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+Project Gutenberg's Die Philippinen und ihre Bewohner, by C. Semper
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
+
+Title: Die Philippinen und ihre Bewohner
+ Sechs Skizzen
+
+Author: C. Semper
+
+Release Date: May 3, 2015 [EBook #24820]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PHILIPPINEN UND IHRE BEWOHNER ***
+
+
+
+
+Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project
+Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek
+zu Berlin are available free of charge for non-commercial
+use for all interested parties worldwide.)
+
+
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+
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+
+
+ Die
+
+ Philippinen und ihre Bewohner.
+
+ Sechs Skizzen.
+
+ Nach einem im
+ Frankfurter geographischen Verein
+ 1868 gehaltenen Cyclus
+ von Vorträgen.
+
+ Von
+
+ Dr. C. Semper,
+ Prof. extr. in Würzburg.
+
+
+
+ Würzburg.
+ A. Stuber's Buchhandlung.
+ 1869.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+ Recht der Uebersetzung vorbehalten.
+
+
+
+
+
+
+
+ Meinem lieben Schwager
+
+ Moritz Herrmann
+
+ in Manila
+ dem thätigen Beförderer meiner wissenschaftlichen Bestrebungen
+ widme ich diese Blätter
+ in
+
+ dankbarer Freundschaft.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+Mein lieber Moritz.
+
+
+Als wir uns vor 4 Jahren trennten, versprach ich Dir, Deinen Namen
+einer Reisebeschreibung voranzusetzen. Doch »in der Zukunft d. h. der
+Verleger dunklem Schoosse« ruht noch immer die versprochene Arbeit,
+ungewiss ihres zukünftigen Geburtstages; darum biete ich Dir heute
+nur diese leichte Waare an. Deutlich tragen die folgenden Skizzen
+den Charakter der frei gehaltenen Vorträge an der Stirn. Sollte es
+mir gelungen sein, dennoch durch die Verschmelzung eigener Anschauung
+mit fremden Angaben ein übersichtliches Bild von dem Lande und seinen
+Leuten, den Wechselbeziehungen ihrer geschichtlichen Entwickelung
+und der natürlichen Verhältnisse des Bodens und seiner Erzeugnisse
+entworfen zu haben, so wurde dies mich trösten bei dem Vorwurf,
+den Du mir vielleicht machen wirst, in diesen Skizzen allzusehr den
+Reisenden vernachlässigt zu haben.
+
+Sage den Palmen, ehe auch Du ihr Land verlässt, dass ich ihrer in
+treuer Liebe gedenke.
+
+
+Würzburg, im Mai 1869.
+
+Dein Freund und Schwager
+
+C. Semper.
+
+
+
+
+
+I.
+
+Die Vulcane der Philippinen.
+
+
+Fast in gerader Linie von Nord nach Süd ziehen sich die philippinischen
+Inseln von Formosa an hinunter bis nach Borneo und den Molucken. Von
+der Südspitze Formosa's durch einen etwa 40 Seemeilen breiten Canal
+getrennt schliessen sich die kleinen Inseln der Provincia de _Batanes_
+an die schon zum Theil zu Luzon gehörenden und die Gestalt dieser Insel
+in ihrer Gruppirung andeutenden _Babuyanes_ an. Von fast viereckiger
+Form, mit parallelen, von Nord nach Süd streichenden östlichen und
+westlichen Küsten zieht sich _Luzon_, die grösste Insel der Philippinen
+(2000 geogr. Quadratmeilen), vom 19. bis zum 14. Breitengrade herunter
+und biegt sich dann plötzlich in fast ganz östlicher Richtung
+um. Durch Meeresarme und Buchten in zahlreiche schmale Halbinseln
+und Landzungen zerspalten scheint dieser südlichere Theil von Luzon
+aus einer Menge kleinerer Inseln zusammengesetzt zu sein und lehnt
+sich so in natürlichster Weise an die zahlreichen Inseln an, welche
+man gewöhnlich unter dem Namen der »Islas Visayas« oder der »Islas
+de los Pintados« (der tättowirten Menschen) begreift. Unter diesen,
+deren Zahl mit Einschluss der kleineren Inseln viele Hunderte beträgt,
+fallen die beiden südlichsten leicht in die Augen: die langgestreckte
+_Palawan_ oder _Paragua_ der Spanier, welche von Borneo's Nordspitze
+(in 7° N. Breite) nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt eine
+enge Beziehung zwischen dieser und den philippinischen Inseln
+anzudeuten scheint, und dann am Meisten gegen Osten vortretend
+_Mindanao_ oder _Magindanao_, die grösste Insel der Philippinen nach
+Luzon (1600 geogr. Quadratmeilen). Mit ihrer südwestlichen Spitze
+(Zamboanga) lehnt sie sich durch die Inselkette von _Basilan_ und
+den Sulu-Inseln ebenfalls an eine östlich vorspringende Landzunge
+Borneo's an, während die südöstliche Spitze Mindanao's, die _Punta
+Serangani_ in 5° 80' N. Br. durch die Inselkette, welche Sanguir,
+Siao &c. angehören mit Celebes, durch die Salibabo-Inseln mit Gilolo
+verbunden ist. So schliesst der Archipel der Philippinen den nördlichen
+Theil des stillen Oceans mit seinen östlichen Strömungen von der durch
+ihre Wirbelstürme berüchtigten chinesischen See ab und gestattet
+eine Verbindung beider Meere unmittelbar nur durch den nördlichen
+ziemlich breiten Canal zwischen Luzon und Formosa, mittelbar durch
+die Strassen von _S. Bernardino_ und von _Surigao_, und die in
+mehr als einer Beziehung wichtige Strasse von _Celebes_. Gänzlich
+innerhalb des Tropengürtels und in einem Grenzgebiete zwischen den
+Monsuns und dem NO. Passat des stillen Meeres gelegen, mit unendlich
+reicher Küstenentfaltung, wie sie nur wenigen begünstigten Ländern der
+Welt eigen ist; mit langgestreckten Bergketten von 3-4000' mittlerer
+Kammhöhe und bis zu über 9000' ansteigenden Berggipfeln und isolirten
+Feuerbergen; mit einer durchschnittlichen mittleren Jahrestemperatur
+von 21° R. und mittleren Extremen von 19-23° R. und einem mehr als
+70 % betragenden mittleren Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre; von
+zahlreichen Flüssen und Bächen durchfurcht und mit grossen Landseen in
+den ausgedehnten Ebenen oder tief versteckt zwischen den Bergen--so
+besitzen die Philippinen alle Momente zur üppigsten Entfaltung
+tropischer Vegetation und Scenerien. Und in der That reihen sich
+diese Inseln in solcher Beziehung durchaus würdig den gefeiertsten
+Gegenden tropischer Länder, wie Brasilien, Java und Ceylon an. Vom
+dunklen Grün der tropischen Laubwälder stechen die Fichtenwaldungen der
+hohen Berggipfel in ihrem düstern einförmigen Ton ab--hier vermählt
+sich der Tannenbaum mit der Palme--und in den Thälern den Flüssen
+entlang zieht sich ein schwarzer Streif, der Wald der Casuarinen
+hin. Halb unter den Cocospalmenhainen versteckt liegen die Städte
+und Dörfer zwischen dem heiteren lichten Grün der Reisfelder und der
+Zuckerplantagen und alle die Bäume des Waldes und die Sträucher der
+Gärten schmücken sich mit blendend gefärbten Blumen und Früchten. Die
+Schönen des Landes scheinen diesen die Kunst abgelauscht zu haben,
+sich in den grellsten, blendendsten Farben zu kleiden, ohne unseren
+Augen wehe zu thun, und es steht der Reichthum der Farben, mit denen
+sich die Pflanzen und Thiere, wie auch die Menschen schmücken, in
+vollster Harmonie zu der Fülle des Lichtes, welche eine tropische
+Sonne selbst durch Wolken hindurch ihrer geliebten Erde zusendet.
+
+Aber unter diesen Blumen ruht auch hier die Schlange, bereit zum
+Sprunge und zum giftigen Bisse, und hier so wenig wie anderswo ist
+dem Menschen ungestörter friedlicher Genuss gewährt. Schreckliche
+Krankheiten, Pocken und die asiatische Cholera, diese Geissel der
+modernen Menschheit, decimiren die bevölkerten Städte und Dörfer;
+Wanderheuschrecken, welche wolkengleich den Himmel verfinstern,
+verheeren die Saat und es folgt ihnen Theuerung und Hungersnoth
+nach; beim Wechsel der Monsune überschwemmen die angeschwollenen
+Giessbäche das Land und wenn der Indier sich in seinen Holzhütten
+oder Steinhäusern von der verheerenden Fluth glücklich gerettet wähnt,
+so sieht er sich unter den Trümmern seines Hauses durch ein Erdbeben
+begraben oder in der Gluth der Aschenregen eines neu ausbrechenden
+Vulcanes erstickt.
+
+Wir wollen aus der Reihe der hier angedeuteten Phänomene den
+Feuerbergen der Philippinen, wie der Eingeborne die Vulcane nicht
+ganz richtig nennt, etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.
+
+Auf der südlichsten Landspitze von Mindanao, der schon genannten
+Punta Serangani liegt der längst bekannte Vulcan _Serangani_ oder
+_Sanguil_, [1] wie ihn einige der früheren Geschichtsschreiber und
+Seefahrer nennen, denen er beim Einlaufen in die Strasse von Celebes
+als fester Leuchtthurm gedient hat. Ihm schliessen sich auch den
+allerdings vielfach sich widersprechenden Angaben der spanischen
+und englischen Autoren zwei andere Vulcane an, deren einer, der
+Vulcan von _Sujut_, nahe der Bahia de Illanos, etwa 8-10 Seemeilen
+von dem Orte gleichen Namens liegen soll, während der dritte nur
+von wenigen Seefahrern früherer Zeiten gesehene Vulcan dicht bei
+dem Dorfe _Davao_, dem jetzt auf den spanischen Karten _Vergara_
+genannten Orte in der Bucht gleichen Namens (_Tagloc_ der älteren
+Karten) liegt. Von dem ersten, dem Sanguil oder besser Serangani--da
+der erste Name wahrscheinlich auf einem Missverständniss beruht, und
+jetzt gänzlich verloren gegangen ist--ist nur ein einziger historisch
+beglaubigter Ausbruch bekannt; es ist der vom 4. Januar 1645 (oder
+1641?). An demselben Tage sollen noch ein anderer Vulcan auf einer
+kleinen Insel der Sulu-Gruppe und ein dritter auf Luzon selbst,
+der auch auf Darwins bekannter Karte [2] angegebene Vulcan von Aringay
+oder Mte. Sto. Tomas im Golf von Lingayen zum Ausbruch gekommen
+sein. Beide sind jetzt jedenfalls als ruhende Vulcane zu bezeichnen,
+während der Vulcan von Serangani auch noch auf den neuesten Karten
+als activer Feuerberg bezeichnet wird. Nicht ganz genügend lassen
+sich die widersprechenden Nachrichten über die beiden andern Vulcane
+vereinigen. Während _dieser_ Reisende nur den Vulcan von Davao,
+ein _anderer_ jenen von Sujut (oder Pollok) gesehen zu haben meint,
+sprechen abermals Andere von einem feuerspeienden Berge, den sie zwar
+vom Hafen von Pollok aus--also in der Nähe der Illanosbucht--gesehen
+haben wollen, während sie ihm doch seine Lage in der schon oben
+erwähnten Bahia de Tagloc [3]--dem Meerbusen von Davao--zuweisen. Wäre
+die Meinung der letzteren richtig, so würden somit der Vulcan von Sujut
+und von Davao in einen zusammenfallen. Aus eigener Anschauung kann
+ich leider nur über den von Davao berichten: doch kann auch ich mich
+nicht rühmen, meinen Fuss auf seinen Boden gesetzt zu haben; denn nur
+aus grosser Entfernung konnte ich seinen Doppelkegel erblicken. Lange
+schon hatte ich mich bemüht, genaue Nachrichten von den spanischen
+Priestern und Beamten über Mindanao einzuziehen; im Jahr 1859 hatte ich
+einen vergeblichen Versuch gemacht, von Zamboanga an der Südwestspitze
+der Insel aus, tiefer in die ganz von Muhamedanern bewohnten Gegenden
+der Südküste einzudringen, und auch im Jahr 1864, dem letzten meines
+Aufenthaltes auf den Philippinen, war es mir unmöglich einen genaueren
+Reiseplan über ein Vordringen vom Norden [4] her zu entwerfen, da alle
+specielleren Anhaltspuncte zur Fixirung eines solchen fehlten. So
+wurde ich denn auch durch die Schwierigkeit des Vordringens so lange
+aufgehalten, und die entworfene Reiseroute zuerst durch die Cholera,
+nachher an der Ostküste von Mindanao durch eine Expedition von Piraten
+dergestalt verändert, dass ich wegen Mangels an Schuhen vom weiteren
+Vordringen über die unwegsamen Wege des Innern abstehen musste, als
+ich schon den nach der Messung eines spanischen Officiers etwa 8000'
+hohen Berg in ungefähr 30-40 Seemeilen Entfernung vor mir liegen sah;
+und ich musste mich mit dem Bewusstsein begnügen, seine geographische
+Lage wenigstens annähernd soweit bestimmt zu haben, dass eine ähnliche
+Bestimmung des von Pollok aus gesehenen Berges Aufschluss über die
+oben geäusserten Zweifel geben würde.
+
+Gänzlich von dem Dreiecke, welches so die activen Vulcane Mindanao's
+bilden, getrennt, liegt ein anderer Vulcan auf der zu den Visaya's
+gehörenden Insel _Negros_, von dessen Vorhandensein kein Reisender
+und keine Karte [5] etwas weiss. Den Nachrichten, welche ich über ihn
+von einem gebildeten in _Iloilo_ auf _Panay_, einer gerade Negros
+gegenüberliegenden Insel, residirenden Engländer erhielt, würde
+ich kaum, trotz der hohen Glaubwürdigkeit des Mannes, Beachtung
+geschenkt haben, wenn ich mich nicht selbst von der Wahrheit seiner
+Angaben überzeugt hätte. Leider konnte ich auch diesen Vulcan nur
+aus der Ferne sehen. Sein stark rauchender hoher Kegel ragt weit
+über die niedrigen Kalkberge der benachbarten Insel Cebú empor, so
+dass er bei günstiger Witterung in dem weiten Canal zwischen _Bohol_
+und _Cebú_ zu erblicken ist. Nach Schätzung muss er eine Meereshöhe
+von mindestens 5000' erreichen.
+
+In weiter Entfernung von den bisher behandelten Vulcanen tritt
+nun auf dem langgestreckten südlichen Theile von Luzon eine Kette
+von Feuerbergen auf, deren südlichster der Vulcan von _Bulusan_
+die äusserste südöstliche Spitze von Luzon bezeichnet. Auch von
+ihm weiss man kaum mehr, als dass er zu den activen Vulcanen
+gerechnet werden muss; denn er sowohl, wie der etwas nördlicher
+liegende Vulcan von _Albay_ haben den sich von Osten her nahenden
+Seefahrern von jeher als Leuchtthurm bei der Einfahrt in die Strasse
+von S. Bernardino gedient. Beide sind von beträchtlicher Höhe, der
+erste von etwa 5000, der Vulcan von Albay oder der _Mayon_ von über
+7000' Meereshöhe. Zahlreiche heftige Ausbrüche haben diesen letzteren,
+welcher in seiner äusserst regelmässigen conischen Gestalt als ein
+wahres Muster feuerspeiender Kegelberge dienen kaun, verrufen und
+gefürchtet gemacht. Unter den 7 in den Geschichtsbüchern registrirten
+Ausbrüchen [6] sind es die beiden vom 24. October 1767 und vom 1.
+Januar 1814, welche durch ihre Schlammausbrüche oder Lavaströme und die
+vorausgehenden Erdbeben viele Dörfer rings um den Fuss des Berges
+zerstörten und Hunderten von Menschen das Leben raubten. Das Geräusch
+der Detonationen hörte man in Manila wie nahen Kanonendonner, und
+die Asche fiel hier so dicht, dass sie eine Schicht von 18 Linien
+Dicke auf dem Erdboden bildete. Aber der Mensch gewöhnt sich hier,
+wie überall, leicht an die Schrecken der ihn umgebenden Natur; und
+über die Trümmer seines Hauses schlägt der Bewohner sein leichtes
+aus Palmblättern gewebtes Dach und lebt in ihnen sorglos und rasch
+beruhigt sein friedliches Leben weiter.
+
+Ganz anders, als die bisher betrachteten Vulcane, die alle bis zu
+bedeutender Höhe in regelmässigster Kegelform aufsteigen, entzieht
+sich der dritte der Vulcanenreihe Süd-Luzon's, der berüchtigte _Taal_
+ganz den Wirken der Reisenden. Mag man auf dem Seewege von Manila her
+mit einem kleinen regelmässig fahrenden Küstendampfer um die Provinz
+_Cavite_ herum am Dorfe _Taal_ in der Provinz _Batangas_ landen, oder
+sich ihm auf dem Landwege durch den _Rio de Pasig_ und die herrliche
+_Laguna de Bay_ über _Los Baños_ und _Tanauan_ zu nähern versuchen,
+immer erblickt man ihn erst, wenn man schon am Ufer des Sees gleichen
+Namens [auch genannt Laguna de Bombon [7]] steht. Mitten in diesem
+sehr tiefen See--der nur ein durch die schwache Erhebung eines aus
+vulcanischem Tuff gebildeten Dammes abgesperrter Meerbusen [8] zu sein
+scheint--liegt in dreieckiger Gestalt eine Insel mit ihrer breiten
+Nordseite dem Dorfe _Talisay_ zugekehrt, und ungefähr in ihrer Mitte
+der jetzt active beständig rauchende Krater mit seinen kaum mehr als
+600' sich über dem See erhebenden Kraterrändern. Vor ihm zeigt die
+Nordostspitze der Insel eine Anzahl steil ansteigender, mit hohem
+Grase und krüppelhaften Bäumen bewachsener stark gefurchter Hügel,
+welche den nördlichen Fuss des Vulcan's so verdecken, dass man die
+Lage des Kraters nur an der Ausdehnung der zwischen den Kraterwänden
+aufsteigenden Rauchsäule erkennt. Die nordwestliche etwas vorspringende
+Spitze wird von einem jetzt gänzlich erloschenen regelmässig
+kegelförmigen Vulcane, dem _Binintiang grande_ gebildet, während der
+auch in den Geschichtsbüchern erwähnte _Binintiang chiquito_ (der
+kleine Binintiang) die nach dem Süden hindeutende dritte Spitze der
+Insel bezeichnet. Ausbrüche dieses Vulcanes finden sich 11 verzeichnet,
+die aber nicht alle aus demselben Krater stattfanden. Zwei zweifelhafte
+Ausbrüche werden in den Jahren 1634 und 1645 erwähnt ohne Angabe des
+Kraternamens, von 1707-1733 wechselten die beiden Binintiang's mit
+einander ab, bis endlich 1749 der mittlere Krater zum Ausbruch kam,
+der jene beiden zum Schweigen bringend von nun an bis in neuere Zeit
+hinein die Rolle übernahm, in der erstickenden Asche den Bewohnern der
+nahen Dörfer Tod und Segen [9] zugleich zu bringen. Sein furchtbarster
+Ausbruch geschah am 2. December 1754; Erdbeben kündigten ihn an. Am
+nächsten Tage erfolgte die Eruption mit entsetzlichen weit hin in allen
+Provinzen gehörten Explosionen und einem Aschenregen, der viele Stunden
+lang anhaltend bis in die nördlichsten Gegenden Luzon's hingetragen
+wurde, während er die 4 bevölkerten Dörfer _Taal_, _Lipa_, _Tanauan_
+und _Sala_ vollständig zerstörte. Nur die Ruinen der steinernen
+Gebäude, der Kirchen und Convente dieser Orte ragen noch zwischen
+neu aufgewachsenen Palmen- und Bambushainen am Ufer des See's aus der
+festgewordenen Asche hervor. Zahlreiche Erdbeben, welche seitdem die
+Bewohner der Hauptstadt Manila aus ihrer Ruhe schreckten und deren
+stärkstes am 9. Juni 1863 viele Privathäuser und die meisten der
+öffentlichen Gebäude in Ruinen legte, lassen sich wohl mit Sicherheit
+auf diese nah gelegene Quelle unterirdischer Wühlereien zurückführen.
+
+Hier legten mir zum Glücke weder Piraten, noch meine Schuhe
+irgendwelche Hindernisse in den Weg, so dass ich nach hinreichender
+Ausrüstung mit Lebensmitteln, Aexten und Tauen den lange beabsichtigten
+Besuch der Insel ausführen konnte. Am Nordrande der Insel gelandet, an
+welchem eine kleine Fischerhütte mich mit meinen zahlreichen Begleitern
+aufnehmen musste, bestieg ich am Nachmittag desselben Tages noch den
+nördlichen Kraterrand, welcher in etwa 400' mittlerer Höhe steil in den
+etwas ovalen und von Süden her durch einen vorspringenden Berg in zwei
+Hälften getheilten Krater abfällt. Ein günstiger Nordwind trieb den aus
+dem Schlot des vielfach zerrissenen Eruptionskegels [10] aufsteigenden
+Rauch nach Süden. Ueberall durchzogen Spalten das Erdreich, das
+aus loser nur an der Oberfläche zusammengebackener Asche bestand,
+und aus vielen derselben drang ein nach schwefliger Säure riechender
+Dampf aus den Fumarolen hervor. Da ich in wenig Tagen hier den Besuch
+von Freunden und ihren Damen erwartete, so recognoscirte ich nur mit
+dem Fernrohr die Kraterwand, ohne weiter ein Hinabsteigen an dieser
+nördlichen hohen Seite zu versuchen. Obgleich ich mich dabei immer
+hart am Rande des Kraters bewegte, so hatte ich doch mehr Glück als
+ein Spanier von Manila, welcher wie so manche Andere an dieser Stelle
+heraufgestiegen war, um sich einmal das »purgatorio« mehr aus der Nähe
+anzusehen. Diese Neugier aber kam ihm theuer zu stehen. Das Erdreich
+am Rande des Kraters hielt ihn nicht--ich weiss nicht, ob seine
+Corpulenz oder seine Sünden ihn so schwer wiegen liessen--es gab nach,
+und auf einem Aschenblock reitend kam er nach blitzesschneller Fahrt
+im Grunde des Kraters an und blieb hier dicht vor einem rauchenden
+und von Gyps, Schwefel, Alaun und anderen Stoffen angefüllten Sumpf
+liegen, welcher die ganze nördliche und nordwestliche tiefste Seite
+des Kraters ausfüllt. Der weiche Boden hatte ihn etwas warm, aber
+doch weich gebettet, so dass er nur schwefeldurchräuchert, aber mit
+heilen Gliedern davon kam. Nach mehrstündigem Aufenthalt im Krater
+wurde er von seinen Begleitern mit Stricken wieder hervorgeholt. Die
+Geschichte schweigt darüber, ob er je wieder den Versuch gemacht hat,
+sich während seines Lebens dem Fegefeuer zu nähern.
+
+Dort wo der südliche Kraterrand zu der höchsten, etwa 600' über dem
+See liegenden und etwas in den Krater vorspringenden Spitze ansteigt,
+bemerkte ich gegen Westen einen tiefen Einschnitt in die geschichteten
+trachytischen Wände des Berges, in welchem die Einfahrt am leichtesten
+möglich zu sein schien. Nach Berathung mit meinen Leuten gingen wir am
+nächsten Morgen um den _Binintiang grande_ herum an die südwestliche
+Küste, wo ebenfalls am flachen und von hohem Grase (cogon) und einzeln
+stehenden Bäumen bewachsenen Ufer eine Hütte stand. Ein nicht ganz eine
+Stunde dauernder Marsch brachte mich zunächst auf dem Rücken eines
+Höhenzuges entlang an tiefen Spalten und einigen grossen conischen
+Löchern vorbei, dann über ein weites Aschenfeld hin, in welchem das
+Gehen im höchsten Grade beschwerlich war und endlich über einen kleinen
+Hügel hinweg an den Südwestrand des Kraters. Mein Führer hatte den Weg
+vortrefflich ausgesucht, denn wir kamen genau an der Stelle an, die ich
+ihm am Tage vorher bezeichnet hatte, am Anfange des Spaltes, welcher
+mir von dem zur Regenzeit herabfallenden Regen in die Wand des Kraters
+eingeschnitten zu sein schien. Das jetzt gänzlich trockene Bette des
+Baches führte uns ziemlich steil, an zahlreichen Fumarolen vorbei, dem
+Krater zu. Leider setzte ein senkrechter Absturz und die einbrechende
+Nacht meinem Weiterdringen für diesmal ein Ziel. Am nächsten Morgen
+wurden nun aus rasch geschlagenen Bambusrohren Leitern zusammengebunden
+und mit diesen ausgerüstet, machten wir Nachmittags einen zweiten
+Versuch in den Krater zu gelangen. Der erste Absturz von etwa 30' wurde
+glücklich überwunden, aber bald sahen wir uns, immer in dem erwähnten
+Bachbette niedersteigend, vor einem zweiten ebenso hohen Abhang und
+nachdem wir auch hier eine zweite der Leitern aufgestellt hatten,
+sahen wir uns nun zum dritten Male durch die senkrecht abstürzende
+Wand aufgehalten. Es stand uns noch eine dritte Leiter zu Gebote,
+die mittels eines Taues herabgelassen wurde, aber sie reichte kaum
+bis zur Hälfte zu uns herauf. Wir hatten sie durch ein Loch, welches
+von dem niederstürzenden Regen in den Boden der Schlucht eingefressen,
+direct in den Krater führte, herabgelassen. Mein Diener Mariano, ein
+munterer und zu allen gewagten Unternehmungen bereitwilliger Tagale,
+liess sich am Taue durch das Loch hinunter; als ich ihm aber folgen
+wollte, konnte ich wegen der grösseren Breite meiner Schultern nicht
+hindurch. So musste ich ihm die Freude gönnen, mir am Abend von ihm
+als einzigem Besucher des Kraterbodens genaue Berichte geben zu lassen
+über seine Beobachtungen in dem »Purgatorio«. Leid thaten ihm dabei
+nur seine blossen Füsse, die ziemlich versengt waren; doch tröstete
+er sich leicht in der Ansicht, dass er nun doch vor allen Anderen
+hoch begünstigt sei, da er auf seinem Wege zum Himmel die Qualen des
+Fegefeuers noch bei Lebzeiten durchgemacht habe.
+
+Am 3. Tage, dem 30. April 1859, endlich gelang es mir mit Hülfe
+einer nahe an 70' langen Leiter, die ich am äusseren Rande der
+Spalte, jenseits jenes Loches, welches mich den Tag zuvor am
+Hinabsteigen gehindert, aufgestellt hatte, in den Krater selbst zu
+kommen. Vereinzelte Grasbüschel wuchsen auf dem völlig schwarzen
+Erdboden--an der Südwestseite des Kratergrundes,--der gänzlich aus
+Asche und zahlreichen Schlackenstücken zu bestehen schien. Gegen
+Norden sich schwach senkend, veränderte der Boden mehr und mehr
+seine dunkle Farbe in Braun und Gelb, zugleich wurde er weicher
+und es trat bald eine Kruste von gelbgefärbten Gypskrystallen auf,
+die man mit einer etwas festeren grauen Masse von Thon von dem
+darunter liegenden graulich gefärbten dicklichen Thonbrei abheben
+konnte. Weiter gegen den erwähnten rauchenden Schwefelpfuhl zu, nur
+noch etwa 50 Schritte von ihm entfernt, wurde der Boden so schlammig
+und zugleich dabei so heiss, dass ich von weiterem Vordringen abstehen
+musste. Mariano tanzte dabei mit seinen blossen Füssen hin und her,
+wie ein kleiner hier einheimischer Teufel, da er wegen des heissen
+Bodens nie länger als einige Secunden auf demselben Flecke stehen
+bleiben konnte. Nun wandte ich mich der Südseite des Kraters zu, wo
+die weisse aus festem trachytischen Gestein bestehende Kraterwand, von
+zahllosen Fumarolen durchbrochen, dem Südfusse des aus mehreren halb
+isolirten Hügeln bestehenden Eruptionskegels entgegen tritt. Ueberall
+brach heisser Wasserdampf hervor, bald in continuirlichen Strömen
+bald in regelmässig sich folgenden Stössen, wie der Dampf einer
+Hochdruckmaschine entweicht. Ueberall wo solcher Dampf hervorbrach,
+waren die Wände weiss und gelblich gefärbt. Weiter gegen Osten zu
+traten zwei Sandhügel in die Ebene des Kraters hinein, die sich
+durch das Abwaschen der Kraterwände gebildet hatten; hier war die
+Dampfentwicklung noch stärker und hier traten auch an einzelnen Stellen
+kleine Bäche kochenden Wassers aus. Nun bogen wir nach Nordosten um,
+dem Eruptionskegel zu. Zwischen ausgetrockneten Wasserpfützen, in
+deren Mitte sich immer eine kleine Erhöhung befand und deren Umkreis
+durch weisse Färbung ausgezeichnet war; durch Rinnsale hindurch kam
+ich nach Zurücklegung von einigen Hundert Schritten an eine kleine
+Erhöhung, die ein tiefes von rauchendem Schlamm angefülltes Loch
+enthielt, mit senkrecht abfallenden weiss und gelb gefärbten inneren
+Wänden. Hier trat mir schon der Schwefeldampf, den mir der Wind gerade
+in's Gesicht trieb, hindernd in den Weg, doch ging ich weiter dem Rande
+des eigentlichen Schlotes zu, der nur noch einige Hundert Schritte vor
+mir lag. Ein erster Versuch, ihn zu erreichen, schlug fehl; heftiger
+Schwefeldampf zwang mich zur schleunigen Umkehr. Meine tagalischen
+Begleiter schienen es besser vertragen zu können, sie schritten
+hustend weiter und langten schon oben am Rande an, als ich noch unten
+schnaufend stand, mich zu einem zweiten Versuch zu erholen. Nun ging es
+laufend den Abhang hinauf, und die Risse und Spalten überspringend dem
+Rande zu, den ich auch glücklich erreichte; aber nur einen flüchtigen
+Blick konnte ich in den von kochendem milchweiss gefärbtem Wasser
+erfüllten Schlot werfen. Die Oberfläche der kochenden dampfenden Masse
+mochte etwa 30-40' tief unter meinen Füssen liegen, niedriger, wie es
+schien, als die heissen kochenden Quellen, welche an der Südseite des
+Kratergrundes ausbrachen. Links gegen Südwesten von diesem Loch lag
+noch ein kleineres, dessen Wände ziemlich viel höher waren, als der
+Kegel auf dem ich stand. Leider konnte ich diesen wegen des heftigen
+dort hingetriebenen Schwefeldampfes nicht erreichen.
+
+Wir hatten uns jetzt schon 3 Stunden lang im Krater herumgetrieben,
+uns Allen that die Brust heftig weh und den zwei Dienern, die mir
+gefolgt waren, waren die Füsse halbversengt; dazu brannte jetzt die
+Mittagssonne senkrecht auf unsern Scheitel und der Wind brachte
+uns statt Kühlung nur heisse Schwefeldämpfe; so enteilten wir,
+so schnell wir konnten, diesem heissen Aufenthalte, und kletterten
+auf unserer Leiter dem Lagerplatz in der Schlucht zu, wo die übrigen
+Leute zurückgeblieben waren. Diese waren verschwunden, alles Wasser
+hatten sie uns ausgetrunken und ebensowenig Essen für uns bereitet. Wir
+lagerten uns und schützten uns durch ein Segeltuch, so gut wir konnten,
+gegen die brennende Sonne; wir warteten eine halbe Stunde, und noch
+eine, aber Niemand kam; endlich machte ich mich in Verzweiflung auf,
+die Schlucht emporzuklettern und fand denn auch hier ausserhalb
+des Kraters meine Leute in süssem Schlaf versunken. Ich schickte sie
+scheltend hinunter, und als ich nach Vollendung einiger Skizzen wieder
+hinabstieg, fand ich endlich mein Essen zubereitet.
+
+Nun packten wir die gesammelten Steine und übrigen Sachen zusammen,
+um unsern Rückmarsch anzutreten, und ich hatte eben noch die letzten
+Anordnungen gegeben, wie am nächsten Tage neben den Leitern auch
+Bambusrohre angebracht werden sollten als Stützen für zarte Hände;
+da brachten mir, während ich noch in der Kraterschlucht war, Leute,
+die ich gestern nach Tananau beordert hatte, einige Briefe, welche mir
+anzeigten, dass die erwarteten Freunde und mit ihnen auch die Damen
+nicht kommen konnten, die ich doch so gerne im Krater des Vulcanes
+bewirthet hätte. Traurig über dies gestörte Vergnügen wanderte ich
+heim. Und als ich dann am nächsten Tage, ehe ich die Insel verliess,
+noch einmal dem Gipfel des Binintiang grande und seinem Krater einen
+flüchtigen Besuch abgestattet hatte, knickte mir mein Fuss beim raschen
+Heruntersteigen am steilen Abhang so heftig um, dass ich eine starke
+Entzündung davon trug, die mich in einem Häuschen am Ufer des See's
+3 Tage hindurch an das Bett fesselte. Es war, als wollte mir der
+in seinem Heiligthum gestörte Geist des Vulcan's noch zuletzt eine
+leichte Strafe für mein vermessenes Beginnen geben.
+
+
+
+Gänzlich von der Reihe dieser lebenden Vulcane Süd-Luzon's getrennt
+treten nun im äussersten Norden der Inselgruppe auf kleinen Raum
+zusammengedrängt 4 Vulcane auf, von denen zwei schon seit alter Zeit
+her bekannt sind und wie der Serangani im Canal von Celebes, so hier
+im Bashee-Canal jenen vom Süden kommenden Schiffen als Signal gedient
+haben, welche auf ihrem Wege nach China gegen den Nordost-Monsun an die
+östliche Passage durch den stillen Ocean zu nehmen pflegten. Es sind
+dies der, wie es scheint in beständiger Eruption befindliche Vulcan auf
+_Babuyan Claro_, und der jetzt schon im Solfataren-Zustande ruhende
+Vulcan von Camiguin, der südöstlichen Insel der _Babuyanes_. Ihm
+gegenüber liegt ein anderer feuerspeiender Berg dicht unter dem Cabo
+Engaño in _Cagayan_, der nördlichsten Provinz Luzon's. Es ist der
+auf den neuesten spanischen Karten [11] als M.-Cagua bezeichnete Berg,
+aus dessen nach einer Messung des D. Claudio Montero 2489 par. Fuss
+hohem Gipfel ich selbst im October 1860 eine Rauchwolke aufsteigen
+sah, als ich in _Aparri_, dem Hafenorte des _Rio Grande de Cagayan_,
+auf eine Reisegelegenheit nach Manila wartete. Die beiden schon
+genannten Vulcane mögen nach roher Schätzung etwa 3000' hoch sein. Dem
+vierten endlich habe ich einen Namen geben zu müssen geglaubt, der
+den Seefahrern nicht unbekannt ist; es ist die auf der beiliegenden
+Karte als _Vulcan Didica_ bezeichnete Insel, welche zwischen den
+längst bekannten und sehr gefürchteten Didica-Klippen [12] (_escollos
+Didica_) in den letzten Jahren neu entstanden ist. Als ich im Herbste
+1860 nach Camiguin überfuhr, mit der Absicht hier zu überwintern und
+zootomische Studien an Thieren des Meeres und des Landes zu machen, um
+dann im nächsten Jahre mit den im Mai eintretenden Windstillen meine
+Reise über Babuyan Claro nach den kleinen Batanes oder Bashee-Inseln
+fortzusetzen, erhielt ich von einem spanisch sprechenden Bewohner
+der Insel genauen Bericht über einen Vulcan, der sich gegen Ende des
+Jahres 1856 im Meere erhoben haben sollte. Ich citire genau hier die
+Worte meines Tagebuches. "1856 etwa im September oder October sahen
+sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange
+bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen,
+den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke
+dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und
+schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien,
+als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein
+Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete,
+die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht
+zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt,
+aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch
+statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856
+der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob,
+stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen
+denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan
+in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu
+einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von
+Camiguin verglichen." Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich
+an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der
+vorgerückten Jahreszeit--im September--und der mit dem Wechsel der
+Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen
+schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand
+ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch
+den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in
+der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren
+auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste
+ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer
+Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen,
+dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten
+D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem
+Meere auf wenigstens 700' ergiebt, welche derselbe vom September 1856
+bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im
+Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so
+rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten.
+
+Es scheinen diese verschiedenen Gruppen lebender Vulcane der jetzigen
+Epoche ziemlich unabhängig von einander zu sein. Aber schon der
+gleichzeitige Ausbruch dreier von einander getrennter Vulcane deutet
+auf einen Zusammenhang hin. Nach dem Padre Juan de la Concepcion
+fand am 4. Januar 1645 gleichzeitig eine Eruption des Vulcan von
+_Serangani_, eines jetzt gänzlich zur Ruhe gekommenen Vulcans
+aus der _Sulugruppe_ und des unter dem Namen _Vulcan de Aringay_
+auch auf Darwin's Karte angegebenen Berges statt. Allerdings ist
+die Vulcan-Natur des letzteren nicht über allen Zweifel erhaben;
+denn die Beschreibung des genannten Historiker's der Philippinen
+lässt völlig im Unklaren, ob aus dem Berg, den er zwar einen Vulcan
+nennt, wirklich damals ein Ausbruch stattgefunden habe oder ob er
+nicht vielleicht bloss durch die Erschütterung in einem heftigen
+Erdbeben zusammengestürzt sei. Aber abgesehen hiervon gibt es
+zwei wichtige Gründe, welche die Zusammengehörigkeit aller dieser
+Vulcane beweisen. Zeichnet man die vielen durch ihre ausgesprochen
+kegelförmige Gestalt, das Vorhandensein eines verschütteten Kraters,
+zahlreiche heisse Quellen und deutlich erkennbare alte Aschenauswürfe
+gekennzeichneten Vulcane zwischen jene lebenden ein, so schliesst
+sich dadurch eine ganz zusammenhängende Kette von Bergen. Und es
+schliesst sich diese Vulcanenkette, wie schon von Buch und Berghaus
+hervorgehoben wurde, direct an die Reihe an, welche in gleicher
+Richtung über Sanguir, Siao, Ternate, Celebes und Gilolo bis südlich
+vom Aequator hinunterzieht, wo sie senkrecht auf die Vulcanenreihe
+der Sundainseln trifft. Solcher erloschener Vulcane finden sich viele
+auf allen Inseln mit einziger Ausnahme von Cebú und Bohol, welche
+gänzlich aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten
+gebildet zu sein scheinen. In der westlichen wie östlichen Cordillere
+des Nordens und im Süden von Luzon, in der isolirten Bergkette von
+_Zambales_ und auf _Leyte_ und _Samar_, im westlichen Gebirgslande
+des Nordens von _Mindanao_ und in dem Höhenzuge von _Palawan_ erheben
+sich solche erloschene Vulcane hoch über die mittlere Kammhöhe des
+Gebirgszuges, dem sie angehören. Dahin gehört der Berg von _Majaijai_
+oder der _M. Banajao_ von 7030 span. Fuss Meereshöhe, dessen Fuss die
+vielgerühmte Laguna de Bay badet; dahin der _M. Datá_ im Distrikte
+der Kupferminen bei Mancayan (Nordwest-Luzon) und der Subig in der
+Bergkette von Zambales; dahin gehören die vielen als activ bezeichneten
+Vulcane, welche in Berghaus bekannter Karte den Vulcan von Bulusan mit
+dem von Majaijai durch die beiden Provinzen _Camarines Sur y Norte_
+hindurch verbinden. Abweichend durch ihre gänzliche Isolirung von
+allen Bergketten fallen 4 kleine vulcanische Berge im Norden der
+centralen Ebene Luzon's auf, unter denen ich nur den _M. Cujaput_ in
+der Provinz _N. Ecija_ nennen will; noch auffallender aber erscheint
+der trachytische Doppelkegel des _M. Arayat_, der aus einer kaum 90
+Fuss über dem Meere erhabenen Ebene steil und schroff bis zu 3150 Fuss
+Meereshöhe aufsteigt. Alle diese Berge aber und die sie verbindenden
+Bergketten zeigen durchaus die gleiche mineralogische Beschaffenheit,
+denn sie gehören alle im Süden wie im Norden der Reihe moderner
+trachytischer Ausbrüche an. Abgesehen von einigen zweifelhaften
+Stellen im Norden Luzon's und in Cebú, wo eigenthümliche Petrefacten
+ein etwas höheres Alter anzudeuten scheinen, gehört somit die ganze
+Gebirgsmasse, das Skelett der Philippinen, der Reihe trachytischer
+Gesteine an, welche in der jüngsten geologischen Periode zum Vorschein
+kamen.
+
+An diesen trachytischen Kern nun lehnen sich in sehr verschiedener
+Meereshöhe zahlreiche sedimentäre versteinerungsreiche Sandstein-
+und Thonschichten an, deren Muscheln und Schnecken theilweise noch
+heute lebend in den umgebenden Meeren gefunden werden. Sie gehören
+also wohl alle einer sehr jungen Periode an. Und wie an den Ufern
+der Inseln und in den Canälen zwischen diesen und weit in's Meer
+hinein sich Korallenriffe in den mannigfaltigsten Formen finden,
+so sieht man auch in den trachytischen Bergen des Nordens von
+Luzon und des Ostens von Mindanao und auf den Visaya's zahlreiche
+Ueberbleibsel früherer Korallenriffe, deren Wände in den bizarrsten
+Formen aufsteigend meistens in sehr harten dichten Korallenkalk
+umgewandelt sind. An diesen lassen sich nun mit Leichtigkeit zwei
+verschiedene Altersstufen unterscheiden. Die ältesten Korallenriffe,
+welche aber doch noch der tertiären Periode anzugehören scheinen,
+sind theilweise zu einer bedeutenden Meereshöhe emporgehoben worden,
+so namentlich in dem durch sein gleichmässig mildes Klima und die
+landschaftliche Schönheit der umgebenden Berge so berühmt gewordenen
+Thal von _Benguet_. Nur uneigentlich wird es in Manila ein Thal
+genannt. Es ist ein fast genau kreisförmiger Kessel von ungefähr 1/2
+deutschen Meile Durchmesser, dessen Sohle nahezu horizontal fast
+4000' über dem Meere hoch liegt. In seinem Grunde findet sich ein
+weitausgedehnter mit hohem Schilf umwachsener See. Ein etwa 450'
+hoch über dem See aufsteigender Ringwall aus gänzlich massivem
+Korallenkalk umgibt steil anstrebend und an manchen Stellen wegen
+seiner mannigfachen Zerklüftung gänzlich unersteigbar den Kessel. Um
+aber die Aehnlichkeit mit einem Atoll noch deutlicher hervorzuheben,
+finden sich an zwei Stellen tief und scharf wie mit einem Messer
+eingeschnittene Spalten in dem Wall, durch welche sich mühsam jetzt
+ein Bach hindurchdrängt. An der südwestlichen Seite endlich erniedrigt
+sich der Ringwall etwas, und löst sich hier in eine Reihe kleiner
+unregelmässig gestalteter und von trachytischem Thone bedeckter Hügel
+auf, zwischen denen hindurch sich der Weg nach S. Fernando windet. Hier
+fanden sich in dem trachytisch aussehenden röthlichen weichen Gestein
+nicht selten, aber schlecht erhaltene Petrefacten und hier endlich
+liess sich an vielen Stellen eine durch allerlei Geröll und völlig gut
+erhaltene ausnahmslos gerollte Korallenfragmente eine alte Strandlinie
+nachweisen. Von diesem Atoll-ähnlichen Riffe an liess sich eine ganze
+Kette mehr oder weniger getrennter Korallenbildungen bis hoch in den
+Norden hinauf in ungefähr gleicher Meereshöhe verfolgen.
+
+Während nun die älteren Korallenbildungen wenigstens theilweise
+von Trachyt überlagert zu sein scheinen, schliesst sich die zweite
+Reihe der gehobenen Riffe ganz an die jetzt lebenden an. Ueberall
+an den Küsten der Inseln, auf Camiguin im Norden von Luzon und auf
+Basilan bei Zamboanga, an der Ostküste Luzon's und Mindanao's, wie
+auf Bohol und--nach Hörensagen--den Calamianes und Palawan finden
+sich bald länger zusammenhängende, bald isolirte Fetzen gehobenen
+Korallenkalkes, die durch ihren von der Brandung ausgewaschenen Fuss
+deutlich mit den bei Ebbezeit entblössten oberen Theilen der jetzt in
+Hebung begriffenen lebenden Riffe in Verbindung stehen. So liefert
+uns die ununterbrochene Reihe vulcanischer Ausbrüche, älterer und
+neuerer Korallenbildungen den klarsten Beweis stetig fortschreitender
+säcularer Hebung der Philippinen.
+
+
+
+
+
+II.
+
+Die Riffe und das Leben im Meere.
+
+
+Tief und senkrecht aus dem Meere heraus bauen die Polypen ihre Häuser
+von Stein, und erst, indem sie durch eigne oder durch unterirdische
+Kräfte gehoben, bis nahe an die Oberfläche des Meeres gelangen,
+bildet sich das Riff aus. Die Brandung reisst an der senkrechten
+Wand Korallentrümmer ab, die bei niedrigem Wasserstande über den Rand
+des sich an die Küste anlehnenden Walles von Korallen hinaufgeworfen
+werden; solche abgestorbene Trümmer vereinigen sich miteinander durch
+Sand, und allmählig erhöht sich so der Rand des Riffes selbst über
+die höchste Fluthlinie. Nun bezeichnet eine beständige Linie weisser
+schäumender Wellen, sogenannter "Brecher", den Rand des Aussenriffes,
+welches sich bald eng an die Küsten anschmiegt und mit völliger Treue
+die Umrisse des Landes wiederholt, bald auch auf untermeerischen Rücken
+fortlaufend weit in den Ocean vorspringende Riffzungen bildet. Solche
+austretende Riffe finden sich vorzüglich an den Küsten, welche dem
+offenen Meere zugewandt sind; denn hier hat die constante Wirkung der
+herrschenden Winde und Meeresströmungen gar häufig Stücke des Landes
+abgelöst und zerstört, deren untermeerische Grundfelsen dann den
+günstigen Boden zur Ausbildung der Korallenriffe boten. Anders bilden
+sich Riffe aus in stillen Buchten und in den engen Strassen zwischen
+den Inseln. Die bald constanten, bald sehr wechselnden Strömungen der
+Luft; die durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen und die partiellen vom
+nordpacifischen Aequatorialstrom abgeleiteten Ströme, wie sie zu den
+Strassen von Surigao und S. Bernardino hereindringen; die wechselnde
+Höhe der Fluth und der Sturmfluthen; Gestalt und geognostische
+Beschaffenheit der Küsten; chemische Constitution des Meerwassers und
+mechanisch beigemengte Sandtheilchen;--alle diese sind in Verbindung
+mit der säcularen Hebung der Inseln eben so viele Einflüsse, denen
+der zarte Organismus der Korallen gehorchen muss [1] und denen das von
+diesen aufgeführte Gebäude, das Riff, seine Form verdankt. Ehe wir
+uns aber diese in einem Beispiele etwas näher ansehen, wollen wir
+die Thiere bei ihrem nie unterbrochenen Baue beobachten.
