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+Project Gutenberg's Die Nymphe des Brunnens, by Johann Karl August Musäus
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Die Nymphe des Brunnens
+
+Author: Johann Karl August Musäus
+
+Editor: Hans Fraungruber
+
+Illustrator: Ignaz Taschner
+
+Release Date: May 19, 2008 [EBook #25530]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NYMPHE DES BRUNNENS ***
+
+
+
+
+Produced by Alexander Bauer, Jana Srna, Irma Spehar, Markus
+Brenner and the Online Distributed Proofreading Team at
+https://www.pgdp.net (This file was produced from images
+generously made available by The Internet Archive/American
+Libraries.)
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+
+
+
+
+ Gerlach’s
+ Jugendbücherei
+
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+ Die Nymphe des Brunnens. Nach J. K. A. Musäus.
+
+ Bilder von Ignaz Taschner.
+
+ Text bearbeitet von Hans Fraungruber.
+
+ Verlag von Martin Gerlach & Co.
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+ Wien und Leipzig.
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+ Druck von Christoph Reißer’s Söhne Wien V.
+ Ausstattung gesetzlich geschützt.
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+
+
+
+[Illustration]
+
+Drei Meilen hinter Dinkelsbühl im Schwabenlande lag vorzeiten ein altes
+Raubschloß, das einem mannfesten Ritter zugehörte, Wackermann Uhlfinger
+genannt, die Blume der faust- und kolbengerechten Ritterschaft, der
+Schrecken der schwäbischen Bundesstädte, auch aller Reisenden und
+Frachtführer, die keinen Geleitsbrief von ihm gelöst hatten. Wenn
+Wackermann seinen Küraß und Helm angelegt, seine Lenden mit dem Schwert
+umgürtet hatte und die goldenen Sporen an seinen Fersen klirrten, war er
+nach der Sitte seiner Zeitgenossen ein roher, hartherziger Mann, der
+Rauben und Plündern für ein Vorrecht des Adels hielt, den Schwächern
+befehdete und, weil er selbst mannhaft und rüstig war, kein ander Gesetz
+erkannte, als das Recht des Stärkern. Wenn’s hieß, »Uhlfinger ist im
+Anzuge, Wackermann kommt«, fiel Schrecken auf ganz Schwabenland; das
+Volk flüchtete in die festen Städte und die Wächter auf den Zinnen der
+Warten stießen ins Horn und verkündeten die nahe Gefahr.
+
+Dieser gefürchtete Mann war aber daheim, wenn er seine Rüstung abgelegt
+hatte, fromm wie ein Lamm, gastfrei wie ein Araber, ein gutmütiger
+Hausvater und ein zärtlicher Gatte. Seine Hausfrau war ein sanftes
+liebevolles Weib, sittig und tugendsam und stund ihrem Hauswesen gar
+fleißig vor. Zudem war sie Mutter von zwei Töchtern, die sie mit großer
+Sorgfalt tugendsam und häuslich auferzog. In dieser klösterlichen
+Eingezogenheit störte nichts ihre Zufriedenheit als die Freibeuterei
+ihres Gemahls, der sich mit ungerechtem Gut bereicherte. Sie mißbilligte
+diese Räubereien in ihrem Herzen und es machte ihr keine Freude, wenn er
+ihr gleich die herrlichsten Stoffe, mit Gold und Silber durchwirkt, zu
+reichen Kleidern schenkte. »Was soll mir der Plunder,« sprach sie oft zu
+sich selbst, »daran Seufzer und Tränen hangen?« Sie warf mit geheimem
+Widerwillen diese Geschenke in ihre Truhe und würdigte sie weiter keines
+Anblicks, bemitleidete die Unglücklichen, die in Wackermanns Haft
+fielen, setzte sie oft durch ihre Fürbitte in Freiheit und begabte sie
+mit einem Zehrpfennig.
+
+Am Fuße des Schloßberges verbarg sich tief im Gebüsch eine ergiebige
+Felsenquelle, welche in einer natürlichen Grotte entsprang, die nach
+einer alten Volkssage von einer Brunnennymphe bewohnt sein sollte,
+welche man die Nixe nannte, und die Rede ging, daß sie sich bei
+sonderbaren Ereignissen im Schlosse zuweilen sehen ließ. Zu diesem
+Brunnen lustwandelte die edle Frau oftmals ganz einsam, wenn sie während
+der Abwesenheit ihres Gemahls außerhalb der düstern Burgmauern frische
+Luft schöpfen oder ohne Geräusch Werke der Wohltätigkeit im Verborgenen
+ausüben wollte.
+
+Einstmals war Wackermann mit seinen Reisigen ausgezogen, den Kaufleuten
+aufzulauern, die vom Augsburger Markte kamen, und verweilte länger als
+sein Verlaß war. Das bekümmerte die zarte Frau, sie wähnte, ihrem Herrn
+sei ein Unglück begegnet, er sei erschlagen oder in Feindes Gewalt. Es
+war ihr so weh ums Herz, daß sie nicht ruhen noch rasten konnte. Schon
+mehrere Tage hatte sie sich zwischen Furcht und Hoffnung abgeängstet,
+und oft rief sie dem Zwerge zu, der auf dem Turm Wacht hielt:
+»Kleinhänsel, schau aus! Was rauscht durch den Wald? Was trappelt im
+Tal? Wo wirbelt der Staub? Trabt Wackermann an?« Aber Kleinhänsel
+antwortete gar trübselig: »Nichts regt sich im Wald, nichts reitet im
+Tal, es wirbelt kein Staub, kein Federbusch weht.« Das trieb sie so bis
+in die Nacht, da der Abendstern heraufzog und der leuchtende Vollmond
+über die östlichen Gebirge blickte. Da konnte sie’s nicht aushalten
+zwischen den vier Wänden ihres Gemachs; sie warf ihr Regentuch über,
+stahl sich durchs Pförtchen in den Buchenhain und wandelte zu ihrem
+Lieblingsplätzchen, dem Kristallbrunnen, um desto ungestörter ihren
+kummervollen Gedanken nachzuhängen. Ihr Auge floß von Zähren, und ihr
+sanfter Mund öffnete sich zu melodischen Wehklagen, die sich mit dem
+Geräusch des Baches mischten, der vom Brunnen her durchs Gras lispelte.
+
+[Illustration]
+
+Indem sie sich der Grotte nahte, war’s ihr, als ob ein leichter Schatten
+um den Eingang schwebe; aber weil’s in ihrem Herzen so arbeitete,
+achtete sie wenig darauf und der erste Anblick schob ihr den flüchtigen
+Gedanken vor, daß das einfallende Mondenlicht ihr eine Truggestalt
+vorlüge. Da sie näher kam, schien sich die weiße Gestalt zu regen und
+ihr mit der Hand zu winken. Darüber kam ihr ein Grausen an, doch wich
+sie nicht zurück; sie stund, um recht zu sehen, was es wäre. Das Gerücht
+von dem Nixenbrunnen, das in der Gegend umlief, war ihr nicht unbewußt.
+Sie erkannte die weiße Frau nun für die Nymphe des Brunnens und diese
+Erscheinung schien ihr eine wichtige Familienbegebenheit anzudeuten.
+Welcher Gedanke konnte ihr jetzt näher liegen als der von ihrem Gemahl?
+Sie zerraufte ihr schwarzgelocktes Haar und erhob eine laute Klage: »Ach
+des unglücklichen Tages! Wackermann! Wackermann! Du bist gefallen, bist
+kalt und tot! Hast mich zur Wittib gemacht und deine Kinder zu Waisen!«
+
+Da sie so klagte und die Hände rang, vernahm sie eine sanfte Stimme aus
+der Grotte: »Mathilde, sei ohne Furcht, ich verkünde dir kein Unglück,
+nahe dich getrost, ich bin deine Freundin und mich verlangt, mit dir zu
+kosen.« Die edle Frau fand so wenig Abschreckendes in der Gestalt und
+Rede der Nixe, daß sie den Mut hatte, die Einladung anzunehmen; sie ging
+in die Grotte, die Bewohnerin bot ihr freundlich die Hand und küßte sie
+auf die Stirn, saß traulich zu ihr hin und nahm das Wort: »Sei mir
+gegrüßt in meiner Wohnung, du liebe Sterbliche, dein Herz ist rein und
+lauter wie das Wasser meines Brunnens, darum sind dir die unsichtbaren
+Mächte geneigt. Ich will dir das Schicksal deines Lebens eröffnen, die
+einzige Gunstbezeigung die ich dir gewähren kann. Dein Gemahl lebt, und
+ehe der Hahn den Morgen auskräht, wird er wieder in deinen Armen sein.
+Fürchte nicht, ihn zu betrauern, der Quell deines Lebens wird früher
+versiegen als der seine; vorher aber wirst du noch eine Tochter küssen,
+die auf schwankender Wage des Schicksals Glück und Unglück dahin nimmt.
+Die Sterne sind ihr nicht abhold; aber ein feindseliger Gegenschein
+raubt der Verwaisten das Glück der mütterlichen Pflege.«
+
+[Illustration]
+
+Das betrübte die edle Frau sehr, da sie hörte, daß ihr Töchterlein der
+treuen Mutterpflege entbehren sollte, und sie brach in laute Zähren aus.
+Die Nymphe wurde dadurch gerührt; »weine nicht,« sprach sie, »ich will
+bei deinem Kinde Mutterstelle vertreten, wann du es nicht beraten
+kannst; doch unter dem Beding, daß du mich zur Taufpate des zarten
+Fräuleins wählest, damit ich teil an ihr habe. Dabei sei eingedenk, daß
+das Kind, so du es meiner Sorge anvertrauen willst, mir den Waschpfennig
+wiederbringe, den ich einbinden werde.« Frau Mathilde willigte in dies
+Begehr, darauf griff die Nixe nach einem glatten Bachkiesel und gab ihr
+solchen mit dem Beifügen, denselben durch eine treue Magd zu rechter
+Zeit und Stunde zum Zeichen der Einladung zur Gevatterschaft in den
+Brunnen werfen zu lassen. Frau Mathilde verhieß dem allen treulich
+nachzukommen, verlor keins dieser Worte aus ihrem Herzen und begab sich
+nach der Burg zurück; die Nymphe aber ging wieder in den Brunnen und
+verschwand.
+
+[Illustration]
+
+Nicht lange hernach trompetete der Zwerg freudig vom Turm herab und
+Wackermann ritt mit seinen Reisigen wohlgemut in den Hof ein, mit
+reicher Beute beladen. Nach Verlauf eines Jahres fügte sich’s, daß
+Wackermann einen Fehdebrief bekam von einem Ritter, den er beim Trunk
+beleidigt hatte und der mit ihm anbinden wollte auf Tod und Leben. Er
+rüstete sich und seine Gewappneten fleißig zu, und als er im Begriff war
+aufzusitzen und nach Gewohnheit von seiner Gemahlin sich verabschiedete,
+forschte sie sorgsam nach seinem Vorhaben, drang in ihn wider
+Gewohnheit, ihr zu sagen, gegen wen er ausziehe, und da er ihr diese
+ungewöhnliche Neubegier liebreich verwies, verhüllte sie ihr Gesicht und
+weinte bitterlich. Das ging dem edlen Ritter ans Herz, doch tat er
+sich’s nicht aus, saß auf und eilte zum Tummelplatz, traf mit seinem
+Gegner hart zusammen, erlegte ihn nach einem wackern Rennen und kehrte
+triumphierend heim.
