summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:00:31 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:00:31 -0700
commitbf8ec156af20d5aa3d91b9d091f2afe336361b2e (patch)
tree156e41e1b87fbf95316301f102fe086ee0bd688a
initial commit of ebook 19596HEADmain
-rw-r--r--.gitattributes3
-rw-r--r--19596-8.txt9867
-rw-r--r--19596-8.zipbin0 -> 220644 bytes
-rw-r--r--19596-h.zipbin0 -> 281895 bytes
-rw-r--r--19596-h/19596-h.htm11611
-rw-r--r--19596-h/images/phalanstere.jpgbin0 -> 52244 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
8 files changed, 21494 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..6833f05
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,3 @@
+* text=auto
+*.txt text
+*.md text
diff --git a/19596-8.txt b/19596-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..dd57052
--- /dev/null
+++ b/19596-8.txt
@@ -0,0 +1,9867 @@
+The Project Gutenberg EBook of Charles Fourier, by August Bebel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Charles Fourier
+ Sein Leben und seine Theorien.
+
+Author: August Bebel
+
+Release Date: October 21, 2006 [EBook #19596]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK CHARLES FOURIER ***
+
+
+
+
+Produced by richyfourtytwo, K.F. Greiner and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+Charles Fourier
+
+
+Sein Leben und seine Theorien.
+
+
+Von
+
+A. Bebel.
+
+
+
+
+Stuttgart
+Verlag von J. H. W. Diek
+1890
+
+
+
+
+Vorrede.
+
+Das achtzehnte Jahrhundert zählt in der Geschichte der Entwicklung
+der Menschheit zu jenen Perioden, auf denen der Blick des
+Kulturforschers und Fortschrittsfreundes mit besonderem Interesse
+ruht. Nach den religiösen, politischen und sozialen Kämpfen des
+Reformationszeitalters war, wie das stets nach großen Volks- und
+Massenbewegungen zu geschehen pflegt, eine Art Stillstand und
+Rückschlag für die Fortentwicklung eingetreten. Die durch die
+Reformationsbewegungen zur Geltung gekommenen Stände und Interessen
+suchten sich zu konsolidiren und die daraus hervorgehenden
+Reibungen führten wieder zu gewaltsamen Kämpfen und Erschütterungen
+von mehr oder weniger langer Dauer, die alle übrigen Interessen
+absorbirten, den materiellen wie den geistigen Fortschritt der
+Massen für lange Zeit hemmten.
+
+In Deutschland hatte die Reformation dem Landesfürstenthum
+Oberwasser verschafft. Die Landesfürsten hatten die Reformation
+benutzt, um unter dem Deckmantel der Religion die eigene Hausmacht
+nach Möglichkeit zu stärken dadurch, daß sie den kleinen Adel
+sich unterthänig und von sich abhängig machten, die Macht der
+Geistlichkeit brachen, sich selbst die bischöfliche Gewalt
+beilegten, Kloster und Kirchengut konfiszirten und die gewonnene
+Macht benutzten, sich immer mehr von der Kaisergewalt zu emanzipiren,
+diese zum bloßen Schatten zu degradiren. Aus diesem Interessenkampf
+der Fürsten entstanden die sogenannten Religionskriege, der
+schmalkaldische und der dreißigjährige Krieg, die Deutschlands
+politische Ohnmacht und Zerrissenheit auf Jahrhunderte besiegelten,
+seine ökonomische Schwächung -- die schon durch die Umgestaltung
+der Weltmarktsbeziehungen in Folge der Entdeckung von Amerika und
+des Seewegs nach Ostindien veranlaßt war -- noch vergrößerten und
+allgemeine Armuth, schweren geistigen und geistlichen Druck über
+Länder und Völker verbreiteten.
+
+In Frankreich erzeugte die Reformation die Kämpfe der Hugenotten,
+d.h. des hugenottisch gesinnten Bürgerthums und die des
+frondirenden Adels gegen das frühzeitig sich entwickelnde, alles
+zentralisirende absolute Königthum. Nach längeren Kämpfen siegte
+das letztere und fand in Ludwig XIV. seinen glänzendsten, aber auch
+seinen bedrückendsten und gewaltthätigsten Vertreter. Die inneren
+und äußeren Kämpfe Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert hemmten
+die freie Entwicklung des materiellen wie geistigen Fortschritts.
+Bürgerthum und Adel gegenseitig feindlich, das Land nach außen,
+namentlich unter dem erwähnten Ludwig, von einem Krieg in den
+anderen gestürzt, war schließlich erschöpft und verarmt. Solche
+Zeitalter sind nicht geeignet, große Ideen zu gebären, für geistige
+Kämpfe die Bahn frei zu machen. Dagegen zeigte das achtzehnte
+Jahrhundert in Frankreich ein ganz anderes Bild. Frankreich bildete
+für dieses Zeitalter die Wiege des menschlichen Fortschritts auf
+allen Gebieten; hier entwickelte sich allmälig eine Fülle von
+geistigem Glanz und Leben, wie sie bis dahin kein Volk und kein
+Zeitalter in gleichem Maße erlebte. Die Menschen wuchsen sozusagen
+über sich selbst hinaus und setzten alle Geister und Herzen in der
+ganzen Kulturwelt in Bewegung. Frankreich mag viel gesündigt haben,
+die Dienste, die es während des achtzehnten Jahrhunderts der
+Menschheit leistete, werden ihm, so lange Menschen leben,
+unvergessen bleiben.
+
+Die Fortschritte begannen unmittelbar nach dem Tode Ludwig's XIV.,
+dessen Gewalt mit eisernem Drucke auf dem Lande gelastet, alle
+freie bürgerliche Regung erdrückt, alle freie geistige Bewegung
+erstickt hatte. Das Land stand nach seinem Tode am Rande des
+materiellen und geistigen Bankerotts. Allmälig erholte sich das
+Volk und arbeitete sich, wenigstens in den Städten, wo die feudale
+Macht des Adels und der Geistlichkeit am wenigsten sich fühlbar
+machen konnte, empor. Die Männer von Bildung und Geist, die nach
+der Entwicklung und Entfaltung der Kräfte des Landes strebten,
+eilten nach jenseits des Kanals, nach England, um dort, an den
+Quellen des öffentlichen Lebens, die Studien zu machen, zu denen
+ihnen im eigenen Lande die Gelegenheit und die Möglichkeit fehlte.
+Zurückgekehrt nach der Heimath, begannen sie die Arbeit, die
+langsam aber sicher den stolzen Bau des absoluten Staats und der
+feudalen Gesellschaft untergrub und unterhöhlte, bis zu Ende des
+Jahrhunderts in einem Riesenzusammenbruch Beides, Staat und
+Gesellschaft, zusammenstürzten, und durch ihren Fall ganz Europa
+aus den Fugen trieben.
+
+Das Königthum gerieth nach Ludwig XIV. in die Hände von
+Schwächlingen, die Geistlichkeit und der Adel waren verlottert und
+verweichlicht; eine Minorität unter den beiden Ständen war geneigt,
+angeekelt von dem Treiben der eigenen Klasse und den Zuständen um
+sich, neuen Ideen sich zugänglich zu erweisen und spielte mit dem
+Feuer, dessen Gefährlichkeit sie nicht kannte. So erklärt sich, daß
+die Männer der neuen Zeit mit ihren alles Alte angreifenden und
+erschütternden Ideen vielfach gerade dort einen bereiten Boden
+fanden, wo man ihn am wenigsten hätte erwarten sollen. Aber es
+hatte sich auch des Bürgerthums ein Drang nach Wissen und Bildung,
+nach politischen Rechten, ein Geist der Unzufriedenheit über das
+Bestehende bemächtigt, wodurch die Bewegung schließlich zum Alles
+niederreißenden Strom anschwoll.
+
+Das Bürgerthum, politisch so gut wie rechtlos und machtlos, die
+Vertretung seiner Magistrate in den alten ständischen Parlamenten
+mißachtet, mit Abgaben unangenehmster Art beschwert, durch Zunft-,
+Bann- und Höferechte in seiner materiellen Entwicklung behindert,
+von Adel und Geistlichkeit geringschätzig und verächtlich
+behandelt, aller persönlichen Rechte und der Garantien persönlicher
+Freiheit beraubt, sehend, wie die ungerecht vertheilten und
+gewaltsam beigetriebenen Steuern und Abgaben von einem in der
+Liederlichkeit verfaulenden Hof verschlemmt und verpraßt wurden,
+erfaßte mit Gier die neuen Ideen, welche die Rechtmäßigkeit der
+feudalen Vorrechte angriffen, die religiösen Vorurtheile, unter
+deren Druck es litt, in Zweifel zogen, die allgemeine Freiheit und
+Rechtsgleichheit lehrten. Der neue Staat und die neue Gesellschaft
+wurden in den verführerischsten Farben dargestellt, politische
+Macht, Reichthum, geistige Freiheit und Gleichheit Allen in
+Aussicht gestellt.
+
+Wenn in einem Gesellschaftszustand die Dinge sich einmal so weit
+entwickelten, daß ein großer Theil der Betheiligten und
+Interessirten von Unzufriedenheit und Mißstimmung gegen das
+Bestehende und von Sehnsucht nach besseren Zuständen erfüllt ist,
+so wird der alte Zustand sich auf die Dauer nicht halten können,
+was immer für Mittel und Praktiken in Anwendung kommen, ihn zu
+erhalten und zu stützen. Mag die Sehnsucht der Masse nach
+Veränderung des Bestehenden, nach Umgestaltung ihrer Lage zunächst
+nur eine Sache des Gefühls sein, das aber in dem thatsächlichen
+Zustand der Verhältnisse seine Begründung und seine Berechtigung
+findet. Mag diese Masse sich über den Weg wie über die Mittel,
+durch die ihr geholfen werden könnte, noch so unklar sein, der
+Moment kommt, wo sie mit elementarer Macht, _instinktiv stets
+richtig_, nach dem bestimmten Ziele drängt und die bewußten und
+wissenden Geister zwingt, sich zu ihrem Organ, zu ihrem Mundstück
+und zu ihren Werkzeugen aufzuwerfen, um die Bewegung zum richtigen
+und nach Lage der Verhältnisse möglichen Ziele zu leiten. Die
+Führer sind unter solchen Umständen stets Werkzeuge, nicht Macher,
+und sie werden bei Seite geworfen, sobald sie sich zu Machern
+aufwerfen, die Bewegung für sich und nach eigenem Gutdünken, statt
+im Interesse der Betheiligten zu benutzen suchen. Die rasche
+Abwirthschaftung der Führer in akut gewordenen Volksbewegungen hat
+in diesem Geheimniß ihren Grund, sie wollen Allesmacher sein, wo
+sie nur Werkzeuge sein sollen und können. Da man sich hüben wie
+drüben dieses Verhältnisses selten bewußt ist, schreien die Einen
+über Verrath, die Andern über Undankbarkeit der Masse; das Erstere
+ist selten wahr, das Letztere zu behaupten stets eine Narrheit, ein
+Verlangen, das nur Diejenigen stellen können, die sich über die
+Natur ihrer Stellung nie klar waren, Schieber zu sein glaubten, wo
+sie nur Geschobene sein konnten.
+
+Jeder großen Umgestaltung in der Gesellschaft geht zunächst eine
+Periode der Gährung voraus, eine Periode, die, je nach dem Stande
+der allgemeinen Bildung und Kultur, nach dem Gewicht der
+betheiligten Klassen und nach der Kraft und der Macht der
+widerstrebenden Gewalten, bald längere, bald kürzere Zeit dauert,
+ehe die Bewegung zum offenen Ausbruch kommt und ihr Ziel in irgend
+einer Form, das wieder von dem mathematischen Kraftverhältniß der
+gegeneinander wirkenden Faktoren abhängt, erreicht. Geht eine
+Bewegung über ihr Ziel hinaus, d.h. erreicht sie mehr, als sie, in
+sich selbst zur Ruhe gekommen, im Interesse der nun in der Macht
+befindlichen Gewalten, die nunmehr den Schwerpunkt bilden, um den
+Alles gravitirt, erreichen _soll_ und, setzen wir hinzu, erreichen
+_darf_, so folgen die Rückschläge. Mit andern Worten, eine ihrem
+inneren Wesen nach selbst wieder auf Klassenherrschaft abzielende
+Bewegung darf nicht weiter gehen, als sie die Unterstützung der
+maßgebenden Interessirten findet.
+
+Scheinbar ist bis jetzt jeder Revolution eine Reaktion gefolgt, in
+Wahrheit wurde die Bewegung stets auf ihren _natürlichen_ Schwer-
+und Ruhepunkt zurückgeführt, weil sie darüber hinaus ging. Dieser
+Zustand ist aber stets, auch wenn er durch eine gegen die weiter
+vorwärts drängenden Elemente gerichtete gewaltsame Reaktion
+herbeigeführt wurde, dem Zustande, der _vor_ der Bewegung bestand,
+weit voraus. Man hört z.B. so häufig die Bemerkung machen, daß die
+bürgerliche Revolution der Jahre 1848 und 1849 in Deutschland an
+der Macht der Reaktion gescheitert sei. Das ist einfach nicht wahr.
+Die Bewegung hat erreicht, was sie nach ihrem _wahren innern
+Gehalt_ erreichen konnte. Revolution und Reaktion rangen so lange
+mit einander, bis sie auf dem Punkt ankamen, auf dem sie sich zu
+verständigen vermochten. Die Grenze war, wo die Lebensfähigkeit des
+Alten aufhörte und die Lebensmacht des Neuen begann. Von vornherein
+war ein großer Theil der anfangs revolutionären Kräfte, die das
+behäbige Bürgerthum umfaßten, entschlossen, über eine gewisse
+Grenze nicht hinaus zu gehen. An diesem Punkt angekommen, trennten
+sich diese Kräfte von den weiter drängenden Elementen. Dadurch
+verlor die Bewegung einen Theil ihrer Kraft, sie war ohnmächtig,
+weiter zu gehen. Und wie immer nach 1849 die Reaktion in
+Deutschland hauste, das, was thatsächlich jetzt bestand, ging weit
+über das hinaus, was vor 1848 bestanden hatte. Die neuen Ideen
+hatten trotz alledem gesiegt und Alles, was seitdem in Deutschland
+geschah, ist nur durch diesen Sieg im »tollen Jahr« möglich
+geworden.
+
+Rückschläge werden nun nothwendig in jeder Bewegung kommen, die
+selbst wieder auf Klassenherrschaft, wenn auch sich selbst
+unbewußt, hinausläuft. Ein solcher Rückschlag kann erst dann
+unterbleiben, wenn eine Bewegung siegt, die in ihrem Wesen und
+Prinzip die Aufhebung _aller_ Klassenherrschaft _bedingt_ und daher
+_alle_ Formen sozialer und politischer Herrschaft _aufheben muß_.
+
+Bisher waren alle Bewegungen, die ihr Ziel erreichten, Bewegungen der
+ersteren Art, und so begreift sich von vornherein, daß auch _die_
+Bewegung, die gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich
+begann und im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts zur Entscheidung
+kam, diesem Schicksal aller bisherigen großen Volksbewegungen nicht
+entgehen konnte. Ihr Charakter als Klassenbewegung des Bürgerthums,
+ihr Ziel, die Herrschaft desselben zu begründen, zwang sie
+schließlich, sich gegen die revolutionäreren Elemente in ihrer
+eignen Mitte zu richten, und, da man innerhalb der Bewegungselemente
+und nachdem die Bewegung absolut gesiegt hatte, weder hüben noch
+drüben diesen inneren Widerspruch, in dem man sich zu einander
+befand, begriff, mußte man sich gegenseitig bis zur Vernichtung
+bekämpfen und im Blute ersticken. Die Interessen des Großbürgerthums
+mußten, weil sie die entscheidenden waren, die Oberhand behalten,
+aber aus Furcht vor neuen inneren Gegensätzen und Kämpfen warf sich
+dieses der Militärdiktatur des Konsulats und des Kaiserreichs in
+die Arme, um sich, d.h. _die neue Gesellschaft_, zur Ruhe und zum
+Genuß des Errungenen kommen zu lassen.
+
+Der Kampf gegen das alte System richtete sich in Frankreich gegen
+alle bisherigen Grundlagen der alten Gesellschaft, gegen die Kirche,
+den Adel, die absolute Staatsgewalt, gegen die Besteuerungs-, die
+Eigenthumsformen, das Erziehungssystem, die sozialen Einrichtungen.
+Nichts blieb im Laufe der Jahrzehnte, die dieser zunächst rein
+literarische Kampf währte, unangetastet. Die Angriffe wurden immer
+kühner. Ganz neue Staats- und Gesellschaftssysteme (Condorcet,
+Morelli, Mably, Rousseau) tauchten auf und erklärten dem
+Bestehenden den Krieg; ebenso wurden fast alle Zweige der
+Naturwissenschaften und insbesondere auch die Philosophie in der
+radikalsten Weise behandelt. Die Verfolgungen, welche die
+Staatsgewalt und die Kirche gegen diese Feinde der alten Ordnung
+in Szene setzten, hatten so gut wie keine Wirkung, sie gossen nur
+Oel in's Feuer. Jahrelange Gefängnißstrafen, Verbannungen,
+Degradirungen, Ausweisungen gegen die Verfasser, Verbrennung
+ihrer Bücher und Schriften, Verbote gegen ihre Verbreitung,
+gesellschaftliche Aechtung der Autoren, Alles half nichts. Die
+Bewegung schwoll von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr an, sie
+ergriff Alles, was Kenntnisse und Intelligenz besaß, sie erfaßte
+sogar die Frauen und wuchs so, daß die Gewaltmittel des Staates
+versiegten und dieser wie die Kirche von einer Position in die
+andere zurück gedrängt wurden. Im vorletzten Jahrzehnt vor der
+Revolution gab es in Frankreich keinen Schriftsteller von einiger
+Bedeutung, der nicht im Gefängniß gesessen oder Verbannung
+erlitten, oder dessen Werke nicht verboten oder öffentlicht
+verbrannt worden, oder der nicht in irgend sonst einer Weise
+verfolgt, drangsalirt und geschädigt worden war. Voltaire,
+Montesquieu, Rousseau, Beaumarchais, Diderot, d'Alembert, La
+Mettrie, La Harpe, Marmontel, Morellet, Buffon, Linguet und viele,
+viele Andere verfielen der Verfolgung. Wenn Holbach und Helvetius,
+Turgot, Quesnay, Necker, Condillac, Laylain, Cuvier, Lavoisiers,
+Bichot, Mirabeau der Aeltere solchen Verfolgungen entgingen,
+geschah es, daß sie, wie die beiden Erstgenannten, anonym
+schrieben, oder daß sie zu einer Zeit schrieben, wo das System, von
+der Nutzlosigkeit der Verfolgungen betroffen, ermüdet war, oder daß
+sie wissenschaftliche Thematas behandelten, die dasselbe nicht
+direkt berührten. Und auch in letzterer Beziehung ging das
+Mißtrauen sehr weit; so mußte Buffon, als er 1751 seine
+Naturgeschichte veröffentlichte, der Pariser theologischen Fakultät
+ausdrücklich versprechen, daß Alles, was er in seinem Buche lehre,
+mit der biblischen Schöpfungsgeschichte nicht in Widerspruch stehe.
+Die Enzyklopädie der d'Alembert, Diderot und Genossen aber wurde
+mit der Motivirung verboten, »daß sie Grundsätze enthalte, welche
+darauf hinzielten, den Geist der Unabhängigkeit und Empörung zu
+wecken und unter dunkeln und zweideutigen Ausdrücken den Grund zum
+Irrthum, zur Sittenverderbniß und zum Unglauben zu legen.« Doch
+alle diese Maßnahmen retteten das System nicht.
+
+Die Bewegung hatte endlich ihren Höhepunkt erreicht, die
+Gesellschaft wollte statt der Theorien Thaten sehen. Der Hof suchte
+durch halbe Konzessionen und kleinliche Maßregeln, die das
+Gegentheil erzeugten von dem, was sie bezweckten, dem Drängen
+nachzugeben. Der Sturm brach endlich los. Wir beschreiben nicht die
+französische Revolution, wir skizziren sie nur kurz, weil dies für
+unsern Zweck genügt. Die Nationalversammlung, anfangs den Bestand
+des Königthums als selbstverständlich ansehend, wurde im Laufe der
+Ereignisse über sich selbst hinaus getrieben. War die Konstituante
+noch königlich, der Konvent wurde republikanisch. Die zunehmende
+Noth der Massen, Mangel an Lebensmitteln, Mangel an Arbeit, Wucher,
+Mißtrauen gegen Oben schürten den Brand. Die royalistischen und
+pfäffischen Intriguen im In- und Ausland, die Alles beunruhigten,
+weil sie alles Gewonnene in Frage zu stellen schienen, verstärkten
+die schon vorhandene heftige Aufregung. Der Fluchtversuch des
+Königs, seine ganze zweideutige Haltung steigerten das Mißtrauen
+und den Haß gegen ihn und die alten Stände. Der Zustand der
+Staatsmaschinerie, die durch die Ereignisse in Unordnung gebracht,
+durch die Aufhebung der alten drückenden Steuerlasten und Abgaben
+der Mittel zur Funktionirung beraubt war, zwang zur Ausgabe von
+Massen Papiergeld (Assignaten), die als Zahlungsanweisungen auf die
+konfiszirten Kirchengüter und später auch auf die konfiszirten
+Güter der emigrirten Adeligen ausgegeben wurden. Aber da in dem
+allgemeinen Tohuwabohu der Verkauf dieser Güter sehr langsam vor
+sich ging und die Staatsbedürfnisse in's Riesenmäßige stiegen, als
+das Land gezwungen wurde, nach dem Sturz des Königthums und der
+Enthauptung des Trägers der Krone, gegen das ganze zivilisirte
+monarchische Europa Krieg zu führen, fielen die Assignaten sehr
+bedeutend im Werth. Ende 1790 schon 1200 Millionen betragend,
+stiegen sie im Laufe der Jahre auf 8, dann auf 12, endlich auf 24
+Milliarden. Ihre Vermehrung steigerte ihre Werthlosigkeit, die
+schließlich nur noch ein Hundertstel und weniger ihres Nennwerthes
+betrug, und dies erzeugte eine vollständige Revolution aller
+Preise. Zu den Kämpfen nach Außen kamen gewaltige Kämpfe im Innern.
+Adel und Geistlichkeit intriguirten und konspirirten in
+hunderterlei Formen, um wieder zur Herrschaft zu kommen. England,
+das unter dem Ministerium Pitt die inneren Kämpfe Frankreichs
+vortrefflich ausnutzte, um seine See- und Kolonialmacht auf Kosten
+Frankreichs zur allbeherrschenden zu machen, das jetzt Rache nahm
+für die Hülfe, die Frankreich anderthalb Jahrzehnte zuvor der
+Unabhängigkeitsmachung der Vereinigten Staaten von England
+geliehen, dieses England sandte geheime Agenten über geheime
+Agenten, die mit Geld reichlich ausgestattet den inneren Kampf
+schüren mußten. Im Westen des Reiches erhob sich, ebenfalls von
+England unterstützt, die streng konservativ und kirchlich
+gebliebene Bevölkerung der Vendee und Bretagne, im Süden erhoben
+sich die theils royalistisch, theils girondistisch gesinnten
+Städte, vor allem Lyon, dessen Luxusindustrie unter all diesen
+Ereignissen außerordentlich litt. Im Konvent brach nach dem Sturz
+des Königthums der Kampf der verschiedenen bürgerlichen Parteien
+unter sich aus. Die kleinbürgerlichen Massen, hauptsächlich in den
+Klubs und speziell in dem Jakobinerklub organisirt, nahmen
+thatsächlich die Leitung der Ereignisse in die Hand und drängten
+den Konvent von Handlung zu Handlung. Vergebens suchten die
+Vertreter der eigentlichen Bourgeoisie, die Girondisten, zu
+widerstehen, sie unterlagen und endeten durch Ausstoßung oder auf
+dem Schaffot.
+
+Die Schreckensherrschaft begann. Das in seinen tiefsten Tiefen
+aufgeregte Volk, im Inneren von den royalistischen Verschwörungen
+bedroht, an den Landesgrenzen die europäischen Heere erblickend,
+welche drohten als Hersteller des Alten das ganze Land zu
+überziehen, von Arbeits- und Verdienstlosigkeit heimgesucht, vom
+Hunger gepeinigt, rapide Entwerthung des Geldes, rapide Verteuerung
+der Lebensmittel sehend, ohne sich all dies genügend erklären zu
+können, gerieth in Raserei. Die Gewaltszenen häuften sich und das
+Blut der Feinde der Republik und Derer, die man als Feinde des
+Volks ansah, floß in Strömen. Um der zunehmenden Verzweiflung der
+Massen zu steuern, war der Konvent gezwungen, das sog. Maximum
+einzuführen, d.h. den Preis festzustellen, zu dem die nothwendigsten
+Lebensmittel abgegeben werden mußten; und als 1794 abermals eine
+Hungersnoth drohte, weil die Verkäufer der Lebensmittel allerorts
+mit ihren Waaren zurückhielten, mußte er sogar die Rationirung des
+Brotes für die pariser Bevölkerung einführen. Aber da alle diese
+Maßregeln den ersehnten Zustand nicht herbeiführen wollten,
+Arbeitslosigkeit, Wucher, Geldentwerthung, Beunruhigung fortdauerten,
+die schönste Verfassung, welche die Welt gesehen, mit all ihren
+Freiheiten und Rechten, weder die Freiheit, noch die Gleichheit,
+noch die Brüderlichkeit begründete, der ganze Zustand immer wirrer
+aber auch unfaßbarer wurde und Keiner die Lösung des Räthsels fand,
+_was war natürlicher, als daß man die Personen verantwortlich_
+machte _für die Dinge, deren Natur man nicht begreifen konnte_!
+Eine Partei klagte die andere an, suchte sie als die Ursache des
+allgemeinen Unglücks zu vernichten. Die Royalisten waren in
+Schaaren geopfert, proskribirt, eingekerkert, flüchtig, die
+Girondisten waren vernichtet. Jetzt traf die Reihe die Dantonisten,
+ihnen folgten die Hebertisten, schließlich kamen die, welche alle
+Andern geopfert, die Terroristen, die Robespierrianer selbst an die
+Reihe. Diese »Tugendhaften« hatten die Republik und das allgemeine
+Wohl nicht retten können; die ihnen jetzt in der Herrschaft
+folgten, die Männer der richtigen Mitte, des ehemaligen Sumpfes im
+Konvent, die Schlauberger, die es mit allen Parteien gehalten, um
+es mit keiner zu verderben, die keine Ideale und keine Leidenschaften
+besaßen, retteten auch weder die Republik, noch begründeten sie das
+allgemeine Wohl. An Beiden lag ihnen herzlich wenig, aber sie
+thaten etwas Besseres, sie retteten sich und das Wohl ihrer Klasse,
+und dies war schließlich das »allgemeine Wohl«.
+
+In allen Kämpfen und Wirrnissen der Revolution, als die
+Leidenschaften den höchsten Grad erreichten, andererseits die
+Begeisterung erglühte, die glänzendsten Gedanken, die bis dahin nur
+menschliche Hirne erfassen konnten, in Worte und Thaten sich
+umsetzten, gab es ein geheimnißvolles Etwas, das wie der Geist über
+den Wassern schwebte, mit dämonischer Kaltblütigkeit in alle Pläne
+und Projekte eingriff, sie förderte oder zerstörte, wie es seinem
+Interesse entsprach, dabei Allen sichtbar und doch unfaßbar war,
+diese Macht war -- _das Kapital_. Das Kapital hatte unter all den
+Ruinen und Zerstörungen, welche die Revolution geschaffen, allein
+die Beute eingeheimst und schließlich den Sieg davon getragen. Das
+Kapital hatte aus allen inneren und äußeren Verlegenheiten des
+Königthums und der Republik den alleinigen Nutzen gezogen; es hatte
+die Güterkonfiskationen, die Assignatenwirthschaft, das Maximum,
+die Rationirungen, die Feldzüge mit ihren Waffen-, Bekleidungs- und
+Lebensmittellieferungen, die Waareneinfuhrsperre gegen England,
+kurz alle und jede Maßregel, welche die Konstituante, dann der
+Konvent, dann der Wohlfahrtsausschuß, jetzt das Direktorium im
+Interesse des Landes vollzogen, in seinem Nutzen auszubeuten und
+auszuschlachten gewußt. Mitten unter den Blutszenen der Revolution
+saß es bei der Ernte und berechnete kaltblütig die Profite, die ihm
+diese oder jene Maßregel der Gewalthaber abwerfen werde. Ueberall
+seine Agenten habend, in den Klubs, im Konvent, im Wohlfahrts- und
+im Sicherheitsausschuß, unter den Konventsdelegationen in den
+Provinzen, in der Leitung und Verwaltung der Armeen, in den
+Zivilverwaltungen der eroberten Staaten, Städte und Provinzen,
+machte es ungeheuere Gewinne. Es feierte Orgien wie nie zuvor und
+kaum je nachher. Die großen Vermögen wuchsen wie Pilze aus dem
+Boden, der Spekulations- und der Handelsgeist griff immer weiter um
+sich und beherrschte das ganze öffentliche und private Leben, alle
+Beziehungen der Menschen. Die Lehren eines Adam Smith fanden ganz
+spontan, aus der Natur der Dinge heraus, ihre Anerkennung und ihre
+Verwirklichung, und es kamen die Lobredner der neuen Ordnung, wie
+sie immer sich finden, sobald eine neue Macht im Besitz der Gewalt
+und dadurch im Recht ist, und streuten den Weihrauch und priesen
+die neue Welt als die beste aller Welten.
+
+Und da man während der Revolution, wie es die »tugendhaften« Lehren
+eines Rousseau vorschrieben, äußerlich sehr einfach, sehr sparsam
+und sehr »tugendhaft« gelebt hatte, so brach jetzt die lange
+künstlich zurückgehaltene Genußsucht mit aller Gewalt hervor und
+überschritt alle Schranken. Man praßte und schwelgte und fröhnte
+exzentrisch der Liebe, wie es das »ancien regime« unter Ludwig XV,
+dem Vielgeliebten, und der Hof von Versailles kaum toller getrieben
+hatten. Die Masse aber war wieder in's alte Joch gespannt, ihre
+Söhne schlugen mit Begeisterung in aller Herren Länder die
+Schlachten und der freie Bauer und Bürger des beginnenden 19.
+Jahrhunderts sorgten neben der Blut- für die Geldsteuer, welche die
+neue bürgerlich-zäsarische Herrlichkeit unter dem »glorreichen«
+Szepter Napoleon's I. ihnen auferlegte.
+
+ * * * * *
+
+Unsere Vorrede ist etwas lang geworden, aber sie war nicht
+überflüssig zum Verständniß der Aussprüche und Theorien des Mannes,
+dessen Leben und Lehren diese Abhandlung gewidmet ist. Das Streben
+und der Ideengang eines Menschen von Bedeutung wird ja nur dann
+verständlich, wenn man die Zeitverhältnisse kennt, unter denen er
+geboren, und die auf seine Entwicklung, also auch auf seinen
+Ideengang eingewirkt haben. Wie weit ein Mensch auch über seine
+Zeit hinaus denken mag, loszulösen von ihr vermag er sich nicht, er
+wird von ihr beeinflußt und beherrscht, und so werden seine
+weitgehendsten Gedanken stets den Stempel des Zeitalters tragen, in
+dem er lebte und wirkte. Das ist schon oft gesagt worden, es kann
+aber nicht oft genug wiederholt werden, weil jeden Tag noch in der
+Beurtheilung des Wirkens von Persönlichkeiten gegen diese
+Auffassung gesündigt wird.
+
+François Marie Charles _Fourier_ wurde den 7. Februar 1772 zu
+Besançon als Sohn eines wohlhabenden Großhändlers geboren. Der
+Vater genoß in seiner Heimath eines ziemlichen Ansehens, er wurde
+1776 zum Handelsrichter gewählt. Charles (Karl) war das vierte
+Kind seiner Eltern, die drei älteren Geschwister waren Mädchen.
+Der Vater, der 1781 starb, hinterließ ein Vermögen von
+zweihunderttausend Livres, wovon laut Testament der Sohn zwei
+Fünftel, also 80.000 Livres, erbte.
+
+Fourier liebte es nie, über seine persönlichen Verhältnisse zu
+sprechen; geschah es dennoch, so nur, um eine seiner Theorien in
+dieser oder jener Weise damit zu unterstützen. Seine Schüler und
+selbst seine intimsten Freunde erfuhren erst nach seinem Tode, daß
+er in der Belagerung von Lyon, 1793, durch die Konventstruppen das
+ziemlich beträchtliche väterliche Vermögen vollständig eingebüßt
+hatte.
+
+Stoiker ohne Ziererei und Künstelei, sprach er nie von der ersten
+Ursache, die ihm ein Leben voll Entbehrungen und Einschränkungen
+auferlegte.
+
+Fourier zeigte von frühester Jugend einen entschiedenen Willen,
+eine unerschütterliche Rechtschaffenheit. Als einziger Sohn vom
+Vater für den Handel bestimmt, erzählt er selbst in einem seiner
+Werke, wie er frühzeitig gegen denselben eingenommen wurde. Da
+diese Stelle für den ganzen Mann charakteristisch ist, geben wir
+sie ihrem Hauptinhalt nach wieder. Er sagt: Man muß den Handel als
+ein grau gewordener Praktiker, der vom sechsten Jahre ab im
+kommerziellen Schafstall erzogen wurde, kennen. Er habe in diesem
+Alter den Unterschied zwischen dem Handel und der Wahrheit kennen
+gelernt. Im Katechismus und in der Schule habe man ihm gelehrt, nie
+zu lügen, dann führte man ihn in den Laden, um ihn frühzeitig in
+dem edlen Handwerk der Lüge oder der Kunst, wie man verkauft, zu
+üben. Betroffen über die Betrügereien und Schwindeleien, habe er
+Käufer, die betrogen werden sollten, bei Seite genommen und ihnen
+den Betrug entdeckt. Einer von diesen sei unanständig genug
+gewesen, ihn zu verrathen, was ihm eine Tracht Prügel einbrachte,
+und im Tone des Vorwurfs hätten seine Eltern erklärt: der Junge
+wird nie für den Handel taugen. In der That, er habe eine tiefe
+Abneigung gegen ihn empfunden, und, sieben Jahre alt, habe er einen
+Eid gegen den Handel geschworen, wie ihn ähnlich Hannibal, neun
+Jahre alt, gegen Rom schwur: »Ich schwöre ewigen Haß dem Handel.«
+
+Fourier's Haß gegen Ungerechtigkeit veranlaßte, daß er schon als
+Knabe sich stets der schwachen unter seinen Gespielen gegen die
+stärkeren annahm, und obgleich er mehr schwächlich als robust war,
+fürchteten ihn die stärkeren und älteren seiner Gespielen. Dabei
+war er ein harter Kopf, aber ein vortrefflicher Kamerad und voll
+Zuneigung. Auch lernte er mit außerordentlicher Leichtigkeit und
+gewann mehrfach die ersten Preise, namentlich in lateinischer
+Poesie. Aelter geworden, wollte er nach Paris, um dort namentlich
+Logik und Physik zu studiren, aber ein Freund der Mutter, der um
+Rath gefragt wurde, rieth ab, ihn den Gefahren der Großstadt
+auszusetzen, auch seien die erwähnten Wissenschaften einem Kaufmann
+nicht vonnöthen; er setzte allerdings hinzu, er glaube, daß ihr
+Sohn am Handel keinen Geschmack habe und rieth, ihn nicht wider
+seinen Willen zu zwingen. Das Letztere geschah aber dennoch.
+Fourier sollte zunächst nach Lyon zu einem Bankier kommen, aber an
+dessen Thüre desertirte er, erklärend, daß er niemals Kaufmann
+werden wolle. Darauf kam er nach Rouen, wo er ein zweites Mal
+auskniff. Schließlich beugte er sich unter das Joch und trat in
+Lyon in die Lehre, und so habe er, wie er selbst sagt, die
+schönsten Jahre seines Lebens in den Werkstätten der Lüge
+zugebracht, überall und stets die Wahrsagung hörend: »Ein
+rechtschaffener junger Mann, aber er taugt nicht für den Handel.«
+
+Besondere Neigung besaß Fourier für die Geographie, und so
+verwandte er sein Taschengeld hauptsächlich für die Anschaffung von
+Karten und Atlanten; nächstdem liebte er außerordentlich die
+Blumenzucht und kultivirte solche in vielen Arten und Abarten;
+ferner hatte er großen Hang zur Musik und lernte mehrere
+Instrumente, und zwar ohne Lehrer, spielen.
+
+Ein hübscher Zug ist aus seinen Schuljahren bekannt geworden.
+Obgleich er kein starker Esser war, nahm er täglich ein tüchtiges
+Stück Brot mit kaltem Fleisch belegt, zur Schule mit. Als er sich
+eines Tages auf einer kleinen Reise befand, stellt sich ein armer
+Knabe im Laden ein, und frug, ob der kleine Herr krank sei. Als man
+dies verneinte und ihm mittheilte, er sei verreist, brach der
+Kleine in Weinen aus. Nach der Ursache befragt, antwortete er: daß
+er nunmehr sein Frühstück verloren habe, das ihm der junge Herr
+täglich gebracht habe. Er wurde getröstet und wurde ihm für Ersatz
+gesorgt.
+
+Fourier machte, bevor er sich dem Wunsche seiner Mutter, Kaufmann
+zu werden, fügte, noch einen Versuch, in die Militair-Ingenieurschule
+zu Mézieres aufgenommen zu werden, aber wegen seiner bürgerlichen
+Abkunft wurde er zurückgewiesen, worüber er sich in späteren Jahren
+selbst beglückwünschte, weil er sonst von seinen Studien über den
+sozialen Mechanismus würde abgezogen worden sein. So entscheidet
+das spätere Schicksal der Menschen meist der Zufall, und da spricht
+man beständig von den persönlichen Verdiensten. Wie viel bedeutende
+Männer hatten, als sie eine gewünschte Laufbahn verfehlten, eine
+Ahnung, daß gerade in diesem _Verfehlen_ die erste Ursache zu ihrer
+künftigen Berühmtheit lag? --
+
+Nachdem Fourier seine Lehrzeit in Lyon absolvirt hatte, kam er,
+1790 auf einer Reise nach Rouen begriffen, um dort eine Stellung
+als Reisender anzunehmen, ein Posten, der zu jener Zeit ein ganz
+besonderes Vertrauen voraussetzte, zum ersten Mal auf einige Zeit
+nach Paris, das ihm sehr gefiel. Mit Hülfe der Zuschüsse, die er
+aus seinem Vermögen besaß, besuchte er allmälig die meisten Städte
+Frankreichs, bereiste Deutschland, Holland und Belgien, überall
+sorgfältig beobachtend und studirend. Von den Deutschen empfing er
+eine sehr günstige Meinung, er nannte sie das unterrichtetste und
+vernünftigste Volk. Besonders imponirten ihm die vielen deutschen
+Städte, die Sitze von Kunstanstalten, Universitäten und höheren
+Bildungsanstalten waren -- die gute Seite und Wirkung der deutschen
+Kleinstaaterei. Er beklagte später tief, daß für Frankreich Alles
+in Paris konzentrirt wäre, und in Folge dessen alle übrigen Städte
+Frankreichs langweilige, monotone und versimpelte Orte seien, in
+denen jeder höhere geistige Flug fehle. Auf allen diesen Reisen
+studirte Fourier das Klima der verschiedenen Gegenden, ihre
+Bodenbeschaffenheit, die Gewerbe, die Bauart der Städte und Straßen
+und nicht zuletzt den Charakter der Bewohner. Es gab in keiner
+größeren Stadt, die er besucht hatte, ein hervorragendes Gebäude,
+dessen Architektur und Dimensionen er nicht genau kannte. Nur für
+die Sprachen hatte er wenig Sinn, daher auch sein Verlangen in
+seinem Hauptwerk, das schon im Titel seine Auffassung ausdrückt.
+»Theorie der universellen Einheit«, daß die Vielsprachigkeit eine
+der schlimmsten Fehler des Menschengeschlechts sei, und die
+Schaffung einer Weltsprache, wofür er die französische am
+geeignetsten hielt, eine der ersten Aufgaben einer neuen sozialen
+Ordnung der Dinge sein müsse. Den Deutschen machte er zum Vorwurf,
+daß sie mit Hartnäckigkeit an ihrer besonderen Schriftsprache
+festhielten, die doch andere germanische Völker, wie die Engländer
+und die Holländer, längst aufgegeben hätten. Bekanntlich ist heute,
+nach mehr als siebenzig Jahren, diese Frage in Deutschland noch
+kontrovers, wenn auch für wissenschaftliche Werke im Sinne
+Fourier's entschieden.
+
+Da Fourier durch sein Geschäft über Tag stets vollständig in
+Anspruch genommen war, benützte er, und namentlich dann, nachdem er
+sein Vermögen verloren und auf das Einkommen aus seiner
+kaufmännischen Stellung allein angewiesen war, die Nächte, um sich
+weiter zu bilden. Er befaßte sich hauptsächlich mit Anatomie,
+Physik, Chemie, Astronomie und Naturgeschichte. Sein Haß gegen den
+Handel steigerte sich mit den Jahren, je genauer er das Treiben in
+demselben kennen lernte, immer mehr und spornte ihn zu seinen
+sozialen Studien an. Namentlich machte es einen tiefen Eindruck auf
+ihn, als er 1799 in einer Stellung in Marseille seitens seines
+Chefs den Befehl erhielt, eine Schiffsladung Reis in's Meer zu
+versenken, damit die Waare im Preise steige.
+
+Mit dem Gang der Revolution konnte er sich nicht befreunden.
+
+Nach seiner Meinung hatte die Masse des Volks sehr wenig dadurch
+gewonnen, dahingegen hatte die Klasse, die er auf's Tiefste haßte.
+die handeltreibende Klasse, am meisten profitirt. Und daß die
+Schriftsteller und Verherrlicher der neuen Ordnung der Dinge das
+Lob des Handels in allen Tonarten priesen, die Handelsfreiheit als
+das Ei des Columbus rühmten, als die Einrichtung, aus welcher die
+allgemeine Wohlfahrt und das allgemeine Glück ersprießen werde,
+erbitterte ihn noch mehr. Auch war seine Abneigung gegen jede
+Gewaltthätigkeit, mochte sie von welcher Seite immer kommen, so
+ausgeprägt, daß er sich nie mit den Gewaltakten der Revolution,
+deren Nothwendigkeit er nicht einsehen konnte, zu befreunden
+vermochte, und namentlich haßte er die Jakobiner, als die Vertreter
+des Schreckensregiments und der Rousseau'schen Philosophie. Nichts
+konnte ihn später mehr in Aufregung und Zorn bringen, als wenn die
+Gegner ihm vorwarfen, daß seine sozialen Theorien nur auf dem
+von den Jakobinern eingeschlagenen Wege verwirklicht werden
+könnten; dann brach er heftig los. »Nein und tausendmal nein, meine
+Theorie hat nichts zu thun mit der jener Leute, noch mit ihren
+Umsturzprojekten.« Er hatte mit seinem kritischen Blick erkannt,
+daß in der Revolution trotz allem Heroismus und aller Aufopferung
+des Volkes, trotz einer idealen Verfassung, trotzdem Alles die
+Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit im Munde führte,
+die Ausbeutung, die Unterdrückung, die Demüthigung der Masse, Lug,
+Trug und Heuchelei nicht nur geblieben waren, sondern sich wo
+möglich noch gesteigert hatten. Er hatte gesehen, daß, während die
+Revolutionäre sich bemühten, mit größter Rücksichtslosigkeit Alles
+mit blutiger Gewalt niederzuschlagen, was ihren Begriffen von
+gesellschaftlichem Glück entgegenstand, das Kapital im schreiendsten
+Widerspruch mit den gepredigten Grundsätzen agirte. Er sah, wie der
+Güterschacher, der Lebensmittelwucher, die Lieferungsschwindeleien
+blühten und die neu emporgekommenen und plötzlich reich gewordenen
+Besitzer ihre Orgien feierten. Ihm war auch der Hunger und das
+Elend der Massen, ihre Begeisterung und ihre Opferwilligkeit bei
+der Verteidigung des Vaterlandes nicht entgangen, und alle diese
+Wahrnehmungen, verbunden mit denen, die er tagtäglich im kleineren
+Kreise um sich und im Geschäftsleben machte, waren es, die ihn auf
+den Gedanken brachten, daß die Gesellschaft unmöglich richtig
+organisirt sein könne, und es eine Ordnung der Dinge geben müsse,
+die alle diese Auswüchse und Uebel unmöglich mache. Ihm erschien es
+eine Ungeheuerlichkeit, daß die Revolutionäre und nach ihnen die
+Ordnungsmänner mit Menschenköpfen wie mit Kegelkugeln spielten; daß
+man in der gewaltsamen Vernichtung der Parteien das menschliche
+Glück zu begründen glauben könne. Er begriff nicht, daß alle diese
+Kämpfe nur stattfanden, weil man der wahren treibenden Kraft, jener
+geheimnißvollen unfaßbaren Macht, dem unpersönlichen Kapital, nicht
+auf die Spur kommen und seinen Einfluß nicht beseitigen konnte,
+noch viel weniger wollte, jenes Dinges, über dessen Definirung die
+bürgerlichen Ideologen sich bis heute die Köpfe zerbrachen, dessen
+Räthsel erst der moderne wissenschaftliche Sozialismus löste, der
+endlich auch diese moderne Sphinx in den Abgrund stürzen wird.
+
+Fourier, der von Natur für die politischen Kämpfe nicht inklinirte,
+der durch die vor seinen Augen sich abspielenden Ereignisse in
+dieser Abneigung noch bestärkt wurde, kam in Folge davon zu der
+vorgefaßten Meinung, daß die politische Verfassung der Gesellschaft
+überhaupt eine gleichgültige Sache sei, daß diese mit dem sozialen
+Zustand nichts zu schaffen habe, und daß es sich darum handele, den
+letzteren zu verbessern und die politischen Fragen ganz bei Seite
+zu lassen. Er verfiel also in den entgegengesetzten Fehler der
+bürgerlichen Ideologen. Diese glaubten durch die Beseitigung des
+Adels, der Priesterschaft und des Königthums, durch die Begründung
+der Republik, die Verkündigung der Menschenrechte, die Anstellung
+idealer Grundsätze Alles geleistet zu haben, was zu leisten möglich
+sei. Blieben dennoch die Zustände mangelhaft, so lag das nur an der
+Niederträchtigkeit der sogenannten Volksfeinde, der Aristokraten,
+der Pfaffen, der heimlichen Anhänger des Königthums, deren man
+trotz aller Gewaltmaßregeln nicht Herr werden konnte. Man mußte das
+Volk zur »Tugend« erziehen, zur Vaterlandsliebe, zur Opferwilligkeit,
+zur Arbeitsamkeit, zur Enthaltsamkeit. Wenn das geschah und Alle
+»tugendhaft« waren, so konnte der glückliche Zustand nicht fehlen.
+Die bürgerliche Welt ist am Ende des 19. Jahrhunderts den großen
+Begründern ihrer Herrlichkeit am Ende des 18. Jahrhunderts noch
+nicht um Vieles in der Erkenntniß der gesellschaftlichen
+Entwicklungsgesetze voraus gekommen, sie dreht sich noch immer in
+demselben Ideengang und sie wird darin stecken bleiben. Darüber
+hinauszugehen wäre ihr Tod.
+
+Nach Fourier besteht also kein wesentlicher Zusammenhang zwischen
+dem politischen und sozialen Zustand der Gesellschaft, der erstere
+ist willkürlich, wie auch der letztere mehr oder weniger
+willkürlich ist. Er hat zwar mit großem Scharfsinn verschiedene
+Stufen der menschlichen Entwicklung gekennzeichnet, die er als
+Edenismus, oder Zustand des primitiven Glücks, als Zustand der
+Wildheit, des Patriarchats oder der Halbbarbarei, der Barbarei und
+der Zivilisation charakterisirt; aber es unterliegt nach ihm keinem
+Zweifel, daß die Zivilisation, die er mit den Griechen beginnen
+läßt, schon längst in den nächst höheren Zustand der Entwicklung,
+den des Garantismus übergegangen wäre, wenn der richtige Mann sich
+fand, der den Ausgang aus der Zivilisation entdeckte. Dieser Mann
+fehlte bisher. Newton war durch die Entdeckung der Gesetze der
+Attraktion der Weltkörper hart an dem rechten Weg vorbeigestreift,
+aber er hatte das Bewegungsgesetz nur für die materielle Welt
+gefunden. Diese Entdeckung war also, so wichtig sie auch sein
+mochte, für das Glück der Menschheit die minder werthvolle. Die
+Gesetze der sozialen Attraktion zu entdecken und darauf die
+universelle Einheit des gesammten Weltalls, die Beziehungen
+zwischen den verschiedenen Naturreichen und dem Menschen, zwischen
+dem Menschen, der Entwicklung des Erdballs und des ganzen Planeten-
+und Weltsystems, und namentlich auch seine wahren Beziehungen zu
+dem Weltenschöpfer zu entdecken, dessen ermangelte Newton. Diese
+Gesetze zu entdecken und damit die wahre Bestimmung des Menschen,
+die Wege zu seinem Glück, das blieb ihm, Fourier, vorbehalten. Er
+hat das Mittel entdeckt, das die Menschheit aus Noth, Elend,
+Unterdrückung, Verkümmerung, Langeweile erlöst, den Menschen mit
+Gott und dem All in Harmonie setzt. Dieses Mittel ist die
+Entdeckung der Gesetze der Attraktion der menschlichen Triebe,
+angewandt auf alle menschlichen Arbeiten und Beschäftigungen, und
+ihre Bethätigung in der Assoziation durch die Bildung der Serien
+(Reihen) und Gruppen von Harmonisirenden.
+
+Daß er, Fourier, dieses Mittel für das Glück der Menschheit
+entdeckte, ist nach ihm reiner Zufall. Es hätte jeder Andere vor
+ihm und namentlich die Philosophen, die sich seit mehr als 2500
+Jahren bemühten, das Welträthsel zu lösen und das menschliche Glück
+zu suchen, es auch entdecken können. Sie haben aber immer nur damit
+sich begnügt, das Bestehende zu loben und haben jede Neuerung, wenn
+sie ihren Lehren gefährlich oder bedenklich schien, bekämpft und
+verfolgt. Darum sind auch die 400.000 Bände, die sie ihm zufolge im
+Laufe der Zeiten in den Bibliotheken, vollgepfropft mit ihren
+Theorien, aufgestapelt haben, von sehr zweifelhaftem Werth. Um so
+heftiger bekämpfen sie aber jede Neuerung, die, wie die seine, alle
+diese Werke über den Haufen wirft und sie nahezu werthlos macht.
+Diese Philosophen, unter welchen er, wie er wiederholt hervorhebt,
+die Moralisten, die Metaphysiker, die Politiker und die
+Oekonomisten _ausschließlich_ verstanden wissen will, weil sie ihm
+als Vertreter der unsicheren Wissenschaften (»sciences
+incertaines«) gelten, haben sich deshalb auch gegen ihn
+verschworen, seine Lehren nicht zur Geltung kommen zu lassen; sie
+treten ihm überall in den Weg und suchen die Besprechung, selbst
+die bloße Erwähnung seiner Schriften zu hintertreiben. Gegen sie
+richtet sich daher sein ganz besonderer Zorn, und er überschüttet
+sie mit seinem Witz, seiner Satyre und seinem Haß.
+
+Daß, einmal ganz abgesehen von der Frage der Ausführbarkeit seines
+Systems, seine Theorien, wie sich zeigen wird, im letzten Grunde
+darauf hinaus laufen, die bestehende Gesellschaft aufzuheben, und
+daß also das Klasseninteresse der Besitzenden und Herrschenden
+diese zwingt, seinen Ideen naturgemäß feindlich zu sein, sieht er
+trotz des außerordentlichen Scharfsinns, der ihm bei der
+Entwicklung seiner Ideen eigen ist, nicht ein. Er giebt sich
+allerdings die größte Mühe, die verschiedenen Klassen und
+Interessen auszusöhnen. Nicht nur sollen alle Regierungen, ohne
+Rücksicht auf das ihnen zu Grunde liegende politische System,
+bestehen bleiben, er läßt sogar noch eine große Zahl neuer Staaten
+und Reiche in den bis jetzt von den Wilden und Barbaren bewohnten
+Ländern und Erdtheilen sich bilden, wenn erst der ganze Erdball
+sein System angenommen haben wird, was nach Gründung der ersten
+Versuchsphalanx -- die Phalanx ist die Genossenschaft, in der sich
+sein System vollzieht[1] -- nur wenige Jahre dauern wird. Denn die
+Vortheile, die sein phalansteres System der Menschheit bietet, sind
+so in die Augen springende, so zur Nachahmung hinreißende, daß,
+nachdem die Neugierigen von allen Enden des Erdballs sich von den
+großartigen Vortheilen und Annehmlichkeiten dieses Systems durch
+den Besuch der Versuchsphalanx überzeugten, sie die größte Eile
+haben werden, desselben Glückes theilhaftig zu werden.
+
+[Fußnote 1: Phalanx ist der Name einer von Philipp II. von
+Macedonien in seinem Heere eingeführten Schlachtordnung; die
+Phalanx war ein dichtgeschlossener, keilförmig geformter, mit
+Speeren bewaffneter Truppenkörper, der mit seiner Spitze in den
+Feind eindrang und ihn auseinander sprengte. Der Name für sein
+System ist also von Fourier nicht übel gewählt.]
+
+Indeß waren um das Jahr 1793, wo Fourier in Lyon lebte, diese Ideen
+bei ihm noch nicht zur Reife gekommen, obgleich die Keime dazu
+bereits bei ihm vorhanden waren und seine Denk- und Handlungsweise
+bestimmten. Es war in diesem Jahr, daß der Konvent das ihm
+oppositionell gesinnte Lyon belagern und nach der Eroberung in
+einem erheblichen Theil zerstören ließ, wobei auch Fourier sein
+Vermögen einbüßte. Fourier mußte zur Verteidigung der Stadt die
+Waffen ergreifen und entging bei einem Ausfall nur mit genauer Noth
+dem Tode. Nach Eroberung der Stadt wurde er gefangen genommen und
+sollte füsilirt werden; er wußte sich durch die Flucht zu retten.
+Man kann sich vorstellen, daß diese Vorgänge auf ihn einen tiefen
+Eindruck machten und sein späteres Denken und Urtheilen wesentlich
+beeinflußten. Kurze Zeit darnach mußte er sich in Folge der vom
+Konvent beorderten »levée en masse« (des Massenaufgebots) zur
+Vertheidigung der Grenzen stellen, und zwar war er als
+Unverheiratheter unter der ersten Portion der Ausgehobenen, die
+nach der nothdürftigsten Einübung zur Armee abgehen sollten. Er
+wurde unter die Jäger zu Pferde der Rhein- und Moselarmee rangirt,
+doch wurde er nach einigen Monaten auf ein Untauglichkeitszeugniß
+hin -- F. war klein und schwächlich von Körper -- vom Dienst
+befreit. Ein während seiner Dienstzeit an das Kriegsdepartement
+gerichteter Brief, in dem er der obersten militärischen Leitung
+Vorschläge bezüglich der Ueberschreitung des Rheins und der Alpen
+machte, verschaffte ihm seitens der genannten Behörde ein
+Dankschreiben, unterzeichnet von Carnot.
+
+In den nächsten Jahren beschäftigte sich Fourier -- neben seinem
+Beruf -- mit allerlei sozial-reformatorischen Vorschlägen, die er
+bald der Regierungsgewalt, bald einzelnen Deputaten unterbreitete,
+aber ohne Anklang damit zu finden. Zu Anfang dieses Jahrhunderts
+hatte er sich, um eine größere Freiheit und Selbständigkeit zu
+genießen, als Winkelmakler, wie er sich selbst nannte, etablirt,
+ein Beruf, den er mit seiner gewohnten Offenheit also
+charakterisirt. »Ein Makler ist ein Mensch, der mit den Lügen
+Anderer hausirt und diesen Lügen seine eignen hinzufügt.« Nebenbei
+veröffentlichte er ab und zu politische Artikel im »Bulletin de
+Lyon«. In einem solchen Artikel vom 25. Frimaire des Jahres XII.
+(17. Dezember 1803), betitelt. »Das kontinentale Triumvirat und ein
+dreißig Jahre dauernder Friede«, behandelte er die Frage der
+Theilung Europas. Bekanntlich hatte damals bereits der Ruhm
+Napoleon's eine außerordentliche Höhe erlangt, man stand kurz vor
+seiner Krönung zum Kaiser und alle Welt beschäftigte sich mit der
+Frage, ob endlich dauernd Frieden einkehren, oder welcher Staat das
+nächste Angriffsobjekt bilden werde. Fourier setzte auseinander,
+daß zunächst noch kein Friede kommen dürfe, daß unter den vier
+Staaten, die als selbstständige Reiche in Frage kämen. Frankreich,
+Rußland, Oesterreich, Preußen, letzteres, als das schwächste,
+zuerst an die Reihe kommen und verschwinden werde. Mit einer
+einzigen Schlacht sei es niedergeworfen -- was bekanntlich
+thatsächlich geschah -- und dann werde es das Schicksal Polens
+finden und unter die anderen drei getheilt werden. Jetzt sei das
+Triumvirat und ein längerer Friede möglich; einige man sich nicht,
+so komme Oesterreich an die Reihe, zuletzt entbrenne der Kampf
+zwischen Rußland und Frankreich um die Herrschaft der Welt. England
+ließ er außer Betracht, weil es als insularer Staat und einzige
+Alles beherrschende Seemacht zunächst unangreifbar war. Aber wer in
+Europa Sieger bleibe, werde Indien nehmen, die Häfen Asiens und
+Europas schließen und so England zu Grunde richten. Gegen England,
+in dem er die Stütze des Handelssystems und den Repräsentanten
+aller Niederträchtigkeiten des Handelsgutes sah, empfand er einen
+besonderen Haß, der häufig aus seinen Schriften hervorbricht. Der
+erwähnte Artikel erregte die Aufmerksamkeit Napoleon's und führte
+zu Untersuchungen über den Verfasser; dem Verleger wurde bedeutet,
+künftig ähnliche Artikel nicht wieder aufzunehmen.
+
+Im Jahre 1808 veröffentlichte Fourier sein erstes und grundlegendes
+Werk unter dem Titel: »La Theorie des quatre Mouvements et des
+destinées generales« (»Die Lehre von den vier Bewegungen und den
+allgemeinen Bestimmungen«). In diesem Werke sind seine Ideen
+bereits vollkommen enthalten, obgleich es noch vielfach der
+Klarheit und namentlich der logischen Entwicklung entbehrt; dafür
+ist es aber mit dem ganzen Feuer der ersten Begeisterung eines
+Mannes geschrieben, der an seine Mission und die Unfehlbarkeit
+seiner Theorien glaubt. Fourier ließ das genannte Werk allerdings
+zunächst nur als Prospekt seiner Entdeckung erscheinen, dem später
+noch acht lange Abhandlungen über die Gesammtheit seiner Theorien
+folgen sollten. Diese erschienen nun zwar nicht, aber was erschien,
+enthielt im Grunde doch nur umfänglichere Erläuterungen und größere
+Detailschilderungen seines Systems, untermischt mit
+philosophisch-polemischen Abhandlungen gegen seine Gegner, worin er
+sich gegen die auf ihn und gegen seine Theorien gerichteten
+Angriffe wandte, dabei immer dem Grundsatze folgend: die beste
+Taktik zur Abwehr ist der Angriff. Auch liebte er es, in seinen
+Werken immer wieder seine positiven Hauptgedanken, wie seine
+Hauptanklagen gegen die bestehenden Zustände zu wiederholen,
+nachdrücklich hervorhebend, daß dies nöthig sei, einestheils, um
+seine Ideen, die dem Leser neu und fremd seien, besser und sicherer
+in dessen Köpfe haften zu lassen, anderntheils, um die in den
+Köpfen tief eingewurzelten Vorurtheile um so gründlicher zu
+beseitigen. Eine unzweifelhaft sehr richtige Taktik, die auch die
+Gegner alles Neuen bisher stets angewandt haben, wodurch sie es
+fertig brachten, selbst die absurdesten Vorurtheile lange Zeit
+aufrecht zu erhalten.
+
+Die große Masse in allen Kreisen denkt nur gewohnheitsmäßig, die
+einmal übernommenen Ideen bewegen sich in gewissermaßen
+ausgefahrenen Hirngeleisen, und es bedarf erst starker und
+wiederholter, durch greifbare Thatsachen und fühlbare Uebel
+unterstützter Argumente, um sie aus der gewohnten Denkbahn zu
+reißen. Und ist das Interesse nicht mit den neuen Ideen verknüpft,
+so ist alle Arbeit vergebens, vereinzelte Idealisten ausgenommen,
+die schließlich doch auch nur aus Interesse geleitet werden, weil
+sie weiter blicken und das Neue als das Zukünftige, als
+unabänderliche Nothwendigkeit und Verbesserung für Alle ansehen und
+darum für erstrebenswerth halten.
+
+Der Gedankengang, den Fourier in seinem ersten Werk entwickelt, ist
+kurz folgender: die Welt besteht aus drei ewigen, unerschaffenen
+und unzerstörbaren Prinzipien:
+
+-- Gott, oder dem Geist, aktives und bewegendes Prinzip;
+-- der Materie, passives und bewegtes Prinzip;
+-- der Gerechtigkeit oder den mathematischen Gesetzen, regulirendes
+Prinzip.
+
+Analog dem Weltall besteht auch der Mensch aus drei Prinzipien:
+
+-- den Trieben (»passions«), aktives und bewegendes Prinzip;
+-- dem Körper, passives und bewegtes Prinzip;
+-- der Intelligenz, neutrales und regulirendes Prinizp.
+
+Gott, welcher der Leiter und Lenker des Weltalls ist, kann nur die
+Einheit und Harmonie desselben wollen, weil sonst er mit sich
+selbst in Widerspruch stünde. Daher existirt eine ununterbrochene
+Kette von Beziehungen zwischen Allem, was vorhanden ist. Zwischen
+den drei Reichen der Natur -- Thieren, Pflanzen, Mineralien -- und
+dem Menschen, zwischen dem Menschen und Gott, wie zwischen dem
+Menschen und dem Erdball, und dem ganzen Planeten- und
+Weltsystem.[2] Indem Gott den Menschen schuf, ihn mit Trieben und
+Leidenschaften ausstattete, wollte er, daß der Mensch damit
+glücklich sei. Es ist also nicht anzunehmen, daß diese Triebe
+schädliche sind, daß der eine oder der andere unterdrückt werde
+oder unbefriedigt bleibe. Die Befriedigung seiner Triebe schafft
+vielmehr die Harmonie des Menschen mit sich selbst und mit Gott.
+Wenn wir trotzdem häufig sehen, daß diese Triebe des Menschen sich
+oft nur in schädlicher Richtung oder gar nicht äußern und nicht
+befriedigt werden können, so beweist dies nichts gegen _die Triebe
+und die Ordnung Gottes, sondern spricht gegen die soziale
+Organisation der Gesellschaft_, welche diese Triebe sich falsch zu
+bethätigen zwingt oder sie gar unterdrückt.
+
+[Fußnote 2: Fourier spricht hier denselben Gedanken aus, dem
+Robinet in seinem 1766 in Amsterdam erschienenen Werke »Ueber die
+Natur« (»De la nature«) Ausdruck giebt: »Alles in der Natur steht
+miteinander in Verbindung«, und ebenso spricht R. einen Gedanken
+aus, den Fourier ähnlich wiederholt: »Daß die Natur mit möglichst
+sparsamer Ausnutzung der vorhandenen Stoffe arbeite.« Holbach sagt
+im »Systeme de la nature«: »In der ganzen Schöpfung herrscht
+Wesenseinheit.« Die Ideenassoziation ist augenfällig.]
+
+Es sind nun vier Bewegungen, oder wie er später aufstellte, fünf,
+welche die ganze Welt in Thätigkeit setzen und sie den Bestimmungen
+entgegenführen.
+
+1. Die normale Bewegung; Gesetze der Anziehung für die imponderablen
+(unwägbaren) Elemente, Elektrizität, Magnetismus, Gerüche.
+
+2. Die thierische oder instinktuelle Bewegung; Gesetze der Anziehung
+für die Triebe und Instinkte aller erschaffenen Wesen, wann und wo
+immer sie waren, sind und sein werden.
+
+3. Die organische Bewegung. Gesetze der Anziehung für die
+Eigenschaften der Körper: Form, Farbe, Geschmack, Geruch etc.
+
+4. Die materielle Bewegung -- bereits durch die Mathematiker
+(Newton) entdeckt -- Gesetze der Anziehung und Gravitation der
+Weltkörper (Planeten Fixsterne). Die Kometen sind nach Fourier
+irreguläre Weltraumbummler.
+
+5. Die soziale Bewegung -- der eigentliche Angelpunkt (Pivot) des
+Ganzen -- die Gesetze, welche die Ordnung und Aufeinanderfolge der
+verschiedenen sozialen Gestaltungen auf allen Weltkörpern regeln.
+
+Der Mittelpunkt dieser sozialen Gesetze ist der Mensch, der im
+Grunde damit zum Mittelpunkt des Ganzen wird um den sich Alles
+dreht.
+
+Was hat die Welt überhaupt für einen Zweck, wenn sie nicht für den
+Menschen geschaffen ist? Das ist der Hauptgedanke, der seiner
+Weltauffassung zu Grunde liegt.
+
+Die Bestimmung des Menschen ist das Glück, das in der Entwicklung
+aller seiner Anlagen, der Befriedigung aller seiner Triebe liegt.
+Der Mensch soll genießen und abermals genießen Alles, wonach sein
+Herz ihn drängt, das ist das Fourier'sche Evangelium und nach ihm
+die Bestimmung des Menschen durch Gott. Man sieht, dieser
+Fourier'sche Gott ist ein sehr materialistischer Gott, der sich in
+starkem Gegensatz zu dem Gott des Christenthums befindet, der die
+Enthaltsamkeit, die Demuth, die Kreuzigung des Fleisches predigt.
+
+Seiner Bestimmung gemäß strebt also der Mensch nach dem Glück, und
+Reichthum und Gesundheit bilden sein Glück. Er will Reichthum, um
+sich Genuß verschaffen zu können, und er will Gesundheit, um sie
+genießen zu können. Den Reichthum genießen nur Wenige, und meist
+Jene, die ihn am wenigsten verdienen; die Gesundheit mangelt fast
+Allen. Den Einen in Folge von Noth, Elend, Trübsal, Entbehrungen,
+den Anderen in Folge von Ueberüppigkeit, Schwelgerei, Uebermaß der
+Genüsse. Das Eine wie das Andere ist Folge unserer sozialen
+Einrichtungen, die keinem Theil der Gesellschaft, weder dem Reichen
+noch dem Armen, die vernünftige und gesunde Entwicklung aller
+seiner Kräfte und Fähigkeiten, die Abwechslung und befriedigende
+Anwendung seiner Triebe gestatten. Zwar will die Gesellschaft, und
+namentlich die Zivilisation, das allgemeine Glück, aber was sie
+erstrebt, schlägt stets in das Gegentheil um. Wir behaupten, die
+Wahrheit zu wollen, und überall herrscht Lüge, Heuchelei,
+Unterdrückung; wir wollen die Moral und es herrscht Diebstahl,
+Betrug, Verführung, Ehebruch, Prostitution, kurz allgemeine
+Sittenlosigkeit; wir erstreben das allgemeine Glück und sieben
+Achtel bis acht Neuntel der Menschen sind unglücklich, weil sie von
+Uebeln umgeben sind, die zu beseitigen nicht in ihrer Macht liegt.
+So herrscht statt der Einheitlichkeit die Zweideutigkeit in allen
+Beziehungen. Jede gute Seite hat ihre schlimme, und zwar ist die
+schlimme die überwiegende.
+
+Fourier nennt das Streben nach Glück streben nach innerem und
+äußerem Luxus. Der innere Luxus ist die Gesundheit, der äußere der
+Reichthum. Den inneren Luxus bilden die Triebe, _die um so gesünder
+sind, je lebhafter sie sind_, und deren es fünf sensuelle oder
+Sinne des Körpers giebt: Geruch, Gesicht, Gehör, Geschmack und
+Gefühl, und vier Triebe der Seele: Liebe, Freundschaft, Ehrgeiz,[3]
+Familiensinn, die sämmtlich alle neun von drei sie steuernden
+Trieben beherrscht werden. Diese drei sind: Die Kabalist, Trieb der
+Intrigue, d.h. der Trieb, der thätig ist, um die Neigungen zu
+theilen, die Willen zu bestimmen, sich zu gemeinsamen Handlungen zu
+vereinigen; die Alternant oder Papillone, Trieb, der nach
+beständiger Abwechslung, nach Kontrasten, nach Veränderungen in der
+Handlung strebt; die Komposit, Trieb, der die Begeisterung, den
+Enthusiasmus erregt, nach dem Guten und Schönen strebt, alle
+Hindernisse überwindet. Diese letzten drei Triebe wirken ihm
+zufolge auf die vier affektiven und diese auf die fünf sensitiven.
+
+[Fußnote 3: Herm. Greulich bezeichnet in seiner Schrift: »Karl
+Fourier, ein Vielverkannter« (Hottingen-Zürich, Volksbuchhandlung
+1881), den Ehrgeiz als Auszeichnungstrieb, weil das Wort Ehrgeiz
+einen häßlichen Beigeschmack habe. Der von Gr. gewählte Ausdruck
+ist unzweifelhaft korrekt, aber wir wollen doch nochmals
+ausdrücklich konstatiren, daß nach Fourier's Theorie _alle Triebe
+gut sind_ und der Ausdruck Ehrgeiz ebensowenig anstößig sein darf,
+als die nach unserer landläufigen Auffassung von Fourier
+gebrauchten Ausdrücke Kabalist und Intrigue. Der Ehrgeiz ist auch
+in der bürgerlichen Gesellschaft an sich eine ganz löbliche
+Eigenschaft, der nur unangenehm und schädlich wird, wenn er auf
+Kosten Anderer oder der Allgemeinheit sich Geltung verschaffen
+will. Im Uebrigen scheint uns, hat Greulich in seiner Schrift, in
+dem Streben, Fourier zur verdienten Anerkennung zu bringen, ihn ein
+wenig zu sehr modernisirt und in der Sprache unserer Zeit reden
+lassen, ohne seiner Einseitigkeit und Schrullen genügend Erwähnung
+zu thun. Ein solches Zugünstigfärben erklärt sich aus dem
+Bestreben, Fourier gegen die ungerechten und unqualifizirbaren
+Angriffe eines Dühring, Most und Bernhard Becker in Schutz zu
+nehmen. Alle drei bezeichnen Fourier -- und Dühring und Most
+offenbar, ohne sich näher mit seinen Werken vertraut gemacht zu
+haben -- einfach als Narren, womit sie glauben, ihn abgethan zu
+haben. Ob dieser, Fourier schon zu Lebzeiten von Seiten seiner
+Gegner entgegengeschleuderte Vorwurf eine Berechtigung hat, mag der
+Leser am Schlusse obiger Abhandlung entscheiden. Wir möchten aber
+schon jetzt konstatiren, daß Joh. Most, der sich heute als
+Anarchistenchef aufspielt, gar keine Ahnung gehabt zu haben
+scheint, daß er Fourier als _Vater des Anarchismus_ anzusehen hat
+-- das Wort hier in seinem wahren Sinne, der Regierungs- und
+Staatlosigkeit genommen, und nicht im Sinne der blinden
+Gewaltstheorie, wie sie Most als anarchistisches Prinzip predigt.
+Die Fourier'sche Theorie in die Praxis umgesetzt, d.h. der Erdball
+mit Phalanstèren bedeckt, machte jede Staatsorganisation
+überflüssig, es wäre die Föderation der Phalanxen, also
+produzirender und konsumirender Kommunen. Daß Fourier trotzdem
+nicht blos alle bestehenden Staaten als weiter bestehend
+voraussetzt, sondern auch noch so viele neue dazu zu gründen in
+Aussicht stellte, ist einer der Widersprüche seines Systems, die
+ihm nicht zum Bewußtsein kamen. Aber es ist ein Widerspruch, der
+das System selbst nicht besser und nicht schlechter macht, es in
+seinem Wesen unberührt läßt.]
+
+Will aber der Mensch alle seine Triebe bethätigen und befriedigen
+und den dazu nöthigen Reichthum erlangen, ein Streben, das seiner
+Natur inhärent ist, so kann er dies nicht als isolirtes Einzelwesen,
+er bedarf hierzu einer Organisation mit Seinesgleichen. Diese
+Organisation, die Fourier entdeckte und als Heilmittel bietet, ist
+-- die ländliche und hauswirthschaftliche Assoziation, die mit der
+industriellen zu verbinden und auf die Anwendung der Serien
+(Reihen) und Gruppen der Triebe organisirt sein soll.
+
+Fourier legt auf die Ackerbaugenossenschaft oder die agrikole
+Assoziation das Hauptgewicht, er sieht sie als die eigentliche
+Grundlage für die menschliche Existenz, als diejenige Thätigkeit
+an, welche die meiste und angenehmste Abwechslung der Verrichtungen
+bietet. Aber auch die ganze häusliche Thätigkeit, die
+Hauswirthschaft im weitesten Umfang, Handel und Gewerbe, die
+Erziehung, die Künste, die Wissenschaften sollen sozietär betrieben
+werden. Die eigentliche Großindustrie hatte im Zeitalter Fourier's
+noch wenig Bedeutung in Frankreich, sie war hauptsächlich in der
+sog. Manufaktur organisirt, jener höher entwickelten Theilung der
+Handarbeit, vereinigt in großen Werkstätten, oder vertheilt in
+Hausbetrieben, die für einen gemeinsamen Unternehmer arbeiten. Der
+große Fabrikbetrieb entstand erst in einiger Bedeutung gegen das
+Lebensende Fourier's. Der manufakturmäßige Großbetrieb wurde zu
+Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich treibhausmäßig durch die
+Zoll- und Gewerbepolitik Napoleon's begünstigt, dessen Haß und
+Eifersucht, sowie Rachsucht gegen England ihn zur Kontinentalsperre
+trieben und ihn die größten Anstrengungen machen ließen, neben der
+Sperrung der seiner Machtsphäre unterworfenen Häfen für englische
+Waaren, die inländische Industrie vermittelst enormer Schutzzölle,
+Staatsunterstützungen und Prämien künstlich großzuziehen und
+dadurch England zu stürzen. Immerhin würde sich auch unsere heutige
+Großindustrie in die Fourier'sche phalanstere Organisation
+einreihen lassen.
+
+Die Arbeit ist nach Fourier eine Nothwendigkeit für _Alle_ ohne
+Unterschied des Lebensalters und des Geschlechts, aber sie darf
+keine Last, sondern sie muß eine Lust sein, mit anderen Worten: sie
+muß anziehend sein. Das kann sie nur sein, wenn Jeder das treibt,
+wozu seine Triebe ihn drängen, was ihm also Vergnügen macht; dabei
+muß die Beschäftigung häufig abwechseln und dürfen zu diesem Zwecke
+die einzelnen Arbeitssitzungen nur kurze sein. Jede Beschäftigung
+wie jedes Vergnügen darf nicht über ein und eine halbe bis zwei
+Stunden währen, weil man sonst ermüdet. Um aber das rivalisirende
+Element in die Beschäftigung zu bringen, muß sie von einer Anzahl
+Gleichstrebenden zugleich geübt werden. Es bilden sich also Gruppen
+von Gleichgesinnten für eine bestimmte Thätigkeit. Jede dieser
+Gruppen muß der lebhafteren Rivalität und der Ausgleichung halber
+mindestens sieben, gewöhnlich neun Personen umfassen. Es bilden
+sich eben so viel Gruppen, als Unterarten von Beschäftigungen bei
+einem bestimmten Produktionszweig vorhanden sind; diese
+verschiedenen Gruppen bilden eine Serie (Reihe). Es giebt z.B. eine
+Serie der Birnen- und eine solche der Aepfelzüchter, aber für die
+Varietäten jeder Obstart bestehen Gruppen. Es rivalisiren also die
+Serien, um die beste Obstart, die Gruppen, um die besten Sorten
+(Varietäten) zu züchten. Da ferner zwei Menschen nie in Allem den
+gleichen Geschmack und die gleichen Triebe haben, so werden
+dieselben Personen, die soeben in einer Gruppe zusammen wirkten,
+sich in den nachfolgenden Arbeitssitzungen in rivalisirenden
+Gruppen oder Serien in anderen Produktionszweigen gegenüberstehen.
+Es wechselt also nicht blos die Beschäftigung, es wechselt auch
+beständig der gesellschaftliche Umgang bei der Arbeit. Dieser
+immerwährende Wechsel der Beschäftigung und der beschäftigten
+Personen, und die daraus hervorgehenden, sich bald anziehenden,
+bald abstoßenden Wechselbeziehungen bilden nach Fourier die höchste
+Befriedigung, weil alle Triebe dabei in's Spiel kommen. Aber die
+Befriedigung würde keine vollkommene sein, wenn nicht der äußere
+Erfolg, also die Reichthumserzeugung, durch diese Thätigkeitsweise
+auch erzielt würde. Diese planmäßig organisirte, assoziirte
+Thätigkeit von Hunderten von Familien in einer Phalanx wird, so
+behauptet Fourier, im Gegensatz zur einzelnen Privatwirthschaft und
+Privatunternehmerschaft eine große Menge von Ersparungen an Kraft,
+Zeit, Mittel, Werkzeugen etc. einerseits, und durch die geschickt
+kombinirte und rivalisirende Thätigkeit Aller andererseits eine
+Reichthumsvermehrung zur Folge haben, die sich im Vergleich zu
+jetzt verzehn-, verzwanzig-, selbst vervierzigfacht und dem
+Aermsten eine Bedürfnißbefriedigung ermöglicht, wie sie heute kaum
+ein reicher Mann sich verschaffen kann.
+
+In der Fourier'schen Phalanx besteht der Unterschied des Besitzes
+fort. Da der Genuß des Lebens auf Kontrastwirkungen beruht, ist
+auch der Unterschied des Besitzes nothwendig. Je größer die
+Verschiedenheiten an Besitz, Charaktereigenschaften, Trieben, also
+je lebhafter die Kontraste sind, um so besser für die Phalanx.
+
+Man sieht, Fourier ist der Begriff des _Klassengegensatzes_ und die
+Entwicklung der verschiedenen Gesellschaftsformationen aus
+_Klassenkämpfen_, eine Grundanschauung des modernen Sozialismus,
+fremd. Sein Sozialismus ist auf die Versöhnung, die Harmonie der
+heute feindlichen Gegensätze, die nach seiner Meinung nur aus
+Mißverstand oder mangelhafter Kenntniß der wahren Bestimmung der
+menschlichen Gesellschaft feindliche wurden, gerichtet. Sein
+Sozialismus paßt sich, wie er nicht müde wird, immer wiederholt zu
+versichern, allen Regierungsformen und allen Religionssystemen an,
+er hat weder mit politischen noch religiösen Streitfragen das
+Geringste zu thun. Daher wendet er sich in seinen Schriften nicht
+an die Arbeiter und die Masse der Geringen, von denen die erstern
+zu seiner Zeit als Klasse noch wenig entwickelt waren und
+öffentlich gar keine Rolle spielten, sondern er wendet sich an die
+Einsicht der Großen und Reichen. Letztere allein konnten ihm
+helfen, weil sie allein die Mittel zur Gründung einer Versuchsphalanx
+besaßen, von deren Zustandekommen nach ihm die Einführung seines
+Systems abhing. War diese begründet, dann zog sie durch ihren Glanz
+und ihre Vortheile nicht nur die Zivilisirten, sondern auch die
+noch im Zustande der Barbarei und der Wildheit befindlichen Völker
+-- »die von der Zivilisation nichts wissen wollen« -- an, eiligst
+in die neue Gesellschaftsorganisation einzutreten. Die Phalanx ist
+das Zaubermittel, das die Entwicklungsperiode der Zivilisation, wie
+der Barbarei und der Wildheit abkürzt, Barbaren und Wilden das
+Durchgangsstadium durch die Zivilisation erspart und den Aufschwung
+zu immer höherer Vollendung herbeiführt.
+
+So wandte sich denn Fourier nacheinander bald direkt, bald indirekt
+an alle ihm jeweilig zugängig erscheinenden Kreise und Personen, um
+diese für sein System zu interessiren und von ihnen die Mittel zur
+Begründung der Versuchsphalanx zu erlangen. Er schilderte ihnen den
+eigenen materiellen Vortheil, wie die Ehren und den Ruhm, den sie
+dadurch bei Mit- und Nachwelt erlangten, in den glänzendsten,
+glühendsten Farben. So suchte er abwechselnd und nacheinander
+Napoleon, französische Volksvertreter, den Adel und Klerus der
+Restauration, die Bourbonen, die englischen Großen, die sich für
+das gleichzeitig auftauchende Robert Owen'sche Assoziationsprojekt
+in New-Lamark interessirten, die Liberalen, ferner seine wüthendsten
+Gegner, die Philosophen, Rothschild, dem er ein Königreich Jerusalem
+in Aussicht stellte, Lord Byron, George Sand und nach der
+Julirevolution die Herren von Lafitte und Thiers, die emigrirten
+Polen etc. zu gewinnen. Er versuchte schließlich selbst mit den
+Saint Simonisten, insbesondere mit Enfantin, Fühlung zu bekommen.
+Die Saint Simonisten benutzten zwar theilweise seine Theorien,
+indem sie dieselben mit ihren Lehren vermischten, aber auf Weiteres
+ließen sie sich nicht ein.
+
+Alles war also vergeblich. Die Einen fanden sich unter der
+bestehenden Ordnung so wohl, daß sie keine Sehnsucht nach einer
+anderen hatten, Andere, die Wohlwollenden, hielten seine Ideen für
+unausführbar, sahen in denselben eine schöne Illusion oder Vision,
+die Dritten zuckten die Achsel und lachten über ihn als einen
+Träumer und Narren. Dieser Widerstand, diese Ungläubigkeit, die
+Fourier unbegreiflich fand und auf bösen Willen oder Vorurtheil
+zurückführte, denn er selbst glaubte an sich und sein System wie je
+ein Neuerer daran geglaubt hat, wird unser Zeitalter sehr natürlich
+finden. Wir wissen Alle, daß Entwicklungsperioden, die Bestehendes
+von Grund aus umgestalten sollen, nie durch noch so scharfsinnig
+und detaillirt ausgedachte, fertige Pläne von einer Idealgesellschaft
+herbeigeführt werden, auch nicht, wenn die größten finanziellen
+Mittel und das größte Wohlwollen mächtiger Persönlichkeiten
+dahinter steht, sondern daß die Umgestaltung aus dem
+Entwicklungsprozeß der ganzen Gesellschaft sich vollzieht und, wenn
+die Bedingungen einer neuen Gesellschaftsformation vorhanden sind,
+diese sich mit elementarer Gewalt auch Bahn bricht. Sie wird nicht
+gemacht, sie vollzieht sich, und stets unter der Form von
+Klassenkämpfen, _gegen_ den Willen der alten
+Gesellschaftsschichten.
+
+Fourier will in seiner Phalanx Kapital, Arbeit und Talent
+berücksichtigen und zwar in der Weise, daß die Arbeit Fünfzwölftel,
+das Kapital Vierzwölftel, das Talent Dreizwölftel des Ertrags
+zugewiesen erhält. Die beiden Geschlechter sind vollkommen
+gleichberechtigt, sie arbeiten, vergnügen und lieben sich
+miteinander, wie die Neigung sie zu einander führt. Wie alle
+Thätigkeit und die Vergnügen gemeinsam sind, so ist auch die
+Kindererziehung eine gemeinsame. Die Kinder sind das dritte
+neutrale Geschlecht, ihrer Erziehung widmet er in seinen Werken
+einen breiten und hochinteressanten Raum. Es existiren nicht viele
+Menschen, die, wie Fourier, die menschliche Gesellschaft in allen
+Lebensaltern und Lebensstellungen beobachteten und studirten, und
+so hat er auch den Kindescharakter mit wunderbarer Gründlichkeit
+und Tiefe erfaßt und darauf sein Erziehungssystem begründet. Es
+wird keinen Pädagogen geben, der nicht heute noch die bezüglichen
+Kapitel mit großem Vergnügen und mit Nutzen liest.
+
+Die Kinder werden vom ersten Tage der Geburt ab gemeinsam in
+großen, für diesen Zweck auf's Bequemste und Opulenteste
+eingerichteten Sälen gepflegt und erzogen. Ihre Pflege übernehmen
+Pflegerinnen von verschiedenem Lebensalter, die sich freiwillig und
+aus Trieb, wie bei Allem, was in der Phalanx geschieht, diesem
+Dienste widmen. Sobald sich der Charakter der Kinder entwickelt,
+werden sie darnach in die verschiedenen Säle vertheilt. Die
+Pflegerinnen sind in Serien und Gruppen organisirt, sie sind Tag
+und Nacht zugegen und werden in den üblichen Zwischenräumen
+abgelöst. Die Mütter können nach Neigung unter den Pflegerinnen
+leben. Fourier meint aber, die Mehrzahl werde es vorziehen, ihren
+gewohnten Beschäftigungen und Unterhaltungen nachzugehen und nur in
+den Stunden der Nahrung sich einfinden, überzeugt, daß ihren
+Kleinen Nichts fehlt und Nichts abgeht. Für Spielen und
+Unterhaltungen der Kleinen ist reichlich gesorgt. Vom dritten
+Lebensjahre ab werden sie nach ihrem Alter klassifizirt und
+spielend in die verschiedenen leichten Beschäftigungen des
+Haushalts eingeführt und zu Handarbeiten angehalten. _Jeder Zwang
+ist ausgeschlossen_. Zweckdienlich eingerichtete Spielsäle, Küchen,
+kleine Werkstätten, mit kleinen Werkzeugen und Maschinen versehen,
+geben ihnen Gelegenheit, ihre Triebe und Fähigkeiten zu bethätigen.
+Der eigentliche geistige Unterricht beginnt erst mit dem neunten
+Jahr, nachdem inzwischen die körperliche Erziehung, die unter dem
+Namen der »Oper« Gesänge, Tänze, Musik, körperliche Uebungen aller
+Art umfaßt, um die Kinder gewandt zu machen, zu richtigem Maß und
+Ausdruck im Sprechen, in Geberden und Bewegungen zu erziehen, eine
+feste Grundlage erlangt hat. Die Erziehung währt in
+verschiedenalterigen Abstufungen bis zur vollständigen körperlichen
+Reife der Geschlechter, also bis zum 16., 18. und selbst 20.
+Lebensjahr. Wir kommen bei der späteren Darlegung der Fourier'schen
+Theorien auf diese Dinge ausführlicher zurück.
+
+Das Verhältniß der beiden Geschlechter zueinander ist im
+Fourier'schen System das denkbar freieste. Die Kritik, die Fourier
+an die Beziehungen der Geschlechter in unserer Gesellschaft, an die
+Form der heutigen Ehe mit ihren Auswüchsen, ihrer Käuflichkeit,
+ihrer Heuchelei, ihrem Zwange gegen den einen oder anderen, oder
+gegen beide Theile, übt, gehört zu dem Schärfsten, was hierüber
+geschrieben wurde.
+
+Die Kritik der Beziehungen der Geschlechter zu einander, wie die
+Kritik des Handels, den er wie kein Zweiter kannte, zogen ihm
+hauptsächlich die Entrüstung und den Zorn der Gegner zu, verletzten
+Diejenigen am meisten, die in dem einmal Ueberlieferten die beste
+der Welten sahen. Mit seiner Theorie der freien Liebe, seiner
+Darstellung der sechsunddreißig Arten der Hahnreischaft und des
+Ehebruchs, die nach ihm existiren und die er noch zu
+vervollständigen sich anheischig machte; mit seiner Bloßlegung der
+lügnerischen und gaunerhaften Praktiken des Handels, des Geld- und
+Lebensmittelwuchers, des Schachers mit Grundstücken und Effekten,
+der Börsenmanöver, hatte er in verschiedene und sehr gefährliche
+Wespennester gestochen. Er rief einen solchen Sturm gegen sich
+wach, daß er selbst später für angemessen fand, zu erklären, Alles,
+was er über die Beziehungen der Geschlechter in seinen Schriften
+ausgeführt habe, könne erst von der dritten Generation ab, nach
+Gründung seines Systems, zur Durchführung kommen. Die jetzt noch
+übermäßig herrschenden Vorurtheile, wie die physischen Uebel und
+Gebrechen, die das gegenwärtige System erzeugt habe, müßten erst
+allmälig ausgerottet werden. Dagegen fuhr er fort, durch
+historische Darlegung und Kritik der geschlechtlichen und der
+Eheverhältnisse bei den alten Völkern, besonders an der Hand der
+Bibel, ihrer Erzählungen über die Nachkommen der ersten Menschen,
+die Lebensweise der Erzväter, dann David's, Salomo's u.s.w.
+nachzuweisen, welche Phasen die Geschlechtsverhältnisse der
+Menschen durchgemacht und wie wenig Anstoß selbst Gott daran
+genommen habe, indem er allen diesen aus dem alten Testament
+angeführten Personen fortgesetzt sein Wohlwollen und seine Gnade
+erhalten habe.
+
+Unter den neuen Lebensverhältnissen, die Fourier erstrebt, genießen
+die Menschen nicht nur das volle Glück, sie werden auch bei ihrer
+gesunden und naturgemäßen Lebensweise ein sehr viel höheres
+Lebensalter erreichen, als heute. 144 Jahre werden das
+Durchschnittsalter sein. Sie könnten also wenigstens volle achtzig
+Jahre die Liebe genießen, was doch wohl, wie er meint, eine zu
+lange Zeit sei, um mit einem Mann oder einer Frau ausschließlich
+leben zu sollen, »täglich von derselben Platte zu essen«. Da ferner
+mit dieser längeren Lebensdauer auch die Vermehrung der Menschen
+entsprechend wachse, sei Urbarmachung neuen Bodens, Ansiedelung in
+bisher wenig bevölkerten Ländern und Erdtheilen geboten. Aber auch
+dieses Hülfsmittel werde bald der Vermehrung ein Ziel setzen, wenn
+nicht gleichzeitig mit der Entwicklung des Menschengeschlechts
+durch die neue soziale Organisation unser Erdball in klimatischer
+Beziehung bis zum höchsten Nord- und Südpol eine vollständige
+klimatische Umwandlung durchmache, die auch auf den anderen
+Planeten und Fixsternen ähnlich sich vollziehen soll.
+
+Hier entwickelt nun Fourier ein kosmogenetisches System, das zu dem
+Phantastischsten gehört, das ein Mensch erdenken kann. Es ist
+namentlich dieser Theil seiner Abhandlungen, der ihm den meisten
+Spott, ihm hauptsächlich den Titel des »Visionärs«, des »Narren«
+eingetragen hat. Das ganze Universum ist nach Fourier, und hier
+beruft er sich auf Schelling, »das Spiegelbild der menschlichen
+Seele«.
+
+Die Welt ist dem Menschen zu Liebe geschaffen; nach seinem Tode
+wandert er von Planet zu Planet zu immer höherer Vollkommenheit,
+eine Idee, die freilich auch in anderen Köpfen, selbst heute noch,
+spukt und nicht blos in den untern Schichten. -- »Die Kanaille will
+ewig leben.«
+
+Jeder Planet wird geboren; er hat, wie der Mensch, sein Alter der
+Kindheit, der auf- und absteigenden Entwicklung und des Todes. Auch
+die Menschheit stirbt, und zwar nach einer Gesammtlebensdauer von
+80.000 Jahren, die sich in vier Phasen abwickeln. Die Phase der
+Kindheit, in deren letzter Periode wir uns befinden, dauert 5000
+Jahre; die Phase der aufsteigenden Entwicklung währt 35.000 Jahre;
+die Phase des allmäligen Niedergangs ebenfalls 35.000 Jahre. Dann
+folgt die Phase der Altersschwäche wieder mit 5000 Jahren, worauf
+der Tod der Menschheit und der Erde eintritt. Innerhalb des
+Zeitraums von 80.000 Jahren erlebt die Menschheit 32
+Entwicklungsperioden -- wir befinden uns in der fünften, der
+Zivilisation --, und innerhalb der verschiedenen Perioden giebt es
+verschiedene Neuschöpfungen, durch welche auch die Thier- und
+Pflanzenwelt und das Klima, entsprechend der höheren Entwicklung
+des Menschen, sich in höherer Vollkommenheit entfalten werden. Mit
+der achten Periode, der Harmonie, beginnt die Aurora des Glücks. Es
+wird die Nordpolkrone (»Couronne boréale«) geboren, die dann,
+gleich der Sonne, nicht blos Licht, sondern auch Wärme verbreitet
+und damit eine Reihe neuer Schöpfungen einleitet. Die Wirkung der
+Nordpolkrone wird sein, daß Petersburg und Ochotsk ein ähnliches
+Klima bekommen, wie Kadix und Konstantinopel, daß das Klima der
+sibirischen Eisküsten dem von Marseille und dem Golf von Genua
+gleicht, und daß eine Fruchtbarkeit dieser nördlichen Erdtheile
+beginnt, die mit jener der tropischen Länder wetteifert.
+Gleichzeitig wird durch die Einwirkung des Fluidums der
+Nordpolkrone und durch die Veränderung des Klimas das Meer sich
+umbilden und einen limonadeartigen Geschmack annehmen. Die
+jetzigen, den Menschen feindlichen und schädlichen Meerungeheuer,
+wie der Hai etc., werden zu Grunde gehen und durch neue
+Schöpfungen, wie Anti-Hai, Anti-Walfisch, ersetzt werden, Thiere,
+die dem Menschen freundlich sind und ihm ihre Dienste zum Ziehen
+der Schiffe etc. leihen werden. Alle _nützlichen_ Fische und
+Seethiere, wie der Hering, der Kabeljau, die Auster u.s.w., werden
+trotz der Veränderung des Meeres erhalten bleiben und sich
+wesentlich vermehren. Ganz ähnlich vollzieht sich die Umgestaltung
+auf dem Lande. Alle wilden Thiere (Löwe, Tiger, Leopard, Wolf etc.)
+und alle giftigen Reptile oder widerlichen Insekten, ebenso die
+giftigen und schädlichen Pflanzen verschwinden und werden durch für
+den Menschen nützliche Neuschöpfungen ersetzt. So entsteht z.B. der
+Anti-Löwe, der zahm ist und sich freiwillig dem Menschen als
+Reitthier anbietet.
+
+Sobald der ganze Erdball mit Phalanxen bedeckt ist, wird er zwei
+Millionen derselben mit vier Milliarden Menschen aufweisen. Alsdann
+wird Konstantinopel Hauptstadt der Welt und wird der von allen
+Phalanxen ernannte Omniarch, als Herrscher der Welt, seinen Sitz
+dort nehmen. Worin aber das Herrscheramt dieses Omniarchen besteht,
+ist schwer zu sagen, darüber giebt Fourier keine Auskunft. Mit der
+Zahl von vier Milliarden ist das Maximum der Bevölkerungsziffer
+erreicht; denn wenn die Menschen sich anfangs stark vermehrten, so
+läßt die Fruchtbarkeit des Geschlechts allmälig und namentlich in
+dem Maße nach, wie neben den Männern insbesondere auch die Frauen
+größer und stärker werden, ihre geistige und körperliche
+Entwicklung und die opulente Lebensweise zunimmt. Fourier glaubt,
+schon jetzt in unserer Gesellschaft die Beobachtung gemacht zu
+haben, daß Frauen von großer Körperkraft und Körperfülle und
+höherer geistiger Entwicklung und in günstigen materiellen
+Verhältnissen lebend, weniger Kinder gebären, als solche von
+schwächlicher, magerer Konstitution, so daß Erstere häufig sogar
+unfruchtbar seien.
+
+Aehnliche Umgestaltungen und Veränderungen, wie auf unserm Globus,
+vollziehen sich auf allen übrigen Planeten und geben dem Menschen
+die Gewähr, daß er auch nach seinem Tode auf der Erde in
+ungemessenen Zeiträumen von einem zum andern Planeten wandert, von
+denen immer einer vollkommener als der andere ist und immer höhere
+Genüsse dem Menschen in Aussicht stellt. Ganze Planetensysteme
+werden sich noch bilden, um in der Sternenwelt dieselbe Harmonie,
+das obere Klavier (»clavier majeur«) herzustellen, wie diese
+Harmonie auf der Erde in dem Klavier der menschlichen Seele, das
+810 Charaktereigenschaften aufweist, sich hergestellt hat. Das
+Charakteristische in allen diesen Auseinandersetzungen Fourier's
+sind die bestimmten mathematischen Verhältnisse und die Analogien,
+mit denen er rechnet. Alles drückt sich bei ihm in bestimmten
+Zahlen aus. Alle Lebensäußerungen und Erscheinungen in der Welt
+lassen sich in bestimmten mathematischen Zahlenverhältnissen zum
+Ausdruck bringen. Fourier steht hier ganz auf dem Boden des
+Pythagoras (540-500 vor unserer Zeitrechnung), der bekanntlich eine
+Philosophie der Zahlenlehre für alle Erscheinungen begründete.
+
+Ebenso sieht Fourier überall Analogien; jede unserer Pflanzen,
+jedes Thier entspricht irgend einem Menschencharakter, dabei kommt
+er zu ergötzlichen Vergleichen. Ferner entsprechen die 32 Zähne des
+Menschen den 32 Entwicklungsperioden der Menschheit und den 32
+Planeten unseres Planetensystems, die nach ihm dieses zählen muß.
+
+Die phantastischen Spekulationen Fourier's über die Entwicklung von
+Menschen und Welt waren es, die ihm im spottsüchtigen Frankreich am
+meisten schadeten. Später gab er auch diesen Theil seiner Ansichten
+ausdrücklich preis, sich damit entschuldigend, daß im Jahre 1808
+seine Kenntnisse und Entdeckungen noch sehr mangelhaft gewesen
+seien, daß er für das Studium auf die Nächte angewiesen gewesen sei
+und er manche ihm nöthige Wissenschaft habe vernachlässigen müssen.
+Im Uebrigen aber hätten, meinte er, diese seine kosmogenetischen
+Ansichten mit seinem eigentlichen sozialen System nichts zu thun
+und schädigten und berührten dieses eben so wenig, als die
+Träumereien Newton's über die Auslegung der Apokalypse dessen
+Entdeckung über die Attraktion und Gravitation der Weltkörper
+geschädigt und berührt habe. Ueberdies erlebte Fourier die
+Erfindung und Anwendung des Dampfschiffs und der Eisenbahnen, und
+damit war für ihn handgreiflich der Beweis geliefert, daß die
+Menschheit nunmehr mit einer Schnelligkeit Meere zu durchschneiden
+und Länder zu durcheilen vermochte, daß sie den Anti-Hai des Meeres
+und den Anti-Löwen des Landes sehr wohl entbehren konnte. Wer hatte
+überhaupt zu Anfang dieses Jahrhunderts von bedeutenden Männern
+keine Träumereien? Schiller in seinen Räubern, Göthe in seinen
+Wilhelm Meister's Lehr- und Wanderjahren, Fichte in seinem
+»geschlossenen Handelsstaat« malten die Welt auch ganz anders, als
+sie der großen Mehrzahl der gleichzeitig mit ihnen lebenden
+»vernünftigen Leute« sich darstellte. Geniale Menschen haben das
+Recht, zu »träumen«, sie helfen mit ihren »Träumen« der Menschheit
+mehr, als der große Troß des Philisterthums mit seinen
+»vernünftigen« Gedanken.
+
+Wir wiederholen, man darf nie einen Mann und seine Geistesprodukte
+mit dem Maßstab einer _späteren_ Zeit messen. Wie jeder Mensch, der
+bedeutendste wie der geringste, das Kind seiner Zeit ist, so wird
+er auch über seine Zeit nicht hinaus können; er kann der
+Vorgeschrittenste in ihr sein, außer ihr steht er nicht. Eine
+bewußte Arbeiterklasse gab es zu Anfang dieses Jahrhunderts nicht,
+konnte es nicht geben; die moderne, industrielle Arbeiterklasse war
+erst im Entstehen, und so weit die Arbeiter am öffentlichen Leben
+sich betheiligten und sich dafür interessirten, bildeten sie die
+Gefolgschaft der Bourgeoisie, wie sie dies in Deutschland im Anfang
+der sechziger Jahre noch waren. In Frankreich lagen damals die
+Verhältnisse noch ganz anders. Die Ideen der großen Revolution
+besaßen noch einen Glanz und hatten einen Enthusiasmus in den
+Massen verbreitet, der lange und tief nachwirkte.
+
+Warum jene glänzenden Ideen der bürgerlichen Ideologen in der
+Revolution sich nicht verwirklicht hatten, nicht verwirklichen
+konnten, erwähnten wir schon. Dazu kam, daß die napoleonischen
+Kriege Frankreich unausgesetzt in Athem hielten und die öffentliche
+Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Ueberdies hatten zu jener
+Periode die Arbeiter in Frankreich ihre goldene Zeit. Durch das
+bereits erwähnte gegen England gerichtete vollständige
+Abschließungssystem und die damit treibhausartig gezüchtete
+Großindustrie -- Zuckerfabrikation, Baumwollenfabrikation,
+Seidenindustrie etc. -- in Verbindung mit der fortgesetzten
+Hinopferung von Hunderttausenden der besten Kräfte im Mannesalter,
+in den ununterbrochenen Kriegen, war die Nachfrage nach Arbeitern
+groß, die Löhne standen hoch und die Arbeiter lernten erst jetzt
+eine Menge Bedürfnisse kennen und befriedigen, von denen sie früher
+keine Ahnung hatten. Da bekümmerten sie sich nicht um neue soziale
+Theorien, namentlich wenn diese ihnen in so fremder, schwer
+verbindlicher und unverdaulicher Form geboten wurden, wie sie
+Fourier's erstes Hauptwerk enthielt. Fourier ist überhaupt schwer
+verständlich, es mangelt ihm die logische Zusammenfassung und die
+klare Ausdrucksweise. Daneben hat er sich eine Nomenklatur gebildet
+und wendet diese mit Vorliebe an, die eine Verdeutlichung sehr
+schwer, manchmal fast unmöglich macht.
+
+Als nach Beendigung der napoleonischen Kriege und nach der
+Beseitigung Napoleon's Frankreich anfing, sich wieder mit sich
+selbst zu beschäftigen, traten andere Erscheinungen in den
+Vordergrund, die das allgemeine Interesse in Anspruch nahmen.
+Gleichzeitig mit den Bourbonen und unter dem Schutz der Bayonette
+der heiligen Allianz war ein ganzes Heer ehemals emigrirter Pfaffen
+und Adeliger mit ihrer Nachkommenschaft eingerückt, die jetzt wie
+ein Schwarm Heuschrecken sich über das Land ergossen, Ersatz für
+das einst Verlorene, Belohnung und Vergeltung für das meist sehr
+zweifelhaft Geleistete aus öffentlichen Mitteln verlangten, und
+nach möglichster Wiederherstellung der Zustände des »ancien regime«
+sich sehnten und dazu drängten. Zwar hatte schon Napoleon versucht,
+seinen Frieden mit den alten Ständen zu machen; er hatte neben dem
+alten einen neuen Adel kreirt, weil er einsah, daß er seinen neu
+gezimmerten Thron nicht ohne solche Stützen auf die Länge zu halten
+vermochte, und mit dem Papst hatte er sich auch verständigt. Aber
+es war doch nur ein kleiner Theil des Adels, der von Napoleon
+befriedigt war, und der Herr und Meister zwang diesen Adel zur
+Bescheidenheit. Das wurde nach 1815 anders. Jetzt brach der alte
+Adel in Schaaren in das Land, er hielt den Tag der Ernte nach so
+langer Entbehrung für gekommen. Die reaktionären Strebungen kamen
+überall zum Vorschein. Eine Reihe von Jahren ließ sich das
+niedergetretene Frankreich diesen Zustand gefallen, dann aber
+ermannte es sich allmälig. Die Bourgeoisie, die sich in erster
+Stelle zurückgedrängt und beunruhigt sah, wurde oppositionell, und
+Alles, was von den Ideen der großen Revolution erfüllt war, noch
+voll Begeisterung und Enthusiasmus glühte, erhob sich zum Kampf,
+der schließlich in dem Sturz der Bourbonen in der Julirevolution
+zunächst sein Ende fand. Aber später dauerten die Kämpfe fort und
+führten namentlich zur Gründung der geheimen revolutionären
+Gesellschaften, an denen auch die Arbeiter in stärkerem Maße sich
+betheiligten. Das war keine Strömung, die den auf Aussöhnung und
+Ausgleichung der Gegensätze gerichteten Bestrebungen Fourier's
+günstig war. Dazu kam noch eine gewisse Zurückhaltung seinerseits,
+er blieb den politischen Kämpfen vollständig fern, seine Natur war
+nicht für die öffentliche Propaganda und die Agitation gemacht.
