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+The Project Gutenberg EBook of Schelmuffskys wahrhaftige, kuriöse und sehr
+gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande, by Christian Reuter
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Schelmuffskys wahrhaftige, kuriöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande
+
+Author: Christian Reuter
+
+Editor: Gottlieb Fritz
+
+Illustrator: Ludwig Berwald
+
+Release Date: August 19, 2007 [EBook #22355]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHELMUFFSKYS WAHRHAFTIGE ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ Hausbücherei
+
+ der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
+
+ 41. Band
+
+
+
+ Hamburg-Großborstel
+
+ Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
+
+ 1912
+
+
+ 1.-10. Tausend
+
+
+
+
+ S c h e l m u f f s k y s
+
+ wahrhaftige, kuriöse und sehr gefährliche
+ Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande
+
+ von
+
+ Christian Reuter
+
+Eingeleitet und bearbeitet von Dr. G o t t l i e b
+F r i t z. Mit Bildern von L u d w i g  B e r w a l d
+
+
+
+ Hamburg-Großborstel
+
+ Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
+
+ 1912
+
+
+ 1.-10. Tausend
+
+
+
+
+Inhalt
+
+ Seite
+
+Einleitung von Dr. Gottlieb Fritz 7-10
+
+C h r i s t i a n  R e u t e r: Schelmuffskys Reisebeschreibung
+
+ Erster Teil 13-99
+
+ Zweiter Teil 101-148
+
+Ein ausführliches Verzeichnis der früher erschienenen Bände der
+»Hausbücherei« sowie der »Volksbücher« ist diesem Bande vorgeheftet.
+
+
+
+
+Einleitung.
+
+
+Der Leipziger Student Christian Reuter, der im Jahre 1696 »Schelmuffskys
+wahrhaftige, curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser
+und Lande« anonym erscheinen ließ, ist als der Verfasser eines der
+lustigsten Bücher unserer Literatur, das die Aufschneidereien des
+weltberühmten Freiherrn von Münchhausen noch übertrumpft, erst vor
+wenigen Jahrzehnten aus der selbstgewählten Verborgenheit an das Licht
+gezogen worden. Von seinem L e b e n wissen wir, abgesehen von seinen
+tollen Studentenjahren, über die uns die umständlichen Disziplinarakten
+eines hochlöblichen akademischen Senats Auskunft geben, herzlich wenig;
+aber gerade die Leipziger Jahre Reuters, der, 1665 als Sohn eines Bauern
+in der Nähe von Zörbig bei Halle geboren, 1694 die Universität bezog,
+sind mit der Entstehung des »Schelmuffsky« auf das engste verknüpft und
+bieten auch sonst ein interessantes Bild von dem akademischen Leben
+jener Tage.
+
+Christian Reuter, den wir uns als einen frischen, übermütigen Burschen,
+dem ein gehöriger Schalk im Nacken saß, denken müssen, wohnte als
+Student in dem Hause »Zum roten Löwen« auf dem Brühl bei einer gewissen
+Frau Müller, die verwitwet war und eine Reihe erwachsener Kinder, drei
+Söhne und zwei Töchter, hatte. Die F a m i l i e  M ü l l e r, dummstolz
+und hoffärtig, scheint wegen ihrer ungebildeten, stereotypen
+Redensarten in studentischen Kreisen ein beliebtes Ziel des Spottes
+gebildet zu haben; der älteste Sohn Eustachius, das Urbild des
+Schelmuffsky, war ein Aufschneider und Tagedieb und nach einer gemäß der
+Sitte junger Edelleute angeblich von ihm unternommenen Auslandreise in
+das mütterliche Haus zurückgekehrt, wo er sich nicht wenig aufspielte
+und durch einen liederlichen Lebenswandel die Wirtschaft
+herunterbrachte. Es dauerte nicht lange, so geriet Reuter, wohl wegen
+rückständiger Miete, mit seinen Wirtsleuten in Streit und mußte, nachdem
+ihm, wie es scheint, übel mitgespielt worden war, das Haus verlassen.
+
+Aber die Familie Müller sollte das bald bitter bereuen. Reuter, dem es
+wahrlich nicht an schlagfertigem Witz gebrach, wußte sich zu rächen und
+schrieb das Lustspiel »_L'honnête femme_ oder die ehrliche Frau zu
+Plissine«, worin er unter Anlehnung an Molières Komödie »Die
+lächerlichen Preziösen« die ganze Familie -- seine frühere Wirtin tritt
+unter dem Namen »Die ehrliche Frau Schlampampe«, der Sohn Eustachius
+unter dem Namen »Schelmuffsky« auf -- in der blutigsten Weise verhöhnte.
+Die Gestalten des Stückes sind mit nicht geringer dramatischer
+Lebendigkeit und derbkomischer Kraft nach dem Leben gezeichnet -- nicht
+minder auch in einem zweiten Lustspiel »Der ehrlichen Frau Schlampampe
+Leben und Tod«, das die Verhältnisse der Familie Müller aufs neue an den
+Pranger stellte.
+
+Zwischen die Abfassung dieser beiden Stücke fällt nun die Entstehung des
+»S c h e l m u f f s k y«. Der erste Teil erschien zuerst 1696, im
+darauffolgenden Jahre entstand ein zweiter Teil und wurde mit dem
+umgearbeiteten ersten zusammen veröffentlicht.
+
+Der Triumph Reuters dauerte jedoch nicht lange. Zwar hatte er die
+Lacher auf seiner Seite, die die unglückliche Familie reichlich mit
+Spott und Hohn überschütteten und vor allem nicht versäumten, den Sohn
+Eustachius in gebührender Weise als Schelmuffsky zu feiern; aber eine
+Klage nach der andern wurde von der gequälten Witwe Müller in
+beweglichen Worten gegen ihn erhoben, und der akademische Senat sah sich
+zunächst veranlaßt, Reuter mit Karzer zu bestrafen, dann aber, als der
+zweite Teil des Schelmuffsky erschien und mit gewaltigem Hallo unter den
+Studenten und in der Bürgerschaft aufgenommen war, ihn schlankweg v o n
+d e r  U n i v e r s i t ä t  z u  r e l e g i e r e n. Reuter hat dann
+in der Folgezeit in Dresden eine Anstellung erhalten. 1703 taucht er in
+Berlin auf, wo er zur Krönung des Königs und noch einmal später im Jahre
+1710 zu dessen Geburtstag ein Festspiel schrieb. Über seine weiteren
+Lebensschicksale ist so gut wie nichts bekannt.
+
+Den »S c h e l m u f f s k y« werden wir unbedingt zu
+den M e i s t e r w e r k e n  d e r  d e u t s c h e n
+h u m o r i s t i s c h e n  L i t e r a t u r zählen müssen. Die
+Prachtgestalt des Helden mit seiner Renommiersucht und grotesken
+Erfindungsgabe kann sich ruhig neben Falstaff sehen lassen und
+übertrifft an komischer Kraft jedenfalls den Münchhausen um ein
+bedeutendes. Das Ganze ist wie aus einem Gusse, die bunte Fülle der
+Erlebnisse und drastisch ausgemalter Situationen, dazu die köstliche
+Selbstcharakteristik Schelmuffskys, seine stetig wiederkehrenden
+Redensarten, wie das zum geflügelten Wort gewordene »Der Tebel hol mer«,
+und die eindrucksvolle Erzählung von seiner wunderbaren Geburt werden
+ihre Wirkung nie verlieren. Aber der »Schelmuffsky« ist mehr als der
+Ausfluß persönlichen Rachegefühls und jugendlichen Übermutes einer
+humoristisch veranlagten Natur: er ist zugleich eine g l ä n z e n d e
+S a t i r e  a u f  d i e  l ü g e n h a f t e n
+R e i s e s c h i l d e r u n g e n, die in jener Zeit zahlreich
+erschienen und begierig gelesen wurden, und vor allem auf die
+»alamodische« Sucht gewisser bürgerlicher Kreise, es in Haltung,
+Kleidung und sonstigen Gewohnheiten dem Adel gleichzutun.
+
+Der vorliegende Abdruck hält sich genau an den Wortlaut des Originals;
+nur mußten einige für unsere Ohren allzu derbe Stellen, an denen die
+Zeitgenossen Reuters keinen Anstoß nahmen, fortbleiben. Auch ist die
+Rechtschreibung mehr den heutigen Verhältnissen angepaßt worden.
+
+Charlottenburg, G. Fritz.
+ Mai 1912.
+
+[Illustration: v. Schelmuffsky.]
+
+
+
+
+Christian Reuter:
+
+Schelmuffsky
+
+
+1. Teil
+
+
+
+
+1. Kapitel.
+
+
+Deutschland ist mein Vaterland, in Schelmerode bin ich geboren, zu Sankt
+Malo[1] habe ich ein ganz halb Jahr gefangen gelegen und in Holland und
+England bin ich auch gewesen. Damit ich aber diese meine sehr
+gefährliche Reisebeschreibung fein ordentlich einrichte, so muß ich wohl
+von meiner wunderlichen Geburt den Anfang machen. Als die große Ratte,
+welche meiner Frau Mutter ein ganz neu seiden Kleid zerfressen, mit dem
+Besen nicht hatte können totgeschlagen werden, indem sie meiner
+Schwester zwischen den Beinen durchläuft, fällt die ehrliche Frau
+deswegen aus Eifer in eine solche Krankheit und Ohnmacht, daß sie ganzer
+vierundzwanzig Tage daliegt und kann sich, der Tebel hol mer[2], weder
+regen noch wenden. Ich, der ich dazumal die Welt noch niemals geschaut
+und nach Adam Riesens Rechenbuche vier ganzer Monat noch im Verborgenen
+hätte pausieren sollen, war dermaßen auch auf die sappermentsche Ratte
+so töricht, daß ich mich aus Ungeduld nicht länger zu bergen vermochte,
+und kam auf allen Vieren sporenstreichs in die Welt gekrochen. Wie ich
+nun auf der Welt war, lag ich acht ganzer Tage unten zu meiner Frau
+Mutter Füßen im Bettstroh, ehe ich mich einmal recht besinnen kunnte,
+wo ich war. Den neunten Tag so erblickte ich mit großer Verwunderung die
+Welt. O sapperment! wie kam mir alles so wüste da vor, sehr malade war
+ich, nichts hatte ich auf dem Leibe, meine Frau Mutter hatte alle Viere
+von sich gestreckt und lag da, als wenn sie vor den Kopf geschlagen
+wäre, schreien wollte ich auch nicht, weil ich wie ein jung Ferkelchen
+dalag, und wollte mich niemand sehen lassen, weil ich nackend war, daß
+ich also nicht wußte, was ich anfangen sollte. Endlich dachte ich, du
+mußt doch sehen, wie du deine Frau Mutter ermunterst, und versuchte es
+auf allerlei Art und Weise; bald kriegte ich sie bei der Nase, bald
+krabbelte ich ihr unten an den Fußsohlen, letztlich nahm ich einen
+Strohhalm und kitzelte sie damit in dem linken Nasenloche, wovon sie
+eiligst auffuhr und schrie: Eine Ratte! Eine Ratte! Da ich nun von ihr
+das Wort Ratte nennen hörte, war es, der Tebel hol mer, nich anders, als
+wenn jemand ein Schermesser nähme und führe mir damit unter meiner Zunge
+weg, daß ich hierauf alsobald ein erschreckliches Auweh! an zu reden
+fing. Hatte meine Frau Mutter nun zuvor eine Ratte! eine Ratte!
+geschrien, so schrie ich hernachmals wohl über hundert Mal: Eine Ratte!
+Eine Ratte! denn sie meinte nicht anders, es nistelte eine Ratte bei ihr
+unten zu ihren Füßen. Ich war aber her und kroch sehr artig an meiner
+Frau Mutter hinauf, guckte bei ihr oben zum Deckbett heraus und sagte:
+Frau Mutter, Sie fürchte sich nur nicht, ich bin keine Ratte, sondern
+ihr lieber Sohn; daß ich aber so frühzeitig bin auf die Welt gekommen,
+hat solches eine Ratte verursacht. Als dieses meine Frau Mutter hörte,
+Ei sapperment! wie war sie froh, daß ich so unvermutet war auf die Welt
+gekommen, daß sie ganz nichts davon gewußt hatte. Indem sie sich nun so
+mit mir eine gute Weile in ihren Armen gehätschelt hatte, stund sie mit
+mir auf, zog mir ein weiß Hemde an und rief die Mietsleute im ganzen
+Hause zusammen, welche mich alle miteinander höchst verwundernd ansahen
+und wußten nicht, was sie aus mir machen sollten, weil ich schon so
+artig schwatzen kunnte. Herr Gerge, meiner Frau Mutter damaliger
+Präzeptor, meinte, ich wäre gar von dem bösen Geiste besessen, denn
+sonst könnte es unmöglich von rechten Dingen mit mir zugehen, und er
+wollte denselben bald von mir austreiben. Lief hierauf eiligst in seine
+Studierstube und brachte ein groß Buch unter dem Arme geschleppt, damit
+wollte er den bösen Geist nun von mir treiben. Er machte in die Stube
+einen großen Kreis mit Kreide, schrieb einen Haufen kauderwelsche
+Buchstaben hinein und machte hinter und vor sich ein Kreuz, trat
+hernachmals in den Kreis hinein und fing folgendes an zu reden:
+
+[1] Hafenstadt in der Bretagne.
+
+[2] der Teufel hole mich.
+
+ Hokus pokus schwarz und weiß,
+ Fahre stracks auf mein Geheiß
+ Schuri muri aus dem Knaben,
+ Weils Herr Gerge so will haben.
+
+Wie Herr Gerge diese Worte gesprochen hatte, fing ich zu ihm an und
+sagte: Mein lieber Herr Präzeptor, warum nehmet Ihr doch solche
+Köckelpossen vor und vermeinet, ich sei von dem bösen Geiste besessen;
+wenn Ihr aber wissen wolltet, was die Ursache wäre, daß ich flugs habe
+reden lernen und weswegen ich so frühzeitig bin auf die Welt gekommen,
+Ihr würdet wohl solche närrische Händel mit Eurem Hokuspokus nicht
+vorgenommen haben. Als sie mich dieses nun so reden höreten, O
+sapperment! was erweckte es vor Verwunderung vor den Leuten im Hause.
+Herr Gerge stund, der Tebel hol mer, da in seinem Kreise mit Zittern und
+Beben, daß auch die um ihn Herumstehenden alle aus der Luft mutmaßen
+kunnten, der Herr Präzeptor müßte wohl in keinem Rosengarten stehn.
+
+Ich kunnte aber seinen erbärmlichen Zustand nicht länger mit ansehen,
+sondern fing da an, meine wunderliche Geburt zu erzählen, und wie es
+niemand anders als diejenige Ratte verursacht hätte, welche das seidene
+Kleid zerfressen, daß ich so frühzeitig auf die Welt gekommen wäre und
+flugs reden können. Nachdem ich nun mit vielen Umständen den sämtlichen
+Hausgenossen die ganze Begebenheit von der Ratte erzählt hatte, so
+glaubten sie hernach allererst, daß ich meiner Frau Mutter ihr Sohn
+wäre. Herr Gerge aber, der schämte sich wie ein Hund, daß er meinetwegen
+solche Narrenpossen vorgenommen hatte und vermeint, ein böser Geist
+müßte aus mir reden. Er war her, löschte seinen Hokuspokuskreis wieder
+aus, nahm sein Buch und ging stillschweigend immer zur Stubentüre
+hinaus. Wie auch die Leute hernach alle mit mir taten, und mich zu
+herzten und zu poßten, weil ich so ein schöner Junge war und mit ihnen
+flugs schwatzen kunnte, das wäre, der Tebel hol mer, auf keine Kuhhaut
+zu schreiben; ja sie machten auch alle miteinander flugs Anstalt, daß
+mir selben Tag noch bei großer Menge Volks der vortreffliche Name
+Schelmuffsky beigelegt wurde. Den zehnten Tag nach meiner wunderlichen
+Geburt lernte ich allmählich, wiewohl etwas langsam, an den Bänken gehn,
+denn ich war ganz malade, weil ich auf der Welt gar noch nichts weder
+gefressen noch gesoffen hatte. Was trug sich zu? Meine Frau Mutter, die
+hatte gleich selben Tag ein groß Faß voll Ziegenmolken auf der Ofenbank
+stehn; über dasselbe gerate ich so ohngefähr und titsche mit dem Finger
+hinein und koste es. Weil mir das Zeug nun sehr wohl schmeckte, kriegte
+ich das ganze Faß bei dem Leibe und soffs, der Tebel hol mer, halb aus.
+Wovon ich hernach ganz lebend wurde und zu Kräften kam. Als meine Frau
+Mutter sah, daß mir das Ziegenmolken so wohl bekam, war sie her und
+kaufte hernach noch eine Ziege, denn eine hatte sie schon, die mußten
+mich also bis in das zwölfte Jahr meines Alters mit lauter solchem Zeuge
+ernähren und auferziehen. Ich kanns wohl sagen, daß ich denselben Tag,
+als ich gleich zwölf Jahr alt war, der Tebel hol mer, Speck ellendicke
+auf meinem Rücken hatte, so fett war ich von dem Ziegenmolken geworden.
+Bei Anfange des dreizehnten Jahres lernte ich auch alle sachte die
+gebratenen Kramsvögelchen und die jungen gespickten Hühnerchen
+abknaupeln, welche mir endlich auch sehr wohl bekamen. Da ich nun so ein
+bißchen besser zu Jahren kam, so schickte mich meine Frau Mutter in die
+Schule und vermeinte nun, einen Kerl aus mir zu machen, der mit der Zeit
+alle Leute an Gelehrsamkeit übertreffen würde. Ja es wäre dazumal wohl
+endlich was aus mir geworden, wenn ich hätte Lust, was zu lernen,
+gehabt, denn so klug als ich in die Schule ging, so klug kam ich auch
+wieder heraus. Meine größte Lust hatte ich an dem Blaserohre, welches
+mir meine Frau Großmutter zum Jahrmarkte von der Eselswiese mitgebracht
+hatte. So bald ich denn aus der Schule kam, so schmiß ich meine
+Bücherchen unter die Bank und nahm mein Blaserohr, lief damit auf den
+obersten Boden und schoß da entweder die Leute auf der Gasse mit auf die
+Köpfe oder nach den Spatzianern, oder knapste den Leuten in der
+Nachbarschaft die schönen Spiegelscheiben entzwei, und wenn sie denn so
+klirrten, kunnte ich recht herzlich drüber lachen; das trieb ich nun so
+einen Tag und alle Tage, ich hatte auch so gewiß mit meinem Blaserohr
+schießen gelernt, daß ich einem Sperlinge, wenn er gleich dreihundert
+Schritt von mir saß, damit das Lebenslicht ausblasen kunnte. Ich machte
+das Rabenzeug so schüchtern, wenn sie nur meinen Namen nennen hörten, so
+wußten sie schon, wieviel es geschlagen hatte.
+
+[Illustration]
+
+Als nun meine Frau Mutter sah, daß mir das Studieren ganz nicht zu Halse
+wollte und nur das Schulgeld vor die lange Weile hingeben mußte, nahm
+sie mich aus der Schule wieder heraus und tat mich zu einem vornehmen
+Kaufmann, da sollte ich ein berühmter Handelsmann werden, ja ich hätte
+es wohl werden können, wenn ich auch Lust dazu gehabt hätte; denn
+anstatt da ich sollte die Nummern an den Waren merken und wie teuer die
+Elle müßte mit Profit verkauft werden, so hatte ich immer andere
+Schelmstücke in Gedanken, und wenn mich mein Patron wohin schickte, daß
+ich geschwinde wiederkommen sollte, so nahm ich allemal erstlich mein
+Blaserohr mit, ging eine Gasse auf, die andere wieder nieder und sah, wo
+Sperlinge saßen; oder wenn wo schöne große Scheiben in Fenstern waren
+und es sah niemand heraus, so knapste ich nach denselben und lief
+hernach immer meine Wege wieder fort; kam ich denn wieder zu meinem
+Herrn und war etwa ein paar Stunden über der Zeit außen gewesen, so
+wußte ich allemal so eine artige Lügente[3] ihm vorzubringen, daß er
+mir sein Lebetage nichts sagte. Zuletzt versah ichs aber dennoch auch
+bei ihm, daß es nicht viel fehlte, so hätte er mir mein Blaserohr auf
+dem Buckel entzweigeschmissen. Ich aber merkte den Braten und gab mit
+meinem Blaserohre Reißaus und soll nun noch wieder zu ihm kommen.
+Hernach so schickte er zu meiner Frau Mutter und ließ ihr sagen, wie daß
+ich ihm allen Unfug mit meinem Blaserohre bei den Leuten angerichtet
+hätte und mich ganz zur Handlung nicht schicken wollte. Meine Frau
+Mutter ließ dem Kaufmann aber wieder sagen, es wäre schon gut, und sie
+wollte mich nicht wieder zu ihm tun, weil ich indem schon von ihm
+weggelaufen und wieder bei ihr wäre, vielleicht kriegte ich zu sonst was
+Bessers Lust. Das war nun wieder Wasser auf meine Mühle, als meine Frau
+Mutter dem Kaufmann solches zur Antwort sagen ließ, und hatte ich zuvor
+die Leute auf der Gassen und die schönen Spiegelscheiben in den Fenstern
+nicht geschoren, so foppte ich sie hernach allererst, wie ich wieder
+meinen freien Willen hatte. Endlich, da meine Frau Mutter sah, daß immer
+Klage über mich kam, und etlichen Leuten die Fenster mußte wieder machen
+lassen, fing sie zu mir an: Lieber Sohn Schelmuffsky, du kömmst nun alle
+sachte zu besserem Verstande und wirst auch fein groß dabei: sage nur,
+was ich noch mit dir anfangen soll, weil du ganz und gar keine Lust zu
+nirgends zu hast und nur einen Tag und alle Tage nichts anders tust, als
+daß du mir die Leute in der Nachbarschaft mit deinem Blaserohre zum
+Feinde machst und mich in Ungelegenheit bringst. Ich antwortete aber
+meiner Frau Mutter hierauf wieder und sagte: Frau Mutter, weiß sie was?
+Ich will her sein[4] und fremde Länder und Städte besehen, vielleicht
+werde ich durch mein Reisen ein berühmter Kerl, daß hernach, wenn ich
+wiederkomme, jedweder den Hut vor mir muß unter den Arm nehmen, wenn er
+mit mir reden will. Meine Frau Mutter ließ sich diesen Vorschlag
+gefallen und meinte, wenn ichs so weit bringen könnte, sollte ich mich
+immer in der Welt umsehen, sie wollte mir schon ein Stück Geld mit auf
+den Weg geben, daß ich eine Weile daran zu zehren hätte. Hierauf war ich
+her, suchte zusammen, was ich mitnehmen wollte, wickelte alles zusammen
+in ein zwilchen[5] Schnupftuch, steckte es in die Ficke[6] und machte
+mich reisefertig; doch hätte ich mein Blaserohr auch gerne mitgenommen,
+allein so wußte ichs nicht mit fortzubringen und besorgte, es möchte mir
+unterwegens gestohlen oder genommen werden, ließ also dasselbe zu Hause
+und versteckte es auf dem obersten Boden hinter die Feuermauer und trat
+in dem vierundzwanzigsten Jahre meines Alters meine sehr gefährliche
+Reise an. Was ich nun in der Fremde zu Wasser und Lande überall gesehen,
+gehört, erfahren und ausgestanden, das wird in den folgenden Kapiteln
+mit höchster Verwunderung zu vernehmen sein.
+
+[3] aus »Lüge« und »Legende« gebildet.
+
+[4] will mich aufmachen.
+
+[5] von Zwillich, grobem Zeug.
+
+[6] Tasche.
+
+
+
+
+2. Kapitel.
+
+
+Der Kuckuck fing gleich denselben Tag das erstemal im Jahre an zu rufen,
+als ich in Schelmerode von meiner Frau Mutter Abschied nahm, ihr um den
+Hals fiel, sie auf jedweden Backen zu guter Letzt dreimal herzte und
+hernach immer zum Tore hinaus wanderte. Wie ich nun vor das Tor kam, O
+sapperment! wie kam mir alles so weitläufig in der Welt vor, da wußte
+ich nun, der Tebel hol mer, nicht, ob ich gegen Abend oder gegen der
+Sonnen Niedergang zu marschieren sollte; hatte wohl zehnmal den Willen,
+wieder umzukehren und bei meiner Frau Mutter zu bleiben, wenn ich
+solches nicht so lästerlich verschworen gehabt, nicht eher wieder zu ihr
+zu kommen, bis daß ich ein brav Kerl geworden wäre. Doch hätte ich mich
+endlich auch nicht groß an das Verschwören gekehrt, weil ich sonst wohl
+eher was verschworen und es nicht gehalten hatte, sondern würde
+unfehlbar wieder zu meiner Frau Mutter gewandert sein, wann nicht ein
+Graf auf einem Schellenschlitten wäre querfeldein nach mir zugefahren
+kommen und mich gefragt, wie ich so da in Gedanken stünde. Worauf ich
+dem Grafen aber zur Antwort gab, ich wäre willens, die Welt zu besehen,
+und es käme mir alles so weitläufig vor, und wüßte nicht, wo ich zugehen
+sollte. Der Graf fing hierauf zu mir an und sagte: Monsieur, es siehet
+ihm was Rechts aus seinen Augen, und weil er willens ist, die Welt zu
+besehen, so setze er sich zu mir auf meinen Schellenschlitten und fahre
+mit mir, denn ich fahre deswegen auch in der Welt nur herum, daß ich
+sehen will, was hier und da passiert. Sobald der Herr Graf dieses
+gesagt, sprang ich mit gleichen Beinen in seinen Schellenschlitten
+hinein und steckte die rechte Hand vorne in die Hosen und die linke in
+den rechten Schubsack, daß mich nicht frieren sollte, denn der Wind ging
+sehr kalt und hatte selbige Nacht ellendicke Eis gefroren; doch war es
+noch gut, daß der Wind uns hintennach ging, so kunnte er mich nicht so
+treffen, denn der Herr Graf hielt ihn auch etwas auf, der saß hinten auf
+der Pritsche und kutschte, damit so fuhren wir immer in die Welt hinein
+und gegen Mittag zu. Unterwegens erzählten wir einander unser
+Herkommens; der Herr Graf machte nun den Anfang und erzählte seinen
+gräflichen Stand und daß er aus einem uralten Geschlechte herstammte,
+welches zweiunddreißig Ahnen hätte, und sagte mir auch, in welchem Dorfe
+seine Großmutter begraben läge, ich habe es aber wieder vergessen;
+hernach so schwatzte er mir auch, wie daß er, als er noch ein kleiner
+Junge von sechzehn Jahren gewesen wäre, seine Lust und Freude an dem
+Vogelstellen immer gehabt hätte und einstmals auf einmal zugleich
+einunddreißig Pumpelmeisen in einem Sprenkel gefangen, welche er sich in
+Butter braten lassen und ihm so vortrefflich bekommen wären. Nachdem er
+nun seinen Lebenslauf von Anfang bis zum Ende erzählt hatte, so fing ich
+hernach von meiner wunderlichen Geburt an zu schwatzen, wie auch von
+meinem Blaserohre, mit welchem ich so gewiß schießen können. O
+sapperment! wie sperrte der Herr Graf Maul und Nasen darüber auf, als
+ich ihm solche Dinge erzählte, und meinte, daß noch was Rechts auf der
+Welt aus mir werden würde.
+
+Nach solcher Erzählung kamen wir an ein Wirtshaus, welches flugs an der
+Straße im freien Felde lag, daselbst stiegen wir ab und gingen hinein,
+uns ein wenig da auszuwärmen; sobald als wir in die Stube kamen, ließ
+sich der Herr Graf ein groß Glas geben, in welches wohl hierzulande auf
+achtzehn bis zwanzig Maß gehn, dasselbe ließ er sich von dem Wirte voll
+Branntwein schenken und brachte mirs von da auf Du und Du zu. Nun hätte
+ich nicht vermeint, daß der Graf das Glas voll Branntwein alle auf
+einmal aussaufen würde, allein er soffs, der Tebel hol mer, auf einen
+Soff ohne Absetzen und Bartwischen reine aus, daß sich auch der Wirt
+grausam darüber verwunderte. Hernach so ließ ers wieder so voll schenken
+und sagte zu mir: Nun allons, Herr Bruder Schelmuffsky, ein Hundsfott,
+der mirs nicht auch Bescheid tut. Sapperment! das Ding verdroß mich,
+daß der Graf mit solchen Worten flugs um sich schmiß, und fing gleich zu
+ihm an: Topp, Herr Bruder, ich wills Bescheid tun. Als ich dieses ihm
+zur Antwort gab, fing der Wirt höhnisch zu dem Grafen an zu lächeln und
+meinte, ich würde es unmöglich können Bescheid tun, weil der Herr Graf
+ein dicker, korpulenter Herr und ich gegen ihn nur ein Aufschüßling wäre
+und in meinen Magen das Glas voll Branntwein wohl schwerlich gehen
+würde. Ich war aber her und setzte mit dem Glase voll Branntwein an und
+soff es, der Tebel hol mer, flugs auf einen Schluck aus. O sapperment!
+was sperrte der Wirt vor ein paar Augen auf und sagte heimlich zum
+Grafen, daß was Rechts hinter mir stecken müßte. Der Graf aber klopfte
+mich hierauf gleich auf meine Achseln und sagte: Herr Bruder, verzeihe
+mir, daß ich dich zum Trinken genötigt habe, es soll hinfort nicht mehr
+geschehen, ich sehe nun schon, was an dir zu tun ist, und daß
+deinesgleichen von Konduite[7] wohl schwerlich wird in der Welt gefunden
+werden. Ich antwortete dem Herrn Bruder Grafen hierauf sehr artig wieder
+und sagte, wie daß ich wahrlich ein brav Kerl wäre und noch erstlich zu
+was Rechts werden würde, wenn ich weiter in die Welt hineinkommen sollte
+und wenn er mein Bruder und Freund bleiben wollte, sollte er mich
+künftig mit dergleichen Dingen verschonen. O sapperment! wie demütigte
+sich der Graf gegen mich und bat mirs auf seine gebogenen Knien ab und
+sagte, dergleichen Exzesse sollten künftig nicht mehr von ihm geschehen.
+
+[7] feinem Benehmen.
+
+Hierauf bezahlten wir den Wirt, setzten uns wieder auf unsern
+Schellenschlitten und fuhren immer weiter in die Welt hinein. Wir
+gelangten zu Ende des Oktobers, da es schon fast ganz dunkel worden war
+in der berühmten Stadt Hamburg an, allwo wir mit unserm Schlitten am
+Pferdemarkte in einem großen Hause einkehrten, worinnen viel vornehme
+Standespersonen und Damens logierten. Sobald als wir da abgestiegen
+waren, kamen zwei italiänische Nobels[8] die Treppe oben
+heruntergegangen; der eine hatte einen messingenen Leuchter in der Hand,
+worauf ein brennendes Wachslicht brannte, und der andere eine große
+töpferne brennende Lampe, welche geschwippt voll Bomolie[9] gegossen
+war, die hießen uns da willkommen und erfreuten sich meiner wie auch des
+Herrn Bruders Grafen seiner guten Gesundheit. Nachdem sie nun solche
+Komplimente gegen uns abgelegt hatten, nahm mich der eine Nobel mit dem
+brennenden Wachslichte bei der Hand und der andere mit der brennenden
+Bomolienlampe faßte den Herrn Grafen bei dem Ärmel und führten uns da
+die Treppe hinauf, daß wir nicht fallen sollten, denn es waren sechs
+Stufen oben ausgebrochen. Wie wir nun die Treppe oben hinaufkamen, so
+präsentierte sich ein vortrefflicher, schöner Saal, welcher um und um
+mit den schönsten Tapezereien und Edelgesteinen ausgeziert war und von
+Gold und Silber flimmerte und flammte. Auf demselben Saale nun stunden
+zwei vornehme Staaten[10] aus Holland und zwei portugiesische
+Abgesandte, die kamen mir und meinem Herrn Bruder Grafen gleichfalls
+entgegengegangen, hießen uns auch willkommen und erfreuten sich
+ebenfalls unserer guten Gesundheit und glücklichen Anherokunft. Ich
+antwortete denselben flugs sehr artig wieder und sagte, wenn sie auch
+noch fein frisch und gesund wären, würde es mir und dem Herrn Grafen
+sehr lieb auch sein. Als ich mein Gegenkompliment nun auch wieder
+abgelegt hatte, so kam der Wirt in einem grünen Samtpelze auch dazu, der
+hatte nun ein groß Bund Schlüssel in der Hand, hieß uns auch willkommen
+und fragte, ob ich und der Herr Graf belieben wollten, noch eine Treppe
+höher mit ihm zu steigen, allwo er uns anweisen wollte, wo wir unser
+Zimmer haben sollten.
+
+[8] Leute von Adel.
+
+[9] holländisch für Baumöl.
+
+[10] Abgeordnete der Generalstaaten.
+
+Ich und der Herr Bruder nahmen hierauf von der sämtlichen Kompagnie mit
+einer sehr artigen Miene Abschied und folgten dem Wirte, daß er uns in
+unser Zimmer führen sollte, welches wir zu unserer Bequemlichkeit
+innehaben sollten. Sobald wir nun mit ihm noch eine Treppe hinaufkamen,
+schloß er eine vortreffliche schöne Stube auf, worinnen ein über alle
+Maßen galantes Bett stund und alles sehr wohl in derselben Stube
+aufgeputzt war; daselbst hieß er uns unsere Gelegenheit gebrauchen, und
+wenn wir was verlangten, sollten wir nur zum Fenster hinunterpfeifen, so
+würde der Hausknecht alsobald zu unsern Diensten stehen, und nahm
+hierauf von uns wieder Abschied. Nachdem wir uns nun so ein bischen
+ausgemaustert hatten, so kam der Wirt im grünen Samtpelze wieder hinauf
+zu uns und rief uns zur Abendmahlzeit, worauf ich und der Herr Bruder
+Graf gleich mit ihm gingen. Er führte uns die Treppe wieder hinunter
+über den schönen Saal weg und in eine große Stube, allwo eine lange
+Tafel gedeckt stund, auf welche die herrlichsten Traktamenten getragen
+wurden. Der Herr Wirt hieß uns da ein klein wenig verziehen, die andern
+Herren wie auch Damens würden sich gleich auch dabei einfinden und uns
+Kompagnie leisten.
