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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden + +Author: Various + +Editor: Bernhard Baader + +Release Date: November 9, 2008 [EBook #27206] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN *** + + + + +Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + + + + + + + + +Neugesammelte Volkssagen + +aus dem Lande Baden + +und den + +angrenzenden Gegenden. + + +Von + +Bernhard Baader. + + +Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem +Lande Baden &c. + + +Karlsruhe. + +A. Geßner'sche Buchhandlung. + +1859. + + + + +Vorbericht. + + +Zu meinen »Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden« +(Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit +gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde +entnommen habe, und füge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende +Berichtigungen bei. Gerne hätte ich einen förmlichen zweiten Theil +geliefert, aber bei meinem vorgerückten Alter war ich dazu außer Stande, +und ich überlasse nun rüstigeren Kräften, aus unserem sagenreichen Lande +weitere Schätze zu Tage zu fördern. + +Karlsruhe, den 15. September 1858. + + _Bernhard Baader._ + + + + +Inhaltsverzeichniß. + + + Seite + + 1. Die Eisschreiber 1 + + 2. Poppele beschenkt Arme 1 + + 3. Kirschen in Geld verwandelt 2 + + 4. Teufelsritze 3 + + 5. Das beschirmte Kruzifix 3 + + 6. Spukgeist bei Ruchenschwand 3 + + 7. Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres 4 + + 8. Mildthätiges Männlein 4 + + 9. Schatz gehoben 5 + + 10. Hostie vor Entheiligung bewahrt 6 + + 11. Die Basler Silberglocke 7 + + 12. Wie der Teufel in einen Mann kommt 7 + + 13. Geist gebannt 7 + + 14. Die Burg Rötteln 9 + + 15. Die Häfnet-Jungfrau 9 + + 16. Erdleute 10 + + 17. Reiter mit Geisfüßen 12 + + 18. Zigeuner 13 + + 19. Zaubermelkerei 14 + + 20. Fronfastenweiber 15 + + 21. Brennende Männer 15 + + 22. Goldtinktur 16 + + 23. Geist unter der Hölzlesbrücke 16 + + 24. Heiligkeit des Sonnabends 16 + + 25. Scherben werden zu Goldstücken 17 + + 26. Sitzenkirch 17 + + 27. Die Sausenburg 17 + + 28. Kraft des Wolfssegens 20 + + 29. Kind von Gold 21 + + 30. Kreuz zu St. Trutbert 22 + + 31. Geld in Asche verwandelt 22 + + 32. Brandkorn wird zu Gelde 22 + + 33. Messen nachgeholt 23 + + 34. Weiße Jungfrau 24 + + 35. Geist nieset 25 + + 36. Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb 26 + + 37. Geistige Nonne 26 + + 38. Geld sonnt sich 27 + + 39. Geldmännlein 27 + + 40. Todter von Erde und Wasser ausgeworfen 28 + + 41. Todtenvorschau 29 + + 42. Hexe als Hase 29 + + 43. Die Grüninger Kapelle 30 + + 44. Der Schatz im Ambringer Grunde 31 + + 45. Kirchenverhöhnung bestraft 32 + + 46. Die Tafel bei Kirchhofen 32 + + 47. Das Brunnenbecken zu St. Ulrich 33 + + 48. Das Huttenweiblein 34 + + 49. Der heilige Bernhard zu Freiburg 35 + + 50. Pferde schauen zum Speicher hinaus 36 + + 51. St. Martin bei Oberried 37 + + 52. Schützen-Klaus 38 + + 53. Teufel helfen am Bau der Eisenbahn 38 + + 54. Des Schwarzenberger's Bekehrung 38 + + 55. Forelle am Kandelfelsen 39 + + 56. Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's 40 + + 57. Der Ahornbauer 41 + + 58. Der Blindensee will ausbrechen 41 + + 59. Zum todten Hund 42 + + 60. Messen angelobt 42 + + 61. Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf 43 + + 62. Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten 44 + + 63. Mordthat offenbart 45 + + 64. Wunderbarer Hirsch 46 + + 65. Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier 47 + + 66. Das Grabenthier 47 + + 67. Gespenstiges Thier 47 + + 68. Feenweg 48 + + 69. Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach 49 + + 70. Verwunschener Schüler 50 + + 71. Geist erlöst 50 + + 72. Die lange Ell 51 + + 73. Der Teufel kommt um die Beute 51 + + 74. Reden bringt um den Schatz 52 + + 75. Feiertags-Entheiligung bestraft 52 + + 76. Schatz und Spuk auf der Schauenburg 53 + + 77. Teufelsstein 53 + + 78. St. Antonius bei Oberachern 54 + + 79. Hohinrot's Erbauung 55 + + 80. Brigitte 55 + + 81. Wunderquelle 57 + + 82. Vergeltung 57 + + 83. Gotteslästerung bestraft 58 + + 84. Kröten in Geld verwandelt 58 + + 85. Schatz versinkt beim Fluchen 58 + + 86. Bestrafte Sakramentschänder 59 + + 87. Stole schützt vor dem höllischen Feuer 59 + + 88. Mariabild zu Steinbach 61 + + 89. Meisterschuß 62 + + 90. Bund mit dem Teufel 62 + + 91. Geist vertragen 64 + + 92. Lichtenthals Erbauung 65 + + 93. Erdweiblein 66 + + 94. Fordere den Teufel nicht heraus 67 + + 95. Seefrauen 67 + + 96. Forbachs ältestes Haus 69 + + 97. Verwünschung 69 + + 98. Der Wolfsstein 70 + + 99. Knorr 70 + + 100. Der Grafensprung 72 + + 101. Erdweiblein 72 + + 102. Schatz bei Gernsbach 73 + + 103. Der Bildstock am Hördtelstein 74 + + 104. Schätze bei Michelbach 75 + + 105. Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn 76 + + 106. Steine in Geld verwandelt 77 + + 107. Der Rötterer Berg bei Rastatt 77 + + 108. Steinbild in Sulzbach 78 + + 109. Doppelmord wegen eines halben Kreuzers 79 + + 110. Messe nachgeholt 79 + + 111. Burgstadel 80 + + 112. Spielleute beim Hexentanz 82 + + 113. Der Jungfernsprung bei Dahn 83 + + 114. Schatz gehoben 84 + + 115. Die Schlorpengasse 84 + + 116. Laß die Todten ruhen 85 + + 117. Todesvorzeichen 85 + + 118. Schuhwechsel 86 + + 119. Todesvorzeichen 86 + + 120. Der Thurmberg bei Durlach 87 + + 121. Schatz ausgeliefert 89 + + 122. Der Feuerschläger 90 + + 123. Königsbach 90 + + 124. Nachgeholte Wallfahrt 92 + + 125. Geist zu Weingarten 93 + + 126. Marienburg 93 + + 127. Reden bringt um den Schatz 94 + + 128. Wie Bruchsal um den Eichelberg kam 95 + + 129. Muttergottesröslein 96 + + 130. Hexenkuchen 96 + + 131. Tochter dem Teufel verschrieben 97 + + 132. Gespenstige Rathsversammlung 100 + + 133. Meerweiblein 100 + + 134. Zauberarbeit 102 + + 135. Raubmörder geht um 102 + + 136. Einem Todten gehört ein Licht 103 + + 137. Ladung vor Gottes Gericht 104 + + 138. Schatzhöhle bei Waldangelloch 104 + + 139. Fahrsamenbesitzer und Banner 105 + + 140. Schatz bei Sinsheim 108 + + 141. Fußstapfe im Stein 108 + + 142. Vorzeichen reicher Weinernte 108 + + 143. Der wilde Jäger 109 + + 144. Geisterlärm verhindert Waldfrevel 109 + + 145. Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht 110 + + 146. Boxberg's Name 110 + + 147. Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel 110 + + 148. Hexe verunglückt 111 + + 149. Hexenstein 111 + + 150. Hexe als Gans 112 + + 151. Goldene Kugel 112 + + 152. Hexe als Löwe 113 + + 153. Heiligenfrevel bestraft 113 + + 154. Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt 114 + + 155. Der Radstein 114 + + + + +1. + +Die Eisschreiber. + + +Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die +Konstanzer dies Ereigniß, um es der Nachwelt kund zu thun, in die +Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frühjahr wieder zu Wasser +wurde. + + + + +2. + +Poppele beschenkt Arme. + + +In der Gegend von Hohenkrähen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu +einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt +war, allein Kegel schob. + +Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen +Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstücke einsetzte. Nicht lange, +so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darüber zu +trösten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen +sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehörenden in's Gras +weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile +wurde dem erstern das Felleisen so schwer, daß er durch seinen Gefährten +nachsehen ließ, und siehe, der Kegel glänzte und war von gediegenem +Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurück, wo +er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er +ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der plötzlich dastand, eine +tüchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: »Den Kegel lässest Du liegen; +Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!« + +Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, daß sie bei +ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung +haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele möge ihr helfen. Da +kam er, als Jäger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage +geschildert hatte, bat sie ihn um ein Fäßlein guten Weines. Er ließ sie +gleich ein leeres von Haus herholen und füllte es dann aus einem andern, +indem er sagte: »Den Wein laß Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit +zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben!« Die Frau +machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im +Fäßlein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch +von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm +endlich, sich ein Krüglein voll zu holen; allein als er den Hahn des +Fäßleins aufdrehen wollte, stand Poppele plötzlich da und gab ihm eine +derbe Ohrfeige, mit den Worten: »Der Wein ist nicht für Dich, Du +Verschwender! sondern für Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr +hat.« Das Fäßlein war nun leer und auf immer versiegt. + + + + +3. + +Kirschen in Geld verwandelt. + + +Im Gemeindewaschhaus zu Stühlingen sah einmal eine Frau einen Haufen +schöner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar +Handvoll für ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren +sie in Dreibätzner verwandelt. Schnell begab sich die Frau in das +Waschhaus zurück; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch +Geldstücke. + + + + +4. + +Teufelsritze. + + +Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwölf Bursche +als Pelznikel und gingen umher in die Häuser. Als sie auf die Wohnung +eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, daß es dreizehn +seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwölf und nachher auf der +Straße abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdächtig vor, daß er sie +an's Haus zurück rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der +dreizehnte mit fürchterlichem Gebrülle davon in die Lüfte. Hierbei +kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite, +bogenförmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und +nicht mehr vertilgt werden können. + + + + +5. + +Das beschirmte Kruzifix. + + +Über dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit +vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in +den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht +von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das +Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden. + + + + +6. + +Spukgeist bei Ruchenschwand. + + +Franz Oberst zu Ruchenschwand erzählte: + +Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nach dem Abendgeläute auf den +Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hörte dabei einen +Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich +später als sonst zurückging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen. +Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm +Orte zu, wohin er mir zu gehören schien. Aber in der Nähe des Grabens +warf mich das Pferd plötzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes, +zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wußte ich, wer +am Stege so oft mich gefoppt, und hütete mich fortan, nach der +Abendglocke diesen Weg zu machen. + + + + +7. + +Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres. + + +Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Säckingen in +Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr +ein fruchtbares. + + + + +8. + +Mildthätiges Männlein. + + +Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schäfer +seine Heerde, und eben wollte er sein kärgliches Mittagsmahl verzehren, +als er ein altes Männlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe +grüßte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Während sie +beisammen saßen, erkundigte sich das Männlein nach des Schäfers +Verhältnissen, und als es gehört, daß er viele Kinder und kein Vermögen +habe, hieß es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und +gelangten zu einer großen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne +Thüre und über derselben ein rundes Loch war. Aus diesem holte das +Männlein einen Schlüssel hervor, schloß damit die Thüre auf und trat +nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten +und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Geheiß seines +Führers schlug der Schäfer die Deckel der Kisten in die Höhe, deren eine +mit Silber-, die andere mit Goldmünzen angefüllt war. »Nimm Dir nur«, +sprach das Männlein, »von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber +mußt du stehen lassen, denn sie enthält die Goldtinktur!« Ohne zu +säumen, pfropfte der Schäfer alle seine Taschen mit Goldstücken voll und +folgte dann dem Männlein wieder aus der Kammer, welches deren Thüre +zuschloß, den Schlüssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten +verschwand. In großer Freude brachte der Schäfer das Geld nach Hause, +sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu +verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach +dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthürme +er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge +konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei +Kirchthürme zu sehen, wieder auffinden. + + + + +9. + +Schatz gehoben. + + +Im Walde bei Brugg zeigte sich öfters unter einer Weißhasel ein +nächtliches Lichtlein. Daraus schloß eine Frau, daß dort ein Schatz +vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging +sie mit ihren beiden Söhnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht +dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer +Weißhasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort +gegraben, stießen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf +einer eisernen Kiste saß. Er hatte feurige Augen und knurrte +unaufhörlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit +der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann +hoben sie die Kiste ungestört heraus und brachten sie nach Hause, wo sie +dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefüllt fanden. + + + + +10. + +Hostie vor Entheiligung bewahrt. + + +Ein Mann in Brig, welcher für sehr fromm galt, verschied, nachdem er +von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In +der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwölf Uhr zwei schöne +Jünglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der +die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von +ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof geführt. +Dort öffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete +sich in die Höhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch +unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Geheiß +seiner Führer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem +Gesicht in den Sarg zurücksank. Nachdem die Jünglinge das Grab wieder +zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des +Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, daß es +zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, daß der Verstorbene +ein sündhaftes Leben geführt habe und seine Frömmigkeit nur Heuchelei +gewesen sey. + + + + +11. + +Die Basler Silberglocke. + + +Zur ersten Zwinglischen Predigt im Münster zu Basel sollte mit der +alten, hochgeweihten Silberglocke geläutet werden; aber beim ersten Zuge +fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man weiß die Stelle, wo sie +liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird +jedoch erst dann gelingen, wenn das Münster wieder eine katholische +Kirche ist. + + + + +12. + +Wie der Teufel in einen Mann kommt. + + +Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der böse Geist getrieben, +wobei er um die Erlaubniß bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er +sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: »So, nun wohne ich in +vierzehn Tagen wieder in einem Menschen«. »Wie so?« fragte der +Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: »Der Grashalm, in welchen +ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie +und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem +Melkkübel trinkt«. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in +einer andern Gegend wohnte, vom bösen Geiste besessen. + + + + +13. + +Geist gebannt. + + +In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthümer so +arg, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck +ließen sie nacheinander einige Geistliche kommen; aber keiner derselben +vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester +von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich +sagte: »Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim +Vorbeigehen an einem Rübenacker, eine Rübe herausgezogen?« »Ja, das habe +ich gethan,« antwortete der Geistliche, »aber weißt Du nicht, daß ich +nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen +Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?« Auf +dieses mußte das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters +Beschwörung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt +und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem +Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht +rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht +abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde. +Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme: +»He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den +andern Weg einschlagen!« Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand; +aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's +Neue mußte er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles +recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des +Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg +sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung Nachts das +Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen, daß die Hirten um diese Zeit +mit ihren Heerden den Berg verlassen müssen. + + + + +14. + +Die Burg Rötteln. + + +Auf diesem verfallenen Bergschloß liegt viel Geld vergraben, bei dem ein +Fräulein in weißem Kleid und Schleier umgeht. Am Tage sitzt sie öfters +auf der Burgbrücke und spinnt, oder sie lustwandelt in der Umgebung des +Schlosses. Von da hat sie einmal Kindern vergebens gewinkt, zu ihr zu +kommen. Beim Mondschein wurde schon ein Unsichtbarer gehört, der, wie +unter einer Last keuchend, nach der Burg ging. In dieser erscheinen in +manchen Nächten gespenstige Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen +Wald eine einsame Flamme herbei und fährt an der steilen Mauer hinauf +und zu einem Erkerfenster hinein. Auf dem Burghof hat schon ein Mann +eine mannsdicke, baumlange Schlange in der Sonne liegen sehen, und in +früherer Zeit sind manchmal Nachts feurige Drachen von dem Schloß nach +der Chrischonakapelle oder von dieser nach jenem geflogen. Daselbst +befindet sich ein Kegelspiel, welches derjenige, der es fortnimmt, nicht +behalten kann, sondern wieder herbringen muß. Was man in den +Felsenkeller thut, wird in der Nacht von unbekannter Gewalt +herausgeworfen. Von der Burg geht ein unterirdischer Gang, unter dem +Wiesenfluß hinweg, in das Brombacher Schlößlein; er ist aber gegenwärtig +großen Theils verschüttet. + + + + +15. + +Die Häfnet-Jungfrau. + + +In dem Schlößlein zu Steinen wohnten vor Zeiten die Zwingherren der +Gegend. Die Tochter eines von ihnen war so hoffärtig, daß sie nicht auf +der bloßen Erde in die Kirche gehen wollte und darum sich stets vom +Schlößlein bis zum Kirchhof, ja über denselben bis zum Gotteshaus einen +Dielenweg legen ließ, der mit Tuch oder Taffet bedeckt werden mußte. Als +sie gestorben und beerdigt war, stand der Sarg in der nächsten Frühe +außen an der Kirchhofmauer, und eben so die zwei folgenden Morgen, +nachdem er jedesmal wieder auf dem Gottesacker eingegraben worden war. +Auf dieses lud man den Sarg auf einen zweirädrigen Wagen, spannte an +letztern zwei junge, schwarze Stiere, welche noch kein Joch getragen, +und ließ sie laufen, wohin sie wollten. Stracks gingen sie auf den +Häfnetbuck, wo sie, im unwegsamen Wald, an einer Quelle stehen blieben. +Hier nun verscharrte man den Sarg, wo er auch im Boden blieb; das +Fräulein aber geht daselbst um, und die Quelle heißt wegen ihr der +_Jungfernbrunnen_. Bei Sonnenaufgang wäscht und kämmt sie sich daran; +aber auch Vorübergehende, die schmutzig und ungestrehlt waren, hat sie +schon in dem Brunnen gewaltsam gereinigt und mit derben Strichen +gekämmt. Beim Schlößlein zeigt sie sich ebenfalls und pflegt dort im +Bach ihr Weißzeug zu waschen[1]. + + [1] Wie man sieht, sind in Hebel's Gedicht »Die Häfnet-Jungfrau« die + Hauptzüge der Sage beibehalten. + + + + +16. + +Erdleute. + + +Als in der Höhle bei Hasel noch Erdleute wohnten, kamen sie nicht +allein in dieses Dorf, sondern auch in die andern Orte der Umgegend. Die +Erdweiblein brachten den Leuten von ihrem frisch gebackenen Kuchen, +wiegten in Abwesenheit der Mütter die kleinen Kinder, fanden Abends mit +ihren Rädern sich in den Spinnstuben ein, blieben aber nie länger, als +bis zehn Uhr, weil sonst, wie sie sagten, ihr Herr sie zanke. Auch +halfen sie und die Erdmännlein Hanf schleißen, das Vieh pflegen (welches +dabei vorzüglich gedieh), die Frucht schneiden und in Garben binden. +Hierbei sprang einmal einem der Männlein ein Knebel so heftig an den +Kopf, daß es ein klägliches Geschrei erhob. Auf dieses liefen alle +Erdleute aus der Nähe herbei und fragten, was geschehen sey; aber als +sie es erfahren, gingen sie mit den Worten: »Selber than, selber han« +wieder auseinander. Bei Hausen hatten sie eine kleine Höhle, die das +_Erdmännleinsloch_ hieß, und in die dortige Hammerschmiede kamen oft +Nachts solche Männlein und arbeiteten wacker mit. + +Ein anderes Erdmännlein pflegte bei Nacht in der Wehrer Mühle, wenn der +Müller schlief, für ihn zu mahlen. Weil es immer so schlecht gekleidet +war, ließ er ihm heimlich einen neuen Anzug machen, legte ihn Abends auf +den Mühlstein und dann sich oben an eine Speicheröffnung, um das +Männlein zu beobachten. Als dasselbe kam und die Kleider sah, zog es sie +sogleich an, ging darauf hinweg und betrat die Mühle niemals wieder. + +Für ihre Dienstleistungen begehrten die Erdleute nur hie und da Obst +oder reinlich bereiteten Kuchen. Wo sie hinkamen, brachten sie Glück und +Segen; durch Fluchen aber wurden sie augenblicklich vertrieben. + +In dem Thälchen zwischen Wehr und Hasel war ein Erdloch, worin ein Mann +einen Dachs vermuthete. Er ließ seinen Hund hinein und hielt einen +offenen Sack hart an dasselbe. Nicht lange, so sprang etwas in den Sack, +welchen der Mann sogleich zuband und, ihn auf den Rücken nehmend, davon +ging. Plötzlich rief in der Nähe ein Erdmännlein: »Krachöhrle! wo bist +du?