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+Project Gutenberg's Blicke in das Leben der Zigeuner, by Engelbert Wittich
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Blicke in das Leben der Zigeuner
+ Von einem Zigeuner
+
+Author: Engelbert Wittich
+
+Release Date: June 15, 2008 [EBook #25796]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BLICKE IN DAS LEBEN DER ZIGEUNER ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Markus Brenner and the
+Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
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+
+ Hefte für Zigeunerkunde 2.
+
+ Blicke in das Leben
+ der Zigeuner
+
+ Von einem Zigeuner
+ (E. Wittich).
+
+ [Illustration]
+
+ Striegau
+ Huß-Verlag
+ 1911
+
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+
+ Seiner lieben Frau
+ Friederieke
+ und seinen lieben Kindern
+ Hilda und Arthur
+ gewidmet
+
+ vom Verfasser.
+
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+ [Illustration: Selbstbildnis des Verfassers
+ als junger Mann
+ (nach dem Spiegel gezeichnet.)]
+
+
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+ Vorwort.
+
+
+Nur selten ist es bisher gelungen, einen richtigen Einblick in das Leben
+und Treiben, Denken und Empfinden des Zigeunervolkes zu gewinnen. Die
+mangelnde Kenntnis der #Romani#-(Zigeuner-)Sprache, die aus manchen
+Ursachen erklärliche Abneigung des #Sinto# (Zigeuner), die #Gadsche#
+(Nichtzigeuner) in sein inneres Leben blicken zu lassen, und die schwere
+Erreichbarkeit der Zigeuner überhaupt, hüllen das Zigeunertum bis heute
+in ein fast völliges Dunkel. Es ist daher ein erfreuliches Ereignis, daß
+ein Zigeuner selbst sich entschlossen hat, das Dunkel zu lichten und ein
+wahrheitsgetreues Bild seines Volkes zu geben. Seine braunen
+Volksgenossen sind darüber mißvergnügt; aber mit Unrecht. Der Verfasser
+täuscht sich gewiß nicht, wenn er hofft, daß durch seine Darstellung die
+Zigeuner in einem ganz anderen Lichte erscheinen, als wie man sie bisher
+anzusehen gewohnt war. Man kann geradezu sagen, daß uns die schlechten
+oder wenigstens unangenehmen Eigenschaften der Zigeuner nur deshalb am
+meisten auffallen, weil sie die Außenseite bilden. Beim näheren
+Kennenlernen bieten die #Sinte# aber soviel Anziehendes,
+Liebenswürdiges, geheimnisvoll Interessantes, daß der Forscher oder der
+Zigeunerfreund (#Romano Rai#) sogar Gefahr läuft, die schwarzen Seiten
+des Zigeunerlebens ganz zu übersehen.
+
+Jedenfalls ist zu hoffen, daß das vorliegende Büchlein dazu beitragen
+wird, manche falsche Vorstellung zu beseitigen, und die Abneigung gegen
+die Zigeuner in Interesse, Sympathie und liebevolle Hilfe umzuwandeln.
+
+ R. Urban.
+
+
+
+
+Die Zigeuner sind aus vielen Schilderungen bekannt. Über ihr Leben,
+ihre Sitten und Gebräuche wurde schon viel geschrieben, Wahres und
+Unwahres, oft geradezu Haarsträubendes. Merkwürdigerweise, so reich die
+Literatur über die Zigeuner ist, behandelt diese doch zumeist nur die
+Ausländer, hauptsächlich die ungarischen und österreichischen Zigeuner.
+Dagegen ist die Kenntnis über die deutschen Zigeuner noch sehr gering.
+Dem Forscher steht daher hier noch ein großes Feld der Betätigung offen.
+
+Ich will darum im Folgenden versuchen, etwas über die deutschen Zigeuner
+mitzuteilen, um das Wahre vom Unwahren zu trennen. Ich werde nur
+Tatsachen berichten und kann mit bestem Gewissen für die Wahrheit meiner
+Darstellungen eintreten.
+
+Bemerken möchte ich noch, daß dies selbst ein Zigeuner schreibt, der von
+Geburt an bis vor kurzer Zeit im Wohnwagen reiste und daher auf das
+Genaueste über Leben, Sitten und Gebräuche der Zigeuner unterrichtet
+ist. Ich schreibe aus eigener Anschauung, -- nicht vom Hörensagen,
+unparteiisch, und werde die Zigeuner weder schwärzer noch weißer malen,
+als sie sind. Ich berichte nur selbst Erlebtes und was ich selbst
+beobachtet habe und bin daher genötigt, manches Märchen über die
+Zigeuner zu zerstören. Vieles hätte ich gern etwas ausführlicher
+behandelt, aber der Raum erlaubt es mir leider nicht. So sind es nur
+kleinere Bilder aus dem Leben eines Zigeuners und einige
+Richtigstellungen, was ich in Nachstehendem biete.
+
+Vor noch nicht gar so langer Zeit stellte man sich unter Zigeunern
+nomadisierende, träge und schmutzige Menschen vor, welche die ganze Welt
+durchziehen und weder Gesetze, noch Vaterland, Familienbande, Religion
+besitzen und alle nur erdenklichen, schimpflichen, und lichtscheuen
+Gewerbe betreiben. Ruhelos wie Ahasverus, von Ort zu Ort wandernd,
+wurden sie überall verachtet, verfolgt und von jedermann oft in recht
+unmenschlicher Weise behandelt und für gänzlich vogelfrei angesehen. Als
+Räuber, Mörder, Diebe, ja sogar als Kinderräuber und sonst noch alles
+mögliche waren sie verschrien. Ihre Töchter ließen sie von dem entehren,
+der ihnen am meisten bot. Ihre Dolche und Gifte, ihre Mittel, welche den
+Tod brachten, verkauften sie gern an jeden Rachedürstenden. Kurz und
+gut, alles Wunderbare, Unmögliche und Abscheuliche wurde den Zigeunern
+in die Schuhe geschoben.
+
+Heute ist es in dieser Beziehung etwas besser geworden, und wenn die
+Zigeuner, hauptsächlich von dem gebildeten Publikum, mit etwas
+freundlicheren Augen angesehen werden, so ist das hauptsächlich der
+aufklärenden Literatur zuzuschreiben. Aber trotzdem werden sie noch
+immer sehr schlecht behandelt, sie werden immer wieder von neuem
+verfolgt, bedrängt und gehetzt. Fast von jedermann unverstanden, bringt
+man ihnen wenig Sympathie entgegen.
+
+Ob nun die Zigeuner diese Behandlung verdienen und solche Bösewichte
+sind, denen man alles Scheußliche zutrauen darf, und ob sie wirklich
+moralisch so tief unter den anderen Völkerschaften stehen, wie man immer
+annimmt, mögen die folgenden Blätter zeigen. Man beachte, daß fast nur
+von den deutschen Zigeunern die Rede ist.
+
+Heutzutage hat der Zigeuner, gegen früher, im _Erwerb_ einen schweren
+Stand. In Deutschland wird ihm das, wodurch er noch sein bestes
+Fortkommen hatte und was seinen Befähigungen am besten entsprach, der
+Wander-Gewerbeschein, in den meisten Fällen versagt. Eine geordnete
+Arbeit bei dem herrschenden Vorurteil gegen ihn und der Arbeitslosigkeit
+unserer Tage, wo hunderte geübte, gelernte Menschen arbeitslos sind, für
+den Zigeuner zu bekommen, ist fast unmöglich, obwohl ja auch die Liebe
+zum Müßiggang, zur Bummelei, ein wenig mitspielt. Aber die deutschen
+Zigeuner sind keineswegs ein so müßiges, faules Volk, wie gewöhnlich
+kurzerhand angenommen wird; man darf sie in dieser Beziehung nicht mit
+den Zigeunern anderer Länder vergleichen. Man beachte einmal das Leben
+und Treiben am Halteplatz des Wohnwagens und man wird sofort sehen, daß
+der deutsche Zigeuner nicht der Faulpelz ist, als den man ihn sich
+gemeinhin vorstellt.
+
+Dann ist vor allem die Musik seine sozusagen angeborene
+Lieblingsbeschäftigung und -Geschäft. Ohne Geige kann man sich überhaupt
+keinen Zigeuner vorstellen. Daß sie in der Musik Vorzügliches leisten
+und daß sie hervorragende künstlerische geistige Anlagen haben, ist ja
+bekannt. Da ist z. B. der Zigeuner »Votter«, ein anerkannter Virtuose,
+(Zigeunername Köhler), welcher Geige, Harfe und Klavier ohne jede
+Notenkenntnis meisterhaft spielt und einen Landesruf genießt. Er mußte
+seine Kunst vor hohen und höchsten Herrschaften zeigen. Dann der
+Zigeuner J. _Reinhardt_, Zigeunername »Mala«, -- »Meineli« Zigeunername
+seiner Mutter Preziosa, Vater Jakob Reinhardt, -- der blind geboren und
+ein so vorzüglicher Geigenspieler ist, daß er unter den Zigeunern selbst
+die größte Bewunderung erregt und als einer der besten lebenden Spieler
+angesehen wird. Man muß z. B. ihn als »Kunstgeiger« oder den
+»Kanarienvogel« oder ein Fantasiestück spielen gehört und gesehen haben!
+Die besten Musikkenner bewunderten schon die Technik, das warme, feurige
+Gefühl, die hinreißende Gewalt der Töne, die der blinde Künstler,
+begeistert vom eigenen Spiel, seinem Instrument entlockt. So könnte ich
+noch viele anführen, welche einfach großartiges in der Musik leisten.
+Natürlich bringen es nicht alle zu einer solchen Meisterschaft. Blas-
+und Blechinstrumente lieben die Zigeuner nicht, doch gibt es hierin auch
+einige Ausnahmen und einige Stämme (Familien), machen neben Streichmusik
+auch noch gute Blechmusik. Gleichguten Ruf besitzen unter anderen die
+Familien dreier meiner Schwäger, als Streich- und Blechmusiker. Auch
+sind dieselben nebenbei gesagt, eine der besten »fahrenden«
+Sängergesellschaften! Ebenso die Familien »Karl-Antoner«, Eckstein,
+Winter, Pfisterer usw. Und wie sehen die Instrumente oft aus? Kaum
+verdienen sie noch den Namen Instrumente. Der geübteste Musiker könnte
+nichts mehr mit ihnen anfangen. Anders der Zigeuner! Mit zwei, drei
+Saiten auf der Guitarre oder Violine spielt er ebenso gewandt, wie jener
+mit dem teuersten, feinsten Instrument. Statt eines Bogens genügt ihm
+auch eintretenden Falles ein Ästchen von irgend einem Baum, eine
+Weidenrute usw., statt der Haare Nähfaden. In diesem Fall muß der
+schulgerechteste Musiker zurückstehen, an solchen primitiven
+Gegenständen scheitert seine Kunst. Man muß es gesehen haben, wenn man
+den kleinen Kindern eine Geige in die Hand gibt, wie der Zigeuner nur
+durch Vorsingen oder Vorspielen die schwierigsten Musikstücke lernt, die
+Melodie wird einfach vorgesungen oder gepfiffen, er probiert es einmal,
+zweimal, beim drittenmal spielt er das Stück schon mit ganzer
+Sicherheit.
+
+Solche Gelehrigkeit und Fertigkeit ist geradezu erstaunlich. Man sieht
+und fühlt deutlich, daß der Zigeuner ein geborener Musiker ist. Durch
+ihre Musik verdienen sie ein schönes Stück Geld. Gewöhnlich
+Werktagsabends und dann Sonntags, in Vereinen usw., bei Festlichkeiten,
+machen sie auf dem Lande Musik und Konzert. Dann auch in den Badeorten,
+Luftkurorten vor den anwesenden Herrschaften. In jedem Schloß, bei
+Grafen und Baronen sprechen sie vor, zeigen ihre glänzenden Zeugnisse,
+worauf sie dann fast immer die Erlaubnis zum musizieren erhalten.
+Gewöhnlich müssen sie dann Tafelmusik machen, und gut bewirtet und
+bezahlt werden sie entlassen. Vorher vergißt es aber der Anführer nicht,
+sich ein neues »Attest« in sein »Zeugnisbuch« eintragen zu lassen, um es
+gegebenenfalles benützen und vorzeigen zu können. Die Geige ist dem
+Zigeuner sein alles. Sein Instrument ist ihm so ans Herz gewachsen, daß
+er lieber hungert und dürstet, geduldig die größten Entbehrungen
+erträgt, ehe er sich von seiner Geige trennt. Sie ist seine Ernährerin,
+seine Trösterin. Alt oder jung, die Geige gibt ihm Leben, muß ihm
+Speise, Trank und -- Liebe bringen. In seinen Liedern klagt er ihr sein
+Leid, die mit ihm treu Freude und Schmerz, Glück und Unglück teilt. Und
+so singt der kleine, arme Zigeunerknabe, einsam und verlassen gar oft:
+
+ #»Me hom i tikno, tschorelo Sindenger Tschawo.