+
+Die Aufnahme, die Fourier's erstes Werk: »Die Theorie der vier
+Bewegungen«, gefunden hatte, war nicht sehr ermunternd. Das Buch
+fand geringen Absatz und Fourier's Mittel waren erschöpft. Eine
+kleine Hülse, die ihn vor dem Mangel schützte, erhielt er durch ein
+Legat seiner Mutter, die 1812 starb, ein Legat, das ihm jährlich
+900 Franken einbrachte. Bis zum Jahre 1816 arbeitete er in
+verschiedenen kaufmännischen Stellungen, dann zog er sich auf's
+Land zurück und widmete sich fünf Jahre gänzlich seinen Studien und
+Berechnungen. Endlich, im Jahre 1822, erschien sein umfänglichstes
+Werk: »Die Theorie der universellen Einheit«, zwei starke Bände
+umfassend, bei dessen Herausgabe ihn namentlich sein Freund und
+Anhänger Just Muiron, der als städtischer Beamter in Besançon lebte
+und in leidlichen materiellen Verhältnissen war, unterstützte. Bei
+der zweiten Herausgabe (1842) wurde dem Werke die ein Jahr nach
+seiner ersten Herausgabe geschriebene Abhandlung: »Summarisches«
+eingefügt und das Ganze unter dem ersterwähnten Titel in vier
+Bänden herausgegeben. Bei der ersten Ausgabe führte das Werk den
+Titel: »Abhandlung über die hauswirthschaftlich-landwirthschaftliche
+Assoziation«, obgleich Fourier ihm den späteren Titel von vornherein
+zugedacht, ihn aber durch den zweiten ersetzt hatte, weil damals
+»die erschreckte öffentliche Meinung gegen die allgemeinen Systeme
+eingenommen gewesen sei.« In diesem Werk begründet Fourier in der
+ausführlichsten Weise alle die in seinem ersten Werk aufgestellten
+Postulate, sie hier und da in Folge genauerer Studien und
+Berechnungen richtig stellend. Einen erheblichen Theil des Werkes
+bilden philosophische Abhandlungen scharf polemischer Natur -- in
+der Polemik war er überhaupt Meister -- in denen er die Systeme der
+Gegner angriff und die gegen ihn gerichteten Angriffe mit viel Witz
+und Satyre zurückwies.
+
+Im Jahre 1829 erschien eine weitere Arbeit Fourier's unter dem
+Titel: »Die industrielle und sozietäre Neue Welt.« (»Le Nouveau
+Monde industriel et sociétaire.«) Dieses Werk umfaßt einen Band und
+ist von allen Schriften Fourier's das präziseste und am klarsten
+geschriebene; es vermeidet möglichst die spekulativen und
+kosmogenetischen Träumereien, befaßt sich dagegen um so mehr mit
+allen praktischen Fragen seines Systems; es kann als die
+eigentliche Quintessenz seiner Theorien angesehen werden. Wer sich
+über Fourier's Ideen genügend orientiren will, ohne die fünf ersten
+Bände zu studiren, wird in »Der industriellen und sozietären Neuen
+Welt« alles Wünschbare finden. Sieben Jahre später erschien
+abermals eine größere Arbeit von ihm unter dem Titeln »Falsche
+Industrie«. Aber dieses Buch enthält keine irgendwie neuen Ideen,
+noch weniger zeichnet es sich durch Uebersichtlichkeit aus, es ist
+die letzte, aber auch geringwerthigste seiner größeren
+Abhandlungen. Neben diesen größeren Schriften erschienen von ihm
+eine Menge Aufsätze über die verschiedensten Fragen, die später
+ebenfalls gesammelt und von seinen Anhängern herausgegeben wurden.
+
+Allmälig hatte sich eine kleine Anhängerzahl um Fourier geschaart.
+Neben dem bereits erwähnten, ihm sehr ergebenen Muiron war es
+Victor Considérant, der als junger Mann und als Zögling der
+Ingenieurschule zu Metz mit Feuereifer sich seinen Ideen hingab,
+unter seinen militärischen Genossen für dieselben Propaganda machte
+und auch später Fourier treu blieb, als er in der militärischen
+Karrière bis zum Hauptmann des Geniekorps emporstieg, noch später
+Mitglied des Generalraths der Seine und Volksvertreter wurde.
+Considérant wurde das eigentliche Haupt der Schule, der Paulus des
+Fourierismus, der in Wort und Schrift unermüdlich für ihn wirkte.
+Doch da wir die ausschließliche Aufgabe haben, uns mit dem Wirken
+Fourier's zu beschäftigen, können wir nicht ausführlicher auf die
+Thätigkeit der Schule eingehen. Die Zahl ihrer schriftstellerischen
+Kräfte, und dem entsprechend auch die Zahl ihrer Schriften, wurde
+im Laufe der Jahre eine sehr bedeutende, doch hat sie nie einen
+großen Massenanhang gewonnen; sie hatte, wie die meisten der
+sozialistischen Schulen in Frankreich, ihre Hauptstützen in den
+jugendlichen Kreisen der Gebildeten. Schriftsteller, Advokaten,
+Offiziere, Aerzte, Künstler bildeten den Kern. Im Jahre 1832 gelang
+es Kurier und seinen Schülern, eine Zeitschrift für die Verbreitung
+ihrer Lehren zu gründen, die unter dem Titel: »La Reforme
+industrielle ou le Phalanstère« (Die industrielle Reform oder das
+Phalansterium) bis zum Jahre 1833 in zwei Bänden groß Oktav
+erschien, dann aber einging. Eine neue Zeitschrift erschien 1836
+unter dem Titel: »La Phalange, journal de la science social« (Die
+Phalanx, Zeitschrift für die soziale Wissenschaft), welche in den
+Jahren 1836-1840 zwei bis drei Mal im Monat herauskam. Von
+1840-1843 erschien sie wöchentlich drei Mal und ging 1843 in ein
+Tageblatt über unter dem Titel: »Democratie pacifique« (Friedliche
+Demokratie).
+
+Fourier betheiligte sich bei diesen Zeitschriften
+schriftstellerisch sehr eifrig und leistete zahlreiche Beiträge.
+Außerdem führte er auch den Kampf in der übrigen Presse, so weit
+diese seine Arbeiten aufnahm. Gegen Ende der zwanziger Jahre war er
+dauernd nach Paris übergesiedelt. Er hatte eingesehen, daß wenn er
+für seine Theorien mit Erfolg wirken wollte, er mitten in dem
+Zentralpunkt des öffentlichen Lebens von Frankreich sein mußte. Er
+hatte den durch die Zentralisation des Landes begründeten mächtigen
+Einfluß von Paris auf Frankreich für dessen ganzes öffentliches,
+wissenschaftliches, künstlerisches Leben entschieden bekämpft, ein
+Einfluß, der dazu führe, daß die größten Städte Frankreichs, wie
+Lyon, Bordeaux, Rouen u.s.w., in Bezug auf geistiges und
+künstlerisches Leben reine Landgemeinden seien und bei der in
+Deutschland herrschenden Dezentralisation von weit kleineren
+Städten, wie Weimar, Stuttgart, Gotha oder jeder beliebigen
+deutschen Universitätsstadt, überflügelt würden. Fourier
+beurtheilte überhaupt Paris, Frankreich und den Charakter seiner
+Landsleute im guten wie im schlimmen Sinne wie wenige seiner
+Zeitgenossen. Das war die Frucht seiner außerordentlichen scharfen
+Beobachtungsgabe. Aber der zentralisirenden Wirkung und dem Einfluß
+von Paris konnte er sich natürlich als Einzelner und als Mann, der
+auf seine Zeitgenossen wirken wollte, nicht entziehen, und so
+wählte er es zum Schauplatz seiner Thätigkeit. Da ist es denn für
+den Mann und den festen Glauben an sein System charakteristisch,
+daß während der letzten zehn Jahre, die er bis zu seinem am 9.
+Oktober 1837 in Paris erfolgten Tode verlebte, er Tag für Tag in
+der Mittagsstunde in seiner Wohnung den »Kandidaten«[4] erwartete,
+der ihm die Mittel für die Gründung einer Versuchsphalanx zur
+Verfügung stellen sollte. Vergeblich! Dagegen wurde im Jahre 1832
+aus der Mitte seiner Anhänger heraus der Versuch, eine Phalanx zu
+gründen, gemacht, indem Einer derselben in der Nähe von Rambouillet
+500 Hektaren Land für diesen Zweck zur Verfügung stellte. Aber man
+kam über die ersten Versuche nicht hinaus, weil die Mittel sehr
+bald ausgingen, ein Resultat, das Fourier bis an sein Lebensende
+mit begreiflicher Bitterkeit erfüllte.
+
+[Fußnote 4: Fourier bezeichnete Diejenigen, die nach seiner
+Meinung die Mittel für die Versuchsphalanx besäßen, als Kandidaten
+und berechnete, daß es solcher 4000 in Europa gäbe.]
+
+ * * * * *
+
+Hiermit haben wir in der Hauptsache den Lebenslauf des Begründers
+des Phalanstèren-Systems dargelegt, wie in einigen Hauptpunkten
+seine Grundgedanken entwickelt, und die Zeitverhältnisse kurz
+geschildert, unter welchen er sich Geltung zu verschaffen suchte.
+Es handelt sich nunmehr darum, sein System und seine Auffassungen
+nach seinen eigenen Ausführungen, wenn auch nur in knappster Form,
+zum Ausdruck zu bringen.
+
+Seine Schüler haben im Jahre 1848 ein zweibändiges Sammelwerk
+herausgegeben, in dem sie unter dem Titel: »Die universelle
+Harmonie und das Phalansterium« (»L'harmonie Universelle et le
+Phalanstère«) eine Uebersicht der Theorien Fourier's gaben, worin
+ausschließlich er selbst zum Wort kommt. Dieses Werk haben wir
+theilweise für Nachstehendes mit zu Grunde gelegt. Fourier beginnt:
+
+»Ich dachte an nichts weniger, als an Untersuchungen über die
+Bestimmung von Mensch und Welt, ich theilte die allgemeine Ansicht,
+welche sie als undurchdringlich ansah und ihre Berechnung unter die
+Visionen der Astrologen und Magiker reihte ... Seitdem die
+Philosophen[5] in ihrem ersten Versuch (in der französischen
+Revolution) den Beweis ihrer Unerfahrenheit geliefert haben,
+betrachtet Jeder ihre Wissenschaft als für immer abgethan. Die
+Ströme von politischer und moralischer Aufklärung erscheinen nur
+mehr als Illusionen. Nachdem diese Gelehrten seit fünfundzwanzig
+Jahrhunderten ihre Theorien vervollkommnet, alles alte und neue
+Wissen zusammengetragen haben, zeigt sich, daß sie uns statt der
+versprochenen Wohlthaten eben so viel Kalamitäten verschafften und
+daß die Zivilisation zur Barbarei neigt. Nach der Katastrophe von
+1793 gab es keinerlei Glück von den erworbenen Aufklärungen mehr zu
+hoffen, man mußte das soziale Wohl durch eine neue Wissenschaft zu
+verwirklichen suchen. Solcher Art war die erste Betrachtung, welche
+mich die Existenz einer bisher noch unbekannten sozialen
+Wissenschaft vermuthen ließ und mich anregte, ihre Entdeckung zu
+versuchen. Ich ward dazu ermuthigt durch zahlreiche Merkmale, die
+Verirrungen der Vernunft und hauptsächlich durch den Anblick der
+schweren Geiseln, von denen unsere sozialen Zustände betroffen
+sind: Mangel, Entbehrungen, überall herrschender Betrug,
+Seeräuberei, Handelsmonopol, Sklavenhandel und viele andere Uebel.
+Ich gab dem Zweifel statt, ob dieser soziale Zustand nicht eine von
+Gott erfundene Kalamität sei, um das Menschengeschlecht zu
+züchtigen. Ich schloß, daß in diesem sozialen Zustand eine
+Umkehrung der natürlichen Ordnung vorhanden sei. Endlich dachte
+ich, wenn die menschliche Gesellschaft nach der Ansicht
+Montesquieu's 'von einer Krankheit der Entkräftung, einem inneren
+Uebel, einem geheimen versteckten Gift' behaftet sei, man ein
+Heilmittel finden könne, wenn man die von unseren Philosophen
+bisher innegehaltenen Wege vermeide. So machte ich zur Regel meiner
+Untersuchungen: _den absoluten Zweifel und die absolute Vermeidung
+bisher beschrittener Wege_ ... Da ich bisher keinerlei Beziehungen
+zu irgend einer wissenschaftlichen Partei hatte, so war es mir um
+so leichter, den Zweifel unterschiedslos anzuwenden und Ansichten
+mit Mißtrauen zu begegnen, die bisher universelle Zustimmung
+gefunden hatten. Was konnte es Unvollkommeneres geben, als diese
+Zivilisation mit allen ihren Uebeln? Was war _zweifelhafter, als
+ihre Nothwendigkeit und künftige Dauer_? Wenn vor ihr schon drei
+andere Gesellschaften bestanden, die Wildheit, das Patriarchat und
+die Barbarei, folgte daraus, daß sie die letzte sei, weil sie die
+vierte ist? Kann nicht noch eine fünfte, sechste, siebente soziale
+Ordnung entstehen, die weniger verhängnißvoll sind, als die
+Zivilisation, die aber noch unbekannt sind, weil Niemand sich die
+Mühe gab, sie zu entdecken? Man muß also die Nothwendigkeit,
+Vortrefflichkeit und stetige Dauer der Zivilisation in Zweifel
+stellen. Das haben die Philosophen nicht gewagt, weil sonst die
+Nichtigkeit ihrer bisherigen Theorien, die alle die Zivilisation
+verherrlichen, an den Tag kommen würde.«
+
+[Fußnote 5: »Unter den Philosophen begreife ich«, sagt Fourier an
+einer Stelle, »nur die Autoren der unsicheren Wissenschaften
+(»sciences incertaines«), die Politiker, Moralisten, Oekonomisten
+und Methaphysiker, deren Theorien nicht auf der Erfahrung beruhen,
+sondern nur die Phantasie ihrer Urheber zur Basis haben. Wenn ich
+also von Philosophen spreche, spreche ich nur von dieser
+zweifelhaften Klasse, nicht von den Vertretern der bestimmten
+Wissenschaften (»sciences fixes«).« Fourier ging von der Ansicht
+aus, daß die französische Revolution nur ein Werk der Philosophen
+sei.]
+
+In diesen wenigen Sätzen steckt bereits die Utopie, von der er und
+alle Seinesgleichen ausgingen. Der bestehende Zustand ist schlecht,
+kein Zweifel, aber er wird nur festgehalten, weil man keinen
+besseren kennt. Machen wir uns also an die Arbeit, erfinden wir
+einen besseren und dem Uebel ist geholfen. Doch sollte nach Fourier
+diese neue Gesellschaft keine willkürlich erfundene sein, sie
+sollte auf bestimmten mathematischen Berechnungen beruhen, und
+stimmten diese Rechnungen, und das entschied natürlich er selbst,
+so war der neue Zustand gegeben, und es hing nur von dem eignen
+Entschluß der Gesellschaft ab, ihren sozialen Zustand wie ein Paar
+Handschuhe zu wechseln, ruhig, friedlich, ohne Kampf und ohne
+Reibung. Denn wo Allen das Glück blüht, wie kann da Jemand zaudern?
+
+Er entschloß sich also, Alles zu bezweifeln, doch dachte er noch
+nicht an die Bestimmungen. Er verfiel zunächst, wie er sagt, auf
+zwei sehr gewöhnliche Probleme, deren beide Prinzipien waren »die
+Ackerbaugesellschaft« (»association agricole«) und die indirecte
+Unterdrückung des Handelsmonopols der Insularen, der Engländer.
+
+England sah bekanntlich in dem Aufschwung Frankreichs nach der
+französischen Revolution einen gefährlichen Konkurrenten entstehen,
+dazu kam die Befürchtung wegen der Rückwirkung der revolutionären
+Ideen auf die eigene Bevölkerung und, wie schon bemerkt, der Haß,
+daß Frankreich die Unabhängigkeitsmachung seiner nordamerikanischen
+Kolonien, der späteren Vereinigten Staaten, unterstützt hatte. Mit
+seiner Seemacht beherrschte England alle Meere und den ganzen
+Handel, und bei dem Widerwillen, den Fourier in der eignen Praxis
+gegen den Handel eingesogen hatte, mußte sich dieser Widerwille
+auch auf die größte Handelsmacht, die, wie er behauptete, alle
+diese perfiden Handelsdoktrinen nicht blos vertrat, sondern auch
+erzeugt hatte, wenden. Zunächst beschäftigte er sich mit der
+ländlichen Assoziation, und über dem Nachdenken über ihre
+Organisation kam er auf die Theorie der Bestimmungen. Die Lösung
+dieses Problems führt, nach ihm, zur Lösung aller politischen
+Probleme. »Die Philosophen hielten die Ackerbaugenossenschaft für
+ebenso unmöglich, wie die Abschaffung der Sklaverei, weil die
+Genossenschaft bisher nie existirte. Sehend, daß bei dem
+Dorfbewohner jede Haushaltung auf eigene Faust arbeitet, kannten
+sie keine Mittel, sie zu vereinigen, und doch würden unzählige
+Verbesserungen daraus entstehen, wenn man die Bewohner jedes
+Fleckens zu gemeinsamer Thätigkeit vereinigen könne, proportional
+ihrem Kapital und ihrer Thätigkeit. Also 2-300 Familien, ungleich
+an Vermögen, die einen Bezirk (»canton«) kultivirten. Das Hinderniß
+schien enorm. Man kann kaum 20, 30, 40 Individuen zu gemeinsamer
+Thätigkeit verbinden, wie hunderte? Und doch wären mindestens
+achthundert nöthig für eine natürliche und ihre Mitglieder
+anziehende Assoziation.«
+
+»Ich verstehe darunter«, sagt er, »eine Gesellschaft, deren
+Mitglieder durch Wetteifer und Eigenliebe und andere Mittel, die
+mit dem Interesse verträglich, an die Arbeit gefesselt sind. Die
+Ordnung, um die es sich handelt, muß für die, welche sie üben,
+anziehend sein, während heute die Beschäftigung mit der
+Landwirthschaft widerwärtig erscheint und nur ausgeübt wird aus
+Furcht, Hungers zu sterben. Eine solche Organisation erscheint
+lächerlich, und doch ist sie möglich. Die landwirthschaftliche
+Assoziation, die, wie ich unterstelle, an tausend Personen umfaßt,
+liefert so enorme Vortheile, daß sie im Vergleich zum heutigen
+Zustand als Zustand der Sorglosigkeit erscheint. Das hat selbst ein
+Theil der Oekonomen zugestanden, nur haben sie sich nicht die Mühe
+gegeben, die Ausführungsweise zu entdecken. Sie erkennen selbst an,
+daß z.B. dreihundert Dorffamilien nur einen einzigen, sorgfältig
+erbauten und eingerichteten Kornboden würden nöthig haben, anstatt
+300 meist sehr schlechter; eine einzige Kellerei (für den Wein)
+anstatt 300 derselben, die meist mit vollständiger Unkenntniß
+behandelt werden. Statt daß hundert Boten mit Milch nach der Stadt
+gehen und hundert halbe Tage versäumen, würde ein einziger genügen,
+der mit einem Wagen fährt. Das sind nur einige von den zunächst in
+die Augen fallenden Ersparnissen, und sie würden sich
+verzwanzigfachen lassen. Aber wie eine Gesellschaft verschmelzen,
+in der die eine Familie 10.000 Franken, die andere keinen Obolus
+besitzt? Wie alle die Eifersüchteleien vermeiden und zu _einem_
+Plan die Interessen verbinden? Wie aussöhnen so viel
+widerstreitende Interessen und so viel entgegenstrebende Willen
+versöhnen? Darauf antworte ich: durch die Lockung von Reichthum und
+Vermögen. Der stärkste Trieb für den Landmann wie für den Städter
+ist der Gewinn. Wenn die Betheiligten sehen, daß die sozietär
+organisirte Arbeit ihnen drei-, fünf-, sechsmal mehr Vortheile
+einbringt, als in der isolirten Privatwirthschaft, daß allen
+Assoziirten die verschiedensten Genüsse gesichert sind, so werden
+sie alle ihre Eifersüchteleien vergessen und sich beeilen, der
+Assoziation beizutreten; sie wird sich rasch über alle Regionen
+ausbreiten, denn überall haben die Menschen den Trieb nach
+Reichthum und Genüssen.«
+
+»Wenn die Götter allen Sterblichen drei Wünsche auszusprechen
+gestatteten, welches würden die einstimmigsten Wünsche sein, die
+der Gelehrten eingeschlossen: Reichthum, Gesundheit und Langlebigkeit;
+und damit wäre der vierte Wunsch eingeschlossen: genügend Klugheit,
+um diese Güter entsprechend zu benutzen«, so definirt er an einer
+andern Stelle das Streben der Menschen.
+
+»Die landwirthschaftliche Assoziation wird also das Schicksal des
+Menschengeschlechts ändern, weil sie den Allen gemeinsamen Trieben
+Rechnung trägt. Wilde und Barbaren werden sich ihr anschließen, da
+die Triebe überall die gleichen sind. Dieser neuen Organisation
+gebe ich drei Namen: »progressive Serien« (Reihen) oder Serien »von
+Gruppen«, »Serien der Triebe«. Ich verstehe unter der Bezeichnung
+Serie einen Zusammenhang mehrerer assoziirter Gruppen, welche sich
+den verschiedenen Zweigen ein und derselben Industrie -- das Wort
+»Industrie« bedeutet bei Fourier jede nützliche, menschliche
+Bethätigung -- »oder ein und desselben Triebes sich widmen.«
+
+»Die Theorie von den Serien der Triebe ist nicht willkürlich
+eingebildet, wie unsere sozialen Theorien. Die Ordnung der Serien
+ist in allen Stücken analog den geometrischen Serien aller unserer
+Eigenschaften, wie das Gleichgewicht der Rivalitäten zwischen den
+extremen und den mittleren Gruppen vorhanden ist. Die Triebe
+harmonisiren sich, je mehr sie sich in den Serien der Gruppen
+regelmäßig entwickeln; außerhalb dieses Mechanismus sind sie
+entfesselte Tiger, unbegreifliche Räthsel, darum verlangen die
+Philosophen, daß man die Triebe (das Wort Triebe ist auch stets im
+Sinne von Leidenschaften, »passions«, zu verstehen. Anmerk. des
+Verf.) unterdrücken müsse. Das ist eine doppelte Absurdität. Man
+kann die Triebe nicht anders als durch Gewalt unterdrücken, oder
+dadurch, daß sie sich gegenseitig aufzehren. Unterdrückt man sie
+aber, so muß der zivilisirte Zustand rasch in Verfall gerathen und
+in das Nomadenthum zurückfallen. Ich glaube weder an die Tugend der
+Hirten, noch an diejenige ihrer Apologeten.«[6]
+
+[Fußnote 6: Ein Hieb gegen Jean Jacques Rousseau und seine
+Verehrer, die den »Naturzustand« als den glücklichsten,
+tugendhaftesten Zustand priesen und im Hirtenleben eine Art Ideal
+sahen. Jahrzehnte vorher schon spielte die feudale Gesellschaft in
+ganz Europa, der französischen Hofgesellschaft nachäffend, ihre
+idyllischen Schäferspiele, wobei aber regelmäßig die Wolfsnaturen
+zum Vorschein kamen. Der Verfasser.]
+
+Die sozietäre Ordnung wird der Zivilisation folgen, aber sie läßt
+weder Mäßigung noch Gleichheit, noch andere Gesichtspunkte der
+Philosophen zu; je glühender und geläuterter die Triebe, je
+lebhafter und zahlreicher sie sind, um so leichter wird die
+Assoziation sich bilden. Man soll nicht die Natur der Triebe, die
+Gott dem Menschen gegeben hat, ändern, man soll ihnen nur die
+rechte Richtung geben. Meine Theorie beschränkt sich auf die
+nützliche Anwendung der Triebe, wie die Natur sie giebt und ohne
+sie zu ändern. Darin besteht das ganze Geheimniß von der Berechnung
+über die Attraktionen der Triebe. Man streitet nicht, ob Gott Recht
+oder Unrecht hatte, daß er dem Menschen so oder so die Triebe
+schenkte, die sozietäre Ordnung wendet sie an, wie Gott sie gab,
+ohne etwas daran zu ändern.«
+
+»Wenn also in der sozietären Ordnung die Geschmäcker sich ändern,
+so z.B., daß die Menschen das Landleben der Stadt vorziehen, so
+ändert sich _nur_ der Geschmack, nicht die Triebe. Die Liebe zum
+Reichthum und für die Vergnügungen bleibt immer. Die Zivilisirten
+werden über den neuen Sozialzustand ganz anders urtheilen, sobald
+sie sehen, daß z.B. die Kinder, die heute nur schreien und sich
+zanken, Alles zerbrechen und sich zu beschäftigen weigern, in der
+Serie von Gruppen sich nur mit nützlichen Arbeiten aller Art
+beschäftigen, unter sich in Wetteifer gerathen, ohne daß man sie
+dazu anreizt; daß sie sich gegenseitig aus freiem Willen über die
+Kulturen, die industriellen Beschäftigungen, die Künste und
+Wissenschaften belehren, also daß sie erzeugen und Vortheile
+schaffen, indem sie sich zu ergötzen glauben. Wenn ferner die
+Zivilisirten sehen, daß man in einer Phalanx für ein Drittheil der
+Kosten ein viel besseres Mahl erhält, als in der Privatwirthschaft;
+daß man in der Serie dreimal angenehmer, reichlicher bedient ist;
+daß man dreimal besser sich nährt und dreimal weniger ausgiebt, als
+in der alten Ordnung und dabei all' die Unannehmlichkeiten und
+Verlegenheiten für die Vorbereitungen und Anschaffungen erspart;
+wenn ferner bewiesen wird, daß die Beziehungen in der Serie
+keinerlei Täuschungen zulassen; daß bei dem Volk, heute so
+ungeschliffen und falsch, die Wahrheit und Gesittung einkehren
+wird; wenn das Alles die Zivilisirten sehen, so werden sie einen
+Abscheu vor ihrem jetzigen Zustand bekommen, sie werden sich
+beeilen, in die Assoziation einzutreten und ihr Gebäude zu
+errichten.«
+
+Fourier geht nun dazu über, darzulegen, wie er zu der neuen
+Wissenschaft gekommen sei. »Das Erste, was ich entdeckte, war die
+Anziehung der Triebe. Ich erkannte, daß die fortschreitenden Serien
+den Trieben der beiden Geschlechter, den verschiedenen Lebensaltern
+und Klassen die volle Entwicklung sichern, daß in der neuen Ordnung
+man um so mehr Kraft und Vermögen erlangen werde, je mehr Triebe
+man habe und schloß, daß, _wenn Gott so viel Einfluß_ der
+_Anziehung der Triebe gegeben_ und _so wenig Einfluß der Vernunft,
+ihrem Feinde_, dieses geschehen sei, um uns zur Organisation der
+fortschreitenden Serien zu führen, welche in jedem Sinne die
+Anziehung befriedigen ... Die Sophisten glauben das Problem, das
+daraus entsteht, daß unsere Triebe scheinbar mit unserer Vernunft
+im Widerspruch stehen, dadurch zu erklären, daß sie sagen: Gott gab
+die Vernunft, damit wir den Trieben widerstehen. Es ist aber
+sicher, daß er sie dazu _nicht_ gab. Will man die Vernunft der
+Anziehung der Triebe gegenüberstellen, so ist dies selbst von
+Seiten der Verherrlicher der Vernunft ein ohnmächtiges Beginnen;
+die Vernunft hat _nie_ Bedeutung, sobald es sich darum handelt,
+unsere Neigungen zu unterdrücken. Die Kinder werden nur durch
+Furcht, junge Leuten nur durch Mangel an Geld zurückgehalten, ihren
+Neigungen zu fröhnen. Das Volk wird durch die Zurüstungen für
+Strafen, das Alter durch verschlagene Berechnungen, welche die
+wilden Leidenschaften des Jugendalters aufsaugen, zurückgehalten,
+aber Niemand durch die Vernunft, die ohne Zwangsmittel nichts gegen
+die Leidenschaften vermag.«
+
+»Die Vernunft ist also ohne irgend welchen Einfluß, und je mehr man
+den Menschen beobachtet, um so mehr gewahrt man, daß Alles in ihm
+auf Attraktion beruht. Der Mensch hört nur insofern auf seine
+Vernunft, als sie ihn lehrt, die Genüsse zu raffiniren und damit
+die Attraktion um so mehr zu befriedigen.« Gott hat also die
+Vernunft dem Menschen nur gegeben, damit sie ihm hilft, seine
+Triebe zu vernützlichen, ihnen erst den rechten Aufschwung zu
+verleihen.
+
+»Die Theorie der Anziehung und des Rückstoßes der Triebe ist fixirt
+und voll anwendbar auf die Theoreme der Geometrie und muß großer
+Entwicklungen fähig sein. Ich erkannte bald, daß die Gesetze der
+Attraktion der Triebe in jedem Punkt den durch Newton und Leibnitz
+angewandten Gesetzen der materiellen Anziehung konform seien und
+_daß es eine Einheit des Systems der Bewegung für die materielle
+und geistige Welt gebe_. Ich kam dann durch Untersuchungen zu der
+Ueberzeugung, daß die Analogie der allgemeinen Gesetze sich auf die
+besonderen Gesetze ausdehne, daß die Attraktion und die
+Eigenschaften der Thiere, Pflanzen, Mineralien koordinirt seien
+nach demselben Plan, wie diejenigen der Menschen und Gestirne. So
+kam ich zu der neuen Wissenschaft: _der Analogie der vier
+Bewegungen_, der materiellen, organischen, thierischen und
+sozialen, oder zur Analogie der Modifikation der Materie mit der
+mathematischen Theorie der Triebe des Menschen und der Thiere.«[7]
+
+[Fußnote 7: Später änderte Fourier die Bezeichnung der Bewegungen
+und erhöhte sie, wie schon erwähnt wurde, auf fünf: 1. Die
+materielle, welcher die Erde, 2. die organische, welcher das
+Wasser, 3. die normale, welcher die Arome (Elektrizität,
+Magnetismus), 4. die instinktuellen, welcher die Luft, 5. die
+soziale oder passionelle, welcher das Feuer entspricht. Die
+eigentliche praktische Bedeutung dieser fünf Bewegungen oder
+Antriebe wurde bereits weiter oben auseinandergesetzt.]
+
+Das ist also das Gesetz, aus welchem Fourier sowohl die
+Veränderungen in den sozialen Beziehungen der Menschen und der
+Thiere, als auch die materiellen Veränderungen in der Natur des
+Erdballs und der übrigen Gestirne ableitete. So kam er zu seiner
+Kosmogonie. Man sieht, sein Lehrgebäude ist logisch, wenn es auch
+auf falschem Grunde gebaut wurde. Jetzt, wo er die Theorie der
+Anziehungen und die Einheit der vier Bewegungen entdeckt zu haben
+glaubte, war ihm Alles klar; er begann »im Zauberbuch der Natur zu
+lesen«. Er gelangte nunmehr auch, wie er ausführt, zur Berechnung
+der Bestimmungen, d.h. er kannte nunmehr das fundamentale System,
+durch das alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Gesetze
+geregelt werden. Jetzt sah er alle Fehler und Schnitzer, die der
+bisherige Entwicklungsgang der Menschheit gemacht, und nun kannte
+er auch die Heilmittel, die alle sozialen und physischen Uebel
+beseitigten. Unter anderm auch die Pest, die Gicht, die Cholera,
+das gelbe Fieber etc. Nun sind auch die Philosophen, die Plato, die
+Seneka, die Rousseau, die Voltaire, diese Hauptvertreter der
+zweifelhaften Wissenschaften, in ihrer ganzen Unzulänglichkeit
+blosgestellt. Hat Voltaire nicht selbst in einem Augenblick der
+Selbsterkenntniß ausgerufen: »O! welch' dicke Finsterniß
+verschleiert noch die Natur!« Die Bibliotheken der Philosophen
+sollen die erhabensten Wissenschaften bergen, und sie sind nur ein
+demüthigender Aufbewahrungsort für Widersprüche und Irrthümer. Die
+neue sozietäre Ordnung wird also um so glänzender sein, je länger
+sie bisher verzögert wurde, denn eigentlich hätten sie schon die
+Griechen im Zeitalter des Solon (639-559 vor unserer Zeitrechnung)
+begründen können, da ihr »Luxus« -- Fourier versteht hierunter die
+gesammte materielle Entwicklung eines Zeitalters -- schon genügend
+weit dazu vorgeschritten war; heute sei unser »Luxus« mindestens
+doppelt so groß, als zur Zeit der Athener. Man trete jetzt mit um
+so mehr Glanz in die neue Ordnung, als nunmehr erst die Früchte von
+den Fortschritten in den physikalischen Wissenschaften, die das
+achtzehnte Jahrhundert gebracht habe, und die bis in diese Tage
+sehr unfruchtbar geblieben seien, gepflückt werden würden.
+Freilich, jetzt weise man noch seine Entdeckung zurück, aber sei es
+nicht immer so gewesen? Ist nicht Columbus mit seiner Behauptung,
+daß es jenseits des Ozeans noch einen Erdtheil geben müsse,
+verlacht, verspottet, mit seiner Lehre selbst vom Papste verflucht
+worden, obgleich dieser am meisten dabei interessirt war, weil er
+neue Gläubige unter seine Herrschaft bekam? Man sei im neunzehnten
+Jahrhundert noch ebenso feindlich jeder neuen großen Entdeckung als
+im fünfzehnten. Die Philosophen behaupteten, weil sie selbst nicht
+den Schleier zu lüpfen vermochten, die Natur sei ein mit einem
+ehernen Schleier bedecktes Schreckbild, ein undurchdringliches
+Heiligthum; warum habe denn Newton wenigstens eine Ecke dieses
+Schleiers zu lüpfen vermocht? Man sage auch, Gott sei nicht zu
+erkennen. Der gesunde Sinn sage das Gegentheil, weil nichts
+leichter sei. Das Alterthum habe den Schöpfer travestirt, indem es
+ihn unter einer Horde von 35.000 Göttern vermengte und verdeckte;
+da sei es schwierig gewesen, seine Meinung zu studiren, ihn aus
+dieser himmlischen Maskerade zu entwirren. Sokrates und Cicero
+trennten sich von den Sottisen ihrer Zeit, sie bewunderten den
+»unbekannten Gott«; Sokrates wurde ein Opfer seiner Ueberzeugung.
+Heute sei dieser frühere Aberglaube überwunden, das Christenthum
+führte uns zu gesunden Ideen zurück, es brachte den Glauben an
+einen Gott. »Wir haben jetzt einen Kompaß, der uns den Weg zum
+Studium der Natur zeigt.«
+
+Es sei nun wichtig, eine kleine Zahl von Charaktereigenschaften
+Gottes zu kennen, deren Studium uns zu weiteren Schlüssen führe.
+»Dahin gehören: 1. die vollständige Leitung der Bewegung; 2. die
+Oekonomie der Spannkräfte; 3. die vertheilende Gerechtigkeit; 4.
+die Universalität der Vorsehung; 5. die Einheit des Systems.«
+
+Man sieht, Fourier macht sich allerdings die Arbeit leichter als
+die Philosophen; die Existenz Gottes ist für ihn unbestritten, er
+setzt das Descartes'sche: »Ich denke, also bin ich«, einfach um in
+den Satz: »Die Welt ist da, also besteht Gott.« Und ist einmal
+dieser Gott als Weltschöpfer anerkannt, so muß er natürlich auch
+die ihm zugeschriebenen Eigenschaften haben, denn ohne diese
+Eigenschaften wäre er nicht Gott. Er fährt nun weiter fort:
+
+»Wenn Gott der Leiter der Bewegung ist, der einzige Herr des
+Weltalls und sein Schöpfer, so hat er auch alle Theile des Weltalls
+zu lenken, also auch die edelsten, die sozialen Beziehungen:
+folglich ist die Regelung der menschlichen Gesellschaften das Werk
+Gottes und nicht das der Menschen; und um nun unsere Gesellschaft
+dem Glück zuzuführen, müssen wir das soziale Gesetz studiren, das
+er für sie gebildet hat.« Mit andern Worten heißt das: Gott ist
+zwar der oberste Leiter der Geschicke und hat die Grundgesetze der
+Bewegung für die menschliche Gesellschaft zurechtgerichtet, aber da
+er sich bei seinen vielen Geschäften um die Details und ihre
+Ausführung nicht kümmern kann, muß der Mensch sie entdecken und
+ausführen. Die Logik hinkt zwar etwas, aber Gott wird auf diese
+Weise vollständig deplazirt und es sind schließlich die Menschen,
+die Alles allein besorgen; er hat die Allmacht Gottes und den
+freien Willen des Menschen innerhalb der ihm von Gott überlassenen
+Grenzen gerettet. Fourier kommt schließlich auf dasselbe hinaus,
+was er den Philosophen vorwirft, sie hätten die menschliche
+Vernunft auf den ersten Rang und Gott auf den zweiten gesetzt.
+Genau so schließt er über den zweiten Punkt. Ist Gott der höchste
+Verwalter der vorhandenen Spannkräfte, so kann er doch nur mit den
+größten gesellschaftlichen Vereinigungen sich beschäftigen, die
+kleinsten, die Frage, wie die Familie, die Ehe zu organisiren sei,
+ist Sache des Menschen. Das sind also wiederum sehr willkürliche,
+ketzerische und im Grunde materialistische Gedanken.
+
+Zum dritten Punkt bemerkt er: »Im Schatten der vorhandenen sozialen
+Gesetzgebung sieht man nicht, _daß das Elend der Völker mit dem
+sozialen Fortschritt wächst_. Wir sehen die gefährliche Wirkung in
+dem Einfluß des Handelsgutes, der dahin führt, die heiße Zone mit
+schwarzen Sklaven zu bedecken, die man ihrem Heimathlande entreißt,
+und die gemäßigte Zone mit weißen Sklaven, die man in die
+industriellen Bagnos treibt, wie dies heute in England sich
+offenbart und in allen Ländern Nachahmung finden wird. Kann man
+irgend welche Gerechtigkeit in einem Zustand der Dinge erblicken,
+_wo der Fortschritt der Industrie selbst nicht einmal den Armen die
+Arbeit garantirt_?«
+
+Die Universalität der Vorsehung muß viertens sich nach ihm auf alle
+Völker, wilde wie zivilisirte, erstrecken. Das ganze zivilisirte
+System, das die Wilden anzunehmen als wirklich Freie sich weigern,
+widerspricht den Wünschen Gottes. Den Zustand, den wir ihnen
+bieten, die agrikole Zerstückelung und die Einzelwirthschaft,
+befriedige nicht Menschen, die der Natur am nächsten stehen. Unsere
+ganze Ordnung beruhe auf der Gewalt und daher müsse ein anderer
+Zustand begründet werden, der alle Kasten, alle Völker befriedige,
+wenn die Vorsehung universell sein solle. Die Einheit des Systems
+endlich implizire fünftens die Anwendung der Attraktion der
+Spannkräfte der sozialen Harmonien des Weltalls, die sich von den
+Gestirnen bis zu den Insekten erstreckten. Man müsse also im
+Studium der Attraktion das soziale Gesetz zu entdecken suchen ...
+»Unsere Einrichtungen sind unsern eigenen Völkern so verhaßt, daß
+sie in allen Ländern sich erheben und sich davon zu befreien suchen
+würden, wenn nicht die Furcht vor der Gewalt sie zurückschreckte.
+Wir sind nicht im Stande, das Menschengeschlecht zu vereinigen,
+weil die Barbaren für unsere Einrichtungen nur eine tiefe
+Verachtung besitzen und unsere Gewohnheiten nur die Ironie
+derselben erregen. Es ist die stärkste Verwünschung, die sie einem
+Feind entgegenschleudern: »Mögest du gezwungen sein, ein Feld zu
+bebauen.« Ja, die zivilisirte Industrie wird von der Natur wie von
+allen freien Völkern verabscheut, die sich in dem Augenblick zu ihr
+drängen werden, wo sie mit den Trieben der Menschen sich in
+Uebereinstimmung setzt.«
+
+Fourier meint also, daß keine soziale Organisation die rechte sein
+könne, die nicht von allen Menschen, ohne Rücksicht auf ihre
+Kulturstufe, freudig begrüßt würde, so groß müßten ihre Vortheile
+und ihre Annehmlichkeiten sein. »Es gilt also eine soziale Ordnung
+zu finden, welche dem geringsten Arbeiter ein genügendes Wohlsein
+sichert. Die Arbeiter müssen den neuen Zustand dem Zustand der
+Trägheit und der Straßenräuberei (»brigandage«), nach dem sie heute
+Sehnsucht empfinden, vorziehen. So lange dieses Problem nicht
+gelöst ist, werden die Reiche _beständigen Stürmen ausgesetzt sein,
+werden sie von einer Revolution in die andere stürzen_; die
+wissenschaftlichen Wunderkuren laufen immer nur auf die Dürftigkeit
+der Masse und folglich auf den Umsturz hinaus; die Helden, die
+Gesetzgeber stützen sich nur auf den Säbel; aber alle Voraussicht
+eines Friedrich kann nicht verhindern, daß schwache Nachfolger den
+Degen auf seinem Sarge rauben lassen.[8] Die zivilisirte Ordnung
+ist mehr und mehr im Wanken, der _vulkanische Ausbruch von 1793 ist
+nur ihre erste Eruption, andere werden folgen_; ein schwaches
+Regiment wird sie begünstigen. Der Krieg der Armen gegen die
+Reichen hat so glücklich begonnen, daß Ränkeschmiede in allen
+Ländern darnach streben, ihn zu erneuern. Vergebens sucht man das
+zu verhüten; die Natur der Gesellschaft spielt mit unserer
+Aufklärung, unserer Vorsicht, sie wird immer neue Revolutionen in
+dem Maße gebären, wie wir die Ruhe gesichert zu haben glauben. Und
+wenn die Zivilisation sich noch um ein halbes Jahrhundert
+verlängert, wie viel Kinder werden, veranlaßt durch ihre Väter, vor
+den Thüren der Reichen betteln? (In Folge von Klassenelend.) Ich
+würde nicht wagen, diese schreckliche Perspektive darzustellen,
+wenn ich nicht die Berechnungen brächte, welche die Politik in dem
+Labyrinth der Triebe zurecht weisen und die Zivilisation von ihrem
+Alp erlösen werden, diese Zivilisation, die immer revolutionärer
+und verhängnißvoller wird.«
+
+[Fußnote 8: Anspielung auf die Wegnahme des Degens Friedrich's des
+Großen von seinem Sarge in der Militärkirche zu Potsdam durch
+Napoleon I. 1806.]
+
+Diese Voraussagungen machen Fourier's Scharfsinn und Einsicht alle
+Ehre, sie sind überraschend. Man halte fest, daß Fourier diese
+Warnungen und Mahnrufe im Jahre 1808 veröffentlichte, wo außer ihm
+nur sehr Wenige an eine soziale Frage überhaupt dachten, und man
+wird den Weitblick und die Richtigkeit seiner Voraussagungen
+bewundern müssen. Er führt nun weiter aus, wie viele Reiche bereits
+an innerer Zerrüttung zu Grunde gingen, weil sie die sozialen Uebel
+nicht zu lösen vermochten. »Welche Monumente diese Reiche immer
+überlebten, sie stehen da, eine Schande ihrer Politik. Rom und
+Byzanz (Konstantinopel), ehemals die Hauptstädte der größten
+Reiche, sind heute zwei lächerlich gewordene Metropolen. Auf dem
+Kapitol sind die Tempel Zäsar's durch obskure Götter aus Judäa
+verdrängt, am Bosporus werden die christlichen Basiliken durch die
+Götter der Unwissenheit beschmutzt. Hier wird Jesus auf das
+Piedestal von Jupiter erhoben, dort setzt sich Mahomed auf den
+Altar von Jesu. Rom und Byzanz, die Natur bewahrte euch vor der
+Verachtung der Nationen, die ihr gefesselt hattet; ihr wurdet zwei
+Arenas politischer Maskeraden, zwei Pandorabüchsen, die im Orient
+den Vandalismus und die Pest, im Occident den Aberglauben und seine
+Raserei verbreiteten; ihr seid zwei konservirte Mumien, um den
+Triumphwagen zu schmücken und den modernen Hauptstädten einen
+Vorgeschmack von dem Schicksal zu geben, das den Denkmälern und den
+Arbeiten der Zivilisation bereitet wird. Zivilisirte! studirt die
+sozialen Uebel des Menschengeschlechts und schafft Wandel!« --
+
+»Drei Gesellschaftsbildungen theilen sich in die Erde: Die
+Zivilisation, die Barbarei und die Wildheit. Die eine ist
+nothwendig besser als die beiden andern, und die beiden
+unvollkommneren, die sich nicht zur besseren erheben, sind von
+jener Krankheit der Entkräftung erfaßt, von der nach Montesquieu
+das Menschengeschlecht betroffen ist. Die dritte, die beste, welche
+die andern nicht zu sich zu erheben vermag, ist offenbar
+unzureichend für das Wohl des Menschengeschlechts; sie hat den
+größeren Theil desselben in einem tieferen Zustand ermatten lassen.
+Die beiden ersten Gesellschaftsbildungen sind von der Lähmung
+betroffen, die dritte, die Zivilisation, von der politischen
+Ohnmacht; sie müssen also alle drei aus einem krankhaften Zustand
+heraus, der den ganzen Erdball in seinem sozialen Mechanismus
+beunruhigt. Völker! eure sehnlichsten Wünsche verwirklichen sich,
+die glänzendste Mission ist dem größten der Helden aufbewahrt. Der
+soziale Kompaß ist entdeckt, der euch auf den Ruinen der Barbarei
+und der Zivilisation zur universellen Harmonie führen wird.«
+
+»Die modernen Sophisten haben, namentlich in Frankreich, immer
+behauptet, die Einheit des Systems der Natur zu erklären, sie haben
+aber nie ernste Studien über diesen Gegenstand gemacht und man hat
+nie das Geringste über die allgemeine Einheit erfahren. Sie bildet
+sich aus folgenden drei Zweigen: Einheit des Menschen mit sich, mit
+Gott und mit dem Weltall. Der innere Widerspruch des Menschen mit
+sich selbst (Fourier meint hier den Widerspruch im Menschen, seine
+Triebe befriedigen zu wollen, aber nicht befriedigen zu können,
+oder nicht befriedigen zu dürfen. Der Verf.) hat die Wissenschaft
+der Moral geboren, welche die Doppelseitigkeit (»duplicité«) der
+Handlung als wesentlichen Zustand und unwandelbare Bestimmung des
+Menschen betrachtet. Sie lehrt: man müsse seinen Trieben
+widerstehen, im Krieg mit ihnen leben, also im Krieg mit sich
+selbst sein; ein Prinzip, wodurch der Mensch auch in den
+Kriegszustand mit Gott geräth, denn die Triebe und Instinkte kommen
+von Gott, der sie dem Menschen und allen Kreaturen zum Führer gab.«
+
+»Man antwortet zwar: Gott habe uns die Vernunft zum Führer und
+Mäßiger der Triebe gegeben, woraus also resultirte: 1. daß Gott uns
+zwei unversöhnlichen und sich antipathischen Führern, den Trieben
+und der Vernunft, überliefert hat; 2. daß Gott gegen neunundneunzig
+Prozent der Menschen sehr ungerecht handelte, weil er ihrer
+Vernunft nicht die Stärke gewährte, ihre Triebe bekämpfen zu
+können; 3. daß Gott, indem er uns zum Gegengewicht die Vernunft
+gab, mit einem untauglichen Mechanismus handelte, denn es ist
+unzweifelhaft, daß diese Schwerkraft selbst bei dem hundertsten
+Menschen, der allein nur damit versehen ist, ohnmächtig ist, _wie
+ja die Distributeure der Vernunft, z.B. ein Voltaire, am meisten
+von ihren Trieben unterjocht wurden_.«
+
+»Alle drei Hypothesen sind nichtig. Die Darlegung der Attraktion
+der Triebe wird beweisen, daß im sozietären Zustand Vernunft und
+Triebe sich ausgleichen und aussöhnen und daß sie nur im heutigen
+sozialen Zustand sich im Diskord befinden. Man sagt: der Mensch sei
+für die Gesellschaft geboren, man vergißt aber, daß es nur zwei
+Gesellschaftsordnungen giebt, die der Privatwirthschaft und der
+Gemeinwirthschaft; der isolirte Zustand und der sozietäre Zustand.
+Der gegenwärtige Zustand setzt die isolirte Familie voraus, der
+sozietäre die Arbeit und die Lebensweise in zahlreichen
+Vereinigungen, welche nach einer bestimmten Regel für Jeden sich
+theilen und ausgleichen, nach den drei Eigenschaften: Arbeit,
+Kapital und Talent. Gott, als höchster ökonomischer Leiter, muß
+nothwendig die Assoziation als den besseren Zustand wollen.«
+
+»Es giebt nunmehr viererlei Wissenschaften zu beachten: über die
+Assoziation, den aromalen Mechanismus, die Attraktion der Triebe
+und die universelle Analogie.«
+
+Die vier Hauptbewegungen und die fünfte, die soziale als pivotale
+oder Angelpunkt, sind bereits hervorgehoben worden. Gehen wir also
+über zum »Studium der Assoziation«.
+
+»Das Band ist die Basis jeder Oekonomie; wir finden die Keime in
+dem ganzen sozialen Mechanismus zerstreut, von der mächtigen
+Ostindischen Kompagnie bis zu den armen Gesellschaften der für eine
+bestimmte Industrie vereinigten Dorfbewohner. So sieht man die
+Bergbewohner des Jura sich zur Käsefabrikation vereinigen; 20-30
+Haushaltungen bringen täglich ihre Milch zum Fabrikanten und am
+Ende der Saison erhält jede ihren Theil an Käse, entsprechend der
+Quantität Milch, die sie lieferte. Wir haben überall im Kleinen wie
+im Großen diese Keime für das Wohlsein bei der Hand, es sind rohe
+Diamanten, welche die Wissenschaft schleifen muß. Das Problem ist,
+diese Fetzen einer Assoziation, die in allen Zweigen der
+menschlichen Arbeit zerstreut sind, zu einem Mechanismus, einer
+allgemeinen Einheit zu verbinden, wo sie bisher nur mit Hülfe des
+Instinktes entstanden. Bisher hat die Wissenschaft diese Studie
+vermieden, die allein wahrhaft dringlich war. Ein Jahrhundert, das
+sich so vieler Vernachlässigungen in wissenschaftlicher Ordnung und
+Erforschung schuldig machte, mußte des Ueberblicks über das Ganze
+ermangeln; es hat weder die Eintheilung des ganzen Systems der
+Bewegung, noch die drei Einheiten wahrgenommen, woraus es hätte
+schließen müssen, daß die soziale und die materielle Welt im
+Widerspruch miteinander, also im Widerspruch mit der Einheit
+organisirt sind.«[9]
+
+[Fußnote 9: Wir brauchen hier nicht auf die Einseitigkeit des
+Urtheils Fourier's über das achtzehnte Jahrhundert hinzuweisen; das
+achtzehnte Jahrhundert hat mehr geleistet, als vor ihm viele
+Jahrhunderte zusammengenommen.]
+
+»_Was die soziale Bewegung betrifft, so sieht man jede interessirte
+Klasse der anderen das Böse wünschen, überall setzt sich das
+persönliche Interesse in Gegensatz zu dem Allgemeininteresse_. Der
+Arzt wünscht, daß seine Mitbürger recht viel Krankheiten bekommen,
+denn er würde zu Grunde gerichtet sein, wenn alle Welt ohne
+Krankheit stürbe; dasselbe geschähe den Advokaten, wenn jeder
+Streit schiedsrichterlich auszugleichen wäre. Der Geistliche ist
+interessirt, daß es viel Todte giebt und zwar viele reiche Todte,
+Beerdigungen à 1000 Franks. Der Richter ersehnt jährlich wenigstens
+45.000 Verbrechen, damit die Gerichtshöfe stets beschäftigt, also
+nothwendig sind. Der Wucherer wünscht Hungersnoth; der Weinhändler
+Hagel; Architekten und Baumeister ersehnen Feuersbrünste. So
+handeln in diesem lächerlichen Mechanismus der Zivilisation die
+Theile gegen das Ganze und jeder Einzelne gegen Alle. Die ganze
+Ungeheuerlichkeit eines solchen Zustandes wird man erst begreifen,
+wenn man die sozietäre Organisation kennen lernt, wo die Interessen
+eine ganz entgegengesetzte Richtung nehmen; wo Jeder das
+Gesammtwohl wünscht, weil dieses seinem persönlichen Wohl am
+meisten entspricht. So zeigt sich überall statt der Einheitlichkeit
+der Handlung, welche die moralischen und politischen Wissenschaften
+rühmen, die allgemeine Doppelseitigkeit. Wenn je die Zivilisation
+über sich erröthen und das Bedürfniß nach einem anderen Zustande
+empfinden muß, so heute, wo alle ihre Illusionen zerstört sind; wo
+ihre Freiheit _als der Weg zur Anarchie_ erkannt ist, ihre
+Zerwürfnisse zum Despotismus führen und ihre Handelsmaximen den
+Wucher, den Betrug, den Bankerott begünstigen, _die Nationen
+schließlich unter das Joch des Monopols beugen_ und zur Dürftigkeit
+und Verarmung der Masse führen. So lösen sich alle Chimären von der
+Vollkommenheit dieser Gesellschaft auf, wodurch man uns in ihren
+Schafstall führte.«
+
+»Will die Wissenschaft zum Ziele kommen, so muß sie folgende
+Grundsätze zur Richtschnur ihrer Bethätigung nehmen:
+
+»Sie muß 1. das ganze Gebiet des Wissens erforschen und muß
+festhalten, daß nichts gethan ist, so lange noch etwas zu thun
+übrig bleibt; 2. die Erfahrung zu Rathe ziehen und sie zum Führer
+nehmen; 3. vom Bekannten zum Unbekannten vermittelst der Analogie
+vorschreiten; 4. von der Analyse zur Synthese übergehen; 5. nicht
+glauben, daß die Natur auf die uns bekannten Mittel beschränkt ist;
+6. die Spannkräfte im ganzen sozialen und materiellen Mechanismus
+vereinfachen; 7. sich nur an die durch das Experiment festgestellte
+Wahrheit halten; 8. sich an die Natur schließen; 9. beachten, daß
+aus Irrthümern entstandene Vorurtheile keine Prinzipien sind; 10.
+die Thatsachen beobachten, die wir kennen lernen wollen und sich
+solche nicht vorstellen; 11. vermeiden, daß zum Schließen Worte
+mißbraucht werden, die man nicht versteht; 12. vergessen, was wir
+gelernt haben! Man muß die Ideen wieder an ihrer Quelle aufnehmen
+und die menschliche Einsicht wieder herstellen. Alsdann wird man zu
+der Einsicht kommen, daß Alles im System der Natur verbunden ist,
+und daß es zwischen ihren Theilen eine Einheit giebt. Der Mensch,
+als einer ihrer edelsten Theile, muß in Uebereinstimmung sein mit
+den Harmonien des Weltalls, also mit der mathematischen oder
+rationellen Harmonie, der planetären oder sozialen, der
+musikalischen oder sprechenden. (Einheit der Sprache, Weltsprache.)
+Ist der Mensch also bestimmt, sich den Harmonien zu assimiliren, so
+muß er das Band suchen, das ihn mit Allem vereinigt, dieses Band
+ist die Synthese von der Attraktion der Triebe.«
+
+Fourier fährt dann fort: Er wolle an der Hand von Prinzipien,
+welche nicht er, sondern die Philosophen feststellten, die
+Erforschung der sozialen Bewegung vornehmen. Man werde sehen, wie
+die Sophisten, trotz solcher vortrefflichen Führer, wie ihre
+Prinzipien, auf alle Klippen geworfen wurden und der Menschheit nur
+sieben Geißeln brachten: Dürftigkeit, Betrug, Unterdrückung,
+Menschenschlächterei, klimatische Exzesse (Folge von
+Waldverwüstungen etc.), Krankheiten erzeugende Gifte, dogmatische
+Finsterniß. Es sei in der Natur begründet, daß jede soziale Periode
+ihre Aufmerksamkeit auf Fragen richte, die sie zu einer höheren
+Stufe der Entwicklung führten; so beschäftige man sich unter den
+Zivilisirten mit zwei Wegen, dem Handelssystem und der Freiheit.
+Das seien die beiden Paradepferde der Philosophen, die sie mit
+Vorliebe ritten. Man wolle die freie Zirkulation im Handel und
+komme zum Seehandelsmonopol; man wolle die Meinungsfreiheit und
+komme zur Herrschaft der Denunzianten und des Schaffots.[10]
+
+[Fußnote 10: Anspielung auf die Zustände in der französischen
+Revolution während der Herrschaft des rothen und des weißen
+Schreckens.]
+
+Nach der Gesundheit und dem Reichthum sei nichts werthvoller, als
+die Freiheit, diese müsse man in körperliche und soziale Freiheit
+scheiden. Der Gewohnheit entsprechend, Alles nur einseitig
+anzusehen, habe man nicht erkannt, daß die Freiheit zwei- und
+mehrseitig sein könne. Tausend Jahre vergingen, ehe man nur an die
+körperliche Freiheit (die Beseitigung der Sklaverei) dachte. Plato
+und Aristoteles hielten die Sklaverei für nothwendig. Letzterer
+erklärte sogar, »der Sklave sei der Tugend nicht fähig«. Unter dem
+Christenthum wurde die körperliche Freiheit allmälig durchgesetzt,
+aber noch existirte die Sklaverei vielfach.
+
+»Aber was ist diese körperliche Freiheit werth ohne die soziale?
+Der Bettler hat ein Einkommen, das kaum zum Leben genügt, trotzdem
+genießt er größere Freiheit als der Arbeiter, der, um leben zu
+können, an die Arbeit gefesselt ist. Doch seine Triebe bleiben
+unbefriedigt. Er will in's Theater gehen, aber er hat kaum genug,
+um sich zu nähren, er möchte Volksvertreter werden, aber dazu
+gehört ein großes Vermögen.[11] Mit dem stolzen Titel, ein freier
+Mensch zu sein, hat er nur den Dunst statt der Wirklichkeit der
+sozialen Freiheit; er ist nur ein passives Mitglied der
+Gesellschaft. Streng genommen hat der Arbeiter nur einen Tag in der
+Woche, den Sonntag, wo er körperlich frei ist, alle anderen Tage
+ist er gebunden. So sehen wir die Freiheit nur sehr einfach, rein
+körperlich. Doppelt ist die Freiheit, wo sie körperlich und sozial
+aktiv ist; sie genießt der Wilde. Der Wilde berathschlagt über
+Krieg und Frieden, wie bei uns ein Minister; er hat, soweit dies
+überhaupt in seiner Horde möglich ist, den freien Aufschwung der
+Triebe seiner Seele, er genießt eine Sorglosigkeit, die der
+Zivilisirte nicht kennt. Er muß zwar jagen und fischen, um sich zu
+ernähren, aber das sind anziehende Beschäftigungen, die ihm die
+körperliche aktive Freiheit nicht nehmen. Eine Arbeit, die Freude
+macht, wird nicht als drückende Verpflichtung empfunden. So geht's
+auch dem Kaufmann; wenn er Stoffe ausbreitet, flott Lügen verzapft
+und dabei seine Waaren verkauft, so ist ihm das ein Vergnügen; er
+würde sehr mürrisch und grämlich sein, wenn kein Käufer käme und er
+weder lügen noch verkaufen könnte.«
+
+[Fußnote 11: In der ersten Hälfte des Jahrhunderts und zwar bis
+1848 herrschte in Frankreich ein sehr hohes Zensussystem, das nur
+die Wahl der Reichsten ermöglichte.]
+
+»Die Freiheit des Wilden ist also zweifach, aber diese zweifache
+Freiheit weicht noch ab von der Bestimmung, die produktive Arbeit
+verlangt; es ist also die anziehende, produktive Arbeit nöthig.
+Diese unterstellt eine Einheitlichkeit der Verbindung, die
+persönliche Zustimmung jedes Betheiligten, ob Mann, Frau, Kind, die
+Verbindung aus Trieb für die Ausübung der Arbeit und die
+Aufrechterhaltung der begründeten Ordnung. Diese vollständig freie
+Wahl der Arbeit, bestimmt durch die Triebe, ist die Bestimmung des
+Menschen. Von der Masse der Zivilisirten mag ein Achtel mit ihrer
+Lage zufrieden sein, aber sieben Achtel sind unzufrieden. Die große
+Menge ist nur auf die körperliche Arbeit beschränkt, ihre
+Beschäftigung ist indirekte Sklaverei, eine Qual, von der sie sich
+zu befreien wünscht.«
+
+»Die kleine zufriedene Minderheit besteht aus Müßigen, oder
+Solchen, die privilegirte Stellungen einnehmen, und doch hat kaum
+Einer, Monarch und Minister nicht ausgenommen, seine volle Freiheit
+erreicht. Kann man also behaupten, daß die soziale Freiheit
+besteht? Sie ist wie die Gleichheit und die Brüderlichkeit nur
+Chimäre. Die Brüderlichkeit sandte Einen nach dem Andern ihrer
+Koryphäen zur Guillotine, die Gleichheit dekorirte das Volk mit dem
+Titel Souverän, schaffte ihm aber weder Arbeit noch Brot; es
+verkauft sein Leben um 5 Sous pro Tag[12] und man schleift es, die
+Kette am Hals, zur Schlachtbank. So sind Freiheit, Gleichheit,
+Brüderlichkeit nur Phantome.«
+
+[Fußnote 12: Der Sold des französischen Soldaten jener Zeit.]
+
+»Die Freiheit ist illusorisch, wenn sie nicht allgemein ist. Wo der
+freie Aufschwung der Triebe auf eine sehr kleine Minderheit
+beschränkt ist, da giebt es nur Unterdrückung. Um aber der Menge
+die Entfaltung und die Befriedigung der Triebe zu sichern, ist eine
+soziale Organisation nöthig, die drei Bedingungen erfüllt. Man muß
+1. ein Regime der industriellen Attraktion suchen, entdecken und
+organisiren; 2. Jedem das Aequivalent der sieben natürlichen Rechte
+des Wilden garantiren;[13] 3. die Interessen des Volks mit
+denjenigen der Großen verbinden, denn das Volk wird auf sie
+eifersüchtig sein und sie hassen, so lange es nicht an ihrem
+Wohlsein gradweise Antheil hat. Nur unter diesen drei Bedingungen
+kann man dem Volk ein Minimum an Nahrungsmitteln, Bekleidung,
+Wohnung und hauptsächlich auch an Vergnügungen sichern, denn ohne
+das Angenehme würde dem Menschen auch der neue Zustand nicht
+genügen.«
+
+[Fußnote 13: Als die sieben natürlichen Rechte des Wilden
+betrachtet Fourier: 1. Sammelfreiheit der Früchte; 2.
+Weidefreiheit; 3. freien Fischfang; 4. freie Jagd; 5. innere
+Verbindung der Horde; 6. Sorglosigkeit; 7. auswärtigen Raub (»vol
+exterieur«). Unter diesem etwas seltsam scheinenden Recht versteht
+Fourier das Recht des Wilden, Alles, was er außerhalb des
+gemeinsamen Eigenthums der Horde oder des Stammes der Aneignung
+werth findet, nehmen zu dürfen. In der Zivilisation findet der Raub
+innerhalb der eigenen Gesellschaft, an Gliedern derselben statt,
+diesen Raub an der eigenen Genossenschaft kennt der Wilde nicht,
+der innerhalb der Horde, des Stammes Gemeineigenthum besitzt und
+dieses respektirt. In der Regel lebt der Wilde mit den benachbarten
+Stämmen in Feindschaft und so wird dieses Recht des »auswärtigen
+Raubs« einfaches Kriegsrecht. Bei uns Zivilisirten sind noch die
+Rudimente ganz ähnlicher Auffassung vorhanden, die Kontribution der
+Lebensmittel im Kriege ist in unsern Augen kein Raub, und die
+Annexion fremder Länder und Provinzen wird auch nicht als solcher
+angesehen. Fourier will mit seiner ganzen Auseinandersetzung sagen:
+der Wilde hat einestheils mehr Freiheit und Wohlsein, als der arme
+Zivilisirte, andererseits weit mehr _Solidaritätsgefühl_, als die
+Zivilisirten überhaupt. Um das Solidaritätsgefühl, das der Wilde in
+der Horde, im Stamm hat, in unserer Gesellschaft zu begründen,
+brauchen wir eine ganz neue soziale Organisation.]
+
+»Prüfen wir also, wie die sozietäre Ordnung dem Individuum die
+freie Ausübung der erwähnten sieben Rechte, die mit dem Mechanismus
+der Barbarei und der Zivilisation so unverträglich sind, in
+entsprechender Form gewähren kann.«
+
+»Schreiten wir zunächst dazu, sie wie ihre Angelpunkte (»pivots«)
+zu erklären.«
+
+Fourier giebt nun nachfolgendes Tableau, begleitet von drei
+Analogien, um Diejenigen zu enttäuschen, die es als ein von ihm
+systematisch angewandtes Vorurtheil ansehen, daß er gewöhnlich den
+Zahlen 7 und 12 (also wie Pythagoras es that) den Vorzug gebe. Er
+will beweisen, daß diese Zahlenverhältnisse in der Natur der Dinge
+liegen, also gegebene sind, nicht willkürlich erfundene.
+
+ | Rechte | Triebe | Farben | geometrische
+ | | | | Linien
+---+-------------------+-----------------+------------+--------------
+ | kardinale oder | Haupt- | |
+ | industrielle | Triebe | |
+ | | | |
+1. | Sammelfreiheit | Freundschaft | Violet | Kreis
+2. | Weide | Liebe | Azur | Elipse
+3. | Fischfang | Familiensinn | Gelb | Parabel
+4. | Jagd | Ehrgeiz | Roth | Hyperbel
+---+-------------------+-----------------+------------+--------------
+ | Distributive | Distributive | |
+ | | Triebe | |
+ | | | |
+1. | Innere Verbindung | Kabaliste | Indigoblau | Spirale
+2. | Sorglosigkeit | Papillone | Grün | Muschellinie
+3. | Auswärtiger Raub | Komposite | Orangegelb | Logarithmus
+---+-------------------+-----------------+------------+--------------
+ | Minimum | Einheitlichkeit | Weiß |
+X. | | | |
+ | Freiheit | Gunst | Schwarz | Nebenkreis
+
+Die Freiheit kommt nur als Folge der sieben andern Rechte, sie ist
+das Resultat ihrer Verbindung, so wie Weiß oder Schwarz die
+Verbindung oder Aufsaugung der sieben Farbenstrahlen ist.
+
+Fourier führt dann weiter aus, daß aber die Freiheit nur einfach
+oder falsch sei, wenn sie nicht von der Hauptsache, dem Prinzipalen
+aller Rechte, dem _Minimum_ begleitet sei, was die Periode der
+Wildheit nicht biete. Auch genießen die Freiheit in der Wildheit
+nur die Männer, die Frauen sind ausgeschlossen und ist ihre Lage
+schlimmer, als in der Zivilisation. Es genügt weder die Freiheit,
+wie sie die Zivilisation bietet, noch genügen die sieben
+Naturrechte, die der Wilde besitzt, um einen befriedigenden Zustand
+herzustellen. Der neue sozietäre Zustand müsse also alle drei
+Geschlechter gleichmäßig berücksichtigen und ihren Trieben
+Befriedigung gewähren.
+
+Die bezügliche Auffassung Fourier's von der Lage der Wilden und der
+Zivilisirten lassen wir, da sie charakteristisch ist, hier
+ausführlicher folgen.
+
+»Die Sorglosigkeit, dieses Glück der Thiere, dieses Recht des
+Wilden, genießt man in der Zivilisation nur im Besitz großer
+Schätze. Aber neun Zehntel der Zivilisirten, weit entfernt, dem
+nächsten Tag ohne Sorgen entgegensehen zu können, sind mit
+täglichen Sorgen überladen und müssen eine widerwärtige und
+aufgezwungene Arbeit erledigen. Den Sonntag eilen sie dann in die
+Schenken und an die Vergnügungsorte, um wenigstens für einige
+Augenblicke eine Sorglosigkeit zu genießen, die so viele Reiche,
+von der Unruhe verfolgt, vergebens suchen.«
+
+»Die Rechthaber (»ergoteurs«) werden sagen, die Sorglosigkeit sei
+eine Charaktereigenschaft und kein Recht; aber sie wird ein Recht,
+indem sie im Zustand der Zivilisation geächtet ist, wo man die
+Leichtlebigkeit als entehrend betrachtet und laut verurtheilt.
+Versucht ein mit wenig Glücksgütern bedachter Familienvater sich
+mit den Seinen einem Vergnügen zu überlassen und verläßt er seine
+Werkstatt, ohne für Steuern, Miethe und die künftigen Bedürfnisse
+gesorgt zu haben, so belehrt ihn die öffentliche Meinung durch ihre
+Kritiken und der Steuereinnehmer durch seine Exekutoren, daß er
+kein Recht zur Sorglosigkeit habe, und er muß, trotz seines Hangs
+dazu, sich derselben entschlagen. Ueberdies ist schon die
+zivilisirte Erziehung systematisch darauf bedacht, den Geschmack an
+der Sorglosigkeit zu bekämpfen, ein Vergnügen, dessen freie
+Entfaltung in der Harmonie durch nichts beeinträchtigt wird.«
+
+»Der Wilde genießt diese Sorglosigkeit und beunruhigt sich nicht
+über die Zukunft. Wäre es anders, fürchtete er daß seine Kinder,
+seine Horde Hunger litte, er würde die Anerbietungen an
+Ackerbaugeräthen und den notwendigen Gegenständen für die Kultur
+des Bodens, welche die Regierungen der Zivilisirten ihm machen,
+annehmen. Aber er will keins seiner Rechte einbüßen. Gäbe er seine
+Sorglosigkeit auf, er würde allmälig seine ganze Freiheit, alle
+seine Rechte verlieren. Er macht freilich diese Berechnung nicht,
+aber die Natur macht sie für ihn. Die Attraktion leitet ihn auf den
+rechten Weg, wie man später sehen wird.«
+
+»Den einzigen plausiblen Einwand, den man gegen dieses Glück des
+Wilden machen kann, ist, daß die Frauen es nicht genießen: die
+Frauen bilden die Hälfte des Menschengeschlechts und sie haben bei
+den Wilden eine sehr tiefe und unglückliche Stellung.«
+
+»Nichts wahrer als das. Aber wenn ich diese Thatsache nicht
+anführte, die Philosophen würden keine Notiz davon nehmen, denn sie
+selbst haben die Gewohnheit, die Frauen für Nichts anzusehen. Von
+den drei Geschlechtern, aus denen das Menschengeschlecht sich
+zusammensetzt, dem oberen, den Männern, dem niederen, den Frauen,
+und dem gemachten oder neutralen Geschlecht, den Kindern, sehen sie
+nur _ein_ Geschlecht und arbeiten nur für dieses, für das obere
+oder männliche. Aber welches Glück verschafften diesem die
+Philosophen? Statt der sieben Rechte, aus welchen die Freiheit sich
+zusammensetzt, nur die sieben Geißeln.«
+
+»Ich bin einem vorauszusehenden Einwand bereits begegnet, indem ich
+die Freiheit des Wilden als divergirend zusammengesetzt
+bezeichnete; sie ist in doppelter Weise divergirend; sozial, durch
+die Unverträglichkeit des sozialen Körpers, Horde genannt, mit der
+industriellen Arbeit oder Bestimmung, materiell durch Ausschließung
+des weiblichen Geschlechts, das wenig oder gar nicht an den sieben
+natürlichen Rechten theilnimmt.«
+
+Trotzdem, so führt Fourier weiter aus, stehe der männliche Wilde
+durch den Genuß der genannten sieben Rechte an Freiheit über der
+großen Mehrheit der Zivilisirten, welche die immense Mehrheit
+beider Geschlechter von diesen Vortheilen ausschlösse. Die
+Zivilisation schulde für das Ausgeben dieser natürlichen Rechte
+einem Jeden ein Minimum an Lebensnothwendigkeiten, Kleidung,
+Wohnung, und zwar proportional der sozialen Stellung, zu der er
+gehöre, denn _nothdürftig_ genährt, gekleidet und logirt werde man
+auch in den Armenhäusern, wo der Mensch aber nichts als ein
+Gefangener und sehr unglücklich sei.
+
+Statt den Zivilisirten für den Verlust seiner sieben natürlichen
+Rechte durch eine menschenwürdige Existenz zu entschädigen,
+garantirten ihm unsere Publizisten einige Träumereien und
+Gaskonnaden, wie: »daß er stolz sein dürfe auf den Namen eines
+freien Mannes und das Glück habe, unter einer Verfassung zu leben.«
+Diese Lächerlichkeiten verdienten nicht einmal den Namen der
+Illusion und befriedigten keinen Arbeitenden, der vor Allem nach
+seinem Geschmack zu essen, sorglos und vergnügt zu leben wünsche.
+
+»Der sozietäre Zustand garantirt dem Volk die sieben Rechte des
+Wilden in Fülle, indem er ihm ein ausreichendes Aequivalent bietet;
+er gewährt jedem Menschen so viel Wohlsein, daß z.B. Niemand mehr
+auf den Gedanken kommt, zu stehlen, was er so haben kann, oder daß
+er sich durch eine Handlung in der öffentlichen Meinung mehr zu
+Grunde richtet, als er durch eine schlechte Handlung zu gewinnen
+vermag. Schließlich werden alle Kinder in den Begriffen der Ehre
+erzogen und können alle Bequemlichkeiten des Lebens reichlich
+genießen. Es wird also Niemand mehr an Diebstahl denken, wo Alle im
+Ueberfluß leben.«
+
+»Die Zivilisation, indem sie den Menschen der sieben Rechte des
+Wilden beraubt, gewährt ihm keinerlei entsprechende Aequivalente.
+Fragt einmal einen unglücklichen Arbeiter der Zivilisation, der
+keine Arbeit und kein Brot hat, vom Gläubiger und Exekutor bedrängt
+wird, ob er nicht lieber wie der Wilde das Recht der Jagd und des
+Fischfangs, des Früchtesammelns und der freien Weide seinem Zustand
+vorziehe und er wird keinen Augenblick zögern, sich für den Wilden
+zu entscheiden. Was giebt ihm die Zivilisation für seinen Verlust?
+Das Glück, unter der Verfassung zu leben. Dem Hungernden ist nicht
+damit gedient, daß er, anstatt eine gute Mahlzeit zu genießen, die
+Verfassung lesen kann; es heißt den Nothleidenden in seinem Elend
+beleidigen, wenn man ihm eine solche Entschädigung bietet.«
+
+»Daraus folgt: in der industriellen Gesellschaft wird die Freiheit
+illusorisch und verhängnisvoll, wenn man sie nur in einfacher
+Anwendung einführt.«
+
+Fourier sagt also: die Freiheit ohne Garantie eines Minimums, die
+Freiheit ohne Brot, ist für die große Menge der Bevölkerung unter
+Umständen nur die Freiheit des Verhungerns. Die Freiheit hat nur
+Werth, ja sie ist erst dann vorhanden, wenn auch der Mensch zu
+leben hat, und diesen Lebensunterhalt garantirt die Zivilisation
+nicht. »So haben unsere Träumereien von den Menschenrechten und der
+Freiheit, die man in Versuch setzte, nichts als Täuschungen und
+verhängnißvolle Erschütterungen erzeugt. Unsere Gesellschaft hat zu
+ihren Angelpunkten zwei Triebfedern, welche der Einheitlichkeit der
+Freiheit und dem proportionalen Existenzminimum des sozietären
+Zustandes schnurstracks gegenüberstehen: allgemeiner Egoismus und
+Zweideutigkeit aller Handlungen. Diese beiderseitigen
+Charaktereigenschaften lassen sich nicht vereinigen, sie schließen
+sich aus.«
+
+»Volle einheitliche Freiheit und menschenwürdige Existenz lassen
+sich nur durch die Anwendung des Mechanismus der Serien der Triebe
+erreichen, außerhalb desselben ist das ganze System der Triebe im
+Widerspruch mit sich, es herrschen Egoismus und Zweideutigkeit.« ...
+
+Es gilt also für Fourier, eine entsprechende Organisation zu
+schaffen, bei welcher alle Klassen gleichmäßig, unter voller
+Berücksichtigung ihrer sozialen Lebensstellung, zufriedengestellt
+werden.
+
+»Vermittelst der gradweisen Abstufung der Interessen ist der
+Niedere an dem Wohlsein des Höheren interessirt; die gewohnte
+Begegnung bei den anziehenden Arbeiten in den Intriguen der
+verschiedenen Serien dient als Kitt für die Einheitlichkeit. Man
+hat nichts mehr von der vollen Freiheit des Volkes zu fürchten, das
+in dem gegenwärtigen Zustande des Elends und der Eifersucht gegen
+die Höheren seine Unabhängigkeit nur zur Plünderung und Erwürgung
+derselben benutzen würde.«
+
+»Aus dieser Darlegung resultirt, daß die Gewährung einer
+auskömmlichen Lebenshaltung ausschließlich von der Entdeckung des
+sozietären Regimes und der anziehenden Arbeit abhängt. Wie kann man
+dem Volk von Freiheit zu sprechen wagen, wenn man ihm selbst nicht
+einmal die widerwillige Arbeit, von der heute seine Existenz
+abhängt, zu garantiren vermag? In einem solchen Zustande der Dinge,
+wie dem gegenwärtigen, wird alle Freiheit nur ein Keim des
+Aufruhrs. Die Agitatoren fühlen das wohl und darum haben sie die
+Macht an sich gerissen. Ihre erste Sorge ist, dem Volk den Maulkorb
+anzulegen und die philosophischen Schwätzer, die Bonaparte knebelte
+und Robespierre in Masse auf's Schaffot schickte, zu unterdrücken.«
+
+»_In der Zivilisation kann also keine wirkliche Freiheit
+existiren_, sie existirt nur im Zustande der Wildheit, aber dort
+unvollständig und gefährlich, weil sie die Horde dem Hunger, dem
+Krieg, der Pest aussetzt und weder sich auf die Frauen, noch auf
+die Greise ausdehnt, welch letztere man opfert, wenn sie
+unbrauchbar werden.«
+
+»Obschon die Freiheit des männlichen Wilden dem Schicksal unserer
+Arbeiter und Bettler vorzuziehen ist, ist sie nur ein rohes, der
+Vernunft unwürdiges Glück, weil die industrielle Thätigkeit ihm
+fremd ist. Andererseits ist der Zustand des Elends und der
+Unterdrückung, in dem unsere Arbeiter seufzen, nicht die Frucht des
+sozialen Genies, sondern des Mangels an einem solchen und eine
+Schmach für die Wissenschaft. Weit entfernt, daß diese verstand,
+uns zur Freiheit zu erheben, hat sie nicht einmal sie zu definiren
+gewußt, noch vermochte sie ihre verschiedenen Charaktereigenschaften
+darzulegen. Der Wissenschaft bleibt die Schande, unter dem Vorwand,
+uns ein Gut zu geben, dessen Wesen sie selbst nicht kannte, tausend
+politische Stürme erregt zu haben. Sie ist mit der Freiheit wie mit
+dem Handel verfahren, sie hat einen Hebel zu literarischen
+Intriguen aus ihnen gemacht und weit entfernt, einen Schatten von
+Ehrlichkeit in ihre Debatten zu tragen, hat sie selbst weder die
+Probleme bezeichnet, noch empfohlen, welche auf's Lebhafteste die
+Anstrengungen des Genies herausfordern, nämlich:
+
+»In Sachen des Handels: das Bedürfniß der Assoziation, die Garantie
+der Wahrheit und die Unterdrückung der zahlreichen Verbrechen der
+handeltreibenden Körperschaften: der Bankerotte, des Wuchers, des
+Börsenspiels etc.«
+
+»In Sachen der Freiheit: das Bedürfniß der industriellen
+Attraktion; ein Aequivalent für die natürlichen Rechte (die der
+Wilde hat) und Garantien für ein gradweise abgestuftes Minimum für
+die verschiedenen Klassen.« ...
+
+»Der Streit über die Freiheit hat erst neuerdings vier Millionen
+Köpfe gekostet (Fourier spielt hier auf die der großen Revolution
+folgenden Kriege an), die den politischen Sophismen und der
+Handelseifersucht geopfert wurden, genügend, um dieses Chaos von
+irrigen Lehren über die Freiheit und den Handel zu entwirren.«
+
+»Es gehört zu den Gebräuchen der Zivilisirten, einem Dogma zu
+Ehren, dessen Sinn, noch dessen praktische Wirkungen man kennt,
+sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren. Beweis dafür sind die aus
+den Debatten über die Verwandlung (»Transsubstantiation«) und die
+Wesenseinheit (»Consubstantialité«) hervorgegangenen Kriege. Unser
+Jahrhundert hat ähnlich über die Menschenrechte spekulirt; um sie
+zu erhalten, massakrirte man sich und doch kannte man ihr wahres
+Wesen nicht.«
+
+Nach Fourier liegt das wahre Wesen der Freiheit in der Anerkennung
+»des Rechts auf Arbeit«, das »für den Armen allein werthvoll ist.«
+Die Erfahrung hat uns zur Genüge gelehrt, daß mit dieser
+Anerkennung auch nichts gethan ist. Es ist auch über dieses »Recht«
+gar viel gestritten worden und zuletzt, im Jahre 1848 in Paris in
+den Junitagen, viel Blut geflossen. Das Recht auf Arbeit steht in
+Bezug auf seine Phrasenhaftigkeit um kein Haar breit hinter der
+»Freiheit« und den »Menschenrechten« zurück, Jeder legt sich dieses
+»Recht« zurecht, wie er es braucht und es seinem
+Interessenstandpunkt entspricht. Gewisse Sozialisten betrachten
+noch heute das Wort als eine Art Schiboleth, das die soziale Frage
+löse; bei den Anhängern des preußischen Landrechts, die dieses
+»Recht« ebenfalls anerkennen, schrumpft es zu einem Recht auf
+Armenhausarbeit und Armenunterstützung zusammen. Auch nach der
+Junirevolution hat es noch die Köpfe in der französischen Kammer
+erhitzt, man schlug große Redeschlachten und dabei ist es bis heute
+geblieben. Schließlich waren bei all diesen Schlagworten es immer
+und immer die Vertreter der kleinbürgerlichen Demokratie, die sich
+am eifrigsten für sie begeisterten und sich zu ihren Champions
+aufwarfen. Ganz begreiflich. Diese Demokratie repräsentirt eine
+Gesellschaftsschicht, die zwischen der großbürgerlichen und der
+proletarischen Klasse mitten innesteht, in Folge davon ohnmächtig
+ist und in Bezug auf die Heilung der sozialen Uebel an chronischer
+Impotenz leidet und daher ihr Thatenbedürfniß in großen Worten und
+Kraftphrasen zu verpuffen genöthigt ist. Die bürgerlichen Ideologen
+lieben es, am Klang der Worte sich zu berauschen, sie sind aber
+allmälig sehr einflußlos und harmlos geworden.
+
+Fourier war allerdings ein viel zu mathematisch denkender und
+logisch schließender Kopf, um sich durch eine Phrase, die er bei
+Andern klar durchschaute, beirren zu lassen, und so folgert er: es
+giebt keine wie immer zusammengesetzte Freiheit ohne das Minimum;
+kein Minimum ohne die industrielle Anziehung (»attraction«); keine
+industrielle Anziehung in der zerstückelten (»morcelé«) Arbeit,
+womit er sagen will, in der auf Privatwirthschaft beruhenden
+Arbeit. Die industrielle Anziehung kann nur aus den Serien der
+Triebe geboren werden; also:
+
+Das Minimum, gestützt auf die industrielle Anziehung, ist der
+einzige Weg zur Freiheit, einen andern giebt es nicht. Aber um in
+diesen Weg einzutreten, muß man die Zivilisation verlassen, muß man
+ihre Produktions- und Distributionsform aufheben; und da es hierzu,
+nach ihm, zwölf Wege giebt, muß man den günstigsten wählen, um zur
+Assoziation zu gelangen.
+
+Es handelt sich also darum, den neuen Zustand dergestalt zu
+organisiren, daß folgende sieben Funktionen voll angewendet und
+ausgeübt werden können: häusliche Arbeiten, ländliche Arbeiten,
+industrielle Arbeiten, Austausch, Unterricht, Wissenschaften,
+schöne Künste. Es muß vorhanden sein: Anziehung für alle
+Beschäftigungen, proportionale Vertheilung des Erzeugten,
+Gleichgewicht der Bevölkerung, Oekonomie in den Hülfsmitteln.
+
+Die Anziehung an die Arbeiten kann nur vorhanden sein, wenn jede
+Arbeit angenehm _und_ lukrativ ist. Die Vertheilung findet statt
+nach den drei industriellen Fähigkeiten: Arbeit, Kapital, Talent.
+Die Bevölkerungszahl einer Phalanx darf 1800-2000 Personen nicht
+überschreiten, weil in dieser Zahl, nach Fourier's Berechnung, die
+verschiedenen Triebe und Charaktereigenschaften voll und zweckmäßig
+vertheilt enthalten sind und eine größere oder kleinere Zahl die
+Ausgleichung stören würde. Die Oekonomie der Hülfsmittel ergiebt
+sich aus dem möglichst zweckmäßigen Zusammenwirken aller mit
+einander Operirenden, die alle gleichmäßig an der Ersparniß von
+Materialien, Zeit und Kraft interessirt sind. So wird man in einer
+Phalanx von 400 Familien nicht 400 Küchenfeuer, 400
+Einzelwirthschaften erhalten, sondern man wird nur 4 oder 5 große
+Küchenfeuer anlegen und die Bewohner in 4 oder 5 Klassen, nach dem
+Stande ihres Vermögens, eintheilen und sie in einem gemeinsamen
+Palast wohnen lassen. Der sozietäre Zustand läßt keine Gleichheit
+zu. Ebenso werden bei dem Ackerbau wie bei der Industrie die
+Vortheile in positiver Beziehung -- Erhöhung der Produkte durch
+zweckmäßigste Kombinirung und Anwendung der Kräfte und Hülfsmittel
+-- und in negativer Beziehung -- Ersparnisse an Kraft, Zeit,
+Materialien -- sehr bedeutende sein. Es entsteht wieder rationelle
+Waldzucht, Quellenschonung, Klimaverbesserung. Ueber alle diese
+Vortheile, welche die assoziirte Thätigkeit erzeugen müsse, äußert
+sich Fourier wie folgt:
+
+»Eine Phalanx, die sich z.B. mit Wein- oder Oelbau befaßt, wird nur
+einen einzigen Werkraum für die Fertigstellung nöthig haben, statt
+der vielen, die jetzt in einer Gemeinde von 15-1800 Seelen nöthig
+sind; statt 300 Bottiche wird sie nur ein Dutzend bedürfen. Man
+wird ferner für die Reben- und Oelbaumanlagen die Ueberwachung, die
+Einfriedigungen und Ummauerungen ersparen. Man wird die Lese nicht
+auf einmal vornehmen, wie dies jetzt der kleine Privatbesitzer, um
+Kosten und Zeit zu ersparen, thun muß, sondern in dem Maße, wie die
+Trauben reifen, und damit große Verluste an Quantität oder Qualität
+verhüten. Statt der 1000 Fässer, welche heute 300 Familien
+benöthigen, werden 30 große Tonnen genügen. Man wird neun Zehntel
+der Kosten für die Lagerräume, neunzehn Zwanzigstel für das Faßwerk
+ersparen. Die richtige Behandlung des Weins ist dem kleinen Besitzer
+unmöglich, weder kann er ihm die nöthige Lagerung gewähren in
+trockenen gut gelüfteten nach Norden gelegenen Lagerräumen, noch
+hat er die Einrichtungen und Vorrichtungen für die tägliche Kühlung
+der Keller und Fässer. Auch fehlt der Ueberzahl der Besitzer die
+Möglichkeit, die Weine durch verschiedene Füllungen zu verbessern,
+leichte mit schweren Qualitäten zu schneiden, oder sich fremde
+wärmere Weine zu verschaffen. Ferner wird heute der Wein,
+unmittelbar nach der Ernte, von vielen Eigenthümern zum billigsten
+Preis verkauft, weil sie ihn verkaufen müssen, sei es, daß sie Geld
+nöthig haben, der Gläubiger schon wartet, oder daß es ihnen an
+geeigneten Aufbewahrungsräumen fehlt, und sie der Mittel oder des
+Verständnisses zur Pflege entbehren. In der Phalanx wird der Wein
+in Folge guter Aufbewahrung und Pflege schon nach einem Jahre das
+Fünffache des Preises werth sein und mit dem Alter entsprechend im
+Preise steigen. Die Phalanx verkauft ihn, wie ihr Interesse
+gebietet. Und so noch viele andere Vortheile, die aus der
+Gemeinwirthschaft entspringen, stets Kosten ersparen und die
+Produkte verbessern. Man wird bessern Saamen, bessere Pflanzen
+anschaffen, im Ankauf nie betrogen werden; man wird für die
+verschiedenen Pflanzungen die besten und geeignetsten Bodenarten
+aussuchen können, Maschinen, Gebäude, Ställe, Lagerräume werden die
+zweckmäßigsten sein, die verfügbaren Kräfte werden jede Arbeit im
+richtigen Moment ermöglichen.«
+
+»Eine der glänzendsten Seiten der sozietären Arbeit wird die
+Einführung der Wahrheit in Handel und Wandel werden. Indem die
+Assoziation die kooperative, solidarische, sehr vereinfachte, auf
+Wahrhaftigkeit und Garantie beruhende Konkurrenz an die Stelle der
+individuellen, unsoliden, lügnerischen, verschlungenen und
+willkürlichen Konkurrenz der Zivilisation setzt, wird sie nur ein
+Zwanzigstel der Arme und der Kapitalien benöthigen. Man wird also
+den heutigen Handel als parasitisch unterdrücken, denn parasitisch
+ist Alles, was unterdrückt werden kann, ohne daß der Zweck
+geschädigt wird. Man wird in der Phalanx statt hunderter
+konkurrirender und gegen einander intriguirender Kaufleute und
+Krämer mit ihren Verkaufshallen und Läden nur ein großes
+Waarenlager und verhältnißmäßig sehr wenig Personen brauchen, da
+alle Käufe und Verkäufe nach außen die Phalanxen unter sich
+abschließen.«
+
+»In der Zivilisation ist der Mechanismus in jeder Art der
+ruinöseste und falscheste. So giebt es außer im Handel noch
+tausende und abertausende von parasitischen Existenzen, z.B. die in
+der Rechtspflege beschäftigten Personen, eine Institution, die nur
+auf den Fehlern der zivilisirten Ordnung beruht ... Andererseits
+fehlen die Mittel für das Nöthigste. So mangeln Frankreich heute
+einige hundert Millionen Franken für die Verbesserung der Wege und
+Straßen; im sozietären Zustand, wo Phalanx an Phalanx sich reiht,
+bestehen die ausgezeichneten Verbindungsmittel, für die jedes
+Phalanstère (das Phalanstère ist der ganze Bezirk [Kanton]
+inklusive der Gebäude. Der Kanton soll nach Fourier eine
+Quadratstunde Flächeninhalt haben) aufzukommen hat, ohne daß es der
+Staatssteuern dazu bedarf. Ebenso fällt die kostspielige
+Katastrirung der Grundstücke für den Staat fort. Eine Wahl, die
+heute unendlich viel Zeit und Geldopfer erfordert, eine Menge der
+widerlichsten Kabalen erzeugt, wird in der Phalanx dem Einzelnen
+kaum eine Minute Zeit kosten, eine Reise dazu hat er nicht nöthig
+zu machen.« ...
+
+»Unter die Unproduktiven gehören ferner die Soldaten, die
+Grenzwächter, die Steuerbeamten; auch sind ein großer Theil der
+Dienstboten und viele von den in der isolirten Wirthschaft
+beschäftigten Personen unter die Parasiten zu rechnen. Sobald
+Männer, Frauen, Kinder, letztere vom dritten Lebensjahre ab, aus
+Anziehung thätig sind, wenn Trieb, Geschicklichkeit, Wetteifer, der
+verbesserte Mechanismus der Arbeit, Einheitlichkeit der Handlungen,
+freier Verkehr, Verbesserungen des Klimas, höhere Kraft und
+Langlebigkeit der Menschen zusammenwirken, werden die Arbeitsmittel
+und Kräfte in's Unberechenbare sich steigern und wird das Produkt
+quantitativ und qualitativ sich dem entsprechend veredeln und
+vermehren.«
+
+»Am meisten wird das Schicksal der Kinder in der sozietären
+Organisation sich verbessern. In der meist sehr übel und mangelhaft
+geleiteten Privatwirthschaft finden die Kinder in ihren Hütten,
+Hofwerkstellen, Scheuern weder die Hülfsmittel, noch die Belehrung,
+noch die Beurtheilung, noch den Antrieb, den sie nöthig haben, um
+sich gehörig zu entwickeln. Dabei sterben sie massenhaft in Folge
+ihrer ungesunden Wohn- und Lebensweise, oder sie siechen dahin. Im
+sozietären Zustand wird die Sterblichkeit sich außerordentlich
+vermindern, die Kinder werden an körperlicher und geistiger
+Gesundheit in heute ungeahnter Weise zunehmen. Drohende
+Uebervölkerung wird die sozietäre Organisation auszugleichen
+wissen.«
+
+Die Zivilisation befindet sich allen diesen Fragen gegenüber in
+einem falschen Kreisschluß (»cercle vicieux«) und das erkennt man
+allmälig. Man ist erstaunt, zu finden, daß _in der Zivilisation die
+Armuth selbst den Ueberfluß erzeugt_. Unser Zustand bringt nicht
+das Glück, sondern das Nichtglück hervor; die Exzesse der Industrie
+führen zu den größten Uebeln, sie werfen uns von der Scylla in die
+Charybdis, und warum? Weil wir ohne Leitfaden in einem Labyrinthe
+wandeln. Das zeigt sich überall. Wählen wir als Beispiel die
+natürlichen Anlagen des Menschen und die Kunst, sie zum Aufbruch zu
+bringen. Ein Kärrner fährt Metall in eine Gießerei.[14] Bei dem
+Anblick ihrer Einrichtungen erfaßt ihn die Neigung, als Lehrling
+einzutreten. Er entdeckt bei sich einen Trieb, den bisher weder er,
+noch seine Eltern kannten; er tritt wirklich als Lehrling ein und
+macht so erstaunliche Fortschritte, daß er schon nach einem Jahre
+einen sehr geschickten Arbeiter ersetzte und pro Tag 22 Franken
+verdiente. Welche Anklage liegt in diesem einen Beispiel gegen
+unsere Arbeits- und Erziehungsmethoden, gegen unsere Theorie der
+Vervollkommnung und des Studiums des Menschen. Jedes Kind hat vom
+jugendlichsten Alter an Anlagen und Triebe verschiedenster Art,
+aber wie ermöglichen, daß wir sie kennen lernen? Dazu ist die
+Zivilisation unfähig. Uns mangelt der Kompaß, der Schlüssel, der
+uns dieses Zauberbuch über die Anziehungen und die industriellen
+und wissenschaftlichen Anlagen und Triebe entziffert. Das kann nur
+durch die Anwendung der Serien der Triebe geschehen; sie bilden den
+Schlüssel zu jedem Zweig des sozialen Mechanismus und hauptsächlich
+auch für die Erziehung. Das Problem, das es hier zu lösen gilt,
+ist, nicht nur eine, sondern selbst zwanzig Anlagen zum Aufbruch zu
+bringen bei einem Kinde, das kaum drei Jahre alt ist. Vom vierten
+Jahre ab soll es schon spielend in zwanzig verschiedenen Serien
+industrieller Thätigkeit geschickt sein und mehr gewinnen, als
+seine Nahrung und sein Unterhalt kosten; es übt abwechselnd alle
+physischen und intellektuellen Fähigkeiten, Alles mit Eifer
+ergreifend. Statt zwanzig Anlagen im Alter von vier Jahren finden
+wir bei dem Zivilisirten oft nicht eine im Alter von zwanzig
+Jahren, sie wurden unterdrückt, erstickt, weil die Eltern arm
+waren, oder die Triebe und Anlagen nicht anzuregen verstanden, oder
+die Gelegenheit fehlte. So steht es ähnlich selbst bei der
+wohlhabenden Klasse. Unter zwanzig jungen Leuten, die man auf die
+Universitäten und Hochschulen schickt, ist öfter kaum einer, der
+die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt. Die Anlagen zum Aufbruch
+zu bringen, die Kunst, sie vom niedersten Lebensalter an zu
+entwickeln, das ist die Klippe, an der unsere Wissenschaften
+scheitern. Wir verstehen das nicht einmal in der Agrikultur, woher
+es kommt, daß diese selbst unserer Dorfjugend widerwärtig
+erscheint. Unsere wissenschaftliche, unsere industrielle Erziehung
+steht, wie Alles, außerhalb der Natur, außerhalb der Anziehung. Es
+ist klar, wir brauchen einen Wegweiser, eine neue Wissenschaft und
+diese ist die Lehre von den Serien der Triebe. Ohne sie werden die
+Nebel immer größer. Man behauptet, die Menschen seien heute nicht
+falscher als früher. Indeß vor einem halben Jahrhundert konnte man
+für wenig Geld noch Stoffe von guter Farbe und Qualität und
+natürliche, d.h. unverfälschte Nahrungsmittel kaufen; heute
+herrschen überall Verfälschung und Betrügerei. Der Landmann selbst
+ist ein Fälscher geworden, wie es der Kaufmann schon vor ihm war.
+Milch, Oel, Wein, Branntwein, Zucker, Mehl, Kaffee, Alles ist
+schamlos verfälscht. Die arme Menge kann sich keine natürlichen
+Lebensmittel mehr verschaffen, man verkauft ihr langsam wirkende
+Gifte; solche Fortschritte machte der Handelsgeist selbst bis in
+die entlegensten Dörfer. Seit fünfzig Jahren hat sich die Zahl der
+Handeltreibenden vervierfacht, ohne daß die Beschäftigung für sie
+sich entsprechend vermehrte, der Schwindel ist in demselben Maße
+gewachsen und ebenso die Aufsaugung der Kapitalien.«[15] »Zu allen
+Zeiten und an allen Orten wird die Anziehung der Triebe zu drei
+Zielen zu kommen suchen: Zum Luxus oder zur Befriedigung der fünf
+Sinne; zu Gruppenbildungen und Serien der Gruppen -- Bande der
+Zuneigung --; zu dem Mechanismus der Triebe, der Charaktere und
+Instinkte; und durch sie alle drei zur universellen
+Einheitlichkeit.«
+
+[Fußnote 14: Fourier erwähnt hier einen selbsterlebten Fall und
+führt die Namen an, die wir als gleichgültig weglassen.]
+
+[Fußnote 15: Der Leser will nicht vergessen, daß das nicht heute,
+sondern schon vor dreiviertel Jahrhunderten geschrieben wurde.]
+
+»Der Luxus umfaßt alle sinnlichen Vergnügungen. Indem sich die
+Triebe nach Befriedigung sehnen, wünschen wir uns implicite
+Gesundheit und Reichthum als Mittel der Befriedigung; wir wünschen
+uns inneren Luxus oder körperliche Kraft, Verfeinerung und Stärke
+der Sinne, und äußeren Luxus oder Reichthum. Man muß diese beiden
+Mittel besitzen, um den ersten Zweck der Anziehung der Triebe zu
+erreichen. Wir müssen also befriedigen: Geschmack, Gefühl, Gesicht,
+Gehör, Geruch. Für das zweite Ziel sucht die Anziehung Gruppen zu
+bilden und zwar in der Zahl von vier: Gruppe der Freundschaft, des
+Ehrgeizes, als höhere; der Liebe, der Elternschaft oder der
+Familie, als niedere Ziele. Alle Gruppen, die sich in voller
+Freiheit und nach Neigung bilden, beziehen sich auf eins dieser
+vier Ziele. Wird eine Gruppe zahlreich, so theilt sie sich in
+Untergruppen, indem sie eine Serie von Theilen bildet, abgestuft in
+Nuancen nach Neigungen und Geschmack. Alle Gruppen suchen eine
+Serie (Reihe) oder Stufenleiter zu bilden, verschieden in Gattung
+und Art. Die Serien der Gruppen sind also zweites Ziel der
+Anziehung, indem sie sich für alle Funktionen der Sinne und der
+Seele bilden. Das dritte Ziel ist der Mechanismus der Triebe oder
+der Serien von Gruppen. Es ist das Bestreben der fünf sinnlichen
+Triebe (1. Geschmack, 2. Gefühl, 3. Geruch, 4. Gesicht, 5. Gehör)
+mit den vier affektiven: 6. Freundschaft, 7. Ehrgeiz, 8. Liebe, 9.
+Elternschaft, in Uebereinstimmung zu bringen. Diese
+Uebereinstimmung vollzieht sich durch Vermittelung der drei wenig
+bekannten und viel verkannten Triebe. 10. der Kabalist, Trieb durch
+Intrigue nach Vereinigung der Gleichstrebenden; 11. der Papillon,
+Trieb nach Abwechslung, nach Kontrasten; 12. der Komposit, Trieb
+der Aneiferung, der Begeisterung, des Strebens nach
+Vervollkommnung.«
+
+»Diese zwölf zusammenwirkenden Triebe stellen die Harmonie der
+Triebe her. Ein Jeder wünscht im Spiel seiner Triebe eine solche
+Ausgleichung sich zu verschaffen, daß der Aufschwung des einen
+Triebes den Aufschwung aller übrigen begünstigt. Z.B. Liebe,
+Ehrgeiz wollen ihr Ziel erreichen und nicht enttäuscht sein; die
+Gourmandis hat die Absicht, die Gesundheit zu verbessern, und nicht
+zu schädigen ... Gegenwärtig ist der Mensch im Kriege mit sich
+selbst. Seine Triebe gerathen aneinander. Der Ehrgeiz wirkt der
+Liebe, die Elternschaft der Freundschaft entgegen, und so befinden
+sich alle Triebe beständig in Disharmonie. Aus diesem Kampf der
+Triebe entstand die Wissenschaft der Moral, die verlangt, man solle
+die Triebe unterdrücken; aber unterdrücken heißt nicht organisiren,
+harmoniren. Unser Zweck ist, den freiwillig ineinander greifenden
+Mechanismus der Triebe zu schaffen, _ohne einen zu unterdrücken_.
+Dies geschieht, wenn jedes Individuum, indem es sein persönliches
+Interesse verfolgt, damit auch dem Allgemeininteresse beständig
+dient. Heute ist das Gegentheil der Fall. Die Zivilisation ist ein
+Krieg des Einen gegen Alle und Aller gegen Einen; eine Ordnung, wo
+Jeder sein Interesse dabei findet, alle Anderen zu täuschen, sie
+ist ein den Trieben fremder Diskord; aber das Ziel der Triebe muß
+sein, zur inneren und äußeren Harmonie zu kommen.«
+
+»Die Kunst zu assoziiren, besteht darin, eine Phalanx von Serien
+der Triebe in voller Uebereinstimmung bilden und entwickeln zu
+können, die vollkommen frei nur durch Anziehung bewegt sein sollen
+und angewendet werden auf die sieben bereits erwähnten
+industriellen Funktionen. Hauswirthschaft, Ackerbau, Industrie,
+Handel und Verkehr, Unterricht, Wissenschaften, schöne Künste ...
+Eine Serie der Triebe ist eine Verbindung verschiedener in auf- und
+absteigender Stufenfolge verbundener Gruppen, die vereinigt sind
+durch Uebereinstimmung des Geschmacks für irgend eine Thätigkeit,
+wie den Anbau einer Frucht, und in welcher für jeden Zweig der
+Arbeit hierbei eine spezielle Gruppe sich bildet. Wenn die Serie
+Hyazinthen oder Kartoffeln baut, muß sie eben so viel Gruppen
+bilden, als Arten von Hyazinthen oder Kartoffeln kultivirt werden
+sollen. Jede Gruppe bildet sich aus Gliedern der Serie, die für
+eine bestimmte Art inkliniren. Es sind mindestens 45-50 Serien
+nothwendig, wenn einigermaßen die nöthige Abwechslung und
+Ausgleichung herbeigeführt werden soll. Die Serien benutzen die
+Verschiedenheiten der Charaktere, des Geschmacks, der Instinkte,
+der Vermögen, der Ansprüche, der Bildungsstufen. Jede Serie setzt
+sich aus kontrastirenden und abgestuften Ungleichheiten zusammen,
+sie erheischt ebensoviel Gegensätze oder Antipathien als
+Uebereinstimmungen oder Sympathien, wie ja auch in der Musik ein
+Akkord dadurch sich herstellt, daß man ebensoviel Noten ausfallen
+läßt, als man zusetzt. Die Kontraste der Töne erzeugen den Akkord.