« »Auf dem Buckel, im Sack!« antwortete aus diesem eine Stimme und +belehrte so den Mann, daß er, statt eines Dachses, ein Erdmännlein +gefangen habe, welches er dann ungesäumt in Freiheit setzte. + + + + +17. + +Reiter mit Geisfüßen. + + +Ein Mann aus Zell erzählte. »Als ich in einer Winternacht auf dem +Heimwege in der Hausener Hammerschmiede eingesprochen hatte, hörte ich +nach 11 Uhr einen Reiter herankommen, in dem ich einen Begleiter zu +finden hoffte. Ich machte die Thüre auf und sah im Scheine des +Schmiedfeuers draußen einen Rappen vorbei schreiten, welcher seinen +jenseits neben ihm gehenden Reiter fast ganz verdeckte. Nur so viel +konnte ich wahrnehmen, daß derselbe Ziegenfüße habe. Neugierig folgte +ich ihm bald und war, da er sehr langsam ritt, in Kurzem nicht mehr weit +von ihm. Plötzlich stürzte er mit seinem Pferde links in den +Straßengraben. + +Erschrocken rief ich ihm zu, ob ich ihm helfen solle, erhielt jedoch +keine Antwort, und im Graben war Alles mausstille. Da machte ich mich +weiter; aber bald hörte ich den Reiter mir nachsprengen. Um ihn im +Vorüberreiten zu betrachten, blieb ich stehen, allein da hielt auch er, +bis ich wieder fortging. Eben so machte er es, als ich bei der +Ziegelhütte ihn erwartete. An der Zeller Kapelle stellte ich mich zum +dritten Male auf, um ihn beschauen zu können; aber sobald er in ihre +Nähe kam, warf er schnell sein Pferd herum und jagte das Thal hinunter, +daß die Funken umher stoben. Jetzt wußte ich, daß der Reiter ein böser +Geist sey, welchen das Gotteshäuslein davon scheuchte.« + + + + +18. + +Zigeuner. + + +Es mag hundert Jahre her seyn, daß im obern Wiesenthal eine Sippschaft +von fünf Zigeunern sich umher trieb. Sie besuchten besonders die +einsamen Höfe und ernährten sich mit Wahrsagen, Betteln und Stehlen. +Dies Letzte erleichterten sie sich dadurch, daß die Einen mit einem +Tonwerkzeug die Leute in die Stube lockten, und während sie ihren Marsch +spielten, welcher lautete: + + »Tummelt euch drin, + Tummelt euch draus!« + +konnten die Andern in Küche und Keller ungestört einpacken. + +Eines Nachmittags begehrte das Zigeunerweib von einer Bäuerin Milch, und +als dieselbe antwortete, sie habe keine, sprach das Weib im Fortgehen: +»So sollt ihr auch keine haben!« + +Beim Melken am Abend erhielt die Bäuerin von ihren sämmtlichen Kühen +keinen Tropfen Milch. Wegen all dieses Unfugs ließ endlich die Obrigkeit +die Zigeuner in Zell einsetzen und verurtheilte sie zum Tode. + +Unter starker Bedeckung wurden sie aus dem Gefängniß geführt, um zum +Hochgericht zu gehen; allein kaum hatten sie die bloße Erde betreten, so +waren sie verschwunden. Durch eine weit verbreitete Streife fing man sie +zwar wieder ein; aber als man sie hinrichten wollte, ging es gerade wie +das vorige Mal. Hierdurch sicher gemacht, ließen die Zigeuner nach +einiger Zeit sich wieder in der Gegend sehen, und da sie ihr früheres +Unwesen fortsetzten, wurden sie von Neuem festgenommen. Damit sie jedoch +nicht auch diesmal der verdienten Strafe entgehen möchten, ließ man sie +nicht mehr die blose Erde betreten, sondern brachte sie über eine Brücke +aus dem Gefängniß auf den Sünderkarren, und ebenso von diesem auf das +Blutgerüst. Weil unter ihnen eine Jungfrau von außerordentlicher +Schönheit war, ließ die Obrigkeit ausrufen: Wenn Jemand das Mädchen +heirathen wolle, so solle er vortreten und sie in Empfang nehmen; es +würden ihr dann Leben und Freiheit geschenkt. Nicht ohne Hoffnung sah +die Jungfrau sich nach einem Retter um; aber aus Furcht vor ihrer +Heidenkunst meldete sich Keiner, und so ward sie, mit den vier andern +Zigeunern, enthauptet. Die Wiese, auf welcher dies geschehen, wird davon +noch heute die _Heidenmatte_ genannt. + + + + +19. + +Zaubermelkerei. + + +Ein Steinhauer aus Zell erzählte: »Ehe ich Meister war, schaffte ich +eines Winters in einer Steingrube bei Rheinfelden. Neben mir arbeitete +ein Geselle, der, wenn er Durst hatte, seinen Spitzhammer in den +Gerüstbalken schlug, auf dem sein Arbeitsstein lag, sodann aus dem +Stiele des Hammers Milch in seinen Filzhut molk und daraus nach +Herzenslust trank. Als er mir auch einmal zu trinken anbot, dankte ich, +weil ich nicht wisse, was das für Milch sey, und darauf erwiderte er: +'Dies ist gewöhnliche Kuhmilch; der Bauer, welchem die Kuh gehört, weiß +aber nicht, warum sie ihm so wenig Milch gibt, und noch weniger, daß er +mich, einen Steinhauer, zum Melker hat.'« + + + + +20. + +Fronfastenweiber. + + +In Zell hatte ein Adelsberger Mann für seine niedergekommene Frau ein +Fäßlein guten Weins gekauft, und wollte es in der Nacht heimtragen. +Unterwegs sah er aus der Ferne einige Frauen herbeikommen, die er an +ihren weißen Schleiern für Fronfastenweiber erkannte. Schnell verbarg er +das Fäßlein in den Weggraben und sich selbst eine Strecke davon hinter +eine Staude. Als die Weiber zu dem Fäßlein kamen, lagerten sie sich um +dasselbe, tranken lustig daraus und entfernten sich erst nach einer +guten Weile. Betrübt ging nun der Mann zu dem Fäßlein, welches er halb +ausgetrunken wähnte; allein beim Aufladen fand er es nur wenig leichter +geworden. Zu Hause zapfte er lange Zeit daraus, und als es gar nicht +leer werden wollte, schaute er endlich hinein: da war nichts mehr darin. +Ohne das Hineinsehen wäre aber das Fäßlein niemals leer geworden. + + + + +21. + +Brennende Männer. + + +Auf den Matten und Äckern des Wiesenthales erscheinen in manchen +Nächten _brennende Mannen_, die bei ihren Lebzeiten durch Versetzung der +Marksteine ihre Grundstücke betrügerisch vergrößert haben. Mit +Blitzesschnelle fahren sie von einem Ort zum andern, springen den +Leuten, die etwas tragen, darauf, und lassen sich mit fortschleppen. +Einem Bauer von Freiatzenbach, welcher mit einem Sacke Mehl aus der +Zeller Mühle heimging, setzte sich ein solches Gespenst auf den Sack und +ließ sich, immer schwerer werdend, bis an dessen Hausthüre tragen. Als +dieselbe auf des Bauers Klopfen von seiner Frau geöffnet worden, rief +letztere aus: »Was Teufels hast du denn auf dem Sacke?« Da verließ das +Gespenst den Bauer, welcher wohl gemerkt hatte, daß er außer dem Mehle +noch einen brennenden Mann auf dem Rücken habe. + + + + +22. + +Goldtinktur. + + +Vor sechszig Jahren lebte in Käsern ein Mann, welcher die Goldtinktur +aus Amerika mitgebracht hatte. Er arbeitete nichts, lag Tag und Nacht in +den Wirthshäusern und spielte um Goldstücke, die sein gewöhnliches Geld +waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen +Eisenstäbchen, verwandelte sie durch Bestreichung mit der Tinktur in +Gold und ließ sich daraus in Basel Münzen schlagen. + + + + +23. + +Geist unter der Hölzlesbrücke. + + +Unter dieser Brücke muß eine Vierthälerin als nächtlicher Geist waschen, +weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags gethan hat. +Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und +tüchtig gewaschen und gestrehlt. + + + + +24. + +Heiligkeit des Sonnabends. + + +Wenn früher die Bergleute Samstag Abends in den Gruben der Kanderner +Gegend arbeiteten, so kam stets das dortige Bergmännlein und verjagte +sie. + + + + +25. + +Scherben werden zu Goldstücken. + + +Ein Holzhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau +im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mädchen mit einem Korbe auf dem +Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in +der Nähe beschäftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen, +und sogleich ließ sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll +Verwunderung ging er zu dem Korbe, fand aber nichts, als zerbrochenes +Porzellangeschirr. Von diesem steckte er für seine Kinder viele +Stücklein ein, die, als er sie zu Hause herauszog, lauter Goldmünzen +waren. Sogleich eilte er in den Wald, um die übrigen Scherben zu holen; +allein dieselben waren nicht mehr vorhanden. + + + + +26. + +Sitzenkirch. + + +Als die drei jungen Ritter von Kaltenbach in's Kloster gingen, fragte +sie ihre Schwester, was sie nun machen solle. »Sitz in d'Kirch und +bete!« erhielt sie von ihnen zur Antwort. Auf dieses stiftete das +Fräulein im benachbarten Thale ein Frauenkloster und nahm darin den +Schleier. Wegen der Rede ihrer Brüder gab sie dem Gotteshaus den Namen +_Sitzenkirch_, der auch auf das Dorf, welches später dort entstanden, +übergegangen ist. + + + + +27. + +Die Sausenburg. + + +Diese Burg, gewöhnlich das Sausenharder Schloß genannt, liegt auf einem +waldigen Berge und ist nicht mehr bewohnbar. Von ihr haben unterirdische +Gänge nach Bürgeln und den Klöstern zu Sitzenkirch und in der Neuenbürg +sich gezogen. Bei Nacht schweben in ihr blaue Lichter umher, und da, wo +sie erlöschen, liegen Schätze vergraben. Auch eine weiße Jungfrau mit +einem Bund Schlüssel spukt daselbst, welche schön singt und an dem +Brünnlein unterhalb des Schlosses sich zu waschen und zu kämmen pflegt. +Manchmal geht sie nach der Neuenbürg und von da nach Bürgeln. Bei dem +Burggärtlein begegnete sie eines Tages einem Mann aus Sitzenkirch und +sagte ihm, seine Haare seyen nicht gekämmt, er solle heimgehen und +dieselben strehlen, was er auch eilig that. + +Einem andern Mann, der Nachts zwischen elf und zwölf unterm Schloß +vorbeifuhr, rief sie dreimal: »Komm herauf!« und da er ihr nicht folgte, +jammerte sie: daß erst in hundert Jahren ein Kind geboren werde, welches +wieder sie erlösen könne. + +Als sie einst in der Frühe von einem Kanderner Jungen, welcher bei der +Burg Vieh hütete, Brod begehrte, erhielt sie von ihm zur Antwort, er +habe keines. Hätte er »Helf Dir Gott« zu ihr gesagt, so hätte er ihre +Erlösung bewirkt. + +Am Morgen des Charfreitags kam sie auf dem Schlosse zu einem Burschen +aus Vogelbach und bot ihm eine große Schachtel dar, mit den Worten: +»Nimm sie hin, dann machest Du mich und Dich glücklich!« Ohne die +Schachtel zu nehmen, ergriff der Bursche die Flucht, worauf er die +Jungfrau klagen hörte, daß sie nun noch lange, lange leiden müsse. + +Ein anderes Mal sahen Vorübergehende, daß die weiße Jungfrau die +Schachtel aus einem Burgfenster heraushielt; aber als sie hingingen, +verschwanden Jungfrau und Schachtel. Andern Vorbeigehenden sind von ihr +kleinere Schachteln voll Geld zugeworfen worden. Buben, welche ihr den +Weg verunreinigten, hat sie ihren Bund Schlüssel um die Köpfe +geschlagen, und andere Knaben, die ihr Übles nachredeten, haben von +unsichtbaren Händen Ohrfeigen bekommen. + +In einer Nacht gruben vier Männer auf einem Platze des Schlosses +stillschweigend nach einer Kiste voll Geld und es gelang ihnen, sie in +einiger Tiefe aufzufinden. Hierauf stiegen zwei hinab und banden an die +Kiste ein Seil, woran die beiden andern dieselbe heraufzuziehen +begannen. Plötzlich bemerkte der eine, daß über ihnen ein Mühlstein an +einem Bindfaden hing, und ein Männlein, das auf dem Steine saß, mit +einer Scheere nach dem Faden fuhr, um ihn zu durchschneiden. »Halt, der +Mühlstein fällt herunter!« rief der Mann im Schrecken, und sogleich +waren Kiste, Mühlstein und Männlein verschwunden. + +An einer andern Stelle sah ein Knabe ein Häuflein glühender Kohlen, +worum auch schwarze lagen. Von den letztern steckte er mehrere ein und +fand sie zu Hause in Geld verwandelt. + +Ebenso wurden Spreuer, die ein Vogelbacher Bube von einem Haufen in der +Burg wegnahm, in seiner Tasche zu Goldstücken. + +Während ihre Ziegen unter dem Schlosse weideten, gingen einige Jungen +auf dasselbe, wo sie eine Menge schöner, bunter Schneckenhäuslein +umherliegen sahen. Als sie davon einsteckten, rief eine Stimme: »Jaget +die Geisen aus dem Haber!« Sogleich liefen die Knaben zu den Ziegen, die +aber ihren Weideplatz nicht verlassen hatten. Auch war weit und breit +Niemand, von dem der Ruf hätte herrühren können. Zu Hause fanden die +Buben die Schneckenhäuslein in Münzen verwandelt, auf der Burg aber, +wohin sie gleich wieder eilten, kein einziges mehr. + +Vor neun Jahren kam am Engel zu Sitzenkirch ein Basler Herr mit seinen +erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, angefahren und fragte +unverweilt nach einem Knaben, der sie auf die Sausenburg führe. Mit +demselben gingen sie dann hinauf, wobei sie selbst eine Schachtel +trugen, die sie mitgebracht hatten. Oben angekommen, knieeten die Drei +von Basel zum Gebet nieder und ließen nachher aus der Schachtel ein +Eichhörnchen laufen. Hierauf begaben sie sich in den Engel zurück und +fuhren, nachdem sie eine Flasche Wein getrunken, wieder hinweg. Diese +Geschichte verursachte in der Gegend viel Gerede. Manche sagten, das +Eichhörnchen sey die weiße Jungfrau gewesen, die der Basler in seiner +Gewalt gehabt und wieder freigelassen habe; Andere dagegen erklärten +dasselbe für einen Hausgeist, welcher in diese Gestalt beschworen und +auf das Schloß gebannt worden sey. + + + + +28. + +Kraft des Wolfssegens. + + +Als in den Waldungen der Sirnitz noch Wölfe hausten, pflegte ein +Schafhirt, welcher dort seine Heerde weidete, täglich beim Austreiben +unterm freien Himmel niederzuknieen und den Wolfssegen zu beten. In +Folge dessen ließen die Wölfe nicht allein die Schafe unangefochten, +sondern sie mischten sich sogar unter sie und thaten mit ihnen ganz +freundlich. Wenn der Hirt sie fort haben wollte, so durfte er nur mit +seiner Peitsche knallen: sie liefen dann ungesäumt weg und kamen an +demselben Tage nicht wieder. Für ihr gutes Verhalten mußte ihnen jedoch +aus der Heerde ein Opfer überlassen werden. Dazu bestimmte der Schäfer +eine junge Ziege, die er mit einer Schafglocke behängte und seiner +Heerde zugesellte. Als sie hübsch groß und fett geworden, sah eines +Tages ein Wolf, der neben ihr saß, bald sie mit gierigen, bald den +Hirten mit bittenden Augen an. »So nimm sie denn!« dachte dieser bei +sich, und im Augenblick faßte der Wolf die Ziege, erwürgte sie und, +nachdem er dreimal mit ihr im Kreis herumgesprungen, warf er sie auf +seinen Rücken und jagte dem Wald zu. Alle andern Wölfe rannten ihm nach, +und als sie tief im Gehölz waren, theilten sie getreulich unter sich ihr +Opfer. + + + + +29. + +Kind von Gold. + + +Am Mittag wollte ein Bursch, der einsam auf dem Limberg Geißen hütete, +sich auf einen Steinhaufen zum Essen setzen, da sah er auf demselben ein +kleines Kind liegen, welches ganz von Gold war. Voll Freude hob er es +auf, wickelte es in seine Jacke und trieb dann sein Vieh heimwärts. +Nicht lange, so blieben einige Geißen zurück, er legte seinen Fund ab +und holte sie schleunig herbei. Nun wollte er das Kind wieder nehmen, +aber obgleich Niemand auf den Platz gekommen, war es verschwunden. + +Nach der Aussage einer Münsterthaler Frau, die sich des Erdspiegels +bedient, liegt das goldene Kind jetzt im Limberg; es wird aber noch von +einem gefunden, welcher eine weiße Wolljacke anhat. + + + + +30. + +Kreuz zu St. Trutbert. + + +In St. Trutbert ist ein silbernes Kreuz, beiläufig zwei Schuh hoch, das +auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der andern den weltrichtenden +Heiland zeigt, und einen Kreuzpartikel einschließt. Dasselbe nahmen +einmal die Gläubiger des Klosters weg, um sich bezahlt zu machen; allein +sie konnten es nur bis Kropbach, durchaus nicht weiter, bringen. Auf +Dieses gaben sie es dem Kloster zurück und erließen demselben seine +ganze Schuld. + + + + +31. + +Geld in Asche verwandelt. + + +Im Münsterthal stieß einst ein Mädchen beim Graben auf einen Hafen voll +Silbermünzen. Ungesäumt trug sie ihn heim, fand aber dort, statt des +Geldes, lauter Asche darin. Hätte sie, gleich bei Findung der Münzen, +etwas Geweihtes darauf gelegt, so würden sich dieselben nicht mehr haben +verwandeln können. + + + + +32. + +Brandkorn wird zu Gelde. + + +In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mädchen und sein +Bruder, aus dem Münsterthal zu einem reichen Bauer und baten ihn um +Brod. Barsch abgewiesen, warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch +zum Fenster hinaus ausgeschüttelt wurde, wo sie dann die Bröslein +auflasen und verzehrten. Hierauf gingen sie in die Scheuer, worin +gedroschen ward, und suchten die Brandkörner zusammen, um sie ihren +Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mädchen die Schürze und dem +Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer, und als +sie sie zu Hause ausleerten, fiel zu ihrer und ihrer Eltern großen +Freude lauter Geld heraus. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte, +ließ er die übrigen Brandkörner auch sammeln und aufbewahren; allein +dieselben wollten sich nicht in Geldstücke verwandeln. + + + + +33. + +Messen nachgeholt. + + +Zu Staufen schlief einmal ein Knabe unter dem Abendgottesdienst ein und +wurde beim Zuschließen der Kirche nicht bemerkt. Er erwachte erst in +Mitte der Nacht und sah am Altar einen Geistlichen im Meßgewand, der ihm +winkte, hinzukommen. Unerschrocken ging der Bube zu ihm und diente, auf +dessen Begehren, ihm Messe. Als sie zu Ende war, sagte der Priester dem +Knaben, er solle morgen um dieselbe Zeit sich wieder hier einfinden. In +der Frühe vom Küster aus der Kirche gelassen, offenbarte der Bube das +Geschehene alsbald dem Pfarrer, der ihm rieth, dem Begehren des Geistes +in Allem zu willfahren, demselben jedoch, wenn er sich bedanke, nicht +die Hand, sondern den rechten Rockflügel zu reichen. Diesem folgend, +diente der Knabe in der nächsten Nacht dem Priester abermals Messe und, +auf dessen Bestellung, auch in der dritten Nacht. Nachdem das letzte +Evangelium gelesen war, sprach der Geist zu dem Buben Folgendes: »Aus +meinem Leben her war ich noch schuldig, drei Messen zu lesen, und ich +konnte nicht zur ewigen Ruhe gelangen, bis ich sie abgehalten. Durch +Dich ist mir dieses nun möglich geworden; ich danke Dir dafür und gehe +jetzt ein in die Seligkeit, wohin Du mir bald folgen wirst.« Hierauf +legte er seine Hand auf den Rockflügel, welchen der Knabe ihm hinhielt, +und verschwand. In den Rock hatte sich die Hand schwarz eingebrannt, +weßhalb er, als Merkwürdigkeit, in der Kirche aufbewahrt wurde. Der Bube +war fortan stets in sich gekehrt und bereitete sich zu seinem Tode, +welcher auch in kurzer Zeit erfolgte. + + + + +34. + +Weiße Jungfrau. + + +Vor sechszig Jahren sah ein Bube vom Rothenhof, als er zum ersten Male +mit dem Vieh in den dortigen Bergwald fuhr, auf dem Troge des +Tränkbrunnens eine weiße Jungfrau sitzen, die ihm hinwinkte. Erschrocken +eilte er auf den Weideplatz zu den andern Hirtenknaben und erzählte +ihnen, was ihm begegnet. Sie sagten ihm, die weiße Jungfrau sey schon +oft da gesehen worden, und wenn sie ihm wieder winke, solle er nur zu +ihr gehen. Am andern Tage that er dies und wurde von ihr mit folgenden +Worten angeredet. »Du kannst mich aus diesem Gebirge befreien, in +welchem ich schon zweihundert Jahre umgehe, und mir zum Himmel +verhelfen. Komm' heute Nacht um zwölf Uhr wieder hierher, dann wirst Du +von mir erfahren, was Du zu meiner Erlösung zu thun hast!« Nach diesem +war sie verschwunden. Zur bestimmten Zeit kam der Bube zu dem Brunnen, +auf dessen Trog der Geist wieder saß und sprach: »Geh' jetzt dort in den +Wald und hole mir den goldenen Kelch her, den Du unter einer großen +Tanne finden wirst. Es geschieht Dir kein Leid; Du darfst aber weder ein +Wort sprechen, noch Dich durch etwas irren oder schrecken lassen. Habe +ich den Kelch, dann fülle ich ihn hier am Brunnen, trinke ihn aus und +bin erlöst.« Gutes Muthes machte sich der Knabe auf den Weg und kam +richtig zur Tanne, worunter der Kelch sich befand. Da hörte er in der +Luft ein Gesause; er blickte empor und sah über sich einen großen +Mühlstein[2] an einem dünnen Faden hängen, welcher sich schnell +herumdrehte und auf ihn herabzustürzen drohte. Voll Schrecken stieß er +einen Schrei aus und floh über Hals und Kopf zum Brunnen zurück. »Nun +ist es um meine Erlösung geschehen!« klagte die Jungfrau, »und ich muß +wieder warten, bis die kleine Tanne hier zu einem Sägbaum geworden und +aus seinen frisch geschnittenen Brettern eine Wiege für ein neugeborenes +Kind gemacht ist. Wenn dasselbe dann Dein jetziges Alter erreicht hat, +so wird es mich von meinem Leiden befreien.« Hierauf verschwand die +Jungfrau, welche in der Folge wieder öfters am Brunnen gesehen worden +ist. + + [2] Andere sagen: ein gewaltiges Schwert. + + + + +35. + +Geist nieset. + + +Drei Männer aus Krotzingen gingen einst Nachts von Staufen nach Hause. +Im Hohlweg hörten sie zweimal stark niesen; »Helf' Gott!« sagte jedesmal +der eine, aber als es zum dritten Male nieste, sprach er: »Wenn Dir Gott +nicht hilft, so helfe Dir der Teufel!« Da rief eine klägliche Stimme: +»Hättest Du noch einmal 'helf' Gott' gesagt, so wäre ich jetzt erlöst, +nun aber bin ich ewig verdammt!