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+The Project Gutenberg EBook of Alaeddin und die Wunderlampe, by Kurt Moreck
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Alaeddin und die Wunderlampe
+ aus Tausend und eine Nacht
+
+Author: Kurt Moreck
+
+Illustrator: Ferdinand Staeger
+
+Release Date: August 26, 2007 [EBook #22413]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ALAEDDIN UND DIE WUNDERLAMPE ***
+
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+Produced by Markus Brenner, Irma
+
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+1001 Nacht
+
+Alaeddin und die Wunderlampe
+
+
+
+Von diesem Werk erschien eine
+numerierte Vorzugsausgabe in
+250 numerierten Exemplaren auf
+imitiert Japanpapier mit einer
+Original-Radierung, die auf
+echt Japan hergestellt ist
+
+[Illustration]
+
+
+Alaeddin
+und die Wunderlampe
+
+Aus
+Tausend und eine Nacht
+
+mit 11 Vollbildern
+u. der Buchausstattung
+von F. Staeger.
+Hugo Schmidt Verlag
+München
+
+
+
+_Textrevision besorgte Kurt Moreck_
+
+_Copyright 1919 by Hugo Schmidt Verlag, München_
+Alle Rechte, insbesondere das an den Abbildungen, vorbehalten
+HUGO SCHMIDT VERLAG
+
+
+
+
+Alaeddin und die Wunderlampe
+
+
+Mustafa war der Name eines Schneiders, der in einer sehr reichen und
+großen Hauptstadt Chinas lebte. Dieser Mustafa war sehr arm, und seine
+Arbeit warf kaum so viel ab, daß er, seine Frau und ein Sohn davon leben
+konnten.
+
+Die Erziehung dieses Sohnes, welcher Alaeddin hieß, war sehr
+vernachlässigt worden, so daß er allerhand lasterhafte Neigungen
+angenommen hatte. Er war boshaft, halsstarrig und ungehorsam gegen Vater
+und Mutter. Kaum war er ein wenig herangewachsen, so konnten ihn seine
+Eltern nicht mehr im Hause zurückhalten. Er ging schon am frühen Morgen
+aus und tat den ganzen Tag nichts, als auf den Straßen und öffentlichen
+Plätzen mit kleinen Tagdieben spielen.
+
+Als er ein Handwerk erlernen sollte, nahm ihn sein Vater in seine Bude
+und fing an, ihn in der Handhabung der Nadel zu unterrichten. Allein
+weder gute Worte noch Drohungen vermochten den flatterhaften Sinn des
+Sohnes zu fesseln. Kaum hatte Mustafa ihm den Rücken gekehrt, so
+entwischte Alaeddin und ließ sich den ganzen Tag nicht wieder sehen. Der
+Vater züchtigte ihn, aber Alaeddin war unverbesserlich, und Mustafa
+mußte ihn mit großem Bedauern zuletzt seinem liederlichen Leben
+überlassen. Dies verursachte ihm großes Herzeleid, und der Kummer zog
+ihm eine hartnäckige Krankheit zu, an der er nach einigen Monaten starb.
+
+Alaeddins Mutter machte darauf alles zu Geld, um davon, und von dem
+Wenigen, was sie mit Baumwollespinnen erwarb, mit ihrem Sohne leben zu
+können.
+
+Alaeddin, der jetzt nicht mehr durch die Furcht vor seinem Vater in
+Schranken gehalten wurde, bekümmerte sich nicht um seine Mutter. Er
+suchte noch mehr als zuvor junge Leute von seinem Alter auf und spielte
+mit ihnen unaufhörlich noch leidenschaftlicher als bisher. Diesen
+Lebenswandel setzte er bis in sein fünfzehntes Jahr fort.
+
+Eines Tags, als er nach seiner Gewohnheit mit einem Haufen Gassenjungen
+auf einem freien Platze spielte, ging ein Fremder vorüber, der stehen
+blieb und ihn ansah. Dieser Fremde war ein berühmter Zauberer, und die
+Geschichtschreiber, welche uns diese Erzählung aufbewahrt haben, nennen
+ihn den afrikanischen Zauberer. Wir wollen ihn gleichfalls mit diesem
+Namen bezeichnen, um so mehr, da er wirklich aus Afrika stammte und erst
+seit zwei Tagen angekommen war.
+
+Sei es nun, daß der afrikanische Zauberer, der sich auf Physiognomien
+verstand, in Alaeddins Gesicht alles bemerkte, was zur Ausführung des
+Planes, der ihn hierhergeführt, notwendig war, oder mochte er einen
+andern Grund haben, genug, er erkundigte sich, ohne daß es jemandem
+auffiel, nach seiner Familie, seinem Stande und seinen Neigungen. Als er
+von allem, was er wünschte, gehörig unterrichtet war, ging er auf den
+jungen Menschen zu, nahm ihn einige Schritte von seinen Kameraden
+beiseite und fragte ihn: »Mein Sohn, ist dein Vater nicht der Schneider
+Mustafa?« – »Ja, lieber Herr,« antwortete Alaeddin, »aber er ist schon
+lange tot.«
+
+Bei diesen Worten fiel der afrikanische Zauberer Alaeddin um den Hals,
+umarmte ihn und küßte ihn zu wiederholten Malen mit Tränen in den Augen
+und seufzend. Alaeddin bemerkte diese Tränen und fragte, warum er weine.
+»Ach, mein Sohn!« rief der afrikanische Zauberer, »wie könnte ich mich
+da enthalten! Ich bin dein Oheim und dein Vater war mein geliebter
+Bruder. Schon mehrere Jahre bin ich auf der Reise, und in dem
+Augenblick, da ich hier anlange, voll Hoffnung, ihn wiederzusehen und
+durch meine Rückkehr zu erfreuen, sagst du mir, daß er tot ist!«
+
+Er fragte hierauf Alaeddin, indem er seinen Beutel herauszog, wo seine
+Mutter wohne. Alaeddin erteilte ihm sogleich Auskunft und der
+afrikanische Zauberer gab ihm eine Hand voll kleines Geld mit den
+Worten: »Mein Sohn, gehe schnell zu deiner Mutter, grüße sie von mir und
+sage ihr, daß ich, wofern es meine Zeit erlaubt, sie morgen besuchen
+werde, um mir zum Trost den Ort zu sehen, wo mein lieber Bruder so lange
+gelebt und seine Tage beschlossen hat.«
+
+Sobald der afrikanische Zauberer den Neffen, den er sich soeben selbst
+geschaffen, verlassen hatte, lief Alaeddin voll Freude zu seiner Mutter.
+»Mütterchen,« sagte er, »ich bitte dich, sage mir, ob ich einen Oheim
+habe.« – »Nein, mein Sohn,« antwortete die Mutter, »du hast keinen
+Oheim, weder von seiten deines seligen Vaters noch von der meinigen.« –
+»Und doch,« fuhr Alaeddin fort, »habe ich soeben einen Mann gesehen, der
+sich für meinen Oheim von väterlicher Seite ausgab und versicherte, daß
+er der Bruder meines Vaters sei. Er hat sogar geweint und mich umarmt,
+als ich ihm sagte, daß mein Vater tot wäre. Zum Beweis, daß ich die
+Wahrheit sage, sieh, was er mir geschenkt hat. Er hat mir überdies
+aufgegeben, dich in seinem Namen zu grüßen und dir zu sagen, daß er dir
+morgen seine Aufwartung machen wird, um das Haus zu sehen, wo mein Vater
+gelebt hat und gestorben ist.«
+
+»Mein Sohn,« antwortete die Mutter, »es ist wahr, dein Vater hatte einen
+Bruder; aber er ist schon lange tot und ich habe ihn nie sagen gehört,
+daß er noch einen andern hätte.«
+
+Damit wurde das Gespräch über den afrikanischen Zauberer abgebrochen.
+
+Den andern Tag näherte sich dieser zum zweitenmal Alaeddin, als er auf
+einem andern Platze in der Stadt mit anderen Kindern spielte. Er umarmte
+ihn, wie tags zuvor und drückte ihm zwei Goldstücke in die Hand mit den
+Worten: »Mein Sohn, bring dies deiner Mutter, sage ihr, ich werde sie
+auf den Abend besuchen, und sie möge dafür etwas zum Nachtessen kaufen,
+damit wir zusammen speisen können. Zuvor aber sage mir, wie ich das Haus
+finden kann.« Alaeddin bezeichnete es ihm und der afrikanische Zauberer
+ließ ihn gehen.
+
+Alaeddin brachte die zwei Goldstücke seiner Mutter. Sie ging, das Geld
+zu verwenden, kam mit gutem Mundvorrate zurück, und da es ihr an den
+nötigen Tischgeräten fehlte, entlehnte sie dieselben von ihren
+Nachbarinnen. Sie brachte den ganzen Tag mit Vorbereitungen zu und als
+alles fertig war, sagte sie zu Alaeddin: »Mein Sohn, dein Oheim weiß
+vielleicht unser Haus nicht, gehe ihm entgegen und führe ihn hierher,
+wenn du ihn siehst,« als man an die Türe klopfte. Alaeddin öffnete und
+erkannte den Afrikaner, der mit mehreren Weinflaschen und Früchten von
+allerlei Gattungen hereintrat.
+
+Nachdem der afrikanische Zauberer seinen Beitrag Alaeddin eingehändigt
+hatte, begrüßte er die Mutter und bat sie, ihm die Stelle auf dem Sofa
+zu zeigen, wo sein Bruder Mustafa gewöhnlich gesessen sei. Sie zeigte
+ihm dieselbe. Nun warf er sich sogleich zur Erde, küßte die Stelle und
+rief mit Tränen in den Augen: »Armer Bruder, wie unglücklich bin ich,
+daß ich nicht zeitig genug gekommen bin, um dich vor deinem Tode noch
+einmal zu umarmen!« So sehr ihn nun auch Alaeddins Mutter bat, so wollte
+er sich doch nicht auf diesen Platz setzen. »Nein,« sagte er, »ich werde
+mich wohl hüten, aber erlaube, daß ich mich gegenüber setze, damit ich,
+wenn mir auch das Vergnügen versagt ist, ihn persönlich als Vater einer
+mir so teuren Familie zu sehen, mir wenigstens einbilden kann, er sitze
+noch dort.« Alaeddins Mutter drang nun nicht weiter in ihn und ließ ihn
+Platz nehmen, wo er Lust hatte.
+
+Als der afrikanische Zauberer sich da gesetzt hatte, wo es ihm am besten
+behagte, fing er ein Gespräch mit Alaeddins Mutter an: »Meine liebe
+Schwester,« sagte er, »wundere dich nicht, daß du während der ganzen
+Zeit, da du mit meinem Bruder Mustafa verheiratet warst, mich nie
+gesehen hast. Es sind schon vierzig Jahre, daß ich dieses Land verlassen
+habe. Seitdem habe ich Reisen nach Indien, Persien, Arabien, Syrien und
+Ägypten gemacht, mich in den schönsten Städten dieser Länder aufgehalten
+und bin dann nach Afrika gegangen, wo ich einen längeren Aufenthalt
+nahm. Da es indes dem Menschen angeboren ist, sein Heimatland, so wie
+seine Eltern und Jugendgespielen, auch in der weitesten Ferne nie aus
+dem Gedächtnis zu verlieren, so hat auch mich ein so gewaltiges
+Verlangen ergriffen, mein Vaterland wieder zu sehen und meinen geliebten
+Bruder zu umarmen, jetzt, da ich noch Kraft und Mut zu einer so langen
+Reise in mir fühle, daß ich ohne weiteren Aufschub meine Vorbereitungen
+traf und mich auf den Weg machte. Ich sage dir nichts von der Länge der
+Zeit, die ich dazu brauchte, noch von den Hindernissen, die mir
+aufstießen, noch von all den Beschwerden und Mühsalen, die ich
+überstehen mußte, um hierherzukommen. Ich sage dir bloß, daß mich auf
+allen meinen Reisen nichts so tief gekränkt und geschmerzt hat, als die
+Nachricht von dem Tode eines Bruders, den ich immer mit echt
+brüderlicher Freundschaft geliebt hatte. Ich bemerkte einige Züge von
+ihm auf dem Gesicht meines Neffen, deines Sohnes, und dies machte, daß
+ich ihn aus all den übrigen Kindern, bei denen er war, herausfand. Er
+hat dir vielleicht erzählt, wie sehr die traurige Nachricht vom Tode
+meines Bruders mich ergriff. Indes, was Gott tut, das ist wohlgetan; ich
+tröste mich, ihn in seinem Sohne wiederzufinden, der so auffallende
+Ähnlichkeit mit ihm hat.«
+
+Als der afrikanische Zauberer sah, daß Alaeddins Mutter bei der
+Erinnerung an ihren Mann gerührt wurde und aufs neue in Schmerz versank,
+brach er das Gespräch ab, wandte sich zu Alaeddin und fragte ihn um
+seinen Namen. – »Ich heiße Alaeddin,« antwortete dieser. – »Nun gut,
+Alaeddin,« fuhr der Zauberer fort, »womit beschäftigst du dich?
+Verstehst du ein Gewerbe?«
+
+Bei dieser Frage schlug Alaeddin die Augen nieder und geriet in
+Verlegenheit. Seine Mutter aber nahm das Wort und sagte: »Alaeddin ist
+ein Taugenichts. Sein Vater hat, so lang er lebte, alles mögliche getan,
+um ihn sein Gewerbe zu lehren; allein er konnte seinen Zweck nicht
+erreichen, und seit er tot ist, streicht er, trotz meinen täglichen
+Ermahnungen, die ganze Zeit auf den Straßen herum und spielt mit
+Kindern, wie du gesehen hast, ohne zu bedenken, daß er kein Kind mehr
+ist; wenn du ihn deshalb nicht beschämst und er sich diese Ermahnung
+nicht zunutzen macht, so gebe ich alle Hoffnung auf, daß jemals etwas
+aus ihm wird. Er weiß, daß sein Vater kein Vermögen hinterlassen hat,
+und sieht selbst, daß ich mit meinem Baumwollespinnen den ganzen Tag
+über kaum das Brot für uns beide verdienen kann. Ich bin entschlossen,
+ihm nächster Tage einmal die Türe zu verschließen und ihn
+fortzuschicken, daß er sich seine Unterkunft anderswo suchen kann.«
+
+Als Alaeddins Mutter unter vielen Tränen so gesprochen hatte, sagte der
+afrikanische Zauberer zu dem Jungen: »Das ist nicht gut, mein Neffe, du
+mußt darauf denken, dir selbst fortzuhelfen und einen Lebensunterhalt zu
+verschaffen. Es gibt ja so viele Gewerbe in der Welt; besinne dich
+einmal, ob nicht eines darunter ist, zu dem du mehr Neigung hast, als zu
+den andern. Vielleicht gefällt dir bloß das deines Vaters nicht und du
+würdest dich besser zu einem andern anschicken; verhehle mir deine
+Gesinnung hierüber nicht, ich will ja bloß dein Bestes.« Als er sah,
+daß Alaeddin nichts antwortete, fuhr er fort: »Ist es dir überhaupt
+zuwider, ein Handwerk zu erlernen und willst du ein angesehener Mann
+werden, so will ich für dich eine Bude mit kostbaren Stoffen und feinen
+Linnenzeugen einrichten; du kannst dann diese Sachen verkaufen, mit dem
+Gelde, das du daraus lösest, den Einkauf neuer Waren bestreiten und auf
+diese Art ein anständiges Unterkommen finden. Frage dich selbst und sage
+mir offen, was du denkst. Du wirst mich stets bereit finden, mein
+Versprechen zu halten.«
+
+Dieses Anerbieten schmeichelte Alaeddin sehr; ein jedes Handwerk war ihm
+zuwider, um so mehr, da er bemerkt hatte, daß solche Kaufläden, wovon
+sein Oheim gesprochen hatte, immer hübsch und stark besucht und die
+Kaufleute gut gekleidet und sehr geachtet waren. Er erklärte daher dem
+afrikanischen Zauberer, daß seine Neigung mehr nach dieser Seite
+gerichtet sei, als nach jeder andern, und daß er ihm zeitlebens für die
+Wohltat danken würde, die er ihm erweisen wolle. »Da dieses Gewerbe dir
+angenehm ist,« erwiderte der afrikanische Zauberer, »so werde ich dich
+morgen mitnehmen und dich so hübsch und reich kleiden lassen, wie es
+sich für einen der ersten Kaufleute in dieser Stadt geziemt; übermorgen
+wollen wir dann darauf denken, einen solchen Laden zu errichten, wie ich
+im Sinn habe.«
+
+Alaeddins Mutter, die bis jetzt nicht geglaubt hatte, daß der
+afrikanische Zauberer der Bruder ihres Mannes sei, zweifelte nach solch
+glänzenden Versprechungen nicht mehr daran. Sie dankte ihm für seine
+guten Gesinnungen, und nachdem sie Alaeddin ermahnt hatte, sich der
+Wohltaten, die sein Oheim ihn hoffen ließ, würdig zu zeigen, trug sie
+das Abendessen auf. Die Unterhaltung während des ganzen Mahles drehte
+sich immer um denselben Gegenstand, bis endlich der Zauberer bemerkte,
+daß die Nacht schon weit vorgerückt war. Er verabschiedete sich von
+Mutter und Sohn und ging nach Hause.
+
+Am andern Morgen ermangelte der afrikanische Zauberer nicht, sich
+versprochenermaßen bei der Witwe des Schneiders Mustafa wieder
+einzufinden. Er nahm Alaeddin mit sich und führte ihn zu einem
+bedeutenden Kaufmann, der bloß ganz fertige Kleider von allen möglichen
+Stoffen und für Leute jeden Alters und Standes verkaufte. Von diesem
+ließ er sich mehrere zeigen, die für Alaeddin paßten, und nachdem er
+die, die ihm am besten gefielen, ausgesucht und die andern, die nicht so
+schön waren, als er wünschte, zurückgelegt hatte, sagte er zu Alaeddin:
+»Lieber Neffe, wähle dir unter all diesen Kleidern dasjenige aus, das
+dir am besten gefällt.« Alaeddin, über die Freigebigkeit seines neuen
+Oheims ganz entzückt, wählte eines, und der Zauberer kaufte es ohne zu
+handeln.
+
+Als Alaeddin sich von Kopf bis zu Fuß so prachtvoll gekleidet sah,
+dankte er seinem Oheim, und der Zauberer versprach ihm, ihn auch ferner
+nicht zu verlassen, sondern stets bei sich zu behalten. Wirklich führte
+er ihn in die besuchtesten Gegenden der Stadt, wo die Läden der
+reichsten Kaufleute standen, und in der Straße, wo die Läden mit den
+schönsten Stoffen und der feinsten Leinwand sich befanden, sagte er zu
+Alaeddin: »Da du bald auch ein solcher Kaufmann sein wirst, wie diese
+hier, so ist es gut, wenn du sie besuchst, damit sie dich kennen
+lernen.« Er zeigte ihm auch die schönsten und größten Moscheen, und
+führte ihn in den Chan, wo die fremden Kaufleute wohnten, und an alle
+diejenigen Orte im Palaste des Sultans, zu denen man freien Zutritt
+hatte. Endlich, nachdem sie die schönsten Gegenden der Stadt miteinander
+durchstreift hatten, kamen sie in den Chan, wo der Zauberer wohnte. Es
+waren dort einige Kaufleute, deren Bekanntschaft er seit seiner Ankunft
+gemacht, und die er ausdrücklich eingeladen hatte, um sie gut zu
+bewirten und ihnen seinen angeblichen Neffen vorzustellen.
+
+Das Gastmahl endigte erst am späten Abend. Alaeddin wollte sich von
+seinem Oheim verabschieden, um nach Hause zurückzukehren; aber der
+afrikanische Zauberer wollte ihn nicht allein gehen lassen und geleitete
+ihn selbst zu seiner Mutter zurück. Als diese ihren Sohn in so schönen
+Kleidern erblickte, war sie außer sich vor Freude und wollte nicht
+aufhören, Segnungen über das Haupt des Zauberers herabzurufen, der für
+ihren Sohn so viel Geld ausgegeben. »Großmütiger Schwager,« sagte sie zu
+ihm, »ich weiß nicht, wie ich dir für deine Freigebigkeit danken soll;
+aber das weiß ich, daß mein Sohn die Wohltaten, die du ihm erweisest,
+nicht verdient. Ich für meine Person,« fügte sie hinzu, »danke dir von
+ganzem Herzen und wünsche dir ein recht langes Leben, um Zeuge von der
+Dankbarkeit meines Sohnes zu sein, der sie nicht besser an den Tag legen
+kann, als wenn er sich von deinen guten Ratschlägen leiten läßt.«
+
+»Alaeddin ist ein guter Junge,« erwiderte der afrikanische Zauberer; »er
+hört auf mich und ich glaube, wir können etwas Tüchtiges aus ihm machen.
+Es tut mir nur leid, daß ich mein Versprechen nicht schon morgen halten
+kann. Es ist nämlich Freitag, wo alle Läden verschlossen sind, und man
+gar nicht daran denken kann, einen zu mieten und mit Waren zu versehen;
+denn die Kaufleute sinnen an diesem Tage nur auf Vergnügungen aller Art.
+Somit werden wir die Sache auf Samstag verschieben müssen. Übrigens
+werde ich ihn morgen wieder mitnehmen und in die Gärten spazieren
+führen, wo sich die schöne Welt gewöhnlich einfindet. Er hat vielleicht
+noch keinen Begriff von den Vergnügungen, die man dort genießt; bisher
+war er immer nur mit Kindern beisammen, jetzt muß er auch erwachsene
+Menschen sehen.« Der afrikanische Zauberer verabschiedete sich endlich
+von Mutter und Sohn und ging. Alaeddin freute sich im voraus sehr auf
+den Spaziergang. In der Tat war er noch nie vor die Tore gekommen und
+hatte noch nie die Umgebung gesehen, die schön und anmutig war.
+
+Am andern Morgen stand Alaeddin in aller Frühe auf. Der afrikanische
+Zauberer bewillkommte ihn aufs freundlichste. »Wohlan, mein lieber
+Junge,« sagte er mit lächelnder Miene zu ihm, »heute werde ich dir
+schöne Sachen zeigen.« Er führte ihn zu einem Tore hinaus, an großen und
+schönen Häusern, an prächtigen Palästen vorüber, von denen jeder einen
+sehr schönen Garten hatte. Bei jedem Palaste, an dem sie vorbeikamen,
+fragte er Alaeddin, ob er ihm gefiele, und Alaeddin, der ihm gewöhnlich
+zuvorkam, sagte, sobald er wieder einen andern sah: »Ach! lieber Oheim,
+dieser ist noch viel schöner als alle bisherigen.« Indes gingen sie
+immer weiter, und der listige Zauberer, der dies nur tat, um den Plan,
+den er im Kopfe hatte, ausführen zu können, nahm Gelegenheit, in einen
+dieser Gärten zu treten. Er setzte sich neben ein großes Becken, in das
+durch einen bronzenen Löwenrachen kristallhelles Wasser sprudelte, und
+er stellte sich ermüdet, damit Alaeddin ebenfalls ausruhen sollte.
+»Lieber Neffe,« sagte er zu ihm, »du wirst ebenso müde sein, wie ich;
+laß uns hier ein wenig ausruhen, um neue Kräfte zu sammeln.«
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Als sie sich gesetzt hatten, zog der afrikanische Zauberer Kuchen und
+Früchte hervor, die er als Mundvorrat mitgenommen hatte, und breitete
+sie auf dem Rande des Beckens aus. Er teilte einen Kuchen mit Alaeddin
+und ließ ihn Früchte wählen. Während dieses kleinen Mahles ermahnte er
+seinen angeblichen Neffen, sich von dem Umgange mit Kindern loszumachen,
+dagegen sich an kluge und verständige Männer anzuschließen, dieselben
+anzuhören und von ihren Unterhaltungen Nutzen zu ziehen. »Bald,« sagte
+er, »wirst du ein Mann sein, wie sie, und du kannst dich nicht früh
+genug daran gewöhnen, nach ihrem Beispiele verständige Reden zu führen.«
+Als sie die kleine Mahlzeit vollendet hatten, setzten sie ihren
+Spaziergang durch die Gärten fort, die bloß durch schmale Gräben
+getrennt waren. Unvermerkt führte der afrikanische Zauberer Alaeddin
+ziemlich weit über die Gärten hinaus und durchwandelte mit ihm die
+Ebene, die ihn allmählich in die Nähe der Berge leitete.
+
+Alaeddin, der in seinem Leben nie einen so weiten Weg gemacht hatte,
+fühlte sich durch diesen Marsch sehr ermüdet und sagte: »Wohin gehen wir
+denn, lieber Oheim? Wir haben die Gärten schon weit hinter uns und ich
+sehe nichts mehr als Berge. Wenn wir noch länger so fortgehen, so weiß
+ich nicht, ob ich noch Kräfte genug haben werde, um in die Stadt
+zurückzukehren.« – »Nur den Mut nicht verloren,« antwortete der falsche
+Oheim; »ich will dir noch einen andern Garten zeigen, der alle, die du
+bis jetzt gesehen hast, weit übertrifft; er ist nur ein paar Schritte
+von da, und wenn wir einmal dort sind, so wirst du selbst sagen, daß es
+dir sehr leid gewesen wäre, wenn du ihn nicht gesehen hättest.« Alaeddin
+ließ sich überreden, und der Zauberer führte ihn noch sehr weit, indem
+er ihn mit verschiedenen anmutigen Geschichten unterhielt, um ihm den
+Weg weniger langweilig und die Ermüdung erträglicher zu machen.
+
+Endlich gelangten sie zwischen zwei Berge von mittelmäßiger Höhe, die
+sich ziemlich gleich und nur durch ein schmales Tal getrennt waren. Dies
+war die merkwürdige Stelle, wohin der afrikanische Zauberer Alaeddin
+hatte bringen wollen, um einen großen Plan mit ihm auszuführen, weshalb
+er von dem äußersten Ende Afrikas bis nach China gereist war. »Wir sind
+jetzt an Ort und Stelle,« sagte er zu Alaeddin; »ich werde dir hier
+außerordentliche Dinge zeigen, die allen übrigen Sterblichen unbekannt
+sind. Während ich jetzt mit dem Stahl Feuer schlage, häufe du hier
+trockenes Reisig zusammen, damit wir ein Feuer anmachen.«
+
+Als das Reisig aufloderte, warf der afrikanische Zauberer Räucherwerk
+hinein. Dicker Rauch stieg empor, den er bald auf diese, bald auf jene
+Seite wendete, indem er allerlei Zauberworte sprach, von denen Alaeddin
+nichts verstand.
+
+In diesem Augenblick erbebte die Erde ein wenig, öffnete sich vor dem
+Zauberer und Alaeddin, und ließ einen Stein hervorscheinen, mit einem in
+der Mitte versiegelten bronzenen Ringe, um ihn daran heraufzuheben.
+Alaeddin erschrak und wollte die Flucht ergreifen. Allein er war zu
+dieser geheimnisvollen Handlung notwendig, darum hielt ihn der Zauberer
+zurück, zankte ihn tüchtig aus und gab ihm eine so derbe Ohrfeige, daß
+er zu Boden fiel. Zitternd rief er: »Mein Oheim, was habe ich denn
+getan, daß du mich so grausam schlägst?« »Ich bin dein Oheim, der jetzt
+Vaterstelle an dir vertritt, und du darfst mir in nichts widersprechen.
+Aber,« sagte der Zauberer, »fürchte dich nicht, mein Sohn; ich verlange
+nur, daß du mir gehorchst, wofern du dich der großen Vorteile, die ich
+dir zudenke, würdig machen und sie nutzen willst.« Diese schönen
+Versprechungen des Zauberers beruhigten den ängstlichen und erzürnten
+Alaeddin ein wenig. »Du hast gesehen,« fuhr der Zauberer fort, »was ich
+durch die Kraft meines Rauchwerks und die Worte, die ich sprach, bewirkt
+habe. Vernimm jetzt, daß unter diesem Steine ein Schatz verborgen liegt,
+der für dich bestimmt ist und dich dereinst reicher machen wird, als die
+größten Könige der Welt. Dies ist so gewiß wahr, daß keinem Menschen auf
+der ganzen Welt außer dir erlaubt ist, diesen Stein anzurühren oder
+wegzuheben, um hinein zu gelangen. Ja ich selbst darf ihn nicht berühren
+oder auch nur einen Fuß in dieses Schatzgewölbe setzen, wenn es geöffnet
+sein wird. Deshalb mußt du genau ausführen, was ich dir sage.«
+
+Alaeddin, immer noch voll Verwunderung, vergaß alles, was vorgefallen
+war. »Nun gut, lieber Oheim,« sagte er, »was soll ich tun? Befiehl nur,
+ich bin bereit zu gehorchen.« – »Komm her,« sagte der afrikanische
+Zauberer, »fasse diesen Ring an und hebe den Stein in die Höhe.« – »Aber
+Oheim,« erwiderte Alaeddin, »ich bin zu schwach, um ihn zu heben: du
+mußt mir helfen.« – »Nein,« versetzte der afrikanische Zauberer, »du
+bedarfst meiner Hilfe nicht; du mußt ihn allein aufheben. Sprich nur den
+Namen deines Vaters und deines Großvaters, wenn du den Ring in die Hand
+nimmst.« Alaeddin tat, wie der Zauberer gesagt hatte, hob den Stein mit
+Leichtigkeit auf und legte ihn beiseite.
+
+Als der Stein weggenommen war, sah er eine drei bis vier Fuß tiefe Höhle
+mit einer kleinen Türe und Stufen. »Mein Sohn,« sprach jetzt der
+Zauberer, »habe genau acht auf das, was ich dir nunmehr sagen werde.
+Steig in diese Höhle hinab und wenn du auf der letzten Stufe bist, so
+wirst du eine offene Türe finden, die dich in einen großen gewölbten Ort
+führen wird, welcher in drei große aneinander stoßende Säle abgeteilt
+ist. In jedem derselben wirst du rechts und links vier bronzene Vasen
+voll Gold und Silber stehen sehen; aber hüte dich wohl, sie anzurühren.
+Ehe du in den ersten Saal trittst, hebe dein Kleid in die Höhe und
+schließe es eng um den Leib. Wenn du drinnen bist, so gehe, ohne dich
+aufzuhalten, nach dem zweiten und von da in den dritten. Vor allen
+Dingen hüte dich wohl, den Wänden zu nahe zu kommen oder sie auch nur
+mit dem Kleide zu berühren; denn im Fall du sie berührtest, würdest du
+auf der Stelle sterben. Am Ende des dritten Saales ist eine Türe, die
+dich in einen mit schönen und reich beladenen Obstbäumen bepflanzten
+Garten führen wird. Gehe nur immer geradeaus, und quer durch den Garten
+wird dich ein Weg zu einer Treppe von fünfzig Stufen führen, auf denen
+du zu einer Terrasse emporsteigen kannst. Sobald du oben auf der
+Terrasse bist, wirst du eine Nische vor dir sehen, und in der Nische
+eine brennende Lampe. Diese Lampe nimm, lösche sie aus, wirf den Docht
+samt der brennbaren Flüssigkeit auf den Boden, stecke sie dann vorn in
+den Busen und bringe sie mir. Gelüstet es dich nach den Früchten des
+Gartens, so kannst du davon pflücken, so viel du willst; dies ist dir
+nicht verboten.«
+
+So sprechend, zog der afrikanische Zauberer einen Ring von seinem Finger
+und steckte ihn an einen Finger Alaeddins. Dies, sagte er zu ihm, sei
+ein Verwahrungsmittel gegen alles Unglück, das ihm begegnen könnte,
+wofern er nur seine Vorschriften genau befolgte. »So gehe denn, mein
+Sohn,« fügte er hinzu, »steige dreist hinab; dann haben wir beide für
+unser ganzes Leben Geld in Menge.«
+
+Alaeddin hüpfte leichtfüßig in die Höhle hinein und stieg die Stufen
+hinab. Er fand die drei Säle, die ihm der afrikanische Zauberer
+beschrieben hatte. Ohne zu verweilen ging er durch den Garten, stieg die
+Terrasse hinan, nahm die brennende Lampe aus der Nische, warf den Docht
+und die Flüssigkeit zu Boden, steckte sie in seinen Busen und ging die
+Terrasse wieder hinab. Im Garten verweilte er beim Anschauen der
+Früchte. Da gab es weiße, hellleuchtende und wie Kristall durchsichtige;
+rote, teils dunkel, teils hell; grüne, blaue, violette, gelbliche, und
+so von allen möglichen Farben. Die weißen waren Perlen, die
+hellleuchtenden und durchsichtigen Diamanten, die dunkelroten Rubine,
+die hellroten Ballaßrubine, die grünen Smaragde, die blauen Türkise, die
+violetten Amethyste, die gelblichen Saphire. Und diese Früchte waren
+alle so groß und vollkommen, daß man auf der ganzen Welt nichts
+Ähnliches gesehen hat. Alaeddin, der ihren Wert nicht kannte, wurde vom
+Anblick dieser Früchte, die nicht nach seinem Geschmack waren, schlecht
+erbaut; Feigen, Trauben und andere edle Obstarten, die in China
+gewöhnlich sind, wären ihm lieber gewesen. Er war noch nicht in jenem
+Alter, wo man sich auf dergleichen versteht, und so bildete er sich ein,
+diese Früchte seien bloß gefärbtes Glas und hätten keinen andern Wert.
+Gleichwohl machte ihm die Mannigfaltigkeit der schönen Farben und die
+außerordentliche Größe und Schönheit der Früchte Lust, von jeglicher
+Sorte einige zu pflücken. Er nahm daher von jeder Farbe etliche, füllte
+damit seine beiden Taschen und zwei ganz neue Beutel, die der Zauberer
+ihm zugleich mit dem Kleide gekauft hatte; und da die beiden Beutel in
+seinen Taschen, die schon ganz voll waren, keinen Platz mehr hatten, so
+band er sie auf jeder Seite an seinen Gürtel. Einige von den Früchten
+hüllte er auch in die Falten seines Gürtels, der von dickem Seidenstoff
+und doppelt gefüttert war, und befestigte sie so, daß sie nicht
+herabfallen konnten; auch vergaß er nicht, etliche in den Busen zwischen
+Kleid und Hemd zu stecken.
