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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:14:34 -0700 |
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Semper + +Release Date: May 3, 2015 [EBook #24820] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PHILIPPINEN UND IHRE BEWOHNER *** + + + + +Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project +Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek +zu Berlin are available free of charge for non-commercial +use for all interested parties worldwide.) + + + + + + + + Die + + Philippinen und ihre Bewohner. + + Sechs Skizzen. + + Nach einem im + Frankfurter geographischen Verein + 1868 gehaltenen Cyclus + von Vorträgen. + + Von + + Dr. C. Semper, + Prof. extr. in Würzburg. + + + + Würzburg. + A. Stuber's Buchhandlung. + 1869. + + + + + + + + + + Recht der Uebersetzung vorbehalten. + + + + + + + + Meinem lieben Schwager + + Moritz Herrmann + + in Manila + dem thätigen Beförderer meiner wissenschaftlichen Bestrebungen + widme ich diese Blätter + in + + dankbarer Freundschaft. + + + + + + + + + +Mein lieber Moritz. + + +Als wir uns vor 4 Jahren trennten, versprach ich Dir, Deinen Namen +einer Reisebeschreibung voranzusetzen. Doch »in der Zukunft d. h. der +Verleger dunklem Schoosse« ruht noch immer die versprochene Arbeit, +ungewiss ihres zukünftigen Geburtstages; darum biete ich Dir heute +nur diese leichte Waare an. Deutlich tragen die folgenden Skizzen +den Charakter der frei gehaltenen Vorträge an der Stirn. Sollte es +mir gelungen sein, dennoch durch die Verschmelzung eigener Anschauung +mit fremden Angaben ein übersichtliches Bild von dem Lande und seinen +Leuten, den Wechselbeziehungen ihrer geschichtlichen Entwickelung +und der natürlichen Verhältnisse des Bodens und seiner Erzeugnisse +entworfen zu haben, so wurde dies mich trösten bei dem Vorwurf, +den Du mir vielleicht machen wirst, in diesen Skizzen allzusehr den +Reisenden vernachlässigt zu haben. + +Sage den Palmen, ehe auch Du ihr Land verlässt, dass ich ihrer in +treuer Liebe gedenke. + + +Würzburg, im Mai 1869. + +Dein Freund und Schwager + +C. Semper. + + + + + +I. + +Die Vulcane der Philippinen. + + +Fast in gerader Linie von Nord nach Süd ziehen sich die philippinischen +Inseln von Formosa an hinunter bis nach Borneo und den Molucken. Von +der Südspitze Formosa's durch einen etwa 40 Seemeilen breiten Canal +getrennt schliessen sich die kleinen Inseln der Provincia de _Batanes_ +an die schon zum Theil zu Luzon gehörenden und die Gestalt dieser Insel +in ihrer Gruppirung andeutenden _Babuyanes_ an. Von fast viereckiger +Form, mit parallelen, von Nord nach Süd streichenden östlichen und +westlichen Küsten zieht sich _Luzon_, die grösste Insel der Philippinen +(2000 geogr. Quadratmeilen), vom 19. bis zum 14. Breitengrade herunter +und biegt sich dann plötzlich in fast ganz östlicher Richtung +um. Durch Meeresarme und Buchten in zahlreiche schmale Halbinseln +und Landzungen zerspalten scheint dieser südlichere Theil von Luzon +aus einer Menge kleinerer Inseln zusammengesetzt zu sein und lehnt +sich so in natürlichster Weise an die zahlreichen Inseln an, welche +man gewöhnlich unter dem Namen der »Islas Visayas« oder der »Islas +de los Pintados« (der tättowirten Menschen) begreift. Unter diesen, +deren Zahl mit Einschluss der kleineren Inseln viele Hunderte beträgt, +fallen die beiden südlichsten leicht in die Augen: die langgestreckte +_Palawan_ oder _Paragua_ der Spanier, welche von Borneo's Nordspitze +(in 7° N. Breite) nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt eine +enge Beziehung zwischen dieser und den philippinischen Inseln +anzudeuten scheint, und dann am Meisten gegen Osten vortretend +_Mindanao_ oder _Magindanao_, die grösste Insel der Philippinen nach +Luzon (1600 geogr. Quadratmeilen). Mit ihrer südwestlichen Spitze +(Zamboanga) lehnt sie sich durch die Inselkette von _Basilan_ und +den Sulu-Inseln ebenfalls an eine östlich vorspringende Landzunge +Borneo's an, während die südöstliche Spitze Mindanao's, die _Punta +Serangani_ in 5° 80' N. Br. durch die Inselkette, welche Sanguir, +Siao &c. angehören mit Celebes, durch die Salibabo-Inseln mit Gilolo +verbunden ist. So schliesst der Archipel der Philippinen den nördlichen +Theil des stillen Oceans mit seinen östlichen Strömungen von der durch +ihre Wirbelstürme berüchtigten chinesischen See ab und gestattet +eine Verbindung beider Meere unmittelbar nur durch den nördlichen +ziemlich breiten Canal zwischen Luzon und Formosa, mittelbar durch +die Strassen von _S. Bernardino_ und von _Surigao_, und die in +mehr als einer Beziehung wichtige Strasse von _Celebes_. Gänzlich +innerhalb des Tropengürtels und in einem Grenzgebiete zwischen den +Monsuns und dem NO. Passat des stillen Meeres gelegen, mit unendlich +reicher Küstenentfaltung, wie sie nur wenigen begünstigten Ländern der +Welt eigen ist; mit langgestreckten Bergketten von 3-4000' mittlerer +Kammhöhe und bis zu über 9000' ansteigenden Berggipfeln und isolirten +Feuerbergen; mit einer durchschnittlichen mittleren Jahrestemperatur +von 21° R. und mittleren Extremen von 19-23° R. und einem mehr als +70 % betragenden mittleren Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre; von +zahlreichen Flüssen und Bächen durchfurcht und mit grossen Landseen in +den ausgedehnten Ebenen oder tief versteckt zwischen den Bergen--so +besitzen die Philippinen alle Momente zur üppigsten Entfaltung +tropischer Vegetation und Scenerien. Und in der That reihen sich +diese Inseln in solcher Beziehung durchaus würdig den gefeiertsten +Gegenden tropischer Länder, wie Brasilien, Java und Ceylon an. Vom +dunklen Grün der tropischen Laubwälder stechen die Fichtenwaldungen der +hohen Berggipfel in ihrem düstern einförmigen Ton ab--hier vermählt +sich der Tannenbaum mit der Palme--und in den Thälern den Flüssen +entlang zieht sich ein schwarzer Streif, der Wald der Casuarinen +hin. Halb unter den Cocospalmenhainen versteckt liegen die Städte +und Dörfer zwischen dem heiteren lichten Grün der Reisfelder und der +Zuckerplantagen und alle die Bäume des Waldes und die Sträucher der +Gärten schmücken sich mit blendend gefärbten Blumen und Früchten. Die +Schönen des Landes scheinen diesen die Kunst abgelauscht zu haben, +sich in den grellsten, blendendsten Farben zu kleiden, ohne unseren +Augen wehe zu thun, und es steht der Reichthum der Farben, mit denen +sich die Pflanzen und Thiere, wie auch die Menschen schmücken, in +vollster Harmonie zu der Fülle des Lichtes, welche eine tropische +Sonne selbst durch Wolken hindurch ihrer geliebten Erde zusendet. + +Aber unter diesen Blumen ruht auch hier die Schlange, bereit zum +Sprunge und zum giftigen Bisse, und hier so wenig wie anderswo ist +dem Menschen ungestörter friedlicher Genuss gewährt. Schreckliche +Krankheiten, Pocken und die asiatische Cholera, diese Geissel der +modernen Menschheit, decimiren die bevölkerten Städte und Dörfer; +Wanderheuschrecken, welche wolkengleich den Himmel verfinstern, +verheeren die Saat und es folgt ihnen Theuerung und Hungersnoth +nach; beim Wechsel der Monsune überschwemmen die angeschwollenen +Giessbäche das Land und wenn der Indier sich in seinen Holzhütten +oder Steinhäusern von der verheerenden Fluth glücklich gerettet wähnt, +so sieht er sich unter den Trümmern seines Hauses durch ein Erdbeben +begraben oder in der Gluth der Aschenregen eines neu ausbrechenden +Vulcanes erstickt. + +Wir wollen aus der Reihe der hier angedeuteten Phänomene den +Feuerbergen der Philippinen, wie der Eingeborne die Vulcane nicht +ganz richtig nennt, etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. + +Auf der südlichsten Landspitze von Mindanao, der schon genannten +Punta Serangani liegt der längst bekannte Vulcan _Serangani_ oder +_Sanguil_, [1] wie ihn einige der früheren Geschichtsschreiber und +Seefahrer nennen, denen er beim Einlaufen in die Strasse von Celebes +als fester Leuchtthurm gedient hat. Ihm schliessen sich auch den +allerdings vielfach sich widersprechenden Angaben der spanischen +und englischen Autoren zwei andere Vulcane an, deren einer, der +Vulcan von _Sujut_, nahe der Bahia de Illanos, etwa 8-10 Seemeilen +von dem Orte gleichen Namens liegen soll, während der dritte nur +von wenigen Seefahrern früherer Zeiten gesehene Vulcan dicht bei +dem Dorfe _Davao_, dem jetzt auf den spanischen Karten _Vergara_ +genannten Orte in der Bucht gleichen Namens (_Tagloc_ der älteren +Karten) liegt. Von dem ersten, dem Sanguil oder besser Serangani--da +der erste Name wahrscheinlich auf einem Missverständniss beruht, und +jetzt gänzlich verloren gegangen ist--ist nur ein einziger historisch +beglaubigter Ausbruch bekannt; es ist der vom 4. Januar 1645 (oder +1641?). An demselben Tage sollen noch ein anderer Vulcan auf einer +kleinen Insel der Sulu-Gruppe und ein dritter auf Luzon selbst, +der auch auf Darwins bekannter Karte [2] angegebene Vulcan von Aringay +oder Mte. Sto. Tomas im Golf von Lingayen zum Ausbruch gekommen +sein. Beide sind jetzt jedenfalls als ruhende Vulcane zu bezeichnen, +während der Vulcan von Serangani auch noch auf den neuesten Karten +als activer Feuerberg bezeichnet wird. Nicht ganz genügend lassen +sich die widersprechenden Nachrichten über die beiden andern Vulcane +vereinigen. Während _dieser_ Reisende nur den Vulcan von Davao, +ein _anderer_ jenen von Sujut (oder Pollok) gesehen zu haben meint, +sprechen abermals Andere von einem feuerspeienden Berge, den sie zwar +vom Hafen von Pollok aus--also in der Nähe der Illanosbucht--gesehen +haben wollen, während sie ihm doch seine Lage in der schon oben +erwähnten Bahia de Tagloc [3]--dem Meerbusen von Davao--zuweisen. Wäre +die Meinung der letzteren richtig, so würden somit der Vulcan von Sujut +und von Davao in einen zusammenfallen. Aus eigener Anschauung kann +ich leider nur über den von Davao berichten: doch kann auch ich mich +nicht rühmen, meinen Fuss auf seinen Boden gesetzt zu haben; denn nur +aus grosser Entfernung konnte ich seinen Doppelkegel erblicken. Lange +schon hatte ich mich bemüht, genaue Nachrichten von den spanischen +Priestern und Beamten über Mindanao einzuziehen; im Jahr 1859 hatte ich +einen vergeblichen Versuch gemacht, von Zamboanga an der Südwestspitze +der Insel aus, tiefer in die ganz von Muhamedanern bewohnten Gegenden +der Südküste einzudringen, und auch im Jahr 1864, dem letzten meines +Aufenthaltes auf den Philippinen, war es mir unmöglich einen genaueren +Reiseplan über ein Vordringen vom Norden [4] her zu entwerfen, da alle +specielleren Anhaltspuncte zur Fixirung eines solchen fehlten. So +wurde ich denn auch durch die Schwierigkeit des Vordringens so lange +aufgehalten, und die entworfene Reiseroute zuerst durch die Cholera, +nachher an der Ostküste von Mindanao durch eine Expedition von Piraten +dergestalt verändert, dass ich wegen Mangels an Schuhen vom weiteren +Vordringen über die unwegsamen Wege des Innern abstehen musste, als +ich schon den nach der Messung eines spanischen Officiers etwa 8000' +hohen Berg in ungefähr 30-40 Seemeilen Entfernung vor mir liegen sah; +und ich musste mich mit dem Bewusstsein begnügen, seine geographische +Lage wenigstens annähernd soweit bestimmt zu haben, dass eine ähnliche +Bestimmung des von Pollok aus gesehenen Berges Aufschluss über die +oben geäusserten Zweifel geben würde. + +Gänzlich von dem Dreiecke, welches so die activen Vulcane Mindanao's +bilden, getrennt, liegt ein anderer Vulcan auf der zu den Visaya's +gehörenden Insel _Negros_, von dessen Vorhandensein kein Reisender +und keine Karte [5] etwas weiss. Den Nachrichten, welche ich über ihn +von einem gebildeten in _Iloilo_ auf _Panay_, einer gerade Negros +gegenüberliegenden Insel, residirenden Engländer erhielt, würde +ich kaum, trotz der hohen Glaubwürdigkeit des Mannes, Beachtung +geschenkt haben, wenn ich mich nicht selbst von der Wahrheit seiner +Angaben überzeugt hätte. Leider konnte ich auch diesen Vulcan nur +aus der Ferne sehen. Sein stark rauchender hoher Kegel ragt weit +über die niedrigen Kalkberge der benachbarten Insel Cebú empor, so +dass er bei günstiger Witterung in dem weiten Canal zwischen _Bohol_ +und _Cebú_ zu erblicken ist. Nach Schätzung muss er eine Meereshöhe +von mindestens 5000' erreichen. + +In weiter Entfernung von den bisher behandelten Vulcanen tritt +nun auf dem langgestreckten südlichen Theile von Luzon eine Kette +von Feuerbergen auf, deren südlichster der Vulcan von _Bulusan_ +die äusserste südöstliche Spitze von Luzon bezeichnet. Auch von +ihm weiss man kaum mehr, als dass er zu den activen Vulcanen +gerechnet werden muss; denn er sowohl, wie der etwas nördlicher +liegende Vulcan von _Albay_ haben den sich von Osten her nahenden +Seefahrern von jeher als Leuchtthurm bei der Einfahrt in die Strasse +von S. Bernardino gedient. Beide sind von beträchtlicher Höhe, der +erste von etwa 5000, der Vulcan von Albay oder der _Mayon_ von über +7000' Meereshöhe. Zahlreiche heftige Ausbrüche haben diesen letzteren, +welcher in seiner äusserst regelmässigen conischen Gestalt als ein +wahres Muster feuerspeiender Kegelberge dienen kaun, verrufen und +gefürchtet gemacht. Unter den 7 in den Geschichtsbüchern registrirten +Ausbrüchen [6] sind es die beiden vom 24. October 1767 und vom 1. +Januar 1814, welche durch ihre Schlammausbrüche oder Lavaströme und die +vorausgehenden Erdbeben viele Dörfer rings um den Fuss des Berges +zerstörten und Hunderten von Menschen das Leben raubten. Das Geräusch +der Detonationen hörte man in Manila wie nahen Kanonendonner, und +die Asche fiel hier so dicht, dass sie eine Schicht von 18 Linien +Dicke auf dem Erdboden bildete. Aber der Mensch gewöhnt sich hier, +wie überall, leicht an die Schrecken der ihn umgebenden Natur; und +über die Trümmer seines Hauses schlägt der Bewohner sein leichtes +aus Palmblättern gewebtes Dach und lebt in ihnen sorglos und rasch +beruhigt sein friedliches Leben weiter. + +Ganz anders, als die bisher betrachteten Vulcane, die alle bis zu +bedeutender Höhe in regelmässigster Kegelform aufsteigen, entzieht +sich der dritte der Vulcanenreihe Süd-Luzon's, der berüchtigte _Taal_ +ganz den Wirken der Reisenden. Mag man auf dem Seewege von Manila her +mit einem kleinen regelmässig fahrenden Küstendampfer um die Provinz +_Cavite_ herum am Dorfe _Taal_ in der Provinz _Batangas_ landen, oder +sich ihm auf dem Landwege durch den _Rio de Pasig_ und die herrliche +_Laguna de Bay_ über _Los Baños_ und _Tanauan_ zu nähern versuchen, +immer erblickt man ihn erst, wenn man schon am Ufer des Sees gleichen +Namens [auch genannt Laguna de Bombon [7]] steht. Mitten in diesem +sehr tiefen See--der nur ein durch die schwache Erhebung eines aus +vulcanischem Tuff gebildeten Dammes abgesperrter Meerbusen [8] zu sein +scheint--liegt in dreieckiger Gestalt eine Insel mit ihrer breiten +Nordseite dem Dorfe _Talisay_ zugekehrt, und ungefähr in ihrer Mitte +der jetzt active beständig rauchende Krater mit seinen kaum mehr als +600' sich über dem See erhebenden Kraterrändern. Vor ihm zeigt die +Nordostspitze der Insel eine Anzahl steil ansteigender, mit hohem +Grase und krüppelhaften Bäumen bewachsener stark gefurchter Hügel, +welche den nördlichen Fuss des Vulcan's so verdecken, dass man die +Lage des Kraters nur an der Ausdehnung der zwischen den Kraterwänden +aufsteigenden Rauchsäule erkennt. Die nordwestliche etwas vorspringende +Spitze wird von einem jetzt gänzlich erloschenen regelmässig +kegelförmigen Vulcane, dem _Binintiang grande_ gebildet, während der +auch in den Geschichtsbüchern erwähnte _Binintiang chiquito_ (der +kleine Binintiang) die nach dem Süden hindeutende dritte Spitze der +Insel bezeichnet. Ausbrüche dieses Vulcanes finden sich 11 verzeichnet, +die aber nicht alle aus demselben Krater stattfanden. Zwei zweifelhafte +Ausbrüche werden in den Jahren 1634 und 1645 erwähnt ohne Angabe des +Kraternamens, von 1707-1733 wechselten die beiden Binintiang's mit +einander ab, bis endlich 1749 der mittlere Krater zum Ausbruch kam, +der jene beiden zum Schweigen bringend von nun an bis in neuere Zeit +hinein die Rolle übernahm, in der erstickenden Asche den Bewohnern der +nahen Dörfer Tod und Segen [9] zugleich zu bringen. Sein furchtbarster +Ausbruch geschah am 2. December 1754; Erdbeben kündigten ihn an. Am +nächsten Tage erfolgte die Eruption mit entsetzlichen weit hin in allen +Provinzen gehörten Explosionen und einem Aschenregen, der viele Stunden +lang anhaltend bis in die nördlichsten Gegenden Luzon's hingetragen +wurde, während er die 4 bevölkerten Dörfer _Taal_, _Lipa_, _Tanauan_ +und _Sala_ vollständig zerstörte. Nur die Ruinen der steinernen +Gebäude, der Kirchen und Convente dieser Orte ragen noch zwischen +neu aufgewachsenen Palmen- und Bambushainen am Ufer des See's aus der +festgewordenen Asche hervor. Zahlreiche Erdbeben, welche seitdem die +Bewohner der Hauptstadt Manila aus ihrer Ruhe schreckten und deren +stärkstes am 9. Juni 1863 viele Privathäuser und die meisten der +öffentlichen Gebäude in Ruinen legte, lassen sich wohl mit Sicherheit +auf diese nah gelegene Quelle unterirdischer Wühlereien zurückführen. + +Hier legten mir zum Glücke weder Piraten, noch meine Schuhe +irgendwelche Hindernisse in den Weg, so dass ich nach hinreichender +Ausrüstung mit Lebensmitteln, Aexten und Tauen den lange beabsichtigten +Besuch der Insel ausführen konnte. Am Nordrande der Insel gelandet, an +welchem eine kleine Fischerhütte mich mit meinen zahlreichen Begleitern +aufnehmen musste, bestieg ich am Nachmittag desselben Tages noch den +nördlichen Kraterrand, welcher in etwa 400' mittlerer Höhe steil in den +etwas ovalen und von Süden her durch einen vorspringenden Berg in zwei +Hälften getheilten Krater abfällt. Ein günstiger Nordwind trieb den aus +dem Schlot des vielfach zerrissenen Eruptionskegels [10] aufsteigenden +Rauch nach Süden. Ueberall durchzogen Spalten das Erdreich, das +aus loser nur an der Oberfläche zusammengebackener Asche bestand, +und aus vielen derselben drang ein nach schwefliger Säure riechender +Dampf aus den Fumarolen hervor. Da ich in wenig Tagen hier den Besuch +von Freunden und ihren Damen erwartete, so recognoscirte ich nur mit +dem Fernrohr die Kraterwand, ohne weiter ein Hinabsteigen an dieser +nördlichen hohen Seite zu versuchen. Obgleich ich mich dabei immer +hart am Rande des Kraters bewegte, so hatte ich doch mehr Glück als +ein Spanier von Manila, welcher wie so manche Andere an dieser Stelle +heraufgestiegen war, um sich einmal das »purgatorio« mehr aus der Nähe +anzusehen. Diese Neugier aber kam ihm theuer zu stehen. Das Erdreich +am Rande des Kraters hielt ihn nicht--ich weiss nicht, ob seine +Corpulenz oder seine Sünden ihn so schwer wiegen liessen--es gab nach, +und auf einem Aschenblock reitend kam er nach blitzesschneller Fahrt +im Grunde des Kraters an und blieb hier dicht vor einem rauchenden +und von Gyps, Schwefel, Alaun und anderen Stoffen angefüllten Sumpf +liegen, welcher die ganze nördliche und nordwestliche tiefste Seite +des Kraters ausfüllt. Der weiche Boden hatte ihn etwas warm, aber +doch weich gebettet, so dass er nur schwefeldurchräuchert, aber mit +heilen Gliedern davon kam. Nach mehrstündigem Aufenthalt im Krater +wurde er von seinen Begleitern mit Stricken wieder hervorgeholt. Die +Geschichte schweigt darüber, ob er je wieder den Versuch gemacht hat, +sich während seines Lebens dem Fegefeuer zu nähern. + +Dort wo der südliche Kraterrand zu der höchsten, etwa 600' über dem +See liegenden und etwas in den Krater vorspringenden Spitze ansteigt, +bemerkte ich gegen Westen einen tiefen Einschnitt in die geschichteten +trachytischen Wände des Berges, in welchem die Einfahrt am leichtesten +möglich zu sein schien. Nach Berathung mit meinen Leuten gingen wir am +nächsten Morgen um den _Binintiang grande_ herum an die südwestliche +Küste, wo ebenfalls am flachen und von hohem Grase (cogon) und einzeln +stehenden Bäumen bewachsenen Ufer eine Hütte stand. Ein nicht ganz eine +Stunde dauernder Marsch brachte mich zunächst auf dem Rücken eines +Höhenzuges entlang an tiefen Spalten und einigen grossen conischen +Löchern vorbei, dann über ein weites Aschenfeld hin, in welchem das +Gehen im höchsten Grade beschwerlich war und endlich über einen kleinen +Hügel hinweg an den Südwestrand des Kraters. Mein Führer hatte den Weg +vortrefflich ausgesucht, denn wir kamen genau an der Stelle an, die ich +ihm am Tage vorher bezeichnet hatte, am Anfange des Spaltes, welcher +mir von dem zur Regenzeit herabfallenden Regen in die Wand des Kraters +eingeschnitten zu sein schien. Das jetzt gänzlich trockene Bette des +Baches führte uns ziemlich steil, an zahlreichen Fumarolen vorbei, dem +Krater zu. Leider setzte ein senkrechter Absturz und die einbrechende +Nacht meinem Weiterdringen für diesmal ein Ziel. Am nächsten Morgen +wurden nun aus rasch geschlagenen Bambusrohren Leitern zusammengebunden +und mit diesen ausgerüstet, machten wir Nachmittags einen zweiten +Versuch in den Krater zu gelangen. Der erste Absturz von etwa 30' wurde +glücklich überwunden, aber bald sahen wir uns, immer in dem erwähnten +Bachbette niedersteigend, vor einem zweiten ebenso hohen Abhang und +nachdem wir auch hier eine zweite der Leitern aufgestellt hatten, +sahen wir uns nun zum dritten Male durch die senkrecht abstürzende +Wand aufgehalten. Es stand uns noch eine dritte Leiter zu Gebote, +die mittels eines Taues herabgelassen wurde, aber sie reichte kaum +bis zur Hälfte zu uns herauf. Wir hatten sie durch ein Loch, welches +von dem niederstürzenden Regen in den Boden der Schlucht eingefressen, +direct in den Krater führte, herabgelassen. Mein Diener Mariano, ein +munterer und zu allen gewagten Unternehmungen bereitwilliger Tagale, +liess sich am Taue durch das Loch hinunter; als ich ihm aber folgen +wollte, konnte ich wegen der grösseren Breite meiner Schultern nicht +hindurch. So musste ich ihm die Freude gönnen, mir am Abend von ihm +als einzigem Besucher des Kraterbodens genaue Berichte geben zu lassen +über seine Beobachtungen in dem »Purgatorio«. Leid thaten ihm dabei +nur seine blossen Füsse, die ziemlich versengt waren; doch tröstete +er sich leicht in der Ansicht, dass er nun doch vor allen Anderen +hoch begünstigt sei, da er auf seinem Wege zum Himmel die Qualen des +Fegefeuers noch bei Lebzeiten durchgemacht habe. + +Am 3. Tage, dem 30. April 1859, endlich gelang es mir mit Hülfe +einer nahe an 70' langen Leiter, die ich am äusseren Rande der +Spalte, jenseits jenes Loches, welches mich den Tag zuvor am +Hinabsteigen gehindert, aufgestellt hatte, in den Krater selbst zu +kommen. Vereinzelte Grasbüschel wuchsen auf dem völlig schwarzen +Erdboden--an der Südwestseite des Kratergrundes,--der gänzlich aus +Asche und zahlreichen Schlackenstücken zu bestehen schien. Gegen +Norden sich schwach senkend, veränderte der Boden mehr und mehr +seine dunkle Farbe in Braun und Gelb, zugleich wurde er weicher +und es trat bald eine Kruste von gelbgefärbten Gypskrystallen auf, +die man mit einer etwas festeren grauen Masse von Thon von dem +darunter liegenden graulich gefärbten dicklichen Thonbrei abheben +konnte. Weiter gegen den erwähnten rauchenden Schwefelpfuhl zu, nur +noch etwa 50 Schritte von ihm entfernt, wurde der Boden so schlammig +und zugleich dabei so heiss, dass ich von weiterem Vordringen abstehen +musste. Mariano tanzte dabei mit seinen blossen Füssen hin und her, +wie ein kleiner hier einheimischer Teufel, da er wegen des heissen +Bodens nie länger als einige Secunden auf demselben Flecke stehen +bleiben konnte. Nun wandte ich mich der Südseite des Kraters zu, wo +die weisse aus festem trachytischen Gestein bestehende Kraterwand, von +zahllosen Fumarolen durchbrochen, dem Südfusse des aus mehreren halb +isolirten Hügeln bestehenden Eruptionskegels entgegen tritt. Ueberall +brach heisser Wasserdampf hervor, bald in continuirlichen Strömen +bald in regelmässig sich folgenden Stössen, wie der Dampf einer +Hochdruckmaschine entweicht. Ueberall wo solcher Dampf hervorbrach, +waren die Wände weiss und gelblich gefärbt. Weiter gegen Osten zu +traten zwei Sandhügel in die Ebene des Kraters hinein, die sich +durch das Abwaschen der Kraterwände gebildet hatten; hier war die +Dampfentwicklung noch stärker und hier traten auch an einzelnen Stellen +kleine Bäche kochenden Wassers aus. Nun bogen wir nach Nordosten um, +dem Eruptionskegel zu. Zwischen ausgetrockneten Wasserpfützen, in +deren Mitte sich immer eine kleine Erhöhung befand und deren Umkreis +durch weisse Färbung ausgezeichnet war; durch Rinnsale hindurch kam +ich nach Zurücklegung von einigen Hundert Schritten an eine kleine +Erhöhung, die ein tiefes von rauchendem Schlamm angefülltes Loch +enthielt, mit senkrecht abfallenden weiss und gelb gefärbten inneren +Wänden. Hier trat mir schon der Schwefeldampf, den mir der Wind gerade +in's Gesicht trieb, hindernd in den Weg, doch ging ich weiter dem Rande +des eigentlichen Schlotes zu, der nur noch einige Hundert Schritte vor +mir lag. Ein erster Versuch, ihn zu erreichen, schlug fehl; heftiger +Schwefeldampf zwang mich zur schleunigen Umkehr. Meine tagalischen +Begleiter schienen es besser vertragen zu können, sie schritten +hustend weiter und langten schon oben am Rande an, als ich noch unten +schnaufend stand, mich zu einem zweiten Versuch zu erholen. Nun ging es +laufend den Abhang hinauf, und die Risse und Spalten überspringend dem +Rande zu, den ich auch glücklich erreichte; aber nur einen flüchtigen +Blick konnte ich in den von kochendem milchweiss gefärbtem Wasser +erfüllten Schlot werfen. Die Oberfläche der kochenden dampfenden Masse +mochte etwa 30-40' tief unter meinen Füssen liegen, niedriger, wie es +schien, als die heissen kochenden Quellen, welche an der Südseite des +Kratergrundes ausbrachen. Links gegen Südwesten von diesem Loch lag +noch ein kleineres, dessen Wände ziemlich viel höher waren, als der +Kegel auf dem ich stand. Leider konnte ich diesen wegen des heftigen +dort hingetriebenen Schwefeldampfes nicht erreichen. + +Wir hatten uns jetzt schon 3 Stunden lang im Krater herumgetrieben, +uns Allen that die Brust heftig weh und den zwei Dienern, die mir +gefolgt waren, waren die Füsse halbversengt; dazu brannte jetzt die +Mittagssonne senkrecht auf unsern Scheitel und der Wind brachte +uns statt Kühlung nur heisse Schwefeldämpfe; so enteilten wir, +so schnell wir konnten, diesem heissen Aufenthalte, und kletterten +auf unserer Leiter dem Lagerplatz in der Schlucht zu, wo die übrigen +Leute zurückgeblieben waren. Diese waren verschwunden, alles Wasser +hatten sie uns ausgetrunken und ebensowenig Essen für uns bereitet. Wir +lagerten uns und schützten uns durch ein Segeltuch, so gut wir konnten, +gegen die brennende Sonne; wir warteten eine halbe Stunde, und noch +eine, aber Niemand kam; endlich machte ich mich in Verzweiflung auf, +die Schlucht emporzuklettern und fand denn auch hier ausserhalb +des Kraters meine Leute in süssem Schlaf versunken. Ich schickte sie +scheltend hinunter, und als ich nach Vollendung einiger Skizzen wieder +hinabstieg, fand ich endlich mein Essen zubereitet. + +Nun packten wir die gesammelten Steine und übrigen Sachen zusammen, +um unsern Rückmarsch anzutreten, und ich hatte eben noch die letzten +Anordnungen gegeben, wie am nächsten Tage neben den Leitern auch +Bambusrohre angebracht werden sollten als Stützen für zarte Hände; +da brachten mir, während ich noch in der Kraterschlucht war, Leute, +die ich gestern nach Tananau beordert hatte, einige Briefe, welche mir +anzeigten, dass die erwarteten Freunde und mit ihnen auch die Damen +nicht kommen konnten, die ich doch so gerne im Krater des Vulcanes +bewirthet hätte. Traurig über dies gestörte Vergnügen wanderte ich +heim. Und als ich dann am nächsten Tage, ehe ich die Insel verliess, +noch einmal dem Gipfel des Binintiang grande und seinem Krater einen +flüchtigen Besuch abgestattet hatte, knickte mir mein Fuss beim raschen +Heruntersteigen am steilen Abhang so heftig um, dass ich eine starke +Entzündung davon trug, die mich in einem Häuschen am Ufer des See's +3 Tage hindurch an das Bett fesselte. Es war, als wollte mir der +in seinem Heiligthum gestörte Geist des Vulcan's noch zuletzt eine +leichte Strafe für mein vermessenes Beginnen geben. + + + +Gänzlich von der Reihe dieser lebenden Vulcane Süd-Luzon's getrennt +treten nun im äussersten Norden der Inselgruppe auf kleinen Raum +zusammengedrängt 4 Vulcane auf, von denen zwei schon seit alter Zeit +her bekannt sind und wie der Serangani im Canal von Celebes, so hier +im Bashee-Canal jenen vom Süden kommenden Schiffen als Signal gedient +haben, welche auf ihrem Wege nach China gegen den Nordost-Monsun an die +östliche Passage durch den stillen Ocean zu nehmen pflegten. Es sind +dies der, wie es scheint in beständiger Eruption befindliche Vulcan auf +_Babuyan Claro_, und der jetzt schon im Solfataren-Zustande ruhende +Vulcan von Camiguin, der südöstlichen Insel der _Babuyanes_. Ihm +gegenüber liegt ein anderer feuerspeiender Berg dicht unter dem Cabo +Engaño in _Cagayan_, der nördlichsten Provinz Luzon's. Es ist der +auf den neuesten spanischen Karten [11] als M.-Cagua bezeichnete Berg, +aus dessen nach einer Messung des D. Claudio Montero 2489 par. Fuss +hohem Gipfel ich selbst im October 1860 eine Rauchwolke aufsteigen +sah, als ich in _Aparri_, dem Hafenorte des _Rio Grande de Cagayan_, +auf eine Reisegelegenheit nach Manila wartete. Die beiden schon +genannten Vulcane mögen nach roher Schätzung etwa 3000' hoch sein. Dem +vierten endlich habe ich einen Namen geben zu müssen geglaubt, der +den Seefahrern nicht unbekannt ist; es ist die auf der beiliegenden +Karte als _Vulcan Didica_ bezeichnete Insel, welche zwischen den +längst bekannten und sehr gefürchteten Didica-Klippen [12] (_escollos +Didica_) in den letzten Jahren neu entstanden ist. Als ich im Herbste +1860 nach Camiguin überfuhr, mit der Absicht hier zu überwintern und +zootomische Studien an Thieren des Meeres und des Landes zu machen, um +dann im nächsten Jahre mit den im Mai eintretenden Windstillen meine +Reise über Babuyan Claro nach den kleinen Batanes oder Bashee-Inseln +fortzusetzen, erhielt ich von einem spanisch sprechenden Bewohner +der Insel genauen Bericht über einen Vulcan, der sich gegen Ende des +Jahres 1856 im Meere erhoben haben sollte. Ich citire genau hier die +Worte meines Tagebuches. "1856 etwa im September oder October sahen +sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange +bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen, +den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke +dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und +schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien, +als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein +Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete, +die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht +zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt, +aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch +statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856 +der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob, +stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen +denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan +in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu +einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von +Camiguin verglichen." Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich +an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der +vorgerückten Jahreszeit--im September--und der mit dem Wechsel der +Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen +schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand +ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch +den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in +der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren +auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste +ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer +Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen, +dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten +D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem +Meere auf wenigstens 700' ergiebt, welche derselbe vom September 1856 +bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im +Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so +rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten. + +Es scheinen diese verschiedenen Gruppen lebender Vulcane der jetzigen +Epoche ziemlich unabhängig von einander zu sein. Aber schon der +gleichzeitige Ausbruch dreier von einander getrennter Vulcane deutet +auf einen Zusammenhang hin. Nach dem Padre Juan de la Concepcion +fand am 4. Januar 1645 gleichzeitig eine Eruption des Vulcan von +_Serangani_, eines jetzt gänzlich zur Ruhe gekommenen Vulcans +aus der _Sulugruppe_ und des unter dem Namen _Vulcan de Aringay_ +auch auf Darwin's Karte angegebenen Berges statt. Allerdings ist +die Vulcan-Natur des letzteren nicht über allen Zweifel erhaben; +denn die Beschreibung des genannten Historiker's der Philippinen +lässt völlig im Unklaren, ob aus dem Berg, den er zwar einen Vulcan +nennt, wirklich damals ein Ausbruch stattgefunden habe oder ob er +nicht vielleicht bloss durch die Erschütterung in einem heftigen +Erdbeben zusammengestürzt sei. Aber abgesehen hiervon gibt es +zwei wichtige Gründe, welche die Zusammengehörigkeit aller dieser +Vulcane beweisen. Zeichnet man die vielen durch ihre ausgesprochen +kegelförmige Gestalt, das Vorhandensein eines verschütteten Kraters, +zahlreiche heisse Quellen und deutlich erkennbare alte Aschenauswürfe +gekennzeichneten Vulcane zwischen jene lebenden ein, so schliesst +sich dadurch eine ganz zusammenhängende Kette von Bergen. Und es +schliesst sich diese Vulcanenkette, wie schon von Buch und Berghaus +hervorgehoben wurde, direct an die Reihe an, welche in gleicher +Richtung über Sanguir, Siao, Ternate, Celebes und Gilolo bis südlich +vom Aequator hinunterzieht, wo sie senkrecht auf die Vulcanenreihe +der Sundainseln trifft. Solcher erloschener Vulcane finden sich viele +auf allen Inseln mit einziger Ausnahme von Cebú und Bohol, welche +gänzlich aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten +gebildet zu sein scheinen. In der westlichen wie östlichen Cordillere +des Nordens und im Süden von Luzon, in der isolirten Bergkette von +_Zambales_ und auf _Leyte_ und _Samar_, im westlichen Gebirgslande +des Nordens von _Mindanao_ und in dem Höhenzuge von _Palawan_ erheben +sich solche erloschene Vulcane hoch über die mittlere Kammhöhe des +Gebirgszuges, dem sie angehören. Dahin gehört der Berg von _Majaijai_ +oder der _M. Banajao_ von 7030 span. Fuss Meereshöhe, dessen Fuss die +vielgerühmte Laguna de Bay badet; dahin der _M. Datá_ im Distrikte +der Kupferminen bei Mancayan (Nordwest-Luzon) und der Subig in der +Bergkette von Zambales; dahin gehören die vielen als activ bezeichneten +Vulcane, welche in Berghaus bekannter Karte den Vulcan von Bulusan mit +dem von Majaijai durch die beiden Provinzen _Camarines Sur y Norte_ +hindurch verbinden. Abweichend durch ihre gänzliche Isolirung von +allen Bergketten fallen 4 kleine vulcanische Berge im Norden der +centralen Ebene Luzon's auf, unter denen ich nur den _M. Cujaput_ in +der Provinz _N. Ecija_ nennen will; noch auffallender aber erscheint +der trachytische Doppelkegel des _M. Arayat_, der aus einer kaum 90 +Fuss über dem Meere erhabenen Ebene steil und schroff bis zu 3150 Fuss +Meereshöhe aufsteigt. Alle diese Berge aber und die sie verbindenden +Bergketten zeigen durchaus die gleiche mineralogische Beschaffenheit, +denn sie gehören alle im Süden wie im Norden der Reihe moderner +trachytischer Ausbrüche an. Abgesehen von einigen zweifelhaften +Stellen im Norden Luzon's und in Cebú, wo eigenthümliche Petrefacten +ein etwas höheres Alter anzudeuten scheinen, gehört somit die ganze +Gebirgsmasse, das Skelett der Philippinen, der Reihe trachytischer +Gesteine an, welche in der jüngsten geologischen Periode zum Vorschein +kamen. + +An diesen trachytischen Kern nun lehnen sich in sehr verschiedener +Meereshöhe zahlreiche sedimentäre versteinerungsreiche Sandstein- +und Thonschichten an, deren Muscheln und Schnecken theilweise noch +heute lebend in den umgebenden Meeren gefunden werden. Sie gehören +also wohl alle einer sehr jungen Periode an. Und wie an den Ufern +der Inseln und in den Canälen zwischen diesen und weit in's Meer +hinein sich Korallenriffe in den mannigfaltigsten Formen finden, +so sieht man auch in den trachytischen Bergen des Nordens von +Luzon und des Ostens von Mindanao und auf den Visaya's zahlreiche +Ueberbleibsel früherer Korallenriffe, deren Wände in den bizarrsten +Formen aufsteigend meistens in sehr harten dichten Korallenkalk +umgewandelt sind. An diesen lassen sich nun mit Leichtigkeit zwei +verschiedene Altersstufen unterscheiden. Die ältesten Korallenriffe, +welche aber doch noch der tertiären Periode anzugehören scheinen, +sind theilweise zu einer bedeutenden Meereshöhe emporgehoben worden, +so namentlich in dem durch sein gleichmässig mildes Klima und die +landschaftliche Schönheit der umgebenden Berge so berühmt gewordenen +Thal von _Benguet_. Nur uneigentlich wird es in Manila ein Thal +genannt. Es ist ein fast genau kreisförmiger Kessel von ungefähr 1/2 +deutschen Meile Durchmesser, dessen Sohle nahezu horizontal fast +4000' über dem Meere hoch liegt. In seinem Grunde findet sich ein +weitausgedehnter mit hohem Schilf umwachsener See. Ein etwa 450' +hoch über dem See aufsteigender Ringwall aus gänzlich massivem +Korallenkalk umgibt steil anstrebend und an manchen Stellen wegen +seiner mannigfachen Zerklüftung gänzlich unersteigbar den Kessel. Um +aber die Aehnlichkeit mit einem Atoll noch deutlicher hervorzuheben, +finden sich an zwei Stellen tief und scharf wie mit einem Messer +eingeschnittene Spalten in dem Wall, durch welche sich mühsam jetzt +ein Bach hindurchdrängt. An der südwestlichen Seite endlich erniedrigt +sich der Ringwall etwas, und löst sich hier in eine Reihe kleiner +unregelmässig gestalteter und von trachytischem Thone bedeckter Hügel +auf, zwischen denen hindurch sich der Weg nach S. Fernando windet. Hier +fanden sich in dem trachytisch aussehenden röthlichen weichen Gestein +nicht selten, aber schlecht erhaltene Petrefacten und hier endlich +liess sich an vielen Stellen eine durch allerlei Geröll und völlig gut +erhaltene ausnahmslos gerollte Korallenfragmente eine alte Strandlinie +nachweisen. Von diesem Atoll-ähnlichen Riffe an liess sich eine ganze +Kette mehr oder weniger getrennter Korallenbildungen bis hoch in den +Norden hinauf in ungefähr gleicher Meereshöhe verfolgen. + +Während nun die älteren Korallenbildungen wenigstens theilweise +von Trachyt überlagert zu sein scheinen, schliesst sich die zweite +Reihe der gehobenen Riffe ganz an die jetzt lebenden an. Ueberall +an den Küsten der Inseln, auf Camiguin im Norden von Luzon und auf +Basilan bei Zamboanga, an der Ostküste Luzon's und Mindanao's, wie +auf Bohol und--nach Hörensagen--den Calamianes und Palawan finden +sich bald länger zusammenhängende, bald isolirte Fetzen gehobenen +Korallenkalkes, die durch ihren von der Brandung ausgewaschenen Fuss +deutlich mit den bei Ebbezeit entblössten oberen Theilen der jetzt in +Hebung begriffenen lebenden Riffe in Verbindung stehen. So liefert +uns die ununterbrochene Reihe vulcanischer Ausbrüche, älterer und +neuerer Korallenbildungen den klarsten Beweis stetig fortschreitender +säcularer Hebung der Philippinen. + + + + + +II. + +Die Riffe und das Leben im Meere. + + +Tief und senkrecht aus dem Meere heraus bauen die Polypen ihre Häuser +von Stein, und erst, indem sie durch eigne oder durch unterirdische +Kräfte gehoben, bis nahe an die Oberfläche des Meeres gelangen, +bildet sich das Riff aus. Die Brandung reisst an der senkrechten +Wand Korallentrümmer ab, die bei niedrigem Wasserstande über den Rand +des sich an die Küste anlehnenden Walles von Korallen hinaufgeworfen +werden; solche abgestorbene Trümmer vereinigen sich miteinander durch +Sand, und allmählig erhöht sich so der Rand des Riffes selbst über +die höchste Fluthlinie. Nun bezeichnet eine beständige Linie weisser +schäumender Wellen, sogenannter "Brecher", den Rand des Aussenriffes, +welches sich bald eng an die Küsten anschmiegt und mit völliger Treue +die Umrisse des Landes wiederholt, bald auch auf untermeerischen Rücken +fortlaufend weit in den Ocean vorspringende Riffzungen bildet. Solche +austretende Riffe finden sich vorzüglich an den Küsten, welche dem +offenen Meere zugewandt sind; denn hier hat die constante Wirkung der +herrschenden Winde und Meeresströmungen gar häufig Stücke des Landes +abgelöst und zerstört, deren untermeerische Grundfelsen dann den +günstigen Boden zur Ausbildung der Korallenriffe boten. Anders bilden +sich Riffe aus in stillen Buchten und in den engen Strassen zwischen +den Inseln. Die bald constanten, bald sehr wechselnden Strömungen der +Luft; die durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen und die partiellen vom +nordpacifischen Aequatorialstrom abgeleiteten Ströme, wie sie zu den +Strassen von Surigao und S. Bernardino hereindringen; die wechselnde +Höhe der Fluth und der Sturmfluthen; Gestalt und geognostische +Beschaffenheit der Küsten; chemische Constitution des Meerwassers und +mechanisch beigemengte Sandtheilchen;--alle diese sind in Verbindung +mit der säcularen Hebung der Inseln eben so viele Einflüsse, denen +der zarte Organismus der Korallen gehorchen muss [1] und denen das von +diesen aufgeführte Gebäude, das Riff, seine Form verdankt. Ehe wir +uns aber diese in einem Beispiele etwas näher ansehen, wollen wir +die Thiere bei ihrem nie unterbrochenen Baue beobachten. + +Eine weiche Larve der Meeresoberfläche senkt sich auf den tiefen +Boden des Meeres nieder. Wie die Schnecke ihr Haus absondert, so +bildet sich der werdende Polyp das seinige, nachdem er zuvor sich +mit festem kalkigem Fusse auf dem Felsen angesetzt hat. Rasch in die +Höhe strebend, treibt er nun wie der Baum seine Aeste und Zweige, +Knospen, die sich zu neuen Polypen entwickeln und während der Urahne +weiter und weiter wächst, haben zahlreiche Generationen ihn von allen +Seiten umschlungen. So entsteht der Korallenstock, der in seiner +Form die ihm innewohnende allseitig sich ausbreitende Kraft des +Baumes offenbart, theils aber auch, wie dieser nur kurze Zweige an +der Windseite entwickelt und dem Sturmwinde durch Neigen zu entgehen +sucht, in der Richtung seines Wachsthumes und der vollendeten Gestalt +des Gebäudes die mannigfaltigen hindernden Einflüsse des Meeres zu +erkennen gibt. Wo an allseitig geschützten Stellen--so im Innern +vieler Atolle--keine Strömungen des Meeres störend einwirken und +der Wogenschlag keine Trümmer aufwirft, da wachsen die einzelnen +Korallen nach allen Richtungen hin gleichmässig weiter und bilden +so allseitig abgerundete Knollen. Wenn dann die sanft gebogene +Oberfläche des Riffes bei tiefer Ebbe dem Einfluss der Luft oder +gar des herabströmenden Regens ausgesetzt wird, so