« und verhallte dann in Jammertönen[3]. + + [3] Der Schluß dieser Sage ist eben so ungewöhnlich, als unkatholisch. + + + + +36. + +Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb. + + +Bei einem Einfall in Deutschland kamen die Hunnen nach Schlatt, +zerstörten das Frauenkloster bei dem Heilbrunnen und den größten Theil +des Dorfes. Zwischen diesem und dem Rheine trafen sie das Heer der +Deutschen und erlitten eine völlige Niederlage. Ihr Fürst fiel in der +Schlacht; er wurde von ihnen in einen goldenen Sarg gelegt, den ein +silberner und letzteren ein hölzerner umschloß, und mit seinen Schätzen +und einem lebensgroßen goldenen Götzenkalb drei Stunden von der +Hochstraße beerdigt. Über dem Grabe errichteten sie einen mächtigen +Hügel und rechts und links, in geringen Entfernungen, je einen kleinern, +damit die Feinde nicht wissen sollten, wo der Fürst begraben sey. Noch +immer ist dieser mit allen den Kostbarkeiten unaufgefunden. Auf dem +Schlachtfelde läßt in manchen Nächten Kampfgeschrei und Waffengetös +unsichtbarer Streiter sich hören[4]. + + [4] Diese Erzählung ist genauer, als die unter Nr. 41 des Hauptwerkes + mitgetheilte. + + + + +37. + +Geistige Nonne. + + +Die Stifterin des ehemaligen Klosters der Lazaristinnen zu Schlatt +erscheint noch dort in manchen Nächten. In ihrer Ordenstracht, mit +goldglänzenden Schuhen, geht sie schweigend, die Hände übereinander +gelegt, von dem Platze des Klosters durch das Herrengäßlein in die +Herrenreben. Wer ihr über seine _rechte_ Schulter nachschaut, dem +verschwindet sie sogleich, wer es aber über die _linke_ thut, der sieht +sie bis in die erwähnten Reben. + + + + +38. + +Geld sonnt sich. + + +Während der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf +dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. »Heute ist +der erste März, da sonnen sich die Schätze,« sprach einer von ihnen und +eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thönerne Scherben und nahm einige +zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stücke, deren er +etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am +nächsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene +Silbermünzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben +mehr und keine Geldstücke. + + + + +39. + +Geldmännlein. + + +In Hausen an der Möhlin hatte eine Frau ein sogenanntes Geldmännlein. +Dies war eine lebende Kröte, welche sie in einer Schachtel aufbewahrte, +täglich in einem Glase Rothwein badete und dann dasselbe austrank. Jeden +Abend legte sie einen Thaler zu der Kröte in die Schachtel, und am +andern Morgen konnte sie stets zwei solcher Geldstücke herausnehmen. +Nachdem sie so sich genug Vermögen gesammelt, suchte sie das +Geldmännlein zu verschenken, allein sie brachte es nicht an und starb +endlich, ohne es los geworden zu seyn. Da füllte sich gleich das Haus +mit schwarzen Katzen, deren eine bei dem Leichnam sitzen blieb, bis er +begraben wurde. Auch nachdem dies geschehen war, tobten die Katzen in +dem Hause umher, und da sie auf keine Weise hinaus gebracht werden +konnten, ward es von seinen Bewohnern verlassen. Viele Jahre stand es +leer, endlich wurde es ganz neu hergestellt, und seitdem sind die Katzen +daraus verschwunden. + + + + +40. + +Todter von Erde und Wasser ausgeworfen. + + +Ein Geizhals in Munzingen hatte viel Geld zusammengescharrt und der +Gemeinde Felder und Gerechtsamen wiederrechtlich entzogen. Nach seinem +Tode litt ihn die Erde nicht in sich, sondern stieß allnächtlich den +Sarg aus dem Grabe. Ebenso wenig duldete ihn das Wasser; denn als man +die Todtenlade durch den Bach in den Rhein flößen wollte, warf jener sie +alsbald an das Ufer. + +Auf dieses wandte man sich an einen frommen Priester, welcher dann den +Geist des Verstorbenen herbei beschwur. Derselbe erschien in Gestalt +eines kleinen Schweines; er ward in einen Kasten gesperrt und auf einen +vierspännigen Wagen geladen. Mit diesem mußte nun so lange im Land +umhergefahren werden, bis ein dazu bestimmter namhafter Geldbetrag +verbraucht war. Nur Nachts durfte die Fahrt geschehen, wobei der Wagen +oft so schwer wurde, daß die Pferde ihn kaum fortbrachten. Bergab hatte +er Vorspann, bergauf den Hemmschuh nöthig. Seinen Führern war auferlegt, +daß Geld möglichst bald auszugeben. Zu dem Ende kehrten sie in jedem +Wirthshause ein, bezahlten die kleinste Dienstleistung, durften aber nie +mehr geben, als gefordert wurde. Dem Schweine ward täglich Fressen +vorgesetzt, und es auch stets von ihm verzehrt. Nachdem das Geld +verbraucht war, fuhr der Wagen wie jeder andere, und kehrte nach Hause +zurück. Daselbst ließ der Priester den Geist wieder frei und den Sarg +mit dem Leichnam in das Grab legen. In diesem konnte er nun bleiben, da +auch von des Verstorbenen Erben der Gemeinde ihr entzogenes Eigenthum +zurückgegeben worden war. + + + + +41. + +Todtenvorschau. + + +Ein Nachtwächter in Ober-Rimsingen pflegte allnächtlich, wenn er beim +Ausrufen der Stunden an die Kirche kam, knieend ein Vaterunser zu beten. +Während dessen sah er stets diejenigen Ortsbewohner, welchen binnen +vierzehn Tagen der Tod bevorstand, auf den Plätzen des Kirchhofs knieen, +wo sie nachher begraben wurden. + + + + +42. + +Hexe als Hase. + + +Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war Joseph Klingler herrschaftlicher +Jäger in Ober-Rimsingen und als trefflicher Schütze bekannt. Eines Tages +sah er auf dem Felde einen Hasen sorglos in seine Nähe kommen, er schoß +auf ihn, bekam von seinem Gewehr einen heftigen Stoß, und der Hase +hüpfte unverletzt von dannen. + +Nachdem ihm dies noch einige Mal begegnet, wandte er sich an die +Kapuziner in Staufen. Von denselben erhielt er eine kleine Ladung +geweihten Pulvers mit der Weisung, dazu nur solche Schrote zu nehmen, +die nicht tödten könnten. Er that es, und als bald nachher der Hase +wieder gegen ihn kam, schoß er auf ihn, ohne vom Gewehr gestoßen zu +werden. Da floh derselbe im schnellsten Laufe nach dem Dorfe, und als +der ihm nacheilende Jäger auch dahin kam, hörte er, daß der Arzt zu der +Frau des Vogtes geholt werde, die einen Schrotschuß empfangen habe. +Jetzt wußte er, wer der Hase gewesen, welchen er fortan nicht wieder zu +Gesicht bekam. + + + + +43. + +Die Grüninger Kapelle. + + +Im Jahr 1807 mußte dieses Kirchlein nach dem Willen der Herrschaft und +des Pfarrers eingehen. Dieser und der Verwalter hoben selbst das +Altarblatt weg, und letzterer rief den Arbeitern, welche sich scheuten, +die Gelübdebilder abzunehmen, höhnisch zu: »Werft die Kerle herunter, +daß sie die Beine brechen!« Am folgenden Tage wollte er, in Hausen an +der Möhlin, eine Leiter hinaufsteigen, aber auf der zweiten Sprosse +glitt er aus und brach den einen Fuß so stark, daß derselbe nach der +Heilung, wie ein Thierfuß aussah. Auch der Pfarrer wurde alsbald von +einer anhaltenden Krankheit heimgesucht. Nachdem er zwei Jahre vergebens +alle Mittel gegen sie angewendet, bat er eines Sonntags die versammelte +Gemeinde, ihm die Kapelle wiederherstellen zu helfen, da er es allein +nicht vermöge. Mit Freude ward diese Hilfe geleistet; bald stand das +Kirchlein schöner da, als zuvor, und am Tage der Einweihung war die +Krankheit des Pfarrers auf immer verschwunden. + +Einige Zeit nachher zeigte sich in mehreren Nächten das Innere der +Kapelle von wunderbarem Glanz erleuchtet. Zwei Rheinwächter sahen beim +Heimgehen diese Erhellung und beschlossen, in das Kirchlein zu schauen. +Zu dem Ende ließ sich der eine vom andern zu einem Fenster emporheben; +aber kaum hatte er hineingeblickt, so verlangte er voll Schrecken wieder +hinab. Auf die Frage: was er in der Kapelle gesehen habe -- antwortete +er nur: »Schaut selbst!« und am dritten Tage war er eine Leiche. + + + + +44. + +Der Schatz im Ambringer Grunde. + + +Auf dem _Schloßberg_ im Ambringer Grunde stand vor Zeiten eine +stattliche Burg, und in der Nähe war ein dazu gehörendes Bergwerk. +Dasselbe lieferte an Gold und Silber so reiche Ausbeute, daß die +Burgherren in einem unterirdischen Gewölbe große Schätze aufhäufen +konnten. Darunter befanden sich neun silberne Kegel und drei goldene +Kugeln, womit die Bergleute an Festtagen, nach der Vesper, zu spielen +pflegten. Der Schlüssel des Gewölbes war von Gold und hing auf dem Altar +der Schloßkirche, an dem goldenen Standbilde ihres Schutzheiligen +Martin. Eine halbe Stunde von der Burg wohnte in einer Waldklause, an +dem Ursprung der Felsenquelle, ein Einsiedler Namens Heini, welcher auf +dem Schlosse gut bekannt war. Plötzlich wurde dieses in der Nacht von +Feinden angegriffen und nach kurzer Gegenwehr eingenommen. Während sie +darin raubten, alle Bewohner ermordeten und es den Flammen Preis gaben, +gelang es dem Einsiedler, das Standbild des heiligen Martin nebst dem +goldenen Schlüssel zu retten. In das Gewölbe kamen die Feinde nicht, und +noch jetzt liegen alle die Reichthümer darin, wobei ein schwarzer Riese +und ein zottiger Bär Wache halten. Auch Bruder Heini, der mit dem +Standbild und Schlüssel bei dem _Eselbrunnen_, in tiefer Bergschlucht, +begraben ist, muß als Geist die Schätze hüten. Wie bei seinen Lebzeiten +geht er Mittags an der Quelle auf und ab, indem er aus einem Buche +betet. Wenn man ihm ruft, bleibt er stehen, aber ohne umzuschauen. + +Einen Mann aus dem Münsterthal führte er eines Abends in die verfallene +Burg und darin in einen unterirdischen Gang, der vorn, in der Mitte und +hinten eine eiserne Pforte hatte. Die letzte derselben war eine +Gitterthüre, und alle drei wurden von dem Einsiedler mit dem goldenen +Schlüssel aufgemacht. Alsdann kamen sie in das Gewölbe, wo der Mann alle +die Reichthümer betrachten, aber nichts davon mitnehmen durfte. Beim +Herausgehen schloß Heini die Pforten wieder zu und außerhalb der Burg +schied er von dem Manne. + +Das Bergwerk ist längst eingegangen, und von ihm nichts mehr übrig, als +ein halb verschütteter Schacht. + + + + +45. + +Kirchenverhöhnung bestraft. + + +Als die Schweden Kirchhofen angezündet hatten und dann weiter zogen, +wandte sich einer ihrer Anführer auf dem Pferde halb um und rief, auf +die Kirche zeigend: »Seht doch, wie das Geißhaus brennt!« In dieser +Stellung erstarrte er und war trotz aller Bemühungen nicht daraus zu +bringen. Da gelobte er, auf seine Kosten die Kirche so wiederherzustellen, +wie sie gewesen, wenn ihm geholfen würde. Auf dieses hörte die Erstarrung +auf, und er säumte dann nicht, sein Gelübde in Erfüllung zu bringen. + + + + +46. + +Die Tafel bei Kirchhofen. + + +Als einst Nachts der Felsenmüller von Ehrenstetten mit vollem Geldgurt +heim ging, ward er im Walde bei Kirchhofen von drei raubsüchtigen Bauern +angefallen. In demselben Augenblick fing sein Hund in der über eine +Stunde entfernten Mühle so an zu rasen, daß die Knechte ihn von der +Kette losmachen mußten. Stracks rannte er nun seinem Herrn zu Hilfe, riß +zwei der Bauern nieder und jagte den dritten in die Flucht. Wegen dieser +wunderbaren Errettung ließ der Müller auf dem Platz eine Tafel +errichten, worauf das Auge Gottes abgebildet ist, mit der Unterschrift: + + »Gott ist überall zugegen, wie in offenen Landen, so in düstern + Wäldern.« + +Die Tafel ist noch an dem Orte, und er wird wegen ihr der _Tafelplatz_ +genannt. + + + + +47. + +Das Brunnenbecken zu St. Ulrich. + +(Abweichung von Nr. 46 des Hauptwerks.) + + +Um den Stein zu diesem Troge seinem Kloster zu verschaffen, schloß der +heilige Ulrich mit dem Teufel folgenden Vertrag ab. Er wolle eine Messe +lesen, und der Böse unterdessen den Felsen vom Meeresgrund herholen; +treffe er damit vor Ende der Messe ein, so erhalte er als Lohn Ulrich's +Seele, komme er aber später an, dann müsse er den Stein umsonst +abliefern. Die Messe las darauf der Heilige so, daß er nur ihre +Haupttheile, Aufopferung, Wandlung und Kommunion, verrichtete, alles +Übrige aber wegließ, und daher fertig war, als der Teufel mit dem Felsen +auf dem nahen Winterberg anlangte. Sich überlistet erkennend, liest der +Böse zornig den Stein in den Klostergarten hinabrollen. Wo er ihn +angefaßt, hatten seine Krallen tiefe Eindrücke gemacht, die noch jetzt +an der Brunnenschale zu sehen sind[5]. + + [5] Diese Sage ist ebenso ungegründet, als die unter Nr. 46 des + Hauptwerkes. + + + + +48. + +Das Huttenweiblein. + + +Eine Bäuerin von Sölden pflegte Sonn- und Feiertags mit Holzhippe und +Hutte[6] auf den waldigen Schönberg zu gehen und Holz zu lesen. Wegen +dieser Entheiligung muß sie, seit ihrem Tode, auf dem Berg und in dessen +Umgegend spuken und wird, weil sie eine Hutte trägt, das +_Huttenweiblein_ genannt. Sie ist alt und klein, stützt sich auf einen +Stock und hat ein Strohhütlein auf; ihre Jacke und Handschuhe sind mit +Pelz besetzt, der eine ihrer Strümpfe ist weiß, der andere roth. +Übrigens kann sie sich in viele andere Gestalten, von Menschen und +Thieren, verwandeln. Häufig schreit sie: »Hu, hu, hu!« manchmal aber, +besonders wenn sie in den Kronen der Tannen sitzt, singt sie: + + »Heute strick ich, + Morgen näh ich!« + +In ihrer Hutte hat man schon Farnkraut wahrgenommen; auch trägt sie +öfters darin Leseholz, das unbewacht im Wald aufgehäufelt liegt, zum +Verdruß der Eigenthümer hinweg. + +Einer Frau aus Freiburg, die, ehe sie in die Frühmesse ging, im +Sternwald Himbeeren sammelte, begegnete das Huttenweiblein und sagte zu +ihr: »Hättest Du keine guten Gedanken gehabt, so wollte ich Dich +gezeichnet haben!« + +Zu einer andern Frau kam es, zwischen Ebringen und Sölden, und fragte +sie: »Kätherle! wo willst Du hin?« Auf dieses wußte die Frau, welche +nicht Katharina hieß, gar nicht mehr, wo sie war, und fand sich erst +wieder zurecht, nachdem sie stundenlang den Wald durchirrt hatte. + +Eines Abends traf ein Geflügelhändler, der nach Pfaffenweiler heim +wollte, bei Kirchhofen ein schönes Reh, welches das Huttenweiblein war. +Auf sein Locken kam es herbei und ließ sich von ihm streicheln. »Das ist +etwas in die Küche!« dachte er bei sich und wollte ihm eine Schnur um +den Hals binden; aber da ward es so riesenhaft, daß er voll Schrecken +davon lief. Die ganze Nacht rannte er in der Irre umher und erkannte +erst am Morgen, daß er auf der Eschholzmatte bei Freiburg sich befinde. + +Ein Mann, der Nachts durch den Bitterswald ging, rief spottend: +»Huttenweiblein, komm und trage mich! hu, hu, hu!« Schnell, wie der +Wind, war dasselbe da, packte und trug ihn auf die Todtnauer Höhe und +stellte ihn so tief in den Sumpf, daß er nur mit vieler Mühe sich wieder +heraus helfen konnte. + +Andere Männer, welche im Feld bei Pfaffenweiler das Geschrei des +Weibleins spottweise nachmachten, bekamen von ihr solche Ohrfeigen, daß +einigen die Hüte von den Köpfen flogen, andere aber sogar zu Boden +fielen. + +In den Ortschaften, die um den Schönberg liegen, pflegt man die Kinder +mit dem Huttenweiblein fürchten zu machen. + + [6] Köze. + + + + +49. + +Der heilige Bernhard zu Freiburg. + + +Auf seiner Reise nach Konstanz kehrte der heilige Bernhard zu Freiburg, +im obern Eckhause der Kaiser- und Münstergasse, ein. In der Stube, +welche er da bewohnte, gibt es seitdem keine Mäuse mehr. + + + + +50. + +Pferde schauen zum Speicher hinaus. + + +Die Frau aus dem jetzt Stutz'schen Hause am Münsterplatz zu Freiburg +war, mit reichem Geschmeide geschmückt, begraben worden. Der Bediente +und die Köchin, welche eine Liebschaft mit einander hatten, beschlossen, +die Kleinode zu entwenden, damit sie genug Geld bekämen, um sich zu +heirathen. Zu dem Ende schlichen sie tief in der Nacht auf den Kirchhof +und öffneten Grab und Sarg ihrer Herrin. Da kam diese, welche nur +scheintodt gewesen, zu sich und richtete sich in die Höhe. Entsetzt +flohen der Bediente und die Köchin nach Hause, sagten aber niemand etwas +von dem Vorfall. Bald nachher schellte die Frau an der Hausthüre, ihr +Mann machte das Fenster auf und fragte: + +»Wer ist draus?« + +»Die Frau aus dem Haus«, antwortete sie. + +»Die ist todt und begraben«, erwiderte er, und darauf sie: + +»So gewiß bin ich es, als unsere Schimmel zum Speicherloch heraussehen.« + +Kaum hatte sie dies gesagt, so trappten die beiden Pferde die Treppen +hinauf auf den Speicher und schauten zur Giebelöffnung hinaus. Da ließ +der Mann seine Frau eilig herein, voll Freude, daß sie noch lebe. Weil +der Bediente und die Köchin fürchteten, sie seyen auf dem Kirchhof von +ihrer Gebieterin erkannt worden, thaten sie vor ihrem Herrn einen +Fußfall und bekannten ihr Vergehen. Statt sie zu bestrafen, dankte er +ihnen für die Wiedererlangung seiner Frau und beschenkte sie so +reichlich, daß sie sich heirathen konnten. Auch ließ er zum ewigen +Andenken die Schimmel in Holz nachbilden und innen an die Giebelöffnung +stellen, die seitdem nicht zugemauert werden kann. Seine Frau lebte noch +sieben Jahre, sprach aber wenig und lachte gar nicht mehr; dagegen +betete sie viel und spann und wirkte ein großes leinenes Tuch für das +Münster. Dasselbe brachte sie gerade fertig. Es ist aus _einem_ Stück, +mit Bildern aus dem Leben des Heilands geziert, und wird noch heutiges +Tags als Fastentuch gebraucht. + + + + +51. + +St. Martin bei Oberried. + +Aus amtlichen Verhandlungen. + + +In dem Goldberg bei Oberried war vor Zeiten eine reiche Goldgrube, +Sankt Martin genannt. Darin lag, hinter einer silbernen Thüre, ein +Standbild dieses Heiligen verborgen, welches von lauterm Gold und +dreihundert Mark schwer war. Noch im Jahr 1521 wurde der Bau betrieben, +aber bald nachher wegen des hereinbrechenden Krieges eingestellt. Die +Bergleute schlossen jedoch die Grube mit einer eisenbeschlagenen Thüre +und schütteten dieselbe mit Erde und Steinen zu. Hierdurch gelang es +ihnen, das Bergwerk den Augen der Feinde zu entziehen, die sich mit der +Plünderung und Verbrennung der Poch- und Schmelzgebäude begnügen mußten. +Kaum war es wieder ruhiger geworden, so kam die Pest und raffte die +Bergleute weg oder scheuchte sie in entfernte Gegenden. In Folge dessen +blieb die Grube uneröffnet, und mit der Zeit ist sie immer mehr in +Vergessenheit gerathen. + + + + +52. + +Schützen-Klaus. + + +Der Schützen-Klaus war Jäger im Bezirke von St. Peter. Aus übertriebener +Sorgsamkeit für den Wald verbot er den Leuten, Geisen zu halten. Um zu +sehen, ob sie es befolgten, ging er Nachts an die Häuser und mäckerte +wie eine Ziege. Wenn nun Geisen darin waren, so erwiderten sie sein +Gemäcker, und er nahm dann die Leute in Strafe. Da sprachen dieselben +die Verwünschung aus: er möge bis zum jüngsten Tage so mäckernd umgehen. +Seit seinem Tode spukt er nun im Jagdanzuge, zwei Hunde an der Kette +führend und häufig mäckernd, in seinem Bezirke. Nach der Abendglocke hat +er Viele schon irre geführt, oder mit Steinen geworfen; und als Andere, +um ihn zu verspotten, zu mäckern anfingen, war er im Augenblick da und +schleuderte sie den Bergabhang hinunter. + + + + +53. + +Teufel helfen am Bau der Eisenbahn. + + +Als im Jahr 1844 die Eisenbahn bei Zähringen gebaut ward, sahen zwei +unschuldige Kinder, während des Mittagessens der Arbeiter, zwei Teufel +mit Geisfüßen und Hörnern emsig an der Bahn schaffen. Sogleich holten +sie einige Arbeiter herbei; allein dieselben konnten die bösen Geister +nicht wahrnehmen. + + + + +54. + +Des Schwarzenberger's Bekehrung. + + +Auf die schöne Tochter seines Bauers vom Wahlhof hatte der Ritter von +Schwarzenberg sein lüsternes Auge geworfen. Er verlangte sie in seinen +Dienst; aber ihr Vater, obgleich er die Härte seines Herrn kannte, ließ +sie nicht dahin. Da drohte ihm der Ritter, ihn vom Hofgut zu jagen, wenn +er nicht dessen großen und vollsten Kirschbaum fällen und, die Pferde an +die Krone gespannt, auf das Schwarzenberger Schloß schleifen würde, ohne +eine einzige all der reifen Kirschen zu verletzen. Ohne Hoffnung, dies +zu vollführen, ging der Bauer zu dem Baume, wo ein altes Männlein zu ihm +kam und ihn fragte, warum er so betrübt sey. Nachdem es die Ursache +erfahren, versprach es, ihm zu helfen. Stracks hieb es den Baum auf's +geschickteste um, rief aus dem Wald drei Kohlrappen herbei, die es an +die Krone des Baums spannte, und trieb sie dann, in Begleitung des +Bauers, nach dem hoch und steil gelegenen Bergschloß. Als der +Schwarzenberger sie dort ankommen und keine einzige Kirsche verletzt +sah, war er höchlich erstaunt; das Männlein aber sprach zu ihm: »Weißt +Du, wer den Kirschbaum hierher gezogen hat? Der erste Rappe ist Dein +Vater, der zweite Dein Großvater und der dritte Dein Urgroßvater[7], +welche die Bedrückung ihrer Unterthanen jetzt in der Hölle büßen, und +Dir geht es einst eben so, wenn Du nicht von Deinen Sünden ablässest!« +Da ergriff den Ritter die Furcht des Herrn, er that Buße und führte +fortan ein gottgefälliges Leben. + + [7] Andere sagen, es seyen _sechs_ Rappen und diese die _sechs_ + nächsten Vorfahren des Schwarzenberger's gewesen. + + + + +55. + +Forelle am Kandelfelsen. + + +Als eines Abends auf dem Kandel zwei Buben vom dortigen Hofe das Vieh +zusammentrieben, sah der eine, unten am Kandelfelsen, eine Lache und +darin eine große, goldschimmernde Forelle. Er rief seinen Gefährten +herbei und wadete in das Wasser, um den Fisch zu fangen; allein er fand +ihn an der Kette eines Lotteisens hängen, das im Felsen stack, und +konnte ihn nicht los bringen. Sie fuhren nun mit dem Vieh heim und +erzählten ihrem Herrn das Geschehene, worauf sie gleich mit ihm zum +Felsen zurück mußten, wo aber weder Lache, noch Forelle, noch Lotteisen +mehr zu sehen waren. Im folgenden Jahre nahmen jedoch die Buben die +Lache mit der angeketteten Forelle abermals wahr, und im dritten und +letzten ihres Aufenthalts auf dem Hofe nochmals; stets fanden sie den +Fisch größer und glänzender geworden, aber alle ihre Bemühungen, ihn los +zu machen, waren vergebens. + +Drei Jahre nachher wurde von Holzhauern auf dem Kandelfelsen ein +beschriebenes Pergament gefunden, welches die erwähnten Vorgänge +umständlich erzählte und sagte, daß, wenn die Forelle ihr Ziel erreiche, +sie mit dem Lotteisen den Felsen herausreiße und dadurch den See im +Innern des Berges auf das Elzthal loslasse. Das Pergament brachten die +Holzhauer nach Waldkirch, wo man es bei Erbauung der jetzigen Kirche in +deren Grundstein legte. + + + + +56. + +Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's. + + +Zu der ersten Äbtissin des Waldkircher Fräuleinstifts kamen drei Brüder +und baten, sich in ihrem öden Gebiete ansiedeln zu dürfen. Sie erlaubte +ihnen, sich die Plätze selbst zu wählen. An einer hübschen Stelle sprach +der Eine: »Hier ist's gut!« und baute sich da an. Wegen dieser Rede +erhielt der Ort den Namen _Gutach_. Der zweite fand jenseits des Baches +einen Platz, der ihm wohl gefiel, und sagte. »Hier bleib' ich!« Davon +wurde der Ort _Bleibach_ genannt. Der dritte endlich, welcher Simon +hieß, siedelte sich in einem Walde an, und seitdem trägt dieser den +Namen _Simonswald_. + + + + +57. + +Der Ahornbauer. + + +Als ein Mann von Simonswald wegen Zauberei verbrannt werden sollte, +sprach er. »So gewiß bin ich unschuldig, als bei meinem Haus ein +Ahornbaum wachsen wird.