+
+Eine weiche Larve der Meeresoberfläche senkt sich auf den tiefen
+Boden des Meeres nieder. Wie die Schnecke ihr Haus absondert, so
+bildet sich der werdende Polyp das seinige, nachdem er zuvor sich
+mit festem kalkigem Fusse auf dem Felsen angesetzt hat. Rasch in die
+Höhe strebend, treibt er nun wie der Baum seine Aeste und Zweige,
+Knospen, die sich zu neuen Polypen entwickeln und während der Urahne
+weiter und weiter wächst, haben zahlreiche Generationen ihn von allen
+Seiten umschlungen. So entsteht der Korallenstock, der in seiner
+Form die ihm innewohnende allseitig sich ausbreitende Kraft des
+Baumes offenbart, theils aber auch, wie dieser nur kurze Zweige an
+der Windseite entwickelt und dem Sturmwinde durch Neigen zu entgehen
+sucht, in der Richtung seines Wachsthumes und der vollendeten Gestalt
+des Gebäudes die mannigfaltigen hindernden Einflüsse des Meeres zu
+erkennen gibt. Wo an allseitig geschützten Stellen--so im Innern
+vieler Atolle--keine Strömungen des Meeres störend einwirken und
+der Wogenschlag keine Trümmer aufwirft, da wachsen die einzelnen
+Korallen nach allen Richtungen hin gleichmässig weiter und bilden
+so allseitig abgerundete Knollen. Wenn dann die sanft gebogene
+Oberfläche des Riffes bei tiefer Ebbe dem Einfluss der Luft oder
+gar des herabströmenden Regens ausgesetzt wird, so sterben die
+oberflächlichsten Korallenthiere ab, ihre Häuser werden zerstört und es
+verflacht sich allmälig die Oberfläche, auf der sich nun Korallensand
+und in ihm allerlei grabende Thiere ansiedeln. Nun stürzt ein Theil
+der Insel ein, welcher sich jene bunt durcheinander wachsenden Knollen
+anlegten. Ein Meeresarm hat sich Bahn gebrochen und schwemmt nun in
+raschem Laufe alle die Korallentrümmer fort, welche vorher an Ort und
+Stelle liegen blieben; der mächtige Strom setzt den übrigbleibenden
+lebenden Korallen unüberwindliche Schranken. Die mechanische Gewalt
+desselben und die Intensität des Wachsthumes der einzelnen Knollen
+setzen sich in Gleichgewicht. Ein treffliches Beispiel hierzu liefert
+ein kleiner Krebs [2], ein Schmarotzer, der sich zwischen den Aesten
+verschiedener Korallen ansiedelt. Seine Krallen reizen die Polypen zu
+unregelmässigem Wachsthum; es bilden sich Auswüchse von zwei Seiten
+her, die allmälig zu Gallen umgeformt jenen Eindringling umwachsen
+und ihn gänzlich einschliessen. Fort und fort wachsen die Polypen,
+bis endlich der Strom, welchen der unfreiwillige Einsiedler mit seinen
+strudelnden Füssen nach bestimmter Richtung hin erregt, so stark
+wird, dass er dem Wachsthum der Koralle Halt gebietet. In solchen
+Gallen erkennt man immer zwei sich ziemlich genau gegenüberstehende
+feine Spalten. So verhindert der Strom im Meeresarme das seitliche
+Ausbreiten der Korallen, die nun alle ihre Triebkraft senkrecht nach
+oben wenden, und es entstehen bald mehr bald weniger schroffe Abstürze
+der Korallenwandung, je nachdem der seitlich vorbeifliessende Strom
+stärker oder schwächer war. Nur da, wo wie im Kanal von Basilan der
+Strom immer nach derselben Richtung mit grosser Stärke geht, wachsen
+die Korallen absolut senkrecht in die Höhe. Hier aber kommen ganz
+eigenthümliche Verhältnisse in's Spiel. Während in der nahe gelegenen
+Strasse von Zamboanga die Strömung wechselt mit den Monsunen und
+der Ebbe und Fluth, liegt der Kanal von Basilan so eigenthümlich,
+dass der östliche Strom wohl durchtreten kann, der westliche dagegen
+in einen östlichen verwandelt wird. Wo aber die Strömungen wechseln,
+wie in allen weiteren Kanälen, da hebt sich die hindernde Wirkung
+derselben theilweise auf und so entstehen hier senkrechte Wandungen der
+Korallenstöcke nur dann, wenn bei hinreichender Stärke die wechselnden
+Strömungen keinen Winkel miteinander machen. Ungehindert nach allen
+Seiten breiten sich die Korallenstöcke in jenen Dreiecken aus, welche
+durch das Aufeinandertreffen zweier Ströme oder durch die im Anprall
+gegen eine Insel bewirkte Theilung eines einfachen Stromes gebildet
+werden, und in denen mannigfach abgelenkte, in ihrer Richtung gänzlich
+unbestimmbare und schwache Strömungen entstehen. Aus dem Innern des
+Landes durch die Flüsse und Bäche herabgeführter Schlamm wird den
+einzelnen Korallenstöcken ebenso verderblich, wie das reinste süsse
+Wasser eines Bergstromes. Wo mächtig anschlagende Wogen immer in
+gleicher Weise senkrecht gegen die Richtung des Landes, dem sich
+die Riffe anschmiegen, einwirken, da entsteht dicht am Ufer ein
+hochgethürmter Aussenwall des Riffes; aber von ihm ab gegen die Höhe
+des Oceans zu vertieft sich das Riff ganz allmälig, bis es endlich
+langsam und ohne schroffen Abfall in die Tiefe verschwindet.
+
+Ein specielles Beispiel soll die schon angedeuteten Wirkungsweisen
+verschiedener Momente, namentlich aber der Strömungen, näher erläutern.
+
+Von ziemlich compacter Gestalt, mit nur geringer Küstenentwickelung
+liegt die Insel _Bohol_ (siehe Karte II) so zwischen Cebú, Leyte
+und Mindanao eingekeilt, dass sie den von Norden kommenden Kanal
+zwischen Leyte und Cebú in 2 Arme theilt, denen sie ihre westliche
+und östliche Seite zuwendet, während die südliche und südöstliche
+von der Nordküste Mindanao's durch einen sehr viel breiteren Kanal
+getrennt ist. In diesem letzteren verbinden sich die Strömungen,
+welche aus den Strassen von Surigao mit einer Geschwindigkeit von
+4-6 Seemeilen in der Stunde herauskommen mit den weniger starken
+zwischen Leyte und Bohol. Je nach Ebbe und Fluth wechseln diese
+Strömungen in entgegengesetzter Richtung ab, oder wirken mit
+wechselnder Stärke, aber dann immer in gleicher Richtung, wenn der
+Nordost- oder Südwest-Monsun ihre volle Kraft erreicht haben. So
+treten die Meeresströme--gegen welche mitunter sogar die spanischen
+Regierungsdampfer der Marine vergebens ankämpfen--tangirend nahe an
+die östliche und südliche Küste Bohols heran, an welchen demzufolge
+nur eine sehr geringe Breitenausdehnung des bei Ebbe trocken gelegten
+Riffes zu bemerken ist. Aber in wenigen Schiffslängen Entfernung vom
+Rande des Riffes schon findet das Senkblei erst Grund in mehr als
+100 Faden Tiefe--ein Beweis des jähen Absturzes der Korallenwand,
+wie er hier nach Richtung und Stärke des Stromes wohl zu erwarten
+war. Das Südwestmeer der Insel wird durch die von ihr nur durch einen
+Seichtwasserkanal getrennte Insel _Panglao_ bezeichnet, welche aus
+gehobenem Korallenkalk besteht. Sie ist langgestreckt und liegt in
+dem Winkel zwischen dem östlichen Strome des Südrandes von Bohol und
+dem von Norden herkommenden Strom des Canals zwischen Cebú und Bohol,
+und als eine in demselben Winkel liegende untermeerische Fortsetzung
+derselben findet sich hier ein weit vortretendes, mit seinem breiten
+Aussenrande bei tiefer Ebbe gänzlich trocken gelegtes Riff. Von der
+südwestlichen Spitze desselben durch einen schmalen Canal getrennt,
+liegt eine sehr kleine ringsum von Riffen umgebene Insel, abgerissen
+offenbar durch die hier schon stark wirkenden fressenden Ströme des
+Meeres. Das Keilriff der Insel Panglao hat im Osten wie Westen,
+den beiden Wetterseiten einen etwas erhöhten Rand, und mitten in
+der bis zu 4 Faden Tiefe ausgehöhlten innern Fläche mehrere aus Sand
+und Korallentrümmern bestehende Inseln. An der Westküste Bohols wird
+das zuerst wegen des nahe herantretenden Stromes sehr schmale Riff
+allmälig gegen Norden hin breiter und nimmt endlich an der Nordküste
+der Insel ganz den Character eines Barrenriffes an. Parallel der Küste
+gestreckte, bei tiefer Ebbe fast gänzlich trocken gelegte Riffe ziehen
+sich in meilenweiter Ausdehnung hin, und sind von der Insel selbst
+durch einen bis zu 10 Faden tiefen Canal getrennt, welcher nach Westen
+in den sehr tiefen Canal zwischen Cebú und Bohol, nach Osten hin in
+den zwischen Bohol und Leyte liegenden Meeresarm übergeht. Zahlreiche
+meist sehr niedrige, nur von Pandanusgebüschen oder Mangrovehainen
+bewachsene Inseln machen die Schifffahrt in den Canälen innerhalb
+des Riffes gefährlich und mühselig. Dieses ganze Labyrinth von Inseln
+und Canälen und Riffen liegt aber, wie ein Blick auf die Karte lehrt,
+abermals in einem vergleichsweise stillen Dreieck zwischen den beiden
+Strömen, in welche sich der einfache Strom des Canals zwischen Leyte
+und Cebú bei seinem Anprall gegen die Insel Bohol theilen musste. So
+sehen wir hier im Grossen sich ganz dasselbe wiederholen, was wir im
+Kleinen an den Wachsthumserscheinungen der einzelnen Korallenstücke
+bemerkten. Ueberall wo Wirbel oder gänzlich stille Flecken im Meere
+gefunden werden, lösen sich das Riff und die auf ihm entstehenden
+Inseln in eine grosse Menge verschieden gebildeter Inselchen auf,
+ganz wie unter ähnlichen Verhältnissen die einzelnen Korallenknollen
+sich zu keiner zusammenhängenden Masse, zu keinem eigentlichen Riffe
+verbinden. Wo aber constante Strömungen in immer gleicher Richtung
+auf ein Riff oder einen einzelnen Korallenstock treffen, da deutet
+die Form beider das Gleichgewicht der entgegenwirkenden Kräfte an.
+
+So sind sämmtliche Inseln der Philippinen von einem Kranz von
+Korallen umsäumt, welche sich bald an das Ufer anlehnen, ohne
+ein eigentliches durch den aufgeworfenen Aussenrand bezeichnetes
+Riff zu bilden, bald aber zu echten Riffen werden, die nun als
+Küstenriffe oder als Barrenriffe--letzteres allerdings in den
+seltensten Fällen--die zahllosen Meeresarme zwischen den Inseln
+noch mehr einengen. Zwischen ihren Aesten siedeln sich eine Unzahl
+von Thierchen an; auf den abgestorbenen Flächen der gehobenen Riffe
+oder im Sande der tieferen Canäle liegen die kostbaren Perlenmuscheln
+und die essbaren Holothurien; am Ufer der sandigen Inseln der Riffe
+legt die Karettschildkröte ihre Eier ab und auf den von Seepflanzen
+dicht bewachsenen schlammigen und versandeten Riffen grast nächtlich
+der Dujong, während sich in den Canälen derselben, wie im hohen
+Meere zahllose essbare Fische tummeln. Ueberall bietet sich dem
+küstenbewohnenden Malaien eine reiche und leichte Erndte in der
+Ausbeutung der werthvollen Producte des tropischen Meeres.
+
+Die _Holothurien_ [3] oder der im Handel so genannte _Trepang_,
+_balate_, gehören jener bekannten Gruppe von Lebensmitteln an, welche
+wie die essbaren Vogelnester und die Haifischflossen ausschliesslich
+von den üppig lebenden Chinesen genossen werden. Für den Zoologen
+aber vereinigen sie sich durch ihre gesammte Organisation mit den
+wohlbekannten Seesternen und Seeigeln zu dem Kreise der Echinodermen
+oder Stachelhäuter. Wie sie im Bau ihrer Organe eine wunderbare
+Vollkommenheit und Mannichfaltigkeit zeigen, so sind sie auch in ihren
+Sitten und Gebräuchen durch zahlreiche auffallende Eigenthümlichkeiten
+ausgezeichnet. Hier zerfliesst eine Holothurie in wenig Minuten
+in formlosen Schleim, wenn man sie der Luft aussetzt; ja nur ein
+leiser Windhauch, der sie berührte, macht es dem Malaien unmöglich,
+sie durch Kochen so zu erhärten, dass sie nachher der trocknenden
+Sonnenwärme ausgesetzt werden kann. Mit dem Seewasser muss sie gleich
+in der grossen Kochschale aus dem Meer gehoben werden, wenn sie nicht
+ein Lüftchen in Schleim verwandeln soll. Fasst man diese Thiere an,
+so vergehen sie unter den Händen. Andere Formen zeigen Eigenschaften,
+um die sie mancher Mensch beneiden möchte. Die Synapta ärgert der
+hintere Theil ihres Körpers; so wirft sie denselben von sich und
+lebt auch ohne ihn ruhig weiter, oder bildet ihn in kurzer Zeit neu
+wieder aus. Eine andere Holothurie vereinigt alle Specialitäten
+des ärztlichen Standes in sich. Eine selbst gemachte Wunde ihrer
+Haut heilt sie in wenig Stunden, ohne eine Nath anzulegen; ihre
+krankhaften Organe stösst sie von sich ab und macht sich in wenig
+Tagen vollständig neue; wenn sie keine Lungen mehr zum Athmen hat,
+so athmet sie das Wasser in die Leibeshöhle ein.
+
+Wie oft habe ich nicht auf meinen Reisen diese Thiere beneidet. Wenn
+ich unter den Wilden nur Wurzeln und Krebse zu essen fand, oder ein
+schlecht besetzter Mittagstisch eines Wirthshauses mir alle Freude am
+Genusse verdarb, so musste ich jedesmal an meine Holothurien denken,
+die gefangen in kleinen Schalen mit reinem Seewasser, ohne ihre
+beliebte Speise, den Korallensand, bald ihren Darmcanal mit Lungen
+und allen andern Organen, die daran hingen, zum After hinausstiessen,
+da sie ja unter den Umständen nicht mehr nöthig waren. Liess ich
+dann diese Thiere nur lange genug leben,--etwa mindestens 9 Tage--so
+hatten sie sich unterdessen ganz neue Gedärme gemacht und Lungen, mit
+denen sie das reine Seewasser ebenso ruhig frassen und einathmeten,
+als früher den Sand und das weniger reine Wasser. Wie oft hört man
+nicht einen Menschen im Zorne ausrufen: Möchte ich doch aus der
+Haut fahren! Was aber Euch nicht gelingt, das macht Euch eine andre
+Holothurie in wenig Minuten vor, wenn Ihr sie mit Nadeln und Messern
+zu quälen anfangt. Sie dreht und windet sich nach allen Richtungen
+und schleudert ihren Körper hin und her, wie es mitunter die Blutegel
+thun, hie und da reisst die Haut ein, und bald seht Ihr statt des mit
+Warzen und Knoten besetzten kantigen Körpers einen rundlichen Sack
+vor Euch liegen, der die völlig unversehrten Eingeweide enthält. Die
+daneben liegende geborstene Haut löst sich bald in Schleim auf.
+
+Mannichfaltig gestaltete Arten derjenigen Gruppe, welche im System
+als Aspidochirotae aufgeführt werden, dienen zur Bereitung des
+Trepang. Mehrfach gedämpft und zuerst mit Seewasser, dann mit süssem
+Wasser gekocht, nachher lange Zeit an der Sonne oder im Rauch über
+Feuer getrocknet,--so kommen diese nun schwärzlich und geschrumpft
+aussehenden Thiere in verschiedenen Sorten in den Handel. Da dieser
+in Manila wenigstens ausschliesslich in den Händen von Chinesen
+liegt, so sind nur schwer sichere Angaben über den durch den Trepang
+hervorgebrachten Werthumsatz zu erhalten. Ueber einige der letzten
+Jahre liegen mir Angaben vor. Im Jahr 1864 wurden 2089 Picul (zu
+130 Pfd.), 1865 dagegen 3920 Picul ausgeführt. Der Werth derselben
+schwankte 1866 zwischen 23-60 Thlr. per Picul.
+
+Den kopflosen Weichthieren gehören einige andere commerciell wichtige
+Thiere an, nemlich die echte Meeresperlenmuschel (_Meleagrina
+margaritifera L._) und die Temblegam-Perlenmuschel (_Placuna placenta
+L._). Beide sind auf den Philippinen weniger wegen der in ihnen
+erzeugten Perlen, als wegen ihrer Schalen selbst wichtig. Die grossen
+Schalen der Meleagrina zeigen auf ihrer inneren glänzenden Fläche,
+sowohl an der Ansatzstelle des Schliessmuskels, wie an der übrigen dem
+Mantel sich anlegenden Fläche, gar häufig unregelmässige aber schön
+glänzende Tröpfchen von Perlmuttersubstanz, welche abgeschnitten als
+Halbperlen verwandt werden. Viel weniger häufig sind aber die echten
+völlig glatten und freien Perlen, die sogenannten "Wasserperlen"
+(perlas de agua), welche nur zwischen den Schichten der Mantelblätter
+erzeugt werden und in fadenartigen Verlängerungen derselben hängen,
+wie in einem Sacke. Hunderte von Schalen können vom Grunde der tiefen
+Canäle heraufgeholt worden, ehe eine einzige solche Wasserperle von
+erheblichem Werthe die unsägliche Mühe des Tauchers belohnt. Es wird
+der Perlenfang hauptsächlich nur noch im Meere um die Sulu-lnseln,
+um Palawan und Mindanao herum betrieben und zwar von Sclaven, welche
+die muhamedanischen Fürsten im Süden der Philippinen auf ihren
+alljährlich sich wiederholenden Menschenjagden einfangen. So finden
+sich auf den zum Perlenfang ausgesandten Böten katholische Christen
+von Luzon und den übrigen philippinischen Inseln neben heidnischen
+Bewohnern von Celebes, Gilolo und den Dajak's von Borneo auf derselben
+Bank gebunden, dem blutigen und lebensgefährlichen Geschäft des
+Tauchens zum Opfer. In immer grössere Tiefen ziehen sich die grossen
+Perlmuscheln--denn nur diese geben Hoffnung auf gute Beute--zurück,
+so dass in den Meeren um Sulú herum die Taucher bereits bis auf 15
+und selbst mehr Faden Tiefe zu tauchen haben. Der heftige Druck der
+grossen Wassermasse treibt dem Taucher, während er mit einem Messer
+rasch die festsitzenden Muscheln abzuschneiden sucht, das Blut aus
+Ohren, Nasen und Augen. Mit zerschnittenen Händen und Fingern, mit
+blutendem Gesichte kommen diese Unseligen an die Oberfläche, und
+empfangen als Belohnung für die kostbare Perle, die sie dem Meere
+entrissen, nur kärgliche elende Nahrung; oft auch ist gänzliche
+Taubheit, ja selbst ein rascher plötzlicher Tod ihr Lohn. Fast sind
+sie dann glücklich zu schätzen. Denn die gewaltige Anstrengung des
+raschen Tauchens zerstört langsam, aber sicher auch die kräftigste
+Brust, bis sie endlich nach langdauernden Leiden der langsame Tod
+dem grausigen Geschäfte entreisst. Tausende von Blutstropfen hängen
+so an jeder Perle, welche das Ohrgehänge oder die Brustnadel unserer
+Schönen zieren.
+
+Auch der Handel mit Perlen ist in Manila gänzlich in Händen der
+Chinesen, sodass sich auch hier keine sicheren Angaben über den Werth
+der jährlich nach China gesandten Perlenmengen machen lassen. Dagegen
+findet sich die Schale der Meleagrina als sogenannte "concha nacar" in
+allen Exporttabellen aufgeführt. Das Jahr 1867 hat mit 3095 Picul die
+grösste je ausgeführte Menge von Perlmutterschalen aufzuweisen. 1865
+betrug der Preis per Picul 19 Dollar (57 Gulden) und durchschnittlich
+sollen ungefähr 30 einfache Schalen auf ein Picul gehen.
+
+Die zweite Muschel (Placuna placenta) [4] wird hier nie, wie in Ceylon,
+der kleinen oft in ihr gebildeten Perlen wegen gesucht. Sie lebt im
+Schlamme am Ausgange der Flüsse mit anderen Thieren des brakigen
+Wassers, ohne Befestigung und in grossen Mengen beisammen. Es
+ist bekannt, dass aus den flachen und dünnen sehr durchscheinenden
+Schalen viereckige Scheiben geschnitten werden, welche in China, auf
+den Philippinen und den Inseln des hinterindischen Ocean's statt der
+Glasscheiben in die Fensterrahmen eingesetzt werden. Gegenüber dem
+Glase haben sie jedenfalls den in den lichthellen tropischen Ländern
+hoch zu schätzenden Vortheil, dass sie das directe Sonnenlicht fast
+ganz ausschliessen, das diffuse Tageslicht dagegen mit hinreichender
+Intensität durchlassen. Ueber die Masse und den Werth der etwa
+ausgeführten Schalen dieser Muschel fehlen alle statistischen Angaben.
+
+Eine ganz kurze Erwähnung nur verdienen die hier in Manila "_Sigay_"
+genannten _Kaurischnecken_, Arten der Gattung _Cypraea_. Sie finden
+sich wie überall in den tropisch östlichen Meeren, so auch auf den
+Riffen der Philippinen und werden alljährlich in grossen Quantitäten
+ausgeführt. Da aber der Werth derselben neuerdings sehr gesunken
+ist--man bezahlt jetzt in Manila etwas mehr als einen Thaler für das
+Picul--so ist der Werth des Umsatzes von jährlich etwa 1500 Picul ein
+sehr geringer. Ebensowenig beansprucht die Ausfuhr des _Schildpatts_
+bedeutendes Interesse; denn trotz des ziemlich hohen Preises, der
+auch jetzt noch für das Picul Schildpatt--von den Spaniern _carey_
+genannt--, nemlich 4-500 Dollars, bezahlt wird, beträgt der ganze
+Umsatz im Mittel kaum 15000 Gulden, da selbst in den günstigsten
+Jahren nicht mehr als 20 Picul ausgeführt werden.
+
+Dagegen ist der _Dujong_ (Halicore Dugong L.) ein Thier, welches in
+mehr als einer Beziehung interessant ist, da es sich in eigenthümlicher
+Weise mit der Geschichte des Trepanghandels auf den Philippinen
+verknüpft. Als im Anfang dieses Jahrhunderts einige Spanier von
+Manila nach den westlichsten Inseln der Carolinen, den Pelew-Inseln
+oder den Islas Palaos, gingen, um hier für Tabak, Eisenwaaren und
+baumwollene Tücher den Trepang einzuhandeln, erkannten sie in einem
+Armband, [5] welches das Handgelenk der Fürsten des Landes zierte,
+den ersten Halswirbel des ihnen sehr gut bekannten und auf den
+Philippinen wegen seines wohlschmeckenden Fleisches häufig gejagten
+"pez mulier" [6] wieder. Sie nahmen den hohen Werth desselben wahr und
+wussten sich während der nachfolgenden Jahre auf den Philippinen
+mit einer tüchtigen Ladung solcher Wirbel zu versehen, die den
+glücklichen Speculanten denn auch rasch eine volle Schiffsladung
+fast umsonst verschafften. Aber der Dujong ist sehr schwer zu jagen,
+und seine Menge, wie es scheint, nicht beträchtlich. Er zog sich
+nach den am schwersten zugänglichen Schlupfwinkeln an den Ostküsten
+des Archipels zurück, so dass sich bald die auf Trepang fahrenden
+Mestizen und Spanier von Manila wieder genöthigt sahen, sich der
+europäischen Waaren zu ihrem Tauschhandel zu bedienen. Nie wieder
+sind solche Geschäfte in diesem Handelszweige gemacht worden, wie
+in der kurzen Periode jenes Handels mit dem Atlas des Dujong. Er
+giebt uns auch ein Beispiel, wie leicht der Mensch geneigt ist,
+seiner Eitelkeit schmerzliche Opfer zu bringen. Obgleich derselbe
+selbst im Verkehr der Bewohner untereinander Geldwerth besitzt,
+so hat er doch auch den wirklichen Werth eines nationalen Ordens;
+denn nur den ausgezeichneten Männern des Landes kann er vom König oder
+dem Fürstencongress zuertheilt, aber auch entzogen werden. Es ist ein
+Fest, wenn einem Vornehmen des Landes ein solches zuerkannt wird. Aber
+die Anlage des Ordens selbst ist eine schmerzhafte Operation. Das
+allerdings durch Abfeilen der Kanten und Vorsprünge etwas erweiterte
+Loch, durch welches das Rückenmark hindurchtritt, ist so eng, dass
+selbst die zarten und in ihren Gelenken so ausnehmend biegsamen
+Hände der Eingebornen nicht ohne grosse Mühe hindurchkommen. Die
+Finger des Beglückten werden fest zusammengebunden, so dass sich die
+Breite des gebogenen Handrückens möglichst vermindert, und dann wird
+die Hand durch den Wirbel hindurchgezwängt, indem einige Männer an
+dem Taue, welches die Finger hält, aus Leibeskräften ziehen, während
+Andere von entgegengesetzter Seite her den Wirbel und den Decorirten
+festhalten. Oft sieht man die Vornehmen des Landes mit Stolz die Hand
+zeigen, von welcher sie bei solcher Standeserhöhung einen Finger,
+meistens den Daumen, durch die Operation des Durchziehens verloren
+haben. Bei uns Europäern möchte ein solcher Orden, der nie ohne
+grosse Schmerzen angelegt werden kann, wohl als ein Mittel gegen die
+zu grosse Zahl der Ehrendiener angewandt werden können.
+
+Die vergleichsweise grosse Wichtigkeit der genannten Thiere, welche
+wesentlich auf den Korallenriffen und durch sie leben, lässt sich
+kurz in einigen Zahlen ausdrücken.--Es erreichte der Export der
+4 wichtigeren Artikel im Jahre 1864 die Summe von 97,683 Dollars,
+1865 die viel grössere von 135,295 Dollars. Für die einzelnen Artikel
+stellt sich das Verhältniss so:
+
+
+ | Perlmutter- | Schildpatt. | Kauris. | Trepang. | Summa.
+ | schalen. | | | |
+ | | | | |
+1864 | 52,972 | 931 | 2000 | 41,780 | 97,683 D.
+1865 | 47,215 | 3172 | 1792 | 78,400 | 135,295 D.
+
+
+Man sieht, dass der so bedeutend höhere Export im Jahre 1865
+hauptsächlich durch die Zunahme des Trepanghandels bewirkt wurde.
+
+Wenn man nun bedenkt, dass der bedürfnisslose Bewohner tropischer
+Gegenden kaum mehr arbeitet, als gerade für die Beschaffung seiner
+unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse nothwendig ist; wenn man erwägt,
+wie gering die Kosten eines solchen einfachen Lebens sind inmitten der
+überreichen primitiven Nahrungsmittel solcher Länder; so bevölkert der
+aus obigen Thatsachen rückschliessende Blick die Meere und Strassen
+zwischen jenen Inseln mit einer grossen Menge kleinerer und grösserer
+Fahrzeuge, welche alle bei dem Fang und Transport der genannten Thiere
+beschäftigt sind. Hier ziehen bei tiefer Ebbe Schaaren kleiner offener
+Böte an den Rändern der Riffe entlang und holen die grossen Holothurien
+aus der Tiefe durch Tauchen oder allerlei Instrumente empor; dort
+treiben die Aufseher des Sultans von Sulú die im grossen halbgedeckten
+Boot (Panco) dichtstehenden Sclaven zum Tauchen nach den kostbaren
+Perlenmuscheln im tiefen Meeresgrunde an; Kinder und Frauen sammeln
+ausser Muscheln und anderen Seethieren für ihr bescheidenes Mittagsmahl
+die Kauris und auf den Fischfang bei Nacht ausziehende Männer kehren
+heim mit einer grossen Schildkröte beladen, die sie im Sande einer
+Insel beim Eierlegen überraschten. Hunderte von kleinen gedeckten
+Schiffen bringen die gesammelten und von einem Zwischenhändler,
+meistens Chinesen, aufgekauften Gegenstände in kleineren Parthien in
+die wenigen dem transatlantischen Verkehr freistehenden Häfen ein. Aber
+noch grösseren Einfluss auf die Belebtheit der philippinischen Meere
+haben die Fische, welche der täglichen Nahrung geopfert werden; denn
+sie bilden neben Reis die hauptsächlichste Nahrung der Bewohner. Die
+grosse Mehrzahl der philippinischen Dörfer und Städte liegen hart am
+Meere. Da ziehen dann bei tiefer Ebbe sämmtliche Bewohner hinaus auf
+die Riffe, harpuniren hier einen Meeraal, dort betäuben sie durch
+giftige Wurzeln alle Fische, welche sich in dem Wasser unter einem
+grossen Korallenblock verborgen haben und werfen dann alle Arten mit
+Ausnahme einiger weniger giftiger Sorten in ihren Korb. Häufig ziehen
+Nachts ganze Schaaren von Böten mit brennenden Fackeln am Rande der
+Riffe entlang, um die durch den Glanz des Feuers angelockten grossen
+Fische zu harpuniren. Diese Sitte des Fischfangens bei Licht hat
+vielleicht zu einem sonderbaren Irrthum Anlass gegeben. Die Insel
+Siquijor, südlich von Bohol gelegen, wurde schon auf den älteren
+Karten Isla de Fuegos genannt, weil die Spanier an ihr in einer
+Nacht vorüberfuhren, in welcher sämmtliche Bewohner gerade mit dem
+Fischfang bei Fackellicht beschäftigt waren. Dieser Name wurde dann,
+ich weiss nicht von wem zuerst, auf einen Vulcan bezogen, der dort
+sein sollte. In der That aber hatte Niemand einen solchen je gesehen,
+nirgends findet sich eine Angabe über einen früheren Ausbruch auf
+dieser Insel und die Priester, welche sie aus eigner Anschauung
+kennen, versichern einstimmig, dass keine Spur eines Vulcanes dort
+in heissen Quellen oder in der Form der Berge zu finden sei. Auch auf
+Darwin's Karte findet sich Siquijor als Vulcan angegeben. Ich selbst
+habe auf meinen Fahrten zwischen den bisayischen Inseln gar häufig
+jene romantische Art des Fischfanges beobachtet.--Nur in der Nähe der
+grösseren Städte, wie in Manila, Yloilo, Cebú und anderen mehr bildet
+sich ein eigentliches Fischergewerbe aus. Während sonst jeder Bewohner
+sowohl Seemann wie Landbauer ist und zunächst nur an die Befriedigung
+seiner eignen Bedürfnisse und derjenigen seiner Verwandten denkt,
+so dass er heute Fische fängt und morgen seine Kleider flickt, bald
+die Wildschweine, Rehe und Büffel jagt oder seinen Acker bestellt,
+den Bienen im Walde den süssen Honig abjagt, oder sein jüngstes Kind
+in den Armen schaukelt, kurz alle Geschäfte des menschlichen Lebens
+der Reihe nach durchmacht; haben sich in den volkreicheren Districten
+schon die Gewerbe mehr von einander getrennt. So findet man denn auch
+auf den Fischmärkten der grossen Städte das eigentliche Fischervolk
+beisammen, das sich in seinem Wesen hier wie überall so sehr von den
+übrigen Ständen unterscheidet. Von diesen wird die Fischerei theils
+auf den Riffen, theils auch im hohen Meere mit ganz anderen Mitteln
+betrieben. Von ihnen werden Arten von Fischreusen so gut, wie die
+kleinen und grossen Angeln benutzt; am Ausfluss [7] der Ströme sieht
+man mächtige durch einen Baum auf- und abgesenkte flache Netze die
+kleinen im Sonnenschein sich tummelnden Fische fangen, während in
+den Süsswasserseen oder am seichten Ufer der Meeresbuchten und der
+Canäle grosse von einem dichten Geflecht aus Bambusrohren umzäunte
+labyrinthische Irrwege oft der Schifffahrt am Ufer hinderlich
+werden. Sie werden so gegen die Strömung gestellt, dass die Fische
+mit ihr hineingelangen. Hier werden sie dann mit Stöcken bis in den
+innersten Raum getrieben, wo sie völlig abgeschlossen vom Fischer
+mit Handnetzen herausgefischt werden. Auf diesen hoch in die Luft
+emporragenden Staketen sieht man häufig die Fischer unbeweglich
+zwischen ebenso steinern aussehenden Reihern sitzen, welche gleich
+ihnen auf die Ankunft eines Fischschwarmes warten. So werden
+ungeheure Fischmassen täglich von den Bewohnern des Landes gefangen
+und gegessen. Selten nur nimmt man sich die Mühe, die Fische und die
+schmackhaften Süsswasserkrebse zu trocknen oder einzusalzen; aber
+die wenigen so behandelten Arten bilden dann einen nicht unwichtigen
+Handelsartikel im Verkehre der Bewohner untereinander. Leider fehlen
+hierüber alle genaueren statistischen Angaben.
+
+Wenn man so schon das Recht hätte, das Volk ein wesentlich maritimes
+zu nennen, so springt die Richtigkeit dieser Bezeichnung noch mehr
+in die Augen, wenn nun zum Schluss noch die Verkehrswege des grossen
+Handels aufgesucht werden. Zwischen der Hauptstadt und den zahlreichen
+kleinen Inseln des Südens, so wie zwischen diesen untereinander kann
+natürlich der Verkehr nur zu Wasser stattfinden. Aber selbst zwischen
+Orten auf Luzon die sich so nahe liegen, wie _Mauban_ an der Ostküste
+und Manila westlich, zieht der Handel den langen Umweg um die Südspitze
+der Insel herum dem kurzen Landweg über die niedrige Bergkette nach
+der Laguna de Bay vor. Eine Folge für diese ausgesprochene Vorliebe
+für den Seeverkehr ist natürlich eine gründliche Vernachlässigung
+aller Landstrassen. Dass nun in der That fast aller Handel die Seewege
+aufsucht, beweist die kleine hier mitgetheilte Tabelle über die Zahl
+der im Jahre 1862 in Manila ausgelaufenen und eingelaufenen Schiffe.
+
+
+ | Provinzschiffe. | Spanische Schiffe. |Fremde Schiffe.
+ | Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen-
+ | | gehalt. | | gehalt. | | gehalt.
+ | | | | | |
+Eingelaufene | 2253 | 138,000 | 127 | 23,000 | 160 | 98,000
+Ausgelaufene | 2298 | 135,000 | 137 | 25,000 | 157 | 98,000
+
+
+Die grosse Zahl der Provinzschiffe gegenüber den wenigen über den
+Ocean fahrenden Schiffen--den sogenannten buques de travesia--zeigt,
+wie im inneren Verkehr der Inseln untereinander vor Allem die kleinsten
+Schiffe bevorzugt werden. Nimmt man an, dass alle Schiffe eine volle
+Ladung hatten--was natürlich nur annähernd richtig ist--und vergleicht
+man die Tonnenzahl der in Manila eingelaufenen Provinzschiffe mit
+derjenigen der von hier nach Europa, Australien etc. ausgelaufenen
+grossen Seeschiffe, so sieht man, dass höchstens _15,000_ Tonnen der
+Landesprodukte in Manila selbst geblieben sein können. Wahrscheinlich
+aber waren es viel weniger, denn die Seeschiffe verlassen nie den Hafen
+ohne eine volle Ladung, während viele der Provinzschiffe auch ohne
+vollständig gefüllt zu sein, die Reise nach Manila unternehmen. Die
+analoge Differenz von 14,000 Tonnen zwischen den eingelaufenen
+Seeschiffen und den ausgelaufenen Provinzschiffen beweist, dass
+auch die eingeführten europäischen Producte auf dem Seewege nach den
+übrigen Provinzen übergeführt werden müssen.
+
+Auch in diesen Zahlen tritt uns also ein bedeutender Verkehr
+zur See entgegen. Mit grossen Schwierigkeiten hat derselbe in den
+philippinischen Meeren zu kämpfen. Die bis in die neuere Zeit hinein
+sehr schlechten Karten, die heftigen und mannichfaltig wechselnden
+Strömungen, die Häufigkeit der Riffe und Untiefen und die schweren
+beim Wechsel der Monsune so oft eintretenden Stürme; der Mangel aller
+nautisch durchgebildeten Capitaine und die angeborne Sorglosigkeit
+der Mannschaften--alles dies sind ebensoviele Hindernisse, aber auch
+zugleich bestimmende Momente für die Form des Verkehrs und die von ihm
+aufgesuchten Wege. Ganz besonders aber drückt der periodische Wechsel
+der vorherrschenden Windrichtungen mit den übrigen klimatologischen
+Erscheinungen dem Verkehr zur See, wie überhaupt dem ganzen organischen
+Leben auf den Philippinen seinen Stempel auf. Diesen Einfluss des
+Klima's auf Land und Leute zu untersuchen, soll die Aufgabe der
+nächsten Skizze sein.
+
+
+
+
+
+III.
+
+Das Klima und das organische Leben.
+
+
+Im Allgemeinen lässt sich das _Klima_ des philippinischen
+Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes
+bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in
+der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und
+Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde
+Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln
+erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen
+einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen
+Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden,
+wollen wir den im Anhang [1] ausführlich mitgetheilten Resultaten
+mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila,
+folgende Mittelwerthe entnehmen:
+
+
+ Temperatur in Graden Reaumur. | Regenmenge | Relative | Mittlerer
+Mittlere | mittleres | mittleres | im Jahr. | Feuchtig- | Luftdruck.
+des Jahres | Maximum | Minimum | | keit. |
+ | | | | |
++20,88 | +25,4 | +16,2 | 974,6 par. | 78,7 par. | 337,18
+ | | | Lin. = | Lin. |
+ | | | 81,2 Zoll. | |
+
+Windesrichtung: October-April N 57° O
+ April-October S 28° W
+
+
+Hier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr
+gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel
+von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°,
+während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der
+niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegen eine nur 15,7 Zoll
+betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in
+Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte,
+alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in
+Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure
+und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende
+jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die
+Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im
+Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik
+endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten
+Jahresabschnitte aus, welche man die _kalte_ und die _warme_ oder
+besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten des
+_Nordost-_ und des _Südwest-Monsun's_ nennen kann.
+
+Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die
+Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen,
+die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes
+in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben,
+in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch
+allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die
+Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen
+in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während in _Manila_
+der abgelenkte SW.-Monsun schon zu Ende _April_, der Nordost-Monsun
+im _October_ einsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns in _Bohol_ um
+reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vom _Juli_ bis zum _November_
+dauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen
+in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte
+Monsun angedeutete _Periodicität_ nicht erheblich verändert, und für
+das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss
+der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische
+Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend,
+als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im
+Feuchtigkeitsgehalte der Luft.
+
+Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine
+Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die
+jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen
+Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.
+
+
+ | Winde. | Regen. | Gewitter. | Temperatur. | Luftdruck.
+ | | Lin. | | ° R. | par. Lin.
+ |
+Winter | N 35° O | 74 | 0,8 | 19,6 | 337,66
+Frühling | N 79° O | 73 | 14,7 | 21,6 | 337,40
+Sommer | S 41° W | 492 | 35,9 | 21,7 | 336,94
+Herbst | S 16° W | 334 | 19,5 | 20,7 | 336,71
+
+
+Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der
+sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme
+von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder
+trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf;
+unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila's
+auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den
+dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende
+Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu
+schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn
+die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene
+Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke
+Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings
+die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas
+sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die
+zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende
+und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde
+Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich
+jeder Bewohner Manila's, seinen Wagen repariren zu lassen, um während
+der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk
+dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar
+erleuchtet die _aufgehende_ Sonne noch einen stets ungetrübten Himmel;
+aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte
+Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten
+Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht
+sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren
+Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen,
+der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt,
+dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich
+damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit
+Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun's entgegen. Wenn im
+Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost
+die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige
+Stürme, sogenannte "colla's", welche einige Tage lang andauern,
+die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein
+"baguio", ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des
+SW.-Monsun's in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die
+"colla" vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen
+die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit
+ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens
+nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde
+hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl
+der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge
+ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber
+die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche
+Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt,
+lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn
+nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28°
+R. zur Zeit des täglichen Maximum's. Gegen Ende des Sommers sinkt
+die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst
+die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male
+wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen
+den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen
+des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt,
+bricht nun die "colla" des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe
+den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an
+Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete
+"baguio" eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling
+einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen
+ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die
+Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer
+Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen
+überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich
+durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren
+Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum
+Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und
+längsten Wirbelstürme, welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte,
+war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am
+28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in
+solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat
+und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so
+dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden
+musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem
+Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen
+dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des
+Winters oder der _trocknen_ Jahreszeit über, während zugleich die
+Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und
+mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.
+
+Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung
+in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier
+näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen
+Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle
+Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen
+von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden
+mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon
+im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und
+westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens
+so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der
+nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch
+den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen
+Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun
+an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind
+schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So
+kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus
+der _nassen_ in die _trockne_ Jahreszeit versetzen. Als ich mich
+im November 1860 in _Aparri_ an Bord eines Dampfers einschiffte,
+um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon's
+fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen
+gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an
+der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch
+die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem
+Wetter bis nach Manila hinunter. Wo sich in den _Visaya's_ zwischen
+den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden,
+da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen
+sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung
+des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon,
+und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen
+Richtung auftreten können. So war in _Bohol_ die Vertheilung des Regens
+während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in
+Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien,
+im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der
+Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit
+auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1
+R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und
+Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so
+dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge,
+aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. _Linao_ im
+Innern des östlichen Mindanao's liegt in einem gegen Nordwesten
+hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2-3000'
+hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die
+eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen
+Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von _Surigao_ und
+in dem Canal zwischen _Leyte_, _Bohol_ und _Cebú_ durch und tritt nun
+bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo's. Je
+nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des _Agusan_, welche bald
+mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen,
+schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise
+an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also
+gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen
+Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile
+und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand
+herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2
+fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L.,
+im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt
+also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist
+die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als
+das Maximum in Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum's in
+Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50' N. B. liegende _Zamboanga_
+endlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch
+mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen
+zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind
+geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier
+doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.
+
+Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden
+Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so
+ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde
+erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst,
+hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen
+Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung
+der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das
+Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss des _Klima_'s zunächst
+auf die _vegetabilischen Producte_ des Landes näher untersuchen.
+
+Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des
+gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher
+tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf
+das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen
+herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao
+und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl [3]--welcher
+in Mindanao wild zu wachsen scheint--dazu die Mangabäume, die
+Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in
+üppigster Fülle. Bald halten sie sich--wie die Manga, Caffe, Indigo
+und Cacao--an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder
+sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen
+eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast,
+als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem
+Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima's und
+seiner periodischen Erscheinungen aus. Das _Zuckerrohr_ wird in
+den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich
+gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor
+Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo's in
+Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbst
+in der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen
+Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau des _Taback_'s
+wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon,
+in den Provinzen _Cagayan_ und _Nueva Isabela_, welcher letzteren das
+auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf
+erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio
+Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback im _August_ ausgesäet;
+denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen
+könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten
+"avenida's" mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im
+September oder October die "colla" des Herbstes vorüber ist und in den
+damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes
+der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten
+Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen,
+in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um
+nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch
+heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede
+Pflanze etwa 1 1/2 Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss,
+geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle
+Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze,
+um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen
+Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen
+Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter
+beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall
+nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines
+Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten
+Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht
+werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes
+gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der
+Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen;
+und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem
+Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste
+Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist,
+welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird
+im Juli mit der Erndte begonnen. Diese wird möglichst rasch vollendet,
+und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig
+bleibt, wird der Mais, das einzige [4] selbstgebaute Nahrungsmittel der
+Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet
+hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.
+
+Noch schärfer aber drückt der _Reisbau_ den nach den verschiedenen
+Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem
+er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen
+Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im
+Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5-6 Monate höchstens,
+von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei
+sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im
+Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige
+Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse,
+welche _einestheils_ in der Qualität des gebauten Reis selbst und dem
+dabei angewandten System, _anderntheils_ in dem schon geschilderten
+mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den
+Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden,
+dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden
+werden, nemlich in die des _Bergreis_ und des _Wasserreis_. Erstere
+Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder
+den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen
+künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden
+gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt,
+als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter
+Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den
+Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei
+dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in
+denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten,
+eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu
+sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss;
+da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt,
+so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes
+Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen
+Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung
+finden werden.
+
+Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen
+der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben
+des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen
+Thatsache hervor, dass der Reis--mag es nun Bergreis oder Sumpfreis
+sein--eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender
+Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder
+zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf
+die _wechselnden_ Feuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und
+den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind,
+die Zeit der Aussaat im _Juni_, also nach dem Ende der trocknen
+Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen
+befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können,
+wird bei den Iraya's im Nordosten von Luzon der Bergreis im _Dezember_
+und _Januar_ nach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals
+nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit
+in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks
+und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist
+schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya's
+aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte
+"wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in
+denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in
+der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres;
+so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten
+einbringt". Wieder anders stellt sich das Verhältniss in _Bontoc_
+dar, einem vom Mte. _Data_ ausgehenden und in nördlicher Richtung
+streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen
+bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später
+im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende
+Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die
+Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen
+zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in
+Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein,
+dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar
+und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns),
+die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen
+verhalten sich die _Manobo_'s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so,
+wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr
+und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es
+mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den
+Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die
+Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche
+die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.
+
+
+
+Wir gehen zur Beobachtung der _Thierwelt_ über, die wir, wie die
+Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in
+den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann
+abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner
+angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder
+begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben
+angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir
+sahen, dass der Fang der zahlreichen _Seethiere_, die für den Menschen
+wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen
+Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun's sind die
+östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden
+Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt
+sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei
+tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden;
+wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und
+hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist
+jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun
+bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln
+mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des
+Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen
+die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den
+balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren
+ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3-4 Mann enthaltende Bote
+aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels,
+die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn
+jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und
+60-70 Männer haltenden "panco's", die mit der grössten Verwegenheit
+ihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen
+heran ausdehnen.
+
+Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen manche _Thiere des
+Landes_ eine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann
+abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen
+Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich
+die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen
+Ländern auch, an keine Jahreszeit [5] so scharf gebunden zu sein scheint,
+als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht,
+so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in
+die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und
+steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte
+Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen
+des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den
+auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien
+zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die
+Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien
+mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen
+werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen
+Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen
+irdenen Krügen--den tinaja's--eingesalzen werden, um dann mit nächster
+Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen
+Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der "bagon"--so
+heisst der eingesalzene Fisch--im inneren Handel und Verkehr eine
+nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle
+spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für
+die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse von _Luzon_
+und _Mindanao_, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den
+ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es
+ist die Gattung _Ophiocephalus_ [6], welche jener eigenthümlichen
+Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an
+den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen
+über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser
+genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich
+führen können. Es ist die Zahl dieser Labyrinthfische eine ziemlich
+grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten
+Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden
+gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders
+betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen
+auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder
+trocknen aus, in denen jene Fische lebten.--Diese ziehen sich in die
+wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich
+tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der
+nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen
+die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken
+zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe
+Mengen des "dalag"--so heisst dieser Fisch auf den Philippinen--auf
+den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen
+Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt,
+und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen
+anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor
+und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen
+Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens
+und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose
+Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre
+Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere
+schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den
+Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner
+hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf's Geradewohl in den
+Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart,
+etwa unserem "blind darauf losschlagen" zu vergleichen, die von diesem
+eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun
+dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse
+Centralebene Luzon's, in welcher alljährlich Hunderttausende auf
+solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao
+im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete
+lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen
+Manobo's und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet
+herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die
+christlichen Bewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden
+den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens [7] die ausgedehnten
+bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen
+nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch
+Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der
+Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt
+also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken
+beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen
+nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen
+der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das
+Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf,
+um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen
+den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der
+Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider
+kam ich im Jahre 1864 zu spät--da mein ursprünglicher Reiseplan durch
+ungünstige Momente gänzlich verändert wurde--, um noch das nach den
+Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem
+Fang des dalag beschäftigten Manobo's beobachten zu können. Nur ein
+schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch
+aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen
+Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen
+Fische über dem Feuer zu dörren.
+
+Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den
+entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der
+klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen
+lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr
+oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden,
+die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf
+den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen
+sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner
+geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur
+geschlagen, zu befreien vermocht hat.
+
+
+
+
+
+IV.
+
+Die Negrito's und die heidnischen malaiischen Stämme.
+
+
+Auf der Bühne, deren Bretter und Coulissen, Drähte und Maschinen wir
+jetzt hinreichend kennen gelernt haben, spielte seit Jahrhunderten, wie
+überall, der Mensch sein blutiges Drama. Auf den Philippinen, wie bei
+uns, ist das erste Auftreten des Menschen in fast undurchdringliches
+Dunkel gehüllt. Wie aber in Europa die Ueberreste der Pfahlbauten mit
+ihren Waffen und Kochgeschirren, Schmuckgegenständen und Skeletten
+unsere Phantasie im Aufbau einer vorkeltischen Menschenperiode Europa's
+unterstützen; so haben uns die früheren Bewohner der Philippinen
+zwar keine Denkmäler, wohl aber einige lebende Stämme überliefert,
+die uns in ihren Sitten und Gebräuchen ein ziemlich getreues Bild
+vergangener Jahrhunderte liefern.
+
+Hier scheinen nun Negerstämme die ersten Besitzer des Landes
+gewesen zu sein; wenigstens hat man von anderen Völkern, die ihnen
+vorangegangen wären, keine Kunde, und auch die Steinbeile [1], welche
+man mitunter auf diesen Inseln findet, lassen sich ganz ohne Zwang
+auf eine schwarze Bevölkerung beziehen. Der Papua-Race auf Neu-Guinea
+und den angrenzenden Inseln, sowie den Bewohnern der Fidji-Inseln und
+anderer Inselgruppen im stillen Ocean nahe verwandt [2] in psychischer
+Beziehung und in vielen ihrer Sitten und Gebräuche, stehen sie doch in
+Bezug auf Cultur und Gesittung auf einer viel niedrigeren Stufe, als
+die Negerracen der Inseln im stillen Ocean. So könnte man entweder in
+ihnen einen auf niedriger Entwickelungsstufe stehengebliebenen, oder
+einen unter dem, Jahrhunderte alten, Einflusse späterer Einwanderer
+degenerirten Zweig des allgemeinen Papua-Stammes sehen, von welchem
+eine Anzahl frischer noch grünender Aeste als die Repräsentanten des
+höchsten Culturzustandes, den diese Race erlangen konnte, anzusehen
+wäre. Wenn man nach den spärlichen in Werken spanischer Autoren
+niedergelegten Notizen über die Negritos der Philippinen sich den
+Einfluss der malaiischen und christlichen Periode construirt, so glaubt
+man freilich zu erkennen, dass man es nur noch mit den herabgekommenen
+Enkeln einer einst viel höher stehenden Race zu thun hat.
+
+Im Süden der Philippinen scheinen sie gänzlich ausgerottet zu
+sein. Allerdings geben alle Autoren an, dass im Osten wie im Innern
+Mindanao's noch echte Negritos leben, eine Meinung, die aber auf
+vollständiger Unkenntniss der dortigen Stämme beruht. Nur die wenig
+zahlreichen Mamanua's im Osten Mindanao's haben Negerblut in ihren
+Adern, aber sie sind ein Mischlingsvolk, das als solches auf den
+ersten Anblick kenntlich ist. Mit Ausnahme der Insel Negros, wo noch
+einige wenige Negerfamilien namentlich in der Gebirgsgegend um den
+Vulcan herum hausen sollen, sind die Autochthonen auf sämmtlichen
+Inseln der Visayas verschwunden. Im südlichen Luzon scheinen sie auch
+zu fehlen; mehr und mehr gegen den Norden zu aber treten sie immer
+häufiger sporadisch auf--so an der Ostküste auf der Insel Alabat, bei
+Mauban, in der Bergkette von Mariveles und Zambales, an der Ostküste
+bei Baler, dann bei Casiguran, bis sie endlich von Palanan an bis
+an das Cabo Engaño hinauf ausschliesslich die Küste sowohl, wie die
+Gebirgsgegenden der östlichen Bergkette bevölkern. Wenn irgendwo,
+so sind sie hier noch in ihrer grössten Reinheit der physischen wie
+der geistigen Charactere zu finden.