+Eine Vereinigung von Serien der Triebe hat für die soziale Harmonie
+glänzende Eigenschaften, sie erzeugt Bewegung, Wahrheit,
+Gerechtigkeit, direkte und indirekte Uebereinstimmung, Einheitlichkeit.
+Die Zivilisation hat alle entgegengesetzten Eigenschaften:
+Entkräftung, Ungerechtigkeit, Betrug, Mißstimmung, Zweideutigkeit.
+Aber die Serie der Triebe würde nicht richtig funktioniren, wenn
+sie nicht drei Eigenschaften besäße. Die verschiedenen Gruppen
+müssen miteinander rivalisiren oder gegeneinander in Bewegung
+gerathen; das ist nur möglich, wenn die Gruppen nicht
+grundverschiedene Leistungen vollziehen, sondern nur gradweise
+verschiedene, also z.B. nicht verschiedene Arten von Obst, sondern
+verschiedene Sorten einer Art bauen. Ferner müssen die einzelnen
+Sitzungen kurz sein, sie dürfen sich nicht über zwei Stunden
+ausdehnen, weil sonst die Ermüdung eintritt. Soll eine Arbeit
+anziehend sein, so muß sie kurzzeitig sein und man muß dann zu
+einer andern kontrastirenden Thätigkeit übergehen können. Endlich
+muß Jedes in der Gruppe eine bestimmte Arbeit haben, die es im
+Wetteifer mit den Uebrigen am besten zu machen sucht. So kommen die
+Kabalist, die Papillon, die Komposit in Anwendung. Eine Gruppe
+genügt, wenn sie sieben Mitglieder zählt; sie ist vollkommen, wenn
+sie neun hat; sie theilt sich dann unwillkürlich wieder in
+Untergruppen, in die beiden Flügel und das Zentrum. Vierundzwanzig
+Gruppen ist die niedrigste Anzahl für eine Serie.«
+
+ * * * * *
+
+»Die Zivilisirten treffen überall instinktiv das Falsche, sie ziehen
+immer das Falsche dem Wahren vor und so ist auch der Angelpunkt
+ihres Systems eine falsche Gruppe, die sie auf die kleinste Zahl,
+auf zwei beschränkten. Diese Gruppe ist das Ehepaar. Diese Gruppe
+ist falsch durch die Beschränkung der Zahl, falsch durch das Fehlen
+der Freiheit, falsch durch das Auseinandergehen und die Spaltungen
+des Geschmacks. Diese Differenzen machen sich schon nach den ersten
+Tagen fühlbar; man differirt bezüglich der Gerichte, der ehelichen
+Besuche, der Ausgaben, der Unterhaltung, und wegen hundert anderer
+Dinge. Nun, wenn die Zivilisirten nicht einmal die ursprünglichste
+ihrer Gruppen harmonisiren können, dann können sie dies noch
+weniger mit dem Ganzen. _Der Mensch ist aus Instinkt Feind des
+Zwanges und der Gleichheit, er strebt in jeder Beziehung beständig
+nach Veränderung_.«
+
+Da nach Fourier also der Mensch in jeder Beziehung Feind der
+Gleichheit ist, weshalb auch die Vermögensunterschiede bestehen
+bleiben müssen, giebt es in der Phalanx eine hierarchische
+Ordnung, die freilich, bei Lichte besehen, sehr harmlos ist, und
+sich auch nur zum Besten des Ganzen bethätigen kann. Freund
+militärischer Einrichtungen, die ihm durch ihre strenge Ordnung
+und ihre regelmäßige Funktionirung imponiren -- er soll mit großer
+Vorliebe bis an sein Lebensende den militärischen Uebungen und
+Paraden beigewohnt haben --, giebt er seiner phalansteren Hierarchie
+einen militärisch-monarchischen Anstrich, obgleich ihr Grundtypus
+ein rein demokratischer ist. Die Leiter der Serien und Gruppen
+werden Offiziere genannt und haben militärische Grade. Es sind
+Hauptleute, Lieutenants, Fahnenjunker; es giebt ganze Stäbe in der
+Phalanx und werden alle Würden ohne Rücksicht auf das Geschlecht
+erworben. Sind in einer Gruppe oder Serie hauptsächlich Frauen, so
+werden die Offiziersstellen hauptsächlich Frauen bekleiden.
+Dasselbe gilt von den Kindern, Knaben wie Mädchen. Die Mitglieder
+der Serien und Gruppen wählen zu ihren Leitern Diejenigen, die sich
+innerhalb ihres Kreises am meisten auszeichnen und dadurch die
+Sympathien der Uebrigen erwerben. Fourier ist ferner der Ansicht,
+daß die Menschen, mit sehr wenig Ausnahmen, an äußeren
+Auszeichnungen, an schönen Farbenzusammenstellungen in ihrer
+Kleidung, an Uniformen, glänzenden Schaustellungen und Festen,
+opulenten Einrichtungen, prächtigen Denkmälern und Bauten ihre
+Freude haben. Nach all diesen Richtungen soll die Phalanx das
+Höchste bieten.
+
+Zur Leitung werden zweierlei Arten von Offizieren gewählt; die
+Einen, welche die eigentliche geschäftliche Leitung haben, und die
+Andern, welche den sogenannten äußeren Dienst versehen, die für den
+Glanz und das würdige Auftreten der Gruppen und Serien bei Festen,
+Aufzügen, Schaustellungen und für die Ausschmückung sorgen. Auch in
+letzterer Beziehung wird ein lebhafter Wetteifer zwischen den
+einzelnen Serien und Gruppen entstehen. Man wird für die zuletzt
+erwähnten Funktionen hauptsächlich solche Personen zu Offizieren
+erwählen, die größeren Reichthum besitzen. Denn da in der Phalanx
+das Kapital fünf- und sechsfach höhere Zinsen erlangt, als in der
+Zivilisation, ohne daß Arbeit und Talent dabei zu kurz kommen, und
+die reichen Leute in der Phalanx sehr bedeutend billiger und doch
+viel besser leben, als in unserer gegenwärtigen sozialen Ordnung,
+werden sie eine Ehre darein setzen, ihren eigentlich sonst gar
+nicht unterzubringenden Ueberfluß zum Besten des Ganzen anzuwenden.
+Sie werden also öfter für ihre Serien- und Gruppengenossen
+besonders opulente Mahlzeiten veranstalten, die ihnen gar nicht so
+außergewöhnlich theuer kommen, weil sie nur das Plus des Preises
+über die regelmäßige Mahlzeit, deren Kosten Jedem Tag für Tag von
+der Phalanx angerechnet werden, zu bezahlen haben; ferner werden
+sie den Bau prächtiger Pavillons, die Aufstellung von Statuen,
+Altären und dergleichen in dem Theile des Kantons, in dem die Serie
+oder Gruppe, in welcher sie die hervorragende Rolle spielen,
+beschäftigt ist, auf ihre Kosten betreiben.
+
+Alle Arten von Serien und Gruppen, gebildet in Uebereinstimmung mit
+den Trieben, deren Ordnung und Mechanismus der Zivilisation als ein
+undurchdringliches Geheimniß erscheint, sind nach Fourier das
+Ergebniß geometrischer Berechnungen auf Grund der Anziehungen und
+der Bestimmungen. Die Richtigkeit dieser von ihm unternommenen
+Berechnungen ist nach seiner Meinung unzweifelhaft. Er kennt das
+Geheimniß des ganzen Mechanismus der Gesellschaft und von einem
+guten Theil des Weltalls; Alles organisirt sich nach bestimmten
+mathematischen Zahlenverhältnissen, die zunächst nur ihm bekannt
+sind.
+
+Wenn einmal Jemand sich im Besitz eines solchen Geheimnisses und
+solcher Kenntnisse wähnt, so ist natürlich, daß jede andere
+Theorie, die auf dasselbe Ziel hinaus läuft, ihm als eine Art
+Profanation seiner eigenen Ideen, als eine Art Sakrilegium
+erscheint, und daß er die fremden Theorien dementsprechend als
+Charlatanerie behandelt und verurtheilt. Da nun um dieselbe Zeit,
+als Fourier mit seinen Theorien vor die Oeffentlichkeit trat, Owen
+in England mit seinen Assoziationsversuchen ebenfalls hervortrat
+und großes Aufsehen erregte, später auch schriftstellerisch und
+persönlich agitatorisch für dieselben wirkte, konnten diese
+Bestrebungen Fourier nicht unbekannt bleiben. Er griff Owen heftig
+an, als einen Mann, der vom Mechanismus der Assoziation nichts
+verstehe, nur Sophismen verbreite und mit seinem Kommunismus und
+Atheismus das größte Unheil anstifte. In ähnlicher Weise wandte er
+sich später auch gegen die Saint Simonisten, die er mit ihrer neuen
+Religionsgründung lächerlich machte. Unbegreiflich war ihm nur, daß
+Beide, Owen und Saint Simon, mehr Beachtung und Anhang fanden, als
+er.
+
+Fourier fährt nun weiter fort:
+
+»Das Bedürfniß nach periodischer Verschiedenheit, kontrastirenden
+Situationen, Szenenveränderungen, nach pikanten Zufällen, nach
+Neuigkeiten, welche die Illusion erregen, ist dem Menschen eingeboren.
+Dieser Trieb ist die Papillon. Das Bedürfniß nach Abwechslung macht
+sich bei dem Menschen von Stunde zu Stunde, lebhaft von zwei zu
+zwei Stunden bemerkbar. Wird es nicht befriedigt, so verfällt er
+der Lauheit und Langeweile. Auf der Befriedigung dieses Triebes
+nach Veränderung beruht das Glück der Pariser Sybariten. Es ist die
+Kunst, »gut und rasch zu leben«. Verschiedenheit und Verkettung der
+Vergnügungen, Raschheit der Bewegung ist nothwendig.«
+
+Indem nun im sozietären Zustand alle Beschäftigung in kurzen
+Sitzungen von etwa einundeinhalbstündiger Dauer sich vollzieht,
+kann Jeder im Laufe des Tages acht bis zehn ihn anziehende und
+seine Triebe befriedigende verschiedene Thätigkeiten ausüben, die
+durch die Art ihrer Ausübung ihm nur Vergnügen bereiten. Den
+nächsten Tag besucht er Gruppen und Serien, die von denen des
+vorhergehenden Tages in ihrer Zusammensetzung wie in ihrer Thätigkeit
+verschieden sind. So eilt der Mensch, entsprechend seinen Trieben,
+selbst indem er nützlich thätig ist, von Vergnügen zu Vergnügen,
+_ohne in Exzesse zu verfallen_, denen der Zivilisirte nicht
+entgeht. Denn dieser widmet einer Arbeit sechs Stunden und mehr,
+einem Fest sechs Stunden, einem Ball die ganze Nacht auf Kosten
+seines Schlafes und seiner Gesundheit. Dann sind auch die
+Vergnügungen der Zivilisirten immer unproduktiv, während im
+sozietären Zustand die Arbeiten selbst zu Vergnügen und also
+produktiv werden. Sehen wir zu, wie ein Unbemittelter und wie ein
+Reicher in der Phalanx ihren Tag verbringen. Wir nehmen den Monat
+Juni als Beispiel der Lebensweise für den Unbemittelten.
+
+»Früh 3½ Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Sitzung[16] in einer
+Gruppe für die Pflege der Thiere in den Stallungen; 5 Uhr Sitzung
+in einer Gruppe der Gärtner; 7 Uhr Frühstück; 7½ Uhr Sitzung der
+Mäher; 9½ Uhr Sitzung der Gemüsebauer, und zwar werden diese
+Gartenarbeiten bei größerer Wärme unter künstlich konstruirten
+transportablen Zelten vorgenommen; 11 Uhr zweite Sitzung in den
+Stallungen; um 1 Uhr Mittagstisch; 2 Uhr Waldarbeiten; 4 Uhr
+Beschäftigung in einer Manufaktur; 6 Uhr Bewässerung; 8 Uhr Börse;
+8½ Uhr Abendessen; 9 Uhr Unterhaltungen; 10 Uhr Schlafengehen.«
+
+[Fußnote 16: Jede dieser kurzzeitigen Beschäftigungen nennt
+Fourier Sitzung (»séance«).]
+
+Die Börse der Phalanx beschäftigt sich nicht mit dem Handel von
+Papieren und dem Schacher der Lebensmittel, sondern es werden hier
+die Abmachungen für den nächsten Tag getroffen; es bilden sich neue
+Gruppen und Serien. Auch wird später, wenn die Phalanx in voller
+Wirksamkeit ist, die Zahl der Ruhepausen und Mahlzeiten sich auf
+fünf erhöhen und werden die Sitzungen kürzer. Der Reiche, dessen
+Tagesbeschäftigung wir nun folgen lassen, ist ein Gutsbesitzer, der
+probeweise in die Phalanx trat.
+
+»Früh 3½ Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Zusammenkunft im
+Morgensaal, Unterhaltungen über die Nachterlebnisse; 4½ Uhr
+erste Erholung, gefolgt von der industriellen Parade -- Kinder und
+Erwachsene, Männer und Frauen ziehen mit Fahnen und Emblemen unter
+Musik in ihren Gruppen und Serien auf das Feld --; 5½ Uhr Jagd;
+7 Uhr Fischfang; 8 Uhr Frühstück; Zeitungen; 9 Uhr Gartenkultur
+unter Zelten; 10½ Uhr Fasanerie; 11½ Uhr Bibliothek; 1 Uhr
+Mittagessen; 2½ Uhr Gewächshäuser; 4 Uhr Pflege exotischer
+Pflanzen; 5 Uhr Pflege der Fischteiche; 6 Uhr Vesperbrot auf dem
+Felde; 6½ Uhr Schafzucht; 8 Uhr Börse; 8½ Uhr Abendessen;
+9½ Uhr Schaustellungen; 10½ Uhr Schlafengehen.«
+
+Die kurze Schlafzeit -- sechs Stunden -- erklärt Fourier damit, daß
+die Harmonisten in Folge ihrer vernünftigen und angenehmen
+Lebensweise, die Niemand überanstrenge, weniger Schlaf brauchten,
+als die Zivilisirten, auch würden sie von Kindheit an an diese
+Lebensweise gewöhnt. Bei der minutiösen Ausarbeitung, die Fourier
+allen Einrichtungen seiner Phalanx zu Theil werden läßt, hat er
+sich auch ausführlich mit den baulichen Einrichtungen befaßt und
+die entsprechenden Pläne seinen Werken einverleibt. Die Phalanx ist
+eben ein Uhrwerk, das nach den Plänen seines Erfinders konstruirt
+werden muß, wenn es den beabsichtigten Zweck erreichen soll. Das
+Gebäude der Phalanx, das Phalanstère, besitzt ringsum Gallerien,
+die im Winter gleichmäßig durchwärmt, im Sommer von erfrischender
+Kühle sind. Der Länge nach laufen durch das mächtige Gebäude, in
+dem die 1800-2000 Angehörigen der Phalanx wohnen, Säulenhallen,
+die nach allen Theilen führen, nach den Sälen, den Wohnungen, der
+Börse. Verdeckte Gänge stellen bequeme Verbindungen nach den
+Ateliers, Werkstätten und Stallungen her. Man behaupte, meint F.,
+durch die kurzen Sitzungen werde viel Zeit verbraucht, um von einem
+Ort zum andern zu kommen. Das sei indeß falsch, da das Gebäude
+mitten im Bezirk liege und von allen Seiten in 5-10, höchstens 15
+Minuten zu erreichen sei. Auch kämen die Kosten des Baues nicht in
+Betracht, da die Arbeitsweise in der Phalanx gegen diejenige in der
+Zivilisation immense Vortheile biete, und der Eifer, mit dem
+Jedermann sich betheilige, herbeiführe, daß in einer Stunde
+geleistet werde, was in der Zivilisation kaum in drei Stunden
+geleistet werden könne. Man betrachte nur einmal unsere Arbeiter
+auf dem Felde, die, wenn ein Vogel vorüber fliege, sich hinstellten
+und ihm nachsähen, die Hände auf die Hacke gestützt. Das komme
+daher, weil unsere Arbeiten Ueberdruß erweckten und ermüdeten und
+jeden Reizes entbehrten.
+
+»Die Beschäftigung in der Phalanx erzeugt das die Gesundheit
+fördernde körperliche Gleichgewicht. Die Gesundheit muß nothwendig
+geschädigt werden, wenn der Mensch sich zwölf Stunden einer
+gleichmäßigen Arbeit überlassen muß, die, welcher Art sie immer
+ist, die verschiedenen Glieder des Körpers und seinen Geist nicht
+genügend beschäftigt. Dies wird noch schlimmer, wenn dieselbe
+Arbeit Tag für Tag das ganze Jahr hindurch sich wiederholt. Daraus
+entstehen neben dem allgemeinen Widerwillen an der Arbeit die
+vielen Berufskrankheiten; so sind gewisse chemische Fabriken wahre
+Mördergruben, in denen eine Beschäftigung von zweistündigen
+Sitzungen, zwei- oder dreimal die Woche für den Einzelnen, ohne
+jeden Nachtheil ertragen wird. Die reiche Klasse verfällt wieder
+andern Krankheiten, der Gicht, der Apoplexie, dem Podagra,
+Krankheiten, die dem Landmann fremd sind. Die Fettleibigkeit, bei
+den Reichen so gewöhnlich, ist ein Zustand, der körperliches
+Gleichgewicht und Wohlbefinden gröblich stört. Fast alle
+Beschäftigungen und Vergnügungen der Reichen stehen mit der Natur
+im Widerspruch. Die sanitäre Bestimmung schreibt dem Menschen
+beständige Abwechslung in der Thätigkeit sowohl für den Körper als
+für den Geist vor, diese hält allein die Aktivität und das
+Gleichgewicht aufrecht.«
+
+»Was vorzugsweise das körperliche Wohlbefinden fördert, wird auch
+das seelische fördern. Vereinigt in der Zivilisation das Interesse
+Freunde, so vereinigt es im sozietären Zustand sogar die Feinde, es
+söhnt die antipathischen Charaktere durch indirekte Kooperation
+aus, und zwar, weil in einer großen Reihe von Serien und Gruppen,
+in die jeder Einzelne nach der Verschiedenheit seiner Neigungen und
+Triebe nach und nach eintritt, er durch die Berührung findet, daß
+Diejenigen, die ihm auf dem einen Gebiet antipathisch waren, ihm
+auf anderen sympathisch sind. Auch wird das Nebeneinanderarbeiten
+nach demselben Ziel unwiderstehlich seine aussöhnende Wirkung
+üben.«
+
+»Die seelischen Triebe verlangen so gut wie die sensuellen Abwechslung,
+um befriedigt zu werden; es sind also auch die Herzen der großen
+Mehrheit der beiden Geschlechter dem Bedürfniß nach Veränderung und
+Abwechslung unterworfen. Der Mann wie die Frau wünschte sich ein
+Serail, wenn Abhängigkeit, Sitte und Gesetz sich dem nicht
+widersetzten. Die ernsten Holländer, die in Amsterdam so hoch
+moralisch scheinen, haben in Batavia ihre Serails, gefüllt mit
+Frauen aller Hautfarben. Da haben wir das Geheimniß unserer Moral;
+sie wird zur Heuchlerin, wenn die Umstände es gebieten, und sie
+wirft die Maske ab, wenn sie dies ungestraft thun kann.«
+
+»Pflanzen und Thiere haben das Bedürfniß nach Wechsel und Kreuzung.
+Mangels eines solchen Wechsels arten sie aus. Ebenso hat der Magen
+das Bedürfniß nach Wechsel; entsprechende Veränderung in den
+Speisen erleichtert die Verdauung und erhöht das Behagen und die
+Befriedigung; aber man gebe dem Magen dieselbe ausgesuchteste
+Speise täglich und er wird sie mit Widerwillen zurückweisen. Geist
+und Seele sind von dem Trieb nach Veränderung beherrscht; oft
+wirken zwei und drei Triebe gleichzeitig; so Liebe und Ehrgeiz.«
+
+»Die Erde selbst hat ihre internirenden Zeiten, die der Besaamung,
+der Erzeugung. Der Boden bedarf alternirender Anwendung der
+Pflanzen; die ganze Natur verlangt nach Wechsel. In der ganzen Welt
+existiren nur die Moralisten und die Chinesen, welche die
+Einförmigkeit, die Uniformität verlangen; aber die Chinesen sind
+auch die falschesten, der Natur am meisten widerstrebenden Wesen.«
+
+Fourier, der, wie wiederholt hervorgehoben wurde, Alles haßte, was
+mit dem Handel zu thun hatte, haßte die Chinesen besonders, weil
+sie, nach dem Vorurtheil seiner Zeit, die größten Diebe und
+Betrüger im Handel seien. Wir wissen heute, daß dies eine falsche
+Ansicht ist, obgleich die Vorurtheile gegen die Chinesen noch sehr
+stark in Europa sind. Ebenso wie die Chinesen waren Fourier als
+hauptsächlich handeltreibendes Volk die Juden verhaßt, die er
+unmittelbar den Chinesen in der Rangordnung folgen ließ. Er war
+sehr unglücklich, als man in Frankreich den Juden die vollen
+bürgerlichen Rechte einräumte, was ihn freilich nicht abhielt, wie
+wir sahen, Herrn von Rothschild unter die Kandidaten für seine
+Versuchsphalanx zu reihen und ihm ein Königreich Jerusalem in
+Aussicht zu stellen.
+
+»Die Moral«, führt Fourier weiter aus, »welche die drei Triebe:
+Kabalist, Papillone, Komposit, am heftigsten kritisirt, ist selbst
+im stärksten Widerspruch mit der Natur. Diese drei Triebe spielen
+eine große Rolle im sozialen Mechanismus, wie die Natur es will;
+sie haben die Herrschaft, denn sie dirigiren die Serien der Triebe;
+jede Serie ist in ihrem Mechanismus gefälscht, wenn sie nicht den
+kombinirten Schwung dieser drei Triebe begünstigt; sie bilden die
+neutrale Gattung in der Tonleiter der zwölf Triebe.«
+
+»Aktiver Gattung sind die vier Triebe der Seele: Freundschaft,
+Ehrgeiz, Liebe, Elternschaft; passiver Gattung die fünf sensuellen
+Triebe: Gehör, Geruch, Geschmack, Gesicht, Gefühl. Die neutrale
+Gattung -- die mechanisirenden Triebe -- macht sich besonders
+bemerklich bei den Kindern, denen die zwei affektiven Triebe --
+Geschlechtsliebe und Elternschaft -- noch fehlen; sie überlassen
+sich den mechanisirenden Trieben in ihren Spielen am meisten,
+welche sie sehr selten über zwei Stunden ausüben, ohne zu wechseln.
+
+Diese Disposition wird man für sie bei der Organisation ihrer
+Erziehung und Beschäftigung besonders in Anwendung bringen.«
+
+»Die Anziehung kann dreierlei Art sein: direkt oder
+übereinstimmend; indirekt oder gemischt; verkehrt oder abweichend,
+d.h. gefälscht. Direkt ist sie, wenn sie aus Freude an dem
+Gegenstand selbst die Thätigkeit ausübt. So haben Archimedes in der
+Geometrie, Linné in der Botanik, Lavoisier in der Chemie nicht des
+Gewinnes wegen, sondern aus heißer Liebe zur Wissenschaft
+gearbeitet. So kann ein Fürst aus Liebe an dem Gegenstand Orangen-
+oder Nelkenzucht treiben, oder wie Ludwig XVI. die Schlosserei;
+kann eine Fürstin Zeisige oder Fasanen pflegen. Hier herrscht
+direkte Anziehung zur bestimmten Beschäftigung, und so werden in
+der sozietären Gesellschaft sieben Achtel der Arbeiten beschaffen
+sein.«
+
+»Die indirekte Anziehung ist vorhanden, wenn Jemand eine Thätigkeit
+mehr des Gewinnes wegen, oder der Resultate seiner Arbeit als des
+Gegenstandes selbst wegen ausübt. Zum Beispiel ein Naturforscher,
+der widerliche Reptile oder Giftpflanzen unterhält. Er liebt weder
+das Eine, noch das Andere an sich, aber er überwindet seinen
+Widerwillen durch den Eifer, den die in Aussicht stehenden
+wissenschaftlichen Resultate in ihm erwecken. Solche indirekte
+Anziehung wird sozietäre Funktionen erregen, die einer besonderen
+Anziehung beraubt sind, aber größeren Gewinn oder größere
+Anerkennung finden. Dieser Art Arbeiten wird es ein Achtel geben.«
+
+»Die verkehrte oder gefälschte Anziehung herrscht dort, wo die
+Arbeit den Trieben Verstimmung erzeugt. Das ist der Fall, wo der
+Arbeiter nur dem Zwang gehorcht, wo seine Arbeitskraft gekauft ist,
+wo moralische Erwägungen ihn treiben, aber weder Freudigkeit für,
+noch Geschmack an der Thätigkeit vorhanden ist. Diese Nichtattraktion
+kann in der Phalanx nicht existiren, sie herrscht aber in sieben
+Achteln der Arbeiten der Zivilisation vor. Diese Zivilisirten
+hassen ihre Thätigkeit, sie üben sie entweder aus Hunger oder
+Langeweile, sie erscheint ihnen eine Strafe, zu der sie trägen
+Schrittes, mit trübsinnigem, niedergedrücktem Aussehen gehen.«
+
+»Der Gewinnanreiz, der bei den für Lohn oder Gehalt Arbeitenden nur
+eine divergirende Anziehung ausübt, kann in der Assoziation oft ein
+edles Hülfsmittel sein. Zum Beispiel es handele sich um eine
+Erfindung wie die, die Rauchverbrennung herbeizuführen. Hier
+handelt es sich um Gewinn und Ruhm. Wer das Mittel entdeckt,
+empfängt von der Phalanx fünf Franken, da aber eine Million
+Phalanxen auf dem Erdboden bei dieser Erfindung interessirt sind,
+so erhält er fünf Millionen Franken und empfängt außerdem als
+Erfinder das Diplom als einer der Magnaten des Erdballs, wodurch er
+auf der ganzen Erde die diesem Rang zugebilligten Ehrenbezeugungen
+empfängt.«
+
+»Durch diese Form der Belohnung für allgemein nützlich oder
+angenehm erkannte Leistungen wird selbst in den kleinsten Dingen der
+Gewinn enorm sein. Wird für eine Ode oder Symphonie eine Belohnung
+von zwei Sous gewährt und erklären sich bei der Abstimmung 500.000
+Phalanxen für dieselbe, so werden dem Dichter oder Komponisten
+50.000 Franken ausgezahlt. Er empfängt zu diesem Zweck die
+entsprechende Anzeige von dem Weltkongreß, und wird diese Summe ihm
+in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, ausgehändigt. So wird
+Jeder für außergewöhnliche Leistungen in demselben Verhältniß
+Belohnungen und Ehren empfangen, als diese Anerkennung finden. Denn
+nur diejenigen Phalanxen steuern, die sich zu Gunsten einer
+Leistung aussprachen, sie also für würdig erachteten und werthvoll
+fanden.«
+
+»Die indirekte Anziehung wird man in der Zivilisation selten
+finden, sie kann nur durch einen mächtigen Anstoß angeregt werden.
+Ein Beispiel. Im Jahre 1810 gerieth bei Lüttich eine Kohlenmine in
+Brand und wurden achtzig Arbeiter, ohne Nahrungsmittel zu haben,
+darin eingeschlossen. Um sie zu befreien, mußte in wenig Tagen ein
+bedeutender Durchstich fertiggestellt werden. Alle Kameraden der
+Eingeschlossenen gingen mit Feuereifer an die Arbeit, Jeder setzte
+eine Ehre darein, das Höchste zu leisten, und nach vier Tagen war
+eine Arbeit vollbracht, zu der man sonst mindestens zwanzig
+gebraucht hätte. Es war nicht der Geldgewinn, der sie trieb, denn
+die Arbeiter wiesen jede Belohnung als eine Beleidigung zurück, es
+war der Drang, ihre Genossen um jeden Preis zu retten. So kann also
+die widerlichste unangenehmste Arbeit indirekt anziehend werden,
+wenn edle Impulse ihr zu Hülfe kommen.«
+
+Fourier erläutert nun weiter die innere Organisation und Verwaltung
+der Phalanx. »In der Zivilisation kennt man keine andere
+Rangordnung, als die nach Stand und Vermögen; die sozietäre Ordnung
+dagegen wendet eine uns heute gänzlich unbekannte Klassifikation
+an, diejenige der Charaktere nach dem Lebensalter und nach
+Temperamenten. Die verschiedenen Alter vom dritten Lebensjahre an
+bis zum Greisenalter theilen sich in sechzehn Stämme (»tribus«)
+und, den beiden Geschlechtern entsprechend, in zweiunddreißig
+Chöre.« Die Kinder vom frühesten Lebensalter -- bis zu einem Jahre
+Säuglinge, bis zum zweiten Poupons und bis zum dritten Lutins
+genannt -- zählen als unentwickelt noch nicht mit. Jeder der
+sechzehn Stämme hat seine besondere Bezeichnung. Stamm Nr. 1,
+3-4½ Jahre zählend, umfaßt die Bambins; Nr. 2, 4½-6½
+Jahre, die Cherubins; Nr. 3, 6½-9 Jahre, die Seraphins; Nr. 4,
+9-12 Jahre, die Lyzeisten; Nr. 5, 12-15½ Jahre, die Gymnasiasten;
+Nr. 6, 15½-20 Jahre, die Jugendlichen. Die weiter folgenden
+Stämme sind nicht streng nach den Lebensaltern geregelt; die drei
+letzten, aus den höchsten Lebensaltern gebildet, heißen: die
+Ehrwürdigen, die Verehrten, die Patriarchen. Abgesehen von den
+sechs ersten Stämmen, für die eine besondere Organisation und ein
+besonderes Erziehungssystem besteht, wobei beim Aufsteigen von
+einem Stamm in den andern besondere Prüfungen verlangt werden, hat
+diese Stammeseintheilung kaum einen praktischen Zweck, wenigstens
+ist er nicht zu erkennen. Nur die ältesten Stämme haben gewisse
+Ehrenposten in der Phalanx inne, sie sind aber ohne wesentlichen
+Einfluß.
+
+Die werthvollste Anwendung von dieser Stufenleiter wird bei den
+Kindern gemacht, sie soll die natürliche Erziehung erleichtern und
+den Korpsgeist erzeugen, mit Hülfe dessen sie mit Eifer zu den
+Studien und zu den Arbeiten hingezogen werden. Sobald die Kinder in
+das Reifealter übergetreten sind, besuchen sie wie die älteren
+Lebensalter täglich die Börse, wo alle Abmachungen für die Arbeiten
+und die Vergnügungen des nächsten Tages besprochen und geordnet
+werden.
+
+Die oberste Leitung der Phalanx liegt in den Händen der
+Regentschaft. Diese wird aus den Mitgliedern des Areopags gewählt,
+der sich zusammensetzt: 1. aus den Chefs aller Serien; 2. aus den
+drei ältesten Stämmen: den Ehrwürdigen, Verehrten und Patriarchen;
+3. aus den Aktionären und 4. aus den Magnaten und Magnatinnen der
+Phalanx. Der Areopag hat wenig zu thun, da sich Alles durch
+Anziehung und den Korpsgeist der Stämme, Chöre und Serien regelt;
+er giebt nur über wichtige Geschäfte, wie die beste Erntezeit, die
+Weinlese, Neubauten etc., seine Meinung kund, doch ist diese
+Meinung nicht verpflichtend. »Weder sind der Areopag noch die
+Regentschaft mit lächerlichen Verantwortlichkeiten belastet, wie
+z.B. ein Finanzminister in der Zivilisation.« Das Rechnungswesen
+ist Sache einer besonderen Serie, welche die Bücher führt, die
+jedes Mitglied der Phalanx einsehen kann. Ueberdies ist das
+Rechnungswesen so einfach wie möglich. Tägliche Zahlungen giebt es
+nicht, jedes Mitglied hat, entsprechend seinem Vermögensantheil und
+dem voraussichtlichen Arbeitsertrag, Kredit. Ebenso rechnen die
+verschiedenen Phalanxen auf Grund ihrer Bucheintragungen von Zeit
+zu Zeit miteinander ab. Die Rechnung für die Einzelnen wird am Ende
+des Jahres, wenn die Bilanz gezogen ist und die Vertheilungen
+vorgenommen werden, beglichen. Dasselbe Verfahren wird seitens der
+Phalanxen dem Fiskus gegenüber beobachtet, der vierteljährlich
+seine Steuern für die Gesammtheit der Mitglieder einer Phalanx
+pünktlich, und bei dem viel ergiebigeren Ertrag aller Arbeit auch
+in entsprechend höheren Beträgen, abgeführt erhält. Herr Fiskus
+erspart also seine gesammten Steuerbeamten, Exekutoren und die für
+diesen Zweck in Thätigkeit zu setzenden Gerichtsbeamten. Ebenso
+geben die industriellen Armeen, worunter diejenigen Abordnungen der
+Phalanxen verstanden werden, welche sich in einem mehr oder weniger
+entfernten Lande oder in einer Provinz mit Abordnungen anderer
+Phalanxen zu gemeinsamen, besonders gearteten größeren
+Arbeitsleistungen zusammenfinden, auf ihrer Reise einfache
+Schuldverschreibungen ab, die der betreffenden Phalanx präsentirt
+und von dieser berichtigt werden. Da nun solche industriellen
+Armeen ziemlich oft zusammentreten und Reisen unternehmen, ist
+jedes Phalansterium mit den entsprechenden Unterkunftsräumen für
+Menschen und Thiere versehen. Ferner haben die Kinder keinen
+Vormund mehr nöthig, das große Buch der Phalanx hat für jedes
+derselben sein Konto und verwaltet seinen Besitzstand und sein
+Einkommen. Die Kinder können sogar vom fünften Lebensjahre ab schon
+über ihr Einkommen verfügen.
+
+Fourier geht nun über zur Kostenberechnung für die Gründung einer
+Phalanx. Diese veranschlagt er auf fünfzehn Millionen Franken. Das
+Hauptgebäude, ungefähr 500 Fuß lang und 250 Fuß tief, bilden zwei
+hintereinander liegende, durch Gallerien verbundene parallel
+laufende Bauten und besteht aus Parterre, Entresol und vier Etagen.
+Das Zentrum des Gebäudes tritt nach hinten zurück, wodurch ein
+großer freier Platz zwischen den Flügeln entsteht, der als
+Paradeplatz Verwendung findet. Der Raum zwischen den beiden
+parallel laufenden Bauten ist mit Blumenparterren, Orangerien,
+Springbrunnen ausgefüllt. Der große Mitteleingang führt in eine
+mächtige Säulenhalle, von wo Gallerien und Treppen nach allen
+Theilen des Gebäudes fuhren. Im Parterre des Mittelraums befindet
+sich der große Wintergarten. Die Alten wohnen in den
+Parterreräumen, die Kinder im Entresol. In den Flügeln der ersten
+Etage logiren die reichen Phalansterianer, in der Mitte der ersten
+Etage befindet sich der Börsensaal, die Speise- und
+Vergnügungssäle. Außerdem giebt es eine Menge Räume für kleine
+Gesellschaften. Die oberste Etage bleibt für die Fremden und die
+Besucher reservirt. Küchen und Bäder befinden sich im Souterrain.
+Die Werkstätten, Waaren- und Getreidelager und Stallungen liegen
+symmetrisch geordnet dem Hauptgebäude gegenüber, getrennt durch
+eine breite mit Bäumen und Blumenbosquets bepflanzte Straße. Alle
+Passagen und Uebergänge sind gegen die Unbilden der Witterung
+geschützt und im Winter erwärmt. Hinter den beiden Flügeln des
+Hauptgebäudes liegen rechts und links die Kirche und das Theater,
+beide ebenfalls durch verdeckte Gänge mit dem Wohngebäude in
+Verbindung stehend.
+
+Die Thätigkeit der Phalanx wird sich besonders erstrecken auf die
+Vieh- und Geflügelzucht, eine Thätigkeit, die namentlich in der
+ungünstigsten Jahreszeit ausgenutzt werden kann. Garten- und
+Feldbau wird im ausgedehnteren Maßstab betrieben, und wird während
+der milden Jahreszeit die meisten Hände in Anspruch nehmen. Die
+Küchenarbeiten mit ihren umfänglichen Vorarbeiten erfordern Tag für
+Tag eine große Anzahl verschiedener Kräfte. Der Küche werden die
+Phalansterianer eine besondere Sorgfalt schenken, denn gut zu essen
+betrachten sie als eine ihrer vornehmsten Pflichten, und daher wird
+allen Thätigkeitszweigen, die mit der Küche in Verbindung stehen,
+eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Dazu gehören
+also insbesondere Gemüse und Obstzucht, Vieh- und Geflügelzucht,
+Fischzucht, Wildpflege, Konservenbereitung. Manufakturen und
+Gewerbe sollen nach Bedürfniß eingerichtet und hauptsächlich im
+Winter betrieben werden.
+
+Die Phalanx richtet ihre ganze Thätigkeit und ihr Bestreben dahin,
+daß Alles, was sie leistet, sich durch Solidität wie durch
+Schönheit und Geschmack auszeichnet, sie sucht mir einem Wort in
+Allem das Vollendete zu liefern. Dadurch wird sie im Vergleich zu
+der Zivilisation in vielen Dingen geringere Quantitäten an
+Produkten verbrauchen, z.B. an Tuchen, Kleidungsstoffen, Möbeln,
+Werkzeugen.
+
+In einer gut und voll eingerichteten Phalanx werden nach Fourier's
+Berechnung nöthig sein: für Thier- und Geflügelzucht 30 Serien; für
+Garten- und Landwirthschaft, inklusive Wiesenbau und
+Waldbewirthschaftung, 50 Serien; für die Manufakturen 20 Serien;
+für Hauswirthschaft und Erziehung 40 Serien; für Küche und Kellerei
+60 Serien; im Ganzen also 200.
+
+In der Manufaktur wird man wieder diejenigen Beschäftigungen, die
+täglich in Anspruch genommen werden, wie: Schneiderei,
+Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Sattlerei u.s.w., von denen
+unterscheiden, in denen eigentliche Massenfabrikation, wie die
+Anfertigung der Halbfabrikate, Wäschefabrikation u.s.w., betrieben
+wird. Diese Massenfabrikation läßt sich auf bestimmte Zeiten
+beschränken. Die Anwendung in den verschiedenen Thätigkeiten bleibt
+der freien Wahl der Geschlechter überlassen, auch werden die
+rivalisirenden Serien nach den verschiedensten Methoden thätig sein
+und immer neue Methoden zu erfinden suchen. Manche Gewerbe werden
+besonderen Anklang finden, wie die Kunsttischlerei, die Parfumerie
+-- letztere hauptsächlich bei den Frauen --, die Konditorei. Die
+Geschlechter werden sich dabei die ihrer Natur besonders zusagenden
+Thätigkeiten ganz von selbst auswählen. So wird in der Konditorei
+das Anmachen des Teigs hauptsächlich Männerarbeit sein, die Frauen
+werden sich mit der Herrichtung der Früchte und Materialien
+beschäftigen, die Kinder werden bei dem Formen, dem Auslesen und
+Einlegen in Anspruch genommen sein. Auch wird, weil alle Einrichtungen
+auf das Beste und Zweckmäßigste getroffen sind, die peinlichste
+Reinlichkeit in den Werkstätten und Arbeitsräumen aufrecht erhalten
+werden können. Ist Butter- und Käsefabrikation vorzugsweise Frauen-
+und Kinderbeschäftigung, so die Fleischerei Männerarbeit. Fourier
+führt dies Alles sehr im Detail aus, um zu zeigen, wie alle
+Geschlechter in zweckmäßiger Weise ihrem Charakter und ihren
+Anlagen entsprechend ihre Beschäftigungen zu finden vermöchten. Der
+ganze Mechanismus der industriellen Anziehung würde umgestürzt und
+die Phalanx unmöglich werden, wenn man in der Assoziation, sowie
+heute in der Zivilisation, keine Rücksicht auf die verschiedenen
+Triebe nehmen und die Arbeitssitzungen über das zulässige Maß
+ausdehnen wollte.
+
+Die Fabriken werden aus den Städten allmälig auf das Land verlegt,
+damit der Arbeiter die volle Abwechslung der Beschäftigung, wie die
+Vortheile und Annehmlichkeiten des Landlebens und der ländlichen
+Beschäftigung genießen kann.
+
+ * * * * *
+
+»Für den neuen sozietären Zustand ist die Erziehung von der größten
+Wichtigkeit; sie hat zum Zweck, alle körperlichen und geistigen
+Fähigkeiten zur vollen Entwicklung zu bringen, und soll überall,
+selbst in den Vergnügungen, produktiv angewendet werden. Unsere
+heutige Erziehung wirkt entgegengesetzt; sie unterdrückt und
+verschlechtert die Fähigkeiten des Kindes; sie leitet die Jugend im
+Widerspruch mit der Natur, denn der erste Zweck der Natur oder der
+Anziehung ist der Luxus -- körperliche Kraft und Verfeinerung der
+Sinne. Der Luxus erzeugt bei dem Kinde eine lebhafte Anziehung für
+produktive Thätigkeit, die ihm heute verhaßt ist. Seine Entwicklung
+ist also eine falsche, die heutige Erziehung schwächt seine
+Gesundheit. Man nehme hundert Kinder, ganz nach Zufall, aus der
+reichen Klasse, die gute Pflege und gute Nahrung haben, und man
+wird finden, daß sie weniger kräftig sind, als hundert halbnackte
+Dorfkinder, die mit Schwarzbrot genährt werden und wenig Pflege
+haben. Aber der treffendste Beweis für unser falsches
+Erziehungssystem ist, daß es die Anlagen des Kindes nicht zur
+Entfaltung bringt, sondern dies dem Zufall überläßt. Abgesehen von
+den verschiedenen Systemen der Erziehung, man zerstört die Anlagen,
+sei es in der Häuslichkeit, sei es in der Welt, durch ein Dutzend
+ganz entgegengesetzter Methoden, die dem Kinde ganz widersprechende
+Impulse geben, seine erste Erziehung durch eine ganz neue
+absorbiren. Das geschieht durch das, was man den Geist der Welt
+nennt. Ist ein junger Mann sechzehn Jahre alt geworden und tritt in
+die Welt ein, so lehren ihn Väter, Verwandte, Nachbaren, Diener,
+Kameraden, sich über die Lehren, die ihn im jüngeren Alter
+einschüchterten, lustig zu machen, sich mit den Sitten der galanten
+Welt in Einklang zu setzen; sie rathen ihm, über die Lehren der
+Moral, die den Vergnügungen feind sind, zu lachen und sich darüber
+hinwegzusetzen, um später von den Liebeleien, nachdem er sie
+genügend genossen, zu den Geschäften des Ehrgeizes überzugehen.
+Welch eine Absurdität unserer Erzieher, dem Kinde ein System von
+Ansichten einzutrichtern, die jetzt bei ihm über den Haufen zu
+werfen alle Welt sich bemüht! Man wird keinen jungen Mann von
+zwanzig Jahren treffen, der, eine glückliche Gelegenheit zum
+Ehebruch findend, das Beispiel des keuschen Joseph nachahmt, »der
+Moral und den gesunden Doktrinen« folgt. Fände man ihn, er würde
+dem Publikum und den Moralisten selbst ein Räthsel sein. Ebenso
+würde sich die ältere Welt über einen Finanzmann moquiren, der,
+obgleich er es ungestraft thun kann, sich mit fremdem Eigenthum die
+Taschen nicht füllte: er würde als ein Dummkopf, ein Visionär
+betrachtet, der nicht weiß, »daß, wenn man an der Krippe sitzt,
+auch essen soll«. In welch falscher Stellung befinden sich da nicht
+unsere Erziehungsdoktrinen.«
+
+»Der große Zweck und die Aufgabe der Erziehung muß sein, Charaktere
+wie die von Nero, Tiberius, Ludwig XI. ebenso nützlich für die
+Gesellschaft zu machen, wie diejenigen eines Titus, Marc Aurelius,
+Heinrich IV.[17] Um diesen Zweck zu erreichen, muß von der Wiege an
+das Naturell des Kindes sich frei entwickeln, während wir bemüht
+sind, von der Wiege an dieses Naturell zu ersticken und zu
+verkünsteln. In der Zivilisation denkt man bei dem niedrigsten
+Lebensalter nur an die rein physische Sorge, wohingegen der
+sozietäre Zustand schon vom Alter von sechs Monaten ab sehr wirksam
+auf die intellektuelle wie materiellen Fähigkeiten des Kindes
+achtet.«
+
+[Fußnote 17: Der Letztere dürfte wohl kein passend gewähltes
+Muster sein, indeß man muß stets beachten, _wann_ das Gesagte
+geschrieben wurde. Die historische Forschung stak damals noch in
+den Kinderschuhen, Fourier folgte hier dem allgemeinen Vorurtheil,
+das zu Gunsten Heinrich's IV. sprach. Der Verf.]
+
+»Zunächst sei festgestellt, daß in der Assoziation die Pflege und
+Unterhaltung der extremen Alter, der Kinder bis zu drei Jahren und
+der Patriarchen, als Liebeswerk der Gesammtheit angesehen wird.
+(Man halte fest, daß nach Fourier vom dritten Jahre ab die Kinder
+in der Phalanx sich schon so nützlich erweisen, daß sie ihre
+Erziehungs- und Unterhaltungskosten voll decken.) Das Prinzip in
+der Erziehung ist dasselbe wie in allen andern Funktionen der
+Assoziation. Man bildet Serien für die Funktionäre, wie für die
+Funktionen.«
+
+»Die Bonnen bilden Serien, und ebenso werden die Kinder nach den
+Charaktereigenschaften und Temperamenten, die sie alsbald nach
+ihrer Geburt offenbaren, in Serien geordnet und in die bezüglichen
+Säle vertheilt. Da bildet sich eine Serie der Friedlichen, der
+Widerspenstigen, der Verwüster oder Teufelchen. Die Bonnen, die Tag
+und Nacht ihre Posten versehen, wechseln ihren Dienst wie in allen
+übrigen Beschäftigungen alle ein und einhalb bis zwei Stunden. Die
+Bonnen werden von Unterbonnen -- jungen Mädchen, die für die Pflege
+der Kleinen Neigung haben -- unterstützt. Die Mütter können -- wie
+schon erwähnt -- ebenfalls als Bonnen eintreten, anderen Falles
+finden sie sich zu den Stunden ein, wo sie dem Kinde die
+Mutterbrust geben oder sich nach seinem Befinden erkundigen wollen.
+Die Mutter ist also nicht, wie die meisten Mütter in der
+Zivilisation -- namentlich wenn sie unbemittelt sind und keine
+Pflegerin halten können --, Tag und Nacht an das Kind gefesselt.
+
+Die Bonnen wählen sich die Säle, in denen sie ihre Pflichten
+versehen wollen; Jede ist bemüht, für ihr Verhalten und die Pflege,
+die sie den Kindern zu Theil werden läßt, den Beifall und den Dank
+der Mütter zu erwerben. Auch ist Tag und Nacht ärztlicher Beistand
+vorhanden, sobald er gebraucht wird. Die Aerzte nehmen in der
+Phalanx eine ganz andere Stellung ein, als in der Zivilisation; sie
+erhalten ihre Belohnung nicht nach der Zahl der Kranken, _sondern
+nach der Zahl der Gesunden_; sie sind also dabei interessirt, daß
+die Phalansterianer möglichst gesund bleiben, wohingegen heute sich
+die Aerzte recht viel Kranke, namentlich reiche Kranke wünschen.
+
+Um den Zweck guter Pflege und Gesundheit zu erreichen, sind alle
+Einrichtungen für die Kleinen auf das denkbar Beste und
+Zweckmäßigste getroffen. Die Kleinen befinden sich in einer Lage,
+wie sie in der heutigen Ordnung kaum die Reichsten ihren Kindern zu
+schaffen vermögen, bei denen die Bonnen Tag und Nacht
+ununterbrochen in Anspruch genommen sind und ermüden. Sobald das
+Kind sechs Monate alt ist, ist man bemüht, seine Sinne zu wecken.
+Was es hört und sieht, ist darauf berechnet, seine Sinne zu
+raffiniren: es hört nur guten Gesang und gute Musik, es sieht nur
+die schönsten Bilder, die elegantesten Spielsachen, es empfängt
+später die passende Unterweisung und freundliche Belehrung. In
+Folge dieser Erziehung wird das Kind in der Assoziation mit drei
+Jahren intelligenter und geschickter sein, als es bei uns mit sechs
+Jahren ist. In der Zivilisation trägt Alles dazu bei, Geist und
+Sinne des Kindes zu fälschen, wenn sie nicht gar unterdrückt
+werden. Eltern, Dienstboten, Verwandte verderben durch ihr
+widersprechendes Verhalten und häufigen Unverstand den Charakter
+des Kindes und hindern die Erziehung.«
+
+»In der Phalanx ist man bemüht, die Triebe, sobald sie sich zeigen,
+in geeigneter Weise zu befriedigen und die Anlagen des Kindes
+dadurch zu wecken. Die Bonnen führen das Kind in die
+Spielwerkstätten und Küchen, wo es Alles sieht und durch das
+Beispiel der älteren Kinder der Nachahmungstrieb bei ihm geweckt
+wird. Es wird sich alsdann zeigen, daß der Trieb des Kindes, Alles
+zu sehen, Alles zu untersuchen, Alles anzuwenden; die Liebhaberei
+für lärmende Beschäftigung; die Sucht, Alles nachzuahmen und selbst
+zu hantiren, und namentlich die Neigung, sich den _Aelteren,
+Stärkeren und Geschickteren anzuschließen und diese als seine
+Lehrer zu betrachten, in ungeahnter Weise seine Entwicklung
+fördert_. Diese letztere Eigenschaft ist die wesentlichste, weil
+sie am besten alle Anlagen im Kinde weckt. Hierzu kommt der Eifer,
+es Seinesgleichen zuvor zu thun.«
+
+»Es giebt eine ganze Reihe von Mitteln, die das Kind anreizen und
+anziehen und seine Anlagen zum Aufbruch bringen. Dahin gehören also
+vorzugsweise: Die Freude an kleinen Werkzeugen, den verschiedenen
+Altern angepaßt; der Reiz zum Schmuck: Uniformen, Waffen, Fahnen,
+die nach Graden gegeben werden; Paraden der kleinen Geschmückten;
+passende Tischgenossenschaften, wobei der Geschmack geweckt wird;
+Stolz des Kindes, wenn es glaubt, etwas von größerem Werth
+geleistet zu haben, ein Glaube, in dem man es bestärkt; der
+Nachahmungstrieb, der veranlaßt wird, wenn es von älteren Kindern
+für seine Leistungen Lob empfängt; volle Freiheit in der Wahl
+seiner Beschäftigung, es muß jeden Augenblick eine solche
+unterbrechen und zu einer andern übergehen können; der Korpsgeist,
+der sich bei Kindern leicht entwickelt; die Rivalitäten zwischen
+den einzelnen Chören, Gruppen, Serien.«
+
+Fourier führt vierundzwanzig solcher Anreize auf, wir begnügen uns
+mit den aufgezählten neun. Den Kindern wird ferner mit der größten
+Wahrheitsliebe begegnet, Niemand schmeichelt ihnen. Ihre natürlichen
+Lehrer sind die älteren und erfahreneren Kinder, denen sie mit
+großer Anhänglichkeit folgen; jedes wird streben, über seine
+Altersklasse hinauszukommen. Ein Verweis, den es von einem älteren
+Kinde bekommt, das es als Beispiel sich vorgenommen, wird ihm die
+härteste Strafe sein, ein Lob der höchste Lohn. Will das Kind in
+eine höhere Erziehungsstufe aufrücken, so hat es eine Prüfung
+seiner Fertigkeiten abzulegen; je nach dem Ausfall derselben
+bekommt es eine Ehrenerweisung oder einen Grad. Bis zum neunten
+Lebensjahre ist die Erziehung physisch und materiell, dann beginnt
+auch die intellektuelle. Der Körper muß erst die nöthige Festigkeit
+erlangt haben, ehe die geistige Thätigkeit mit gutem Erfolg beginnen
+kann. Trieb und Anlagen der beiden Geschlechter werden später in
+Folge der verschiedenen Natur ganz von selbst differiren. Man darf
+annehmen, daß für die Wissenschaften zwei Drittel Männer und ein
+Drittel Frauen, für die Künste ein Drittel Männer und zwei Drittel
+Frauen neigen. Zwei Drittel der Männer werden mehr Neigung für die
+große Kultur und ein Drittel mehr für die kleine haben, bei den
+Frauen umgekehrt. Aehnlich werden sich die Ausgleichungen auf allen
+Gebieten finden.
+
+»In dem Alter, wo bei uns die Erziehung erst beginnt, mit fünf
+Jahren, sind bei dem Kind der Assoziation bereits alle Anlagen zum
+Aufbruch gekommen. Bis zum 20. Jahre wird kein Zweig der
+Agrikultur, der Industrie, der Gewerbe, der Künste und
+Wissenschaften ihm fremd sein; seine körperliche und geistige
+Erziehung ist dann eine harmonische. Der Unterschied des
+Erziehungssystems in der Zivilisation und der Assoziation ist: Dort
+wird die Erziehung auf der kleinsten häuslichen Verbindung, der
+Familie, begründet, in der Assoziation auf drei großen Gruppen:
+Chöre, Serien von Gruppen und die Serien der Phalanx. Dort überall
+Störungen, Mangel an Mitteln, Unfreiheit, Unterdrückung,
+Einseitigkeit, hier volle Freiheit, Ueberfluß der Mittel,
+Vielseitigkeit. Dort Klassen- und Standesunterschied, hier
+Gleichberechtigung für Alle, kein anderer Unterschied als der,
+welchen die natürlichen Anlagen und Fähigkeiten ergeben.«
+
+»In der Harmonie nehmen die Kinder lebhaften Antheil an den
+Rivalitäten der einzelnen Kantone, die selbst wieder als
+Erziehungsmittel benutzt werden. Zum Beispiel: In der Phalanx von
+Meudon kultivirt eine Gruppe Kinder Aurikeln und ist pikirt, daß
+die bezügliche Gruppe in der Phalanx von Marly bei dem Wettbewerb
+den Preis davon trug. Die Kinder wollen also die Ursache ihres
+Mißerfolgs kennen lernen, der vielleicht in der Verschiedenheit des
+Bodens zu suchen ist. Der Reverend, welcher die bezügliche Gruppe
+leitet, giebt ihnen darauf Unterweisung über die Verschiedenheit
+der Bodenarten, und dieses Studium, in den andern Gruppen
+wiederholt, bringt ihnen allmälig die Elementarkenntnisse über
+einen Zweig des Mineralreichs bei. Diese Belehrungen werden der
+Köder, daß die Kinder in der Schule nach bezüglichen Lehrbüchern
+verlangen, und so bilden sie sich weiter.«
+
+»Diese Verbindung der verschiedenen Hebel und Anreize existirt in
+der Zivilisation nicht, und dann ist man erstaunt, daß das Kind
+sich weder zur Landkultur, noch zu den exakten Wissenschaften
+hingezogen fühlt, wohingegen die Rivalitäten in der Serie in ihm
+schon sehr frühzeitig das Bedürfniß nach Wissen und Unterweisung
+wecken, ohne daß man ihm merkbar die Anregung dazu beibringt. Bei
+den Kindern in der Zivilisation finden wir überall den
+Zerstörungstrieb und den Hang zum Müßiggang, in der Harmonie
+überall Antrieb zu nützlicher Beschäftigung und zu Studien. Das ist
+der Unterschied zwischen den beiden Gesellschaftsformen. Die
+Zivilisation, die kleine Vandalen züchtet, darf sich nicht wundern,
+wenn sie später so viele erwachsene Vandalen besitzt.«
+
+Nach Fourier sollen aber die Kinder auch in höherem Grade für die
+Allgemeinheit sich nützlich machen. Wie in der Assoziation das
+Vergnügen selbst materiellen Nutzen schafft, so auch die Erziehung.
+Wie schon bemerkt, umfassen die beiden ersten Stämme: die Cherubins
+und Seraphins, das Alter von 4½-9 Jahren, und die dritte Phase
+der Kindheit umfaßt die Stämme der Lyzeisten und Gymnasiasten im
+Alter von 9-15½ Jahren; Lebensalter, in denen die Betheiligten
+der Assoziation wichtige Dienste leisten können, immer, indem sie
+sich vergnügen. Bei den Kindern treten gewisse
+Charaktereigenschaften auf, die für die Gesammtheit nützlich
+verwandt werden können. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die
+Knaben durchschnittlich zur Unsauberkeit neigen, dagegen die
+Mädchen für den Putz eingenommen sind. Nun giebt es in der
+Assoziation Beschäftigungen, die unangenehm sind, für diese sind
+die Charaktereigenschaften der Kinder nützlich zu verwerthen.
+Fourier rechnet, daß unter den Knaben zwei Drittel und unter den
+Mädchen ein Drittel zu unsauberen Beschäftigungen eine gewisse
+Neigung haben. Diese nennt er die »kleinen Horden«. Umgekehrt sind
+zwei Drittel der Mädchen und ein Drittel der Knaben für den Putz
+und die Reinlichkeit eingenommen, diese nennt er die »kleinen
+Banden«. Die kleinen Horden und die kleinen Banden setzen sich aus
+den 4 Stämmen im Alter von 4½-15½ Jahren zusammen. »Die
+kleinen Horden streben zum Schönen auf dem Weg des Guten, die
+kleinen Banden streben zum Guten auf dem Wege des Schönen.«
+
+»Die kleinen Horden, die von lebhaftem Ehrgefühl und mit
+Unermüdlichkeit erfüllt sind, vollziehen jede unangenehme Arbeit,
+für welche sich sonst kaum Jemand findet. Sie sind überall, wo der
+Einheitlichkeit der Phalanx durch Unordnung Gefahr droht; sie
+stehen stets in der Bresche.« (Fourier will hiermit sagen, daß,
+ohne die Hingabe der kleinen Horden an die unangenehmen Arbeiten,
+die Phalanx zum Zwang würde greifen müssen, wodurch der auf voller
+Freiwilligkeit und Anziehung beruhende Mechanismus der Phalanx
+tödtlichen Schaden erlitte. In der Phalanx darf kein Schatten von
+Zwang vorhanden sein, wenn sie ihren idealen Zweck erreichen soll.)
+
+Die kleinen Horden theilen sich in drei Klassen; die erste
+beseitigt den Unrath, reinigt Straßen und Rinnen, schafft die
+Küchen- und Fleischereiabfälle fort; die zweite vollzieht die
+gefährlichen Arbeiten, sie verfolgt die Reptilien, tödtet die
+kleinen Raubthiere, sie muß stets am Platze sein, wo große
+Gewandtheit erfordert wird: Klettern, Springen. Die dritte Klasse
+bildet gewissermaßen die Reserve, sie hilft, wo sie gebraucht wird.
+Die kleinen Horden haben ferner das Raupen, Unkrautjäten und die
+Vertilgung der Giftschlangen zu besorgen; sie halten Straßen und
+Wege in Ordnung und legen großen Werth darauf, von Fremden für ihre
+Ordnungsliebe belobt zu werden. Um überall rasch bei der Hand zu
+sein, reiten sie auf Zwergpferden.
+
+Obgleich die Arbeit der kleinen Horden wegen Mangel an direkter
+Anziehung die schwierigste ist, werden sie von allen Serien
+materiell doch am niedrigsten gelohnt; sie nehmen aber auch kein
+Geschenk an, selbst wenn es in der Assoziation für anständig gelte,
+ein solches anzunehmen; sie setzen ihren Stolz darein, aus Hingabe
+für die Assoziation, die für ihren Bestand so nützlichen und
+notwendigen Arbeiten zu verrichten. Für ihre freiwillige Hingebung
+tragen sie den Titel »Verbindung für Verbesserungen«.
+
+»Die kleinen Horden sind also in Wahrheit der Ausbund aller
+bürgerlichen Tugenden; sie üben zur Ehre der Gesellschaft die
+Selbstverleugnung, die das Christenthum empfiehlt, und verachten
+die Reichthümer, wie die Philosophen empfehlen; sie verwirklichen
+alle erträumten Tugenden der Zivilisation. Bewahrer der sozialen
+Ehre, zertreten sie nicht nur bildlich, sondern physisch und
+thatsächlich der Schlange den Kopf, befreien sie die Gesellschaft
+von dem schlimmen Gift der Viper; sie ersticken den Stolz und
+verhüten das Aufkommen des Kastengeistes.«
+
+Für alles das Gute, das sie der Gesellschaft leisten, werden sie
+hoch geehrt. Bei allen Paraden und Festlichkeiten marschiren sie an
+der Spitze. Handelt es sich um besonders schwierige und rasch zu
+erledigende Arbeiten -- z.B. daß ein Gewitter Straßen und Wege
+verletzt, Bäume und Sträucher schwer beschädigte, oder daß eine
+Ueberschwemmung eingetreten ist --, so versammeln sich die kleinen
+Horden von vier oder fünf Nachbarphalanxen zu gemeinsamer Handlung;
+sie treffen Morgens gegen fünf Uhr zusammen, und nachdem sie einer
+religiösen Hymne beigewohnt, brechen sie mit voller Begeisterung
+unter einem wahren Höllenlärm auf. Die Sturmglocke und alle übrigen
+Glocken werden geläutet, Trompeten schmettern, Trommeln wirbeln,
+die Hunde heulen, das Vieh brüllt. So geht es im Sturm an die
+Arbeit. Gegen acht Uhr kehren sie, noch erregt von ihren Thaten,
+zurück und machen Toilette. Darauf giebt es gemeinsames Frühstück.
+Nach demselben erhält jede der kleinen Horden zur Belohnung einen
+Eichenkranz, den sie an ihre Fahne heftet, darauf steigen sie zu
+Pferde und kehren unter Musikbegleitung zu ihren Phalanxen zurück.
+
+»Um von unsern Kindern Wunder von Tugenden zu erhalten, muß man
+nach Ansicht der Zivilisirten zu übernatürlichen Mitteln greifen,
+wie es in unsern Klöstern geschieht, wo durch ein sehr strenges
+Noviziat die Neophyten zur Selbstverleugnung erzogen werden. Die
+sozietäre Ordnung kommt auf einem ganz entgegengesetzten Wege zum
+Ziel, indem sie die kleinen Horden durch den Anreiz des Vergnügens
+sich dienstbar macht. Analysiren wir die Hülfsmittel für diese
+Tugenden. Es sind vier, die alle vier unsere Moral verwirft:
+Geschmack an Unreinlichkeit, Stolz, Unverschämtheit, Ungehorsam.«
+
+»Indem die kleinen Horden sich diesen angeblichen Lastern
+überlassen, erheben sie sich zu allen Tugenden. Sehen wir zu: Die
+Theorie der Anziehung erfordert, daß alle Triebe, die Gott dem
+Menschen gab, sich nützlich machen können, _ohne, daß man die
+Triebe selbst ändert_. So sehen wir, daß bei den jüngsten Kindern
+die Neugier und die Unbeständigkeit sich nützlich erwies, weil sie
+das Kind zu einer Menge von Gruppen hinzogen, wodurch seine Anlagen
+sich offenbarten. Der Trieb, die Ungezogenheiten Aelterer
+nachzuahmen, wird, wie wir sahen, in der Assoziation Impuls zur
+Anziehung zu nützlichen Arbeiten. Ebenso der Ungehorsam gegen
+Eltern und Erzieher, die nicht erziehen können. Die Erziehung muß
+durch kabalistische Rivalitäten der Gruppen herbeigeführt werden.
+So werden alle Impulse bei kleinen wie großen Kindern in der
+Harmonie gut, vorausgesetzt, daß man sie durch Serien der Triebe
+zur Uebung bringen kann. Man wird nicht vom ersten Tage an die
+kleinen Horden an die widerwärtigen Arbeiten bringen, man erregt
+zunächst ihren Stolz nach Rang. Jede Autorität, sogar der Monarch,
+schuldet ihnen den ersten Gruß; keine industrielle Armee rückt aus,
+ohne daß die kleinen Horden an der Spitze marschiren; sie haben das
+Vorrecht, bei allen Arbeiten der Einheit (das sind große Arbeiten,
+welche die Phalanxen eines oder mehrerer Reiche unternehmen, große
+Kanalbauten etc.) die erste Hand an's Werk zu legen; sie sind die
+Ueberall und Nirgends, ohne deren Mitwirkung nichts Bedeutendes
+geschieht. An ihrer Spitze stehen die kleinen Kane (Kan und Kanin),
+die selbst gewählten Offiziere; die kleinen Horden haben auch ihre
+besondere Kunstsprache und ihre kleine Artillerie. Ferner wählen
+sie aus der Zahl der Alten Druiden und Druidinnen, deren Aufgabe es
+ist, den Geschmack für die Funktionen der kleinen Horden zu
+bewahren; sie haben ferner bei allen religiösen Uebungen bestimmte
+Dienste zu versehen und erhalten dafür besondere Abzeichen.
+Frühzeitig zu Bette gehend (acht Uhr Abends), erheben sie sich um
+drei Uhr Morgens und geben die Initiative für alle Arbeiten der
+Phalanx. Es ist also eine Korporation von Kindern, die, indem sie
+sich allen Neigungen, welche die Moral der Zivilisation ihrem Alter
+verbietet, überläßt, alle Chimären der Tugend, an denen die
+Moralisten sich ergötzen, verwirklicht. Die kleinen Horden
+verachten keineswegs den Reichthum, aber heute macht nur der
+Egoismus Gebrauch davon; sie opfern sogar einen Theil ihres
+Besitzes zum Nutzen der Phalanx und erhalten so die wahre Quelle
+des Reichthums, die industrielle Anziehung, die sich auf alle
+Klassen erstreckt. Die Kinder der Reichen werden sich ebenso zu den
+kleinen Horden hingezogen fühlen, wie die Kinder der Geringen. Sie
+sind die Repräsentanten der Einheit der Phalanx, und das ist ihr
+entscheidender Charakter. Indem ferner die kleinen Horden die
+Tugend der sozialen Liebe üben, reißen sie Jedermann zur indirekten
+Ausübung von wohlthuenden Handlungen hin, ebnen sie den Weg zur
+Edelmüthigkeit, durch welche die Reichen in der Harmonie sich
+verbinden, um den Armen zu begünstigen, wogegen sie heute
+übereinkommen, ihn zu plündern.«
+
+»Es wird sich zeigen, daß alle Triumphe der Tugend der guten
+Organisation der kleinen Horden geschuldet sind; sie allein können
+im sozialen Mechanismus den Despotismus des Geldes balanziren,
+dieses elenden Metalls, elend in den Augen der Philosophen, das
+aber sehr edel wird, wenn es zur Aufrechthaltung der industriellen
+Einheit dient. In unserer Gesellschaft, wo Diejenigen, die sich auf
+den Reichthum stützen, als Leute »comme il faut« bezeichnet werden,
+da ist das Geld die Klippe. Die es besitzen, sind die Leute, »die
+nichts thun und zu nichts zu gebrauchen sind.« Leider ist der
+Beiname »comme il faut« (wie man sein muß) in unserer Gesellschaft
+nur zu berechtigt, denn in der Zivilisation gründet sich die
+Zirkulation auf die Phantasien der Müßigen, sie sind in Wahrheit
+die Leute »comme il faut« (wie man dazu sein muß), um die verkehrte
+Zirkulation und die verkehrte Konsumtion aufrechtzuerhalten.«
+
+Fourier ist hier der Meinung, daß der Hauptfehler unserer
+bürgerlichen Gesellschaft in der falschen Anwendung liege, welche
+die Geldbesitzer von ihrem Gelde machten, er ist ferner der
+Ansicht, daß es heute hauptsächlich die Luxusbedürfnisse der
+Reichen seien, welche die Geld- und Waarenzirkulation bestimmten.
+Es ist dies die Aufstellung des auch heute noch im gewöhnlichen
+Leben und selbst seitens sogenannter Gelehrter vielfach
+wiederholten Glaubenssatzes, der namentlich in Zeiten allgemeiner
+geschäftlicher Stagnation, also in Zeiten der Krisen laut wird, daß
+die reichen Leute mehr Geld ausgeben müßten, »um das Geschäft zu
+heben«, weil ihr Bedarf entscheidend sei. Und man macht es ihnen zu
+einer Art sozialer Pflicht, durch Luxusausgaben »Geld unter die
+Leute zu bringen«.
+
+Wir sehen auch nicht selten Aristokratie und Bourgeoisie nach
+diesem Rezepte handeln, wobei die Betreffenden sich noch das
+Mäntelchen der Gesellschaftswohlthäter umhängen. Man ißt und trinkt
+gut, kleidet sich noch besser, tanzt und amüsirt sich in dem
+stolzen und befriedigenden Bewußtsein, »indem man seine Triebe
+befriedigte«, sich und die Gesellschaft zu retten. Die Leute, die
+so handeln, gehören zu dem Achtel, für die, nach Fourier, die
+bürgerliche Welt die vollkommenste Welt ist. Wir wissen heute, daß
+diese Zahl kein Achtel, nicht einmal ein Zwanzigstel der
+Gesellschaft bildet.
+
+Daß die Ansicht Fourier's von der Bedeutung der Reichen für die
+Waarenzirkulation und Konsumtion irrig ist, bedarf heute für
+Niemand, der einigermaßen den Organismus unserer Gesellschaft
+kennt, eines Beweises. Nicht der Verbrauch dieser handvoll Reicher,
+und sei ihr Verbrauch noch so bedeutend, sondern der Verbrauch der
+Masse stimulirt die Zirkulation. Wo der Massenverbrauch nachläßt,
+weil die Masse ärmer wird, oder weil, wie in der Regel in den
+modernen Krisen der Ueberproduktion, der Konsum der
+Waarenproduktion nicht zu folgen vermag, einestheils, weil die
+Kaufkraft fehlt, anderntheils, weil Waaren bestimmter Gattungen
+weit über das normale Bedürfniß erzeugt wurden, da tritt die
+Stagnation mit allen ihren Folgen ein. Der Luxusverbrauch der
+Reichen hat nie eine allgemeine Krise gehoben, noch hat er durch
+sein Fehlen eine solche erzeugt. Es ist aber ein charakteristisches
+Merkmal für einen Gesellschaftszustand, daß eine Klasse, »die
+nichts thut und zu nichts nütze ist«, wie Fourier sich ausdrückt,
+so viel verbrauchen kann und doch immer reicher wird. Welch geringe
+Rolle der Verbrauch der reichen Klasse im Verhältniß zum Verbrauch
+der Masse der Bevölkerung spielt, zeigend schlagend die Ergebnisse
+der indirekten Steuern. »Die Steuer auf Luxusartikel der Reichen
+bringt nichts ein«, sagte Fürst Bismarck in seiner berühmten
+Steuerprogrammrede im Herbst 1876 im Reichstag; »was nützt die
+Steuer auf Austern, Champagner, Equipagen, sie bringt nichts,
+nehmen wir dafür die 'Luxusbedürfnisse' der Masse, Bier, Kaffee,
+Branntwein, Tabak.« Unsere Steuertabellen geben ihm Recht.
+
+Indem nun Fourier, weil er die eigentlich treibenden Gesetze der
+bürgerlichen Gesellschaft nicht erkannte und in seinem Zeitalter
+noch nicht erkennen konnte, sein phalansteres System auf der
+Beibehaltung des Geldes gründete und dem Kapital einen erheblichen
+Theil des Arbeitsertrags -- vier Zwölftel -- zuschrieb, entging ihm
+nicht, daß bei dem Reichthum, den die Phalanx durch ihre
+Organisation der Arbeit erzeugen sollte, das Mißverhältniß im
+Vermögen und Einkommen der verschiedenen Klassen sich in der
+Phalanx noch mehr steigern müsse, als in der Zivilisation. Er mußte
+also ein Mittel finden, um dieser klaffenden Ungleichheit
+einigermaßen vorzubeugen. Er verfiel, wie sich später zeigen wird,
+auf das Mittel der Massenanwendung testamentarischer Legate, welche
+die reichen Leute der Phalanx allen Denen zuweisen würden, für die
+sie im Laufe ihrer phalansteren Thätigkeit aus irgend einem Grunde
+eine besondere Zuneigung gefaßt, aber selbst mittellos seien. Die
+Frage liegt freilich nahe, was denn diese ganze
+Reichthumsaufhäufung in Privathänden für einen Sinn und für eine
+Berechtigung hat, wenn die _sozietäre Arbeit_ diesen Reichthum
+erzeugt und dieser so groß ist, daß er allen Gliedern der Phalanx
+den größten Luxus gestattet und selbst die verwöhntesten
+Geschmäcker zu befriedigen vermag. Diesem Widerspruch sucht also
+Fourier durch das bezeichnete Mittel aus dem Wege zu gehen, es soll
+der Wiederkehr »der verkehrten Zirkulation nach den Phantasien der
+Müßigen begegnen«, und die Reichen sollen durch das selbstlose
+Auftreten der kleinen Horden zu Akten der Edelmüthigkeit gegen die
+Unbemittelten angeeifert werden. Das ist die große moralische
+Aufgabe, die er den kleinen Horden zuweist.
+
+Fourier fährt fort:
+
+»Die Thätigkeit und Erregung der kleinen Horden wird sich
+verdoppeln, wenn ihnen der Kontrast, den die Natur ihnen
+vorbehielt, entgegentritt, die kleinen Banden. Der Keim des
+Widerspruchs, der darin liegt, daß zwei Drittel der Kinder
+männlichen Geschlechts zur Unsauberheit, zum Ungehorsam, zur
+Wildheit neigen, zwei Drittel der Kinder weiblichen Geschlechts zum
+Putz und zu guten Manieren, muß entwickelt und für die Phalanx
+ausgenutzt werden. Je mehr die kleinen Horden durch Tugend und
+Hingebung sich auszeichnen, um so mehr muß die rivalisirende
+Korporation -- müssen die kleinen Banden -- Eigenschaften annehmen,
+welche den Wünschen der öffentlichen Meinungen entsprechend, das
+Gleichgewicht herstellen. Die kleinen Banden sind die Bewahrer der
+sozialen Anmuth; dies ist ein weniger glänzender Posten als jener
+der kleinen Horden, Stütze der sozialen Uebereinstimmung zu sein.
+Aber die Sorge für den Schmuck und das Ganze des Luxus in der
+Phalanx ist in der Harmonie nicht weniger werthvoll. In dieser Art
+Arbeiten sind die kleinen Banden sehr nützlich und unentbehrlich;
+sie haben im ganzen Kanton der Phalanx die spirituelle und
+materielle Ausschmückung bei allen Festen, Aufzügen,
+Schaustellungen auszuführen. In der Wahl der Kleider ist Niemand in
+der Harmonie an Vorschriften gebunden, aber sobald es sich um
+korporative Vereinigungen handelt, hat jede Gruppe, jede Serie ihre
+Kostüme und trifft die Wahl. Sache der kleinen Banden ist, die
+Modelle zu liefern. Im Gegensatz zu den kleinen Horden zeichnen
+sich die kleinen Banden durch Höflichkeit und angenehme Manieren
+aus. Der männliche Theil der kleinen Banden wird hauptsächlich die
+jungen Gelehrten stellen, die frühreifen Geister, wie Pascal, die
+frühzeitig Anlagen zum Studium entwickeln; ferner die kleinen
+Verweichlichten, die zur Weichlichkeit und Ueppigkeit neigen.
+Weniger thätig als die kleinen Horden, erheben sie sich auch später
+und erscheinen erst um vier Uhr Morgens in den Ateliers. Während
+sich die kleinen Horden mit der Pflege der großen Hausthiere
+beschäftigen, pflegen die kleinen Banden die Brieftauben, Hühner,
+Vögel, Biber etc.; sie überwachen ferner die Blumen- und
+Gartenanlagen, damit diese nicht beschädigt oder zerstört werden.
+Wer Dergleichen sich zu Schulden kommen läßt, wird vor ihren
+Richterstuhl geführt und gebüßt; sie üben ferner die Zensur über
+die schlechte oder fehlerhafte Aussprache. Wie die kleinen Horden
+ihre Druiden und Druidinnen, so wählen sich die kleinen Banden aus
+den mannbaren Altern zu Kooperateuren: Korybanten und
+Korybantinnen. Derselbe Kontrast besteht in den beiderseitigen
+Beziehungen auf Reisen; die kleinen Banden verbinden sich mit den
+großen Banden, den fahrenden Rittern und Ritterinnen, die kleinen
+Horden mit den großen Horden, den Abenteurern und Abenteurerinnen.
+Die Natur hat eben für die Vertheilung der Charaktere eine
+Scheidung von Grund aus in kräftige und milde Nüanzen vorgenommen,
+eine Vertheilung, die sich in allen erschaffenen Dingen zeigt; in
+den Farben, dem Hintergrunde der Luft, der Musik. Dieser Kontrast
+ist es auch, der die Scheidung der Kinder in kleine Banden und
+kleine Horden naturgemäß herbeiführt.«
+
+»Jede industrielle Serie würde fehlerhaft sein, wenn sie der
+Geschlossenheit ermangelte; um sie geschlossen zu machen, muß man
+die feinsten Unterscheidungen in den Geschmäckern in's Spiel
+setzen. Man wird frühzeitig die Kinder an diese feinen
+Unterscheidungen in den Neigungen gewöhnen. Das ist also die
+Aufgabe der kleinen Banden, welche die Kinder vereinigen, die zu
+den minutiösesten Raffinements im Schmuck, im Geschmack, in der
+Kleidung neigen; ihr Blick wird so geschärft, daß sie wie unsere
+Schriftsteller und Künstler einen Fehler sehen, der dem
+gewöhnlichen Menschen entgeht. Die kleinen Banden haben also die
+Gewandtheit, Spaltungen unter den Geschmacksrichtungen zu
+veranlassen, die Feinheiten der Kunst zu klassifiziren und durch
+Raffinement der Phantasien und durch Abstufungen die
+Geschlossenheit der Serien herbeizuführen. So schöpft die Erziehung
+in der Harmonie ihre Mittel der Ausgleichung aus den beiden
+entgegengesetzten Geschmacksrichtungen, aus dem Hang zur
+Unsauberheit und zur Eleganz, zwei Richtungen die beide heute
+verurtheilt werden. Die kleinen Horden wirken negativ ebenso viel,
+wie die kleinen Banden positiv. Die einen beseitigen die
+Hindernisse, die der Harmonie in der Phalanx sich entgegenstellen,
+sie vernichten den Kastengeist, der aus den unangenehmen Arbeiten
+leicht geboren wird; die anderen schaffen durch ihre Gewandtheit
+die Abstufungen der Geschmäcker und organisiren die nüanzirten
+Spaltungen in den verschiedenen Gruppen. So gehen die kleinen
+Horden vom Guten auf den Weg zum Schönen, die kleinen Banden vom
+Schönen auf den Weg zum Guten; eine kontrastirende Handlung, die
+ein allgemeines Gesetz in der ganzen Natur ist.«
+
+ * * * * *
+
+»Die Erziehungssysteme der Zivilisirten verfallen alle dem Fehler,
+daß sie die Theorie über die Praxis setzen. Sie verstehen nicht,
+das Kind zur Thätigkeit anzureizen; sie sind genöthigt, es bis zum
+sechsten oder siebenten Jahre unthätig zu lassen, ein Alter, in dem
+es schon ein geschickter Praktiker sein könnte. Im siebenten Jahre
+wollen sie ihm dann Theorie, Kenntnisse, Studien beibringen, für
+die sie den Wunsch bei ihm nicht zu wecken verstanden. Dem Kinde in
+der Harmonie kann dieser Wunsch nicht fehlen, weil es vom dritten
+Jahre bereits praktisch thätig war und bis zum siebenten spielend
+eine Menge praktischer Kenntnisse erlangt hat. Es besitzt jetzt das
+Bedürfniß, sich auf das Studium der exakten Wissenschaften zu
+stützen ... Die Erziehung der Zivilisirten ist im Widerspruch mit
+der Natur des Kindes, es ist die verkehrte Welt wie ihr ganzes
+System, von dem ihre Erziehung ein Theil ist. Ferner: Das Kind ist
+auf die Arbeit des Studirens beschränkt, es bleibt vom Morgen bis
+Abend während neun bis zehn Monate des Jahres über den
+Anfangsgründen und der Grammatik sitzen, muß ihm da nicht der
+Widerwille gegen die Studien kommen? Das Kind hat das Bedürfniß,
+während der schönen Jahreszeit im Garten, im Wald, in den Wiesen
+sich beschäftigend zu tummeln, statt dessen muß es an schönen wie
+an Regentagen sitzen und studiren. Es kann keine Einheitlichkeit in
+der Handlung geben, wo es nur eine einfache Funktion giebt.«
+
+»Eine Gesellschaft, welche die Väter den ganzen Tag als Gefangene
+in die Bureaux, Komptoirs und Fabriken sperrt, kann auch die
+Sottise begehen, das Kind das ganze Jahr in die Schule zu sperren,
+wobei es sich ebenso langweilt wie die Lehrer. Unsere Politiker und
+Moralisten sprechen beständig von der Natur, sie ziehen sie aber
+keinen Augenblick zu Rathe. Beobachteten sie die in den Ferien
+weilenden Kinder, wie sie, mit leichten Blousen bekleidet, sich im
+Heu kugeln, vergnüglich sich in der Weinlese, bei dem Nüsse- und
+Obstpflücken, bei der Jagd auf schädliche Vögel etc. anwenden, und
+würden sie die Kinder in einem solchen Augenblicke einladen, zu
+ihren Studien zurückzukehren, so würden sie beobachten können, ob
+es die Natur des Kindes ist, während der schönen Jahreszeit in der
+Umgebung von Büchern und Pedanten eingeschlossen zu werden. Man
+antwortet: Man muß im jugendlichen Alter lernen, damit man sich des
+Namens eines freien Mannes würdig macht, würdig des Handels und der
+Verfassung! -- Gut! Aber wenn die Kinder durch Anziehung und
+kabalistische Rivalitäten zum Lernen sich begeben, so werden sie in
+hundert Lektionen im _Winter_, beschränkt auf zweistündige
+Sitzungen, mehr lernen, als in 300 Tagen, da man sie in den Schulen
+oder im Pensionat eingeschlossen hält.
+
+Das zivilisirte Kind kann nur mit Hülfe von Entziehungen, Pensums,
+Ruthenstreichen zum Lernen angehalten werden. Erst seit einem
+halben Jahrhundert sucht die Wissenschaft, verwirrt über dieses
+elende System, durch weniger herbes Vorgehen das Kind zu gewinnen;
+sie versucht sich, die Langeweile der Kinder in den Schulen zu
+enthüllen, ein Götzenbild des Nacheifers bei den Schülern,
+Zuneigung für die Lehrer zu schaffen. Das beweist, daß sie erkannt
+hat, wie es sein sollte, aber sie hat kein Mittel, ihre Gedanken zu
+verwirklichen. Die mit Zuneigung verknüpfte Uebereinstimmung
+zwischen Lehrern und Kindern kann nur in dem Fall einer als Gunst
+erscheinenden anregenden Unterweisung erzeugt werden. Das wird in
+der Zivilisation, in welcher der ganze Unterricht durch den
+Widersinn, die Theorie über die Praxis zu stellen, gefälscht ist,
+nie geschehen. Der Unterricht ist ferner gefälscht durch seine
+Einseitigkeit und ununterbrochene Dauer. Man findet vielleicht ein
+Achtel unter den Kindern, die den gegenwärtigen Unterricht mit
+Leichtigkeit, aber ohne davon besonders angeregt zu sein, annehmen.
+Daraus schließen die Lehrer, daß die übrigen sieben Achtel nichts
+taugen; sie argumentiren auf die Ausnahme und machen diese zur
+Regel. Das ist die gewöhnliche Illusion bei allen Lobliedern auf
+die Vollkommenheit. Es giebt überall eine kleine Zahl Ausnahmen,
+aber sie darf man nicht in Berücksichtigung ziehen, sondern die
+große Menge, welche die Regel ist. Ich fragte Kinder, die aus den
+berühmtesten Schulen kamen, wie von Pestalozzi und Andern, ich fand
+stets nur einen mittelmäßigen Schatz von Kenntnissen und eine große
+Unbekümmertheit für Studien und Lehrer.«
+
+»Wir haben heute eine Erziehungsmethode, und diese wird auf alle
+Schüler angewendet, als wenn alle vollkommen gleichartig seien. Ich
+kenne nun verschiedene Methoden, die alle gut wären, und es ließen
+sich noch andere finden. Schließlich ist jede Methode gut, wenn sie
+dem Charakter des Schülers entspricht. D'Alembert ward ausgelacht,
+als er vorschlug, das Studium der Geschichte im Gegensatz zur
+chronologischen Ordnung zu betreiben, dergestalt, daß man nicht von
+der Vergangenheit zur Gegenwart, sondern von der Gegenwart nach
+Rückwärts in die Vergangenheit schreite. Man warf ihm vor, den Reiz
+am Studium zu zerstören und die mathematische Trockenheit in die
+Methode des Unterrichts zu bringen. Das ist ein lächerlicher
+Sophismus. Keine Methode ist an sich trocken, sie sind alle
+fruchtbar, wenn man sie den Charakteren anzupassen und schmackhaft
+zu machen versteht. Man gebe den Kindern eine ganze Reihe von
+Methoden zur Auswahl, viele werden doch keinen Geschmack am Studium
+finden. Unsere Lehrmethoden ermangeln nicht nur des aktiven
+Hülfsmittels, sie ermangeln ebenso der materiellen Anziehung, als
+welche ich die Oper und die Gourmandis betrachte.«
+
+»Die Oper bildet das Kind zur maßvollen Einheit, welche für es eine
+Quelle des Wohlbefindens und der Gesundheit wird; sie verschafft
+ihm also den inneren und äußeren Luxus, welches der erste Zweck der
+Anziehung ist. Das Kind wird durch die Oper von frühester Jugend an
+in allen gymnastischen und choreographischen Uebungen geschult. Die
+Anziehung ist darin sehr kräftig, es erwirbt die nothwendige
+Gewandtheit für alle Arbeiten in den Serien, wo Alles sich mit
+Sicherheit, Maß und Einheit, wie man diese in der Oper herrschen
+sieht, vollziehen soll. Die Oper nimmt also unter den Hülfsmitteln
+für die Erziehung vom niederen Lebensalter an den ersten Rang ein.
+Unter der Oper sind alle körperlichen Uebungen begriffen, sowohl
+die mit der Flinte als mit dem Rauchfaß. Diese choreographischen
+Evolutionen, werden sie nun mit der Flinte oder dem Rauchfaß oder
+in der Oper vollzogen, gefallen den Kindern außerordentlich, sie
+betrachten es als eine hohe Gunst, zugelassen zu werden. Man würde
+die Natur des Menschen vollständig verkennen, wenn man die Oper
+nicht in erster Linie unter die Hülfsmittel der Erziehung vom
+frühesten Alter an setzte, welche für die materiellen Studien nur
+anziehend wirkt. Um den Körper nach allen Richtungen hin möglichst
+vollkommen zu machen, müssen, bevor man mit der Seele beginnt, zwei
+unseren sog. moralischen Methoden sehr fremde Hülfsmittel in's
+Spiel gesetzt werden: die Oper und die Küche, oder die angewandte
+Gourmandis.«
+
+»Das Kind soll zwei aktive Sinne üben: Geschmack und Geruch, und
+zwar durch die Küche, und zwei passive: Gesicht und Gehör, und
+diese durch die Oper; den Taktsinn endlich durch die Arbeiten, in
+denen es sich auszeichnet. Die Küche und die Oper sind die beiden
+Hülfsmittel, die das Kind durch die Anziehung unter das Regime der
+Serien der Triebe führen. Die Magie und die Feerien der Oper ziehen
+das Kind mächtig an. Dagegen erwirbt es in den Küchen der Phalanx
+die Intelligenz und Geschicklichkeit in all den Vorbereitungen für
+die Tafel; es lernt alle Produkte kennen, für welche es sich schon
+durch die Tischunterhaltungen interessirte; es werden Pflanzen und
+Thiere besprochen, und so wird es in Hof, Stallungen und Gärten
+eingeführt. Die Küche wird das Band für diese Funktionen.«
+
+»Die Oper ist die Vereinigung für die materielle Uebereinstimmung,
+sie dient allen Altern und Geschlechtern. In ihr werden geübt: 1.
+Gesang, oder das Maß der menschlichen Stimme; 2. Instrumente, oder
+das Maß künstlicher Töne; 3. Poesie, oder Ausdruck der Gedanken und
+Worte nach Maß; 4. Pantomimen, oder Harmonie der Gesten; 5. Tanz,
+oder Bewegung nach Maß; 6. Gymnastik, oder harmonische Uebungen; 7.
+Malerei und harmonische Kostüme. Das Ganze beruht also auf einem
+regelmäßigen Mechanismus und in geometrischer Ausführung.«
+
+»Bei uns ist die Oper nur eine Arena der Galanterie, eine Anreizung
+zu Ausgaben, und da begreift sich, daß sie durch die moralischen
+und religiösen Klassen zurückgewiesen wird; in der Harmonie ist sie
+eine freundschaftliche Vereinigung, in der keinerlei bedenkliche
+Intriguen zwischen Leuten stattfinden können, die sich jeden
+Augenblick bei den verschiedensten Arbeiten in den industriellen
+Serien begegnen.«
+
+»Die Oper, heute so kostspielig, kostet fast nichts in der
+Harmonie. Tänzer, Sänger, Musiker, Maler, alle Handwerker und
+Künstler stellt die Phalanx aus ihrer Mitte. Ohne die Mitwirkung
+der Nachbaren und die Hülfe der Durchreisenden wird die Phalanx
+eine Auswahl von 12-1300 Akteuren haben, die in irgend einer Weise
+sich betheiligen. Die geringste Phalanx wird eine besser
+ausgestattete Oper besitzen, als heute unsere großen Städte.«
+
+Fourier widmet dann mehrere Kapitel der Küche der Phalanx, ihrer
+Einrichtung und Organisation und der Verwendung der Kinder in
+derselben. Die Neigung zu gutem Essen, zur Gourmandis, ist in
+seinem System auch Erziehungsmittel. Was das Kind ißt, soll es in
+der Praxis kennen lernen, es soll die Substanzen, ihre
+Zusammensetzung und ihre Zubereitung erfahren. Wir fassen uns
+hierüber kurz, da aus dem bisher Gesagten der Leser wird
+beurtheilen können, wie auch hier sich die verschiedenen Serien
+bethätigen. Die Kinder werden zunächst an der Hand passend für sie
+eingerichteter Küchen in die Geheimnisse der Kochkunst spielend
+eingeweiht, Neugier und Interesse wird geweckt; sie treten allmälig
+in die großen Zentralküchen mit ihren Appendixen für die
+Vorbereitung der Speisen über, lernen eine Anzahl interessanter
+Details kennen -- das Einmachen, die Konservirung --, in denen sie
+nützliche Verwendung finden. Die Zubereitung der Materialien führt
+ganz von selbst dazu, auch das Werden und Entwickeln der
+verarbeiteten Materialien zu beobachten. Mit zunehmendem Alter wird
+das Kind mit der Geflügelzucht, der Stallwirthschaft, der Obst- und
+Gemüsezucht bekannt und darin eingeweiht. In allen diesen
+Bethätigungen kommt, wie im ganzen Mechanismus der Phalanx, die
+Serien- und Gruppenbildung nach Trieben, die Abwechslung durch
+kurze Sitzungen und die Kontrastwirkung zur Geltung; die
+Rivalitäten regen den Eifer und die Erfindungsgabe an.
+
+Nach diesen selben Grundsätzen und Methoden werden darauf die
+Kinder in die verschiedenen Wissenschaften eingeweiht; überall
+entscheiden die eigenen Triebe, die durch das Beispiel der
+Mitschüler und das Vorbild der älteren Schüler angeregt und
+stimulirt werden. Die Auswahl der Lehrmittel ist die größte. Alles
+ist auf das Vortrefflichste eingerichtet, Zwang ist nirgends
+vorhanden, ebenso wird kein Unterschied zwischen den beiden
+Geschlechtern gemacht. »Die Studien sollen nicht an zweiter Stelle
+figuriren, aber das Interesse soll durch die physische Bethätigung
+für die verschiedenen Zweige des Studiums geweckt werden. Die
+Arbeiten der Schule sollen mit denen in den Werkstätten und in den
+Gärten eng verbunden sein, die letzteren sollen die ersteren
+unterstützen.«
+
+Mit 15 bis 16 Jahren treten die Kinder in das Reifealter, es
+beginnen die Jahre der Pubertät und der Geschlechtstrieb macht sich
+allmälig geltend; damit beginnt auch für die Phalanx die Aufgabe,
+die Erziehung entsprechend umzugestalten.
+
+»Hier ist der Punkt«, fährt Fourier fort, »wo alle unsere auf die
+Unterdrückung der Geschlechtsliebe berechneten Methoden, die in den
+Beziehungen der Liebe nur die allgemeine Heuchelei zu begründen
+wissen, in die Brüche gehen. Das geschieht von hier ab im ganzen
+Verlauf des Liebeslebens. In keiner Angelegenheit zeigt sich unsere
+Wissenschaft so unfähig und ungeschickt, als hier. Für alle anderen
+Mißbräuche und Uebel haben unsere Philosophen wenigstens die
+Anwendung einiger Gegenmittel versucht, aber keine in Sachen der
+Liebe, von wo demnach ihr ganzes Werk in Unordnung gestürzt wird,
+denn sie haben nur die Unwahrheit und die geheime Rebellion gegen
+die Natur und die Gesetze begründet. Indem die Liebe keinen anderen
+Weg zur Befriedigung findet, als mit Anwendung der
+Doppelzüngigkeit, wird sie ein permanenter Verschwörer, der
+unaufhörlich daran arbeitet, die Gesellschaft zu desorganisiren,
+alle ihre Regeln zu untergraben.«
+
+»Ich habe gefunden, daß die Zivilisation in Bezug auf die Liebe nur
+unausführbare Gesetze hat, die überall der Heuchelei die
+Ungestraftheit sichern; die Uebertreter werden um so mehr
+protegirt, je kühner sie sind. In allen Salons, in der ganzen
+Gesellschaft sind jene die Angesehensten, die in Liebesangelegenheiten
+die Leichtherzigsten sind, welche die meisten Eroberungen aufweisen
+können, d.h. mit dem, was die zivilisirte Sitte und Moral
+verlangt, auf dem gespanntesten Fuße stehen. Nirgends ist die
+Scheinheiligkeit und Duperie größer, als in unserem Ehe- und
+Liebesleben, ist zwischen dem, was die Natur beansprucht und die
+Moral vorschreibt, ein schärferer Widerspruch. Anstatt dieser
+Skandale, welche die Zwangsgesetzgebung der Zivilisation erzeugt,
+muß die Harmonie, indem sie die volle Freiheit der ersten Liebe
+sichert, hervorzurufen wissen: 1. die Begeisterung der verschiedenen
+Alter für die Arbeit; 2. die Konkurrenz der Geschlechter für die
+guten Sitten; 3. Belohnung der wirklichen Tugenden; 4. Anwendung
+dieser Tugenden für das öffentliche Wohl, von dem sie in der
+Zivilisation getrennt sind.«
+
+»Die wesentlichste Aufgabe Derer, die in der Harmonie die erste
+Liebe genießen werden, ist, daß sie die beiden Lebensalter, die
+unmittelbar unter und über der Pubertät sind, zur Arbeit anziehen.
+Man muß also unter den Jugendlichen zwei Korporationen bilden, die
+ähnlich wie die kleinen Banden und die kleinen Horden aufeinander
+wirken. Diese beiden Korporationen sind das Vestalat, bestehend aus
+zwei Drittel Vestalinnen und ein Drittel Vestalen, und des
+Damoiselat, bestehend aus zwei Drittel Damoiseaux und ein Drittel
+Damoiselles. Die Korporation des Vestalats widmet sich bis zum
+achtzehnten oder neunzehnten Jahr der Keuschheit, die Korporation
+des Damoiselats widmet sich der frühen Liebe. Die Wahl steht allen
+Theilen frei. Jedes kann nach Belieben in die eine oder in die
+andere Korporation ein- und austreten, aber man muß, so lange man zu
+einer der Korporationen gehört, auch die Gewohnheiten und Regeln
+derselben beobachten: Keuschheit im Vestalat, Treue im Damoiselat.
+Die jungen Männer neigen in der Regel selten dazu, dem Beispiel des
+keuschen Joseph zu folgen, sie sind dementsprechend auch im
+Vestalat in der Minorität. Im Allgemeinen werden es die festen
+Charaktere sein, welche für das Vestalat sich entscheiden, während
+die milderen für das Damoiselat die Wahl treffen. Hingegen werden
+die jungen Mädchen, die eben erst aus dem Chor der Gymnasiastinnen
+austreten, in der Regel einige Zeit im Vestalat zubringen.« ...
+
+»Damoiselles und Damoiseaux, die der Versuchung nachgaben, müssen
+von da ab den Morgenzusammenkünften der Kinder fern bleiben; sie
+besuchen nunmehr Abends einen der Liebeshöfe der Erwachsenen -- die
+sich allabendlich zwischen neun und zehn Uhr in den Sälen
+zusammenfinden -- und erheben sich in Folge dessen auch später von
+der Nachtruhe. Dagegen erhebt sich das Vestalat mit den Kindern.
+Wegen dieser fortdauernden Beziehungen zu den Kindern wird das
+Vestalat mit besonderer Achtung und Anhänglichkeit von diesen
+behandelt, umgekehrt wird das Damoiselat von ihnen mißachtet. Die
+älteren Stämme von zwanzig und mehr Jahren haben wieder aus anderen
+Motiven für das Vestalat und die Virginität eine tiefe Zuneigung.
+So vereinigt das Vestalat in sich den höchsten Grad der Gunst der
+Kindheit und des männlichen Alters. Die Keuschheit der Vestalinnen
+und Vestalen ist um so besser gesichert, da sie die volle Freiheit
+haben, jederzeit die Korporation zu verlassen und auf die Vortheile
+der Rolle zu verzichten.«
+
+»Mit Ausnahme der Schlafzeit, welche die Vestalen und Vestalinnen
+nach Geschlechtern getrennt in verschiedenen Räumen zubringen,
+haben sie ihre volle Freiheit; sie gehen den gewohnten
+Beschäftigungen in den verschiedenen Serien und Gruppen nach; sie
+haben aber auch ihre besonderen Sitzungen und gewähren den Besten
+unter sich den Titel »Bewerber« oder »Bewerberin«. Diejenigen, die
+diesen Titel führen, haben den Vortheil, in der industriellen
+Armee, in der sie eine besondere Stellung einnehmen, auch mit
+besonderen Ehren empfangen zu werden. Uebertritt ein zum Vestalat
+gehöriges Mitglied die vorgeschriebenen Gepflogenheiten und wird
+dies festgestellt, so macht man ihm aus seiner Unbeständigkeit kein
+Verbrechen, aber es hat aus der Körperschaft auszuscheiden. Nichts
+verschafft einem Mädchen von 16-18 Jahren mehr Achtung, als eine
+nicht bezweifelte Keuschheit, eine warme Hingabe an die Arbeit und
+die Studien. Mit Ausnahme der schmutzigen Arbeiten sind die
+Vestalinnen die Kooperatrizen der kleinen Horden; ist Gefahr im
+Verzuge, handelt es sich z.B. darum, wegen drohenden Unwetters
+rasch eine Ernte zu bergen, so sind sie stets an der Spitze. Jede
+Phalanx wird sich bemühen, die gefeiertsten Vestalinnen zu besitzen
+und sie nach der Art ihres Verdienstes als Reine durch Titel
+auszuzeichnen, wie die Schöne, die Hingebende, die Talentirte, die
+Gunstbezeugende. Das Vestalat wählt aus seiner Mitte die
+präsidirende Quadrille, welche bei den Zeremonien den Ehrenwagen
+besetzt und an den Fest- und Ehrentagen der Phalanx die Honneurs
+macht. Kommt ein Monarch, so sendet man ihm nicht wie bei uns
+beglacéhandschuhte Schwadroneure entgegen, die vor ihm über die
+Schönheiten der Verfassung und das Glück des Handels peroriren,
+sondern man deputirt die liebenswürdigsten Vestalinnen, die ihn an
+der Grenze begrüßen. Kommt eine Fürstin, so wählt man Vestalen.
+Versammelt sich eine industrielle Armee, so sind es die Vestalen,
+die ihr die Oriflamme übergeben und die erste Rolle bei den Festen
+wie bei den Arbeiten einnehmen. Die Arbeiten dieser Armeen werden
+durch die Anwesenheit der Vestalen und Vestalinnen einen besonderen
+Reiz gewinnen und sie werden, so stimulirt, ihre Arbeiten, ohne daß
+sie Ermüdung verursachen, ausführen. Indem man ferner den Armeen
+jeden Abend glänzende Feste giebt, hat man nicht nöthig, mit der
+Kette am Hals die jungen Leute hinzuführen, wie das bei unseren
+jungen Ausgehobenen geschieht, die stolz auf den schönen Namen
+»freie Männer« sind. Die industrielle Armee wird zu einem Drittel
+aus Bacchantinnen, Bajaderen, Heroinen, Feen gebildet sein, und so
+werden mehr junge Männer und Frauen herzuströmen, als man nöthig
+hat. Ferner werden Fürsten und Fürstinnen diese Armeen besuchen, um
+sich dort nach ihrem Geschmack ihre Gattin oder ihren Gatten zu
+wählen, und es ist anzunehmen, daß eine solche Wahl meist auf eine
+Vestalin oder einen Vestalen fällt. Diese Herrschaften werden in
+der Harmonie nicht mehr die Sklaven sein, wie in der Zivilisation,
+in welcher man ihnen nach chinesischer Manier einen Mann oder eine
+Frau aufnöthigt, die sie niemals gesehen haben.«
+
+»Von allen Seiten mit den günstigsten Blicken betrachtet, wird der
+vestalische Körper Gegenstand einer sozialen Abgötterei, eines
+halbreligiösen Kultus. Die Menschen lieben einmal, sich Idole zu
+schaffen, und so wird in Folge dieses Bedürfnisses das Vestalat ein
+Idol der Phalanx. Die kleinen Horden, die keiner Macht der Erde den
+ersten Gruß bewilligen, werden vor dem Vestalat ihre Fahne neigen
+und ihm als Ehrengarde dienen.«
+
+Die Ehren, die Fourier dieser Körperschaft für das Opfer, ihre
+Keuschheit einige Jahre zu bewahren, zugedenkt, sind noch größerer
+Art. Ist die ganze Erde einmal mit Phalanxen bedeckt, so wird sich
+auch die Nothwendigkeit einer allgemeinen Eintheilung im Reiche
+verschiedener Grade ergeben, die, wie Alles bei ihm, geometrisch
+abgemessen sind. Der oberste Leiter des Erdballs ist der Omniarch,
+der in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, seinen Sitz hat;
+dann folgen 3 Auguste, 12 Zäsarinnen, ungefähr 48 Kaiserinnen, 144
+Kalifen, 576 Sultane, 1721 Königinnen, 6912 Kaziken u.s.w. Man
+fragt sich freilich vergeblich, was alle diese Fürsten, Fürstinnen
+und hohen männlichen und weiblichen Würdenträger in dieser sozialen
+Organisation für einen Zweck und eine Bedeutung haben, inwiefern
+ihre Funktionen für das Gedeihen dieser phalansteren Gesellschaft
+notwendig sind. Darüber giebt auch Fourier keine Auskunft. Sie
+gehören eben in sein System, das bemüht ist, den Trieben und
+Neigungen, wir pflegen auch zu sagen Schwächen, der Menschen nach
+Titeln und Auszeichnungen Rechnung zu tragen. Auch hofft er, daß
+sein System in um so höherem Grade die Unterstützung der höheren
+Klassen finden werde, als es ihnen besondere Aussicht für die
+Erlangung von Titeln und Würden eröffnet.
+
+Eine solche Schaar hoher Würdenträger und Würdenträgerinnen bedarf
+entsprechender Frauen und Männer, und da haben Vestalinnen und
+Vestalen in erster Linie die schönste Aussicht, zu diesen Ehren zu
+kommen.
