summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/2312-0.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '2312-0.txt')
-rw-r--r--2312-0.txt2641
1 files changed, 2641 insertions, 0 deletions
diff --git a/2312-0.txt b/2312-0.txt
new file mode 100644
index 0000000..ffc7346
--- /dev/null
+++ b/2312-0.txt
@@ -0,0 +1,2641 @@
+Project Gutenberg's Hermann und Dorothea, by Johann Wolfgang von Goethe
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
+
+Title: Hermann und Dorothea
+
+Author: Johann Wolfgang von Goethe
+
+Release Date: October 6, 2019 [EBook #2312]
+First posted: September, 2000
+Last updated: April 3, 2015
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HERMANN UND DOROTHEA ***
+
+
+
+
+Produced by Michael Pullen, corrections by Andrew Sly
+
+
+
+
+
+Hermann und Dorothea
+
+Johann Wolfgang Goethe
+
+
+
+
+Inhalt:
+
+Erster Gesang: Kalliope. Schicksal und Anteil
+Zweiter Gesang: Terpsichore. Hermann
+Dritter Gesang: Thalia. Die Bürger
+Vierter Gesang: Euterpe. Mutter und Sohn
+Fünfter Gesang: Polyhymnia. Der Weltbürger
+Sechster Gesang: Klio. Das Zeitalter
+Siebenter Gesang: Erato. Dorothea
+Achter Gesang: Melpomene. Hermann und Dorothea
+Neunter Gesang: Urania. Aussicht
+
+
+
+
+Kalliope
+
+Schicksal und Anteil
+
+
+"Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen!
+Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht funfzig,
+Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern.
+Was die Neugier nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder,
+Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen.
+Bis zum Dammweg, welchen sie ziehn, ist's immer ein Stündchen,
+Und da läuft man hinab, im heißen Staube des Mittags.
+Möcht' ich mich doch nicht rühren vom Platz, um zu sehen das Elend
+Guter fliehender Menschen, die nun, mit geretteter Habe,
+Leider, das überrheinische Land, das schöne, verlassend,
+Zu uns herüberkommen und durch den glücklichen Winkel
+Dieses fruchtbaren Tals und seiner Krümmungen wandern.
+Trefflich hast du gehandelt, o Frau, daß du milde den Sohn fort
+Schicktest, mit altem Linnen und etwas Essen und Trinken,
+Um es den Armen zu spenden; denn Geben ist Sache des Reichen.
+Was der Junge doch fährt! und wie er bändigt die Hengste!
+Sehr gut nimmt das Kütschchen sich aus, das neue; bequemlich
+Säßen viere darin, und auf dem Bocke der Kutscher.
+Diesmal fuhr er allein; wie rollt es leicht um die Ecke!"
+So sprach, unter dem Tore des Hauses sitzend am Markte,
+Wohlbehaglich, zur Frau der Wirt zum Goldenen Löwen.
+
+Und es versetzte darauf die kluge verständige Hausfrau:
+"Vater, nicht gerne verschenk ich die abgetragene Leinwand,
+Denn sie ist zu manchem Gebrauch und für Geld nicht zu haben,
+Wenn man ihrer bedarf. Doch heute gab ich so gerne
+Manches bessere Stück an Überzügen und Hemden,
+Denn ich hörte von Kindern und Alten, die nackend dahergehn.
+Wirst du mir aber verzeihn? denn auch dein Schrank ist geplündert.
+Und besonders den Schlafrock mit indianischen Blumen,
+Von dem feinsten Kattun, mit feinem Flanelle gefüttert,
+Gab ich hin; er ist dünn und alt und ganz aus der Mode."
+
+Aber es lächelte drauf der treffliche Hauswirt und sagte:
+"Ungern vermiß ich ihn doch, den alten kattunenen Schlafrock,
+Echt ostindischen Stoffs; so etwas kriegt man nicht wieder.
+Wohl! ich trug ihn nicht mehr. Man will jetzt freilich, der Mann soll
+Immer gehn im Surtout und in der Pekesche sich zeigen,
+Immer gestiefelt sein; verbannt ist Pantoffel und Mütze."
+
+"Siehe!" versetzte die Frau, "dort kommen schon einige wieder,
+Die den Zug mit gesehn; er muß doch wohl schon vorbei sein.
+Seht, wie allen die Schuhe so staubig sind! wie die Gesichter
+Glühen! und jeglicher führt das Schnupftuch und wischt sich den Schweiß ab.
+Möcht' ich doch auch in der Hitze nach solchem Schauspiel so weit nicht
+Laufen und leiden! Fürwahr, ich habe genug am Erzählten."
+
+Und es sagte darauf der gute Vater mit Nachdruck:
+"Solch ein Wetter ist selten zu solcher Ernte gekommen,
+Und wir bringen die Frucht herein, wie das Heu schon herein ist,
+Trocken; der Himmel ist hell, es ist kein Wölkchen zu sehen,
+Und von Morgen wehet der Wind mit lieblicher Kühlung.
+Das ist beständiges Wetter! und überreif ist das Korn schon;
+Morgen fangen wir an zu schneiden die reichliche Ernte."
+
+Als er so sprach, vermehrten sich immer die Scharen der Männer
+Und der Weiber, die über den Markt sich nach Hause begaben;
+Und so kam auch zurück mit seinen Töchtern gefahren
+Rasch, an die andere Seite des Markts, der begüterte Nachbar,
+An sein erneuertes Haus, der erste Kaufmann des Ortes,
+Im geöffneten Wagen (er war in Landau verfertigt).
+Lebhaft wurden die Gassen; denn wohl war bevölkert das Städtchen,
+Mancher Fabriken befliß man sich da, und manches Gewerbes.
+
+Und so saß das trauliche Paar, sich unter dem Torweg
+Über das wandernde Volk mit mancher Bemerkung ergötzend.
+Endlich aber begann die würdige Hausfrau und sagte:
+"Seht! dort kommt der Prediger her, es kommt auch der Nachbar
+Apotheker mit ihm: die sollen uns alles erzählen,
+Was sie draußen gesehn und was zu schauen nicht froh macht."
+
+Freundlich kamen heran die beiden und grüßten das Ehpaar,
+Setzten sich auf die Bänke, die hölzernen, unter dem Torweg,
+Staub von den Füßen schüttelnd, und Luft mit dem Tuche sich fächelnd.
+Da begann denn zuerst, nach wechselseitigen Grüßen,
+Der Apotheker zu sprechen und sagte, beinahe verdrießlich:
+"So sind die Menschen fürwahr! und einer ist doch wie der andre,
+Daß er zu gaffen sich freut, wenn den Nächsten ein Unglück befället!
+Läuft doch jeder, die Flamme zu sehn, die verderblich emporschlägt,
+Jeder den armen Verbrecher, der peinlich zum Tode geführt wird.
+Jeder spaziert nun hinaus, zu schauen der guten Vertriebnen
+Elend, und niemand bedenkt, daß ihn das ähnliche Schicksal
+Auch, vielleicht zunächst, betreffen kann, oder doch künftig.
+Unverzeihlich find ich den Leichtsinn; doch liegt er im Menschen."
+
+Und es sagte darauf der edle verständige Pfarrherr,
+Er, die Zierde der Stadt, ein Jüngling näher dem Manne.
+Dieser kannte das Leben und kannte der Hörer Bedürfnis,
+War vom hohen Werte der heiligen Schriften durchdrungen,
+Die uns der Menschen Geschick enthüllen und ihre Gesinnung;
+Und so kannt' er auch wohl die besten weltlichen Schriften.
+Dieser sprach: "Ich tadle nicht gern, was immer dem Menschen
+Für unschädliche Triebe die gute Mutter Natur gab;
+Denn was Verstand und Vernunft nicht immer vermögen, vermag oft
+Solch ein glücklicher Hang, der unwiderstehlich uns leitet.
+Lockte die Neugier nicht den Menschen mit heftigen Reizen,
+Sagt! erführ' er wohl je, wie schön sich die weltlichen Dinge
+Gegeneinander verhalten? Denn erst verlangt er das Neue,
+Suchet das Nützliche dann mit unermüdetem Fleiße;
+Endlich begehrt er das Gute, das ihn erhebet und wert macht.
+In der Jugend ist ihm ein froher Gefährte der Leichtsinn,
+Der die Gefahr ihm verbirgt und heilsam geschwinde die Spuren
+Tilget des schmerzlichen Übels, sobald es nur irgend vorbeizog.
+Freilich ist er zu preisen, der Mann, dem in reiferen Jahren
+Sich der gesetzte Verstand aus solchem Frohsinn entwickelt,
+Der im Glück wie im Unglück sich eifrig und tätig bestrebet;
+Denn das Gute bringt er hervor und ersetzet den Schaden."
+
+Freundlich begann sogleich die ungeduldige Hausfrau:
+"Saget uns, was ihr gesehn; denn das begehrt' ich zu wissen."
+
+"Schwerlich", versetzte darauf der Apotheker mit Nachdruck,
+"Werd ich so bald mich freun nach dem, was ich alles erfahren.
+Und wer erzählet es wohl, das mannigfaltigste Elend!
+Schon von ferne sahn wir den Staub, noch eh' wir die Wiesen
+Abwärts kamen; der Zug war schon von Hügel zu Hügel
+Unabsehlich dahin, man konnte wenig erkennen.
+Als wir nun aber den Weg, der quer durchs Tal geht, erreichten,
+War Gedräng und Getümmel noch groß der Wandrer und Wagen.
+Leider sahen wir noch genug der Armen vorbeiziehn,
+Konnten einzeln erfahren, wie bitter die schmerzliche Flucht sei,
+Und wie froh das Gefühl des eilig geretteten Lebens.
+Traurig war es zu sehn, die mannigfaltige Habe,
+Die ein Haus nur verbirgt, das wohlversehne, und die ein
+Guter Wirt umher an die rechten Stellen gesetzt hat,
+Immer bereit zum Gebrauche, denn alles ist nötig und nützlich,
+Nun zu sehen das alles, auf mancherlei Wagen und Karren
+Durcheinander geladen, mit Übereilung geflüchtet.
+Über dem Schranke lieget das Sieb und die wollene Decke,
+In dem Backtrog das Bett und das Leintuch über dem Spiegel.
+Ach! und es nimmt die Gefahr, wie wir beim Brande vor zwanzig
+Jahren auch wohl gesehn, dem Menschen alle Besinnung,
+Daß er das Unbedeutende faßt und das Teure zurückläßt.
+Also führten auch hier, mit unbesonnener Sorgfalt,
+Schlechte Dinge sie fort, die Ochsen und Pferde beschwerend:
+Alte Bretter und Fässer, den Gänsestall und den Käfig.
+Auch so keuchten die Weiber und Kinder, mit Bündeln sich schleppend,
+Unter Körben und Butten voll Sachen keines Gebrauches;
+Denn es verläßt der Mensch so ungern das Letzte der Habe.
+Und so zog auf dem staubigen Weg der drängende Zug fort,
+Ordnungslos und verwirrt. Mit schwächeren Tieren der eine
+Wünschte langsam zu fahren, ein andrer emsig zu eilen.
+Da entstand ein Geschrei der gequetschten Weiber und Kinder,
+Und ein Blöken des Viehes, dazwischen der Hunde Gebelfer,
+Und ein Wehlaut der Alten und Kranken, die hoch auf dem schweren
+Übergepackten Wagen auf Betten saßen und schwankten.
+Aber, aus dem Gleise gedrängt, nach dem Rande des Hochwegs
+Irrte das knarrende Rad; es stürzt' in den Graben das Fuhrwerk,
+Umgeschlagen, und weithin entstürzten im Schwunge die Menschen,
+Mit entsetzlichem Schrein, in das Feld hin, aber doch glücklich.
+Später stürzten die Kasten und fielen näher dem Wagen.
+Wahrlich, wer im Fallen sie sah, der erwartete nun sie
+Unter der Last der Kisten und Schränke zerschmettert zu schauen.
+Und so lag zerbrochen der Wagen und hülflos die Menschen;
+Denn die übrigen gingen und zogen eilig vorüber,
+Nur sich selber bedenkend und hingerissen vom Strome.
+Und wir eilten hinzu und fanden die Kranken und Alten,
+Die zu Haus und im Bett schon kaum ihr dauerndes Leiden
+Trügen, hier auf dem Boden beschädigt ächzen und jammern,
+Von der Sonne verbrannt und erstickt vom wogenden Staube."
+
+Und es sagte darauf gerührt der menschliche Hauswirt:
+"Möge doch Hermann sie treffen und sie erquicken und kleiden.
+Ungern würd' ich sie sehn; mich schmerzt der Anblick des Jammers.
+Schon von dem ersten Bericht so großer Leiden gerühret,
+Schickten wir eilend ein Scherflein von unserm Überfluß, daß nur
+Einige würden gestärkt, und schienen uns selber beruhigt.
+Aber laßt uns nicht mehr die traurigen Bilder erneuern;
+Denn es beschleichet die Furcht gar bald die Herzen der Menschen,
+Und die Sorge, die mehr als selbst mir das Übel verhaßt ist.
+Tretet herein in den hinteren Raum, das kühlere Sälchen.
+Nie scheint Sonne dahin, nie dringet wärmere Luft dort
+Durch die stärkeren Mauern; und Mütterchen bringt uns ein Gläschen
+Dreiundachtziger her, damit wir die Grillen vertreiben.
+Hier ist nicht freundlich zu trinken; die Fliegen umsummen die Gläser."
+Und sie gingen dahin und freuten sich alle der Kühlung.
+
+Sorgsam brachte die Mutter des klaren herrlichen Weines,
+In geschliffener Flasche auf blankem zinnernem Runde,
+Mit den grünlichen Römern, den echten Bechern des Rheinweins.
+Und so sitzend umgaben die drei den glänzend gebohnten
+Runden, braunen Tisch, er stand auf mächtigen Füßen.
+Heiter klangen sogleich die Gläser des Wirtes und Pfarrers;
+Doch unbeweglich hielt der dritte denkend das seine,
+Und es fordert' ihn auf der Wirt mit freundlichen Worten:
+
+"Frisch, Herr Nachbar, getrunken! denn noch bewahrte vor Unglück
+Gott uns gnädig und wird auch künftig uns also bewahren.
+Denn wer erkennet es nicht, daß seit dem schrecklichen Brande,
+Da er so hart uns gestraft, er uns nun beständig erfreut hat
+Und beständig beschützt, so wie der Mensch sich des Auges
+Köstlichen Apfel bewahrt, der vor allen Gliedern ihm lieb ist.
+Sollt' er fernerhin nicht uns schützen und Hülfe bereiten?
+Denn man sieht es erst recht, wie viel er vermag, in Gefahren;
+Sollt' er die blühende Stadt, die er erst durch fleißige Bürger
+Neu aus der Asche gebaut und dann sie reichlich gesegnet,
+Jetzo wieder zerstören und alle Bemühung vernichten?"
+
+Heiter sagte darauf der treffliche Pfarrer und milde:
+"Haltet am Glauben fest und fest an dieser Gesinnung;
+Denn sie macht im Glücke verständig und sicher, im Unglück
+Reicht sie den schönsten Trost und belebt die herrlichste Hoffnung."
+
+Da versetzte der Wirt mit männlichen, klugen Gedanken:
+"Wie begrüßt' ich so oft mit Staunen die Fluten des Rheinstroms,
+Wenn ich, reisend nach meinem Geschäft, ihm wieder mich nahte!
+Immer schien er mir groß und erhob mir Sinn und Gemüte;
+Aber ich konnte nicht denken, daß bald sein liebliches Ufer
+Sollte werden ein Wall, um abzuwehren den Franken,
+Und sein verbreitetes Bett ein allverhindernder Graben.
+Seht, so schützt die Natur, so schützen die wackeren Deutschen
+Und so schützt uns der Herr; wer wollte töricht verzagen?
+Müde schon sind die Streiter, und alles deutet auf Frieden.
+Möge doch auch, wenn das Fest, das lang erwünschte, gefeiert
+Wird, in unserer Kirche, die Glocke dann tönt zu der Orgel,
+Und die Trompete schmettert, das hohe 'Te Deum' begleitend --
+Möge mein Hermann doch auch an diesem Tage, Herr Pfarrer,
+Mit der Braut, entschlossen, vor Euch am Altare sich stellen,
+Und das glückliche Fest, in allen den Landen begangen,
+Auch mir künftig erscheinen, der häuslichen Freuden ein Jahrstag!
+Aber ungern seh ich den Jüngling, der immer so tätig
+Mir in dem Hause sich regt, nach außen langsam und schüchtern.
+Wenig findet er Lust, sich unter Leuten zu zeigen;
+Ja, er vermeidet sogar der jungen Mädchen Gesellschaft
+Und den fröhlichen Tanz, den alle Jugend begehret."
+
+Also sprach er und horchte. Man hörte der stampfenden Pferde
+Fernes Getöse sich nahn, man hörte den rollenden Wagen,
+Der mit gewaltiger Eile nun donnert' unter den Torweg.
+
+
+
+
+Terpsichore
+
+Hermann
+
+
+Als nun der wohlgebildete Sohn ins Zimmer hereintrat,
+Schaute der Prediger ihm mit scharfen Blicken entgegen
+Und betrachtete seine Gestalt und sein ganzes Benehmen
+Mit dem Auge des Forschers, der leicht die Mienen enträtselt,
+Lächelte dann und sprach zu ihm mit traulichen Worten:
+"Kommt Ihr doch als ein veränderter Mensch! Ich habe noch niemals
+Euch so munter gesehn und Eure Blicke so lebhaft.
+Fröhlich kommt Ihr und heiter; man sieht, Ihr habet die Gaben
+Unter die Armen verteilt und ihren Segen empfangen."
+
+Ruhig erwiderte drauf der Sohn, mit ernstlichen Worten:
+"Ob ich löblich gehandelt? ich weiß es nicht; aber mein Herz hat
+Mich geheißen zu tun, so wie ich genau nun erzähle.
+Mutter, Ihr kramtet so lange, die alten Stücke zu suchen
+Und zu wählen; nur spät war erst das Bündel zusammen,
+Auch der Wein und das Bier ward langsam, sorglich gepacket.
+Als ich nun endlich vors Tor und auf die Straße hinauskam,
+Strömte zurück die Menge der Bürger mit Weibern und Kindern,
+Mir entgegen; denn fern war schon der Zug der Vertriebnen.
+Schneller hielt ich mich dran und fuhr behende dem Dorf zu,
+Wo sie, wie ich gehört, heut übernachten und rasten.
+Als ich nun meines Weges die neue Straße hinanfuhr,
+Fiel mir ein Wagen ins Auge, von tüchtigen Bäumen gefüget,
+Von zwei Ochsen gezogen, den größten und stärksten des Auslands,
+Nebenher aber ging mit starken Schritten ein Mädchen,
+Lenkte mit langem Stabe die beiden gewaltigen Tiere,
+Trieb sie an und hielt sie zurück, sie leitete klüglich.
+Als mich das Mädchen erblickte, so trat sie den Pferden gelassen
+Näher und sagte zu mir: 'Nicht immer war es mit uns so
+Jammervoll, als Ihr uns heut auf diesen Wegen erblicket.
+Noch nicht bin ich gewohnt, vom Fremden die Gabe zu heischen,
+Die er oft ungern gibt, um los zu werden den Armen;
+Aber mich dränget die Not, zu reden. Hier auf dem Strohe
+Liegt die erst entbundene Frau des reichen Besitzers,
+Die ich mit Stieren und Wagen noch kaum, die Schwangre, gerettet.