+
+Nachdem er sich so, ohne es zu wissen, mit Reichtümern beladen hatte,
+trat Alaeddin schnell seinen Rückzug durch die drei Säle an; stieg da
+wieder hinauf, wo er herabgestiegen war, und zeigte sich am Eingang der
+Höhle, wo der Afrikaner ihn mit Ungeduld erwartete. Sobald ihn Alaeddin
+erblickte, rief er ihm zu: »Lieber Oheim, ich bitte dich, reich mir die
+Hand und hilf mir heraus.« – »Mein Sohn,« antwortete der afrikanische
+Zauberer, »gib mir zuvor die Lampe, sie könnte dir hinderlich sein.« –
+»Verzeih, lieber Oheim,« sagte Alaeddin, »sie hindert mich nicht; ich
+werde sie dir geben, sobald ich oben bin.« Der afrikanische Zauberer
+bestand darauf, daß Alaeddin ihm die Lampe einhändigen sollte, ehe er
+ihn aus der Höhle herauszöge, und Alaeddin, der die Lampe mit all den
+Früchten, die er zu sich gesteckt, verpackt hatte, weigerte sich
+durchaus, sie ihm zu geben, bevor er aus der Höhle wäre. Da geriet der
+afrikanische Zauberer vor Ärger über die Widerspenstigkeit des jungen
+Menschen in schreckliche Wut, warf etwas von seinem Rauchwerk in das
+Feuer, das er sorgfältig unterhalten hatte, und kaum hatte er zwei
+Zauberworte gesprochen, als der Stein, welcher als Deckel zur
+Eingangsöffnung der Höhle diente, sich von selbst wieder, nebst der Erde
+darüber, an seine Stelle rückte, so daß alles wieder in denselben Stand
+kam, wie vor der Ankunft des arabischen Zauberers und Alaeddins.
+
+Der afrikanische Zauberer war in der Tat kein Bruder des Schneiders
+Mustafa, wofür er sich ausgegeben hatte, und somit auch nicht Alaeddins
+Oheim. Er war wirklich aus Afrika gebürtig, und nachdem er sich etwa
+vierzig Jahre lang mit Zaubereien, mit der Punktierkunst, mit
+Räucheropfern und der Lektüre von Zauberbüchern beschäftigt hatte, war
+er endlich auf die Entdeckung gekommen, daß es eine Wunderlampe in der
+Welt gebe, deren Besitz ihn mächtiger als alle Könige der Erde machen
+würde. Aber obschon die Lampe sich ganz gewiß an dem bewußten Orte
+befand, so war es ihm doch nicht gestattet, sie selbst zu holen oder
+persönlich in das unterirdische Gewölbe einzutreten. Es mußte ein
+anderer hinabsteigen und sie ihm einhändigen. Deshalb hatte er sich an
+Alaeddin gewandt, den er für einen gefügigen jungen Burschen und für
+sehr geeignet hielt, ihm den Dienst zu leisten; dabei war er fest
+entschlossen, sobald er die Lampe in Händen haben würde, die letzte
+schon erwähnte Räucherung zu tun, die Zauberworte auszusprechen, und so
+den armen Alaeddin seinem Geize und seiner Bosheit aufzuopfern, um an
+ihm keinen Zeugen zu haben.
+
+Als der afrikanische Zauberer seine großen und schönen Hoffnungen auf
+immer gescheitert sah, blieb ihm nichts anderes übrig, als nach Afrika
+zurückzukehren.
+
+Allem Anscheine nach war Alaeddin verloren. Aber derselbe, der ihn auf
+immer zu verderben glaubte, hatte nicht bedacht, daß er ihm einen Ring
+an den Finger gesteckt hatte, der zu seiner Rettung dienen konnte.
+Wirklich wurde Alaeddin durch diesen Ring, dessen Kräfte er nicht
+kannte, gerettet.
+
+Alaeddin, der nach so vielen Liebkosungen und Geschenken auf diese
+Bosheit seines angeblichen Oheims keineswegs gefaßt war, befand sich in
+einer Bestürzung, die sich nicht beschreiben läßt. Als er sich so
+lebendig begraben sah, rief er tausendmal seinen Oheim und erklärte, daß
+er ihm die Lampe ja gerne geben wolle; allein sein Rufen war vergeblich.
+Endlich stieg er wieder die Treppe der Höhle hinab, um in den Garten und
+ins helle Tageslicht zu gelangen. Aber die Mauer, die sich ihm durch
+Zauber geöffnet, hatte sich indes durch einen neuen Zauber wieder
+geschlossen. Er tappte vorwärts, ohne eine Türe zu finden. Nun fing er
+aufs neue an zu schreien und zu weinen, und setzte sich endlich auf die
+Stufen der Höhle, ohne Hoffnung, jemals das Tageslicht wieder zu sehen,
+sondern mit der traurigen Gewißheit, aus dieser Finsternis in jene eines
+nahen Todes versetzt zu werden.
+
+Zwei Tage blieb Alaeddin in diesem Zustande, ohne zu essen und zu
+trinken. Endlich am dritten, da er seinen Tod als unvermeidlich
+betrachtete, hob er die gefalteten Hände empor und rief mit völliger
+Ergebung in den Willen Gottes aus: »Es gibt keine Kraft und keine Macht,
+als bei Gott, dem Allerhöchsten und Größten!« Während er so die Hände
+gefaltet hatte, rieb er, ohne daran zu denken, an dem Ring, den ihm der
+Zauberer an den Finger gesteckt hatte, und dessen Kraft er noch nicht
+kannte. Alsbald stieg vor ihm ein Geist von ungeheurer Größe und
+fürchterlichem Ansehen, der mit seinem Kopf das oberste Gewölbe
+berührte, wie aus der Erde hervor und sprach folgende Worte zu
+Alaeddin: »Was willst du? Ich bin bereit, dir zu gehorchen als dein
+Sklave und als Sklave aller derer, die den Ring am Finger haben, sowohl
+ich, als die andern Sklaven des Rings.«
+
+Zu jeder andern Zeit und bei jeder andern Gelegenheit wäre Alaeddin, der
+an solche Erscheinungen nicht gewöhnt war, bei dem Anblick einer so
+außerordentlichen Gestalt von Schrecken ergriffen worden. Jetzt aber, da
+er einzig und allein mit der Gefahr beschäftigt war, in der er schwebte,
+antwortete er ohne Stocken: »Wer du auch sein magst, hilf mir aus diesem
+Orte, wofern es in deiner Macht steht.« Kaum hatte er diese Worte
+gesprochen, als die Erde sich öffnete und er sich außerhalb der Höhle
+befand, an der Stelle, wohin ihn der Zauberer geführt hatte.
+
+Erst nach und nach gewöhnte er sich an das Tageslicht, und als er um
+sich blickte, war er sehr überrascht, keine Öffnung in der Erde zu
+sehen; es war ihm unbegreiflich, auf welche Art er so auf einmal aus
+ihrem Schoße hervorgekommen war. Nur an dem Flecke, wo das Reisig
+verbrannt worden war, erkannte er die Stelle wieder, unter der sich die
+Höhle befand. Als er sich hierauf gegen die Stadt hinwandte, erblickte
+er sie inmitten der Gärten und erkannte auch den Weg. Diesen wandelte er
+zurück und dankte Gott, daß er sich noch einmal auf der Welt sah,
+nachdem er bereits die Hoffnung aufgegeben hatte, wieder dahin
+zurückzukommen. So gelangte er zur Stadt und schleppte sich mit vieler
+Mühe bis in seine Wohnung. Als er ins Zimmer seiner Mutter trat, fiel er
+aus Freude über das Wiedersehen, verbunden mit der von dreitägigem
+Fasten herrührenden Schwäche, in eine Ohnmacht, die einige Zeit dauerte.
+Seine Mutter, die ihn bereits als verloren oder als tot beweint hatte,
+ließ es jetzt an keiner Pflege und an keinem Mittel fehlen, ihn wieder
+zum Leben zu bringen. Endlich erholte er sich und seine ersten Worte
+waren: »Liebe Mutter, vor allen Dingen bitte ich dich, gib mir zu essen;
+ich habe seit drei Tagen nichts über den Mund gebracht.« Seine Mutter
+brachte ihm, was sie gerade hatte, setzte es ihm vor und sagte: »Lieber
+Sohn, übereile dich ja nicht, denn es könnte dir schaden; iß ganz
+langsam und nach deiner Bequemlichkeit, und nimm dich wohl in acht, so
+heißhungrig du auch bist. Ich wünsche nicht einmal, daß du mit mir
+sprechen sollst. Du hast immer noch Zeit, mir deine Schicksale zu
+erzählen, wenn du wieder hergestellt bist. Nach der großen Betrübnis bin
+ich getröstet, daß ich dich nur wiedersehe.«
+
+Alaeddin folgte dem Rat seiner Mutter, aß langsam und ruhig, und trank
+ebenso. Als er fertig war fing er an, seiner Mutter zu erzählen, was ihm
+seit Freitag geschehen war, erzählte ausführlich, was er auf seinem
+Hin- und Rückwege in den drei großen Sälen, im Garten und auf der
+Terrasse gesehen, und wie er dort die Wunderlampe geholt habe. Zugleich
+zog er sie aus seinem Busen und zeigte sie seiner Mutter samt den
+durchsichtigen und buntfarbigen Früchten. Auch gab er ihr die zwei
+vollen Beutel, aus denen sie sich aber wenig machte. Gleichwohl waren
+diese Früchte Edelsteine, deren sonnenheller Glanz beim Schein der
+Lampe, welche das Zimmer erhellte, auf ihren großen Wert hätte
+aufmerksam machen sollen; allein Alaeddins Mutter verstand sich auf
+dergleichen Sachen ebensowenig wie ihr Sohn; weshalb Alaeddin sie hinter
+eines der Polster des Sofas schob, auf dem er saß.
+
+Alaeddins Mutter hatte die Geduld, diese wunderbare und seltsame,
+zugleich aber für eine Mutter, die ihren Sohn trotz seiner Fehler
+zärtlich liebte, so schmerzliche Geschichte ohne Unterbrechung
+anzuhören. Nur bei den rührendsten Stellen, wo die Schändlichkeit des
+afrikanischen Zauberers recht ans Tageslicht kam, konnte sie ihren
+Abscheu nicht verbergen. Jetzt aber, da Alaeddin geendet hatte, ließ sie
+sich in tausend Schmähworte gegen den Betrüger aus; sie nannte ihn einen
+Verräter, einen Schurken, einen Unmenschen, einen Meuchelmörder, Lügner,
+Zauberer, einen Feind und Verderber des menschlichen Geschlechts. »Ja,
+mein Sohn,« fügte sie hinzu, »er ist ein Zauberer, und die Zauberer sind
+eine wahre Pest der Menschheit; sie haben vermöge ihrer Zaubereien und
+Hexereien Verkehr mit den bösen Geistern. Gott sei gelobt, der verhütet
+hat, daß seine entsetzliche Bosheit ihren Zweck an dir erreichte. Du
+bist ihm für die Gnade, die er an dir getan hat, großen Dank schuldig;
+dein Tod wäre unvermeidlich gewesen, wenn du dich nicht seiner erinnert
+und ihn um Hilfe angefleht hättest.«
+
+Alaeddin schlief die ganze Nacht fest und erwachte am andern Morgen
+erst sehr spät. Er stand auf, und das erste, was er zu seiner Mutter
+sagte, war, daß er Hunger habe, und sie ihm kein größeres Vergnügen
+machen könnte, als wenn sie ihm ein Frühstück gäbe. »Ach, lieber Sohn,«
+antwortete sie, »ich habe auch nicht einen einzigen Bissen Brot; du hast
+gestern abend den wenigen Vorrat, der noch zu Hause war, aufgegessen.
+Aber gedulde dich einen Augenblick, so werde ich dir bald etwas bringen.
+Ich habe etwas Baumwolle gesponnen, die will ich verkaufen, um Brot und
+einiges zum Mittagessen anzuschaffen.« – »Liebe Mutter,« erwiderte
+Alaeddin, »hebe deine Baumwolle für ein anderes Mal auf und gib mir die
+Lampe, die ich gestern mitbrachte. Ich will sie verkaufen, und
+vielleicht löse ich so viel daraus, daß wir Frühstück und Mittagessen,
+und am Ende gar noch etwas für den Abend bestreiten können.«
+
+Alaeddins Mutter holte die Lampe und sagte zu ihrem Sohne: »Da hast du
+sie, sie ist aber sehr schmutzig. Ich will sie ein wenig putzen, dann
+wird sie schon etwas mehr gelten.« Sie nahm Wasser und feinen Sand, um
+sie blank zu machen, aber kaum hatte sie angefangen, die Lampe zu
+reiben, als augenblicklich in Gegenwart ihres Sohnes ein scheußlicher
+Geist von riesenhafter Gestalt vor ihr aufstand und mit einer
+Donnerstimme zu ihr sprach: »Was willst du? Ich bin bereit, dir zu
+gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer, die die Lampe in
+der Hand haben, sowohl ich, als die andern Sklaven der Lampe.«
+
+Alaeddins Mutter war nicht imstande zu antworten. Ihr Auge vermochte die
+abscheuliche und schreckliche Gestalt des Geistes nicht zu ertragen, und
+sie war gleich bei seinen ersten Worten vor Angst in Ohnmacht gefallen.
+
+Alaeddin dagegen ergriff schnell die Lampe und antwortete statt seiner
+Mutter mit festem Tone: »Ich habe Hunger, bring mir etwas zu essen.« Der
+Geist verschwand und kam im Augenblick wieder mit einem großen silbernen
+Becken auf dem Kopfe, worin sich zwölf verdeckte Schüsseln von demselben
+Metall voll der besten Speisen nebst sechs Broten vom weißesten Mehl
+befanden, und zwei Flaschen des köstlichsten Weines, nebst zwei
+silbernen Schalen in der Hand. Er stellte alles zusammen auf den Sofa
+und verschwand sogleich.
+
+Alaeddins Mutter kam wieder zu sich. »Liebe Mutter,« sagte Alaeddin zu
+ihr, »steh auf und iß: hier sind Sachen genug, um dein Herz zu stärken
+und zugleich meinen großen Hunger zu befriedigen. Wir wollen diese guten
+Speisen nicht kalt werden lassen, sondern essen.«
+
+Die Mutter war erstaunt, als sie das große Becken, die zwölf Schüsseln,
+die sechs Brote, die zwei Flaschen nebst den zwei Schalen erblickte und
+den köstlichen Duft einatmete, der aus all den Platten emporstieg. »Mein
+Sohn,« sagte sie zu Alaeddin, »woher kommt uns dieser Überfluß und wem
+haben wir für solch reiches Geschenk zu danken? Sollte vielleicht der
+Sultan von unserer Armut gehört und sich unser erbarmt haben?« – »Liebe
+Mutter,« antwortete Alaeddin, »wir wollen uns jetzt zu Tische setzen und
+essen; deine Frage werde ich beantworten, wenn wir gefrühstückt haben.«
+Sie setzten sich zu Tische und speisten mit um so größerem Appetit, als
+beide, Mutter und Sohn, sich nie an einer so wohlbesetzten Tafel
+befunden hatten.
+
+Alaeddin und seine Mutter, die nur ein einfaches Frühstück einzunehmen
+gedacht hatten, befanden sich um die Stunde des Mittagessens noch bei
+Tisch.
+
+Als Alaeddins Mutter abgetragen und das Fleisch, welches unberührt
+geblieben war, aufgehoben hatte, setzte sie sich zu ihrem Sohne und
+sagte: »Alaeddin, ich erwarte jetzt von dir, daß du meine Neugierde
+befriedigst und mir die versprochene Auskunft erteilst.« Alaeddin
+erzählte ihr alles, was während ihrer Ohnmacht zwischen dem Geist und
+ihm vorgegangen war.
+
+Alaeddins Mutter geriet in große Verwunderung über die Erzählung ihres
+Sohnes und die Erscheinung des Geistes. »Aber, mein Sohn,« fragte sie,
+»so lange ich auf der Welt bin, habe ich nie sagen gehört, daß jemand
+von allen meinen Bekannten einen Geist gesehen hätte. Durch welchen
+Zufall ist dieser garstige Geist zu mir gekommen? Warum hat er sich an
+mich gewendet und nicht an dich, da er dir doch schon in der Schatzhöhle
+einmal erschienen war?«
+
+»Liebe Mutter,« erwiderte Alaeddin, »der Geist, welcher dir erschienen,
+ist nicht derselbe, der mir erschien. Sie haben zwar einige Ähnlichkeit
+in Beziehung auf ihre Riesengröße, aber an Gesichtsbildung und Kleidung
+sind sie gänzlich voneinander verschieden und gehören auch verschiedenen
+Herren an. Du wirst dich noch erinnern, daß derjenige, den ich sah,
+sich einen Sklaven des Rings nannte, den ich am Finger habe, während der
+soeben erschienene sagte, er sei Sklave der Lampe, die du in der Hand
+hattest.«
+
+»Wie!« rief Alaeddins Mutter, »also deine Lampe ist schuld, daß dieser
+verwünschte Geist sich an mich gewendet hat, statt an dich? Ach, lieber
+Sohn, schaffe sie mir sogleich aus den Augen und hebe sie auf, wo du
+willst, ich mag sie nicht mehr anrühren. Eher lasse ich sie wegwerfen
+oder verkaufen, als daß ich Gefahr laufe, bei Berührung derselben vor
+Angst zu sterben. Folge mir und tue auch den Ring ab. Man muß keinen
+Verkehr mit Geistern haben: es sind Teufel und unser Prophet hat es
+gesagt.«
+
+»Mit deiner Erlaubnis, liebe Mutter,« antwortete Alaeddin, »werde ich
+mich jetzt wohl hüten, eine Lampe, die uns beiden so nützlich werden
+kann, zu verkaufen. Siehst du denn nicht, was sie uns erst vor einigen
+Augenblicken verschafft hat? Sie soll uns jetzt Nahrung und
+Lebensunterhalt besorgen. Du kannst dir denken, daß mein garstiger
+falscher Oheim sich nicht ohne Grund so viele Mühe gegeben und eine so
+weite und beschwerliche Reise unternommen hat, da er nach dem Besitz
+dieser Wunderlampe trachtete, die er allem Gold und Silber, das er in
+den Sälen wußte, und das ich, wie er es mir beschrieben, mit meinen
+eigenen Augen sah, vorgezogen hatte. Er kannte den Wert und die
+herrlichen Eigenschaften dieser Lampe zu gut, um sich von dem übrigen
+reichen Schatze noch etwas zu wünschen. Da nun der Zufall uns ihre
+geheime Kraft entdeckt hat, so wollen wir den möglichst vorteilhaften
+Gebrauch davon machen, aber ohne Aufsehen zu erregen, damit unsere
+Nachbarn nicht neidisch und eifersüchtig werden. Ich will sie dir
+übrigens gern aus den Augen schaffen und an einem Orte aufheben, wo ich
+sie finden kann, wann ich sie brauche, da du so große Angst vor den
+Geistern hast. Auch den Ring wegzuwerfen, kann ich mich unmöglich
+entschließen. Ohne diesen Ring hättest du mich nie wieder gesehen, und
+ohne ihn würde ich jetzt entweder nicht mehr, oder höchstens noch auf
+einige Augenblicke leben. Du wirst mir daher erlauben, daß ich ihn
+behalte und immer mit großer Behutsamkeit am Finger trage. Wer weiß, ob
+mir nicht irgend einmal eine andere Gefahr zustößt, die wir beide nicht
+voraussehen können, und aus der er mich vielleicht befreit?« Da
+Alaeddins Bemerkung sehr richtig schien, so wußte seine Mutter nichts
+mehr einzuwenden. »Lieber Sohn,« sagte sie zu ihm, »du kannst handeln,
+wie du es für gut hältst; ich für meinen Teil mag mit Geistern nichts zu
+tun haben.«
+
+Am andern Tag nach dem Abendessen war von den herrlichen Speisen, die
+der Geist gebracht hatte, nichts mehr übrig; Alaeddin, der nicht so
+lange warten wollte, bis der Hunger ihn drängte, nahm daher am dritten
+Morgen eine der silbernen Schüsseln unter seine Kleider und ging aus, um
+sie zu verkaufen. Er wandte sich an einen Juden, der ihm begegnete, nahm
+ihn beiseite, zeigte ihm die Schüssel und fragte, ob er wohl Lust dazu
+hätte.
+
+Der Jude, ein schlauer und verschmitzter Bursche, nahm die Schüssel,
+untersuchte sie, und da er erkannte, daß sie von echtem Silber war,
+fragte er Alaeddin, was er dafür verlange. Alaeddin, der ihren Wert
+nicht verstand und nie mit solchen Waren Handel getrieben hatte, sagte
+ihm nur, er werde wohl am besten wissen, was die Schüssel wert sei, und
+er verlasse sich hierin ganz auf seine Ehrlichkeit. Der Jude geriet
+wirklich in Verlegenheit über die Offenherzigkeit Alaeddins. Da er nicht
+wußte, ob Alaeddin den Wert seiner Ware wirklich kannte oder nicht, zog
+er ein Goldstück aus seinem Beutel, das höchstens den zweiundsiebenzigsten
+Teil vom wahren Wert der Schüssel betrug, und bot es ihm an. Alaeddin
+nahm das Goldstück mit großer Freudigkeit, und sobald er es in der Hand
+hatte, lief er so schnell davon, daß der Jude, mit seinem ungeheuren
+Gewinn bei diesem Kaufe nicht zufrieden, sich sehr darüber ärgerte,
+Alaeddins gänzliche Unwissenheit über den Wert der Schüssel nicht besser
+erraten und ihm noch weit weniger geboten zu haben. Er geriet in
+Versuchung, dem jungen Menschen nachzulaufen, ob er nicht etwas von
+seinem Goldstück herausbekommen könnte; allein Alaeddin war schon so
+weit entfernt, daß er ihn schwerlich eingeholt hätte.
+
+Auf dem Heimwege blieb Alaeddin bei einem Bäckerladen stehen, kaufte
+einen Vorrat Brot und bezahlte ihn mit dem Goldstück, das der Bäcker ihm
+wechselte. Als er nach Hause kam, gab er das übrige Geld seiner Mutter,
+die auf den Markt ging, um für sie beide die nötigen Lebensmittel auf
+einige Tage einzukaufen.
+
+So lebten sie eine Zeitlang fort; Alaeddin verkaufte alle zwölf
+Schüsseln, eine nach der andern, sowie das Geld im Hause ausgegangen
+war, an den Juden. Der Jude, der für die erste ein Goldstück gegeben
+hatte, wagte es nicht, für die übrigen weniger zu bieten, und bezahlte
+alle mit derselben Münze, um einen so guten Handel nicht auszulassen.
+Als das Geld von der letzten Schüssel ausgegeben war, nahm Alaeddin
+seine Zuflucht zu dem Becken, das allein zehnmal mehr wog, als jede
+Schüssel. Er wollte es einem gewöhnlichen Kaufmann bringen, allein es
+war ihm zu schwer. Somit mußte er den Juden aufsuchen und ihn in sein
+Haus führen; dieser prüfte das Gewicht des Beckens und zahlte ihm auf
+der Stelle zehn Goldstücke aus, womit Alaeddin zufrieden war.
+
+So lange die Goldstücke dauerten, wurden sie für die täglichen Ausgaben
+der Hauswirtschaft verwendet. Alaeddin hatte indes, obschon er ans
+Müßiggehen gewöhnt war, seit seinem Abenteuer mit dem afrikanischen
+Zauberer nicht mehr mit den jungen Leuten seines Alters gespielt. Er
+brachte seine Tage mit Spazierengehen zu oder unterhielt sich mit
+älteren Leuten, deren Bekanntschaft er gemacht hatte. Oft blieb er auch
+bei den Läden der großen Kaufleute stehen und horchte aufmerksam auf die
+Gespräche vornehmer Männer, die sich hier aufhielten oder sich hierher
+bestellt hatten: und diese Gespräche gaben ihm allmählich einigen
+Anstrich von Weltkenntnis.
+
+Als von den zehn Goldstücken nichts mehr übrig war, nahm Alaeddin seine
+Zuflucht zur Lampe. Er nahm sie in die Hand, suchte die Stelle, welche
+seine Mutter berührt hatte, und als er sie an dem Eindruck des Sandes
+erkannte, rieb er sie ebenso, wie sie getan hatte. Sogleich erschien ihm
+wieder derselbe Geist, der sich schon einmal gezeigt hatte; da aber
+Alaeddin die Lampe sanfter gerieben hatte, als seine Mutter, so sprach
+er diesmal in einem milderen Tone dieselben Worte: »Was willst du? ich
+bin bereit, dir zu gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer,
+die die Lampe in der Hand haben, sowohl ich, als die andern Sklaven der
+Lampe.« Alaeddin antwortete ihm: »Mich hungert, bring mir zu essen.«
+Der Geist verschwand und erschien in einigen Augenblicken wieder mit
+einem ähnlichen Tafelzeug, wie das erstemal, stellte es nieder und
+verschwand wieder.
+
+Alaeddin und seine Mutter setzten sich zu Tische, und nach dem Mahle
+blieb ihnen noch so viel übrig, daß sie die beiden folgenden Tage
+behaglich davon leben konnten.
+
+Als Alaeddin sah, daß weder Brot, noch Lebensmittel, noch Geld mehr zu
+Hause war, nahm er eine silberne Schüssel und suchte den Juden, den er
+kannte, auf, um sie zu verkaufen. Auf dem Wege zu ihm kam er an dem
+Laden eines Goldschmieds vorüber, der durch sein Alter ehrwürdig und
+zugleich ein ehrlicher und rechtschaffener Mann war. Der Goldschmied
+bemerkte ihn, und rief ihm, er möchte hereintreten. »Mein Sohn,« sagte
+er zu ihm, »ich habe dich schon mehrere Male mit derselben Ware wie
+jetzt vorbeigehen, jenen Juden aufsuchen und bald darauf mit leeren
+Händen zurückkommen sehen. Dies hat mich auf den Gedanken gebracht, daß
+du das, was du trägst, jedesmal an ihn verkaufst. Aber du weißt
+vielleicht nicht, daß dieser Jude ein Betrüger, und zwar ein ärgerer
+Betrüger ist, als die andern Juden, und daß niemand, der ihn kennt, mit
+ihm zu tun haben will. Im übrigen sage ich dir dieses bloß aus
+Gefälligkeit. Wenn du mir zeigen willst, was du jetzt in der Hand hast,
+und es dir feil ist, so will ich dir den wahren Wert getreulich
+ausbezahlen, wofern ich es brauchen kann; wo nicht, so will ich dich an
+andere Kaufleute weisen, die dich nicht betrügen werden.«
+
+In der Hoffnung, noch mehr Geld für seine Schüssel zu lösen, zog
+Alaeddin sie sogleich unter seinem Kleide hervor und zeigte sie dem
+Goldschmied. Der Greis, der auf den ersten Blick erkannte, daß sie vom
+feinsten Silber war, fragte ihn, ob er wohl schon ähnliche an den Juden
+verkauft und was er von ihm dafür erhalten habe. Alaeddin gestand
+offenherzig, daß er schon zwölf solche verkauft und der Jude ihm für
+jede ein einziges Goldstück bezahlt habe. »Ha, der Spitzbube!« rief der
+Goldschmied. »Mein Sohn,« fügte er hinzu, »was geschehen ist, ist
+geschehen, und man muß nicht mehr daran denken; aber wenn ich dir jetzt
+den wahren Wert deiner Schüssel entdecke, die vom feinsten Silber ist,
+das nur irgend von uns verarbeitet wird, so wirst du einsehen, wie sehr
+der Jude dich betrogen hat.«
+
+Der Goldschmied nahm die Wage, wog die Schüssel und nachdem er Alaeddin
+auseinandergesetzt hatte, was eine Mark Silber sei, machte er ihm
+begreiflich, daß diese Schüssel ihrem Gewichte nach zweiundsiebenzig
+Goldstücke wert sei, die er ihm sogleich blank ausbezahlte. »Da hast
+du«, sagte er, »den wahren Betrag deiner Schüssel. Wenn du noch daran
+zweifelst, so kannst du dich nach Belieben an jeden andern von unsern
+Goldschmieden wenden, und wenn dir einer sagt, daß sie mehr wert sei, so
+mache ich mich anheischig, dir das Doppelte dafür zu bezahlen.«
+
+Alaeddin dankte dem Goldschmied sehr für den guten Rat. In der Folge
+verkaufte er auch die übrigen Schüsseln, sowie das Becken, an ihn und
+erhielt von allem den vollen Wert je nach dem Gewichte. Obwohl nun
+Alaeddin und seine Mutter eine unversiegbare Geldquelle an ihrer Lampe
+hatten, so lebten sie dennoch ebenso mäßig, wie zuvor, nur daß Alaeddin
+einiges auf die Seite legte, um anständig auftreten zu können und
+verschiedene Bequemlichkeiten für ihre kleine Wirtschaft anzuschaffen.
+Seine Mutter dagegen verwendete auf ihre Kleider nichts, als was ihr das
+Baumwollespinnen einbrachte. Bei dieser nüchternen Lebensweise kann man
+sich leicht denken, daß das Gold, das Alaeddin für seine zwölf Schüsseln
+und das Becken von dem Goldschmied erhalten hatte, lange ausreichte. So
+lebten sie denn mehrere Jahre lang von dem guten Gebrauch, den Alaeddin
+von Zeit zu Zeit von seiner Lampe machte.
+
+In dieser Zwischenzeit hatte Alaeddin, der es nicht unterließ, sich sehr
+fleißig bei den Zusammenkünften angesehener Personen in den Läden der
+bedeutendsten Kaufleute, die mit Gold, Silber, Seidenstoffen, den
+feinsten Schleiertüchern und Juwelen handelten, einzufinden und
+bisweilen sogar an ihren Unterhaltungen teilzunehmen, sich vollends
+ausgebildet und allmählich alle Manieren der feinen Weltleute
+angenommen. Namentlich bei den Juwelenhändlern kam er von dem Irrwahn
+ab, als wären die durchsichtigen Früchte, die er in dem Garten, wo die
+Lampe stand, gepflückt hatte, nur buntfarbiges Glas; er erfuhr hier, daß
+es sehr kostbare Edelsteine waren. Da er täglich in diesen Läden alle
+Arten solcher Edelsteine kaufen und verkaufen sah, lernte er sie nach
+ihrem Werte kennen und schätzen; da er nirgends so schöne und große
+bemerkte, wie die seinigen, so begriff er wohl, daß er statt der
+Glasscherben einen Schatz von unmeßbarem Wert besaß. Indes war er klug
+genug, niemandem etwas davon zu sagen, selbst seiner Mutter nicht, und
+ohne Zweifel verdankte er diesem Stillschweigen das hohe Glück, zu dem
+wir ihn in der Folge werden emporsteigen sehen.
+
+Eines Tags, als er in der Stadt spazieren ging, hörte Alaeddin mit
+lauter Stimme einen Befehl des Sultans ausrufen, daß jedermann seinen
+Laden und seine Haustüre schließen und sich ins Innere seiner Wohnung
+zurückziehen solle, bis die Prinzessin Bedrulbudur, das heißt »Mond der
+Monde«, die Tochter des Sultans, die baden wollte, vorübergegangen und
+wieder zurückgekehrt sein würde.
+
+Dieser öffentliche Aufruf erweckte in Alaeddin den Wunsch, die
+Prinzessin entschleiert zu sehen. Er mußte sich zu diesem Behuf in das
+Haus eines Bekannten begeben und dort hinter ein Gitterfenster stellen;
+allein dies war ihm nicht genug, da die Prinzessin, dem Brauche gemäß,
+auf ihrem Weg ins Bad einen Schleier vor ihrem Gesichte haben mußte. Um
+seine Neugierde zu befriedigen, ersann er endlich ein Mittel, das ihm
+glückte. Er stellte sich nämlich hinter die Türe des Bades, das so
+eingerichtet war, daß er sie unfehlbar sehen mußte.
+
+Alaeddin mußte nicht lange warten: die Prinzessin erschien und er
+betrachtete sie durch einen Ritz, der groß genug war, so daß er sehen
+konnte, ohne gesehen zu werden. Sie kam in Begleitung einer großen
+Anzahl ihrer Frauen und Verschnittenen, die teils neben ihr, teils
+hinter ihr hergingen. Drei oder vier Schritte vor der Türe des Bades
+nahm sie den Schleier ab, der ihr Gesicht bedeckte und ihr sehr unbequem
+war, und auf diese Art sah Alaeddin sie um so bequemer, da sie gerade
+auf ihn zukam. Alaeddin hatte bis dahin noch nie eine Frau mit
+entschleiertem Gesichte gesehen, als seine Mutter, die schon alt und
+niemals so hübsch gewesen war.
+
+Als Alaeddin die Prinzessin Bedrulbudur gesehen hatte, konnte sein Herz
+dem bezaubernden Mädchen die höchste Zuneigung nicht versagen. Wirklich
+war die Prinzessin auch die schönste Brünette, die man nur auf der Welt
+sehen kann. Sie hatte große, regelmäßige, lebhafte und feurige Augen,
+einen sanften und sittsamen Blick, eine wohlgeformte Nase ohne allen
+Tadel, einen kleinen Mund, rosenrote und durch ihr schönes Ebenmaß
+wahrhaft bezaubernde Lippen; mit einem Wort, alle ihre Gesichtszüge
+waren höchst anmutig und regelmäßig. Was Wunder, daß Alaeddin bei dem
+Anblick einer so seltenen Vereinigung von Schönheiten, die ihm ganz neu
+waren, geblendet wurde und beinahe außer sich geriet! Außer diesen
+Vollkommenheiten hatte die Prinzessin einen üppigen Wuchs und eine
+majestätische Haltung, deren Anblick allein schon die ihr gebührende
+Ehrfurcht einflößte.
+
+Als die Prinzessin ins Bad gegangen war, blieb Alaeddin eine Weile ganz
+verwirrt und entzückt stehen, indem er sich unaufhörlich das reizende
+Bild vor die Seele rief, das ihn im Innersten seines Herzens ergriffen
+und bezaubert hatte. Endlich kam er wieder zur Besinnung, und da er
+bedachte, daß die Prinzessin bereits vorübergegangen war, und er
+vergebens seinen Posten länger behaupten würde, um sie beim Herausgehen
+aus dem Bade wieder zu sehen, indem sie ihm dann den Rücken zuwenden und
+verschleiert sein müßte, so beschloß er, den Ort zu verlassen und sich
+hinwegzubegeben.
+
+Als Alaeddin nach Hause kam, konnte er seine Verwirrung und Unruhe nicht
+so verbergen, daß seine Mutter nichts gemerkt hätte. Sie war sehr
+erstaunt, ihn gegen seine Gewohnheit so traurig und nachdenklich zu
+sehen und fragte ihn, ob ihm etwas Unangenehmes begegnet sei oder ob er
+sich unwohl befinde. Alaeddin aber gab keine Antwort, sondern setzte
+sich nachlässig auf den Sofa, wo er unverändert in derselben Stellung
+blieb, fortwährend damit beschäftigt, sich das reizende Bild der
+Prinzessin Bedrulbudur zu vergegenwärtigen. Seine Mutter bereitete das
+Abendessen und drang nicht weiter in ihn. Er aß viel weniger als
+gewöhnlich, hatte die Augen immer niederschlagen und beobachtete ein so
+tiefes Stillschweigen, daß es seiner Mutter unmöglich war, ihm auch nur
+ein einziges Wort zu entlocken, so sehr sie auch in ihn drang, er solle
+ihr die Ursache dieser außerordentlichen Veränderungen mitteilen.