+
+Es währte hierauf kaum so lange, als er davon geredet hatte, so kamen zu
+der Tafelstube gleich auch hineingetreten die zwei italienischen Nobels,
+welche uns zuvor bekomplimentiert hatten, ingleichen auch die zwei
+Staaten aus Holland und die zwei portugiesischen Abgesandten, und
+brachte ein jedweder eine vornehme Dame neben sich an der Hand mit
+hinein geschleppt. O sapperment! als sie mich und meinen Herrn Bruder
+Grafen dastehen sahen, was machten sie alle mit einander vor Reverenzen
+gegen uns, und absonderlich die Menscher[11], die sahen uns, der Tebel
+hol mer, mit rechter Verwunderung an. Da nun die ganze Kompagnie
+beisammen war, welche mitspeisen sollte, nötigten sie mich und meinen
+Herrn Bruder Grafen, daß wir die Oberstelle an der Tafel einnehmen
+mußten, welches wir auch ohne Bedenken taten. Denn ich setzte mich nun
+ganz zu oberst an, neben mir zur linken Hand saß der Herr Bruder Graf
+und neben mir rechts an der Ecke saßen nacheinander die vornehmen
+Damens, weiter hinunter hatte ein jedweder auch seinen gehörigen Platz
+eingenommen. Unter währender Mahlzeit nun wurde von allerhand
+Staatssachen diskuriert, ich und der Bruder Graf aber schwiegen dazu
+stockstille und sahen, was in der Schüssel passierte, denn wir hatten in
+drei Tagen keiner keinen Bissen Brot gesehen.
+
+[11] Frauenspersonen, Damen.
+
+Wie wir uns aber beide brav dicke gefressen hatten, so fing ich hernach
+auch an, von meiner wunderlichen Geburt zu erzählen, und wie es mit der
+Ratte wäre zugangen, als sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides
+hätte sollen totgeschlagen werden. O sapperment! wie sperrten sie alle
+Mäuler und Nasen auf, da ich solche Dinge erzählte, und sahen mich mit
+höchster Verwunderung an. Die vornehmen Damens fingen gleich an darauf,
+meine Gesundheit zu trinken, welchen die ganze Kompagnie Bescheid tat.
+Bald sagte eine, wenn sie soff: Es lebe der vornehme Herr von
+Schelmuffsky! bald fing eine andere drauf an: Es lebe die vornehme
+Standesperson, welche unter dem Namen Schelmuffsky seine hohe Geburt
+verbirgt! Ich machte nun allemal eine sehr artige Miene gegen die
+Menscher, wenn sie meine Gesundheit so nach der Reihe soffen. Die eine
+vornehme Dame, welche flugs neben mir an der Tischecke zur rechten Hand
+saß, die hatte sich wegen der Begebenheit von der Ratte ganz in mich
+verliebt. Sie druckte mir wohl über hundertmal die Fäuste überm Tische,
+so gut meinte sie es mit mir, weil sie sich in mich so sehr verliebt
+hatte, doch war es nicht zu verwundern, weil ich so artig neben ihr saß
+und alles dazumal, der Tebel hol mer, flugs über mich lachte. Nachdem
+ich nun mit meinem Erzählen fertig war, so fing mein Herr Bruder auch
+gleich an, von seinem Herkommen zu schwatzen und wo seine zweiunddreißig
+Ahnen alle herkommen, und erzählte auch, in welchem Dorfe seine
+Großmutter begraben läge und wie er, als er noch ein kleiner Junge von
+sechzehn Jahren gewesen, einunddreißig Pumpelmeisen zugleich auf einmal
+in einem Sprenkel gefangen hätte und was das Zeugs mehr alle war; allein
+er brachte alles so wunderlich durcheinander vor und mengte bald das
+Hundertste in das Tausendste hinein und hatte auch kein gut Mundwerk,
+denn er stammerte gar zu sehr, daß er auch, wie er sah, daß ihm niemand
+nicht einmal zuhörte, mitten in seiner Erzählung stille schwieg und sah,
+was sein Teller guts machte. Wenn ich aber zu diskurieren anfing, Ei
+sapperment! wie horchten sie alle wie die Mäuschen, denn ich hatte nun
+so eine anmutige Sprache und kunnte alles mit so einer artigen Miene
+vorbringen, daß sie mir nur, der Tebel hol mer, mit Lust zuhörten.
+
+Nachdem der Wirt nun sah, daß niemand mehr aß und die Schüsseln ziemlich
+ausgeputzt waren, ließ er die Tafel wieder abräumen. Wie solches
+geschehen, machte ich und der Bruder Graf ein sehr artig Kompliment
+gegen die sämtliche Kompagnie und standen von der Tafel auf. Da sie das
+über Tische nun sahen, fingen sie alle miteinander an auch aufzustehen.
+Ich und der Herr Bruder Graf nahmen hierauf ohne Bedenken zuerst wieder
+unsern Weg zum Tafelgemach hinaus und marschierten nach unserm Zimmer
+zu. Die sämtliche Kompagnie aber begleitete uns über den schönen Saal
+weg und bis an unsere Treppe, wo wir wieder hinaufgehen mußten, allda
+nahmen sie von uns gute Nacht und wünschten uns eine angenehme Ruhe. Ich
+machte nun gegen sie gleich wieder ein artig Kompliment und sagte, wie
+daß ich nämlich ein brav Kerl wäre, der etwas müde wäre, wie auch der
+Herr Graf, und daß wir in etlichen Wochen in kein Bette gekommen wären.
+So zweifelten wir gar nicht, daß wir wacker schlafen würden, und sie
+möchten auch wohl schlafen. Nach dieser sehr artig gegebenen Antwort
+ging nun ein jedweder seine Wege, ich und mein Herr Bruder Graf gingen
+gleich auch die Treppe vollends hinauf und nach unsrer Stube zu. Wie wir
+da hineinkamen, so pfiff ich dem Hausknechte, daß er uns ein Licht
+bringen mußte, welcher auch augenblicks damit sich einstellte und wieder
+seiner Wege ging.
+
+Dann legten wir uns beide in das schöne Bette, welches in der Stube
+stund. Sobald als der Herr Bruder Graf sich dahineinwälzte, fing er
+gleich an zu schnarchen, daß ich vor ihm kein Auge zu dem andern bringen
+kunnte, ob ich gleich sehr müde und schläfrig auch war. Indem ich nun so
+eine kleine Weile lag und lauschte, so pochte ganz sachte jemand an
+unsere Stubentüre an, ich fragte, wer da wäre, es wollte aber niemand
+antworten. Es pochte noch einmal an, ich fragte wieder, wer da wäre, es
+wollte mir aber niemand Antwort geben. Ich war her, sprang zum Bette
+heraus, machte die Stubentüre auf und sah, wer pochte. Als ich selbige
+eröffnete, so stund ein Mensche draußen und hatte ein klein Briefchen in
+der Hand, bot mir im Finstern einen guten Abend und fragte, ob der
+fremde vornehme Herr, welcher heute abend über Tische die Begebenheit
+von einer Ratte erzählt, seine Stube hier hätte. Da sie nun hörte, daß
+ichs selbst war, fing sie weiter an: Hier ist ein Briefchen an Sie, und
+ich soll ein paar Zeilen Antwort drauf bringen. Hierauf ließ ich mir den
+Brief geben, hieß sie ein wenig vor der Stubentüre verziehen und pfiff
+dem Hausknechte, daß er mir das Licht anbrennen mußte, welches er auch
+alsobald tat und mit einer großen Laterne die Treppe hinaufgelaufen kam.
+Damit so erbrach ich den Brief und sah, was drinnen stund. Der Inhalt
+war, wie folgt, also:
+
+ »A n m u t i g e r  J ü n g l i n g.
+
+ Woferne Euchs beliebet, diesen Abend noch mein Zimmer zu besehen,
+ so lasset mir durch gegenwärtige Servante[12] Antwort wissen.
+ Adjeu! Eure affektionierte Dame, welche bei Euch heute abend über
+ Tische an der Ecke zur rechten Hand gesessen.
+
+ L a  C h a r m a n t e.«
+
+[12] Dienstmädchen.
+
+Sobald ich diesen Brief nun gelesen, pfiff ich dem Hausknechte wieder,
+daß er mir Feder, Tinte und Papier bringen mußte, darauf setzte ich mich
+nur hin und schrieb einen sehr artigen Brief wieder an die Dame
+Charmante zur Antwort, derselbe war nun auf diese Manier eingerichtet:
+
+ »M i t  W ü n s c h u n g  a l l e s  L i e b e s  u n d
+ G u t e s  z u v o r  W o h l-E h r b a r e
+ D a m e  C h a r m a n t e.
+
+ Ich will nur erstlich meine Schuhe und Strümpfe wie auch meinen
+ Rock wieder anziehen, hernach will ich gleich zu Euch kommen. Ihr
+ müsset aber, Wohl-Ehrbare Dame, die Servante unfehlbar wieder zu
+ mir schicken, daß sie mir die Wege weist, wo ich Eure Stube finden
+ soll, und lasset sie eine Laterne mitbringen, daß ich auch nicht im
+ Finstern falle, denn alleine komme ich, der Tebel hol mer, nicht.
+ Warum? es ist jetzo gleich zwischen elf und zwölf, da der Henker
+ gemeiniglich sein Spiel hat und mir leichtlich ein Schauer ankommen
+ möchte, daß mir auf den Morgen hernach das Maul brav ausschlüge,
+ und was würde Euch denn damit gedient sein, wenn ich eine grindige
+ Schnauze kriegte, wornach Ihr Euch zu achten wisset. Haltet nun wie
+ Ihrs wollt, holt das Mensche mich ab, wohl gut, kommt sie aber
+ nicht wieder, wie bald ziehe ich mich wieder aus und lege mich
+ wieder zu meinem Bruder Grafen ins Bette. Im übrigen lebet wohl,
+ ich verbleibe dafür
+
+ Meiner Wohl-Ehrbaren Madame Charmante
+ allezeit treu-gehorsamst dienstschuldigst
+ reisefertigster
+ S c h e l m u f f s k y.«
+
+Diesen Brief schickte ich nun der vornehmen Dame Charmante zur Antwort
+wieder und suchte meine Schuhe und Strümpfe unter der Bank flugs hervor,
+daß ich sie anziehen wollte; ich hatte kaum den einen Strumpf an das
+linke Bein gezogen, so stund die Servante schon wieder draußen und hatte
+eine große papierne Laterne in der Hand, worinnen eine töpferne Lampe
+mit zwei Dochten brannte, und wollte mich nach der Dame Charmante ihrem
+Zimmer leuchten, daß ich nicht fallen sollte. Sobald als ich mich nun
+angezogen, nahm ich meinen Degen, welches ein vortrefflicher
+Rückenstreicher war, unter den Arm und ging mit nach der Charmante ihrer
+Stube zu. Das Mensche, die Servante, kunnte mir mit der papiernen
+Laterne überaus stattlich leuchten; sie führte mich von meiner Stube an
+die Treppe wieder hinunter über den schönen Saal weg, einen langen Gang
+im Hof hinten, allwo ich sechs Treppen hoch mit ihr wieder steigen
+mußte, ehe ich an der Charmante ihr Zimmer kam.
+
+Wie mir das Mensch die Stubentüre nun zeigte, so klinkte ich gleich auf
+und ging ohne Bedenken unangemeldet hinein. Da mich die Charmante nun
+kommen sah, bat sie bei mir um Verzeihung, daß ich solches nicht
+ungeneigt aufnehmen möchte, daß sie bei später Nacht noch zu mir
+geschickt und mich in ihr Zimmer bemüht hätte. Ich antwortete der
+Charmante aber hierauf sehr artig wieder und sagte, wie daß ich nämlich
+ein brav Kerl wäre, desgleichen man wohl wenig in der Welt antreffen
+würde, und es hätte nichts auf sich, weil ich indem vor meines Herrn
+Bruder Grafen seinem Schnarchen nicht einschlafen können. Als ich ihr
+dieses nun so mit einer überaus artigen Miene zur Antwort gab, so bat
+sie mich, daß ich ihr die Begebenheit doch noch einmal von der Ratte
+erzählen sollte, da man sie wegen des zerfressenen seidenen Kleides mit
+dem Besen totschlagen wollen.
+
+Ich erzählte der Charmante hierauf augenblicks die ganze Begebenheit, so
+gab sie hernach Freiens bei mir vor und sagte, ich sollte sie nehmen;
+ich antwortete der Charmante aber hierauf sehr artig wieder und sagte,
+wie daß ich nämlich ein brav Kerl wäre, aus dem was Rechts noch erst
+werden würde, wenn er weiter in die Welt hineinkäme, und daß ich so
+balde noch nicht Lust hätte, eine Frau zu nehmen. Doch wollte ich ihrs
+nicht abschlagen, sondern es ein wenig überlegen. O sapperment! wie fing
+das Mensche an zu heulen und zu gransen, da ich ihr von dem Korbe
+schwatzte, die Tränen liefen ihr immer die Backen herunter, als wenn man
+mit Mulden gösse, und machte sich da ein paar Augen wie die größesten
+Schafkäsenäpfe groß.
+
+Wollte ich nun wohl oder übel, daß sie sich nicht gar über mich zu Tode
+heulen möchte, mußte ichs, der Tebel hol mer, zusagen, daß ich keine
+andere als sie zur Frau haben wollte. Da nun solches geschehen, gab sie
+sich wieder zufrieden, und nahm ich selben Abend von ihr Abschied und
+ließ mich durch die Servante mit der papiernen Laterne wieder auf meine
+Stube leuchten und legte mich zu meinem Herrn Bruder Grafen ins Bette,
+welcher noch eben auf der Stelle dalag und in einem weg schnarchte. Ich
+war kaum ins Bette wieder hinein, so kriegte ich auch etwa seine Laune,
+und schnarchten da alle beide wie ein altes Pferd, welches dem Schinder
+entlaufen war. Den andern Tag früh, da es etwa um neun Uhr sein mochte
+und ich im besten Schlafe lag, so stieß jemand mit beiden Beinen an
+unsere Stubentür lästerlich an, daß ich aus dem Schlafe klaffternhoch
+vor Erschrecknis in die Höhe fuhr. Des Anschlagens wollte aber kein Ende
+nehmen, ich war her und sprang flugs mit gleichen Beinen aus dem Bette
+heraus, zog mein Hemde an und wollte sehen, wer da war. Wie ich
+aufmachte, so stund des einen Staatens aus Holland sein Junge draußen,
+welcher fragte, ob der von Schelmuffsky seine Stube hier hätte. Da ich
+dem Jungen nun zur Antwort gab, daß ichs selber wäre, sagte er weiter,
+sein Herr, der hielte mich vor keinen braven Kerl, sondern vor einen
+Erzbärenhäuter, wenn ich nicht zum allerlängsten um zehn Uhr heute
+vormittag mit einem guten Degen auf der großen Wiese vor dem
+Altonaischen Tore erschiene, und da wollte er mir weisen, was Räson
+wäre. O sapperment! wie verdroß mich das Ding, als mir der Kerl durch
+seinen Jungen solche Worte sagen ließ. Ich fertigte den Jungen aber
+alsobald mit folgender Antwort ab und sagte: Höre, Hundsfott, sprich du
+zu deinem Herrn wieder, ich ließe ihm sagen, warum er denn nicht selbst
+zu mir gekommen wäre und mir solches gesagt, ich hätte bald mit ihm
+fertig werden wollen; damit er aber sehen sollte, daß ich mich vor ihm
+nicht scheute, so wollte ich kommen und ihm nicht allein zu Gefallen
+einen guten Degen, welches ein Rückenstreicher wäre, mitbringen, sondern
+es sollten auch ein paar gute Pistolen zu seinen Diensten stehen, damit
+wollte ich ihm weisen, wie er den bravsten Kerl von der Fortuna ein
+andermal besser respektieren sollte, wenn er was an ihm zu suchen hätte.
+Hierauf ging des Staatens sein Junge fort und muckte nicht ein Wort
+weiter, ausgenommen, wie er an die Treppe kam, so schielte er mich von
+der Seite mit einer höhnischen Miene recht sauer hinterrücks an und lief
+geschwinde die Treppe hinunter.
+
+Ich aber war her, ging in die Stube wieder hinein, zog mich geschwinde
+an und pfiff dem Hausknechte, daß er eiligst zu mir kommen mußte.
+Welcher sich auch flugs augenblicks bei mir einstellte und sagte: Was
+belieben Euere Gnaden? Das Ding gefiel mir sehr wohl von dem Kerl, daß
+er so bescheidentlich antworten kunnte. Ich fragte ihn hierauf, ob er
+mir nicht ein paar gute Pistolen schaffen könnte, das und das ginge vor
+sich, wollte ihm keinen Schaden daran tun und er sollte dafür ein
+Trinkgeld zu gewarten haben. O sapperment! als der Kerl von dem
+Trinkgelde hörte, wie sprang er zur Stubentüre hinaus und brachte mir
+im Augenblick ein paar wunderschöne Pistolen geschleppt, welche dem
+Wirte waren; die eine mußte er mir mit großen Hasenschroten und die
+andere mit kleiner Dunst füllen und zwei Kugeln draufstopfen. Da solches
+geschehen, gürtete ich meinen Rückenstreicher an die Seite, die Pistolen
+steckte ich in den Gürtel und marschierte da immer stillschweigens nach
+dem Altonaischen Tore zu. Wie ich nun vor das Tor kam, so erkundigte ich
+mich nun gleich, wo die große Wiese wäre. Es gab mir aber ein kleiner
+Schifferjunge alsobald Nachricht davon. Da ich nun ein klein Eckchen von
+der Stadtmauer gegangen war, so kunnte ich die große Wiese sehen und
+sah, daß ihrer ein ganzer Haufen dortstunden, auf welche ich gleich
+sporenstreichs zumarschierte. Als ich nun bald an sie kam, sah ich, daß
+der eine Staate dastund und ihrer Etliche noch bei sich hatte. Ich
+fragte ihn aber gleich, wie ich zu ihm kam, ob er mich durch seinen
+Jungen vor einer Stunde wohin hätte fordern lassen und was die Ursache
+wäre. Worauf er mir zur Antwort gab: Ja, er hätte solches getan, und das
+wäre die Ursache, weil ich die vergangene Nacht bei der Madame Charmante
+gewesen, und das könnte er gar nicht leiden, daß ein Fremder sie
+bedienen sollte; war hierauf augenblicks mit der Fuchtel heraus und kam
+auf mich zu marschiert.
+
+Da ich nun sah, daß er der Herr war, O sapperment! wie zog ich meinen
+Rückenstreicher auch vom Leder und legte mich in Positur; ich hatte ihm
+kaum einen Stoß auspariert, so tat ich nach ihm einen Saustoß und stach
+ihm, der Tebel hol mer, mit meinem Rückenstreicher die falsche Quinte
+zum linken Ellbogen hinein, daß das Blut armsdicke herausschoß, und
+kriegte ihn hernach beim Leibe und wollte ihm mit der einen Pistole,
+welche stark mit Dunst und Kugeln geladen war, das Lebenslicht vollends
+ausblasen; es wäre auch in bösem Mute geschehen, wenn nicht seine
+Kameraden mir wären in die Arme gefallen und gebeten, daß ich nur sein
+Leben schonen sollte, indem ich Revenge[13] genug hätte. Die Sache wurde
+auch auf vielfältiges Bitten also bemittelt, daß ich mich wieder mit ihm
+vertragen mußte; und zwar mit dem Bedinge, daß er mir durch seinen
+Jungen niemals mehr solche Worte sagen ließe, wenn ich der Madame
+Charmante eine Visite gegeben hätte, welches er mir auch zusagte.
+
+[13] Revanche, Genugtuung.
+
+In was vor Ehren ich hernach von seinen Kameraden gehalten wurde, das
+kann ich, der Tebel hol mer, nicht genug beschreiben, wo auch nur eine
+Aktion vorging, da mußte ich allezeit mit dabei sein und die
+Kontraparten[14] auseinandersetzen. Denn wo ich nicht dabei mit war,
+wenn Schlägerei vorging, und wurde nur insgeheim so vertragen, davon
+wurde gar nichts gehalten; wo es aber hieß, der von Schelmuffsky hat dem
+und dem wieder sekundiert, so wußten sie alle schon, wieviel es
+geschlagen hatte. Die gehabte Aktion mit dem einen Staaten aus Holland
+erzählte ich alsobald der Dame Charmante und sagte, daß es ihretwegen
+geschehen wäre. Das Mensche erschrak zwar anfänglich sehr darüber,
+allein wie sie hörte, daß ich mich so ritterlich gehalten hatte, sprung
+sie vor Freuden hoch in die Höhe und fiel mir um den Hals. Hernach so
+ging ich zu meinem Herrn Bruder Grafen hinauf in die Stube, welcher zwar
+noch im Bette lag und lauschte; demselben erzählte ichs auch, was mir
+schon begegnet wäre in Hamburg. Der war nun so giftig, daß ich ihn nicht
+aufgeweckt hatte, er hätte wollen auf seinem Schellenschlitten mit
+hinausfahren und mir sekundieren helfen, ich gab ihm aber zur Antwort,
+daß sich ein brav Kerl auch vor ihrer Hunderten nicht scheuen dürfte.
+Hierauf kam der Wirt im grünen Samtpelze hinauf zu uns und rief uns
+wieder zur Mittagsmahlzeit. O sapperment! Wie sprung mein Herr Bruder
+Graf aus dem Bette heraus und zog sich über Hals und Kopf an, weil er
+das Essen nicht versäumen wollte. Wie er sich nun angezogen hatte,
+marschierten wir beide mit dem Herrn Wirte wieder hinunter zur Tafel. Es
+stellte sich die ganze Kompagnie bei Tische wieder ein, welche vorigen
+Abend mitgespeist hatte, ausgenommen der eine Staate, welchem ich die
+falsche Quinte durch den Arm gestoßen hatte, der war nicht da. Ich und
+mein Herr Bruder Graf nahmen nun ohne Bedenken die Oberstelle wieder
+ein. Da meinte ich nun, es würde über Tische von der Aktion was
+gestichelt werden, allein, der Tebel hol mer, nicht ein Wort wurde davon
+erwähnt, und ich hätte es auch keinem raten wollen, denn die falsche
+Quinte und der Saustoß lag mir noch immer im Sinne. Sie fingen von
+allerhand wieder an zu diskurieren und meinten, ich würde auch etwa
+wieder was erzählen, darüber sie sich verwundern könnten; sie gaben mir
+auch Anleitung dazu, allein ich tat, der Tebel hol mer, als wenn ichs
+nicht einmal hörte.
+
+[14] streitenden Parteien.
+
+Die Dame Charmante fing meine Gesundheit an zu trinken, welcher die
+ganze Kompagnie auch wieder Bescheid tat. Mein Herr Bruder Graf fing
+hernach von seinen Pumpelmeisen an zu erzählen, die er auf einmal in dem
+Sprenkel gefangen hätte, und daß dieselben ihm so gut geschmeckt hätten,
+als seine verstorbene Frau Großmutter ihm solche in Butter gebraten.
+Über welcher einfältigen Erzählung die ganze Kompagnie lachen mußte.
+Nach gehaltener Mittagsmahlzeit setzte ich mich mit meiner Liebsten, der
+Charmante, auf eine Chaise de Roland[15] und fuhren auf den Wällen
+spazieren, besahen da die Ringmauer der Stadt Hamburg, wie sie gebaut
+war, welche denn an etlichen Orten nicht allerdings feste genug zu sein
+schien; ich sagte solches dem Stadtkapitän, wie sie ganz auf eine andere
+Manier perspektivisch könnte repariert werden. Er schriebs zwar auf: ob
+sie es nun werden getan haben, kann ich nicht wissen, denn ich bin von
+der Zeit an nicht wieder hingekommen. Nach diesem fuhren wir in die
+Sternschanze und besahen dieselbe auch: O sapperment! was lagen da vor
+Bomben, welche von voriger Belagerung waren hineingeworfen worden; ich
+will wetten, daß wohl eine über dreihundert Zentner schwer hatte, ich
+versuchte es auch, ob ich eine mit einer Hand in die Höhe heben kunnte,
+allein es wollte, der Tebel hol mer, nicht angehen, so schwer war sie,
+knapp, daß ich sie mit beiden Händen drei Ellen hoch in die Höhe heben
+kunnte. Von da fuhren wir hinaus an die Elbe und sahen da die
+Schifferjungen angeln, O sapperment! was fingen sie da vor Forellen an
+der Angel, es waren nicht etwa solche kleine Forellen, wie es
+hierzulande bei Gutenbach oder sonsten dergleichen Orten herum gibt,
+sondern es waren, der Tebel hol mer, Dinger, da eine Forelle gut zwanzig
+bis dreißig Pfund hatte. Von denselben Fischen hatte ich mich zu Hamburg
+ganz überdrüssig gefressen, und wenn ich die Stunde noch Forellen
+erwähnen höre, wird mir flugs ganz übel davon. Warum? Sie haben in
+Hamburg keine anderen Fische als nur Forellen jahraus, Forellen jahrein,
+man muß sich darinnen verstänkern, man mag wollen oder nicht, bisweilen,
+etwa um Lichtmeß herum, kommen irgendein paar Tonnen frische Heringe da
+an, aber auch gar selten, und dazu, wo erkleckt das unter so einer
+Menge Volk? der Tausendste kriegt keinen nicht einmal davon zu sehen.
+
+[15] elegantes Fuhrwerk.
+
+Nachdem ich mit meiner Liebsten dem Angeln so eine Weile zugesehen,
+fuhren wir wieder in die Stadt und nach unserm Quartier zu; sobald als
+wir abstiegen, stund ein kleiner buckliger Tanzmeister im Torwege, der
+machte gegen die Madame Charmante wie auch gegen mich ein sehr artig
+Kompliment und invitierte uns[16] zu einem Balle. Meine Liebste, die
+Charmante, fragte mich, ob ich Lust mit hinzufahren hätte, denn sie
+könnte es der Kompagnie nicht abschlagen, und sie würden wohl indem alle
+schon auf sie warten. Ich gab ihr zur Antwort: Ich fahre schon mit und
+sehe, was da passiert. Hierauf gab sie dem Tanzmeister Befehl, daß sie
+gleich kommen wollte. O sapperment! wie sprung der Kerl vor Freuden
+herum, daß sie kommen wollte und noch jemand mit sich bringen. Er lief
+immer zum Hause hinaus und nach dem Tanzboden zu, als wenn ihm der Kopf
+brennte. Wir setzten uns gleich wieder auf unsere Chaise de Roland und
+fuhren nach dem Tanzboden zu.
+
+[16] lud uns ein.
+
+Sobald als wir nun hinaufkamen, O sapperment! was war vor Aufsehens da
+von den vornehmen Damens und Kavalieren, welche sich auch auf dem
+Tanzboden eingefunden hatten; es war ein Gelispere heimlich in die
+Ohren, und soviel ich hören kunnte, fing bald dieser an und sagte: Wer
+muß doch nur der vornehme Herr sein, welchen die Madame Charmante
+mitgebracht hat. Bald sagte ein Frauenzimmer zu dem andern: Ist das
+nicht ein wunderschöner Kerl, sieht er doch flugs aus wie Milch und
+Blut. Solche und dergleichen Reden gingen wohl eine halbe Stunde unter
+der Kompagnie auf dem Tanzboden heimlich vor. Der Tanzmeister
+präsentierte mir einen roten Samtstuhl, worauf ich mich niedersetzen
+mußte, die andern aber wie auch meine Charmante mußten alle stehen.
+Damit so ging nun die Musik an, O sapperment! wie kunnten die Kerle
+streichen, sie machten mit einem Gassenhauer den Anfang, wonach der
+kleine bucklige Tanzmeister die erste Entree tanzte. Sapperment! wie
+kunnte das Kerlchen springen, es war, der Tebel hol mer, nicht anders,
+als wenn er in die Lüfte flöge. Wie derselbe Tanz aus war, so schlossen
+sie alle miteinander einen Kreis und fingen an schlangenweise zu tanzen:
+meine Charmante, die mußte nun in den Kreis hineintreten und drinnen
+allein tanzen. O sapperment! was kunnte sich das Mensche schlangenweise
+im Kreise herumdrehen, daß ich auch, der Tebel hol mer, alle Augenblick
+dachte, jetzt fällt sie übern Haufen, allein es war, als ob ihr nichts
+drum wäre. Die anderen Mädchens tanzten, der Tebel hol mer, galant auch,
+ich kanns nicht sagen, wie artig sie die Knochen auch setzen kunnten,
+meiner Charmante aber kunnte es aber doch keine gleichtun. Nachdem der
+Kreistanz schlangenweise nun aus war, so fingen sie allerhand
+gemeine[17] Tänze auch an zu tanzen, als Couranten, Chiquen, Allemanden
+und dergleichen.
+
+[17] allgemein übliche.
+
+Solch Zeug sollte ich nun auch mit tanzen, es kamen unterschiedne Damens
+zu mir an den Samtstuhl, worauf ich saß, und forderten mich auch zu
+einem Tänzchen auf. Ich entschuldigte mich zwar erst und sagte, wie daß
+ich nämlich ein brav Kerl wäre, dem zwar was Rechts aus den Augen
+herausfunkelte, aber tanzen hätte ich noch nicht recht gelernt. Es half
+aber, der Tebel hol mer, kein Entschuldigen, die Damens trugen mich
+mitsamt dem Stuhle in den Tanzkreis hinein und kippten mich mit dem
+Stuhle um, daß ich, der Tebel hol mer, die Länge lang hinfiel. Ich stund
+aber mit einer sehr artigen Miene wiederum auf, daß sich auch die ganze
+Kompagnie auf dem Tanzboden über mich sehr verwunderte und ein Kavalier
+immer zu dem andern sagte, daß ich wohl einer von den bravsten Kerlen
+auf der Welt mit sein müßte. Hierauf fing ich nun an zu tanzen und nahm
+drei Frauenzimmer; die eine mußte mich bei der linken Hand anfassen, die
+andere bei der rechten und die dritte mußte sich an mein link Bein
+halten, damit hieß ich die Musikanten den Altenburgischen Bauerntanz
+aufstreichen. Da hätte man nun schön tanzen gesehen, wie ich auf dem
+rechten Beine solche artige Sprünge tun kunnte. Wie ich mich nun so ein
+klein wenig erhitzt hatte, so sprung ich auf dem einen Beine, der Tebel
+hol mer, klaffternhoch in die Höhe, daß auch die eine Dame, welche sich
+an mein link Bein gefaßt hatte, fast mit keinem Fuße auf die Erde kam,
+sondern stets in der Luft mit herumhüpfte. O sapperment! wie sahen die
+Menscher alle, als ich solche Sprünge tat; der kleine bucklige
+Tanzmeister schwur hoch und teuer, daß er dergleichen Sprünge zeitlebens
+nicht gesehen hätte. Sie wollten hernach auch alle wissen, was vor
+Geschlechts und Herkommens ich wäre, allein ich sagte es, der Tebel hol
+mer, keinem, ich gab mich zwar nur vor einen Vornehmen von Adel aus,
+allein sie wollten es doch nicht glauben, sondern sagten, ich müßte noch
+weit was Vornehmeres sein, denn meine Augen die hätten mich schon
+verraten, daß ich aus keiner Haselstaude entsprungen wäre. Sie fragten
+auch meine Charmante, allein der Henker hätte sie wohl geholt, daß sie
+was von meiner Geburt erwähnt hätte, denn wenn sie die Historie von der
+Ratte gehört hätten, Ei sapperment! wie würden sie gehorcht haben. Nach
+gehaltenem Ball fuhr ich mit meiner Charmante in die Opera[18], welche,
+der Tebel hol mer, auch da schön zu sehen war, denn sie spielten gleich
+selben Tag von der Zerstörung Jerusalems. O sapperment! was war das vor
+eine große Stadt, das Jerusalem, welches sie in der Opera da
+vorstellten, ich will wetten, daß es, der Tebel hol mer, zehnmal gut
+größer war, als die Stadt Hamburg ist, und zerstörten da das Ding auch
+so lästerlich, daß man, der Tebel hol mer, nicht einmal sah, wo es
+gestanden hatte. Nur immer und ewig schade war es um den wunderschönen
+Tempel Salomonis, daß derselbe so mit mußte vor die Hunde gehen, es
+hätte mich sollen dünken, daß nur ein Fleckchen daran wäre ganz
+geblieben, nein, es mußte von den Soldaten, der Tebel hol mer, alles
+ruiniert und zerstört werden. Es waren Krabaten[19] und Schweden, die
+das Jerusalem so zuschanden machten.
+
+[18] Die Hamburger Oper erfreute sich Ende des 17. Jahrhunderts großer
+Berühmtheit.
+
+[19] Kroaten.
+
+Nach dieser geschehenen Opera fuhr ich mit meiner Charmante auf den
+Jungfernstieg (wie es die Herren Hamburger nennen), denn es ist ein sehr
+lustiger Ort und liegt mitten in der Stadt Hamburg an einem kleinen
+Wasser, welches die Alster genannt wird, da stehen wohl zweitausend
+Linden und gehen alle Abend die vornehmsten Kavaliers und Damen der
+Stadt Hamburg dahin spazieren und schöpfen unter den Linden frische
+Luft. Auf demselben Jungfernstiege war ich mit meiner liebsten Charmante
+nun alle Abend da anzutreffen. Denn der Jungfernstieg und das Opernhaus
+war immer unser bester Zeitvertreib. Von der Belagerung Wiens spielte
+sich auch einmal eine Opera, welche vortrefflich zu sehen war. Ei
+sapperment! was schmissen die Türken vor Bomben in die Stadt Wien
+hinein; sie waren, der Tebel hol mer, noch zwanzigmal größer als wie
+die, welche in der gedachten Sternschanze zu Hamburg liegen. Wie sie
+aber von den Sachsen und Polacken dafür bezahlt worden, werden sie wohl
+am besten wissen. Denn es blieben wohl von den Türken über
+dreißigtausend Mann auf dem Platze, ohne die, welche gefangen genommen
+wurden und tödlich blessiert waren, so ich ohngefähr auch etwa auf
+achtzehn- bis zwanzigtausend Mann schätze, und vierzigtausend Mann
+warens gut, welche die Flucht nahmen. Ei sapperment! wie gingen die
+Trompeten da, wie die Stadt entsetzt war, ich will wetten, daß wohl über
+zweitausend Trompeter auf dem Dinge hielten und Viktoria bliesen. Mit
+dergleichen Lustigkeit vertrieben ich und meine Charmante damals täglich
+unsere Zeit in Hamburg. Was michs aber vor Geld gekostet, das will ich,
+der Tebel hol mer, niemand sagen, es gereut mich aber kein Heller,
+welchen ich mit der Charmante durchgebracht habe, denn es war ein
+vortrefflich schön Mensche, und ihr zu Gefallen hätte ich die Hosen
+ausziehen und versetzen wollen, wenns am Gelde hätte fehlen sollen, denn
+sie hatte mich überaus lieb und hieß mich nur ihren anmutigen Jüngling,
+denn ich war dazumal weit schöner als jetzo. Warum? Man wird ferner
+hören, wie mich die Sonne unter der Linie[20] so lästerlich verbrannt
+hat. Ja Hamburg, Hamburg, wenn ich noch dran gedenke, hat mir manche
+Lust gemacht.