+
+Seine züchtige Hausfrau empfing ihn mit offenen Armen, liebkoste ihn
+freundlich und ließ nicht ab, mit glatten Worten und süßer Schmeichelei
+ihn auszuholen, was für ein Abenteuer er bestanden habe. Er aber
+verschloß flugs sein Herz, verwahrte alle Zugänge mit dem Riegel der
+Unempfindsamkeit und offenbarte ihr nichts; vielmehr sprach er
+spottweise: »O Mutter Eva, deine Töchter sind noch nicht ausgeartet,
+Neugier und Vorwitz ist der Weiber Erbteil bis auf diesen Tag.« –
+»Verzeihet, lieber Gemahl,« antwortete die kluge Frau, »die Männer haben
+auch ihr bescheiden Teil aus Mutter Evens Erbschaft empfangen. Der
+Unterschied ist nur, daß eine gutmütige Frau für ihren Mann kein
+Geheimnis hat noch haben darf. Es stünde die Wette, wenn mein Herz Euch
+was verhehlen könnte, daß Ihr nicht ruhen noch rasten würdet, bis Ihr
+mir meine Heimlichkeit abgelockt hättet.« – »Und ich,« versetzte er,
+»gebe Euch mein Wort, daß mich Eure Heimlichkeit nichts kümmern wird; es
+ist Euch vergönnt, die Probe zu machen.« Da war’s, wo Frau Mathilde
+ihren Ehegemahl hinhaben wollte. »Wohlan,« sprach sie, »lieber Herr, so
+sei mir vergönnt, eine von den Gevattern zu erkiesen, die mein
+neugebornes Kindlein aus der Taufe heben. Ich habe eine Freundin ins
+Herz geschlossen, die Euch unbekannt ist; da ist nun mein Begehr, daß
+Ihr nie in mich dringen wollt, Euch zu sagen, wer sie sei, von wannen
+sie kommt, noch wo sie hauset. Wann Ihr mir das bei Eurer ritterlichen
+Ehre verheißet und Eurer Zusage Genüge tut, will ich die Wette verloren
+haben und frei bekennen, daß der männliche Geist über die weibliche
+Schwachheit triumphiert.« Wackermann leistete seiner Hausfrau das
+Versprechen unweigerlich und sie erfreute sich des guten Erfolgs ihrer
+schlauen List innigst.
+
+[Illustration]
+
+Wackermann ritt ganz wohlgemut zu seinen Nachbarn und Gefreunden, sie
+zur Gevatterschaft zu laden. Sie fanden sich insgesamt an dem bestimmten
+Tage ein, und da die Frau das Geräusch der Wagen, das Wiehern der Pferde
+und das Getümmel des Hofgesindes vernahm, berief sie eine vertraute
+Dirne zu sich und sprach: »Nimm diesen Bachkiesel, wirf ihn
+stillschweigend hinter dich in den Nixenbrunnen und spute dich
+auszurichten, was dir befohlen ist.« Die Dirne tat nach dem Befehl und
+ehe sie wieder zurückkam, trat eine unbekannte Dame in das
+Gesellschaftszimmer, neigte sich züchtig gegen die anwesenden Herren und
+Frauen, und wie das Kindlein vorgetragen wurde und der Täufer zum Becken
+trat, nahm sie ihre Stelle unter den Paten obenan. Jedermann machte ihr
+ehrerbietig Platz als einer Fremden und sie hielt das Kind zuerst auf
+dem Arm über der Taufe. Aller Augen waren auf sie gerichtet. Sie war so
+schön, so sittsam und dabei so herrlich gekleidet in ein fliegendes
+Gewand von wasserblauer Seide und aufgeschlitzten Ärmeln, mit weißem
+Atlas unterlegt; über das war sie mit Juwelen und Perlenschmuck so
+reichlich behangen, wie die heilige Jungfrau zu Loretto an einem
+kirchlichen Galatage. Ein glänzender Saphir hielt den durchsichtigen
+Schleier, der in dünnen Wolken von dem Wirbel des künstlich
+geschlungenen Haares längs den Schultern bis an die Fersen
+herabschwebte; aber der Zipfel des Schleiers war naß, als sei er durchs
+Wasser gezogen.
+
+Die unerwartete Erscheinung der fremden Dame hatte die sämtliche
+Mitgevatterschaft dergestalt in der Andacht gestört, daß sie vergaßen,
+dem Kinde einen Namen zu geben, darum taufte es der Priester Mathilde,
+nach dem Namen der Mutter. Nach vollbrachter Taufhandlung wurde die
+kleine Mathilde zu derselben zurückgebracht, und alle Paten folgten
+nach, Glück zu wünschen und dem Patchen den Waschpfennig einzubinden.
+Die Mutter schien bei dem Anblick der Unbekannten etwas betroffen,
+vermutlich aus Verwunderung, daß die Nixe so treulich Wort gehalten
+hatte. Sie warf einen verstohlenen Blick auf ihren Gemahl, der mit einem
+unausdeutbaren Lächeln antwortete und sich übrigens das Ansehen gab, als
+nehme er von der Fremden weiter keine Notiz. Das Patengeschenk gab jetzt
+der Empfängerin andere Beschäftigung, ein goldener Regen strömte aus
+freigebigen Händen auf den Täufling herab. Die Unbekannte nahte sich
+zuletzt mit ihrer Patensteuer und täuschte die Erwartung aller
+Mitgevattern. Sie vermuteten von der glanzreichen Dame ein Kleinod oder
+einen Denkpfennig von großem Wert, besonders da sie ein seidenes
+Taschentuch hervorzog und solches mit großer Bedächtlichkeit
+voneinander schlug; aber Frau Pate hatte nichts drein gewickelt als
+einen Bisamapfel aus Holz gedreht; sie legte diesen feierlich auf des
+Kindes Wiege, küßte die Mutter freundlich auf die Stirn und begab sich
+aus dem Zimmer.
+
+[Illustration]
+
+Über dieses armselige Geschenk entstand ein heimliches Flüstern unter
+den Anwesenden, das bald in ein spöttisches Gelächter ausbrach. Es
+fehlte nicht an mancherlei boshaften Anmerkungen; da aber der Ritter und
+seine Dame ein tiefes Stillschweigen beobachteten, so blieb den
+Forschern und Schwätzerinnen nichts übrig, als sich an leeren
+Mutmaßungen zu weiden. Die Unbekannte kam nicht wieder zum Vorschein,
+und niemand wußte zu sagen, wo sie hingeschwunden sei. Wackermann wurde
+insgeheim allerdings von dem Verlangen gequält zu erforschen, wer die
+Fremde gewesen sein möchte, die man, weil niemand ihren Namen wußte, die
+Dame mit dem nassen Schleier nannte; nur die Scheu, als ein mannlicher
+Ritter einer Schwachheit sich schuldig zu machen und die
+Unverbrüchlichkeit seines gegebenen Wortes banden ihm die Zunge. Er
+gedachte ihr das Geheimnis mit der Zeit dennoch abzulisten. Doch diesmal
+irrte er in der Rechnung; Frau Mathilde wußte ihre Zunge zu
+beschwichtigen und bewahrte das unauflösliche Rätsel so sorgfältig im
+Herzen, wie den Bisamapfel in ihrem Schatzkästlein.
+
+[Illustration]
+
+Ehe das Fräulein dem Gängelbande entwuchs, wurde die Prophezeiung der
+Nymphe an der guten Mutter erfüllt; sie erkrankte plötzlich und starb,
+ohne Zeit zu haben, an den Bisamapfel zu gedenken oder damit nach
+Verfügung der Nixe zu gunsten der kleinen Mathilde zu verfahren. Ihr
+Gemahl war eben abwesend, auf dem Turnier zu Augsburg und zog, mit einem
+Ritterdank von Kaiser Friedrich gekrönt, wieder nach Hause. Wie der
+Zwerg auf dem Turm seinen Herrn in der Ferne sah angeritten kommen,
+stieß er nach Gewohnheit ins Horn, dem Hofgesinde dessen Ankunft
+kundzutun; aber er ließ nicht wie sonst einen freudigen Ton erschallen,
+sondern posaunte gar eine traurige Melodei. Das fuhr dem Ritter durchs
+Herz und bekümmerte seine Seele. »Was für ein Schall,« sprach er, »gellt
+mir ins Ohr? Hört ihr’s, ihr Knappen, ist das nicht Krähenruf und
+Totensang? Kleinhänsel verkündet uns nichts Gutes.« Und die Knappen
+waren alle bestürzt, sahen ihren Herrn traurig an und einer unter ihnen
+nahm das Wort und sprach: »Das ist die Weise des Vogels Kreideweiß, Gott
+wende Unglück ab; ’s ist eine Leiche im Hause!« Da spornte Wackermann
+seinen Hengst und ritt übers Blachfeld daher, daß die Funken stoben. Die
+Zugbrücke fiel, er sah gierig in den Schloßhof und erblickte leider das
+Leichenzeichen vor seiner Haustür ausgestellt, eine Laterne ohne Licht
+mit einem wehenden Flor geschmückt, und alle Fensterläden verschlossen.
+Dabei vernahm er von innen Schluchzen und Wehklagen des Gesindes, denn
+Frau Mathilde war eben aufgebahrt. Zu Häupten des Sarges saßen die
+beiden größern Töchter, in Boy und Flor gehüllt, und beweinten die
+erbleichte Mutter mit zahllosen Tränen. Am Fuße des Sarges saß die
+kleine Lieblingstochter; noch unvermögend, ihren Verlust zu empfinden,
+zerzupfte sie mit kindischer Gleichmütigkeit spielend die Überbleibsel
+der Blumen, womit die Leiche geschmückt war. Dieser wehmütige Anblick
+überwältigte Wackermanns männliche Standhaftigkeit, er weinte und
+jammerte laut, stürzte über den eiskalten Leichnam her, benetzte die
+bleichen Wangen mit seinen Tränen, drückte mit zitterndem Munde die
+erstorbenen Lippen und überließ sich ohne Scheu allen schmerzhaften
+Gefühlen seines Herzens. Hernach hing er seine Waffen in die Rüstkammer
+auf, saß bedeckt mit einem abgekrempten Hut und einem schwarzen
+Trauermantel beim Sarge, trug Leid um seine abgeschiedene Hausfrau und
+erwies ihr die letzte Ehre durch ein feierliches Totengepränge.
+
+[Illustration]
+
+Weil jedoch nach der Bemerkung eines großen Mannes die heftigsten
+Schmerzen immer die kürzesten sind, so vergaß der tiefgebeugte Witwer
+bald seines Herzeleids und ersetzte darauf den erlittenen Verlust durch
+eine zweite Gemahlin, die ganz das Gegenbild der frommen, sittsamen
+Mathilde war. Das Hausregiment nahm folglich eine andere Gestalt an; die
+junge Frau liebte Pracht und Verschwendung, gebärdete sich stolz und
+gebieterisch gegen das Gesinde; des Schlemmens und Bankettierens war
+kein Ende. Die kleine Mathilde kam unter Aufsicht einer Amme und wurde
+in ein abgelegenes Stübchen versetzt, wo sie der eiteln Frau, die mit
+Familiensorgen sich nicht gern befaßte, weit genug aus den Augen war.