+
+Nach dem Abendessen wollte sie von neuem anfangen, ihn zu fragen, warum
+er denn so schwermütig sei, allein sie konnte nichts aus ihm
+herausbringen, und Alaeddin ging zu Bette, ohne seine Mutter im
+mindesten zufriedengestellt zu haben.
+
+»Liebe Mutter,« begann er am nächsten Morgen, »ich will jetzt mein
+Stillschweigen brechen. Ich war nicht krank, wie du zu glauben
+schienest, und bin es auch jetzt nicht. Aber so viel kann ich dir sagen,
+daß das, was ich empfand und was ich noch fortwährend empfinde, etwas
+weit Schlimmeres ist, als eine Krankheit. Zwar weiß ich nicht recht, wie
+man dieses Übel nennt, aber ich zweifle nicht, daß du es aus dem
+erkennen wirst, was ich dir jetzt sagen will.«
+
+»Es ist«, fuhr Alaeddin fort, »die Tochter des Sultans gestern
+nachmittag ins Bad gegangen. Da ich nicht weit vom Bade entfernt war, so
+brachte mich die Neugierde, sie mit entschleiertem Gesichte zu sehen,
+auf den Einfall, mich hinter die Türe des Bades zu verstecken. Wirklich
+nahm sie vor ihrem Eintritt den Schleier ab und ich hatte das Glück, zu
+meinem unaussprechlichen Vergnügen diese liebenswürdige Prinzessin zu
+sehen. Ich liebe die Prinzessin mit einer Glut, die ich dir nicht
+beschreiben kann, und da meine heiße Leidenschaft mit jedem Augenblicke
+zunimmt, so fühle ich wohl, daß sie nur durch den Besitz befriedigt
+werden kann; daher ich denn auch entschlossen bin, sie vom Sultan mir
+zur Frau zu erbitten.«
+
+Alaeddins Mutter hatte die Rede ihres Sohnes bis auf die letzten Worte
+mit vieler Aufmerksamkeit angehört; als sie aber vernahm, daß er im Sinn
+habe, um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur anzuhalten, so konnte sie
+nicht umhin, ihn durch lautes Gelächter zu unterbrechen. Alaeddin wollte
+fortfahren, allein sie ließ ihn nicht zum Wort kommen und sagte zu ihm:
+»Ei, ei, mein Sohn, was fällt dir ein? Bist du wahnsinnig geworden, daß
+du solche Reden führen kannst?«
+
+»Liebe Mutter,« erwiderte Alaeddin, »ich kann dir versichern, daß ich
+nicht wahnsinnig, sondern ganz bei Verstande bin. Ich habe mir zum
+voraus gedacht, daß du mich töricht und albern nennen werdest; allein
+dies soll mich nicht hindern, dir noch einmal zu erklären, daß mein
+Entschluß feststeht, den Sultan um die Hand der Prinzessin Bedrulbudur
+zu bitten.«
+
+»Wahrhaftig, mein Sohn,« erwiderte die Mutter sehr ernsthaft, »ich muß
+dir sagen, daß du dich ganz vergissest; und wenn du deinen Entschluß
+auch ausführen wolltest, so sehe ich nicht ein, durch wen du es wagen
+könntest, deine Bitte vortragen zu lassen.« – »Durch niemand anders,
+als dich selbst,« antwortete der Sohn ohne Bedenken. – »Durch mich!«
+rief die Mutter voll Erstaunen und Überraschung; »und an den Sultan? O
+ich werde mich wohl hüten, mich in eine Unternehmung der Art
+einzulassen. Und wer bist du denn, mein Sohn,« fuhr sie fort, »daß du
+die Kühnheit haben dürftest, deine Gedanken zur Tochter deines Sultans
+zu erheben? Hast du vergessen, daß du der Sohn eines der geringsten
+Schneider seiner Hauptstadt und auch von mütterlicher Seite nicht von
+höherer Abkunft bist? Weißt du denn nicht, daß Sultane ihre Töchter
+selbst Sultanssöhnen verweigern, die keine Hoffnung haben, einst zur
+Regierung zu gelangen?«
+
+»Liebe Mutter,« antwortete Alaeddin, »ich habe dir bereits bemerkt, daß
+ich alles vorausgesehen habe, was du mir soeben gesagt hast, und ebenso
+sehe ich alles voraus, was du etwa noch hinzufügen könntest. Weder deine
+Reden, noch deine Vorstellungen werden mich von meinem Entschlusse
+abbringen. Ich habe dir gesagt, daß ich durch deine Vermittlung um die
+Hand der Prinzessin Bedrulbudur anhalten will; es ist dies die einzige
+Gefälligkeit, um die ich dich mit aller schuldigen Ehrerbietung bitte,
+und du kannst sie mir nicht abschlagen, wenn du mich nicht lieber
+sterben sehen, als mir zum zweitenmal das Leben schenken willst.«
+
+Alaeddins Mutter befand sich in großer Verlegenheit, als sie diese
+Hartnäckigkeit sah. »Mein Sohn,« sagte sie nochmals zu ihm, »ich bin
+deine Mutter, und als gute Mutter bin ich bereit, aus Liebe zu dir alles
+zu tun, was vernünftig und schicklich ist. Wenn es sich darum handelte,
+für dich um die Tochter eines unserer Nachbarn anzuhalten, der von
+gleichem oder wenigstens nicht viel höherem Stande wäre als du, so würde
+ich nichts versäumen, und von Herzen gern alles aufbieten, was in meiner
+Macht steht; aber auch dann müßtest du einiges Vermögen oder Einkünfte
+besitzen, oder ein Gewerbe erlernt haben, um deinen Zweck zu erreichen.
+Wenn arme Leute, wie wir, heiraten wollen, so ist das erste, woran sie
+denken müssen, ob sie auch zu leben haben. Aber ohne an deine niedere
+Abkunft, an deinen geringen Stand und deine Armut zu denken, willst du
+dich auf den höchsten Gipfel des Glücks schwingen und verlangst nichts
+Geringeres, als die Tochter deines Herrn und Gebieters, der nur ein
+Wort zu sagen braucht, um dich zu verderben und zu zermalmen. Ich will
+hier nicht erwähnen, was dich selbst betrifft, denn das mußt du in
+deinem Innern in Erwägung ziehen, wofern du nur halbwegs bei gutem
+Verstande bist. Ich will nur von dem sprechen, was mich angeht. Wie hat
+dir ein so seltsamer Gedanke in den Kopf kommen können, daß ich zum
+Sultan hingehen und ihm den Antrag machen soll, dir die Prinzessin,
+seine Tochter, zum Weibe zu geben? Gesetzt auch, ich hätte die
+Unverschämtheit, vor seine geheiligte Person zu treten, um eine so
+ungereimte Bitte vorzutragen, an wen müßte ich mich denn wenden, um nur
+vorgelassen zu werden? Glaubst du denn nicht, daß der erste, den ich
+anredete, mich als Närrin behandeln und mit Schmach und Schimpf
+fortjagen würde, wie ich es verdiente? Wenn wir aber auch annehmen, daß
+es keine Schwierigkeit gäbe, Audienz bei dem Sultan zu erhalten: denn
+ich weiß, daß man leicht zu ihm gelangen kann, wenn man um Gerechtigkeit
+bittet, und daß er sie seinen Untertanen gern gewährt, sobald sie ihn
+darum angehen; ich weiß auch, daß er mit Vergnügen eine Gnade bewilligt,
+um die man ihn bittet, sobald er sieht, daß man sie verdient hat und
+ihrer würdig ist: aber bist du denn in demselben Falle und glaubst du
+die Gnade verdient zu haben, die ich für dich erbitten soll? Bist du
+ihrer würdig? Was hast du für deinen Fürsten oder für dein Vaterland
+getan und wodurch hast du dich ausgezeichnet? Wenn du nun nichts
+geleistet hast, um eine so hohe Gnade zu verdienen, und auch im übrigen
+ihrer nicht würdig bist, mit welcher Stirn könnte ich dann darum bitten?
+Wie könnte ich auch nur den Mund öffnen, um dem Sultan diesen Vorschlag
+zu machen? Sein majestätisches Ansehen und der Glanz seines Hofes würden
+mir sogar den Mund verschließen, mir, die ich schon vor deinem Vater
+zitterte, wenn ich ihn nur um eine Kleinigkeit zu bitten hatte. Auch ein
+anderer Grund ist noch vorhanden, mein Sohn, den du nicht bedacht hast,
+nämlich, daß man vor unsern Sultanen, wenn man sie um etwas bitten will,
+nicht erscheinen darf, ohne ein Geschenk in der Hand zu haben. Welches
+Geschenk könntest du ihm denn bieten? Und wenn du auch etwas hättest,
+das der Beachtung eines so großen Monarchen im mindesten wert schiene,
+in welchem Verhältnis stände dann dein Geschenk mit der Bitte, die du
+an ihn tun willst? Geh in dich und bedenke, daß du nach etwas trachtest,
+das du unmöglich erreichen kannst.«
+
+Alaeddin hörte alles, was seine Mutter sagte, um ihn von seinem Plane
+abzubringen, mit großer Gemütsruhe an, und nachdem er ihre Vorstellungen
+Punkt für Punkt in Erwägung gezogen, nahm er endlich das Wort und
+sprach: »Ich gestehe, liebe Mutter, daß es eine große Verwegenheit von
+mir ist, so hoch hinauf zu wollen, und zugleich sehr unüberlegt, daß ich
+von dir, mit solcher Hitze und Hastigkeit verlange, du sollst beim
+Sultan für mich anhalten, ohne zuvor die geeigneten Maßregeln zu
+ergreifen, um dir Gehör und einen günstigen Empfang zu verschaffen.
+Verzeih mir diesmal. In der Hitze der Leidenschaft, die sich meiner
+bemeistert hat, darfst du dich nicht wundern, wenn ich nicht auf einmal
+alles, was mir die gesuchte Ruhe geben kann, ins Auge gefaßt habe. Ich
+liebe die Prinzessin Bedrulbudur weit mehr, als du dir denken kannst, ja
+ich bin ganz von Sinnen und beharre fest auf dem Entschlusse, sie zu
+heiraten. Ich bin darüber vollkommen mit mir einig und entschieden.
+Übrigens danke ich dir für die Eröffnung, die du mir soeben gemacht
+hast, denn ich betrachte sie als den ersten Schritt zu dem glücklichen
+Erfolg, den ich mir verspreche.
+
+»Du sagst mir, es sei nicht Brauch, ohne ein Geschenk in der Hand vor
+dem Sultan zu erscheinen, und ich hätte nichts, was seiner würdig wäre.
+Wenn du aber meinst, daß ich nichts besäße, was ihm überreicht werden
+könnte, so glaube ich doch, daß die Sachen, die ich aus der
+unterirdischen Höhle mitgebracht habe, dem Sultan gewiß viel Vergnügen
+machen würden. Ich spreche nämlich von den Steinen in den zwei Beuteln
+und im Gürtel, die wir beide anfangs für farbige Gläser hielten; jetzt
+sind mir die Augen aufgegangen, und ich sage dir, liebe Mutter, daß es
+Juwelen von unschätzbarem Werte sind, die nur großen Königen gebühren.
+In den Läden der Juweliere habe ich mich von ihrem Wert überzeugt und du
+kannst mir aufs Wort glauben: alle, die ich bei diesen Herren gesehen
+habe, halten mit den unsern durchaus keinen Vergleich aus, weder in
+Beziehung auf Größe, noch auf Schönheit, und doch verkaufen sie
+dieselben um ungeheure Summen. Wir können zwar allerdings den wahren
+Wert der unsrigen nicht angeben, aber dem mag sein wie ihm wolle, so
+viel verstehe ich doch, um überzeugt zu sein, daß das Geschenk dem
+Sultan die größte Freude machen muß. Du hast da eine ziemlich große
+Porzellanvase, die gerade dazu paßt; bring sie einmal her, und laß uns
+sehen, welche Wirkung sie haben, wenn wir sie nach ihren verschiedenen
+Farben ordnen.«
+
+Alaeddins Mutter brachte die Vase, und Alaeddin nahm die Edelsteine aus
+den beiden Beuteln heraus und legte sie in der besten Ordnung hinein.
+Die Wirkung, die sie durch die Mannigfaltigkeit ihrer Farben und ihren
+strahlenden Glanz beim hellen Tageslicht hatten, war so groß, daß Mutter
+und Sohn beinahe davon geblendet wurden und sich über die Maßen
+wunderten; denn sie hatten dieselben bisher nur beim Lampenschein
+betrachtet. Alaeddin zwar hatte sie auf den Bäumen gesehen, wo sie ihm
+als Früchte erschienen, die einen herrlichen Anblick gewährten; allein
+er war damals noch Kind gewesen und hatte diese Edelsteine nur als
+Spielzeug betrachtet.
+
+Nachdem sie die Schönheit des Geschenks eine Weile betrachtet hatten,
+nahm Alaeddin wieder das Wort und sagte: »Du hast jetzt keine Ausrede
+mehr, liebe Mutter, und kannst dich nicht damit entschuldigen, daß wir
+kein passendes Geschenk anzubieten hätten. Hier ist eines, wie mich
+dünkt, das dir gewiß einen recht freundlichen Empfang verschaffen wird.«
+
+Obwohl Alaeddins Mutter dieses Geschenk, ungeachtet seiner Schönheit und
+seines Glanzes, nicht für so wertvoll hielt, wie ihr Sohn, so dachte sie
+doch, es könne vielleicht angenommen werden, und sah ein, daß in dieser
+Beziehung nichts mehr einzuwenden war. Dagegen kam sie immer wieder auf
+Alaeddins Forderung zurück, und dies machte ihr viel Unruhe. »Mein
+Sohn,« sprach sie zu ihm, »ich begreife wohl, daß dein Geschenk Wirkung
+tun und Gnade in den Augen des Sultans finden wird; aber wenn ich dann
+deine Bitte vortragen soll, so fühle ich zum voraus, daß ich dazu keine
+Kraft haben und stumm bleiben werde. Auf diese Art wird nicht nur mein
+Gang vergeblich, sondern auch das Geschenk, das nach deiner Behauptung
+so außerordentlich kostbar ist, verloren sein, und ich werde mit Schmach
+abziehen müssen, um dir zu verkündigen, daß du dich in deiner
+Hoffnung getäuscht hast. Ich habe es dir schon einmal gesagt und du
+wirst sehen, daß es so kommt.«
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+»Aber,« setzte sie hinzu, »gesetzt auch, ich könnte mir so viel Gewalt
+antun, mich nach deinem Wunsche zu fügen, und ich hätte Kraft genug, um
+eine solche Bitte zu wagen, wie du mir zumutest, so wird sich doch der
+Sultan ganz gewiß entweder über mich lustig machen und mich als eine
+Närrin nach Hause schicken, oder er wird in gerechten Zorn geraten,
+dessen Opfer unfehlbar wir beide sein werden.«
+
+Alaeddins Mutter führte noch mehrere solche Gründe an, um ihren Sohn auf
+andere Gedanken zu bringen; allein die Reize der Prinzessin Bedrulbudur
+hatten einen zu starken Eindruck auf sein Herz gemacht, als daß er sich
+von seinem Plane hätte abbringen lassen. Alaeddin beharrte also auf
+seiner Bitte, und teils aus Zärtlichkeit, teils aus Furcht, er möchte
+irgend einen tollen Streich machen, überwand seine Mutter ihre Abneigung
+und verstand sich endlich dazu, ihm zu willfahren.
+
+Da es schon spät und die Zeit, in den Palast zu gehen und vor den Sultan
+zu treten, an diesem Tage bereits vorüber war, so wurde die Sache auf
+den folgenden Tag verschoben. »Mein Sohn,« sagte die Mutter, »wenn mich
+der Sultan so günstig aufnimmt, wie ich es aus Liebe zu dir wünsche,
+wenn er auch den Vorschlag ruhig anhört, aber sich dann einfallen läßt,
+nach deinem Vermögen und Stande zu fragen – sage mir, was soll ich ihm
+dann antworten?«
+
+»Liebe Mutter,« antwortete Alaeddin, »wir wollen uns nicht zum voraus
+über eine Sache bekümmern, die vielleicht gar nicht vorkommen wird. Wir
+müssen jetzt abwarten, wie der Sultan dich empfängt und was für eine
+Antwort er dir gibt. Wenn er dann wirklich über das, was du sagst,
+Auskunft haben will, so werde ich mich schon auf eine Antwort besinnen,
+und ich glaube zuversichtlich, daß die Lampe, die uns schon seit einigen
+Jahren ernährt, mich in der Not nicht verlassen wird.«
+
+Alaeddins Mutter wußte hierauf nichts zu erwidern, denn sie dachte, daß
+die Lampe, von der er sprach, auch noch weit größere Wunder bewirken
+könnte, als nur ihren Lebensunterhalt zu verschaffen. Dies beruhigte
+sie. Alaeddin sagte zu ihr: »Jedenfalls, liebe Mutter, halte die Sache
+geheim; davon hängt der ganze glückliche Erfolg ab, den wir erwarten
+können.« Hierauf trennten sie sich, um zu Bett zu gehen; allein die
+heftige Liebe und die großartigen, unermeßlichen Glückspläne, die
+Alaeddins Gemüt erfüllten, ließen ihn keine Ruhe finden. Er stand vor
+Tagesanbruch auf, weckte sogleich seine Mutter und bestürmte sie, sie
+solle sich aufs schleunigste ankleiden, an das Tor des königlichen
+Palastes gehen und, sowie es geöffnet würde, zugleich mit dem
+Großvezier, den untergeordneten Vezieren und den übrigen Staatsbeamten
+eintreten, die sich zur Sitzung des Divans begäben, welcher der Sultan
+immer persönlich beiwohnte.
+
+Alaeddins Mutter tat alles, was ihr Sohn wünschte. Sie nahm die mit
+Edelsteinen gefüllte Porzellanvase und hüllte sie in doppelte Leinwand,
+zuerst in sehr feine und schneeweiße, sodann in minder feine, welche
+letztere sie an den vier Zipfeln zusammenband, um die Sache bequemer
+tragen zu können. Endlich ging sie zur Freude Alaeddins fort und nahm
+ihren Weg nach dem Palaste des Sultans. Der Großvezier nebst den übrigen
+Vezieren und die angesehensten Herren vom Hofe waren bereits
+hineingegangen, als sie ans Tor kam. Die Zahl der Wartenden war sehr
+groß. Man öffnete und sie ging mit ihnen in den Divan. Dies war ein über
+die Maßen schöner, tiefer und geräumiger Saal und hatte einen großen,
+prächtigen Eingang; sie stellte sich so, daß sie den Sultan gerade
+gegenüber, den Großvezier aber und die übrigen Herren, die im Rate
+saßen, rechts und links hatte. Man rief die verschiedenen Parteien eine
+nach der andern vor, in der Ordnung, wie sie ihre Bittschriften
+eingereicht hatten, und ihre Angelegenheiten wurden vorgetragen,
+verhandelt und entschieden, bis zur Stunde, wo der Divan wie gewöhnlich
+geschlossen wurde. Dann stand der Sultan auf, entließ die Versammlung
+und ging in sein Zimmer zurück, wohin ihm der Großvezier folgte. Die
+übrigen Veziere und Mitglieder des Staatsrats begaben sich nach Hause;
+ebenso die, welche wegen Privatangelegenheiten erschienen waren; die
+einen vergnügt, daß sie ihren Prozeß gewonnen hatten, die andern
+unzufrieden, weil gegen sie entschieden worden war, und noch andere in
+der Hoffnung, daß ihre Sache in einer andern Sitzung vorkommen werde.
+
+Als Alaeddins Mutter sah, daß der Sultan aufstand und fortging, schloß
+sie daraus, daß er an diesem Tage nicht wieder erscheinen werde, und
+ging, wie die andern alle, nach Hause. Alaeddin, der sie mit dem für den
+Sultan bestimmten Geschenk zurückkommen sah, wußte anfangs nicht, was er
+von dem Erfolg seiner Sendung denken sollte. Er fürchtete eine schlimme
+Botschaft und hatte kaum Kraft genug, den Mund zu öffnen und sie zu
+fragen, welche Nachricht sie bringe. Die gute Frau, die nie einen Fuß in
+den Palast des Sultans gesetzt und keine Ahnung von dem hatte, was dort
+Brauch war, machte der Verlegenheit ihres Sohnes ein Ende, indem sie mit
+vieler Treuherzigkeit und Aufrichtigkeit also zu ihm sprach: »Mein Sohn,
+ich habe den Sultan gesehen und bin fest überzeugt, daß er mich
+ebenfalls gesehen hat. Ich stand gerade vor ihm und niemand hinderte
+mich, ihn zu sehen, allein er war zu sehr mit denen beschäftigt, die zu
+seiner Rechten und Linken saßen, daß ich Mitleiden mit ihm hatte, als
+ich die Mühe und Geduld sah, womit er sie anhörte. Dies dauerte so
+lange, daß er, glaube ich, zuletzt Langeweile bekam, denn er stand auf
+einmal ganz unerwartet auf und ging schnell weg, ohne eine Menge anderer
+Leute anzuhören, die noch mit ihm sprechen wollten. Ich war sehr froh
+darüber, denn ich fing wirklich an, die Geduld zu verlieren und war von
+dem langen Stehen außerordentlich müde. Indes ist noch nichts verdorben;
+ich werde morgen wieder zu ihm gehen, der Sultan ist vielleicht dann
+nicht so beschäftigt.«
+
+So heftig auch das Feuer der Liebe in Alaeddins Busen brannte, so mußte
+er sich doch mit dieser Entschuldigung zufrieden geben und mit Geduld
+waffnen. Er hatte wenigstens die Genugtuung, zu sehen, daß seine Mutter
+bereits den schwersten Schritt getan und den Anblick des Sultans
+ausgehalten hatte, und so konnte er hoffen, daß sie, wie die andern, die
+in ihrer Gegenwart mit ihm gesprochen hatten, nicht anstehen werde, sich
+ihres Auftrages zu entledigen, sobald der günstige Augenblick zum
+Sprechen komme.
+
+Am andern Morgen ging Alaeddins Mutter wieder ebenso frühe mit ihrem
+Geschenk nach dem Palast des Sultans, allein sie machte diesen Gang
+vergeblich, denn sie fand die Türe des Divans verschlossen und erfuhr,
+daß nur alle zwei Tage Sitzung sei und sie also am folgenden Tage
+wieder kommen müsse. Sie kehrte nun um und brachte diese Nachricht ihrem
+Sohne, der somit aufs neue Geduld fassen mußte. Noch sechsmal
+hintereinander ging sie an den bestimmten Tagen in den Palast, aber
+immer mit ebensowenig Erfolg, und vielleicht wäre sie noch hundertmal
+vergebens gelaufen, wenn nicht der Sultan, der sie bei jeder Sitzung
+gegenüber von sich sah, endlich aufmerksam auf sie geworden wäre.
+
+An diesem Tage endlich sagte der Sultan, als er nach aufgehobener
+Sitzung in seine Gemächer zurückgekehrt war, zu seinem Großvezier:
+»Schon seit einiger Zeit bemerke ich eine gewisse Frau, die regelmäßig
+jeden Tag, wo ich Sitzung halte, kommt und etwas in Leinwand eingehüllt
+in der Hand hat. Sie bleibt vom Anfang bis zu Ende der Sitzung stehen,
+und zwar immer gerade mir gegenüber. Weißt du wohl, was ihr Begehr ist?«
+
+Der Großvezier, der es so wenig wußte, als der Sultan, wollte gleichwohl
+keine Antwort schuldig bleiben. »Herr,« sagte er, »es ist dir wohl
+bekannt, daß die Frauen oft über geringfügige Sachen Klage führen. Diese
+da kommt offenbar, um sich bei dir zu beschweren, daß man vielleicht
+schlechtes Mehl an sie verkauft oder ihr sonst Unrecht zugefügt hat, das
+von eben so wenig Belang ist.« Der Sultan war mit dieser Antwort nicht
+zufrieden und sagte: »Wenn diese Frau bei der nächsten Sitzung wieder
+erscheint, so vergiß nicht, sie rufen zu lassen, auf daß ich sie höre.«
+Der Großvezier küßte seine Hand und legte sie auf seinen Kopf, zum
+Zeichen, daß er bereit sei, ihn sich abschlagen zu lassen, wenn er
+diesen Befehl nicht erfüllte.
+
+Alaeddins Mutter war schon so sehr daran gewöhnt, im Divan vor dem
+Sultan zu erscheinen, daß sie ihre Mühe für nichts achtete, wofern sie
+nur ihrem Sohne zeigen konnte, wie sehr sie sich’s angelegen sein ließ,
+für ihn alles zu tun, was in ihren Kräften stand. Sie ging also am
+Sitzungstag wieder nach dem Palast und stellte sich wie gewöhnlich am
+Eingang des Divans dem Sultan gegenüber.
+
+Der Großvezier hatte seinen Vortrag noch nicht begonnen, als der Sultan
+Alaeddins Mutter bemerkte. Diese lange Geduld, die er selbst mit
+angesehen, rührte ihn. »Damit du es nicht vergissest,« sagte er zum
+Großvezier, »dort steht wieder die Frau, von der ich dir neulich gesagt
+habe: laß sie hierhertreten, dann wollen wir sie zuerst anhören und ihre
+Angelegenheit ins reine bringen.« Sogleich zeigte der Großvezier die
+Frau dem Obersten der Türsteher, der zu seinen Befehlen bereit stand,
+und hieß ihn sie näher heranführen.
+
+Der Oberste der Türsteher kam zu Alaeddins Mutter und gab ihr ein
+Zeichen; sie folgte ihm bis an den Fuß des königlichen Thrones, wo er
+sie verließ, um sich wieder an seinen Platz neben dem Großvezier zu
+stellen.
+
+Alaeddins Mutter befolgte das Beispiel der andern, die sie mit dem
+Sultan sprechen gesehen hatte: sie warf sich zu Boden, berührte mit
+ihrer Stirne den Teppich, der die Stufen des Thrones bedeckte, und blieb
+in dieser Stellung, bis der Sultan ihr befahl, aufzustehen. Als sie
+aufgestanden war, sprach er zu ihr: »Gute Frau, ich sehe dich schon
+lange Zeit in meinen Divan kommen und von Anfang bis zu Ende am Eingange
+stehen. Welche Angelegenheit führt dich hierher?«
+
+Alaeddins Mutter warf sich, als sie diese Worte hörte, zum zweiten Male
+zu Boden, und nachdem sie aufgestanden war, sagte sie: »Erhabenster
+aller Könige der Welt, bevor ich dir die außerordentliche und fast
+unglaubliche Sache erzähle, die mich vor deinen hohen Thron führt, bitte
+ich dich, mir die Kühnheit des Anliegens zu verzeihen, das ich dir
+vortragen will. Es ist so ungewöhnlich, daß ich zittere und bebe, und
+große Scheu trage, es meinem Sultan vorzubringen.« Um ihr volle Freiheit
+zu geben, befahl der Sultan allen Anwesenden, sich aus dem Divan zu
+entfernen und ihn mit dem Großvezier allein zu lassen; dann sagte er zu
+ihr, sie könne ohne Furcht sprechen.
+
+Alaeddins Mutter begnügte sich nicht mit der Güte des Sultans, der ihr
+die Verlegenheit, vor der ganzen Versammlung sprechen zu müssen, erspart
+hatte; sie wollte sich auch noch vor seinem Zorn sicher stellen, den sie
+bei einem so seltsamen Antrag fürchten mußte. »Großer König,« sagte sie,
+aufs neue das Wort ergreifend, »ich wage auch noch dich zu bitten, daß
+du mir, im Fall du mein Gesuch im mindesten anstößig oder beleidigend
+finden solltest, zum voraus deine Verzeihung und Gnade zusicherst.« –
+»Was es auch sein mag,« erwiderte der Sultan, »ich verzeihe es dir
+schon jetzt, und es soll dir nicht das geringste Leid zustoßen. Sprich
+ohne Scheu!«
+
+Nachdem Alaeddins Mutter alle diese Vorsichtsmaßregeln ergriffen hatte,
+weil sie den ganzen Zorn des Sultans für ihren kühnen Antrag fürchtete,
+erzählte sie ihm treuherzig, bei welcher Gelegenheit Alaeddin die
+Prinzessin Bedrulbudur gesehen, welche heftige Liebe ihm dieser
+unglückselige Augenblick eingeflößt, welche Erklärungen er ihr darüber
+gemacht und wie sie ihm alles vorgestellt habe, um ihn von einer
+Leidenschaft abzubringen, die sowohl für den König, als für seine
+Tochter im höchsten Grade beleidigend sei. »Aber,« fuhr sie fort, »statt
+diese Ermahnungen zu beherzigen, und die Frechheit seines Verlangens
+einzusehen, beharrte mein Sohn unerschütterlich dabei und drohte mir
+sogar, wenn ich mich weigern würde, zu dir zu gehen und für ihn um die
+Prinzessin anzuhalten. Gleichwohl hat es mich sehr große Überwindung
+gekostet, bis ich ihm diesen Gefallen erwies, und ich bitte dich noch
+einmal, großer König, daß du nicht allein mir, sondern auch meinem Sohne
+Alaeddin verzeihen mögest, der den verwegenen Gedanken gehabt hat, nach
+einer so hohen Verbindung zu trachten.«
+
+Der Sultan hörte den ganzen Vortrag mit vieler Milde und Güte an, ohne
+im mindesten Zorn und Unwillen zu verraten, oder auch nur die Sache
+spöttisch aufzunehmen. Ehe er aber der guten Frau antwortete, fragte er
+sie, was sie denn in ihrem leinenen Tuche eingehüllt habe. Sogleich nahm
+sie die porzellanene Vase, stellte sie an den Fuß des Thrones, und
+nachdem sie sich niedergeworfen, enthüllte sie dieselbe und überreichte
+sie dem Sultan.
+
+Es ist unmöglich, die Überraschung und das Erstaunen des Sultans zu
+beschreiben, als er in dieser Vase so viele ansehnliche, kostbare,
+vollkommene und glänzende Edelsteine erblickte, und zwar alle von einer
+Größe, dergleichen er niemals gesehen hatte. Seine Verwunderung war so
+groß, daß er eine Weile ganz unbeweglich dasaß. Endlich, als er sich
+wieder gesammelt hatte, empfing er das Geschenk aus den Händen der Frau
+und rief außer sich vor Freude: »Ei, wie schön, wie herrlich!« Nachdem
+er die Edelsteine alle einen nach dem andern in die Hand genommen,
+bewundert und nach ihren hervorstechendsten Eigenschaften gepriesen
+hatte, wandte er sich zu seinem Großvezier, zeigte ihm die Vase und
+sagte zu ihm: »Sieh einmal an und du wirst gestehen müssen, daß man auf
+der ganzen Welt nichts Kostbareres und Vollkommeneres finden kann.« Der
+Vezier war ebenfalls ganz bezaubert. »Je nun,« fuhr der Sultan fort,
+»was sagst du von diesem Geschenke? Ist es der Prinzessin, meiner
+Tochter, nicht würdig, und kann ich sie um diesen Preis nicht dem Manne
+geben, der um sie anhalten läßt?«
+
+Diese Worte versetzten den Großvezier in peinliche Unruhe. Der Sultan
+hatte ihm nämlich vor einiger Zeit zu verstehen gegeben, daß er die
+Prinzessin seinem Sohne zu geben gedenke. Nun aber fürchtete er, und
+nicht ohne Grund, der Sultan möchte durch dieses reiche und
+außerordentliche Geschenk geblendet, sich anders entschließen. Er
+näherte sich ihm daher und flüsterte ihm ins Ohr: »Herr, ich muß
+gestehen, daß das Geschenk der Prinzessin würdig ist. Allein ich bitte
+dich, mir drei Monate Frist zu gönnen, bevor du dich entscheidest. Ich
+hoffe, daß mein Sohn, auf den du früher deine Augen zu werfen geruhtest,
+noch vor dieser Zeit ihr ein weit kostbareres Geschenk machen kann, als
+dieser Alaeddin, den du gar nicht kennst.« So sehr nun auch der Sultan
+überzeugt war, daß der Großvezier unmöglich seinen Sohn in den Stand
+setzen konnte, der Prinzessin ein Geschenk von gleichem Werte zu machen,
+so hörte er dennoch auf ihn und bewilligte ihm diesen Wunsch. Er wandte
+sich also zu Alaeddins Mutter und sagte zu ihr: »Geh nach Hause, gute
+Frau, und melde deinem Sohn, daß ich den Vorschlag, den du mir in seinem
+Namen gemacht hast, genehmige, daß ich aber die Prinzessin, meine
+Tochter, unmöglich verheiraten kann, bis ich ihr eine Ausstattung
+besorgt habe, die erst in drei Monaten fertig wird. Komm also um diese
+Zeit wieder.«
+
+Alaeddins Mutter ging mit um so größerer Freude nach Hause, als sie es
+im Anfang wegen ihres Standes für unmöglich gehalten hatte, Zutritt beim
+Sultan zu erlangen, und nun war ihr statt einer beschämenden
+abschlägigen Antwort, die sie erwarten mußte, ein so günstiger Bescheid
+zuteil geworden. Als Alaeddin seine Mutter zurückkommen sah, schloß er
+aus zwei Sachen auf eine gute Botschaft: erstens, weil sie früher als
+gewöhnlich kam, und zweitens, weil ihr Gesicht vor Freude glänzte.
+»Ach, meine Mutter!« rief er ihr entgegen, »darf ich hoffen oder soll
+ich aus Verzweiflung sterben?« Sie legte ihren Schleier ab, setzte sich
+neben ihn und sagte dann zu ihm: »Lieber Sohn, um dich nicht lange in
+Ungewißheit zu lassen, will ich dir gleich zum voraus sagen, daß du
+nicht ans Sterben zu denken brauchst, sondern im Gegenteil alle Ursache
+hast, gutes Mutes zu sein.« Hierauf erzählte sie ihm, wie sie vor allen
+andern Zutritt erhalten, und welche günstige Antwort sie aus des Sultans
+eigenem Munde erhalten habe. Sie fügte hinzu: aus dem ganzen Benehmen
+des Sultans habe sie entnehmen können, daß das Geschenk einen überaus
+mächtigen Eindruck auf sein Gemüt gemacht und ihn zu dieser huldreichen
+Antwort bestimmt habe.