« Gleich nach der Hinrichtung kam auch bei dem +Haus ein Ahorn hervor, und seitdem ist dort immer ein solcher Baum; denn +wenn man den einen umhaut, wächst unverzüglich ein anderer nach. Von dem +Baum hat der Hofbesitzer den Namen _Ahornbauer_ erhalten. + + + + +58. + +Der Blindensee will ausbrechen. + + +Vor langer Zeit drohte dieser Bergsee bei dem Triberger Wasserfall +auszubrechen, und das dortige Thal zu überschwemmen. Da kam die Mutter +Gottes und spannte vor die Öffnung ein Netz von Fäden, wodurch das +Wasser, wie durch einen Damm, zurückgehalten ward. Jedes Jahr aber +verfault einer der Fäden, und wenn endlich alle verwest sind, dann +bricht der See heraus und überfluthet das ganze Thal. Dies geschieht am +Bartholomäustag, an welchem in Triberg Jahrmarkt gehalten wird. + + + + +59. + +Zum todten Hund. + + +In die Wohnstube eines Schwarzwälderhofs schlug der Blitz und fuhr durch +einen Tisch, worauf ein kleines Kind schlief; dasselbe ließ er +unversehrt, tödtete aber einen Hund, der, gerade unter dem Kind, auf dem +Stubenboden lag. Von diesem Vorgang wird der Hof »zum todten Hund« +genannt. + + + + +60. + +Messen angelobt. + + +Als im Jahr 1796 die Neufranken verheerend gegen Ettenheimweiler zogen, +gelobte die Pächterin eines benachbarten Hofes, fünfzig Messen lesen zu +lassen, wenn ihr Haus von der Grausamkeit dieser Feinde verschont +bliebe. Letzteres geschah, zur allgemeinen Verwunderung; die Frau +unterließ jedoch, ihr Gelübde zu erfüllen, und ohne dasselbe Jemand +offenbart zu haben, starb sie nach drei Jahren in Ettenheimweiler. Als +ihre dort verheirathete Tochter, nach Verfluß von ebenso viel Jahren, +Nachmittags auf dem Fuchsberg die Reben schnitt, erschien ihr plötzlich +eine Frau mit grauem Gesicht und grauem Kleid und sprach: »Du mußt mich +erlösen!« Vor Schrecken fiel jene in Ohnmacht; als sie daraus erwachte, +war die graue Gestalt verschwunden. Dieselbe kam aber, einige Tage +nachher, am Morgen zu ihr in die Küche und sagte, sie sey ihre Mutter, +und um sie zu erlösen, solle die Tochter von Haus zu Haus so viel Geld +zusammenbetteln, daß davon die fünfzig Messen gelesen und vierundzwanzig +Kreuzer der Magd bezahlt werden konnten, der sie, bei ihren Lebzeiten, +drei Batzen am Lohne abgezogen habe. Hierauf verschwand sie, die Tochter +aber eilte zu ihrem Mann und erzählte ihm, was ihr begegnet. Um ihr das +Betteln zu ersparen, wollte er selbst das Geld hergeben, was auch der +Pfarrer, den sie darüber um Rath fragten, für genügend erklärte. Ehe +jedoch der Mann das Geld beisammen hatte, erschien seiner Frau ihre +Mutter wieder in der Küche und sprach drohend: »Willst Du Alles thun, +was ich Dir geheißen habe, oder willst Du meinen Zorn fühlen!« Voll +Angst versprach die Frau, zu gehorchen, machte sich auch alsbald auf den +Weg und bettelte von Haus zu Haus bis gegen Freiburg hinauf. In vierzehn +Tagen hatte sie das Geld beisammen; damit bezahlte sie die Magd und ließ +in den benachbarten Klöstern die fünfzig Messen abhalten. In der Nacht +nach Lesung der letzten Messe kam die Mutter, in glänzend weißer +Gestalt, zu dem Mann und der Frau in die Schlafstube, sagte für ihre +Erlösung Dank und legte, um diesen zu bezeugen, ihre rechte Hand auf +eine Flegelruthe, die, nach ihrem Begehren, ihre Tochter ihr hinhielt. +Da brannten sich ihre fünf Finger hinein, und sie verschwand. Die +Flegelruthe wird noch jetzt in dem Hause aufbewahrt. + + + + +61. + +Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf. + + +Ein frommer Jüngling in Ettenheim wollte sich auf den Wunsch seiner +Eltern verheirathen; er schwankte aber zwischen zwei gleich braven +Mädchen, deren eines zu Straßburg, das andere zu Freiburg wohnte. In +dieser Ungewißheit betete er eines Tages in der Messe inbrünstig um +Erleuchtung, und da kam ihm in den Sinn: er solle sich auf eines seiner +Pferde setzen und es laufen lassen, wohin es wolle; denn es bringe ihn +an den Wohnort desjenigen der beiden Mädchen, welches ihm von Gott zur +Frau bestimmt sey. Nachdem er aufgesessen, schlug das Pferd von selbst +den Weg gegen Altdorf ein, daß er dachte, es gehe nach Straßburg; aber +plötzlich springt es von diesem Weg ab und über die benachbarten Felder +auf die Landstraße nach Freiburg, wo es den Jüngling glücklich +hinbringt. Derselbe heirathete nun das dortige Mädchen, und er lebte mit +ihr so glücklich, daß er zum Danke an der Stelle, wo das Pferd den Weg +nach Straßburg verlassen, ein steinernes Kruzifix errichtete, welches +das _Kreuz zum guten Rathe_ genannt wird[8]. + + [8] An dem Kruzifix ist folgende Inschrift: + + =ChrIste IesV bonI ConsILII Dator MIserere nobIs.= + =D. O. M.= + =Piorum consiliorum inspiratori benignissimo crucem hanc in debitae + gratitudinis pignus erexit Franc. Valentini Satori et Annae Mariae + Neumayer P. M. relicta progenies 1763.= + + + + +62. + +Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten. + + +In der Nacht vor Fronfasten spann eine Frau zu Orschweier noch nach elf +Uhr. Da kam die Fronfastenfrau zur Thüre herein und legte ihr ein +Dutzend Spulen hin, mit den Worten: »Alle diese Spulen mußt Du bis zwölf +Uhr vollgesponnen haben, wo ich sie wieder holen werde!« Nicht lange war +sie weggegangen, so lief die Frau, welche sich nicht zu helfen wußte, +zum Pfarrer, und fragte ihn, was sie machen solle. Er rieth ihr, um jede +Spule drei Fäden im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen +Geistes zu spinnen, was sie auch that und Schlag zwölf Uhr fertig war. +Als gleich darauf die Fronfastenfrau die Spulen abholte, sprach sie: »Du +hast wohl gethan, den Rath des Schwarzrocks zu befolgen; denn sonst +solltest Du gesehen haben, was ich mit Dir gemacht hätte!« Nach dieser +Rede entfernte sie sich. + + + + +63. + +Mordthat offenbart. + + +Zu Ottenheim hatte ein armes Mädchen mit einem vermöglichen Burschen, +der Soldat war, Bekanntschaft und wurde in Folge davon schwanger. +Dessenungeachtet bewarb er sich bald darauf um eine reiche +Bauerstochter, und weil er befürchtete, daß jenes Mädchen ihm hinderlich +sey, beschloß er, es aus dem Wege zu räumen. In dieser Absicht ging er +Samstag Nachts mit einer Schaufel in den Wald, wo er in einem +abgelegenen Schlag eine tiefe Grube machte. Am andern Nachmittag lud er +das Mädchen zu einem Gange dahin ein, und als sie dort waren, sagte er +ihr: sie solle Reue und Leid erwecken; denn sie müsse jetzt sterben. +Flehentlich bat sie ihn, ihrer und seines Kindes zu schonen, sie wolle +gern in die weite Welt hinaus, um ihn an der reichen Heirath nicht zu +hindern; aber Alles war vergebens, und er gewährte ihr nur noch so viel +Zeit, um drei Vaterunser zu beten. Als sie damit fertig war, sprach sie +zu ihm: »Das sage ich Dir, wenn Du mich umbringst, wird mein Blut Dich +verrathen!« Hierüber lachend, tödtete er sie mit mehreren Stichen und +verscharrte sie in die Grube. Bald nachher begab er sich auf einige +Jahre zu seiner Fahne, während welcher Zeit der Wald in Gemeindewiesen +umgewandelt ward. Nachdem der Bursch im Heere ausgedient hatte, ließ er +sich in Ottenheim nieder und heirathete die reiche Bauerstochter. Einst +mußte er die Gemeindewiesen mähen helfen, wobei er gerade auf die Grube +zu stehen kam. Beim ersten Hieb, welchen er in's Gras that, wurde die +Sense voll Blut; erschrocken wischte er es ab und verließ gleich die +Stelle. Zu Hause entdeckte er seiner Frau den Vorfall und die Ermordung +des Mädchens. Einige Zeit nachher gerieth er mit ihr in Hader und +brachte sie durch Stockschläge so in Harnisch, daß sie auf die Straße +lief und laut die Mordthat verkündete. Er ward darauf festgenommen und, +nachdem er Alles eingestanden, mit dem Schwerte hingerichtet. Die +Gebeine des Mädchens fand man noch in der Grube und brachte sie auf den +Gottesacker. + + + + +64. + +Wunderbarer Hirsch. + + +Ein frommer Einsiedler des Bruderthals pflegte alle Morgen nach dem +Kloster Schuttern oder, wenn Mönche von da sich in Heiligenzell +aufhielten, nach diesem zur Kirche zu gehen. Abends trat er den Rückweg +an, auf dem sich, wenn es dunkel war, am Anfang des Waldes ein Hirsch zu +ihm gesellte, welcher ein Licht zwischen den Hörnern hatte und ihm bis +zu seiner Klause leuchtete. Einmal war der Weg vom Regen so schlüpferig, +daß der Waldbruder aus einem Weinberg einen Rebpfahl nahm, um sich im +Gehen darauf zu stützen. Als er in den Wald kam, war kein Hirsch da, und +er mußte im Finstern nach Hause tappen. Auch an den zwei folgenden Tagen +ließ der Hirsch sich nicht sehen. Da erinnerte der Einsiedler sich des +Rebpfahles, that ihn dahin, woher er ihn genommen, und hierauf fand der +Hirsch sich wieder ein und leuchtete ihm wie zuvor. + + + + +65. + +Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier. + + +Vor etlichen Jahrhunderten verirrte sich Nachts ein Wanderer im wilden +Walde. Geängstigt durch die vielen Schlangen und Kröten, welche darin +hausten, that er das Gelübde: wenn er unbeschädigt hinaus in einen Ort +käme, wolle er auf dessen Gottesacker ein Kruzifix stiften. Da ertönte +in der Ferne eine Glocke; er ging dem Schalle zu und gelangte glücklich +nach Oberweier, wo Nachts um zwei Uhr geläutet zu werden pflegte. + +Ungesäumt ließ er nun ein steinernes Kruzifix verfertigen und es auf den +dortigen Kirchhof setzen, welchem es noch gegenwärtig zur Zierde dient. + +Am Fuße des Kreuzes sind der Name des Stifters (Jakob Erim) und allerlei +Schlangen und Kröten eingehauen. + + + + +66. + +Das Grabenthier. + + +Zu Gengenbach spukt Nachts ein mächtiges schwarzes Thier mit feurigen +Augen, welche so groß wie kleine Pflugräder sind. Es geht vorzüglich im +ausgetrockneten Stadtgraben um, und wird deßwegen das _Grabenthier_ +genannt. + + + + +67. + +Gespenstiges Thier. + + +Ein Mädchen von Bergach war zu Gengenbach in der Christmette gewesen +und wollte Nachts zwischen ein und zwei Uhr wieder heimgehen. An der +Kinzig kam ein Thier, so groß wie ein Metzgerhund, ihr entgegen, das +einen abscheulichen Gestank verbreitete. Sie ergriff die Flucht, ward +aber von dem Thiere verfolgt, wobei dasselbe ein garstiges Geschrei +ausstieß und allmählig so groß wurde wie ein Ochse. Bis zum Haigeracher +Bache gejagt, sprang das Mädchen hinüber und kam dadurch in Sicherheit, +weil das Thier den Bach nicht überschreiten durfte. + + + + +68. + +Feenweg. + + +Als noch auf das Bergschloß Staufenberg blos ein Fußpfad führte, wohnte +dort ein reicher Freiherr, der nur ein einziges Kind, eine schöne +Tochter, hatte. Um sie bewarben sich viele Edle; aber er wollte sie nur +Demjenigen geben, der ihm in einer Stunde einen guten Fahrweg auf die +Burg herstelle. Betrübt über die Unerfüllbarkeit dieser Bedingung, +wandelte ein junger Ritter am waldigen Fuße des Schloßbergs, und da +begegnete ihm die dortige Fee Melusine. Sie fragte ihn, warum er so +traurig sey, und als sie es erfahren hatte, bestellte sie ihn gegen +Mitternacht wieder her, wo ihm geholfen werden würde. Nachdem er zur +bestimmten Zeit sich eingefunden, hieß ihn die Fee die Herstellung des +verlangten Weges getrost beginnen; er that es und merkte bald, daß eine +Menge Unsichtbarer ihm Hilfe leiste. In einer Stunde war der Fahrweg zum +Schlosse fertig und voll Freude und Hoffnung ritt der Ritter auf seinem +Schimmel hinauf. Gleichwohl ward ihm das Fräulein von ihrem Vater +verweigert, und er dadurch so empört, daß er denselben erschlug und in +den tiefen Burgbrunnen hinabwarf. + + + + +69. + +Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach. + + +Vor etwa fünfzig Jahren kam ein österreichischer Geistlicher nach +Durbach und miethete sich eine Wohnung. Nachdem er mit mehreren Männern +aus dem Orte bekannt geworden war, eröffnete er ihnen, daß auf dem alten +Schlosse ein großer Schatz vergraben sey, den sie mit ihm heben und +theilen sollten. Gerne willigten die Männer ein und gingen mit ihm +mehrere Nächte auf das alte Schloß, wo sie, nach seiner Anleitung, +gewisse Gebete verrichteten. In der letzten Nacht wurde von einem +Priester aus der Gegend, welchen der Geistliche auch für die Sache +gewonnen hatte, eine Zwangsmesse gelesen, worin dieser den Diener +machte. Kaum war sie zu Ende, so erhob sich aus dem Boden ein großer +Haufe glänzenden Geldes, das die Männer schweigend aus den mit vier +Rappen bespannten Wagen eines von ihnen luden und damit nach dessen Haus +fuhren. Als sie darin waren, vergaß einer, daß vor der Vertheilung des +Schatzes kein Wort gesprochen werden dürfe, und rief: »Jetzt haben wir +das Geld, jetzt sind wir reich!« Da lag im Augenblick, statt des +Schatzes, ein Haufe Sand auf dem Wagen und der österreichische +Geistliche war auf immer verschwunden. + + * * * * * + +Aus dem alten Schlosse fährt um Mitternacht eine gespenstige Kutsche, +die mit sechs Rappen oder Schimmeln bespannt ist und von einem grauen +Mann gelenkt wird. + + + + +70. + +Verwunschener Schüler. + + +Eines Sonntags, unterm Hochamt, kam im Stollenwald zu einem Knaben ein +verwunschener Schüler und fragte ihn, was er da mache. »Ich will +Vogelnester ausnehmen,« erwiderte treuherzig der Bube und darauf der +andere: »Geh du mit mir, und nimm dir aus jeder Kiste, die ich aufmache, +eine Handvoll Geld, aber nicht mehr, und ohne ein Wort dabei zu reden!« +Unbedenklich folgte ihm der Knabe auf das alte Schloß, wo der Schüler +aus einem Büschel Moosfarn einen Schlüssel holte und damit auf dem Boden +eine unter Laub versteckte Steinthüre aufschloß. Durch dieselbe stiegen +sie hinab und kamen nacheinander in drei mit Kostbarkeiten angefüllte +Gewölbe. In dem ersten öffnete der Schüler eine Kiste voll Silbergeld, +im zweiten, nach Herabjagung eines schwarzen Pudels, eine voll +Goldstücke, und im dritten eine voll Kupfermünzen. Aus jeder nahm sich +der Bube schweigend eine Handvoll und folgte dann seinem Führer in's +Freie zurück. Letzterer schloß nun die Steinthüre zu, legte den +Schlüssel wieder in den Büschel und verließ den Knaben. Als dieser das +Geld heimgebracht und erzählt hatte, wie er dazu gekommen, mußte er mit +seinem Vater gleich wieder auf das alte Schloß; allein dort konnte er +weder Büschel, noch Schlüssel, noch Steinthüre mehr auffinden. + + + + +71. + +Geist erlöst. + + +Nach dem Tode eines Schappbacher Hofbauers ließ sich Nachts in seinem +Bergwald ein Licht sehen, welches an einem Gränzstein hin und her +schwebte. Einst ging ein berauschter Metzger aus dem Orte mit einem Kalb +spät an dem Berg vorüber und als er das Licht erblickte, rief er ihm zu. +»Komm herunter und leuchte mir, da droben hilfst du mir nichts!« +Augenblicklich war dasselbe bei ihm und brachte ihn und das Kalb im Nu +hinauf zu dem Gränzstein. »Drehe den Stein!« sagte das Licht zu dem +nüchtern gewordenen Metzger. »Das werde ich nicht können,« erwiderte er, +und darauf jenes: »Es geht schon, versuche es nur!« Als er es that, +konnte er den Stein ganz leicht bis in eine gewisse Richtung wenden. +»So, jetzt bin ich erlöst!« sprach dann das Licht und verschwand. Zu +Hause zeigte der Metzger die Sache an, und bei der Untersuchung stellte +sich heraus, daß der Hofbauer bei seinen Lebzeiten dem Gränzstein eine +falsche Richtung gegeben, und dadurch ein Stück des anstoßenden fremden +Waldes sich verschafft hatte, welches nun dem rechtmäßigen Eigenthümer +zurückgegeben wurde. + + + + +72. + +Die lange Ell. + + +In den Straßen von Oppenau geht Nachts eine gespenstige Frau, in der +Ortstracht, um. Sie ist so hoch, daß sie in den zweiten Stock der Häuser +sieht, und wird die _lange Ell_ genannt. Frauen, welche noch spät in der +Nacht häusliche Geschäfte verrichteten, hat sie schon ermahnt, dieselben +künftig früher zu besorgen. + + + + +73. + +Der Teufel kommt um die Beute. + + +In einer Stube zu Oppenau verrichteten Nachts zwischen elf und zwölf +drei Männer das Christoffelsgebet. Da kam der Teufel, brachte ihnen +einen Zuber voll Geld und sprach: »Wer zuletzt hinaus geht, der ist +mein!« In der Angst wußten die Männer nicht, was sie thun sollten: +endlich lief einer zum Pfarrer und erzählte ihm das Geschehene. Darauf +holte derselbe die Monstranz mit dem Allerheiligsten und begleitete den +Mann zu den zwei andern. Auf sein Geheiß verließen dann die drei mit ihm +die Stube, er ging hinter ihnen und rückwärts, die Monstranz in den +Händen, so, daß der Heiland der Letzte war. Hierdurch kam der Teufel um +seine Beute; er nahm aber auch den Zuber voll Geld wieder mit hinweg. + + + + +74. + +Reden bringt um den Schatz. + + +Um den Schatz zu heben, welcher am Hohenrain bei Lautenbach vergraben +ist, ließen zwei Bursche Mittags in diesem Dorf eine Zwingmesse lesen. +Während derselben hackten sie stillschweigend auf dem Platz über dem +Schatze ein wenig Erde weg, steckten zwei Weidenruthen hin, und von +selbst hob sich die Kiste voll Geld aus dem Boden. Als sie darnach +langten, kam einer, der ganz mit Kochlöffeln behängt war, den Berg +herunter, bei dessen Erblickung der eine Bursch dem andern zuflüsterte: +»Sage nur nichts!« Da versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und der +mit den Kochlöffeln war wie weggeblasen. Daß die Hebung des Schatzes +mißlungen sey, merkte der Priester sogleich in der Zwingmesse. + + + + +75. + +Feiertags-Entheiligung bestraft. + + +An Maria-Geburt 1843 heimste ein Mann zu Oberkirch ohne Noth sein +Grummet ein, worauf er äußerte, jetzt sey es vor dem Wetter gesichert. +Zur Strafe dafür schlug in der folgenden Nacht der Blitz in sein Haus +und verbrannte dasselbe mit allem Futter und Vieh, das darin war. + + + + +76. + +Schatz und Spuk auf der Schauenburg. + + +Auf dem verfallenen Bergschlosse Schauenburg liegt ein Geldschatz +vergraben, bei dem alle sieben Jahre eine weiße Frau sich zeigt. Einst +in der Nacht rief sie den Schweinhirten von Loh, welcher mit einem Bunde +Holz am Schlosse vorbeiging, mit seinem Taufnamen Ciriak, und als er +darauf stehen blieb, bat sie ihn, ihr aus dem benachbarten Brunnen einen +Trunk Wasser zu holen; durch denselben werde sie erlöst und er dann Herr +des Schatzes. »Ich habe kein Geschirr zum Schöpfen,« erwiderte der +einfältige Mensch, und darauf die Frau: »So nimm deinen Schuh dazu!« +Jetzt erst bemerkte der Hirt, daß sie auf der Brust einen schwarzen +Flecken habe, und nun weigerte er sich, ihre Bitte zu erfüllen. Da +entfernte sich die Frau unter fürchterlichem Krachen, und er wurde, ohne +zu wissen wie, in einen hohen Tannenstamm gesetzt, der sich plötzlich zu +einer Gabel gespaltet hatte. Weil er sich nicht heraushelfen konnte, +erhob er ein großes Geschrei; aber erst am Morgen ward er von +herbeikommenden Holzhauern gehört und aus seiner Klemme befreit. + + + + +77. + +Teufelsstein. + +(Abweichungen von Nr. 129 des Hauptwerks.) + + +1) Kaum war das Wendelinskirchlein bei Meisenbühl und Nußbach fertig, +so wollte der böse Feind es zusammenwerfen. Zu dem Ende lud er, mit +Hülfe der andern Teufel, den größten der _zwölf Steine_ sich auf, und +begab sich damit allein auf den Berg über der Kapelle. Als er von ihr +noch etwas entfernt war, fing es darin an zu läuten, und da mußte er den +Felsen fallen lassen, welchen er nachher nicht wieder aufheben konnte. + +2) Um die Kapelle zu zertrümmern, biß der Satan den Felsen vom Berg ab +und ging damit auf sie los. Im _Erbsengarten_ begegnete ihm ein altes +Männlein, das unser Heiland war, und fragte ihn, was er vorhabe. »Den +Schweinstall da unten will ich mit dem Stein zusammenwerfen,« antwortete +er, indem er auf das Kirchlein wies. Das Männlein redete ihm zu, vorerst +seine Last abzulegen und auszuruhen, was er auch befolgte. Nach einiger +Zeit wollte er den Felsen wieder aufheben; aber da war derselbe so weich +geworden, daß sich seine Krallen darein drückten, und er mit ihm der +Kapelle nicht mehr schaden konnte. + +3) Als der Teufel den Stein auf das Kirchlein werfen wollte, erschien +der Erzengel Gabriel, und durch dessen Macht wurde der Stein so heiß, +daß er schmolz und für den Bösen unbrauchbar ward. + + + + +78. + +St. Antonius bei Oberachern. + + +Als einst die Schweine von Oberachern im nahen Bergwald weideten, +wühlten sie ein kleines hölzernes Standbild des heiligen Antonius von +Padua aus dem Boden. Dasselbe stellten die Hirtenbuben an einen dortigen +Eichstamm und machten ein Dach von geflochtenen Weiden darüber. Bald +leuchtete das Bild mit Wundern, und mit der Andacht nahmen die Opfer so +zu, daß auf dem Platz eine stattliche Kapelle erbaut werden konnte. Sie +trägt den Namen des Heiligen, und auf ihrem Hochaltar ist das Gnadenbild +aufgestellt. + + + + +79. + +Hohinrot's Erbauung. + + +Der Sohn aus der Burg Rodeck und die Tochter aus der Burg Altwindeck +wollten einander ehelichen; es fiel ihnen aber schwer, sich von ihren +Eltern zu trennen. Sie suchten deßwegen auf dem Gebirge nach einem +Platze, von welchem sie beide Burgen sehen könnten. Mit vieler Mühe +fanden sie einen solchen und ließen dort für sich das Schloß Hohinrot +erbauen, aus dessen Fenstern sie dann ihren Eltern fleißig zuwinkten. + + + + +80. + +Brigitte. + + +Ein Ritter von Hohinrot hatte eine Frau, Namens _Brigitte_, von der die +Burg auch das _Brigittenschloß_ heißt. Sie war eben so fromm, als +mildthätig, besuchte und pflegte die Kranken der umliegenden +Ortschaften, entband die Wöchnerinnen und schenkte den Armen so viel sie +vermochte. Als sie einst denselben einen Korb voll Essen bringen wollte, +begegnete ihr ihr Mann, der das viele Verschenken nicht leiden konnte. +»Was hast Du in dem Korbe?« fragte er, und erhielt die Antwort: »Rosen.« +Da hob er den Deckel auf, und sieh! der Korb war mit den schönsten Rosen +angefüllt. + +So gut auch Brigitte war, und obgleich sie dem Ritter zwei schöne +Knäblein geboren hatte, verstieß er sie doch von sich und ihren Kindern, +und nahm eine seiner Mägde zum Kebsweib. Gott ergeben wanderte die arme +Frau in das Niederland und diente dort als Magd zwanzig Jahre. Nach +deren Ablauf zog sie auf den Breitenbrunner Hof, eine halbe Stunde von +Hohinrot, wohin sie jeden Samstag mit den andern Bettelleuten ging, um +Almosen zu holen. Dasselbe wurde von ihrem ältesten Sohne ausgetheilt, +dem ihr inständiges Benehmen so auffiel, daß er seinem Vater davon Kunde +gab. Bei ihrer nächsten Anwesenheit ließ dieser sie herbeirufen; allein +er erkannte seine Frau nicht mehr, wohl aber den Trauring an ihrem +Finger. »Von wem habt ihr diesen Ring bekommen?« fragte er sie und +erhielt zur Antwort: »Den habt ihr mir bei unserer Trauung gegeben.« Da +ergriff den Ritter Schmerz und Reue, er bat seine Gattin, wieder seine +Hausfrau zu werden, er wolle die Magd und die Kinder, welche er mit +derselben erzeugt, aus dem Schloß entfernen und reichlich für deren +Zukunft sorgen. Gern erfüllte Brigitte seine Bitte, und setzte dann, von +den Ihrigen unterstützt, ihre Wohlthätigkeit und Andacht fort. Die +Unwissenden im Glauben zu belehren, war ihr ein Hauptanliegen, +namentlich bekehrte sie eine Sippschaft Heiden, die im Land +umhergezogen, aber von ihr in die Burg aufgenommen worden waren. Jeden +Tag begab sie sich in die Sasbacher Kirche, wohin vom Schloß ein +unterirdischer Gang, wie auch über den Schelsberg und Vogelsberg ein +Fußpfad führte. Letztern ging einst Brigitte und ließ bei jedem Schritt +einen Kronenthaler fallen, damit er in einen Fahrweg umgewandelt werden +könne. Die erwähnte Kirche wurde von ihr mit Geschenken überhäuft, wozu +besonders die große Glocke gehört, welche ihren Namen trägt. Als sie +einmal diesem Gotteshause zuging, fingen dessen Glocken von selbst an zu +läuten. Der Meßner eilte auf den Thurm, und bei Erblickung der nahenden +Burgfrau rief er: »Die närrische Brigitte kommt!