+Spät nur kommen wir nach, und kaum das Leben erhielt sie.
+Nun liegt, neugeboren, das Kind ihr nackend im Arme,
+Und mit wenigem nur vermögen die Unsern zu helfen,
+Wenn wir im nächsten Dorf, wo wir heute zu rasten gedenken,
+Auch sie finden, wiewohl ich fürchte, sie sind schon vorüber.
+Wär' Euch irgend von Leinwand nur was Entbehrliches, wenn Ihr
+Hier aus der Nachbarschaft seid, so spendet's gütig den Armen.'
+
+Also sprach sie, und matt erhob sich vom Strohe die bleiche
+Wöchnerin, schaute nach mir; ich aber sagte dagegen:
+'Guten Menschen fürwahr spricht oft ein himmlischer Geist zu,
+Daß sie fühlen die Not, die dem armen Bruder bevorsteht;
+Denn so gab mir die Mutter, im Vorgefühle von eurem
+Jammer, ein Bündel, sogleich es der nackten Notdurft zu reichen.'
+Und ich löste die Knoten der Schnur und gab ihr den Schlafrock
+Unsers Vaters dahin, und gab ihr Hemden und Leintuch.
+Und sie dankte mit Freuden und rief: 'Der Glückliche glaubt nicht,
+Daß noch Wunder geschehn; denn nur im Elend erkennt man
+Gottes Hand und Finger, der gute Menschen zum Guten
+Leitet. Was er durch Euch an uns tut, tu er Euch selber.'
+Und ich sah die Wöchnerin froh die verschiedene Leinwand,
+Aber besonders den weichen Flanell des Schlafrocks befühlen.
+'Eilen wir', sagte zu ihr die Jungfrau, 'dem Dorf zu, in welchem
+Unsre Gemeine schon rastet und diese Nacht durch sich aufhält;
+Dort besorg ich sogleich das Kinderzeug, alles und jedes.'
+Und sie grüßte mich noch und sprach den herzlichsten Dank aus,
+Trieb die Ochsen; da ging der Wagen. Ich aber verweilte,
+Hielt die Pferde noch an; denn Zwiespalt war mir im Herzen,
+Ob ich mit eilenden Rossen das Dorf erreichte, die Speisen
+Unter das übrige Volk zu spenden, oder sogleich hier
+Alles dem Mädchen gäbe, damit sie es weislich verteilte.
+Und ich entschied mich gleich in meinem Herzen und fuhr ihr
+Sachte nach und erreichte sie bald und sagte behende:
+'Gutes Mädchen, mir hat die Mutter nicht Leinwand alleine
+Auf den Wagen gegeben, damit ich den Nackten bekleide,
+Sondern sie fügte dazu noch Speis' und manches Getränke,
+Und es ist mir genug davon im Kasten des Wagens.
+Nun bin ich aber geneigt, auch diese Gaben in deine
+Hand zu legen, und so erfüll ich am besten den Auftrag;
+Du verteilst sie mit Sinn, ich müßte dem Zufall gehorchen.'
+Drauf versetzte das Mädchen: 'Mit aller Treue verwend ich
+Eure Gaben; der Dürftige soll sich derselben erfreuen.'
+Also sprach sie. Ich öffnete schnell die Kasten des Wagens,
+Brachte die Schinken hervor, die schweren, brachte die Brote,
+Flaschen Weines und Biers, und reicht' ihr alles und jedes.
+Gerne hätt' ich noch mehr ihr gegeben; doch leer war der Kasten.
+Alles packte sie drauf zu der Wöchnerin Füßen und zog so
+Weiter; ich eilte zurück mit meinen Pferden der Stadt zu."
+
+Als nun Hermann geendet, da nahm der gesprächige Nachbar
+Gleich das Wort und rief: "O glücklich, wer in den Tagen
+Dieser Flucht und Verwirrung in seinem Haus nur allein lebt,
+Wem nicht Frau und Kinder zur Seite bange sich schmiegen!
+Glücklich fühl ich mich jetzt; ich möcht' um vieles nicht heute
+Vater heißen und nicht für Frau und Kinder besorgt sein.
+Öfters dacht' ich mir auch schon die Flucht und habe die besten
+Sachen zusammengepaßt, das alte Geld und die Ketten
+Meiner seligen Mutter, das alles noch heilig verwahrt liegt.
+Freilich bliebe noch vieles zurück, das so leicht nicht geschafft wird.
+Selbst die Kräuter und Wurzeln, mit vielem Fleiße gesammelt,
+Mißt' ich ungern, wenn auch der Wert der Ware nicht groß ist.
+Bleibt der Provisor zurück, so geh ich getröstet von Hause.
+Hab ich die Barschaft gerettet und meinen Körper, so hab ich
+Alles gerettet; der einzelne Mann entfliehet am leichtsten."
+
+"Nachbar", versetzte darauf der junge Hermann mit Nachdruck,
+"Keinesweges denk ich wie Ihr und tadle die Rede.
+Ist wohl der ein würdiger Mann, der im Glück und im Unglück
+Sich nur allein bedenkt und Leiden und Freuden zu teilen
+Nicht verstehet und nicht dazu von Herzen bewegt wird?
+Lieber möcht' ich als je mich heute zur Heirat entschließen;
+Denn manch gutes Mädchen bedarf des schützenden Mannes
+Und der Mann des erheiternden Weibs, wenn ihm Unglück bevorsteht."
+
+Lächelnd sagte darauf der Vater: "So hör ich dich gerne!
+Solch ein vernünftiges Wort hast du mir selten gesprochen."
+
+Aber es fiel sogleich die gute Mutter behend ein:
+"Sohn, fürwahr! du hast recht; wir Eltern gaben das Beispiel.
+Denn wir haben uns nicht an fröhlichen Tagen erwählet,
+Und uns knüpfte vielmehr die traurigste Stunde zusammen.
+Montag morgens -- ich weiß es genau, denn Tages vorher war
+Jener schreckliche Brand, der unser Städtchen verzehrte --
+Zwanzig Jahre sind's nun; es war ein Sonntag wie heute,
+Heiß und trocken die Zeit und wenig Wasser im Orte.
+Alle Leute waren, spazierend in festlichen Kleidern,
+Auf den Dörfern verteilt und in den Schenken und Mühlen.
+Und am Ende der Stadt begann das Feuer. Der Brand lief
+Eilig die Straßen hindurch, erzeugend sich selber den Zugwind.
+Und es brannten die Scheunen der reich gesammelten Ernte,
+Und es brannten die Straßen bis zu dem Markt, und das Haus war
+Meines Vaters hierneben verzehrt und dieses zugleich mit.
+Wenig flüchteten wir. Ich saß, die traurige Nacht durch,
+Vor der Stadt auf dem Anger, die Kasten und Betten bewahrend;
+Doch zuletzt befiel mich der Schlaf, und als nun des Morgens
+Mich die Kühlung erweckte, die vor der Sonne herabfällt,
+Sah ich den Rauch und die Glut und die hohlen Mauern und Essen.
+Da war beklemmt mein Herz; allein die Sonne ging wieder
+Herrlicher auf als je und flößte mir Mut in die Seele.
+Da erhob ich mich eilend. Es trieb mich, die Stätte zu sehen,
+Wo die Wohnung gestanden, und ob sich die Hühner gerettet,
+Die ich besonders geliebt; denn kindisch war mein Gemüt noch.
+Als ich nun über die Trümmer des Hauses und Hofes daherstieg,
+Die noch rauchten, und so die Wohnung wüst und zerstört sah,
+Kamst du zur andern Seite herauf und durchsuchtest die Stätte.
+Dir war ein Pferd in dem Stalle verschüttet; die glimmenden Balken
+Lagen darüber und Schutt, und nichts zu sehn war vom Tiere.
+Also standen wir gegeneinander, bedenklich und traurig:
+Denn die Wand war gefallen, die unsere Höfe geschieden.
+Und du faßtest darauf mich bei der Hand an und sagtest:
+'Lieschen, wie kommst du hieher? Geh weg! du verbrennest die Sohlen;
+Denn der Schutt ist heiß, er sengt mir die stärkeren Stiefeln.'
+Und du hobest mich auf und trugst mich herüber durch deinen
+Hof weg. Da stand noch das Tor des Hauses mit seinem Gewölbe,
+Wie es jetzt steht; es war allein von allem geblieben.
+Und du setztest mich nieder und küßtest mich und ich verwehrt' es.
+Aber du sagtest darauf mit freundlich bedeutenden Worten:
+'Siehe, das Haus liegt nieder. Bleib hier, und hilf mir es bauen,
+Und ich helfe dagegen auch deinem Vater an seinem.'
+Doch ich verstand dich nicht, bis du zum Vater die Mutter
+Schicktest und schnell das Gelübd' der fröhlichen Ehe vollbracht war.
+Noch erinnr' ich mich heute des halbverbrannten Gebälkes
+Freudig und sehe die Sonne noch immer so herrlich heraufgehn;
+Denn mir gab der Tag den Gemahl, es haben die ersten
+Zeiten der wilden Zerstörung den Sohn mir der Jugend gegeben.
+Darum lob ich dich, Hermann, daß du mit reinem Vertrauen
+Auch ein Mädchen dir denkst in diesen traurigen Zeiten
+Und es wagtest zu frein im Krieg und über den Trümmern."
+
+Da versetzte sogleich der Vater lebhaft und sagte:
+"Die Gesinnung ist löblich, und wahr ist auch die Geschichte,
+Mütterchen, die du erzählst; denn so ist alles begegnet.
+Aber besser ist besser. Nicht einen jeden betrifft es,
+Anzufangen von vorn sein ganzes Leben und Wesen;
+Nicht soll jeder sich quälen, wie wir und andere taten,
+Oh, wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Haus schon
+Wohlbestellt übergeben und der mit Gedeihen es ausziert!
+Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirtschaft.
+Mancherlei Dinge bedarf der Mensch, und alles wird täglich
+Teurer; da seh er sich vor, des Geldes mehr zu erwerben.
+Und so hoff ich von dir, mein Hermann, daß du mir nächstens
+In das Haus die Braut mit schöner Mitgift hereinführst;
+Denn ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen,
+Und es behaget so wohl, wenn mit dem gewünscheten Weibchen
+Auch in Körben und Kasten die nützliche Gabe hereinkommt.
+Nicht umsonst bereitet durch manche Jahre die Mutter
+Viele Leinwand der Tochter, von feinem und starkem Gewebe;
+Nicht umsonst verehren die Paten ihr Silbergeräte,
+Und der Vater sondert im Pulte das seltene Goldstück:
+Denn sie soll dereinst mit ihren Gütern und Gaben
+Jenen Jüngling erfreun, der sie vor allen erwählt hat.
+Ja, ich weiß, wie behaglich ein Weibchen im Hause sich findet,
+Das ihr eignes Gerät in Küch' und Zimmern erkennet
+Und das Bette sich selbst und den Tisch sich selber gedeckt hat.
+Nur wohl ausgestattet möcht' ich im Hause die Braut sehn;
+Denn die Arme wird doch nur zuletzt vom Manne verachtet,
+Und er hält sie als Magd, die als Magd mit dem Bündel hereinkam.
+Ungerecht bleiben die Männer, und die Zeiten der Liebe vergehen.
+Ja, mein Hermann, du würdest mein Alter höchlich erfreuen,
+Wenn du mir bald ins Haus ein Schwiegertöchterchen brächtest
+Aus der Nachbarschaft her, aus jenem Hause, dem grünen.
+Reich ist der Mann fürwahr: sein Handel und seine Fabriken
+Machen ihn täglich reicher: denn wo gewinnt nicht der Kaufmann?
+Nur drei Töchter sind da; sie teilen allein das Vermögen.
+Schon ist die ältste bestimmt, ich weiß es; aber die zweite
+Wie die dritte sind noch, und vielleicht nicht lange, zu haben.
+Wär' ich an deiner Statt, ich hätte bis jetzt nicht gezaudert,
+Eins mir der Mädchen geholt, so wie ich das Mütterchen forttrug."
+
+Da versetzte der Sohn bescheiden dem dringenden Vater:
+"Wirklich, mein Wille war auch, wie Eurer, eine der Töchter
+Unsers Nachbars zu wählen. Wir sind zusammen erzogen,
+Spielten neben dem Brunnen am Markt in früheren Zeiten,
+Und ich habe sie oft vor der Knaben Wildheit beschützet.
+Doch das ist lange schon her; es bleiben die wachsenden Mädchen
+Endlich billig zu Haus und fliehn die wilderen Spiele.
+Wohlgezogen sind sie gewiß! Ich ging auch zuzeiten
+Noch aus alter Bekanntschaft, so wie Ihr es wünschtet, hinüber;
+Aber ich konnte mich nie in ihrem Umgang erfreuen.
+Denn sie tadelten stets an mir, das mußt' ich ertragen:
+Gar zu lang war mein Rock, zu grob das Tuch und die Farbe
+Gar zu gemein und die Haare nicht recht gestutzt und gekräuselt.
+Endlich hatt' ich im Sinne, mich auch zu putzen wie jene
+Handelsbübchen, die stets am Sonntag drüben sich zeigen,
+Und um die halbseiden im Sommer das Läppchen herumhängt.
+Aber noch früh genug merkt' ich, sie hatten mich immer zum besten,
+Und das war mir empfindlich, mein Stolz war beleidigt; doch mehr noch
+Kränkte mich's tief, daß so sie den guten Willen verkannten,
+Den ich gegen sie hegte, besonders Minchen, die jüngste.
+Denn so war ich zuletzt an Ostern hinübergegangen,
+Hatte den neuen Rock, der jetzt nur oben im Schrank hängt,
+Angezogen und war frisiert wie die übrigen Bursche.
+Als ich eintrat, kicherten sie; doch zog ich's auf mich nicht.
+Minchen saß am Klavier; es war der Vater zugegen,
+Hörte die Töchterchen singen und war entzückt und in Laune.
+Manches verstand ich nicht, was in den Liedern gesagt war,
+Aber ich hörte viel von Pamina, viel von Tamino,
+Und ich wollte doch auch nicht stumm sein! Sobald sie geendet,
+Fragt' ich dem Texte nach und nach den beiden Personen.
+Alle schwiegen darauf und lächelten; aber der Vater
+Sagte: 'Nicht wahr, mein Freund, Er kennt nur Adam und Eva?'
+Niemand hielt sich alsdann, und laut auf lachten die Mädchen,
+Laut auf lachten die Knaben, es hielt den Bauch sich der Alte.
+Fallen ließ ich den Hut vor Verlegenheit, und das Gekicher
+Dauerte fort und fort, soviel sie auch sangen und spielten.
+Und ich eilte beschämt und verdrießlich wieder nach Hause,
+Hängte den Rock in den Schrank und zog die Haare herunter
+Mit den Fingern und schwur, nicht mehr zu betreten die Schwelle.
+Und ich hatte wohl recht; denn eitel sind sie und lieblos,
+Und ich höre, noch heiß' ich bei ihnen immer Tamino."
+
+Da versetzte die Mutter: "Du solltest, Hermann, so lange
+Mit den Kindern nicht zürnen; denn Kinder sind sie ja sämtlich.
+Minchen fürwahr ist gut und war dir immer gewogen;
+Neulich fragte sie noch nach dir. Die solltest du wählen!"
+
+Da versetzte bedenklich der Sohn: "Ich weiß nicht, es prägte
+Jener Verdruß sich so tief bei mir ein, ich möchte fürwahr nicht
+Sie am Klaviere mehr sehn und ihre Liedchen vernehmen."
+
+Doch der Vater fuhr auf und sprach die zornigen Worte:
+"Wenig Freud' erleb ich an dir! Ich sagt' es doch immer,
+Als du zu Pferden nur und Lust nur bezeugtest zum Acker:
+Was ein Knecht schon verrichtet des wohlbegüterten Mannes,
+Tust du; indessen muß der Vater des Sohnes entbehren,
+Der ihm zur Ehre doch auch vor andern Bürgern sich zeigte.
+Und so täuschte mich früh mit leerer Hoffnung die Mutter,
+Wenn in der Schule das Lesen und Schreiben und Lernen dir niemals
+Wie den andern gelang und du immer der Unterste saßest.
+Freilich! das kommt daher, wenn Ehrgefühl nicht im Busen
+Eines Jünglinges lebt und wenn er nicht höher hinauf will.
+Hätte mein Vater gesorgt für mich, so wie ich für dich tat,
+Mich zur Schule gesendet und mir die Lehrer gehalten,
+Ja, ich wäre was anders als Wirt zum Goldenen Löwen!"
+
+Aber der Sohn stand auf und nahte sich schweigend der Türe,
+Langsam und ohne Geräusch; allein der Vater, entrüstet,
+Rief ihm nach: "So gehe nur hin! ich kenne den Trotzkopf!
+Geh und führe fortan die Wirtschaft, daß ich nicht schelte;
+Aber denke nur nicht, du wollest ein bäurisches Mädchen
+Je mir bringen ins Haus, als Schwiegertochter, die Trulle!
+Lange hab ich gelebt und weiß mit Menschen zu handeln,
+Weiß zu bewirten die Herren und Frauen, daß sie zufrieden
+Von mir weggehn, ich weiß den Fremden gefällig zu schmeicheln.
+Aber so soll mir denn auch ein Schwiegertöchterchen endlich
+Wiederbegegnen und so mir die viele Mühe versüßen!
+Spielen soll sie mir auch das Klavier; es sollen die schönsten,
+Besten Leute der Stadt sich mit Vergnügen versammeln,
+Wie es sonntags geschieht im Hause des Nachbars!" Da drückte
+Leise der Sohn auf die Klinke, und so verließ er die Stube.
+
+
+
+
+Thalia
+
+Die Bürger
+
+
+Also entwich der bescheidene Sohn der heftigen Rede;
+Aber der Vater fuhr in der Art fort, wie er begonnen --
+"Was im Menschen nicht ist, kommt auch nicht aus ihm, und schwerlich
+Wird mich des herzlichsten Wunsches Erfüllung jemals erfreuen,
+Daß der Sohn dem Vater nicht gleich sei, sondern ein Beßrer.
+Denn was wäre das Haus, was wäre die Stadt, wenn nicht immer
+Jeder gedächte mit Lust zu erhalten und zu erneuen
+Und zu verbessern auch, wie die Zeit uns lehrt und das Ausland!
+Soll doch nicht als ein Pilz der Mensch dem Boden entwachsen
+Und verfaulen geschwind an dem Platze, der ihn erzeugt hat,
+Keine Spur nachlassend von seiner lebendigen Wirkung!
+Sieht man am Hause doch gleich so deutlich, wes Sinnes der Herr sei,
+Wie man, das Städtchen betretend, die Obrigkeiten beurteilt.
+Denn wo die Türme verfallen und Mauern, wo in den Gräben
+Unrat sich häufet und Unrat auf allen Gassen herumliegt,
+Wo der Stein aus der Fuge sich rückt und nicht wieder gesetzt wird,
+Wo der Balken verfault und das Haus vergeblich die neue
+Unterstützung erwartet: der Ort ist übel regieret.
+Denn wo nicht immer von oben die Ordnung und Reinlichkeit wirket,
+Da gewöhnet sich leicht der Bürger zu schmutzigem Saumsal,
+Wie der Bettler sich auch an lumpige Kleider gewöhnet.