+ Mer Dai muies da mer Dad hi stildo.
+ Gamlo, baro Dewel! me hom kiake tschorelo
+ Ta mer Dades ano Stilapen, les hi bokhelo.
+ Man hi tschi har mer Baschamaskeri.
+ Me lau la da dschau ani Kertschemi,
+ Dschin da has i bresla Lowe man.
+ Naschaua pascha mer Dad ano Stilapen,
+ Djomles gaua Lowe, job has froh:
+ »Gana hilo buter kenk bokhelo!«#
+
+ »Ich bin ein kleines, armes Zigeunerkind.
+ Meine Mutter ist gestorben und mein Vater ist im Arrest.
+ Lieber, großer Gott! ich bin so arm
+ Und mein Vater im Arrest, er hat Hunger.
+ Ich habe nichts als mein Instrument.
+ Ich nehme es und gehe in die Wirtschaft,
+ Bis ein wenig Geld mein war.
+ Gehe zu meinem Vater in Arrest,
+ Gib ihm das Geld, er war froh:
+ »Jetzt hat er keinen Hunger mehr.« --
+
+Einen weiteren Erwerb findet der Zigeuner im Geigenhandel, auf den er
+sich meisterhaft versteht. Ein anderer Haupterwerbszweig ist die
+Holzschnitzerei. Fast ein jeder kann schnitzen, der eine mehr, der
+andere weniger gut. Ein jeder Zigeuner kommt eigentlich mit irgend einer
+künstlerischen Anlage auf die Welt. Der eine hat ein oft auffallendes
+Talent und Neigung zum Bildschnitzen, der andere wieder zum Zeichnen
+usw. So können einige Bekannte von mir tadellos zeichnen, dabei weder
+lesen noch schreiben. Ein Schwager von mir hatte mehr Talent zum Malen
+mit Farben, als zum Zeichnen. Er würde darin manchen gelernten
+»Dekorationsmaler« vom Lande oder der kleineren Städtchen übertreffen,
+ohne nur die geringste Anleitung je darin empfangen zu haben. Er malte
+unter anderem sehr nett den Theatervorhang und Kulissen seines einstigen
+»Reisendem Volkstheater«, mit welchem er auf den Dörfern in
+Wirtschaftssälen Vorstellung gab. Zum Schluß machte er dann mit seiner
+Familie Streich- und Blechmusik mit Gesang! Eben einer der vorhin
+erwähnten guten Streich- und Blechmusiker. Spielten z. B. »Genovefa«
+usw. Andere lernten es nur durch dies Zeichentalent ohne jede Anleitung
+oder Unterricht. Z. B. konnte ich, ehe ich 6 Jahr alt war, ehe ich eine
+Schule auch nur inwendig gesehen hatte, wie ich ja überhaupt kaum 3½
+Jahre in eine Schule kam, schon gut lesen und schreiben, eben durch mein
+Zeichentalent angeregt. Ich zeichnete die gedruckten Buchstaben meines
+Namens, schnitzte sie auch ins Holz und lernte sie so kennen, lesen und
+schreiben. Als gute Holzschnitzer verfertigen die Zigeuner mit vielem
+Fleiß und Talent allerhand, so Tabaks- und Zigarrenpfeifen,
+Zündholzsteine, Salatbestecke (Messer, Gabeln, Löffeln), Haarschmuck,
+Spazierstöcke usw. Alles mit schönen Schnitzereien verziert. Bedeutendes
+leistete hierin ein Vetter von mir, welcher vor nun 7 Jahren gestorben
+ist. Im württembergischen und badischen Schwarzwald verkaufte er seine
+Arbeiten und hatte dadurch einen schönen Verdienst. Heute noch kann man
+in den genannten Gegenden seine sauber, originell und kunstvoll
+gearbeiteten Erzeugnisse sehen, die die Besitzer selbst um teures Geld
+nicht hergeben würden. Der beste mir bekannte Holzschnitzer, ein
+Künstler darin, war der im Jahr 1903 verstorbene G. Winter. Mit den
+primitivsten Werkzeugen verfertigte er wirklich nur Kunstvolles. Er
+verkaufte seine Sachen teuer und fand auch immer Abnehmer. Keiner der
+heute lebenden Zigeuner erlangte bisher wieder solche Fertigkeit im
+Schnitzen wie dieser. -- Ein anderer württembergischer Zigeuner besaß ein
+besonderes Geschick darin, Kruzifixe, hl. Bildnisse, (Statuen) und
+Violinen, Guitarren zu verfertigen. Selbst von Kennern wurde seine
+Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit anerkannt, so lieferte er manche
+Arbeit in verschiedene Anstalten für kirchliche Kunst. In katholischen
+Gegenden wurden seine Heiligen-Figuren gerne gekauft und in mancher
+Kirche und an Straßenkreuze durfte er den Christus machen. Einmal
+spielte ihm und seiner Kunst der Aberglaube in einer gewissen Gegend des
+Unterlandes einen bösen Streich. Er durfte da an das große Kreuz, am
+Eingang einer Wallfahrtskirche, den Heiland schnitzen. Kaum war er an
+das Kreuz angemacht, bewundert und gelobt von den frommen Besuchern, als
+ein paar Tage darauf, bei einem Gewitter der Blitz in das Kreuz schlug
+d. h. nur der Christus wurde vom Kreuz weggerissen und gänzlich
+zertrümmert. Wie nun die abergläubische Landbevölkerung einmal ist,
+wurde dieses Naturereignis dem armen Teufel schwer ausgelegt. Es war ein
+sicheres Zeichen, daß der Herrgott selbst so seine Meinung kundgab, daß
+er nicht von so einem gottlosen Zigeuner »gemacht« sein wollte. Solche
+Reden hörte man nach dem Ereignis. Der Pfarrer kam, weil er den Auftrag
+gegeben hatte, auch nicht ganz glimpflich weg. Der Zigeuner fand keine
+Abnehmer mehr für seine »Heiligen« und wenn sie auch noch so schön und
+künstlich geschnitzt waren. Er mußte daher diese Gegend meiden.
+Selbstverständlich durfte auch nicht er den neuen »Herrgott« machen,
+der wurde aus einer christlichen Kunstanstalt bezogen. Dieser Zigeuner
+konnte auch, wie bereits gesagt, tadellos gearbeitete Geigen usw.
+machen. Dadurch hatte er immer einen Verdienst, meistens lieferte er nur
+für die Zigeuner selbst seine Instrumente, aber auch in die größten
+Städte und Musikhandlungen verkaufte er öfters seine täuschend
+»imitierten« alten Meistergeigen, wo dieselbe dann für schweres Geld,
+als »echte« Steiner oder Quanari usw. als durch »glücklichen Zufall« in
+Besitz gelangte, an den Mann gebracht wurden. Dann ein naher Verwandter
+von mir »Kohler« (Zigeunername; sein rechter Name: Guttenberg, August),
+der heute fast ganz erblindet ist, besitzt auch den Ruf als äußerst
+geschickter Bildschnitzer und heute noch macht er, als halbblinder, noch
+sehr schöne Sachen. Unter anderem kann man Arbeiten von ihm im Museum
+für Volkskunde (Abteilung Europa) zu Basel, sehen.
+
+Nachdem ist einer der wichtigsten Erwerbszweige der Zigeuner der
+Pferdehandel. Schweinehändler ist der deutsche Zigeuner niemals und noch
+nie gewesen. Sie sind tüchtige und gute Pferdekenner, was ihnen niemand
+abstreiten kann. Sie besitzen und kennen gute, sicher wirkende
+Heilmittel gegen Pferdekrankheiten. Man mag da noch so sehr schreien
+über »Quacksalberei«, es ist doch so! Auch verschiedene Kunstgriffe
+verstehen sie, die zwar nicht dem Käufer, wohl aber ihnen -- nutzen. Auf
+die Beschreibung dieser »Zunftgeheimnisse«, deren es hier und bei
+anderen Gelegenheiten, eine große Anzahl gibt, muß ich aus leicht
+begreiflichen Gründen verzichten. Einige der berühmtesten Pferdehändler
+bei uns sind z. B. der bezw. die Familie (Sippe) »Schnurmichel«
+Familienname »Christ!« Überhaupt die aus vier Brüdern bestehende Sippe
+und deren Söhne. Sodann »Gadscho« (Zigeunername; richtiger Name:
+Lehmann), unser derzeitiger Hauptmann. Beide sind durch ihren
+Pferdehandel zu einer ganz netten Wohlhabenheit gekommen. Weiter noch:
+Franz Reinhardt und dann noch die in ganz Preußen bekannte Familie
+Petermann; besonders bekannt davon »Leidschi« (Zigeunername). Schöne
+Pferde, möglichst mehrere, schöne, glänzende Geschirre, verziert und
+beschlagen mit Neusilber, Messing usw. ist dem Zigeuner sein größter
+Wunsch und sein Stolz und gilt außerdem für Wohlhabenheit. Rührend ist
+auch die Liebe, die der Zigeuner für diese Tiere hegt. Den letzten
+Bissen teilt er mit ihnen. Dagegen hat er gegen das Putzen derselben
+eine merkwürdige Abneigung.
+
+Von anderen, den »_geheimnisvollen Berufen_«, will ich schweigen, sie
+sind ja auch so bekannt, also erübrigt sich eine Beschreibung. Auch mit
+Schirm- und Kesselflicken suchen sie sich durchs Leben zu schlagen. Die
+ungarischen Zigeuner betreiben auch noch die Goldwäscherei,
+Schmiedehandwerk und sind z. B. sehr tüchtige Hufschmiede. Letztere
+Berufe betreiben die deutschen Zigeuner nicht. Diese versuchen sich
+überhaupt in allem möglichen. Der Feldarbeit, Landwirtschaft bringen sie
+zwar keine Sympathie entgegen, doch verdingen sie sich oft in letzter
+Zeit, im Herbst zum Rüben- und Kartoffelgraben und öfters noch versuchen
+sie sich heutzutage durch Steinklopfen ihren Lebensunterhalt zu
+verdienen. Auch als Schausteller, Schauspieler, Zirkusbesitzer,
+Schildersänger, Tierdresseur usw. suchen sie ihr Fortkommen. So der alte
+Reinhardt mit seinen wirklich gut dressierten Vögeln, Kanarienvögel,
+Finken, Staren, Lerchen und Spatzen. Diese vollführen alle möglichen
+Kunststücke, alles in Freiheit und mit voller Flugfähigkeit ausgeführt.
+Eine geladene Kanone abschießen, (natürlich #en miniature#) Wagen
+ziehen, einige als Passagiere, Kutscher, Pferde usw. Auch eine hübsche
+Pantomime führen sie zusammen auf. Weiter der Zigeuner Pfaus, welcher
+in Sälen und Schulen eine dressierte Ringelnatter zeigt, über 1 m groß
+geworden, die er gewöhnlich durch die Knopflöcher an seiner Joppe
+gezogen, so daß der Kopf, mit dem immer beweglichen Zünglein, gleichsam
+als riesige Krawattennadel oben am Hals herausschaut. Ein Wunder für die
+einfältigen, törichten Bauern, die solch ein harmloses Tier als giftig
+und schädlich ansehen und es töten, wo sie eines erwischen, zu ihrem
+eigenen Schaden. Dabei hat er noch einen dressierten Raben, Pudel und
+Katze, alle schwarz wie ein Teufel, pardon wollte sagen Mohr! Alle vier
+fressen, lecken aus einer Schüssel, schlafen beieinander in schönster
+Harmonie und kein Zank oder Streit hat diese ihnen gestört. Ein gewiß
+höchst interessantes Bild für den Natur- und Tierfreund. Auch zeigt er
+immer einige zahme und originell dressierte Igel.
+
+Der Zigeuner Hock war Akrobat, Messerschlucker, Schlangenmensch und
+Zauberkünstler. Unter anderem produzierte er sich auch als
+»kugelsicher«; letzteres wurde sein Verhängnis. Er lud eine Pistole,
+zeigte die Kugel d. h. lies sie vom Publikum untersuchen auf ihre
+Echtheit und beim Zurückgeben vertauschte er sie gewandt und unbemerkt
+mit einer zu diesem Zweck immer kurz vorher präparierten Kugel aus
+Cichorie. Hierauf forderte er einen der Zuschauer auf und gab ihm die
+vor aller Augen geladene Pistole in die Hand, ihm auf die entblößte
+Brust zu schießen. Gab sich niemand dazu her, so tat er es auch selbst.