« Da stürzte er zum +Fenster hinaus und brach das Genick, und eine Stimme vom Himmel sprach: +»Sie ist heilig!« Seit der Zeit hat dieses wunderbare Geläute stets +Brigittens Gang von der Banngrenze bis zur Kirche begleitet. Gegen sich +ward die fromme Frau immer strenger. Sie kleidete sich ganz gering, in +selbst gefertigte Zeuge, und nährte sich zuletzt nur mit der Milch einer +Ziege. Endlich starb sie eines seligen Todes, wobei in der ganzen Gegend +die Glocken von selbst läuteten, und wurde, von Jung und Alt begleitet +und beweint, in dem Sasbacher Gotteshause beigesetzt. Die bekehrten +Heiden waren auch bei dem Trauerzug und verließen gleich nachher das +Schloß, in dessen Überbleibseln ihre Wohnung, das _Heidenstüblein_, noch +gegenwärtig gezeigt wird. + + + + +81. + +Wunderquelle. + + +Am Markustage 1854 war an dem _Wolkenkreuz_ zu Neusatzeck ein Altar +errichtet. Als der Pfarrer bei dem Bittgang daselbst das Gebet +verrichtete, ward ihm so schwach, daß er aufhören mußte und nach einigen +Schritten vor sich hinfiel. Hierbei berührte das Versehkreuz, welches +er, um damit den Segen zu geben, auf der Brust hängen hatte, den Boden, +und sogleich entsprang dort eine Quelle, die gegen vielerlei Übel sich +heilsam erweist. + + + + +82. + +Vergeltung. + + +Einem Kruzifix bei Ottersweier hieb einmal ein Reiter der Neufranken +mit seinem Säbel einen Arm ab. Da fiel ihm der Arm, womit er den Hieb +geführt, augenblicklich vom Leibe. + + + + +83. + +Gotteslästerung bestraft. + + +Der Herbst 1833 lieferte im Bühlerthal einen ziemlich geringen Wein. Als +ein dortiger Hofbauer denselben im Rebstockwirthshaus versucht hatte, +schüttete er das Übrige im Glase einem dahängenden Kruzifix in's Gesicht +mit den Worten: »Warum lässest Du ihn nicht besser wachsen, sauf' ihn +selbst!« Sogleich ward er auf beiden Augen blind und blieb es auch sein +Leben lang. + + + + +84. + +Kröten in Geld verwandelt. + + +Ein Mann von Bühl sah eines Tages im Wald eine Menge kleiner Kröten auf +einem Haufen liegen. Um einen Spaß zu machen, füllte er sie in einen +Sack und leerte ihn in der Nacht in seines Nachbars Wohnstube. Als +dieser am Morgen hineinkam, fand er den Boden mit Goldstücken und +Kronenthalern bedeckt, welche sich zuzueignen er nicht säumte. Bald +nachher erzählte er es dem Manne, worauf derselbe erklärte, daß er ihm +das Geld verdanke und es mit ihm theilen müsse. Als jener Letzteres +verweigerte, klagte der Mann bei Amte, und dieses erkannte dann das +Geld, als einen gefundenen Schatz, der Herrschaft zu. + + + + +85. + +Schatz versinkt beim Fluchen. + + +Im Walde bei Bühl sah ein Mann ein Häuflein glühender Kohlen liegen und +hob etliche nach einander auf, um seine Pfeife anzubrennen. Da keine +zündete, fing er zuletzt an zu fluchen, und sogleich versank das +Häuflein in den Boden. Jetzt erkannte er zu spät, daß die Kohlen ein +Schatz waren. + + + + +86. + +Bestrafte Sakramentschänder. + + +In einem Dorfe bei Bühl wurde vor Kurzem ein wandernder Handwerksbursche +Nachts so krank, daß er den Wirth der Herberge bitten ließ, ihm den +Pfarrer zu rufen. Dies hörten zwei Hochschüler, welche noch in der +Wirthsstube saßen, und beredeten den Wirth, mit ihnen einen Spaß +auszuführen. Nachdem sie ihr Aussehen verändert, ließen sie sich vom +Wirthe als Pfarrer und Meßner dem Handwerksburschen vorstellen. Dieser +beichtete dann dem vermeinten Pfarrer und erhielt von ihm das Abendmahl, +welches eine weiße Rübenscheibe war. Als die Drei nachher vom Kranken +weggingen, schwebte er auf der Treppe in weißer Gestalt neben ihnen her, +worauf der Wirth in dessen Kammer zurückeilte. Er fand ihn todt und, bei +seiner Rückkunft in die Wirthsstube, die beiden Hochschüler erstarrt und +kohlschwarz dastehen. In dieser Weise sind sie noch dort; die Stube ist +verschlossen und ihr Betreten Jedermann untersagt. + + + + +87. + +Stole schützt vor dem höllischen Feuer. + + +Von der Abtei Schwarzach kaufte kurz vor ihrer Aufhebung ein dortiger +Bauer ein Stück Feld und Wald, versäumte aber, sich für die Zahlung +einen Schein geben zu lassen. Nach einigen Jahren forderte die +Herrschaft, welcher das Kloster zugefallen, von ihm den Kaufschilling, +und da er dessen Entrichtung nicht beweisen konnte, ward er verurtheilt, +ihn nochmals zu erlegen. + +Als er, voll Verdruß über diesen Spruch, von Rheinbischofsheim +zurückging, begegnete er im Wald einem Jäger, von dem er um die Ursache +seines Unmuths befragt wurde. Auf die Antwort: er könne ihm doch nicht +helfen, erwiderte derselbe, daß er wohl es vermöge, und erfuhr dann die +ganze Sache. »Du sollst einen Schein für die Zahlung bekommen, wenn du +thust, was ich von dir verlange,« sprach der Jäger, und darauf der +Andere: »Ja, sofern es mir an Leib und Seele keinen Schaden bringt.« +Ungesäumt nahm nun der Jäger den Mann auf die Schultern und trug ihn +windschnell zu einem großen Schlosse, wo er ihn absetzte und zu ihm +sagte: »Geh' hinein! hinter der dritten Thüre wirst du den Mönch finden, +mit dem du den Kauf abgeschlossen hast; begehre von ihm den Schein, und +wenn du ihn empfangen, so ziehe den Dreien, welche an dem Tische sitzen, +die Stolen ab und lege sie auf diesen; alsdann mache dich fort, aber +unterstehe dich nicht, einen Blick zurück zu thun!« Ohne Bedenken ging +der Bauer in das Schloß und fand in dem bezeichneten Gemach den +verstorbenen Mönch, welcher mit zwei abgeschiedenen Geistlichen seiner +Bekanntschaft an einem Tische Karten spielte. Auf die Bitte des Mannes +um den Schein pfiff er Einen herbei, von dem er sich Schreibzeug bringen +ließ, schrieb den Schein und gab ihn dem Bauer. Nach diesem nahm +letzterer den drei Geistlichen die Stolen ab, legte sie auf den Tisch +und ging hinweg. Unter der Thüre schaute er um und sah, daß an den +Geistlichen hohe Flammen emporschlugen. Als er draußen zu dem Jäger kam, +sprach derselbe: »Du hast umgeschaut und deßhalb verdient, daß ich dich +etliche Tage da in der Hölle ließe; weil du aber sonst deine Sache recht +gemacht, will ich dir die Strafe schenken!« Hierauf nahm er ihn wieder +auf die Achseln und trug ihn windschnell an die Stelle zurück, wo er ihn +früher aufgeladen. Den Schein zeigte der Mann beim Amte +Rheinbischofsheim vor und wurde nunmehr von der nochmaligen Zahlung +freigesprochen. + + + + +88. + +Mariabild zu Steinbach. + + +In einem ungebrauchten Stalle zu Ottenhofen ertönte einstmals +lieblicher Gesang aus dem Boden. Der Hauseigenthümer grub auf dem Platze +nach, fand ein hölzernes Standbild, welches die seeligste Jungfrau mit +dem Jesuskindlein vorstellte. Beim Graben hatte der Kopf Marias den Riß +bekommen, welcher noch vorhanden ist. Nachdem hinter dem Stalle, im +Garten, ein hölzernes Kapellchen errichtet war, wurde das Bild +hineingestellt und nachher viel besucht und reichlich beschenkt. Weil +diese Andacht keine Genehmigung hatte, so ließ der Pfarrer zu Steinbach, +wohin Ottenhofen gehört, in einer Nacht das Bild durch einen Mann in +seine Kirche holen; allein in der Frühe stand es wieder im Kapellchen, +und eben so am folgenden Morgen, nachdem es in der Nacht zuvor, wie das +erste Mal, fortgenommen worden war. Hierauf holten es die Steinbacher in +feierlichem Bittgang in ihre Kirche und stellten es am Schwibbogen des +Chors auf, wo es denn auch blieb und fortfuhr, mit Gnaden zu leuchten. +Ungeachtet dessen ließ ein späterer Pfarrer, zum Ärger der Gemeinde, das +Bild hinten hin, unter den Glockenturm, setzen. Da sah man das Innere +der Kirche, mehrere Nächte nach einander, hell erleuchtet, und als eines +Tages Leute vor dem Bilde beteten, fiel plötzlich eine brennende Kerze, +die dort aufgesteckt war, in zwei Hälften gespaltet herunter. Auf dieses +wurde das Bild wieder an seinen vorigen Platz gestellt, wo es noch steht +und mit großem Vertrauen verehrt wird. + + + + +89. + +Meisterschuß. + + +Als im Jahre 1796 eine Kriegsschaar Neufranken auf der Landstraße von +Scheuern gegen Baden rückte, ritt der Oberst mit seinem Feldgehülfen und +seinem Bedienten an der Spitze. Auf einmal pfeift eine Büchsenkugel vom +Berge herab und streckt alle Drei todt darnieder. Der Schuß geschah aus +großer Entfernung von einem österreichischen Scharfschützen, der darauf +über das Gebirge sich davon machte. Seitwärts des Platzes, wo die Drei +gefallen, wurden sie beerdigt und ihre Gräber mit drei niedern +Steinkreuzen bezeichnet. + + + + +90. + +Bund mit dem Teufel. + + +Ein Müller in Baden sollte seine baufällige Mühle herstellen lassen, +allein er hatte dazu keine Mittel. Hierüber betrübt, stand er eines +Morgens unter seiner Hausthüre, da kam ein fremder Mann in reicher +Kleidung zu ihm und fragte ihn, was ihm fehle. Als der Fremde es +erfahren hatte, versprach er, dem Müller Geld zu verschaffen und führte +ihn in der dritten Nacht in das Gewölbe des alten Schlosses. Dort holte +er ein Gebund Schlüssel hinter einem Felsen hervor und machte damit an +der Wand eine Eisenpforte auf, durch die sie in einen Saal und durch +eine zweite solche Thüre in ein kleineres Gewölbe kamen, worin eine +eiserne Kiste stand. Diese öffnete der Mann auch mit den Schlüsseln und +hieß dann den Müller von dem Silbergeld, womit sie gefüllt war, so viel +nehmen, als er tragen könne. Gierig füllte derselbe den Sack, welchen er +mitgebracht hatte; alsdann schloß der Mann die Kiste und beim Weggehen +die Thüren wieder zu, legte die Schlüssel hinter den Felsen und +begleitete, ohne viel zu reden, den Müller bis zu dessen Hause. Ohne +Säumen ließ nun dieser seine Mühle niederreißen und eine neue bauen; +aber lange ehe sie fertig, war das Geld ausgegeben. Da ging er in der +Nacht mit dem Sacke wieder auf das alte Schloß, fand richtig hinter dem +Felsen die Schlüssel und gelangte mittelst ihrer in das kleine Gewölbe, +wo er auf der Kiste einen schwarzen Pudel liegen sah. Nicht ohne Zagen +hieß er ihn heruntergehen, was derselbe auch gleich that und damit +verschwand. Hierauf machte der Müller die Kiste auf, nahm daraus so viel +Geld, als in den Sack ging und verschloß sie wieder. Während dessen war +die Gewölbthüre zugefahren und als er fortgehen wollte, konnte er sie, +trotz aller Anstrengung, nicht mehr aufbringen. Erschöpft und voll Angst +setzte er endlich sich nieder, da öffnete sich plötzlich die Thüre, und +herein trat ein stattlicher Jäger. Grimmig fuhr dieser ihn an, daß er +ihm so viel Geld habe stehlen wollen, und drohte, ihn in Stücke zu +reißen, wenn er nicht gleich sich verbindlich mache, ihm nach 15 Jahren +seine Seele zu überlassen. Obschon der Müller nun wußte, daß er es mit +dem Teufel zu thun habe, so schrieb er doch in seiner Noth den Vertrag +nieder, worauf er mit dem Sacke voll Geld heim gehen durfte. Eifrig +betrieb er nun den Fortbau der Mühle, während dessen er wenig seines +Vertrags mit dem Bösen gedachte. Später aber machte ihm derselbe mehr +Unruhe und, als 10 Jahre um waren, solche Angst, daß er halbe Tage in +der Kapuzinerkirche mit ausgespannten Armen betete. Dieses fiel im +Kloster auf und bewog den Guardian, ihn um die Ursache seines Kummers zu +fragen. Lange wollte er mit der Sprache nicht heraus; endlich aber +erzählte er, wie er in des Teufels Schlinge gerathen. Da rieth ihm der +Guardian, zu ihm in's Kloster zu ziehen und ein strenges Bußleben zu +führen, was er auch bis zu dem Tage that, an welchem seine Frist ablief. +Nachdem er an demselben gebeichtet und kommuniziert hatte, nahmen ihn +die Kapuziner an dem Hochaltar in ihre Mitte und erwarteten den Bösen. +Zur bestimmten Stunde kam auch dieser an die Kirchthüre und forderte die +Auslieferung des Müllers; der Guardian aber erklärte ihm, daß er an +demselben keinen Theil mehr habe, und beschwor ihn, die Handschrift +herauszugeben. So sehr der Teufel auch widerstrebte, so mußte er endlich +doch sie zur Thüre hineinwerfen, worauf er mit grimmigem Gebrüll +davonfuhr. Nach diesem blieb der Müller noch drei Jahre im Kloster, und +als er dann in die Welt zurückkehrte, setzte er das gottselige Leben +fort bis an sein Ende. + + + + +91. + +Geist vertragen. + + +Vor etwa hundert Jahren starb in Baden ein Wirth und spukte darauf in +seinem Keller, wo er an die Fässer klopfte und andern Lärm machte. Um +ihn los zu werden, ließ seine Frau einen frommen Pater aus dem +Kapuzinerkloster kommen, der von ihr ein Stück Kölsch begehrte und mit +demselben und zwei brennenden Kerzen nach der Abendglocke in den Keller +ging, worin der Geist schon umher polterte. Unbeirrt durch dessen +Gebrüll, vollbrachte der Pater die Beschwörung, ließ dann von dem +Hausknecht, welcher oben an der Kellertreppe hatte warten müssen, den +zusammengerollten Zeug hinauftragen und sagte ihm, er solle denselben +auf die Teufelskanzel bringen. Der Knecht verweigerte jedoch, seinen +Herrn aus dem Hause zu tragen, und schlug dazu einen Mann von Selbach +vor, der, ohne zu wissen, was vorgehe, im Haus übernachte und beim +Heimgehen ohnehin zur Teufelskanzel komme. Gegen das angebotene +Trinkgeld übernahm der Mann gerne das Geschäft, aber statt den Kölsch am +bestimmten Orte abzuladen, brachte er ihn seiner Frau als einen Fund, +welchen er unterwegs gemacht habe. Voll Freude rollte sie den Zeug +auseinander, da hüpfte eine große Kröte heraus und unter den Ofen, wo +sie noch heute sitzt, in der Nacht ächzet und durch kein Mittel wieder +fortgeschafft werden kann. + + + + +92. + +Lichtenthals Erbauung. + + +Anfänglich wollte man das Kloster Lichtenthal am sonnigen Schafsberg +erbauen, da, wo jetzt das Pächterhaus steht; allein in der Nacht wurden +die Steine und das Holz durch die Engel hinweg und zum winterlichen +Leusberg getragen. Das Gleiche geschah in den zwei folgenden Nächten, +nachdem die Baustoffe jedesmal an den Schafsberg zurückgeschafft worden +waren. Nunmehr baute man das Kloster auf dem vom Himmel bezeichneten +Platze, wo es auch noch heute steht und in geistlicher Schönheit +fortblüht. Über ihm wurde neuerlich, in einigen Adventsnächten, +stundenlang in der Luft beten gehört. + + + + +93. + +Erdweiblein. + + +In dem _Küchenfelsen_ zu Oberbeuren hatten ehemals schöne Erdweiblein +ihre Wohnung und Küche, und von der letztern schreibt sich sein Name +her. Diese Weiblein lud einst die Frau des Hauses, zu welchem der Felsen +gehörte, mit den Worten ein: + + »Kommet her, ihr Armen, + Esset auch von dem Warmen!« + +worauf sie zu ihr gingen und sich den vorgesetzten frischen +Zwiebelkuchen trefflich schmecken ließen. Von nun an standen sie mit den +Leuten dieses Hauses in freundschaftlichem Verkehre. Aus dem Teig, +welchen dieselben Abends eingelegt, bucken sie ihnen in der Nacht das +Brod, und zur Arbeit auf dem benachbarten Acker brachten sie ihnen aus +ihrer eigenen Küche Essen. Die silbernen Geschirre, worin dieses +enthalten war, sowie die dazu gehörenden Silberbestecke mußten jedoch +von den Leuten wieder auf den Acker gestellt werden, von wo die Weiblein +sie dann zurückholten. + +Einmal aber behielt der Knecht eine der Gabeln für sich zurück, und auf +dieses ließen die Weiblein sich nicht mehr blicken; obwohl man den Rauch +ihrer Küche noch manchmal aufsteigen sah. + +Nach der Aussage eines verfahrenen Schülers liegen in dem Felsen große +Reichthümer verschlossen, und er versicherte, denselben mit drei +Rosmarinstengeln öffnen zu können. + +Abweichend erzählen Andere so: + +Um sich gegen die Erdweiblein erkenntlich zu zeigen, ließen die Leute +des Hauses für sie neue Hemden machen, und legten dieselben Abends auf +die Backmulde. Als die Weiblein der Hemden ansichtig wurden, gingen sie, +ohne sie zu berühren, sogleich hinweg und ließen nie sich wiedersehen. + + + + +94. + +Fordere den Teufel nicht heraus. + + +Einst gingen zwei Beurener Männer, spät in der Nacht, von Gernsbach +heim. Unterwegs zieht der jüngere seine drei Messer hervor, fährt damit +wild in der Luft umher und ruft: »Heute wollte ich es mit drei Teufeln +aufnehmen!« Als sie an die verrufene Stelle »Müllenbild« kommen, sagt +er, wohin deutend, zum ältern: »Sieh, dort stehen drei!« Derselbe kann +niemand erschauen, gleich darauf aber sieht er, daß sein Begleiter von +ihm weg und, ellenhoch über dem Boden schwebend, gegen Gernsbach +zurückschießt. Eilends läuft er ihm nach, vermag aber nicht, ihn +einzuholen und ruft endlich: »Geh in Gottes Namen, ich kann dir nicht +mehr helfen!« Auf dieses steht der andere, am ganzen Leibe zitternd, +rückwärts von ihm, im Straßengraben. Nachdem er sich etwas erholt hat, +spricht er: »Die Drei waren gehörnte Teufel, welche mich packten und +fortschleppten und dabei zerkratzten, zerschlugen und so würgten, daß +ich keinen Laut ausstoßen konnte; um vor ihnen sicher zu seyn, will ich +nächstens zur Beicht gehen, was ich seit drei Jahren nicht mehr gethan +habe.« + + + + +95. + +Seefrauen. + + +Einem Forbacher Holzhauer, welcher beim Herrenwieser See beschäftigt +war, brachte ein Weiblein aus demselben Monate lang das Mittagsessen; er +sollte aber, wie sie ihm gleich Anfangs gesagt, es niemand offenbaren. +Seiner Frau fiel endlich auf, daß er das Essen, welches sie ihm mitgab, +meistens zurückbrachte, und sie fragte ihn so lange und dringend um die +Ursache, bis er ihr dieselbe entdeckte. Als er am andern Tage wieder +beim See arbeitete, kam das Weiblein mit zwei Gebund Stroh und sagte, +daß sie ihm, weil er die Sache ausgeplaudert, kein Essen mehr bringe, +ihm jedoch zum Abschiede noch die zwei Bunde Stroh schenke, die er +sorgfältig bewahren solle. Hierauf ging sie nach dem See zurück. Trotz +ihrer Ermahnung, warf der Mann auf dem Heimwege das Stroh weg; ein +Hälmchen aber blieb ihm am Ärmel hängen, das er zu Hause in Gold +verwandelt fand. Eilig begab er sich nun auf den Platz, wo er das Stroh +hingeworfen, allein da war nichts mehr zu finden. + +Einst holte ein Seeweiblein die Forbacher Hebamme, um einer Frau im See +bei deren Niederkunft beizustehen. Als sie an ihn kamen, schlug das +Weiblein mit einer Ruthe hinein, worauf das Wasser sich theilte, und sie +trockenen Fußes, eine Treppe hinab, in schöne Gemächer gelangten. In +einem derselben lag die Frau, und mit Hilfe der Wehmutter wurde sie +glücklich entbunden. Zum Lohn erhielt die Hebamme ein Bündel Haberstroh, +welches sie, noch im See, verächtlich wegwarf. An ihrem Schuh blieb aber +ein Halm hängen, und als sie aus dem Wasser war, fand sie ihn in eitel +Gold verwandelt. Nun bereute sie zu spät, das Bündel weggeworfen zu +haben. + +An hohen Festen pflegten Seejungfrauen nach Forbach in die Kirche, und +an Fastnacht und Kirchweihe in das Löwenwirthshaus zum Tanze zu kommen. +Sie waren zart und schön, wie aus Milch und Blut, hatten die Tracht der +Schwarzwälderinnen und Röslein auf den Strohhüten. Um zehn Uhr des +Abends mußten sie stets zu Hause seyn, und darum gingen sie immer früh +vom Tanzboden weg. Einmal aber verspätete sich eine von ihnen, welche +eine Liebschaft mit einem Forbacher Burschen hatte, und als er sie zum +See begleitete, bat sie ihn, am Ufer zu warten, wenn sie in's Wasser +gestiegen sey. Werde dieses dann milchweiß, so habe sie kein Leid +erfahren; werde es aber blutig, so sey sie, wegen ihrer Verspätung, +umgebracht worden, und er solle eiligst entfliehen, sonst koste es auch +ihm das Leben. Nicht lange hatte der Bursch gewartet, so sah er im See +Blut emporsteigen und ergriff schleunig die Flucht. Nachher sind keine +Seejungfrauen mehr nach Forbach gekommen. + + + + +96. + +Forbachs ältestes Haus. + + +Zur Zeit, wo die Gegend von Forbach noch eine Wildniß war, stand darin +einsam der _Schramberger Hof_, von dem jetzt allein der Keller übrig +ist. Als der Hofbauer einen Sohn bekam, ließ er ihn erst nach acht +Jahren in Rothenfels taufen, wofür er dem Pfarrer ein Kalb mitbrachte. + + + + +97. + +Verwünschung. + + +Ein Mann von Forbach wollte aus seiner Bergscheuer bei der _Wolfsgrube_ +Heu holen und traf dort einen ausgeschriebenen Wilderer. Derselbe bat +ihn, ihm Brod herzubringen, was der Mann auch versprach und ihn da +warten hieß. Statt Brodes brachte er aber Bewaffnete mit und nahm den +Wilderer gefangen. Für dessen Einlieferung erhielt er beim Oberamt +zwanzig Gulden Blutgeld auf rothes Tuch ausgezahlt. Ehe der Wilderer +hingerichtet wurde, sprach er zu dem Manne: »Weil du mich so schändlich +verrathen hast, sollst du nicht mehr die Sonne anschauen!