+
+[20] Äquator.
+
+Und ich wäre, der Tebel hol mer, wohl noch so bald nicht herausgekommen,
+ob ich gleich drei ganzer Jahre mich da umgesehen hatte, wenn mein
+Rückenstreicher mich nicht so unglücklich gemacht hätte. Welches zwar
+wegen meiner Liebsten, der Charmante, herkam, doch kunnte das gute
+Mensche auch nicht dafür, daß ich bei Nacht und Nebel durchgehen mußte.
+Denn ein brav Kerl muß sich nicht bravieren[21] lassen. Die ganze Sache
+war aber also beschaffen. Ich wurde mit meiner Charmante in eine lustige
+Gesellschaft gebeten und mußten an demselben vornehmen Orte, wo die
+Kompagnie war, des Abends mit da zu Gaste bleiben. Wie wir nun
+abgespeist hatten, war es schon sehr spät in die Nacht hinein; wir
+wurden auch gebeten, dazubleiben, allein meine Charmante wollte nicht da
+schlafen, der vornehme Mann aber, wo wir waren, ließ seine Karosse
+anspannen, dieselbe sollte uns nach unserm Quartier zu bringen, damit
+wir keinen Schaden nehmen möchten. Wie wir aber bald an den Pferdemarkt
+kamen, so bat mich meine Charmante, daß ich mit ihr noch ein halb
+Stündchen möchte auf den Jungfernstieg fahren, sie wollte nur sehen, was
+vor Kompagnie da anzutreffen wäre. Ich ließ mir solches gefallen und
+befahl dem Kutscher, daß er uns dorthin fahren sollte. Als wir aber
+durch ein enges Gäßchen nicht weit vom Jungfernstiege fahren mußten,
+fingen welche an zu wetzen[22] in derselben Gasse. Nun war ich Blut übel
+gewohnt, wenn mir einer vor der Nase herum in die Steine kriegelte, und
+hätte, der Tebel hol mer, zehnmal lieber gesehen, es hätte mir einer
+eine derbe Presche[23] gegeben, als daß er mir mit dergleichen Wetzen
+wäre aufgezogen kommen. Ich war her und sagte zu meiner Charmante, sie
+sollte nur mit dem Kutscher wieder umlenken und nach dem Quartier zu
+fahren, ich wollte sehen, wem dieser Affront[24] geschähe, und es stünde
+mir unmöglich an, daß man dem bravsten Kerl von der Fortune vor der Nase
+so herumwetzen sollte.
+
+[21] Trotz bieten.
+
+[22] Säbelwetzen galt zu jener Zeit nach studentischer Sitte als
+Herausforderung.
+
+[23] Ohrfeige.
+
+[24] Beleidigung.
+
+Meine Charmante aber wollte mich nicht von sich weglassen und meinte,
+ich möchte etwa zu Unglück kommen, allein ich sprang, ehe sie sichs
+versah, mit gleichen Beinen zur Kutsche heraus, hieß den Kutscher
+umlenken und marschierte da den Nachtwetzern nach, welche ich am Ende
+des engen Gäßchens noch antraf und zu ihnen anfing, welche wohl bei
+ihrer dreißig waren: Was habt ihr Bärenhäuter da zu wetzen? Die Kerls
+aber kamen mit ihren bloßen Degen auf mich hineingegangen und meinten,
+ich würde mich vor ihnen fürchten. Ich trat zwar einen Schritt zurück,
+und da kriegte ich meinen Rückenstreicher heraus. Ei sapperment! wie
+hieb und stach ich auf die Kerls hinein, es war, der Tebel hol mer,
+nicht anders, als wenn ich Kraut und Rüben vor mir hätte: ihrer fünfzehn
+blieben gleich auf dem Platze, ihrer etliche, die ich sehr beschädigt
+hatte, baten um gut Wetter und etliche die gaben Reißaus und schrien
+nach der Rädelwache.
+
+[Illustration]
+
+Ei sapperment! als ich von der Rädelwache hörte, dachte ich, das Ding
+dürfte wohl nicht gut mit dir ablaufen, wenn die dich kriegen sollten;
+ich war her und marschierte immer spornstreichs nach dem Altonaischen
+Tore zu, da spendierte ich dem Torwärter einen ganzen Doppeltaler, daß
+er mich durch das Pförtchen mußte hinauslassen. Draußen setzte ich mich
+nun auf dieselbe Wiese, wo ich dem einen Staaten aus Holland die falsche
+Quinte durch den linken Ellbogen gestoßen hatte, und granste[25] da wie
+ein kleiner Junge Rotz und Wasser. Wie ich nun ausgegranst hatte, so
+stund ich auf, kehrte mich noch einmal nach der Stadt Hamburg zu, ob ich
+sie gleich im Finstern nicht sehen kunnte, und sagte: Nun gute Nacht,
+Hamburg, gute Nacht, Jungfernstieg, gute Nacht Opernhaus, gute Nacht
+Herr Bruder Graf und gute Nacht meine allerliebste Charmante, gräme dich
+nur nicht zu Tode, daß dein anmutiger Jüngling dich verlassen muß,
+vielleicht kriegst du ihn bald wiederum anderswo zu sehen. Hierauf ging
+ich im Dunkeln fort und immer weiter in die Welt hinein. Ich gelangte
+bei frühem Morgen in der Stadt Altona an, welche drei starke deutsche
+Meilen von Hamburg liegt, da kehrte ich in dem vornehmsten Wirtshause
+ein, welches zum Weinberge genannt wurde, worinnen ich einen Landsmann
+antraf, welcher in der Hölle[26] hinterm Kachelofen saß und hatte zwei
+vornehme Damens neben sich sitzen, mit welchen er in der Karte falsch
+spielte. Demselben gab ich mich zu erkennen und erzählte ihm, wie mirs
+in Hamburg gegangen wäre. Es war, der Tebel hol mer, ein brav Kerl auch,
+denn er war nur vor etlichen Tagen aus Frankreich gekommen und wartete
+allda bei dem Wirte im Weinberge auf einen Wechsel, welchen ihm seine
+Frau Mutter mit ehster Gelegenheit schicken würde. Er erzeigte mir sehr
+große Ehre, daß ichs, der Tebel hol mer, lebenslang werde zu rühmen
+wissen, und gab mir auch den Rat, ich sollte mich nicht lange in Altona
+aufhalten, denn wenns erfahren würde in Hamburg, daß der und der sich da
+aufhielte, welcher so viel Seelen kaput gemacht hätte, dürfte die
+Rädelwache, wenns gleich in einem andern Gebiete wäre, wohl
+nachgeschickt werden und mich lassen bei dem Kopfe nehmen. Welchem guten
+Rate ich auch folgte, und weil selben Tag gleich ein Schiff von da auf
+der See nach dem Lande Schweden zusegelte, dingte ich mich auf dasselbe,
+nahm von meinem Herrn Landsmanne Abschied und marschierte von Altona
+fort.
+
+[25] Gransen = greinen, weinen.
+
+[26] warmer Platz hinter dem Ofen.
+
+Wie mirs nun dazumal auf der See ging, was ich da und in dem Lande
+Schweden gesehen und erfahren habe, wird im folgenden Kapitel überaus
+artig zu vernehmen sein.
+
+
+
+
+3. Kapitel.
+
+
+Es war gleich in der Knoblochs-Mittwoche[27], als ich mich zum ersten
+Male auf das Wasser begab. Nun hätte ich vermeint, die Schiffe zu
+Hamburg wären groß, worauf man bei dem Jungfernstiege pflegte spazieren
+zu fahren, allein so sah ich wohl, daß sie bei Altona auf der See, der
+Tebel hol mer, noch tausendmal größer waren, denn die Leute nannten sie
+nur die großen Lastschiffe. Auf so eins setzte ich mich nun, und wie ich
+von meinem Landsmanne Abschied genommen hatte, schiffte ich da mit fort.
+
+[27] Mittwoch nach Pfingsten.
+
+Den dreizehnten Tag gegen zehn Uhr vormittags wurde es
+stockrabenfinster, daß man auch nicht einen Stich sehen kunnte, und
+mußte der Schiffsmann eine große Lampe vor das Schiff heraushängen,
+damit er wußte, wo er zufuhr, denn seinem Kompaß durfte er nicht wohl
+trauen, derselbe stockte immer. Wie es nun so gegen Abend kam, Ei
+sapperment! was erhub sich vor ein Sturm auf der See, daß wir auch, der
+Tebel hol mer, nicht anders meinten, wir würden alle müssen vor die
+Hunde gehen. Ich kann, der Tebel hol mer, wohl sagen, daß es uns nicht
+anders in solchem Sturme war, als wenn wir in einer Wiege geboiet würden
+wie die kleinen Kinder. Der Schiffsmann wollte wohl gern ankern, allein
+er hatte keinen Grund und mußte also nur Achtung haben, daß er mit dem
+Schiffe an keine Klippe fuhr. Den neunzehnten Tag begunnte der Himmel
+sich allmählich wieder zu klären und legte sich der Sturm auch so
+geschwind, daß es den zwanzigsten Tag wieder so stille und gut Wetter
+wurde, besser als wir es uns selbst wünschten. Zu Ausgang desselben
+Monats rochen wir Land und kriegten den folgenden Monat drauf die
+Spitzen von den schönen Türmen in Stockholm zu sehen, worauf wir
+zusegelten. Als wir nun ganz nah an die Stadt kamen, so hielt der
+Schiffsmann stille, hieß uns Fährgeld suchen und aussteigen, welches wir
+auch taten.
+
+Wie wir nun da ans Ufer ausgestiegen waren, so ging hernach einer hier
+hinaus, der andere dort hinaus; ich wanderte nun gleich auch mit in die
+Stadt, und weil ich in keinem gemeinen Wirtshause Lust zu logieren
+hatte, blieb ich in der Vorstadt und nahm mein Quartier bei dem
+Lustgärtner, welcher, der Tebel hol mer, ein überaus wackerer Mann war.
+Sobald als ich mich nun bei ihm anmeldete und um Quartier ansprach,
+sagte er gleich ja. Flugs darauf erzählte ich ihm meine Geburt und die
+Begebenheit von der Ratte. Ei sapperment! was war es dem Manne vor eine
+Freude, als er diese Dinge hörte, er war, der Tebel hol mer, auch so
+höflich gegen mich und hatte sein Mützchen stets unter dem Arme, wenn er
+mit mir redete, denn er hieß mich nur Ihr Gnaden. Nun sah er auch wohl,
+daß ich ein brav Kerl war und daß was Großes hinter mir stecken mußte.
+Er hatte einen vortrefflichen schönen Garten, da kamen nun fast täglich
+die vornehmsten Leute aus der Stadt zu ihm spazieren gefahren. Ob ich
+mich nun wohl wollte da inkognito aufhalten und mich nicht zu erkennen
+geben, wer und wes Standes ich wäre, so wurde ich doch bald verraten. Ei
+sapperment! was kriegte ich da vor Visiten von den vornehmsten Damens in
+Stockholm. Es kamen, der Tebel hol mer, alle Tage wohl dreißig Kutschen
+voll immer in den Garten gefahren, daß sie mich nur sehen wollten, denn
+der Lustgärtner mochte mich gegen die Leute so herausgestrichen haben,
+was ich vor ein brav Kerl wäre.
+
+Unter anderm kam immer ein Frauenzimmer in den Garten gefahren, ihr
+Vater war der vornehmste Mann mit bei der Stadt, die hießen die Leute
+nur Fräulein Lisette, es war, der Tebel hol mer, ein vortrefflich schön
+Mensche; dieselbe hatte sich nun bis auf den Tod in mich verliebt und
+gab recht ordentlich Freiens auch bei mir vor, daß ich sie nehmen
+sollte. Ich antwortete derselben hierauf aber sehr artig und sagte, wie
+daß ich ein brav Kerl wäre, dem was Rechts aus den Augen heraus sähe,
+daß also dieselbe vor dieses Mal mit keiner gewissen Antwort könnte
+versehen werden. Sapperment! wie fing das Mensche an zu heulen und zu
+schreien, da ich ihr den Korb gab, daß ich also, der Tebel hol mer,
+nicht wußte, woran ich mit ihr war. Endlich fing ich zu ihr an, daß ich
+mich in Hamburg schon mit einer halb und halb versprochen, allein ich
+hätte keine Post von ihr, ob sie noch lebte oder ob sie tot wäre. Sie
+sollte sich nur zufriedengeben, in etlichen Tagen wollte ich ihr Antwort
+wiedersagen, ob ich sie nehmen wollte oder nicht. Hierauf gab sie sich
+wieder zufrieden und fiel mir um den Hals und meinte es auch, der Tebel
+hol mer, so gut mit mir, daß ich mich auch gänzlich resolvieret hatte,
+die Charmante fahren zu lassen und mich an Fräulein Lisetten zu hängen.
+Hierauf nahm sie mit weinenden Augen von mir Abschied und sagte, daß sie
+den morgenden Tag früh wieder zusprechen wollte, und fuhr damit in die
+Stadt nach ihren Eltern zu. Was geschah? Der morgende Tag kam herbei,
+ich ließ eine gute frische Milch zurichten, mit derselben wollte ich
+das Fräulein Lisette im Garten nun traktieren: der Vormittag lief
+vorbei, der Nachmittag war auch fast zu Ende, ich wartete im Garten
+immer mit der frischen Milch, es wollte aber kein Fräulein Lisette
+kommen, daß ich auch, der Tebel hol mer, so toll war und, weil ich mich
+nicht rächen kunnte, der frischen Milch in die Haare geriet und die in
+der Bosheit reine ausfraß. Indem ich den letzten Löffel voll ins Maul
+steckte, kam des Gärtners Junge spornstreichs zum Garten hineingelaufen
+und fragte mich, ob ich was Neues wüßte. Wie ich nun gerne wissen
+wollte, was es gäbe, fing er an: Das Fräulein Lisette, welche gestern
+abend so lange im Garten bei mir gewesen, wäre diese Nacht so plötzlich
+gestorben. Ei sapperment! wie erschrak ich über die Post, daß mir auch
+der letzte Löffel voll Milch im Halse gleich verstarrte. Ja, fing der
+Junge weiter an, und der Doktor hätte gesagt, sie müßte sich worüber
+sehr gegrämt haben, sonst wäre sie wohl nicht gestorben, weil ihr ganz
+keine Krankheit wäre anzusehen gewesen. Ei sapperment! wie jammerte mich
+das Mensche, und da war wohl, der Tebel hol mer, niemand an ihrem Tode
+schuld als eben ich, weil ich sie nicht haben wollte. Das Mensche
+dauerte mich, der Tebel hol mer, sehr lange, ehe ich sie vergessen
+kunnte. Ich ließ ihr auch zu Ehren einen Poeten folgende Zeilen dichten
+und auf ihren Leichenstein hauen, welcher die heutige Stunde noch in
+Stockholm auf ihrem Grabe wird zu lesen sein:
+
+ Steh! flüchtger Wandersmann, betrachte diesen Stein,
+ Und rate, wer allhier wohl mag begraben sein:
+ Es starb vor Liebesgram ein Lieschen in dem Bette,
+ Nun rate, wer hier liegt: das schöne Kind Lisette.
+
+Nach diesem Lieschen verliebte sich hernach eines vornehmen Nobels
+Tochter in mich, dieselbe hieß Damigen und gab nun ebenfalls wieder
+Freiens bei mir vor. Es war, der Tebel hol mer, ein unvergleichlich
+Mensche auch. Mit derselben mußte ich alle Tage spazieren fahren und
+mich stets mit ihr schleppen. Ob ich nun wohl des Nobels Tochter sehr
+wohl gewogen war und auch Vertröstung getan, sie zu nehmen, so hatte ich
+aber den Handschlag dennoch nicht von mir gegeben, allein es trugen sich
+alle kleine Jungen auf der Gasse mit herum, daß Jungfer Damigen eine
+Braut wäre und was sie vor so einen vornehmen braven Kerl zum Manne
+kriegte. Ich hatte mich auch gänzlich resolviert, sie zu heiraten, und
+hätte sie auch genommen, wenn sie nicht ihr Herr Vater ohne mein und ihr
+Wissen und Willen einem andern Nobel versprochen gehabt. Was geschah?
+Damigen bat mich einstmals, daß ich mit ihr mußte an einem Sonntage
+durch die Stadt spazieren gehen, damit mich doch die Leute nur sähen,
+denn sie hätten von dem Lustgärtner gehört, daß ich so ein braver,
+vortrefflicher Kerl wäre, dem nichts Ungemeines aus den Augen funkelte,
+und also trügen ihrer viel groß Verlangen, mich doch nur zu sehen. Nun
+kunnte ich ihr leicht den Gefallen erweisen und sie in der Stadt ein
+wenig herumführen. Wie nun die Leute sahen, daß ich mit meiner Damigen
+da angestochen kam, O sapperment! wie legten sie sich zu den Fenstern
+heraus. Bald stunden an einer Ecke ein paar Mägde, die sagten: Ach ihr
+Leute! Denkt doch, wie Jungfer Damigen so wohl ankömmt, sie kriegt den
+Kerl da, der sie bei der Hand führt, das Mensche ist ihn nicht einmal
+wert. Solche und dergleichen Reden murmelten die Leute nun so heimlich
+zueinander. Es war auch ein Nachgesehe, daß ichs, der Tebel hol mer,
+nicht sagen kann. Als wir nun auf den Markt kamen und allda uns ein
+wenig aufhielten, daß ich das Volk recht sehen sollte, mag derselbe
+Nobel dieses gewahr werden, daß ich Damigen, welche er zur Liebsten
+haben sollte, nach aller Lust da herumführe; ich versah mich aber dieses
+nicht, daß der Kerl solch närrisch Ding vornehmen wird. Indem mich nun
+die Leute und meine Damigen mit großer Verwunderung ansahen, kam er von
+hinterrücks und gab mir, der Tebel hol mer, eine solche Presche, daß mir
+der Hut weit vom Kopfe flog, und lief hernach geschwinde in ein Haus
+hinein. O sapperment! wie knirschte ich mit den Zähnen, daß sich der
+Kerl solch Ding unterstund, und wenn er nicht gelaufen wäre, ich hätte
+ihm, der Tebel hol mer, die falsche Quinte gleich durchs Herze gestoßen,
+daß er das Aufstehen wohl vergessen sollen. Ich war auch willens, ihn zu
+verfolgen, wenn mich Damigen nicht davon noch abgehalten hätte, die
+sagte, es möchte so ein groß Aufsehens bei den Leuten erwecken, und ich
+könnte ihn schon zu anderer Zeit finden. Den andern Tag drauf, als ich
+mich nun erkundigt, wo der Kerl wohnte, welcher mir die Ohrfeige
+gegeben, schickte ich des Gärtners Jungen zu ihm und ließ ihm sagen, ich
+hielte ihn vor keinen braven Kerl, sondern vor den allerelendesten
+Bärenhäuter auf der Welt, wenn er nicht die und die Zeit draußen auf der
+großen Wiese mit ein paar guten Pistolen erschiene, und da wollte ich
+ihm weisen, daß ich ein braver Kerl wäre. Was geschieht, als des
+Lustgärtners Junge dem Nobel diese Worte nun so unter die Nase reibt und
+von Pistolen schwatzt? Ei sapperment! wie erschrickt der Kerl, daß er
+nicht weiß, was er dem Jungen antworten soll. Wie nun der Junge spricht,
+was er denn dem vornehmen Herrn zur Antwort hierauf wiederbringen
+sollte, fängt er endlich an, er müsse gestehen, ja, daß er mir den Hut
+vom Kopfe geschmissen, und hätte es ihn so verdrossen, daß ich Jungfer
+Damigen als seine zukünftige Liebste bei der Hand geführt, und dasselbe
+hätte er gar nicht leiden können. Da ich ihn nun wegen der gegebenen
+Ohrfeige flugs auf Pistolen hinausforderte, würde er wohl schwerlich
+kommen, denn es wäre so eine Sache mit den Schüssen, wie leichtlich
+könnte er oder ich was davon bekommen; was hätten wir denn hernach
+davon, und darauf käme er nicht; wollte ich mich aber mit ihm auf
+trockene Fäuste schlagen, so wollte er seine Mutter erstlich drum
+fragen, ob sie solches zugeben wollte. Wo sie aber ihm solches auch
+nicht verwilligte, könnte er mir vor die Ohrfeige keine Revanche geben.
+O sapperment! als mir der Junge solche Antwort von dem Nobel
+wiederbrachte, hätte ich mich, der Tebel hol mer, flugs mögen zustoßen
+und zureißen. Ich war her und besann mich, wie ich ihn wiedertraktieren
+wollte. Erstlich wollte ich ihn auf der Gasse übern Haufen stoßen und
+fortgehen, so dachte ich aber: wo wird dich dein Damigen hernach suchen?
+Endlich resolvierte ich mich, ich wollte ihm in öffentlicher Kompagnie
+die Presche gedoppelt wiedergeben. Das hätte ich auch getan, wenn der
+Kerl nicht wegen des Pistolenhinausforderns so ein groß Wesen flugs
+gemacht hätte, daß ich also von hoher Hand gebeten wurde, ich möchte es
+nur gut sein lassen; genug, daß sie alle wüßten, daß ich ein brav Kerl
+wäre, desgleichen wohl wenig in der Welt würde gefunden werden. Als ich
+dieses hörte, daß von hoher Hand man mich bat, daß ich ihn sollte
+zufrieden lassen, und mich alle vor den bravsten Kerl auf der Welt
+ästimierten, hätte ich mir hernach wohl die Mühe genommen, daß ich
+wieder an ihn gedacht hätte. Allein mein Damigen kriegte ich doch auch
+nicht. Ihr Vater ließ mir zwar sagen, er sähe wohl, daß ich ein brav
+Kerl wäre, desgleichen man wenig finde, allein seine Tochter hätte er
+einem Nobel versprochen, und wer kein Nobel wäre, der dürfte sich auch
+nicht die Gedanken machen, daß er sie kriegen würde. Ich ließ ihm aber
+hierauf artig wiedersagen, wie daß er nämlich recht geredet, daß ich ein
+brav Kerl wäre, desgleichen wohl wenig in der Welt anzutreffen wäre, und
+ich hätte ja seine Tochter noch niemals verlangt, sondern sie hätte mich
+haben wollen.
+
+Nach diesem hatte ich mir auch gänzlich vorgenommen, Stockholm wieder zu
+verlassen, weil ich in dem zweiten ganzen Jahr schon da mich umgesehen.
+Indem ich mich nun resolviert, den andern Tag wieder auf das Schiff zu
+begeben, ging ich den Tag vorher noch einmal in des Gärtners Lustgarten
+und sah, ob die Pflaumen bald reif waren; indem ich einen Baum so nach
+dem andern beschaute, kam des Gärtners Junge sporenstreichs wieder auf
+mich zugelaufen und sagte, daß jemand draußen vorm Tore mit einem
+schönen Schellenschlitten hielte, der wollte mich gerne sprechen. Er
+hätte einen großen grünen Fuchspelz an. Nun kunnte ich mich nicht flugs
+besinnen, wer es sein müßte, endlich besann ich mich auf meinen Herrn
+Bruder Grafen, der es etwa sein müßte, und lief geschwinde mit dem
+Jungen aus dem Garten vor. Wie ich vor kam, so wars, der Tebel hol mer,
+mein Herr Bruder Graf, welchen ich zu Hamburg im Stiche gelassen. O
+sapperment! wie erfreuten wir uns alle beide, daß wir einander
+wiedersahen. Ich nahm ihn gleich mit in des Gärtners Stube und ließ ihm
+flugs was zu essen und zu trinken geben, denn er war, der Tebel hol mer,
+bald ganz verhungert und sein Pferd sah auch ganz mager aus, das mußte
+des Gärtners Junge flugs hinaus auf die Wiesen in die Weide reiten, auf
+daß sichs wieder ausfressen sollte. Damit erzählte er mir nun allerhand,
+wie es ihm in Hamburg noch gegangen wäre und wie die Dame Charmante mich
+so bedauert, als ich die Flucht nehmen müssen und sie so unverhofft
+verlassen. Er brachte mir auch einen Brief mit von ihr, welchen sie nur
+verloren[28] an mich geschrieben, daß er mir denselben doch zustellen
+möchte, denn sie hatte vermeint, ich wäre schon längstens tot, weil ich
+ihr gar nicht geschrieben, wo ich wäre. Der Inhalt des Briefes war, wie
+folgt, also und zwar versweise:
+
+[28] aufs geratewohl.
+
+ »A n m u t i g e r  J ü n g l i n g
+
+ Lebst du noch? oder liegst du schon verscharret?
+ Weil du weder Brief noch Gruß deiner Liebsten schickest ein?
+ Ach! so heißt es leider! wohl recht umsonst auf das geharret,
+ Was man in Gedanken küßt und muß längst verweset sein.
+ Bist du tot? so gönn ich dir dort die höchst vergnügten Freuden,
+ Lebst du noch, anmut'ger Schatz? und erblickest dieses Blatt,
+ Welches die Charmante schickt, die dich mußte plötzlich meiden,
+ Als dein tapfrer Heldenmut dich verjagte aus der Stadt,
+ Lebst du noch? so bitt' ich dich, schreib mir eiligst doch zurücke,
+ Wo du bist, es mag der Weg auch sehr höchst gefährlich sein,
+ So will ich dich sprechen bald mit des Himmels gutem Glücke,
+ Wenn du hierauf nur ein Wort erst Charmanten lieferst ein«.
+
+Als ich diesen Brief gelesen, ging mir die Charmante so zu Gemüte, daß
+ich mich des Weinens nicht enthalten kunnte, sondern hieß meinen Herrn
+Bruder Grafen essen und ging hinaus vor die Stubentür und granste, der
+Tebel hol mer, da wie ein kleiner Junge. Als ich nun ausgegranst hatte,
+sagte ich zum Lustgärtner, er sollte mir doch Feder und Tinte geben, ich
+wollte eiligst diesen Brief beantworten. Der Lustgärtner sagte hierauf,
+es stünde alles zusammen oben in der Sommerstube, und wenn ichs
+verlangte, so wollte er solches herunterholen lassen, beliebte mir aber
+droben zu schreiben, allwo ich nicht von Reden gestört würde, könnte
+ichs auch tun. Ich ließ mir solches gefallen, bat den Herrn Bruder
+Grafen, ob er mir verzeihen wollte, daß ich ihn ein wenig alleine ließe,
+und ich wäre nur gesonnen, den Brief wieder zu beantworten und
+fortzuschicken. Der Herr Bruder Graf sagte hierauf nur, daß ich doch
+mit ihm kein Wesens machen sollte, und ich möchte so lange schreiben,
+als ich wollte, er würde mich daran nicht hindern. Damit so wanderte ich
+zur Stubentür hinaus und wollte eiligst die Treppe hinauflaufen; ich
+werde es aber nicht gewahr, daß eine Stufe ausgebrochen ist, und falle
+da mit dem rechten Bein hinein in die Lücke, wo die Stufe fehlt, und
+breche, der Tebel hol mer, das Bein flugs murrsch entzwei. O sapperment!
+wie fing ich an zu schreien! Sie kamen alle, wie auch der Herr Graf,
+dazu gelaufen und fragten, was mir wäre, allein es kunnte mir keiner
+helfen, das Bein war einmal in Stücken. Der Lustgärtner schickte flugs
+nach dem Scharfrichter, daß der kommen mußte und mich verbinden, denn es
+war, der Tebel hol mer, ein wackerer Mann im Bruch heilen; derselbe
+brachte mirs sehr artig wieder zurechte, ob er gleich zwölf ganzer
+Wochen an demselben dokterte. Als ich nun so ein bischen drauf wieder
+fußen kunnte, so mußte ich hernach allererst der Charmante ihren Brief
+beantworten, welcher folgendermaßen auch versweise sehr artig
+eingerichtet war:
+
+ »Mit Wünschung zuvor alles Liebes und Gutes,
+ Schelmuffsky lebet noch und ist sehr guten Mutes!
+ Hat er gleich vor zwölf Wochen gebrochen das rechte Bein,
+ So wird dasselbe doch vom Scharfrichter bald wieder geheilet sein.
+ Der Herr Bruder Graf ist mit seinem Schlitten bei mir glücklich
+ ankommen,
+ Und einen Brief mitgebracht, woraus ich vernommen,
+ Daß meine liebe Charmante gerne wissen möchte, ob ich lebendig oder
+ tot.
+ Es hat mit mir, der Tebel hol mer, noch keine Not.
+ Ich lebe itzunder in dem Lande Schweden,
+ Wenn nun, du herzes Kind, willst gerne mit mir reden,
+ Zu Stockholm bei dem Lustgärtner in der Vorstadt hab' ich mein
+ Quartier,
+ So mußt du bald kommen her zu mir,
+ Denn ich werde nicht gar lange mehr da bleiben.
+ Das ists nun, was ich dir zur Antwort hiermit habe wollen fein
+ geschwinde schreiben.
+ Indessen lebe wohl, gesund frisch spat und früh,
+ Und ich verbleibe allezeit dein
+
+ a n m u t i g e r  J ü n g l i n g
+ S c h e l m u f f s k y«.
+
+Ob ich mich nun wohl aufs Versemachen nicht groß gelegt hatte, so war
+mir doch, der Tebel hol mer, dieser Brief versweise sehr artig geraten.
+Denselben schickte ich nun durch des Gärtners Jungen zu Stockholm ins
+Posthaus, damit er cito[29] möchte nach Hamburg bestellt werden. Hierauf
+gingen kaum vier Wochen ins Land, so kam meine liebste Charmante auch
+anmarschiert. Wie sie mich nun sah, sapperment! fiel mir das Mensche
+nicht um den Hals und herzte mich! Sie erzählte mir hernach auch, wie
+mich die Rädelwache zu Hamburg gesucht hätte, weil ich so viel Kerls
+hätte zu schanden gehauen, und wie mich die Kompagnie auf dem Tanzboden
+so ungerne verloren, weil ich einen vortrefflichen Springer abgegeben.
+Ich sollte ihr auch erzählen, wie mirs die Zeit über gegangen wäre, als
+ich von Hamburg die Flucht nehmen müssen. Damit erzählte ich ihr, und
+auch, wie wir auf der See hätten Sturm gehabt und was ich vor allerhand
+Fische gesehen, aber wie mirs in Stockholm mit der Ohrfeige wegen
+Jungfer Damigen gegangen wäre, davon sagte ich ihr, der Tebel hol mer,
+kein Wort.
+
+[29] schnell.
+
+Ob ich nun wohl, wie mein Bein völlig wieder kuriert war, mich wollte zu
+Schiffe wieder setzen und die Welt weiter besehen, so ließ ich mich doch
+auf der Charmante ihr Bitten überreden, daß ich ein halb Jahr noch in
+Stockholm blieb und ihr dieses und jenes zeigte. Nun ist eben nichts
+Sonderliches da zu sehen, als daß Stockholm eine brave Stadt ist, sehr
+lustig liegt und um dieselbe herum schöne Gärten, Wiesen und
+vortreffliche Weinberge angebaut sein, und daß, der Tebel hol mer, der
+schönste Neckarwein da wächst. Allein von Fischwerk und solchen Sachen
+gibts eben so wenig als in Hamburg. Forellen hat man zwar genug auch da,
+allein, wer kann einerlei Fische immer essen; aber unerhörte Viehzucht
+gibts da wegen der Gräserei: es gibt, der Tebel hol mer, Kühe dort, da
+eine wohl auf einmal vierzig bis fünfzig Kannen Milch gibt. Sie machen
+im Winter auch flugs Butter, die sieht, der Tebel hol mer, wie das
+schönste gewundene Wachs aus.
+
+Nachdem ich meine Charmante nun überall herumgeführt und ihr dieses und
+jenes in Stockholm gezeigt, machte ich mich mit ihr benebst dem Herrn
+Bruder Grafen wieder reisefertig, bezahlte, was ich da bei dem
+Lustgärtner verzehrt hatte, und dingten uns auf ein Schiff, welches uns
+mit sollte nach Holland nehmen. Wie wir nun mit dem Schiffe richtig
+waren, packte der Herr Graf seinen Schellenschlitten mit seinem Pferde
+auch auf das Schiff, daß er, wenn er zu Lande käme, wieder kutschen
+könnte. Als es bald Zeit war, daß das Schiff fortsegeln wollte, nahmen
+wir von dem Lustgärtner Abschied und bedankten uns nochmals vor allen
+guten erzeigten Willen. Da fing, der Tebel hol mer, der Mann an zu
+weinen wie ein klein Kind, so jammerte ihn unser Abschied. Er beschenkte
+mich auch zuguterletzt mit einer wunderschönen Blume, ob dieselbe gleich
+kohlpechschwarze Blätter hatte, so kunnte man sie doch, der Tebel hol
+mer, auf eine ganze Meile Wegs riechen. Er nannte sie nur Viola
+Kohlrabi, dieselbe Viola Kohlrabi nahm ich nun auch mit. Damit
+marschierten wir nun fort und nach dem Schiffe zu. Als wir nun dahin
+kamen, Sapperment! was sah man da vor Volk, welches mit nach Holland
+gehen wollte, es waren, der Tebel hol mer, wohl an sechstausend Seelen,
+die setzten sich nun alle auch mit zu Schiffe und waren Willens, Holland
+zu besehen. Wie es uns aber dasselbe Mal auf der See erbärmlich ging,
+werden einem die Haare zu Berge stehen, wer folgendes Kapitel lesen
+wird.
+
+
+
+
+4. Kapitel.
+
+
+Als wir von Stockholm abfuhren, war es gleich um selbe Zeit, da die
+Kirschen und Weintrauben sich anfingen zu färben. Sapperment! was war da
+vor ein Gekribbele und Gewibbele auf dem Schiffe von soviel Leuten. Ich
+und meine Liebste Charmante wie auch der Herr Bruder Graf, weil der
+Schiffsmann sah, daß wir Standespersonen waren, hatten ein eigenes
+Zimmer auf dem Schiffe zu unserer Bequemlichkeit inne. Die andern
+Sechstausend aber mußten, der Tebel hol mer, alle nach der Reihe auf
+einer Streu schlafen. Wir schifften etliche Wochen sehr glücklich fort
+und waren alle brav lustig auf dem Schiffe, als wir aber an die Insel
+Bornholm kamen, wo es so viel Klippen gibt, und wenn ein Schiffsmann die
+Wege da nicht weiß, gar leichtlich umwerfen kann, ei Sapperment! was
+erhub sich im Augenblick vor ein großer Sturm und Ungestüm auf der See;
+der Wind schmiß, der Tebel hol mer, die Wellen die höchsten Türme hoch
+über das Schiff weg und fing an kohlpechrabenstockfinster zu werden. Zu
+dem allergrößten Unglücke noch hatte er zu Stockholm im Wirtshause den
+Kompaß auf dem Tische stehen lassen und vergessen, daß er also ganz
+nicht wußte, wo er war und wo er zufahren sollte. Das Wüten und Toben
+von dem grausamen Ungestüm währte vierzehn ganzer Tage und Nacht, den
+fünfzehnten Tag, als wir vermeinten, es würde ein wenig stille werden,
+so erhub sich wieder ein Wetter und schmiß der Wind unser Schiff an
+eine Klippe, daß es, der Tebel hol mer, in hunderttausend Stücke sprang.