sterben die +oberflächlichsten Korallenthiere ab, ihre Häuser werden zerstört und es +verflacht sich allmälig die Oberfläche, auf der sich nun Korallensand +und in ihm allerlei grabende Thiere ansiedeln. Nun stürzt ein Theil +der Insel ein, welcher sich jene bunt durcheinander wachsenden Knollen +anlegten. Ein Meeresarm hat sich Bahn gebrochen und schwemmt nun in +raschem Laufe alle die Korallentrümmer fort, welche vorher an Ort und +Stelle liegen blieben; der mächtige Strom setzt den übrigbleibenden +lebenden Korallen unüberwindliche Schranken. Die mechanische Gewalt +desselben und die Intensität des Wachsthumes der einzelnen Knollen +setzen sich in Gleichgewicht. Ein treffliches Beispiel hierzu liefert +ein kleiner Krebs [2], ein Schmarotzer, der sich zwischen den Aesten +verschiedener Korallen ansiedelt. Seine Krallen reizen die Polypen zu +unregelmässigem Wachsthum; es bilden sich Auswüchse von zwei Seiten +her, die allmälig zu Gallen umgeformt jenen Eindringling umwachsen +und ihn gänzlich einschliessen. Fort und fort wachsen die Polypen, +bis endlich der Strom, welchen der unfreiwillige Einsiedler mit seinen +strudelnden Füssen nach bestimmter Richtung hin erregt, so stark +wird, dass er dem Wachsthum der Koralle Halt gebietet. In solchen +Gallen erkennt man immer zwei sich ziemlich genau gegenüberstehende +feine Spalten. So verhindert der Strom im Meeresarme das seitliche +Ausbreiten der Korallen, die nun alle ihre Triebkraft senkrecht nach +oben wenden, und es entstehen bald mehr bald weniger schroffe Abstürze +der Korallenwandung, je nachdem der seitlich vorbeifliessende Strom +stärker oder schwächer war. Nur da, wo wie im Kanal von Basilan der +Strom immer nach derselben Richtung mit grosser Stärke geht, wachsen +die Korallen absolut senkrecht in die Höhe. Hier aber kommen ganz +eigenthümliche Verhältnisse in's Spiel. Während in der nahe gelegenen +Strasse von Zamboanga die Strömung wechselt mit den Monsunen und +der Ebbe und Fluth, liegt der Kanal von Basilan so eigenthümlich, +dass der östliche Strom wohl durchtreten kann, der westliche dagegen +in einen östlichen verwandelt wird. Wo aber die Strömungen wechseln, +wie in allen weiteren Kanälen, da hebt sich die hindernde Wirkung +derselben theilweise auf und so entstehen hier senkrechte Wandungen der +Korallenstöcke nur dann, wenn bei hinreichender Stärke die wechselnden +Strömungen keinen Winkel miteinander machen. Ungehindert nach allen +Seiten breiten sich die Korallenstöcke in jenen Dreiecken aus, welche +durch das Aufeinandertreffen zweier Ströme oder durch die im Anprall +gegen eine Insel bewirkte Theilung eines einfachen Stromes gebildet +werden, und in denen mannigfach abgelenkte, in ihrer Richtung gänzlich +unbestimmbare und schwache Strömungen entstehen. Aus dem Innern des +Landes durch die Flüsse und Bäche herabgeführter Schlamm wird den +einzelnen Korallenstöcken ebenso verderblich, wie das reinste süsse +Wasser eines Bergstromes. Wo mächtig anschlagende Wogen immer in +gleicher Weise senkrecht gegen die Richtung des Landes, dem sich +die Riffe anschmiegen, einwirken, da entsteht dicht am Ufer ein +hochgethürmter Aussenwall des Riffes; aber von ihm ab gegen die Höhe +des Oceans zu vertieft sich das Riff ganz allmälig, bis es endlich +langsam und ohne schroffen Abfall in die Tiefe verschwindet. + +Ein specielles Beispiel soll die schon angedeuteten Wirkungsweisen +verschiedener Momente, namentlich aber der Strömungen, näher erläutern. + +Von ziemlich compacter Gestalt, mit nur geringer Küstenentwickelung +liegt die Insel _Bohol_ (siehe Karte II) so zwischen Cebú, Leyte +und Mindanao eingekeilt, dass sie den von Norden kommenden Kanal +zwischen Leyte und Cebú in 2 Arme theilt, denen sie ihre westliche +und östliche Seite zuwendet, während die südliche und südöstliche +von der Nordküste Mindanao's durch einen sehr viel breiteren Kanal +getrennt ist. In diesem letzteren verbinden sich die Strömungen, +welche aus den Strassen von Surigao mit einer Geschwindigkeit von +4-6 Seemeilen in der Stunde herauskommen mit den weniger starken +zwischen Leyte und Bohol. Je nach Ebbe und Fluth wechseln diese +Strömungen in entgegengesetzter Richtung ab, oder wirken mit +wechselnder Stärke, aber dann immer in gleicher Richtung, wenn der +Nordost- oder Südwest-Monsun ihre volle Kraft erreicht haben. So +treten die Meeresströme--gegen welche mitunter sogar die spanischen +Regierungsdampfer der Marine vergebens ankämpfen--tangirend nahe an +die östliche und südliche Küste Bohols heran, an welchen demzufolge +nur eine sehr geringe Breitenausdehnung des bei Ebbe trocken gelegten +Riffes zu bemerken ist. Aber in wenigen Schiffslängen Entfernung vom +Rande des Riffes schon findet das Senkblei erst Grund in mehr als +100 Faden Tiefe--ein Beweis des jähen Absturzes der Korallenwand, +wie er hier nach Richtung und Stärke des Stromes wohl zu erwarten +war. Das Südwestmeer der Insel wird durch die von ihr nur durch einen +Seichtwasserkanal getrennte Insel _Panglao_ bezeichnet, welche aus +gehobenem Korallenkalk besteht. Sie ist langgestreckt und liegt in +dem Winkel zwischen dem östlichen Strome des Südrandes von Bohol und +dem von Norden herkommenden Strom des Canals zwischen Cebú und Bohol, +und als eine in demselben Winkel liegende untermeerische Fortsetzung +derselben findet sich hier ein weit vortretendes, mit seinem breiten +Aussenrande bei tiefer Ebbe gänzlich trocken gelegtes Riff. Von der +südwestlichen Spitze desselben durch einen schmalen Canal getrennt, +liegt eine sehr kleine ringsum von Riffen umgebene Insel, abgerissen +offenbar durch die hier schon stark wirkenden fressenden Ströme des +Meeres. Das Keilriff der Insel Panglao hat im Osten wie Westen, +den beiden Wetterseiten einen etwas erhöhten Rand, und mitten in +der bis zu 4 Faden Tiefe ausgehöhlten innern Fläche mehrere aus Sand +und Korallentrümmern bestehende Inseln. An der Westküste Bohols wird +das zuerst wegen des nahe herantretenden Stromes sehr schmale Riff +allmälig gegen Norden hin breiter und nimmt endlich an der Nordküste +der Insel ganz den Character eines Barrenriffes an. Parallel der Küste +gestreckte, bei tiefer Ebbe fast gänzlich trocken gelegte Riffe ziehen +sich in meilenweiter Ausdehnung hin, und sind von der Insel selbst +durch einen bis zu 10 Faden tiefen Canal getrennt, welcher nach Westen +in den sehr tiefen Canal zwischen Cebú und Bohol, nach Osten hin in +den zwischen Bohol und Leyte liegenden Meeresarm übergeht. Zahlreiche +meist sehr niedrige, nur von Pandanusgebüschen oder Mangrovehainen +bewachsene Inseln machen die Schifffahrt in den Canälen innerhalb +des Riffes gefährlich und mühselig. Dieses ganze Labyrinth von Inseln +und Canälen und Riffen liegt aber, wie ein Blick auf die Karte lehrt, +abermals in einem vergleichsweise stillen Dreieck zwischen den beiden +Strömen, in welche sich der einfache Strom des Canals zwischen Leyte +und Cebú bei seinem Anprall gegen die Insel Bohol theilen musste. So +sehen wir hier im Grossen sich ganz dasselbe wiederholen, was wir im +Kleinen an den Wachsthumserscheinungen der einzelnen Korallenstücke +bemerkten. Ueberall wo Wirbel oder gänzlich stille Flecken im Meere +gefunden werden, lösen sich das Riff und die auf ihm entstehenden +Inseln in eine grosse Menge verschieden gebildeter Inselchen auf, +ganz wie unter ähnlichen Verhältnissen die einzelnen Korallenknollen +sich zu keiner zusammenhängenden Masse, zu keinem eigentlichen Riffe +verbinden. Wo aber constante Strömungen in immer gleicher Richtung +auf ein Riff oder einen einzelnen Korallenstock treffen, da deutet +die Form beider das Gleichgewicht der entgegenwirkenden Kräfte an. + +So sind sämmtliche Inseln der Philippinen von einem Kranz von +Korallen umsäumt, welche sich bald an das Ufer anlehnen, ohne +ein eigentliches durch den aufgeworfenen Aussenrand bezeichnetes +Riff zu bilden, bald aber zu echten Riffen werden, die nun als +Küstenriffe oder als Barrenriffe--letzteres allerdings in den +seltensten Fällen--die zahllosen Meeresarme zwischen den Inseln +noch mehr einengen. Zwischen ihren Aesten siedeln sich eine Unzahl +von Thierchen an; auf den abgestorbenen Flächen der gehobenen Riffe +oder im Sande der tieferen Canäle liegen die kostbaren Perlenmuscheln +und die essbaren Holothurien; am Ufer der sandigen Inseln der Riffe +legt die Karettschildkröte ihre Eier ab und auf den von Seepflanzen +dicht bewachsenen schlammigen und versandeten Riffen grast nächtlich +der Dujong, während sich in den Canälen derselben, wie im hohen +Meere zahllose essbare Fische tummeln. Ueberall bietet sich dem +küstenbewohnenden Malaien eine reiche und leichte Erndte in der +Ausbeutung der werthvollen Producte des tropischen Meeres. + +Die _Holothurien_ [3] oder der im Handel so genannte _Trepang_, +_balate_, gehören jener bekannten Gruppe von Lebensmitteln an, welche +wie die essbaren Vogelnester und die Haifischflossen ausschliesslich +von den üppig lebenden Chinesen genossen werden. Für den Zoologen +aber vereinigen sie sich durch ihre gesammte Organisation mit den +wohlbekannten Seesternen und Seeigeln zu dem Kreise der Echinodermen +oder Stachelhäuter. Wie sie im Bau ihrer Organe eine wunderbare +Vollkommenheit und Mannichfaltigkeit zeigen, so sind sie auch in ihren +Sitten und Gebräuchen durch zahlreiche auffallende Eigenthümlichkeiten +ausgezeichnet. Hier zerfliesst eine Holothurie in wenig Minuten +in formlosen Schleim, wenn man sie der Luft aussetzt; ja nur ein +leiser Windhauch, der sie berührte, macht es dem Malaien unmöglich, +sie durch Kochen so zu erhärten, dass sie nachher der trocknenden +Sonnenwärme ausgesetzt werden kann. Mit dem Seewasser muss sie gleich +in der grossen Kochschale aus dem Meer gehoben werden, wenn sie nicht +ein Lüftchen in Schleim verwandeln soll. Fasst man diese Thiere an, +so vergehen sie unter den Händen. Andere Formen zeigen Eigenschaften, +um die sie mancher Mensch beneiden möchte. Die Synapta ärgert der +hintere Theil ihres Körpers; so wirft sie denselben von sich und +lebt auch ohne ihn ruhig weiter, oder bildet ihn in kurzer Zeit neu +wieder aus. Eine andere Holothurie vereinigt alle Specialitäten +des ärztlichen Standes in sich. Eine selbst gemachte Wunde ihrer +Haut heilt sie in wenig Stunden, ohne eine Nath anzulegen; ihre +krankhaften Organe stösst sie von sich ab und macht sich in wenig +Tagen vollständig neue; wenn sie keine Lungen mehr zum Athmen hat, +so athmet sie das Wasser in die Leibeshöhle ein. + +Wie oft habe ich nicht auf meinen Reisen diese Thiere beneidet. Wenn +ich unter den Wilden nur Wurzeln und Krebse zu essen fand, oder ein +schlecht besetzter Mittagstisch eines Wirthshauses mir alle Freude am +Genusse verdarb, so musste ich jedesmal an meine Holothurien denken, +die gefangen in kleinen Schalen mit reinem Seewasser, ohne ihre +beliebte Speise, den Korallensand, bald ihren Darmcanal mit Lungen +und allen andern Organen, die daran hingen, zum After hinausstiessen, +da sie ja unter den Umständen nicht mehr nöthig waren. Liess ich +dann diese Thiere nur lange genug leben,--etwa mindestens 9 Tage--so +hatten sie sich unterdessen ganz neue Gedärme gemacht und Lungen, mit +denen sie das reine Seewasser ebenso ruhig frassen und einathmeten, +als früher den Sand und das weniger reine Wasser. Wie oft hört man +nicht einen Menschen im Zorne ausrufen: Möchte ich doch aus der +Haut fahren! Was aber Euch nicht gelingt, das macht Euch eine andre +Holothurie in wenig Minuten vor, wenn Ihr sie mit Nadeln und Messern +zu quälen anfangt. Sie dreht und windet sich nach allen Richtungen +und schleudert ihren Körper hin und her, wie es mitunter die Blutegel +thun, hie und da reisst die Haut ein, und bald seht Ihr statt des mit +Warzen und Knoten besetzten kantigen Körpers einen rundlichen Sack +vor Euch liegen, der die völlig unversehrten Eingeweide enthält. Die +daneben liegende geborstene Haut löst sich bald in Schleim auf. + +Mannichfaltig gestaltete Arten derjenigen Gruppe, welche im System +als Aspidochirotae aufgeführt werden, dienen zur Bereitung des +Trepang. Mehrfach gedämpft und zuerst mit Seewasser, dann mit süssem +Wasser gekocht, nachher lange Zeit an der Sonne oder im Rauch über +Feuer getrocknet,--so kommen diese nun schwärzlich und geschrumpft +aussehenden Thiere in verschiedenen Sorten in den Handel. Da dieser +in Manila wenigstens ausschliesslich in den Händen von Chinesen +liegt, so sind nur schwer sichere Angaben über den durch den Trepang +hervorgebrachten Werthumsatz zu erhalten. Ueber einige der letzten +Jahre liegen mir Angaben vor. Im Jahr 1864 wurden 2089 Picul (zu +130 Pfd.), 1865 dagegen 3920 Picul ausgeführt. Der Werth derselben +schwankte 1866 zwischen 23-60 Thlr. per Picul. + +Den kopflosen Weichthieren gehören einige andere commerciell wichtige +Thiere an, nemlich die echte Meeresperlenmuschel (_Meleagrina +margaritifera L._) und die Temblegam-Perlenmuschel (_Placuna placenta +L._). Beide sind auf den Philippinen weniger wegen der in ihnen +erzeugten Perlen, als wegen ihrer Schalen selbst wichtig. Die grossen +Schalen der Meleagrina zeigen auf ihrer inneren glänzenden Fläche, +sowohl an der Ansatzstelle des Schliessmuskels, wie an der übrigen dem +Mantel sich anlegenden Fläche, gar häufig unregelmässige aber schön +glänzende Tröpfchen von Perlmuttersubstanz, welche abgeschnitten als +Halbperlen verwandt werden. Viel weniger häufig sind aber die echten +völlig glatten und freien Perlen, die sogenannten "Wasserperlen" +(perlas de agua), welche nur zwischen den Schichten der Mantelblätter +erzeugt werden und in fadenartigen Verlängerungen derselben hängen, +wie in einem Sacke. Hunderte von Schalen können vom Grunde der tiefen +Canäle heraufgeholt worden, ehe eine einzige solche Wasserperle von +erheblichem Werthe die unsägliche Mühe des Tauchers belohnt. Es wird +der Perlenfang hauptsächlich nur noch im Meere um die Sulu-lnseln, +um Palawan und Mindanao herum betrieben und zwar von Sclaven, welche +die muhamedanischen Fürsten im Süden der Philippinen auf ihren +alljährlich sich wiederholenden Menschenjagden einfangen. So finden +sich auf den zum Perlenfang ausgesandten Böten katholische Christen +von Luzon und den übrigen philippinischen Inseln neben heidnischen +Bewohnern von Celebes, Gilolo und den Dajak's von Borneo auf derselben +Bank gebunden, dem blutigen und lebensgefährlichen Geschäft des +Tauchens zum Opfer. In immer grössere Tiefen ziehen sich die grossen +Perlmuscheln--denn nur diese geben Hoffnung auf gute Beute--zurück, +so dass in den Meeren um Sulú herum die Taucher bereits bis auf 15 +und selbst mehr Faden Tiefe zu tauchen haben. Der heftige Druck der +grossen Wassermasse treibt dem Taucher, während er mit einem Messer +rasch die festsitzenden Muscheln abzuschneiden sucht, das Blut aus +Ohren, Nasen und Augen. Mit zerschnittenen Händen und Fingern, mit +blutendem Gesichte kommen diese Unseligen an die Oberfläche, und +empfangen als Belohnung für die kostbare Perle, die sie dem Meere +entrissen, nur kärgliche elende Nahrung; oft auch ist gänzliche +Taubheit, ja selbst ein rascher plötzlicher Tod ihr Lohn. Fast sind +sie dann glücklich zu schätzen. Denn die gewaltige Anstrengung des +raschen Tauchens zerstört langsam, aber sicher auch die kräftigste +Brust, bis sie endlich nach langdauernden Leiden der langsame Tod +dem grausigen Geschäfte entreisst. Tausende von Blutstropfen hängen +so an jeder Perle, welche das Ohrgehänge oder die Brustnadel unserer +Schönen zieren. + +Auch der Handel mit Perlen ist in Manila gänzlich in Händen der +Chinesen, sodass sich auch hier keine sicheren Angaben über den Werth +der jährlich nach China gesandten Perlenmengen machen lassen. Dagegen +findet sich die Schale der Meleagrina als sogenannte "concha nacar" in +allen Exporttabellen aufgeführt. Das Jahr 1867 hat mit 3095 Picul die +grösste je ausgeführte Menge von Perlmutterschalen aufzuweisen. 1865 +betrug der Preis per Picul 19 Dollar (57 Gulden) und durchschnittlich +sollen ungefähr 30 einfache Schalen auf ein Picul gehen. + +Die zweite Muschel (Placuna placenta) [4] wird hier nie, wie in Ceylon, +der kleinen oft in ihr gebildeten Perlen wegen gesucht. Sie lebt im +Schlamme am Ausgange der Flüsse mit anderen Thieren des brakigen +Wassers, ohne Befestigung und in grossen Mengen beisammen. Es +ist bekannt, dass aus den flachen und dünnen sehr durchscheinenden +Schalen viereckige Scheiben geschnitten werden, welche in China, auf +den Philippinen und den Inseln des hinterindischen Ocean's statt der +Glasscheiben in die Fensterrahmen eingesetzt werden. Gegenüber dem +Glase haben sie jedenfalls den in den lichthellen tropischen Ländern +hoch zu schätzenden Vortheil, dass sie das directe Sonnenlicht fast +ganz ausschliessen, das diffuse Tageslicht dagegen mit hinreichender +Intensität durchlassen. Ueber die Masse und den Werth der etwa +ausgeführten Schalen dieser Muschel fehlen alle statistischen Angaben. + +Eine ganz kurze Erwähnung nur verdienen die hier in Manila "_Sigay_" +genannten _Kaurischnecken_, Arten der Gattung _Cypraea_. Sie finden +sich wie überall in den tropisch östlichen Meeren, so auch auf den +Riffen der Philippinen und werden alljährlich in grossen Quantitäten +ausgeführt. Da aber der Werth derselben neuerdings sehr gesunken +ist--man bezahlt jetzt in Manila etwas mehr als einen Thaler für das +Picul--so ist der Werth des Umsatzes von jährlich etwa 1500 Picul ein +sehr geringer. Ebensowenig beansprucht die Ausfuhr des _Schildpatts_ +bedeutendes Interesse; denn trotz des ziemlich hohen Preises, der +auch jetzt noch für das Picul Schildpatt--von den Spaniern _carey_ +genannt--, nemlich 4-500 Dollars, bezahlt wird, beträgt der ganze +Umsatz im Mittel kaum 15000 Gulden, da selbst in den günstigsten +Jahren nicht mehr als 20 Picul ausgeführt werden. + +Dagegen ist der _Dujong_ (Halicore Dugong L.) ein Thier, welches in +mehr als einer Beziehung interessant ist, da es sich in eigenthümlicher +Weise mit der Geschichte des Trepanghandels auf den Philippinen +verknüpft. Als im Anfang dieses Jahrhunderts einige Spanier von +Manila nach den westlichsten Inseln der Carolinen, den Pelew-Inseln +oder den Islas Palaos, gingen, um hier für Tabak, Eisenwaaren und +baumwollene Tücher den Trepang einzuhandeln, erkannten sie in einem +Armband, [5] welches das Handgelenk der Fürsten des Landes zierte, +den ersten Halswirbel des ihnen sehr gut bekannten und auf den +Philippinen wegen seines wohlschmeckenden Fleisches häufig gejagten +"pez mulier" [6] wieder. Sie nahmen den hohen Werth desselben wahr und +wussten sich während der nachfolgenden Jahre auf den Philippinen +mit einer tüchtigen Ladung solcher Wirbel zu versehen, die den +glücklichen Speculanten denn auch rasch eine volle Schiffsladung +fast umsonst verschafften. Aber der Dujong ist sehr schwer zu jagen, +und seine Menge, wie es scheint, nicht beträchtlich. Er zog sich +nach den am schwersten zugänglichen Schlupfwinkeln an den Ostküsten +des Archipels zurück, so dass sich bald die auf Trepang fahrenden +Mestizen und Spanier von Manila wieder genöthigt sahen, sich der +europäischen Waaren zu ihrem Tauschhandel zu bedienen. Nie wieder +sind solche Geschäfte in diesem Handelszweige gemacht worden, wie +in der kurzen Periode jenes Handels mit dem Atlas des Dujong. Er +giebt uns auch ein Beispiel, wie leicht der Mensch geneigt ist, +seiner Eitelkeit schmerzliche Opfer zu bringen. Obgleich derselbe +selbst im Verkehr der Bewohner untereinander Geldwerth besitzt, +so hat er doch auch den wirklichen Werth eines nationalen Ordens; +denn nur den ausgezeichneten Männern des Landes kann er vom König oder +dem Fürstencongress zuertheilt, aber auch entzogen werden. Es ist ein +Fest, wenn einem Vornehmen des Landes ein solches zuerkannt wird. Aber +die Anlage des Ordens selbst ist eine schmerzhafte Operation. Das +allerdings durch Abfeilen der Kanten und Vorsprünge etwas erweiterte +Loch, durch welches das Rückenmark hindurchtritt, ist so eng, dass +selbst die zarten und in ihren Gelenken so ausnehmend biegsamen +Hände der Eingebornen nicht ohne grosse Mühe hindurchkommen. Die +Finger des Beglückten werden fest zusammengebunden, so dass sich die +Breite des gebogenen Handrückens möglichst vermindert, und dann wird +die Hand durch den Wirbel hindurchgezwängt, indem einige Männer an +dem Taue, welches die Finger hält, aus Leibeskräften ziehen, während +Andere von entgegengesetzter Seite her den Wirbel und den Decorirten +festhalten. Oft sieht man die Vornehmen des Landes mit Stolz die Hand +zeigen, von welcher sie bei solcher Standeserhöhung einen Finger, +meistens den Daumen, durch die Operation des Durchziehens verloren +haben. Bei uns Europäern möchte ein solcher Orden, der nie ohne +grosse Schmerzen angelegt werden kann, wohl als ein Mittel gegen die +zu grosse Zahl der Ehrendiener angewandt werden können. + +Die vergleichsweise grosse Wichtigkeit der genannten Thiere, welche +wesentlich auf den Korallenriffen und durch sie leben, lässt sich +kurz in einigen Zahlen ausdrücken.--Es erreichte der Export der +4 wichtigeren Artikel im Jahre 1864 die Summe von 97,683 Dollars, +1865 die viel grössere von 135,295 Dollars. Für die einzelnen Artikel +stellt sich das Verhältniss so: + + + | Perlmutter- | Schildpatt. | Kauris. | Trepang. | Summa. + | schalen. | | | | + | | | | | +1864 | 52,972 | 931 | 2000 | 41,780 | 97,683 D. +1865 | 47,215 | 3172 | 1792 | 78,400 | 135,295 D. + + +Man sieht, dass der so bedeutend höhere Export im Jahre 1865 +hauptsächlich durch die Zunahme des Trepanghandels bewirkt wurde. + +Wenn man nun bedenkt, dass der bedürfnisslose Bewohner tropischer +Gegenden kaum mehr arbeitet, als gerade für die Beschaffung seiner +unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse nothwendig ist; wenn man erwägt, +wie gering die Kosten eines solchen einfachen Lebens sind inmitten der +überreichen primitiven Nahrungsmittel solcher Länder; so bevölkert der +aus obigen Thatsachen rückschliessende Blick die Meere und Strassen +zwischen jenen Inseln mit einer grossen Menge kleinerer und grösserer +Fahrzeuge, welche alle bei dem Fang und Transport der genannten Thiere +beschäftigt sind. Hier ziehen bei tiefer Ebbe Schaaren kleiner offener +Böte an den Rändern der Riffe entlang und holen die grossen Holothurien +aus der Tiefe durch Tauchen oder allerlei Instrumente empor; dort +treiben die Aufseher des Sultans von Sulú die im grossen halbgedeckten +Boot (Panco) dichtstehenden Sclaven zum Tauchen nach den kostbaren +Perlenmuscheln im tiefen Meeresgrunde an; Kinder und Frauen sammeln +ausser Muscheln und anderen Seethieren für ihr bescheidenes Mittagsmahl +die Kauris und auf den Fischfang bei Nacht ausziehende Männer kehren +heim mit einer grossen Schildkröte beladen, die sie im Sande einer +Insel beim Eierlegen überraschten. Hunderte von kleinen gedeckten +Schiffen bringen die gesammelten und von einem Zwischenhändler, +meistens Chinesen, aufgekauften Gegenstände in kleineren Parthien in +die wenigen dem transatlantischen Verkehr freistehenden Häfen ein. Aber +noch grösseren Einfluss auf die Belebtheit der philippinischen Meere +haben die Fische, welche der täglichen Nahrung geopfert werden; denn +sie bilden neben Reis die hauptsächlichste Nahrung der Bewohner. Die +grosse Mehrzahl der philippinischen Dörfer und Städte liegen hart am +Meere. Da ziehen dann bei tiefer Ebbe sämmtliche Bewohner hinaus auf +die Riffe, harpuniren hier einen Meeraal, dort betäuben sie durch +giftige Wurzeln alle Fische, welche sich in dem Wasser unter einem +grossen Korallenblock verborgen haben und werfen dann alle Arten mit +Ausnahme einiger weniger giftiger Sorten in ihren Korb. Häufig ziehen +Nachts ganze Schaaren von Böten mit brennenden Fackeln am Rande der +Riffe entlang, um die durch den Glanz des Feuers angelockten grossen +Fische zu harpuniren. Diese Sitte des Fischfangens bei Licht hat +vielleicht zu einem sonderbaren Irrthum Anlass gegeben. Die Insel +Siquijor, südlich von Bohol gelegen, wurde schon auf den älteren +Karten Isla de Fuegos genannt, weil die Spanier an ihr in einer +Nacht vorüberfuhren, in welcher sämmtliche Bewohner gerade mit dem +Fischfang bei Fackellicht beschäftigt waren. Dieser Name wurde dann, +ich weiss nicht von wem zuerst, auf einen Vulcan bezogen, der dort +sein sollte. In der That aber hatte Niemand einen solchen je gesehen, +nirgends findet sich eine Angabe über einen früheren Ausbruch auf +dieser Insel und die Priester, welche sie aus eigner Anschauung +kennen, versichern einstimmig, dass keine Spur eines Vulcanes dort +in heissen Quellen oder in der Form der Berge zu finden sei. Auch auf +Darwin's Karte findet sich Siquijor als Vulcan angegeben. Ich selbst +habe auf meinen Fahrten zwischen den bisayischen Inseln gar häufig +jene romantische Art des Fischfanges beobachtet.--Nur in der Nähe der +grösseren Städte, wie in Manila, Yloilo, Cebú und anderen mehr bildet +sich ein eigentliches Fischergewerbe aus. Während sonst jeder Bewohner +sowohl Seemann wie Landbauer ist und zunächst nur an die Befriedigung +seiner eignen Bedürfnisse und derjenigen seiner Verwandten denkt, +so dass er heute Fische fängt und morgen seine Kleider flickt, bald +die Wildschweine, Rehe und Büffel jagt oder seinen Acker bestellt, +den Bienen im Walde den süssen Honig abjagt, oder sein jüngstes Kind +in den Armen schaukelt, kurz alle Geschäfte des menschlichen Lebens +der Reihe nach durchmacht; haben sich in den volkreicheren Districten +schon die Gewerbe mehr von einander getrennt. So findet man denn auch +auf den Fischmärkten der grossen Städte das eigentliche Fischervolk +beisammen, das sich in seinem Wesen hier wie überall so sehr von den +übrigen Ständen unterscheidet. Von diesen wird die Fischerei theils +auf den Riffen, theils auch im hohen Meere mit ganz anderen Mitteln +betrieben. Von ihnen werden Arten von Fischreusen so gut, wie die +kleinen und grossen Angeln benutzt; am Ausfluss [7] der Ströme sieht +man mächtige durch einen Baum auf- und abgesenkte flache Netze die +kleinen im Sonnenschein sich tummelnden Fische fangen, während in +den Süsswasserseen oder am seichten Ufer der Meeresbuchten und der +Canäle grosse von einem dichten Geflecht aus Bambusrohren umzäunte +labyrinthische Irrwege oft der Schifffahrt am Ufer hinderlich +werden. Sie werden so gegen die Strömung gestellt, dass die Fische +mit ihr hineingelangen. Hier werden sie dann mit Stöcken bis in den +innersten Raum getrieben, wo sie völlig abgeschlossen vom Fischer +mit Handnetzen herausgefischt werden. Auf diesen hoch in die Luft +emporragenden Staketen sieht man häufig die Fischer unbeweglich +zwischen ebenso steinern aussehenden Reihern sitzen, welche gleich +ihnen auf die Ankunft eines Fischschwarmes warten. So werden +ungeheure Fischmassen täglich von den Bewohnern des Landes gefangen +und gegessen. Selten nur nimmt man sich die Mühe, die Fische und die +schmackhaften Süsswasserkrebse zu trocknen oder einzusalzen; aber +die wenigen so behandelten Arten bilden dann einen nicht unwichtigen +Handelsartikel im Verkehre der Bewohner untereinander. Leider fehlen +hierüber alle genaueren statistischen Angaben. + +Wenn man so schon das Recht hätte, das Volk ein wesentlich maritimes +zu nennen, so springt die Richtigkeit dieser Bezeichnung noch mehr +in die Augen, wenn nun zum Schluss noch die Verkehrswege des grossen +Handels aufgesucht werden. Zwischen der Hauptstadt und den zahlreichen +kleinen Inseln des Südens, so wie zwischen diesen untereinander kann +natürlich der Verkehr nur zu Wasser stattfinden. Aber selbst zwischen +Orten auf Luzon die sich so nahe liegen, wie _Mauban_ an der Ostküste +und Manila westlich, zieht der Handel den langen Umweg um die Südspitze +der Insel herum dem kurzen Landweg über die niedrige Bergkette nach +der Laguna de Bay vor. Eine Folge für diese ausgesprochene Vorliebe +für den Seeverkehr ist natürlich eine gründliche Vernachlässigung +aller Landstrassen. Dass nun in der That fast aller Handel die Seewege +aufsucht, beweist die kleine hier mitgetheilte Tabelle über die Zahl +der im Jahre 1862 in Manila ausgelaufenen und eingelaufenen Schiffe. + + + | Provinzschiffe. | Spanische Schiffe. |Fremde Schiffe. + | Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen- + | | gehalt. | | gehalt. | | gehalt. + | | | | | | +Eingelaufene | 2253 | 138,000 | 127 | 23,000 | 160 | 98,000 +Ausgelaufene | 2298 | 135,000 | 137 | 25,000 | 157 | 98,000 + + +Die grosse Zahl der Provinzschiffe gegenüber den wenigen über den +Ocean fahrenden Schiffen--den sogenannten buques de travesia--zeigt, +wie im inneren Verkehr der Inseln untereinander vor Allem die kleinsten +Schiffe bevorzugt werden. Nimmt man an, dass alle Schiffe eine volle +Ladung hatten--was natürlich nur annähernd richtig ist--und vergleicht +man die Tonnenzahl der in Manila eingelaufenen Provinzschiffe mit +derjenigen der von hier nach Europa, Australien etc. ausgelaufenen +grossen Seeschiffe, so sieht man, dass höchstens _15,000_ Tonnen der +Landesprodukte in Manila selbst geblieben sein können. Wahrscheinlich +aber waren es viel weniger, denn die Seeschiffe verlassen nie den Hafen +ohne eine volle Ladung, während viele der Provinzschiffe auch ohne +vollständig gefüllt zu sein, die Reise nach Manila unternehmen. Die +analoge Differenz von 14,000 Tonnen zwischen den eingelaufenen +Seeschiffen und den ausgelaufenen Provinzschiffen beweist, dass +auch die eingeführten europäischen Producte auf dem Seewege nach den +übrigen Provinzen übergeführt werden müssen. + +Auch in diesen Zahlen tritt uns also ein bedeutender Verkehr +zur See entgegen. Mit grossen Schwierigkeiten hat derselbe in den +philippinischen Meeren zu kämpfen. Die bis in die neuere Zeit hinein +sehr schlechten Karten, die heftigen und mannichfaltig wechselnden +Strömungen, die Häufigkeit der Riffe und Untiefen und die schweren +beim Wechsel der Monsune so oft eintretenden Stürme; der Mangel aller +nautisch durchgebildeten Capitaine und die angeborne Sorglosigkeit +der Mannschaften--alles dies sind ebensoviele Hindernisse, aber auch +zugleich bestimmende Momente für die Form des Verkehrs und die von ihm +aufgesuchten Wege. Ganz besonders aber drückt der periodische Wechsel +der vorherrschenden Windrichtungen mit den übrigen klimatologischen +Erscheinungen dem Verkehr zur See, wie überhaupt dem ganzen organischen +Leben auf den Philippinen seinen Stempel auf. Diesen Einfluss des +Klima's auf Land und Leute zu untersuchen, soll die Aufgabe der +nächsten Skizze sein. + + + + + +III. + +Das Klima und das organische Leben. + + +Im Allgemeinen lässt sich das _Klima_ des philippinischen +Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes +bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in +der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und +Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde +Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln +erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen +einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen +Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden, +wollen wir den im Anhang [1] ausführlich mitgetheilten Resultaten +mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila, +folgende Mittelwerthe entnehmen: + + + Temperatur in Graden Reaumur. | Regenmenge | Relative | Mittlerer +Mittlere | mittleres | mittleres | im Jahr. | Feuchtig- | Luftdruck. +des Jahres | Maximum | Minimum | | keit. | + | | | | | ++20,88 | +25,4 | +16,2 | 974,6 par. | 78,7 par. | 337,18 + | | | Lin. = | Lin. | + | | | 81,2 Zoll. | | + +Windesrichtung: October-April N 57° O + April-October S 28° W + + +Hier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr +gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel +von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°, +während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der +niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegen eine nur 15,7 Zoll +betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in +Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte, +alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in +Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure +und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende +jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die +Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im +Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik +endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten +Jahresabschnitte aus, welche man die _kalte_ und die _warme_ oder +besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten des +_Nordost-_ und des _Südwest-Monsun's_ nennen kann. + +Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die +Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen, +die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes +in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben, +in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch +allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die +Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen +in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während in _Manila_ +der abgelenkte SW.-Monsun schon zu Ende _April_, der Nordost-Monsun +im _October_ einsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns in _Bohol_ um +reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vom _Juli_ bis zum _November_ +dauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen +in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte +Monsun angedeutete _Periodicität_ nicht erheblich verändert, und für +das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss +der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische +Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend, +als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im +Feuchtigkeitsgehalte der Luft. + +Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine +Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die +jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen +Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen. + + + | Winde. | Regen. | Gewitter. | Temperatur. | Luftdruck. + | | Lin. | | ° R. | par. Lin. + | +Winter | N 35° O | 74 | 0,8 | 19,6 | 337,66 +Frühling | N 79° O | 73 | 14,7 | 21,6 | 337,40 +Sommer | S 41° W | 492 | 35,9 | 21,7 | 336,94 +Herbst | S 16° W | 334 | 19,5 | 20,7 | 336,71 + + +Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der +sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme +von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder +trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf; +unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila's +auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den +dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende +Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu +schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn +die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene +Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke +Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings +die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas +sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die +zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende +und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde +Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich +jeder Bewohner Manila's, seinen Wagen repariren zu lassen, um während +der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk +dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar +erleuchtet die _aufgehende_ Sonne noch einen stets ungetrübten Himmel; +aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte +Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten +Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht +sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren +Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen, +der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt, +dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich +damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit +Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun's entgegen. Wenn im +Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost +die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige +Stürme, sogenannte "colla's", welche einige Tage lang andauern, +die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein +"baguio", ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des +SW.-Monsun's in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die +"colla" vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen +die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit +ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens +nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde +hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl +der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge +ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber +die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche +Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt, +lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn +nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28° +R. zur Zeit des täglichen Maximum's. Gegen Ende des Sommers sinkt +die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst +die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male +wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen +den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen +des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt, +bricht nun die "colla" des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe +den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an +Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete +"baguio" eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling +einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen +ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die +Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer +Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen +überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich +durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren +Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum +Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und +längsten Wirbelstürme, welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte, +war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am +28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in +solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat +und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so +dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden +musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem +Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen +dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des +Winters oder der _trocknen_ Jahreszeit über, während zugleich die +Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und +mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert. + +Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung +in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier +näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen +Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle +Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen +von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden +mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon +im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und +westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens +so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der +nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch +den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen +Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun +an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind +schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So +kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus +der _nassen_ in die _trockne_ Jahreszeit versetzen. Als ich mich +im November 1860 in _Aparri_ an Bord eines Dampfers einschiffte, +um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon's +fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen +gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an +der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch +die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem +Wetter bis nach Manila hinunter. Wo sich in den _Visaya's_ zwischen +den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden, +da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen +sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung +des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon, +und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen +Richtung auftreten können. So war in _Bohol_ die Vertheilung des Regens +während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in +Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien, +im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der +Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit +auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1 +R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und +Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so +dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge, +aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. _Linao_ im +Innern des östlichen Mindanao's liegt in einem gegen Nordwesten +hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2-3000' +hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die +eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen +Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von _Surigao_ und +in dem Canal zwischen _Leyte_, _Bohol_ und _Cebú_ durch und tritt nun +bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo's. Je +nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des _Agusan_, welche bald +mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen, +schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise +an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also +gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen +Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile +und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand +herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2 +fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L., +im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt +also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist +die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als +das Maximum in Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum's in +Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50' N. B. liegende _Zamboanga_ +endlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch +mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen +zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind +geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier +doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen. + +Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden +Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so +ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde +erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst, +hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen +Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung +der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das +Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss des _Klima_'s zunächst +auf die _vegetabilischen Producte_ des Landes näher untersuchen. + +Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des +gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher +tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf +das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen +herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao +und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl [3]--welcher +in Mindanao wild zu wachsen scheint--dazu die Mangabäume, die +Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in +üppigster Fülle. Bald halten sie sich--wie die Manga, Caffe, Indigo +und Cacao--an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder +sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen +eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast, +als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem +Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima's und +seiner periodischen Erscheinungen aus. Das _Zuckerrohr_ wird in +den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich +gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor +Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo's in +Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbst +in der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen +Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau des _Taback_'s +wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon, +in den Provinzen _Cagayan_ und _Nueva Isabela_, welcher letzteren das +auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf +erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio +Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback im _August_ ausgesäet; +denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen +könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten +"avenida's" mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im +September oder October die "colla" des Herbstes vorüber ist und in den +damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes +der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten +Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen, +in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um +nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch +heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede +Pflanze etwa 1 1/2 Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss, +geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle +Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze, +um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen +Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen +Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter +beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall +nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines +Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten +Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht +werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes +gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der +Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen; +und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem +Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste +Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist, +welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird +im Juli mit der Erndte begonnen. Diese wird möglichst rasch vollendet, +und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig +bleibt, wird der Mais, das einzige [4] selbstgebaute Nahrungsmittel der +Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet +hier die Maispflanze ihren Lebenslauf. + +Noch schärfer aber drückt der _Reisbau_ den nach den verschiedenen +Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem +er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen +Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im +Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5-6 Monate höchstens, +von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei +sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im +Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige +Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse, +welche _einestheils_ in der Qualität des gebauten Reis selbst und dem +dabei angewandten System, _anderntheils_ in dem schon geschilderten +mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den +Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden, +dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden +werden, nemlich in die des _Bergreis_ und des _Wasserreis_. Erstere +Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder +den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen +künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden +gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt, +als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter +Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den +Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei +dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in +denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten, +eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu +sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss; +da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt, +so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes +Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen +Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung +finden werden. + +Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen +der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben +des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen +Thatsache hervor, dass der Reis--mag es nun Bergreis oder Sumpfreis +sein--eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender +Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder +zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf +die _wechselnden_ Feuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und +den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind, +die Zeit der Aussaat im _Juni_, also nach dem Ende der trocknen +Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen +befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können, +wird bei den Iraya's im Nordosten von Luzon der Bergreis im _Dezember_ +und _Januar_ nach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals +nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit +in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks +und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist +schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya's +aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte +"wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in +denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in +der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres; +so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten +einbringt". Wieder anders stellt sich das Verhältniss in _Bontoc_ +dar, einem vom Mte. _Data_ ausgehenden und in nördlicher Richtung +streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen +bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später +im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende +Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die +Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen +zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in +Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein, +dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar +und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns), +die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen +verhalten sich die _Manobo_'s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so, +wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr +und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es +mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den +Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die +Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche +die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen. + + + +Wir gehen zur Beobachtung der _Thierwelt_ über, die wir, wie die +Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in +den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann +abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner +angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder +begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben +angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir +sahen, dass der Fang der zahlreichen _Seethiere_, die für den Menschen +wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen +Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun's sind die +östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden +Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt +sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei +tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden; +wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und +hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist +jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun +bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln +mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des +Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen +die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den +balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren +ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3-4 Mann enthaltende Bote +aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels, +die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn +jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und +60-70 Männer haltenden "panco's", die mit der grössten Verwegenheit +ihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen +heran ausdehnen. + +Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen manche _Thiere des +Landes_ eine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann +abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen +Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich +die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen +Ländern auch, an keine Jahreszeit [5] so scharf gebunden zu sein scheint, +als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht, +so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in +die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und +steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte +Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen +des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den +auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien +zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die +Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien +mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen +werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen +Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen +irdenen Krügen--den tinaja's--eingesalzen werden, um dann mit nächster +Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen +Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der "bagon"--so +heisst der eingesalzene Fisch--im inneren Handel und Verkehr eine +nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle +spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für +die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse von _Luzon_ +und _Mindanao_, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den +ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es +ist die Gattung _Ophiocephalus_ [6], welche jener eigenthümlichen +Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an +den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen +über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser +genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich +führen können. Es ist die Zahl dieser Labyrinthfische eine ziemlich +grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten +Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden +gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders +betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen +auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder +trocknen aus, in denen jene Fische lebten.--Diese ziehen sich in die +wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich +tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der +nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen +die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken +zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe +Mengen des "dalag"--so heisst dieser Fisch auf den Philippinen--auf +den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen +Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt, +und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen +anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor +und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen +Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens +und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose +Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre +Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere +schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den +Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner +hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf's Geradewohl in den +Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart, +etwa unserem "blind darauf losschlagen" zu vergleichen, die von diesem +eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun +dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse +Centralebene Luzon's, in welcher alljährlich Hunderttausende auf +solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao +im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete +lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen +Manobo's und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet +herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die +christlichen Bewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden +den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens [7] die ausgedehnten +bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen +nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch +Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der +Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt +also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken +beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen +nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen +der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das +Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf, +um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen +den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der +Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider +kam ich im Jahre 1864 zu spät--da mein ursprünglicher Reiseplan durch +ungünstige Momente gänzlich verändert wurde--, um noch das nach den +Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem +Fang des dalag beschäftigten Manobo's beobachten zu können. Nur ein +schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch +aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen +Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen +Fische über dem Feuer zu dörren. + +Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den +entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der +klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen +lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr +oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden, +die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf +den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen +sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner +geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur +geschlagen, zu befreien vermocht hat. + + + + + +IV. + +Die Negrito's und die heidnischen malaiischen Stämme. + + +Auf der Bühne, deren Bretter und Coulissen, Drähte und Maschinen wir +jetzt hinreichend kennen gelernt haben, spielte seit Jahrhunderten, wie +überall, der Mensch sein blutiges Drama. Auf den Philippinen, wie bei +uns, ist das erste Auftreten des Menschen in fast undurchdringliches +Dunkel gehüllt. Wie aber in Europa die Ueberreste der Pfahlbauten mit +ihren Waffen und Kochgeschirren, Schmuckgegenständen und Skeletten +unsere Phantasie im Aufbau einer vorkeltischen Menschenperiode Europa's +unterstützen; so haben uns die früheren Bewohner der Philippinen +zwar keine Denkmäler, wohl aber einige lebende Stämme überliefert, +die uns in ihren Sitten und Gebräuchen ein ziemlich getreues Bild +vergangener Jahrhunderte liefern. + +Hier scheinen nun Negerstämme die ersten Besitzer des Landes +gewesen zu sein; wenigstens hat man von anderen Völkern, die ihnen +vorangegangen wären, keine Kunde, und auch die Steinbeile [1], welche +man mitunter auf diesen Inseln findet, lassen sich ganz ohne Zwang +auf eine schwarze Bevölkerung beziehen. Der Papua-Race auf Neu-Guinea +und den angrenzenden Inseln, sowie den Bewohnern der Fidji-Inseln und +anderer Inselgruppen im stillen Ocean nahe verwandt [2] in psychischer +Beziehung und in vielen ihrer Sitten und Gebräuche, stehen sie doch in +Bezug auf Cultur und Gesittung auf einer viel niedrigeren Stufe, als +die Negerracen der Inseln im stillen Ocean. So könnte man entweder in +ihnen einen auf niedriger Entwickelungsstufe stehengebliebenen, oder +einen unter dem, Jahrhunderte alten, Einflusse späterer Einwanderer +degenerirten Zweig des allgemeinen Papua-Stammes sehen, von welchem +eine Anzahl frischer noch grünender Aeste als die Repräsentanten des +höchsten Culturzustandes, den diese Race erlangen konnte, anzusehen +wäre. Wenn man nach den spärlichen in Werken spanischer Autoren +niedergelegten Notizen über die Negritos der Philippinen sich den +Einfluss der malaiischen und christlichen Periode construirt, so glaubt +man freilich zu erkennen, dass man es nur noch mit den herabgekommenen +Enkeln einer einst viel höher stehenden Race zu thun hat. + +Im Süden der Philippinen scheinen sie gänzlich ausgerottet zu +sein. Allerdings geben alle Autoren an, dass im Osten wie im Innern +Mindanao's noch echte Negritos leben, eine Meinung, die aber auf +vollständiger Unkenntniss der dortigen Stämme beruht. Nur die wenig +zahlreichen Mamanua's im Osten Mindanao's haben Negerblut in ihren +Adern, aber sie sind ein Mischlingsvolk, das als solches auf den +ersten Anblick kenntlich ist. Mit Ausnahme der Insel Negros, wo noch +einige wenige Negerfamilien namentlich in der Gebirgsgegend um den +Vulcan herum hausen sollen, sind die Autochthonen auf sämmtlichen +Inseln der Visayas verschwunden. Im südlichen Luzon scheinen sie auch +zu fehlen; mehr und mehr gegen den Norden zu aber treten sie immer +häufiger sporadisch auf--so an der Ostküste auf der Insel Alabat, bei +Mauban, in der Bergkette von Mariveles und Zambales, an der Ostküste +bei Baler, dann bei Casiguran, bis sie endlich von Palanan an bis +an das Cabo Engaño hinauf ausschliesslich die Küste sowohl, wie die +Gebirgsgegenden der östlichen Bergkette bevölkern. Wenn irgendwo, +so sind sie hier noch in ihrer grössten Reinheit der physischen wie +der geistigen Charactere zu finden. + +Bei einer durchschnittlichen Körperhöhe von 4' 7'' par. (Männer) und +4' 4'' (Weiber) sind ihre Glieder dem entsprechend ungemein zart, +aber wohl gebildet. Mit rundem, namentlich bei den Weibern stark +ausgeprägtem Gesicht, äusserst dicker, braunschwarzer, glanzloser +und wollig-krauser Haarkrone; mit geradem, wenig vorspringendem +Kiefer und schwach gewulsteten Lippen, mit sehr flacher und breiter +Nase und dunkelkupferbrauner Körperfarbe--so bilden diese Neger +körperlich einen schroffen Gegensatz zu den grösseren und eckiger +gebauten malaiischen Usurpatoren. Durch die ungemeine Schmächtigkeit +ihrer Beine und die verhältnissmässig grossen Bäuche--muy barrigudos +nennen sie die spanischen Historiker--erinnern sie etwas an die +glatthaarigen Bewohner Australien's. Die Milde des tropischen Klima's +nimmt sich freundlich ihres fast gänzlich nackten Körpers an, den sie +unter leicht beweglichen Schirmen, wie sie auch unsere Steineklopfer +haben, gegen heftigen Wind und Regen oder die allzuheisse Sonne +schützen. Unter ihnen ausgestreckt liegen sie auf dem heissen Sande +des Meeresstrandes oder am Ufer der Gebirgsbäche, immer bereit, +die schnell gebaute Hütte einige Meilen weiter zu tragen, wenn +Mangel an Nahrung sie dazu zwingt. Mehr Sorgfalt, als den Schürzen +und Schenkelbinden, wenden sie ihren Zierrathen zu, die sie in Form +von wunderlich gestalteten Ohrgehängen, Ringen für Beine und Arme, +Halsketten und einigen Utensilien für den Taback und das Betelkauen +sich aus Wurzeln und Stücken Holz, sowie Fasern der Pandanus-Arten +flechten. Nur die Reichsten unter ihnen gestatten sich den Luxus +einer von den Christen erhandelten Matte zum Schlafen. Auch das +Tättowiren üben sie; wenngleich lange nicht in dem Maase, wie die +Malaien in der westlichen Cordillere Luzon's. In der Verbindung der +dabei angewandten Verzierungen, lauter gradlinigen Mustern, weichen +die an verschiedenen Orten lebenden Negritos nicht von einander ab; +wohl aber in der Weise des Tättowirens selbst. Die Neger der Ostküste +von Baler an bis hinauf nach Palanan brauchen dazu eine Nadel [3], +wie sie auch bei den Malaien in Gebrauch ist; die von Mariveles +dagegen bringen sich in ihrer Haut lange Schnitte an, durch deren +Combination sie die gewünschten Muster erzielen. Bei diesen erhebt +sich die Zeichnung in Form von hohen Narben, während bei den mit der +Nadel tättowirten Negern die Haut ziemlich glatt bleibt. + +Ihr Charakter ist meistens besser, als sein Ruf. Von Natur sind +sie zutraulich, frei und offen, misstrauisch nur im Verkehr mit +den Christen, den Räubern ihres Landes; ausdauernd und an Muth den +malaiischen Nachbarn weit überlegen; bereitwillig zu Diensten, sobald +diese nur im Bereich des Gewohnten liegen; und von einer unbegrenzten +Liebe zur individuellen Freiheit und zum Wanderleben. Von ihrer +wirklich gutmüthigen Natur erhielt ich im Land der Iraya's [4] an der +Westseite der Cordillere von Palanan einen freundlichen Beweis. In der +einen Hälfte dieses Stammes fand ich eine sehr ungastliche Aufnahme, +und hier schienen sich die Bewohner fast gänzlich allen intimen +Umganges mit den Negern zu enthalten; in der andern aber hatte die +unverkennbare grosse Vermischung mit den Negern allen Leuten ein so +freundliches Wesen eingeprägt, dass mir der Gedanke an die Wochen, die +ich unter ihnen zubrachte, mit zu meinen liebsten Reiseerinnerungen +gehört. Grosse unbesiegbare Liebe zu ihrer Heimath und zu ihrem +Wanderleben spricht sich häufig in den Erzählungen der Spanier über +eingefangene und in Manila erzogene Neger aus. Doch irrt man sich wohl, +wenn man diesen nicht zu bändigenden Trieb nach dem Herumschweifen +in den Bergen und am Meeresufer für das wesentlichste Attribut +dieser bedürfnisslosen Naturkinder ansieht. Es scheint vielmehr die +allerdings wohl vorhandene Anlage dazu durch die Jahrhunderte alte +Verfolgung von Seiten der Malaien und nachher der Christen, und vor +Allem durch die immer mehr zunehmende Trennung eines politischen +Zusammenhanges unter den einzelnen Clan's dieser Negerstämme in ihr +jetziges Extrem ausgebildet worden zu sein. Eine gewisse Tendenz zur +Isolirung haben alle sogenannten wilden Völkerschaften; und wo sich +gewaltsam der in primitiven Zuständen, und bei geringer Dichtigkeit +der Bevölkerung überhaupt nie sehr innige und feste Zusammenhang der +Clan's untereinander löst, und sich zwischen sie nun feindliche Stämme +einschieben, welche jede Möglichkeit des Verkehrs abschneiden: da wird +diese Unabhängigkeitsliebe des Einzelnen sich immer mehr steigern, +das geringe Bedürfniss nach Einigung grösserer Massen in gleichen +Gesellschaftsformen nothwendig absterben müssen. Und wie sich so +in dem socialen Zustande der isolirt lebenden Familiengruppen, in +dem allmäligen Verlust aller ihnen eigenthümlichen Eigenschaften, +ja sogar ihrer Sprache [5], dieser verderbliche Einfluss der Trennung +des politischen Zusammenhanges naheverwandter Stämme ausspricht; +so drückt sich andererseits in dem täglichen Leben, in ihrem Kampfe +ums Dasein der für sie jetzt fast allmächtige Einfluss des Klima's aus. + +Ohne bedeutenden Handel, ohne Ackerbau, bilden die Herzen der +Palmensorten und die Wurzeln der vielen wild wachsenden Aroideen, +sowie die jagdbaren Thiere des Waldes--Rehe, Schweine--und die Fische +des Meeres und der Flüsse ihre einzigste Nahrung. So ziehen sie in +kleinen Truppen von 6-8 Familien bald in den tiefen Schluchten der +Berge am Ufer der Giessbäche oder des Meeres einher, je nachdem die +Jahreszeit gerade hier oder dort eine beliebte Wurzel in Menge reifen +oder eine gesuchte Fischart in die Flüsse heraufsteigen und am Ufer +in Schwärmen erscheinen lässt. Die Werkzeuge, die sie beim Fischfange +und auf der Jagd gebrauchen, sind zugleich die einzigen Waffen. Mit +Bogen und Pfeilen stellen sie im Wald den Rehen und Schweinen, wie dem +feindlich gesinnten Ylungut [6], im Wasser des Meeres und der Flüsse +den Fischen nach. Mit ihren eisernen Messern, den sogenannten bolo's, +welche sie von den Christen erhalten, vertheidigen sie sich heute +muthig gegen einen hinterlistigen Angriff ihrer an Zahl überlegenen +aber feigeren Feinde, während sie morgen mit demselben Messer in +friedlicher Arbeit die Wurzeln ausgraben, die ihnen zum Unterhalt der +nächsten Wochen dienen sollen. Wenn dann alljährlich die aufsteigende +Sonne im April und Mai tausendfältiges Leben im Verein mit der grossen +Regenmenge hervorruft, und alle die Formen von Schmetterlingen und +anderen Insecten, die in kälterer oder in trockener Jahreszeit nur in +wenig Individuen lebten, nun auf einmal zu Hunderten erscheinen--dann +ist auch für die Negritos die Zeit festlicher Erndten gekommen. Denn +nun ziehen sie aus, Klein und Gross, in den dichtesten Wald hinein +und suchen die längst schon von dem Entdecker bezeichneten Baumstämme +aus, in deren Krone ein Schwarm wilder Bienen sich seit Monaten am +Aufspeichern des Honigs erfreut hatte. Jetzt sind die Waben gefüllt, +denn die Zeit naht, in welcher Feuchtigkeit und Sonnenwärme die +Larven der Bienen zum Ausschlüpfen bringen. Aber ehe diese zum Leben +erwachten, hat der nach Honig lüsterne Neger durch Rauch giftiger +Kräuter den Schwarm der Bienen aus ihrem Baume vertrieben. Den Honig +lässt sich der Negrito wohl schmecken, das Wachs aber presst er in +wenig gereinigte Kuchen, welche er gegen Glasperlen, Strohmatten, +etwas Reis und den über Alles geliebten Taback an den christlichen +Händler verkauft. Bald aber ist der Reis und der Honig verzehrt, +und nun geht das alte Wandern wieder an von einem Ort zum andern, +rast- und ruhelos, bald am Meer, bald in den tiefsten Bergschluchten, +bis ihnen endlich im nächsten Jahr das stärkere Schwirren der Insecten +die Rückkehr ihres Honigmonates anzeigt. + +Auch über die erste Einwanderung der _Malaien_ fehlen uns jegliche +historische Documente und ebensowenig haben sie uns Monumente ihrer +früheren Lebensperioden hinterlassen. Wohl aber ist die Zahl der +noch unabhängigen, nicht vom Christenthum veränderten heidnischen +Stämme dieser Race eine sehr grosse, wenn man sie mit den spärlichen +Resten der Neger [7] vergleicht. Da sie wenigstens auf einigen Inseln +der Gruppe, namentlich im Osten Mindanao's und im Norden Luzon's noch +in ziemlich dichten Mengen bei einander leben, so können wir hoffen, +uns durch das eingehende Studium dieser Racen ein recht genaues +Bild von dem Culturzustande des Landes zu entwerfen, wie er hier +einige Jahrhunderte vor der christlichen Zeit etwa bei Ankunft der +muhamedanischen Priester herrschen mochte. Diese letzteren scheinen +sicherlich vom Südwesten herauf gegen die Philippinen nach Norden +und Osten vorgedrungen zu sein, und so finden sich dem entsprechend +gerade im Norden Luzon's und im Osten Mindanao's diejenigen Stämme, +welche in ihren Sitten und Gebräuchen noch den reinsten nicht durch +muhamedanische Glaubenslehren veränderten Charakter zeigen. + +Innerhalb dieses gemeinsamen, am besten wohl durch das Wort +"malaisch" bezeichneten Wesens besitzen die einzelnen Stämme zahllose +Verschiedenheiten des Dialectes und der Sitten, der Kleidung, des +Charakters und Körperbaues, und in vielen Fällen lassen sich deutliche +Spuren fremder Beimischung aufzeigen, welche in einem Falle sogar +durch ein einheimisches der tagalischen Sprache angehöriges Wort +bezeichnet ist. Die _Mamanua_'s an der Ostküste Mindanao's führen +ganz das Leben der Negrito's, unterscheiden sich aber wesentlich von +ihnen durch die von den Angehörigen selbst zugegebene Vermischung +mit den malaiisch-christlichen Nachbarn. Das Wort "Mamanua" bedeutet +"Waldmensch". Als eine ähnliche gemischte Race zwischen Negern und +Tagalen gibt sich die in der Provinz Pangasinan lebende Race der +"_Baluga_'s" auf den ersten Blick zu erkennen. Hier aber zeigt +die Bedeutung des Wortes, welches nichts weiter sagen will, als +"_Mischling_", dass diese Race schon vor der Ankunft der Spanier +existirte und dass sie sich wahrscheinlich seit Beginn der malaiischen +Einwanderung zu bilden begonnen hatte. Endlich zeigen gar viele der +andern heidnischen Stämme eine deutlich zu erkennende Beimischung von +chinesischem Blut, für welche sich in einigen Fällen wenigstens auch +ein schwacher historischer Beleg auffinden lässt. + +Wir wollen uns als Beispiele zur Illustrirung dieser malaischen +Periode einige Stämme im Norden Luzon's und in Mindanao ansehen, +die ich selbst Monate lang zu beobachten Gelegenheit hatte. + +Wenngleich die im Westen der nordöstlichen Cordillere von Luzon, +nicht weit von Palanan, lebenden _Iraya_'s im Körperbau unverkennbar +malaiischen Typus zeigen, so lassen sie doch auch wieder ebenso +deutlich zweierlei verschiedene Beimischungen erkennen. Chinesisches +Blut fliesst sicherlich in den Adern eines Zweiges, welcher an dem +östlichen Arme des Rio de Ilagan, dem _Catalangan_, wohnt, von dem +sie den Namen der _Catalanganes_ erhalten haben. Die eigentlichen +Iraya's dagegen am _Ilarön_ leben gesellig mit den Negrito's der +Umgegend, verbinden sich mit ihnen und führen mit ihnen ein glückliches +harmonisches Leben. Auch mischen sich nicht selten mit ihnen sogenannte +"Cristianos remontados", christliche Bewohner der Ebenen, welche sich +vor dem strafenden Arme der Behörden in die ziemlich unzugänglichen +Berge der Iraya's geflüchtet haben. Solche Verschiedenheit der +Mischung spricht sich auch in ihren Sitten und Gewohnheiten, wie in +ihrem Charakter aus. Bei jenen, den Catalanganes, sind die Aecker, +trotz des Mangels an Büffeln und jeglichen Instrumenten zum Säen +und Erndten,--sie schneiden die Reishalme nur mit einem kleinen +Messer einzeln ab--völlig rein von Unkraut und Steinen, und der +üppig gedeihende Reis gewährt ihnen eine überreiche Erndte. Bei +den Iraya's--im engeren Sinne des Wortes--werden schon Büffel +benutzt, aber ihre Reisfelder geben ihnen wegen geringer darauf +verwandter Sorgfalt nur wenig einträgliche Erndten. Die Häuser der +Catalanganes sind meistens mit sehr dichten hohen Dächern aus Rohr +oder Gras--sogenanntem cogon--versehen, während die Iraya's die +leichter herzustellenden, aber wenig schützenden flachen Dächer aus +gespaltenen Bambusrohren vorzuziehen scheinen. Während bei jenen die +freien Plätze, um das Haus und unter demselben, auf welchen einige +kleine ihren Göttern geweihte Monumente stehen, auf das Sorgfältigste +rein gehalten werden, lassen diese allerlei Gras und Unkraut auf +ihnen wachsen und werfen wie die Tagalen bei Manila allen Kehricht +durch die Spalten des Fussbodens hinunter. In ihrer Kleidung und ihren +Zierrathen stimmen beide Stämme so ziemlich überein. Aber während die +Catalanganes als Tättowirungsmuster sowohl, wie als Ornamente für +ihre heiligen Plätze, ausschliesslich Schriftzüge anwenden, welche +mir chinesischen oder japanesischen Ursprungs zu sein schienen, +wenden die Iraya's überall nur die aus geraden oder einfachen +krummen Linien gebildeten Verzierungsmuster an, wie wir sie schon +bei den Negern gefunden haben. Als ich im Juni 1860 mit 21 Christen +von Palanan über die Cordillere gegangen war, waren wir nahe daran +inmitten der grossen in Scheunen der Catalanganes aufgespeicherten +Mengen von Reis und Mais Hunger's zu sterben; denn unsern Bitten um +Lebensmittel setzten sie beharrliche Weigerung entgegen. Ich sah mich +gezwungen, mit den Waffen in der Hand mir die Lebensmittel zu rauben, +die sie mir nicht gutwillig geben wollten, und für die ihnen dann +keine Bezahlung hoch genug zu sein schien. Nur die ernste Drohung +einer unnachsichtlich einzutreibenden Kriegssteuer brachte mir in +Minanga, von wo ich meine Leute nach Palanan zurückschicken wollte, so +viel Mais und Reis ein, dass ich Letzteren hinreichende Lebensmittel +mit auf den Weg geben konnte. Als stummen Zeugen ihres vollständigen +Mangels an Gastfreundschaft zeigten mir meine Begleiter, kurz vor der +Ankunft im Lande dieser Egoisten, mitten im Walde einen Steinhaufen, +welchen fromm geübter alter Brauch der Bewohner Palanan's zum Andenken +an einen hier vor Hunger umgekommenen Christen aufgeworfen hatte. Auf +seinem Durchmarsch durch ihr Land hatten die Catalanganes ihm auch +nicht ein Körnchen Reis für Geld oder gute Worte geben wollen. Wie +anders zeigten sich mir die wenige Meilen davon wohnenden Iraya's. Hier +machten überall die gastlichste Aufnahme, Geschenke aller Art für mich +und meine Leute, veranstaltete Feste und gern gewährte Unterstützung +beim Besteigen der Berge oder zum Rudern des Bootes das Reisen leicht +und zu einem wahren Vergnügen, so dass ich ihnen das Versprechen gab, +sie bald wieder zu besuchen, als ich durch heftiges Fieber gezwungen +wurde, ihr Land zu verlassen. Leider verhinderte mich die Entwicklung +meiner Reisepläne an der Ausführung dieses Vorhabens. + +Der Glaube beider Stämme aber hat, trotz mannichfacher Abweichungen, +doch wieder so viel des Aehnlichen, dass wir wohl sicher annehmen +dürfen, in den wenigen erkennbaren Spuren, die auch noch allen übrigen +Wilden des Landes gemeinsam sind, die Reste eines religiösen Glaubens +zu sehen, wie er in der rein malaiischen Periode vor Ankunft der +Muhamedaner dort geherrscht haben mag. Ausser einigen Götterpaaren, +über deren Beziehungen und Attribute ich nicht recht klar zu werden +vermochte, huldigen sie ganz besonders den Seelen ihrer Vorfahren, +die sie unter dem Namen "Anito" in die Reihen ihrer niedrigeren +Götter aufnehmen. Es sind Hausgötter, wahre Laren und Penaten. Hier +steht in einer Ecke des Hausinnern eine Art Topf, der an und für sich +nichts Auffallendes hätte; aber man sieht leicht, dass die Glieder der +Familie diese Ecke mit grosser Ehrfurcht behandeln. In dem Topfe hat +einer ihrer Anito's seinen Sitz. Der Platz unter dem Hause, welcher +gemeiniglich auch als Begräbnissplatz dient, ist durch verschiedene +Abzeichen anderen Anito's geheiligt, ebenso der kleine vor dem Eingang +und noch unter dem Dache, des Hauses befindliche Platz vor der Leiter, +die Hütte, in welcher die Schmieden befindlich sind, und vor Allem die +durch besondere, kleinen Häusern ähnelnde Altäre ausgezeichneten Plätze +vor dem Hause. Auch die Erndte ist ihren Anito's geheiligt, denen sie +die Erstlingsfrüchte darbringen in grossen allgemeinen Festen. Jenen +andern höherstehenden Göttern scheinen sie auf der Seite des Catalangan +einen besonderen Dienst in einem Tempel zu weihen. Leider verhinderte +mich Krankheit, den Ort, wo dieser stehen sollte, zu besuchen. + +So stehen die Iraya's mit ihrem schon ziemlich hoch ausgebildeten +Glauben und ihrem Ahnencultus, dem eifrig betriebenen Ackerbau und +dem sparsamen, für die kommende Zeit sorgenden Sinn, und der grossen +Kunstfertigkeit, die sich im Bau ihrer Häuser wie ihrer Ornamente +ausspricht, den reinen Negrito's weit überlegen gegenüber. Desshalb +auch erscheinen sie weniger abhängig von der Natur. Um ihre Reisfelder +und Tabacksplantagen vor den verheerenden Ueberschwemmungen zu +schützen, haben sie Dämme angelegt; im Flusse verfolgen sie die +grösseren Fische zwar noch mit dem Speere, aber durch Wehre wissen +sie die zu bestimmten Zeiten massenhaft auftretenden kleineren Sorten +in zahlloser Menge einzufangen, die ihnen eingesalzen für lange +Monate dienen; durch reich versorgte Vorrathshäuser bezwingen sie die +feindliche Gewalt der Heuschreckenschwärme oder der Misserndten und so +spricht sich fast in jeder kleinen Beschäftigung ihres Lebens die schon +beginnende Herrschaft des Menschen über die Naturgewalten aus. Aber +dem allmächtigen Einfluss der Jahreszeiten, des periodischen Wechsels +der Monsune mit ihrer Dürre oder ihrem Regenüberfluss gehorchen auch +sie, wie ihre Nachbarn, die frei wie das Wild herumschweifenden Neger, +und so regeln sich auch bei ihnen nicht bloss die Zeiten der Saat und +der Erndte, sondern auch die ihrer nationalen und religiösen Feste +nach dem Laufe der Sonne. + +Auf der westlichen Seite der Insel leben in der Berglandschaft, +welche man gewöhnlich als Land der _Ygorrotes_ bezeichnet, eine +Anzahl von Stämmen nebeneinander, die sich untereinander sowohl, +wie von den ebengeschilderten Iraya's in mehr als einer Beziehung +unterscheiden. Während diese, im höchsten Grad friedlich, als fleissige +Ackerbauer zu bezeichnen sind, haben jene als muthige Vertheidiger +ihres angestammten Bodens schon häufig den eindringenden Spanier +abgewehrt, und die Proselytenmacherei der christlichen Pfaffen +mit heidnischem Trotze erschwert. Ganze Districte sind in diesem +Kampfe in den letzten Jahrzehenten [8] wüst gelegt. Hier wurden Dörfer +niedergebrannt und ihre Einwohner verjagt, weil einer derselben +einem Christen das Haupt abgeschlagen hatte; dort wurden die eben +der Blattreife nahenden Tabackspflanzen auf Hunderten von Aeckern +von den Soldaten der Regierung umgehauen, um den Schmuggel mit dem +Taback auszurotten; Wasserleitungen, welche die sorgsam gesammelten +kleinen Quellen der steilen Berggehänge den terassenförmig aufgebauten +Feldern entgegenführten, wurden zerstört und überall lässt sich der +verderbliche Einfluss nachweisen, welcher vor Allem die sogenannte +Comandancia de Ygorroles auszeichnete. Seitdem die Regierung aber eine +Anzahl kleiner Provinzen aus diesem Bergdistrict gemacht und namentlich +angefangen hat, die in _Mancayan_ zum Betriebe der Kupferminen +etablirte Empresa Cantabro-filipina zu unterstützen oder wenigstens +nicht zu hindern; seitdem hat der Handel und Verkehr in diesen Gegenden +und mit ihnen auch das gegenseitige Zutrauen in erfreulichem Maase +zugenommen. Obgleich vortreffliche Ackerbauern, die den stammverwandten +Iraya's selbst noch überlegen sind, drückt ihnen doch das kriegerische +Leben einen eigenthümlich herben und wenig freundlichen Charakter auf, +den sie aber häufig durch Zuverlässigkeit und Offenheit mildern. Nie +gehen die Männer an ihre Feldarbeit, ohne mit Lanze, Schild und einem +breiten, mit Spitze versehenen Beile ausgerüstet zu sein, welches +letztere ihnen sowohl zum Erklettern der Bäume wie zum Aufspiessen der +Köpfe erschlagener Feinde dient. Selbst in ihren Häusern legen sie +selten ihre Waffen ab. Dabei sind sie, vergleichsweise gesprochen, +die industriellsten der wilden Völkerschaften des Nordens. Sie +hatten von jeher den Ruf, die trefflichsten Schmiede zu sein, und +eben das erwähnte Beil, die sogenannte "aligua" wird von ihnen +in Massen nach dem Osten und Norden hin ausgeführt. Mit grosser +Kunst wissen sie metallne Ketten zu schlingen, und die von ihnen +selbst verfertigten kleinen Thonpfeifen stehen auf einer hohen +Stufe der Vollendung. Neben diesen findet man auch häufig kleine +kupferne Pfeifen, meistens die Gestalt eines in nationaler Weise +niederhockenden Mannes nachahmend, welche in dem seit alten Zeiten +berühmten Erzgiesserorte _Buguias_ verfertigt werden. Lange vor der +christlichen Zeit schon scheinen die Ygorrotes aus der Umgegend von +Mancayan die dortigen reichen Kupferminen ausgebeutet zu haben, aus +deren durch einfache Calcinirung gewonnenen Erträgnissen sie die wegen +ihrer Reinheit weitberühmten kupfernen Kessel verfertigten. Auch das +Gold, das sie theils aus Quarzminen gewinnen, theils aus dem Sand der +Flüsse auswaschen, wissen sie zu allerlei kleinen Schmucksachen zu +verarbeiten und mit dem im Handel erhaltenen Silber zu legiren. Was +sie aber ganz besonders, sowohl vor ihren heidnischen wie auch +christlichen Stammesgenossen auszeichnet, ist ihr erfinderischer +Geist in der Construction von Vogelscheuchen, die sie auf ihren +Feldern gegen die zahlreichen Reisvögel anbringen. Hierzu benutzen +sie die Kraft der zu den Feldern herabströmenden Bergbäche, die +sie durch ein geschickt angebrachtes und dem Stosse ausweichendes, +dann aber zurückschnellendes Bambusrohr einem oft sehr complicirten +Systeme von klappernden Stöcken und sich bewegenden Tuchfetzen, +menschenähnlichen Figuren etc. mittheilen. Leider sah ich, da ich +nach beendigter Erndte in diese Gegenden kam, nur noch ein einziges +und kleines dieser Instrumente in Bewegung. + +Der etwas finstere und abentheuerliche Geist, der sich ihnen +durch solche Beschäftigungen einprägt, und der sich auch in den +übrigen Gewohnheiten des täglichen Lebens ausspricht, steht mit +der grossartigen Wildheit der sie umgebenden Natur in völliger +Harmonie. Nur dort, wo sie in den tiefsten Thälern sich des gleichen +sonnigen Klima's erfreuen, wie die christlichen Bewohner der +Ebene, schmücken sie sich mit den grellen Farben ihrer Kopftücher +oder dem reinen Weiss ihres langen Mantels, den sie um den Körper +schlagen. Wo aber in den hohen Bergthälern oder gar auf den 5-6000' +hohen Bergzügen die Bewohner im feuchten, nur Fichten, Gras und eine +gesellig lebende Farre erzeugenden Boden nach Gold wühlen oder an den +schroffsten Abhängen mit unsäglicher Mühe Felsblöcke zu einer Mauer +aufthürmen müssen, um sich einen kleinen Fleck horizontalen Landes +für ihren Reisbau zu gewinnen; da steht das vorherrschende Indigblau, +das mitunter von ursprünglich weissen Streifen unterbrochen wird, +mit dem düsteren Sinn und dem vielen Nebel der Landschaften und dem +dunkeln Grün der Fichtenwaldungen in Einklang. Nur der auch über den +höchsten Höhen schwebende philippinische Falke (Falco pondicerianus) +deutet dem Reisenden an, dass er sich im tropischen Lande befindet; +oder es grüsst ihn die 2 Zoll grosse blendend weisse Blüthe einer +Orchidee (Phalaenopteris), die sich auf hohem Fichtenzweige schaukelt, +wie