+Darum hab ich gewünscht, es solle sich Hermann auf Reisen
+Bald begeben und sehn zum wenigsten Straßburg und Frankfurt
+Und das freundliche Mannheim, das gleich und heiter gebaut ist.
+Denn wer die Städte gesehn, die großen und reinlichen, ruht nicht,
+Künftig die Vaterstadt selbst, so klein sie auch sei, zu verzieren.
+Lobt nicht der Fremde bei uns die ausgebesserten Tore
+Und den geweihten Turm und die wohlerneuerte Kirche?
+Rühmt nicht jeder das Pflaster? die wasserreichen, verdeckten,
+Wohlverteilten Kanäle, die Nutzen und Sicherheit bringen,
+Daß dem Feuer sogleich beim ersten Ausbruch gewehrt sei,
+Ist das nicht alles geschehn seit jenem schrecklichen Brande?
+Bauherr war ich sechsmal im Rat und habe mir Beifall,
+Habe mir herzlichen Dank von guten Bürgern verdienet,
+Was ich angab, emsig betrieben und so auch die Anstalt
+Redlicher Männer vollführt, die sie unvollendet verließen.
+So kam endlich die Lust in jedes Mitglied des Rates.
+Alle bestreben sich jetzt, und schon ist der neue Chausseebau
+Fest beschlossen, der uns mit der großen Straße verbindet.
+Aber ich fürchte nur sehr, so wird die Jugend nicht handeln!
+Denn die einen, sie denken auf Lust und vergänglichen Putz nur,
+Andere hocken zu Haus und brüten hinter dem Ofen.
+Und das fürcht ich, ein solcher wird Hermann immer mir bleiben."
+
+Und es versetzte sogleich die gute verständige Mutter:
+"Immer bist du doch, Vater, so ungerecht gegen den Sohn! und
+So wird am wenigsten dir dein Wunsch des Guten erfüllet.
+Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen;
+So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben,
+Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.
+Denn der eine hat die, die anderen andere Gaben;
+Jeder braucht sie, und jeder ist doch nur auf eigene Weise
+Gut und glücklich. Ich lasse mir meinen Hermann nicht schelten;
+Denn, ich weiß es, er ist der Güter, die er dereinst erbt,
+Wert und ein trefflicher Wirt, ein Muster Bürgern und Bauern,
+Und im Rate gewiß, ich seh es voraus, nicht der Letzte.
+Aber täglich mit Schelten und Tadeln hemmst du dem Armen
+Allen Mut in der Brust, so wie du es heute getan hast."
+Und sie verließ die Stube sogleich und eilte dem Sohn nach,
+Daß sie ihn irgendwo fänd' und ihn mit gütigen Worten
+Wieder erfreute; denn er, der treffliche Sohn, er verdient' es.
+
+Lächelnd sagte darauf, sobald sie hinweg war, der Vater:
+"Sind doch ein wunderlich Volk die Weiber, so wie die Kinder!
+Jedes lebet so gern nach seinem eignen Belieben,
+Und man sollte hernach nur immer loben und streicheln.
+Einmal für allemal gilt das wahre Sprüchlein der Alten:
+Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurücke! So bleibt es."
+
+Und es versetzte darauf der Apotheker bedächtig:
+"Gerne geb ich es zu, Herr Nachbar, und sehe mich immer
+Selbst nach dem Besseren um, wofern es nicht teuer doch neu ist;
+Aber hilft es fürwahr, wenn man nicht die Fülle des Gelds hat,
+Tätig und rührig zu sein und innen und außen zu bessern?
+Nur zu sehr ist der Bürger beschränkt; das Gute vermag er
+Nicht zu erlangen, wenn er es kennt. Zu schwach ist sein Beutel,
+Das Bedürfnis zu groß; so wird er immer gehindert.
+Manches hätt' ich getan; allein wer scheut nicht die Kosten
+Solcher Verändrung, besonders in diesen gefährlichen Zeiten!
+Lange lachte mir schon mein Haus im modischen Kleidchen,
+Lange glänzten durchaus mit großen Scheiben die Fenster;
+Aber wer tut dem Kaufmann es nach, der bei seinem Vermögen
+Auch die Wege noch kennt, auf welchen das Beste zu haben?
+Seht nur das Haus an da drüben, das neue! Wie prächtig in grünen
+Feldern die Stukkatur der weißen Schnörkel sich ausnimmt!
+Groß sind die Tafeln der Fenster, wie glänzen und spiegeln die Scheiben,
+Daß verdunkelt stehn die übrigen Häuser des Marktes!
+Und doch waren die unsern gleich nach dem Brande die schönsten,
+Die Apotheke zum Engel sowie der Goldene Löwe.
+So war mein Garten auch in der ganzen Gegend berühmt, und
+Jeder Reisende stand und sah durch die roten Staketen
+Nach den Bettlern von Stein und nach den farbigen Zwergen.
+Wem ich den Kaffee dann gar in dem herrlichen Grottenwerk reichte,
+Das nun freilich verstaubt und halb verfallen mir dasteht,
+Der erfreute sich hoch des farbig schimmernden Lichtes
+Schön geordneter Muscheln; und mit geblendetem Auge
+Schaute der Kenner selbst den Bleiglanz und die Korallen.
+Ebenso ward in dem Saale die Malerei auch bewundert,
+Wo die geputzten Herren und Damen im Garten spazieren
+Und mit spitzigen Fingern die Blumen reichen und halten.
+Ja, wer sähe das jetzt nur noch an! Ich gehe verdrießlich
+Kaum mehr hinaus; denn alles soll anders sein und geschmackvoll,
+Wie sie's heißen, und weiß die Latten und hölzernen Bänke.
+Alles ist einfach und glatt, nicht Schnitzwerk oder Vergoldung
+Will man mehr, und es kostet das fremde Holz nun am meisten.
+Nun, ich wär' es zufrieden, mir auch was Neues zu schaffen;
+Auch zu gehn mit der Zeit und oft zu verändern den Hausrat;
+Aber es fürchtet sich jeder, auch nur zu rücken das Kleinste,
+Denn wer vermöchte wohl jetzt die Arbeitsleute zu zahlen?
+Neulich kam mir's in Sinn, den Engel Michael wieder,
+Der mir die Offizin bezeichnet, vergolden zu lassen
+Und den greulichen Drachen, der ihm zu Füßen sich windet;
+Aber ich ließ ihn verbräunt, wie er ist; mich schreckte die Fordrung."
+
+
+
+
+Euterpe
+
+Mutter und Sohn
+
+
+Also sprachen die Männer, sich unterhaltend. Die Mutter
+Ging indessen, den Sohn erst vor dem Hause zu suchen,
+Auf der steinernen Bank, wo sein gewöhnlicher Sitz war.
+Als sie daselbst ihn nicht fand, so ging sie, im Stalle zu schauen,
+Ob er die herrlichen Pferde, die Hengste, selber besorgte,
+Die er als Fohlen gekauft und die er niemand vertraute.
+Und es sagte der Knecht: "Er ist in den Garten gegangen."
+Da durchschritt sie behende die langen doppelten Höfe,
+Ließ die Ställe zurück und die wohlgezimmerten Scheunen,
+Trat in den Garten, der weit bis an die Mauern des Städtchens
+Reichte, schritt ihn hindurch und freute sich jegliches Wachstums,
+Stellte die Stützen zurecht, auf denen beladen die Äste
+Ruhten des Apfelbaums, wie des Birnbaums lastende Zweige,
+Nahm gleich einige Raupen vom kräftig strotzenden Kohl weg;
+Denn ein geschäftiges Weib tut keine Schritte vergebens.
+Also war sie ans Ende des langen Gartens gekommen,
+Bis zur Laube, mit Geißblatt bedeckt; nicht fand sie den Sohn da,
+Ebensowenig, als sie bis jetzt ihn im Garten erblickte.
+Aber nur angelehnt war das Pförtchen, das aus der Laube,
+Aus besonderer Gunst, durch die Mauer des Städtchens gebrochen
+Hatte der Ahnherr einst, der würdige Burgemeister.
+Und so ging sie bequem den trocknen Graben hinüber,
+Wo an der Straße sogleich der wohl umzäunete Weinberg
+Aufstieg steileren Pfads, die Fläche zur Sonne gekehret.
+Auch den schritt sie hinauf und freute der Fülle der Trauben
+Sich im Steigen, die kaum sich unter den Blättern verbargen.
+Schattig war und bedeckt der hohe mittlere Laubgang,
+Den man auf Stufen erstieg von unbehauenen Platten.
+Und es hingen herein Gutedel und Muskateller,
+Rötlich-blaue daneben von ganz besonderer Größe,
+Alle mit Fleiße gepflanzt, der Gäste Nachtisch zu zieren.
+Aber den übrigen Berg bedeckten einzelne Stöcke,
+Kleinere Trauben tragend, von denen der köstliche Wein kommt.
+Also schritt sie hinauf, sich schon des Herbstes erfreuend
+Und des festlichen Tags, an dem die Gegend im Jubel
+Trauben lieset und tritt und den Most in die Fässer versammelt,
+Feuerwerke des Abends von allen Orten und Enden
+Leuchten und knallen und so der Ernten schönste geehrt wird.
+Doch unruhiger ging sie, nachdem sie dem Sohne gerufen
+Zwei-, auch dreimal und nur das Echo vielfach zurückkam,
+Das von den Türmen der Stadt, ein sehr geschwätziges, herklang.
+Ihn zu suchen war ihr so fremd; er entfernte sich niemals.
+Weit, er sagt' es ihr denn, um zu verhüten die Sorge
+Seiner liebenden Mutter und ihre Furcht vor dem Unfall.
+Aber sie hoffte noch stets, ihn doch auf dem Wege zu finden;
+Denn die Türen, die untre sowie die obre, des Weinbergs
+Standen gleichfalls offen. Und so nun trat sie ins Feld ein,
+Das mit weiter Fläche den Rücken des Hügels bedeckte.
+Immer noch wandelte sie auf eigenem Boden und freute
+Sich der eigenen Saat und des herrlich nickenden Kornes,
+Das mit goldener Kraft sich im ganzen Felde bewegte.
+Zwischen den Äckern schritt sie hindurch, auf dem Raine, den Fußpfad,
+Hatte den Birnbaum im Auge, den großen, der auf dem Hügel
+Stand, die Grenze der Felder, die ihrem Hause gehörten.
+Wer ihn gepflanzt, man konnt' es nicht wissen. Er war in der Gegend
+Weit und breit gesehn und berühmt die Früchte des Baumes.
+Unter ihm pflegten die Schnitter des Mahls sich zu freuen am Mittag
+Und die Hirten des Viehs in seinem Schatten zu warten;
+Bänke fanden sie da von rohen Steinen und Rasen.
+Und sie irrete nicht; dort saß ihr Hermann und ruhte,
+Saß mit dem Arme gestützt und schien in die Gegend zu schauen
+Jenseits, nach dem Gebirg, er kehrte der Mutter den Rücken.
+Sachte schlich sie hinan und rührt' ihm leise die Schulter.
+Und er wandte sich schnell; da sah sie ihm Tränen im Auge.
+
+"Mutter", sagt' er betroffen, "Ihr überrascht mich!" Und eilig
+Trocknet' er ab die Träne, der Jüngling edlen Gefühles.
+"Wie? du weinest, mein Sohn?" versetzte die Mutter betroffen;
+"Daran kenn ich dich nicht! ich habe das niemals erfahren!
+Sag, was beklemmt dir das Herz? was treibt dich, einsam zu sitzen
+Unter dem Birnbaum hier? was bringt dir Tränen ins Auge?"
+
+Und es nahm sich zusammen der treffliche Jüngling und sagte:
+"Wahrlich, dem ist kein Herz im ehernen Busen, der jetzo
+Nicht die Not der Menschen, der umgetriebnen, empfindet;
+Dem ist kein Sinn in dem Haupte, der nicht um sein eigenes Wohl sich
+Und um des Vaterlands Wohl in diesen Tagen bekümmert.
+Was ich heute gesehn und gehört, das rührte das Herz mir;
+Und nun ging ich heraus und sah die herrliche weite
+Landschaft, die sich vor uns in fruchtbaren Hügeln umherschlingt,
+Sah die goldene Frucht den Garben entgegen sich neigen
+Und ein reichliches Obst und volle Kammern versprechen.
+Aber, ach! wie nah ist der Feind! Die Fluten des Rheines
+Schützen uns zwar; doch ach! was sind nun Fluten und Berge
+Jenem schrecklichen Volke, das wie ein Gewitter daherzieht!
+Denn sie rufen zusammen aus allen Enden die Jugend
+Wie das Alter und dringen gewaltig vor, und die Menge
+Scheut den Tod nicht; es dringt gleich nach der Menge die Menge.
+Ach! und ein Deutscher wagt, in seinem Hause zu bleiben?
+Hofft vielleicht zu entgehen dem alles bedrohenden Unfall?
+Liebe Mutter, ich sag Euch, am heutigen Tage verdrießt mich,
+Daß man mich neulich entschuldigt, als man die Streitenden auslas
+Aus den Bürgern. Fürwahr! ich bin der einzige Sohn nur,
+Und die Wirtschaft ist groß und wichtig unser Gewerbe;
+Aber wär' ich nicht besser, zu widerstehen da vorne
+An der Grenze, als hier zu erwarten Elend und Knechtschaft?
+Ja, mir hat es der Geist gesagt, und im innersten Busen
+Regt sich Mut und Begier, dem Vaterlande zu leben
+Und zu sterben und andern ein würdiges Beispiel zu geben.
+Wahrlich, wäre die Kraft der deutschen Jugend beisammen,
+An der Grenze, verbündet, nicht nachzugeben den Fremden,
+Oh, sie sollten uns nicht den herrlichen Boden betreten
+Und vor unseren Augen die Früchte des Landes verzehren,
+Nicht den Männern gebieten und rauben Weiber und Mädchen!
+Sehet, Mutter, mir ist im tiefsten Herzen beschlossen,
+Bald zu tun und gleich, was recht mir deucht und verständig;
+Denn wer lange bedenkt, der wählt nicht immer das Beste.
+Sehet, ich werde nicht wieder nach Hause kehren! Von hier aus
+Geh ich gerad in die Stadt und übergebe den Kriegern
+Diesen Arm und dies Herz, dem Vaterlande zu dienen.
+Sage der Vater alsdann, ob nicht der Ehre Gefühl mir
+Auch den Busen belebt und ob ich nicht höher hinauf will!"
+
+Da versetzte bedeutend die gute verständige Mutter,
+Stille Tränen vergießend, sie kamen ihr leichtlich ins Auge:
+"Sohn, was hat sich in dir verändert und deinem Gemüte,
+Daß du zu deiner Mutter nicht redest wie gestern und immer,
+Offen und frei, und sagst, was deinen Wünschen gemäß ist?
+Hörte jetzt ein Dritter dich reden, er würde fürwahr dich
+Höchlich loben und deinen Entschluß als den edelsten preisen,
+Durch dein Wort verführt und deine bedeutenden Reden.
+Doch ich tadle dich nur; denn sieh, ich kenne dich besser.
+Du verbirgst dein Herz und hast ganz andre Gedanken.
+Denn ich weiß es, dich ruft nicht die Trommel, nicht die Trompete,
+Nicht begehrst du zu scheinen in der Montur vor den Mädchen;
+Denn es ist deine Bestimmung, so wacker und brav du auch sonst bist,
+Wohl zu verwahren das Haus und stille das Feld zu besorgen.
+Darum sage mir frei: was dringt dich zu dieser Entschließung?"
+
+Ernsthaft sagte der Sohn: "Ihr irret, Mutter. Ein Tag ist
+Nicht dem anderen gleich. Der Jüngling reifet zum Manne;
+Besser im stillen reift er zur Tat oft als im Geräusche
+Wilden, schwankenden Lebens, das manchen Jüngling verderbt hat.
+Und so still ich auch bin und war, so hat in der Brust mir
+Doch sich gebildet ein Herz, das Unrecht hasset und Unbill,
+Und ich verstehe recht gut die weltlichen Dinge zu sondern;
+Auch hat die Arbeit den Arm und die Füße mächtig gestärket.
+Alles, fühl ich, ist wahr; ich darf es kühnlich behaupten.
+Und doch tadelt Ihr mich mit Recht, o Mutter, und habt mich
+Auf halbwahren Worten ertappt und halber Verstellung.
+Denn, gesteh' ich es nur, nicht ruft die nahe Gefahr mich
+Aus dem Hause des Vaters und nicht der hohe Gedanke,
+Meinem Vaterland hülfreich zu sein und schrecklich den Feinden.
+Worte waren es nur, die ich sprach: sie sollten vor Euch nur
+Meine Gefühle verstecken, die mir das Herz zerreißen.
+Und so laßt mich, o Mutter! Denn da ich vergebliche Wünsche
+Hege im Busen, so mag auch mein Leben vergeblich dahingehn.
+Denn ich weiß es recht wohl: der einzelne schadet sich selber,
+Der sich hingibt, wenn sich nicht alle zum Ganzen bestreben."
+
+"Fahre nur fort", so sagte darauf die verständige Mutter,
+"Alles mir zu erzählen, das Größte wie das Geringste!
+Denn die Männer sind heftig und denken nur immer das Letzte,
+Und die Hindernis treibt die Heftigen leicht von dem Wege;
+Aber ein Weib ist geschickt, auf Mittel zu denken, und wandelt
+Auch den Umweg, geschickt zu ihrem Zweck zu gelangen.
+Sage mir alles daher, warum du so heftig bewegt bist,
+Wie ich dich niemals gesehn, und das Blut dir wallt in den Adern,
+Wider Willen die Träne dem Auge sich dringt zu entstürzen."
+
+Da überließ sich dem Schmerze der gute Jüngling und weinte,
+Weinte laut an der Brust der Mutter und sprach so erweichet:
+"Wahrlich! des Vaters Wort hat heute mich kränkend getroffen,
+Das ich niemals verdient, nicht heut und keinen der Tage.
+Denn die Eltern zu ehren war früh mein Liebstes, und niemand
+Schien mir klüger zu sein und weiser, als die mich erzeugten
+Und mit Ernst mir in dunkeler Zeit der Kindheit geboten.
+Vieles hab ich fürwahr von meinen Gespielen geduldet,
+Wenn sie mit Tücke mir oft den guten Willen vergalten;
+Oftmals hab ich an ihnen nicht Wurf noch Streiche gerochen:
+Aber spotteten sie mir den Vater aus, wenn er sonntags
+Aus der Kirche kam mit würdig bedächtigem Schritte,
+Lachten sie über das Band der Mütze, die Blumen des Schlafrocks,
+Den er so stattlich trug und der erst heute verschenkt ward:
+Fürchterlich ballte sich gleich die Faust mir, mit grimmigem Wüten
+Fiel ich sie an und schlug und traf mit blindem Beginnen,
+Ohne zu sehen, wohin. Sie heulten mit blutigen Nasen
+Und entrissen sich kaum den wütenden Tritten und Schlägen.
+Und so wuchs ich heran, um viel vom Vater zu dulden,
+Der statt anderer mich gar oft mit Worten herumnahm,
+Wenn bei Rat ihm Verdruß in der letzten Sitzung erregt ward,
+Und ich büßte den Streit und die Ränke seiner Kollegen.