+Ihr verschwenderischer Aufwand mehrte sich also, daß der Ertrag des
+Faust- und Kolbenrechts, so unermüdet der Ritter solchem oblag, nicht
+mehr hinreichte, denselben zu bestreiten; sie sah sich oft genötigt, die
+Verlassenschaft ihrer Vorweserin zu plündern, die reichen Stoffe zu
+vermöbeln oder Geld darauf zu leihen. Einstmals durchsuchte sie
+Schubladen und Truhen, um etwas von Wert auszuwittern, da stieß sie auf
+ein geheimes Fach eines Putzschrankes und fand darin zu ihrer großen
+Freude Frau Mathildens Schatzkästlein. Die funkelnden Juwelen der
+Demantringe, Ohrenspangen, Armbänder, Schürzhaken und anderes Geschmeide
+entzückten ihr gieriges Auge. Sie musterte alles genau durch, besah’s
+Stück für Stück und überschlug in ihren Gedanken, welchen Gewinn dieser
+herrliche Fund einbringen würde. Unter diesen Kostbarkeiten fiel ihr
+auch der hölzerne Bisamapfel in die Augen. Sie wußte lange nicht, was
+sie daraus machen sollte, sie versuchte es, ihn aufzuschrauben; aber er
+war verquollen. Sie wog ihn in der Hand und befand ihn so leicht als
+eine taube Nuß; darum meinte sie, es sei irgend ein lediges
+Ringfutteral, und weil sie damit nichts anzufangen wußte, warf sie’s als
+ein Ding ohne allen Wert aus dem Fenster.
+
+[Illustration]
+
+Zufälligerweise saß die kleine Mathilde unten im Zwingergarten und
+spielte mit ihrer Puppe. Wie sie die hölzerne Kugel auf dem Sande
+daherrollen sah, warf sie die Puppe aus der Hand und griff mit
+kindischer Begierde nach dem neuen Spielzeug, hatte auch ebensoviel
+Freude über diesen Fund als Mama an dem ihrigen. Sie ergötzte sich viele
+Tage mit der Spielerei und ließ sie nicht aus der Hand. An einem
+schönen Sommertage lüstete der Amme, mit ihrer Pflegetochter der
+frischen Kühlung am Felsenbrunnen zu genießen. Um Vesperzeit forderte
+das Kind seine Honigsemmel, welche die Amme mitzunehmen vergessen hatte.
+Sie hatte noch nicht Lust zurückzukehren; um nun die Kleine bei Gutem zu
+erhalten, ging sie ins Gebüsch, ihr eine Handvoll Himbeeren zu pflücken.
+Das Kind spielte indes mit dem Bisamapfel, warf ihn hin und her wie
+einen Fangeball, bis ein Wurf mißlang und die kindische Freude in
+eigentlichem Verstande in den Brunnen fiel. Augenblicks stund eine junge
+Dame da, schön wie ein Engel und freundlich wie eine Grazie. Das Kind,
+bestürzt darüber, glaubte ihre Stiefmutter vor sich zu sehen, die sie
+immer schalt und schlug, wenn sie ihr unter die Augen kam. Die Nymphe
+aber liebkoste ihr mit sanften Worten: »Fürchte nichts, liebe Kleine,
+ich bin deine Pate, komm zu mir. Sieh, hier ist dein Spielzeug, das in
+den Brunnen fiel.« Dadurch lockte sie das Kind zu sich, nahm’s auf den
+Schoß, drückte es zärtlich an den Busen, herzte und küßte die kleine
+Mathilde und benetzte ihr Angesicht mit Tränen. »Arme Verwaiste,«
+sprach sie, »ich hab’s versprochen, Mutterstelle bei dir zu vertreten,
+ich will’s auch halten. Besuche mich oft, du wirst mich stets an dieser
+Grotte finden, wenn du einen Stein in den Brunnen fallen lässest.
+Bewahre diesen Bisamapfel sorgfältig und spiele nicht wieder damit, daß
+du ihn nicht verlierst, er wird dir einst drei Wünsche gewähren. Wenn du
+heranwächst, will ich dir mehr sagen, jetzt kannst du’s nicht fassen.«
+Sie gab ihr noch manche gute Vermahnung, die sich für des Kindes Alter
+schickte, und gebot ihr Stillschweigen; die Amme kam zurück und die
+Nymphe verschwand.
+
+[Illustration]
+
+Die kleine Mathilde hatte so viel Besonnenheit, gegen die Amme nichts
+von Frau Paten zu erwähnen, forderte bei ihrer Zuhausekunft Nähnadel und
+Zwirn und vernähte damit sorgfältig den Bisamapfel in das Unterfutter
+des Kleides. Ihr Sinn und Gedanken stunden nur nach dem Nixenbrunnen; so
+oft es die Witterung erlaubte, schlug sie der Aufseherin einen
+Spaziergang dahin vor, und weil diese dem schmeichelhaften Mädchen
+nichts abschlagen konnte und diese Neigung ihr angeboren schien, indem
+die Grotte der Lieblingsaufenthalt der Mutter gewesen war, gewährte sie
+der Kleinen diesen Wunsch desto leichter. Da wußte diese nun immer einen
+Vorwand zu finden, die Amme wegzuschicken, und sobald sie den Rücken
+wendete, fiel der Stein ins Wasser und verschaffte dem klugen Mädchen
+die Gesellschaft ihrer liebreizenden Pate. Nach einigen Jahren blühte
+die kleine Waise zum jungfräulichen Alter heran; sie lebte unter dem
+Gesinde versteckt, saß auf ihrer Kammer, beschäftigte sich mit
+häuslicher Arbeit und fand nach vollendetem Tagewerke zur Abendzeit
+reichen Ersatz für die rauschenden Freuden, die sie entbehrte, in der
+Gesellschaft der Nymphe am Brunnen. Diese war nicht nur ihre
+Gesellschafterin und Freundin, sie war auch ihre Lehrmeisterin,
+unterrichtete das Fräulein in allen weiblichen Kunstfertigkeiten und
+bildete sie ganz nach dem Beispiel ihrer tugendhaften Mutter.
+
+[Illustration]
+
+Eines Tages schien die Nymphe ihre Zärtlichkeit gegen die reizvolle
+Mathilde zu verdoppeln; sie schloß sie in die Arme, ließ das Haupt auf
+ihre Schultern sinken und war so wehmutsvoll und traurig, daß das
+Fräulein mit ihr einstimmte und sich nicht enthalten konnte, einige
+Tränen auf die Hand ihrer Pate fallen zu lassen, die sie eben schweigend
+an die Lippen drückte. Durch diese sanfte Mitempfindung wurde die Nymphe
+noch wehmütiger; »Kind,« sprach sie mit trauriger Stimme, »du weinst und
+weißt nicht warum; aber deine Tränen sind Vorgefühle deines Schicksals.
+Dem Hause auf dem Berge steht eine große Veränderung bevor; ehe der
+Schnitter die Sense dengelt und der Wind über die Stoppeln des
+Weizenfeldes weht, wird’s öde und wüst stehen. Wenn die Schloßdirnen in
+der Abenddämmerung herausgehen, des Wassers aus meinem Brunnen zu
+schöpfen und mit ledigem Eimer zurückkehren, so gedenke, daß Unglück
+kommt. Wahre den Bisamapfel, der dir drei Wünsche gewähren wird, und
+gehe nicht verschwenderisch mit deinen Wünschen um! Gehab dich wohl, an
+dieser Stätte sehen wir uns nicht wieder.« Drauf lehrte sie dem
+Fräulein noch einige magische Eigenschaften des Apfels, um sich
+derselben im Notfall zu bedienen, weinte und schluchzte beim
+Hinscheiden, daß ihr die Worte versagten und ließ sich nicht mehr sehen.
+
+[Illustration]
+
+Um die Zeit der Weizenernte kamen eines Abends die Wasserträgerinnen mit
+ledigen Krügen ins Schloß zurück, bleich und erschrocken, zitterten an
+allen Gliedern, als schüttle sie der Frost des Wechselfiebers,
+verkündeten, die weiße Frau sitze am Brunnen mit trauriger Gebärdung des
+Händeringens und Wehklagens, welches nichts Gutes bedeute. Des hatten
+die Kriegsleute und Waffenträger ihren Spott, meinten, es sei Täuschung
+und Weibergeschwätz. Einige trieb die Neugier hinaus, Grund und Ungrund
+der Sache zu erforschen; sie sahen dieselbe Erscheinung, faßten sich
+dennoch ein Herz und gingen zum Brunnen. Wie sie hinkamen, war das
+Gesicht verschwunden, und da gab’s mancherlei Glossen und Auslegungen
+darüber; keiner riet jedoch auf die wahre Deutung, welche Fräulein
+Mathilde allein wußte, ob sie es gleich nicht laut werden ließ; denn die
+Nymphe hatte ihr Stillschweigen geboten. Sie saß einsam und trübsinnig
+auf ihrer Kammer unter Furcht und Erwartung der Dinge, die da kommen
+sollten.
+
+Wackermann Uhlfinger konnte seiner verschwenderischen Hausfrau nicht
+satt rauben und plündern, und wenn er nicht auf Wegelagerung ausging,
+bereitete sie ihm tagtäglich ein Wohlleben, berief seine Zechbrüder
+zusammen, unterhielt ihn im Taumel der Lust und ließ ihn nie daraus wach
+werden, um den Verfall seines Hauswesens wahrzunehmen. Wenn’s an
+Barschaft oder Lebensmitteln gebrach, so gaben Jakob Fuggers Lastwagen
+oder der Venediger reiche Speditionen immer neue Ausbeute. Dieser
+Plackereien müde, beschloß der Generalkongreß des Schwäbischen Bundes,
+weil Abmahnungen und Warnungen nichts fruchteten, Uhlfingers Untergang.
+Ehe er dachte, daß es so ernstlich gemeint sei, wehten die städtischen
+Bundesfahnen vor dem Tor seiner Bergfeste, und es blieb ihm nichts
+übrig, als der Entschluß, sein Leben teuer genug zu verkaufen. Die
+Bombarden und Donnerbüchsen erschütterten die Basteien und die
+Armbrustschützen taten auf beiden Seiten ihr Bestes; es hagelte Bolzen
+und Pfeile und einer davon, in einer unglücklichen Stunde abgedrückt, wo
+Wackermanns Schutzgeist von ihm gewichen war, fuhr durchs Visier seines
+Helms ihm tief ins Hirn, daß er alsbald im kalten Todesschlummer
+dahintaumelte. Durch den Fall des Bannerherrn geriet das Kriegsvolk in
+große Bestürzung; einige Feigherzige steckten die weiße Fahne aus, die
+Mutigen rissen sie wieder herab vom Turm. Daraus merkte der Feind, daß
+innerhalb der Burg Unordnung und Verwirrung herrsche; die Belagerer
+liefen Sturm, überstiegen die Mauern, gewannen das Tor, ließen die
+Zugbrücke herab und schlugen alles mit der Schärfe des Schwertes, was
+ihnen vorkam. Selbst die Unglücksstifterin, das verschwenderische Weib,
+wurde mit all ihren Kindern von dem wütigen Kriegsvolke erschlagen, das
+gegen den räuberischen Adel so erbittert war, als nachher die Aufrührer
+im schwäbischen Bauernkriege. Das Schloß wurde rein ausgeplündert, in
+Brand gesteckt und der Erde gleichgemacht.