eine Freundin aus sonnenhelleren Gegenden. + +Ein ganz anderes Bild wieder zeigen uns die stammverwandten heidnischen +Stämme im Osten von _Mindanao_, unter denen vor Allem die _Manobo_'s +zu nennen sind. Trotz der gleichen psychischen Eigenschaften und +obgleich sich auch bei ihnen, und ganz besonders bei den _Mandaya_'s, +eine Vermischung mit Chinesen auf den ersten Blick erkennen lässt; +ungeachtet der in ihren Grundzügen auch bei ihnen geltenden +Anito-Lehre, und der innern Verwandschaft ihrer Sprache, haben +sich doch hier eine Reihe besonderer Eigenschaften entwickelt oder +erhalten, die sich in solcher Ausbildung nicht bei den Stämmen des +Nordens nachweisen lassen. Während diese schon sesshaft geworden sind +und Jahraus Jahrein dieselben Felder bewirtschaften oder dieselben +Waffen schmieden, vereinigt hier jeder Vornehme, jeder "bagani", +die wenigen von ihm direct abhängigen Menschen um sich herum und +lebt so in 2-4 Häusern im dichtesten Walde, weit entfernt von seinen +nächsten Verwandten oder Freunden. Hoch auf Pfählen gegründet, besitzt +jedes seiner Weiber, deren Menge seinen Reichthum bestimmt, ein Haus +für sich, in welchem sie mit ihren Kindern und den ihr zugehörigen +Sclaven lebt. _Eine_ unter ihnen ist die eigentlich legitime Gattin, +die auch den anderen Befehle gibt. Diese und die Kinder des bagani, +seiner Frauen Brüder, wenn diese selbst keinen Hausstand gegründet +haben, und eine Anzahl Sclaven, welche meistentheils Kriegsgefangene +sind, müssen für den täglichen Unterhalt sorgen. Neben Taback, Mais, +Bananen, Zuckerrohr und camote bauen sie vor Allem Reis in so grosser +Menge, dass sie nicht blos für sich selbst hinreichenden Unterhalt +des Jahres, sondern auch noch Ueberschuss zum Handel gewinnen. Als +ich im August 1864 bei dem "bagani" Adipan im Westen des Sumpfgebietes +des Agusan mehrere Wochen gelebt hatte, konnte er mir doch noch, als +ich abreiste, auf Monate dauernden Reisvorrath käuflich überlassen, +ohne dass in seinen Reisschuppen eine Abnahme des Vorrathes zu +bemerken gewesen wäre. Wenige Tage darauf begegneten mir auf meiner +Fahrt den Fluss hinunter eine grosse Anzahl Böte von Butuan, dessen +christliche Einwohner alle in's Land der Manobo's zogen, um sich für +das nächste halbe Jahr zu verproviantiren. Mehr als einmal schon haben +die Manobo's mit ihrem Ueberfluss an Reis die christlichen Nachbarn +vor dem Hungertode retten müssen. + +Die nicht sesshafte Lebensweise dieser Manobo's liegt nun theilweise +in der Art ihres Ackerbaues begründet. Die geringe Dichtigkeit der +Bevölkerung im Verein mit der erstaunlichen Fruchtbarkeit des Landes +gestattet ihnen, der Neigung zur Isolirung zu folgen und zwingt +sie weder zur künstlichen Herstellung von Feldern und Bewässerung +derselben, noch zu sesshafter Lebensweise. Vielmehr ziehen sie es vor, +mit geringerer Arbeit bald hier und bald da ihre Aussaat zu machen, +die ihnen dann von dem überreichen Boden mehr als hundertfältig +wiedergegeben wird. Das System, das sie dabei befolgen, ist für viele +andere heidnische Malaienstämme charakteristisch und wird auch noch +von manchen christlichen Bewohnern der Philippinen geübt. Es besteht +wesentlich in der primitivsten Bearbeitung des Bodens. Die grossen +Waldbäume sowie das Unterholz werden umgehauen und dann, nach gehörigem +Austrocknen durch die Sonnenwärme abgebrannt. Zwischen die Asche und +die nur sehr flüchtig aufgewühlte Erde werden nun bald die einzelnen +Reispflanzen in Büscheln ausgepflanzt oder auch selbst der Reis direct +ausgesät. Manche der Körner oder Pflanzen gehen dabei natürlich zu +Grunde; aber der Reis, der aufgeht und zur Reife kommt, gibt ihnen +in diesen bevorzugten Gegenden nach mehreren an verschiedenen Orten +vorgenommenen Zählungen das 250fache Korn. In wenig Jahren erschöpft +sich dann der Boden dieses sogenannten "cainin", da sie weder +Dünger einführen, noch mit den angebauten Früchten wechseln. Dann +ziehen sie weiter, lassen sich auf dem ersten günstig aussehenden +Platz nieder und beginnen die Arbeit des Umhauens und Säens von +Neuem. Ihre Vorrathshäuser bauen sie auf Pfählen mitten in ihren +Feldern. Es ist dieses System der "cainines" auch unter den Christen +überall dort üblich, wo der dünngesäten Bevölkerung noch unbeschränkte +Bodenfläche zum Anbau zur Verfügung steht; wo aber die Einwohner sich +dichter drängen, da werden sie durch die Nothwendigkeit zu einem mehr +sesshaften Leben und geregelterer Ausnützung derselben Grundstücke +gezwungen. Es unterscheiden sich hierin die Christen durchaus nicht +von ihren heidnischen Stammverwandten. + +Was aber die Manobo's ganz besonders auszeichnet vor allen übrigen, +mir aus eigener Anschauung bekannten philippinischen Stämmen, ist die +Form ihres religiösen Aberglaubens. Auch sie huldigen im Wesentlichen +dem gleichen Anitodienste, wie die Ygorrotes und Iraya's des Nordens; +aber es tritt dieser Ahnencultus hier mehr in den Hintergrund gegen den +Dienst, den sie anderen Göttern weihen. So halten sie den Donner für +die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abentheuerlichen +Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in +die Bäume einschlägt, so soll das Thier nach ihrer Meinung mitunter +einen seiner Zähne darin stecken lassen. Es sind alte, einer früheren +Periode angehörige Steinbeile, die in ihrer Gestalt manchen der +in unsern europäischen Pfahlbauten gefundenen ähnlich sehen, und +die mitunter von ihnen in Bäumen oder in der Erde steckend entdeckt +werden. Auch das Krokodil wird von ihnen heilig gehalten, Krankheiten +und Unglücksfälle aller Art personificiren sie; aber der wichtigste +ihrer Götter nächst dem "Diuata" (= Anito) der Erndtefeste ist ihr +Kriegsgott, der "tagbusau" [9]. Wenn in der Gegend des Sumpfgebietes +des Agusan, um welches herum sich die verschiedenen Familien der +Manobo's drängen, im October die Erndte begonnen hat, so fangen die +Männer an, ihre Lanzen und Schilde, die Dolche und kurzen Schwerter +zu putzen und zu schleifen und wenn dann die Erndte beendigt ist, +und der Talisman ihres Kriegsgottes ihnen günstigen Ausgang für den +Kriegszug angesagt hat, so schleichen sie in kleinen Trupps unter +Anführung ihres "bagani", welcher zugleich der Priester des Gottes ist +und dessen Talisman in den Kampf tragen muss, in heimlicher Weise nach +der Wohnung ihrer Feinde. Gelingt es ihnen diese frühmorgens noch im +Schlafe, oder sonst im Walde zu überraschen, so wird Jeder Erwachsene +niedergemacht, die Kinder und Weiber als Sclaven davongeführt. Selten +nur kommt es dabei zum offnen Einzelkampfe und dies fällt immer dem +anführenden bagani zu, da er als Muthigster seinem Volke voran zu +gehen und als Priester seinem Gotte ein Opfer zu bringen hat. Ist +der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er ein +heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche +die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals +hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die +Leber heraus und verzehrt ein Stück davon, als Zeichen, dass er nun +seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird +es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht, +aber auch die Pflicht des fürstlichen Priester's. Immer liegt ihren +Kriegen irgend ein persönliches Motiv zu Grunde. Meist aber nimmt die +Befriedigung ihrer Rachsucht einen anderen, nicht religiösen Charakter +an. Einzeln lauern sie auf Wegen dem Feinde auf, dessen Bewegungen +sie wochenlang ausgekundschaftet haben, und stechen ihn von sicherem +Versteck aus mit ihren langschaftigen Speeren nieder. Die Schädel +ihrer getödteten Feinde bringen sie dann im Triumphe nach Haus, aber +sie hängen sie nicht, wie es viele heidnische Stämme in Luzon thun, +in und vor ihren Häusern als Wahrzeichen ihrer Tapferkeit auf. Von den +Sclaven aber, die sie heimführen, sind immer einige dem Kriegsgotte +oder dem Gotte ihrer Krankheiten geweiht. Durch den heiligen Dolch oder +das Schwert wird ihnen, am Rande der für sie gegrabenen Grube stehend, +mit wenigen sicheren Streichen das Leben genommen. Die anderen Sclaven, +Verwandte oder Freunde des Opfers, müssen das Grab mit Erde füllen. + +So stehen die Manobo's mit einigen anderen nahe verwandten Stämmen den +Ygorrotes und Iraya's als religiöse Fanatiker gegenüber, bei deren +Götterdienst Menschenopfer und Cannibalismus eine hervorragende +Rolle spielen. Und zwischen diesen drei, annähernd die Extreme +rein malaiischen Culturzustandes repräsentirenden Völkern fanden +sich wahrscheinlich alle möglichen Verschiedenheiten der Race, die +den Dialectverschiedenheiten parallel gingen. Die älteren spanischen +Autoren [10] erwähnen als ein auffallendes, nachher aber rasch +vergessenes Factum, dass die Negrito's alle nur eine einzige +gleichmässige Sprache sprechen, während die braunen Bewohner der +verschiedenen Inseln, obgleich sicherlich alle demselben Stamme +angehörig, sich doch durch die grosse Zahl ihrer verschiedenen Dialecte +unterscheiden sollten. Nur in einigen wenigen, allerdings aber +wesentlich charakteristischen Zügen, stimmten sie alle überein. Einmal +waren sie alle nach dem Zeugniss derselben spanischen Schriftsteller +Ackerbauer und cultivirten den Reis in solcher Menge, dass er schon bei +Ankunft der Spanier [11] einen Handelsartikel bildete. Manche der +Stämme mochten damals schon sesshaft geworden sein und den Ackerbau in +solcher Vollkommenheit getrieben haben, wie es jetzt die Ygorrotes +thun. Dann lebten sie alle in einzelne Clan's getheilt, deren jeder +einem Fürsten, einem "bagani", unterthan war. Obgleich die Spanier in +ihren Beschreibungen mit dem Worte König (rey) ziemlich freigebig +waren, so zeigt das oft gebrauchte Wort "reyezuelo", ein kleiner König, +und noch mehr die oft gegebene Erläuterung hierzu, dass die Macht +dieser Könige nur in den seltensten Fällen über das nächste Gebiet des +Dorfes hinausgriff. Der Anfang einer Staatenbildung scheint nur an den +wenigen Puncten gemacht worden zu sein, an denen kurz vor Ankunft der +Spanier die von Borneo und Ternate kommenden Muhamedaner sich +niedergelassen hatten.--Alle Civilstreitigkeiten wurden nach alter +Gewohnheit von dem Fürsten, der seine Stellung theils durch Rang, +besonders aber durch persönliche Tapferkeit bewahren musste, im Rathe +mit den Aeltesten des Dorfes geschlichtet. Endlich entwickelte sich +durch die Sitte der Vornehmen, sich unter den im Kriege geraubten +Sclavinnen ihre Concubinen zu wählen, im Laufe der Zeit, wie sich die +wenigen Häuser einer Familie zu einem Dorfe vergrösserten, die Classe +der Freien oder der "Timava's". Kinder derselben, oder auch ihre +Verwandten, die eine Zeit lang als Sclaven gedient hatten, wurden frei +gelassen, und diese Classe der Freien stellte sich zwischen diejenige +der Vornehmen, welche sich durch ihre Heirathen möglichst rein zu +erhalten suchten, und die der Sclaven, welche immer gewärtig sein +mussten, dem Kriegsgotte geopfert oder als Sühne für begangenes Unrecht +verkauft zu werden. So war der sociale Zustand der Bewohner der +Philippinen, als die Muhamedaner und die Spanier von zwei verschiedenen +Seiten her ihre Religion im Land einzuführen versuchten. + + + + + +V. + +Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode. + + +Die malaiische Race hatte sich längst über alle hinterindischen +und philippinischen Inseln ausgebreitet, ehe es den handeltreibenden +Bekennern des Islam, den Arabern, gelang, ihrem Glauben unter einzelnen +Stämmen derselben Eingang zu verschaffen. In dem ungefähr 1252 (von +den aus Singapore vertriebenen Malaien) gegründeten heidnischen Staat +Malacca bekehrte sich der Sultan Muhammed Shah 1276 zum Islam und +erwarb durch die Ausbreitung des neuen Glaubens grossen Ruhm während +seiner langjährigen Regierung. Mehr als ein Jahrhundert später, +im Jahre 1391, machten ein Fremder, Raja Charmen, und ein Araber, +Maulana Ibrahim, einen unglücklichen Versuch die Javanesen zum Islam +zu bekehren. Obgleich schon ein ähnliches Unternehmen 1328 erwähnt +wird, und die Einwanderung muhamedanischer Kaufleute vom Westen gewiss +schon lange vorher begonnen hatte, so scheiterten doch diese ersten +Versuche weniger an dem Gegensatz zwischen dem in Java herrschenden +buddhistischen Glauben und Mohamed's Religion, als an der Macht der +buddhistischen Staaten selbst. Erst als Raden Patah, ein Muhamedaner +aus königlichem Geblüt und mit Talent und ehrgeizigem Sinn begabt, +seine Glaubensgenossen um sich versammelt und durch Intriguen und den +Glanz seines Namens eine mächtige Partei gebildet hatte, gelang es ihm +nach der Zerstörung (1478) des bis dahin mächtigsten Reiches von Java, +des weitberühmten Majapahit, auch seinen Glauben zu dem herrschenden +des Landes zu machen. Früher schon waren Muhamedaner weit nach +Osten bis nach Ternate hin vorgedrungen und hatten hier, wie überall +neben dem Handel mit Gewürznelken und anderen ähnlichen Produkten des +Landes, auch die Bekehrung der Eingebornen betrieben. Auch hier fanden +sie einen blühenden Staat vor. Ursprünglich von Gilolo aus (1250) +colonisirt, hatte bald Ternate durch seinen Reichthum an Gewürzen +und seine günstige Lage für den Handel in den Molucken eine solche +Anziehungskraft gewonnen, dass Einwanderungen von Javanesen, Malaien +und Arabern in kurzen Zwischenräumen aufeinander folgten. Solche +Zuzüge werden aus den Jahren 1304, 1322, 1347, 1358 erwähnt. Dadurch +gewann allmälig dieser kleine Staat eine solche Macht, dass er in +der 1322 gebildeten Conföderation der 4 Könige der Molucken schon +im Jahre 1377 den bedeutendsten Rang einnahm. Dem König von Ternate +waren damals bereits die Xulla-Inseln, sowie auch Gilolo unterthan; +am Ende des 15. Jahrhunderts vereinigte Zainalabdin auch noch Boeroe, +Ceram und Amboina unter seinem Scepter. Als dann dieser Fürst 1495 zum +Islam übertrat, ward es nun den zahlreich eintreffenden muhamedanischen +Einwanderern von Java unter Anführung des Javanesen Husen leicht, +auch das Volk selbst zu bekehren, so dass auch hier schon bei der +Ankunft der Portugiesen die muhamedanische Religion herrschte. So +wussten sich überall die Islamiten die Gunst der Landesfürsten zu +gewinnen, durch deren Einfluss dann ihre Religion auch beim Volke +eingeführt wurde. Weiter nach Norden hin verlieren sich die Spuren +des Islam mehr und mehr. Als die Portugiesen 1512 in Celebes ankamen, +fanden sie hier nur noch wenige Bekenner dieser Religion vor; erst +ein Jahrhundert später zwangen die Macassaren auch die Bewohner +der übrigen Staaten dieser Insel, den muhamedanischen Glauben +anzunehmen. Ein gewisser Einfluss des Islam zeigt sich auch noch auf +den Philippinen, wo es allein den muselmännischen Fürsten gelang, +Reiche zu bilden, deren Macht sich weiterhin als auf den Umkreis der +nächsten Dörfer erstreckte. Als die Spanier im 16. Jahrhundert die +Philippinen eroberten, fanden sie ihren stärksten Widersacher in dem +Sultan von Manila, dessen Macht sich ziemlich weit über die Provinzen +des Centrum's von Luzon erstreckte; und die Sultane von Buhayen, +Mindanao und Joló haben bis auf den heutigen Tag ihre Unabhängigkeit +gegen die Eroberungszüge der Spanier zu bewahren gewusst. + +Zum Theil lag gewiss die Schnelligkeit, mit welcher sich +die Mohamedaner solche Erfolge zu erringen verstanden, in dem +richtigen Tact begründet, mit welchem die vereinzelten Missionäre +die Vorschriften ihrer Religion den bestehenden socialen Zuständen +anzupassen wussten. Die natürliche Grausamkeit und Rachsucht der +früheren Heiden wurde in religiösen Fanatismus umgewandelt; die +vorgeschriebenen Waschungen fanden leicht Eingang in einem heissen +Lande, dessen Bewohner so schon halb im Wasser lebten; und das +ursprüngliche unabhängige Clan-Wesen wurde mit grossem Geschick in +eine von einer Centralgewalt abhängige Conföderation der einzelnen +Fürsten übergeführt. Hören wir, was hierüber der Padre Gainza sagt: +"Sie (die Muhamedaner) führten einige religiöse Gebräuche ein, nahmen +dafür ihre Sprache und manche ihrer Sitten an, verheiratheten sich +mit ihren Weibern, verschafften sich Sclaven, um ihre persönliche +Wichtigkeit zu erhöhen, und gelangten endlich dazu, sich mit der +vornehmen Classe der "Dato's" zu amalgamiren. Da sie mit grösserem +Geschick und grösserer Eintracht als die Eingebornen arbeiteten, +erhöhten sie allmälig, wie jene im Besitze zahlreicher Sclaven, mehr +und mehr ihre Macht, bildeten unter sich eine Art Bund und errichteten +eine Art Monarchie, die sie in einer Familie erblich erklärten. Aus +der Zahl der Mitglieder dieser Familie erwählten die Dato's ihren +Sultan. Und als sie bald das Missliche eines solchen Systemes +erkannten, beschlossen sie noch bei Lebzeiten des Sultan's zwei +Nachfolger zu erwählen, deren einer den Titel "Raja-Muda", der andere +den des "Guata-Mansa" erhielt. Obgleich nun solcher Bund ihnen grosse +Macht gab, so sahen sie sich doch genöthigt, mit den alten Datto's auf +Friedensfuss stehen zu bleiben, und den sogenannten "Taos-Marayaos" +ihre Freiheit zu lassen, deren Unterstützung sie nicht entbehren +konnten. So behielten diese ihre vollständige persönliche Freiheit +und die völlig freie Verfügung über ihre Sclaven, die sogenannten +"Sacop"....... So entstand endlich eine Conföderation, welche nur +schwach mit der höchsten Autorität in Verbindung steht, eine Art +aristocratischer Republik, deren Chef unter dem Titel eines Sultan's +erwählt wird, und deren Bürger natürlich sehr an ihrer persönlichen +Unabhängigkeit hängen und zu Streit und Zank beständig geneigt sind." + +Dass in der That der muhamedanisch religiöse Charakter dieser Staaten +ursprünglich wenig ausgeprägt war, beweist das Verhältniss, in welchem +sie zu den ersten christlichen Eroberern, den Portugiesen sowohl wie +den Spaniern, standen. Antonio de Britto wurde in dem muhamedanischen +Ternate 1521 auf die freundlichste Weise aufgenommen, und als er und +seine Nachfolger durch ihre grausame Behandlung der Bewohner allmälig +einen Bund der malaiischen Fürsten hervorgerufen hatten und die +Portugiesen sich schon nahe daran sahen, ihre Festung dem andrängenden +Feinde übergeben zu müssen, da rettete Antonio Galvan 1636 zuerst seine +Landsleute von einer sicheren Niederlage. Im Laufe weniger Jahre aber +wusste dieser Mann nicht bloss den Bund der Fürsten aufzulösen, sondern +sich auch unter den Mohamedanern so beliebt zu machen, dass sie ihm die +Krone anboten. Durch ihn wurde das Christenthum rasch auf den Molucken +und in Celebes eingeführt. Auch die spanischen Geschichtsschreiber [1] +bemerken ausdrücklich, dass sie mit den "Moro's" von Manila in +freundschaftlichem Handelsverkehr gestanden hätten. Legapsi bediente +sich 1565 in seinem Verkehre mit Tupas, dem Fürsten von Cebú, eines +Mohamedaner's von Borneo mit Namen "Cid-Hamal". Es sprach sich nirgends +ein scharfer religiöser Gegensatz aus; vielmehr bildete sich dieser +erst allmälig im Laufe der Zeiten, als die neu angekommenen Eroberer +auch die Oberherrschaft über die schon bestehenden mohamedanischen +Staaten zu beanspruchen anfingen. Gegenseitig belästigten sie sich nun, +so viel sie konnten, mit Raubzügen und Niederbrennen der Ortschaften, +und auch die Spanier verfolgten eine Art und Weise der Kriegführung, +welche ganz dem dortigen Boden entwachsen zu sein schien. Hier, +wie überall, trat das persönliche Interesse oder die Bequemlichkeit +hindernd in den Weg. Lassen wir hier den Padre Zuñiga [2] sprechen: +"Diejenigen, welche gingen, um sie (die Moro's) zu unterjochen, +verfolgten andere Ziele, als die ersten Eroberer. Diese strebten +nur nach einer "encomienda", einem Lehen, das ihnen genug zu leben +gab. Aber seitdem der Handel von Manila so gewinnbringend geworden, +suchte man in kurzer Zeit grossen Reichthum zu häufen, so dass +diejenigen, welche solche Expeditionen unternehmen, nur an ihren +Erwerb denken und an die Rückkehr nach Manila, um dort möglichst +ihren Handel vermehren zu können." Die unterjochten Feinde wurden von +beiden Parteien als Sclaven davongeführt, die eingenommenen Dörfer +geplündert und nachher verbrannt. Allmälig erst bildete sich auch +der religiöse Fanatismus aus. Die unter dem Namen "amok" in allen +malaiischen Ländern bekannten Wuthanfälle, nehmen in den Grenzgebieten +der Christen und Muhamedaner, in Zamboanga und Basilan immer einen +religiösen Charakter an; obgleich ihr Hass gegen die Christen sich +meistens nur gegen die Spanier richtet. In Jolo selbst sind die +Engländer gern gesehene Gäste, da sie ihnen europäische Waffen und +Pulver bringen, die sie sehr im Kampfe gegen die "cachila's"--so +heissen die Spanier hier--benöthigen. Dem Reisenden fallen überall, +namentlich aber im Süden, die meistens hoch auf Pfählen gebauten, +sogenannten "atalaya's" auf, an deren Seite gewöhnlich ein Telegraph +steht. Es sind dies Wachtthürme, welche von Dorf zu Dorf die Nachricht +weitertragen, wenn sich irgendwo eine Flotille der leichten Fahrzeuge +aus Joló, der sogenannten "panco's", gezeigt hat. Selten aber leisten +die einzelnen Dörfer sich Hülfe, jedes vertheidigt sich, so gut es +kann; die Regierungsböte liegen im sichern Hafen, und erhalten die +Nachricht meistens so spät, dass es ihnen selten gelingt, die Moro's +noch auf ihrem Zuge zu treffen. Haben diese einige Raubzüge glücklich +beendet, so beschliesst die spanische Regierung in Manila einen +Zug zur Ausrottung der Piraten. Es wird hier oder dort eine Festung +in Joló, Tavi-tavi oder in Mindanao eingenommen und zerstört, dann +zieht man froh über den errungenen Sieg heim und im nächsten Jahre +beginnen die Moro's abermals ihre Raubzüge. So wird dieser kleine +Krieg ferner dauern, wie er bisher schon Jahrhunderte gedauert, wenn +nicht die Spanier die von Moro's bewohnten Inseln faktisch in Besitz +nehmen oder durch grössere Wachsamkeit, als sie bisher entwickelten, +die Piratenzüge derselben nach andern Richtungen ablenken. + +Während die _muhamedanischen_ Sendlinge zur Ausbreitung ihres Glaubens +nur auf sich und die Macht ihres Wortes angewiesen, dies hauptsächlich +durch den Einfluss zu erringen suchten, den sie auf die Fürsten und +Vornehmen des Landes gewonnen, so zeigt sich bei der Einführung des +_Christenthum_'s durch die Spanier die auffallende Erscheinung, dass +gewisse Einrichtungen in der Organisation ihrer Eroberungszüge die +günstigsten Mittel waren, um die erstaunlich raschen Erfolge ihrer +Unternehmungen hervorzubringen. + +Die berühmte Demarcationslinie den Jahres 1493, welche die Erde in eine +spanische und eine portugiesische Hälfte theilen sollte, hatte jeder +Nation die Richtung ihrer Entdeckungsreisen vorgezeichnet. Während +die Portugiesen, dem Wege Vasco de Gama's folgend, von Westen her +in Malacca 1511, auf den Molucken 1512 anlangten, kamen ihnen die +Spanier, welche von Magellan's unglücklicher Expedition (1519-1521) +übrig geblieben waren, von Osten her entgegen. Auch die zweite +Expedition von Loaisa (1525-1526) und die dritte von Saavedra (1528) +nahmen ein unglückliches Ende, und immer trafen die Spanier auf +den Molucken mit ihren alten Feinden, den Portugiesen zusammen, +welchen sie gerne den Besitz dieser kostbaren Inseln streitig +gemacht hätten. Sie gründeten ihre Ansprüche an diese Inseln auf die +Verlegung des ersten Meridian's von Ferro nach Terceira, wodurch +die Portugiesen Brasilien gewannen, und wodurch die Gewürzinseln +nach Magellan's Meinung mit in die spanische Erdhälfte hineingezogen +worden waren. Dem kleinen zwischen den spanischen und portugiesischen +Abenteurern entbrannten Krieg auf Ternate und den umliegenden Inseln +wäre fast ein grösserer Kampf im Mutterlande gefolgt. Als aber Carl +V. 1539 einen Tractat mit Portugal schloss, wonach er alle seine +Ansprüche auf die Molucken für 350,000 Ducaten an die Krone Portugal +verkaufte, war der spanischen Eroberungslust im fernen Osten ein neuer +Weg vorgezeichnet. Während die früheren Expeditionen zur Eroberung der +_Molucken_ bestimmt waren, sollte nun Villalobos die _Philippinen_ +unter spanische Herrschaft zwingen und durch die ihn begleitenden +Augustinermönche den Eingebornen den christlichen Glauben bringen. Aber +auch diese Unternehmung verunglückte gänzlich. Glücklicher als Carl +war Philipp II., welcher 1564 eine Expedition unter Legaspi auslaufen +liess. Diesem schloss sich als Mönch der Augustiner Padre Urdaneta an, +ein kühner und gelehrter Seemann, der, unter Loaisa Capitain eines der +Schiffe, bereits die Philippinen aus eigner Anschauung kennen gelernt +hatte. Noch wichtiger als dieser Priester war dem Befehlshaber sein +eigner Neffe, Don Juan Salcedo; denn seiner rastlosen Thätigkeit und +grosser Thatkraft allein verdankte diese Expedition ihren glücklichen, +überraschend schnellen Erfolg. Am 27. April ankerten die Schiffe +in Cebú, bald darauf waren Panay, Leyte, Masbate, Bohol und andere +Inseln--die Islas de los Pintados--entdeckt und eingenommen und am +5. Mai 1571 schon wurde Manila zur Hauptstadt der neugewonnenen Inseln +erklärt und in Besitz genommen. Die Missionäre breiteten sich [3], durch +Soldaten unterstützt, über die Visaya's aus und Juan de Salcedo nahm es +auf sich, den Norden Luzon's der Krone Spanien zu unterwerfen. Wenige +Tage nach dem plötzlichen Tode Legaspi's am 20. August 1572 kam er +in Manila wieder an von einer Reise, die ihn rings um den Norden +Luzon's herumgeführt und auf welcher er die Mehrzahl der Bewohner +sich unterworfen hatte. Einige Jahre später waren bereits die +Augustinermönche über den ganzen Norden verbreitet. So waren in +weniger als 10 Jahren die Mehrzahl der philippinischen Inseln der +spanischen Krone unterworfen, schon 1570 wurde der erste Tribut [4] von +den Einwohnern von Mindanao erhoben und wenn auch seitdem mehrfache +Empörungen gegen die neue Ordnung versucht wurden, so brachen doch bald +derartige Unternehmungen der Eingebornen unter der Macht der Spanier +wieder zusammen. Mit den Augustinern theilten sich die bald nachher +ankommenden Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner in die Aufgabe, +den zahlreichen neuen Christen die gewünschten Priester zu geben und +durch die Missionen den christlichen Glauben auch unter die Stämme +des Innern zu tragen. + +Der Handel, welcher nach einigen Autoren schon lange vor der +christlich-spanischen Zeit zwischen China, Japan, den Philippinen +und Borneo getrieben worden war, nahm rasch in bedeutendem Maasse +zu. Im Anfang des Jahres 1572 schon kam eine Flotille aus China an, +welche den handeltreibenden Soldaten eine reiche Ladung Seidenzeuge, +Porzellan und andere Erzeugnisse chinesischer Industrie brachte, und +in wenig Jahren war Manila der Mittelpunkt für den Handel Spanien's +mit dem Orient geworden. + +Es war der Anfang des 17. Jahrhunderts fast die blühendste Zeit +des Handels von Acapulco. Dieser Periode verdankt Manila ihren +hochtrabenden Namen der "Perle des Orients". + +Ein ganz anderes Bild liefert uns die Geschichte der Eroberung der +Molucken durch die Portugiesen. Trotzdem sie 1511 unter Antonio +de Abreu und Francisco Serrano die freundlichste Aufnahme in +Amboina und Celebes finden, und sie aus den zwischen Tidor und +Ternate angestifteten Kriegen als Sieger hervorgehen, folgen sich +ununterbrochen Empörungen der einheimischen Fürsten und Streitigkeiten +dieser oder selbst der Portugiesen untereinander. 1531 sehen sie sich +sogar gänzlich auf ihre Festung in Ternate beschränkt, die durch +das Heer der verbündeten Könige der Molucken durch Jahre hindurch +belagert wird. Antonio Galvan befreit seine Landsleute, schlägt die +Fürsten in Tidore, und schliesst mit ihnen Frieden. Ihm gelingt es +bald durch freundliche Behandlung der Eingebornen und Schonung der +angestammten Fürsten, die er vorher hat seine Macht fühlen lassen, +sich eine solche Popularität zu erwerben, dass ihm bald nachher +die Krone sämmtlicher Molucken angeboten wird. Nun wird ihm das +Gouvernement dieser Inseln genommen, und die nachfolgenden Gouverneure +beginnen von Neuem das alte Spiel der Intriguen und kleinen Kriege, +bis endlich 1581 Baber, König von Ternate, die portugiesische Festung +einnimmt und der Fremdherrschaft ein Ende macht. Dann folgen einige +vergebliche Versuche der Spanier, sich die Molucken zu unterwerfen, +bis es endlich im Anfang des 17. Jahrhunderts den Holländern gelingt, +die mit den einheimischen Fürsten abgeschlossenen Verträge gegen die +Spanier siegreich zu vertheidigen und die Portugiesen auf Timor und +Solor einzuschränken. + +Hier ist die Episode des Antonio Galvan besonders lehrreich. Sie +zeigt, dass es bei Verfolgung einer humanen Politik und Schonung +der Landessitten den Portugiesen hatte leicht werden müssen, ihrer +Herrschaft über die Molucken grössere Sicherheit und längere Dauer +zu geben, als es wirklich der Fall war. Den Spaniern trat auf den +Philippinen allerdings nie eine so geschlossene Macht gegenüber, +wie den Portugiesen auf den Molucken im dortigen Fürstenbund, +so dass es ihnen leichter werden musste, die einzelnen gänzlich +von einander unabhängigen Clan's von Luzon und den Visaya's sich +zu unterwerfen. Aber die Geschichtsbücher des Landes bewahren uns +mehrere Fälle von Empörungen auf, welche zeigen, dass durch die +allgemeine Sehnsucht nach Befreiung vom spanischen Joche mitunter eine +Vereinigung der sonst getrennt lebenden Stämme zu Stande kam, deren +Macht allerdings derjenigen der Spanier nie gewachsen war. Gerade die +ersten Jahrzehente der Eroberung sind aber verhältnissmässig frei +von solchen Empörungen. So mochte wohl die geringe Macht, welcher +sich die Spanier in ihren Zügen bald in diesem, bald in jenem Dorfe +gegenübersahen, der Mangel aller gemeinsamen Opposition gegen die +Fremden mit eine der Hauptursachen gewesen sein, welche den Spaniern +das Spiel erleichterten; aber doch würde wohl kaum der Eroberung so +schnell die Ausbreitung des Christenthums und eine vergleichsweise +lange ruhige Periode des Handels gefolgt sein, wenn nicht noch andere +Momente, ausser der geringen Thatkraft und politischen Zersplitterung +der Eingebornen, mit wirksam gewesen wären. + +Hierüber gibt uns die Organisation der früheren Expeditionen einigen +Aufschluss. Der Befehlshaber der Expedition erhielt mit dem Titel +"Adelantado" auch die allerausgedehntesten Vollmachten und die +Autorität als General-Gouverneur aller der Länder, welche er im +Namen des Königs erobern würde. Es wurde ihm gestattet, Waaren +im Werth von 1000 Ducaten einzuschiffen und ebenso wurde ihm ein +gewisser Prozentsatz vom Einkommen der Inseln zugesichert. Von ihm +hing aber vor Allem die Ernennung der sogenannten "Encomendero's" +ab. Unter "encomienda" verstanden die Spanier ein Lehen, welches an +Land und Leuten den bei der Eroberung besonders sich auszeichnenden +Soldaten gegeben wurde. Der von ihnen erhobene Tribut, von welchem +sie einen gewissen Theil an die Regierung abgeben mussten, sollte zum +Unterhalt ihres Lebens dienen. So wurde z. B. dem Juan de Salcedo nach +der schon erwähnten Entdeckungsreise zuerst Camarines, nachher aber +die Provinz Ylocos als solches Lehen gegeben. Anfänglich herrschten +sie hier, im Besitz der Macht, unumschränkt über Land und Leute, +die sich leicht dem Eroberer unterwarfen; denn in der That war für +sie nur der Name ihres Fürsten, nicht aber ihr Verhältniss zu diesem +geändert. Ueberall wo Salcedo zuerst hinkam in Luzon, wie in Panay und +Mindoro, musste er erst mit den Einwohnern um die Herrschaft kämpfen; +und wenn diese sich durch eine blutige Niederlage von der grösseren +Macht der Spanier überzeugt hatten, so unterwarfen sie sich ziemlich +willig dem Joche des Lehnsherren, welcher lediglich an die Stelle +des früheren einheimischen Fürsten getreten war. Statt der früheren +"baganis" oder "Datto's" hatten sie nun spanische Capitaine sowohl +als Anführer im Kriege, wie auch als Herren [5], denen sie Gehorsam +und Tribut schuldig waren. Sonst aber wurde die sociale Ordnung nicht +im Mindesten verändert. Lange Zeit hindurch wurden die im Kriege +gemachten Gefangenen auch von diesen christlichen Lehensherren als +Sclaven, als "sacopes" behandelt, deren Arbeit und Körper ihnen +gänzlich angehörte. Aus dieser Classe der Sclaven bildete sich +allmälig die tributzahlende niedrige Bevölkerung aus, während die +Classe der Freien als sogenannte "cabeza's de barangay" von jeher +gänzlich frei von der Pflicht des Tributzahlens war. Die Dattos +aber oder die ursprünglichen Vornehmen erhielten die Ehrenämter des +Dorfes, welche wie jene Freien gänzlich von allem Tribute und allen +Zwangsarbeiten befreit wurden. Der Lehnsherr hatte die Macht, welche +die Eingebornen als erstes Requisit für ihre Datto's verlangten, und +die ihm unterworfenen Vornehmen befriedigten leicht ihren Ehrgeiz +in der bevorzugten Stellung, welche sie im Dorfe einnahmen, da sie +nie gewohnt gewesen waren, über die natürlichen Grenzen desselben +hinaus zu greifen. Da die Sclaven oder Tributantes von jeher sich +selbst als Eigenthum ihrer Herren zu betrachten pflegten, so liessen +sie sich gerne den verhältnissmässig geringen Tribut von etwa 4 +fl. jährlich gefallen, den sie in Silber oder in Landesprodukten +bezahlen mussten. Manche harte Bedrückung selbst mochte ihnen von +Seiten dieser neuen Herren erträglich scheinen. Bald aber gingen die +Erpressungen der meisten Lehnsherren so weit, dass sich das Volk gegen +sie auflehnte, und zu gleicher Zeit gewannen die zur Ausbreitung der +christlichen Religion angekommenen Geistlichen verschiedener Orden +einen solchen Einfluss auf Philipp's Regierung, dass ihnen im Streite +gegen jene grosse Prärogativen gegeben wurden. Mit der Vermehrung der +Dörfer ging die wiederholte Sendung eifriger Missionaire Hand in Hand, +so dass die Oberen der Mönchsorden sich bald im Stande sahen, jedem +grösseren Dorf einen eignen Seelenhirten zu geben. Indem diese nun im +Streite des Tribut zahlenden Volkes sich immer gegen die Lehnsherrn +und die aus diesen hervorgegangenen Gouverneure aussprachen, erlangten +sie bald in den einzelnen Dörfern dieselbe Stellung, welche vor ihnen +der Lehnsherr, noch früher aber der "Datto" eingenommen hatte. Auch +hinter ihnen stand immer die militairische Macht der Regierung, um +deren Politik sich der Eingeborne wenig kümmerte, deren Strenge aber +manches Dorf kennen lernte, wenn es sich gegen die zu harte Bedrückung +von Seiten seiner neuen Herren in Kutte und Talar auflehnte. Auch die +altgewohnte rein persönliche Seite des Verkehres zwischen dem Herrn +und Diener fehlte nicht. Den Bau eines Conventes oder einer Kirche, +oder selbst jede im Dorfe vorgenommene Arbeit sahen die Bewohner +wie einen persönlich dem Priester geleisteten Dienst an; und sie +arbeiteten willig für ihn, da der Glanz, welcher sich durch die Zahl +seiner Diener, die Pracht seiner Wohnung und seiner Messgewänder, +den Luxus seiner Gelage über ihr Dorf verbreitete, ihren Ehrgeiz +vollständig befriedigte. Nicht selten sind die Fälle, in denen ein +Priester seinen "sacopes" im Kampf wirklich voranging. Wie früher den +"bagani" im kriegerischen Kleide, so liessen sich nun die Bewohner den +"Datto" im farbigen Messgewand gerne gefallen. So wurde, unbewusst +oder bewusst, jedenfalls in glücklicher Weise das alte einheimische +Clanwesen der Heiden zur Basis der jetzt herrschenden christlichen +bürgerlichen Ordnung gemacht. + + + + + +VI. + +Die neueste christliche Zeit. + + +Es blieb also das einheimische Clanwesen die Grundlage der +neuen socialen Ordnung. Durch die Zwischenstufe der europäischen +Priesterclasse, die sich rasch über alle Dörfer verbreitete, und +deren einzelne Mitglieder an die Stelle der früheren heidnischen +Fürsten--der bagani's oder reyezuelo's--getreten waren, wurde das +eines gemeinsamen natürlichen Bandes bis dahin entbehrende Leben +der Bewohner in sehr künstlicher Weise mit dem fremden Staate +verknüpft. Während in dem Verhältniss der unteren, die eigentliche +Bevölkerung bildenden Classen zu einander keine oder nur eine sehr +unbedeutende Veränderung eintrat, blieb die Beziehung zwischen den +Gouverneuren des Landes und ihren Untergebenen eine so lockere, +der ganze Schematismus der Verwaltung der Colonie dem einheimischen +Verstande so unverständlich und fremd, dass sich dabei kein allgemein +verbreiteter würdiger Bürgersinn ausbilden konnte. Es war dies aus +verschiedenen Gründen unmöglich. Nach unten hin bekümmerten sich der +militairische Gouverneur und der juristische Alcalde gar nicht weiter +um das Volk, weil ihnen einestheils die Grenzen ihrer Thätigkeit +von Spanien aus zu eng gezogen waren und sie andererseits sich in +ihrem Verkehr mit den Bewohnern bis in die neueste Zeit hinein immer +der Mönche bedienen mussten. Diese aber suchten gegen die Angriffe +von oben her vor Allem ihre Gerechtsame, theils die persönlichen der +Priester des Dorfes, theils die des Mönchsordens, dem sie angehörten, +zu vertheidigen; während sie gegen ihre Pfarrkinder fast allein +die doppelte Pflicht zu haben glaubten, sie in ihren Streitigkeiten +mit den weltlichen Behörden so viel als möglich zu schützen und sie +ausser in der Doctrin allenfalls noch im Schreiben und im Lesen der +von der Kirche gestatteten Bücher zu unterrichten. Auf der anderen +Seite wurde es nie einem Eingebornen gestattet, sich über die Classe +der niedrigsten Civilbeamten emporzuschwingen. Nur ungerne bedienten +sich die Oberen der Mönchsorden der einheimischen Priester, und es +gehört zu den seltensten Ausnahmen, wenn sich ein dem Clero secular +angehörender _Eingeborner_ bedeutenden Einfluss erringen konnte. Alle +höheren Beamtenstellen der Militär- wie Civil-Verwaltung wurden von +Spanien aus mit Spaniern besetzt. Häufig wurden zu Gouverneuren und den +höchsten Beamten der Colonie politisch missliebige Personen genommen, +deren sich die Regierung in Madrid zeitweilig entledigen [1] wollte, +häufiger noch sah man in den Stellen Sinecuren, welche zur Belohnung +treuer Diener geschaffen und vertheilt wurden. Die Habsucht der +Beamten förderte man, anstatt sie zu hindern, indem man ihnen früher +einen Antheil an dem Monopol des Handels von Acapulco, später in den +Provinzen die Erlaubniss gab, auf eigne Rechnung Handel treiben zu +dürfen. Diese Erlaubniss war für manche Gouverneure gleichbedeutend +mit dem Monopol des Handels in ihrer Provinz. So spiegelt sich +denn natürlich in dem Wechsel, welchen die spanische Verwaltung des +Landes im Laufe der Zeit erfahren hat, immer nur der Umschwung in +der öffentlichen Meinung des Mutterlandes wieder. Die spanischen +Revolutionen des neunzehnten Jahrhunderts blieben dagegen gänzlich +ohne Einfluss auf die Stimmung der Bewohner der Philippinen; wohl aber +zeigt sich überall, wenigstens im materiellen Leben derselben, ein +mehr oder weniger direkter Einfluss der Eroberer auf die unterworfenen +Stämme. Wir wollen einige der hervorragendsten Aeusserungen dieser +Einwirkung hier näher untersuchen. + +Im ersten Anfang der Eroberung liess man die 3 Classen der malaiischen +Periode ziemlich unverändert bestehen. Doch vertauschte man die Namen, +und als man die für jene Gegenden sehr complicirte Zusammensetzung +der Localbehörden spanischer Städte einführte, musste nothwendiger +Weise auch eine allmälige Verschiebung in der socialen Stellung der +Bewohner erfolgen. Die Sclaven wurden nun tributzahlende Bauern, +deren Name--sacop--an manchen Orten der Visaya's noch heutigen +Tages unter den Christen gebräuchlich ist. Den Freien oder den +tao-marayao's gab man gewisse untere Aemter im Dorfe, und zugleich +damit die Befreiung vom Tribute und die Vornehmen, die reyezuelo's +mit ihren nächsten Verwandten oder die Datto's erhielten die höheren +Stellen der localen Verwaltung. Noch heutigen Tages werden die +bagani's unter den der Regierung unterworfenen Manobo's von Mindanao +ausgezeichnet durch die Verleihung des Stockes, welcher ihre Würde als +"gobernadorcillo"--d. i. kleiner Gouverneur--bezeichnet. Ursprünglich +mochten wohl alle solche Aemter im Dorfe--deren specielle Aufzählung +hier unnöthig erscheint--ausschliesslich erblich gewesen sein. Als +nun hauptsächlich durch die Pfarrer der Dörfer veranlasst, die +Bewohner, statt sich von einander zu trennen, wie früher üblich, nun +sich immer mehr um ihren geistlichen Anführer drängten, die Kinder +der Mitglieder der verschiedenen Classen bei ihren Eltern im Dorf +blieben: da konnten nicht mehr jene scharfen Grenzen eingehalten +werden, welche anfänglich die Kasten von einander trennten. Die +Zahl der unter einem sogenannten "cabeza de barangay" [2]--Haupt eines +barangay--vereinigten tributpflichtigen Bewohner nahm rasch zu, so +dass bald diese aus der Classe der Freien hervorgegangenen Beamten +45-50 Familien unter ihre Aufsicht bekamen, mehr als vorher der +bagani desselben Dorfes Unterthanen je gehabt hatte. Es waren diese +cabeza's de barangay die früher erwähnten "taos-marayaos". Ihre +Frauen und Erstgebornen waren vom Tribute befreit. Aber ihre übrigen +Kinder zahlten Tribut, und es traten diese dadurch unwillkührlich +in eine tiefere Classe, die der "Tributantes" zurück, welche ja +aus derjenigen der "sacopes" hervorgegangen war. So wurde die +letztere Classe durch die innige Verschmelzung mit den Söhnen der +Freigelassenen etwas in ihrer socialen Stellung gehoben, während diese +von ihren früheren Vorrechten einbüssten. Zugleich aber wurde das +Amt, einem "barangay" vorzustehen--ihr hauptsächlichstes Geschäft +besteht in dem Eintreiben der Tribute, für welche sie persönlich +verantwortlich sind--wenigstens in manchen Provinzen ein Wahlamt; so +dass noch heutigen Tages durch Erbschaftsrecht und durch Wahl ernannte +cabezas de barangay nebeneinander existiren. Und ebenso wurden die +"gobernadorcillos", ursprünglich gewiss erbliche Aemter, nun mit +den übrigen, die sogenannte "principalia"--d. h. Aristokratie--des +Dorfes bildenden Beamten, den Tenientes, alguaziles, jueces etc., +Ehrenämter, zu deren Besetzung alljährlich eine Wahl vorgenommen +wird. Der hierbei beobachtete Wahlmodus ist kurz folgender. Der +abtretende Gobernadorcillo und 12 durch das Loos bestimmte Einwohner, +welche zur Hälfte der Zahl der abgetretenen "gobernadorcillos" und +"cabezas", zur Hälfte derjenigen der activen "cabezas" entnommen +werden, sind die Wähler, welche nun aus ihrer Mitte nach absoluter +Majorität den neuen Beamten zu wählen haben. Obgleich von den +Priestern ein directer Einfluss bei diesen Wahlen ebensowenig, wie +den Gouverneuren der Provinzen gestattet war, so musste es doch dem im +Dorfe selbst lebenden und mit allen Heimlichkeiten des Familienlebens +seiner Pfarrkinder wohl vertrauten Pfarrer ein Leichtes werden, +auch bei diesen Wahlen einen weitgehenden Einfluss zu erringen; +während der militairische Gouverneur oder der Alcalde selten nur +in persönliche Beziehungen zu ihren Untergebenen treten und auf +sie einwirken konnten. So musste natürlich der locale Einfluss der +Priester ein sehr viel grösserer sein, und dies um so mehr, als sie +fast ausschliesslich im Besitze des Dialectes der Provinz waren, die +Gouverneure dagegen sich der Dollmetscher bedienen mussten, selbst im +Verkehre mit den Gobernadorcillos, welche trotz der Einführung der +spanischen