlein pflegte bei Nacht in der Wehrer Mühle, wenn der
+Müller schlief, für ihn zu mahlen. Weil es immer so schlecht gekleidet
+war, ließ er ihm heimlich einen neuen Anzug machen, legte ihn Abends auf
+den Mühlstein und dann sich oben an eine Speicheröffnung, um das
+Männlein zu beobachten. Als dasselbe kam und die Kleider sah, zog es sie
+sogleich an, ging darauf hinweg und betrat die Mühle niemals wieder.
+
+Für ihre Dienstleistungen begehrten die Erdleute nur hie und da Obst
+oder reinlich bereiteten Kuchen. Wo sie hinkamen, brachten sie Glück und
+Segen; durch Fluchen aber wurden sie augenblicklich vertrieben.
+
+In dem Thälchen zwischen Wehr und Hasel war ein Erdloch, worin ein Mann
+einen Dachs vermuthete. Er ließ seinen Hund hinein und hielt einen
+offenen Sack hart an dasselbe. Nicht lange, so sprang etwas in den Sack,
+welchen der Mann sogleich zuband und, ihn auf den Rücken nehmend, davon
+ging. Plötzlich rief in der Nähe ein Erdmännlein: »Krachöhrle! wo bist
+du?« »Auf dem Buckel, im Sack!« antwortete aus diesem eine Stimme und
+belehrte so den Mann, daß er, statt eines Dachses, ein Erdmännlein
+gefangen habe, welches er dann ungesäumt in Freiheit setzte.
+
+
+
+
+17.
+
+Reiter mit Geisfüßen.
+
+
+Ein Mann aus Zell erzählte. »Als ich in einer Winternacht auf dem
+Heimwege in der Hausener Hammerschmiede eingesprochen hatte, hörte ich
+nach 11 Uhr einen Reiter herankommen, in dem ich einen Begleiter zu
+finden hoffte. Ich machte die Thüre auf und sah im Scheine des
+Schmiedfeuers draußen einen Rappen vorbei schreiten, welcher seinen
+jenseits neben ihm gehenden Reiter fast ganz verdeckte. Nur so viel
+konnte ich wahrnehmen, daß derselbe Ziegenfüße habe. Neugierig folgte
+ich ihm bald und war, da er sehr langsam ritt, in Kurzem nicht mehr weit
+von ihm. Plötzlich stürzte er mit seinem Pferde links in den
+Straßengraben.
+
+Erschrocken rief ich ihm zu, ob ich ihm helfen solle, erhielt jedoch
+keine Antwort, und im Graben war Alles mausstille. Da machte ich mich
+weiter; aber bald hörte ich den Reiter mir nachsprengen. Um ihn im
+Vorüberreiten zu betrachten, blieb ich stehen, allein da hielt auch er,
+bis ich wieder fortging. Eben so machte er es, als ich bei der
+Ziegelhütte ihn erwartete. An der Zeller Kapelle stellte ich mich zum
+dritten Male auf, um ihn beschauen zu können; aber sobald er in ihre
+Nähe kam, warf er schnell sein Pferd herum und jagte das Thal hinunter,
+daß die Funken umher stoben. Jetzt wußte ich, daß der Reiter ein böser
+Geist sey, welchen das Gotteshäuslein davon scheuchte.«
+
+
+
+
+18.
+
+Zigeuner.
+
+
+Es mag hundert Jahre her seyn, daß im obern Wiesenthal eine Sippschaft
+von fünf Zigeunern sich umher trieb. Sie besuchten besonders die
+einsamen Höfe und ernährten sich mit Wahrsagen, Betteln und Stehlen.
+Dies Letzte erleichterten sie sich dadurch, daß die Einen mit einem
+Tonwerkzeug die Leute in die Stube lockten, und während sie ihren Marsch
+spielten, welcher lautete:
+
+ »Tummelt euch drin,
+ Tummelt euch draus!«
+
+konnten die Andern in Küche und Keller ungestört einpacken.
+
+Eines Nachmittags begehrte das Zigeunerweib von einer Bäuerin Milch, und
+als dieselbe antwortete, sie habe keine, sprach das Weib im Fortgehen:
+»So sollt ihr auch keine haben!«
+
+Beim Melken am Abend erhielt die Bäuerin von ihren sämmtlichen Kühen
+keinen Tropfen Milch. Wegen all dieses Unfugs ließ endlich die Obrigkeit
+die Zigeuner in Zell einsetzen und verurtheilte sie zum Tode.
+
+Unter starker Bedeckung wurden sie aus dem Gefängniß geführt, um zum
+Hochgericht zu gehen; allein kaum hatten sie die bloße Erde betreten, so
+waren sie verschwunden. Durch eine weit verbreitete Streife fing man sie
+zwar wieder ein; aber als man sie hinrichten wollte, ging es gerade wie
+das vorige Mal. Hierdurch sicher gemacht, ließen die Zigeuner nach
+einiger Zeit sich wieder in der Gegend sehen, und da sie ihr früheres
+Unwesen fortsetzten, wurden sie von Neuem festgenommen. Damit sie jedoch
+nicht auch diesmal der verdienten Strafe entgehen möchten, ließ man sie
+nicht mehr die blose Erde betreten, sondern brachte sie über eine Brücke
+aus dem Gefängniß auf den Sünderkarren, und ebenso von diesem auf das
+Blutgerüst. Weil unter ihnen eine Jungfrau von außerordentlicher
+Schönheit war, ließ die Obrigkeit ausrufen: Wenn Jemand das Mädchen
+heirathen wolle, so solle er vortreten und sie in Empfang nehmen; es
+würden ihr dann Leben und Freiheit geschenkt. Nicht ohne Hoffnung sah
+die Jungfrau sich nach einem Retter um; aber aus Furcht vor ihrer
+Heidenkunst meldete sich Keiner, und so ward sie, mit den vier andern
+Zigeunern, enthauptet. Die Wiese, auf welcher dies geschehen, wird davon
+noch heute die _Heidenmatte_ genannt.
+
+
+
+
+19.
+
+Zaubermelkerei.
+
+
+Ein Steinhauer aus Zell erzählte: »Ehe ich Meister war, schaffte ich
+eines Winters in einer Steingrube bei Rheinfelden. Neben mir arbeitete
+ein Geselle, der, wenn er Durst hatte, seinen Spitzhammer in den
+Gerüstbalken schlug, auf dem sein Arbeitsstein lag, sodann aus dem
+Stiele des Hammers Milch in seinen Filzhut molk und daraus nach
+Herzenslust trank. Als er mir auch einmal zu trinken anbot, dankte ich,
+weil ich nicht wisse, was das für Milch sey, und darauf erwiderte er:
+'Dies ist gewöhnliche Kuhmilch; der Bauer, welchem die Kuh gehört, weiß
+aber nicht, warum sie ihm so wenig Milch gibt, und noch weniger, daß er
+mich, einen Steinhauer, zum Melker hat.'«
+
+
+
+
+20.
+
+Fronfastenweiber.
+
+
+In Zell hatte ein Adelsberger Mann für seine niedergekommene Frau ein
+Fäßlein guten Weins gekauft, und wollte es in der Nacht heimtragen.
+Unterwegs sah er aus der Ferne einige Frauen herbeikommen, die er an
+ihren weißen Schleiern für Fronfastenweiber erkannte. Schnell verbarg er
+das Fäßlein in den Weggraben und sich selbst eine Strecke davon hinter
+eine Staude. Als die Weiber zu dem Fäßlein kamen, lagerten sie sich um
+dasselbe, tranken lustig daraus und entfernten sich erst nach einer
+guten Weile. Betrübt ging nun der Mann zu dem Fäßlein, welches er halb
+ausgetrunken wähnte; allein beim Aufladen fand er es nur wenig leichter
+geworden. Zu Hause zapfte er lange Zeit daraus, und als es gar nicht
+leer werden wollte, schaute er endlich hinein: da war nichts mehr darin.
+Ohne das Hineinsehen wäre aber das Fäßlein niemals leer geworden.
+
+
+
+
+21.
+
+Brennende Männer.
+
+
+Auf den Matten und Äckern des Wiesenthales erscheinen in manchen
+Nächten _brennende Mannen_, die bei ihren Lebzeiten durch Versetzung der
+Marksteine ihre Grundstücke betrügerisch vergrößert haben. Mit
+Blitzesschnelle fahren sie von einem Ort zum andern, springen den
+Leuten, die etwas tragen, darauf, und lassen sich mit fortschleppen.
+Einem Bauer von Freiatzenbach, welcher mit einem Sacke Mehl aus der
+Zeller Mühle heimging, setzte sich ein solches Gespenst auf den Sack und
+ließ sich, immer schwerer werdend, bis an dessen Hausthüre tragen. Als
+dieselbe auf des Bauers Klopfen von seiner Frau geöffnet worden, rief
+letztere aus: »Was Teufels hast du denn auf dem Sacke?« Da verließ das
+Gespenst den Bauer, welcher wohl gemerkt hatte, daß er außer dem Mehle
+noch einen brennenden Mann auf dem Rücken habe.
+
+
+
+
+22.
+
+Goldtinktur.
+
+
+Vor sechszig Jahren lebte in Käsern ein Mann, welcher die Goldtinktur
+aus Amerika mitgebracht hatte. Er arbeitete nichts, lag Tag und Nacht in
+den Wirthshäusern und spielte um Goldstücke, die sein gewöhnliches Geld
+waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen
+Eisenstäbchen, verwandelte sie durch Bestreichung mit der Tinktur in
+Gold und ließ sich daraus in Basel Münzen schlagen.
+
+
+
+
+23.
+
+Geist unter der Hölzlesbrücke.
+
+
+Unter dieser Brücke muß eine Vierthälerin als nächtlicher Geist waschen,
+weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags gethan hat.
+Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und
+tüchtig gewaschen und gestrehlt.
+
+
+
+
+24.
+
+Heiligkeit des Sonnabends.
+
+
+Wenn früher die Bergleute Samstag Abends in den Gruben der Kanderner
+Gegend arbeiteten, so kam stets das dortige Bergmännlein und verjagte
+sie.
+
+
+
+
+25.
+
+Scherben werden zu Goldstücken.
+
+
+Ein Holzhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau
+im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mädchen mit einem Korbe auf dem
+Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in
+der Nähe beschäftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen,
+und sogleich ließ sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll
+Verwunderung ging er zu dem Korbe, fand aber nichts, als zerbrochenes
+Porzellangeschirr. Von diesem steckte er für seine Kinder viele
+Stücklein ein, die, als er sie zu Hause herauszog, lauter Goldmünzen
+waren. Sogleich eilte er in den Wald, um die übrigen Scherben zu holen;
+allein dieselben waren nicht mehr vorhanden.
+
+
+
+
+26.
+
+Sitzenkirch.
+
+
+Als die drei jungen Ritter von Kaltenbach in's Kloster gingen, fragte
+sie ihre Schwester, was sie nun machen solle. »Sitz in d'Kirch und
+bete!« erhielt sie von ihnen zur Antwort. Auf dieses stiftete das
+Fräulein im benachbarten Thale ein Frauenkloster und nahm darin den
+Schleier. Wegen der Rede ihrer Brüder gab sie dem Gotteshaus den Namen
+_Sitzenkirch_, der auch auf das Dorf, welches später dort entstanden,
+übergegangen ist.
+
+
+
+
+27.
+
+Die Sausenburg.
+
+
+Diese Burg, gewöhnlich das Sausenharder Schloß genannt, liegt auf einem
+waldigen Berge und ist nicht mehr bewohnbar. Von ihr haben unterirdische
+Gänge nach Bürgeln und den Klöstern zu Sitzenkirch und in der Neuenbürg
+sich gezogen. Bei Nacht schweben in ihr blaue Lichter umher, und da, wo
+sie erlöschen, liegen Schätze vergraben. Auch eine weiße Jungfrau mit
+einem Bund Schlüssel spukt daselbst, welche schön singt und an dem
+Brünnlein unterhalb des Schlosses sich zu waschen und zu kämmen pflegt.
+Manchmal geht sie nach der Neuenbürg und von da nach Bürgeln. Bei dem
+Burggärtlein begegnete sie eines Tages einem Mann aus Sitzenkirch und
+sagte ihm, seine Haare seyen nicht gekämmt, er solle heimgehen und
+dieselben strehlen, was er auch eilig that.
+
+Einem andern Mann, der Nachts zwischen elf und zwölf unterm Schloß
+vorbeifuhr, rief sie dreimal: »Komm herauf!« und da er ihr nicht folgte,
+jammerte sie: daß erst in hundert Jahren ein Kind geboren werde, welches
+wieder sie erlösen könne.
+
+Als sie einst in der Frühe von einem Kanderner Jungen, welcher bei der
+Burg Vieh hütete, Brod begehrte, erhielt sie von ihm zur Antwort, er
+habe keines. Hätte er »Helf Dir Gott« zu ihr gesagt, so hätte er ihre
+Erlösung bewirkt.
+
+Am Morgen des Charfreitags kam sie auf dem Schlosse zu einem Burschen
+aus Vogelbach und bot ihm eine große Schachtel dar, mit den Worten:
+»Nimm sie hin, dann machest Du mich und Dich glücklich!« Ohne die
+Schachtel zu nehmen, ergriff der Bursche die Flucht, worauf er die
+Jungfrau klagen hörte, daß sie nun noch lange, lange leiden müsse.
+
+Ein anderes Mal sahen Vorübergehende, daß die weiße Jungfrau die
+Schachtel aus einem Burgfenster heraushielt; aber als sie hingingen,
+verschwanden Jungfrau und Schachtel. Andern Vorbeigehenden sind von ihr
+kleinere Schachteln voll Geld zugeworfen worden. Buben, welche ihr den
+Weg verunreinigten, hat sie ihren Bund Schlüssel um die Köpfe
+geschlagen, und andere Knaben, die ihr Übles nachredeten, haben von
+unsichtbaren Händen Ohrfeigen bekommen.
+
+In einer Nacht gruben vier Männer auf einem Platze des Schlosses
+stillschweigend nach einer Kiste voll Geld und es gelang ihnen, sie in
+einiger Tiefe aufzufinden. Hierauf stiegen zwei hinab und banden an die
+Kiste ein Seil, woran die beiden andern dieselbe heraufzuziehen
+begannen. Plötzlich bemerkte der eine, daß über ihnen ein Mühlstein an
+einem Bindfaden hing, und ein Männlein, das auf dem Steine saß, mit
+einer Scheere nach dem Faden fuhr, um ihn zu durchschneiden. »Halt, der
+Mühlstein fällt herunter!« rief der Mann im Schrecken, und sogleich
+waren Kiste, Mühlstein und Männlein verschwunden.
+
+An einer andern Stelle sah ein Knabe ein Häuflein glühender Kohlen,
+worum auch schwarze lagen. Von den letztern steckte er mehrere ein und
+fand sie zu Hause in Geld verwandelt.
+
+Ebenso wurden Spreuer, die ein Vogelbacher Bube von einem Haufen in der
+Burg wegnahm, in seiner Tasche zu Goldstücken.
+
+Während ihre Ziegen unter dem Schlosse weideten, gingen einige Jungen
+auf dasselbe, wo sie eine Menge schöner, bunter Schneckenhäuslein
+umherliegen sahen. Als sie davon einsteckten, rief eine Stimme: »Jaget
+die Geisen aus dem Haber!« Sogleich liefen die Knaben zu den Ziegen, die
+aber ihren Weideplatz nicht verlassen hatten. Auch war weit und breit
+Niemand, von dem der Ruf hätte herrühren können. Zu Hause fanden die
+Buben die Schneckenhäuslein in Münzen verwandelt, auf der Burg aber,
+wohin sie gleich wieder eilten, kein einziges mehr.
+
+Vor neun Jahren kam am Engel zu Sitzenkirch ein Basler Herr mit seinen
+erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, angefahren und fragte
+unverweilt nach einem Knaben, der sie auf die Sausenburg führe. Mit
+demselben gingen sie dann hinauf, wobei sie selbst eine Schachtel
+trugen, die sie mitgebracht hatten. Oben angekommen, knieeten die Drei
+von Basel zum Gebet nieder und ließen nachher aus der Schachtel ein
+Eichhörnchen laufen. Hierauf begaben sie sich in den Engel zurück und
+fuhren, nachdem sie eine Flasche Wein getrunken, wieder hinweg. Diese
+Geschichte verursachte in der Gegend viel Gerede. Manche sagten, das
+Eichhörnchen sey die weiße Jungfrau gewesen, die der Basler in seiner
+Gewalt gehabt und wieder freigelassen habe; Andere dagegen erklärten
+dasselbe für einen Hausgeist, welcher in diese Gestalt beschworen und
+auf das Schloß gebannt worden sey.
+
+
+
+
+28.
+
+Kraft des Wolfssegens.
+
+
+Als in den Waldungen der Sirnitz noch Wölfe hausten, pflegte ein
+Schafhirt, welcher dort seine Heerde weidete, täglich beim Austreiben
+unterm freien Himmel niederzuknieen und den Wolfssegen zu beten. In
+Folge dessen ließen die Wölfe nicht allein die Schafe unangefochten,
+sondern sie mischten sich sogar unter sie und thaten mit ihnen ganz
+freundlich. Wenn der Hirt sie fort haben wollte, so durfte er nur mit
+seiner Peitsche knallen: sie liefen dann ungesäumt weg und kamen an
+demselben Tage nicht wieder. Für ihr gutes Verhalten mußte ihnen jedoch
+aus der Heerde ein Opfer überlassen werden. Dazu bestimmte der Schäfer
+eine junge Ziege, die er mit einer Schafglocke behängte und seiner
+Heerde zugesellte. Als sie hübsch groß und fett geworden, sah eines
+Tages ein Wolf, der neben ihr saß, bald sie mit gierigen, bald den
+Hirten mit bittenden Augen an. »So nimm sie denn!« dachte dieser bei
+sich, und im Augenblick faßte der Wolf die Ziege, erwürgte sie und,
+nachdem er dreimal mit ihr im Kreis herumgesprungen, warf er sie auf
+seinen Rücken und jagte dem Wald zu. Alle andern Wölfe rannten ihm nach,
+und als sie tief im Gehölz waren, theilten sie getreulich unter sich ihr
+Opfer.
+
+
+
+
+29.
+
+Kind von Gold.
+
+
+Am Mittag wollte ein Bursch, der einsam auf dem Limberg Geißen hütete,
+sich auf einen Steinhaufen zum Essen setzen, da sah er auf demselben ein
+kleines Kind liegen, welches ganz von Gold war. Voll Freude hob er es
+auf, wickelte es in seine Jacke und trieb dann sein Vieh heimwärts.
+Nicht lange, so blieben einige Geißen zurück, er legte seinen Fund ab
+und holte sie schleunig herbei. Nun wollte er das Kind wieder nehmen,
+aber obgleich Niemand auf den Platz gekommen, war es verschwunden.
+
+Nach der Aussage einer Münsterthaler Frau, die sich des Erdspiegels
+bedient, liegt das goldene Kind jetzt im Limberg; es wird aber noch von
+einem gefunden, welcher eine weiße Wolljacke anhat.
+
+
+
+
+30.
+
+Kreuz zu St. Trutbert.
+
+
+In St. Trutbert ist ein silbernes Kreuz, beiläufig zwei Schuh hoch, das
+auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der andern den weltrichtenden
+Heiland zeigt, und einen Kreuzpartikel einschließt. Dasselbe nahmen
+einmal die Gläubiger des Klosters weg, um sich bezahlt zu machen; allein
+sie konnten es nur bis Kropbach, durchaus nicht weiter, bringen. Auf
+Dieses gaben sie es dem Kloster zurück und erließen demselben seine
+ganze Schuld.
+
+
+
+
+31.
+
+Geld in Asche verwandelt.
+
+
+Im Münsterthal stieß einst ein Mädchen beim Graben auf einen Hafen voll
+Silbermünzen. Ungesäumt trug sie ihn heim, fand aber dort, statt des
+Geldes, lauter Asche darin. Hätte sie, gleich bei Findung der Münzen,
+etwas Geweihtes darauf gelegt, so würden sich dieselben nicht mehr haben
+verwandeln können.
+
+
+
+
+32.
+
+Brandkorn wird zu Gelde.
+
+
+In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mädchen und sein
+Bruder, aus dem Münsterthal zu einem reichen Bauer und baten ihn um
+Brod. Barsch abgewiesen, warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch
+zum Fenster hinaus ausgeschüttelt wurde, wo sie dann die Bröslein
+auflasen und verzehrten. Hierauf gingen sie in die Scheuer, worin
+gedroschen ward, und suchten die Brandkörner zusammen, um sie ihren
+Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mädchen die Schürze und dem
+Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer, und als
+sie sie zu Hause ausleerten, fiel zu ihrer und ihrer Eltern großen
+Freude lauter Geld heraus. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte,
+ließ er die übrigen Brandkörner auch sammeln und aufbewahren; allein
+dieselben wollten sich nicht in Geldstücke verwandeln.
+
+
+
+
+33.
+
+Messen nachgeholt.
+
+
+Zu Staufen schlief einmal ein Knabe unter dem Abendgottesdienst ein und
+wurde beim Zuschließen der Kirche nicht bemerkt. Er erwachte erst in
+Mitte der Nacht und sah am Altar einen Geistlichen im Meßgewand, der ihm
+winkte, hinzukommen. Unerschrocken ging der Bube zu ihm und diente, auf
+dessen Begehren, ihm Messe. Als sie zu Ende war, sagte der Priester dem
+Knaben, er solle morgen um dieselbe Zeit sich wieder hier einfinden. In
+der Frühe vom Küster aus der Kirche gelassen, offenbarte der Bube das
+Geschehene alsbald dem Pfarrer, der ihm rieth, dem Begehren des Geistes
+in Allem zu willfahren, demselben jedoch, wenn er sich bedanke, nicht
+die Hand, sondern den rechten Rockflügel zu reichen. Diesem folgend,
+diente der Knabe in der nächsten Nacht dem Priester abermals Messe und,
+auf dessen Bestellung, auch in der dritten Nacht. Nachdem das letzte
+Evangelium gelesen war, sprach der Geist zu dem Buben Folgendes: »Aus
+meinem Leben her war ich noch schuldig, drei Messen zu lesen, und ich
+konnte nicht zur ewigen Ruhe gelangen, bis ich sie abgehalten. Durch
+Dich ist mir dieses nun möglich geworden; ich danke Dir dafür und gehe
+jetzt ein in die Seligkeit, wohin Du mir bald folgen wirst.« Hierauf
+legte er seine Hand auf den Rockflügel, welchen der Knabe ihm hinhielt,
+und verschwand. In den Rock hatte sich die Hand schwarz eingebrannt,
+weßhalb er, als Merkwürdigkeit, in der Kirche aufbewahrt wurde. Der Bube
+war fortan stets in sich gekehrt und bereitete sich zu seinem Tode,
+welcher auch in kurzer Zeit erfolgte.
+
+
+
+
+34.
+
+Weiße Jungfrau.