+
+Als Alaeddin diese Nachricht hörte, hielt er sich für den glücklichsten
+aller Sterblichen. Er dankte seiner Mutter für die viele Mühe, und
+obwohl ihm bei seinem ungeduldigen Verlangen nach dem Gegenstande seiner
+Liebe drei Monate entsetzlich lang erschienen, so nahm er sich doch vor,
+mit Geduld zu warten und auf das Wort des Sultans zu bauen, das er für
+unverbrüchlich hielt. Indes zählte er in Erwartung des ersehnten Zieles
+nicht bloß Wochen, Tage und Stunden, sondern selbst Minuten, und es
+waren ungefähr zwei Monate verflossen, als seine Mutter eines Abends die
+Lampe anzünden wollte und merkte, daß kein Öl mehr im Hause war. Sie
+ging aus, um welches zu kaufen, und als sie in die Stadt hinein kam,
+fand sie, daß alles festlich geschmückt war. Die Kaufläden waren
+geöffnet, man schmückte sie mit Blumenkränzen und machte Anstalt zu
+festlichen Beleuchtungen, wobei es jeder dem andern an Pracht und Glanz
+zuvorzutun suchte, um seinen Eifer an den Tag zu legen. Auf allen
+Gesichtern strahlte Freude und Fröhlichkeit, sogar die Straßen waren mit
+Hofbeamten in Festkleidern angefüllt, die auf reichgeschmückten Pferden
+saßen und von einer großen Menge Bedienten zu Fuß umgeben waren. Sie
+fragte den Kaufmann, bei dem sie ihr Öl kaufte, was dies alles zu
+bedeuten habe. »Woher kommst denn du, liebe Frau?« gab ihr dieser zur
+Antwort; »weißt du allein nicht, daß der Sohn des Großveziers heute
+abend die Prinzessin Bedrulbudur, Tochter des Sultans, heiratet? Sie
+wird bald aus dem Bade kommen und die vornehmen Herren, die du hier
+siehst, haben sich versammelt, um sie nach dem Palast zu geleiten, wo
+die Feierlichkeit vor sich gehen soll.«
+
+Alaeddins Mutter wollte nichts mehr hören. Sie lief so eilig nach Hause,
+daß sie fast atemlos ankam. »Ach!« rief sie ihrem Sohne, der auf nichts
+weniger, als auf eine solche unangenehme Nachricht gefaßt war, entgegen,
+»für dich ist alles verloren. Du zähltest auf das schöne Versprechen des
+Sultans, aber es wird nichts daraus.« Alaeddin erschrak über die Maßen
+und antwortete: »Liebe Mutter, warum sollte mir denn der Sultan sein
+Versprechen nicht halten? woher weißt du das?« – »Heute abend noch,«
+versetzte die Mutter, »heiratet der Sohn des Großveziers die Prinzessin
+Bedrulbudur im Palaste.« Sie erzählte ihm hierauf, wie sie es erfahren
+hatte, und teilte ihm so genau die einzelnen Umstände mit, daß er nicht
+mehr daran zweifeln konnte. Bei dieser Nachricht war Alaeddin wie vom
+Blitze getroffen. Jeder andere als er wäre seinem Kummer erlegen, aber
+eine geheime Eifersucht weckte die Tätigkeit seines Geistes bald wieder.
+Er gedachte jetzt der Lampe, die ihm bisher so nützlich gewesen, und
+ohne mit leeren Worten gegen den Sultan, den Großvezier oder den Sohn
+dieses Ministers zu eifern, sagte er bloß: »Liebe Mutter, der Sohn des
+Großveziers ist heute nacht vielleicht nicht so glücklich, als er hofft.
+Ich will einen Augenblick auf mein Zimmer gehen, bereite du indes das
+Abendessen.«
+
+Alaeddins Mutter begriff wohl, daß ihr Sohn von der Lampe Gebrauch
+machen wollte, um die Heirat des Sohnes des Großveziers womöglich zu
+hintertreiben, und sie täuschte sich nicht. Alaeddin nahm, sobald er in
+seinem Zimmer war, die Wunderlampe, die er seit der Erscheinung des
+Geistes, der seiner Mutter so großen Schrecken eingejagt, hierher
+gebracht hatte, und rieb sie an derselben Stelle, wie früher. Alsbald
+erschien der Geist und sprach zu ihm: »Was willst du? ich bin bereit dir
+zu gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer, die die Lampe
+in der Hand haben, sowohl ich als alle andern Sklaven der Lampe.« –
+»Höre,« sagte Alaeddin, »du hast mir bisher zu essen gebracht, so oft
+ich dessen bedurfte, jetzt aber habe ich dir einen Auftrag von weit
+höherem Belang zu erteilen. Ich habe bei dem Sultan um die Prinzessin
+Bedrulbudur anhalten lassen. Er hat sie mir versprochen und nur einen
+Aufschub von drei Monaten verlangt. Statt aber sein Wort zu halten,
+vermählt er sie heute abend noch vor Ablauf der Frist mit dem Sohne des
+Großveziers. Ich habe es soeben erfahren und die Sache ist ganz gewiß.
+Nun verlange ich von dir, daß du Bräutigam und Braut, sobald sie sich zu
+Bette gelegt haben, wegtragest und alle beide in ihrem Bette hierher
+bringst.« – »Mein Gebieter,« antwortete der Geist, »ich werde dir
+gehorchen. Hast du sonst noch etwas zu befehlen?« – »Für den Augenblick
+nichts,« erwiderte Alaeddin und der Geist verschwand.
+
+Alaeddin ging wieder zu seiner Mutter zurück und speiste so ruhig, wie
+sonst, mit ihr zu Abend. Nach dem Essen sprach er eine Weile mit ihr
+über die Vermählung der Prinzessin, wie über eine Sache, die ihn
+garnicht bekümmerte. Sodann ging er auf sein Zimmer zurück, damit seine
+Mutter ungestört zu Bett gehen konnte. Er selbst legte sich indessen
+nicht nieder, sondern erwartete die Rückkunft des Geistes und die
+Vollziehung seines Befehles.
+
+Indessen waren im Palast des Sultans mit ungeheurer Pracht alle
+Anstalten zur Vermählungsfeier der Prinzessin getroffen worden, und die
+Festlichkeiten und Lustbarkeiten dauerten bis in die Nacht. Als alles
+vorüber war, entfernte sich der Sohn des Großveziers unbemerkt auf ein
+Zeichen, das ihm der Oberste von den Verschnittenen der Prinzessin gab,
+der ihn auch nach der Wohnung der Prinzessin und in das Gemach führte,
+wo das Brautbett bereitet war. Er legte sich zuerst nieder. Bald darauf
+brachte die Sultanin in Begleitung ihrer Frauen und der Frauen ihrer
+Tochter die Braut herein. Nach der Sitte aller Neuvermählten sträubte
+sie sich heftig. Die Sultanin half sie auskleiden, legte sie wie mit
+Gewalt ins Bett, umarmte sie, wünschte ihr eine gute Nacht und entfernte
+sich dann mit allen ihren Frauen. Die letzte, die hinausging, schloß die
+Türe hinter sich zu.
+
+Kaum war die Türe verschlossen, als der Geist, ein treuer Sklave der
+Lampe und pünktlicher Vollzieher aller Befehle ihrer Besitzer, ohne dem
+jungen Gatten Zeit zu lassen, seine Neuvermählte auch nur ein wenig zu
+liebkosen, zum großen Erstaunen beider das Bett, worin sie lagen, nahm
+und in einem Augenblick in Alaeddins Zimmer trug.
+
+Alaeddin, der diesen Augenblick voll Ungeduld erwartet hatte, duldete
+nicht, daß der Sohn des Großveziers bei der Prinzessin liegen blieb.
+»Nimm diesen jungen Ehemann,« sagte er zu dem Geist, »sperre ihn ins
+heimliche Gemach, und komm morgen früh etwas vor Tagesanbruch wieder.«
+Sogleich nahm der Geist den Sohn des Großveziers im bloßen Hemd aus dem
+Bett, brachte ihn an den bezeichneten Ort und ließ ihn daselbst, nachdem
+er einen Dunst auf ihn gehaucht hatte, den er vom Wirbel bis zur Zehe
+spürte, und der ihn hinderte, sich von der Stelle zu rühren.
+
+So groß nun auch Alaeddins Liebe zur Prinzessin Bedrulbudur war, so
+führte er doch, sobald er sich mit ihr allein sah, keine langen Reden,
+sondern sagte bloß in sehr zärtlichem Tone zu ihr: »Fürchte nichts,
+geliebte Prinzessin; du bist hier in Sicherheit, und so gewaltig auch
+die Liebe ist, die ich für deine Schönheit und deine Reize empfinde, so
+werde ich doch nie die Schranken der tiefen Ehrfurcht überschreiten,
+welche ich dir schulde. Wenn ich,« fügte er hinzu, »gezwungen worden
+bin, zu diesen äußersten Maßregeln zu greifen, so geschah dies nicht in
+der Absicht, dich zu beleidigen, sondern ich wollte nur einen
+ungerechten Nebenbuhler verhindern, dem Versprechen, das der Sultan,
+dein Vater, mir gegeben, zuwider dich in Besitz zu nehmen.« Die
+Prinzessin, die von all diesen Umständen nichts wußte, achtete nicht
+sehr auf Alaeddins Worte und vermochte ihm nichts zu erwidern. Der
+Schrecken und das Erstaunen über dieses überraschende und unerwartete
+Abenteuer hatte sie in einen solchen Zustand versetzt, daß Alaeddin ihr
+kein einziges Wort entlocken konnte. Alaeddin ließ es indes nicht dabei
+bewenden; er entkleidete sich und legte sich an die Stelle des Sohnes
+des Großveziers, indem er der Prinzessin den Rücken kehrte, zugleich
+aber die Vorsicht gebrauchte, einen Säbel zwischen die Prinzessin und
+sich zu legen, zum Zeichen, daß er damit bestraft zu werden verdiente,
+wenn er sich gegen ihre Ehre vergehen sollte.
+
+Alaeddin war damit zufrieden, seinen Nebenbuhler des Glücks beraubt zu
+haben, das er in dieser Nacht zu genießen hoffte, und schlief ganz
+ruhig. Anders die Prinzessin Bedrulbudur: sie hatte in ihrem Leben noch
+keine so verdrießliche und unangenehme Nacht zugebracht, und wenn man
+den Ort und den Zustand bedenkt, in dem der Geist den Sohn des
+Großveziers verlassen hatte, so wird man sich leicht denken können, daß
+sie für den jungen Ehemann noch viel betrübter war.
+
+Am andern Morgen brauchte Alaeddin nicht erst die Lampe zu reiben, um
+den Geist herbeizurufen. Er kam zur bezeichneten Stunde wieder und sagte
+zu Alaeddin, während dieser sich ankleidete: »Hier bin ich, was hast du
+mir zu befehlen?« – »Geh,« antwortete Alaeddin, »hole den Sohn des
+Großveziers, lege ihn wieder in dies Bett und trage ihn nach dem Palast
+des Sultans an denselben Ort zurück, wo du ihn genommen hast.« Der Geist
+löste den Sohn des Großveziers von seinem Posten ab und Alaeddin nahm,
+als er zurückkam, seinen Säbel wieder. Jener legte den jungen Ehemann
+neben die Prinzessin und trug das Brautbett in einem Augenblick nach
+demselben Gemach des königlichen Palastes zurück, wo er es geholt hatte.
+Zu bemerken ist noch, daß der Geist weder von der Prinzessin noch dem
+Sohne des Großveziers gesehen wurde; seine abscheuliche Gestalt hätte
+sie leicht vor Schrecken töten können. Ebensowenig hörten sie die
+Gespräche zwischen Alaeddin und ihm, sondern bemerkten bloß die
+Bewegungen des Bettes und ihre Versetzung von einem Ort an einen andern;
+dies allein konnte ihnen schon genug Schrecken einjagen, wie sich leicht
+denken läßt.
+
+Kaum hatte der Geist das Brautbett wieder an seinen Ort gestellt, als
+der Sultan, der gern erfahren hätte, wie die Prinzessin, seine Tochter,
+ihre Hochzeitsnacht zugebracht, ins Zimmer trat, um ihr guten Morgen zu
+wünschen. Der Sohn des Großveziers, der die ganze Nacht in der Kälte
+hatte stehen müssen und noch keine Zeit gehabt hatte, sich zu erwärmen,
+stand, als die Türe geöffnet wurde, sogleich auf und ging in das
+Vorzimmer, wo er sich den Abend zuvor entkleidet hatte.
+
+Der Sultan näherte sich dem Bett der Prinzessin, küßte sie der Sitte
+gemäß zwischen die Augen, wünschte ihr guten Morgen und fragte sie
+lächelnd, wie sie sich diese Nacht befunden habe? Als er sie aber
+aufmerksamer betrachtete, fand er sie zu seinem großen Erstaunen in
+tiefe Schwermut versenkt; auch wurde sie weder rot, noch gab sie sonst
+ein Zeichen, das seine Neugierde hätte befriedigen können. Sie warf ihm
+bloß einen sehr traurigen Blick zu, der große Betrübnis oder großes
+Mißvergnügen verriet. Er sprach noch einige Worte zu ihr; da er aber
+sah, daß er ihr keine Antwort entlocken konnte, so glaubte er, sie tue
+dies aus Schamhaftigkeit, und entfernte sich. Gleichwohl stieg die
+Vermutung in ihm auf, dieses Stillschweigen müsse einen ganz
+absonderlichen Grund haben; deswegen ging er sogleich nach den Gemächern
+der Sultanin und erzählte ihr, in welchem Zustande er die Prinzessin
+gefunden und wie sie ihn empfangen habe. »Herr,« gab die Sultanin zur
+Antwort, »du mußt dich darüber nicht wundern; am Morgen nach der
+Hochzeitsnacht zeigen alle Neuvermählten solche Zurückhaltung. In zwei
+oder drei Tagen wird dies anders sein. Ich will nun selbst zu ihr
+gehen,« fügte sie hinzu, »und ich müßte mich sehr täuschen, wenn sie
+mich ebenso empfinge.«
+
+Als die Sultanin angekleidet war, begab sie sich nach den Zimmern der
+Prinzessin, die noch zu Bette lag. Sie näherte sich ihr, küßte sie und
+wünschte ihr einen guten Morgen; aber wie groß war ihr Erstaunen, als
+sie nicht nur keine Antwort von ihr erhielt, sondern auch bei näherer
+Betrachtung tiefe Niedergeschlagenheit an ihr bemerkte, woraus sie
+schloß, es müsse ihr etwas begegnet sein, das sie nicht erraten konnte.
+»Liebe Tochter,« sagte die Sultanin zu ihr, »woher kommt es denn, daß du
+alle meine Liebkosungen so schlecht erwiderst? Vor deiner Mutter
+brauchst du doch keine solchen Umstände zu machen. Gestehe mir offen und
+frei, was dir begegnet ist, und lasse mich nicht so lange in dieser
+peinlichen Unruhe.«
+
+Die Prinzessin Bedrulbudur unterbrach endlich das Schweigen mit einem
+tiefen Seufzer. »Ach, meine sehr verehrte Mutter,« rief sie, »verzeihe
+mir, wenn ich es an der schuldigen Ehrfurcht fehlen ließ. Es sind mir
+heute nacht so außerordentliche Sachen zugestoßen, daß ich mich von
+meinem Staunen und meinem Schrecken noch nicht erholt habe, ja kaum mich
+selbst wiedererkenne.« Sie schilderte hierauf mit den lebhaftesten
+Farben, was ihr begegnet.
+
+Die Sultanin hörte alles, was die Prinzessin ihr erzählte, sehr ruhig
+an, wollte es aber nicht glauben. »Liebe Tochter,« sprach sie zu ihr,
+»du hast wohl daran getan, daß du dem Sultan, deinem Vater, nichts davon
+gesagt hast. Hüte dich ja, gegen jemand etwas verlauten zu lassen; man
+würde dich für eine Närrin halten, wenn man dich so sprechen hörte.« –
+»Verehrungswürdige Mutter,« antwortete die Prinzessin, »ich versichere
+dir, daß ich bei Verstande bin. Frage nur meinen Gemahl, er wird dir
+dasselbe sagen.« – »Ich werde mich bei ihm erkundigen,« antwortete die
+Sultanin, »aber wenn er auch gerade so spräche, wie du, so vermöchte
+mich dies immer noch nicht zu überzeugen. Steh nur auf und schlag dir
+diese Gedanken aus dem Kopf.« Zugleich rief die Sultanin die Frauen der
+Prinzessin, und als sie sah, daß sie aufgestanden war und sich zu
+schmücken begann, begab sie sich nach den Zimmern des Sultans und sagte
+ihm, es sei ihrer Tochter wirklich etwas durch den Kopf gegangen, was
+aber von keinem Belang sei. Dann ließ sie den Sohn des Großveziers
+rufen, um von ihm nähere Aufschlüsse über die Erzählung der Prinzessin
+zu erhalten; dieser aber, der sich durch die Verwandtschaft mit dem
+Sultan sehr geehrt fühlte, hatte sich vorgenommen, die Sache zu
+verheimlichen. »Mein lieber Sohn,« sagte die Sultanin zu ihm, »sag mir
+doch, hast du dir dieselbe Einbildung in den Kopf gesetzt, wie deine
+Frau?« – »Herrin,« antwortete der Sohn des Großveziers, »dürfte ich wohl
+um Erklärung bitten, was deine Frage besagen soll?« – »Ich bin schon
+zufrieden,« antwortete die Sultanin, »und verlange nicht mehr zu wissen;
+du bist gescheiter als sie.«
+
+Die Lustbarkeiten im Palast dauerten den ganzen Tag fort, und die
+Sultanin, die der Prinzessin nicht von der Seite kam, unterließ nichts,
+um sie zur Fröhlichkeit und zur Teilnahme an den Vergnügungen und
+ergötzlichen Schauspielen zu stimmen, die ihr zu Ehren veranstaltet
+wurden; allein das Begebnis der vorigen Nacht hatte einen solch
+gewaltigen Eindruck auf sie gemacht, daß sie für nichts anderes Sinn
+hatte und immer damit beschäftigt war. Der Sohn des Großveziers fühlte
+sich durch diese schlimme Nacht ebenfalls sehr geschwächt, allein er
+setzte seinen Ehrgeiz darein, niemand etwas davon merken zu lassen, und
+wenn man ihn sah, mußte man glauben, er sei ein sehr glücklicher
+Ehemann.
+
+Alaeddin, der von allem, was im Palast vorging, wohl unterrichtet war,
+zweifelte nicht, daß die Neuvermählten, trotz ihres verdrießlichen
+Abenteuers in der ersten Nacht, sich abermals miteinander zu Bette
+begeben würden, und hatte keine Lust, sie in Ruhe zu lassen. Sobald die
+Nacht ein wenig vorgerückt war, rieb er seine Lampe; der Geist erschien
+und bot ihm mit denselben Worten, wie früher, seine Dienste an. »Der
+Sohn des Großveziers und die Prinzessin Bedrulbudur,« sagte Alaeddin zu
+ihm, »wollen heute nacht wieder beisammen schlafen. Gehe hin, und sobald
+sie sich niedergelegt haben, bring mir das Bett hierher, wie gestern.«
+
+Der Geist bediente Alaeddin ebenso treu und pünktlich, wie das erstemal.
+Der Sohn des Großveziers brachte die Nacht wieder so kalt und so
+unangenehm zu, wie die Brautnacht, und die Prinzessin mußte zu ihrem
+Verdruß Alaeddin wieder als Bettgenossen annehmen, der auch diesmal
+zwischen sie und sich den Säbel legte. Der Geist kam, dem Befehle
+Alaeddins zufolge, morgens wieder, legte den Ehemann zu seiner Frau,
+nahm sodann das Bett mit den Neuvermählten und trug es wieder in das
+Zimmer des Palastes, wo er es geholt hatte.
+
+Der Sultan, der nach dem Empfang, welchen er am vorigen Morgen bei der
+Prinzessin Bedrulbudur gefunden, sehr neugierig war, wie sie die zweite
+Nacht zugebracht habe, und ob sie ihn abermals so schlecht empfangen
+würde, begab sich wieder ebenso früh in ihr Zimmer, um sich davon zu
+unterrichten. Der Sohn des Großveziers, der sich über sein Unglück in
+dieser Nacht noch mehr schämte und ärgerte, als das erstemal, hörte ihn
+kaum kommen, als er eilig aufstand und in das Ankleidezimmer stürzte.
+
+Der Sultan näherte sich dem Bett der Prinzessin, wünschte ihr guten
+Morgen und sagte dann nach denselben Liebkosungen wie am vorigen Tage:
+»Nun, meine liebe Tochter, bist du diesen Morgen auch wieder so schlecht
+gelaunt, wie gestern? Wirst du mir wohl sagen, wie du die Nacht
+zugebracht hast?« Die Prinzessin beobachtete dasselbe Stillschweigen und
+der Sultan bemerkte, daß sie noch weit unruhiger und betrübter war, als
+das erstemal. Er zweifelte jetzt nicht mehr, daß ihr etwas
+Außerordentliches zugestoßen sein müsse, ärgerte sich aber über ihre
+Schweigsamkeit und rief ihr voll Zorn und mit gezücktem Säbel zu: »Wenn
+du mir nicht gestehst, was du verhehlen willst, so haue ich dir sogleich
+den Kopf ab.«
+
+Die Prinzessin, die über den Ton und die Drohung des beleidigten Sultans
+noch mehr erschrak, als über den Anblick des blanken Säbels, brach
+endlich das Stillschweigen und rief mit tränenden Augen: »Geliebter
+Vater und König! ich bitte um Verzeihung, wenn ich dich beleidigt habe,
+hoffe aber von deiner Güte und Milde, daß Mitleid an die Stelle des
+Zorns treten wird, sobald ich dir den kläglichen und traurigen Zustand,
+worin ich mich sowohl diese als die vorige Nacht befunden, treu
+schildere.«
+
+Nach dieser Einleitung, die den Sultan etwas besänftigte und milder
+stimmte, erzählte sie ihm alles, was ihr während dieser zwei
+verdrießlichen Nächte begegnet war, getreu und so rührend, daß er
+betrübt wurde, denn er liebte seine Tochter sehr zärtlich. Sie schloß
+mit den Worten: »Wenn du im mindesten an meiner Erzählung zweifelst, so
+kannst du den Gemahl fragen, den du mir gegeben hast; ich bin überzeugt,
+daß er die Wahrheit der Sache ebenso bezeugen wird, wie ich.«
+
+Der Sultan teilte die tiefe Bekümmernis, in welche die Prinzessin durch
+ein so auffallendes Abenteuer versetzt werden mußte. »Liebe Tochter,«
+sprach er zu ihr, »es war sehr unrecht von dir, daß du mir diese
+seltsame Geschichte nicht schon gestern erzählt hast, die mir ebenso
+wichtig sein muß, als dir. Ich habe dich nicht verheiratet in der
+Absicht, dich unglücklich zu machen, sondern im Gegenteil gedachte ich,
+dich dadurch in den Besitz all des Glückes zu setzen, das du verdienst
+und bei einem Gemahl, der für dich zu passen schien, auch hoffen
+konntest. Banne nur aus deinem Gemüt die traurigen Gedanken an das, was
+du mir eben erzählt hast. Ich werde sogleich Befehle geben, daß du von
+nun an keine so unangenehmen und unerträglichen Nächte mehr hast, wie
+bisher.«
+
+Sobald der Sultan in seine Gemächer zurückgekehrt war, ließ er den
+Großvezier rufen. »Vezier,« sagte er zu ihm, »hast du deinen Sohn schon
+gesehen und hat er dir nichts gesagt?« Als der Großvezier antwortete, er
+habe ihn noch nicht gesehen, so erzählte ihm der Sultan alles, was er
+von der Prinzessin Bedrulbudur vernommen. »Ich zweifle nicht,« sagte er
+zuletzt, »daß meine Tochter mir die Wahrheit berichtet hat; indes wäre
+es mir sehr lieb, wenn dein Sohn es bestätigte. Gehe und frage ihn, was
+an der Sache ist.«
+
+Der Großvezier begab sich sogleich zu seinem Sohn, teilte ihm mit, was
+der Sultan ihm gesagt hatte, und schärfte ihm ein, daß er ja nichts
+verhehlen und sagen solle, ob alles wahr sei. »Ich will dir die Wahrheit
+gestehen, mein Vater,« antwortete der Sohn. »Alles, was die Prinzessin
+zum Sultan sagte, hat seine traurige Richtigkeit; aber die schlechte
+Behandlung, die ich insbesondere erfahren habe, weiß sie selbst nicht.
+Ich brauche dir nicht weitläufig auseinanderzusetzen, was ich alles
+ausgestanden habe, wenn ich desungeachtet auch gegen die Prinzessin,
+meine Gemahlin, alle Gefühle der Liebe, Ehrerbietung und Dankbarkeit
+hege, die sie verdient. Gleichwohl muß ich dir aufrichtig gestehen, daß
+ich, so ehrenvoll und glänzend die Vermählung der Tochter des Sultans
+für mich ist, lieber sterben, als länger in einer so hohen
+Verwandtschaft bleiben will, wenn ich mich auch ferner noch einer solch
+unangenehmen Behandlung aussetzen muß. Ich zweifle nicht, daß die
+Prinzessin ebenso denken wird, wie ich, und sie wird leicht zugeben, daß
+unsere Trennung für ihre Ruhe so notwendig ist, als für die meinige;
+darum, lieber Vater, bitte ich dich bei der Liebe, die dich bewogen, mir
+diese hohe Ehre zu verschaffen, wirke beim Sultan aus, daß unsere Ehe
+für nichtig erklärt wird.«
+
+So sehr es nun auch dem Ehrgeiz des Großveziers geschmeichelt hatte,
+seinen Sohn als Tochtermann des Sultans zu sehen, so hielt er es doch,
+da dieser fest entschlossen war, sich von der Prinzessin scheiden zu
+lassen, nicht für ratsam, ihn wenigstens noch für einige Tage zur Geduld
+zu ermahnen, um abzuwarten, ob diese Widerwärtigkeit nicht von selbst
+aufhören werde. Er verließ ihn daher, um dem Sultan Bericht abzustatten,
+und gestand ihm aufrichtig, die Sache sei nur zu wahr; sein Sohn habe
+ihm alles erzählt. Ohne erst abzuwarten, daß der Sultan selbst von der
+Ehescheidung zu reden anfing, wozu er ihn sehr geneigt sah, bat er
+hierauf um Erlaubnis, daß sein Sohn sich aus dem Palaste entfernen und
+in sein Haus zurückkehren dürfte; indem es höchst unrecht wäre, wenn die
+Prinzessin um seinetwillen nur einen Augenblick länger dieser
+schrecklichen Plage ausgesetzt würde.
+
+Es kostete den Großvezier nicht viel Mühe, die Gewährung seines Gesuchs
+zu erlangen. Der Sultan, der bereits diesen Entschluß gefaßt hatte, gab
+augenblicklich Befehl, die Lustbarkeiten im Palaste und in der Stadt,
+sowie im ganzen Gebiete seines Königreichs, wohin er Gegenbefehle
+abfertigte, einzustellen, und in kurzer Zeit hörten alle öffentlichen
+Freudenbezeigungen und Festlichkeiten auf.
+
+Diese plötzliche und unerwartete Veränderung gab zu allerlei Gerede
+Anlaß. Die Leute fragten sich, woher es wohl kommen möge, aber niemand
+wußte mehr zu sagen, als daß man den Großvezier und seinen Sohn, beide
+sehr traurig, aus dem Palaste in ihr eigenes Haus habe gehen sehen.
+Alaeddin allein wußte das Geheimnis und freute sich in seinem Innern gar
+sehr über den glücklichen Erfolg, den ihm seine Lampe verschaffte. Da er
+jetzt mit Bestimmtheit wußte, daß sein Nebenbuhler den Palast verlassen
+hatte und die Ehe zwischen der Prinzessin und ihm vollständig aufgelöst
+war, so hatte er nicht mehr nötig, die Lampe zu reiben und den Geist zu
+rufen. Das Merkwürdigste bei der Sache war, daß weder der Sultan, noch
+der Großvezier, die Alaeddin und seinen Antrag längst vergessen hatten,
+auch nur entfernt auf den Gedanken kamen, daß er an der Zauberei irgend
+Anteil haben könnte.
+
+Alaeddin ließ indes die drei Monate vollends verstreichen, die der
+Sultan als Frist für seine Vermählung mit der Prinzessin Bedrulbudur
+festgesetzt hatte. Er hatte sorgfältig jeden Tag gezählt, und als sie
+vorüber waren, schickte er gleich am andern Morgen seine Mutter in den
+Palast, um den Sultan an sein Wort zu erinnern.
+
+Alaeddins Mutter ging nach dem Palaste, wie ihr Sohn ihr gesagt hatte,
+und stellte sich am Eingang des Divans wieder an denselben Platz wie
+früher. Kaum hatte der Sultan einen Blick auf sie geworfen, so erkannte
+er sie auch wieder und erinnerte sich an ihre Bitte, sowie an die Zeit,
+auf die er sie vertröstet hatte. Der Großvezier trug ihm eben eine Sache
+vor. Der Sultan unterbrach ihn mit den Worten: »Vezier, ich bemerke dort
+die gute Frau, die uns vor einigen Monaten ein so schönes Geschenk
+machte: laß sie hierher treten, du magst deinen Bericht fortsetzen, wenn
+ich sie angehört habe.«
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Alaeddins Mutter näherte sich dem Fuße des Thrones und warf sich der
+Sitte gemäß nieder. Als sie wieder aufgestanden war, fragte sie der
+Sultan, was sie wünsche. »Großer König,« antwortete sie, »ich erscheine
+zum zweitenmal vor deinem Angesicht, um dir im Namen meines Sohnes
+Alaeddin vorzustellen, daß die drei Monate verstrichen sind, auf welche
+du ihn mit der Bitte, die ich dir vorzutragen die Ehre hatte, vertröstet
+hast. Ich bitte demütiglich, daß du dich der Sache erinnern mögest.«
+
+Der Sultan hatte diese Frist von drei Monaten das erstemal nur deshalb
+angesetzt, weil er glaubte, es werde dann keine Rede mehr von einer
+Heirat sein, die ihm für die Prinzessin, seine Tochter, durchaus nicht
+angemessen schien, in Anbetracht des niedrigen Standes und der Armut von
+Alaeddins Mutter, welche in einem sehr gemeinen Aufzuge vor ihm
+erschien. Diese Mahnung an sein Versprechen setzte ihn jetzt in
+Verlegenheit. Um sich in der Sache nicht zu übereilen, zog er seinen
+Großvezier zu Rate und bezeigte ihm seine Abneigung, die Prinzessin mit
+einem Unbekannten zu vermählen, der offenbar von ganz niedriger Abkunft
+sein mußte.
+
+Der Großvezier zögerte nicht, dem Sultan seine Gedanken hierüber zu
+sagen. »Herr,« antwortete er ihm, »mir scheint, daß es ein unfehlbares
+Mittel gibt, diese unpassende Heirat zu hintertreiben, ohne daß Alaeddin
+sich darob beklagen könnte. Du darfst nur einen so hohen Preis für die
+Prinzessin festsetzen, daß seine Reichtümer, wenn sie auch noch so groß
+sind, nicht zureichen. Auf diese Art wirst du ihn von seiner kühnen, ja
+ich möchte sagen, verwegenen Bewerbung abbringen.«
+
+Der Sultan billigte den Rat des Großveziers. Er wandte sich zu Alaeddins
+Mutter und sagte nach einigem Nachdenken zu ihr: »Gute Frau, ein Sultan
+muß immer sein gegebenes Wort halten, und ich bin bereit, mein
+Versprechen zu erfüllen und deinen Sohn mit der Hand meiner Tochter zu
+beglücken. Da ich sie aber nicht vermählen kann, ohne zu wissen, welche
+Vorteile sie sich davon versprechen darf, so melde deinem Sohne, ich
+werde mein Versprechen erfüllen, sobald er mir vierzig große Becken von
+gediegenem Gold, von oben bis unten mit dergleichen Kostbarkeiten, wie
+du mir schon einmal in seinem Namen gebracht hast, angefüllt, durch
+vierzig schwarze Sklaven zuschickt, die von vierzig andern ausnehmend
+schönen und aufs prachtvollste gekleideten jungen weißen Sklaven geführt
+sein müssen. Dies sind die Bedingungen, unter denen ich bereit bin, ihm
+die Prinzessin, meine Tochter, zu geben. Geh nun, gute Frau, und bring
+mir bald wieder Antwort.«
+
+Alaeddins Mutter warf sich abermals vor dem Throne des Sultans nieder
+und entfernte sich. Unterwegs lachte sie in ihrem Herzen über das
+närrische Verlangen ihres Sohnes. »Wahrhaftig,« sagte sie, »wo soll er
+so viele goldene Becken und eine solche Menge farbiger Gläser hernehmen,
+um sie damit zu füllen? Wird er wieder in das unterirdische Gewölbe
+hinabsteigen, dessen Eingang verschlossen ist, um sie von den Bäumen zu
+pflücken? und woher soll er alle diese hübschen Sklaven bekommen, die
+der Sultan verlangt? Jetzt ist er freilich weit von seinem Ziele
+entfernt, und ich glaube nicht, daß er mit meiner Botschaft zufrieden
+sein wird.« Als sie mit diesen Gedanken beschäftigt nach Hause kam,
+sagte sie: »Mein Sohn, ich rate dir, denke nicht mehr an eine Vermählung
+mit der Prinzessin Bedrulbudur. Der Sultan hat mich zwar sehr huldreich
+empfangen und ich glaube, daß er gut gegen dich gesinnt war, allein der
+Großvezier hat ihn, wenn ich mich nicht täusche, auf andere Gedanken
+gebracht. Nachdem ich dem Sultan vorgestellt hatte, daß die drei Monate
+abgelaufen seien, bemerkte ich, daß er eine Weile ganz leise mit dem
+Großvezier sprach, und dann erst gab er mir die Antwort, die ich dir
+jetzt sagen werde.« Sie erzählte nun ihrem Sohne sehr ausführlich alles,
+was der Sultan ihr gesagt hatte, und nannte ihm die Bedingungen, unter
+denen er in die Verbindung der Prinzessin, seiner Tochter, mit ihm
+einwilligen würde. »Mein Sohn,« sagte sie zuletzt, »er erwartet eine
+Antwort; aber unter uns gesagt,« fuhr sie lächelnd fort, »ich glaube, er
+wird lange warten müssen.«
+
+»Nicht so lange, liebe Mutter, als du glaubst,« antwortete Alaeddin,
+»und der Sultan ist gewaltig im Irrtum, wenn er meint, durch seine
+ungeheuren Forderungen könne er mich außerstand setzen, an die
+Prinzessin Bedrulbudur zu denken. Ich hatte ganz andere unüberwindliche
+Schwierigkeiten erwartet, oder wenigstens einen weit höheren Preis für
+meine unvergleichliche Prinzessin. Jetzt aber bin ich wohl zufrieden,
+denn was er verlangt, ist eine Kleinigkeit gegen das, was ich ihm für
+ihren Besitz bieten könnte. Während ich nun darauf denken werde, ihn zu
+befriedigen, besorge du ein Mittagessen für uns und laß nur mich
+gewähren.«
+
+Sobald seine Mutter nach Lebensmitteln ausgegangen war, nahm Alaeddin
+die Lampe und rieb sie. Sogleich erschien der Geist, fragte in den
+gewöhnlichen Ausdrücken, was er zu befehlen habe, und sagte, daß er
+bereit sei, ihn zu bedienen. Alaeddin sprach zu ihm: »Der Sultan gibt
+mir die Prinzessin, seine Tochter, zur Frau; zuvor aber verlangt er von
+mir vierzig große und vollwichtige Becken von gediegenem Gold, bis zum
+Rande angefüllt mit den Früchten des Gartens, wo ich die Lampe geholt
+habe, deren Sklave du bist. Ferner verlangt er, daß diese vierzig
+goldenen Becken von ebensovielen schwarzen Sklaven getragen werden
+sollen, vor denen vierzig wohlgebildete, schlanke und prachtvoll
+gekleidete junge weiße Sklaven hergehen müssen. Gehe und schaffe mir
+baldmöglichst dieses Geschenk zur Stelle, damit ich es dem Sultan
+schicken kann, ehe er die Sitzung des Divans aufhebt.« Der Geist sagte,
+sein Befehl solle unverzüglich vollzogen werden, und verschwand.