+Oftmals habt Ihr mich selbst bedauert; denn vieles ertrug ich,
+Stets in Gedanken der Eltern von Herzen zu ehrende Wohltat,
+Die nur sinnen, für uns zu mehren die Hab' und die Güter,
+Und sich selber manches entziehn, um zu sparen den Kindern.
+Aber, ach! nicht das Sparen allein, um spät zu genießen,
+Macht das Glück, es macht nicht das Glück der Haufe beim Haufen,
+Nicht der Acker am Acker, so schön sich die Güter auch schließen.
+Denn der Vater wird alt, und mit ihm altern die Söhne,
+Ohne die Freude des Tags, und mit der Sorge für morgen.
+Sagt mir, und schauet hinab, wie herrlich liegen die schönen,
+Reichen Gebreite nicht da, und unten Weinberg und Gärten,
+Dort die Scheunen und Ställe, die schöne Reihe der Güter!
+Aber seh ich dann dort das Hinterhaus, wo an dem Giebel
+Sich das Fenster uns zeigt von meinem Stübchen im Dache,
+Denk ich die Zeiten zurück, wie manche Nacht ich den Mond schon
+Dort erwartet und schon so manchen Morgen die Sonne,
+Wenn der gesunde Schlaf mir nur wenige Stunden genügte:
+Ach! da kommt mir so einsam vor, wie die Kammer, der Hof und
+Garten, das herrliche Feld, das über die Hügel sich hinstreckt;
+Alles liegt so öde vor mir: ich entbehre der Gattin."
+
+Da antwortete drauf die gute Mutter verständig:
+"Sohn, mehr wünschest du nicht, die Braut in die Kammer zu führen,
+Daß dir werde die Nacht zur schönen Hälfte des Lebens
+Und die Arbeit des Tags dir freier und eigener werde,
+Als der Vater es wünscht und die Mutter. Wir haben dir immer
+Zugeredet, ja dich getrieben, ein Mädchen zu wählen.
+Aber mir ist es bekannt, und jetzo sagt es das Herz mir:
+Wenn die Stunde nicht kommt, die rechte, wenn nicht das rechte
+Mädchen zur Stunde sich zeigt, so bleibt das Wählen im Weiten,
+Und es wirket die Furcht, die falsche zu greifen, am meisten.
+Soll ich dir sagen, mein Sohn, so hast du, ich glaube, gewählet,
+Denn dein Herz ist getroffen und mehr als gewöhnlich empfindlich.
+Sag es gerad nur heraus, denn mir schon sagt es die Seele:
+Jenes Mädchen ist's, das vertriebene, die du gewählt hast."
+
+"Liebe Mutter, Ihr sagt's!" versetzte lebhaft der Sohn drauf.
+"Ja, sie ist's! und führ ich sie nicht als Braut mir nach Hause
+Heute noch, ziehet sie fort, verschwindet vielleicht mir auf immer
+In der Verwirrung des Kriegs und im traurigen Hin- und Herziehn.
+Mutter, ewig umsonst gedeiht mir die reiche Besitzung
+Dann vor Augen, umsonst sind künftige Jahre mir fruchtbar.
+Ja, das gewohnte Haus und der Garten ist mir zuwider;
+Ach! und die Liebe der Mutter, sie selbst nicht tröstet den Armen.
+Denn es löset die Liebe, das fühl ich, jegliche Bande,
+Wenn sie die ihrigen knüpft; und nicht das Mädchen allein läßt
+Vater und Mutter zurück, wenn sie dem erwähleten Mann folgt;
+Auch der Jüngling, er weiß nichts mehr von Mutter und Vater,
+Wenn er das Mädchen sieht, das einziggeliebte, davonziehn.
+Darum lasset mich gehn, wohin die Verzweiflung mich antreibt.
+Denn mein Vater, er hat die entscheidenden Worte gesprochen,
+Und sein Haus ist nicht mehr das meine, wenn er das Mädchen
+Ausschließt, das ich allein nach Haus zu führen begehre."
+
+Da versetzte behend die gute verständige Mutter:
+"Stehen wie Felsen doch zwei Männer gegeneinander!
+Unbewegt und stolz will keiner dem andern sich nähern,
+Keiner zum guten Worte, dem ersten, die Zunge bewegen.
+Darum sag ich dir, Sohn: noch lebt die Hoffnung in meinem
+Herzen, daß er sie dir, wenn sie gut und brav ist, verlobe,
+Obgleich arm, so entschieden er auch die Arme versagt hat.
+Denn er redet gar manches in seiner heftigen Art aus,
+Das er doch nicht vollbringt; so gibt er auch zu das Versagte.
+Aber ein gutes Wort verlangt er und kann es verlangen;
+Denn er ist Vater! Auch wissen wir wohl, sein Zorn ist nach Tische,
+Wo er heftiger spricht und anderer Gründe bezweifelt,
+Nie bedeutend; es reget der Wein dann jegliche Kraft auf
+Seines heftigen Wollens und läßt ihn die Worte der andern
+Nicht vernehmen, er hört und fühlt alleine sich selber.
+Aber es kommt der Abend heran, und die vielen Gespräche
+Sind nun zwischen ihm und seinen Freunden gewechselt.
+Milder ist er fürwahr, ich weiß, wenn das Räuschchen vorbei ist
+Und er das Unrecht fühlt, das er andern lebhaft erzeugte.
+Komm! wir wagen es gleich; das Frischgewagte gerät nur,
+Und wir bedürfen der Freunde, die jetzo bei ihm noch versammelt
+Sitzen; besonders wird uns der würdige Geistliche helfen."
+
+Also sprach sie behende und zog, vom Steine sich hebend,
+Auch vom Sitze den Sohn, den willig folgenden. Beide
+Kamen schweigend herunter, den wichtigen Vorsatz bedenkend.
+
+
+
+
+Polyhymnia
+
+Der Weltbürger
+
+
+Aber es saßen die drei noch immer sprechend zusammen,
+Mit dem geistlichen Herrn der Apotheker beim Wirte,
+Und es war das Gespräch noch immer ebendasselbe,
+Das viel hin und her nach allen Seiten geführt ward.
+Aber der treffliche Pfarrer versetzte, würdig gesinnt, drauf:
+"Widersprechen will ich Euch nicht. Ich weiß es, der Mensch soll
+Immer streben zum Bessern; und, wie wir sehen, er strebt auch
+Immer dem Höheren nach, zum wenigsten sucht er das Neue.
+Aber geht nicht zu weit! Denn neben diesen Gefühlen
+Gab die Natur uns auch die Lust zu verharren im Alten
+Und sich dessen zu freun, was jeder lange gewohnt ist.
+Aller Zustand ist gut, der natürlich ist und vernünftig.
+Vieles wünscht sich der Mensch, und doch bedarf er nur wenig;
+Denn die Tage sind kurz, und beschränkt der Sterblichen Schicksal.
+Niemals tadl' ich den Mann, der immer, tätig und rastlos
+Umgetrieben, das Meer und alle Straßen der Erde
+Kühn und emsig befährt und sich des Gewinnes erfreuet,
+Welcher sich reichlich um ihn und um die Seinen herum häuft;
+Aber jener ist auch mir wert, der ruhige Bürger,
+Der sein väterlich Erbe mit stillen Schritten umgehet
+Und die Erde besorgt, so wie es die Stunden gebieten.
+Nicht verändert sich ihm in jedem Jahre der Boden,
+Nicht streckt eilig der Baum, der neugepflanzte, die Arme
+Gegen den Himmel aus, mit reichlichen Blüten gezieret.
+Nein, der Mann bedarf der Geduld; er bedarf auch des reinen,
+Immer gleichen, ruhigen Sinns und des graden Verstandes.
+Denn nur wenige Samen vertraut er der nährenden Erde,
+Wenige Tiere nur versteht er, mehrend, zu ziehen;
+Denn das Nützliche bleibt allein sein ganzer Gedanke.
+Glücklich, wem die Natur ein so gestimmtes Gemüt gab!
+Er ernähret uns alle. Und Heil dem Bürger des kleinen
+Städtchens, welcher ländlich Gewerb mit Bürgergewerb paart!
+Auf ihm liegt nicht der Druck, der ängstlich den Landmann beschränket;
+Ihn verwirrt nicht die Sorge der viel begehrenden Städter,
+Die dem Reicheren stets und dem Höheren, wenig vermögend,
+Nachzustreben gewohnt sind, besonders die Weiber und Mädchen.
+Segnet immer darum des Sohnes ruhig Bemühen
+Und die Gattin, die einst er, die gleichgesinnte, sich wählet."
+
+Also sprach er. Es trat die Mutter zugleich mit dem Sohn ein,
+Führend ihn bei der Hand und vor den Gatten ihn stellend.
+"Vater", sprach sie, "wie oft gedachten wir, untereinander
+Schwatzend, des fröhlichen Tags, der kommen würde, wenn künftig
+Hermann, seine Braut sich erwählend, uns endlich erfreute!
+Hin und wider dachten wir da; bald dieses, bald jenes
+Mädchen bestimmten wir ihm mit elterlichem Geschwätze.
+Nun ist er kommen, der Tag; nun hat die Braut ihm der Himmel
+Hergeführt und gezeigt, es hat sein Herz nun entschieden.
+Sagten wir damals nicht immer: er solle selber sich wählen?
+Wünschtest du nicht noch vorhin, er möchte heiter und lebhaft
+Für ein Mädchen empfinden? Nun ist die Stunde gekommen!
+Ja, er hat gefühlt und gewählt und ist männlich entschieden.
+Jenes Mädchen ist's, die Fremde, die ihm begegnet.
+Gib sie ihm; oder er bleibt, so schwur er, im ledigen Stande."
+
+Und es sagte der Sohn: "Die gebt mir, Vater! Mein Herz hat
+Rein und sicher gewählt; Euch ist sie die würdigste Tochter."
+
+Aber der Vater schwieg. Da stand der Geistliche schnell auf,
+Nahm das Wort und sprach: "Der Augenblick nur entscheidet
+Über das Leben des Menschen und über sein ganzes Geschicke;
+Denn nach langer Beratung ist doch ein jeder Entschluß nur
+Werk des Moments, es ergreift doch nur der Verständ'ge das Rechte.
+Immer gefährlicher ist's, beim Wählen dieses und jenes
+Nebenher zu bedenken und so das Gefühl zu verwirren.
+Rein ist Hermann, ich kenn ihn von Jugend auf, und er streckte
+Schon als Knabe die Hände nicht aus nach diesem und jenem.
+Was er begehrte, das war ihm gemäß; so hielt er es fest auch.
+Seid nicht scheu und verwundert, daß nun auf einmal erscheinet,
+Was Ihr so lange gewünscht. Es hat die Erscheinung fürwahr nicht
+Jetzt die Gestalt des Wunsches, so wie Ihr ihn etwa geheget.
+Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünschte; die Gaben
+Kommen von oben herab, in ihren eignen Gestalten.
+Nun verkennet es nicht, das Mädchen, das Eurem geliebten,
+Guten, verständigen Sohn zuerst die Seele bewegt hat.
+Glücklich ist der, dem sogleich die erste Geliebte die Hand reicht,
+Dem der lieblichste Wunsch nicht heimlich im Herzen verschmachtet!
+Ja, ich seh es ihm an, es ist sein Schicksal entschieden.
+Wahre Neigung vollendet sogleich zum Manne den Jüngling.
+Nicht beweglich ist er; ich fürchte, versagt Ihr ihm dieses,
+Gehen die Jahre dahin, die schönsten, in traurigem Leben."
+
+Da versetzte sogleich der Apotheker bedächtig,
+Dem schon lange das Wort von der Lippe zu springen bereit war:
+"Laßt uns auch diesmal doch nur die Mittelstraße betreten!
+Eile mit Weile! das war selbst Kaiser Augustus' Devise.
+Gerne schick ich mich an, den lieben Nachbarn zu dienen,
+Meinen geringen Verstand zu ihrem Nutzen zu brauchen:
+Und besonders bedarf die Jugend, daß man sie leite.
+Laßt mich also hinaus; ich will es prüfen, das Mädchen,
+Will die Gemeinde befragen, in der sie lebt und bekannt ist.
+Niemand betriegt mich so leicht; ich weiß die Worte zu schätzen."
+
+Da versetzte sogleich der Sohn mit geflügelten Worten:
+"Tut es, Nachbar, und geht und erkundigt Euch. Aber ich wünsche,
+Daß der Herr Pfarrer sich auch in Eurer Gesellschaft befinde;
+Zwei so treffliche Männer sind unverwerfliche Zeugen.
+Oh, mein Vater! sie ist nicht hergelaufen, das Mädchen,
+Keine, die durch das Land auf Abenteuer umherschweift,
+Und den Jüngling bestrickt, den unerfahrnen, mit Ränken.
+Nein; das wilde Geschick des allverderblichen Krieges,
+Das die Welt zerstört und manches feste Gebäude
+Schon aus dem Grunde gehoben, hat auch die Arme vertrieben.
+Streifen nicht herrliche Männer von hoher Geburt nun im Elend?
+Fürsten fliehen vermummt, und Könige leben verbannet.
+Ach, so ist auch sie, von ihren Schwestern die beste,
+Aus dem Lande getrieben; ihr eignes Unglück vergessend,
+Steht sie anderen bei, ist ohne Hülfe noch hülfreich.
+Groß sind Jammer und Not, die über die Erde sich breiten;
+Sollte nicht auch ein Glück aus diesem Unglück hervorgehn
+Und ich, im Arme der Braut, der zuverlässigen Gattin,
+Mich nicht erfreuen des Kriegs, so wie Ihr des Brandes Euch freutet?"
+
+Da versetzte der Vater und tat bedeutend den Mund auf:
+"Wie ist, o Sohn, dir die Zunge gelöst, die schon dir im Munde
+Lange Jahre gestockt und nur sich dürftig bewegte!
+Muß ich doch heut erfahren, was jedem Vater gedroht ist:
+Daß den Willen des Sohns, den heftigen, gerne die Mutter
+Allzu gelind begünstigt und jeder Nachbar Partei nimmt,
+Wenn es über den Vater nun hergeht oder den Ehmann.
+Aber ich will euch zusammen nicht widerstehen; was hülf' es?
+Denn ich sehe doch schon hier Trotz und Tränen im voraus.
+Gehet und prüfet und bringt in Gottes Namen die Tochter
+Mir ins Haus; wo nicht, so mag er das Mädchen vergessen!"
+
+Also der Vater. Es rief der Sohn mit froher Gebärde:
+"Noch vor Abend ist Euch die trefflichste Tochter bescheret,
+Wie sie der Mann sich wünscht, dem ein kluger Sinn in der Brust lebt.
+Glücklich ist die Gute dann auch, so darf ich es hoffen.
+Ja, sie danket mir ewig, daß ich ihr Vater und Mutter
+Wiedergegeben in Euch, so wie sie verständige Kinder
+Wünschen. Aber ich zaudre nicht mehr; ich schirre die Pferde
+Gleich und führe die Freunde hinaus auf die Spur der Geliebten,
+Überlasse die Männer sich selbst und der eigenen Klugheit,
+Richte, so schwör ich Euch zu, mich ganz nach ihrer Entscheidung,
+Und ich seh es nicht wieder, als bis es mein ist, das Mädchen."
+Und so ging er hinaus, indessen manches die andern
+Weislich erwogen und schnell die wichtige Sache besprachen.
+
+Hermann eilte zum Stalle sogleich, wo die mutigen Hengste
+Ruhig standen und rasch den reinen Hafer verzehrten
+Und das trockene Heu, auf der besten Wiese gehauen.
+Eilig legt' er ihnen darauf das blanke Gebiß an,
+Zog die Riemen sogleich durch die schön versilberten Schnallen
+Und befestigte dann die langen, breiteren Zügel,
+Führte die Pferde heraus in den Hof, wo der willige Knecht schon
+Vorgeschoben die Kutsche, sie leicht an der Deichsel bewegend.
+Abgemessen knüpften sie drauf an die Waage mit saubern
+Stricken die rasche Kraft der leicht hinziehenden Pferde.
+Hermann faßte die Peitsche; dann saß er und rollt' in den Torweg.
+Als die Freunde nun gleich die geräumigen Plätze genommen,
+Rollte der Wagen eilig und ließ das Pflaster zurücke,
+Ließ zurück die Mauern der Stadt und die reinlichen Türme.
+So fuhr Hermann dahin, der wohlbekannten Chaussee zu,
+Rasch, und säumete nicht und fuhr bergan wie bergunter.
+Als er aber nunmehr den Turm des Dorfes erblickte
+Und nicht fern mehr lagen die gartenumgebenen Häuser,
+Dacht' er bei sich selbst, nun anzuhalten die Pferde.
+
+Von dem würdigen Dunkel erhabener Linden umschattet,
+Die Jahrhunderte schon an dieser Stelle gewurzelt,
+War mit Rasen bedeckt ein weiter grünender Anger
+Vor dem Dorfe, den Bauern und nahen Städtern ein Lustort.
+Flach gegraben befand sich unter den Bäumen ein Brunnen.
+Stieg man die Stufen hinab, so zeigten sich steinerne Bänke,
+Rings um die Quelle gesetzt, die immer lebendig hervorquoll,
+Reinlich, mit niedriger Mauer gefaßt, zu schöpfen bequemlich.
+Hermann aber beschloß, in diesem Schatten die Pferde
+Mit dem Wagen zu halten. Er tat so und sagte die Worte:
+"Steiget, Freunde, nun aus und geht, damit Ihr erfahret,
+Ob das Mädchen auch wert der Hand sei, die ich ihr biete.
+Zwar ich glaub es, und mir erzählt Ihr nichts Neues und Seltnes;
+Hätt' ich allein zu tun, so ging' ich behend zu dem Dorf hin,
+Und mit wenigen Worten entschiede die Gute mein Schicksal.
+Und Ihr werdet sie bald vor allen andern erkennen;
+Denn wohl schwerlich ist an Bildung ihr eine vergleichbar.
+Aber ich geb Euch noch die Zeichen der reinlichen Kleider:
+Denn der rote Latz erhebt den gewölbeten Busen,
+Schön geschnürt, und es liegt das schwarze Mieder ihr knapp an;
+Sauber hat sie den Saum des Hemdes zur Krause gefaltet,
+Die ihr das Kinn umgibt, das runde, mit reinlicher Anmut;
+Frei und heiter zeigt sich des Kopfes zierliches Eirund;
+Stark sind vielmal die Zöpfe um silberne Nadeln gewickelt;
+Vielgefaltet und blau fängt unter dem Latze der Rock an
+Und umschlägt ihr im Gehn die wohlgebildeten Knöchel.
+Doch das will ich Euch sagen und noch mir ausdrücklich erbitten:
+Redet nicht mit dem Mädchen, und laßt nicht merken die Absicht,
+Sondern befraget die andern und hört, was sie alles erzählen.
+Habt Ihr Nachricht genug, zu beruhigen Vater und Mutter,
+Kehret zu mir dann zurück, und wir bedenken das Weitre.
+Also dacht' ich mir's aus, den Weg her, den wir gefahren."
+
+Also sprach er. Es gingen darauf die Freunde dem Dorf zu,
+Wo in Gärten und Scheunen und Häusern die Menge von Menschen
+Wimmelte, Karrn an Karrn die breite Straße dahin stand.