+
+
+Vor sechszig Jahren sah ein Bube vom Rothenhof, als er zum ersten Male
+mit dem Vieh in den dortigen Bergwald fuhr, auf dem Troge des
+Tränkbrunnens eine weiße Jungfrau sitzen, die ihm hinwinkte. Erschrocken
+eilte er auf den Weideplatz zu den andern Hirtenknaben und erzählte
+ihnen, was ihm begegnet. Sie sagten ihm, die weiße Jungfrau sey schon
+oft da gesehen worden, und wenn sie ihm wieder winke, solle er nur zu
+ihr gehen. Am andern Tage that er dies und wurde von ihr mit folgenden
+Worten angeredet. »Du kannst mich aus diesem Gebirge befreien, in
+welchem ich schon zweihundert Jahre umgehe, und mir zum Himmel
+verhelfen. Komm' heute Nacht um zwölf Uhr wieder hierher, dann wirst Du
+von mir erfahren, was Du zu meiner Erlösung zu thun hast!« Nach diesem
+war sie verschwunden. Zur bestimmten Zeit kam der Bube zu dem Brunnen,
+auf dessen Trog der Geist wieder saß und sprach: »Geh' jetzt dort in den
+Wald und hole mir den goldenen Kelch her, den Du unter einer großen
+Tanne finden wirst. Es geschieht Dir kein Leid; Du darfst aber weder ein
+Wort sprechen, noch Dich durch etwas irren oder schrecken lassen. Habe
+ich den Kelch, dann fülle ich ihn hier am Brunnen, trinke ihn aus und
+bin erlöst.« Gutes Muthes machte sich der Knabe auf den Weg und kam
+richtig zur Tanne, worunter der Kelch sich befand. Da hörte er in der
+Luft ein Gesause; er blickte empor und sah über sich einen großen
+Mühlstein[2] an einem dünnen Faden hängen, welcher sich schnell
+herumdrehte und auf ihn herabzustürzen drohte. Voll Schrecken stieß er
+einen Schrei aus und floh über Hals und Kopf zum Brunnen zurück. »Nun
+ist es um meine Erlösung geschehen!« klagte die Jungfrau, »und ich muß
+wieder warten, bis die kleine Tanne hier zu einem Sägbaum geworden und
+aus seinen frisch geschnittenen Brettern eine Wiege für ein neugeborenes
+Kind gemacht ist. Wenn dasselbe dann Dein jetziges Alter erreicht hat,
+so wird es mich von meinem Leiden befreien.« Hierauf verschwand die
+Jungfrau, welche in der Folge wieder öfters am Brunnen gesehen worden
+ist.
+
+ [2] Andere sagen: ein gewaltiges Schwert.
+
+
+
+
+35.
+
+Geist nieset.
+
+
+Drei Männer aus Krotzingen gingen einst Nachts von Staufen nach Hause.
+Im Hohlweg hörten sie zweimal stark niesen; »Helf' Gott!« sagte jedesmal
+der eine, aber als es zum dritten Male nieste, sprach er: »Wenn Dir Gott
+nicht hilft, so helfe Dir der Teufel!« Da rief eine klägliche Stimme:
+»Hättest Du noch einmal 'helf' Gott' gesagt, so wäre ich jetzt erlöst,
+nun aber bin ich ewig verdammt!« und verhallte dann in Jammertönen[3].
+
+ [3] Der Schluß dieser Sage ist eben so ungewöhnlich, als unkatholisch.
+
+
+
+
+36.
+
+Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb.
+
+
+Bei einem Einfall in Deutschland kamen die Hunnen nach Schlatt,
+zerstörten das Frauenkloster bei dem Heilbrunnen und den größten Theil
+des Dorfes. Zwischen diesem und dem Rheine trafen sie das Heer der
+Deutschen und erlitten eine völlige Niederlage. Ihr Fürst fiel in der
+Schlacht; er wurde von ihnen in einen goldenen Sarg gelegt, den ein
+silberner und letzteren ein hölzerner umschloß, und mit seinen Schätzen
+und einem lebensgroßen goldenen Götzenkalb drei Stunden von der
+Hochstraße beerdigt. Über dem Grabe errichteten sie einen mächtigen
+Hügel und rechts und links, in geringen Entfernungen, je einen kleinern,
+damit die Feinde nicht wissen sollten, wo der Fürst begraben sey. Noch
+immer ist dieser mit allen den Kostbarkeiten unaufgefunden. Auf dem
+Schlachtfelde läßt in manchen Nächten Kampfgeschrei und Waffengetös
+unsichtbarer Streiter sich hören[4].
+
+ [4] Diese Erzählung ist genauer, als die unter Nr. 41 des Hauptwerkes
+ mitgetheilte.
+
+
+
+
+37.
+
+Geistige Nonne.
+
+
+Die Stifterin des ehemaligen Klosters der Lazaristinnen zu Schlatt
+erscheint noch dort in manchen Nächten. In ihrer Ordenstracht, mit
+goldglänzenden Schuhen, geht sie schweigend, die Hände übereinander
+gelegt, von dem Platze des Klosters durch das Herrengäßlein in die
+Herrenreben. Wer ihr über seine _rechte_ Schulter nachschaut, dem
+verschwindet sie sogleich, wer es aber über die _linke_ thut, der sieht
+sie bis in die erwähnten Reben.
+
+
+
+
+38.
+
+Geld sonnt sich.
+
+
+Während der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf
+dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. »Heute ist
+der erste März, da sonnen sich die Schätze,« sprach einer von ihnen und
+eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thönerne Scherben und nahm einige
+zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stücke, deren er
+etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am
+nächsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene
+Silbermünzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben
+mehr und keine Geldstücke.
+
+
+
+
+39.
+
+Geldmännlein.
+
+
+In Hausen an der Möhlin hatte eine Frau ein sogenanntes Geldmännlein.
+Dies war eine lebende Kröte, welche sie in einer Schachtel aufbewahrte,
+täglich in einem Glase Rothwein badete und dann dasselbe austrank. Jeden
+Abend legte sie einen Thaler zu der Kröte in die Schachtel, und am
+andern Morgen konnte sie stets zwei solcher Geldstücke herausnehmen.
+Nachdem sie so sich genug Vermögen gesammelt, suchte sie das
+Geldmännlein zu verschenken, allein sie brachte es nicht an und starb
+endlich, ohne es los geworden zu seyn. Da füllte sich gleich das Haus
+mit schwarzen Katzen, deren eine bei dem Leichnam sitzen blieb, bis er
+begraben wurde. Auch nachdem dies geschehen war, tobten die Katzen in
+dem Hause umher, und da sie auf keine Weise hinaus gebracht werden
+konnten, ward es von seinen Bewohnern verlassen. Viele Jahre stand es
+leer, endlich wurde es ganz neu hergestellt, und seitdem sind die Katzen
+daraus verschwunden.
+
+
+
+
+40.
+
+Todter von Erde und Wasser ausgeworfen.
+
+
+Ein Geizhals in Munzingen hatte viel Geld zusammengescharrt und der
+Gemeinde Felder und Gerechtsamen wiederrechtlich entzogen. Nach seinem
+Tode litt ihn die Erde nicht in sich, sondern stieß allnächtlich den
+Sarg aus dem Grabe. Ebenso wenig duldete ihn das Wasser; denn als man
+die Todtenlade durch den Bach in den Rhein flößen wollte, warf jener sie
+alsbald an das Ufer.
+
+Auf dieses wandte man sich an einen frommen Priester, welcher dann den
+Geist des Verstorbenen herbei beschwur. Derselbe erschien in Gestalt
+eines kleinen Schweines; er ward in einen Kasten gesperrt und auf einen
+vierspännigen Wagen geladen. Mit diesem mußte nun so lange im Land
+umhergefahren werden, bis ein dazu bestimmter namhafter Geldbetrag
+verbraucht war. Nur Nachts durfte die Fahrt geschehen, wobei der Wagen
+oft so schwer wurde, daß die Pferde ihn kaum fortbrachten. Bergab hatte
+er Vorspann, bergauf den Hemmschuh nöthig. Seinen Führern war auferlegt,
+daß Geld möglichst bald auszugeben. Zu dem Ende kehrten sie in jedem
+Wirthshause ein, bezahlten die kleinste Dienstleistung, durften aber nie
+mehr geben, als gefordert wurde. Dem Schweine ward täglich Fressen
+vorgesetzt, und es auch stets von ihm verzehrt. Nachdem das Geld
+verbraucht war, fuhr der Wagen wie jeder andere, und kehrte nach Hause
+zurück. Daselbst ließ der Priester den Geist wieder frei und den Sarg
+mit dem Leichnam in das Grab legen. In diesem konnte er nun bleiben, da
+auch von des Verstorbenen Erben der Gemeinde ihr entzogenes Eigenthum
+zurückgegeben worden war.
+
+
+
+
+41.
+
+Todtenvorschau.
+
+
+Ein Nachtwächter in Ober-Rimsingen pflegte allnächtlich, wenn er beim
+Ausrufen der Stunden an die Kirche kam, knieend ein Vaterunser zu beten.
+Während dessen sah er stets diejenigen Ortsbewohner, welchen binnen
+vierzehn Tagen der Tod bevorstand, auf den Plätzen des Kirchhofs knieen,
+wo sie nachher begraben wurden.
+
+
+
+
+42.
+
+Hexe als Hase.
+
+
+Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war Joseph Klingler herrschaftlicher
+Jäger in Ober-Rimsingen und als trefflicher Schütze bekannt. Eines Tages
+sah er auf dem Felde einen Hasen sorglos in seine Nähe kommen, er schoß
+auf ihn, bekam von seinem Gewehr einen heftigen Stoß, und der Hase
+hüpfte unverletzt von dannen.
+
+Nachdem ihm dies noch einige Mal begegnet, wandte er sich an die
+Kapuziner in Staufen. Von denselben erhielt er eine kleine Ladung
+geweihten Pulvers mit der Weisung, dazu nur solche Schrote zu nehmen,
+die nicht tödten könnten. Er that es, und als bald nachher der Hase
+wieder gegen ihn kam, schoß er auf ihn, ohne vom Gewehr gestoßen zu
+werden. Da floh derselbe im schnellsten Laufe nach dem Dorfe, und als
+der ihm nacheilende Jäger auch dahin kam, hörte er, daß der Arzt zu der
+Frau des Vogtes geholt werde, die einen Schrotschuß empfangen habe.
+Jetzt wußte er, wer der Hase gewesen, welchen er fortan nicht wieder zu
+Gesicht bekam.
+
+
+
+
+43.
+
+Die Grüninger Kapelle.
+
+
+Im Jahr 1807 mußte dieses Kirchlein nach dem Willen der Herrschaft und
+des Pfarrers eingehen. Dieser und der Verwalter hoben selbst das
+Altarblatt weg, und letzterer rief den Arbeitern, welche sich scheuten,
+die Gelübdebilder abzunehmen, höhnisch zu: »Werft die Kerle herunter,
+daß sie die Beine brechen!« Am folgenden Tage wollte er, in Hausen an
+der Möhlin, eine Leiter hinaufsteigen, aber auf der zweiten Sprosse
+glitt er aus und brach den einen Fuß so stark, daß derselbe nach der
+Heilung, wie ein Thierfuß aussah. Auch der Pfarrer wurde alsbald von
+einer anhaltenden Krankheit heimgesucht. Nachdem er zwei Jahre vergebens
+alle Mittel gegen sie angewendet, bat er eines Sonntags die versammelte
+Gemeinde, ihm die Kapelle wiederherstellen zu helfen, da er es allein
+nicht vermöge. Mit Freude ward diese Hilfe geleistet; bald stand das
+Kirchlein schöner da, als zuvor, und am Tage der Einweihung war die
+Krankheit des Pfarrers auf immer verschwunden.
+
+Einige Zeit nachher zeigte sich in mehreren Nächten das Innere der
+Kapelle von wunderbarem Glanz erleuchtet. Zwei Rheinwächter sahen beim
+Heimgehen diese Erhellung und beschlossen, in das Kirchlein zu schauen.
+Zu dem Ende ließ sich der eine vom andern zu einem Fenster emporheben;
+aber kaum hatte er hineingeblickt, so verlangte er voll Schrecken wieder
+hinab. Auf die Frage: was er in der Kapelle gesehen habe -- antwortete
+er nur: »Schaut selbst!« und am dritten Tage war er eine Leiche.
+
+
+
+
+44.
+
+Der Schatz im Ambringer Grunde.
+
+
+Auf dem _Schloßberg_ im Ambringer Grunde stand vor Zeiten eine
+stattliche Burg, und in der Nähe war ein dazu gehörendes Bergwerk.
+Dasselbe lieferte an Gold und Silber so reiche Ausbeute, daß die
+Burgherren in einem unterirdischen Gewölbe große Schätze aufhäufen
+konnten. Darunter befanden sich neun silberne Kegel und drei goldene
+Kugeln, womit die Bergleute an Festtagen, nach der Vesper, zu spielen
+pflegten. Der Schlüssel des Gewölbes war von Gold und hing auf dem Altar
+der Schloßkirche, an dem goldenen Standbilde ihres Schutzheiligen
+Martin. Eine halbe Stunde von der Burg wohnte in einer Waldklause, an
+dem Ursprung der Felsenquelle, ein Einsiedler Namens Heini, welcher auf
+dem Schlosse gut bekannt war. Plötzlich wurde dieses in der Nacht von
+Feinden angegriffen und nach kurzer Gegenwehr eingenommen. Während sie
+darin raubten, alle Bewohner ermordeten und es den Flammen Preis gaben,
+gelang es dem Einsiedler, das Standbild des heiligen Martin nebst dem
+goldenen Schlüssel zu retten. In das Gewölbe kamen die Feinde nicht, und
+noch jetzt liegen alle die Reichthümer darin, wobei ein schwarzer Riese
+und ein zottiger Bär Wache halten. Auch Bruder Heini, der mit dem
+Standbild und Schlüssel bei dem _Eselbrunnen_, in tiefer Bergschlucht,
+begraben ist, muß als Geist die Schätze hüten. Wie bei seinen Lebzeiten
+geht er Mittags an der Quelle auf und ab, indem er aus einem Buche
+betet. Wenn man ihm ruft, bleibt er stehen, aber ohne umzuschauen.
+
+Einen Mann aus dem Münsterthal führte er eines Abends in die verfallene
+Burg und darin in einen unterirdischen Gang, der vorn, in der Mitte und
+hinten eine eiserne Pforte hatte. Die letzte derselben war eine
+Gitterthüre, und alle drei wurden von dem Einsiedler mit dem goldenen
+Schlüssel aufgemacht. Alsdann kamen sie in das Gewölbe, wo der Mann alle
+die Reichthümer betrachten, aber nichts davon mitnehmen durfte. Beim
+Herausgehen schloß Heini die Pforten wieder zu und außerhalb der Burg
+schied er von dem Manne.
+
+Das Bergwerk ist längst eingegangen, und von ihm nichts mehr übrig, als
+ein halb verschütteter Schacht.
+
+
+
+
+45.
+
+Kirchenverhöhnung bestraft.
+
+
+Als die Schweden Kirchhofen angezündet hatten und dann weiter zogen,
+wandte sich einer ihrer Anführer auf dem Pferde halb um und rief, auf
+die Kirche zeigend: »Seht doch, wie das Geißhaus brennt!« In dieser
+Stellung erstarrte er und war trotz aller Bemühungen nicht daraus zu
+bringen. Da gelobte er, auf seine Kosten die Kirche so wiederherzustellen,
+wie sie gewesen, wenn ihm geholfen würde. Auf dieses hörte die Erstarrung
+auf, und er säumte dann nicht, sein Gelübde in Erfüllung zu bringen.
+
+
+
+
+46.
+
+Die Tafel bei Kirchhofen.
+
+
+Als einst Nachts der Felsenmüller von Ehrenstetten mit vollem Geldgurt
+heim ging, ward er im Walde bei Kirchhofen von drei raubsüchtigen Bauern
+angefallen. In demselben Augenblick fing sein Hund in der über eine
+Stunde entfernten Mühle so an zu rasen, daß die Knechte ihn von der
+Kette losmachen mußten. Stracks rannte er nun seinem Herrn zu Hilfe, riß
+zwei der Bauern nieder und jagte den dritten in die Flucht. Wegen dieser
+wunderbaren Errettung ließ der Müller auf dem Platz eine Tafel
+errichten, worauf das Auge Gottes abgebildet ist, mit der Unterschrift:
+
+ »Gott ist überall zugegen, wie in offenen Landen, so in düstern
+ Wäldern.«
+
+Die Tafel ist noch an dem Orte, und er wird wegen ihr der _Tafelplatz_
+genannt.
+
+
+
+
+47.
+
+Das Brunnenbecken zu St. Ulrich.
+
+(Abweichung von Nr. 46 des Hauptwerks.)
+
+
+Um den Stein zu diesem Troge seinem Kloster zu verschaffen, schloß der
+heilige Ulrich mit dem Teufel folgenden Vertrag ab. Er wolle eine Messe
+lesen, und der Böse unterdessen den Felsen vom Meeresgrund herholen;
+treffe er damit vor Ende der Messe ein, so erhalte er als Lohn Ulrich's
+Seele, komme er aber später an, dann müsse er den Stein umsonst
+abliefern. Die Messe las darauf der Heilige so, daß er nur ihre
+Haupttheile, Aufopferung, Wandlung und Kommunion, verrichtete, alles
+Übrige aber wegließ, und daher fertig war, als der Teufel mit dem Felsen
+auf dem nahen Winterberg anlangte. Sich überlistet erkennend, liest der
+Böse zornig den Stein in den Klostergarten hinabrollen. Wo er ihn
+angefaßt, hatten seine Krallen tiefe Eindrücke gemacht, die noch jetzt
+an der Brunnenschale zu sehen sind[5].
+
+ [5] Diese Sage ist ebenso ungegründet, als die unter Nr. 46 des
+ Hauptwerkes.
+
+
+
+
+48.
+
+Das Huttenweiblein.
+
+
+Eine Bäuerin von Sölden pflegte Sonn- und Feiertags mit Holzhippe und
+Hutte[6] auf den waldigen Schönberg zu gehen und Holz zu lesen. Wegen
+dieser Entheiligung muß sie, seit ihrem Tode, auf dem Berg und in dessen
+Umgegend spuken und wird, weil sie eine Hutte trägt, das
+_Huttenweiblein_ genannt. Sie ist alt und klein, stützt sich auf einen
+Stock und hat ein Strohhütlein auf; ihre Jacke und Handschuhe sind mit
+Pelz besetzt, der eine ihrer Strümpfe ist weiß, der andere roth.
+Übrigens kann sie sich in viele andere Gestalten, von Menschen und
+Thieren, verwandeln. Häufig schreit sie: »Hu, hu, hu!« manchmal aber,
+besonders wenn sie in den Kronen der Tannen sitzt, singt sie:
+
+ »Heute strick ich,
+ Morgen näh ich!«
+
+In ihrer Hutte hat man schon Farnkraut wahrgenommen; auch trägt sie
+öfters darin Leseholz, das unbewacht im Wald aufgehäufelt liegt, zum
+Verdruß der Eigenthümer hinweg.
+
+Einer Frau aus Freiburg, die, ehe sie in die Frühmesse ging, im
+Sternwald Himbeeren sammelte, begegnete das Huttenweiblein und sagte zu
+ihr: »Hättest Du keine guten Gedanken gehabt, so wollte ich Dich
+gezeichnet haben!«
+
+Zu einer andern Frau kam es, zwischen Ebringen und Sölden, und fragte
+sie: »Kätherle! wo willst Du hin?« Auf dieses wußte die Frau, welche
+nicht Katharina hieß, gar nicht mehr, wo sie war, und fand sich erst
+wieder zurecht, nachdem sie stundenlang den Wald durchirrt hatte.
+
+Eines Abends traf ein Geflügelhändler, der nach Pfaffenweiler heim
+wollte, bei Kirchhofen ein schönes Reh, welches das Huttenweiblein war.
+Auf sein Locken kam es herbei und ließ sich von ihm streicheln. »Das ist
+etwas in die Küche!« dachte er bei sich und wollte ihm eine Schnur um
+den Hals binden; aber da ward es so riesenhaft, daß er voll Schrecken
+davon lief. Die ganze Nacht rannte er in der Irre umher und erkannte
+erst am Morgen, daß er auf der Eschholzmatte bei Freiburg sich befinde.
+
+Ein Mann, der Nachts durch den Bitterswald ging, rief spottend:
+»Huttenweiblein, komm und trage mich! hu, hu, hu!« Schnell, wie der
+Wind, war dasselbe da, packte und trug ihn auf die Todtnauer Höhe und
+stellte ihn so tief in den Sumpf, daß er nur mit vieler Mühe sich wieder
+heraus helfen konnte.
+
+Andere Männer, welche im Feld bei Pfaffenweiler das Geschrei des
+Weibleins spottweise nachmachten, bekamen von ihr solche Ohrfeigen, daß
+einigen die Hüte von den Köpfen flogen, andere aber sogar zu Boden
+fielen.
+
+In den Ortschaften, die um den Schönberg liegen, pflegt man die Kinder
+mit dem Huttenweiblein fürchten zu machen.
+
+ [6] Köze.
+
+
+
+
+49.
+
+Der heilige Bernhard zu Freiburg.
+
+
+Auf seiner Reise nach Konstanz kehrte der heilige Bernhard zu Freiburg,
+im obern Eckhause der Kaiser- und Münstergasse, ein. In der Stube,
+welche er da bewohnte, gibt es seitdem keine Mäuse mehr.
+
+
+
+
+50.
+
+Pferde schauen zum Speicher hinaus.
+
+
+Die Frau aus dem jetzt Stutz'schen Hause am Münsterplatz zu Freiburg
+war, mit reichem Geschmeide geschmückt, begraben worden. Der Bediente
+und die Köchin, welche eine Liebschaft mit einander hatten, beschlossen,
+die Kleinode zu entwenden, damit sie genug Geld bekämen, um sich zu
+heirathen. Zu dem Ende schlichen sie tief in der Nacht auf den Kirchhof
+und öffneten Grab und Sarg ihrer Herrin. Da kam diese, welche nur
+scheintodt gewesen, zu sich und richtete sich in die Höhe. Entsetzt
+flohen der Bediente und die Köchin nach Hause, sagten aber niemand etwas
+von dem Vorfall. Bald nachher schellte die Frau an der Hausthüre, ihr
+Mann machte das Fenster auf und fragte:
+
+»Wer ist draus?«
+
+»Die Frau aus dem Haus«, antwortete sie.
+
+»Die ist todt und begraben«, erwiderte er, und darauf sie:
+
+»So gewiß bin ich es, als unsere Schimmel zum Speicherloch heraussehen.«
+
+Kaum hatte sie dies gesagt, so trappten die beiden Pferde die Treppen
+hinauf auf den Speicher und schauten zur Giebelöffnung hinaus. Da ließ
+der Mann seine Frau eilig herein, voll Freude, daß sie noch lebe. Weil
+der Bediente und die Köchin fürchteten, sie seyen auf dem Kirchhof von
+ihrer Gebieterin erkannt worden, thaten sie vor ihrem Herrn einen
+Fußfall und bekannten ihr Vergehen. Statt sie zu bestrafen, dankte er
+ihnen für die Wiedererlangung seiner Frau und beschenkte sie so
+reichlich, daß sie sich heirathen konnten. Auch ließ er zum ewigen
+Andenken die Schimmel in Holz nachbilden und innen an die Giebelöffnung
+stellen, die seitdem nicht zugemauert werden kann. Seine Frau lebte noch
+sieben Jahre, sprach aber wenig und lachte gar nicht mehr; dagegen
+betete sie viel und spann und wirkte ein großes leinenes Tuch für das
+Münster. Dasselbe brachte sie gerade fertig. Es ist aus _einem_ Stück,
+mit Bildern aus dem Leben des Heilands geziert, und wird noch heutiges
+Tags als Fastentuch gebraucht.
+
+
+
+
+51.
+
+St. Martin bei Oberried.
+
+Aus amtlichen Verhandlungen.
+
+
+In dem Goldberg bei Oberried war vor Zeiten eine reiche Goldgrube,
+Sankt Martin genannt. Darin lag, hinter einer silbernen Thüre, ein
+Standbild dieses Heiligen verborgen, welches von lauterm Gold und
+dreihundert Mark schwer war. Noch im Jahr 1521 wurde der Bau betrieben,
+aber bald nachher wegen des hereinbrechenden Krieges eingestellt. Die
+Bergleute schlossen jedoch die Grube mit einer eisenbeschlagenen Thüre
+und schütteten dieselbe mit Erde und Steinen zu. Hierdurch gelang es
+ihnen, das Bergwerk den Augen der Feinde zu entziehen, die sich mit der
+Plünderung und Verbrennung der Poch- und Schmelzgebäude begnügen mußten.
+Kaum war es wieder ruhiger geworden, so kam die Pest und raffte die
+Bergleute weg oder scheuchte sie in entfernte Gegenden. In Folge dessen
+blieb die Grube uneröffnet, und mit der Zeit ist sie immer mehr in
+Vergessenheit gerathen.
+
+
+
+
+52.
+
+Schützen-Klaus.