+
+[Illustration]
+
+Während des kriegerischen Tumults hielt sich Fräulein Mathilde im
+Dachstübchen ganz ruhig und hatte die Tür verschlossen. Als sie aber
+merkte, daß draußen alles bunt über ging und Schloß und Riegel ihr keine
+Sicherheit weiter geben würde, warf sie ihren Schleier über, drehte
+den Bisamapfel dreimal in der Hand und trat kühnlich heraus, nachdem sie
+das Sprüchlein ausgesprochen, welches ihr die Nixe gelehrt hatte:
+
+ Hinter mir Nacht, vor mir Tag,
+ Daß mich niemand sehen mag;
+
+und so wandelte sie unbemerkt mitten durch das feindliche Kriegsvolk aus
+der väterlichen Burg, wiewohl mit hochbetrübtem Herzen und ohne zu
+wissen, wohin sie ihren Weg nehmen sollte. Solange ihre zarten Füße ihr
+nicht den Dienst versagten, eilte sie, von dem Schauplatz des Greuels
+und der Verwüstung sich zu entfernen, bis sie, von Nacht und Müdigkeit
+befallen, unter einem wilden Birnbaum im freien Felde zu herbergen
+beschloß. Sie setzte sich auf den kühlen Rasen und ließ den Tränen
+freien Lauf.
+
+[Illustration]
+
+Noch einmal schaute sie nach der Gegend um und wollte sie segnen, wo sie
+die Jahre der Kindheit verlebt hatte; wie sie die Augen aufhob, sah sie
+ein blutrotes Feuerzeichen am Himmel stehen, woraus sie urteilte, daß
+das Stammhaus ihrer Voreltern ein Raub der Flammen worden sei. Sie
+wendete ihre Augen von diesem grausenvollen Anblick weg und wünschte mit
+Sehnsucht, daß die funkelnden Sterne erbleichen und die Morgenröte aus
+Osten hervorschimmern möchte.
+
+[Illustration]
+
+Ehe es noch tagte und der Morgentau auf dem Grase sich in kleine Tropfen
+sammelte, setzte sie die ungewisse Pilgerreise fort und gelangte bald in
+ein Dorf, wo sie von einer gutherzigen Bäuerin aufgenommen und mit
+einem Bissen Brot und einer Schale Milch erquickt wurde. Von dieser Frau
+tauschte sie bäuerische Kleider und gesellte sich zu einer Karawane
+Frachtführer, die sie gen Augsburg geleiteten. In diesem trübseligen,
+verlassenen Zustande blieb ihr keine Wahl, als sich für ein
+Dienstmädchen zu vermieten; weil’s aber außer der Zeit war, konnte sie
+lange keine Herrschaft finden.
+
+Graf Konrad von Schwabeck, ein deutscher Kreuzherr, auch Kastenvogt und
+Schirmherr des Bistums Augsburg, besaß daselbst einen Komterhof, wo er
+sich im Winter aufzuhalten pflegte. In seiner Abwesenheit wohnte eine
+Schließerin darin, Frau Gertrud genannt, die das Hauswesen regierte.
+Diese Frau war in der ganzen Stadt für eine Megäre ausgeschrien; kein
+Gesinde konnt’s bei ihr aushalten, sie lärmte und tobte im Hause umher
+wie ein Poltergeist. Das Rasseln ihrer Schlüsseln fürchteten die Dirnen,
+wie die Kinder den Ruprecht; das kleinste Versehen oder auch nur ihre
+bösen Launen mußten Köpfe und Töpfe entgelten; kurz, wenn man ein böses
+Weib beschreiben wollte, so hieß es, sie sei so arg als Frau Trude im
+Komterhofe. Eines Tages hatte sie das Strafamt so gewaltsam ausgeübt,
+daß alles Gesinde entlief; da kam die sanfte Mathilde und bot ihre
+Dienste an. Um ihren edlen Wuchs zu verhehlen, hatte sie eine Schulter
+gepolstert, als sei sie verwachsen; ihr blondes, seidenes Haar verbarg
+ein breites Kopftuch; Angesicht und Hände hatte sie mit Ruß bestrichen,
+um eine zigeunermäßige Haut dadurch zu erkünsteln. Wie sie sich
+anmeldete und die Schelle an der Tür zog, steckte Frau Gertrud den Kopf
+aus dem Fenster; da sie nun die seltsame Figur gewahr wurde, meinte sie,
+es sei eine Bettlerin und rief herab: »Hier ist kein Almosenamt, geht in
+die Fuggerei, dort spendet man Heller aus!« und schlug das Fenster
+hastig zu. Fräulein Mathilde ließ sich dadurch nicht abschrecken, sie
+schellte so lange, bis die Ausgeberin in der Absicht wieder zum
+Vorschein kam, diese Zudringlichkeit mit einer Lage Scheltworten zu
+erwidern. Ehe sie aber ihren zahnlosen Mund eröffnete, verständigte sie
+das Fräulein, was ihr Begehr sei. »Wer bist du,« fragte Gertrud, »und
+was kannst du?« Die verstellte Dirne antwortete:
+
+ »Ich bin eine Waise,
+ Mathilde ich heiße,
+ Kann plätten,
+ Kann glätten,
+ Kann nähen und spinnen,
+ Auch sticken
+ Und stricken,
+ Kann hacken und pochen,
+ Auch braten und kochen,
+ Bin kunstreicher Hand
+ Und flink und gewandt.«
+
+[Illustration]
+
+Als die Wirtschafterin dieses Sprüchlein hörte und vernahm, daß das
+nußbraune Mädchen so viel gute Talente besaß, tat sie die Tür auf, gab
+ihr den Mietgroschen und nahm sie in die Küche. Sie stand ihren
+Geschäften so treulich vor, daß Frau Gertrud ganz aus der Übung kam,
+Töpfe nach dem Ziel zu werfen. Ob sie gleich immer streng und mürrisch
+blieb, alles tadelte und besser wissen wollte, so hielt ihr doch das
+Dienstmädchen nie Widerpart und wehrte durch Sanftmut und Duldung den
+Ergießungen ihrer schwarzen Galle ab. Sie wurde leidlicher und besser
+als seit vielen Jahren, zum Beweis, daß fromm Gesinde auch gut Regiment,
+gut Wetter, fromme und getreue Oberherren macht.
+
+Um die Zeit des ersten Schnees ließ die Hausmutter das ganze Haus fegen
+und reinigen, die Fenster waschen, Vorhänge aufziehen und alles zum
+Empfang ihres Herrn zubereiten, der, mit dem bunten Gefolge seiner
+Diener umgeben, nebst einem großen Schwall von Pferden und Jagdhunden zu
+Winters Anfang eintraf. Mathilde kümmerte sich wenig um die Ankunft des
+Kreuzherrn; ihre Küchenarbeit hatte sich so gemehrt, daß sie sich nicht
+Zeit nahm, nach ihm auszusehen. Zufälligerweise begegnete er ihr, indem
+sie eines Morgens Wasser schöpfte, auf dem Hofe. Sein glänzendes Auge,
+die heitere Miene, das Gepräge des Wohlbehagens und Überflusses, das
+wellenförmige, leicht gelockte Haar, das sich halb unter die
+beschattenden Straußfedern des männlich ins Gesicht gedrückten Hutes
+versteckte, der feste Gang und edle Anstand des Mannes gefielen ihr gar
+wohl. Zum erstenmal empfand sie jetzt den großen Abstand des Standes, in
+welchen ein unglücklich Verhängnis sie versetzt hatte von dem, in
+welchem sie geboren war, und diese Empfindung drückte sie mehr als der
+schwere Wassereimer. Sie ging tiefsinnig in die Küche zurück und
+versalzte zum erstenmal alle Brühen, welches ihr von der Wirtschafterin
+einen harten Verweis zuzog.
+
+Graf Konrad schien bloß für das Vergnügen zu leben; er verabsäumte keine
+Lustbarkeit und kein Freudengelag’ in der reichen Stadt, die der Verkehr
+mit den Venedigern üppig gemacht hatte. Bald gab es ein Ringelrennen,
+bald ein Stechen auf der Rennbahn, bald ein Ratswechsel oder sonst eine
+glänzende Feierlichkeit; auch fehlte es nicht an öffentlichen
+Reihentänzen auf dem Rathause oder auf dem Markte und durch alle
+Straßen, wo die Edelleute den Bürgerstöchtern goldene Fingerreife und
+seidene Tücher verehrten und gute Schwänke trieben. Als die
+Fastnachtsmummereien begannen, schien der Freudentaumel aufs höchste
+gestiegen zu sein. Fräulein Mathilde hatte an dem allen keinen Teil, saß
+in der rauchenden Küche und weinte schier die schmachtenden Augen wund,
+klagte über den Eigensinn des Glücks, das seine Günstlinge mit den
+Freuden des Lebens stromweise überschüttet und dem Unbegünstigten jeden
+frohen Augenblick abgeizet.
+
+Sie hatte den Bisamapfel der Pate Nixe, der ihr drei Wünsche gewähren
+sollte, noch im Besitz. Nie hatte sie Verlangen getragen, ihn zu öffnen
+und sein inneres Talent zu erproben; jetzt kam ihr ein, den ersten
+Versuch damit zu machen. Die Augsburger hatten bei Prinz Maxens Geburt
+Kaiser Friedrichen zu Ehren ein herrlich Bankett angestellt, das drei
+Tage dauern sollte, zu welchem sie viel Prälaten, Grafen und Herren aus
+der Nachbarschaft eingeladen hatten. Dabei wurde jeden Tag um einen
+ausgesetzten Preis gestochen, und zur Abendzeit wurden die schönsten
+Jungfrauen zu Rathaus aufgeholt, um mit der edlen Ritterschaft zu
+tanzen, und das dauerte bis an den lichten Morgen. Ritter Konrad
+ermangelte nicht, diesem Feste beizuwohnen.
+
+Mathilde hatte den Entschluß gefaßt, bei dieser Gelegenheit ein
+Abenteuer zu bestehen. Nachdem sie die Küche beschickt hatte und alles
+im Hause ruhig war, ging sie auf ihre Kammer, wusch mit feiner Seife die
+rußige Schminke von der Haut und ließ Lilien und Rosen darauf
+hervorblühen. Hernach nahm sie den Bisamapfel zur Hand und wünschte sich
+ein neues Kleid, so herrlich und prächtig es nur sein könnte, mit allem
+Zubehör. Sie öffnete den Deckel, da quoll hervor ein Stück seidenen
+Stoffs, das dehnte und breitete sich und rauschte wie ein Wasserstrom
+herab auf ihren Schoß; und als sie’s recht besah, war’s ein völliger
+Anzug mit allem dazugehörigen kleinen Putz, und das Kleid paßte ihr auf
+den Leib wie angegossen. Darüber empfand sie innige Herzensfreude,
+drehte den magischen Apfel dreimal in der Hand herum und sprach:
+
+ »Die Augen zu,
+ Bleibt alle in Ruh’!«
+
+Alsbald fiel ein tiefer Schlaf auf das gesamte Hausgesinde, von der
+wachsamen Wirtschafterin an bis auf den Türhüter. Husch war Fräulein
+Mathilde zur Tür hinaus, wandelte ungesehen durch die Straßen und trat
+mit dem Anstande einer Grazie in den Tanzsaal ein. Es wunderte sich
+männiglich über die Gestalt der holdseligen Jungfrau, und auf dem hohen
+Söller, der rings um den Saal lief, entstund ein flüsterndes Geräusch,
+wie wenn der Prediger auf der Kanzel Amen sagt. Einige bewunderten an
+der Unbekannten die Schönheit der Gestalt, andere den Geschmack der
+Kleidung, noch andere verlangten zu wissen, wer sie sei und von wannen
+sie käme, wiewohl kein Seitennachbar dem andern über diese Frage
+Auskunft geben konnte.