+Männer versorgten das brüllende Vieh und die Pferd' an den Wagen,
+Wäsche trockneten emsig auf allen Hecken die Weiber,
+Und es ergötzten die Kinder sich plätschernd im Wasser des Baches.
+Also durch die Wagen sich drängend, durch Menschen und Tiere,
+Sahen sie rechts und links sich um, die gesendeten Späher,
+Ob sie nicht etwa das Bild des bezeichneten Mädchens erblickten;
+Aber keine von allen erschien die herrliche Jungfrau.
+Stärker fanden sie bald das Gedränge. Da war um die Wagen
+Streit der drohenden Männer, worein sich mischten die Weiber,
+Schreiend. Da nahte sich schnell mit würdigen Schritten ein Alter,
+Trat zu den Scheltenden hin; und sogleich verklang das Getöse,
+Als er Ruhe gebot, und väterlich ernst sie bedrohte.
+"Hat uns", rief er, "noch nicht das Unglück also gebändigt,
+Daß wir endlich verstehn, uns untereinander zu dulden
+Und zu vertragen, wenn auch nicht jeder die Handlungen abmißt?
+Unverträglich fürwahr ist der Glückliche! Werden die Leiden
+Endlich euch lehren, nicht mehr, wie sonst, mit dem Bruder zu hadern?
+Gönnet einander den Platz auf fremdem Boden und teilet,
+Was ihr habet, zusammen, damit ihr Barmherzigkeit findet!"
+
+Also sagte der Mann, und alle schwiegen; verträglich
+Ordneten Vieh und Wagen die wieder besänftigten Menschen.
+Als der Geistliche nun die Rede des Mannes vernommen
+Und den ruhigen Sinn des fremden Richters entdeckte,
+Trat er an ihn heran und sprach die bedeutenden Worte:
+"Vater, fürwahr! wenn das Volk in glücklichen Tagen dahinlebt,
+Von der Erde sich nährend, die weit und breit sich auftut
+Und die erwünschten Gaben in Jahren und Monden erneuert,
+Da geht alles von selbst, und jeder ist sich der Klügste
+Wie der Beste; und so bestehen sie nebeneinander,
+Und der vernünftigste Mann ist wie ein andrer gehalten:
+Denn was alles geschieht, geht still, wie von selber, den Gang fort.
+Aber zerrüttet die Not die gewöhnlichen Wege des Lebens,
+Reißt das Gebäude nieder und wühlet Garten und Saat um,
+Treibt den Mann und das Weib vom Raume der traulichen Wohnung,
+Schleppt in die Irre sie fort, durch ängstliche Tage und Nächte:
+Ach! da sieht man sich um, wer wohl der verständigste Mann sei,
+Und er redet nicht mehr die herrlichen Worte vergebens.
+Sagt mir, Vater, Ihr seid gewiß der Richter von diesen
+Flüchtigen Männern, der Ihr sogleich die Gemüter beruhigt?
+Ja, Ihr erscheint mir heut als einer der ältesten Führer,
+Die durch Wüsten und Irren vertriebene Völker geleitet.
+Denk ich doch eben, ich rede mit Josua oder mit Moses."
+
+Und es versetzte darauf mit ernstem Blicke der Richter:
+"Wahrlich, unsere Zeit vergleicht sich den seltensten Zeiten,
+Die die Geschichte bemerkt, die heilige wie die gemeine.
+Denn wer gestern und heut in diesen Tagen gelebt hat,
+Hat schon Jahre gelebt: so drängen sich alle Geschichten.
+Denk ich ein wenig zurück, so scheint mir ein graues Alter
+Auf dem Haupte zu liegen, und doch ist die Kraft noch lebendig.
+Oh, wir anderen dürfen uns wohl mit jenen vergleichen,
+Denen in ernster Stund' erschien im feurigen Busche
+Gott der Herr; auch uns erschien er in Wolken und Feuer."
+
+Als nun der Pfarrer darauf noch weiter zu sprechen geneigt war
+Und das Schicksal des Manns und der Seinen zu hören verlangte,
+Sagte behend der Gefährte mit heimlichen Worten ins Ohr ihm:
+"Sprecht mit dem Richter nur fort und bringt das Gespräch auf das Mädchen.
+Aber ich gehe herum, sie aufzusuchen, und komme
+Wieder, sobald ich sie finde." Es nickte der Pfarrer dagegen,
+Und durch die Hecken und Gärten und Scheunen suchte der Späher.
+
+
+
+
+Klio
+
+Das Zeitalter
+
+
+Als nun der geistliche Herr den fremden Richter befragte,
+Was die Gemeine gelitten, wie lang sie von Hause vertrieben,
+Sagte der Mann darauf: "Nicht kurz sind unsere Leiden;
+Denn wir haben das Bittre der sämtlichen Jahre getrunken,
+Schrecklicher, weil auch uns die schönste Hoffnung zerstört ward.
+Denn wer leugnet es wohl, daß hoch sich das Herz ihm erhoben,
+Ihm die freiere Brust mit reineren Pulsen geschlagen,
+Als sich der erste Glanz der neuen Sonne heranhob,
+Als man hörte vom Rechte der Menschen, das allen gemein sei,
+Von der begeisternden Freiheit und von der löblichen Gleichheit!
+Damals hoffte jeder sich selbst zu leben; es schien sich
+Aufzulösen das Band, das viele Länder umstrickte,
+Das der Müßiggang und der Eigennutz in der Hand hielt.
+Schauten nicht alle Völker in jenen drängenden Tagen
+Nach der Hauptstadt der Welt, die es schon so lange gewesen
+Und jetzt mehr als je den herrlichen Namen verdiente?
+Waren nicht jener Männer, der ersten Verkünder der Botschaft,
+Namen den höchsten gleich, die unter die Sterne gesetzt sind?
+Wuchs nicht jeglichem Menschen der Mut und der Geist und die Sprache?
+
+Und wir waren zuerst, als Nachbarn, lebhaft entzündet.
+Drauf begann der Krieg, und die Züge bewaffneter Franken
+Rückten näher; allein sie schienen nur Freundschaft zu bringen.
+Und die brachten sie auch: denn ihnen erhöht war die Seele
+Allen; sie pflanzten mit Lust die munteren Bäume der Freiheit,
+Jedem das Seine versprechend, und jedem die eigne Regierung.
+Hoch erfreute sich da die Jugend, sich freute das Alter,
+Und der muntere Tanz begann um die neue Standarte.
+So gewannen sie bald, die überwiegenden Franken,
+Erst der Männer Geist, mit feurigem munterm Beginnen,
+Dann die Herzen der Weiber, mit unwiderstehlicher Anmut.
+Leicht selbst schien uns der Druck des vielbedürfenden Krieges;
+Denn die Hoffnung umschwebte vor unsern Augen die Ferne,
+Lockte die Blicke hinaus in neueröffnete Bahnen.
+
+Oh, wie froh ist die Zeit, wenn mit der Braut sich der Bräut'gam
+Schwinget im Tanze, den Tag der gewünschten Verbindung erwartend!
+Aber herrlicher war die Zeit, in der uns das Höchste,
+Was der Mensch sich denkt, als nah und erreichbar sich zeigte.
+Da war jedem die Zunge gelöst; es sprachen die Greise,
+Männer und Jünglinge laut voll hohen Sinns und Gefühles.
+
+Aber der Himmel trübte sich bald. Um den Vorteil der Herrschaft
+Stritt ein verderbtes Geschlecht, unwürdig, das Gute zu schaffen.
+Sie ermordeten sich und unterdrückten die neuen
+Nachbarn und Brüder und sandten die eigennützige Menge.
+Und es praßten bei uns die Obern und raubten im großen,
+Und es raubten und praßten bis zu dem Kleinsten die Kleinen;
+Jeder schien nur besorgt, es bleibe was übrig für morgen.
+Allzu groß war die Not, und täglich wuchs die Bedrückung;
+Niemand vernahm das Geschrei, sie waren die Herren des Tages.
+Da fiel Kummer und Wut auch selbst ein gelaßnes Gemüt an,
+Jeder sann nur und schwur, die Beleidigung alle zu rächen
+Und den bittern Verlust der doppelt betrogenen Hoffnung.
+Und es wendete sich das Glück auf die Seite der Deutschen,
+Und der Franke floh mit eiligen Märschen zurücke.
+Ach, da fühlten wir erst das traurige Schicksal des Krieges!
+Denn der Sieger ist groß und gut; zum wenigsten scheint er's,
+Und er schonet den Mann, den besiegten, als wär' er der seine,
+Wenn er ihm täglich nützt und mit den Gütern ihm dienet.
+Aber der Flüchtige kennt kein Gesetz; denn er wehrt nur den Tod ab
+Und verzehret nur schnell und ohne Rücksicht die Güter.
+Dann ist sein Gemüt auch erhitzt, und es kehrt die Verzweiflung
+Aus dem Herzen hervor das frevelhafte Beginnen.
+Nichts ist heilig ihm mehr; er raubt es. Die wilde Begierde
+Dringt mit Gewalt auf das Weib und macht die Lust zum Entsetzen.
+Überall sieht er den Tod und genießt die letzten Minuten
+Grausam, freut sich des Bluts und freut sich des heulenden Jammers.
+
+Grimmig erhob sich darauf in unsern Männern die Wut nun,
+Das Verlorne zu rächen und zu verteid'gen die Reste.
+Alles ergriff die Waffen, gelockt von der Eile des Flüchtlings
+Und vom blassen Gesicht und scheu unsicheren Blicke.
+Rastlos nun erklang das Getön der stürmenden Glocke,
+Und die künft'ge Gefahr hielt nicht die grimmige Wut auf.
+Schnell verwandelte sich des Feldbaus friedliche Rüstung
+Nun in Wehre; da troff von Blute Gabel und Sense.
+Ohne Begnadigung fiel der Feind und ohne Verschonung;
+Überall raste die Wut und die feige, tückische Schwäche.
+Möcht' ich den Menschen doch nie in dieser schnöden Verirrung
+Wieder sehn! Das wütende Tier ist ein besserer Anblick.
+Sprech' er doch nie von Freiheit, als könn' er sich selber regieren!
+Losgebunden erscheint, sobald die Schranken hinweg sind,
+Alles Böse, das tief das Gesetz in die Winkel zurücktrieb."
+
+"Trefflicher Mann!" versetzte darauf der Pfarrer mit Nachdruck,
+"Wenn ihr den Menschen verkennt, so kann ich Euch darum nicht schelten;
+Habt Ihr doch Böses genug erlitten vorn wüsten Beginnen!
+Wolltet Ihr aber zurück die traurigen Tage durchschauen,
+Würdet Ihr selber gestehen, wie oft Ihr auch Gutes erblicktet.
+Manches Treffliche, das verborgen bleibt in dem Herzen,
+Regt die Gefahr es nicht auf, und drängt die Not nicht den Menschen,
+Daß er als Engel sich zeig', erscheine den andern ein Schutzgott."
+
+Lächelnd versetzte darauf der alte würdige Richter.
+"Ihr erinnert mich klug, wie oft nach dem Brande des Hauses
+Man den betrübten Besitzer an Gold und Silber erinnert,
+Das geschmolzen im Schutt nun überblieben zerstreut liegt.
+Wenig ist es fürwahr, doch auch das wenige köstlich;
+Und der Verarmte gräbet ihm nach und freut sich des Fundes.
+Und so kehr ich auch gern die heitern Gedanken zu jenen
+Wenigen guten Taten, die aufbewahrt das Gedächtnis.
+Ja, ich will es nicht leugnen, ich sah sich Feinde versöhnen,
+Um die Stadt vom Übel zu retten; ich sah auch der Freunde,
+Sah der Eltern Lieb' und der Kinder Unmögliches wagen;
+Sah, wie der Jüngling auf einmal zum Mann ward, sah, wie der Greis sich
+Wieder verjüngte, das Kind sich selbst als Jüngling enthüllte.
+Ja, und das schwache Geschlecht, so wie es gewöhnlich genannt wird,
+Zeigte sich tapfer und mächtig und gegenwärtigen Geistes.
+Und so laßt mich vor allen der schönen Tat noch erwähnen,
+Die hochherzig ein Mädchen vollbrachte, die treffliche Jungfrau,
+Die auf dem großen Gehöft allein mit den Mädchen zurückblieb;
+Denn es waren die Männer auch gegen die Fremden gezogen.
+Da überfiel den Hof ein Trupp verlaufnen Gesindels,
+Plündernd, und drängte sogleich sich in die Zimmer der Frauen.
+Sie erblickten das Bild der schön erwachsenen Jungfrau
+Und die lieblichen Mädchen, noch eher Kinder zu heißen.
+Da ergriff sie wilde Begier, sie stürmten gefühllos
+Auf die zitternde Schar und aufs hochherzige Mädchen.
+Aber sie riß dem einen sogleich von der Seite den Säbel,
+Hieb ihn nieder gewaltig; er stürzt' ihr blutend zu Füßen.
+Dann mit männlichen Streichen befreite sie tapfer die Mädchen,
+Traf noch viere der Räuber; doch die entflohen dem Tode.
+Dann verschloß sie den Hof und harrte der Hülfe, bewaffnet."
+
+Als der Geistliche nun das Lob des Mädchens vernommen,
+Stieg die Hoffnung sogleich für seinen Freund im Gemüt auf,
+Und er war im Begriff, zu fragen, wohin sie geraten?
+Ob auf der traurigen Flucht sie nun mit dem Volk sich befinde?
+Aber da trat herbei der Apotheker behende,
+Zupfte den geistlichen Herrn und sagte die wispernden Worte:
+"Hab ich doch endlich das Mädchen aus vielen hundert gefunden,
+Nach der Beschreibung! So kommt und sehet sie selber mit Augen;
+Nehmet den Richter mit Euch, damit wir das Weitere hören!"
+Und sie kehrten sich um, und weg war gerufen der Richter
+Von den Seinen, die ihn, bedürftig des Rates, verlangten.
+Doch es folgte sogleich dem Apotheker der Pfarrherr
+An die Lücke des Zauns, und jener deutete listig.
+"Seht Ihr", sagt' er, "das Mädchen? Sie hat die Puppe gewickelt,
+Und ich erkenne genau den alten Kattun und den blauen
+Kissenüberzug wohl, den ihr Hermann im Bündel gebracht hat.
+Sie verwendete schnell, fürwahr, und gut die Geschenke.
+Diese sind deutliche Zeichen, es treffen die übrigen alle;
+Denn der rote Latz erhebt den gewölbeten Busen,
+Schön geschnürt, und es liegt das schwarze Mieder ihr knapp an;
+Sauber ist der Saum des Hemdes zur Krause gefaltet
+Und umgibt ihr das Kinn, das runde, mit reinlicher Anmut;
+Frei und heiter zeigt sich des Kopfes zierliches Eirund,
+Und die starken Zöpfe um silberne Nadeln gewickelt;
+Sitzt sie gleich, so sehen wir doch die treffliche Größe
+Und den blauen Rock, der, vielgefaltet, vom Busen
+Reichlich herunterwallt zum wohlgebildeten Knöchel.
+Ohne Zweifel, sie ist's. Drum kommet, damit wir vernehmen,
+Ob sie gut und tugendhaft sei, ein häusliches Mädchen."
+
+Da versetzte der Pfarrer, mit Blicken die Sitzende prüfend:
+"Daß sie den Jüngling entzückt, fürwahr, es ist mir kein Wunder,
+Denn sie hält vor dem Blick des erfahrenen Mannes die Probe.
+Glücklich, wem doch Mutter Natur die rechte Gestalt gab!
+Denn sie empfiehlst ihn stets, und nirgends ist er ein Fremdling.
+Jeder nahet sich gern, und jeder möchte verweilen,
+Wenn die Gefälligkeit nur sich zu der Gestalt noch gesellet.
+Ich versichr' Euch, es ist dem Jüngling ein Mädchen gefunden,
+Das ihm die künftigen Tage des Lebens herrlich erheitert,
+Treu mit weiblicher Kraft durch alle Zeiten ihm beisteht.
+So ein vollkommener Körper gewiß verwahrt auch die Seele
+Rein, und die rüstige Jugend verspricht ein glückliches Alter."
+
+Und es sagte darauf der Apotheker bedenklich:
+"Trüget doch öfter der Schein! Ich mag dem Äußern nicht trauen,
+Denn ich habe das Sprichwort so oft erprobet gefunden:
+'Eh' du den Scheffel Salz mit dem neuen Bekannten verzehret,
+Darfst du nicht leichtlich ihm trauen; dich macht die Zeit nur gewisser,
+Wie du es habest mit ihm und wie die Freundschaft bestehe.'
+Lasset uns also zuerst bei guten Leuten uns umtun,
+Denen das Mädchen bekannt ist und die uns von ihr nun erzählen."
+
+"Auch ich lobe die Vorsicht", versetzte der Geistliche folgend;
+"Frein wir doch nicht für uns! Für andere frein ist bedenklich."
+Und sie gingen darauf dem wackern Richter entgegen,
+Der in seinen Geschäften die Straße wieder heraufkam.
+Und zu ihm sprach sogleich der kluge Pfarrer mit Vorsicht:
+"Sagt! wir haben ein Mädchen gesehn, das im Garten zunächst hier
+Unter dem Apfelbaum sitzt und Kindern Kleider verfertigt
+Aus getragnem Kattun, der ihr vermutlich geschenkt ward.
+Uns gefiel die Gestalt, sie scheint der Wackeren eine.
+Saget uns, was Ihr wißt; wir fragen aus löblicher Absicht."
+
+Als, in den Garten zu blicken, der Richter sogleich nun herzutrat,
+Sagt' er: "Diese kennet Ihr schon; denn wenn ich erzählte
+Von der herrlichen Tat, die jene Jungfrau verrichtet,
+Als sie das Schwert ergriff und sich und die Ihren beschützte --
+Diese war's! Ihr seht es ihr an, sie ist rüstig geboren,
+Aber so gut wie stark; denn ihren alten Verwandten
+Pflegte sie bis zum Tode, da ihn der Jammer dahinriß
+Über des Städtchens Not und seiner Besitzung Gefahren.
+Auch, mit stillem Gemüt, hat sie die Schmerzen ertragen
+Über des Bräutigams Tod, der, ein edler Jüngling, im ersten
+Feuer des hohen Gedankens nach edler Freiheit zu streben,
+Selbst hinging nach Paris und bald den schrecklichen Tod fand;
+Denn wie zu Hause, so dort, bestritt er Willkür und Ränke."
+Also sagte der Richter. Die beiden schieden und dankten,
+Und der Geistliche zog ein Goldstück (das Silber des Beutels
+War vor einigen Stunden von ihm schon milde verspendet,
+Als er die Flüchtlinge sah in traurigen Haufen vorbeiziehn),
+Und er reicht' es dem Schulzen und sagte: "Teilet den Pfennig
+Unter die Dürftigen aus, und Gott vermehre die Gabe!"
+Doch es weigerte sich der Mann und sagte: "Wir haben
+Manchen Taler gerettet und manche Kleider und Sachen,
+Und ich hoffe, wir kehren zurück, noch eh es verzehrt ist."
+
+Da versetzte der Pfarrer und drückt' ihm das Geld in die Hand ein:
+"Niemand säume zu geben in diesen Tagen, und niemand
+Weigre sich anzunehmen, was ihm die Milde geboten!