+Sapperment! was war da vor ein Zustand auf der See! Es ging Schiff,
+Schiffsmann und alles, was nur zuvor auf dem Schiffe war, in einem
+Augenblick zugrunde, und wenn ich und mein Herr Bruder Graf nicht so
+geschwinde ein Brett ergriffen hätten, worauf wir uns flugs legten, daß
+wir zu schwimmen kamen, so wäre kein ander Mittel gewesen, wir hätten
+gleichfalls mit den sechstausend Seelen müssen vor die Hunde gehen. O
+sapperment! was war da von den Leuten ein Gelamentiere in dem Wasser!
+nichts mehr dauert mich noch die Stunde, als nur meine allerliebste
+Charmante, wenn ich an dasselbe Mensche gedenke, gehen mir, der Tebel
+hol mer, die jetzige Stunde die Augen noch über. Denn ich hörte sie wohl
+zehnmal noch im Wasser »Anmutiger Jüngling« rufen; allein was kunnte ich
+ihr helfen, ich hatte, der Tebel hol mer, selbsten zu tun, daß ich nicht
+von dem Brette herunterkippte, geschweige daß ich ihr hätte helfen
+sollen. Es war immer und ewig schade um dasselbe Mensche, daß es da so
+unverhofft ihr Leben mit in die Schanze schlagen mußte. Es kunnte sich
+auch, der Tebel hol mer, nicht eine einzige Seele retten als ich und der
+Herr Graf auf dem Brette.
+
+Als ich und mein Herr Bruder Graf diesem Trauerspiele auf unserm Brette
+in der Ferne nun so eine Weile zugeschaut, plätscherten wir mit unsern
+Händen auf demselben fort und mußten wohl über hundert Meilen schwimmen,
+ehe wir wieder an Land kamen. Nach Verfließung dreier Tage bekamen wir
+die Spitzen und Türme von Amsterdam zu sehen, worauf wir gleich zu
+marschierten und den vierten Tag früh um zehn Uhr hinter des
+Bürgermeisters Garten mit unserm Brette nach viel ausgestandener
+Gefährlichkeit allda anlandeten. Damit gingen wir durch des
+Bürgermeisters Garten durch und immer nach desselben Hause zu. Der Herr
+Bruder Graf, der mußte nun das Brett tragen und ich ging voran. Wie wir
+nun die Gartentüre aufklinkten, welche in des Bürgermeisters Hof ging,
+so stund der Bürgermeister gleich in der Haustüre und sah uns da
+angemarschiert kommen. Mit was vor Verwunderung uns auch der Mann ansah,
+will ich wohl keinem Menschen sagen, denn wir sahen wie die gebadeten
+Mäuse so naß aus; dem Herrn Grafen lief das Wasser immer noch von seinen
+samtnen Hosen herunter, als wenn einer mit Mulden gösse. Ich erzählte
+dem Herrn Bürgermeister aber flugs mit zwei, drei Worten ganz artig, wie
+daß wir Schiffbruch gelitten und auf dem Brette so weit schwimmen
+müssen, ehe wir an Land gekommen. Der Herr Bürgermeister, welcher, der
+Tebel hol mer, ein wackerer, braver Mann war, der hatte groß Mitleiden
+mit uns, er führte uns in seine Stube, hieß warm einheizen, damit mußten
+ich und mein Herr Bruder Graf in die Hölle hinterm Ofen treten und uns
+wieder trocknen. Sobald uns nun ein wenig der warme Ofen zu passe kommen
+war, fing der Herr Bürgermeister an und fragte, wer wir wären. Ich fing
+hierauf gleich an und erzählte demselben ganz artig meine Geburt und wie
+es mit der Ratte damals wäre zugegangen. O sapperment! was sperrte der
+Mann vor ein Paar Augen auf, als ich ihm von der Ratte solche Dinge
+erzählte, er nahm hernach allemal auch, wenn er mit mir redete, sein
+Mützchen unter den Arm und titulierte mich Ihre sehr Hochwohlgeborne
+Herrlichkeiten.
+
+Alsobald ließ er den Tisch decken und traktierte mich und den Herrn
+Grafen, der Tebel hol mer, recht delikat. Sobald als wir nun gespeist
+hatten, kamen etliche von den vornehmsten Staaten in des Bürgermeisters
+Haus und gaben mir und meinem Herrn Bruder Grafen eine Visite. Sie baten
+uns auch zu sich zu Gaste und erwiesen uns große Ehre, daß ich also wohl
+sagen kann, daß Amsterdam, der Tebel hol mer, eine vortreffliche Stadt
+ist. Es wurde zu derselben Zeit bald eine vornehme Hochzeit, wozu man
+mich und meinen Herrn Bruder Grafen auch invitierte. Denn es heiratete
+ein Lord aus London in England eines vornehmen Staatens Tochter zu
+Amsterdam, und wie es nun da gebräuchlich ist, daß die vornehmen
+Standespersonen, welche zur Hochzeit gebeten werden, allemal Braut und
+Bräutigam zu Ehren ein Hochzeitskarmen drucken lassen und sie damit
+beehren, so wollte ich hierinnen mich auch sehen lassen, daß ich ein
+brav Kerl wäre. Es war gleich um selbe Zeit bald Gertraute[30], daß der
+Klapperstorch bald wiederkommen sollte, und weil die Braut Traute hieß,
+so wollte ich meine Invention[31] von dem Klapperstorche nehmen, und der
+Titel sollte heißen: Der fröhliche Klapperstorch. Ich war her und setzte
+mich drüber und saß wohl über vier Stunden: daß mir doch wäre eine Zeile
+beigefallen? Der Tebel hol mer, nicht ein Wort konnte ich zuwege
+bringen, das sich zu dem fröhlichen Klapperstorche geschickt hätte; ich
+bat meinen Herrn Bruder Grafen, er sollte es versuchen, ob er was könnte
+zur Not herbringen, weil mir nichts beifallen wollte. Der Herr Graf
+sagte nun, wie er vor diesem wäre in die Schule gegangen, so hätte er
+ein bischen reimen lernen, ob ers aber würde noch können, wüßte er
+nicht, doch müßte ers versuchen, obs angehn wollte. Hierauf setzte sich
+der Graf nun hin, nahm Feder und Tinte und fing da an zu dichten. Was er
+damals nun aufschmierte, waren folgende Zeilen:
+
+[30] Tag im Kalender.
+
+[31] Dichterische Erfindung.
+
+ Die Lerche hat sich schon in Lüften präsentieret,
+ Und Mutter Flora steigt allmählich aus dem Neste;
+ Schläft gleich die Maja noch in ihrem Zimmer feste;
+ Daß also jetzger Zeit viel Lust nicht wird gespüret.
+ Dennoch so will ...
+
+Als er über diesen Zeilen nun so wohl eine halbe Stunde gesessen, so
+guckte ich von hinten auf seinen Zettel und sah, was er gemacht hatte.
+Wie ich nun das Zeug las, mußte ich, der Tebel hol mer, recht über den
+Herrn Bruder Grafen lachen, daß es solch albern Gemächte war. Denn
+anstatt daß er den Klapperstorch hätte setzen sollen, hatte er die
+Lerche hingeschmiert, und wo Traute stehen sollte, hatte er gar einen
+Flor genommen; denn der Flor schickt sich auch auf die Hochzeit, und
+dazu hätte sichs auch hintenaus reimen müssen. Denn präsentieret und
+Neste, das reimt sich auch, der Tebel hol mer, wie eine Faust aufs Auge.
+Er wollte sich zwar den Kopf weiter darüber zerbrechen, allein so hieß
+ichs ihn nur sein lassen und dafür schlafen. Ob ich nun wohl auch selben
+Tag ganz nichts zuwege bringen kunnte, so setzte ich mich folgenden Tag
+früh doch wieder drüber und wollte von Gertrauten und dem Klapperstorche
+der Braut ein Karmen machen. O sapperment! als ich die Feder ansetzte,
+was hatte ich dazumal vor Einfälle von dem Klapperstorche, daß ich auch,
+der Tebel hol mer, nicht länger als einen halben Tag darüber saß, so war
+es fertig und hieß, wie folgt, also:
+
+ D e r  f r ö h l i c h e  K l a p p e r s t o r c h.
+
+ Gertrautens-Tag werden wir balde nun haben,
+ Da bringet der fröhliche Klapperstorch Gaben,
+ Derselbe wird fliehen über Wasser und Gras
+ Und unsrer Braut Trauten verehren auch was,
+ Das wird sie, der Tebel hol mer, wol sparen,
+ Und keinem nicht weisen in dreiviertel Jahren.
+ Worzu denn wünschet bei dieser Hochzeit
+ Gesunden und frischen Leib bis in Ewigkeit,
+ Auch langes Leben spat und früh,
+ Eine Standesperson v o n  S c h e l m u f f s k y.
+
+Sobald als nun die Hochzeitstage herbeirückten, wurde ich und der Herr
+Bruder Graf von der Braut Vater gebeten, daß wir doch seiner Tochter die
+große Ehre antun möchten und sie zur Trauung führen; ich antwortete dem
+Hochzeitsvater hierauf sehr artig, wie daß ich vor meine Person solches
+gerne tun wollte, aber ob mein Herr Bruder Graf dabei würde erscheinen
+können, zweifelte ich sehr, dieweil der arme Schelm das kalte Fieber
+bekommen hätte und ganz bettlägerig worden wäre. Dem Herrn
+Hochzeitsvater war solches sehr leid, und weil es nicht sein kunnte,
+mußte der Herr Bürgermeister seine Stelle vertreten. Als ich nun die
+Braut zur Trauung mitführte, O sapperment! was war vor ein Aufgesehe von
+dem Volke, sie drückten, der Tebel hol mer, bald einander ganz zunichte,
+nur weil ein jedweder mich so gerne sehen wollte. Denn ich ging sehr
+artig neben der Braut her in einem schwarzen langen seidenen Mantel mit
+einem roten breiten Samtkragen. In Amsterdam ist es nun so die Mode, da
+tragen die Standespersonen auf ihren schwarzen Mänteln lauter rote
+Samtkragen und hohe spitzige Hüte. Ich kanns, der Tebel hol mer, nicht
+sagen, wie ich das Mensche so nett zur Trauung führte und wie mir der
+spitzige Hut und lange Mantel mit dem roten Samtkragen so proper
+ließ[32]. Da nun die Trauung vorbei und die Hochzeit anging, mußte ich
+mich flugs zur Braut setzen, welches nächst dem Bräutigam die oberste
+Stelle war, hernach saßen erstlich die andern vornehmen Standespersonen,
+welche mich alle, zumal die mich noch nicht groß gesehen hatten, mit
+höchster Verwunderung ansahen und wohl bei sich dachten, daß ich einer
+mit von den vornehmsten und bravsten Kerlen müßte auf der Welt sein (wie
+es denn auch wahr war), daß man mir die Oberstelle eingeräumt hatte.
+
+[32] so wohl anstand.
+
+Wie wir nun so eine Weile gespeist hatten, kam der Hochzeitsbitter vor
+den Tisch getreten und fing an: wer unter den Herren Hochzeitsgästen von
+Standespersonen dem Herrn Bräutigam oder der Jungfrau Braut zu Ehren ein
+Karmen verfertigt hätte, der möchte so gut sein und solches
+präsentieren. Sapperment! wie griffen sie alle in die Schubsäcke und
+brachte ein jedweder einen gedruckten Zettel herausgeschleppt und waren
+willens, solches zu übergeben. Weil sie aber sahen, daß ich auch in
+meinen Hosen herummährte[33] und auch was suchte, dachten sie gleich,
+daß ich ebenfalls was würde haben drucken lassen, und wollte mir keiner
+vorgehen. Endlich so brachte ich mein Karmen[34], welches ich auf roten
+Atlas drucken lassen, aus dem Hosenfutter herausgezogen. O sapperment!
+was war vor Aufsehens da bei den Leuten! Dasselbe übergab ich nun zu
+allererst der Braut mit einem überaus artigen Komplimente. Als sie nun
+den Titel davon erblickte, Sapperment! was machte das Mensche vor ein
+Gesicht! da sie aber nun erstlich solches durchlas, so verkehrte sie,
+der Tebel hol mer, die Augen im Kopfe wie ein Kalb, und ich weiß, daß
+sie wohl dasselbe Mal dachte, wenn nur der Klapperstorch schon da wäre.
+Die andern mochten nun Lunte riechen, daß mein Hochzeitskarmen unter
+ihnen wohl das beste sein müßte, und steckten, der Tebel hol mer, fast
+ein jedweder seines wieder in die Ficke. Etliche übergaben zwar ihre,
+allein weder Braut noch Bräutigam sah keins mit einem Auge an, sondern
+legten es gleich unter den Teller, aber nach meinem war, der Tebel hol
+mer, ein solch Gedränge, weil sie alle es so gerne sehen und lesen
+wollten. Warum? Es war vor das erste von ungemeiner Invention[35] und
+vor das andere überaus artig und nettes Deutsch. Dahingegen die andern
+Standespersonen zu ihren Versen lauter halbgebrochene Worte und
+ungereimt Deutsch genommen hatten: Ei sapperment! was wurde bei den
+Leuten vor Aufsehens erweckt, als sie mein Karmen gelesen hatten, sie
+steckten in einem die Köpfe zusammen und sahen mich immer mit höchster
+Verwunderung an, daß ich so ein brav Kerl war, und redeten immer
+heimlich zueinander, daß was sehr Großes hinter mir stecken müßte.
+Hierauf währte es nicht lange, so stund der Bräutigam auf und fing an,
+meine Gesundheit zu trinken. Sapperment! was war da vor ein Aufgestehe
+flugs von den andern Standespersonen, und machten große Reverenzen gegen
+mich. Ich blieb aber immer sitzen und sah sie alle nach der Reihe mit so
+einer artigen Miene an; der Herr Bürgermeister, bei welchem ich mit
+meinem Bruder Grafen im Quartier lag, der lachte immer, daß ihm der
+Bauch schütterte, so eine herzliche Freude hatte er drüber, daß mich
+alle miteinander so venerierten[36]. Warum? Es war dem Manne selbst eine
+Ehre, daß so eine vornehme Person, als nämlich ich, sein Haus betreten
+hatte.
+
+[33] wühlte.
+
+[34] Gedicht.
+
+[35] Erfindung.
+
+[36] ehrten.
+
+Wie meine Gesundheit nun über der Tafel herum war, so ließ ich mir den
+Hochzeitsbitter eine große Wasserkanne geben, in welche wohl
+vierundzwanzig Kannen nach hiesigem Maße gingen, die mußte mir ein
+Aufwärter voll Wein schenken und über die Tafel geben. Da dieses der
+Bräutigam wie auch die Braut und die andern Hochzeitsgäste sahen,
+sperrten sie, der Tebel hol mer, alle Maul und Nasen drüber auf und
+wußten nicht, was ich mit der Wasserkanne auf der Tafel da machen
+wollte. Ich war aber her und stund mit einer artigen Miene auf, nahm die
+Kanne mit dem Weine in die Hand und sagte: »Es lebe die Braut Traute!«
+Sapperment! wie bückten sich die andern Standespersonen alle gegen mich.
+Damit so setzte ich an und soff, der Tebel hol mer, die Wasserkanne mit
+den vierundzwanzig Maß Wein auf einen Zug reine aus und schmiß sie wider
+den Kachelofen, daß die Stücken herumflogen. O sapperment! wie sah mich
+das Volk an! Hatten sie sich nicht zuvor über mich verwundert, als sie
+meine Hochzeitsverse gelesen, so verwunderten sie sich allererst
+hernach, da sie sahen, wie ich die Wasserkanne voll Wein so artig
+aussaufen kunnte. Flugs hierauf ließ ich mir den Aufwärter noch eine
+solche Kanne voll Wein einschenken und über den Tisch geben, die soff
+ich nun eben wie die vorige auf des Bräutigams (Toffel hieß er)
+Gesundheit hinein. Ei sapperment! wie reckten die Staatenstöchter,
+welche über der andern Tafel saßen, alle die Hälse nach mir in die Höhe,
+die Menscher verwunderten sich, der Tebel hol mer, auch schrecklich über
+mich, als sie sahen, daß ich so artig trinken kunnte.
+
+Kurz darauf kam mir so ein unverhoffter und geschwinder Schlaf an, daß
+ichs auch unmöglich lassen kunnte, ich mußte mich mit dem Kopf auf den
+Tisch legen und ein bißchen schlafen. Als solches die andern
+Standespersonen merken, daß ich voll bin, lassen sie mich ins Quartier
+schaffen, daß ich den Rausch ausschlafen möchte. Auf den morgenden Tag,
+wie ich wieder erwachte, wußte ich, der Tebel hol mer, nicht, was ich
+vorigen Abend getan hatte, so voll war ich gewesen. Wie es nun Zeit
+wieder zur Mittagsmahlzeit war, kam der Hochzeitsbitter und bat mich,
+daß ich doch fein bald ins Hochzeitshaus kommen möchte, denn sie
+warteten alle mit der Brautsuppe auf mich. Ich war her, machte mich
+gleich wieder zurechte und ließ durch den Hochzeitsbitter sagen, sie
+sollten nur noch ein halb Stündchen mit dem Essen verziehen, ich wollte
+gleich kommen. Es verzog sich aber nicht lange, so kam die Brautkutsche
+mit vier Pferden und holte mich aus des Bürgermeisters Hause ab. Sobald
+ich nun vor das Hochzeitshaus gefahren kam, stund Toffel der Bräutigam
+mit der Braut schon in der Türe, daß sie mich empfangen wollten. Sie
+machte die Kutsche auch auf, daß ich hinaussteigen sollte, welches ich
+auch tat, und sprung flugs mit gleichen Beinen heraus und über Toffeln,
+den Bräutigam, weg, daß es recht artig zu sehen war; damit führten sie
+mich hinein in die Stube. Sapperment! was machten die Standespersonen
+alle vor große Reverenzen vor mir! Ich mußte mich flugs wieder zur Braut
+hinsetzen, und neben mir zur Linken saß eine Staatenstochter, das war,
+der Tebel hol mer, auch ein artig Mädchen, denn sie hatten denselben Tag
+eine bunte Reihe gemacht. Da dachte ich, du mußt doch wieder Wunderdinge
+erzählen, daß sie Maul und Nasen brav aufsperren und dich wacker
+ansehen. War hierauf her und fing von meiner wunderlichen Geburt an und
+die Begebenheit von der Ratte zu erzählen. O sapperment! wie sahen mich
+die Leute über der Tafel alle an und absonderlich Toffel, der Bräutigam.
+Dieselbe Staatenstochter, welche neben mir saß, die kam mir, der Tebel
+hol mer, nicht ein Haar anders vor als meine ersoffene Charmante, sie
+lisperte mir wohl zehnmal über Tische ins Ohr und sagte, ich sollte doch
+das von der Ratte noch einmal erzählen, und wie es zugegangen, als sie
+das seidene Kleid zerfressen gehabt. Sie gab auch Heiratens bei mir vor
+und fragte, ob ich sie nehmen wollte: ihr Vater sollte ihr gleich
+zwanzigtausend Dukatens mitgeben ohne die Aussteuer, welche sie vor sich
+noch hätte und von ihrer Mutter geerbt. Ich antwortete ihr hierauf auch
+sehr artig und sagte, wie daß ich ein brav Kerl wäre, der sich schon was
+Rechts in der Welt versucht hätte und auch noch versuchen wollte. Könnte
+also mich nicht flugs resolvieren, sondern müßte mich ein wenig
+bedenken.
+
+Indem als ich mit der Staatenstochter so von Heiraten redete, fing Herr
+Toffel, der Bräutigam, an und sagte: warum ich denn den Herrn Grafen
+nicht mitgebracht hätte? Weil ich aber sehr artig anfing und sagte, wie
+daß er das alltägige Fieber hätte und nicht aufbleiben könnte, müßten
+sie ihm verzeihen, daß er vor dieses Mal keinen Hochzeitsgast mit
+abgeben könnte. Hierauf ging die Mittagsmahlzeit nun zu Ende und das
+Tanzen an. Ei sapperment! wie tanzten die Mädchens in Holland auch
+galant, sie setzten, der Tebel hol mer, die Beine so artig, daß es ein
+Geschicke hatte. Da mußte ich nun auch mit tanzen, und zwar mit der
+Staatenstochter, welche mir über der Tafel zur linken Hand gesessen und
+bei mir Freiens vorgegeben. Erstlich tanzten sie nun lauter gemeine
+Tänze, als Sarabanden, Chiquen, Ballette und dergleichen. Solch Zeug
+tanzte ich nun alles mit weg. Sapperment! wie sahen sie mir alle auf die
+Beine, weil ich sie so artig setzen kunnte. Nachdem wir nun so eine gute
+Weile herumgesprungen, so baten sie alle, ich sollte mich doch im Tanzen
+alleine sehen lassen. Nun kunnte ich ihnen leicht den Gefallen erweisen
+und eins alleine tanzen. Ich war her und gab den Spielleuten zwei
+Dukatens und sagte: Allons, ihr Herren, streicht eins einmal den
+Leipziger Gassenhauer auf. Sapperment! wie fingen die Kerls das Ding an
+zu streichen. Damit so fing ich nun mit lauter Kreuzkapriolen an und
+tat, der Tebel hol mer, Sprünge etliche Klafftern hoch in die Höhe, daß
+die Leute nicht anders dachten, es müßte sonst was aus mir springen. Ei
+sapperment! was kamen vor Leute von der Gasse ins Hochzeitshaus
+gelaufen, die mir da mit großer Verwunderung zusahen.
+
+Nachdem ich den Leipziger Gassenhauer nun auch weggetanzt hatte, mußte
+ich mit desselben Staatens Tochter, welche meine Liebste werden wollte,
+in der Stadt Amsterdam ein wenig spazieren herumgehen, daß ich mich nur
+ein wenig abkühlen könnte. Ich ließ mir solches auch gefallen und ging
+mit demselben Mensche ein wenig in der Stadt herum, weil ich selbige
+noch nicht groß besehen hatte. Da führte sie mich nun überall herum, wo
+es was zu sehen gab. Ich mußte mit ihr auch auf die Amsterdamsche Börse
+gehen, welche, der Tebel hol mer, proper gebaut ist. Sie wies mir auch
+auf derselben des gewesenen Schiffsadmirals Ruyter[37] seinen
+Leichenstein, welcher zum ewigen Gedächtnis da aufgehoben wird, weil
+derselbe Ruyter so ein vortrefflicher Held soll zu Wasser gewesen sein
+und noch alle Tage in Amsterdam sehr beklagt wird. Als die
+Staatenstochter mir nun dieses und jenes gezeigt, fing sie zu mir an und
+sagte, ich sollte sie doch immer nehmen, und wenn ich ja keine Lust, mit
+ihr in Amsterdam zu bleiben, hätte, so wollte sie ihr Lümpchen
+zusammenpacken und mit mir fortwandern, wo ich hin wollte, wenn gleich
+ihr Vater nichts davon wüßte. Worauf ich ihr zur Antwort gab, wie daß
+ich der bravste Kerl von der Welt wäre, und es könnte schon angehen,
+aber es ließe sichs so nicht flugs tun, ich wollte es zwar überlegen,
+wie es anzufangen wäre, und ihr ehster Tage Wind davon geben.
+
+[37] de Ruyter, holländischer Seeheld, gest. 1676.
+
+Nach diesem ging ich wieder auf den Tanzplatz und wollte sehen, wo meine
+zukünftige Liebste wäre, welche von mir auf der Gasse so geschwinde
+weglief. Ich sah mir bald die Augen aus dem Kopfe nach ihr um, ich
+kunnte sie aber nicht zu sehen bekommen. Endlich fing eine alte Frau an
+und sagte zu mir: »Ihr Gnaden, nach wem sehen Sie sich so um«? Wie ich
+nun der Frau zur Antwort gab, ob sie nicht das Mensche gesehen hätte,
+welche über Tische neben mir zur linken Hand gesessen. »Ja, Ihr Gnaden«,
+fing die alte Frau wieder an, »ich habe sie gesehen, allein ihr Herr
+Vater hat sie heißen nach Hause gehen und erschrecklich ausgefenstert,
+daß sie sich einer so großen Kühnheit unterfangen und hätte sich von
+einem so vornehmen Herrn lassen da in der Stadt herumschleppen, daß die
+Leute nun davon was würden zu reden wissen, und Ihr Gnaden würden sie
+doch nicht nehmen«. Als solches die alte Mutter mir zur Nachricht gesagt
+hatte, fragte ich weiter, ob sie denn nicht bald wiederkommen würde. Sie
+gab mir hierauf wieder zur Antwort, daß sie an ihrer Anherokunft sehr
+zweifelte, denn ihr Herr Vater (wie sie vernommen) hätte zu ihr gesagt:
+»Trotz! daß du dich vor dem vornehmen Herrn nicht wieder sehen läßt!«
+Sapperment! wie verdroß mich solch Ding, daß ich das Mensche nicht
+sollte zu sehen bekommen, und als sie auch nicht wiederkam, überreichte
+ich Herrn Toffeln, dem Bräutigam, wie auch der Braut Trauten mein
+Hochzeitsgeschenke und nahm von ihr wie auch von den andern
+Standespersonen und Damens überaus artig Abschied und ging immer nach
+des Bürgermeisters Hause zu.
+
+Ich war auch gleich willens, mich selben Tag gleich wieder zu Schiffe zu
+setzen, wenn mein Herr Bruder Graf mich nicht so sehr gebeten hätte, daß
+ich ihn doch bei seiner Unpäßlichkeit nicht verlassen möchte, sondern
+so lange verziehen, bis daß er sein Fieber wieder los wäre, hernach
+wollte er mit mir hinreisen, wohin ich wollte. Blieb also meinem Herrn
+Bruder Grafen zu Gefallen in Amsterdam noch zwei ganzer Jahre und
+brachte meine Zeit meistenteils zu in den Spielhäusern, allwo alle Tage
+vortreffliche Kompagnie immer war von vornehmen Damens und Kavalieren.
+Nachdem nun das elementische Fieber meinen Herrn Bruder Grafen völlig
+verlassen, ging ich mit ihm in die Bank, ließen uns frische Wechsel
+zahlen, setzten uns auf ein Schiff und waren willens, Indien, in welchem
+Lande der Große Mogol residiert, zu besehen.
+
+
+
+
+5. Kapitel.
+
+
+Die Hundstage traten gleich selben Tag im Kalender ein, als ich und mein
+Herr Bruder Graf von dem Bürgermeister zu Amsterdam Abschied nahmen und
+uns in ein groß Orlogschiff[38] setzten. Wir waren etwa drei Wochen auf
+der See nach Indien fortgeschifft, so kamen wir an einen Ort, wo so
+schrecklich viel Walfische im Wasser gingen, dieselben lockte ich mit
+einem Stückchen Brote ganz nah an unser Schiff. Der eine Bootsknecht
+hatte eine Angel bei sich, die mußte er mir geben, und versuchte es, ob
+ich einen kunnte ins Schiff häkeln. Es wäre auch, der Tebel hol mer,
+angegangen, wenn die Angel nicht wäre in Stücken gerissen, denn als der
+Walfisch anbiß und ich im besten Rucken war, so riß der Dreck entzwei,
+daß also der Angelhaken dem Walfische in dem Rachen steckenblieb, von
+welchem er unfehlbar wird gestorben sein. Wie solches die andern
+Walfische gewahr wurden und des Schattens nur von der Angelschnur
+ansichtig wurden, marschierten sie alle auch fort und ließ sich, der
+Tebel hol mer, nicht ein einziger wieder an unserm Schiffe blicken.
+
+[38] Kriegsschiff.
+
+Wir schifften von da weiter fort und bekamen nach etlichen Tagen das
+gelübberte Meer[39] zu sehen, allwo wir ganz nahe vorbeifahren mußten.
+Sapperment! was stunden dort vor Schiffe in dem gelübberten Meere, es
+war, der Tebel hol mer, nicht anders, als wenn man in einen großen
+dürren Wald sähe, da die Bäume verdorrt stünden, und war keine Seele auf
+den Schiffen zu sehen. Ich fragte den Schiffsmann, wie denn das zuginge,
+weil so viel Schiffe dastünden. Der gab mir zur Antwort, daß dieselben
+Schiffe bei großem Ungestüm der Wind dahin gejagt hätte, wenn die
+Schiffsleute nach Indien fahren wollten und den Weg verfehlt, daß also
+auf alle den Schiffen die Leute jämmerlich umkommen müßten. -- Wie wir
+nun an dem gelübberten Meere vorbei waren, kamen wir unter die
+Linie[40]. Ei sapperment! was war da vor Hitze! Die Sonne brannte uns
+alle miteinander bald kohlrabenschwarz. Mein Herr Bruder Graf, der war
+nun ein korpulenter, dicker Herr, der wurde unter der Linie von der
+grausamen Hitze krank, legte sich hin und starb, der Tebel hol mer, ehe
+wir uns solches versahen. Sapperment! wie ging mirs so nahe, daß der
+Kerl da sterben mußte, und war mein bester Reisegefährte. Allein was
+kunnte ich tun? Tot war er einmal, und wenn ich mich auch noch so sehr
+über ihn gegrämt, ich hätte ihn doch nicht wiederbekommen. Ich war aber
+her und bund ihn nach Schiffsgewohnheit sehr artig auf ein Brett,
+steckte ihm zwei Dukatens in seine schwarzsamtnen Hosen und schickte ihn
+damit auf dem Wasser fort; wo derselbe nun mag begraben liegen,
+dasselbe kann ich, der Tebel hol mer, keinem Menschen sagen.
+
+[39] das Lebermeer, in dem der Sage nach die Schiffe stecken bleiben.
+
+[40] den Äquator.
+
+Drei Wochen nach seinem Tode gelangten wir bei gutem Winde in Indien an,
+allwo wir an einer schönen Pfingstwiese ausstiegen, dem Schiffsmann das
+Fährgeld richtig machten und einer hernach hier hinaus, der andere dort
+hinaus seinen Weg zunahmen. Ich erkundigte mich nun gleich, wo der Große
+Mogol residierte. Erstlich fragte ich einen kleinen Jungen, welcher auf
+derselben Pfingstwiese, wo wir ausgestiegen waren, in einem grünen
+Käppchen dort herumlief und die jungen Gänschen hütete. Ich redete
+denselben recht artig an und sagte: Höre, Kleiner! kannst du mir keine
+Nachricht sagen, wo der Große Mogol in diesem Lande wohnt? Der Junge
+aber kunnte noch nicht einmal reden, sondern wies nur mit dem Finger und
+sagte: a a. Da wußte ich nun, der Tebel hol mer, viel, was a a heißen
+sollte. Ich ging auf der Wiese weiter fort, so kam mir ein
+Scherenschleifer entgegengefahren, denselben fragte ich nun auch, ob er
+mir keine Nachricht erteilen könnte, wo der Mogol wohnen müßte. Der
+Scherenschleifer gab mir hierauf gleich Bescheid und sagte, daß zwei
+Mogols in Indien residierten, einen hießen sie nur den Großen Mogol, den
+andern aber nur den Kleinen. Wie er nun hörte, daß ich zu dem Großen
+wollte, so sagte er mir gleich, daß ich etwa noch eine Stunde hin an
+seine Residenz hätte, und ich sollte nur auf der Pfingstwiese fortgehen,
+ich könnte nicht irren; wenn dieselbe zu Ende, würde ich an eine große
+Ringmauer kommen, da sollte ich nur hinter weggehen, dieselbe würde mich
+bis an das Schloßtor führen, worinnen der Große Mogol residierte, denn
+seine Residenz hieße Agra. Nachdem der Scherenschleifer mir nun diese
+Nachricht erteilt, ging ich auf der Pfingstwiese immer fort und gedachte
+unterwegens an den kleinen Jungen in dem grünen Käppchen, daß er a a
+sagte; ich hielt gänzlich dafür, der kleine Blutschelm, ob er gleich
+nicht viel reden kunnte, müßte mich doch auch verstanden haben und
+gewußt, wo der Große Mogol wohnte, weil er Agra noch nicht aussprechen
+kunnte, sondern nur a a lallte. Des Scherenschleifers seine Nachricht
+traf, der Tebel hol mer, auch auf ein Härchen ein, denn sobald als die
+Pfingstwiese ausging, kam ich an eine große Ringmauer, hinter welcher
+ich wegmarschierte, und sobald dieselbe zu Ende, kam ich an ein
+erschrecklich groß Torweg, vor welchem wohl über zweihundert Trabanten
+mit bloßen Schwertern stunden, die hatten alle grüne Pumphosen und ein
+Kollet[41] mit Schweinebratenärmeln an. Da roch ich nun gleich Lunte,
+daß darinnen der Große Mogol residieren würde.
+
+[41] Wams.
+
+Ich war her und fragte die Trabanten, ob ihre Herrschaft zu Hause wäre,
+worauf die Kerls alle zugleich ja schrien, und was mein Verlangen wäre.
+Da erzählte ich den Trabanten nun gleich, wie daß ich nämlich ein brav
+Kerl wäre, der sich was rechts in der Welt versucht hätte und auch noch
+versuchen wollte; sie sollten mich doch bei dem Großen Mogol anmelden,
+der und der wäre ich, und ich wollte ihm auf ein paar Worte zusprechen.
+Sapperment! wie liefen hierauf flugs ihrer zwölfe nach des Großen Mogols
+Zimmer zu und meldeten mich bei ihm an. Sie kamen aber bald
+wiedergelaufen und sagten, ich sollte hineinspazieren, es würde ihrer
+Herrschaft sehr angenehm sein, daß einer aus fremden Landen sie einiges
+Zuspruchs würdigte. Damit ging ich nun durch die Wache durch.
+
+Ich war kaum sechs Schritte gegangen, so schrie der Große Mogol zu
+seinem Gemach oben heraus, sie sollten das Gewehr vor mir präsentieren.