+
+Eine kleine Weile darauf ließ der Geist sich wieder sehen, begleitet von
+vierzig schwarzen Sklaven, deren jeder ein schweres Becken von
+gediegenem Gold, angefüllt mit Perlen, Diamanten, Rubinen und Smaragden,
+welche die dem Sultan bereits geschenkten an Größe und Schönheit weit
+übertrafen, auf dem Kopfe trug. Jedes der Becken war mit goldgeblümtem
+Silberstoff überdeckt. Diese Sklaven, sowohl die weißen als die
+schwarzen mit den goldenen Becken, erfüllten fast das ganze Haus, das
+ziemlich klein war, nebst dem kleinen Hofe vor und einem Gärtchen hinter
+demselben. Der Geist fragte Alaeddin, ob er zufrieden sei, und ob er ihm
+sonst noch etwas zu befehlen habe. Alaeddin antwortete, er verlange
+nichts mehr, und der Geist verschwand.
+
+Als Alaeddins Mutter vom Markte zurückkam, verwunderte sie sich
+höchlich, da sie so viele Leute und Kostbarkeiten sah. Nachdem sie die
+Nahrungsmittel auf den Tisch gelegt hatte, wollte sie den Schleier, der
+ihr Gesicht verhüllte, ablegen, aber Alaeddin ließ es nicht zu. »Liebe
+Mutter,« sprach er zu ihr, »wir haben jetzt keine Zeit zu verlieren. Es
+ist von großer Wichtigkeit, daß du, noch ehe der Sultan den Divan
+schließt, in den Palast zurückkehrst und das verlangte Geschenk nebst
+der Morgengabe für die Prinzessin Bedrulbudur hinbringst, damit er aus
+meiner Eile und Pünktlichkeit das brennende und aufrichtige Verlangen
+ermessen kann, womit ich nach der Ehre trachte, sein Schwiegersohn zu
+werden.«
+
+Ohne die Antwort seiner Mutter abzuwarten, öffnete Alaeddin die Türe
+nach der Straße und ließ alle seine Sklaven paarweise, immer einen
+weißen mit einem schwarzen zusammen, hinaus. Als nun seine Mutter hinter
+dem letzten Sklaven her ebenfalls draußen war, verschloß er die Türe und
+blieb ruhig auf seinem Zimmer, in der süßen Hoffnung, der Sultan werde
+ihm endlich nach diesem Geschenke, das er selbst gefordert hatte, seine
+Tochter geben. Kaum war der erste weiße Sklave vor Alaeddins Hause, als
+alle Vorübergehenden, die ihn bemerkten, stehen blieben, und ehe noch
+die achtzig Sklaven, die weißen und schwarzen untereinander, draußen
+waren, wimmelte die Straße von einer Masse Volks, das von allen Seiten
+herbeiströmte, um dieses prachtvolle und außerordentliche Schauspiel
+anzusehen. Die Kleidung der Sklaven bestand aus so kostbaren Stoffen,
+und war so reich mit Edelsteinen geschmückt, daß die besten Kenner nicht
+zuviel zu sagen glaubten, wenn sie jeden Anzug auf mehr als eine Million
+schätzten. Die Schönheit und der gute Sitz der Kleider, der edle
+Anstand, der ebenmäßige und stattliche Wuchs der Sklaven, ihr
+feierlicher Zug in gleichmäßig abgemessenen Zwischenräumen, der Glanz
+der außerordentlich großen Edelsteine, die in schönster Anordnung rings
+um ihre Gürtel in echtes Gold gefaßt, und die Rosen an ihren Turbanen,
+die ebenfalls aus Edelsteinen zusammengesetzt und ganz besonders
+geschmackvoll gearbeitet waren, dies alles versetzte die Zuschauer in so
+große Verwunderung, daß sie nicht müde wurden, sie zu betrachten. Die
+Straßen waren so mit Menschen angefüllt, daß jeder an dem Platze, wo er
+war, stehen bleiben mußte.
+
+Da man durch mehrere Straßen gehen mußte, um zu dem Palaste zu gelangen,
+so konnte ein großer Teil der Stadt und Leute aus allen Klassen und
+Ständen den prachtvollen Aufzug sehen. Endlich langte der erste von den
+achtzig Sklaven an der Pforte des ersten Schloßhofes an. Die Pförtner,
+die sich bei Annäherung dieses wundervollen Zuges in zwei Reihen
+aufgestellt hatten, hielten ihn für einen König, so reich und
+prachtvoll war er gekleidet, und näherten sich ihm, um den Saum seines
+Kleides zu küssen. Der Sklave aber, den der Geist vorher seine Rolle
+gelehrt hatte, gab es nicht zu und sagte feierlich zu ihm: »Wir sind
+bloß Sklaven; unser Herr wird erscheinen, sobald es Zeit ist.«
+
+So kam der erste Sklave an der Spitze des ganzen Zugs in den zweiten
+Hof, der sehr geräumig war und wo sich der Hofstaat des Sultans während
+der Sitzung des Divans aufgestellt hatte. Die Anführer jeder einzelnen
+Truppe waren zwar prachtvoll gekleidet, wurden aber weit verdunkelt, als
+die achtzig Sklaven erschienen, die Alaeddins Geschenk brachten. Im
+ganzen Hofstaate des Sultans gab es nichts so Herrliches und Glänzendes,
+und alle Pracht der ihn umgebenden Herren von Hofe war Staub im
+Vergleich mit dem, was sich jetzt seinen Blicken darbot. Da man dem
+Sultan den Zug und die Ankunft dieser Sklaven gemeldet, hatte er Befehl
+gegeben, sie eintreten zu lassen. Nachdem sie vor dem Throne des Sultans
+einen großen Halbkreis gebildet hatten, stellten die schwarzen Sklaven
+die Becken auf den Fußteppich, dann warfen sie sich alle miteinander
+nieder und berührten den Teppich mit ihrer Stirne. Die weißen Sklaven
+taten dasselbe. Hierauf standen alle wieder auf, und die schwarzen
+enthüllten dabei sehr geschickt die vor ihnen stehenden Becken, worauf
+sie mit gekreuzten Armen und großer Ehrerbietung stehen blieben.
+
+Indes nahte Alaeddins Mutter dem Fuße des Thrones, warf sich vor
+demselben nieder und sprach zu dem Sultan: »Herr, mein Sohn Alaeddin
+weiß recht wohl, daß das Geschenk, das er dir schickt, weit unter dem
+steht, was die Prinzessin Bedrulbudur verdient. Gleichwohl hofft er, du
+werdest es huldreich annehmen und auch die Prinzessin werde es nicht
+verschmähen; er hofft dies um so zuversichtlicher, da er sich bemüht
+hat, der Bedingung, die du ihm vorgeschrieben, nachzukommen.«
+
+Der Sultan war nicht imstande, die Begrüßung der Mutter Alaeddins
+aufmerksam anzuhören. Schon beim ersten Blick auf die vierzig goldenen
+Becken, die bis zum Rande mit den strahlendsten, glänzendsten und
+kostbarsten Edelsteinen angefüllt waren, und auf die achtzig Sklaven,
+die man für Könige halten konnte, war er so überrascht, daß er sich von
+seinem Staunen nicht erholen konnte. Statt also den Gruß von Alaeddins
+Mutter zu erwidern, wandte er sich an den Großvezier, der ebensowenig
+begreifen konnte, woher so viele Reichtümer gekommen sein sollen. »Nun
+Vezier,« sagte er laut zu ihm, »was denkst du von dem, wer es auch sein
+mag, der mir ein so reiches und außerordentliches Geschenk schickt, ohne
+daß wir beide ihn kennen? Hältst du ihn für unwürdig, meine Tochter, die
+Prinzessin Bedrulbudur zu heiraten?«
+
+So schmerzlich es nun auch dem Großvezier war, zu sehen, daß ein
+Unbekannter den Vorzug vor seinem Sohne erhalten und der Eidam des
+Sultans werden sollte, so wagte er es doch nicht, seine Ansicht zu
+verhehlen. Es war zu augenscheinlich, daß Alaeddins Geschenk mehr als
+hinreichend war, um ihn dieser hohen Ehre würdig zu machen. Er
+antwortete also dem Sultan ganz nach seinem Sinn und sprach: »Herr, es
+sei ferne von mir, zu glauben, daß derjenige, der dir ein deiner so
+würdiges Geschenk gemacht hat, der Ehre, die du ihm zudenkst, unwürdig
+wäre; ja ich würde die Behauptung wagen, er verdiene noch weit mehr,
+wenn ich nicht überzeugt wäre, daß es auf der ganzen Welt keinen so
+kostbaren Schatz gibt, der die Prinzessin, deine Tochter, aufwiegen
+könnte.« Die Herren vom Hofe, die der Sitzung beiwohnten, gaben durch
+ihre Beifallsbezeugungen zu erkennen, daß sie ebenso dachten wie der
+Großvezier.
+
+Der Sultan verschob jetzt die Sache nicht länger und erkundigte sich
+nicht einmal, ob Alaeddin auch die übrigen erforderlichen Eigenschaften
+besitze, um sein Schwiegersohn werden zu können. Schon der Anblick
+dieser unermeßlichen Reichtümer und die Schnelligkeit, mit der Alaeddin
+sein Verlangen erfüllt hatte, ohne in den ungeheuren Bedingungen die
+mindeste Schwierigkeit zu finden, war ihm Beweis genug, daß ihm nichts
+zu einem vollendeten Mann fehlen könne, wie er ihn sich wünschte. Um
+daher Alaeddins Mutter vollkommen zu befriedigen, sagte er zu ihr: »Gehe
+jetzt, gute Frau, und sage deinem Sohn, daß ich ihn erwarte und mit
+offenen Armen aufnehmen werde; je schneller er kommen wird, um die
+Prinzessin, meine Tochter, aus meiner Hand zu empfangen, je mehr wird er
+mir Freude machen.«
+
+Hoch erfreut, ihren Sohn wider alles Erwarten auf einer so hohen Stufe
+des Glücks zu erblicken, eilte Alaeddins Mutter nach Hause; der Sultan
+aber schloß die Sitzung für heute, stand von seinem Throne auf und
+befahl, daß die Verschnittenen der Prinzessin die goldenen Becken nehmen
+und nach den Zimmern ihrer Gebieterin tragen sollen, wohin er selbst
+ging, um sie mit Muße näher zu betrachten.
+
+Indes kam Alaeddins Mutter mit einem Gesichte, das ihre gute Botschaft
+voraus verkündete, nach Hause.
+
+Alaeddin, der über ihre Nachricht hoch erfreut war, gab seiner Mutter
+eine kurze Antwort und ging auf sein Zimmer. Er nahm die Lampe, die ihm
+bisher in allen Nöten und bei allen seinen Wünschen so hilfreich gewesen
+war, und kaum hatte er sie gerieben, als der Geist durch sein
+unverzügliches Erscheinen seinen fortdauernden Gehorsam an den Tag
+legte. »Geist,« sagte Alaeddin zu ihm, »ich habe dich gerufen, damit du
+mir sogleich ein Bad bereiten sollst, und sobald ich es genommen habe,
+will ich, daß du mir die reichste und prachtvollste Kleidung bringst,
+die jemals ein König getragen hat.« Kaum hatte er dies gesprochen, als
+der Geist sowohl ihn als sich unsichtbar machte, aufhob und in ein Bad
+trug, das von äußerst feinem, schönem und buntgestreiftem Marmor gebaut
+war. Ohne daß er sah, wer ihn bediente, wurde er in einem sehr schönen
+und geräumigen Saale entkleidet. Aus dem Saale ließ man ihn in das Bad
+treten, wo er gerieben und mit allerhand wohlriechenden Wassern
+gewaschen wurde. Nachdem er in den verschiedenen Badestuben alle Grade
+der Wärme durchgemacht hatte, kam er wieder heraus, aber ganz anders,
+als er eingetreten war. Seine Gesichtsfarbe war frisch, weiß und rosig
+geworden, und sein ganzer Leib weit leichter und geschmeidiger. Als er
+in den Saal zurückkam, fand er das Kleid, das er dort gelassen hatte,
+nicht mehr; der Geist hatte statt dessen eine andere Kleidung gebracht.
+Alaeddin war ganz erstaunt, als er die Pracht des Anzugs sah. Er
+kleidete sich mit Hilfe des Geistes an und bewunderte jedes Stück, ehe
+er es anzog: so sehr übertraf es alles, was er sich bisher nur hatte
+denken können. Als er fertig war, trug ihn der Geist in dasselbe Zimmer
+zurück, wo er ihn abgeholt hatte, und fragte ihn, ob er noch etwas zu
+befehlen habe. »Ja,« antwortete Alaeddin; »ich erwarte auf der Stelle
+von dir, daß du mir ein Pferd herführst, dessen Schönheit und
+Schnelligkeit das kostbarste Pferd im Stalle des Sultans übertrifft;
+die Decke, der Sattel, der Zaum und überhaupt das Geschirr muß über eine
+Million wert sein. Auch verlange ich, daß du mir zu gleicher Zeit
+zwanzig Sklaven herbeischaffst, die ebenso reich und schmuck gekleidet
+sein müssen, wie die, welche das Geschenk trugen, denn sie sollen mir
+zur Seite und als mein Gefolge einhergehen; und noch zwanzig andere der
+Art, die in zwei Reihen vor mir herziehen sollen. Auch meiner Mutter
+bring sechs Sklavinnen zu ihrer Bedienung, die alle wenigstens ebenso
+reich gekleidet sein müssen, wie die Sklavinnen der Prinzessin
+Bedrulbudur, und jede einen vollständigen Anzug auf dem Kopfe tragen
+soll, der so prächtig und stattlich sein muß, als wäre er für die
+Sultanin. Ferner brauche ich noch zehntausend Goldstücke in zehn
+Beuteln. Das war es, was ich dir noch zu befehlen hatte; geh und beeile
+dich.«
+
+Sobald Alaeddin dem Geiste diese Befehle gegeben hatte, verschwand
+dieser und erschien bald wieder mit dem Pferde, den vierzig Sklaven, von
+denen zehn je einen Beutel mit tausend Goldstücken trugen, und die sechs
+Sklavinnen, wovon jede einen verschiedenen Anzug für Alaeddins Mutter,
+in Silberstoff eingewickelt, auf dem Kopfe trug. Der Geist übergab dies
+alles an Alaeddin.
+
+Alaeddin nahm von den zehn Beuteln nur vier, die er seiner Mutter gab,
+damit sie sich derselben in Notfällen bedienen sollte. Die sechs andern
+ließ er in den Händen der Sklaven, welche sie trugen, mit dem Befehl,
+sie zu behalten und während ihres Zuges durch die Straßen nach dem
+Palaste des Sultans handvollweise unter das Volk auszuwerfen. Auch
+befahl er ihnen, sie sollten dicht vor ihm, drei zur Rechten und drei
+zur Linken, einhergehen. Endlich gab er seiner Mutter die sechs
+Sklavinnen und sagte ihr, sie gehörten ihr und sie könne als Gebieterin
+über sie verfügen; auch die Kleider, die sie trugen, seien für ihren
+Gebrauch bestimmt.
+
+Als Alaeddin alle seine Angelegenheiten geordnet hatte, entließ er den
+Geist mit der Erklärung, daß er ihn rufen werde, sobald er seiner
+bedürfe, worauf dieser augenblicklich verschwand. Jetzt machte sich
+Alaeddin fertig, dem Wunsche des Sultans, der ihn sehen wollte, zu
+entsprechen. Er fertigte einen der vierzig Sklaven – ich will nicht
+sagen den schönsten, denn sie waren alle gleich – nach dem Palaste ab,
+mit dem Befehl, er solle sich an den Obersten der Türsteher wenden und
+ihn fragen, wann er wohl die Ehre haben könne, sich dem Sultan zu Füßen
+zu werfen. Der Sklave entledigte sich seines Auftrages sehr schnell und
+brachte die Nachricht zurück, daß der Sultan ihn mit Ungeduld erwarte.
+
+Alaeddin stieg nun unverzüglich zu Pferde und setzte sich mit seinem
+Zuge in der schon angezeigten Ordnung in Bewegung. Obgleich er nie zuvor
+ein Roß bestiegen hatte, so zeigte er doch dabei so edlen Anstand, daß
+selbst der erfahrenste Reiter ihn nicht für einen Neuling hätte halten
+können. Die Straßen, durch die er kam, füllten sich in einem Nu mit einer
+unübersehbaren Volksmasse an, von deren Beifalls-, Bewunderungs- und
+Segensrufen die Luft wiederhallte, besonders wenn die sechs Sklaven,
+welche die Beutel trugen, ganze Hände voll Goldstücke rechts und links
+in die Luft warfen. Der Beifallsruf kam indes nicht von dem Pöbel her,
+der sich drängte, stieß und niederdrückte, um Goldstücke aufzulesen,
+sondern von den wohlhabenderen Zuschauern, die sich nicht enthalten
+konnten, der Freigebigkeit Alaeddins öffentlich das verdiente Lob zu
+spenden. Nicht bloß die, die sich erinnerten, ihn noch in seinen
+Jünglingsjahren mit den Gassenbuben spielend gesehen zu haben, erkannten
+ihn nicht mehr, sondern auch solche, die ihn noch vor kurzem gesehen
+hatten, erkannten ihn kaum, so sehr hatten sich seine Gesichtszüge
+verändert. Dies kam daher, daß die Lampe unter andern Eigenschaften auch
+die hatte, den Besitzern allmählich alle Vollkommenheiten zu verleihen,
+welche dem Rang, zu dem sie durch ihren guten Gebrauch gelangten,
+angemessen waren.
+
+Endlich langte Alaeddin vor dem Palaste an, wo alles zu seinem Empfang
+in Bereitschaft gesetzt war. Als er vor das zweite Tor kam, wollte er,
+der Sitte gemäß, die selbst der Großvezier, die Feldhauptleute und
+Oberstatthalter beobachteten, absteigen; allein der Oberste der
+Türsteher, der ihn auf Befehl des Sultans dort erwartete, ließ es nicht
+zu und begleitete ihn bis an den großen Versammlungs- oder Audienzsaal,
+wo er ihm absteigen half, obwohl Alaeddin sich sehr dagegen sträubte und
+es nicht dulden wollte: er konnte es aber nicht hindern.
+
+Als der Sultan Alaeddin erblickte, war er ebenso überrascht durch seine
+reiche und prachtvolle Kleidung, als auch besonders durch seinen edlen
+Anstand, seinen herrlichen Wuchs und seine würdevolle Haltung, die er um
+so weniger erwartet hatte, als sie von dem niedrigen Anzuge seiner
+Mutter himmelweit verschieden war. Seine Verwunderung und Überraschung
+hinderte ihn indes nicht, aufzustehen und zwei oder drei Stufen des
+Thrones herabzusteigen, damit Alaeddin sich nicht zu seinen Füßen werfen
+und er ihn freundschaftlich umarmen konnte. Nach dieser Höflichkeit
+wollte sich Alaeddin gleichwohl vor ihm niederwerfen, allein der Sultan
+hielt ihn mit eigener Hand zurück und nötigte ihn, heraufzusteigen und
+sich zwischen ihn und den Großvezier zu setzen.
+
+Hierauf nahm Alaeddin das Wort und sprach: »Herr, ich nehme die Ehre,
+die du mir erzeigst, an, weil es dir in deiner Gnade beliebt, sie mir zu
+erweisen; erlaube mir aber, dir zu sagen, daß ich nicht vergessen habe,
+wie ich dein geborner Sklave bin, daß ich die Größe deiner Macht kenne
+und wohl weiß, wie tief meine Herkunft mich unter den Glanz und die
+Herrlichkeit des hohen Ranges stellt, in welchem du stehst. Wenn ich
+durch irgend etwas einen günstigen Empfang verdient haben sollte, so
+gestehe ich, daß ich ihn bloß jener durch einen reinen Zufall
+veranlaßten Kühnheit verdanke, die mich bewog, meine Augen, Gedanken und
+Wünsche bis zu der erhabenen Prinzessin zu erheben, die der Gegenstand
+meiner Sehnsucht ist. Ich bitte dich für diese Verwegenheit um
+Verzeihung, großer König, aber ich kann nicht verhehlen, daß ich vor
+Schmerz sterben würde, wenn ich die Hoffnung aufgeben müßte, meinen
+Wunsch erfüllt zu sehen.«
+
+»Mein Sohn,« antwortete der Sultan, indem er ihn abermals umarmte, »du
+würdest mir unrecht tun, wenn du auch nur einen Augenblick an der
+Aufrichtigkeit meines Versprechens zweifeln wolltest. Dein Leben ist mir
+fortan zu teuer, als daß ich es nicht durch Darbietung des Heilmittels,
+worüber ich verfügen kann, zu erhalten suchen sollte. Ich ziehe das
+Vergnügen, dich zu sehen und zu hören, allen meinen und deinen Schätzen
+vor.«
+
+Bei diesen Worten gab der Sultan ein Zeichen, und alsbald ertönte die
+Luft vom Schall der Hoboen und Pauken; zugleich führte der Sultan
+Alaeddin in einen prachtvollen Saal, wo ein herrliches Festmahl
+aufgetragen wurde. Der Sultan speiste ganz allein mit Alaeddin. Der
+Großvezier und die vornehmen Herren vom Hofe standen ihnen, jeder nach
+seinem Rang und Würde, während der Mahlzeit zur Seite. Der Sultan, der
+die Augen fortwährend auf Alaeddin geheftet hatte, lenkte das Gespräch
+auf verschiedene Gegenstände. Während der ganzen Unterhaltung aber, die
+sie über Tisch miteinander führten, und auf welchen Gegenstand auch das
+Gespräch fallen mochte, sprach Alaeddin mit so viel Kenntnis und
+Verstand, daß er den Sultan vollends ganz in der guten Meinung
+bestärkte, die er gleich anfangs von ihm gefaßt hatte.
+
+Nach dem Mahle ließ der Sultan den obersten Richter seiner Hauptstadt
+rufen und befahl ihm, sogleich den Ehevertrag zwischen der Prinzessin
+Bedrulbudur, seiner Tochter, und Alaeddin zu entwerfen und aufzusetzen.
+
+Als der Richter den Vertrag mit allen erforderlichen Förmlichkeiten
+vollendet hatte, fragte der Sultan Alaeddin, ob er im Palaste bleiben
+und die Hochzeit noch heute feiern wolle. »Herr,« antwortete Alaeddin,
+»so brennend auch mein Verlangen ist, deine Gnade und Huld in ihrem
+ganzen Umfange zu genießen, so bitte ich doch, daß du mir so lange noch
+Frist gestattest, bis ich einen Palast habe erbauen lassen, um die
+Prinzessin ihrem Range und ihrer Würde gemäß zu empfangen. Ich erbitte
+mir hiezu einen angemessenen Platz vor dem deinigen aus, damit ich recht
+nahe bin, um dir meine Aufwartung machen zu können. Ich werde nichts
+unterlassen und dafür sorgen, daß er in möglichst kurzer Zeit vollendet
+wird.« – »Mein Sohn,« sagte der Sultan, »wähle dir jede Stelle aus, die
+du für passend hältst; vor meinem Palaste ist leerer Raum genug, und ich
+selbst habe schon daran gedacht, ihn auszufüllen; aber bedenke, daß ich
+je eher je lieber dich mit meiner Tochter vermählt zu sehen wünsche, um
+das Maß meiner Freude voll zu machen.« Bei diesen Worten umarmte er
+Alaeddin abermals, und dieser verabschiedete sich vom Sultan mit so
+feinem Anstand, wie wenn er von jeher am Hofe gewesen und dort erzogen
+worden wäre.
+
+Alaeddin stieg nun wieder zu Pferde und kehrte in demselben Zuge, wie er
+gekommen war, nach Hause zurück. Kaum war er abgestiegen, so nahm er
+die Lampe und rief den Geist, wie gewöhnlich. »Geist,« sprach Alaeddin
+zu ihm, »ich habe alle Ursache, deine Pünktlichkeit zu rühmen; du hast
+bisher alle Befehle, die ich dir kraft dieser Lampe, deiner Herrin,
+gegeben habe, pünktlich erfüllt. Heute aber handelt es sich darum, daß
+du aus Liebe zu ihr womöglich noch mehr Eifer und Gehorsam an den Tag
+legen sollst, als bisher. Ich verlange nämlich, daß du mir in möglichst
+kurzer Zeit gegenüber vom Palaste des Sultans einen Palast erbauen
+lässest, der würdig ist, die Prinzessin Bedrulbudur, meine Gemahlin,
+aufzunehmen. Die Wahl der Materialien, nämlich Porphyr oder Jaspis,
+Achat oder Lasurstein, oder auch den feinsten buntgestreiften Marmor,
+sowie die übrige Einrichtung des Baues überlasse ich ganz dir; doch
+erwarte ich, daß du mir oben hinauf einen großen Saal mit einer Kuppel
+und vier gleichen Seiten bauest, dessen Wände aus wechselnden Schichten
+von echtem Gold und Silber aufgeführt sein müssen, mit vierundzwanzig
+Fenstern, sechs auf jeder Seite, deren Vergitterung mit Ausnahme eines
+einzigen, welches unvollendet bleiben soll, kunstreich und ebenmäßig mit
+Diamanten, Rubinen und Smaragden geschmückt sein muß, so daß dergleichen
+noch nie auf der Welt gesehen worden ist. Ferner will ich, daß sich bei
+dem Palaste ein Vorhof, ein Hof und ein Garten befinde; vor allen Dingen
+aber muß an einem Ort, den du mir bezeichnen wirst, ein Schatz von
+gemünztem Gold und Silber, und außerdem mehrere Küchen, Speisekammern,
+Magazine und Gerätekammern voll der kostbarsten Geräte für jede
+Jahreszeit und der Pracht des Palastes angemessen, vorhanden sein; dann
+noch Ställe voll der schönsten Pferde und der gehörigen Anzahl
+Stallmeister und Stallknechte. Auch einen Jagdzug darfst du nicht
+vergessen, und es versteht sich von selbst, daß du auch noch für
+hinlängliche Dienerschaft für die Küche und den übrigen Haushalt, sowie
+für die gehörige Anzahl Sklavinnen zur Bedienung der Prinzessin, zu
+sorgen hast. Du wirst jetzt begreifen, was mein Wunsch ist; geh und komm
+wieder, wenn du alles fertig gemacht hast.«
+
+Die Sonne ging eben unter, als Alaeddin dem Geiste wegen Erbauung des
+Palastes, den er sich ausgesonnen, seine Aufträge gab. Am andern Morgen
+stand Alaeddin, den die Liebe zur Prinzessin nicht schlafen ließ, in
+aller Frühe auf, und sogleich erschien auch der Geist. »Herr,« sprach er
+zu ihm, »dein Palast ist fertig; komm und sieh, ob du damit zufrieden
+bist.« Alaeddin fand alles so weit über seine Erwartung, daß er sich
+nicht genug wundern konnte. Der Geist führte ihn herum, und überall fand
+er Reichtum, Schönheit und Pracht, dazu Diener und Sklaven, alle dem
+Range und Dienste gemäß gekleidet, für den sie bestimmt waren. Auch
+unterließ er nicht, ihm als Hauptsache die Schatzkammer zu zeigen, deren
+Türe vom Schatzmeister geöffnet wurde, und Alaeddin erblickte hier ganze
+Haufen von Goldsäcken der verschiedensten Größe, je nach den Summen, die
+sie enthielten, bis an das Gewölbe aufgetürmt, und alles in so schöner
+Ordnung, daß ihm das Herz vor Freude lachte. Beim Hinausgehen
+versicherte ihm der Geist, daß er sich auf die Treue des Schatzmeisters
+vollkommen verlassen dürfe. Hierauf führte er ihn in die Ställe und
+zeigte ihm die schönsten Pferde von der Welt, und die Stallknechte, die
+eifrig beschäftigt waren, sie zu pflegen und zu warten. Endlich ging er
+mit ihm durch die Vorratskammern, worin alle Arten von Vorräten,
+hauptsächlich an Nahrungsmitteln für die Pferde und Pferdeschmuck,
+aufgehäuft lagen.
+
+Nachdem Alaeddin den ganzen Palast von oben bis unten, von Zimmer zu
+Zimmer, von Gemach zu Gemach, besonders auch den Saal mit den
+vierundzwanzig Fenstern gemustert und darin mehr Pracht und
+Herrlichkeit, als er je gehofft, sowie alle nur erdenklichen
+Bequemlichkeiten angetroffen hatte, sagte er zu dem Geiste: »Geist, es
+kann niemand zufriedener sein, als ich es bin, und es wäre sehr unrecht
+von mir, wenn ich mich im mindesten beklagen wollte. Bloß etwas fehlt
+noch, wovon ich dir nichts gesagt habe, weil ich nicht daran dachte. Ich
+wünschte nämlich von dem Palasttore des Sultans an bis zum Eingang der
+Zimmer, die in diesem Palaste für die Prinzessin bestimmt sind, einen
+Teppich von schönstem Samt ausgebreitet zu haben, damit sie auf
+demselben gehe, wenn sie aus dem Palaste des Sultans kommt.« – »Ich
+komme im Augenblick wieder,« sprach der Geist und verschwand. Eine
+kleine Weile nachher sah Alaeddin mit großem Erstaunen seinen Wunsch
+erfüllt, ohne daß er wußte, wie es zugegangen war. Der Geist erschien
+dann wieder und trug Alaeddin in seine Wohnung zurück, während eben die
+Palastpforte des Sultans geöffnet wurde.
+
+Die Pförtner des Palastes, die das Tor öffneten und nach der Seite hin,
+wo jetzt Alaeddins Prachtgebäude stand, immer eine freie Aussicht gehabt
+hatten, waren sehr überrascht, als sie diese Aussicht verbaut und von
+dorther bis zur Palastpforte des Sultans einen Samtteppich ausgebreitet
+sahen. Ihr Erstaunen wuchs, als sie ganz deutlich den herrlichen Palast
+Alaeddins sahen. Die Nachricht von diesem merkwürdigen Wunder
+verbreitete sich wie ein Lauffeuer im ganzen Palast. Der Großvezier, der
+sich gleich nach Öffnung der Pforte im Palaste einfand, war ebenso
+überrascht, wie alle andern, und teilte die Sache sogleich dem Sultan
+mit, erklärte sie aber für ein Werk der Zauberei. »Vezier,« antwortete
+der Sultan, »warum soll es denn ein Werk der Zauberei sein? Du weißt so
+gut wie ich, daß es der Palast ist, den Alaeddin vermöge der Erlaubnis,
+die ich ihm in deiner Gegenwart gab, als Wohnung für die Prinzessin,
+meine Tochter, hat erbauen lassen. Nach den Proben, die er uns von
+seinem Reichtum gegeben, ist es durchaus nicht so befremdlich, daß er
+diesen Palast in so kurzer Zeit vollendet hat. Er hat uns damit
+überraschen und zeigen wollen, daß man mit barem Gelde über Nacht Wunder
+tun kann. Gestehe nur, daß bei dir etwas Eifersucht mit unterläuft, wenn
+du von Zaubereien sprichst.« Indes wurde es Zeit, in die Ratsversammlung
+zu gehen, und sie brachen das Gespräch ab.
+
+Als Alaeddin in seine Wohnung zurückgebracht worden war und den Geist
+entlassen hatte, fand er seine Mutter bereits auf den Beinen und mit dem
+Anziehen eines der Kleider beschäftigt, die er ihr hatte bringen lassen.
+Er veranlaßte sie nun, um die Zeit, wo der Sultan gewöhnlich aus der
+Ratsversammlung kam, in Begleitung der Sklavinnen, die der Geist ihr
+gebracht hatte, nach dem Palaste zu gehen. Wenn sie den Sultan sähe,
+sollte sie ihm sagen, sie komme, um die Ehre zu haben, die Prinzessin
+auf den Abend nach ihrem Palaste zu begleiten. Alaeddin stieg nun zu
+Pferde, verließ sein Vaterhaus, um nie wieder zurückzukehren, vergaß
+aber die Wunderlampe nicht, die ihm so herrliche Dienste geleistet
+hatte, und zog dann nach seinem Palast mit demselben Pomp, mit dem er
+sich tags zuvor dem Sultan vorgestellt hatte.
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Sobald die Pförtner des königlichen Palastes Alaeddins Mutter
+bemerkten, meldeten sie es dem Sultan. Sogleich wurde den Chören der
+Trompeter, der Pauken- und Trommelschläger, der Querpfeifer und
+Hoboisten, die bereits auf den Terrassen des Palastes an verschiedenen
+Punkten aufgestellt waren, ein Zeichen gegeben, und im Augenblick
+ertönte fröhliche Musik, die der ganzen Stadt Freude verkündete. Die
+Kaufleute fingen an, ihre Läden mit schönen Teppichen, Polstern und
+Laubwerk zu schmücken, und trafen Anstalten zur Beleuchtung der Stadt.
+Die Handwerksleute verließen ihre Arbeit und scharenweise zog das Volk
+nach dem großen Platz zwischen des Sultans und Alaeddins Palästen.