+Niemand weiß, wie lang er es hat, was er ruhig besitzet;
+Niemand, wie lang er noch in fremden Landen umherzieht
+Und des Ackers entbehrt und des Gartens, der ihn ernähret."
+
+"Ei doch!" sagte darauf der Apotheker geschäftig,
+"Wäre mir jetzt nur Geld in der Tasche, so solltet Ihr's haben,
+Groß wie klein; denn viele gewiß der Euren bedürfen's.
+Unbeschenkt doch laß ich Euch nicht, damit Ihr den Willen
+Sehet, woferne die Tat auch hinter dem Willen zurückbleibt."
+Also sprach er und zog den gestickten ledernen Beutel
+An den Riemen hervor, worin der Tobak ihm verwahrt war,
+Öffnete zierlich und teilte; da fanden sich einige Pfeifen.
+"Klein ist die Gabe", setzt' er dazu. Da sagte der Schultheiß.
+"Guter Tobak ist doch dem Reisenden immer willkommen."
+Und es lobte darauf der Apotheker den Knaster.
+
+Aber der Pfarrherr zog ihn hinweg, und sie schieden vom Richter.
+"Eilen wir!" sprach der verständige Mann; "es wartet der Jüngling
+Peinlich. Er höre so schnell als möglich die fröhliche Botschaft."
+Und sie eilten und kamen und fanden den Jüngling gelehnet
+An den Wagen unter den Linden. Die Pferde zerstampften
+Wild den Rasen; er hielt sie im Zaum und stand in Gedanken,
+Blickte still vor sich hin und sah die Freunde nicht eher,
+Bis sie kommend ihn riefen und fröhliche Zeichen ihm gaben.
+Schon von ferne begann der Apotheker zu sprechen;
+Doch sie traten näher hinzu. Da faßte der Pfarrherr
+Seine Hand und sprach und nahm dem Gefährten das Wort weg:
+"Heil dir, junger Mann! dein treues Auge, dein treues
+Herz hat richtig gewählt! Glück dir und dem Weibe der Jugend!
+Deiner ist sie wert; drum komm und wende den Wagen,
+Daß wir fahrend sogleich die Ecke des Dorfes erreichen,
+Um sie werben und bald nach Hause führen die Gute."
+
+Aber der Jüngling stand, und ohne Zeichen der Freude
+Hört' er die Worte des Boten, die himmlisch waren und tröstlich,
+Seufzete tief und sprach: "Wir kamen mit eilendem Fuhrwerk,
+Und wir ziehen vielleicht beschämt und langsam nach Hause;
+Denn hier hat mich, seitdem ich warte, die Sorge befallen,
+Argwohn und Zweifel und alles, was nur ein liebendes Herz kränkt.
+Glaubt Ihr, wenn wir nur kommen, so werde das Mädchen uns folgen,
+Weil wir reich sind, aber sie arm und vertrieben einherzieht?
+Armut selbst macht stolz, die unverdiente. Genügsam
+Scheint das Mädchen und tätig; und so gehört ihr die Welt an.
+Glaubt Ihr, es sei ein Weib von solcher Schönheit und Sitte
+Aufgewachsen, um nie den guten Jüngling zu reizen?
+Glaubt Ihr, sie habe bis jetzt ihr Herz verschlossen der Liebe?
+Fahret nicht rasch bis hinan; wir möchten zu unsrer Beschämung
+Sachte die Pferde herum nach Hause lenken. Ich fürchte,
+Irgendein Jüngling besitzt dies Herz, und die wackere Hand hat
+Eingeschlagen und schon dem Glücklichen Treue versprochen.
+Ach! da steh ich vor ihr mit meinem Antrag beschämet."
+
+Ihn zu trösten, öffnete drauf der Pfarrer den Mund schon;
+Doch es fiel der Gefährte mit seiner gesprächigen Art ein:
+"Freilich! so wären wir nicht vorzeiten verlegen gewesen,
+Da ein jedes Geschäft nach seiner Weise vollbracht ward.
+Hatten die Eltern die Braut für ihren Sohn sich ersehen,
+Ward zuvörderst ein Freund vom Hause vertraulich gerufen;
+Diesen sandte man dann als Freiersmann zu den Eltern
+Der erkorenen Braut, der dann in stattlichem Putze
+Sonntags etwa nach Tische den würdigen Bürger besuchte,
+Freundliche Worte mit ihm im allgemeinen zuvörderst
+Wechselnd und klug das Gespräch zu lenken und wenden verstehend.
+Endlich nach langem Umschweif ward auch der Tochter erwähnet,
+Rühmlich, und rühmlich des Manns und des Hauses, von dem man gesandt war.
+Kluge Leute merkten die Absicht; der kluge Gesandte
+Merkte den Willen gar bald und konnte sich weiter erklären.
+Lehnte den Antrag man ab, so war auch ein Korb nicht verdrießlich.
+Aber gelang es denn auch, so war der Freiersmann immer
+In dem Hause der Erste bei jedem häuslichen Feste;
+Denn es erinnerte sich durchs ganze Leben das Ehpaar,
+Daß die geschickte Hand den ersten Knoten geschlungen.
+Jetzt ist aber das alles mit andern guten Gebräuchen
+Aus der Mode gekommen, und jeder freit für sich selber.
+Nehme denn jeglicher auch den Korb mit eigenen Händen,
+Der ihm etwa beschert ist, und stehe beschämt vor dem Mädchen!"
+
+"Sei es, wie ihm auch sei!" versetzte der Jüngling, der kaum auf
+Alle die Worte gehört und schon sich im stillen entschlossen;
+"Selber geh ich und will mein Schicksal selber erfahren
+Aus dem Munde des Mädchens, zu dem ich das größte Vertrauen
+Hege, das irgendein Mensch nur je zu dem Weibe gehegt hat.
+Was sie sagt, das ist gut, es ist vernünftig, das weiß ich.
+Soll ich sie auch zum letztenmal sehn, so will ich noch einmal
+Diesem offenen Blick des schwarzen Auges begegnen;
+Drück ich sie nie an das Herz, so will ich die Brust und die Schultern
+Einmal noch sehn, die mein Arm so sehr zu umschließen begehret;
+Will den Mund noch sehen, von dem ein Kuß und das Ja mich
+Glücklich macht auf ewig, das Nein mich auf ewig zerstöret.
+Aber laßt mich allein! Ihr sollt nicht warten. Begebet
+Euch zu Vater und Mutter zurück, damit sie erfahren,
+Daß sich der Sohn nicht geirrt, und daß es wert ist das Mädchen.
+Und so laßt mich allein! Den Fußweg über den Hügel
+An dem Birnbaum hin und unsern Weinberg hinunter
+Geh ich näher nach Hause zurück. Oh, daß ich die Traute
+Freudig und schnell heimführte! Vielleicht auch schleich ich alleine
+Jene Pfade nach Haus und betrete froh sie nicht wieder."
+
+Also sprach er und gab dem geistlichen Herrn die Zügel,
+Der verständig sie faßte, die schäumenden Rosse beherrschend,
+Schnell den Wagen bestieg und den Sitz des Führers besetzte.
+
+Aber du zaudertest noch, vorsichtiger Nachbar, und sagtest:
+"Gerne vertrau ich, mein Freund, Euch Seel' und Geist und Gemüt an;
+Aber Leib und Gebein ist nicht zum besten verwahret,
+Wenn die geistliche Hand der weltlichen Zügel sich anmaßt."
+Doch du lächeltest drauf, verständiger Pfarrer, und sagtest:
+"Sitzet nur ein, und getrost vertraut mir den Leib, wie die Seele;
+Denn geschickt ist die Hand schon lange, den Zügel zu führen,
+Und das Auge geübt, die künstlichste Wendung zu treffen.
+Denn wir waren in Straßburg gewohnt, den Wagen zu lenken,
+Als ich den jungen Baron dahin begleitete; täglich
+Rollte der Wagen, geleitet von mir, das hallende Tor durch,
+Staubige Wege hinaus, bis fern zu den Auen und Linden,
+Mitten durch Scharen des Volks, das mit Spazieren den Tag lebt."
+
+Halb getröstet bestieg darauf der Nachbar den Wagen,
+Saß wie einer, der sich zum weislichen Sprunge bereitet;
+Und die Hengste rannten nach Hause, begierig des Stalles.
+Aber die Wolke des Staubs quoll unter den mächtigen Hufen.
+Lange noch stand der Jüngling und sah den Staub sich erheben,
+Sah den Staub sich zerstreun; so stand er ohne Gedanken.
+
+
+
+
+Erato
+
+Dorothea
+
+
+Wie der wandernde Mann, der vor dem Sinken der Sonne
+Sie noch einmal ins Auge, die schnell verschwindende, faßte,
+Dann im dunkeln Gebüsch und an der Seite des Felsens
+Schweben siehet ihr Bild; wohin er die Blicke nur wendet,
+Eilet es vor und glänzt und schwankt in herrlichen Farben:
+So bewegte vor Hermann die liebliche Bildung des Mädchens
+Sanft sich vorbei und schien dem Pfad ins Getreide zu folgen.
+Aber er fuhr aus dem staunenden Traum auf, wendete langsam
+Nach dem Dorfe sich zu und staunte wieder; denn wieder
+Kam ihm die hohe Gestalt des herrlichen Mädchens entgegen.
+Fest betrachtet' er sie; es war kein Scheinbild, sie war es
+Selber. Den größeren Krug und einen kleinern am Henkel
+Tragend in jeglicher Hand: so schritt sie geschäftig zum Brunnen.
+Und er ging ihr freudig entgegen. Es gab ihm ihr Anblick
+Mut und Kraft; er sprach zu seiner Verwunderten also:
+"Find ich dich, wackeres Mädchen, so bald aufs neue beschäftigt,
+Hülfreich andern zu sein und gern zu erquicken die Menschen?
+Sag, warum kommst du allein zum Quell, der doch so entfernt liegt,
+Da sich andere doch mit dem Wasser des Dorfes begnügen?
+Freilich ist dies von besonderer Kraft und lieblich zu kosten.
+Jener Kranken bringst du es wohl, die du treulich gerettet?"
+
+Freundlich begrüßte sogleich das gute Mädchen den Jüngling,
+Sprach: "So ist schon hier der Weg mir zum Brunnen belohnet,
+Da ich finde den Guten, der uns so vieles gereicht hat;
+Denn der Anblick des Gebers ist, wie die Gaben, erfreulich.
+Kommt und sehet doch selber, wer Eure Milde genossen,
+Und empfanget den ruhigen Dank von allen Erquickten.
+Daß Ihr aber sogleich vernehmet, warum ich gekommen,
+Hier zu schöpfen, wo rein und unablässig der Quell fließt,
+Sag ich Euch dies: es haben die unvorsichtigen Menschen
+Alles Wasser getrübt im Dorfe, mit Pferden und Ochsen
+Gleich durchwatend den Quell, der Wasser bringt den Bewohnern.
+Und so haben sie auch mit Waschen und Reinigen alle
+Tröge des Dorfes beschmutzt und alle Brunnen besudelt;
+Denn ein jeglicher denkt nur, sich selbst und das nächste Bedürfnis
+Schnell zu befriedigen und rasch, und nicht des Folgenden denkt er."
+
+Also sprach sie und war die breiten Stufen hinunter
+Mit dem Begleiter gelangt; und auf das Mäuerchen setzten
+Beide sich nieder des Quells. Sie beugte sich über, zu schöpfen;
+Und er faßte den anderen Krug und beugte sich über.
+Und sie sahen gespiegelt ihr Bild in der Bläue des Himmels
+Schwanken und nickten sich zu und grüßten sich freundlich im Spiegel.
+"Laß mich trinken", sagte darauf der heitere Jüngling;
+Und sie reicht' ihm den Krug. Dann ruhten sie beide, vertraulich
+Auf die Gefäße gelehnt; sie aber sagte zum Freunde:
+"Sage, wie find ich dich hier? und ohne Wagen und Pferde
+Ferne vom Ort, wo ich erst dich gesehn? wie bist du gekommen?"
+
+Denkend schaute Hermann zur Erde; dann hob er die Blicke
+Ruhig gegen sie auf und sah ihr freundlich ins Auge,
+Fühlte sich still und getrost. Jedoch ihr von Liebe zu sprechen,
+Wär' ihm unmöglich gewesen; ihr Auge blickte nicht Liebe,
+Aber hellen Verstand, und gebot verständig zu reden.
+Und er faßte sich schnell, und sagte traulich zum Mädchen:
+"Laß mich reden, mein Kind, und deine Fragen erwidern.
+Deinetwegen kam ich hierher! was soll ich's verbergen?
+Denn ich lebe beglückt mit beiden liebenden Eltern
+Denen ich treulich das Haus und die Güter helfe verwalten
+Als der einzige Sohn, und unsre Geschäfte sind vielfach.
+Alle Felder besorg ich, der Vater waltet im Hause
+Fleißig, die tätige Mutter belebt im ganzen die Wirtschaft.
+Aber du hast gewiß auch erfahren, wie sehr das Gesinde
+Bald durch Leichtsinn und bald durch Untreu plaget die Hausfrau,
+Immer sie nötigt zu wechseln und Fehler um Fehler zu tauschen.
+Lange wünschte die Mutter daher sich ein Mädchen im Hause,
+Das mit der Hand nicht allein, das auch mit dem Herzen ihr hülfe,
+An der Tochter Statt, der leider frühe verlornen.
+Nun, als ich heut am Wagen dich sah, in froher Gewandtheit,
+Sah die Stärke des Arms und die volle Gesundheit der Glieder,
+Als ich die Worte vernahm, die verständigen, war ich betroffen,
+Und ich eilte nach Hause, den Eltern und Freunden die Fremde
+Rühmend nach ihrem Verdienst. Nun komm ich dir aber zu sagen,
+Was sie wünschen wie ich. -- Verzeih mir die stotternde Rede."
+
+"Scheuet Euch nicht", so sagte sie drauf, "das Weitre zu sprechen;
+Ihr beleidigt mich nicht, ich hab es dankbar empfunden.
+Sagt es nur grad heraus; mich kann das Wort nicht erschrecken:
+Dingen möchtet Ihr mich als Magd für Vater und Mutter,
+Zu versehen das Haus, das wohlerhalten Euch dasteht;
+Und Ihr glaubet an mir ein tüchtiges Mädchen zu finden,
+Zu der Arbeit geschickt und nicht von rohem Gemüte.
+Euer Antrag war kurz, so soll die Antwort auch kurz sein.
+Ja, ich gehe mit Euch und folge dem Rufe des Schicksals.
+Meine Pflicht ist erfüllt, ich habe die Wöchnerin wieder
+Zu den Ihren gebracht, sie freuen sich alle der Rettung;
+Schon sind die meisten beisammen, die übrigen werden sich finden.
+Alle denken gewiß, in kurzen Tagen zur Heimat
+Wiederzukehren, so pflegt sich stets der Vertriebne zu schmeicheln,
+Aber ich täusche mich nicht mit leichter Hoffnung in diesen
+Traurigen Tagen, die uns noch traurige Tage versprechen:
+Denn gelöst sind die Bande der Welt; wer knüpfet sie wieder
+Als allein nur die Not, die höchste, die uns bevorsteht!
+Kann ich im Hause des würdigen Manns mich, dienend, ernähren
+Unter den Augen der trefflichen Frau, so tu ich es gerne;
+Denn ein wanderndes Mädchen ist immer von schwankendem Rufe.
+Ja, ich gehe mit Euch, sobald ich die Krüge den Freunden
+Wiedergebracht und noch mir den Segen der Guten erbeten.
+Kommt! Ihr müsset sie sehen, und mich von ihnen empfangen."
+
+Fröhlich hörte der Jüngling des willigen Mädchens Entschließung,
+Zweifelnd, ob er ihr nun die Wahrheit sollte gestehen.
+Aber es schien ihm das beste zu sein, in dem Wahn sie zu lassen,
+In sein Haus sie zu führen, zu werben um Liebe nur dort erst.
+Ach! und den goldenen Ring erblickt' er am Finger des Mädchens;
+Und so ließ er sie sprechen und horchte fleißig den Worten.
+
+"Laßt uns", fuhr sie nun fort, "zurücke kehren! Die Mädchen
+Werden immer getadelt, die lange beim Brunnen verweilen;
+Und doch ist es am rinnenden Quell so lieblich zu schwätzen."
+Also standen sie auf und schauten beide noch einmal
+In den Brunnen zurück, und süßes Verlangen ergriff sie.
+
+Schweigend nahm sie darauf die beiden Krüge beim Henkel,
+Stieg die Stufen hinan, und Hermann folgte der Lieben.
+Einen Krug verlangt' er von ihr, die Bürde zu teilen.
+"Laßt ihn", sprach sie; "es trägt sich besser die gleichere Last so.
+Und der Herr, der künftig befiehlt, er soll mir nicht dienen.
+Seht mich so ernst nicht an, als wäre mein Schicksal bedenklich!
+Dienen lerne beizeiten das Weib nach ihrer Bestimmung!
+Denn durch Dienen allein gelangt sie endlich zum Herrschen,
+Zu der verdienten Gewalt, die doch ihr im Hause gehöret.
+Dienet die Schwester dem Bruder doch früh, sie dienet den Eltern,
+Und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen
+Oder ein Heben und Tragen, Bereiten und Schaffen für andre.
+Wohl ihr, wenn sie daran sich gewöhnt, daß kein Weg ihr zu sauer
+Wird, und die Stunden der Nacht ihr sind wie die Stunden des Tages,
+Daß ihr niemals die Arbeit zu klein und die Nadel zu fein dünkt,
+Daß sie sich ganz vergißt und leben mag nur in andern!
+Denn als Mutter, fürwahr, bedarf sie der Tugenden alle,
+Wenn der Säugling die Krankende weckt und Nahrung begehret
+Von der Schwachen und so zu Schmerzen Sorgen sich häufen.
+Zwanzig Männer verbunden ertrügen nicht diese Beschwerde,
+Und sie sollen es nicht; doch sollen sie dankbar es einsehn."
+
+Also sprach sie und war mit ihrem stillen Begleiter
+Durch den Garten gekommen, bis an die Tenne der Scheune,
+Wo die Wöchnerin lag, die sie froh mit den Töchtern verlassen,
+Jenen geretteten Mädchen, den schönen Bildern der Unschuld.
+Beide traten hinein; und von der anderen Seite
+Trat, ein Kind an jeglicher Hand, der Richter zugleich ein.
+Diese waren bisher der jammernden Mutter verloren;
+Aber gefunden hatte sie nun im Gewimmel der Alte.
+Und sie sprangen mit Lust, die liebe Mutter zu grüßen,
+Sich des Bruders zu freun, des unbekannten Gespielen!
+Auf Dorotheen sprangen sie dann und grüßten sie freundlich,
+Brot verlangend und Obst, vor allem aber zu trinken.
+Und sie reichte das Wasser herum. Da tranken die Kinder,
+Und die Wöchnerin trank mit den Töchtern, so trank auch der Richter.
+Alle waren geletzt und lobten das herrliche Wasser;
+Säuerlich war's und erquicklich, gesund zu trinken den Menschen.
+
+Da versetzte das Mädchen mit ernsten Blicken und sagte:
+"Freunde, dieses ist wohl das letztemal, daß ich den Krug Euch
+Führe zum Munde, daß ich die Lippen mit Wasser Euch netze:
+Aber wenn Euch fortan am heißen Tage der Trunk labt,
+Wenn Ihr im Schatten der Ruh' und der reinen Quellen genießet,
+Dann gedenket auch mein und meines freundlichen Dienstes,
+Den ich aus Liebe mehr als aus Verwandtschaft geleistet.