+
+Bei einer durchschnittlichen Körperhöhe von 4' 7'' par. (Männer) und
+4' 4'' (Weiber) sind ihre Glieder dem entsprechend ungemein zart,
+aber wohl gebildet. Mit rundem, namentlich bei den Weibern stark
+ausgeprägtem Gesicht, äusserst dicker, braunschwarzer, glanzloser
+und wollig-krauser Haarkrone; mit geradem, wenig vorspringendem
+Kiefer und schwach gewulsteten Lippen, mit sehr flacher und breiter
+Nase und dunkelkupferbrauner Körperfarbe--so bilden diese Neger
+körperlich einen schroffen Gegensatz zu den grösseren und eckiger
+gebauten malaiischen Usurpatoren. Durch die ungemeine Schmächtigkeit
+ihrer Beine und die verhältnissmässig grossen Bäuche--muy barrigudos
+nennen sie die spanischen Historiker--erinnern sie etwas an die
+glatthaarigen Bewohner Australien's. Die Milde des tropischen Klima's
+nimmt sich freundlich ihres fast gänzlich nackten Körpers an, den sie
+unter leicht beweglichen Schirmen, wie sie auch unsere Steineklopfer
+haben, gegen heftigen Wind und Regen oder die allzuheisse Sonne
+schützen. Unter ihnen ausgestreckt liegen sie auf dem heissen Sande
+des Meeresstrandes oder am Ufer der Gebirgsbäche, immer bereit,
+die schnell gebaute Hütte einige Meilen weiter zu tragen, wenn
+Mangel an Nahrung sie dazu zwingt. Mehr Sorgfalt, als den Schürzen
+und Schenkelbinden, wenden sie ihren Zierrathen zu, die sie in Form
+von wunderlich gestalteten Ohrgehängen, Ringen für Beine und Arme,
+Halsketten und einigen Utensilien für den Taback und das Betelkauen
+sich aus Wurzeln und Stücken Holz, sowie Fasern der Pandanus-Arten
+flechten. Nur die Reichsten unter ihnen gestatten sich den Luxus
+einer von den Christen erhandelten Matte zum Schlafen. Auch das
+Tättowiren üben sie; wenngleich lange nicht in dem Maase, wie die
+Malaien in der westlichen Cordillere Luzon's. In der Verbindung der
+dabei angewandten Verzierungen, lauter gradlinigen Mustern, weichen
+die an verschiedenen Orten lebenden Negritos nicht von einander ab;
+wohl aber in der Weise des Tättowirens selbst. Die Neger der Ostküste
+von Baler an bis hinauf nach Palanan brauchen dazu eine Nadel [3],
+wie sie auch bei den Malaien in Gebrauch ist; die von Mariveles
+dagegen bringen sich in ihrer Haut lange Schnitte an, durch deren
+Combination sie die gewünschten Muster erzielen. Bei diesen erhebt
+sich die Zeichnung in Form von hohen Narben, während bei den mit der
+Nadel tättowirten Negern die Haut ziemlich glatt bleibt.
+
+Ihr Charakter ist meistens besser, als sein Ruf. Von Natur sind
+sie zutraulich, frei und offen, misstrauisch nur im Verkehr mit
+den Christen, den Räubern ihres Landes; ausdauernd und an Muth den
+malaiischen Nachbarn weit überlegen; bereitwillig zu Diensten, sobald
+diese nur im Bereich des Gewohnten liegen; und von einer unbegrenzten
+Liebe zur individuellen Freiheit und zum Wanderleben. Von ihrer
+wirklich gutmüthigen Natur erhielt ich im Land der Iraya's [4] an der
+Westseite der Cordillere von Palanan einen freundlichen Beweis. In der
+einen Hälfte dieses Stammes fand ich eine sehr ungastliche Aufnahme,
+und hier schienen sich die Bewohner fast gänzlich allen intimen
+Umganges mit den Negern zu enthalten; in der andern aber hatte die
+unverkennbare grosse Vermischung mit den Negern allen Leuten ein so
+freundliches Wesen eingeprägt, dass mir der Gedanke an die Wochen, die
+ich unter ihnen zubrachte, mit zu meinen liebsten Reiseerinnerungen
+gehört. Grosse unbesiegbare Liebe zu ihrer Heimath und zu ihrem
+Wanderleben spricht sich häufig in den Erzählungen der Spanier über
+eingefangene und in Manila erzogene Neger aus. Doch irrt man sich wohl,
+wenn man diesen nicht zu bändigenden Trieb nach dem Herumschweifen
+in den Bergen und am Meeresufer für das wesentlichste Attribut
+dieser bedürfnisslosen Naturkinder ansieht. Es scheint vielmehr die
+allerdings wohl vorhandene Anlage dazu durch die Jahrhunderte alte
+Verfolgung von Seiten der Malaien und nachher der Christen, und vor
+Allem durch die immer mehr zunehmende Trennung eines politischen
+Zusammenhanges unter den einzelnen Clan's dieser Negerstämme in ihr
+jetziges Extrem ausgebildet worden zu sein. Eine gewisse Tendenz zur
+Isolirung haben alle sogenannten wilden Völkerschaften; und wo sich
+gewaltsam der in primitiven Zuständen, und bei geringer Dichtigkeit
+der Bevölkerung überhaupt nie sehr innige und feste Zusammenhang der
+Clan's untereinander löst, und sich zwischen sie nun feindliche Stämme
+einschieben, welche jede Möglichkeit des Verkehrs abschneiden: da wird
+diese Unabhängigkeitsliebe des Einzelnen sich immer mehr steigern,
+das geringe Bedürfniss nach Einigung grösserer Massen in gleichen
+Gesellschaftsformen nothwendig absterben müssen. Und wie sich so
+in dem socialen Zustande der isolirt lebenden Familiengruppen, in
+dem allmäligen Verlust aller ihnen eigenthümlichen Eigenschaften,
+ja sogar ihrer Sprache [5], dieser verderbliche Einfluss der Trennung
+des politischen Zusammenhanges naheverwandter Stämme ausspricht;
+so drückt sich andererseits in dem täglichen Leben, in ihrem Kampfe
+ums Dasein der für sie jetzt fast allmächtige Einfluss des Klima's aus.
+
+Ohne bedeutenden Handel, ohne Ackerbau, bilden die Herzen der
+Palmensorten und die Wurzeln der vielen wild wachsenden Aroideen,
+sowie die jagdbaren Thiere des Waldes--Rehe, Schweine--und die Fische
+des Meeres und der Flüsse ihre einzigste Nahrung. So ziehen sie in
+kleinen Truppen von 6-8 Familien bald in den tiefen Schluchten der
+Berge am Ufer der Giessbäche oder des Meeres einher, je nachdem die
+Jahreszeit gerade hier oder dort eine beliebte Wurzel in Menge reifen
+oder eine gesuchte Fischart in die Flüsse heraufsteigen und am Ufer
+in Schwärmen erscheinen lässt. Die Werkzeuge, die sie beim Fischfange
+und auf der Jagd gebrauchen, sind zugleich die einzigen Waffen. Mit
+Bogen und Pfeilen stellen sie im Wald den Rehen und Schweinen, wie dem
+feindlich gesinnten Ylungut [6], im Wasser des Meeres und der Flüsse
+den Fischen nach. Mit ihren eisernen Messern, den sogenannten bolo's,
+welche sie von den Christen erhalten, vertheidigen sie sich heute
+muthig gegen einen hinterlistigen Angriff ihrer an Zahl überlegenen
+aber feigeren Feinde, während sie morgen mit demselben Messer in
+friedlicher Arbeit die Wurzeln ausgraben, die ihnen zum Unterhalt der
+nächsten Wochen dienen sollen. Wenn dann alljährlich die aufsteigende
+Sonne im April und Mai tausendfältiges Leben im Verein mit der grossen
+Regenmenge hervorruft, und alle die Formen von Schmetterlingen und
+anderen Insecten, die in kälterer oder in trockener Jahreszeit nur in
+wenig Individuen lebten, nun auf einmal zu Hunderten erscheinen--dann
+ist auch für die Negritos die Zeit festlicher Erndten gekommen. Denn
+nun ziehen sie aus, Klein und Gross, in den dichtesten Wald hinein
+und suchen die längst schon von dem Entdecker bezeichneten Baumstämme
+aus, in deren Krone ein Schwarm wilder Bienen sich seit Monaten am
+Aufspeichern des Honigs erfreut hatte. Jetzt sind die Waben gefüllt,
+denn die Zeit naht, in welcher Feuchtigkeit und Sonnenwärme die
+Larven der Bienen zum Ausschlüpfen bringen. Aber ehe diese zum Leben
+erwachten, hat der nach Honig lüsterne Neger durch Rauch giftiger
+Kräuter den Schwarm der Bienen aus ihrem Baume vertrieben. Den Honig
+lässt sich der Negrito wohl schmecken, das Wachs aber presst er in
+wenig gereinigte Kuchen, welche er gegen Glasperlen, Strohmatten,
+etwas Reis und den über Alles geliebten Taback an den christlichen
+Händler verkauft. Bald aber ist der Reis und der Honig verzehrt,
+und nun geht das alte Wandern wieder an von einem Ort zum andern,
+rast- und ruhelos, bald am Meer, bald in den tiefsten Bergschluchten,
+bis ihnen endlich im nächsten Jahr das stärkere Schwirren der Insecten
+die Rückkehr ihres Honigmonates anzeigt.
+
+Auch über die erste Einwanderung der _Malaien_ fehlen uns jegliche
+historische Documente und ebensowenig haben sie uns Monumente ihrer
+früheren Lebensperioden hinterlassen. Wohl aber ist die Zahl der
+noch unabhängigen, nicht vom Christenthum veränderten heidnischen
+Stämme dieser Race eine sehr grosse, wenn man sie mit den spärlichen
+Resten der Neger [7] vergleicht. Da sie wenigstens auf einigen Inseln
+der Gruppe, namentlich im Osten Mindanao's und im Norden Luzon's noch
+in ziemlich dichten Mengen bei einander leben, so können wir hoffen,
+uns durch das eingehende Studium dieser Racen ein recht genaues
+Bild von dem Culturzustande des Landes zu entwerfen, wie er hier
+einige Jahrhunderte vor der christlichen Zeit etwa bei Ankunft der
+muhamedanischen Priester herrschen mochte. Diese letzteren scheinen
+sicherlich vom Südwesten herauf gegen die Philippinen nach Norden
+und Osten vorgedrungen zu sein, und so finden sich dem entsprechend
+gerade im Norden Luzon's und im Osten Mindanao's diejenigen Stämme,
+welche in ihren Sitten und Gebräuchen noch den reinsten nicht durch
+muhamedanische Glaubenslehren veränderten Charakter zeigen.
+
+Innerhalb dieses gemeinsamen, am besten wohl durch das Wort
+"malaisch" bezeichneten Wesens besitzen die einzelnen Stämme zahllose
+Verschiedenheiten des Dialectes und der Sitten, der Kleidung, des
+Charakters und Körperbaues, und in vielen Fällen lassen sich deutliche
+Spuren fremder Beimischung aufzeigen, welche in einem Falle sogar
+durch ein einheimisches der tagalischen Sprache angehöriges Wort
+bezeichnet ist. Die _Mamanua_'s an der Ostküste Mindanao's führen
+ganz das Leben der Negrito's, unterscheiden sich aber wesentlich von
+ihnen durch die von den Angehörigen selbst zugegebene Vermischung
+mit den malaiisch-christlichen Nachbarn. Das Wort "Mamanua" bedeutet
+"Waldmensch". Als eine ähnliche gemischte Race zwischen Negern und
+Tagalen gibt sich die in der Provinz Pangasinan lebende Race der
+"_Baluga_'s" auf den ersten Blick zu erkennen. Hier aber zeigt
+die Bedeutung des Wortes, welches nichts weiter sagen will, als
+"_Mischling_", dass diese Race schon vor der Ankunft der Spanier
+existirte und dass sie sich wahrscheinlich seit Beginn der malaiischen
+Einwanderung zu bilden begonnen hatte. Endlich zeigen gar viele der
+andern heidnischen Stämme eine deutlich zu erkennende Beimischung von
+chinesischem Blut, für welche sich in einigen Fällen wenigstens auch
+ein schwacher historischer Beleg auffinden lässt.
+
+Wir wollen uns als Beispiele zur Illustrirung dieser malaischen
+Periode einige Stämme im Norden Luzon's und in Mindanao ansehen,
+die ich selbst Monate lang zu beobachten Gelegenheit hatte.
+
+Wenngleich die im Westen der nordöstlichen Cordillere von Luzon,
+nicht weit von Palanan, lebenden _Iraya_'s im Körperbau unverkennbar
+malaiischen Typus zeigen, so lassen sie doch auch wieder ebenso
+deutlich zweierlei verschiedene Beimischungen erkennen. Chinesisches
+Blut fliesst sicherlich in den Adern eines Zweiges, welcher an dem
+östlichen Arme des Rio de Ilagan, dem _Catalangan_, wohnt, von dem
+sie den Namen der _Catalanganes_ erhalten haben. Die eigentlichen
+Iraya's dagegen am _Ilarön_ leben gesellig mit den Negrito's der
+Umgegend, verbinden sich mit ihnen und führen mit ihnen ein glückliches
+harmonisches Leben. Auch mischen sich nicht selten mit ihnen sogenannte
+"Cristianos remontados", christliche Bewohner der Ebenen, welche sich
+vor dem strafenden Arme der Behörden in die ziemlich unzugänglichen
+Berge der Iraya's geflüchtet haben. Solche Verschiedenheit der
+Mischung spricht sich auch in ihren Sitten und Gewohnheiten, wie in
+ihrem Charakter aus. Bei jenen, den Catalanganes, sind die Aecker,
+trotz des Mangels an Büffeln und jeglichen Instrumenten zum Säen
+und Erndten,--sie schneiden die Reishalme nur mit einem kleinen
+Messer einzeln ab--völlig rein von Unkraut und Steinen, und der
+üppig gedeihende Reis gewährt ihnen eine überreiche Erndte. Bei
+den Iraya's--im engeren Sinne des Wortes--werden schon Büffel
+benutzt, aber ihre Reisfelder geben ihnen wegen geringer darauf
+verwandter Sorgfalt nur wenig einträgliche Erndten. Die Häuser der
+Catalanganes sind meistens mit sehr dichten hohen Dächern aus Rohr
+oder Gras--sogenanntem cogon--versehen, während die Iraya's die
+leichter herzustellenden, aber wenig schützenden flachen Dächer aus
+gespaltenen Bambusrohren vorzuziehen scheinen. Während bei jenen die
+freien Plätze, um das Haus und unter demselben, auf welchen einige
+kleine ihren Göttern geweihte Monumente stehen, auf das Sorgfältigste
+rein gehalten werden, lassen diese allerlei Gras und Unkraut auf
+ihnen wachsen und werfen wie die Tagalen bei Manila allen Kehricht
+durch die Spalten des Fussbodens hinunter. In ihrer Kleidung und ihren
+Zierrathen stimmen beide Stämme so ziemlich überein. Aber während die
+Catalanganes als Tättowirungsmuster sowohl, wie als Ornamente für
+ihre heiligen Plätze, ausschliesslich Schriftzüge anwenden, welche
+mir chinesischen oder japanesischen Ursprungs zu sein schienen,
+wenden die Iraya's überall nur die aus geraden oder einfachen
+krummen Linien gebildeten Verzierungsmuster an, wie wir sie schon
+bei den Negern gefunden haben. Als ich im Juni 1860 mit 21 Christen
+von Palanan über die Cordillere gegangen war, waren wir nahe daran
+inmitten der grossen in Scheunen der Catalanganes aufgespeicherten
+Mengen von Reis und Mais Hunger's zu sterben; denn unsern Bitten um
+Lebensmittel setzten sie beharrliche Weigerung entgegen. Ich sah mich
+gezwungen, mit den Waffen in der Hand mir die Lebensmittel zu rauben,
+die sie mir nicht gutwillig geben wollten, und für die ihnen dann
+keine Bezahlung hoch genug zu sein schien. Nur die ernste Drohung
+einer unnachsichtlich einzutreibenden Kriegssteuer brachte mir in
+Minanga, von wo ich meine Leute nach Palanan zurückschicken wollte, so
+viel Mais und Reis ein, dass ich Letzteren hinreichende Lebensmittel
+mit auf den Weg geben konnte. Als stummen Zeugen ihres vollständigen
+Mangels an Gastfreundschaft zeigten mir meine Begleiter, kurz vor der
+Ankunft im Lande dieser Egoisten, mitten im Walde einen Steinhaufen,
+welchen fromm geübter alter Brauch der Bewohner Palanan's zum Andenken
+an einen hier vor Hunger umgekommenen Christen aufgeworfen hatte. Auf
+seinem Durchmarsch durch ihr Land hatten die Catalanganes ihm auch
+nicht ein Körnchen Reis für Geld oder gute Worte geben wollen. Wie
+anders zeigten sich mir die wenige Meilen davon wohnenden Iraya's. Hier
+machten überall die gastlichste Aufnahme, Geschenke aller Art für mich
+und meine Leute, veranstaltete Feste und gern gewährte Unterstützung
+beim Besteigen der Berge oder zum Rudern des Bootes das Reisen leicht
+und zu einem wahren Vergnügen, so dass ich ihnen das Versprechen gab,
+sie bald wieder zu besuchen, als ich durch heftiges Fieber gezwungen
+wurde, ihr Land zu verlassen. Leider verhinderte mich die Entwicklung
+meiner Reisepläne an der Ausführung dieses Vorhabens.
+
+Der Glaube beider Stämme aber hat, trotz mannichfacher Abweichungen,
+doch wieder so viel des Aehnlichen, dass wir wohl sicher annehmen
+dürfen, in den wenigen erkennbaren Spuren, die auch noch allen übrigen
+Wilden des Landes gemeinsam sind, die Reste eines religiösen Glaubens
+zu sehen, wie er in der rein malaiischen Periode vor Ankunft der
+Muhamedaner dort geherrscht haben mag. Ausser einigen Götterpaaren,
+über deren Beziehungen und Attribute ich nicht recht klar zu werden
+vermochte, huldigen sie ganz besonders den Seelen ihrer Vorfahren,
+die sie unter dem Namen "Anito" in die Reihen ihrer niedrigeren
+Götter aufnehmen. Es sind Hausgötter, wahre Laren und Penaten. Hier
+steht in einer Ecke des Hausinnern eine Art Topf, der an und für sich
+nichts Auffallendes hätte; aber man sieht leicht, dass die Glieder der
+Familie diese Ecke mit grosser Ehrfurcht behandeln. In dem Topfe hat
+einer ihrer Anito's seinen Sitz. Der Platz unter dem Hause, welcher
+gemeiniglich auch als Begräbnissplatz dient, ist durch verschiedene
+Abzeichen anderen Anito's geheiligt, ebenso der kleine vor dem Eingang
+und noch unter dem Dache, des Hauses befindliche Platz vor der Leiter,
+die Hütte, in welcher die Schmieden befindlich sind, und vor Allem die
+durch besondere, kleinen Häusern ähnelnde Altäre ausgezeichneten Plätze
+vor dem Hause. Auch die Erndte ist ihren Anito's geheiligt, denen sie
+die Erstlingsfrüchte darbringen in grossen allgemeinen Festen. Jenen
+andern höherstehenden Göttern scheinen sie auf der Seite des Catalangan
+einen besonderen Dienst in einem Tempel zu weihen. Leider verhinderte
+mich Krankheit, den Ort, wo dieser stehen sollte, zu besuchen.
+
+So stehen die Iraya's mit ihrem schon ziemlich hoch ausgebildeten
+Glauben und ihrem Ahnencultus, dem eifrig betriebenen Ackerbau und
+dem sparsamen, für die kommende Zeit sorgenden Sinn, und der grossen
+Kunstfertigkeit, die sich im Bau ihrer Häuser wie ihrer Ornamente
+ausspricht, den reinen Negrito's weit überlegen gegenüber. Desshalb
+auch erscheinen sie weniger abhängig von der Natur. Um ihre Reisfelder
+und Tabacksplantagen vor den verheerenden Ueberschwemmungen zu
+schützen, haben sie Dämme angelegt; im Flusse verfolgen sie die
+grösseren Fische zwar noch mit dem Speere, aber durch Wehre wissen
+sie die zu bestimmten Zeiten massenhaft auftretenden kleineren Sorten
+in zahlloser Menge einzufangen, die ihnen eingesalzen für lange
+Monate dienen; durch reich versorgte Vorrathshäuser bezwingen sie die
+feindliche Gewalt der Heuschreckenschwärme oder der Misserndten und so
+spricht sich fast in jeder kleinen Beschäftigung ihres Lebens die schon
+beginnende Herrschaft des Menschen über die Naturgewalten aus. Aber
+dem allmächtigen Einfluss der Jahreszeiten, des periodischen Wechsels
+der Monsune mit ihrer Dürre oder ihrem Regenüberfluss gehorchen auch
+sie, wie ihre Nachbarn, die frei wie das Wild herumschweifenden Neger,
+und so regeln sich auch bei ihnen nicht bloss die Zeiten der Saat und
+der Erndte, sondern auch die ihrer nationalen und religiösen Feste
+nach dem Laufe der Sonne.
+
+Auf der westlichen Seite der Insel leben in der Berglandschaft,
+welche man gewöhnlich als Land der _Ygorrotes_ bezeichnet, eine
+Anzahl von Stämmen nebeneinander, die sich untereinander sowohl,
+wie von den ebengeschilderten Iraya's in mehr als einer Beziehung
+unterscheiden. Während diese, im höchsten Grad friedlich, als fleissige
+Ackerbauer zu bezeichnen sind, haben jene als muthige Vertheidiger
+ihres angestammten Bodens schon häufig den eindringenden Spanier
+abgewehrt, und die Proselytenmacherei der christlichen Pfaffen
+mit heidnischem Trotze erschwert. Ganze Districte sind in diesem
+Kampfe in den letzten Jahrzehenten [8] wüst gelegt. Hier wurden Dörfer
+niedergebrannt und ihre Einwohner verjagt, weil einer derselben
+einem Christen das Haupt abgeschlagen hatte; dort wurden die eben
+der Blattreife nahenden Tabackspflanzen auf Hunderten von Aeckern
+von den Soldaten der Regierung umgehauen, um den Schmuggel mit dem
+Taback auszurotten; Wasserleitungen, welche die sorgsam gesammelten
+kleinen Quellen der steilen Berggehänge den terassenförmig aufgebauten
+Feldern entgegenführten, wurden zerstört und überall lässt sich der
+verderbliche Einfluss nachweisen, welcher vor Allem die sogenannte
+Comandancia de Ygorroles auszeichnete. Seitdem die Regierung aber eine
+Anzahl kleiner Provinzen aus diesem Bergdistrict gemacht und namentlich
+angefangen hat, die in _Mancayan_ zum Betriebe der Kupferminen
+etablirte Empresa Cantabro-filipina zu unterstützen oder wenigstens
+nicht zu hindern; seitdem hat der Handel und Verkehr in diesen Gegenden
+und mit ihnen auch das gegenseitige Zutrauen in erfreulichem Maase
+zugenommen. Obgleich vortreffliche Ackerbauern, die den stammverwandten
+Iraya's selbst noch überlegen sind, drückt ihnen doch das kriegerische
+Leben einen eigenthümlich herben und wenig freundlichen Charakter auf,
+den sie aber häufig durch Zuverlässigkeit und Offenheit mildern. Nie
+gehen die Männer an ihre Feldarbeit, ohne mit Lanze, Schild und einem
+breiten, mit Spitze versehenen Beile ausgerüstet zu sein, welches
+letztere ihnen sowohl zum Erklettern der Bäume wie zum Aufspiessen der
+Köpfe erschlagener Feinde dient. Selbst in ihren Häusern legen sie
+selten ihre Waffen ab. Dabei sind sie, vergleichsweise gesprochen,
+die industriellsten der wilden Völkerschaften des Nordens. Sie
+hatten von jeher den Ruf, die trefflichsten Schmiede zu sein, und
+eben das erwähnte Beil, die sogenannte "aligua" wird von ihnen
+in Massen nach dem Osten und Norden hin ausgeführt. Mit grosser
+Kunst wissen sie metallne Ketten zu schlingen, und die von ihnen
+selbst verfertigten kleinen Thonpfeifen stehen auf einer hohen
+Stufe der Vollendung. Neben diesen findet man auch häufig kleine
+kupferne Pfeifen, meistens die Gestalt eines in nationaler Weise
+niederhockenden Mannes nachahmend, welche in dem seit alten Zeiten
+berühmten Erzgiesserorte _Buguias_ verfertigt werden. Lange vor der
+christlichen Zeit schon scheinen die Ygorrotes aus der Umgegend von
+Mancayan die dortigen reichen Kupferminen ausgebeutet zu haben, aus
+deren durch einfache Calcinirung gewonnenen Erträgnissen sie die wegen
+ihrer Reinheit weitberühmten kupfernen Kessel verfertigten. Auch das
+Gold, das sie theils aus Quarzminen gewinnen, theils aus dem Sand der
+Flüsse auswaschen, wissen sie zu allerlei kleinen Schmucksachen zu
+verarbeiten und mit dem im Handel erhaltenen Silber zu legiren. Was
+sie aber ganz besonders, sowohl vor ihren heidnischen wie auch
+christlichen Stammesgenossen auszeichnet, ist ihr erfinderischer
+Geist in der Construction von Vogelscheuchen, die sie auf ihren
+Feldern gegen die zahlreichen Reisvögel anbringen. Hierzu benutzen
+sie die Kraft der zu den Feldern herabströmenden Bergbäche, die
+sie durch ein geschickt angebrachtes und dem Stosse ausweichendes,
+dann aber zurückschnellendes Bambusrohr einem oft sehr complicirten
+Systeme von klappernden Stöcken und sich bewegenden Tuchfetzen,
+menschenähnlichen Figuren etc. mittheilen. Leider sah ich, da ich
+nach beendigter Erndte in diese Gegenden kam, nur noch ein einziges
+und kleines dieser Instrumente in Bewegung.
+
+Der etwas finstere und abentheuerliche Geist, der sich ihnen
+durch solche Beschäftigungen einprägt, und der sich auch in den
+übrigen Gewohnheiten des täglichen Lebens ausspricht, steht mit
+der grossartigen Wildheit der sie umgebenden Natur in völliger
+Harmonie. Nur dort, wo sie in den tiefsten Thälern sich des gleichen
+sonnigen Klima's erfreuen, wie die christlichen Bewohner der
+Ebene, schmücken sie sich mit den grellen Farben ihrer Kopftücher
+oder dem reinen Weiss ihres langen Mantels, den sie um den Körper
+schlagen. Wo aber in den hohen Bergthälern oder gar auf den 5-6000'
+hohen Bergzügen die Bewohner im feuchten, nur Fichten, Gras und eine
+gesellig lebende Farre erzeugenden Boden nach Gold wühlen oder an den
+schroffsten Abhängen mit unsäglicher Mühe Felsblöcke zu einer Mauer
+aufthürmen müssen, um sich einen kleinen Fleck horizontalen Landes
+für ihren Reisbau zu gewinnen; da steht das vorherrschende Indigblau,
+das mitunter von ursprünglich weissen Streifen unterbrochen wird,
+mit dem düsteren Sinn und dem vielen Nebel der Landschaften und dem
+dunkeln Grün der Fichtenwaldungen in Einklang. Nur der auch über den
+höchsten Höhen schwebende philippinische Falke (Falco pondicerianus)
+deutet dem Reisenden an, dass er sich im tropischen Lande befindet;
+oder es grüsst ihn die 2 Zoll grosse blendend weisse Blüthe einer
+Orchidee (Phalaenopteris), die sich auf hohem Fichtenzweige schaukelt,
+wie eine Freundin aus sonnenhelleren Gegenden.
+
+Ein ganz anderes Bild wieder zeigen uns die stammverwandten heidnischen
+Stämme im Osten von _Mindanao_, unter denen vor Allem die _Manobo_'s
+zu nennen sind. Trotz der gleichen psychischen Eigenschaften und
+obgleich sich auch bei ihnen, und ganz besonders bei den _Mandaya_'s,
+eine Vermischung mit Chinesen auf den ersten Blick erkennen lässt;
+ungeachtet der in ihren Grundzügen auch bei ihnen geltenden
+Anito-Lehre, und der innern Verwandschaft ihrer Sprache, haben
+sich doch hier eine Reihe besonderer Eigenschaften entwickelt oder
+erhalten, die sich in solcher Ausbildung nicht bei den Stämmen des
+Nordens nachweisen lassen. Während diese schon sesshaft geworden sind
+und Jahraus Jahrein dieselben Felder bewirtschaften oder dieselben
+Waffen schmieden, vereinigt hier jeder Vornehme, jeder "bagani",
+die wenigen von ihm direct abhängigen Menschen um sich herum und
+lebt so in 2-4 Häusern im dichtesten Walde, weit entfernt von seinen
+nächsten Verwandten oder Freunden. Hoch auf Pfählen gegründet, besitzt
+jedes seiner Weiber, deren Menge seinen Reichthum bestimmt, ein Haus
+für sich, in welchem sie mit ihren Kindern und den ihr zugehörigen
+Sclaven lebt. _Eine_ unter ihnen ist die eigentlich legitime Gattin,
+die auch den anderen Befehle gibt. Diese und die Kinder des bagani,
+seiner Frauen Brüder, wenn diese selbst keinen Hausstand gegründet
+haben, und eine Anzahl Sclaven, welche meistentheils Kriegsgefangene
+sind, müssen für den täglichen Unterhalt sorgen. Neben Taback, Mais,
+Bananen, Zuckerrohr und camote bauen sie vor Allem Reis in so grosser
+Menge, dass sie nicht blos für sich selbst hinreichenden Unterhalt
+des Jahres, sondern auch noch Ueberschuss zum Handel gewinnen. Als
+ich im August 1864 bei dem "bagani" Adipan im Westen des Sumpfgebietes
+des Agusan mehrere Wochen gelebt hatte, konnte er mir doch noch, als
+ich abreiste, auf Monate dauernden Reisvorrath käuflich überlassen,
+ohne dass in seinen Reisschuppen eine Abnahme des Vorrathes zu
+bemerken gewesen wäre. Wenige Tage darauf begegneten mir auf meiner
+Fahrt den Fluss hinunter eine grosse Anzahl Böte von Butuan, dessen
+christliche Einwohner alle in's Land der Manobo's zogen, um sich für
+das nächste halbe Jahr zu verproviantiren. Mehr als einmal schon haben
+die Manobo's mit ihrem Ueberfluss an Reis die christlichen Nachbarn
+vor dem Hungertode retten müssen.
+
+Die nicht sesshafte Lebensweise dieser Manobo's liegt nun theilweise
+in der Art ihres Ackerbaues begründet. Die geringe Dichtigkeit der
+Bevölkerung im Verein mit der erstaunlichen Fruchtbarkeit des Landes
+gestattet ihnen, der Neigung zur Isolirung zu folgen und zwingt
+sie weder zur künstlichen Herstellung von Feldern und Bewässerung
+derselben, noch zu sesshafter Lebensweise. Vielmehr ziehen sie es vor,
+mit geringerer Arbeit bald hier und bald da ihre Aussaat zu machen,
+die ihnen dann von dem überreichen Boden mehr als hundertfältig
+wiedergegeben wird. Das System, das sie dabei befolgen, ist für viele
+andere heidnische Malaienstämme charakteristisch und wird auch noch
+von manchen christlichen Bewohnern der Philippinen geübt. Es besteht
+wesentlich in der primitivsten Bearbeitung des Bodens. Die grossen
+Waldbäume sowie das Unterholz werden umgehauen und dann, nach gehörigem
+Austrocknen durch die Sonnenwärme abgebrannt. Zwischen die Asche und
+die nur sehr flüchtig aufgewühlte Erde werden nun bald die einzelnen
+Reispflanzen in Büscheln ausgepflanzt oder auch selbst der Reis direct
+ausgesät. Manche der Körner oder Pflanzen gehen dabei natürlich zu
+Grunde; aber der Reis, der aufgeht und zur Reife kommt, gibt ihnen
+in diesen bevorzugten Gegenden nach mehreren an verschiedenen Orten
+vorgenommenen Zählungen das 250fache Korn. In wenig Jahren erschöpft
+sich dann der Boden dieses sogenannten "cainin", da sie weder
+Dünger einführen, noch mit den angebauten Früchten wechseln. Dann
+ziehen sie weiter, lassen sich auf dem ersten günstig aussehenden
+Platz nieder und beginnen die Arbeit des Umhauens und Säens von
+Neuem. Ihre Vorrathshäuser bauen sie auf Pfählen mitten in ihren
+Feldern. Es ist dieses System der "cainines" auch unter den Christen
+überall dort üblich, wo der dünngesäten Bevölkerung noch unbeschränkte
+Bodenfläche zum Anbau zur Verfügung steht; wo aber die Einwohner sich
+dichter drängen, da werden sie durch die Nothwendigkeit zu einem mehr
+sesshaften Leben und geregelterer Ausnützung derselben Grundstücke
+gezwungen. Es unterscheiden sich hierin die Christen durchaus nicht
+von ihren heidnischen Stammverwandten.
+
+Was aber die Manobo's ganz besonders auszeichnet vor allen übrigen,
+mir aus eigener Anschauung bekannten philippinischen Stämmen, ist die
+Form ihres religiösen Aberglaubens. Auch sie huldigen im Wesentlichen
+dem gleichen Anitodienste, wie die Ygorrotes und Iraya's des Nordens;
+aber es tritt dieser Ahnencultus hier mehr in den Hintergrund gegen den
+Dienst, den sie anderen Göttern weihen. So halten sie den Donner für
+die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abentheuerlichen
+Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in
+die Bäume einschlägt, so soll das Thier nach ihrer Meinung mitunter
+einen seiner Zähne darin stecken lassen. Es sind alte, einer früheren
+Periode angehörige Steinbeile, die in ihrer Gestalt manchen der
+in unsern europäischen Pfahlbauten gefundenen ähnlich sehen, und
+die mitunter von ihnen in Bäumen oder in der Erde steckend entdeckt
+werden. Auch das Krokodil wird von ihnen heilig gehalten, Krankheiten
+und Unglücksfälle aller Art personificiren sie; aber der wichtigste
+ihrer Götter nächst dem "Diuata" (= Anito) der Erndtefeste ist ihr
+Kriegsgott, der "tagbusau" [9]. Wenn in der Gegend des Sumpfgebietes
+des Agusan, um welches herum sich die verschiedenen Familien der
+Manobo's drängen, im October die Erndte begonnen hat, so fangen die
+Männer an, ihre Lanzen und Schilde, die Dolche und kurzen Schwerter
+zu putzen und zu schleifen und wenn dann die Erndte beendigt ist,
+und der Talisman ihres Kriegsgottes ihnen günstigen Ausgang für den
+Kriegszug angesagt hat, so schleichen sie in kleinen Trupps unter
+Anführung ihres "bagani", welcher zugleich der Priester des Gottes ist
+und dessen Talisman in den Kampf tragen muss, in heimlicher Weise nach
+der Wohnung ihrer Feinde. Gelingt es ihnen diese frühmorgens noch im
+Schlafe, oder sonst im Walde zu überraschen, so wird Jeder Erwachsene
+niedergemacht, die Kinder und Weiber als Sclaven davongeführt. Selten
+nur kommt es dabei zum offnen Einzelkampfe und dies fällt immer dem
+anführenden bagani zu, da er als Muthigster seinem Volke voran zu
+gehen und als Priester seinem Gotte ein Opfer zu bringen hat. Ist
+der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er ein
+heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche
+die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals
+hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die
+Leber heraus und verzehrt ein Stück davon, als Zeichen, dass er nun
+seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird
+es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht,
+aber auch die Pflicht des fürstlichen Priester's. Immer liegt ihren
+Kriegen irgend ein persönliches Motiv zu Grunde. Meist aber nimmt die
+Befriedigung ihrer Rachsucht einen anderen, nicht religiösen Charakter
+an. Einzeln lauern sie auf Wegen dem Feinde auf, dessen Bewegungen
+sie wochenlang ausgekundschaftet haben, und stechen ihn von sicherem
+Versteck aus mit ihren langschaftigen Speeren nieder. Die Schädel
+ihrer getödteten Feinde bringen sie dann im Triumphe nach Haus, aber
+sie hängen sie nicht, wie es viele heidnische Stämme in Luzon thun,
+in und vor ihren Häusern als Wahrzeichen ihrer Tapferkeit auf. Von den
+Sclaven aber, die sie heimführen, sind immer einige dem Kriegsgotte
+oder dem Gotte ihrer Krankheiten geweiht. Durch den heiligen Dolch oder
+das Schwert wird ihnen, am Rande der für sie gegrabenen Grube stehend,
+mit wenigen sicheren Streichen das Leben genommen. Die anderen Sclaven,
+Verwandte oder Freunde des Opfers, müssen das Grab mit Erde füllen.
+
+So stehen die Manobo's mit einigen anderen nahe verwandten Stämmen den
+Ygorrotes und Iraya's als religiöse Fanatiker gegenüber, bei deren
+Götterdienst Menschenopfer und Cannibalismus eine hervorragende
+Rolle spielen. Und zwischen diesen drei, annähernd die Extreme
+rein malaiischen Culturzustandes repräsentirenden Völkern fanden
+sich wahrscheinlich alle möglichen Verschiedenheiten der Race, die
+den Dialectverschiedenheiten parallel gingen. Die älteren spanischen
+Autoren [10] erwähnen als ein auffallendes, nachher aber rasch
+vergessenes Factum, dass die Negrito's alle nur eine einzige
+gleichmässige Sprache sprechen, während die braunen Bewohner der
+verschiedenen Inseln, obgleich sicherlich alle demselben Stamme
+angehörig, sich doch durch die grosse Zahl ihrer verschiedenen Dialecte
+unterscheiden sollten. Nur in einigen wenigen, allerdings aber
+wesentlich charakteristischen Zügen, stimmten sie alle überein. Einmal
+waren sie alle nach dem Zeugniss derselben spanischen Schriftsteller
+Ackerbauer und cultivirten den Reis in solcher Menge, dass er schon bei
+Ankunft der Spanier [11] einen Handelsartikel bildete. Manche der
+Stämme mochten damals schon sesshaft geworden sein und den Ackerbau in
+solcher Vollkommenheit getrieben haben, wie es jetzt die Ygorrotes
+thun. Dann lebten sie alle in einzelne Clan's getheilt, deren jeder
+einem Fürsten, einem "bagani", unterthan war. Obgleich die Spanier in
+ihren Beschreibungen mit dem Worte König (rey) ziemlich freigebig
+waren, so zeigt das oft gebrauchte Wort "reyezuelo", ein kleiner König,
+und noch mehr die oft gegebene Erläuterung hierzu, dass die Macht
+dieser Könige nur in den seltensten Fällen über das nächste Gebiet des
+Dorfes hinausgriff. Der Anfang einer Staatenbildung scheint nur an den
+wenigen Puncten gemacht worden zu sein, an denen kurz vor Ankunft der
+Spanier die von Borneo und Ternate kommenden Muhamedaner sich
+niedergelassen hatten.--Alle Civilstreitigkeiten wurden nach alter
+Gewohnheit von dem Fürsten, der seine Stellung theils durch Rang,
+besonders aber durch persönliche Tapferkeit bewahren musste, im Rathe
+mit den Aeltesten des Dorfes geschlichtet. Endlich entwickelte sich
+durch die Sitte der Vornehmen, sich unter den im Kriege geraubten
+Sclavinnen ihre Concubinen zu wählen, im Laufe der Zeit, wie sich die
+wenigen Häuser einer Familie zu einem Dorfe vergrösserten, die Classe
+der Freien oder der "Timava's". Kinder derselben, oder auch ihre
+Verwandten, die eine Zeit lang als Sclaven gedient hatten, wurden frei
+gelassen, und diese Classe der Freien stellte sich zwischen diejenige
+der Vornehmen, welche sich durch ihre Heirathen möglichst rein zu
+erhalten suchten, und die der Sclaven, welche immer gewärtig sein
+mussten, dem Kriegsgotte geopfert oder als Sühne für begangenes Unrecht
+verkauft zu werden. So war der sociale Zustand der Bewohner der
+Philippinen, als die Muhamedaner und die Spanier von zwei verschiedenen
+Seiten her ihre Religion im Land einzuführen versuchten.
+
+
+
+
+
+V.
+
+Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode.
+
+
+Die malaiische Race hatte sich längst über alle hinterindischen
+und philippinischen Inseln ausgebreitet, ehe es den handeltreibenden
+Bekennern des Islam, den Arabern, gelang, ihrem Glauben unter einzelnen
+Stämmen derselben Eingang zu verschaffen. In dem ungefähr 1252 (von
+den aus Singapore vertriebenen Malaien) gegründeten heidnischen Staat
+Malacca bekehrte sich der Sultan Muhammed Shah 1276 zum Islam und
+erwarb durch die Ausbreitung des neuen Glaubens grossen Ruhm während
+seiner langjährigen Regierung. Mehr als ein Jahrhundert später,
+im Jahre 1391, machten ein Fremder, Raja Charmen, und ein Araber,
+Maulana Ibrahim, einen unglücklichen Versuch die Javanesen zum Islam
+zu bekehren. Obgleich schon ein ähnliches Unternehmen 1328 erwähnt
+wird, und die Einwanderung muhamedanischer Kaufleute vom Westen gewiss
+schon lange vorher begonnen hatte, so scheiterten doch diese ersten
+Versuche weniger an dem Gegensatz zwischen dem in Java herrschenden
+buddhistischen Glauben und Mohamed's Religion, als an der Macht der
+buddhistischen Staaten selbst. Erst als Raden Patah, ein Muhamedaner
+aus königlichem Geblüt und mit Talent und ehrgeizigem Sinn begabt,
+seine Glaubensgenossen um sich versammelt und durch Intriguen und den
+Glanz seines Namens eine mächtige Partei gebildet hatte, gelang es ihm
+nach der Zerstörung (1478) des bis dahin mächtigsten Reiches von Java,
+des weitberühmten Majapahit, auch seinen Glauben zu dem herrschenden
+des Landes zu machen. Früher schon waren Muhamedaner weit nach
+Osten bis nach Ternate hin vorgedrungen und hatten hier, wie überall
+neben dem Handel mit Gewürznelken und anderen ähnlichen Produkten des
+Landes, auch die Bekehrung der Eingebornen betrieben. Auch hier fanden
+sie einen blühenden Staat vor. Ursprünglich von Gilolo aus (1250)
+colonisirt, hatte bald Ternate durch seinen Reichthum an Gewürzen
+und seine günstige Lage für den Handel in den Molucken eine solche
+Anziehungskraft gewonnen, dass Einwanderungen von Javanesen, Malaien
+und Arabern in kurzen Zwischenräumen aufeinander folgten. Solche
+Zuzüge werden aus den Jahren 1304, 1322, 1347, 1358 erwähnt. Dadurch
+gewann allmälig dieser kleine Staat eine solche Macht, dass er in
+der 1322 gebildeten Conföderation der 4 Könige der Molucken schon
+im Jahre 1377 den bedeutendsten Rang einnahm. Dem König von Ternate
+waren damals bereits die Xulla-Inseln, sowie auch Gilolo unterthan;
+am Ende des 15. Jahrhunderts vereinigte Zainalabdin auch noch Boeroe,
+Ceram und Amboina unter seinem Scepter. Als dann dieser Fürst 1495 zum
+Islam übertrat, ward es nun den zahlreich eintreffenden muhamedanischen
+Einwanderern von Java unter Anführung des Javanesen Husen leicht,
+auch das Volk selbst zu bekehren, so dass auch hier schon bei der
+Ankunft der Portugiesen die muhamedanische Religion herrschte. So
+wussten sich überall die Islamiten die Gunst der Landesfürsten zu
+gewinnen, durch deren Einfluss dann ihre Religion auch beim Volke
+eingeführt wurde. Weiter nach Norden hin verlieren sich die Spuren
+des Islam mehr und mehr. Als die Portugiesen 1512 in Celebes ankamen,
+fanden sie hier nur noch wenige Bekenner dieser Religion vor; erst
+ein Jahrhundert später zwangen die Macassaren auch die Bewohner
+der übrigen Staaten dieser Insel, den muhamedanischen Glauben
+anzunehmen. Ein gewisser Einfluss des Islam zeigt sich auch noch auf
+den Philippinen, wo es allein den muselmännischen Fürsten gelang,
+Reiche zu bilden, deren Macht sich weiterhin als auf den Umkreis der
+nächsten Dörfer erstreckte. Als die Spanier im 16. Jahrhundert die
+Philippinen eroberten, fanden sie ihren stärksten Widersacher in dem
+Sultan von Manila, dessen Macht sich ziemlich weit über die Provinzen
+des Centrum's von Luzon erstreckte; und die Sultane von Buhayen,
+Mindanao und Joló haben bis auf den heutigen Tag ihre Unabhängigkeit
+gegen die Eroberungszüge der Spanier zu bewahren gewusst.
+
+Zum Theil lag gewiss die Schnelligkeit, mit welcher sich
+die Mohamedaner solche Erfolge zu erringen verstanden, in dem
+richtigen Tact begründet, mit welchem die vereinzelten Missionäre
+die Vorschriften ihrer Religion den bestehenden socialen Zuständen
+anzupassen wussten. Die natürliche Grausamkeit und Rachsucht der
+früheren Heiden wurde in religiösen Fanatismus umgewandelt; die
+vorgeschriebenen Waschungen fanden leicht Eingang in einem heissen
+Lande, dessen Bewohner so schon halb im Wasser lebten; und das
+ursprüngliche unabhängige Clan-Wesen wurde mit grossem Geschick in
+eine von einer Centralgewalt abhängige Conföderation der einzelnen
+Fürsten übergeführt. Hören wir, was hierüber der Padre Gainza sagt:
+"Sie (die Muhamedaner) führten einige religiöse Gebräuche ein, nahmen
+dafür ihre Sprache und manche ihrer Sitten an, verheiratheten sich
+mit ihren Weibern, verschafften sich Sclaven, um ihre persönliche
+Wichtigkeit zu erhöhen, und gelangten endlich dazu, sich mit der
+vornehmen Classe der "Dato's" zu amalgamiren. Da sie mit grösserem
+Geschick und grösserer Eintracht als die Eingebornen arbeiteten,
+erhöhten sie allmälig, wie jene im Besitze zahlreicher Sclaven, mehr
+und mehr ihre Macht, bildeten unter sich eine Art Bund und errichteten
+eine Art Monarchie, die sie in einer Familie erblich erklärten. Aus
+der Zahl der Mitglieder dieser Familie erwählten die Dato's ihren
+Sultan. Und als sie bald das Missliche eines solchen Systemes
+erkannten, beschlossen sie noch bei Lebzeiten des Sultan's zwei
+Nachfolger zu erwählen, deren einer den Titel "Raja-Muda", der andere
+den des "Guata-Mansa" erhielt. Obgleich nun solcher Bund ihnen grosse
+Macht gab, so sahen sie sich doch genöthigt, mit den alten Datto's auf
+Friedensfuss stehen zu bleiben, und den sogenannten "Taos-Marayaos"
+ihre Freiheit zu lassen, deren Unterstützung sie nicht entbehren
+konnten. So behielten diese ihre vollständige persönliche Freiheit
+und die völlig freie Verfügung über ihre Sclaven, die sogenannten
+"Sacop"....... So entstand endlich eine Conföderation, welche nur
+schwach mit der höchsten Autorität in Verbindung steht, eine Art
+aristocratischer Republik, deren Chef unter dem Titel eines Sultan's
+erwählt wird, und deren Bürger natürlich sehr an ihrer persönlichen
+Unabhängigkeit hängen und zu Streit und Zank beständig geneigt sind."