+
+Unter den edlen Rittern und Herren, die sich herzudrängten, die fremde
+Jungfrau zu beäugeln, war der Kreuzherr nicht der letzte. Er nahte sich
+ihr und zog sie zum Tanze auf; sie bot ihm bescheiden die Hand und
+tanzte zur Bewunderung schön. Ihr leichter Fuß schien kaum die Erde zu
+berühren; die Bewegung des Körpers aber war so edel und ungezwungen, daß
+sie jedes Auge entzückte. Ritter Konrad kam ihr nicht mehr von der Seite
+und sagte ihr viel Schönes vor; es lag ihm sehr daran zu wissen, wer die
+Unbekannte sei und wo sie hause, um sie zu verfolgen. Doch hier war
+alles Forschen vergebens; sie wich allen Fragen aus, und mit vieler Mühe
+erhielt er nur von ihr die Zusage, den folgenden Tag nochmals den Tanz
+zu besuchen. Er gedachte sie zu überlisten, wenn sie allenfalls nicht
+Wort halten sollte, und stellte alle Bedienten auf die Lauer, ihre
+Wohnung auszukundschaften, denn er hielt sie für eine Augsburgerin; die
+Tanzgesellschaft aber meinte, sie gehörte zur Freundschaft des Grafen.
+
+Der Morgen war schon angebrochen, ehe sie Gelegenheit fand, dem Ritter
+zu entwischen und den Tanzplatz zu verlassen. Sobald sie aus dem Saal
+trat, drehte sie den Bisamapfel dreimal in der Hand um und sagte dazu
+ihr Sprüchlein:
+
+ »Hinter mir Nacht, vor mir Tag,
+ Daß mich niemand sehen mag;«
+
+und so gelangte sie in ihre Kammer, ohne daß die Dämmerungsvögel des
+Grafen, die in allen Straßen auf- und abflatterten, sie wahrnahmen. Bei
+ihrer Zuhausekunft schloß sie das seidene Kleid in die Lade, zog wieder
+die schmutzigen Küchenkleider an und gab sich an ihr Geschäft, war
+früher auf als das übrige Gesinde, welches Frau Gertrude mit dem Bund
+Schlüssel aus den Betten klingelte, und erntete von der Wirtschafterin
+ein kleines Lob.
+
+Noch nie war dem Ritter ein Tag so lang worden als der nach dem Ball;
+jede Stunde dünkte ihn ein Jahr. Um Vesperzeit rüstete er sich zum Ball,
+kleidete sich sorgfältiger als tags vorher, und die drei goldenen Ringe,
+das alte Abzeichen des Adels, funkelten diesmal mit Diamanten besetzt am
+Saume seiner Halskrause. Er war der erste auf dem Tummelplatze der
+Freude, musterte alle Kommenden mit dem Scharfblick des Adlerauges und
+harrte mit Ungeduld der Erscheinung seiner Ballkönigin entgegen. Der
+Abendstern war schon hoch am Horizont heraufgerückt, ehe das Fräulein
+Zeit gewann, auf ihre Kammer zu gehen. Sie wünschte sich ein anderes
+Kleid, von Rosaatlas nebst einem Juwelenschmuck, so schön und prächtig,
+als ihn die Königstöchter zu tragen pflegen. Der gutwillige Bisamapfel
+gab her, was in seinem Vermögen war, und der Anzug übertraf ihre eigene
+Erwartung. Sie machte wohlgemut ihre Toilette, und mit Hilfe des
+Talismans gelangte sie, von keinem sterblichen Auge bemerkt, dahin, wo
+sie so sehnlich erwartet wurde. Sie war schöner als tags vorher, und da
+sie der Kreuzherr erblickte, zog er sie wieder zum Tanze auf und alle
+Partien traten ab, das herrliche Paar walzen zu sehen.
+
+[Illustration]
+
+Nach vollendetem Tanze führte Graf Konrad die ermüdete Tänzerin unter
+dem Vorwand, Erfrischung zu suchen, in ein Seitengemach, sagte ihr in
+der Sprache eines feinen Hofmannes wie tags zuvor viel Schmeichelhaftes,
+wie ein Freier zu reden pflegt, der um eine Braut wirbt. Das Fräulein
+hörte mit verschämter Freude den Ritter an, dann redete sie gar
+züchtiglich also: »Was Ihr mir, edler Ritter, heute und gestern
+vorgesagt habt, gefällt meinem Herzen wohl; denn ich glaube nicht, daß
+Ihr mit trüglichen Worten zu mir redet. Aber wie kann ich Eure Gemahlin
+werden, da Ihr ein Kreuzherr seid und das Gelübde getan habt, ehelos zu
+bleiben Euer Leben lang?« Der Ritter antwortete ernsthaft und bieder:
+»Ihr redet als eine tugendliche und kluge Jungfrau, darum will ich auf
+Eure ehrliche Frage Euch jetzt Bescheid geben und Euren Zweifel lösen.
+Zur Zeit, als ich in den Kreuzorden aufgenommen wurde, war mein Bruder
+Wilhelm, der Stammerbe, noch am Leben; seit der aber erbleicht ist, habe
+ich Dispensation erlangt, als der Letzte meines Stammes ehelich zu
+werden und dem Orden zu entsagen, so mir’s gefällt. Ich vertraue fest
+darauf, daß Ihr und keine andere vom Himmel mir zum ehelichen Gemahl
+beschieden seid. So Ihr mir nun Eure Hand nicht weigert, soll unser
+Bündnis nichts scheiden als der bittere Tod.« – »Bedenket Euch wohl,«
+versetzte Mathilde, »daß Euch nicht die Reue ankomme; vorgetan und
+nachbedacht, hat in die Welt viel Unheil bracht. Ich bin Euch fremd, Ihr
+wisset nicht, wes Standes und Würden ich sei, ob ich Euch an Geburt und
+Vermögen gleiche, oder ob ein erborgter Schimmer nur Eure Augen blendet.
+Einem Manne Eures Standes steht an, nichts leichtsinnig zu verheißen,
+aber auch seine Zusage nach Adelsbrauch unverbrüchlich zu erfüllen.«
+Ritter Konrad ergriff hastig ihre Hand, drückte sie fest ans Herz und
+sprach mit warmer Liebe: »Das verspreche ich bei Seel’ und Seligkeit!
+Wenn Ihr,« fuhr er fort, »des geringsten Mannes Kind wäret, so will ich
+Euch ehrlich halten als mein Gemahl und Euch zu hohen Ehren bringen.«
+Drauf zog er einen Demantring von großem Werte vom Finger, gab ihr den
+zum Pfand der Treue an ihre Hand und sprach weiter: »Damit Ihr kein
+Mißtrauen in meine Zusage setzet, so lade ich Euch über drei Tage in
+mein Haus, wo ich meine Freunde des Prälaten- und Herrenstandes, auch
+andere ehrenfeste Männer bescheiden will, unserer Ehestiftung
+beizuwohnen.« Mathilde weigerte sich des aus allen Kräften, weil sie die
+Beharrlichkeit seiner Gesinnungen zuvor erst prüfen wollte. Er ließ sich
+gleichwohl nicht abwendig machen, ihre Einwilligung zu begehren, und sie
+sagte weder ja noch nein dazu. Wie tags zuvor, schied die Gesellschaft
+bei Anbruch der Morgenröte auseinander, Mathilde verschwand, und der
+Ritter, dem kein Schlaf in die Augen kam, berief in aller Frühe die
+wache Wirtschafterin und gab ihr Befehl zur Zurichtung eines prächtigen
+Gastmahls.
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Wie Freund Hein, das Furchtgerippe mit der Sense, Paläste und
+Strohhütten durchwandert und alles, was ihm begegnet, unerbittlich mäht
+und würgt, so durchzog am Vorabend des Gastmahls Frau Gertrud, die
+unerbittliche Faust mit dem Schlachtmesser bewaffnet, Hühner- und
+Entenställe und trug als die Parze des Hausgeflügels Leben und Tod in
+ihrer Hand. Von ihrem blanken Würgestahl fielen die unbesorgten Bewohner
+bei Dutzenden, schlugen zum letztenmal ängstlich die Flügel, und Hühner
+und Tauben und dämische Kapaunen bluteten neben dem verbuhlten Puterhahn
+ihr Leben aus. Fräulein Mathilde bekam so viel zu rupfen, zu brühen und
+aufzuzäumen, daß sie die ganze Nacht den goldenen Schlaf entbehren
+mußte; doch achtete sie all der Mühe nicht, weil sie wußte, daß der
+Hochschmaus um ihrentwillen angerichtet wurde. Das Gastmahl begann, der
+fröhliche Wirt flog den Kommenden entgegen, und wenn der Türhüter
+schellte, wähnte er immer, die unbekannte Braut sei an der Tür; wurde
+sie aber geöffnet, so trat ein Prälat, eine feierliche Matrone oder ein
+ehrwürdig Amtsgesicht herein. Die Gäste waren lange beisammen und der
+Truchseß zögerte gleichwohl, die Speisen aufzutragen. Ritter Konrad
+harrte noch immer auf die schöne Braut; als sie aber zu lange weilte,
+winkte er dem Truchseß mit geheimem Verdruß, die Tafel zu beschicken.
+Man setzte sich und befand, daß ein Gedeck zu viel war; niemand aber
+konnte erraten, wer die Einladung des Gastgebotes verschmäht hatte. Von
+Augenblick zu Augenblick verminderte sich die Fröhlichkeit des
+Gastgebers sichtbar, es war nicht mehr in seiner Gewalt, den Trübsinn
+von seiner Stirn zu bannen, so sehr er sich auch angelegen sein ließ,
+durch erzwungene Heiterkeit die Gäste bei Laune zu erhalten. Sauerteig
+säuerte gar bald den Süßteig der geselligen Freude, drum ging es im
+Tafelgemache bald so still und ernsthaft her wie bei einem Leichenessen.
+Die Geigen, die abends zum Tanz aufspielen sollten, wurden
+fortgeschickt, und so endete diesmal das Fest im Komterhof ohne Sang und
+Klang.
+
+Die mißmutigen Gäste verloren sich früher als gewöhnlich und den Ritter
+verlangte nach der Einsamkeit seines Gemachs. Er warf sich auf dem Bette
+unruhig hin und her und konnte mit seinen Sinnen nicht ausdenken, welche
+Deutung er der mißlungenen Hoffnung geben sollte. Der Morgen kam, ehe er
+ein Auge geschlossen hatte, die Diener traten herein, fanden ihren Herrn
+mit wilden Phantasien kämpfen, dem Anschein nach von einem heftigen
+Fieber befallen. Darüber geriet das ganze Haus in Bestürzung, die Ärzte
+rennten treppauf, treppnieder, schrieben ellenlange Rezepte, und in der
+Apotheke waren alle Mörser im Gange, als ob sie zur Frühmetten läuten
+sollten.