+Was Ihr mir Gutes erzeigt, erkenn ich durchs künftige Leben.
+Ungern laß ich Euch zwar; doch jeder ist diesmal dem andern
+Mehr zur Last als zum Trost, und alle müssen wir endlich
+Uns im fremden Lande zerstreun, wenn die Rückkehr versagt ist.
+Seht, hier steht der Jüngling, dem wir die Gaben verdanken,
+Diese Hülle des Kinds und jene willkommene Speise.
+Dieser kommt und wirbt, in seinem Haus mich zu sehen,
+Daß ich diene daselbst den reichen trefflichen Eltern;
+Und ich schlag es nicht ab; denn überall dienet das Mädchen,
+Und ihr wäre zur Last, bedient im Hause zu ruhen.
+Also folg ich ihm gern; er scheint ein verständiger Jüngling,
+Und so werden die Eltern es sein, wie Reichen geziemet.
+Darum lebet nun wohl, geliebte Freundin, und freuet
+Euch des lebendigen Säuglings, der schon so gesund Euch anblickt.
+Drücket Ihr ihn an die Brust in diesen farbigen Wickeln,
+Oh, so gedenket des Jünglings, des guten, der sie uns reichte,
+Und der künftig auch mich, die Eure, nähret und kleidet!
+Und Ihr, trefflicher Mann", so sprach sie, gewendet zum Richter,
+"Habet Dank, daß Ihr Vater mir wart in mancherlei Fällen!"
+
+Und sie kniete darauf zur guten Wöchnerin nieder,
+Küßte die weinende Frau und vernahm des Segens Gelispel.
+Aber du sagtest indes, ehrwürdiger Richter, zu Hermann:
+"Billig seid Ihr, o Freund, zu den guten Wirten zu zählen,
+Die mit tüchtigen Menschen den Haushalt zu führen bedacht sind.
+Denn ich habe wohl oft gesehn, daß man Rinder und Pferde,
+So wie Schafe, genau bei Tausch und Handel betrachtet;
+Aber den Menschen, der alles erhält, wenn er tüchtig und gut ist,
+Und der alles zerstreut und zerstört durch falsches Beginnen,
+Diesen nimmt man nur so auf Glück und Zufall ins Haus ein
+Und bereuet zu spät ein übereiltes Entschließen.
+Aber es scheint, Ihr versteht's; denn Ihr habt ein Mädchen erwählet,
+Euch zu dienen im Haus und Euren Eltern, das brav ist.
+Haltet sie wohl! Ihr werdet, solang sie der Wirtschaft sich annimmt,
+Nicht die Schwester vermissen, noch Eure Eltern die Tochter."
+
+Viele kamen indes, der Wöchnerin nahe Verwandte,
+Manches bringend und ihr die bessere Wohnung verkündend.
+Alle vernahmen des Mädchens Entschluß und segneten Hermann
+Mit bedeutenden Blicken und mit besondern Gedanken.
+Denn so sagte wohl eine zur andern flüchtig ans Ohr hin:
+"Wenn aus dem Herrn ein Bräutigam wird, so ist sie geborgen."
+Hermann faßte darauf sie bei der Hand an und sagte:
+"Laß uns gehen! es neigt sich der Tag, und fern ist das Städtchen."
+Lebhaft gesprächig umarmten darauf Dorotheen die Weiber.
+Hermann zog sie hinweg; noch viele Grüße befahl sie.
+Aber da fielen die Kinder mit Schrein und entsetzlichem Weinen
+Ihr in die Kleider und wollten die zweite Mutter nicht lassen.
+Aber ein' und die andre der Weiber sagte gebietend:
+"Stille, Kinder! sie geht in die Stadt, und bringt euch des guten
+Zuckerbrotes genug, das euch der Bruder bestellte,
+Als der Storch ihn jüngst beim Zuckerbäcker vorbeitrug,
+Und ihr sehet sie bald mit den schön vergoldeten Deuten."
+Und so ließen die Kinder sie los, und Hermann entriß sie
+Noch den Umarmungen kaum und den ferne winkenden Tüchern.
+
+
+
+
+Melpomene
+
+Hermann und Dorothea
+
+
+Also gingen die zwei entgegen der sinkenden Sonne,
+Die in Wolken sich tief, gewitterdrohend, verhüllte,
+Aus dem Schleier, bald hier bald dort, mit glühenden Blicken
+Strahlend über das Feld die ahnungsvolle Beleuchtung.
+"Möge das drohende Wetter", so sagte Hermann, "nicht etwa
+Schloßen uns bringen und heftigen Guß; denn schön ist die Ernte."
+Und sie freuten sich beide des hohen, wankenden Kornes,
+Das die Durchschreitenden fast, die hohen Gestalten, erreichte.
+Und es sagte darauf das Mädchen zum leitenden Freunde:
+"Guter, dem ich zunächst ein freundlich Schicksal verdanke,
+Dach und Fach, wenn im Freien so manchem Vertriebnen der Sturm dräut!
+Saget mir jetzt vor allem und lehret die Eltern mich kennen,
+Denen ich künftig zu dienen von ganzer Seele geneigt bin;
+Denn kennt jemand den Herrn, so kann er ihm leichter genug tun,
+Wenn er die Dinge bedenkt, die jenem die wichtigsten scheinen,
+Und auf die er den Sinn, den fest bestimmten, gesetzt hat.
+Darum saget mir doch: wie gewinn ich Vater und Mutter?"
+
+Und es versetzte dagegen der gute, verständige Jüngling:
+"Oh, wie geb ich dir recht, du kluges, treffliches Mädchen,
+Daß du zuvörderst dich nach dem Sinne der Eltern befragest!
+Denn so strebt' ich bisher vergebens, dem Vater zu dienen,
+Wenn ich der Wirtschaft mich als wie der meinigen annahm,
+Früh den Acker und spät und so besorgend den Weinberg.
+Meine Mutter befriedigt' ich wohl, sie wußt' es zu schätzen;
+Und so wirst du ihr auch das trefflichste Mädchen erscheinen,
+Wenn du das Haus besorgst, als wenn du das deine bedächtest.
+Aber dem Vater nicht so; denn dieser liebet den Schein auch.
+Gutes Mädchen, halte mich nicht für kalt und gefühllos,
+Wenn ich den Vater dir sogleich, der Fremden, enthülle.
+Ja, ich schwör es, das erstemal ist's, daß frei mir ein solches
+Wort die Zunge verläßt, die nicht zu schwatzen gewohnt ist;
+Aber du lockst mir hervor aus der Brust ein jedes Vertrauen.
+Einige Zierde verlangt der gute Vater im Leben,
+Wünschet äußere Zeichen der Liebe, so wie der Verehrung,
+Und er würde vielleicht vom schlechteren Diener befriedigt,
+Der dies wüßte zu nutzen, und würde dem besseren gram sein."
+
+Freudig sagte sie drauf, zugleich die schnelleren Schritte
+Durch den dunkelnden Pfad verdoppelnd mit leichter Bewegung:
+"Beide zusammen hoff ich fürwahr zufriedenzustellen;
+Denn der Mutter Sinn ist wie mein eigenes Wesen,
+Und der äußeren Zierde bin ich von Jugend nicht fremde.
+Unsere Nachbarn, die Franken, in ihren früheren Zeiten
+Hielten auf Höflichkeit viel; sie war dem Edlen und Bürger
+Wie den Bauern gemein, und jeder empfahl sie den Seinen.
+Und so brachten bei uns auf deutscher Seite gewöhnlich
+Auch die Kinder des Morgens mit Händeküssen und Knickschen
+Segenswünsche den Eltern und hielten sittlich den Tag aus.
+Alles, was ich gelernt und was ich von jung auf gewohnt bin,
+Was von Herzen mir geht -- ich will es dem Alten erzeigen.
+Aber wer sagt mir nunmehr: wie soll ich dir selber begegnen,
+Dir, dem einzigen Sohn und künftig meinem Gebieter?"
+
+Also sprach sie, und eben gelangten sie unter den Birnbaum.
+Herrlich glänzte der Mond, der volle, vom Himmel herunter;
+Nacht war's, völlig bedeckt das letzte Schimmern der Sonne.
+Und so lagen vor ihnen in Massen gegeneinander
+Lichter, hell wie der Tag, und Schatten dunkeler Nächte.
+Und es hörte die Frage, die freundliche, gern in dem Schatten
+Hermann, des herrlichen Baums, am Orte, der ihm so lieb war,
+Der noch heute die Tränen um seine Vertriebne gesehen.
+Und indem sie sich nieder ein wenig zu ruhen gesetzet,
+Sagte der liebende Jüngling, die Hand des Mädchens ergreifend:
+"Laß dein Herz dir es sagen, und folg ihm frei nur in allem!"
+Aber er wagte kein weiteres Wort, so sehr auch die Stunde
+Günstig war; er fürchtete, nur ein Nein zu ereilen,
+Ach, und er fühlte den Ring am Finger, das schmerzliche Zeichen.
+Also saßen sie still und schweigend nebeneinander.
+Aber das Mädchen begann und sagte: "Wie find ich des Mondes
+Herrlichen Schein so süß! er ist der Klarheit des Tags gleich.
+Seh ich doch dort in der Stadt die Häuser deutlich und Höfe,
+An dem Giebel ein Fenster; mich deucht, ich zähle die Scheiben."
+
+"Was du siehst", versetzte darauf der gehaltene Jüngling,
+"Das ist unsere Wohnung, in die ich nieder dich führe,
+Und dies Fenster dort ist meines Zimmers im Dache,
+Das vielleicht das deine nun wird; wir verändern im Hause.
+Diese Felder sind unser, sie reifen zur morgenden Ernte.
+Hier im Schatten wollen wir ruhn und des Mahles genießen.
+Aber laß uns nunmehr hinab durch Weinberg und Garten
+Steigen; denn sieh, es rückt das schwere Gewitter herüber,
+Wetterleuchtend und bald verschlingend den lieblichen Vollmond."
+Und so standen sie auf und wandelten nieder, das Feld hin,
+Durch das mächtige Korn, der nächtlichen Klarheit sich freuend;
+Und sie waren zum Weinberg gelangt und traten ins Dunkel.
+
+Und so leitet' er sie die vielen Platten hinunter,
+Die, unbehauen gelegt, als Stufen dienten im Laubgang.
+Langsam schritt sie hinab, auf seinen Schultern die Hände;
+Und mit schwankenden Lichtern, durchs Laub, überblickte der Mond sie,
+Eh' er, von Wetterwolken umhüllt, im Dunkeln das Paar ließ.
+Sorglich stützte der Starke das Mädchen, das über ihn herhing;
+Aber sie, unkundig des Steigs und der roheren Stufen,
+Fehlte tretend, es knackte der Fuß, sie drohte zu fallen.
+Eilig streckte gewandt der sinnige Jüngling den Arm aus,
+Hielt empor die Geliebte; sie sank ihm leis auf die Schulter,
+Brust war gesenkt an Brust und Wang' an Wange. So stand er,
+Starr wie ein Marmorbild, vom ernsten Willen gebändigt,
+Drückte nicht fester sie an, er stemmte sich gegen die Schwere.
+Und so fühlt' er die herrliche Last, die Wärme des Herzens
+Und den Balsam des Atems, an seinen Lippen verhauchet,
+Trug mit Mannesgefühl die Heldengröße des Weibes.
+
+Doch sie verhehlte den Schmerz und sagte die scherzenden Worte:
+"Das bedeutet Verdruß, so sagen bedenkliche Leute
+Wenn beim Eintritt ins Haus, nicht fern von der Schwelle, der Fuß knackt.
+Hätt' ich mir doch fürwahr ein besseres Zeichen gewünschet!
+Laß uns ein wenig verweilen, damit dich die Eltern nicht tadeln
+Wegen der hinkenden Magd, und ein schlechter Wirt du erscheinest."
+
+
+
+
+Urania
+
+Aussicht
+
+
+Musen, die ihr so gern die herzliche Liebe begünstigt,
+Auf dem Wege bisher den trefflichen Jüngling geleitet,
+An die Brust ihm das Mädchen noch vor der Verlobung gedrückt habt:
+Helfet auch ferner den Bund des lieblichen Paares vollenden,
+Teilet die Wolken sogleich, die über ihr Glück sich heraufziehn!
+Aber saget vor allem, was jetzt im Hause geschiehet!
+
+Ungeduldig betrat die Mutter zum drittenmal wieder
+Schon das Zimmer der Männer, das sorglich erst sie verlassen,
+Sprechend vom nahen Gewitter, vom schnellen Verdunkeln des Mondes;
+Dann vom Außenbleiben des Sohns und der Nächte Gefahren;
+Tadelte lebhaft die Freunde, daß, ohne das Mädchen zu sprechen,
+Ohne zu werben für ihn, sie so bald sich vom Jüngling getrennet.
+
+"Mache nicht schlimmer das Übel!" versetzt' unmutig der Vater;
+"Denn du siehst, wir harren ja selbst, und warten des Ausgangs."
+
+Aber gelassen begann der Nachbar sitzend zu sprechen:
+"Immer verdank ich es doch in solch unruhiger Stunde
+Meinem seligen Vater, der mir, als Knaben, die Wurzel
+Aller Ungeduld ausriß, daß auch kein Fäschen zurückblieb
+Und ich erwarten lernte sogleich, wie keiner der Weisen."
+"Sagt", versetzte der Pfarrer, "welch Kunststück brauchte der Alte?"
+"Das erzähl ich Euch gern, denn jeder kann es sich merken",
+Sagte der Nachbar darauf. "Als Knabe stand ich am Sonntag
+Ungeduldig einmal, die Kutsche begierig erwartend,
+Die uns sollte hinaus zum Brunnen führen der Linden.
+Doch sie kam nicht; ich lief wie ein Wiesel dahin und dorthin,
+Treppen hinauf und hinab und von dem Fenster zur Türe.
+Meine Hände prickelten mir; ich kratzte die Tische,
+Trappelte stampfend herum, und nahe war mir das Weinen.
+Alles sah der gelassene Mann; doch als ich es endlich
+Gar zu töricht betrieb, ergriff er mich ruhig beim Arme,
+Führte zum Fenster mich hin und sprach die bedenklichen Worte:
+'Siehst du des Tischlers da drüben für heute geschlossene Werkstatt?
+Morgen eröffnet er sie; da rühret sich Hobel und Säge,
+Und so geht es von frühe bis Abend die fleißigen Stunden.
+Aber bedenke dir dies: der Morgen wird künftig erscheinen,
+Da der Meister sich regt mit allen seinen Gesellen
+Dir den Sarg zu bereiten und schnell und geschickt zu vollenden;
+Und sie tragen das bretterne Haus geschäftig herüber,
+Das den Geduld'gen zuletzt und den Ungeduldigen aufnimmt,
+Und gar bald ein drückendes Dach zu tragen bestimmt ist.'
+Alles sah ich sogleich im Geiste wirklich geschehen,
+Sah die Bretter gefügt und die schwarze Farbe bereitet,
+Saß geduldig nunmehr und harrete ruhig der Kutsche.
+Rennen andere nun in zweifelhafter Erwartung
+Ungebärdig herum, da muß ich des Sarges gedenken."
+
+Lächelnd sagte der Pfarrer: "Des Todes rührendes Bild steht
+Nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen.
+Jenen drängt es ins Leben zurück und lehret ihn handeln;
+Diesem stärkt es, zu künftigem Heil, im Trübsal die Hoffnung;
+Beiden wird zum Leben der Tod. Der Vater mit Unrecht
+Hat dem empfindlichen Knaben den Tod im Tode gewiesen.
+Zeige man doch dem Jüngling des edel reifenden Alters
+Wert und dem Alter die Jugend, daß beide des ewigen Kreises
+Sich erfreuen und so sich Leben im Leben vollende!"
+
+Aber die Tür ging auf. Es zeigte das herrliche Paar sich,
+Und es erstaunten die Freunde, die liebenden Eltern erstaunten
+Über die Bildung der Braut, des Bräutigams Bildung vergleichbar;
+Ja, es schien die Türe zu klein, die hohen Gestalten
+Einzulassen, die nun zusammen betraten die Schwelle.
+Hermann stellte den Eltern sie vor mit fliegenden Worten.
+"Hier ist", sagt' er, "ein Mädchen, so wie Ihr im Hause sie wünschet.
+Lieber Vater, empfanget sie gut; sie verdient es. Und liebe
+Mutter, befragt sie sogleich nach dem ganzen Umfang der Wirtschaft,
+Daß Ihr seht, wie sehr sie verdient, Euch näher zu werden."
+Eilig führt' er darauf den trefflichen Pfarrer beiseite,
+Sagte: "Würdiger Herr, nun helft mir aus dieser Besorgnis
+Schnell, und löset den Knoten, vor dessen Entwicklung ich schaudre.
+Denn ich habe das Mädchen als meine Braut nicht geworben,
+Sondern sie glaubt, als Magd in das Haus zu gehn, und ich fürchte,
+Daß unwillig sie flieht, sobald wir gedenken der Heirat.
+Aber entschieden sei es sogleich! Nicht länger im Irrtum
+Soll sie bleiben, wie ich nicht länger den Zweifel ertrage.
+Eilet und zeiget auch hier die Weisheit, die wir verehren!"
+Und es wendete sich der Geistliche gleich zur Gesellschaft.
+Aber leider getrübt war durch die Rede des Vaters
+Schon die Seele des Mädchens; er hatte die munteren Worte
+Mit behaglicher Art im guten Sinne gesprochen:
+"Ja, das gefällt mir, mein Kind! Mit Freuden erfahr' ich, der Sohn hat
+Auch wie der Vater Geschmack, der seinerzeit es gewiesen.
+Immer die Schönste zum Tanze geführt und endlich die Schönste
+In sein Haus als Frau sich geholt; das Mütterchen war es.
+Denn an der Braut, die der Mann sich erwählt, läßt gleich sich erkennen,
+Welches Geistes er ist, und ob er sich eigenen Wert fühlt.
+Aber Ihr brauchtet wohl auch nur wenig Zeit zur Entschließung?
+Denn mich dünket fürwahr, ihm ist so schwer nicht zu folgen."
+
+Hermann hörte die Worte nur flüchtig; ihm bebten die Glieder
+Innen, und stille war der ganze Kreis nun auf einmal.
+
+Aber das treffliche Mädchen, von solchen spöttischen Worten,
+Wie sie ihr schienen, verletzt und tief in der Seele getroffen,
+Stand, mit fliegender Röte die Wange bis gegen den Nacken
+Übergossen; doch hielt sie sich an und nahm sich zusammen,
+Sprach zu dem Alten darauf, nicht völlig die Schmerzen verbergend:
+"Traun! zu solchem Empfang hat mich der Sohn nicht bereitet,
+Der mir des Vaters Art geschildert, des trefflichen Bürgers;
+Und ich weiß, ich stehe vor Euch, dem gebildeten Manne,
+Der sich klug mit jedem beträgt und gemäß den Personen.
+Aber so scheint es, Ihr fühlt nicht Mitleid genug mit der Armen,
+Die nun die Schwelle betritt und die Euch zu dienen bereit ist;
+Denn sonst würdet Ihr nicht mit bitterem Spotte mir zeigen,
+Wie entfernt mein Geschick von Eurem Sohn und von Euch sei.