+Letzterer zog hauptsächlich allgemeine Bewunderung auf sich, zumal da
+der Palast des Sultans mit dem neuen durchaus nicht in Vergleich zu
+setzen war. Am meisten aber staunten sie, weil sie nicht begreifen
+konnten, durch welches unerhörte Wunder sie einen so prachtvollen Palast
+an einem Orte erblickten, wo sie tags zuvor weder den Grund legen, noch
+Baumaterialien gesehen hatten. Alaeddins Mutter wurde im Palaste
+ehrenvoll empfangen und vom Obersten der Verschnittenen in die Zimmer
+der Prinzessin Bedrulbudur geführt. Sobald die Prinzessin sie erblickte,
+ging sie auf sie zu, umarmte sie, hieß sie auf ihrem Sofa Platz nehmen,
+und während ihre Frauen sie vollends ankleideten und mit den kostbarsten
+Juwelen von Alaeddins Geschenk schmückten, ließ sie ihr einen köstlichen
+Imbiß vorsetzen. Der Sultan, welcher dazu kam, um noch so lange als
+möglich mit der Prinzessin, seiner Tochter, zusammen sein zu können,
+bevor sie sich von ihm trennte und den Palast Alaeddins bezöge, erwies
+ihr ebenfalls große Ehre. Alaeddins Mutter hatte mit ihm schon mehrere
+Male vor dem versammelten Rate gesprochen, aber er hatte sie noch nie
+wie jetzt ohne Schleier gesehen. Obwohl sie schon eine erkleckliche
+Anzahl Jahre auf dem Rücken hatte, so sah man doch noch aus ihren
+Gesichtszügen, daß sie in ihrer Jugend sehr schön gewesen sein mußte.
+Der Sultan, der sie immer sehr einfach, ja sogar armselig gekleidet
+gesehen hatte, war nun voll Verwunderung, als er sie ebenso reich und
+prachtvoll angezogen sah, wie die Prinzessin, seine Tochter. Er schloß
+daraus, daß Alaeddin in allen Dingen gleich erfahren, verständig und
+einsichtsvoll sein müsse.
+
+Als die Nacht anbrach, verabschiedete sich die Prinzessin vom Sultan,
+ihrem Vater. Dieser Abschied war höchst zärtlich und tränenreich; sie
+umarmten sich mehrmals, ohne ein Wort zu sprechen, aber endlich ging die
+Prinzessin aus ihrem Zimmer und trat den Zug an; zu ihrer Linken ging
+Alaeddins Mutter und hinter ihnen hundert Sklavinnen in der
+prachtvollsten Kleidung. Sämtliche Musikchöre, die seit der Ankunft von
+Alaeddins Mutter ununterbrochen gespielt hatten, vereinigten sich jetzt
+und gingen dem Zuge voran; ihnen folgten hundert Trabanten und
+ebensoviele schwarze Verschnittene in zwei Reihen, mit ihren
+Befehlshabern an der Spitze. Vierhundert junge Edelknaben des Sultans,
+die in zwei Zügen mit Fackeln in der Hand auf beiden Seiten
+einhergingen, verbreiteten einen Lichtglanz, der im Verein mit der
+Beleuchtung der beiden Paläste des Sultans und Alaeddins den Mangel des
+Tageslichts aufs herrlichste ersetzte.
+
+In dieser Ordnung zog die Prinzessin den Teppich entlang vom Palaste des
+Sultans bis zum Palaste Alaeddins, und je mehr sie vorwärts kamen, desto
+mehr mischte und vereinigte sich das Spiel ihrer Musikchors mit dem, das
+sich von den Terrassen an Alaeddins Palast herab hören ließ, und bildete
+mit diesem ein Konzert, das, so seltsam und verwirrt es auch schien,
+gleichwohl die allgemeine Freude vermehrte.
+
+Endlich langte die Prinzessin bei dem neuen Palaste an, und Alaeddin
+eilte mit einer Freude, die sich leicht denken läßt, an den Eingang der
+für sie bestimmten Zimmer, um sie daselbst zu empfangen. Alaeddins
+Mutter hatte der Prinzessin bereits ihren Sohn, der von glänzender
+Dienerschaft umgeben war, bezeichnet, und die Prinzessin fand ihn so
+schön, daß sie ganz bezaubert wurde. »Teuerste Prinzessin,« sagte
+Alaeddin zu ihr, indem er auf sie zuging und sie voll Ehrerbietung
+begrüßte, »sollte ich das Unglück haben, dir durch meine Verwegenheit,
+womit ich nach dem Besitz einer so liebenswürdigen Prinzessin, der
+Tochter meines Sultans, trachtete, zu mißfallen, so mußt du die Schuld
+deinen schönen Augen und der Macht deiner Reize zuschreiben, nicht aber
+mir.« – »Prinz,« antwortete ihm die Prinzessin, »– denn als solcher
+erscheinst du mir – ich gehorche dem Willen des Sultans, meines Vaters,
+und kann, nachdem ich dich gesehen, wohl sagen, daß ich ihm ohne
+Sträuben und gerne gehorche.« Alaeddin war hocherfreut über diese
+angenehme und verbindliche Antwort, nahm ihre Hand, küßte sie mit vieler
+Zärtlichkeit und führte sie in einen großen, von Wachskerzen
+erleuchteten Saal, wo auf Veranstaltung des Geistes ein herrliches Mahl
+aufgetragen war. Die Schüsseln waren von gediegenem Gold und mit den
+köstlichsten Speisen angefüllt. Die Vasen, die Becken und die Becher,
+womit der Tafelaufsatz reichlich besetzt war, waren ebenfalls von Gold
+und von auserlesener Arbeit. Auch die übrigen Verzierungen und der ganze
+Ausschmuck des Saals entsprachen dieser hohen Pracht. Die Prinzessin war
+ganz bezaubert, so viele Reichtümer beisammen zu sehen, und sprach zu
+Alaeddin: »Prinz, ich hatte bisher geglaubt, daß es nichts Schöneres auf
+der Welt geben könne, als den Palast des Sultans, meines Vaters; aber
+schon dieser Saal allein überzeugt mich, daß ich mich getäuscht habe.«
+
+Die Prinzessin Bedrulbudur, Alaeddin und seine Mutter setzten sich jetzt
+zu Tische und sogleich begann eine sehr liebliche und harmonische Musik
+nebst einem reizenden Gesang von schönen Mädchen. Die Prinzessin war wie
+bezaubert und versicherte, im Palaste des Sultans, ihres Vaters, nie
+etwas Ähnliches gehört zu haben. Aber sie wußte nicht, daß diese
+Sängerinnen Feen waren, die der Geist, der Sklave der Lampe, hiezu
+ausgewählt hatte.
+
+Es war nahe an Mitternacht, als Alaeddin, der damals in China
+bestehenden Sitte zufolge aufstand und der Prinzessin Bedrulbudur die
+Hand bot, um mit ihr zu tanzen und damit die Hochzeitsfeierlichkeit zu
+schließen. Als dies vorüber war, hielt Alaeddin der Prinzessin Hand, und
+sie gingen miteinander in das Zimmer, wo das hochzeitliche Lager für sie
+bereitet war. Die Frauen der Prinzessin kleideten sie aus und brachten
+sie zu Bette, Alaeddins Diener taten dasselbe und dann entfernten sich
+alle. So endigten die Lustbarkeiten zur Feier der Hochzeit Alaeddins und
+der Prinzessin Bedrulbudur.
+
+Am andern Morgen, als Alaeddin erwachte, kamen seine Kammerdiener, um
+ihn anzukleiden. Sie zogen ihm ein anderes, aber nicht minder reiches
+und prachtvolles Kleid an, als am Hochzeitstage. Hierauf ließ er sich
+eines seiner Leibpferde vorführen, bestieg es und begab sich mit einem
+zahlreichen Gefolge von Sklaven, die vor und hinter ihm und zu beiden
+Seiten gingen, nach dem Palaste des Sultans. Der Sultan empfing ihn mit
+denselben Ehrenbezeugungen wie das erstemal; er umarmte ihn, ließ ihn
+neben sich auf seinen Thron sitzen und befahl, das Frühmahl aufzutragen.
+»Herr,« sagte Alaeddin zu ihm, »ich bitte dich, mir heute diese Ehre zu
+erlassen. Ich komme, um dich zu ersuchen, daß du mir die Ehre erzeigen
+mögest, mit deinem Großvezier und den Vornehmen deines Hofes im Palaste
+der Prinzessin ein Mittagsmahl einzunehmen.« Der Sultan bewilligte dies
+sehr gern. Er stand sogleich auf, und da der Weg nicht weit war, so
+wollte er zu Fuße dahin gehen. Er brach also auf und zu seiner Rechten
+ging Alaeddin, zur Linken der Großvezier und die Vornehmen des Hofes,
+voraus die Trabanten und die Angesehensten seines Hauses.
+
+Je näher der Sultan dem Palaste Alaeddins kam, um so mehr verwunderte er
+sich über seine Schönheit. Noch weit höher stieg seine Verwunderung, als
+er eingetreten war. Als ihn aber Alaeddin in den Saal mit den
+vierundzwanzig Fenstern führte, und er die Verzierungen desselben,
+besonders aber die mit den größten und ausgezeichnetsten Diamanten,
+Rubinen und Smaragden geschmückten Gitterfenster betrachtete, wurde er
+davon so überrascht, daß er eine Weile regungslos stand.
+
+Der Sultan besah und bewunderte nun die Schönheit der vierundzwanzig
+Gitterfenster. Doch indem er sie zählte, fand er, daß bloß
+dreiundzwanzig so reich geschmückt waren, und wunderte sich sehr, daß
+man das vierundzwanzigste unvollendet gelassen hatte. »Mein Sohn,«
+sprach der Sultan zu Alaeddin, »dies ist der bewunderungswürdigste Saal,
+der in der ganzen Welt zu sehen ist. Nur über etwas muß ich mich
+wundern, daß nämlich das Gitterfenster hier unvollendet geblieben ist.
+Ist dies aus Vergeßlichkeit geschehen, oder aus Nachlässigkeit, oder
+haben vielleicht die Handwerksleute nicht Zeit genug gehabt, an dieses
+schöne Denkmal der Baukunst die letzte Hand anzulegen?« – »Herr,«
+antwortete Alaeddin, »das Gitterfenster ist mit Absicht so unvollendet
+geblieben, wie du siehst. Ich wünschte nämlich, daß du selbst den Ruhm
+haben solltest, den Saal und Palast vollenden zu lassen, und nun ersuche
+ich dich, meine gute Absicht gnädig aufzunehmen, damit ich mich deiner
+Gunst und Gnade rühmen kann.« – »Wenn du es in dieser Absicht getan
+hast,« antwortete der Sultan, »so weiß ich dir vielen Dank dafür und
+werde augenblicklich die nötigen Befehle geben.« Wirklich ließ er
+sogleich die am besten mit Edelsteinen versehenen Juweliere und die
+geschicktesten Goldschmiede seiner Hauptstadt rufen.
+
+Der Sultan verließ indes den Saal, und Alaeddin führte ihn in den, wo er
+die Prinzessin Bedrulbudur am Hochzeitstage bewirtet hatte. Die
+Prinzessin empfing den Sultan, ihren Vater, mit einer Miene, woraus
+deutlich zu erkennen war, daß sie mit ihrer Ehe sehr wohl zufrieden sein
+mußte. Zwei Tafeln standen da, mit den köstlichsten Speisen besetzt, und
+das Tafelgeschirr war alles von Gold. Der Sultan setzte sich an die
+erste und speiste mit der Prinzessin, seiner Tochter, mit Alaeddin und
+dem Großvezier. Die übrigen Großen des Hofes wurden an der zweiten
+bewirtet, die sehr lang war.
+
+Als der Sultan vom Tisch aufgestanden war, meldete man ihm, die
+Juweliere und Goldschmiede, die er hatte rufen lassen, seien jetzt da.
+Er ging mit ihnen in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern und zeigte
+ihnen das Fenster, das noch unvollendet war. »Ich habe euch kommen
+lassen,« sagte er zu ihnen, »damit ihr mir dieses Fenster ausbauet und
+es ebenso schön macht wie die andern.«
+
+Die Juweliere und Goldschmiede sahen sich die dreiundzwanzig Fenster
+sehr genau an, und nachdem sie sich miteinander beraten hatten und
+darüber eins geworden waren, welche Arbeit jeder einzelne zu liefern
+hätte, traten sie wieder vor den Sultan und der Hofjuwelier nahm das
+Wort und sagte: »Herr, wir sind bereit, alle Mühe und Fleiß anzuwenden,
+um dir zu gehorchen; aber, aufrichtig gestanden, so viel wir unser hier
+sind, so haben wir doch alle miteinander weder so kostbare, noch so
+viele Edelsteine, als zu einer so bedeutenden Arbeit erforderlich sind.«
+– »Ich besitze welche,« sagte der Sultan, »und zwar weit mehr, als ihr
+brauchen werdet; kommt in meinen Palast, so will ich sie euch zeigen,
+damit ihr wählet.«
+
+Als der Sultan in seinen Palast zurückgekehrt war, ließ er alle seine
+Edelsteine bringen, und die Goldschmiede nahmen sehr viele davon,
+besonders von denen, die Alaeddin ihm geschenkt hatte. Sie brachten sie
+an dem Fenster an, ohne daß man den Fortschritt ihrer Arbeit sonderlich
+gemerkt hätte, und kamen zu wiederholten Malen, um neue zu holen; aber
+in einem Monat hatten sie noch nicht die Hälfte des Werkes vollendet.
+Endlich verwendeten sie alle Edelsteine des Sultans, der noch vom
+Großvezier dazu entlehnte, brachten aber höchstens die Hälfte des
+Fensters zustande.
+
+Alaeddin, der wohl sah, daß der Sultan sich vergebens bemühte, dieses
+Fenster den übrigen gleich machen zu lassen, und daß er nicht viel Ehre
+dabei aufhob, ließ die Goldschmiede kommen und sagte ihnen, sie sollen
+nicht nur ihre Arbeit einstellen, sondern auch das, was sie bisher
+zuwege gebracht, wieder auseinandernehmen und dem Sultan und Großvezier
+ihre Edelsteine zurückgeben.
+
+So wurde denn das Werk, wozu die Juweliere und Goldschmiede mehr als
+sechs Wochen verwendet hatten, binnen wenigen Stunden zerstört. Sie
+entfernten sich dann und Alaeddin blieb allein im Saale zurück. Er zog
+die Lampe heraus, die er bei sich hatte, rieb sie und sogleich erschien
+der Geist. »Geist,« sprach Alaeddin zu ihm, »ich hatte dir befohlen,
+eines der vierundzwanzig Gitterfenster des Saales unvollendet zu lassen,
+und du hast diesen Befehl befolgt: jetzt habe ich dich kommen lassen,
+daß du es den übrigen gleich machen sollst.« Der Geist verschwand und
+Alaeddin ging aus dem Saale. Als er eine Weile darauf wieder hinaufkam,
+fand er das Gitterfenster in dem gewünschten Zustand und ganz wie die
+übrigen.
+
+Inzwischen kamen die Juweliere und Goldschmiede in den Palast, wurden in
+das Audienzzimmer geführt und dem Sultan vorgestellt. Der erste Juwelier
+überreichte ihm die Edelsteine, die sie zurückbrachten, und sagte im
+Namen aller zu ihm: »Beherrscher des Erdkreises, du weißt, wie lange wir
+schon mit dem angestrengtesten Fleiße arbeiten, um das Werk zu
+vollenden, das du uns aufgetragen hast. Es war schon sehr weit gediehen,
+als Alaeddin uns nötigte, nicht nur die Arbeit einzustellen, sondern
+auch alles, was wir zuwege gebracht hatten, zu zerstören und dir deine
+und des Großveziers Edelsteine zurückzubringen.« Der Sultan gab sogleich
+Befehl, ihm ein Pferd vorzuführen; er bestieg es und ritt zum Palaste
+Alaeddins.
+
+Der Sultan sagte zu Alaeddin: »Mein Sohn, ich komme selbst, um dich zu
+fragen, warum du denn einen so prächtigen und einzigen Saal, wie der in
+deinem Palaste ist, unvollendet lassen willst?«
+
+Alaeddin verhehlte den wahren Grund, daß nämlich der Sultan nicht reich
+genug an Edelsteinen wäre, um einen so großen Aufwand zu bestreiten, und
+antwortete ihm: »Herr, es ist wahr, du hast den Saal unvollendet
+gesehen, aber ich bitte dich, sieh jetzt einmal, ob noch etwas daran
+fehlt.«
+
+Nachdem der Sultan sich überzeugt, daß das Gitterfenster, woran seine
+Goldschmiede so lange gearbeitet hatten, in so kurzer Zeit vollendet
+worden war, umarmte er Alaeddin und küßte ihn zwischen die Augen und auf
+die Stirne. »Mein Sohn,« sagte er hierauf voll Verwunderung zu ihm, »was
+für ein Mann bist du, daß du so erstaunliche Werke zuwege bringst, ehe
+man eine Hand umkehrt? Du hast auf der ganzen Welt nicht deinesgleichen,
+und je mehr ich dich kennen lerne, um so bewunderungswürdiger finde ich
+dich.«
+
+Alaeddin nahm die Lobsprüche des Sultans mit vieler Bescheidenheit auf
+und antwortete ihm folgendermaßen: »Herr, es ist ein großer Ruhm für
+mich, das Wohlwollen und den Beifall meines Königs zu verdienen; auch
+versichere ich dir, daß ich stets alles aufbieten werde, um mich
+desselben immer mehr und mehr würdig zu machen.«
+
+Der Sultan kehrte in seinen Palast zurück, wo der Großvezier ihn
+erwartete. Noch voll Staunen über das Wunder, das er mit eigenen Augen
+gesehen, erzählte ihm der Sultan alles.
+
+Alaeddin verschloß sich nicht in seinem Palaste; er zeigte sich in der
+Stadt, indem er bald in diese, bald in jene Moschee ging, um sein Gebet
+zu verrichten, oder von Zeit zu Zeit dem Großvezier einen Besuch
+abstattete, der sich beeiferte, ihm an bestimmten Tagen seine Aufwartung
+zu machen, oder er erwies auch zuweilen einigen Vornehmen am Hofe, die
+er öfters in seinem Palaste bewirtete, die Ehre, sie zu Haus zu
+besuchen. Jedesmal wenn er ausritt, hatte er ein zahlreiches Gefolge von
+Sklaven um sich, und zwei von ihnen mußten auf den Straßen und Plätzen,
+durch die er kam und wo sich immer eine große Volksmenge einfand, ganze
+Hände voll Gold auswerfen. Kein Armer erschien an der Pforte seines
+Palastes, ohne sehr vergnügt über die Gaben, die auf seinen Befehl
+ausgeteilt wurden, zurückzukehren.
+
+Da Alaeddin seine Zeit so eingeteilt hatte, daß er jede Woche wenigstens
+einmal auf die Jagd ging, bald in die nächsten Umgebungen der Stadt,
+bald auch in weitere Ferne, so zeigte er sich auf den Straßen und auf
+den Dörfern ebenso freigebig. Dieses großmütige Benehmen machte, daß das
+ganze Volk ihn mit Segenswünschen überhäufte und zuletzt nicht höher
+schwor, als bei seinem Haupte. Ja man kann, ohne den Sultan in Schatten
+zu stellen, wohl sagen, daß Alaeddin sich durch seine Leutseligkeit und
+Freigebigkeit die Zuneigung des ganzen Volkes erworben hatte und im
+allgemeinen mehr geliebt wurde als der Sultan selbst. Mit allen diesen
+schönen Eigenschaften verband er eine Tapferkeit und einen Eifer für das
+Wohl des Staats, den man nicht genug loben kann. Beweise davon gab er
+bei Gelegenheit eines Aufruhrs an den Grenzen des Reichs. Kaum hatte er
+erfahren, daß der Sultan ein Heer ausrüstete, um ihn zu dämpfen, so bat
+er ihn, ihm den Oberbefehl zu übergeben. Sobald er nun an der Spitze des
+Heeres stand, führte er es so schnell und mit solchem Eifer ins Feld,
+daß der Sultan die Niederlage, Bestrafung und Zerstreuung der Aufrührer
+eher vernahm, als seine Ankunft beim Heere. Diese Tat, die seinen Namen
+im ganzen Reiche berühmt machte, verdarb doch sein Herz nicht; er kehrte
+zwar sieggekrönt zurück, blieb aber immer noch so mild und leutselig wie
+zuvor.
+
+Alaeddin hatte bereits mehrere Jahre auf diese Art gelebt, als der
+Zauberer in Afrika sich seiner erinnerte. Obwohl er bisher des festen
+Glaubens gelebt hatte, Alaeddin müsse in dem unterirdischen Gewölbe
+zugrunde gegangen sein, so bekam er doch auf einmal Lust, genau zu
+erfahren, welches Ende er genommen habe. Als großer Meister in der
+Punktierkunst entdeckte er, daß Alaeddin nicht nur nicht in dem
+unterirdischen Gewölbe gestorben sei, sondern sich daraus gerettet habe
+und in großem Glanz und gewaltigem Reichtum, vermählt mit einer
+Prinzessin, hochgeehrt und geachtet lebe.
+
+[Illustration]
+
+[Illustration]
+
+Kaum hatte der afrikanische Zauberer mittels seiner teuflischen Kunst
+diese Entdeckung gemacht, so stieg ihm das Blut ins Gesicht. Voll
+Wut sagte er zu sich selbst: »Dieser elende Schneiderssohn hat also das
+Geheimnis und die Wunderkraft der Lampe entdeckt; ich hielt seinen Tod
+für gewiß und nun genießt er die Frucht meiner Arbeiten und Nachtwachen!
+Aber eher will ich untergehen, als ihn noch länger in seinem Glücke
+lassen.« Er hatte seinen Entschluß schnell gefaßt, bestieg gleich am
+andern Morgen einen Berberhengst, den er im Stalle hatte und machte sich
+auf den Weg. So kam er von Stadt zu Stadt, und von Land zu Land, ohne
+sich unterwegs länger aufzuhalten, als sein Pferd zum Ausruhen Zeit
+brauchte, bis nach China und bald auch in die Hauptstadt des Sultans. Er
+stieg in einem öffentlichen Wirtshause ab und mietete sich ein Zimmer.
+Hier blieb er den noch übrigen Teil des Tages und die folgende Nacht, um
+sich von den Beschwerden der Reise zu erholen.
+
+Am andern Morgen wünschte der afrikanische Zauberer vor allem zu
+erfahren, was man von Alaeddin spreche. Indem er nun durch die Stadt
+spazierte, trat er in ein sehr berühmtes und von vornehmen Leuten stark
+besuchtes Teehaus. Kaum hatte er Platz genommen, als man ihm eine Schale
+Tee einschenkte. Während er trank, horchte er rechts und links und
+hörte, daß man von Alaeddins Palaste sprach. Als er ausgetrunken hatte,
+näherte er sich einem, um ihn beiseite zu nehmen und ihn zu fragen, was
+denn das für ein Palast sei, von dem man so rühmend spreche. »Woher bist
+denn du, Freund?« erwiderte ihm der Angeredete. »Du mußt erst seit ganz
+kurzem hier sein, wenn du den Palast des Prinzen Alaeddin noch nicht
+gesehen oder wenigstens noch nicht einmal davon reden gehört hast.« Man
+nannte nämlich Alaeddin immer so, seitdem er die Prinzessin Bedrulbudur
+geheiratet hatte. »Ich sage nicht,« fuhr der Mann fort, »daß es eins von
+den Wunderwerken der Welt ist, sondern ich behaupte vielmehr, daß er das
+einzige Wunder auf der Welt ist. Sieh ihn einmal selbst an und urteile,
+ob ich dir nicht die Wahrheit berichtet habe.« – »Verzeih meine
+Unwissenheit,« antwortete der afrikanische Zauberer, »ich bin gestern
+hier angelangt und komme in der Tat so weit her, ich kann sagen vom
+äußersten Ende Afrikas. Meine Neugierde ist so groß, daß ich sie
+sogleich befriedigen möchte, wenn du nur die Güte hättest, mir den Weg
+zu zeigen.«
+
+Jener, an den sich der afrikanische Zauberer gewandt hatte, machte sich
+ein Vergnügen daraus, ihm den Weg nach Alaeddins Palast zu beschreiben,
+und der afrikanische Zauberer ging dahin. Als er angekommen war und den
+Palast von allen Seiten genau betrachtet hatte, zweifelte er nicht mehr
+daran, daß Alaeddin sich der Lampe bedient haben müsse, denn er wußte
+recht gut, daß solche Wunderwerke nur von den Geistern der Lampe
+geschaffen werden konnten. Voll Ärger über das Glück und die Größe
+Alaeddins, der sich nicht von dem Sultan unterschied, kehrte er nach dem
+Wirtshaus zurück, wo er abgestiegen war.
+
+Nun brauchte er nur noch zu wissen, wo die Lampe war, ob Alaeddin sie
+bei sich trug oder irgendwo aufbewahrte, und um dies zu entdecken, mußte
+der Zauberer seine Punktierkunst zu Hilfe nehmen. Aus seinen Versuchen
+erkannte er, daß die Lampe in Alaeddins Palast war, und war außer sich
+vor Freude über eine solch wichtige Entdeckung. »Ich muß sie bekommen,
+diese Lampe,« sagte er, »und Trotz sei Alaeddin geboten, ob er mich
+hindern kann, sie ihm zu entreißen und ihn in die Niedrigkeit wieder
+hinabzudrücken, aus der er so hoch emporgestiegen ist.«
+
+Das Unglück wollte, daß Alaeddin damals gerade auf acht Tage auf die
+Jagd gegangen und erst seit drei Tagen fort war; der afrikanische
+Zauberer erfuhr dies.
+
+Er ging in den Laden eines Mannes, der Lampen zum Verkauf machte, und
+sagte zu diesem: »Meister, ich möchte zwölf kupferne Lampen haben:
+kannst du sie mir liefern?« Der Lampenverkäufer antwortete, es fehlten
+ihm zwar noch einige, wenn er sich aber bis morgen gedulden wolle, so
+könne er ihm ein volles Dutzend liefern. Der Zauberer war es zufrieden
+und empfahl ihm, sie müssen recht hübsch und blank sein; nachdem er ihm
+noch eine gute Bezahlung versprochen hatte, ging er in sein Wirtshaus
+zurück.
+
+Am andern Tage wurde das Dutzend Lampen dem afrikanischen Zauberer
+abgeliefert, der, ohne zu markten, den verlangten Preis dafür bezahlte.
+Er legte sie in einen Korb, ging mit diesem Korb am Arm nach Alaeddins
+Palast und fing, als er in der Nähe war, an zu rufen: »Wer will alte
+Lampen gegen neue austauschen?« Als die kleinen Kinder, die auf dem
+Platze spielten, dies hörten, liefen sie herbei und sammelten sich um
+ihn, denn sie hielten ihn für einen Narren. Auch die Vorübergehenden
+lachten über seine Dummheit. Der afrikanische Zauberer aber fuhr fort,
+seine Ware anzubieten und laut zu schreien: »Wer will alte Lampen gegen
+neue austauschen?« Er wiederholte dies so oft, auf dem Platze vor dem
+Palast und in der Nähe desselben auf- und abgehend, daß die Prinzessin
+Bedrulbudur, die gerade in dem Saale mit den vierundzwanzig Fenstern
+war, die Stimme des Mannes hörte; da sie aber wegen des Geschreies der
+Kinder nicht verstand, was er ausrief, so schickte sie eine ihrer
+Sklavinnen hinab, um zu sehen, was der Lärm bedeute.
+
+Die Sklavin kam bald wieder mit lautem Lachen in den Saal. Sie lachte so
+herzlich, daß die Prinzessin bei ihrem Anblick ebenfalls lachen mußte.
+»Nun, du Närrin,« sagte sie endlich, »wirst du mir nicht sagen, warum du
+so lachst?« – »Herrin,« antwortete die Sklavin, immerfort lachend, »wie
+könnte man auch anders, wenn man einen Narren sieht, der einen Korb voll
+schöner, ganz neuer Lampen am Arm hat, aber sie nicht verkaufen, sondern
+nur gegen alte austauschen will. Der Lärm aber, den du hörst, kommt von
+den Kindern her, die ihn verhöhnen.«
+
+Nach diesem Bericht nahm eine andere Sklavin das Wort und sagte: »Da von
+alten Lampen die Rede ist, so weiß ich nicht, ob die Prinzessin schon
+bemerkt hat, daß hier auf dem Kranzgesims eine solche steht. Der
+Eigentümer wird es wohl nicht übelnehmen, wenn er statt der alten eine
+neue findet. Wenn es der Prinzessin genehm ist, so kann sie sich den
+Spaß machen, zu erproben, ob dieser Narr wirklich verrückt genug ist,
+eine neue Lampe für eine alte zu geben, ohne etwas herauszuverlangen.«
+
+Die Lampe, von der die Sklavin sprach, war eben die Wunderlampe, die
+Alaeddin zu seiner Größe verholfen hatte, und er selbst hatte sie, bevor
+er auf die Jagd ging, auf das Kranzgesims gestellt, um sie nicht zu
+verlieren: eine Vorsichtsmaßregel, die er jedesmal anwendete. Aber weder
+die Sklavinnen, noch die Verschnittenen, noch die Prinzessin selbst
+hatten sie jemals während seiner Abwesenheit bemerkt. Außer der Zeit, wo
+er auf der Jagd war, trug er sie immer bei sich. Man wird nun sagen,
+diese Vorsicht Alaeddins sei recht gut gewesen, aber er hätte seine
+Lampe wenigstens einschließen sollen. Dies ist freilich wahr, doch
+dergleichen Versehen sind zu jeder Zeit begangen worden, werden noch
+täglich begangen und noch in Zukunft begangen werden.
+
+Die Prinzessin Bedrulbudur, die von dem hohen Wert der Lampe nichts
+wußte, und sich nicht denken konnte, daß es für Alaeddin, der gar nie
+davon sprach, von so hoher Wichtigkeit sein könnte, sie unberührt zu
+lassen und aufzubewahren, ging auf den Scherz ein und befahl einem
+Verschnittenen, sie zu nehmen und umzutauschen. Der Verschnittene
+gehorchte, ging die Treppe hinab, und war kaum aus dem Tore des
+Palastes, als er den afrikanischen Zauberer bemerkte. Er rief ihn, und
+als er zu ihm kam, zeigte er ihm die alte Lampe und sagte: »Gib mir eine
+neue Lampe für diese da.«
+
+Der afrikanische Zauberer zweifelte nicht, daß dies die Lampe sei, die
+er suchte. Er nahm sie dem Verschnittenen schnell aus der Hand, schob
+sie in seinen Busen und überreichte ihm dann seinen Korb, damit er nach
+Belieben eine auswählen könnte. Ohne sich länger in der Nähe von
+Alaeddins Palast aufzuhalten, machte er sich ganz unvermerkt aus dem
+Staube.
+
+Der afrikanische Zauberer brachte den Rest des Tages in einem Versteck
+zu, bis ein Uhr nachts, wo die Finsternis am größten war. Jetzt zog er
+die Lampe aus seinem Busen und rieb sie. Auf diesen Ruf erschien der
+Geist sogleich. »Was willst du?« fragte er ihn, »ich bin bereit dir zu
+gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller, die die Lampe in der
+Hand haben; ich und die andern Sklaven der Lampe.« – »Ich befehle dir,«
+antwortete der afrikanische Zauberer, »daß du augenblicklich den Palast,
+den du oder die andern Sklaven der Lampe in der Stadt erbaut, so wie er
+ist, mit allen seinen lebenden Bewohnern aufhebst und zugleich mit mir
+an den und den Ort nach Afrika versetzest.« Ohne etwas zu antworten,
+schaffte der Geist mit Hilfe der übrigen der Lampe dienstbaren Geister
+in sehr kurzer Zeit sowohl ihn selbst, als den ganzen Palast an den
+bezeichneten Ort in Afrika. Wir wollen indes den afrikanischen Zauberer
+und den Palast samt der Prinzessin Bedrulbudur in Afrika lassen und nur
+von dem Erstaunen des Sultans reden.
+
+Als der Sultan aufgestanden war, ging er wie gewöhnlich nach dem offenen
+Erker, um sich das Vergnügen zu machen, Alaeddins Palast zu betrachten
+und zu bewundern, erblickte aber nur einen leeren Platz. Im Anfang
+glaubte er, er täusche sich und rieb sich die Augen; allein er sah so
+wenig, als das erstemal, obgleich das Wetter sehr heiter, der Himmel
+rein und die Morgenröte bereits aufgestiegen war. Er blickte rechts und
+links und sah noch immer nichts. Sein Erstaunen war so groß, daß er
+lange wie angewurzelt auf derselben Stelle stehen blieb, die Augen starr
+nach der Seite hin geheftet, wo der Palast bisher gewesen, aber jetzt
+nicht mehr zu sehen war; denn es war ihm unmöglich, zu begreifen, wie
+ein so großer und ansehnlicher Palast auf einmal ganz spurlos
+entschwunden sein solle. Endlich ließ er in aller Eile den Großvezier
+rufen.
+
+Der Großvezier ließ nicht lange auf sich warten. Er kam in solcher Eile,
+daß weder er noch seine Leute im Vorbeigehen bemerkten, daß Alaeddins
+Palast nicht mehr an seiner Stelle stand. Selbst die Pförtner hatten es
+nicht bemerkt, als sie die Tore des Palastes öffneten. Der Großvezier
+redete den Sultan also an: »Herr, die Eile, womit man mich berufen hat,
+läßt mich schließen, daß irgend etwas Außerordentliches vorgefallen sein
+muß; denn du weißt ja wohl, daß heute Ratssitzung ist, und ich mich
+meiner Pflicht gemäß ohnehin in einigen Augenblicken eingestellt hätte.«
+– »Ja,« antwortete der Sultan, »es hat sich wirklich etwas sehr
+Außerordentliches zugetragen und du wirst es selbst gestehen müssen.
+Sprich, wo ist der Palast Alaeddins?« – »Der Palast Alaeddins?«
+erwiderte der Großvezier sehr erstaunt, »ich ging soeben daran vorbei,
+und mich däuchte, er stand an seinem alten Platz. So gewaltige Gebäude
+wie dieses ändern ihre Stelle nicht so leicht.« – »Sieh einmal hinaus,«
+entgegnete der Sultan, »und sag mir dann, ob du ihn gesehen hast.«
+
+Der Großvezier begab sich in den offenen Erker, und es ging ihm, wie dem
+Sultan. »Herr,« sagte der Großvezier, »du erinnerst dich vielleicht, daß
+ich die Ehre hatte, dir zu sagen, der Palast, den du mit seinen
+unermeßlichen Reichtümern so sehr bewunderst, könne bloß ein Werk der
+Zauberei und eines Zauberers sein; allein du wolltest damals nicht auf
+mich achten.«
+
+Der Sultan, der dies nicht leugnen konnte, geriet in einen um so
+größeren Zorn, als sein früherer Unglauben offenbar am Tage lag. »Wo ist
+er,« rief er, »dieser Betrüger, dieser Schurke? Ich lasse ihm den Kopf
+abschlagen.« – »Herr,« antwortete der Großvezier, »man muß ihn fragen
+lassen, wo sein Palast hingekommen ist, denn er allein kann es wissen.«
+– »Das wäre zu viele Schonung für ihn,« entgegnete der Sultan; »geh und
+schicke dreißig von meinen Reitern ab, daß sie ihn in Ketten vor mich
+führen.« Der Großvezier überbrachte den Reitern den Befehl des Sultans
+und unterrichtete ihren Anführer, wie sie sich zu benehmen hätten, damit
+er ihnen nicht entwischen könne. Sie gingen ab und trafen Alaeddin fünf
+oder sechs Stunden von der Stadt auf dem Heimwege begriffen. Der
+Anführer ritt auf ihn zu und sagte ihm, der Sultan habe großes
+Verlangen, ihn wieder zu sehen, und deshalb habe er sie abgeschickt, um
+es ihm zu melden und ihn nach Hause zu begleiten.