+
+Sieben Tage lang hatte sich Graf Konrad so durch geheimen Kummer
+abgezehrt, daß die Rosen seiner Wangen dahinwelkten, das Feuer der Augen
+verlosch und Leben und Odem ihm nur noch zwischen den Lippen schwebte
+wie ein leichter Morgennebel im Tal, der auf den kleinsten Windstoß
+wartet, ihn ganz zu verwehen. Fräulein Mathilde hatte genaue Kundschaft
+von allem, was im Hause vorging. Es war nicht Eigensinn, daß sie die
+Einladung nicht angenommen hatte. Teils wollte sie die Standhaftigkeit
+des Ritters prüfen, teils fand sie Bedenken, dem Bisamapfel den letzten
+Wunsch abzunötigen; denn als Braut meinte sie, zieme ihr ein neuer
+Anzug, und Frau Pate hatte ihr empfohlen, mit ihren Wünschen rätlich
+umzugehen. Indessen war ihr am Tage des Gastmahls gar weh ums Herz, sie
+setzte sich in einen Winkel und weinte bitterlich. Die Krankheit des
+Ritters beunruhigte sie noch mehr, und wie sie die Gefahr vernahm, in
+welcher er sich befand, war sie untröstbar.
+
+[Illustration]
+
+Der siebente Tag sollte nach dem Spruch der Ärzte Leben oder Tod
+entscheiden. Mathilde ging ihrer Gewohnheit nach bei frühem Morgen zur
+Wirtschafterin, mit ihr über den Küchenzettel Rat zu halten; aber Frau
+Gertrud war so außer der Fassung, daß sie sich auf die gemeinsten Dinge
+nicht besinnen, noch die Wahl der Speisen ordnen konnte; große Tränen
+wie die Tropfen einer Dachtraufe rollten über die ledernen Wangen: »Ach
+Mathilde!« schluchzte sie, »wir werden hier bald ausgewirtschaftet
+haben, unser guter Herr wird den Tag nicht überleben.« Das war eine gar
+traurige Botschaft! das Fräulein gedachte umzusinken vor Schrecken; doch
+faßte sie bald wieder Mut und sprach: »Verzaget nicht an dem Leben
+unsers Herrn, er wird nicht sterben, sondern gesund werden; ich habe
+heut’ nacht einen guten Traum gehabt.« Die Alte war ein lebendiges
+Traumbuch, machte Jagd auf jeden Traum des Hausgesindes, und wo sie
+einen habhaft werden konnte, legte sie ihn immer so aus, daß die
+Erfüllung bei ihr stund; denn die anmutigsten Träume zielten bei ihr auf
+Hader, Zank und Scheltworte. »Sag an deinen Traum,« sprach sie, »daß ich
+ihn ausdeute.« »Mir war,« gegenredete Mathilde, »als sei ich noch daheim
+bei meinem Mütterlein; die nahm mich beiseits und lehrte mich das
+Süpplein von neunerlei Kräutern kochen; das hilft für alle Krankheit,
+so jemand nur drei Löffel davon genießt. ›Bereite dies deinem Herrn,‹
+sprach sie, ›und er wird nicht sterben, sondern von Stund’ an gesund
+werden.‹« Frau Gertrud verwunderte sich höchlich über diesen Traum,
+enthielt sich diesmals aller sinnbildlichen Deutung: »Dein Traum ist
+sonderbar,« sprach sie, »und nicht von ungefähr. Richte flugs dein
+Süpplein zu zum Frühstück, ich will sehen, ob ich’s über unsern Herrn
+vermag, daß er davon genießt.« Ritter Konrad lag im stillen Hinbrüten,
+matt und kraftlos, schickte sich zu seiner Heimfahrt und begehrte, das
+Sakrament der letzten Ölung zu empfahen; da trat Frau Gertrud zu ihm
+hin, riß ihn durch ihre geläufige Zunge aus der Betrachtung der vier
+letzten Dinge und quälte ihn mit gutgemeinter Geschwätzigkeit dermaßen,
+daß er, um ihrer los zu werden, verhieß, was sie begehrte. Indessen
+bereitete Mathilde eine herrliche Kraftbrühe, tat darein allerlei
+Küchenkräuter und köstliche Würze, und als sie anrichtete, legte sie den
+Demantring, welchen ihr der Ritter zum Pfande der Treue gegeben hatte,
+in die Schale und hieß den Diener auftragen.
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Der Kranke fürchtete die laute Beredsamkeit der Wirtschafterin, die ihm
+noch in den Ohren gellte, so sehr, daß er sich zwang, einen Löffel Suppe
+zu nehmen. Als er zu Boden fuhr, bemerkte er einen Körper, den er
+herausfischte und zu seinem Erstaunen den Demantring fand. Sogleich
+glänzte sein Auge wieder voll Leben und Jugendfeuer und er leerte mit
+sichtbarer Eßlust die ganze Schale aus, zu großer Freude der Frau
+Gertrud und des aufwartenden Gesindes. Alle schrieben der Suppe die
+außerordentliche Heilkraft zu, den Ring hatte der Ritter keinen der
+Umstehenden bemerken lassen. Drauf wendete er sich zu Frau Gertrud und
+sprach: »Wer hat diese Kost zugerichtet, die mir wohltut, meine Kräfte
+belebt und mich wieder ins Leben ruft?« Die sorgsame Alte wünschte, daß
+der auflebende Kranke sich jetzt ruhig halten und nicht zu viel sprechen
+möchte, darum sprach sie: »Laßt Euch nicht kümmern, gestrenger Junker,
+wer das Süpplein zugerichtet hat; wohl Euch und uns, daß es die heilsame
+Wirkung hervorgebracht hat, die wir davon hofften.« Durch diese Antwort
+geschah aber dem Ritter kein Genügen; er bestund mit Ernst auf der
+Beantwortung seiner Frage, auf welche die Ausgeberin diesen Bescheid
+gab: »Es dienet eine junge Dirne in der Küche, genannt die Zigeunerin,
+aller Kräfte der Kräuter und Pflanzen kundig, die hat das Süpplein
+zugerichtet, das Euch so wohl tut.« – »Führt sie alsbald zu mir,« sagte
+der Ritter, »daß ich ihr danke für diese Panazee des Lebens.« –
+»Verzeihet,« erwiderte die Haushälterin, »ihr Anblick würde Euch Unlust
+machen; sie gleicht an Gestalt einer Schleiereule, hat einen Höcker auf
+dem Rücken, ist mit schmutzigen Kleidern angetan und ihr Angesicht und
+Hände sind mit Ruß und Asche bedeckt.« – »Tut nach meinem Befehl,«
+beschloß der Graf, »und zögert keinen Augenblick.« Frau Gertrud
+gehorchte, berief eilig Mathilden aus der Küche zu sich, warf ihr ein
+Regentuch über, das sie zu tragen pflegte, wenn sie zur Messe ging und
+führte sie in diesem Aufputz in das Krankenzimmer ein. Der Ritter
+begehrte, daß sich jedermann entfernen sollte, und als er die Tür hatte
+heißen zutun, sprach er: »Mägdlein, bekenne mir frei, wie bist du zu dem
+Ringe gelangt, den ich gefunden habe in der Schale, darein du mir das
+Frühstück zugerichtet hast?« – »Edler Ritter,« antwortete das Fräulein
+züchtig und sittsam, »den Ring habe ich von Euch; Ihr begabtet mich
+damit am zweiten Abend des Freudenreihens; sehet nun zu, ob meine
+Gestalt und Herkunft verdient, daß Ihr Euch so abgehärmt habt, als
+wolltet Ihr ins Grab sinken. Euer Zustand jammerte mich, darum habe ich
+nicht länger verweilt, Euch aus dem Irrtum zu ziehen.«
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Einer solchen Überraschung hatte sich Graf Konrad nicht versehen; er war
+bestürzt und schwieg einige Augenblicke. Aber die Gestalt der schönen
+Tänzerin schwebte ihm bald wieder vor und er verfiel auf den Gedanken,
+daß man ihn durch einen frommen Betrug von seiner Absicht heilen wollte;
+doch der wahre Ring, den er zurückempfangen hatte, ließ vermuten, daß
+die Unbekannte auf irgend eine Weise mit im Spiel sein müßte; also legte
+er’s darauf an, die Dirne auszuforschen und in der Rede zu fangen. »Seid
+Ihr die holde Jungfrau,« sprach er, »welcher ich meine Hand gelobet
+habe, so zweifelt nicht, daß ich meine Zusage treulich erfüllen werde;
+aber hütet Euch, mich zu betrügen. Könnet Ihr die Gestalt wieder
+annehmen, die Ihr mir vorloget zwei Nächte hintereinander auf dem
+Tanzplatz, könnet Ihr Euern Leib schlank und eben machen wie eine junge
+Tanne, könnet Ihr die schabige Haut abstreifen wie die Schlange und Eure
+Farbe wechseln wie das Chamäleon, so soll das Wort, welches ich
+aussprach, als ich diesen Ring von mir gab, Ja und Amen sein. Könnet Ihr
+aber diesen Bedingungen nicht Genüge leisten, so will ich Euch als eine
+Betrügerin strafen lassen, bis Ihr mir saget, wie Euch dieser Ring ist
+zuhanden kommen.«
+
+Hierauf schellte der Kreuzherr der Wirtschafterin und erteilte ihr den
+Befehl: »Geleitet dieses Mädchen auf ihre Kammer, daß sie sich reinlich
+kleide, harret an der Tür, bis sie heraustritt; ich erwarte euer im
+Sprachgemach.« Frau Gertrud nahm ihre Gefangene in genaue Aufsicht, ohne
+eigentlich zu wissen, wohin der Befehl ihres Herrn gemeint sei. Im
+Hinaufsteigen fragte sie: »Hast du Kleider, dich zu schmücken, warum
+hast du mir’s verschwiegen? Gebricht dir’s aber daran, so folge mir auf
+meine Kammer, ich will dir leihen, soviel du bedarfst.« Hierauf
+beschrieb sie ihre altmodische Garderobe, worin sie vor einem halben
+Jahrhundert Eroberungen gemacht hatte, Stück bei Stück mit froher
+Zurückerinnerung an die vormaligen Zeiten. Mathilde hatte darauf wenig
+acht, begehrte nur ein Stücklein Seife und eine Handvoll Weizenkleien,
+nahm ein Waschbecken voll Wasser, ging auf ihre Kammer und tat die Tür
+hinter sich zu; Frau Gertrud aber bewachte solche von außen mit großer
+Sorgfalt, wie ihr befohlen war. Der Kreuzherr, voller Erwartung, welchen
+Ausgang das Abenteuer seiner Liebe nehmen werde, verließ sein Lager,
+kleidete sich aufs zierlichste und begab sich in sein Prunkgemach, mußte
+sich lange gedulden, ehe er aus der Ungewißheit gezogen wurde, und
+wandelte mit geschwinden Schritten unruhig auf und ab. Doch als der
+welsche Zeiger am Augsburger Rathaus in der Mittagsstunde auf achtzehn
+Uhr wies, flogen urplötzlich die Flügeltüren auf, es rauschte durchs
+Vorgemach der Schweif eines seidenen Gewandes, Mathilde trat herein mit
+Anstand und Würde und geschmückt wie sie auf dem Feste erschienen war.