+Freilich tret ich nur arm, mit kleinem Bündel ins Haus ein,
+Das mit allem versehn die frohen Bewohner gewiß macht;
+Aber ich kenne mich wohl und fühle das ganze Verhältnis.
+Ist es edel, mich gleich mit solchem Spotte zu treffen,
+Der auf der Schwelle beinah mich schon aus dem Hause zurücktreibt?"
+
+Bang bewegte sich Hermann und winkte dem geistlichen Freunde,
+Daß er ins Mittel sich schlüge, sogleich zu verscheuchen den Irrtum.
+Eilig trat der Kluge heran und schaute des Mädchens
+Stillen Verdruß und gehaltenen Schmerz und Tränen im Auge.
+Da befahl ihm sein Geist, nicht gleich die Verwirrung zu lösen,
+Sondern vielmehr das bewegte Gemüt zu prüfen des Mädchens.
+Und er sagte darauf zu ihr mit versuchenden Worten:
+"Sicher, du überlegtest nicht wohl, o Mädchen des Auslands,
+Wenn du bei Fremden zu dienen dich allzu eilig entschlossest,
+Was es heiße, das Haus des gebietenden Herrn zu betreten;
+Denn der Handschlag bestimmt das ganze Schicksal des Jahres,
+Und gar vieles zu dulden verbindet ein einziges Jawort.
+Sind doch nicht das Schwerste des Diensts die ermüdenden Wege,
+Nicht der bittere Schweiß der ewig drängenden Arbeit;
+Denn mit dem Knechte zugleich bemüht sich der tätige Freie:
+Aber zu dulden die Laune des Herrn, wenn er ungerecht tadelt,
+Oder dieses und jenes begehrt, mit sich selber in Zwiespalt,
+Und die Heftigkeit noch der Frauen, die leicht sich erzürnet,
+Mit der Kinder roher und übermütiger Unart:
+Das ist schwer zu ertragen, und doch die Pflicht zu erfüllen
+Ungesäumt und rasch, und selbst nicht mürrisch zu stocken.
+Doch du scheinst mir dazu nicht geschickt, da die Scherze des Vaters
+Schon dich treffen so tief, und doch nichts gewöhnlicher vorkommt,
+Als ein Mädchen zu plagen, daß wohl ihr ein Jüngling gefalle."
+
+Also sprach er. Es fühlte die treffende Rede das Mädchen,
+Und sie hielt sich nicht mehr; es zeigten sich ihre Gefühle
+Mächtig, es hob sich die Brust, aus der ein Seufzer hervordrang,
+Und sie sagte sogleich mit heiß vergossenen Tränen:
+"Oh, nie weiß der verständige Mann, der im Schmerz uns zu raten
+Denkt, wie wenig sein Wort, das kalte, die Brust zu befreien
+Je von dem Leiden vermag, das ein hohes Schicksal uns auflegt.
+Ihr seid glücklich und froh, wie sollt' ein Scherz Euch verwunden?
+Doch der Krankende fühlt auch schmerzlich die leise Berührung.
+Nein, es hülfe mir nichts, wenn selbst mir Verstellung gelänge.
+Zeige sich gleich, was später nur tiefere Schmerzen vermehrte
+Und mich drängte vielleicht in stillverzehrendes Elend.
+Laßt mich wieder hinweg! Ich darf im Hause nicht bleiben;
+Ich will fort und gehe, die armen Meinen zu suchen,
+Die ich im Unglück verließ, für mich nur das Bessere wählend.
+Dies ist mein fester Entschluß; und ich darf Euch darum nun bekennen,
+Was im Herzen sich sonst wohl Jahre hätte verborgen.
+Ja, des Vaters Spott hat tief mich getroffen: nicht, weil ich
+Stolz und empfindlich bin, wie es wohl der Magd nicht geziemet,
+Sondern weil mir fürwahr im Herzen die Neigung sich regte
+Gegen den Jüngling, der heute mir als ein Erretter erschienen.
+Denn als er erst auf der Straße mich ließ, so war er mir immer
+In Gedanken geblieben; ich dachte des glücklichen Mädchens,
+Das er vielleicht schon als Braut im Herzen möchte bewahren.
+Und als ich wieder am Brunnen ihn fand, da freut' ich mich seines
+Anblicks so sehr, als wär' mir der Himmlischen einer erschienen.
+Und ich folgt' ihm so gern, als nun er zur Magd mich geworben.
+Doch mir schmeichelte freilich das Herz (ich will es gestehen)
+Auf dem Wege hierher, als könnt' ich vielleicht ihn verdienen,
+Wenn ich würde des Hauses dereinst unentbehrliche Stütze.
+Aber, ach! nun seh ich zuerst die Gefahren, in die ich
+Mich begab, so nah dem still Geliebten zu wohnen.
+Nun erst fühl ich, wie weit ein armes Mädchen entfernt ist
+Von dem reicheren Jüngling, und wenn sie die Tüchtigste wäre.
+Alles das hab ich gesagt, damit ihr das Herz nicht verkennet,
+Das ein Zufall beleidigt, dem ich die Besinnung verdanke.
+Denn das mußt' ich erwarten, die stillen Wünsche verbergend,
+Daß er sich brächte zunächst die Braut zum Hause geführet;
+Und wie hätt' ich alsdann die heimlichen Schmerzen ertragen?
+Glücklich bin ich gewarnt, und glücklich löst das Geheimnis
+Von dem Busen sich los, jetzt, da noch das Übel ist heilbar.
+Aber das sei nun gesagt! Und nun soll im Hause mich länger
+Hier nichts halten, wo ich beschämt und ängstlich nur stehe,
+Frei die Neigung bekennend und jene törichte Hoffnung.
+Nicht die Nacht, die breit sich bedeckt mit sinkenden Wolken,
+Nicht der rollende Donner (ich hör ihn) soll mich verhindern,
+Nicht des Regens Guß, der draußen gewaltsam herabschlägt,
+Noch der sausende Sturm. Das hab ich alles ertragen
+Auf der traurigen Flucht und nah am verfolgenden Feinde.
+Und ich gehe nun wieder hinaus, wie ich lange gewohnt bin,
+Von dem Strudel der Zeit ergriffen, von allem zu scheiden.
+Lebet wohl! ich bleibe nicht länger; es ist nun geschehen."
+
+Also sprach sie, sich rasch zurück nach der Türe bewegend,
+Unter dem Arm das Bündelchen noch, das sie brachte, bewahrend.
+Aber die Mutter ergriff mit beiden Armen das Mädchen,
+Um den Leib sie fassend, und rief verwundert und staunend:
+"Sag, was bedeutet mir dies? und diese vergeblichen Tränen?
+Nein, ich lasse dich nicht; du bist mir des Sohnes Verlobte."
+Aber der Vater stand mit Widerwillen dagegen,
+Auf die Weinende schauend, und sprach die verdrießlichen Worte:
+"Also das ist mir zuletzt für die höchste Nachsicht geworden,
+Daß mir das Unangenehmste geschieht noch zum Schlusse des Tages!
+Denn mir ist unleidlicher nichts, als Tränen der Weiber,
+Leidenschaftlich Geschrei, das heftig verworren beginnet,
+Was mit ein wenig Vernunft sich ließe gemächlicher schlichten.
+Mir ist lästig, noch länger dies wunderliche Beginnen
+Anzuschauen. Vollendet es selbst! ich gehe zu Bette."
+Und er wandte sich schnell und eilte zur Kammer zu gehen,
+Wo ihm das Ehbett stand und wo er zu ruhen gewohnt war.
+Aber ihn hielt der Sohn und sagte die flehenden Worte:
+"Vater, eilet nur nicht und zürnt nicht über das Mädchen!
+Ich nur habe die Schuld von aller Verwirrung zu tragen,
+Die unerwartet der Freund noch durch Verstellung vermehrt hat.
+Redet, würdiger Herr! denn Euch vertraut' ich die Sache.
+Häufet nicht Angst und Verdruß; vollendet lieber das Ganze!
+Denn ich möchte so hoch Euch nicht in Zukunft verehren,
+Wenn Ihr Schadenfreude nur übt statt herrlicher Weisheit."
+
+Lächelnd versetzte darauf der würdige Pfarrer und sagte:
+"Welche Klugheit hätte denn wohl das schöne Bekenntnis
+Dieser Guten entlockt und uns enthüllt ihr Gemüte?
+Ist nicht die Sorge sogleich dir zur Wonn' und Freude geworden?
+Rede darum nur selbst! was bedarf es fremder Erklärung?"
+Nun trat Hermann hervor und sprach die freundlichen Worte:
+"Laß dich die Tränen nicht reun, noch diese flüchtigen Schmerzen;
+Denn sie vollenden mein Glück und, wie ich wünsche, das deine.
+Nicht das treffliche Mädchen als Magd, die Fremde, zu dingen,
+Kam ich zum Brunnen; ich kam, um deine Liebe zu werben.
+Aber, ach! mein schüchterner Blick, er konnte die Neigung
+Deines Herzens nicht sehn; nur Freundlichkeit sah er im Auge,
+Als aus dem Spiegel du ihn des ruhigen Brunnens begrüßtest.
+Dich ins Haus nur zu führen, es war schon die Hälfte des Glückes.
+Aber nun vollendest du mir's! Oh, sei mir gesegnet!"
+Und es schaute das Mädchen mit tiefer Rührung zum Jüngling
+Und vermied nicht Umarmung und Kuß, den Gipfel der Freude,
+Wenn sie den Liebenden sind die lang ersehnte Versichrung
+Künftigen Glücks im Leben, das nun ein unendliches scheinet.
+
+Und den übrigen hatte der Pfarrherr alles erkläret.
+Aber das Mädchen kam, vor dem Vater sich herzlich mit Anmut
+Neigend und so ihm die Hand, die zurückgezogene, küssend,
+Sprach: "Ihr werdet gerecht der Überraschten verzeihen,
+Erst die Tränen des Schmerzes und nun die Tränen der Freude.
+Oh, vergebt mir jenes Gefühl! vergebt mir auch dieses
+Und laßt nur mich ins Glück, das neu mir gegönnte, mich finden!
+Ja, der erste Verdruß, an dem ich Verworrene schuld war,
+Sei der letzte zugleich! Wozu die Magd sich verpflichtet,
+Treu, zu liebendem Dienst, den soll die Tochter Euch leisten!"
+
+Und der Vater umarmte sie gleich, die Tränen verbergend.
+Traulich kam die Mutter herbei und küßte sie herzlich,
+Schüttelte Hand in Hand; es schwiegen die weinenden Frauen.
+
+Eilig faßte darauf der gute verständige Pfarrherr
+Erst des Vaters Hand und zog ihm vom Finger den Trauring
+(Nicht so leicht; er war vom rundlichen Gliede gehalten),
+Nahm den Ring der Mutter darauf und verlobte die Kinder,
+Sprach: "Noch einmal sei der goldenen Reifen Bestimmung,
+Fest ein Band zu knüpfen, das völlig gleiche dem alten.
+Dieser Jüngling ist tief von der Liebe zum Mädchen durchdrungen
+Und das Mädchen gesteht, daß auch ihr der Jüngling erwünscht ist.
+Also verlob' ich euch hier und segn' euch künftigen Zeiten,
+Mit dem Willen der Eltern und mit dem Zeugnis des Freundes."
+
+Und es neigte sich gleich mit Segenswünschen der Nachbar.
+Aber als der geistliche Herr den goldenen Reif nun
+Steckt' an die Hand des Mädchens, erblickt' er den anderen staunend,
+Den schon Hermann zuvor am Brunnen sorglich betrachtet.
+Und er sagte darauf mit freundlich scherzenden Worten:
+"Wie! du verlobest dich schon zum zweitenmal? Daß nicht der erste
+Bräutigam bei dem Altar sich zeige mit hinderndem Einspruch!"
+
+Aber sie sagte darauf. "Oh, laßt mich dieser Erinnrung
+Einen Augenblick weihen! Denn wohl verdient sie der Gute,
+Der mir ihn scheidend gab und nicht zur Heimat zurückkam.
+Alles sah er voraus, als rasch die Liebe der Freiheit,
+Als ihn die Lust, im neuen veränderten Wesen zu wirken,
+Trieb nach Paris zu gehn, dahin, wo er Kerker und Tod fand.
+'Lebe glücklich', sagt' er. 'Ich gehe; denn alles bewegt sich
+Jetzt auf Erden einmal, es scheint sich alles zu trennen.
+Grundgesetze lösen sich auf der festesten Staaten,
+Und es löst der Besitz sich los vom alten Besitzer,
+Freund sich los von Freund: so löst sich Liebe von Liebe.
+Ich verlasse dich hier; und wo ich jemals dich wieder
+Finde -- wer weiß es? Vielleicht sind diese Gespräche die letzten.
+Nur ein Fremdling, sagt man mit Recht, ist der Mensch hier auf Erden;
+Mehr ein Fremdling als jemals ist nun ein jeder geworden.
+Uns gehört der Boden nicht mehr; es wandern die Schätze;
+Gold und Silber schmilzt aus den alten heiligen Formen;
+Alles regt sich, als wollte die Welt, die gestaltete, rückwärts
+Lösen in Chaos und Nacht sich auf, und neu sich gestalten.
+Du bewahrst mir dein Herz; und finden dereinst wir uns wieder
+Über den Trümmern der Welt, so sind wir erneute Geschöpfe,
+Umgebildet und frei und unabhängig vom Schicksal.
+Denn was fesselte den, der solche Tage durchlebt hat!
+Aber soll es nicht sein, daß je wir, aus diesen Gefahren
+Glücklich entronnen, uns einst mit Freuden wieder umfangen,
+Oh, so erhalte mein schwebendes Bild vor deinen Gedanken,
+Daß du mit gleichem Mute zu Glück und Unglück bereit seist!
+Locket neue Wohnung dich an und neue Verbindung,
+So genieße mit Dank, was dann dir das Schicksal bereitet!
+Liebe die Liebenden rein und halte dem Guten dich dankbar.
+Aber dann auch setze nur leicht den beweglichen Fuß auf;
+Denn es lauert der doppelte Schmerz des neuen Verlustes.
+Heilig sei dir der Tag; doch schätze das Leben nicht höher
+Als ein anderes Gut, und alle Güter sind trüglich.'
+Also sprach er: und nie erschien der Edle mir wieder.
+Alles verlor ich indes, und tausendmal dacht' ich der Warnung.
+Nun auch denk ich des Worts, da schön mir die Liebe das Glück hier
+Neu bereitet und mir die herrlichsten Hoffnungen aufschließt.
+Oh, verzeih, mein trefflicher Freund, daß ich, selbst an dem Arm dich
+Haltend, bebe! So scheint dem endlich gelandeten Schiffer
+Auch der sicherste Grund des festesten Bodens zu schwanken."
+
+Also sprach sie und steckte die Ringe nebeneinander.
+Aber der Bräutigam sprach mit edler männlicher Rührung:
+"Desto fester sei, bei der allgemeinen Erschüttrung,
+Dorothea, der Bund! Wir wollen halten und dauern,
+Fest uns halten und fest der schönen Güter Besitztum.
+Denn der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist,
+Der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter;
+Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich.
+Nicht dem Deutschen geziemt es, die fürchterliche Bewegung
+Fortzuleiten und auch zu wanken hierhin und dorthin.
+'Dies ist unser!' so laß uns sagen und so es behaupten!
+Denn es werden noch stets die entschlossenen Völker gepriesen,
+Die für Gott und Gesetz, für Eltern, Weiber und Kinder
+Stritten und gegen den Feind zusammenstehend erlagen.
+Du bist mein; und nun ist das Meine meiner als jemals.
+Nicht mit Kummer will ich's bewahren und sorgend genießen,
+Sondern mit Mut und Kraft. Und drohen diesmal die Feinde
+Oder künftig, so rüste mich selbst und reiche die Waffen.
+Weiß ich durch dich nur versorgt das Haus und die liebenden Eltern,
+Oh, so stellt sich die Brust dem Feinde sicher entgegen.
+Und gedächte jeder wie ich, so stünde die Macht auf
+Gegen die Macht, und wir erfreuten uns alle des Friedens."
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Hermann und Dorothea, by Johann Wolfgang von Goethe
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HERMANN UND DOROTHEA ***
+
+***** This file should be named 2312-0.txt or 2312-0.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/2/3/1/2312/
+
+Produced by Michael Pullen, corrections by Andrew Sly
+Updated editions will replace the previous one--the old editions will
+be renamed.
+
+Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
+law means that no one owns a United States copyright in these works,
+so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
+States without permission and without paying copyright
+royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
+of this license, apply to copying and distributing Project
+Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
+concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
+and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
+specific permission. If you do not charge anything for copies of this
+eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
+for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
+performances and research. They may be modified and printed and given
+away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
+not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
+trademark license, especially commercial redistribution.
+
+START: FULL LICENSE
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
+Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
+www.gutenberg.org/license.
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
+Gutenberg-tm electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or
+destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
+possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
+Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
+by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
+person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
+1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
+agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
+electronic works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
+Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
+of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
+works in the collection are in the public domain in the United
+States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
+United States and you are located in the United States, we do not
+claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
+displaying or creating derivative works based on the work as long as
+all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
+that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
+free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
+works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
+Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
+comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
+same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
+you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
+in a constant state of change. If you are outside the United States,
+check the laws of your country in addition to the terms of this
+agreement before downloading, copying, displaying, performing,
+distributing or creating derivative works based on this work or any
+other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
+representations concerning the copyright status of any work in any
+country outside the United States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
+immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
+prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
+on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
+phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
+performed, viewed, copied or distributed:
+
+ This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
+ most other parts of the world at no cost and with almost no
+ restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
+ under the terms of the Project Gutenberg License included with this
+ eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
+ United States, you'll have to check the laws of the country where you
+ are located before using this ebook.
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
+derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
+contain a notice indicating that it is posted with permission of the
+copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
+the United States without paying any fees or charges. If you are
+redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
+Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
+either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
+obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
+trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
+additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
+will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
+posted with the permission of the copyright holder found at the
+beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
+any word processing or hypertext form. However, if you provide access
+to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
+other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
+version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
+(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
+to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
+of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
+Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
+full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
+provided that
+
+* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
+ to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
+ agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
+ Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
+ within 60 days following each date on which you prepare (or are
+ legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
+ payments should be clearly marked as such and sent to the Project
+ Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
+ Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
+ Literary Archive Foundation."
+
+* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or destroy all
+ copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
+ all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
+ works.
+
+* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
+ any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
+ receipt of the work.
+
+* You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
+Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
+are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
+from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
+Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
+trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
+Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
+electronic works, and the medium on which they may be stored, may
+contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
+or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
+other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
+cannot be read by your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium
+with your written explanation. The person or entity that provided you
+with the defective work may elect to provide a replacement copy in
+lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
+or entity providing it to you may choose to give you a second
+opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
+the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
+without further opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
+OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of
+damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
+violates the law of the state applicable to this agreement, the
+agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
+limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
+unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
+remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
+accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
+production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
+electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
+including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
+the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
+or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
+additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
+Defect you cause.
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of
+computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org
+
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
+U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
+mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
+volunteers and employees are scattered throughout numerous
+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
+DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
+state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
+volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
+the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
+necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
+edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search
+facility: www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+