+
+Dass in der That der muhamedanisch religiöse Charakter dieser Staaten
+ursprünglich wenig ausgeprägt war, beweist das Verhältniss, in welchem
+sie zu den ersten christlichen Eroberern, den Portugiesen sowohl wie
+den Spaniern, standen. Antonio de Britto wurde in dem muhamedanischen
+Ternate 1521 auf die freundlichste Weise aufgenommen, und als er und
+seine Nachfolger durch ihre grausame Behandlung der Bewohner allmälig
+einen Bund der malaiischen Fürsten hervorgerufen hatten und die
+Portugiesen sich schon nahe daran sahen, ihre Festung dem andrängenden
+Feinde übergeben zu müssen, da rettete Antonio Galvan 1636 zuerst seine
+Landsleute von einer sicheren Niederlage. Im Laufe weniger Jahre aber
+wusste dieser Mann nicht bloss den Bund der Fürsten aufzulösen, sondern
+sich auch unter den Mohamedanern so beliebt zu machen, dass sie ihm die
+Krone anboten. Durch ihn wurde das Christenthum rasch auf den Molucken
+und in Celebes eingeführt. Auch die spanischen Geschichtsschreiber [1]
+bemerken ausdrücklich, dass sie mit den "Moro's" von Manila in
+freundschaftlichem Handelsverkehr gestanden hätten. Legapsi bediente
+sich 1565 in seinem Verkehre mit Tupas, dem Fürsten von Cebú, eines
+Mohamedaner's von Borneo mit Namen "Cid-Hamal". Es sprach sich nirgends
+ein scharfer religiöser Gegensatz aus; vielmehr bildete sich dieser
+erst allmälig im Laufe der Zeiten, als die neu angekommenen Eroberer
+auch die Oberherrschaft über die schon bestehenden mohamedanischen
+Staaten zu beanspruchen anfingen. Gegenseitig belästigten sie sich nun,
+so viel sie konnten, mit Raubzügen und Niederbrennen der Ortschaften,
+und auch die Spanier verfolgten eine Art und Weise der Kriegführung,
+welche ganz dem dortigen Boden entwachsen zu sein schien. Hier,
+wie überall, trat das persönliche Interesse oder die Bequemlichkeit
+hindernd in den Weg. Lassen wir hier den Padre Zuñiga [2] sprechen:
+"Diejenigen, welche gingen, um sie (die Moro's) zu unterjochen,
+verfolgten andere Ziele, als die ersten Eroberer. Diese strebten
+nur nach einer "encomienda", einem Lehen, das ihnen genug zu leben
+gab. Aber seitdem der Handel von Manila so gewinnbringend geworden,
+suchte man in kurzer Zeit grossen Reichthum zu häufen, so dass
+diejenigen, welche solche Expeditionen unternehmen, nur an ihren
+Erwerb denken und an die Rückkehr nach Manila, um dort möglichst
+ihren Handel vermehren zu können." Die unterjochten Feinde wurden von
+beiden Parteien als Sclaven davongeführt, die eingenommenen Dörfer
+geplündert und nachher verbrannt. Allmälig erst bildete sich auch
+der religiöse Fanatismus aus. Die unter dem Namen "amok" in allen
+malaiischen Ländern bekannten Wuthanfälle, nehmen in den Grenzgebieten
+der Christen und Muhamedaner, in Zamboanga und Basilan immer einen
+religiösen Charakter an; obgleich ihr Hass gegen die Christen sich
+meistens nur gegen die Spanier richtet. In Jolo selbst sind die
+Engländer gern gesehene Gäste, da sie ihnen europäische Waffen und
+Pulver bringen, die sie sehr im Kampfe gegen die "cachila's"--so
+heissen die Spanier hier--benöthigen. Dem Reisenden fallen überall,
+namentlich aber im Süden, die meistens hoch auf Pfählen gebauten,
+sogenannten "atalaya's" auf, an deren Seite gewöhnlich ein Telegraph
+steht. Es sind dies Wachtthürme, welche von Dorf zu Dorf die Nachricht
+weitertragen, wenn sich irgendwo eine Flotille der leichten Fahrzeuge
+aus Joló, der sogenannten "panco's", gezeigt hat. Selten aber leisten
+die einzelnen Dörfer sich Hülfe, jedes vertheidigt sich, so gut es
+kann; die Regierungsböte liegen im sichern Hafen, und erhalten die
+Nachricht meistens so spät, dass es ihnen selten gelingt, die Moro's
+noch auf ihrem Zuge zu treffen. Haben diese einige Raubzüge glücklich
+beendet, so beschliesst die spanische Regierung in Manila einen
+Zug zur Ausrottung der Piraten. Es wird hier oder dort eine Festung
+in Joló, Tavi-tavi oder in Mindanao eingenommen und zerstört, dann
+zieht man froh über den errungenen Sieg heim und im nächsten Jahre
+beginnen die Moro's abermals ihre Raubzüge. So wird dieser kleine
+Krieg ferner dauern, wie er bisher schon Jahrhunderte gedauert, wenn
+nicht die Spanier die von Moro's bewohnten Inseln faktisch in Besitz
+nehmen oder durch grössere Wachsamkeit, als sie bisher entwickelten,
+die Piratenzüge derselben nach andern Richtungen ablenken.
+
+Während die _muhamedanischen_ Sendlinge zur Ausbreitung ihres Glaubens
+nur auf sich und die Macht ihres Wortes angewiesen, dies hauptsächlich
+durch den Einfluss zu erringen suchten, den sie auf die Fürsten und
+Vornehmen des Landes gewonnen, so zeigt sich bei der Einführung des
+_Christenthum_'s durch die Spanier die auffallende Erscheinung, dass
+gewisse Einrichtungen in der Organisation ihrer Eroberungszüge die
+günstigsten Mittel waren, um die erstaunlich raschen Erfolge ihrer
+Unternehmungen hervorzubringen.
+
+Die berühmte Demarcationslinie den Jahres 1493, welche die Erde in eine
+spanische und eine portugiesische Hälfte theilen sollte, hatte jeder
+Nation die Richtung ihrer Entdeckungsreisen vorgezeichnet. Während
+die Portugiesen, dem Wege Vasco de Gama's folgend, von Westen her
+in Malacca 1511, auf den Molucken 1512 anlangten, kamen ihnen die
+Spanier, welche von Magellan's unglücklicher Expedition (1519-1521)
+übrig geblieben waren, von Osten her entgegen. Auch die zweite
+Expedition von Loaisa (1525-1526) und die dritte von Saavedra (1528)
+nahmen ein unglückliches Ende, und immer trafen die Spanier auf
+den Molucken mit ihren alten Feinden, den Portugiesen zusammen,
+welchen sie gerne den Besitz dieser kostbaren Inseln streitig
+gemacht hätten. Sie gründeten ihre Ansprüche an diese Inseln auf die
+Verlegung des ersten Meridian's von Ferro nach Terceira, wodurch
+die Portugiesen Brasilien gewannen, und wodurch die Gewürzinseln
+nach Magellan's Meinung mit in die spanische Erdhälfte hineingezogen
+worden waren. Dem kleinen zwischen den spanischen und portugiesischen
+Abenteurern entbrannten Krieg auf Ternate und den umliegenden Inseln
+wäre fast ein grösserer Kampf im Mutterlande gefolgt. Als aber Carl
+V. 1539 einen Tractat mit Portugal schloss, wonach er alle seine
+Ansprüche auf die Molucken für 350,000 Ducaten an die Krone Portugal
+verkaufte, war der spanischen Eroberungslust im fernen Osten ein neuer
+Weg vorgezeichnet. Während die früheren Expeditionen zur Eroberung der
+_Molucken_ bestimmt waren, sollte nun Villalobos die _Philippinen_
+unter spanische Herrschaft zwingen und durch die ihn begleitenden
+Augustinermönche den Eingebornen den christlichen Glauben bringen. Aber
+auch diese Unternehmung verunglückte gänzlich. Glücklicher als Carl
+war Philipp II., welcher 1564 eine Expedition unter Legaspi auslaufen
+liess. Diesem schloss sich als Mönch der Augustiner Padre Urdaneta an,
+ein kühner und gelehrter Seemann, der, unter Loaisa Capitain eines der
+Schiffe, bereits die Philippinen aus eigner Anschauung kennen gelernt
+hatte. Noch wichtiger als dieser Priester war dem Befehlshaber sein
+eigner Neffe, Don Juan Salcedo; denn seiner rastlosen Thätigkeit und
+grosser Thatkraft allein verdankte diese Expedition ihren glücklichen,
+überraschend schnellen Erfolg. Am 27. April ankerten die Schiffe
+in Cebú, bald darauf waren Panay, Leyte, Masbate, Bohol und andere
+Inseln--die Islas de los Pintados--entdeckt und eingenommen und am
+5. Mai 1571 schon wurde Manila zur Hauptstadt der neugewonnenen Inseln
+erklärt und in Besitz genommen. Die Missionäre breiteten sich [3], durch
+Soldaten unterstützt, über die Visaya's aus und Juan de Salcedo nahm es
+auf sich, den Norden Luzon's der Krone Spanien zu unterwerfen. Wenige
+Tage nach dem plötzlichen Tode Legaspi's am 20. August 1572 kam er
+in Manila wieder an von einer Reise, die ihn rings um den Norden
+Luzon's herumgeführt und auf welcher er die Mehrzahl der Bewohner
+sich unterworfen hatte. Einige Jahre später waren bereits die
+Augustinermönche über den ganzen Norden verbreitet. So waren in
+weniger als 10 Jahren die Mehrzahl der philippinischen Inseln der
+spanischen Krone unterworfen, schon 1570 wurde der erste Tribut [4] von
+den Einwohnern von Mindanao erhoben und wenn auch seitdem mehrfache
+Empörungen gegen die neue Ordnung versucht wurden, so brachen doch bald
+derartige Unternehmungen der Eingebornen unter der Macht der Spanier
+wieder zusammen. Mit den Augustinern theilten sich die bald nachher
+ankommenden Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner in die Aufgabe,
+den zahlreichen neuen Christen die gewünschten Priester zu geben und
+durch die Missionen den christlichen Glauben auch unter die Stämme
+des Innern zu tragen.
+
+Der Handel, welcher nach einigen Autoren schon lange vor der
+christlich-spanischen Zeit zwischen China, Japan, den Philippinen
+und Borneo getrieben worden war, nahm rasch in bedeutendem Maasse
+zu. Im Anfang des Jahres 1572 schon kam eine Flotille aus China an,
+welche den handeltreibenden Soldaten eine reiche Ladung Seidenzeuge,
+Porzellan und andere Erzeugnisse chinesischer Industrie brachte, und
+in wenig Jahren war Manila der Mittelpunkt für den Handel Spanien's
+mit dem Orient geworden.
+
+Es war der Anfang des 17. Jahrhunderts fast die blühendste Zeit
+des Handels von Acapulco. Dieser Periode verdankt Manila ihren
+hochtrabenden Namen der "Perle des Orients".
+
+Ein ganz anderes Bild liefert uns die Geschichte der Eroberung der
+Molucken durch die Portugiesen. Trotzdem sie 1511 unter Antonio
+de Abreu und Francisco Serrano die freundlichste Aufnahme in
+Amboina und Celebes finden, und sie aus den zwischen Tidor und
+Ternate angestifteten Kriegen als Sieger hervorgehen, folgen sich
+ununterbrochen Empörungen der einheimischen Fürsten und Streitigkeiten
+dieser oder selbst der Portugiesen untereinander. 1531 sehen sie sich
+sogar gänzlich auf ihre Festung in Ternate beschränkt, die durch
+das Heer der verbündeten Könige der Molucken durch Jahre hindurch
+belagert wird. Antonio Galvan befreit seine Landsleute, schlägt die
+Fürsten in Tidore, und schliesst mit ihnen Frieden. Ihm gelingt es
+bald durch freundliche Behandlung der Eingebornen und Schonung der
+angestammten Fürsten, die er vorher hat seine Macht fühlen lassen,
+sich eine solche Popularität zu erwerben, dass ihm bald nachher
+die Krone sämmtlicher Molucken angeboten wird. Nun wird ihm das
+Gouvernement dieser Inseln genommen, und die nachfolgenden Gouverneure
+beginnen von Neuem das alte Spiel der Intriguen und kleinen Kriege,
+bis endlich 1581 Baber, König von Ternate, die portugiesische Festung
+einnimmt und der Fremdherrschaft ein Ende macht. Dann folgen einige
+vergebliche Versuche der Spanier, sich die Molucken zu unterwerfen,
+bis es endlich im Anfang des 17. Jahrhunderts den Holländern gelingt,
+die mit den einheimischen Fürsten abgeschlossenen Verträge gegen die
+Spanier siegreich zu vertheidigen und die Portugiesen auf Timor und
+Solor einzuschränken.
+
+Hier ist die Episode des Antonio Galvan besonders lehrreich. Sie
+zeigt, dass es bei Verfolgung einer humanen Politik und Schonung
+der Landessitten den Portugiesen hatte leicht werden müssen, ihrer
+Herrschaft über die Molucken grössere Sicherheit und längere Dauer
+zu geben, als es wirklich der Fall war. Den Spaniern trat auf den
+Philippinen allerdings nie eine so geschlossene Macht gegenüber,
+wie den Portugiesen auf den Molucken im dortigen Fürstenbund,
+so dass es ihnen leichter werden musste, die einzelnen gänzlich
+von einander unabhängigen Clan's von Luzon und den Visaya's sich
+zu unterwerfen. Aber die Geschichtsbücher des Landes bewahren uns
+mehrere Fälle von Empörungen auf, welche zeigen, dass durch die
+allgemeine Sehnsucht nach Befreiung vom spanischen Joche mitunter eine
+Vereinigung der sonst getrennt lebenden Stämme zu Stande kam, deren
+Macht allerdings derjenigen der Spanier nie gewachsen war. Gerade die
+ersten Jahrzehente der Eroberung sind aber verhältnissmässig frei
+von solchen Empörungen. So mochte wohl die geringe Macht, welcher
+sich die Spanier in ihren Zügen bald in diesem, bald in jenem Dorfe
+gegenübersahen, der Mangel aller gemeinsamen Opposition gegen die
+Fremden mit eine der Hauptursachen gewesen sein, welche den Spaniern
+das Spiel erleichterten; aber doch würde wohl kaum der Eroberung so
+schnell die Ausbreitung des Christenthums und eine vergleichsweise
+lange ruhige Periode des Handels gefolgt sein, wenn nicht noch andere
+Momente, ausser der geringen Thatkraft und politischen Zersplitterung
+der Eingebornen, mit wirksam gewesen wären.
+
+Hierüber gibt uns die Organisation der früheren Expeditionen einigen
+Aufschluss. Der Befehlshaber der Expedition erhielt mit dem Titel
+"Adelantado" auch die allerausgedehntesten Vollmachten und die
+Autorität als General-Gouverneur aller der Länder, welche er im
+Namen des Königs erobern würde. Es wurde ihm gestattet, Waaren
+im Werth von 1000 Ducaten einzuschiffen und ebenso wurde ihm ein
+gewisser Prozentsatz vom Einkommen der Inseln zugesichert. Von ihm
+hing aber vor Allem die Ernennung der sogenannten "Encomendero's"
+ab. Unter "encomienda" verstanden die Spanier ein Lehen, welches an
+Land und Leuten den bei der Eroberung besonders sich auszeichnenden
+Soldaten gegeben wurde. Der von ihnen erhobene Tribut, von welchem
+sie einen gewissen Theil an die Regierung abgeben mussten, sollte zum
+Unterhalt ihres Lebens dienen. So wurde z. B. dem Juan de Salcedo nach
+der schon erwähnten Entdeckungsreise zuerst Camarines, nachher aber
+die Provinz Ylocos als solches Lehen gegeben. Anfänglich herrschten
+sie hier, im Besitz der Macht, unumschränkt über Land und Leute,
+die sich leicht dem Eroberer unterwarfen; denn in der That war für
+sie nur der Name ihres Fürsten, nicht aber ihr Verhältniss zu diesem
+geändert. Ueberall wo Salcedo zuerst hinkam in Luzon, wie in Panay und
+Mindoro, musste er erst mit den Einwohnern um die Herrschaft kämpfen;
+und wenn diese sich durch eine blutige Niederlage von der grösseren
+Macht der Spanier überzeugt hatten, so unterwarfen sie sich ziemlich
+willig dem Joche des Lehnsherren, welcher lediglich an die Stelle
+des früheren einheimischen Fürsten getreten war. Statt der früheren
+"baganis" oder "Datto's" hatten sie nun spanische Capitaine sowohl
+als Anführer im Kriege, wie auch als Herren [5], denen sie Gehorsam
+und Tribut schuldig waren. Sonst aber wurde die sociale Ordnung nicht
+im Mindesten verändert. Lange Zeit hindurch wurden die im Kriege
+gemachten Gefangenen auch von diesen christlichen Lehensherren als
+Sclaven, als "sacopes" behandelt, deren Arbeit und Körper ihnen
+gänzlich angehörte. Aus dieser Classe der Sclaven bildete sich
+allmälig die tributzahlende niedrige Bevölkerung aus, während die
+Classe der Freien als sogenannte "cabeza's de barangay" von jeher
+gänzlich frei von der Pflicht des Tributzahlens war. Die Dattos
+aber oder die ursprünglichen Vornehmen erhielten die Ehrenämter des
+Dorfes, welche wie jene Freien gänzlich von allem Tribute und allen
+Zwangsarbeiten befreit wurden. Der Lehnsherr hatte die Macht, welche
+die Eingebornen als erstes Requisit für ihre Datto's verlangten, und
+die ihm unterworfenen Vornehmen befriedigten leicht ihren Ehrgeiz
+in der bevorzugten Stellung, welche sie im Dorfe einnahmen, da sie
+nie gewohnt gewesen waren, über die natürlichen Grenzen desselben
+hinaus zu greifen. Da die Sclaven oder Tributantes von jeher sich
+selbst als Eigenthum ihrer Herren zu betrachten pflegten, so liessen
+sie sich gerne den verhältnissmässig geringen Tribut von etwa 4
+fl. jährlich gefallen, den sie in Silber oder in Landesprodukten
+bezahlen mussten. Manche harte Bedrückung selbst mochte ihnen von
+Seiten dieser neuen Herren erträglich scheinen. Bald aber gingen die
+Erpressungen der meisten Lehnsherren so weit, dass sich das Volk gegen
+sie auflehnte, und zu gleicher Zeit gewannen die zur Ausbreitung der
+christlichen Religion angekommenen Geistlichen verschiedener Orden
+einen solchen Einfluss auf Philipp's Regierung, dass ihnen im Streite
+gegen jene grosse Prärogativen gegeben wurden. Mit der Vermehrung der
+Dörfer ging die wiederholte Sendung eifriger Missionaire Hand in Hand,
+so dass die Oberen der Mönchsorden sich bald im Stande sahen, jedem
+grösseren Dorf einen eignen Seelenhirten zu geben. Indem diese nun im
+Streite des Tribut zahlenden Volkes sich immer gegen die Lehnsherrn
+und die aus diesen hervorgegangenen Gouverneure aussprachen, erlangten
+sie bald in den einzelnen Dörfern dieselbe Stellung, welche vor ihnen
+der Lehnsherr, noch früher aber der "Datto" eingenommen hatte. Auch
+hinter ihnen stand immer die militairische Macht der Regierung, um
+deren Politik sich der Eingeborne wenig kümmerte, deren Strenge aber
+manches Dorf kennen lernte, wenn es sich gegen die zu harte Bedrückung
+von Seiten seiner neuen Herren in Kutte und Talar auflehnte. Auch die
+altgewohnte rein persönliche Seite des Verkehres zwischen dem Herrn
+und Diener fehlte nicht. Den Bau eines Conventes oder einer Kirche,
+oder selbst jede im Dorfe vorgenommene Arbeit sahen die Bewohner
+wie einen persönlich dem Priester geleisteten Dienst an; und sie
+arbeiteten willig für ihn, da der Glanz, welcher sich durch die Zahl
+seiner Diener, die Pracht seiner Wohnung und seiner Messgewänder,
+den Luxus seiner Gelage über ihr Dorf verbreitete, ihren Ehrgeiz
+vollständig befriedigte. Nicht selten sind die Fälle, in denen ein
+Priester seinen "sacopes" im Kampf wirklich voranging. Wie früher den
+"bagani" im kriegerischen Kleide, so liessen sich nun die Bewohner den
+"Datto" im farbigen Messgewand gerne gefallen. So wurde, unbewusst
+oder bewusst, jedenfalls in glücklicher Weise das alte einheimische
+Clanwesen der Heiden zur Basis der jetzt herrschenden christlichen
+bürgerlichen Ordnung gemacht.
+
+
+
+
+
+VI.
+
+Die neueste christliche Zeit.
+
+
+Es blieb also das einheimische Clanwesen die Grundlage der
+neuen socialen Ordnung. Durch die Zwischenstufe der europäischen
+Priesterclasse, die sich rasch über alle Dörfer verbreitete, und
+deren einzelne Mitglieder an die Stelle der früheren heidnischen
+Fürsten--der bagani's oder reyezuelo's--getreten waren, wurde das
+eines gemeinsamen natürlichen Bandes bis dahin entbehrende Leben
+der Bewohner in sehr künstlicher Weise mit dem fremden Staate
+verknüpft. Während in dem Verhältniss der unteren, die eigentliche
+Bevölkerung bildenden Classen zu einander keine oder nur eine sehr
+unbedeutende Veränderung eintrat, blieb die Beziehung zwischen den
+Gouverneuren des Landes und ihren Untergebenen eine so lockere,
+der ganze Schematismus der Verwaltung der Colonie dem einheimischen
+Verstande so unverständlich und fremd, dass sich dabei kein allgemein
+verbreiteter würdiger Bürgersinn ausbilden konnte. Es war dies aus
+verschiedenen Gründen unmöglich. Nach unten hin bekümmerten sich der
+militairische Gouverneur und der juristische Alcalde gar nicht weiter
+um das Volk, weil ihnen einestheils die Grenzen ihrer Thätigkeit
+von Spanien aus zu eng gezogen waren und sie andererseits sich in
+ihrem Verkehr mit den Bewohnern bis in die neueste Zeit hinein immer
+der Mönche bedienen mussten. Diese aber suchten gegen die Angriffe
+von oben her vor Allem ihre Gerechtsame, theils die persönlichen der
+Priester des Dorfes, theils die des Mönchsordens, dem sie angehörten,
+zu vertheidigen; während sie gegen ihre Pfarrkinder fast allein
+die doppelte Pflicht zu haben glaubten, sie in ihren Streitigkeiten
+mit den weltlichen Behörden so viel als möglich zu schützen und sie
+ausser in der Doctrin allenfalls noch im Schreiben und im Lesen der
+von der Kirche gestatteten Bücher zu unterrichten. Auf der anderen
+Seite wurde es nie einem Eingebornen gestattet, sich über die Classe
+der niedrigsten Civilbeamten emporzuschwingen. Nur ungerne bedienten
+sich die Oberen der Mönchsorden der einheimischen Priester, und es
+gehört zu den seltensten Ausnahmen, wenn sich ein dem Clero secular
+angehörender _Eingeborner_ bedeutenden Einfluss erringen konnte. Alle
+höheren Beamtenstellen der Militär- wie Civil-Verwaltung wurden von
+Spanien aus mit Spaniern besetzt. Häufig wurden zu Gouverneuren und den
+höchsten Beamten der Colonie politisch missliebige Personen genommen,
+deren sich die Regierung in Madrid zeitweilig entledigen [1] wollte,
+häufiger noch sah man in den Stellen Sinecuren, welche zur Belohnung
+treuer Diener geschaffen und vertheilt wurden. Die Habsucht der
+Beamten förderte man, anstatt sie zu hindern, indem man ihnen früher
+einen Antheil an dem Monopol des Handels von Acapulco, später in den
+Provinzen die Erlaubniss gab, auf eigne Rechnung Handel treiben zu
+dürfen. Diese Erlaubniss war für manche Gouverneure gleichbedeutend
+mit dem Monopol des Handels in ihrer Provinz. So spiegelt sich
+denn natürlich in dem Wechsel, welchen die spanische Verwaltung des
+Landes im Laufe der Zeit erfahren hat, immer nur der Umschwung in
+der öffentlichen Meinung des Mutterlandes wieder. Die spanischen
+Revolutionen des neunzehnten Jahrhunderts blieben dagegen gänzlich
+ohne Einfluss auf die Stimmung der Bewohner der Philippinen; wohl aber
+zeigt sich überall, wenigstens im materiellen Leben derselben, ein
+mehr oder weniger direkter Einfluss der Eroberer auf die unterworfenen
+Stämme. Wir wollen einige der hervorragendsten Aeusserungen dieser
+Einwirkung hier näher untersuchen.
+
+Im ersten Anfang der Eroberung liess man die 3 Classen der malaiischen
+Periode ziemlich unverändert bestehen. Doch vertauschte man die Namen,
+und als man die für jene Gegenden sehr complicirte Zusammensetzung
+der Localbehörden spanischer Städte einführte, musste nothwendiger
+Weise auch eine allmälige Verschiebung in der socialen Stellung der
+Bewohner erfolgen. Die Sclaven wurden nun tributzahlende Bauern,
+deren Name--sacop--an manchen Orten der Visaya's noch heutigen
+Tages unter den Christen gebräuchlich ist. Den Freien oder den
+tao-marayao's gab man gewisse untere Aemter im Dorfe, und zugleich
+damit die Befreiung vom Tribute und die Vornehmen, die reyezuelo's
+mit ihren nächsten Verwandten oder die Datto's erhielten die höheren
+Stellen der localen Verwaltung. Noch heutigen Tages werden die
+bagani's unter den der Regierung unterworfenen Manobo's von Mindanao
+ausgezeichnet durch die Verleihung des Stockes, welcher ihre Würde als
+"gobernadorcillo"--d. i. kleiner Gouverneur--bezeichnet. Ursprünglich
+mochten wohl alle solche Aemter im Dorfe--deren specielle Aufzählung
+hier unnöthig erscheint--ausschliesslich erblich gewesen sein. Als
+nun hauptsächlich durch die Pfarrer der Dörfer veranlasst, die
+Bewohner, statt sich von einander zu trennen, wie früher üblich, nun
+sich immer mehr um ihren geistlichen Anführer drängten, die Kinder
+der Mitglieder der verschiedenen Classen bei ihren Eltern im Dorf
+blieben: da konnten nicht mehr jene scharfen Grenzen eingehalten
+werden, welche anfänglich die Kasten von einander trennten. Die
+Zahl der unter einem sogenannten "cabeza de barangay" [2]--Haupt eines
+barangay--vereinigten tributpflichtigen Bewohner nahm rasch zu, so
+dass bald diese aus der Classe der Freien hervorgegangenen Beamten
+45-50 Familien unter ihre Aufsicht bekamen, mehr als vorher der
+bagani desselben Dorfes Unterthanen je gehabt hatte. Es waren diese
+cabeza's de barangay die früher erwähnten "taos-marayaos". Ihre
+Frauen und Erstgebornen waren vom Tribute befreit. Aber ihre übrigen
+Kinder zahlten Tribut, und es traten diese dadurch unwillkührlich
+in eine tiefere Classe, die der "Tributantes" zurück, welche ja
+aus derjenigen der "sacopes" hervorgegangen war. So wurde die
+letztere Classe durch die innige Verschmelzung mit den Söhnen der
+Freigelassenen etwas in ihrer socialen Stellung gehoben, während diese
+von ihren früheren Vorrechten einbüssten. Zugleich aber wurde das
+Amt, einem "barangay" vorzustehen--ihr hauptsächlichstes Geschäft
+besteht in dem Eintreiben der Tribute, für welche sie persönlich
+verantwortlich sind--wenigstens in manchen Provinzen ein Wahlamt; so
+dass noch heutigen Tages durch Erbschaftsrecht und durch Wahl ernannte
+cabezas de barangay nebeneinander existiren. Und ebenso wurden die
+"gobernadorcillos", ursprünglich gewiss erbliche Aemter, nun mit
+den übrigen, die sogenannte "principalia"--d. h. Aristokratie--des
+Dorfes bildenden Beamten, den Tenientes, alguaziles, jueces etc.,
+Ehrenämter, zu deren Besetzung alljährlich eine Wahl vorgenommen
+wird. Der hierbei beobachtete Wahlmodus ist kurz folgender. Der
+abtretende Gobernadorcillo und 12 durch das Loos bestimmte Einwohner,
+welche zur Hälfte der Zahl der abgetretenen "gobernadorcillos" und
+"cabezas", zur Hälfte derjenigen der activen "cabezas" entnommen
+werden, sind die Wähler, welche nun aus ihrer Mitte nach absoluter
+Majorität den neuen Beamten zu wählen haben. Obgleich von den
+Priestern ein directer Einfluss bei diesen Wahlen ebensowenig, wie
+den Gouverneuren der Provinzen gestattet war, so musste es doch dem im
+Dorfe selbst lebenden und mit allen Heimlichkeiten des Familienlebens
+seiner Pfarrkinder wohl vertrauten Pfarrer ein Leichtes werden,
+auch bei diesen Wahlen einen weitgehenden Einfluss zu erringen;
+während der militairische Gouverneur oder der Alcalde selten nur
+in persönliche Beziehungen zu ihren Untergebenen treten und auf
+sie einwirken konnten. So musste natürlich der locale Einfluss der
+Priester ein sehr viel grösserer sein, und dies um so mehr, als sie
+fast ausschliesslich im Besitze des Dialectes der Provinz waren, die
+Gouverneure dagegen sich der Dollmetscher bedienen mussten, selbst im
+Verkehre mit den Gobernadorcillos, welche trotz der Einführung der
+spanischen Sprache als Amtssprache doch nur selten des Spanischen
+mächtig waren. Vielleicht mögen sogar die Priester, in richtiger
+Erkenntniss ihrer Stellung, die Ausbreitung ihrer Muttersprache
+absichtlich so viel als möglich verhindert haben.
+
+Wenngleich nun auf diese Weise, und dann vor Allem durch die noch näher
+zu besprechende Mischlingsrace der Mestizen, eine nicht unbedeutende
+Veränderung in der socialen Ordnung der Bewohner einzelner Dörfer
+hervorgebracht wurde, so blieb doch das einheimische Clanwesen im
+Wesentlichen unverändert. Noch heutigen Tages gelten im Verkehr
+der Bewohner untereinander eine Menge alter aus der heidnischen
+Epoche überkommener Gebräuche--unter denen wir hier nur die Sitte
+hervorheben wollen, dass der Mann, um sich seine Frau zu erwerben,
+eine Zeitlang der Familie seiner Geliebten Dienste thun muss. Vor
+Allem aber blieb das Verhältniss der einzelnen Ortschaften zu einander
+gänzlich unverändert. Kein gemeinsames Band der Selbstverwaltung oder
+gleichartiger politischer Interessen vereinigte sie untereinander und
+wenn sie dem überkommenen Hass gegeneinander nicht mehr, wie früher
+unter der Herrschaft der baganis, durch Kriege Ausdruck zu geben
+versuchten, so hielt sie davon gewiss nicht Friedensliebe oder das
+Gefühl der Stammesverwandtschaft zurück, sondern nur ihre Feigheit
+und die Ueberzeugung, dass hinter den zum Frieden ermahnenden Pfarrern
+schliesslich doch die gefürchtete Macht der spanischen Waffen stand. Wo
+die Dörfer sich dem Arme der höchsten Autorität entrückt wähnten, wurde
+das alte Spiel des kleinen Krieges fortgeführt. So haben die Bewohner
+der beiden auf der Insel Siargao bei Surigao liegenden Dörfer Dapa und
+Cabuntug noch in der Mitte dieses Jahrhunderts offene Fehde miteinander
+geführt und noch heutigen Tages besuchen sie sich gegenseitig nur
+ungerne, weil sie Vergiftung durch ihre alten Feinde fürchten. Nur
+im Norden Luzon's und auf den Visaya's etwa in jenen Provinzen, in
+denen eine starke Mestizenbevölkerung gefunden wird, wie in Iloilo,
+hat sich ein gewisser Provinz-Patriotismus ausgebildet, der in den
+früher nicht seltenen Reibereien zwischen den aus verschiedenen
+Provinzen genommenen Soldaten eines Regimentes seinen Ausdruck
+fand. Keine gemeinsamen politischen Volksinteressen verbinden die
+Colonie mit dem, nur uneigentlich sogenannten Mutterlande.
+
+Ebensowenig wie in der politischen Sphäre hat der christliche Spanier
+sonst in geistiger Beziehung grossen Einfluss auf den Charakter der
+Bewohner zu gewinnen gewusst. Der Volksunterricht lag von jeher und
+liegt auch jetzt noch, in den Provinzen sowohl wie in der Metropole,
+gänzlich in den Händen der Priester. Mit Ausnahme der Professoren für
+Völkerrecht und römisches Recht sind alle Lehrstühle der Universität
+von Santo Tomas in Manila in Händen der Priester, welche natürlich
+nicht blos die theologischen Vorträge, sondern auch die über
+Metaphysik, Physik und Logik nach den Grundsätzen der katholischen
+Kirche einrichten müssen. In den Provinzen hat jedes Dorf allerdings
+seine öffentliche Schule, in welcher der Unterricht obligatorisch
+ist; aber ausser Lesen und Schreiben wird hier nur noch geistlicher
+Gesang und die christliche Doctrin gelehrt. Dieser Unterricht aber
+geschieht noch lange nicht überall in spanischer Sprache; wenigstens
+ist die allgemeine Einführung derselben als Schulsprache noch so
+neuen Datum's, dass es noch lange dauern mag, bis sich überall der
+spanische Beamte selbst mit seinen nächsten Untergebenen wird in
+Spanisch unterhalten können. An der Ostküste Mindanao's, einer der
+ältesten und ergebensten Provinzen, wurde noch vor 40-50 Jahren nur der
+einheimische Dialect gesprochen, und die Priester bedienten sich hier
+sogar, wie man sagt, in ihrem officiellen Verkehr bis in den Anfang
+des 19. Jahrhunderts hinein der alten malaiischen Buchstaben. Die Zahl
+derjenigen Eingebornen--die Spanier nennen sie immer Indier--welche
+lesen und schreiben können, soll ziemlich gross sein; aber bei der
+vollständigen Unzuverlässigkeit aller statistischen Angaben lässt
+sich hierüber nichts Sicheres behaupten. Im Jahre 1863 versuchte die
+spanische Regierung eine allgemeine Zählung der Kopfzahl mit Umgehung
+des bisher üblichen Systems der Tributzählung vorzunehmen, wobei auch
+angegeben werden sollte, wie viele des Lesens und Schreibens kundig
+wären. Das Factum, dass die Regierung niemals die Resultate dieser
+Zählung veröffentlichte, scheint für die damals oft gehörte Meinung
+zu sprechen, dass die ungeheuerlichsten Resultate herauskommen
+würden. Die überraschende Leichtigkeit endlich, mit welcher sich
+das Christenthum gleich im Anfang der Eroberung über die Inseln
+ausbreitete, lässt erwarten, dass es nur wie ein passendes Gewand
+die alten religiösen Gebräuche [3] deckte, und sich theilweise wohl gar
+mit ihnen amalgamirte. Ehrliche Mönche hört man noch jetzt darüber
+klagen, dass dieselben Menschen heute in die Kirche gehen, um zu
+ihrem christlichen Gotte zu beten und morgen ihrem heidnischen Götzen,
+dem Diuata oder dem Anito bei der Aussaat oder der Erndte ihre Opfer
+bringen. An einzelnen Orten scheint sogar ein Rückfall in die alten
+heidnischen Zeiten stattgefunden zu haben. Es existirt in dem Archiv
+des Gouvernements von Cayan, Provinz Lepanto, im Nordwesten von Luzon,
+ein Document, aus welchem, wenn es überhaupt echt ist, hervorgeht,
+dass die Bewohner des Districts vor dem Jahre 1700 bereits zum grössten
+Theil Christen gewesen sind. Jetzt sind sie alle wieder Heiden. In der
+reichen Familie des Ygorroten Lacampa wird der Titel "Maestre de Campo"
+geführt, welcher einem ihrer christlichen Vorfahren im Anfang des
+18. Jahrhunderts gegeben wurde; jetzt ist die ganze Familie heidnisch.
+
+So scheint weder in politischer noch religiöser Beziehung ein tiefer
+geistiger Zusammenhang zwischen den Eingebornen und ihren Herren aus
+Spanien hergestellt zu sein. Sie beugten sich willig vor der fremden
+starken Macht, deren staatliche Organisation ihnen aufgedrungen wurde;
+und die dennoch vorhandene grosse Sympathie zwischen den Eroberern
+und den Unterjochten beruht auf der absichtlich oder unabsichtlich
+geübten Schonung der lokalen Eigenthümlichkeiten, der Leichtigkeit,
+mit welcher sich der katholische Cultus dem bestehenden Glauben
+anpassen liess, dem regen persönlichen Verkehr zwischen ihnen und
+wohl vor Allem auf der allmäligen Entwickelung eines sicheren und
+jedem Einzelnen greifbare Vortheile gewährenden Handels.
+
+Die Entwickelungsgeschichte des philippinischen commerciellen Verkehr's
+ist in mehr als einer Beziehung interessant und lehrreich.
+
+Schon bei der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert scheinen die
+Bewohner der Inseln einen ziemlich lebhaften Handel [4], namentlich
+mit China, getrieben zu haben. Ausser den gewöhnlichsten Producten
+chinesischer Industrie waren es besonders Seide und die noch heutigen
+Tages in Borneo so beliebten grossen irdenen Gefässe, welche sie im
+Tausch gegen Reis, Gold und Trepang erhielten. Leider fehlen alle
+bestimmteren Angaben über diesen Verkehr, so dass nicht zu sagen ist,
+wie weit sich derselbe erstreckt haben mag; doch lässt sich aus der
+ungemein raschen Entwickelung des Verkehrs und Handels in Manila
+in den ersten 10 Jahren von Legaspi's Ankunft an wohl schliessen,
+dass auch schon früher wenigstens nach China und Japan hin ein
+bedeutender Handel stattgefunden haben muss. Einer der ältesten
+philippinischen Historiographen, der P. Chirino, welcher seine
+Geschichte der philippinischen Inseln 1604 in Rom herausgab,
+war voll der Bewunderung über die von allen Seiten nach Manila
+herbeiströmenden Nationen des Ostens. Die Chinesen brachten nun,
+um das Silber der Spanier, die "Reales de à quatro, i de a ocho" zu
+erhalten, ihre Seidenzeuge und Gefässe; zahlreiche gewerbtreibende
+Männer kamen hinüber und arbeiteten für so geringen Lohn, dass damals
+z. B. die von chinesischen Schustern gemachten Stiefel nur 2 Realen =
+1 Gulden kosteten und ihrer Billigkeit wegen als Handelsartikel nach
+Mexiko geführt wurden. Von Indien, Malacca, den Molucken erhielten
+die Manilesen männliche und weibliche Sclaven, die sich trefflich
+zu allen häuslichen Geschäften brauchen liessen, ferner die Gewürze,
+kostbare Steine, Elfenbein, Teppiche und Perlen. Japan endlich sandte
+Mehl, Weizen, Silber, Metalle, Salpeter und Waffen "und viele andere
+Merkwürdigkeiten: was Alles den Menschen das Bewohnen dieses Landes
+bequem und begehrenswerth gemacht hat und noch macht: und in der That
+ist es ein anderes Tirus gleich dem von Ezechiel so gepriesenen."
+
+Dieser Ausspruch des glaubwürdigen Jesuiten zeigt wohl besser als
+eine lange Aufzählung die Bedeutung, welche schon im Jahre 1604,
+also nur 33 Jahre nach der Landung Legaspi's in Cebú, der Handel
+von Manila für den Gesammtverkehr der Nationen gewonnen hatte. Noch
+waren China so wenig wie Japan mit den Völkern des Westens in direkte
+Verbindung getreten. Der portugiesischen Eroberung von Malacca und
+den Molucken waren beständige Unruhen und Kriege, keine den Handel
+ermunternde Periode der Ruhe gefolgt. Im Jahre 1611 erst langte der
+erste holländische Gouverneur in Bantam an, von wo aus seit 1602
+ein ziemlich lebhafter Handel mit den Engländern in Achin eröffnet
+worden war. Dagegen hatte Manila schon seit 1512 fast völliger Ruhe
+genossen--mit einziger Ausnahme des Ueberfalls durch den chinesischen
+Piraten Limahon. Der schöne, gegen den Nord-Ost-Monsun vollständig
+geschützte Hafen, die günstige Lage gegenüber China, Japan und den
+hinterindischen Inseln und vor Allem die direkten, durch die sogenannte
+Nao oder die Silberflotte vermittelten Beziehungen zu Neu-Spanien
+machten die Hauptstadt der Philippinen rasch zu dem Ausfuhrhafen jener
+östlichen Länder. Nur äusserst gering war der ursprüngliche Antheil,
+welchen die Provinzen von Luzon oder der Visaya's an jenem Handel
+nahmen. So war Manila fast bis in den Anfang unseres Jahrhunderts
+hinein ein Stapelplatz für die östlichen Producte, welche hier gegen
+das von Mexiko eingeführte Silber eingetauscht wurden.
+
+Schon die ersten Expeditionen, welche Carl V. ausgesendet hatte,
+fassten auch den Handel mit den neu zu entdeckenden Ländern in's Auge;
+wie sie selbst ja ursprünglich aus dem Wunsche entsprungen waren,
+die kostbaren Producte der Gewürzinseln, welche bis dahin nur auf dem
+Wege über Indien und Arabien ihren Weg nach Europa gefunden hatten,
+auf direktem Weg nach Spanien zu bringen und dadurch den Handel mit
+diesen zu monopolisiren. Alle höheren Officiere dieser Expeditionen
+hatten einen gewissen Antheil an der Befrachtung des Schiffes, und
+ebenso wurde ihnen eine bestimmte Tantième von dem Gewinn des Handels
+zugesichert, zu welchem die Regierung das ausschliessliche Recht
+zu haben glaubte. Was vielleicht ursprünglich nur eine vom Könige
+ergebenen Dienern geschenkte Gunst war, wurde nun bald ein Recht der
+Einzelnen, und so entstand allmälig die Form des Handelsverkehrs,
+wie er bis zum Jahre 1733 durch die Nao von Acapulco vermittelt
+wurde. Aller socialer Verkehr zwischen den Philippinen und Spanien
+fand, der durch die Demarcations-Linie gezogenen Richtung folgend,
+bis dahin über Acapulco statt, und alle Civilbeamten wie Soldaten und
+Priester, welche von hier aus mit der Nao alljährlich im Januar sich
+nach Manila hin einschifften, hatten ihren durch besondere Gesetze
+bestimmten Antheil an der Befrachtung des Schiffes, welches gewöhnlich
+im Juli Manila verliess. Der Gehalt dieser Schiffe war durchschnittlich
+1200-1500 Tonnen. Die Regierung befrachtete wohl immer den grössten
+Theil des Schiffes; was sie übrig liess, wurde in Theile getheilt,
+welche den Beamten, den in Manila ansässigen Wittwen derselben und den
+Clerigo's, d. h. den Weltgeistlichen gegeben wurden mit dem Rechte,
+ihren Theil frei von Kosten zu laden. Da aber diese Leute selten nur im
+Besitze hinreichender Capitalien waren, um auf eigene Rechnung Handel
+treiben zu können, so verkauften sie die Scheine, die sogenannten
+"boleta's", an die eigentlichen in Manila ansässigen Kaufleute oder
+Gesellschaften um einen mitunter recht hohen Preis. Die von Acapulco
+zurückkehrende Nao brachte dann ausser dem durchschnittlich etwa 2
+Millionen Dollars betragenden Baarvorrath den Soldaten und Priestern
+noch Cochenille, Weine und Süssigkeiten aus Spanien. Fast das ganze
+17. Jahrhundert hindurch scheint der Handel in dieser Weise geführt
+worden zu sein. Zu den natürlichen Schwierigkeiten eines solchen
+Systemes kam nun bald auch die Rivalität von Cadix und Sevilla, deren
+Ausfuhr europäischer Industrieproducte nach America hin sehr durch
+die Concurrenz mit den chinesischen Seidenzeugen und Baumwollenwaaren
+vermindert worden war. Drückende Bestimmungen hinderten noch mehr die
+Entwickelung des Handels von Manila, als es so schon der Zwang that,
+alle Speculationen auf eine Karte, die glückliche Fahrt der Nao von
+Acapulco zu setzen. Bald auch drängte die zunehmende Wichtigkeit des
+holländischen und englischen Handels zum Aufsuchen eines direkteren
+Weges, besonders, weil allmälig auch die Landesproducte namentlich
+Zucker, Indigo und Baumwolle zu Ausfuhrartikeln wurden: und so entstand
+im Jahre 1733 [5] die Real Compañia de Filipinas, welche das Privilegium
+des Handels zwischen Spanien, den östlich vom Cap der guten Hoffnung
+liegenden Ländern und Manila auf 25 Jahre erhielt. Das Capital dieser
+Gesellschaft, welcher der Handel mit Amerika untersagt war, betrug
+4 Millionen Dollars. Als dann 1785 die Gesellschaft von Caracas ihr
+Ende erreichte durch Erlöschen ihres Monopoles wurden diese und die
+philippinische Gesellschaft unter dem alten Namen "Real Compañia
+de Filipinas" vereinigt, welche nun einen mehr und mehr zunehmenden
+direkten Handel nach Spanien mit einem Capital von 8 Millionen Dollars
+trieb. Auch ihr blieb der Handel nach Acapulco untersagt. Das 1788 von
+Manila auslaufende Schiff "La Concepcion" hatte ausser chinesischen
+Stoffen Indigo, Baumwolle und Sibucao an Bord, 1789 wurden in drei
+Schiffen von Landesproducten ausgeführt: Indigo 45,825 lbs., Sibucao
+3550 lbs., Baumwolle 29 Ballen, Zucker 1200 lbs., Perlmutterschalen
+12,740 lbs., Wachs 1000 lbs. und einige andere Sachen mehr. Mehr und
+mehr gerieth nun der Handel von Acapulco in Verfall. Ohne ganz mit den
+alten Traditionen der monopolisirenden Schutzzollpolitik zu brechen,
+sah sich doch im Anfang dieses Jahrhunderts die spanische Regierung
+genöthigt, sowohl den Fremden Theilnahme am Handel der Compania
+de Filipinas zu gestatten, als den Hafen von Manila den fremden
+Schiffen zu öffnen. Schon 1789 war nichtspanischen Schiffen der
+Import europäischer Waaren für einen Zeitraum von 3 Jahren gestattet
+worden. 1809 wurde das erste englische Haus in Manila etablirt, 1814
+das Niederlassungsrecht allen Fremden gegeben. Und als nun endlich
+durch die Abtrennung der amerikanischen Besitzungen vom Mutterlande
+der Handel von Acapulco seinen Todesstoss erhielt, zugleich aber
+auch die Menge der neuen englischen Häfen an der östlich-asiatischen
+Küste von Singapore nach Shanghai hinauf geöffnet wurden, welche
+den Verkehr zwischen den zwei grössten handeltreibenden Nationen
+der Erde direkt vermittelten; da verlor Manila seine Anziehungskraft
+als Stapelplatz für die asiatischen Waaren gänzlich. Was in früheren
+Zeiten vielleicht für die ganze Colonie ein grosses Unglück gewesen
+wäre, konnte jetzt nur segensreiche Erfolge haben; denn nun wurde die
+hauptsächlich von den Fremden entwickelte Energie im Handel der nächste
+Anlass zur raschen Ausbildung der natürlichen in dem überreichen Boden
+dieser Inseln liegenden Hülfsquellen des Landes selbst. Auch fanden
+sich die Bewohner der Provinzen zur Steigerung ihrer Thätigkeit
+hinreichend vorbereitet. Langes Zusammenleben mit den Europäern,
+mit denen sie sich theilweise zu Mischlingsracen verbunden hatten,
+und der allerdings oft unterbrochene Verkehr mit den Chinesen, diesen
+Engländern des Ostens, hatte den Eingebornen allmälig grössere
+Bedürfnisse eingeimpft, als sie im Anfang gehabt hatten. Der
+grosse Luxus im Bau der europäischen Häuser, die Pracht, welche
+die einzelnen Dorfschaften bei ihren festlichen Aufzügen und in der
+Kirche zu entfalten suchten, die immer mehr zunehmende Neigung zu
+prächtigen Gewändern und glänzendem Schmuck--alle diese und noch
+manche andere Ursachen steigerten die Bedürfnisse der Bewohner
+und erhöhten allmälig auch wohl ihre Arbeitskraft. Auf der andern
+Seite hatten von jeher die Regierung oder vielmehr die einzelnen
+Beamten des Landes die Thätigkeit ihrer Untergebenen künstlich zu
+erhöhen versucht. Ein jeder tributpflichtige männliche Bewohner wurde
+gezwungen, alljährlich 40 Tage im Dienste der Regierung zu opfern; es
+wurden diese sogenannten "polistas" zum Bau der öffentlichen Strassen
+und Brücken, der Tribunale und andern Regierungsgebäude verwendet. Der
+Bau des Tabacks und Handel mit demselben, ursprünglich gänzlich frei,
+wurde 1782 Monopol der Regierung, die die Anpflanzung desselben in
+einigen Provinzen untersagte, in anderen dagegen mit solchem Eifer
+betrieb, dass den Bewohnern dieser Provinzen fast zu gar keiner
+anderen Beschäftigung mehr Zeit blieb. Trotz des scheinbar Gehässigen
+solcher Zwangsmassregeln haben doch diese Tabacksprovinzen sich zu
+grossem Reichthum emporgeschwungen, der sich namentlich in ihren
+oft mit europäischem Luxus ausgestatteten Tribunalen [6] zu erkennen
+gibt. Bis vor nicht gar langer Zeit war es noch den Gouverneuren und
+den Alcalden der Provinzen gestattet, Handel zu treiben. Wenn auch
+diese Erlaubniss, verbunden mit der politischen Macht, welche in
+ihre Hände gelegt war, sie häufig zu weitgetriebenem Missbrauch der
+Arbeit der Eingebornen verleitet haben mag; so kann doch wohl kaum
+der Nachtheil den nothwendig damit verbundenen Vortheil überwogen
+haben. Gegen allzu starke und allzu lang fortgesetzte Bedrückung
+standen den Eingebornen immer die Priester als Widersacher jener
+Beamten zur Seite. Ohne das persönliche Interesse aber, welches den
+Gouverneuren durch den zu erwartenden Profit an der Entwickelung des
+Ackerbaues und des Handels gegeben war, würden sie sich schwerlich
+viel um die private Thätigkeit der Einwohner gekümmert haben;
+ja es ist anzunehmen, dass sie Alles gethan haben würden, um die
+Priester in ihren commerciellen Unternehmungen zu hindern, wodurch
+sie dann indirekt auch wieder die mit den Mönchen in Verbindung
+stehenden Bewohner mehr oder minder geschädigt hätten. Die durch
+die politische Stellung der Mönche und der Beamten leicht erzeugte
+Uneinigkeit endigte nun auf dem commerciellen Gebiete häufig in einem
+Compromiss, aus welchem beiden Theilen ein sicherer Verdienst erwuchs,
+während andererseits die Bewohner von der geistlichen wie weltlichen
+Localbehörde zu immer grösserer Thätigkeit angespornt wurden. Es
+war also wenigstens im Anfang der Occupation diese den Lehnsherren
+zuerst und nachher den Gouverneuren gegebene Erlaubniss sicherlich
+ein wichtiges Mittel zur Vermehrung des nationalen Reichthums. Als
+nun endlich bei mehr und mehr zunehmender christlicher Bevölkerung
+das freie und zum Ackerbau vorwiegend günstige Land der Ebenen und
+Thäler immer seltener wurde und zugleich der Werth des schon in Besitz
+genommenen Landes immer höher stieg, konnten nun die Eingebornen
+nicht mehr das frühere, wie es scheint, allgemein übliche System der
+"cainines" anwenden; vielmehr mussten sie nun das alljährlich mit
+Reis bepflanzte Feld besser bearbeiten, als es bei jenem System nöthig
+gewesen war, oder bei der Ausnutzung ihrer Zuckerplantagen europäische
+Maschinen einführen, um durch gesteigerten Verdienst den wachsenden
+Lebensbedürfnissen genügen zu können. Nun kam die mächtige Anregung,
+welche durch die Einwanderung nichtspanischer Europäer gegeben wurde,
+nicht mehr unzeitgemäss. Dass es in der That wohl zum grössten Theil
+der Einfluss der Kaufleute angelsächsischer Race war, welchem das
+rasche Wachsen der Ausfuhr einheimischer Producte zu verdanken ist,
+geht unwiderleglich aus folgenden Zahlen hervor. Im Jahre 1810, also
+ein Jahr nach Etablirung des ersten englischen Hauses, betrug die
+Ausfuhr nur 500,000 Dollars, die Einfuhr dagegen 900,000 Dollars. Im
+Jahre 1841 betrug der Gesammtumsatz über 5 1/2 Millionen Dollars und
+in demselben Jahre schon hatten englische und amerikanische Häuser
+mehr als 55 Prozent des Handels in Händen. In diesem Jahr überstieg
+die Ausfuhr die Einfuhr schon um nahe 1 1/2 Millionen Dollars. 1863
+betrug der Gesammthandel schon mehr als 16 Millionen Dollars, der
+Export fast 9 Millionen. Jetzt ist die Zeit eines gesunden Handels
+gekommen. Zwar mögen immer noch monopolistische Neigungen oder
+schutzzöllnerische Vorurtheile der Spanier dem fremden d. h. nicht
+spanischen Handel allerlei Hindernisse in den Weg zu legen versuchen,
+und so den Verkehr auf einer niedrigeren Stufe erhalten, als vielleicht
+nach den im Boden vergrabenen Reichthümern des Landes zu erwarten
+wäre. Aber es sind doch endlich die Philippinen ganz und voll in
+die Reihe der producirenden und damit auch consumirenden Länder
+getreten. Nun erscheinen Manila--und mit ihr die anderen seit einigen
+Jahren geöffneten Häfen--nicht mehr als Entrepotplätze für einen
+nur durch zufällige Umstände oder künstlich dem Handel aufgedrängte
+Richtungen hervorgerufenen Austausch der Waaren fremder Nationen;
+sondern als die natürlichen Ausfuhrhäfen eines von der Natur auf's
+Reichste ausgestatteten Landes.