Sprache als Amtssprache doch nur selten des Spanischen +mächtig waren. Vielleicht mögen sogar die Priester, in richtiger +Erkenntniss ihrer Stellung, die Ausbreitung ihrer Muttersprache +absichtlich so viel als möglich verhindert haben. + +Wenngleich nun auf diese Weise, und dann vor Allem durch die noch näher +zu besprechende Mischlingsrace der Mestizen, eine nicht unbedeutende +Veränderung in der socialen Ordnung der Bewohner einzelner Dörfer +hervorgebracht wurde, so blieb doch das einheimische Clanwesen im +Wesentlichen unverändert. Noch heutigen Tages gelten im Verkehr +der Bewohner untereinander eine Menge alter aus der heidnischen +Epoche überkommener Gebräuche--unter denen wir hier nur die Sitte +hervorheben wollen, dass der Mann, um sich seine Frau zu erwerben, +eine Zeitlang der Familie seiner Geliebten Dienste thun muss. Vor +Allem aber blieb das Verhältniss der einzelnen Ortschaften zu einander +gänzlich unverändert. Kein gemeinsames Band der Selbstverwaltung oder +gleichartiger politischer Interessen vereinigte sie untereinander und +wenn sie dem überkommenen Hass gegeneinander nicht mehr, wie früher +unter der Herrschaft der baganis, durch Kriege Ausdruck zu geben +versuchten, so hielt sie davon gewiss nicht Friedensliebe oder das +Gefühl der Stammesverwandtschaft zurück, sondern nur ihre Feigheit +und die Ueberzeugung, dass hinter den zum Frieden ermahnenden Pfarrern +schliesslich doch die gefürchtete Macht der spanischen Waffen stand. Wo +die Dörfer sich dem Arme der höchsten Autorität entrückt wähnten, wurde +das alte Spiel des kleinen Krieges fortgeführt. So haben die Bewohner +der beiden auf der Insel Siargao bei Surigao liegenden Dörfer Dapa und +Cabuntug noch in der Mitte dieses Jahrhunderts offene Fehde miteinander +geführt und noch heutigen Tages besuchen sie sich gegenseitig nur +ungerne, weil sie Vergiftung durch ihre alten Feinde fürchten. Nur +im Norden Luzon's und auf den Visaya's etwa in jenen Provinzen, in +denen eine starke Mestizenbevölkerung gefunden wird, wie in Iloilo, +hat sich ein gewisser Provinz-Patriotismus ausgebildet, der in den +früher nicht seltenen Reibereien zwischen den aus verschiedenen +Provinzen genommenen Soldaten eines Regimentes seinen Ausdruck +fand. Keine gemeinsamen politischen Volksinteressen verbinden die +Colonie mit dem, nur uneigentlich sogenannten Mutterlande. + +Ebensowenig wie in der politischen Sphäre hat der christliche Spanier +sonst in geistiger Beziehung grossen Einfluss auf den Charakter der +Bewohner zu gewinnen gewusst. Der Volksunterricht lag von jeher und +liegt auch jetzt noch, in den Provinzen sowohl wie in der Metropole, +gänzlich in den Händen der Priester. Mit Ausnahme der Professoren für +Völkerrecht und römisches Recht sind alle Lehrstühle der Universität +von Santo Tomas in Manila in Händen der Priester, welche natürlich +nicht blos die theologischen Vorträge, sondern auch die über +Metaphysik, Physik und Logik nach den Grundsätzen der katholischen +Kirche einrichten müssen. In den Provinzen hat jedes Dorf allerdings +seine öffentliche Schule, in welcher der Unterricht obligatorisch +ist; aber ausser Lesen und Schreiben wird hier nur noch geistlicher +Gesang und die christliche Doctrin gelehrt. Dieser Unterricht aber +geschieht noch lange nicht überall in spanischer Sprache; wenigstens +ist die allgemeine Einführung derselben als Schulsprache noch so +neuen Datum's, dass es noch lange dauern mag, bis sich überall der +spanische Beamte selbst mit seinen nächsten Untergebenen wird in +Spanisch unterhalten können. An der Ostküste Mindanao's, einer der +ältesten und ergebensten Provinzen, wurde noch vor 40-50 Jahren nur der +einheimische Dialect gesprochen, und die Priester bedienten sich hier +sogar, wie man sagt, in ihrem officiellen Verkehr bis in den Anfang +des 19. Jahrhunderts hinein der alten malaiischen Buchstaben. Die Zahl +derjenigen Eingebornen--die Spanier nennen sie immer Indier--welche +lesen und schreiben können, soll ziemlich gross sein; aber bei der +vollständigen Unzuverlässigkeit aller statistischen Angaben lässt +sich hierüber nichts Sicheres behaupten. Im Jahre 1863 versuchte die +spanische Regierung eine allgemeine Zählung der Kopfzahl mit Umgehung +des bisher üblichen Systems der Tributzählung vorzunehmen, wobei auch +angegeben werden sollte, wie viele des Lesens und Schreibens kundig +wären. Das Factum, dass die Regierung niemals die Resultate dieser +Zählung veröffentlichte, scheint für die damals oft gehörte Meinung +zu sprechen, dass die ungeheuerlichsten Resultate herauskommen +würden. Die überraschende Leichtigkeit endlich, mit welcher sich +das Christenthum gleich im Anfang der Eroberung über die Inseln +ausbreitete, lässt erwarten, dass es nur wie ein passendes Gewand +die alten religiösen Gebräuche [3] deckte, und sich theilweise wohl gar +mit ihnen amalgamirte. Ehrliche Mönche hört man noch jetzt darüber +klagen, dass dieselben Menschen heute in die Kirche gehen, um zu +ihrem christlichen Gotte zu beten und morgen ihrem heidnischen Götzen, +dem Diuata oder dem Anito bei der Aussaat oder der Erndte ihre Opfer +bringen. An einzelnen Orten scheint sogar ein Rückfall in die alten +heidnischen Zeiten stattgefunden zu haben. Es existirt in dem Archiv +des Gouvernements von Cayan, Provinz Lepanto, im Nordwesten von Luzon, +ein Document, aus welchem, wenn es überhaupt echt ist, hervorgeht, +dass die Bewohner des Districts vor dem Jahre 1700 bereits zum grössten +Theil Christen gewesen sind. Jetzt sind sie alle wieder Heiden. In der +reichen Familie des Ygorroten Lacampa wird der Titel "Maestre de Campo" +geführt, welcher einem ihrer christlichen Vorfahren im Anfang des +18. Jahrhunderts gegeben wurde; jetzt ist die ganze Familie heidnisch. + +So scheint weder in politischer noch religiöser Beziehung ein tiefer +geistiger Zusammenhang zwischen den Eingebornen und ihren Herren aus +Spanien hergestellt zu sein. Sie beugten sich willig vor der fremden +starken Macht, deren staatliche Organisation ihnen aufgedrungen wurde; +und die dennoch vorhandene grosse Sympathie zwischen den Eroberern +und den Unterjochten beruht auf der absichtlich oder unabsichtlich +geübten Schonung der lokalen Eigenthümlichkeiten, der Leichtigkeit, +mit welcher sich der katholische Cultus dem bestehenden Glauben +anpassen liess, dem regen persönlichen Verkehr zwischen ihnen und +wohl vor Allem auf der allmäligen Entwickelung eines sicheren und +jedem Einzelnen greifbare Vortheile gewährenden Handels. + +Die Entwickelungsgeschichte des philippinischen commerciellen Verkehr's +ist in mehr als einer Beziehung interessant und lehrreich. + +Schon bei der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert scheinen die +Bewohner der Inseln einen ziemlich lebhaften Handel [4], namentlich +mit China, getrieben zu haben. Ausser den gewöhnlichsten Producten +chinesischer Industrie waren es besonders Seide und die noch heutigen +Tages in Borneo so beliebten grossen irdenen Gefässe, welche sie im +Tausch gegen Reis, Gold und Trepang erhielten. Leider fehlen alle +bestimmteren Angaben über diesen Verkehr, so dass nicht zu sagen ist, +wie weit sich derselbe erstreckt haben mag; doch lässt sich aus der +ungemein raschen Entwickelung des Verkehrs und Handels in Manila +in den ersten 10 Jahren von Legaspi's Ankunft an wohl schliessen, +dass auch schon früher wenigstens nach China und Japan hin ein +bedeutender Handel stattgefunden haben muss. Einer der ältesten +philippinischen Historiographen, der P. Chirino, welcher seine +Geschichte der philippinischen Inseln 1604 in Rom herausgab, +war voll der Bewunderung über die von allen Seiten nach Manila +herbeiströmenden Nationen des Ostens. Die Chinesen brachten nun, +um das Silber der Spanier, die "Reales de à quatro, i de a ocho" zu +erhalten, ihre Seidenzeuge und Gefässe; zahlreiche gewerbtreibende +Männer kamen hinüber und arbeiteten für so geringen Lohn, dass damals +z. B. die von chinesischen Schustern gemachten Stiefel nur 2 Realen = +1 Gulden kosteten und ihrer Billigkeit wegen als Handelsartikel nach +Mexiko geführt wurden. Von Indien, Malacca, den Molucken erhielten +die Manilesen männliche und weibliche Sclaven, die sich trefflich +zu allen häuslichen Geschäften brauchen liessen, ferner die Gewürze, +kostbare Steine, Elfenbein, Teppiche und Perlen. Japan endlich sandte +Mehl, Weizen, Silber, Metalle, Salpeter und Waffen "und viele andere +Merkwürdigkeiten: was Alles den Menschen das Bewohnen dieses Landes +bequem und begehrenswerth gemacht hat und noch macht: und in der That +ist es ein anderes Tirus gleich dem von Ezechiel so gepriesenen." + +Dieser Ausspruch des glaubwürdigen Jesuiten zeigt wohl besser als +eine lange Aufzählung die Bedeutung, welche schon im Jahre 1604, +also nur 33 Jahre nach der Landung Legaspi's in Cebú, der Handel +von Manila für den Gesammtverkehr der Nationen gewonnen hatte. Noch +waren China so wenig wie Japan mit den Völkern des Westens in direkte +Verbindung getreten. Der portugiesischen Eroberung von Malacca und +den Molucken waren beständige Unruhen und Kriege, keine den Handel +ermunternde Periode der Ruhe gefolgt. Im Jahre 1611 erst langte der +erste holländische Gouverneur in Bantam an, von wo aus seit 1602 +ein ziemlich lebhafter Handel mit den Engländern in Achin eröffnet +worden war. Dagegen hatte Manila schon seit 1512 fast völliger Ruhe +genossen--mit einziger Ausnahme des Ueberfalls durch den chinesischen +Piraten Limahon. Der schöne, gegen den Nord-Ost-Monsun vollständig +geschützte Hafen, die günstige Lage gegenüber China, Japan und den +hinterindischen Inseln und vor Allem die direkten, durch die sogenannte +Nao oder die Silberflotte vermittelten Beziehungen zu Neu-Spanien +machten die Hauptstadt der Philippinen rasch zu dem Ausfuhrhafen jener +östlichen Länder. Nur äusserst gering war der ursprüngliche Antheil, +welchen die Provinzen von Luzon oder der Visaya's an jenem Handel +nahmen. So war Manila fast bis in den Anfang unseres Jahrhunderts +hinein ein Stapelplatz für die östlichen Producte, welche hier gegen +das von Mexiko eingeführte Silber eingetauscht wurden. + +Schon die ersten Expeditionen, welche Carl V. ausgesendet hatte, +fassten auch den Handel mit den neu zu entdeckenden Ländern in's Auge; +wie sie selbst ja ursprünglich aus dem Wunsche entsprungen waren, +die kostbaren Producte der Gewürzinseln, welche bis dahin nur auf dem +Wege über Indien und Arabien ihren Weg nach Europa gefunden hatten, +auf direktem Weg nach Spanien zu bringen und dadurch den Handel mit +diesen zu monopolisiren. Alle höheren Officiere dieser Expeditionen +hatten einen gewissen Antheil an der Befrachtung des Schiffes, und +ebenso wurde ihnen eine bestimmte Tantième von dem Gewinn des Handels +zugesichert, zu welchem die Regierung das ausschliessliche Recht +zu haben glaubte. Was vielleicht ursprünglich nur eine vom Könige +ergebenen Dienern geschenkte Gunst war, wurde nun bald ein Recht der +Einzelnen, und so entstand allmälig die Form des Handelsverkehrs, +wie er bis zum Jahre 1733 durch die Nao von Acapulco vermittelt +wurde. Aller socialer Verkehr zwischen den Philippinen und Spanien +fand, der durch die Demarcations-Linie gezogenen Richtung folgend, +bis dahin über Acapulco statt, und alle Civilbeamten wie Soldaten und +Priester, welche von hier aus mit der Nao alljährlich im Januar sich +nach Manila hin einschifften, hatten ihren durch besondere Gesetze +bestimmten Antheil an der Befrachtung des Schiffes, welches gewöhnlich +im Juli Manila verliess. Der Gehalt dieser Schiffe war durchschnittlich +1200-1500 Tonnen. Die Regierung befrachtete wohl immer den grössten +Theil des Schiffes; was sie übrig liess, wurde in Theile getheilt, +welche den Beamten, den in Manila ansässigen Wittwen derselben und den +Clerigo's, d. h. den Weltgeistlichen gegeben wurden mit dem Rechte, +ihren Theil frei von Kosten zu laden. Da aber diese Leute selten nur im +Besitze hinreichender Capitalien waren, um auf eigene Rechnung Handel +treiben zu können, so verkauften sie die Scheine, die sogenannten +"boleta's", an die eigentlichen in Manila ansässigen Kaufleute oder +Gesellschaften um einen mitunter recht hohen Preis. Die von Acapulco +zurückkehrende Nao brachte dann ausser dem durchschnittlich etwa 2 +Millionen Dollars betragenden Baarvorrath den Soldaten und Priestern +noch Cochenille, Weine und Süssigkeiten aus Spanien. Fast das ganze +17. Jahrhundert hindurch scheint der Handel in dieser Weise geführt +worden zu sein. Zu den natürlichen Schwierigkeiten eines solchen +Systemes kam nun bald auch die Rivalität von Cadix und Sevilla, deren +Ausfuhr europäischer Industrieproducte nach America hin sehr durch +die Concurrenz mit den chinesischen Seidenzeugen und Baumwollenwaaren +vermindert worden war. Drückende Bestimmungen hinderten noch mehr die +Entwickelung des Handels von Manila, als es so schon der Zwang that, +alle Speculationen auf eine Karte, die glückliche Fahrt der Nao von +Acapulco zu setzen. Bald auch drängte die zunehmende Wichtigkeit des +holländischen und englischen Handels zum Aufsuchen eines direkteren +Weges, besonders, weil allmälig auch die Landesproducte namentlich +Zucker, Indigo und Baumwolle zu Ausfuhrartikeln wurden: und so entstand +im Jahre 1733 [5] die Real Compañia de Filipinas, welche das Privilegium +des Handels zwischen Spanien, den östlich vom Cap der guten Hoffnung +liegenden Ländern und Manila auf 25 Jahre erhielt. Das Capital dieser +Gesellschaft, welcher der Handel mit Amerika untersagt war, betrug +4 Millionen Dollars. Als dann 1785 die Gesellschaft von Caracas ihr +Ende erreichte durch Erlöschen ihres Monopoles wurden diese und die +philippinische Gesellschaft unter dem alten Namen "Real Compañia +de Filipinas" vereinigt, welche nun einen mehr und mehr zunehmenden +direkten Handel nach Spanien mit einem Capital von 8 Millionen Dollars +trieb. Auch ihr blieb der Handel nach Acapulco untersagt. Das 1788 von +Manila auslaufende Schiff "La Concepcion" hatte ausser chinesischen +Stoffen Indigo, Baumwolle und Sibucao an Bord, 1789 wurden in drei +Schiffen von Landesproducten ausgeführt: Indigo 45,825 lbs., Sibucao +3550 lbs., Baumwolle 29 Ballen, Zucker 1200 lbs., Perlmutterschalen +12,740 lbs., Wachs 1000 lbs. und einige andere Sachen mehr. Mehr und +mehr gerieth nun der Handel von Acapulco in Verfall. Ohne ganz mit den +alten Traditionen der monopolisirenden Schutzzollpolitik zu brechen, +sah sich doch im Anfang dieses Jahrhunderts die spanische Regierung +genöthigt, sowohl den Fremden Theilnahme am Handel der Compania +de Filipinas zu gestatten, als den Hafen von Manila den fremden +Schiffen zu öffnen. Schon 1789 war nichtspanischen Schiffen der +Import europäischer Waaren für einen Zeitraum von 3 Jahren gestattet +worden. 1809 wurde das erste englische Haus in Manila etablirt, 1814 +das Niederlassungsrecht allen Fremden gegeben. Und als nun endlich +durch die Abtrennung der amerikanischen Besitzungen vom Mutterlande +der Handel von Acapulco seinen Todesstoss erhielt, zugleich aber +auch die Menge der neuen englischen Häfen an der östlich-asiatischen +Küste von Singapore nach Shanghai hinauf geöffnet wurden, welche +den Verkehr zwischen den zwei grössten handeltreibenden Nationen +der Erde direkt vermittelten; da verlor Manila seine Anziehungskraft +als Stapelplatz für die asiatischen Waaren gänzlich. Was in früheren +Zeiten vielleicht für die ganze Colonie ein grosses Unglück gewesen +wäre, konnte jetzt nur segensreiche Erfolge haben; denn nun wurde die +hauptsächlich von den Fremden entwickelte Energie im Handel der nächste +Anlass zur raschen Ausbildung der natürlichen in dem überreichen Boden +dieser Inseln liegenden Hülfsquellen des Landes selbst. Auch fanden +sich die Bewohner der Provinzen zur Steigerung ihrer Thätigkeit +hinreichend vorbereitet. Langes Zusammenleben mit den Europäern, +mit denen sie sich theilweise zu Mischlingsracen verbunden hatten, +und der allerdings oft unterbrochene Verkehr mit den Chinesen, diesen +Engländern des Ostens, hatte den Eingebornen allmälig grössere +Bedürfnisse eingeimpft, als sie im Anfang gehabt hatten. Der +grosse Luxus im Bau der europäischen Häuser, die Pracht, welche +die einzelnen Dorfschaften bei ihren festlichen Aufzügen und in der +Kirche zu entfalten suchten, die immer mehr zunehmende Neigung zu +prächtigen Gewändern und glänzendem Schmuck--alle diese und noch +manche andere Ursachen steigerten die Bedürfnisse der Bewohner +und erhöhten allmälig auch wohl ihre Arbeitskraft. Auf der andern +Seite hatten von jeher die Regierung oder vielmehr die einzelnen +Beamten des Landes die Thätigkeit ihrer Untergebenen künstlich zu +erhöhen versucht. Ein jeder tributpflichtige männliche Bewohner wurde +gezwungen, alljährlich 40 Tage im Dienste der Regierung zu opfern; es +wurden diese sogenannten "polistas" zum Bau der öffentlichen Strassen +und Brücken, der Tribunale und andern Regierungsgebäude verwendet. Der +Bau des Tabacks und Handel mit demselben, ursprünglich gänzlich frei, +wurde 1782 Monopol der Regierung, die die Anpflanzung desselben in +einigen Provinzen untersagte, in anderen dagegen mit solchem Eifer +betrieb, dass den Bewohnern dieser Provinzen fast zu gar keiner +anderen Beschäftigung mehr Zeit blieb. Trotz des scheinbar Gehässigen +solcher Zwangsmassregeln haben doch diese Tabacksprovinzen sich zu +grossem Reichthum emporgeschwungen, der sich namentlich in ihren +oft mit europäischem Luxus ausgestatteten Tribunalen [6] zu erkennen +gibt. Bis vor nicht gar langer Zeit war es noch den Gouverneuren und +den Alcalden der Provinzen gestattet, Handel zu treiben. Wenn auch +diese Erlaubniss, verbunden mit der politischen Macht, welche in +ihre Hände gelegt war, sie häufig zu weitgetriebenem Missbrauch der +Arbeit der Eingebornen verleitet haben mag; so kann doch wohl kaum +der Nachtheil den nothwendig damit verbundenen Vortheil überwogen +haben. Gegen allzu starke und allzu lang fortgesetzte Bedrückung +standen den Eingebornen immer die Priester als Widersacher jener +Beamten zur Seite. Ohne das persönliche Interesse aber, welches den +Gouverneuren durch den zu erwartenden Profit an der Entwickelung des +Ackerbaues und des Handels gegeben war, würden sie sich schwerlich +viel um die private Thätigkeit der Einwohner gekümmert haben; +ja es ist anzunehmen, dass sie Alles gethan haben würden, um die +Priester in ihren commerciellen Unternehmungen zu hindern, wodurch +sie dann indirekt auch wieder die mit den Mönchen in Verbindung +stehenden Bewohner mehr oder minder geschädigt hätten. Die durch +die politische Stellung der Mönche und der Beamten leicht erzeugte +Uneinigkeit endigte nun auf dem commerciellen Gebiete häufig in einem +Compromiss, aus welchem beiden Theilen ein sicherer Verdienst erwuchs, +während andererseits die Bewohner von der geistlichen wie weltlichen +Localbehörde zu immer grösserer Thätigkeit angespornt wurden. Es +war also wenigstens im Anfang der Occupation diese den Lehnsherren +zuerst und nachher den Gouverneuren gegebene Erlaubniss sicherlich +ein wichtiges Mittel zur Vermehrung des nationalen Reichthums. Als +nun endlich bei mehr und mehr zunehmender christlicher Bevölkerung +das freie und zum Ackerbau vorwiegend günstige Land der Ebenen und +Thäler immer seltener wurde und zugleich der Werth des schon in Besitz +genommenen Landes immer höher stieg, konnten nun die Eingebornen +nicht mehr das frühere, wie es scheint, allgemein übliche System der +"cainines" anwenden; vielmehr mussten sie nun das alljährlich mit +Reis bepflanzte Feld besser bearbeiten, als es bei jenem System nöthig +gewesen war, oder bei der Ausnutzung ihrer Zuckerplantagen europäische +Maschinen einführen, um durch gesteigerten Verdienst den wachsenden +Lebensbedürfnissen genügen zu können. Nun kam die mächtige Anregung, +welche durch die Einwanderung nichtspanischer Europäer gegeben wurde, +nicht mehr unzeitgemäss. Dass es in der That wohl zum grössten Theil +der Einfluss der Kaufleute angelsächsischer Race war, welchem das +rasche Wachsen der Ausfuhr einheimischer Producte zu verdanken ist, +geht unwiderleglich aus folgenden Zahlen hervor. Im Jahre 1810, also +ein Jahr nach Etablirung des ersten englischen Hauses, betrug die +Ausfuhr nur 500,000 Dollars, die Einfuhr dagegen 900,000 Dollars. Im +Jahre 1841 betrug der Gesammtumsatz über 5 1/2 Millionen Dollars und +in demselben Jahre schon hatten englische und amerikanische Häuser +mehr als 55 Prozent des Handels in Händen. In diesem Jahr überstieg +die Ausfuhr die Einfuhr schon um nahe 1 1/2 Millionen Dollars. 1863 +betrug der Gesammthandel schon mehr als 16 Millionen Dollars, der +Export fast 9 Millionen. Jetzt ist die Zeit eines gesunden Handels +gekommen. Zwar mögen immer noch monopolistische Neigungen oder +schutzzöllnerische Vorurtheile der Spanier dem fremden d. h. nicht +spanischen Handel allerlei Hindernisse in den Weg zu legen versuchen, +und so den Verkehr auf einer niedrigeren Stufe erhalten, als vielleicht +nach den im Boden vergrabenen Reichthümern des Landes zu erwarten +wäre. Aber es sind doch endlich die Philippinen ganz und voll in +die Reihe der producirenden und damit auch consumirenden Länder +getreten. Nun erscheinen Manila--und mit ihr die anderen seit einigen +Jahren geöffneten Häfen--nicht mehr als Entrepotplätze für einen +nur durch zufällige Umstände oder künstlich dem Handel aufgedrängte +Richtungen hervorgerufenen Austausch der Waaren fremder Nationen; +sondern als die natürlichen Ausfuhrhäfen eines von der Natur auf's +Reichste ausgestatteten Landes. + +Aber es würde das Bild, welches wir so von dem Einfluss der Spanier +und der modernen Zeit zu entwerfen gesucht haben, wesentlich +unvollständig bleiben, ja vielleicht sogar seines auffallendsten +Lichtes--oder Schattens?--entbehren, wollten wir hier nicht auch noch +einer Einwirkung gedenken, bei welcher sich geistige wie materielle +Momente vereinigten, um ein gemeinsames Resultat zu erzielen. Wir +meinen die theils durch die Spanier, theils durch die Chinesen +hervorgebrachten Mischlingsracen. Schon in den ersten Jahren der +Occupation fanden Heirathen zwischen Spaniern und Frauen von Cebú und +Manila statt. Zahlreiche Beamte--Soldaten wie Civilbeamte--liessen +sich im Laufe der Jahre hauptsächlich in Manila nieder. Durch ihre +Heirathen untereinander und mit den Eingebornen entstand theils die +Classe der sogenannten Hijo's del Pais, den von 2 ganz spanischen +Eltern stammenden Kindern ungemischten Blutes, und die eigentlichen +Mestizen, in deren Gesichtszügen die meist tagalische Mutter immer +einige Spuren ihrer Race zurückliess. Zahlreicher aber und an manchen +Orten auch durch ihre grosse Strebsamkeit wichtiger sind die aus der +Vermischung der Malaien und Chinesen hervorgegangenen Mischlinge, +die sogenannten Mestizos de Sangley, welche unter dem Einflusse der +aus Europa eingeführten Cultur und angetrieben durch die ihnen von +väterlicher Seite her mitgegebene Rührigkeit bald einen Einfluss im +commerciellen Verkehr des Landes erlangten, der dem der spanischen +Mestizen gewiss völlig gleichsteht. Leider ist aus den alljährlich +in Manila publicirten Zählungen nicht zu sehen, wie viele spanische +Mestizen dort leben, und ebenso leidet gewiss auch jede Angabe über die +Menge der chinesischen Mestizen an demselben Mangel, wie er überhaupt +dem dort geübten System der Zählung nach Tributos anklebt. Nach dem in +der "Guia de forasteros" für 1864 publicirten Census würden sich in +den 3 Provinzen Manila, Cavite und Pampanga fast 45,000 chinesische +Mestizen befinden, gegen eine einheimische Bevölkerung von etwa +226,000 tributpflichtigen Individuen. Es lässt sich hieraus schon +der grosse Einfluss entnehmen, den jene thätige und intelligente Race +auf den Verkehr sowohl wie auf den Geist des Volkes üben muss; noch +bezeichnender aber ist in der ersten Richtung wohl das Factum, dass +das grösste Bankgeschäft in Manila, das Haus Tuason, einen Chinesen +zum Begründer hatte und auch bis jetzt immer in den Händen seiner +Kinder und Kindeskinder geblieben ist, die er mit einer Tagalin oder +Mestizin erzeugt hatte. Alle diese Mischlinge zeichnet aber nicht blos +die grössere körperliche Rührigkeit, das Bedürfniss nach Ansammlung von +Reichthum, grössere und edlere Genussfähigkeit aus, als sie den rein +malaiischen indolenten Eingebornen eigen zu sein pflegen; sondern +auch in intellectueller Beziehung stehen sie weit über ihnen. Es +dürfte schwer sein, in dieser Classe Individuen zu finden, welche +nicht des Lesens und Schreibens kundig wären. Das ihnen innewohnende +Bedürfniss nach höherer geistiger Ausbildung spricht sich in den von +Tag zu Tag sich mehrenden Reisen nach Europa aus, wohin selbst häufig +schon die Kinder in zartem Alter geschickt werden, um sich so viel als +möglich europäische Sprachen und Bildung anzueignen. Neben dem, für +den Reisenden wohlthuenden Gefühl höherer Selbstachtung, als sie die +Tagalen oder Visaya's zur Schau tragen, hat sich endlich auch bei ihnen +das Bewusstsein, einem Stamme anzugehören, entwickelt, so dass eine +schwache Spur politischen Lebens--soweit solches überhaupt in dieser +ganz von Spanien aus regierten Colonie möglich ist--sich wenigstens +in dem Interesse ausspricht, mit welchem die intelligenteren Mestizen +des Landes an der Ausbildung mancher gemeinnütziger Institutionen des +Landes und ganz besonders der Hauptstadt theilnehmen. Ja, es scheint, +als ob das Bedürfniss nach grösserer politischer Selbständigkeit und +nach Selbstregierung, das offenbar in der Classe der Mestizen stark +verbreitet ist, vielleicht mit der Empörung des Militairs im Jahre +1823 zusammenhing. Die militärischen Leiter der Erhebung des 2. Juni +waren 2 in Manila geborne Offiziere niedrigen Grades. 4 Monate früher +schon hatte die Regierung Nachricht erhalten von einer Verschwörung +und in Folge der Untersuchung eine Anzahl in Manila geborener Spanier +sowie einige hervorragende Mestizen als Gefangene nach Spanien +geschickt. Unter letzteren befand sich D. Domingo Rojas, ein Mann, +dessen Familie noch heute in Manila und in den tagalischen Provinzen +durch Talente und grosse Reichthümer ausgezeichnet dasteht und grossen +Einfluss besitzt. Bei dem in Spanien sowohl von der Regierung wie von +den einzelnen Männern seit jeher geübten System der Verheimlichung und +Verschönerung darf es nicht Wunder nehmen, wenn in den Erzählungen über +diese und ähnliche Vorfälle, wie sie spanische Autoren enthalten, Alles +verschwiegen wird, was der Regierung oder der spanischen Nation etwa +zum Nachtheil ausgelegt werden könnte. Es geht denn auch in Manila +selbst nur ein dumpfes Gerücht von der Betheiligung der Mestizen +an jener Revolution; und nur selten deuten unbedachte Aeusserungen +eines mit den dortigen Verhältnissen vertrauten Mannes an, dass die +stärksten Widersacher des spanischen Regiments die Mestizen sind und +die "Hijos del pais". + +Für einen Spanier, dessen Wunsch vor Allem ist, die Colonie dem +Mutterlande wie eine zu melkende Kuh zu bewahren, mögen wohl die +Mestizen als gefährliche, oder wenigstens nicht zu missachtende +Gegner erscheinen. Dennoch ruht auf ihnen die Hoffnung des +Landes. Eine Einwanderung zahlreicher Europäer, die das Land--wie +es die Engländer in Neu-Seeland und Australien gethan haben--in ein +europäisches verwandeln würde, ist vorläufig wenigstens undenkbar. Der +europäische Ackerbauer würde hier den Kampf um's Dasein nicht +durchfechten können. Der reine Malaie lebt aber heute noch fast +ebenso, wie früher, ohne Bewusstsein erhöhter persönlicher Würde, +ohne Interesse an dem gemeinsamen Geschicke des Landes. Sollte ein +unglücklicher Umstand dem Lande die politische Freiheit geben und +die Macht zerstören, welche allein durch Jahrhunderte hindurch im +Stand war, die Bewohner zur Annahme höherer Cultur zu zwingen, so +würde trotz des Christenthums und der Pfaffen und trotz der Sympathie +zwischen Spaniern und Malaien augenblicklich ein Zerfall in das alte +Clan-Wesen eintreten, das ja noch bis auf den heutigen Tag in der +bürgerlichen Ordnung fortlebt. Dies könnte nur die kräftige Hand +eines neuen Besitzers und Herrschers verhüten. Und es liegt in der +Natur des Entwickelungsganges unserer Zeit begründet, dass dann an +jene Mestizenrace die Aufgabe heranträte, dem Untergang des blühenden +und zu noch grösserer Blüthe berufenen Gemeinwesens mit kräftiger +Hand zu steuern. Hoffen wir, dass ein solches Experiment dem Lande +nicht bevorstehen möge in Folge des Kampfes, der sich jetzt abermals +zwischen den Parteien Spanien's erhoben hat. + + + + + +Anmerkungen. + + +I. Skizze.--Vulcane. + + +_Anmerkung_ 1. In Bezug auf diesen, sowie die philippinischen Vulcane +überhaupt herrscht in den Handbüchern und Atlanten noch bedeutende +Unsicherheit. Ich will versuchen, diese durch eine Zusammenstellung +der Angaben früherer Autoren und meiner eigenen Beobachtungen zu +zerstreuen, soweit dies überhaupt möglich ist. + +Ich beginne mit den Vulcanen von Mindanao. Derjenige, über dessen +Vorhandensein und Lage sich gar kein Zweifel erheben kann, ist der +Vulcan von _Serangani_, welcher auf der am Meisten nach Süden hin +vorspringenden Halbinsel gleichen Namens liegt in 5° 45' N. Br. nach +der Karte von Morata. Die erste geographische Bestimmung ist allerdings +durch den P. Murillo geliefert (1749), er gibt auf der von D. Nicolas +de la Cruz Bagay gestochenen Karte--die ich im Original besitze--die +Lage desselben ziemlich genau an, aber _keinen Namen_. Berghaus sagt +(Geo-hydrograph. Memoir von den Philippinen 1832 pag. 62), dass dieser +Vulcan Sanguili heisse, ich weiss nicht, ob bloss auf die Autorität von +L. v. Buch gestützt (Canarische Inseln p. 376), den er dabei citirt, +oder weil er in dem Nachdruck der Murillo'schen Karte, deren Original +er selbst nicht gesehen (l. c. pag. 2), jenen Namen bemerkt hat. War +das Letztere der Fall, so muss von Moritz Lawitz, welcher die Copie +der Karte 1760 bei Homann's Erben in Nürnberg herausgab, der Name +"Sanguili" nach eigenen Quellenstudien hinzugefügt sein; denn er findet +sich nicht im Original. Auf dieser Karte ist nur der einzige Vulcan von +Serangani angegeben, die beiden andern fehlen. Die einzige Stelle in +dem Werke des P. Murillo, welche sich auf den Vulcan Sanguil bezieht, +findet sich pag. 124, wo er sagt: "_En Sanguil_, que esta en la parte +meridional de Mindanao, hay un Vulcan, de que los Mindanaos sacaban +azufre para hacer polvora". Nach der Karte nun diese Stelle zu deuten, +also den im Text angegebenen Namen auf den in der Karte gezeichneten +Vulcan zu beziehen, war damals wohl natürlich, aber doch wurde damit +wohl ein Irrthum begangen. Ich schliesse nemlich aus der Bemerkung, +dass die Mindanaos aus jenem Vulcan Schwefel holten, um Pulver zu +machen, dass von P. Murillo nicht der Serangani, sondern der Vulcan +von Pollok gemeint war, denn die Bewohner von Serangani werden nie als +_Mindanaos_, sondern immer nur als Moros von _Buhayen_ (Buajan, Bayan +etc.) bezeichnet. Vor Allem aber bestärkt mich in dieser Meinung die +Ueberzeugung, dass die Quelle, aus welcher wahrscheinlich wohl der +Jesuit Murillo 1749 geschöpft hat, das Werk des dem gleichen Orden +angehörenden P. Combes (Historia de las Islas de Mindanao, Jolo etc., +Madrid 1667) war. Diesem war keine Karte beigegeben. Aber im Texte +spricht er ganz deutlich von 2 verschiedenen Vulcanen. Er sagt pag. 8: +"El antiguo de Sangil, _jurisdiccion del Mindanao_" und etwas weiter +ebenda: "Otro (vulcan) manifesto el horrendo estrago, que con pauor y +miedo de todo este Archipielago hizo una montana, en la _jurisdiccion +del Rey de Buhayen_". Diese Stelle ist beweisend. Murillo hat also +das Versehen gemacht, im Text nur von dem bei Mindanao d. h. bei +dem jetzigen _Pollok_ liegenden Vulcan zu sprechen, welcher auf +der Karte ausgelassen wurde; und er hat ferner die Geschichte des +Ausbruchs vom Januar 1640 (nach Combes) oder 1641 (nach Murillo), +die wegen der Gefahr, in welcher sich während desselben ein nach +Ternate segelndes spanisches Geschwader befand, für die Spanier +besonderes Interesse hatte, fälschlich auf den Sanguil bezogen, +während Combes ausdrücklich erwähnt, dass es der Vulcan im Gebiete +des Königs von _Buhayen_ gewesen sei. Der P. Chirino in seiner 1604 +erschienenen Historia de Philipinas erwähnt die Vulcane gar nicht; +das Werk des Oidor Morga (1609) habe ich bis jetzt noch nicht einsehen +können. Alle späteren spanischen Autoren haben von Combes oder Murillo +einfach abgeschrieben und nur selten eine, vielleicht noch dazu falsche +Notiz hinzugefügt. Wir finden in ihnen nur die zwei Vulcane erwähnt. + + + +So wäre die Sache ziemlich klar. Nun kommen aber die späteren Reisenden +hinzu, nemlich Forrest (1779), Sonnerat (1770), Dampier (1686), +Carteret (1767) und endlich Compilatoren wie Le Gentil, Mallat und +L. v. Buch. Des Letzteren durchweg irrthümliche Angaben sind theilweise +schon von Berghaus in seinem trefflichen "Geo-hydrographischen Memoir" +berichtigt; und sie sind so unzuverlässig, so gänzlich ohne alle Kritik +und Quellenstudium gemacht worden, dass ich es in der That für völlig +überflüssig halte, hier weiter auf Buchs Angaben einzugehen. Wohl +aber handelt es sich noch um Feststellung der ersten Angaben über den +Vulcan von Davao. Dieser liegt nach meinen eigenen Beobachtungen auf +etwa 7° 0' N. Br., was mit der Angabe auf Morata's Karte vollkommen +stimmt. Die spanischen Geschichtsschreiber erwähnen ihn gar nicht, +wie schon angegeben. Forrest scheint ihn zuerst gesehen zu haben; denn +obgleich der Vulcan von Serangani ebensoweit westlich von Pundaguitan +oder Cap S. Agustin liegt, wie der Vulcan von Pollok, so ist doch +die weitere Angabe (Forrest, A Voyage to New Guinea pag. 286--nicht +pag. 271 wie Buch citirt--), der Vulcan liege im District von _Kalaga_ +(Caraga) sicherlich nicht auf den von Buhayen zu beziehen, da das +Terrain des Königs von Buhayen niemals zum District Caraga gerechnet +worden ist. Ausserdem stimmt die in Buch's Werke für Forrest's Vulcan +angegebene Breite von 6° 45' N. viel besser mit dem von Davao, als +mit dem von Serangani, in 5° 45' N. Br. Den letzteren hat er gar +nicht gesehen, wohl aber den von Pollok, auf welchen schon Berghaus +(l. c. p. 62) mit Recht die meisten Angaben Forrest's bezieht. Carteret +hat nur den Serangani gesehen, welchen Berghaus fälschlich Sangil +nennt. Sonnerat spricht auch von einem Vulcan von Mindanao, den +Berghaus mit dem von Carteret gesehenen Vulcan, dem Serangani, +identificirt. Woher Buch die Breitenangabe von 5° 45' N. Br. nimmt, +welche er dem Sonnerat'schen Vulcan gibt, ist mir unklar; Sonnerat +selbst gibt gar keine Breitenbestimmungen an. Aus der Beschreibung +des letztgenannten Reisenden, welcher über das Ende seiner Reise +absichtlich ein romantisches Dunkel verbreitet, lässt sich vielleicht +mit einiger Sicherheit schliessen, das er gar nicht den Vulcan von +_Mindanao_, sondern den der Insel Sanguir im Süden der Serangani-Inseln +gesehen hat. Jedenfalls aber hat er den Vulcan von Davao nicht +gesehen. Nun finden sich aber in Mallat (Les Iles Philippines 1843) +Angaben, freilich ohne zu sagen, woher er diese nimmt, welche wieder +einigen Zweifel darüber aufkommen lassen, ob der Vulcan von _Pollok_ +und der von _Davao_ nicht vielleicht ein und derselbe Berg sind. Er +spricht auch, aber so bestimmt, von dem in Sugud Bayan-Serangani, +dass wir diesen ganz vernachlässigen können. Er gibt nemlich (pag. 93) +dem Vulcan von Pollok, dessen Lage er durch verschiedene wohlbekannte +Ortschaften, wie Brass, Ibus, Bunwut etc. bestimmt, an, dass er im +District Kalagan liege, "qu'on aperçoit de l'île Bunwut placée dans +la baie de _Tagloc_". Diese letztere ist aber die Bucht von _Davao_, +und wenn Mallat, für seine Angabe noch einen andern Gewährsmann, +als Forrest hatte--welcher Letztere auch die Insel _Bunwut_ in der +Bucht von _Tagloc_ beschreibt--, so wäre daraufhin einiger Zweifel +an der Verschiedenheit der beiden Vulcane gestattet. Doch muss ich +gestehen, dass ich eher an ein Versehen dieses Compilator's glaube, +der selbst nicht in Mindanao gewesen zu sein scheint. + +Gänzlich apokryph ist der Vulcan _Ambil_ bei Luzon. Berghaus gibt in +seinem Memoir nur 3 Citate hierfür, Buch's Canarische Inseln, Plant's +Polynesien und Allgem. Historie der Reisen zu Wasser und zu Lande +XI, 406. Die beiden ersten Werke haben mich auf keine frühere Angabe +zurückgeführt; das dritte konnte ich nicht zu Rathe ziehen. Uebrigens +bezweifle ich die Richtigkeit; denn in _keinem der alten spanischen +Autoren_, die ich bis jetzt habe einsehen können, findet sich auch nur +die geringste Andeutung, dass der Berg von Ambil in geschichtlicher +Zeit eine Eruption gehabt habe. Bei der Lage so nahe am Eingange des +Hafens von Manila hätten Murillo, Juan de la Concepcion, Martinez de +Zuniga und Andere gewiss nicht versäumt denselben anzugeben. + +In Bezug auf die ebenfalls apokryphen Vulcane von Siquijor und Aringay, +sowie auf den gänzlich in Vergessenheit gerathenen von Joló verweise +ich auf den Text und die weiteren Zusätze. + +_Anmerkung 2_. S. Darwin, Geological Observations on Coral Reefs +Volcanic Islands and on South America. London 1851--mit der vor dem +Titelblatt eingehefteten Karte. + +_Anmerkung 3_. Auf den neueren spanischen Karten wird diese Bahia +de Tagloc immer nur Meerbusen von _Davao_, nach der Hauptstadt des +jetzigen Districtes Vergara genannt. Es schneidet diese Bucht viel +weiter nach Norden in das Land ein, als auf den meisten Karten, +selbst auf der von Morate-Coello, angegeben wird. Ich erreichte im +Jahre 1864 im Thal des Flusses Agusan die Breite von 7° 40' und konnte +von hier aus deutlich die im Meerbusen von Davao liegende Insel Samal +in ungefähr 30 Seemeilen Entfernung sehen, so dass das nördliche Ufer +der Bucht kaum 20 Seemeilen von mir entfernt liegen konnte. Dies gibt +der Ausdehnung derselben von Nord nach Süd die Länge von 1° 20', +da das Cap S. Agustin ungefähr auf 6° N. Br. liegt. Dies erklärt +einen Irrthum, von dem ich nicht weiss, ob er durch die Geographen +schon aufgeklärt wurde. Dampier spricht von einer Insel S. Juan, +welche Berghaus auf der seinem "Geo-hydrographischen Memoir von +den Philippinen 1832" beigegebenen Karte auch zeichnet. Diese +Insel existirt in der That gar nicht, und es ist die Deutung, +welche James Burney (s. Berghaus l. c. pag. 94) der Beschreibung +Dampier's gegeben hat, völlig richtig. Bei der grossen Breite und +Länge der Bucht von Davao muss diese allerdings dem Seefahrer, der +um das Cap S. Agustin herumfährt, wie eine jenen östlichen Theil von +dem eigentlichen Mindanao abtrennende Meerenge oder Canal erschienen +sein. Doch ist wahrscheinlich wohl der Irrthum blos durch ein falsches +Quellenstudium von Seiten Valentyn's entstanden. Die älteren spanischen +Autoren sprechen nemlich nicht blos von einer "Isla S. Juan", sondern +auch von einer "Isla de _Butuan_, de _Caraga_" u. s. w., ohne dass +sie selbst jedoch die Isolirung der genannten Punkte durch das Wort +isla = Insel andeuten wollen. Endlich wird von den Eingebornen noch +heutigen Tages nicht die ganze Insel mit dem Namen Mindanao bezeichnet, +sondern nur der centrale die beiden grossen Seen enthaltende Theil +derselben, welcher von dem Rio Grande durchströmt wird und in dessen +weitausgedehnter Ebene der Sultan von Mindanao sein Reich gegründet +hatte. Bei allen alten Schriftstellern sind Mindanao, Buhayen, Caraga, +Zamboanga u. s. w. schroffe Gegensätze; und es ist leicht denkbar, +dass Dampier, Valentyn u. A., die des Spanischen nicht mächtig waren, +sich durch die etwas unklare Ausdrucksweise der Eingebornen wie der +alten spanischen Schriftsteller täuschen liessen. Auf der Karte des +P. Murillo Velarde fehlt die Insel S. Juan gänzlich. (Historia de la +Compania de Jesus, 1749.) + +_Anmerkung 4_. Da ich wünsche, dass meine so mühsam gesammelten +Erfahrungen bald anderen Reisenden zu Gute kommen mögen, so erlaube +ich mir hier darauf aufmerksam zu machen, dass eine erfolgreiche +Untersuchung Mindanao's nur am Besten von Butuan aus vorgenommen +werden könnte. In diesem christlichen Dorfe, oder noch besser in dem +schon ganz im Sumpfgebiete des Agusan liegenden Dorfe Linao würde der +Naturforscher seine Hauptstation zu nehmen haben. Von hier aus würde er +nach allen Richtungen in das Innere von Mindanao ungehindert--soweit +ihn eben seine eigne Klugheit und Energie tragen--vordringen können +bis an jenen schmalen von Muhamedanern eingenommenen Küstengürtel +heran, welchen man von dem Meere aus nur sehr schwer durchbricht. Der +Vulcan von Davao würde zwar bequemer von Davao selbst, dem Sitze eines +Militair-Gouverneurs, zu erreichen sein; aber dennoch eignet sich +meiner Erfahrung nach das Land der Manobo's vom Agusan--oder Linao +und Butuan--besser zum Ausgangspunkt, da dem Reisenden von hier aus +das Vordringen nach allen Radien hin ermöglicht wird, während ihm von +Davao aus eine ganz bestimmte Route vorgeschrieben wäre. Ausserdem +ist eine Communication von Davao aus mit Manila, Cebú oder selbst +Zamboanga nur sehr schwer möglich; während der Reisende in Butuan +immer Gelegenheit in kleinen Booten findet, die ihn ohne alle Gefahr +nach Cebú in wenig Tagen bringen können. + +_Anmerkung 5_. Man findet auf allen Karten einen Vulcan auf +Siquijor--oder Isla de Fuegos--angegeben, der entschieden nicht +vorhanden ist. Sollte vielleicht der Vulcan von Negros Grund zu +solchem Irrthum gegeben haben? + +_Anmerkung 6_. In Bezug auf die Angaben über die Ausbrüche der +verschiedenen Vulcane der Philippinen finden sich einige Widersprüche +in älteren Werken. Auf diese werde ich vielleicht in meinem Reisewerke +zurückkommen. Ganz unerklärlich bleibt mir aber die Auslassung des +Ausbruches eines Vulcanes dicht bei Joló, obgleich die beiden Berge, +welche mit jenem zugleich zum Ausbruch gekommen sein sollen, nemlich +der Aringay und der Serangani, in Buch's Werk über die canarischen +Inseln, in den Atlanten und Handbüchern ausnahmslos aufgenommen worden +sind. Alle Angaben der späteren Schriftsteller, von Mallat, Chamisso, +Juan de la Concepcion etc. lassen sich zunächst auf die eine Quelle +des P. Murillo Velarde, dessen Geschichte der Philippinen 1749 edirt +wurde, zurückführen. Dieser Autor sagt pag. 124 "Todo nacio de aver +rebentado à un mismo tiempo tres Vulcanes, uno en Sanguil, otro en +_Joló_, y otro en los Ygolotes de Ylocos". In dem 1604 erschienenen +Werke des Padre Chirino "Historia de las Islas Philipinas" finden sich +gar keine Angaben über die Vulcane, und P. Combes erwähnt (1667) wohl +den Vulcan Sangil und den von Buhayen oder Serangani, aber nicht den +von Joló. Will man aber den späteren Angaben des P. Murillo keinen +Glauben schenken, bloss desshalb, weil die älteren uns zu Gebote +stehenden Autoren nichts darüber sagen, so muss man vor Allem auch +den Vulcan von Aringay gänzlich streichen. Das Werk des D. Antonio de +Morga, welches vielleicht noch einige Nachrichten enthalten könnte, +habe ich mir bis jetzt nicht zu verschaffen vermocht. + +_Anmerkung 7_. In der zu Manila 1859-60 herausgegebenen Ilustracion +Filipina liest man 1860 Nr. 11 pag. 121 die Bemerkung, es rühre +der Name Bonbon von einem Negerdorfe gleichen Namens her, welches +am Ufer des Sees gewesen sein soll. Woher diese Notiz stammt, ist +mir unbekannt. + +_Anmerkung 8_. Dieser nach der Karte von Coello sehr tiefe +See--an einigen Stellen werden mehr als 100 Faden (600 Fuss) Tiefe +angegeben--ist vom Meere nur durch eine sehr schmale kaum 2 Meilen +breite niedrige und ganz aus trachytischem Tuff bestehende Landenge +getrennt, welche von dem aus dem See Taal kommenden Fluss Pansipit +durchströmt wird. Jetzt führt dieser letztere völlig oder fast ganz +süsses Wasser; doch gehen allerdings die characteristischen Thiere +und Pflanzen des brackigen Wassers weit höher hinauf, als es z. B. in +dem Flusse Pasig der Fall ist. Auch das Wasser des Sees selbst ist, in +einiger Entfernung von der Insel, auf welcher sich der Vulcan findet, +fast ganz süss; aber die älteren spanischen Autoren sprechen geradezu +von einer "laguna de agua salada" (Gaspar de S. Agustin, Conquistas +de las Islas Filipinas 1698 pag. 253) und erwähnen ausdrücklich, +dass es in ihnen gute Thunfische gäbe, obgleich sie doch nicht so gut +sein sollten wie die von Spanien. In der "Mapa General de las Almas +que administran los PP. Agustinos", Manila 1845, werden ausdrücklich +Meerfische als in ihr vorkommend erwähnt, nemlich "moros" (diesen +Fischnamen finde ich in meinen spanischen Wörterbüchern nicht) +und "tiburones" oder Haifische; ferner auch "salmonetes" (Mullus +sp.). Ich selbst habe keinen dieser Fische darin gefunden; doch will +ich kein Gewicht weiter darauf legen, da es mir nicht vergönnt war, +trotz meines ziemlich langen Aufenthaltes in der Nähe des Sees und +auf der Insel, die Fischfauna genauer zu untersuchen. In meinem +Tagebuche angemerkt finden sich nur: Gobius 3-4 sp., verschiedene +Percoiden, Toxotes jaculator und ein grosser Hemiramphus, welcher +sich durch seinen Habitus sehr von den kleinen und schmächtigen +hoch in den Süsswasserbächen der Insel bis über 800 Fuss Meereshöhe +aufsteigenden Arten der Gattung unterscheidet, und vielleicht mit +einer der dortigen meerbewohnenden Species identisch ist. Einer +meiner Begleiter zeichnete mir in mein Tagebuch eine rohe Skizze des +grossen Fisches, den sie "tiburon", Haifisch nennen, doch lässt sich +aus ihr nichts Sicheres entnehmen; obgleich ich kaum zweifle, dass +die Eingebornen mit ihrer Bezeichnung Recht haben, ich sah nemlich +eines Tages mitten im See zwei grosse nicht weit von einander stehende +Flossen von der charakteristischen Gestalt der Haifischflossen über +dem Wasser emporragen, wie es bei den Haien zu sein pflegt, die sich +an der Oberfläche des Wassers treiben lassen. Ausserdem soll, wie die +Eingebornen sagen, ein Sägehai in diesem See--wie auch in der rein +süsses Wasser enthaltenden Laguna de Bay--vorkommen. Es dürften diese +Angaben jetzt um so weniger angezweifelt werden, als Peters in seiner +trefflichen Arbeit über die Flussfische (Reise nach Mossambique IV, +1868 pag. 7-9) sowohl eine Pristis wie eine Carcharias-Art in dem +Fluss Zambeze bei Titte, etwa 120 Meilen von der Küste entfernt, +gefangen hat. Ausser solchen Meerthieren finden sich nun auch noch +Ampullarien, Melanien, Cyrenen, sowie auch eine Planorbis und ein +Lymnaeus, und zwar alle am Ufer der Insel, an deren Umkreis zahlreiche +heisse Schwefelquellen ausbrechen, welche bis auf weiten Umfang hin das +Wasser erwärmen und trübe machen. Die Melanien gehen, wie es scheint, +am Nächsten an diese heissen Quellen heran. + +_Anmerkung 9_. Der Erdboden der bevölkertsten und am Meisten angebauten +Provinzen Luzon's--Batangas, Bulacan, Pampanga, Cavite, Manila--besteht +durchweg aus trachytischem Tuff. Man schreibt diesem Umstande allgemein +den reichen Ertrag der genannten Provinzen an Zuckerrohr und Reis zu. + +_Anmerkung 10_. Es existirt in der schon angezogenen, in Manila 1859 +edirten Ilustracion filipina eine recht gute Abbildung des Vulcanes, +von Talisay gesehen, und eine andere des Kraters. Die erstere ist in +das bekannte oberflächliche Touristenbuch von Sir John Bowring (A Visit +to the Philippine Islands London, 1859) übergegangen, beide waren auch +in der London Illustrated News abgedruckt. Die Abbildung von Choris +in dem Voyage pittoresque ist von einer ganz anderen Seite aufgenommen. + +_Anmerkung 11_. Die Ehre der Entdeckung dieses Vulcanes gebührt meinem +Freunde D. Claudio Montero, dem ebenso kenntnissreichen wie energischen +Chef der jetzigen philippinischen Comision hidrografica. Wir verdanken +ihm eine Reihe trefflicher nautischer Karten und Spezialpläne der +philippinischen Inseln. Durch ihn auf den Vulcan aufmerksam gemacht, +wurde es mir leicht, von Aparri aus an der bezeichneten Stelle die +Rauchsäule desselben aufsteigen zu sehen. Obgleich die Entfernung +dieses Dorfes von dem Vulcan keine sehr grosse ist, so schienen die +Einwohner denselben doch gar nicht zu kennen; wenigstens konnte ich +von ihnen gar keine genaueren Nachrichten über ihn erhalten. Mein +Diener Antonio gelangte auf einer von ihm allein unternommenen Reise +im Jahre 1861 bis an den Fuss desselben; und er erzählte mir, dass +die dortigen Negritos diesen feuerspeienden Berg sehr wohl kennen, so +dass an eine Täuschung durch ein von den Eingebornen etwa angezündetes +Feuer nicht mehr gedacht werden kann. + +_Anmerkung 12_. Schon auf der Karte in dem Geschichtswerke des +P. Murillo Velarde, die im Jahre 1749 erschien, finden sich diese +"escollos Didica" (Didica-Klippen) der späteren spanischen Karten als +"Farallones" d. h. spitze kleine Inseln, angegeben. Nirgends aber +habe ich bis jetzt irgend eine Andeutung gefunden von geschichtlich +stattgehabten Ausbrüchen eines Vulcanes an dieser Stelle. Diese Klippen +sind wohl nichts anderes, als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines +früheren Vulcans. Ganz ähnliche stehen jetzt noch etwas südlicher, +sie sind auf den Karten bezeichnet als "escollos Guinapag". Das Wort +"Guinapag" ist ein Compositum der Wurzel "gapag" d. h. ein trockener +Fisch mit der Partikel "in". + +_Anmerkung 13_. Wie mir Herr Dr. Jagor, welcher ziemlich zu gleicher +Zeit mit mir die südlichen Provinzen von Luzon, dann Samar und +Leyte bereiste, versichert hat, finden sich in den von ihm besuchten +Gegenden in der That unter den trachytischen Laven und Gesteinen auch +Granit und Gneissfelsen. Ich will nun sicherlich nicht behaupten, +dass an den von mir besuchten Orten durchaus keine primitiven +Gesteine vorkommen, da ich als Laie in der Geologie zu einer solchen +Behauptung kein Recht hätte; wohl aber scheint mir festzustehen, +dass die weitaus grösste Masse der Gebirge auf den Philippinen ihre +Bildung einer vergleichsweise jungen Eruptionsperiode verdankt. Unter +den mehr als 600 Nummern betragenden Gesteinsstücken, die ich von den +verschiedensten Fundorten mitgebracht habe, ist kaum _ein_ Stück, +welches den älteren Perioden der Bildung der Erdrinde anzugehören +scheint. + +_Anmerkung 14_. Es sind diese Spuren moderner Hebung auf den +philippinischen Inseln ausserordentlich zahlreich. Die Wasserscheide, +welche in Mindanao die Quellen des Agusan von den nach Süden in +den Meerbusen von Davao fliessenden Bächen trennt, kann nach der +Beschreibung der Eingebornen und meinen eigenen Beobachtungen +kaum 2-300 Fuss über dem Meere erhaben sein. Wie ein tiefer Spalt +zieht sich das Thal des Agusan zwischen Central-Mindanao und den +Bergen der Ostküste hin, und äusserst zahlreich sind hier die +Petrefacten in Thonschichten, welche theils im tiefen Meer, theils +in den Mangrovesümpfen mit brackigem Wasser gelebt haben müssen, fast +ausnahmslos aber noch jetzt lebende Species sind. Der direkte Uebergang +der zu ziemlicher Höhe über dem Meere erhobenen Korallenriffe in die +noch lebenden ist schon im Texte hervorgehoben. Dies war fast überall +zu erkennen; aber am Auffallendsten war es auf Camiguin de Luzon +und auf der kleinen Insel Lampinigan bei Basilan zu beobachten. Ich +citire einige Stellen aus meinem Tagebuche: "Ueberall wo (auf +Lampinigan) der freie Trachytfels vom Meere bespült wird, sind +die Korallen in alle Löcher und Spalten hineingedrungen und haben +selbst lose Blöcke und kleine Rollsteine fest mit dem anstehenden +Gestein verkittet, so dass eine Art rohen Puddingsteines gebildet +wird. Diese Korallenincrustationen treten jetzt schon _über die Linie +der gewöhnlichen Fluthen hinaus_ und sind alle ohne Ausnahme todt +bis in eine ziemliche Tiefe in's Meer hinein (nach Schätzung etwa +bis zu 8-10'). Es sind die Korallenmassen in den verschiedensten +Stadien der Umwandlung." Noch deutlichere Spuren modernster Hebung +fand ich ebenda in der trachytischen Lava selbst. An der Nordostseite +der Insel fand ich eine kleine mannshohe Höhle, nach Schätzung etwa +20-35 Fuss über der höchsten Fluthlinie; sie war offenbar durch die +Einwirkung der Wellen und der Brandung gebildet und zeigte überall +eine Menge abgeschliffener Stellen. Nicht weit davon fand sich etwa +15' über dem Meere ein trichterförmiges tiefes Loch, und in seinem +Grunde noch der Stein, welcher durch die Wirbelbewegung des Wassers +dasselbe in das Gestein hineingebohrt hatte. In der im höchsten Puncte +kaum 150' über dem Meere erhobenen Centralebene Luzon's findet sich +an vielen Stellen nach den Beobachtungen des Padre Llanos unter der +oberflächlichen thonigen sehr dünnen Lage ein Meeressediment; und an +einzelnen Orten in der Provinz Pangasinam, nördlich vom Arayat, sollen +sich Salzwasserseen befinden, in welchen wie in manchen süsses oder +brackiges Wasser führenden Flüssen derselben Provinz, nach Aussage +der Priester noch jetzt Bohrmuscheln leben sollen. Ich habe leider +diese Seen selbst nicht besuchen können, zweifle aber nicht an der +Richtigkeit der Beobachtung, da die philippinischen "almejas" den +europäischen Lithodomusarten (dactylus etc.) so völlig ähnlich sehen, +dass die Priester, welche sie dort essen sollen, ihnen den spanischen +wohlbekannten Namen gegeben haben. In Spanien wird die Lithodomus +dactylus als ein trefflicher Leckerbissen geschätzt. + + + + +II. Skizze.--Die Riffe und das Leben im Meere. + + +_Anmerkung 1_. Da ich meine mit der herrschenden Theorie Darwin's +im Widerspruch stehenden Ansichten in einem zoologischen Berichte +niedergelegt habe, welcher den meisten Naturforschern unbekannt +geblieben zu sein scheint, und da ich noch nicht in der Lage bin, bald +eine ausführlichere eingehendere Schilderung meiner Beobachtungen zu +geben, so erlaube ich mir hier einen Wiederabdruck des 1863 publicirten +Aufsatzes (Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. 13, pag. 563-569): + +"Die nördlichste Spitze der Gruppe der Pelew-Inseln oder Palaos +bilden ächte Atolle; die Hauptmasse, welche der ganzen Gruppe ihren +Namen übertragen hat, ist zum grössten Theil von Barrenriffen, im +Süden von Küstenriffen umgeben; und die südlichste Insel ist völlig +ohne eigentliches Riff. Der nördlichen Atolle sind drei: Aruangel, +Kreiangel und Cossol. Die nördlichste Spitze der Insel Babelthaub +setzt sich über in die hufeisenförmige Bank von Cossol, die in einer +Ausdehnung von 5-6 S.-M. ihr nördliches geschlossenes Ende, durch +einen 2 M. breiten Canal getrennt, dem Atoll von Kreiangel zukehrt. Ihr +südliches offenes Ende scheint aus einem tiefen Canal durch allmäliges +Verwachsen vereinzelter Korallenbänke seinen Ursprung zu nehmen, +und Arme dieses tiefen Canals vereinigen sich zu dem Lagunencanal +der eigentlichen atollförmigen Bank, welcher von dem bei niedriger +Ebbe fast ganz trocken gelegten erhöhten Rand des Riffes umschlossen +wird. Der Atoll Kreiangel ist vollkommen geschlossen, von 4-5 Meilen +Länge und etwa 2 S.-M. Breite. Die westliche Seite des Riffes, nur +schwachen Winden und seltenen aber heftigen Stürmen ausgesetzt, ist +breit, und sein erhöhter Rand niedriger als alle andern Stellen des +Riffes, und bezeichnet durch eine Reihe grosser, metamorphisirter +Korallenblöcke, die man mit Darwin als durch die mächtige Brandung +aufgeworfen betrachten, oder mit Wilkes (Un. St. exploring exped.) als +Reste eines gehobenen und in Zersetzung begriffenen Riffes ansehen +kann. Auf der östlichen, weniger breiten Seite des Riffes liegen vier +niedrige, kaum 5' sich über die Oberfläche des Meeres erhebende Inseln, +deren südlichste keine 20 Schritt von der Brandung entfernt ist, +während die andern sich mehr vom Aussenrande des Riffes entfernen, +je mehr sie gegen Norden liegen. Die eingeschlossene Lagune ist +schmal und an den tiefsten Stellen nur 7 Faden tief. Dieser Atoll +bezeichnet die nördlichste Spitze der Gruppe, da die Canäle die ihn +und die Bank von Cossol von den eigentlichen Inseln trennen, nur +eine Tiefe von 60-80 Faden haben. Ganz abgesondert scheint nach den +vorhandenen Karten, Aruangel zu sein, eine Bank, die 8 S.-M. weit +nordwestlich von Kreiangel liegt, und die mir von den Eingebornen +als Atoll beschrieben wurde. Früher bewohnt, wurde er zu Ende des +vorigen Jahrhunderts überschwemmt und gänzlich zerstört; die jetzigen +Bewohner von Kreiangel erzählen, die Stümpfe grosser Bäume und ein +altes Badebassin dort gesehen zu haben. Leider musste ich mich mit +diesen Nachrichten begnügen, denn die Freundlichkeit der Bewohner +von Kreiangel vermochte nicht, ihre Faulheit zu besiegen, da ich ihr +Interesse nicht durch Bezahlung erwecken konnte. + +Mit Ausnahme obengenannter dreier Riffe und der Insel Ngaur (Angaur) +umzieht ein einziges zusammenhängendes Riff alle übrigen Inseln, +und nimmt je nach den Einflüssen der Strömungen, der vorherrschenden +Windesrichtung und geologischen Constitution der eingeschlossenen +Inseln, mannichfach wechselnde Bildungen an. Die Inseln des Norden, +Babelthaub, Coröre, Malacca und Naracabersa sind durchaus trachytisch, +während die südlicheren Inseln, unter denen ich nur Peleliu, Eimeliss +und Urulong nenne, gehobene Korallenriffe sind, deren einzelne, oft +senkrecht aufsteigende Klippen eine Höhe von 4-500' erreichen. Der +Trachyt der nördlichen Inseln, in seinen oberen Schichten zu einem +rothen Thon verwittert und häufig durch Basaltströme durchbrochen, +setzt nur geringen Widerstand dem zerstörenden Einflusse des +Wogenschlages und der Atmosphäre entgegen. Tiefe Buchten fressen weit +ins Land hinein, und selten sind kleine, von der Hauptinsel abgerissene +Inseln, als Marksteine ihrer früheren Ausdehnung zu finden. Westlich +liegt das Riff zwischen 3 und 6 M. entfernt von der Küste, und +die eingeschlossene Wasserfläche ist zu einem Labyrinth von tiefen +Canälen ausgefressen, welche meistens senkrecht gegen das Land auf die +Thäler zu führen, aus denen bei Ebbe ein mächtiger Strom brackigen +Wassers hervortritt, und dem Wachsthume der Korallen an dem Rande +des ausgewaschenen Canals hinderlich wird. Sie sammeln sich in einen +Hauptcanal, welcher in ziemlicher Breite dem äusseren Riffe parallel +läuft, und dasselbe hie und da mit kleineren Canälen durchbricht. Für +grössere Schiffe gangbare, das äussere Riff durchbrechende Canäle +finden sich auf der Westseite drei, auf der Ostseite einer, und an +der Nordspitze ebenfalls einer, doch entsprechen sie nicht, wie es +nach Darwin als allgemeine Regel erscheinen möchte, den Thälern der +Insel, vielmehr scheinen sie ihre Lage der Richtung der Strömungen zu +verdanken, welche durch den wechselnden Ein- und Ausfluss bei Fluth +und Ebbe gebildet werden. + +Diese Strömungen nehmen immer ihre Richtung gegen den nächstgelegenen +Canal hin, und niemals erregt bei aufsteigender Fluth das durch +die Brandung über den Rand des Riffes geworfene Wasser einen Strom +nach innen. + +Ganz verschieden von den eben geschilderten Verhältnissen zeigen +sich die Riffe der Ostseite, welche mit schwach erhöhtem Rand, dessen +mittlere Entfernung von der Küste höchstens 800-1000 Schritt beträgt, +einen kaum bei Fluth befahrbaren Canal zwischen sich und dem Lande +freilassen. + +Auch hier ist das Riff von mehreren Kanälen durchbrochen, die aber, +wenn auch das Ein- und Austreten der durch Ebbe und Fluth erregten +Ströme durch sie geschieht, dennoch so flach sind, dass sie nur +bei hoher Fluth die Ueberfahrt den Böten erlauben. Der einzige +Tiefwassercanal an östlicher Seite findet sich nordöstlich von +Malacca, wo aber auch das durchbrochene Riff durch einen breiten +Tiefwassercanal von dem nächsten Lande getrennt ist. Malacca ist die +südlichste der trachytischen Inseln, und zwischen sie und die etwas +westlich liegenden Inseln Coröre und Naracabersa schiebt sich eine +Reihe hoher Kalkfelsen ein. Weithin gegen Süden bestehen alle Inseln +ohne Ausnahme aus demselben gehobenen Korallenkalk. Auffallend zeigt +sich hier die Verschiedenheit der Einwirkung gleicher Ursachen, je +nachdem diese auf den leicht zerstörbaren Trachyt des Nordens oder den +festen Korallenkalk des Südens einwirken. Während im Norden die vom +Hauptlande abgerissenen Inseln rasch unter der Oberfläche des Meeres +verschwinden, sind die Kalkfelsen des Südens durch die Einwirkung der +Strömungen und Brandung in eine Unzahl kleiner und dicht nebeneinander +stehenden Inseln zerrissen, und es ist durch gar viele derselben, +so z. B. in der Gruppe, welche Urulong angehört, der Zusammenhang +und die frühere Ausdehnung nachzuweisen. Alle diese Inseln sind +von Urulong an bis Pelelew durch eine ziemlich horizontale Fläche +verbunden, die nur wenig von tiefen Kanälen durchfurcht, wohl die +Tiefe anzeigt, bis zu welcher hin die abwaschende Wirkung der Brandung +gegangen ist. So lässt sich auf der ganzen Ausdehnung von Pelelew +bis Malacca hin das Meer bei tiefer Ebbe nicht mehr mit Sicherheit +befahren. Pelelew, die südlichste dieser Inseln, besteht aus einer, +nur etwa 10' über dem Meere erhabenen ganz aus metamorphosirtem +Korallenkalk gebildeten Fläche, in deren nördlichem Ende man noch +die vereinzelten Reste eines, einstmals gewiss zusammenhängenden +und jetzt bis auf 200-250' erhobenen Korallenriffes findet. Ziemlich +zusammenhängend ist dieses Riff noch auf der nordwestlichen Seite, wo +es seine grösste Höhe erreicht und sich auf einer schmalen Landzunge +in niedrigeren Klippen fortsetzt, und der östlichen, von ihr durch +eine breite Niederung getrennten, und in einzelne Inseln aufgelösten +Klippenreihe entgegentritt. So scheint diese Niederung, welche theils +von Sümpfen und Mangrovebüschen erfüllt ist, theils die Kukau-Felder +der Bewohner der Insel trägt, eine Laguna anzudeuten, welche einstmals +bestanden haben mochte. Diese hohen Klippen sowohl, wie die, welche +der Ebene der Insel angehören, sind reich an Petrefacten, welche, +so weit ich augenblicklich darüber aburtheilen kann, den Schichten +ein sehr junges Alter zuweisen. Vorherrschend sind in den tiefsten +Schichten der centralen Klippenreihe zwei oder drei Arten Tubiporen, +ferner ein Pecten, und verschiedene Astreiden. In den Klippen der +Ostküste, welche zwischen 5 und 10' über dem Meere erhoben sind, fand +ich eine Menge Maeandrinen und Astraeen. Aus der Reihe weniger häufig +vorkommender Petrefacten erwähne ich nur noch eines Haifischzahnes +von einer Insel bei Coröre, eines Reptilienzahnes, vermuthlich des +Crocodilus biporcatus und eines Dentalium von Pelelew. + +Das lebende Riff, welches diese Insel umfasst, ist im Westen ungefähr +400-600 Schritte entfernt und von ihm durch keinen Tiefwasserkanal +getrennt; je mehr es sich gegen Süden zieht, tritt es näher an die +Küste heran, und ist im Osten an manchen Stellen kaum 30 Schritt von +den gehobenen Klippen entfernt. Diese sind, durch die hier mächtige +Brandung in eine Anzahl kleinerer Inseln und einzeln stehender +Blöcke aufgelöst, welche da, wo sie unter dem aufgeworfenen Sande +verschwinden, leicht zu der Annahme verführen könnten, als dankten sie +ihre Entstehung den durch die Brandung aufgeworfenen Korallenblöcken +im Sande. + +Das Ende des Archipels sowie den Abschluss dieser verschiedenen +Entwickelungsstufen der Korallenriffe bildet die Insel Ngaur, +welche von Pelelew durch einen 4 Meilen breiten Tiefwasserkanal +getrennt, gänzlich frei von umgebenden Riffen ist. Sie besteht nach +der Schilderung der Bewohner von Pelelew aus demselben Korallenkalk +wie diese letztere, welcher ebenfalls von niedrigem Vorlande umgeben, +in schmaler Klippenreihe zu 100-150' Höhe ansteigen mag. + +_Darwin_'s Theorie von Bildung der Korallenriffe nimmt bekanntlich +überall dort eine Senkung an, wo sich Barrenriffe und Atolle befinden, +eine Hebung dort, wo Küstenriffe entstehen. Hier aber finden wir auf +kleinem Raume (denn die ganze Ausdehnung von Nord nach Süd zwischen +Ngaur und Kreiangel beträgt nur etwa 60 Seemeilen) sämmtliche Formen +zusammen und die Bildung der innern Riffe des südlichen Theiles der +Gruppe deutet auf eine lange Epoche völliger Ruhe, oder sehr geringer +Hebung oder Senkung. Könnte nur eine Senkung die Bildung der Atolle +des Nordens erklären, so müsste entweder die Insel Ngaur so gut +von Riffen umgeben sein, wie alle übrigen, oder stationär geblieben +sein, Pelelew nur wenig, die nördlichen Inseln sich bedeutend gesenkt +haben. Aber diess bliebe nur eine Annahme, die nicht besser und nicht +schlechter als jede andere wäre. Ist meine vorläufige Bestimmung +der in den gehobenen Korallenriffen der südlichen Inseln gefundenen +Petrefacten richtig, so würde die Zeit der Hebung derselben, die +wohl durch den letzten trachytischen Ausbruch bezeichnet sein mag, +in eine sehr junge geologische Epoche fallen. Gerade aber auf das +Nichtvorkommen solcher Hebungen in der jüngsten Epoche legt Darwin bei +der Begründung seiner Hypothese das grösste Gewicht, und die definitive +Bestimmung des geologischen Alters jener gehobenen Koralleninseln +könnte einen wesentlichen Einwand gegen dieselbe abgeben. Aber auch +hiervon abgesehen, scheint mir das gemeinschaftliche Auftreten der +Riffe in den verschiedensten Gestalten, die grosse nur in geringer +Tiefe unter dem Meere liegende Fläche der südlicheren Insel von Pelelew +bis Coröre, ja selbst die Verschiedenheit der westlichen und östlichen +Riffe des Nordens hinreichender Grund zur Annahme, dass die Bildung der +Riffe _dieser_ Inselgruppe wenigstens von keiner Senkung begleitet war. + +Colonien einer Porites-Art deuten auf ein Moment, dem ich jetzt bei der +Bildung von Korallenriffen den wichtigsten Einfluss zuschreiben muss, +welches aber von den Reisenden, welche dieser Frage ihre Aufmerksamkeit +zugewandt, bisher gänzlich ausser Acht gelassen zu sein scheint. Dies +sind die constanten, hauptsächlich durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen +und durch das Wachsthum der Korallenriffe sowie durch physikalische +Einflüsse des Meeres beinflussten Strömungen. Die erwähnte Porites +bildet Colonien von Faustgrösse bis zu der Oberfläche von 6-8 und mehr +Fuss im Durchmesser. Diese verschiedenen Stadien der Grösse zeigen, +wie auf der Oberfläche allmälig die mittleren Individuen absterben +und den Mittelpunkt einer mehr und mehr sich vergrössernden todten +Fläche bilden. Auf dieser treten schon bei kleinen Colonien Furchen +auf, die, ursprünglich wohl Resultat des ungleichen Wachsthums der +verschiedenen die Colonie bildenden Individuen, sich bald zu Rinnen +gestalten, in denen bei tiefen Ebben das auf der Oberfläche stehen +bleibende Wasser seinen Abfluss findet. Der erhöhte Rand dieser bald +kreisrunden, bald länglichen Colonien trägt nach aussen lebhaft +vegetirende Individuen, die mehr und mehr nach innen krankhafter +werden, bis sie zuletzt absterben und durch den Einfluss des auf der +mittleren etwas niedrigeren Fläche stehenden Wassers bald abgetragen +und auf das Niveau derselben übergeführt werden. Oft bleibt der +äussere erhöhte Rand völlig undurchbrochen, aber gewöhnlich wird +er durchsetzt durch eine oder mehrere Wasserrinnen. Je nach den +verschiedenen Zufälligkeiten der Gestalt, welche die ersten Anfänge +dieser Polypenkolonien zeigen, und dem dadurch bedingten Spiele der +Strömungen bilden sich die mannigfachsten Formen aus, die von dem +ganz geschlossenen oder in einzelne Wülste aufgelösten Ringe (dem +Atoll) in Kolonien übergehen, welche Korallenblöcke anderer Art so +umsäumen, dass sie bald sich einem Barrenriffe, bald einem Küstenriffe +vergleichen liessen, je nachdem sie mehr oder minder alt, in grösserer +oder geringerer Entfernung von dem sie umwachsenden Block stehen. + +Eine kleine Porcellana gibt ein anderes interessantes Beispiel +der Wirkung constanter Ströme auf das Wachsthum der Korallen. Je +ein Individuum dieser Krabbe lebt an dem Stamme einer Koralle +eingeschlossen in einer krankhaften Wucherung derselben. Sie lebt +darin, ein unfreiwilliger Einsiedler, denn zwei, und sich gerade +gegenüberstehende schmale Spalten, das Resultat des constanten von +den Thieren erregten Stromes, erlauben zwar die Zuführung frischen +Wassers und mikroskopischer Thierchen, aber ihm nicht die Auswanderung, +einer Lebensgefährtin nicht den Eintritt. In früher Jugend klammert +sich das Junge an den Stamm an, und durch den Reiz hervorgerufen, +wuchert die Korallenmasse mehr und mehr um dasselbe herum, bis endlich +in dem späteren Lebensalter der Krabbe, der durch die Bewegung ihrer +Beine erregte constante Strom hinreichende Kraft erlangt hat, das +Verschliessen der Oeffnungen durch das fortgesetzte Wachsthum der +Korallen zu verhindern. + +Aehnliche Verhältnisse wiederholen sich im Grossen. Dort, wo sich bei +günstiger Beschaffenheit die horizontale Kuppe eines untermeerischen +Berges gleichmässig mit einer Schicht Korallen überzieht, bilden +sich dennoch von Anfang an solche Verschiedenheiten hervor, dass im +Laufe der Zeit bei Hinzutreten des Einflusses der Strömungen grosse +Unregelmässigkeiten des Riffes hervortreten können. + +Aehnlich wie die Porites-Colonien ganz geschlossene oder stark +durchbrochene Ringe bilden, die einen mittleren, etwas niedrigeren +von Wasser bedeckten Raum umschliessen; ebenso mag auf jener Fläche +das Riff bei ruhiger, nicht von Strömen durchfurchter See einen +geschlossenen Ring bilden oder bei starken und wechselnden Strömungen +sich in eine im Ringe gestellte Reihe von Flecken auflösen. In beiden +Fällen dient das Ein- und Ausströmen des Wassers bei Fluth und Ebbe zur +Austiefung des inneren Raumes; denn während der aus lebenden Korallen +bestehende äussere Theil des Riffes dem Andrang des Wassers starken +Widerstand entgegensetzt und durch zufällig entstandene Riffe oder +Spalten den Fluthen bestimmte Bahnen vorschreibt, weicht die innere +Masse, welche meist nur aus losen Blöcken und leicht aufgehäuftem +Sande besteht, rasch den kräftig eintretenden Strömen der Fluthen +und Ebben. Oder es bilden sich eine Anzahl vereinzelter Riffe, +welche ursprünglich klein, den Strömen freien Spielraum lassen, +aber allmälig wachsend und sich vereinigend zu zusammenhängenden +Riffen die vorhandenen schwächeren und unbestimmteren Ströme in engere +Bahnen einschränken und zugleich damit so ihre Kraft verstärken, dass +das völlige Zusammenwachsen der einzelnen Riffe mehr oder weniger +verhindert wird. Mit der Mannichfaltigkeit der Grundlagen, auf denen +sich die Riffe bilden, wechseln so die Formen, welche die letztere +annehmen. Untermeerische Rücken werden die Träger der Atolle; aus +Küstenriffen, welche die Inseln umsäumten, werden durch den Einfluss +jener Strömungen Barrenriffe, die um so weiter von dem umgebenden +Lande entfernt sind, je schwächer die Neigung ihrer Abhänge oder je +grösser das umgebende Vorland war. Bei sehr steilen Küsten bilden sich +selten nur eigentliche Küstenriffe, niemals wirkliche Barrenriffe. So +wachsen die Korallen an der kleinen Insel Ngaur so dicht an der Küste, +dass bei hoher See die Brandung ihre Felsen bespült. Die ganze Ostküste +des nördlichen Theiles von Mindanao, ebenso die Ostküste des nördlichen +Theiles von Luzon zeigen nur in den Buchten grössere Flecken lebender +Korallen; aber niemals bildet sich, weder in dieser, noch an der +steil abfallenden, dem Meer ausgesetzten Küste ein eigentliches Riff, +und an den meisten Stellen würden sich die grössten Schiffe denselben +bis auf Kabellänge nähern können. Dort aber, wo sich eine Landzunge +untermeerisch fortsetzt, überzieht sie sich mit Korallen und bildet +weithin sich erstreckende Riffe, wie z. B. an Luzons's Ostküste, +am Eingange des Hafens von Palanan. + +Wesentlich abhängig ist die Bildung der Atolle und Barrenriffe von +der Festigkeit der Grundlagen oder der Inseln, an die sie sich +anlehnten. So bot die West- und Südseite der Insel Babelthaub +dem Abwaschen durch die Brandung nur wenig Widerstand, und die +untermeerischen Strömungen innerhalb des Aussenriffes vermochten +leicht tiefe Canäle in den Boden einzugraben, die sich im Norden +zu dem zwischen 40 und 60 Faden tiefen Lagunencanal vereinigten, +im Westen von Coröre einen grossen tiefen See bildeten, der sowohl +mit dem nördlichen, als dem östlich von Coröre einführenden Canale +in Verbindung steht. Wesentlich anders war die Wirkung der gleichen +Strömungen auf dem südlichen Theil des Archipels; hier konnte die +Brandung wohl den Fuss der Inseln stark aushöhlen, tiefe Höhlen und +schmale Thore einfressen, aber viel langsamer verschwanden die so +abgerissenen Theile unter dem Meere. Die tiefen und breiten Canäle +des Nordens nehmen ab in Zahl und Breite, und manche derselben +verlieren sich allmälig in jene, nur wenige Faden unter dem Meere +liegende Fläche, welche in ihren ausgedehnten Korallenfeldern den +günstigsten Boden zur Betreibung der Balate-Fischerei bieten. Ein +gleicher relativer Unterschied zeigt sich in den östlichen Küstenriffen +des Nordens und des Südens. Während dort die Brandung, weniger zwar +als auf der Westseite, die theilweise basaltische Küste befressen, +und die Bildung eines inneren flachen Bootcanals zwischen jener, +und dem höchstens 1000 Schritt abstehenden Aussenrand des Riffes +ermöglichen konnte, setzten die Ostküsten der Kalkinseln des Südens +solchen Widerstand dem Einflusse des Meeres entgegen, dass sich +nirgends die mindeste Spur eines Canales zwischen dem Aussenriff und +der Insel findet. Die grosse Verschiedenheit, welche die Ost- und +Westriffe in der Entfernung von ihren angrenzenden Küsten zeigen, +erklärt sich durch den Einfluss des beständig von Osten mächtigen +Seegangs, der in seiner stetig fortgesetzten Wirkung den einzelnen +Korallenindividuen das rasche Wachsthum nach aussen unmöglich machte, +während die Korallen des Westens in den langen Perioden der Ruhe sich +nach allen Seiten frei und kräftig ausbreiten konnten. Doch kann diese +Vergrösserung, welche das Riff nach Westen hin erfahren haben mag, +weniger bedeutend gewesen sein, als das Hindrängen der östlichen Riffe +an die Inseln: und wie hier die zurückdrängende Wirkung des Seeganges +das Aussenriff immer der Küste dicht folgen lässt, und seine Neigung +nach aussen sanfter macht, als die der westlichen Seite, so muss das +westliche Riff so ziemlich immer die Ausdehnung des früher bestandenen +Landes oder des untermeerischen Rückens bezeichnen. + +Hiermit soll indess keineswegs die Möglichkeit geläugnet werden, +dass manche Atolle oder Barrenriffe sich bildeten zur Zeit, als die +untermeerische Höhe, auf der sie standen, sich senkte; oder dass +selbst in manchen Fällen die Senkung wirklich den Anstoss zur Bildung +derselben abgab. So würde z. B. die Insel Ngaur sich senken müssen, +ehe sich um sie herum ein Barrenriff bildete. Zur Entscheidung +der Frage kommt es also zunächst auf das möglichst genaue Studium +aller einzelnen Fälle an. Schwieriger, als bei Barrenriffen, wo +die ihre Form bedingenden Ursachen dem Forscher noch zugänglich +sind, ist die Untersuchung, _welche_ jener Ursachen wirksam waren, +bei Atollen, und hier dürfte die Entscheidung wohl nur durch die +grössere Natürlichkeit herbeigeführt werden, welche die eine oder die +andere Annahme zu besitzen schiene. Subjectiver Auffassung ist hier +ein reiches Feld geöffnet; denn selbst in solchen Fällen, wo, wie in +der grossen Chagos-Bank, eine Senkung neuerdings stattgefunden haben +muss, bleibt dennoch die Frage offen, ob der Bildung der lebenden +Bank ebenfalls eine Senkung zu Grunde lag. Die Annahme aber, dass +nur oder hauptsächlich das wechselnde Spiel der Strömungen bei der +Bildung der Korallenriffe wirksam sei, könnte manche Fälle erklären, +die für die Senkungstheorie jetzt noch eine Ausnahme bilden. Ich +meine das Vorkommen von ächten Atollen in Erhebungsflächen (areas +of elevation), von den mir näher liegenden erwähne ich nur das Bajo +de Apo an der Westküste von Mindoro, dann die Islas Amantes und die +Islas Cagayan cillos, welche nach den mir vorliegenden Plänen echte +Atolle zu sein scheinen. Die West- und Nordküste von Bohol sind von +weit abstehenden Riffen umsäumt, welche mannigfach durch kleine Canäle +durchbrochen, vom Lande durch einen Tiefwassercanal getrennt sind, +in welchem selbst ziemlich grosse Schiffe sich dicht dem Lande nähern +können. Alle diese Punkte liegen eingeschlossen in dem jetzt in Hebung +begriffenen Archipel der Philippinen. Hier würde die Annahme, dass +Strömungen sie gebildet, nicht derselben Schwierigkeit unterliegen, +wie die Voraussetzung einer Senkung; und in der That sind auch an +andern Stellen dieses Archipels Fälle nicht selten, in welchen die +Bildung von Atoll-geformten Riffen oder solchen, die mit der Zeit +dazu werden können, deutlich auf die Einwirkung constanter Strömung +zurückgeführt werden kann. + +Die Insel Tigtauan, in zwei Meilen Entfernung von der Ostküste der +Südwestspitze von Mindanao liegend, zeigt an ihrer Westseite, auf +welche der Fluss von Masinloc zuströmt, einen schmalen Canal, welcher +den höheren Rand der niedrigen, ganz aus Korallen bestehenden Insel +durchbricht und in einen inneren von Mangrove-Büschen bewachsenen +Raum führt, welcher bei Fluth völlig vom Wasser bedeckt, bei +Ebbe grösstentheils trocken gelegt wird. In den stehenbleibenden +Lachen leben schwächlich einige Astraeenknollen. Eine ähnliche +Bildung zeigt die Insel S. Cruz vor Zamboanga. Wie verschieden +das Wachsthum der Korallenknoten ist, je nachdem ein Strom trüben +oder klaren, salzigen oder brackigen, in der einen oder andern +Richtung fliessenden Wassers sie trifft, konnte ich mit wenig +Mühe in der Silangan de Basilan erkennen. Hier sind die beiden +Seiten des Canals, welcher die Insel Malaunavi von Basilan trennt, +ganz von üppig lebenden Korallen bewachsen; aber der heftige Strom, +welcher sowohl bei Ebbe als bei Fluth immer von Ost nach West geht, +bedingt durch die eigenthümlichen topographischen Verhältnisse, +verhindert das Wachsthum der Korallen nach aussen, und zwingt sie, +statt in die Breite sich nur in die Länge nach oben auszudehnen. So +sind die Wände des Canals vollkommen senkrecht. Dort, wo sich durch +die Gegenströmungen des austretenden Baches von Isabela Wirbel und +Stillen bilden, häuft sich Sand und Schlamm an, auf dem ziemlich +zahlreiche isolirte Korallenknollen wachsen, die aber statt in die +Höhe sich mehr in die Breite ausdehnen. Am Westende des Canals theilt +eine kleine Insel die Strömung in zwei Arme. An der Spitze der Insel, +welche diese Theilung bewirkt, finden sich üppig vegetirende Korallen, +welchen das hier ruhige Wasser Wachsthum, sowie in die Breite auch +in die Höhe erlaubt; aber dort wo beiderseits die Ströme die Insel +tangiren, wachsen die Korallen wie vorher in die Höhe, ohne sich in +die Breite auszudehnen." + +_Späterer Zusatz_. Eine grosse Schwierigkeit für alle früheren +Theorien über Bildung der Korallen war die Unmöglichkeit zu erklären, +wie sie aus den grossen Tiefen der tropischen Meere heraufbauen +konnten. Diese schien durch Darwin's Ansicht gehoben zu sein, da die +Tiefe, welche die Koralleninseln umgibt, erst ein Product der Senkung +sein sollte. Nach meiner Ansicht würde sie dagegen wieder in ihr Recht +eintreten--wenn nicht seitdem andere Beobachtungen über das Leben der +Thiere in grossen Tiefen hinzugekommen wären. Ich erinnere hier nur an +die Entdeckungen der Neuzeit durch das Schleppnetz in den nordischen +Meeren, an des jüngeren M. Edwards Angaben über Thiere im Mittelmeere, +an die Mittheilungen von Carpenter, Pourtales etc. Hier kommen mir für +meine Meinung hauptsächlich des Letzteren Beobachtungen erwünscht, +weil er nachwies, dass weit ab von den Florida-Riffen eine Zone mit +der Tiefe von 90-300 Faden gefunden wird, in welcher zahllose Massen +von Korallen und Schalentrümmern zu einem Kalkconglomerat verbunden +werden, welches dem der gehobenen Florida-Riffe sehr ähnlich sieht, +und bei fortgesetzter Hebung jener Gegenden einen trefflichen +Boden für die Ansiedlung der eigentlich riffbildenden Madreporen +und Milleporen abgeben kann. Auf das Factum, dass letztere nur in +geringen Tiefen leben, ist absolut kein Gewicht zu legen; denn es +kommt eben nur darauf an, dass in der Zone, in welcher sie leben, +ein hinreichend fester Boden zu ihrer Ansiedlung vorhanden ist. Dies +aber kann, wie die Beobachtung von Pourtales lehrt, auf die leichteste +Weise durch allmälige Hebung irgend eines Kalkconglomerates--oder +eines vorgebildeten festen Gesteines--geschehen. Eine scheinbare +Schwierigkeit für meine Ansicht, dass die Korallenriffe sehr wohl +während einer Periode _der Hebung_ sich gebildet haben können, liegt +in der Behauptung, dass die echten Barrenriffe sich wie die Atolle nur +bis an die Oberfläche des Meeres oder nur wenig über dieselbe erheben +sollen. Einmal ist dies nicht durchgehends richtig; aber selbst wenn +es der Fall wäre, so gäbe ein solches Factum noch durchaus keinen +Grund ab gegen die Annahme, dass die abschleifende und auflösende +Wirkung des Wogenschlages, der Strömungen und der athmosphärischen +Einflüsse _stärker_ sei, als die erhebende Kraft. Dass letztere, +die vulcanische Kraft, wenn ich so sagen darf, mitunter stärker ist, +als die an der Oberfläche entgegenwirkende, beweisen die gehobenen +Korallenriffe auf den Pelew-Inseln, den Philippinen etc.; ist sie +aber schwächer, so ist eben allen jenen Einwirkungen der Elemente +freies Spiel gelassen, auf deren Complex ich die Bildung der echten +Korallenriffe eher zurückführen möchte, als auf die einzige Ursache +der Senkung ganzer Regionen, wie es Darwin thut. + +_Anmerkung 2_. Für die Zoologen füge ich über diesen interessanten +Krebs noch einige Bemerkungen hinzu. Der jüngere M. Edwards +beschreibt (Maillard, Notes sur l'isle de la Réunion) einen solchen +Krebs, der in einem Loche einer Maeandrina leben soll, unter dem +Gattungsnamen Lithoscaptus. Dass dieser M. Edward'sche Krebs, dessen +Beschreibung sehr sorgfältig ist, wirklich mit dem von mir in _Gallen_ +verschiedener Korallen gefundenen generisch übereinstimmt, beweist +mir eine philippinische in dem Loch einer Astraea lebende Art, +welche sich nur specifisch von den 2 philippinischen in _Gallen_ +lebenden Species trennen lässt. Dann sehe ich aus einer Notiz von +Verrill "Remarkable Instances of Crustacean Parasitism" in Silliman's +American Journal July 1867, dass schon Stimpson dieselbe Gattung aus +Gallen der Pocillopora cespitosa unter dem Namen _Hapalocarcinus_ +beschrieben hat. Dieser letztere Name hat also die Priorität vor dem +von M. Edwards. Ob in neuerer Zeit, seit 1865, irgend ein Autor noch +Beobachtungen über diese Krebse mitgetheilt hat, kann ich nicht sagen, +da ich in Bezug auf Literatur hier in Würzburg sehr beschränkt bin, +und die entomologischen Jahresberichte von Gerstäcker so unregelmässig +erscheinen, dass ich bis jetzt immer noch nicht den zweiten Theil +des für 1865-66 herausgegebenen Berichtes erhalten habe, welcher die +Crustaceen enthält. + +_Anmerkung 3_. Ich verweise in Bezug auf die Lebensweise und +Organisation der Holothurien auf mein Werk über diese Thiergruppe, +das als 1. Band des wissenschaftlichen Theiles meines Reisewerkes +erschienen ist. + +_Anmerkung 4_. Ich verweise den Leser, der sich spezieller über die +Tamblegam Perlenmuschel unterrichten will, auf einen Aufsatz in den +Annals of Natural History 1858 Vol. I. pag. 88-91. + +_Anmerkung 5_. Ich kann die Angaben, welche Wilson in dem einst +solches Aufsehen erregenden Buche von Keate "An Account of the +Pelew Islands etc. London 1788" pag. 234-236 über diesen Orden +und die bei seiner Verleihung beobachteten Gebräuche gemacht hat, +durchaus bestätigen. Ueberhaupt möchte ich hier ein Wort für die oft +angezweifelte Glaubwürdigkeit des englischen Seemannes einlegen. Ich +für meinen Theil habe seine Angaben durchweg bestätigt gefunden, +und ich finde in seinen Schilderungen eine solche Wahrheitsliebe, +verbunden mit guter Beobachtungsgabe und Kritik, dass ich wünschen +möchte, die gleichen Eigenschaften in demselben Masse bei allen +späteren Reisenden wiederzufinden. Leider ist dies durchaus nicht der +Fall, und während ich geneigt bin, die schlichten Erzählungen des gut +beobachtenden einfachen Seemannes durchaus als glaubwürdig und richtig +anzunehmen, hat mich auf anderem Boden die eigene Erfahrung gelehrt, +wie oberflächlich und falsch oft die Bemerkungen berühmter Gelehrter +und Reisender sind. Es scheint in der That keine leichte Kunst zu sein, +neben der Gelehrsamkeit sich auch die, ich möchte sagen, unschuldige +Naivität und Beobachtungsgabe zu bewahren, wie sie oft ungelehrten, +aber desswegen auch nicht von grossartigen Theoremen beeinflussten +Reisenden eigen zu sein pflegt. Wilson beschreibt die an ihm selbst +vollführte Ceremonie des Anlegens des Knochenordens, und fügt dann +eine kurze Ermahnung des Königs hinzu, "dass der Knochen täglich +von ihm blank gerieben und als ein Zeichen seines nun angenommenen +Ranges behalten werden müsse; dass dieses Zeichen seiner Würde von +ihm tapfer zu vertheidigen sei und er eher den Tod erdulden müsse, +als zu gestatten, dass man ihm dasselbe abnehme." + +_Anmerkung 6_. Unter diesem Namen findet man in den älteren spanischen +Schriftstellern den dujong häufig erwähnt; leider aber sind die +über ihn mitgetheilten Notizen so dürftig--theilweise auch ganz +abentheuerlich--, dass eigentlich daraus nur die frühere bedeutende +Häufigkeit des Thieres zu ersehen ist. Ob die zweifellose Abnahme +der Zahl derselben lediglich auf Rechnung der Verfolgung durch den +Menschen zu setzen ist, wird kaum zu entscheiden sein. Wenn ich den +Angaben der Bewohner der Pelew-Inseln Glauben schenken darf, so muss +der dujong im stillen Ocean früher nicht gerade selten gewesen, jetzt +dagegen gänzlich ausgestorben sein. Das gleiche Schicksal theilt, +wie es scheint, das Krokodil (Crocodilus biporcatus Cav.). Es ist +dies, das Meer wie die Seen und Flüsse gleichzeitig, bewohnende +Krokodil ungemein weit verbreitet, nemlich von den Mascarenen +an bis nach Nord-Australien und den Fidji-Inseln (S. Strauch, +Synopsis der gegenwärtig lebenden Crocodiliden pag. 53). Kotzebue +fand es auf seiner Reise um die Welt (Bd. III. pag. 189) auch auf +den Pelew-Inseln. Während meines zehnmonatlichen Aufenthaltes dort im +Jahr 1862 hörte ich weder von einem Unglück, noch von dem Fang eines +solchen Thieres; ein halb zerschlagener Schädel war das Einzige, +was ich dort fand. Auch sagten mir die Eingebornen auf Befragen, +dass das Thier jetzt sehr selten geworden sei. + +_Anmerkung 7_. Bei der Einfahrt in den Fluss Pasig ziehen diese +mächtigen Netze mit den hochgestellten Hebelbäumen, an denen sie sich +bewegen, gleich die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich. Sie bilden +hier in der That eines der am meisten charakteristischen Momente. Der +ganze Hebelapparat steht auf einem grossen von Bambusrohren gebauten +Floss, auf welchem sich der Fischer mit seiner Familie häuslich für +Tage und Wochen niederlässt. Eine leichtgebaute Hütte gewährt ihnen +Schutz gegen Regen und Sonne, und seine Fischmahlzeit mit Reis kocht +er sich dicht daneben in freier Luft. + + + + +III. Skizze.