+Natürlich verletzte ihn die weiche Cichorienkugel nicht. Gewöhnlich
+verfing sich dieselbe in den Kleidern oder fiel zu Boden, wo er sie dann
+schnell und unbemerkt zertrat. Die bereit gehaltene »echte« Kugel aber
+ließ er entweder gleich nach dem Schuß auf den Boden fallen oder zog
+sie, je nach dem, auch aus dem Hemd oder der Hose hervor und zeigte sie
+vor. So gab er wieder einmal Vorstellung und der dazu Aufgeforderte
+schoß auch gleich auf ganz kurze Entfernung auf den Künstler. Mit einem
+lauten Aufschrei brach dieser tot zusammen. Er hatte die Kugel nicht
+verwechselt, wie die in den Trick Eingeweihten zuerst annahmen, sondern
+hatte, statt einer kurz vorher präparierten Kugel (die man nachher fand
+und die ganz weich war), eine jedenfalls vergessene schon von längerer
+Zeit gemachte Cichorienkugel erwischt, welche durch die Länge der Zeit,
+hart und fest geworden und durch die Brust ins Herz gedrungen war.
+
+Die beiden Brüder Stein, welche sich als Kunstwasserschwinger und
+Feuerwerker produzieren, wählen zu ihren Produktionen und Vorstellungen
+immer die höchsten Brücken über Flüsse oder, wo keine Brücken sind,
+machen sie selbst ein hohes Gerüst aus Leitern, von wo herab sie ihre
+Kunstsprünge, den Körper mit Raketen eingehüllt, die vor dem Sprung
+angezündet werden und während dem Abfeuern der Raketen, allerhand
+schwierige und schöne Wasserkunststücke sehr elegant und gewandt
+ausführen. Der ältere brach schon zweimal den Fuß bei diesem oft recht
+gefährlichen »Kunstsprung«! Der jüngere ist außerdem einer der besten
+Guitarrespieler und Künstler auf diesem Instrument von uns deutschen
+Zigeunern.
+
+Ein wirklich hervorragender Künstler auf der Guitarre, von keinem
+anderen Zigeuner vor- und nachher übertroffen, war der Zigeuner Blach
+(Zigeunername: »Gokkel«.) Er spielte darauf ganze Opernauszüge. So z. B.
+Auszüge aus »Troubadour« -- »Martha« -- »Undine« usw. Einfach eine
+Berühmtheit auf diesem Instrument.
+
+Ich selbst war schon alles mögliche: Schausteller, Rekommandeur,
+Dresseur, Schauspieler, Pferdehändler, Zauberkünstler, Impresario von
+der »Anitzka« die bärtige Dame, Zirkus- vielmehr »Kunstarena«- und
+Singspiel- und Konzert-Direktor, Kunstschwimmer und Athlet und
+Ringkämpfer, heute vom Schicksal unerbittlich verfolgt nur noch --
+Hausierer.
+
+Der Zigeuner Winter (Zigeunername: »Hose«), der mit seinem Bruder und
+Geschwistern einen kleinen Zirkus hatte, d. h. ein Rondel und sein
+Geschäft in nettem Zustande hatte, trat als Brustathlet, Kettensprenger,
+Ringkämpfer, nebenbei noch mit einem dressierten, großen Affen und einem
+Pferd #à la# »Hans« auf. Der Affe war sein Untergang. Er war ein gar
+lieber, treuer Freund zu mir. Ein aufrichtiger, liebenswürdiger und
+trotz seiner Bärenkraft nur gemütlicher, braver Mensch. Darum das ihm
+zugestoßene Unglück um so bedauerlicher. Er gab wie immer (im
+Sigmaringischen) eines Abends Vorstellung. Unter den Zuschauern war ein
+noch junger Bursche, (ein Schaukelbursche und Sohn von einem Geschäft,
+welches auch auf dem Platz aufgebaut hatte, neben dem Rondel der Gebr.
+Hose) dieser störte die Vorstellung fortwährend durch laute Rufe, freche
+Bemerkungen, man merkte, daß er mit Gewalt die Vorstellung stören
+wollte. Da er auf keine Zurechtweisung hörte, wurde er schließlich von
+meinem Freund, dem älteren Hose, kurzer Hand an die Luft spediert und
+man glaubte, der Fall wäre erledigt. Dem war aber nicht so. Nämlich der
+erwähnte Affe war unter anderem auch dazu dressiert, während des
+Spielens, inwendig vom Rondel (Rundleinwand) stets im Kreise herum zu
+laufen, auf den Hinterfüßen, aufrechtstehend, um zu verhindern, daß
+jemand unbefugterweise die Rundleinwand aufhebe und gratis zuschaue. Es
+war mehr zur Abschreckung der Dorfjugend und um ein Beschädigen,
+Zerschneiden der Leinwand zu verhindern. Diesem Affen, ein ganz und gar
+gutmütiges Tier, stach der rohe Kerl von außen durch die Leinwand
+hindurch, das Messer in den Leib, so daß er schreiend und röchelnd
+verendete. In gerechtem Zorn sprang nun mein Freund hinaus, um den
+Übeltäter zu züchtigen oder vielleicht auch nur, ihn festzuhalten. Und
+da geschah das abscheuliche, der rohe Patron stieß ihm das noch vom
+Blute des Affen rauchende Messer ins Herz, so daß ich nur noch sah, wie
+er, wie vom Blitz getroffen, lautlos zu Boden stürzte. Der Bursche
+verschwand in der Dunkelheit. Die Vorstellung hatte ein jähes Ende
+gefunden. Wohl entging der Täter der irdischen Gerechtigkeit nicht, aber
+ein guter, braver Mensch war nicht mehr.
+
+Trotz diesen vielerlei Beschäftigungen kommt der Zigeuner in den
+seltensten Fällen auf einen grünen Zweig. In seinem leichten Sinn, wenig
+um das »morgen« besorgt, lebt er nur dem »heute!« Sind alle Mittel zu
+Ende, so lebt er solange sorgenlos dahin, bis er vom Hunger und Durst
+gequält, hauptsächlich im Winter, dem gefürchtetsten Gast des Zigeuners
+mehr als einmal bereit ist, den Unterschied zwischen »Mein« und »Dein«
+zu verwechseln. Doch auch in solchen mißlichen Lagen, verliert er seinen
+Humor nicht und nimmt manches auf die leichte Achsel, was ein anderer
+nicht gerade so leicht finden würde. Schon von Jugend auf wird er an
+alle Arten Entbehrungen gewöhnt. Sehr oft ist Schmalhans Küchenmeister
+und statt einem fetten Stück Schweinefleisch und einem guten Schluck
+Branntwein, muß er sich öfters nur mit Wasser und Brod begnügen. Was
+andere schon in frühester Jugend nicht mehr entbehren können, lernt er
+erst oft in sehr gereiften Alter kennen, so z. B. erzählt einer meiner
+»Kako« (Vetter) oft, wie er der »Bibi« (Tante), seiner Frau, erst kurz
+vor ihrer Verheiratung die ersten Schuhe kaufte. Als sie die Schuhe beim
+Kaufmann anprobierte, so fragte sie, als sie den einen Schuh angezogen
+hatte, ganz verzweifelt: »Kamlo Rom (lieber Mann) einen hätte ich an,
+jetzt wo gehört der andere hin?«
+
+Das bisher gesagte beweist also zur Genüge, (das nachfolgende wird es
+noch weiter beweisen) daß die Zigeuner -- nicht allein vom Betteln und
+Stehlen leben!
+
+Am meisten muß zur Versorgung und Erhaltung der Familie die _Frau_
+beitragen, welche sich durch allerlei gute, sichere Zaubermittel,
+Wahrsagen, Kartenschlagen usw. fast immer ein gutes Stück Geld erwirbt.
+Daß die Zigeuner viele Heil-, Zauber- und Geheimmittel haben, die stets
+sicheren Erfolg haben und bei den Bauern, notabene auch bei den
+Städtern, in hohem Ruf stehen, durch die dadurch erzielten oft
+wunderbaren Kuren und Erfolge, ist gut bekannt. Weniger bekannt ist
+vielleicht, daß die Zigeunerinnen auch sehr gute Tänzerinnen sind,
+Sängerinnen, Flechterinnen von allerlei nettem Flechtwerk. Die
+hervorragendsten unter ihnen besitzen nicht nur bei der Landbevölkerung,
+sondern auch bei ihren eigenen Stammesgenossen einen hohen Ruf und
+stehen bei letzteren in sehr hohem Ansehen. Solch eine #»brawi
+Dschuwel«# (Ehrenname für Zigeunerinnen), wird den anderen stets als
+Beispiel vorgehalten und sind solche auf ihren Ehrennamen stolz und auch
+mit Recht. Eine der berühmtesten und angesehensten Wahrsagerinnen, die
+im Wahrsagen aus den Linien der Hand sozusagen einzig dastand und einen
+Weltruf (?) genoß, war meine Schwiegermutter bei uns deutschen
+Zigeunern. Außerdem war sie ein sehr schönes Weib, mit wunderbar kleinen
+Füßen und konnte ausgezeichnet tanzen. Sie produzierte sich auch als
+Fußspitzen- und Kunsttänzerin, indem sie auf einem Teller tanzte. Selbst
+wir, die wir doch so oft das Schauspiel sahen, bewunderten immer wieder,
+die auf solch einem Teller ausgeführten schönen Tänze. Infolge einer
+körperlichen Entstellung gab sie dies Tanzen kurz nach einem Unfall auf.
+Umsomehr steigerte dies Mißgeschick direkt ihren Ruf als Wahrsagerin und
+weise Frau, weil sie den Unfall Jahre vorher prophezeit hatte. Dieser
+Unfall zeigt zugleich, wie man in gewissen Kreisen die Zigeuner trotz
+dem Jahrhundert der Humanität, immer noch als vogelfrei zu betrachten
+scheint. Ich will ihn daher etwas ausführlicher schildern.
+
+Es war an der bayerisch-österreichischen Grenze, noch auf dem Gebiet des
+»heiligen« Landes Tirol, als im Anfang ihrer Ehe meine Schwiegereltern
+in Gesellschaft, in einer Lichtung im Wald das Lager aufgeschlagen
+hatten. Die Frauen waren alle zurück aus den Dörfern und waren alle
+guter Dinge. Nur meine Schwiegermutter war noch nicht zurück, als man
+den aufgestellten Späher das Zeichen »Vorsicht« geben hörte. Gleich
+darauf gab er das Zeichen »Gefahr« und sofort auch »Hilfe«! Einige
+Männer, darunter mein Schwiegervater sprangen in die Wagen, um sich zu
+bewaffnen und dann der vom Späher angedeuteten Richtung zu. Die Frauen
+und Kinder brachen alles ab und zerstörten die Feuer, die Pferde wurden
+eingeschirrt und im nu war alles zur Flucht, zur Abreise hergerichtet.
+Der Späher meldete, daß er Hilferufe gehört habe und zwar habe er
+zuletzt deutlich die Stimme der »Madel« (Zigeunername meiner
+Schwiegermutter) erkannt. Gleichzeitig ertönten wieder die in unserer
+Sprache abgegebenen, gellenden Hilferufe und viel näher. Kein Zweifel,
+es war die noch nicht Zurückgekommene und allem Anscheine nach war sie
+in großer Gefahr. Alle stürzten in fieberhafter Eile der Richtung nach,
+von welcher die Hilferufe kamen. Sehen konnte man in dem tiefen Wald
+noch nichts. Da, in nächster Nähe der Straße, war eine etwas größere
+Lichtung, wo die Männer das nun folgende, abscheuliche Schauspiel mit
+ansehen mußten. Ein Gendarm stand da neben meiner Schwiegermutter, riß
+an ihr herum, er wollte sie fesseln. Sie wehrte sich dagegen, da stieß
+er sie mit dem Gewehrkolben in ganz unmenschlicher Weise, in Rücken, auf
+die Brust, den Leib, so daß sie einigemale zu Boden stürzte; und sie war
+in -- hochschwangerem Zustand. Ihr Mann sprang rasend vor Zorn und Wut
+auf den rohen, wüsten Gendarmen zu, seinem mißhandelten Weibe zu Hilfe
+und ihr zurufend. Darauf sprang diese auf und wie ein gehetztes Reh
+davon, aber statt ihrem Manne entgegen, in der Richtung der Straße zu.
+Da nahm der Gendarm das Gewehr, schoß nach der Fliehenden, und mit einem
+markerschütternden Schrei fiel sie am Waldesrand nieder. Entsetzen
+ergriff die Männer über solch einer gräßlichen Tat, an einer wehrlosen
+schwangeren Frau. Alles glaubte, sie wäre tot. Ihr Mann stumm und weiß
+wie der Tod, stand im gleichen Moment vor dem Mörder. Seiner Sinne nicht
+mehr mächtig, schoß er dem Gendarm die volle Ladung seiner Pistole ins
+Gesicht, so daß ihm das Hirn des Elenden ins eigene Gesicht spritzte. Er
+hatte es verdient.[1] Die andern hatten sich um das, wie sie glaubten,
+erschossene Weib bemüht, die zwar in Ohnmacht aber nicht tot dalag und
+einem Kind das Leben gegeben hatte. Dies Kind ist jetzt -- meine Frau.