+
+
+Der Schützen-Klaus war Jäger im Bezirke von St. Peter. Aus übertriebener
+Sorgsamkeit für den Wald verbot er den Leuten, Geisen zu halten. Um zu
+sehen, ob sie es befolgten, ging er Nachts an die Häuser und mäckerte
+wie eine Ziege. Wenn nun Geisen darin waren, so erwiderten sie sein
+Gemäcker, und er nahm dann die Leute in Strafe. Da sprachen dieselben
+die Verwünschung aus: er möge bis zum jüngsten Tage so mäckernd umgehen.
+Seit seinem Tode spukt er nun im Jagdanzuge, zwei Hunde an der Kette
+führend und häufig mäckernd, in seinem Bezirke. Nach der Abendglocke hat
+er Viele schon irre geführt, oder mit Steinen geworfen; und als Andere,
+um ihn zu verspotten, zu mäckern anfingen, war er im Augenblick da und
+schleuderte sie den Bergabhang hinunter.
+
+
+
+
+53.
+
+Teufel helfen am Bau der Eisenbahn.
+
+
+Als im Jahr 1844 die Eisenbahn bei Zähringen gebaut ward, sahen zwei
+unschuldige Kinder, während des Mittagessens der Arbeiter, zwei Teufel
+mit Geisfüßen und Hörnern emsig an der Bahn schaffen. Sogleich holten
+sie einige Arbeiter herbei; allein dieselben konnten die bösen Geister
+nicht wahrnehmen.
+
+
+
+
+54.
+
+Des Schwarzenberger's Bekehrung.
+
+
+Auf die schöne Tochter seines Bauers vom Wahlhof hatte der Ritter von
+Schwarzenberg sein lüsternes Auge geworfen. Er verlangte sie in seinen
+Dienst; aber ihr Vater, obgleich er die Härte seines Herrn kannte, ließ
+sie nicht dahin. Da drohte ihm der Ritter, ihn vom Hofgut zu jagen, wenn
+er nicht dessen großen und vollsten Kirschbaum fällen und, die Pferde an
+die Krone gespannt, auf das Schwarzenberger Schloß schleifen würde, ohne
+eine einzige all der reifen Kirschen zu verletzen. Ohne Hoffnung, dies
+zu vollführen, ging der Bauer zu dem Baume, wo ein altes Männlein zu ihm
+kam und ihn fragte, warum er so betrübt sey. Nachdem es die Ursache
+erfahren, versprach es, ihm zu helfen. Stracks hieb es den Baum auf's
+geschickteste um, rief aus dem Wald drei Kohlrappen herbei, die es an
+die Krone des Baums spannte, und trieb sie dann, in Begleitung des
+Bauers, nach dem hoch und steil gelegenen Bergschloß. Als der
+Schwarzenberger sie dort ankommen und keine einzige Kirsche verletzt
+sah, war er höchlich erstaunt; das Männlein aber sprach zu ihm: »Weißt
+Du, wer den Kirschbaum hierher gezogen hat? Der erste Rappe ist Dein
+Vater, der zweite Dein Großvater und der dritte Dein Urgroßvater[7],
+welche die Bedrückung ihrer Unterthanen jetzt in der Hölle büßen, und
+Dir geht es einst eben so, wenn Du nicht von Deinen Sünden ablässest!«
+Da ergriff den Ritter die Furcht des Herrn, er that Buße und führte
+fortan ein gottgefälliges Leben.
+
+ [7] Andere sagen, es seyen _sechs_ Rappen und diese die _sechs_
+ nächsten Vorfahren des Schwarzenberger's gewesen.
+
+
+
+
+55.
+
+Forelle am Kandelfelsen.
+
+
+Als eines Abends auf dem Kandel zwei Buben vom dortigen Hofe das Vieh
+zusammentrieben, sah der eine, unten am Kandelfelsen, eine Lache und
+darin eine große, goldschimmernde Forelle. Er rief seinen Gefährten
+herbei und wadete in das Wasser, um den Fisch zu fangen; allein er fand
+ihn an der Kette eines Lotteisens hängen, das im Felsen stack, und
+konnte ihn nicht los bringen. Sie fuhren nun mit dem Vieh heim und
+erzählten ihrem Herrn das Geschehene, worauf sie gleich mit ihm zum
+Felsen zurück mußten, wo aber weder Lache, noch Forelle, noch Lotteisen
+mehr zu sehen waren. Im folgenden Jahre nahmen jedoch die Buben die
+Lache mit der angeketteten Forelle abermals wahr, und im dritten und
+letzten ihres Aufenthalts auf dem Hofe nochmals; stets fanden sie den
+Fisch größer und glänzender geworden, aber alle ihre Bemühungen, ihn los
+zu machen, waren vergebens.
+
+Drei Jahre nachher wurde von Holzhauern auf dem Kandelfelsen ein
+beschriebenes Pergament gefunden, welches die erwähnten Vorgänge
+umständlich erzählte und sagte, daß, wenn die Forelle ihr Ziel erreiche,
+sie mit dem Lotteisen den Felsen herausreiße und dadurch den See im
+Innern des Berges auf das Elzthal loslasse. Das Pergament brachten die
+Holzhauer nach Waldkirch, wo man es bei Erbauung der jetzigen Kirche in
+deren Grundstein legte.
+
+
+
+
+56.
+
+Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's.
+
+
+Zu der ersten Äbtissin des Waldkircher Fräuleinstifts kamen drei Brüder
+und baten, sich in ihrem öden Gebiete ansiedeln zu dürfen. Sie erlaubte
+ihnen, sich die Plätze selbst zu wählen. An einer hübschen Stelle sprach
+der Eine: »Hier ist's gut!« und baute sich da an. Wegen dieser Rede
+erhielt der Ort den Namen _Gutach_. Der zweite fand jenseits des Baches
+einen Platz, der ihm wohl gefiel, und sagte. »Hier bleib' ich!« Davon
+wurde der Ort _Bleibach_ genannt. Der dritte endlich, welcher Simon
+hieß, siedelte sich in einem Walde an, und seitdem trägt dieser den
+Namen _Simonswald_.
+
+
+
+
+57.
+
+Der Ahornbauer.
+
+
+Als ein Mann von Simonswald wegen Zauberei verbrannt werden sollte,
+sprach er. »So gewiß bin ich unschuldig, als bei meinem Haus ein
+Ahornbaum wachsen wird.« Gleich nach der Hinrichtung kam auch bei dem
+Haus ein Ahorn hervor, und seitdem ist dort immer ein solcher Baum; denn
+wenn man den einen umhaut, wächst unverzüglich ein anderer nach. Von dem
+Baum hat der Hofbesitzer den Namen _Ahornbauer_ erhalten.
+
+
+
+
+58.
+
+Der Blindensee will ausbrechen.
+
+
+Vor langer Zeit drohte dieser Bergsee bei dem Triberger Wasserfall
+auszubrechen, und das dortige Thal zu überschwemmen. Da kam die Mutter
+Gottes und spannte vor die Öffnung ein Netz von Fäden, wodurch das
+Wasser, wie durch einen Damm, zurückgehalten ward. Jedes Jahr aber
+verfault einer der Fäden, und wenn endlich alle verwest sind, dann
+bricht der See heraus und überfluthet das ganze Thal. Dies geschieht am
+Bartholomäustag, an welchem in Triberg Jahrmarkt gehalten wird.
+
+
+
+
+59.
+
+Zum todten Hund.
+
+
+In die Wohnstube eines Schwarzwälderhofs schlug der Blitz und fuhr durch
+einen Tisch, worauf ein kleines Kind schlief; dasselbe ließ er
+unversehrt, tödtete aber einen Hund, der, gerade unter dem Kind, auf dem
+Stubenboden lag. Von diesem Vorgang wird der Hof »zum todten Hund«
+genannt.
+
+
+
+
+60.
+
+Messen angelobt.
+
+
+Als im Jahr 1796 die Neufranken verheerend gegen Ettenheimweiler zogen,
+gelobte die Pächterin eines benachbarten Hofes, fünfzig Messen lesen zu
+lassen, wenn ihr Haus von der Grausamkeit dieser Feinde verschont
+bliebe. Letzteres geschah, zur allgemeinen Verwunderung; die Frau
+unterließ jedoch, ihr Gelübde zu erfüllen, und ohne dasselbe Jemand
+offenbart zu haben, starb sie nach drei Jahren in Ettenheimweiler. Als
+ihre dort verheirathete Tochter, nach Verfluß von ebenso viel Jahren,
+Nachmittags auf dem Fuchsberg die Reben schnitt, erschien ihr plötzlich
+eine Frau mit grauem Gesicht und grauem Kleid und sprach: »Du mußt mich
+erlösen!« Vor Schrecken fiel jene in Ohnmacht; als sie daraus erwachte,
+war die graue Gestalt verschwunden. Dieselbe kam aber, einige Tage
+nachher, am Morgen zu ihr in die Küche und sagte, sie sey ihre Mutter,
+und um sie zu erlösen, solle die Tochter von Haus zu Haus so viel Geld
+zusammenbetteln, daß davon die fünfzig Messen gelesen und vierundzwanzig
+Kreuzer der Magd bezahlt werden konnten, der sie, bei ihren Lebzeiten,
+drei Batzen am Lohne abgezogen habe. Hierauf verschwand sie, die Tochter
+aber eilte zu ihrem Mann und erzählte ihm, was ihr begegnet. Um ihr das
+Betteln zu ersparen, wollte er selbst das Geld hergeben, was auch der
+Pfarrer, den sie darüber um Rath fragten, für genügend erklärte. Ehe
+jedoch der Mann das Geld beisammen hatte, erschien seiner Frau ihre
+Mutter wieder in der Küche und sprach drohend: »Willst Du Alles thun,
+was ich Dir geheißen habe, oder willst Du meinen Zorn fühlen!« Voll
+Angst versprach die Frau, zu gehorchen, machte sich auch alsbald auf den
+Weg und bettelte von Haus zu Haus bis gegen Freiburg hinauf. In vierzehn
+Tagen hatte sie das Geld beisammen; damit bezahlte sie die Magd und ließ
+in den benachbarten Klöstern die fünfzig Messen abhalten. In der Nacht
+nach Lesung der letzten Messe kam die Mutter, in glänzend weißer
+Gestalt, zu dem Mann und der Frau in die Schlafstube, sagte für ihre
+Erlösung Dank und legte, um diesen zu bezeugen, ihre rechte Hand auf
+eine Flegelruthe, die, nach ihrem Begehren, ihre Tochter ihr hinhielt.
+Da brannten sich ihre fünf Finger hinein, und sie verschwand. Die
+Flegelruthe wird noch jetzt in dem Hause aufbewahrt.
+
+
+
+
+61.
+
+Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf.
+
+
+Ein frommer Jüngling in Ettenheim wollte sich auf den Wunsch seiner
+Eltern verheirathen; er schwankte aber zwischen zwei gleich braven
+Mädchen, deren eines zu Straßburg, das andere zu Freiburg wohnte. In
+dieser Ungewißheit betete er eines Tages in der Messe inbrünstig um
+Erleuchtung, und da kam ihm in den Sinn: er solle sich auf eines seiner
+Pferde setzen und es laufen lassen, wohin es wolle; denn es bringe ihn
+an den Wohnort desjenigen der beiden Mädchen, welches ihm von Gott zur
+Frau bestimmt sey. Nachdem er aufgesessen, schlug das Pferd von selbst
+den Weg gegen Altdorf ein, daß er dachte, es gehe nach Straßburg; aber
+plötzlich springt es von diesem Weg ab und über die benachbarten Felder
+auf die Landstraße nach Freiburg, wo es den Jüngling glücklich
+hinbringt. Derselbe heirathete nun das dortige Mädchen, und er lebte mit
+ihr so glücklich, daß er zum Danke an der Stelle, wo das Pferd den Weg
+nach Straßburg verlassen, ein steinernes Kruzifix errichtete, welches
+das _Kreuz zum guten Rathe_ genannt wird[8].
+
+ [8] An dem Kruzifix ist folgende Inschrift:
+
+ =ChrIste IesV bonI ConsILII Dator MIserere nobIs.=
+ =D. O. M.=
+ =Piorum consiliorum inspiratori benignissimo crucem hanc in debitae
+ gratitudinis pignus erexit Franc. Valentini Satori et Annae Mariae
+ Neumayer P. M. relicta progenies 1763.=
+
+
+
+
+62.
+
+Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten.
+
+
+In der Nacht vor Fronfasten spann eine Frau zu Orschweier noch nach elf
+Uhr. Da kam die Fronfastenfrau zur Thüre herein und legte ihr ein
+Dutzend Spulen hin, mit den Worten: »Alle diese Spulen mußt Du bis zwölf
+Uhr vollgesponnen haben, wo ich sie wieder holen werde!« Nicht lange war
+sie weggegangen, so lief die Frau, welche sich nicht zu helfen wußte,
+zum Pfarrer, und fragte ihn, was sie machen solle. Er rieth ihr, um jede
+Spule drei Fäden im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen
+Geistes zu spinnen, was sie auch that und Schlag zwölf Uhr fertig war.
+Als gleich darauf die Fronfastenfrau die Spulen abholte, sprach sie: »Du
+hast wohl gethan, den Rath des Schwarzrocks zu befolgen; denn sonst
+solltest Du gesehen haben, was ich mit Dir gemacht hätte!« Nach dieser
+Rede entfernte sie sich.
+
+
+
+
+63.
+
+Mordthat offenbart.
+
+
+Zu Ottenheim hatte ein armes Mädchen mit einem vermöglichen Burschen,
+der Soldat war, Bekanntschaft und wurde in Folge davon schwanger.
+Dessenungeachtet bewarb er sich bald darauf um eine reiche
+Bauerstochter, und weil er befürchtete, daß jenes Mädchen ihm hinderlich
+sey, beschloß er, es aus dem Wege zu räumen. In dieser Absicht ging er
+Samstag Nachts mit einer Schaufel in den Wald, wo er in einem
+abgelegenen Schlag eine tiefe Grube machte. Am andern Nachmittag lud er
+das Mädchen zu einem Gange dahin ein, und als sie dort waren, sagte er
+ihr: sie solle Reue und Leid erwecken; denn sie müsse jetzt sterben.
+Flehentlich bat sie ihn, ihrer und seines Kindes zu schonen, sie wolle
+gern in die weite Welt hinaus, um ihn an der reichen Heirath nicht zu
+hindern; aber Alles war vergebens, und er gewährte ihr nur noch so viel
+Zeit, um drei Vaterunser zu beten. Als sie damit fertig war, sprach sie
+zu ihm: »Das sage ich Dir, wenn Du mich umbringst, wird mein Blut Dich
+verrathen!« Hierüber lachend, tödtete er sie mit mehreren Stichen und
+verscharrte sie in die Grube. Bald nachher begab er sich auf einige
+Jahre zu seiner Fahne, während welcher Zeit der Wald in Gemeindewiesen
+umgewandelt ward. Nachdem der Bursch im Heere ausgedient hatte, ließ er
+sich in Ottenheim nieder und heirathete die reiche Bauerstochter. Einst
+mußte er die Gemeindewiesen mähen helfen, wobei er gerade auf die Grube
+zu stehen kam. Beim ersten Hieb, welchen er in's Gras that, wurde die
+Sense voll Blut; erschrocken wischte er es ab und verließ gleich die
+Stelle. Zu Hause entdeckte er seiner Frau den Vorfall und die Ermordung
+des Mädchens. Einige Zeit nachher gerieth er mit ihr in Hader und
+brachte sie durch Stockschläge so in Harnisch, daß sie auf die Straße
+lief und laut die Mordthat verkündete. Er ward darauf festgenommen und,
+nachdem er Alles eingestanden, mit dem Schwerte hingerichtet. Die
+Gebeine des Mädchens fand man noch in der Grube und brachte sie auf den
+Gottesacker.
+
+
+
+
+64.
+
+Wunderbarer Hirsch.
+
+
+Ein frommer Einsiedler des Bruderthals pflegte alle Morgen nach dem
+Kloster Schuttern oder, wenn Mönche von da sich in Heiligenzell
+aufhielten, nach diesem zur Kirche zu gehen. Abends trat er den Rückweg
+an, auf dem sich, wenn es dunkel war, am Anfang des Waldes ein Hirsch zu
+ihm gesellte, welcher ein Licht zwischen den Hörnern hatte und ihm bis
+zu seiner Klause leuchtete. Einmal war der Weg vom Regen so schlüpferig,
+daß der Waldbruder aus einem Weinberg einen Rebpfahl nahm, um sich im
+Gehen darauf zu stützen. Als er in den Wald kam, war kein Hirsch da, und
+er mußte im Finstern nach Hause tappen. Auch an den zwei folgenden Tagen
+ließ der Hirsch sich nicht sehen. Da erinnerte der Einsiedler sich des
+Rebpfahles, that ihn dahin, woher er ihn genommen, und hierauf fand der
+Hirsch sich wieder ein und leuchtete ihm wie zuvor.
+
+
+
+
+65.
+
+Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier.
+
+
+Vor etlichen Jahrhunderten verirrte sich Nachts ein Wanderer im wilden
+Walde. Geängstigt durch die vielen Schlangen und Kröten, welche darin
+hausten, that er das Gelübde: wenn er unbeschädigt hinaus in einen Ort
+käme, wolle er auf dessen Gottesacker ein Kruzifix stiften. Da ertönte
+in der Ferne eine Glocke; er ging dem Schalle zu und gelangte glücklich
+nach Oberweier, wo Nachts um zwei Uhr geläutet zu werden pflegte.
+
+Ungesäumt ließ er nun ein steinernes Kruzifix verfertigen und es auf den
+dortigen Kirchhof setzen, welchem es noch gegenwärtig zur Zierde dient.
+
+Am Fuße des Kreuzes sind der Name des Stifters (Jakob Erim) und allerlei
+Schlangen und Kröten eingehauen.
+
+
+
+
+66.
+
+Das Grabenthier.
+
+
+Zu Gengenbach spukt Nachts ein mächtiges schwarzes Thier mit feurigen
+Augen, welche so groß wie kleine Pflugräder sind. Es geht vorzüglich im
+ausgetrockneten Stadtgraben um, und wird deßwegen das _Grabenthier_
+genannt.
+
+
+
+
+67.
+
+Gespenstiges Thier.
+
+
+Ein Mädchen von Bergach war zu Gengenbach in der Christmette gewesen
+und wollte Nachts zwischen ein und zwei Uhr wieder heimgehen. An der
+Kinzig kam ein Thier, so groß wie ein Metzgerhund, ihr entgegen, das
+einen abscheulichen Gestank verbreitete. Sie ergriff die Flucht, ward
+aber von dem Thiere verfolgt, wobei dasselbe ein garstiges Geschrei
+ausstieß und allmählig so groß wurde wie ein Ochse. Bis zum Haigeracher
+Bache gejagt, sprang das Mädchen hinüber und kam dadurch in Sicherheit,
+weil das Thier den Bach nicht überschreiten durfte.
+
+
+
+
+68.
+
+Feenweg.
+
+
+Als noch auf das Bergschloß Staufenberg blos ein Fußpfad führte, wohnte
+dort ein reicher Freiherr, der nur ein einziges Kind, eine schöne
+Tochter, hatte. Um sie bewarben sich viele Edle; aber er wollte sie nur
+Demjenigen geben, der ihm in einer Stunde einen guten Fahrweg auf die
+Burg herstelle. Betrübt über die Unerfüllbarkeit dieser Bedingung,
+wandelte ein junger Ritter am waldigen Fuße des Schloßbergs, und da
+begegnete ihm die dortige Fee Melusine. Sie fragte ihn, warum er so
+traurig sey, und als sie es erfahren hatte, bestellte sie ihn gegen
+Mitternacht wieder her, wo ihm geholfen werden würde. Nachdem er zur
+bestimmten Zeit sich eingefunden, hieß ihn die Fee die Herstellung des
+verlangten Weges getrost beginnen; er that es und merkte bald, daß eine
+Menge Unsichtbarer ihm Hilfe leiste. In einer Stunde war der Fahrweg zum
+Schlosse fertig und voll Freude und Hoffnung ritt der Ritter auf seinem
+Schimmel hinauf. Gleichwohl ward ihm das Fräulein von ihrem Vater
+verweigert, und er dadurch so empört, daß er denselben erschlug und in
+den tiefen Burgbrunnen hinabwarf.
+
+
+
+
+69.
+
+Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach.
+
+
+Vor etwa fünfzig Jahren kam ein österreichischer Geistlicher nach
+Durbach und miethete sich eine Wohnung. Nachdem er mit mehreren Männern
+aus dem Orte bekannt geworden war, eröffnete er ihnen, daß auf dem alten
+Schlosse ein großer Schatz vergraben sey, den sie mit ihm heben und
+theilen sollten. Gerne willigten die Männer ein und gingen mit ihm
+mehrere Nächte auf das alte Schloß, wo sie, nach seiner Anleitung,
+gewisse Gebete verrichteten. In der letzten Nacht wurde von einem
+Priester aus der Gegend, welchen der Geistliche auch für die Sache
+gewonnen hatte, eine Zwangsmesse gelesen, worin dieser den Diener
+machte. Kaum war sie zu Ende, so erhob sich aus dem Boden ein großer
+Haufe glänzenden Geldes, das die Männer schweigend aus den mit vier
+Rappen bespannten Wagen eines von ihnen luden und damit nach dessen Haus
+fuhren. Als sie darin waren, vergaß einer, daß vor der Vertheilung des
+Schatzes kein Wort gesprochen werden dürfe, und rief: »Jetzt haben wir
+das Geld, jetzt sind wir reich!« Da lag im Augenblick, statt des
+Schatzes, ein Haufe Sand auf dem Wagen und der österreichische
+Geistliche war auf immer verschwunden.
+
+ * * * * *
+
+Aus dem alten Schlosse fährt um Mitternacht eine gespenstige Kutsche,
+die mit sechs Rappen oder Schimmeln bespannt ist und von einem grauen
+Mann gelenkt wird.
+
+
+
+
+70.
+
+Verwunschener Schüler.
+
+
+Eines Sonntags, unterm Hochamt, kam im Stollenwald zu einem Knaben ein
+verwunschener Schüler und fragte ihn, was er da mache. »Ich will
+Vogelnester ausnehmen,« erwiderte treuherzig der Bube und darauf der
+andere: »Geh du mit mir, und nimm dir aus jeder Kiste, die ich aufmache,
+eine Handvoll Geld, aber nicht mehr, und ohne ein Wort dabei zu reden!«
+Unbedenklich folgte ihm der Knabe auf das alte Schloß, wo der Schüler
+aus einem Büschel Moosfarn einen Schlüssel holte und damit auf dem Boden
+eine unter Laub versteckte Steinthüre aufschloß. Durch dieselbe stiegen
+sie hinab und kamen nacheinander in drei mit Kostbarkeiten angefüllte
+Gewölbe. In dem ersten öffnete der Schüler eine Kiste voll Silbergeld,
+im zweiten, nach Herabjagung eines schwarzen Pudels, eine voll
+Goldstücke, und im dritten eine voll Kupfermünzen. Aus jeder nahm sich
+der Bube schweigend eine Handvoll und folgte dann seinem Führer in's
+Freie zurück. Letzterer schloß nun die Steinthüre zu, legte den
+Schlüssel wieder in den Büschel und verließ den Knaben. Als dieser das
+Geld heimgebracht und erzählt hatte, wie er dazu gekommen, mußte er mit
+seinem Vater gleich wieder auf das alte Schloß; allein dort konnte er
+weder Büschel, noch Schlüssel, noch Steinthüre mehr auffinden.
+
+
+
+
+71.
+
+Geist erlöst.
+
+
+Nach dem Tode eines Schappbacher Hofbauers ließ sich Nachts in seinem
+Bergwald ein Licht sehen, welches an einem Gränzstein hin und her
+schwebte. Einst ging ein berauschter Metzger aus dem Orte mit einem Kalb
+spät an dem Berg vorüber und als er das Licht erblickte, rief er ihm zu.
+»Komm herunter und leuchte mir, da droben hilfst du mir nichts!«
+Augenblicklich war dasselbe bei ihm und brachte ihn und das Kalb im Nu
+hinauf zu dem Gränzstein. »Drehe den Stein!« sagte das Licht zu dem
+nüchtern gewordenen Metzger. »Das werde ich nicht können,« erwiderte er,
+und darauf jenes: »Es geht schon, versuche es nur!« Als er es that,
+konnte er den Stein ganz leicht bis in eine gewisse Richtung wenden.