+
+Alaeddin hatte nicht die entfernteste Ahnung von dem wahren Grunde,
+warum diese Abteilung der Leibwache des Sultans zu ihm gekommen war, und
+ritt getrost weiter. Als er aber noch eine halbe Stunde von der Stadt
+entfernt war, umringte ihn die Reiterschar, und der Anführer derselben
+nahm das Wort und sagte zu ihm: »Prinz Alaeddin, mit großem Bedauern
+haben wir dir zu erklären, daß wir vom Sultan Befehl haben, dich zu
+verhaften und als Staatsverbrecher vor ihn zu führen; wir bitten dich,
+es nicht übel aufzunehmen, wenn wir jetzt unsere Pflicht erfüllen, und
+uns zu verzeihen.«
+
+Alaeddin war äußerst überrascht, denn er fühlte sich unschuldig. Er
+fragte den Anführer, ob er wisse, welches Verbrechens er angeklagt sei;
+dieser aber antwortete, weder er noch seine Leute wüßten davon.
+
+Da Alaeddin sah, daß seine Leute viel schwächer waren, als die
+Reiterschar, und ihn sogar verließen, so stieg er vom Pferde ab und
+sagte: »Hier bin ich, vollziehet euern Befehl. Übrigens kann ich
+versichern, daß ich mir keines Verbrechens bewußt bin, weder gegen die
+Person des Sultans, noch gegen den Staat.« Man warf ihm sogleich eine
+sehr dicke und lange Kette an den Hals und band ihn damit auch mitten um
+den Körper, so daß er die Arme nicht frei hatte. Der Anführer stellte
+sich nun wieder an die Spitze des Zugs, einer der Reiter aber faßte das
+Ende der Kette und führte so, hinter dem Anführer hinreitend, Alaeddin,
+der zu Fuß folgen mußte, mit fort. In diesem Zustande wurde er in die
+Stadt gebracht.
+
+Als die Reiter in die Vorstadt kamen und man Alaeddin als
+Staatsverbrecher daherführen sah, glaubte jedermann, es werde ihn den
+Kopf kosten. Da er aber allgemein beliebt war, so ergriffen die einen
+Säbel und andere Waffen, und die, welche keine hatten, bewaffneten sich
+mit Steinen und folgten den Reitern nach. Einige von den Hintersten
+schwenkten um und machten Miene, sie auseinanderzusprengen; allein die
+Volksmasse wurde so groß, daß die Reiter sich glücklich schätzten, wenn
+sie nur den Palast des Sultans erreichten, ohne daß Alaeddin ihnen
+entrissen wurde. So gelangten sie endlich an den Platz vor dem Palaste,
+wo sie sich alle in einer Linie aufstellten und gegen die bewaffnete
+Volksmasse Front machten, bis ihr Befehlshaber und der Reiter, welcher
+Alaeddin führte, in den Palast eingetreten waren und die Pförtner das
+Tor hinter ihm geschlossen hatten.
+
+Alaeddin wurde sofort vor den Sultan geführt, der ihn mit dem Großvezier
+auf einem Balkon erwartete. Sobald er ihn sah, befahl er dem
+Scharfrichter ihm den Kopf abzuhauen, ohne daß er ihn anhören oder
+irgend einen Aufschluß von ihm haben wollte.
+
+Der Scharfrichter bemächtigte sich Alaeddins, nahm ihm die Kette ab,
+breitete sofort ein Leder, das mit dem Blute von unzähligen Verbrechern
+befleckt war, auf den Boden, hieß ihn niederknieen und verband ihm die
+Augen. Hierauf zog er sein Schwert, holte weit aus, ließ es dreimal in
+der Luft blitzen und schickte sich an, den Todesstreich zu führen, indem
+er nur noch auf ein Zeichen vom Sultan wartete, um Alaeddin den Kopf
+abzuschlagen.
+
+In diesem Augenblicke bemerkte der Großvezier, daß das Volk die Reiter
+überwältigt hatte und auf den Schloßplatz gedrungen war, ja sogar, daß
+einige die Mauern des Palastes an mehreren Stellen mit Leitern erstiegen
+und bereits anfingen, sie niederzureißen, um eine Öffnung zu machen. Er
+sagte daher zum Sultan, ehe er das Zeichen gab: »Herr, ich bitte dich,
+daß du den Schritt, den du zu tun im Begriff bist, reiflich überlegen
+mögest. Du läufst Gefahr, deinen Palast erstürmt zu sehen, und wenn dies
+Unglück geschehe, so könnte es unheilbringende Folgen haben.« –
+
+Als der Sultan die heftige Aufregung unter dem Volke sah, erschrak er
+dermaßen, daß er augenblicklich dem Scharfrichter den Befehl gab, sein
+Schwert wieder in die Scheide zu stecken, die Binde von Alaeddins Augen
+wegzunehmen und ihn freizulassen. Zugleich befahl er seinen Trabanten
+auszurufen, daß er Alaeddin Gnade schenke, und jedermann sich nun
+entfernen möge.
+
+Als nun das Volk sah, daß der Sultan Alaeddin Gerechtigkeit widerfahren
+ließ und ihn begnadigte, entwaffnete sich sein Zorn, der Aufruhr hörte
+auf und es gingen alle einer nach dem andern nach Hause.
+
+Sobald Alaeddin sich wieder in Freiheit sah, schaute er nach dem Balkon
+hinauf, und als er den Sultan bemerkte, so rief er ihm in rührendem Tone
+zu: »Herr, ich bitte dich, mir zu der bereits erwiesenen Gnade noch eine
+neue zu schenken und mich wissen zu lassen, was mein Verbrechen ist.« –
+»Was es ist, du Schurke!« erwiderte der Sultan; »weißt du es noch nicht?
+Komm einmal hier herauf, so will ich dir es zeigen.«
+
+Alaeddin ging hinauf und trat vor den Sultan. Er führte ihn an den
+offenen Erker.
+
+Alaeddin sah hinaus und erblickte den ganzen Platz, den sein Palast
+sonst eingenommen hatte, da er aber nicht begreifen konnte, wie er hatte
+verschwinden können, so machte ihn dieses seltsame und überraschende
+Ereignis so bestürzt, daß er dem Sultan kein einziges Wort erwidern
+konnte.
+
+Der Sultan wiederholte voll Ungeduld die Frage: »Sag mir doch, wo der
+Palast und meine Tochter ist?« Endlich brach Alaeddin das Stillschweigen
+und sagte: »Herr, ich sehe wohl, daß der Palast, den ich erbauen ließ,
+verschwunden ist, kann dir aber nicht sagen, wo er sein mag. Nur so viel
+kann ich versichern, daß ich keinen Teil an diesem Ereignis habe.«
+
+»Mir liegt nichts daran, was aus deinem Palaste geworden ist,«
+antwortete der Sultan. »Meine Tochter ist mir millionenmal lieber. Du
+mußt sie mir zurückgeben, sonst lasse ich dir den Kopf abschlagen.«
+
+»Herr,« antwortete Alaeddin, »ich flehe dich an, daß du mir vierzig Tage
+Frist gebest, um meine Maßregeln zu treffen, und gelingt es mir in
+dieser Zeit nicht, so gebe ich dir mein Wort, daß ich selbst meinen Kopf
+zu den Füßen deines Thrones niederlegen will, damit du nach Belieben
+darüber verfügest.« – »Ich bewillige dir diese Frist von vierzig Tagen,«
+erwiderte der Sultan; »aber glaube ja nicht, daß du meine Gnade
+mißbrauchen und meinem Zorn entfliehen könnest. In welchem Winkel der
+Erde du sein magst, ich werde dich zu finden wissen.«
+
+Alaeddin ging mit gesenktem Haupte über die Höfe des Palastes und war so
+beschämt, daß er es nicht wagte, die Augen aufzuschlagen. Die
+vornehmsten Hofbeamten, von denen er keinen einzigen beleidigt hatte und
+die vorher seine Freunde gewesen, waren jetzt weit entfernt, sich ihm zu
+nähern oder ihm eine Zufluchtsstätte anzubieten; nein, sie kehrten ihm
+den Rücken, damit sie ihn nicht sehen mußten und er sie nicht erkennen
+möchte. Alaeddin kannte sich selbst nicht mehr und war seines Verstandes
+nimmer mächtig. Diejenigen, die in freundschaftlicher Verbindung oder
+sonst in einem Verkehr mit ihm gestanden hatten, wurden von wahrhaftem
+Mitleid ergriffen. Er blieb drei Tage in der Stadt, indem er sich bald
+nach dieser, bald nach jener Seite hin wendete und nichts aß, als was
+ihm mitleidige Menschen reichten, im übrigen aber keinen Entschluß
+faßte.
+
+Endlich, da er in diesem elenden Zustande nicht länger in einer Stadt
+verweilen wollte, wo er früher den vornehmen Herrn gespielt hatte,
+entfernte er sich aus derselben und schlug den Weg nach dem Felde ein.
+Er vermied die großen Heerstraßen, und nachdem er in schrecklicher
+Ungewißheit mehrere Felder durchirrt hatte, kam er mit Anbruch der Nacht
+an das Ufer eines Flusses. Hier faßte er einen Gedanken der
+Verzweiflung. »Wo soll ich jetzt meinen Palast suchen?« sagte er bei
+sich selbst. »In welcher Provinz, in welchem Lande, in welchem Teile der
+Welt werde ich ihn und meine vielgeliebte Prinzessin wiederfinden, die
+der Sultan von mir fordert? Dies wird mir nie gelingen; deshalb ist es
+besser, ich befreie mich auf einmal von all diesen Mühseligkeiten und
+dem bittern Kummer, der mein Herz zerfrißt.« Schon hatte er den
+Entschluß gefaßt, sich in den Fluß zu werfen, doch glaubte er als guter
+und frommer Muselmann dies nicht tun zu können, bevor er sein Gebet
+verrichtet hätte. Indem er sich nun dazu anschicken wollte, näherte er
+sich dem Rande des Wassers, um sich der Landessitte gemäß die Hände und
+das Gesicht zu waschen. Da aber die Stelle etwas abschüssig und naß war,
+so glitt er aus und wäre in den Fluß gefallen, wenn er sich nicht noch
+an einem kleinen Felsstück gehalten hätte, das etwa zwei Zoll hoch
+hervorragte. Glücklicherweise besaß er noch den Ring, den der
+afrikanische Zauberer ihm an den Finger gesteckt hatte. Diesen Ring rieb
+er ziemlich stark an dem Felsen, als er sich daran hielt, und
+augenblicklich stand derselbe Geist vor ihm, der ihm in dem
+unterirdischen Gewölbe erschienen war, wo der afrikanische Zauberer ihn
+eingesperrt hatte. »Was willst du?« sagte der Geist; »ich bin bereit,
+dir zu gehorchen als dein Sklave und als Sklave aller derer, die den
+Ring am Finger haben, sowohl ich, als die andern Sklaven des Ringes.«
+
+Alaeddin, der in seiner verzweiflungsvollen Lage durch diese Erscheinung
+angenehm überrascht war, antwortete: »Geist, rette mir zum zweitenmal
+das Leben und zeige mir, wo der Palast ist, den ich erbauen ließ, oder
+sorge, daß er unverzüglich wieder an seinen alten Platz zurückgetragen
+wird.« – »Was du hier verlangst,« antwortete der Geist, »liegt nicht in
+meinem Wirkungskreise, ich bin bloß Sklave des Rings; wende dich deshalb
+an den Sklaven der Lampe.« – »Wenn dem so ist,« versetzte Alaeddin, »so
+befehle ich dir kraft des Ringes, versetze mich sogleich an den Ort, wo
+mein Palast ist und bringe mich unter die Fenster der Prinzessin
+Bedrulbudur.« Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als der Geist ihn
+nahm und nach Afrika mitten auf eine große Wiese trug, auf der der
+Palast nicht weit von einer großen Stadt stand; er setzte ihn dicht
+unter den Fenstern der Prinzessin nieder und ließ ihn dann allein. Alles
+dies war das Werk eines Augenblicks.
+
+Ungeachtet der Dunkelheit der Nacht erkannte Alaeddin recht gut seinen
+Palast und die Zimmer der Prinzessin Bedrulbudur. Da es indes schon weit
+in der Nacht und im Palast alles ruhig war, so ging er etwas abseits und
+setzte sich unter einen Baum. Hier gab er sich neuen Hoffnungen hin, und
+indem er Betrachtungen anstellte über sein Glück, das er einem bloßen
+Zufalle verdankte, wurde sein Gemüt wieder weit ruhiger. Er hing eine
+Weile diesen angenehmen Gedanken nach, aber da er seit fünf oder sechs
+Tagen kein Auge mehr geschlossen hatte, so überwältigte ihn zuletzt der
+Schlaf und er schlummerte am Fuße des Berges ein.
+
+Als am folgenden Tage die Morgenröte anbrach, wurde Alaeddin sehr
+angenehm erweckt durch den Gesang der Vögel, die teils auf dem Baume,
+unter dem er lag, teils auch auf den dickbelaubten Bäumen im Garten
+seines Palastes die Nacht zugebracht hatten. Er warf sogleich seine
+Augen auf dieses bewundernswürdige Gebäude und fühlte eine
+unaussprechliche Freude, daß er jetzt Hoffnung habe, wieder Herr
+desselben zu werden und aufs neue seine teure Prinzessin Bedrulbudur zu
+besitzen. Er stand auf und näherte sich den Zimmern der Prinzessin, dann
+ging er unter ihren Fenstern eine Weile spazieren und wartete, bis sie
+erwachen würde und sich sehen ließe. Inzwischen dachte er bei sich
+selbst darüber nach, woher wohl die Ursache seines Unglücks gekommen
+sein möge, und nachdem er sich lange hin und her besonnen, zweifelte er
+nicht mehr daran, sein ganzes Mißgeschick könne bloß davon herrühren,
+daß er seine Lampe aus den Augen verloren habe. Er machte sich nun
+Vorwürfe über seine Nachlässigkeit, und daß er nicht Sorge getragen
+habe, sie keinen Augenblick aus der Hand zu lassen. Was ihn noch mehr in
+Verlegenheit setzte, war, daß er sich gar nicht einbilden konnte, wer
+wohl auf sein Glück eifersüchtig sei. Dies wäre ihm zwar klar geworden,
+wenn er gewußt hätte, daß er und sein Palast sich in Afrika befänden;
+allein der dienstbare Geist des Ringes hatte es ihm nicht gesagt, und er
+hatte ihn auch nicht darum gefragt. Sonst hätte ihn schon der Name
+Afrika sogleich an den afrikanischen Zauberer, seinen abgesagten Feind,
+erinnert.
+
+Die Prinzessin Bedrulbudur stand diesmal früher als gewöhnlich auf, seit
+ihrer Entführung durch die Tücke des afrikanischen Zauberers, dessen
+Anblick sie bisher täglich einmal hatte ertragen müssen, weil er der
+Herr des Palastes war; sie hatte ihn jedoch jedesmal so spröde
+behandelt, daß er es noch nicht gewagt hatte, seinen Wohnsitz darin
+aufzuschlagen. Als sie angekleidet war, sah eine ihrer Frauen zufällig
+durchs Gitterfenster, bemerkte Alaeddin und verkündete es sogleich ihrer
+Gebieterin. Die Prinzessin, die diese Nachricht nicht glauben konnte,
+lief schnell ans Fenster, bemerkte Alaeddin ebenfalls und öffnete das
+Gitter. Bei dem Geräusch, das dadurch entstand, hob Alaeddin den Kopf in
+die Höhe, erkannte sie und begrüßte sie mit einer Miene, auf der
+überschwengliche Freude sich abspiegelte. »Um keine Zeit zu verlieren,«
+sagte die Prinzessin zu ihm, »habe ich dir die geheime Türe öffnen
+lassen, tritt durch dieselbe ein und komm herauf.«
+
+Es ist unmöglich, die Freude zu beschreiben, die die beiden Ehegatten
+empfanden, als sie sich nach einer Trennung, die sie ewig geglaubt
+hatten, endlich wiedersahen. Sie umarmten sich mehrere Male und gaben
+sich alle Beweise von Liebe und Zärtlichkeit, die man nach einer so
+traurigen und unerwarteten Trennung nur erdenken kann. Nach diesen
+Umarmungen, in die sich Tränen der Freude mischten, setzten sie sich,
+und Alaeddin nahm das Wort und sprach: »Prinzessin, bevor wir von irgend
+etwas anderem sprechen, beschwöre ich dich im Namen Gottes, sowohl um
+deiner selbst als um deines verehrungswürdigen Vaters, des Sultans, und
+besonders auch um meinetwillen, sage mir, was ist aus meiner alten Lampe
+geworden, die ich, bevor ich auf die Jagd ging, in dem Saal mit den
+vierundzwanzig Fenstern auf das Kranzgesimse gestellt hatte?«
+
+»Ach, teurer Gemahl,« antwortete die Prinzessin, »ich habe mir’s wohl
+gedacht, daß unser beiderseitiges Unglück von dieser Lampe herkomme, und
+was mich untröstlich macht, ist, daß ich selbst daran schuld bin.« –
+»Prinzessin,« erwiderte Alaeddin, »miß dir die Schuld nicht bei, sie ist
+ganz auf meiner Seite, denn ich hätte die Lampe sorgsamer aufbewahren
+sollen. Jetzt aber laß uns nur daran denken, den Schaden wieder
+gutzumachen und deshalb erzähle mir, wie die Sache zugegangen und in
+welche Hände die Lampe geraten ist.«
+
+Die Prinzessin Bedrulbudur erzählte hierauf Alaeddin alles, unter
+welchen Umständen sie die alte Lampe gegen die neue ausgetauscht und wie
+sie in der folgenden Nacht die Versetzung des Palastes bemerkt und sich
+am andern Morgen in einem unbekannten Lande gefunden habe, wo sie jetzt
+beide seien und das Afrika heiße. Letzteres hatte sie aus dem Munde des
+Schurken selbst erfahren, der sie durch seine Zauberkunst hierher
+versetzt hatte.
+
+»Prinzessin,« unterbrach sie Alaeddin, »du hast mir den Schurken
+deutlich genug bezeichnet, indem du mir sagtest, daß ich mit dir in
+Afrika bin. Er ist der abscheulichste aller Menschen; doch ist jetzt
+weder Zeit noch Ort, dir seine Schlechtigkeiten ausführlicher zu
+erzählen, und ich bitte dich bloß, mir zu sagen, was er mit der Lampe
+angefangen und wo er sie aufbewahrt hat.« – »Er trägt sie wohl
+eingehüllt in seinem Busen,« erwiderte die Prinzessin, »ich kann dies
+mit Bestimmtheit sagen, da er sie in meiner Gegenwart herausgezogen und
+enthüllt hat, um sich damit zu brüsten.«
+
+»Prinzessin,« unterbrach sie Alaeddin, »ich glaube ein Mittel gefunden
+zu haben, uns beide von unserm gemeinschaftlichen Feinde zu befreien.
+Ich werde gegen Mittag zurückkommen, um dir dann meinen Plan
+mitzuteilen, und was du zum Gelingen desselben beizutragen hast. Doch
+sage ich dir zum voraus, wundere dich nicht, wenn du mich in einer
+andern Kleidung zurückkommen siehst, und gib Befehl, daß man mich an der
+geheimen Türe, wenn ich klopfe, nicht lange warten läßt.« Die Prinzessin
+versprach, man werde ihn an der Türe erwarten und schnell öffnen.
+
+Als Alaeddin hinausgegangen war, bemerkte er einen Bauersmann, der aufs
+Feld ging.
+
+Er ging zu ihm und machte ihm den Antrag, die Kleider mit ihm zu
+wechseln, worauf der Bauer endlich auch einging. Der Umtausch geschah
+hinter einem Gebüsch, und als sie sich getrennt hatten, schlug Alaeddin
+den Weg nach der Stadt ein und ging bis an den Platz, wo die Kaufleute
+und Handwerker ihre besondere Gasse hatten. Er trat nun in die Gasse der
+Materialienhändler, ging in den größten und bestausgestatteten Laden und
+fragte den Kaufmann, ob er nicht ein gewisses Pulver habe, das er ihm
+nannte. Der Kaufmann, der aus Alaeddins Kleidung schloß, er müsse arm
+sein und werde nicht Geld genug haben, um ihn zu bezahlen, antwortete,
+er habe zwar dieses Pulver, allein es sei sehr teuer. Alaeddin erriet
+seine Gedanken, zog seinen Beutel aus der Tasche, ließ einige Goldstücke
+hervorblinken und verlangte dann eine halbe Drachme von dem Pulver. Der
+Kaufmann wog so viel ab, wickelte es ein, übergab es Alaeddin und
+forderte ein Goldstück dafür. Alaeddin händigte es ihm ein, und ohne
+sich in der Stadt länger aufzuhalten, als nötig war, um einige Nahrung
+zu sich zu nehmen, kehrte er nach seinem Palaste zurück. Er brauchte an
+der geheimen Türe nicht lange zu warten, sie wurde ihm sogleich
+geöffnet, und so ging er ins Gemach der Prinzessin Bedrulbudur hinauf.
+»Geliebte,« sprach er zu ihr, »da du so großen Widerwillen gegen deinen
+Entführer hast, so wird es dir vielleicht schwer werden, den Rat zu
+befolgen, den ich dir jetzt gebe. Bedenke aber, daß du dich notwendig
+verstellen und dir einige Gewalt antun mußt, wenn du dich von seinen
+Nachstellungen befreien und dem Sultan, deinem Vater und meinem Herrn,
+die Freude machen willst, dich wieder zu sehen. Befolge also meinen Rat,
+schmücke dich sogleich mit deinen schönsten Kleidern, und wenn der
+afrikanische Zauberer kommt, so empfange ihn aufs freundlichste. Du
+darfst dir aber keinen Zwang und keine Befangenheit anmerken lassen,
+sondern mußt ihm ein heiteres Gesicht zeigen. Im Gespräch gib ihm sodann
+zu erkennen, daß du dir alle Mühe gebest, mich zu vergessen; und um ihn
+vollkommen von deiner Aufrichtigkeit zu überzeugen, lade ihn zum
+Abendessen ein und drücke den Wunsch aus, den besten Wein seines Landes
+zu kosten. Er wird dann weggehen, um dir welchen zu holen. Indes du nun
+den Schenktisch in Bereitschaft setzen lässest, so schütte in einen der
+Becher, der dem deinigen gleich ist, dies Pulver hier, stelle ihn sodann
+auf die Seite und befiehl derjenigen von deinen Frauen, die das
+Schenkamt versieht, sie soll ihn dir auf ein verabredetes Zeichen voll
+Wein bringen und sich ja in acht nehmen, daß kein Irrtum dabei vorgeht.
+Wenn dann der Zauberer zurückkommt, und ihr beide bei Tische sitzet und
+nach Herzenslust gegessen und getrunken habt, so laß den Becher mit dem
+Pulver bringen und vertausche deinen Becher mit dem seinen. Er wird dies
+als eine so hohe Gunst ansehen, daß er es nicht ablehnen, sondern den
+Becher bis auf den Grund austrinken wird; kaum aber wird er ihn geleert
+haben, so wirst du ihn rücklings hinsinken sehen. Wenn es dich anekelt,
+aus seinem Becher zu trinken, so stelle dich wenigstens, als ob du
+tränkest, und du hast dabei nichts zu befürchten; denn das Pulver wird
+seine Wirkung schnell tun.«
+
+Darauf antwortete die Prinzessin: »Ich gestehe dir, daß es mich
+Überwindung kostet, dem Zauberer auf diese Art entgegenzukommen. Aber
+welcher Entschließung ist man nicht fähig gegen einen so grausamen
+Feind! Ich werde also tun, wie du mir rätst, da sowohl meine als deine
+Ruhe davon abhängt.« Darauf verabschiedete sich Alaeddin von der
+Prinzessin, und brachte den übrigen Teil des Tages in der Umgebung des
+Palastes zu, um sich mit Anbruch der Nacht wieder bei der geheimen Türe
+einzufinden. Sobald Alaeddin sich entfernt hatte, setzte sie sich an
+ihren Putztisch, ließ sich durch ihre Frauen aufs prächtigste schmücken
+und legte das reichste Kleid an. Ihr Gürtel war von eitel Gold und mit
+den größten auserlesensten Diamanten ausgelegt; um den Hals legte sie
+eine Schnur aus Perlen. Die Armbänder, die mit Rubinen und Diamanten
+besetzt waren, entsprachen aufs trefflichste dem Reichtum des Gürtels
+und der Halsschnur.
+
+Als die Prinzessin Bedrulbudur vollständig angekleidet war, setzte sie
+sich auf ihren Sofa und erwartete die Ankunft des afrikanischen
+Zauberers.
+
+Sobald die Prinzessin ihn in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern
+eintreten sah, stand sie mit allem Glanze ihrer Schönheit und Reize auf,
+wies ihm mit der Hand den Ehrenplatz an, den er einnehmen sollte, und
+setzte sich dann zugleich mit ihm: eine ganz ausgezeichnete Artigkeit,
+die sie ihm bisher noch nie erwiesen hatte.
+
+Den afrikanischen Zauberer blendete mehr der Glanz der schönen Augen der
+Prinzessin, als die strahlenden Edelsteine. Ihre majestätische Haltung
+und die anmutsvolle Verbindlichkeit, mit der sie ihn empfing, während
+sie ihn bisher immer so rauh zurückgewiesen hatte, machte einen solchen
+Eindruck auf ihn, daß er kaum seiner Sinne mächtig war. Als er sich
+gesetzt hatte, nahm die Prinzessin, um ihn aus seiner sichtlichen
+Verlegenheit zu ziehen, das Wort und sprach zu ihm: »Du wirst dich ohne
+Zweifel wundern, daß du mich heute ganz anders findest, als bis jetzt,
+doch wirst du es erklären können, wenn ich dir sage, daß meine ganze
+Gemütsart aller Traurigkeit, Schwermut, Betrübnis und allen Sorgen
+zuwider ist, die ich immer gern von mir abschüttle, sowie ich keine
+Ursache mehr dazu sehe. Ich habe mir das, was du mir von Alaeddins
+Schicksal sagtest, wohl überlegt, und da ich die Gemütsart meines Vaters
+recht gut kenne, so bin ich mit dir überzeugt, daß er der schrecklichen
+Wirkung seines Zornes unmöglich entgehen konnte. Wenn ich nun auch
+darauf beharren wollte, mein ganzes Leben lang um ihn zu weinen, so sehe
+ich doch, daß meine Tränen ihn nicht ins Leben zurückrufen würden.
+Deshalb glaube ich, nachdem ich ihm bis ins Grab alle Pflichten erwiesen
+habe, welche die Liebe von mir forderte, so muß ich nunmehr auch alle
+Mittel versuchen, mich zu trösten. Dies sind die Gründe meiner
+Veränderung. Um nun sogleich jeden Anlaß zur Traurigkeit zu entfernen,
+die ich ganz von mir zu bannen entschlossen bin, und in der Hoffnung,
+daß du die Gefälligkeit haben werdest, mir Gesellschaft zu leisten, habe
+ich eine Abendmahlzeit für uns bereiten lassen. Da ich aber bloß
+chinesischen Wein habe und mich doch in Afrika befinde, so hat mich die
+Lust angewandelt, den hierzulande wachsenden zu kosten, und ich zweifle
+nicht, daß du den besten herausfinden wirst, wenn es welchen hier gibt.«
+
+Der afrikanische Zauberer, der das Glück, so schnell und so leicht die
+Gunst der Prinzessin Bedrulbudur zu gewinnen, für eine Unmöglichkeit
+gehalten hatte, sagte, er könne kaum Worte finden, um seinen Dank
+genugsam auszudrücken, und um dieses Gespräch bald abzubrechen, lenkte
+er schnell auf den afrikanischen Wein ein, dessen sie gedacht hatte, und
+sagte, unter allen Vorzügen, deren sich Afrika rühmen könne, stehe sein
+trefflicher Wein oben an, und der allerbeste wachse in dem Teil des
+Landes, wo sie sich gegenwärtig befänden; er habe ein Faß, das schon
+sieben Jahre gefüllt und noch nicht angestochen sei, und er glaube nicht
+viel zu sagen, wenn er behaupte, daß dieser Wein an Güte die
+vortrefflichsten Weine auf der ganzen Erde übertreffe. »Wenn meine
+Prinzessin es mir erlauben will,« setzte er hinzu, »so will ich zwei
+Flaschen davon holen und werde augenblicklich wieder zurück sein.« – »Es
+sollte mir leid tun, wenn ich dir so viele Mühe machte,« sagte die
+Prinzessin, »du könntest ja jemanden hinschicken.« – »Nein,« antwortete
+der afrikanische Zauberer, »ich muß notwendig selbst hingehen; niemand
+außer mir weiß, wo der Schlüssel zu diesem Keller ist.« – »Wenn dem so
+ist,« sagte die Prinzessin, »so gehe und komm bald zurück. Sobald du
+zurückkommst, wollen wir uns zu Tische setzen.«
+
+Der afrikanische Zauberer, voller Hoffnung auf sein vermeintliches
+Glück, lief nicht, sondern flog und kam sehr schnell zurück. Inzwischen
+hatte die Prinzessin das Pulver, das ihr Alaeddin gebracht, selbst in
+einen Becher geworfen. Sie setzten sich einander gegenüber zu Tisch, so
+daß der Zauberer dem Schenktisch den Rücken kehrte. Die Prinzessin legte
+ihm vom Besten vor und sagte zu ihm: »Wenn du es verlangst, so will ich
+dir Musik machen und singen lassen; da wir aber beide ganz allein hier
+sind, so denke ich, es wird uns mehr Vergnügen machen, uns miteinander
+zu unterhalten.« Der Zauberer betrachtete diese Wahl der Prinzessin als
+eine neue Gunst.
+
+Nachdem sie einige Bissen gegessen hatten, verlangte die Prinzessin zu
+trinken. Sie trank auf die Gesundheit des Zauberers und sagte dann zu
+ihm: »Du hattest alles Recht, deinen Wein zu loben; ich habe nie einen
+so köstlichen getrunken.« – »Reizende Prinzessin,« antwortete er, indem
+er den Becher, der ihm überreicht wurde, in der Hand hielt, »mein Wein
+erhält durch deinen Beifall eine neue Güte.« – »Trink auf meine
+Gesundheit,« erwiderte die Prinzessin, »so wirst du selbst finden, daß
+ich mich darauf verstehe.« Er trank auf die Gesundheit der Prinzessin,
+sah dann den Becher an und sagte: »Prinzessin, ich schätze mich
+glücklich, daß ich dieses Faß für eine so gute Gelegenheit aufgespart;
+ich gestehe selbst, daß ich in meinem ganzen Leben noch keinen so
+vortrefflichen Wein getrunken habe.«
+
+Als sie noch weiter gegessen und noch dreimal getrunken hatten, gab
+endlich die Prinzessin, die dem afrikanischen Zauberer durch ihre
+Höflichkeit und ihr verbindliches Wesen vollends ganz den Kopf verrückt
+hatte, der Frau, die das Schenkamt versah, das verabredete Zeichen, und
+während man ihren Becher mit Wein brachte, sagte sie, man solle auch den
+des afrikanischen Zauberers vollschenken und ihm überreichen.
+
+Als nun beide den Becher in der Hand hatten, sprach sie: »Ich weiß
+nicht, wie es bei euch zulande unter Liebenden, die miteinander trinken,
+Sitte ist; bei uns in China wechseln die Geliebte und der Liebhaber ihre
+Becher miteinander aus und trinken so einander Gesundheit.« Mit diesen
+Worten überreichte sie ihm den Becher, den sie in der Hand hielt, und
+streckte ihre andere Hand aus, um den seinigen in Empfang zu nehmen.
+
+Der afrikanische Zauberer beeilte sich um so freudiger, diesen Tausch
+vorzunehmen, da er dies als das sicherste Zeichen betrachtete, das Herz
+der Prinzessin nun völlig erobert zu haben, und er hielt sich für den
+glücklichsten aller Sterblichen. Ehe er trank, sagte er, mit dem Becher
+in der Hand: »Prinzessin, wir Afrikaner sind lange nicht so weit in der
+Kunst, die Liebe mit allen möglichen Annehmlichkeiten zu würzen, wie die
+Chinesen, und indem ich hier etwas lerne, was ich noch nicht wußte,
+fühle ich zugleich, wie hoch ich diese Begünstigung zu schätzen habe.
+Nie werde ich es vergessen, liebenswürdige Prinzessin, daß ich aus
+deinem Becher getrunken und darin ein Leben gefunden habe, auf das ich
+keine Hoffnung mehr gehabt hätte, wenn du noch länger bei deiner
+Grausamkeit beharrt.«
+
+Prinzessin Bedrulbudur führte nun den Becher an den Mund, berührte ihn
+aber nur mit den Lippen, indes der afrikanische Zauberer sich sehr
+bemühte, es ihr zuvor zu tun, und den seinigen ausleerte, ohne einen
+Tropfen darin zu lassen. Die Prinzessin sah, daß seine Augen sich
+verdrehten und er ohne Bewußtsein rücklings zusammensank.
+
+Nun kam Alaeddin herauf und trat in den Saal. Als er den afrikanischen
+Zauberer auf dem Sofa ausgestreckt liegen sah, und die Prinzessin
+Bedrulbudur ihm voll Freude und mit offenen Armen entgegeneilte, hielt
+er sie zurück und sagte: »Es ist noch nicht Zeit, Prinzessin; tu mir den
+Gefallen, begib dich auf dein Zimmer und sorge dafür, daß man mich
+allein läßt, indes ich meine Vorbereitungen treffe, die dich ebenso
+schnell nach China wieder zurückbringen, wie du von da entfernt worden
+bist.«
+
+Sobald die Prinzessin mit ihren Frauen und Verschnittenen aus dem Saale
+gegangen war, verschloß Alaeddin die Türe, näherte sich dem Leichnam des
+afrikanischen Zauberers, öffnete sein Kleid und zog die Lampe heraus. Er
+enthüllte sie und rieb daran und alsbald erschien auch der Geist mit
+seinem gewöhnlichen Gruß. »Geist,« sagte Alaeddin zu ihm, »ich habe dich
+gerufen, um dir im Namen der Lampe, deiner guten Gebieterin, die du hier
+siehst, zu befehlen, daß du diesen Palast wieder nach China zurücktragen
+lässest, und zwar an denselben Ort und dieselbe Stelle, von wo er
+weggenommen ist.« Der Geist gab durch ein Kopfnicken zu verstehen, daß
+er gehorchen werde und verschwand. Die Versetzung ging wirklich vor
+sich, und man spürte sie nur an zwei sehr leichten Erschütterungen: die
+eine, als der Palast von seiner Stelle in Afrika emporgehoben, und die
+andere, als er in China gegenüber dem Palast des Sultans niedergelassen
+wurde, was alles in wenigen Augenblicken geschehen war.