+
+Aber es würde das Bild, welches wir so von dem Einfluss der Spanier
+und der modernen Zeit zu entwerfen gesucht haben, wesentlich
+unvollständig bleiben, ja vielleicht sogar seines auffallendsten
+Lichtes--oder Schattens?--entbehren, wollten wir hier nicht auch noch
+einer Einwirkung gedenken, bei welcher sich geistige wie materielle
+Momente vereinigten, um ein gemeinsames Resultat zu erzielen. Wir
+meinen die theils durch die Spanier, theils durch die Chinesen
+hervorgebrachten Mischlingsracen. Schon in den ersten Jahren der
+Occupation fanden Heirathen zwischen Spaniern und Frauen von Cebú und
+Manila statt. Zahlreiche Beamte--Soldaten wie Civilbeamte--liessen
+sich im Laufe der Jahre hauptsächlich in Manila nieder. Durch ihre
+Heirathen untereinander und mit den Eingebornen entstand theils die
+Classe der sogenannten Hijo's del Pais, den von 2 ganz spanischen
+Eltern stammenden Kindern ungemischten Blutes, und die eigentlichen
+Mestizen, in deren Gesichtszügen die meist tagalische Mutter immer
+einige Spuren ihrer Race zurückliess. Zahlreicher aber und an manchen
+Orten auch durch ihre grosse Strebsamkeit wichtiger sind die aus der
+Vermischung der Malaien und Chinesen hervorgegangenen Mischlinge,
+die sogenannten Mestizos de Sangley, welche unter dem Einflusse der
+aus Europa eingeführten Cultur und angetrieben durch die ihnen von
+väterlicher Seite her mitgegebene Rührigkeit bald einen Einfluss im
+commerciellen Verkehr des Landes erlangten, der dem der spanischen
+Mestizen gewiss völlig gleichsteht. Leider ist aus den alljährlich
+in Manila publicirten Zählungen nicht zu sehen, wie viele spanische
+Mestizen dort leben, und ebenso leidet gewiss auch jede Angabe über die
+Menge der chinesischen Mestizen an demselben Mangel, wie er überhaupt
+dem dort geübten System der Zählung nach Tributos anklebt. Nach dem in
+der "Guia de forasteros" für 1864 publicirten Census würden sich in
+den 3 Provinzen Manila, Cavite und Pampanga fast 45,000 chinesische
+Mestizen befinden, gegen eine einheimische Bevölkerung von etwa
+226,000 tributpflichtigen Individuen. Es lässt sich hieraus schon
+der grosse Einfluss entnehmen, den jene thätige und intelligente Race
+auf den Verkehr sowohl wie auf den Geist des Volkes üben muss; noch
+bezeichnender aber ist in der ersten Richtung wohl das Factum, dass
+das grösste Bankgeschäft in Manila, das Haus Tuason, einen Chinesen
+zum Begründer hatte und auch bis jetzt immer in den Händen seiner
+Kinder und Kindeskinder geblieben ist, die er mit einer Tagalin oder
+Mestizin erzeugt hatte. Alle diese Mischlinge zeichnet aber nicht blos
+die grössere körperliche Rührigkeit, das Bedürfniss nach Ansammlung von
+Reichthum, grössere und edlere Genussfähigkeit aus, als sie den rein
+malaiischen indolenten Eingebornen eigen zu sein pflegen; sondern
+auch in intellectueller Beziehung stehen sie weit über ihnen. Es
+dürfte schwer sein, in dieser Classe Individuen zu finden, welche
+nicht des Lesens und Schreibens kundig wären. Das ihnen innewohnende
+Bedürfniss nach höherer geistiger Ausbildung spricht sich in den von
+Tag zu Tag sich mehrenden Reisen nach Europa aus, wohin selbst häufig
+schon die Kinder in zartem Alter geschickt werden, um sich so viel als
+möglich europäische Sprachen und Bildung anzueignen. Neben dem, für
+den Reisenden wohlthuenden Gefühl höherer Selbstachtung, als sie die
+Tagalen oder Visaya's zur Schau tragen, hat sich endlich auch bei ihnen
+das Bewusstsein, einem Stamme anzugehören, entwickelt, so dass eine
+schwache Spur politischen Lebens--soweit solches überhaupt in dieser
+ganz von Spanien aus regierten Colonie möglich ist--sich wenigstens
+in dem Interesse ausspricht, mit welchem die intelligenteren Mestizen
+des Landes an der Ausbildung mancher gemeinnütziger Institutionen des
+Landes und ganz besonders der Hauptstadt theilnehmen. Ja, es scheint,
+als ob das Bedürfniss nach grösserer politischer Selbständigkeit und
+nach Selbstregierung, das offenbar in der Classe der Mestizen stark
+verbreitet ist, vielleicht mit der Empörung des Militairs im Jahre
+1823 zusammenhing. Die militärischen Leiter der Erhebung des 2. Juni
+waren 2 in Manila geborne Offiziere niedrigen Grades. 4 Monate früher
+schon hatte die Regierung Nachricht erhalten von einer Verschwörung
+und in Folge der Untersuchung eine Anzahl in Manila geborener Spanier
+sowie einige hervorragende Mestizen als Gefangene nach Spanien
+geschickt. Unter letzteren befand sich D. Domingo Rojas, ein Mann,
+dessen Familie noch heute in Manila und in den tagalischen Provinzen
+durch Talente und grosse Reichthümer ausgezeichnet dasteht und grossen
+Einfluss besitzt. Bei dem in Spanien sowohl von der Regierung wie von
+den einzelnen Männern seit jeher geübten System der Verheimlichung und
+Verschönerung darf es nicht Wunder nehmen, wenn in den Erzählungen über
+diese und ähnliche Vorfälle, wie sie spanische Autoren enthalten, Alles
+verschwiegen wird, was der Regierung oder der spanischen Nation etwa
+zum Nachtheil ausgelegt werden könnte. Es geht denn auch in Manila
+selbst nur ein dumpfes Gerücht von der Betheiligung der Mestizen
+an jener Revolution; und nur selten deuten unbedachte Aeusserungen
+eines mit den dortigen Verhältnissen vertrauten Mannes an, dass die
+stärksten Widersacher des spanischen Regiments die Mestizen sind und
+die "Hijos del pais".
+
+Für einen Spanier, dessen Wunsch vor Allem ist, die Colonie dem
+Mutterlande wie eine zu melkende Kuh zu bewahren, mögen wohl die
+Mestizen als gefährliche, oder wenigstens nicht zu missachtende
+Gegner erscheinen. Dennoch ruht auf ihnen die Hoffnung des
+Landes. Eine Einwanderung zahlreicher Europäer, die das Land--wie
+es die Engländer in Neu-Seeland und Australien gethan haben--in ein
+europäisches verwandeln würde, ist vorläufig wenigstens undenkbar. Der
+europäische Ackerbauer würde hier den Kampf um's Dasein nicht
+durchfechten können. Der reine Malaie lebt aber heute noch fast
+ebenso, wie früher, ohne Bewusstsein erhöhter persönlicher Würde,
+ohne Interesse an dem gemeinsamen Geschicke des Landes. Sollte ein
+unglücklicher Umstand dem Lande die politische Freiheit geben und
+die Macht zerstören, welche allein durch Jahrhunderte hindurch im
+Stand war, die Bewohner zur Annahme höherer Cultur zu zwingen, so
+würde trotz des Christenthums und der Pfaffen und trotz der Sympathie
+zwischen Spaniern und Malaien augenblicklich ein Zerfall in das alte
+Clan-Wesen eintreten, das ja noch bis auf den heutigen Tag in der
+bürgerlichen Ordnung fortlebt. Dies könnte nur die kräftige Hand
+eines neuen Besitzers und Herrschers verhüten. Und es liegt in der
+Natur des Entwickelungsganges unserer Zeit begründet, dass dann an
+jene Mestizenrace die Aufgabe heranträte, dem Untergang des blühenden
+und zu noch grösserer Blüthe berufenen Gemeinwesens mit kräftiger
+Hand zu steuern. Hoffen wir, dass ein solches Experiment dem Lande
+nicht bevorstehen möge in Folge des Kampfes, der sich jetzt abermals
+zwischen den Parteien Spanien's erhoben hat.
+
+
+
+
+
+Anmerkungen.
+
+
+I. Skizze.--Vulcane.
+
+
+_Anmerkung_ 1. In Bezug auf diesen, sowie die philippinischen Vulcane
+überhaupt herrscht in den Handbüchern und Atlanten noch bedeutende
+Unsicherheit. Ich will versuchen, diese durch eine Zusammenstellung
+der Angaben früherer Autoren und meiner eigenen Beobachtungen zu
+zerstreuen, soweit dies überhaupt möglich ist.
+
+Ich beginne mit den Vulcanen von Mindanao. Derjenige, über dessen
+Vorhandensein und Lage sich gar kein Zweifel erheben kann, ist der
+Vulcan von _Serangani_, welcher auf der am Meisten nach Süden hin
+vorspringenden Halbinsel gleichen Namens liegt in 5° 45' N. Br. nach
+der Karte von Morata. Die erste geographische Bestimmung ist allerdings
+durch den P. Murillo geliefert (1749), er gibt auf der von D. Nicolas
+de la Cruz Bagay gestochenen Karte--die ich im Original besitze--die
+Lage desselben ziemlich genau an, aber _keinen Namen_. Berghaus sagt
+(Geo-hydrograph. Memoir von den Philippinen 1832 pag. 62), dass dieser
+Vulcan Sanguili heisse, ich weiss nicht, ob bloss auf die Autorität von
+L. v. Buch gestützt (Canarische Inseln p. 376), den er dabei citirt,
+oder weil er in dem Nachdruck der Murillo'schen Karte, deren Original
+er selbst nicht gesehen (l. c. pag. 2), jenen Namen bemerkt hat. War
+das Letztere der Fall, so muss von Moritz Lawitz, welcher die Copie
+der Karte 1760 bei Homann's Erben in Nürnberg herausgab, der Name
+"Sanguili" nach eigenen Quellenstudien hinzugefügt sein; denn er findet
+sich nicht im Original. Auf dieser Karte ist nur der einzige Vulcan von
+Serangani angegeben, die beiden andern fehlen. Die einzige Stelle in
+dem Werke des P. Murillo, welche sich auf den Vulcan Sanguil bezieht,
+findet sich pag. 124, wo er sagt: "_En Sanguil_, que esta en la parte
+meridional de Mindanao, hay un Vulcan, de que los Mindanaos sacaban
+azufre para hacer polvora". Nach der Karte nun diese Stelle zu deuten,
+also den im Text angegebenen Namen auf den in der Karte gezeichneten
+Vulcan zu beziehen, war damals wohl natürlich, aber doch wurde damit
+wohl ein Irrthum begangen. Ich schliesse nemlich aus der Bemerkung,
+dass die Mindanaos aus jenem Vulcan Schwefel holten, um Pulver zu
+machen, dass von P. Murillo nicht der Serangani, sondern der Vulcan
+von Pollok gemeint war, denn die Bewohner von Serangani werden nie als
+_Mindanaos_, sondern immer nur als Moros von _Buhayen_ (Buajan, Bayan
+etc.) bezeichnet. Vor Allem aber bestärkt mich in dieser Meinung die
+Ueberzeugung, dass die Quelle, aus welcher wahrscheinlich wohl der
+Jesuit Murillo 1749 geschöpft hat, das Werk des dem gleichen Orden
+angehörenden P. Combes (Historia de las Islas de Mindanao, Jolo etc.,
+Madrid 1667) war. Diesem war keine Karte beigegeben. Aber im Texte
+spricht er ganz deutlich von 2 verschiedenen Vulcanen. Er sagt pag. 8:
+"El antiguo de Sangil, _jurisdiccion del Mindanao_" und etwas weiter
+ebenda: "Otro (vulcan) manifesto el horrendo estrago, que con pauor y
+miedo de todo este Archipielago hizo una montana, en la _jurisdiccion
+del Rey de Buhayen_". Diese Stelle ist beweisend. Murillo hat also
+das Versehen gemacht, im Text nur von dem bei Mindanao d. h. bei
+dem jetzigen _Pollok_ liegenden Vulcan zu sprechen, welcher auf
+der Karte ausgelassen wurde; und er hat ferner die Geschichte des
+Ausbruchs vom Januar 1640 (nach Combes) oder 1641 (nach Murillo),
+die wegen der Gefahr, in welcher sich während desselben ein nach
+Ternate segelndes spanisches Geschwader befand, für die Spanier
+besonderes Interesse hatte, fälschlich auf den Sanguil bezogen,
+während Combes ausdrücklich erwähnt, dass es der Vulcan im Gebiete
+des Königs von _Buhayen_ gewesen sei. Der P. Chirino in seiner 1604
+erschienenen Historia de Philipinas erwähnt die Vulcane gar nicht;
+das Werk des Oidor Morga (1609) habe ich bis jetzt noch nicht einsehen
+können. Alle späteren spanischen Autoren haben von Combes oder Murillo
+einfach abgeschrieben und nur selten eine, vielleicht noch dazu falsche
+Notiz hinzugefügt. Wir finden in ihnen nur die zwei Vulcane erwähnt.
+
+
+
+So wäre die Sache ziemlich klar. Nun kommen aber die späteren Reisenden
+hinzu, nemlich Forrest (1779), Sonnerat (1770), Dampier (1686),
+Carteret (1767) und endlich Compilatoren wie Le Gentil, Mallat und
+L. v. Buch. Des Letzteren durchweg irrthümliche Angaben sind theilweise
+schon von Berghaus in seinem trefflichen "Geo-hydrographischen Memoir"
+berichtigt; und sie sind so unzuverlässig, so gänzlich ohne alle Kritik
+und Quellenstudium gemacht worden, dass ich es in der That für völlig
+überflüssig halte, hier weiter auf Buchs Angaben einzugehen. Wohl
+aber handelt es sich noch um Feststellung der ersten Angaben über den
+Vulcan von Davao. Dieser liegt nach meinen eigenen Beobachtungen auf
+etwa 7° 0' N. Br., was mit der Angabe auf Morata's Karte vollkommen
+stimmt. Die spanischen Geschichtsschreiber erwähnen ihn gar nicht,
+wie schon angegeben. Forrest scheint ihn zuerst gesehen zu haben; denn
+obgleich der Vulcan von Serangani ebensoweit westlich von Pundaguitan
+oder Cap S. Agustin liegt, wie der Vulcan von Pollok, so ist doch
+die weitere Angabe (Forrest, A Voyage to New Guinea pag. 286--nicht
+pag. 271 wie Buch citirt--), der Vulcan liege im District von _Kalaga_
+(Caraga) sicherlich nicht auf den von Buhayen zu beziehen, da das
+Terrain des Königs von Buhayen niemals zum District Caraga gerechnet
+worden ist. Ausserdem stimmt die in Buch's Werke für Forrest's Vulcan
+angegebene Breite von 6° 45' N. viel besser mit dem von Davao, als
+mit dem von Serangani, in 5° 45' N. Br. Den letzteren hat er gar
+nicht gesehen, wohl aber den von Pollok, auf welchen schon Berghaus
+(l. c. p. 62) mit Recht die meisten Angaben Forrest's bezieht. Carteret
+hat nur den Serangani gesehen, welchen Berghaus fälschlich Sangil
+nennt. Sonnerat spricht auch von einem Vulcan von Mindanao, den
+Berghaus mit dem von Carteret gesehenen Vulcan, dem Serangani,
+identificirt. Woher Buch die Breitenangabe von 5° 45' N. Br. nimmt,
+welche er dem Sonnerat'schen Vulcan gibt, ist mir unklar; Sonnerat
+selbst gibt gar keine Breitenbestimmungen an. Aus der Beschreibung
+des letztgenannten Reisenden, welcher über das Ende seiner Reise
+absichtlich ein romantisches Dunkel verbreitet, lässt sich vielleicht
+mit einiger Sicherheit schliessen, das er gar nicht den Vulcan von
+_Mindanao_, sondern den der Insel Sanguir im Süden der Serangani-Inseln
+gesehen hat. Jedenfalls aber hat er den Vulcan von Davao nicht
+gesehen. Nun finden sich aber in Mallat (Les Iles Philippines 1843)
+Angaben, freilich ohne zu sagen, woher er diese nimmt, welche wieder
+einigen Zweifel darüber aufkommen lassen, ob der Vulcan von _Pollok_
+und der von _Davao_ nicht vielleicht ein und derselbe Berg sind. Er
+spricht auch, aber so bestimmt, von dem in Sugud Bayan-Serangani,
+dass wir diesen ganz vernachlässigen können. Er gibt nemlich (pag. 93)
+dem Vulcan von Pollok, dessen Lage er durch verschiedene wohlbekannte
+Ortschaften, wie Brass, Ibus, Bunwut etc. bestimmt, an, dass er im
+District Kalagan liege, "qu'on aperçoit de l'île Bunwut placée dans
+la baie de _Tagloc_". Diese letztere ist aber die Bucht von _Davao_,
+und wenn Mallat, für seine Angabe noch einen andern Gewährsmann,
+als Forrest hatte--welcher Letztere auch die Insel _Bunwut_ in der
+Bucht von _Tagloc_ beschreibt--, so wäre daraufhin einiger Zweifel
+an der Verschiedenheit der beiden Vulcane gestattet. Doch muss ich
+gestehen, dass ich eher an ein Versehen dieses Compilator's glaube,
+der selbst nicht in Mindanao gewesen zu sein scheint.
+
+Gänzlich apokryph ist der Vulcan _Ambil_ bei Luzon. Berghaus gibt in
+seinem Memoir nur 3 Citate hierfür, Buch's Canarische Inseln, Plant's
+Polynesien und Allgem. Historie der Reisen zu Wasser und zu Lande
+XI, 406. Die beiden ersten Werke haben mich auf keine frühere Angabe
+zurückgeführt; das dritte konnte ich nicht zu Rathe ziehen. Uebrigens
+bezweifle ich die Richtigkeit; denn in _keinem der alten spanischen
+Autoren_, die ich bis jetzt habe einsehen können, findet sich auch nur
+die geringste Andeutung, dass der Berg von Ambil in geschichtlicher
+Zeit eine Eruption gehabt habe. Bei der Lage so nahe am Eingange des
+Hafens von Manila hätten Murillo, Juan de la Concepcion, Martinez de
+Zuniga und Andere gewiss nicht versäumt denselben anzugeben.
+
+In Bezug auf die ebenfalls apokryphen Vulcane von Siquijor und Aringay,
+sowie auf den gänzlich in Vergessenheit gerathenen von Joló verweise
+ich auf den Text und die weiteren Zusätze.
+
+_Anmerkung 2_. S. Darwin, Geological Observations on Coral Reefs
+Volcanic Islands and on South America. London 1851--mit der vor dem
+Titelblatt eingehefteten Karte.
+
+_Anmerkung 3_. Auf den neueren spanischen Karten wird diese Bahia
+de Tagloc immer nur Meerbusen von _Davao_, nach der Hauptstadt des
+jetzigen Districtes Vergara genannt. Es schneidet diese Bucht viel
+weiter nach Norden in das Land ein, als auf den meisten Karten,
+selbst auf der von Morate-Coello, angegeben wird. Ich erreichte im
+Jahre 1864 im Thal des Flusses Agusan die Breite von 7° 40' und konnte
+von hier aus deutlich die im Meerbusen von Davao liegende Insel Samal
+in ungefähr 30 Seemeilen Entfernung sehen, so dass das nördliche Ufer
+der Bucht kaum 20 Seemeilen von mir entfernt liegen konnte. Dies gibt
+der Ausdehnung derselben von Nord nach Süd die Länge von 1° 20',
+da das Cap S. Agustin ungefähr auf 6° N. Br. liegt. Dies erklärt
+einen Irrthum, von dem ich nicht weiss, ob er durch die Geographen
+schon aufgeklärt wurde. Dampier spricht von einer Insel S. Juan,
+welche Berghaus auf der seinem "Geo-hydrographischen Memoir von
+den Philippinen 1832" beigegebenen Karte auch zeichnet. Diese
+Insel existirt in der That gar nicht, und es ist die Deutung,
+welche James Burney (s. Berghaus l. c. pag. 94) der Beschreibung
+Dampier's gegeben hat, völlig richtig. Bei der grossen Breite und
+Länge der Bucht von Davao muss diese allerdings dem Seefahrer, der
+um das Cap S. Agustin herumfährt, wie eine jenen östlichen Theil von
+dem eigentlichen Mindanao abtrennende Meerenge oder Canal erschienen
+sein. Doch ist wahrscheinlich wohl der Irrthum blos durch ein falsches
+Quellenstudium von Seiten Valentyn's entstanden. Die älteren spanischen
+Autoren sprechen nemlich nicht blos von einer "Isla S. Juan", sondern
+auch von einer "Isla de _Butuan_, de _Caraga_" u. s. w., ohne dass
+sie selbst jedoch die Isolirung der genannten Punkte durch das Wort
+isla = Insel andeuten wollen. Endlich wird von den Eingebornen noch
+heutigen Tages nicht die ganze Insel mit dem Namen Mindanao bezeichnet,
+sondern nur der centrale die beiden grossen Seen enthaltende Theil
+derselben, welcher von dem Rio Grande durchströmt wird und in dessen
+weitausgedehnter Ebene der Sultan von Mindanao sein Reich gegründet
+hatte. Bei allen alten Schriftstellern sind Mindanao, Buhayen, Caraga,
+Zamboanga u. s. w. schroffe Gegensätze; und es ist leicht denkbar,
+dass Dampier, Valentyn u. A., die des Spanischen nicht mächtig waren,
+sich durch die etwas unklare Ausdrucksweise der Eingebornen wie der
+alten spanischen Schriftsteller täuschen liessen. Auf der Karte des
+P. Murillo Velarde fehlt die Insel S. Juan gänzlich. (Historia de la
+Compania de Jesus, 1749.)
+
+_Anmerkung 4_. Da ich wünsche, dass meine so mühsam gesammelten
+Erfahrungen bald anderen Reisenden zu Gute kommen mögen, so erlaube
+ich mir hier darauf aufmerksam zu machen, dass eine erfolgreiche
+Untersuchung Mindanao's nur am Besten von Butuan aus vorgenommen
+werden könnte. In diesem christlichen Dorfe, oder noch besser in dem
+schon ganz im Sumpfgebiete des Agusan liegenden Dorfe Linao würde der
+Naturforscher seine Hauptstation zu nehmen haben. Von hier aus würde er
+nach allen Richtungen in das Innere von Mindanao ungehindert--soweit
+ihn eben seine eigne Klugheit und Energie tragen--vordringen können
+bis an jenen schmalen von Muhamedanern eingenommenen Küstengürtel
+heran, welchen man von dem Meere aus nur sehr schwer durchbricht. Der
+Vulcan von Davao würde zwar bequemer von Davao selbst, dem Sitze eines
+Militair-Gouverneurs, zu erreichen sein; aber dennoch eignet sich
+meiner Erfahrung nach das Land der Manobo's vom Agusan--oder Linao
+und Butuan--besser zum Ausgangspunkt, da dem Reisenden von hier aus
+das Vordringen nach allen Radien hin ermöglicht wird, während ihm von
+Davao aus eine ganz bestimmte Route vorgeschrieben wäre. Ausserdem
+ist eine Communication von Davao aus mit Manila, Cebú oder selbst
+Zamboanga nur sehr schwer möglich; während der Reisende in Butuan
+immer Gelegenheit in kleinen Booten findet, die ihn ohne alle Gefahr
+nach Cebú in wenig Tagen bringen können.
+
+_Anmerkung 5_. Man findet auf allen Karten einen Vulcan auf
+Siquijor--oder Isla de Fuegos--angegeben, der entschieden nicht
+vorhanden ist. Sollte vielleicht der Vulcan von Negros Grund zu
+solchem Irrthum gegeben haben?
+
+_Anmerkung 6_. In Bezug auf die Angaben über die Ausbrüche der
+verschiedenen Vulcane der Philippinen finden sich einige Widersprüche
+in älteren Werken. Auf diese werde ich vielleicht in meinem Reisewerke
+zurückkommen. Ganz unerklärlich bleibt mir aber die Auslassung des
+Ausbruches eines Vulcanes dicht bei Joló, obgleich die beiden Berge,
+welche mit jenem zugleich zum Ausbruch gekommen sein sollen, nemlich
+der Aringay und der Serangani, in Buch's Werk über die canarischen
+Inseln, in den Atlanten und Handbüchern ausnahmslos aufgenommen worden
+sind. Alle Angaben der späteren Schriftsteller, von Mallat, Chamisso,
+Juan de la Concepcion etc. lassen sich zunächst auf die eine Quelle
+des P. Murillo Velarde, dessen Geschichte der Philippinen 1749 edirt
+wurde, zurückführen. Dieser Autor sagt pag. 124 "Todo nacio de aver
+rebentado à un mismo tiempo tres Vulcanes, uno en Sanguil, otro en
+_Joló_, y otro en los Ygolotes de Ylocos". In dem 1604 erschienenen
+Werke des Padre Chirino "Historia de las Islas Philipinas" finden sich
+gar keine Angaben über die Vulcane, und P. Combes erwähnt (1667) wohl
+den Vulcan Sangil und den von Buhayen oder Serangani, aber nicht den
+von Joló. Will man aber den späteren Angaben des P. Murillo keinen
+Glauben schenken, bloss desshalb, weil die älteren uns zu Gebote
+stehenden Autoren nichts darüber sagen, so muss man vor Allem auch
+den Vulcan von Aringay gänzlich streichen. Das Werk des D. Antonio de
+Morga, welches vielleicht noch einige Nachrichten enthalten könnte,
+habe ich mir bis jetzt nicht zu verschaffen vermocht.
+
+_Anmerkung 7_. In der zu Manila 1859-60 herausgegebenen Ilustracion
+Filipina liest man 1860 Nr. 11 pag. 121 die Bemerkung, es rühre
+der Name Bonbon von einem Negerdorfe gleichen Namens her, welches
+am Ufer des Sees gewesen sein soll. Woher diese Notiz stammt, ist
+mir unbekannt.
+
+_Anmerkung 8_. Dieser nach der Karte von Coello sehr tiefe
+See--an einigen Stellen werden mehr als 100 Faden (600 Fuss) Tiefe
+angegeben--ist vom Meere nur durch eine sehr schmale kaum 2 Meilen
+breite niedrige und ganz aus trachytischem Tuff bestehende Landenge
+getrennt, welche von dem aus dem See Taal kommenden Fluss Pansipit
+durchströmt wird. Jetzt führt dieser letztere völlig oder fast ganz
+süsses Wasser; doch gehen allerdings die characteristischen Thiere
+und Pflanzen des brackigen Wassers weit höher hinauf, als es z. B. in
+dem Flusse Pasig der Fall ist. Auch das Wasser des Sees selbst ist, in
+einiger Entfernung von der Insel, auf welcher sich der Vulcan findet,
+fast ganz süss; aber die älteren spanischen Autoren sprechen geradezu
+von einer "laguna de agua salada" (Gaspar de S. Agustin, Conquistas
+de las Islas Filipinas 1698 pag. 253) und erwähnen ausdrücklich,
+dass es in ihnen gute Thunfische gäbe, obgleich sie doch nicht so gut
+sein sollten wie die von Spanien. In der "Mapa General de las Almas
+que administran los PP. Agustinos", Manila 1845, werden ausdrücklich
+Meerfische als in ihr vorkommend erwähnt, nemlich "moros" (diesen
+Fischnamen finde ich in meinen spanischen Wörterbüchern nicht)
+und "tiburones" oder Haifische; ferner auch "salmonetes" (Mullus
+sp.). Ich selbst habe keinen dieser Fische darin gefunden; doch will
+ich kein Gewicht weiter darauf legen, da es mir nicht vergönnt war,
+trotz meines ziemlich langen Aufenthaltes in der Nähe des Sees und
+auf der Insel, die Fischfauna genauer zu untersuchen. In meinem
+Tagebuche angemerkt finden sich nur: Gobius 3-4 sp., verschiedene
+Percoiden, Toxotes jaculator und ein grosser Hemiramphus, welcher
+sich durch seinen Habitus sehr von den kleinen und schmächtigen
+hoch in den Süsswasserbächen der Insel bis über 800 Fuss Meereshöhe
+aufsteigenden Arten der Gattung unterscheidet, und vielleicht mit
+einer der dortigen meerbewohnenden Species identisch ist. Einer
+meiner Begleiter zeichnete mir in mein Tagebuch eine rohe Skizze des
+grossen Fisches, den sie "tiburon", Haifisch nennen, doch lässt sich
+aus ihr nichts Sicheres entnehmen; obgleich ich kaum zweifle, dass
+die Eingebornen mit ihrer Bezeichnung Recht haben, ich sah nemlich
+eines Tages mitten im See zwei grosse nicht weit von einander stehende
+Flossen von der charakteristischen Gestalt der Haifischflossen über
+dem Wasser emporragen, wie es bei den Haien zu sein pflegt, die sich
+an der Oberfläche des Wassers treiben lassen. Ausserdem soll, wie die
+Eingebornen sagen, ein Sägehai in diesem See--wie auch in der rein
+süsses Wasser enthaltenden Laguna de Bay--vorkommen. Es dürften diese
+Angaben jetzt um so weniger angezweifelt werden, als Peters in seiner
+trefflichen Arbeit über die Flussfische (Reise nach Mossambique IV,
+1868 pag. 7-9) sowohl eine Pristis wie eine Carcharias-Art in dem
+Fluss Zambeze bei Titte, etwa 120 Meilen von der Küste entfernt,
+gefangen hat. Ausser solchen Meerthieren finden sich nun auch noch
+Ampullarien, Melanien, Cyrenen, sowie auch eine Planorbis und ein
+Lymnaeus, und zwar alle am Ufer der Insel, an deren Umkreis zahlreiche
+heisse Schwefelquellen ausbrechen, welche bis auf weiten Umfang hin das
+Wasser erwärmen und trübe machen. Die Melanien gehen, wie es scheint,
+am Nächsten an diese heissen Quellen heran.
+
+_Anmerkung 9_. Der Erdboden der bevölkertsten und am Meisten angebauten
+Provinzen Luzon's--Batangas, Bulacan, Pampanga, Cavite, Manila--besteht
+durchweg aus trachytischem Tuff. Man schreibt diesem Umstande allgemein
+den reichen Ertrag der genannten Provinzen an Zuckerrohr und Reis zu.
+
+_Anmerkung 10_. Es existirt in der schon angezogenen, in Manila 1859
+edirten Ilustracion filipina eine recht gute Abbildung des Vulcanes,
+von Talisay gesehen, und eine andere des Kraters. Die erstere ist in
+das bekannte oberflächliche Touristenbuch von Sir John Bowring (A Visit
+to the Philippine Islands London, 1859) übergegangen, beide waren auch
+in der London Illustrated News abgedruckt. Die Abbildung von Choris
+in dem Voyage pittoresque ist von einer ganz anderen Seite aufgenommen.
+
+_Anmerkung 11_. Die Ehre der Entdeckung dieses Vulcanes gebührt meinem
+Freunde D. Claudio Montero, dem ebenso kenntnissreichen wie energischen
+Chef der jetzigen philippinischen Comision hidrografica. Wir verdanken
+ihm eine Reihe trefflicher nautischer Karten und Spezialpläne der
+philippinischen Inseln. Durch ihn auf den Vulcan aufmerksam gemacht,
+wurde es mir leicht, von Aparri aus an der bezeichneten Stelle die
+Rauchsäule desselben aufsteigen zu sehen. Obgleich die Entfernung
+dieses Dorfes von dem Vulcan keine sehr grosse ist, so schienen die
+Einwohner denselben doch gar nicht zu kennen; wenigstens konnte ich
+von ihnen gar keine genaueren Nachrichten über ihn erhalten. Mein
+Diener Antonio gelangte auf einer von ihm allein unternommenen Reise
+im Jahre 1861 bis an den Fuss desselben; und er erzählte mir, dass
+die dortigen Negritos diesen feuerspeienden Berg sehr wohl kennen, so
+dass an eine Täuschung durch ein von den Eingebornen etwa angezündetes
+Feuer nicht mehr gedacht werden kann.
+
+_Anmerkung 12_. Schon auf der Karte in dem Geschichtswerke des
+P. Murillo Velarde, die im Jahre 1749 erschien, finden sich diese
+"escollos Didica" (Didica-Klippen) der späteren spanischen Karten als
+"Farallones" d. h. spitze kleine Inseln, angegeben. Nirgends aber
+habe ich bis jetzt irgend eine Andeutung gefunden von geschichtlich
+stattgehabten Ausbrüchen eines Vulcanes an dieser Stelle. Diese Klippen
+sind wohl nichts anderes, als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines
+früheren Vulcans. Ganz ähnliche stehen jetzt noch etwas südlicher,
+sie sind auf den Karten bezeichnet als "escollos Guinapag". Das Wort
+"Guinapag" ist ein Compositum der Wurzel "gapag" d. h. ein trockener
+Fisch mit der Partikel "in".
+
+_Anmerkung 13_. Wie mir Herr Dr. Jagor, welcher ziemlich zu gleicher
+Zeit mit mir die südlichen Provinzen von Luzon, dann Samar und
+Leyte bereiste, versichert hat, finden sich in den von ihm besuchten
+Gegenden in der That unter den trachytischen Laven und Gesteinen auch
+Granit und Gneissfelsen. Ich will nun sicherlich nicht behaupten,
+dass an den von mir besuchten Orten durchaus keine primitiven
+Gesteine vorkommen, da ich als Laie in der Geologie zu einer solchen
+Behauptung kein Recht hätte; wohl aber scheint mir festzustehen,
+dass die weitaus grösste Masse der Gebirge auf den Philippinen ihre
+Bildung einer vergleichsweise jungen Eruptionsperiode verdankt. Unter
+den mehr als 600 Nummern betragenden Gesteinsstücken, die ich von den
+verschiedensten Fundorten mitgebracht habe, ist kaum _ein_ Stück,
+welches den älteren Perioden der Bildung der Erdrinde anzugehören
+scheint.
+
+_Anmerkung 14_. Es sind diese Spuren moderner Hebung auf den
+philippinischen Inseln ausserordentlich zahlreich. Die Wasserscheide,
+welche in Mindanao die Quellen des Agusan von den nach Süden in
+den Meerbusen von Davao fliessenden Bächen trennt, kann nach der
+Beschreibung der Eingebornen und meinen eigenen Beobachtungen
+kaum 2-300 Fuss über dem Meere erhaben sein. Wie ein tiefer Spalt
+zieht sich das Thal des Agusan zwischen Central-Mindanao und den
+Bergen der Ostküste hin, und äusserst zahlreich sind hier die
+Petrefacten in Thonschichten, welche theils im tiefen Meer, theils
+in den Mangrovesümpfen mit brackigem Wasser gelebt haben müssen, fast
+ausnahmslos aber noch jetzt lebende Species sind. Der direkte Uebergang
+der zu ziemlicher Höhe über dem Meere erhobenen Korallenriffe in die
+noch lebenden ist schon im Texte hervorgehoben. Dies war fast überall
+zu erkennen; aber am Auffallendsten war es auf Camiguin de Luzon
+und auf der kleinen Insel Lampinigan bei Basilan zu beobachten. Ich
+citire einige Stellen aus meinem Tagebuche: "Ueberall wo (auf
+Lampinigan) der freie Trachytfels vom Meere bespült wird, sind
+die Korallen in alle Löcher und Spalten hineingedrungen und haben
+selbst lose Blöcke und kleine Rollsteine fest mit dem anstehenden
+Gestein verkittet, so dass eine Art rohen Puddingsteines gebildet
+wird. Diese Korallenincrustationen treten jetzt schon _über die Linie
+der gewöhnlichen Fluthen hinaus_ und sind alle ohne Ausnahme todt
+bis in eine ziemliche Tiefe in's Meer hinein (nach Schätzung etwa
+bis zu 8-10'). Es sind die Korallenmassen in den verschiedensten
+Stadien der Umwandlung." Noch deutlichere Spuren modernster Hebung
+fand ich ebenda in der trachytischen Lava selbst. An der Nordostseite
+der Insel fand ich eine kleine mannshohe Höhle, nach Schätzung etwa
+20-35 Fuss über der höchsten Fluthlinie; sie war offenbar durch die
+Einwirkung der Wellen und der Brandung gebildet und zeigte überall
+eine Menge abgeschliffener Stellen. Nicht weit davon fand sich etwa
+15' über dem Meere ein trichterförmiges tiefes Loch, und in seinem
+Grunde noch der Stein, welcher durch die Wirbelbewegung des Wassers
+dasselbe in das Gestein hineingebohrt hatte. In der im höchsten Puncte
+kaum 150' über dem Meere erhobenen Centralebene Luzon's findet sich
+an vielen Stellen nach den Beobachtungen des Padre Llanos unter der
+oberflächlichen thonigen sehr dünnen Lage ein Meeressediment; und an
+einzelnen Orten in der Provinz Pangasinam, nördlich vom Arayat, sollen
+sich Salzwasserseen befinden, in welchen wie in manchen süsses oder
+brackiges Wasser führenden Flüssen derselben Provinz, nach Aussage
+der Priester noch jetzt Bohrmuscheln leben sollen. Ich habe leider
+diese Seen selbst nicht besuchen können, zweifle aber nicht an der
+Richtigkeit der Beobachtung, da die philippinischen "almejas" den
+europäischen Lithodomusarten (dactylus etc.) so völlig ähnlich sehen,
+dass die Priester, welche sie dort essen sollen, ihnen den spanischen
+wohlbekannten Namen gegeben haben. In Spanien wird die Lithodomus
+dactylus als ein trefflicher Leckerbissen geschätzt.
+
+
+
+
+II. Skizze.--Die Riffe und das Leben im Meere.
+
+
+_Anmerkung 1_. Da ich meine mit der herrschenden Theorie Darwin's
+im Widerspruch stehenden Ansichten in einem zoologischen Berichte
+niedergelegt habe, welcher den meisten Naturforschern unbekannt
+geblieben zu sein scheint, und da ich noch nicht in der Lage bin, bald
+eine ausführlichere eingehendere Schilderung meiner Beobachtungen zu
+geben, so erlaube ich mir hier einen Wiederabdruck des 1863 publicirten
+Aufsatzes (Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. 13, pag. 563-569):
+
+"Die nördlichste Spitze der Gruppe der Pelew-Inseln oder Palaos
+bilden ächte Atolle; die Hauptmasse, welche der ganzen Gruppe ihren
+Namen übertragen hat, ist zum grössten Theil von Barrenriffen, im
+Süden von Küstenriffen umgeben; und die südlichste Insel ist völlig
+ohne eigentliches Riff. Der nördlichen Atolle sind drei: Aruangel,
+Kreiangel und Cossol. Die nördlichste Spitze der Insel Babelthaub
+setzt sich über in die hufeisenförmige Bank von Cossol, die in einer
+Ausdehnung von 5-6 S.-M. ihr nördliches geschlossenes Ende, durch
+einen 2 M. breiten Canal getrennt, dem Atoll von Kreiangel zukehrt. Ihr
+südliches offenes Ende scheint aus einem tiefen Canal durch allmäliges
+Verwachsen vereinzelter Korallenbänke seinen Ursprung zu nehmen,
+und Arme dieses tiefen Canals vereinigen sich zu dem Lagunencanal
+der eigentlichen atollförmigen Bank, welcher von dem bei niedriger
+Ebbe fast ganz trocken gelegten erhöhten Rand des Riffes umschlossen
+wird. Der Atoll Kreiangel ist vollkommen geschlossen, von 4-5 Meilen
+Länge und etwa 2 S.-M. Breite. Die westliche Seite des Riffes, nur
+schwachen Winden und seltenen aber heftigen Stürmen ausgesetzt, ist
+breit, und sein erhöhter Rand niedriger als alle andern Stellen des
+Riffes, und bezeichnet durch eine Reihe grosser, metamorphisirter
+Korallenblöcke, die man mit Darwin als durch die mächtige Brandung
+aufgeworfen betrachten, oder mit Wilkes (Un. St. exploring exped.) als
+Reste eines gehobenen und in Zersetzung begriffenen Riffes ansehen
+kann. Auf der östlichen, weniger breiten Seite des Riffes liegen vier
+niedrige, kaum 5' sich über die Oberfläche des Meeres erhebende Inseln,
+deren südlichste keine 20 Schritt von der Brandung entfernt ist,
+während die andern sich mehr vom Aussenrande des Riffes entfernen,
+je mehr sie gegen Norden liegen. Die eingeschlossene Lagune ist
+schmal und an den tiefsten Stellen nur 7 Faden tief. Dieser Atoll
+bezeichnet die nördlichste Spitze der Gruppe, da die Canäle die ihn
+und die Bank von Cossol von den eigentlichen Inseln trennen, nur
+eine Tiefe von 60-80 Faden haben. Ganz abgesondert scheint nach den
+vorhandenen Karten, Aruangel zu sein, eine Bank, die 8 S.-M. weit
+nordwestlich von Kreiangel liegt, und die mir von den Eingebornen
+als Atoll beschrieben wurde. Früher bewohnt, wurde er zu Ende des
+vorigen Jahrhunderts überschwemmt und gänzlich zerstört; die jetzigen
+Bewohner von Kreiangel erzählen, die Stümpfe grosser Bäume und ein
+altes Badebassin dort gesehen zu haben. Leider musste ich mich mit
+diesen Nachrichten begnügen, denn die Freundlichkeit der Bewohner
+von Kreiangel vermochte nicht, ihre Faulheit zu besiegen, da ich ihr
+Interesse nicht durch Bezahlung erwecken konnte.
+
+Mit Ausnahme obengenannter dreier Riffe und der Insel Ngaur (Angaur)
+umzieht ein einziges zusammenhängendes Riff alle übrigen Inseln,
+und nimmt je nach den Einflüssen der Strömungen, der vorherrschenden
+Windesrichtung und geologischen Constitution der eingeschlossenen
+Inseln, mannichfach wechselnde Bildungen an. Die Inseln des Norden,
+Babelthaub, Coröre, Malacca und Naracabersa sind durchaus trachytisch,
+während die südlicheren Inseln, unter denen ich nur Peleliu, Eimeliss
+und Urulong nenne, gehobene Korallenriffe sind, deren einzelne, oft
+senkrecht aufsteigende Klippen eine Höhe von 4-500' erreichen. Der
+Trachyt der nördlichen Inseln, in seinen oberen Schichten zu einem
+rothen Thon verwittert und häufig durch Basaltströme durchbrochen,
+setzt nur geringen Widerstand dem zerstörenden Einflusse des
+Wogenschlages und der Atmosphäre entgegen. Tiefe Buchten fressen weit
+ins Land hinein, und selten sind kleine, von der Hauptinsel abgerissene
+Inseln, als Marksteine ihrer früheren Ausdehnung zu finden. Westlich
+liegt das Riff zwischen 3 und 6 M. entfernt von der Küste, und
+die eingeschlossene Wasserfläche ist zu einem Labyrinth von tiefen
+Canälen ausgefressen, welche meistens senkrecht gegen das Land auf die
+Thäler zu führen, aus denen bei Ebbe ein mächtiger Strom brackigen
+Wassers hervortritt, und dem Wachsthume der Korallen an dem Rande
+des ausgewaschenen Canals hinderlich wird. Sie sammeln sich in einen
+Hauptcanal, welcher in ziemlicher Breite dem äusseren Riffe parallel
+läuft, und dasselbe hie und da mit kleineren Canälen durchbricht. Für
+grössere Schiffe gangbare, das äussere Riff durchbrechende Canäle
+finden sich auf der Westseite drei, auf der Ostseite einer, und an
+der Nordspitze ebenfalls einer, doch entsprechen sie nicht, wie es
+nach Darwin als allgemeine Regel erscheinen möchte, den Thälern der
+Insel, vielmehr scheinen sie ihre Lage der Richtung der Strömungen zu
+verdanken, welche durch den wechselnden Ein- und Ausfluss bei Fluth
+und Ebbe gebildet werden.
+
+Diese Strömungen nehmen immer ihre Richtung gegen den nächstgelegenen
+Canal hin, und niemals erregt bei aufsteigender Fluth das durch
+die Brandung über den Rand des Riffes geworfene Wasser einen Strom
+nach innen.
+
+Ganz verschieden von den eben geschilderten Verhältnissen zeigen
+sich die Riffe der Ostseite, welche mit schwach erhöhtem Rand, dessen
+mittlere Entfernung von der Küste höchstens 800-1000 Schritt beträgt,
+einen kaum bei Fluth befahrbaren Canal zwischen sich und dem Lande
+freilassen.
+
+Auch hier ist das Riff von mehreren Kanälen durchbrochen, die aber,
+wenn auch das Ein- und Austreten der durch Ebbe und Fluth erregten
+Ströme durch sie geschieht, dennoch so flach sind, dass sie nur
+bei hoher Fluth die Ueberfahrt den Böten erlauben. Der einzige
+Tiefwassercanal an östlicher Seite findet sich nordöstlich von
+Malacca, wo aber auch das durchbrochene Riff durch einen breiten
+Tiefwassercanal von dem nächsten Lande getrennt ist. Malacca ist die
+südlichste der trachytischen Inseln, und zwischen sie und die etwas
+westlich liegenden Inseln Coröre und Naracabersa schiebt sich eine
+Reihe hoher Kalkfelsen ein. Weithin gegen Süden bestehen alle Inseln
+ohne Ausnahme aus demselben gehobenen Korallenkalk. Auffallend zeigt
+sich hier die Verschiedenheit der Einwirkung gleicher Ursachen, je
+nachdem diese auf den leicht zerstörbaren Trachyt des Nordens oder den
+festen Korallenkalk des Südens einwirken. Während im Norden die vom
+Hauptlande abgerissenen Inseln rasch unter der Oberfläche des Meeres
+verschwinden, sind die Kalkfelsen des Südens durch die Einwirkung der
+Strömungen und Brandung in eine Unzahl kleiner und dicht nebeneinander
+stehenden Inseln zerrissen, und es ist durch gar viele derselben,
+so z. B. in der Gruppe, welche Urulong angehört, der Zusammenhang
+und die frühere Ausdehnung nachzuweisen. Alle diese Inseln sind
+von Urulong an bis Pelelew durch eine ziemlich horizontale Fläche
+verbunden, die nur wenig von tiefen Kanälen durchfurcht, wohl die
+Tiefe anzeigt, bis zu welcher hin die abwaschende Wirkung der Brandung
+gegangen ist. So lässt sich auf der ganzen Ausdehnung von Pelelew
+bis Malacca hin das Meer bei tiefer Ebbe nicht mehr mit Sicherheit
+befahren. Pelelew, die südlichste dieser Inseln, besteht aus einer,
+nur etwa 10' über dem Meere erhabenen ganz aus metamorphosirtem
+Korallenkalk gebildeten Fläche, in deren nördlichem Ende man noch
+die vereinzelten Reste eines, einstmals gewiss zusammenhängenden
+und jetzt bis auf 200-250' erhobenen Korallenriffes findet. Ziemlich
+zusammenhängend ist dieses Riff noch auf der nordwestlichen Seite, wo
+es seine grösste Höhe erreicht und sich auf einer schmalen Landzunge
+in niedrigeren Klippen fortsetzt, und der östlichen, von ihr durch
+eine breite Niederung getrennten, und in einzelne Inseln aufgelösten
+Klippenreihe entgegentritt. So scheint diese Niederung, welche theils
+von Sümpfen und Mangrovebüschen erfüllt ist, theils die Kukau-Felder
+der Bewohner der Insel trägt, eine Laguna anzudeuten, welche einstmals
+bestanden haben mochte. Diese hohen Klippen sowohl, wie die, welche
+der Ebene der Insel angehören, sind reich an Petrefacten, welche,
+so weit ich augenblicklich darüber aburtheilen kann, den Schichten
+ein sehr junges Alter zuweisen. Vorherrschend sind in den tiefsten
+Schichten der centralen Klippenreihe zwei oder drei Arten Tubiporen,
+ferner ein Pecten, und verschiedene Astreiden. In den Klippen der
+Ostküste, welche zwischen 5 und 10' über dem Meere erhoben sind, fand
+ich eine Menge Maeandrinen und Astraeen. Aus der Reihe weniger häufig
+vorkommender Petrefacten erwähne ich nur noch eines Haifischzahnes
+von einer Insel bei Coröre, eines Reptilienzahnes, vermuthlich des
+Crocodilus biporcatus und eines Dentalium von Pelelew.