+»So, jetzt bin ich erlöst!« sprach dann das Licht und verschwand. Zu
+Hause zeigte der Metzger die Sache an, und bei der Untersuchung stellte
+sich heraus, daß der Hofbauer bei seinen Lebzeiten dem Gränzstein eine
+falsche Richtung gegeben, und dadurch ein Stück des anstoßenden fremden
+Waldes sich verschafft hatte, welches nun dem rechtmäßigen Eigenthümer
+zurückgegeben wurde.
+
+
+
+
+72.
+
+Die lange Ell.
+
+
+In den Straßen von Oppenau geht Nachts eine gespenstige Frau, in der
+Ortstracht, um. Sie ist so hoch, daß sie in den zweiten Stock der Häuser
+sieht, und wird die _lange Ell_ genannt. Frauen, welche noch spät in der
+Nacht häusliche Geschäfte verrichteten, hat sie schon ermahnt, dieselben
+künftig früher zu besorgen.
+
+
+
+
+73.
+
+Der Teufel kommt um die Beute.
+
+
+In einer Stube zu Oppenau verrichteten Nachts zwischen elf und zwölf
+drei Männer das Christoffelsgebet. Da kam der Teufel, brachte ihnen
+einen Zuber voll Geld und sprach: »Wer zuletzt hinaus geht, der ist
+mein!« In der Angst wußten die Männer nicht, was sie thun sollten:
+endlich lief einer zum Pfarrer und erzählte ihm das Geschehene. Darauf
+holte derselbe die Monstranz mit dem Allerheiligsten und begleitete den
+Mann zu den zwei andern. Auf sein Geheiß verließen dann die drei mit ihm
+die Stube, er ging hinter ihnen und rückwärts, die Monstranz in den
+Händen, so, daß der Heiland der Letzte war. Hierdurch kam der Teufel um
+seine Beute; er nahm aber auch den Zuber voll Geld wieder mit hinweg.
+
+
+
+
+74.
+
+Reden bringt um den Schatz.
+
+
+Um den Schatz zu heben, welcher am Hohenrain bei Lautenbach vergraben
+ist, ließen zwei Bursche Mittags in diesem Dorf eine Zwingmesse lesen.
+Während derselben hackten sie stillschweigend auf dem Platz über dem
+Schatze ein wenig Erde weg, steckten zwei Weidenruthen hin, und von
+selbst hob sich die Kiste voll Geld aus dem Boden. Als sie darnach
+langten, kam einer, der ganz mit Kochlöffeln behängt war, den Berg
+herunter, bei dessen Erblickung der eine Bursch dem andern zuflüsterte:
+»Sage nur nichts!« Da versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und der
+mit den Kochlöffeln war wie weggeblasen. Daß die Hebung des Schatzes
+mißlungen sey, merkte der Priester sogleich in der Zwingmesse.
+
+
+
+
+75.
+
+Feiertags-Entheiligung bestraft.
+
+
+An Maria-Geburt 1843 heimste ein Mann zu Oberkirch ohne Noth sein
+Grummet ein, worauf er äußerte, jetzt sey es vor dem Wetter gesichert.
+Zur Strafe dafür schlug in der folgenden Nacht der Blitz in sein Haus
+und verbrannte dasselbe mit allem Futter und Vieh, das darin war.
+
+
+
+
+76.
+
+Schatz und Spuk auf der Schauenburg.
+
+
+Auf dem verfallenen Bergschlosse Schauenburg liegt ein Geldschatz
+vergraben, bei dem alle sieben Jahre eine weiße Frau sich zeigt. Einst
+in der Nacht rief sie den Schweinhirten von Loh, welcher mit einem Bunde
+Holz am Schlosse vorbeiging, mit seinem Taufnamen Ciriak, und als er
+darauf stehen blieb, bat sie ihn, ihr aus dem benachbarten Brunnen einen
+Trunk Wasser zu holen; durch denselben werde sie erlöst und er dann Herr
+des Schatzes. »Ich habe kein Geschirr zum Schöpfen,« erwiderte der
+einfältige Mensch, und darauf die Frau: »So nimm deinen Schuh dazu!«
+Jetzt erst bemerkte der Hirt, daß sie auf der Brust einen schwarzen
+Flecken habe, und nun weigerte er sich, ihre Bitte zu erfüllen. Da
+entfernte sich die Frau unter fürchterlichem Krachen, und er wurde, ohne
+zu wissen wie, in einen hohen Tannenstamm gesetzt, der sich plötzlich zu
+einer Gabel gespaltet hatte. Weil er sich nicht heraushelfen konnte,
+erhob er ein großes Geschrei; aber erst am Morgen ward er von
+herbeikommenden Holzhauern gehört und aus seiner Klemme befreit.
+
+
+
+
+77.
+
+Teufelsstein.
+
+(Abweichungen von Nr. 129 des Hauptwerks.)
+
+
+1) Kaum war das Wendelinskirchlein bei Meisenbühl und Nußbach fertig,
+so wollte der böse Feind es zusammenwerfen. Zu dem Ende lud er, mit
+Hülfe der andern Teufel, den größten der _zwölf Steine_ sich auf, und
+begab sich damit allein auf den Berg über der Kapelle. Als er von ihr
+noch etwas entfernt war, fing es darin an zu läuten, und da mußte er den
+Felsen fallen lassen, welchen er nachher nicht wieder aufheben konnte.
+
+2) Um die Kapelle zu zertrümmern, biß der Satan den Felsen vom Berg ab
+und ging damit auf sie los. Im _Erbsengarten_ begegnete ihm ein altes
+Männlein, das unser Heiland war, und fragte ihn, was er vorhabe. »Den
+Schweinstall da unten will ich mit dem Stein zusammenwerfen,« antwortete
+er, indem er auf das Kirchlein wies. Das Männlein redete ihm zu, vorerst
+seine Last abzulegen und auszuruhen, was er auch befolgte. Nach einiger
+Zeit wollte er den Felsen wieder aufheben; aber da war derselbe so weich
+geworden, daß sich seine Krallen darein drückten, und er mit ihm der
+Kapelle nicht mehr schaden konnte.
+
+3) Als der Teufel den Stein auf das Kirchlein werfen wollte, erschien
+der Erzengel Gabriel, und durch dessen Macht wurde der Stein so heiß,
+daß er schmolz und für den Bösen unbrauchbar ward.
+
+
+
+
+78.
+
+St. Antonius bei Oberachern.
+
+
+Als einst die Schweine von Oberachern im nahen Bergwald weideten,
+wühlten sie ein kleines hölzernes Standbild des heiligen Antonius von
+Padua aus dem Boden. Dasselbe stellten die Hirtenbuben an einen dortigen
+Eichstamm und machten ein Dach von geflochtenen Weiden darüber. Bald
+leuchtete das Bild mit Wundern, und mit der Andacht nahmen die Opfer so
+zu, daß auf dem Platz eine stattliche Kapelle erbaut werden konnte. Sie
+trägt den Namen des Heiligen, und auf ihrem Hochaltar ist das Gnadenbild
+aufgestellt.
+
+
+
+
+79.
+
+Hohinrot's Erbauung.
+
+
+Der Sohn aus der Burg Rodeck und die Tochter aus der Burg Altwindeck
+wollten einander ehelichen; es fiel ihnen aber schwer, sich von ihren
+Eltern zu trennen. Sie suchten deßwegen auf dem Gebirge nach einem
+Platze, von welchem sie beide Burgen sehen könnten. Mit vieler Mühe
+fanden sie einen solchen und ließen dort für sich das Schloß Hohinrot
+erbauen, aus dessen Fenstern sie dann ihren Eltern fleißig zuwinkten.
+
+
+
+
+80.
+
+Brigitte.
+
+
+Ein Ritter von Hohinrot hatte eine Frau, Namens _Brigitte_, von der die
+Burg auch das _Brigittenschloß_ heißt. Sie war eben so fromm, als
+mildthätig, besuchte und pflegte die Kranken der umliegenden
+Ortschaften, entband die Wöchnerinnen und schenkte den Armen so viel sie
+vermochte. Als sie einst denselben einen Korb voll Essen bringen wollte,
+begegnete ihr ihr Mann, der das viele Verschenken nicht leiden konnte.
+»Was hast Du in dem Korbe?« fragte er, und erhielt die Antwort: »Rosen.«
+Da hob er den Deckel auf, und sieh! der Korb war mit den schönsten Rosen
+angefüllt.
+
+So gut auch Brigitte war, und obgleich sie dem Ritter zwei schöne
+Knäblein geboren hatte, verstieß er sie doch von sich und ihren Kindern,
+und nahm eine seiner Mägde zum Kebsweib. Gott ergeben wanderte die arme
+Frau in das Niederland und diente dort als Magd zwanzig Jahre. Nach
+deren Ablauf zog sie auf den Breitenbrunner Hof, eine halbe Stunde von
+Hohinrot, wohin sie jeden Samstag mit den andern Bettelleuten ging, um
+Almosen zu holen. Dasselbe wurde von ihrem ältesten Sohne ausgetheilt,
+dem ihr inständiges Benehmen so auffiel, daß er seinem Vater davon Kunde
+gab. Bei ihrer nächsten Anwesenheit ließ dieser sie herbeirufen; allein
+er erkannte seine Frau nicht mehr, wohl aber den Trauring an ihrem
+Finger. »Von wem habt ihr diesen Ring bekommen?« fragte er sie und
+erhielt zur Antwort: »Den habt ihr mir bei unserer Trauung gegeben.« Da
+ergriff den Ritter Schmerz und Reue, er bat seine Gattin, wieder seine
+Hausfrau zu werden, er wolle die Magd und die Kinder, welche er mit
+derselben erzeugt, aus dem Schloß entfernen und reichlich für deren
+Zukunft sorgen. Gern erfüllte Brigitte seine Bitte, und setzte dann, von
+den Ihrigen unterstützt, ihre Wohlthätigkeit und Andacht fort. Die
+Unwissenden im Glauben zu belehren, war ihr ein Hauptanliegen,
+namentlich bekehrte sie eine Sippschaft Heiden, die im Land
+umhergezogen, aber von ihr in die Burg aufgenommen worden waren. Jeden
+Tag begab sie sich in die Sasbacher Kirche, wohin vom Schloß ein
+unterirdischer Gang, wie auch über den Schelsberg und Vogelsberg ein
+Fußpfad führte. Letztern ging einst Brigitte und ließ bei jedem Schritt
+einen Kronenthaler fallen, damit er in einen Fahrweg umgewandelt werden
+könne. Die erwähnte Kirche wurde von ihr mit Geschenken überhäuft, wozu
+besonders die große Glocke gehört, welche ihren Namen trägt. Als sie
+einmal diesem Gotteshause zuging, fingen dessen Glocken von selbst an zu
+läuten. Der Meßner eilte auf den Thurm, und bei Erblickung der nahenden
+Burgfrau rief er: »Die närrische Brigitte kommt!« Da stürzte er zum
+Fenster hinaus und brach das Genick, und eine Stimme vom Himmel sprach:
+»Sie ist heilig!« Seit der Zeit hat dieses wunderbare Geläute stets
+Brigittens Gang von der Banngrenze bis zur Kirche begleitet. Gegen sich
+ward die fromme Frau immer strenger. Sie kleidete sich ganz gering, in
+selbst gefertigte Zeuge, und nährte sich zuletzt nur mit der Milch einer
+Ziege. Endlich starb sie eines seligen Todes, wobei in der ganzen Gegend
+die Glocken von selbst läuteten, und wurde, von Jung und Alt begleitet
+und beweint, in dem Sasbacher Gotteshause beigesetzt. Die bekehrten
+Heiden waren auch bei dem Trauerzug und verließen gleich nachher das
+Schloß, in dessen Überbleibseln ihre Wohnung, das _Heidenstüblein_, noch
+gegenwärtig gezeigt wird.
+
+
+
+
+81.
+
+Wunderquelle.
+
+
+Am Markustage 1854 war an dem _Wolkenkreuz_ zu Neusatzeck ein Altar
+errichtet. Als der Pfarrer bei dem Bittgang daselbst das Gebet
+verrichtete, ward ihm so schwach, daß er aufhören mußte und nach einigen
+Schritten vor sich hinfiel. Hierbei berührte das Versehkreuz, welches
+er, um damit den Segen zu geben, auf der Brust hängen hatte, den Boden,
+und sogleich entsprang dort eine Quelle, die gegen vielerlei Übel sich
+heilsam erweist.
+
+
+
+
+82.
+
+Vergeltung.
+
+
+Einem Kruzifix bei Ottersweier hieb einmal ein Reiter der Neufranken
+mit seinem Säbel einen Arm ab. Da fiel ihm der Arm, womit er den Hieb
+geführt, augenblicklich vom Leibe.
+
+
+
+
+83.
+
+Gotteslästerung bestraft.
+
+
+Der Herbst 1833 lieferte im Bühlerthal einen ziemlich geringen Wein. Als
+ein dortiger Hofbauer denselben im Rebstockwirthshaus versucht hatte,
+schüttete er das Übrige im Glase einem dahängenden Kruzifix in's Gesicht
+mit den Worten: »Warum lässest Du ihn nicht besser wachsen, sauf' ihn
+selbst!« Sogleich ward er auf beiden Augen blind und blieb es auch sein
+Leben lang.
+
+
+
+
+84.
+
+Kröten in Geld verwandelt.
+
+
+Ein Mann von Bühl sah eines Tages im Wald eine Menge kleiner Kröten auf
+einem Haufen liegen. Um einen Spaß zu machen, füllte er sie in einen
+Sack und leerte ihn in der Nacht in seines Nachbars Wohnstube. Als
+dieser am Morgen hineinkam, fand er den Boden mit Goldstücken und
+Kronenthalern bedeckt, welche sich zuzueignen er nicht säumte. Bald
+nachher erzählte er es dem Manne, worauf derselbe erklärte, daß er ihm
+das Geld verdanke und es mit ihm theilen müsse. Als jener Letzteres
+verweigerte, klagte der Mann bei Amte, und dieses erkannte dann das
+Geld, als einen gefundenen Schatz, der Herrschaft zu.
+
+
+
+
+85.
+
+Schatz versinkt beim Fluchen.
+
+
+Im Walde bei Bühl sah ein Mann ein Häuflein glühender Kohlen liegen und
+hob etliche nach einander auf, um seine Pfeife anzubrennen. Da keine
+zündete, fing er zuletzt an zu fluchen, und sogleich versank das
+Häuflein in den Boden. Jetzt erkannte er zu spät, daß die Kohlen ein
+Schatz waren.
+
+
+
+
+86.
+
+Bestrafte Sakramentschänder.
+
+
+In einem Dorfe bei Bühl wurde vor Kurzem ein wandernder Handwerksbursche
+Nachts so krank, daß er den Wirth der Herberge bitten ließ, ihm den
+Pfarrer zu rufen. Dies hörten zwei Hochschüler, welche noch in der
+Wirthsstube saßen, und beredeten den Wirth, mit ihnen einen Spaß
+auszuführen. Nachdem sie ihr Aussehen verändert, ließen sie sich vom
+Wirthe als Pfarrer und Meßner dem Handwerksburschen vorstellen. Dieser
+beichtete dann dem vermeinten Pfarrer und erhielt von ihm das Abendmahl,
+welches eine weiße Rübenscheibe war. Als die Drei nachher vom Kranken
+weggingen, schwebte er auf der Treppe in weißer Gestalt neben ihnen her,
+worauf der Wirth in dessen Kammer zurückeilte. Er fand ihn todt und, bei
+seiner Rückkunft in die Wirthsstube, die beiden Hochschüler erstarrt und
+kohlschwarz dastehen. In dieser Weise sind sie noch dort; die Stube ist
+verschlossen und ihr Betreten Jedermann untersagt.
+
+
+
+
+87.
+
+Stole schützt vor dem höllischen Feuer.
+
+
+Von der Abtei Schwarzach kaufte kurz vor ihrer Aufhebung ein dortiger
+Bauer ein Stück Feld und Wald, versäumte aber, sich für die Zahlung
+einen Schein geben zu lassen. Nach einigen Jahren forderte die
+Herrschaft, welcher das Kloster zugefallen, von ihm den Kaufschilling,
+und da er dessen Entrichtung nicht beweisen konnte, ward er verurtheilt,
+ihn nochmals zu erlegen.
+
+Als er, voll Verdruß über diesen Spruch, von Rheinbischofsheim
+zurückging, begegnete er im Wald einem Jäger, von dem er um die Ursache
+seines Unmuths befragt wurde. Auf die Antwort: er könne ihm doch nicht
+helfen, erwiderte derselbe, daß er wohl es vermöge, und erfuhr dann die
+ganze Sache. »Du sollst einen Schein für die Zahlung bekommen, wenn du
+thust, was ich von dir verlange,« sprach der Jäger, und darauf der
+Andere: »Ja, sofern es mir an Leib und Seele keinen Schaden bringt.«
+Ungesäumt nahm nun der Jäger den Mann auf die Schultern und trug ihn
+windschnell zu einem großen Schlosse, wo er ihn absetzte und zu ihm
+sagte: »Geh' hinein! hinter der dritten Thüre wirst du den Mönch finden,
+mit dem du den Kauf abgeschlossen hast; begehre von ihm den Schein, und
+wenn du ihn empfangen, so ziehe den Dreien, welche an dem Tische sitzen,
+die Stolen ab und lege sie auf diesen; alsdann mache dich fort, aber
+unterstehe dich nicht, einen Blick zurück zu thun!« Ohne Bedenken ging
+der Bauer in das Schloß und fand in dem bezeichneten Gemach den
+verstorbenen Mönch, welcher mit zwei abgeschiedenen Geistlichen seiner
+Bekanntschaft an einem Tische Karten spielte. Auf die Bitte des Mannes
+um den Schein pfiff er Einen herbei, von dem er sich Schreibzeug bringen
+ließ, schrieb den Schein und gab ihn dem Bauer. Nach diesem nahm
+letzterer den drei Geistlichen die Stolen ab, legte sie auf den Tisch
+und ging hinweg. Unter der Thüre schaute er um und sah, daß an den
+Geistlichen hohe Flammen emporschlugen. Als er draußen zu dem Jäger kam,
+sprach derselbe: »Du hast umgeschaut und deßhalb verdient, daß ich dich
+etliche Tage da in der Hölle ließe; weil du aber sonst deine Sache recht
+gemacht, will ich dir die Strafe schenken!« Hierauf nahm er ihn wieder
+auf die Achseln und trug ihn windschnell an die Stelle zurück, wo er ihn
+früher aufgeladen. Den Schein zeigte der Mann beim Amte
+Rheinbischofsheim vor und wurde nunmehr von der nochmaligen Zahlung
+freigesprochen.
+
+
+
+
+88.
+
+Mariabild zu Steinbach.
+
+
+In einem ungebrauchten Stalle zu Ottenhofen ertönte einstmals
+lieblicher Gesang aus dem Boden. Der Hauseigenthümer grub auf dem Platze
+nach, fand ein hölzernes Standbild, welches die seeligste Jungfrau mit
+dem Jesuskindlein vorstellte. Beim Graben hatte der Kopf Marias den Riß
+bekommen, welcher noch vorhanden ist. Nachdem hinter dem Stalle, im
+Garten, ein hölzernes Kapellchen errichtet war, wurde das Bild
+hineingestellt und nachher viel besucht und reichlich beschenkt. Weil
+diese Andacht keine Genehmigung hatte, so ließ der Pfarrer zu Steinbach,
+wohin Ottenhofen gehört, in einer Nacht das Bild durch einen Mann in
+seine Kirche holen; allein in der Frühe stand es wieder im Kapellchen,
+und eben so am folgenden Morgen, nachdem es in der Nacht zuvor, wie das
+erste Mal, fortgenommen worden war. Hierauf holten es die Steinbacher in
+feierlichem Bittgang in ihre Kirche und stellten es am Schwibbogen des
+Chors auf, wo es denn auch blieb und fortfuhr, mit Gnaden zu leuchten.
+Ungeachtet dessen ließ ein späterer Pfarrer, zum Ärger der Gemeinde, das
+Bild hinten hin, unter den Glockenturm, setzen. Da sah man das Innere
+der Kirche, mehrere Nächte nach einander, hell erleuchtet, und als eines
+Tages Leute vor dem Bilde beteten, fiel plötzlich eine brennende Kerze,
+die dort aufgesteckt war, in zwei Hälften gespaltet herunter. Auf dieses
+wurde das Bild wieder an seinen vorigen Platz gestellt, wo es noch steht
+und mit großem Vertrauen verehrt wird.
+
+
+
+
+89.
+
+Meisterschuß.
+
+
+Als im Jahre 1796 eine Kriegsschaar Neufranken auf der Landstraße von
+Scheuern gegen Baden rückte, ritt der Oberst mit seinem Feldgehülfen und
+seinem Bedienten an der Spitze. Auf einmal pfeift eine Büchsenkugel vom
+Berge herab und streckt alle Drei todt darnieder. Der Schuß geschah aus
+großer Entfernung von einem österreichischen Scharfschützen, der darauf
+über das Gebirge sich davon machte. Seitwärts des Platzes, wo die Drei
+gefallen, wurden sie beerdigt und ihre Gräber mit drei niedern
+Steinkreuzen bezeichnet.
+
+
+
+
+90.
+
+Bund mit dem Teufel.
+
+
+Ein Müller in Baden sollte seine baufällige Mühle herstellen lassen,
+allein er hatte dazu keine Mittel. Hierüber betrübt, stand er eines
+Morgens unter seiner Hausthüre, da kam ein fremder Mann in reicher
+Kleidung zu ihm und fragte ihn, was ihm fehle. Als der Fremde es
+erfahren hatte, versprach er, dem Müller Geld zu verschaffen und führte
+ihn in der dritten Nacht in das Gewölbe des alten Schlosses. Dort holte
+er ein Gebund Schlüssel hinter einem Felsen hervor und machte damit an
+der Wand eine Eisenpforte auf, durch die sie in einen Saal und durch
+eine zweite solche Thüre in ein kleineres Gewölbe kamen, worin eine
+eiserne Kiste stand. Diese öffnete der Mann auch mit den Schlüsseln und
+hieß dann den Müller von dem Silbergeld, womit sie gefüllt war, so viel
+nehmen, als er tragen könne. Gierig füllte derselbe den Sack, welchen er
+mitgebracht hatte; alsdann schloß der Mann die Kiste und beim Weggehen
+die Thüren wieder zu, legte die Schlüssel hinter den Felsen und
+begleitete, ohne viel zu reden, den Müller bis zu dessen Hause. Ohne
+Säumen ließ nun dieser seine Mühle niederreißen und eine neue bauen;
+aber lange ehe sie fertig, war das Geld ausgegeben. Da ging er in der
+Nacht mit dem Sacke wieder auf das alte Schloß, fand richtig hinter dem
+Felsen die Schlüssel und gelangte mittelst ihrer in das kleine Gewölbe,
+wo er auf der Kiste einen schwarzen Pudel liegen sah. Nicht ohne Zagen
+hieß er ihn heruntergehen, was derselbe auch gleich that und damit
+verschwand. Hierauf machte der Müller die Kiste auf, nahm daraus so viel
+Geld, als in den Sack ging und verschloß sie wieder. Während dessen war
+die Gewölbthüre zugefahren und als er fortgehen wollte, konnte er sie,
+trotz aller Anstrengung, nicht mehr aufbringen. Erschöpft und voll Angst
+setzte er endlich sich nieder, da öffnete sich plötzlich die Thüre, und
+herein trat ein stattlicher Jäger. Grimmig fuhr dieser ihn an, daß er
+ihm so viel Geld habe stehlen wollen, und drohte, ihn in Stücke zu
+reißen, wenn er nicht gleich sich verbindlich mache, ihm nach 15 Jahren
+seine Seele zu überlassen. Obschon der Müller nun wußte, daß er es mit
+dem Teufel zu thun habe, so schrieb er doch in seiner Noth den Vertrag
+nieder, worauf er mit dem Sacke voll Geld heim gehen durfte. Eifrig
+betrieb er nun den Fortbau der Mühle, während dessen er wenig seines
+Vertrags mit dem Bösen gedachte. Später aber machte ihm derselbe mehr
+Unruhe und, als 10 Jahre um waren, solche Angst, daß er halbe Tage in
+der Kapuzinerkirche mit ausgespannten Armen betete. Dieses fiel im
+Kloster auf und bewog den Guardian, ihn um die Ursache seines Kummers zu
+fragen. Lange wollte er mit der Sprache nicht heraus; endlich aber
+erzählte er, wie er in des Teufels Schlinge gerathen. Da rieth ihm der
+Guardian, zu ihm in's Kloster zu ziehen und ein strenges Bußleben zu
+führen, was er auch bis zu dem Tage that, an welchem seine Frist ablief.