+
+»Auch bewilligt die Harmonie der Virginität Ehrentafeln. Welch ein
+Unterschied zwischen dieser und der Zivilisation, wo die Virginität
+nur Geringschätzung findet und Gunstbezeigungen nur Denen zu Theil
+werden, die sich einen falschen Heiligenschein für die Gaukeleien
+der Libertins zu geben wissen. Diese Wüstlinge, die in ihren
+Liaisons die Kunst gelernt haben, die Menschen zu betrügen und zu
+düpiren, werfen sich unter den Spitzbuben, welche die öffentliche
+Meinung leiten, als Lobredner der Tugend auf. Welche Ermuthigung
+findet unter uns ein junges, schönes Mädchen, um ihre Virginität zu
+bewahren? Ist sie arm, wird sie ihre Anbeter, die alle gute Rechner
+sind, nicht bethören, sie wissen, daß die Tugend keinen
+Lebensunterhalt für die Haushaltung schafft. Ihre Eltern werden
+gezwungen, auf einen Sechzigjährigen oder irgend eine andere
+Schamlosigkeit zu spekuliren und sie wird durch diese Spekulation
+prostituirt; sie findet kaum einen Mann von mittlerem Alter, der
+ihr eine anständige Existenz zu bieten vermag. So wird ihre
+Schönheit ein Gegenstand elterlicher Beunruhigung, ihre Tugend wird
+für die Zukunft verdächtig sein. Hat sie einiges Vermögen, so ist
+sie während langer Zeit zwischen männlichen und weiblichen Maklern
+Gegenstand eines gemeinen Handels. Endlich wird sie einem durch
+Laster verdorbenen Manne überliefert; denn es giebt weit mehr
+verdorbene als gute Ehemänner.«
+
+»Findet ein Mädchen unter uns bis zum fünfundzwanzigsten
+Lebensjahre keinen Ehemann, so beginnt man sich über sie lustig zu
+machen, man glossirt sie wie eine verdächtig gewordene Waare. Um
+den Preis einer in Entbehrungen verlebten Jugend sammelt sie in dem
+Maße, wie sie älter wird, eine Ernte gemeiner Witze, mit der jedes
+alte Mädchen überschüttet wird. Das ist eine der Zivilisation
+würdige Ungerechtigkeit. Das Opfer, das sie fordert erniedrigt sie;
+undankbar, wie sie ist, belohnt sie die Hingebung der jungen
+Mädchen an ihre Morallehren mit Beschimpfungen und Aergernissen. Da
+braucht man sich nicht zu wundern, daß man bei jungen Mädchen, die
+nicht überwacht werden, nur eine Maske der Keuschheit findet.
+Leistet ein junges Mädchen Gehorsam, so wird es, als Mädchen alt
+geworden, von derselben öffentlichen Meinung bestraft, die es
+zwang, seine schöne Jugend ihrem Vorurtheil zu opfern. Was kann es
+Unnützeres geben, als diese ewige Virginität? Sie ist eine Frucht,
+die man, statt sie zu genießen, verderben läßt. Das sind
+Ungeheuerlichkeiten, die vollkommen würdig sind dieser zivilisirten
+Ordnung, welche stolz auf ihre Weisheit und ihre Wissenschaft ist.
+Aber wenn man einem schönen Mädchen, um den Preis, ihre Keuschheit
+zu bewahren, eine Vergeltung in Aussicht stellt, ist diese ihr
+gewiß? Sie läuft nicht geringe Gefahr, einen Spieler, oder einen
+durch Ausschweifung brüchig Gewordenen, einen rappelköpfischen oder
+brutalen Mann zum Gatten zu erhalten. Ferner hat ein anständiges
+Mädchen selten genug Finesse, um die Heucheleien, die trügerischen
+Aufmerksamkeiten ihrer Bewerber zu erkennen, durch die eine ein
+wenig erfahrene Frau nicht mehr getäuscht wird. Hat sie aber eine
+gute Partie in Aussicht, so wird irgend eine Intriguantin, die in
+der Kunst zu bezaubern geübt ist, sie ihr entfremden. Das
+anständige Mädchen wird darum betrogen, es erhält nur einen
+unfruchtbaren Tribut der Achtung und altert oft in der
+Ehelosigkeit.«
+
+»Ich kann mich nicht so, wie ich es wünschte, hier aussprechen,
+weil die Erörterung dieser Fragen dem allgemeinen Vorurtheil
+zuwider ist, und doch sollte man sie gründlich behandeln, um die
+Unanständigkeit, die Heuchelei und die schlechten Sitten der
+Zivilisirten in Allem, was das Verhältniß der Geschlechter
+betrifft, an den Pranger zu stellen. Die Sitten in der Harmonie
+mögen auf den ersten Anblick Anstoß erregen, sie werden aber alle
+Tugenden gebären, von denen sehr überflüssiger Weise die
+Zivilisation nur träumt.«
+
+»Wenn ich das Erziehungssystem darlege, nach dem die Kinder in der
+Harmonie sich entwickeln, so werden die meisten Väter rufen. 'Ah,
+das ist schön, das ist, was ich längst gewünscht, so sollte und
+müßte es sein'; aber wenn ich es auch unternehme, die
+Liebesbeziehungen darzulegen, so schreien die bissigen Moralisten,
+daß ich die guten Sitten verletze. Sie werden über jede Parallele
+verwundert sein, die ich zwischen den Gewohnheiten der beiden
+Gesellschaftsordnungen ziehe. Zum Beispiel, wenn ich die
+vestalischen Vermählungen mit denen der Zivilisation vergleiche,
+deren Moral nur unanständige und skandalöse Gewohnheiten zu Grunde
+liegen: so die zweideutigen Zeremonien, die der Verbindung des
+Paares vorausgehen; die zweideutigen Wortspiele, die Trunkenheit
+der Festbetheiligten, das Herfallen mit schlechten Scherzen über
+die Braut. Die Gepflogenheit der Saufgelage kann einer dezenten
+Gesellschaft, wie sie die Vestalen sind, nicht gefallen; sie haben
+die Methode, ihre Vereinigung zu vollziehen, ohne daß sie zuvor den
+Spöttereien und Witzeleien ausgesetzt sind, die den nächsten Morgen
+noch immer früh genug kommen. Es bleibt weder Zeit für die ewigen
+zweideutigen Wortspiele, noch für die moralischen Schlemmereien.«
+
+»Man begeht, wie man sieht, in der Harmonie nicht die Inkonsequenz,
+Vestalinnen zu schaffen ohne Vestalen, sie ahmte sonst den
+Widerspruch der Zivilisation nach, die den Mädchen die Keuschheit
+vorschreibt, aber die Ausschweifungen der jungen Männer tolerirt,
+d.h. man provozirt bei den Einen, was man den Andern verbietet,
+eine Zweideutigkeit, die der Zivilisation würdig ist. Welcher Art
+werden die jungen Männer sein, die in der Harmonie sich für das
+Vestalat erklären? -- Diejenigen, die, wie die Söhne des Theseus,
+für aktive Thätigkeiten, aber wenig für die Liebe neigen. Wenn
+Hippolyt die Jagd allein genügte, um ihn von der Liebe abzuziehen,
+so wird eine soziale Ordnung, die jedem Jugendlichen dreißig und
+mehr Gelegenheiten bietet, wo er seine Kräfte üben und seinen
+Ehrgeiz befriedigen kann, interessanter sein, als das mittelmäßige
+Vergnügen der Jagd.«
+
+»Vergegenwärtige man sich immer wieder, daß alle diese anscheinend
+so romantischen Gepflogenheiten den Zweck verfolgen, den wirklichen
+Reichthum der Phalanx zu steigern, indem sie die Liebe in allen
+ihren Unterarten für den Fortschritt der Arbeit und der Entwicklung
+nutzbar machen. Der Reichthum steigt in demselben Maße, wie allen
+Trieben der freie Aufschwung gesichert ist. Es wird geschehen, daß
+die Alten, die in der Harmonie den Reichthum und die Vergnügungen
+mehr lieben werden, als man sie heute liebt, die Ersten sein
+werden, welche die Freiheit der Liebe herzustellen verlangen. Die
+nöthigen Gegengewichte werden sich in genügender Zahl aus der
+Konkurrenz der Instinkte und der Geschlechter ergeben.« ...
+
+»Man sieht, daß meine Theorie überall eine einheitliche ist, alle
+Probleme haben dieselbe Lösung, die Bildung von Serien, freien
+Gruppen, und diese nach den drei Regeln zu entwickeln: geschlossene
+Abstufung der Triebe (Kabalist), Wechsel in der Ausübung aller
+Thätigkeiten (Papillone), kurze Sitzungen (Komposit). Das ist die
+feste Regel für die Bildung und Entwicklung der Serien; ihr Zweck
+muß sein, überall die Konkurrenz der Geschlechter, der Lebensalter
+und der Instinkte zu begründen.«
+
+»Den Leser choquirt die Idee der freien Liebe, weil daraus ein
+Durcheinander der Kinder verschiedener Abstammung resultire; um
+diese Vorurtheile zurückzuweisen, müßte ich zu sehr weitläufigen
+Auseinandersetzungen greifen, die ich hier nicht geben kann; ich
+werde beweisen, daß das zivilisirte Regime alle die Uebel erzeugt,
+die man von der Freiheit der Liebe befürchtet, daß aber diese
+Freiheit, auf eine Phalanx mit Serien der Triebe angewandt, alle
+Unordnungen, die sie in der Zivilisation hervorruft, vermeidet. Wie
+es in der Zivilisation aussieht, dafür mögen einige Beweise folgen.
+Die Statistik von Paris ergiebt, daß ein Drittel der Väter ihre
+Kinder verlassen und verleugnen. Auf 27.000 Geburten rechnet man
+über 9000 Bastarde, und doch ist Paris der Mittelpunkt der
+»moralischen Erleuchtung« und die »Vollendung der Vervollkommnung
+der Vervollkommnungsfähigkeit«. Wenn überall ebenso viel
+Vollkommenheit existirt als in Paris, ist ein Drittel der Kinder
+von ihren Vätern verlassen. Ferner sind da die syphilitischen
+Krankheiten, die in unserer Ordnung zahlreiche Opfer erfordern. Die
+Jugend wird bei unseren Sitten zur Unaufrichtigkeit erzogen, sie
+macht sich ein Spiel daraus, diese Krankheiten zu verbreiten, deren
+Gefahr jede kluge Person zwingt, sich von der galanten Welt zu
+isoliren und so die unnatürliche Befriedigung der Triebe
+herausfordert. Ferner: Wenn im jugendlichen Alter die Mädchen über
+die Treue getäuscht werden, so täuschen später ihrerseits die
+Frauen; sie nehmen einfach Repressalien. Wenn in Paris, »dem Hort
+der Moral«, man jährlich über 9000 Väter sieht, die ihre Kinder
+verlassen, so wird die Rache der Mütter eine entsprechende sein.
+Auf 27.000 Geburten schwören die Frauen 9000 Kinder ihren
+Ehemännern zu, die sie von ihren Liebhabern bekommen haben. Das ist
+Reziprozität der Väter und Mütter für ihre Kinder. Ferner: Nach dem
+Liebesalter gefallen sich die Alten inmitten ihrer zärtlichen
+Kinder und Enkel, die natürlich in den gesunden Doktrinen der
+Philosophie erzogen wurden, und freuen sich der ihnen erwiesenen
+Zuneigung. Es ist meist nur Duperie und Scheinheiligkeit. Alle
+diese Aufmerksamkeiten gelten nicht ihnen, sondern ihrem Vermögen.
+Um sich davon zu überzeugen, brauchten sie nur den Zusammenkünften
+beizuwohnen, bei welchen die Liebenden ihre Eltern glossiren. Sie
+werden als lächerliche Harpagons oder unbequeme Argusse behandelt;
+man unterhält sich mit Wünschen, wie, daß der Augenblick bald
+kommen möge, um ein Vermögen genießen zu können, das nach der
+Meinung der Jungen die Alten nicht anzuwenden verstehen. Man
+antwortet: daß ehrenhafte Familien vor geheimen Orgien sicher sind.
+Ja, so lange die Furcht darin herrscht. Aber sind die Väter und die
+Argusse todt oder abwesend, in demselben Augenblick kommt auch die
+Orgie, oft selbst während die Väter leben. Die jungen Leute
+überzeugen die Väter, daß sie nicht kommen, ihre Töchter zu
+verführen, daß sie wahre Freunde der Moral und der Verfassung sind,
+andererseits überzeugen sie die Mutter, daß sie eben so hübsch wie
+die Tochter ist, »was manchmal wahr ist«. Gestützt auf diese
+Argumente, organisiren sie im Hause die maskirte Orgie. Der Vater
+gewahrt den Kniff und versucht widerspenstig zu werden, aber die
+Frau beweist ihm, daß er nicht die rechte Einsicht habe und er
+schweigt. Und selbst wenn die Väter solche Fallen zu vermeiden
+wissen, gerathen sie nicht in zwanzig andere Unannehmlichkeiten, in
+einen wahren »Cercle vicieux« von moralischen Sottisen? Hier fällt
+eine gehorsame Tochter in Krankheit und stirbt, weil ein Band ihr
+versagt blieb, das die Natur gebot. Dort wird eine entführt oder
+schwanger und alle väterlichen Berechnungen werden zu Schanden. Und
+welch eine Verlegenheitsquelle sind Töchter ohne Aussteuer? Um sich
+zu erleichtern, schließt der Vater die Augen über die Freiheiten
+der Schönsten, damit ihm die Kosten ihres Flitterstaats erspart
+bleiben. Die wenigst Schöne steckt er in ein ewiges Gefängniß,[18]
+ihr sagend, daß sie glücklicher sein werde, wenn sie Gott diene.
+Oder er hat eine Tochter verheiratet, aber die Verbindung geht zu
+Grunde, und statt eine Tochter los und ledig zu sein, hat er sie
+und ihre ruinirte Familie zu erhalten. Und so ließen sich noch
+viele Fälle der Enttäuschung anführen.«
+
+[Fußnote 18: Das Kloster, ein in Frankreich in sogenannten
+besseren Familien, wo das nöthige Vermögen zu einer Aussteuer
+fehlt, oft vorkommendes Auskunftsmittel, sich unbequem gewordener
+Töchter zu entledigen. Der Verfasser.]
+
+»Da kommt die Moral und beweist an einigen glücklichen Ausnahmen,
+welche segensreiche, Glück bringende Einrichtung diese Ehe unserer
+Zivilisation sei, aber die große Majorität, die dieses Glückes
+beraubt ist, sieht und empfindet dieses Glück nicht. Väter wie
+Kinder sind in falscher Position, die gute Ordnung beruht auf einem
+mehr oder weniger maskirten Zwang, und dieser Zwang erstickt die
+Zuneigung; er reduzirt das Familienleben zu einem Trugbild. Die
+Eltern erhalten das wahre Glück nur in einer Ordnung, die den
+Wünschen der Natur entspricht, aber unsere Moralisten haben nie
+eine Studie über die Beziehungen der Liebe gemacht. Ein Beispiel
+lehrt dies.«
+
+Fourier bezieht sich hier zum Beweis für die Richtigkeit seiner
+Anschauung über die Moralisten auf einen Vorgang, der ihm zufolge
+im Pensionat des berühmten Pestalozzi in Yverdon vorgefallen sein
+soll, und er verspottet hierbei zugleich die sogenannte intuitive
+Methode, nach der Pestalozzi bei seinem Erziehungssystem verfuhr.
+Wie weit der zu erzählende Vorfall auf Wahrheit beruht, können wir
+nicht kontroliren, indeß sind ähnliche Vorgänge auch heutzutage
+durchaus nichts Seltenes. Fourier erzählt also, daß, während
+Pestalozzi in seinem Institut nach seiner intuitiven Methode
+Jünglinge und junge Mädchen unterrichtete, er gar nicht gewahr
+wurde, wie diese unter sich nach der sensitiven Methode handelten.
+Daraus entstand denn eines Tages eine schreckliche Entdeckung. Es
+gab ein fürchterliches Durcheinander. Es ward entdeckt, daß eine
+Anzahl der Schülerinnen theils durch Lehrer, theils durch Schüler
+schwanger geworden war, worüber, sehr begreiflich, der berühmte
+Lehrer ganz außer sich gerieth, der, wie Fourier boshaft
+hinzusetzt, »bei dem Grübeln über seine intuitiven Subtilitäten
+ganz und gar vergessen hatte, der Intuition der Liebe Rechnung zu
+tragen«. »Während so die Philosophen die Triebe unterdrücken
+wollen, kommen diese und unterdrücken unvermutheter Weise die arme
+Philosophie. Es zeigt sich hier, daß, wie immer man sich in der
+Zivilisation der Freiheit nähern will, sei es in Sachen der Liebe,
+sei es in Sachen der anderen Triebe, man fällt stets in einen
+Abgrund von Sottisen, weil die Freiheit nur im sozietären Zustand
+zur Geltung kommen kann, wovon die Moral keine Ahnung hat.«
+
+Fourier sagt dann weiter: Die Freiheit zu besitzen und zu sichern,
+sei der Wunsch des Menschengeschlechtes, aber das könne man nicht,
+ohne den Mechanismus der Gegengewichte zu kennen, die den Mißbrauch
+der Freiheit verhüteten. Deshalb tappte bisher der menschliche
+Geist im Finstern und fielen alle Neuerer, die revolutionären
+Politiker, mit ihren Versuchen, wie die Pestalozzi und Owen und
+andere politische Halsbrecher, stets von der Charybdis in die
+Skilla.
+
+Es ist nicht uninteressant, hier auch ein Urtheil anzuführen, das
+Fourier über Kant und, indem er über die Methode Pestalozzi's
+spricht, über die Deutschen überhaupt fällt. Er sagt über Kant:
+Welches Wesen habe man von ihm gemacht. Er sei der erste
+Metaphysiker der Schule. Kein Anderer solle wie er mit analytischer
+Gründlichkeit über die Wahrnehmungen der Anschauungen des
+Erkenntnißvermögens, die Willensäußerung der Empfindungen, Klarheit
+gebracht haben. Er sei ein Eroberer, der Alles an sich reiße, der
+das Angesicht der Wissenschaft gänzlich ändere. Er (Fourier) habe
+zu diesem Urtheil »Ja« gesagt, obgleich er nicht die Fähigkeit
+besitze, über Kant oder die anderen Ideologen ein Urtheil
+abzugeben; er habe nie eine Zeile von ihrer Wissenschaft begriffen,
+was ihn aber nicht verhindere, über ihre Bedeutung auf Grund der
+vorliegenden _Resultate_ zu urtheilen. Heute rangire man die alten
+Ideologen unter die Alchimisten, man betrachte ihre Lehren als
+Visionen; damit sei nicht gesagt, daß die modernen Ideologen mit
+den Chemikern auf eine Stufe zu stellen seien, denn diese stützten
+sich auf die Erfahrung. Die Ideologen, Kant nicht ausgenommen,
+seien Schöngeister, Rechthaber (»ergoteurs«), die in einem
+Jahrhundert zu Ansehen kämen, das, wie das unsere, neue
+Götzenbilder brauche.
+
+Charakteristisch an diesem Urtheil ist die Offenheit, womit Fourier
+zugiebt, Kant nie verstanden zu haben; damit, könnte man sagen, sei
+auch das Urtheil über Fourier gesprochen, und doch thäte man ihm
+Unrecht, denn für ihn entscheiden, wie er selbst sagt, die
+greifbaren Resultate, und diese allein. Fourier ist trotz aller
+Spekulationen, denen er selbst in seiner Ideenentwicklung verfällt,
+eine durchaus auf das Konkrete gerichtete Natur. Eine Spekulation,
+die keine praktischen Resultate für das Leben verspricht, verwirft
+er. Daß Kant mit Begriffen operirte, über Begriffe spekulirte,
+scheint ihm eine unfruchtbare Arbeit; eine solche Wissenschaft kann
+für die Menschen, die, nach ihm, nur das Glück wollen und zwar
+sichtbar und greifbar, keine Wissenschaft sein. Die Philosophie
+müht sich ab, den Begriff des Glücks zu definiren, Fourier ist
+damit sehr rasch fertig: Glück heißt volle Befriedigung aller
+Triebe des Menschen, suchen wir also ihm diese Befriedigung zu
+verschaffen. Was nicht darauf abzielt, ist, nach seiner Meinung,
+vom Uebel, metaphysische Spekulation ohne Werth; die Praxis und die
+Erfahrung entscheiden.
+
+So urtheilt er auch weiter absprechend über Pestalozzi. Nach ihm
+ist Pestalozzi der praktische Metaphysiker, wie Kant der
+theoretische. Sein (Pestalozzi's) Institut sei jedenfalls das beste
+in Europa, es werde nach einer Methode geleitet, die von Montaigne
+bis Jean Jacques Rousseau empfohlen worden sei. Das Pensionat sei
+renommirt, und die Kinder seien stolz, ihm anzugehören, wie der
+Soldat stolz sei, in einem schönen Regiment zu dienen. Aber um das
+Kind anzuregen, seinen Wetteifer zu entfachen, habe man nichts als
+die intuitive Methode. Aber kein Kind beiße an die Angel.
+Pestalozzi gestehe selbst, daß er nur selten Kinder gewinne, und
+daß zwei Drittel desertirten und ungeduldig würden. Dazu komme, daß
+er wegen Mangel an Vermögen das Pensionat nur mangelhaft ausstatten
+könne. »Man traktirt vergeblich die Kinder mit der intuitiven
+Methode, um sie über ihre Unbehaglichkeit zu trösten, sie wollen
+nicht die von diesem ideologischen Dunst Getäuschten sein.«
+Schließlich habe man die deutschen Kinder an diesen metaphysischen
+Jargon gewöhnt. Das sei nicht zu verwundern. Deutsche Kinder seien
+sehr geschmeidig, man bringe Tausende zum Gehorsam mit der
+Erklärung: »Es muß sein.« Die Deutschen seien eine Nation »von
+Freunden der Ordnung«, der Deutsche sei ein Mechanismmus, den man
+jederzeit mit dem: »es muß sein« in Bewegung setzen könne, da sei
+es leicht, die Kinder nach irgend welchen Zierereien der
+Metaphysik, wie diese intuitive Methode, zu bilden, aber für die
+Vortrefflichkeit der Erziehung beweise das nichts.
+
+In Ausführung seiner Theorie erklärt Fourier weiter, daß, bevor die
+Bedingungen, unter denen die von ihm dargelegten Prinzipien freier
+Liebe sich verwirklichen könnten, mehrere Generationen im
+phalansteren System vergehen müßten. Das Geschlecht müsse erst dazu
+gesund erzogen und vorbereitet sein. Zunächst gelte es, die
+Syphilis, die ganze Geschlechter geschwächt habe, vollständig
+auszurotten, dann die politischen Hindernisse des Verkehrs der
+Geschlechter zu beseitigen; das Schwierigste aber sei, zu
+verhindern, daß nicht in dem Augenblick, wo man der Liebe größere
+Freiheit gebe, die geheime und korporative Orgie -- worunter
+Fourier den ungeregelten, durch kein System der Serien der Triebe
+gezügelten Geschlechtsgenuß versteht -- hervorbreche. Die Orgie
+könne nicht durch Unterdrückungsmittel verhütet werden, sondern
+durch die Oberherrschaft von Ehre und Tugend, erzeugt durch
+Einrichtungen, wie er sie in Bezug auf das Vestalat vorgeschlagen.
+Er glaubt ferner die Richtigkeit seiner Ansichten über die Liebe
+aus dem neuen Testament beweisen zu können, eine Beweisführung, die
+bekanntlich bis in die neueste Zeit von den auf religiöser
+Grundlage beruhenden kommunistischen Sekten sowohl für die
+Gemeinschaft der Güter, wie für die Freiheit des
+Geschlechtsverkehrs und die Gleichheit von Mann und Frau in's
+Treffen geführt worden ist, aber von Anderen und durch andere
+Stellen des neuen Testaments ebenso bekämpft wird.
+
+Die Liebesbeziehungen, wie sie in der Zivilisation möglich seien,
+behauptet Fourier, zögen die Jugend von den Arbeiten und den
+Studien ab, sie erregten die Indolenz, die Frivolität und
+verführten zu unsinnigen Ausgaben. Umgekehrt werde in der Harmonie
+die Liebe zur Kultur und zum Studium anreizen und den Eifer dafür
+verdoppeln.
+
+Fourier geht nun dazu über, zu untersuchen, wie die verschiedenen
+Geschlechter und Klassen für die neue Ordnung zu gewinnen seien und
+wo man den Hebel ansetzen müsse. Das einflußreichste Geschlecht
+seien die Kinder. Die Kinder wirkten auf die Mütter und die Mütter
+und Kinder zusammen auf die Väter; einem solchen Ansturm könnten
+letztere nicht widerstehen. Unter den Klassen seien es die Reichen,
+die auf die niederen Klassen den Einfluß hätten. Es gelte, die
+Reichen zu verführen, denn bequemten diese sich zur Arbeit in der
+Serie, so würden die übrigen Klassen, durch deren Beispiel
+angefeuert, erst recht eifrig bei der Sache sein. Welche Arbeiten
+würden es also sein, die Reiche und Kinder am ehesten zum Eintritt
+in die sozietäre Ordnung verführen könnten? Man merke wohl, es
+handelt sich nicht um ein Ueberzeugen, um ein Wirken auf den
+Verstand, sondern um ein Verführen, ein Wirken auf die
+Leidenschaften und Triebe. Auf die Kinder wird den größten Anreiz
+gutes Essen und Trinken üben, also die Gourmandis. Eine Küche für
+sie und die freie Befriedigung ihrer Geschmäcker wird ihre ganze
+Phantasie in Beschlag nehmen und gewinnen. Man wird also die Kinder
+in Serien und Gruppen organisiren und sie mit der Herstellung der
+gewünschten Herrlichkeiten vertraut machen. Von jetzt ab werden sie
+die eifrigsten Werber für die Phalanx werden. Dazu kommen die schon
+erwähnten anderen Anreize: Kleine Ateliers, kleine Werkzeuge,
+körperliche Exerzitien und choreographische Uebungen mit
+Vorstellungen, Ferien etc. in der Oper.
+
+Die reiche Klasse wird anfangs zögern; die Einzelnen werden in
+diese und jene Serie treten und die Arbeit auf kurze Zeit
+versuchen. Aber eingetreten, naht die Verführung. Da ist ein
+reicher Mann, Namens Mondor, der von Natur Hang zu Gartenarbeiten
+hat. Er interessirt sich namentlich für Pflanzensamen, das Sammeln
+der Früchte und ihre Konservirung. Nun liebt Mondor besonders
+Rothkohl, den er an der Tafel der Phalanx ausgezeichnet findet;
+auch hat er davon schöne Beete auf den Feldern der Phalanx gesehen.
+Mondor läßt sich den Samen zeigen, untersucht ihn und giebt einer
+Gruppe von Säern einige gute Winke, worüber diese Mondor ihr Lob
+zollen, dessen Eigenliebe dadurch geschmeichelt wird. Er tritt in
+die Gruppe der Säer ein und betheiligt sich an ihren Arbeiten, aber
+ohne andern Gruppen beizutreten. Den Tag nach diesem Engagement
+erlebt Mondor, daß bei der Frühparade die Kinder ihn mit einer
+Fanfare begrüßen, worauf ein Herold vortritt und ihn zum
+Baccalaureus des Rothkohls, in Rücksicht auf seine Kenntnisse für
+diesen Zweig des Gartenbaues, ausruft. Dann tritt eine Vestalin
+vor, welche ihm die Abzeichen dieser Serie überreicht und ihn
+umarmt. Darauf empfängt er die Beglückwünschungen der Chefs, die
+durch die Kinder mit einer neuen Fanfare begleitet werden. All das
+gefällt Mondor so, daß er sich entschließt, ganz in die Phalanx
+einzutreten und an ihren Arbeiten seinen Neigungen entsprechend
+theilzunehmen.
+
+»Auf ähnliche Weise wird jeder reiche Mann und jede reiche Frau«,
+meint Fourier weiter, »nachdem sie einige Tage in der Phalanx
+zugebracht haben und allen Vorgängen gefolgt sind, gewonnen, und
+sie werden überrascht sein, plötzlich zwanzig und mehr industrielle
+Anziehungen bei sich zu entdecken, die sie bisher selbst nicht
+kannten. Es ist der häufige Wechsel in der freien Wahl der
+Thätigkeit, was ihnen besonders gefällt. Der Einfluß dieser
+parzellären Anwendungen, bald hierin, bald darin, wird die Wirkung
+haben, daß sieben Achtel der Frauen sich für die verschiedensten
+Beschäftigungen der Hauswirthschaft interessiren, die ihnen heute
+meist widrig erscheinen. Diese liebt nicht, sich mit der Pflege
+kleiner Kinder abzugeben, sie wird aber gern in eine Gruppe
+eintreten, die sich mit einem Zweig der Schneiderei oder Nähterei
+befaßt; die andere will nicht am Herde stehen, sie ist dagegen
+eingenommen für die Herstellung verzuckerter Krême und die Arbeiten
+der Konservirung; umgekehrt werden Andere angenehm finden, was Jene
+verwerfen. So werden die Frauen zwanzig und mehr Beschäftigungen
+finden, für die sie in der Zivilisation nicht die Mittel und die
+Einrichtungen besaßen, oder die sie ermüdeten und mißstimmten, weil
+sie dieselben ohne Abwechslung und bis zum äußersten Maß ihrer
+Kräfte erfüllen mußten.«
+
+»Gewöhnlich geben die Ehemänner und Moralisten der Frau in der Ehe
+wenig Geld, aber viel gute Rathschläge, und so finden die Frauen in
+der Haushaltung nur Plackerei und Entbehrungen, wie die Männer in
+der Bodenkultur nur Ermüdung und Spitzbüberei finden. Der
+immerwährende Wechsel der Beschäftigung nach Wahl wird die
+Hauptquelle der industriellen Anziehung und daraus werden andere
+Anreize hervorgehen. Chloe hat mehrere Male an einer Tafel der
+Serie der Lautenmacher servirt und hat aus den gepflogenen
+Unterhaltungen Interesse für diese Beschäftigung gewonnen; sie faßt
+eines Tages den Entschluß, das Atelier derselben zu besuchen, und
+was sie sieht und hört, gefällt ihr so, daß sie beschließt, in die
+Serie der Lautenmacher einzutreten. Ohne daß sie diese Gesellschaft
+kennen lernte und ihr Atelier besuchte, würde sie nie Interesse und
+Trieb für diese Beschäftigung empfunden haben. Weiter: Sebastian,
+ein junger Mann ohne Vermögen, zerreißt eines Tages an einem Haken
+sein schönstes Kleid. Den nächsten Tag entdeckt dies bei der
+Ordnung von Sebastian's Zimmer eine der Zimmerordnerinnen und diese
+bringt das Kleid zu den Ausbesserinnen, wo Celiante, eine reiche
+Dame von fünfzig Jahren, die Leitung hat. Celiante ist sehr
+passionirt für solche Arbeiten und betrachtet sich selbst mit Stolz
+als die Geschickteste in der Serie. Celiante kennt Sebastian, dem
+sie mehrfach in Gruppen, in welchen er sich auszeichnete, begegnete
+und empfindet Wohlwollen für ihn. Sie benutzt also diese
+Gelegenheit, ihm ein Zeichen ihrer Wohlgeneigtheit zu geben, indem
+sie selbst in meisterlicher Weise an Sebastian's Kleid die
+Reparatur vornimmt. So wird der unvermögende Sebastian in der
+Phalanx von einer Dame bedient, die Millionärin ist. Solche
+Begegnungen und Zufälle giebt es in der Phalanx täglich in Menge,
+die häufig auch zu ernsteren Beziehungen führen.«
+
+»Die Leistung wird nie von Person zu Person bezahlt, die Phalanx
+stellt sie in Rechnung; die Leistung erlangt dadurch den Charakter
+der rein unpersönlichen Beziehung. Arm arbeitet für Reich, Alt für
+Jung und umgekehrt. Die Greise und Greisinnen, die zu keiner
+Leistung mehr verpflichtet sind, werden es sich zum besonderen
+Vergnügen machen, die Kinder in den Thätigkeiten zu unterweisen,
+für die sie selbst ein lebhaftes Interesse besaßen, oder noch
+besitzen; sie werden in diesen Kindern die Erben und Nachfolger
+ihrer Lieblingsbeschäftigungen erblicken, und ein Kind ohne
+Vermögen wird häufig von ihnen adoptirt oder mit Legaten bedacht
+werden. In der Phalanx hat Jeder die Gewißheit, daß er in seinen
+Lieblingsvergnügen und Beschäftigungen Nachfolger findet, in der
+Zivilisation nicht. Die Natur scheint ein solches Verhältniß
+zwischen Eltern und Kindern häufig nicht zu begünstigen, indem die
+Söhne oft ganz andere Neigungen und Anlagen als die Väter haben,
+worüber in der Zivilisation die Eltern oft bitter klagen.«
+
+»Im Widerspruch mit dem auf Ausgleichung und Uebereinstimmung
+berechneten Charakter der Harmonie läuft die Zivilisation darauf
+hinaus, die verschiedensten Klassen und Lebensalter miteinander zu
+überwerfen. Eltern und Kinder, Vorgesetzte und Untergebene,
+Unternehmer und Arbeiter befinden sich meist in Differenzen über
+Anschauungen und Neigungen, Befugnisse und Pflichten. Gehalt- und
+Lohnfragen führen zu Streitigkeiten ohne Ende, und das persönliche
+Kommando wird Gegenstand des Hasses, denn jedes willkürliche
+Befehlen ist demüthigend für den, welcher gehorcht. Das persönliche
+Regiment ist in der sozietären Ordnung unmöglich; Alles ordnet sich
+nach freier Uebereinkunft und passioneller Zustimmung. In einem
+Solchen Zustande giebt es keine Willkür in der gegebenen Ordnung,
+nichts Beleidigendes im freiwilligen Gehorchen. Da, wo die
+zivilisirte Ordnung mit ihrer Privatwirthschaft und ihren
+abhängigen Existenzen stets zwei- und dreifache Disharmonie und
+Unordnung schafft, erzeugt der sozietäre Zustand drei- und
+vierfache Freude, Bande der Uebereinstimmung jeder Art.«
+
+»Aber der sozietäre Zustand wird auch häufig zu gemischten Gruppen
+und Serien greifen müssen, in denen ein uns fremder und von uns
+verächtlich behandelter Geschmack, für den wir keine Verwendung
+haben, zur Anwendung kommt. Zum Beispiel, wenn es sich um
+Ausführung einer schwierigen, nicht sehr angenehmen Arbeit handelt,
+wie die, einen Berg mit der Anpflanzung eines Forstes zu krönen.
+Hierfür wird man kaum eine Serie finden, die sich aus Trieb mit der
+ganzen Arbeit belasten will; man wird also gemischte Serien, die
+nacheinander folgen, in's Spiel setzen müssen, denn man wird
+Erdtransporte und grobe Arbeiten vorzunehmen haben. Man schickt
+also zunächst die Beginner (»initiateurs«) in's Treffen, d.h.
+Leute, die alles Neue mit Feuereifer beginnen, aber nichts zu Ende
+bringen, deren Strohfeuer nach einigen Sitzungen verraucht ist, die
+aber überall, wo es einen gefährlichen oder unangenehmen Schritt zu
+thun giebt, bei der Hand und darum sehr werthvoll sind. Es sind
+Charaktere, die man leicht stimuliren kann und die vor keiner
+Schwierigkeit zurückschrecken. Bis sie ermüdet sind, hat das Werk
+ein anderes Angesicht gewonnen, und nun kommen die
+_Gelegenheitscharaktere_ oder die _Wetterfahnen_ an die Reihe,
+Leute, die sich mit jedem Winde drehen, immer die Ansicht des
+zuletzt Gekommenen haben und für jede Neuheit, die Kredit erlangt
+hat, zu gewinnen sind. Sie schwören, wenn sie das Unternehmen in
+Angriff genommen sehen, daß es sehr plausibel sei, und werden sich
+mit den Beginnern, die zurückgeblieben sind, verbinden. Darauf
+folgen die Wunderlichen oder ewig Beweglichen, Leute, die sich in
+Alles mischen, was _halb_ gethan ist, es modifiziren und umändern,
+beständig ihre Thätigkeit wechseln, einen guten Posten für einen
+schlechten hergeben, ohne einen anderen Grund, als ihre natürliche
+Unruhe. Sie machen sich eifrig an die Anpflanzung, sobald sie
+sehen, daß die Arbeiten vorgeschritten sind, und man wird ihnen
+jede nichts bedeutende Aenderung gestatten, um sie zu streicheln.
+Diese werden mit dem Rest der Vorhergehenden einige Zeit bei ihrer
+Arbeit aushalten. Dann folgen die _Chamäleons_ oder
+_Veränderlichen_, eine in der Zivilisation sehr zahlreiche Klasse,
+die immer dabei sind, wo eine Sache Erfolg hat. Sie werden bei
+einem Werk nicht unthätig bleiben wollen, das zu zwei Dritteln
+beendet ist, sie werden die Arbeit bis ziemlich zu Ende führen,
+aber dann sie verlassen. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die
+Fertigmacher (»finiteurs«) antreten können. Das sind die Leute, die
+sich immer erst dann für ein Werk begeistern, wenn sie es fast
+vollendet sehen. Niemals erhält man für einen Anfang ihre Stimme,
+sie erklären jedes Unternehmen für unmöglich, für lächerlich und
+ergehen sich in übertreibenden Anklagen gegen die, welche eine
+Verbesserung beginnen, und behandeln als Narren oder hirnlosen
+Neuerer Jeden, der etwas Großes unternimmt. Ist aber das Werk zu
+drei Vierteln fertig, dann ändern diese Aristarchen den Ton; sie
+werden Lobredner von dem, was sie erst beschrieen und behaupten,
+daß sie von vornherein das Unternehmen unterstützt, das ohne ihre
+Hülfe nicht geworden wäre. Sie werden ihre Inkonsequenz nicht
+gewahr und machen sich jetzt voll Hingebung an das Werk. Dieser
+letztere Charakter ist sehr häufig in Frankreich; nach geschehener
+That fordern die Franzosen alle Neuerungen zurück, die sie anfangs
+verlachten.«
+
+Fourier benutzt diese Gelegenheit, um seinen Landsleuten den Text
+zu lesen über die Art, wie sie ihn selbst und seine Entdeckung
+behandelten. In Sachen der Harmonie oder industriellen Anziehung
+ermangelten sie nicht, sich als echte Fertigmacher, d.h. Leute,
+die zuletzt kommen, wenn die Hauptarbeit gethan ist, zu zeigen. Sie
+haben begonnen, ihn, den Entdecker und Autor der Phalanx, zu
+beschimpfen, später werden sie die Gründungsaktionäre verlachen,
+dann, wenn sie die Vorbereitungen zu der Versuchsphalanx
+vorschreiten sehen, werden sie sich eines Besseren besinnen und
+schließlich in dem Moment der Eröffnung die Aktien zum drei- und
+vierfachen Preise zurückkaufen. Nun werden sie behaupten, daß sie
+den Autor von Anfang an protegirt und bewundert haben und ihn in
+seiner Entdeckung ermuthigten. Und wie die Extreme sich berührten,
+so seien die Franzosen große Unternehmer für bekannte Dinge, die
+Andere probirt. Kein Volk neige mehr dazu wie sie, Alles zu
+beginnen, aber ohne etwas zu beenden, den Plan der Arbeit zu
+ändern, wenn er zur Hälfte vollendet sei. Nie sehe man einen Sohn
+einen Plan vollenden, den der Vater begonnen, nie einen Architekten
+einen Plan fortführen, den sein Vorgänger angefangen. Die Franzosen
+seien Wetterfahnen, die sich nie an einen bestimmten Geschmack, nie
+an eine Meinung bänden, plötzlich von einem Extrem in's andere
+fielen und das Widerstreitendste zu verbinden suchten. Vor einem
+halben Jahrhundert seien sie voll Verachtung für den Handel gewesen
+und heute lägen sie voll kriechender Schmeichelei vor ihm auf dem
+Bauch; ehemals rühmten sie sich ihrer Rechtschaffenheit und heute
+seien sie ebenso betrügerisch im Handel wie Chinesen und Juden.
+Kurz, der nationale Charakter der Franzosen sei in jeder Beziehung
+ein Gemisch von Gegensätzen, und wenn künftige Geschichtsschreiber,
+in der Harmonie die Geschichte der Zivilisation schreibend, die
+Charaktere klassifizirten, würden die Franzosen als Typus der
+Widersprüche an der Spitze der Stufenleiter stehen.
+
+Wie Fourier seine Landsleute kannte, geht auch noch aus einer
+anderen Stelle seiner Schriften selbst hervor, wo er von zwei
+Personen ein Zwiegespräch über sich und sein Werk führen läßt.
+Wir lassen die amusante Stelle hier folgen:
+
+»Was steht in diesem Buch über die Anziehung? -- Bah! Narrheiten.
+Der Mensch, der es schrieb, behauptet, daß man bisher die
+Entdeckung über die Bestimmungen verfehlt habe; daß dem
+Menschengeschlecht ein unermeßliches Glück vorbehalten sei; daß
+eine Berechnung über die universelle Harmonie der Triebe existire;
+daß diese strebten, eine neue soziale Ordnung zu gründen, welche
+nichts mit der Unordnung der Zivilisation zu thun habe und ihr
+entgegengesetzt sei; eine Ordnung, in der alle Völker in Freuden
+schwämmen und trotz der Ungleichheit der Vermögen für Alle
+Ueberfluß herrsche; eine Ordnung, wo die Arbeit anziehender werde,
+als unsere Bälle und Schauspiele; eine Ordnung, die, sobald sie nur
+versuchsweise an einem Orte eingeführt sei, von allen Völkern der
+Erde ohne Unterschied des Kulturgrades mit Begeisterung angenommen
+werde! -- Das ist ein gigantischer Roman, wie je einer existirte;
+großartig in Wahrheit, aber unmöglich. Alle unsere Philosophen
+hätten sich also getäuscht, wenn der Autor Recht hätte; so viel
+wissenschaftliche Erleuchtung von Plato und Seneka bis Montesquieu
+und Rousseau sollte ein Nichts sein? Unmöglich; sicherlich träumt
+dieser Mensch. Und wer ist er? Ein Akademiker, ein berühmter
+Philosoph? -- Nein! es ist einer der unbekanntesten Provinzialen.
+-- Bah, ihm mangelt der gesunde Verstand! Ja, ja, die Provinz
+liefert solch originelle Käuze!«
+
+ * * * * *
+
+Fourier stellt im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ferner die
+These auf, daß im sozietären Regime die Gourmandise die Quelle der
+Einsicht, der Aufklärung und sozialen Uebereinstimmung werde und
+begründet diese uns sehr fremd erscheinende These also:
+
+Kein Trieb sei übler angesehen, als die Gourmandise
+(Leckermäulerei). Könne man aber annehmen, daß Gott als Laster
+einen Trieb betrachtet haben wolle, dem er eine so große Herrschaft
+gegeben? Seine Herrschaft sei die allgemeinste. Andere Triebe, wie
+Liebe, Ehrgeiz übten nur auf das reife und männliche Alter mehr
+Einfluß, aber die Gourmandise verliere niemals ihre Herrschaft über
+die verschiedensten Alter, Klassen und Völker, sie sei permanent
+bis zum Lebensende; sie herrsche über die Kinder wie über die
+Erwachsenen. Man habe Soldaten Revolutionen machen sehen, um sich
+betrinken zu können, und der Wilde, der die Zivilisation
+verabscheue, gebe sich für eine Flasche Branntwein zur Arbeit her
+und verkaufe für eine Flasche starken Liqueurs seine Frau und
+Tochter. Würde das Menschengeschlecht so gebieterisch diesem Trieb
+unterworfen sein, wenn er nicht zu einer hochwichtigen Rolle in dem
+Mechanismus unserer Bestimmung ausersehen wäre? Und wenn nun dieser
+Mechanismus die industrielle Anziehung sei, müsse dieser sich dann
+nicht innig mit diesem gastronomischen Trieb -- der Gourmandise --
+verbinden? Sie müsse in der That das allgemeine Band der
+industriellen Serien, die Seele ihrer alles bewegenden Intriguen
+bilden. In der Zivilisation könne die Gourmandise nicht mit der
+Arbeit verbunden sein, weil der Produzent selbst nicht genieße, was
+er erzeuge. Die Befriedigung dieses Triebes sei hier Vorrecht der
+Müßigen und dadurch _allein_ werde er lasterhaft, wenn er es nicht
+schon durch die Ausgaben und die Exzesse, die er erzeuge, wäre. --
+
+»In der Harmonie spielt die Gourmandise die entgegengesetzte Rolle,
+sie ist nicht Belohnung des Müßigganges, _sondern der Arbeit_, denn
+der Aermste nimmt Theil an den werthvollsten Genußartikeln. Sie
+wird ihn, Kraft der Abwechslung vor Exzessen bewahren, aber indem
+sie die Intriguen der Konsumtion mit denen der Produktion
+verbindet, wird sie die Arbeit stimuliren. Wollen Alle die höchsten
+Tafelfreuden genießen, so müssen Alle sich anstrengen, die
+vorzüglichsten Qualitäten der Nahrungsmittel zu erzeugen. Das
+Mittelmäßige wird verschwinden und binnen wenig Jahren wird aller
+Boden so kultivirt sein, daß er nur noch das Beste trägt. Man wird
+die Eigenschaften des Bodens zur höchsten Vollkommenheit zu bringen
+suchen; man wird gute Erde anfahren, wo jetzt schlechte ist, und wo
+der Boden nicht zu verbessern ist, ihn aufforsten. Acker- und
+Gartenbau müssen mit der Industrie wetteifern. In der ganzen
+Phalanx muß das Prinzip herrschen, durch alle möglichen
+Verbesserungen: Nahrungsmittel, Kleidung, Möbel und Alles, was zur
+Erhöhung der Lebensannehmlichkeiten beiträgt, zu stetig steigender
+Vervollkommnung zu bringen. Dies Prinzip erkennen auch die
+Moralisten an, die gegen den schlechten Geschmack des Publikums
+eifern. Aber in diesem, wie in allen anderen, ist die Moral in
+Widerspruch mit sich selbst; sie will Literatur und Künste heben
+und verbessern, aber sie will uns in der _wesentlichsten_ Branche,
+in der _materiellen Lebenshaltung_, im Zustand der Rohheit halten,
+obgleich grade hier der Keim ist, der die industrielle Anziehung
+gebiert und das Bedürfniß nach Vervollkommnung weckt. So wenden die
+Moralisten da ihr Prinzip zuerst an, wo es _zuletzt_ angewandt
+werden sollte.«
+
+»Man muß in der Phalanx alle Geschmäcker entwickeln, selbst die
+bizarrsten, namentlich auch bei den Frauen, die oft eine starke
+natürliche Neigung zu Genüssen haben, die mit dem guten Ton sich
+schwer vertragen. Die Gastronomie ist es zunächst, welche die
+Zurückführung zur Natur bewerkstelligen wird, wenn man ohne
+Aufschub das Hervorbrechen industrieller Serien für die
+Ausgleichung der Triebe erreichen will. Beispiel: Ein neunjähriges
+Mädchen liebt allem Lächerlichmachen zum Trotz den Knoblauch. Man
+spekulirt also auf diesen Geschmack durch ein doppeltes
+Ineinandergreifen von Umständen. Zunächst auf die Vermischung der
+Geschlechter in einer Serie; denn die Serie, welche zwiebelartige
+Gewächse kultivirt, wie Knoblauch, Zwiebeln, Schnittlauch,
+Schalotten, besteht gewöhnlich aus Männern. Man muß ihr also ein
+Achtel Frauen zuführen, die man aber meist im jugendlichen Alter
+wird suchen müssen, da selten ein Mädchen über 16 Jahren am
+Knoblauch Geschmack finden dürfte. Man wird zweitens aber auch die
+Vermischung der Arbeiten bei den Individuen herbeiführen müssen.
+Ein junges Mädchen liebt den Knoblauch, aber es liebt nicht das
+Studium der Grammatik, wohingegen ihre Eltern wünschen, daß sie den
+Genuß des Knoblauchs unterlasse, aber sich den Studien hingebe.
+Diese Wünsche sind in doppelter Beziehung gegen ihr Naturell. Man
+sucht also lieber Beides in doppeltem Sinne zu entwickeln. Sie
+steht im Garten und an der Tafel mit Liebhabern des Knoblauchs in
+Beziehung, und so erhält sie eines Tages von Marzellus eine Ode zum
+Lobe des Knoblauchs behändigt. Lebhaft pikirt über die Lästerer des
+Knoblauchs, ist sie beeifert, die Ode kennen zu lernen. Man benutzt
+also die Gelegenheit, um sie in freier Weise in die Schönheiten der
+lyrischen Poesie, des Versmaßes einzuführen; vielleicht kann sie
+sich eher für die Poesie als für die Grammatik begeistern, und so
+führt man sie von einem Studium zum andern. In dieser Weise
+verbindet die sozietäre Erziehung den kabalistischen Geist und den
+Hang zum Bizarren, um bei einem Kinde die Neigung für die Studien
+zu wecken, es indirekt zu einem Studium zu führen, das es ohne
+irgend eine stimulirende Intrigue zurückgewiesen haben würde. Es
+ist unzweifelhaft der natürlichste Weg, mit Hülfe solcher Intriguen
+die Kinder zur Initiative für die Arbeit zu gewinnen; man benutzt
+die Gourmandise als Mittel zum Zweck.«
+
+Fourier vergleicht den Geschmackssinn mit einem Wagen, der auf vier
+Rädern läuft, die bezeichnet werden könnten mit Gastronomie,
+Küchenwirthschaft, Konservirung und Kultur der Lebensmittel. In der
+Zivilisation finde man es zwar häufig gerechtfertigt, die Kinder in
+die drei letzteren Thätigkeitszweige nach Möglichkeit einzuweihen,
+aber von der ersteren, der Hauptsache, halte man sie fern, sie
+gelte als ein Uebel. Die Gastronomie werde allerdings erst dann als
+Wissenschaft zu Ehren kommen, wenn sie den Bedürfnissen Aller
+genüge. Gegenwärtig sei es Thatsache, daß die Menge, statt in Bezug
+auf guten Tisch Fortschritte zu machen, mehr und mehr zurückkomme
+und immer schlechter sich nähre; ihre Nahrungsmittel ließen sowohl
+bezüglich ihrer Nahrhaftigkeit als ihrer Menge zu wünschen übrig.
+Wohl sehe man in Paris einige Tausend sich den Bauch pflegen und am
+Besten sich gütlich thun, aber Hunderttausende bekämen nicht einmal
+eine natürliche Suppe. Die Bouillon sei nur Schein, man bereite sie
+aus ranzigem Speck, Talg und fauligem Wasser. Der Handelsgeist sei
+im Wachsen und die niederen Klassen würden mehr und mehr von seinen
+Betrügereien erdrückt. Die Gastronomie sei nur unter zwei
+Bedingungen lobenswerth, einmal, daß sie direkt für die produktiven
+Funktionen angewendet, mit den Arbeiten für die Kultur des Bodens
+und der Vorbereitung in Haus und Küche verbunden werde und der
+Gastronom, also der Genießende, selbst dabei thätig sein müsse;
+dann, daß sie zum Wohlsein der arbeitenden Menge in Anwendung komme
+und so das Volk an den Raffinements eines guten Tisches Theil
+nehme, der jetzt nur für die Müßiggänger vorhanden sei. Dieser
+Zweck werde erreicht, wenn alle auf die Konsumtion abzielenden
+Funktionen sich so zu sagen um die Gourmandise raillirten, denn
+letztere werde stets anziehend bleiben; sie müsse also die Basis
+des Gebäudes bilden, wenn man dieses dauerhaft errichten wolle.
+
+Unsere Philosophen stellten zwar das Prinzip auf, daß im System der
+Natur Alles verbunden sei, aber in unserm industriellen System sei
+nichts passionell verbunden. Die Industrie müsse durch auf die
+Gourmandise berechnete Serien ihre Verbindungen bilden, diese durch
+Trieb wie Anregungen an der Tafel zu den Arbeiten in der Küche, der
+Konservirung der Nahrungsmittel und dem Garten- und Feldbau führen.
+Kein Trieb habe mehr Anziehung, als derjenige des Geschmacks, um
+ein Ineinandergreifen der Thätigkeiten herbeizuführen; aber in der
+Zivilisation arbeite man diesem Trieb am Heftigsten entgegen, und
+zwar sei es hauptsächlich jene Verbindung, die ihrer Natur nach
+stets nur die Beschränktheit und die Einseitigkeit aufrecht
+erhalte: _das Familienband_.
+
+ * * * * *
+
+Fourier beurtheilt den Kulturgrad einer Gesellschaft nach der
+Stellung, welche die Frau in derselben einnimmt, ein heute
+allgemein getheilter Standpunkt. Er geht aber weiter und macht die
+Gesellschaftsentwicklung überhaupt von der Stellung der Frau
+abhängig; nach ihm geht die Veränderung in der Stellung der Frau
+einem neuen Kulturzustand voraus, was nicht richtig ist, sondern
+diese Veränderung ist Folge. Wohl hat die bürgerliche Gesellschaft
+scheinbar Recht, und so urtheilt Fourier, daß die monogamische Ehe
+mit ihren legitimen Kindern Grundlage ihrer Gesellschaft ist, aber
+dieser monogamischen Ehe _voraus_ geht das bürgerliche Eigenthum,
+der Privatbesitz an Grund und Boden und an den Produktionsmitteln.
+Der Privateigentümer ist bestrebt, sein Eigenthum zusammenzuhalten,
+auch über seinen Tod hinaus; er will in seinem Eigenthum
+gewissermaßen fortleben. Er sucht also einen Erben, der seinen
+Intentionen gemäß sein Eigenthum verwaltet und wo möglich vermehrt.
+Wo kann er diesen seinen Intentionen entsprechenden Erben besser
+finden, als in dem von ihm selbst gezeugten Kinde, das vielleicht
+auch der Erbe seiner Charaktereigenschaften ist und das er vor
+allen Dingen durch die Gewalt, die er über es ausüben kann, seinen
+Absichten gemäß zu bilden und zu erziehen suchen wird? Damit aber
+der Erbe auch sein wirklich _legitimer_ Erbe sei, muß er möglichst
+sich vor der Gefahr sichern, die Kinder eines Fremden als die
+seinen ansehen zu müssen, und deshalb umgiebt er die Ehe mit all
+den gesetzlichen Zwangseigenschaften, die sie heute besitzt.
+
+Die bürgerliche Ehe ist also mit dem bürgerlichen Eigenthum innig
+verwachsen, _sie geht daraus hervor_, und es ist ein ganz falscher
+Schluß, den Fourier macht, wenn er glaubt, in der bürgerlichen Ehe
+das Hauptübel sehen zu müssen, das der Umwandlung des bürgerlichen
+Zustandes in seinen sozietären sich entgegenstellt. Er ist von
+seiner Ueberzeugung, daß nur die Einehe das Hinderniß für den
+Ausgang aus der Zivilisation bilde, so durchdrungen, daß er dem
+Konvent vorwirft, dadurch die Revolution in ihrer Wirkung
+beschränkt zu haben, daß er vor der Ehe stehen geblieben sei. Wie
+konnte er nur eine halbe Maßregel, wie die Ehescheidung, gutheißen?
+Es waren die Philosophen, durch welche der Konvent sich gefangen
+nehmen ließ, sonst hätte nach seiner Meinung es geschehen können,
+daß die Revolution von 1793 eine zweite gebar, die eben so
+wunderbar gewesen wäre, als die erste entsetzlich war.
+
+An sich ist es vollkommen richtig, wenn Fourier die Höhe eines
+Kulturzustandes bemißt nach der Stellung, welche die Frau in ihm
+einnimmt, es ist aber falsch, wenn er die Stellung der Frau als das
+Primäre, die Eigenthumsverhältnisse als das Sekundäre ansieht. Das
+Umgekehrte ist die Wahrheit. Im gesellschaftlichen Urzustand
+herrscht der Kommunismus an Grund und Boden, und wo dieser
+herrschte oder noch herrscht, existirt auch überall die freie
+Liebe, eingeschränkt durch gewisse Grenzen, die der allzunahen
+Blutsverwandtschaft gezogen werden. In diesem Zustand herrscht auch
+das Mutterrecht; wohl läßt sich die Mutter, aber nicht der Vater
+des Kindes nachweisen. In dem Maße, wie die Eigenthumsverhältnisse
+sich ändern, ändern sich auch die Beziehungen der Geschlechter. Mit
+der Entstehung von persönlichem Eigenthum wird auch die Frau
+persönliches Eigenthum, und da sie zugleich Arbeitsmittel wird,
+entsteht die Polygamie. Es giebt jetzt viele Mütter, aber einen
+Vater. Aber der Vater, der Töchter besitzt, wünscht seinen
+Töchtern, wenn er sie verheirathet, eine bevorzugte Stellung unter
+den anderen Frauen. Dieser Wunsch ist der Wunsch aller Eigenthümer,
+ihre Wünsche begegnen sich und man sucht durch größere Mitgift die
+Befriedigung dieser Wünsche zu erleichtern. Das Heirathsgut ist der
+Preis. Noch aber sind die Töchter im Gegensatz zu den Söhnen des
+Erbrechts beraubt. Allmälig erlangen sie auch dieses, sei es als
+Kaufpreis neben dem Heirathsgut, sei es als Tochter, die keine
+konkurrirenden Brüder hat. Damit kommt die Frau in die Lage, wo
+sie, statt der bevorzugten Frau, die _einzige_ Frau wird. Aus der
+Polygamie wird allmälig die Monogamie. Eigenthum und Erbrecht in
+ihrer weiteren Entwicklung sind die Klammern, welche die Einehe
+zusammenhalten, und da die Eigenthümer auch die Gesetzgeber sind,
+wird die Einehe, ganz abgesehen von dem Mangel an materiellen
+Mitteln, der bei Privateigenthum den meisten Männern es unmöglich
+macht, mehrere Frauen ernähren zu können, Zwangsordnung auch für
+Jene, die kein Eigenthum und folglich nichts zu vererben haben. Die
+hierarchische Ordnung und die Gesetze, d.h. der Zwang, kommen
+stets von Oben, _sie sind die in Paragraphen formulirten Interessen
+der herrschenden Klassen_. Der Kampf gegen diese Ordnung geht stets
+von Unten aus, und aus diesem Kampf, der selbst wieder auf der
+Entwicklung der sozialen und materiellen Lebensbedingungen der
+Masse beruht, entsteht der gesellschaftliche Fortschritt. Mußten
+also hiernach Fourier's positive Vorschläge, weil sie auf einer
+falschen Grundanschauung beruhten, negativ bleiben, so hat hingegen
+seine negative Kritik an den bestehenden Zuständen sehr positiv
+gewirkt.
+
+Fourier geht nunmehr dazu über, die bürgerliche Familie, die er als
+das Haupthinderniß seines Systems ansieht, in ihrem Wesen zu
+kritisiren. Halten wir seinen Hauptgedankengang fest: Gott hat die
+Welt erschaffen, und da er sie erschaffen hat, muß er sie auch gut
+erschaffen haben, sonst käme er in Widerspruch mit sich selbst. Der
+Mensch ist das von Gott geschaffene höchste lebende Wesen, für den
+er, wenn die Welt überhaupt einen Zweck haben soll, diese Welt
+erschaffen hat. Wie die Welt gut, so soll der Mensch, dem Willen
+Gottes entsprechend, glücklich sein. Statt dessen sehen wir die
+große Mehrzahl unglücklich, und zwar unglücklich, weil sie die
+Triebe, die Gott ihnen gegeben, nicht befriedigen können. Aus
+Unkenntniß ihrer Natur und ihres Zwecks haben sie sich eine Ordnung
+gegeben, in der diese Triebe meist unterdrückt werden, zur
+Einseitigkeit gelangen, kurz ihren Zweck verfehlten. Die
+Einheitlichkeit, d.h. die volle Harmonie zwischen den Menschen und
+der Welt und der Welt und Gott, ist aber der große Zweck Gottes,
+und um diese Einheitlichkeit zu ermöglichen, ist die Vielseitigkeit
+der Beziehungen auf ausgedehnter Stufenleiter die einzige Lösung.
+Dieser Vielseitigkeit der Beziehungen und der Ausdehnung derselben
+auf alle Menschen und die sie umgebende Natur steht die isolirte
+Wirthschaft des Menschen entgegen. Diese isolirte Wirthschaft ist
+aber nur wieder Folge des möglichst kleinsten Gruppenbandes, der
+Ehe, resp. Familie, »ergo« müssen Ehe und Familie in ihrer heutigen
+Gestalt verschwinden.
+
+In diesem Gedankengang bewegt sich Fourier und von diesem
+Standpunkt aus kritisirt er die Ehe und Familie, wobei der Leser
+beachten will, daß Fourier hauptsächlich Pariser und
+großstädtisches Leben seiner Kritik zu Grunde legt. Er führt
+weiter aus:
+
+»In der Zivilisation ist das System der Liebe ein System
+allgemeinen Zwangs und in Folge davon allgemeiner Falschheit. Wie
+im Handel so sind auch in Sachen der Liebe die Schutzmaßregeln
+(»prohibitions«) und die Kontrebande unzertrennlich. Wo die Liebe
+mit Schutzmaßregeln umgeben wird, darf man auf deren allgemeine
+Uebertretung rechnen. Schon daraus folgt, daß alle Familienbeziehungen
+verdorben sind. Der Gatte wird durch seine Frau betrogen, die
+Tochter verheimlicht ihm ihre Beziehungen und dies wirkt zurück auf
+seine Treue in der Ehe. Die schmachvollste aller sozialen Perfidien
+ist, daß er nicht selten über den Ursprung seiner Kinder getäuscht
+wird, ein Vorkommniß, das auf der Bühne zum Gegenstand des Spottes
+und der Lächerlichmachung dient.«
+
+»Diejenigen, die beanspruchen, die Wahrhaftigkeit in die sozialen
+Verhältnisse einzuführen, ohne darunter auch die Beziehungen der
+Liebe zu begreifen, sind mit Blindheit geschlagen. Sie scheinen
+nicht zu wissen, daß die Liebe eine der vier Hauptleidenschaften
+ist und eine der mächtigsten; ist sie gefälscht, so genügt dies, um
+durch ihren Kontakt den Mechanismus des ganzen sozialen Systems zu
+fälschen. Wer glaubt, hier Fälschungen zulassen zu können, handelt
+wie eine Regierung, die um eine achtzig Meilen lange Grenze gegen
+die Pest abzusperren, sich begnügt, sechzig Meilen durch einen
+Truppenkordon zu besetzen und den Rest der freien Passage den
+Pestkranken offen läßt ...«
+
+»Die Welt besteht aus Betrügern und Betrogenen, und so sollte man
+annehmen, daß die öffentlichen Einrichtungen die dem Betrug
+ausgesetzte Klasse schütze. Die Ehe, scheint es, ist ganz im
+Gegentheil eine Einrichtung zum Nachtheil der vertrauenden Leute,
+sie scheint erfunden zu sein, um die Verderbten zu belohnen. Je
+schlauer ein Mann ist und sich durch Verführungskünste auszeichnet,
+um so leichter gelangt er zu einer reichen Heirath und gewinnt die
+öffentliche Achtung. Man bringe die infamsten Hülfsmittel in
+Anwendung, um eine reiche Partie zu machen, sobald es ihm gelingt,
+zu heirathen, ist er ein kleiner Heiliger, ein Muster von Tugend.
+Erwirbt Jemand plötzlich ein großes Vermögen dadurch, daß es ihm
+gelang, ein junges Mädchen zu gewinnen, so ist das ein der
+öffentlichen Meinung so gut gefallendes Resultat, daß sie alle
+Intriguen verzeiht. Alle Welt preist ihn nun als guten Ehemann,
+guten Vater, guten Verwandten, als guten Freund und Nachbar, guten
+Bürger und guten Republikaner. Das ist die Manier der Lobhudler,
+sie loben ihn vom Scheitel bis zu den Zehen, im Ganzen und im
+Einzelnen.«
+
+»Eine gute Heirath ist der Taufe vergleichbar durch die Raschheit,
+mit welcher sie allen früheren Schmutz verwischt. Daher wissen
+Väter und Mütter nichts Besseres zu thun, als ihre Söhne zu
+unterweisen, wie sie zu einer reichen Partie gelangen können,
+einerlei auf welchem Wege, denn eine reiche Heirath ist die wahre,
+bürgerliche Taufe, welche in den Augen der Oeffentlichkeit alle
+Sünden abwäscht. Dieselbe öffentliche Meinung hat lange nicht diese
+Nachsicht mit den anderen Parvenüs, denen sie ihre Schändlichkeiten,
+durch die sie zu Vermögen gelangten, lange nachträgt.«
+
+»Welche Aussicht auf Erfolg für die Ehe hat dagegen ein
+Tugendhafter, welcher, gehorsam den bürgerlichen und religiösen
+Vorschriften, erklärt, daß er seine Tugend bis zum dreißigsten
+Jahre bewahren wolle, um sie seiner künftigen Frau als Geschenk in
+die Ehe zu bringen? Der, getreu den Lehren jenes vortrefflichen
+Buches, das sich »Einführung in einen gottergebenen Lebenswandel«
+betitelt, sich bis zum dreißigsten Jahre enthält »aus dem Becher
+der Unzucht den Wein der Prostitution zu Babylon« zu trinken?
+Welche Aussicht hat er? Und wenn es ihm einfällt, eine solche
+Erklärung abzugeben, welchen Dank findet er bei den Frauen? Mütter
+wie Töchter werden dies scherzhaft finden und bei gleichem
+Vermögen, gleichem Alter, gleich günstiger äußerer Gestalt werden
+Mutter und Töchter einen »geübten« jungen Mann ihm, dem »Tölpel«,
+der seine Tugend nach den Vorschriften der Religion und Moral
+bewahrte, vorziehen.«
+
+»Bei der Untersuchung über das Wesen der Ehe sind also alle
+Vortheile auf Seiten der Intriguanten und Verderbten, woraus zu
+schließen, daß dieses Band eine Lockspeise ist, sich persönlich zu
+depraviren.«
+
+Dieselbe üble Meinung, die Fourier hier durchschnittlich von den
+Männern unter den gegebenen Verhältnissen hat, besitzt er auch von
+den Frauen. Von ihnen rühmt er die Leichtigkeit, mit der sie die
+Fehler ihrer Ehemänner annähmen, aber nicht ihre Tugenden.
+
+»Verheirathet eine Heilige an einen Spitzbuben und sie wird ihm
+bald in der Spitzbüberei nacheifern, seine Komplizin im Hehlen
+sein. Besitzt sie einen tugendhaften Mann, weit entfernt, seine
+Tugenden zu adoptiren, wird sie dagegen den Eindrücken eines
+leichtfertigen Kourmachers zugänglich sein. Eine schöne Eigenschaft
+der Ehe, die den Frauen nur die Laster der Männer, nie ihre
+Tugenden mittheilt. Da es aber unter den Ehemännern der
+Zivilisation 99/100 lasterhafte und nur 1/100 tugendhafte giebt, so
+kann man nach diesem Maßstabe die moralische Vollkommenheit
+schätzen, welche die Ehe bei den Frauen erzeugt.« ...
+
+»Durchschnittlich betrachten die Männer die Ehe als eine Falle, die
+ihnen gestellt wird, und so sind es die Väter selbst, welche ihre
+Söhne veranlassen, das eheliche Band von diesem Standpunkt aus
+anzusehen. Und warum? Weil sie aus eigener Erfahrung wissen, daß
+der Reinfall unreparirbar ist. Und indem sie sich bemühen, ihre
+Söhne von dieser Wahrheit zu überzeugen, machen sie dieselben für
+den Ehehandel habgierig und verschlagen.«
+
+»So kommt es, daß die »Dreißigjährigen« oder Ehestandskandidaten
+sich in Berechnungen erschöpfen, ehe sie zum ersten Schritt sich
+entschließen. Nichts spaßhafter, als die Unterweisungen zu hören,
+die sie sich gegenseitig geben über die Art und Weise, der
+künftigen Gattin das Joch aufzuerlegen und sie günstig für sich
+einzunehmen. Nichts merkwürdiger, als diese vertraulichen
+Zusammenkünfte (»consiliabules«) der Junggesellen, in welchen an
+den zu heirathenden Mädchen die kritische Analyse vorgenommen wird,
+und zu beobachten die Fallstricke der Väter, die sich ihrer Töchter
+entledigen wollen. Der Schluß aller Debatten ist, daß man auf Geld
+sehen müsse, daß, wenn man das Risiko trage, von der Frau betrogen
+zu werden, man wenigstens nicht auch mit dem Heirathsgut betrogen
+sein wolle. Nehme man einmal eine Frau, so müsse man sich eine
+Entschädigung für die Unzuträglichkeiten sichern, die die Ehe mit
+sich bringe. Das nennt man nach einem Kunstausdruck »die
+Anhaltseile (»les attrapes«) fassen«.
+
+Und wie die Männer räsonniren, so räsonniren ähnlich die Frauen.
+Fourier hebt dann die Widersprüche in dem ehelichen Zustande
+hervor, daß der Mann, der sonst alle Freiheit für sich beanspruche
+und die Frau unterdrücke, im wichtigsten Punkt der Ehe öffentliche
+Meinung und Gesetz gegen sich habe, wobei man wohl beachten will,
+daß es sich um die Schilderung französischer Zustände handelt,
+wonach noch bis in die neueste Zeit das Gesetz die Untersuchung
+über die Vaterschaft untersagte. Dieses Gesetz, von der Männerwelt
+zu ihrem Schutze entworfen, schlägt in den Fällen, die Fourier hier
+im Auge hat, zu ihrem Schaden und ihrer Schande aus.
+
+Er sagt: »Trotz des Unterdrückungssystems, das auf den Frauen
+lastet, haben sie das einzige Privilegium, das ihnen verweigert
+sein sollte, sich bewahrt, dasjenige, den Mann zu nöthigen, ein
+Kind, das nicht das seine ist und auf dessen Angesicht die Natur
+selbst den wahren Namen des Vaters geschrieben hat, als das seine
+anzunehmen.«
+
+»In dem einzigen Fall, wo die Frau sich mit schwerer Schuld
+beladet, genießt sie den Schutz der Gesetze, und in dem einzigen
+Fall, wo der Mann auf's Schwerste beschimpft ist, hat er die
+öffentliche Meinung und das Gesetz übereinstimmend gegen sich, um
+seine Schmach zu verschlimmern.«
+
+Darüber gießt nun Fourier seinen Spott aus: »Oh!« ruft er. »Wie die
+Zivilisirten, die so strenge Verfolger der Verletzung der
+Keuschheit bei den Frauen sind, und diesen sie aufzwingen, so
+gutwillig sich unter das schmachvolle Joch beugen und eine Frucht
+offenbaren Ehebruchs bei sich aufnehmen und derselben ihren Namen
+und ihr Vermögen gewähren. So sind also die Wünsche der Philosophen
+erfüllt: In der Ehe ist es, wo die Männer wahrhaft »eine Familie
+von Brüdern« werden, wo die Güter gemeinsam sind und das Kind des
+Nachbaren auch das unsere ist. Die Edelmüthigkeit dieser braven
+zivilisirten Ehemänner wird der Zukunft noch reichlich Gelegenheit
+zu Gelächter geben, und man muß einige dieser ergötzlichen Vorgänge
+aufbewahren, um die sonst schale Lektüre der Geschichte der
+Zivilisation etwas genießbar zu machen ...«
+
+»Diese sehr weitgehende Duldung der Ehemänner gegen die
+schmachvollste Beleidigung und die Geschmeidigkeit der Gesetze über
+das Vergehen den Mantel zu decken, steht in Uebereinstimmung mit
+anderen Widersprüchen im Liebessystem der Zivilisirten. Die
+Verwirrung ist solcher Art, daß man auf der einen Seite eine Kirche
+und auf der anderen ein Theater sieht, zwei Anstalten, in welchen
+die entgegengesetzten Moralanschauungen vertreten und ein und
+denselben Personen gepredigt werden. In der Kirche lehrt man die
+Verabscheuung der Galanterien und der Wollust, und im Theater
+findet sich dasselbe Auditorium wieder, das man jetzt in die
+galanten Schliche und Raffinements aller Sinnenlüste einweiht. Eine
+junge Frau, die soeben eine Predigt hörte, in welcher ihr Achtung
+vor dem Gemahl und den höheren Gewalten gelehrt wurde, geht eine
+Stunde darauf in's Theater, um Unterricht in der Kunst zu
+empfangen, wie man den Gatten oder Vormund oder sonst einen Argus
+betrügt. Und Gott weiß, welche von den beiden Lehren bei ihr auf
+den fruchtbarsten Boden fällt. Diese wenigen Widersprüche genügen,
+um den Werth unserer Theorien von der Einheit der Handlung im
+sozialen Mechanismus in das rechte Licht zu setzen.«
+
+Fourier ergeht sich nun weiter in Auseinandersetzungen über die
+Unnatur unserer sozialen Zustände, welche die Geschlechter mit
+ihren Trieben und den bestehenden gesellschaftlichen Anschauungen
+und Morallehren in fortgesetzte Widersprüche bringen und
+demoralisirend wirken. Wenn unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten
+vorschreiben, daß der Mann durchschnittlich erst mit dem
+dreißigsten, das Mädchen mit dem achtzehnten Jahre heirathe, so
+liege auf der Hand, daß der Mann diese zwölf Jahre des Zölibats
+benutze, um alle möglichen illegitimen geschlechtlichen
+Verbindungen einzugehen. Rechne man auf jedes Jahr nur eine solche
+Verbindung, und zwar sechs in Beziehungen zur Prostitution, sechs
+im Ehebruch, so gewähre dieses einen traurigen Einblick in die
+Moral der Zustände, und man brauche nicht erstaunt zu sein, wenn
+junge Männer im mittleren Alter sich rühmten, schon mit mehr als
+zwanzig für anständig geltenden Frauen in intimsten Beziehungen
+gestanden zu haben.
+
+»Der Zweck der Ehe soll sein, das häusliche Glück auf den guten
+Sitten und der Einigkeit der Familie zu gründen und die Wahrheit
+zur Geltung kommen zu lassen, denn Arglist und Perfidie müssen
+Uneinigkeit und Unordnung erzeugen. Man wird ferner zugeben, daß
+die Wahrheit in der Familie nicht herrschen kann, wenn sie nicht
+auch in der Liebe vorhanden ist. Sagen doch die Lobredner der
+zivilisirten Ehe selbst, »daß das häusliche Glück unzertrennlich
+von der Wahrhaftigkeit in der Liebe ist und daß, wenn das
+Gleichgewicht in den Beziehungen der Liebe mangelt, auch das
+Gegengewicht in den Beziehungen der Familie fehlt. Herrscht die
+Unwahrheit in der Liebe, herrscht sie nothwendig in der Familie und
+in der Häuslichkeit.« Wie verträgt sich aber das Eheglück mit dem
+Bestand der Serails in allen zivilisirten Ländern? Die christlichen
+Kolonisten haben diese überall aus Negerinnen gebildet; die
+ernsten, so moralisch scheinenden Holländer bilden sie in Batavia
+mit Frauen aller Farben. Und wie viele heimliche Häuser giebt es
+bei uns, die, äußerlich anständig aussehend, in Wahrheit niedliche
+Serails sind, die im Geheimen jedem reichen und angesehenen Manne
+offen stehen.«
+
+»Der reiche Zivilisirte hat die volle Freiheit, sich sein Serail zu
+bilden, eine intelligente Matrone in sein Landhaus zu setzen, die
+ihm Frauen und Mädchen, sogar von hoher Geburt, beschafft. Und
+neben diesem fixen oder geschlossenen Serail giebt es das vage oder
+freie. Ueber dieses erzählt uns Ritter Joconde auf der Bühne. »Ich
+bin nicht auf Treue versessen, ich eile von Liebschaft zu
+Liebschaft. Ich liebe nie nur eine Schöne, auch liebe ich sie
+selten länger, als einen Tag. Es ist nicht Unbeständigkeit,
+vielmehr Klugheit, denn auf die Frauen, ich kenne ihren Leichtsinn,
+darf man sich nicht verlassen, und so verlasse ich sie, um nicht
+verlassen zu werden.« So stellt sich das Leben dar, das unsere
+meisten reichen jungen Männer, die vom Glück begünstigt sind,
+führen. Und dieser Joconde wird auf der Bühne von Frauen und
+Männern beklatscht, wenn er solche Sitten rühmt. Man antwortet:
+Aber wer applaudirt? Es sind die Schwelger, welche diese
+Schauspiele besuchen. Darauf antworte ich: wenn Viele diese Sitten
+nicht nachahmen, geschieht es, weil sie es nicht können. Die Einen
+hält die Furcht vor Krankheiten, die Anderen das Interesse, der
+Korpsgeist, die öffentliche Würde, der Mangel an Mitteln zurück.
+Man lasse einmal Jedem die Zügel schießen, überlasse ihn der
+gesunden Natur und man wird sehen, daß die größte Zahl sich beeilt,
+das Beispiel von Salomo und Ritter Joconde nachzuahmen. Jeder junge
+mit Mitteln ausgestattete oder von der Natur ein wenig begünstigte
+Stadtbewohner besucht dieses freie Serail, ohne wie die Barbaren
+(die in der Polygamie leben) auch für die Kosten der Unterhaltung
+sorgen zu müssen, es giebt sogar eine gute Zahl dieser Herrchen,
+welche die Frauen plündern und arm essen.«
+
+»Und ferner: Wie viele Frauen von hoher Stellung sind zu dieser Art
+Korruption geneigt! Es giebt Schriftsteller, die solchen Frauen ein
+Recht dazu zusprechen. Warum auch nicht? Doch schweigen wir, wenn
+wir von der guten Gesellschaft sprechen. Im Volke ist die
+Käuflichkeit der Liebe kein Geheimniß, man kennt die Tarife, wie
+die Preiskourante an der Börse. Man braucht darüber nicht erstaunt
+zu sein, wenn Walpole sogar öffentlich erklären konnte, er habe in
+seinem Portefeuille den Preiskourant für die Biederkeit des
+englischen Parlaments.[19] Wie muß unter solchen Sitten das
+häusliche Glück beschaffen sein, das auf die eheliche Treue und die
+Wahrhaftigkeit in den gegenseitigen Beziehungen begründet sein
+soll?«
+
+[Fußnote 19: Robert Walpole, berühmter englischer Staatsmann, von
+1721-1742 Kanzler der Schatzkammer.]
+
+»Und nun die geheimen Liebschaften. Diese bilden ein sehr
+umfängliches Kapitel, das für Paris allein sechs dicke Bände füllen
+würde. Alle diese Schliche sind nur Verletzungen der bürgerlichen,
+religiösen und Moralgesetze. Welche Auflehnung, welche Rebellion in
+dieser galanten Welt gegen Alles, was die Gesellschaft für
+unverletzbar erklärt. Wie kann man beim Anblick von so viel offenen
+und geheimen Verletzungen aller festgestellten Ordnung zögern,
+anzuerkennen, daß entweder das Regime der Liebe bei uns im
+Widerspruch mit der Wahrheit und der Moral organisirt ist, oder daß
+ein solcher Zustand unverträglich ist mit der Zivilisation, daß die
+Zivilisation der Antipode der Moral und der Wahrheit.«
+
+»In den niederen Klassen herrscht vollkommene Emanzipation, dort
+existirt die freie Liebe offen. Und diese Klasse, die so offen die
+religiösen und die Moralgesetze verletzt, umfaßt die Hälfte der
+weiblichen Bevölkerung unserer großen Städte. Ich will nicht unsere
+Zofen und Zimmermädchen zitiren, die im Rufe stehen, keine Kenntniß
+von den Gesetzen der Enthaltsamkeit zu besitzen, wenigstens handeln
+sie, als hätten sie nie davon sprechen hören. Und wie in der
+kleinen, so ist es in der großen Welt. Bei den Leuten »comme il
+faut« hat der Ehemann seine bekannten Maitressen und die Dame vom
+Hause ihre anerkannten Liebhaber. Das gehört zur Harmonie der
+Haushaltung und das heißt man: »man muß zu leben wissen« (»il faut
+savoir vivre«). Manchmal entsteht allerdings eine kleine
+Unzuträglichkeit daraus; man weiß nicht, von welchem Vater die
+Kinder sind. Doch zum Glück verbietet das Gesetz, nach der
+Vaterschaft zu forschen. Schlimmsten Falles erklärt der Hausarzt
+bei dem Fehlen jeder Aehnlichkeit, wodurch der Ursprung des Kindes
+verdächtig werden kann, daß die Frau während ihrer Schwangerschaft
+von dem Anblick irgend einer fremden Physiognomie betroffen worden
+sei. Schließlich hat auch der arme Ehemann schlechten Dank, wenn er
+gegen den Wortlaut des Gesetzes und die Zeugenschaft des Arztes
+aufkommen will. Das Eine ist so unfehlbar wie das Andere. Auch
+gehört es in der guten Gesellschaft zum guten Ton, nicht
+eifersüchtig zu sein. Man hat meist geheirathet eines guten
+Heirathsgutes oder sonst eines Vortheils wegen, und man wurde darin
+vielleicht nicht getäuscht, also muß man in anderer Beziehung
+nachsichtig sein, und schließlich heißt es: »was Dir recht ist, ist
+mir billig.«
+
+»So giebt es in der Welt der Zivilisirten nur Lacher und Betrogene.
+Die Moral und die Ehe werden benutzt, um die Orgie zu maskiren, und
+Alle erreichen ihren Zweck. Unsere Kritik erscheint abgedroschen,
+doch für die Partisane des Zwangs war eine Antwort am Platze, man
+muß sie in Verwirrung setzen, indem man ihnen die Früchte ihres
+Systems vor Augen hält.«
+
+»Aber diese Engherzigkeit und Unwahrheit des Familienbandes hat
+auch nach anderer Seite für die Entwicklung der Gesellschaft ihr
+Schlimmes. Nichts ist in unserem sozialen Leben von Dauer. Der
+zufällige Tod des Familienhauptes kann alle seine Unternehmungen in
+Frage stellen. Die Theilung der Erbschaft, der Umstand, daß den
+Söhnen die Eigenschaften des Vaters und seine Kenntnisse fehlen,
+wie zwanzig andere Ursachen, können das ganze Werk des Vaters
+stürzen. Seine Pflanzungen werden zerstückelt, an Andere
+überlassen, oder sie verfallen; seine Werkstätten gerathen in
+Unordnung, seine Bibliothek kommt in die Hände des Büchertrödlers,
+seine Gemälde in die des Händlers. Genau das Gegentheil hat in der
+Phalanx statt. Alles wird erhalten und vervollkommnet, der Tod
+eines Individuums beunruhigt in nichts die industriellen
+Dispositionen und das Gemeinwesen.«
+
+»Ferner: Ein Industrieller wünscht sich einen Sohn, der ihn ersetzt
+und seine Arbeiten weiter führt, aber das Schicksal giebt ihm nur
+Töchter; sein Name erlischt. Er fände wohl geeignete Fortsetzer,
+aber in Klassen, die durch Vermögen und Lebensstellung ihm nicht
+zusagen. Ein ander Mal verweigern die Kinder ihm zu folgen, oder
+sie sind gänzlich unfähig. Oft ist es wieder der überreiche
+Kindersegen, der Erziehungsausgaben verursacht, welche die
+Unternehmungen des Vaters schädigen; seine undankbare Arbeit genügt
+kaum, die Kinder zu erziehen und ihnen eine Existenz zu gründen,
+und zum Dank für so viel Anstrengungen merkt er, daß dieses oder
+jenes seiner Kinder ihm den Tod wünscht, aus Ungeduld, in den
+Besitz der Erbschaft zu kommen. Oefter treten andere eheliche und
+häusliche Unannehmlichkeiten ein, deren Zahl eine sehr große ist.
+Ein Geschäftsmann wird entmuthigt durch ungehöriges Betragen seiner
+Frau oder seiner Kinder, durch Geldschneidereien von am Geschäft
+Betheiligten, durch Verleumdungen und Prozesse seiner Neider, durch
+den Verlust eines Kindes, auf dem seine ganze Hoffnung ruhte. Nicht
+selten sieht man Eltern über den Verlust eines Lieblingskindes dem
+Tiefsinn verfallen; sie haben kein Gegengewicht gegen solch ein
+Unglück, noch gegen andere, die sie treffen. Solch ein
+Familienleben ist ein stetes Straucheln, eine Pandorabüchse. Wie
+kann man annehmen, daß Gott die Industrie und die menschliche
+Thätigkeit auf einen so kritischen Boden für die, welche die Leiter
+sind, und noch viel mehr für Diejenigen, welche die Untergebenen
+sind und ausführen, hat gründen wollen?«
+
+»Weder die Politik noch die Moral wissen die industrielle Anziehung
+zu schaffen, sie nehmen nur die Arglist zu Hülfe; sie rühmen die
+Freuden der Ehe, wenn auch ohne Vermögen, und bauen ihr ganzes
+soziales System darauf, den Armen zur Ehe zu bringen, damit er
+unter der Last der Kinderzahl, um die Hungernden zu nähren, zu
+fleißiger Arbeit gezwungen werde. So kommt es, daß sieben Achtel
+dieser Väter rufen: »Oh! in welche Galeere bin ich gerathen.« Es
+war der geheime Zweck der Moralisten, mit ihrem Lob von der süßen
+Ehe diese Falle zu legen; damit erreichen sie, daß sie einen
+Ueberfluß an Rekruten für die Armee und an hungernden Arbeitern für
+die Fabriken haben, die um niedrigen Preis arbeiten, damit die
+Unternehmer sich bereichern können.«
+
+»Die weitere Folge dieses ganzen Systems ist der Widerwille gegen
+die Arbeit, der schon beim Kinde stark ausgeprägt ist; es arbeitet
+nur aus Furcht vor Züchtigung. Aber die Unordnung steigert sich in
+dem Maße, wie es zur Reife kommt. Die Liebe stellt sich ein und
+vermehrt den Widerwillen gegen die Zwangsarbeit und verleitet zu
+Ausgaben für Beziehungen, die den Wünschen des Vaters wie der
+Harmonie der Familie sehr entgegen sind. Man sollte meinen, das
+Aufbrechen der Liebe müßte, als eines neuen Hülfsmittels, den
+industriellen Mechanismus verbessern, denn wo ein neuer Faktor
+auftritt, sollte er das Spiel der Kräfte vervollkommnen. Das
+geschieht im sozietären Zustand, aber nicht in der Zivilisation. In
+der Harmonie wird die Liebe die industrielle Anziehung verstärken,
+durch sie wird der Jüngling wie die Jungfrau für die Vereinigungen
+der beiden Geschlechter in den Ateliers, den Gärten, den
+Wirthschaftsanlagen, an der Tafel immer neue Anreize finden. Die
+Wirkung in der Zivilisation ist die entgegengesetzte, sie erzeugt
+Beunruhigung der Eltern, nöthigt zu fortgesetzter Ueberwachung,
+verursacht Ausgaben für Putz und Geschenke und führt nicht selten
+zu Schulden und anderen Ausschweifungen der Jugend. So wird die Ehe
+für die Väter zu einem Pfad von Schwierigkeiten aller Art, mit
+wenig Ausnahmen für die Reichen, und die Erwachsenen werden durch
+die Liebe nur verdorben.«
+
+»Ein anderes großes Uebel in der Familiengruppe ist, daß sie keine
+Freiheit gestattet. Man kann nach freiem Willen Freunde,
+Maitressen, Assoziés wechseln, aber man kann nichts an den Banden
+des Blutes ändern. Das ist ein Uebel, das man noch nicht wahrnahm
+und das so schwer ist, daß die Harmonie ihm viele es aufhebende
+Gegengewichte gegenüberstellen muß, unter Anderem die industrielle
+Adoption (wovon bereits gesprochen wurde) und die Theilnahme an der
+Erbschaft. Das Uebel herrscht, und seit lange, aber seine
+Herrschaft ist in unseren Tagen stetig gewachsen und zwar durch den
+Sieg des Handelsgeistes, der die Zivilisirten immer mehr erniedrigt
+und sie lügnerischer macht, als sie ursprünglich waren. Die
+Sophisten stellen die Frage: ob der Mensch von Natur lasterhaft sei
+und die meisten bejahen dies; man schließt also wie die
+mahommedanischen Fatalisten, welche die Pest für ein unumgängliches
+Uebel erklären, weil sie sich scheuen, Schutzmaßregeln gegen sie zu
+ergreifen. Unsere Philosophen ziehen dieselbe Straße; um sich davon
+zu befreien, ein Heilmittel zu suchen, erklären sie das Uebel als
+unabwendbare Bestimmung. Man muß nur die Schöngeister in irgend
+eine Angelegenheit sich mischen lassen und man kann sicher sein,
+daß sie dieselbe in Unordnung bringen.«
+
+»In allen übrigen Vereinigungen verlangt der Mensch Freiheit der
+Bewegung und sucht die möglichste Ausdehnung seiner Verbindungen.
+Unsere Philosophen selbst predigen, daß man die philanthropische
+Freundschaft auf die ganze Menschheit ausdehnen und Alle als Brüder
+betrachten müsse, der Ehrgeiz solle uns treiben, uns mit den
+Freunden des Handels auf dem ganzen Erdboden zu verbinden, aber in
+Sachen der Liebe und des Familienbandes zwingt man uns in den
+möglichst kleinsten Kreis. Man überlasse die Liebe ihrem
+natürlichen Hang und überlasse ihr selbst, sich ihre Grenzen zu
+ziehen. Man wird sehen, daß ein Mann bald mit einer gleichen Zahl
+von Frauen wird zu thun gehabt haben, wie der weise Salomo, und daß
+die Frau ihrerseits es auch nicht an der Auswahl der Männer wird
+haben fehlen lassen. Diese Vielheit in der Liebe ist so natürlich,
+daß selbst ein altersschwacher Sultan sich nie auf eine einzige
+Frau beschränken läßt. In einem zukünftigen Zeitalter wird man
+diese Freiheit der Liebeswahl ganz natürlich finden, und ein Greis
+wird direkte und indirekte Nachkommen, Adoptivkinder und Erben in
+die hunderte haben. Dann wird das goldene Zeitalter der Vaterschaft
+angebrochen sein und wird die Freuden genießen, die sie im
+gegenwärtigen Zustand vergeblich sucht. Die Adoptionen und die
+Legate werden in der Harmonie so zahlreich sein, wie sie in der
+Zivilisation unmöglich sind; man wird die Fortsetzer
+(»continuateurs«) aus Passion haben, die Mangels an eigenen, von
+gleichen Trieben beseelten Kindern, das Begonnene weiter führen.
+Außerdem, welcher Egoismus, welche Eifersucht herrscht in unseren
+Familien, die nicht leiden, daß ein Außenstehender sich in die
+Neigungen des Vaters theilt: gezwungen sich an die eigenen Kinder
+zu halten, begegnet er nur zu oft in seinen Plänen und
+Unternehmungen den Antipathien derselben, muß er in ihnen die
+Zerstörer seines Werkes sehen. Es kann also kein Zweifel sein, daß
+das Familienband die antiökonomischste Verbindung ist und den
+Wünschen Gottes, welcher der höchste Oekonom ist, und mit
+Aufwendung der geringsten Mittel das Vollkommenste zu erreichen
+strebt, auf's Direkteste entgegensteht.«
+
+ * * * * *
+
+Fourier erläutert jetzt die Art der Vertheilung der materiellen
+Genüsse in der Phalanx. Die Uebereinstimmung in der Vertheilung sei
+garantirt, wenn man zwei bestimmte Mittel, die mehr als genügten,
+in Anwendung bringe: Das erste sei die Gierigkeit, die bei den
+Menschen nie fehlen werde. Finde man ein Mittel, die Gier des
+Einzelnen in ein Pfand billiger Vertheilung umzuwandeln, so werde
+die Herrschaft der Gerechtigkeit schon gesichert. Das zweite
+Mittel, um das Gleichgewicht der Vertheilung herbeizuführen, sei
+die Generosität. Diese halte man wohl für unmöglich, sie sei aber
+durchzuführen.
+
+Jeder, der sich mit Anderen geschäftlich verbinde, wolle daraus
+Vortheil ziehen. Trete ein solcher nicht ein, löse die Verbindung
+sich auf. Diese Gefahr sei in der Phalanx nicht vorhanden, da die
+Vortheile für das Wachsthum des Einkommens kolossale seien und
+dieses im Vergleich zu heute sich wenigstens verdreißig- und
+vervierzigfache. Zwei Beispiele möchten dies beweisen. Eine
+Familie, die in Paris 60.000 Franken jährlich ausgebe und dafür
+Pferde, Wappen, Diener und Wohnung in der Stadt und auf dem Lande
+unterhalte, könne in der Phalanx mit 6000 Franken dasselbe haben.
+Dieser zehnfache Vortheil werde ein zwanzigfacher, wenn man erwäge,
+welch große Auswahl in Bezug auf Wagen aller Art man in der Phalanx
+habe, daß man von den Streitereien mit Händlern und Kaufleuten, von
+den Ausgaben für Lakaien und von ihren Diebereien und Betrügereien,
+von der Spionage und anderen Widerlichkeiten, welche das Gesinde zu
+einer Geißel der Großen machten, befreit sei. Man solle ferner an
+die Verbesserung der Straßen und Wege denken, deren Zustand heute
+auf dem Lande den Aufenthalt verbittere und sie einen großen Theil
+des Jahres fast unpassirbar mache. Das Gegentheil in der Phalanx,
+wo alle Straßen und Wege mit Trottoirs für Equipagen und leichte
+Wagen, für Fußgänger wie für Pferde und Zebras versehen, die Wege
+schattig und mit Fußsteigen, die man nach Bedürfniß besprenge,
+ausgestattet seien. Dazu kämen die Annehmlichkeiten der überdeckten
+Verbindungen zwischen den Wohnungen, Ateliers, Werkstätten,
+Stallungen; für Kirche, Theater, Ballsäle u.s.w., und daß alle
+diese verdeckten Passagen im Winter erwärmt seien, so daß man kaum
+wissen werde, ob es draußen warm oder kalt sei. Es seien dies alles
+Erleichterungen und Annehmlichkeiten, wie sie in der Zivilisation
+selbst ein König sich nicht verschaffen könne. Das Wohlsein werde
+sich also in der Phalanx in das unzählbar Vielfache steigern.
+Dasselbe sei mit den Mahlzeiten der Fall. Die Raffinements, die aus
+der stetigen Verbesserung der Materialien in Garten, Feld, Stallung
+und Keller hervorgingen, in der Küche durch die verbesserten
+Methoden der Fertigstellung sich steigerten, könne kein Einzelner,
+und sei er der Reichste, herbei- und durchführen. Und an alledem
+nähme der Aermste in der Phalanx Theil.
+
+Fourier, der offenbar in den Dingen der Küche und was damit
+zusammenhängt genaue Spezialstudien gemacht hat, führt dies im
+Detail sehr anziehend und Lust erweckend aus; so wird es nach ihm
+eine Kleinigkeit sein, daß man auf jeder Tafel bei jeder Mahlzeit
+wenigstens dreierlei Arten Käse, jeden wieder in verschiedenen
+Qualitäten, zum Nachtisch haben kann, so daß eine zwölffache
+Auswahl gewöhnlich sei. Fleisch, Geflügel, Wild, Fische, Gemüse,
+Kompots, Eier- und Mehlspeisen würden in einer Vielseitigkeit der
+Herstellung und in einem Raffinement geliefert, von dem gegenwärtig
+kaum Jemand eine Vorstellung habe. Die Tafel der Reichen in der
+Phalanx sei täglich bei einer Mahlzeit mit mindestens dreißig
+Gerichten bedeckt, und selbst die Armen dürften, wenn erst die
+Phalanx in vollem Gange sei, auf mindestens zehn Gerichte zum
+Mittagtisch rechnen. Es kann, ihm zufolge, daher auch gar nicht
+fehlen, daß selbst die Könige, nachdem sie die Phalanx besucht und
+sich von ihrer Opulenz nach allen Richtungen durch den Augenschein
+überzeugt haben, sich beeilen werden, die Gründung der Phalanxen
+nicht nur zu unterstützen, sondern selbst mit ihrem Hofstaat in
+eine solche einzutreten.
+
+Die Phalanx verbindet also, nach F. Ansicht, die sensuellen
+Vergnügungen mit der Abwesenheit aller materiellen Sorgen, die
+heute Vätern und Müttern so viel Kopfschmerzen verursachen. Sie
+findet rasch die Zustimmung der Väter, die von den Kosten der
+Haushaltung, der Erziehung und der Ausstattung der Kinder befreit
+sind; sie findet die Zustimmung der Frauen, welche alle der vielen
+Widerwärtigkeiten der Haushaltung, wo die Mittel fehlen, los und
+ledig sind; sie findet die Zustimmung der Kinder, denen nur
+anziehende Beschäftigungen, Vergnügungen und die besten Mahlzeiten
+in Aussicht stehen; und sie findet endlich auch die Zustimmung der
+Reichen, die erhebliches Wachsthum ihres Vermögens und das
+Verschwinden aller Risikos und die Beseitigung des Aergernisses,
+von dem, wie Fourier behauptet, sie stets umgeben sein sollen, zu
+erwarten haben. Der Arme kann natürlich gar nichts Besseres thun,
+als sofort mit beiden Händen zugreifen, denn er hat Nichts zu
+verlieren, aber Alles zu gewinnen. So werden die Serien, die
+Gruppen, die Individuen in der Phalanx alle in den edelmüthigsten
+Entschlüssen übereinstimmen und werden selbst zu materiellen Opfern
+entschlossen sein, die aber nicht einmal nöthig sind. Bei dem
+Gedanken, wieder in die Zivilisation zurückzufallen, wird Jeder
+erschreckt sein, wie bei dem Gedanken, in die Arme des Teufels zu
+stürzen; Jeder würde bereit sein, lieber sein halbes Vermögen zu
+opfern. So wird sich die Uebereinstimmung und die Aufrechterhaltung
+der Einheitlichkeit in allen materiellen Dingen auf die höchste
+Stufe erheben.
+
+Wie nach Fourier in der Phalanx sich die materiellen Interessen zur
+größten Zufriedenheit Aller ausgleichen, so wird auch die
+Vermischung und aus Zuneigung entstehende Uebereinstimmung der drei
+Klassen sich vollziehen. »Die reiche Klasse muß nur gewahr werden,
+daß man sich ihr seitens der anderen Klassen höflich und ohne
+persönliches Interesse und ohne Gefahr der Hintergehung nähert, und
+sie wird bereitwilligst der Phalanx ihre Kräfte und ihr Vermögen
+leihen. Damon, der ein großer Blumenfreund ist und in Paris wohnt,
+macht jährlich bedeutende Ausgaben für seine Blumenbouquets, aber
+er wird übel berathen und betrogen durch die Verkäufer, bestohlen
+durch Gärtner und Diener. Dadurch wird ihm die Blumenzucht
+verleidet und er entschließt sich, die Kultur derselben aufzugeben,
+so sehr er sie liebt. Darauf besucht Damon die Versuchsphalanx, wo
+er sieht, daß die Blumenzucht eifrig gepflegt wird und er
+Unterstützung an Anderen findet, die gleich ihm dafür begeistert
+sind. Statt Mißtrauen zu begegnen, sieht er, daß man seinen
+Wünschen und Rathschlägen, als von einem Sachkenner kommend,
+bereitwillig Folge leistet und alle Arbeiten ausführt. Ihn trennt
+keine Verschiedenheit der Interessen von den Mitwirkenden, denn
+alle Kosten trägt die Phalanx; er sieht sich geachtet und geliebt,
+weil man seine Kenntnisse schätzt und ihn als eine Stütze der Serie
+betrachtet. Namentlich sind es die Kinder, die sich um ihn drängen
+und bei dem drohenden starken Regen Schutzzelte über die Beete
+spannen. Er fühlt sich unter diesen Blumenfreunden wie in einer
+zweiten Familie und entschließt sich zu mehreren Adoptionen. Da ist
+Aminte, ein Mädchen ohne Vermögen, aber eine der geschicktesten
+Seriesten, die für Damon begeistert ist; sie sieht in ihm, dem
+Sechzigjährigen, die Stütze der ihr theuren Kultur; sie will sich
+ihm erkenntlich zeigen, und da sie auch ein Mitglied einer Gruppe
+der Zimmerordnerinnen ist, übernimmt sie die Sorge für Damon's
+Zimmer und Garderobe. Sie dient Damon nicht aus materiellem
+Interesse, denn er bezahlt sie nicht, und dies wäre überhaupt
+unzulässig, sondern aus Dankbarkeit für seinen Eifer für die Kultur
+der Blumen. Damon hat also doppelte Freude, er hat in Aminte eine
+eifrige und gelehrige Schülerin und eine aufmerksame Gouvernante,
+und zum Dank adoptirt er sie. Bei dieser industriellen Kooperation
+war also die Freundschaft im Spiel, ein Trieb, der namentlich bei
+den Kindern einen schönen Aufschwung nimmt, weil ihm weder durch
+Liebe, noch durch Gewinnsucht, noch durch Familieninteresse
+entgegengearbeitet wird.«
+
+»Im Jugendalter ist's hauptsächlich die Liebe, welche den
+Rangunterschied verwischt und selbst einen Monarchen auf die Stufe
+einer Schäferin, die ihn gefangen genommen hat, stellt. Wir haben
+also Keime zur Ausgleichung von Rang- und Standesunterschieden
+selbst in der Zivilisation, aber sie kommen nicht zum Ausbruch.
+Auch sehen wir, daß in Sachen des Ehrgeizes der Höhere den Niederen
+unter Umständen nicht verschmäht. Zum Beispiel in Partei- und
+Wahlkämpfen. Es sind nicht blos die Scipione und Catone, die, um
+seine Stimme zu erhalten, dem Landbebauer die Hand drücken. Aber
+hier wirkt nur die Sucht nach persönlichem Gewinn und Befriedigung
+persönlichen Ehrgeizes. Vollziehen also diese niederen Mittel schon
+die Annäherung verschiedener Klassen, dann ist dies viel leichter
+durch edle Mittel, durch Bande freiwilliger Zuneigung, wie das
+Beispiel zwischen Damon und Aminte zeigt.«
+
+»Nun kann Damon, bei zwanzig verschiedenen Thätigkeiten
+beschäftigt, überall ähnliche Bande knüpfen. Alle Serien und
+Gruppen bestehen aus Gleichstrebenden, und da Jeder bei einer
+speziellen Arbeit in einer Branche in Uebung ist und er darin
+leicht sich auszeichnen kann, wird es ihm an Anerkennung der
+Genossen nicht fehlen. Der Reiche genießt aber doppelte
+Anerkennung, einmal wegen der Geschicklichkeit, durch die er sich
+in irgend welchen Arbeiten auszeichnen kann, dann durch die
+Munifizenz, die er den von ihm gewählten Industrien erweist. So
+macht Damon Ausgaben für sehr werthvolle Pflanzen, die auf Kosten
+der Phalanx anzuschaffen die Regentschaft sich weigert. Für diese
+Dienste wird Damon seitens der Serie zum Chef der Zurüstungen
+gewählt; so wird ihm sein Geschenk mit doppelter Zuneigung
+vergolten; seine intelligenten und eifrigen Genossen erweisen sich
+ihm dankbar und ihre Freundschaft und sein Ansehen steigt bei ihnen
+und den rivalisirenden Nachbarn. Der Reiche kann also sich mit
+vollem Vertrauen der Phalanx überlassen, er hat keine Falle zu
+fürchten, kein ungehöriges Verlangen wird ihn beunruhigen. Kein
+Zweifel, daß in der Harmonie die Ungleichheiten sich leicht
+verbinden. Lustigkeit, Wohlbefinden, Höflichkeit und
+Rechtschaffenheit der niederen Klassen werden den Reichen zum
+Eintritt in die Vereinigungen verführen, dazu kommen die
+prunkvollen Zurüstungen für die Arbeiten der Phalanx und die
+Einigkeit der Sozietäre. Die Aermeren wieder werden auf ihre neue
+Lage und die hohe Bestimmung ihrer Phalanx stolz sein und werden
+Alles aufbieten, der neuen Stellung würdig zu erscheinen. Unter
+solchen Verhältnissen werden Alle bemüht sein, die gerechte
+Vertheilung des Einkommens der Phalanx, wovon die Aufrechterhaltung
+der sozietären Ordnung abhängt, zu erleichtern. Man frage wohl, wie
+könne die Habsucht, die Liebe zum Gelde, die in der Phalanx
+fortbestehen solle, eine gerechte Vertheilung ermöglichen? aber man
+werde sehen, daß in den Serien der Triebe gerade die Liebe zum
+Gelde der Weg zur Tugend und zur Gerechtigkeit sei, so sehr die
+Moralisten die Liebe zum Gelde verurtheilten.«
+
+Fourier explizirt dieses also: Nichts sei leichter in einem
+Unternehmen, als die Vertheilung des Ertrages nach dem Maßstab des
+eingeschossenen Kapitals, das sei eine Jedermann wohlbekannte, rein
+arithmetische Aufgabe; aber auch Arbeit und Talent gerecht zu
+honoriren und zufrieden zu stellen, das sei eine Kunst, welche die
+Zivilisirten nicht verständen, und so beklagten sie sich beständig
+über Ungerechtigkeit und Uebelwollen. Wolle die Phalanx freilich
+jedem Einzelnen, entsprechend seiner Theilarbeit, in vielleicht
+dreißig oder mehr Serien und hundert Gruppen seinen Antheil
+überweisen, so würde dies eine außerordentlich umständliche und
+schwer zu lösende Aufgabe sein. Der Mechanismus der Vertheilung sei
+nicht auf die Individuen, sondern auf die Serien berechnet, und
+diese werden nicht nach ihrer speziellen Leistung, sondern nach
+ihrer Bedeutung für die Phalanx in Betracht gezogen. Die Serien
+gelten als die einzelnen Assoziés, und kraft des Rangs, den sie in
+dem Tableau der Arbeiten einnehmen, wird die Dividende nach drei
+Klassen vertheilt: 1. nach der Nothwendigkeit, 2. der Nützlichkeit
+und 3. der Annehmlichkeit der Arbeit. Wird z.B. die Serie des
+Wiesenbaues als solche von hoher Wichtigkeit anerkannt, so erhält
+sie ein Loos erster Ordnung in der Klasse, in der sie figurirt. Die
+Erzeugung von Körnerfrüchten ist Arbeit erster Nothwendigkeit, aber
+die Serien darin bilden selbst wieder fünf Ordnungen, und so ist
+wahrscheinlich, daß die Erzeugung von Korn, Weizen, Mais etc. auf
+der Stufenleiter der Nothwendigkeiten erst in dritter Ordnung
+kommen.