+Sapperment! als die Trabanten dieses hörten, wie sprungen die Kerls ins
+Gewehr und nahmen alle ihre Hüte unter den Arm und sahen mich mit
+höchster Verwunderung an. Denn ich kunnte nun recht artig durch die
+Wache durchpassieren, daß es, der Tebel hol mer, groß Aufsehens bei dem
+Großen Mogol erweckte. Wie ich nun an eine große marmorsteinerne Treppe
+kam, allwo ich hinaufgehen mußte, so kam mir, der Tebel hol mer, der
+Große Mogol wohl auf halbe Treppe herunter entgegen, empfing mich und
+führte mich bei dem Arme vollends hinauf. Sapperment! was präsentierte
+sich da vor ein schöner Saal, er flimmerte und flammerte, der Tebel hol
+mer, von lauter Golde und Edelgesteinen. Auf demselben Saal hieß er mich
+nun willkommen und freute sich meiner guten Gesundheit und sagte, daß er
+in langer Zeit nicht hätte das Glück gehabt, daß ein Deutscher ihm
+zugesprochen hätte, und fragte hernach nach meinem Stande und Herkommen,
+wer ich wäre. Ich erzählte ihm hierauf nun sehr artig flugs meine Geburt
+und die Begebenheit von der Ratte und wie daß ich einer von den bravsten
+Kerlen der Welt wäre, der so viel gesehen und ausgestanden schon hätte.
+Sapperment! wie horchte der Große Mogol, als er mich diese Dinge
+erzählen hörte. Er führte mich nach solcher Erzählung gleich in ein
+vortrefflich aufgeputztes Zimmer und sagte, daß dasselbe zu meinen
+Diensten stünde, und ich möchte so lange bei ihm bleiben, als ich
+wollte, es sollte ihm und seiner Gemahlin sehr angenehm sein. Er rief
+auch gleich Pagen und Lakeien, die mich bedienen sollten. Sapperment!
+wie die Kerls kamen, was machten sie vor närrische Reverenzen vor mir!
+Erstlich bückten sie sich mit dem Kopfe bis zur Erden vor mir, hernach
+kehrten sie mir den Rücken zu und scharrten mit allen beiden Beinen
+zugleich weit hinten aus. Der Große Mogol befahl ihnen, sie sollten mich
+ja recht bedienen, sonsten wo nur die geringste Klage kommen würde,
+sollten sowohl Lakeien als Pagen in die Küche geführt werden. Hierauf
+nahm er von mir Abschied und ging wieder nach seinem Zimmer zu. Als er
+nun weg war, Sapperment! wie bedienten mich die Burschen so brav, sie
+hießen mich nur zwar Junker, allein was sie mir nur an den Augen absehen
+kunnten, das taten sie. Wenn ich nur zuzeiten einmal ausspuckte, so
+liefen sie, der Tebel hol mer, alle zugleich, daß sie es austreten
+wollten, denn wer es am ersten austrat, was ich ausgespuckt hatte, so
+schätzte sichs derselbe allemal vor eine große Ehre.
+
+Der Große Mogol hatte mich kaum eine halbe Stunde verlassen, so kam er
+mit seiner Gemahlin, mit seinen Kavalieren und Damens in mein Zimmer
+wieder hineingetreten. Da hieß mich nun seine Gemahlin wie auch die
+Kavaliers und Damens alle willkommen, und sahen mich mit großer
+Verwunderung an. Ich mußte auf Bitten des Großen Mogols die Begebenheit
+von der Ratte noch einmal erzählen, denn seine Gemahlin wollte dieselbe
+Historie so gerne hören. Ei sapperment! wie hat das Mensche drüber
+gelacht! Die Kavaliers und Damens aber sahen mich alle mit großer
+Verwunderung an und sagte immer eines heimlich zu dem andern, ich müßte
+wohl was Rechts in Deutschland sein, weil ich von solchen Dingen
+erzählen könnte.
+
+Nun war es gleich Zeit zur Abendmahlzeit, daß der Große Mogol zur Tafel
+blasen ließ. Ei sapperment! was hörte man da vor ein Geschmittere und
+Geschmattere von den Trompeten und Heerpauken! Es stunden zweihundert
+Trompeter und neunundneunzig Heerpauker in seinem Schloßhofe auf einem
+großen breiten Steine, die mußten mir zu Ehren sich da hören lassen, die
+Kerls bliesen, der Tebel hol mer, unvergleichlich. Wie sie nun
+ausgeblasen hatten, so mußte ich die Große Mogoln bei der Hand nehmen
+und sie zur Tafel führen; es ließ, der Tebel hol mer, recht artig, wie
+ich so neben ihr herging. Sobald als wir nun in das Tafelgemach kommen,
+so nötigte mich der Große Mogol, daß ich mich setzen sollte und die
+Oberstelle an der Tafel einnehmen. Ich hätte solches auch ohne Bedenken
+getan, wenn ich nicht Lust gehabt, mich neben seiner Gemahlin zu setzen,
+denn es war so ein wunderschön Mensche. Also mußte sich erstlich der
+Große Mogol setzen, neben ihn setzte ich mich und neben mir zur linken
+Hand setzte sich nun seine Liebste; ich saß da recht artig mitteninne.
+Über Tische so wurde nun von allerhand diskuriert. Die Große Mogoln
+fragte mich, ob denn auch in Deutschland gut Bier gebraut würde und
+welch Bier man denn vor das beste da hielte. Ich antwortete ihr hierauf
+sehr artig wieder, wie daß nämlich in Deutschland überaus gut Bier
+gebraut würde, und absonderlich an dem Orte, wo ich zu Hause wäre, da
+brauten die Leute Bier, welches sie nur Klebebier nennten und zwar aus
+der Ursachen, weil es so malzreich wäre, daß es einem ganz zwischen den
+Fingern klebte, und schmeckte auch wie lauter Zucker so süß, daß, wer
+von demselben Biere nur ein Nößel[42] getrunken hätte, derselbe
+hernachmals flugs darnach predigen könnte. Sapperment! wie verwunderten
+sie sich alle, daß es solch gut Bier in Deutschland gäbe, welches solche
+Kraft in sich hätte.
+
+[42] kleines Hohlmaß.
+
+Indem wir nun so von diesem und jenem über der Tafel diskurierten und
+ich gleich willens war, die Historie von meinem Blaserohre zu erzählen,
+so kam des Großen Mogols seine Leibsängerin in das Tafelgemach
+hineingegangen, welche eine indianische Leier an der Seite hängen hatte.
+Sapperment! wie kunnte das Mensche schön singen und mit der Leier den
+Generalbaß so künstlich darzu spielen, daß ich, der Tebel hol mer, die
+Zeit meines Lebens nichts Schöners auf der Welt gehört habe. Kanns nicht
+sagen, was das Mensche vor eine schöne Stimme zu singen hatte. Sie
+kunnte, der Tebel hol mer, bis in das neunzehnte gestrichene C hinauf
+singen und schlug ein Trillo aus der Quinte bis in die Oktave in einem
+Atem auf zweihundert Takte weg und wurde ihr nicht einmal sauer. Sie
+sung vor der Tafel eine Arie von den roten Augen und den schwarzen
+Backen, daß es, der Tebel hol mer, überaus artig zu hören war. Nachdem
+nun die Abendmahlzeit zu Ende war, mußte ich wieder die Große Mogoln bei
+der Hand nehmen und mit ihr nach meinem Zimmer zugehen, allwo sie, wie
+auch der Große Mogol, Kavaliers und Damens von mir Abschied nahmen und
+eine gute Nacht wünschten, worauf ich mich sehr artig bedankte und
+sagte, daß sie alle miteinander fein wohl schlafen sollten und sich was
+Angenehmes träumen lassen.
+
+[Illustration]
+
+Hiermit verließen sie alle miteinander meine Stube und gingen auch, sich
+ins Bette zu legen. Da sie nun von mir weg waren, kamen vier Lakeien und
+drei Pagen in mein Gemach hinein, die fragten nun, ob sich der Junker
+wollte ausziehen lassen. Wie ich nun ihnen zur Antwort gab, daß ich
+freilich etwas schläfrig wäre und nicht lange mehr offen bleiben würde.
+Sapperment! wie waren die Kerls geschäftig; der eine lief und holte mir
+ein Paar ganz göldne Pantoffeln, der andere eine schöne mit Gold
+gestickte Schlafhaube, der dritte einen unvergleichlich schönen
+Schafpelz, der vierte schnallte mir die Schuhe auf, der fünfte zog mir
+die Strümpfe aus, der sechste brachte mir einen ganz göldnen Nachttopf
+und der siebente machte mir die Schlafkammer auf. O sapperment! was
+stund da vor ein schön Bette, in welches ich mich legen mußte, es war,
+der Tebel hol mer, auch so proper, daß ichs nicht genug beschreiben
+kann, und schlief sichs auch so weich darinnen, daß ich auch die ganze
+Nacht nicht einmal aufwachte.
+
+Des Morgens stund ich auf und ließ mich wieder ankleiden; wie ich nun
+fertig war, schickte der Große Mogol zu mir, ließ mir einen guten Morgen
+vermelden, und wenn mir was Angenehmes geträumt hätte, sollte es ihm
+lieb zu hören sein, auch dabei sagen, ob ich mich nicht ein wenig in
+sein geheimes Kabinett bemühen wollte. Er wollte mich um etwas
+konsultieren. Ich war hierauf geschwinde mit einer Antwort wieder fertig
+und ließ ihm sehr artig wiedersagen, wie daß ich nämlich sehr wohl
+geschlafen, aber was das Träumen anbelangt, so hätte ich keinen guten
+Traum gehabt, und daß ich sollte zu ihm kommen in sein Kabinett,
+dasselbe sollte gleich geschehen. Solches ließ ich ihm durch seinen
+Kammerpagen nun wiedersagen und ging hernach gleich zu ihm und hörte,
+was sein Anbringen war.
+
+Da ich nun zu ihm hinkam und meine Komplimente sehr artig bei ihm
+abgelegt, so schloß er einen großen Bücherschrank auf und langte ein
+groß Buch heraus, welches in Schweinsleder eingebunden war; dasselbe
+zeigte er mir und sagte, daß er in dasselbe täglich sein Einkommen
+schriebe, und wenn das Jahr um wäre und er die Summa zusammenrechnete,
+wollte es keinmal eintreffen und fehlte allemal der dritte Teil seiner
+Einkünfte, und fragte hierauf, ob ich rechnen könnte. Worauf ich ihm
+denn wieder zur Antwort gab, wie daß ich ein brav Kerl wäre und Adam
+Riesen sein Rechenbuch sehr wohl kennte; er sollte mir das große Buch
+geben, ich wollte schon sehen, wie die Summa herauszubringen wäre.
+Hierauf so gab er mir das Buch, worinnen seine Einkünfte stunden, und
+ließ mich allein. Wie ich nun das Buch so durchblätterte, Ei sapperment!
+was stunden da vor Lehnen[43] und Zinsen. Ich war her, setzte mich hin,
+nahm Feder und Tinte und fing an eins, zehne, hundert, tausend zu
+zählen, und wie ich nun sah, daß der Große Mogol in dem Einmaleins
+gefehlt hatte und solches nicht richtig im Kopfe gehabt, so hatte es
+freilich nicht anders sein können, daß die Summa um den dritten Teil
+weniger bei ihm herausgekommen war, als er täglich aufgeschrieben. Denn
+anstatt, da er hätte zählen sollen: zehn mal hundert ist tausend, so
+hatte er gezählt: zehn mal tausend ist hundert, und wo er hätte
+subtrahieren sollen, als zum Exempel: eins von hundert bleibt
+neunundneunzig, so hatte er aber subtrahiert: eins von hundert kann ich
+nicht, eins von zehn bleibt neune, und neune von neun geht auf. Das geht
+ja, der Tebel hol mer, unmöglich an, daß es eintreffen kann. Als ich
+nun solche Fehler sah, merkte ich nun gleich, wo der Hund begraben lag.
+Ich war her und setzte mich drüber, und rechnete kaum zwei Stunden, so
+hatte ich alles miteinander in die richtige Summa gebracht und behielt
+noch halb so viel übrig über die ganze Masse, als er einzunehmen und von
+Tage zu Tage aufgeschrieben hatte. Als ich nun den Kalkulum[44] von Adam
+Riesens Rechenbuche sehr artig und richtig gezogen, rief ich ihn wieder
+zu mir und wies ihm nun, wie und wo er in dem Einmaleins gefehlt hätte
+und wie ich alles so artig und richtig herausgebracht hätte und noch
+halb so viel Überschuß behalten. Ei sapperment! als ich ihm von dem
+Überschusse schwatzte, sprung er vor Freuden hoch in die Höhe, klopfte
+mich auf meine Achseln und sagte, wenn ich gesonnen wäre, bei ihm zu
+bleiben, er wollte mich zu seinem geheimen Reichskanzler machen. Ich
+antwortete ihm hierauf wieder und sagte, wie daß freilich was Rechts
+hinter mir steckte und daß ich der bravste Kerl mit von der Welt wäre,
+und weil ich mein Herze nur daran gehängt hätte, fremde Länder und
+Städte zu besehen, so wollte ich mich vor das gute Anerbieten hiermit
+bedankt haben.
+
+[43] Darlehn.
+
+[44] die Schlußrechnung, das Resultat.
+
+Weil er nun sah, daß ich zu solcher Charge keine Lust hatte, so erwies
+er mir die vierzehn Tage über, als ich bei ihm war, auch solche Ehre,
+daß ichs, der Tebel hol mer, mein Lebtag nicht vergessen werde. Denn es
+ist ein erschrecklich reicher Herr, der Große Mogol, er wird nur als
+Kaiser dort tituliert und hat so viel Schätze, als Tage im Jahre sein;
+die habe ich auch alle miteinander gesehen. Denn er zeigte mir alle Tage
+einen. Vortreffliche schöne Bücher hat er auch und ist ein sonderlicher
+Liebhaber von denselben; ich mußte ihm auch mit Hand und Munde zusagen,
+daß ich ihm eins aus Deutschland in seinen Bücherschrank schicken wollte
+vor Geld und gute Worte. Als er nun sah, daß ich mich wieder reisefertig
+machte, so verehrte er mir sein Bildnis mit der Kette und seine Gemahlin
+schenkte mir tausend Spezies-Dukaten eines Schlags[45], worauf des
+Großen Mogols Bildnis geprägt war. Damit hängte ich die Kette mit des
+Großen Mogols Bildnis an mich, welches von dem schönsten indianischen
+Golde war, und nahm von ihm sehr artig, wie auch von seiner Gemahlin,
+Kavalieren und Damens wieder Abschied, und ging von da zu Schiffe nach
+England zu.
+
+[45] einer Prägung.
+
+
+
+
+6. Kapitel.
+
+
+Als ich nun von dem Großen Mogol Abschied genommen und er mir mit seinem
+ganzen Hofstaat bis zu Ende seiner Ringmauer zu Fuße das Geleite gegeben
+hatte, marschierte ich auf derselben Pfingstwiese immer nach demselben
+Wasser wieder zu, wo ich vor vierzehn Tagen abgestiegen war, und setzte
+mich da wieder auf ein groß Lastschiff, welches nach England zu segeln
+wollte, und fuhr mit demselben fort. Auf dem Schiffe erzählte ich nun
+dem Schiffsmann sehr artig auch, wie daß mich der Große Mogol so
+vortrefflich traktiert hatte und bei meinem Abschiede sein Bildnis mit
+der Kette mir auch verehret. Da meinte ich nun, der Schiffer würde etwa
+die Augen groß drüber aufsperren und sich über mich verwundern, daß ich
+so ein brav Kerl wäre, allein, der Tebel hol mer, nicht das Geringste:
+der Kerl nahm den Hut nicht einmal vor mir ab, sondern fing gar zu mir
+an und sagte: Manche Leute hätten mehr Glück als Recht. O sapperment!
+wie verdroß mich das Ding, daß der Bärenhäuter mir von solchen Sachen
+schwatzte und fehlte dazumal nicht viel, daß ich ihm nicht ein halb
+Dutzend Preschen gegeben hätte. Doch dachte ich endlich, es ist ein
+einfältiger Mensch, was kannst du mit ihm machen, er kennt dich nicht,
+was Standes du bist, und ließ es also dabei bewenden.
+
+Wie wir nun drei Tage und fünf Nächte von der indianischen Pfingstwiese
+fortgesegelt waren, so kamen wir mit unserm Schiffe auf das große
+Mittelländische Meer. Ei sapperment! was gab es da vor allerhand
+Meerwunder zu sehen, die schwammen wohl zu etlichen tausenden immer um
+unser Schiff herum. Meine einzige Freude hatte ich damals mit einem
+kleinen Seehündchen; das lockte ich mit einem Stückchen Brote ganz nah
+an unser Schiff heran, daß es auch endlich so freundlich tat und mit mir
+spielen wollte. Ich war her, weil es so artig aussah, und wollte es aus
+dem Meere ins Schiff haschen, als ich aber nach dem Ase griff, so biß
+mich die Wetterkröte, der Tebel hol mer, durch alle fünf Finger durch
+und durch und tauchte drauf unter. O sapperment! wie lief das Blut
+zwischen den Fingern herunter und bluteten wohl acht Tage, ehe sie
+wieder aufhörten; sie taten mir überaus weh nach dem Bisse. Endlich so
+brachte mir der Schiffer ein Gläschen mit Bomolie[46] getragen und hieß
+mich die Finger damit schmieren und sagte, daß die Bomolie so trefflich
+gut dafür wäre, wenn einen was gebissen hätte. Ich war her und schmierte
+mir die Finger damit, es vergingen kaum zwei Stunden, so war, der Tebel
+hol mer, alles wieder geheilt. -- Nachdem wir nun bald durch das
+Mittelländische Meer durch waren, so ließen sich erschrecklich viel
+Sirenen von ferne im Meer blicken; dieselben Menscher singen, der Tebel
+hol mer, admirabel schön. Da selbige der Schiffsmann gewahr wurde, hieß
+er uns die Ohren alle miteinander feste zustopfen, denn wenn sie näher
+kämen, so würden sie uns mit ihrem wunderschönen Singen so bezaubern,
+daß wir nicht würden von der Stelle fahren können. Ei sapperment! als
+ich dieses hörte, wie stopfte ich mir die Ohren feste zu und hieß den
+Schiffsmann geschwinde fortfahren. -- Drei Tage hierauf kamen wir in die
+Ostsee, da schifften wir auch wohl etliche Wochen, ehe wir durch
+wegkamen. Was es in derselben See vor Hechte gab, das kann ich, der
+Tebel hol mer, keinem sagen; die Bootsknechte hatten einen Hamen[47] mit
+auf dem Schiffe: Sapperment! was fingen die Kerls da vor Zeugs von
+Hechten! Sie hatten, der Tebel hol mer, Zungen wie die großen Kälber,
+und klebte wohl an einer Hechtzunge über sechs Kannen Fett.
+
+[46] Baumöl.
+
+[47] Angelhaken.
+
+Etliche Monate hierauf, nachdem wir durch unterschiedene Flüsse
+durchpassiert waren, gelangten wir glücklich in England an, allwo ich
+vor London ausstieg, dem Schiffer das Fährgeld richtig machte und in die
+Stadt London hineinging und mein Quartier bei dem Alamode-Töpfer nahm,
+welcher flugs an dem Tore wohnte. Der Kerl war nun gegen mich sehr
+höflich, er empfing mich, fragte, was mein Verlangen wäre, wo ich
+herkäme und wer ich wäre. Ich erzählte ihm flugs sehr artig auch meine
+Geburt und von der Ratte, und wie daß ich so ein brav Kerl wäre und
+wollte das Quartier bei ihm nehmen, auch wie ich gesonnen wäre, mich
+incognito etliche Wochen bei ihm aufzuhalten. Der Kerl, der
+Alamode-Töpfer, war hierauf sehr wohl zu sprechen und sah mir auch flugs
+an den Augen an, daß ich was rechts sein müßte, aber der Lumpenhund war
+etwas sehr undiskret[48], denn wenn er mit mir redete, so nahm er nicht
+allemal seinen Hut vor mir ab, welches mich denn abscheulich auf ihn
+verdroß, daß er mir meinen gebührenden Respekt nicht gab. -- Wie ich nun
+vermeinte, ich wollte nur in London als ein schlechter[49] Kavalier mich
+aufführen und vor keine Standesperson nicht ausgeben, so kam, der Tebel
+hol mer, Herr Toffel, der vornehme Lord in London, mit Trauten, seiner
+Liebsten, bei welchen ich zu Amsterdam auf der Hochzeit gewesen, zum
+Alamode-Töpfer in die Stube hineingetreten und hießen mich da
+willkommen. Sapperment! wie verwunderte ich mich, daß sie mich flugs
+ausgestankert[50] hatten. Sie erzählten mir hernach alles, wie daß sie
+mich hätten sehen am Ufer aussteigen und wie ich so artig zum
+Alamode-Töpfer ins Haus hineingewischt wäre, denn Toffel, der vornehme
+Lord, hatte seinen Palast allernächst in derselben Gasse. Er bat mich
+auch hernach, daß ich bei ihm das Quartier nehmen sollte, allein weil
+ich mich bei dem Alamode-Töpfer schon einlogiert hatte und der Mann auch
+mich nicht von sich lassen wollte, so mochte ich nicht gerne das
+Quartier verändern, denn es hätte nur Aufsehens vor den Leuten erweckt,
+wenn ich meine Sachen so hin und wieder schleppen lassen.
+
+[48] unerzogen.
+
+[49] schlichter.
+
+[50] ausfindig gemacht.
+
+Ich wurde gleich selben Abend von Herrn Toffeln, dem vornehmen Lord, zu
+Gaste gebeten, allwo viel andere Standespersonen und vornehme
+Lordstöchter auch waren, die sich alle miteinander in mich verliebten
+und Heiratens bei mir vorgaben, denn ich zeigte ihnen des Großen Mogols
+Bildnis mit der Kette und erzählte ihnen, wie daß er mich damit
+beschenkt und vortrefflich gastiert hätte, weil ich ihm den Kalkulum
+seiner Einkünfte sehr artig und richtig ziehen können, daß er nämlich
+über sein ganzes Einkommen das Jahr lang noch halb soviel Überschuß
+gehabt, als er eingenommen hatte. Ich sagte auch, daß er mich hätte zu
+seinem Geheimen Reichskanzler machen wollen, allein weil ich mich noch
+nicht Lust zu setzen gehabt, hätte ich mich wegen des guten Anerbietens
+bedankt. Sapperment! wie sahen mich die Menscher, die vornehmen
+Lordstöchter, über Tische nacheinander an; sie fingen alle miteinander
+an, meine Gesundheit zu trinken. Eine sagte: »Es lebe des reichen Mogols
+in Indien sein Herr Reichskanzler«. Die andere sagte: »Es lebe der
+fremde vornehme Herr, welcher mit des Großen Mogols Bildnis ist
+beschenkt worden«. Die dritte sagte: »Es lebe eine hohe Standesperson in
+Gedanken, dem was Rechts aus den Augen heraussieht«. Ich merkte nun
+wohl, daß dieses alles mir galt; so machte ich allemal gegen das
+Frauenzimmer, welches meine Gesundheit trank, eine sehr artige Miene,
+daß es mir, der Tebel hol mer, sehr wohl ließ. Wie die Historie von dem
+Großen Mogol nun aus war, so fing ich von meiner wunderlichen Geburt und
+von der Ratte was an zu schwatzen. Ei sapperment! wie sperrten die
+vornehmen Lords alle Maul und Nasen auf, als sie diese Dinge hörten. --
+Den morgenden Tag stellte Herrn Toffeln seine Liebste meinetwegen die
+Tour a la mode an, allwo wohl über zweihundert Kutschen mir zu Gefallen
+von Standespersonen und den vornehmsten Lordstöchtern aus London
+mitfuhren. Ich mußte mich zu ihrer zweien, welches Herrn Toffel seine
+Jungfer Muhmen waren, in die Karosse setzen. Sie hatten mich nun
+mitteninne sitzen, welches sehr artig zu sehen war, denn mein Bildnis
+hatte ich aus der Kutsche gehängt, da liefen wohl über hundert Jungen
+neben der Kutsche her und sahen des Großen Mogols sein Konterfei mit
+großer Verwunderung an, worüber ich recht meine Freude auch hatte, daß
+so viel kleine Jungen neben der Karosse herliefen.
+
+Als wir nun etwa zwei Meilen von London an den Ort kamen, wo die Tour a
+la mode gehalten wurde: Ei sapperment! wie wurde ich da vortrefflich
+traktiert! sie erwiesen mir auch solche Ehre an demselben Orte, daß
+ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen kann. Den morgenden Tag drauf kamen
+Herrn Toffeln seine Jungfer Muhmen auf ihrer Kutsche vor des
+Alamode-Töpfers Haus gefahren, allwo ich im Quartier lag, und baten
+mich, ob ich belieben wollte, ein wenig mit ihnen zu fahren; sie wollten
+mir etwas von einigen Antiquitäten der Stadt London zeigen, welche ich
+wohl vielleicht noch nicht gesehen hätte. Damit setzte ich mich ohne
+Bedenken zu ihnen in die Karosse hinein und wieder in die Mitten,
+welches recht artig zu sehen war. Wie ich nun so eine Ecke mit Herrn
+Toffeln seiner Jungfer Muhmen in London herumgefahren war, so fuhren wir
+an einen Ort, allda zeigten sie mir den Stein, auf welchem der Patriarch
+Jakob sollte gesessen haben, wie er im Traum die Himmelsleiter gesehen
+hätte. Von da fuhren wir wieder fort und kamen an einen Ort, allwo ein
+groß Beil hing, mit demselben wäre gar einer vornehmen Person der Kopf
+abgeschlagen worden[51]. Sie nannten mir auch, wie die Person geheißen
+hätte, allein ich kann mich, der Tebel hol mer, nicht mehr drauf
+besinnen. Wie sie mir nun dieses und jenes alles gezeigt, fuhren wir
+wieder zu Herrn Toffeln, bei welchem ich wieder mitspeiste. Ich muß
+gestehen, daß mir in London, der Tebel hol mer, große Ehre die drei Jahr
+über, als ich da gewesen bin, widerfahren ist, und absonderlich von dem
+vornehmen Lord Herrn Toffeln und seiner Jungfer Muhmen.
+
+[51] Anspielung auf die Hinrichtung des Kronprätendenten Monmouth
+i. J. 1749.
+
+Als ich nun von denselben Abschied nahm und mich auf die Spanische See
+begab, haben, der Tebel hol mer, dieselben Menscher die bittersten
+Zähren gegranst, daß ich von ihnen reiste, sie baten mich wohl
+hundertmal, daß ich bei ihnen bleiben möchte, ich sollte nicht einen
+Heller verzehren. Ja wenn ichs dasselbe Mal getan hätte, so wäre ich
+wohl ein brav Kerl geblieben, allein so dachte ich, durch mein Reisen
+immer höher und höher zu steigen; es hätte auch leichtlich geschehen
+können, wenn ich nicht so unglücklich auf der Spanischen See gewesen
+wäre. Wie mirs nun da gegangen, wird man im folgenden Kapitel bald
+hören.
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+7. Kapitel.
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+Wo mir recht ist, war es der erste oder der letzte April, als ich von
+Herrn Toffeln, dem vornehmen Lord in London, ingleichen von seiner Frau
+Trauten, wie auch von seiner Jungfer Muhmen und meinem gewesenen Wirte,
+dem Alamode-Töpfer, völligen Abschied nahm und mich in ein groß
+Lastschiff, welches schwer mit geräucherten Hechtzungen beladen war und
+selben Tag aus Portugal kam, setzte. Auf demselben war ich nun willens,
+nach dem Lande Spanien zu gehen und allda die schönen spanischen
+Weintrauben zu kosten. Wir segelten bei gutem Wetter von London sehr
+glücklich ab, der Wind war uns auf der spanischen Seite sehr favorabel
+und der Himmel hatte sich auch also abgeklärt, daß man, der Tebel hol
+mer, nicht ein schwarz Fleckchen an den Wolken gesehen hatte. Wie der
+Schiffsmann nun sah, daß uns der Wind so wohl wollte, hieß er uns alle
+miteinander, soviel unser zu Schiffe waren, ein lustiges Lied anstimmen
+und sang auch selber mit.
+
+Indem wir nun so in der besten Freude waren, sah ich von ferne ein
+Schiff auf uns zugefahren kommen, welches ich dem Schiffsmanne zeigte
+und ihn fragte, was es vor eins wohl sein müßte. Als der Schiffsmann
+solches gewahr wurde, fing er gleich an, daß es fremde Flaggen führte
+und ihm vorkäme, als wenn es gar ein Raub- oder Kaperschiff wäre.
+Sapperment! da dieses meine Kameraden hörten, wie erschraken die Kerls!
+Ich aber war her, lief flugs hinunter ins Schiff und sah, ob auch die
+Stücken[52] alle parat waren. Sobald ich nun in dieselben vorne
+hineinblies und wollte hören, ob sie auch alle geladen stünden, so war,
+der Tebel hol mer, nicht ein einziges zurechte gemacht. Was war da zu
+tun? Ich fing zu meinen Kameraden gleich an: »Allons, Ihr Herrn, es ist
+Feind da! Lasset uns unsere Degen fertig halten«. O sapperment! wie
+stunden die Kerls da und zitterten und bebten, so erschraken sie, als
+ich ihnen von Degen und Fechten schwatzte. -- Es währte hierauf nicht
+lange, so kam, der Tebel hol mer, das Kaperschiff wie ein Blitz auf uns
+zugefahren, auf welchem der bekannte Seeräuber Hans Barth[53] mit
+erschrecklich viel Kapers[54] waren, derselbe fragte nun gleich, ob wir
+uns wollten gefangen geben. Ich antwortete demselben aber flugs sehr
+artig wieder und sagte hierauf: »Ich gebe mich, der Tebel hol mer,
+nicht«. Ei sapperment! wie zog der Kerl mit seinen Kapers vom Leder! Ich
+war nun mit meinem vortrefflichen Haudegen, welches ein Rückenstreicher
+war, auch nicht langsam heraus und über die Kapers her. Da hätte man
+sollen schön Hauen und Fechten sehen, wie ich auf die Kerls hineinhieb;
+dem Hans Barth säbelte ich, der Tebel hol mer, ein Stücke von seiner
+großen Nase weg, daß es weit in die See hineinflog, und wird die Stunde
+noch bei ihm zu sehen sein, daß er eine stumpfige Nase hat. Von den
+andern Kapers da hieb und stach ich wohl ihrer fünfzehn über den
+Haufen, ohne die andern, welche ich tödlich zuschanden gehauen hatte.
+Alleine was wars? wenn nicht der Kerls so schrecklich viel gewesen wären
+gegen einen Mann! Ja wenn nur meine damaligen Kameraden mir ein wenig
+beigestanden, wir hätten die Viktorie unfehlbar erhalten wollen. So aber
+stunden die Bärenhäuter da, hatten die Fäuste alle in den Schubsack
+gesteckt und ließen, der Tebel hol mer, immer wie auf Kraut und Rüben in
+sich hineinhauen und regten sich nicht einmal. Ich war, der Tebel hol
+mer, auch so toll auf die Kerls, daß gar keiner von den Schurken mit
+Hand anlegen wollte, und daß man hat sein Lebtage gehört: Viel Hunde
+sind eines Hasen Tod. Denn Hans Barth hatte so einen erschrecklich
+großen Anhang bei sich. Ja wenn ihrer etwa zwanzig oder dreißig nur
+gewesen wären, so hätte ich bald wollen mit ihnen zurechte kommen,
+allein so warens wohl an hundert solche Kerls, die alle über mich her
+waren. Dennoch aber mußten sie selbst gestehen, daß mir was Rechts aus
+den Augen herausgesehen hätte, als ich mich so resolut gegen sie
+gehalten und weder Hieb noch Stich davongetragen.
+
+[52] Kanonen.
+
+[53] französischer Seeheld.
+
+[54] Seeräubern.
+
+Wie ich nun letztlich mit Fechten müde war und sah, daß keine
+Möglichkeit vorhanden, die Viktorie zu erhalten, mußte ich, der Tebel
+hol mer, anfangen, um Pardon zu bitten. Da hätte man nun schön plündern
+gesehen, als die Kerls in unser Schiff kamen. Sie nahmen uns, der Tebel
+hol mer, alles, was wir hatten. Ich fing denselben an, von meiner Geburt
+und die Begebenheit von der Ratte zu erzählen, sie wolltens aber, der
+Tebel hol mer, nicht einmal glauben, sondern zogen uns alle miteinander
+bis aufs Hemde aus, nahmen alles, was wir hatten, und führten uns noch
+dazu mit sich gefangen bis nach Sankt Malo, allwo sie uns einen jedweden
+apart in ein häßlich Gefängnis steckten. O sapperment! wie gedachte ich
+da an meinen vorigen Stand, wer ich gewesen und wer ich nun in dem
+häßlichen Loche da wäre. Des Großen Mogols sein Bildnis mit der Kette
+war fort, die tausend Speziesdukaten, welche mir seine Liebste verehrt
+hatte, waren fort, mein ander gut Geld benebst den Dukatens, so ich mir
+zu Amsterdam in Banco zahlen ließ, war fort, mein schön
+verschammeriertes Kleid, worinnen die Standesperson von Schelmuffsky
+sich fast in der ganzen Welt sehr artig aufgeführt hatte, war fort.
+Meine wunderliche Geburt, die lag da im Drecke, niemand wollte mirs
+glauben, daß die Historie mit der Ratte passiert wäre, und mußte also
+wie der elendeste Bärenhäuter von der Welt in einem häßlichen Gefängnis
+da unschuldig ein ganz halb Jahr gefangen liegen. Ei sapperment! wie
+gings mir da elende! Ich gedachte da vielmals an meinen vorigen Stand
+und an Herrn Toffeln, des Lords in London, seine Jungfer Muhmen, daß die
+Menscher so um mich gransten, wie ich nicht bei ihnen bleiben wollte. Ja
+wer kann alle Dinge wissen, und ich hätte mir, der Tebel hol mer, eher
+was anders versehen, als daß mirs so gehen sollte.