+Nachdem er an demselben gebeichtet und kommuniziert hatte, nahmen ihn
+die Kapuziner an dem Hochaltar in ihre Mitte und erwarteten den Bösen.
+Zur bestimmten Stunde kam auch dieser an die Kirchthüre und forderte die
+Auslieferung des Müllers; der Guardian aber erklärte ihm, daß er an
+demselben keinen Theil mehr habe, und beschwor ihn, die Handschrift
+herauszugeben. So sehr der Teufel auch widerstrebte, so mußte er endlich
+doch sie zur Thüre hineinwerfen, worauf er mit grimmigem Gebrüll
+davonfuhr. Nach diesem blieb der Müller noch drei Jahre im Kloster, und
+als er dann in die Welt zurückkehrte, setzte er das gottselige Leben
+fort bis an sein Ende.
+
+
+
+
+91.
+
+Geist vertragen.
+
+
+Vor etwa hundert Jahren starb in Baden ein Wirth und spukte darauf in
+seinem Keller, wo er an die Fässer klopfte und andern Lärm machte. Um
+ihn los zu werden, ließ seine Frau einen frommen Pater aus dem
+Kapuzinerkloster kommen, der von ihr ein Stück Kölsch begehrte und mit
+demselben und zwei brennenden Kerzen nach der Abendglocke in den Keller
+ging, worin der Geist schon umher polterte. Unbeirrt durch dessen
+Gebrüll, vollbrachte der Pater die Beschwörung, ließ dann von dem
+Hausknecht, welcher oben an der Kellertreppe hatte warten müssen, den
+zusammengerollten Zeug hinauftragen und sagte ihm, er solle denselben
+auf die Teufelskanzel bringen. Der Knecht verweigerte jedoch, seinen
+Herrn aus dem Hause zu tragen, und schlug dazu einen Mann von Selbach
+vor, der, ohne zu wissen, was vorgehe, im Haus übernachte und beim
+Heimgehen ohnehin zur Teufelskanzel komme. Gegen das angebotene
+Trinkgeld übernahm der Mann gerne das Geschäft, aber statt den Kölsch am
+bestimmten Orte abzuladen, brachte er ihn seiner Frau als einen Fund,
+welchen er unterwegs gemacht habe. Voll Freude rollte sie den Zeug
+auseinander, da hüpfte eine große Kröte heraus und unter den Ofen, wo
+sie noch heute sitzt, in der Nacht ächzet und durch kein Mittel wieder
+fortgeschafft werden kann.
+
+
+
+
+92.
+
+Lichtenthals Erbauung.
+
+
+Anfänglich wollte man das Kloster Lichtenthal am sonnigen Schafsberg
+erbauen, da, wo jetzt das Pächterhaus steht; allein in der Nacht wurden
+die Steine und das Holz durch die Engel hinweg und zum winterlichen
+Leusberg getragen. Das Gleiche geschah in den zwei folgenden Nächten,
+nachdem die Baustoffe jedesmal an den Schafsberg zurückgeschafft worden
+waren. Nunmehr baute man das Kloster auf dem vom Himmel bezeichneten
+Platze, wo es auch noch heute steht und in geistlicher Schönheit
+fortblüht. Über ihm wurde neuerlich, in einigen Adventsnächten,
+stundenlang in der Luft beten gehört.
+
+
+
+
+93.
+
+Erdweiblein.
+
+
+In dem _Küchenfelsen_ zu Oberbeuren hatten ehemals schöne Erdweiblein
+ihre Wohnung und Küche, und von der letztern schreibt sich sein Name
+her. Diese Weiblein lud einst die Frau des Hauses, zu welchem der Felsen
+gehörte, mit den Worten ein:
+
+ »Kommet her, ihr Armen,
+ Esset auch von dem Warmen!«
+
+worauf sie zu ihr gingen und sich den vorgesetzten frischen
+Zwiebelkuchen trefflich schmecken ließen. Von nun an standen sie mit den
+Leuten dieses Hauses in freundschaftlichem Verkehre. Aus dem Teig,
+welchen dieselben Abends eingelegt, bucken sie ihnen in der Nacht das
+Brod, und zur Arbeit auf dem benachbarten Acker brachten sie ihnen aus
+ihrer eigenen Küche Essen. Die silbernen Geschirre, worin dieses
+enthalten war, sowie die dazu gehörenden Silberbestecke mußten jedoch
+von den Leuten wieder auf den Acker gestellt werden, von wo die Weiblein
+sie dann zurückholten.
+
+Einmal aber behielt der Knecht eine der Gabeln für sich zurück, und auf
+dieses ließen die Weiblein sich nicht mehr blicken; obwohl man den Rauch
+ihrer Küche noch manchmal aufsteigen sah.
+
+Nach der Aussage eines verfahrenen Schülers liegen in dem Felsen große
+Reichthümer verschlossen, und er versicherte, denselben mit drei
+Rosmarinstengeln öffnen zu können.
+
+Abweichend erzählen Andere so:
+
+Um sich gegen die Erdweiblein erkenntlich zu zeigen, ließen die Leute
+des Hauses für sie neue Hemden machen, und legten dieselben Abends auf
+die Backmulde. Als die Weiblein der Hemden ansichtig wurden, gingen sie,
+ohne sie zu berühren, sogleich hinweg und ließen nie sich wiedersehen.
+
+
+
+
+94.
+
+Fordere den Teufel nicht heraus.
+
+
+Einst gingen zwei Beurener Männer, spät in der Nacht, von Gernsbach
+heim. Unterwegs zieht der jüngere seine drei Messer hervor, fährt damit
+wild in der Luft umher und ruft: »Heute wollte ich es mit drei Teufeln
+aufnehmen!« Als sie an die verrufene Stelle »Müllenbild« kommen, sagt
+er, wohin deutend, zum ältern: »Sieh, dort stehen drei!« Derselbe kann
+niemand erschauen, gleich darauf aber sieht er, daß sein Begleiter von
+ihm weg und, ellenhoch über dem Boden schwebend, gegen Gernsbach
+zurückschießt. Eilends läuft er ihm nach, vermag aber nicht, ihn
+einzuholen und ruft endlich: »Geh in Gottes Namen, ich kann dir nicht
+mehr helfen!« Auf dieses steht der andere, am ganzen Leibe zitternd,
+rückwärts von ihm, im Straßengraben. Nachdem er sich etwas erholt hat,
+spricht er: »Die Drei waren gehörnte Teufel, welche mich packten und
+fortschleppten und dabei zerkratzten, zerschlugen und so würgten, daß
+ich keinen Laut ausstoßen konnte; um vor ihnen sicher zu seyn, will ich
+nächstens zur Beicht gehen, was ich seit drei Jahren nicht mehr gethan
+habe.«
+
+
+
+
+95.
+
+Seefrauen.
+
+
+Einem Forbacher Holzhauer, welcher beim Herrenwieser See beschäftigt
+war, brachte ein Weiblein aus demselben Monate lang das Mittagsessen; er
+sollte aber, wie sie ihm gleich Anfangs gesagt, es niemand offenbaren.
+Seiner Frau fiel endlich auf, daß er das Essen, welches sie ihm mitgab,
+meistens zurückbrachte, und sie fragte ihn so lange und dringend um die
+Ursache, bis er ihr dieselbe entdeckte. Als er am andern Tage wieder
+beim See arbeitete, kam das Weiblein mit zwei Gebund Stroh und sagte,
+daß sie ihm, weil er die Sache ausgeplaudert, kein Essen mehr bringe,
+ihm jedoch zum Abschiede noch die zwei Bunde Stroh schenke, die er
+sorgfältig bewahren solle. Hierauf ging sie nach dem See zurück. Trotz
+ihrer Ermahnung, warf der Mann auf dem Heimwege das Stroh weg; ein
+Hälmchen aber blieb ihm am Ärmel hängen, das er zu Hause in Gold
+verwandelt fand. Eilig begab er sich nun auf den Platz, wo er das Stroh
+hingeworfen, allein da war nichts mehr zu finden.
+
+Einst holte ein Seeweiblein die Forbacher Hebamme, um einer Frau im See
+bei deren Niederkunft beizustehen. Als sie an ihn kamen, schlug das
+Weiblein mit einer Ruthe hinein, worauf das Wasser sich theilte, und sie
+trockenen Fußes, eine Treppe hinab, in schöne Gemächer gelangten. In
+einem derselben lag die Frau, und mit Hilfe der Wehmutter wurde sie
+glücklich entbunden. Zum Lohn erhielt die Hebamme ein Bündel Haberstroh,
+welches sie, noch im See, verächtlich wegwarf. An ihrem Schuh blieb aber
+ein Halm hängen, und als sie aus dem Wasser war, fand sie ihn in eitel
+Gold verwandelt. Nun bereute sie zu spät, das Bündel weggeworfen zu
+haben.
+
+An hohen Festen pflegten Seejungfrauen nach Forbach in die Kirche, und
+an Fastnacht und Kirchweihe in das Löwenwirthshaus zum Tanze zu kommen.
+Sie waren zart und schön, wie aus Milch und Blut, hatten die Tracht der
+Schwarzwälderinnen und Röslein auf den Strohhüten. Um zehn Uhr des
+Abends mußten sie stets zu Hause seyn, und darum gingen sie immer früh
+vom Tanzboden weg. Einmal aber verspätete sich eine von ihnen, welche
+eine Liebschaft mit einem Forbacher Burschen hatte, und als er sie zum
+See begleitete, bat sie ihn, am Ufer zu warten, wenn sie in's Wasser
+gestiegen sey. Werde dieses dann milchweiß, so habe sie kein Leid
+erfahren; werde es aber blutig, so sey sie, wegen ihrer Verspätung,
+umgebracht worden, und er solle eiligst entfliehen, sonst koste es auch
+ihm das Leben. Nicht lange hatte der Bursch gewartet, so sah er im See
+Blut emporsteigen und ergriff schleunig die Flucht. Nachher sind keine
+Seejungfrauen mehr nach Forbach gekommen.
+
+
+
+
+96.
+
+Forbachs ältestes Haus.
+
+
+Zur Zeit, wo die Gegend von Forbach noch eine Wildniß war, stand darin
+einsam der _Schramberger Hof_, von dem jetzt allein der Keller übrig
+ist. Als der Hofbauer einen Sohn bekam, ließ er ihn erst nach acht
+Jahren in Rothenfels taufen, wofür er dem Pfarrer ein Kalb mitbrachte.
+
+
+
+
+97.
+
+Verwünschung.
+
+
+Ein Mann von Forbach wollte aus seiner Bergscheuer bei der _Wolfsgrube_
+Heu holen und traf dort einen ausgeschriebenen Wilderer. Derselbe bat
+ihn, ihm Brod herzubringen, was der Mann auch versprach und ihn da
+warten hieß. Statt Brodes brachte er aber Bewaffnete mit und nahm den
+Wilderer gefangen. Für dessen Einlieferung erhielt er beim Oberamt
+zwanzig Gulden Blutgeld auf rothes Tuch ausgezahlt. Ehe der Wilderer
+hingerichtet wurde, sprach er zu dem Manne: »Weil du mich so schändlich
+verrathen hast, sollst du nicht mehr die Sonne anschauen!« Diese
+Verwünschung ging sogleich in Erfüllung, und der Mann mußte bis zu
+seinem Tode stets unter sich sehen.
+
+
+
+
+98.
+
+Der Wolfsstein.
+
+
+Auf dem Happersberge ward einmal ein weidender Ochse von einem Wolf
+angefallen. Er nahm ihn aber auf die Hörner und drückte ihn so lange an
+einen Felsen, bis er (der Wolf) todt war. Seit dieser Zeit wird der
+Felsen der _Wolfsstein_ genannt.
+
+
+
+
+99.
+
+Knorr.
+
+
+Bei seinen Lebzeiten war Knorr Zollbeamter im badischen Murgthal, wo er
+einen hohen Zoll auf die Frucht legte und dadurch die Leute schwer
+bedrückte. Zur Strafe hierfür muß er seit seinem Tode, ohne Hoffnung auf
+Erlösung, daselbst umgehen, besonders zu Gernsbach in seinem Hause, in
+der daran stoßenden Mistgasse und auf der dortigen Murgbrücke. Er zeigt
+sich nur in fruchtbaren Jahren, vom Abendgeläute bis zur Frühglocke,
+aber in allerlei Gestalten, namentlich als Jäger, altes Weib mit langen,
+herabhängenden Haaren, Bär, Stier, Pferd, Esel, Kalb, großer, schwarzer
+Hund mit mächtigen Feueraugen, Schwein, Bock, weiße Ziege, Schaf, Katze,
+Gans, große Schlange und Wergbund. Die Leute zu foppen, ist seine
+Gewohnheit, daher man am besten thut, wenn man ihn trifft,
+stillschweigend an ihm vorbeizugehen, damit er keine Gewalt über einen
+bekomme.
+
+Eine Gernsbacher Frau, der er sich als Esel über einen Waldpfad legte,
+wollte ihn schimpfend mit dem Fuße wegstoßen; da sprang er ihr auf den
+Rücken und ließ sich bis an die Stadt tragen.
+
+Ebenso mußte ihn ein Mann aus Forbach, welchem er sich als Kalb
+aufsetzte, bis unter die Dachtraufe seines Hauses schleppen.
+
+Auch in Hilpertsau, Obertsroth, auf der Gernsbacher Brücke, hat er sich
+schon als Schaf oder Hund von spät Heimgehenden huckeln lassen.
+
+Auf einem Brücklein zwischen Staufenberg und Gernsbach packte einmal ein
+Mann ein einzelnes Schwein auf; aber plötzlich stand er im Wasser, und
+das Schwein, welches der Knorr gewesen, war verschwunden.
+
+Beim Heimgehen nach dem Ausrufen sah einst der Weißenbacher Nachtwächter
+am Pfarrhaus ein Gebund Werg liegen, das er aufhob und unter seinen Rock
+stecken wollte. Da bemerkte er, daß das Werg ein Paar Augen bekomme, und
+der Knorr sey, weßhalb er es eilig hinwegwarf.
+
+Als ein solches Gebund hat Knorr auch auf der Hilpertsauer Brücke sich
+sehen lassen und vor Darübergehenden hin und her gewälzt. An dieser
+Brücke stand früher ein kleines Haus, welches das _Knorrhäuslein_
+genannt wurde.
+
+Wenn er als Katze erscheint, rollt er sich zuweilen den Leuten unter die
+Füße, daß sie über ihn fallen, und auch in andern Thiergestalten legt
+oder stellt er sich ihnen häufig in den Weg, und wenn sie ihm
+ausweichen, ist er öfters gleich wieder hart vor ihnen.
+
+Vor manchen ist er schon im Zickzack hergelaufen; viele sind von ihm
+irregeführt, mehrere beohrfeigt und andere mit Gewalt in die Murg
+gestellt worden.
+
+
+
+
+100.
+
+Der Grafensprung.
+
+(Abweichung von Nr. 160 des Hauptwerkes.)
+
+
+Auf der Burg Neueberstein waren einmal drei Grafen und Brüder, welche
+über die Theilung ihrer Güter lange nicht einig werden konnten. Endlich
+kamen sie überein, daß derjenige von ihnen sie alle erhalten solle, der
+den steilen Abhang des Schloßbergs gegen die Murg drei Mal hinauf und
+herab reiten werde. Der Jüngste unternahm es zuerst und gelangte zwei
+Mal glücklich hinauf und herunter; beim dritten Aufritt aber stürzte er
+mit dem Pferd in die Tiefe und brach das Genick. Hierdurch abgeschreckt,
+verglichen sich die beiden andern in brüderlicher Weise; auch nahmen
+sie, zum immerwährenden Andenken, in ihr Wappen drei Männer auf, deren
+einer ohne Kopf ist. Von dem Vorgange trägt der Abhang den Namen
+_Grafenries_ oder _Grafensprung_.
+
+
+
+
+101.
+
+Erdweiblein.
+
+
+Die _Erdweibleinshöhle_ im kleinen Lautenfelsen trägt diesen Namen wegen
+der Erdweiblein, welche vordem darin wohnten. Zwei von ihnen, holdselige
+Mädchen, pflegten Abends mit ihren Spindeln nach Lautenbach in die
+Spinnstube und, wenn Tanz war, auch zu diesem zu kommen. Stets aber
+gingen sie vor Mitternacht weg, weil sie über dieselbe nicht ausbleiben
+durften. Einst, beim Fortgehen, wurden sie von einem Anwesenden gefragt,
+was sie in ihren hinaufgebundenen Schürzen hätten, worauf die eine
+antwortete:
+
+ »Hättest Du mich eher gefragt,
+ Hätte ich Dir es gesagt.«
+
+Von Tag zu Tag gewannen die Bursche die beiden Mädchen lieber, und
+einmal, beim Tanze, vermochten sie sie, bis nach Mitternacht zu bleiben.
+Als dieselben darauf heim wollten, baten sie die Bursche, sie zu
+begleiten und am Felsen zu warten, wenn sie hineingegangen. Fließe dann
+Blut aus ihm, so seyen sie, wegen ihrer Verspätung, umgebracht worden;
+komme aber Milch heraus, so hätten sie kein Leid erfahren. Nicht lange
+waren sie im Felsen, so quoll Blut daraus; und nachher sind keine
+Erdweiblein mehr in Lautenbach gesehen worden.
+
+Andere erzählen: die Erdjungfrauen seyen allein heimgegangen; sie hätten
+aber ein Messer zurückgelassen und gesagt, wenn sie, wegen ihres
+Verspätens, getödtet würden, so werde das Messer blutig werden, und
+dieses sey auch geschehen.
+
+
+
+
+102.
+
+Schatz bei Gernsbach.
+
+
+Dem Taglöhner eines Gernsbacher Gutsbesitzers träumte drei Nächte
+nacheinander: er solle auf einem gewissen Acker seines Herrn, im Bezirk
+_Entensee_, zackern und die Mäuse, die dabei zum Vorschein kämen,
+unbeschrieen todtschlagen und sorgfältig bewahren; denn sie seyen
+Silbermünzen. Am Morgen darauf wurde er vom Gutsbesitzer, der von dem
+Traume nichts wußte, beauftragt, den erwähnten Acker zu pflügen. Um
+dabei die Ochsen zu leiten, nahm er einen Buben mit, dem er befahl,
+während der ganzen Arbeit nichts zu reden. Beim Zackern kamen eine Menge
+Mäuse aus dem Boden und sprangen dem Manne nach; er schlug sie
+stillschweigend todt, legte sie auf einen Haufen und deckte etwas
+darüber. Auf einmal merkte er, daß die Pflugschaar in etwas stecke, und
+als er nachsah, fand er sie im Ringe eines Kessels, der ganz voll Geld
+war. Über das öftere Halten ungeduldig, rief jetzt der Bube dem
+Taglöhner, fortzumachen, und da sank der Kessel dröhnend in die Tiefe.
+Nachdem der Mann den Buben wegen des Rufens tüchtig gezankt hatte,
+schaute er nach dem Haufen Mäuse, und siehe, sie waren zu lauter
+silbernen Geldstücken geworden.
+
+In zwei Jahren, am ersten März, Vormittags zwischen zehn und elf Uhr,
+sahen die Leute, welche dem Acker gegenüber wohnten, auf dem Platze, wo
+der Kessel versunken, etwas Glänzendes liegen. Beim zweiten Mal dachte
+der Mann, es sey ein Schatz und ging stillschweigend darauf zu; aber
+unterwegs wurde er von einer Frau gefragt, wo er hin wolle, und im
+Augenblick war das Glänzende verschwunden.
+
+
+
+
+103.
+
+Der Bildstock am Hördtelstein.
+
+
+Ehe die jetzige Landstraße durch das Murgthal gemacht war, zog mitten
+an der flußbespülten Felswand des Hördtelsteins ein Fußpfad hin. Damals
+fuhr ein Mühlknecht von Ottenau, um Frucht zu holen, nach Hördten und
+schlief auf dem Wagen ein. Am Hördtelstein schlug das Pferd, statt auf
+dem Fahrweg zu bleiben, den erwähnten Fußpfad ein und kam glücklich über
+den Felsen. Als der Mühlknecht gleich darauf erwachte, erkannte er, wie
+wunderbar er mit seinem Gefährt erhalten worden sey. Zum Danke dafür
+ließ er an der Stelle einen steinernen Bildstock errichten, auf dem ein
+kleines Kruzifix ausgehauen ist.
+
+
+
+
+104.
+
+Schätze bei Michelbach.
+
+
+Auf einer Wiese steht ein großer Nußbaum, welcher vom Wind schon zwei
+Mal mit der Wurzel ausgerissen worden ist, jedes Mal aber sich selbst
+wieder aufgerichtet und im Boden festgestellt hat, weil, noch aus der
+Heidenzeit, Geld unter ihm vergraben liegt.
+
+Auch da, wo das Bergschloß gestanden, ist ein Schatz verborgen, und es
+zeigt sich dort eine Schlange, die einen goldenen Ring mit drei
+Schlüsseln um den Hals hat.
+
+Auf der Klotzwiese gehen drei weiße Jungfrauen um, die öfters
+wunderschön singen und am angrenzenden Bache waschen. Eines Tages riefen
+sie einen vorübergehenden Mann von Sulzbach zu sich und sagten ihm, er
+könne sie erlösen und den großen Schatz, welchen sie hüten müßten,
+gewinnen, wenn er sie in den Gestalten, worin sie ihm erscheinen würden,
+küßte, wobei er nichts zu befürchten habe. Nachdem er sich bereit
+erklärt, ward er von ihnen zu einem Felsen des nahen Münzbergs geführt,
+an welchem er jetzt zum ersten Mal eine Thüre erblickte. Durch dieselbe
+kamen sie in ein Gewölbe, worin drei Kisten standen, auf deren jeder ein
+schwarzer Hund lag. Auf Geheiß der Jungfrauen sprangen die Hunde herab,
+und jene öffneten die Kisten, deren eine mit Kupfer, die zweite mit
+Silber, die dritte mit Gold gefüllt war. Nach diesem standen, statt der
+Jungfrauen, eine Kröte, eine Schlange und ein Drache da. Den zwei
+erstern gab der Mann je einen Kuß; den Drachen aber vermochte er nicht
+zu küssen, sondern fiel in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, lag er
+außen, beim Felsen, die Jungfrauen standen traurig um ihn und sagten
+ihm, sie müßten jetzt wieder warten, bis aus einem Kirschkern, welchen
+ein Vogel am Münzberg fallen lasse, ein Baum geworden und aus diesem
+eine Wiege für ein neugebornes Kind gemacht sey; dieses Kind erst könne,
+wenn es erwachsen, sie erlösen. Hierauf verschwanden sie. Der Mann
+gelangte mit Mühe nach Hause und starb in drei Tagen.
+
+
+
+
+105.
+
+Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn.
+
+
+1) Aus dem Lindenbaum, an dessen Fuß die Moosalb entspringt, ertönte
+einst lieblicher Gesang. Man suchte nach und fand in dem Stamme ein
+anmuthiges Mariahilfsbild. Nachdem nun noch, nächtlicher Weile, auf
+einen nahe gelegenen Platz überirdisches Feuer gefahren war, erbaute man
+auf demselben eine Kapelle und setzte darin das Bild zur Verehrung aus.