+Die Mutter hatte nur einen Streifschuß erhalten, aber das Auge war
+verletzt, so daß es auslief und sie einäugig war, was sie, vorher eine
+der schönsten Frauen, sehr entstellte. Der Gendarm wurde absichtlich
+liegen gelassen, nichts von seinem Eigentum angerührt, Tag und Nacht
+gefahren und die Gegend für immer verlassen. Später hörten wir, daß die
+Zigeuner stark im Verdacht waren, aber schließlich bestimmt angenommen
+wurde, der Gendarm wäre bei einem Renkontre mit Wilderern getötet
+worden. Und weswegen diese Scheußlichkeiten? Der Gendarm beschuldigte
+die arme Frau, eine -- Katze gestohlen zu haben, es habe jemand zugesehen
+und ihm Anzeige gemacht. Das war nicht wahr und wenn es gewesen wäre,
+berechtigte dies dann zu so brutalen, rohen Mißhandlungen? Durfte er
+zwei Menschenleben vernichten (das dem nicht so war, ist nur ein
+glücklicher Zufall gewesen) wegen einer -- Katze? Er, der Gendarm
+titulierte die unschuldige Frau auch noch mit solch unverschämten,
+gemeinen Redensarten, die hier nicht wiederzugeben sind. Auch sagte er,
+sie habe die Katze wieder durchgehen lassen, das habe sollen ein Braten
+geben usw. Aber wir deutschen Zigeuner essen Katzenfleisch usw. niemals,
+selbst in der größten Not nicht. Nach unserem Gesetz streng verboten!
+Wer es übertritt, ist #»baledschido«# (unehrlich). Alle Beteiligten sind
+schon längst tot, d. h. mit Ausnahme der unbeteiligten Kinder, daher
+meine offene und gewissenhafte Schilderung, d. h. wie ich sie oft aus
+dem Munde der direkt Beteiligten gehört habe. Die Zigeuner sind weder
+Mörder noch Kinderräuber, das wird ihnen zu Unrecht nachgesagt. Ich
+selbst und der größte Teil der Zigeuner bedauern tief solche
+Ausschreitungen, wie die eben mitgeteilte, aber ich frage: Was hätte ein
+anderer Gatte getan, in den gleichen Umständen, angesichts solcher
+unmenschlicher Behandlung und einer solchen abscheulichen Tat? Die Tat
+des Gatten ist absolut nicht zu billigen, aber schließlich zu begreifen.
+Hätte man der Gerechtigkeit ihren Lauf gelassen, so wäre, so gewiß als 2
+und 2 vier ist, nicht der Gendarm, wohl aber die Frau zu ihrer
+Frühgeburt, zu ihrer Entstellung, zu ihren Mißhandlungen -- noch bestraft
+worden. Gerechtigkeit damals und insbesondere gegen die Zigeuner! Auch
+wäre es eine Feigheit gewesen und Infamie nach unseren Sitten und
+Anschauungen, die Frau arretieren zu lassen, vom anderen ganz zu
+schweigen. Daß die Sache ein solch schreckliches Ende nehmen würde,
+ahnte Niemand, der Feigling von Gendarm wohl am allerwenigsten. --
+
+ [Fußnote 1: nach dem Recht der Naturvölker. D. H.]
+
+Wie ich ja schon an anderer Stelle betonte, muß ich es mir versagen, auf
+die _nicht immer ehrlichen »Berufe«_ der Zigeunerinnen, wie Zauberei,
+Traumdeuterei, Wahrsagerei, Hexenbannerei und Austreiberei usw., sowohl
+bei Menschen wie Vieh, näher einzugehen! Hauptsächlich betrifft das
+unser Wahrsagen aus den Linien der Hand. _Ein Verrat hierin würde
+augenblicklich schwer bestraft werden. Derjenige würde kein Glück, keine
+Rast und Ruh mehr haben. Die Verstorbenen würden es rächen._ Es ist dies
+einzig unsere Kunst, mit der die Zigeunerin sicher und unfehlbar, sowohl
+die Zukunft als auch Vergangenheit ergründet und das größte Geheimnis
+bleibt für jeden Nichtzigeuner![2] #Tschatschopaha!# Auch sollte man
+nicht so viel Aufhebens davon machen und immer und immer wieder
+losdonnern gegen die »unehrlichen« Gewerbe Hexerei, Betrügerei! Was
+schadet es, wenn hin und wieder die Dummheit etwas bestraft wird? Warum
+sollen wir Zigeuner gegen die Dummheit kämpfen, wenn es selbst die
+Götter nicht vermögen? Aber nützen soll sie uns![3] Man bedenke auch,
+daß sie selber abergläubisch sind und an manches selber felsenfest
+glauben! Aber auch gutes kann eine Zigeunerin mit ihren oder durch ihre
+»lichtscheuen« Gewerbe stiften, selbst Verbrechen verhindern, was das
+folgende illustrieren soll.
+
+ [Fußnote 2: So meint der Verfasser.]
+
+ [Fußnote 3: Das ist die Auffassung der Zigeuner. Der Verfasser
+ denkt wohl schon etwas anders. Seine eigene Frau vermeidet das
+ Wahrsagen als unehrenhaft!]
+
+Kam da eine mir nah verwandte Zigeunerin (es war im Neckartal und noch
+gar nicht so lange her) zu einer als abergläubisch bekannten Frau, die
+sich ihres Mannes (einem Säufer) entledigen wollte. Eine »weise« Frau
+(keine Zigeunerin!! Man sieht, nicht blos Zigeuner verstehen sich auf
+»unehrliche« Geschäfte!) hatte ihr ein Mittel hierzu angeraten, _ein
+gutes, tatsächlich sicher wirkendes_. Die Frau war im Begriff dasselbe
+anzuwenden bezw. machte Anstalt hierzu. Nämlich sie mußte in den drei
+höchsten Namen, mit der linken Hand, Holz und Stroh unter das Bett ihres
+Mannes häufen und dies, wenn der Mann schlief -- anzünden, auch in den
+drei höchsten Namen, aber alles unbesprochen d. h. von anderen nicht
+dabei angeredet werden, sonst hatte die Zauberei _keine_ Wirkung,
+andernfalls aber wirkte es sicher und zwar so, daß Niemand, außer der
+Eingeweihten, _das Feuer brennen sah_! Auch mußte man es am Freitag tun.
+Die Frau wurde _durch_ das Dazwischenkommen meiner Verwandten
+_verhindert_, das Verbrechen _auszuführen_. Sie überredete die Frau, daß
+sie ihr ein ganz anderes, leichtes und gutes Mittel zu diesem Zweck
+wisse und die Frau vertraute ihr ganz und gar. Natürlich fiel es meiner
+Verwandten nicht ein, den Mann beseitigen zu helfen. Ihr genügte, einen
+»sicheren Verdienst« auf lange Zeit hinaus gefunden, die Frau an einem
+schweren Verbrechen, den Mann vor einem schrecklichen Tod, bewahrt zu
+haben. Das genügte ihr! Aber man sieht, es gibt in Bezug auf Moral noch
+Tieferstehende, als wir Zigeuner; denn Mord wird uns wohl zwar
+nachgesagt, aber mit Unrecht. Nur in einem Fall erinnere ich mich, wo
+eine Zigeunerin zur Kindesmörderin wurde. Diese war dann auch ihr Leben
+lang #»baledschido«# (ausgestoßen von aller Gemeinschaft, geächtet).
+Ebensowenig sind sie Kinderräuber (wenn auch früher vielleicht mal in
+einzelnen Fällen), denn sie haben selbst genug, brauchen also absolut
+keine zu stehlen. Daß sie Menschenfleisch äßen, ist eine haarsträubende
+Lüge. Ebensowenig essen wir deutschen Zigeuner Pferde-, Hundefleisch
+oder gar Aas, wie z. B. die ungarischen Zigeuner, die schon vergrabenes
+wieder ausgraben und verzehren, (verendete Schweine usw.). (?) Wir
+würden unser Gesetz schwer verletzen und müßten es schwer büßen. Die
+Lieblings- oder Nationalspeise ist Igelfleisch. Bei Tage werden sie ohne
+oder auch mit den dazu abgerichteten Hunden gesucht. Bei Nacht selten
+und dann nur mit Hunden. Igelfleisch wird jedem anderen Fleisch
+vorgezogen.
+
+_Moralische Empfindungen_ spricht man gewöhnlich den Zigeunern ab, aber
+sehr mit Unrecht. Mit gleichem Unrecht behauptet man, daß sie auf einer
+noch sehr primitiven Kulturstufe stehen. Gerade an ihren _Familien-_ und
+_Stammesverhältnissen_, an ihren Sitten und Gebräuchen sieht man das
+Gegenteil am besten. Früher als die Zigeuner noch in großen Haufen
+(Genossenschaften), d. h. alle Stämme eines _einzelnen_ Landes,
+Norddeutsche, Süddeutsche bildeten ein _ganzes_ für sich, (laut den noch
+existierenden mündlichen Zigeuner-Überlieferungen) reisten, hatten sie
+ihre regelrecht gewählten Anführer (Häuptlinge, Hauptleute). Die Ungarn
+haben heute noch ihre Ober- und Unteranführer (Wojwode, Saibidjo). Heute
+ist es in dieser Beziehung bei uns wesentlich anders geworden. Schon
+längst wurde es nicht mehr geduldet, in größeren zusammenhängenden
+Gesellschaften zu reisen, in den letzten Jahren wurden wir sogar
+gezwungen, nur noch familienweise in 1 bis 2 Wagen zu reisen, uns in
+kleine Trupps aufzulösen. Wir deutschen Zigeuner haben daher nur einen
+Hauptmann[4], welcher gewählt wird. Hauptmann wird nur einer, der sich
+die Achtung und Neigung der anderen zu erwerben versteht. Auch muß er
+nach zigeunerischen Begriffen etwas wohlhabend sein. Er muß ein
+bewährter und unerschrockener Mann sein. Wenn er alt, krank oder
+gebrechlich geworden, wird ein anderer gewählt, doch gilt auch hier
+»keine Regel ohne Ausnahme«, gewöhnlich aus der Familie oder
+allernächsten Verwandtschaft des bisherigen Hauptmanns. Dieser spricht
+Recht in allen Streitigkeiten der Zigeuner untereinander; hauptsächlich
+aber wenn jemand #»baledschido«# ist, d. h. wenn jemand sich gegen das
+Gesetz vergangen hat. Zu diesem Zweck ist alle Jahr ein #»Zilo«#
+(Versammlung), gewöhnlich im Herbst und zwar im Elsaß. Diese
+Zusammenkünfte sind geheim. Fremde werden in keinem Fall zugelassen. Da
+werden diese Sachen alle ausgemacht und vom Hauptmann Recht gesprochen.
+Je nach dem Vergehen auf ein paar Jahre #»baledschido«# gesprochen oder
+ganz ausgestoßen. Andere wieder »ehrlich« gemacht oder auf weitere Jahre
+#»baledschido«# gesprochen. Nur inbezug auf die Blutrache stehen dem
+Hauptmann irgendwelche schlichtende Rechte nicht zu. Nach solch einem
+#»Zilo«# geht es immer lustig zu. Diejenigen, welche wieder ehrlich,
+also nicht mehr #»baledschido«# sind und deren Angehörigen, bezahlen,
+d. h. halten die andern frei, aus Freude darüber, wieder in die
+Gemeinschaft aufgenommen, wieder einer der ihren zu sein. Wein, Bier,
+Branntwein, alles fließt in Strömen. Es wird gesungen, getanzt,
+geschmaust, gespielt, kurz es geht recht lustig und turbulent zu. Die
+Schattenseite ist aber dann die, daß gewöhnlich der Schluß einer solchen
+großen Zusammenkunft -- eine regelrechte Schlägerei ist, ja oft werden
+wahre Schlachten geschlagen.
+
+ [Fußnote 4: Der Verfasser kennt nur den Hauptmann der
+ süddeutschen Zigeuner. Dieser ist aber nicht der einzige in
+ Deutschland.]
+
+Denn zu einem solchen #»Zilo«# kommen manche, die nur ihren Feind
+suchen, der das »_Totenhemd_« an hat, d. h. die _eine Blutrache_ oder
+sonst etwas miteinander auszufechten haben. Es wird #»gepraßt«# d. h.