+
+»Die höchste Dividende fällt den unangenehmsten Arbeiten zu und
+diese erhalten in der Phalanx die kleinen Horden; darauf kommt die
+Fleischerei in Rücksicht auf die damit verbundenen widerlichen und
+übelriechenden Arbeiten. Die Pflege und Ernährung der Säuglinge und
+Kinder in den niedersten Lebensaltern wird für eine schwerere
+Arbeit anerkannt als die eigentliche Feldarbeit. Mediziner,
+Chirurgen und die groben Handarbeiter rangiren in der ersten
+Ordnung der Nothwendigkeit, werden also wie die Arbeit der kleinen
+Horden am höchsten belohnt. Die Arbeit wird nicht nach dem Werth
+bemessen, sondern nach dem Maß der Anziehung, das sie ausübt, je
+höher die Anziehung, also auch die Annehmlichkeit, je geringer die
+Belohnung.«
+
+»Fragt man den Zivilisirten, was nach seiner Meinung die höhere
+Belohnung verdiene, ob die Serien der Obstzüchter oder die der
+Blumenzüchter, so wird er antworten: die ersteren, und zwar hätten
+diese in der Klasse der Nützlichkeiten, die Blumenzüchter in der
+Klasse der Annehmlichkeiten zu rangiren. Aber das ist ein ganz
+falscher Schluß. Obgleich die Obstbaum- und Früchtezucht sehr
+produktiv ist, rangirt sie in der Harmonie in die Klasse der
+Annehmlichkeiten, weil sie außerordentlich anziehend ist. Die
+Obstbaumzucht ist in der Harmonie eine der reizvollsten Erholungen.
+Jeder Obstgarten ist mit Blumenaltären besäet, die von Zierstauden
+umgeben sind; hier werden die Ruhepausen abgehalten, hier
+vereinigen sich die Geschlechter, und so bietet diese Kultur neben
+der Geflügelzucht die meiste Anziehung. Dadurch wird die Obstzucht
+in die dritte Klasse, in die der Annehmlichkeiten gereiht, und
+empfängt die niederste Belohnung. Was die Blumenzucht betrifft, die
+im Allgemeinen in der Zivilisation nicht sehr geschätzt wird und
+kaum die Kosten deckt, so erwecken zwar ihre Produkte Liebreiz,
+aber die Arbeit erfordert große Pünktlichkeit, erhebliche
+Kenntnisse und viele Sorgfalt und das Vergnügen ist von kurzer
+Dauer. Aber diese Kultur ist, sowohl um die Kinder zu bilden, als
+um die Frauen für das Erforderniß der Kultur und das Studium
+agronomischer Verfeinerungen zu gewinnen, sehr werthvoll. Auch
+eignen sich die Arbeiten der Obstzucht nicht immer für die Kinder,
+wofür hingegen die Pflege der verschiedenen Blumensorten sehr
+geeignet ist. Aus diesen Gründen werden die Serien der
+Blumenzüchter in die zweite Klasse, die der Nützlichkeiten,
+versetzt werden.«
+
+»Wird also die Obstbaumzucht, die noch besonders werthvoll dadurch
+wird, daß ihre Produkte, sei es in Natur, sei es als Kompot,
+Marmelade u.s.w. für die Ernährung und Verfeinerung der Lebensweise
+die wichtigsten Dienste leisten, in die dritte Klasse, des
+Angenehmen, versetzt, so gelangt die Oper, die wir für rein
+überflüssig anzusehen geneigt sind, in die zweite Ordnung der
+ersten Klasse, die der Nothwendigkeiten. Man wird freilich sagen,
+Müller und Bäcker sind nützlicher, aber das kann nur von einem
+Gesellschaftszustand gelten, der die industrielle Anziehung nicht
+kennt. Von letzterem Standpunkt aus ist aber die Oper für die
+Harmonie sehr werthvoll, weil sie für die Kinder das mächtigste
+Hülfsmittel ist, sie zur Gewandtheit und zur Einheitlichkeit der
+industriellen Thätigkeiten zu erziehen. Von diesem Standpunkt aus
+gehört sie in die erste Klasse, die der Nothwendigkeiten, soweit
+hingegen sie den Erwachsenen als Mittel zum Vergnügen dient,
+rangirt sie in die dritte Klasse, die der Annehmlichkeiten.«
+
+»Maßstab der Vertheilung für die Arbeit ist also: 1. die direkte
+Wirkung, die sie für die Bande der Einheitlichkeit der Phalanx im
+Spiel des sozialen Mechanismus besitzt; 2. der Werth, den sie hat
+für die Beseitigung widriger Hindernisse und 3. im umgekehrten
+Verhältnisse steht zu der Stärke der Anziehung, die sie erweckt.
+Unter den ersten Fall sind, wie schon bemerkt, die Beschäftigung
+der kleinen Horden, unter den dritten die Oper für die Erwachsenen,
+unter den zweiten unter Anderem die Beschäftigung in den Minen und
+Bergwerken zu zählen.«
+
+»In dieser Art gruppiren sich die verschiedenen Thätigkeiten, deren
+Klassifizirung und Ordnung die Mitglieder der Phalanx selbst
+bestimmen. Die Verständigung ist um so leichter, da jedes Mitglied
+in einer ganzen Menge von Serien und in einer noch größeren Zahl
+von Gruppen beschäftigt ist. Die Gunst, die ein Mitglied einer
+Serie oder Gruppe in der Zubilligung der Dividende erwürbe, würde
+es in den anderen Gruppen und Serien schädigen; sein eigenes
+Interesse zwingt es also zur größten Objektivität; auch ist es
+interessirt, daß die Harmonie nicht gestört wird, weil diese
+Schädigung des Ganzen unfehlbar den größten Schaden für es selbst
+brächte. Von diesen Gesichtspunkten aus vertheilt sich auch das
+Einkommen auf Kapital, Arbeit und Talent.«
+
+»Alippus ist ein reicher Aktionär, der bis dahin in der
+Zivilisation für die Ausleihung seines Kapitals auf Güter 3-4
+Prozent erhalten hat. In der Phalanx hat er Aussicht, 12-15
+Prozent zu bekommen. Er ist sehr für gerechte Vertheilung des
+Ertrages, doch drängt ihn seine Habsucht, als Kapitalist die Hälfte
+der Dividende in Anspruch zu nehmen. Er muß sich aber sagen, daß
+dann die beiden anderen zahlreichen Klassen, die Arbeit und Talent
+aufwandten, sehr unzufrieden sein werden und wahrscheinlich binnen
+wenig Jahren die Phalanx sich auflöse und dies sein größter Schade
+sei. Diese Einsicht veranlaßt ihn, sich in seinem eigenen Interesse
+mit weniger zu begnügen und eine Theilung zu akzeptiren, die dem
+Kapital 4/12, der Arbeit 5/12 und dem Talent 3/12 zuweist. Er hat
+nach diesem Maßstab noch drei- bis viermal mehr Einkommen, als die
+Zivilisation ihm gewährte, er lebt viel billiger in der Phalanx,
+als in der Zivilisation, und er sieht außerdem die beiden anderen
+Klassen befriedigt und dies sichert den Bestand der Gesellschaft.
+Was ihn außerdem bestimmt, sich zufrieden zu geben, ist, daß er
+gleichzeitig als Mitglied einer Anzahl Serien, in denen er viel
+Vergnügen genoß, freundschaftliche und Liebesbeziehungen anknüpfte,
+seinen Antheil als Thätiger und, soweit er darin durch Talent sich
+auszeichnete, auch dafür seinen Antheil erhält. Seine Habsucht
+wurde also durch zwei Gegengewichte in der richtigen Mitte
+gehalten, er hat die Ueberzeugung, daß im Interesse Aller er sein
+eigenes Interesse wahrt und dafür die Zustimmung der Phalanx
+findet, und daß der Fortschritt der industriellen Anziehung für ihn
+zur Quelle großen Reichthums wird.«
+
+Sehen wir weiter zu. Johannes hat kein Kapital und keine Aktien, er
+wäre also als Zivilisirter sehr dafür, daß die Arbeit auf Kosten
+des Kapitals und Talents den Löwenantheil erlangt und rechnet 7/12
+für die Arbeit, 3/12 für das Kapital und 2/12 für das Talent.
+Johannes, als Mitglied der Assoziation, denkt indeß anders. Wohl
+hat er den lebhaften Trieb, der Arbeit den Hauptantheil zuzuweisen,
+aber da er in einer Reihe von Serien und Gruppen durch Talent der
+Erste ist, so verkennt er nicht, daß auch dem Talent sein
+entsprechender Antheil gebühre. Außerdem begreift er als
+einsichtiger Bürger die Bedeutung des Kapitals, welche Vortheile
+der Arme aus den Ausgaben der Kapitalisten zieht, welche
+Annehmlichkeiten reiche Angehörige ihren Serien und Gruppen
+erweisen, endlich, daß seine Kinder Aussicht haben, mit Legaten
+bedacht zu werden. Alles das genau erwogen, findet auch er, daß man
+ein Einsehen haben und daß die Arbeit zu Gunsten von Kapital und
+Talent ein wenig zurücktreten müsse. Er kämpft also auch gegen die
+»unvernünftige Raubsucht« (»rapacité déraisonée«), deren ein
+Zivilisirter fähig wäre und findet ebenfalls bei der Repartition
+von 4/12 für das Kapital, 5/12 für die Arbeit und 3/12 für das
+Talent seine Seele und sein Gewissen befriedigt.
+
+Fourier glaubt mit besonderem Nachdruck auf dieser Art Vertheilung
+beharren zu müssen, was man bei seinem Bestreben und seinem festen
+Glauben, diese von ihm entdeckte und konstruirte ideale
+Gesellschaft mit freiwilliger Zustimmung aller Klassen und zum
+Wohlsein aller Klassen ohne irgend welche gewaltsame
+Erschütterungen begründen zu können, begreifen wird. Wäre die
+Fourier'sche Phalanx überhaupt möglich und keine Utopie, so wäre
+unfaßbar, warum das Kapital, bei all den sich ihm eröffnenden
+glänzenden Aussichten, sich nicht beeilte, Hals über Kopf diesen
+neuen Gesellschaftszustand zu begründen. Fourier glaubt felsenfest
+an diese Möglichkeit und die Richtigkeit der von ihm gemachten
+Aufstellungen; er konstruirt sich die Prämissen und da müssen die
+Konklusionen stimmen. Falsch sind nicht seine Voraussetzungen,
+sondern falsch ist die Gesellschaft, die in ihrer Kurzsichtigkeit
+und Verblendung den Weg, der sich ihrem Glück öffnet, nicht sieht
+oder zurückweist. Er behauptet also mit Ueberzeugung, daß der Arme
+in der Harmonie die reiche Klasse und den Antheil des Kapitals am
+Ertrag bereitwillig unterstützen werde, weil ihm mit Hülfe des
+Kapitals in der Phalanx so zahlreiche Chancen, zu Vermögen zu
+kommen, sich darböten. Der Arbeiter der Phalanx sei nicht
+entmuthigt, wie der Arbeiter der Zivilisation, der keine Aussicht
+habe, selbstständiger Unternehmer zu werden. »Seine Kinder können
+durch Kenntnisse, Talent, Schönheit zu hohen Würden und Stellungen
+kommen, auch kann er, da er stets mehr erwirbt als er ausgiebt,
+Ersparnisse machen, und so selbst allmälig Aktionär werden.« Nährt
+ihm doch die Phalanx die Kinder, die vom dritten Lebensjahre ab
+bereits selbst voll verdienen, was sie brauchen und später mehr
+verdienen, als sie nöthig haben; liefert ihm doch die Phalanx alle
+Werkzeuge und nicht weniger als drei Paradeuniformen für die Feste
+und Aufzüge; auch besucht er weder Kneipen noch Café's, da er nach
+fünf vortrefflichen Mahlzeiten und all den Abwechslungen und
+Vergnügungen, die ihm die tägliche Beschäftigung bietet, für solche
+Orte kein Bedürfniß mehr empfindet; endlich besteht überall die
+volle Gleichberechtigung: er nimmt an allen Berathungen Theil, hat
+das gleiche Stimmrecht und somit nach keiner Richtung einen Grund,
+gegen die Reichen Abneigung zu empfinden. In der That, es gehört
+viel Verbohrtheit dazu, all diesen Verlockungen zu widerstehen.
+
+Fourier kommt natürlich nicht im Traum der Gedanke, daß, wenn all
+diese schönen Ausmalungen und scharfsinnigen mathematischen
+Berechnungen dennoch ihre Wirkungen verfehlen, das ganze System auf
+falschen Voraussetzungen beruhen müsse, denn für ihr Interesse sind
+die Menschen in allen Zeitaltern und bei allen Völkern sehr
+empfänglich gewesen und namentlich die herrschenden Klassen. Aber
+aller Widerstand und alle Feindseligkeit, die ihm begegneten,
+machten ihn an der Richtigkeit seiner Theorien und seiner
+Berechnungen nicht irre, diese sind für ihn unbestreitbar, und so
+ist selbstverständlich, daß der einmal begonnene Faden sich ruhig
+bis zu Ende spinnt, und ein Gebäude entsteht, in dem jeder Stein
+genau auf den anderen paßt, bei dem Alles auf's Genaueste und
+Scharfsinnigste berechnet und vorgesehen ist, dem aber die
+Hauptsache fehlt, das reale Fundament. Die Erkenntniß der
+eigentlichen Entwicklungsgesetze der Gesellschaft, welche zwar die
+Gesellschaft einst zu einem ähnlichen Zustande, wie ihn Fourier als
+scharfsichtiger Seher voraussetzt, führen werden, aber auf anderem
+Wege und durch andere Mittel und -- wann die Entwicklung reif ist,
+-- die Erkenntniß ihrer Entwicklungsgesetze blieb ihm und seinem
+Zeitalter fremd.
+
+Wie der Kapitalist und der Arbeiter sich zufrieden geben und genau
+so schließen, wie es der Konstrukteur dieser idealen Gesellschaft
+wünscht, so natürlich auch das Talent. Philint ist Mitglied von 36
+Serien. In zwölf zeichnet er sich als alter erfahrener Serist durch
+große Geschicklichkeit und durch Talent aus, in zwölf anderen ist
+er nur mittelmäßiger Arbeiter und in den zwölf letzten Neuling.
+Nachdem beim Jahresschluß die Inventur gemacht wurde und die
+Mitglieder der Phalanx zur Entscheidung berufen werden, könnte er
+in Anbetracht der Talente, die er in zwölf Serien entwickelte, sehr
+geneigt sein, den Antheil des Talents besonders zu begünstigen.
+Aber als überlegender Mann muß er sich sagen, daß damit weder sein
+Interesse noch das der Phalanx gewahrt würde. Einmal stehen nicht
+nur den 12 Serien, in denen er sich auszeichnet, 24 gegenüber, in
+denen er nur mittelmäßiger Arbeiter oder gar Neuling ist, es findet
+sich auch, daß von den 12 Serien, in denen er sich hervorthut, nur
+vier in die erste, also höchst belohnte Klasse, die der
+Nothwendigkeiten, fallen, vier andere in die zweite und die letzten
+vier in die dritte Klasse. Daraus ergiebt sich für ihn von selbst,
+daß er den einseitigen Maßstab der Bevorzugung des Talents nicht
+zur Geltung kommen lassen kann. Ein anderer Umstand tritt bei all
+diesen Erwägungen über die Vertheilungen hinzu. Da die Interessen
+aller Mitglieder in den dutzenden von Serien und hunderten von
+Gruppen persönlich voneinander differiren, in einer Serie oder
+Gruppe, wo zwei oder mehrere harmoniren, diese wieder in allen
+anderen Serien und Gruppen in ihren Interessen auseinandergehen,
+ist ein Intriguenspiel zu Gunsten einzelner Serien oder Gruppen
+unmöglich. In diesen hunderten durcheinandergehenden und sich
+kreuzenden Interessen, wobei kein Einzelner etwas vermag und keine
+Verbindung gleicher Interessen möglich ist, muß schließlich das
+Allgemeininteresse, das damit das Interesse Aller wird, siegen.
+
+Diese Idee ist ungemein geistreich und scharfsinnig, und die
+Richtigkeit der Vordersätze, von denen Fourier ausgeht, zugegeben,
+hat er vollkommen recht, triumphirend auszurufen, daß sowohl in den
+Details wie im Ganzen bei der Vertheilung die distributive
+Gerechtigkeit in der Phalanx herrscht. »Das Regime der Serien der
+Triebe ist die gewollte Gerechtigkeit, die das angebliche Laster,
+den _Durst nach Gold, in den Durst nach Gerechtigkeit umwandelt_.«
+Die Habsucht, eines der schlimmsten Laster in der Zivilisation,
+wird also auch in der Phalanx zur Tugend. Unsere heute als am
+lasterhaftesten bezeichneten Triebe werden in der sozietären
+Ordnung nützlich und gut, wie es die von Gott gewollte Bestimmung
+ist. Die Bewegung der Organisation der Triebe wird nach der von
+Schelling ausgesprochenen Idee »in jedem Sinn der Spiegel der
+universellen Analogie«. Schließlich hat Fourier nichts dagegen
+einzuwenden, wenn die Vertheilung auch derart stattfindet, daß die
+Arbeit 6/12, das Kapital 4/12 und das Talent nur 2/12 erhält. Das
+ganze Vertheilungsgesetz formulirt er also: »Es müsse die
+individuelle Habsucht durch das Kollektivinteresse jeder Serie und
+der gesammten Phalanx und die kollektiven Ansprüche jeder Serie
+durch das individuelle Interesse eines jeden Seristen, als
+Angehöriger einer Menge anderer Serien, absorbirt werden.« Und
+dieses Gesetz wird erreicht »durch das direkte Verhältniß der Zahl
+der frequentirten Serien im umgekehrten Verhältniß zu der Dauer der
+Arbeit in den einzelnen Serien«. Mit anderen Worten: Je mehr Serien
+der Einzelne angehört und je kürzer in Folge dessen die einzelnen
+Arbeitssitzungen werden, um so leichter wird die ausgleichende
+Gerechtigkeit in der Vertheilung des Arbeitsertrags sich
+herstellen. Mit der Zahl der differirenden Interessen des Einzelnen
+wächst die Möglichkeit der gerechtesten Ausgleichung und die
+Einheitlichkeit des Ganzen.
+
+Die Habsucht wirkt also schließlich ausgleichend in der Harmonie,
+aber ihr steht noch ein zweiter Impuls zur Ausgleichung gegenüber,
+die Edelmüthigkeit. Erstere wirkt direkt, letztere indirekt. Zum
+Beispiel: »Es handelt sich um die Vertheilung eines Ertrags von 216
+Frks. unter neun Mitglieder einer Gruppe, wobei sich zufällig
+herausstellt, daß die Reichsten und Wohlhabendsten unter den neun
+Gruppisten in Folge ihrer Leistungen das Meiste erhalten. Darauf
+erklären die beiden Ersten, daß sie in Anbetracht ihres
+Kapitaleinkommens und des Vergnügens, das ihnen die Arbeit
+gebracht, sich mit dem Minimum begnügen -- auf das Ganze dürfen sie
+nicht verzichten -- was vier Franken beträgt. In Folge dessen
+bleiben 52 Franken an die Uebrigen weiter zu vertheilen. Aber dem
+Beispiel der beiden Ersten folgen zwei Andere, nur daß diese
+entsprechend ihrem geringeren Vermögen von dem ihnen zufallenden
+Antheil nur auf die Hälfte verzichten, wobei weiter 20 Franken zu
+vertheilen übrig bleiben. Diese 72 Franken werden nun dergestalt
+unter die fünf armen Sozietäre vertheilt, daß sie je 24, 18, 12, 9
+und 9 Franken erhalten, und zwar erhält davon eine schöne Vestalin,
+nicht wegen ihrer Leistungen, sondern weil sie bei den Gebern wie
+bei den übrigen Mitgliedern in Gunst steht, den höchsten Satz.
+Diese Gunstbezeugung ist keine Ungerechtigkeit, denn sie schädigt
+Niemand in seinen Rechten, sie wird aber in der Harmonie eine
+Quelle der Uebereinstimmung. So werden auch eine große Zahl von
+Würden und Szeptern, bis zu dem des Omniarchen des Erdballs, als
+Gunstbezeugungen vergeben, weil alle diese Würden durch Wahl
+erfolgen.
+
+Wenn nun hieraus sich ergiebt, daß die reichsten Sozietäre nur den
+möglichst geringsten Arbeitsantheil empfangen -- die
+Verzichtleistung soll nach Fourier in Folge des Beispiels
+allgemeine Regel werden -- und den größten Theil ihres Einkommens
+nur nach Maßgabe ihrer Kapitalien beanspruchen, so resultirt
+daraus, daß ihr Antheil am allgemeinen Benefizium im umgekehrten
+Verhältniß zu der Entfernung (»distance«) der Kapitalien von
+einander steht, denn für Arbeit und Talent tendiren sie nur den
+kleinsten Theil in Anspruch zu nehmen. Dagegen steht ihr Antheil am
+allgemeinen Benifizium bezüglich des Kapitalantheils im direkten
+Verhältniß der Masse der Kapitalien. Es kommen also hier genau wie
+in der physischen Welt zwei entgegenwirkende Kräfte in Betracht,
+die zentripetale, welche hier die Habsucht ist, und die
+zentrifugale, die Edelmüthigkeit.
+
+Der Leser wird bereits erkannt haben, daß Fourier hier das von
+Newton entdeckte Gesetz der Anziehung der Weltkörper, wonach diese
+wirkt im graden Verhältniß zu ihrer Masse und im umgekehrten
+Verhältniß zum Quadrat ihrer Entfernung, auf den Vertheilungsmodus
+seiner Phalanx anzuwenden sucht. Alle Beziehungen der Menschen
+unter sich und zum Weltall sind ja nach Fourier durch mathematische
+Verhältnißzahlen zum Ausdruck zu bringen und nach Analogien
+geordnet, also muß auch die Phalanx, welche im Kleinen das
+Spiegelbild der Einheitlichkeit der Welt darstellt, diese
+mathematischen Verhältnisse zum Ausdruck bringen. Freilich ist
+dieser Versuch im vorliegenden Fall ein verunglückter, denn unter
+dem Ausdruck Entfernung kann doch nichts Anderes als die Größe der
+Kapitalien verstanden werden, und ihre Größe deckt sich wieder mit
+ihrer Masse, mit dem Quadrat der Entfernung haperts überhaupt; und
+was ist der Mittelpunkt, um den die Kapitalien gravitiren? Im
+bürgerlichen Leben ist der Mittelpunkt, nach dem Alles strebt, das
+Kapital selbst, in der Phalanx schwebt es in der Luft. Doch
+vergessen wir nicht, daß es sich hier um ein geistreiches, mit
+großem Scharfsinn aufgebautes Utopien handelt.
+
+Fourier ist nun weiter der Ansicht, daß in seiner Phalanx die
+Generosität, welche die reichen Leute üben, wenigstens 7/8 des
+Betrags ihrer Dividenden, und bei den Mittelleuten die Hälfte
+derselben umfassen werde, diese also den ärmeren Sozietären zu Gute
+kommen. Das klinge freilich wie eine romantische Vision, weil man
+sich in der Zivilisation ein solches Maß von Großmuth gar nicht
+vorstellen könne. Mit den bereits hervorgehobenen Triebfedern für
+eine solche Handlungsweise verbinden sich allerdings noch andere,
+wie diejenigen, die aus den Liebesbeziehungen resultiren. Doch bei
+den Vorurtheilen der Zivilisation gegen alles, was das Kapitel der
+freien Liebe betreffe, sei er genöthigt, grade dieses für die
+Harmonie so werthvolle und äußerst interessante Gebiet nicht weiter
+zu berühren; so viel aber sei sicher, daß die freie Liebe und die
+freie Vaterschaft seelische und physische Kraftquellen erschließen
+werde, die der Lebensfreudigkeit und der Entwicklung der Menschheit
+die glänzendsten Aussichten eröffneten.
+
+Was schließlich den Loosantheil betreffe, der dem Talent zufalle,
+so gewähre dies besonders den unbemittelten Alten in der Phalanx,
+die in Folge einer langen Erfahrung in den verschiedensten
+Arbeitszweigen und in der Leitung der Arbeiten hervorragten,
+Aussicht auf Gewinn. In der Zivilisation sei die Arbeit des
+Talents, die in der Harmonie eine Ausgleichung zwischen dem, was
+dem Kapital und dem, was der Arbeit zufalle, herbeiführen solle,
+nur eine Art Fußschemel, auf dem der Reichere auf Kosten des
+Aermeren, dessen Kenntnisse er für sich ausbeute, in die Höhe
+steige; der gesellschaftlich Begünstigte schmückte sich mit den
+Federn des Armen. Die Handlungen aus Edelmuth in der Phalanx seien
+es ferner, die hauptsächlich die Grenzen zwischen den Armen und
+Reichen verwischten, daher werde ein Monarch in der Harmonie
+mitleidig lächeln, wenn man ihm eine Schutzgarde anbiete. Alle, die
+ihn umgeben, seien ihm von Herzen und nicht wegen der Bezahlung
+ergeben, der Monarch genieße ohne alle Kosten eine Zuneigung, die
+er sich in der Zivilisation nie zu erwerben vermöge, wo er seine
+Sicherheit nur in der Umgebung von erkauften Söldlingen zu glauben
+finde und doch nicht vor der Ermordung sicher sei.[20]
+
+[Fußnote 20: Anspielung auf die verschiedenen Attentatsversuche
+und Verschwörungen, denen trotz aller Sicherheitsmaßregeln Napoleon
+I. wie Ludwig XVIII. und Louis Philipp ausgesetzt waren.]
+
+Die große Ungleichheit der Vermögen werde es gerade sein, die in
+der sozietären Gesellschaft die Harmonie gebäre; nur ein Schatten
+von Gleichheit hierin würde sie zerstören. Kein mittelreicher Mann
+werde deshalb den Anstoß geben, mehr zu überlassen, als was das
+Minimum überschreite. Es genüge, um einen solchen Akt des
+Wohlwollens begehen zu können, den Sozietären das beträchtliche
+Einkommen, das ihnen die zugestandene Dividende aus den Aktien
+einbringe. So werde, den moralischen Diatriben gegen die großen
+Vermögen zum Trotz, die Phalanx, wo die Ungleichheit des Vermögens
+die größte und best abgestufteste sei, die doppelte Harmonie, in
+Folge des Spiels der Impulse der Habsucht und der Großmuth, am
+besten erreichen. »Wie weit entfernt war doch die arme Moral, in
+das Geheimniß der Harmonie der Vertheilung, die für alle anderen
+Harmonien die Grundlage bildet, einzudringen.« Und da griffen die
+Philosophen seine Theorie als bizarr und unbegreiflich an, die doch
+im Gegentheil gar nichts Willkürliches habe, sondern auf
+unerschütterlichen geometrischen Theorien aufgebaut sei. Man preise
+Newton als das größte moderne Genie, weil er die Berechnung der
+Gesetze der Anziehung begonnen habe, worin er sich aber nur auf
+einen Zweig beschränkte; warum unterdrücke man da ihn, den Mann,
+der diese Berechnung fortgesetzt und sie vom materiellen auf das
+passionelle Gebiet, ein Zweig, der für die Menschheit sehr viel
+nützlicher sei, als den, welchen Newton behandelte, übertragen
+habe. Es sei nichts, als die Furcht, daß diese von ihm begründete
+neue Wissenschaft das Handelsgeschäft mit den philosophischen
+Systemen und Büchern schädige.
+
+Neben den bisher angeführten Faktoren, die nach Fourier eingreifen,
+um das Leben in der Phalanx zu einem möglichst angenehmen zu
+gestalten, wirken noch solche, welche die gegenseitige
+Uebereinstimmung und die Versöhnung der Klassen und
+Standesunterschiede herbeiführen, so die Beziehungen, welche die
+Freundschaften zwischen Armen und Reichen und die Liebe zwischen
+Jungen und Alten herstellen wird. Die Zivilisation erzeuge zwar
+auch ausnahmsweise die eine oder die andere dieser Beziehungen,
+aber bei dem Mangel der Serien der Triebe könnten sie zu keinem
+System werden. Wie Freundschaften zwischen Arm und Reich in der
+Harmonie entstehen, ist schon ausgeführt worden. Die Beziehungen,
+welche die freie Liebe hervorruft, müßten in Rücksicht auf die
+ebenfalls schon erwähnten Vorurtheile der Zivilisirten unerörtert
+bleiben, so sind nur die aus Ehrgeiz und der Vaterschaft sich
+ergebenden Verhältnisse näher zu betrachten.
+
+»In unserer Zivilisation herrscht unter den verschiedenen Klassen
+und Standesabstufungen überall nur Haß und Feindseligkeit oder
+Geringschätzung. Der hohe Adel sieht auf den niederen, der Adel
+überhaupt auf die Bourgeoisie, die Bourgeoisie wieder auf das Volk
+mit mehr oder weniger großer Feindseligkeit oder Geringschätzung
+herab, und diese Gefühle werden von unten nach oben erwidert.
+Innerhalb der einzelnen Schichten selbst giebt es wieder
+verschiedene Abstufungen, zwischen denen ähnliche Gefühle
+herrschen. Kurz, mit der süßen Brüderlichkeit, welche die Moral und
+die Philosophie predigen, sieht es in der Wirklichkeit recht windig
+aus. Da verachtet der große Kaufmann den kleinen, der Gelehrte den
+Nichtgelehrten, der Bürger den Bauern und Arbeiter. Aber wo das
+Merkenlassen dieser Gefühle den Interessen schadet, versteckt man
+sie, und das nennt man dann Gewandtheit oder Klugheit (»savoir
+faire«). Wo in der Zivilisation sich der Höhere dem Niederen
+scheinbar freundschaftlich nähert, sind in der Regel Hintergedanken
+im Spiel und sie führen zum Ueblen und zu Unordnungen. So, wenn der
+Große einer Frau aus dem Volke sich nähert, die Folge ist
+gewöhnlich ein Bastardkind; oder wenn wirklich Ehen stattfinden,
+führen sie zu Ueberwerfungen in der Familie. Betrifft es hingegen
+Sachen des Ehrgeizes, so handelt es sich um Wahlintriguen,
+Parteistreitigkeiten, Bündnisse zur Unterdrückung. Und gleichwohl
+ist der Ehrgeiz in der Harmonie ein sehr geeignetes Mittel, alle
+widerstrebenden Elemente zu verbinden. Napoleon sagt man nach, er
+habe in Moskau eine Medaille prägen lassen, welche die Inschrift
+enthielt: »Der Himmel für Gott, die Erde für Napoleon.« Das ist
+damals den Franzosen gar schrecklich vorgekommen. In Wahrheit hat
+er damit eine sehr vernünftige Absicht, die Gründung einer
+Weltmonarchie ausgesprochen. Dieser Gedanke ist durchaus korrekt
+und es ist nur zu bedauern, daß Napoleon ihn nicht verwirklichen
+konnte, er würde damit der neuen sozialen Ordnung wesentlich
+Vorschub geleistet haben. Gleiche Sprache, gleiche Schrift, gleiche
+Kommunikationsmittel, gleiches Geld, Maß und Gewicht zu schaffen,
+gleiche Unternehmungen in Industrie, Handel und Verkehr,
+Wissenschaft und Kunst zu begründen und zu vollbringen, einen
+Weltmeridian aufzustellen, alles dem Menschen Schädliche und
+Feindliche im Pflanzen- und Thierreich zu vernichten, das höchste
+Wohlsein durch die Gründung der Phalanxen auf dem ganzen Erdboden
+herbeizuführen und damit auch die Aenderung und Verbesserung der
+Temperaturen zu bewerkstelligen, das ist das Ziel der sozietären
+Ordnung, und es werden mit dieser Ordnung die Weltmonarchie und die
+Territorialmonarchien über den ganzen Erdboden begründet werden.«
+
+Künftig könnten also Mann wie Frau ihren Ehrgeiz darauf richten,
+Herrscher oder Herrscherin der Welt oder einer der
+Territorialmonarchien zu werden, und für einen politischen Eunuchen
+gelte, wessen Ehrgeiz sich mit Geringerem begnüge. Diese Ansicht
+scheine bizarr, sie sei es aber nicht, denn nichts sei leichter in
+der sozietären Ordnung, »als Cäsar und Pompejus zu versöhnen«.
+Cäsar und Pompejus könnten an demselben Ort in ganz verschiedenen
+Würden nebeneinander regieren. Giebt es doch nicht weniger als
+sechszehn verschiedene Szepter und eine große Auswahl von Würden
+und Titeln. Da giebt es Würden und Titel für die Erblichkeit, die
+Adoption, den Favoritismus, das Vestalat u.s.w. Alle diese Szepter,
+Würden, Titel, Grade, eröffnen sich Jedem. »Kennt der Monarch in
+der Zivilisation nur den legitimen Erben, in der Harmonie wird er
+auch das Recht der Adoption haben, eine Freiheit, deren er bei uns
+beraubt ist und ihm nicht selten den Lebensabend verbittert. Auch
+kann der Souverän wie die Souveränin, um der Erblichkeit zu
+genügen, sich eine Zeugerin oder einen Zeuger wählen; ferner jeder
+Monarch kann Nachfolger bestimmen, welchen er nur bestimmte
+Funktionen, also einen Theil seiner Regierungsgewalt überträgt. Die
+Harmonisten können alle neu gegründeten Throne durch Wahl aus ihrer
+Mitte besetzen, dagegen können die erblichen Throninhaber und
+Throninhaberinnen ihre vollen oder Theilnachfolger, wie ihre
+eigenen Gatten und Gattinnen nach Wahl sich aussuchen. Welche
+Aussichten eröffnen sich da für Väter und Mütter, für junge Männer
+und junge Mädchen! Und welcher Ausblick für schöne, liebenswürdige
+Frauen, deren Aussichten, einen Thron zu erobern, in unserer
+Zivilisation so geringe sind. Welche Mittel immer sie in Anwendung
+bringen, ein gestecktes Ziel zu erreichen: Unschuld, Talent,
+Schönheit, Liebenswürdigkeit, Gefälligkeit, alles ist ihnen
+erlaubt, sie schaden Niemand damit. Welch mächtige Mittel, das Volk
+an die Großen zum Anschluß zu bringen und alle Quellen des Hasses,
+der Feindseligkeit, der Mißgunst zu verstopfen.
+
+»Zu diesen Anziehungs- und Aussöhnungsmitteln zwischen Hoch und
+Niedrig kommt in der Phalanx auch noch das Mittel der Vaterschaft,
+ein Thema, das etwas schwierig zu behandeln ist, weshalb es sich
+empfiehlt, die Thatsachen statt der Prinzipien sprechen zu lassen.
+Man vergesse nicht, daß in Folge der vernünftigen und naturgemäßen
+Lebensweise der Harmonisten auch die Langlebigkeit in der Phalanx
+herrscht; unter je zwölf Personen giebt es _mindestens_ eine,
+welche ein Alter von 150 Jahren erreicht. Nehmen wir des Beispiels
+halber Einen dieser Aeltesten. Ithuriel, ein sehr reicher Mann, der
+150 Jahre zählt, sieht auf sieben Generationen herab. Er hat 120
+direkte Nachkommen, welche er in seinem Testament zu bedenken
+gewillt ist. Die nächsten Nachkommen, ein Sohn und eine Tochter,
+welche schon reich sind, bedenkt er nur mit einem kleinen Theil
+seines Vermögens, die nächstfolgenden bedenkt er etwas mehr. Er
+giebt aber auch der sechsten und siebenten Generation erhebliche
+Antheile, damit sie nicht in Versuchung kommen, den Tod älterer
+Verwandten zu wünschen. Er verbraucht für diese Vermächtnisse die
+Hälfte seines Vermögens. Die anderen beiden Viertel legirt er
+dergestalt, daß ein Viertel auf hundert Adoptirte kommt, das andere
+Viertel an hundert Freunde und Seitenverwandte fällt, darunter
+seine Frauen, die selbst reich sind und keiner größeren Erbschaften
+bedürfen. Diese einzige Erbschaft umfaßt also direkt und indirekt
+einen großen Theil der Mitglieder der Phalanx. Da viele Frauen und
+Männer in der gleichen Lage wie Ithuriel sind, werden sie in
+ähnlicher Weise testiren und es geht schließlich Niemand leer aus.«
+
+»Da kommt die Moral und predigt, wir sollten uns Alle als eine
+Familie von Brüdern und Schwestern betrachten. Leeres Geschwätz.
+Kann Lazarus, ein armer junger Mann, den reichen Patriarchen
+Ithuriel als seinen Bruder betrachten? Wenn er in der Zivilisation
+auf ihn spekuliren wollte, bekäme er nichts. Aber in der Phalanx
+ist er vielleicht einer seiner entfernten Nachkommen, oder ein
+Seitenverwandter, oder einer der Adoptirten; sicher braucht er sich
+nicht wie sein Namensvetter in der Bibel mit den Brosamen zu
+begnügen, die von der Reichen Tische fielen. Es giebt in der
+Phalanx für ihn eine Menge Gelegenheiten, zu Ansehen und
+Beliebtheit und damit unzweifelhaft auch zu Wohlhabenheit zu
+kommen. Schließlich ist in der Phalanx, wo die Arbeit Jedem sein
+Wohlsein garantirt, Niemand auf die Erbschaftslungerei angewiesen,
+wie dies in der Zivilisation so gewöhnlich ist, wo der Tod des
+Erblassers nicht erwartet werden kann. Und andererseits, wie darf
+ein Vater in der Zivilisation es wagen, auch den Gefühlen der
+Philanthropie und der Freundschaft Rechnung zu tragen, ohne das
+Mißfallen und selbst die Erbitterung seiner direkten Nachkommen zu
+erregen?«
+
+»In der sozietären Ordnung wird also auch die Frage gelöst, wie
+kann zwischen Testator und Erben ein Verhältniß hervorgerufen
+werden, das die Zuneigung der Erben dem Erblasser erhält, sie
+veranlaßt, ihm die Verlängerung des Lebens zu wünschen, dessen Ende
+heute in den meisten Fällen ungeduldig erwartet wird.«
+
+ * * * * *
+
+Alle Schriftsteller, alte wie neuere, die sich bisher eingehend mit
+den sozialen Fragen beschäftigten, konnten nicht umhin, auch die
+Bevölkerungsfrage in den Kreis ihrer Erörterungen zu ziehen, so
+auch Fourier. Fourier mußte dies um so mehr, als er einen in's
+kleinste Detail ausgearbeiteten Organisationsplan für die ganze
+Erde entwarf, eine Organisation, welche die Grundlage für alle
+weitere Entwicklung der Menschheit bilden sollte. Wer so für die
+Zukunft sorgt, muß auch die Bevölkerungsfrage seiner Prüfung
+unterziehen und eine Lösung für sie finden. Wie in allen übrigen
+Fragen, so geht auch hier Fourier seinen eigenen Weg. Seine
+Ansichten sind um so interessanter, als in der Zeit seines ersten
+schriftstellerischen Auftretens die Schrift von Malthus über die
+Bevölkerungstheorie bereits erschienen war und pro und kontra in
+den interessirten Kreisen lebhaft erörtert wurde. Malthus stellte,
+sich anlehnend an ältere Schriftsteller, bekanntlich die Theorie
+auf, daß die Menschheit die Tendenz habe, sich in geometrischer
+Progression, also in dem Zahlenverhältniß 1, 2, 4, 8, 16, 32 u.s.w.
+zu vermehren, dagegen die Nahrungsmittel die Tendenz hätten, sich
+in arithmetischer Progression zu vermehren 1, 2, 3, 4, 5 u.s.w.
+Aus diesen beiden sich widersprechenden Tendenzen folge, daß in
+kurzer Zeit -- Malthus setzte einen Zeitraum von 25 Jahren voraus,
+die genügten, um die Verdoppelung der Menschenzahl herbeizuführen
+-- die Erde so übervölkert sei, daß die Menschen an Nahrungsmangel
+zu Grunde gehen müßten. Malthus betrachtete es als »göttliche
+Bestimmung«, daß Alle, die am Gastmahl des Lebens keinen Platz
+fänden, zu verhungern hätten; das sei der natürliche Lauf der
+Entwicklung, so nur werde Raum für die Nachkommenden geschaffen.
+Diese brutale Theorie, welche der herrschenden Klasse das Gewissen
+erleichterte, fand bei dem Einen ebenso lebhaften Anklang, als bei
+dem Andern Widerspruch. Man wandte ein, daß die Erfahrung die
+Theorie nicht rechtfertige, weder habe die Bevölkerungszahl in dem
+angegebenen Maßstab bisher sich vermehrt, noch sei nachzuweisen,
+daß die Vermehrung der Nahrungsmittel in den gezogenen Grenzen sich
+bewege. Trete überhaupt einmal Uebervölkerung ein, dann geschehe es
+in einer für die jetzigen und die nachfolgenden Generationen so
+fernen Zeit, daß die Frage jedes akute Interesse verliere. U.s.w.
+
+Fourier faßt die Frage an einem anderen Ende an. Zunächst wirft er
+den Politikern und Oekonomen vor, daß sie durch ihre Inkonsequenzen
+und Unbesonnenheiten überhaupt übersähen, das Verhältniß der
+Bevölkerung als Konsumenten zu der Zahl der vorhandenen produktiven
+Kräfte näher zu bestimmen, da es darauf vor Allem ankomme. Er
+huldigt also dem Grundsatz, steigende Produktivkräfte schaffen
+steigendes Produkt, beides steht im Verhältniß zueinander.
+»Vergebens werde die Zivilisation Mittel zu entdecken suchen, eine
+vier- selbst hundertfache Vermehrung des Produkts zu erzielen, wenn
+die Menschen verurtheilt seien, sich unter dem bisherigen sozialen
+Zustand zu vermehren, der in Folge unökonomischer Verwendung die
+Gesellschaft zwinge, beständig das drei- und vierfache Produkt
+aufzuhäufen, um das gewohnte graduirte Auskommen der verschiedenen
+Klassen zu ermöglichen.«
+
+Zu allen Zeiten sei in der Zivilisation die Ausgleichung der
+Bevölkerung im Verhältniß zu den Nahrungsmitteln eine der Klippen
+der Politik gewesen. Schon die Alten, die ringsum sich so viel
+unkultivirte Regionen liegen sahen, die der Kolonisirung fähig
+waren, hätten gegen die Uebervölkerung kein anderes Mittel als
+Aussetzung, Kindestödtung, Erwürgung der überschüssigen Sklaven
+gehabt.
+
+»Darin zeichneten sich die tugendhaften Spartaner besonders aus.
+Die römischen Bürger, die so stolz auf den Namen freier Männer,
+aber weit entfernt waren, gerechte Männer zu sein, vergnügten sich,
+ihre Sklaven in den Kampfspielen zu Grunde gehen zu sehen ...
+Neuerdings haben sich Stewart, Wallace und Malthus über die Frage
+ausgelassen. Stewart stellt die Frage, woher man auf einer Insel
+die Lebensmittel nehmen wolle, wenn die Bevölkerung von 1000 auf
+10.000 oder gar 20.000 sich vermehre, während die Insel gut
+kultivirt nur für 1000 Nahrung habe. Darauf hat man geantwortet:
+man müsse alsdann den Ueberschuß fortsenden und anderwärts weiter
+kolonisiren. Damit ist aber die Frage umgangen. Wie dann, wenn der
+ganze Globus so bevölkert ist, daß für den Ueberschuß nichts mehr
+zu kolonisiren übrig bleibt? Man antwortete, und darin stimmen auch
+die Owenisten ein, daß die Erde noch nicht übervölkert sei und es
+noch wenigstens 300 Jahre dauere, ehe dieser Zeitpunkt komme. Das
+ist ein Irrthum, denn schon nach 150 Jahren ist die Erde
+übervölkert. Auf alle Fälle ist nach 150 oder 300 Jahren die Frage
+brennend und nicht gelöst, wenn man bei den jetzigen Anschauungen
+und Mitteln bleibt. Nun, die sozietäre Ordnung hat sehr wirksame
+Mittel, die Uebervölkerung zu verhüten und sie auf dem rechten
+Stande zu erhalten. Es sind ungefähr fünf Milliarden, die
+auskömmlich existiren können, wenn der ganze Erdboden mit Phalanxen
+bedeckt ist und die von mir vorausgesehenen klimatischen
+Verbesserungen eintreten, im anderen Falle ernährt er nur drei
+Milliarden.«
+
+»Im sozietären Zustand stellt die Natur der exzessiven Vermehrung
+der Bevölkerung vier wirksame Dämme entgegen: 1. die größere Kraft
+und Körperentwicklung der Frauen; 2. die üppige Lebensweise; 3. die
+phanegoramischen Sitten; 4. die gleichmäßige körperliche Uebung
+aller Kräfte. Was die große Körperentwicklung bewirkt, das sehen
+wir bei den starken Frauen in unseren Städten; auf vier Frauen, die
+überhaupt unfruchtbar sind, kommen drei robuste, wohingegen die
+zarten Frauen von der größten Fruchtbarkeit sind. Man antwortet,
+daß die Frauen auf dem Lande meist robust und doch fruchtbar seien.
+Das ist richtig, aber das ist nur ein Beweis mehr, daß alle vier
+Mittel kombinirt angewendet und miteinander verkettet werden
+müssen. Die Frauen auf dem Lande sind fruchtbar, weil sie mäßig
+leben und eine grobe, hauptsächlich vegetabilische Nahrung zu sich
+nehmen. Die Städterinnen leben üppiger und raffinirter und daher
+kommt ihre größere Unfruchtbarkeit. Verbindet sich nun in der
+Harmonie die körperliche Kraftentwicklung der Frauen mit üppiger
+Lebensweise und Nahrung, so wird man zwei wirksame Mittel, die der
+Fruchtbarkeit entgegenwirken, verbunden haben.«
+
+Zu den phanegoramischen Mitteln übergehend, läßt Fourier aus
+naheliegenden Gründen eine Lücke. Das vierte Mittel, die
+gleichmäßige körperliche Uebung, werde durch den häufigen Wechsel
+der Beschäftigungen und die kurzen Arbeitssitzungen in hohem Maße
+bewirkt. Man habe nie beobachtet, wie auf Pubertät und
+Fruchtbarkeit körperliche Uebungen einwirkten. Dies sei frappant.
+Daher erlangten unsere Dörflerinnen später die Geschlechtsreife als
+die Städterinnen oder die reichen Landbewohnerinnen. Die
+Fruchtbarkeit sei den Einflüssen körperlicher Uebungen gleichfalls
+unterworfen. Seien die körperlichen Uebungen gleichmäßig und würden
+sie abwechselnd und proportionell auf alle Theile des Körpers
+angewandt, so sei kein Zweifel, daß die Geschlechtsorgane sich
+später entwickelten. Das sehe man überall, wo die Erziehung
+vorzugsweise auf die geistige und wo sie hauptsächlich auf die
+körperliche Entwicklung gerichtet werde. Kinder von hoher Geburt
+übten den Geist mehr als den Körper, daraus resultire, daß ihre
+geschlechtlichen Eigenschaften mächtig angefeuert würden und
+frühzeitig sexuelle Eruptionen vorzeitige Geschlechtsreife
+erzeugten.
+
+In der Harmonie werde das Gegentheil eintreten. Die Harmonisten
+würden noch später als die heutigen Landbewohner ihre
+Geschlechtsreife erlangen, weil die fortgesetzten und abwechselnden
+körperlichen Uebungen alle Glieder in Anspruch nähmen, lange Zeit
+die Lebenssäfte absorbirten; sie würden also den Augenblick
+verzögern, wo in Folge ermangelnder Absorption der Ueberschuß der
+Säfte unvermuthet die Pubertät vor dem von der Natur gewollten
+Zeitpunkt herbeiführe. Ebenso würden die gleichmäßig gehandhabten
+gymnastischen Uebungen bei den Frauen die Fruchtbarkeit hemmen und
+zwar in solchem Maße, daß eine Frau, welche die Empfängniß wünsche,
+sich nun umgekehrt durch Enthaltung körperlicher Uebungen und
+größerer industrieller Anstrengungen auf diesen Zustand vorbereiten
+müsse. Die allzugroße körperliche Ruhe in der Lebensweise der
+heutigen Städterinnen sei es hauptsächlich, welche den
+Geschlechtstrieb und die Empfänglichkeit steigerten, es fehle das
+Gegengewicht der körperlichen Anstrengungen und Uebungen.
+
+Wende man also die vier bezeichneten Mittel in Verbindung
+miteinander an, so würden die Chancen der Fruchtbarkeit im
+Gegensatz zu heute sich wenden und es sei statt eines Ueberschusses
+eher ein Defizit in der Bevölkerungsentwicklung zu fürchten, man
+werde mithin die Mittel anwenden, wie die Umstände sie erforderten.
+Man sei also in der Harmonie im Stande, ein Gleichgewicht zwischen
+der Menge der Lebensmittel und der Menschenzahl herbeizuführen. Der
+vernünftige Mann habe nur so viel Kinder, daß er ihnen das nöthige
+Vermögen sichern könne, ohne welches es kein Glück gebe, nur der
+unvernünftige setze die Kinder zu Dutzenden in die Welt, sich
+entschuldigend wie jener Schah von Persien: »Gott schickt sie und
+es kann nie zu viel rechtschaffene Menschen geben.« Der soziale
+Mensch sinke auf die Stufe der Insekten, wenn er ameisenartig
+Kinder zeuge, die schließlich in Folge ihrer Ueberzahl genöthigt
+seien, sich gegenseitig aufzuzehren. Wenn sie dies nicht
+buchstäblich wie die Insekten, Fische, wilden Thiere machten, so
+zehrten sie sich politisch auf, durch Räubereien, Kriege und
+Perfidien aller Art in der besten der Welten. Unter der
+Zivilisation werde ein Land, wie bevölkert es auch sei, nie dazu
+gelangen, es wahrhaft zu kultiviren, das zeige sich an Frankreich,
+dessen Boden zu einem Drittel brach liege, an Irland, das zwar
+nicht das bevölkertste Land, dessen Bevölkerung aber die ärmste und
+verkommenste in Europa sei, trotzdem fruchtbares Land in Hülle und
+Fülle vorhanden sei.
+
+So zeige sich überall, daß das Gleichgewicht auf umfassender
+Entwicklung und nicht auf Erstickung begründet sein müsse, daß alle
+Neigungen wie der Hang nach Reichthum, nach Befriedigung des
+Ehrgeizes, Herrschaftsgelüste, Habsucht, Gier nach Erbschaft,
+Verlangen nach Befriedigung der Liebesbedürfnisse und was sonst
+noch die Zivilisation Alles als Fehler und Uebel ansehe, welche die
+Natur des Menschen erzeuge, ohne sie befriedigen zu können, in der
+Harmonie eben so viel Wege der Tugend und des allgemeinen Glückes
+würden. Das genüge wohl, um die sogenannten starken Geister, die
+stets behaupteten, daß die Bewegung und die Triebe nur Wirkungen
+des Zufalls seien, die man beliebig modeln und unterdrücken könne,
+und die den Glauben erweckten, als bedürfe Gott der Unterweisungen
+eines Plato und Seneka, um zu wissen, wie er die Welten zu schaffen
+und die Triebe in Harmonie zu leiten habe, zu verwirren.
+
+Unzweifelhaft liegt der Idee Fourier's in Bezug auf das
+Bevölkerungsgesetz eine großartige und fruchtbare Auffassung zu
+Grunde. Er erklärt mit vollem Recht, daß die Zivilisation, in
+unserer Sprache ausgedrückt die bürgerliche Gesellschaft, wie sie
+überhaupt unfähig ist, die sozialen Gegensätze aufzuheben, auch
+unfähig ist, die Bevölkerungsfrage zu lösen. Das zeigt sich nicht
+nur an dem auch von Fourier angeführten klassischen Beispiel, an
+Irland, dessen Bevölkerung in demselben Maße ärmer wird, als sie an
+Zahl im Lande abnimmt, während die Zahl der unter den Pflug
+genommenen Acker Landes und die Häupterzahl der Viehherden wächst;
+wir sehen ganz Aehnliches gegenwärtig auch in Ungarn und in Rußland
+sich vollziehen, wo die bürgerliche Raubwirthschaft an Grund und
+Boden die Massenverarmung, die steigende Verschuldung und die
+Verminderung der ackerbautreibenden Bevölkerung, verbunden mit
+Massenbankerotten im Gefolge hat. Und geht die Entwicklung in der
+gegenwärtigen Richtung noch einige Jahrzehnte weiter, so werden die
+Vereinigten Staaten, Ostindien und Neuholland dasselbe Bild uns
+bieten. Die Raubwirthschaft an Grund und Boden begünstigt die
+treibhausmäßige Entwicklung der Industrie und des Verkehrs, und so
+erzeugt, wie Fourier vollkommen richtig und seiner Zeit weit
+vorauseilend ausführte, »_die Zivilisation die Armuth aus dem
+Ueberfluß_,« und macht »jedes Uebel und jedes Laster, das die
+Barbarei nur auf einfache Weise ausübt, zu einem doppelseitigen,«
+sie geht an ihrem »cercle vicieux«, an ihren inneren Widersprüchen
+zu Grunde. Was Fourier vorausahnend in Bezug auf das
+Bevölkerungsgesetz zu begründen versuchte, hat Karl Marx positiv in
+den Satz formulirt: daß jede ökonomische Entwicklungsperiode auch
+ihr besonderes, ihr eigenthümliches Bevölkerungsgesetz hat.
+
+In der That wird Niemand, der die gesellschaftliche Entwicklung in
+ihren verschiedenen Entwicklungsphasen einigermaßen verfolgte --
+Wildheit, Barbarei, Patriarchat, Zivilisation, und hier wieder
+antiker, feudaler, bürgerlicher Staat -- bestreiten können, daß die
+jeweilige Entwicklung der Eigenthumsformen, der materiellen
+Lebensbedingungen der Gesellschaft, auch in jeder Periode
+entsprechende Bevölkerungszustände schaffte. So wird auch eine
+sozialistische Gesellschaft mit von Grund aus veränderter
+materieller Lage für die Gesammtheit und mit ihren Veränderungen in
+den Beziehungen der Geschlechter ein von der bürgerlichen
+Gesellschaft abweichendes Bevölkerungsgesetz für ihre Entwicklung
+haben. Der Unterschied wird hauptsächlich sein, daß, während bisher
+alle Gesellschaftsordnungen sich ihre Lebensbedingungen schufen,
+ihrer eignen treibenden Gesetze unbewußt, aber auch die Bedingungen
+ihres Untergangs unbewußt erzeugten, eine sozialistische
+Gesellschaft sowohl ihr Entwicklungsgesetz wie ihr
+Bevölkerungsgesetz erkennt und beide bewußt anwenden wird; sie wird
+sich über ihre eigene Zukunft ebensowenig wie über den einstmaligen
+Untergang des Menschengeschlechts täuschen.
+
+ * * * * *
+
+Nach Fourier's Auffassung ist die Welt einheitlich organisirt,
+Alles verbunden und in Beziehungen zu einander. Der Schöpfer dieser
+Welt ist Gott, aber der eigentliche Mittelpunkt derselben ist der
+Mensch. Zwischen Gott und dem Menschen bestehen die innigsten
+Wechselbeziehungen, und will der Mensch das Glück, das seine
+Bestimmung ist, erreichen, muß er Gott als den obersten Leiter der
+Welt anerkennen. Diese Erkenntniß hat man aber von Alters her zu
+verhindern gesucht. Man hatte sich gewöhnt, die Welt mit 35.000
+Göttern zu bevölkern, statt den einen Gott anzuerkennen. Das war
+eine himmlische Maskerade, unter welcher es schwierig war, die
+wahren Absichten Gottes zu entschleiern. Selbst Sokrates und Cicero
+beschränkten sich darauf, sich in ihrem Jahrhundert von diesen
+Göttersottisen zu isoliren und den »unbekannten Gott« zu
+verherrlichen, ohne weitere Untersuchungen anzustellen, die dem
+Geist der Zeit entgegen waren. Sokrates ward ein Opfer seiner
+Bekenntnisse.
+
+Heute, nachdem der Christianismus uns zu gesunden Ideen wieder
+zurückgeführt, zu dem Glauben an einen einzigen Gott, seien jene
+Superstitionen zerstört. Die menschliche Vernunft müsse anerkennen,
+daß alle Erleuchtung von Gott komme, sie müsse sich seinem Geist
+unterwerfen, und also bleibe nur übrig zu bestimmen, welch
+wesentliche Charaktereigenschaften, Attribute, Ansichten und
+Methoden Gott in Bezug auf die Harmonie des Weltalls habe.
+
+Die Antwort auf die Frage Feuerbach's: »Wer hat Gott geschaffen?«,
+Antwort: »der Mensch«, trifft schlagend hier bei Fourier zu, der
+sich seinen Gott konstruirt, wie er ihn für sein soziales System
+braucht.
+
+Dieser sein Gott hat fünf wesentliche Eigenschaften, die ihn zu der
+ihm zugedachten Stelle befähigen. Er ist alleiniger und
+vollkommener Leiter aller Bewegung im Weltall; denn, sagt Fourier,
+wenn Gott, dieser oberste Leiter, der alleinige Herr des
+Universums, der Schöpfer und Vertheiler von und für Alles ist, so
+hat er auch alle Theile des Weltalls zu lenken und besonders die
+_wichtigsten_, die sozialen Beziehungen. Also ist er der soziale
+Gesetzgeber und nicht die Menschen. Letztere haben nur das soziale
+Gesetz zu suchen, das Gott ihnen bestimmte. Da erhebe nun die
+Philosophie ihr Geschrei und setze sich, d.h. also die menschliche
+Vernunft, an die erste, und Gott an die zweite Stelle. Das bedeute,
+daß sie Gott von der Prärogative der Gesetzgebung in Sachen der
+sozialen Ordnung ausschließe und sich an seine Stelle setze. Wem
+leuchte nicht diese Anmaßung ein? Eine zweite Haupteigenschaft
+Gottes sei, oberster Oekonom aller Hülfsmittel zu sein. Diese
+Stellung erfordere, daß er die größten sozietären Vereinigungen den
+kleinsten, wie der Familie und der isolirten Privatwirthschaft
+vorziehe, daß er ferner als Motor die Anziehung der Triebe anwende,
+welche zwölf große Ersparungen im Vergleich zu dem Regime der
+Einschränkung und des Zwangs, wie es die Zivilisation besitze,
+ermögliche. Diese zwölf Ersparungen zählt er auf. Die dritte
+Haupteigenschaft Gottes bilde die distributive Gerechtigkeit. Davon
+sehe man nicht einmal einen Schatten in der Zivilisation, _wo das
+Elend der Völker in demselben Maße wachse, wie die Industrie
+zunehme_. Das erste Zeichen von Gerechtigkeit in der Zivilisation
+solle ein dem Volk garantirtes Minimum des Lebensunterhaltes sein.
+Aber statt dessen sehe man das Gegentheil. Der Handelsgeist führe
+dahin, die heiße Zone mit ihren den Heimathländern entrissenen
+schwarzen Sklaven, die gemäßigte Zone mit weißen Sklaven zu
+bedecken, die man in die industriellen Bagnos (die Fabriken)
+zwinge. Wo sei auch nur ein Funke von Gerechtigkeit vorhanden, wenn
+trotz des Wachsthums der Industrie den Armen nicht einmal die
+Möglichkeit, Arbeit zu erhalten, garantirt sei? Wo diese Zustände
+hintrieben, sehe man an England. Die distributive Gerechtigkeit,
+die Gott wolle, gebe es nur in der Harmonie.
+
+Die vierte Haupteigenschaft Gottes sei die Allgemeinheit der
+Vorsehung. Sie müsse sich auf alle Völker, Wilde wie Zivilisirte,
+ausdehnen. Da nun die Annahme unserer sozialen Ordnung von Wilden
+und Barbaren verweigert werde, so sei dies ein Beweis, daß diese
+Ordnung nicht den Ansichten Gottes entspreche, welcher ein System
+wolle, das die Harmonie unter allen Menschen herstelle. Jede
+Ordnung aber, die auf Gewalt beruhe, widerspreche der menschlichen
+Natur. Jede Klasse, die wie die Sklaven, durch das heutige System
+direkt, oder wie die Arbeiter indirekt unterdrückt würde, sei der
+Stütze der Vorsehung beraubt, die auf der Erde durch die Anziehung
+der Triebe in den industriellen Anwendungen allein zur Geltung
+komme. Jeder Zustand, der auf der Gewalt beruhe, sei den Ansichten
+Gottes entgegen, es müsse also eine soziale Ordnung hergestellt
+werden, vor der alle Völker und alle Klassen sich neigten, wenn die
+Vorsehung universell sein solle. Endlich, die fünfte
+Haupteigenschaft Gottes sei, als Schöpfer des Weltalls auch die
+Einheitlichkeit des Systems zu wollen, welche die Anwendung der
+Anziehung als Triebfeder für alle sozialen Harmonien und alle
+Welten voraussetze, von den Sternen bis zu den Insekten. Es sei
+also das Studium der Anziehung, in dem man das göttliche, das ganze
+All beherrschende Gesetz zu suchen habe. Weder Voltaire noch
+Rousseau seien im Stande gewesen, dieses soziale Gesetz zu
+entdecken; Voltaire habe in Gasconaden (prahlerischen Redensarten)
+sich ergangen, Rousseau habe dem philosophischen Obskurantismus die
+Wege gebahnt, Beide hätten das Ziel verfehlt.
+
+Fourier greift also direkt die beiden Heiligen der französischen
+Bourgeoisie an: Voltaire, der die Macht des Klerus und der Kirche
+wie kein Zweiter untergrub und erschütterte, und Rousseau, der das
+sozial-philosophische Lehrgebäude errichtete, dessen Theorien das
+französische Bürgerthum in der großen Revolution in die Praxis
+umzusetzen versuchte und, soweit auch wirklich umsetzte, als dies
+die Praxis des Lebens, d.h. die materiellen Interessen der nunmehr
+in Staat und Gesellschaft zur Herrschaft gekommenen Klasse
+zuließen. In der Selbsttäuschung befangen, nagelte man als
+Firmenschild die Devise: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit an,
+jene Devise, die in so grellem Kontrast zur Wirklichkeit stand und
+deren unbegreiflicher Widerspruch mit den Thatsachen die Kämpfe in
+der Konstituante und im Konvent hervorriefen, die
+Schreckensherrschaft der »Tugendhaftesten«, der blindesten Verehrer
+Jean Jacques Rousseau's, der Robespierre, St. Just und Genossen
+gebaren und schließlich mit der Diktatur eines Napoleon Bonaparte
+endeten und enden mußten. Diesen Widerspruch zwischen den Theorien
+und der Praxis hatte Fourier so scharf wie nur noch Einer, St.
+Simon, erkannt und daher seine Angriffe und sein ätzender Spott
+gegen die Philosophen, die Moralisten, die Metaphysiker, die
+Politiker und Oekonomen, die geistigen Träger und Lobredner, die
+Ideologen des bürgerlichen Systems.
+
+Wie nun Fourier das Bedürfniß empfand, sein soziales System als mit
+den Absichten Gottes in Einklang stehend darzustellen, sich selbst
+als den Propheten der neuen von Gott gewollten Ordnung anzusehen,
+so versuchte er auch den Nachweis, daß seine Theorien mit der Lehre
+Jesu, den Schriften des Neuen Testaments im Einklang ständen. Nach
+der Revolution war man in Frankreich wieder sehr fromm geworden,
+Napoleon hatte sich schließlich mit dem Papstthum ausgesöhnt und es
+als Vorspann für seine Kaiserherrlichkeit zu benutzen versucht. Der
+Weizen der Kirche blühte erst recht, als nach dem Sturze
+Bonaparte's die Restauration, gestützt auf die Bajonette der
+heiligen Allianz, in Frankreich ihren Einzug hielt. Es konnte also
+die Berufung auf die Aussprüche Christi unter keinen Umständen
+schaden, namentlich wenn man, wie Fourier, entschlossen war, die
+Unterstützung für sein soziales System zu nehmen, wo man sie fand,
+und die er, wenn überhaupt, nur in den Kreisen der Großen und
+Reichen finden konnte. Er war daher sehr ärgerlich und sogar
+überrascht -- letzteres ein Beweis dafür, daß Ueberzeugung und
+nicht blos Berechnung im Spiele war -- als er erfuhr, daß der Papst
+seine Werke gleich denen von Owen und Lamartine auf den Index
+gesetzt habe. Er, der scharfsinnige Denker, konnte nicht fassen,
+daß der Gott, dem er huldigte, der Schützer und Begünstiger aller
+sinnlichen Triebe, dessen Kredo lautete: »Mensch genieße, und je
+mehr du genießest, um so besser entsprichst du dir selbst als
+Mensch, deiner menschlichen Bestimmung und Gott als deinem
+Schöpfer,« wir sagen, er konnte nicht fassen, daß dieser Gott ein
+ganz anderer Gott war, als jener der christlichen Askese, der die
+Verachtung des Reichthums, der irdischen Güter, der fleischlichen
+Genüsse und Begierden, kurz die Verachtung der Welt predigte.
+Fourier legte ein besonderes Gewicht darauf, wie er in seinen
+Schriften nachdrücklich und wiederholt hervorhebt, in Sachen der
+Wissenschaft mit Newton, in Sachen seiner sozialen Theorien mit
+Christus übereinzustimmen. Indem er sich auf die Aussprüche Jesu im
+Neuen Testamente stützt, bricht um so heftiger sein Zorn gegen die
+Philosophen los, die, wie er voraussetzt, aus niedrigen,
+egoistischen Motiven und verletzter Eitelkeit ihn bekämpfen, daß
+er, der Mann ohne Rang und Namen, der keine wissenschaftlichen
+Schulstudien absolvirt, eine Entdeckung gemacht habe, die bestimmt
+sei, das Schicksal des Menschengeschlechts und das Aussehen des
+Erdballs zu verändern.
+
+Wie er die Aussprüche Jesu zu seinen Gunsten und zugleich zu
+Angriffen auf seine ihm verhaßtesten Gegner zu verwenden sucht,
+dafür mögen die folgenden Beispiele zeugen:
+
+»'Glücklich die Armen am Geist, denn das himmlische Königreich ist
+ihnen.' Kein Gleichniß ist bekannter, keins weniger begriffen. Wer
+sind die Armen am Geiste, die Christus hier rühmt? Es sind
+Diejenigen, die sich vor dem falschen Wissen der zweifelhaften
+Philosophie bewahren. Dieses falsche Wissen ist für das Genie die
+Klippe, der Weg zum Ruin, der es von dem rechten Wege, der zu allen
+nützlichen Studien führt, aus denen die sozietäre Harmonie, das
+himmlische Königreich und die Gerechtigkeit, die Jesus zu suchen
+befiehlt, hervorgehen, ablenkt. Vor dem Mißbrauch unseres Geistes,
+vor dem Labyrinth dieser durch ihre eigenen Autoren verurtheilten
+Philosophie, die wie Voltaire zu ihrer eigenen Schmach sagen: Oh!
+welch dicke Finsterniß bedeckt noch die Natur! muß man uns
+schützen. Die wahre Erleuchtung bringt Jesus. Die Entdeckung des
+sozietären Mechanismus und des Studiums der Anziehung ist den
+geraden Geistern vorbehalten, welche die Sophismen verabscheuen.
+Sagt doch Jesus (Matth. XI, 25): 'Ich preise Dich Vater und Herr
+des Himmels und der Erde, daß Du solches den Weisen und Klugen
+verborgen hast, und hast es den Unmündigen geoffenbaret.' Die
+Erkenntniß ist also den einfachen Geistern bewahrt, die Philosophen
+können sie nicht entdecken. Indem Jesus von den Armen am Geiste
+spricht, will er der Unwissenheit kein Lob zollen, wie die Spötter
+ihm unterschieben, er bezeugt damit nur seine Verachtung für die
+hartnäckig gepredigten wissenschaftlichen Dunkelheiten.«
+
+»Die soziale Welt kann das Geheimniß der Bestimmungen nur erfassen,
+wenn sie darauf hin ihre Untersuchungen macht, aber die Erkenntniß
+wird ihr vorenthalten sein, so lange sie nicht sucht. Das sagt
+Jesus deutlich, indem er spricht (St. Luc. XI): 'Suchet, so werdet
+ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgethan' und (St. Luc. XII):
+'Glaubt ihr, daß Gott für euch weniger als für die Vögel unter dem
+Himmel sorgt?' Was würde das Suchen nützen, wenn man keinen anderen
+Ausgang fände, als die Zivilisation, diesen Abgrund von Elend, der
+immer dieselben Geißeln, nur unter wechselnden Formen, erzeugt?
+Zweifellos bleibt also eine glücklichere Gesellschaft zu entdecken
+übrig, wenn der Retter uns selbst zum Suchen auffordert. Aber warum
+hat er nicht selbst uns über diese aufgeklärt? Kannte er nach
+seinen eigenen Worten, Vergangenheit und Zukunft, das Ganze der
+Bestimmungen, indem er sagt: 'Mein Vater hat alles in meine Hände
+gegeben', konnte er uns da nicht über unsere sozietäre Bestimmung
+belehren, anstatt uns zu veranlassen, die Entdeckung zu machen, die
+dann durch unser blindes Vertrauen in die Philosophen so viele
+Jahrhunderte verzögert wurde?« Fourier, der diese Fragen stellt,
+ist natürlich um die Antwort nicht verlegen, er antwortet: »Da
+Jesus von seinem Vater mit der religiösen Offenbarung beauftragt
+war, konnte er nicht noch mit der sozialen belastet werden, sie war
+vielmehr ausdrücklich ausgenommen, wie er selbst in den Worten
+ausspricht: 'Gebt Cäsar, was des Cäsars ist, und Gott, was Gottes
+ist.' Er trennte also die Funktionen streng, je nachdem sie der
+Autorität oder der sozialen Politik zufielen. Er that also nicht,
+was nicht seine Aufgabe war, aber er kannte die glückliche
+Bestimmung des Menschengeschlechts, denn er sagt: 'Gott hat seinen
+Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß
+die Welt durch ihn selig werde.' Seine Mission beschränkte sich auf
+das Wohl der Seelen und das ist der edelste Theil unserer
+Bestimmung, dagegen bleibt der untergeordnete Theil, der über das
+politische Wohl der Gesellschaften, der menschlichen Vernunft
+vorbehalten, und demzufolge auch die Untersuchung des sozialen
+Mechanismus nach den Wünschen Gottes; ein Weg, welcher durch die
+Berechnung der Anziehung entdeckt wurde.«
+
+»Jesus liebt es, sich in Anspielungen auf unsere glückliche
+Bestimmung zu ergehen und auf das, was uns bevorsteht; so sagt er
+uns im Wesentlichen: Das Wohl der Seelen geht allem voran, was die
+Körper, die weltlichen Gesellschaften betrifft, sie sind noch im
+Abgrund der Ungerechtigkeit, genannt Zivilisation; lasset sie
+darin; es ist eure Aufgabe, den Zankapfel unter sie zu tragen:
+'Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei wider
+zwei und zwei wider drei. Es wird der Vater wider den Sohn und der
+Sohn wider den Vater sein; die Mutter wider die Tochter und die
+Tochter wider die Mutter etc.' Genöthigt, auch den Ausgang aus
+dieser sozialen Hölle zu verheimlichen, 'bin ich gekommen, ein
+Feuer auf Erden anzuzünden; was wollte ich lieber, denn es brennte
+schon.' (St. Luc. XII.) Dieser Wunsch Jesu, daß es schon brenne,
+ist weit entfernt, ein übelwollender zu sein, es spricht vielmehr
+aus ihm die edle Ungeduld, das Maß der Irrthümer der Philosophie
+gefüllt zu sehen, jener Philosophie, die alle Uebel, die sie zu
+heilen vorgiebt, verschlimmert und durch das blinde Vertrauen, das
+wir in sie gesetzt, uns schmachvoll zwingt, den Ausgang aus dem
+politischen Labyrinth, in das sie uns geführt, zu suchen. Darum
+erhebt er auch mit Wärme gegen die Sophisten, die uns vom rechten
+Studium abwenden wollen, seine Stimme, indem er sie verfluchend
+sagt: 'Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, daß
+ihr seid, wie die verdeckten Todtengräber, darüber die Leute
+laufen, und kennen sie nicht. Wehe euch Schriftgelehrten, die ihr
+die Menschen mit unerträglichen Lasten beladet und rühret sie nicht
+mit einem Finger an. Wehe euch, die ihr den Schlüssel der
+Erkenntniß weggenommen habt; ihr kommt nicht hinein, und wehret
+denen, so hinein wollen.' (St. Luc. XI.) Ja die Philosophen wehren
+uns den Eintritt, indem sie sich bemühen, mit metaphysischen
+Subtilitäten das Studium des Menschen zu verbarrikadiren, das
+einfachste Studium von allen, das nichts als eine von Vorurtheilen
+freie Vernunft erfordert, vertrauend der Anziehung wie die Kinder.
+Darum sagt auch Jesu: 'Laßt die Kindlein zu mir kommen und wehret
+ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich Gottes.' Und: 'Wer das Reich
+Gottes nicht empfängt wie ein Kindlein, der wird nicht
+hineinkommen.'«
+
+Das größte Hinderniß, daß die Philosophen nicht den rechten Weg für
+ihre Studien einschlugen, sei ihr Egoismus, den sie unter der Maske
+der Philanthropie versteckten, darum ruft ihnen Jesu mit Heftigkeit
+zu: 'Ihr, die ihr böse seid von Jugend auf, könnt ihr sagen, daß
+ihr irgend etwas Gutes thatet?' Und: 'Wehe euch Schriftgelehrten
+und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr gleich seid übertünchten
+Gräbern, die auswendig hübsch scheinen, aber inwendig voller
+Todtenbeine und Unflaths sind. Von außen scheint ihr den Menschen
+fromm, aber inwendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.' Der
+niedrigste Egoismus habe die Philosophie auch verhindert, dem Volke
+das einfachste und natürlichste Recht, das Recht auf ein Minimum
+des Lebensunterhalts, zuzusprechen, ein Minimum, das Christus den
+Pharisäern gegenüber ausdrücklich in den Worten anerkannt habe:
+'Habt ihr nie gelesen, was David that, da es ihm noth war, und ihn
+hungerte, sammt denen, die bei ihm waren? Wie er in das Haus Gottes
+ging, zur Zeit Obadja's, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote,
+die Niemand durfte essen, denn die Priester; und er gab sie auch
+denen, die bei ihm waren?' _Jesus hat also damit das Recht, zu
+nehmen, wo man das Nothwendige findet, geheiligt, und dieses Recht
+schließt implizite die Pflicht ein, dem Volk ein Minimum zu
+sichern_; so lange diese Pflicht nicht anerkannt wird, besteht für
+das Volk der soziale Vertrag nicht. Das ist das erste Gebot der
+christlichen Liebe. Die Philosophie weigert sich hartnäckig, dieses
+Recht zu lehren, einfach, weil sie nicht weiß, durch welche Mittel
+sie es dem Volk verschaffen soll, das ist freilich auch unmöglich,
+so lange man nicht weiß die Zivilisation zu einer höheren
+Gesellschaftsordnung zu erheben.«
+
+Fourier sieht aber nicht blos sein System an und für sich durch die
+Aussprüche Jesu als sicher in Aussicht gestellt, er findet sogar
+einige seiner Haupttheorien durch sie gerechtfertigt, so die
+Anerkennung der Gourmandise und die Nachsicht gegen die armen
+Sünderinnen, die unter der Herrschaft der Zivilisation ihrem
+Liebes- und Lebenstrieb nur in der Form der Prostitution Rechnung
+zu tragen vermögen. Er (Fourier) führt Folgendes an: »Auf den
+Vorwurf der Juden, die Jesu vorwerfen, gute Mahlzeiten zu lieben,
+antwortete er: 'Johannes der Täufer ist gekommen und aß kein Brot
+und trank keinen Wein; da sagtet ihr: Er hat den Teufel. Des
+Menschen Sohn ist gekommen, isset und trinket, da saget ihr: Siehe
+der Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, der Zöllner und Sünder
+Freund.' Und er antwortet weiter: 'Die Weisheit wird gerechtfertigt
+sein von allen ihren Kindern.' (St. Luc. VII.) Jesus beurtheilte
+also die Weisheit als sehr verträglich mit den Genüssen. Und um dem
+vorgeführten Beispiel zu entsprechen, setzt er sich an die reich
+bedeckte Tafel eines Pharisäers, der ihn eingeladen hatte. Da kommt
+eine Kourtisane, wäscht ihm die Füße und salbt ihn mit
+wohlriechender Salbe. Der Pharisäer hält sich darüber auf, daß er
+sich von einem solchen Weibe das gefallen lasse. Jesus aber
+antwortete ihm: »Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel
+geliebt; welchem aber wenig vergeben wird, der hat wenig geliebt.«
+Voll Mitleid für das unterdrückte Geschlecht, verzeiht er der
+Sünderin und der Ehebrecherin Magdalena. Auch sagt er uns: »Mein
+Joch ist süß und meine Last leicht.«
+
+»Christus will also, daß man weder Feind des Reichthums noch der
+Vergnügungen sei, er fordert nur, daß man mit dem Genießen des
+Guten den Glauben verbinde, weil es der Glaube ist, der uns zur
+Entdeckung des sozietären Regimes, des himmlischen Königreichs
+führt, 'wo alle Güter im Uebermaß vorhanden sein werden'. (St. Luc.
+XII.) Den Reichthum tadelt er nur rücksichtlich der Laster, zu
+denen er in der Zivilisation verführt, weshalb er sagt: »Es ist
+leichter, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr geht, als daß ein
+Reicher in's Himmelreich kommt.'«
+
+Aus alledem gehe hervor, meint Fourier weiter, daß man die Worte
+Jesu erst dann richtig fassen könne, wenn man die Bestimmung der
+Menschheit kenne, denn hierfür enthielten sie die verschleierten
+Vorhersagungen. Wohl beachten möge man, was Jesus gegen die
+Sophisten sage, wenn er diesen zurufe: »Sehet euch vor, vor den
+falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig
+aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie
+erkennen. Kann man Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von
+den Disteln?« (Matth. VII.) Man müßte nach alledem fragen, wie es
+komme, daß die Kirche, die doch sehr bedeutende Männer, wie
+Bossuet, Fenelon und viele Andere gehabt habe, zu keinem Zweig des
+Studiums der Anziehung gekommen sei; aber da heiße es von ihr wie
+im Kap. XXIII von Matth.: »Sie sagen wohl, was man thun soll, aber
+sie thun es nicht.« Er greift dann auf's Neue die Philosophen,
+namentlich Voltaire und Rousseau an, und wendet sich wiederholt
+gegen Owen und seine Anhänger, jene Sektirer, die unter dem Namen
+der Assoziation anti-sozietäre Vereinigungen bildeten und die
+Methoden, durch die allein die Uebereinstimmung der Triebe und die
+Anziehung der Arbeit erzeugt werden könne, zurückwiesen. Außerdem,
+was könne man von einer Sekte, wie die Owen'sche, erwarten, die
+darauf ausgehe, Gott zu leugnen und ihm die Huldigung zu
+verweigern? Owen habe es sorgfältig vermieden, seine Assoziation
+auf der Grundlage des sozietären Regimes zu begründen, das habe
+seinen Stolz verwundet. Owen sei nur ein mittelmäßiger Sophist,
+welcher G. Penn (den Gründer der Sekte der Quäker) kopirt habe.
+Darauf wendet sich Fourier gegen den Widerstand, den er mit seinen
+Theorien in Paris gefunden. Es scheine, daß das neunzehnte
+Jahrhundert dasselbe Schauspiel bieten wolle, das die Zeitalter
+eines Kolumbus und Galilei der Nachwelt geboten; allen voran gehe
+Paris, in welchem der satanische Geist, der Geist des fünfzehnten
+Jahrhunderts, noch heute herrsche. Paris sei das moderne Babylon
+und von ihm gelte, was Jesu über Jerusalem ausgerufen: »Jerusalem!
+Jerusalem! die du tödtest die Propheten und steinigst, die zu dir
+gesandt wurden.« Seine Gelehrten seien eine Legion von Eiferern,
+die Jesu kennzeichnete, als er sagte: »Wehe euch Schriftgelehrten
+und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gräber bauet,
+und schmücket der Gerechten Gräber. Und sprecht: Wären wir zu
+unserer Väter Zeiten gewesen, so wollten wir nicht theilhaftig
+sein, mit ihnen an der Propheten Blut.« Was seien die
+Unternehmungen der Zivilisirten? Nichts als Verfeinerungen der
+Barbarei, indem man vermittelst der Reduktion der Löhne den Völkern
+die Eisen verniete, und durch Einschließung der armen Klasse in die
+modernen Bagnos, Manufakturen genannt, ihnen weder Wohlsein noch
+Rückkehr gestatte. Diese merkantilen Bedrückungen seien durch Jesu
+wie die Kirchenväter genügend gekennzeichnet. Chrisostomus erkläre:
+»ein Kaufmann kann Gott nicht angenehm sein«, und Christus habe sie
+mit Ruthenhieben aus dem Tempel getrieben, ihnen zurufend: »Ihr
+habt mein Haus zu einer Diebshöhle gemacht.« Endlich sende die
+Vorsehung einen Führer, welcher die schwachen Seiten der
+merkantilen Hydra zu fassen wisse, und der, indem er das wahre und
+allein heilbringende soziale System inaugurire, die Welt von dem
+goldenen Kalb, »dem würdigen Ideal einer blinden Sekte, die Blinde
+führt«, befreie.
+
+So wird also Fourier in seinen eigenen Augen zu einem von Gott
+gesandten Erlöser der Welt von den sozialen Uebeln, wie Christus,
+seiner Lehre gemäß, der Erlöser aus geistiger Knechtschaft war. Die
+Utopisten und die Propheten rangiren in derselben Klasse, beide
+glauben an die Unfehlbarkeit ihrer Lehren, d.h. also an ihre
+eigene Unfehlbarkeit. Und dieser Glaube, »der Berge versetzt«,
+macht die Ausdauer und die Hartnäckigkeit begreiflich, womit sie
+allen Hindernissen trotzen, allen Einwürfen begegnen, und wenn die
+Umstände es erfordern, freudig zum Märtyrer ihrer Ueberzeugungen
+werden. Indem Fourier die geistige Macht der herrschenden Klassen
+auf's wuchtigste angriff, die erfahrungsgemäß und
+selbstverständlich sich auch mit seinem System nicht befreundet und
+es bekämpft haben würden, wenn er in seiner Kritik weniger scharf
+und bitter, in seinen Angriffen maßvoller und wenn er sein System
+mehr mit den herrschenden Zuständen in Einklang gebracht haben
+würde, suchte er in den Aussprüchen Jesu sich eine Waffe und eine
+Stütze zu schaffen. Das Priesterthum war trotz Allem, was die
+Revolution Uebles für es gebracht hatte, in Frankreich noch eine
+bedeutende Macht, weil die herrschenden Klassen sehr rasch
+erkannten, daß wenn sie seine Macht beseitigten, sie einen der
+Aeste absägten, auf denen sie selber saßen. Die einfache Klugheit
+gebot ihnen, sich mit der Kirche zu rangiren, und wer, wie Fourier,
+mit dem Bestehenden rechnete, und dies zur Basis seines Systems in
+so fern nahm, als er an die Einsicht und die Hülfe der oberen
+Klassen appellirte und sie in erster Linie, ja ausschließlich, zur
+Inangriffnahme einer Versuchsphalanx, die dann durch ihre Resultate
+unfehlbar seinem System zum Siege verhelfen würde, aufforderte, der
+mußte auch dem religiösen Kultus Rechnung tragen. So handelte also
+Fourier vollkommen logisch. Er that, was allen sozialen Neuerer das
+ganze Mittelalter hindurch auch gethan hatten. Allerdings ist er
+mit Jenen nicht in Vergleich zu stellen; er ragt eben so weit über
+sie hinaus, als ein genial angelegter Geist zu Beginn des
+neunzehnten Jahrhunderts über einen fanatischen Mönch des zwölften
+oder sechszehnten Jahrhunderts, dessen Hauptwissen in der Kenntniß
+der Bibel und den Schriften der Kirchenväter bestand, hinaus ragen
+konnte. Fourier ist, neben St. Simon, der letzte der Utopisten,
+dessen System sich auf die religiösen Lehren der herrschenden
+Kirche zu stützen versuchte, sie wenigstens als Anhängsel benutzte.
+Wohingegen alle sozialen Bewegungen des Mittelalters einen rein
+religiösen Charakter annahmen, und zwar so sehr, daß die meisten
+Geschichtsschreiber _nur_ den religiösen Charakter der Bewegungen
+sahen, den sozialen -- der mehr oder weniger auf einem rohen, auf
+die entsprechenden Aussprüche des Alten und Neuen Testaments
+gestützten Kommunismus beruhte -- aber gänzlich übersahen. Unter
+dem geistigen Druck der Kirche und bei der Beschränktheit der
+Geister war im Mittelalter keine soziale Bewegung ohne ausgeprägt
+religiösen Charakter denkbar. Was im Mittelalter Hauptsache war,
+wurde natürlich bei einem Fourier zu Beginn des neunzehnten
+Jahrhunderts mehr Nebensache, es war eine Waffe und eine Stütze,
+die er glaubte nicht entbehren zu können. So erklärt sich die sehr
+gezwungene Auslegung, die er den meisten der zitirten Stellen geben
+mußte, wobei wir keineswegs behaupten, daß er sich dieses Zwangs
+bewußt war. Es ist selbst für mäßig begabte Kritiker, die in einer
+späteren, aufgeklärteren und klarer sehenden Zeit leben, leicht,
+die Mängel in den Systemen und Lehren vorangegangener bedeutender
+Geister scharf zu erkennen, aber daraus zu schließen, daß das, was
+sie erkannten, auch Jene leicht erkennen mußten, ist falsch.
+Andererseits läßt sich nicht leicht nachweisen, wo bei vorhandenen
+Widersprüchen eines Menschen die Ueberzeugung aufhört und die sog.
+Klugheit, Rechnungsträgerei oder gar der beabsichtigte Betrug
+beginnt. Der Beweis für Letzteres wird leicht zu führen sein, wo
+offenbare, grobe und direkte Widersprüche vorliegen, bei Fourier
+wird man diese nicht leicht nachweisen können. Sein System ist ein
+streng geschlossenes und gegliedertes System mit allen Vorzügen und
+Schwächen. Ein System, das in seiner Geschlossenheit selbst den
+Keim einer Religion enthält, weshalb nur eine Schule, keine Partei
+sich aus ihm entwickelte. Man kann eben so gut von einer
+Fourier'schen Sekte sprechen, wie Fourier selbst, und stets mit
+großer Geringschätzung, von einer Owen'schen oder St.
+Simonistischen Sekte sprach.
+
+ * * * * *
+
+Glaubte Fourier durch die auszugsweise mitgetheilten Aussprüche den
+Beweis geführt zu haben, daß Jesus und das Neue Testament für seine
+Theorien sprächen, so geht er nunmehr dazu über, auch den
+Gegenbeweis zu Gunsten seiner Lehre zu erbringen, d.h. er sucht
+nachzuweisen, in welcher Unwissenheit sich die Modernen über
+Charakter, Eigenschaften, Gang und Ende der Zivilisation befänden,
+von der sie immer noch leichtgläubig genug die Vervollkommnung
+hofften. Er versucht ferner nachzuweisen, welche Wege sie betreten
+müßten, um allmälig in die sechste Entwicklungsperiode, die des
+Garantismus, zu gelangen. Daß die Zivilisation überhaupt sich zu
+vervollkommnen suche, zeige das unbewußte Streben, über sich selbst
+hinaus zu gehen, sich zu Garantien zu erheben, von denen einige
+Stückchen verwirklicht zu haben sie sich einbilde. Aber diese
+Garantien, wie das Geldsystem und die Versicherungen, verdanke sie
+mehr dem Zufall, dem Instinkt, aber nicht der Wissenschaft.
+
+Es sei hier bemerkt, daß Fourier zwar die Einführung des Geldes als
+Fortschritt für ein besseres Ausgleichungssystem ansieht, aber
+auszusetzen hat, daß es »individuelles« Geld sei, wie er es
+bezeichnet, also in den Händen des Privateigenthümers Mittel der
+Ausbeutung, des Betrugs und der Unterdrückung werde. Das Geld soll
+nach ihm gesellschaftliches Besitzthum sein, es würde also in
+seinem System Besitzthum der Phalanxen werden. Daß das Geld seinen
+Zweck nur erfüllt, wenn es zwar gesellschaftlich anerkanntes
+Tauschmittel für alle Waaren, aber gleichzeitig im Privatbesitz
+ist, weil es _nur_ in einer auf Privatbesitz und Waarenproduktion
+beruhenden Gesellschaft einen Sinn und die Möglichkeit der Existenz
+hat, entging ihm. Mit der Aufhebung der Waarenproduktion, also auch
+der Privatwirthschaft und mit der Einführung gesellschaftlicher
+Produktion fällt der Gegenpol der Waarenwirthschaft, die
+Geldwirthschaft, von selbst, der Boden seiner Existenz, allgemein
+anerkanntes Tauschmittel für alle Waarenaustausche zu sein, wird
+ihm entzogen. Da wo Produkt gegen Produkt, richtiger Arbeit gegen
+Arbeit gesellschaftlicher Vereinigungen sich austauscht, wird der
+Austausch ein einfaches Rechenexempel, das auf dem Wege der Buchung
+der austauschenden Faktoren beglichen wird. Dagegen muß in einer
+auf Millionen Einzelwirthschaften beruhenden Produktion, wo das
+Produkt als Waare den einzigen Zweck hat, so rasch als möglich die
+Hände seines Produzenten zu verlassen, um durch Dutzende von Händen
+die verschlungensten Kanäle zu durchwandern, welche die Spekulation
+ihm anweist, bis es endlich in die Hände des Bedürfers gelangt, wir
+sagen, hier muß nothwendig ein gesellschaftlich anerkanntes
+Aequivalent zur Ausgleichung aller dieser Manipulationen vorhanden
+sein, und dieses ist das Geld, das den Doppelcharakter besitzt,
+gesellschaftlich anerkanntes Werthmaß und Waare zu sein.
+
+Andererseits, fährt Fourier fort, habe die Zivilisation falsche
+Methoden adoptirt, so das System der anarchischen Industrie und der
+lügnerischen individuellen Konkurrenz; aber hauptsächlich habe sie
+den Fehlgriff begangen, die Aktiengesellschaft für die Assoziation
+anzusehen, alles Fehler, die sie weitab vom Wege der sozialen
+Garantien führten. Es sei also nothwendig, um dieses politische
+Chaos zu entwirren, eine detaillirte Analyse der Zivilisation und
+ihres Charakters zu geben, eine Aufgabe, der sich bisher die
+Gesellschaft und ihre wissenschaftlichen Führer entzogen hätten.
+Man glaube noch an die Vervollkommnung, _während die Zivilisation
+bereits rapide ihrem Untergang entgegeneile_.
+
+Wie der menschliche Körper so besäßen auch die Gesellschaften ihre
+vier, durch bestimmte Charaktereigenschaften sich unterscheidenden
+Lebensalter, die einander sich folgten. Man könne weder den
+Aufschwung noch den Niedergang einer Gesellschaft beurtheilen, so
+lange man nicht die sehr unterscheidenden Charaktereigenschaften zu
+bezeichnen vermöge, die eine bestimmte Gesellschaft besitze. Unsere
+Naturwissenschaftler seien, wenn es sich um die Unterscheidung
+ziemlich nutzloser Pflanzen handele, so sehr skrupulös, warum seien
+dies nicht auch unsere Politiker und Oekonomisten? Warum folgten
+sie nicht dieser naturwissenschaftlichen Methode, wenn es sich um
+die ihnen so theure Zivilisation handele, um die von jeder der vier
+Phasen adoptirten Eigenschaften zu bezeichnen? Es sei dies das
+einzige Mittel, um zu erkennen, ob man noch vorwärts schreite oder
+im Niedergang sich befinde.
+
+Nach Fourier sind nun die vier Phasen der Zivilisation und die
+einer jeden eigentümlichen Charaktereigenschaften folgende:
+
+ / 1. Phase: KINDHEIT.
+ | Einfacher Keim . . . . . . . Monogamie.
+ | Zusammengesetzter Keim . . . Patriarchalische oder
+ | adelige Feudalität.
+ | Angelpunkt der Periode: . Bürgerliche Rechte
+ | der Frau.
+ Auf- | Gegengewicht . . . . . . . . Föderation der großen
+steigende / Vasallen.
+ \ Ton oder Stimmung . . . . . Ritterliche Illusionen.
+Schwingung |
+ | 2. Phase: JUGEND.
+ | Einfacher Keim . . . . . . . Städtische Privilegien.
+ | Zusammengesetzter Keim . . . Pflege der Wissenschaften
+ | und Künste.
+ | Angelpunkt der Periode: . Befreiung der Arbeit.
+ | Gegengewicht . . . . . . . . Repräsentativsystem.
+ \ Ton oder Stimmung . . . . . Illusionen über Freiheit.
+
+ MITTAGSPHASE
+Keim . . . . . . . . . . Seeschiffahrtskunst, experimentale Chemie.
+Charakter-
+ eigenthümlichkeiten . . Enttäuschungen, Staatsanleihen.
+
+ / 3. Phase: MANNBARKEIT.
+ | Einfacher Keim . . . . . . . Handelsgeist, Fiskalismus.
+ | Zusammengesetzter Keim . . . Aktien-Gesellschaften.
+ | Angelpunkt der Periode: . Monopol der Seeherrschaft.
+ | Gegengewicht . . . . . . . . Handels-Anarchie.
+ Ab- | Ton oder Stimmung . . . . . Oekonomische Illusionen.
+steigende /
+ \ 4. Phase: ALTERSSCHWÄCHE.
+Schwingung | Einfacher Keim . . . . . . . Leihhäuser.
+ | Zusammengesetzter Keim . . . Unternehmerschaft in
+ | bestimmter Anzahl.
+ | Angelpunkt der Periode: . Industrielle Feudalität.
+ | Gegengewicht . . . . . . . . Monopolwirthschaft.
+ | Ton oder Stimmung . . . . . Illusionen über
+ \ Assoziationen.
+
+Man wird dem hier wiedergegebenen Tableau Scharfsinn in der
+Aufstellung und Interessantheit in der Gruppirung nicht absprechen
+können, mehrfach charakterisirt es die verschiedenen Perioden der
+zivilisirten Gesellschaft sehr treffend.
+
+Fourier bemerkt dazu erläuternd: er habe diejenigen
+Charaktereigenschaften nicht hervorgehoben, die allen vier Phasen
+gemeinsam seien, sondern nur die, welche die eine oder andere
+auszeichneten und jene, die mit der einen oder anderen gemischt
+seien. So sei die zweite Phase, in der die Athener lebten, eine
+unvollständige, eine Bastardperiode, indem ihr noch Merkmale der
+Periode der Barbarei anklebten und der Angelpunkt der zweiten
+Phase, die Befreiung der Arbeit, ihr fehlte. In England und
+Frankreich befinde sich die Zivilisation im absteigenden Ast der
+dritten Phase und neige stark zur vierten, deren beide Keime sie
+bereits besitze. Dieser Zustand zeige eine schmerzlich empfundene
+Stagnation; das Genie fühle sich ermüdet von seiner Unfruchtbarkeit
+wie ein Gefangener, und arbeite sich vergeblich ab, um irgend eine
+neue Idee zu erzeugen. Mangels des erfinderischen Genies zögere
+aber der fiskalische Geist nicht, die Mittel zu entdecken, um die
+vierte Phase zu organisiren, die zwar ein Fortschritt aber nicht
+zum Guten sei. Es handele sich darum, einen Zwischenzustand zu
+schaffen, der die Zivilisation in den Garantismus überleite und
+diesen dem Liberalismus entgegenzustellen, diesem stationären
+Geist, der sich auf das Repräsentativsystem, eine der Charaktere
+der zweiten Phase, verbissen habe. Ein System, das für eine kleine
+Republik, nicht für ein großes reiches Land wie Frankreich tauglich
+sei. Umgekehrt wollten die Antiliberalen die Ungeschicklichkeit
+begehen, uns in die erste Phase zurückzuführen, während das
+wachsende Staatsschuldenwesen uns unwiderstehlich in die vierte
+Phase, die Altersschwäche, risse.
+
+Wer das Tableau der Charaktereigenschaften der Zivilisation genau
+prüfe, werde erkennen, daß der Glaube, unsere Gesellschaft befinde
+sich in einem »erhabenen Flug«, eine Illusion sei, denn in Wahrheit
+befänden wir uns auf dem Krebsgang. »Es ist der Fortschritt nach
+abwärts, vergleichbar dem einer Frau, die ihre weißen Haare, die
+sie mit sechzig Jahren besitzt, als Vervollkommnung der
+Vollkommenheit ihres Haarwuchses anpreisen wollte. Darüber wird
+Jeder mitleidig lächeln. _Wie der menschliche Körper so
+vervollkommnet sich auch die Gesellschaft nicht, wenn sie altert_.«
+
+Die Gesellschaften wie die Individuen gingen zu Grunde, wenn sie
+sich dem Wucherer überließen, _und es sei die That unseres
+Jahrhunderts, von Anleihe zu Anleihe zu eilen_.
+
+Man sage, »das Gefäß ist durchweicht, der Stoff hat seine bleibende
+Form angenommen.« Das gelte auch von den fiskalischen Anleihen. Sie
+blieben und jedes Ministerium mache eine neue, denn »man muß essen,
+wenn man an der Krippe sitzt.« _Welche Partei auch immer herrsche,
+die Finanz halte stets die Zügel des Gefährtes, damit der Marsch
+nicht gegen ihr Wirthschaftssystem sich richte_. Was werde also das
+Ende sein, dem alle unsere mit Schulden überladenen Reiche zueilen,
+wohin uns die Oekonomisten geführt? Der Sturz in den Abgrund. Man
+könne unsere Oekonomisten und Politiker jenem Reiter vergleichen,
+von dem die Spötter sagten: »Er führt nicht das Pferd, das Pferd
+führt ihn.«
+
+Fourier hat in diesen Auseinandersetzungen wieder einmal, seiner
+Zeit vorauseilend, den wahren Charakter der Staatsanleihen sehr
+richtig erkannt. Damit ein Staat von den Geldmächten beherrscht,
+ökonomisch und finanziell ausgebeutet und geplündert werden kann,
+muß man ihn zu Anleihen verleiten. Mit jeder neuen Anleihe wird ihm
+der Strick fester gedreht, genau wie dem Privatmann. Die
+Staatsgewalt wird Werkzeug in den Händen der großen Finanzmächte,
+die schließlich weit mehr als die Minister selbst die
+Staatsangelegenheiten beherrschen und lenken, Gesetze dekretiren,
+Kriege führen oder verhindern, wie es ihrem Interesse paßt. Und
+damit die Staatsmaschine nach Wunsch gehe, die Regierung jeder Zeit
+durch die Kontrole ihrer abhängigen Stellung bewußt bleibe, damit
+ferner die nöthigen Einnahmequellen in Form von Steuern aller Art
+zur Verzinsung und Amortisirung der Schulden vorhanden seien,
+bedarf man des Repräsentativsystems, durch welches die Drahtzieher
+der hohen Finanz den noch fehlenden Einfluß auf die ganze
+Gesetzgebung und Staatsverwaltung gewinnen und den Staat zu einer
+melkenden Kuh der Geldmächte machen. Durch solche Manipulationen
+ist heute die Regierung und Verwaltung Frankreichs in den Händen
+der großen Finanzmächte, die es in die Abenteuer von Tunis und
+Tonkin stürzten, durch Privilegien und Staatssubventionen an die
+großen Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaften das Volk berauben,
+durch die Ueberlast der indirekten Steuern es brandschatzen und
+plündern. Durch die gleichen Manipulationen ist Oesterreich dahin
+gekommen, wo es heute steht, hat man die Türkei zu Grunde
+gerichtet, Ungarn binnen zwei Jahrzehnten an den Rand des
+finanziellen Untergangs gebracht, Egypten ruinirt. Wie der kleine
+Bauer und der in die Klemme gerathene Grundbesitzer die
+finanziellen Wohlthäter bereit finden, ihnen gegen genügende
+hypothekarische Sicherheiten zu guten Zinsen Geld zu borgen, oft
+mehr als sie haben wollen, und nun den Händen des Gläubigers
+rettungslos überantwortet sind, der die Hand auf ihre Ernten legt,
+ihnen jederzeit mit Subhastationen droht, und sie zwingt, das ganze
+Jahr die Frohnarbeit für ihn, den Kapitalisten, zu verrichten, so
+sind die Staatsangehörigen überschuldeter Reiche die Bienen, die
+durch ihre Arbeit, mit ihrem Honig der Finanzaristokratie die
+Kisten und Kasten füllen müssen. Das ist heute, wo die
+Staatsschulden in fast allen Staaten in die Milliarden gewachsen
+sind und weiter wachsen, eine sich Jedem leicht aufdrängende
+Thatsache. Zu Fourier's Zeit stak das Staatsschuldenwesen noch in
+den Kinderschuhen und es war ungleich schwerer, seinen Charakter zu
+erkennen als heute.
+
+Unter die permanenten Charaktere der Zivilisation rechnet Fourier
+denjenigen, der sich schon seit alter Zeit in dem Sprichwort
+ausdrückt: »Die großen Diebe läßt man laufen, die kleinen hängt
+man.« Aehnliche Charaktereigenschaften könne man noch eine Menge
+anführen. So überlasse man sich bitteren Klagen über auffällige
+Thatsachen wie die, daß die Tugend und das Gute stets lächerlich
+gemacht, übel behandelt und verfolgt würden. Ohne Zweifel sei die
+Indignation darüber gerechtfertigt, aber wenn gegenwärtig die
+Zivilisation eine Aufhäufung dieser beklagenswerthen Resultate
+zeige, dann klassifizire und konstatire man diese Uebel, damit man
+einen Ueberblick über das Wesen und die Früchte dieser
+abscheulichen Gesellschaftsordnung erhalte.