+
+Das lebende Riff, welches diese Insel umfasst, ist im Westen ungefähr
+400-600 Schritte entfernt und von ihm durch keinen Tiefwasserkanal
+getrennt; je mehr es sich gegen Süden zieht, tritt es näher an die
+Küste heran, und ist im Osten an manchen Stellen kaum 30 Schritt von
+den gehobenen Klippen entfernt. Diese sind, durch die hier mächtige
+Brandung in eine Anzahl kleinerer Inseln und einzeln stehender
+Blöcke aufgelöst, welche da, wo sie unter dem aufgeworfenen Sande
+verschwinden, leicht zu der Annahme verführen könnten, als dankten sie
+ihre Entstehung den durch die Brandung aufgeworfenen Korallenblöcken
+im Sande.
+
+Das Ende des Archipels sowie den Abschluss dieser verschiedenen
+Entwickelungsstufen der Korallenriffe bildet die Insel Ngaur,
+welche von Pelelew durch einen 4 Meilen breiten Tiefwasserkanal
+getrennt, gänzlich frei von umgebenden Riffen ist. Sie besteht nach
+der Schilderung der Bewohner von Pelelew aus demselben Korallenkalk
+wie diese letztere, welcher ebenfalls von niedrigem Vorlande umgeben,
+in schmaler Klippenreihe zu 100-150' Höhe ansteigen mag.
+
+_Darwin_'s Theorie von Bildung der Korallenriffe nimmt bekanntlich
+überall dort eine Senkung an, wo sich Barrenriffe und Atolle befinden,
+eine Hebung dort, wo Küstenriffe entstehen. Hier aber finden wir auf
+kleinem Raume (denn die ganze Ausdehnung von Nord nach Süd zwischen
+Ngaur und Kreiangel beträgt nur etwa 60 Seemeilen) sämmtliche Formen
+zusammen und die Bildung der innern Riffe des südlichen Theiles der
+Gruppe deutet auf eine lange Epoche völliger Ruhe, oder sehr geringer
+Hebung oder Senkung. Könnte nur eine Senkung die Bildung der Atolle
+des Nordens erklären, so müsste entweder die Insel Ngaur so gut
+von Riffen umgeben sein, wie alle übrigen, oder stationär geblieben
+sein, Pelelew nur wenig, die nördlichen Inseln sich bedeutend gesenkt
+haben. Aber diess bliebe nur eine Annahme, die nicht besser und nicht
+schlechter als jede andere wäre. Ist meine vorläufige Bestimmung
+der in den gehobenen Korallenriffen der südlichen Inseln gefundenen
+Petrefacten richtig, so würde die Zeit der Hebung derselben, die
+wohl durch den letzten trachytischen Ausbruch bezeichnet sein mag,
+in eine sehr junge geologische Epoche fallen. Gerade aber auf das
+Nichtvorkommen solcher Hebungen in der jüngsten Epoche legt Darwin bei
+der Begründung seiner Hypothese das grösste Gewicht, und die definitive
+Bestimmung des geologischen Alters jener gehobenen Koralleninseln
+könnte einen wesentlichen Einwand gegen dieselbe abgeben. Aber auch
+hiervon abgesehen, scheint mir das gemeinschaftliche Auftreten der
+Riffe in den verschiedensten Gestalten, die grosse nur in geringer
+Tiefe unter dem Meere liegende Fläche der südlicheren Insel von Pelelew
+bis Coröre, ja selbst die Verschiedenheit der westlichen und östlichen
+Riffe des Nordens hinreichender Grund zur Annahme, dass die Bildung der
+Riffe _dieser_ Inselgruppe wenigstens von keiner Senkung begleitet war.
+
+Colonien einer Porites-Art deuten auf ein Moment, dem ich jetzt bei der
+Bildung von Korallenriffen den wichtigsten Einfluss zuschreiben muss,
+welches aber von den Reisenden, welche dieser Frage ihre Aufmerksamkeit
+zugewandt, bisher gänzlich ausser Acht gelassen zu sein scheint. Dies
+sind die constanten, hauptsächlich durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen
+und durch das Wachsthum der Korallenriffe sowie durch physikalische
+Einflüsse des Meeres beinflussten Strömungen. Die erwähnte Porites
+bildet Colonien von Faustgrösse bis zu der Oberfläche von 6-8 und mehr
+Fuss im Durchmesser. Diese verschiedenen Stadien der Grösse zeigen,
+wie auf der Oberfläche allmälig die mittleren Individuen absterben
+und den Mittelpunkt einer mehr und mehr sich vergrössernden todten
+Fläche bilden. Auf dieser treten schon bei kleinen Colonien Furchen
+auf, die, ursprünglich wohl Resultat des ungleichen Wachsthums der
+verschiedenen die Colonie bildenden Individuen, sich bald zu Rinnen
+gestalten, in denen bei tiefen Ebben das auf der Oberfläche stehen
+bleibende Wasser seinen Abfluss findet. Der erhöhte Rand dieser bald
+kreisrunden, bald länglichen Colonien trägt nach aussen lebhaft
+vegetirende Individuen, die mehr und mehr nach innen krankhafter
+werden, bis sie zuletzt absterben und durch den Einfluss des auf der
+mittleren etwas niedrigeren Fläche stehenden Wassers bald abgetragen
+und auf das Niveau derselben übergeführt werden. Oft bleibt der
+äussere erhöhte Rand völlig undurchbrochen, aber gewöhnlich wird
+er durchsetzt durch eine oder mehrere Wasserrinnen. Je nach den
+verschiedenen Zufälligkeiten der Gestalt, welche die ersten Anfänge
+dieser Polypenkolonien zeigen, und dem dadurch bedingten Spiele der
+Strömungen bilden sich die mannigfachsten Formen aus, die von dem
+ganz geschlossenen oder in einzelne Wülste aufgelösten Ringe (dem
+Atoll) in Kolonien übergehen, welche Korallenblöcke anderer Art so
+umsäumen, dass sie bald sich einem Barrenriffe, bald einem Küstenriffe
+vergleichen liessen, je nachdem sie mehr oder minder alt, in grösserer
+oder geringerer Entfernung von dem sie umwachsenden Block stehen.
+
+Eine kleine Porcellana gibt ein anderes interessantes Beispiel
+der Wirkung constanter Ströme auf das Wachsthum der Korallen. Je
+ein Individuum dieser Krabbe lebt an dem Stamme einer Koralle
+eingeschlossen in einer krankhaften Wucherung derselben. Sie lebt
+darin, ein unfreiwilliger Einsiedler, denn zwei, und sich gerade
+gegenüberstehende schmale Spalten, das Resultat des constanten von
+den Thieren erregten Stromes, erlauben zwar die Zuführung frischen
+Wassers und mikroskopischer Thierchen, aber ihm nicht die Auswanderung,
+einer Lebensgefährtin nicht den Eintritt. In früher Jugend klammert
+sich das Junge an den Stamm an, und durch den Reiz hervorgerufen,
+wuchert die Korallenmasse mehr und mehr um dasselbe herum, bis endlich
+in dem späteren Lebensalter der Krabbe, der durch die Bewegung ihrer
+Beine erregte constante Strom hinreichende Kraft erlangt hat, das
+Verschliessen der Oeffnungen durch das fortgesetzte Wachsthum der
+Korallen zu verhindern.
+
+Aehnliche Verhältnisse wiederholen sich im Grossen. Dort, wo sich bei
+günstiger Beschaffenheit die horizontale Kuppe eines untermeerischen
+Berges gleichmässig mit einer Schicht Korallen überzieht, bilden
+sich dennoch von Anfang an solche Verschiedenheiten hervor, dass im
+Laufe der Zeit bei Hinzutreten des Einflusses der Strömungen grosse
+Unregelmässigkeiten des Riffes hervortreten können.
+
+Aehnlich wie die Porites-Colonien ganz geschlossene oder stark
+durchbrochene Ringe bilden, die einen mittleren, etwas niedrigeren
+von Wasser bedeckten Raum umschliessen; ebenso mag auf jener Fläche
+das Riff bei ruhiger, nicht von Strömen durchfurchter See einen
+geschlossenen Ring bilden oder bei starken und wechselnden Strömungen
+sich in eine im Ringe gestellte Reihe von Flecken auflösen. In beiden
+Fällen dient das Ein- und Ausströmen des Wassers bei Fluth und Ebbe zur
+Austiefung des inneren Raumes; denn während der aus lebenden Korallen
+bestehende äussere Theil des Riffes dem Andrang des Wassers starken
+Widerstand entgegensetzt und durch zufällig entstandene Riffe oder
+Spalten den Fluthen bestimmte Bahnen vorschreibt, weicht die innere
+Masse, welche meist nur aus losen Blöcken und leicht aufgehäuftem
+Sande besteht, rasch den kräftig eintretenden Strömen der Fluthen
+und Ebben. Oder es bilden sich eine Anzahl vereinzelter Riffe,
+welche ursprünglich klein, den Strömen freien Spielraum lassen,
+aber allmälig wachsend und sich vereinigend zu zusammenhängenden
+Riffen die vorhandenen schwächeren und unbestimmteren Ströme in engere
+Bahnen einschränken und zugleich damit so ihre Kraft verstärken, dass
+das völlige Zusammenwachsen der einzelnen Riffe mehr oder weniger
+verhindert wird. Mit der Mannichfaltigkeit der Grundlagen, auf denen
+sich die Riffe bilden, wechseln so die Formen, welche die letztere
+annehmen. Untermeerische Rücken werden die Träger der Atolle; aus
+Küstenriffen, welche die Inseln umsäumten, werden durch den Einfluss
+jener Strömungen Barrenriffe, die um so weiter von dem umgebenden
+Lande entfernt sind, je schwächer die Neigung ihrer Abhänge oder je
+grösser das umgebende Vorland war. Bei sehr steilen Küsten bilden sich
+selten nur eigentliche Küstenriffe, niemals wirkliche Barrenriffe. So
+wachsen die Korallen an der kleinen Insel Ngaur so dicht an der Küste,
+dass bei hoher See die Brandung ihre Felsen bespült. Die ganze Ostküste
+des nördlichen Theiles von Mindanao, ebenso die Ostküste des nördlichen
+Theiles von Luzon zeigen nur in den Buchten grössere Flecken lebender
+Korallen; aber niemals bildet sich, weder in dieser, noch an der
+steil abfallenden, dem Meer ausgesetzten Küste ein eigentliches Riff,
+und an den meisten Stellen würden sich die grössten Schiffe denselben
+bis auf Kabellänge nähern können. Dort aber, wo sich eine Landzunge
+untermeerisch fortsetzt, überzieht sie sich mit Korallen und bildet
+weithin sich erstreckende Riffe, wie z. B. an Luzons's Ostküste,
+am Eingange des Hafens von Palanan.
+
+Wesentlich abhängig ist die Bildung der Atolle und Barrenriffe von
+der Festigkeit der Grundlagen oder der Inseln, an die sie sich
+anlehnten. So bot die West- und Südseite der Insel Babelthaub
+dem Abwaschen durch die Brandung nur wenig Widerstand, und die
+untermeerischen Strömungen innerhalb des Aussenriffes vermochten
+leicht tiefe Canäle in den Boden einzugraben, die sich im Norden
+zu dem zwischen 40 und 60 Faden tiefen Lagunencanal vereinigten,
+im Westen von Coröre einen grossen tiefen See bildeten, der sowohl
+mit dem nördlichen, als dem östlich von Coröre einführenden Canale
+in Verbindung steht. Wesentlich anders war die Wirkung der gleichen
+Strömungen auf dem südlichen Theil des Archipels; hier konnte die
+Brandung wohl den Fuss der Inseln stark aushöhlen, tiefe Höhlen und
+schmale Thore einfressen, aber viel langsamer verschwanden die so
+abgerissenen Theile unter dem Meere. Die tiefen und breiten Canäle
+des Nordens nehmen ab in Zahl und Breite, und manche derselben
+verlieren sich allmälig in jene, nur wenige Faden unter dem Meere
+liegende Fläche, welche in ihren ausgedehnten Korallenfeldern den
+günstigsten Boden zur Betreibung der Balate-Fischerei bieten. Ein
+gleicher relativer Unterschied zeigt sich in den östlichen Küstenriffen
+des Nordens und des Südens. Während dort die Brandung, weniger zwar
+als auf der Westseite, die theilweise basaltische Küste befressen,
+und die Bildung eines inneren flachen Bootcanals zwischen jener,
+und dem höchstens 1000 Schritt abstehenden Aussenrand des Riffes
+ermöglichen konnte, setzten die Ostküsten der Kalkinseln des Südens
+solchen Widerstand dem Einflusse des Meeres entgegen, dass sich
+nirgends die mindeste Spur eines Canales zwischen dem Aussenriff und
+der Insel findet. Die grosse Verschiedenheit, welche die Ost- und
+Westriffe in der Entfernung von ihren angrenzenden Küsten zeigen,
+erklärt sich durch den Einfluss des beständig von Osten mächtigen
+Seegangs, der in seiner stetig fortgesetzten Wirkung den einzelnen
+Korallenindividuen das rasche Wachsthum nach aussen unmöglich machte,
+während die Korallen des Westens in den langen Perioden der Ruhe sich
+nach allen Seiten frei und kräftig ausbreiten konnten. Doch kann diese
+Vergrösserung, welche das Riff nach Westen hin erfahren haben mag,
+weniger bedeutend gewesen sein, als das Hindrängen der östlichen Riffe
+an die Inseln: und wie hier die zurückdrängende Wirkung des Seeganges
+das Aussenriff immer der Küste dicht folgen lässt, und seine Neigung
+nach aussen sanfter macht, als die der westlichen Seite, so muss das
+westliche Riff so ziemlich immer die Ausdehnung des früher bestandenen
+Landes oder des untermeerischen Rückens bezeichnen.
+
+Hiermit soll indess keineswegs die Möglichkeit geläugnet werden,
+dass manche Atolle oder Barrenriffe sich bildeten zur Zeit, als die
+untermeerische Höhe, auf der sie standen, sich senkte; oder dass
+selbst in manchen Fällen die Senkung wirklich den Anstoss zur Bildung
+derselben abgab. So würde z. B. die Insel Ngaur sich senken müssen,
+ehe sich um sie herum ein Barrenriff bildete. Zur Entscheidung
+der Frage kommt es also zunächst auf das möglichst genaue Studium
+aller einzelnen Fälle an. Schwieriger, als bei Barrenriffen, wo
+die ihre Form bedingenden Ursachen dem Forscher noch zugänglich
+sind, ist die Untersuchung, _welche_ jener Ursachen wirksam waren,
+bei Atollen, und hier dürfte die Entscheidung wohl nur durch die
+grössere Natürlichkeit herbeigeführt werden, welche die eine oder die
+andere Annahme zu besitzen schiene. Subjectiver Auffassung ist hier
+ein reiches Feld geöffnet; denn selbst in solchen Fällen, wo, wie in
+der grossen Chagos-Bank, eine Senkung neuerdings stattgefunden haben
+muss, bleibt dennoch die Frage offen, ob der Bildung der lebenden
+Bank ebenfalls eine Senkung zu Grunde lag. Die Annahme aber, dass
+nur oder hauptsächlich das wechselnde Spiel der Strömungen bei der
+Bildung der Korallenriffe wirksam sei, könnte manche Fälle erklären,
+die für die Senkungstheorie jetzt noch eine Ausnahme bilden. Ich
+meine das Vorkommen von ächten Atollen in Erhebungsflächen (areas
+of elevation), von den mir näher liegenden erwähne ich nur das Bajo
+de Apo an der Westküste von Mindoro, dann die Islas Amantes und die
+Islas Cagayan cillos, welche nach den mir vorliegenden Plänen echte
+Atolle zu sein scheinen. Die West- und Nordküste von Bohol sind von
+weit abstehenden Riffen umsäumt, welche mannigfach durch kleine Canäle
+durchbrochen, vom Lande durch einen Tiefwassercanal getrennt sind,
+in welchem selbst ziemlich grosse Schiffe sich dicht dem Lande nähern
+können. Alle diese Punkte liegen eingeschlossen in dem jetzt in Hebung
+begriffenen Archipel der Philippinen. Hier würde die Annahme, dass
+Strömungen sie gebildet, nicht derselben Schwierigkeit unterliegen,
+wie die Voraussetzung einer Senkung; und in der That sind auch an
+andern Stellen dieses Archipels Fälle nicht selten, in welchen die
+Bildung von Atoll-geformten Riffen oder solchen, die mit der Zeit
+dazu werden können, deutlich auf die Einwirkung constanter Strömung
+zurückgeführt werden kann.
+
+Die Insel Tigtauan, in zwei Meilen Entfernung von der Ostküste der
+Südwestspitze von Mindanao liegend, zeigt an ihrer Westseite, auf
+welche der Fluss von Masinloc zuströmt, einen schmalen Canal, welcher
+den höheren Rand der niedrigen, ganz aus Korallen bestehenden Insel
+durchbricht und in einen inneren von Mangrove-Büschen bewachsenen
+Raum führt, welcher bei Fluth völlig vom Wasser bedeckt, bei
+Ebbe grösstentheils trocken gelegt wird. In den stehenbleibenden
+Lachen leben schwächlich einige Astraeenknollen. Eine ähnliche
+Bildung zeigt die Insel S. Cruz vor Zamboanga. Wie verschieden
+das Wachsthum der Korallenknoten ist, je nachdem ein Strom trüben
+oder klaren, salzigen oder brackigen, in der einen oder andern
+Richtung fliessenden Wassers sie trifft, konnte ich mit wenig
+Mühe in der Silangan de Basilan erkennen. Hier sind die beiden
+Seiten des Canals, welcher die Insel Malaunavi von Basilan trennt,
+ganz von üppig lebenden Korallen bewachsen; aber der heftige Strom,
+welcher sowohl bei Ebbe als bei Fluth immer von Ost nach West geht,
+bedingt durch die eigenthümlichen topographischen Verhältnisse,
+verhindert das Wachsthum der Korallen nach aussen, und zwingt sie,
+statt in die Breite sich nur in die Länge nach oben auszudehnen. So
+sind die Wände des Canals vollkommen senkrecht. Dort, wo sich durch
+die Gegenströmungen des austretenden Baches von Isabela Wirbel und
+Stillen bilden, häuft sich Sand und Schlamm an, auf dem ziemlich
+zahlreiche isolirte Korallenknollen wachsen, die aber statt in die
+Höhe sich mehr in die Breite ausdehnen. Am Westende des Canals theilt
+eine kleine Insel die Strömung in zwei Arme. An der Spitze der Insel,
+welche diese Theilung bewirkt, finden sich üppig vegetirende Korallen,
+welchen das hier ruhige Wasser Wachsthum, sowie in die Breite auch
+in die Höhe erlaubt; aber dort wo beiderseits die Ströme die Insel
+tangiren, wachsen die Korallen wie vorher in die Höhe, ohne sich in
+die Breite auszudehnen."
+
+_Späterer Zusatz_. Eine grosse Schwierigkeit für alle früheren
+Theorien über Bildung der Korallen war die Unmöglichkeit zu erklären,
+wie sie aus den grossen Tiefen der tropischen Meere heraufbauen
+konnten. Diese schien durch Darwin's Ansicht gehoben zu sein, da die
+Tiefe, welche die Koralleninseln umgibt, erst ein Product der Senkung
+sein sollte. Nach meiner Ansicht würde sie dagegen wieder in ihr Recht
+eintreten--wenn nicht seitdem andere Beobachtungen über das Leben der
+Thiere in grossen Tiefen hinzugekommen wären. Ich erinnere hier nur an
+die Entdeckungen der Neuzeit durch das Schleppnetz in den nordischen
+Meeren, an des jüngeren M. Edwards Angaben über Thiere im Mittelmeere,
+an die Mittheilungen von Carpenter, Pourtales etc. Hier kommen mir für
+meine Meinung hauptsächlich des Letzteren Beobachtungen erwünscht,
+weil er nachwies, dass weit ab von den Florida-Riffen eine Zone mit
+der Tiefe von 90-300 Faden gefunden wird, in welcher zahllose Massen
+von Korallen und Schalentrümmern zu einem Kalkconglomerat verbunden
+werden, welches dem der gehobenen Florida-Riffe sehr ähnlich sieht,
+und bei fortgesetzter Hebung jener Gegenden einen trefflichen
+Boden für die Ansiedlung der eigentlich riffbildenden Madreporen
+und Milleporen abgeben kann. Auf das Factum, dass letztere nur in
+geringen Tiefen leben, ist absolut kein Gewicht zu legen; denn es
+kommt eben nur darauf an, dass in der Zone, in welcher sie leben,
+ein hinreichend fester Boden zu ihrer Ansiedlung vorhanden ist. Dies
+aber kann, wie die Beobachtung von Pourtales lehrt, auf die leichteste
+Weise durch allmälige Hebung irgend eines Kalkconglomerates--oder
+eines vorgebildeten festen Gesteines--geschehen. Eine scheinbare
+Schwierigkeit für meine Ansicht, dass die Korallenriffe sehr wohl
+während einer Periode _der Hebung_ sich gebildet haben können, liegt
+in der Behauptung, dass die echten Barrenriffe sich wie die Atolle nur
+bis an die Oberfläche des Meeres oder nur wenig über dieselbe erheben
+sollen. Einmal ist dies nicht durchgehends richtig; aber selbst wenn
+es der Fall wäre, so gäbe ein solches Factum noch durchaus keinen
+Grund ab gegen die Annahme, dass die abschleifende und auflösende
+Wirkung des Wogenschlages, der Strömungen und der athmosphärischen
+Einflüsse _stärker_ sei, als die erhebende Kraft. Dass letztere,
+die vulcanische Kraft, wenn ich so sagen darf, mitunter stärker ist,
+als die an der Oberfläche entgegenwirkende, beweisen die gehobenen
+Korallenriffe auf den Pelew-Inseln, den Philippinen etc.; ist sie
+aber schwächer, so ist eben allen jenen Einwirkungen der Elemente
+freies Spiel gelassen, auf deren Complex ich die Bildung der echten
+Korallenriffe eher zurückführen möchte, als auf die einzige Ursache
+der Senkung ganzer Regionen, wie es Darwin thut.
+
+_Anmerkung 2_. Für die Zoologen füge ich über diesen interessanten
+Krebs noch einige Bemerkungen hinzu. Der jüngere M. Edwards
+beschreibt (Maillard, Notes sur l'isle de la Réunion) einen solchen
+Krebs, der in einem Loche einer Maeandrina leben soll, unter dem
+Gattungsnamen Lithoscaptus. Dass dieser M. Edward'sche Krebs, dessen
+Beschreibung sehr sorgfältig ist, wirklich mit dem von mir in _Gallen_
+verschiedener Korallen gefundenen generisch übereinstimmt, beweist
+mir eine philippinische in dem Loch einer Astraea lebende Art,
+welche sich nur specifisch von den 2 philippinischen in _Gallen_
+lebenden Species trennen lässt. Dann sehe ich aus einer Notiz von
+Verrill "Remarkable Instances of Crustacean Parasitism" in Silliman's
+American Journal July 1867, dass schon Stimpson dieselbe Gattung aus
+Gallen der Pocillopora cespitosa unter dem Namen _Hapalocarcinus_
+beschrieben hat. Dieser letztere Name hat also die Priorität vor dem
+von M. Edwards. Ob in neuerer Zeit, seit 1865, irgend ein Autor noch
+Beobachtungen über diese Krebse mitgetheilt hat, kann ich nicht sagen,
+da ich in Bezug auf Literatur hier in Würzburg sehr beschränkt bin,
+und die entomologischen Jahresberichte von Gerstäcker so unregelmässig
+erscheinen, dass ich bis jetzt immer noch nicht den zweiten Theil
+des für 1865-66 herausgegebenen Berichtes erhalten habe, welcher die
+Crustaceen enthält.
+
+_Anmerkung 3_. Ich verweise in Bezug auf die Lebensweise und
+Organisation der Holothurien auf mein Werk über diese Thiergruppe,
+das als 1. Band des wissenschaftlichen Theiles meines Reisewerkes
+erschienen ist.
+
+_Anmerkung 4_. Ich verweise den Leser, der sich spezieller über die
+Tamblegam Perlenmuschel unterrichten will, auf einen Aufsatz in den
+Annals of Natural History 1858 Vol. I. pag. 88-91.
+
+_Anmerkung 5_. Ich kann die Angaben, welche Wilson in dem einst
+solches Aufsehen erregenden Buche von Keate "An Account of the
+Pelew Islands etc. London 1788" pag. 234-236 über diesen Orden
+und die bei seiner Verleihung beobachteten Gebräuche gemacht hat,
+durchaus bestätigen. Ueberhaupt möchte ich hier ein Wort für die oft
+angezweifelte Glaubwürdigkeit des englischen Seemannes einlegen. Ich
+für meinen Theil habe seine Angaben durchweg bestätigt gefunden,
+und ich finde in seinen Schilderungen eine solche Wahrheitsliebe,
+verbunden mit guter Beobachtungsgabe und Kritik, dass ich wünschen
+möchte, die gleichen Eigenschaften in demselben Masse bei allen
+späteren Reisenden wiederzufinden. Leider ist dies durchaus nicht der
+Fall, und während ich geneigt bin, die schlichten Erzählungen des gut
+beobachtenden einfachen Seemannes durchaus als glaubwürdig und richtig
+anzunehmen, hat mich auf anderem Boden die eigene Erfahrung gelehrt,
+wie oberflächlich und falsch oft die Bemerkungen berühmter Gelehrter
+und Reisender sind. Es scheint in der That keine leichte Kunst zu sein,
+neben der Gelehrsamkeit sich auch die, ich möchte sagen, unschuldige
+Naivität und Beobachtungsgabe zu bewahren, wie sie oft ungelehrten,
+aber desswegen auch nicht von grossartigen Theoremen beeinflussten
+Reisenden eigen zu sein pflegt. Wilson beschreibt die an ihm selbst
+vollführte Ceremonie des Anlegens des Knochenordens, und fügt dann
+eine kurze Ermahnung des Königs hinzu, "dass der Knochen täglich
+von ihm blank gerieben und als ein Zeichen seines nun angenommenen
+Ranges behalten werden müsse; dass dieses Zeichen seiner Würde von
+ihm tapfer zu vertheidigen sei und er eher den Tod erdulden müsse,
+als zu gestatten, dass man ihm dasselbe abnehme."
+
+_Anmerkung 6_. Unter diesem Namen findet man in den älteren spanischen
+Schriftstellern den dujong häufig erwähnt; leider aber sind die
+über ihn mitgetheilten Notizen so dürftig--theilweise auch ganz
+abentheuerlich--, dass eigentlich daraus nur die frühere bedeutende
+Häufigkeit des Thieres zu ersehen ist. Ob die zweifellose Abnahme
+der Zahl derselben lediglich auf Rechnung der Verfolgung durch den
+Menschen zu setzen ist, wird kaum zu entscheiden sein. Wenn ich den
+Angaben der Bewohner der Pelew-Inseln Glauben schenken darf, so muss
+der dujong im stillen Ocean früher nicht gerade selten gewesen, jetzt
+dagegen gänzlich ausgestorben sein. Das gleiche Schicksal theilt,
+wie es scheint, das Krokodil (Crocodilus biporcatus Cav.). Es ist
+dies, das Meer wie die Seen und Flüsse gleichzeitig, bewohnende
+Krokodil ungemein weit verbreitet, nemlich von den Mascarenen
+an bis nach Nord-Australien und den Fidji-Inseln (S. Strauch,
+Synopsis der gegenwärtig lebenden Crocodiliden pag. 53). Kotzebue
+fand es auf seiner Reise um die Welt (Bd. III. pag. 189) auch auf
+den Pelew-Inseln. Während meines zehnmonatlichen Aufenthaltes dort im
+Jahr 1862 hörte ich weder von einem Unglück, noch von dem Fang eines
+solchen Thieres; ein halb zerschlagener Schädel war das Einzige,
+was ich dort fand. Auch sagten mir die Eingebornen auf Befragen,
+dass das Thier jetzt sehr selten geworden sei.
+
+_Anmerkung 7_. Bei der Einfahrt in den Fluss Pasig ziehen diese
+mächtigen Netze mit den hochgestellten Hebelbäumen, an denen sie sich
+bewegen, gleich die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich. Sie bilden
+hier in der That eines der am meisten charakteristischen Momente. Der
+ganze Hebelapparat steht auf einem grossen von Bambusrohren gebauten
+Floss, auf welchem sich der Fischer mit seiner Familie häuslich für
+Tage und Wochen niederlässt. Eine leichtgebaute Hütte gewährt ihnen
+Schutz gegen Regen und Sonne, und seine Fischmahlzeit mit Reis kocht
+er sich dicht daneben in freier Luft.
+
+
+
+
+III. Skizze.--Das Klima und das organische Leben.
+
+
+_Anmerkung 1_. Ich theile hier mit gütiger Erlaubnis des Herrn
+Prof. _Karsten_ in Kiel den nachfolgenden Aufsatz in extenso mit, lasse
+dabei jedoch die graphische Darstellung der allgemeineren Resulate
+fort, die ich in meinem Reisewerke zugleich mit dem wiederabgedruckten
+Aufsatz geben werde.
+
+
+
+
+Ueber das Klima der Philippinen.
+
+Von Prof. G. Karsten in Kiel.
+
+
+Die Beobachtungsresultate von den Philippinen, welche im Folgenden
+zusammengestellt sind, gründen sich auf das von Herrn Dr. _Semper_
+hergestellte Material. Die einzelnen Beobachtungsreihen sind die
+folgenden:
+
+
+1) Sta. Ana bei Manila, die ausgedehnteste Reihe, welche nach der Lage
+des Ortes und wie auch aus den Resultaten der einzelnen Jahre sich
+ergibt, sehr gute Mittelwerthe liefert, so dass Sta. Ana als Normalort
+für die übrigen Punkte betrachtet werden kann. Die Beobachtungen
+umfassen die Zeit vom Februar 1859 bis September 1862. Sehr vollständig
+sind Temperaturen, Winde, die Niederschläge und die Psychrometer. Das
+Barometer ist nur ein Jahr hindurch notirt. Ausserdem finden sich
+Nebenbemerkungen über die Himmelsansicht, Form der Niederschläge,
+Gewitter und Erdbeben.
+
+2) St. Miguel bei Manila, Januar bis Mitte März 1863.
+
+3) Bohol, südlich von Manila, 15 Monate, von Oct. 1863 bis Dec. 1864.
+
+4) Kürzere Reihen und Notizen des Reisejournals von nordwärts Manila
+und zum Theil hoch gelegenen Orten: Cagayan, Mancayan, Benguet,
+Calumpit u. s. f. Die Beobachtungen von Benguet etwa 4000' über dem
+Meere sind spanische zu den Stunden 7, 2, 9 angestellt. Ebenso sind
+die Beobachtungen von Calumpit spanische. Eine kleine Beobachtungsreihe
+(Thermometer und Barometer) von Mr. Green von October 1851 bis December
+1852 in Binondo (zwischen Häusern). Desgl. eine Reihe Thermometer-
+und Barometerbeobachtungen für 1860 von Aguirre aus Manila.
+
+
+Ich beschränke mich im Wesentlichen auf die Reihe 1 und werde
+nur einige Bemerkungen über das sonstige Material hinzufügen. Die
+Beobachtungszeiten waren 6, 2, 10, so dass nach Anbringung der für
+die Instrumente ermittelten Correktion die Mittelwerthe direkt als
+das arithmetische Mittel genommen werden konnten.
+
+
+I. Monatswerthe von Temperatur, Barometer, Dunstdruck, relativer
+Feuchtigkeit und mittlerer Windrichtung zu _Sta. Ana (Manila)_ in
+der Zeit vom April 1859 bis September 1862.
+
+ | Temperatur. | Barometer. | Dunstdr. | Druck der | Relative | Nieder- | Mittlere
+ | Mittel. | Maximum. | Minimum. | Mittel. | Maximum. | Minimum. | | trocknen | Feuchtigkeit | schlag | Windrichtung.
+ | | | | | | | | | | | | Luft. | | |
+ | | Tag | t | Tag | t | | Tag | t | Tag | t | | par.''' | % | par.''' |
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+1859 | | | | | | | | | | | | | | |
+ April | 20.82 | 25 | 28.0 | 5 | 15.0 | | | | | | -- | | -- | -- | S 77° 34' O
+ Mai | 22.50 | 13 | 27.5 | 14 | 19.0 | | | | | | -- | | -- | -- | N 45 0 W
+ Juni | 22.36 | 1 | 27.5 | 29 | 19.1 | | | | | | 9.32 | | 76.0 | -- | N 76 25 W
+ Juli | 21.52 | 7 | 26.6 | 12 | 17.8 | 335.63 | 15 | 336.58 | 27 | 334.11 | 9.48 | | 82.6 | 263.923 | S 45 0 W
+ August | 21.51 | 25 | 27.0 | 7 | 17.2 | | | | | | 9.48 | | 83.8 | 175.086 | S 66 55 W
+ Septbr.| 21.20 | 30 | 25.0 | 3 | 18.0 | | | | | | 9.64 | | 85.1 | 125.621 | S 7 53 W
+ Octbr. | 20.44 | 26 | 24.0 | 1 | 18.0 | | | | | | 9.42 | | 87.6 | 220.575 | N 83 59 O
+ Novbr. | 20.39 | 21 | 24.1 | 4 | 17.7 | | | | | | 9.03 | | 83.7 | 80.674 | S 54 44 W
+ Decbr. | 19.47 | 1 | 23.4 | 18 | 14.7 | | | | | | 8.26 | | 81.9 | 50.837 | N 45 0 O
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+1860 | | | | | | | | | | | | | | |
+ Januar | 19.25 | 19 | 23.1 | 9 | 14.6 | | | | | | 7.72 | | 78.7 | 12.486 | N 39 57 O
+ Febr. | 20.06 | 28 | 25.3 | 5 | 15.4 | | | | | | 8.21 | | 75.7 | 29.652 | S 45 0 W
+ März | 20.58 | 28 | 27.0 | 2 | 13.7 | | | | | | 7.82 | | 72.4 | 9.488 | N 45 0 O
+ April | 21.56 | 4 | 27.7 | 28 | 17.0 | | | | | | 8.24 | | 72.6 | 38.604 | N 46 58 O
+ Mai | 22.05 | 9 | 28.8 | 14 | 16.3 | | | | | | 8.70 | | 73.2 | 68.472 | S 72 52 O
+ Juni | 21.74 | 6 | 27.7 | 3 | 17.7 | | | | | | 9.42 | | 80.8 | 156.192 | S 33 2 W
+ Juli | 21.27 | 2 | 26.8 | 20 | 17.0 | | | | | | 9.43 | | 83.5 | 97.176 | S 22 44 W
+ August | 21.82 | 18 | 26.5 | 11 | 18.1 | | | | | | 9.75 | | 82.8 | 96.492 | S 45 0 W
+ Sept. | 21.21 | 4 | 25.9 | 24 | 17.6 | | | | | | 9.58 | | 83.5 | 257.136 | S 42 14 W
+ Oct. | 21.26 | 26 | 25.5 | 30 | 15.4 | | | | | | 9.37 | | 83.9 | 49.128 | S 69 53 O
+ Nov. | 20.16 | 2 | 24.6 | 26 | 12.7 | | | | | | 8.27 | | 79.5 | 18.408 | N 71 15 O
+ Dec. | 19.63 | 11 | 24.6 | 1 | 12.1 | | | | | | 7.82 | | 78.1 | 19.812 | N 45 0 O
+ Jahr | 20.72 | | | | | | | | | | | | | |
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+1861 | | | | | | | | | | | | | | |
+ Jan. | 19.45 | 31 | 24.2 | 18 | 14.2 | | | | | | 7.99 | | 79.2 | 22.980 | N 39 28 O
+ Febr. | 20.18 | 17 | 25.0 | 23 | 14.5 | | | | | | 7.87 | | 75.5 | 12.552 | N 57 26 O
+ März | 20.97 | 28 | 26.1 | 12 | 14.5 | | | | | | 7.98 | | 71.8 | 9.288 | S 83 13 O
+ April | 22.22 | 8 | 26.5 | 10 | 14.6 | | | | | | 8.83 | | 72.5 | 26.268 | S 48 50 O
+ Mai | (--) | -- | -- | -- | -- | | | | | | -- | | | 43.974 | --
+ Juni | 21.46 | 17 | 26.2 | 22 | 18.0 | | | | | | 9.15 | | 80.3 | 66.192 | S 33 29 O
+ Juli | 21.59 | 4 | 25.5 | 21 | 18.0 | | | | | | 9.34 | | 81.2 | 66.528 | S 18 14 W
+ August | 21.18 | 10 | 25.5 | 15 | 18.1 | | | | | | 9.52 | | 84.2 | 457.788 | S 43 52 W
+ Sept. | 21.05 | 13 | 24.4 | 4 | 17.8 | | | | | | 9.75 | | 87.1 | 198.516 | S 45 0 W
+ Oct. | 20.67 | 8 | 24.1 | 14 | 16.9 | 335.96 | 28 | 337.30 | 11 | 332.56 | 9.30 | 326.66 | 85.2 | 80.100 | N 53 52 O
+ Nov. | 20.10 | 10 | 24.1 | 27 | 14.4 | 36.86 | 26 | 37.83 | 12 | 35.88 | 8.17 | 28.69 | 78.7 | 7.500 | N 5 31 W
+ Dec. | 19.35 | 18 | 24.0 | 27 | 14.6 | 37.68 | 7 | 39.12 | 2 | 35.57 | 7.48 | 30.20 | 76.7 | 9.408 | N 61 1 O
+ Jahr | (20.80) | | | | | | | | | | | | | |
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+1862 | | | | | | | | | | | | | | |
+ Jan. | 19.19 | 31 | 23.8 | 24 | 14.5 | 37.76 | 14 | 39.12 | 8 | 36.01 | 7.27 | 30.39 | 74.9 | 6.912 | N 25 34 O
+ Febr. | 19.60 | 5 | 23.9 | 19 | 13.9 | 37.56 | 10 | 38.93 | 5 | 36.11 | 7.86 | 29.70 | 78.7 | 56.232 | N 39 47 W
+ März | 20.46 | 28 | 24.5 | 18 | 15.7 | 37.81 | 8 | 38.98 | 31 | 35.97 | 7.42 | 30.39 | 73.1 | 3.156 | N 90 0 O
+ April | 22.00 | 20 | 26.0 | 22 | 17.1 | 37.27 | 22 | 38.19 | 9 | 36.01 | 7.95 | 29.32 | 67.0 | 0.456 | S 45 0 O
+ Mai | 22.75 | 22 | 27.4 | 2 | 17.2 | 37.10 | 31 | 38.27 | 27 | 34.68 | 8.64 | 28.46 | 69.1 | 19.476 | S 9 10 W
+ Juni | 22.35 | 10 | 27.1 | 22 | 18.4 | 36.95 | 2 | 38.23 | 5 | 35.39 | 9.50 | 27.45 | 77.1 | 91.908 | S 40 29 W
+ Juli | 21.51 | 1 | 25.2 | 14 | 18.6 | 36.92 | 8 | 38.41 | 24 | 34.46 | 9.73 | 27.19 | 84.2 | 158.436 | S 45 0 W
+ August | 21.49 | 3 | 24.6 | 16 | 18.3 | 36.90 | 18 | 38.23 | 6 | 34.07 | 9.71 | 27.19 | 84.1 | 234.084 | S 46 6 W
+ Sept. | 21.27 | 21 | 24.7 | 4 | 18.1 | 37.15 | 27 | 38.50 | 23 | 35.00 | 9.69 | 27.46 | 85.8 | 153.288 | S 50 36 W
+
+
+Die Oscillationen um diese Mittelwerthe ergeben sich aus den
+Zusammenstellungen über die einzelnen Witterungsfaktoren, die ich
+hieran anschliesse.
+
+
+
+A. Die Temperaturen.
+
+
+Obwohl die Beobachtungsreihe zu kurz ist, um schon die 5 tägigen
+Mittel genau zu geben, führe ich dieselben doch zunächst auf, um den
+Gang der Wärme ausführlicher zu zeigen. Darauf folgen die extremen
+Temperaturwerthe in den einzelnen Monaten, sodann die Mittelwerthe
+der Monats- und Jahrestemperaturen nebst den Abweichungen von den
+Mittelwerthen. Endlich eine kleine Tafel über die Temperatur des
+Wassers in einem Brunnen, welche ein Jahr lang gemessen worden ist.
+
+
+II. Fünftägige Mittelwerthe der Lufttemperatur °R zu Sta. Ana (Manila)
+für die Zeit vom 1. April 1859 bis 2. October 1862.
+
+ | 1859 | 1860 | 1861 | 1862 | Mittel.| Grösste
+ | | | | | | Abweichung
+ | | | | | | vom Mittel.
+ | | | | | |
+ 1-5 Jan. | -- | 18.81 | 19.30 | 19.32 | 19.14 | -0.33
+ 6-10 | -- | 18.59 | 19.97 | 18.85 | 19.14 | -0.83
+ 11-15 | -- | 19.14 | 19.27 | 19.13 | 19.18 | +0.09
+ 16-20 | -- | 19.56 | 18.94 | 19.11 | 19.17 | +0.39
+ 21-25 | -- | 19.53 | 19.36 | 19.08 | 19.32 | -0.24
+ 26-30 | -- | 19.89 | 19.55 | 19.49 | 19.64 | +0.25
+ 31-4 Febr. | -- | 19.30 | 20.16 | 19.91 | 19.79 | -0.49
+ 5-9 | -- | 19.20 | 20.94 | 20.52 | 20.22 | -1.02
+ 10-14 | -- | 20.36 | 20.76 | 19.56 | 20.23 | -0.67
+ 15-19 | -- | 20.08 | 20.42 | 18.93 | 19.81 | -0.88
+ 20-24 | -- | 20.47 | 19.60 | 18.85 | 19.64 | -0.83
+ 25-1 März | -- | 20.77 | 19.29 | 20.48 | 20.18 | -0.89
+ 2-6 | -- | 20.54 | 20.95 | 20.41 | 20.63 | +0.32
+ 7-11 | -- | 20.50 | 20.88 | 20.27 | 20.55 | +0.33
+ 12-16 | -- | 20.60 | 19.64 | 20.21 | 20.15 | -0.51
+ 17-21 | -- | 19.80 | 21.22 | 20.15 | 20.39 | +0.83
+ 22-26 | -- | 20.70 | 21.51 | 20.58 | 20.93 | +0.58
+ 27-31 | -- | 21.33 | 21.85 | 21.02 | 21.40 | +0.45
+ 1-5 April | 19.11! | 21.46 | 21.70 | 21.53 | 20.95 | -1.84!
+ 6-10 | 21.28 | 21.10 | 22.29 | 21.98 | 21.66 | +0.63
+ 11-15 | 20.43 | 22.32 | 22.61 | 22.00 | 21.96 | -1.03
+ 16-20 | 20.48 | 21.43 | 22.54 | 22.40 | 21.71 | -1.23
+ 21-25 | 22.39 | 21.63 | 21.69 | 22.13 | 21.96 | +0.43
+ 26-30 | 20.74 | 21.44 | 22.99 | 21.97 | 21.79 | +1.20
+ 1-5 Mai | 22.40 | 21.67 | -- | 22.09 | 22.05 | -0.38
+ 6-10 | 22.33 | 22.57 | -- | 22.23 | 22.38 | +0.19
+ 11-15 | 22.25 | 22.33 | -- | 22.69 | 22.42 | +0.27
+ 16-20 | 22.60 | 22.40 | -- | 23.31 | 22.77 | +0.45
+ 21-25 | 23.23 | 21.80 | -- | 23.28 | 22.77 | -0.97
+ 26-30 | 22.51 | 21.60 | -- | 22.85 | 22.32 | -0.72
+ 31-4 Juni | 22.82 | 22.07 | -- | 22.98 | 22.62 | -0.55
+ 5-9 | 21.97 | 22.23 | -- | 22.98 | 22.39 | +0.59
+ 10-14 | 22.62 | 21.70 | 21.52 | 22.11 | 21.99 | +0.63
+ 15-19 | 21.84 | 22.16 | 22.14 | 21.81 | 21.99 | -0.18
+ 20-24 | 22.41 | 21.32 | 21.64 | 22.25 | 21.91 | -0.59
+ 25-29 | 22.23 | 21.00 | 20.69 | 22.24 | 21.54 | -0.85
+ 30-4 Juli | 22.07 | 22.10 | 21.93 | 21.94 | 22.01 | +0.09
+ 5-9 | 22.58 | 21.38 | 21.86 | 20.88 | 21.68 | +0.90
+ 10-14 | 21.58 | 21.48 | 22.19 | 21.23 | 21.62 | +0.57
+ 15-19 | 21.56 | 20.95 | 21.01 | 21.07 | 21.15 | +0.41
+ 20-24 | 20.94 | 21.03 | 21.33 | 21.28 | 21.15 | -0.21
+ 25-29 | 21.04 | 20.89 | 21.27 | 22.43 | 21.41 | -0.52
+ 30-3 Aug. | 20.72 | 21.03 | 21.32 | 22.38 | 21.34 | +1.06
+ 4-8 | 21.69 | 21.69 | 21.55 | 21.51 | 21.61 | +0.08
+ 9-13 | 20.96 | 21.57 | 22.03 | 21.91 | 21.62 | +0.41
+ 14-18 | 21.43 | 21.88 | 20.88 | 20.34 | 21.13 | -0.79
+ 19-23 | 21.36 | 21.89 | 21.77 | 21.47 | 21.62 | -0.26
+ 24-28 | 21.45 | 22.19 | 20.33 | 21.69 | 21.42 | -1.09
+ 29-2 Sept. | 20.73 | 21.81 | 20.54 | 22.25 | 21.33 | +0.92
+ 3-7 | 21.26 | 21.77 | 20.55 | 21.55 | 21.28 | -0.73
+ 8-12 | 21.38 | 21.93 | 21.55 | 21.35 | 21.55 | +0.38
+ 13-17 | 21.31 | 21.77 | 20.80 | 21.04 | 21.23 | -0.43
+ 18-22 | 21.36 | 20.50 | 21.60 | 21.19 | 21.18 | -0.68
+ 23-27 | 20.80 | 20.57 | 20.98 | 20.72 | 20.77 | +0.21
+ 28-2 Oct. | 21.07 | 20.43 | 20.69 | 20.61 | 20.70 | +0.37
+ 3-7 | 20.63 | 21.19 | 20.75 | -- | 20.86 | +0.33
+ 8-12 | 20.26 | 20.93 | 21.46 | -- | 20.88 | -0.62
+ 13-17 | 19.49 | 21.16 | 20.41 | -- | 20.35 | -0.86
+ 18-22 | 20.35 | 21.77 | 20.58 | -- | 20.90 | +0.87
+ 23-27 | 20.89 | 21.35 | 20.37 | -- | 20.87 | +0.48
+ 28-1 Nov. | 21.06 | 21.49 | 20.35 | -- | 20.97 | -0.62
+ 2-6 | 20.81 | 20.61 | 20.80 | -- | 20.74 | -0.13
+ 7-11 | 20.08 | 20.49 | 20.89 | -- | 20.49 | +0.40
+ 12-16 | 20.29 | 19.88 | 20.11 | -- | 20.09 | -0.21
+ 17-21 | 20.25 | 19.70 | 20.07 | -- | 20.01 | -0.31
+ 22-26 | 20.26 | 20.46 | 19.51 | -- | 20.08 | -0.57
+ 27-1 Dec. | 20.29 | 19.19 | 18.87 | -- | 19.45 | +0.84
+ 2-6 | 19.69 | 19.53 | 18.72 | -- | 19.31 | -0.59
+ 7-11 | 19.95 | 21.02 | 19.25 | -- | 20.07 | +0.95
+ 12-16 | 19.86 | 19.95 | 19.84 | -- | 19.88 | +0.07
+ 17-21 | 18.15 | 19.13 | 19.85 | -- | 19.04 | -0.89
+ 22-26 | 19.49 | 19.19 | 19.48 | -- | 19.39 | -0.20
+ 27-31 | 19.72 | 19.10 | 19.13 | -- | 19.32 | +0.40
+
+
+Die grössten Abweichungen der 5 tägigen Mittel in den einzelnen
+Jahren gegen den Durchschnittswerth betragen hiernach etwa 1°; nur
+die Pentade 1-5 April macht eine Ausnahme, indessen ist der niedrige
+Werth unsicher, weil in den Originalbeobachtungen ein Tag fehlt.