+man beschimpft sich gegenseitig, dann kommt es zum Handgemenge und es
+wird geschlagen, gestochen und geschossen. Ohne Blutvergießen oder oft
+auch Totschlag geht es meistens nicht ab. Angezeigt wird nichts.
+_Niemals_ verrät ein Zigeuner den anderen den Behörden. Alles wird
+wieder selbst ausgemacht. Wer etwas anzeigen oder eine Angabe machen
+würde, wonach der oder die Täter von der Behörde ermittelt würden, hätte
+#»gepukt«#, er wäre ein #»Pukerer«# und sein Tod gewiß. Wird aber der
+Täter so erwischt und verurteilt von der Behörde, so gilt diese Strafe
+nichts, d. h., wenn er die Strafe verbüßt hat, so ist er dennoch der
+Blutrache verfallen. Kommt es aber zu einer Versöhnung der Gegner (am
+meisten imponiert Mut und Unerschrockenheit), so ist die Aussöhnung
+dauernd. Zum Zeichen der Versöhnung nimmt derjenige, der Rache
+geschworen hat, zwei Gläser (Bier-, Wein- oder Branntweingläser),
+schenkt selbst von dem betreffenden Getränk ein, nimmt dann aber das
+Glas vom anderen Teil, (der Gegner dann umgekehrt), stößt an, d. h.
+trinkt ihm zu und beide leeren das Glas auf einmal. Jeder nimmt dann
+wieder sein eigenes Glas an sich; die Gegner sind versöhnt, jede Rache
+ist vergessen und alles ist vergeben. Hier nur ein Beispiel aus der
+Wirklichkeit: Bei einer zufälligen Zusammenkunft (größeren) bei Hagenau,
+einer meiner Schwäger mit einem anderen Zigeuner, der meinem Schwager
+Rache geschworen, (von ihm aus das »Totenhemd« anhatte) kam es am Abend
+in der Wirtschaft durch das unerschrockene Auftreten meines Schwagers
+zur Versöhnung der beiden Gegner. (Zeremonie wie vorgehend beschrieben.
+Bei Bier oder Wein wird dazu ein kleines Glas bezw. ¼-Literglas oder
+größeres Glas, nur wenig darin, genommen.) Wie es der Zufall wollte, kam
+kurz nach der Versöhnung ein anderer Gegner resp. zwei, Vater und Sohn,
+an. Der Zigeuner, welcher meinem Schwager Rache geschworen, sich aber
+mit ihm versöhnt hatte, hatte den beiden spät angekommenen Zigeunern
+ebenfalls Blutrache geschworen. Beide hatten also von ihm aus das
+»Totenhemd« an. Es war bereits sehr spät in der Nacht, als es wirklich
+zum Zusammenstoß kam. Das Ende war furchtbar. Der frühere Gegner von
+meinem Schwager forderte die beiden zuletzt angekommenen Zigeuner heraus,
+#»praßte«# und schoß den Sohn auf der Stelle tot und zwar am Ende des
+Hausausganges (Treppe) der Wirtschaft. Der Vater des Getöteten wollte
+seinem Sohn zu Hilfe eilen, wurde aber von dem sich wie wild gebärdenden
+Täter ebenfalls zweimal angeschossen. Eine Kugel bekam er in den
+Oberschenkel, die andere ging durch Kinn und Hals und kam am Kopf wieder
+heraus. Er flüchtete, mußte aber im Spital aufgenommen werden, wo er
+innerhalb 8 Tagen ebenfalls seinen Verletzungen erlag. Mein Schwager
+stand unmittelbar neben dem getöteten Zigeuner, als der Täter mit wild
+rollenden Augen nach dem anderen Zigeuner suchte. Wäre es nur eine halbe
+Stunde früher zum Kampf gekommen, so wäre mein Schwager oder sein Gegner
+sicher ebenfalls getötet worden. So aber fand Versöhnung statt und kein
+Haar durfte ihm gekrümmt werden. Die Sitten sind in dieser Beziehung
+streng. Da kein Zigeuner den anderen anzeigt, so erwischte man den Täter
+auch nicht. Er hat jetzt wieder das »Totenhemd« an von den verwandten
+Leuten der Erschossenen. Zur näheren Erklärung der Blutrache nur ein
+Beispiel: Vor etwa 8 Jahren hatte der Zigeuner B. Eckstein dem Zigeuner
+S. Guttenberger, als letzterer eine Gefängnisstrafe verbüßte, dessen
+Geliebte bezw. nach unseren Begriffen seine Braut -- ihm abwendig
+gemacht. Nach unseren Sitten durfte bezw. mußte er sich rächen, wenn er
+kein Feigling sein wollte. Der Verführer wußte aber auch gut, daß er das
+»Totenhemd« anhatte, von dem hintergangenen Liebhaber bezw. zukünftigen
+Gatten aus.
+
+Als Guttenberger frei war, suchte er den Eckstein auf, der daran war,
+die Ehe nach unseren Anschauungen mit dem fraglichen Frauenzimmer
+einzugehen. Er traf ihn in einer Wirtschaft. Dieser, überrascht durch
+den unerwarteten Besuch, sich aber der Situation voll bewußt, erhob
+sich, um hinaus zum Wagen zu gehen, jedenfalls, um sich zu bewaffnen.
+Guttenberger zog aber sofort eine Doppelpistole und schoß nach ihm. Der
+erste Schuß ging fehl und fuhr die Kugel oben in die Stubentüre. Die
+zweite traf ihn in den Kopf und furchtbar entstellt brach er tot
+zusammen. Durch die anwesenden Bauern wurde der Täter an einer Flucht
+verhindert. Er bekam vier Jahre Gefängnis. Jetzt ist er längst frei,
+aber eines schönen Tages fällt auch er als Opfer der Blutrache. Die vier
+Jahre Gefängnis haben gar keinen Einfluß oder Bezug auf diese. Dem
+Frauenzimmer geschieht nichts. Eine Verbindung aber mit dem betrogenen
+Rächer ist für immer ausgeschlossen. Er würde dadurch #baledschido#
+werden, nicht aber sie.
+
+Außerdem ist bezw. wird #»baledschido«# (leichtere Vergehen), wer
+Hundefleisch, Pferde- und Katzenfleisch ißt, ja wer nur aus einem Hafen,
+Schüssel usw. ißt, wo solches nur darin war bezw. darin gekocht wurde,
+ebenso wer aus einem Gefäß ißt oder trinkt, welches von einer Zigeunerin
+mit dem Rock berührt, gestreift, über das sie etwa hinweggestiegen ist.
+Solche Gegenstände müssen, wenn auch noch so nagelneu, sofort vernichtet
+werden, natürlich auch das darin gekochte. #Praßen# (Beschimpfen) auf
+seine Tote, auf des #Praßenden# Frau -- ohne Abwehr macht #baledschido#.
+#Baledschido# wird, wer während der Periode zu seiner Frau liegt und
+überhaupt solche Vergehen gegen die Schamhaftigkeit in und außer der
+Ehe, z. B. Besuch von Prostituierten, Onanie usw. treibt. Schwere
+Vergehen, wofür oft für immer aus der Gemeinschaft ausgeschlossen,
+geächtet und verachtet wird, sind Sittlichkeitsvergehen, widernatürliche
+Unzucht, Kindesmord usw. Die Strafe des #baledschido# besteht darin, daß
+ein solcher auf bestimmte Zeit oder zeitlebens von aller Gemeinschaft,
+Verkehr usw. der übrigen Zigeuner ausgeschlossen, verstoßen, geächtet
+ist. (Noch bei den Ausländern, bei den deutschen nicht mehr). Auch nicht
+mit ihnen zusammen reisen. Solche müssen allein reisen. (Nur
+ausländische Zigeuner, bei den deutschen Zigeunern nicht, hier
+Zusammenreisen erlaubt). Auch darf man nicht mit solch einem aus einem
+d. h. dem »geächteten« seinem Glas etwa trinken. Anstoßen,
+»Gesundheittrinken«, »Prosit« und an einen Tisch setzen, ist erlaubt.
+Nicht erlaubt wieder -- aus einer Tasse, Teller usw. eines #baledschido#
+zu essen oder seine Löffel, Gabel, Messer usw. zu gebrauchen. Wer etwas
+derartiges tut, wird eben dann auch #baledschido#. Diese Strafe ist in
+jeder Beziehung für den Zigeuner schrecklich. Abgesehen davon, daß er
+von allen gemieden wird, wird er von den Behörden als Einzelner überall
+angehalten und hat seine liebe Not und Scherereien. Wie sehr auch der
+Zigeuner das freie, ziellose Herumreisen liebt, ebenso liebt er die
+Geselligkeit mit seinesgleichen. Allein von Ort zu Ort wandern zu
+müssen, vom Heimweh und Verlassenheit verfolgt, ist für ihn, bei seinem
+geselligen Wesen, die denkbar größte moralische Strafe.
+
+Wie schon gesagt, leitet und bestimmt bei den ausländischen Zigeunern
+die _Züge_ der Wojwode und die Saibidjo, d. h. es wird gewöhnlich im
+Winter, wenn alles die Winterquartiere bezogen hat, eine Versammlung
+abgehalten.
+
+ [Illustration: Zigeunerfamilie #Winter# in Allmendingen.]
+
+Da wird nun über alle den Stamm interessierenden Angelegenheiten
+beschlossen und beraten, über die Wanderungen im nächsten Sommer, die
+Züge, und jedem sein Gebiet zugeteilt. Bei den deutschen Zigeunern ist
+das anders; hier kann nur beiläufig in der Versammlung beschlossen
+werden, welche Reiseroute die einzelnen Familien bezw. kleineren
+Gesellschaften einzuschlagen haben, weil ja in Deutschland größere
+Trupps nicht mehr miteinander reisen dürfen. Jede derartige kleinere
+Gesellschaft ist für sich und der älteste der Männer ist der Führer, das
+Haupt der Truppe, er bestimmt und regelt alles. Unbedingt werden seine
+Anordnungen genau befolgt. Auch bezogen bisher die deutschen Zigeuner
+mit geringen Ausnahmen selten Winterquartiere. Nur über Weihnachten,
+Neujahr, blieben sie in einem Ort usw., sonst reisen sie das ganze Jahr.
+Jetzt ist es auch in dieser Beziehung anders geworden. Wegen den
+schulpflichtigen Kindern und der Beschaffung der Reisepapiere müssen sie
+nun auch ein wenig wohnen und zwar kommen sie dann beim Eintritt des
+Winters zu größeren Trupps in gewissen Gegenden zusammen, wo sie sich
+einmieten und um jeden Argwohn zu unterdrücken, die Miete für Monate, ja
+¼ Jahr vorausbezahlen. Einige haben schon sogar Häuser gekauft, z. B. in
+Bayern. Solche Winterquartiere befinden sich bei uns in einem Dorf bei
+Karlsruhe, bei Stuttgart und hauptsächlich im Elsaß. Ist dann der
+Winter, der gefürchtetste Gast der Zigeuner, mit seiner Not und seinem
+Elend vorüber, d. h. schaut nur die liebe Sonne aus den Wolken heraus im
+beginnenden Frühjahr, so ist kein Halten und Bleiben mehr. In
+scheinbarer Unordnung gehen die einen da, die andern dort hinaus, und
+doch ist alles so annähernd geregelt und schlägt jede Abteilung seine
+ihm vorläufig bestimmte Reiseroute ein. Von der Ordnung wird aber bald
+nichts mehr zu sehen sein, denn verschiedenes trägt dazu bei, sie
+aufzulösen, Kollusion mit der Behörde u. dgl. Da treten dann die
+Wanderzeichen in Aktion, durch die sie sich verständigen, raten und
+warnen, Mitteilungen machen, Zusammenkünfte und irgend ein Vorhaben
+signalisieren. Diese Wanderzeichen, Signale usw. finden sich weit mehr
+bei den ausländischen Zigeunern als bei den deutschen. Nur sozusagen im
+inneren Leben bedienen sich die deutschen Zigeuner einiger weniger
+Zeichen, so z. B. beim Aufstellen von Posten, Gebärdenzeichen,
+Warnungszeichen beim Erscheinen von verdächtigen Personen oder
+Amtspersonen, Gendarmen usw., wenn man sonst nicht mehr anders warnen
+kann. Früher waren auch weitere Zeichen im Gebrauch. Beim Fahren, um den
+Nachkommenden den Weg, die eingeschlagene Richtung zu zeigen, werden
+aber auch heute noch manche angewendet. Bemerkenswert ist noch der
+eigenartige _nur_ von ihnen gebrauchte und bekannte Zigeunerpfiff, nach
+Art des heimatlichen Bubenpfiffs, aber durchaus nicht mit diesem zu
+vergleichen. Ertönt der Pfiff, wo es auch sei und zu jeder Zeit, so weiß
+jeder, daß einer der ihren in der Nähe ist, ohne ihn zu sehen oder sonst
+ein Zeichen zu erhalten.