+
+Aber man schenke allen diesen Uebeln so wenig Aufmerksamkeit, weil
+man sie mit dem gegenwärtigen Zustand unzertrennlich halte. Eine
+von diesen üblen permanenten Charaktereigenschaften sei auch die
+Fesselung der öffentlichen Meinung, und zwar auch unter der
+Herrschaft der Philosophen, die nicht wollten, daß das Volk sein
+ursprünglichstes Recht erkenne und das Recht auf ein
+Existenzminimum fordere, was freilich nur unter dem Regime der
+industriellen Anziehung garantirt werden könne. Andere Uebel
+erkenne man nicht, weil sie unter falscher Flagge segelten, so die
+Tyrannei des persönlichen Eigenthums. Der Grundeigenthümer erlaube
+sich hundert Anordnungen über sein Eigenthum, die mit dem
+öffentlichen Wohl, dem Wohl der Masse in Widerspruch stünden, er
+erlaube sich dies alles unter dem Vorwande der »Freiheit«. Das
+komme, weil die Zivilisation von sozialen Garantien keine Ahnung
+habe. Wieder ein anderes meist nicht erkanntes Uebel sei die
+indirekte Verweigerung der Gerechtigkeit für die Armen. Der Arme
+könne wohl das Recht suchen, aber was nütze dieses, wenn er die
+Kosten der Prozedur nicht aufbringen könne. Bei den gerechtesten
+Klagen werde er von dem reichen Plünderer durch Appellation und
+Gegenappellation mürbe gemacht und zum Nachgeben gezwungen. Man
+gebe dem Königsmörder einen Vertheidiger, aber nicht dem Armen,
+denn »er könnte zu viele Prozesse haben«. Die Gesellschaft sei
+überfüllt mit Armen, die unter dieser Handhabung der Gerechtigkeit
+litten. Aber diese Gesellschaft sei eben ein falscher Kreisschluß
+(»cercle vicieux«), das sei ihr wesentlichster Charakter. Die
+Mängel der Zivilisation ließen sich in zwölf Hauptpunkte
+zusammenfassen. 1. Eine Minorität, die Herrschenden, bewaffnet
+Sklaven, die eine Majorität unbewaffneter Sklaven im Zaum halten.
+2. Mangel an Solidarität der Massen und dadurch erzwungener
+Egoismus. 3. Zweideutigkeit aller Handlungen der Gesellschaft und
+ihrer sozialen Elemente. 4. Innerer Kampf des Menschen mit sich
+selbst. 5. Die Unvernunft zum Prinzip erhoben. 6. In der Politik
+wird die Ausnahme als Grundlage für die Regel. 7. Das knorrigste
+und hartnäckigste Genie wird gebeugt und kleinmüthig gemacht. 8.
+Erzwungene Begeisterung für das Schlechte. 9. Stetige
+Verschlimmerung, indem man zu verbessern glaubt. 10. Vielseitiges
+Unglück für die ungeheure Mehrheit. 11. Fehlen einer
+wissenschaftlichen Opposition gegen die herrschenden Theorien. 12.
+Verschlechterung der Klimate. Letzteres, durch die Zerstörung der
+Wälder und daraus folgendes Austrocknen der Quellen herbeigeführt,
+müsse nothwendig und sicher bis gegen Ende des Jahrhunderts
+klimatische Exzesse erzeugen.
+
+Fourier geht dann dazu über, die Natur des Handels zu erörtern. Er
+fragt: »Woher kommt diese Bewunderung der Modernen für den Handel,
+welchen doch im Geheimen alle Klassen außer den Handeltreibenden
+verabscheuen? Woher dieses stupide Vorurtheil für die Kaufleute,
+die Christus mit Ruthen aus dem Tempel trieb? Die Antwort ist: sie
+besitzen viel Geld und eine Haupthandelsmacht (England) übt über
+die industrielle Welt die Tyrannei des Handels-Monopols aus.« Auch
+habe die politische Oekonomie die Analyse des Handels nicht zu
+machen gewagt und so komme es, daß die soziale Welt nicht wisse,
+was eigentlich das Wesen des Handels sei. »Der Handel ist die
+schwache Seite der Zivilisation, der Punkt, auf dem man sie
+angreifen muß. Im Geheimen wird der Handel von den Regierungen wie
+von den Völkern gehaßt. Nirgends sehen weder der Adel noch die
+Grundeigentümer die Handeltreibenden mit günstigen Augen an, diese
+Parvenüs, die in Holzschuhen angekommen sind und bald mit einem
+Vermögen von Millionen prunken. Der rechtschaffene Eigenthümer
+begreift nicht die Mittel, durch die man sich so gut zu bereichern
+vermag; welche Sorgfalt er immer der Verwaltung seines Gutes
+widmet, es gelingt ihm schwer, sein Einkommen um einige Tausend
+Franken zu steigern. Er wird perplex über die großen Profite dieser
+Agioteure, er möchte seinem Erstaunen, seinem Verdacht über diese
+ihm fremde Art, Vermögen zusammen zu scharren, Ausdruck geben, aber
+da kommen die Oekonomisten, fallen ihm in den Arm und schleudern
+ihr Anathema gegen Jeden, der es wagt, diesen großartigen Handel
+und die Großartigkeit des Handels (»le commerce immence et
+l'immense commerce«) zu verdächtigen. Welch schöne Phrasen sind
+nicht zu seiner Verherrlichung Mode geworden! Da spricht man mit
+Pathos von der 'Ausgleichung, dem Gegengewicht, der Garantie, dem
+Gleichgewicht des großartigen Handels und der Großartigkeit des
+Handels, von den Freunden des Handels, von dem Wohl des Handels'.«
+Für einen unglücklichen Philosophen gebe es nichts Imposanteres,
+als wenn eine Kohorte von Millionären mit tiefsinnigem Aussehen zur
+Börse wandelten. Man glaube die römischen Patrizier über dem
+Schicksal Karthagos brüten zu sehen. Speichellecker der Agiotage
+malten die Kaufleute und Börsenmänner als eine Legion von
+Halbgöttern; Jeder, der sie kenne, wisse im Gegentheil, daß es eine
+Legion von Betrügern sei; aber ob mit Recht oder Unrecht, sie
+hätten allen Einfluß an sich gerissen. Die Philosophen seien ihnen
+zu Gunsten, selbst die Minister und der Hof beugten sich vor diesen
+Geiern des Handels; alles infolge des durch die Oekonomisten
+gegebenen Impulses. Die Folge davon sei, daß der ganze soziale
+Körper den merkantilen Räubereien vollständig unterworfen sei, und
+wie der von dem Blick der Schlange faszinirte Vogel dieser in den
+Rachen fliege, so lasse sich die Gesellschaft vom Handel zu Grunde
+richten.
+
+Eine vernünftige und rechtschaffene Politik habe Mittel des
+Widerstandes in Anwendung bringen und sich von Fehlgriffen
+losmachen müssen, welche die Herrschaft der Welt in die Hände einer
+unproduktiven, lügnerischen und übelwollenden Klasse liefere. Man
+dürfe die Handeltreibenden nicht mit den Manufakturisten
+verwechseln.[21] Die Hauptschacherer, die Rohmaterialienhändler
+sännen nur, wie sie Manufakturisten und Konsumenten plündern
+könnten. Zu diesem Zwecke unterrichteten sie sich über die
+vorhandenen Vorräthe, kauften sie auf, hielten die Waaren zurück
+und verteuerten sie, um so auf Fabrikant und Bürger den Druck
+auszuüben. Die sog. Oekonomisten stellten diese Aufkäufer und
+Wucherer als tiefsinnige Genies hin, die doch nichts als elende
+Schwätzer, abenteuerliche Spieler und tolerirte Bösewichter seien.
+Den schlagendsten Beweis habe das Jahr 1826 gegeben, wo mitten in
+der tiefsten Ruhe plötzlich eine Stagnation und Ueberfülle an
+Produkten hervorgetreten sei, als alle Journale noch unmittelbar
+zuvor auf die dem Handel neuen und günstigen Chancen hinwiesen,
+welche die Befreiung beider Amerika im Gefolge haben werde. Nun,
+welches sei die Ursache dieser überraschenden Krise gewesen? Es war
+die Wirkung eines komplizirten Spiels zweier charakteristischer
+Eigenschaften des Handels: des Zurückschlagens der Vollsaftigkeit
+(»refoulement pléthorique«) und eines Gegenschlags durch verfehlte
+Spekulation.
+
+[Fußnote 21: Unter den Manufakturisten sind hier sowohl die
+Fabrikanten wie diejenigen Handeltreibenden verstanden, die
+entweder in eigener Behausung nach dem Prinzip der Arbeitstheilung,
+aber ohne Anwendung von Dampf und Maschinenkräften -- die damals
+erst im Entstehen waren -- oder, wie dies heute noch in manchen
+Industriezweigen auch in Deutschland geschieht, z.B. in der
+Spielwaaren-, Messer-, Kleineisenwaaren-Fabrikation, der
+Hausweberei, Posamentirerei, Strumpfwirkerei, der Bijouterie etc.,
+auf dem Wege der Hausindustrie produziren lassen, wobei der
+Kaufmann die Rohmaterialien liefert. So weit Massenerzeugung in
+Betracht kam, war zu Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich die
+Manufaktur die maßgebende Produktionsform. Unter den
+Handeltreibenden versteht Fourier, wie der Leser bereits erkannt
+haben wird, nicht allein die Kaufleute im engeren Sinn, sondern
+auch alle an der Börse betheiligten Kreise, die Grund- und
+Bodenwucherer etc., kurz Alle, »welche ohne zu säen ernten«.]
+
+Die erstere Eigenschaft sei die periodische Wirkung blinder Habgier
+der Kaufleute. Sobald irgendwo ein Absatzweg sich öffne, würden
+viermal mehr Waaren zugeführt, als der Markt aufnehmen könne. So
+sei es auch hier gewesen. Wenn man die Wilden, die Neger und die
+spanische Bettelbevölkerung in Abzug bringe, zählten die beiden
+(Nord- und Süd-) Amerika kaum 20 Millionen konsumtionsfähiger
+Bewohner, man habe aber für 200 Millionen konsumtionsfähiger
+Menschen Waaren zugeführt. Daher die Stockung und der Rückschlag.
+Im Jahre 1825 hätten die französischen und englischen Hosenhändler
+Waarenmassen zugeführt, die wenigstens auf 3 bis 4 Jahre reichten,
+so entstanden Massenverkäufe, Stockung, Entwerthung der Stoffe,
+Bankerotte der Verkäufer. Das war die nothwendige Wirkung dieser
+Ueberfülle (»pléthore«), verursacht durch die Unklugheiten des
+Handels, der in seiner Gier nach Gewinn sich stets über das Quantum
+der absatzfähigen Produkte den größten Illusionen überlasse. Was
+könne man auch von einer Kohorte eifersüchtiger, durch Habgier
+verblendeter Verkäufer anders erwarten? Wie wollten wohl diese die
+Grenzen der Aufnahmefähigkeit eines Marktes erkennen?
+
+»Genügte schon die Ueberzufuhr von Waaren, um Bankerotte und die
+äußerste Beunruhigung der Märkte und Fabriken hervorzurufen, so
+trat in demselben Augenblick ein anderer Umstand dazwischen, um das
+Uebel zu vervielfachen. Die Baumwollenaufkäufer in New-York,
+Philadelphia, Baltimore, Charleston etc. hatten im Einverständniß
+mit ihren Vertrauten in Liverpool, London, Amsterdam, Havre und
+Paris sich aller Vorräthe bemächtigt. Aber da geschah, daß Egypten
+und andere Märkte eine außerordentlich reiche Ernte hatten. Die
+Hausse war nur ein kurzes Strohfeuer. Die wucherischen Geier
+Amerikas wie ihre Kooperateure in Europa erstickten im Ueberfluß.
+Die durch die »Crise pléthorique« verursachte Preisschleuderei
+zwang die Fabriken zu feiern und brachte die Baumwollenspekulanten,
+die auf Hausse gerechnet und jetzt einer tiefen Baisse sich
+gegenüber sahen, zum Sturz. Den verunglückten Machinationen in
+Amerika folgten als Gegenschlag die Bankerotte in Europa. Das ist
+der einfache Hergang der so räthselhaft erschienenen Ereignisse.
+Journale und Schriften, die darüber sich äußerten, verfielen alle
+in denselben Irrthum. Nach ihnen war nur eine Ursache vorhanden:
+die Unordnung, welche durch die beiden gleichzeitig sich
+vollziehenden Operationen auf dem Markt entstanden war. Niemand
+gestand die wahren Ursachen offen ein, man bemühte sich vielmehr,
+die beiden Parteien, die das Uebel verursacht hatten, als
+unschuldig darzustellen, man gab weder zu, daß die Einen durch
+Zufuhr von Riesenmengen an Waaren die Märkte lahmlegten, noch daß
+die Anderen durch Vorenthaltung des nöthigen Rohmaterials die
+Märkte beraubten. Auf der einen Seite herrschte verrückte
+Verschwendung, auf der anderen vexatorische Unterschlagung. Es gab
+also in jeder Weise Exzesse und Konfusion im Mechanismus. Das ist
+der Handel, das Ideal der Dummköpfe.«
+
+Wie im vorliegenden Falle zwei, erläutert Fourier weiter, so
+wirkten oft drei und vier Ursachen zusammen, um Krisen zu erzeugen,
+und was die verschiedenen Charaktere der Bankerotte betreffe, so
+habe er eine Liste von zweiundsiebenzig verschiedenen Arten
+aufgestellt. Wollte man alle Formen des Betrugs und der Bankerotte
+zeichnen, man müßte dicke Bücher schreiben. Von den Hauptübeln, die
+der Handel gebäre und die als die Triebfeder zu allem Unheil
+ansehen seien, wolle er nur zwölf aufführen: Börsenspiel,
+Lebensmittelwucher, Bankerott, Geldwucher, Parasitenthum, Mangel an
+Solidarität, fallendes Gehalt und fallende Löhne, Theuerung,
+Verletzungen der Gesundheit,[22] willkürliche Festsetzung der
+Preise, legalisirte Doppelzüngigkeit im Verkehr, individuelles
+Geld.
+
+[Fußnote 22: Fourier hat hier hauptsächlich den Baustellen- und
+Häuserwucher im Auge, der auf Kosten der Gesundheit und
+Lebensannehmlichkeit der Städtebewohner sich breit mache, Luft und
+Licht der Bevölkerung schmälere.]
+
+Fourier spricht dann von der »Absonderung« der Kapitalien, worunter
+er die Konzentration auf der einen und den daraus folgenden
+Kapitalmangel auf der anderen Seite versteht. Die
+Kapitalkonzentration erzeuge auch den Ueberfluß -- an
+Bodenerzeugnissen durch den Handel --, der den Preisdruck für die
+Erzeugnisse des Bodenbesitzers hervorrufe. Die Kapitalien häuften
+sich nur auf Seiten der unproduktiven Klasse. Bankiers und
+Kaufleute beklagten sich häufig, nicht zu wissen, was sie mit ihren
+Fonds beginnen sollten, sie empfingen Geld für 3 Prozent, wo der
+Landmann es kaum für 6 auftreiben könne. Wenn er es nominell zu 5
+Prozent erhalte, koste es ihn mit allen Spesen und Lasten, die
+damit verbunden seien, 16 und 17 Prozent. Der Handel, dieser
+Vampyr, der das Blut aus dem industriellen Körper sauge,
+konzentrire Alles in seine Taschen und zwinge die produktive
+Klasse, sich dem Wucherer zu überliefern. Selbst die Jahre des
+Ueberflusses würden für die Agrikultur eine Geißel, wie man das
+1816 und 1817 gesehen habe. Das Jahr 1816 brachte Mißernte und
+zwang den Landmann zum Schuldenmachen, als aber 1817 eine sehr
+reiche Ernte brachte, ward er gezwungen, dieselbe rasch und in
+Folge dessen zum niedrigsten Preis zu verkaufen, um seine Gläubiger
+zu bezahlen. So zerstreue der soziale Mechanismus die kleinen
+Kapitalien, um sie in den Händen der Handeltreibenden zu
+konzentriren. Der Ackerbauer seufze, gebrochen durch den
+Gegenschlag, unter dem Ueberfluß der Ernten, deren Werth weder bei
+dem Verkauf noch bei der Konsumtion ihm gehöre, weil die Konsumtion
+auf umgestürzter Basis ruhe, »_denn die Klasse, die produzirt,
+nimmt an der Konsumtion nicht Theil_«. So würden Eigentümer wie
+Bodenbebauer oft gezwungen, Geißeln, wie Frost und Hagel,
+herbeizuwünschen. Man habe 1828 den Schrecken gesehen, als man im
+Juni in allen weinbautreibenden Ländern eine gute Ernte und damit
+erdrückenden Ueberfluß zu fürchten hatte.[23]
+
+[Fußnote 23: Diese Charakteristik könnte ebenso gut heute
+geschrieben sein. Sprach doch im Herbste 1885 die königl.
+sächsische »Leipz. Zeitung« es offen aus, daß man heut zu Tage im
+Zweifel sei, ob man eine gute Ernte wünschen dürfe. Und doch
+veranstaltet man jährlich für die Ernte auf allen Kanzeln Gebete
+und feiert Dankfeste.]
+
+»Genügen diese Monstrositäten nicht, um zu beweisen, daß das
+gegenwärtige System des Handels, wie der ganze Mechanismus der
+Zivilisation die verkehrte Welt darstellt? Aber wie will man sich
+in diesem Labyrinth zurechtfinden, so lange man die
+Charaktereigenschaften dieser Gesellschaft nicht analysirt?
+Schmeichler unseres Handelssystems haben wir im Ueberfluß, deren
+alleiniges Talent darin besteht, alle Fehler der Hydra des Handels
+zu beräuchern. Wenn man erst die wahre Natur dieses lügnerischen
+Systems erkennt, wird man erstaunt sein, daß man so lange sich von
+einem System dupiren ließ, das schon der Instinkt uns denunzirt,
+denn alle anderen Klassen hassen den Handel.«
+
+»Die Falschheit und Zweideutigkeit, wozu dieses System gekommen
+ist, genügt, um den Betroffenen die Augen zu öffnen; die Betrügerei
+und die Fälschung aller Lebensmittel hat eine Höhe erreicht, daß
+man die Einführung des Handelsmonopols als eine Schutzmaßregel
+gegen _diesen_ Handel begrüßen würde. Eine Staatsregie würde viel
+weniger sich auf Zweideutigkeiten einlassen können, sie würde zu
+einem festgesetzten Preis wenigstens natürliche Produkte geben,
+während es heute fast unmöglich ist, im Handel etwas natürlich zu
+erhalten.«
+
+»In Paris findet man kein Zuckerbrot, das nicht mit Runkelrüben
+gefälscht ist,[24] keine Tasse reiner Milch oder ein Glas reinen
+Branntweins. Kurz Unordnung und Aergerniß sind auf die Spitze
+getrieben und gehen die Dinge so weiter, so bleibt nichts übrig,
+als das Monopol.« Fourier setzt freilich hinzu, daß dies durch
+Entdeckung seines sozietären Systems und dessen Einführung unnütz
+werde.
+
+[Fußnote 24: Fourier meint hier die Herstellung des Zuckers aus
+Runkelrüben, den er als ein gefälschtes Produkt ansah, weil man bis
+dahin nur Zucker aus Zuckerrohr gewonnen kannte. Die Einführung des
+Kontinentalsystems durch Napoleon I. und das Verbot der Einfuhr
+englischer Kolonialwaaren, hatte zur Erfindung der Zuckerbereitung
+aus Runkelrüben den Anstoß gegeben und diese Art Zucker bürgerte
+sich von da ab immer mehr ein. Fourier, der offenbar die
+Süßigkeiten sehr liebte, sah den Rübenzucker als eine Fälschung des
+natürlichen Zuckers an. Wir, die wir heute fast nur aus Runkelrüben
+bereiteten Zucker kennen, denken darüber anders. Schließlich ist
+kein auf künstlichem Wege gewonnenes Lebensmittel einem sog.
+Naturprodukt gegenüber als Fälschung zu betrachten, vorausgesetzt,
+daß über die Art seiner Entstehung kein Zweifel besteht und es dem
+sog. Naturprodukt, das es ersetzen soll, völlig gleichwerthig ist.
+Wir werden in dieser Beziehung in Zukunft noch viele Vorurtheile
+ablegen müssen. Der Verfasser.]
+
+Fourier äußert sich dann über den Bankerott, über die Art, wie die
+öffentliche Meinung ihn zum Theil behandelt und wie der Bankerott
+selbst wieder zu Täuschungen benutzt wird. Auf der Bühne werde ein
+Falliment mit fünfzig Prozent als Lustspiel behandelt. Wenn aber
+ein Bankier die anvertrauten Depots von Ersparnissen zahlreicher
+Dienstboten veruntreue, die diese während zwanzig Jahren mühselig
+zusammengescharrt, so sei das sicherlich keine lächerliche Sache,
+sondern ein Verbrechen, das zu bestrafen sei.
+
+»Welche Verdorbenheit in der philosophischen Welt. Die Literatur
+ist eine Prostituirte, die nur studirt, wie sie sich mit dem Laster
+auf's Beste stellen kann; sie malt Alles in den schönsten Farben,
+damit die Theaterkasse ihre gute Einnahme hat. Die Moral ist eine
+in Mißkredit gerathene Schwätzerin, die nicht mehr wagt, gegen
+straflose Verbrechen, wie den Bankerott, zu deklamiren; sie
+speichelleckert allen Klassen von Dieben. Und der Oekonomismus, der
+nichts zu entdecken versteht, sucht die zu Tage liegenden Laster
+als unschuldige hinzustellen, sind es doch die Laster seiner
+Favoriten, der Handeltreibenden. So denkt keine Wissenschaft daran,
+ihre Aufgabe, die Analyse der Uebel der Zivilisation und das Suchen
+nach einem Heilmittel, zu erfüllen.«
+
+Fourier führt, wie er Alles zu klassifiziren und zu ordnen liebt,
+nicht weniger als vierundzwanzig Arten von Bankerotten auf, bei
+denen die Schwächen oder die Liebhabereien der Bankerotteure die
+Ursachen ihres Zusammenbruchs sind. Bei dem Einen sind zerrüttete
+Familienverhältnisse, eine liederliche Frau, verdorbene Kinder, bei
+dem Anderen eine Maitresse, bei dem Dritten die galanten Neigungen,
+bei dem Vierten Sentimentalität, die ihn zum Geschäft unbrauchbar
+machen u.s.w., die Ursachen, welche die Katastrophen erzeugen. Er
+könne, setzt er weiter hinzu, recht amüsante Kapitel zu den Details
+aller Arten von Bankerotten liefern, er treibe das Geschäft seines
+Vaters und sei im Waarenladen erzogen worden, er habe mit eigenen
+Augen die Infamien des Handels gesehen und beschreibe ihn nicht,
+wie die Moralisten vom Hörensagen, die den Handel nur in den Salons
+der Agioteure kennen lernten und einen Bankerott als etwas ansähen,
+das man sich in guter Gesellschaft erlauben dürfe. Jeder Bankerott,
+namentlich wenn er einen Bankier oder Wechselagenten betreffe,
+werde unter ihrer Feder zu einem beklagenswerthen Unfall, für den
+die Gläubiger im Grunde dem Falliten noch verbunden seien, daß er
+sie in seine edlen Spekulationen verwickelt habe. Man zeige den
+Gläubigern den Vorgang als eine unverschuldete Fatalität, eine
+unvorhergesehene Katastrophe an, die durch das Unglück der Zeiten,
+widrige Umstände, einen beweinenswerthen Wechselfall herbeigeführt
+sei. Das sei der gewöhnliche Inhalt der Briefe, mit welchen ein
+Fallissement angezeigt werde.
+
+»Alsdann kommen der Notar und seine Gevatter, denen im Geheimen
+ihre Provisionen für alle Vortheile, die sie erzielen, zugesichert
+sind und stellen den Falliten als so ehrenhaft, der Achtung so
+würdig hin. Da ist eine zärtliche Mutter, die sich dem Wohle ihrer
+Kinder opfert, ein tugendhafter Vater, der sie in der Liebe zur
+Verfassung erzieht, eine trostlose eines besseren Schicksals
+würdige Familie, die von der aufrichtigsten Liebe für jeden ihrer
+Gläubiger beseelt ist. Man müßte wahrhaftig ein Ungeheuer sein,
+wenn man einer solchen Familie nicht helfen wollte, um sie wieder
+zu erheben. Das ist sogar eine Pflicht für jede rechtschaffene
+Seele. Dazwischen interveniren einige moralische Spitzbuben, die
+man bestochen hat, und die gegen Jedermann hervorheben, wie schön
+es sei, in einem solchen Falle seine Gefühle walten zu lassen und
+daß man dem Unglück Erbarmen schulde. Diese werden durch einige
+hübsche Fürsprecherinnen, die sehr nützlich sind, um die
+Widerspenstigsten zu beruhigen, unterstützt. Durch alle diese
+Umtriebe erschüttert, kommen Dreiviertel der Gläubiger sehr bewegt
+und irre geleitet in die Sitzung. Der Notar schlägt ihnen einen
+Nachlaß von 70 Prozent ihrer Forderungen vor, indem er wieder
+ausmalt, wie diese tugendhafte Familie aus Sorge, die geheiligten
+Pflichten der Ehre zu erfüllen, sich des Letzten beraube. Ist die
+Situation günstig, so schlägt man den Gläubigern weiter vor, daß
+sie, um ihr Gewissen zu befriedigen und um der edlen Eigenschaften
+einer Familie willen, die so würdig der Achtung und so eifrig für
+die Interessen ihrer Gläubiger eingenommen ist, eine Huldigung
+bringen und statt auf siebzig auf achtzig Prozent verzichten.
+Einige Barbaren wollen widerstehen, aber die im Saale geschickt
+vertheilten Vertrauten übernehmen das Geschäft der heimlichen
+Anschwärzung der Widerstrebenden, die sie als unmoralisch
+bezeichnen. Dieser, tuscheln sie, besucht nie die Kirche und hat
+folglich kein Erbarmen; Jener unterhält eine Maitresse; der Dritte
+ist ein Geizhals und Wucherer; der Vierte hat selbst schon einmal
+fallirt und besitzt ein Herz von Stein, das für seine unglücklichen
+Mitmenschen ohne Nachsicht und Mitleid schlägt. Endlich erklärt die
+so bearbeitete Mehrheit ihre Zustimmung und unterzeichnet den
+Vertrag. Der Notar hält eine salbungsvolle Rede, versichernd, daß
+man im Grunde ein gutes Geschäft gemacht habe, denn durch die
+Dazwischenkunft der Gerichte würde nichts übrig geblieben sein und
+dabei habe man ein gutes Werk gethan und habe einer braven Familie
+geholfen. Schließlich gehen Alle voll Bewunderung für die Tugenden
+dieser würdigen Familie, die man als ein Muster betrachten müsse,
+nach Hause.«
+
+So vollziehe sich ein »gefühlvoller Bankerott«, bei dem die
+Gläubiger um drei Viertel ihrer Forderungen geprellt wurden; werde
+mit fünfzig Prozent ein Fallissement arrangirt, so sei dies ein
+rechtschaffener Bankerott, etwas so Alltägliches, daß wer sich mit
+einer so mäßigen Brandschatzung seiner Gläubiger begnüge, nicht
+nöthig habe, außerordentliche Triebfedern und Hülfsmittel in
+Bewegung zu setzen. Sei nicht Dummheit des Bankerotteurs im Spiele,
+so sei ein Geschäft, bei dem man nicht mehr als fünfzig Prozent
+einstreichen wolle, stets sicher.
+
+Die wahre Natur des Bankerotts kennen zu lernen, diesem hätten sich
+die Philosophen eben so entzogen, wie den Untersuchungen über die
+Agiotage und den Wucher, sie würden dann auch das Wesen der freien
+Konkurrenz begriffen haben. Napoleon habe Recht gehabt, zu sagen:
+Man kenne nicht das eigentliche Wesen des Handels. Napoleon sei
+eingeschüchtert worden durch die Erfahrung, daß jede Schädigung,
+die eine Regierung gegen den Handel versuche, von diesem auf die
+arbeitenden Klassen abgewälzt werde. Sobald der Handel bedroht
+würde, zöge er die Kapitalien zurück, säe er Mißtrauen, hemme er
+die Zirkulation. Der Handel sei das Bild des Igels, den der Hund an
+keinem Punkte fassen könne. Das sei, was im Geheimen alle
+Regierungen quäle, was sie zwinge, sich vor dem goldenen Kalb zu
+beugen. Eines Tages habe der österreichische Minister Wallichs
+(1810) gegen die Schliche der Börse in Wien auszuschlagen versucht,
+indem er eine Ueberwachung des Börsenspiels einführen wollte; er
+sei von der Börse in die Pfanne gehauen worden und habe schmählich
+seinen Platz räumen müssen. Man müsse also Entdeckungen machen, um
+gegen diese kommerzielle Hydra kämpfen zu können. Schließlich sei
+nichts leichter, als diesen Koloß der Lüge anzugreifen; kenne man
+die Batterien, die anzuwenden seien, so werde er nicht einmal
+Widerstand versuchen.
+
+Natürlich täuscht sich Fourier hier, weil er die Wirkung für die
+Ursache nimmt. Der Handel ist nur eine der Erscheinungen des
+kapitalistischen Systems. Ihm an den Kragen zu wollen, ohne das
+System mit der Wurzel auszuheben, ist einfach unmöglich. Fourier,
+der als Uebergangsstadium das Staatsmonopol für den Handel
+vorschlägt, würde, falls der Versuch der Durchführung gemacht
+worden wäre, gefunden haben, daß dies eben so unmöglich ist, wie
+alle Versuche von Wallichs bis zu Herrn v. Scholz und Herrn v.
+Maibach, der Börse auch nur ein Haar zu krümmen. Der Kapitalismus
+mag einwilligen, diesen oder jenen Industriezweig verstaatlichen zu
+lassen, und er wird dies thun, wenn er dabei seine Rechnung findet,
+aber nur dann: doch den Versuch der Monopolisirung eines Gebietes,
+wie es der Handel ist, würde er ebenso auf Tod und Leben bekämpfen
+wie eine Verstaatlichung der gesammten Industrie, und er würde
+siegreich bleiben. Außerdem wird der Staat, der in seiner ganzen
+Organisation und Gesetzgebung, und speziell in den gesetzgebenden
+Faktoren, den Volksvertretungen und Ministerien, der Ausdruck der
+kapitalistischen Interessen ist, dieser Staat wird nie weiter
+gehen, als sein _fiskalisches Interesse_ ihn nöthigt, und was immer
+er verstaatlicht, wird selbst wieder nur in kapitalistischer Form
+verwaltet und ausgebeutet. Fourier konnte zu seiner Zeit noch einen
+gewissen ausgeprägten Gegensatz zwischen der Staatsgewalt und den
+leitenden ökonomischen Klassen konstruiren, weil insbesondere der
+alte Adel mit der emporstrebenden Bourgeoisie, den Männern von 1789
+und ihren Nachfolgern, sich in den Haaren lag und beide Parteien
+die Staatsgewalt als Schiedsrichterin anriefen. Aber hier bestand
+kein Klassengegensatz, wie zwischen Kapital und Arbeit, es war nur
+der Kampf um die Beute, wie wir heute noch diesen Kampf in voller
+Blüthe sehen, wo grundbesitzende, industrielle und handeltreibende
+Bourgeoisie die Staatsgewalt und die Staatsgesetzgebung für ihre
+spezifischen Interessen auszunutzen suchen. Diese Differenzen
+werden dauern, so lange es eine bürgerliche Gesellschaft giebt, sie
+werden immer nur quantitativer, nie qualitativer, prinzipieller
+Natur sein. _Die Existenz des Staats erfordert die
+Aufrechterhaltung der Klassengegensätze_; er kann sie -- und das
+liegt in seinem Interesse -- zu mildern versuchen, aufzuheben
+vermag er sie nicht, _weil er sich selbst damit aufheben würde_.
+Die Entstehung des Klassengegensatzes in der Gesellschaft _erzeugte
+den Staat_, die Aufhebung des Klassengegensatzes machte ihn
+verschwinden. Der Klassengegensatz, von seinem Entstehen an in den
+Formen stetig wechselnd, aber seit dem Bestand des Staats stets
+vorhanden, _ist das Gesetz der Existenz des Staates_. Wir hoben
+bereits hervor, daß wenn der ganze Erdboden mit Fourier'schen
+Phalanxen bedeckt wäre, seine Omniarchen, Cäsare, Auguste,
+Monarchen u.s.w. eine sehr zwecklose Staffage wären, die keinen
+Sinn und keine Bedeutung hätte. Kriege gäbe es nicht mehr -- also
+ist die Armee mit Allem, was damit zusammenhängt, überflüssig.
+Diebe, Betrüger, Verbrecher existirten auch nicht mehr -- also
+wären Justiz, Polizei, Gefängnisse nicht mehr von Nöthen. Die
+Steuerbehörden wären, wie er selbst ausführte, ebenfalls nutzlos.
+Die Verwaltung ihrer Angelegenheiten leitete jede Phalanx
+ausschließlich; die Beziehungen der Phalanxen unter sich wären sehr
+einfache, sie bezögen sich auf den gegenseitigen Austausch und die
+gegenseitige Hülfeleistung bei der Herstellung großer gemeinsamer
+Unternehmungen, auf die Mittheilung und Unterstützung von
+Erfindungen, Verbesserungen und Entdeckungen aller Art für das
+praktische Leben, für Wissenschaften und Künste. Das sind Dinge,
+wozu schließlich eine Staatsgewalt in unserem Sinne nicht nöthig
+wäre. Denn diese Staatsgewalt ist eine repressive und befehlende
+Gewalt und nicht eine blos ausführende und anordnende Instanz; ihre
+Hauptaufgabe besteht darin, den Gegensatz innerhalb der
+Gesellschaft niederzuhalten, Ausbrüche nationaler Streitigkeiten
+niederschlagen und alle Diejenigen, welche, sei es individuell, sei
+es korporativ, die bestehenden Staatsnormen verletzen, zur
+Verantwortung zu ziehen. Für alle diese Leistungen braucht die
+Staatsgewalt die nöthigen Werkzeuge und Institutionen: Armee,
+Gerichte, Polizei, Gefängnisse, Steuerbehörden etc. Mit dem Zweck
+fielen auch die Mittel. Monarchen, die unter dem Regime der Phalanx
+regieren wollten, würden unbekümmert um ihre Stellung und ihren
+Titel, in noch viel höherem Grade die Rolle spielen, die das
+bekannte drastische Wort Napoleon's den Monarchen sogenannter
+konstitutioneller Musterstaaten, wie wir solche in Europa nur
+wenige -- England, Italien, Belgien -- haben, anweist; ihre
+Existenz würde durch die Natur der Dinge im phalansteren System
+unmöglich sein.
+
+ * * * * *
+
+Im weiteren Verlauf seiner Kritik der Zivilisation kommt Fourier
+auf diejenigen Charaktere zu sprechen, die nach dem Rückschritt
+streben, denen der Hang zur rückgängigen Bewegung eingeimpft
+(»greffée«) sei, und auf diejenigen Charaktere, die zum Niedergang
+der dritten Phase treiben.
+
+Eine Partei, welche die Mißbräuche der falschen Freiheit
+erschreckte, halte es für klug, auf die Gebräuche und
+Gepflogenheiten des zehnten Jahrhunderts, auf die Feudalität und
+den religiösen Obskurantismus zurückzukommen. Aber man finde weder
+ein Volk noch eine Bourgeoisie, welche sich für das zehnte
+Jahrhundert begeisterten. Der Versuch, das zehnte Jahrhundert auf
+das neunzehnte, die erste Phase der Zivilisation auf die dritte zu
+pfropfen, werde scheitern, Handel und Finanz seien allmächtig und
+eine Partei sei verloren, welche glaube, diese beiden Mächte
+beherrschen zu können.
+
+Andererseits seien die Champions des »erhabenen Flugs« unserer
+Gesellschaftsordnung, die Liberalen, auch noch eine Partei von
+Rückwärtslern, die im Flittergold der Athener und der Römer
+stöbernd, die alten Schwindeleien, die falschen Menschenrechte, in
+Szene zu setzen suchten und auf das neunzehnte Jahrhundert
+Illusionen pfropften, welche die Zivilisation zu einem Mischmasch
+der zweiten und der dritten Phase machten.
+
+Schließlich werde die Partei die Oberhand behalten, welche nach der
+vierten Phase der Entwicklung vorwärts und nicht rückwärts gehe.
+Wenn beide Parteien sich auszusöhnen und zu vereinigen vermöchten,
+könnte die Zivilisation in die vierte Phase aufrücken, die, wenn
+sie auch nicht das eigentliche Glück bringe, doch gegen die
+früheren große Vorzüge habe; sie werde die Bettelarmuth austilgen,
+beständig Arbeit dem Volke sichern, Fonds liefern, genügend, um die
+öffentlichen Schulden zu decken; Wälder und Wege restauriren.
+
+Was die dritte Phase betreffe, so sei sie eine Sackgasse, aus
+welcher der menschliche Geist nicht herauszukommen wisse, er nutze
+sich mit Systemen ab, die nur darauf hinaus liefen, alle Geißeln
+zur Herrschaft zu bringen. Diese Phase zeige das Bild des Sisyphus,
+der ewig den Felsen wälzend nie zum Ziele komme. In verschiedenen
+Beziehungen seien wir sogar zu Rückschritten gekommen, verursacht
+durch die Chimären, welche wir uns über das Repräsentativsystem
+machten, was selbst Lobredner des Liberalismus, wie Benjamin
+Constant, anerkannt hätten. Solche Uebel seien: die Korruption der
+Volksvertreter durch die Bestechungen; die Aufschreckung der Höfe,
+die von Sinnen kämen durch die Angst, die ihnen der falsche
+Liberalismus einflöße; das Schutzsuchen der Höfe bei den Feinden
+ihrer Unabhängigkeit aus Furcht vor dem Liberalismus, »diesem
+Schlimmsten, was ihnen begegnen könne«; (heilige Allianz, Kongresse
+von Aachen, Troppau, Laibach, Verona, Karlsbader Beschlüsse, auf
+diese und ähnliche Vorkommnisse spielt Fourier hier an); die
+Mißhelligkeiten unter den verschiedenen Klassen der Bürger in Folge
+der Wahlkämpfe; das Wachsthum der Staatsausgaben in Folge des
+Kampfes der Regierungen gegen die Völker u.s.w.
+
+Fourier verwahrt sich dagegen, daß er ein Vertheidiger des
+Absolutismus sei, wenn er die Uebel des herrschenden Systems
+bloslege; er kritisire, um zu zeigen, daß weder das Bestehende noch
+das Vergangene das Glück der Menschen geschaffen und beweise, daß
+man die jetzige Phase so rasch als möglich verlassen müsse. Er
+nenne den Liberalismus falsch, weil er einen politischen
+Rückschritt unter volksfreundlicher Maske, die Herrschaft der
+Oligarchie erstrebe _und immer die seinen Versprechungen
+entgegengesetzten Wirkungen erzeuge_. Die Liberalen suchten sich zu
+rechtfertigen, indem sie sagten: »Seht Ihr nicht, daß wir ohne das
+Repräsentativsystem und ohne unsere Opposition in den drückendsten
+Despotismus fielen?« Das gebe er zu, aber es sei nicht weniger
+gewiß, daß, indem die Liberalen durch ihre Taktik den
+Rückschrittlern vor den Kopf stießen und sie immer mehr
+erbitterten, sie diese immer mehr dem Obskurantismus in die Arme
+trieben. So arbeiteten die Liberalen indirekt gegen sich selbst.
+Ueberdies sei sicher, daß dieses sogenannte liberale System
+keineswegs sehr positiv operire, _der liberale Geist sei für alle
+großen Probleme sozialer Verbesserung durchaus steril, er bringe
+immer nur Debatten zur Welt, nie eine neue Idee_.
+
+Fourier hat hier mit wenig Worten den Liberalismus schlagend
+gekennzeichnet; er hat nichtsdestoweniger nach zwei Seiten Unrecht.
+Er hat Unrecht, wenn er sagt, der Liberalismus schade sich selbst,
+weil er durch seine Kampfweise den Monarchen und den Konservativen
+vor den Kopf stoße. Das ist derselbe Vorwurf, den in unserer Zeit
+die vorgeschrittenen Liberalen den Sozialisten machen. Nun kann
+aber keine Partei aus ihrer Haut, sie kämpft für die Ideen und
+Interessen, die ihre Lebensbedingungen bilden; ob sie dabei einen
+der Gegner, mit dem sie gewisse gleiche Ziele hat, verletzt und
+einschüchtert, kann nicht in Frage kommen. Jede aufstrebende
+Partei, die für ihren Sieg kämpft, ist für die alten Parteien eine
+Gefahr, weil der Sieg der neuen Partei die Verdrängung der alten
+Parteien und ihre Hinauswerfung aus der innegehabten Position
+bedeutet. Darüber täuscht sich keine Partei, die an der Herrschaft
+ist, und namentlich dann nicht, wenn ein unversöhnlicher
+prinzipieller Gegensatz zwischen den kämpfenden Parteien besteht.
+Es ist daher thöricht, dem Angreifer seine Taktik zum Vorwurf zu
+machen, denn nicht um diese, sondern um seine wahren Bestrebungen
+handelt es sich.
+
+Fourier hat ferner Unrecht, wenn er glaubt, daß ein Bündniß des
+Liberalismus seiner Zeit mit dem Konservatismus ein günstigeres
+Resultat für den Fortschritt der Gesellschaft ergeben hätte.
+Deutschland, das heute ähnliche Kämpfe der herrschenden Klassen
+unter sich durchzumachen hat, wie das Frankreich der zwanziger und
+dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts, ist der klassische Zeuge
+dafür, wohin der Liberalismus und der Fortschritt der Gesellschaft
+kommt, wenn der Liberalismus sich mit dem Konservatismus verbündet.
+Indessen wir wissen heute, daß _alle_ wie immer gearteten
+politischen Parteikämpfe nur Kämpfe um materielle Interessen sind,
+und daß, wo zwei Kämpfende sich gegen den dritten verbünden, sie
+selbst nur einen Waffenstillstand schließen, weil ihnen der dritte
+die streitige gemeinsame Beute zu entreißen droht. Es ist der alte
+Kampf um das bevorzugte Dasein, den die Menschen im Gegensatz zu
+den »unvernünftigen« Thieren führen, indem jeder sich selbst und
+alle sich gegenseitig zu belügen und zu betrügen suchen, sich
+vorredend, es seien die »Ideen« und nur die »Ideen«, für die sie
+stritten und kämpften. Es ist der große Fortschritt unserer Zeit,
+daß der Charakter dieser Kämpfe als Klassen- und Interessenkämpfe
+immer mehr erkannt wird, und vor Allem ist es der moderne
+Sozialismus, der diesen Standpunkt voll und ganz einnimmt.
+
+Fourier fährt fort:
+
+Die Stehenbleibenden (»immobilistes«) seien eine ebenso lächerliche
+Sekte als die Rückwärtsstrebenden, die soziale Bewegung weise jeden
+Stillstand zurück; sie strebe zum Fortschritt, dies sei ebenso ihr
+Bedürfniß wie, daß Wasser und Luft zirkuliren müßten, um nicht zu
+verderben. Jeder Stillstand korrumpire. Unsere Bestimmung sei,
+vorwärts zu marschiren und so müsse jede soziale Periode nach einer
+höheren Entwicklung streben. So tendire die Barbarei zur
+Zivilisation und diese zum Garantismus und den höheren
+Entwicklungsformen. Wenn eine Gesellschaft zu lange in einer
+Entwicklungsphase verharre, ermatte sie, und es entwickle sich in
+ihr, wie stehendes Wasser faulig werde, die Verderbniß. Wir
+befänden uns seit einem Jahrhundert in der dritten Phase, aber in
+dieser kurzen Spanne Zeit sei die Entwicklung, Dank den kolossalen
+Fortschritten der Industrie, sehr rasch vor sich gegangen. Heute
+strebe die dritte Phase über ihre Grenzen hinaus. Wir besäßen zu
+viel Lebensmittel für eine auf der sozialen Stufenleiter
+gleichzeitig nicht genügend emporgestiegene Gesellschaft, und
+dieser Ueberfluß von Lebensmitteln, im sozialen Mechanismus keine
+natürliche Anwendung findend, überlaste und verderbe ihn. Daraus
+resultire eine zerstörende Gährung, es entwickle sich eine große
+Menge schädlicher Charaktere, es zeigten sich Symptome der
+Erschlaffung, alles Wirkungen des Mißverhältnisses, das zwischen
+den industriellen Mitteln und den auf einer tieferen Stufenleiter
+stehenden Massen der Bevölkerung vorhanden sei. Wir besäßen zu viel
+Industrie für eine zu wenig vorgeschrittene noch in der dritten
+Phase zurückgehaltene Zivilisation, die aber von dem Bedürfniß
+gedrängt werde, sich in die vierte Phase zu erheben. Daher diese
+Erscheinungen des Ueberflusses und der Verschlechterung, von denen
+er die schlimmsten aufzählen werde. Als Antwort auf die Prahlereien
+von der Vollkommenheit der bestehenden Gesellschaft werde er die zu
+Tage liegenden Wirkungen ihrer noch sehr neuen Verschlechterungen
+zeigen.
+
+Fourier führt nun ein Sündenregister der Zivilisation von
+vierundzwanzig Eigenschaften auf, die den nothwendigen Verfall der
+Gesellschaft zur Folge haben müßten.
+
+Erstens: Die politische Zentralisation. Die Hauptstädte würden zu
+Abgründen, die alle Hülfsmittel verschlängen, welche die Reichen
+zur Agiotage verleiteten, so daß diese mehr und mehr die Agrikultur
+verschmähten. Zweitens: Die Fortschritte der Fiskalität. Es
+entwickele sich ein System der Erpressung und es entstünden die
+indirekten Bankerotte; man nehme die Mittel voraus und grabe der
+Zukunft den Abgrund. 1788 habe Necker nicht gewußt, womit er ein
+jährliches Defizit von fünfzig Millionen decken solle, heute
+reichten nicht fünfzig, man brauche fünfhundert Millionen.
+Drittens: Befestigung des Seehandelsmonopols. 1788 habe man noch
+mit England rivalisirt und es zurückgehalten, heute herrsche es
+ausschließlich, ohne daß Europa an die Wiederherstellung einer
+wirklichen Rivalität denken könne. Viertens: Wachsende Angriffe auf
+das Eigenthum. Gewohnheit und Beispiele machten diese durch die
+Vorwände zur Revolution immer häufiger. Diese Angriffe würden für
+alle Parteien zur Regel. Nachdem Frankreich -- in der großen
+Revolution und unter Napoleon -- konfiszirt habe, ahmten Spanien
+und Portugal das Beispiel nach und das werde immer schlimmer
+werden, weil es heute nur Fortschritt in der Unordnung gäbe. Es sei
+eine Charaktereigenschaft der Gesellschaft, die in die Barbarei
+zurückgreife. Fünftens: Beseitigung der Zwischenkörperschaften;
+also derjenigen Institutionen, welche durch die straffe
+Zentralisation, die der Konvent schuf, beseitigt wurden:
+Provinzialstände, Parlamente, Magistrate und Korporationen. Dank
+ihrem Sturze befinde man sich vor der jährlichen Vergrößerung des
+Budgets um fünfhundert Millionen. Sechstens: Beraubung der Kommune
+an Eigenthum und Rechten, die man vergeblich durch die
+Lebensmittelsteuern (»octrois«), welche die Industrie schädigten,
+die Bevölkerung mißstimmten, zu Steuerhinterziehungen provozirten
+und den ganzen legalen Handel vergifteten, zu entschädigen
+versuche. Siebentens: Verdorbenheit der Rechtsprechung; man
+vertheuere dem Armen das Rechtsuchen und mache es ihm unmöglich,
+und gleichzeitig rufe man, durch die immer größer werdende Theilung
+des Eigenthums und die Häufung immer ohnmächtiger werdender
+Gesetze, das Wachsthum der Prozesse hervor. Die Gesetze blieben
+todte Buchstaben für einen plündernden Lieferanten, der 76
+Millionen gestohlen habe, und verurtheilten einen armen Teufel, der
+einen Kohlkopf stehle, zum Tode.
+
+Fourier theilt zum Beleg für diesen letzteren Ausspruch den Ausgang
+zweier Prozesse mit, die sich zu seiner Zeit in Pan im südlichen
+Frankreich abspielten. Ein Armeelieferant, der durch betrügerische
+Lieferungen ein Vermögen von 76 Millionen ergaunerte, wurde
+freigesprochen, ein armer Teufel, Namens Ellisander, der Kohl
+gestohlen hatte, wurde zum Tode verurtheilt.
+
+Achtens: Dauerlosigkeit in Institutionen, die selbst im Falle
+besserer Einsicht von Unvermögen betroffen seien und durch den
+Mangel gerechter Methoden in der ganzen Verwaltung der Gesellschaft
+das Gegentheil von dem erzeugten, was sie bewirken sollten. Man
+könne keine regelmäßige, auf allgemein geltenden Grundsätzen
+basirte Landauftheilung und Landvermessung vornehmen, weil es keine
+Regel für solche Maßnahmen gebe. Fourier hat hier die zu seiner
+Zeit geplante allgemeine Katastrirung im Auge, die theils wegen der
+großen Kosten, theils wegen des Streits über die unterzulegenden
+Grundsätze von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verschoben wurde. Neuntens:
+Stetig drohende Schismen, die Bürgerkriege hervorzurufen drohten.
+Zehntens: Beständige Gefahr des Ausbruchs innerer Kämpfe, die Folge
+des Nährens der Unzufriedenheit durch die Unwissenheit der sozialen
+Politiker, die kein Mittel der Aussöhnung und des wirklichen
+sozialen Fortschritts zu entdecken vermöchten. Elftens: Die
+Vererbung; die Gewohnheit, die durch die besiegte Partei einmal
+eingeführten Uebel beizubehalten: Lotterien, öffentliche Spiele und
+andere verhängnißvolle Mittel der Fiskalität.
+
+Die politische Schamlosigkeit und Erniedrigung der christlichen
+Mächte, die mit den Muselmännern und Piraten ein stilles
+Vertragsverhältniß eingingen, wonach man den Seeräubern, um sie zu
+beschwichtigen, einen Tribut bezahlte und den Negerhandel
+unterstützte, betrachtete Fourier als die zwölfte verhängnißvolle
+Charaktereigenschaft der Zivilisation. Zu seiner Zeit standen die
+Dinge noch so, daß die meisten europäischen Mächte, Mangels der
+nöthigen maritimen Kräfte und um den Seeräubereien der
+nordafrikanischen Raubstaaten Einhalt zu thun, durch Zahlung eines
+jährlichen Tributs die eigene Flagge vor Angriff zu schützen
+suchten. Einen solchen Vertrag schloß z.B. Oesterreich mit der
+Türkei, als der Schutzmacht der nordafrikanischen Seeräuberstaaten,
+ab. Oesterreich, das 1814 mit der Annexion von Venedig auch dessen
+Flotte erhielt, -- 8 Linienschiffe, 7 Fregatten etc. -- ließ diese
+buchstäblich verfaulen und die im Bau begriffenen Fregatten
+unvollendet. Der bankerotte Staat hatte keine Mittel, eine
+Kriegsflotte unterhalten zu können. Der Sklavenhandel, durch
+christliche Mächte begünstigt, blieb noch bis in unser Zeitalter
+ein gewinnbringendes Geschäft und eine Schmach unserer Kultur.
+
+Dreizehntens: Fortschritt des Handelsgeistes. Steigende Macht des
+Börsenspiels, das der Gesetze spotte, die Früchte der Industrie an
+sich reiße, die Autorität mit den Regierungen theile und überall
+die Raserei für das Spiel verbreite. Vierzehntens: Begünstigung des
+Handels trotz seiner Verschlimmerung. Marseille baue für die
+Seeräuber Schiffe zur Kaperung der Schiffe der Christen, um mit den
+gefangenen Christen die afrikanischen Bagnos zu füllen; Nantes
+besitze Fabriken in denen die Marterwerkzeuge für die Tortur der
+Neger hergestellt und den Strafgesetzen zum Trotz ausgeführt
+würden; andere Städte ahmten den Engländern nach und bauten Bagnos
+(Fabriken), in denen die Arbeiter sechszehn Stunden täglich
+schanzen müßten. Je mehr der Handel an Bösartigkeit zunehme, um so
+mehr werde er begünstigt. Fünfzehntens: Industrielle Skandale:
+Fortschritte in der Art der Verfälschungen und der Tolerirung der
+Verfälschung der Lebensbedürfnisse; Zunahme der aus drückendem
+Ueberfluß entstehenden Krisen; unterwerthige Ueberlassung der
+Ernten unmittelbar nach ihrer Einbringung gegen vorausgegangene
+Lieferung anderer Bedürfnisse, also zunehmende Abhängigkeit des
+Bodenbebauers vom Kapitalisten. Sechszehntens: Handel mit weißen
+Favoritinnen. Man lasse eine solche Gewohnheit vertragsmäßig selbst
+solchen Mächten zu, welche sie, wie der Pascha von Egypten, bisher
+nicht hatten, und widersetze sich nur diplomatischen Albernheiten.
+Siebzehntes: Einbürgerung der Sitten eines Tiberius: zunehmende
+Spionage, die bis in die Reihen der Soldaten reiche; geheime
+Angeberei; augenscheinlicher Fortschritt in der Heuchelei, der
+niedrigen Gesinnung, der dem Parteigeist innewohnenden Uebel.
+Achtzehntens: Kommunistischer Jakobinismus. Die Parteien, die ihn
+bekämpften, adoptirten seine Taktik und die Kunst, Verschwörungen
+anzuzetteln; sie raffinirten die Verleumdung, die heute allgemein
+geworden sei und nähmen dem Charakter des Modernen noch das wenige
+von Noblesse, das ihm verblieben. Neunzehntens: Vandalistisch
+gesinnter Adel (der Restauration), der an die Rechtsideen vor der
+Revolution wieder anzuknüpfen suche; er denke nur daran, die
+Industrie, die ihm die Wahlstürme brachte, zu zerstören und
+verfalle so wieder der Barbarei. Zwanzigstens: Literarische
+Luftgefechte, die unsere Schriftsteller und Gelehrten als Banner
+ihres Barbarismus aufpflanzten, wobei sie sich gegenseitig, zum
+Vergnügen des Publikums, dem sie den Geschmack an der Verleumdung
+beigebracht, zerrissen. Sie einigten sich nur, um wirkliche
+Aufklärung und nützliche Entdeckungen zu ersticken und zu
+unterdrücken. Die Wahlfreiheiten hätten ein Trio von neuen Tugenden
+geboren: einen vandalistisch gesinnten Adel, eine an der
+Verleumdung hängende Bourgeoisie, ein voll Tadelsucht steckendes
+Gelehrtenthum. Einundzwanzigstens: Auf rascheste Zerstörung
+gerichtete Taktik, indem man die Kriege furchtbarer zu machen suche
+und immer mehr die barbarischen Gewohnheiten annehme;
+Guerillakampf, Landsturm, Bewaffnung von Frauen und Kindern.
+(Erinnerungen an Spanien, Tyrol und Preußen. Der Verf.)
+Zweiundzwanzigstens: Tendenz zum Tartarismus, darin bestehend, die
+allgemeine Wehrpflicht und das Massenaufgebot, wie es Preußen
+bereits besitze und es Rußland in höherem Maße nachzuahmen
+versuche, einzuführen; ein System, das, wenn es erst in einigen
+Reichen eingeführt sei, alle übrigen zwinge, aus
+Sicherheitsrücksichten diese tartarische Organisation ebenfalls
+anzunehmen. Dreiundzwanzigstens: Einweihung der Barbaren in die
+Taktik der Zivilisirten, was ein sicheres Mittel sei, die
+Räubereien der Barbaresken noch mehr herauszufordern und der Türkei
+nahezulegen, diese Räubereien nachzuahmen dadurch, daß sie in den
+Dardanellen von den Schiffen aller schwachen Mächte einen
+Passagezoll erhebe. Endlich vierundzwanzigstens: Vierfache Pest. Zu
+der bereits bekannten alten des Orients komme das gelbe Fieber, der
+Typhus, der bereits große Verheerungen anrichte, und die aus
+Bengalen stammende Cholera. Das sei eine neue Quadrille von vier
+wachsenden Vervollkommnungen.
+
+Wir kritisiren diese von Fourier hier vorgeführten vierundzwanzig
+Charaktereigenthümlichkeiten der Zivilisation nicht weiter, jeder
+Leser wird sich klar sein, wie weit sie heute noch vorhanden oder
+nicht vorhanden sind, sich steigerten oder sich schwächten; eine
+Anzahl derselben waren sehr vorübergehender Natur und sind
+verschwunden, andere lasten in bedenklichem Maße auch auf unserem
+Zeitalter, sie sind sogar seit Fourier in ihrem Druck gewachsen.
+Die Aufstellung der Liste verräth wieder den Mann der scharfen
+Beobachtung und den Denker. Charakteristisch für Fourier aber ist
+die fünfundzwanzigste der zivilisirten Untugenden, die er getrennt
+von den übrigen hervorhebt und als die »schmachvollste« aller
+bezeichnet: »die Zulassung der Juden zu den bürgerlichen Rechten«.
+
+Es genügte den Zivilisirten nicht, sagt er, die Herrschaft des
+Betrugs zu sichern, man mußte die Wuchernationen, die unproduktiven
+Patriarchalen zu Hülfe rufen. Die jüdische Nation sei nicht
+zivilisirt, sie sei patriarchalisch; sie habe keinen Souverän,
+erkenne auch im Geheimen keinen an und halte jeden Betrug für
+lobenswerth, wenn es sich darum handele, Diejenigen zu täuschen,
+die nicht ihres Glaubens seien. Sie gebe zwar diese Prinzipien
+nicht zu, aber man kenne sie genügend. Die Juden verdankten ihre
+Zulassung zu den bürgerlichen Rechten nur den Philosophen. Man
+sieht, Fourier's Angriffe gegen die Juden, in welchen er sich noch
+weiter ergeht, decken sich fast wortgetreu mit den Angriffen
+unserer heutigen Antisemiten.
+
+Fourier meint weiter, die aufgezählten Uebel gehörten nicht
+unabänderlich zum Wesen der Zivilisation, sondern seien nur
+Anhängsel; sie würde dem Einbruch dieser Uebel entgangen sein, wenn
+sie ihren Marsch beschleunigt hätte, wenn sie zeitig sich von der
+dritten Phase in die vierte Phase erhoben, ihre Organisation auf
+der sozialen Stufenleiter um so viel höher ausgebildet hätte als
+ihre Industrie sich steigerte; so habe sie für die dritte Phase zu
+viel und für die vierte zu wenig Entwicklung. Die Vollsaftigkeit
+(»pléthore«) sei nur ein Zufälliges, die durch eine andere
+Organisation der sozialen Ordnung eine andere und gesundere
+Vertheilung erlangte. Es handele sich also darum, daß wachsende
+Industrie und Verbesserung der sozialen Organisation Hand in Hand
+gingen, damit diese kolossale Industrie regulirt und ausgeglichen
+werden könne, eine Industrie, die zu einem politischen Fleischbruch
+(»sarcocéle politique«) geworden sei und es bliebe, so lange wir in
+der dritten Phase verharrten.
+
+Hiermit habe er die Analyse der Zivilisation gegeben. Hätte sich
+die Wissenschaft dieser Aufgabe unterzogen, so hätte sie erkannt,
+welche Perioden die Zivilisation durchlaufen habe und würde
+entdeckt haben, wann man in die Bahn des Uebels oder des Guten
+einlenkte. Man würde alsdann auch konstatirt haben, daß die
+Zivilisation zwar die Industrie vervollkommnete, _daß sie aber in
+demselben Maße die Sittenzustände verschlechtere, wie der
+Fortschritt der Industrie sich entwickelte_. Darum gelte es, einen
+anderen sozialen Mechanismus zu entdecken, der den Sitten
+(»moeurs«) gemäß operire und aus dem Fortschritt der Industrie die
+Wahrheit und die Gerechtigkeit schaffe. Anstatt zu diesem Ziel zu
+streben, weigere sich die Wissenschaft, eine Aenderung zuzulassen,
+behauptend: »der natürliche Sinn des Wortes Zivilisation ist die
+Idee des Fortschritts in der Entwicklung; es setzt ein Volk voraus,
+das marschirt; es bedeutet die Vervollkommnung des bürgerlichen
+Lebens und der sozialen Beziehungen, die billigste Vertheilung der
+Gewalt und des Glücks aller Glieder der Gesellschaft.«
+
+Einen Professor, der sich in solcher Weise auf seinem Pariser
+Lehrstuhl, wo der Sophismus vor jedem Widerspruch sicher sei,
+ausdrücke, solle man als Antwort in die Spiegelmanufakturen und
+ähnliche Werkstätten führen, damit er mit eigenen Augen die
+»billige Vertheilung« und das »Glück« der Arbeiter sehen könne;
+jener Arbeiter, die den Phantasien der Müßigen, aus denen sich das
+Auditorium des Professors zusammensetze, als Vorwurf dienten. Wäre
+es wahr, daß die Zivilisation jede Vervollkommnung, jeden
+Fortschritt, jede Entwicklung begünstige, dann wären auch die
+Barbaren Zivilisirte, deren Industrie in China, Japan, Persien,
+Hindostan sich sehr vervollkommnet habe; aber zwischen diesen
+beiden Gesellschaften werde man, wenn man sie analysire, einen
+mächtigen Unterschied erkennen. Der Fortschritt dürfe aber nicht
+blos die Industrie betreffen, er müsse auch die Sitten und den
+ganzen sozialen Mechanismus der Gesellschaft umfassen, zwei
+Beziehungen, welche die Zivilisation nur zu verschlechtern wisse.
+So bleibe ihre Aufgabe nur, Wissenschaft, Künste, Industrie,
+Studien, welche auch die Barbaren begonnen und sehr weit getrieben
+hätten, bis in die dritte Phase zur Anwendung zu bringen. Habe die
+Zivilisation diese Aufgabe erfüllt, dann bleibe ihr nichts anderes
+übrig, als zu verschwinden und einer anderen Gesellschaft Platz zu
+machen, welche, indem sie Sitten, sozialen Mechanismus, Industrie
+und Wissenschaft immer mehr vervollkommne und verfeinere, sie auf
+eine Höhe bringe, deren die Zivilisation nicht zur Hälfte fähig
+sei.
+
+»Indem das Jahrhundert sich abmüht, fabrizirt es Konstitutionen und
+Systeme im Ueberfluß; es gleich dem Eichhörnchen, das in seinem
+Rade springt, ohne daß es vom Flecke kommt.«
+
+ * * * * *
+
+Fourier legt nun den Plan dar, der nach seiner Meinung die
+Zivilisation auf dem kürzesten Wege in die höhere
+Entwicklungsphase, zunächst in den Zwischenzustand zwischen
+Zivilisation und Garantismus, versetzen könne. Es gelte ein
+Uebergangsstadium zu schaffen, das den Handel, diese Hydra, vor der
+selbst die Könige erschreckten und sich beugten, stürze.
+
+Dieses koste nur ein Dekret, und die Banken wie der Handel mit
+ihren enormen Erträgen kämen in den Besitz der Regierungen. Zwei
+Wege gebe es, dies herbeizuführen, einen brüsken und einen sanft
+zwingenden, einen konkurrirenden und einen untergrabenden; auch
+ließen sich beide Methoden vereinigen.
+
+Er unterstelle, daß es einen König gebe von dem festen und
+rücksichtslosen Charakter eines Mahmud II. (regierte als Sultan von
+1808-1839) und also den Zwang vorziehe: dieser werde die ganze
+arme Klasse, die nichts besitze, vereinigen und sie in Staatsfarmen
+organisiren. Man könne rechnen, daß die Zahl der ganz Mittellosen
+ungefähr ein Zehntel der Bevölkerung betrage und auf je vierhundert
+Familien vierzig arme Familien kämen. Es bildeten also je
+zweihundert Personen die Bewohner einer Staatsfarm, die ihre
+nöthigen Gebäude, Stallungen, Vieh, Gärten, Werkzeuge u.s.w.
+erhielten. Diese Zahl sei groß genug, um eine zweckmäßige und wenig
+kostspielige Verwaltung, abwechselnde Arbeiten und ein lukratives
+Unternehmen zu begründen.
+
+Diesen Staatsfarmen hätte sich in der Industrie die Institution der
+fixirten Unternehmerschaft anzuschließen. Hierunter versteht
+Fourier nicht die der Zahl nach fixirte Unternehmerschaft, sondern
+eine solche, die unter der Bedingung zugelassen wird, daß sie eine
+von Jahr zu Jahr progressiv steigende Abgabe an den Staat leistet,
+eine Maßregel, die zwei Wirkungen haben soll; erstens: dem Staat
+eine hohe Einnahme zu bringen; zweitens: den Unbemittelten die
+Unternehmerschaft unmöglich zu machen, oder sie zur Aufgabe
+derselben zu nöthigen. Die so freigesetzte Bevölkerung solle in die
+Staatsfarmen gedrängt werden, die einkommende Steuer aber neben der
+Deckung der Staatsausgaben zur Deckung der Staatsschulden verwendet
+werden. Fourier setzt voraus, daß diese Einnahmen allmälig sehr
+hoch werden und einen erheblichen Theil des Unternehmergewinns
+absorbiren würden. Sicher ist von allen utopistischen Vorschlägen
+Fourier's dieser Vorschlag der utopischste.
+
+Indem die Farmen immer zahlreicher würden und immer vorzüglichere
+Produkte lieferten, auch industrielle, würden sie durch die Güte
+ihrer Waaren, wie die Reellität der Preise die private Konkurrenz
+immer mehr in's Gedränge bringen und einen Unternehmer nach dem
+andern zur Geschäftsaufgabe zwingen. Damit dehnten sich die Farmen
+immer mehr aus, die Kapitalisten ließen ihnen ihre Kapitalien
+zufließen, ein Eigenthümer nach dem andern trete ihnen durch
+Verkauf oder durch Pacht seinen Grund und Boden ab und sie würden
+schließlich selbst Mitglieder der Farmen. Dieser Aufsaugungsprozeß
+führe dann zur Bildung der Phalanxen.
+
+Man sieht, dieser Vorschlag hat eine starke Aehnlichkeit mit dem
+von Lassalle vorgeschlagenen Uebergangsstadium, nur daß Lassalle
+mit der Industrie beginnen wollte, Fourier das Hauptgewicht auf die
+Ackerbaugenossenschaft legt.
+
+Wir haben keine Veranlassung, diesen Vorschlag ausführlicher zu
+kritisiren; er ist ebenso wenig durchführbar, wie die Gründung der
+Phalanxen durch die Mitwirkung der Reichen. Die Herrscher und die
+Klassen müßten noch geboren werden, die im Besitz der Macht und
+aller Genüsse freiwillig aus rein philanthropischen Gründen, um der
+Masse der Unbemittelten und Armen zu helfen, ihre eigene bevorzugte
+Stellung opferten. Wer in der Macht sitzt, sitzt im Recht und ihm
+leuchtet nicht ein, daß seine Stellung eine ungerechte sein könne.
+Ein Vorschlag, wie der Fourier'sche, kommt einer Zumuthung zum
+Selbstmord gleich; diesen begeht nicht einmal der Einzelne
+freiwillig, wie viel weniger eine Klasse, die sich im Besitz der
+Herrschaftsmittel und im Glauben an ihr Recht befindet. --
+
+Fourier ergeht sich weiter in Auseinandersetzungen und
+Spekulationen über Einrichtungen und Zustände der
+Entwicklungsperioden, welche der Zivilisation vorausgegangen sind,
+um an der Hand derselben nachzuweisen, daß weitere Entwicklungen
+über die Zivilisation hinaus folgen würden. Nicht nur seien Thiere
+und Pflanzen um so mehr der Degeneration verfallen, je näher sie
+unserer Zeitperiode rückten, sondern auch der Mensch. Der
+ursprüngliche Mensch, der im Zustand des Edenismus
+durchschnittliche 73½ pariser Zoll groß gewesen -- woher er
+diese genauen Maßangaben besitzt, verschweigt er --, aber heute auf
+durchschnittlich 63 pariser Zoll zurückgekommen sei, werde in der
+Harmonie sich wieder zur Höhe von 73½-84 pariser Zoll entwickeln.
+Alle dem Menschen nützliche Thiere und Pflanzen würden sich in
+demselben Verhältniß vervollkommnen und veredeln. In der Barbarei
+sei der Angelpunkt des Systems, im Kontrast mit dem in der
+Zivilisation, die Einfachheit der Handlung, in der Zivilisation
+nehme jede Handlung den Charakter der Doppelseitigkeit an. Ein
+Beispiel möge dies beweisen.
+
+»Der Pascha eines barbarischen Reichs verlangt Abgaben, einfach,
+weil es ihm gefällt, zu brandschatzen und zu plündern, es fällt ihm
+nicht im Traum ein, erst in den Verfassungen der Griechen oder
+Römer nach den Theorien über die Rechte und Pflichten der
+Staatsangehörigen zu forschen: er begnügt sich, die Steuer zu
+verlangen bei Gefahr für die Besteuerten, im Nichtzahlungsfalle den
+Kopf zu verlieren. Für den Pascha giebt es also, um zum Zweck zu
+gelangen, nur ein Mittel, die Gewalt; dies ist eine einfache
+Handlung. Der zivilisirte Monarch benutzt für denselben Zweck
+verschiedene Mittel. Zunächst hat er Polizisten und Soldaten zur
+Stütze der Verfassung. Aber man setzt dieser Hülfe das
+philosophische Handwerkszeug von moralischen Subtilitäten über das
+Glück, Abgaben zum Wohl des Handels und der Verfassung zahlen zu
+dürfen, hinzu. Tugendhafte Finanziers übernehmen, damit wir unsere
+unverjährbaren Rechte genießen können, bereitwillig die
+Ueberwachung der Verwendung dieser Steuern. Der Fürst, der sie
+fordert, erscheint dabei als zärtlicher Vater, nur darauf bedacht,
+seine Unterthanen zu bereichern; er empfängt die Steuern nur, um
+den unsterblichen Volksvertretern zu gehorchen, die ihm dieselben
+bewilligten; in Wahrheit ist es das Volk selbst, das die Steuern zu
+bezahlen _wünscht_. Darauf erklärt der Landmann zwar, daß er seine
+Vertreter nicht gesandt habe, damit sie die Steuern vermehrten,
+aber man antwortet ihm: er müsse die Schönheiten der Verfassung
+studiren, die ihn lehre, daß die Würde freier Männer darin bestehe,
+zu bezahlen oder -- in's Gefängniß zu wandern.«
+
+Hier sei also, erläutert Fourier, Doppelseitigkeit der Handlung
+vorhanden, man bringe zwei sich gegenüberstehende Mittel in
+Anwendung, die Moral und die Gewalt, die Barbarei begnüge sich mit
+der Gewalt. Jedenfalls hat Fourier mit seiner Beweisführung die
+Lacher auf seiner Seite.
+
+In die metaphysischen Spekulationen, die Fourier über den Plan
+Gottes und die Gesammtheit der Bestimmungen anstellt, wollen wir
+ihm nicht folgen; ebensowenig in seine Spekulationen über die
+Unsterblichkeit der Seele und die Wanderungen, welche die Seele von
+Planet zu Planet, nach dem System immer größerer Vervollkommnung,
+vornehme. Heiterkeit erregend ist, wie er ausführt, warum die
+Menschen über das zukünftige Leben nichts Bestimmtes wissen. Er
+sagt: »Erstaunen wir nicht über die Unkenntniß, welche über unsere
+Unsterblichkeit herrscht, noch über die Unzulänglichkeit unseres
+Wissens über das, was uns nach unserem Tode erwartet. Während des
+gegenwärtigen bedenklichen Zustandes unserer Gesellschaft darf Gott
+die Menschen keine wissenschaftliche Kenntniß von ihrem künftigen
+Leben erlangen lassen. Erlangte man sie, sämmtliche Arme der
+Zivilisation würden Selbstmord üben, um dieses künftige Glück so
+rasch als möglich zu genießen; aber die Reichen, die zurückblieben,
+hätten weder die Fähigkeit, noch die Neigung, die Armen in ihren
+undankbaren Beschäftigungen zu ersetzen. Die Wirkung würde also
+sein, daß durch das Verschwinden Derer, welche jetzt diese Lasten
+tragen, die Industrie der Zivilisirten zu Grunde ginge und der
+Globus im Zustand beständiger Verwilderung bliebe. Dies würde die
+sichere Folge von der Ueberzeugung der Unsterblichkeit und ihrer
+Herrlichkeit sein.« Originell ist diese Begründung auf alle Fälle.
+
+Der Kuriosität und für manchen Leser wohl auch des Interesses
+halber wollen wir hier ferner einige der Analogien erwähnen, die
+Fourier zwischen den verschiedenen Pflanzen und Thieren und den
+verschiedenen Menschencharakteren und ihren sozialen Beziehungen
+nachzuweisen sich bemüht. Diese Analogien erfüllen nach ihm das
+ganze Universum, wobei er sich auf die Worte Schellings -- eines
+der sonst von ihm so gehaßten metaphysischen Philosophen -- immer
+wieder bezieht: »Die menschliche Seele ist das Modell des Weltalls,
+es widerspiegelt sich die Idee des Ganzen in jedem Theil.« Nach
+Fourier ist also die große Feldrübe, die nur auf dem Tisch des
+Unbemittelten und unwissenden Landmannes erscheint, auch dessen
+Spiegelbild; im Thierreich der Esel. Die Steckrübe entspricht dem
+gebildeten Farmer, die kleine runde Rübe dem opulenten Mann. Die
+Carotte ist das Bild des verfeinerten, gerne experimentirenden
+Agronomen. Der Sellerie mit seinem herb-säuerlichen Geschmack
+entspricht den Beziehungen ländlicher Liebender. Die Runkelrübe ist
+das Bild des zur Arbeit gezwungenen Sklaven; wie jene durch die
+gewaltsame Auspressung ihres Saftes Zucker geben muß, so entspricht
+ihr Saft dem ausgepreßten Blut des Arbeiters, das Gold wird.
+Dagegen gleicht das Zuckerrohr mit seiner angenehmen Süße dem Bilde
+der sozietären Einheit in der Industrie. Die Kartoffel mit ihren
+zahlreichen beieinander liegenden Knollen ist ein Gleichniß für die
+Gruppen und Serien der Triebe. Ferner ist die Rose das Sinnbild der
+Scham, die Mistel das des Schmarotzers, die Tulpe das der Justiz,
+der Hahnenfuß das der Etikette, die Hortensie das der Koketterie,
+der Hund das der Freundschaft, das Pferd das des Soldaten, die
+Viper das der Verleumdung. Es sind also Thiere und Pflanzen bald
+das Spiegelbild der Triebe des Menschen und seiner
+Charaktereigenschaften, bald seiner sozialen Beziehungen. So wird
+die Ehe in den verschiedenen Klassen durch die verschiedenen Arten
+der Schwertlilie analogisirt. Die flatterhafte Schwertlilie (»iris
+perpillon«) repräsentirt die Ehe junger Liebenden; die jeder
+Annehmlichkeit beraubte Mauer-Schwertlilie entspricht der Ehe armer
+Dörfler; die blaue Schwertlilie der Ehe des behäbigen Bürgers; die
+gelb- und azurgestreifte Schwertlilie der Ehe reicher Liebender;
+die riesige graue Schwertlilie, die mit ihrer mit Schwarz
+durchschossenen Blume einer großen Trauerblume ähnlich sieht,
+entspricht der fürstlichen Ehe, wie überhaupt der Ehe aus Ehrgeiz
+oder Politik. Die Blume zeigt an, daß diese Ehen meist ohne Liebe,
+oft ohne daß man sich zuvor kennen gelernt, geschlossen werden und
+ihres eigentlichen Reizes und der wahren Natur des Menschen, die
+nach Liebe dürstet, entbehren. Schließlich bedauert Fourier
+lebhaft, daß er zu wenig die Naturgeschichte studirt habe, um diese
+Analogien, die eine der interessantesten Studien darböten, nach
+allen Richtungen verfolgen zu können, und befürwortet, daß man im
+sozietären Zustand diesem Studium besondere Berücksichtigung
+schenke, weil es für Sinne und Gemüth seine großen Annehmlichkeiten
+und Reize habe.
+
+ * * * * *
+
+Wir glauben im Vorstehenden die Hauptgedanken aus den Theorien
+Fourier's so wiedergegeben zu haben, als dies bei dem zugemessenen
+Raum möglich war; daß uns dabei manche schöne Stelle in seinen
+Ausführungen entgangen ist, wie wir andere wegen Mangel an Raum
+übergehen mußten, ist bei dem beträchtlichen Umfang seiner Werke
+natürlich. Es ist andererseits keine leichte Aufgabe, sich in der
+Menge des Materials und in dem oft krausen Stil und abrupten
+Gedankengang zurechtzufinden. Und doch bietet das Studium seiner
+Werke einen großen Genuß; sie zeigen eine erstaunliche Fülle
+origineller Gedanken und Ideen, die zu einem erheblichen Theil auch
+für die heutige Zeit, wie für die zukünftige Entwicklung der
+Gesellschaft von großer Fruchtbarkeit sind. Sein Studium der
+menschlichen Triebe und die daraus hervorgehenden Schlüsse sind
+eine Arbeit, wie sie unseres Wissens nicht zum zweiten Male
+existirt. Die Art, wie er die menschlichen Triebe für eine neue
+Gesellschaftsorganisation zu verwenden beabsichtigte, ist so tief
+gedacht und erfaßt, daß die Zukunft in der Richtung der von ihm
+erfaßten Gedanken nur weiter zu wandeln und aufzubauen braucht.
+Großartig ist sein System der Kindererziehung, das einem Pädagogen
+von Fach eine Fülle neuer Gedanken und Anregungen geben wird und
+das zugleich Zeugniß ablegt von der erstaunlichen, in's kleinste
+Detail gehenden Beobachtung, mit der Fourier, wie Alles, was ihm
+begegnete, so auch das Leben der Kinderwelt studirte. Das ist um so
+merkwürdiger, als er sein Leben unverheiratet beschloß und keine
+Kinder besaß. Merkwürdig ist auch, daß dieser Mann, der einsam
+durch's Leben ging, ganz seinen Studien ergeben, der Liebe jenen
+Tempel baute, den sie in seinen Werken findet. Seine intimsten
+Freunde und Schüler haben keine Ausschweifungen an ihm beobachtet.
+Das ist nicht überflüssig zu bemerken in Anbetracht der Angriffe,
+welchen gerade die Abschnitte über die Liebe in seinen Werken
+ausgesetzt waren.
+
+Wir haben seinen Ideen über Kindererziehung nur einen
+verhältnismäßig kleinen Raum widmen können, sie nehmen aber einen
+ziemlich beträchtlichen in seinen Werken ein und umfassen eine
+Menge interessanter Details, die wir übergehen mußten, die aber
+neben der denkenden Beobachtung, die Fourier den Kindern widmete,
+auch die tiefe Liebe athmen, die er zu diesen die Zukunft der
+Gesellschaft repräsentirenden Wesen besaß.
+
+Wer sich mit all den berührten Fragen eingehender befassen will,
+dem rathen wir, die Werke Fourier's zu studiren. Er wird neben
+vielem Schrullenhaften und Vielem, was uns heute lächerlich
+erscheint, weil wir mittlerweile fast dreiviertelhundert Jahre
+älter wurden und eine ungeheure Fülle von Wissen, Entdeckungen und
+Erfahrungen aufgespeichert haben, die Fourier und seinem Zeitalter
+fremd und unbekannt waren, auch viele heute und noch für eine
+erhebliche Zukunft hinaus sehr werthvolle Gedanken, Anregungen und
+Ideen kennen lernen. Und selbst das Schrullenhafte und Lächerliche
+in seinen Werken ist stets in so origineller Weise gedacht, daß man
+es mit Interesse liest, als ein Denkmal, das zeigt, wie in einem
+genialen Geiste, der nicht lange vor unserm Zeitalter lebte und
+Menschen und Dinge gründlich kannte, sich die Zukunft der
+Menschheit und der Welt widerspiegelte. Wer Goethe's »Wilhelm
+Meisters Lehr- und Wanderjahre« und »Wahrheit und Dichtung« gelesen
+hat und erwägt, daß Fourier und Goethe gleichzeitig lebten und
+wenige Jahre von einander getrennt starben, wird in den Phantasien
+Beider über menschliches Glück manches Verwandte finden. Der
+Fourier'sche Utopismus hält dem Goethe'schen, wie er namentlich in
+den Wanderjahren hervortritt, voll die Waage; Fourier übertrifft
+Goethe an realer Menschenkenntniß, an Kenntniß der Lebenslage der
+Masse und in Bezug auf die Naturgeschichte der Gesellschaft.
+
+Wir ließen in der vorliegenden Arbeit gänzlich unberücksichtigt,
+und mußten und konnten dies auch, Fourier's sehr polemisch
+abgefaßte Abhandlungen gegen die Philosophen, die er so gründlich
+haßte und, wie es immer geschieht, wenn der Haß vorzugsweise die
+Feder führt, auch schwärzer malte, als sie es verdienten. Man halte
+fest, daß es die Politiker, die Oekonomisten, die Moralisten und
+Metaphysiker waren, denen er unter dem Namen der Philosophen zu
+Leibe ging. Man beachte ferner, daß seine Feindseligkeit wider sie
+daher kam, daß er, der die Wahrhaftigkeit über Alles liebte, fand,
+daß ihre großen Worte und schönen Ideen, mit welchen sie den
+Menschen das Heil, die Rettung aus allem Elend und das Glück
+versprachen, im Widerspruch mit ihren Thaten und im grellsten
+Widerspruch mit dem wahren, so eben erst neugeschaffenen Zustand
+der Dinge standen. Wer wie Fourier all die großen, schönen und
+glänzenden Gedanken, welche die Werke Rousseau's und der
+Enzyklopädisten, die Reden der Wortführer der verschiedenen
+politischen Parteien, der Konstitutionellen, wie der Sieyés und
+Mirabeau, der Girondisten, der Dantonisten, der Robespierrianer
+u.s.w. enthielten, kennen gelernt hatte; wer gesehen, wie dem rothen
+der weiße Schrecken folgte, dann die Bourgeoisie das Heft in die
+Hand nahm und, raubgierig und schamlos wie immer, allen ihren
+großen schönen Worten und erhabenen Phrasen zum Trotz, nur daran
+dachte, das Volk zu unterdrücken und es um die Früchte seiner
+Arbeit zu bringen; wie dann statt des verheißenen Glücks das
+Massenelend sich einstellte, sich sichtbar vermehrte; wir sagen,
+wer das Alles vom Standpunkt Fourier's gesehen und erlebte und
+dabei glaubte, sich über die Natur der Dinge und der Menschen nicht
+zu täuschen, dessen Herz durfte mit Haß und Zorn erfüllt werden.
+Aber er besaß in hohem Grade auch die Waffen des Witzes und des
+beißenden Spottes, womit er seine Angriffe würzte, und dies
+erbitterte besonders seine Gegner und veranlaßte sie lange Zeit,
+und die überwiegende Zahl derselben stets, die bekannte
+Todschweigungstaktik gegen ihn zu beobachten. Einen Mann von
+Fourier's Charakter erbitterte dies noch mehr.
+
+Sein System war nicht für das Verständniß der Massen berechnet,
+wenn auch für die Massen geschaffen; er suchte die Zustimmung und
+Mitwirkung der Großen und Reichen, und diese Kreise konnten, wenn
+überhaupt, nur gewonnen werden, wenn namentlich die vornehmeren
+Journale sich seinen Ideen und seinen Werken freundlich
+gegenüberstellten. Aber die Schriftsteller dieser Kreise mußten
+sich wiederum, abgesehen von dem Inhalt seiner Gedanken, durch
+seine Kritik am meisten getroffen und verletzt fühlen. Es gehörte
+der kindliche Glaube eines Fourier dazu, daß die Gegner seine
+Kritik nicht als eine persönliche, sondern als rein sachliche
+auffassen sollten, das hieß in der That ihrer Natur zu viel
+zumuthen und der Macht seiner Gründe zu sehr vertrauen. Aber
+abgesehen von dieser Art seiner Polemik würden die herrschenden
+Klassen schon aus den mehrfach hervorgehobenen, im Wesen der
+Klassenherrschaft und des Klassengegensatzes liegenden Gründen,
+sich zu keiner freundlicheren Behandlung herbeigelassen haben. Sie
+behandelten ihn, und von ihrem Standpunkt aus mit Recht, als
+»Narren«. Wie kann man auch dem Wolf zumuthen, ein Lamm zu werden?
+Oder verlangen, von den Disteln Trauben zu lesen?
+
+Diese ewigen Abweisungen forderten dann auf's Neue seinen Zorn
+heraus, schärften seinen Witz und Spott, die er an den zahlreichen
+Blößen übte, die das System und seine Vertheidiger ihm boten.
+Friedrich Engels, sicher ein berufener Beurtheiler, spricht in
+seiner Schrift »Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft«
+aus, daß wenn selbst die Fourier'schen Systemausführungen keinen
+Werth besäßen, eine Ansicht, die Engels nicht hat, Fourier durch
+die Form seiner Kritiken zu den größten Satirikern aller Zeiten
+gehöre.
+
+Wie die Philosophen, als Vertreter und Lobredner der bürgerlichen
+Gesellschaft, ihn mißhandelten, so empfing er auch die Angriffe und
+Verurtheilung seitens der Kirche. Wir wiesen schon mehrfach im
+Obigen darauf hin, wie wenig Fourier's Auffassung von Gott und der
+Stellung des Menschen zu Gott den kirchlichen Ansichten behagen
+konnte. Setzte der Papst seine Schriften auf den Index, so machten
+es sich katholische Organe seiner Zeit, wie »Gazette de France« und
+»L'Univers« zum Geschäft, ihn als einen Menschen anzugreifen,
+welcher den menschlichen Leidenschaften die Zügel wolle schießen
+lassen, der mit unerhörter Frechheit die Lehren der Moral antaste,
+die heiligsten und intimsten Beziehungen der Geschlechter in der
+Familie und Ehe verspotte und untergrabe und durch alles dies und
+seine subversiven religiösen Lehren, die im Grunde rein
+atheistische seien, die Gesellschaft, die Religion und die Moral
+umzustürzen versuche.
+
+So wenig das Fourier zugeben wollte und so heftig er sich
+insbesondere gegen den Vorwurf des Atheismus wehrte, den er, wie
+wir sahen, besonders Owen zum Vorwurf machte, im Grunde hatten die
+Vertreter der kirchlichen Ordnung und Autorität Recht. Es sind doch
+neben bereits Zitirtem sehr ketzerische Ansichten, die er in einer
+längeren Abhandlung: »Ueber den freien Willen« lehrt, und über die
+Beziehungen zwischen Gott und Mensch, Ansichten, die geeignet sind,
+die Vertreter der geoffenbarten Religion gegen ihn auf's Höchste
+aufzubringen.
+
+Fourier's Ansicht über den freien Willen lautet kurz zusammengefaßt
+also:
+
+»Die Theologie wie die Philosophie lehren eine falsche Lehre über
+den freien Willen. Nach der Philosophie soll die Vernunft allein
+herrschen und soll die Vernunft die menschlichen Handlungen
+bestimmen; für sie ist also der freie Wille absolut. Der zur
+Vernunft gekommene Mensch ist Herr seiner selbst, er wird handeln,
+wie die Vernunft ihm gebietet, ohne Rücksicht auf die Gesetze
+seiner Natur und den Willen Gottes.«
+
+»Umgekehrt behaupten die Theologen, daß der Wille Gottes allein
+entscheidet, daß er Alles thut, Alles lenkt und der Mensch sich
+seinem Willen zu fügen hat; Gott gegenüber ist der Mensch macht-
+und willenlos.«
+
+Beides ist falsch. Gott und der Mensch sind zwar entgegengesetzt,
+sie sind Extreme, aber Extreme, die sich berühren und die in
+Gemeinschaft mit einander handeln müssen, um sich gegenseitig zu
+befriedigen. Gott will, daß der Mensch ihm hilft, gewissermaßen
+sein Assozié sei. Um aber diese Hülfe leisten zu können, muß der
+Mensch die Naturgesetze und die Gesetze der Anziehung studiren.
+Sobald er diese begriffen hat, ist er in der Lage, mit Gott
+gemeinsam zu operiren. Das Gefühl, das Beide verbindet, soll
+Freundschaft sein, nicht Nichtachtung, wie die Philosophen lehren,
+und nicht blinde, demüthige Unterwerfung, wie die Theologen
+predigen. In dem einen wie in dem anderen Falle kann weder Gott
+noch der Mensch glücklich sein und können sie ihren Zweck nicht
+erreichen.
+
+Wir lassen uns auf keine Kritik dieser Fourier'schen Philosophie
+weiter ein, der Leser wird wissen, wie er sie zu beurtheilen hat,
+unmöglich konnte aber die Kirche mit ihr sich zufrieden geben.
+
+Als Fourier starb, war sein Anhang gering; die Aussicht, sein
+System, an dem er mit dem Feuer eines Fanatikers und eines Neuerers
+hing, wie er von Tag zu Tag während Jahrzehnten gehofft,
+verwirklicht zu sehen, war gleich Null. Vielleicht dämmerte ihm
+auch die Ueberzeugung, daß die Entwicklung der Zivilisation doch
+auf wesentlich anderem Wege zum Ziele komme, als er sich
+vorgestellt, und alle diese Enttäuschungen verbitterten ihm seinen
+Lebensabend. Am 10. Oktober 1837 fanden ihn seine Wirthin und seine
+Jünger, nachdem er schon längere Zeit vorher gekränkelt, früh
+Morgens todt vor seinem Bette liegen. Einer der größten
+Menschenfreunde hatte für immer die Augen geschlossen.
+
+Die Fourier'sche Schule hat keine maßgebende Bedeutung und keinen
+entscheidenden Einfluß auf die Geschicke Frankreichs erlangt. Wohl
+besaß sie eine nicht kleine Anzahl von Anhängern, die sich meist
+aus den gebildeten Kreisen, vornehmlich aus den Kreisen der
+Studirenden, der Künstler, der Techniker und selbst der Militärs
+rekrutirten, welche die Fourier'schen Ideen mit Geist und Geschick
+schriftstellerisch vertraten, aber eine Partei, die in den
+politisch-sozialen Kämpfen des modernen Frankreich eine
+hervorragende Rolle spielte, wurde der Fourierismus nie. Die
+zahlreichen Schriftsteller, welche der Schule infolge ihres
+Hauptrekrutirungsfeldes für ihre Anhänger, aus den ideologisch
+angelegten Köpfen der jungen Bourgeoisie erwuchsen, schufen auch
+eine verhältnißmäßig reiche Literatur, aber die Zahl der Schriften
+stand in starkem Mißverhältniß zu ihrem Einfluß auf die Massen.
+
+Auch der Umstand, daß mehrere ihrer Hauptwortführer, so Victor
+Considerant, nach Fourier's Tode das eigentliche Haupt der Schule,
+und der erst im Februar 1887 verstorbene Cantagrel lange Jahre
+Volksvertreter in Frankreich waren, hat das allmälige Erlöschen des
+Fourierismus nicht verhindern können. In seinem Bestreben auf
+Aussöhnung der Klassengegensätze durch freiwilliges Entgegenkommen
+der Besitzenden mußte der Fourierismus immer mehr zu einer reinen
+Humanitätsduselei verflachen, oder er wurde, wie im Phalanstère zu
+Guise, als Deckmantel mißbraucht, um unter sozialistischer Flagge
+großbürgerliche Ausbeutung zu betreiben. Nothwendigerweise müssen
+alle sozialistischen Experimente, die innerhalb der bürgerlichen
+Welt versucht werden und naturgemäß auf die Aussöhnung sich
+gegenseitig ausschließender Gegensätze gerichtet sind, zu Grunde
+gehen. Wo solche Experimente sich längere Zeit halten, wie in
+einzelnen kommunistisch organisirten kleinen Gemeinwesen in den
+Vereinigten Staaten, vermögen sie dies nur durch fast vollkommene
+Isolirung von der übrigen Welt und nur unter einer
+Wirthschaftsweise, die ihre Anhänger zu spartanischer Einfachheit
+zwingt und ihnen patriarchalische Verhältnisse aufnöthigt.
+
+Das ist keine Kulturentwicklung, wie sie die Menschheit erstrebt.
+Diese verlangt freie ungehinderte Entfaltung aller menschlichen
+Anlagen und Fähigkeiten und vollen Genuß an allen
+Kulturerrungenschaften, was nur durch steigende Vermehrung der
+Kulturmittel auf höchster technischer und wissenschaftlicher
+Stufenleiter zu erreichen ist. Das Alles vermag ein kleines,
+isolirtes, in seinen Kräften und Mitteln beschränktes Gemeinwesen,
+mag es noch so kunstvoll organisirt sein, nicht zu schaffen. Es
+wird gestört durch jeden fremden Einfluß, der von außen auf es
+einwirkt, und diese Einwirkung wird um so mehr vorhanden sein, je
+lebhafter die Beziehungen sind, die das Einzelne zum Ganzen für
+nothwendig erachtet. Entweder heißt es also mit dem Ganzen gehen
+und sich mit ihm entwickeln, oder isolirt bleiben und verknöchern,
+ein Drittes giebt es nicht.
+
+In der bürgerlichen Welt sind nur bürgerlich handelnde Menschen
+denkbar, der Einzelne steht zum Ganzen in der Rolle eines Zähnchen
+an einem ungeheuren Triebwerk, dessen viele Dutzende von Rädern mit
+ihren Tausenden von Zähnen und Zähnchen in gesetzmäßiger Ordnung
+ineinandergreifen. Die Wirkung des Einzelnen liegt in der Wirkung
+auf das Ganze und umgekehrt in der Wirkung des Ganzen auf den
+Einzelnen. Beides ergänzt, beides bedingt sich.
+
+Wer als Einzelner dem Ganzen widerstrebt, seinen Sonderweg glaubt
+gehen zu können; wer meint, den sozialen Mechanismus, in den Alle
+gebannt sind, willkürlich durchbrechen zu können, wer wähnt, sein
+besonderes soziales Himmelreich begründen zu können, der wird,
+durch die harten Thatsachen rasch eines andern belehrt, seine
+Ohnmacht und Unfähigkeit einsehen. Daher ist alle sozialistische
+Experimentirerei mitten in der bürgerlichen Welt, gehe sie nun von
+einem Einzelnen aus, der sich einbildet, als bürgerlicher
+Unternehmer sozialistisch produziren und distributiren zu können,
+oder von einer kleinen Gesammtheit, die dasselbe für sich und unter
+sich versucht: Utopisterei, Phantasterei. Ein jeder solcher Versuch
+ist ein Zeichen geistiger Unreife, der nur die Wirkung haben kann,
+Enttäuschungen hervorzurufen, die Ideen bei unklaren Köpfen zu
+diskreditiren und den Gegnern die gewünschte Waffe gegen die von
+ihnen gefürchteten Bestrebungen zu liefern.
+
+Der große Fortschritt unseres Zeitalters ist, daß die Utopisten
+ausgestorben oder im Aussterben begriffen sind. In der Masse finden
+sie nie Boden, sie finden ihn heute weniger als je. Auch der
+einfachste Arbeiter fühlt, daß sich _künstlich_ nichts schaffen
+läßt, daß das, was werden soll, sich _entwickeln_ muß und zwar mit
+dem Ganzen durch das Ganze, nicht getrennt und isolirt von ihm.
+
+Es handelt sich darum, der Entwicklung freie Bahn zu schaffen,
+alles Alte, Abgestorbene zu beseitigen, dem Absterbenden das Ende
+zu erleichtern, und zu diesem Zweck die kritische Sonde überall
+eintreiben, wo Uebelstände sich zeigen. Indem man die Kritik
+anwendet, muß man den Ursachen nachspüren, die die Uebel erzeugten.
+Aus der Erkenntniß der Ursachen ergeben sich die Heilmittel von
+selbst.
+
+In der Kritik war nun Fourier Meister, aber was seine Kritik zu
+falschen Schlüssen führte, waren die falschen Voraussetzungen, die
+er machte. Die vorhandenen Uebel erkannte er vortrefflich und
+schilderte sie großartig, aber in der Untersuchung der _Ursachen_,
+die diese Uebel erzeugten, ging er von Auffassungen über das Wesen
+der Gesellschaft aus, die ihn nothwendig zu falschen Ergebnissen
+führen mußten. Wer wie er die Ansicht vertrat -- und sie theilte
+sein Zeitalter --, daß der Entwicklungsgang, den die Menschheit
+genommen, nicht die gesetzmäßige Wirkung der Existenz- und
+Produktionsbedingungen sei, unter denen sie sich seit Jahrtausenden
+gebildet und fortentwickelt hatte, sondern von rein zufälligen und
+willkürlichen Umständen abhängig, von dem Dichten und Denken dieses
+oder jenes Mannes, von dieser oder jener Handlung mächtiger
+Personen, wer also nicht Gesetzmäßigkeit, sondern Zufall und
+Willkür annahm, mußte auch glauben, daß Zufall und Willkür die
+Zustände ändern könne. Für Fourier war der Wille des Menschen nicht
+durch die Umstände bestimmt, die sein Gesellschaftsinteresse
+beherrschten, für ihn war der Wille des Menschen eine selbständige
+Macht, die von den sozialen Verhältnissen nicht beherrscht wurde,
+sondern diese willkürlich erzeugte. Er erkannte nicht den
+Klassencharakter der Gesellschaft, für ihn war jede Meinung nur
+eine individuelle Meinung, die sich durch sogenannte allgemeine
+Vernunftgründe zu Gunsten einer Idee, die das allgemeine Glück
+bezweckte, gewinnen ließ. Darum wandte er sich auch hauptsächlich
+an Diejenigen, die ihrer sozialen Stellung nach zu allerletzt ein
+Interesse, richtiger gar kein Interesse hatten, den bestehenden
+Zustand zu ändern. Fourier steckte also, ohne es zu wissen, selbst
+tief noch in den Ideen der bürgerlichen Philosophen, die er sonst
+so sehr bekämpfte und die auch alle von der Ansicht ausgingen, es
+bedürfe nur der Erkenntniß einer »Idee« des Guten, Gerechten,
+Vernünftigen, um diese »Idee« zur Geltung und Herrschaft zu
+bringen. Fourier verspottete die Philosophen, daß sie beständig
+Ideen verherrlichten und als Grundsätze in die Gesetze eingeführt
+hätten, die mit der Thatsächlichkeit der Dinge im Widerspruch
+blieben. Schließlich predigte er aber selbst Ideen, die an der
+Hartnäckigkeit der Thatsachen scheiterten.
+
+Fourier's großes Verdienst besteht darin, daß, wenn er auch nicht
+erkannte, _warum_ und _wodurch_ die bürgerliche Gesellschaft so
+war, wie sie war, er sich über ihren Charakter nicht täuschen ließ,
+daß er ihre Hohlheit und ihre Widersprüche erkannte und ihr
+schonungslos die Maske vom Angesicht riß. Niemand vor ihm hat wie
+er die bürgerliche Gesellschaft in ihrem heuchlerischen und
+zweideutigen Charakter, der sich, wie er mit Recht hervorhebt,
+allen ihren Kundgebungen und Handlungen ausprägt, erkannt und
+Niemand nach ihm hat sie schärfer kritisirt. Hierin hat er
+Unübertroffenes geleistet.
+
+Ebenso hat er nach einer anderen Seite hin, und zwar durch seine
+Kritik der menschlichen Triebe und Leidenschaften, eine tiefe und
+großherzige Auffassung der menschlichen Natur gezeigt, die ihn als
+einen Meister der Beobachtung erscheinen läßt. Seine Auffassung der
+menschlichen Triebe, die im schärfsten Widerspruch mit jener der
+Theologen und Moralphilosophen stand und steht, daß alle Triebe
+natürlich und darum nützlich und vernünftig, zum menschlichen
+Glücke nothwendig seien, und es nur der soziale Zustand der
+Gesellschaft sei, der sie unterdrücke oder fälsche, und daher diese
+Triebe sowohl für das Individuum, wie für die Gesellschaft
+schädlich erscheinen ließe, mußte den herrschenden Klassen als arge
+Ketzerei, als der Anfang zur Auflösung aller bisher für unantastbar
+geltenden gesellschaftlichen Bande erscheinen. In dieser seiner
+Auffassung der menschlichen Triebe ist Fourier der eigentliche
+Revolutionär. Wer diesen Sensualismus theilt, wird logisch und mit
+Nothwendigkeit ein soziales System bekämpfen und verwerfen müssen,
+das der menschlichen Natur nur Zwang bereitet, zur Fälschung,
+Verkümmerung und Unterdrückung der menschlichen Triebe führt und
+dadurch das wahre Wesen der menschlichen Natur aufhebt. Man kann
+sich daher wohl vorstellen, welch grimmigen Widerspruch diese Ideen
+bei den Lobrednern einer Gesellschaft finden mußten, die eben erst
+nach den schwersten und blutigsten Kämpfen in der großen Revolution
+sich konstituirt hatte, die von dem Bewußtsein durchdrungen war,
+die beste aller Welten zu sein. Kaum zum Leben und zur Geltung
+gekommen, kaum sich im Glanze ihrer Jugendherrlichkeit sonnend,
+tritt ihr in Fourier ein Kritiker von der größten Unerbittlichkeit,
+Schärfe und Rücksichtslosigkeit gegenüber und enthüllt alle ihre
+Blößen. Diese Gesellschaft, die eben erst die alte feudale
+Gesellschaft gestürzt, nachdem sie dieselbe vorher durch die Waffen
+der Kritik schon moralisch vernichtet hatte, erfährt, kaum zur
+Macht gekommen, an ihrem eignen Leib dasselbe. Eben erst der
+Babeuf'schen Verschwörung durch Anwendung brutaler Gewalt Herr
+geworden, ersteht ihr in dem jungen Fourier ein neuer Gegner, der
+sie mit den aus ihrem eigenen Arsenal entnommenen Waffen bekämpft.
+Doch es war nur ein Einzelner, der zunächst keinen Anhang hinter
+sich hatte, der auch weit entfernt war, mit denselben Mitteln, mit
+denen das Bürgerthum die Gewalt an sich gerissen hatte, die
+Befreiung der Unterdrückten zu erstreben. So waren die
+Todtschweigepraxis oder der Spott genügende Waffen, mit dem neuen
+Gegner fertig zu werden. Tausend Andere an Fourier's Stelle würden
+in diesem vollständig hoffnungslos erscheinenden Kampfe, wo er, der
+mittel- und namenlose Kommis, einer Welt mächtiger Gegner
+gegenüberstand, den Muth haben sinken lassen. Fourier that das
+nicht. Männer, die unumstößlich an die Richtigkeit und
+Gerechtigkeit des von ihnen Gewollten glauben, werden Fanatiker,
+die sich durch nichts erschüttern lassen. Zu ihnen gehörte Fourier.
+Die bittersten Erfahrungen, die schwersten und schmerzlichsten
+Angriffe, Spott und Hohn, mit denen man ihn übergoß, machten ihn
+nicht irre. Mit wahrhaft eiserner Ausdauer und Energie suchte er
+sein System auszubauen und zu propagiren, bis es ihm endlich nach
+unsäglichen Anstrengungen gelang, wenigstens einen kleinen Kreis
+ergebener Anhänger um sich zu sammeln, die, was ihnen an Zahl
+abging, durch Muth, Begeisterung und Ausdauer ersetzten.
+
+Konnte nun auch der Fourierismus seiner ganzen inneren Anlage nach
+keinen Einfluß auf die Massen erlangen und keine große
+Parteibewegung in's Leben rufen, und verlor er in demselben Maße an
+Boden, wie die Klassengegensätze sich entwickelten und der
+Klassenkampf emporloderte, so sind seine Ideen für den Fortschritt
+der sozialen Bewegung nicht verloren gegangen. Fourier'sche
+Gedanken werden bei einer künftigen Neugestaltung der
+gesellschaftlichen Zustände, wenn auch in anderer Form als ihr
+Urheber meinte, ihre Auferstehung feiern, während seine Kritik der
+bürgerlichen Gesellschaft heute von Millionen getheilt wird, die
+nie eine Zeile seiner Werke zu Gesicht bekamen. Darin zeigt sich
+die wahre Bedeutung eines Menschen, daß Ideen, wegen deren er
+verfolgt, verlästert und verhöhnt wurde, deren Triumph er nie
+erlebte, nach seinem Tode weiter wirken, immer mehr Ausbreitung
+erlangen und schließlich, gereinigt von den Schlacken, die ihnen
+anhafteten, Gemeingut einer späteren Zeit werden. Dieses Zeugniß
+muß man Fourier und seinem Wirken ausstellen; und wenn es heute
+noch Sozialisten giebt, die sich durch das Fremdartige vieler
+seiner Ideen abschrecken lassen und darüber das Gold, das in seinen
+Werken steckt, übersehen, so beweisen sie damit nur ihre
+Oberflächlichkeit und ihre Unfähigkeit zu objektivem Urtheil.
+Fourier war eine genial angelegte Natur, mit dem wärmsten Herzen
+für die Menschheit; sein Name wird erst zu Ehren kommen, wenn das
+Andenken an Andere, die heute noch der große Haufe auf den Schild
+hebt, längst verblaßt ist.