+Alsbald leuchtete es mit Wundern, und auch das Holz der Linde und das
+Wasser der Quelle erwiesen sich gegen verschiedene Übel heilkräftig.
+
+2) Mit einem schwer beladenen Wagen Holz fuhr ein Mann den schroffen
+Mahlberg hinunter. An der jähsten Wegstelle brachen die Radsperren, und
+nun rollte der Wagen, mit Pferden und Mann, unaufhaltsam abwärts. In
+dieser großen Noth rief letzterer: »O Maria hilf!« und augenblicklich
+stand das Fuhrwerk auf dem steilen Abhange still. Wegen dieses Wunders
+ward im Thale eine Mariahilfskapelle erbaut, zu welcher bald von nah und
+fern Pilgerfahrten geschahen[9].
+
+ [9] Keine der beiden Erzählungen findet sich in den Moosbronner
+ Pfarrschriften.
+
+
+
+
+106.
+
+Steine in Geld verwandelt.
+
+
+Ein Niederbühler Bube sah einst an der Wassergrube, welche das
+_Glockenloch_ heißt, kleine Steine aufgehäuft liegen und warf etliche so
+darüber, daß sie auf der Oberfläche dahin hüpften. Sobald sie das Wasser
+berührten, schimmerten sie wie Silber. Er füllte deßwegen seine Kappe
+mit Steinen von dem Haufen, und als er dieselben zu Hause ausleerte,
+fand er sie zu werthvollen Silbermünzen geworden. In Begleitung seines
+Vaters eilte er sogleich zu dem Glockenloch, konnte aber den Steinhaufen
+nicht mehr entdecken. Sie nahmen nun ähnliche Steinchen von da mit;
+allein dieselben wollten sich nicht in Geld verwandeln.
+
+
+
+
+107.
+
+Der Rötterer Berg bei Rastatt.
+
+(Zu Nr. 170 des Hauptwerkes.)
+
+
+Dieser Berg war schon Nachts von spukhaftem Schein umgeben. Einst brach
+ein Mann sich dort eine Blume ab und fand sie zu Hause in einen goldenen
+Schlüssel verwandelt.
+
+Ein anderes Mal bemerkten vorbeigehende Burschen am Berg eine Menge
+Kröten. Der Dummste steckte einige zu sich, und als er sie daheim
+hervorzog, waren sie zu eitel Gold geworden.
+
+Zwei Knaben und Brüder von Rastatt, welche im Wald Holz gelesen hatten,
+sahen beim Heimgehen das weiße Fräulein an der Schuhuhütte stehen und
+ihnen winken, zu ihr zu kommen. Der ältere wagte es, wurde von ihr in
+die Hütte geführt und mit einem Sack voll Geld beschenkt. Kaum hatte er
+ihn mit Mühe zu seinem in der Nähe wartenden Bruder gebracht, so kam ein
+Mann aus der Rheinau, der von einer benachbarten Wiese alles mit
+angesehen, und wollte ihnen den Sack mit Gewalt wegnehmen. Auf ihr
+Geschrei trat jedoch der alterthümlich gekleidete Jäger hinter der
+Schuhuhütte hervor, schlug sein Gewehr auf den Mann an und jagte ihn
+dadurch in die Flucht. Alsdann half er den Knaben, den Sack forttragen,
+bis zufällig ein Wagen herbeikam. Dem Führer desselben gab der Jäger ein
+großes Trinkgeld, damit er die Buben nebst dem Sacke nach Hause fahre,
+und empfahl ihm, es ja gut zu besorgen. Überdies blieb er (aber nur dem
+ältern Knaben sichtbar) so lange bei dem Fuhrwerk, bis die Buben mit dem
+Gelde bei ihren hocherfreuten Eltern waren. Der Mann aus der Rheinau
+starb, in Folge des Schreckens, nach drei Tagen.
+
+
+
+
+108.
+
+Steinbild in Sulzbach[10].
+
+
+Auf dem _Freihof_ zu Sulzbach hat vor Zeiten ein Schloß gestanden, das
+von einem adeligen Geschlecht bewohnt worden ist. Von diesem waren
+zuletzt nur Bruder und Schwester übrig; sie zeugten miteinander ein Kind
+und wurden deshalb enthauptet. An dem Sulzbacher Kelterhaus war früher
+ein Stein eingemauert, worauf die beiden Geschwister, ohne Köpfe, und
+das Kind ausgehauen waren.
+
+ [10] Im Amt Ettlingen.
+
+
+
+
+109.
+
+Doppelmord wegen eines halben Kreuzers.
+
+
+Zwei wandernde Metzgergesellen bettelten in einem Hause zu Ettlingen und
+erhielten einen Kreuzer. Denselben wollte der Empfänger für sich
+behalten, der andere machte aber auf die Hälfte Anspruch. Hierüber
+geriethen sie mit einander in Streit, der eine zog ein langes Messer,
+der andere eine Hippe[11] hervor, sie fielen sich an und tödteten sich
+gegenseitig. Dies geschah am Ende der Stadt, Schöllbronn zu, und es
+stehen deßhalb am dortigen Wege zwei niedere Steinkreuze, auf deren
+einem eine Hippe, auf dem andern ein Messer eingehauen ist.
+
+ [11] Winzermesser.
+
+
+
+
+110.
+
+Messe nachgeholt.
+
+
+Eines Abends ward in die Ettlinger Kirche zufällig ein Schulbube
+eingeschlossen, der während der Betstunde darin eingeschlafen war. Tief
+in der Nacht erwachte er; am Altare brannten die Lichter und an dessen
+Fuß stand ein Priester allein und begann die Messe. Nachdem er das
+=Introibo= gesprochen, schaute er auf beide Seiten, ob nicht ein Diener
+da sey, der ihm antworte, und als er keinen erblickte, machte er das
+Buch auf dem Altare zu und ging mit dem Kelch wieder in die Sakristei.
+Augenblicklich erloschen die Lichter von selbst, und den Knaben befiel
+eine solche Angst, daß er zur Thüre eilte, und als er sie verschlossen
+fand, um Hilfe rief. Dies hörte der vorübergehende Nachtwächter; er
+holte den Meßner und derselbe ließ den Buben aus der Kirche und führte
+ihn am Morgen zum Pfarrer. Nachdem dieser sich Alles hatte erzählen
+lassen, unterrichtete er den Knaben im Meßdienen und sagte ihm hierauf,
+was er zu thun habe. Vor Mitternacht begaben sich dann Beide in die
+Kirche, wo nach einer Weile die Altarkerzen sich von selbst entzündeten
+und wieder der Priester aus der Sakristei kam und sich anschickte, Messe
+zu lesen. Ungesäumt trat nun der Bube hinzu und diente ihm; aber nach
+der Messe ging nicht er, sondern der Pfarrer mit in die Sakristei. Dort
+von letzterem befragt, warum er im Grabe keine Ruhe habe, antwortete der
+Priester: »Als ich starb, war ich noch eine Messe schuldig, und um sie
+nachholen zu können, habe ich viele, viele Jahre auf einen Diener
+gewartet. Jetzt ist sie abgehalten, und ich gehe zu Gott, bei dem ich
+Deiner und des Knaben nicht vergessen werde!« Nach diesen Worten
+verschwand er.
+
+
+
+
+111.
+
+Burgstadel.
+
+(Zu Nr. 186 des Hauptwerkes.)
+
+
+Die Frau des Wattmüllers erblickte eines Tages auf dem Platze, wo das
+Schloß gestanden, einen offenen Keller, den sie vorher nie gesehen
+hatte. Sie stieg dessen Treppe hinab und bemerkte unten drei Kisten mit
+Geld. Eilends ging sie weg, um ihren Mann zu holen; aber als sie mit
+demselben zurückkam, war der Keller verschwunden.
+
+Bei dem Burgstadel war einem Mann ein Schwein verlaufen. Mit einer
+Gerte, die er sich aus einer Haselstaude schnitt, suchte er es im
+Gebüsche, wobei er zufällig mit ihr die Bergwand berührte. Da öffnete
+sich diese und zeigte ein Gewölbe, worin das weiß gekleidete Fräulein
+und verschiedene Kisten waren. Auf einer der letztern lag ein Hund mit
+einem Bund Schlüssel im Maule. Nachdem der Mann eingetreten, nahm das
+Fräulein die Schlüssel und machte damit die Kisten auf, welche voll Geld
+und Kostbarkeiten waren. »Nimm Dir davon, so viel Du willst,« sprach sie
+zu ihm, »aber vergiß das Beste nicht!« Ohne Säumen warf er die Gerte weg
+und packte von den Schätzen ein, so viel er fortbringen konnte. Als er
+damit im Freien war, schaute er nach dem Gewölbe um; aber da war der
+Berg wieder zu, und er erkannte nun, daß er das »Beste«, nämlich die
+Haselgerte, zurückgelassen habe.
+
+Bei Tagesanbruch sah einmal der Knecht aus der Sägmühle das Fräulein an
+der Alb einen Kübel füllen und ihn auf den Berg tragen. Er erzählte es
+seinem Herrn, auf dessen Rath er am andern Morgen abermals an den Fluß
+ging und das Fräulein, welches wieder Wasser holte, fragte, was sie da
+mache. Sie erwiderte ihm, er möge ihren Kübel nehmen und ihr damit auf
+den Burgstadel folgen, was er auch ohne viel Bedenken that. Oben traten
+sie durch eine Höhle in das Schloß, worin viele Kisten und ein Faß
+standen, bei dem ein Hund auf einem Lotterbette lag. Nachdem das
+Fräulein den Kübel in das Faß ausgeleert hatte, sagte sie zu dem Knecht,
+er würde sie erlösen und alle die Schätze in den Kisten bekommen, wenn
+er den Frosch, worein sie sich verwandle, trotz des heftigen, aber
+unschädlichen Gebells des Hundes, dreimal mit der Hand um das Faß trüge.
+Beim ersten Gang um dieses bellte der Hund stark, beim zweiten noch
+stärker, beim dritten aber so fürchterlich, daß der Knecht den Frosch
+fallen ließ. Da war es um die Erlösung geschehen, und es erschien ein
+alter Mann und führte den Knecht zum Berge hinaus.
+
+Als einst ein Schäfer beim Weiden oberhalb der Kalbenklamm ein Stücklein
+blies, kam das Fräulein und sagte ihm, er solle mit ihr gehen, seine
+Heerde werde unterdessen bestens gehütet. Auf dieses folgte er ihr und
+ward an einen Platz voll Schlüsselblumen geführt, deren er eine
+abbrechen und auf den Burgstadel mitnehmen mußte. Dort war eine Thüre
+sichtbar, welche er auf seiner Führerin Geheiß mit der Blume wie mit
+einem Schlüssel aufschloß. Sie gingen hinein und kamen zu drei Kisten,
+auf deren einer ein schwarzer Pudel lag. »Öffne die Kisten mit der
+Blume«, sprach das Fräulein zu ihrem Begleiter, »und nimm daraus, so
+viel Du willst, aber vergiß das Beste nicht!« Nachdem der Hund herab
+gesprungen war, schloß der Schäfer mit der Blume die Kisten auf und fand
+sie mit Schafzähnen gefüllt. Ohne große Freude steckte er damit seine
+Taschen voll und trat dann, die Blume zurücklassend, allein den Rückweg
+an. Kaum war er aus dem Berge, so rief ihm eine Stimme klagend nach: »Du
+hast das Beste vergessen!« Seine Heerde traf er schön beisammen und
+vergaß über ihr die mitgenommenen Schafzähne. Erst am nächsten Morgen
+dachte er wieder an dieselben; aber statt ihrer fand er in seinen
+Taschen lauter Goldstücke. Sogleich eilte er auf den Burgstadel; allein
+er sah die Thüre nicht mehr und merkte nun, daß unter dem »Besten« die
+Schlüsselblume verstanden war, mit der er immer wieder in den Berg und
+zu dem Golde hätte gelangen können.
+
+
+
+
+112.
+
+Spielleute beim Hexentanz.
+
+
+Drei Spielleute kamen Nachts beim Heimgehen von einer Kirchweihe zu
+einem hell erleuchteten Waldschloß, woraus lustiger Tanz erscholl. Um
+noch etwas zu verdienen, gingen sie hinein und in einen Saal des obern
+Stockes, worin eine Menge Weiber zu einer Gellflöte tanzten. Diese blies
+Einer, welcher auf dem Tische stand; die Spielleute stellten sich zu ihm
+hinauf und geigten wacker mit. Während dessen nahm der Baßstreicher
+einen goldenen und einen silbernen Becher vom Tische und steckte sie in
+die Tasche. Als sie im besten Fiedeln waren, schlug es zwölf und im Nu
+verschwand Alles, und die Drei waren allein im Dunkeln. Wie sie merkten,
+saßen sie auf einem Baume; einer von ihnen sprang hinab und brach das
+Genick. Auf dieses blieben die zwei Andern oben, bis es Tag wurde, wo
+sie sich auf einer hohen Tanne sitzen sahen, von welcher sie nur mit
+Mühe hinab kamen. Als der Baßgeiger nach seinen eingesteckten Bechern
+schaute, waren es eitel Kühklauen.
+
+
+
+
+113.
+
+Der Jungfernsprung bei Dahn.
+
+(Abweichung von Nr. 198 des Hauptwerkes.)
+
+
+Auf einer waldigen Höhe bei Dahn ward einst ein unschuldiges Mädchen,
+welches einsam Kräuter sammelte, von einem geilen Jäger angefallen. Sie
+entsprang ihm und floh, von ihm verfolgt, bis vor auf die steile
+Felsenwand, die die Höhe gegen das Thal bildet. Da sie keinen andern
+Ausweg hatte, that sie in Gottes Namen den Sprung in die Tiefe, wobei
+sie sich nur den kleinen Finger[12] verstauchte. Auf dem Platze, wohin
+sie gesprungen, sprudelte gleich eine klare Quelle hervor. Die
+Felsenwand erhielt von der Begebenheit den Namen _Jungfernsprung_, und
+es ward ein hölzernes Kreuz darauf gesetzt.
+
+ [12] Statt des kleinen Fingers nennen Manche hier und in Nr. 198 des
+ Hauptwerkes die kleine Zehe, und Andere den kleinen Finger _und_ die
+ kleine Zehe.
+
+
+
+
+114.
+
+Schatz gehoben.
+
+
+Auf dem Wingertsberge bei Annweiler brannte früher ein nächtliches
+blaues Licht, das bald größer, bald kleiner wurde. Einmal kam ein Mann
+aus dem Orte, welcher spät in der Nacht nach Hause fuhr, in die Nähe des
+Lichtes; da ging er schweigend hin, deckte seinen Mantel darauf und
+setzte dann seinen Heimweg fort. Am nächsten Morgen um fünf Uhr war er
+wieder auf dem Berge, und als er seinen Mantel aufhob, lag ein Schatz
+Geld darunter, den er unangefochten sich zueignete. Seit dieser Zeit
+wird das Licht nicht mehr gesehen.
+
+
+
+
+115.
+
+Die Schlorpengasse.
+
+
+Noch im vorigen Jahrhundert trieben sich zwischen Basel und Frankfurt
+vierzigtausend Betteljuden, Männer, Weiber und Kinder, heimathlos umher.
+Bei Karlsruhe hatten sie in dem Wald südlich von der Stadt ihren
+Lagerplatz, wo sie häufig aus dort blühendem Holler und zusammen
+gebetteltem Mehl und Schmalz sich Hollerküchlein bereiteten, endlich
+wurde ihnen von der Karlsruher Judenschaft ein Haus in der
+Rüppurrerthorstraße zur Herberge hergerichtet und nun schlorpten
+(schlarften) sie bei Tag und Nacht hinein und heraus. Davon erhielt die
+Straße auch den Namen _Schlorpengasse_, welchen sie aber jetzt, wo die
+Herberge nicht mehr besteht, beinahe wieder verloren hat.
+
+
+
+
+116.
+
+Laß die Todten ruhen.
+
+
+Eine reiche Wittwe in Karlsruhe hatte eine einzige Tochter, die sie,
+weil dieselbe eben so schön, als verständig war, über die Maßen liebte.
+In der Blüthe der Jahre starb das Mädchen, und die Mutter war darüber
+ganz untröstlich. Täglich brachte sie mehrere Stunden auf dem Kirchhofe
+zu und weinte und klagte an der Gruft ihres Kindes. Als sie einst in der
+Frühe wieder dort saß und jammerte, rief ihr die Stimme ihrer Tochter
+aus der Gruft zu: »Mutter, laß mich doch ruhen!« Da verließ die Frau
+erschüttert den Friedhof und suchte, zur Beruhigung der Verstorbenen,
+über ihren Schmerz Meister zu werden.
+
+
+
+
+117.
+
+Todesvorzeichen.
+
+
+Im Herbste 1851 verkündete zu Karlsruhe eine durchziehende Zigeunerin,
+im nächsten Frühjahr entstehe im Lande große Trauer. Ein Stadtwächter
+wollte sie deßhalb verhaften, sie sagte ihm aber, so gewiß gehe ihre
+Verkündigung in Erfüllung, als er neun Kreuzer bei sich habe, und da er
+nachsah, hatte er gerade so viel in seinem Beutel. Den Winter darauf
+erkrankte der Großherzog Leopold im Karlsruher Schlosse, wo alsbald die
+_weiße Frau_ sich dreimal sehen ließ. Einige Zeit nachher fingen die
+Glocken der Stadtkirche mitten in der Nacht von selbst an zu läuten, und
+als der Großherzog es erfuhr, sprach er: »Das war mein Grabgeläute!«
+Wirklich starb er auch am 24. April 1852 zum Leidwesen des ganzen
+Landes, und wurde dann in der fürstlichen Gruft unter der Stadtkirche
+beigesetzt.
+
+
+
+
+118.
+
+Schuhwechsel.
+
+
+Einem Manne aus Au, der Nachts von Durlach heimging, setzte sich bei der
+Ruhebank der gespenstige Kapuziner, welcher dort umgeht, auf den Rücken
+und ließ sich bis in dessen Haus tragen. Als der Mann, unter der Last
+keuchend, die Stiege hinaufkam, rief ihm seine Frau zu, er solle seine
+Schuhe gegen einander wechseln. Er that es, und sogleich fiel ihm der
+Kapuziner vom Rücken und polterte gleich einem rollenden Fasse die
+Treppe hinunter.
+
+
+
+
+119.
+
+Todesvorzeichen.
+
+
+Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Bürger
+aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend
+gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei
+Männer gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr
+in die Nähe von Untergrombach kamen, sahen sie über dem Straßengraben
+einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd,
+einen Federbusch auf dem Kopfe hatte. In der Meinung, es sey Einer, der
+sie foppen wolle, sprang der Glaser hin und versetzte ihm einen
+Stockstreich; allein er traf einen Erlenbaum, und Reiter und Roß waren
+verschwunden. Nicht ohne Grauen begaben sich die Männer zu ihrem
+Weinwagen, und bald bemerkten sie und der Fuhrmann, wieder jenseits am
+Graben, eine einspännige Kutsche, worin ein Geharnischter mit Helmfedern
+saß, und deren Pferd, gleich einem Leichenroß, einen Federbusch trug,
+und von einem daneben gehenden Mann geführt wurde. Statt dieser Kutsche
+zeigte sich später eine zweispännige; der Geharnischte saß auch darin,
+und die Pferde hatten ebenfalls Federbüsche und Führer. Bis an die
+Steige oberhalb Weingarten's begleitete die Kutsche die Weinfuhr; dort
+aber war sie plötzlich weg und ließ auch nachher sich nicht mehr sehen.
+Zwei Tage darauf wurde der Glaser krank. Er sagte gleich, daß die
+Erscheinungen seinen bevorstehenden Tod bedeutet hätten, und wirklich
+erfolgte derselbe auch nach weitern neunzehn Tagen.
+
+
+
+
+120.
+
+Der Thurmberg bei Durlach.
+
+(Zu Nr. 215 des Hauptwerkes.)
+
+
+Eines Tages kam auf diesem Berge zu zwei Männern eine weiß gekleidete
+Frau und gab jedem stillschweigend einen Blumenstrauß. Sie dankten ihr,
+und als sie darauf anfing zu weinen, fragten sie um die Ursache. »Hättet
+ihr mir nicht gedankt«, antwortete sie, »dann wäre ich jetzt erlöst, so
+aber bin ich es nicht!« Nach diesen Worten verschwand sie.
+
+Ein reisender Handwerksbursch, welchen sein Weg über den Berg führte,
+legte sich daselbst ermüdet nieder und schlief ein. Durch ein Streichen
+über sein Gesicht ward er geweckt, und vor ihm stand die weiße Jungfrau
+und fragte ihn, ob er arm sey. Nachdem er es bejaht hatte, hielt sie ihm
+ihr Gebund Schlüssel hin, mit den Worten: »Wähle einen der Schlüssel,
+und wenn Du den rechten erräthst, so ist Dir und mir geholfen!« Auf
+seine Bitte, ihm den rechten zu zeigen, erwiderte sie, daß sie selbst
+denselben nicht kenne. Er suchte nun einen Schlüssel aus, allein als sie
+ihn aus dem Gebund ziehen wollte, wählte er einen andern, darauf nahm
+sie diesen heraus und steckte ihn in das Schlüsselloch einer Thüre, die
+daselbst in den Berg führte, aber erst jetzt sichtbar wurde. Trotz aller
+Anstrengung konnte die Jungfrau die Thüre nicht aufschließen, worauf sie
+traurig sagte: »Es ist der rechte Schlüssel nicht!« und im Nu, nebst der
+Thüre, verschwunden war.
+
+Der Burgbrunnen steht mit einem wasserreichen See in unterirdischer
+Verbindung, daher er immer gleich stark fließet. Bei ihm ging vormals
+ein Gang in den Berg, welcher mit einer eisernen Thüre verschlossen war.
+Auf derselben sah, Nachmittags um halb 4 Uhr, ein dort arbeitender Mann
+einen Vogel sitzen, der sich gutwillig von ihm fangen ließ. Er that ihn
+in sein Sacktuch, legte es nebenhin in's Gras und seine Jacke darauf.
+Nach einer halben Stunde sah er wieder nach dem Vogel; aber da war
+derselbe weg, obgleich Jacke und Sacktuch unverrückt gewesen. Nun
+erkannte der Mann, daß er es mit keinem wirklichen Vogel zu thun gehabt
+habe.
+
+Drei andern Männern kam kurz vor dem Abendgeläute, als sie die
+Bergtreppchen hinunter gingen, ein Unbekannter mit einem Stock entgegen,
+welcher ihren Gruß nicht erwiderte und, da sie ihn genauer betrachteten,
+Geisfüße hatte.
+
+Im Advent hat man schon, um Mitternacht, eine Geisterprozession vom Berg
+herunter in die katholische Kirche im Durlacher Schlosse gehen sehen.
+
+Auf dem Heimweg von Söllingen hörte ein Durlacher Metzger, bei
+einbrechender Nacht, auf dem Thurmberg Kegel schieben. Weil er dieses
+Spiel sehr liebte, band er das Kalb, welches er mitführte, an einen Baum
+und begab sich auf den Berg. Daselbst kegelten mehrere unbekannte
+Männer, allein sie hatten Niemand zum Aufsetzen. Unaufgefordert übernahm
+dies der Metzger; aber nach einiger Zeit ward ihm, bei dem steten
+Schweigen der Männer, so unheimlich, daß er davon lief. Da wurde ihm
+eine der Kugeln nachgeworfen, die hart an ihm vorbei rollte und am Berge
+liegen blieb. Ohne sie aufzuheben, eilte er zu dem Kalb und brachte es
+nach Hause. Bald jedoch wurmte es ihn, daß er die Kugel nicht
+mitgenommen habe, welche, als er sie in aller Frühe aufsuchte, noch am
+nämlichen Platze lag. Mit Freude entdeckte er, daß sie von Silber sey,
+und kaufte sich damit ein Stück Feld, das die _Silbergrube_ benannt
+wurde.
+
+Eines Abends sahen Buben bei dem Wächterhäuschen eine Menge gelber
+Blechlein aufgehäuft liegen. Einer von ihnen steckte ein Dutzend
+derselben ein, und als er sie daheim herauszog, waren es goldene
+Elfguldenstücke geworden.