+
+Der _Gebräuche im Wohnwagen_ sind viele, von denen nur einige hier
+angeführt werden können. Eine Geburt im Wohnwagen darf nicht erfolgen,
+d. h. in keinem von ihren Wagen darf geboren werden. Ausgenommen eine
+Fehlgeburt, welche nicht als Geburt, sondern nur als eine Krankheit
+angesehen wird. Findet dennoch einmal eine Geburt im Wagen statt, so muß
+derselbe verkauft werden. Er darf von keinem Zigeuner mehr benützt
+werden. Ebenso dürfen alle darin befindlichen Gegenstände (ausgenommen
+die Kleidungsstücke) wie z. B. Koch- und Eßgeschirr, auch Löffel, Gabeln
+usw., Trink-, Eß- und sonstige Lebensmittel nicht mehr benützt werden.
+Das Bett, worin die Geburt vor sich ging, muß verkauft oder vernichtet
+werden. Wer irgend eine der angeführten Sachen dennoch wieder gebraucht,
+wird #baledschido# und zwar zählt solches zu den _leichteren_ Vergehen.
+Dennoch wird diese Sitte streng durchgeführt. Gewöhnlich erfolgt eine
+Geburt unter dem Wagen, in einem Schuppen, Scheune oder dergl. Oder auch
+ganz im Freien, im Wald, hinter einem Gebüsch usw., auf einem primitiven
+Lager. Großer Vorbereitungen bedarf es hierzu nicht. Alte Kleider, ein
+Teppich genügen zum Lager, selten wird ein Bett benützt. Im Winter z. B.
+wird auch hie und da ein Zimmer gemietet auf ein paar Tage. Treten aber
+Umstände ein, wo doch im Wagen geboren wurde, so werden dann alle
+Gebrauchsgegenstände usw., um wenigstens diese zu retten, aus dem Wagen
+entfernt und wenn es eilt, nur noch hinausgeworfen. Alles was heraus ist
+aus dem Wagen, darf nachher wieder gebraucht werden. Nach der Geburt
+darf der Wagen dann gleich benützt werden, d. h. Mutter und Kind werden
+jetzt in denselben aufgenommen. Nach 2 Tagen, höchstens 3 hat sich eine
+Zigeunerin erholt und geht wieder ihren gewöhnlichen Beschäftigungen
+nach! Von der Geburt bis zur Taufe darf von den männlichen Zigeunern,
+auch der Vater nicht, im Wagen wo die Kindbetterin ist, etwas gegessen
+oder getrunken werden. Nur was außerhalb des Wagens gekocht wird! Auch
+darf man das Kind nicht berühren, z. B. auf den Arm nehmen oder küssen.
+Für weibliche Zigeuner ist vorstehendes aber alles gestattet. Getauft
+wird so schnell wie möglich und soll es schon öfters vorgekommen sein,
+um recht viele Patengeschenke zu erhalten (gewöhnlich werden zu dieser
+»Ehrenstelle« reiche Dorfbewohner angehalten, welche die Bitte selten,
+schon wegen dem Pfarrer nicht, abschlagen), daß ein und dasselbe Kind
+zweimal getauft wurde.
+
+Im Wohnwagen darf weibliche Wäsche, Hemden, Unterkleider nicht
+aufgehängt werden, z. B. auch nicht zum Trocknen. Würde ein männlicher
+Zigeuner an solch einen Gegenstand stoßen, ihn mit dem Kopf berühren, so
+wäre er unbedingt infam, d. h. #baledschido# (unehrlich). Auch dürfen
+keinerlei Eßwaren, welche mit solch einem weiblichen Bekleidungsstück in
+Berührung gekommen sind, vielleicht durch Einwickeln oder Darauflegen,
+gegessen werden. Ausgenommen solche, welche nicht direkt in eine solche
+Berührung gekommen sind, entweder in einem Gefäß oder wenn es gut
+eingewickelt war, z. B. Getränke in einer Flasche oder Glas. Bei
+Wäschestücken von männlichen Zigeunern ist solches aber nicht der Fall.
+
+Zwei Liebende dürfen vor ihrer Verbindung nicht öffentlich, d. h. daß es
+die Eltern oder Verwandten wissen, im Wagen beieinander sein. Sie müssen
+beide miteinander vorher #»naschen«#, ehe sie als verbunden miteinander
+betrachtet werden. #Naschen# = fortgehen, fliehen, bedeutet in diesem
+Fall, daß beide mindestens einen Tag und Nacht von der eigenen Sippe
+fortgehen (auf eigene Faust) müssen, wenn auch nur in das nächste Dorf
+oder auch nur eine Stunde weit entfernt. Gewöhnlich bleiben beide aber
+länger fort und hauptsächlich diejenigen, denen die Eltern die
+Einwilligung zur Heirat verweigern. Kommen sie dann zurück, so müssen
+die Eltern wohl oder übel die Verbindung zulassen, so verlangt es die
+Sitte. Außerdem ist es strenge Sitte, daß das zurückkommende Paar
+sogleich zu den Eltern, -- d. h. in erster Linie vor den Vater, wenn
+Vater nicht anwesend z. B. tot oder wegen irgend etwas _lange_ Zeit
+(Gefängnis vielleicht) abwesend, zur Mutter; falls diese auch nicht da,
+dann zu den Geschwistern, wenn vorhanden, wenn solche auch nicht, dann
+kommen erst die nächsten Verwandten -- treten muß, und zwar der Mann vor
+die des Mädchens und umgekehrt, mit den Worten: »(Name des Vaters) #du
+honte da verzeiheres# (#verzeiheres# ist eines der vielen
+Zigeuner-Faulwörter! Richtig zigeunerisch muß es heißen: ... #du honte
+da -- prosserrehes -- mange wel# usw.) #mange wel da lejam tiri Tschai!«#)
+(»Verzeihe mir, weil ich Deine Tochter genommen habe!«) Dann erhalten
+sie zum Schluß einen Backenstreich, je nach Lage der Sache stark oder
+leicht und die Verbindung ist fertig, die Ehe geschlossen und wird
+ebenso heilig gehalten, als wenn irgend ein Priester seinen Segen dazu
+gegeben hätte.
+
+Bei einem Todesfall, d. h. stirbt eine erwachsene Person im Wohnwagen,
+(nur bei Erwachsenen, bei kleineren Kindern nicht) so müssen nicht nur
+alle die Gegenstände wie bei einer Geburt entäußert oder vernichtet
+werden, sondern hier in diesem Fall auch noch alle Wäsche- und
+Kleidungsstücke, mit Ausnahme derjenigen, die man gerade an hatte und
+der Musikinstrumente, Geld und eventuell vorhandene Bilder
+(Photographien). Was man aber noch vor Eintritt des Todes aus dem Wagen
+entfernen kann, darf weiter benützt werden. Alles übrige darf nicht mehr
+gebraucht werden, auch wenn es noch nagelneu wäre und die betreffenden
+Leute in große Not dadurch kommen. Ja, wohlhabendere Zigeuner verkaufen
+solche Sachen überhaupt nicht, sondern verbrennen einfach alles, Wagen
+usw. Ärmere verkaufen es und zwar gewöhnlich an anderes »herumziehendes«
+Volk, aber ja an keine Zigeuner, und wenn es auch ganz unbekannte wären.
+Wer diese streng eingehaltene Sitte nicht befolgt, wird #baledschido#.
+(_Schweres_ Vergehen!) Und zwar wird diese Sitte so genau und streng
+befolgt wegen der abergläubischen Furcht der Zigeuner vor ihren Toten.
+Sie glauben eben, daß die Geister der Verstorbenen, in dem von ihnen zur
+Zeit ihres Lebens bewohnten Wagen, umgehen müssen und so lange keine
+Ruhe finden, bis er vernichtet oder vom Stamm entfernt ist. Deshalb
+würden sie, wenn solch ein Wagen von den Angehörigen weiter benützt
+werden würde, allnächtlich kommen und diese quälen und Unglück über sie
+bringen. Hier liegt auch der Grund, warum die Zigeuner keines ihrer
+Geheimnisse z. B. Wahrsagen, Wanderzeichen oder anderes verraten, da sie
+meinen, diese von den Verstorbenen gelernt zu haben. Selbst solche
+Zigeuner, die #baledschido#, von aller Gemeinschaft ausgeschlossen sind,
+verraten dergleichen an Nichtzigeuner niemals.
+
+Auch sonst ist das Leben im Wohnwagen, z. B. die Beziehungen der beiden
+Geschlechter zueinander, durch Sitte und Gesetz streng geregelt. Auch in
+Bezug der Reinlichkeit stechen die deutschen Zigeuner von denen der
+anderen Länder[5] vorteilhaft ab. Es ist absolut falsch, wenn man
+glaubt, es gehe da in sittlicher Beziehung sehr frei zu. Im Gegenteil:
+die deutschen Zigeuner sind sehr schamhaft, obwohl gegen sinnliche Reize
+gerade nicht ganz unempfindlich. Aber unsittlich geht es im Wohnwagen
+niemals zu. Selbst bei den größten Stammesfesten nicht, obwohl es da
+sehr lustig und heiter zugeht, wenn die Geigen jubeln und die
+Zigeunermusik über Wald und Flur dahinrauscht.
+
+ [Fußnote 5: Kennt _Wittich_ diese? D. H.]
+
+ [Illustration: Bildnis der Stieftochter des Verfassers.]
+
+Böse und gute Menschen gibt es überall, bei jedem Volk, aber man malt
+die Zigeuner wirklich zu schwarz, wenn man sie ohne weiteres als Räuber
+und Diebe, jeder moralischen Gesinnung bar, auf eine Stufe mit den
+verkommensten, untersten Schichten unserer übrigen Bevölkerung stellt.
+Betteln, Landstreichen, wenn man ihre unbezwingbare, angeborene
+Wanderlust so nennen mag, gelegentlicher Diebstahl und kleinere
+Betrügereien mag man ihnen schließlich mit Recht nachsagen. Aber es ist
+ein großes Unrecht, wenn man, wie es bis jetzt immer geschieht, die
+Zigeuner einfach für gemeinfährliche, schlimme Menschen zu halten und zu
+verdammen beliebt! Bei genauer Beschäftigung mit ihnen würde man bald
+das den Zigeunern in dieser Beziehung zugefügte Unrecht einsehen. Wenn
+man bedenkt, daß sie von jeher schon als vogelfrei betrachtet wurden,
+wie grausam und unmenschlich sie behandelt und verfolgt wurden, wie sie
+heute noch gehetzt und gequält werden, so sollte man sich eigentlich nur
+darüber wundern, daß sie nicht noch schlechter sind, als sie in
+Wirklichkeit sind. Ist es ein Wunder bei einer so üblen Behandlung, wenn
+sie in jedem Weißen nur einen Feind und Unterdrücker ihres Volkes
+vermuten und sich deswegen gegen jedermann zurückhaltend und
+verschlossen benehmen! Die Zigeuner, dieses echt romantische,
+weltverlassene Volk, sind viel, viel besser als ihr Ruf und nur
+gutmütige, liebe, versöhnliche Menschen, gewandt und gescheit, sodaß man
+sie bei näherem Kennenlernen bald lieben lernt und ihnen zugetan wird.
+
+Merkwürdig ist es, daß die deutschen Zigeuner, so sehr sie auch
+verächtlich und demütigend von allem Volk behandelt werden, doch auf die
+Landbevölkerung gleichsam herunter sehen und den Beleidigungen und
+Beschimpfungen keinen Wert beilegen; d. h. von dem ungebildeten Volk
+können sie nicht beleidigt werden und reagieren auch nicht darauf. Sie
+haben vor den »Gadsche« (Bauern) überhaupt keine Achtung oder Respekt.
+Dagegen aber imponiert ihnen die gebildete Klasse. (#Raien#, #Raile
+Gadsche#). Hauptsächlich die Behörden! Lesen, schreiben oder Ausübung
+einer Kunst imponiert ihnen gewaltig! Anders liegt die Sache bei
+ungerechter Behandlung oder Mißhandlung, oder Beleidigungen unter ihnen
+selbst! Aber ich muß nochmals erwähnen, daß bei keiner strafbaren
+Handlung, mag sie heißen wie sie will, ein Zigeuner den andern dem
+Gericht verrät oder anzeigt. Ausnahmen sind äußerst selten. Selbst
+Todfeinde denunzieren oder zeigen nichts an, weil sie eben ihr eigenes
+Gesetz und Strafen haben, das überall und immer streng ausgeübt wird
+untereinander. Strafen, welche Zigeuner verbüßen oder verbüßt haben,
+z. B. wegen Bettel, Betrug, Diebstahl usw., gelten nicht als entehrend,
+sondern solche Strafen werden als eine Art Ehrenstrafen betrachtet. Am
+angesehensten und geachtetsten bei den Zigeunern sind solche Zigeuner,
+welche gut betteln, stehlen, wahrsagen usw. können. Solche werden den
+andern Zigeunern immer als »gute« Beispiele angeführt. Solchen werden
+Ehrennamen (#brawi Dschuwel#, #brawo Sinto#) beigelegt.