« Diese +Verwünschung ging sogleich in Erfüllung, und der Mann mußte bis zu +seinem Tode stets unter sich sehen. + + + + +98. + +Der Wolfsstein. + + +Auf dem Happersberge ward einmal ein weidender Ochse von einem Wolf +angefallen. Er nahm ihn aber auf die Hörner und drückte ihn so lange an +einen Felsen, bis er (der Wolf) todt war. Seit dieser Zeit wird der +Felsen der _Wolfsstein_ genannt. + + + + +99. + +Knorr. + + +Bei seinen Lebzeiten war Knorr Zollbeamter im badischen Murgthal, wo er +einen hohen Zoll auf die Frucht legte und dadurch die Leute schwer +bedrückte. Zur Strafe hierfür muß er seit seinem Tode, ohne Hoffnung auf +Erlösung, daselbst umgehen, besonders zu Gernsbach in seinem Hause, in +der daran stoßenden Mistgasse und auf der dortigen Murgbrücke. Er zeigt +sich nur in fruchtbaren Jahren, vom Abendgeläute bis zur Frühglocke, +aber in allerlei Gestalten, namentlich als Jäger, altes Weib mit langen, +herabhängenden Haaren, Bär, Stier, Pferd, Esel, Kalb, großer, schwarzer +Hund mit mächtigen Feueraugen, Schwein, Bock, weiße Ziege, Schaf, Katze, +Gans, große Schlange und Wergbund. Die Leute zu foppen, ist seine +Gewohnheit, daher man am besten thut, wenn man ihn trifft, +stillschweigend an ihm vorbeizugehen, damit er keine Gewalt über einen +bekomme. + +Eine Gernsbacher Frau, der er sich als Esel über einen Waldpfad legte, +wollte ihn schimpfend mit dem Fuße wegstoßen; da sprang er ihr auf den +Rücken und ließ sich bis an die Stadt tragen. + +Ebenso mußte ihn ein Mann aus Forbach, welchem er sich als Kalb +aufsetzte, bis unter die Dachtraufe seines Hauses schleppen. + +Auch in Hilpertsau, Obertsroth, auf der Gernsbacher Brücke, hat er sich +schon als Schaf oder Hund von spät Heimgehenden huckeln lassen. + +Auf einem Brücklein zwischen Staufenberg und Gernsbach packte einmal ein +Mann ein einzelnes Schwein auf; aber plötzlich stand er im Wasser, und +das Schwein, welches der Knorr gewesen, war verschwunden. + +Beim Heimgehen nach dem Ausrufen sah einst der Weißenbacher Nachtwächter +am Pfarrhaus ein Gebund Werg liegen, das er aufhob und unter seinen Rock +stecken wollte. Da bemerkte er, daß das Werg ein Paar Augen bekomme, und +der Knorr sey, weßhalb er es eilig hinwegwarf. + +Als ein solches Gebund hat Knorr auch auf der Hilpertsauer Brücke sich +sehen lassen und vor Darübergehenden hin und her gewälzt. An dieser +Brücke stand früher ein kleines Haus, welches das _Knorrhäuslein_ +genannt wurde. + +Wenn er als Katze erscheint, rollt er sich zuweilen den Leuten unter die +Füße, daß sie über ihn fallen, und auch in andern Thiergestalten legt +oder stellt er sich ihnen häufig in den Weg, und wenn sie ihm +ausweichen, ist er öfters gleich wieder hart vor ihnen. + +Vor manchen ist er schon im Zickzack hergelaufen; viele sind von ihm +irregeführt, mehrere beohrfeigt und andere mit Gewalt in die Murg +gestellt worden. + + + + +100. + +Der Grafensprung. + +(Abweichung von Nr. 160 des Hauptwerkes.) + + +Auf der Burg Neueberstein waren einmal drei Grafen und Brüder, welche +über die Theilung ihrer Güter lange nicht einig werden konnten. Endlich +kamen sie überein, daß derjenige von ihnen sie alle erhalten solle, der +den steilen Abhang des Schloßbergs gegen die Murg drei Mal hinauf und +herab reiten werde. Der Jüngste unternahm es zuerst und gelangte zwei +Mal glücklich hinauf und herunter; beim dritten Aufritt aber stürzte er +mit dem Pferd in die Tiefe und brach das Genick. Hierdurch abgeschreckt, +verglichen sich die beiden andern in brüderlicher Weise; auch nahmen +sie, zum immerwährenden Andenken, in ihr Wappen drei Männer auf, deren +einer ohne Kopf ist. Von dem Vorgange trägt der Abhang den Namen +_Grafenries_ oder _Grafensprung_. + + + + +101. + +Erdweiblein. + + +Die _Erdweibleinshöhle_ im kleinen Lautenfelsen trägt diesen Namen wegen +der Erdweiblein, welche vordem darin wohnten. Zwei von ihnen, holdselige +Mädchen, pflegten Abends mit ihren Spindeln nach Lautenbach in die +Spinnstube und, wenn Tanz war, auch zu diesem zu kommen. Stets aber +gingen sie vor Mitternacht weg, weil sie über dieselbe nicht ausbleiben +durften. Einst, beim Fortgehen, wurden sie von einem Anwesenden gefragt, +was sie in ihren hinaufgebundenen Schürzen hätten, worauf die eine +antwortete: + + »Hättest Du mich eher gefragt, + Hätte ich Dir es gesagt.« + +Von Tag zu Tag gewannen die Bursche die beiden Mädchen lieber, und +einmal, beim Tanze, vermochten sie sie, bis nach Mitternacht zu bleiben. +Als dieselben darauf heim wollten, baten sie die Bursche, sie zu +begleiten und am Felsen zu warten, wenn sie hineingegangen. Fließe dann +Blut aus ihm, so seyen sie, wegen ihrer Verspätung, umgebracht worden; +komme aber Milch heraus, so hätten sie kein Leid erfahren. Nicht lange +waren sie im Felsen, so quoll Blut daraus; und nachher sind keine +Erdweiblein mehr in Lautenbach gesehen worden. + +Andere erzählen: die Erdjungfrauen seyen allein heimgegangen; sie hätten +aber ein Messer zurückgelassen und gesagt, wenn sie, wegen ihres +Verspätens, getödtet würden, so werde das Messer blutig werden, und +dieses sey auch geschehen. + + + + +102. + +Schatz bei Gernsbach. + + +Dem Taglöhner eines Gernsbacher Gutsbesitzers träumte drei Nächte +nacheinander: er solle auf einem gewissen Acker seines Herrn, im Bezirk +_Entensee_, zackern und die Mäuse, die dabei zum Vorschein kämen, +unbeschrieen todtschlagen und sorgfältig bewahren; denn sie seyen +Silbermünzen. Am Morgen darauf wurde er vom Gutsbesitzer, der von dem +Traume nichts wußte, beauftragt, den erwähnten Acker zu pflügen. Um +dabei die Ochsen zu leiten, nahm er einen Buben mit, dem er befahl, +während der ganzen Arbeit nichts zu reden. Beim Zackern kamen eine Menge +Mäuse aus dem Boden und sprangen dem Manne nach; er schlug sie +stillschweigend todt, legte sie auf einen Haufen und deckte etwas +darüber. Auf einmal merkte er, daß die Pflugschaar in etwas stecke, und +als er nachsah, fand er sie im Ringe eines Kessels, der ganz voll Geld +war. Über das öftere Halten ungeduldig, rief jetzt der Bube dem +Taglöhner, fortzumachen, und da sank der Kessel dröhnend in die Tiefe. +Nachdem der Mann den Buben wegen des Rufens tüchtig gezankt hatte, +schaute er nach dem Haufen Mäuse, und siehe, sie waren zu lauter +silbernen Geldstücken geworden. + +In zwei Jahren, am ersten März, Vormittags zwischen zehn und elf Uhr, +sahen die Leute, welche dem Acker gegenüber wohnten, auf dem Platze, wo +der Kessel versunken, etwas Glänzendes liegen. Beim zweiten Mal dachte +der Mann, es sey ein Schatz und ging stillschweigend darauf zu; aber +unterwegs wurde er von einer Frau gefragt, wo er hin wolle, und im +Augenblick war das Glänzende verschwunden. + + + + +103. + +Der Bildstock am Hördtelstein. + + +Ehe die jetzige Landstraße durch das Murgthal gemacht war, zog mitten +an der flußbespülten Felswand des Hördtelsteins ein Fußpfad hin. Damals +fuhr ein Mühlknecht von Ottenau, um Frucht zu holen, nach Hördten und +schlief auf dem Wagen ein. Am Hördtelstein schlug das Pferd, statt auf +dem Fahrweg zu bleiben, den erwähnten Fußpfad ein und kam glücklich über +den Felsen. Als der Mühlknecht gleich darauf erwachte, erkannte er, wie +wunderbar er mit seinem Gefährt erhalten worden sey. Zum Danke dafür +ließ er an der Stelle einen steinernen Bildstock errichten, auf dem ein +kleines Kruzifix ausgehauen ist. + + + + +104. + +Schätze bei Michelbach. + + +Auf einer Wiese steht ein großer Nußbaum, welcher vom Wind schon zwei +Mal mit der Wurzel ausgerissen worden ist, jedes Mal aber sich selbst +wieder aufgerichtet und im Boden festgestellt hat, weil, noch aus der +Heidenzeit, Geld unter ihm vergraben liegt. + +Auch da, wo das Bergschloß gestanden, ist ein Schatz verborgen, und es +zeigt sich dort eine Schlange, die einen goldenen Ring mit drei +Schlüsseln um den Hals hat. + +Auf der Klotzwiese gehen drei weiße Jungfrauen um, die öfters +wunderschön singen und am angrenzenden Bache waschen. Eines Tages riefen +sie einen vorübergehenden Mann von Sulzbach zu sich und sagten ihm, er +könne sie erlösen und den großen Schatz, welchen sie hüten müßten, +gewinnen, wenn er sie in den Gestalten, worin sie ihm erscheinen würden, +küßte, wobei er nichts zu befürchten habe. Nachdem er sich bereit +erklärt, ward er von ihnen zu einem Felsen des nahen Münzbergs geführt, +an welchem er jetzt zum ersten Mal eine Thüre erblickte. Durch dieselbe +kamen sie in ein Gewölbe, worin drei Kisten standen, auf deren jeder ein +schwarzer Hund lag. Auf Geheiß der Jungfrauen sprangen die Hunde herab, +und jene öffneten die Kisten, deren eine mit Kupfer, die zweite mit +Silber, die dritte mit Gold gefüllt war. Nach diesem standen, statt der +Jungfrauen, eine Kröte, eine Schlange und ein Drache da. Den zwei +erstern gab der Mann je einen Kuß; den Drachen aber vermochte er nicht +zu küssen, sondern fiel in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, lag er +außen, beim Felsen, die Jungfrauen standen traurig um ihn und sagten +ihm, sie müßten jetzt wieder warten, bis aus einem Kirschkern, welchen +ein Vogel am Münzberg fallen lasse, ein Baum geworden und aus diesem +eine Wiege für ein neugebornes Kind gemacht sey; dieses Kind erst könne, +wenn es erwachsen, sie erlösen. Hierauf verschwanden sie. Der Mann +gelangte mit Mühe nach Hause und starb in drei Tagen. + + + + +105. + +Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn. + + +1) Aus dem Lindenbaum, an dessen Fuß die Moosalb entspringt, ertönte +einst lieblicher Gesang. Man suchte nach und fand in dem Stamme ein +anmuthiges Mariahilfsbild. Nachdem nun noch, nächtlicher Weile, auf +einen nahe gelegenen Platz überirdisches Feuer gefahren war, erbaute man +auf demselben eine Kapelle und setzte darin das Bild zur Verehrung aus. +Alsbald leuchtete es mit Wundern, und auch das Holz der Linde und das +Wasser der Quelle erwiesen sich gegen verschiedene Übel heilkräftig. + +2) Mit einem schwer beladenen Wagen Holz fuhr ein Mann den schroffen +Mahlberg hinunter. An der jähsten Wegstelle brachen die Radsperren, und +nun rollte der Wagen, mit Pferden und Mann, unaufhaltsam abwärts. In +dieser großen Noth rief letzterer: »O Maria hilf!« und augenblicklich +stand das Fuhrwerk auf dem steilen Abhange still. Wegen dieses Wunders +ward im Thale eine Mariahilfskapelle erbaut, zu welcher bald von nah und +fern Pilgerfahrten geschahen[9]. + + [9] Keine der beiden Erzählungen findet sich in den Moosbronner + Pfarrschriften. + + + + +106. + +Steine in Geld verwandelt. + + +Ein Niederbühler Bube sah einst an der Wassergrube, welche das +_Glockenloch_ heißt, kleine Steine aufgehäuft liegen und warf etliche so +darüber, daß sie auf der Oberfläche dahin hüpften. Sobald sie das Wasser +berührten, schimmerten sie wie Silber. Er füllte deßwegen seine Kappe +mit Steinen von dem Haufen, und als er dieselben zu Hause ausleerte, +fand er sie zu werthvollen Silbermünzen geworden. In Begleitung seines +Vaters eilte er sogleich zu dem Glockenloch, konnte aber den Steinhaufen +nicht mehr entdecken. Sie nahmen nun ähnliche Steinchen von da mit; +allein dieselben wollten sich nicht in Geld verwandeln. + + + + +107. + +Der Rötterer Berg bei Rastatt. + +(Zu Nr. 170 des Hauptwerkes.) + + +Dieser Berg war schon Nachts von spukhaftem Schein umgeben. Einst brach +ein Mann sich dort eine Blume ab und fand sie zu Hause in einen goldenen +Schlüssel verwandelt. + +Ein anderes Mal bemerkten vorbeigehende Burschen am Berg eine Menge +Kröten. Der Dummste steckte einige zu sich, und als er sie daheim +hervorzog, waren sie zu eitel Gold geworden. + +Zwei Knaben und Brüder von Rastatt, welche im Wald Holz gelesen hatten, +sahen beim Heimgehen das weiße Fräulein an der Schuhuhütte stehen und +ihnen winken, zu ihr zu kommen. Der ältere wagte es, wurde von ihr in +die Hütte geführt und mit einem Sack voll Geld beschenkt. Kaum hatte er +ihn mit Mühe zu seinem in der Nähe wartenden Bruder gebracht, so kam ein +Mann aus der Rheinau, der von einer benachbarten Wiese alles mit +angesehen, und wollte ihnen den Sack mit Gewalt wegnehmen. Auf ihr +Geschrei trat jedoch der alterthümlich gekleidete Jäger hinter der +Schuhuhütte hervor, schlug sein Gewehr auf den Mann an und jagte ihn +dadurch in die Flucht. Alsdann half er den Knaben, den Sack forttragen, +bis zufällig ein Wagen herbeikam. Dem Führer desselben gab der Jäger ein +großes Trinkgeld, damit er die Buben nebst dem Sacke nach Hause fahre, +und empfahl ihm, es ja gut zu besorgen. Überdies blieb er (aber nur dem +ältern Knaben sichtbar) so lange bei dem Fuhrwerk, bis die Buben mit dem +Gelde bei ihren hocherfreuten Eltern waren. Der Mann aus der Rheinau +starb, in Folge des Schreckens, nach drei Tagen. + + + + +108. + +Steinbild in Sulzbach[10]. + + +Auf dem _Freihof_ zu Sulzbach hat vor Zeiten ein Schloß gestanden, das +von einem adeligen Geschlecht bewohnt worden ist. Von diesem waren +zuletzt nur Bruder und Schwester übrig; sie zeugten miteinander ein Kind +und wurden deshalb enthauptet. An dem Sulzbacher Kelterhaus war früher +ein Stein eingemauert, worauf die beiden Geschwister, ohne Köpfe, und +das Kind ausgehauen waren. + + [10] Im Amt Ettlingen. + + + + +109. + +Doppelmord wegen eines halben Kreuzers. + + +Zwei wandernde Metzgergesellen bettelten in einem Hause zu Ettlingen und +erhielten einen Kreuzer. Denselben wollte der Empfänger für sich +behalten, der andere machte aber auf die Hälfte Anspruch. Hierüber +geriethen sie mit einander in Streit, der eine zog ein langes Messer, +der andere eine Hippe[11] hervor, sie fielen sich an und tödteten sich +gegenseitig. Dies geschah am Ende der Stadt, Schöllbronn zu, und es +stehen deßhalb am dortigen Wege zwei niedere Steinkreuze, auf deren +einem eine Hippe, auf dem andern ein Messer eingehauen ist. + + [11] Winzermesser. + + + + +110. + +Messe nachgeholt. + + +Eines Abends ward in die Ettlinger Kirche zufällig ein Schulbube +eingeschlossen, der während der Betstunde darin eingeschlafen war. Tief +in der Nacht erwachte er; am Altare brannten die Lichter und an dessen +Fuß stand ein Priester allein und begann die Messe. Nachdem er das +=Introibo= gesprochen, schaute er auf beide Seiten, ob nicht ein Diener +da sey, der ihm antworte, und als er keinen erblickte, machte er das +Buch auf dem Altare zu und ging mit dem Kelch wieder in die Sakristei. +Augenblicklich erloschen die Lichter von selbst, und den Knaben befiel +eine solche Angst, daß er zur Thüre eilte, und als er sie verschlossen +fand, um Hilfe rief. Dies hörte der vorübergehende Nachtwächter; er +holte den Meßner und derselbe ließ den Buben aus der Kirche und führte +ihn am Morgen zum Pfarrer. Nachdem dieser sich Alles hatte erzählen +lassen, unterrichtete er den Knaben im Meßdienen und sagte ihm hierauf, +was er zu thun habe. Vor Mitternacht begaben sich dann Beide in die +Kirche, wo nach einer Weile die Altarkerzen sich von selbst entzündeten +und wieder der Priester aus der Sakristei kam und sich anschickte, Messe +zu lesen. Ungesäumt trat nun der Bube hinzu und diente ihm; aber nach +der Messe ging nicht er, sondern der Pfarrer mit in die Sakristei. Dort +von letzterem befragt, warum er im Grabe keine Ruhe habe, antwortete der +Priester: »Als ich starb, war ich noch eine Messe schuldig, und um sie +nachholen zu können, habe ich viele, viele Jahre auf einen Diener +gewartet. Jetzt ist sie abgehalten, und ich gehe zu Gott, bei dem ich +Deiner und des Knaben nicht vergessen werde!« Nach diesen Worten +verschwand er. + + + + +111. + +Burgstadel. + +(Zu Nr. 186 des Hauptwerkes.) + + +Die Frau des Wattmüllers erblickte eines Tages auf dem Platze, wo das +Schloß gestanden, einen offenen Keller, den sie vorher nie gesehen +hatte. Sie stieg dessen Treppe hinab und bemerkte unten drei Kisten mit +Geld. Eilends ging sie weg, um ihren Mann zu holen; aber als sie mit +demselben zurückkam, war der Keller verschwunden. + +Bei dem Burgstadel war einem Mann ein Schwein verlaufen. Mit einer +Gerte, die er sich aus einer Haselstaude schnitt, suchte er es im +Gebüsche, wobei er zufällig mit ihr die Bergwand berührte. Da öffnete +sich diese und zeigte ein Gewölbe, worin das weiß gekleidete Fräulein +und verschiedene Kisten waren. Auf einer der letztern lag ein Hund mit +einem Bund Schlüssel im Maule. Nachdem der Mann eingetreten, nahm das +Fräulein die Schlüssel und machte damit die Kisten auf, welche voll Geld +und Kostbarkeiten waren. »Nimm Dir davon, so viel Du willst,« sprach sie +zu ihm, »aber vergiß das Beste nicht!« Ohne Säumen warf er die Gerte weg +und packte von den Schätzen ein, so viel er fortbringen konnte. Als er +damit im Freien war, schaute er nach dem Gewölbe um; aber da war der +Berg wieder zu, und er erkannte nun, daß er das »Beste«, nämlich die +Haselgerte, zurückgelassen habe. + +Bei Tagesanbruch sah einmal der Knecht aus der Sägmühle das Fräulein an +der Alb einen Kübel füllen und ihn auf den Berg tragen. Er erzählte es +seinem Herrn, auf dessen Rath er am andern Morgen abermals an den Fluß +ging und das Fräulein, welches wieder Wasser holte, fragte, was sie da +mache. Sie erwiderte ihm, er möge ihren Kübel nehmen und ihr damit auf +den Burgstadel folgen, was er auch ohne viel Bedenken that. Oben traten +sie durch eine Höhle in das Schloß, worin viele Kisten und ein Faß +standen, bei dem ein Hund auf einem Lotterbette lag. Nachdem das +Fräulein den Kübel in das Faß ausgeleert hatte, sagte sie zu dem Knecht, +er würde sie erlösen und alle die Schätze in den Kisten bekommen, wenn +er den Frosch, worein sie sich verwandle, trotz des heftigen, aber +unschädlichen Gebells des Hundes, dreimal mit der Hand um das Faß trüge. +Beim ersten Gang um dieses bellte der Hund stark, beim zweiten noch +stärker, beim dritten aber so fürchterlich, daß der Knecht den Frosch +fallen ließ. Da war es um die Erlösung geschehen, und es erschien ein +alter Mann und führte den Knecht zum Berge hinaus. + +Als einst ein Schäfer beim Weiden oberhalb der Kalbenklamm ein Stücklein +blies, kam das Fräulein und sagte ihm, er solle mit ihr gehen, seine +Heerde werde unterdessen bestens gehütet. Auf dieses folgte er ihr und +ward an einen Platz voll Schlüsselblumen geführt, deren er eine +abbrechen und auf den Burgstadel mitnehmen mußte. Dort war eine Thüre +sichtbar, welche er auf seiner Führerin Geheiß mit der Blume wie mit +einem Schlüssel aufschloß. Sie gingen hinein und kamen zu drei Kisten, +auf deren einer ein schwarzer Pudel lag. »Öffne die Kisten mit der +Blume«, sprach das Fräulein zu ihrem Begleiter, »und nimm daraus, so +viel Du willst, aber vergiß das Beste nicht!« Nachdem der Hund herab +gesprungen war, schloß der Schäfer mit der Blume die Kisten auf und fand +sie mit Schafzähnen gefüllt. Ohne große Freude steckte er damit seine +Taschen voll und trat dann, die Blume zurücklassend, allein den Rückweg +an. Kaum war er aus dem Berge, so rief ihm eine Stimme klagend nach: »Du +hast das Beste vergessen!« Seine Heerde traf er schön beisammen und +vergaß über ihr die mitgenommenen Schafzähne. Erst am nächsten Morgen +dachte er wieder an dieselben; aber statt ihrer fand er in seinen +Taschen lauter Goldstücke. Sogleich eilte er auf den Burgstadel; allein +er sah die Thüre nicht mehr und merkte nun, daß unter dem »Besten« die +Schlüsselblume verstanden war, mit der er immer wieder in den Berg und +zu dem Golde hätte gelangen können. + + + + +112. + +Spielleute beim Hexentanz. + + +Drei Spielleute kamen Nachts beim Heimgehen von einer Kirchweihe zu +einem hell erleuchteten Waldschloß, woraus lustiger Tanz erscholl. Um +noch etwas zu verdienen, gingen sie hinein und in einen Saal des obern +Stockes, worin eine Menge Weiber zu einer Gellflöte tanzten. Diese blies +Einer, welcher auf dem Tische stand; die Spielleute stellten sich zu ihm +hinauf und geigten wacker mit. Während dessen nahm der Baßstreicher +einen goldenen und einen silbernen Becher vom Tische und steckte sie in +die Tasche. Als sie im besten Fiedeln waren, schlug es zwölf und im Nu +verschwand Alles, und die Drei waren allein im Dunkeln. Wie sie merkten, +saßen sie auf einem Baume; einer von ihnen sprang hinab und brach das +Genick. Auf dieses blieben die zwei Andern oben, bis es Tag wurde, wo +sie sich auf einer hohen Tanne sitzen sahen, von welcher sie nur mit +Mühe hinab kamen. Als der Baßgeiger nach seinen eingesteckten Bechern +schaute, waren es eitel Kühklauen. + + + + +113. + +Der Jungfernsprung bei Dahn. + +(Abweichung von Nr. 198 des Hauptwerkes.) + + +Auf einer waldigen Höhe bei Dahn ward einst ein unschuldiges Mädchen, +welches einsam Kräuter sammelte, von einem geilen Jäger angefallen. Sie +entsprang ihm und floh, von ihm verfolgt, bis vor auf die steile +Felsenwand, die die Höhe gegen das Thal bildet. Da sie keinen andern +Ausweg hatte, that sie in Gottes Namen den Sprung in die Tiefe, wobei +sie sich nur den kleinen Finger[12] verstauchte. Auf dem Platze, wohin +sie gesprungen, sprudelte gleich eine klare Quelle hervor. Die +Felsenwand erhielt von der Begebenheit den Namen _Jungfernsprung_, und +es ward ein hölzernes Kreuz darauf gesetzt. + + [12] Statt des kleinen Fingers nennen Manche hier und in Nr. 198 des + Hauptwerkes die kleine Zehe, und Andere den kleinen Finger _und_ die + kleine Zehe. + + + + +114. + +Schatz gehoben. + + +Auf dem Wingertsberge bei Annweiler brannte früher ein nächtliches +blaues Licht, das bald größer, bald kleiner wurde. Einmal kam ein Mann +aus dem Orte, welcher spät in der Nacht nach Hause fuhr, in die Nähe des +Lichtes; da ging er schweigend hin, deckte seinen Mantel darauf und +setzte dann seinen Heimweg fort. Am nächsten Morgen um fünf Uhr war er +wieder auf dem Berge, und als er seinen Mantel aufhob, lag ein Schatz +Geld darunter, den er unangefochten sich zueignete. Seit dieser Zeit +wird das Licht nicht mehr gesehen. + + + + +115. + +Die Schlorpengasse. + + +Noch im vorigen Jahrhundert trieben sich zwischen Basel und Frankfurt +vierzigtausend Betteljuden, Männer, Weiber und Kinder, heimathlos umher. +Bei Karlsruhe hatten sie in dem Wald südlich von der Stadt ihren +Lagerplatz, wo sie häufig aus dort blühendem Holler und zusammen +gebetteltem Mehl und Schmalz sich Hollerküchlein bereiteten, endlich +wurde ihnen von der Karlsruher Judenschaft ein Haus in der +Rüppurrerthorstraße zur Herberge hergerichtet und nun schlorpten +(schlarften) sie bei Tag und Nacht hinein und heraus. Davon erhielt die +Straße auch den Namen _Schlorpengasse_, welchen sie aber jetzt, wo die +Herberge nicht mehr besteht, beinahe wieder verloren hat. + + + + +116. + +Laß die Todten ruhen. + + +Eine reiche Wittwe in Karlsruhe hatte eine einzige Tochter, die sie, +weil dieselbe eben so schön, als verständig war, über die Maßen liebte. +In der Blüthe der Jahre starb das Mädchen, und die Mutter war darüber +ganz untröstlich. Täglich brachte sie mehrere Stunden auf dem Kirchhofe +zu und weinte und klagte an der Gruft ihres Kindes. Als sie einst in der +Frühe wieder dort saß und jammerte, rief ihr die Stimme ihrer Tochter +aus der Gruft zu: »Mutter, laß mich doch ruhen!« Da verließ die Frau +erschüttert den Friedhof und suchte, zur Beruhigung der Verstorbenen, +über ihren Schmerz Meister zu werden. + + + + +117. + +Todesvorzeichen. + + +Im Herbste 1851 verkündete zu Karlsruhe eine durchziehende Zigeunerin, +im nächsten Frühjahr entstehe im Lande große Trauer. Ein Stadtwächter +wollte sie deßhalb verhaften, sie sagte ihm aber, so gewiß gehe ihre +Verkündigung in Erfüllung, als er neun Kreuzer bei sich habe, und da er +nachsah, hatte er gerade so viel in seinem Beutel. Den Winter darauf +erkrankte der Großherzog Leopold im Karlsruher Schlosse, wo alsbald die +_weiße Frau_ sich dreimal sehen ließ. Einige Zeit nachher fingen die +Glocken der Stadtkirche mitten in der Nacht von selbst an zu läuten, und +als der Großherzog es erfuhr, sprach er: »Das war mein Grabgeläute!