+
+
+
+
+121.
+
+Schatz ausgeliefert.
+
+
+In einem Hause beim Pforzheimer Roßwehr war eines Abends die Frau
+allein in der Stube. Da rief ihr die Stimme eines Unsichtbaren herein:
+sie solle in den Keller gehen, den Hafen mit Eiern, der dort auf einem
+gewissen Platze stehe, holen und den Schatz auch die Armen genießen
+lassen. Sogleich begab sich die Frau in den Keller, fand an der
+bezeichneten Stelle den Hafen mit Eiern und nahm ihn mit sich. Am
+nächsten Morgen waren die Eier zu Gold geworden, wovon die Frau und ihr
+Mann den Armen reichlich mittheilten.
+
+
+
+
+122.
+
+Der Feuerschläger.
+
+
+Im Walde bei Eisingen geht Nachts und Mittags ein riesenhafter schwarzer
+Mann um, der mit einem Feuerzeug Funken, so groß wie Sterne, schlägt und
+der Feuerschläger genannt wird. Häufig steht er bei einer gewissen Eiche
+am Saume des Waldes; häufig auch führt er die Leute irre. Unter der
+Eiche sahen Nachts ein vorübergehender Schornsteinfeger und sein Gesell
+einen Haufen glühender Kohlen liegen. Trotz der Abmahnung seines
+Meisters ging der Gesell hin und wollte von den Kohlen nehmen; aber da
+bekam er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, daß er eilig sich
+zurück begab.
+
+
+
+
+123.
+
+Königsbach.
+
+
+Dieses Dorf hat seinen Namen daher, daß auf dem dortigen Berg ein König
+wohnte, und an jenes Fuße ein Bach entspringt. Der König trieb arge
+Wegelagerei, und um darüber zu täuschen, wo er und seine Mannen seien,
+legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das
+einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand,
+der _Steinhausberg_ genannt. Übrigens war Königsbach damals so groß, daß
+es siebenhundert Bürger zählte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf
+sieben herunter, welche, als der Friede verkündet ward, im
+Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr
+Feld wieder einzusäen, mußten sie den Samen weit herkommen lassen; denn
+sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land
+abgeschnitten.
+
+Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr übrig ist, führte ein
+unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als
+einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer
+zackerte, brach sein Pferd mit einem Fuße in den Boden. Beim
+Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer
+das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank.
+
+Auf der Burg liegt, bei einem Nußbaum, ein großer Schatz in einem tiefen
+Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln
+öfters aus der Ortskirche zwei gespenstige Fräulein in weißen Schleiern
+und Gewändern mit Schlüsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte.
+Auch die Geister von Kapuzinern und ein nächtliches Licht lassen sich im
+Burgraume sehen.
+
+In ein dortiges Gewölbe schaute eines Sonntag Mittags ein Mann durch ein
+Mauerloch und gewahrte eine Kiste, auf welcher ein Hund mit feurigen
+Augen lag. Als er den Kopf zurückziehen wollte, war derselbe so
+geschwollen, daß, um ihn herauszubringen, das Loch erweitert werden
+mußte. Nachher wurde das Gewölbe durchsucht, aber weder Kiste, noch Hund
+gefunden.
+
+Durch einen zickzackigen Gang kam einmal ein Lehrjunge in den
+Burgkeller; er entfloh jedoch, als er darin einige Hunde auf Truhen
+sitzen sah. In dem Keller poltert es zuweilen, wie wenn Küfer an Fässer
+klopfen.
+
+Ein anderer Bube erblickte auf dem Berg einen Hafen voll gelber
+Schneckenhäuschen. Er steckte eines davon ein und fand es später in
+einen goldenen Knopf von der Größe einer Doppelkarlin verwandelt.
+
+Ebenda zeigte sich, Mittags um 12 Uhr, einem dritten Knaben ein Hafen
+mit Goldkäfern. Sogleich lief er damit nach Hause, und siehe, die Käfer
+waren zu Goldmünzen geworden.
+
+Die Magd eines Hauses, das unten am Berge liegt, war Morgens auf ihn
+gegangen, um Futter zu holen, aber über dem Geschäft ermüdet
+eingeschlafen. Als sie erwachte, schlug es 11 Uhr, und plötzlich sah sie
+vor sich einen Haufen alten Geldes liegen. Stillschweigend wollte sie
+ihn in ihre Schürze thun, da rief ihr ihre Frau aus dem Fenster, sie
+möge doch endlich heimkommen, und alsbald versank das Geld in den Boden.
+
+Im Burgraum hängt an manchen Mittagen feine weiße Wäsche, von der man
+nicht weiß, wo sie herkommt; und in der Christnacht hat einmal, von halb
+11 bis 12 Uhr, der ganze Berg in spukhaftem Feuer gestanden.
+
+
+
+
+124.
+
+Nachgeholte Wallfahrt.
+
+
+Ein Mann in Weingarten hatte gelobt: von da ein hölzernes Kreuz von
+dreiunddreißig Pfund über den Engelsberg nach Walldürn zu tragen; dabei
+auf jeder der vielen Staffeln des Engelsbergs ein »Vaterunser« und
+»Gegrüßet sey'st du Maria« zu beten, und in Walldürn ein Amt halten zu
+lassen; er war aber gestorben, ohne dieses Gelübde erfüllt zu haben.
+Gleich nach seinem Tode erschien er seiner ledigen, armen Tochter und
+bat sie, das, was er gelobt, für ihn zu thun, wobei ihre vier
+Geschwister ihr behilflich seyn würden. Gerne auch ließen dieselben das
+Kreuz machen und begleiteten ihre Schwester auf der Wallfahrt. Als sie
+den Engelsberg zu besteigen begannen, stürzte ein unsichtbarer Teufel
+das Mädchen mehrmals nieder, worauf ihre Geschwister sie nebst dem
+Kreuze von Staffel zu Staffel hinauftrugen. In Walldürn angekommen,
+opferte sie das Kreuz in die Kirche und ließ nachher das Amt halten.
+Unter diesem erschien ihr ihr Vater in glänzend weißer Gestalt und
+dankte für seine Erlösung. Alsdann legte er seine Hand auf die ihre,
+welche sie mit einem Tuch bedeckt hatte, und verschwand. Wo seine Hand
+gelegen, war deren Abbild schwarz in das Tuch gebrannt.
+
+
+
+
+125.
+
+Geist zu Weingarten.
+
+
+Auf dem Thurmberg in Weingarten geht am Ostersonntag, Mittags zwischen
+elf und zwölf, ein Mann in seinem ehemaligen Wingert um und lies't
+Rebschnitzel auf, weil er es bei seinen Lebzeiten einmal ebenso gemacht
+hat. Einst beredete ihn ein Bube, der ihn nicht kannte, über die
+Entheiligung des Feiertags, und da warf der Geist eine Hand voll
+Rebschnitzel gegen ihn, welche lauter Feuer waren.
+
+
+
+
+126.
+
+Marienburg.
+
+
+Auf einem Berge bei Obergrombach liegt das Schloß Marienburg. Als in der
+Gegend die verheerende Bräunkrankheit herrschte, wurde, wenn Jemand
+starb, auf dem hohen Schloßthurm eine kleine Glocke geläutet, die
+deßhalb das _Bräunglöcklein_ hieß.
+
+Von der Burg haben unterirdische Gänge nach Obergrombach, in das
+Frauenkloster bei Helmsheim und in das Schloß in den _Steinhaufen_
+geführt; sie sind aber jetzt, wie die Burg selbst, größtentheils
+verfallen. In dieser hat man schon Mittags zwischen elf und zwölf
+Geister kegeln hören, und Nachts zeigt sich daselbst ein sternförmiges
+Licht und eine schneeweiße Frau, welche nur auf der großen Zehe einen
+schwarzen Flecken hat.
+
+Ebenda und im benachbarten Burgwingert geht ein ehemaliger Aufseher der
+Schloßkelter um, welcher sich an derselben erhängt hat. Er wird der
+_Kelterhännsle_ genannt und pflegt manchmal nach den Vorübergehenden mit
+Erdschollen zu werfen.
+
+Einst ließ sich ein Bursch in das tiefe Gewölbe an einem Seil hinab.
+Darin sah er große Fässer herumliegen und einen Mann regungslos an einem
+Tische sitzen. Nachdem er ihn vergebens angeredet hatte, berührte er
+ihn, und da fiel derselbe als Staub auseinander. Ebenso fielen die
+Fässer, als sie angefaßt wurden, in Stücke. Der Wein war darin, durch
+die Länge der Zeit, ganz eingetrocknet.
+
+Ein anderes Mal gruben Nachts drei Männer stillschweigend nach der Kiste
+voll Geld, die unter dem großen Thurme verborgen liegt. Endlich stießen
+sie auf dieselbe, und da sprach einer von ihnen: »Jetzt sind wir
+darauf!« Bei diesen Worten versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und
+die Männer hatten das leere Nachsehen.
+
+
+
+
+127.
+
+Reden bringt um den Schatz.
+
+
+In den sogenannten _Steinhaufen_ bei Obergrombach hat vor Zeiten ein
+Schloß gestanden, und es liegt dort eine Kiste voll Geld im Boden. Nach
+derselben grub in einer Nacht ein Mann, und schon erblickte er ihren
+Deckel, als ein Pudel herbeikam und sich anschickte, darauf zu kacken.
+»Gehst du fort!« rief der Mann ihm zu, und augenblicklich waren Kiste
+und Pudel verschwunden.
+
+
+
+
+128.
+
+Wie Bruchsal um den Eichelberg kam.
+
+
+Von ihrem Fürstbischofe hatte die Stadt Bruchsal einen namhaften
+Geldbetrag entlehnt, und ihm dafür den schön bewaldeten Eichelberg
+versetzt. Dabei war bedungen worden, daß, wenn die Rückzahlung nicht in
+einer bestimmten Zeit an den Fürsten selbst geschähe, das Pfand ihm
+anheimfalle. Als die Frist sich ihrem Ende nahte, verreiste der Bischof,
+und kehrte erst nach ihrem Ablaufe zurück. Er erklärte nun den
+Eichelberg für sein Eigentum, aber die Bruchsaler, welche am letzten
+Tage der Frist ihre Schuld hatten abtragen wollen, erhoben dagegen beim
+Kaiser eine Klage. Von demselben erhielten sie ein günstiges Urtheil,
+das mit goldenen Buchstaben geschrieben war. Trotz dessen wollte der
+Fürst den Eichelberg behalten, und in dieser Absicht lud er die zwölf
+Rathsherren von Bruchsal zu sich auf das Obergrombacher Schloß. Nachdem
+er sie köstlich bewirthet hatte, bestürmte er sie mit Bitten und
+Drohungen, eine Urkunde zu unterschreiben, die ihm den erwähnten Berg
+überlasse; allein standhaft verweigerten es alle. Auf dieses ließ er sie
+in den Burghof führen und, in seiner Gegenwart, ihrer elf, einen nach
+dem andern, durch den Scharfrichter enthaupten. Hierbei floß das Blut,
+wie ein Bach, den Schloßberg hinunter. Als die Reihe an den zwölften
+Rathsherrn kam, fragte der Bischof den Scharfrichter, wie ihm das
+Kopfabschlagen gefalle. »Wenn's Krautköpfe oder Weidenstümpfe wären, die
+wieder ausschlagen, gefiele es mir schon; so aber gefällt es mir nicht!«
+gab derselbe zur Antwort. Hierdurch ward der Fürst bewogen, den
+Rathsherrn zu begnadigen; er ließ ihm aber das kaiserliche Urtheil
+abnehmen, welches derselbe bei sich auf der Brust trug. Nachdem der
+Rathsherr nach Bruchsal zurückgekommen war, verkündete er das Geschehene
+und regte dadurch Alles zur Rache auf. Es wurde verabredet, daß, wenn
+der Bischof bei seiner nächsten Durchreise auf die Salbrücke komme, mit
+der Glocke des dortigen Kirchleins die bewaffnete Bürgerschaft zusammen
+gerufen werde, um sich seiner zu bemächtigen. Dies hinterbrachte ein
+Verräther dem Fürsten, der darauf, in der Nacht vor seiner Durchreise,
+den Schwengel der Glocke heimlich herausnehmen und dafür einen
+Fuchsschwanz hineinhängen ließ. Als er dann über die Brücke fuhr, wollte
+man eilig in dem Kirchlein läuten; aber die Glocke mit dem Fuchsschwanz
+tönte nicht, und so kam der Bischof unangefochten durch die Stadt. Den
+Eichelberg hat diese, bis auf den heutigen Tag, nicht zurück
+bekommen.[13]
+
+ [13] Keiner der Bruchsaler Fürstbischöfe hat den Eichelberg auf solche
+ Weise an sich gebracht.
+
+
+
+
+129.
+
+Muttergottesröslein.
+
+
+Die heilige Jungfrau pflegte die Windeln des Jesuskindes an Sträuchen
+wilder Rosen zum Trocknen aufzuhängen. Davon erhielten diese Stauden und
+alle von ihnen abstammende einen lieblichen Geruch, und ihre Blumen den
+Namen _Muttergottesröslein_.
+
+
+
+
+130.
+
+Hexenkuchen.
+
+
+Am Tage der Gochsheimer Kirchweihe rief einmal eine dortige Frau, die
+allgemein für eine Hexe galt, ein kleines Mädchen zu sich und schenkte
+ihm ein Stück schönen, weißen Kuchens. Ohne davon zu essen, nahm das
+Kind den Kuchen mit nach Hause, wo seine Mutter, als sie erfahren, woher
+er komme, ihn gleich in die Küchenkammer verschloß. Am andern Morgen
+fand sie, statt seiner, ein Stück groben Schwarzbrods, worin eine Menge
+Menschenhaare eingebacken war.
+
+
+
+
+131.
+
+Tochter dem Teufel verschrieben.
+
+
+Betrübt über den Zerfall seines Vermögens ging ein Müller in den
+Wald, wo er einem fremden Mann begegnete. Derselbe fragte ihn um die
+Ursache seiner Traurigkeit, und als er sie erfahren hatte, versprach er
+dem Müller eine Menge Geld, wenn dieser ihm dasjenige verschreibe, was
+jetzt hinter der Mühle sey. In der Meinung, dies sey der Staub, welcher
+beim Mahlen dahin zu fliegen pflegte, ging der Müller den Vertrag ein
+und unterschrieb ihn mit seinem Blute. Er erhielt hierauf das Geld,
+brachte es heim und erzählte seiner Frau, wie er dazu gekommen. Da
+erfuhr er von ihr, daß er seine Tochter dem Teufel verschrieben habe,
+die damals hinter der Mühle die Körner aus dem Staub gelesen, um daraus
+das Essen zu bereiten. Sie waren nun sehr betrübt, beschlossen aber,
+ihrer Tochter nichts zu sagen. In der Nacht kam der Böse zur Mühle und
+klopfte an die Thüre; die Tochter öffnete, weil sie aber, als ein
+frommes Mädchen, beim Schlafengehen sich in den drei höchsten Namen mit
+Weihwasser besprengt hatte, konnte der Teufel sie nicht mit fortnehmen,
+sondern stieß sie zurück. Ebenso ging es in der folgenden Nacht, worauf
+der Müller, auf Befehl des Bösen, das Weihwasser hinwegschaffen mußte.
+In Ermangelung dessen segnete sich das Mädchen am dritten Abend mit dem
+am Fenster angelaufenen Wasser und bewirkte dadurch, daß der Teufel, als
+er in der Nacht kam, ihr wieder nichts anhaben konnte. Am nächsten
+Morgen erzählte sie ihren Eltern, was ihr in den drei Nächten begegnet,
+worauf dieselben ihr Alles offenbarten. Da legte sie ihre Hand auf einen
+Klotz und hieb sie sich mit dem Beile ab, nachher ließ sie die andere
+Hand sich auch abschlagen und überließ beide dem Teufel, worauf
+dieselben sogleich verschwanden. Alsdann ging sie auf und davon, betete
+fleißig und bekreuzte sich dabei mit ihren Armen. Sie kam in einen
+schönen Garten bei einem fürstlichen Schlosse, in welchem sie zur
+Stillung ihres Hungers einige Äpfel mit dem Munde aufhob und verzehrte.
+Weil ihre Wunden noch bluteten, entdeckte der Fürst ihre Spur, und
+nachdem er derselben an zwei Tagen vergebens nachgegangen war, fand er
+am dritten in der Frühe mittelst seines Hundes das Mädchen in einem
+Busche, wo sie ruhig schlief. Sie gefiel ihm so wohl, daß er sie
+heirathete, wodurch sie aber nicht hoffärtig ward, sondern stets
+demüthig und fromm blieb. Nach einiger Zeit mußte er in den Krieg;
+während seiner Abwesenheit gebar sie ihm Zwillingsknaben und ließ es ihm
+schreiben. Der Bote, welcher den Brief überbringen sollte, schlief
+unterwegs an einem Waldbrunnen ein, da kam der Böse und vertauschte den
+Brief mit einem andern, worin unter dem Namen der Hofherren die
+abscheulichsten Dinge über die Fürstin gemeldet wurden. Der Fürst
+schrieb zurück, man solle, bis er heimkomme, seine Frau mit der
+seitherigen Ehrerbietung behandeln; aber als der Bote auf dem Rückweg
+abermals an dem Brunnen eingeschlafen war, nahm ihm der Teufel wieder
+das Schreiben und steckte ihm ein anderes zu, worin den Hofherren
+befohlen wurde, die Fürstin mit ihren Kindern unverzüglich auszutreiben.
+Dieses ward vollzogen und ihr dabei das eine Kind auf die Brust, das
+andere auf den Rücken gebunden. Vor Durst schmachtend, kam sie zu dem
+Brunnen, konnte aber wegen ihrer an sie gebundenen Kinder sich nicht
+niederbücken, um zu trinken. Da rief sie Gott um Hilfe an und alsbald
+trat ein Mann zu ihr, band ihr die Kinder los und hieß sie ihre Arme auf
+den Klotz legen, der plötzlich mit ihren abgehauenen Händen vor ihr
+stand. Sie that es und der Mann heilte ihr die Hände so gut an, daß sie
+dieselben gleich gebrauchen konnte. Nachdem sie in eine Wildniß
+gekommen, worin kein Obdach zu finden war, betete sie um ein solches,
+und siehe! auf einmal stand ein Hüttlein mit Geräth und Lebensmitteln
+da. Dankbar bezog sie es mit ihren Kindern und führte ein frommes
+Einsiedlerleben. So oft ihr die Nahrungsmittel ausgingen, erhielt sie
+auf ihr Gebet stets neue. Als so Jahre verflossen waren, kam eines
+Abends zu dem Hüttlein ein Mann und bat um Nachtlager. Da sie nur _ein_
+Bett hatte, mußte sie ihn auf der Bank schlafen lassen. In der Nacht
+hörte er, wie die Kinder zu einander sagten: wenn sie nur ihren Vater
+sehen würden; er befragte darüber am Morgen die Frau und erfuhr von ihr,
+wie sie verstoßen worden sey. »Wenn ihr keine Hände hättet, würde ich
+euch für meine unschuldig verbannte Frau halten, die ich seit meiner
+Rückkunft aus dem Kriege schon jahrelang suche,« erwiderte er, und
+darauf erzählte sie ihm, wie sie ihre Hände wieder erhalten habe, und
+zeigte, daß sie angeheilt seyen. Da erkannten sie einander zu ihrer und
+ihrer Kinder großen Freude. Der Fürst beschloß, ihr Einsiedlerleben zu
+theilen; auf das Gebet seiner Frau stand statt der kleinen Hütte eine
+größere mit mehr Geräth und Nahrungsvorrath da, in welcher sie Gott
+dienten bis zu ihrem seligen Ende.
+
+
+
+
+132.
+
+Gespenstige Rathsversammlung.
+
+
+In einer Spinnstube zu Eppingen wurde spät in der Nacht die Frage
+aufgeworfen: wer wohl den Muth habe, jetzt in das alte, verrufene
+Rathhaus zu gehen. Ein Mädchen erbot sich dazu und nahm eine Ruthe und
+eine schwarze Katze mit. Als sie in den Rathssaal kam, saßen darin zwölf
+gespenstige Rathsherren um den Tisch, welche zu ihr sprachen: »Hättest
+du die Ruthe und die schwarze Katze nicht bei dir, so wollten wir dir
+etwas Anderes sagen!« Voll Schrecken entfloh das Mädchen und starb noch
+in derselben Nacht.
+
+
+
+
+133.
+
+Meerweiblein.
+
+
+Eine Viertelstunde von Waldangelloch entspringt eine frische Duelle,
+die von dem Holderbusch, der früher bei ihr stand, _Holderbrunnen_
+heißt. In deren Umgebung pflegte eine arme, alte Frau das Futter für
+ihre Kuh zu suchen, mit dem sie eines Abends erst um 9 Uhr, als es schon
+lange Nacht war, nach Hause kam. Hierwegen befragt, erwiderte sie nur,
+sie sey bei guten Freundinnen gewesen, welche sie erst heute habe kennen
+lernen. Eine ähnliche Antwort gab sie auch an den folgenden Tagen, wo
+sie ebenfalls erst zur erwähnten Stunde heimkehrte. Endlich schlichen
+ihr einige Leute nach, sahen sie mit zwei fremden, schönen Mädchen bei
+dem Holderbusche stehen und letztere, als sie sich näherten, in dem
+Brunnen verschwinden. Auf dieses ward die Frau noch mehr mit Fragen über
+die Mädchen bestürmt und gebeten, dieselben in ihr Haus mitzubringen,
+worauf sie erwiderte: »Meine Freundinnen leben unter der Erde, und ich
+werde, wie sie wünschen, bald mit ihnen hinabgehen; in mein Haus kommen
+sie schwerlich, jedoch will ich versuchen, sie dazu zu bereden.« Dieses
+gelang ihr: am bestimmten Abend kamen die beiden Mädchen, ohne daß sie
+von der Frau abgeholt wurden, oder im Orte sich nach deren Haus
+erkundigten, zu ihr in die Spinnstube. Jede brachte ein brennendes
+Laternchen, eine Kunkel und Hanf mit; sie waren gekleidet wie die
+Dorfmädchen, hatten aber Gürtel und weiße Schürzen an. Während des
+Spinnens scherzten und lachten sie mit den anwesenden Mädchen und
+Burschen, erzählten, daß es bei ihnen wie auf der Erde sey, und nahmen
+nichts als Obst und Brod an. Schlag neun Uhr zündeten sie ihre Laternen
+an und gingen, trotz alles Bittens, länger da zu bleiben, mit dem
+Versprechen fort, am nächsten Abend wieder zu kommen. Dasselbe erfüllten
+sie und fanden fortan dreiundzwanzig Tage lang jeden Abend, wenn es
+dunkel war, sich ein. Ihr Betragen blieb stets das gleiche; nur knüpfte
+die eine mit einem der Burschen eine Liebschaft an. Ihm allein erlaubten
+sie, beim Heimgehen sie halbwegs zu begleiten; bis zum Brunnen hätte er
+nur dann mitgedurft, wenn er Willens gewesen wäre, sich auch hinein zu
+begeben. Letzteres zu thun, konnte er erst auf vieles Zureden seiner
+Geliebten sich entschließen. Als sie an die Quelle kamen, wollten die
+Mädchen, daß zuerst die eine, dann er und nachher die andere sich
+hinunter ließe, er aber begehrte, der Letzte zu seyn. Auf dieses
+schnallte ihm seine Geliebte ihren Gürtel um, indem sie ihm versicherte,
+daß er durch ihn vor dem Naßwerden geschützt sey, dann stieg sie und
+nachher ihre Gefährtin in den Brunnen hinab; aber der Bursch wagte
+nicht, ihnen zu folgen, sondern blieb an der Quelle stehen. Auf einmal
+ward deren Wasser blutroth, worauf er eilig den Gürtel hineinwarf, weil
+er dachte, daß derselbe nicht hätte zurückbleiben sollen. Die Mädchen,
+welches Meerweiblein waren, sind nachher niemals wieder gesehen worden.
+
+
+
+
+134.
+
+Zauberarbeit.