--Das Klima und das organische Leben. + + +_Anmerkung 1_. Ich theile hier mit gütiger Erlaubnis des Herrn +Prof. _Karsten_ in Kiel den nachfolgenden Aufsatz in extenso mit, lasse +dabei jedoch die graphische Darstellung der allgemeineren Resulate +fort, die ich in meinem Reisewerke zugleich mit dem wiederabgedruckten +Aufsatz geben werde. + + + + +Ueber das Klima der Philippinen. + +Von Prof. G. Karsten in Kiel. + + +Die Beobachtungsresultate von den Philippinen, welche im Folgenden +zusammengestellt sind, gründen sich auf das von Herrn Dr. _Semper_ +hergestellte Material. Die einzelnen Beobachtungsreihen sind die +folgenden: + + +1) Sta. Ana bei Manila, die ausgedehnteste Reihe, welche nach der Lage +des Ortes und wie auch aus den Resultaten der einzelnen Jahre sich +ergibt, sehr gute Mittelwerthe liefert, so dass Sta. Ana als Normalort +für die übrigen Punkte betrachtet werden kann. Die Beobachtungen +umfassen die Zeit vom Februar 1859 bis September 1862. Sehr vollständig +sind Temperaturen, Winde, die Niederschläge und die Psychrometer. Das +Barometer ist nur ein Jahr hindurch notirt. Ausserdem finden sich +Nebenbemerkungen über die Himmelsansicht, Form der Niederschläge, +Gewitter und Erdbeben. + +2) St. Miguel bei Manila, Januar bis Mitte März 1863. + +3) Bohol, südlich von Manila, 15 Monate, von Oct. 1863 bis Dec. 1864. + +4) Kürzere Reihen und Notizen des Reisejournals von nordwärts Manila +und zum Theil hoch gelegenen Orten: Cagayan, Mancayan, Benguet, +Calumpit u. s. f. Die Beobachtungen von Benguet etwa 4000' über dem +Meere sind spanische zu den Stunden 7, 2, 9 angestellt. Ebenso sind +die Beobachtungen von Calumpit spanische. Eine kleine Beobachtungsreihe +(Thermometer und Barometer) von Mr. Green von October 1851 bis December +1852 in Binondo (zwischen Häusern). Desgl. eine Reihe Thermometer- +und Barometerbeobachtungen für 1860 von Aguirre aus Manila. + + +Ich beschränke mich im Wesentlichen auf die Reihe 1 und werde +nur einige Bemerkungen über das sonstige Material hinzufügen. Die +Beobachtungszeiten waren 6, 2, 10, so dass nach Anbringung der für +die Instrumente ermittelten Correktion die Mittelwerthe direkt als +das arithmetische Mittel genommen werden konnten. + + +I. Monatswerthe von Temperatur, Barometer, Dunstdruck, relativer +Feuchtigkeit und mittlerer Windrichtung zu _Sta. Ana (Manila)_ in +der Zeit vom April 1859 bis September 1862. + + | Temperatur. | Barometer. | Dunstdr. | Druck der | Relative | Nieder- | Mittlere + | Mittel. | Maximum. | Minimum. | Mittel. | Maximum. | Minimum. | | trocknen | Feuchtigkeit | schlag | Windrichtung. + | | | | | | | | | | | | Luft. | | | + | | Tag | t | Tag | t | | Tag | t | Tag | t | | par.''' | % | par.''' | + | | | | | | | | | | | | | | | +1859 | | | | | | | | | | | | | | | + April | 20.82 | 25 | 28.0 | 5 | 15.0 | | | | | | -- | | -- | -- | S 77° 34' O + Mai | 22.50 | 13 | 27.5 | 14 | 19.0 | | | | | | -- | | -- | -- | N 45 0 W + Juni | 22.36 | 1 | 27.5 | 29 | 19.1 | | | | | | 9.32 | | 76.0 | -- | N 76 25 W + Juli | 21.52 | 7 | 26.6 | 12 | 17.8 | 335.63 | 15 | 336.58 | 27 | 334.11 | 9.48 | | 82.6 | 263.923 | S 45 0 W + August | 21.51 | 25 | 27.0 | 7 | 17.2 | | | | | | 9.48 | | 83.8 | 175.086 | S 66 55 W + Septbr.| 21.20 | 30 | 25.0 | 3 | 18.0 | | | | | | 9.64 | | 85.1 | 125.621 | S 7 53 W + Octbr. | 20.44 | 26 | 24.0 | 1 | 18.0 | | | | | | 9.42 | | 87.6 | 220.575 | N 83 59 O + Novbr. | 20.39 | 21 | 24.1 | 4 | 17.7 | | | | | | 9.03 | | 83.7 | 80.674 | S 54 44 W + Decbr. | 19.47 | 1 | 23.4 | 18 | 14.7 | | | | | | 8.26 | | 81.9 | 50.837 | N 45 0 O + | | | | | | | | | | | | | | | +1860 | | | | | | | | | | | | | | | + Januar | 19.25 | 19 | 23.1 | 9 | 14.6 | | | | | | 7.72 | | 78.7 | 12.486 | N 39 57 O + Febr. | 20.06 | 28 | 25.3 | 5 | 15.4 | | | | | | 8.21 | | 75.7 | 29.652 | S 45 0 W + März | 20.58 | 28 | 27.0 | 2 | 13.7 | | | | | | 7.82 | | 72.4 | 9.488 | N 45 0 O + April | 21.56 | 4 | 27.7 | 28 | 17.0 | | | | | | 8.24 | | 72.6 | 38.604 | N 46 58 O + Mai | 22.05 | 9 | 28.8 | 14 | 16.3 | | | | | | 8.70 | | 73.2 | 68.472 | S 72 52 O + Juni | 21.74 | 6 | 27.7 | 3 | 17.7 | | | | | | 9.42 | | 80.8 | 156.192 | S 33 2 W + Juli | 21.27 | 2 | 26.8 | 20 | 17.0 | | | | | | 9.43 | | 83.5 | 97.176 | S 22 44 W + August | 21.82 | 18 | 26.5 | 11 | 18.1 | | | | | | 9.75 | | 82.8 | 96.492 | S 45 0 W + Sept. | 21.21 | 4 | 25.9 | 24 | 17.6 | | | | | | 9.58 | | 83.5 | 257.136 | S 42 14 W + Oct. | 21.26 | 26 | 25.5 | 30 | 15.4 | | | | | | 9.37 | | 83.9 | 49.128 | S 69 53 O + Nov. | 20.16 | 2 | 24.6 | 26 | 12.7 | | | | | | 8.27 | | 79.5 | 18.408 | N 71 15 O + Dec. | 19.63 | 11 | 24.6 | 1 | 12.1 | | | | | | 7.82 | | 78.1 | 19.812 | N 45 0 O + Jahr | 20.72 | | | | | | | | | | | | | | + | | | | | | | | | | | | | | | +1861 | | | | | | | | | | | | | | | + Jan. | 19.45 | 31 | 24.2 | 18 | 14.2 | | | | | | 7.99 | | 79.2 | 22.980 | N 39 28 O + Febr. | 20.18 | 17 | 25.0 | 23 | 14.5 | | | | | | 7.87 | | 75.5 | 12.552 | N 57 26 O + März | 20.97 | 28 | 26.1 | 12 | 14.5 | | | | | | 7.98 | | 71.8 | 9.288 | S 83 13 O + April | 22.22 | 8 | 26.5 | 10 | 14.6 | | | | | | 8.83 | | 72.5 | 26.268 | S 48 50 O + Mai | (--) | -- | -- | -- | -- | | | | | | -- | | | 43.974 | -- + Juni | 21.46 | 17 | 26.2 | 22 | 18.0 | | | | | | 9.15 | | 80.3 | 66.192 | S 33 29 O + Juli | 21.59 | 4 | 25.5 | 21 | 18.0 | | | | | | 9.34 | | 81.2 | 66.528 | S 18 14 W + August | 21.18 | 10 | 25.5 | 15 | 18.1 | | | | | | 9.52 | | 84.2 | 457.788 | S 43 52 W + Sept. | 21.05 | 13 | 24.4 | 4 | 17.8 | | | | | | 9.75 | | 87.1 | 198.516 | S 45 0 W + Oct. | 20.67 | 8 | 24.1 | 14 | 16.9 | 335.96 | 28 | 337.30 | 11 | 332.56 | 9.30 | 326.66 | 85.2 | 80.100 | N 53 52 O + Nov. | 20.10 | 10 | 24.1 | 27 | 14.4 | 36.86 | 26 | 37.83 | 12 | 35.88 | 8.17 | 28.69 | 78.7 | 7.500 | N 5 31 W + Dec. | 19.35 | 18 | 24.0 | 27 | 14.6 | 37.68 | 7 | 39.12 | 2 | 35.57 | 7.48 | 30.20 | 76.7 | 9.408 | N 61 1 O + Jahr | (20.80) | | | | | | | | | | | | | | + | | | | | | | | | | | | | | | +1862 | | | | | | | | | | | | | | | + Jan. | 19.19 | 31 | 23.8 | 24 | 14.5 | 37.76 | 14 | 39.12 | 8 | 36.01 | 7.27 | 30.39 | 74.9 | 6.912 | N 25 34 O + Febr. | 19.60 | 5 | 23.9 | 19 | 13.9 | 37.56 | 10 | 38.93 | 5 | 36.11 | 7.86 | 29.70 | 78.7 | 56.232 | N 39 47 W + März | 20.46 | 28 | 24.5 | 18 | 15.7 | 37.81 | 8 | 38.98 | 31 | 35.97 | 7.42 | 30.39 | 73.1 | 3.156 | N 90 0 O + April | 22.00 | 20 | 26.0 | 22 | 17.1 | 37.27 | 22 | 38.19 | 9 | 36.01 | 7.95 | 29.32 | 67.0 | 0.456 | S 45 0 O + Mai | 22.75 | 22 | 27.4 | 2 | 17.2 | 37.10 | 31 | 38.27 | 27 | 34.68 | 8.64 | 28.46 | 69.1 | 19.476 | S 9 10 W + Juni | 22.35 | 10 | 27.1 | 22 | 18.4 | 36.95 | 2 | 38.23 | 5 | 35.39 | 9.50 | 27.45 | 77.1 | 91.908 | S 40 29 W + Juli | 21.51 | 1 | 25.2 | 14 | 18.6 | 36.92 | 8 | 38.41 | 24 | 34.46 | 9.73 | 27.19 | 84.2 | 158.436 | S 45 0 W + August | 21.49 | 3 | 24.6 | 16 | 18.3 | 36.90 | 18 | 38.23 | 6 | 34.07 | 9.71 | 27.19 | 84.1 | 234.084 | S 46 6 W + Sept. | 21.27 | 21 | 24.7 | 4 | 18.1 | 37.15 | 27 | 38.50 | 23 | 35.00 | 9.69 | 27.46 | 85.8 | 153.288 | S 50 36 W + + +Die Oscillationen um diese Mittelwerthe ergeben sich aus den +Zusammenstellungen über die einzelnen Witterungsfaktoren, die ich +hieran anschliesse. + + + +A. Die Temperaturen. + + +Obwohl die Beobachtungsreihe zu kurz ist, um schon die 5 tägigen +Mittel genau zu geben, führe ich dieselben doch zunächst auf, um den +Gang der Wärme ausführlicher zu zeigen. Darauf folgen die extremen +Temperaturwerthe in den einzelnen Monaten, sodann die Mittelwerthe +der Monats- und Jahrestemperaturen nebst den Abweichungen von den +Mittelwerthen. Endlich eine kleine Tafel über die Temperatur des +Wassers in einem Brunnen, welche ein Jahr lang gemessen worden ist. + + +II. Fünftägige Mittelwerthe der Lufttemperatur °R zu Sta. Ana (Manila) +für die Zeit vom 1. April 1859 bis 2. October 1862. + + | 1859 | 1860 | 1861 | 1862 | Mittel.| Grösste + | | | | | | Abweichung + | | | | | | vom Mittel. + | | | | | | + 1-5 Jan. | -- | 18.81 | 19.30 | 19.32 | 19.14 | -0.33 + 6-10 | -- | 18.59 | 19.97 | 18.85 | 19.14 | -0.83 + 11-15 | -- | 19.14 | 19.27 | 19.13 | 19.18 | +0.09 + 16-20 | -- | 19.56 | 18.94 | 19.11 | 19.17 | +0.39 + 21-25 | -- | 19.53 | 19.36 | 19.08 | 19.32 | -0.24 + 26-30 | -- | 19.89 | 19.55 | 19.49 | 19.64 | +0.25 + 31-4 Febr. | -- | 19.30 | 20.16 | 19.91 | 19.79 | -0.49 + 5-9 | -- | 19.20 | 20.94 | 20.52 | 20.22 | -1.02 + 10-14 | -- | 20.36 | 20.76 | 19.56 | 20.23 | -0.67 + 15-19 | -- | 20.08 | 20.42 | 18.93 | 19.81 | -0.88 + 20-24 | -- | 20.47 | 19.60 | 18.85 | 19.64 | -0.83 + 25-1 März | -- | 20.77 | 19.29 | 20.48 | 20.18 | -0.89 + 2-6 | -- | 20.54 | 20.95 | 20.41 | 20.63 | +0.32 + 7-11 | -- | 20.50 | 20.88 | 20.27 | 20.55 | +0.33 + 12-16 | -- | 20.60 | 19.64 | 20.21 | 20.15 | -0.51 + 17-21 | -- | 19.80 | 21.22 | 20.15 | 20.39 | +0.83 + 22-26 | -- | 20.70 | 21.51 | 20.58 | 20.93 | +0.58 + 27-31 | -- | 21.33 | 21.85 | 21.02 | 21.40 | +0.45 + 1-5 April | 19.11! | 21.46 | 21.70 | 21.53 | 20.95 | -1.84! + 6-10 | 21.28 | 21.10 | 22.29 | 21.98 | 21.66 | +0.63 + 11-15 | 20.43 | 22.32 | 22.61 | 22.00 | 21.96 | -1.03 + 16-20 | 20.48 | 21.43 | 22.54 | 22.40 | 21.71 | -1.23 + 21-25 | 22.39 | 21.63 | 21.69 | 22.13 | 21.96 | +0.43 + 26-30 | 20.74 | 21.44 | 22.99 | 21.97 | 21.79 | +1.20 + 1-5 Mai | 22.40 | 21.67 | -- | 22.09 | 22.05 | -0.38 + 6-10 | 22.33 | 22.57 | -- | 22.23 | 22.38 | +0.19 + 11-15 | 22.25 | 22.33 | -- | 22.69 | 22.42 | +0.27 + 16-20 | 22.60 | 22.40 | -- | 23.31 | 22.77 | +0.45 + 21-25 | 23.23 | 21.80 | -- | 23.28 | 22.77 | -0.97 + 26-30 | 22.51 | 21.60 | -- | 22.85 | 22.32 | -0.72 + 31-4 Juni | 22.82 | 22.07 | -- | 22.98 | 22.62 | -0.55 + 5-9 | 21.97 | 22.23 | -- | 22.98 | 22.39 | +0.59 + 10-14 | 22.62 | 21.70 | 21.52 | 22.11 | 21.99 | +0.63 + 15-19 | 21.84 | 22.16 | 22.14 | 21.81 | 21.99 | -0.18 + 20-24 | 22.41 | 21.32 | 21.64 | 22.25 | 21.91 | -0.59 + 25-29 | 22.23 | 21.00 | 20.69 | 22.24 | 21.54 | -0.85 + 30-4 Juli | 22.07 | 22.10 | 21.93 | 21.94 | 22.01 | +0.09 + 5-9 | 22.58 | 21.38 | 21.86 | 20.88 | 21.68 | +0.90 + 10-14 | 21.58 | 21.48 | 22.19 | 21.23 | 21.62 | +0.57 + 15-19 | 21.56 | 20.95 | 21.01 | 21.07 | 21.15 | +0.41 + 20-24 | 20.94 | 21.03 | 21.33 | 21.28 | 21.15 | -0.21 + 25-29 | 21.04 | 20.89 | 21.27 | 22.43 | 21.41 | -0.52 + 30-3 Aug. | 20.72 | 21.03 | 21.32 | 22.38 | 21.34 | +1.06 + 4-8 | 21.69 | 21.69 | 21.55 | 21.51 | 21.61 | +0.08 + 9-13 | 20.96 | 21.57 | 22.03 | 21.91 | 21.62 | +0.41 + 14-18 | 21.43 | 21.88 | 20.88 | 20.34 | 21.13 | -0.79 + 19-23 | 21.36 | 21.89 | 21.77 | 21.47 | 21.62 | -0.26 + 24-28 | 21.45 | 22.19 | 20.33 | 21.69 | 21.42 | -1.09 + 29-2 Sept. | 20.73 | 21.81 | 20.54 | 22.25 | 21.33 | +0.92 + 3-7 | 21.26 | 21.77 | 20.55 | 21.55 | 21.28 | -0.73 + 8-12 | 21.38 | 21.93 | 21.55 | 21.35 | 21.55 | +0.38 + 13-17 | 21.31 | 21.77 | 20.80 | 21.04 | 21.23 | -0.43 + 18-22 | 21.36 | 20.50 | 21.60 | 21.19 | 21.18 | -0.68 + 23-27 | 20.80 | 20.57 | 20.98 | 20.72 | 20.77 | +0.21 + 28-2 Oct. | 21.07 | 20.43 | 20.69 | 20.61 | 20.70 | +0.37 + 3-7 | 20.63 | 21.19 | 20.75 | -- | 20.86 | +0.33 + 8-12 | 20.26 | 20.93 | 21.46 | -- | 20.88 | -0.62 + 13-17 | 19.49 | 21.16 | 20.41 | -- | 20.35 | -0.86 + 18-22 | 20.35 | 21.77 | 20.58 | -- | 20.90 | +0.87 + 23-27 | 20.89 | 21.35 | 20.37 | -- | 20.87 | +0.48 + 28-1 Nov. | 21.06 | 21.49 | 20.35 | -- | 20.97 | -0.62 + 2-6 | 20.81 | 20.61 | 20.80 | -- | 20.74 | -0.13 + 7-11 | 20.08 | 20.49 | 20.89 | -- | 20.49 | +0.40 + 12-16 | 20.29 | 19.88 | 20.11 | -- | 20.09 | -0.21 + 17-21 | 20.25 | 19.70 | 20.07 | -- | 20.01 | -0.31 + 22-26 | 20.26 | 20.46 | 19.51 | -- | 20.08 | -0.57 + 27-1 Dec. | 20.29 | 19.19 | 18.87 | -- | 19.45 | +0.84 + 2-6 | 19.69 | 19.53 | 18.72 | -- | 19.31 | -0.59 + 7-11 | 19.95 | 21.02 | 19.25 | -- | 20.07 | +0.95 + 12-16 | 19.86 | 19.95 | 19.84 | -- | 19.88 | +0.07 + 17-21 | 18.15 | 19.13 | 19.85 | -- | 19.04 | -0.89 + 22-26 | 19.49 | 19.19 | 19.48 | -- | 19.39 | -0.20 + 27-31 | 19.72 | 19.10 | 19.13 | -- | 19.32 | +0.40 + + +Die grössten Abweichungen der 5 tägigen Mittel in den einzelnen +Jahren gegen den Durchschnittswerth betragen hiernach etwa 1°; nur +die Pentade 1-5 April macht eine Ausnahme, indessen ist der niedrige +Werth unsicher, weil in den Originalbeobachtungen ein Tag fehlt. + +Die auf Sta. Ana als Normalort zu reducirenden einzelnen Beobachtungen +werden daher mit einer Unsicherheit von etwa 1° R. behaftet sein. + +Der Gang der Temperatur ist bemerkenswerth besonders durch die frühe +Entwickelung des Wärmemaximums in der Zeit vom 16. bis 25. Mai. Das +Jahresminimum fällt in die erste Hälfte des Januar und ein zweites +kurz andauerndes Minimum in den December. Es ist zu bedauern, dass +gerade für die Feststellung der Extreme die Sicherheit wegen des +Fehlens eines der vier Beobachtungsjahre vermindert ist. + + +III. Mittlere Monatstemperaturen und Extreme der Monatstemperaturen +zu Sta. Ana vom April 1859 bis September 1862. + + | 1859 | 1860 | 1861 | 1861 | Durchschnitt. + | | | | | | Abweichung. + | | | | | | +Januar. | | | | | | + Monatsmittel | -- | 19.25 | 19.45 | 19.19 | 19.30 | +0.15 + Maximum | -- | 23.1 | 24.4 | 24.0 | 23.8 | -0.7 + Minimum | -- | 14.6 | 14.0 | 14.3 | 14.3 | +0.3 + Differenz | -- | 8.5 | 10.4 | 9.7 | 9.5 | -1.0 + | | | | | | +Februar. | | | | | | + Monatsmittel | -- | 20.06 | 20.18 | 19.60 | 19.95 | -0.35 + Maximum | -- | 24.6 | 25.2 | 24.1 | 24.6 | +0.6 + Minimum | -- | 15.6 | 14.3 | 13.7 | 14.5 | +1.1 + Differenz | -- | 9.0 | 10.9 | 10.4 | 10.1 | +0.8 + | | | | | | +März. | | | | | | + Monatsmittel | -- | 20.58 | 20.97 | 20.46 | 20.67 | +0.30 + Maximum | -- | 26.1 | 26.3 | 24.7 | 25.7 | -1.0 + Minimum | -- | 13.9 | 14.3 | 15.5 | 14.6 | +0.9 + Differenz | -- | 12.2 | 12.0 | 9.2 | 11.1 | -1.9 + | | | | | | +April. | | | | | | + Monatsmittel | 20.82 | 21.56 | 22.22 | 22.00 | 21.65 | -0.83 + Maximum | 28.0 | 26.8 | 26.7 | 26.2 | 26.9 | +1.1 + Minimum | 15.0 | 17.2 | 17.4 | 16.9 | 16.3 | -1.3 + Differenz | 13.0 | 9.6 | 9.3 | 9.3 | 10.3 | +2.7 + | | | | | | +Mai. | | | | | | + Monatsmittel | 22.50 | 22.05 | -- | 22.75 | 22.43 | +0.32 + Maximum | 27.5 | 27.9 | -- | 27.6 | 27.7 | +0.2 + Minimum | 19.0 | 16.5 | -- | 17.0 | 17.5 | 1.5 + Differenz | 8.5 | 11.4 | -- | 10.6 | 10.2 | -1.7 + | | | | | | +Juni. | | | | | | + Monatsmittel | 22.36 | 21.74 | 21.46 | 22.35 | 21.98 | -0.52 + Maximum | 27.5 | 26.8 | 26.4 | 27.3 | 27.0 | -0.6 + Minimum | 19.1 | 17.9 | 17.8 | 18.2 | 18.3 | +0.8 + Differenz | 8.4 | 8.9 | 8.6 | 9.1 | 8.7 | +0.4 + | | | | | | +Juli. | | | | | | + Monatsmittel | 21.52 | 21.27 | 21.59 | 21.51 | 21.47 | -0.20 + Maximum | 26.6 | 25.9 | 25.7 | 25.4 | 25.9 | +0.7 + Minimum | 17.8 | 17.1 | 17.8 | 18.4 | 17.8 | -0.7 + Differenz | 8.8 | 8.8 | 7.9 | 7.0 | 8.1 | -1.1 + | | | | | | +August. | | | | | | + Monatsmittel | 21.51 | 21.82 | 21.18 | 21.49 | 21.50 | 0.32 + Maximum | 27.0 | 25.6 | 25.7 | 24.8 | 25.8 | +1.2 + Minimum | 17.2 | 18.3 | 17.9 | 18.3 | 17.9 | -0.7 + Differenz | 9.8 | 7.3 | 7.8 | 6.5 | 7.9 | 1.4 + | | | | | | +Septbr. | | | | | | + Monatsmittel | 21.20 | 21.21 | 21.05 | 21.27 | 21.18 | -0.13 + Maximum | 25.0 | 25.0 | 24.6 | 24.9 | 24.9 | -0.3 + Minimum | 18.0 | 17.8 | 17.6 | 17.9 | 17.8 | 0.2 + Differenz | 7.0 | 7.2 | 7.0 | 7.0 | 7.1 | 0.1 + | | | | | | +October. | | | | | | + Monatsmittel | 20.44 | 21.26 | 20.67 | -- | 20.79 | +0.47 + Maximum | 24.0 | 24.6 | 24.3 | -- | 24.3 | 0.3 + Minimum | 18.0 | 15.6 | 16.7 | -- | 16.8 | 1.2 + Differenz | 6.0 | 9.0 | 7.6 | -- | 7.5 | 1.5 + | | | | | | +Novbr. | | | | | | + Monatsmittel | 20.39 | 20.16 | 20.10 | -- | 20.22 | +0.17 + Maximum | 24.1 | 23.7 | 24.3 | -- | 24.0 | 0.3 + Minimum | 17.7 | 12.9 | 14.2 | -- | 14.9 | +2.8 + Differenz | 6.4 | 10.8 | 10.1 | -- | 9.1 | -2.9 + | | | | | | +Decbr. | | | | | | + Monatsmittel | 19.47 | 19.63 | 19.35 | -- | 19.48 | +0.15 + Maximum | 23.4 | 23.7 | 24.2 | -- | 23.8 | 0.4 + Minimum | 14.7 | 12.3 | 14.4 | -- | 13.8 | -1.5 + Differenz | 8.7 | 11.4 | 9.8 | -- | 10.0 | +1.4 + + +Die Werthe aus dieser Tafel anders geordnet, um die Uebersicht der +Schwankungen der einzelnen Jahre und die Jahresmittel zu gewinnen, +ergeben die folgende Tabelle: + + +IV. + + | 1859 | 1860 | 1861 | 1863 | Monats- | Grösste | Mittleres | Mittleres | Differenz. | Absolutes | Maxim. | Absolutes | Min. + | | | | | Mittel | Abweich- | Maximum. | Minimum. | | t | Jahr. | t | Jahr. + | | | | | | ung. | | | | | | | + | | | | | | | | | | | | | +Januar | (19.30) | 19.25 | 19.45 | 19.19 | 19.30 | 0.15 | 23.8 | 14.3 | 9.5 | 24.4 | 1861 | 14.0 | 1861 +Februar | (19.95) | 20.06 | 20.18 | 19.60 | 19.95 | 0.35 | 24.6 | 14.5 | 10.1 | 25.2 | 1861 | 13.7 | 1862 +März | (20.67) | 20.58 | 20.97 | 20.46 | 20.67 | 0.30 | 25.7 | 14.6 | 11.1 | 26.3 | 1861 | 13.9 | 1860 +April | 20.82 | 21.56 | 22.22 | 22.00 | 21.65 | 0.83 | 26.9 | 16.6 | 10.3 | 28.0 | 1859 | 15.0 | 1859 +Mai | 22.50 | 22.05 | (22.43) | 22.75 | 22.43 | 0.32 | 27.7 | 17.5 | 10.2 | 27.9 | 1860 | 16.5 | 1860 +Juni | 22.36 | 21.74 | 21.46 | 22.35 | 21.98 | 0.38 | 27.0 | 18.3 | 8.7 | 27.5 | 1859 | 17.8 | 1861 +Juli | 21.52 | 21.27 | 21.59 | 21.51 | 21.47 | 0.20 | 25.9 | 17.8 | 8.1 | 26.6 | 1859 | 17.1 | 1860 +August | 21.51 | 21.82 | 21.18 | 21.49 | 21.50 | 0.32 | 25.8 | 17.9 | 7.9 | 27.0 | 1859 | 17.2 | 1859 +September | 21.20 | 21.21 | 21.05 | 21.27 | 21.18 | 0.13 | 24.9 | 17.8 | 7.1 | 25.0 | 1860 | 17.6 | 1861 +October | 20.44 | 21.26 | 20.67 | (20.79) | 20.79 | 0.47 | 24.3 | 16.8 | 7.5 | 24.6 | 1860 | 15.6 | 1860 +November | 20.39 | 20.16 | 20.10 | (20.22) | 20.22 | 0.17 | 24.0 | 14.9 | 9.1 | 24.3 | 1861 | 12.9 | 1860 +December | 19.47 | 19.63 | 19.35 | (19.48) | 19.48 | 0.15 | 23.8 | 13.8 | 10.0 | 24.2 | 1861 | 12.3 | 1860 + | | | | | | | | | | | | | +Jahr | 20.844 | 20.882 | 20.887 | 20.926 | 20.885 | 0.041 | 25.37 | 16.23 | 9.14 | 28.0 | 1859 | 12.3 | 1860 + | | | | | | | | | | | | | +Grösste | | | | | | | | | | | | | +Differenz | | | | | | | | | | | | | +im Jahre | 3.20 | 2.80 | 3.08 | 3.56 | 3.13 | | | | | | | | + + +V. Mittlere Temperatur des Brunnenwassers verglichen mit der der Luft. + + | 1861 | 1862 | Mittel. + | Brunnen | Luft | Brunnen | Luft | Brunnen | Luft + | | | | | | +Januar | -- | -- | 20.0 | 19.19 | 20.0 | 19.19 +Februar | -- | -- | 20.0 | 19.60 | 20.0 | 19.60 +März | -- | -- | 20.4 | 20.46 | 20.4 | 20.46 +April | 21.2 | 22.22 | 20.9 | 22.00 | 21.05 | 22.11 +Mai | -- | -- | 21.2 | 22.75 | 21.2 | 22.75 +Juni | -- | -- | 21.2 | 22.35 | 21.2 | 22.35 +Juli | 21.6 | 21.59 | 21.3 | 21.51 | 21.45 | 21.55 +August | 21.6 | 21.18 | 21.5 | 21.49 | 21.55 | 21.34 +September | 21.2 | 21.05 | 21.2 | 21.27 | 21.2 | 21.12 +October | 21.1 | 20.67 | -- | -- | 21.1 | 20.67 +November | 20.8 | 20.10 | -- | -- | 20.8 | 20.10 +December | 20.5 | 19.35 | -- | -- | 20.5 | 19.35 + | | | | | | +Jahr | | | | | 20.87 | 20.88 + + +Die Monatstemperaturen wird man, wie aus obigen Tafeln hervorgeht, +durch die vorliegenden Beobachtungen bis auf eine Fehlergrenze von +etwa 0°,3 R. sicher bestimmt halten dürfen. Nur der Aprilmonat macht +eine Ausnahme, indem hier die Sicherheit bis auf 0°,83 vermindert +ist, eine zweite etwas stärkere als die mittlere Schwankung tritt +im October mit 0°,47 ein. Ohne Zweifel hängt dies mit dem in den +genannten Monaten eintretenden, sich aber in den verschiedenen Jahren +etwas verschiebenden Umsetzen der Hauptwindrichtung zusammen, indem +im April der Uebergang aus dem NO. des Winters in den SW. des Sommers +liegt und im October der N. wieder einfällt. + +Der wärmste Monat (Mai) und der kälteste (Januar) weichen nur 3°,13 +durchschnittlich von einander ab und diese Differenz schwankt in den +einzelnen Jahren um keinen halben Grad. + +Das absolute Maximum (28°) fällt zwar einmal in den April, sonst +liegt aber mit grosser Regelmässigkeit das Maximum der Wärme im +Mai mit durchschnittlich 27°7. Das absolute Minimum sowohl wie der +durchschnittlich kleinste Werth der Minima fällt in den December, +dessen kürzere Kälteperiode also intensiver ist als die längere +des Januar. + +Das Jahresmittel zeigt sich sowohl in den einzelnen Jahren so +übereinstimmend als auch durch die Vergleichung der Luft- und +Wassertemperatur so gleichmässig festgestellt, dass dasselbe als +völlig genau mit 20°,88 bestimmt anzusehen ist. + + + +B. Luftdruck. + + +Barometerbeobachtungen liegen allerdings wie Tab. I zeigt nur vor +einem Jahresumfang vor; indessen werden dieselben auch als ziemlich +gute Mittelwerthe anzusehen sein, da die Schwankungen des Luftdrucks +überhaupt nicht bedeutend sind. + +Die folgende Tafel wiederholt die Werthe aus Tab. I unter Hinzufügung +des Werthes der extremsten Schwankungen im Laufe des Monats und +des Tages. + + +VI. Luftdruck zu Sta. Ana. paris. ''' + + | Baro- | Grösste | Grösste | Druck der | Grösste | Grösste + | meter- | Monats- | Tages- | trocknen | Monats- | Tages- + | Mittel | schwankung | schwankung | Luft | schwankung | schwankung + | | | | | | +Januar | 337.76 | 3.11 | 1.59 | 330.49 | 4.37 | 2.24 +Februar | 7.55 | 2.82 | 1.99 | 29.69 | 3.64 | 3.21 +März | 7.80 | 3.01 | 1.06 | 30.38 | 4.19 | 1.13 +April | 7.29 | 2.18 | 1.59 | 29.75 | 2.79 | 1.67 +Mai | 7.11 | 3.59 | 1.86 | 28.47 | 3.63 | 0.63 +Juni | 6.93 | 2.84 | 1.86 | 27.43 | 3.07 | 0.91 +Juli | 6.93 | 3.95 | 1.33 | 27.20 | 4.30 | 2.51 +August | 6.95 | 4.16 | 1.55 | 27.24 | 4.71 | 1.90 +September | 7.32 | 3.50 | 1.33 | 27.63 | 4.50 | 1.88 +October | 5.96 | 4.74 | 1.51 | 26.66 | 5.68 | 1.06 +November | 6.86 | 1.95 | 1.24 | 28.69 | 3.90 | 1.18 +December | 7.68 | 3.55 | 1.46 | 30.20 | 4.45 | 0.69 + | | | | | | +Jahr | 337.18 | | | 328.65 | | + | | | | | | +Winter | 7.66 | | | 30.13 | | +Frühling | 7.40 | | | 29.53 | | +Sommer | 6.94 | | | 27.29 | | +Herbst | 6.71 | | | 27.66 | | + + +Der Gang des Luftdruckes bezeichnet sichtlich die beiden +Hauptwindrichtungen des Jahres, selbst das Barometer lässt dies +erkennen, auch ohne Rücksicht auf die durch die Dunstspannung bewirkte +theilweise Ausgleichung. Schärfer wird dies in dem Gange des Druckes +der trocknen Luft ausgedrückt. Den vollen Gegensatz erhält man erst, +indem man die Monate mit überwiegend herrschendem NO. im Uebergang +von November bis April dann mit herrschenden SW. (im Uebergang) von +Mai bis October zusammenfasst, dann sind vom Nov. an die aufeinander +folgenden Mittelwerthe des Drucks der trocknen Luft: 329.79; 329.94; +327.70; 327.18. + +Die grosse Gleichmässigkeit des Klimas ist in den geringfügigen +Schwankungen des Luftdrucks ausgesprochen. + + + +C. Luftfeuchtigkeit und Hydrometeore. + + +Die Mittelwerthe für die Dunstspannung und relative Feuchtigkeit und +die Summen des Niederschlags sind bereits in Tab. I enthalten. Zur +Uebersichtlichkeit der Durchschnittswerthe sind die folgenden Tabellen +dienend, in denen die Extreme hinzugefügt sind und zugleich die +mit den Hydrometeoren unmittelbar zusammenhängenden Erscheinungen +aufgeführt werden. + + +VII. Luftfeuchtigkeit und Hydrometeore in den Jahren 1869-62 zu +Sta. Ana _für die einzelnen Monate zusammengestellt._ + + | Dunstspannung. | Relative Feuchtigkeit. Nieder- | Anzahl der Tage mit | Gewitter | Wetter- + | Mittel | Max | Min | Diff | Mittel | Max | Min | Diff | schlag | Nebel | Regen | Hagel | nah | entf. | leuchten. + | | | | | | | | | '''paris. | | | | | | + | | | | | | | | | | | | | | | +Januar | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- + 1860 | 7.72 | 9.59 | 5.93 | 3.66 | 78.7 | 93 | 50 | 43 | 12.486 | 3 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0 + 1861 | 7.99 | 9.50 | 6.34 | 3.16 | 79.2 | 96 | 49 | 47 | 22.980 | 3 | 8 | 0 | 0 | 0 | 1 + 1862 | 7.27 | 9.06 | 5.87 | 3.19 | 74.9 | 96 | 40 | 56 | 6.912 | 1 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0 +Durchschn. | 7.66 | 9.38 | 6.05 | 3.33 | 77.6 | 95 | 46 | 49 | 14.126 | 2.3 | 6.7 | 0 | 0 | 0 | 0.3 + | | | | | | | | | | | | | | | +Februar | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 8 | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 + 1860 | 8.21 | 9.96 | 6.56 | 3.40 | 75.7 | 94 | 58 | 36 | 29.652 | 2 | 4 | 0 | 0 | 0 | 0 + 1861 | 7.87 | 9.39 | 5.99 | 3.40 | 75.5 | 94 | 30 | 64 | 12.552 | 0 | 9 | 0 | 0 | 0 | 1 + 1862 | 7.86 | 9.36 | 5.54 | 3.82 | 78.7 | 98 | 51 | 47 | 56.232 | 1 | 13 | 0 | 2 | 0 | 1 +Durchschn. | 7.98 | 9.57 | 6.03 | 3.54 | 76.6 | 95 | 46 | 49 | 32.812 | 2.8 | 7.3 | 0 | 0.5 | 0 | 0.5 + | | | | | | | | | | | | | | | +März | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 5 | 4 | 0 | 0 | 0 | 2 + 1860 | 7.82 | 9.84 | 6.01 | 3.83 | 72.4 | 90 | 28 | 62 | 9.488 | 8 | 4 | 0 | 2 | 1 | 2 + 1861 | 7.98 | 9.69 | 5.98 | 3.71 | 71.8 | 97 | 39 | 58 | 9.288 | 5 | 6 | 0 | 0 | 4 | 8 + 1862 | 7.42 | 9.53 | 6.28 | 3.25 | 73.1 | 93 | 42 | 51 | 3.156 | 0 | 2 | 0 | 0 | 0 | 1 +Durchschn. | 7.71 | 9.69 | 6.09 | 3.06 | 72.4 | 93 | 36 | 57 | 7.311 | 4.5 | 4.0 | 0 | 0.5 | 1.3 | 3.3 + | | | | | | | | | | | | | | | +April | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 0 | 5 | 0 | 1 | 2 | 1 + 1860 | 8.24 | 10.15 | 6.64 | 3.51 | 72.6 | 97 | 49 | 48 | 38.604 | 2 | 5 | 0 | 3 | 0 | 2 + 1861 | 8.81 | 10.47 | 7.23 | 3.24 | 72.5 | 95 | 47 | 48 | 26.268 | 1 | 6 | 0 | 5 | 5 | 16 + 1862 | 7.95 | 9.95 | 6.62 | 3.33 | 67.0 | 97 | 37 | 60 | 0.456 | 0 | 1 | 0 | 0 | 2 | 9 +Durchschn. | 8.33 | 10.19 | 6.83 | 3.36 | 70.7 | 96 | 44 | 52 | 21.776 | 0.8 | 4.3 | 0 | 2.3 | 2.3 | 7.0 + | | | | | | | | | | | | | | | +Mai | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 0 | 4 | 0 | 1 | 2 | 2 + 1860 | 8.71 | 10.88 | 6.19 | 4.69 | 73.2 | 96 | 36 | 60 | 68.472 | 0 | 11 | 0 | 10 | 2 | 8 + 1861 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 43.974 | -- | -- | -- | -- | -- | -- + 1862 | 8.64 | 10.57 | 5.83 | 4.74 | 69.1 | 99 | 31 | 68 | 19.476 | 0 | 6 | 0 | 2 | 8 | 12 +Durchschn. | 8.68 | 10.73 | 6.01 | 4.72 | 71.2 | 98 | 34 | 64 | 43.974 | 0 | 7 | 0 | 4.3 | 4.0 | 7.3 + | | | | | | | | | | | | | | | +Juni | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 9.32 | 10.25 | 8.57 | 1.68 | 76.0 | 98 | 54 | 44 | -- | 0 | 13 | 0 | 5 | 5 | 6 + 1860 | 9.42 | 11.10 | 7.13 | 3.97 | 80.8 | 95 | 37 | 58 | 156.192 | 1 | 20 | 0 | 6 | 2 | 6 + 1861 | 9.15 | 10.47 | 8.36 | 2.11 | 80.3 | 92 | 50 | 42 | 66.192 | 0 | 17 | 0 | 3 | 5 | 10 + 1862 | 9.50 | 10.91 | 8.29 | 2.62 | 77.1 | 95 | 45 | 50 | 91.908 | 1 | 12 | 0 | 10 | 7 | 13 +Durchschn. | 9.35 | 10.68 | 8.09 | 2.59 | 78.6 | 95 | 47 | 48 | 104.764 | 0.5 | 15.5 | 0 | 6.0 | 4.8 | 8.3 + | | | | | | | | | | | | | | | +Juli | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 9.48 | 10.41 | 8.64 | 1.77 | 82.6 | 97 | 54 | 43 | 263.923 | 1 | 25 | 0 | 5 | 3 | 8 + 1860 | 9.43 | 10.93 | 7.74 | 3.19 | 83.5 | 99 | 56 | 43 | 97.176 | 0 | 15 | 0 | 10 | 1 | 6 + 1861 | 9.36 | 10.86 | 8.11 | 2.75 | 81.2 | 96 | 52 | 44 | 66.528 | 0 | 19 | 0 | 7 | 11 | 10 + 1862 | 9.73 | 10.69 | 8.79 | 1.90 | 84.2 | 95 | 61 | 34 | 158.436 | 0 | 23 | 0 | 4 | 9 | 5 +Durchschn. | 9.50 | 10.72 | 8.32 | 2.40 | 82.9 | 97 | 56 | 41 | 146.516 | 0.3 | 20.5 | 0 | 6.5 | 6.0 | 7.3 + | | | | | | | | | | | | | | | +August | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 9.48 | 10.65 | 8.35 | 2.30 | 83.8 | 96 | 63 | 33 | 175.086 | 2 | 16 | 0 | 5 | 6 | 2 + 1860 | 9.75 | 10.82 | 8.76 | 2.06 | 82.8 | 95 | 63 | 32 | 96.492 | 0 | 16 | 0 | 11 | 7 | 12 + 1861 | 9.52 | 10.55 | 8.36 | 2.19 | 84.2 | 99 | 60 | 39 | 457.788 | 0 | 21 | 0 | 6 | 3 | 6 + 1862 | 9.71 | 10.90 | 8.22 | 2.68 | 84.1 | 97 | 66 | 31 | 234.084 | 0 | 23 | 0 | 7 | 5 | 3 +Durchschn. | 9.62 | 10.73 | 8.42 | 2.31 | 83.7 | 97 | 63 | 34 | 240.863 | 0.5 | 19.0 | 0 | 7.3 | 5.3 | 5.8 + | | | | | | | | | | | | | | | +September | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 9.64 | 10.64 | 8.37 | 2.27 | 85.1 | 94 | 63 | 31 | 125.621 | 0 | 26 | 0 | 9 | 1 | 0 + 1860 | 9.58 | 10.90 | 7.61 | 3.29 | 83.5 | 95 | 54 | 41 | 257.136 | 0 | 25 | 0 | 13 | 1 | 4 + 1861 | 9.75 | 10.96 | 8.79 | 2.18 | 87.1 | 99 | 65 | 34 | 198.516 | 0 | 25 | 0 | 12 | 6 | 5 + 1862 | 9.69 | 10.66 | 8.88 | 1.78 | 85.8 | 97 | 58 | 39 | 153.288 | 1 | 19 | 0 | 5 | 4 | 4 +Durchschn. | 9.67 | 10.79 | 8.41 | 2.38 | 85.4 | 96 | 60 | 36 | 183.640 | 0.3 | 23.8 | 0 | 9.8 | 3.0 | 3.3 + | | | | | | | | | | | | | | | +October | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 9.42 | 10.64 | 8.35 | 2.29 | 87.6 | 96 | 61 | 35 | 220.575 | 2 | 21 | 0 | 0 | 0 | 2 + 1860 | 9.37 | 10.89 | 7.94 | 2.95 | 83.9 | 96 | 59 | 37 | 49.128 | 1 | 14 | 0 | 7 | 2 | 6 + 1861 | 9.30 | 10.47 | 7.90 | 2.57 | 85.2 | 99 | 54 | 45 | 80.100 | 1 | 18 | 0 | 3 | 3 | 4 + 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | - +Durchschn. | 9.36 | 10.67 | 8.06 | 2.61 | 85.6 | 97 | 58 | 39 | 116.601 | 1.3 | 17.7 | 0 | 3.3 | 1.7 | 4.0 + | | | | | | | | | | | | | | | +November | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 9.03 | 10.53 | 6.78 | 3.75 | 83.7 | 98 | 49 | 49 | 80.674 | 0 | 17 | 0 | 1 | 1 | 0 + 1860 | 8.27 | 9.93 | 6.11 | 3.82 | 79.5 | 93 | 42 | 51 | 18.408 | 2 | 7 | 0 | 1 | 0 | 1 + 1861 | 8.17 | 10.42 | 6.29 | 4.13 | 78.7 | 96 | 50 | 46 | 7.500 | 0 | 6 | 0 | 0 | 2 | 5 + 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | - +Durchschn. | 8.49 | 10.29 | 6.39 | 3.90 | 80.6 | 96 | 47 | 49 | 35.527 | 0.7 | 10.0 | 0 | 0.7 | 1.0 | 2.0 + | | | | | | | | | | | | | | | +December | | | | | | | | | | | | | | | + 1859 | 8.26 | 9.71 | 6.08 | 3.63 | 81.9 | 94 | 59 | 35 | 50.837 | 3 | 9 | 0 | 0 | 1 | 0 + 1860 | 7.82 | 9.56 | 5.98 | 3.58 | 78.1 | 94 | 48 | 46 | 19.812 | 4 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0 + 1861 | 7.48 | 9.92 | 5.81 | 4.11 | 76.7 | 96 | 43 | 53 | 9.408 | 1 | 7 | 0 | 0 | 0 | 0 + 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- +Durchschn. | 7.85 | 9.73 | 5.96 | 3.77 | 78.9 | 95 | 50 | 45 | 26.686 | 2.7 | 7.3 | 0 | 0 | 0.3 | 0 + + +Für die Durchschnittwerthe der ganzen Beobachtungsreihe ergiebt sich +hieraus die folgende Uebersicht: + + +VIII. Mittelwerthe der Luftfeuchtigkeit, des Niederschlages, der Regen- +und Gewittertage zu Sta. Ana. + + | Dunstspannung. | Relative Feuchtigkeit. Nieder- | Anzahl der Tage mit | Gewitter | Wetter- + | Mittel | Max | Min | Diff | Mittel | Max | Min | Diff | schlag | Nebel | Regen | Hagel | nah | entf. | leuchten. + | | | | | | | | | '''paris. | | | | | | + | | | | | | | | | | | | | | | +Januar | 7.66 | 9.38 | 6.05 | 3.33 | 77.6 | 95 | 46 | 49 | 14.126 | 2.3 | 6.7 | | 0 | 0 | 0.3 +Februar | 7.98 | 9.57 | 6.03 | 3.54 | 76.6 | 95 | 46 | 49 | 32.812 | 2.8 | 7.3 | | 0.5 | 0 | 0.3 +März | 7.71 | 9.69 | 6.09 | 3.60 | 72.4 | 93 | 36 | 57 | 7.311 | 4.5 | 4.0 | | 0.5 | 1.3 | 3.3 +April | 8.33 | 10.19 | 6.83 | 3.36 | 70.7 | 96 | 44 | 52 | 21.776 | 0.8 | 4.3 | | 2.3 | 2.3 | 7.0 +Mai | 8.68 | 10.73 | 6.01 | 4.72 | 71.2 | 98 | 34 | 64 | 43.974 | 0 | 7.0 | | 4.3 | 4.0 | 7.3 +Juni | 9.35 | 10.68 | 8.09 | 2.59 | 78.6 | 95 | 47 | 48 | 104.764 | 0.5 | 15.5 | | 6.0 | 4.8 | 8.3 +Juli | 9.50 | 10.72 | 8.32 | 2.40 | 82.9 | 97 | 56 | 41 | 146.516 | 0.3 | 20.5 | | 6.5 | 6.0 | 7.3 +August | 9.62 | 10.73 | 8.42 | 2.31 | 83.7 | 97 | 63 | 34 | 240.863 | 0.5 | 19.0 | | 7.3 | 5.3 | 5.8 +September | 9.67 | 10.79 | 8.41 | 2.38 | 85.4 | 96 | 60 | 36 | 183.640 | 0.3 | 23.8 | | 9.8 | 3.0 | 3.3 +October | 9.36 | 10.67 | 8.06 | 2.61 | 85.6 | 97 | 58 | 39 | 116.601 | 1.3 | 17.7 | | 3.3 | 1.7 | 4.0 +November | 8.49 | 10.29 | 6.39 | 3.90 | 80.6 | 96 | 47 | 49 | 35.527 | 0.7 | 10.0 | | 0.7 | 1.0 | 2.0 +December | 7.85 | 9.73 | 5.96 | 3.77 | 78.9 | 95 | 50 | 45 | 26.686 | 2.7 | 7.3 | | 0 | 0.3 | 0 + | | | | | | | | | | | | | | | +Jahr | 8.68 | | | | 78.7 | | | | 974.596 | 17 | 143 | | 41 | 30 | 49 + | | | | | | | | | 8''216 | | | | | | + | | | | | | | | | | | | | | | +Winter | 7.83 | | | | 77.7 | | | | 73'''.624 | 8 | 21.3 | | 0.5 | 0.3 | 0.6 +Frühling | 8.24 | | | | 71.4 | | | | 73.051 | 5.3 | 15.3 | | 7.1 | 7.6 | 17.6 +Sommer | 9.49 | | | | 81.7 | | | | 492.143 | 1.3 | 55 | | 19.8 | 16.1 | 21.4 +Herbst | 9.17 | | | | 83.9 | | | | 334.768 | 2.3 | 51.5 | | 13.8 | 5.7 | 9.3 + + +Zur Charakteristik des Klima's sind die vorstehenden Tafeln sehr +bezeichnend. Die hohe Dunstspannung ist wegen der Gleichmässigkeit der +Temperatur keinen bedeutenden Schwankungen im Jahre unterworfen. Die +Jahreszeit der höchsten Dunstspannung ist der Sommer, aber das absolute +Maximum fällt noch für ein Jahr in den September, wie überhaupt der +Herbst dem Sommer in der Grösse der Dunstspannung zunächst. Wieder +müsste man, um die Extreme der Jahreszeiten vollständig zu zeigen, +im Zusammenhang mit den Windrichtungen die Zeiten Mai bis October +und November bis April einander gegenüber stellen (9''',36 : +8''',00). + +Wie nahe die Luft das ganze Jahr hindurch dem Sättigungspunkte kommt, +ergibt sich aus der Tabelle, in welcher das Maximum der relativen +Feuchtigkeit in jedem Monate zwischen 90 und 100% erreicht. Der +Niederschlag, der zwar in keinem Monate ganz fehlt, zeigt doch +in dem einen halben Jahre die herrschende SW.-Strömung der Luft, +in den massenhaften Niederschlägen und den damit verbundenen +elektrischen Erscheinungen an. Im Mai, in dem schon der SW. herrscht, +sind die Niederschläge noch nicht gross, weil in diesem Monat +das Maximum der Temperatur liegt und daher die Dampfcapacität +noch wächst. Den stärksten Niederschlag liefert der August, den +schwächsten der März. Sehr schön ist das allmälige Nähern des +SW. und dann wieder das Einfallen des NO. durch die elektrischen +Erscheinungen ausgesprochen. Zuerst nur Wetterleuchten; dies nimmt zu, +entfernte Gewitter treten ein, die immer näher rücken, bis sie an den +Beobachtungsort rücken und ihr Maximum im September erreichen. Der im +October eindringende Nordstrom vermindert plötzlich die elektrischen +Phänomene. + + + +D. Wind (Richtung, Stärke, Häufigkeit), Himmelsansicht. + + +Ein besonders interessantes Element der vorliegenden Beobachtungen +bilden die Winde, nicht allein, weil sie, worauf schon in den +vorhergehenden Bemerkungen einige Male hingewiesen wurde, die +klimatischen Eigenthümlichkeiten Manila's erklären, sondern besonders +desswegen, weil die Philippinen auf einem Grenzgebiete liegen und die +Frage ist, ob sie immer in das Gebiet der SW.- und NO.-Monsune fallen +oder zuweilen im Winter mehr oder weniger andauernd in einem nördlichen +Polarstrome liegen, der sich unmittelbar dem NO.-Passat des stillen +Oceans anschliesst. Die Windrichtungen auf den Philippinen müssen sich +im Laufe des Jahres nach der veränderten Lage der Kalmenzone verändern +und diese Veränderung der Lage der Kalmen von ihrer südlichsten Lage +im Winter innerhalb Neuholland bis zu ihrer nördlichsten etwa mit dem +Wüstengürtel Asiens zusammenfallenden, scheint in den verschiedenen +Jahren in ungleicher Weise vor sich zu gehen. + +So regelmässig nämlich im Durchschnitt aller vorliegenden +Beobachtungsjahre sich die Windrichtung auf den Philippinen in der +einen Hälfte des Jahres als NO., in der andern als SW. also als Monsun +ergibt, so abweichend gestalten sich die Bewegungen doch in einzelnen +Monaten der verschiedenen Jahre, weisen also auf Störungen hin, +welche in der beeinflussenden Ursache der Winde auf den Philippinen, +in der Lage der Kalmen und der Richtung der Passate temporär eintreten. + +Ich stelle in den folgenden Tafeln die notirten Winde und Windstillen +sowie die hiernach berechneten Windrichtungen zusammen und füge die +Notizen über die Himmelsansicht hinzu. + + +IX. Wind und Himmelsansicht zu Sta. Ana 1859-62. + + | Mittlere | Wind | Wind- | Tage m. Himmelsansicht | Mittelgrad + | Windrichtung | über- | stille | ganz | theilweis | völlig | der + | | haupt | | bedeckt | bewölkt | heiter | Heiterkeit. + | | | | | | | +Januar | | | | | | | + 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- + 1860 | N 39°57'O | 31 | 62 | 2 | 29 | 0 | 1.8 + 1861 | N 39 28 O | 35 | 58 | 1 | 30 | 0 | 2.3 + 1862 | N 25 34 O | 26 | 67 | 0 | 31 | 0 | 1.8 + Mittel | N 36 51 O | 31 | 62 | 1 | 30 | 0 | 2.0 ziemlich heiter. + | | | | | | | +Februar | | | | | | | + 1859 | N 7 8 O | 9 | 75 | 0 | 28 | 0 | 2.7 + 1860 | S 45 0 w | 27 | 60 | 1 | 27 | 1 | 2.1 + 1861 | N 57 26 O | 30 | 54 | 1 | 27 | 0 | 1.7 + 1862 | N 39 47 w | 26 | 58 | 4 | 24 | 0 | 1.2 + Mittel | N 3 17 O | 23 | 61 | 1.5 | 26.5 | 0.3 | 1.9 z. heit. (-- wolkig) + | | | | | | | +März | | | | | | | + 1859 | N 0 0 O | 13 | 80 | 0 | 31 | 0 | 2.4 + 1860 | N 45 0 O | 30 | 63 | 0 | 31 | 0 | 2.4 + 1861 | S 83 13 O | 28 | 65 | 1 | 30 | 0 | 1.7 + 1862 | N 90 0 O | 26 | 67 | 0 | 31 | 0 | 1.8 + Mittel | N 38 25 O | 24 | 69 | 0.3 | 30.7 | 0 | 2.1 z. heit. (heiter) + | | | | | | | +April | | | | | | | + 1859 | S 77 34 O | 21 | 69 | 0 | 30 | 0 | 2.4 + 1860 | N 46 58 O | 25 | 65 | 0 | 30 | 0 | 2.7 + 1861 | S 48 50 O | 35 | 55 | 0 | 30 | 0 | 2.0 + 1862 | S 45 0 O | 24 | 66 | 0 | 30 | 0 | 2.4 + Mittel | S 74 51 O | 26 | 64 | 0 | 30 | 0 | 2.4 z. heit. (-- heiter) + | | | | | | | +Mai | | | | | | | + 1859 | N 45 0 W | 19 | 74 | 3 | 28 | 0 | 1.7 + 1860 | S 72 52 O | 42 | 51 | 3 | 29 | 0 | 1.9 + 1861 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- + 1862 | S 9 10 W | 33 | 60 | 0 | 31 | 0 | 2.1 + Mittel | S 22 54 W | 31 | 62 | 2.0 | 29.0 | 0 | 1.9 z. heit. (-- wolkig) + | | | | | | | +Juni | | | | | | | + 1859 | N 76 25 W | 14 | 76 | 2 | 28 | 0 | 1.8 + 1860 | N 33 2 W | 40 | 50 | 4 | 26 | 0 | 1.2 + 1861 | N 33 29 O | 24 | 66 | 7 | 23 | 0 | 0.7 + 1862 | N 40 29 W | 29 | 61 | 1 | 29 | 0 | 1.4 + Mittel | N 37 46 W | 27 | 63 | 3.5 | 26.5 | 0 | 1.3 wolkig (-- z. heit.) + | | | | | | | +Juli | | | | | | | + 1859 | S 52 44 W | 17 | 76 | 9 | 22 | 0 | 0.9 + 1860 | S 22 44 O | 33 | 60 | 3 | 28 | 0 | 1.3 + 1861 | S 18 14 O | 27 | 66 | 1 | 30 | 0 | 1.2 + 1862 | S 45 0 O | 18 | 75 | 8 | 23 | 0 | 0.6 + Mittel | S 35 23 O | 24 | 69 | 5.3 | 25.7 | 0 | 1.0 wolkig. + | | | | | | | +August | | | | | | | + 1859 | S 66°55'W | 32 | 61 | 4 | 27 | 0 | 1.8 + 1860 | S 45 0 W | 37 | 56 | 7 | 24 | 0 | 1.6 + 1861 | S 43 52 W | 36 | 57 | 7 | 24 | 0 | 1.1 + 1862 | S 46 6 W | 37 | 56 | 9 | 22 | 0 | 1.0 + Mittel | S 49 0 W | 36 | 57 | 6.7 | 24.3 | 0 | 1.4 wolkig (-- z. heit.) + | | | | | | | +September | | | | | | | + 1859 | S 7 53 W | 31 | 59 | 2 | 28 | 0 | 1.7 + 1860 | S 42 14 W | 22 | 68 | 5 | 25 | 0 | 1.2 + 1861 | S 45 0 W | 25 | 65 | 5 | 25 | 0 | 0.6 + 1862 | S 50 36 W | 15 | 75 | 4 | 26 | 0 | 1.0 + Mittel | S 37 46 W | 23 | 67 | 4 | 26 | 0 | 1.1 wolkig (-- z. heit.) + | | | | | | | +October | | | | | | | + 1859 | N 83 59 O | 36 | 57 | 6 | 25 | 0 | 1.1 + 1860 | S 69 53 O | 23 | 70 | 0 | 31 | 0 | 1.8 + 1861 | N 53 52 O | 32 | 61 | 5 | 26 | 0 | 1.1 + 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- + Mittel | N 89 10 O | 30 | 63 | 3.7 | 27.3 | 0 | 1.3 wolkig (-- z. heit.) + | | | | | | | +November | | | | | | | + 1859 | S 54 4 W | 26 | 64 | 2 | 28 | 0 | 1.7 + 1860 | N 71 15 O | 31 | 59 | 0 | 30 | 0 | 2.1 + 1861 | N 5 31 W | 26 | 64 | 0 | 30 | 0 | 2.1 + 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- + Mittel | N 12 22 O | 28 | 62 | 0.7 | 29.3 | 0 | 2.0 ziemlich heiter. + | | | | | | | +December | | | | | | | + 1859 | N 45 0 O | 23 | 70 | 3 | 28 | 0 | 1.6 + 1860 | N 45 0 O | 19 | 74 | 5 | 26 | 0 | 2.0 + 1861 | N 61 1 O | 22 | 71 | 0 | 31 | 0 | 2.2 + 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- + Mittel | N 45 38 O | 21 | 72 | 2.7 | 28.3 | 0 | 1.9 z. heit. (-- wolkig) + + +X. Durchschnittliche Windesrichtung und Himmelsansicht im Verlaufe +des Jahres zu Sta. Ana. + + | Zahl der Winde in Procenten. | Windrichtung | Wind | Wind- | Tage | Grad der + | N | O | S | W | NO | SO | NW | SW | | | still | bedeckt | gemischt | Helligkeit + | | | | | | | | | | | | | | +Januar | 3.8 | 11.5 | 2.1 | 1.0 | 51.2 | 0 | 11.5 | 18.8 | N 36° 51' O | 31 | 62 | 1 | 30.0 | 2.0 +Februar | 22.2 | 8.9 | 0 | 6.6 | 29.1 | 1.9 | 11.5 | 19.7 | 3 17 | 23 | 61 | 1.5 | 26.5 | 1.9 +März | 25.0 | 8.5 | 0 | 4.8 | 38.6 | 12.9 | 3.9 | 6.3 | 38 25 | 24 | 69 | 0.3 | 30.7 | 2.1 +April | 1.4 | 24.2 | 0 | 3.9 | 23.4 | 42.9 | 0 | 4.2 | S 74 51 O | 26 | 64 | 0 | 30.0 | 2.4 +Mai | 0 | 13.7 | 0 | 1.8 | 7.9 | 20.2 | 26.3 | 30.1 | S 22 54 W | 31 | 62 | 2.0 | 29.0 | 1.9 +Juni | 0 | 5.2 | 0 | 3.9 | 0 | 20.4 | 14.3 | 56.2 | 37 46 | 27 | 63 | 3.5 | 26.5 | 1.3 +Juli | 0 | 5.0 | 0.7 | 6.7 | 3.9 | 12.4 | 0 | 71.2 | 35 23 | 24 | 69 | 5.3 | 25.7 | 1.0 +August | 0 | 0 | 0.7 | 8.5 | 3.1 | 0 | 0.8 | 86.9 | 49 0 | 36 | 57 | 6.7 | 24.3 | 1.4 +September | 0 | 0 | 17.8 | 3.3 | 1.6 | 1.1 | 0 | 76.2 | 37 46 | 23 | 67 | 4 | 26.0 | 1.1 +October | 0 | 30.9 | 0 | 1.9 | 28.7 | 9.8 | 5.9 | 23.2 | N 87 50 O | 30 | 63 | 3.7 | 27.3 | 1.3 +November | 0 | 11.8 | 0 | 2.5 | 39.4 | 0 | 17.9 | 28.3 | 12 22 | 28 | 62 | 0.7 | 29.3 | 2.0 +December | 0 | 6.1 | 0 | 0 | 77.4 | 4.5 | 1.5 | 10.5 | 45 38 | 21 | 72 | 2.7 | 28.3 | 1.9 + | | | | | | | | | | | | | | +Jahr | 4.37 | 10.48 | 1.78 | 3.74 | 25.36 | 10.50 | 7.80 | 35.97 | S 10 53 O | 324 | 771 | 31.4 | 333.6 | 1.7 + | | | | | | | | | | | | | | +Winter | 8.67 | 8.83 | 0.70 | 2.53 | 52.57 | 2.13 | 8.17 | 16.33 | N 35 21 O | 75 | 195 | 5.2 | 84.8 | 1.9 +Frühling | 8.33 | 15.47 | 0 | 3.50 | 23.30 | 25.30 | 10.07 | 13.53 | 79 32 | 81 | 195 | 2.3 | 89.7 | 2.1 +Sommer | 0 | 3.40 | 0.47 | 6.27 | 2.33 | 10.93 | 5.03 | 71.43 | S 41 11 W | 87 | 189 | 15.5 | 76.5 | 1.2 +Herbst | 0 | 10.30 | 5.93 | 2.57 | 23.33 | 3.97 | 7.93 | 42.57 | 16 7 | 81 | 192 | 8.4 | 82.6 | 1.5 + + +XI. Durchschnittliche Windrichtungen in den Quartalen der einzelnen +Jahre und im Mittelwerthe aller Jahre. + + | 1859 | 1860 | 1861 | 1862 | Mittel. + | | | | | +Winter | (N 37 55 O) | N 48 26 O | N 48 16 O | N 22 57 O | N 35 21 O +Frühling | N 34 44 O | N 56 22 O | S 53 31 O | S 24 13 O | N 79 32 O +Sommer | S 71 2 W | S 34 53 W | S 22 27 W | S 44 13 W | S 41 11 W +Herbst | S 2 4 O | S 44 55 O | N 63 13 W | S 29 58 W | S 16 7 W + | | | | | +Jahr | S 77 34 W | S 38 16 O | S 27 28 O | S 23 48 W | S 10 53 O + + +Zunächst zeigt nun die Tafel XI, dass nur der Winter in allen Jahren +regelmässig NO., der Sommer regelmässig SW. hat, dagegen im Frühling +und Herbst Abweichungen in den verschiedenen Jahren eintreten, wenn +auch der Durchschnittswerth für jenen wieder auf NO., für diesen auf +SW. führt. + +Es deutet dies auf eine in den verschiedenen Jahren sehr ungleiche +Einwirkung der continentalen Masse Asiens nach der Zeit der +Sonnenwenden, die sich, wie Tab. IX zeigt, zunächst im April geltend +macht, welcher fast regelmässig SO. bringt, dann aber in ungleicher +Weise im Mai hervortritt. Die Monate October bis März entsprechen, +obwohl SO.-, SW.- und NW.-Winde in ihnen nicht fehlen, wie Tab. X +zeigt, doch sehr vollständig in allen Jahren dem Verhalten der +Windbewegungen in der innern Region der Monsuns. Der April macht eine +völlig regelmässige Ausnahme von dem SW.-Monsun der innern Region +durch seine sehr constanten O.-, SO.- und NO.