« +Wirklich starb er auch am 24. April 1852 zum Leidwesen des ganzen +Landes, und wurde dann in der fürstlichen Gruft unter der Stadtkirche +beigesetzt. + + + + +118. + +Schuhwechsel. + + +Einem Manne aus Au, der Nachts von Durlach heimging, setzte sich bei der +Ruhebank der gespenstige Kapuziner, welcher dort umgeht, auf den Rücken +und ließ sich bis in dessen Haus tragen. Als der Mann, unter der Last +keuchend, die Stiege hinaufkam, rief ihm seine Frau zu, er solle seine +Schuhe gegen einander wechseln. Er that es, und sogleich fiel ihm der +Kapuziner vom Rücken und polterte gleich einem rollenden Fasse die +Treppe hinunter. + + + + +119. + +Todesvorzeichen. + + +Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Bürger +aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend +gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei +Männer gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr +in die Nähe von Untergrombach kamen, sahen sie über dem Straßengraben +einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd, +einen Federbusch auf dem Kopfe hatte. In der Meinung, es sey Einer, der +sie foppen wolle, sprang der Glaser hin und versetzte ihm einen +Stockstreich; allein er traf einen Erlenbaum, und Reiter und Roß waren +verschwunden. Nicht ohne Grauen begaben sich die Männer zu ihrem +Weinwagen, und bald bemerkten sie und der Fuhrmann, wieder jenseits am +Graben, eine einspännige Kutsche, worin ein Geharnischter mit Helmfedern +saß, und deren Pferd, gleich einem Leichenroß, einen Federbusch trug, +und von einem daneben gehenden Mann geführt wurde. Statt dieser Kutsche +zeigte sich später eine zweispännige; der Geharnischte saß auch darin, +und die Pferde hatten ebenfalls Federbüsche und Führer. Bis an die +Steige oberhalb Weingarten's begleitete die Kutsche die Weinfuhr; dort +aber war sie plötzlich weg und ließ auch nachher sich nicht mehr sehen. +Zwei Tage darauf wurde der Glaser krank. Er sagte gleich, daß die +Erscheinungen seinen bevorstehenden Tod bedeutet hätten, und wirklich +erfolgte derselbe auch nach weitern neunzehn Tagen. + + + + +120. + +Der Thurmberg bei Durlach. + +(Zu Nr. 215 des Hauptwerkes.) + + +Eines Tages kam auf diesem Berge zu zwei Männern eine weiß gekleidete +Frau und gab jedem stillschweigend einen Blumenstrauß. Sie dankten ihr, +und als sie darauf anfing zu weinen, fragten sie um die Ursache. »Hättet +ihr mir nicht gedankt«, antwortete sie, »dann wäre ich jetzt erlöst, so +aber bin ich es nicht!« Nach diesen Worten verschwand sie. + +Ein reisender Handwerksbursch, welchen sein Weg über den Berg führte, +legte sich daselbst ermüdet nieder und schlief ein. Durch ein Streichen +über sein Gesicht ward er geweckt, und vor ihm stand die weiße Jungfrau +und fragte ihn, ob er arm sey. Nachdem er es bejaht hatte, hielt sie ihm +ihr Gebund Schlüssel hin, mit den Worten: »Wähle einen der Schlüssel, +und wenn Du den rechten erräthst, so ist Dir und mir geholfen!« Auf +seine Bitte, ihm den rechten zu zeigen, erwiderte sie, daß sie selbst +denselben nicht kenne. Er suchte nun einen Schlüssel aus, allein als sie +ihn aus dem Gebund ziehen wollte, wählte er einen andern, darauf nahm +sie diesen heraus und steckte ihn in das Schlüsselloch einer Thüre, die +daselbst in den Berg führte, aber erst jetzt sichtbar wurde. Trotz aller +Anstrengung konnte die Jungfrau die Thüre nicht aufschließen, worauf sie +traurig sagte: »Es ist der rechte Schlüssel nicht!« und im Nu, nebst der +Thüre, verschwunden war. + +Der Burgbrunnen steht mit einem wasserreichen See in unterirdischer +Verbindung, daher er immer gleich stark fließet. Bei ihm ging vormals +ein Gang in den Berg, welcher mit einer eisernen Thüre verschlossen war. +Auf derselben sah, Nachmittags um halb 4 Uhr, ein dort arbeitender Mann +einen Vogel sitzen, der sich gutwillig von ihm fangen ließ. Er that ihn +in sein Sacktuch, legte es nebenhin in's Gras und seine Jacke darauf. +Nach einer halben Stunde sah er wieder nach dem Vogel; aber da war +derselbe weg, obgleich Jacke und Sacktuch unverrückt gewesen. Nun +erkannte der Mann, daß er es mit keinem wirklichen Vogel zu thun gehabt +habe. + +Drei andern Männern kam kurz vor dem Abendgeläute, als sie die +Bergtreppchen hinunter gingen, ein Unbekannter mit einem Stock entgegen, +welcher ihren Gruß nicht erwiderte und, da sie ihn genauer betrachteten, +Geisfüße hatte. + +Im Advent hat man schon, um Mitternacht, eine Geisterprozession vom Berg +herunter in die katholische Kirche im Durlacher Schlosse gehen sehen. + +Auf dem Heimweg von Söllingen hörte ein Durlacher Metzger, bei +einbrechender Nacht, auf dem Thurmberg Kegel schieben. Weil er dieses +Spiel sehr liebte, band er das Kalb, welches er mitführte, an einen Baum +und begab sich auf den Berg. Daselbst kegelten mehrere unbekannte +Männer, allein sie hatten Niemand zum Aufsetzen. Unaufgefordert übernahm +dies der Metzger; aber nach einiger Zeit ward ihm, bei dem steten +Schweigen der Männer, so unheimlich, daß er davon lief. Da wurde ihm +eine der Kugeln nachgeworfen, die hart an ihm vorbei rollte und am Berge +liegen blieb. Ohne sie aufzuheben, eilte er zu dem Kalb und brachte es +nach Hause. Bald jedoch wurmte es ihn, daß er die Kugel nicht +mitgenommen habe, welche, als er sie in aller Frühe aufsuchte, noch am +nämlichen Platze lag. Mit Freude entdeckte er, daß sie von Silber sey, +und kaufte sich damit ein Stück Feld, das die _Silbergrube_ benannt +wurde. + +Eines Abends sahen Buben bei dem Wächterhäuschen eine Menge gelber +Blechlein aufgehäuft liegen. Einer von ihnen steckte ein Dutzend +derselben ein, und als er sie daheim herauszog, waren es goldene +Elfguldenstücke geworden. + + + + +121. + +Schatz ausgeliefert. + + +In einem Hause beim Pforzheimer Roßwehr war eines Abends die Frau +allein in der Stube. Da rief ihr die Stimme eines Unsichtbaren herein: +sie solle in den Keller gehen, den Hafen mit Eiern, der dort auf einem +gewissen Platze stehe, holen und den Schatz auch die Armen genießen +lassen. Sogleich begab sich die Frau in den Keller, fand an der +bezeichneten Stelle den Hafen mit Eiern und nahm ihn mit sich. Am +nächsten Morgen waren die Eier zu Gold geworden, wovon die Frau und ihr +Mann den Armen reichlich mittheilten. + + + + +122. + +Der Feuerschläger. + + +Im Walde bei Eisingen geht Nachts und Mittags ein riesenhafter schwarzer +Mann um, der mit einem Feuerzeug Funken, so groß wie Sterne, schlägt und +der Feuerschläger genannt wird. Häufig steht er bei einer gewissen Eiche +am Saume des Waldes; häufig auch führt er die Leute irre. Unter der +Eiche sahen Nachts ein vorübergehender Schornsteinfeger und sein Gesell +einen Haufen glühender Kohlen liegen. Trotz der Abmahnung seines +Meisters ging der Gesell hin und wollte von den Kohlen nehmen; aber da +bekam er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, daß er eilig sich +zurück begab. + + + + +123. + +Königsbach. + + +Dieses Dorf hat seinen Namen daher, daß auf dem dortigen Berg ein König +wohnte, und an jenes Fuße ein Bach entspringt. Der König trieb arge +Wegelagerei, und um darüber zu täuschen, wo er und seine Mannen seien, +legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das +einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand, +der _Steinhausberg_ genannt. Übrigens war Königsbach damals so groß, daß +es siebenhundert Bürger zählte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf +sieben herunter, welche, als der Friede verkündet ward, im +Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr +Feld wieder einzusäen, mußten sie den Samen weit herkommen lassen; denn +sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land +abgeschnitten. + +Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr übrig ist, führte ein +unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als +einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer +zackerte, brach sein Pferd mit einem Fuße in den Boden. Beim +Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer +das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank. + +Auf der Burg liegt, bei einem Nußbaum, ein großer Schatz in einem tiefen +Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln +öfters aus der Ortskirche zwei gespenstige Fräulein in weißen Schleiern +und Gewändern mit Schlüsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte. +Auch die Geister von Kapuzinern und ein nächtliches Licht lassen sich im +Burgraume sehen. + +In ein dortiges Gewölbe schaute eines Sonntag Mittags ein Mann durch ein +Mauerloch und gewahrte eine Kiste, auf welcher ein Hund mit feurigen +Augen lag. Als er den Kopf zurückziehen wollte, war derselbe so +geschwollen, daß, um ihn herauszubringen, das Loch erweitert werden +mußte. Nachher wurde das Gewölbe durchsucht, aber weder Kiste, noch Hund +gefunden. + +Durch einen zickzackigen Gang kam einmal ein Lehrjunge in den +Burgkeller; er entfloh jedoch, als er darin einige Hunde auf Truhen +sitzen sah. In dem Keller poltert es zuweilen, wie wenn Küfer an Fässer +klopfen. + +Ein anderer Bube erblickte auf dem Berg einen Hafen voll gelber +Schneckenhäuschen. Er steckte eines davon ein und fand es später in +einen goldenen Knopf von der Größe einer Doppelkarlin verwandelt. + +Ebenda zeigte sich, Mittags um 12 Uhr, einem dritten Knaben ein Hafen +mit Goldkäfern. Sogleich lief er damit nach Hause, und siehe, die Käfer +waren zu Goldmünzen geworden. + +Die Magd eines Hauses, das unten am Berge liegt, war Morgens auf ihn +gegangen, um Futter zu holen, aber über dem Geschäft ermüdet +eingeschlafen. Als sie erwachte, schlug es 11 Uhr, und plötzlich sah sie +vor sich einen Haufen alten Geldes liegen. Stillschweigend wollte sie +ihn in ihre Schürze thun, da rief ihr ihre Frau aus dem Fenster, sie +möge doch endlich heimkommen, und alsbald versank das Geld in den Boden. + +Im Burgraum hängt an manchen Mittagen feine weiße Wäsche, von der man +nicht weiß, wo sie herkommt; und in der Christnacht hat einmal, von halb +11 bis 12 Uhr, der ganze Berg in spukhaftem Feuer gestanden. + + + + +124. + +Nachgeholte Wallfahrt. + + +Ein Mann in Weingarten hatte gelobt: von da ein hölzernes Kreuz von +dreiunddreißig Pfund über den Engelsberg nach Walldürn zu tragen; dabei +auf jeder der vielen Staffeln des Engelsbergs ein »Vaterunser« und +»Gegrüßet sey'st du Maria« zu beten, und in Walldürn ein Amt halten zu +lassen; er war aber gestorben, ohne dieses Gelübde erfüllt zu haben. +Gleich nach seinem Tode erschien er seiner ledigen, armen Tochter und +bat sie, das, was er gelobt, für ihn zu thun, wobei ihre vier +Geschwister ihr behilflich seyn würden. Gerne auch ließen dieselben das +Kreuz machen und begleiteten ihre Schwester auf der Wallfahrt. Als sie +den Engelsberg zu besteigen begannen, stürzte ein unsichtbarer Teufel +das Mädchen mehrmals nieder, worauf ihre Geschwister sie nebst dem +Kreuze von Staffel zu Staffel hinauftrugen. In Walldürn angekommen, +opferte sie das Kreuz in die Kirche und ließ nachher das Amt halten. +Unter diesem erschien ihr ihr Vater in glänzend weißer Gestalt und +dankte für seine Erlösung. Alsdann legte er seine Hand auf die ihre, +welche sie mit einem Tuch bedeckt hatte, und verschwand. Wo seine Hand +gelegen, war deren Abbild schwarz in das Tuch gebrannt. + + + + +125. + +Geist zu Weingarten. + + +Auf dem Thurmberg in Weingarten geht am Ostersonntag, Mittags zwischen +elf und zwölf, ein Mann in seinem ehemaligen Wingert um und lies't +Rebschnitzel auf, weil er es bei seinen Lebzeiten einmal ebenso gemacht +hat. Einst beredete ihn ein Bube, der ihn nicht kannte, über die +Entheiligung des Feiertags, und da warf der Geist eine Hand voll +Rebschnitzel gegen ihn, welche lauter Feuer waren. + + + + +126. + +Marienburg. + + +Auf einem Berge bei Obergrombach liegt das Schloß Marienburg. Als in der +Gegend die verheerende Bräunkrankheit herrschte, wurde, wenn Jemand +starb, auf dem hohen Schloßthurm eine kleine Glocke geläutet, die +deßhalb das _Bräunglöcklein_ hieß. + +Von der Burg haben unterirdische Gänge nach Obergrombach, in das +Frauenkloster bei Helmsheim und in das Schloß in den _Steinhaufen_ +geführt; sie sind aber jetzt, wie die Burg selbst, größtentheils +verfallen. In dieser hat man schon Mittags zwischen elf und zwölf +Geister kegeln hören, und Nachts zeigt sich daselbst ein sternförmiges +Licht und eine schneeweiße Frau, welche nur auf der großen Zehe einen +schwarzen Flecken hat. + +Ebenda und im benachbarten Burgwingert geht ein ehemaliger Aufseher der +Schloßkelter um, welcher sich an derselben erhängt hat. Er wird der +_Kelterhännsle_ genannt und pflegt manchmal nach den Vorübergehenden mit +Erdschollen zu werfen. + +Einst ließ sich ein Bursch in das tiefe Gewölbe an einem Seil hinab. +Darin sah er große Fässer herumliegen und einen Mann regungslos an einem +Tische sitzen. Nachdem er ihn vergebens angeredet hatte, berührte er +ihn, und da fiel derselbe als Staub auseinander. Ebenso fielen die +Fässer, als sie angefaßt wurden, in Stücke. Der Wein war darin, durch +die Länge der Zeit, ganz eingetrocknet. + +Ein anderes Mal gruben Nachts drei Männer stillschweigend nach der Kiste +voll Geld, die unter dem großen Thurme verborgen liegt. Endlich stießen +sie auf dieselbe, und da sprach einer von ihnen: »Jetzt sind wir +darauf!« Bei diesen Worten versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und +die Männer hatten das leere Nachsehen. + + + + +127. + +Reden bringt um den Schatz. + + +In den sogenannten _Steinhaufen_ bei Obergrombach hat vor Zeiten ein +Schloß gestanden, und es liegt dort eine Kiste voll Geld im Boden. Nach +derselben grub in einer Nacht ein Mann, und schon erblickte er ihren +Deckel, als ein Pudel herbeikam und sich anschickte, darauf zu kacken. +»Gehst du fort!« rief der Mann ihm zu, und augenblicklich waren Kiste +und Pudel verschwunden. + + + + +128. + +Wie Bruchsal um den Eichelberg kam. + + +Von ihrem Fürstbischofe hatte die Stadt Bruchsal einen namhaften +Geldbetrag entlehnt, und ihm dafür den schön bewaldeten Eichelberg +versetzt. Dabei war bedungen worden, daß, wenn die Rückzahlung nicht in +einer bestimmten Zeit an den Fürsten selbst geschähe, das Pfand ihm +anheimfalle. Als die Frist sich ihrem Ende nahte, verreiste der Bischof, +und kehrte erst nach ihrem Ablaufe zurück. Er erklärte nun den +Eichelberg für sein Eigentum, aber die Bruchsaler, welche am letzten +Tage der Frist ihre Schuld hatten abtragen wollen, erhoben dagegen beim +Kaiser eine Klage. Von demselben erhielten sie ein günstiges Urtheil, +das mit goldenen Buchstaben geschrieben war. Trotz dessen wollte der +Fürst den Eichelberg behalten, und in dieser Absicht lud er die zwölf +Rathsherren von Bruchsal zu sich auf das Obergrombacher Schloß. Nachdem +er sie köstlich bewirthet hatte, bestürmte er sie mit Bitten und +Drohungen, eine Urkunde zu unterschreiben, die ihm den erwähnten Berg +überlasse; allein standhaft verweigerten es alle. Auf dieses ließ er sie +in den Burghof führen und, in seiner Gegenwart, ihrer elf, einen nach +dem andern, durch den Scharfrichter enthaupten. Hierbei floß das Blut, +wie ein Bach, den Schloßberg hinunter. Als die Reihe an den zwölften +Rathsherrn kam, fragte der Bischof den Scharfrichter, wie ihm das +Kopfabschlagen gefalle. »Wenn's Krautköpfe oder Weidenstümpfe wären, die +wieder ausschlagen, gefiele es mir schon; so aber gefällt es mir nicht!« +gab derselbe zur Antwort. Hierdurch ward der Fürst bewogen, den +Rathsherrn zu begnadigen; er ließ ihm aber das kaiserliche Urtheil +abnehmen, welches derselbe bei sich auf der Brust trug. Nachdem der +Rathsherr nach Bruchsal zurückgekommen war, verkündete er das Geschehene +und regte dadurch Alles zur Rache auf. Es wurde verabredet, daß, wenn +der Bischof bei seiner nächsten Durchreise auf die Salbrücke komme, mit +der Glocke des dortigen Kirchleins die bewaffnete Bürgerschaft zusammen +gerufen werde, um sich seiner zu bemächtigen. Dies hinterbrachte ein +Verräther dem Fürsten, der darauf, in der Nacht vor seiner Durchreise, +den Schwengel der Glocke heimlich herausnehmen und dafür einen +Fuchsschwanz hineinhängen ließ. Als er dann über die Brücke fuhr, wollte +man eilig in dem Kirchlein läuten; aber die Glocke mit dem Fuchsschwanz +tönte nicht, und so kam der Bischof unangefochten durch die Stadt. Den +Eichelberg hat diese, bis auf den heutigen Tag, nicht zurück +bekommen.[13] + + [13] Keiner der Bruchsaler Fürstbischöfe hat den Eichelberg auf solche + Weise an sich gebracht. + + + + +129. + +Muttergottesröslein. + + +Die heilige Jungfrau pflegte die Windeln des Jesuskindes an Sträuchen +wilder Rosen zum Trocknen aufzuhängen. Davon erhielten diese Stauden und +alle von ihnen abstammende einen lieblichen Geruch, und ihre Blumen den +Namen _Muttergottesröslein_. + + + + +130. + +Hexenkuchen. + + +Am Tage der Gochsheimer Kirchweihe rief einmal eine dortige Frau, die +allgemein für eine Hexe galt, ein kleines Mädchen zu sich und schenkte +ihm ein Stück schönen, weißen Kuchens. Ohne davon zu essen, nahm das +Kind den Kuchen mit nach Hause, wo seine Mutter, als sie erfahren, woher +er komme, ihn gleich in die Küchenkammer verschloß. Am andern Morgen +fand sie, statt seiner, ein Stück groben Schwarzbrods, worin eine Menge +Menschenhaare eingebacken war. + + + + +131. + +Tochter dem Teufel verschrieben. + + +Betrübt über den Zerfall seines Vermögens ging ein Müller in den +Wald, wo er einem fremden Mann begegnete. Derselbe fragte ihn um die +Ursache seiner Traurigkeit, und als er sie erfahren hatte, versprach er +dem Müller eine Menge Geld, wenn dieser ihm dasjenige verschreibe, was +jetzt hinter der Mühle sey. In der Meinung, dies sey der Staub, welcher +beim Mahlen dahin zu fliegen pflegte, ging der Müller den Vertrag ein +und unterschrieb ihn mit seinem Blute. Er erhielt hierauf das Geld, +brachte es heim und erzählte seiner Frau, wie er dazu gekommen. Da +erfuhr er von ihr, daß er seine Tochter dem Teufel verschrieben habe, +die damals hinter der Mühle die Körner aus dem Staub gelesen, um daraus +das Essen zu bereiten. Sie waren nun sehr betrübt, beschlossen aber, +ihrer Tochter nichts zu sagen. In der Nacht kam der Böse zur Mühle und +klopfte an die Thüre; die Tochter öffnete, weil sie aber, als ein +frommes Mädchen, beim Schlafengehen sich in den drei höchsten Namen mit +Weihwasser besprengt hatte, konnte der Teufel sie nicht mit fortnehmen, +sondern stieß sie zurück. Ebenso ging es in der folgenden Nacht, worauf +der Müller, auf Befehl des Bösen, das Weihwasser hinwegschaffen mußte. +In Ermangelung dessen segnete sich das Mädchen am dritten Abend mit dem +am Fenster angelaufenen Wasser und bewirkte dadurch, daß der Teufel, als +er in der Nacht kam, ihr wieder nichts anhaben konnte. Am nächsten +Morgen erzählte sie ihren Eltern, was ihr in den drei Nächten begegnet, +worauf dieselben ihr Alles offenbarten. Da legte sie ihre Hand auf einen +Klotz und hieb sie sich mit dem Beile ab, nachher ließ sie die andere +Hand sich auch abschlagen und überließ beide dem Teufel, worauf +dieselben sogleich verschwanden. Alsdann ging sie auf und davon, betete +fleißig und bekreuzte sich dabei mit ihren Armen. Sie kam in einen +schönen Garten bei einem fürstlichen Schlosse, in welchem sie zur +Stillung ihres Hungers einige Äpfel mit dem Munde aufhob und verzehrte. +Weil ihre Wunden noch bluteten, entdeckte der Fürst ihre Spur, und +nachdem er derselben an zwei Tagen vergebens nachgegangen war, fand er +am dritten in der Frühe mittelst seines Hundes das Mädchen in einem +Busche, wo sie ruhig schlief. Sie gefiel ihm so wohl, daß er sie +heirathete, wodurch sie aber nicht hoffärtig ward, sondern stets +demüthig und fromm blieb. Nach einiger Zeit mußte er in den Krieg; +während seiner Abwesenheit gebar sie ihm Zwillingsknaben und ließ es ihm +schreiben. Der Bote, welcher den Brief überbringen sollte, schlief +unterwegs an einem Waldbrunnen ein, da kam der Böse und vertauschte den +Brief mit einem andern, worin unter dem Namen der Hofherren die +abscheulichsten Dinge über die Fürstin gemeldet wurden. Der Fürst +schrieb zurück, man solle, bis er heimkomme, seine Frau mit der +seitherigen Ehrerbietung behandeln; aber als der Bote auf dem Rückweg +abermals an dem Brunnen eingeschlafen war, nahm ihm der Teufel wieder +das Schreiben und steckte ihm ein anderes zu, worin den Hofherren +befohlen wurde, die Fürstin mit ihren Kindern unverzüglich auszutreiben. +Dieses ward vollzogen und ihr dabei das eine Kind auf die Brust, das +andere auf den Rücken gebunden. Vor Durst schmachtend, kam sie zu dem +Brunnen, konnte aber wegen ihrer an sie gebundenen Kinder sich nicht +niederbücken, um zu trinken. Da rief sie Gott um Hilfe an und alsbald +trat ein Mann zu ihr, band ihr die Kinder los und hieß sie ihre Arme auf +den Klotz legen, der plötzlich mit ihren abgehauenen Händen vor ihr +stand. Sie that es und der Mann heilte ihr die Hände so gut an, daß sie +dieselben gleich gebrauchen konnte. Nachdem sie in eine Wildniß +gekommen, worin kein Obdach zu finden war, betete sie um ein solches, +und siehe! auf einmal stand ein Hüttlein mit Geräth und Lebensmitteln +da. Dankbar bezog sie es mit ihren Kindern und führte ein frommes +Einsiedlerleben. So oft ihr die Nahrungsmittel ausgingen, erhielt sie +auf ihr Gebet stets neue. Als so Jahre verflossen waren, kam eines +Abends zu dem Hüttlein ein Mann und bat um Nachtlager. Da sie nur _ein_ +Bett hatte, mußte sie ihn auf der Bank schlafen lassen. In der Nacht +hörte er, wie die Kinder zu einander sagten: wenn sie nur ihren Vater +sehen würden; er befragte darüber am Morgen die Frau und erfuhr von ihr, +wie sie verstoßen worden sey. »Wenn ihr keine Hände hättet, würde ich +euch für meine unschuldig verbannte Frau halten, die ich seit meiner +Rückkunft aus dem Kriege schon jahrelang suche,« erwiderte er, und +darauf erzählte sie ihm, wie sie ihre Hände wieder erhalten habe, und +zeigte, daß sie angeheilt seyen. Da erkannten sie einander zu ihrer und +ihrer Kinder großen Freude. Der Fürst beschloß, ihr Einsiedlerleben zu +theilen; auf das Gebet seiner Frau stand statt der kleinen Hütte eine +größere mit mehr Geräth und Nahrungsvorrath da, in welcher sie Gott +dienten bis zu ihrem seligen Ende. + + + + +132. + +Gespenstige Rathsversammlung. + + +In einer Spinnstube zu Eppingen wurde spät in der Nacht die Frage +aufgeworfen: wer wohl den Muth habe, jetzt in das alte, verrufene +Rathhaus zu gehen. Ein Mädchen erbot sich dazu und nahm eine Ruthe und +eine schwarze Katze mit. Als sie in den Rathssaal kam, saßen darin zwölf +gespenstige Rathsherren um den Tisch, welche zu ihr sprachen: »Hättest +du die Ruthe und die schwarze Katze nicht bei dir, so wollten wir dir +etwas Anderes sagen!