+»Ihr sehet mich hier,« sprach sie, »in meiner wahren Gestalt. Ich bin
+Wackermann Uhlfingers, des ehrenfesten Ritters, Tochter, dessen
+unglückliches Geschick Euch sonder Zweifel nicht verborgen ist, bin
+kümmerlich dem Einsturz des väterlichen Hauses entronnen und habe in
+Eurer Wohnung, wiewohl in armseliger Gestalt, Schutz und Sicherheit
+gefunden.« Hierauf erzählte sie ihm ihre Geschichte und verschwieg ihm
+auch die Heimlichkeit mit dem Bisamapfel nicht. Graf Konrad war
+hocherfreut und dachte nicht mehr daran, daß er zum Sterben krank
+gewesen war; er lud auf den folgenden Tag alle die Gäste wieder, die
+zuvor sein Trübsinn so früh auseinandergescheucht hatte, hielt
+öffentliche Verlobung mit seiner Braut, und als der Truchseß aufgetragen
+hatte und nun herumzählte, fand er, daß kein Gedeck zu viel war. Drauf
+trat der Ritter aus dem Orden, verließ den Komterhof und vollzog die
+Hochzeit mit großer Pracht. Bei dieser merkwürdigen Hausveränderung
+bewies sich die geschäftige Martha, Frau Gertrud, ganz untätig; als sie
+Fräulein Mathildens Kammertür bewachte und bei Eröffnung derselben eine
+stattlich gekleidete Dame zum Vorschein kam, war ihr Erstaunen so groß,
+daß sie rücklings vom Sessel fiel, einen Schenkel ausrenkte und
+lendenlahm blieb ihr Leben lang.
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Die Neuvermählten verlebten das erste Jahr zu Augsburg. Eines Tages, als
+sie in frohen Gesprächen am offenen Fenster saßen, sagte die junge
+Gräfin: »Mein herzgeliebter Herr, mir ist nun kein Wunsch mehr übrig,
+ich erlasse meinem Bisamapfel die Erfüllung des dritten Wunsches mit
+Freuden. Habt Ihr aber irgend ein verborgenes Anliegen in Eurem Herzen,
+so tut mir’s kund, ich will es zu dem meinigen machen und zur Stunde
+soll es Euch gewährt sein.« Graf Konrad schloß sein trautes Weib in die
+Arme und beteuerte ihr hoch, daß außer der Fortdauer seines Glückes für
+ihn nichts wünschenswerter auf Erden sei. Also verlor der Bisamapfel in
+den Augen seiner Besitzerin allen Wert und sie behielt ihn nur zum
+dankbaren Andenken der Pate Nixe.
+
+[Illustration]
+
+Graf Konrad hatte noch eine Mutter am Leben, die auf ihrem Wittum zu
+Schwabeck wohnte. Ihr in Kindesliebe die Hand zu küssen, trug die fromme
+Schwiegertochter groß Verlangen; doch der Graf lehnte immer die
+Wallfahrt zur Mutter unter scheinbarem Vorwand ab und brachte dagegen
+eine Lustreise auf ein ihm unlängst heimgefallenes Lehen in Vorschlag,
+unfern von Wackermanns zerstörter Burg gelegen; Mathilde willigte gern
+darein, um die Gegend wieder zu besuchen, wo sie ihre erste Jugend
+verlebt hatte. Sie besuchte die Trümmer der väterlichen Wohnung,
+beweinte die Asche ihrer Eltern, ging zum Nixenbrunnen und hoffte, daß
+ihre Gegenwart die Nymphe einladen würde, sich ihr zu versichtbaren.
+Mancher Stein fiel in den Brunnen ohne die gehoffte Wirkung, selbst der
+Bisamapfel schwamm als eine leichte Wasserblase obenauf, und sie mußte
+sich die Mühe nehmen, ihn selbst wieder herauszufischen. Die Nymphe kam
+nicht mehr zum Vorschein. Heimgekehrt, bekam Frau Mathilde einen Sohn,
+schön wie ein Götterknabe, und die Freude der Eltern war so groß, daß
+sie ihn schier aus heißer Liebe erdrückten; die Mutter ließ ihn nicht
+aus ihren Armen und spähte jeden Atemzug des kleinen unschuldigen
+Engels, obgleich der Graf eine weise Amme gedungen hatte, die des
+Kindleins pflegen sollte. Aber in der dritten Nacht, da alles im Schloß
+vom Taumel eines Freudenfestes in tiefem Schlaf begraben lag, wandelte
+die Mutter auch ein sanfter Schlummer an, und als sie erwachte, war das
+Kind aus ihren Armen weg! Bestürzt rief die erschrockene Gräfin: »Amme,
+wo habt Ihr mein Kindlein hingelegt?« Die Amme antwortete: »Edle Frau,
+das zarte Herrlein ist in Euren Armen.« Bett und Zimmer wurden ängstlich
+durchsucht, aber nichts gefunden außer einigen Blutströpflein auf dem
+Fußboden des Gemachs. Wie das die Amme inne ward, erhob sie groß
+Geschrei: »Ach, daß es Gott und alle Heiligen erbarme! Der Werwolf ist
+dagewesen und hat das Kindlein davongetragen.« Die Gräfin grämte sich
+über den Verlust des holden Knaben bleich und mager und der Vater war
+untröstbar. Obgleich der Werwolfsglaube in seinem Herzen kein Senfkorn
+aufwog, so ließ er sich doch von dem Geschwätz, da er sich die Sache auf
+keine Weise zu erklären wußte, übertäuben, tröstete seine trostlose
+Gemahlin, die aus Gefälligkeit für ihn, der alle Traurigkeit haßte, sich
+zwang, eine heitere Miene anzunehmen.
+
+[Illustration]
+
+Die Schmerzenstilgerin, die wohltätige Zeit, heilte endlich die
+mütterliche Herzwunde, als der Verlust durch einen zweiten Sohn ersetzt
+wurde. Grenzenlos war die Freude über den schönen Stammerben im
+gräflichen Palast, der Graf bankettierte frohen Muts mit seinen Nachbarn
+eine Tagereise ringsumher, der Freudenbecher ging ohne Unterlaß aus Hand
+in Hand, von Wirt und Gästen bis zum Türhüter herum, auf die Gesundheit
+des Neugebornen. Die besorgte Mutter ließ das Kindlein nicht von sich,
+erwehrte sich des süßen Schlafes, solange es ihre Kräfte erlaubten; da
+sie aber endlich den Forderungen der Natur nachgeben mußte, nahm sie die
+goldene Kette vom Hals, umschlang damit des Knäbleins Leib und
+befestigte das andere Ende davon an ihrem Arm, segnete sich und das Kind
+mit dem heiligen Kreuz, auf daß der Werwolf keine Macht noch Gewalt
+daran finden möchte, und bald darauf überfiel sie ein unwiderstehlicher
+Schlaf. Als sie der erste Morgenstrahl erweckte, o Jammer! da war der
+süße Knabe aus ihren Armen verschwunden. Im ersten Schrecken rief sie
+wie vormals: »Amme, wo habt Ihr mein Kindlein hingelegt?« und die Amme
+antwortete wiederum: »Edle Frau, das zarte Herrlein ist in Euren Armen.«
+Alsbald sah sie nach dem goldnen Kettlein, das sie um den Arm
+geschlungen hatte, befand, daß ein Gelenk mit einer scharfen stählernen
+Schere mitten entzweigeschnitten war, und sank in Ohnmacht vor Entsetzen
+hin. Die Amme machte Lärm im Hause, das Gesinde eilte voller Bestürzung
+herbei, und da Graf Konrad hörte, was sich zugetragen hatte, entbrannte
+sein Herz von Wut und Eifer, er zückte sein ritterliches Schwert,
+Sinnes, der Amme das Haupt zu spalten.
+
+»Verruchtes Weib!« donnerte er mit furchtbarer Stimme, »gab ich dir
+nicht geheimen Befehl, wach zu bleiben die ganze Nacht und kein Auge von
+dem Knaben zu verwenden, damit, wenn das Ungetüm käme, ihn der
+schlafenden Mutter wegzurauben, du durch dein Geschrei das Haus rege
+machtest, damit wir den Werwolf vertrieben? Schlaf nun, du Schläferin,
+den langen Todesschlaf!« Das Weib fiel auf die Kniee vor ihm nieder.
+»Gestrenger Herr,« sprach sie, »bei Gottes Barmherzigkeit beschwöre ich
+Euch, erwürget mich augenblicks, damit ich die Schandtat mit ins Grab
+nehme, die meine Augen gesehen haben und die mir weder Geheiß noch Lohn
+abdringen soll, wofern sie nicht die Folter herauspreßt.« Der Graf
+staunte; »welche Schandtat,« fragte er, »hast du mit Augen gesehen, die
+so schwarz ist, daß deine Zunge sich weigert, sie auszureden? Lieber
+bekenne mir ohne Folter, was dir kund worden ist, als eine treue Magd.«
+»Herr,« erseufzte die Dirne, »was treibt Euch, Euer Unglück zu erfahren?
+Besser ist’s, daß das schreckliche Geheimnis zugleich mit meinem
+Leichnam verscharret werde in das kühle Grab.« Durch diese Rede wurde
+Graf Konrad nur noch begieriger, das Geheimnis zu erfahren; er nahm das
+Weib beiseits in sein heimliches Zimmer, und durch Drohungen und
+Verheißungen bewogen, eröffnete sie ihm, was er zu wissen gern wäre
+überhoben gewesen. »Eure Gemahlin,« sprach sie, »sollt Ihr wissen, Herr,
+ist eine schändliche Zauberin; aber sie liebt Euch unermeßlich und ihre
+Liebe geht so weit, daß sie auch ihres eignen Kindes nicht verschonet,
+um daraus ein Mittel zu bereiten, ihre Schönheit unwandelbar zu
+erhalten. In der Nacht, als alles in großer Sicherheit schlief, stellte
+sie sich, als sei sie eingeschlummert, ich tat das Nämliche, weiß nicht
+warum. Bald darauf rief sie mich beim Namen; aber ich achtete nicht
+darauf und fing an zu röcheln und zu schnarchen. Da sie nun vermeinte,
+ich sei fest eingeschlafen, saß sie rasch im Bette auf, nahm das
+Kindlein, drückte es an den Busen, küßte es inniglich und lispelte dazu
+diese Worte, die ich deutlich vernahm: ›Sohn der Liebe, werde ein
+Mittel, mir deines Vaters Liebe zu erhalten, gehe jetzt zu deinem
+Brüderlein, du kleine Unschuld, daß ich aus neunerlei Kräutern und
+deinen Knöchlein einen kräftigen Trank bereite, der meine Schönheit mir
+bewahre.‹ Als sie das gesagt hatte, zog sie eine Demantnadel, scharf wie
+ein Dolch, aus den Haaren, stieß solche dem Kindlein flugs durchs Herz,
+ließ es ein wenig ausbluten, und da es nicht mehr zappelte, legte sie’s
+vor sich hin, nahm den Bisamapfel, murmelte dazu einige Worte, und da
+sie den Deckel abhob, loderte daraus empor eine lichte Feuerflamme, wie
+aus einer Pechtonne, welche den Leichnam in wenig Augenblicken
+verzehrte. Die Asche und Knöchlein sammelte sie sorgfältig in eine
+Schachtel und schob sie unter die Bettlade. Drauf rief sie mit
+ängstlicher Stimme, als führe sie plötzlich aus dem Schlafe auf: ›Amme,
+wo habt Ihr mein Kindlein hingelegt?‹ Und ich antwortete mit Furcht und
+Grausen, ihre Zauberei fürchtend: ›Edle Frau, das zarte Herrlein ist in
+Euren Armen.‹ Darüber fing sie an, sich ganz trostlos zu gebärden und
+ich lief aus dem Zimmer unter dem Schein, Hilfe zu rufen. Sehet,
+gestrenger Herr, das ist der Verlauf der schändlichen Tat, die Euch zu
+offenbaren Ihr mich gedrungen habt. Bin erbötig, die Wahrheit meiner
+Aussage durch einen glühenden Stab Eisen zu erhärten, den ich mit bloßen
+Händen tragen will dreimal den Schloßhof auf und nieder.«
+
+Ritter Konrad stund wie versteint, konnte lange Zeit kein Wort
+vorbringen. Nachdem er sich wieder gesammelt hatte, sprach er: »Was
+bedarf’s der Feuerprobe, Euren Worten ist der Stempel der Wahrheit
+aufgedrückt, ich fühl’s und glaub’s, daß alles so ist, wie Ihr saget.