-Winde. Im Mai ist die +Windrichtung am unregelmässigsten. + +In der Intensität, soweit sich diese in dem Verhältniss der Zahl der +Winde zur Zahl der Windstillen (bei den täglich 3 Mal angestellten +Beobachtungen) ausspricht, zeigen die Monate keine erheblichen +Verschiedenheiten, December ist der stillste, August der bewegteste +Monat. In den August und den Juli fallen die beiden einzigen Stürme +(1859), die innerhalb der fast vierjährigen Beobachtungsreihe notirt +sind. + +Charakteristisch für das Klima ist die das ganze Jahr hindurch +stattfindende theilweise Bewölkung des Himmels. Nur ein einziger +wolkenfreier Tag (im Februar 1860) ist notirt. Dagegen ist freilich +auch die Zahl der Tage mit völlig bedecktem Himmel nicht gross, zumal +wenn man die Häufigkeit und Heftigkeit der Sommer- und Herbst-Regen +berücksichtigt. Wird völlig heiterer Himmel mit der Zahl 4, völlig +bedeckter mit 0 bezeichnet, 3/4 bewölkt mit 1, 1/2 bewölkt mit 2, 1/4 +bewölkt mit 3, so scheint nach den Notirungen die durchschnittliche +Himmelsansicht mehr als zur Hälfte bewölkt zu sein. + +Die von andern Punkten in der Nähe Manila's vorliegenden kürzern +Beobachtungen ergeben kein wesentlich verschiedenes Resultat von denen +zu Sta. Ana angestellten, wesshalb ich dieselben nicht mittheile. Zwei +und ein halber Monat (Januar--15. März 1863) zu St. Miguel zeigen zwar +eine etwas höhere Temperatur, die aber kaum über die in einzelnen +Jahren auch zu Sta. Ana vorkommenden Abweichungen vom Mittelwerthe +hinausgehen. Dieser Punkt auf Luzon wird daher etwa die klimatischen +Verhältnisse mit Sta. Ana gemein haben. + +Beobachtungen von der Insel Bohol zwischen Luzon und Mindanao vom +October 1863 bis Februar 1865 führen zwar gleichfalls zu demselben +Werthe der Jahreswärme (20.8) und der mittleren Dunstspannung +(8.9) wie zu Sta. Ana. Die Vertheilung der Wärme im Jahre ist +aber sehr abweichend, 1864 zeigt sich zu Bohol der Juni etwas +wärmer als der Mai und der Februar als der kälteste Monat, ferner +geht die NO.-Richtung des Windes bis in den Juni hinein. Da keine +gleichzeitigen Beobachtungen von Sta. Ana vorhanden sind, so lässt +sich nicht ermitteln, was aber nicht wahrscheinlich ist, ob dieselben +Monatsabweichungen dort vorkamen. Ich lege daher die Berechnung der +leider nicht vollständigen Beobachtungen von Bohol in der folgenden +Tafel vor, aus denen wegen der so abweichenden Windrichtung und +Wärmevertheilung man schliessen möchte, dass an Bohol die Region der +NO.-Passate bis zum Juni heranreicht und dann erst der SW.-Musson +sich weiter ostwärts verbreitend durchdringt. + + +XII. Beobachtungsresultate von Bohol. + + | Temperatur. | Dunst- | Relative | Niederschlag | Windrichtung + | Mittel. | Maximum. | Minimum. | spannung. | Feuchtig- | | + | | Tag | t | Tag | t | | keit. | | + | | | | | | | | | +1863 | | | | | | | | | +October | 20.13 | 10 | 25.2 | 9 | 18.6 | 9.01 | 80.4 | 149.19 | N 13° 3' W +November 2-16 | 20.64 | 2 | 24.2 | 1 | 18.7 | 9.25 | 84.8 | 44.53 | N 24 15 O +December 12-31 | 20.09 | 12 | 24.2 | 13 | 15.8 | 9.11 | 81.5 | 103.25 | N 37 27 O + | | | | | | | | | +1864 | | | | | | | | | +Januar | 20.07 | 2 | 24.5 | 12 | 16.9 | 8.47 | 80.4 | 26.291 | N 20 37 O +Februar | 19.61 | 9 | 24.1 | 1 | 14.4 | 8.07 | 80.2 | 79.548 | N 1 59 W +März | 20.10 | 5 | 22.3 | 3 | 16.1 | 8.24 | 78.0 | 19.648 | N 9 26 O +April | 21.03 | 8 | 25.0 | 4 | 16.2 | 8.69 | 77.6 | 22.238 | N 36 41 O +Mai | 21.36 | 16 | 25.4 | 7 | 17.3 | 8.86 | 77.6 | 8.614 | N 62 54 O +Juni | 21.58 | 6 | 25.9 | 19 | 17.4 | 9.32 | 80.4 | 26.178 | N 53 8 O +Juli | 21.05 | 31 | 26.5 | 15 | 17.6 | 9.08 | 81.0 | 41.716 | S 41 11 W +August | 20.85 | 1 | 26.2 | 1 | 17.7 | 9.21 | 83.8 | 131.793 | S 38 34 W +September | 21.44 | 8 | 27.2 | 21 | 18.1 | 9.39 | 79.4 | 28.486 | S 43 12 W +October | 20.94 | 16 | 25.4 | 30 | 17.4 | 9.24 | 84.6 | 62.828 | S 4 22 W +November | 20.90 | 3 | 25.8 | 22 | 17.2 | 9.14 | 80.9 | 32.202 | N 1 0 W +December (1-14) | 20.70 | 3 | 23.2 | 28 | 15.8 | 9.08 | 84.3 | 44.362 | N 24 0 O + | | | | | | | | | +Mittel | 20.80 | | 25.1 | | 16.8 | 8.90 | 80.7 | 523.90 | + | | | | | | | | | +1865 | | | | | | | | | +Januar | | 27 | 24.8 | 27 | 16.8 | | | 135.96 | +Februar | | 1 | 23.5 | 27 | 15.7 | | | 16.05 | + + +Von den sonst vorliegenden Beobachtungen, namentlich den zahlreichen +Notizen auf Reisen nach verschiedenen Punkten Luzon's eignen sich +keine, mit Ausnahme der zu Benguet angestellten, zur Bestimmung fester +Werthe, wenn dieselben auch ihr Interesse im Zusammenhange mit andern +naturhistorischen Beobachtungen haben. Dagegen ist die spanische +Beobachtungsreihe zu Benguet, welche durch Notizen des Reisejournals +des Hrn. Dr. _Semper_ fast auf ein volles Jahr ergänzt wird, um so +mehr von Interesse, als hierdurch die Temperatur eines nördlich und +hoch gelegenen Punktes (nach dem Journal 3868' über Meeresspiegel) +mit ziemlicher Sicherheit festgestellt werden kann. + +Die Benguetbeobachtungen umfassen mit Einschluss des Journals die +Zeit vom Juli 1861 bis Mai 1862, sind also mit den gleichzeitigen +von Sta. Ana zu vergleichen und nach den für diesen Ort mit grösserer +Sicherheit bestimmten Mittelwerthen zu verbessern. + +Die Beobachtungszeiten waren 7, 2, 9, gaben also im Verhältniss der +6, 2, 10 Beobachtungen zu hohe Werthe der Wärme. Die Grösse der bei +den Temperaturen anzubringenden Correktion wird vermuthlich für die +verschiedenen Monate etwas variiren. In Ermanglung eines bestimmten +Anhaltes hierfür nehme ich indessen die Correktion an (-0,52), welche +Dr. Semper aus einer einen Monat lang durchgeführten Reihe stündlicher +Beobachtungen zu Sta. Ana (Juni 1859) evaluirt hat. + +Es sind von Benguet nur die in der nachstehenden Tabelle aufgeführten +Resultate der Temperaturbeobachtungen zu brauchen und die Mittelwerthe +sind bereits mit der erwähnten Correktion zur Vergleichung mit +Sta. Ana versehen. + + + | a | b | b - a | Durchschnitts | Corregirter + | Mittel- | Gleichzeitige | | Werth zu | Werth von + | temperaturen | Mittelwerthe | | Sta. Ana. | Benguet. + | zu Benguet. | zu Sta. Ana. | | | + | | | | | +1862 | | | | | +Januar | 13.09 | 19.19 | 6.10 | 19.30 | 13.20 +Februar | 13.87 | 19.60 | 5.73 | 19.95 | 14.22 +März | 14.12 | 20.46 | 6.34 | 20.67 | 14.33 +April | 15.17 | 22.00 | 6.83 | 21.65 | 14.87 +Mai | 14.98 | 22.75 | 7.77 | 22.43 | 14.66 +Juni | -- | -- | (6.28) | 21.98 | (15.70) + | | | | | +1861 | | | | | +Juli | 14.80 | 21.59 | 6.79 | 21.47 | 14.68 +August | 14.90 | 21.18 | 6.28 | 21.50 | 15.22 +Septbr. | 14.94 | 20.05 | 6.11 | 21.18 | 15.07 +October | 15.50 | 20.67 | 5.17 | 20.79 | 15.62 +Novbr. | 14.70 | 20.10 | 6.40 | 20.22 | 13.82 +Decbr. | 13.76 | 19.35 | 5.59 | 19.48 | 13.89 + | | | | | + | | | | 20.885 | 14.607 + + +Das Jahresmittel würde sich hiernach zu Benguet auf 14°,6 stellen +und dies einer Abnahme der Wärme um 1° auf je circa 600 Fuss Erhebung +über dem Meere entsprechen. + + G. Karsten. + + +_Anmerkung 2._ Ich theile hier die Beobachtung der Regenmenge der +einzelnen Monate mit, behufs der Vergleichung mit den übrigen Orten: + +Januar 46,08; Februar 6,59; März 5,02; April 13,31; Mai 6,80; +Juni 4,27; Juli 4,66; August 13,10; September 6,42; October 7,23; +November 12,41; December 10,20 Zoll. Die Beobachtungen wurden mit +einem meiner Regenmesser angestellt, welchen ich dem liebenswürdigen +Priester gab. Hoffentlich wird ein günstiges Geschick ihn aus +jener Waldeinsamkeit herausgerissen und in ein civilisirteres Leben +zurückversetzt haben, wo ihn vielleicht der Ausdruck meines Dankes +für die freundliche Unterstützung erreichen mag. Linao liegt nach +meinen Sternbeobachtungen auf 8° 5' N. Br. und nach Peilungen 5° 5' +östlich von Manila. + + +_Anmerkung 3._ Der Kanehl von Mindanao hat in den ersten Zeiten +der Eroberung durch die Spanier eine ziemlich bedeutende Rolle +gespielt. Wie ja überhaupt die ersten Expeditionen von Magellan an +darauf ausgingen, die Gewürzinseln für die Krone Spanien zu erobern, +und damit auch derselben den wichtigen Handel mit den Gewürzen als +eine Quelle grosser Bereicherung zuzuführen, so zeigt sich auch +noch in der Geschichte der Eroberung durch Legaspi, dass hier die +Hoffnung auf gewinnbringenden Handel mit Gewürzen nicht aufgegeben +war. Allerdings war die Expedition zunächst für den Zweck der Eroberung +und Einführung des Christentums ausgerüstet. Aber wohin er auch im +Laufe der Expedition kommt, so sucht er doch immer zugleich auch noch +Kanehl für Rechnung des Königs. Nach Butuan wurden von ihm mehrfach +Expeditionen ausgeschickt von Cebú aus, mit der ausgesprochenen +Absicht, dort Kanehl zu laden. Matheo del Sanz wird von ihm (Gaspar +de S. Agustin, Couquistas etc.p. 187-188) an die Westküste Mindanao's +geschickt, ebenfalls um dort Kanehl zu holen; aber es kommt dabei fast +zum Ausbruch einer Meuterei, da die Soldaten, gierig auf den leichten +und sicheren Gewinn, den Handel für sich haben wollen. Die Rebellion +wird aber noch glücklich unterdrückt; und Juan de Morones bringt, +nach Matheo del Sanz Tode, "cien quintales de canela", reichlich +9200 Pf. Kanehl nach Cebú. Am 1. Juni 1568 wurde die Nao Capitana +nach Acapulco gesandt mit 400 Quintales Kanehl (beinahe 37,000 Pf.), +von denen 150 dem Könige, die übrigen den Passagieren gehörten. + + +_Anmerkung 4._ Es sind Cagayan und Isabela fast die einzigen Provinzen, +in welchen der Taback in so allgemeiner Weise und enormer Menge +gebaut wird, dass dadurch den Bewohnern die Möglichkeit vollständig +genommen wird, auch noch Reis, Baumwolle, Café, Zuckerrohr oder Abaca +zu bauen. Wie der Handel mit dem Taback Monopol der Regierung ist, so +hängt auch das Bauen des Taback's nicht von dem Willen des Einzelnen +ab; vielmehr werden die Bewohner der sogenannten Tabacksdörfer--nicht +alle Ortschaften werden in diese Kategorie gestellt--gezwungen, +alljährlich eine bestimmte Anzahl Pflanzen per Kopf oder Tributo +d. h. per Familie zu cultiviren. Je höher der Alcalde der Provinz das +Minimum der zu bauenden Tabackspflanzen zu treiben versteht, um so mehr +insinuirt er sich natürlich bei der Regierung, für welche der Verkauf +des Tabacks fast die wichtigste Einnahmequelle ist. In allerneuester +Zeit nun scheint, ich weiss nicht, ob in Folge einer solchen vom +Alcalden geübten Beeinflussung, die Tabackserndte eine nie geahnte Höhe +erreicht zu haben; denn es schrieb mir 1868 ein Freund aus Manila, dass +"die diesjährige Erndte bei weitem die grösste aller Erndten überhaupt +zu werden verspräche, so dass die Regierung im Stande sein würde, +die Schuld für die Nichtbezahlung der Erndten von 1863 an--in Folge +des Erdbebens--nun gänzlich abzutragen". Aus dem im Texte Gesagten +wird ersichtlich sein, dass die Tabackspflanze sehr viel Sorgfalt +und Pflege erfordert; und da sie dies gerade am Meisten in den ersten +Monaten verlangt, wenn sie noch keine bedeutende Höhe erreicht hat, +so ist klar, dass der Arbeiter dabei immer und ganze Tage lang in sehr +tief gebeugter Stellung stehen muss. Der auch in den statistischen +Zahlen sich aussprechende schlechte Gesundheitszustand wird in der +Provinz allgemein auf diese gebückte Stellung bei der Arbeit, als auf +die vornehmste Ursache, zurückgeführt, ganz besonders aber auch die +zahlreichen Fehlgeburten oder Todtgeburten, wozu sonst die Bewohner +der übrigen Provinzen gar keine Neigung zeigen. Selbst in ungesunden +Provinzen ist die Zahl der Geburten doch eine ziemlich hohe, und es +wird in diesen die rasche Vermehrung der Einwohnerzahl vielmehr durch +leichtes Sterben der Kinder in den ersten Lebensjahren verhindert. Im +Durchschnitt ist etwa die Bevölkerungszahl der tabackbauenden Dörfer +16,000 Familien (Tributos) mit 64,000 Einwohnern, so dass bei einer +Durchschnittssumme von etwa 750,000 Gulden, welche den Bewohnern +für den Taback von der Regierung in baarem Gelde ausbezahlt wurde +(1854-59), etwa 11 1/2 Gulden auf den Kopf oder 46 Gulden auf die +Familie kommen. + + +_Anmerkung 5._ Es liegt hierin und in dem etwas weiter oben angewandten +Worte der Periodicität der Lebenserscheinungen nur scheinbar ein +Widerspruch. Wohl hält jedes _Individuum_ bestimmte Perioden seiner +Lebenserscheinungen inne; aber doch bindet sich die Gesammtsumme +aller Individuen nicht durchaus an dieselben Jahreszeiten, wenn nicht +in den scharfen Gegensätzen des Klima's oder in direkt bestimmenden +Einflüssen der Menschen--oder andrer Thier- und Pflanzen-Arten--die +Schranke auch hierfür gegeben ist. So würden Reis und Taback und andere +Culturpflanzen in allen Monaten wachsen und reifen können; aber der +Mensch zwingt beide in eine Periode hinein, welche ihm bei möglichst +geringer Arbeit die möglichst grosse Erndte verspricht. Ebenso ist +es bei den Insecten. Auch bei ihnen hat die Natur die Entwickelung +an bestimmte Wärme- und Feuchtigkeits-Grade geknüpft, welche in +den Tropen zu jeder Zeit gegeben zu sein scheinen; und daher sieht +man denn auch auf den Philippinen die Mehrzahl derselben in allen +Monaten so ziemlich in der gleichen Specieszahl, aber in verschiedener +Individuenzahl auftreten. Der Eintritt der Regenmonate bringt hier +eine auffallende Steigerung der Insectenmenge hervor. Es scheint +dieses in der sehr verkürzten Lebensperiode zu liegen, welche hier +den Insekten eigen ist und in einem Jahre zahlreiche Generationen +hervorzubringen vermag. Selbst die grössten Schwärmer (Sphinx) +und andere Nachtschmetterlinge welche bei uns oft eine mehrjährige +Puppenruhe aufweisen, leben als _Puppe_ nie länger, als 18-25 Tage. Der +ganze Lebenscyclus des Papilio Pammon L. vollendet sich in 30-40, +der von Danais chrysippus L. in 20-25, der von Taragama Ganesa Lef. in +30-40 Tagen (Georg Semper, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte einiger +ostasiatischer Schmetterlinge in Verhandl. d. zool. Gesellschaft in +Wien 1867. Sitzung 7. August.) + +In Bezug auf Chaerocampa Oldenlandiae, eine Sphinx, habe ich in +dieser Beziehung eine Anzahl Beobachtungen aus meinen Tagebüchern +mitzutheilen. Ich fing den _Schmetterling_, obgleich nie häufig, in den +Monaten Juni bis October incl. und dann wieder im Januar und Februar; +gezüchtet aus der Raupe wurde derselbe, so dass das Erscheinen der +ausgekrochenen Thiere in dieselben Monate fiel. Die _Puppenruhe_ +nun dauerte (Georg Semper l. c. pag. 4) in _Manila_ 24-25 Tage, +in _Bohol_ nur 18-21 Tage, in Sydney dagegen vom März bis November, +also _volle 8 Monate_. Die Puppe von Taragama Ganesa ruht ebenfalls +in Manila länger als in Bohol, nemlich dort 20 Tage, hier nur 10-15; +ferner die von Chaerocampa alecto in Luzon 24 Tage, in Bohol 16, +die Puppe von Chaerocampa celerio in Manila 17-18 Tage. + +Hier scheint nun die ungemein beschleunigte Ausbildung der Imago +gegen die Tropen hin anzudeuten, dass eine Vermehrung der Wärme +die Entwicklung begünstigt, ein Satz, der längst festgestellt +ist. Aber doch zeigt der Gegensatz zwischen Bohol und Manila, deren +mittlere Monatstemperatur so ziemlich die gleiche ist, dass wohl +auch noch andere Momente mit einwirken mögen, obgleich ich hierauf +nicht allzuviel Gewicht legen will, weil ich eine Beobachtung der +Zimmertemperatur, in welcher die Raupen erzogen worden, unterlassen +hatte. Dass diese kurzen Beobachtungen überhaupt hier mitgetheilt +worden, hat seinen Grund in der Hoffnung, dadurch vielleicht den +einen oder andern in tropischen Ländern lebenden Naturforscher zu +ähnlichen Versuchen anzuregen. Dem Satze, »dass eine bestimmte +Periodicität in der Entwicklung der Gliederthiere um so mehr +hervortritt, je schärfer der Wechsel der Jahreszeiten ausgeprägt ist« +(Gerstäcker in Bronn's Thierreich Bd. 5 pag. 238), möchte ich als +nothwendige Erläuterung den anderen hinzufügen, "dass um so mehr +sich diese Periodicität verwischt, je mehr bei steigender Wärme und +Feuchtigkeit _Gleichmässigkeit_ des Klima's eintritt". Dies ist auf +allen Inselgebieten in der Nähe des Aequators der Fall, und hiernach +möchte ich die Vermuthung aussprechen, dass auf den Inseln des stillen +Ocean's so gut wie gar keine eigentliche Insectenzeit stattfinden +kann und dass hier die Lebensperiode der Individuen sich in der +allerkürzesten mittleren Zeit vollenden muss. Auf den Philippinen +ist dies nur annähernd der Fall. Gänzlich emancipirt haben sich alle +Thiere der philippinischen Meere von dem Wechsel der Wärme; denn +zu allen Zeiten findet man dort dieselben Arten von Echinodermen, +Mollusken, Würmern u. s. w. in allen Stadien der Ausbildung und in +voller geschlechtlicher Function. Auch die Landmollusken haben mir +dasselbe Resultat geliefert; und wenn ich auch während der Regenzeit +leichter die Schnecken in grösseren Mengen erhielt, so lag dies +nicht darin dass sie nun aus einem durch Trockenheit oder Kälte +bedingten Winter- (oder Sommer-) Schlaf erwachten, sondern vielmehr +in ihrem Bestreben, sich durch rasches Umherkriechen der allzugrossen +Feuchtigkeit zu entziehen. Wenn ich auch in der trockensten Zeit nur +hinreichend ihren Schlupfwinkeln nachspürte, so gelang es mir immer, +Schnecken in Begattung, und zugleich Eier, Junge und halberwachsene +aufzufinden. Von der Helix (Cochlostyla) metaformis Sow. bewahre ich +ein Pärchen, das ich dicht bei Manila während des Monates Februar, +also im trockensten Monat, in einem gar nicht sehr schattigen Garten +"in copula" gefangen habe. Die dortigen Helix-Arten der Gruppe Obba +findet man am Tage immer an den Baumstämmen in Spalten und Ritzen oder +an der Schattenseite derselben sitzen; bei Nacht aber und am frühen +Morgen kann man sie in aller Lebendigkeit beobachten. Winterdeckel, wie +unsere europäischen Heliceen--oder Sommerdeckel, je nachdem die Zeit +der Trockne dort in den Winter oder in den Sommer fällt--finden sich +bei keiner einzigen der dort lebenden Gruppen, mit einziger Ausnahme +der Gruppe Dorcasia. Die philippinischen Arten dieser Untergattung +sind aber einer europäischen Art so nahe verwandt, nemlich der Helix +fruticum, dass sie wohl mit dieser von dem gemeinsamen Stammvater die +gleiche Gewohnheit überkommen haben mögen. Da sie immer, wie schon +Cuming bemerkte, in der Erde halb eingegraben leben, zwar niemals +sehr tief, aber auch nie an Bäumen oder am Gemäuer und Felsen in +die Höhe kriechen, so ist einleuchtend, dass sie gerade hier eines +solchen Schutzes gegen die Trockenheit bedürfen, mehr als die an +Bäumen lebenden Arten, welche bei ihrer Lebensweise im Thau des +Morgens hinreichende Feuchtigkeit einzusaugen vermögen. + +_Anmerkung 6_. Ich erinnere mich, kürzlich in irgend einer englischen +Zeitschrift einen Aufsatz gelesen zu haben, in welchem nachzuweisen +versucht wurde von einem Beobachter der lebenden Thiere in Indien, +dass in der That diese bisher immer als Wasserreservoire angesehenen +Höhlungen am Kopfe wirklich zur Luftathmung derselben während +ihres Lebens auf dem Lande dienen sollen. Ich bin leider mit meinen +zoologischen Notizen--wegen Mangels an Platz--etwas in Unordnung +gerathen, so dass ich kein Citat für diese Bemerkung zu geben vermag. + +_Anmerkung 7_. In früheren Zeiten scheint dies allerdings anders +gewesen zu sein. Wenigstens machen gewisse Stellen in diesen Sümpfen +durchaus den Eindruck, als müssten hier früher ständige Bewohner +gelebt haben, welche auch dies Gebiet in regelmässiger Weise bebauten; +es sprechen dafür die mitunter fast dammartig aussehenden Ufer des +Agusan und seiner Nebenflüsse, dann eine Anzahl Pflanzen, welche +sonst nur in der Nähe von Feldern oder Dörfern vorzukommen pflegen, +so namentlich eine sehr stachelige Bambusart. Es ist dieselbe Species, +welche noch heutigen Tages in vielen Landbaudistricten zur Einzäunung +der Zuckerrohrplantagen und der Felder überhaupt benutzt wird, da +sie so dichte stachelige Hecken bildet, dass dadurch der wirksamste +Schutz gegen die Wildschweine erreicht wird. + + + + +IV. Skizze.--Die Negrito's und die heidnischen malaiischen Stämme. + + +_Anmerkung 1_. Es mag hierbei auf die Steinbeile hingewiesen +werden, welche, wie es scheint, nicht gerade selten in Java und der +Malaccahalbinsel gefunden werden (Siehe Journal of the East Indian +Archipelago Bd. 5 pag. 84). Die hier angezogene Notiz nimmt Bezug +auf einen Artikel in der »Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch +Indië«. Da ich aber den betreffenden Band derselben leider nicht +habe einsehen können, so kann ich auch nicht entscheiden, ob und +welcher von den dort abgebildeten Aexten die von mir im Centrum +Mindanao's aufgefundene entspricht. Logan, der gelehrte Herausgeber des +J. E. I. A., benutzt die Thatsache ihrer Auffindung zur Stütze seiner +Behauptung, "es seien die ältesten Bewohner Java's von afrikanischer +oder indo-afrikanischer Ableitung" (l. c.), zu welchem Schluss er +durch Aehnlichkeiten der Sprachbildungen gekommen sein will. Hierüber +kann ich nicht urtheilen. Wohl aber scheint festzustehen, dass diese +Steinbeile wirklich einem seit uralten Zeiten schon verschwundenen +Stamme angehört haben müssen; denn in Java und in Malacca werden +sie _Donnerkeil_, in Mindanao _Zähne_ des personificirt gedachten +Blitzes genannt, zum Beweise, dass bei allen diesen malaiischen Racen +sich die Erinnerung an eine frühere Steinperiode ihres eignen--oder +eines fremden--Stammes gänzlich verloren hat. Die Wahrscheinlichkeit +spricht dann allerdings dafür, dass diese Urrace des hinterindischen +Inselgebietes mit den jetzt lebenden Papua's nahe verwandt gewesen +sein müsse. + +_Anmerkung 2_. Es mag mir hier vergönnt sein auf einige Irrthümer +hinzuweisen, welche sich in Häckel's neuestem Werk in das Capitel +über die Negerstämme eingeschlichen haben. Bei der grossen Bedeutung +seiner wissenschaftlichen Ansichten und der weiten Verbreitung, welche +das Buch "Natürliche Schöpfungsgeschichte" ohne Zweifel finden wird, +dürfte die Gefahr nahe liegen, dass falsche Ansichten und positive +Irrthümer, darin niedergelegt, auch leichten Eingang in die weitesten +Kreise finden möchten. + +Zunächst ist es falsch, wenn Häckel die negerartigen Bewohner +der Philippinen und andrer Inseln des hinterindischen Gebietes in +eine Gruppe der glatthaarigen Neger, also in dieselbe Categorie +mit den Bewohnern Australien's stellt, aber von den kraushaarigen +Papuas abtrennt. Es scheint dieser Irrthum--der sich übrigens schon +früher in dem populären Werke von Dr. Friedrich Rolle »der Mensch, +seine Abstammung und Gesittung im Licht der Darwin'schen Lehre, +Frankfurt 1866«, pag. 238 findet--durch einen in Prichard's Werk +Bd. 4 pag. 231 übersetzten Bericht des Bernardo de la Fuente +entstanden zu sein. Dieser spricht sowohl von kraushaarigen, als +von glatthaarigen Negern Luzon's. Nun sind aber die als Agta oder +Negrito's bezeichneten Neger der Philippinen ausnahmslos kraushaarig, +wie die älteren spanischen Autoren sehr wohl wissen. Ich selbst kenne +sie aus eigner Anschauung von verschiedenen Orten. Es kann also über +die Anwesenheit solcher kraushaariger Neger kein Zweifel bestehen, und +ich kann hinzusetzen, dass sie in Lebensweise, Sitten und physischem +Verhalten sich den echten Papua's entschieden nähern. + +Was nun die andern von de la Fuente erwähnten Neger mit vollkommen +schwarzen langen Haaren betrifft, so ist sein Zusatz, "man halte +sie für Abkömmlinge der Malabaren" (Prichard Bd. 4) völlig genügend, +um ihnen das Bürgerrecht unter den echten Negern, selbst unter den +Verwandten der Australneger, völlig zu nehmen; ausserdem aber sagt +Prichard, man bezeichne die Neger auch als "Igalotes". Dies mag +von Prichard aus einem alten spanischen Buche oder aus de la Fuente +richtig citirt sein, ist aber nichtsdestoweniger vollkommen falsch, +denn die Igolotes oder Igorrotes haben nichts von Negern, sondern +sind dunkelbraune Stämme des Nordwestens von Luzon, die entschieden +malaiischen Ursprunges sind. Nun gibt es aber freilich einige Stämme +in Luzon und Mindanao, welche dunkler als die olivenfarbigen Malaien +sind und häufig neben dem hohen Schädel und dem runden Gesicht des +dortigen Negers braunschwarze glatte Haare besitzen, aber dies sind +entschiedene Mischlingsracen zwischen den Malaien und den eigentlichen +kraushaarigen Negritos. Man trifft unter ihnen sowohl kraushaarige +Individuen mit malaiischem Typus des Kopfes und der Gesichtsfarbe, +wie auch dunkelbraune negerartig aussehende mit glattem, bald duffem, +braunschwarzem, bald glänzend schwarzem Haar. Sie stehen ausnahmslos +mit den umwohnenden christlichen oder heidnischen Malaien im +Verkehr. So erzählten mir die Mamanua's, eine dieser Mischlingsracen, +an der Nordküste von Mindanao, nicht weit von Butuan, dass sie sich +selbst noch mit den Christen dort verheirathen, welche letzteren dann +immer zu ihnen kommen und die gleiche unstäte Lebensweise annehmen. + +Ein andrer in Pangasinan in der Centralebene Luzon's lebender Stamm +wird von dem Padre Mozo (Misiones de Philipinas 1763 pag. 101) +als Negerstamm beschrieben, aber blos der dunklen Hautfarbe wegen: +dieser nennt sich "Baluga" d. h. nach der Bedeutung des Wortes im +Tagalischen "mestizo negro, schwarzer Mestize", also entweder ein +Mischling zwischen Neger und Malaien, oder ein Mestize--unbestimmt +gelassener Beimischung--mit schwarzer Hautfarbe. Ich habe auch diese +Balugas gesehen, und glaube versichern zu können, dass sie entschiedene +Mischlinge zwischen Tagalen und echten Negrito's sind. Nicht alle von +den Spaniern sogenannten Negrito's sind dies wirklich (s. Schetelig, +On the Natives of Formosa in Trans. Ethnogr. Society of London Vol. 7 +pag. 12), und ich wiederhole, dass alle sogenannten glatthaarigen +Neger der Philippinen entweder Malaien mit etwas dunklerer Hautfarbe, +oder Mischlinge zwischen Malaien und echten Negrito's sind. Wer sich +über die Papuas und ihre weite Verbreitung über den hinterindischen +Archipel genaue Kenntniss verschaffen will, findet leichte Befriedigung +in dem trefflichen Buche von G. Windsor Earle "The Native Races of +the Indian Archipelago. Papuans. London 1853". Pritchard's Werk ist +in dieser Beziehung jedenfalls etwas veraltet. + +Dann muss ich mich auf das Entschiedenste dagegen erklären, die +Bewohner Australien's nach der Andeutung Prichards (Bd. 4 pag. 270) +jetzt als Harafura's oder Alfuru-Neger zu bezeichnen (Häckel +l. c. p.). Einmal scheint Harafura oder Alfuru ein portugiesisches +Wort zu sein, i. e. "freigelassener Sclave". Mit diesem Namen +bezeichneten die Portugiesen in Amboina die freien Stämme des +Innern (G. Windsor Earle in Journ. East Ind. Archipl. Vol. IV. 1850 +pag. 2). Selbst wenn er aber auch nicht portugiesischen, sondern +östlichen Ursprungs sein sollte, so würde er keinenfalls auf die +glatthaarigen Australier angewandt werden können, sondern höchstens auf +die kraushaarigen--also zu den Papuas gehörigen--Neger in der Nähe der +Molucken. Auch d'Urville beschreibt die Harfur's vom Arfak-Gebirge in +Neu-Guinea als kraushaarig. Durch die Naturforscher der verschiedenen +Regierungs-Expeditionen sowohl, wie durch confuse Berichte anderer +Seefahrer ist die Frage, was die Harafura's eigentlich für ein Stamm +sind, in eine so gründliche Confusion gebracht worden, dass man am +Besten thut, den gordischen Knoten zu zerhauen, indem man den Namen +einfach fallen lässt, oder ihn wenigstens so einschränkt, wie es +neuerdings Bastian in der Karte zu seinem Buche "Ueber das Beständige +in den Menschenracen, Berlin 1868" gethan hat. Dieser treffliche +Ethnologe deutet ferner auch durch die dort gebrauchte Bezeichnung +"Alfuru-Neger" und durch die Einordnung derselben in die Gruppe +"Austral-Neger mit Papuas" an, dass ihm (l. c. pag. 271) beide Formen +des Australnegers, die kraushaarige und die glatthaarige, sehr nahe mit +einander verwandt zu sein scheinen. Eine so weitgehende Trennung der +beiden Gruppen aber, wie sie Häckel vornimmt, wird durch keine aus dem +physischen wie geistigen Zustande der dahin gehörigen Völker bekannte +Thatsache gerechtfertigt werden können; und dies um so weniger, als +man es hier ebensowenig, wie irgendwo sonst, mit ethnologisch reinen, +von Beimischungen freigebliebenen Racen zu thun hat. + +_Anmerkung 3._ Es ist hiernach nicht mehr ganz richtig, wenn d'Urville +(s. Prichard Bd. 4 pag. 268) und jetzt auch noch Earle (Journal +E. I. Archipel. Bd. 3, 1849 pag. 686) angeben, dass die östlichen +Negerracen, Papuas oder Australier, sich nie tättowiren; denn in der +That ist, wie alle Reisende richtig und übereinstimmend bemerken, diese +letztere Weise des Schmückens des Körpers ganz verschieden von der +Erzeugung langgestreckter Narben durch schneidende Instrumente. Auch +die, sicherlich durch Papua's und Malaien hervorgebrachten +Mischlingsracen der Pelew-Inseln (Carolinen) tättowiren sich, +haben also viel früher jene Sitte der Papua's, als ihren Körperbau +und andere Merkmale verloren. Beide Gebräuche, im Aussehen der +hergestellten Muster und ihrer Anwendung so verschieden, verdanken +doch wohl ihren Ursprung dem gleichen psychologischen Bedürfnisse, +dem der Ausschmückung, der Verschönerung des eignen Körpers. + +_Anmerkung 4._ Siehe meinen ausführlicheren Bericht über diese Stämme +in der Zeitschrift für die gesammte Erdkunde Bd. 10 p. 249-266. + +_Anmerkung 5._ Es scheint jetzt allerdings eine Thatsache zu sein, +dass der eigentliche Dialect der philippinischen Neger verloren +gegangen ist, wie Prichard (l. c. pag. 232) auf die Autorität +verschiedener Autoren gestützt angibt. In einem kleinen Wortregister, +welches ich an der Ostküste von Luzon zu sammeln Gelegenheit hatte, +und das ich in meinem Reisewerke ausführlich zu publiciren gedenke, +finden sich trotz der grossen Uebereinstimmung mit dem Tagaloc und +einigen andern Dialecten doch einzelne abweichende Worte. Ich würde +dies kaum hervorgehoben haben, wenn ich nicht in dem schon erwähnten +spanischen Buche des Padre Mozo (Misiones de Philipinas p. 101) +die beachtenswerthe Notiz gefunden hätte, dass alle die Negerracen +der verschiedenen Inseln die gleiche Sprache sprächen, im Gegensatz +zu den malaiischen Stämmen mit ihren zahlreichen Dialecten. So +sehr interessant und wichtig es nun auch sein würde, etwaige Reste +der ursprünglichen philippinischen Negersprache vor dem gänzlichen +Untergange zu retten, so würde hiezu doch eine Opferfreudigkeit und +Entsagung gehören, wie ich sie mir so wenig, wie irgend einem andern +Menschen zutraue. Mehr als einige sparsame Worte dieser Sprache werden +wir durch Reisende nie erwarten können; und die spanischen Pfaffen +sind jetzt weniger als je geneigt, diesem verkommenen Menschenstamm +einige Aufmerksamkeit zuzuwenden. + +_Anmerkung 6._ Die Ylungut oder Ylongotes, wie die Spanier schreiben, +sind Stämme malaiischen Ursprungs, welche in der östlichen Cordillere +zwischen Baler und Casiguran leben. Sie gehören mit zu den wildesten +Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit +den nahe wohnenden Negrito's in beständiger Fehde. + +_Anmerkung 7._ Eine Schätzung der Zahl der Negrito's ist von Mallat +versucht worden, der sie auf 25000 angibt (Mallat, les Philippines +Bd. II p. 94). Dies wird jedenfalls sehr übertrieben sein. Zu +Legaspi's Zeiten (1570-1580) freilich muss die Zahl derselben noch +eine sehr grosse gewesen sein. Sie werden in dieser Zeit noch als +ausschliessliche Bewohner der Insel Negros erwähnt, und auch in Cebú +sowie in Panay lebten damals noch sehr zahlreiche Negrito's dicht +neben den von Malaien bewohnten grösseren Städten. Auf beiden Inseln +sind sie seit Langem spurlos verschwunden. S. Gaspar de S. Agustin +pag. 95; Chirino, Relacion etc. pag. 24. + +_Anmerkung 8._ Siehe meinen Bericht in der Zeitschrift für die gesammte +Erdkunde Bd. 13 pag. 81-97 und das Tagebuch des D. G. Galvey, welches +in dem Werke des D. Sinibaldo de Mas Band I, Artikel Poblacion pag. 43 +sqq. abgedruckt ist "Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas +en 1842". + +_Anmerkung 9._ Im Visaya-Dialect heisst busauang "Strom von Wasser, +_Blut_ etc.; die Partikel tag wird vor Substantivwurzeln gesetzt, um +die Herrschaft über dasselbe anzudeuten; hiernach wäre die Bedeutung +des Wortes wohl so zu geben »der Gott (Herr) des Blutstromes" +d. h. Gott des Krieges. Ihm ist die _rothe_ Farbe geheiligt, die der +muthige Krieger nur dann anlegen darf, wenn er eine bestimmte Zahl von +Feinden erschlagen hat. (Padre Combes, Historia de Mindanao pag. 54.) + +_Anmerkung 10._ Es ist oben in Anmerkung 5 die Quelle angegeben, +der ich diese interessante Notiz entnommen habe. + +_Anmerkung 11._ Man hört auf den Philippinen jetzt häufig sagen, +die Priester hätten den Eingebornen nicht blos Kunst und Industrie, +sondern auch sogar den Reisbau gebracht. Es ist eine von allen älteren +spanischen Autoren anerkannte Thatsache, dass die Bewohner Luzon's +sowohl wie der Visaya's bei der Ankunft von Magellanes nicht blos +den Reis zu eignem Bedarf bauten, sondern auch als Handelsartikel +benutzten. _S. Martinez de Zuniga_, Hist. de Philip. Bd. I pag. 12; +_Combes_, Historia de Mindanao p. 6 etc. Wenn man die einzelnen, +in den verschiedenen Autoren zerstreut liegenden Bemerkungen über +den Zustand des Handels vor Ankunft der Spanier zusammenfasst, +so gewinnt man ein ganz anderes Bild von dem Verkehr der dortigen +Völker, als man es nach den Darstellungen der neueren Autoren sich +bildet. Pigafetta erzählt--ich citire nach der französischen Ausgabe +des Jahres 1801 von Charles Amoretti--, dass alljährlich 6 oder 7 +Dschonken aus dem Lande der Lequii nach Luzon kamen (pag. 134). In +Borneo trifft Pigafetta (pag. 146) den Sohn des Königs von Luzon, +der als Feldherr des Königs von Borneo die Bewohner von Laoe an der +Westküste Borneo's bekriegt hatte, weil sie lieber die Oberherrschaft +eines Königs von Java, als die des Sultan's von Borneo anerkennen +wollten. Die von ihm pag. 150 aus Borneo mitgetheilten Bemerkungen +über Gewichte und Geld deuten auf einen sehr regen Verkehr mit den +Chinesen hin; und der P. Gaspar de S. Agustin erzählt in seiner +"Conquista de las Islas Filipinas", dass chinesische Schiffe in den +grossen Fluss von Mindanao--d. h. den bei Cota Batto an der Südküste +mündenden Fluss--zum Handeltreiben einliefen. Die bedeutendste Stelle +ist die auf pag. 96 des letztgenannten Werkes, woraus hervorgeht, dass +nur die grösseren chinesischen Dschonken nach Manila kamen, von hier +aus aber die mitgebrachten chinesischen Waaren in kleineren Schiffen +nach Borneo und den philippinischen Inseln gebracht wurden. Auf dem +Rückwege nahmen sie dann die von den Chinesen und Siamesen gesuchten +Waaren mit, nemlich Sclaven, Gold, Wachs und Kaurisschnecken, sowie +weisse Tücher--wohl solche, wie sie noch heutzutage aus den Fasern der +Musa textilis gewoben werden--, die nun mittels der grösseren Schiffe +nach China hingebracht wurden. Also schon lange vor der christlichen +Periode war Manila ein Stapelplatz für chinesische Waaren, ein Emporium +des chinesisch-malaiischen Handels. + + + + +V. Skizze.--Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode. + + +_Anmerkung 1._ Siehe Martinez de Zuniga pag. 69-71. Gaspar de +S. Agustin pag. 95-96. ibid pag. 108. Pigafetta pag. 146. + + +_Anmerkung 2._ Siehe Martinez de Zuniga pag. 196-196. Die Geschichte +der Kriegsführung zwischen Spaniern und Muhamedanern ist nicht +ohne einiges Interesse. Leider ist man gezwungen, hier wie überall, +auf die voluminösen Geschichtswerke der geistlichen Corporationen +zurückzugehen, da das einzige meines Wissens existirende Specialwerk +über diesen Gegenstand "D. Emilio Bernaldez, Resena historica de la +Guerra al Sur de Filipinas" durchaus einseitig abgefasst und eigentlich +nur für den spanischen Militair wichtig ist, welcher vielleicht +einmal an die Spitze einer Expedition gegen die Moro's gestellt werden +könnte. Trotz der vielen Kriegszüge nach Joló, trotz der Einnahme von +Balanguingui im Jahre 1851 und obgleich die schwerfälligen Segelschiffe +der Christen in den letzten Jahren durch Dampfkanonenböte ersetzt +wurden, ist es den Spaniern auch bis auf den heutigen Tag nicht +gelungen, die Piraterie im Süden der Philippinen auszurotten. Ich +selbst wäre gewiss noch 1864 an der Ostküste Mindanao's in die Hände +der Moros gefallen, wenn irgend ein Umstand meine Abreise aus Bohol um +8-14 Tage verzögert hätte. Obgleich damals die in Cebú stationirten +Dampfschiffe rechtzeitig durch den Gouverneur von Surigao Kenntniss +von der Anwesenheit der Piraten erhalten hatten, so liefen diese +doch so spät aus, und gaben sich bei ihrer Verfolgung so wenig Mühe, +dass die Moro's ganz ruhig mit ihrer Beute nach Hause gelangen konnten. + +_Anmerkung_ 3. Man hört häufig sagen, und man liest es in allen +neueren Werken der Spanier über die Philippinen, es seien die +Priester ununterstützt durch die Macht der Waffen, an ihr Werk der +Bekehrung gegangen. Es war Juan de Salcedo mit seinen Soldaten, +welcher den Priestern den Weg nach dem Norden von Luzon durch die +Gewalt der Waffen bahnte. Padre Combes sagt in seiner Historia de +Mindanao p. 84: "die PP. Juan del Campo und Juan de S. Lucar hätten +sich, da ohne die nöthige Unterstützung durch die Waffen, nach der +Caldera (dicht bei Zamboanga) zurückziehen müssen". Und Gaspar de +S. Agustin p. 163 sagt: "als die Indier sahen, dass sie nirgendwo +sicher vor den Spaniern waren, kamen sie von vielen Ortschaften nach +Cebú, um Frieden zu machen." Er sagt dies, nachdem er erzählt hat, +wie Legaspi schon im Jahre 1564, wenige Monate nach seiner Ankunft, +Expeditionen zur Züchtigung verschiedener Stämme nach dem Norden und +Osten von Mindanao ausgeschickt hatte. + +_Anmerkung_ 4. Nach Pigafetta p. 119 waren schon durch Magallanes die +Bewohner von Cebú im Jahr 1521 zur Entrichtung eines festbestimmten +Tributes gezwungen worden. + +_Anmerkung_ 5. Hierfür nur eine Stelle des Gaspar de S. Agustin +p. 143: "Und die Fürsten (los Principales) sagten, dass er (Legaspi) +ganz handeln möge, wie Herr und Gebieter; denn sie wären nun treue +Vasallen des Königs geworden, und sie bäten ihn nun, dass er ihnen +die Plätze anweisen möchte, wo sie ihre Ortschaften neben denen der +Spanier hinbauen sollten." + + + + +VI. Skizze.--Die neueste christliche Zeit. + + +_Anmerkung_ 1. Ich habe im Texte absichtlich die starken Ausdrücke +gemildert, in welchen zahlreiche spanische Autoren sich über das im +17. und 18. Jahrhundert befolgte System der Regierung dieser Colonie +aussprechen. Ich übersetze einige Stellen aus D. Sinibaldo de Mas +"Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas en 1842, Madrid 1843", +pag. 199: "Kurz nach den ersten Zeiten, sagt der Duque de Almodovar, +des Glaubenseifers und des Ruhmes der Eroberung bemächtigte sich der +Gemüther ein niedriges und übel angewandtes Interesse. Die grosse +Mehrzahl der Leute, die später nach jenen entfernten Gegenden gingen, +pflegten dem Auswurf der Nation anzugehören (solian ser de las heces +de la nacion)". Und D. Tomas de Comyn schrieb 1810: "In der That sieht +man sehr häufig einen Friseur oder den Lakaien eines Gouverneurs, +einen Matrosen oder einen Deserteur sich plötzlich in einen Alcalden +oder einen Militär-Gouverneur eines volkreichen Districtes verwandeln." + +_Anmerkung 2_. Die Entstehung dieses Wortes ist gänzlich unklar. Alle +neueren Autoren behaupten, es sei das barangay,--womit man die aus +40-50 Familien bestehende tributzahlende Gesammtheit bezeichnet--eine +alte aus der heidnischen Zeit überkommene Einrichtung. Nun findet +sich aber dies Wort in solcher Bedeutung nicht in den älteren +Geschichtswerken, und es ist mir völlig unklar, auf welche Autorität +sich Buzeta, Maliat, Mas und andere Autoren stützen, wenn sie +behaupten, dass das barangay ursprünglich die Menge bezeichnet hätte, +welche in einem ihrer grossen Boote, den sogenannten _barangay_, bei +ihrer Einwanderung auf den Philippinen angekommen sein sollen. Ohne +eine bestimmte Angabe der ältesten Chronisten der Philippinen hierüber +wird sich kaum entscheiden lassen, welche von beiden Bedeutungen des +Wortes die abgeleitete sei. In diesem Institut des barangay liegt +der eigentliche Schwerpunkt der philippinischen Communalverwaltung. + +_Anmerkung 3_. Der Padre Gaspar de S. Agustin schrieb 1698 +(l. c. p. 12): »Man kann sicher annehmen, dass die Bewohner sich nicht +aus religiösem Gefühl (devocion) und wirklicher Kenntniss dessen, +was sie empfingen, taufen liessen, sondern weil ihnen dies das Symbol +des Bündnisses und der Freundschaft mit den Castiliern zu sein schien. + +_Anmerkung 4_. Ich verweise in dieser Beziehung auf die kurzen in +Anmerkung 11 der IV. Skizze gemachten Angaben. + +_Anmerkung 5_. Man liest in allen neueren Büchern, dass die Real +Compania de Filipinas 1785 errichtet wurde (Nopitsch, kaufmännische +Berichte gesammelt auf einer Reise um die Welt, Hamburg 1849, +p.78). Dies ist nicht ganz richtig. Aus der vom 10. März 1785 datirten +"Real Cedula de Ereccion de la Compania de Filipinas" geht hervor, +dass schon Philipp V. am 29. März 1733 einer zu gründenden Compania +de Filipinas bedeutende Prärogativen für den directen Handel nach +und von Manila gegeben hatte. Trotz der von der Regierung selbst +zwischen 1733 und 1778 öfter unternommenen Handelsexpeditionen nach +Manila scheint die Compania gar keine oder nur unbedeutende Geschäfte +gemacht zu haben. 1785 nun ging die Compania de Caracas zu Ende, +und diese Gesellschaft übertrug nun ihre Thätigkeit auch auf die +Philippinen unter dem Titel der Real Compania de Filipinas. Ihr +stand nicht blos das Recht zu, directen Handel zwischen Spanien und +den Philippinen zu treiben, sondern sie durfte auch von America aus +Waaren nach Manila, China etc. führen, ja es war ihr sogar erlaubt, +chinesische Manufacturwaaren auf dem Umwege über einen spanischen Hafen +im Mutterlande nun auch in Neu-Spanien einzuführen, da sie jetzt als +spanische Waaren betrachtet wurden (s. die erwähnte Cedula vom Jahre +1785 p. 27.) Gänzlich untersagt war ihr jedoch der directe Handel +zwischen Manila und Acapulco, ein Verbot, das nur gegeben worden war, +um den Handel des Mutterlandes mit den Colonien in Amerika nicht zu +beeinträchtigen. (S. ebenda p. 20.) + +_Anmerkung 6_. "Tribunal" auch "Casa Real" wird das in jedem Dorfe +befindliche Gemeindehaus genannt, in welchem der Gobernadorcillo mit +seinen Tenientes etc. ihre Amtshandlungen vornehmen. Es dient zugleich +als Gerichtshof und Gefängniss, wie auch als Wirthshaus; und öfters +habe ich auf meinen Reisen in demselben Raume mit krummgeschlossenen +Gefangenen zusammen die Nächte zubringen müssen. + + + + + + + +End of Project Gutenberg's Die Philippinen und ihre Bewohner, by C. Semper + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PHILIPPINEN UND IHRE BEWOHNER *** + +***** This file should be named 24820-8.txt or 24820-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/2/4/8/2/24820/ + +Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project +Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek +zu Berlin are available free of charge for non-commercial +use for all interested parties worldwide.) + +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United +States without permission and without paying copyright +royalties. 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