« Voll Schrecken entfloh das Mädchen und starb noch +in derselben Nacht. + + + + +133. + +Meerweiblein. + + +Eine Viertelstunde von Waldangelloch entspringt eine frische Duelle, +die von dem Holderbusch, der früher bei ihr stand, _Holderbrunnen_ +heißt. In deren Umgebung pflegte eine arme, alte Frau das Futter für +ihre Kuh zu suchen, mit dem sie eines Abends erst um 9 Uhr, als es schon +lange Nacht war, nach Hause kam. Hierwegen befragt, erwiderte sie nur, +sie sey bei guten Freundinnen gewesen, welche sie erst heute habe kennen +lernen. Eine ähnliche Antwort gab sie auch an den folgenden Tagen, wo +sie ebenfalls erst zur erwähnten Stunde heimkehrte. Endlich schlichen +ihr einige Leute nach, sahen sie mit zwei fremden, schönen Mädchen bei +dem Holderbusche stehen und letztere, als sie sich näherten, in dem +Brunnen verschwinden. Auf dieses ward die Frau noch mehr mit Fragen über +die Mädchen bestürmt und gebeten, dieselben in ihr Haus mitzubringen, +worauf sie erwiderte: »Meine Freundinnen leben unter der Erde, und ich +werde, wie sie wünschen, bald mit ihnen hinabgehen; in mein Haus kommen +sie schwerlich, jedoch will ich versuchen, sie dazu zu bereden.« Dieses +gelang ihr: am bestimmten Abend kamen die beiden Mädchen, ohne daß sie +von der Frau abgeholt wurden, oder im Orte sich nach deren Haus +erkundigten, zu ihr in die Spinnstube. Jede brachte ein brennendes +Laternchen, eine Kunkel und Hanf mit; sie waren gekleidet wie die +Dorfmädchen, hatten aber Gürtel und weiße Schürzen an. Während des +Spinnens scherzten und lachten sie mit den anwesenden Mädchen und +Burschen, erzählten, daß es bei ihnen wie auf der Erde sey, und nahmen +nichts als Obst und Brod an. Schlag neun Uhr zündeten sie ihre Laternen +an und gingen, trotz alles Bittens, länger da zu bleiben, mit dem +Versprechen fort, am nächsten Abend wieder zu kommen. Dasselbe erfüllten +sie und fanden fortan dreiundzwanzig Tage lang jeden Abend, wenn es +dunkel war, sich ein. Ihr Betragen blieb stets das gleiche; nur knüpfte +die eine mit einem der Burschen eine Liebschaft an. Ihm allein erlaubten +sie, beim Heimgehen sie halbwegs zu begleiten; bis zum Brunnen hätte er +nur dann mitgedurft, wenn er Willens gewesen wäre, sich auch hinein zu +begeben. Letzteres zu thun, konnte er erst auf vieles Zureden seiner +Geliebten sich entschließen. Als sie an die Quelle kamen, wollten die +Mädchen, daß zuerst die eine, dann er und nachher die andere sich +hinunter ließe, er aber begehrte, der Letzte zu seyn. Auf dieses +schnallte ihm seine Geliebte ihren Gürtel um, indem sie ihm versicherte, +daß er durch ihn vor dem Naßwerden geschützt sey, dann stieg sie und +nachher ihre Gefährtin in den Brunnen hinab; aber der Bursch wagte +nicht, ihnen zu folgen, sondern blieb an der Quelle stehen. Auf einmal +ward deren Wasser blutroth, worauf er eilig den Gürtel hineinwarf, weil +er dachte, daß derselbe nicht hätte zurückbleiben sollen. Die Mädchen, +welches Meerweiblein waren, sind nachher niemals wieder gesehen worden. + + + + +134. + +Zauberarbeit. + + +Ein Schuster zu Waldangelloch hatte gewettet, er allein werde vom Morgen +bis zum Abend ein Paar Stiefel und ein paar Schuhe machen. Auf sein +Verlangen schlossen ihn seine Gegner in seine Werkstätte ein, in die sie +nach einigen Stunden durch das Schlüsselloch schauten. Da sahen sie den +Schuhmacher müßig sitzen, vier unbekannte Männer aber emsig arbeiten. +Schnell drangen sie hinein, fanden aber statt dieser Männer nichts, als +vier Mücken unter vier Fingerhüten. Sie ließen darauf den Schuster +wieder allein, und am Abend hatte er die Stiefel und Schuhe fertig und +damit die Wette gewonnen. + + + + +135. + +Raubmörder geht um. + + +Als einst eine Kriegsschaar Neufranken in Waldangelloch übernachtete, +kam einer derselben, welcher viel geplündertes Geld bei sich hatte, in +das Haus eines habsüchtigen Mannes zu liegen. Dieser bemerkte das Geld, +bettete den Soldaten auf den Speicher und brachte ihn mit dessen eigenem +Säbel im Schlafe um. Alsdann nahm er die Füße des Leichnams unter den +Arm und schleifte ihn in den Keller, wo er ihn mit Kleidung und Säbel +vergrub. Nachdem er noch jede Blutspur vertilgt hatte, meldete er in der +Frühe dem Obersten, der Soldat sey in der Nacht ausgerissen und habe ihm +zuvor das Haus so verunreinigt, daß viele Stellen hätten aufgewaschen +werden müssen. Da der Oberst im Begriff stand, mit seinen Leuten +abzuziehen, so unterließ er es, die Sache näher zu untersuchen. Auf +diese Art behielt der Mann seinen Raub, welchen er auch viele Jahre, bis +zu seinem Tode, genoß. Gleich nach diesem fing er an, Nachts in dem +Hause zu spuken, wobei er den Ermordeten, dessen Füße unterm Arme, vom +Speicher in den Keller schleifte. Den Kopf des Soldaten hörte man auf +jeder Stufe aufschlagen. Vergebens wendeten die Bewohner des Hauses alle +Mittel an, den Geist hinauszubringen; endlich ließen sie es niederreißen +und auf dem Platze ein neues bauen, das denn von dem Spuke befreit +blieb. Bei dem Bauen waren die Gebeine und der Säbel des Neufranken im +Keller ausgegraben worden. + + + + +136. + +Einem Todten gehört ein Licht. + + +Zu Waldangelloch ließen einmal die Männer, welche bei einem +Verstorbenen wachten, ihn in der Kammer dunkel liegen während sie in der +Nebenstube Karten spielten. Da rief in der Kammer eine Stimme dreimal: +»Einem Todten gehört ein Licht!« Erschrocken eilten die Männer hinein, +fanden aber Niemand, als den Verstorbenen ohne Lebenszeichen. Nunmehr +hüteten sie sich, denselben ohne Licht zu lassen. + + + + +137. + +Ladung vor Gottes Gericht. + + +Wenn ein Mensch einen andern vor Gottes Gericht geladen hat, so muß +derjenige von ihnen, welcher zuerst gestorben, so lange zwischen Himmel +und Erde schweben, bis der andere nachkommt. Dies geschieht binnen sechs +Wochen und Beide gehen dann mit einander vor des Ewigen Richterstuhl. +Daß dem so sey, hat sich in neuerer Zeit wieder in Waldangelloch +erwiesen. Dort war ein Küfer von einem Zimmermann um Vieles betrogen +worden, und da er kein Recht finden konnte, lud er denselben vor Gottes +Gericht. Der Zimmermann lachte zwar darüber, und selbst nach dem bald +erfolgten Tode des Küfers hatte er bei seiner kräftigen Gesundheit keine +Furcht; aber in der vierten Woche darauf ward er plötzlich krank und +starb nach einigen Tagen. + + + + +138. + +Schatzhöhle bei Waldangelloch. + + +Ein etwas blödsinniger Bube von Waldangelloch, welcher auf den Wiesen +am Schülzert Vieh hütete, schlenderte in diesen Bergwald. Er kam an eine +Höhle, ging hinein und stand vor einer Kiste, auf der ein schwarzer +Pudel lag. »Herunter!« sagte der Bube zu dem Hund, und nachdem derselbe +gutwillig herabgesprungen, hob er den Deckel der Kiste auf, die mit +funkelndem Silbergeld gefüllt war. Davon nahm er sich eine Handvoll, +schloß dann die Kiste und gleich war der Hund wieder darauf. Noch +etliche Tage machte der Bube es so, bis sein Geld zu Hause entdeckt und +er gezwungen wurde, zu sagen, wo er es her habe. Da mußte er mit einigen +Männern in den Schülzert, um ihnen die Höhle zu zeigen; aber nun konnte +er dieselbe nicht mehr auffinden. + + + + +139. + +Fahrsamenbesitzer und Banner. + + +Beiläufig vor vierzig Jahren diente ein Eschelbacher Bursch als +Bauernknecht in Waldangelloch, welcher vom Teufel sich Fahrsamen +verschafft hatte und daher fahren konnte, wie und wohin er wollte. Oft +jagte er mit schwer beladenem Wagen und vier Pferden steile Bergabhänge +hinab, und wenn dabei das Gefährt auch ganz auf die Seite hing, so +stürzte es doch niemals um. Einst kam er mit einem Wagen Frucht in die +Scheuer, und da er Niemand fand, ihm zum Abladen zu helfen, fuhr er die +senkrechte Leiter hinauf auf die Obertenne und warf dort die Frucht ab. +Während dessen kam der Bauer in die Scheuer, aber als er das Fuhrwerk +oben sah, eilte er schweigend hinaus. Nach beendigtem Geschäft fuhr der +Knecht wieder die Leiter hinunter, ging zu seinem Herrn und sagte ihm: +»Das war ein Glück, daß ihr in der Scheuer kein Wort gesprochen habt, +sonst wäre ich mit Wagen und Pferden hinabgefallen.« + +Auf die Bitte eines Freundes, ihm auch Fahrsamen zu verschaffen, begab +sich der Bursch, um 11 Uhr in der Christnacht, mit ihm auf einen +Kreuzweg. Dort machte er auf dem Boden einen Kreis, stellte sich mit dem +Andern hinein und ermahnte ihn, ja keinen Laut von sich zu geben, es +möge kommen, was da wolle. Hierauf zog er ein Büchlein hervor und fing +an, stille darin zu lesen. Gegen halb 12 Uhr hörten sie ein Getöse wie +vom wilden Heer durch die Lüfte ziehen, jedoch ohne etwas zu sehen, oder +sich dadurch irren zu lassen. Nach diesem drohte ein Mühlstein, an einem +dünnen Faden hängend, auf sie herabzustürzen; aber er störte sie ebenso +wenig, als eine heran rasselnde vierspännige Kutsche, deren Führer sie +vergebens um die Entfernung nach dem nächsten Orte fragte. Als dieselbe +schon eine Weile davon gejagt war, kam einer in einer großen +Holzschüssel mühsam herbeigerutscht und sprach zu ihnen: »Kann ich die +Kutsche noch einholen?« Da mußte der Freund des Burschen laut lachen, +und sogleich erhielt er von letzterem eine derbe Ohrfeige, mit den +Worten: »Dummkopf! jetzt hast Du Dich durch dein Gelächter um den +Fahrsamen gebracht.« + + * * * * * + +Eben dieser Knecht verstand sich auch meisterlich auf das Bannen. Eines +Sonnabends besuchte er mit einem Waldangellocher ein Mädchen im +Engelwirthshaus zu Menzingen, wo er zwölf Bursche aus dem Ort antraf. +Dieselben schlichen nach und nach davon, woraus der Waldangellocher +merkte, daß sie ihm und seinem Gefährten draußen auflauern wollten. Als +er es diesem entdeckte, beruhigte ihn derselbe, und ging erst um 11 Uhr +mit ihm hinweg. Eine Viertelstunde von Menzingen fanden sie alle die +Bursche, mit Äxten, Mistgabeln, Prügeln bewaffnet, regungslos, in +verschiedenen Stellungen, am Wege stehen. Auf Zureden des Eschelbachers +betrachtete dessen Begleiter die Gebannten ganz in der Nähe, wobei er +vergebens versuchte, einem derselben die Tabakspfeife aus dem Munde zu +ziehen. Nach Verfluß einer halben Stunde setzten sie ihren Weg fort, und +als sie nicht mehr weit von Waldangelloch waren, sagte der Knecht zu dem +Andern, eben habe er die Bursche von dem Banne befreit. Bei seinen +nachherigen Besuchen in Menzingen blieb er von Jung und Alt +unangefochten. + +Zufällig hatte er einst sein Zauberbüchlein bei einem Bekannten liegen +lassen, der es in die Hände bekam und durchblätterte. Das Meiste konnte +er nicht verstehen; ein Bannspruch aber war ihm deutlich, und er las ihn +ab, um ihn an einem Mann zu versuchen, welchen er an einen +Zwetschgenbaum sich lehnen sah. Alsbald erstarrte der Mann und mußte so +neun volle Stunden bleiben, da der andere den Bann nicht wieder zu lösen +vermochte. Zum Glücke kam der Knecht, um sein Büchlein zu suchen, und +als er den Vorgang erfahren, las er den Spruch von hinten nach vorn her +und befreite dadurch den Mann, der, wenn dies nicht noch vor +Sonnenuntergang geschehen wäre, in Asche würde zerfallen seyn. + + * * * * * + +Als der Eschelbacher sich schon lange in seinem Geburtsort +niedergelassen hatte, mahlte er einmal Nachts mit einem Mann aus +Waldangelloch in der Michelfelder Mühle. Da kamen einige Ratten herbei, +blieben aber, zur großen Verwunderung des Mannes, gleich regungslos +sitzen und ließen sich von ihm anrühren. Auf die Bitte des +herzugekommenen Müllers bannte der Eschelbacher noch mehrere Ratten, und +nachdem er sie in das Wasser geworfen hatte, sagte jener zu ihm, er +wolle ihm jedes Vierteljahr einen Zentner Mehl geben, wenn er dafür die +Mühle von den Ratten jeweils säubere. »Nein, das thue ich nicht«, +erwiderte der Eschelbacher, »denn ich habe einst ein Reh gestellt, und +dasselbe hat darauf so heftig geweint und mich so kläglich angeschaut, +daß ich es gleich wieder frei ließ und mir vornahm, kein Thier mehr zu +bannen. Heute habe ich zwar dem Mann da einen Spaß machen wollen, aber +sonst gebe ich mich nicht mehr mit solchen unrechten Dingen ab.« + + + + +140. + +Schatz bei Sinsheim. + + +Vor vierzig Jahren sah eine Frau von Sinsheim, als sie im Wald auf den +_drei Buckeln_ graste, vier dünne Eisenketten im Viereck aus dem Boden +hervorstehen, welche sie trotz alles Ziehens nicht herausbrachte. Bei +ihrer Heimkunft erzählte sie es, worauf gleich vier Männer mit ihr +hinausgingen und auf dem Platze noch die Ketten vorfanden. Sie gruben +daselbst nach, und während die Frau sich etwas entfernt hatte, um wieder +zu grasen, stießen sie auf eine volle Kiste, die an den Ketten befestigt +war und auf der ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen saß. +Stillschweigend zogen sie sie an den Ketten heraus; da kam gerade die +Frau zurück, und beim Anblick des Hundes, der den Rachen aufsperrte, +schrie sie: »O Jesus!« Im Nu versanken Kiste, Ketten und Pudel und sind +weder von der Frau, noch von den Männern je wieder gesehen worden. + + + + +141. + +Fußstapfe im Stein. + +(Zu Nr. 353 des Hauptwerkes.) + + +Auf dem großen Söller des Heidelberger Schlosses ist in einer +Steinplatte eine ziemlich tiefe Fußstapfe. Sie wurde von einem Ritter +bei der nächtlichen Entführung einer Pfalzgrafentochter eingedrückt, als +er, diese auf dem Arme tragend, aus einem Giebelfenster glücklich +herabsprang. + + + + +142. + +Vorzeichen reicher Weinernte. + + +Wenn es zu Weinheim einen guten Herbst gibt, sieht man in der +Johannisnacht den verstorbenen Freiherrn v. Bonn auf einem Schimmel, von +seinem Schloß in Birkenau bis zum Bonnhof, in der Weschnitz reiten. + + + + +143. + +Der wilde Jäger. + + +Über die Gegend von Schlossau im Odenwald fährt zuweilen Nachts der +wilde Jäger, mit großem Jagdgetöse, durch die Luft hin. Wer dann im +Freien ist und ihn heran kommen hört, der muß ihm ausweichen, oder sich +mit dem Gesicht auf den Boden legen, sonst wird er (wie es schon +geschehen) vom wilden Jäger mit dessen Jagdnetz gefangen, fortgenommen +und in einem fremden Land zur Erde gesetzt. + + + + +144. + +Geisterlärm verhindert Waldfrevel. + + +In einer Winternacht, um 1 Uhr, ging ein Mann von Schlossau in den +fürstlichen Wald des Rothenbergs, um sich einen Stamm zu Fackeln zu +holen. Eben setzte er die Axt an eine junge Buche, als plötzlich um ihn +her solch fürchterliches Jagdgetöse ausbrach, daß er erschrocken inne +hielt und umher schaute. Nichts war zu erblicken, und allmählig +entfernte sich der Lärm und verhallte. Nun wollte der Mann wieder den +Baum fällen; allein abermals ward er durch das um ihn entstehende +Jagdgetöse daran verhindert. Auf gleiche Weise ging es zum dritten Male. +Da merkte er endlich, daß er den Frevel unterlassen solle, und trat +ungesäumt den Heimweg an. + + + + +145. + +Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht. + + +In dem Waidachwald wurde einst ein durchreisender deutscher Kaiser von +Räubern angefallen. Auf seinen Hilferuf kamen Männer aus den drei Orten +Schefflenz, welche in dem Walde wilderten, schleunig herbei und trieben +die Räuber in die Flucht. Zum Danke verlieh der Kaiser den drei Orten +das alleinige Jagdrecht im Waidach auf ewige Zeiten. + + + + +146. + +Boxberg's Name. + + +Ehe Boxberg diesen Namen führte, ward es einmal so lange belagert, bis +es keine Lebensmittel mehr hatte. Da ließ ein kluger Schneider sich in +eine Bockshaut nähen und schritt dann, auf allen Vieren, auf der +Stadtmauer hin und her. Als die Feinde das stattliche Thier sahen, +ließen sie ihre Hoffnung, den Ort bald auszuhungern, fahren und hoben +die Belagerung auf. Zum Danke für die glückliche Errettung legte das +Städtlein sich den Namen _Boxberg_ auf ewige Zeiten bei. + + + + +147. + +Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel. + + +In Werbach kam einst ein sechsjähriges Mädchen von seiner Pathe heim +und sagte seiner Mutter, es habe von jener erlernt, Mäuse und Gewitter +zu machen. Da untersagte sie ihm strenge, je wieder hin zu gehen, und +nähte ihm Dosten und Johanniskraut in die Kleider. Trotz des Verbots +schlich das Kind wieder zu der Pathe und wurde von ihr in den Keller +geführt, wo der Teufel auf es paßte. Beim Anblick des Mädchens rief er +aber aus: + + »Dosten und Johanniskraut + Verführt mir meine Braut!« + +Denn wegen der eingenähten Kräuter hatte er über das Kind keine Gewalt +mehr. + + + + +148. + +Hexe verunglückt. + + +Ein Bauernknecht zu Werbach wurde mehrere Nächte im Bett von etwas so +gedrückt und geplagt, daß er stets am Morgen ganz erschöpft war. Als er +es seinen Hausgenossen klagte, rieth ihm die Bäuerin: er solle in der +nächsten Nacht sich im Bett ein Messer mit der Spitze auf die Brust und +auf dasselbe einen hölzernen Teller setzen. Arglos wollte es der Bursche +so machen; allein auf das Zureden seines Mitknechts that er den Teller +unter das Messer und richtete des letztern Spitze in die Höhe. Gegen +Mitternacht warf sich wieder etwas auf ihn; es war, wie sich gleich +nachher zeigte, die Bäuerin selbst, welche sich dabei in das Messer +gestürzt und getödtet hatte. Nun erkannte er, daß sie, eine Hexe, ihn +seither so geplagt habe, und daß er jetzt, wenn er ihren Rath befolgt +hätte, statt ihrer todt gestochen wäre. + + + + +149. + +Hexenstein. + + +Auf dem Berge _Lindhelle_ bei Gamburg versammeln sich in der +Walpurgisnacht die Hexen und tanzen auf einem Felsen, welcher davon der +_Hexenstein_ genannt wird. + + + + +150. + +Hexe als Gans. + + +Vor mehreren Jahren sah der Nachtwächter zu Wertheim, Nachts um zwei, +neben sich eine Gans auf der Straße laufen. Er fing sie und nahm sie mit +in die Wachstube, wo er sie unter die Bank sperrte. Am Morgen lag, statt +der Gans, eine Wertheimer Frau da, die, wie sich nun zeigte, mit Recht +schon für eine Hexe gegolten hatte. + + + + +151. + +Goldene Kugel. + + +Die elfjährige Angelika Brand in Freudenberg erzählte: + +»Am dreizehnten August dieses Jahres[14], einem Sonntage, ging ich, +Nachmittags gegen drei Uhr, mit zwei Gespielinnen und einem kleineren +Buben auf das hiesige wüste Bergschloß. Beim viereckigen Thurme setzten +wir uns nieder, und auf einmal kam, etwa fünfzehn Schritte von uns, eine +glänzende Goldkugel aus dem Boden, die größer als eine Kegelkugel war. +Sie wälzte sich langsam her und blieb vor unsern Füßen liegen. Wir +Mädchen sahen sie deutlich; der Bube aber konnte sie nicht erschauen, +obgleich wir mit Fingern auf sie hinwiesen. Da wir aus Angst anfingen, +zu schreien, rollte die Kugel wieder langsam zurück und versank auf dem +Platze, wo sie hervorgekommen war.« + + [14] 1854. + + + + +152. + +Hexe als Löwe. + + +Als einst in Aschaffenburg die Leichenfrau um Mitternacht von einer +Verstorbenen heimging, sah sie, in einer engen Gasse, einen +fürchterlichen Löwen mit aufgesperrtem Rachen herankommen. Sie hielt das +geweihte Kreuz, welches sie Nachts mitzunehmen pflegte, ihm entgegen; +allein er sprang auf sie los, worauf sie ihm das Kreuz in den Rachen +stieß. Da verwandelte sich der Löwe in ein altes, nacktes Weibsbild, das +auf allen Vieren lief und hinten, statt des Schwanzes, einen Kochlöffel +hatte. + + + + +153. + +Heiligenfrevel bestraft. + + +Im Jahre 1848 machten die Hammelburger in einer Scheuer einen Strohmann +mit einem Stabe in der Hand, trugen ihn unter dem Spottgeschrei: »Das +ist der Papst!« durch die Straßen und verbrannten ihn zuletzt vor dem +Thore. Fünf Jahre nachher verkündete eine durchziehende Zigeunerin: +zwischen Ostern und Pfingsten des folgenden Jahres werde die Stadt an +allen vier Ecken brennen. Deßwegen vor den Landrichter geführt, sagte +sie ihm: so gewiß werde ihre Vorhersagung wahr, als er sechsunddreißig +Kreuzer bei sich habe. Da er nachsah, hatte er auch gerade so viel Geld +in dem Beutel. In der bezeichneten Frist brach dann in derselben Scheuer +und am gleichen Tage, wo der Strohmann gemacht worden war, eine +Feuersbrunst aus, die fast ganz Hammelburg in Asche legte und so dessen +Heiligenfrevel schrecklich bestrafte. + + + + +154. + +Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt. + + +Als einst ein vornehmer Herr in Ochsenfurt einfuhr, stand am Thore ein +Ochs, der gerade seinen Koth fallen ließ. Hierüber erzürnt, ließ der +Herr das Thier der Breite nach mitten entzwei hauen, und veranlaßte +dadurch, daß die Vorderhälfte eines Ochsen das Wappen der Stadt wurde. + + + + +155. + +Der Radstein. + + +Ein Bamberger Wagner war die Wette eingegangen: er wolle vom Aufgange +bis zum Untergange der Sonne einen Baum fällen, daraus ein Rad ohne Reif +machen und es noch bis Würzburg rollen. Schon hatte er mit dem so +gefertigten Rade das Kloster Ebrach zurückgelegt, aber zwischen diesem +und Breitbach fiel er vor Erschöpfung nieder und starb, während das Rad +noch eine Strecke allein fortrollte und dann zersprang. An der Stelle, +wo der Wagner umgefallen, steht ein Stein mit einem ausgehauenen Rade, +welcher der _Radstein_ genannt wird. + + + + +Berichtigungen. + +Hauptwerk. + + + Seite VI (im Inhaltsverzeichniß) Zeile 1 von unten lese man Sonnabends, + statt Sonntags. + + S. 15 Z. 18 von oben lese man ruchtbar, statt ruchbar. + + " 33 " 4 " " " " Kuchenacker, statt Kuchengarten. + + " 74 " 8 " unt. " " d'Mauren, statt Mauren. + + " 147 " 5 u. 6. v. u. " " Mariabild, statt Vesperbild. + + " 155 " 12 von oben " " Schaubhut, statt (des provinziellen) + Schabhut. + + " 174 " 12 u. 13 v. o. " " Burgstadel, statt Platz des Burgstadels. + + " 193 " 6 von unt. " " Namen, statt Nachen. + + " 229 " 7 " " " " Schaubhut, statt Schabhut. + + " 241 " 6 " oben " " Beherbergung, statt Beherbung. + + " 242 " 2 " unt. " " Gold, statt Geld. + + " 351 " 1 " oben " " Leuten, statt Leute. + + " 373 " 19 u. 20 v. o. " " das Michelskirchlein auf der Höhe, + das zuerst gebaut wurde, statt: + das Michelskirchlein, das auf der + Höhe zuerst gebaut wurde. + +Wie man sieht, betreffen diese Berichtigungen weniger Druckversehen, als +Irrungen beim Sammeln und Schreiben der Sagen. + + _Baader._ + + + + +[Anmerkungen zur Transkription: + +Im Original gesperrt gesetzter Text ist _so_ gekennzeichnet. +Im Original in Antiqua gesetzter Text ist =so= gekennzeichnet. + +Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch Ä, Ö und Ü ersetzt. + +Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert, +die Schreibweise aber sonst wie im Original belassen.] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande +Baden und den angrenzenden Gegenden, by Various + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NEUGESAMMELTE VOLKSSAGEN *** + +***** This file should be named 27206-8.txt or 27206-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/2/7/2/0/27206/ + +Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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