+
+Die Schule Fourier's besitzt heute nur noch eine kleine Anzahl
+versprengter, meist den besitzenden Klassen angehöriger Anhänger in
+Frankreich, die mit Hartnäckigkeit dem Traum ihrer Jugend
+nachhängen. Das ist Alles, was von ihr übrig blieb. Der
+Fourierismus ist todt, aber der Sozialismus lebt. Die neuen
+sozialen Ideen, wie sie insbesondere durch den modernen
+wissenschaftlichen Sozialismus, den man nach seinen Begründern auch
+den deutschen wissenschaftlichen Sozialismus nennen darf, vertreten
+werden, haben in Frankreich, in dem durch die Utopisten wie Fourier
+wohl vorbereiteten Boden, immer mehr Wurzel gefaßt. Die alten
+Schulen und Sekten sind zersprengt oder in voller Auflösung
+begriffen, und in einer kurzen Spanne Zeit wird der Strom der
+sozialen Bewegung auch in Frankreich in einem einzigen breiten
+Bette fließen und die Bewegung immer mehr zur Erfüllung ihrer
+Mission befähigen.
+
+Ein Denkmal der Erinnerung setzte dem vielverkannten Fourier der
+Dichter Berangér, der den Todten unter dem Schimpfwort, das ihn im
+Leben verfolgte, der »Narr«, besingt, nur daß er das Gedicht allen
+»Narren« widmet, die gleich Fourier darnach strebten, der
+Menschheit neue Bahnen zu eröffnen.
+
+Das Gedicht, das wir hier in der Ursprache und dann in der
+Uebersetzung eines poetisch veranlagten Freundes folgen lassen,
+lautet:
+
+ Les fous
+
+ Vieux soldats de plomb que nous sommes,
+ Au cordeau nous alignant tous,
+ Si des rangs sortent quelques hommes,
+ Nous crions tous: A bas les fous!
+ On les persécute, on les tue,
+ Sauf, après un lent examen,
+ A leur dresser une statue
+ Pour la gloire du genre humain.
+
+ Fourier nous dit: Sors de la fange,
+ Peuble en proie aux déceptions,
+ Travaille, groupé par phalange,
+ Dans un cercle d'attractions;
+ La terre, après tant de désastres,
+ Forme avec le ciel un hymen,
+ Et la loi, qui régit les astres,
+ Donne la paix au genre humain.
+
+ Qui découvrit un nouveau monde?
+ Un fou qu'on raillait en tout lieu;
+ Sur la croix que son sang inonde,
+ Un fou qui meurt nous lèque un Dieu.
+ Si demain, oubliant d'éclore,
+ Le jour manquait, eh bien! Demain
+ Quelque fou trouverait encore
+ Un flambeau pour le genre humain.
+
+ * * * * *
+
+ Die Narren
+
+ Wir lassen richten, drillen uns und kneten,
+ Soldaten nur, die des Kommandos harren;
+ Kommt's Einem bei, aus Reih' und Glied zu treten,
+ Es schreit die Menge: »Nieder mit dem Narren!«
+ Er wird gehetzt, verleumdet und vernichtet,
+ Bis man zuletzt, als würde etwas Rechtes
+ Damit gethan, ein Denkmal ihm errichtet,
+ Zu Ehr' und Ruhm des menschlichen Geschlechtes.
+
+ Dem Volk ruft Fourier zu: »Im Schlamme heute,
+ Entwinde dich dem Truge deiner Feinde
+ Und schaare dich, daß Keiner aus dich beute,
+ Zur brüderlichen, schaffenden Gemeinde.
+ Der Zwist verstummt, des Hasses Brand erkaltet,
+ Willkür und Herrschsucht weichen scheu dem Rechte,
+ Und das Gesetz, das über Sternen waltet,
+ Bringt Frieden auch dem menschlichen Geschlechte.«
+
+ Wer hat den Weg zur neuen Welt gefunden?
+ Ein »Narr«, verfallen afterweisem Spotte.
+ Am Kreuz erliegend seinen Nägelwunden,
+ Wird uns ein »Narr«, der elend stirbt, zum Gotte.
+ Versänk' die Sonne in des Dunkels Schlünden,
+ Daß uns das morgen keinen Morgen brächte,
+ So würde morgen eine Fackel zünden
+ Irgend ein Narr dem menschlichen Geschlechte.
+
+ * * * * *
+
+Zum Schlusse werfen wir noch einen Blick auf die Ausbreitung,
+welche die Fourier'schen Ideen über die Grenzen Frankreichs und
+speziell auch in Deutschland gefunden hatten. Bei der Bedeutung,
+die Frankreich seit der großen Revolution für alle
+vorwärtsstrebenden Geister in der ganzen Kulturwelt erlangte,
+mußten auch die Erscheinungen in der sozialen Bewegung, die
+namentlich nach der Restauration mit der Entwicklung der
+ökonomischen Verhältnisse immer mehr in den Vordergrund trat,
+lebhafte Beachtung finden. Der Kapitalismus begann in allen Ländern
+Europas immer mehr Wurzel zu schlagen und sein Produktionssystem
+auszubreiten. Damit kamen selbst für den oberflächlichen Beobachter
+eine Reihe von Erscheinungen zu Tage, welche die Selbstzufriedenen
+beunruhigten, die Vertreter und Anhänger der kleinbürgerlichen
+Wirthschaftsform aber in größte Aufregung versetzten. Man sah
+vielfach schwärzer in die Zukunft, als es durch den Gang der Dinge
+sich rechtfertigte. Der pessimistischen Schwarzseherei der Einen
+stand die optimistische Schönfärberei der Anderen gegenüber.
+Zwischen diesen beiden Lagern stand eine kleine Zahl von kritischen
+aber ideal angelegten Geistern, welche weder dem »Kreuzige« der
+einen Seite, noch dem »Hosianna« der anderen Seite zustimmen
+konnten; sie sahen, daß das alte ökonomische System verrottet,
+unhaltbar und unmöglich geworden war, aber sie konnten auch vor den
+Uebeln, die das neue in seinem Gefolge führte, nicht die Augen
+verschließen. Diese bemächtigten sich jetzt mit Gier der neuen
+sozialen Ideen, die in dem ökonomisch und politisch
+vorgeschritteneren Frankreich das Tageslicht erblickten und dort
+die ideal angelegten Geister ergriffen hatten. In der Schweiz, in
+England, in den Vereinigten Staaten fanden die in Frankreich
+auftauchenden utopistischen Ideen für Gründung einer auf
+friedlicher Verständigung aller Klassen der Gesellschaft basirten
+neuen Gesellschaftsordnung begeisterte Anhänger und die bezüglichen
+Schriften Uebersetzer und Dolmetscher. Für die praktische
+Verwirklichung dieser Ideen waren aber ebenso wenig wie in
+Frankreich in diesen Ländern aus schon angeführten Gründen die
+Massen zu gewinnen.
+
+Deutschland, dessen geistige Vertreter damals alle Vorgänge in
+Frankreich aufmerksam verfolgten und aus seiner Literatur
+zahlreiche Anregungen zu ähnlichem Vorgehen schöpften, ward so
+ebenfalls im Beginn seiner großbürgerlichen Entwicklung mit einer
+sozialistischen Literatur bedacht. Während Karl Marx und Friedrich
+Engels, der Eine mehr theoretisch, der Andere mehr praktisch, ihre
+ökonomischen Studien begannen und die ersten Bausteine zu dem
+Lehrgebäude des auf rein materialistischer Grundlage beruhenden
+wissenschaftlichen Sozialismus, wie er heute die Geister
+beherrscht, herbeischafften, begnügten sich Andere, die Lehren und
+Ideen der französischen Utopisten und Sozialisten, mit
+deutsch-philosophischem Geist durchtränkt, in die deutsche Sprache
+zu übertragen. Das geschah insbesondere dem Begründer der
+sozietären Schule, Fourier, und dem kleinbürgerlichen Sozialisten
+Proudhon. Neben verschiedenen kleineren Schriften, die in Zürich in
+den vierziger und fünfziger Jahren hauptsächlich auf Veranlassung
+Karl Bürkli's, eines alten Schülers von Fourier, herauskamen,
+liegen mehrere größere Bearbeitungen des Fourier'schen Systems in
+deutscher Sprache von A. L. Churoa, Michael ***** und Franz
+Stromeyer vor.[25] Ferner erschien 1845 in Kolmar eine im
+Fourier'schen Geiste gehaltene Schrift, betitelt: »Die Welt, wie
+sie ist und wie sie sein soll«, aus dem Französischen von Math.
+Briancourt. Karl Scholl ließ 1855 in Zürich eine Schrift
+erscheinen, betitelt: »Viktor Considerant über die Erlösung der
+Menschheit in ihrem wahren Sinn.« Auch erschienen in demselben
+Jahre in Zürich eine Anzahl Schriften, in welchen für die
+Auswanderung nach Texas zur Gründung von Phalanstèren im
+Fourier'schen Sinne Propaganda gemacht wurde. Diese Versuche sind
+kläglich mißlungen.
+
+[Fußnote 25: Die Titel dieser Schriften sind: »Der Sozialismus in
+seiner Anwendung auf Kredit und Handel« von Franz Coignet, Zürich
+1851; »Bank- und Handelsreform« von F. Coignet, aus dem Französischen
+von Karl Bürkli, Zürich 1855; »Solidarität«, kurzgefaßte
+Darstellung der Lehre Karl Fourier's von Hipolyte Renaude, deutsch
+bearbeitet von Kaspar Bär und Karl Bürkli, Zürich 1855; »Kritische
+Darstellung der Sozialtheorie Fourier's« von A. L. Churoa,
+Braunschweig 1840; »Organisation der Arbeit« von Franz Stromeyer,
+Bellevue bei Konstanz 1844; »Abbruch und Neubau« oder »Jetztzeit
+und Zukunft« von Michael *****, Stuttgart 1846.]
+
+Interessant für die Geschichtsauffassung, welche die Schüler nach
+den Lehren ihres Meisters theilten, ist die Darlegung, die seitens
+eines Deutschen in dem Buche: »Abbruch und Neubau« oder »Jetztzeit
+und Zukunft« von Michael ***** gegeben wird. Der Verfasser
+erläutert dort die Fourier'sche Geschichts-Entwicklungstabelle, die
+wir auf Seite 240 und 241 dieser Schrift anführten und bei dem
+Interesse, das diese Erläuterung nach unserer Auffassung verdient,
+geben wir sie ausführlich wieder. Es heißt da:
+
+»Der Adels-Feudalismus herrscht in der Kindheit der Zivilisation;
+die Sklaverei hat der Leibeigenschaft Platz gemacht; die Frau ist
+aus dem Gynäceum (Frauengemach) oder Harem herausgetreten und hat
+ihre bürgerlichen Rechte erlangt _Mit der Verleihung der
+bürgerlichen Rechte an die Frau ist die Gesellschaft aus dem
+Zustand der Barbarei in die Zivilisation übergegangen_.
+
+»Diese Veränderung im Zustande einer Hälfte des Menschengeschlechts
+giebt den Sitten eine ganz neue Färbung, indem sie dieselben
+verfeinert und im hohen Grade das Gedeihen der Künste und
+Wissenschaften, der Dichtkunst und der Musik begünstigt.
+
+»In der Periode der Barbarei ist die Herrschaft des Oberhauptes der
+Gesellschaft eine unumschränkte; in der ersten Phase der
+Zivilisation ist sie bereits getheilt, indem die Verbündung
+(Föderation) der großen Vasallen der königlichen Gewalt Schranken
+setzt.
+
+»Nach und nach werden die arbeitenden, dem Betriebe der Gewerbe,
+Künste und Wissenschaften obliegenden Leibeigenen mächtig: Die
+_Gemeinden_ erlangen Rechte und Privilegien; Munizipien, freie
+Städte erstehen. Sie erstehen aber nicht kraft eines willkürlichen
+Befreiungs-Ediktes; sie erstehen nicht, weil es dem Staatsoberhaupt
+beliebt hat, sie in's Leben zu rufen. Sie erstehen, weil sie sich
+bereits selbst emanzipirt haben, weil die schon erlangte Macht sie
+faktisch frei gemacht hat. Kommen solche Edikte vor der Zeit, so
+ist es gerade, als wären sie nicht da, und der Feudalismus bleibt
+zum deutlichen Beweise, _daß Verfassungen bloße Chroniken
+vollendeter Thatsachen sind_, daß sie die Geschichte der
+Fortschritte einer Nation schreiben, wenn ich mich so ausdrücken
+darf, nicht aber nothwendig sie hervorrufen.
+
+»Mit der steigenden Aufklärung der früheren Leibeigenen, mit ihrem
+steigenden Reichthume, mit ihrem fortschreitenden Kunst- und
+Gewerbefleiße wächst auch ihre Macht in demselben Maße, in welchem
+das Feudal-Element geschwächt wird.
+
+»Die alten Leibeigenen sind Bürger und Volk geworden. Bürger und
+Volk verbünden sich miteinander gegen den Feudalismus, und der Sieg
+ist ihnen gewiß.
+
+»In diesem Stadium ihrer Entwicklung ist die Gesellschaft von
+steten Stürmen und Umwälzungen bedroht. Die Zähigkeit des
+Feudal-Elements kann das volksthümliche Element zu Gewaltthaten
+treiben, gegen welche die der Barbarei verschwinden. Die Kritik
+liegt mit den alten religiösen Anschauungen im Kampfe; die
+Philosophie stellt die Bedingungen des neuen Staats gegenüber dem
+alten auf.
+
+»Mit der politischen Befreiung, mit der Entfesselung der Gewerbe
+und des Ackerbaues spielt das _Repräsentativ-System_ der Gewalt
+gegenüber dieselbe Rolle, die früher die großen Vasallen gespielt
+hatten.
+
+»Der Bürger braucht nun den Schutz des Ritters nicht länger: schon
+hat er ihn in der Person Don Quixote's moralisch getödtet. Der
+Bürger hat aber auch die Gleichheit vor dem Gesetz verkündet, und
+so folgen die _Freiheits-Illusionen_ auf die Illusionen des
+Ritterthums. Die Freiheit ist noch nicht da, weil sie in der
+Verfassung steht; sie bleibt auf dem Papier, weil die Bedingungen,
+unter welchen sie wirklich in's Leben treten kann, noch nicht
+erfüllt sind.
+
+»Unterdessen hat die Zivilisation ihren Höhepunkt erreicht, sie hat
+die Schifffahrt, überhaupt erleichterte Verbindungswege, Eisenbahnen,
+Kanäle u.s.w., sowie die Experimental-Chemie in's Leben gerufen,
+und nun kann sie, wenn ihr die Wissenschaft zu Hülfe kommt, zu
+einer höheren Periode aufsteigen, die wir, mit Fourier,
+_Garantismus_ nennen wollen, da sie die Verwirklichung eines
+Systems von Garantien wäre, wovon die jetzige Gesellschaft einige
+bemerkenswerthe Keime aufzuweisen hat.«
+
+Der Verfasser bezeichnet als solche mit Fourier: Die wissenschaftliche
+Einheit, die Quarantänen, das Assekuranzsystem, die Sparkassen etc.
+
+»Mit der Experimental-Chemie tritt die große Industrie in's Leben;
+die kleine Industrie geht in der großen auf. Neue Verfahrungsarten
+verdrängen die alten, eine ganz neue industrielle Welt ist im
+Werden; Fabriken mit Hunderten und Tausenden von Arbeitern schießen
+wie Pilze aus dem Boden hervor und versetzen den in altherkömmlicher
+Weise betriebenen Gewerben den Todesstoß.
+
+»Aber die Erfindung neuer Verfahrungsarten, sowie die Steigerung
+der Produktion genügen nicht: die Zivilisation hat auch den Beruf,
+diese Verfahrungsarten überall hin zu verbreiten und so die
+Möglichkeit der Erreichung einer höheren gesellschaftlichen Stufe
+anzubahnen. Daher die Erfindung der Schifffahrt, der Eisenbahnen,
+des Dampfbootes, kurz die Vervollkommnung der Verbindungsmittel
+überhaupt.
+
+»Indessen hat die Zivilisation -- als Entwicklungsphase der
+Menschheit betrachtet -- in Folge eines inneren, in ihrem Wesen
+begründeten Zwiespalts die große Industrie nicht in's Leben zu
+rufen vermocht, ohne zu gleicher Zeit allgemeine Gebrechen zu
+erzeugen, die unter dem Titel _Entwaldungen und Fiskalanleihen_
+aufgeführt und eine nothwendige Folge der beiden vorangehenden
+Phasen sind. In der That fällt auch der Boden im Ganzen genommen
+immer mehr einer anarchischen Kultur anheim, je größer der
+Zwiespalt der Privatinteressen und des allgemeinen Interesses wird.
+Die Entwaldung der Anhöhen, welche die Ausmergelung der Berge und
+die Entblößung der Abhänge mit sich führt, ist der höchste Ausdruck
+des Uebelstandes, da diese Entwaldungen zur unausbleiblichen Folge
+haben, daß in der Vertheilung der Wasser nach und nach eine
+gänzliche Veränderung eintritt. Werden die Entwaldungen bis zum
+Uebermaß ausgedehnt, so wird am Ende selbst das Klima ernstlich
+Noth leiden: die schroffsten Uebergänge werden nichts
+Ungewöhnliches sein; heute eine afrikanische Hitze, morgen eine
+sibirische Kälte. Die Wissenschaft hat in der Person ihrer
+würdigsten Vertreter angefangen, auf die üblen klimatischen Folgen
+der planlosen Entwaldungen hinzudeuten. Zum deutlichen Beweise,
+_daß die Atmosphäre für den Menschen ein wahres Ackerfeld ist, das
+er durch den Anbau entweder verbessern oder verschlechtern kann_.
+
+»Die Fiskalanleihen sind ein anderes Gebrechen der auf ihrem
+Höhepunkte angekommenen Zivilisation. Die Befreiung der Völker hat
+gewaltige Kriege nach sich gezogen; das Feudal-Element hat seine
+letzten Kräfte zusammengerafft, um das neue volksthümliche Element
+zu erdrücken. Daher der lästige Kriegsfuß, daher der fast ebenso
+lästige Friedensfuß. Die edelsten Kräfte der Nation werden in
+soldatischen Spielen vergeudet. Eine Menge anderer unproduktiver
+Ausgaben vergrößern das Uebel fortwährend, bis endlich das
+thurmartige Kartenhaus des Staatsschuldenwesens zusammenstürzt.«
+
+Der Verfasser setzt nun weiter auseinander, wie die Charaktere des
+Höhepunktes der Zivilisation im Keime sowohl die Ursachen ihres
+Verfalles, als die Mittel zur Ersteigung einer höheren Stufe
+enthielten. Die Entwaldungen enthielten den Keim zum materiellen
+Verfall durch die damit verbundene Verschlechterung des Klimas; die
+Fiskalanleihen enthielten den Keim des politischen Verfalls, indem
+sie die Ausbildung des _industriellen Feudalismus_ mächtig
+förderten. Ebenso könnten die neugeschaffenen Verbindungswege in
+den Händen von Aktiengesellschaften die Rolle einer Saugpumpe
+spielen, wie die Schifffahrtskunde das den Angelpunkt der dritten
+Phase bildende Seemonopol in's Leben rufen könne. Endlich gab die
+Chemie dem Betruge die Mittel an die Hand, alle Arten von Produkten
+zu fälschen, und der lügnerische Handel gewann so eine Ausdehnung,
+welche die ernstlichsten Besorgnisse einflößen mußte.
+
+Zwar könne die nun beginnende absteigende Periode ein natürlicher
+Schritt des Fortschritts werden, aber dieser Weg sei eine Reihe von
+Klippen und Schändlichkeiten. Unterliege die Zivilisation auf ihrem
+Wege den ihr gegenübertretenden Einflüssen, so falle sie in eine
+niedere Periode zurück, um den alten Kampf von Neuem zu beginnen.
+Glücklicherweise sei das Leben der Menschheit ein vielfaches; falle
+eine Zivilisation, so sei bei den vielen Nationen und mancherlei
+Gesellschaften immer die Hoffnung da, daß eine derselben das Erbe
+der fallenden Gesellschaft übernehme.
+
+Der zweite Theil der Periode, ihre absteigende Bewegung, sei dem
+ersten umgekehrt analog (verwandt), wie die Morgendämmerung und
+Abenddämmerung, die Kindheit und das Greisenalter der Menschen, der
+Anfang und das Ende jeder Bewegung sich einander analog seien, ohne
+identisch zu sein. Nach diesem aus der allgemeinen Formel der
+Bewegung abgeleiteten Grundsatze ließe sich erwarten, daß die
+Zivilisation mit einem Feudalismus enden werde, wie sie mit einem
+Feudalismus begonnen habe. Diese Voraussetzung erhalte durch die
+vor unseren Augen vor sich gehenden Thatsachen den Charakter einer
+mathematischen Wahrheit.
+
+»Der steigende Reichthum des Bürgerthums hat den Adels-Feudalismus
+getödtet: Pergamente und Wappen haben aufgehört, die Herrschaft zu
+verleihen, und das Geld ist an ihre Stelle getreten. Wege zum
+Reichthum sind Industrie, Handel und Beamtenstellen. Der
+herrschende Geist wird demnach der _kaufmännische_ und
+_fiskalische_ sein. Er ist in der Tabelle als einfacher Keim der
+dritten Phase bezeichnet, weil er einen neuen Feudalismus, nämlich
+den industriellen, den wir auch Handels- oder Geldfeudalismus
+nennen können, im Keim enthält. Von nun an muß sich Alles dem neuen
+Prinzipe unterordnen. Die Parias der dritten und vierten Phase der
+Zivilisation werden daher auch nicht die Leibeigenen der ersten
+Phase, sondern die untersten Schichten der Gesellschaft bildenden
+Proletarier sein. Der Hunger und das Elend werden sie faktisch
+denjenigen überantworten, welche, Herren des Kapitals, auch die
+Werkzeuge der Arbeit in Händen haben.«
+
+»Die große Industrie mit ihren Kapitalien, Maschinen und
+Spekulationen macht die kleine, mit mäßigen Geldmitteln betriebene,
+unmöglich. Der große Handel unterdrückt den kleinen, und diese
+Bewegung gestaltet sich immer großartiger, je mehr das Kapital
+durch glückliche Spekulationen oder durch Gründung von
+Aktiengesellschaften sich konzentrirt. In demselben Maße, wie das
+Kapital sich konzentrirt, wächst auch der Pauperismus und das
+Proletariat, und da die großen Kapitalien sich am liebsten in den
+großen Städten ansiedeln, so wird zuerst da die Fabrikation in
+größerem Maßstabe betrieben. Allmälig sammeln sich da Heere von
+Arbeitern, die von einem Tag zum andern leben und somit viel
+schlimmer daran sind als die Leibeigenen der ersten Periode. _Diese
+Arbeiter-Heere sind für die Zivilisation das Schwert des Damokles_.
+Die dritte Phase wird mindestens ebenso sehr von inneren Kämpfen
+und Bürgerkriegen bedroht als die zweite. Nur sind die nun
+ausbrechenden Revolutionen nicht länger _politischer_, sondern
+_sozialer_ Natur; die Insurrektion nimmt einen industriellen
+Charakter an.«
+
+»Der Handelsgeist und der mächtige Hebel der Kapitalien-Konzentration,
+welche den großen Kapitalisten das Monopol der Industrie nach und
+nach in die Hände spielt, sind die Elemente des See-Monopols oder
+Großhandels-Monopols, wodurch der Geist und die Bestrebungen der
+ganzen Phase angedeutet werden. Die Politik tritt in die Dienste
+des Monopols und erhält so eine ganz eigentümliche Färbung, bis sie
+endlich nur noch das kaufmännische Element vertritt. Diplomatie,
+Kriege, Kammern, Wissenschaft, Kunst, Alles wirft in unendlich
+verschiedenen Schattirungen den im Prisma des Merkantilismus
+gebrochenen Zeitgeist zurück. _Alles ist käuflich_; der Durst nach
+Gold hat die edlen Regungen erstickt, und der Egoismus zeigt sich
+in seiner ganzen Scheußlichkeit.
+
+»Der Grundsatz der freien Konkurrenz, das »laisser faire laisser
+passer«, erzeugt zugleich den _anarchischen Handel_, der unter dem
+Titel »Gegengewicht« in der Tabelle aufgeführt ist. Da die großen
+Handelsoperationen von dem großen Kapital monopolisirt sind, so
+bleibt dem kleinen Kapital nur noch der Kleinhandel. In Folge des
+herrschenden merkantilischen Geistes wirft er sich auch auf
+denselben mit einer wahren Wuth -- ein Verhältniß, das sich in der
+großen Menge schmarotzerischer Zwischenhändler und Mäkler am Besten
+zu erkennen giebt. Je heftiger der Konkurrenzkrieg dieser
+Zwischenhändler entbrennt, um so großartiger gestalten sich die
+Betrügereien und Fälschungen jeder Art, wodurch die Gesellschaft
+systematisch gebrandschatzt wird. Dieser Anarchie allein aber
+verdankt der Kleinhandel seine Erhaltung; denn nur sie bildet noch
+einen Damm gegen die verheerende Macht des Kapitals. Sie ist also
+ein natürliches Gegengewicht des großen Kapitals. Von dem Tage an,
+wo das große Kapital an den Hauptplätzen große Niederlagen für den
+Detailverkauf gründet, wie dies schon jetzt mancher Orten
+geschieht, von diesem Tage an muß der kleine und mittlere Handel
+das Gewehr strecken. Von dem Tage an wird aber auch die Anarchie im
+Handel und Wandel aufhören, und die Regelung des Handels wird immer
+leichter werden, je deutlicher die Charaktere des industriellen
+Feudalismus hervortreten.
+
+»Wie ließe sich der Ton der dritten Phase besser bezeichnen, als
+mit dem Ausdruck »_ökonomische Illusionen_«? Die politische
+Oekonomie, ein Erzeugniß des merkantilen Geistes, verhält sich zu
+der dritten Phase wie die Poesie der Ritterzeit zu der ersten, wie
+die philosophische Ideologie und die liberale Dialektik zur
+zweiten. Das Ritterthum hat der Liberalismus unter dem Namen des
+Donquixotismus zu Grabe getragen, und nun ist der Oekonomismus auf
+dem Wege, den Liberalismus durch die _Politik der materiellen
+Interessen_ zu tödten, eine Politik, die den reinen, uneigennützigen
+Liberalismus bereits in einem ziemlich lächerlichen Lichte
+erscheinen läßt.«
+
+»Der industrielle Feudalismus wäre eine vollendete Thatsache, sobald
+das große Kapital nicht allein die Fabrikation und den Handel,
+sondern auch den Grund und Boden an sich gerissen haben würde.
+
+»Nun aber wird die steigende Handels-Anarchie mit ihren zahllosen
+Betrügereien, Bankerotten und Fälschungen nicht allein zur Folge
+haben, daß die Lage des kleinen Gewerbs- und Handelsmannes immer
+kritischer wird, sondern es wird sie auch die öffentliche Stimmung
+nachgerade so energisch verdammen, daß das große Kapital darin eine
+Ermunterung finden wird, nun auch den Kleinhandel zu absorbiren.
+Und so wird sich dann dieser gewaltsam rückwirkende Geist politisch
+dadurch bethätigen, daß er _Meisterschaften in bestimmter Anzahl_
+und privilegirte Körperschaften in's Leben ruft.
+
+»Die _Leihhäuser_ oder _Leihkassen_ für Landwirthe haben zum Zweck,
+dem bedrängten Ackerbau zu Hülfe zu kommen. Während die Kapitalien
+der Spekulation und den Banken zuströmen, leidet der Ackerbau an
+solchen Noth, so daß er dem Wucher in die Hände fällt. Schlechte
+Ernten, eine schlechte Bewirthschaftung des zerstückelten
+Grundbesitzes und ähnliche Ursachen werden das Uebrige thun, bis
+endlich ein großer Theil des Grund und Bodens den Leihkassen
+anheimfällt. So wird der in Atome zerfallene Grundbesitz sich
+wieder zusammenfügen; der kleine Besitz wird vom großen
+verschlungen werden, wie die Handwerker von den Fabriken, wie das
+kleine Kapital von dem großen.
+
+»Während alles dies vor sich geht, befindet sich die Gesellschaft
+in einer wahrhaft fürchterlichen Lage. Nichts als Krisen und
+Revolutionen. Der Ackerbau wie die Fabrikindustrie ist nur noch ein
+unermeßliches industrielles Zuchthaus, ein ungeheures Lager; die
+frühere _individuelle_ Leibeigenschaft ist eine _kollektive_
+geworden. Die neuen Leibeigenen werden von Zeit zu Zeit aus ihren
+Bagnos stürmen und ein Spartakus wird sie führen.
+
+»Der neue Adel aber, der Geldadel, wird neben der Regierungsgewalt
+eine eigene Gewalt bilden und so für die vierte Phase das sein, was
+der Feudaladel für die erste war. Und gleichwie die nationale
+Einheit erst dann begründet werden konnte, als das monarchische
+Element stark genug geworden war, um das Feudalelement zu zügeln
+und zu leiten, ebenso wird auch hier die Gesellschaft nicht eher
+zum Garantismus sich erheben, als bis die Regierung das
+industrielle Element zu lenken wissen wird.
+
+»Uebrigens keine Burgen, die zerstört, keine hochmütigen Vasallen,
+die geköpft oder gemeuchelt werden müßten. Die Aufgabe der
+Regierung wird darin bestehen, daß sie die Rolle einer Vermittlerin
+zwischen den einander feindselig gegenüberstehenden Interessen
+übernimmt, daß sie den Waarenaustausch regulirt, die Einheit der
+Maße, Gewichte u.s.w. herstellt, mit einem Wort, daß sie in
+sämmtlichen industriellen und kommerziellen Verhältnissen die
+nöthig gewordenen Garantien herstellt. Dann aber ist die
+Zivilisation, wie sie in der Tabelle geschildert worden, schon
+überholt.
+
+»Als Ton der vierten Phase endlich erscheinen in der Tabelle die
+_Assoziations-Illusionen_. Wir sagen Illusionen, weil die
+Assoziation nur die Kapitalien assoziirt, um ihre Absorptionskraft
+zu vermehren, blos das häßliche Zerrbild der _wahren_ Assoziation
+ist, die Kapital, Arbeit und Talent assoziirt.
+
+»Fassen wir nun das Gesagte zusammen, so finden wir, daß die
+aufsteigende und absteigende Bewegung der Periode der Zivilisation
+sich zueinander verhalten, wie die beiden Hälften des Menschenlebens,
+d.h. daß sie in Beziehung auf den Höhepunkt oder die Mittelstufe
+miteinander symmetrisch sind;
+
+daß die Zivilisation mit einem Feudalismus beginnt und endigt;
+
+daß die Arbeit der beiden Phasen der aufsteigenden Bewegung eine
+Verminderung der _persönlichen_ oder _direkten_ Dienstbarkeit zur
+Folge hat, während in der Phase der absteigenden Bewegung die
+_kollektive_ oder _indirekte_ Dienstbarkeit sich befestigt;
+
+daß die Revolutionen der beiden ersten Phasen politischer Natur
+sind, während die der beiden letzten einen _sozialen_ oder
+industriellen Charakter annehmen;
+
+daß das Wesen der von der Zivilisation aufgestellten Gleichgewichte
+ein unstätes soziales Gleichgewicht begründet;
+
+daß die Illusionen der aufsteigenden Bewegung etwas Ritterliches,
+Edles haben, während denen der absteigenden Bewegung nichts als der
+gemeinste Materialismus zu Grunde liegt; endlich
+
+daß, während der Fortschritt in den beiden ersten Phasen sich nach
+den Entdeckungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst, nach
+der Vervollkommnung der technischen Vefahrungsarten bemessen läßt,
+der Maßstab für den Fortschritt in der absteigenden Bewegung, die
+Auffindung derjenigen Institutionen ist, welche die Zivilisation
+ihrem natürlichen Tode zuführen und so der Gesellschaft die
+Ersteigung einer höheren Bildungsstufe möglich machen.«
+
+Dies die Auffassung von der historischen Entwicklung und dem
+Untergang der Zivilisation, wie sie im Fourier'schen Geiste unser
+deutscher Autor darlegt. Bei ihm tritt in schärferem Maße als bei
+Fourier das Gesetzmäßige in der Entwicklung, unbeeinflußt von dem
+Wirken der einzelnen Person, in den Vordergrund. Wir haben es,
+scheint's, mit einem Schüler der Hegel'schen Schule zu thun, der
+die Lehre von den Gegensätzen in der Gesellschaft dialektisch
+auffaßt und behandelt. Fragt man nun nach der praktischen Wirkung
+dieser Anhänger Fourier's in Deutschland und ihrer Bedeutung für
+die Bewegung, so weiß Niemand davon zu melden. Die sozialistischen
+und kommunistischen Ideen, die meist sehr verschwommen im »tollen
+Jahr« in den verschiedensten Gegenden Deutschlands unter der
+vorgeschritteneren Arbeiterwelt in die Erscheinung traten, lassen
+nirgends Fourieristische Auffassungen erkennen. So weit Marx und
+Engels nichts die Arbeiterklasse in den Bewegungsjahren
+beeinflußten, waren es wesentlich die Ideen Weitling's, die Anklang
+fanden. Die Mehrzahl der Arbeiter, die sich an der Bewegung
+betheiligten, war von den unklarsten sozialen und politischen Ideen
+beherrscht. Woher sollte die Einsicht in die Arbeiterklasse kommen,
+wenn die höher stehende Klasse, das Bürgerthum, in allen ihren
+öffentlichen Handlungen die kompleteste Unreife und Unerfahrenheit
+an den Tag legte. Bot doch auch die damals viel weiter
+vorgeschrittene französische Arbeiterklasse ein keineswegs
+erfreuliches kaleidoskopisches Bild; sie war zersplittert in
+Schulen und Sekten, die sich gegenseitig bekämpften. Es war daher
+auch kein Wunder, daß diese in Deutschland eben erst aufkeimende
+soziale Bewegung durch die Reaktion der fünfziger Jahre bis auf die
+Erinnerung ausgetilgt wurde.
+
+Die dann im Laufe der fünfziger Jahre in Deutschland sich
+vollziehende kapitalistische Entwicklung schuf allmälig auch eine
+Arbeiterklasse, die besser als ihre Vorgängerin aus den vierziger
+Jahren für ihren Befreiungskampf ausgerüstet war. Und nun zeigten
+sich auch die Vortheile der besseren Schulung und geistigen
+Durchbildung, mit welcher die deutsche Arbeiterklasse der
+Arbeiterklasse anderer Länder voraus war. Sie erfaßte mit scharfem
+Verständniß die Theorien und Grundanschauungen ihrer großen Lehrer;
+der eigentliche Schulstreit, der die französischen Arbeiter
+Jahrzehnte lang zerklüftete, blieb ihr erspart, und so wuchs die
+Bewegung, begünstigt durch die politische und soziale Umgestaltung
+Deutschlands, so, daß sie heute als die vorgeschrittenste in allen
+Kulturstaaten betrachtet werden darf. Keinem Personenkultus
+huldigend, nimmt sie dankbar die guten Lehren an, welche die großen
+Vorkämpfer und Bahnbrecher der sozialistischen Ideen in irgend
+einem Lande der Welt hinterließen.
+
+Die moderne soziale Bewegung ist wie die ganze moderne Kulturbewegung
+eine eminent kosmopolitische. Zunächst innerhalb des nationalen
+Rahmens und der gezogenen Sprachgrenzen wirkend, tragen die
+zahllosen Verkehrsmittel, die Sprachstudien, Reisen und Auswanderung,
+Literatur, Güteraustausch etc. in früher ungeahntem Maßstab dazu
+bei, den Ideenaustausch zu fördern, den Nationalitäten- und
+Racenhaß zu ertödten, die Interessensolidarität immer inniger zu
+verknüpfen. Die Entstehung einer Weltsprache, die Fourier
+befürwortete, rückt ihrer Verwirklichung, wenn auch anders als er
+gedacht, immer näher, und die Zeit wird auch nicht mehr fern sein,
+wo aus der Interessen- und Ideengemeinsamkeit der ganzen Kulturwelt
+eine neue soziale Organisation entsteht, die weder nach Landes-
+noch nach Sprachgrenzen fragt und den Bürger zum Menschen macht.
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+Skizze eines Phalanx-Gebäudes (»Phlanstère«)
+
+[Abbildung]
+
+Wie das Kreuz der Typus der mittelalterlichen Dome und Kirchen ist,
+so ist die Serie der Typus des Wohn- und Arbeitsgebäudes einer
+Phalanx, d.h. ein Zentrum mit zwei mittleren oder Haupt-Flügeln und
+zwei äußersten oder Neben-Flügeln. Die jeweilige Architektur ist
+immer nur das äußere Abbild der sozialen Verhältnisse, und ein
+Kenner wird immer an der Architektur auf die Gesellschaftsform
+einer Zeitepoche schließen können. -- _Die Gemeinwirthschaft_, in
+welcher Form immer, bedingt natürlich auch ganz andere
+Gebäulichkeiten, als die _Privatwirthschaft_. -- Das Zentrum soll
+diejenigen Räumlichkeiten enthalten, wo die ca. 2000 Personen
+mehrmals des Tages verkehren, wie Speisesäle, Versammlungslokale,
+Bureaux, Bazare, Bibliotheken etc.; die zwei Hauptflügel, welche
+perpendikulär vom Zentrum abzweigen und so den Zentralplatz der
+Phalanx bilden, sowie die zwei äußersten Flügel, welche nach links
+und rechts abbiegen und an der Hauptstraße liegen, würden die
+verschiedenen Werkstätten, die geräuschvollsten am äußersten Ende,
+enthalten. Die Wohnräume würden die oberen Stockwerke des
+Gesammtgebäudes in Anspruch nehmen. -- Gegenüber der Phalanx, dem
+Zentralplatz und der Hauptstraße entlang, kämen die Oekonomie- und
+Maschinengebäude, Ställe etc., welche man hier nicht sieht, zu
+liegen. -- Das Phalanxgebäude ist ca. 2000 Fuß oder 600 Meter lang
+vom äußersten linken zum äußersten rechten Flügelende gemessen. Um
+eine allzugroße Ausdehnung zu vermeiden, ist die Reihe der Gebäude
+doppelt und parallel laufend mit dazwischen liegenden Hofgärten. --
+Eine breite, gedeckte Galerie verbindet im Innern, gegen die
+Hofseite hin, alle Theile des Gebäudes und fungirt als Hauptarterie
+der Zirkulation.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Charles Fourier, by August Bebel
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK CHARLES FOURIER ***
+
+***** This file should be named 19596-8.txt or 19596-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/1/9/5/9/19596/
+
+Produced by richyfourtytwo, K.F. Greiner and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/19596-8.zip b/19596-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..924aad7
--- /dev/null
+++ b/19596-8.zip
Binary files differ
diff --git a/19596-h.zip b/19596-h.zip
new file mode 100644
index 0000000..099db85
--- /dev/null
+++ b/19596-h.zip
Binary files differ
diff --git a/19596-h/19596-h.htm b/19596-h/19596-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..18e56cb
--- /dev/null
+++ b/19596-h/19596-h.htm
@@ -0,0 +1,11611 @@
+<?xml version="1.0" encoding="us-ascii"?>
+<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN">
+
+<HTML>
+<HEAD>
+<TITLE>August Bebel: Charles Fourier</TITLE>
+
+ <style type="text/css">
+ /*<![CDATA[*/
+
+ <!--
+ body {margin-left: 10%; margin-right: 10%;}
+ p {text-align: justify;}
+ blockquote {text-align: justify;}
+ h1,h2,h3,h4,h5,h6 {text-align: center;}
+ pre {font-size: 0.7em;}
+
+ tt {font-size: 100%;}
+ .sn {text-align: center; vertical-align: top; padding-right: .5em;}
+ .snt {padding-bottom: 1em; text-align: justify; }
+
+ hr {text-align: center; width: 50%;}
+ html>body hr {margin-right: 25%; margin-left: 25%; width: 50%;}
+ hr.full {width: 100%;}
+ html>body hr.full {margin-right: 0%; margin-left: 0%; width: 100%;}
+ hr.short {text-align: center; width: 20%;}
+ html>body hr.short {margin-right: 40%; margin-left: 40%; width: 20%;}
+
+ .note, .footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%;}
+
+ span.pagenum
+ {position: absolute; left: 1%; right: 91%; font-size: 8pt;}
+
+ .poem
+ {margin-left:10%; margin-right:10%; margin-bottom: 1em; text-align: left;}
+ .poem .stanza {margin: 1em 0em 1em 0em;}
+ .poem p {margin: 0; padding-left: 3em; text-indent: -3em;}
+
+ .figcenter {margin: auto;}
+
+ -->
+ /*]]>*/
+ </style>
+
+</HEAD>
+
+<BODY>
+
+
+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Charles Fourier, by August Bebel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Charles Fourier
+ Sein Leben und seine Theorien.
+
+Author: August Bebel
+
+Release Date: October 21, 2006 [EBook #19596]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ASCII
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK CHARLES FOURIER ***
+
+
+
+
+Produced by richyfourtytwo, K.F. Greiner and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+<CENTER>
+<H1>Charles Fourier</H1>
+<H2>Sein Leben und seine Theorien.</H2>
+<PRE>
+
+
+</PRE>
+<H2>Von</H2>
+<H1>A. Bebel</H1>
+<PRE>
+
+</PRE>
+<H5>Stuttgart<BR>
+Verlag von J.&nbsp;H.&nbsp;W. Diek<BR>
+1890
+</H5>
+</CENTER>
+
+<BR />
+<HR class="full">
+<BR />
+
+<H2>Vorrede.</H2><BR />
+
+<P>
+
+Das achtzehnte Jahrhundert z&auml;hlt in der Geschichte der
+Entwicklung der Menschheit zu jenen Perioden, auf denen der Blick des
+Kulturforschers und Fortschrittsfreundes mit besonderem Interesse
+ruht. Nach den religi&ouml;sen, politischen und sozialen K&auml;mpfen
+des Reformationszeitalters war, wie das stets nach gro&szlig;en Volks-
+und Massenbewegungen zu geschehen pflegt, eine Art Stillstand und
+R&uuml;ckschlag f&uuml;r die Fortentwicklung eingetreten. Die durch
+die Reformationsbewegungen zur Geltung gekommenen St&auml;nde und
+Interessen suchten sich zu konsolidiren und die daraus hervorgehenden
+Reibungen f&uuml;hrten wieder zu gewaltsamen K&auml;mpfen und
+Ersch&uuml;tterungen von mehr oder weniger langer Dauer, die alle
+&uuml;brigen Interessen absorbirten, den materiellen wie den geistigen
+Fortschritt der Massen f&uuml;r lange Zeit hemmten.
+
+</P><P>
+
+In Deutschland hatte die Reformation dem Landesf&uuml;rstenthum
+Oberwasser verschafft. Die Landesf&uuml;rsten hatten die Reformation
+benutzt, um unter dem Deckmantel der Religion die eigene Hausmacht
+nach M&ouml;glichkeit zu st&auml;rken dadurch, da&szlig; sie den
+kleinen Adel sich unterth&auml;nig und von sich abh&auml;ngig machten,
+die Macht der Geistlichkeit brachen, sich selbst die bisch&ouml;fliche
+Gewalt beilegten, Kloster und Kirchengut konfiszirten und die
+gewonnene Macht benutzten, sich immer mehr von der Kaisergewalt zu
+emanzipiren, diese zum blo&szlig;en Schatten zu degradiren. Aus diesem
+Interessenkampf der F&uuml;rsten entstanden die sogenannten
+Religionskriege, der schmalkaldische und der drei&szlig;igj&auml;hrige
+Krieg, die Deutschlands politische Ohnmacht und Zerrissenheit auf
+Jahrhunderte besiegelten, seine &ouml;konomische Schw&auml;chung
+&mdash; die schon durch die Umgestaltung der Weltmarktsbeziehungen in
+Folge der Entdeckung von Amerika und des Seewegs nach Ostindien
+veranla&szlig;t war &mdash; noch vergr&ouml;&szlig;erten und
+allgemeine Armuth, schweren geistigen und geistlichen Druck &uuml;ber
+L&auml;nder und V&ouml;lker verbreiteten.
+
+</P><P>
+
+In Frankreich erzeugte die Reformation die K&auml;mpfe der Hugenotten,
+d.&nbsp;h. des hugenottisch gesinnten B&uuml;rgerthums und die des
+frondirenden Adels gegen das fr&uuml;hzeitig sich entwickelnde, alles
+zentralisirende absolute K&ouml;nigthum. Nach l&auml;ngeren
+K&auml;mpfen siegte das letztere und fand in Ludwig XIV. seinen
+gl&auml;nzendsten, aber auch seinen bedr&uuml;ckendsten und
+gewaltth&auml;tigsten Vertreter. Die inneren und &auml;u&szlig;eren
+K&auml;mpfe Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert hemmten die freie
+Entwicklung des materiellen wie geistigen Fortschritts.
+B&uuml;rgerthum und Adel gegenseitig feindlich, das Land nach
+au&szlig;en, namentlich unter dem erw&auml;hnten Ludwig, von einem
+Krieg in den anderen gest&uuml;rzt, war schlie&szlig;lich
+ersch&ouml;pft und verarmt. Solche Zeitalter sind nicht geeignet,
+gro&szlig;e Ideen zu geb&auml;ren, f&uuml;r geistige K&auml;mpfe die
+Bahn frei zu machen. Dagegen zeigte das achtzehnte Jahrhundert in
+Frankreich ein ganz anderes Bild. Frankreich bildete f&uuml;r dieses
+Zeitalter die Wiege des menschlichen Fortschritts auf allen Gebieten;
+hier entwickelte sich allm&auml;lig eine F&uuml;lle von geistigem
+Glanz und Leben, wie sie bis dahin kein Volk und kein Zeitalter in
+gleichem Ma&szlig;e erlebte. Die Menschen wuchsen sozusagen &uuml;ber
+sich selbst hinaus und setzten alle Geister und Herzen in der ganzen
+Kulturwelt in Bewegung. Frankreich mag viel ges&uuml;ndigt haben, die
+Dienste, die es w&auml;hrend des achtzehnten Jahrhunderts der
+Menschheit leistete, werden ihm, so lange Menschen leben, unvergessen
+bleiben.
+
+</P><P>
+
+Die Fortschritte begannen unmittelbar nach dem Tode Ludwig's XIV.,
+dessen Gewalt mit eisernem Drucke auf dem Lande gelastet, alle freie
+b&uuml;rgerliche Regung erdr&uuml;ckt, alle freie geistige Bewegung
+erstickt hatte. Das Land stand nach seinem Tode am Rande des
+materiellen und geistigen Bankerotts. Allm&auml;lig erholte sich das
+Volk und arbeitete sich, wenigstens in den St&auml;dten, wo die
+feudale Macht des Adels und der Geistlichkeit am wenigsten sich
+f&uuml;hlbar machen konnte, empor. Die M&auml;nner von Bildung und
+Geist, die nach der Entwicklung und Entfaltung der Kr&auml;fte des
+Landes strebten, eilten nach jenseits des Kanals, nach England, um
+dort, an den Quellen des &ouml;ffentlichen Lebens, die Studien zu
+machen, zu denen ihnen im eigenen Lande die Gelegenheit und die
+M&ouml;glichkeit fehlte. Zur&uuml;ckgekehrt nach der Heimath, begannen
+sie die Arbeit, die langsam aber sicher den stolzen Bau des absoluten
+Staats und der feudalen Gesellschaft untergrub und unterh&ouml;hlte,
+bis zu Ende des Jahrhunderts in einem Riesenzusammenbruch Beides,
+Staat und Gesellschaft, zusammenst&uuml;rzten, und durch ihren Fall
+ganz Europa aus den Fugen trieben.
+
+</P><P>
+
+Das K&ouml;nigthum gerieth nach Ludwig XIV. in die H&auml;nde von
+Schw&auml;chlingen, die Geistlichkeit und der Adel waren verlottert
+und verweichlicht; eine Minorit&auml;t unter den beiden St&auml;nden
+war geneigt, angeekelt von dem Treiben der eigenen Klasse und den
+Zust&auml;nden um sich, neuen Ideen sich zug&auml;nglich zu erweisen
+und spielte mit dem Feuer, dessen Gef&auml;hrlichkeit sie nicht
+kannte. So erkl&auml;rt sich, da&szlig; die M&auml;nner der neuen Zeit
+mit ihren alles Alte angreifenden und ersch&uuml;tternden Ideen
+vielfach gerade dort einen bereiten Boden fanden, wo man ihn am
+wenigsten h&auml;tte erwarten sollen. Aber es hatte sich auch des
+B&uuml;rgerthums ein Drang nach Wissen und Bildung, nach politischen
+Rechten, ein Geist der Unzufriedenheit &uuml;ber das Bestehende
+bem&auml;chtigt, wodurch die Bewegung schlie&szlig;lich zum Alles
+niederrei&szlig;enden Strom anschwoll.
+
+</P><P>
+
+Das B&uuml;rgerthum, politisch so gut wie rechtlos und machtlos, die
+Vertretung seiner Magistrate in den alten st&auml;ndischen Parlamenten
+mi&szlig;achtet, mit Abgaben unangenehmster Art beschwert, durch
+Zunft-, Bann- und H&ouml;ferechte in seiner materiellen Entwicklung
+behindert, von Adel und Geistlichkeit geringsch&auml;tzig und
+ver&auml;chtlich behandelt, aller pers&ouml;nlichen Rechte und der
+Garantien pers&ouml;nlicher Freiheit beraubt, sehend, wie die
+ungerecht vertheilten und gewaltsam beigetriebenen Steuern und Abgaben
+von einem in der Liederlichkeit verfaulenden Hof verschlemmt und
+verpra&szlig;t wurden, erfa&szlig;te mit Gier die neuen Ideen, welche
+die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der feudalen Vorrechte angriffen, die
+religi&ouml;sen Vorurtheile, unter deren Druck es litt, in Zweifel
+zogen, die allgemeine Freiheit und Rechtsgleichheit lehrten. Der neue
+Staat und die neue Gesellschaft wurden in den verf&uuml;hrerischsten
+Farben dargestellt, politische Macht, Reichthum, geistige Freiheit und
+Gleichheit Allen in Aussicht gestellt.
+
+</P><P>
+
+Wenn in einem Gesellschaftszustand die Dinge sich einmal so weit
+entwickelten, da&szlig; ein gro&szlig;er Theil der Betheiligten und
+Interessirten von Unzufriedenheit und Mi&szlig;stimmung gegen das
+Bestehende und von Sehnsucht nach besseren Zust&auml;nden erf&uuml;llt
+ist, so wird der alte Zustand sich auf die Dauer nicht halten
+k&ouml;nnen, was immer f&uuml;r Mittel und Praktiken in Anwendung
+kommen, ihn zu erhalten und zu st&uuml;tzen. Mag die Sehnsucht der
+Masse nach Ver&auml;nderung des Bestehenden, nach Umgestaltung ihrer
+Lage zun&auml;chst nur eine Sache des Gef&uuml;hls sein, das aber in
+dem thats&auml;chlichen Zustand der Verh&auml;ltnisse seine
+Begr&uuml;ndung und seine Berechtigung findet. Mag diese Masse sich
+&uuml;ber den Weg wie &uuml;ber die Mittel, durch die ihr geholfen
+werden k&ouml;nnte, noch so unklar sein, der Moment kommt, wo sie mit
+elementarer Macht, <i>instinktiv stets richtig</i>, nach dem
+bestimmten Ziele dr&auml;ngt und die bewu&szlig;ten und wissenden
+Geister zwingt, sich zu ihrem Organ, zu ihrem Mundst&uuml;ck und zu
+ihren Werkzeugen aufzuwerfen, um die Bewegung zum richtigen und nach
+Lage der Verh&auml;ltnisse m&ouml;glichen Ziele zu leiten. Die
+F&uuml;hrer sind unter solchen Umst&auml;nden stets Werkzeuge, nicht
+Macher, und sie werden bei Seite geworfen, sobald sie sich zu Machern
+aufwerfen, die Bewegung f&uuml;r sich und nach eigenem Gutd&uuml;nken,
+statt im Interesse der Betheiligten zu benutzen suchen. Die rasche
+Abwirthschaftung der F&uuml;hrer in akut gewordenen Volksbewegungen
+hat in diesem Geheimni&szlig; ihren Grund, sie wollen Allesmacher
+sein, wo sie nur Werkzeuge sein sollen und k&ouml;nnen. Da man sich
+h&uuml;ben wie dr&uuml;ben dieses Verh&auml;ltnisses selten
+bewu&szlig;t ist, schreien die Einen &uuml;ber Verrath, die Andern
+&uuml;ber Undankbarkeit der Masse; das Erstere ist selten wahr, das
+Letztere zu behaupten stets eine Narrheit, ein Verlangen, das nur
+Diejenigen stellen k&ouml;nnen, die sich &uuml;ber die Natur ihrer
+Stellung nie klar waren, Schieber zu sein glaubten, wo sie nur
+Geschobene sein konnten.
+
+</P><P>
+
+Jeder gro&szlig;en Umgestaltung in der Gesellschaft geht zun&auml;chst
+eine Periode der G&auml;hrung voraus, eine Periode, die, je nach dem
+Stande der allgemeinen Bildung und Kultur, nach dem Gewicht der
+betheiligten Klassen und nach der Kraft und der Macht der
+widerstrebenden Gewalten, bald l&auml;ngere, bald k&uuml;rzere Zeit
+dauert, ehe die Bewegung zum offenen Ausbruch kommt und ihr Ziel in
+irgend einer Form, das wieder von dem mathematischen
+Kraftverh&auml;ltni&szlig; der gegeneinander wirkenden Faktoren
+abh&auml;ngt, erreicht. Geht eine Bewegung &uuml;ber ihr Ziel hinaus,
+d.&nbsp;h. erreicht sie mehr, als sie, in sich selbst zur Ruhe gekommen, im
+Interesse der nun in der Macht befindlichen Gewalten, die nunmehr den
+Schwerpunkt bilden, um den Alles gravitirt, erreichen <i>soll</i> und,
+setzen wir hinzu, erreichen <i>darf</i>, so folgen die
+R&uuml;ckschl&auml;ge. Mit andern Worten, eine ihrem inneren Wesen
+nach selbst wieder auf Klassenherrschaft abzielende Bewegung darf
+nicht weiter gehen, als sie die Unterst&uuml;tzung der
+ma&szlig;gebenden Interessirten findet.
+
+</P><P>
+
+Scheinbar ist bis jetzt jeder Revolution eine Reaktion gefolgt, in
+Wahrheit wurde die Bewegung stets auf ihren <i>nat&uuml;rlichen</i>
+Schwer- und Ruhepunkt zur&uuml;ckgef&uuml;hrt, weil sie dar&uuml;ber
+hinaus ging. Dieser Zustand ist aber stets, auch wenn er durch eine
+gegen die weiter vorw&auml;rts dr&auml;ngenden Elemente gerichtete
+gewaltsame Reaktion herbeigef&uuml;hrt wurde, dem Zustande, der
+<i>vor</i> der Bewegung bestand, weit voraus. Man h&ouml;rt z.&nbsp;B. so
+h&auml;ufig die Bemerkung machen, da&szlig; die b&uuml;rgerliche
+Revolution der Jahre 1848 und 1849 in Deutschland an der Macht der
+Reaktion gescheitert sei. Das ist einfach nicht wahr. Die Bewegung hat
+erreicht, was sie nach ihrem <i>wahren innern Gehalt</i> erreichen
+konnte. Revolution und Reaktion rangen so lange mit einander, bis sie
+auf dem Punkt ankamen, auf dem sie sich zu verst&auml;ndigen
+vermochten. Die Grenze war, wo die Lebensf&auml;higkeit des Alten
+aufh&ouml;rte und die Lebensmacht des Neuen begann. Von vornherein war
+ein gro&szlig;er Theil der anfangs revolution&auml;ren Kr&auml;fte,
+die das beh&auml;bige B&uuml;rgerthum umfa&szlig;ten, entschlossen,
+&uuml;ber eine gewisse Grenze nicht hinaus zu gehen. An diesem Punkt
+angekommen, trennten sich diese Kr&auml;fte von den weiter
+dr&auml;ngenden Elementen. Dadurch verlor die Bewegung einen Theil
+ihrer Kraft, sie war ohnm&auml;chtig, weiter zu gehen. Und wie immer
+nach 1849 die Reaktion in Deutschland hauste, das, was
+thats&auml;chlich jetzt bestand, ging weit &uuml;ber das hinaus, was
+vor 1848 bestanden hatte. Die neuen Ideen hatten trotz alledem gesiegt
+und Alles, was seitdem in Deutschland geschah, ist nur durch diesen
+Sieg im &bdquo;tollen Jahr&ldquo; m&ouml;glich geworden.
+
+</P><P>
+
+R&uuml;ckschl&auml;ge werden nun nothwendig in jeder Bewegung kommen,
+die selbst wieder auf Klassenherrschaft, wenn auch sich selbst
+unbewu&szlig;t, hinausl&auml;uft. Ein solcher R&uuml;ckschlag kann
+erst dann unterbleiben, wenn eine Bewegung siegt, die in ihrem Wesen
+und Prinzip die Aufhebung <i>aller</i> Klassenherrschaft
+<i>bedingt</i> und daher <i>alle</i> Formen sozialer und politischer
+Herrschaft <i>aufheben mu&szlig;</i>.
+
+</P><P>
+
+Bisher waren alle Bewegungen, die ihr Ziel erreichten, Bewegungen der
+ersteren Art, und so begreift sich von vornherein, da&szlig; auch
+<i>die</i> Bewegung, die gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts in
+Frankreich begann und im letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts zur
+Entscheidung kam, diesem Schicksal aller bisherigen gro&szlig;en
+Volksbewegungen nicht entgehen konnte. Ihr Charakter als
+Klassenbewegung des B&uuml;rgerthums, ihr Ziel, die Herrschaft
+desselben zu begr&uuml;nden, zwang sie schlie&szlig;lich, sich gegen
+die revolution&auml;reren Elemente in ihrer eignen Mitte zu richten,
+und, da man innerhalb der Bewegungselemente und nachdem die Bewegung
+absolut gesiegt hatte, weder h&uuml;ben noch dr&uuml;ben diesen
+inneren Widerspruch, in dem man sich zu einander befand, begriff,
+mu&szlig;te man sich gegenseitig bis zur Vernichtung bek&auml;mpfen
+und im Blute ersticken. Die Interessen des Gro&szlig;b&uuml;rgerthums
+mu&szlig;ten, weil sie die entscheidenden waren, die Oberhand
+behalten, aber aus Furcht vor neuen inneren Gegens&auml;tzen und
+K&auml;mpfen warf sich dieses der Milit&auml;rdiktatur des Konsulats
+und des Kaiserreichs in die Arme, um sich, d.&nbsp;h. <i>die neue
+Gesellschaft</i>, zur Ruhe und zum Genu&szlig; des Errungenen kommen
+zu lassen.
+
+</P><P>
+
+Der Kampf gegen das alte System richtete sich in Frankreich gegen alle
+bisherigen Grundlagen der alten Gesellschaft, gegen die Kirche, den
+Adel, die absolute Staatsgewalt, gegen die Besteuerungs-, die
+Eigenthumsformen, das Erziehungssystem, die sozialen Einrichtungen.
+Nichts blieb im Laufe der Jahrzehnte, die dieser zun&auml;chst rein
+literarische Kampf w&auml;hrte, unangetastet. Die Angriffe wurden
+immer k&uuml;hner. Ganz neue Staats- und Gesellschaftssysteme
+(Condorcet, Morelli, Mably, Rousseau) tauchten auf und erkl&auml;rten
+dem Bestehenden den Krieg; ebenso wurden fast alle Zweige der
+Naturwissenschaften und insbesondere auch die Philosophie in der
+radikalsten Weise behandelt. Die Verfolgungen, welche die Staatsgewalt
+und die Kirche gegen diese Feinde der alten Ordnung in Szene setzten,
+hatten so gut wie keine Wirkung, sie gossen nur Oel in's Feuer.
+Jahrelange Gef&auml;ngni&szlig;strafen, Verbannungen, Degradirungen,
+Ausweisungen gegen die Verfasser, Verbrennung ihrer B&uuml;cher und
+Schriften, Verbote gegen ihre Verbreitung, gesellschaftliche Aechtung
+der Autoren, Alles half nichts. Die Bewegung schwoll von Jahrzehnt zu
+Jahrzehnt immer mehr an, sie ergriff Alles, was Kenntnisse und
+Intelligenz besa&szlig;, sie erfa&szlig;te sogar die Frauen und wuchs
+so, da&szlig; die Gewaltmittel des Staates versiegten und dieser wie
+die Kirche von einer Position in die andere zur&uuml;ck gedr&auml;ngt
+wurden. Im vorletzten Jahrzehnt vor der Revolution gab es in
+Frankreich keinen Schriftsteller von einiger Bedeutung, der nicht im
+Gef&auml;ngni&szlig; gesessen oder Verbannung erlitten, oder dessen
+Werke nicht verboten oder &ouml;ffentlicht verbrannt worden, oder der
+nicht in irgend sonst einer Weise verfolgt, drangsalirt und
+gesch&auml;digt worden war. Voltaire, Montesquieu, Rousseau,
+Beaumarchais, Diderot, d'Alembert, La Mettrie, La Harpe, Marmontel,
+Morellet, Buffon, Linguet und viele, viele Andere verfielen der
+Verfolgung. Wenn Holbach und Helvetius, Turgot, Quesnay, Necker,
+Condillac, Laylain, Cuvier, Lavoisiers, Bichot, Mirabeau der Aeltere
+solchen Verfolgungen entgingen, geschah es, da&szlig; sie, wie die
+beiden Erstgenannten, anonym schrieben, oder da&szlig; sie zu einer
+Zeit schrieben, wo das System, von der Nutzlosigkeit der Verfolgungen
+betroffen, erm&uuml;det war, oder da&szlig; sie wissenschaftliche
+Thematas behandelten, die dasselbe nicht direkt ber&uuml;hrten. Und
+auch in letzterer Beziehung ging das Mi&szlig;trauen sehr weit; so
+mu&szlig;te Buffon, als er 1751 seine Naturgeschichte
+ver&ouml;ffentlichte, der Pariser theologischen Fakult&auml;t
+ausdr&uuml;cklich versprechen, da&szlig; Alles, was er in seinem Buche
+lehre, mit der biblischen Sch&ouml;pfungsgeschichte nicht in
+Widerspruch stehe. Die Enzyklop&auml;die der d'Alembert, Diderot und
+Genossen aber wurde mit der Motivirung verboten, &bdquo;da&szlig; sie
+Grunds&auml;tze enthalte, welche darauf hinzielten, den Geist der
+Unabh&auml;ngigkeit und Emp&ouml;rung zu wecken und unter dunkeln und
+zweideutigen Ausdr&uuml;cken den Grund zum Irrthum, zur
+Sittenverderbni&szlig; und zum Unglauben zu legen.&ldquo; Doch alle diese
+Ma&szlig;nahmen retteten das System nicht.
+
+</P><P>
+
+Die Bewegung hatte endlich ihren H&ouml;hepunkt erreicht, die
+Gesellschaft wollte statt der Theorien Thaten sehen. Der Hof suchte
+durch halbe Konzessionen und kleinliche Ma&szlig;regeln, die das
+Gegentheil erzeugten von dem, was sie bezweckten, dem Dr&auml;ngen
+nachzugeben. Der Sturm brach endlich los. Wir beschreiben nicht die
+franz&ouml;sische Revolution, wir skizziren sie nur kurz, weil dies
+f&uuml;r unsern Zweck gen&uuml;gt. Die Nationalversammlung, anfangs
+den Bestand des K&ouml;nigthums als selbstverst&auml;ndlich ansehend,
+wurde im Laufe der Ereignisse &uuml;ber sich selbst hinaus getrieben.
+War die Konstituante noch k&ouml;niglich, der Konvent wurde
+republikanisch. Die zunehmende Noth der Massen, Mangel an
+Lebensmitteln, Mangel an Arbeit, Wucher, Mi&szlig;trauen gegen Oben
+sch&uuml;rten den Brand. Die royalistischen und pf&auml;ffischen
+Intriguen im In- und Ausland, die Alles beunruhigten, weil sie alles
+Gewonnene in Frage zu stellen schienen, verst&auml;rkten die schon
+vorhandene heftige Aufregung. Der Fluchtversuch des K&ouml;nigs, seine
+ganze zweideutige Haltung steigerten das Mi&szlig;trauen und den
+Ha&szlig; gegen ihn und die alten St&auml;nde. Der Zustand der
+Staatsmaschinerie, die durch die Ereignisse in Unordnung gebracht,
+durch die Aufhebung der alten dr&uuml;ckenden Steuerlasten und Abgaben
+der Mittel zur Funktionirung beraubt war, zwang zur Ausgabe von Massen
+Papiergeld (Assignaten), die als Zahlungsanweisungen auf die
+konfiszirten Kircheng&uuml;ter und sp&auml;ter auch auf die
+konfiszirten G&uuml;ter der emigrirten Adeligen ausgegeben wurden.
+Aber da in dem allgemeinen Tohuwabohu der Verkauf dieser G&uuml;ter
+sehr langsam vor sich ging und die Staatsbed&uuml;rfnisse in's
+Riesenm&auml;&szlig;ige stiegen, als das Land gezwungen wurde, nach
+dem Sturz des K&ouml;nigthums und der Enthauptung des Tr&auml;gers der
+Krone, gegen das ganze zivilisirte monarchische Europa Krieg zu
+f&uuml;hren, fielen die Assignaten sehr bedeutend im Werth. Ende 1790
+schon 1200 Millionen betragend, stiegen sie im Laufe der Jahre auf 8,
+dann auf 12, endlich auf 24 Milliarden. Ihre Vermehrung steigerte ihre
+Werthlosigkeit, die schlie&szlig;lich nur noch ein Hundertstel und
+weniger ihres Nennwerthes betrug, und dies erzeugte eine
+vollst&auml;ndige Revolution aller Preise. Zu den K&auml;mpfen nach
+Au&szlig;en kamen gewaltige K&auml;mpfe im Innern. Adel und
+Geistlichkeit intriguirten und konspirirten in hunderterlei Formen, um
+wieder zur Herrschaft zu kommen. England, das unter dem Ministerium
+Pitt die inneren K&auml;mpfe Frankreichs vortrefflich ausnutzte, um
+seine See- und Kolonialmacht auf Kosten Frankreichs zur
+allbeherrschenden zu machen, das jetzt Rache nahm f&uuml;r die
+H&uuml;lfe, die Frankreich anderthalb Jahrzehnte zuvor der
+Unabh&auml;ngigkeitsmachung der Vereinigten Staaten von England
+geliehen, dieses England sandte geheime Agenten &uuml;ber geheime
+Agenten, die mit Geld reichlich ausgestattet den inneren Kampf
+sch&uuml;ren mu&szlig;ten. Im Westen des Reiches erhob sich, ebenfalls
+von England unterst&uuml;tzt, die streng konservativ und kirchlich
+gebliebene Bev&ouml;lkerung der Vendee und Bretagne, im S&uuml;den
+erhoben sich die theils royalistisch, theils girondistisch gesinnten
+St&auml;dte, vor allem Lyon, dessen Luxusindustrie unter all diesen
+Ereignissen au&szlig;erordentlich litt. Im Konvent brach nach dem
+Sturz des K&ouml;nigthums der Kampf der verschiedenen
+b&uuml;rgerlichen Parteien unter sich aus. Die kleinb&uuml;rgerlichen
+Massen, haupts&auml;chlich in den Klubs und speziell in dem
+Jakobinerklub organisirt, nahmen thats&auml;chlich die Leitung der
+Ereignisse in die Hand und dr&auml;ngten den Konvent von Handlung zu
+Handlung. Vergebens suchten die Vertreter der eigentlichen
+Bourgeoisie, die Girondisten, zu widerstehen, sie unterlagen und
+endeten durch Aussto&szlig;ung oder auf dem Schaffot.
+
+</P><P>
+
+Die Schreckensherrschaft begann. Das in seinen tiefsten Tiefen
+aufgeregte Volk, im Inneren von den royalistischen Verschw&ouml;rungen
+bedroht, an den Landesgrenzen die europ&auml;ischen Heere erblickend,
+welche drohten als Hersteller des Alten das ganze Land zu
+&uuml;berziehen, von Arbeits- und Verdienstlosigkeit heimgesucht, vom
+Hunger gepeinigt, rapide Entwerthung des Geldes, rapide Verteuerung
+der Lebensmittel sehend, ohne sich all dies gen&uuml;gend
+erkl&auml;ren zu k&ouml;nnen, gerieth in Raserei. Die Gewaltszenen
+h&auml;uften sich und das Blut der Feinde der Republik und Derer, die
+man als Feinde des Volks ansah, flo&szlig; in Str&ouml;men. Um der
+zunehmenden Verzweiflung der Massen zu steuern, war der Konvent
+gezwungen, das sog. Maximum einzuf&uuml;hren, d.&nbsp;h. den Preis
+festzustellen, zu dem die nothwendigsten Lebensmittel abgegeben werden
+mu&szlig;ten; und als 1794 abermals eine Hungersnoth drohte, weil die
+Verk&auml;ufer der Lebensmittel allerorts mit ihren Waaren
+zur&uuml;ckhielten, mu&szlig;te er sogar die Rationirung des Brotes
+f&uuml;r die pariser Bev&ouml;lkerung einf&uuml;hren. Aber da alle
+diese Ma&szlig;regeln den ersehnten Zustand nicht herbeif&uuml;hren
+wollten, Arbeitslosigkeit, Wucher, Geldentwerthung, Beunruhigung
+fortdauerten, die sch&ouml;nste Verfassung, welche die Welt gesehen,
+mit all ihren Freiheiten und Rechten, weder die Freiheit, noch die
+Gleichheit, noch die Br&uuml;derlichkeit begr&uuml;ndete, der ganze
+Zustand immer wirrer aber auch unfa&szlig;barer wurde und Keiner die
+L&ouml;sung des R&auml;thsels fand, <i>was war nat&uuml;rlicher, als
+da&szlig; man die Personen verantwortlich</i> machte <i>f&uuml;r die
+Dinge, deren Natur man nicht begreifen konnte</i>! Eine Partei klagte
+die andere an, suchte sie als die Ursache des allgemeinen
+Ungl&uuml;cks zu vernichten. Die Royalisten waren in Schaaren
+geopfert, proskribirt, eingekerkert, fl&uuml;chtig, die Girondisten
+waren vernichtet. Jetzt traf die Reihe die Dantonisten, ihnen folgten
+die Hebertisten, schlie&szlig;lich kamen die, welche alle Andern
+geopfert, die Terroristen, die Robespierrianer selbst an die Reihe.
+Diese &bdquo;Tugendhaften&ldquo; hatten die Republik und das allgemeine Wohl nicht
+retten k&ouml;nnen; die ihnen jetzt in der Herrschaft folgten, die
+M&auml;nner der richtigen Mitte, des ehemaligen Sumpfes im Konvent,
+die Schlauberger, die es mit allen Parteien gehalten, um es mit keiner
+zu verderben, die keine Ideale und keine Leidenschaften besa&szlig;en,
+retteten auch weder die Republik, noch begr&uuml;ndeten sie das
+allgemeine Wohl. An Beiden lag ihnen herzlich wenig, aber sie thaten
+etwas Besseres, sie retteten sich und das Wohl ihrer Klasse, und dies
+war schlie&szlig;lich das &bdquo;allgemeine Wohl&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+In allen K&auml;mpfen und Wirrnissen der Revolution, als die
+Leidenschaften den h&ouml;chsten Grad erreichten, andererseits die
+Begeisterung ergl&uuml;hte, die gl&auml;nzendsten Gedanken, die bis
+dahin nur menschliche Hirne erfassen konnten, in Worte und Thaten sich
+umsetzten, gab es ein geheimni&szlig;volles Etwas, das wie der Geist
+&uuml;ber den Wassern schwebte, mit d&auml;monischer
+Kaltbl&uuml;tigkeit in alle Pl&auml;ne und Projekte eingriff, sie
+f&ouml;rderte oder zerst&ouml;rte, wie es seinem Interesse entsprach,
+dabei Allen sichtbar und doch unfa&szlig;bar war, diese Macht war
+&mdash; <i>das Kapital</i>. Das Kapital hatte unter all den Ruinen und
+Zerst&ouml;rungen, welche die Revolution geschaffen, allein die Beute
+eingeheimst und schlie&szlig;lich den Sieg davon getragen. Das Kapital
+hatte aus allen inneren und &auml;u&szlig;eren Verlegenheiten des
+K&ouml;nigthums und der Republik den alleinigen Nutzen gezogen; es
+hatte die G&uuml;terkonfiskationen, die Assignatenwirthschaft, das
+Maximum, die Rationirungen, die Feldz&uuml;ge mit ihren Waffen-,
+Bekleidungs- und Lebensmittellieferungen, die Waareneinfuhrsperre
+gegen England, kurz alle und jede Ma&szlig;regel, welche die
+Konstituante, dann der Konvent, dann der Wohlfahrtsausschu&szlig;,
+jetzt das Direktorium im Interesse des Landes vollzogen, in seinem
+Nutzen auszubeuten und auszuschlachten gewu&szlig;t. Mitten unter den
+Blutszenen der Revolution sa&szlig; es bei der Ernte und berechnete
+kaltbl&uuml;tig die Profite, die ihm diese oder jene Ma&szlig;regel
+der Gewalthaber abwerfen werde. Ueberall seine Agenten habend, in den
+Klubs, im Konvent, im Wohlfahrts- und im Sicherheitsausschu&szlig;,
+unter den Konventsdelegationen in den Provinzen, in der Leitung und
+Verwaltung der Armeen, in den Zivilverwaltungen der eroberten Staaten,
+St&auml;dte und Provinzen, machte es ungeheuere Gewinne. Es feierte
+Orgien wie nie zuvor und kaum je nachher. Die gro&szlig;en
+Verm&ouml;gen wuchsen wie Pilze aus dem Boden, der Spekulations- und
+der Handelsgeist griff immer weiter um sich und beherrschte das ganze
+&ouml;ffentliche und private Leben, alle Beziehungen der Menschen. Die
+Lehren eines Adam Smith fanden ganz spontan, aus der Natur der Dinge
+heraus, ihre Anerkennung und ihre Verwirklichung, und es kamen die
+Lobredner der neuen Ordnung, wie sie immer sich finden, sobald eine
+neue Macht im Besitz der Gewalt und dadurch im Recht ist, und streuten
+den Weihrauch und priesen die neue Welt als die beste aller Welten.
+
+</P><P>
+
+Und da man w&auml;hrend der Revolution, wie es die &bdquo;tugendhaften&ldquo;
+Lehren eines Rousseau vorschrieben, &auml;u&szlig;erlich sehr einfach,
+sehr sparsam und sehr &bdquo;tugendhaft&ldquo; gelebt hatte, so brach jetzt die
+lange k&uuml;nstlich zur&uuml;ckgehaltene Genu&szlig;sucht mit aller
+Gewalt hervor und &uuml;berschritt alle Schranken. Man pra&szlig;te
+und schwelgte und fr&ouml;hnte exzentrisch der Liebe, wie es das
+<TT>ancien regime</TT> unter Ludwig XV, dem Vielgeliebten, und der Hof
+von Versailles kaum toller getrieben hatten. Die Masse aber war wieder
+in's alte Joch gespannt, ihre S&ouml;hne schlugen mit Begeisterung in
+aller Herren L&auml;nder die Schlachten und der freie Bauer und
+B&uuml;rger des beginnenden 19. Jahrhunderts sorgten neben der Blut-
+f&uuml;r die Geldsteuer, welche die neue b&uuml;rgerlich-z&auml;sarische
+Herrlichkeit unter dem &bdquo;glorreichen&ldquo; Szepter Napoleon's I. ihnen
+auferlegte.
+
+</P>
+<BR /><HR class="full"><BR />
+<P>
+
+Unsere Vorrede ist etwas lang geworden, aber sie war nicht
+&uuml;berfl&uuml;ssig zum Verst&auml;ndni&szlig; der Ausspr&uuml;che
+und Theorien des Mannes, dessen Leben und Lehren diese Abhandlung
+gewidmet ist. Das Streben und der Ideengang eines Menschen von
+Bedeutung wird ja nur dann verst&auml;ndlich, wenn man die
+Zeitverh&auml;ltnisse kennt, unter denen er geboren, und die auf seine
+Entwicklung, also auch auf seinen Ideengang eingewirkt haben. Wie weit
+ein Mensch auch &uuml;ber seine Zeit hinaus denken mag,
+loszul&ouml;sen von ihr vermag er sich nicht, er wird von ihr
+beeinflu&szlig;t und beherrscht, und so werden seine weitgehendsten
+Gedanken stets den Stempel des Zeitalters tragen, in dem er lebte und
+wirkte. Das ist schon oft gesagt worden, es kann aber nicht oft genug
+wiederholt werden, weil jeden Tag noch in der Beurtheilung des Wirkens
+von Pers&ouml;nlichkeiten gegen diese Auffassung ges&uuml;ndigt wird.
+
+</P><P>
+
+Fran&ccedil;ois Marie Charles <i>Fourier</i> wurde den 7. Februar 1772
+zu Besan&ccedil;on als Sohn eines wohlhabenden Gro&szlig;h&auml;ndlers
+geboren. Der Vater geno&szlig; in seiner Heimath eines ziemlichen
+Ansehens, er wurde 1776 zum Handelsrichter gew&auml;hlt. Charles
+(Karl) war das vierte Kind seiner Eltern, die drei &auml;lteren
+Geschwister waren M&auml;dchen. Der Vater, der 1781 starb,
+hinterlie&szlig; ein Verm&ouml;gen von zweihunderttausend Livres,
+wovon laut Testament der Sohn zwei F&uuml;nftel, also 80.000 Livres,
+erbte.
+
+</P><P>
+
+Fourier liebte es nie, &uuml;ber seine pers&ouml;nlichen
+Verh&auml;ltnisse zu sprechen; geschah es dennoch, so nur, um eine
+seiner Theorien in dieser oder jener Weise damit zu unterst&uuml;tzen.
+Seine Sch&uuml;ler und selbst seine intimsten Freunde erfuhren erst
+nach seinem Tode, da&szlig; er in der Belagerung von Lyon, 1793, durch
+die Konventstruppen das ziemlich betr&auml;chtliche v&auml;terliche
+Verm&ouml;gen vollst&auml;ndig eingeb&uuml;&szlig;t hatte.
+
+</P><P>
+
+Stoiker ohne Ziererei und K&uuml;nstelei, sprach er nie von der ersten
+Ursache, die ihm ein Leben voll Entbehrungen und Einschr&auml;nkungen
+auferlegte.
+
+</P><P>
+
+Fourier zeigte von fr&uuml;hester Jugend einen entschiedenen Willen,
+eine unersch&uuml;tterliche Rechtschaffenheit. Als einziger Sohn vom
+Vater f&uuml;r den Handel bestimmt, erz&auml;hlt er selbst in einem
+seiner Werke, wie er fr&uuml;hzeitig gegen denselben eingenommen
+wurde. Da diese Stelle f&uuml;r den ganzen Mann charakteristisch ist,
+geben wir sie ihrem Hauptinhalt nach wieder. Er sagt: Man mu&szlig;
+den Handel als ein grau gewordener Praktiker, der vom sechsten Jahre
+ab im kommerziellen Schafstall erzogen wurde, kennen. Er habe in
+diesem Alter den Unterschied zwischen dem Handel und der Wahrheit
+kennen gelernt. Im Katechismus und in der Schule habe man ihm gelehrt,
+nie zu l&uuml;gen, dann f&uuml;hrte man ihn in den Laden, um ihn
+fr&uuml;hzeitig in dem edlen Handwerk der L&uuml;ge oder der Kunst,
+wie man verkauft, zu &uuml;ben. Betroffen &uuml;ber die
+Betr&uuml;gereien und Schwindeleien, habe er K&auml;ufer, die betrogen
+werden sollten, bei Seite genommen und ihnen den Betrug entdeckt.
+Einer von diesen sei unanst&auml;ndig genug gewesen, ihn zu verrathen,
+was ihm eine Tracht Pr&uuml;gel einbrachte, und im Tone des Vorwurfs
+h&auml;tten seine Eltern erkl&auml;rt: der Junge wird nie f&uuml;r den
+Handel taugen. In der That, er habe eine tiefe Abneigung gegen ihn
+empfunden, und, sieben Jahre alt, habe er einen Eid gegen den Handel
+geschworen, wie ihn &auml;hnlich Hannibal, neun Jahre alt, gegen Rom
+schwur: &bdquo;Ich schw&ouml;re ewigen Ha&szlig; dem Handel.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier's Ha&szlig; gegen Ungerechtigkeit veranla&szlig;te, da&szlig;
+er schon als Knabe sich stets der schwachen unter seinen Gespielen
+gegen die st&auml;rkeren annahm, und obgleich er mehr schw&auml;chlich
+als robust war, f&uuml;rchteten ihn die st&auml;rkeren und
+&auml;lteren seiner Gespielen. Dabei war er ein harter Kopf, aber ein
+vortrefflicher Kamerad und voll Zuneigung. Auch lernte er mit
+au&szlig;erordentlicher Leichtigkeit und gewann mehrfach die ersten
+Preise, namentlich in lateinischer Poesie. Aelter geworden, wollte er
+nach Paris, um dort namentlich Logik und Physik zu studiren, aber ein
+Freund der Mutter, der um Rath gefragt wurde, rieth ab, ihn den
+Gefahren der Gro&szlig;stadt auszusetzen, auch seien die
+erw&auml;hnten Wissenschaften einem Kaufmann nicht vonn&ouml;then; er
+setzte allerdings hinzu, er glaube, da&szlig; ihr Sohn am Handel
+keinen Geschmack habe und rieth, ihn nicht wider seinen Willen zu
+zwingen. Das Letztere geschah aber dennoch. Fourier sollte
+zun&auml;chst nach Lyon zu einem Bankier kommen, aber an dessen
+Th&uuml;re desertirte er, erkl&auml;rend, da&szlig; er niemals
+Kaufmann werden wolle. Darauf kam er nach Rouen, wo er ein zweites Mal
+auskniff. Schlie&szlig;lich beugte er sich unter das Joch und trat in
+Lyon in die Lehre, und so habe er, wie er selbst sagt, die
+sch&ouml;nsten Jahre seines Lebens in den Werkst&auml;tten der
+L&uuml;ge zugebracht, &uuml;berall und stets die Wahrsagung
+h&ouml;rend: &bdquo;Ein rechtschaffener junger Mann, aber er taugt nicht
+f&uuml;r den Handel.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Besondere Neigung besa&szlig; Fourier f&uuml;r die Geographie, und so
+verwandte er sein Taschengeld haupts&auml;chlich f&uuml;r die
+Anschaffung von Karten und Atlanten; n&auml;chstdem liebte er
+au&szlig;erordentlich die Blumenzucht und kultivirte solche in vielen
+Arten und Abarten; ferner hatte er gro&szlig;en Hang zur Musik und
+lernte mehrere Instrumente, und zwar ohne Lehrer, spielen.
+
+</P><P>
+
+Ein h&uuml;bscher Zug ist aus seinen Schuljahren bekannt geworden.
+Obgleich er kein starker Esser war, nahm er t&auml;glich ein
+t&uuml;chtiges St&uuml;ck Brot mit kaltem Fleisch belegt, zur Schule
+mit. Als er sich eines Tages auf einer kleinen Reise befand, stellt
+sich ein armer Knabe im Laden ein, und frug, ob der kleine Herr krank
+sei. Als man dies verneinte und ihm mittheilte, er sei verreist, brach
+der Kleine in Weinen aus. Nach der Ursache befragt, antwortete er:
+da&szlig; er nunmehr sein Fr&uuml;hst&uuml;ck verloren habe, das ihm
+der junge Herr t&auml;glich gebracht habe. Er wurde getr&ouml;stet und
+wurde ihm f&uuml;r Ersatz gesorgt.
+
+</P><P>
+
+Fourier machte, bevor er sich dem Wunsche seiner Mutter, Kaufmann zu
+werden, f&uuml;gte, noch einen Versuch, in die Militair-Ingenieurschule
+zu M&eacute;zieres aufgenommen zu werden, aber wegen seiner
+b&uuml;rgerlichen Abkunft wurde er zur&uuml;ckgewiesen, wor&uuml;ber
+er sich in sp&auml;teren Jahren selbst begl&uuml;ckw&uuml;nschte, weil
+er sonst von seinen Studien &uuml;ber den sozialen Mechanismus
+w&uuml;rde abgezogen worden sein. So entscheidet das sp&auml;tere
+Schicksal der Menschen meist der Zufall, und da spricht man
+best&auml;ndig von den pers&ouml;nlichen Verdiensten. Wie viel
+bedeutende M&auml;nner hatten, als sie eine gew&uuml;nschte Laufbahn
+verfehlten, eine Ahnung, da&szlig; gerade in diesem <i>Verfehlen</i>
+die erste Ursache zu ihrer k&uuml;nftigen Ber&uuml;hmtheit
+lag?&nbsp;&mdash;
+
+</P><P>
+
+Nachdem Fourier seine Lehrzeit in Lyon absolvirt hatte, kam er, 1790
+auf einer Reise nach Rouen begriffen, um dort eine Stellung als
+Reisender anzunehmen, ein Posten, der zu jener Zeit ein ganz
+besonderes Vertrauen voraussetzte, zum ersten Mal auf einige Zeit nach
+Paris, das ihm sehr gefiel. Mit H&uuml;lfe der Zusch&uuml;sse, die er
+aus seinem Verm&ouml;gen besa&szlig;, besuchte er allm&auml;lig die
+meisten St&auml;dte Frankreichs, bereiste Deutschland, Holland und
+Belgien, &uuml;berall sorgf&auml;ltig beobachtend und studirend. Von
+den Deutschen empfing er eine sehr g&uuml;nstige Meinung, er nannte
+sie das unterrichtetste und vern&uuml;nftigste Volk. Besonders
+imponirten ihm die vielen deutschen St&auml;dte, die Sitze von
+Kunstanstalten, Universit&auml;ten und h&ouml;heren Bildungsanstalten
+waren &mdash; die gute Seite und Wirkung der deutschen Kleinstaaterei.
+Er beklagte sp&auml;ter tief, da&szlig; f&uuml;r Frankreich Alles in
+Paris konzentrirt w&auml;re, und in Folge dessen alle &uuml;brigen
+St&auml;dte Frankreichs langweilige, monotone und versimpelte Orte
+seien, in denen jeder h&ouml;here geistige Flug fehle. Auf allen
+diesen Reisen studirte Fourier das Klima der verschiedenen Gegenden,
+ihre Bodenbeschaffenheit, die Gewerbe, die Bauart der St&auml;dte und
+Stra&szlig;en und nicht zuletzt den Charakter der Bewohner. Es gab in
+keiner gr&ouml;&szlig;eren Stadt, die er besucht hatte, ein
+hervorragendes Geb&auml;ude, dessen Architektur und Dimensionen er
+nicht genau kannte. Nur f&uuml;r die Sprachen hatte er wenig Sinn,
+daher auch sein Verlangen in seinem Hauptwerk, das schon im Titel
+seine Auffassung ausdr&uuml;ckt. &bdquo;Theorie der universellen Einheit&ldquo;,
+da&szlig; die Vielsprachigkeit eine der schlimmsten Fehler des
+Menschengeschlechts sei, und die Schaffung einer Weltsprache,
+wof&uuml;r er die franz&ouml;sische am geeignetsten hielt, eine der
+ersten Aufgaben einer neuen sozialen Ordnung der Dinge sein
+m&uuml;sse. Den Deutschen machte er zum Vorwurf, da&szlig; sie mit
+Hartn&auml;ckigkeit an ihrer besonderen Schriftsprache festhielten,
+die doch andere germanische V&ouml;lker, wie die Engl&auml;nder und
+die Holl&auml;nder, l&auml;ngst aufgegeben h&auml;tten. Bekanntlich
+ist heute, nach mehr als siebenzig Jahren, diese Frage in Deutschland
+noch kontrovers, wenn auch f&uuml;r wissenschaftliche Werke im Sinne
+Fourier's entschieden.
+
+</P><P>
+
+Da Fourier durch sein Gesch&auml;ft &uuml;ber Tag stets
+vollst&auml;ndig in Anspruch genommen war, ben&uuml;tzte er, und
+namentlich dann, nachdem er sein Verm&ouml;gen verloren und auf das
+Einkommen aus seiner kaufm&auml;nnischen Stellung allein angewiesen
+war, die N&auml;chte, um sich weiter zu bilden. Er befa&szlig;te sich
+haupts&auml;chlich mit Anatomie, Physik, Chemie, Astronomie und
+Naturgeschichte. Sein Ha&szlig; gegen den Handel steigerte sich mit
+den Jahren, je genauer er das Treiben in demselben kennen lernte,
+immer mehr und spornte ihn zu seinen sozialen Studien an. Namentlich
+machte es einen tiefen Eindruck auf ihn, als er 1799 in einer Stellung
+in Marseille seitens seines Chefs den Befehl erhielt, eine
+Schiffsladung Reis in's Meer zu versenken, damit die Waare im Preise
+steige.
+
+</P><P>
+
+Mit dem Gang der Revolution konnte er sich nicht befreunden.
+
+</P><P>
+
+Nach seiner Meinung hatte die Masse des Volks sehr wenig dadurch
+gewonnen, dahingegen hatte die Klasse, die er auf's Tiefste
+ha&szlig;te. die handeltreibende Klasse, am meisten profitirt. Und
+da&szlig; die Schriftsteller und Verherrlicher der neuen Ordnung der
+Dinge das Lob des Handels in allen Tonarten priesen, die
+Handelsfreiheit als das Ei des Columbus r&uuml;hmten, als die
+Einrichtung, aus welcher die allgemeine Wohlfahrt und das allgemeine
+Gl&uuml;ck ersprie&szlig;en werde, erbitterte ihn noch mehr. Auch war
+seine Abneigung gegen jede Gewaltth&auml;tigkeit, mochte sie von
+welcher Seite immer kommen, so ausgepr&auml;gt, da&szlig; er sich nie
+mit den Gewaltakten der Revolution, deren Nothwendigkeit er nicht
+einsehen konnte, zu befreunden vermochte, und namentlich ha&szlig;te
+er die Jakobiner, als die Vertreter des Schreckensregiments und der
+Rousseau'schen Philosophie. Nichts konnte ihn sp&auml;ter mehr in
+Aufregung und Zorn bringen, als wenn die Gegner ihm vorwarfen,
+da&szlig; seine sozialen Theorien nur auf dem von den Jakobinern
+eingeschlagenen Wege verwirklicht werden k&ouml;nnten; dann brach er
+heftig los. &bdquo;Nein und tausendmal nein, meine Theorie hat nichts zu
+thun mit der jener Leute, noch mit ihren Umsturzprojekten.&ldquo; Er hatte
+mit seinem kritischen Blick erkannt, da&szlig; in der Revolution trotz
+allem Heroismus und aller Aufopferung des Volkes, trotz einer idealen
+Verfassung, trotzdem Alles die Freiheit, die Gleichheit und die
+Br&uuml;derlichkeit im Munde f&uuml;hrte, die Ausbeutung, die
+Unterdr&uuml;ckung, die Dem&uuml;thigung der Masse, Lug, Trug und
+Heuchelei nicht nur geblieben waren, sondern sich wo m&ouml;glich noch
+gesteigert hatten. Er hatte gesehen, da&szlig;, w&auml;hrend die
+Revolution&auml;re sich bem&uuml;hten, mit gr&ouml;&szlig;ter
+R&uuml;cksichtslosigkeit Alles mit blutiger Gewalt niederzuschlagen,
+was ihren Begriffen von gesellschaftlichem Gl&uuml;ck entgegenstand,
+das Kapital im schreiendsten Widerspruch mit den gepredigten
+Grunds&auml;tzen agirte. Er sah, wie der G&uuml;terschacher, der
+Lebensmittelwucher, die Lieferungsschwindeleien bl&uuml;hten und die
+neu emporgekommenen und pl&ouml;tzlich reich gewordenen Besitzer ihre
+Orgien feierten. Ihm war auch der Hunger und das Elend der Massen,
+ihre Begeisterung und ihre Opferwilligkeit bei der Verteidigung des
+Vaterlandes nicht entgangen, und alle diese Wahrnehmungen, verbunden
+mit denen, die er tagt&auml;glich im kleineren Kreise um sich und im
+Gesch&auml;ftsleben machte, waren es, die ihn auf den Gedanken
+brachten, da&szlig; die Gesellschaft unm&ouml;glich richtig organisirt
+sein k&ouml;nne, und es eine Ordnung der Dinge geben m&uuml;sse, die
+alle diese Ausw&uuml;chse und Uebel unm&ouml;glich mache. Ihm erschien
+es eine Ungeheuerlichkeit, da&szlig; die Revolution&auml;re und nach
+ihnen die Ordnungsm&auml;nner mit Menschenk&ouml;pfen wie mit
+Kegelkugeln spielten; da&szlig; man in der gewaltsamen Vernichtung der
+Parteien das menschliche Gl&uuml;ck zu begr&uuml;nden glauben
+k&ouml;nne. Er begriff nicht, da&szlig; alle diese K&auml;mpfe nur
+stattfanden, weil man der wahren treibenden Kraft, jener
+geheimni&szlig;vollen unfa&szlig;baren Macht, dem unpers&ouml;nlichen
+Kapital, nicht auf die Spur kommen und seinen Einflu&szlig; nicht
+beseitigen konnte, noch viel weniger wollte, jenes Dinges, &uuml;ber
+dessen Definirung die b&uuml;rgerlichen Ideologen sich bis heute die
+K&ouml;pfe zerbrachen, dessen R&auml;thsel erst der moderne
+wissenschaftliche Sozialismus l&ouml;ste, der endlich auch diese
+moderne Sphinx in den Abgrund st&uuml;rzen wird.
+
+</P><P>
+
+Fourier, der von Natur f&uuml;r die politischen K&auml;mpfe nicht
+inklinirte, der durch die vor seinen Augen sich abspielenden
+Ereignisse in dieser Abneigung noch best&auml;rkt wurde, kam in Folge
+davon zu der vorgefa&szlig;ten Meinung, da&szlig; die politische
+Verfassung der Gesellschaft &uuml;berhaupt eine gleichg&uuml;ltige
+Sache sei, da&szlig; diese mit dem sozialen Zustand nichts zu schaffen
+habe, und da&szlig; es sich darum handele, den letzteren zu verbessern
+und die politischen Fragen ganz bei Seite zu lassen. Er verfiel also
+in den entgegengesetzten Fehler der b&uuml;rgerlichen Ideologen. Diese
+glaubten durch die Beseitigung des Adels, der Priesterschaft und des
+K&ouml;nigthums, durch die Begr&uuml;ndung der Republik, die
+Verk&uuml;ndigung der Menschenrechte, die Anstellung idealer
+Grunds&auml;tze Alles geleistet zu haben, was zu leisten m&ouml;glich
+sei. Blieben dennoch die Zust&auml;nde mangelhaft, so lag das nur an
+der Niedertr&auml;chtigkeit der sogenannten Volksfeinde, der
+Aristokraten, der Pfaffen, der heimlichen Anh&auml;nger des
+K&ouml;nigthums, deren man trotz aller Gewaltma&szlig;regeln nicht
+Herr werden konnte. Man mu&szlig;te das Volk zur &bdquo;Tugend&ldquo; erziehen,
+zur Vaterlandsliebe, zur Opferwilligkeit, zur Arbeitsamkeit, zur
+Enthaltsamkeit. Wenn das geschah und Alle &bdquo;tugendhaft&ldquo; waren, so
+konnte der gl&uuml;ckliche Zustand nicht fehlen. Die b&uuml;rgerliche
+Welt ist am Ende des 19. Jahrhunderts den gro&szlig;en Begr&uuml;ndern
+ihrer Herrlichkeit am Ende des 18. Jahrhunderts noch nicht um Vieles
+in der Erkenntni&szlig; der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze
+voraus gekommen, sie dreht sich noch immer in demselben Ideengang und
+sie wird darin stecken bleiben. Dar&uuml;ber hinauszugehen w&auml;re
+ihr Tod.
+
+</P><P>
+
+Nach Fourier besteht also kein wesentlicher Zusammenhang zwischen dem
+politischen und sozialen Zustand der Gesellschaft, der erstere ist
+willk&uuml;rlich, wie auch der letztere mehr oder weniger
+willk&uuml;rlich ist. Er hat zwar mit gro&szlig;em Scharfsinn
+verschiedene Stufen der menschlichen Entwicklung gekennzeichnet, die
+er als Edenismus, oder Zustand des primitiven Gl&uuml;cks, als Zustand
+der Wildheit, des Patriarchats oder der Halbbarbarei, der Barbarei und
+der Zivilisation charakterisirt; aber es unterliegt nach ihm keinem
+Zweifel, da&szlig; die Zivilisation, die er mit den Griechen beginnen
+l&auml;&szlig;t, schon l&auml;ngst in den n&auml;chst h&ouml;heren
+Zustand der Entwicklung, den des Garantismus &uuml;bergegangen
+w&auml;re, wenn der richtige Mann sich fand, der den Ausgang aus der
+Zivilisation entdeckte. Dieser Mann fehlte bisher. Newton war durch
+die Entdeckung der Gesetze der Attraktion der Weltk&ouml;rper hart an
+dem rechten Weg vorbeigestreift, aber er hatte das Bewegungsgesetz nur
+f&uuml;r die materielle Welt gefunden. Diese Entdeckung war also, so
+wichtig sie auch sein mochte, f&uuml;r das Gl&uuml;ck der Menschheit
+die minder werthvolle. Die Gesetze der sozialen Attraktion zu
+entdecken und darauf die universelle Einheit des gesammten Weltalls,
+die Beziehungen zwischen den verschiedenen Naturreichen und dem
+Menschen, zwischen dem Menschen, der Entwicklung des Erdballs und des
+ganzen Planeten- und Weltsystems, und namentlich auch seine wahren
+Beziehungen zu dem Weltensch&ouml;pfer zu entdecken, dessen ermangelte
+Newton. Diese Gesetze zu entdecken und damit die wahre Bestimmung des
+Menschen, die Wege zu seinem Gl&uuml;ck, das blieb ihm, Fourier,
+vorbehalten. Er hat das Mittel entdeckt, das die Menschheit aus Noth,
+Elend, Unterdr&uuml;ckung, Verk&uuml;mmerung, Langeweile erl&ouml;st,
+den Menschen mit Gott und dem All in Harmonie setzt. Dieses Mittel ist
+die Entdeckung der Gesetze der Attraktion der menschlichen Triebe,
+angewandt auf alle menschlichen Arbeiten und Besch&auml;ftigungen, und
+ihre Beth&auml;tigung in der Assoziation durch die Bildung der Serien
+(Reihen) und Gruppen von Harmonisirenden.
+
+</P><P>
+
+Da&szlig; er, Fourier, dieses Mittel f&uuml;r das Gl&uuml;ck der
+Menschheit entdeckte, ist nach ihm reiner Zufall. Es h&auml;tte jeder
+Andere vor ihm und namentlich die Philosophen, die sich seit mehr als
+2500 Jahren bem&uuml;hten, das Weltr&auml;thsel zu l&ouml;sen und das
+menschliche Gl&uuml;ck zu suchen, es auch entdecken k&ouml;nnen. Sie
+haben aber immer nur damit sich begn&uuml;gt, das Bestehende zu loben
+und haben jede Neuerung, wenn sie ihren Lehren gef&auml;hrlich oder
+bedenklich schien, bek&auml;mpft und verfolgt. Darum sind auch die
+400.000 B&auml;nde, die sie ihm zufolge im Laufe der Zeiten in den
+Bibliotheken, vollgepfropft mit ihren Theorien, aufgestapelt haben,
+von sehr zweifelhaftem Werth. Um so heftiger bek&auml;mpfen sie aber
+jede Neuerung, die, wie die seine, alle diese Werke &uuml;ber den
+Haufen wirft und sie nahezu werthlos macht. Diese Philosophen, unter
+welchen er, wie er wiederholt hervorhebt, die Moralisten, die
+Metaphysiker, die Politiker und die Oekonomisten
+<i>ausschlie&szlig;lich</i> verstanden wissen will, weil sie ihm als
+Vertreter der unsicheren Wissenschaften <TT>(sciences
+incertaines)</TT> gelten, haben sich deshalb auch gegen ihn
+verschworen, seine Lehren nicht zur Geltung kommen zu lassen; sie
+treten ihm &uuml;berall in den Weg und suchen die Besprechung, selbst
+die blo&szlig;e Erw&auml;hnung seiner Schriften zu hintertreiben.
+Gegen sie richtet sich daher sein ganz besonderer Zorn, und er
+&uuml;bersch&uuml;ttet sie mit seinem Witz, seiner Satyre und seinem
+Ha&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Da&szlig;, einmal ganz abgesehen von der Frage der Ausf&uuml;hrbarkeit
+seines Systems, seine Theorien, wie sich zeigen wird, im letzten
+Grunde darauf hinaus laufen, die bestehende Gesellschaft aufzuheben,
+und da&szlig; also das Klasseninteresse der Besitzenden und
+Herrschenden diese zwingt, seinen Ideen naturgem&auml;&szlig;
+feindlich zu sein, sieht er trotz des au&szlig;erordentlichen
+Scharfsinns, der ihm bei der Entwicklung seiner Ideen eigen ist, nicht
+ein. Er giebt sich allerdings die gr&ouml;&szlig;te M&uuml;he, die
+verschiedenen Klassen und Interessen auszus&ouml;hnen. Nicht nur
+sollen alle Regierungen, ohne R&uuml;cksicht auf das ihnen zu Grunde
+liegende politische System, bestehen bleiben, er l&auml;&szlig;t sogar
+noch eine gro&szlig;e Zahl neuer Staaten und Reiche in den bis jetzt
+von den Wilden und Barbaren bewohnten L&auml;ndern und Erdtheilen sich
+bilden, wenn erst der ganze Erdball sein System angenommen haben wird,
+was nach Gr&uuml;ndung der ersten Versuchsphalanx &mdash; die Phalanx
+ist die Genossenschaft, in der sich sein System vollzieht<a href="#Footnote_1"
+name="FNanchor_1" id="FNanchor_1"><sup>1</sup></a> &mdash;
+nur wenige Jahre dauern wird. Denn die Vortheile, die sein
+phalansteres System der Menschheit bietet, sind so in die Augen
+springende, so zur Nachahmung hinrei&szlig;ende, da&szlig;, nachdem
+die Neugierigen von allen Enden des Erdballs sich von den
+gro&szlig;artigen Vortheilen und Annehmlichkeiten dieses Systems durch
+den Besuch der Versuchsphalanx &uuml;berzeugten, sie die
+gr&ouml;&szlig;te Eile haben werden, desselben Gl&uuml;ckes
+theilhaftig zu werden.
+
+</P><P>
+
+Inde&szlig; waren um das Jahr 1793, wo Fourier in Lyon lebte, diese
+Ideen bei ihm noch nicht zur Reife gekommen, obgleich die Keime dazu
+bereits bei ihm vorhanden waren und seine Denk- und Handlungsweise
+bestimmten. Es war in diesem Jahr, da&szlig; der Konvent das ihm
+oppositionell gesinnte Lyon belagern und nach der Eroberung in einem
+erheblichen Theil zerst&ouml;ren lie&szlig;, wobei auch Fourier sein
+Verm&ouml;gen einb&uuml;&szlig;te. Fourier mu&szlig;te zur
+Verteidigung der Stadt die Waffen ergreifen und entging bei einem
+Ausfall nur mit genauer Noth dem Tode. Nach Eroberung der Stadt wurde
+er gefangen genommen und sollte f&uuml;silirt werden; er wu&szlig;te
+sich durch die Flucht zu retten. Man kann sich vorstellen, da&szlig;
+diese Vorg&auml;nge auf ihn einen tiefen Eindruck machten und sein
+sp&auml;teres Denken und Urtheilen wesentlich beeinflu&szlig;ten.