+
+Welcher _Religion_ gehören die Zigeuner an? Eine schwierige Frage! Vor
+lauter Sprachforschung, scheint es mir, hat man die Religionsforschung
+(wenn ich mich so ausdrücken darf) vergessen![6] Haben sie eine eigene
+Religion? Dies zu beantworten, wird, fürchte ich, noch schwieriger sein,
+als ihre Herkunft zu ermitteln. Es heißt, kein Gebrauch, kein Symbol,
+kein Kultus weise darauf hin, daß die Zigeuner eine Religion haben bezw.
+einmal eine besessen hätten. Man weiß nicht mehr, als daß die Zigeuner
+in christlichen Ländern römisch- oder griechisch-katholische Christen
+wären usw. Hat Jemand dies zu ergründen schon jemals ernstlich den
+Versuch gemacht? Und wenn sie wirklich keine Religion haben, müßte man
+ihnen da nicht solche bringen? Wer den Heiland nicht kennt, von der
+christlichen Lehre nichts weiß, der ist ein Heide, also sind die
+Zigeuner Heiden! Übrigens auch in einigen Gegenden so geheißen. Es gibt
+ja noch viele Heiden in den großen, fremden Ländern und Erdteilen, und
+doch die Christenheit sendet hier Diener Gottes hin, getreu dem Gebot
+des Heilandes folgend; aber um die armen Zigeuner kümmert sich niemand,
+obwohl sie der ganzen christlichen Welt sozusagen unter den Augen
+herumlaufen! »Die Zigeuner sind für Religion nicht zu haben«. Das ist
+eine häufige Behauptung und damit soll alles abgetan sein? Fühlt man
+weiter keine Verantwortung, weder in christlichen noch in kirchlichen
+Kreisen?
+
+ [Fußnote 6: d. h. die Sprachforscher interessieren sich für die
+ Zigeuner viel mehr, als im allgemeinen die Diener Christi. D. H.]
+
+Weist wirklich nichts auf eine Religion der Zigeuner hin? -- Warum sagt
+der Zigeuner niemals »der« Gott, sondern immer »mein« Gott? (#Miro baro
+Dewel# -- mein großer Gott!) Will er damit nicht andeuten, daß er auch
+einen Gott habe, den er als seinen Gott von dem der anderen Menschen
+unterscheidet, oder ist es nur eine zufällige Sprachgewohnheit? Beweist
+es nicht wenigstens, daß die Zigeuner auch an ein höchstes Wesen
+glauben! Und ebenso glaubt er an ein Fortleben der Verstorbenen nach dem
+Tode.
+
+Je nachdem bringen sie ihm Glück oder Unglück. Um letzteres zu
+vermeiden, hält er die Gebräuche in Bezug auf seine Toten streng ein.
+Die Verehrung der Toten ist so groß, daß nur die dringendsten Fälle ihn
+bewegen könnten, auch nur den Namen der Verstorbenen auszusprechen. Ein
+Schwur auf oder bei den Toten wird ebenso unverbrüchlich und heilig
+gehalten, als wie der bei der Hand seines Vaters (#dadeskero vast#). Ein
+#praßen# (fluchen) auf seine Toten (Beschimpfung der Abgeschiedenen)
+kann nur durch Blut gesühnt werden. Das Grab eines teuern Verstorbenen
+wird, wenn es nur irgend möglich ist, nach einem Jahre wieder besucht.
+An dem Grabe eines Stammesgenossen geht kein Zigeuner vorüber ohne
+einige Tropfen Wein, Bier oder Branntwein daraufzugießen. In der
+Neujahrsnacht wird nach den Lebenden, den Toten »ein gutes Neujahr«
+gewünscht; in der Sylvesterstunde werden bei feierlicher Stille einige
+Tropfen Wein, Bier usw. auf den Boden geschüttet mit den Worten: »Für
+die Toten!«
+
+Aber sind die Zigeuner für Religion zu haben? Allerdings mit Hilfe von
+brennenden Scheiterhaufen und Galgen, wie man es früher beliebte, oder
+durch Wegnehmen der Kinder, kann man sie zu keiner Religion und Moral
+zwingen. Das Resultat wird immer ein negatives sein. Und wenn die
+Behandlung nicht besser wird, wenn dies arme, unglückliche Volk weiter
+so ungerecht verfolgt und verachtet wird von der übrigen Menschheit, so
+wird es sehr, sehr schwer sein, in ihnen Liebe und Achtung vor der
+Religion zu erwecken, die eben diese Menschen ihnen bringen wollen,
+welche ihre Worte so wenig durch ihre Taten bestätigen. Aber eins ist
+gewiß: diese Ärmsten unter den Armen würden ihre Ohren und Herzen öffnen
+-- der Religion der Liebe! Das ist in der Tat schon bewiesen. Es gibt
+bei uns Zigeuner, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, doch zu
+Gott beten, von Zeit zu Zeit auf offenem, freiem Felde eben diesem Gott
+ihre Sünden laut bekennen, beichten, bereuen und nichts Sündhaftes mehr
+zu tun geloben, feierlich diesen Tag dann heiligen durch die größte
+Enthaltsamkeit und fromm werden wollen, wenn man es so sagen kann.
+
+Ich könnte einige solcher Zigeuner namentlich anführen. Einer dieser
+Zigeuner ist mir noch ganz besonders im Gedächtnis, dieser gelobte als
+junger Bursche, alle Jahre vom Karfreitag ab, 6 Wochen lang kein Fleisch
+zu essen. Das will bei einem Zigeuner was heißen! Er ist seinem Gelöbnis
+treu geblieben bis zu seinem Tode vor nun 2 Jahren, trotz aller Art
+Versuchungen. In dieser Zeit sind die Igel (bekanntlich die Lieblings-
+und Nationalspeise der Zigeuner) am »fettesten«, daher am besten, nach
+dem Zigeunergeschmack. Da wurde er von Genossen damit geneckt, indem sie
+ihm einstmals mit einem fetten, delikaten und appetitlichen Hinterfuß
+(Hinterschinken) von einem Igel (die größte Delikatesse für einen
+Zigeuner) reizten und neckten und ihn absolut zum brechen seines
+Gelübdes verführen wollten. Aber trotz dieser für einen Zigeuner fast
+»übermenschlichen« Versuchung, widerstand er derselben standhaft!
+Solches und noch vieles mußte er durchmachen und brach aber doch nie,
+bis ins hohe Alter hinein, sein Gelübde.
+
+Fromm war in ihrer Art auch meine Schwiegermutter. Obwohl sie gar keine
+Schule besucht hatte, von einem Kirchenbesuch vollends gar keine Rede
+war, keine Ahnung von Lesen und Schreiben hatte, betete sie doch jeden
+Abend und Morgen mit ihren Kindern ein altes Gebet in unserer Sprache.
+
+Es lautet:
+
+ #Me baschau mange tele# (oder: #Me staua pre# oder: #Meh
+ dschaua nikli) ani Dewlester Soraloben, ani Dewlester Baroben,
+ ani Dewlester Songlienger Rat, da hi latscho, hako Mulenter da
+ kerela mange kenk mitschiko Dscheno tschomoni. O Dewlesker Dad,
+ o Dewlesker Tschawo, o Dewlesker Mulo, priserele man!#
+
+ Ich lege mich nieder (oder: ich stehe auf oder: ich gehe fort)
+ in Gotteskraft, in Gottesmacht, in sein (rosenfarbiges)
+ rosenrotes Blut, für alle bösen Geister und Gespenster gut,
+ daß mir kein böser Mensch nichts tut. Gott Vater, Gott Sohn,
+ Gott hl. Geist, segne mich!
+
+Sie hatte 9 lebende Kinder, war eine #»brawi Dschuwel«#, aber als sie
+die ersten Kinder bekam, vollzog sich eine innerliche Wandlung in ihr --
+sie übte ihre zigeunerischen Gewerbe nicht mehr aus, sodaß sie und ihre
+Familie, die früher im Überfluß lebten, oftmals in die bitterste Not
+kamen. Auch ihre Kinder lehrte sie nichts mehr, d. h. von der Mutter aus
+hätten sie nichts gelernt, z. B. Wahrsagen. Warum wohl? Weil sie
+jedenfalls oft hörte von dem Schimpflichen solcher Gewerbe und es auf
+ihre Art in ihrem frommen Herzen zuletzt selbst glaubte! Fromm war sie!
+Man stelle sich diese Frau vor, die bis zu ihrem Tode so geblieben war,
+mit ihren 9 Kindern? Welche Sorgen, Nöte, Lasten und Mühe lag auf ihren
+Schultern? Verspottet oft von den Stammesangehörigen, die es ihr ins
+Gesicht hineinsagten, es sei kein Schade, daß es ihr so ärmlich gehe --
+warum übe sie nicht mehr aus, wegen dessen sie ja den Ehrennamen (brawi
+Dschuwel) hatte und ähnliches! Von den Vorwürfen des Gatten zu
+schweigen. Dies kann nur der begreifen, der die Sitten der Zigeuner in
+dieser Beziehung kennt. Trotzdem blieb sie standhaft. Mochten sie die
+Sorgen fast zu Boden drücken, sie blieb fest und betete gewissenhaft
+jeden Abend und Morgen ihren Kindern das obenangeführte Gebet vor und
+lehrte sie dasselbe selbst zu beten. Merkwürdig aber ist und war doch --
+sie ging niemals in eine Kirche, wollte von keinem Geistlichen was
+wissen. In ihren Reden kamen diese gerade nicht respektvoll weg, sie
+nannte sie nur die »schwarze Polizei!« Wie mag diese Frau dazu gekommen
+sein, solches zu sagen? Was mag sie erlebt haben? Der, welcher die
+Geschichte der Zigeuner und ihre Verfolgungen und Mißhandlungen kennt,
+von eben diesen Bekennern und Predigern der Religion Christi, wird diese
+Fragen leicht beantworten können! Ebenso feierte sie jeden Feiertag
+(Ostern, Weihnachten, Karfreitag) und befleißigte sich, was ihre Person
+betraf, der größten Enthaltsamkeit.
+
+Aber auch sonst sind sie ihrer Art gottesfürchtig (!) so machen sie gern
+Wallfahrten nach berühmten Wallfahrtsorten und wenn auch das letzte Geld
+daraufgeht, aber immer zu einem gewissen Zweck, z. B. wenn sie größeres
+Vorhaben (ein zigeunerisches »Geschäft«) ausführen wollen. Dann beten
+sie da, geloben auch ein Gelübde, im Falle eines guten Gelingens des
+beabsichtigten Geschäftes. So wurde schon manches »Geschäft« ausgeführt,
+mit der größten Zuversicht, daß sie nicht erwischt und eingesperrt
+werden, haben sie doch zu Gott oder zur Muttergottes gebetet, ein
+Gelübde getan, damit sie ihnen zu ihrem »Geschäft« beistehen und das
+Geschäft auf ihre Art nicht unglücklich ausgehe. Was wissen sie davon
+(wer hätte es ihnen schon gesagt?), daß eben dieser Gott in seinen
+Geboten als Sünde verboten hat, -- was sie tun wollen und um dessen gutes
+Gelingen sie zu ihm beten! Merkwürdig ist aber auch, daß die Zigeuner
+sich mehr zur katholischen als zur evangelischen Religion hingezogen
+fühlen. Jedenfalls nur darum, weil die Zermonien der katholischen Kirche
+mehr auf seine Sinne und Phantasien einwirken, mehr seiner Natur
+entsprechen, als die Einfachheit der evangelischen Kirche. Früher ließ
+der Zigeuner seine Kinder gern und auch öfters als nur einmal taufen, --
+aber nur wegen den regelmäßigen, üblichen Patengeschenken. In welcher
+Konfession ist ihm egal -- ob katholisch oder evangelisch. So bin ich
+katholisch getauft, eine Schwester und mein Bruder evangelisch.
+Kirchlich und weltlich wurde früher eine Zigeunerehe nur selten
+geschlossen. Heutzutage läßt er die Kinder aber taufen, damit sie in
+seine Legitimation eingeführt werden, ebenso verhält es sich, wenn er
+sich heute ausnahmslos kirchlich trauen läßt und die Ehe standesamtlich
+eingeht.