+
+Alaeddin ging nun ins Zimmer der Prinzessin hinab, umarmte sie und sagte
+zu ihr: »Prinzessin, ich kann dich versichern, daß deine und meine
+Freude morgen früh vollkommen sein wird.« Da die Prinzessin ihre
+Abendmahlzeit noch nicht vollendet hatte und Alaeddin zu essen
+verlangte, so ließ sie aus dem Saal mit den vierundzwanzig Fenstern die
+Speisen, die dort aufgetragen, aber kaum berührt worden waren, auf ihr
+Zimmer bringen. Die Prinzessin und Alaeddin speisten zusammen und
+tranken von dem guten alten Wein des afrikanischen Zauberers. Ich will
+nichts von ihrer weiteren Unterhaltung sagen, die nur sehr vergnügt sein
+konnte, und füge bloß hinzu, daß sie sich zuletzt miteinander in ihr
+Schlafgemach begaben.
+
+Seit der Entführung des Palastes und der Prinzessin Bedrulbudur war der
+Sultan, der Vater dieser Prinzessin, untröstlich, weil er sie für immer
+verloren glaubte. Er konnte weder bei Nacht noch bei Tag Ruhe finden,
+und statt alles zu vermeiden, was seinem Kummer neue Nahrung geben
+konnte, suchte er es im Gegenteil absichtlich auf. Während er zum
+Beispiel vorher nur morgens nach dem offenen Erker seines Palastes
+gegangen war, um seine Augen an dem angenehmen Anblick zu weiden, dessen
+er nicht satt werden konnte, so ging er jetzt mehrere Male des Tags
+hinauf, um seinen Tränen freien Lauf zu lassen und sich immer tiefer in
+seine Betrübnis zu versenken durch den Gedanken, daß er das, was ihm so
+wohlgefallen hatte, nie wieder sehen werde, und das Liebste, das er auf
+der Welt besessen, auf immer verloren habe. Auch an dem Morgen, als
+Alaeddins Palast wieder an seinen alten Platz gebracht worden war, hatte
+sich die Morgenröte kaum am Himmel gezeigt, als der Sultan wieder in den
+Erker ging. Er war so in sich gekehrt und so durchdrungen von seinem
+Schmerz, daß er seine Augen traurig nach der Seite hinwendete, wo er nur
+den leeren Raum und keinen Palast mehr zu erblicken vermeinte. Als er
+nun auf einmal diese Leere ausgefüllt sah, hielt er es für einen Nebel.
+Endlich aber, nachdem er es aufmerksamer betrachtet hatte, erkannte er,
+daß es unzweifelhaft Alaeddins Palast war. Freude und Fröhlichkeit
+bemächtigten sich jetzt seines Herzens nach langem Kummer und Gram. Er
+kehrte eilig auf sein Zimmer zurück und befahl, man solle ihm ein Pferd
+satteln und vorführen. Er schwang sich hinauf, ritt fort und es war ihm,
+als könne er nicht schnell genug bei Alaeddins Palast anlangen.
+
+Alaeddin, der dies vorausgesehen hatte, war mit Tagesanbruch
+aufgestanden, hatte eines seiner prächtigsten Kleider angelegt und sich
+sodann in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern begeben, von wo aus
+er den Sultan kommen sah. Er eilte hinab und kam noch gerade zur rechten
+Zeit, um ihn unten an der Haupttreppe zu empfangen und ihm vom Pferd
+absteigen zu helfen. »Alaeddin,« sprach der Sultan zu ihm, »ich kann mit
+dir nicht sprechen, bevor ich meine Tochter gesehen und umarmt habe.«
+
+Alaeddin führte den Sultan in das Zimmer der Prinzessin Bedrulbudur, die
+eben mit ihrem Anzug fertig geworden war; denn Alaeddin hatte sie beim
+Aufstehen erinnert, daß sie sich nicht mehr in Afrika, sondern in China,
+in der Hauptstadt des Sultans, ihres Vaters, und gegenüber seinem Palast
+befinde. Der Sultan umarmte sie mehrere Male, während ihm die hellen
+Freudentränen über die Wangen liefen, und die Prinzessin ihrerseits
+bewies ihm auf alle mögliche Art, wie hocherfreut sie sei, ihn wieder zu
+sehen.
+
+Endlich nahm der Sultan das Wort und sprach: »Geliebte Tochter, ich will
+glauben, daß die Freude des Wiedersehens dich in meinen Augen so munter
+und so wenig verändert erscheinen läßt, wie wenn dir nichts Unangenehmes
+zugestoßen wäre, und doch bin ich überzeugt, daß du sehr viel gelitten
+hast. Ich wünsche nun, daß du mir erzählst, wie die Sache zuging, und
+mir nichts verhehlest.«
+
+Die Prinzessin machte sich ein Vergnügen daraus, den Wunsch ihres Vaters
+zu erfüllen.
+
+»Um es frei herauszusagen, mein ganzes Unglück bestand darin, daß ich
+mich dir und meinem teuren Gemahl entrissen sah. Was meine Entführung
+betrifft, so hat Alaeddin nicht den mindesten Teil daran: ich selbst bin
+allein daran schuld, aber auf eine höchst unschuldige Weise.« Um nun den
+Sultan von der Wahrheit ihrer Worte zu überzeugen, erzählte sie ihm
+umständlich, wie der afrikanische Zauberer sich in einen Lampenhändler
+verkleidet habe, der alte Lampen gegen neue eintauschte, und wie sie
+dann zur Kurzweil Alaeddins Lampe, deren geheime Kraft und Wichtigkeit
+sie nicht gekannt, gegen eine neue eingetauscht, worauf der Palast nebst
+ihr und den übrigen Bewohnern in die Höhe gehoben und samt dem
+afrikanischen Zauberer nach Afrika versetzt worden sei.
+
+Um sich vollends zu überzeugen, ging der Sultan hinauf, und als er den
+afrikanischen Zauberer tot und im Gesicht ganz schwarzblau von dem Gifte
+sah, umarmte er Alaeddin mit vieler Zärtlichkeit und sagte zu ihm: »Mein
+Sohn, halte mir mein Betragen gegen dich zugute; bloß meine Vaterliebe
+hat mich dazu veranlaßt, und du mußt mir die Übereilung, zu der ich mich
+hinreißen ließ, verzeihen.« – »Herr,« erwiderte Alaeddin, »ich habe
+nicht die mindeste Ursache, mich über dich zu beklagen; du hast nur
+getan, was du tun mußtest. Dieser schändliche Zauberer, dieser Auswurf
+der Menschheit, war die einzige Ursache, daß ich deine Gnade verlor.
+Wenn du einmal Muße haben wirst, so werde ich dir von einer andern
+Bosheit erzählen, die er mir angetan und die nicht minder schwarz ist,
+als seine letzte, vor der mich Gottes ganz absonderliche Gnade behütet
+hat.« – »Ich werde mir diese Muße ausdrücklich dazu nehmen,« antwortete
+der Sultan, »und zwar recht bald. Jetzt aber laß uns nur darauf denken,
+fröhlich zu sein, auch sorge, daß dieser verhaßte Gegenstand
+fortgeschafft wird.«
+
+Alaeddin ließ den Leichnam des afrikanischen Zauberers wegbringen und
+auf den Schindanger werfen, um dort den Vögeln und Tieren zur Nahrung zu
+dienen. Der Sultan aber gab Befehl, durch Trommeln, Pauken, Trompeten
+und andere Instrumente das Zeichen zur allgemeinen öffentlichen Freude
+zu geben, und ließ ein zehntägiges Freudenfest ankündigen, um die
+Rückkehr der Prinzessin Bedrulbudur und Alaeddins zu feiern.
+
+So entging denn Alaeddin zum zweitenmal einer Todesgefahr, der er
+beinahe erliegen mußte; allein es war noch nicht die letzte, und er
+mußte noch eine dritte, gleich gefährliche Prüfung bestehen.
+
+Der afrikanische Zauberer hatte noch einen jüngern Bruder, der in der
+Zauberkunst nicht minder geschickt war, als er; ja man kann sagen, daß
+er ihn an Bosheit und verderblichen Ränken noch übertraf. Da sie nicht
+immer beisammen oder in derselben Stadt lebten, und der eine sich
+manchmal im Osten befand, während der andere im Westen war, so
+unterließen sie es nicht, mit Hilfe der Punktierkunst alle Jahre einmal
+auszumitteln, in welchem Teile der Welt jeder von ihnen lebe, wie er
+sich befinde und ob er nicht die Hilfe des andern bedürfe.
+
+Kurze Zeit, nachdem der afrikanische Zauberer in der Unternehmung gegen
+Alaeddins Glück den Tod gefunden hatte, wollte sein jüngerer Bruder, der
+seit Jahr und Tag keine Nachrichten von ihm hatte und sich nicht in
+Afrika, sondern in einem sehr entlegenen Land aufhielt, erfahren, an
+welchem Ort der Erde er lebe, wie er sich befinde und was er treibe. Er
+endeckte nun, daß sein Bruder nicht mehr auf der Welt, daß er vergiftet
+worden und plötzlich gestorben sei, daß dies in China an dem und dem
+Orte geschehen, und endlich, daß der, welcher ihn vergiftet, ein Mann
+von niedriger Abkunft sei, der eine Prinzessin des Sultans geheiratet
+habe.
+
+Als der Zauberer das traurige Ende seines Bruders erfahren hatte, verlor
+er keine Zeit mit nutzlosem Jammern, sondern beschloß augenblicklich,
+seinen Tod zu rächen, stieg zu Pferde und begab sich auf den Weg nach
+China. Er mußte über Ebenen, Flüsse, Berge, Einöden, und nach langer
+Reise kam er endlich unter unglaublichen Beschwerden nach China und bald
+darauf in die Hauptstadt.
+
+Den Tag nach seiner Ankunft ging der Zauberer aus und spazierte in der
+Stadt herum. An einem der Orte, wo man sich mit allerlei Arten von
+Spielen die Zeit vertrieb, und wo, während die einen spielten, die
+andern sich von den Neuigkeiten des Tages oder auch von ihren eigenen
+Geschichten unterhielten, hörte er gar merkwürdige Dinge erzählen von
+der Tugend und Frömmigkeit, ja selbst von den Wundertaten einer von der
+Welt abgeschiedenen Frau, namens Fatime. Da er nun glaubte, diese Frau
+könne ihm bei seinem Vorhaben vielleicht in irgend etwas behilflich
+sein, nahm er einen von der Gesellschaft beiseite und bat ihn um nähere
+Auskunft über die heilige Frau und über die Art von Wundern, die sie
+verrichte.
+
+»Wie!« sagte der Angeredete zu ihm, »du hast diese Frau noch nie
+gesehen und auch nicht von ihr sprechen gehört? Sie ist durch ihr
+Fasten, ihre strenge Lebensweise und das Beispiel, das sie gibt,
+Gegenstand der allgemeinen Bewunderung in der ganzen Stadt. Außer
+Montags und Freitags geht sie nie aus ihrer kleinen Einsiedelei heraus,
+und an den Tagen, wo sie sich in der Stadt sehen läßt, tut sie unendlich
+viel Gutes, auch heilt sie jeden, der mit Kopfschmerzen behaftet ist,
+durch Auflegung ihrer Hände.« Der Zauberer verlangte über diesen Punkt
+nichts mehr zu wissen, sondern fragte nur noch, in welchem Teile der
+Stadt die Einsiedelei der heiligen Frau wäre. Der Mann beschrieb ihm
+genau die Stelle.
+
+Gegen Mitternacht ging der Zauberer geraden Wegs nach der Einsiedelei
+Fatimes, der heiligen Frau; denn unter diesem Namen war sie in der
+ganzen Stadt bekannt. Er öffnete ohne Mühe die mit einer bloßen Klinke
+verschlossene Tür, trat hinein und machte die Türe ganz leise wieder zu;
+drinnen erblickte er bei hellem Mondschein Fatime, die an freier Luft
+auf einem mit einer schlechten Matte überdeckten Sofa schlief und gegen
+ihre Zelle hingelehnt dalag. Er näherte sich ihr, zog einen Dolch, den
+er an seiner Seite trug, und weckte sie.
+
+Als die arme Fatime die Augen aufschlug, erschrak sie über die Maßen
+beim Anblick eines Mannes, der im Begriff war, sie zu erdolchen. Er
+setzte ihr den Dolch auf die Brust, machte Miene zuzustoßen und sagte:
+»Wenn du schreist oder nur das mindeste Geräusch machst, so bist du des
+Todes; steh aber jetzt auf und tue, was ich dir sagen werde.«
+
+Fatime, die sich in ihren Kleidern niedergelegt hatte, stand zitternd
+und bebend auf. »Fürchte dich nicht,« sagte der Zauberer zu ihr, »ich
+verlange bloß dein Kleid, gib es mir und nimm dafür das meinige.« Sie
+vertauschten ihre Kleider, und nachdem der Zauberer das Kleid Fatimens
+angezogen hatte, sagte er zu ihr: »Jetzt färbe mir das Gesicht gleich
+dem deinigen, und zwar so, daß ich dir ähnlich sehe und die Farbe sich
+nicht verwischt.« Da er sah, daß sie noch immer zitterte, sagte er, um
+sie zu beruhigen, und damit sie mit um so größerer Zuversicht seinen
+Wunsch erfüllen möchte, abermals zu ihr: »Fürchte dich nicht; ich
+schwöre dir bei dem Namen Gottes, daß ich dir das Leben lasse.« Fatime
+hieß ihn in ihre Zelle treten, zündete ihre Lampe an, nahm einen Pinsel
+und einen gewissen Saft, den sie in einem Gefäße stehen hatte, rieb ihm
+damit das Gesicht ein und versicherte ihm dann, die Farbe werde nicht
+ausgehen und sein Gesicht sei jetzt durchaus ganz wie das ihrige.
+Hierauf setzte sie ihm ihre eigene Kopfbekleidung aufs Haupt nebst ihrem
+Schleier und zeigte ihm, wie er sich auf seinem Gang durch die Stadt das
+Gesicht damit verhüllen müsse. Endlich, nachdem sie ihm noch einen
+großen Rosenkranz, der ihm vorne bis auf den Gürtel herabhing, um den
+Hals geschlungen, gab sie ihm denselben Stab, den sie gewöhnlich trug,
+in die Hand, hielt ihm dann einen Spiegel vor und sagte zu ihm: »Da
+blicke einmal hinein und du wirst sehen, daß du mir gleichst, wie ein Ei
+dem andern.« Der Zauberer fand alles nach Wunsch, hielt aber der guten
+Fatime den Schwur nicht, den er ihr so feierlich geleistet hatte. Damit
+man keine Blutspuren sehen möchte, wenn er sie erstäche, so erwürgte er
+sie, und als er sah, daß sie den Geist aufgegeben hatte, schleppte er
+ihren Leichnam an den Füßen zum Wasserbehälter der Einsiedelei und warf
+ihn da hinein.
+
+Nach Vollführung dieser verruchten Mordtat brachte der als heilige
+Fatime verkleidete Zauberer den Rest der Nacht in der Einsiedelei zu. Am
+andern Morgen ging er, obgleich dies kein gewöhnlicher Ausgangstag für
+die heilige Frau war, dennoch aus, denn er glaubte, es würde ihn niemand
+darum fragen, und wenn man ihn fragte, so würde er schon zu antworten
+wissen. Da er sich bei seiner Ankunft vor allen Dingen nach Alaeddins
+Palast erkundigt hatte, und da er dort seine Rolle spielen wollte, so
+nahm er sogleich seinen Weg dahin.
+
+Jedermann hielt ihn für die heilige Frau, und so wurde er bald von einer
+großen Menschenmasse umringt. Einige empfahlen sich seinem Gebet, andere
+küßten ihm die Hand, andere, die noch ehrerbietiger waren, küßten bloß
+den Saum seines Kleides, und noch andere, die entweder wirklich Kopfweh
+hatten, oder sich nur dagegen verwahren wollten, neigten sich vor ihm,
+damit er ihnen die Hände auflegen möchte, was er auch tat, indem er
+einige gebetähnliche Worte murmelte; kurz, er ahmte die heilige Frau so
+gut nach, daß jedermann ihn dafür ansah. Nachdem er mehrere Male
+unterwegs stehen geblieben war, um solche Leute zu befriedigen, die von
+dieser Art Händeauflegung weder einen Nutzen noch einen Schaden hatten,
+kam er endlich auf den Platz vor Alaeddins Palast, wo sich noch mehr
+Volk versammelt hatte, so daß es große Mühe kostete, sich ihm zu nähern.
+Die Stärksten und Eifrigsten drängten sich mit Gewalt durch das Gewühl,
+und darüber erhoben sich Klagen und ein solches Geschrei, daß man es in
+dem Saal mit den vierundzwanzig Fenstern, wo die Prinzessin Bedrulbudur
+war, hören konnte.
+
+Die Prinzessin fragte, was der Lärm bedeuten sollte, und da es ihr
+niemand sagen konnte, befahl sie nachzusehen und ihr Bericht
+abzustatten. Eine ihrer Frauen sah, ohne den Saal zu verlassen, durch
+ein Fenster und meldete ihr sodann, der Lärm komme von der Volksmenge
+her, die die heilige Frau umgebe, um sich durch ihr Handauflegen das
+Kopfweh vertreiben zu lassen.
+
+Die Prinzessin, die schon lange Zeit viel Gutes von der heiligen Frau
+gehört, sie aber noch nicht gesehen hatte, wurde neugierig, ihre
+Bekanntschaft zu machen und mit ihr zu sprechen. Sobald sie etwas davon
+verlauten ließ, sagte der Obere der Verschnittenen, wenn sie es wünsche,
+so wolle er sie heraufkommen lassen. Die Prinzessin genehmigte es und er
+fertigte sogleich vier Verschnittene ab mit dem Befehl, die angebliche
+heilige Frau heraufzubringen.
+
+Sobald die Verschnittenen zum Tore von Alaeddins Palast herauskamen und
+auf den afrikanischen Zauberer zugingen, so wich die Menge auseinander,
+und als dieser sich nun frei und die Verschnittenen auf sich zukommen
+sah, so ging er ihnen mit um so größerer Freude entgegen, da sein
+Schelmstück ihm einen guten Anfang zu nehmen schien. Einer von den
+Verschnittenen nahm das Wort und sagte: »Heilige Frau, die Prinzessin
+wünscht dich zu sprechen; komm und folge uns.« – »Die Prinzessin erzeigt
+mir viele Ehre,« antwortete die angebliche Fatime; »ich bin bereit, ihr
+zu gehorchen.« Mit diesen Worten folgte er den Verschnittenen.
+
+Als der Zauberer, der unter dem heiligen Kleide ein teuflisches Herz
+verbarg, in den Saal mit den vierundzwanzig Fenstern eintrat und die
+Prinzessin bemerkte, begann er mit einem Gebet, das eine lange Reihe von
+Wünschen für ihr Wohlbefinden, ihr Glück und die Erfüllung alles
+dessen, was sie nur begehren könnte, enthielt. Hierauf entfaltete er all
+seine trügerische und heuchlerische Beredsamkeit, um sich unter dem
+Mantel großer Frömmigkeit ins Herz der Prinzessin einzuschleichen, was
+ihm auch um so leichter gelang, als die Prinzessin in ihrer natürlichen
+Gutherzigkeit die Überzeugung hatte, alle Leute müßten ebenso gut sein,
+wie sie, besonders aber diejenigen Männer und Frauen, die es sich zur
+Pflicht machten, Gott in der Einsamkeit zu dienen.
+
+Als die falsche Fatime ihre lange Anrede vollendet hatte, sagte die
+Prinzessin zu ihr: »Meine gute Mutter, ich danke dir für deine schönen
+Gebete, ich habe großes Vertrauen darauf und hoffe, daß Gott sie erhören
+wird. Komm näher und setze dich zu mir.« Die falsche Fatime setzte sich
+mit heuchlerischer Bescheidenheit. Hierauf nahm die Prinzessin wieder
+das Wort und sagte: »Meine gute Mutter, ich bitte dich um etwas, das du
+mir bewilligen mußt und nicht abschlagen darfst, nämlich darum, daß du
+bei mir bleibst, mir die Geschichte deines Lebens erzählst und mich
+durch deine guten Beispiele lehrst, wie ich Gott dienen soll.«
+
+»Prinzessin,« sagte hierauf die angebliche Fatime, »ich bitte dich,
+verlange nichts von mir, worin ich nicht willigen kann, ohne mich ganz
+zu zerstreuen und von meinen Gebeten und frommen Übungen abzukommen.« –
+»Das darf dich nicht beunruhigen,« erwiderte die Prinzessin, »ich habe
+mehrere Zimmer, die nicht bewohnt sind, wähle dir eins daraus, welches
+dir am besten zusagt, dann kannst du deine Übungen ebenso ruhig
+verrichten, wie in deiner Einsiedelei.«
+
+Der Zauberer, der keinen andern Zweck hatte, als in Alaeddins Palast zu
+gelangen, wo es ihm viel leichter sein mußte, sein Schelmstück
+auszuführen, als wenn er immer von der Einsiedelei in den Palast und von
+da wieder zurück hätte hin und her gehen müssen, machte jetzt keine
+großen Einwendungen mehr gegen das verbindliche Anerbieten der
+Prinzessin und nahm es an. »Prinzessin,« sagte er zu ihr, »so fest auch
+der Entschluß einer armen und elenden Frau, wie ich, sein muß, der Welt
+und ihrer Pracht zu entsagen, so wage ich es doch nicht, dem Willen und
+Befehl einer so frommen und mildtätigen Prinzessin zu widerstreben.«
+
+Er folgte der Prinzessin Bedrulbudur und wählte unter ihren Zimmern
+dasjenige, welches am wenigsten schön war, indem er mit heuchlerischem
+Tone sagte: es sei noch viel zu gut für ihn und er wähle es bloß der
+Prinzessin zu Gefallen.
+
+Die Prinzessin wollte den Schurken in den Saal mit den vierundzwanzig
+Fenstern zurückführen, damit er bei ihr zu Mittag speisen sollte. Da er
+aber beim Essen sein bis jetzt immer noch verschleiertes Gesicht hätte
+enthüllen müssen und fürchtete, die Prinzessin möchte den Betrug
+durchschauen, so bat er sie, ihm zu erlauben, seine kleine Mahlzeit auf
+seinem Zimmer zu sich zu nehmen.
+
+Die Prinzessin speiste zu Mittag und die falsche Fatime unterließ nicht,
+sich wieder bei ihr zu melden, sobald sie ihr durch einen Verschnittenen
+hatte sagen lassen, daß sie von der Tafel aufgestanden sei. »Meine gute
+Mutter,« sagte die Prinzessin zu ihr, »ich bin hoch erfreut, eine
+heilige Frau, wie dich, zu besitzen, die diesem Palaste Segen bringen
+wird. Ei, wie gefällt dir denn der Palast? Ehe ich dir aber Zimmer für
+Zimmer zeige, so sage vor allem, was hältst du von diesem Saale?«
+
+Die falsche Fatime, die um ihre Rolle besser spielen zu können, bisher
+immer mit gesenkten Augen dagestanden war und ihren Kopf weder rechts
+noch links hingewendet hatte, hob ihn endlich bei dieser Frage empor,
+durchmusterte den Saal von einem Ende zum andern, und als sie ihn
+genugsam betrachtet hatte, sagte sie: »Prinzessin, dieser Saal ist
+wahrhaft bewunderungswürdig und ausgezeichnet schön. Indes scheint es
+mir, so viel eine Einsiedlerin beurteilen kann, daß eine einzige Sache
+daran fehle.« – »Und was denn, meine gute Mutter?« fragte die Prinzessin
+Bedrulbudur; »ich beschwöre dich, sage es mir. Ich für meinen Teil habe
+immer geglaubt und auch sagen hören, daß er in allem vollkommen sei.
+Wenn aber etwas daran fehlt, so will ich diesem Mangel abhelfen lassen.«
+
+»Prinzessin,« erwiderte die falsche Fatime mit vieler Verstellung,
+»verzeih, daß ich mir so viel Freiheit herausnehme. Meine Meinung, wenn
+dir etwas daran liegen könnte, ist nämlich, daß wenn oben von der Mitte
+dieser Kuppel ein Rochei herabhinge, dieser Saal in allen vier Teilen
+der Welt seinesgleichen nicht haben und der Palast ein Wunder der Welt
+sein würde.«
+
+»Meine gute Mutter,« fragte die Prinzessin, »was für ein Vogel ist denn
+der Roch, und woher könnte man wohl ein Ei von ihm bekommen?« –
+»Prinzessin,« antwortete die falsche Fatime, »es ist dies ein Vogel von
+bewundernswürdiger Größe, der auf der höchsten Spitze des Berges
+Kaukasus wohnt; der Baumeister dieses Palastes wird dir schon ein
+solches Ei verschaffen.«
+
+Die Prinzessin Bedrulbudur dankte der falschen Fatime für ihren Rat, und
+unterhielt sich mit ihr noch über eine Menge anderer Gegenstände; doch
+vergaß sie das Rochei nicht, und nahm sich vor, mit Alaeddin darüber zu
+sprechen, sobald er von der Jagd zurückgekehrt sein würde. Er war
+nämlich seit sechs Tagen fort und der Zauberer, der dies recht gut
+wußte, hatte seine Abwesenheit benützen wollen. Alaeddin kam noch an
+demselben Tage abends zurück, als die falsche Fatime sich soeben von der
+Prinzessin verabschiedet und auf ihr Zimmer begeben hatte. Er ging
+sogleich ins Zimmer der Prinzessin, die soeben dahin zurückgekehrt war,
+begrüßte und umarmte sie; allein es schien ihm, als ob sie ihn etwas
+kalt empfinge. »Teure Prinzessin,« sagte er zu ihr, »ich finde dich
+nicht so heiter, wie sonst. Ist in meiner Abwesenheit etwas vorgekommen,
+das dir mißfallen und Verdruß oder Mißvergnügen verursacht hätte? Ich
+beschwöre dich bei Gott, verhehle es mir nicht, denn ich werde alles
+aufbieten, deinen Wunsch zu erfüllen, wenn es in meiner Macht steht.« –
+»Es ist bloß eine Kleinigkeit,« antwortete die Prinzessin, »und die
+Sache kümmert mich so wenig, daß es mir unbegreiflich ist, wie du es
+meinem Gesichte hast anmerken können. Da du es jedoch wider mein
+Erwarten wahrgenommen hast, so will ich dir die Ursache mitteilen,
+obgleich sie nicht von Bedeutung ist.«
+
+»Ich hatte,« fuhr die Prinzessin Bedrulbudur fort, »wie du auch, bisher
+immer geglaubt, unser Palast sei der herrlichste, prachtvollste und
+vollkommenste auf der ganzen Welt. Doch muß ich dir jetzt sagen, was für
+ein Gedanke mir bei genauer Besichtigung des Saales mit den
+vierundzwanzig Fenstern gekommen ist. Meinst du nicht auch, daß nichts
+zu wünschen übrig bleiben würde, wenn mitten im Kuppelgewölbe ein Rochei
+hinge?« – »Prinzessin,« antwortete Alaeddin, »sobald du findest, daß
+noch ein Rochei daran fehlt, so finde ich diesen Fehler auch, und aus
+dem Eifer, womit ich diesem Mangel abhelfen werde, sollst du dich
+überzeugen, daß es nichts gibt, was ich nicht dir zuliebe tun würde.«
+
+Alaeddin verließ augenblicklich die Prinzessin Bedrulbudur, ging in den
+Saal mit den vierundzwanzig Fenstern, zog die Lampe, die er nun überall,
+wo er ging und stand, bei sich trug, aus seinem Busen hervor und rieb
+sie. Sogleich erschien auch der Geist. »Geist,« sprach Alaeddin zu ihm,
+»es fehlt dieser Kuppel noch ein Rochei, das mitten in ihrer Vertiefung
+hängen muß: ich befehle dir nun im Namen der Lampe, daß du diesem Mangel
+abhilfst.«
+
+Kaum hatte Alaeddin diese Worte ausgesprochen, als der Geist ein so
+lautes und entsetzliches Geschrei erhob, daß der Saal davon erbebte und
+auch Alaeddin taumelte, so daß er beinahe zu Boden stürzte. »Wie,
+Elender!« sagte der Geist in einem Tone zu ihm, der auch dem
+unerschrockensten Manne Furcht eingeflößt haben würde, »ist es dir nicht
+genug, daß meine Gefährten und ich dir zuliebe alles getan haben? Mußt
+du auch noch mit einer Undankbarkeit, die ihresgleichen nicht hat,
+befehlen, daß ich dir meinen Meister bringen und mitten in diesem
+Kuppelgewölbe aufhängen soll? Dieser Frevel verdiente, daß du samt
+deiner Frau und deinem Palaste auf der Stelle in Staub und Asche
+verwandelt würdest. Zu deinem Glück bist du jedoch nicht selbst auf
+diesen Gedanken gekommen, und der Wunsch geht nicht unmittelbar von dir
+aus. Du mußt nämlich wissen, daß er von dem Bruder des afrikanischen
+Zauberers, deines Feindes, herkommt, den du vertilgt hast, wie er
+verdiente. Er befindet sich in deinem Palast im Anzug der heiligen Frau
+Fatime, die er ermordet, und er hat deiner Frau das verderbliche
+Verlangen eingegeben, das du gegen mich geäußert hast. Seine Absicht
+ist, dich umzubringen, sei daher wohl auf deiner Hut.« Mit diesen Worten
+verschwand er.
+
+Alaeddin verlor keines von den letzten Worten des Geistes. Er hatte von
+der heiligen Frau Fatime sagen gehört und wußte recht gut, wie sie dem
+allgemeinen Glauben zufolge das Kopfweh heilte. Er ging nun aufs Zimmer
+der Prinzessin zurück, und ohne ein Wort von dem zu sprechen, was ihm
+soeben begegnet war, setzte er sich nieder, stützte seine Stirne auf
+die Hand und sagte, es habe ihn plötzlich ein heftiges Kopfweh befallen.
+Die Prinzessin befahl sogleich, die heilige Frau zu rufen, und während
+sie geholt wurde, erzählte sie Alaeddin, wie sie in den Palast gekommen
+sei und wie sie ihr darin ein Zimmer eingeräumt habe.
+
+Die falsche Fatime kam, und sobald sie da war, sagte Alaeddin zu ihr:
+»Komm her, meine gute Mutter, es freut mich, dich zu sehen, du bist
+gerade zu meinem Glücke hierhergekommen. Ich bin soeben von einem
+abscheulichen Kopfweh überfallen worden, und im Vertrauen auf deine
+Gebete bitte ich dich um Hilfe, denn ich hoffe, daß die Wohltat, die du
+schon so vielen mit dieser Krankheit Behafteten erwiesen hast, auch mir
+nicht abschlagen werdest.« Mit diesen Worten stand er auf und bückte den
+Kopf; die falsche Fatime näherte sich ihm, indem sie zugleich mit der
+Hand nach einem Dolche griff, den sie unter ihrem Kleide am Gürtel
+stecken hatte. Alaeddin aber, der sie genau beobachtete, fiel ihr in die
+Hand, noch ehe sie vom Leder gezogen hatte, und durchbohrte sie mit
+seinem Dolche, so daß sie tot auf dem Fußboden zusammenstürzte.
+
+»Mein teurer Gemahl, was hast du getan?« rief die Prinzessin voll Angst,
+»du hast die heilige Frau getötet!« – »Nein, geliebte Prinzessin,«
+antwortete Alaeddin mit großer Ruhe; »ich habe nicht Fatime getötet,
+sondern einen Schurken, der mich ermordet hätte, wenn ich ihm nicht
+zuvorgekommen wäre. Dieser Bösewicht, den du hier siehst,« fuhr er fort,
+indem er ihn enthüllte, »hat die wahre Fatime erwürgt und sich in ihre
+Kleider gesteckt, um mich zu erdolchen; mit einem Wort, er war der
+Bruder des afrikanischen Zauberers, deines Räubers.« Alaeddin erzählte
+ihr hierauf, auf welche Art er diese Umstände erfahren hatte, und ließ
+sodann den Leichnam wegschaffen.
+
+Auf diese Art wurde also Alaeddin von der Verfolgung der beiden
+verbrüderten Zauberer befreit. Wenige Jahre darauf starb der Sultan in
+hohem Alter. Da er keine männlichen Nachkommen hinterließ, so folgte ihm
+die Prinzessin Bedrulbudur als gesetzmäßige Erbin auf dem Throne nach
+und teilte ihre Herrschaft mit Alaeddin. Sie regierten miteinander viele
+Jahre und hinterließen eine berühmte Nachkommenschaft.
+
+[Illustration]
+
+
+
+_Druck von F. Bruckmann A.G. in München_
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthält eine
+Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
+
+S. 017: [Anführungszeichen ergänzt] wenn du ihn nicht gesehen hättest.«
+S. 018: »Du hast gesehen, »fuhr der Zauberer fort -> »Du hast gesehen,«
+S. 045: so muße er sich doch mit -> mußte
+S. 059: aber die schechte Behandlung -> schlechte
+S. 070: die Prinzessin Bedrulbudur zu heiraten.« -> heiraten?«
+S. 070: [Komma entfernt] ungeheuren Bedingungen, die mindeste
+S. 072: zwanzig Sklaven herbeischafft -> herbeischaffst
+S. 087: Ich besitze welche.« sagte der Sultan -> welche,« sagte
+
+
+
+Transcriber’s Notes: The table below lists all corrections applied to
+the original text.
+
+p. 017: [added quotes] wenn du ihn nicht gesehen hättest.«
+p. 018: »Du hast gesehen, »fuhr der Zauberer fort -> »Du hast gesehen,«
+p. 045: so muße er sich doch mit -> mußte
+p. 059: aber die schechte Behandlung -> schlechte
+p. 070: die Prinzessin Bedrulbudur zu heiraten.« -> heiraten?«
+p. 070: [removed comma] ungeheuren Bedingungen, die mindeste
+p. 072: zwanzig Sklaven herbeischafft -> herbeischaffst
+p. 087: Ich besitze welche.« sagte der Sultan -> welche,« sagte
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Alaeddin und die Wunderlampe, by Kurt Moreck
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ALAEDDIN UND DIE WUNDERLAMPE ***
+
+***** This file should be named 22413-0.txt or 22413-0.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/2/2/4/1/22413/
+
+Produced by Markus Brenner, Irma
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://gutenberg.org/license).
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+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
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+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
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+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
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+creating derivative works based on this work or any other Project
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+States.
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+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
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+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+Gutenberg-tm License.
+
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
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+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
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+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
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+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
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+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
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+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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