+
+
+Ein Schuster zu Waldangelloch hatte gewettet, er allein werde vom Morgen
+bis zum Abend ein Paar Stiefel und ein paar Schuhe machen. Auf sein
+Verlangen schlossen ihn seine Gegner in seine Werkstätte ein, in die sie
+nach einigen Stunden durch das Schlüsselloch schauten. Da sahen sie den
+Schuhmacher müßig sitzen, vier unbekannte Männer aber emsig arbeiten.
+Schnell drangen sie hinein, fanden aber statt dieser Männer nichts, als
+vier Mücken unter vier Fingerhüten. Sie ließen darauf den Schuster
+wieder allein, und am Abend hatte er die Stiefel und Schuhe fertig und
+damit die Wette gewonnen.
+
+
+
+
+135.
+
+Raubmörder geht um.
+
+
+Als einst eine Kriegsschaar Neufranken in Waldangelloch übernachtete,
+kam einer derselben, welcher viel geplündertes Geld bei sich hatte, in
+das Haus eines habsüchtigen Mannes zu liegen. Dieser bemerkte das Geld,
+bettete den Soldaten auf den Speicher und brachte ihn mit dessen eigenem
+Säbel im Schlafe um. Alsdann nahm er die Füße des Leichnams unter den
+Arm und schleifte ihn in den Keller, wo er ihn mit Kleidung und Säbel
+vergrub. Nachdem er noch jede Blutspur vertilgt hatte, meldete er in der
+Frühe dem Obersten, der Soldat sey in der Nacht ausgerissen und habe ihm
+zuvor das Haus so verunreinigt, daß viele Stellen hätten aufgewaschen
+werden müssen. Da der Oberst im Begriff stand, mit seinen Leuten
+abzuziehen, so unterließ er es, die Sache näher zu untersuchen. Auf
+diese Art behielt der Mann seinen Raub, welchen er auch viele Jahre, bis
+zu seinem Tode, genoß. Gleich nach diesem fing er an, Nachts in dem
+Hause zu spuken, wobei er den Ermordeten, dessen Füße unterm Arme, vom
+Speicher in den Keller schleifte. Den Kopf des Soldaten hörte man auf
+jeder Stufe aufschlagen. Vergebens wendeten die Bewohner des Hauses alle
+Mittel an, den Geist hinauszubringen; endlich ließen sie es niederreißen
+und auf dem Platze ein neues bauen, das denn von dem Spuke befreit
+blieb. Bei dem Bauen waren die Gebeine und der Säbel des Neufranken im
+Keller ausgegraben worden.
+
+
+
+
+136.
+
+Einem Todten gehört ein Licht.
+
+
+Zu Waldangelloch ließen einmal die Männer, welche bei einem
+Verstorbenen wachten, ihn in der Kammer dunkel liegen während sie in der
+Nebenstube Karten spielten. Da rief in der Kammer eine Stimme dreimal:
+»Einem Todten gehört ein Licht!« Erschrocken eilten die Männer hinein,
+fanden aber Niemand, als den Verstorbenen ohne Lebenszeichen. Nunmehr
+hüteten sie sich, denselben ohne Licht zu lassen.
+
+
+
+
+137.
+
+Ladung vor Gottes Gericht.
+
+
+Wenn ein Mensch einen andern vor Gottes Gericht geladen hat, so muß
+derjenige von ihnen, welcher zuerst gestorben, so lange zwischen Himmel
+und Erde schweben, bis der andere nachkommt. Dies geschieht binnen sechs
+Wochen und Beide gehen dann mit einander vor des Ewigen Richterstuhl.
+Daß dem so sey, hat sich in neuerer Zeit wieder in Waldangelloch
+erwiesen. Dort war ein Küfer von einem Zimmermann um Vieles betrogen
+worden, und da er kein Recht finden konnte, lud er denselben vor Gottes
+Gericht. Der Zimmermann lachte zwar darüber, und selbst nach dem bald
+erfolgten Tode des Küfers hatte er bei seiner kräftigen Gesundheit keine
+Furcht; aber in der vierten Woche darauf ward er plötzlich krank und
+starb nach einigen Tagen.
+
+
+
+
+138.
+
+Schatzhöhle bei Waldangelloch.
+
+
+Ein etwas blödsinniger Bube von Waldangelloch, welcher auf den Wiesen
+am Schülzert Vieh hütete, schlenderte in diesen Bergwald. Er kam an eine
+Höhle, ging hinein und stand vor einer Kiste, auf der ein schwarzer
+Pudel lag. »Herunter!« sagte der Bube zu dem Hund, und nachdem derselbe
+gutwillig herabgesprungen, hob er den Deckel der Kiste auf, die mit
+funkelndem Silbergeld gefüllt war. Davon nahm er sich eine Handvoll,
+schloß dann die Kiste und gleich war der Hund wieder darauf. Noch
+etliche Tage machte der Bube es so, bis sein Geld zu Hause entdeckt und
+er gezwungen wurde, zu sagen, wo er es her habe. Da mußte er mit einigen
+Männern in den Schülzert, um ihnen die Höhle zu zeigen; aber nun konnte
+er dieselbe nicht mehr auffinden.
+
+
+
+
+139.
+
+Fahrsamenbesitzer und Banner.
+
+
+Beiläufig vor vierzig Jahren diente ein Eschelbacher Bursch als
+Bauernknecht in Waldangelloch, welcher vom Teufel sich Fahrsamen
+verschafft hatte und daher fahren konnte, wie und wohin er wollte. Oft
+jagte er mit schwer beladenem Wagen und vier Pferden steile Bergabhänge
+hinab, und wenn dabei das Gefährt auch ganz auf die Seite hing, so
+stürzte es doch niemals um. Einst kam er mit einem Wagen Frucht in die
+Scheuer, und da er Niemand fand, ihm zum Abladen zu helfen, fuhr er die
+senkrechte Leiter hinauf auf die Obertenne und warf dort die Frucht ab.
+Während dessen kam der Bauer in die Scheuer, aber als er das Fuhrwerk
+oben sah, eilte er schweigend hinaus. Nach beendigtem Geschäft fuhr der
+Knecht wieder die Leiter hinunter, ging zu seinem Herrn und sagte ihm:
+»Das war ein Glück, daß ihr in der Scheuer kein Wort gesprochen habt,
+sonst wäre ich mit Wagen und Pferden hinabgefallen.«
+
+Auf die Bitte eines Freundes, ihm auch Fahrsamen zu verschaffen, begab
+sich der Bursch, um 11 Uhr in der Christnacht, mit ihm auf einen
+Kreuzweg. Dort machte er auf dem Boden einen Kreis, stellte sich mit dem
+Andern hinein und ermahnte ihn, ja keinen Laut von sich zu geben, es
+möge kommen, was da wolle. Hierauf zog er ein Büchlein hervor und fing
+an, stille darin zu lesen. Gegen halb 12 Uhr hörten sie ein Getöse wie
+vom wilden Heer durch die Lüfte ziehen, jedoch ohne etwas zu sehen, oder
+sich dadurch irren zu lassen. Nach diesem drohte ein Mühlstein, an einem
+dünnen Faden hängend, auf sie herabzustürzen; aber er störte sie ebenso
+wenig, als eine heran rasselnde vierspännige Kutsche, deren Führer sie
+vergebens um die Entfernung nach dem nächsten Orte fragte. Als dieselbe
+schon eine Weile davon gejagt war, kam einer in einer großen
+Holzschüssel mühsam herbeigerutscht und sprach zu ihnen: »Kann ich die
+Kutsche noch einholen?« Da mußte der Freund des Burschen laut lachen,
+und sogleich erhielt er von letzterem eine derbe Ohrfeige, mit den
+Worten: »Dummkopf! jetzt hast Du Dich durch dein Gelächter um den
+Fahrsamen gebracht.«
+
+ * * * * *
+
+Eben dieser Knecht verstand sich auch meisterlich auf das Bannen. Eines
+Sonnabends besuchte er mit einem Waldangellocher ein Mädchen im
+Engelwirthshaus zu Menzingen, wo er zwölf Bursche aus dem Ort antraf.
+Dieselben schlichen nach und nach davon, woraus der Waldangellocher
+merkte, daß sie ihm und seinem Gefährten draußen auflauern wollten. Als
+er es diesem entdeckte, beruhigte ihn derselbe, und ging erst um 11 Uhr
+mit ihm hinweg. Eine Viertelstunde von Menzingen fanden sie alle die
+Bursche, mit Äxten, Mistgabeln, Prügeln bewaffnet, regungslos, in
+verschiedenen Stellungen, am Wege stehen. Auf Zureden des Eschelbachers
+betrachtete dessen Begleiter die Gebannten ganz in der Nähe, wobei er
+vergebens versuchte, einem derselben die Tabakspfeife aus dem Munde zu
+ziehen. Nach Verfluß einer halben Stunde setzten sie ihren Weg fort, und
+als sie nicht mehr weit von Waldangelloch waren, sagte der Knecht zu dem
+Andern, eben habe er die Bursche von dem Banne befreit. Bei seinen
+nachherigen Besuchen in Menzingen blieb er von Jung und Alt
+unangefochten.
+
+Zufällig hatte er einst sein Zauberbüchlein bei einem Bekannten liegen
+lassen, der es in die Hände bekam und durchblätterte. Das Meiste konnte
+er nicht verstehen; ein Bannspruch aber war ihm deutlich, und er las ihn
+ab, um ihn an einem Mann zu versuchen, welchen er an einen
+Zwetschgenbaum sich lehnen sah. Alsbald erstarrte der Mann und mußte so
+neun volle Stunden bleiben, da der andere den Bann nicht wieder zu lösen
+vermochte. Zum Glücke kam der Knecht, um sein Büchlein zu suchen, und
+als er den Vorgang erfahren, las er den Spruch von hinten nach vorn her
+und befreite dadurch den Mann, der, wenn dies nicht noch vor
+Sonnenuntergang geschehen wäre, in Asche würde zerfallen seyn.
+
+ * * * * *
+
+Als der Eschelbacher sich schon lange in seinem Geburtsort
+niedergelassen hatte, mahlte er einmal Nachts mit einem Mann aus
+Waldangelloch in der Michelfelder Mühle. Da kamen einige Ratten herbei,
+blieben aber, zur großen Verwunderung des Mannes, gleich regungslos
+sitzen und ließen sich von ihm anrühren. Auf die Bitte des
+herzugekommenen Müllers bannte der Eschelbacher noch mehrere Ratten, und
+nachdem er sie in das Wasser geworfen hatte, sagte jener zu ihm, er
+wolle ihm jedes Vierteljahr einen Zentner Mehl geben, wenn er dafür die
+Mühle von den Ratten jeweils säubere. »Nein, das thue ich nicht«,
+erwiderte der Eschelbacher, »denn ich habe einst ein Reh gestellt, und
+dasselbe hat darauf so heftig geweint und mich so kläglich angeschaut,
+daß ich es gleich wieder frei ließ und mir vornahm, kein Thier mehr zu
+bannen. Heute habe ich zwar dem Mann da einen Spaß machen wollen, aber
+sonst gebe ich mich nicht mehr mit solchen unrechten Dingen ab.«
+
+
+
+
+140.
+
+Schatz bei Sinsheim.
+
+
+Vor vierzig Jahren sah eine Frau von Sinsheim, als sie im Wald auf den
+_drei Buckeln_ graste, vier dünne Eisenketten im Viereck aus dem Boden
+hervorstehen, welche sie trotz alles Ziehens nicht herausbrachte. Bei
+ihrer Heimkunft erzählte sie es, worauf gleich vier Männer mit ihr
+hinausgingen und auf dem Platze noch die Ketten vorfanden. Sie gruben
+daselbst nach, und während die Frau sich etwas entfernt hatte, um wieder
+zu grasen, stießen sie auf eine volle Kiste, die an den Ketten befestigt
+war und auf der ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen saß.
+Stillschweigend zogen sie sie an den Ketten heraus; da kam gerade die
+Frau zurück, und beim Anblick des Hundes, der den Rachen aufsperrte,
+schrie sie: »O Jesus!« Im Nu versanken Kiste, Ketten und Pudel und sind
+weder von der Frau, noch von den Männern je wieder gesehen worden.
+
+
+
+
+141.
+
+Fußstapfe im Stein.
+
+(Zu Nr. 353 des Hauptwerkes.)
+
+
+Auf dem großen Söller des Heidelberger Schlosses ist in einer
+Steinplatte eine ziemlich tiefe Fußstapfe. Sie wurde von einem Ritter
+bei der nächtlichen Entführung einer Pfalzgrafentochter eingedrückt, als
+er, diese auf dem Arme tragend, aus einem Giebelfenster glücklich
+herabsprang.
+
+
+
+
+142.
+
+Vorzeichen reicher Weinernte.
+
+
+Wenn es zu Weinheim einen guten Herbst gibt, sieht man in der
+Johannisnacht den verstorbenen Freiherrn v. Bonn auf einem Schimmel, von
+seinem Schloß in Birkenau bis zum Bonnhof, in der Weschnitz reiten.
+
+
+
+
+143.
+
+Der wilde Jäger.
+
+
+Über die Gegend von Schlossau im Odenwald fährt zuweilen Nachts der
+wilde Jäger, mit großem Jagdgetöse, durch die Luft hin. Wer dann im
+Freien ist und ihn heran kommen hört, der muß ihm ausweichen, oder sich
+mit dem Gesicht auf den Boden legen, sonst wird er (wie es schon
+geschehen) vom wilden Jäger mit dessen Jagdnetz gefangen, fortgenommen
+und in einem fremden Land zur Erde gesetzt.
+
+
+
+
+144.
+
+Geisterlärm verhindert Waldfrevel.
+
+
+In einer Winternacht, um 1 Uhr, ging ein Mann von Schlossau in den
+fürstlichen Wald des Rothenbergs, um sich einen Stamm zu Fackeln zu
+holen. Eben setzte er die Axt an eine junge Buche, als plötzlich um ihn
+her solch fürchterliches Jagdgetöse ausbrach, daß er erschrocken inne
+hielt und umher schaute. Nichts war zu erblicken, und allmählig
+entfernte sich der Lärm und verhallte. Nun wollte der Mann wieder den
+Baum fällen; allein abermals ward er durch das um ihn entstehende
+Jagdgetöse daran verhindert. Auf gleiche Weise ging es zum dritten Male.
+Da merkte er endlich, daß er den Frevel unterlassen solle, und trat
+ungesäumt den Heimweg an.
+
+
+
+
+145.
+
+Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht.
+
+
+In dem Waidachwald wurde einst ein durchreisender deutscher Kaiser von
+Räubern angefallen. Auf seinen Hilferuf kamen Männer aus den drei Orten
+Schefflenz, welche in dem Walde wilderten, schleunig herbei und trieben
+die Räuber in die Flucht. Zum Danke verlieh der Kaiser den drei Orten
+das alleinige Jagdrecht im Waidach auf ewige Zeiten.
+
+
+
+
+146.
+
+Boxberg's Name.
+
+
+Ehe Boxberg diesen Namen führte, ward es einmal so lange belagert, bis
+es keine Lebensmittel mehr hatte. Da ließ ein kluger Schneider sich in
+eine Bockshaut nähen und schritt dann, auf allen Vieren, auf der
+Stadtmauer hin und her. Als die Feinde das stattliche Thier sahen,
+ließen sie ihre Hoffnung, den Ort bald auszuhungern, fahren und hoben
+die Belagerung auf. Zum Danke für die glückliche Errettung legte das
+Städtlein sich den Namen _Boxberg_ auf ewige Zeiten bei.
+
+
+
+
+147.
+
+Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel.
+
+
+In Werbach kam einst ein sechsjähriges Mädchen von seiner Pathe heim
+und sagte seiner Mutter, es habe von jener erlernt, Mäuse und Gewitter
+zu machen. Da untersagte sie ihm strenge, je wieder hin zu gehen, und
+nähte ihm Dosten und Johanniskraut in die Kleider. Trotz des Verbots
+schlich das Kind wieder zu der Pathe und wurde von ihr in den Keller
+geführt, wo der Teufel auf es paßte. Beim Anblick des Mädchens rief er
+aber aus:
+
+ »Dosten und Johanniskraut
+ Verführt mir meine Braut!«
+
+Denn wegen der eingenähten Kräuter hatte er über das Kind keine Gewalt
+mehr.
+
+
+
+
+148.
+
+Hexe verunglückt.
+
+
+Ein Bauernknecht zu Werbach wurde mehrere Nächte im Bett von etwas so
+gedrückt und geplagt, daß er stets am Morgen ganz erschöpft war. Als er
+es seinen Hausgenossen klagte, rieth ihm die Bäuerin: er solle in der
+nächsten Nacht sich im Bett ein Messer mit der Spitze auf die Brust und
+auf dasselbe einen hölzernen Teller setzen. Arglos wollte es der Bursche
+so machen; allein auf das Zureden seines Mitknechts that er den Teller
+unter das Messer und richtete des letztern Spitze in die Höhe. Gegen
+Mitternacht warf sich wieder etwas auf ihn; es war, wie sich gleich
+nachher zeigte, die Bäuerin selbst, welche sich dabei in das Messer
+gestürzt und getödtet hatte. Nun erkannte er, daß sie, eine Hexe, ihn
+seither so geplagt habe, und daß er jetzt, wenn er ihren Rath befolgt
+hätte, statt ihrer todt gestochen wäre.
+
+
+
+
+149.
+
+Hexenstein.
+
+
+Auf dem Berge _Lindhelle_ bei Gamburg versammeln sich in der
+Walpurgisnacht die Hexen und tanzen auf einem Felsen, welcher davon der
+_Hexenstein_ genannt wird.
+
+
+
+
+150.
+
+Hexe als Gans.
+
+
+Vor mehreren Jahren sah der Nachtwächter zu Wertheim, Nachts um zwei,
+neben sich eine Gans auf der Straße laufen. Er fing sie und nahm sie mit
+in die Wachstube, wo er sie unter die Bank sperrte. Am Morgen lag, statt
+der Gans, eine Wertheimer Frau da, die, wie sich nun zeigte, mit Recht
+schon für eine Hexe gegolten hatte.
+
+
+
+
+151.
+
+Goldene Kugel.
+
+
+Die elfjährige Angelika Brand in Freudenberg erzählte:
+
+»Am dreizehnten August dieses Jahres[14], einem Sonntage, ging ich,
+Nachmittags gegen drei Uhr, mit zwei Gespielinnen und einem kleineren
+Buben auf das hiesige wüste Bergschloß. Beim viereckigen Thurme setzten
+wir uns nieder, und auf einmal kam, etwa fünfzehn Schritte von uns, eine
+glänzende Goldkugel aus dem Boden, die größer als eine Kegelkugel war.
+Sie wälzte sich langsam her und blieb vor unsern Füßen liegen. Wir
+Mädchen sahen sie deutlich; der Bube aber konnte sie nicht erschauen,
+obgleich wir mit Fingern auf sie hinwiesen. Da wir aus Angst anfingen,
+zu schreien, rollte die Kugel wieder langsam zurück und versank auf dem
+Platze, wo sie hervorgekommen war.«
+
+ [14] 1854.
+
+
+
+
+152.
+
+Hexe als Löwe.
+
+
+Als einst in Aschaffenburg die Leichenfrau um Mitternacht von einer
+Verstorbenen heimging, sah sie, in einer engen Gasse, einen
+fürchterlichen Löwen mit aufgesperrtem Rachen herankommen. Sie hielt das
+geweihte Kreuz, welches sie Nachts mitzunehmen pflegte, ihm entgegen;
+allein er sprang auf sie los, worauf sie ihm das Kreuz in den Rachen
+stieß. Da verwandelte sich der Löwe in ein altes, nacktes Weibsbild, das
+auf allen Vieren lief und hinten, statt des Schwanzes, einen Kochlöffel
+hatte.
+
+
+
+
+153.
+
+Heiligenfrevel bestraft.
+
+
+Im Jahre 1848 machten die Hammelburger in einer Scheuer einen Strohmann
+mit einem Stabe in der Hand, trugen ihn unter dem Spottgeschrei: »Das
+ist der Papst!« durch die Straßen und verbrannten ihn zuletzt vor dem
+Thore. Fünf Jahre nachher verkündete eine durchziehende Zigeunerin:
+zwischen Ostern und Pfingsten des folgenden Jahres werde die Stadt an
+allen vier Ecken brennen. Deßwegen vor den Landrichter geführt, sagte
+sie ihm: so gewiß werde ihre Vorhersagung wahr, als er sechsunddreißig
+Kreuzer bei sich habe. Da er nachsah, hatte er auch gerade so viel Geld
+in dem Beutel. In der bezeichneten Frist brach dann in derselben Scheuer
+und am gleichen Tage, wo der Strohmann gemacht worden war, eine
+Feuersbrunst aus, die fast ganz Hammelburg in Asche legte und so dessen
+Heiligenfrevel schrecklich bestrafte.
+
+
+
+
+154.
+
+Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt.
+
+
+Als einst ein vornehmer Herr in Ochsenfurt einfuhr, stand am Thore ein
+Ochs, der gerade seinen Koth fallen ließ. Hierüber erzürnt, ließ der
+Herr das Thier der Breite nach mitten entzwei hauen, und veranlaßte
+dadurch, daß die Vorderhälfte eines Ochsen das Wappen der Stadt wurde.
+
+
+
+
+155.
+
+Der Radstein.
+
+
+Ein Bamberger Wagner war die Wette eingegangen: er wolle vom Aufgange
+bis zum Untergange der Sonne einen Baum fällen, daraus ein Rad ohne Reif
+machen und es noch bis Würzburg rollen. Schon hatte er mit dem so
+gefertigten Rade das Kloster Ebrach zurückgelegt, aber zwischen diesem
+und Breitbach fiel er vor Erschöpfung nieder und starb, während das Rad
+noch eine Strecke allein fortrollte und dann zersprang. An der Stelle,
+wo der Wagner umgefallen, steht ein Stein mit einem ausgehauenen Rade,
+welcher der _Radstein_ genannt wird.
+
+
+
+
+Berichtigungen.
+
+Hauptwerk.
+
+
+ Seite VI (im Inhaltsverzeichniß) Zeile 1 von unten lese man Sonnabends,
+ statt Sonntags.
+
+ S. 15 Z. 18 von oben lese man ruchtbar, statt ruchbar.
+
+ " 33 " 4 " " " " Kuchenacker, statt Kuchengarten.
+
+ " 74 " 8 " unt. " " d'Mauren, statt Mauren.
+
+ " 147 " 5 u. 6. v. u. " " Mariabild, statt Vesperbild.
+
+ " 155 " 12 von oben " " Schaubhut, statt (des provinziellen)
+ Schabhut.
+
+ " 174 " 12 u. 13 v. o. " " Burgstadel, statt Platz des Burgstadels.
+
+ " 193 " 6 von unt. " " Namen, statt Nachen.
+
+ " 229 " 7 " " " " Schaubhut, statt Schabhut.
+
+ " 241 " 6 " oben " " Beherbergung, statt Beherbung.
+
+ " 242 " 2 " unt. " " Gold, statt Geld.
+
+ " 351 " 1 " oben " " Leuten, statt Leute.
+
+ " 373 " 19 u. 20 v. o. " " das Michelskirchlein auf der Höhe,
+ das zuerst gebaut wurde, statt:
+ das Michelskirchlein, das auf der
+ Höhe zuerst gebaut wurde.
+
+Wie man sieht, betreffen diese Berichtigungen weniger Druckversehen, als
+Irrungen beim Sammeln und Schreiben der Sagen.
+
+ _Baader._
+
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription:
+
+Im Original gesperrt gesetzter Text ist _so_ gekennzeichnet.
+Im Original in Antiqua gesetzter Text ist =so= gekennzeichnet.
+
+Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch Ä, Ö und Ü ersetzt.
+
+Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert,
+die Schreibweise aber sonst wie im Original belassen.]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande
+Baden und den angrenzenden Gegenden, by Various
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN ***
+
+***** This file should be named 27206-8.txt or 27206-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/2/7/2/0/27206/
+
+Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
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+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
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+electronic works
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
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+
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+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
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+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+
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+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
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+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
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+
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+1.F.
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+opportunities to fix the problem.
+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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