+
+[Illustration]
+
+Der Kerkermeister zu St. Malo traktierte mich auch sehr schlecht in dem
+Gefängnisse, denn er schickte mir niemals nichts anderes als einen
+großen Topf voll Kleienbrei durch seine Tochter, welche Clauditte hieß;
+damit mußte ich mich allemal drei Tage behelfen, ehe ich wieder was
+kriegte. Manchmal hatten sie mich auch wohl gar vergessen und brachten
+mir den sechsten Tag allererst wieder was, daß ich, der Tebel hol mer,
+vielmal drei Tage habe hungern müssen. -- Kurz zuvor, ehe mir der
+Kerkermeister gegen Auslösung von hundert Reichstalern die Freiheit
+ankündigte, so kam ein Gespenst zu mir vors Gefängnis: Sapperment! als
+ich das Irreding sah, wie fing ich an zu schreien! Das Gespenst redete
+mich aber sehr artig an und sagte mit diesen Worten: »Anmutiger
+Jüngling, du wirst zu deiner Freiheit bald wieder gelangen, gedulde dich
+nur noch ein klein bischen«. Als ich diese Worte hörte, wußte ich, der
+Tebel hol mer, nicht, ob ich Mädchen oder Bübchen war, teils erschrak
+ich darüber, teils freute ich mich auch drüber, weil es von dem
+anmutigen Jünglinge und von der Freiheit schwatzte. Ich war her, faßte
+mir ein Herz und fragte das Gespenst, wer es wäre. So gab es mir sehr
+artig wieder zur Antwort und sagte, es wäre der Charmante als meiner
+gewesenen Liebsten ihr Geist, welche dort bei Bornholm zu Schiffe mit
+sechstausend ersaufen müssen. Wie ich nun dieses hörte, daß alles auf
+ein Härchen so eintraf, erschrak ich ganz nicht mehr vor dem Gespenst,
+sondern wollte es weiter fragen, wo denn die Charmante damals, als sie
+ersoffen, hingekommen wäre und wo sie begraben läge. Allein indem ich so
+fragte, war das Gespenst, der Tebel hol mer, flugs wieder verschwunden.
+-- Hierauf währte es keine halbe Stunde, so kam der Kerkermeister zu
+mir vors Gefängnis und sagte, wenn ich hundert Reichstaler schaffen
+könnte, so hätte er Befehl, mich wieder los zu geben. Ich gab ihm zur
+Antwort, wie daß ich nämlich ein brav Kerl gewesen, der sonst so viel
+Geld nicht ästimiert hätte, aber jetzund sähe er wohl, daß ich der
+miserabelste Bärenhäuter wäre. Der Kerkermeister fragte mich weiter, aus
+was vor einem Lande und woher ich wäre und ob ich da etwa noch Rat zu
+schaffen wüßte. So könnte ich eiligst hinschreiben und meinen Zustand
+den Meinigen zu wissen tun. Wie ich nun erzählte, daß ich eine Mutter
+hätte und ihr einziger lieber Sohn wäre, und daß dieselbe ein sehr gut
+Auskommen hätte, und daß sie sich so viel Geld würde nicht lassen an das
+Herz wachsen, wenn sie hören würde, daß es ihrem liebsten Sohn so elend
+in fremden Landen ginge: als der Kerkermeister dieses hörte, fing er zu
+mir an, wenn ich meiner Mutter um so viel Geld schreiben wollte, sollte
+ich aus dem Gefängnis losgelassen werden und so lange bei ihm in seinem
+Hause Arrest halten, bis daß das Schiff mit dem Gelde ankäme. Sobald als
+ich in sein Begehren gewilligt hatte, fing er an und sagte: »Eröffnet
+euch, ihr Bande und Ketten, und lasset den Gefangenen passieren«.
+Hernach nahm er mich in sein Haus, bis das Schiff mit den hundert Talern
+anmarschiert kam. Nachdem er das Lösegeld empfangen hatte, so verehrte
+er mir ein Paar alte Schifferhosen, eine alte Schiffermütze, ein Paar
+alte zerluderte Strümpfe wie auch Schuh und einen alten Kaperrock auf
+den Weg und ließ mich damit wieder hinwandern.
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+8. Kapitel.
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+Nun wußte ich, der Tebel hol mer, dazumal nicht, wo ich von da
+zumarschieren sollte; keinen blutigen Heller im Leben hatte ich, wie der
+elendeste Bettelbube ging ich, vor nichts Rechts sah mich kein Mensche
+mehr an, und wußte also meines Lebens keinen Rat, wie ich von St. Malo
+wieder fortkommen wollte. Endlich so ging ich hin, wo die Schiffe
+abfuhren, da erzählte ich dem einen Schiffer mein Unglück und wie mirs
+gegangen wäre und bat ihn, wenn er abführe, er möchte mich doch
+mitnehmen, ich wollte ihm gerne auf dem Schiffe mit an die Hand gehen.
+Der Schiffsmann ließ sichs gefallen, denn es war ein engländischer
+Schiffer und hatte in Frankreich schöne Waren geholt, der erbarmte sich
+endlich über mich und nahm mich mit. Da mußte ich nun, wenn Sturm kam
+und die Wellen davon ins Schiff schlugen, immer auf dem Schiffe plumpen,
+damit die kostbaren Sachen nicht etwa naß würden, so kriegte ich bei ihm
+zu essen und zu trinken. Als wir nun wieder bei London vorbeifuhren,
+sagte ich zum Schiffer, daß mir das Plumpen so sauer würde, und ich
+könnte es unmöglich länger ausstehen, bäte ihn, er möchte mich da lassen
+aussteigen, ich wollte meinen Weg nach der Stadt zu nehmen. Der Schiffer
+war mir hierinnen auch nicht zuwider, sondern fuhr mit seinem Schiffe
+ans Ufer, ließ mich meiner Wege gehen und schiffte von da weiter fort.
+Ich war her und setzte mich da bei dem Wasser nieder, zog meine Schuh
+aus, band sie aneinander, hängte sie an den Arm und marschierte in
+meinen zerzottelten Strümpfen halb barfuß immer nach dem Tore der Stadt
+London zu. Wie ich nun an dasselbe kam, so stund ich stille und besann
+mich eine gute Weile, wo ich mein Quartier da aufschlagen wollte, weil
+ich keinen Heller Geld hatte. Endlich resolvierte ich mich und nahm
+meinen Abtritt flugs haußen in der Vorstadt auf der Bettelherberge,
+allwo ich noch Bettler antraf, denen ich vor einem halben Jahre mit
+einigen Almosen sehr viel Gutes erzeigt hatte, auch etliche zu mir
+sagten, mein Gesichte wäre ihnen bekannt, und sie sollten mich sonstwo
+gesehen haben; allein sie konnten sich nicht mehr drauf besinnen. Ein
+kleiner Betteljunge fing unter anderm an und sagte, daß ich bald aussähe
+wie der vornehme Herr, der vor einem halben Jahre in London mit den
+vornehmsten Damens wäre immer in der Kutsche gefahren und hätte ein
+Goldstück mit einer Kette allezeit aus der Kutsche herausgehängt, bei
+welcher so viel Schock Jungen stets nebenhergelaufen und das Goldstück
+so angesehen. Ich ließ mir aber nichts merken, daß ichs war, und wenn
+ichs ihnen auch gleich gesagt, sie hätten mirs, der Tebel hol mer, nicht
+einmal geglaubt.
+
+Den andern Tag war ich her, weil ich kein Geld hatte, und ging in die
+Stadt London hinein; da sprach ich die Leute, welche mich zuvor als eine
+Standesperson noch nicht gesehen, um einen Zehrpfennig an, denn an die
+Örter, wo ich vormals war öfters zu Gaste gewesen, kam ich, der Tebel
+hol mer, nicht, denn sie hätten mich leicht kennen mögen, und wenn ich
+vor Herrn Toffeln seinem Hause vorbeiging, so zog ich allemal die Mütze
+in die Augen, damit mich niemand kennen sollte. Ich traf auch ungefähr
+einen halben Landsmann in London an, welcher ein brav Kerl war und im
+Kriege sich schon tapfer erwiesen hatte, demselben erzählte ich mein
+Unglück. Er verehrte mir auch einen Reichstaler und versprach mir, mich
+frei wieder mit in meine Heimat zu nehmen; allein ich hatte den Ort
+vergessen, wonach ich ihn fragen sollte, und kunnte denselben also von
+der Zeit an, als er mir den Taler schenkte, nicht wieder antreffen. Zu
+meinem großen Glücke fuhren gleich zwei Tage hierauf drei Frachtwagen
+aus London nach Hamburg; da bat ich die Fuhrleute, daß sie mich
+mitnehmen sollten, ich hätte nicht viel zu verzehren. Die Fuhren waren
+ganz gut, und sie sagten, wenn ich ihnen des Nachts ihre Wagen bewachen
+würde, so wollten sie mich zehrfrei bis nach Hamburg mitnehmen. Ei
+sapperment! wer war froher als ich! Ich sagte, herzlich gern wollte ichs
+tun. Hierauf nahmen sie mich nun mit sich, und ich mußte mich vorne in
+die Schoßkelle[55] setzen und fahren. Wenn wir nun abends ins Quartier
+kamen, so gaben sie mir allemal den Kopf oder den Schwanz vom Heringe
+und ein groß Stück Brot dazu; das mußte ich nun in mich hineinreiben,
+hernach schenkten[56] sie mir auch einmal dazu und hießen mich unter
+ihre Wagen legen und wachen. Das währte nun eine Nacht und alle Nächte,
+bis wir in das letzte Wirtshaus nahe vor Hamburg kamen, allwo ich von
+den Fuhrleuten Abschied nahm. Sie fragten mich zwar, ob ich nicht
+vollends mit nach Hamburg wollte; ich bedankte mich, doch wäre ich wohl
+gerne mit hinein gewesen; so aber stund ich in Sorgen, es möchte mich
+etwa jemand noch da kennen und hernach solches der Rädelwache sagen, daß
+ich der und der wäre, welcher vor etlichen Jahren ihrer so viel auf
+einmal zuschanden gehauen und über den Haufen gestoßen hätte. Traute
+also nicht, sondern nahm von dem nächsten Dorfe vor Hamburg meinen
+Marsch oben im freien Felde weg und ging so lange, bis ich in ein ander
+Gebiet kam, daß ich vor der Rädelwache recht sicher war.
+
+[55] Hängesitz für den Kutscher.
+
+[56] gaben mir zu trinken.
+
+Hernach so bettelte ich mich von einem Dorfe zu dem andern, bis ich
+endlich Schelmerode wieder erblickte und allda nach meiner überstandenen
+sehr gefährlichen Reise sowohl zu Wasser als zu Lande meiner Frau
+Mutter frisch und gesund wieder zusprach. Mit was vor Freuden die
+ehrliche Frau mich damals bewillkommte, will ich beim Eingange des
+andern Teiles künftig sehr artig auch an den Tag geben. Vor dieses Mal
+aber hat nun der erste Teil meiner wahrhaftigen kuriösen und sehr
+gefährlichen Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande ein Ende.
+
+
+
+
+2. Teil
+
+
+
+
+1. Kapitel.
+
+
+Wo mir recht ist, war es gleich am Sankt Gergenstage, als ich das
+erstemal von meiner sehr gefährlichen Reise in einem alten zerrissenen
+Kaperrocke und zwar barfuß des ehrlichen Schelmerode wieder ansichtig
+wurde. Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, wie mir alles so
+fremde und unbekannt in meiner Geburtsstadt vorkam; ich hatte sie auch
+so verkennen gelernt, als wenn ich dieselbe zeitlebens mit keinem Auge
+gesehen gehabt. Drei ganzer Tage und Nächte lief ich wie ein irrer
+Mensch auf allen Gassen herum und wußte meiner Frau Mutter Haus nicht
+wiederzufinden, wenn es auch mein Leben hätte kosten sollen. Fragte ich
+gleich Leute, ob sie mir nicht davon könnten Nachricht geben oder zum
+wenigsten nur die Gasse sagen, wo meine Frau Mutter wohnen möchte, so
+sperrten sie, der Tebel hol mer, allemal die Mäuler auf und sahen mich
+an und lachten. Ich kunnte es ihnen zwar nicht verargen, daß sie so
+albern taten und mir auf mein Fragen keine Antwort gaben. Warum? Ich
+hatte meine Fraumuttersprache in der Fremde ganz verreden gelernt, denn
+ich parlierte meist Engländisch und Holländisch mit unter das Deutsche,
+und wer mir nicht sehr genau auf mein Maul Achtung gab, der kunnte mir,
+der Tebel hol mer, nicht eine Silbe verstehen. Ich hätte, halt ich
+dafür, meiner Frau Mutter Haus wohl in acht Tagen noch nicht gefunden,
+so mir nicht ohngefähr die dritte Nacht zwischen elfen und zwölfen meine
+Jungfer Muhmen auf der Gasse wären in Wurf gekommen, welche ich auch
+anredete und fragte, ob sie mir keine Nachricht von meiner Frau Mutter
+Hause melden könnten. Die Menscher sahen mir im Finstern beide scharf
+ins Gesichte und verstundens doch (ob ich gleich sehr undeutsch redete)
+und was ich haben wollte.
+
+Endlich so fing die eine an und sagte, ich sollte mich erstlich zu
+erkennen geben, wer ich wäre, alsdann wollten sie mich selbsten an
+verlangten Ort bringen. Wie ich ihnen nun erzählte, daß ich der und der
+wäre, und daß ich schon drei ganze Tage in der Stadt herumgelaufen und
+kein Henker mir hätte berichten können, in welcher Gasse doch meine Frau
+Mutter wohnen müßte: O sapperment! wie fielen mir die Menscher beide auf
+der Straße um den Hals und erfreuten sich meiner guten Gesundheit und
+glücklichen Wiederkunft. Sie kriegten mich beide bei meinem zerrissenen
+Kaperrocke zu fassen und waren willens, mit mir nach meiner Frau Mutter
+Hause zu marschieren. Indem wir alle drei nun sehr artig miteinander
+gingen und ich ihnen unterwegens von meiner Gefangenschaft zu Sankt Malo
+anfing zu erzählen, so kamen unvermerkt zwei Kerls hinter mir
+hergeschlichen, die denken, ich bin etwa ein gemeiner Handwerksbursche,
+weil ich so liederlich ging, und gaben mir da rücklings ein jedweder
+eine Presche und rissen mir hierauf meine Jungfer Muhmen von der Seite
+weg und wanderten mit ihnen immer, was läufst du, was hast du, soviel
+ich im Finstern sehen kunnte, durch ein enges Gäßchen durch. O
+sapperment! wie verdroß mich das Ding von solchen unverständigen Kerlen,
+weil sie mich nicht besser respektierten. Ihr größtes Glück war, daß mir
+auf der spanischen See von Hans Barth mein vortrefflicher
+Rückenstreicher mit war von der Seite weggeraubt worden, sonst hätte ich
+ihnen nicht einen Dreier vor ihr ganzes Leben geben wollen; so aber
+hatte ich nichts in Fäusten, und ohne Degen im Finstern auf Händel
+auszugehen, glückt auch nicht allemal, drum dachte ich, du willst lieber
+die Preschen einstecken und stehenbleiben, bis deine Jungfer Muhmen
+wiederkommen; die werden dirs wohl sagen, wer die Kerls gewesen sein,
+hernach müssen sie dir schon Satisfaktion vor dem Schimpf geben. Ich
+stund wohl über drei Stunden auf derselben Stelle, wo ich die Preschen
+bekommen hatte, und wartete auf meine Jungfer Muhmen.
+
+Wie dieselben nun wiederkamen, so waren sie ganz voller Freuden und
+erzählten mir, wie es ihnen so wohl gegangen wäre und wie sie beide von
+denselben Kerlen, welche mir die Preschen gegeben, so vortrefflich
+beschenkt worden und es sehr bedauert, weil ich ihr Herr Vetter wäre,
+daß sie sich an mir vergriffen hätten. Nachdem ich von meinen Jungfer
+Muhmen nun solches vernahm, daß es unversehenerweise geschehen war und
+daß die Presche, welche ich bekommen, einem andern waren zugedacht
+gewesen, so ließ ichs gut sein und dachte: Irren ist menschlich. Hierauf
+so führten mich meine Jungfer Muhmen immer nach meiner Frau Mutter Hause
+zu. Als wir nun vor die Türe kamen, so konnten wir nicht hineinkommen.
+Wir klopften wohl über vier Stunden vor meiner Frau Mutter Hause an,
+allein es wollte uns niemand hören.
+
+Wie wir nun sahen, daß uns keiner aufmachen wollte, legten wir uns alle
+drei die Länge lang vor die Haustür und schlummerten da so lange, bis
+das Haus wieder geöffnet wurde; hernach so schlichen wir uns heimlich
+hinein, die Treppe sachte hinauf und nach meiner Jungfer Muhmen ihrer
+Kammer zu, daß sie und mich niemand gewahr wurde. Oben zogen sich meine
+Jungfer Muhmen nun aus und legten ihr Nachthabit an, und zwar zu dem
+Ende, damit niemand merken sollte, daß sie vergangene Nacht anderswo
+frische Luft geschöpft hätten. Da solches geschehen, hießen sie mich
+sachte die Treppe wieder hinunterschleichen und an meiner Frau Mutter
+Stubentüre anpochen, und sollte hören, ob sie mich auch noch kennen
+würde.
+
+Als ich nun unten wieder ins Haus kam: O sapperment! wie kam mir alles
+so fremde und unbekannt in meiner Frau Mutter Hause vor. Ich suchte wohl
+über zwei Stunden, ehe ich meiner Frau Mutter ihre Stubentüre
+wiederfinden konnte, denn ich hatte alles miteinander im ganzen Hause
+fast gänzlich verkennen gelernt, ausgenommen meiner Frau Mutter ihr
+klein Hündchen, welches sie immer mit zu Bette nahm und hernachmals
+eines unverhofften Todes sterben mußte; dasselbe erkannte ich noch an
+dem Schwanze, denn es hatte einen blauen Fleck unter dem Schwanze,
+welchen ich dem Hündchen unversehens, da ich noch vor diesem in die
+Schule ging, mit meinem Blaserohre, als ich nach einem Sperlinge
+geschossen und das Hündchen unversehenerweise unter den Schwanz
+getroffen, gemacht hatte. Aber meine Frau Mutter, als ich derselben
+ansichtig wurde, so kam sie mir, der Tebel hol mer, ganz unkennbar vor,
+und ich hätte es auch nimmermehr geglaubt, daß sie meine Frau Mutter
+wäre, wenn ich sie nicht an dem seidenen Kleide, welches ihr vormals die
+große Ratte zerfressen gehabt, erkannt hätte, denn es war in demselben
+hinten und vorne ein abscheulich groß Loch, und zu ihrem großen Glücke
+hatte sie das zerfressene Kleid gleich selben Tag angezogen, sonst hätte
+ich sie, der Tebel hol mer, nicht wiedergekannt.
+
+Nachdem ich nun gewiß wußte und das zerfressene seidene Kleid mir
+genugsam zu verstehen gab, daß ich meine Frau Mutter, welche ich in so
+vielen unzähligen Jahren mit keinem Auge gesehen, wiederum vor mir
+stehen sah, so gab ich mich hernachmals auch zu erkennen und sagte, daß
+ich ihr fremder Herr Sohn wäre, welcher in der Welt was Rechts gesehen
+und erfahren hätte. O sapperment! was sperrte das Mensch vor ein Paar
+Augen auf, wie sie hörte, daß ich ihr Sohn Schelmuffsky sein sollte! Sie
+sagte anfänglich, das Ding könnte unmöglich wahr sein, daß ich ihr Herr
+Sohn wäre, indem ihr Herr Sohn, wie sie vernommen, einer mit von den
+vornehmsten Standespersonen unter der Sonnen wäre und würde, wenn er
+wieder nach Hause käme, so liederlich wie ich nicht aufgezogen kommen.
+Ich antwortete aber hierauf meiner Frau Mutter sehr artig und half ihr
+mit zwei bis drei Worten gleich aus dem Traume, sagend, wie daß ich
+nämlich einer mit von den vornehmsten Standespersonen schon in der Welt
+gewesen, und wie daß einem ein gut Kleid auf der Reise nichts nütze
+wäre, und wie daß der von Schelmuffsky ein ganz halb Jahr zu St. Malo
+gefangen gesessen, und ihr einziger lieber Sohn, welcher wegen einer
+großen Ratte, und zwar nach Adam Riesens Rechenbuche, vier Monate zu
+früh auf die Welt gekommen wäre. O sapperment! als meine Frau Mutter von
+der Ratte hörte, wie fiel mir das Mensche vor Freuden um den Hals und
+herzte und poßte mich, daß ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen kann.
+Als sie mit mir nun eine gute Weile getändelt hatte, so fing sie vor
+großen Freuden an zu gransen, daß ihr die Tränen immer an den Strümpfen
+herunterliefen und ihre sämischen Schuhe pfützenmadennaß davon wurden.
+Hierzu kamen nun meine Jungfer Muhmen in ihrem Schlafhabite zur
+Stubentür hineingetreten und boten meiner Frau Mutter einen guten
+Morgen, gegen mich aber stellten sie sich, als wenn sie mich zeitlebens
+nicht gesehen hätten.
+
+Meine Frau Mutter hatte auch damals einen kleinen Vetter bei sich,
+dasselbe war eine schlaue Wetterkröte und wurde dem Ase aller Willen
+gelassen. Indem nun meine Frau Mutter ihren Jungfer Muhmen erzählt, wie
+daß ich ihr Sohn Schelmuffsky wäre, der sich was Rechts in der Fremde
+versucht hätte und zu Wasser und zu Lande viel ausgestanden, so mochte
+es der kleine Vetter in der Stubenkammer hören, daß von Schelmuffsky
+geredet wurde: kam das kleine Naseweischen wie eine Ratte aus meiner
+Frau Mutter Bette gesprungen und guckte zur Stubentüre hinein. Sobald
+als er mich nun erblickte, fing der kleine Junge, der Tebel hol mer, an
+zu lachen und fragte mich da gleich, was ich denn schon zu Hause wieder
+haben wollte, indem ich kaum vierzehn Tage weg wäre? O sapperment! wie
+verdroß mich das Ding von dem Jungen, daß er mir von vierzehn Tagen
+schwatzte. Wie ich nun meine Frau Mutter hierauf fragte, ob er mich denn
+noch kennte, so gab ihr der Naseweis so höhnisch zur Antwort und sagte,
+warum er denn seinen liederlichen Vetter Schelmuffsky nicht kennen
+sollte. Da ihm aber meine Frau Mutter die Augen eröffnen wollte und zu
+ihm sprach, daß er unrecht sehen müßte und wie daß ich mich in der
+Fremde was Rechts sowohl zu Wasser als zu Lande versucht hätte, so fing
+mein kleiner Vetter wieder an: Frau Muhme, sie wird ja nicht so
+einfältig sein und solche Lügen glauben, ich habe mir von
+unterschiedlichen Leuten erzählen lassen, daß mein Vetter Schelmuffsky
+nicht weiter als eine halbe Meile von seiner Geburtsstadt gekommen wäre
+und alles miteinander mit liederlicher Kompagnie im Tobak und
+Branntewein versoffen. O sapperment! wie knirschte ich mit den Zähnen,
+als mir der Junge Tobak und Branntewein unter die Nase rieb.
+
+Nach diesem baten mich meine Jungfer Muhmen, daß ich doch von meiner
+gefährlichen Reise was erzählen sollte und was ich vor Dinge in der Welt
+gesehen hätte. Wie ich nun Sachen vorbrachte, welche große Verwunderung
+bei meinen Jungfer Muhmen erweckten, so fiel mir der Junge allemal in
+die Rede und sagte, ich sollte nur stillschweigen, es wäre doch alles
+erstunken und erlogen, was ich da aufschnitte. Endlich so lief mir die
+Laus auch über die Leber und gab ihm, ehe er sichs versah, eine Presche,
+daß er flugs an die Stubentüre hinflog und die Beine hoch in die Höhe
+kehrte. Ei sapperment! was verführte deswegen meine Frau Mutter vor ein
+Spiel! Wie vielmal ich mich auch hernach des Jungens halber mit meiner
+Frau Mutter gezankt und gekiffen[57], das wäre, der Tebel hol mer, auf
+keine Eselshaut zu bringen, und ist meines Erachtens unnötig, daß ich
+hiervon viel Wesens mache. Ist aber jemand kuriöse[58] und will von
+solchem Gekeife genauere Nachricht wissen, dem kann ich keinen bessern
+Rat geben, als daß er nur etliche ehrliche Weiber in der Nachbarschaft
+deswegen drum fragt; die werdens ihm, der Tebel hol mer, haarklein
+sagen.
+
+[57] gekeift.
+
+[58] neugierig.
+
+
+
+
+2. Kapitel.
+
+
+Nachdem ich mich nun innerhalb Jahresfrist ein wenig ausgemaustert hatte
+und die Luft etwas wiederum vertragen kunnte, so ging hernachmals kein
+Tag vorbei, daß ich mich nicht kontinue[59] mit meiner Frau Mutter
+zanken mußte. Ich war auch solch Leben so überdrüssig, als wenn ichs mit
+Löffeln gefressen hätte, und der Zank rührte gemeiniglich wegen meines
+kleinen Vetters her, weil der Junge so naseweis immer war und mir kein
+Wort, was ich erzählte, glauben wollte. Letztlich, wie ich sah, daß ich
+mich mit meiner Frau Mutter gar nicht stellen kunnte, befahl ich ihr,
+daß sie mir mußte ein neu Kleid machen lassen, und sagte, sie sollte mir
+mein Vaterteil vollends geben, ich wollte wieder in die Fremde
+marschieren und sehen, was in Italien und Welschland passierte,
+vielleicht hätte ich da besser Glück als auf der spanischen See. Meine
+Frau Mutter, die wollte mir nun an meinem Vorhaben nicht hinderlich
+sein, sondern wäre mich damals schon lieber heute als morgen gern wieder
+los gewesen. Sie ließ mir ein schön neu Kleid machen, welches auf der
+Weste mit den schönsten Leonischen Schnüren verbrämt war. Weil sie aber
+nicht flugs bei Ausgebegelde war und sonst noch eine Erbschaft in einer
+benachbarten Stadt zu fordern hatte, so gab sie mir da eine Anweisung,
+und ich sollte in ihrem Namen mir dort das Geld zahlen lassen, damit sie
+mich nur aus dem Hause wieder los würde.
+
+[59] fortwährend.
+
+Hierauf war ich her und machte selben Tag noch einen Weg dahin und
+vermeinte, die Gelder würden da schon aufgezählt liegen. Allein wie ich
+hinkam, so wollte derjenige, welcher das Geld schuldig zu zahlen war,
+mich mit meiner Anweisung nicht respektieren, sondern sagte, ich wäre
+noch nicht mündig und dazu wüßte er auch nicht, ob ich der und der wäre.
+O sapperment! wie verdroß mich das Ding, daß man mich vor unmündig
+ansah, indem ich schon unzählige Jahre in die Fremde weit und breit
+herumgesehen und einer mit von den bravsten Kerlen in der Welt gewesen
+war. Ich tat aber das und erzählte ihm die Begebenheit von der Ratte: O
+sapperment! wie erschrak der Schuldmann hernach vor mir und schämte
+sich, der Tebel hol mer, wie ein Hund. Er wäre, halt ich dafür, wohl
+noch halb soviel lieber schuldig gewesen, als daß er mir nur das
+Nichtmündigsein unter die Nase gerieben hätte. Denn er sah mir hernach
+allererst recht ins Gesichte, und da er spürte, daß mir was Sonderliches
+aus den Augen herausfunkelte, so bat er bei mir um Verzeihung und kam
+auch flugs mit der Vorklage und sagte, er wollte mir gerne die Erbschaft
+bezahlen, allein er wäre jetzo nicht bei Mitteln, in zwei Jahren wollte
+er sehen, daß mir damit könnte geholfen werden. Was wollte ich nun tun,
+wie ich sah, daß es der gute Mann nicht hatte? Damit ich ihn aber nicht
+in Schaden bringen wollte (denn wenn ich geklagt, hätte er mirs schon
+zahlen müssen, und der Tebel hol mer, kein gut Wort dazu), so war ich
+her und verhandelte die ganze Erbschaft einem andern, den ließ ich mir
+vor den ganzen Quark den vierten Teil zahlen und gab ihm im Namen meiner
+Frau Mutter Vollmacht, das ganze Kapital zu heben.
+
+Als ich nun das Geld empfangen hatte, O sapperment! wer war froher als
+ich, da wieder frische Pfennige in meiner Ficke klangen. Sobald ich zu
+meiner Frau Mutter nach Schelmerode kam, machte ich mich wieder
+reisefertig und packte meine Sachen alle zusammen in einen großen
+Kober[60], nahm von meiner Frau Mutter wie auch meinen Jungfer Muhmen
+mit weinenden Augen wieder Abschied und war willens, mich auf die
+geschwinde Post zu setzen. Indem ich nun zur Stubentür mit meinem großen
+Kober hinauswandern wollte, so kam mir mein kleiner Vetter
+entgegengegangen, von dem wollte ich nun auch gute Nacht nehmen. Wie ich
+ihm aber die Hand bot, so fing die Wetterkröte an zu lachen und sagte,
+es würde nicht nötig sein, daß ich von ihm Abschied nähme, meine Reise
+würde sich so weit nicht erstrecken, und wenn er sich die Mühe nehmen
+möchte, mir nachzuschleichen, so wollte er mich wohl im nächsten
+Dörfchen in einer Bauernschenke antreffen, allwo ich so lange
+verbleiben würde, bis die verhandelte Erbschaft in Tobak und Branntewein
+durch die Gurgel gejagt wäre, hernach würde ich mich schon wieder
+einfinden. Ei sapperment! wie verdroß mich das Ding von dem Jungen, daß
+er mir von dem nächsten Dorfe solche Dinge herschwatzte. Ich war aber
+nicht faul, sondern gab ihm unversehens eine solche Presche wieder, daß
+ihm das helle Feuer flugs zu den Augen heraussprang, und marschierte
+hierauf mit meinem großen Kober immer stillschweigend zur Stubentüre
+hinaus und in vollem Sprunge, was läufst du, was hast du, nach dem
+Posthause zu. Da hätte man nun schön Nachschreien von meiner Frau Mutter
+auf der Gasse gehört, wie das Mensche hinter mir herschrie und sagte:
+»Schlag du, Schelm, schlag, geh, daß du Hals und Beine brichst und komm
+nimmermehr wieder vor meine Augen«. Mein kleiner Vetter, das
+Naseweischen, der verfolgte mich mit Steinen bis vor an das Posthaus,
+allein er traf mich nicht ein einziges Mal. Als ich nun vor das Posthaus
+kam und die geschwinde Post schon völlig besetzt war, so wollte mich der
+Postillon nicht mitnehmen, doch tat er mir den Vorschlag, daß ich mich
+hinten in die Schoßkelle setzen sollte, wenn ich mitwollte. Worauf ich
+mich nicht lange besann, sondern mit gleichen Beinen flugs mit meinem
+Kober hineinsprang, und hieß den Postillion immer _per postae_ eiligst
+zum Tore hinausfahren.
+
+[60] Koffer.
+
+
+
+
+3. Kapitel.
+
+
+Es war gleich denselben Tag, als die Nacht zuvor meiner Frau Mutter die
+Truthühner waren gestohlen worden, da ich die ehrliche Geburtsstadt
+verließ und meine sehr gefährliche Reise zum andern Mal zu Wasser und
+zu Lande wieder antrat. Kaum waren wir einen Musketenschuß von der Stadt
+gefahren, so schmiß uns der Postillon um, daß flugs alle vier Räder an
+der Postkalesche in Stücke brachen; die Personen, so er geladen hatte,
+die lagen, der Tebel hol mer, im Drecke bis über die Ohren, denn es war
+in einem greulichen Morastloche, da er uns umschmiß. Ich hatte noch von
+großem Glück damals zu sagen, daß ich hinten in der Schoßkelle saß, denn
+wie ich sah, daß der Wagen fallen wollte, so sprang ich mit meinem Kober
+herunter, denn wenn ich wäre sitzengeblieben. Ei sapperment! wie würde
+ich mit meiner Nase im Dreck auch gelegen sein. Da war nun Lachen zu
+verbeißen, wie sich die Passagiere so im Kote herumwälzten. Der
+Postillon wußte nun beileibe keinen Rat, wie er fortkommen wollte, weil
+die Räder alle viere am Wagen zerbrochen waren. Nachdem ich nun sah, daß
+ganz keine Hilfe fortzukommen vorhanden war und ich mich nicht lange zu
+versäumen hatte, sondern wollte eiligst die Stadt Venedig besehen, so
+war ich her, nahm meinen großen Kober und bedankte mich gegen meine
+Reisegefährten, welche noch im Drecke dalagen, vor geleistete Kompagnie
+und ging immer per pedes[61] nach Italien und Welschland zu.
+
+[61] zu Fuße.
+
+Denselben Tag wanderte ich noch zu Fuße zweiundzwanzig Meilen und
+gelangte des Abends bei zu Rüste gehender Sonne in einem Kloster an,
+worinnen die barmherzigen Brüder waren, der Tebel hol mer, gute Kerls,
+sie traktierten mich mit essender Ware recht fürstlich, aber kein gut
+Bier hatten sie in demselben Kloster. Ich fragte sie auch, wie es denn
+käme, daß sie keinen guten Tischtrunk hätten: so gaben sie mir zur
+Antwort, es hätte bei ihnen die Art so nicht, gut Bier zu brauen,
+dieweil sie mit lauter saurem Wasser versehen wären. Damit so lernte
+ich ihnen ein Kunststück, wie sie könnten gut Klebebier brauen, welches
+auch so gut schmecken würde, daß sie es gar mit Fingern austitschen
+würden, und wie sie danach würden brav predigen können. O sapperment!
+wie dankten mir die barmherzigen Brüder vor mein Kunststück, welches ich
+ihnen gelernt hatte. Sie stellten auch noch selben Abend eine Probe an,
+den Morgen früh darauf hatten sie, der Tebel hol mer, das schönste
+Klebebier im Bottich, welches wie lauter Zucker schmeckte. Ei
+sapperment! wie soffen sich die barmherzigen Brüder in dem Klebebiere zu
+und kunnten nicht einmal satt werden, so gut schmeckte es ihnen; sie
+mußten bald immer das Maul mit Fingern zuhalten, so begierig soffen sie
+es hinein und wurdens nicht einmal inne, wenn es ihnen gleich in die
+Köpfe kam. Wie mir auch die Kerls deswegen so gut waren und viel Ehre
+erzeigten, werde ich, der Tebel hol mer, mein Lebtage nicht vergessen.
+Sie baten mich auch, daß ich eine Weile bei ihnen bleiben sollte, allein
+ich hatte keine Lust dazu.
+
+Da ich von denselben nun wieder Abschied nahm, gaben sie mir einen
+Haufen Viktualien[62] mit auf den Weg, daß ich nicht verhungern sollte,
+denn die barmherzigen Brüder hatten gleich den Tag zuvor (welches der
+Freitag war im Kloster) sechs Eckerschweine[63] geschlachtet, davon
+kriegte ich eine große lange Wurst und ein abscheulich Stück dicken
+Speck mit auf meine gefährliche Reise. Nun kann ichs, der Tebel hol mer,
+wohl sagen, daß ich dergleichen Speck mein Lebetage noch nicht in der
+Welt gesehen hatte, als wie ich bei den barmherzigen Brüdern da antraf,
+und wenn er nicht sechs Ellen dicke war, so will ich, der Tebel hol mer,
+kein brav Kerl sein.