+Behaltet das gräßliche Geheimnis in Eurem Herzen fest verschlossen und
+vertrauet es keinem Menschen, auch nicht, wenn ihr beichtet; ich will
+Euch einen Ablaßbrief vom Bischof von Augsburg lösen, daß Euch diese
+Sünde nicht soll zugerechnet werden, weder in dieser noch in jener Welt.
+Jetzt will ich mit verstelltem Angesicht zu der Natter hineintreten, da
+habt wohl acht, daß Ihr, wenn ich sie umarme und ihr Trost einspreche,
+die Schachtel mit den Totengebeinen unter der Bettlade hervorziehet und
+unbemerkt mir solche überantwortet.«
+
+[Illustration]
+
+Mit leicht umwölkter Stirn und dem Blick eines gerührten, aber noch
+standhaften Mannes, trat er in das Gemach seiner Gemahlin, die ihren
+Herrn mit schuldlosem Auge, wiewohl mit hochbetrübter Seele, schweigend
+empfing. Ihr Angesicht glich eines Engels Angesichte und dieser Anblick
+löschte Wut und Grimm, davon sein Herz entbrannt war, plötzlich aus. Den
+Geist der Rache milderte Mitleid und Bedauernis, er drückte die
+unglückliche Frau an sich und sie überströmte sein Gewand mit
+wehmutsvollen Tränen. Er tröstete sie, koste freundlich mit ihr und
+sputete sich, den Schauplatz des Grausens und Entsetzens bald wieder zu
+verlassen. Die Amme hatte indes ausgerichtet, was ihr befohlen war, und
+überlieferte dem Grafen insgeheim das schauderhafte Knochenbehältnis. Es
+kostete einen schweren Kampf in seinem Herzen, ehe er einen Entschluß
+faßte, was er mit der vermeinten Zauberin tun sollte. Endlich wurde er
+Rats, ohne Spuk und Aufsehen sich ihrer zu entledigen. Er saß auf und
+ritt gen Augsburg, vorher aber tat er dem Hausmeister Befehl: »Wenn die
+Gräfin nach neun Tagen hervorgehet aus ihrem Gemach, um nach Gewohnheit
+zu baden, so lasset die Badestube wohl heizen und verriegelt auswendig
+die Tür, daß sie im Bade verschmachte vor großer Hitze und nicht bei
+Leben bleibe.« Der Hausmeister vernahm diesen Befehl mit großer
+Betrübnis und Wehmut, denn alles Hausgesinde liebte die Gräfin Mathilde
+als eine sanfte und gutmütige Gebieterin; doch wagte er nicht gegen den
+Ritter den Mund aufzutun, weil er dessen großen Ernst und Eifer
+wahrnahm. Am neunten Tage befahl Mathilde, das Bad zu heizen. Als sie in
+das Gemach hineintrat, zitterte die Luft um sie her vor großer Hitze;
+sie wollte zurücktreten, aber ein starker Arm stieß sie mit Gewalt in
+die Badestube hinab und sogleich wurde auch die Tür von außen verriegelt
+und verschlossen. Sie rief vergebens um Hilfe; niemand hörte, das Feuer
+wurde nur heftiger angeschürt, daß der Ofen hochrot glühte wie ein
+Töpferofen.
+
+[Illustration]
+
+Aus diesen Umständen erriet die Gräfin leicht, was hier vorgehe, sie
+ergab sich darein zu sterben, nur der schändliche Verdacht, den sie
+ahnte, marterte ihre Seele mehr als der schmähliche Tod. Sie nützte die
+letzten Augenblicke der Besinnung, zog eine silberne Nadel aus den
+Haaren und schrieb damit an die weiße Wand des Gemachs diese Worte:
+»Gehab dich wohl, Konrad, ich sterbe auf deinen Befehl willig, aber
+schuldlos.« Drauf warf sie sich auf ein Ruhebettlein nieder, ihren
+Todeskampf zu beginnen. Aber unwillkürlich strebt die Natur, zu der
+Zeit, wenn das böse Stündlein kommt, ihrer Zerstörung vorzubeugen. In
+dem Angstgefühl der erstickenden Hitze warf sich die unglückliche
+Sterbende hin und her, da entfiel ihr der Bisamapfel, den sie stets bei
+sich trug, zur Erde. Augenblicklich ergriff sie ihn und rief: »O Pate
+Nixe, steht es in deiner Macht, so befreie mich von einem schandbaren
+Tode und rette meine Unschuld!« Sie schrob hastig den Deckel auf, da
+stieg aus dem Bisamapfel hervor ein dichter Nebel, der sich über das
+ganze Gemach ausbreitete und der Gräfin angenehme Kühlung gewährte, daß
+sie keine Angst und Hitze mehr empfand. Die Dunstwolke sammelte sich in
+eine Gestalt, und Mathilde, die jetzt nicht mehr zu sterben gedachte,
+erblickte mit unaussprechlicher Wonne die liebevolle Nymphe vor sich, in
+ihrem Arm den zarten Säugling mit einem Westerhemdlein angetan, und an
+der Hand das ältere Herrlein, im weißen Flügelkleide mit rosenfarbenen
+Bandschleifen.
+
+»Willkommen, geliebte Mathilde!« redete die Nymphe sie an. »Wohl dir,
+daß du den dritten Wunsch, den dir der Bisamapfel gewähren sollte, nicht
+so leichtsinnig wie die beiden ersten verschwendet hast! Hier sind die
+zwei lebendigen Zeugen deiner Unschuld, welche dich über die schwarze
+Verleumdung, unter welcher du schier erlagtest, werden triumphieren
+lassen. Der Unstern deines Lebens hat sich zum Untergange geneigt,
+hinfort wird dir der Bisamapfel keinen Wunsch mehr gewähren, denn von
+nun an bleibt dir nichts mehr zu wünschen übrig. Aber das Rätsel deines
+traurigen Geschicks will ich dir lösen. Wisse, daß die Mutter deines
+Gemahls die Stifterin alles Unglücks ist. Dieser stolzen Frau war die
+Vermählung ihres Sohnes ein Dolchstich ins Herz; sie wußte nicht anders,
+als Graf Konrad habe den Adel seines Hauses durch eine niedrige Ehe
+geschändet; sie stieß Fluch und Verwünschung gegen ihn aus und erkannte
+ihn nicht mehr für ihren Sohn. All ihr Sinnen und Dichten war darauf
+gestellt, dich zu verderben, wiewohl die Wachsamkeit deines Gemahls
+diesem boshaften Vornehmen immer gesteuert hat. Dennoch ist es ihr
+gelungen, auch diese durch eine gleisnerische Amme zu hintergehen. Durch
+große Verheißung hat sie dies Weib dahin vermocht, deinen erstgebornen
+Sohn im Schlafe dir aus den Armen zu reißen und ihn wie ein Hündlein ins
+Wasser zu werfen. Glücklicherweise wählte sie den Brunnen meiner
+Felsenquelle zu dieser Schandtat, ich empfing den Knaben mit liebevollen
+Armen und pflegte sein als eine Mutter. Ebenso vertraute sie mir auch
+den zweiten Sohn meiner geliebten Mathilde. Diese trugvolle Amme wurde
+deine Anklägerin, sie überredete den Grafen, du seist eine Zauberin;
+eine Flamme aus dem Bisamapfel, dessen Geheimnis du sorgsamer hättest
+bewahren sollen, habe die Knaben verzehrt, um aus ihrer Asche einen
+Zaubertrank zu bereiten. Sie schob deinem Gemahl ein Gefäß, mit
+Tauben- und Hühnerknochen gefüllt, in die Hand, die er für die
+Überbleibsel seiner Kinder erkannte und Befehl gab, dich in seiner
+Abwesenheit im Bade zu ersticken. Voll Reue und Verlangen, diesen
+grausamen Befehl womöglich noch zurückzunehmen, eilt er jetzt von
+Augsburg her, ob er dich gleich noch für schuldig hält. In wenig Stunden
+wirst du gerechtfertigt sein.« Nachdem die Nymphe ausgeredet hatte, bog
+sie sich über das Angesicht der Gräfin, küßte sie auf die Stirn, und
+ohne eine Antwort zu erwarten, hüllte sie sich in ihren dichten
+Dunstschleier und verschwand.
+
+Die Diener des Grafen waren indessen geschäftig, das erloschene Feuer
+wieder anzufachen. Es dünkte sie immer, als hörten sie inwendig
+Menschenstimmen, woraus sie urteilten, daß die Gräfin noch am Leben sei.
+Aber all ihre Mühe und Gebläse war vergebens, das Holz fing so wenig
+Feuer, als wenn der Ofen mit Schneeballen wäre geheizt worden. Bald
+darauf kam Graf Konrad angeritten und frug ängstlich, wie es um seine
+Gemahlin stehe. Die Diener erstatteten Bericht, wie sie das Bad wohl
+gehitzt hätten, daß aber das Feuer plötzlich erloschen sei und aller
+Vermutung nach die Gräfin noch lebe. Das erfreute sein Herz gar
+höchlich, er trat an die Tür und rief durchs Schlüsselloch: »Lebst du,
+Mathilde?« Und die Gräfin vernahm die Stimme ihres Gemahls und
+antwortete: »Geliebter Herr, ich lebe und meine Kindlein leben!«
+Entzückt von dieser Rede ließ der ungeduldige Graf, da die Schlüssel
+nicht gleich bei Handen waren, die Tür einschlagen, stürzte ins
+Badegemach zu den Füßen seiner frommen Gemahlin und benetzte ihre
+unbefleckten Hände mit tausend reuigen Tränen, brachte sie und die
+holden Kleinen unter Jubel und Frohlocken des ganzen Hauses aus der
+fürchterlichen Sterbekammer in ihr Gemach zurück und vernahm aus ihrem
+Munde den ganzen Verlauf der schändlichen Verleumdung und des
+Kinderraubes. Alsbald gab er Befehl, die bübische Amme zu greifen und in
+die Badestube zu sperren. Da fing das Feuer im Ofen lustig an zu
+brennen, die Flammen wirbelten hoch empor und das teuflische Weib
+schwitzte ohne Verzug ihre schwarze Seele aus.
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Nymphe des Brunnens, by
+Johann Karl August Musäus
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NYMPHE DES BRUNNENS ***
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+
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
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+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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+Literary Archive Foundation
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+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
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+approach us with offers to donate.
+
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+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
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+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
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