+
+Die auf Sta. Ana als Normalort zu reducirenden einzelnen Beobachtungen
+werden daher mit einer Unsicherheit von etwa 1° R. behaftet sein.
+
+Der Gang der Temperatur ist bemerkenswerth besonders durch die frühe
+Entwickelung des Wärmemaximums in der Zeit vom 16. bis 25. Mai. Das
+Jahresminimum fällt in die erste Hälfte des Januar und ein zweites
+kurz andauerndes Minimum in den December. Es ist zu bedauern, dass
+gerade für die Feststellung der Extreme die Sicherheit wegen des
+Fehlens eines der vier Beobachtungsjahre vermindert ist.
+
+
+III. Mittlere Monatstemperaturen und Extreme der Monatstemperaturen
+zu Sta. Ana vom April 1859 bis September 1862.
+
+ | 1859 | 1860 | 1861 | 1861 | Durchschnitt.
+ | | | | | | Abweichung.
+ | | | | | |
+Januar. | | | | | |
+ Monatsmittel | -- | 19.25 | 19.45 | 19.19 | 19.30 | +0.15
+ Maximum | -- | 23.1 | 24.4 | 24.0 | 23.8 | -0.7
+ Minimum | -- | 14.6 | 14.0 | 14.3 | 14.3 | +0.3
+ Differenz | -- | 8.5 | 10.4 | 9.7 | 9.5 | -1.0
+ | | | | | |
+Februar. | | | | | |
+ Monatsmittel | -- | 20.06 | 20.18 | 19.60 | 19.95 | -0.35
+ Maximum | -- | 24.6 | 25.2 | 24.1 | 24.6 | +0.6
+ Minimum | -- | 15.6 | 14.3 | 13.7 | 14.5 | +1.1
+ Differenz | -- | 9.0 | 10.9 | 10.4 | 10.1 | +0.8
+ | | | | | |
+März. | | | | | |
+ Monatsmittel | -- | 20.58 | 20.97 | 20.46 | 20.67 | +0.30
+ Maximum | -- | 26.1 | 26.3 | 24.7 | 25.7 | -1.0
+ Minimum | -- | 13.9 | 14.3 | 15.5 | 14.6 | +0.9
+ Differenz | -- | 12.2 | 12.0 | 9.2 | 11.1 | -1.9
+ | | | | | |
+April. | | | | | |
+ Monatsmittel | 20.82 | 21.56 | 22.22 | 22.00 | 21.65 | -0.83
+ Maximum | 28.0 | 26.8 | 26.7 | 26.2 | 26.9 | +1.1
+ Minimum | 15.0 | 17.2 | 17.4 | 16.9 | 16.3 | -1.3
+ Differenz | 13.0 | 9.6 | 9.3 | 9.3 | 10.3 | +2.7
+ | | | | | |
+Mai. | | | | | |
+ Monatsmittel | 22.50 | 22.05 | -- | 22.75 | 22.43 | +0.32
+ Maximum | 27.5 | 27.9 | -- | 27.6 | 27.7 | +0.2
+ Minimum | 19.0 | 16.5 | -- | 17.0 | 17.5 | 1.5
+ Differenz | 8.5 | 11.4 | -- | 10.6 | 10.2 | -1.7
+ | | | | | |
+Juni. | | | | | |
+ Monatsmittel | 22.36 | 21.74 | 21.46 | 22.35 | 21.98 | -0.52
+ Maximum | 27.5 | 26.8 | 26.4 | 27.3 | 27.0 | -0.6
+ Minimum | 19.1 | 17.9 | 17.8 | 18.2 | 18.3 | +0.8
+ Differenz | 8.4 | 8.9 | 8.6 | 9.1 | 8.7 | +0.4
+ | | | | | |
+Juli. | | | | | |
+ Monatsmittel | 21.52 | 21.27 | 21.59 | 21.51 | 21.47 | -0.20
+ Maximum | 26.6 | 25.9 | 25.7 | 25.4 | 25.9 | +0.7
+ Minimum | 17.8 | 17.1 | 17.8 | 18.4 | 17.8 | -0.7
+ Differenz | 8.8 | 8.8 | 7.9 | 7.0 | 8.1 | -1.1
+ | | | | | |
+August. | | | | | |
+ Monatsmittel | 21.51 | 21.82 | 21.18 | 21.49 | 21.50 | 0.32
+ Maximum | 27.0 | 25.6 | 25.7 | 24.8 | 25.8 | +1.2
+ Minimum | 17.2 | 18.3 | 17.9 | 18.3 | 17.9 | -0.7
+ Differenz | 9.8 | 7.3 | 7.8 | 6.5 | 7.9 | 1.4
+ | | | | | |
+Septbr. | | | | | |
+ Monatsmittel | 21.20 | 21.21 | 21.05 | 21.27 | 21.18 | -0.13
+ Maximum | 25.0 | 25.0 | 24.6 | 24.9 | 24.9 | -0.3
+ Minimum | 18.0 | 17.8 | 17.6 | 17.9 | 17.8 | 0.2
+ Differenz | 7.0 | 7.2 | 7.0 | 7.0 | 7.1 | 0.1
+ | | | | | |
+October. | | | | | |
+ Monatsmittel | 20.44 | 21.26 | 20.67 | -- | 20.79 | +0.47
+ Maximum | 24.0 | 24.6 | 24.3 | -- | 24.3 | 0.3
+ Minimum | 18.0 | 15.6 | 16.7 | -- | 16.8 | 1.2
+ Differenz | 6.0 | 9.0 | 7.6 | -- | 7.5 | 1.5
+ | | | | | |
+Novbr. | | | | | |
+ Monatsmittel | 20.39 | 20.16 | 20.10 | -- | 20.22 | +0.17
+ Maximum | 24.1 | 23.7 | 24.3 | -- | 24.0 | 0.3
+ Minimum | 17.7 | 12.9 | 14.2 | -- | 14.9 | +2.8
+ Differenz | 6.4 | 10.8 | 10.1 | -- | 9.1 | -2.9
+ | | | | | |
+Decbr. | | | | | |
+ Monatsmittel | 19.47 | 19.63 | 19.35 | -- | 19.48 | +0.15
+ Maximum | 23.4 | 23.7 | 24.2 | -- | 23.8 | 0.4
+ Minimum | 14.7 | 12.3 | 14.4 | -- | 13.8 | -1.5
+ Differenz | 8.7 | 11.4 | 9.8 | -- | 10.0 | +1.4
+
+
+Die Werthe aus dieser Tafel anders geordnet, um die Uebersicht der
+Schwankungen der einzelnen Jahre und die Jahresmittel zu gewinnen,
+ergeben die folgende Tabelle:
+
+
+IV.
+
+ | 1859 | 1860 | 1861 | 1863 | Monats- | Grösste | Mittleres | Mittleres | Differenz. | Absolutes | Maxim. | Absolutes | Min.
+ | | | | | Mittel | Abweich- | Maximum. | Minimum. | | t | Jahr. | t | Jahr.
+ | | | | | | ung. | | | | | | |
+ | | | | | | | | | | | | |
+Januar | (19.30) | 19.25 | 19.45 | 19.19 | 19.30 | 0.15 | 23.8 | 14.3 | 9.5 | 24.4 | 1861 | 14.0 | 1861
+Februar | (19.95) | 20.06 | 20.18 | 19.60 | 19.95 | 0.35 | 24.6 | 14.5 | 10.1 | 25.2 | 1861 | 13.7 | 1862
+März | (20.67) | 20.58 | 20.97 | 20.46 | 20.67 | 0.30 | 25.7 | 14.6 | 11.1 | 26.3 | 1861 | 13.9 | 1860
+April | 20.82 | 21.56 | 22.22 | 22.00 | 21.65 | 0.83 | 26.9 | 16.6 | 10.3 | 28.0 | 1859 | 15.0 | 1859
+Mai | 22.50 | 22.05 | (22.43) | 22.75 | 22.43 | 0.32 | 27.7 | 17.5 | 10.2 | 27.9 | 1860 | 16.5 | 1860
+Juni | 22.36 | 21.74 | 21.46 | 22.35 | 21.98 | 0.38 | 27.0 | 18.3 | 8.7 | 27.5 | 1859 | 17.8 | 1861
+Juli | 21.52 | 21.27 | 21.59 | 21.51 | 21.47 | 0.20 | 25.9 | 17.8 | 8.1 | 26.6 | 1859 | 17.1 | 1860
+August | 21.51 | 21.82 | 21.18 | 21.49 | 21.50 | 0.32 | 25.8 | 17.9 | 7.9 | 27.0 | 1859 | 17.2 | 1859
+September | 21.20 | 21.21 | 21.05 | 21.27 | 21.18 | 0.13 | 24.9 | 17.8 | 7.1 | 25.0 | 1860 | 17.6 | 1861
+October | 20.44 | 21.26 | 20.67 | (20.79) | 20.79 | 0.47 | 24.3 | 16.8 | 7.5 | 24.6 | 1860 | 15.6 | 1860
+November | 20.39 | 20.16 | 20.10 | (20.22) | 20.22 | 0.17 | 24.0 | 14.9 | 9.1 | 24.3 | 1861 | 12.9 | 1860
+December | 19.47 | 19.63 | 19.35 | (19.48) | 19.48 | 0.15 | 23.8 | 13.8 | 10.0 | 24.2 | 1861 | 12.3 | 1860
+ | | | | | | | | | | | | |
+Jahr | 20.844 | 20.882 | 20.887 | 20.926 | 20.885 | 0.041 | 25.37 | 16.23 | 9.14 | 28.0 | 1859 | 12.3 | 1860
+ | | | | | | | | | | | | |
+Grösste | | | | | | | | | | | | |
+Differenz | | | | | | | | | | | | |
+im Jahre | 3.20 | 2.80 | 3.08 | 3.56 | 3.13 | | | | | | | |
+
+
+V. Mittlere Temperatur des Brunnenwassers verglichen mit der der Luft.
+
+ | 1861 | 1862 | Mittel.
+ | Brunnen | Luft | Brunnen | Luft | Brunnen | Luft
+ | | | | | |
+Januar | -- | -- | 20.0 | 19.19 | 20.0 | 19.19
+Februar | -- | -- | 20.0 | 19.60 | 20.0 | 19.60
+März | -- | -- | 20.4 | 20.46 | 20.4 | 20.46
+April | 21.2 | 22.22 | 20.9 | 22.00 | 21.05 | 22.11
+Mai | -- | -- | 21.2 | 22.75 | 21.2 | 22.75
+Juni | -- | -- | 21.2 | 22.35 | 21.2 | 22.35
+Juli | 21.6 | 21.59 | 21.3 | 21.51 | 21.45 | 21.55
+August | 21.6 | 21.18 | 21.5 | 21.49 | 21.55 | 21.34
+September | 21.2 | 21.05 | 21.2 | 21.27 | 21.2 | 21.12
+October | 21.1 | 20.67 | -- | -- | 21.1 | 20.67
+November | 20.8 | 20.10 | -- | -- | 20.8 | 20.10
+December | 20.5 | 19.35 | -- | -- | 20.5 | 19.35
+ | | | | | |
+Jahr | | | | | 20.87 | 20.88
+
+
+Die Monatstemperaturen wird man, wie aus obigen Tafeln hervorgeht,
+durch die vorliegenden Beobachtungen bis auf eine Fehlergrenze von
+etwa 0°,3 R. sicher bestimmt halten dürfen. Nur der Aprilmonat macht
+eine Ausnahme, indem hier die Sicherheit bis auf 0°,83 vermindert
+ist, eine zweite etwas stärkere als die mittlere Schwankung tritt
+im October mit 0°,47 ein. Ohne Zweifel hängt dies mit dem in den
+genannten Monaten eintretenden, sich aber in den verschiedenen Jahren
+etwas verschiebenden Umsetzen der Hauptwindrichtung zusammen, indem
+im April der Uebergang aus dem NO. des Winters in den SW. des Sommers
+liegt und im October der N. wieder einfällt.
+
+Der wärmste Monat (Mai) und der kälteste (Januar) weichen nur 3°,13
+durchschnittlich von einander ab und diese Differenz schwankt in den
+einzelnen Jahren um keinen halben Grad.
+
+Das absolute Maximum (28°) fällt zwar einmal in den April, sonst
+liegt aber mit grosser Regelmässigkeit das Maximum der Wärme im
+Mai mit durchschnittlich 27°7. Das absolute Minimum sowohl wie der
+durchschnittlich kleinste Werth der Minima fällt in den December,
+dessen kürzere Kälteperiode also intensiver ist als die längere
+des Januar.
+
+Das Jahresmittel zeigt sich sowohl in den einzelnen Jahren so
+übereinstimmend als auch durch die Vergleichung der Luft- und
+Wassertemperatur so gleichmässig festgestellt, dass dasselbe als
+völlig genau mit 20°,88 bestimmt anzusehen ist.
+
+
+
+B. Luftdruck.
+
+
+Barometerbeobachtungen liegen allerdings wie Tab. I zeigt nur vor
+einem Jahresumfang vor; indessen werden dieselben auch als ziemlich
+gute Mittelwerthe anzusehen sein, da die Schwankungen des Luftdrucks
+überhaupt nicht bedeutend sind.
+
+Die folgende Tafel wiederholt die Werthe aus Tab. I unter Hinzufügung
+des Werthes der extremsten Schwankungen im Laufe des Monats und
+des Tages.
+
+
+VI. Luftdruck zu Sta. Ana. paris. '''
+
+ | Baro- | Grösste | Grösste | Druck der | Grösste | Grösste
+ | meter- | Monats- | Tages- | trocknen | Monats- | Tages-
+ | Mittel | schwankung | schwankung | Luft | schwankung | schwankung
+ | | | | | |
+Januar | 337.76 | 3.11 | 1.59 | 330.49 | 4.37 | 2.24
+Februar | 7.55 | 2.82 | 1.99 | 29.69 | 3.64 | 3.21
+März | 7.80 | 3.01 | 1.06 | 30.38 | 4.19 | 1.13
+April | 7.29 | 2.18 | 1.59 | 29.75 | 2.79 | 1.67
+Mai | 7.11 | 3.59 | 1.86 | 28.47 | 3.63 | 0.63
+Juni | 6.93 | 2.84 | 1.86 | 27.43 | 3.07 | 0.91
+Juli | 6.93 | 3.95 | 1.33 | 27.20 | 4.30 | 2.51
+August | 6.95 | 4.16 | 1.55 | 27.24 | 4.71 | 1.90
+September | 7.32 | 3.50 | 1.33 | 27.63 | 4.50 | 1.88
+October | 5.96 | 4.74 | 1.51 | 26.66 | 5.68 | 1.06
+November | 6.86 | 1.95 | 1.24 | 28.69 | 3.90 | 1.18
+December | 7.68 | 3.55 | 1.46 | 30.20 | 4.45 | 0.69
+ | | | | | |
+Jahr | 337.18 | | | 328.65 | |
+ | | | | | |
+Winter | 7.66 | | | 30.13 | |
+Frühling | 7.40 | | | 29.53 | |
+Sommer | 6.94 | | | 27.29 | |
+Herbst | 6.71 | | | 27.66 | |
+
+
+Der Gang des Luftdruckes bezeichnet sichtlich die beiden
+Hauptwindrichtungen des Jahres, selbst das Barometer lässt dies
+erkennen, auch ohne Rücksicht auf die durch die Dunstspannung bewirkte
+theilweise Ausgleichung. Schärfer wird dies in dem Gange des Druckes
+der trocknen Luft ausgedrückt. Den vollen Gegensatz erhält man erst,
+indem man die Monate mit überwiegend herrschendem NO. im Uebergang
+von November bis April dann mit herrschenden SW. (im Uebergang) von
+Mai bis October zusammenfasst, dann sind vom Nov. an die aufeinander
+folgenden Mittelwerthe des Drucks der trocknen Luft: 329.79; 329.94;
+327.70; 327.18.
+
+Die grosse Gleichmässigkeit des Klimas ist in den geringfügigen
+Schwankungen des Luftdrucks ausgesprochen.
+
+
+
+C. Luftfeuchtigkeit und Hydrometeore.
+
+
+Die Mittelwerthe für die Dunstspannung und relative Feuchtigkeit und
+die Summen des Niederschlags sind bereits in Tab. I enthalten. Zur
+Uebersichtlichkeit der Durchschnittswerthe sind die folgenden Tabellen
+dienend, in denen die Extreme hinzugefügt sind und zugleich die
+mit den Hydrometeoren unmittelbar zusammenhängenden Erscheinungen
+aufgeführt werden.
+
+
+VII. Luftfeuchtigkeit und Hydrometeore in den Jahren 1869-62 zu
+Sta. Ana _für die einzelnen Monate zusammengestellt._
+
+ | Dunstspannung. | Relative Feuchtigkeit. Nieder- | Anzahl der Tage mit | Gewitter | Wetter-
+ | Mittel | Max | Min | Diff | Mittel | Max | Min | Diff | schlag | Nebel | Regen | Hagel | nah | entf. | leuchten.
+ | | | | | | | | | '''paris. | | | | | |
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Januar | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ 1860 | 7.72 | 9.59 | 5.93 | 3.66 | 78.7 | 93 | 50 | 43 | 12.486 | 3 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0
+ 1861 | 7.99 | 9.50 | 6.34 | 3.16 | 79.2 | 96 | 49 | 47 | 22.980 | 3 | 8 | 0 | 0 | 0 | 1
+ 1862 | 7.27 | 9.06 | 5.87 | 3.19 | 74.9 | 96 | 40 | 56 | 6.912 | 1 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0
+Durchschn. | 7.66 | 9.38 | 6.05 | 3.33 | 77.6 | 95 | 46 | 49 | 14.126 | 2.3 | 6.7 | 0 | 0 | 0 | 0.3
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Februar | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 8 | 3 | 0 | 0 | 0 | 0
+ 1860 | 8.21 | 9.96 | 6.56 | 3.40 | 75.7 | 94 | 58 | 36 | 29.652 | 2 | 4 | 0 | 0 | 0 | 0
+ 1861 | 7.87 | 9.39 | 5.99 | 3.40 | 75.5 | 94 | 30 | 64 | 12.552 | 0 | 9 | 0 | 0 | 0 | 1
+ 1862 | 7.86 | 9.36 | 5.54 | 3.82 | 78.7 | 98 | 51 | 47 | 56.232 | 1 | 13 | 0 | 2 | 0 | 1
+Durchschn. | 7.98 | 9.57 | 6.03 | 3.54 | 76.6 | 95 | 46 | 49 | 32.812 | 2.8 | 7.3 | 0 | 0.5 | 0 | 0.5
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+März | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 5 | 4 | 0 | 0 | 0 | 2
+ 1860 | 7.82 | 9.84 | 6.01 | 3.83 | 72.4 | 90 | 28 | 62 | 9.488 | 8 | 4 | 0 | 2 | 1 | 2
+ 1861 | 7.98 | 9.69 | 5.98 | 3.71 | 71.8 | 97 | 39 | 58 | 9.288 | 5 | 6 | 0 | 0 | 4 | 8
+ 1862 | 7.42 | 9.53 | 6.28 | 3.25 | 73.1 | 93 | 42 | 51 | 3.156 | 0 | 2 | 0 | 0 | 0 | 1
+Durchschn. | 7.71 | 9.69 | 6.09 | 3.06 | 72.4 | 93 | 36 | 57 | 7.311 | 4.5 | 4.0 | 0 | 0.5 | 1.3 | 3.3
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+April | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 0 | 5 | 0 | 1 | 2 | 1
+ 1860 | 8.24 | 10.15 | 6.64 | 3.51 | 72.6 | 97 | 49 | 48 | 38.604 | 2 | 5 | 0 | 3 | 0 | 2
+ 1861 | 8.81 | 10.47 | 7.23 | 3.24 | 72.5 | 95 | 47 | 48 | 26.268 | 1 | 6 | 0 | 5 | 5 | 16
+ 1862 | 7.95 | 9.95 | 6.62 | 3.33 | 67.0 | 97 | 37 | 60 | 0.456 | 0 | 1 | 0 | 0 | 2 | 9
+Durchschn. | 8.33 | 10.19 | 6.83 | 3.36 | 70.7 | 96 | 44 | 52 | 21.776 | 0.8 | 4.3 | 0 | 2.3 | 2.3 | 7.0
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Mai | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 0 | 4 | 0 | 1 | 2 | 2
+ 1860 | 8.71 | 10.88 | 6.19 | 4.69 | 73.2 | 96 | 36 | 60 | 68.472 | 0 | 11 | 0 | 10 | 2 | 8
+ 1861 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | 43.974 | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ 1862 | 8.64 | 10.57 | 5.83 | 4.74 | 69.1 | 99 | 31 | 68 | 19.476 | 0 | 6 | 0 | 2 | 8 | 12
+Durchschn. | 8.68 | 10.73 | 6.01 | 4.72 | 71.2 | 98 | 34 | 64 | 43.974 | 0 | 7 | 0 | 4.3 | 4.0 | 7.3
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Juni | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 9.32 | 10.25 | 8.57 | 1.68 | 76.0 | 98 | 54 | 44 | -- | 0 | 13 | 0 | 5 | 5 | 6
+ 1860 | 9.42 | 11.10 | 7.13 | 3.97 | 80.8 | 95 | 37 | 58 | 156.192 | 1 | 20 | 0 | 6 | 2 | 6
+ 1861 | 9.15 | 10.47 | 8.36 | 2.11 | 80.3 | 92 | 50 | 42 | 66.192 | 0 | 17 | 0 | 3 | 5 | 10
+ 1862 | 9.50 | 10.91 | 8.29 | 2.62 | 77.1 | 95 | 45 | 50 | 91.908 | 1 | 12 | 0 | 10 | 7 | 13
+Durchschn. | 9.35 | 10.68 | 8.09 | 2.59 | 78.6 | 95 | 47 | 48 | 104.764 | 0.5 | 15.5 | 0 | 6.0 | 4.8 | 8.3
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Juli | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 9.48 | 10.41 | 8.64 | 1.77 | 82.6 | 97 | 54 | 43 | 263.923 | 1 | 25 | 0 | 5 | 3 | 8
+ 1860 | 9.43 | 10.93 | 7.74 | 3.19 | 83.5 | 99 | 56 | 43 | 97.176 | 0 | 15 | 0 | 10 | 1 | 6
+ 1861 | 9.36 | 10.86 | 8.11 | 2.75 | 81.2 | 96 | 52 | 44 | 66.528 | 0 | 19 | 0 | 7 | 11 | 10
+ 1862 | 9.73 | 10.69 | 8.79 | 1.90 | 84.2 | 95 | 61 | 34 | 158.436 | 0 | 23 | 0 | 4 | 9 | 5
+Durchschn. | 9.50 | 10.72 | 8.32 | 2.40 | 82.9 | 97 | 56 | 41 | 146.516 | 0.3 | 20.5 | 0 | 6.5 | 6.0 | 7.3
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+August | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 9.48 | 10.65 | 8.35 | 2.30 | 83.8 | 96 | 63 | 33 | 175.086 | 2 | 16 | 0 | 5 | 6 | 2
+ 1860 | 9.75 | 10.82 | 8.76 | 2.06 | 82.8 | 95 | 63 | 32 | 96.492 | 0 | 16 | 0 | 11 | 7 | 12
+ 1861 | 9.52 | 10.55 | 8.36 | 2.19 | 84.2 | 99 | 60 | 39 | 457.788 | 0 | 21 | 0 | 6 | 3 | 6
+ 1862 | 9.71 | 10.90 | 8.22 | 2.68 | 84.1 | 97 | 66 | 31 | 234.084 | 0 | 23 | 0 | 7 | 5 | 3
+Durchschn. | 9.62 | 10.73 | 8.42 | 2.31 | 83.7 | 97 | 63 | 34 | 240.863 | 0.5 | 19.0 | 0 | 7.3 | 5.3 | 5.8
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+September | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 9.64 | 10.64 | 8.37 | 2.27 | 85.1 | 94 | 63 | 31 | 125.621 | 0 | 26 | 0 | 9 | 1 | 0
+ 1860 | 9.58 | 10.90 | 7.61 | 3.29 | 83.5 | 95 | 54 | 41 | 257.136 | 0 | 25 | 0 | 13 | 1 | 4
+ 1861 | 9.75 | 10.96 | 8.79 | 2.18 | 87.1 | 99 | 65 | 34 | 198.516 | 0 | 25 | 0 | 12 | 6 | 5
+ 1862 | 9.69 | 10.66 | 8.88 | 1.78 | 85.8 | 97 | 58 | 39 | 153.288 | 1 | 19 | 0 | 5 | 4 | 4
+Durchschn. | 9.67 | 10.79 | 8.41 | 2.38 | 85.4 | 96 | 60 | 36 | 183.640 | 0.3 | 23.8 | 0 | 9.8 | 3.0 | 3.3
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+October | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 9.42 | 10.64 | 8.35 | 2.29 | 87.6 | 96 | 61 | 35 | 220.575 | 2 | 21 | 0 | 0 | 0 | 2
+ 1860 | 9.37 | 10.89 | 7.94 | 2.95 | 83.9 | 96 | 59 | 37 | 49.128 | 1 | 14 | 0 | 7 | 2 | 6
+ 1861 | 9.30 | 10.47 | 7.90 | 2.57 | 85.2 | 99 | 54 | 45 | 80.100 | 1 | 18 | 0 | 3 | 3 | 4
+ 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -
+Durchschn. | 9.36 | 10.67 | 8.06 | 2.61 | 85.6 | 97 | 58 | 39 | 116.601 | 1.3 | 17.7 | 0 | 3.3 | 1.7 | 4.0
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+November | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 9.03 | 10.53 | 6.78 | 3.75 | 83.7 | 98 | 49 | 49 | 80.674 | 0 | 17 | 0 | 1 | 1 | 0
+ 1860 | 8.27 | 9.93 | 6.11 | 3.82 | 79.5 | 93 | 42 | 51 | 18.408 | 2 | 7 | 0 | 1 | 0 | 1
+ 1861 | 8.17 | 10.42 | 6.29 | 4.13 | 78.7 | 96 | 50 | 46 | 7.500 | 0 | 6 | 0 | 0 | 2 | 5
+ 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -
+Durchschn. | 8.49 | 10.29 | 6.39 | 3.90 | 80.6 | 96 | 47 | 49 | 35.527 | 0.7 | 10.0 | 0 | 0.7 | 1.0 | 2.0
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+December | | | | | | | | | | | | | | |
+ 1859 | 8.26 | 9.71 | 6.08 | 3.63 | 81.9 | 94 | 59 | 35 | 50.837 | 3 | 9 | 0 | 0 | 1 | 0
+ 1860 | 7.82 | 9.56 | 5.98 | 3.58 | 78.1 | 94 | 48 | 46 | 19.812 | 4 | 6 | 0 | 0 | 0 | 0
+ 1861 | 7.48 | 9.92 | 5.81 | 4.11 | 76.7 | 96 | 43 | 53 | 9.408 | 1 | 7 | 0 | 0 | 0 | 0
+ 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+Durchschn. | 7.85 | 9.73 | 5.96 | 3.77 | 78.9 | 95 | 50 | 45 | 26.686 | 2.7 | 7.3 | 0 | 0 | 0.3 | 0
+
+
+Für die Durchschnittwerthe der ganzen Beobachtungsreihe ergiebt sich
+hieraus die folgende Uebersicht:
+
+
+VIII. Mittelwerthe der Luftfeuchtigkeit, des Niederschlages, der Regen-
+und Gewittertage zu Sta. Ana.
+
+ | Dunstspannung. | Relative Feuchtigkeit. Nieder- | Anzahl der Tage mit | Gewitter | Wetter-
+ | Mittel | Max | Min | Diff | Mittel | Max | Min | Diff | schlag | Nebel | Regen | Hagel | nah | entf. | leuchten.
+ | | | | | | | | | '''paris. | | | | | |
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Januar | 7.66 | 9.38 | 6.05 | 3.33 | 77.6 | 95 | 46 | 49 | 14.126 | 2.3 | 6.7 | | 0 | 0 | 0.3
+Februar | 7.98 | 9.57 | 6.03 | 3.54 | 76.6 | 95 | 46 | 49 | 32.812 | 2.8 | 7.3 | | 0.5 | 0 | 0.3
+März | 7.71 | 9.69 | 6.09 | 3.60 | 72.4 | 93 | 36 | 57 | 7.311 | 4.5 | 4.0 | | 0.5 | 1.3 | 3.3
+April | 8.33 | 10.19 | 6.83 | 3.36 | 70.7 | 96 | 44 | 52 | 21.776 | 0.8 | 4.3 | | 2.3 | 2.3 | 7.0
+Mai | 8.68 | 10.73 | 6.01 | 4.72 | 71.2 | 98 | 34 | 64 | 43.974 | 0 | 7.0 | | 4.3 | 4.0 | 7.3
+Juni | 9.35 | 10.68 | 8.09 | 2.59 | 78.6 | 95 | 47 | 48 | 104.764 | 0.5 | 15.5 | | 6.0 | 4.8 | 8.3
+Juli | 9.50 | 10.72 | 8.32 | 2.40 | 82.9 | 97 | 56 | 41 | 146.516 | 0.3 | 20.5 | | 6.5 | 6.0 | 7.3
+August | 9.62 | 10.73 | 8.42 | 2.31 | 83.7 | 97 | 63 | 34 | 240.863 | 0.5 | 19.0 | | 7.3 | 5.3 | 5.8
+September | 9.67 | 10.79 | 8.41 | 2.38 | 85.4 | 96 | 60 | 36 | 183.640 | 0.3 | 23.8 | | 9.8 | 3.0 | 3.3
+October | 9.36 | 10.67 | 8.06 | 2.61 | 85.6 | 97 | 58 | 39 | 116.601 | 1.3 | 17.7 | | 3.3 | 1.7 | 4.0
+November | 8.49 | 10.29 | 6.39 | 3.90 | 80.6 | 96 | 47 | 49 | 35.527 | 0.7 | 10.0 | | 0.7 | 1.0 | 2.0
+December | 7.85 | 9.73 | 5.96 | 3.77 | 78.9 | 95 | 50 | 45 | 26.686 | 2.7 | 7.3 | | 0 | 0.3 | 0
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Jahr | 8.68 | | | | 78.7 | | | | 974.596 | 17 | 143 | | 41 | 30 | 49
+ | | | | | | | | | 8''216 | | | | | |
+ | | | | | | | | | | | | | | |
+Winter | 7.83 | | | | 77.7 | | | | 73'''.624 | 8 | 21.3 | | 0.5 | 0.3 | 0.6
+Frühling | 8.24 | | | | 71.4 | | | | 73.051 | 5.3 | 15.3 | | 7.1 | 7.6 | 17.6
+Sommer | 9.49 | | | | 81.7 | | | | 492.143 | 1.3 | 55 | | 19.8 | 16.1 | 21.4
+Herbst | 9.17 | | | | 83.9 | | | | 334.768 | 2.3 | 51.5 | | 13.8 | 5.7 | 9.3
+
+
+Zur Charakteristik des Klima's sind die vorstehenden Tafeln sehr
+bezeichnend. Die hohe Dunstspannung ist wegen der Gleichmässigkeit der
+Temperatur keinen bedeutenden Schwankungen im Jahre unterworfen. Die
+Jahreszeit der höchsten Dunstspannung ist der Sommer, aber das absolute
+Maximum fällt noch für ein Jahr in den September, wie überhaupt der
+Herbst dem Sommer in der Grösse der Dunstspannung zunächst. Wieder
+müsste man, um die Extreme der Jahreszeiten vollständig zu zeigen,
+im Zusammenhang mit den Windrichtungen die Zeiten Mai bis October
+und November bis April einander gegenüber stellen (9''',36 :
+8''',00).
+
+Wie nahe die Luft das ganze Jahr hindurch dem Sättigungspunkte kommt,
+ergibt sich aus der Tabelle, in welcher das Maximum der relativen
+Feuchtigkeit in jedem Monate zwischen 90 und 100% erreicht. Der
+Niederschlag, der zwar in keinem Monate ganz fehlt, zeigt doch
+in dem einen halben Jahre die herrschende SW.-Strömung der Luft,
+in den massenhaften Niederschlägen und den damit verbundenen
+elektrischen Erscheinungen an. Im Mai, in dem schon der SW. herrscht,
+sind die Niederschläge noch nicht gross, weil in diesem Monat
+das Maximum der Temperatur liegt und daher die Dampfcapacität
+noch wächst. Den stärksten Niederschlag liefert der August, den
+schwächsten der März. Sehr schön ist das allmälige Nähern des
+SW. und dann wieder das Einfallen des NO. durch die elektrischen
+Erscheinungen ausgesprochen. Zuerst nur Wetterleuchten; dies nimmt zu,
+entfernte Gewitter treten ein, die immer näher rücken, bis sie an den
+Beobachtungsort rücken und ihr Maximum im September erreichen. Der im
+October eindringende Nordstrom vermindert plötzlich die elektrischen
+Phänomene.
+
+
+
+D. Wind (Richtung, Stärke, Häufigkeit), Himmelsansicht.
+
+
+Ein besonders interessantes Element der vorliegenden Beobachtungen
+bilden die Winde, nicht allein, weil sie, worauf schon in den
+vorhergehenden Bemerkungen einige Male hingewiesen wurde, die
+klimatischen Eigenthümlichkeiten Manila's erklären, sondern besonders
+desswegen, weil die Philippinen auf einem Grenzgebiete liegen und die
+Frage ist, ob sie immer in das Gebiet der SW.- und NO.-Monsune fallen
+oder zuweilen im Winter mehr oder weniger andauernd in einem nördlichen
+Polarstrome liegen, der sich unmittelbar dem NO.-Passat des stillen
+Oceans anschliesst. Die Windrichtungen auf den Philippinen müssen sich
+im Laufe des Jahres nach der veränderten Lage der Kalmenzone verändern
+und diese Veränderung der Lage der Kalmen von ihrer südlichsten Lage
+im Winter innerhalb Neuholland bis zu ihrer nördlichsten etwa mit dem
+Wüstengürtel Asiens zusammenfallenden, scheint in den verschiedenen
+Jahren in ungleicher Weise vor sich zu gehen.
+
+So regelmässig nämlich im Durchschnitt aller vorliegenden
+Beobachtungsjahre sich die Windrichtung auf den Philippinen in der
+einen Hälfte des Jahres als NO., in der andern als SW. also als Monsun
+ergibt, so abweichend gestalten sich die Bewegungen doch in einzelnen
+Monaten der verschiedenen Jahre, weisen also auf Störungen hin,
+welche in der beeinflussenden Ursache der Winde auf den Philippinen,
+in der Lage der Kalmen und der Richtung der Passate temporär eintreten.
+
+Ich stelle in den folgenden Tafeln die notirten Winde und Windstillen
+sowie die hiernach berechneten Windrichtungen zusammen und füge die
+Notizen über die Himmelsansicht hinzu.
+
+
+IX. Wind und Himmelsansicht zu Sta. Ana 1859-62.
+
+ | Mittlere | Wind | Wind- | Tage m. Himmelsansicht | Mittelgrad
+ | Windrichtung | über- | stille | ganz | theilweis | völlig | der
+ | | haupt | | bedeckt | bewölkt | heiter | Heiterkeit.
+ | | | | | | |
+Januar | | | | | | |
+ 1859 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ 1860 | N 39°57'O | 31 | 62 | 2 | 29 | 0 | 1.8
+ 1861 | N 39 28 O | 35 | 58 | 1 | 30 | 0 | 2.3
+ 1862 | N 25 34 O | 26 | 67 | 0 | 31 | 0 | 1.8
+ Mittel | N 36 51 O | 31 | 62 | 1 | 30 | 0 | 2.0 ziemlich heiter.
+ | | | | | | |
+Februar | | | | | | |
+ 1859 | N 7 8 O | 9 | 75 | 0 | 28 | 0 | 2.7
+ 1860 | S 45 0 w | 27 | 60 | 1 | 27 | 1 | 2.1
+ 1861 | N 57 26 O | 30 | 54 | 1 | 27 | 0 | 1.7
+ 1862 | N 39 47 w | 26 | 58 | 4 | 24 | 0 | 1.2
+ Mittel | N 3 17 O | 23 | 61 | 1.5 | 26.5 | 0.3 | 1.9 z. heit. (-- wolkig)
+ | | | | | | |
+März | | | | | | |
+ 1859 | N 0 0 O | 13 | 80 | 0 | 31 | 0 | 2.4
+ 1860 | N 45 0 O | 30 | 63 | 0 | 31 | 0 | 2.4
+ 1861 | S 83 13 O | 28 | 65 | 1 | 30 | 0 | 1.7
+ 1862 | N 90 0 O | 26 | 67 | 0 | 31 | 0 | 1.8
+ Mittel | N 38 25 O | 24 | 69 | 0.3 | 30.7 | 0 | 2.1 z. heit. (heiter)
+ | | | | | | |
+April | | | | | | |
+ 1859 | S 77 34 O | 21 | 69 | 0 | 30 | 0 | 2.4
+ 1860 | N 46 58 O | 25 | 65 | 0 | 30 | 0 | 2.7
+ 1861 | S 48 50 O | 35 | 55 | 0 | 30 | 0 | 2.0
+ 1862 | S 45 0 O | 24 | 66 | 0 | 30 | 0 | 2.4
+ Mittel | S 74 51 O | 26 | 64 | 0 | 30 | 0 | 2.4 z. heit. (-- heiter)
+ | | | | | | |
+Mai | | | | | | |
+ 1859 | N 45 0 W | 19 | 74 | 3 | 28 | 0 | 1.7
+ 1860 | S 72 52 O | 42 | 51 | 3 | 29 | 0 | 1.9
+ 1861 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ 1862 | S 9 10 W | 33 | 60 | 0 | 31 | 0 | 2.1
+ Mittel | S 22 54 W | 31 | 62 | 2.0 | 29.0 | 0 | 1.9 z. heit. (-- wolkig)
+ | | | | | | |
+Juni | | | | | | |
+ 1859 | N 76 25 W | 14 | 76 | 2 | 28 | 0 | 1.8
+ 1860 | N 33 2 W | 40 | 50 | 4 | 26 | 0 | 1.2
+ 1861 | N 33 29 O | 24 | 66 | 7 | 23 | 0 | 0.7
+ 1862 | N 40 29 W | 29 | 61 | 1 | 29 | 0 | 1.4
+ Mittel | N 37 46 W | 27 | 63 | 3.5 | 26.5 | 0 | 1.3 wolkig (-- z. heit.)
+ | | | | | | |
+Juli | | | | | | |
+ 1859 | S 52 44 W | 17 | 76 | 9 | 22 | 0 | 0.9
+ 1860 | S 22 44 O | 33 | 60 | 3 | 28 | 0 | 1.3
+ 1861 | S 18 14 O | 27 | 66 | 1 | 30 | 0 | 1.2
+ 1862 | S 45 0 O | 18 | 75 | 8 | 23 | 0 | 0.6
+ Mittel | S 35 23 O | 24 | 69 | 5.3 | 25.7 | 0 | 1.0 wolkig.
+ | | | | | | |
+August | | | | | | |
+ 1859 | S 66°55'W | 32 | 61 | 4 | 27 | 0 | 1.8
+ 1860 | S 45 0 W | 37 | 56 | 7 | 24 | 0 | 1.6
+ 1861 | S 43 52 W | 36 | 57 | 7 | 24 | 0 | 1.1
+ 1862 | S 46 6 W | 37 | 56 | 9 | 22 | 0 | 1.0
+ Mittel | S 49 0 W | 36 | 57 | 6.7 | 24.3 | 0 | 1.4 wolkig (-- z. heit.)
+ | | | | | | |
+September | | | | | | |
+ 1859 | S 7 53 W | 31 | 59 | 2 | 28 | 0 | 1.7
+ 1860 | S 42 14 W | 22 | 68 | 5 | 25 | 0 | 1.2
+ 1861 | S 45 0 W | 25 | 65 | 5 | 25 | 0 | 0.6
+ 1862 | S 50 36 W | 15 | 75 | 4 | 26 | 0 | 1.0
+ Mittel | S 37 46 W | 23 | 67 | 4 | 26 | 0 | 1.1 wolkig (-- z. heit.)
+ | | | | | | |
+October | | | | | | |
+ 1859 | N 83 59 O | 36 | 57 | 6 | 25 | 0 | 1.1
+ 1860 | S 69 53 O | 23 | 70 | 0 | 31 | 0 | 1.8
+ 1861 | N 53 52 O | 32 | 61 | 5 | 26 | 0 | 1.1
+ 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ Mittel | N 89 10 O | 30 | 63 | 3.7 | 27.3 | 0 | 1.3 wolkig (-- z. heit.)
+ | | | | | | |
+November | | | | | | |
+ 1859 | S 54 4 W | 26 | 64 | 2 | 28 | 0 | 1.7
+ 1860 | N 71 15 O | 31 | 59 | 0 | 30 | 0 | 2.1
+ 1861 | N 5 31 W | 26 | 64 | 0 | 30 | 0 | 2.1
+ 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ Mittel | N 12 22 O | 28 | 62 | 0.7 | 29.3 | 0 | 2.0 ziemlich heiter.
+ | | | | | | |
+December | | | | | | |
+ 1859 | N 45 0 O | 23 | 70 | 3 | 28 | 0 | 1.6
+ 1860 | N 45 0 O | 19 | 74 | 5 | 26 | 0 | 2.0
+ 1861 | N 61 1 O | 22 | 71 | 0 | 31 | 0 | 2.2
+ 1862 | -- | -- | -- | -- | -- | -- | --
+ Mittel | N 45 38 O | 21 | 72 | 2.7 | 28.3 | 0 | 1.9 z. heit. (-- wolkig)
+
+
+X. Durchschnittliche Windesrichtung und Himmelsansicht im Verlaufe
+des Jahres zu Sta. Ana.
+
+ | Zahl der Winde in Procenten. | Windrichtung | Wind | Wind- | Tage | Grad der
+ | N | O | S | W | NO | SO | NW | SW | | | still | bedeckt | gemischt | Helligkeit
+ | | | | | | | | | | | | | |
+Januar | 3.8 | 11.5 | 2.1 | 1.0 | 51.2 | 0 | 11.5 | 18.8 | N 36° 51' O | 31 | 62 | 1 | 30.0 | 2.0
+Februar | 22.2 | 8.9 | 0 | 6.6 | 29.1 | 1.9 | 11.5 | 19.7 | 3 17 | 23 | 61 | 1.5 | 26.5 | 1.9
+März | 25.0 | 8.5 | 0 | 4.8 | 38.6 | 12.9 | 3.9 | 6.3 | 38 25 | 24 | 69 | 0.3 | 30.7 | 2.1
+April | 1.4 | 24.2 | 0 | 3.9 | 23.4 | 42.9 | 0 | 4.2 | S 74 51 O | 26 | 64 | 0 | 30.0 | 2.4
+Mai | 0 | 13.7 | 0 | 1.8 | 7.9 | 20.2 | 26.3 | 30.1 | S 22 54 W | 31 | 62 | 2.0 | 29.0 | 1.9
+Juni | 0 | 5.2 | 0 | 3.9 | 0 | 20.4 | 14.3 | 56.2 | 37 46 | 27 | 63 | 3.5 | 26.5 | 1.3
+Juli | 0 | 5.0 | 0.7 | 6.7 | 3.9 | 12.4 | 0 | 71.2 | 35 23 | 24 | 69 | 5.3 | 25.7 | 1.0
+August | 0 | 0 | 0.7 | 8.5 | 3.1 | 0 | 0.8 | 86.9 | 49 0 | 36 | 57 | 6.7 | 24.3 | 1.4
+September | 0 | 0 | 17.8 | 3.3 | 1.6 | 1.1 | 0 | 76.2 | 37 46 | 23 | 67 | 4 | 26.0 | 1.1
+October | 0 | 30.9 | 0 | 1.9 | 28.7 | 9.8 | 5.9 | 23.2 | N 87 50 O | 30 | 63 | 3.7 | 27.3 | 1.3
+November | 0 | 11.8 | 0 | 2.5 | 39.4 | 0 | 17.9 | 28.3 | 12 22 | 28 | 62 | 0.7 | 29.3 | 2.0
+December | 0 | 6.1 | 0 | 0 | 77.4 | 4.5 | 1.5 | 10.5 | 45 38 | 21 | 72 | 2.7 | 28.3 | 1.9
+ | | | | | | | | | | | | | |
+Jahr | 4.37 | 10.48 | 1.78 | 3.74 | 25.36 | 10.50 | 7.80 | 35.97 | S 10 53 O | 324 | 771 | 31.4 | 333.6 | 1.7
+ | | | | | | | | | | | | | |
+Winter | 8.67 | 8.83 | 0.70 | 2.53 | 52.57 | 2.13 | 8.17 | 16.33 | N 35 21 O | 75 | 195 | 5.2 | 84.8 | 1.9
+Frühling | 8.33 | 15.47 | 0 | 3.50 | 23.30 | 25.30 | 10.07 | 13.53 | 79 32 | 81 | 195 | 2.3 | 89.7 | 2.1
+Sommer | 0 | 3.40 | 0.47 | 6.27 | 2.33 | 10.93 | 5.03 | 71.43 | S 41 11 W | 87 | 189 | 15.5 | 76.5 | 1.2
+Herbst | 0 | 10.30 | 5.93 | 2.57 | 23.33 | 3.97 | 7.93 | 42.57 | 16 7 | 81 | 192 | 8.4 | 82.6 | 1.5
+
+
+XI. Durchschnittliche Windrichtungen in den Quartalen der einzelnen
+Jahre und im Mittelwerthe aller Jahre.
+
+ | 1859 | 1860 | 1861 | 1862 | Mittel.
+ | | | | |
+Winter | (N 37 55 O) | N 48 26 O | N 48 16 O | N 22 57 O | N 35 21 O
+Frühling | N 34 44 O | N 56 22 O | S 53 31 O | S 24 13 O | N 79 32 O
+Sommer | S 71 2 W | S 34 53 W | S 22 27 W | S 44 13 W | S 41 11 W
+Herbst | S 2 4 O | S 44 55 O | N 63 13 W | S 29 58 W | S 16 7 W
+ | | | | |
+Jahr | S 77 34 W | S 38 16 O | S 27 28 O | S 23 48 W | S 10 53 O
+
+
+Zunächst zeigt nun die Tafel XI, dass nur der Winter in allen Jahren
+regelmässig NO., der Sommer regelmässig SW. hat, dagegen im Frühling
+und Herbst Abweichungen in den verschiedenen Jahren eintreten, wenn
+auch der Durchschnittswerth für jenen wieder auf NO., für diesen auf
+SW. führt.
+
+Es deutet dies auf eine in den verschiedenen Jahren sehr ungleiche
+Einwirkung der continentalen Masse Asiens nach der Zeit der
+Sonnenwenden, die sich, wie Tab. IX zeigt, zunächst im April geltend
+macht, welcher fast regelmässig SO. bringt, dann aber in ungleicher
+Weise im Mai hervortritt. Die Monate October bis März entsprechen,
+obwohl SO.-, SW.- und NW.-Winde in ihnen nicht fehlen, wie Tab. X
+zeigt, doch sehr vollständig in allen Jahren dem Verhalten der
+Windbewegungen in der innern Region der Monsuns. Der April macht eine
+völlig regelmässige Ausnahme von dem SW.-Monsun der innern Region
+durch seine sehr constanten O.-, SO.- und NO.-Winde. Im Mai ist die
+Windrichtung am unregelmässigsten.
+
+In der Intensität, soweit sich diese in dem Verhältniss der Zahl der
+Winde zur Zahl der Windstillen (bei den täglich 3 Mal angestellten
+Beobachtungen) ausspricht, zeigen die Monate keine erheblichen
+Verschiedenheiten, December ist der stillste, August der bewegteste
+Monat. In den August und den Juli fallen die beiden einzigen Stürme
+(1859), die innerhalb der fast vierjährigen Beobachtungsreihe notirt
+sind.
+
+Charakteristisch für das Klima ist die das ganze Jahr hindurch
+stattfindende theilweise Bewölkung des Himmels. Nur ein einziger
+wolkenfreier Tag (im Februar 1860) ist notirt. Dagegen ist freilich
+auch die Zahl der Tage mit völlig bedecktem Himmel nicht gross, zumal
+wenn man die Häufigkeit und Heftigkeit der Sommer- und Herbst-Regen
+berücksichtigt. Wird völlig heiterer Himmel mit der Zahl 4, völlig
+bedeckter mit 0 bezeichnet, 3/4 bewölkt mit 1, 1/2 bewölkt mit 2, 1/4
+bewölkt mit 3, so scheint nach den Notirungen die durchschnittliche
+Himmelsansicht mehr als zur Hälfte bewölkt zu sein.
+
+Die von andern Punkten in der Nähe Manila's vorliegenden kürzern
+Beobachtungen ergeben kein wesentlich verschiedenes Resultat von denen
+zu Sta. Ana angestellten, wesshalb ich dieselben nicht mittheile. Zwei
+und ein halber Monat (Januar--15. März 1863) zu St. Miguel zeigen zwar
+eine etwas höhere Temperatur, die aber kaum über die in einzelnen
+Jahren auch zu Sta. Ana vorkommenden Abweichungen vom Mittelwerthe
+hinausgehen. Dieser Punkt auf Luzon wird daher etwa die klimatischen
+Verhältnisse mit Sta. Ana gemein haben.