+
+[62] Eßwaren.
+
+[63] mit Eckern gemästete.
+
+Nachdem ich nun von den barmherzigen Brüdern Abschied genommen hatte
+und mein großer Kober ziemlich mit Proviant gespickt war, so nahm ich
+meinen Weg immer nach Venedig zu. Unterwegens erholte ich eine
+geschwinde Post, welche auch willens war, nach Venedig zu fahren, und
+weil der Postillon nicht viel Personen geladen hatte, so dingte ich mich
+auf dieselbe, doch traute ich mich nicht unter die Kompagnie mit zu
+setzen aus Furcht, der Postknecht möchte etwa auch umwerfen wie der
+vorige, und man könnte nicht wissen, wie das Umwerfen allemal glückte,
+so setzte ich mich wieder hinten mit meinem großen Kober in die
+Schoßkelle und hieß den Postillion _per postae_ nach Italien und
+Welschland fortfahren. Wir fuhren etliche Tage sehr glücklich, und wie
+wir etwa noch einen Büchsenschuß von Venedig hatten, allwo man zwischen
+großen hängigen Bergen fahren muß, so schmiß der Postillion, ehe wir es
+uns versahen, den Postwagen um, daß er wohl den einen Berg hinunter über
+tausendmal sich mit uns überkepelte, und nahm, der Tebel hol mer, keiner
+nicht den geringsten Schaden. Ausgenommen zwei Räder, die gingen an der
+Postkalesche vor die Hunde. Aber die wir auf dem Postwagen saßen, wurden
+alle miteinander tüchtig von dem Sande bestoben, denn es gibt um Venedig
+herum nichts als lauter sandige Berge. Doch muß ich gestehen, daß sich
+die Stadt Venedig von ferne, der Tebel hol mer, recht proper
+präsentiert[64], denn sie liegt auf einem großen hohen Steinfelsen und
+ist mit einem vortrefflichen Wall umgeben.
+
+[64] recht gut ausnimmt.
+
+Als ich nun die Stadt Venedig zu Fuße mit meinem großen Kober erreicht,
+so kehrte ich im Weißen Bocke ein, allwo ich sehr gute Bequemlichkeit
+und Bedienung hatte. Die Wirtin, welches eine Wittfrau war, die empfing
+mich sehr freundlich und führte mich gleich in eine wunderschöne
+Kammer, worinnen über zweihundert gemachte Betten stunden; dieselbe
+Kammer gab sie mir zur Verwahrung meiner Sachen ein und nahm mit einem
+höflichen Komplimente wiederum Abschied. Wie ich nun allein in der
+wunderschönen Kammer war, nahm ich meinen Kober vom Halse ab, machte ihn
+auf und langte mir aus demselben ein weiß Hemde. Sobald als ich mir nun
+das weiß Hemde angezogen hatte, versteckte ich meinen großen Kober mit
+den Sachen unter ein gemacht schön Bette, damit ihn niemand finden
+sollte, und ging aus der Kammer wieder heraus, schloß sie zu und fragte
+die Wirtin, was denn gutes Neues in der Stadt Venedig passierte. Die
+Wirtin, die gab mir zur Antwort und sagte, es wäre jetzo allerhand
+(indem es Jahrmarkt wäre) auf dem Sankt Marxplatze zu sehen. O
+sapperment! wie nahm ich meinen Marsch nach dem Sankt Marxplatze zu, als
+die Wirtin vom Jahrmarkte schwatzte. Ich war her und holte meinen großen
+Kober mit meinen Sachen geschwinde wieder aus der Kammer und hing
+denselben an, damit mir derselbe, weil es Jahrmarkt war, nicht irgend
+wegkommen sollte. Wie ich nun auf den Sankt Marxplatz kam, Ei
+sapperment! was stunden da vor wunderschöne Häuser, desgleichen ich in
+Holland und England wie auch in Schweden und ganz Indien an keinem Orte
+niemals noch nicht gesehen hatte. Sie waren, der Tebel hol mer, mit den
+kostbarsten Marmorsteinen ausgemauert und war ein Haus wohl über fünfzig
+Geschoß hoch, und vor einem jedweden Hause rings um den Markt herum
+stund eine große Plumpe, aus Ursachen, weil das Wasser da so selten ist.
+Mitten auf dem Sankt Marxplatze nun stund eine große Glücksbude, da
+griff nun hinein, wer wollte, es mußte aber die Person vor einen
+jedweden Griff einen Dukaten geben; es waren auch aber Gewinste
+darinnen zu sechzig- bis siebzigtausend Talern und gab auch sehr geringe
+Gewinste, denn der geringste Gewinst wurde nur auf einen Batzen
+wertgeschätzt, welches in Deutschland sechs Pfennige macht.
+
+Wie ich nun sah, daß manche Leute brav gewannen, so war ich her und
+wagte auch einen Dukaten dran und wollte mein Glück versuchen. Als ich
+nun in den Glückstopf hineingriff, O sapperment! was waren da vor
+Zettel! ich will wetten, daß wohl über tausend Schock Millionen Zettel
+in dem Glückstopfe da vorhanden waren. Indem ich nun in den Glückstopf
+mit beiden Händen hineinfühlte, so tat ich auch einen solchen Griff, daß
+ich die Zettel bald alle auf einmal mit beiden Fäusten herausgriff. Da
+dieses der Glückstöpfer sah, O sapperment! wie klopfte er mich auf die
+Finger, daß ich so viel Zettel herausgeschleppt brachte, welche ich aber
+miteinander flugs wieder hineinschmeißen mußte und hernach vor meinen
+Dukaten nur einen einzigen hinausnehmen, welches ich auch tat. Wie ich
+nun vor meinen Dukaten einen Zettel aus dem Glückstopfe herausgenommen
+hatte und ihn aufmachte, so war es eine gute Nummer, und zwar Nummer
+elf, dieselbe mußte ich nun dem Glücksbüdner zeigen. Nun meinten damals
+alle Leute, ich würde was Rechts davontragen, weil ich eine ungleiche
+Nummer ergattert hätte, aber wie danach gesehen wurde, was Nummer 11 mit
+sich brachte, so war es ein Bartbürstchen vor sechs Pfennig, O
+sapperment! wie lachten mich die um die Glücksbude herumstehenden Leute
+alle miteinander mit meinem Bartbürstchen aus. Ich kehrte mich aber an
+nichts, sondern war her und griff noch einmal in den Glückstopf hinein
+und langte noch einen Zettel heraus, derselbe hatte nun wiederum eine
+gute Nummer, denn es war Nummer 098 372 641 509. Sapperment! wie
+sperrten die Leute alle miteinander in und an der Glücksbude die Mäuler
+auf, daß ich so eine vortreffliche Nummer ergriffen hatte. Wie nun in
+der Glücksbude nachgesehen wurde, was meine vortreffliche Nummer vor
+einen Gewinst hatte, so war es ein Pferd vor fünfhundert Taler und des
+Glücksbüdners seine Frau, welche auf tausend Dukaten stund. O Morbleu!
+was war vor ein Zulauf, wie es kundbar wurde: Signor Schelmuffsky hätte
+sich in der Glücksbude so wohl gehalten. Ich mußte mich nun gleich auf
+das gewonnene Pferd setzen, und die tausend Dukaten anstatt des
+Glückstöpfers seiner gewonnenen Frau wurden alle an ein Paternoster
+gereiht, dieselben mußte ich über meinen großen Kober hängen und in der
+ganzen Stadt herumreiten, damit die Leute meinen Gewinst sahen. Es
+mußten auch vor meinem Pferde hergehen neunundneunzig Trommelschläger,
+achtundneunzig Schalmeipfeifer und ihrer drei mit Lauten und einer
+Zither; die zwei Lauten und die einzige Zither klungen auch so anmutig
+unter die Trompeten und Schalmeien, daß man, der Tebel hol mer, sein
+eigen Wort nicht hören kunnte. Ich aber saß darbei sehr artig zu Pferde,
+und das Pferd mußte wohl sein auf der Reitschule und auf dem Tanzboden
+gewesen, denn wie die Musik ging, so tanzte es auch und trottierte, der
+Tebel hol mer, unvergleichlich. Wie mich auch das Frauenzimmer zu
+Venedig, als ich auf den St. Marxplatz kam, in einem ansah, kann ich,
+der Tebel hol mer, nicht genugsam beschreiben, denn es lachte alles an
+meinem ganzen Leibe, und kunnte ein jeder flugs sich an den Fingern
+abzählen, daß meinesgleichen wohl schwerlich würde in der Welt zu finden
+sein.
+
+Unter währendem Herumreiten ließen mir wohl über dreißig Nobelspersonen
+auf der Gasse nachschicken und ließen mich untertänigst grüßen und schön
+bitten, ich möchte ihnen doch berichten, wer und wes Standes ich wäre,
+damit sie ihre schuldigste Aufwartung bei mir abstatten könnten. Ich
+ließ aber den Nobelspersonen allen sehr artig wieder zur Antwort sagen,
+wie daß ich mich zwar was Rechts in der Welt schon versucht hätte und
+wäre in Schweden, in Holland und England wie auch bei dem Großen Mogol
+in Indien ganzer vierzehn Tage lang gewesen und wäre mir auf seinem
+vortrefflichen Schlosse Agra viel Ehre widerfahren; wer ich nun sein
+müßte, das könnten sie leichtlich riechen. Hierauf so ritt ich mit
+meiner Musik nun wieder fort, und als ich vor dem Rathause
+vorbeitrottieren wollte, so fielen mir unvermuteterweise sechsundzwanzig
+Häscher meinem Pferde in den Zaum und schrien alle zugleich: »Halt!« Wie
+ich nun stillhalten mußte, so kamen die großen Ratspersonen, welche in
+vierzehnhundert Nobels bestunden, die bekomplimentierten mich und
+schätzten sich glücklich, daß sie die hohe Ehre haben sollten, meine
+vornehme Gegenwart zu genießen. Als sie solch Kompliment gegen mich nun
+abgelegt hatten, so antwortete ich zu Pferde überaus artig auch wieder
+in halb engländischer, holländischer wie auch bisweilen deutscher
+Sprache.
+
+Sobald als nun meine Antwortsrede aus war, hießen mich die sämtlichen
+Ratsherren absteigen und baten mich, daß ich ihr vornehmer Gast sein
+sollte. Worauf ich mit meinem großen Kober alsobald abstieg und gab
+Order, mein Pferd so lange ins Häscherloch zu ziehen, bis daß ich
+gegessen hätte. Welches auch geschah. Damit so führten mich drei
+Präsidenten in der Mitten auf das Rathaus hinauf, hinter mir her gingen
+nun die sämtlichen Mitglieder des Rats alle zu zwölfen in einer Reihe.
+Wie wir nun elf Treppen hoch auf das Rathaus gestiegen waren, Ei
+sapperment! was präsentierte sich da vor ein schöner Saal. Er war mit
+lauter geschliffenen Werkstücken von Glas gepflastert und anstatt des
+Tafelwerks waren die Wände mit lauter marmorsteinernem Gipse ausgemalt,
+welches einem fast ganz die Augen verblendete. Mitten auf dem Saale,
+nicht weit von der Treppe, stund eine lange von venedischem Glase
+geschnittene Tafel gedeckt, auf welcher die raresten und delikatesten
+Speisen stunden. Ich mußte mich nun mit meinem großen Kober ganz zu
+oberst an die Tafel setzen, und neben mir saßen die drei Präsidenten,
+welche mich die elf Treppen hinaufgeführt hatten. Weiter an der Tafel
+hinunter saßen die übrigen Mitglieder des Rats und sahen mich alle mit
+höchster Verwunderung an, daß ich solchen Appetit zu essen hatte. Unter
+währender Mahlzeit wurde nun von allerhand diskuriert, ich aber saß
+anfänglich ganz stille und stellte mich, als wenn ich nicht drei zählen
+könnte. Da ich mich aber satt gefressen hatte, so tat ich hernach mein
+Maul auch auf und fing an zu erzählen, wie daß ich in Indien einstmals
+von dem Großen Mogol so trefflich wäre beschenkt worden, und wie daß ich
+demselben den Kalkulum wegen seiner Einkünfte hätte führen müssen, und
+wie ich noch halb soviel Überschuß herausgebracht, als er jährlich hätte
+einzunehmen gehabt, und wie daß der Große Mogol mich deswegen zu seinem
+Reichskanzler machen wollen, weil ich Adam Riesens Rechenbuch so wohl
+verstanden. O sapperment! wie horchten die Herren des Rats zu Venedig,
+da ich von dem Reichskanzler und Adam Riesens Rechenbuche schwatzte. Sie
+titulierten mich hernach nicht anders als Ihre Hochwürden und fingen
+alle miteinander gleich an, meine Gesundheit zu trinken. Bald sagte
+einer: »Es lebe derjenige, welcher in Indien hat sollen des Großen
+Mogols Reichskanzler werden und hats nicht annehmen wollen«. Bald fing
+ein anderer an und sagte: »Es lebe derjenige, welcher noch halb soviel
+Überschuß über des Großen Mogols Einkünfte herausbringen kann, ob ers
+gleich nicht einzunehmen hat«. Welche und dergleichen Gesundheiten
+wurden nun von allen über der gläsernen Tafel mir zuliebe getrunken.
+
+Wie nun meine Gesundheit herum war, so fing der eine Präsident, welcher
+flugs neben mir saß, zu mir an und sagte, ich sollte doch meine hohe
+Geburt nicht länger verborgen halten, denn er hätte schon aus meinen
+Diskursen vernommen, daß ich nicht eines schlechten Herkommens sein
+müßte, sondern es leuchtete mir was Ungemeines aus meinen Augen heraus.
+Hierauf besann ich mich, ob ich mich wollte zu erkennen geben oder
+nicht. Endlich so dachte ich, du willst ihnen doch nur die
+Begebenheit von der Ratte erzählen, damit sie Maul und Ohren brav
+aufsperren müssen, weil sie es nicht besser wollen gehabt haben. O
+sapperment! was erweckte das Ding bei den vierzehnhundert Ratsherren vor
+groß Aufsehens, als ich von der Ratte anfing zu schwatzen. Sie steckten,
+der Tebel hol mer, an der Tafel die Köpfe alle miteinander zusammen und
+redeten wohl drei ganzer Zeigerstunden heimlich von mir; was sie aber
+durcheinanderplisperten, das kunnte ich gar nicht verstehen. Doch soviel
+ich von meinem Herrn Nachbar zur rechten Hand vernehmen kunnte, sagte er
+zu dem einen Präsidenten: wann ichs annehmen wollte, so könnte ich
+Überaufseher des Rats zu Venedig werden, weil sie indem niemand hätten,
+der sich dazu schickte. Nachdem sie sich nun alle so durcheinander
+heimlich beredet hatten, so fingen sie alle zugleich an zu reden und
+sagten: »Wir wollen Ihre Hochwürden zu unserm Ratsinspektor machen,
+wollen Sie es wohl annehmen?« Auf dieses gute Anerbieten gab ich dem
+sämtlichen Ratskollegio flugs sehr artig wieder zur Antwort und sagte:
+»Vielgeehrte Herren und respektive werte Herzensfreunde! Daß ich ein
+brav Kerl bin, dasselbe ist nun nicht Fragens wert, und daß ich mich in
+der Welt, sowohl zu Wasser als zu Lande, was Rechts versucht habe,
+solches wird der bekannte Seeräuber Hans Barth, welchem ich auf der
+spanischen See mit meinem vortrefflichen Rückenstreicher einen großen
+Flatschen von seiner krummen Habichtsnase gesäbelt, selbst gestehen
+müssen, daß meinesgleichen in der Welt wohl schwerlich von Konduite[65]
+wird gefunden werden«. O sapperment! wie sahen mich die vierzehnhundert
+Ratsherren alle nacheinander an, als sie von meinem Rückenstreicher und
+von meiner Konduite hörten.
+
+[65] Benehmen.
+
+Worauf auch der eine Präsident zu mir gleich sagte, das sämtliche
+Kollegium hätte nun schon aus meiner Antwort vernommen, daß ich solche
+angetragene Charge[66] wohl schwerlich akzeptieren würde, indem mein
+Gemüte nur an dem Reisen seine Lust hätte. Hierzu schwieg ich nun
+stockmausestille und machte gegen die drei Präsidenten ein über alle
+Maßen artig Kompliment und stund, ehe sie sichs versahen, wie ein Blitz
+von der Tafel auf. Da solches dieselben nun sahen, daß ich aufstund,
+fingen sie gleich auch an, alle miteinander aufzustehen.
+
+[66] Amt.
+
+Da sie nun merkten, daß meines Bleibens nicht länger sein wollte, so
+beschenkte mich der ganze Rat mit einem künstlich geschnittenen
+venedischen Glase, welches auf zwanzigtausend Taler geschätzt wurde;
+dasselbe sollte ich ihnen zum ewigen Andenken aufheben und zuzeiten ihre
+Gesundheit daraus trinken. Es wäre auch geschehen, wenn ich nicht, wie
+man ferner hören wird, solches unverhoffterweise zerbrochen hätte.
+
+Nachdem ich nun von dem sämtlichen Rate zu Venedig wieder Abschied
+genommen und mich vor so große erzeigte Ehre bedankt hatte, steckte ich
+das geschenkte schöne kostbare Glas in meinen großen Kober und ließ mir
+von etlichen Klaudittgen[67] mein in der Glücksbude gewonnenes Pferd aus
+dem Häscherloche wieder herausziehen und auf den Saal oben
+hinaufbringen. Daselbst setzte ich mich nun mit meinem großen Kober
+wieder zu Pferde und ritt mit so einer artigen Manier im vollen Kurier
+die Treppe hinunter, daß sich auch die Ratsherren alle miteinander über
+mein Reiten höchst verwunderten und meinten nicht anders, ich würde Hals
+und Beine brechen müssen, weil es so glatt auf der Treppe wäre, indem
+die Stufen von dem schönsten geschnittenen venedischen Glase gemacht
+waren; allein mein Pferd, das war gewandt, es trottierte wie ein Blitz
+mit mir die gläsernen Treppen hinunter, daß es auch nicht einmal
+ausglatterte. Unten vor dem Häscherloche, da paßten nun meine Musikanten
+wieder auf und sobald sie mich sahen von dem Rathause heruntergeritten
+kommen, so fingen die mit den Trommeten gleich an eine Sarabande[68] zu
+schlagen, die Schalmeipfeifer aber pfiffen den Totentanz drein und die
+zwei mit den Lauten spielten das Lied dazu: »Ich bin so lange nicht bei
+dir gewesen«, und der mit der Zither klimperte den Altenburgischen
+Bauerntanz hintennach.
+
+[67] Häscher.
+
+[68] feierlicher, langsamer Tanz.
+
+Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, wie die Musik so
+vortrefflich zusammenklang, und mein Pferd machte immer ein Hoppchen
+nacheinander dazu. Damit so wollte ich nun noch einmal um den St.
+Marxplatz herumreiten, und zwar nur deswegen, die Leute dadurch an die
+Fenster zu locken und daß sie sich wacker über mein vortrefflich Reiten
+verwundern sollten. Welches auch geschah. Denn als ich mit meinem großen
+Kober über den St. Marxplatz wieder geritten kam, so steckten wohl auf
+dreißigtausend Menschen die Köpfe zu den Fenstern heraus, die sahen
+sich bald zum Narren über mich, weil ich mit meinem großen Kober so
+galant zu Pferde saß. Wie wohl mir auch das Ding von den Leuten gefiel,
+daß sie die Augen so brav über mein vortrefflich Zupferdesitzen
+aufsperrten, dasselbe werde ich, der Tebel hol mer, zeitlebens nicht
+vergessen. Aber was ich auch dabei vor einen Pfui-dich-an mit einlegte,
+davon werden noch bis dato die kleinen Jungen zu Venedig auf der Gasse
+zu schwatzen wissen.
+
+Man höre nur, wie mirs ging. Indem ich nun mit meinem großen Kober
+überaus artig um den St. Marxplatz herumritt und alle Leute Maul und
+Nasen über mich aufsperrten, so zog ich ein Pistol aus der einen Halfter
+und gab damit Feuer. Der Glückstöpfer hatte mir aber zuvor (als ich das
+Pferd bei ihm gewonnen) nicht gesagt, daß es schußscheu wäre und kein
+Pulver riechen könnte. Wie ich nun so in aller Herrlichkeit das Pistol
+losschoß, so tat das Pferd, ehe ichs mich versah, einen Ruck und schmiß
+mich, der Tebel hol mer, mit meinem großen Kober flugs aus dem Sattel
+heraus, daß ich die Länge lang auf dem St. Marxplatz dorthinfiel und das
+wunderschöne Glas, welches so kostbar sein sollte, in hunderttausend
+Stücken zerbrach. O sapperment! wie fingen die Leute alle miteinander
+an, mich auszulachen. Ich war aber her und stund mit meinem großen Kober
+geschwinde wieder auf und lief immer hinter dem Pferde her und wollte es
+wieder haschen. Wenn ich denn nun bald an ihm war und wollte das Rabenas
+hinten beim Schwanze ergreifen, so fing die Schindmähre allemal
+geschwinde an zu trottieren und kurbettierte eine Gasse hinauf, die
+andere wieder nieder. Ich jagte mich wohl drei ganzer Stunden mit dem
+Schindluder in der Stadt Venedig herum und kunnte es doch nicht kriegen.
+Endlich so lief es gar zum Tore hinaus und in ein Stück Hafer, welcher
+flugs vorm Tore auf einen Steinfelsen gesät stund, hinein; da dachte ich
+nun, ich wollte es ergattern, und lief ihm immer im Hafer nach, allein
+ich kunnte seiner, der Tebel hol mer, nicht habhaftig werden, denn je
+mehr ich dem Ase nachlief, je weiter trottierte es ins Feld hinein und
+lockte mich mit den Narrenspossen bis vor die Stadt Padua, ehe ich
+solches wiederbekommen kunnte. Ich hätte, halt ich dafür, dasselbe wohl
+noch nicht gekriegt, wenn nicht ein Bauer aus der Stadt Padua mit einem
+Mistwagen wäre herausgefahren kommen, welcher eine Stute mit vor seinen
+Wagen gespannt hatte, bei derselben blieb mein gewonnenes Pferd, weil es
+ein Hengst war, stillstehen.
+
+[Illustration]
+
+Wie ich dasselbe nun wieder hatte, so setzte ich mich mit meinem großen
+Kober gleich wieder drauf und beratschlagte mich da mit meinen Gedanken,
+ob ich wieder nach Venedig oder in die Stadt Padua flugs spornstreichs
+hineinreiten wollte und selbige auch besehen. Bald gedachte ich in
+meinem Sinn: was werden doch immer und ewig die Musikanten denken, wo
+Signor Schelmuffsky muß mit seinem großen Kober geblieben sein, daß er
+nicht wiederkommt? Bald gedachte ich auch: reitest du wieder nach
+Venedig zu und kommst auf den St. Marxplatz, so werden die Leute den von
+Schelmuffsky wacker wieder ansehen und die kleinen Jungen einander in
+die Ohren plispern: »Du siehe doch, da kommt der vornehme Herr mit
+seinem großen Kober wiedergeritten, welchen vor vier Stunden das Pferd
+herunterwarf, daß er die Länge lang in die Gasse dahinfiel, wir wollen
+ihn doch brav auslachen«. Endlich dachte ich auch: kommst du nach
+Venedig wieder hinein und der Rat erfährt es, daß du das wunderschöne
+Glas schon zerbrochen hast, so werden sie dir ein andermal einen Quark
+wieder schenken. Faßte derowegen eine kurze Resolution und dachte: Gute
+Nacht Venedig! Signor Schelmuffsky muß sehen, wie es in Padua aussieht;
+und rannte hierauf in vollem Schritte immer in die Stadt Padua hinein.
+
+
+
+
+4. Kapitel.
+
+
+Padua ist, der Tebel hol mer, eine brave Stadt; ob sie gleich nicht gar
+groß ist, so hat sie doch lauter schöne neue Häuser und liegt eine halbe
+Stunde von Rom. Sie ist sehr volkreich von Studenten, weil so eine
+wackere Universität da ist. Es sind bisweilen über dreißigtausend
+Studenten in Padua, welche in einem Jahre alle miteinander zu Doktors
+gemacht werden. Denn da kann, der Tebel hol mer, einer leicht Doktor
+werden, wenn er nur Speck in der Tasche hat und scheut dabei seinen Mann
+nicht. In derselben Stadt kehrte ich nun mit meinem Pferde und großen
+Kober in einem Gasthofe, zum Roten Stier genannt, ein, allwo eine
+wackere, ansehnliche Wirtin war. Sobald ich nun mit meinem großen Kober
+von dem Pferde abstieg, kam mir die Wirtin gleich entgegen gelaufen,
+fiel mir um den Hals und küßte mich, sie meinte aber nicht anders, ich
+wäre ihr Sohn. Denn sie hatte auch einen Sohn in die Fremde geschickt,
+und weil ich nun unangemeldet flugs in ihren Gasthof hineingeritten kam,
+und sie meiner nur von hinten ansichtig wurde, so mochte sie in dem
+Gedanken stehen, ihr Sohn käme geritten; so kam sie spornstreichs auf
+mich zu gewackelt und kriegte mich von hinten beim Kopfe und herzte
+mich. Nachdem ich ihr aber sagte, daß ich der und der wäre und die Welt
+auch überall durchstankert hätte, so bat sie hernach bei mir um
+Verzeihung, daß sie so kühn gewesen wäre.
+
+Es hatte dieselbe Wirtin auch ein paar Töchter, die führten sich, der
+Tebel hol mer, galant und proper in Kleidung auf, nur schade war es um
+dieselben Menscher, daß sie so hochmütig waren und allen Leuten ein
+Klebefleckchen wußten anzuhängen, da sie doch, der Tebel hol mer, von
+oben bis unten selbst zu tadeln waren. Denn es kunnte kein Mensch mit
+Frieden vor ihrem Hause vorbeigehen, dem sie nicht allemal was auf den
+Ärmel hefteten, und kiffen[69] sich einen Tag und alle Tage mit ihrer
+Mutter, ja sie machten auch bisweilen ihre Mutter so herunter, daß es
+Sünde und Schande war, und hatten sich an das häßliche Fluchen und
+Schwören gewöhnt, daß ich, der Tebel hol mer, vielmal dachte: Was gilts?
+die Menscher werden noch auf dem Miste sterben müssen, weil sie ihre
+eigene Mutter so verwünschen. Allein es geschah der Mutter gar recht,
+warum hatte sie dieselben in der Jugend nicht besser gezogen. Einen
+kleinen Sohn hatte sie auch noch zu Hause, das war noch der beste; sie
+hielt ihm unterschiedene Präzeptores, aber derselbe Junge hatte zu dem
+Studieren keine Lust. Seine einzige Freude hatte er an den Tauben und
+auch (wie ich in meiner Jugend) an dem Blaserohre, mit demselben schoß
+er im Vorbeigehen, wenn es Markttag war, die Bauern immer auf die Köpfe
+und versteckte sich hernach hinter die Haustür, daß ihn niemand gewahr
+wurde. Ich war demselben Jungen recht gut, nur des Blaserohrs halber,
+weil ich in meiner Jugend auch so einen großen Narren daran gefressen
+hatte.
+
+[69] keiften.
+
+Nun hätte auch diese Wirtin so gerne wieder einen Mann gehabt, wenn sie
+nur einer hätte haben wollen, denn der sappermentsche Kupido mußte ihr
+eine abscheulich große Wunde mit seinem Pfeile gemacht haben, daß sie in
+ihrem sechzigjährigen Alter noch so verliebt um den Schnabel herum
+aussah. Sie hätte, halt ich dafür, wohl noch einen Leg-dich-her
+bekommen, weil sie ihr gutes Auskommen hatte. Den ganzen Tag redete sie
+von nichts anders als von Hochzeit machen und von ihrem Sohne, welcher
+in der Fremde wäre, und sagte, was derselbe vor ein so stattlicher Kerl
+wäre.
+
+Ich hatte, halt ich davor, noch nicht drei Wochen bei derselben Wirtin
+logiert, so stellte sich ihr fremder Sohn zu Hause wieder ein. Er kam,
+der Tebel hol mer, nicht anders als ein Kesselflicker aufgezogen und
+stunk nach Tobak und Branntewein wie der ärgste Marodebruder[70]. Ei
+sapperment! was schnitt der Kerl Dinges auf, wo er überall gewesen wäre,
+und waren, der Tebel hol mer, lauter Lügen.
+
+[70] vagabondierender Soldat.
+
+Wie ihn nun seine Mutter und Schwestern wie auch sein kleiner Bruder
+bewillkommet hatten, so wollte er mit seinen Schwestern Französisch an
+zu reden fangen, allein er kunnte, der Tebel hol mer, nicht mehr
+vorbringen als »oui«. Denn wenn sie ihn auf deutsch fragten, ob er auch
+da und da gewesen wäre, so sagte er allemal »oui«. Der kleine Bruder
+fing zu ihm auch an und sagte: »Mir ist erzählt worden, du sollst nicht
+weiter als bis Halle in Sachsen gewesen sein: ists denn wahr?« So gab er
+ihm gleichfalls zur Antwort: »Oui«. Als er nun hierzu auch »oui« sprach,
+mußte ich mich, der Tebel hol mer, vor Lachen in die Zunge beißen, daß
+ers nicht merkte, daß ich solche Sachen besser verstünde als er. Denn
+ich kunnte es ihm gleich an den Augen absehen, daß er über eine Meile
+Weges von Padua nicht mußte gewesen sein.
+
+Wie ihm das Französischreden nicht wohl fließen wollte, so fing er
+Deutsch an zu reden und wollte gerne fremde schwatzen, allein die liebe
+Muttersprache verriet ihn immer, daß auch das kleinste Kind es hätte
+merken können, daß es lauter gezwungen Werk mit seinem Fremdereden war.
+Ich stellte mich nun dabei ganz einfältig und gedachte von meinen Reisen
+anfänglich nicht ein Wort. Nun da hat der Kerl Dinge hergeschnitten, daß
+einem flugs die Ohren davon hätten weh tun mögen, und war nicht ein
+einzig Wort wahr. Denn ich wußte es alles besser, weil ich dieselben
+Länder und Städte, da er wollte gewesen sein, schon längst an den
+Schuhen abgerissen hatte.
+
+Die Studenten, so im Hause waren, die hießen ihn nicht anders als den
+Fremden und zwar aus den Ursachen, weil er wollte überall gewesen sein.
+Man denke nur, was der sappermentsche Kerl, der Fremde, vor abscheuliche
+große Lügen vorbrachte. Denn als ich ihn fragte, ob er auch was Rechts
+da und da zu Wasser gesehen und ausgestanden hätte, so gab er mir zur
+Antwort, wann er mirs gleich lange sagte, so würde ich einen Quark davon
+verstehen. O sapperment! wie verdroß mich das Ding von dem
+nichtswürdigen Bärenhäuter, daß er mir da von einem Quarke schwatzte; es
+fehlte nicht viel, so hätte ich ihm eine Presche gegeben, daß er flugs
+an der Tischecke hätte sollen kleben bleiben, so aber dachte ich, was
+schmeißt du ab, du willst ihn nur aufschneiden lassen und hören, was er
+weiter vorbringen wird. Ferner so fing der Fremde nun an, von
+Schiffahrten zu schwatzen. Nun kann ichs, der Tebel hol mer, nicht
+sagen, was der Kerl vor Wesens von den Schiffen machte und absonderlich
+von solchen Schiffen, die man nur Dreckschüten[71] nennt. Denn er
+erzählte seinen Schwestern mit großer Verwunderung, wie er bei
+abscheulichem Ungestüm und Wetterleuchten auf einer Dreckschüte mit
+zweitausend Personen von Holland nach England in einem Tage gefahren
+wäre und hätte keiner keinen Schuh naß gemacht. Worüber sich des
+Fremden seine Schwestern sehr verwunderten. Ich aber sagte hierzu nicht
+ein Wort, sondern mußte innerlich bei mir recht herzlich lachen, weil
+der Fremde so ein großes Wesen von der lumpigen Dreckschüte da erzählte.
+Ich mochte ihn nur nicht beschimpfen und auf seine Aufschneidereien
+antworten. Denn wenn der Kerl hätte hören sollen, wie daß ich mit meinem
+verstorbenen Bruder Grafen über hundert Meilen auf einem Brette
+schwimmen müssen, ehe wir einmal Land gerochen hätten, und wie daß auch
+einstmals ein einziges Brett unser fünfzig das Leben errettet: O
+sapperment! wie der Fremde die Ohren aufsperren sollen und mich ansehen!
+So aber dachte ich, du willst ihn immer aufschneiden lassen, warum sein
+die Menscher solche Narren und verwundern sich flugs so sehr über
+solchen Quark. Weiter erzählte der Fremde auch, wie er wäre in London
+gewesen und bei dem Frauenzimmer in solchem Ansehen gestanden, daß sich
+auch eine sehr vornehme Dame so in ihn verliebt hätte gehabt, daß sie
+keinen Tag ohne ihn leben können, denn wenn er nicht alle Tage wäre zu
+ihr gekommen, so hätte sie gleich einen Kammerjunker zu ihm geschickt,
+der hätte ihn auf einer Chaise de Roland mit elf gelben Rappen bespannt
+allemal holen müssen; und wenn er nun zu derselben vornehmen Dame
+gekommen wäre, so hätte sie ihm allzeit erstlich einen guten Rausch in
+Mastixwasser zugesoffen, ehe sie mit ihm von verliebten Sachen zu
+schwatzen angefangen. Er hätte es auch bei derselben Dame so weit
+gebracht, daß sie ihm täglich fünfzigtausend Pfund Sterling in
+Kommission gegeben, damit er nun anfangen mögen, was er nur selbsten
+gewollt. O sapperment! was waren das wieder vor Lügen von dem Fremden,
+und seine Schwestern, die glaubten ihm nun, der Tebel hol mer, alles
+miteinander. Die eine fragte ihn, wie viel denn ein Pfund Sterling an
+deutscher Münze wäre. So gab er zur Antwort, ein Pfund Sterling wäre
+nach deutscher Münze sechs Pfennige. Ei sapperment! wie verdroß mich das
+Ding von dem Kerl, daß er ein Pfund Sterling nur vor sechs Pfennige
+schätzte, da doch, der Tebel hol mer, nach deutscher Münze ein Pfund
+Sterling einen Schreckenberger macht, welches in Padua ein halber
+Batzen[72] ist. Über nichts kunnte ich mich innerlich so herzlich
+zulachen, als daß des Fremden sein kleiner Bruder sich immer so mit
+dreinmengte, wann der Fremde Lügen erzählte, denn derselbe wollte ihm
+gar kein Wort nicht glauben, sondern sagte allemal, wie er sich doch die
+Mühe nehmen könne, von diesen und jenen Ländern zu schwatzen, da er doch
+über eine Meile Weges von Padua nicht gekommen wäre. Den Fremden
+verschnupfte das Ding, er wollte aber nicht viel sagen, weils der Bruder
+war, doch gab er ihm dieses zur Antwort: »Du Junge verstehst viel von
+dem Taubenhandel«. Den kleinen Bruder verdroß das Ding auch, daß der
+Fremde ihn einen Jungen hieß und von dem Taubenhandel schwatzte, denn
+die Wetterkröte bildete sich auch ein, er wäre schon ein großer Kerl,
+weil er von dem sechsten Jahre an bis in das fünfzehnte schon den Degen
+getragen hatte. Er lief geschwind zur Mutter und klagte ihrs, daß ihn
+sein fremder Bruder einen Jungen geheißen hatte. Die Mutter verdroß
+solches auch und war hierauf her und gab ihm Geld, schickte ihn hin auf
+die Universität in Padua, daß er sich da mußte einschreiben lassen und
+ein Studente werden.