+
+Bewiesen wird es jetzt wohl sein, daß die Zigeuner für die Religion
+nicht unempfänglich sind, wenn man sie am rechten Platz packt, d. h. in
+ihrer Sprache die Heilsbotschaft verkündet und im übrigen etwas
+Rücksicht nimmt auf ihre zigeunerischen Eigenarten. Kein Baum fällt auf
+den ersten Hieb. Die Erfahrungen würden diese Worte bestätigen. Nicht
+der angeblichen Unverbesserlichkeit der Zigeuner gebe man die Schuld,
+sondern der geringen Arbeit der Christenheit, die in dieser Beziehung so
+viel versäumt hat. Aber mit der Seelenrettung muß Hand in Hand gehen --
+die Besserung der äußeren Umstände der Zigeuner. Der Erfolg würde ein
+überraschender sein. Daher weg mit der oberflächlichen Redensart: die
+Zigeuner sind nicht für Religion zu haben! Könnt ihr, die ihr dies so
+leichtherzig sagt, es ernstlich beweisen? Nein; nun so ist es jetzt
+höchste Zeit, deutsche Christen, dies Versäumnis endlich nachzuholen,
+damit eure Verantwortung nicht noch größer werde, als sie schon ist!
+#Tschatschopaha.#
+
+ * * * * *
+
+Vor nun schon langen Jahren überwinterte eine Familie dieser »fahrenden«
+Leute in einem Schwarzwalddorf. Die Kinder mußten in die Schule gehen
+diesen Winter. Der älteste Knabe sollte im Frühjahr »aus der Schule
+kommen«, (_In die er doch so wenig »hineinkam«_.) Der Ort war
+evangelisch, der Schüler aber doch katholisch getauft. Dies war der
+Anlaß, daß, als er ¼ Jahr die evangelische Dorfschule besucht hatte, der
+katholische Pfarrer aus dem nahen Oberamtsstädtchen ihm das Billet für
+¼ Jahr bezahlte zum katholischen Schulbesuch und zwar so lange, bis er
+»aus der Schule war« im Frühjahr. So war der Knabe auf doppelte Art ein
+»Fahrender«. Vom »fahrenden Volk« war er jetzt auch noch ein »fahrender
+Schüler«, indem er morgens in die katholische Schule in der
+Oberamtsstadt mit der Bahn fuhr und abends wieder zurück nachhause. Hier
+lernte er wirklich gute Menschen kennen und die Anteilnahme und Liebe
+für den verachteten Zigeuner tat ihm so wohl, daß er wünschte, immer so
+glücklich sein zu können. Die Eindrücke, die er hier durch den Umgang
+mit diesen braven Leuten empfing, blieben ihm in steter Erinnerung. Dies
+Glück war leider nicht von langer Dauer. Der Tag der Schulentlassung
+kam. Die Eltern des Knaben wollten schon lange -- kaum daß der Schnee
+schmolz und die liebe Sonne zu lächeln begann -- »weiterziehen«, um die
+durch den Winter unterbrochene Wanderung fortzusetzen. Ungeduldig wurde
+von ihnen der Schulentlassungstag erwartet -- der einzige Grund, der sie
+von der Reise zurückhielt. Der Knabe dagegen wünschte ihn noch weit,
+weit zurück. Vergebens -- nur zu schnell war er da! Wie der Knabe von
+edlen Wohltätern die Leibesnahrung in dieser Zeit erhielt, (da die
+Eltern, weil zu arm, ihm nichts mitgeben konnten), so erhielt er auch
+von ihnen alles, was zur Feier dieses Tages gehörte, Kleidung, Schuhe
+usw. Das Herz des Knaben war übervoll vor Glück, nicht allein wegen dem,
+daß er vielleicht zum erstenmal in seinem Leben so schmuck und proper
+dastand, sondern hauptsächlich der liebevollen Worte wegen, die von
+allen Seiten an ihn gerichtet wurden. So selten wie ein neuer »ganzer«
+Anzug, so selten war eine solche Anteilnahme von Menschen, die ihn sonst
+nur mit Verachtung behandelten, im Leben dieses Knaben! Seine große
+Freude konnte man ihm vom Gesicht ablesen, vollends als er mit den
+anderen »Konfirmanden« zu einem gemeinschaftlichen Mahl in das
+Pfarrhaus, mit dem Herrn Pfarrer und dessen Angehörigen, eingeladen
+wurde. Doch wollte ihn ein Gefühl der Traurigkeit beschleichen, als er
+die anderen Knaben betrachtete und hörte, wie sie sich gegenseitig mit
+Stolz und Freude erzählten, was sie werden wollten oder durften. Jeder
+hob die Vorzüge seines erwählten Berufes hervor und jeder glaubte, den
+besten erwählt zu haben. Hier saß der »fahrende« Knabe still! Hier
+konnte er nicht mitreden. Was er wohl wird? Niemand dachte daran, ihn
+auch einen Beruf wählen, lernen zu lassen! Hätte sich doch hier der
+Engel gefunden, den jeder Mensch haben muß, um etwas zu werden, etwas zu
+erreichen! Hätte sich hier eine rettende Hand gezeigt, und es wäre aus
+dem Knaben damals etwas ganz anderes geworden, als er jetzt ist!
+
+Doch die beginnende Traurigkeit verschwand, als ein Spaziergang in den
+nahen Wald gemacht wurde, welcher die Feier und den schönen Tag
+beschloß. Es war ein wunderschöner Frühlingstag. Auf den grünen Wiesen
+blühten die Blumen. Auf den Bäumen keimten schon die Blüten, aus ihnen
+und von überall ertönte der Vögelschall. Alles war Freude, Lust und
+Leben! Nur zu schnell vergingen die fröhlichen Stunden dieses -- letzten
+Tages, den der Knabe unter diesen guten Menschen zubrachte. In seinem
+höchsten Glück -- wurde er jäh wieder von der rauhen Faust des
+unerbittlichen Schicksals zurückgerissen in sein -- altes Leben. Die
+Scheidestunde schlug. Man begleitete den Knaben an die Bahn. Die muntere
+Schar merkte in ihrer Fröhlichkeit nicht, wie traurig und leer es in
+seinem Herzen aussah. Ein letzter Händedruck, noch einige liebevolle,
+tröstende Abschiedsworte des guten, wahrhaft edlen Pfarrers, ein
+Tücherschwenken, ein Pfiff -- davon brauste der Zug. Der Abschied war
+schwer, der Knabe meinte, er ließe alles zurück, Liebe, Freude und
+Glück. Das Herz wollte ihm brechen vor Heimweh und Schmerz. Dunkel, grau
+lag die Zukunft vor ihm, -- ohne einem Strahl von Glück! Und er wäre doch
+so gerne glücklich gewesen! Bei seinen Leuten angekommen, war der Wagen
+schon längst gepackt. Eine letzte Nacht noch in einer Stube. Leer und
+öde grinste ihm die Zukunft aus allen Ecken des kahlen Zimmers entgegen.
+Leer und öde sah es in seinem jungen Herzen aus. Am Morgen, früh, nach
+einer durchweinten Nacht, ging es fort. Wohin?
+
+Aber niemals konnte der Knabe diese glücklichste Zeit seines ganzen
+Lebens vergessen. Sein nachheriges bewegtes Leben konnte nie die
+Erinnerung daran auslöschen! Ebensowenig das Andenken an den wahrhaft
+guten und edlen Pfarrer, dessen Lehren, Worte und ehrwürdige Gestalt ihm
+immer und jetzt noch nach langen, langen Jahren, vor Augen steht.
+Besonders unvergeßlich bleibt ihm der Tag seiner Schulentlassung. Er war
+und ist der schönste und glücklichste seines Lebens. Oft und gern denkt
+er heute noch -- oder vielleicht gerade jetzt -- an diese frohe und
+glückliche Kindheits- und Jugendzeit zurück. Dieser Tag wird für die
+ganze Lebenszeit ein Lichtblick sein und bleiben für _Engelbert
+Wittich_!
+
+#Tschatschopaha!#
+
+
+
+
+»Hefte für Zigeunerkunde.«
+
+Heft 1. =Urban, R.=, Die Sprache der Zigeuner in Deutschland. 30 Pfg.
+
+ " 2. =Wittich, E.=, Blicke in das Leben der Zigeuner. 40 Pfg.
+
+ " 3. =Bourgeois, Dr. H.=, Kurze Grammatik der mitteleuropäischen
+ Zigeunersprache. 30 Pfg.
+
+
+Über die Zigeuner ist schon viel geschrieben worden; aber diese
+Literatur hat bis jetzt nur kleine Kreise von Liebhabern und
+Fachinteressenten erreicht; dazu leidet sie unter dem Mißgeschick, daß
+sie schwer zu finden ist, meist nur durch Vermittelung von
+Antiquariatsangeboten. Ein großer Fortschritt ist zwar das seit 1907
+neue Erscheinen des #Journal# der #Gypsy Lore Society#, in dem alles
+Wissenswerte über die Zigeuner sorgfältig gesammelt wird; aber dieses
+Unternehmen scheint sich in Deutschland nicht einzubürgern, und es
+herrscht bei uns nach wie vor eine bedauerliche Unkenntnis alles dessen,
+was die Zigeuner betrifft. Diese Unkenntnis ist mit schuld daran, daß
+unsere Gesetze und Behörden, die heute schon alle möglichen Volks- und
+Berufsklassen, ja selbst Tier- und Pflanzenwelt mit Recht und Schutz
+versehen, den Zigeunern gegenüber nur als rücksichtslose Feinde und
+Unterdrücker auftreten, -- daß die Kirchen und Vereine, die heute schon
+auf den entlegensten Gebieten alle denkbaren Liebeswerke ausüben, an den
+Zigeunern kühl vorübergehen, -- daß das Volk und auch die christlichen
+Kreise, die die Zigeuner mit einer Mischung aus Neugierde, Furcht und
+Teilnahme betrachten, doch noch nicht zum rechten christlichen Benehmen
+gegenüber den Zigeunern gekommen sind.
+
+Die »Hefte für Zigeunerkunde« sollen diesen bedauerlichen Zuständen
+abhelfen. Sie wenden sich an alle offiziellen und privaten Kreise des
+deutschen Volkes in der festen Überzeugung, daß es nur ein wenig der
+Beschäftigung mit dem Zigeunertum bedarf, um diesem armen, heimatlosen
+Volk eine gerechtere Beurteilung und ernstliches Wohlwollen bei allen
+edel denkenden Deutschen zu erwirken. Die Folgen dieses Umschwunges
+würden den Zigeunern gewiß zum Segen und unserer in diesem Punkte bisher
+so hartherzigen Christenheit nicht zur Schande gereichen.
+
+ Ph. Tschoerner, Striegau
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription: Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden
+vereinheitlichend durch Ä, Ö, Ü ersetzt. Die nachfolgende Tabelle
+enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen
+Korrekturen.
+
+S. 10: [Komma eingefügt] Löffeln), Haarschmuck
+S. 11: als halblinder -> als halbblinder
+S. 13: Feuerwerker prozudieren, wählen zur -> produzieren, wählen zu
+S. 22: [Vereinheitlicht] von ihm aus das »Todtenhemd« anhatte -> Totenhemd
+S. 22: [Komma eingefügt] heraus, #»praßte«# und schoß
+S. 24: [Komma eingefügt] »Gesundheittrinken«, »Prosit«
+S. 36: [Komma eingefügt] , daß eben dieser Gott
+
+Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
+wurden folgendermaßen ersetzt:
+
+Sperrung: _gesperrter Text_
+Antiquaschrift: #Antiquatext#
+Fettschrift: =fett gedruckter Text= ]
+
+
+
+[Transcriber's Note: The Umlauts Ae, Oe and Ue have been replaced by Ä,
+Ö, Ü. The table below lists all corrections applied to the original
+text.
+
+p. 10: [added comma] Löffeln), Haarschmuck
+p. 11: als halblinder -> als halbblinder
+p. 13: Feuerwerker prozudieren, wählen zur -> produzieren, wählen zu
+p. 22: [normalized] von ihm aus das »Todtenhemd« anhatte -> Totenhemd
+p. 22: [added comma] heraus, #»praßte«# und schoß
+p. 24: [added comma] »Gesundheittrinken«, »Prosit«
+p. 36: [added comma] , daß eben dieser Gott
+
+The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
+replaced by:
+
+Spaced-out: _spaced out text_
+Antiqua: #text in Antiqua font#
+Bold face: =bold face text= ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Blicke in das Leben der Zigeuner, by
+Engelbert Wittich
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BLICKE IN DAS LEBEN DER ZIGEUNER ***
+
+***** This file should be named 25796-8.txt or 25796-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+
+Produced by Norbert H. Langkau, Markus Brenner and the
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+will be renamed.
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+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
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+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
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+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
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+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
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+that
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+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
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+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
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+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
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+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
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+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
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+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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