+
+Beobachtungen von der Insel Bohol zwischen Luzon und Mindanao vom
+October 1863 bis Februar 1865 führen zwar gleichfalls zu demselben
+Werthe der Jahreswärme (20.8) und der mittleren Dunstspannung
+(8.9) wie zu Sta. Ana. Die Vertheilung der Wärme im Jahre ist
+aber sehr abweichend, 1864 zeigt sich zu Bohol der Juni etwas
+wärmer als der Mai und der Februar als der kälteste Monat, ferner
+geht die NO.-Richtung des Windes bis in den Juni hinein. Da keine
+gleichzeitigen Beobachtungen von Sta. Ana vorhanden sind, so lässt
+sich nicht ermitteln, was aber nicht wahrscheinlich ist, ob dieselben
+Monatsabweichungen dort vorkamen. Ich lege daher die Berechnung der
+leider nicht vollständigen Beobachtungen von Bohol in der folgenden
+Tafel vor, aus denen wegen der so abweichenden Windrichtung und
+Wärmevertheilung man schliessen möchte, dass an Bohol die Region der
+NO.-Passate bis zum Juni heranreicht und dann erst der SW.-Musson
+sich weiter ostwärts verbreitend durchdringt.
+
+
+XII. Beobachtungsresultate von Bohol.
+
+ | Temperatur. | Dunst- | Relative | Niederschlag | Windrichtung
+ | Mittel. | Maximum. | Minimum. | spannung. | Feuchtig- | |
+ | | Tag | t | Tag | t | | keit. | |
+ | | | | | | | | |
+1863 | | | | | | | | |
+October | 20.13 | 10 | 25.2 | 9 | 18.6 | 9.01 | 80.4 | 149.19 | N 13° 3' W
+November 2-16 | 20.64 | 2 | 24.2 | 1 | 18.7 | 9.25 | 84.8 | 44.53 | N 24 15 O
+December 12-31 | 20.09 | 12 | 24.2 | 13 | 15.8 | 9.11 | 81.5 | 103.25 | N 37 27 O
+ | | | | | | | | |
+1864 | | | | | | | | |
+Januar | 20.07 | 2 | 24.5 | 12 | 16.9 | 8.47 | 80.4 | 26.291 | N 20 37 O
+Februar | 19.61 | 9 | 24.1 | 1 | 14.4 | 8.07 | 80.2 | 79.548 | N 1 59 W
+März | 20.10 | 5 | 22.3 | 3 | 16.1 | 8.24 | 78.0 | 19.648 | N 9 26 O
+April | 21.03 | 8 | 25.0 | 4 | 16.2 | 8.69 | 77.6 | 22.238 | N 36 41 O
+Mai | 21.36 | 16 | 25.4 | 7 | 17.3 | 8.86 | 77.6 | 8.614 | N 62 54 O
+Juni | 21.58 | 6 | 25.9 | 19 | 17.4 | 9.32 | 80.4 | 26.178 | N 53 8 O
+Juli | 21.05 | 31 | 26.5 | 15 | 17.6 | 9.08 | 81.0 | 41.716 | S 41 11 W
+August | 20.85 | 1 | 26.2 | 1 | 17.7 | 9.21 | 83.8 | 131.793 | S 38 34 W
+September | 21.44 | 8 | 27.2 | 21 | 18.1 | 9.39 | 79.4 | 28.486 | S 43 12 W
+October | 20.94 | 16 | 25.4 | 30 | 17.4 | 9.24 | 84.6 | 62.828 | S 4 22 W
+November | 20.90 | 3 | 25.8 | 22 | 17.2 | 9.14 | 80.9 | 32.202 | N 1 0 W
+December (1-14) | 20.70 | 3 | 23.2 | 28 | 15.8 | 9.08 | 84.3 | 44.362 | N 24 0 O
+ | | | | | | | | |
+Mittel | 20.80 | | 25.1 | | 16.8 | 8.90 | 80.7 | 523.90 |
+ | | | | | | | | |
+1865 | | | | | | | | |
+Januar | | 27 | 24.8 | 27 | 16.8 | | | 135.96 |
+Februar | | 1 | 23.5 | 27 | 15.7 | | | 16.05 |
+
+
+Von den sonst vorliegenden Beobachtungen, namentlich den zahlreichen
+Notizen auf Reisen nach verschiedenen Punkten Luzon's eignen sich
+keine, mit Ausnahme der zu Benguet angestellten, zur Bestimmung fester
+Werthe, wenn dieselben auch ihr Interesse im Zusammenhange mit andern
+naturhistorischen Beobachtungen haben. Dagegen ist die spanische
+Beobachtungsreihe zu Benguet, welche durch Notizen des Reisejournals
+des Hrn. Dr. _Semper_ fast auf ein volles Jahr ergänzt wird, um so
+mehr von Interesse, als hierdurch die Temperatur eines nördlich und
+hoch gelegenen Punktes (nach dem Journal 3868' über Meeresspiegel)
+mit ziemlicher Sicherheit festgestellt werden kann.
+
+Die Benguetbeobachtungen umfassen mit Einschluss des Journals die
+Zeit vom Juli 1861 bis Mai 1862, sind also mit den gleichzeitigen
+von Sta. Ana zu vergleichen und nach den für diesen Ort mit grösserer
+Sicherheit bestimmten Mittelwerthen zu verbessern.
+
+Die Beobachtungszeiten waren 7, 2, 9, gaben also im Verhältniss der
+6, 2, 10 Beobachtungen zu hohe Werthe der Wärme. Die Grösse der bei
+den Temperaturen anzubringenden Correktion wird vermuthlich für die
+verschiedenen Monate etwas variiren. In Ermanglung eines bestimmten
+Anhaltes hierfür nehme ich indessen die Correktion an (-0,52), welche
+Dr. Semper aus einer einen Monat lang durchgeführten Reihe stündlicher
+Beobachtungen zu Sta. Ana (Juni 1859) evaluirt hat.
+
+Es sind von Benguet nur die in der nachstehenden Tabelle aufgeführten
+Resultate der Temperaturbeobachtungen zu brauchen und die Mittelwerthe
+sind bereits mit der erwähnten Correktion zur Vergleichung mit
+Sta. Ana versehen.
+
+
+ | a | b | b - a | Durchschnitts | Corregirter
+ | Mittel- | Gleichzeitige | | Werth zu | Werth von
+ | temperaturen | Mittelwerthe | | Sta. Ana. | Benguet.
+ | zu Benguet. | zu Sta. Ana. | | |
+ | | | | |
+1862 | | | | |
+Januar | 13.09 | 19.19 | 6.10 | 19.30 | 13.20
+Februar | 13.87 | 19.60 | 5.73 | 19.95 | 14.22
+März | 14.12 | 20.46 | 6.34 | 20.67 | 14.33
+April | 15.17 | 22.00 | 6.83 | 21.65 | 14.87
+Mai | 14.98 | 22.75 | 7.77 | 22.43 | 14.66
+Juni | -- | -- | (6.28) | 21.98 | (15.70)
+ | | | | |
+1861 | | | | |
+Juli | 14.80 | 21.59 | 6.79 | 21.47 | 14.68
+August | 14.90 | 21.18 | 6.28 | 21.50 | 15.22
+Septbr. | 14.94 | 20.05 | 6.11 | 21.18 | 15.07
+October | 15.50 | 20.67 | 5.17 | 20.79 | 15.62
+Novbr. | 14.70 | 20.10 | 6.40 | 20.22 | 13.82
+Decbr. | 13.76 | 19.35 | 5.59 | 19.48 | 13.89
+ | | | | |
+ | | | | 20.885 | 14.607
+
+
+Das Jahresmittel würde sich hiernach zu Benguet auf 14°,6 stellen
+und dies einer Abnahme der Wärme um 1° auf je circa 600 Fuss Erhebung
+über dem Meere entsprechen.
+
+ G. Karsten.
+
+
+_Anmerkung 2._ Ich theile hier die Beobachtung der Regenmenge der
+einzelnen Monate mit, behufs der Vergleichung mit den übrigen Orten:
+
+Januar 46,08; Februar 6,59; März 5,02; April 13,31; Mai 6,80;
+Juni 4,27; Juli 4,66; August 13,10; September 6,42; October 7,23;
+November 12,41; December 10,20 Zoll. Die Beobachtungen wurden mit
+einem meiner Regenmesser angestellt, welchen ich dem liebenswürdigen
+Priester gab. Hoffentlich wird ein günstiges Geschick ihn aus
+jener Waldeinsamkeit herausgerissen und in ein civilisirteres Leben
+zurückversetzt haben, wo ihn vielleicht der Ausdruck meines Dankes
+für die freundliche Unterstützung erreichen mag. Linao liegt nach
+meinen Sternbeobachtungen auf 8° 5' N. Br. und nach Peilungen 5° 5'
+östlich von Manila.
+
+
+_Anmerkung 3._ Der Kanehl von Mindanao hat in den ersten Zeiten
+der Eroberung durch die Spanier eine ziemlich bedeutende Rolle
+gespielt. Wie ja überhaupt die ersten Expeditionen von Magellan an
+darauf ausgingen, die Gewürzinseln für die Krone Spanien zu erobern,
+und damit auch derselben den wichtigen Handel mit den Gewürzen als
+eine Quelle grosser Bereicherung zuzuführen, so zeigt sich auch
+noch in der Geschichte der Eroberung durch Legaspi, dass hier die
+Hoffnung auf gewinnbringenden Handel mit Gewürzen nicht aufgegeben
+war. Allerdings war die Expedition zunächst für den Zweck der Eroberung
+und Einführung des Christentums ausgerüstet. Aber wohin er auch im
+Laufe der Expedition kommt, so sucht er doch immer zugleich auch noch
+Kanehl für Rechnung des Königs. Nach Butuan wurden von ihm mehrfach
+Expeditionen ausgeschickt von Cebú aus, mit der ausgesprochenen
+Absicht, dort Kanehl zu laden. Matheo del Sanz wird von ihm (Gaspar
+de S. Agustin, Couquistas etc.p. 187-188) an die Westküste Mindanao's
+geschickt, ebenfalls um dort Kanehl zu holen; aber es kommt dabei fast
+zum Ausbruch einer Meuterei, da die Soldaten, gierig auf den leichten
+und sicheren Gewinn, den Handel für sich haben wollen. Die Rebellion
+wird aber noch glücklich unterdrückt; und Juan de Morones bringt,
+nach Matheo del Sanz Tode, "cien quintales de canela", reichlich
+9200 Pf. Kanehl nach Cebú. Am 1. Juni 1568 wurde die Nao Capitana
+nach Acapulco gesandt mit 400 Quintales Kanehl (beinahe 37,000 Pf.),
+von denen 150 dem Könige, die übrigen den Passagieren gehörten.
+
+
+_Anmerkung 4._ Es sind Cagayan und Isabela fast die einzigen Provinzen,
+in welchen der Taback in so allgemeiner Weise und enormer Menge
+gebaut wird, dass dadurch den Bewohnern die Möglichkeit vollständig
+genommen wird, auch noch Reis, Baumwolle, Café, Zuckerrohr oder Abaca
+zu bauen. Wie der Handel mit dem Taback Monopol der Regierung ist, so
+hängt auch das Bauen des Taback's nicht von dem Willen des Einzelnen
+ab; vielmehr werden die Bewohner der sogenannten Tabacksdörfer--nicht
+alle Ortschaften werden in diese Kategorie gestellt--gezwungen,
+alljährlich eine bestimmte Anzahl Pflanzen per Kopf oder Tributo
+d. h. per Familie zu cultiviren. Je höher der Alcalde der Provinz das
+Minimum der zu bauenden Tabackspflanzen zu treiben versteht, um so mehr
+insinuirt er sich natürlich bei der Regierung, für welche der Verkauf
+des Tabacks fast die wichtigste Einnahmequelle ist. In allerneuester
+Zeit nun scheint, ich weiss nicht, ob in Folge einer solchen vom
+Alcalden geübten Beeinflussung, die Tabackserndte eine nie geahnte Höhe
+erreicht zu haben; denn es schrieb mir 1868 ein Freund aus Manila, dass
+"die diesjährige Erndte bei weitem die grösste aller Erndten überhaupt
+zu werden verspräche, so dass die Regierung im Stande sein würde,
+die Schuld für die Nichtbezahlung der Erndten von 1863 an--in Folge
+des Erdbebens--nun gänzlich abzutragen". Aus dem im Texte Gesagten
+wird ersichtlich sein, dass die Tabackspflanze sehr viel Sorgfalt
+und Pflege erfordert; und da sie dies gerade am Meisten in den ersten
+Monaten verlangt, wenn sie noch keine bedeutende Höhe erreicht hat,
+so ist klar, dass der Arbeiter dabei immer und ganze Tage lang in sehr
+tief gebeugter Stellung stehen muss. Der auch in den statistischen
+Zahlen sich aussprechende schlechte Gesundheitszustand wird in der
+Provinz allgemein auf diese gebückte Stellung bei der Arbeit, als auf
+die vornehmste Ursache, zurückgeführt, ganz besonders aber auch die
+zahlreichen Fehlgeburten oder Todtgeburten, wozu sonst die Bewohner
+der übrigen Provinzen gar keine Neigung zeigen. Selbst in ungesunden
+Provinzen ist die Zahl der Geburten doch eine ziemlich hohe, und es
+wird in diesen die rasche Vermehrung der Einwohnerzahl vielmehr durch
+leichtes Sterben der Kinder in den ersten Lebensjahren verhindert. Im
+Durchschnitt ist etwa die Bevölkerungszahl der tabackbauenden Dörfer
+16,000 Familien (Tributos) mit 64,000 Einwohnern, so dass bei einer
+Durchschnittssumme von etwa 750,000 Gulden, welche den Bewohnern
+für den Taback von der Regierung in baarem Gelde ausbezahlt wurde
+(1854-59), etwa 11 1/2 Gulden auf den Kopf oder 46 Gulden auf die
+Familie kommen.
+
+
+_Anmerkung 5._ Es liegt hierin und in dem etwas weiter oben angewandten
+Worte der Periodicität der Lebenserscheinungen nur scheinbar ein
+Widerspruch. Wohl hält jedes _Individuum_ bestimmte Perioden seiner
+Lebenserscheinungen inne; aber doch bindet sich die Gesammtsumme
+aller Individuen nicht durchaus an dieselben Jahreszeiten, wenn nicht
+in den scharfen Gegensätzen des Klima's oder in direkt bestimmenden
+Einflüssen der Menschen--oder andrer Thier- und Pflanzen-Arten--die
+Schranke auch hierfür gegeben ist. So würden Reis und Taback und andere
+Culturpflanzen in allen Monaten wachsen und reifen können; aber der
+Mensch zwingt beide in eine Periode hinein, welche ihm bei möglichst
+geringer Arbeit die möglichst grosse Erndte verspricht. Ebenso ist
+es bei den Insecten. Auch bei ihnen hat die Natur die Entwickelung
+an bestimmte Wärme- und Feuchtigkeits-Grade geknüpft, welche in
+den Tropen zu jeder Zeit gegeben zu sein scheinen; und daher sieht
+man denn auch auf den Philippinen die Mehrzahl derselben in allen
+Monaten so ziemlich in der gleichen Specieszahl, aber in verschiedener
+Individuenzahl auftreten. Der Eintritt der Regenmonate bringt hier
+eine auffallende Steigerung der Insectenmenge hervor. Es scheint
+dieses in der sehr verkürzten Lebensperiode zu liegen, welche hier
+den Insekten eigen ist und in einem Jahre zahlreiche Generationen
+hervorzubringen vermag. Selbst die grössten Schwärmer (Sphinx)
+und andere Nachtschmetterlinge welche bei uns oft eine mehrjährige
+Puppenruhe aufweisen, leben als _Puppe_ nie länger, als 18-25 Tage. Der
+ganze Lebenscyclus des Papilio Pammon L. vollendet sich in 30-40,
+der von Danais chrysippus L. in 20-25, der von Taragama Ganesa Lef. in
+30-40 Tagen (Georg Semper, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte einiger
+ostasiatischer Schmetterlinge in Verhandl. d. zool. Gesellschaft in
+Wien 1867. Sitzung 7. August.)
+
+In Bezug auf Chaerocampa Oldenlandiae, eine Sphinx, habe ich in
+dieser Beziehung eine Anzahl Beobachtungen aus meinen Tagebüchern
+mitzutheilen. Ich fing den _Schmetterling_, obgleich nie häufig, in den
+Monaten Juni bis October incl. und dann wieder im Januar und Februar;
+gezüchtet aus der Raupe wurde derselbe, so dass das Erscheinen der
+ausgekrochenen Thiere in dieselben Monate fiel. Die _Puppenruhe_
+nun dauerte (Georg Semper l. c. pag. 4) in _Manila_ 24-25 Tage,
+in _Bohol_ nur 18-21 Tage, in Sydney dagegen vom März bis November,
+also _volle 8 Monate_. Die Puppe von Taragama Ganesa ruht ebenfalls
+in Manila länger als in Bohol, nemlich dort 20 Tage, hier nur 10-15;
+ferner die von Chaerocampa alecto in Luzon 24 Tage, in Bohol 16,
+die Puppe von Chaerocampa celerio in Manila 17-18 Tage.
+
+Hier scheint nun die ungemein beschleunigte Ausbildung der Imago
+gegen die Tropen hin anzudeuten, dass eine Vermehrung der Wärme
+die Entwicklung begünstigt, ein Satz, der längst festgestellt
+ist. Aber doch zeigt der Gegensatz zwischen Bohol und Manila, deren
+mittlere Monatstemperatur so ziemlich die gleiche ist, dass wohl
+auch noch andere Momente mit einwirken mögen, obgleich ich hierauf
+nicht allzuviel Gewicht legen will, weil ich eine Beobachtung der
+Zimmertemperatur, in welcher die Raupen erzogen worden, unterlassen
+hatte. Dass diese kurzen Beobachtungen überhaupt hier mitgetheilt
+worden, hat seinen Grund in der Hoffnung, dadurch vielleicht den
+einen oder andern in tropischen Ländern lebenden Naturforscher zu
+ähnlichen Versuchen anzuregen. Dem Satze, »dass eine bestimmte
+Periodicität in der Entwicklung der Gliederthiere um so mehr
+hervortritt, je schärfer der Wechsel der Jahreszeiten ausgeprägt ist«
+(Gerstäcker in Bronn's Thierreich Bd. 5 pag. 238), möchte ich als
+nothwendige Erläuterung den anderen hinzufügen, "dass um so mehr
+sich diese Periodicität verwischt, je mehr bei steigender Wärme und
+Feuchtigkeit _Gleichmässigkeit_ des Klima's eintritt". Dies ist auf
+allen Inselgebieten in der Nähe des Aequators der Fall, und hiernach
+möchte ich die Vermuthung aussprechen, dass auf den Inseln des stillen
+Ocean's so gut wie gar keine eigentliche Insectenzeit stattfinden
+kann und dass hier die Lebensperiode der Individuen sich in der
+allerkürzesten mittleren Zeit vollenden muss. Auf den Philippinen
+ist dies nur annähernd der Fall. Gänzlich emancipirt haben sich alle
+Thiere der philippinischen Meere von dem Wechsel der Wärme; denn
+zu allen Zeiten findet man dort dieselben Arten von Echinodermen,
+Mollusken, Würmern u. s. w. in allen Stadien der Ausbildung und in
+voller geschlechtlicher Function. Auch die Landmollusken haben mir
+dasselbe Resultat geliefert; und wenn ich auch während der Regenzeit
+leichter die Schnecken in grösseren Mengen erhielt, so lag dies
+nicht darin dass sie nun aus einem durch Trockenheit oder Kälte
+bedingten Winter- (oder Sommer-) Schlaf erwachten, sondern vielmehr
+in ihrem Bestreben, sich durch rasches Umherkriechen der allzugrossen
+Feuchtigkeit zu entziehen. Wenn ich auch in der trockensten Zeit nur
+hinreichend ihren Schlupfwinkeln nachspürte, so gelang es mir immer,
+Schnecken in Begattung, und zugleich Eier, Junge und halberwachsene
+aufzufinden. Von der Helix (Cochlostyla) metaformis Sow. bewahre ich
+ein Pärchen, das ich dicht bei Manila während des Monates Februar,
+also im trockensten Monat, in einem gar nicht sehr schattigen Garten
+"in copula" gefangen habe. Die dortigen Helix-Arten der Gruppe Obba
+findet man am Tage immer an den Baumstämmen in Spalten und Ritzen oder
+an der Schattenseite derselben sitzen; bei Nacht aber und am frühen
+Morgen kann man sie in aller Lebendigkeit beobachten. Winterdeckel, wie
+unsere europäischen Heliceen--oder Sommerdeckel, je nachdem die Zeit
+der Trockne dort in den Winter oder in den Sommer fällt--finden sich
+bei keiner einzigen der dort lebenden Gruppen, mit einziger Ausnahme
+der Gruppe Dorcasia. Die philippinischen Arten dieser Untergattung
+sind aber einer europäischen Art so nahe verwandt, nemlich der Helix
+fruticum, dass sie wohl mit dieser von dem gemeinsamen Stammvater die
+gleiche Gewohnheit überkommen haben mögen. Da sie immer, wie schon
+Cuming bemerkte, in der Erde halb eingegraben leben, zwar niemals
+sehr tief, aber auch nie an Bäumen oder am Gemäuer und Felsen in
+die Höhe kriechen, so ist einleuchtend, dass sie gerade hier eines
+solchen Schutzes gegen die Trockenheit bedürfen, mehr als die an
+Bäumen lebenden Arten, welche bei ihrer Lebensweise im Thau des
+Morgens hinreichende Feuchtigkeit einzusaugen vermögen.
+
+_Anmerkung 6_. Ich erinnere mich, kürzlich in irgend einer englischen
+Zeitschrift einen Aufsatz gelesen zu haben, in welchem nachzuweisen
+versucht wurde von einem Beobachter der lebenden Thiere in Indien,
+dass in der That diese bisher immer als Wasserreservoire angesehenen
+Höhlungen am Kopfe wirklich zur Luftathmung derselben während
+ihres Lebens auf dem Lande dienen sollen. Ich bin leider mit meinen
+zoologischen Notizen--wegen Mangels an Platz--etwas in Unordnung
+gerathen, so dass ich kein Citat für diese Bemerkung zu geben vermag.
+
+_Anmerkung 7_. In früheren Zeiten scheint dies allerdings anders
+gewesen zu sein. Wenigstens machen gewisse Stellen in diesen Sümpfen
+durchaus den Eindruck, als müssten hier früher ständige Bewohner
+gelebt haben, welche auch dies Gebiet in regelmässiger Weise bebauten;
+es sprechen dafür die mitunter fast dammartig aussehenden Ufer des
+Agusan und seiner Nebenflüsse, dann eine Anzahl Pflanzen, welche
+sonst nur in der Nähe von Feldern oder Dörfern vorzukommen pflegen,
+so namentlich eine sehr stachelige Bambusart. Es ist dieselbe Species,
+welche noch heutigen Tages in vielen Landbaudistricten zur Einzäunung
+der Zuckerrohrplantagen und der Felder überhaupt benutzt wird, da
+sie so dichte stachelige Hecken bildet, dass dadurch der wirksamste
+Schutz gegen die Wildschweine erreicht wird.
+
+
+
+
+IV. Skizze.--Die Negrito's und die heidnischen malaiischen Stämme.
+
+
+_Anmerkung 1_. Es mag hierbei auf die Steinbeile hingewiesen
+werden, welche, wie es scheint, nicht gerade selten in Java und der
+Malaccahalbinsel gefunden werden (Siehe Journal of the East Indian
+Archipelago Bd. 5 pag. 84). Die hier angezogene Notiz nimmt Bezug
+auf einen Artikel in der »Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
+Indië«. Da ich aber den betreffenden Band derselben leider nicht
+habe einsehen können, so kann ich auch nicht entscheiden, ob und
+welcher von den dort abgebildeten Aexten die von mir im Centrum
+Mindanao's aufgefundene entspricht. Logan, der gelehrte Herausgeber des
+J. E. I. A., benutzt die Thatsache ihrer Auffindung zur Stütze seiner
+Behauptung, "es seien die ältesten Bewohner Java's von afrikanischer
+oder indo-afrikanischer Ableitung" (l. c.), zu welchem Schluss er
+durch Aehnlichkeiten der Sprachbildungen gekommen sein will. Hierüber
+kann ich nicht urtheilen. Wohl aber scheint festzustehen, dass diese
+Steinbeile wirklich einem seit uralten Zeiten schon verschwundenen
+Stamme angehört haben müssen; denn in Java und in Malacca werden
+sie _Donnerkeil_, in Mindanao _Zähne_ des personificirt gedachten
+Blitzes genannt, zum Beweise, dass bei allen diesen malaiischen Racen
+sich die Erinnerung an eine frühere Steinperiode ihres eignen--oder
+eines fremden--Stammes gänzlich verloren hat. Die Wahrscheinlichkeit
+spricht dann allerdings dafür, dass diese Urrace des hinterindischen
+Inselgebietes mit den jetzt lebenden Papua's nahe verwandt gewesen
+sein müsse.
+
+_Anmerkung 2_. Es mag mir hier vergönnt sein auf einige Irrthümer
+hinzuweisen, welche sich in Häckel's neuestem Werk in das Capitel
+über die Negerstämme eingeschlichen haben. Bei der grossen Bedeutung
+seiner wissenschaftlichen Ansichten und der weiten Verbreitung, welche
+das Buch "Natürliche Schöpfungsgeschichte" ohne Zweifel finden wird,
+dürfte die Gefahr nahe liegen, dass falsche Ansichten und positive
+Irrthümer, darin niedergelegt, auch leichten Eingang in die weitesten
+Kreise finden möchten.
+
+Zunächst ist es falsch, wenn Häckel die negerartigen Bewohner
+der Philippinen und andrer Inseln des hinterindischen Gebietes in
+eine Gruppe der glatthaarigen Neger, also in dieselbe Categorie
+mit den Bewohnern Australien's stellt, aber von den kraushaarigen
+Papuas abtrennt. Es scheint dieser Irrthum--der sich übrigens schon
+früher in dem populären Werke von Dr. Friedrich Rolle »der Mensch,
+seine Abstammung und Gesittung im Licht der Darwin'schen Lehre,
+Frankfurt 1866«, pag. 238 findet--durch einen in Prichard's Werk
+Bd. 4 pag. 231 übersetzten Bericht des Bernardo de la Fuente
+entstanden zu sein. Dieser spricht sowohl von kraushaarigen, als
+von glatthaarigen Negern Luzon's. Nun sind aber die als Agta oder
+Negrito's bezeichneten Neger der Philippinen ausnahmslos kraushaarig,
+wie die älteren spanischen Autoren sehr wohl wissen. Ich selbst kenne
+sie aus eigner Anschauung von verschiedenen Orten. Es kann also über
+die Anwesenheit solcher kraushaariger Neger kein Zweifel bestehen, und
+ich kann hinzusetzen, dass sie in Lebensweise, Sitten und physischem
+Verhalten sich den echten Papua's entschieden nähern.
+
+Was nun die andern von de la Fuente erwähnten Neger mit vollkommen
+schwarzen langen Haaren betrifft, so ist sein Zusatz, "man halte
+sie für Abkömmlinge der Malabaren" (Prichard Bd. 4) völlig genügend,
+um ihnen das Bürgerrecht unter den echten Negern, selbst unter den
+Verwandten der Australneger, völlig zu nehmen; ausserdem aber sagt
+Prichard, man bezeichne die Neger auch als "Igalotes". Dies mag
+von Prichard aus einem alten spanischen Buche oder aus de la Fuente
+richtig citirt sein, ist aber nichtsdestoweniger vollkommen falsch,
+denn die Igolotes oder Igorrotes haben nichts von Negern, sondern
+sind dunkelbraune Stämme des Nordwestens von Luzon, die entschieden
+malaiischen Ursprunges sind. Nun gibt es aber freilich einige Stämme
+in Luzon und Mindanao, welche dunkler als die olivenfarbigen Malaien
+sind und häufig neben dem hohen Schädel und dem runden Gesicht des
+dortigen Negers braunschwarze glatte Haare besitzen, aber dies sind
+entschiedene Mischlingsracen zwischen den Malaien und den eigentlichen
+kraushaarigen Negritos. Man trifft unter ihnen sowohl kraushaarige
+Individuen mit malaiischem Typus des Kopfes und der Gesichtsfarbe,
+wie auch dunkelbraune negerartig aussehende mit glattem, bald duffem,
+braunschwarzem, bald glänzend schwarzem Haar. Sie stehen ausnahmslos
+mit den umwohnenden christlichen oder heidnischen Malaien im
+Verkehr. So erzählten mir die Mamanua's, eine dieser Mischlingsracen,
+an der Nordküste von Mindanao, nicht weit von Butuan, dass sie sich
+selbst noch mit den Christen dort verheirathen, welche letzteren dann
+immer zu ihnen kommen und die gleiche unstäte Lebensweise annehmen.
+
+Ein andrer in Pangasinan in der Centralebene Luzon's lebender Stamm
+wird von dem Padre Mozo (Misiones de Philipinas 1763 pag. 101)
+als Negerstamm beschrieben, aber blos der dunklen Hautfarbe wegen:
+dieser nennt sich "Baluga" d. h. nach der Bedeutung des Wortes im
+Tagalischen "mestizo negro, schwarzer Mestize", also entweder ein
+Mischling zwischen Neger und Malaien, oder ein Mestize--unbestimmt
+gelassener Beimischung--mit schwarzer Hautfarbe. Ich habe auch diese
+Balugas gesehen, und glaube versichern zu können, dass sie entschiedene
+Mischlinge zwischen Tagalen und echten Negrito's sind. Nicht alle von
+den Spaniern sogenannten Negrito's sind dies wirklich (s. Schetelig,
+On the Natives of Formosa in Trans. Ethnogr. Society of London Vol. 7
+pag. 12), und ich wiederhole, dass alle sogenannten glatthaarigen
+Neger der Philippinen entweder Malaien mit etwas dunklerer Hautfarbe,
+oder Mischlinge zwischen Malaien und echten Negrito's sind. Wer sich
+über die Papuas und ihre weite Verbreitung über den hinterindischen
+Archipel genaue Kenntniss verschaffen will, findet leichte Befriedigung
+in dem trefflichen Buche von G. Windsor Earle "The Native Races of
+the Indian Archipelago. Papuans. London 1853". Pritchard's Werk ist
+in dieser Beziehung jedenfalls etwas veraltet.
+
+Dann muss ich mich auf das Entschiedenste dagegen erklären, die
+Bewohner Australien's nach der Andeutung Prichards (Bd. 4 pag. 270)
+jetzt als Harafura's oder Alfuru-Neger zu bezeichnen (Häckel
+l. c. p.). Einmal scheint Harafura oder Alfuru ein portugiesisches
+Wort zu sein, i. e. "freigelassener Sclave". Mit diesem Namen
+bezeichneten die Portugiesen in Amboina die freien Stämme des
+Innern (G. Windsor Earle in Journ. East Ind. Archipl. Vol. IV. 1850
+pag. 2). Selbst wenn er aber auch nicht portugiesischen, sondern
+östlichen Ursprungs sein sollte, so würde er keinenfalls auf die
+glatthaarigen Australier angewandt werden können, sondern höchstens auf
+die kraushaarigen--also zu den Papuas gehörigen--Neger in der Nähe der
+Molucken. Auch d'Urville beschreibt die Harfur's vom Arfak-Gebirge in
+Neu-Guinea als kraushaarig. Durch die Naturforscher der verschiedenen
+Regierungs-Expeditionen sowohl, wie durch confuse Berichte anderer
+Seefahrer ist die Frage, was die Harafura's eigentlich für ein Stamm
+sind, in eine so gründliche Confusion gebracht worden, dass man am
+Besten thut, den gordischen Knoten zu zerhauen, indem man den Namen
+einfach fallen lässt, oder ihn wenigstens so einschränkt, wie es
+neuerdings Bastian in der Karte zu seinem Buche "Ueber das Beständige
+in den Menschenracen, Berlin 1868" gethan hat. Dieser treffliche
+Ethnologe deutet ferner auch durch die dort gebrauchte Bezeichnung
+"Alfuru-Neger" und durch die Einordnung derselben in die Gruppe
+"Austral-Neger mit Papuas" an, dass ihm (l. c. pag. 271) beide Formen
+des Australnegers, die kraushaarige und die glatthaarige, sehr nahe mit
+einander verwandt zu sein scheinen. Eine so weitgehende Trennung der
+beiden Gruppen aber, wie sie Häckel vornimmt, wird durch keine aus dem
+physischen wie geistigen Zustande der dahin gehörigen Völker bekannte
+Thatsache gerechtfertigt werden können; und dies um so weniger, als
+man es hier ebensowenig, wie irgendwo sonst, mit ethnologisch reinen,
+von Beimischungen freigebliebenen Racen zu thun hat.
+
+_Anmerkung 3._ Es ist hiernach nicht mehr ganz richtig, wenn d'Urville
+(s. Prichard Bd. 4 pag. 268) und jetzt auch noch Earle (Journal
+E. I. Archipel. Bd. 3, 1849 pag. 686) angeben, dass die östlichen
+Negerracen, Papuas oder Australier, sich nie tättowiren; denn in der
+That ist, wie alle Reisende richtig und übereinstimmend bemerken, diese
+letztere Weise des Schmückens des Körpers ganz verschieden von der
+Erzeugung langgestreckter Narben durch schneidende Instrumente. Auch
+die, sicherlich durch Papua's und Malaien hervorgebrachten
+Mischlingsracen der Pelew-Inseln (Carolinen) tättowiren sich,
+haben also viel früher jene Sitte der Papua's, als ihren Körperbau
+und andere Merkmale verloren. Beide Gebräuche, im Aussehen der
+hergestellten Muster und ihrer Anwendung so verschieden, verdanken
+doch wohl ihren Ursprung dem gleichen psychologischen Bedürfnisse,
+dem der Ausschmückung, der Verschönerung des eignen Körpers.
+
+_Anmerkung 4._ Siehe meinen ausführlicheren Bericht über diese Stämme
+in der Zeitschrift für die gesammte Erdkunde Bd. 10 p. 249-266.
+
+_Anmerkung 5._ Es scheint jetzt allerdings eine Thatsache zu sein,
+dass der eigentliche Dialect der philippinischen Neger verloren
+gegangen ist, wie Prichard (l. c. pag. 232) auf die Autorität
+verschiedener Autoren gestützt angibt. In einem kleinen Wortregister,
+welches ich an der Ostküste von Luzon zu sammeln Gelegenheit hatte,
+und das ich in meinem Reisewerke ausführlich zu publiciren gedenke,
+finden sich trotz der grossen Uebereinstimmung mit dem Tagaloc und
+einigen andern Dialecten doch einzelne abweichende Worte. Ich würde
+dies kaum hervorgehoben haben, wenn ich nicht in dem schon erwähnten
+spanischen Buche des Padre Mozo (Misiones de Philipinas p. 101)
+die beachtenswerthe Notiz gefunden hätte, dass alle die Negerracen
+der verschiedenen Inseln die gleiche Sprache sprächen, im Gegensatz
+zu den malaiischen Stämmen mit ihren zahlreichen Dialecten. So
+sehr interessant und wichtig es nun auch sein würde, etwaige Reste
+der ursprünglichen philippinischen Negersprache vor dem gänzlichen
+Untergange zu retten, so würde hiezu doch eine Opferfreudigkeit und
+Entsagung gehören, wie ich sie mir so wenig, wie irgend einem andern
+Menschen zutraue. Mehr als einige sparsame Worte dieser Sprache werden
+wir durch Reisende nie erwarten können; und die spanischen Pfaffen
+sind jetzt weniger als je geneigt, diesem verkommenen Menschenstamm
+einige Aufmerksamkeit zuzuwenden.
+
+_Anmerkung 6._ Die Ylungut oder Ylongotes, wie die Spanier schreiben,
+sind Stämme malaiischen Ursprungs, welche in der östlichen Cordillere
+zwischen Baler und Casiguran leben. Sie gehören mit zu den wildesten
+Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit
+den nahe wohnenden Negrito's in beständiger Fehde.
+
+_Anmerkung 7._ Eine Schätzung der Zahl der Negrito's ist von Mallat
+versucht worden, der sie auf 25000 angibt (Mallat, les Philippines
+Bd. II p. 94). Dies wird jedenfalls sehr übertrieben sein. Zu
+Legaspi's Zeiten (1570-1580) freilich muss die Zahl derselben noch
+eine sehr grosse gewesen sein. Sie werden in dieser Zeit noch als
+ausschliessliche Bewohner der Insel Negros erwähnt, und auch in Cebú
+sowie in Panay lebten damals noch sehr zahlreiche Negrito's dicht
+neben den von Malaien bewohnten grösseren Städten. Auf beiden Inseln
+sind sie seit Langem spurlos verschwunden. S. Gaspar de S. Agustin
+pag. 95; Chirino, Relacion etc. pag. 24.
+
+_Anmerkung 8._ Siehe meinen Bericht in der Zeitschrift für die gesammte
+Erdkunde Bd. 13 pag. 81-97 und das Tagebuch des D. G. Galvey, welches
+in dem Werke des D. Sinibaldo de Mas Band I, Artikel Poblacion pag. 43
+sqq. abgedruckt ist "Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas
+en 1842".
+
+_Anmerkung 9._ Im Visaya-Dialect heisst busauang "Strom von Wasser,
+_Blut_ etc.; die Partikel tag wird vor Substantivwurzeln gesetzt, um
+die Herrschaft über dasselbe anzudeuten; hiernach wäre die Bedeutung
+des Wortes wohl so zu geben »der Gott (Herr) des Blutstromes"
+d. h. Gott des Krieges. Ihm ist die _rothe_ Farbe geheiligt, die der
+muthige Krieger nur dann anlegen darf, wenn er eine bestimmte Zahl von
+Feinden erschlagen hat. (Padre Combes, Historia de Mindanao pag. 54.)
+
+_Anmerkung 10._ Es ist oben in Anmerkung 5 die Quelle angegeben,
+der ich diese interessante Notiz entnommen habe.
+
+_Anmerkung 11._ Man hört auf den Philippinen jetzt häufig sagen,
+die Priester hätten den Eingebornen nicht blos Kunst und Industrie,
+sondern auch sogar den Reisbau gebracht. Es ist eine von allen älteren
+spanischen Autoren anerkannte Thatsache, dass die Bewohner Luzon's
+sowohl wie der Visaya's bei der Ankunft von Magellanes nicht blos
+den Reis zu eignem Bedarf bauten, sondern auch als Handelsartikel
+benutzten. _S. Martinez de Zuniga_, Hist. de Philip. Bd. I pag. 12;
+_Combes_, Historia de Mindanao p. 6 etc. Wenn man die einzelnen,
+in den verschiedenen Autoren zerstreut liegenden Bemerkungen über
+den Zustand des Handels vor Ankunft der Spanier zusammenfasst,
+so gewinnt man ein ganz anderes Bild von dem Verkehr der dortigen
+Völker, als man es nach den Darstellungen der neueren Autoren sich
+bildet. Pigafetta erzählt--ich citire nach der französischen Ausgabe
+des Jahres 1801 von Charles Amoretti--, dass alljährlich 6 oder 7
+Dschonken aus dem Lande der Lequii nach Luzon kamen (pag. 134). In
+Borneo trifft Pigafetta (pag. 146) den Sohn des Königs von Luzon,
+der als Feldherr des Königs von Borneo die Bewohner von Laoe an der
+Westküste Borneo's bekriegt hatte, weil sie lieber die Oberherrschaft
+eines Königs von Java, als die des Sultan's von Borneo anerkennen
+wollten. Die von ihm pag. 150 aus Borneo mitgetheilten Bemerkungen
+über Gewichte und Geld deuten auf einen sehr regen Verkehr mit den
+Chinesen hin; und der P. Gaspar de S. Agustin erzählt in seiner
+"Conquista de las Islas Filipinas", dass chinesische Schiffe in den
+grossen Fluss von Mindanao--d. h. den bei Cota Batto an der Südküste
+mündenden Fluss--zum Handeltreiben einliefen. Die bedeutendste Stelle
+ist die auf pag. 96 des letztgenannten Werkes, woraus hervorgeht, dass
+nur die grösseren chinesischen Dschonken nach Manila kamen, von hier
+aus aber die mitgebrachten chinesischen Waaren in kleineren Schiffen
+nach Borneo und den philippinischen Inseln gebracht wurden. Auf dem
+Rückwege nahmen sie dann die von den Chinesen und Siamesen gesuchten
+Waaren mit, nemlich Sclaven, Gold, Wachs und Kaurisschnecken, sowie
+weisse Tücher--wohl solche, wie sie noch heutzutage aus den Fasern der
+Musa textilis gewoben werden--, die nun mittels der grösseren Schiffe
+nach China hingebracht wurden. Also schon lange vor der christlichen
+Periode war Manila ein Stapelplatz für chinesische Waaren, ein Emporium
+des chinesisch-malaiischen Handels.
+
+
+
+
+V. Skizze.--Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode.
+
+
+_Anmerkung 1._ Siehe Martinez de Zuniga pag. 69-71. Gaspar de
+S. Agustin pag. 95-96. ibid pag. 108. Pigafetta pag. 146.
+
+
+_Anmerkung 2._ Siehe Martinez de Zuniga pag. 196-196. Die Geschichte
+der Kriegsführung zwischen Spaniern und Muhamedanern ist nicht
+ohne einiges Interesse. Leider ist man gezwungen, hier wie überall,
+auf die voluminösen Geschichtswerke der geistlichen Corporationen
+zurückzugehen, da das einzige meines Wissens existirende Specialwerk
+über diesen Gegenstand "D. Emilio Bernaldez, Resena historica de la
+Guerra al Sur de Filipinas" durchaus einseitig abgefasst und eigentlich
+nur für den spanischen Militair wichtig ist, welcher vielleicht
+einmal an die Spitze einer Expedition gegen die Moro's gestellt werden
+könnte. Trotz der vielen Kriegszüge nach Joló, trotz der Einnahme von
+Balanguingui im Jahre 1851 und obgleich die schwerfälligen Segelschiffe
+der Christen in den letzten Jahren durch Dampfkanonenböte ersetzt
+wurden, ist es den Spaniern auch bis auf den heutigen Tag nicht
+gelungen, die Piraterie im Süden der Philippinen auszurotten. Ich
+selbst wäre gewiss noch 1864 an der Ostküste Mindanao's in die Hände
+der Moros gefallen, wenn irgend ein Umstand meine Abreise aus Bohol um
+8-14 Tage verzögert hätte. Obgleich damals die in Cebú stationirten
+Dampfschiffe rechtzeitig durch den Gouverneur von Surigao Kenntniss
+von der Anwesenheit der Piraten erhalten hatten, so liefen diese
+doch so spät aus, und gaben sich bei ihrer Verfolgung so wenig Mühe,
+dass die Moro's ganz ruhig mit ihrer Beute nach Hause gelangen konnten.
+
+_Anmerkung_ 3. Man hört häufig sagen, und man liest es in allen
+neueren Werken der Spanier über die Philippinen, es seien die
+Priester ununterstützt durch die Macht der Waffen, an ihr Werk der
+Bekehrung gegangen. Es war Juan de Salcedo mit seinen Soldaten,
+welcher den Priestern den Weg nach dem Norden von Luzon durch die
+Gewalt der Waffen bahnte. Padre Combes sagt in seiner Historia de
+Mindanao p. 84: "die PP. Juan del Campo und Juan de S. Lucar hätten
+sich, da ohne die nöthige Unterstützung durch die Waffen, nach der
+Caldera (dicht bei Zamboanga) zurückziehen müssen". Und Gaspar de
+S. Agustin p. 163 sagt: "als die Indier sahen, dass sie nirgendwo
+sicher vor den Spaniern waren, kamen sie von vielen Ortschaften nach
+Cebú, um Frieden zu machen." Er sagt dies, nachdem er erzählt hat,
+wie Legaspi schon im Jahre 1564, wenige Monate nach seiner Ankunft,
+Expeditionen zur Züchtigung verschiedener Stämme nach dem Norden und
+Osten von Mindanao ausgeschickt hatte.
+
+_Anmerkung_ 4. Nach Pigafetta p. 119 waren schon durch Magallanes die
+Bewohner von Cebú im Jahr 1521 zur Entrichtung eines festbestimmten
+Tributes gezwungen worden.
+
+_Anmerkung_ 5. Hierfür nur eine Stelle des Gaspar de S. Agustin
+p. 143: "Und die Fürsten (los Principales) sagten, dass er (Legaspi)
+ganz handeln möge, wie Herr und Gebieter; denn sie wären nun treue
+Vasallen des Königs geworden, und sie bäten ihn nun, dass er ihnen
+die Plätze anweisen möchte, wo sie ihre Ortschaften neben denen der
+Spanier hinbauen sollten."
+
+
+
+
+VI. Skizze.--Die neueste christliche Zeit.
+
+
+_Anmerkung_ 1. Ich habe im Texte absichtlich die starken Ausdrücke
+gemildert, in welchen zahlreiche spanische Autoren sich über das im
+17. und 18. Jahrhundert befolgte System der Regierung dieser Colonie
+aussprechen. Ich übersetze einige Stellen aus D. Sinibaldo de Mas
+"Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas en 1842, Madrid 1843",
+pag. 199: "Kurz nach den ersten Zeiten, sagt der Duque de Almodovar,
+des Glaubenseifers und des Ruhmes der Eroberung bemächtigte sich der
+Gemüther ein niedriges und übel angewandtes Interesse. Die grosse
+Mehrzahl der Leute, die später nach jenen entfernten Gegenden gingen,
+pflegten dem Auswurf der Nation anzugehören (solian ser de las heces
+de la nacion)". Und D. Tomas de Comyn schrieb 1810: "In der That sieht
+man sehr häufig einen Friseur oder den Lakaien eines Gouverneurs,
+einen Matrosen oder einen Deserteur sich plötzlich in einen Alcalden
+oder einen Militär-Gouverneur eines volkreichen Districtes verwandeln."
+
+_Anmerkung 2_. Die Entstehung dieses Wortes ist gänzlich unklar. Alle
+neueren Autoren behaupten, es sei das barangay,--womit man die aus
+40-50 Familien bestehende tributzahlende Gesammtheit bezeichnet--eine
+alte aus der heidnischen Zeit überkommene Einrichtung. Nun findet
+sich aber dies Wort in solcher Bedeutung nicht in den älteren
+Geschichtswerken, und es ist mir völlig unklar, auf welche Autorität
+sich Buzeta, Maliat, Mas und andere Autoren stützen, wenn sie
+behaupten, dass das barangay ursprünglich die Menge bezeichnet hätte,
+welche in einem ihrer grossen Boote, den sogenannten _barangay_, bei
+ihrer Einwanderung auf den Philippinen angekommen sein sollen. Ohne
+eine bestimmte Angabe der ältesten Chronisten der Philippinen hierüber
+wird sich kaum entscheiden lassen, welche von beiden Bedeutungen des
+Wortes die abgeleitete sei. In diesem Institut des barangay liegt
+der eigentliche Schwerpunkt der philippinischen Communalverwaltung.
+
+_Anmerkung 3_. Der Padre Gaspar de S. Agustin schrieb 1698
+(l. c. p. 12): »Man kann sicher annehmen, dass die Bewohner sich nicht
+aus religiösem Gefühl (devocion) und wirklicher Kenntniss dessen,
+was sie empfingen, taufen liessen, sondern weil ihnen dies das Symbol
+des Bündnisses und der Freundschaft mit den Castiliern zu sein schien.
+
+_Anmerkung 4_. Ich verweise in dieser Beziehung auf die kurzen in
+Anmerkung 11 der IV. Skizze gemachten Angaben.
+
+_Anmerkung 5_. Man liest in allen neueren Büchern, dass die Real
+Compania de Filipinas 1785 errichtet wurde (Nopitsch, kaufmännische
+Berichte gesammelt auf einer Reise um die Welt, Hamburg 1849,
+p.78). Dies ist nicht ganz richtig. Aus der vom 10. März 1785 datirten
+"Real Cedula de Ereccion de la Compania de Filipinas" geht hervor,
+dass schon Philipp V. am 29. März 1733 einer zu gründenden Compania
+de Filipinas bedeutende Prärogativen für den directen Handel nach
+und von Manila gegeben hatte. Trotz der von der Regierung selbst
+zwischen 1733 und 1778 öfter unternommenen Handelsexpeditionen nach
+Manila scheint die Compania gar keine oder nur unbedeutende Geschäfte
+gemacht zu haben. 1785 nun ging die Compania de Caracas zu Ende,
+und diese Gesellschaft übertrug nun ihre Thätigkeit auch auf die
+Philippinen unter dem Titel der Real Compania de Filipinas. Ihr
+stand nicht blos das Recht zu, directen Handel zwischen Spanien und
+den Philippinen zu treiben, sondern sie durfte auch von America aus
+Waaren nach Manila, China etc. führen, ja es war ihr sogar erlaubt,
+chinesische Manufacturwaaren auf dem Umwege über einen spanischen Hafen
+im Mutterlande nun auch in Neu-Spanien einzuführen, da sie jetzt als
+spanische Waaren betrachtet wurden (s. die erwähnte Cedula vom Jahre
+1785 p. 27.) Gänzlich untersagt war ihr jedoch der directe Handel
+zwischen Manila und Acapulco, ein Verbot, das nur gegeben worden war,
+um den Handel des Mutterlandes mit den Colonien in Amerika nicht zu
+beeinträchtigen. (S. ebenda p. 20.)
+
+_Anmerkung 6_. "Tribunal" auch "Casa Real" wird das in jedem Dorfe
+befindliche Gemeindehaus genannt, in welchem der Gobernadorcillo mit
+seinen Tenientes etc. ihre Amtshandlungen vornehmen. Es dient zugleich
+als Gerichtshof und Gefängniss, wie auch als Wirthshaus; und öfters
+habe ich auf meinen Reisen in demselben Raume mit krummgeschlossenen
+Gefangenen zusammen die Nächte zubringen müssen.
+
+
+
+
+
+
+
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+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of
+computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org
+
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
+U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
+mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
+volunteers and employees are scattered throughout numerous
+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
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+state visit www.gutenberg.org/donate
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+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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+
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