+
+[71] Holländisch Trekschuyte: ein Kahn, der geschleppt wird.
+
+[72] Ein Pfund Sterling ist in deutscher Münze ungefähr 20 M.; ein
+Batzen entspricht etwa 10 Pfg. heutiger Reichswährung.
+
+Wie er nun wiederkam, so fing er zu seinem fremden Bruder an und sagte:
+»Nun bin ich doch auch ein rechtschaffener Kerl geworden, und Trotz sei
+dem geboten, der mich nicht dafür ansieht«. Der Fremde sah den kleinen
+Bruder von unten bis oben, von hinten und von vorne mit einer höhnischen
+Miene an, und nachdem er ihn überall betrachtet hatte, sagte er: »Du
+siehst noch jungenhaftig genug aus«. Den kleinen Bruder verdroß das Ding
+erschrecklich, daß ihn der Fremde vor allen Leuten so beschimpfte. Er
+war her und zog sein Fuchtelchen da heraus und sagte zu dem Fremden:
+»Hast du was an mir zu tadeln oder meinest, daß ich noch kein
+rechtschaffener Kerl bin, so schier dich her vor die Klinge, ich will
+dir weisen, was Burschenmanier ist«. Der Fremde hatte nun blutwenig
+Herze in seinem Leibe, als er des kleinen Bruders bloßen Degen sah, er
+fing an zu zittern und zu beben und kunnte vor großer Angst nicht ein
+Wort sagen, daß auch endlich der kleine Bruder den Degen wieder
+einsteckte und sich mit dem Fremden in Güte vertrug. Wie sehr aber der
+neue Akademikus von den Hausburschen und andern Studenten gevexiert[73]
+wurde, das kann ich, der Tebel hol mer, nicht sagen. Sie hießen ihn nur
+den unreifen Studenten, ich fragte auch, warum sie solches täten, so
+wurde mir zur Antwort gegeben: deswegen wurde er nur der unreife Student
+geheißen, weil er noch nicht tüchtig auf die Universität wäre, und dazu
+so hielte ihm seine Mutter noch täglich einen Moderator[74], welcher ihn
+den Donat[75] und Grammatika lernen mußte. Damit aber der unreife
+Student die Schande nicht haben wollte, als wenn er noch unter der
+Schulrute erzogen würde, so machte er den andern Studenten weis, der
+Moderator wäre sein Stubengeselle.
+
+[73] gefoppt.
+
+[74] Pauker.
+
+[75] lateinische Grammatik.
+
+Indem mir nun einer von den Hausburschen solches erzählt hatte und noch
+mehr Dinge von dem unreifen Studenten erzählen wollte, so wurde ich
+gleich zur Mahlzeit gerufen. Über Tische fing der Fremde nun wieder an,
+von seinen Reisen aufzuschneiden, und erzählte, wie daß er wäre in
+Frankreich gewesen und bei einem Haare die Ehre gehabt, den König zu
+sehen. Wie ihn nun seine Schwestern fragten, was vor neue Moden jetzo in
+Frankreich wären, so gab er ihnen zur Antwort: wer die neuesten Trachten
+und Moden zu sehen verlangte, der sollte nur ihn fragen, denn er hielte
+bis dato noch einen eigenen Schneider in Frankreich, welchem er jährlich
+Pensionsgelder gäbe, er möchte ihm nun was machen oder nicht; wer was
+bei demselbigen wollte von den neusten Moden verfertigen lassen, der
+sollte nur zu ihm (als nämlich zu dem Fremden) kommen. Er wollte es ihm
+hineinschicken, denn derselbe Schneider dürfte sonst niemand einen Stich
+arbeiten, wenn ers nicht haben wollte. Ich kanns, der Tebel hol mer,
+nicht sagen, wie der Fremde seinen Leibschneider herausstrich und
+verachtete dabei alle Schneider in der ganzen Welt, absonderlich von den
+Schneidern in Deutschland wollte er gar nichts halten, denn dieselben
+(meinte der Fremde) wären nicht einen Schuß Pulver wert aus Ursachen,
+weil sie so viel in die Hölle[76] schmissen.
+
+[76] Vertiefung in dem Tische, auf dem die Schneider bei der Arbeit zu
+sitzen pflegen.
+
+Nachdem er solches erzählt und seine Jungfern Schwestern hierzu nicht
+viel sagen wollten, so rief er den Hausknecht, derselbe mußte geschwinde
+in die Apotheke laufen und ihm vor vier Groschen Mastixwasser holen. Nun
+kann ichs, der Tebel hol mer, nicht sagen, was der Fremde vor Wesens und
+Aufschneidens von dem Mastixwasser machte, wie nämlich dasselbe
+frühmorgens vor die Mutterbeschwerung und vor den Ohrenzwang so gesund
+wäre, und wie es den Magen einem so brav zurechte wieder harken könnte,
+wenn es einem speierlich im Halse wäre. Ich dachte aber in meinem Sinn,
+lobe du immerhin dein Mastixwasser, ich will bei meiner Bomolie
+bleiben. Denn ich sage es noch einmal, daß auf der Welt nichts Gesunders
+und Bessers ist, als ein gut Gläschen voll Bomolie, wann einem übel ist.
+Als nun der Hausknecht mit dem Mastixwasser kam. Ei sapperment! wie soff
+der Fremde das Zeug so begierig in sich hinein! Es war nichts anders,
+als wenn er ein Glas Wasser in sich hineingösse, und gingen ihm die
+Augen nicht einmal davon über.
+
+Nachdem der Fremde nun vor vier Groschen Mastixwasser auf sein Herze
+genommen hatte, so fing er ferner an zu erzählen von den Handelschaften
+und Kommerzien in Deutschland und sagte, wie daß sich die meisten
+Kaufleute nicht recht in die Handlungen zu finden wüßten und der
+hundertste Kaufmann in Deutschland nicht einmal verstünde, was
+Kommerzien wären. Hingegen in Frankreich, da wären brave Kaufleute, die
+könnten sich weit besser in den Handel schicken als wie die dummen
+Deutschen. O sapperment! wie horchte ich, als der Fremde von den dummen
+Deutschen schwatzte. Weil ich nun von Geburt ein Deutscher war, so hätte
+ich ja, der Tebel hol mer, wie der ärgste Bärenhäuter gehandelt, daß ich
+dazu stillschweigen sollen, sondern ich fing hierauf gleich zu ihm an
+und sagte: »Höre doch, du Kerl! Was hast du auf die Deutschen zu
+schmälen? Ich bin auch ein Deutscher, und ein Hundsfott, der sie nicht
+alle vor die bravsten Leute ästimiert«. Kaum hatte ich das Wort
+Hundsfott dem Fremden unter die Nase gerieben, so gab er mir
+unversehenerweise eine Presche, daß mir die Gusche[77] flugs wie eine
+Bratwurst davon auflief. Ich war aber her und kriegte den Fremden hinter
+dem Tische mit so einer artigen Manier bei seinem schwarzen Nischel[78]
+zu fassen und gab ihm vor die eine Presche wohl tausend Preschen. O
+sapperment! wie gerieten mir seine Schwestern wie auch der unreife
+Student und der Moderator oder, daß ich recht sage, des unreifen
+Studentens sein Stubengeselle, in meine Haare und zerzausten mich da
+tüchtig. Ich wickelte mich aber aus dem Gedränge eiligst heraus, sprang
+hinter dem Tische vor und lief nach dem Kachelofen zu, daselbst hatte
+ich in der Hölle meinen großen Kober an einem hölzernen Nagel hängen,
+denselben nahm ich herunter, und weil er von dem Specke, welchen ich von
+den barmherzigen Brüdern im Kloster geschenkt bekommen, brav schwer war,
+so hätte man da schön Abkobern gesehen, wie ich sowohl des Fremden
+Schwestern und den unreifen Studenten wie auch des unreifen Studenten
+Moderator (ei, wollte ich sagen Stubengesellen) und den Fremden selbst
+mit meinem großen Kober da zerpumpte. Daß auch der Fremde vor großer
+Angst das Mastixwasser, welches er über Tische so begierig
+hineingesoffen hatte, mit halsbrechender Arbeit wieder von sich spie und
+unter währendem Speien um gut Wetter bat: wenn er ausgespien hätte, so
+wollte er die ganze Sache mit mir vor der Klinge ausmachen. O
+sapperment! was war das vor ein Fressen vor mich, als der Fremde von der
+Klinge schwatzte. Worauf ich auch alsobald »Topp« sagte und ihn mit
+meinem großen Kober nicht mehr schmiß. Des unreifen Studenten
+Stubengesellen aber koberte ich gottsjämmerlich ab, und ich sage, daß
+ich ihn endlich gar hätte zu Tode gekobert, wenn nicht des Fremden
+Mutter und Schwestern so erschrecklich vor ihn gebeten hätten, denn er
+stund überaus wohl bei den Töchtern und der Mutter.
+
+[77] Schnauze.
+
+[78] Kopf.
+
+Nachdem der Fremde nun mit Speien wieder fertig war, hing ich meinen
+großen Kober wieder in die Hölle und suchte meinen langen Stoßdegen zur
+Hand, welchen ich dazumal trug, und forderte ihn hierauf vors Tor. Der
+Fremde suchte seinen Degen auch hervor, dasselbe war nun eine große
+breite Musketierplempe mit einem abscheulichen Korbe, damit marschierten
+wir beide nun spornstreichs nach dem Tore zu. Der unreife Studente
+wollte mit seinem Stubengesellen auch hinten nachgelaufen kommen, allein
+ich und der Fremde jagten die Bärenhäuter wieder zurück. Wie wir nun vor
+das Tor hinauskamen, so war gleich flugs nahe an der Ringmauer ein hoher
+spitziger Berg, denselben kletterten wir hinauf und oben auf der Spitze
+des Berges gingen wir zusammen. Wir hätten uns zwar unten am Berge
+schlagen können, allein so hatten wir keine Sekundanten bei uns, denn
+wenn wir Sekundanten gehabt, hätten dieselben mit bloßen Degen hinter
+uns stehen müssen, damit von uns keiner zurückweichen können. In
+Ermangelung derselben aber mußte uns der hohe spitzige Berg sekundieren,
+denn da durfte und kunnte von uns beiden auch keiner ausweichen; denn
+wenn nur einer einen Strohhalm breit aus seiner Positur gewichen, so
+wären wir, der Tebel hol mer, alle beide den Berg hinuntergepurzelt und
+hätten Hals und Beine über unserer Schlägerei morsch entzweigebrochen;
+so aber mußten ich und der Fremde oben auf der Spitze wie eine Katze
+innehalten und unter währendem Schlagen wie eine Mauer auf den Knochen
+stehen. -- Ehe wir uns aber anfingen zu schmeißen, so fing der Fremde zu
+mir an und sagte, ich sollte mit ihm auf den Hieb gehen, weil er keinen
+Stoßdegen hätte, oder wenn ichs zufrieden wäre, so wollte er den ersten
+Gang mit mir auf den Hieb gehen, den andern Gang wollte er mit mir auf
+den Stoß versuchen. Ich sah aber nun gleich, daß der Fremde kein Herze
+hatte, sondern sagte: Kerl, schier dich nur her, es gilt mir alles
+gleich, ich will mit dir nicht lange Federlesens machen. Damit so zogen
+wir beide vom Leder und gingen miteinander da auf den Hieb zusammen. Ei
+sapperment! wie zog ich meinen Stoßdegen mit so einer artigen Manier aus
+der Scheide heraus! Den ersten Hieb aber, so ich mit meinem Stoßdegen
+nach dem Fremden tat, so hieb ich ihm seine große Plempe flugs glatt von
+dem Gefäße weg und im Rückzuge streifte ich ihm die hohe Quarte über der
+Nase weg und hieb ihm, der Tebel hol mer, alle beide Ohren vom Kopf
+herunter. O sapperment! wie lamentierte der Fremde, da er seine Ohren
+vor sich liegen sah. Ich war auch willens, ihm wie dem Seeräuber Hans
+Barth eine stumpfichte Nase zu machen, weil er aber so sehr um die Ohren
+tat und mich bat, daß ich ihn ungeschoren lassen sollte und daß er
+zeitlebens keinen Deutschen wieder verachten wollte, sondern allezeit
+sagen, die Deutschen wären die bravsten Leute unter der Sonne, so
+steckte ich meinen Stoßdegen wieder ein und hieß ihn beide Ohren nehmen
+und damit eiligst zum Barbier wandern, vielleicht könnten sie ihm wieder
+angeheilt werden.
+
+Hierauf war er her und wickelte seine Ohren in ein Schnupftuch und nahm
+seine zerspaltene Plempe mit dem großen Korbgefäße unter den Arm und
+ging mit mir in die Stadt Padua hinein. In dem großen Hause flugs am
+Tore neben dem Aufpasser wohnte ein berühmter Feldscher, welcher auch
+wacker wollte gereist sein; zu demselben hieß ich den Fremden mit seinen
+abgehauenen Ohren gehen, und sollte da hören, ob sie ihm wohl könnten
+wieder angeheilt werden. Der Fremde aber hatte keine Lust, zum Feldscher
+hinzugehen, sondern sagte, er wollte erstlich ein gut Gläschen
+Mastixwasser auf die Schmerzen aussaufen, hernach so wollte er sich zum
+Schinder in die Kur begeben und bei dem hören, ob seine Ohren wieder
+könnten angeheilt werden. Nachdem er dieses zu mir gesagt, so ging er
+von mir und nahm seinen Marsch immer nach der Apotheke zu. Ich aber war
+her und schlich mich heimlich in des Fremden seiner Mutter Haus, allwo
+ich im Quartier lag, daß mich keiner gewahr wurde, und praktizierte mit
+so einer artigen Manier meinen großen Kober aus der Stube hinter der
+Hölle weg, setzte mich wieder auf mein gewonnenes Pferd und ritt da ohne
+Stallgeld und ohne Abschied immer zur Stadt Padua hinaus und nach Rom
+zu.
+
+Von derselben Zeit an habe ich den Fremden wie auch den unreifen
+Studenten mit seinem Moderator oder, sage ich, Herrn Stubengesellen mit
+keinem Auge wiedergesehen. Nachricht aber habe ich seithero von dem
+Universitätsboten aus Padua erhalten, daß der Schinder dem Fremden die
+Ohren wiederum feliziter[79] sollte in zwei Tagen angeheilt haben. Er
+hätte aber die zwei Tage über vortrefflichen Fleiß bei ihm angewendet
+und hätte unter währender Kur der Fremde über zwölf Kannen Mastixwasser
+muttersteinallein ausgesoffen, und von demselben Mastixwasser (meinte
+der Universitätsbote) wäre er meistenteils wieder zurechte geworden.
+
+[79] glücklich.
+
+Was den unreifen Studenten und Moderator wie auch des Fremden ganze
+Familie anbelangt, so habe ich bis dato nichts erfahren können, was sie
+machen müssen.
+
+Nun Adieu, Padua, Signor Schelmuffsky muß sehen, wie Rom aussieht.
+
+
+
+
+5. Kapitel.
+
+
+Rom ist, der Tebel hol mer, auch eine wackere Stadt, nur immer und ewig
+schade ists, daß dieselbe von außen keinen Prospekt[80] hat. Sie ist
+gebaut in lauter Rohr und Schilf und ist mit einem Wasser, welches der
+Tiberfluß genannt wird, ringsumher umgeben, und fließt die Tiber mitten
+durch Rom und über den Markt weg. Denn auf dem Markte kann kein Mensche
+zu Fuße nicht gehen, sondern wenn Markttag da gehalten wird, so müssen
+die Bauersleute ihre Butter und Käse oder Gänse und Hühner in lauter
+Dreckschüten feil haben. O sapperment! was gibt es täglich vor unzählig
+viel Dreckschüten auf dem römischen Markte zu sehen! Wer auch nur eine
+halbe Mandel Eier in Rom verkaufen will, der bringt sie auf einer
+Dreckschüte hinein zu Markte geschleppt. Daß auch manchen Tag etliche
+tausend Dreckschüten auf der Bauerreihe dort halten und keine vor der
+andern weichen kann. Vortreffliche Fische gibts des Markttages immer in
+Rom zu verkaufen und absonderlich was Heringe anbelangt, die glänzen
+auch, der Tebel hol mer, flugs von Fette wie eine Speckschwarte und
+lassen sich überaus wohl essen, zumal wenn sie mit Bomolie brav fett
+begossen werden. Nun ist es zwar kein Wunder, daß es so fette Heringe da
+gibt, denn es ist, der Tebel hol mer, ein über alle Maßen guter
+Heringsfang vor Rom auf der Tiber, und wegen der Heringe ist die Stadt
+Rom in der Welt weit und breit berühmt. Es mag auch eine Heringsfrau in
+Deutschland sitzen, wo sie nur wolle, und mag auch so viel Heringe
+haben, als sie nur immer will, so sind sie, der Tebel hol mer, alle auf
+der Tiber bei Rom gefangen, denn der Heringsfang gehört dem Papste, und
+weil er immer nicht wohl zu Fuße ist und es selbst abwarten kann, so hat
+er denselben etlichen Schiffern verpachtet, die müssen dem Papste
+jährlich viel Tribut davon geben.
+
+[80] schöne Ansicht.
+
+Wie ich nun mit meinem großen Kober zu Pferde vor Rom angestochen kam,
+so konnte ich wegen der Tiber nicht in die Stadt Rom hineinreiten,
+sondern mußte mich mit meinem großen Kober und Pferde auf eine
+Dreckschüte setzen und da lassen bis in die Stadt Rom hineinfahren. Als
+ich nun mit meinem großen Kober zu Pferde auf der Dreckschüte glücklich
+angelangte, so nahm ich mein Quartier bei einem Sterngucker, welcher in
+der Heringsgasse nicht weit von dem Naschmarkte wohnte. Derselbe war,
+der Tebel hol mer, ein überaus braver Mann, mit seiner Sternguckerei
+halber fast in der ganzen Welt bekannt. Absonderlich was den Fixstern
+anbelangte, aus demselben kunnte er erschreckliche Dinge prophezeien,
+denn wenn es nur ein klein wenig regnete und die Sonne sich unter trübe
+Wolken versteckt hatte, so kunnte ers einem gleich sagen, daß der Himmel
+nicht gar zu helle wäre. Derselbe Sterngucker führte mich nun in der
+ganzen Stadt Rom herum und zeigte mir alle Antiquitäten, die da zu sehen
+sein, daß ich auch von dergleichen Zeuge so viel gesehen habe, daß ich
+mich jetzo auf gar keines mehr besinnen kann. Letztlich so führte er
+mich auch bei der St. Peterskirche in ein groß steinern Haus, welches
+mit marmorsteinernen Ziegeln gedeckt war, und wie wir da hinein und oben
+auf einen schönen Saal kamen, so saß dort ein alter Mann in
+Pelzstrümpfen auf einem Großvaterstuhle und schlief. Zu demselben mußte
+ich mich auf Befehl des Sternguckers sachte hinschleichen, ihm die
+Pelzstrümpfe ausziehen und hernach die Füße küssen.
+
+Da ich ihm nun die Knochen geküßt hatte, so wollte ich ihn immer
+aufwecken. So aber winkte mir der Sterngucker, daß ich ihn nicht aus dem
+Schlafe verstören sollte, und sagte ganz sachte zu mir, ich sollte Ihrer
+Heiligkeit die Pelzstrümpfe wieder anziehen. O sapperment! als ich von
+der Heiligkeit hörte, wie eilte ich mich, daß ich ihm die Pelzstrümpfe
+wieder an die Knochen brachte und mit dem Sterngucker wieder zum Saale
+hinunter- und zum Hause hinausmarschierte. Vor der Haustüre sagte mirs
+nun der Sterngucker erstlich recht, daß es Ihre Päpstliche Heiligkeit
+gewesen wäre, dem ich die Füße geküßt hätte, und meinte auch dies dabei:
+wer von fremden Deutschen nach Rom käme und küßte dem Papste die Füße
+nicht, der dürfte sich hernachmals nicht rühmen, wenn er wieder nach
+Deutschland käme, daß er zu Rom gewesen wäre, wann er solches nicht
+getan hätte.
+
+Und also kann ichs mit gutem Rechte sagen, daß ich zu Rom bin gewesen,
+es wäre denn, daß mir der Sterngucker aus dem Fixsterne einen blauen
+Dunst vor die Nase gemacht und daß es sonst etwa ein alter Botenläufer
+gewesen wäre. Wenn ich aber drauf schwören sollte, daß es der Papst,
+welchem ich die Füße geküßt gehabt, gewiß gewesen wäre, so könnte ichs,
+der Tebel hol mer, nicht mit gutem Gewissen tun, denn der Sternseher kam
+mir für, als wenn er mehr als Brot fressen könnte, weil er sein Herze so
+sehr an den Fixstern gehangen hatte; sobald er auch nur an den Fixstern
+gedachte, so wußte er schon, was in dem Kalender vor Wetter stund.
+
+Derselbe Sterngucker war ein vortrefflicher Kalendermacher; er lernte
+mir dieselbe Kunst auch; ich habe auch sehr viel Kalender gemacht,
+welche noch alle geschrieben unter der Bank liegen und treffen doch, der
+Tebel hol mer, noch bisweilen ziemlich ein. Sollte ich wissen, daß
+Liebhaber dazu möchten gefunden werden, wollte ich mit der Zeit etwa
+einen herfürsuchen und zur Probe herausgeben. Doch kommt Zeit, kommt
+Rat.
+
+Damit ich aber wieder auf meinen vorigen Diskurs komme und erzähle,
+wohin mich der Sterngucker weitergeführt, als ich dem Papste die Füße
+geküßt hatte. Flugs an der St. Peterskirche war ein ganz enges Gäßchen,
+durch dasselbe führte mich der Sterngucker und immer vor bis an den
+Markt. Wie wir nun an den Markt kamen, so fragte er mich, ob ich Lust
+und Belieben hätte, mich in eine Dreckschüte zu setzen und ein wenig mit
+nach dem Heringsfange spazieren zu fahren. Ich sagte hierzu gleich Topp.
+Darauf setzten wir uns beide in eine Dreckschüte und fuhren da, weil wir
+guten Wind hatten, immer auf der Tiber übern Markt weg, und unten bei
+dem Heringstore zu einem Schlauchloche hindurch und nach dem
+Heringsfange zu.
+
+Wie wir nun mit unserer Dreckschüte an den Heringsfang kamen: O
+sapperment! was war vor ein Gelamentiere von den Schiffsleuten, welche
+den Heringsfang gepachtet hatten. Da ich nun fragte, was es wäre, so
+erzählten sie mir mit weinenden Augen, wie daß ihnen der Seeräuber Barth
+mit der stumpfichten Nase großen Abbruch an ihrer Nahrung getan und
+ihnen nur vor einer halben Viertelstunde über vierzig Tonnen frische
+Heringe mit etlichen Kapers schelmischerweise weggenommen hätte. O
+sapperment! wie lief mir die Laus über die Leber, als ich von Hans
+Barthens stumpfichter Nase hörte; da dachte ich gleich, daß es derselbe
+Kerl sein müßte, welcher mich mit so erschrecklich viel Kapers weiland
+auf der spanischen See ohne Räson in Arrest genommen und dadurch
+dasselbemal zum armen Manne gemacht hatte. Ich war flugs hierauf her und
+fragte die Schiffsleute, wo der Galgenvogel mit den Heringstonnen
+zugemarschiert wäre. Da sie mir nun sagten und zeigten, daß er noch auf
+der Tiber mit seinem Kaperschiffe, worauf er die vierzig Tonnen frische
+Heringe gepackt hatte, zu sehen wäre, so setzte ich ihm geschwind mit
+etlichen Dreckschüten nach, und weil so vortrefflich guter Wind war, so
+ergatterte ich ihn noch mit dem Sterngucker und etlichen Schiffsleuten
+eine halbe Meile von dem Heringsfange.
+
+O sapperment! wie fiel dem Hans Barth das Herze in die Hosen, da er mich
+nur von ferne kommen sah; er wurde wie ein Stück Käse so rot im
+Angesichte und mochte sich wohl flugs erinnern, daß ich der und der
+wäre, welcher seiner Nase vormals so einen erschrecklichen Schandflecken
+angehängt hätte. Als wir nun auf unsern Dreckschüten Hans Barthen mit
+den vierzig gestohlenen Heringstonnen einholten, so fing ich gleich zu
+ihm an: »Höre doch, du Kerl, willst du die Heringe wieder hergeben,
+welche du den armen Schiffsleuten abgenommen hast, oder willst du haben,
+daß ich dir deine krumme stumpfichte Habichtsnase vollends
+heruntersäbeln soll?« Der Hans Barth gab mir hierauf zur Antwort und
+sagte, er wollte sich eher sein Leben nehmen lassen, ehe er in Güte
+einen Schwanz nur von einem Hering wiedergäbe. Hierauf so rückte ich mit
+meiner Dreckschüte an sein Kaperschiff hinan und kriegte meinen langen
+Stoßdegen heraus; nun da hätte man schön Fuchteln gesehen, wie ich den
+Hans Barth auf seinem Kaperschiffe exerzierte. Er wehrte sich zwar auch
+mit seinen Kapers, allein sie kunnten mir nichts anhaben. Denn wenn sie
+gleich nach mir hieben oder stachen, so war ich wie ein Blitz mit meiner
+Dreckschüte auf der Seite, den Hans Barth aber jagte ich, der Tebel hol
+mer, immer um die vierzig Heringstonnen, welche er auf sein Schiff
+geladen hatte, herum und hieb wie Kraut und Rüben auf ihn hinein.
+Endlich war ich so sehr auf den Galgenvogel erbittert, daß ich mich ganz
+nahe mit meiner Dreckschüte an sein Kaperschiff machte und ehe er sichs
+versah, bei seinen diebischen Federn zu fassen kriegte, aus dem
+Kaperschiffe herauszog und plumps in die Tiber hineintauchte. O
+sapperment! da hätte man schön Schreien gesehen, wie der Hans Barth
+schrie; er bat mich fast um Himmels willen, ich sollte ihm wieder
+heraushelfen, daß er nicht ersöffe, er wolle den Schiffsleuten ihre
+vierzig Heringstonnen herzlich gerne wiedergeben. Als ich dieses von
+Hans Barthen hörte, so gab ich gleich den Schiffsleuten Befehl, das
+Kaperschiff zu plündern, und hielt ihn so lange im Wasser bei den Ohren,
+bis sie die Heringstonnen wieder hatten, hernach ließ ich ihn mit seinem
+leeren Kaperschiffe hinfahren, wo er wollte. O sapperment! was war da
+vor ein Jubelgeschrei unter den Schiffsleuten, welche den Heringsfang
+gepachtet hatten, daß sie durch mich zu ihren Tonnenheringen wieder
+gekommen waren.
+
+Sie baten mich auch alle miteinander, ich sollte Heringsverwahrer
+werden, sie wollten mir jährlich zehntausend Pfund Sterling geben,
+allein ich hatte keine Lust dazu. Wie wir nun auf unsern Dreckschüten
+mit den vierzig Tonnen Heringen bei dem Heringsfange wieder anlangten,
+so verehrten mir zum Trinkgelde die Heringspächter eine Tonne von den
+besten Heringen, die lud ich in meine Dreckschüte und fuhr damit nebst
+dem Sterngucker wieder in die Stadt Rom hinein. Als ich nun zum
+Sterngucker ins Quartier kam, so ließ ich die Tonne aufschlagen und
+probierte einen, wie er schmeckte. Nun kann ichs, der Tebel hol mer,
+nicht sagen, wie fett dieselben Heringe waren, daß man sie auch ohne
+Salz, da sie doch im Einlegen schon scharf gesalzen waren, nicht fressen
+kunnte. Weil ich nun wußte, daß meine Frau Mutter eine große Liebhaberin
+von einem frischen Heringe war, so packte ich die geschenkte Tonne
+Heringe in meinen großen Kober und schickte ihr dieselben durch einen
+eigenen Boten nach Schelmerode in Deutschland zu, schrieb ihr auch einen
+sehr artigen Brief dazu, welcher folgenden Inhalts war:
+
+ »Mit Wünschung Gutes und Liebes zuvor,
+ ehrbare und ehrenfeste Frau Mutter!
+
+ Wenn die Frau Mutter noch fein frisch und gesund ist, so wird mirs,
+ der Tebel hol mer, eine rechte Freude sein, ich meinesteils bin
+ jetzo ein brav Kerl wieder geworden und lebe zu Rom, allwo ich bei
+ einem Sterngucker logiere, welcher mir das Kalendermachen gelernt
+ hat. Die Frau Mutter hat auch durch diesen Boten in meinem großen
+ Kober frische Heringe zu empfangen, welche mir von den
+ Heringspächtern zu Rom sein verehrt worden. Im übrigen wird der
+ Bote meinen ganzen Zustand mündlich berichten, die Frau Mutter lebe
+ wohl und schicke mir in meinem großen Kober ein Fäßchen gut
+ Klebebier mit zurück und schreibe mir, wie es ihr geht und ob sie
+ den kleinen Vetter noch bei sich hat, so werde ich allezeit
+ verbleiben
+
+ der ehrbaren und ehrenfesten Frau Mutter
+ allezeit reisebegierigster einziger lieber Sohn
+ Signor von Schelmuffsky.
+
+ Rom, den 1. April, im Jahr nach Erbauung der Stadt Rom 090«.
+
+Diesen Brief schickte ich nun nebst meinem Kober voll frischen Heringen
+durch einen eigenen Boten zu Fuß meiner Frau Mutter in Deutschland zu;
+es gingen nicht vierzehn Tage ins Land, so brachte mir der Bote in
+meinem großen Kober von meiner Frau Mutter folgendes zur Antwort wieder:
+
+ »Ehrbarer und namhafter Junggeselle von
+ Schelmuffsky, mein lieber Sohn!
+
+ Ich habe deinen großen Kober mit den frischen Heringen empfangen
+ und habe auch deinen Brief gelesen, und hat mir der Bote auch
+ deinen ganzen Zustand erzählt, worüber ich mich sehr erfreut habe;
+ was mich anbelangt, so bin ich jetzo sterbenskrank, und wenn du
+ mich noch einmal sehen willst, so komm geschwinde nach Hause; dein
+ kleiner Vetter läßt dich grüßen und deine Jungfer Muhmen lassen dir
+ einen guten Tag sagen und lassen dich auch bitten, du möchtest doch
+ geschwinde heimkommen. Lebe wohl und halt dich nicht lange in der
+ Fremde auf. Ich verharre dafür lebenslang
+
+ deine liebe Frau Mutter in Deutschland,
+ wohn- und seßhaftig zu Schelmerode.
+
+ Schelmerode, den 1. Januari 1621.
+
+ _PS._ Das Klebebier ist jetzo alle sauer, sonst hätte ich dir
+ herzlich gerne was mitgeschickt«.
+
+Als ich meiner Frau Mutter ihren Brief nun gelesen, O sapperment! wie
+packte ich alles in meinen großen Kober zusammen, sattelte mein Pferd,
+nahm von dem Sterngucker Abschied, setzte mich mit meinem Pferde in der
+Stadt Rom auf öffentlichem Markte wieder in eine Dreckschüte und fuhr da
+immer _per postae_ bei dem Heringstore unten zu einem Schlupfloche
+hinaus. Vor dem Tore so stieg ich nun von der Dreckschüte ab, setzte
+mich mit meinem großen Kober auf mein Pferd und marschierte immer nach
+Deutschland zu. Ich nahm meinen Weg durch Polen und ritt auf Nürnberg
+zu, allwo ich des Nachts über in der Goldenen Gans logierte. Von da so
+wollte ich meinen Weg durch den Schwarzwald durch nehmen, welcher zwei
+Meilen Weges von Nürnberg liegt. Ich war kaum einen Büchsenschuß in den
+Schwarzwald hineingeritten, so kamen mir unverhoffterweise zwei
+Buschklepper auf den Hals, die zogen mich, der Tebel hol mer, reine aus
+und jagten mich im bloßen Hemde mit einem Buckel voll Schläge von sich.
+O sapperment! wie war mir da zumute, daß mein Pferd, meine Kleider,
+meine tausend Dukaten und mein großer Kober mit allerhand Mobilien fort
+war.
+
+Da war, der Tebel hol mer, Lachen zu verbeißen. Ich kunnte mir aber
+nicht helfen, sondern mußte sehen, wie daß ich mich aus dem Schwarzwalde
+herausfand und von da mit Gelegenheit mich vollends nach Schelmerode
+bettelte. Wie ich nun im bloßen Hemde zu Hause bei meiner kranken Frau
+Mutter bewillkommnet wurde und mich mein kleiner Vetter auslachte,
+dasselbe wird entweder künftig im dritten Teile meiner gefährlichen
+Reisebeschreibung oder in meinen kuriösen Monaten, wovon ich in der
+Vorrede gedacht[81], sehr artig auch zu lesen sein.
+
+[81] Die Fortsetzung seiner interessanten Reiseberichte ist uns
+Schelmuffsky leider schuldig geblieben.
+
+[Illustration]
+
+ Weswegen denn jetzo ein jedweder mit
+ mir sprechen wolle: Schelmuffskys
+ anderer Teil seiner gefährlichen
+ Reisebeschreibung hat
+ nun auch ein
+ Ende.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Schelmuffskys wahrhaftige, kuriöse und
+sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande, by Christian Reuter
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHELMUFFSKYS WAHRHAFTIGE ***
+
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+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net
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+will be renamed.
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+research. They may be modified and printed and given away--you may do
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+works. See paragraph 1.E below.
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
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