+Kurze Zeit darnach mu&szlig;te er sich in Folge der vom Konvent
+beorderten <TT>lev&eacute;e en masse</TT> (des Massenaufgebots) zur
+Vertheidigung der Grenzen stellen, und zwar war er als
+Unverheiratheter unter der ersten Portion der Ausgehobenen, die nach
+der nothd&uuml;rftigsten Ein&uuml;bung zur Armee abgehen sollten. Er
+wurde unter die J&auml;ger zu Pferde der Rhein- und Moselarmee
+rangirt, doch wurde er nach einigen Monaten auf ein
+Untauglichkeitszeugni&szlig; hin &mdash; F. war klein und
+schw&auml;chlich von K&ouml;rper &mdash; vom Dienst befreit. Ein
+w&auml;hrend seiner Dienstzeit an das Kriegsdepartement gerichteter
+Brief, in dem er der obersten milit&auml;rischen Leitung
+Vorschl&auml;ge bez&uuml;glich der Ueberschreitung des Rheins und der
+Alpen machte, verschaffte ihm seitens der genannten Beh&ouml;rde ein
+Dankschreiben, unterzeichnet von Carnot.
+
+</P><P>
+
+In den n&auml;chsten Jahren besch&auml;ftigte sich Fourier &mdash;
+neben seinem Beruf &mdash; mit allerlei sozial-reformatorischen
+Vorschl&auml;gen, die er bald der Regierungsgewalt, bald einzelnen
+Deputaten unterbreitete, aber ohne Anklang damit zu finden. Zu Anfang
+dieses Jahrhunderts hatte er sich, um eine gr&ouml;&szlig;ere Freiheit
+und Selbst&auml;ndigkeit zu genie&szlig;en, als Winkelmakler, wie er
+sich selbst nannte, etablirt, ein Beruf, den er mit seiner gewohnten
+Offenheit also charakterisirt. &bdquo;Ein Makler ist ein Mensch, der mit den
+L&uuml;gen Anderer hausirt und diesen L&uuml;gen seine eignen
+hinzuf&uuml;gt.&ldquo; Nebenbei ver&ouml;ffentlichte er ab und zu politische
+Artikel im &bdquo;Bulletin de Lyon&ldquo;. In einem solchen Artikel vom 25.
+Frimaire des Jahres XII. (17. Dezember 1803), betitelt. &bdquo;Das
+kontinentale Triumvirat und ein drei&szlig;ig Jahre dauernder Friede&ldquo;,
+behandelte er die Frage der Theilung Europas. Bekanntlich hatte damals
+bereits der Ruhm Napoleon's eine au&szlig;erordentliche H&ouml;he
+erlangt, man stand kurz vor seiner Kr&ouml;nung zum Kaiser und alle
+Welt besch&auml;ftigte sich mit der Frage, ob endlich dauernd Frieden
+einkehren, oder welcher Staat das n&auml;chste Angriffsobjekt bilden
+werde. Fourier setzte auseinander, da&szlig; zun&auml;chst noch kein
+Friede kommen d&uuml;rfe, da&szlig; unter den vier Staaten, die als
+selbstst&auml;ndige Reiche in Frage k&auml;men. Frankreich,
+Ru&szlig;land, Oesterreich, Preu&szlig;en, letzteres, als das
+schw&auml;chste, zuerst an die Reihe kommen und verschwinden werde.
+Mit einer einzigen Schlacht sei es niedergeworfen &mdash; was
+bekanntlich thats&auml;chlich geschah &mdash; und dann werde es das
+Schicksal Polens finden und unter die anderen drei getheilt werden.
+Jetzt sei das Triumvirat und ein l&auml;ngerer Friede m&ouml;glich;
+einige man sich nicht, so komme Oesterreich an die Reihe, zuletzt
+entbrenne der Kampf zwischen Ru&szlig;land und Frankreich um die
+Herrschaft der Welt. England lie&szlig; er au&szlig;er Betracht, weil
+es als insularer Staat und einzige Alles beherrschende Seemacht
+zun&auml;chst unangreifbar war. Aber wer in Europa Sieger bleibe,
+werde Indien nehmen, die H&auml;fen Asiens und Europas schlie&szlig;en
+und so England zu Grunde richten. Gegen England, in dem er die
+St&uuml;tze des Handelssystems und den Repr&auml;sentanten aller
+Niedertr&auml;chtigkeiten des Handelsgutes sah, empfand er einen
+besonderen Ha&szlig;, der h&auml;ufig aus seinen Schriften
+hervorbricht. Der erw&auml;hnte Artikel erregte die Aufmerksamkeit
+Napoleon's und f&uuml;hrte zu Untersuchungen &uuml;ber den Verfasser;
+dem Verleger wurde bedeutet, k&uuml;nftig &auml;hnliche Artikel nicht
+wieder aufzunehmen.
+
+</P><P>
+
+Im Jahre 1808 ver&ouml;ffentlichte Fourier sein erstes und
+grundlegendes Werk unter dem Titel: <TT>&bdquo;La Theorie des quatre
+Mouvements et des destin&eacute;es generales&ldquo;</TT> (&bdquo;Die Lehre von den
+vier Bewegungen und den allgemeinen Bestimmungen&ldquo;). In diesem Werke
+sind seine Ideen bereits vollkommen enthalten, obgleich es noch
+vielfach der Klarheit und namentlich der logischen Entwicklung
+entbehrt; daf&uuml;r ist es aber mit dem ganzen Feuer der ersten
+Begeisterung eines Mannes geschrieben, der an seine Mission und die
+Unfehlbarkeit seiner Theorien glaubt. Fourier lie&szlig; das genannte
+Werk allerdings zun&auml;chst nur als Prospekt seiner Entdeckung
+erscheinen, dem sp&auml;ter noch acht lange Abhandlungen &uuml;ber die
+Gesammtheit seiner Theorien folgen sollten. Diese erschienen nun zwar
+nicht, aber was erschien, enthielt im Grunde doch nur
+umf&auml;nglichere Erl&auml;uterungen und gr&ouml;&szlig;ere
+Detailschilderungen seines Systems, untermischt mit
+philosophisch-polemischen Abhandlungen gegen seine Gegner, worin er
+sich gegen die auf ihn und gegen seine Theorien gerichteten Angriffe
+wandte, dabei immer dem Grundsatze folgend: die beste Taktik zur
+Abwehr ist der Angriff. Auch liebte er es, in seinen Werken immer
+wieder seine positiven Hauptgedanken, wie seine Hauptanklagen gegen
+die bestehenden Zust&auml;nde zu wiederholen, nachdr&uuml;cklich
+hervorhebend, da&szlig; dies n&ouml;thig sei, einestheils, um seine
+Ideen, die dem Leser neu und fremd seien, besser und sicherer in
+dessen K&ouml;pfe haften zu lassen, anderntheils, um die in den
+K&ouml;pfen tief eingewurzelten Vorurtheile um so gr&uuml;ndlicher zu
+beseitigen. Eine unzweifelhaft sehr richtige Taktik, die auch die
+Gegner alles Neuen bisher stets angewandt haben, wodurch sie es fertig
+brachten, selbst die absurdesten Vorurtheile lange Zeit aufrecht zu
+erhalten.
+
+</P><P>
+
+Die gro&szlig;e Masse in allen Kreisen denkt nur
+gewohnheitsm&auml;&szlig;ig, die einmal &uuml;bernommenen Ideen
+bewegen sich in gewisserma&szlig;en ausgefahrenen Hirngeleisen, und es
+bedarf erst starker und wiederholter, durch greifbare Thatsachen und
+f&uuml;hlbare Uebel unterst&uuml;tzter Argumente, um sie aus der
+gewohnten Denkbahn zu rei&szlig;en. Und ist das Interesse nicht mit
+den neuen Ideen verkn&uuml;pft, so ist alle Arbeit vergebens,
+vereinzelte Idealisten ausgenommen, die schlie&szlig;lich doch auch
+nur aus Interesse geleitet werden, weil sie weiter blicken und das
+Neue als das Zuk&uuml;nftige, als unab&auml;nderliche Nothwendigkeit
+und Verbesserung f&uuml;r Alle ansehen und darum f&uuml;r
+erstrebenswerth halten.
+
+</P><P>
+
+Der Gedankengang, den Fourier in seinem ersten Werk entwickelt, ist
+kurz folgender: die Welt besteht aus drei ewigen, unerschaffenen und
+unzerst&ouml;rbaren Prinzipien:
+
+</P>
+
+<UL>
+<LI>Gott, oder dem Geist, aktives und bewegendes Prinzip;</LI>
+<LI>der Materie, passives und bewegtes Prinzip;</LI>
+<LI>der Gerechtigkeit oder den mathematischen Gesetzen, regulirendes Prinzip.</LI>
+</UL>
+
+<P>
+
+Analog dem Weltall besteht auch der Mensch aus drei Prinzipien:
+
+</P>
+
+<UL>
+<LI>den Trieben, <TT>passions</TT>, aktives und bewegendes Prinzip;</LI>
+<LI>dem K&ouml;rper, passives und bewegtes Prinzip;</LI>
+<LI>der Intelligenz, neutrales und regulirendes Prinizp.</LI>
+</UL>
+
+<P>
+
+Gott, welcher der Leiter und Lenker des Weltalls ist, kann nur die
+Einheit und Harmonie desselben wollen, weil sonst er mit sich selbst
+in Widerspruch st&uuml;nde. Daher existirt eine ununterbrochene Kette
+von Beziehungen zwischen Allem, was vorhanden ist. Zwischen den drei
+Reichen der Natur &mdash; Thieren, Pflanzen, Mineralien &mdash; und
+dem Menschen, zwischen dem Menschen und Gott, wie zwischen dem
+Menschen und dem Erdball, und dem ganzen Planeten- und Weltsystem.<a href="#Footnote_2"
+name="FNanchor_2" id="FNanchor_2"><sup>2</sup></a> Indem
+Gott den Menschen schuf, ihn mit Trieben und Leidenschaften
+ausstattete, wollte er, da&szlig; der Mensch damit gl&uuml;cklich sei.
+Es ist also nicht anzunehmen, da&szlig; diese Triebe sch&auml;dliche
+sind, da&szlig; der eine oder der andere unterdr&uuml;ckt werde oder
+unbefriedigt bleibe. Die Befriedigung seiner Triebe schafft vielmehr
+die Harmonie des Menschen mit sich selbst und mit Gott. Wenn wir
+trotzdem h&auml;ufig sehen, da&szlig; diese Triebe des Menschen sich
+oft nur in sch&auml;dlicher Richtung oder gar nicht &auml;u&szlig;ern
+und nicht befriedigt werden k&ouml;nnen, so beweist dies nichts gegen
+<i>die Triebe und die Ordnung Gottes, sondern spricht gegen die
+soziale Organisation der Gesellschaft</i>, welche diese Triebe sich
+falsch zu beth&auml;tigen zwingt oder sie gar unterdr&uuml;ckt.
+
+</P><P>
+
+Es sind nun vier Bewegungen, oder wie er sp&auml;ter aufstellte,
+f&uuml;nf, welche die ganze Welt in Th&auml;tigkeit setzen und sie den
+Bestimmungen entgegenf&uuml;hren.
+
+</P>
+<OL>
+
+<LI> Die normale Bewegung; Gesetze der Anziehung f&uuml;r die
+imponderablen (unw&auml;gbaren) Elemente, Elektrizit&auml;t,
+Magnetismus, Ger&uuml;che.</LI>
+
+<LI> Die thierische oder instinktuelle Bewegung; Gesetze der Anziehung
+f&uuml;r die Triebe und Instinkte aller erschaffenen Wesen, wann und
+wo immer sie waren, sind und sein werden. </LI>
+
+<LI> Die organische Bewegung. Gesetze der Anziehung f&uuml;r die
+Eigenschaften der K&ouml;rper: Form, Farbe, Geschmack, Geruch etc.
+</LI>
+
+<LI> Die materielle Bewegung &mdash; bereits durch die Mathematiker
+(Newton) entdeckt &mdash; Gesetze der Anziehung und Gravitation der
+Weltk&ouml;rper (Planeten Fixsterne). Die Kometen sind nach Fourier
+irregul&auml;re Weltraumbummler. </LI>
+
+<LI> Die soziale Bewegung &mdash; der eigentliche Angelpunkt (Pivot)
+des Ganzen &mdash; die Gesetze, welche die Ordnung und
+Aufeinanderfolge der verschiedenen sozialen Gestaltungen auf allen
+Weltk&ouml;rpern regeln. </LI>
+
+</OL><P>
+
+Der Mittelpunkt dieser sozialen Gesetze ist der Mensch, der im Grunde
+damit zum Mittelpunkt des Ganzen wird um den sich Alles dreht.
+
+</P><P>
+
+Was hat die Welt &uuml;berhaupt f&uuml;r einen Zweck, wenn sie nicht
+f&uuml;r den Menschen geschaffen ist? Das ist der Hauptgedanke, der
+seiner Weltauffassung zu Grunde liegt.
+
+</P><P>
+
+Die Bestimmung des Menschen ist das Gl&uuml;ck, das in der Entwicklung
+aller seiner Anlagen, der Befriedigung aller seiner Triebe liegt. Der
+Mensch soll genie&szlig;en und abermals genie&szlig;en Alles, wonach
+sein Herz ihn dr&auml;ngt, das ist das Fourier'sche Evangelium und
+nach ihm die Bestimmung des Menschen durch Gott. Man sieht, dieser
+Fourier'sche Gott ist ein sehr materialistischer Gott, der sich in
+starkem Gegensatz zu dem Gott des Christenthums befindet, der die
+Enthaltsamkeit, die Demuth, die Kreuzigung des Fleisches predigt.
+
+</P><P>
+
+Seiner Bestimmung gem&auml;&szlig; strebt also der Mensch nach dem
+Gl&uuml;ck, und Reichthum und Gesundheit bilden sein Gl&uuml;ck. Er
+will Reichthum, um sich Genu&szlig; verschaffen zu k&ouml;nnen, und er
+will Gesundheit, um sie genie&szlig;en zu k&ouml;nnen. Den Reichthum
+genie&szlig;en nur Wenige, und meist Jene, die ihn am wenigsten
+verdienen; die Gesundheit mangelt fast Allen. Den Einen in Folge von
+Noth, Elend, Tr&uuml;bsal, Entbehrungen, den Anderen in Folge von
+Ueber&uuml;ppigkeit, Schwelgerei, Ueberma&szlig; der Gen&uuml;sse. Das
+Eine wie das Andere ist Folge unserer sozialen Einrichtungen, die
+keinem Theil der Gesellschaft, weder dem Reichen noch dem Armen, die
+vern&uuml;nftige und gesunde Entwicklung aller seiner Kr&auml;fte und
+F&auml;higkeiten, die Abwechslung und befriedigende Anwendung seiner
+Triebe gestatten. Zwar will die Gesellschaft, und namentlich die
+Zivilisation, das allgemeine Gl&uuml;ck, aber was sie erstrebt,
+schl&auml;gt stets in das Gegentheil um. Wir behaupten, die Wahrheit
+zu wollen, und &uuml;berall herrscht L&uuml;ge, Heuchelei,
+Unterdr&uuml;ckung; wir wollen die Moral und es herrscht Diebstahl,
+Betrug, Verf&uuml;hrung, Ehebruch, Prostitution, kurz allgemeine
+Sittenlosigkeit; wir erstreben das allgemeine Gl&uuml;ck und sieben
+Achtel bis acht Neuntel der Menschen sind ungl&uuml;cklich, weil sie
+von Uebeln umgeben sind, die zu beseitigen nicht in ihrer Macht liegt.
+So herrscht statt der Einheitlichkeit die Zweideutigkeit in allen
+Beziehungen. Jede gute Seite hat ihre schlimme, und zwar ist die
+schlimme die &uuml;berwiegende.
+
+</P><P>
+
+Fourier nennt das Streben nach Gl&uuml;ck streben nach innerem und
+&auml;u&szlig;erem Luxus. Der innere Luxus ist die Gesundheit, der
+&auml;u&szlig;ere der Reichthum. Den inneren Luxus bilden die Triebe,
+<i>die um so ges&uuml;nder sind, je lebhafter sie sind,</i> und deren
+es f&uuml;nf sensuelle oder Sinne des K&ouml;rpers giebt: Geruch,
+Gesicht, Geh&ouml;r, Geschmack und Gef&uuml;hl, und vier Triebe der
+Seele: Liebe, Freundschaft, Ehrgeiz<a href="#Footnote_3"
+name="FNanchor_3" id="FNanchor_3"><sup>3</sup></a>, Familiensinn, die s&auml;mmtlich
+alle neun von drei sie steuernden Trieben beherrscht werden. Diese
+drei sind: Die Kabalist, Trieb der Intrigue, d.&nbsp;h. der Trieb, der
+th&auml;tig ist, um die Neigungen zu theilen, die Willen zu bestimmen,
+sich zu gemeinsamen Handlungen zu vereinigen; die Alternant oder
+Papillone, Trieb, der nach best&auml;ndiger Abwechslung, nach
+Kontrasten, nach Ver&auml;nderungen in der Handlung strebt; die
+Komposit, Trieb, der die Begeisterung, den Enthusiasmus erregt, nach
+dem Guten und Sch&ouml;nen strebt, alle Hindernisse &uuml;berwindet.
+Diese letzten drei Triebe wirken ihm zufolge auf die vier affektiven
+und diese auf die f&uuml;nf sensitiven.
+
+</P><P>
+
+Will aber der Mensch alle seine Triebe beth&auml;tigen und befriedigen
+und den dazu n&ouml;thigen Reichthum erlangen, ein Streben, das seiner
+Natur inh&auml;rent ist, so kann er dies nicht als isolirtes
+Einzelwesen, er bedarf hierzu einer Organisation mit Seinesgleichen.
+Diese Organisation, die Fourier entdeckte und als Heilmittel bietet,
+ist &mdash; die l&auml;ndliche und hauswirthschaftliche Assoziation,
+die mit der industriellen zu verbinden und auf die Anwendung der
+Serien (Reihen) und Gruppen der Triebe organisirt sein soll.
+
+</P><P>
+
+Fourier legt auf die Ackerbaugenossenschaft oder die agrikole
+Assoziation das Hauptgewicht, er sieht sie als die eigentliche
+Grundlage f&uuml;r die menschliche Existenz, als diejenige
+Th&auml;tigkeit an, welche die meiste und angenehmste Abwechslung der
+Verrichtungen bietet. Aber auch die ganze h&auml;usliche
+Th&auml;tigkeit, die Hauswirthschaft im weitesten Umfang, Handel und
+Gewerbe, die Erziehung, die K&uuml;nste, die Wissenschaften sollen
+soziet&auml;r betrieben werden. Die eigentliche Gro&szlig;industrie
+hatte im Zeitalter Fourier's noch wenig Bedeutung in Frankreich, sie
+war haupts&auml;chlich in der sog. Manufaktur organisirt, jener
+h&ouml;her entwickelten Theilung der Handarbeit, vereinigt in
+gro&szlig;en Werkst&auml;tten, oder vertheilt in Hausbetrieben, die
+f&uuml;r einen gemeinsamen Unternehmer arbeiten. Der gro&szlig;e
+Fabrikbetrieb entstand erst in einiger Bedeutung gegen das Lebensende
+Fourier's. Der manufakturm&auml;&szlig;ige Gro&szlig;betrieb wurde zu
+Anfang dieses Jahrhunderts in Frankreich treibhausm&auml;&szlig;ig
+durch die Zoll- und Gewerbepolitik Napoleon's beg&uuml;nstigt, dessen
+Ha&szlig; und Eifersucht, sowie Rachsucht gegen England ihn zur
+Kontinentalsperre trieben und ihn die gr&ouml;&szlig;ten Anstrengungen
+machen lie&szlig;en, neben der Sperrung der seiner Machtsph&auml;re
+unterworfenen H&auml;fen f&uuml;r englische Waaren, die
+inl&auml;ndische Industrie vermittelst enormer Schutzz&ouml;lle,
+Staatsunterst&uuml;tzungen und Pr&auml;mien k&uuml;nstlich
+gro&szlig;zuziehen und dadurch England zu st&uuml;rzen. Immerhin
+w&uuml;rde sich auch unsere heutige Gro&szlig;industrie in die
+Fourier'sche phalanstere Organisation einreihen lassen.
+
+</P><P>
+
+Die Arbeit ist nach Fourier eine Nothwendigkeit f&uuml;r <i>Alle</i>
+ohne Unterschied des Lebensalters und des Geschlechts, aber sie darf
+keine Last, sondern sie mu&szlig; eine Lust sein, mit anderen Worten:
+sie mu&szlig; anziehend sein. Das kann sie nur sein, wenn Jeder das
+treibt, wozu seine Triebe ihn dr&auml;ngen, was ihm also
+Vergn&uuml;gen macht; dabei mu&szlig; die Besch&auml;ftigung
+h&auml;ufig abwechseln und d&uuml;rfen zu diesem Zwecke die einzelnen
+Arbeitssitzungen nur kurze sein. Jede Besch&auml;ftigung wie jedes
+Vergn&uuml;gen darf nicht &uuml;ber ein und eine halbe bis zwei
+Stunden w&auml;hren, weil man sonst erm&uuml;det. Um aber das
+rivalisirende Element in die Besch&auml;ftigung zu bringen, mu&szlig;
+sie von einer Anzahl Gleichstrebenden zugleich ge&uuml;bt werden. Es
+bilden sich also Gruppen von Gleichgesinnten f&uuml;r eine bestimmte
+Th&auml;tigkeit. Jede dieser Gruppen mu&szlig; der lebhafteren
+Rivalit&auml;t und der Ausgleichung halber mindestens sieben,
+gew&ouml;hnlich neun Personen umfassen. Es bilden sich eben so viel
+Gruppen, als Unterarten von Besch&auml;ftigungen bei einem bestimmten
+Produktionszweig vorhanden sind; diese verschiedenen Gruppen bilden
+eine Serie (Reihe). Es giebt z.&nbsp;B. eine Serie der Birnen- und eine
+solche der Aepfelz&uuml;chter, aber f&uuml;r die Variet&auml;ten jeder
+Obstart bestehen Gruppen. Es rivalisiren also die Serien, um die beste
+Obstart, die Gruppen, um die besten Sorten (Variet&auml;ten) zu
+z&uuml;chten. Da ferner zwei Menschen nie in Allem den gleichen
+Geschmack und die gleichen Triebe haben, so werden dieselben Personen,
+die soeben in einer Gruppe zusammen wirkten, sich in den nachfolgenden
+Arbeitssitzungen in rivalisirenden Gruppen oder Serien in anderen
+Produktionszweigen gegen&uuml;berstehen. Es wechselt also nicht blos
+die Besch&auml;ftigung, es wechselt auch best&auml;ndig der
+gesellschaftliche Umgang bei der Arbeit. Dieser immerw&auml;hrende
+Wechsel der Besch&auml;ftigung und der besch&auml;ftigten Personen,
+und die daraus hervorgehenden, sich bald anziehenden, bald
+absto&szlig;enden Wechselbeziehungen bilden nach Fourier die
+h&ouml;chste Befriedigung, weil alle Triebe dabei in's Spiel kommen.
+Aber die Befriedigung w&uuml;rde keine vollkommene sein, wenn nicht
+der &auml;u&szlig;ere Erfolg, also die Reichthumserzeugung, durch
+diese Th&auml;tigkeitsweise auch erzielt w&uuml;rde. Diese
+planm&auml;&szlig;ig organisirte, assoziirte Th&auml;tigkeit von
+Hunderten von Familien in einer Phalanx wird, so behauptet Fourier, im
+Gegensatz zur einzelnen Privatwirthschaft und Privatunternehmerschaft
+eine gro&szlig;e Menge von Ersparungen an Kraft, Zeit, Mittel,
+Werkzeugen etc. einerseits, und durch die geschickt kombinirte und
+rivalisirende Th&auml;tigkeit Aller andererseits eine
+Reichthumsvermehrung zur Folge haben, die sich im Vergleich zu jetzt
+verzehn-, verzwanzig-, selbst vervierzigfacht und dem Aermsten eine
+Bed&uuml;rfni&szlig;befriedigung erm&ouml;glicht, wie sie heute kaum
+ein reicher Mann sich verschaffen kann.
+
+</P><P>
+
+In der Fourier'schen Phalanx besteht der Unterschied des Besitzes
+fort. Da der Genu&szlig; des Lebens auf Kontrastwirkungen beruht, ist
+auch der Unterschied des Besitzes nothwendig. Je gr&ouml;&szlig;er die
+Verschiedenheiten an Besitz, Charaktereigenschaften, Trieben, also je
+lebhafter die Kontraste sind, um so besser f&uuml;r die Phalanx.
+
+</P><P>
+
+Man sieht, Fourier ist der Begriff des <i>Klassengegensatzes</i> und
+die Entwicklung der verschiedenen Gesellschaftsformationen aus
+<i>Klassenk&auml;mpfen</i>, eine Grundanschauung des modernen
+Sozialismus, fremd. Sein Sozialismus ist auf die Vers&ouml;hnung, die
+Harmonie der heute feindlichen Gegens&auml;tze, die nach seiner
+Meinung nur aus Mi&szlig;verstand oder mangelhafter Kenntni&szlig; der
+wahren Bestimmung der menschlichen Gesellschaft feindliche wurden,
+gerichtet. Sein Sozialismus pa&szlig;t sich, wie er nicht m&uuml;de
+wird, immer wiederholt zu versichern, allen Regierungsformen und allen
+Religionssystemen an, er hat weder mit politischen noch
+religi&ouml;sen Streitfragen das Geringste zu thun. Daher wendet er
+sich in seinen Schriften nicht an die Arbeiter und die Masse der
+Geringen, von denen die erstern zu seiner Zeit als Klasse noch wenig
+entwickelt waren und &ouml;ffentlich gar keine Rolle spielten, sondern
+er wendet sich an die Einsicht der Gro&szlig;en und Reichen. Letztere
+allein konnten ihm helfen, weil sie allein die Mittel zur
+Gr&uuml;ndung einer Versuchsphalanx besa&szlig;en, von deren
+Zustandekommen nach ihm die Einf&uuml;hrung seines Systems abhing. War
+diese begr&uuml;ndet, dann zog sie durch ihren Glanz und ihre
+Vortheile nicht nur die Zivilisirten, sondern auch die noch im
+Zustande der Barbarei und der Wildheit befindlichen V&ouml;lker
+&mdash; &bdquo;die von der Zivilisation nichts wissen wollen&ldquo; &mdash; an,
+eiligst in die neue Gesellschaftsorganisation einzutreten. Die Phalanx
+ist das Zaubermittel, das die Entwicklungsperiode der Zivilisation,
+wie der Barbarei und der Wildheit abk&uuml;rzt, Barbaren und Wilden
+das Durchgangsstadium durch die Zivilisation erspart und den
+Aufschwung zu immer h&ouml;herer Vollendung herbeif&uuml;hrt.
+
+</P><P>
+
+So wandte sich denn Fourier nacheinander bald direkt, bald indirekt an
+alle ihm jeweilig zug&auml;ngig erscheinenden Kreise und Personen, um
+diese f&uuml;r sein System zu interessiren und von ihnen die Mittel
+zur Begr&uuml;ndung der Versuchsphalanx zu erlangen. Er schilderte
+ihnen den eigenen materiellen Vortheil, wie die Ehren und den Ruhm,
+den sie dadurch bei Mit- und Nachwelt erlangten, in den
+gl&auml;nzendsten, gl&uuml;hendsten Farben. So suchte er abwechselnd
+und nacheinander Napoleon, franz&ouml;sische Volksvertreter, den Adel
+und Klerus der Restauration, die Bourbonen, die englischen
+Gro&szlig;en, die sich f&uuml;r das gleichzeitig auftauchende Robert
+Owen'sche Assoziationsprojekt in New-Lamark interessirten, die
+Liberalen, ferner seine w&uuml;thendsten Gegner, die Philosophen,
+Rothschild, dem er ein K&ouml;nigreich Jerusalem in Aussicht stellte,
+Lord Byron, George Sand und nach der Julirevolution die Herren von
+Lafitte und Thiers, die emigrirten Polen etc. zu gewinnen. Er
+versuchte schlie&szlig;lich selbst mit den Saint Simonisten,
+insbesondere mit Enfantin, F&uuml;hlung zu bekommen. Die Saint
+Simonisten benutzten zwar theilweise seine Theorien, indem sie
+dieselben mit ihren Lehren vermischten, aber auf Weiteres lie&szlig;en
+sie sich nicht ein.
+
+</P><P>
+
+Alles war also vergeblich. Die Einen fanden sich unter der bestehenden
+Ordnung so wohl, da&szlig; sie keine Sehnsucht nach einer anderen
+hatten, Andere, die Wohlwollenden, hielten seine Ideen f&uuml;r
+unausf&uuml;hrbar, sahen in denselben eine sch&ouml;ne Illusion oder
+Vision, die Dritten zuckten die Achsel und lachten &uuml;ber ihn als
+einen Tr&auml;umer und Narren. Dieser Widerstand, diese
+Ungl&auml;ubigkeit, die Fourier unbegreiflich fand und auf b&ouml;sen
+Willen oder Vorurtheil zur&uuml;ckf&uuml;hrte, denn er selbst glaubte
+an sich und sein System wie je ein Neuerer daran geglaubt hat, wird
+unser Zeitalter sehr nat&uuml;rlich finden. Wir wissen Alle, da&szlig;
+Entwicklungsperioden, die Bestehendes von Grund aus umgestalten
+sollen, nie durch noch so scharfsinnig und detaillirt ausgedachte,
+fertige Pl&auml;ne von einer Idealgesellschaft herbeigef&uuml;hrt
+werden, auch nicht, wenn die gr&ouml;&szlig;ten finanziellen Mittel
+und das gr&ouml;&szlig;te Wohlwollen m&auml;chtiger
+Pers&ouml;nlichkeiten dahinter steht, sondern da&szlig; die
+Umgestaltung aus dem Entwicklungsproze&szlig; der ganzen Gesellschaft
+sich vollzieht und, wenn die Bedingungen einer neuen
+Gesellschaftsformation vorhanden sind, diese sich mit elementarer
+Gewalt auch Bahn bricht. Sie wird nicht gemacht, sie vollzieht sich,
+und stets unter der Form von Klassenk&auml;mpfen, <i>gegen</i> den
+Willen der alten Gesellschaftsschichten.
+
+</P><P>
+
+Fourier will in seiner Phalanx Kapital, Arbeit und Talent
+ber&uuml;cksichtigen und zwar in der Weise, da&szlig; die Arbeit
+F&uuml;nfzw&ouml;lftel, das Kapital Vierzw&ouml;lftel, das Talent
+Dreizw&ouml;lftel des Ertrags zugewiesen erh&auml;lt. Die beiden
+Geschlechter sind vollkommen gleichberechtigt, sie arbeiten,
+vergn&uuml;gen und lieben sich miteinander, wie die Neigung sie zu
+einander f&uuml;hrt. Wie alle Th&auml;tigkeit und die Vergn&uuml;gen
+gemeinsam sind, so ist auch die Kindererziehung eine gemeinsame. Die
+Kinder sind das dritte neutrale Geschlecht, ihrer Erziehung widmet er
+in seinen Werken einen breiten und hochinteressanten Raum. Es
+existiren nicht viele Menschen, die, wie Fourier, die menschliche
+Gesellschaft in allen Lebensaltern und Lebensstellungen beobachteten
+und studirten, und so hat er auch den Kindescharakter mit wunderbarer
+Gr&uuml;ndlichkeit und Tiefe erfa&szlig;t und darauf sein
+Erziehungssystem begr&uuml;ndet. Es wird keinen P&auml;dagogen geben,
+der nicht heute noch die bez&uuml;glichen Kapitel mit gro&szlig;em
+Vergn&uuml;gen und mit Nutzen liest.
+
+</P><P>
+
+Die Kinder werden vom ersten Tage der Geburt ab gemeinsam in
+gro&szlig;en, f&uuml;r diesen Zweck auf's Bequemste und Opulenteste
+eingerichteten S&auml;len gepflegt und erzogen. Ihre Pflege
+&uuml;bernehmen Pflegerinnen von verschiedenem Lebensalter, die sich
+freiwillig und aus Trieb, wie bei Allem, was in der Phalanx geschieht,
+diesem Dienste widmen. Sobald sich der Charakter der Kinder
+entwickelt, werden sie darnach in die verschiedenen S&auml;le
+vertheilt. Die Pflegerinnen sind in Serien und Gruppen organisirt, sie
+sind Tag und Nacht zugegen und werden in den &uuml;blichen
+Zwischenr&auml;umen abgel&ouml;st. Die M&uuml;tter k&ouml;nnen nach
+Neigung unter den Pflegerinnen leben. Fourier meint aber, die Mehrzahl
+werde es vorziehen, ihren gewohnten Besch&auml;ftigungen und
+Unterhaltungen nachzugehen und nur in den Stunden der Nahrung sich
+einfinden, &uuml;berzeugt, da&szlig; ihren Kleinen Nichts fehlt und
+Nichts abgeht. F&uuml;r Spielen und Unterhaltungen der Kleinen ist
+reichlich gesorgt. Vom dritten Lebensjahre ab werden sie nach ihrem
+Alter klassifizirt und spielend in die verschiedenen leichten
+Besch&auml;ftigungen des Haushalts eingef&uuml;hrt und zu Handarbeiten
+angehalten. <i>Jeder Zwang ist ausgeschlossen.</i> Zweckdienlich
+eingerichtete Spiels&auml;le, K&uuml;chen, kleine Werkst&auml;tten,
+mit kleinen Werkzeugen und Maschinen versehen, geben ihnen
+Gelegenheit, ihre Triebe und F&auml;higkeiten zu beth&auml;tigen. Der
+eigentliche geistige Unterricht beginnt erst mit dem neunten Jahr,
+nachdem inzwischen die k&ouml;rperliche Erziehung, die unter dem Namen
+der &bdquo;Oper&ldquo; Ges&auml;nge, T&auml;nze, Musik, k&ouml;rperliche Uebungen
+aller Art umfa&szlig;t, um die Kinder gewandt zu machen, zu richtigem
+Ma&szlig; und Ausdruck im Sprechen, in Geberden und Bewegungen zu
+erziehen, eine feste Grundlage erlangt hat. Die Erziehung w&auml;hrt
+in verschiedenalterigen Abstufungen bis zur vollst&auml;ndigen
+k&ouml;rperlichen Reife der Geschlechter, also bis zum 16., 18. und
+selbst 20. Lebensjahr. Wir kommen bei der sp&auml;teren Darlegung der
+Fourier'schen Theorien auf diese Dinge ausf&uuml;hrlicher zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+Das Verh&auml;ltni&szlig; der beiden Geschlechter zueinander ist im
+Fourier'schen System das denkbar freieste. Die Kritik, die Fourier an
+die Beziehungen der Geschlechter in unserer Gesellschaft, an die Form
+der heutigen Ehe mit ihren Ausw&uuml;chsen, ihrer K&auml;uflichkeit,
+ihrer Heuchelei, ihrem Zwange gegen den einen oder anderen, oder gegen
+beide Theile, &uuml;bt, geh&ouml;rt zu dem Sch&auml;rfsten, was
+hier&uuml;ber geschrieben wurde.
+
+</P><P>
+
+Die Kritik der Beziehungen der Geschlechter zu einander, wie die
+Kritik des Handels, den er wie kein Zweiter kannte, zogen ihm
+haupts&auml;chlich die Entr&uuml;stung und den Zorn der Gegner zu,
+verletzten Diejenigen am meisten, die in dem einmal Ueberlieferten die
+beste der Welten sahen. Mit seiner Theorie der freien Liebe, seiner
+Darstellung der sechsunddrei&szlig;ig Arten der Hahnreischaft und des
+Ehebruchs, die nach ihm existiren und die er noch zu
+vervollst&auml;ndigen sich anheischig machte; mit seiner
+Blo&szlig;legung der l&uuml;gnerischen und gaunerhaften Praktiken des
+Handels, des Geld- und Lebensmittelwuchers, des Schachers mit
+Grundst&uuml;cken und Effekten, der B&ouml;rsenman&ouml;ver, hatte er
+in verschiedene und sehr gef&auml;hrliche Wespennester gestochen. Er
+rief einen solchen Sturm gegen sich wach, da&szlig; er selbst
+sp&auml;ter f&uuml;r angemessen fand, zu erkl&auml;ren, Alles, was er
+&uuml;ber die Beziehungen der Geschlechter in seinen Schriften
+ausgef&uuml;hrt habe, k&ouml;nne erst von der dritten Generation ab,
+nach Gr&uuml;ndung seines Systems, zur Durchf&uuml;hrung kommen. Die
+jetzt noch &uuml;berm&auml;&szlig;ig herrschenden Vorurtheile, wie die
+physischen Uebel und Gebrechen, die das gegenw&auml;rtige System
+erzeugt habe, m&uuml;&szlig;ten erst allm&auml;lig ausgerottet werden.
+Dagegen fuhr er fort, durch historische Darlegung und Kritik der
+geschlechtlichen und der Eheverh&auml;ltnisse bei den alten
+V&ouml;lkern, besonders an der Hand der Bibel, ihrer Erz&auml;hlungen
+&uuml;ber die Nachkommen der ersten Menschen, die Lebensweise der
+Erzv&auml;ter, dann David's, Salomo's u.&nbsp;s.&nbsp;w. nachzuweisen, welche
+Phasen die Geschlechtsverh&auml;ltnisse der Menschen durchgemacht und
+wie wenig Ansto&szlig; selbst Gott daran genommen habe, indem er allen
+diesen aus dem alten Testament angef&uuml;hrten Personen fortgesetzt
+sein Wohlwollen und seine Gnade erhalten habe.
+
+</P><P>
+
+Unter den neuen Lebensverh&auml;ltnissen, die Fourier erstrebt,
+genie&szlig;en die Menschen nicht nur das volle Gl&uuml;ck, sie werden
+auch bei ihrer gesunden und naturgem&auml;&szlig;en Lebensweise ein
+sehr viel h&ouml;heres Lebensalter erreichen, als heute. 144 Jahre
+werden das Durchschnittsalter sein. Sie k&ouml;nnten also wenigstens
+volle achtzig Jahre die Liebe genie&szlig;en, was doch wohl, wie er
+meint, eine zu lange Zeit sei, um mit einem Mann oder einer Frau
+ausschlie&szlig;lich leben zu sollen, &bdquo;t&auml;glich von derselben
+Platte zu essen&ldquo;. Da ferner mit dieser l&auml;ngeren Lebensdauer auch
+die Vermehrung der Menschen entsprechend wachse, sei Urbarmachung
+neuen Bodens, Ansiedelung in bisher wenig bev&ouml;lkerten
+L&auml;ndern und Erdtheilen geboten. Aber auch dieses H&uuml;lfsmittel
+werde bald der Vermehrung ein Ziel setzen, wenn nicht gleichzeitig mit
+der Entwicklung des Menschengeschlechts durch die neue soziale
+Organisation unser Erdball in klimatischer Beziehung bis zum
+h&ouml;chsten Nord- und S&uuml;dpol eine vollst&auml;ndige klimatische
+Umwandlung durchmache, die auch auf den anderen Planeten und
+Fixsternen &auml;hnlich sich vollziehen soll.
+
+</P><P>
+
+Hier entwickelt nun Fourier ein kosmogenetisches System, das zu dem
+Phantastischsten geh&ouml;rt, das ein Mensch erdenken kann. Es ist
+namentlich dieser Theil seiner Abhandlungen, der ihm den meisten
+Spott, ihm haupts&auml;chlich den Titel des &bdquo;Vision&auml;rs&ldquo;, des
+&bdquo;Narren&ldquo; eingetragen hat. Das ganze Universum ist nach Fourier, und
+hier beruft er sich auf Schelling, &bdquo;das Spiegelbild der menschlichen
+Seele&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Die Welt ist dem Menschen zu Liebe geschaffen; nach seinem Tode
+wandert er von Planet zu Planet zu immer h&ouml;herer Vollkommenheit,
+eine Idee, die freilich auch in anderen K&ouml;pfen, selbst heute
+noch, spukt und nicht blos in den untern Schichten. &mdash; &bdquo;Die
+Kanaille will ewig leben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Jeder Planet wird geboren; er hat, wie der Mensch, sein Alter der
+Kindheit, der auf- und absteigenden Entwicklung und des Todes. Auch
+die Menschheit stirbt, und zwar nach einer Gesammtlebensdauer von
+80.000 Jahren, die sich in vier Phasen abwickeln. Die Phase der
+Kindheit, in deren letzter Periode wir uns befinden, dauert 5000
+Jahre; die Phase der aufsteigenden Entwicklung w&auml;hrt 35.000
+Jahre; die Phase des allm&auml;ligen Niedergangs ebenfalls 35.000
+Jahre. Dann folgt die Phase der Altersschw&auml;che wieder mit 5000
+Jahren, worauf der Tod der Menschheit und der Erde eintritt. Innerhalb
+des Zeitraums von 80.000 Jahren erlebt die Menschheit 32
+Entwicklungsperioden &mdash; wir befinden uns in der f&uuml;nften, der
+Zivilisation &mdash;, und innerhalb der verschiedenen Perioden giebt
+es verschiedene Neusch&ouml;pfungen, durch welche auch die Thier- und
+Pflanzenwelt und das Klima, entsprechend der h&ouml;heren Entwicklung
+des Menschen, sich in h&ouml;herer Vollkommenheit entfalten werden.
+Mit der achten Periode, der Harmonie, beginnt die Aurora des
+Gl&uuml;cks. Es wird die Nordpolkrone <TT>(Couronne
+bor&eacute;ale)</TT> geboren, die dann, gleich der Sonne, nicht blos
+Licht, sondern auch W&auml;rme verbreitet und damit eine Reihe neuer
+Sch&ouml;pfungen einleitet. Die Wirkung der Nordpolkrone wird sein,
+da&szlig; Petersburg und Ochotsk ein &auml;hnliches Klima bekommen,
+wie Kadix und Konstantinopel, da&szlig; das Klima der sibirischen
+Eisk&uuml;sten dem von Marseille und dem Golf von Genua gleicht, und
+da&szlig; eine Fruchtbarkeit dieser n&ouml;rdlichen Erdtheile beginnt,
+die mit jener der tropischen L&auml;nder wetteifert. Gleichzeitig wird
+durch die Einwirkung des Fluidums der Nordpolkrone und durch die
+Ver&auml;nderung des Klimas das Meer sich umbilden und einen
+limonadeartigen Geschmack annehmen. Die jetzigen, den Menschen
+feindlichen und sch&auml;dlichen Meerungeheuer, wie der Hai etc.,
+werden zu Grunde gehen und durch neue Sch&ouml;pfungen, wie Anti-Hai,
+Anti-Walfisch, ersetzt werden, Thiere, die dem Menschen freundlich
+sind und ihm ihre Dienste zum Ziehen der Schiffe etc. leihen werden.
+Alle <i>n&uuml;tzlichen</i> Fische und Seethiere, wie der Hering, der
+Kabeljau, die Auster u.&nbsp;s.&nbsp;w., werden trotz der Ver&auml;nderung des
+Meeres erhalten bleiben und sich wesentlich vermehren. Ganz
+&auml;hnlich vollzieht sich die Umgestaltung auf dem Lande. Alle
+wilden Thiere (L&ouml;we, Tiger, Leopard, Wolf etc.) und alle giftigen
+Reptile oder widerlichen Insekten, ebenso die giftigen und
+sch&auml;dlichen Pflanzen verschwinden und werden durch f&uuml;r den
+Menschen n&uuml;tzliche Neusch&ouml;pfungen ersetzt. So entsteht z.&nbsp;B.
+der Anti-L&ouml;we, der zahm ist und sich freiwillig dem Menschen als
+Reitthier anbietet.
+
+</P><P>
+
+Sobald der ganze Erdball mit Phalanxen bedeckt ist, wird er zwei
+Millionen derselben mit vier Milliarden Menschen aufweisen. Alsdann
+wird Konstantinopel Hauptstadt der Welt und wird der von allen
+Phalanxen ernannte Omniarch, als Herrscher der Welt, seinen Sitz dort
+nehmen. Worin aber das Herrscheramt dieses Omniarchen besteht, ist
+schwer zu sagen, dar&uuml;ber giebt Fourier keine Auskunft. Mit der
+Zahl von vier Milliarden ist das Maximum der Bev&ouml;lkerungsziffer
+erreicht; denn wenn die Menschen sich anfangs stark vermehrten, so
+l&auml;&szlig;t die Fruchtbarkeit des Geschlechts allm&auml;lig und
+namentlich in dem Ma&szlig;e nach, wie neben den M&auml;nnern
+insbesondere auch die Frauen gr&ouml;&szlig;er und st&auml;rker
+werden, ihre geistige und k&ouml;rperliche Entwicklung und die
+opulente Lebensweise zunimmt. Fourier glaubt, schon jetzt in unserer
+Gesellschaft die Beobachtung gemacht zu haben, da&szlig; Frauen von
+gro&szlig;er K&ouml;rperkraft und K&ouml;rperf&uuml;lle und
+h&ouml;herer geistiger Entwicklung und in g&uuml;nstigen materiellen
+Verh&auml;ltnissen lebend, weniger Kinder geb&auml;ren, als solche von
+schw&auml;chlicher, magerer Konstitution, so da&szlig; Erstere
+h&auml;ufig sogar unfruchtbar seien.
+
+</P><P>
+
+Aehnliche Umgestaltungen und Ver&auml;nderungen, wie auf unserm
+Globus, vollziehen sich auf allen &uuml;brigen Planeten und geben dem
+Menschen die Gew&auml;hr, da&szlig; er auch nach seinem Tode auf der
+Erde in ungemessenen Zeitr&auml;umen von einem zum andern Planeten
+wandert, von denen immer einer vollkommener als der andere ist und
+immer h&ouml;here Gen&uuml;sse dem Menschen in Aussicht stellt. Ganze
+Planetensysteme werden sich noch bilden, um in der Sternenwelt
+dieselbe Harmonie, das obere Klavier <TT>(clavier majeur)</TT>
+herzustellen, wie diese Harmonie auf der Erde in dem Klavier der
+menschlichen Seele, das 810 Charaktereigenschaften aufweist, sich
+hergestellt hat. Das Charakteristische in allen diesen
+Auseinandersetzungen Fourier's sind die bestimmten mathematischen
+Verh&auml;ltnisse und die Analogien, mit denen er rechnet. Alles
+dr&uuml;ckt sich bei ihm in bestimmten Zahlen aus. Alle
+Lebens&auml;u&szlig;erungen und Erscheinungen in der Welt lassen sich
+in bestimmten mathematischen Zahlenverh&auml;ltnissen zum Ausdruck
+bringen. Fourier steht hier ganz auf dem Boden des Pythagoras (540-500
+vor unserer Zeitrechnung), der bekanntlich eine Philosophie der
+Zahlenlehre f&uuml;r alle Erscheinungen begr&uuml;ndete.
+
+</P><P>
+
+Ebenso sieht Fourier &uuml;berall Analogien; jede unserer Pflanzen,
+jedes Thier entspricht irgend einem Menschencharakter, dabei kommt er
+zu erg&ouml;tzlichen Vergleichen. Ferner entsprechen die 32 Z&auml;hne
+des Menschen den 32 Entwicklungsperioden der Menschheit und den 32
+Planeten unseres Planetensystems, die nach ihm dieses z&auml;hlen
+mu&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Die phantastischen Spekulationen Fourier's &uuml;ber die Entwicklung
+von Menschen und Welt waren es, die ihm im spotts&uuml;chtigen
+Frankreich am meisten schadeten. Sp&auml;ter gab er auch diesen Theil
+seiner Ansichten ausdr&uuml;cklich preis, sich damit entschuldigend,
+da&szlig; im Jahre 1808 seine Kenntnisse und Entdeckungen noch sehr
+mangelhaft gewesen seien, da&szlig; er f&uuml;r das Studium auf die
+N&auml;chte angewiesen gewesen sei und er manche ihm n&ouml;thige
+Wissenschaft habe vernachl&auml;ssigen m&uuml;ssen. Im Uebrigen aber
+h&auml;tten, meinte er, diese seine kosmogenetischen Ansichten mit
+seinem eigentlichen sozialen System nichts zu thun und sch&auml;digten
+und ber&uuml;hrten dieses eben so wenig, als die Tr&auml;umereien
+Newton's &uuml;ber die Auslegung der Apokalypse dessen Entdeckung
+&uuml;ber die Attraktion und Gravitation der Weltk&ouml;rper
+gesch&auml;digt und ber&uuml;hrt habe. Ueberdies erlebte Fourier die
+Erfindung und Anwendung des Dampfschiffs und der Eisenbahnen, und
+damit war f&uuml;r ihn handgreiflich der Beweis geliefert, da&szlig;
+die Menschheit nunmehr mit einer Schnelligkeit Meere zu durchschneiden
+und L&auml;nder zu durcheilen vermochte, da&szlig; sie den Anti-Hai
+des Meeres und den Anti-L&ouml;wen des Landes sehr wohl entbehren
+konnte. Wer hatte &uuml;berhaupt zu Anfang dieses Jahrhunderts von
+bedeutenden M&auml;nnern keine Tr&auml;umereien? Schiller in seinen
+R&auml;ubern, G&ouml;the in seinen Wilhelm Meister's Lehr- und
+Wanderjahren, Fichte in seinem &bdquo;geschlossenen Handelsstaat&ldquo; malten die
+Welt auch ganz anders, als sie der gro&szlig;en Mehrzahl der
+gleichzeitig mit ihnen lebenden &bdquo;vern&uuml;nftigen Leute&ldquo; sich
+darstellte. Geniale Menschen haben das Recht, zu &bdquo;tr&auml;umen&ldquo;, sie
+helfen mit ihren &bdquo;Tr&auml;umen&ldquo; der Menschheit mehr, als der
+gro&szlig;e Tro&szlig; des Philisterthums mit seinen
+&bdquo;vern&uuml;nftigen&ldquo; Gedanken.
+
+</P><P>
+
+Wir wiederholen, man darf nie einen Mann und seine Geistesprodukte mit
+dem Ma&szlig;stab einer <i>sp&auml;teren</i> Zeit messen. Wie jeder
+Mensch, der bedeutendste wie der geringste, das Kind seiner Zeit ist,
+so wird er auch &uuml;ber seine Zeit nicht hinaus k&ouml;nnen; er kann
+der Vorgeschrittenste in ihr sein, au&szlig;er ihr steht er nicht.
+Eine bewu&szlig;te Arbeiterklasse gab es zu Anfang dieses Jahrhunderts
+nicht, konnte es nicht geben; die moderne, industrielle Arbeiterklasse
+war erst im Entstehen, und so weit die Arbeiter am &ouml;ffentlichen
+Leben sich betheiligten und sich daf&uuml;r interessirten, bildeten
+sie die Gefolgschaft der Bourgeoisie, wie sie dies in Deutschland im
+Anfang der sechziger Jahre noch waren. In Frankreich lagen damals die
+Verh&auml;ltnisse noch ganz anders. Die Ideen der gro&szlig;en
+Revolution besa&szlig;en noch einen Glanz und hatten einen
+Enthusiasmus in den Massen verbreitet, der lange und tief nachwirkte.
+
+</P><P>
+
+Warum jene gl&auml;nzenden Ideen der b&uuml;rgerlichen Ideologen in
+der Revolution sich nicht verwirklicht hatten, nicht verwirklichen
+konnten, erw&auml;hnten wir schon. Dazu kam, da&szlig; die
+napoleonischen Kriege Frankreich unausgesetzt in Athem hielten und die
+&ouml;ffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Ueberdies hatten
+zu jener Periode die Arbeiter in Frankreich ihre goldene Zeit. Durch
+das bereits erw&auml;hnte gegen England gerichtete vollst&auml;ndige
+Abschlie&szlig;ungssystem und die damit treibhausartig gez&uuml;chtete
+Gro&szlig;industrie &mdash; Zuckerfabrikation, Baumwollenfabrikation,
+Seidenindustrie etc. &mdash; in Verbindung mit der fortgesetzten
+Hinopferung von Hunderttausenden der besten Kr&auml;fte im
+Mannesalter, in den ununterbrochenen Kriegen, war die Nachfrage nach
+Arbeitern gro&szlig;, die L&ouml;hne standen hoch und die Arbeiter
+lernten erst jetzt eine Menge Bed&uuml;rfnisse kennen und befriedigen,
+von denen sie fr&uuml;her keine Ahnung hatten. Da bek&uuml;mmerten sie
+sich nicht um neue soziale Theorien, namentlich wenn diese ihnen in so
+fremder, schwer verbindlicher und unverdaulicher Form geboten wurden,
+wie sie Fourier's erstes Hauptwerk enthielt. Fourier ist
+&uuml;berhaupt schwer verst&auml;ndlich, es mangelt ihm die logische
+Zusammenfassung und die klare Ausdrucksweise. Daneben hat er sich eine
+Nomenklatur gebildet und wendet diese mit Vorliebe an, die eine
+Verdeutlichung sehr schwer, manchmal fast unm&ouml;glich macht.
+
+</P><P>
+
+Als nach Beendigung der napoleonischen Kriege und nach der Beseitigung
+Napoleon's Frankreich anfing, sich wieder mit sich selbst zu
+besch&auml;ftigen, traten andere Erscheinungen in den Vordergrund, die
+das allgemeine Interesse in Anspruch nahmen. Gleichzeitig mit den
+Bourbonen und unter dem Schutz der Bayonette der heiligen Allianz war
+ein ganzes Heer ehemals emigrirter Pfaffen und Adeliger mit ihrer
+Nachkommenschaft einger&uuml;ckt, die jetzt wie ein Schwarm
+Heuschrecken sich &uuml;ber das Land ergossen, Ersatz f&uuml;r das
+einst Verlorene, Belohnung und Vergeltung f&uuml;r das meist sehr
+zweifelhaft Geleistete aus &ouml;ffentlichen Mitteln verlangten, und
+nach m&ouml;glichster Wiederherstellung der Zust&auml;nde des
+<TT>ancien regime</TT> sich sehnten und dazu dr&auml;ngten. Zwar hatte
+schon Napoleon versucht, seinen Frieden mit den alten St&auml;nden zu
+machen; er hatte neben dem alten einen neuen Adel kreirt, weil er
+einsah, da&szlig; er seinen neu gezimmerten Thron nicht ohne solche
+St&uuml;tzen auf die L&auml;nge zu halten vermochte, und mit dem Papst
+hatte er sich auch verst&auml;ndigt. Aber es war doch nur ein kleiner
+Theil des Adels, der von Napoleon befriedigt war, und der Herr und
+Meister zwang diesen Adel zur Bescheidenheit. Das wurde nach 1815
+anders. Jetzt brach der alte Adel in Schaaren in das Land, er hielt
+den Tag der Ernte nach so langer Entbehrung f&uuml;r gekommen. Die
+reaktion&auml;ren Strebungen kamen &uuml;berall zum Vorschein. Eine
+Reihe von Jahren lie&szlig; sich das niedergetretene Frankreich diesen
+Zustand gefallen, dann aber ermannte es sich allm&auml;lig. Die
+Bourgeoisie, die sich in erster Stelle zur&uuml;ckgedr&auml;ngt und
+beunruhigt sah, wurde oppositionell, und Alles, was von den Ideen der
+gro&szlig;en Revolution erf&uuml;llt war, noch voll Begeisterung und
+Enthusiasmus gl&uuml;hte, erhob sich zum Kampf, der schlie&szlig;lich
+in dem Sturz der Bourbonen in der Julirevolution zun&auml;chst sein
+Ende fand. Aber sp&auml;ter dauerten die K&auml;mpfe fort und
+f&uuml;hrten namentlich zur Gr&uuml;ndung der geheimen
+revolution&auml;ren Gesellschaften, an denen auch die Arbeiter in
+st&auml;rkerem Ma&szlig;e sich betheiligten. Das war keine
+Str&ouml;mung, die den auf Auss&ouml;hnung und Ausgleichung der
+Gegens&auml;tze gerichteten Bestrebungen Fourier's g&uuml;nstig war.
+Dazu kam noch eine gewisse Zur&uuml;ckhaltung seinerseits, er blieb
+den politischen K&auml;mpfen vollst&auml;ndig fern, seine Natur war
+nicht f&uuml;r die &ouml;ffentliche Propaganda und die Agitation
+gemacht.
+
+</P><P>
+
+Die Aufnahme, die Fourier's erstes Werk: &bdquo;Die Theorie der vier
+Bewegungen&ldquo;, gefunden hatte, war nicht sehr ermunternd. Das Buch fand
+geringen Absatz und Fourier's Mittel waren ersch&ouml;pft. Eine kleine
+H&uuml;lse, die ihn vor dem Mangel sch&uuml;tzte, erhielt er durch ein
+Legat seiner Mutter, die 1812 starb, ein Legat, das ihm j&auml;hrlich
+900 Franken einbrachte. Bis zum Jahre 1816 arbeitete er in
+verschiedenen kaufm&auml;nnischen Stellungen, dann zog er sich auf's
+Land zur&uuml;ck und widmete sich f&uuml;nf Jahre g&auml;nzlich seinen
+Studien und Berechnungen. Endlich, im Jahre 1822, erschien sein
+umf&auml;nglichstes Werk: &bdquo;Die Theorie der universellen Einheit&ldquo;, zwei
+starke B&auml;nde umfassend, bei dessen Herausgabe ihn namentlich sein
+Freund und Anh&auml;nger Just Muiron, der als st&auml;dtischer Beamter
+in Besan&ccedil;on lebte und in leidlichen materiellen
+Verh&auml;ltnissen war, unterst&uuml;tzte. Bei der zweiten Herausgabe
+(1842) wurde dem Werke die ein Jahr nach seiner ersten Herausgabe
+geschriebene Abhandlung: &bdquo;Summarisches&ldquo; eingef&uuml;gt und das Ganze
+unter dem ersterw&auml;hnten Titel in vier B&auml;nden herausgegeben.
+Bei der ersten Ausgabe f&uuml;hrte das Werk den Titel: &bdquo;Abhandlung
+&uuml;ber die hauswirthschaftlich-landwirthschaftliche Assoziation&ldquo;,
+obgleich Fourier ihm den sp&auml;teren Titel von vornherein zugedacht,
+ihn aber durch den zweiten ersetzt hatte, weil damals &bdquo;die erschreckte
+&ouml;ffentliche Meinung gegen die allgemeinen Systeme eingenommen
+gewesen sei.&ldquo; In diesem Werk begr&uuml;ndet Fourier in der
+ausf&uuml;hrlichsten Weise alle die in seinem ersten Werk
+aufgestellten Postulate, sie hier und da in Folge genauerer Studien
+und Berechnungen richtig stellend. Einen erheblichen Theil des Werkes
+bilden philosophische Abhandlungen scharf polemischer Natur &mdash; in
+der Polemik war er &uuml;berhaupt Meister &mdash; in denen er die
+Systeme der Gegner angriff und die gegen ihn gerichteten Angriffe mit
+viel Witz und Satyre zur&uuml;ckwies.
+
+</P><P>
+
+Im Jahre 1829 erschien eine weitere Arbeit Fourier's unter dem Titel:
+&bdquo;Die industrielle und soziet&auml;re Neue Welt.&ldquo; <TT>(Le Nouveau Monde
+industriel et soci&eacute;taire.)</TT> Dieses Werk umfa&szlig;t einen
+Band und ist von allen Schriften Fourier's das pr&auml;ziseste und am
+klarsten geschriebene; es vermeidet m&ouml;glichst die spekulativen
+und kosmogenetischen Tr&auml;umereien, befa&szlig;t sich dagegen um so
+mehr mit allen praktischen Fragen seines Systems; es kann als die
+eigentliche Quintessenz seiner Theorien angesehen werden. Wer sich
+&uuml;ber Fourier's Ideen gen&uuml;gend orientiren will, ohne die
+f&uuml;nf ersten B&auml;nde zu studiren, wird in &bdquo;Der industriellen
+und soziet&auml;ren Neuen Welt&ldquo; alles W&uuml;nschbare finden. Sieben
+Jahre sp&auml;ter erschien abermals eine gr&ouml;&szlig;ere Arbeit von
+ihm unter dem Titeln &bdquo;Falsche Industrie&ldquo;. Aber dieses Buch
+enth&auml;lt keine irgendwie neuen Ideen, noch weniger zeichnet es
+sich durch Uebersichtlichkeit aus, es ist die letzte, aber auch
+geringwerthigste seiner gr&ouml;&szlig;eren Abhandlungen. Neben diesen
+gr&ouml;&szlig;eren Schriften erschienen von ihm eine Menge
+Aufs&auml;tze &uuml;ber die verschiedensten Fragen, die sp&auml;ter
+ebenfalls gesammelt und von seinen Anh&auml;ngern herausgegeben
+wurden.
+
+</P><P>
+
+Allm&auml;lig hatte sich eine kleine Anh&auml;ngerzahl um Fourier
+geschaart. Neben dem bereits erw&auml;hnten, ihm sehr ergebenen Muiron
+war es Victor Consid&eacute;rant, der als junger Mann und als
+Z&ouml;gling der Ingenieurschule zu Metz mit Feuereifer sich seinen
+Ideen hingab, unter seinen milit&auml;rischen Genossen f&uuml;r
+dieselben Propaganda machte und auch sp&auml;ter Fourier treu blieb,
+als er in der milit&auml;rischen Karri&egrave;re bis zum Hauptmann des
+Geniekorps emporstieg, noch sp&auml;ter Mitglied des Generalraths der
+Seine und Volksvertreter wurde. Consid&eacute;rant wurde das
+eigentliche Haupt der Schule, der Paulus des Fourierismus, der in Wort
+und Schrift unerm&uuml;dlich f&uuml;r ihn wirkte. Doch da wir die
+ausschlie&szlig;liche Aufgabe haben, uns mit dem Wirken Fourier's zu
+besch&auml;ftigen, k&ouml;nnen wir nicht ausf&uuml;hrlicher auf die
+Th&auml;tigkeit der Schule eingehen. Die Zahl ihrer
+schriftstellerischen Kr&auml;fte, und dem entsprechend auch die Zahl
+ihrer Schriften, wurde im Laufe der Jahre eine sehr bedeutende, doch
+hat sie nie einen gro&szlig;en Massenanhang gewonnen; sie hatte, wie
+die meisten der sozialistischen Schulen in Frankreich, ihre
+Hauptst&uuml;tzen in den jugendlichen Kreisen der Gebildeten.
+Schriftsteller, Advokaten, Offiziere, Aerzte, K&uuml;nstler bildeten
+den Kern. Im Jahre 1832 gelang es Kurier und seinen Sch&uuml;lern,
+eine Zeitschrift f&uuml;r die Verbreitung ihrer Lehren zu
+gr&uuml;nden, die unter dem Titel: <TT>&bdquo;La Reforme industrielle ou le
+Phalanst&egrave;re&ldquo;</TT> (Die industrielle Reform oder das
+Phalansterium) bis zum Jahre 1833 in zwei B&auml;nden gro&szlig; Oktav
+erschien, dann aber einging. Eine neue Zeitschrift erschien 1836 unter
+dem Titel: <TT>&bdquo;La Phalange, journal de la science social&ldquo;</TT> (Die
+Phalanx, Zeitschrift f&uuml;r die soziale Wissenschaft), welche in den
+Jahren 1836&ndash;1840 zwei bis drei Mal im Monat herauskam. Von
+1840&ndash;1843 erschien sie w&ouml;chentlich drei Mal und ging 1843
+in ein Tageblatt &uuml;ber unter dem Titel: <TT>&bdquo;Democratie
+pacifique&ldquo;</TT> (Friedliche Demokratie).
+
+</P><P>
+
+Fourier betheiligte sich bei diesen Zeitschriften schriftstellerisch
+sehr eifrig und leistete zahlreiche Beitr&auml;ge. Au&szlig;erdem
+f&uuml;hrte er auch den Kampf in der &uuml;brigen Presse, so weit
+diese seine Arbeiten aufnahm. Gegen Ende der zwanziger Jahre war er
+dauernd nach Paris &uuml;bergesiedelt. Er hatte eingesehen, da&szlig;
+wenn er f&uuml;r seine Theorien mit Erfolg wirken wollte, er mitten in
+dem Zentralpunkt des &ouml;ffentlichen Lebens von Frankreich sein
+mu&szlig;te. Er hatte den durch die Zentralisation des Landes
+begr&uuml;ndeten m&auml;chtigen Einflu&szlig; von Paris auf Frankreich
+f&uuml;r dessen ganzes &ouml;ffentliches, wissenschaftliches,
+k&uuml;nstlerisches Leben entschieden bek&auml;mpft, ein
+Einflu&szlig;, der dazu f&uuml;hre, da&szlig; die gr&ouml;&szlig;ten
+St&auml;dte Frankreichs, wie Lyon, Bordeaux, Rouen u.&nbsp;s.&nbsp;w., in Bezug auf
+geistiges und k&uuml;nstlerisches Leben reine Landgemeinden seien und
+bei der in Deutschland herrschenden Dezentralisation von weit
+kleineren St&auml;dten, wie Weimar, Stuttgart, Gotha oder jeder
+beliebigen deutschen Universit&auml;tsstadt, &uuml;berfl&uuml;gelt
+w&uuml;rden. Fourier beurtheilte &uuml;berhaupt Paris, Frankreich und
+den Charakter seiner Landsleute im guten wie im schlimmen Sinne wie
+wenige seiner Zeitgenossen. Das war die Frucht seiner
+au&szlig;erordentlichen scharfen Beobachtungsgabe. Aber der
+zentralisirenden Wirkung und dem Einflu&szlig; von Paris konnte er
+sich nat&uuml;rlich als Einzelner und als Mann, der auf seine
+Zeitgenossen wirken wollte, nicht entziehen, und so w&auml;hlte er es
+zum Schauplatz seiner Th&auml;tigkeit. Da ist es denn f&uuml;r den
+Mann und den festen Glauben an sein System charakteristisch, da&szlig;
+w&auml;hrend der letzten zehn Jahre, die er bis zu seinem am 9.
+Oktober 1837 in Paris erfolgten Tode verlebte, er Tag f&uuml;r Tag in
+der Mittagsstunde in seiner Wohnung den &bdquo;Kandidaten&ldquo;<a href="#Footnote_4"
+name="FNanchor_4" id="FNanchor_4"><sup>4</sup></a>
+erwartete, der ihm die Mittel f&uuml;r die Gr&uuml;ndung einer
+Versuchsphalanx zur Verf&uuml;gung stellen sollte. Vergeblich! Dagegen
+wurde im Jahre 1832 aus der Mitte seiner Anh&auml;nger heraus der
+Versuch, eine Phalanx zu gr&uuml;nden, gemacht, indem Einer derselben
+in der N&auml;he von Rambouillet 500 Hektaren Land f&uuml;r diesen
+Zweck zur Verf&uuml;gung stellte. Aber man kam &uuml;ber die ersten
+Versuche nicht hinaus, weil die Mittel sehr bald ausgingen, ein
+Resultat, das Fourier bis an sein Lebensende mit begreiflicher
+Bitterkeit erf&uuml;llte.
+
+</P>
+<BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Hiermit haben wir in der Hauptsache den Lebenslauf des Begr&uuml;nders
+des Phalanst&egrave;ren-Systems dargelegt, wie in einigen Hauptpunkten
+seine Grundgedanken entwickelt, und die Zeitverh&auml;ltnisse kurz
+geschildert, unter welchen er sich Geltung zu verschaffen suchte. Es
+handelt sich nunmehr darum, sein System und seine Auffassungen nach
+seinen eigenen Ausf&uuml;hrungen, wenn auch nur in knappster Form, zum
+Ausdruck zu bringen.
+
+</P><P>
+
+Seine Sch&uuml;ler haben im Jahre 1848 ein zweib&auml;ndiges
+Sammelwerk herausgegeben, in dem sie unter dem Titel: &bdquo;Die universelle
+Harmonie und das Phalansterium&ldquo; <TT>(L'harmonie Universelle et le
+Phalanst&egrave;re)</TT> eine Uebersicht der Theorien Fourier's gaben,
+worin ausschlie&szlig;lich er selbst zum Wort kommt. Dieses Werk haben
+wir theilweise f&uuml;r Nachstehendes mit zu Grunde gelegt. Fourier
+beginnt:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich dachte an nichts weniger, als an Untersuchungen &uuml;ber die
+Bestimmung von Mensch und Welt, ich theilte die allgemeine Ansicht,
+welche sie als undurchdringlich ansah und ihre Berechnung unter die
+Visionen der Astrologen und Magiker reihte ... Seitdem die
+Philosophen<a href="#Footnote_5"
+name="FNanchor_5" id="FNanchor_5"><sup>5</sup></a> in ihrem ersten Versuch (in der
+franz&ouml;sischen Revolution) den Beweis ihrer Unerfahrenheit
+geliefert haben, betrachtet Jeder ihre Wissenschaft als f&uuml;r immer
+abgethan. Die Str&ouml;me von politischer und moralischer
+Aufkl&auml;rung erscheinen nur mehr als Illusionen. Nachdem diese
+Gelehrten seit f&uuml;nfundzwanzig Jahrhunderten ihre Theorien
+vervollkommnet, alles alte und neue Wissen zusammengetragen haben,
+zeigt sich, da&szlig; sie uns statt der versprochenen Wohlthaten eben
+so viel Kalamit&auml;ten verschafften und da&szlig; die Zivilisation
+zur Barbarei neigt. Nach der Katastrophe von 1793 gab es keinerlei
+Gl&uuml;ck von den erworbenen Aufkl&auml;rungen mehr zu hoffen, man
+mu&szlig;te das soziale Wohl durch eine neue Wissenschaft zu
+verwirklichen suchen. Solcher Art war die erste Betrachtung, welche
+mich die Existenz einer bisher noch unbekannten sozialen Wissenschaft
+vermuthen lie&szlig; und mich anregte, ihre Entdeckung zu versuchen.
+Ich ward dazu ermuthigt durch zahlreiche Merkmale, die Verirrungen der
+Vernunft und haupts&auml;chlich durch den Anblick der schweren
+Geiseln, von denen unsere sozialen Zust&auml;nde betroffen sind:
+Mangel, Entbehrungen, &uuml;berall herrschender Betrug,
+Seer&auml;uberei, Handelsmonopol, Sklavenhandel und viele andere
+Uebel. Ich gab dem Zweifel statt, ob dieser soziale Zustand nicht eine
+von Gott erfundene Kalamit&auml;t sei, um das Menschengeschlecht zu
+z&uuml;chtigen. Ich schlo&szlig;, da&szlig; in diesem sozialen Zustand
+eine Umkehrung der nat&uuml;rlichen Ordnung vorhanden sei. Endlich
+dachte ich, wenn die menschliche Gesellschaft nach der Ansicht
+Montesquieu's 'von einer Krankheit der Entkr&auml;ftung, einem inneren
+Uebel, einem geheimen versteckten Gift' behaftet sei, man ein
+Heilmittel finden k&ouml;nne, wenn man die von unseren Philosophen
+bisher innegehaltenen Wege vermeide. So machte ich zur Regel meiner
+Untersuchungen: <i>den absoluten Zweifel und die absolute Vermeidung
+bisher beschrittener Wege</i> ... Da ich bisher keinerlei Beziehungen
+zu irgend einer wissenschaftlichen Partei hatte, so war es mir um so
+leichter, den Zweifel unterschiedslos anzuwenden und Ansichten mit
+Mi&szlig;trauen zu begegnen, die bisher universelle Zustimmung
+gefunden hatten. Was konnte es Unvollkommeneres geben, als diese
+Zivilisation mit allen ihren Uebeln? Was war <i>zweifelhafter, als
+ihre Nothwendigkeit und k&uuml;nftige Dauer?</i> Wenn vor ihr schon
+drei andere Gesellschaften bestanden, die Wildheit, das Patriarchat
+und die Barbarei, folgte daraus, da&szlig; sie die letzte sei, weil
+sie die vierte ist? Kann nicht noch eine f&uuml;nfte, sechste,
+siebente soziale Ordnung entstehen, die weniger
+verh&auml;ngni&szlig;voll sind, als die Zivilisation, die aber noch
+unbekannt sind, weil Niemand sich die M&uuml;he gab, sie zu entdecken?
+Man mu&szlig; also die Nothwendigkeit, Vortrefflichkeit und stetige
+Dauer der Zivilisation in Zweifel stellen. Das haben die Philosophen
+nicht gewagt, weil sonst die Nichtigkeit ihrer bisherigen Theorien,
+die alle die Zivilisation verherrlichen, an den Tag kommen
+w&uuml;rde.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In diesen wenigen S&auml;tzen steckt bereits die Utopie, von der er
+und alle Seinesgleichen ausgingen. Der bestehende Zustand ist
+schlecht, kein Zweifel, aber er wird nur festgehalten, weil man keinen
+besseren kennt. Machen wir uns also an die Arbeit, erfinden wir einen
+besseren und dem Uebel ist geholfen. Doch sollte nach Fourier diese
+neue Gesellschaft keine willk&uuml;rlich erfundene sein, sie sollte
+auf bestimmten mathematischen Berechnungen beruhen, und stimmten diese
+Rechnungen, und das entschied nat&uuml;rlich er selbst, so war der
+neue Zustand gegeben, und es hing nur von dem eignen Entschlu&szlig;
+der Gesellschaft ab, ihren sozialen Zustand wie ein Paar Handschuhe zu
+wechseln, ruhig, friedlich, ohne Kampf und ohne Reibung. Denn wo Allen
+das Gl&uuml;ck bl&uuml;ht, wie kann da Jemand zaudern?
+
+</P><P>
+
+Er entschlo&szlig; sich also, Alles zu bezweifeln, doch dachte er noch
+nicht an die Bestimmungen. Er verfiel zun&auml;chst, wie er sagt, auf
+zwei sehr gew&ouml;hnliche Probleme, deren beide Prinzipien waren &bdquo;die
+Ackerbaugesellschaft&ldquo; <TT>(association agricole)</TT> und die
+indirecte Unterdr&uuml;ckung des Handelsmonopols der Insularen, der
+Engl&auml;nder.
+
+</P><P>
+
+England sah bekanntlich in dem Aufschwung Frankreichs nach der
+franz&ouml;sischen Revolution einen gef&auml;hrlichen Konkurrenten
+entstehen, dazu kam die Bef&uuml;rchtung wegen der R&uuml;ckwirkung
+der revolution&auml;ren Ideen auf die eigene Bev&ouml;lkerung und, wie
+schon bemerkt, der Ha&szlig;, da&szlig; Frankreich die
+Unabh&auml;ngigkeitsmachung seiner nordamerikanischen Kolonien, der
+sp&auml;teren Vereinigten Staaten, unterst&uuml;tzt hatte. Mit seiner
+Seemacht beherrschte England alle Meere und den ganzen Handel, und bei
+dem Widerwillen, den Fourier in der eignen Praxis gegen den Handel
+eingesogen hatte, mu&szlig;te sich dieser Widerwille auch auf die
+gr&ouml;&szlig;te Handelsmacht, die, wie er behauptete, alle diese
+perfiden Handelsdoktrinen nicht blos vertrat, sondern auch erzeugt
+hatte, wenden. Zun&auml;chst besch&auml;ftigte er sich mit der
+l&auml;ndlichen Assoziation, und &uuml;ber dem Nachdenken &uuml;ber
+ihre Organisation kam er auf die Theorie der Bestimmungen. Die
+L&ouml;sung dieses Problems f&uuml;hrt, nach ihm, zur L&ouml;sung
+aller politischen Probleme. &bdquo;Die Philosophen hielten die
+Ackerbaugenossenschaft f&uuml;r ebenso unm&ouml;glich, wie die
+Abschaffung der Sklaverei, weil die Genossenschaft bisher nie
+existirte. Sehend, da&szlig; bei dem Dorfbewohner jede Haushaltung auf
+eigene Faust arbeitet, kannten sie keine Mittel, sie zu vereinigen,
+und doch w&uuml;rden unz&auml;hlige Verbesserungen daraus entstehen,
+wenn man die Bewohner jedes Fleckens zu gemeinsamer Th&auml;tigkeit
+vereinigen k&ouml;nne, proportional ihrem Kapital und ihrer
+Th&auml;tigkeit. Also 2&ndash;300 Familien, ungleich an Verm&ouml;gen,
+die einen Bezirk <TT>(canton)</TT> kultivirten. Das Hinderni&szlig;
+schien enorm. Man kann kaum 20, 30, 40 Individuen zu gemeinsamer
+Th&auml;tigkeit verbinden, wie hunderte? Und doch w&auml;ren
+mindestens achthundert n&ouml;thig f&uuml;r eine nat&uuml;rliche und
+ihre Mitglieder anziehende Assoziation.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich verstehe darunter&ldquo;, sagt er, &bdquo;eine Gesellschaft, deren Mitglieder
+durch Wetteifer und Eigenliebe und andere Mittel, die mit dem
+Interesse vertr&auml;glich, an die Arbeit gefesselt sind. Die Ordnung,
+um die es sich handelt, mu&szlig; f&uuml;r die, welche sie &uuml;ben,
+anziehend sein, w&auml;hrend heute die Besch&auml;ftigung mit der
+Landwirthschaft widerw&auml;rtig erscheint und nur ausge&uuml;bt wird
+aus Furcht, Hungers zu sterben. Eine solche Organisation erscheint
+l&auml;cherlich, und doch ist sie m&ouml;glich. Die
+landwirthschaftliche Assoziation, die, wie ich unterstelle, an tausend
+Personen umfa&szlig;t, liefert so enorme Vortheile, da&szlig; sie im
+Vergleich zum heutigen Zustand als Zustand der Sorglosigkeit
+erscheint. Das hat selbst ein Theil der Oekonomen zugestanden, nur
+haben sie sich nicht die M&uuml;he gegeben, die Ausf&uuml;hrungsweise
+zu entdecken. Sie erkennen selbst an, da&szlig; z.&nbsp;B. dreihundert
+Dorffamilien nur einen einzigen, sorgf&auml;ltig erbauten und
+eingerichteten Kornboden w&uuml;rden n&ouml;thig haben, anstatt 300
+meist sehr schlechter; eine einzige Kellerei (f&uuml;r den Wein)
+anstatt 300 derselben, die meist mit vollst&auml;ndiger
+Unkenntni&szlig; behandelt werden. Statt da&szlig; hundert Boten mit
+Milch nach der Stadt gehen und hundert halbe Tage vers&auml;umen,
+w&uuml;rde ein einziger gen&uuml;gen, der mit einem Wagen f&auml;hrt.
+Das sind nur einige von den zun&auml;chst in die Augen fallenden
+Ersparnissen, und sie w&uuml;rden sich verzwanzigfachen lassen. Aber
+wie eine Gesellschaft verschmelzen, in der die eine Familie 10.000
+Franken, die andere keinen Obolus besitzt? Wie alle die
+Eifers&uuml;chteleien vermeiden und zu <i>einem</i> Plan die
+Interessen verbinden? Wie auss&ouml;hnen so viel widerstreitende
+Interessen und so viel entgegenstrebende Willen vers&ouml;hnen? Darauf
+antworte ich: durch die Lockung von Reichthum und Verm&ouml;gen. Der
+st&auml;rkste Trieb f&uuml;r den Landmann wie f&uuml;r den
+St&auml;dter ist der Gewinn. Wenn die Betheiligten sehen, da&szlig;
+die soziet&auml;r organisirte Arbeit ihnen drei-, f&uuml;nf-, sechsmal
+mehr Vortheile einbringt, als in der isolirten Privatwirthschaft,
+da&szlig; allen Assoziirten die verschiedensten Gen&uuml;sse gesichert
+sind, so werden sie alle ihre Eifers&uuml;chteleien vergessen und sich
+beeilen, der Assoziation beizutreten; sie wird sich rasch &uuml;ber
+alle Regionen ausbreiten, denn &uuml;berall haben die Menschen den
+Trieb nach Reichthum und Gen&uuml;ssen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wenn die G&ouml;tter allen Sterblichen drei W&uuml;nsche
+auszusprechen gestatteten, welches w&uuml;rden die einstimmigsten
+W&uuml;nsche sein, die der Gelehrten eingeschlossen: Reichthum,
+Gesundheit und Langlebigkeit; und damit w&auml;re der vierte Wunsch
+eingeschlossen: gen&uuml;gend Klugheit, um diese G&uuml;ter
+entsprechend zu benutzen&ldquo;, so definirt er an einer andern Stelle das
+Streben der Menschen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die landwirthschaftliche Assoziation wird also das Schicksal des
+Menschengeschlechts &auml;ndern, weil sie den Allen gemeinsamen
+Trieben Rechnung tr&auml;gt. Wilde und Barbaren werden sich ihr
+anschlie&szlig;en, da die Triebe &uuml;berall die gleichen sind.
+Dieser neuen Organisation gebe ich drei Namen: &bdquo;progressive Serien&ldquo;
+(Reihen) oder Serien &bdquo;von Gruppen&ldquo;, &bdquo;Serien der Triebe&ldquo;. Ich verstehe
+unter der Bezeichnung Serie einen Zusammenhang mehrerer assoziirter
+Gruppen, welche sich den verschiedenen Zweigen ein und derselben
+Industrie &mdash; das Wort &bdquo;Industrie&ldquo; bedeutet bei Fourier jede
+n&uuml;tzliche, menschliche Beth&auml;tigung &mdash; &bdquo;oder ein und
+desselben Triebes sich widmen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Theorie von den Serien der Triebe ist nicht willk&uuml;rlich
+eingebildet, wie unsere sozialen Theorien. Die Ordnung der Serien ist
+in allen St&uuml;cken analog den geometrischen Serien aller unserer
+Eigenschaften, wie das Gleichgewicht der Rivalit&auml;ten zwischen den
+extremen und den mittleren Gruppen vorhanden ist. Die Triebe
+harmonisiren sich, je mehr sie sich in den Serien der Gruppen
+regelm&auml;&szlig;ig entwickeln; au&szlig;erhalb dieses Mechanismus
+sind sie entfesselte Tiger, unbegreifliche R&auml;thsel, darum
+verlangen die Philosophen, da&szlig; man die Triebe (das Wort Triebe
+ist auch stets im Sinne von Leidenschaften, <TT>passions</TT>, zu
+verstehen. Anmerk. des Verf.) unterdr&uuml;cken m&uuml;sse. Das ist
+eine doppelte Absurdit&auml;t. Man kann die Triebe nicht anders als
+durch Gewalt unterdr&uuml;cken, oder dadurch, da&szlig; sie sich
+gegenseitig aufzehren. Unterdr&uuml;ckt man sie aber, so mu&szlig; der
+zivilisirte Zustand rasch in Verfall gerathen und in das Nomadenthum
+zur&uuml;ckfallen. Ich glaube weder an die Tugend der Hirten, noch an
+diejenige ihrer Apologeten.&ldquo;<a href="#Footnote_6"
+name="FNanchor_6" id="FNanchor_6"><sup>6</sup></a>
+
+</P><P>
+
+Die soziet&auml;re Ordnung wird der Zivilisation folgen, aber sie
+l&auml;&szlig;t weder M&auml;&szlig;igung noch Gleichheit, noch andere
+Gesichtspunkte der Philosophen zu; je gl&uuml;hender und
+gel&auml;uterter die Triebe, je lebhafter und zahlreicher sie sind, um
+so leichter wird die Assoziation sich bilden. Man soll nicht die Natur
+der Triebe, die Gott dem Menschen gegeben hat, &auml;ndern, man soll
+ihnen nur die rechte Richtung geben. Meine Theorie beschr&auml;nkt
+sich auf die n&uuml;tzliche Anwendung der Triebe, wie die Natur sie
+giebt und ohne sie zu &auml;ndern. Darin besteht das ganze
+Geheimni&szlig; von der Berechnung &uuml;ber die Attraktionen der
+Triebe. Man streitet nicht, ob Gott Recht oder Unrecht hatte,
+da&szlig; er dem Menschen so oder so die Triebe schenkte, die
+soziet&auml;re Ordnung wendet sie an, wie Gott sie gab, ohne etwas
+daran zu &auml;ndern.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wenn also in der soziet&auml;ren Ordnung die Geschm&auml;cker sich
+&auml;ndern, so z.&nbsp;B., da&szlig; die Menschen das Landleben der Stadt
+vorziehen, so &auml;ndert sich <i>nur</i> der Geschmack, nicht die
+Triebe. Die Liebe zum Reichthum und f&uuml;r die Vergn&uuml;gungen
+bleibt immer. Die Zivilisirten werden &uuml;ber den neuen
+Sozialzustand ganz anders urtheilen, sobald sie sehen, da&szlig; z.&nbsp;B.
+die Kinder, die heute nur schreien und sich zanken, Alles zerbrechen
+und sich zu besch&auml;ftigen weigern, in der Serie von Gruppen sich
+nur mit n&uuml;tzlichen Arbeiten aller Art besch&auml;ftigen, unter
+sich in Wetteifer gerathen, ohne da&szlig; man sie dazu anreizt;
+da&szlig; sie sich gegenseitig aus freiem Willen &uuml;ber die
+Kulturen, die industriellen Besch&auml;ftigungen, die K&uuml;nste und
+Wissenschaften belehren, also da&szlig; sie erzeugen und Vortheile
+schaffen, indem sie sich zu erg&ouml;tzen glauben. Wenn ferner die
+Zivilisirten sehen, da&szlig; man in einer Phalanx f&uuml;r ein
+Drittheil der Kosten ein viel besseres Mahl erh&auml;lt, als in der
+Privatwirthschaft; da&szlig; man in der Serie dreimal angenehmer,
+reichlicher bedient ist; da&szlig; man dreimal besser sich n&auml;hrt
+und dreimal weniger ausgiebt, als in der alten Ordnung und dabei all'
+die Unannehmlichkeiten und Verlegenheiten f&uuml;r die Vorbereitungen
+und Anschaffungen erspart; wenn ferner bewiesen wird, da&szlig; die
+Beziehungen in der Serie keinerlei T&auml;uschungen zulassen;
+da&szlig; bei dem Volk, heute so ungeschliffen und falsch, die
+Wahrheit und Gesittung einkehren wird; wenn das Alles die Zivilisirten
+sehen, so werden sie einen Abscheu vor ihrem jetzigen Zustand
+bekommen, sie werden sich beeilen, in die Assoziation einzutreten und
+ihr Geb&auml;ude zu errichten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier geht nun dazu &uuml;ber, darzulegen, wie er zu der neuen
+Wissenschaft gekommen sei. &bdquo;Das Erste, was ich entdeckte, war die
+Anziehung der Triebe. Ich erkannte, da&szlig; die fortschreitenden
+Serien den Trieben der beiden Geschlechter, den verschiedenen
+Lebensaltern und Klassen die volle Entwicklung sichern, da&szlig; in
+der neuen Ordnung man um so mehr Kraft und Verm&ouml;gen erlangen
+werde, je mehr Triebe man habe und schlo&szlig;, da&szlig;, <i>wenn
+Gott so viel Einflu&szlig;</i> der <i>Anziehung der Triebe gegeben</i>
+und <i>so wenig Einflu&szlig; der Vernunft, ihrem Feinde,</i> dieses
+geschehen sei, um uns zur Organisation der fortschreitenden Serien zu
+f&uuml;hren, welche in jedem Sinne die Anziehung befriedigen ... Die
+Sophisten glauben das Problem, das daraus entsteht, da&szlig; unsere
+Triebe scheinbar mit unserer Vernunft im Widerspruch stehen, dadurch
+zu erkl&auml;ren, da&szlig; sie sagen: Gott gab die Vernunft, damit
+wir den Trieben widerstehen. Es ist aber sicher, da&szlig; er sie dazu
+<i>nicht</i> gab. Will man die Vernunft der Anziehung der Triebe
+gegen&uuml;berstellen, so ist dies selbst von Seiten der Verherrlicher
+der Vernunft ein ohnm&auml;chtiges Beginnen; die Vernunft hat
+<i>nie</i> Bedeutung, sobald es sich darum handelt, unsere Neigungen
+zu unterdr&uuml;cken. Die Kinder werden nur durch Furcht, junge Leuten
+nur durch Mangel an Geld zur&uuml;ckgehalten, ihren Neigungen zu
+fr&ouml;hnen. Das Volk wird durch die Zur&uuml;stungen f&uuml;r
+Strafen, das Alter durch verschlagene Berechnungen, welche die wilden
+Leidenschaften des Jugendalters aufsaugen, zur&uuml;ckgehalten, aber
+Niemand durch die Vernunft, die ohne Zwangsmittel nichts gegen die
+Leidenschaften vermag.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Vernunft ist also ohne irgend welchen Einflu&szlig;, und je mehr
+man den Menschen beobachtet, um so mehr gewahrt man, da&szlig; Alles
+in ihm auf Attraktion beruht. Der Mensch h&ouml;rt nur insofern auf
+seine Vernunft, als sie ihn lehrt, die Gen&uuml;sse zu raffiniren und
+damit die Attraktion um so mehr zu befriedigen.&ldquo; Gott hat also die
+Vernunft dem Menschen nur gegeben, damit sie ihm hilft, seine Triebe
+zu vern&uuml;tzlichen, ihnen erst den rechten Aufschwung zu verleihen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Theorie der Anziehung und des R&uuml;cksto&szlig;es der Triebe
+ist fixirt und voll anwendbar auf die Theoreme der Geometrie und
+mu&szlig; gro&szlig;er Entwicklungen f&auml;hig sein. Ich erkannte
+bald, da&szlig; die Gesetze der Attraktion der Triebe in jedem Punkt
+den durch Newton und Leibnitz angewandten Gesetzen der materiellen
+Anziehung konform seien und <i>da&szlig; es eine Einheit des Systems
+der Bewegung f&uuml;r die materielle und geistige Welt gebe.</i> Ich
+kam dann durch Untersuchungen zu der Ueberzeugung, da&szlig; die
+Analogie der allgemeinen Gesetze sich auf die besonderen Gesetze
+ausdehne, da&szlig; die Attraktion und die Eigenschaften der Thiere,
+Pflanzen, Mineralien koordinirt seien nach demselben Plan, wie
+diejenigen der Menschen und Gestirne. So kam ich zu der neuen
+Wissenschaft: <i>der Analogie der vier Bewegungen,</i> der
+materiellen, organischen, thierischen und sozialen, oder zur Analogie
+der Modifikation der Materie mit der mathematischen Theorie der Triebe
+des Menschen und der Thiere.&ldquo;<a href="#Footnote_7"
+name="FNanchor_7" id="FNanchor_7"><sup>7</sup></a>
+
+</P><P>
+
+Das ist also das Gesetz, aus welchem Fourier sowohl die
+Ver&auml;nderungen in den sozialen Beziehungen der Menschen und der
+Thiere, als auch die materiellen Ver&auml;nderungen in der Natur des
+Erdballs und der &uuml;brigen Gestirne ableitete. So kam er zu seiner
+Kosmogonie. Man sieht, sein Lehrgeb&auml;ude ist logisch, wenn es auch
+auf falschem Grunde gebaut wurde. Jetzt, wo er die Theorie der
+Anziehungen und die Einheit der vier Bewegungen entdeckt zu haben
+glaubte, war ihm Alles klar; er begann &bdquo;im Zauberbuch der Natur zu
+lesen&ldquo;. Er gelangte nunmehr auch, wie er ausf&uuml;hrt, zur Berechnung
+der Bestimmungen, d.&nbsp;h. er kannte nunmehr das fundamentale System,
+durch das alle vergangenen, gegenw&auml;rtigen und zuk&uuml;nftigen
+Gesetze geregelt werden. Jetzt sah er alle Fehler und Schnitzer, die
+der bisherige Entwicklungsgang der Menschheit gemacht, und nun kannte
+er auch die Heilmittel, die alle sozialen und physischen Uebel
+beseitigten. Unter anderm auch die Pest, die Gicht, die Cholera, das
+gelbe Fieber etc. Nun sind auch die Philosophen, die Plato, die
+Seneka, die Rousseau, die Voltaire, diese Hauptvertreter der
+zweifelhaften Wissenschaften, in ihrer ganzen Unzul&auml;nglichkeit
+blosgestellt. Hat Voltaire nicht selbst in einem Augenblick der
+Selbsterkenntni&szlig; ausgerufen: &bdquo;O! welch' dicke Finsterni&szlig;
+verschleiert noch die Natur!&ldquo; Die Bibliotheken der Philosophen sollen
+die erhabensten Wissenschaften bergen, und sie sind nur ein
+dem&uuml;thigender Aufbewahrungsort f&uuml;r Widerspr&uuml;che und
+Irrth&uuml;mer. Die neue soziet&auml;re Ordnung wird also um so
+gl&auml;nzender sein, je l&auml;nger sie bisher verz&ouml;gert wurde,
+denn eigentlich h&auml;tten sie schon die Griechen im Zeitalter des
+Solon (639&ndash;559 vor unserer Zeitrechnung) begr&uuml;nden
+k&ouml;nnen, da ihr &bdquo;Luxus&ldquo; &mdash; Fourier versteht hierunter die
+gesammte materielle Entwicklung eines Zeitalters &mdash; schon
+gen&uuml;gend weit dazu vorgeschritten war; heute sei unser &bdquo;Luxus&ldquo;
+mindestens doppelt so gro&szlig;, als zur Zeit der Athener. Man trete
+jetzt mit um so mehr Glanz in die neue Ordnung, als nunmehr erst die
+Fr&uuml;chte von den Fortschritten in den physikalischen
+Wissenschaften, die das achtzehnte Jahrhundert gebracht habe, und die
+bis in diese Tage sehr unfruchtbar geblieben seien, gepfl&uuml;ckt
+werden w&uuml;rden. Freilich, jetzt weise man noch seine Entdeckung
+zur&uuml;ck, aber sei es nicht immer so gewesen? Ist nicht Columbus
+mit seiner Behauptung, da&szlig; es jenseits des Ozeans noch einen
+Erdtheil geben m&uuml;sse, verlacht, verspottet, mit seiner Lehre
+selbst vom Papste verflucht worden, obgleich dieser am meisten dabei
+interessirt war, weil er neue Gl&auml;ubige unter seine Herrschaft
+bekam? Man sei im neunzehnten Jahrhundert noch ebenso feindlich jeder
+neuen gro&szlig;en Entdeckung als im f&uuml;nfzehnten. Die Philosophen
+behaupteten, weil sie selbst nicht den Schleier zu l&uuml;pfen
+vermochten, die Natur sei ein mit einem ehernen Schleier bedecktes
+Schreckbild, ein undurchdringliches Heiligthum; warum habe denn Newton
+wenigstens eine Ecke dieses Schleiers zu l&uuml;pfen vermocht? Man
+sage auch, Gott sei nicht zu erkennen. Der gesunde Sinn sage das
+Gegentheil, weil nichts leichter sei. Das Alterthum habe den
+Sch&ouml;pfer travestirt, indem es ihn unter einer Horde von 35.000
+G&ouml;ttern vermengte und verdeckte; da sei es schwierig gewesen,
+seine Meinung zu studiren, ihn aus dieser himmlischen Maskerade zu
+entwirren. Sokrates und Cicero trennten sich von den Sottisen ihrer
+Zeit, sie bewunderten den &bdquo;unbekannten Gott&ldquo;; Sokrates wurde ein Opfer
+seiner Ueberzeugung. Heute sei dieser fr&uuml;here Aberglaube
+&uuml;berwunden, das Christenthum f&uuml;hrte uns zu gesunden Ideen
+zur&uuml;ck, es brachte den Glauben an einen Gott. &bdquo;Wir haben jetzt
+einen Kompa&szlig;, der uns den Weg zum Studium der Natur zeigt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Es sei nun wichtig, eine kleine Zahl von Charaktereigenschaften Gottes
+zu kennen, deren Studium uns zu weiteren Schl&uuml;ssen f&uuml;hre.
+&bdquo;Dahin geh&ouml;ren: 1. die vollst&auml;ndige Leitung der Bewegung; 2.
+die Oekonomie der Spannkr&auml;fte; 3. die vertheilende Gerechtigkeit;
+4. die Universalit&auml;t der Vorsehung; 5. die Einheit des Systems.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Man sieht, Fourier macht sich allerdings die Arbeit leichter als die
+Philosophen; die Existenz Gottes ist f&uuml;r ihn unbestritten, er
+setzt das Descartes'sche: &bdquo;Ich denke, also bin ich&ldquo;, einfach um in den
+Satz: &bdquo;Die Welt ist da, also besteht Gott.&ldquo; Und ist einmal dieser Gott
+als Weltsch&ouml;pfer anerkannt, so mu&szlig; er nat&uuml;rlich auch
+die ihm zugeschriebenen Eigenschaften haben, denn ohne diese
+Eigenschaften w&auml;re er nicht Gott. Er f&auml;hrt nun weiter fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wenn Gott der Leiter der Bewegung ist, der einzige Herr des Weltalls
+und sein Sch&ouml;pfer, so hat er auch alle Theile des Weltalls zu
+lenken, also auch die edelsten, die sozialen Beziehungen: folglich ist
+die Regelung der menschlichen Gesellschaften das Werk Gottes und nicht
+das der Menschen; und um nun unsere Gesellschaft dem Gl&uuml;ck
+zuzuf&uuml;hren, m&uuml;ssen wir das soziale Gesetz studiren, das er
+f&uuml;r sie gebildet hat.&ldquo; Mit andern Worten hei&szlig;t das: Gott
+ist zwar der oberste Leiter der Geschicke und hat die Grundgesetze der
+Bewegung f&uuml;r die menschliche Gesellschaft zurechtgerichtet, aber
+da er sich bei seinen vielen Gesch&auml;ften um die Details und ihre
+Ausf&uuml;hrung nicht k&uuml;mmern kann, mu&szlig; der Mensch sie
+entdecken und ausf&uuml;hren. Die Logik hinkt zwar etwas, aber Gott
+wird auf diese Weise vollst&auml;ndig deplazirt und es sind
+schlie&szlig;lich die Menschen, die Alles allein besorgen; er hat die
+Allmacht Gottes und den freien Willen des Menschen innerhalb der ihm
+von Gott &uuml;berlassenen Grenzen gerettet. Fourier kommt
+schlie&szlig;lich auf dasselbe hinaus, was er den Philosophen
+vorwirft, sie h&auml;tten die menschliche Vernunft auf den ersten Rang
+und Gott auf den zweiten gesetzt. Genau so schlie&szlig;t er &uuml;ber
+den zweiten Punkt. Ist Gott der h&ouml;chste Verwalter der vorhandenen
+Spannkr&auml;fte, so kann er doch nur mit den gr&ouml;&szlig;ten
+gesellschaftlichen Vereinigungen sich besch&auml;ftigen, die
+kleinsten, die Frage, wie die Familie, die Ehe zu organisiren sei, ist
+Sache des Menschen. Das sind also wiederum sehr willk&uuml;rliche,
+ketzerische und im Grunde materialistische Gedanken.
+
+</P><P>
+
+Zum dritten Punkt bemerkt er: &bdquo;Im Schatten der vorhandenen sozialen
+Gesetzgebung sieht man nicht, <i>da&szlig; das Elend der V&ouml;lker
+mit dem sozialen Fortschritt w&auml;chst.</i> Wir sehen die
+gef&auml;hrliche Wirkung in dem Einflu&szlig; des Handelsgutes, der
+dahin f&uuml;hrt, die hei&szlig;e Zone mit schwarzen Sklaven zu
+bedecken, die man ihrem Heimathlande entrei&szlig;t, und die
+gem&auml;&szlig;igte Zone mit wei&szlig;en Sklaven, die man in die
+industriellen Bagnos treibt, wie dies heute in England sich offenbart
+und in allen L&auml;ndern Nachahmung finden wird. Kann man irgend
+welche Gerechtigkeit in einem Zustand der Dinge erblicken, <i>wo der
+Fortschritt der Industrie selbst nicht einmal den Armen die Arbeit
+garantirt?&ldquo;</i>
+
+</P><P>
+
+Die Universalit&auml;t der Vorsehung mu&szlig; viertens sich nach ihm
+auf alle V&ouml;lker, wilde wie zivilisirte, erstrecken. Das ganze
+zivilisirte System, das die Wilden anzunehmen als wirklich Freie sich
+weigern, widerspricht den W&uuml;nschen Gottes. Den Zustand, den wir
+ihnen bieten, die agrikole Zerst&uuml;ckelung und die
+Einzelwirthschaft, befriedige nicht Menschen, die der Natur am
+n&auml;chsten stehen. Unsere ganze Ordnung beruhe auf der Gewalt und
+daher m&uuml;sse ein anderer Zustand begr&uuml;ndet werden, der alle
+Kasten, alle V&ouml;lker befriedige, wenn die Vorsehung universell
+sein solle. Die Einheit des Systems endlich implizire f&uuml;nftens
+die Anwendung der Attraktion der Spannkr&auml;fte der sozialen
+Harmonien des Weltalls, die sich von den Gestirnen bis zu den Insekten
+erstreckten. Man m&uuml;sse also im Studium der Attraktion das soziale
+Gesetz zu entdecken suchen ... &bdquo;Unsere Einrichtungen sind unsern
+eigenen V&ouml;lkern so verha&szlig;t, da&szlig; sie in allen
+L&auml;ndern sich erheben und sich davon zu befreien suchen
+w&uuml;rden, wenn nicht die Furcht vor der Gewalt sie
+zur&uuml;ckschreckte. Wir sind nicht im Stande, das Menschengeschlecht
+zu vereinigen, weil die Barbaren f&uuml;r unsere Einrichtungen nur
+eine tiefe Verachtung besitzen und unsere Gewohnheiten nur die Ironie
+derselben erregen. Es ist die st&auml;rkste Verw&uuml;nschung, die sie
+einem Feind entgegenschleudern: &bdquo;M&ouml;gest du gezwungen sein, ein
+Feld zu bebauen.&ldquo; Ja, die zivilisirte Industrie wird von der Natur wie
+von allen freien V&ouml;lkern verabscheut, die sich in dem Augenblick
+zu ihr dr&auml;ngen werden, wo sie mit den Trieben der Menschen sich
+in Uebereinstimmung setzt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier meint also, da&szlig; keine soziale Organisation die rechte
+sein k&ouml;nne, die nicht von allen Menschen, ohne R&uuml;cksicht auf
+ihre Kulturstufe, freudig begr&uuml;&szlig;t w&uuml;rde, so gro&szlig;
+m&uuml;&szlig;ten ihre Vortheile und ihre Annehmlichkeiten sein. &bdquo;Es
+gilt also eine soziale Ordnung zu finden, welche dem geringsten
+Arbeiter ein gen&uuml;gendes Wohlsein sichert. Die Arbeiter
+m&uuml;ssen den neuen Zustand dem Zustand der Tr&auml;gheit und der
+Stra&szlig;enr&auml;uberei <TT>(brigandage)</TT>, nach dem sie heute
+Sehnsucht empfinden, vorziehen. So lange dieses Problem nicht
+gel&ouml;st ist, werden die Reiche <i>best&auml;ndigen St&uuml;rmen
+ausgesetzt sein, werden sie von einer Revolution in die andere
+st&uuml;rzen;</i> die wissenschaftlichen Wunderkuren laufen immer nur
+auf die D&uuml;rftigkeit der Masse und folglich auf den Umsturz
+hinaus; die Helden, die Gesetzgeber st&uuml;tzen sich nur auf den
+S&auml;bel; aber alle Voraussicht eines Friedrich kann nicht
+verhindern, da&szlig; schwache Nachfolger den Degen auf seinem Sarge
+rauben lassen.<a href="#Footnote_8"
+name="FNanchor_8" id="FNanchor_8"><sup>8</sup></a> Die zivilisirte Ordnung ist mehr
+und mehr im Wanken, der <i>vulkanische Ausbruch von 1793 ist nur ihre
+erste Eruption, andere werden folgen;</i> ein schwaches Regiment wird
+sie beg&uuml;nstigen. Der Krieg der Armen gegen die Reichen hat so
+gl&uuml;cklich begonnen, da&szlig; R&auml;nkeschmiede in allen
+L&auml;ndern darnach streben, ihn zu erneuern. Vergebens sucht man das
+zu verh&uuml;ten; die Natur der Gesellschaft spielt mit unserer
+Aufkl&auml;rung, unserer Vorsicht, sie wird immer neue Revolutionen in
+dem Ma&szlig;e geb&auml;ren, wie wir die Ruhe gesichert zu haben
+glauben. Und wenn die Zivilisation sich noch um ein halbes Jahrhundert
+verl&auml;ngert, wie viel Kinder werden, veranla&szlig;t durch ihre
+V&auml;ter, vor den Th&uuml;ren der Reichen betteln? (In Folge von
+Klassenelend.) Ich w&uuml;rde nicht wagen, diese schreckliche
+Perspektive darzustellen, wenn ich nicht die Berechnungen
+br&auml;chte, welche die Politik in dem Labyrinth der Triebe zurecht
+weisen und die Zivilisation von ihrem Alp erl&ouml;sen werden, diese
+Zivilisation, die immer revolution&auml;rer und
+verh&auml;ngni&szlig;voller wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Diese Voraussagungen machen Fourier's Scharfsinn und Einsicht alle
+Ehre, sie sind &uuml;berraschend. Man halte fest, da&szlig; Fourier
+diese Warnungen und Mahnrufe im Jahre 1808 ver&ouml;ffentlichte, wo
+au&szlig;er ihm nur sehr Wenige an eine soziale Frage &uuml;berhaupt
+dachten, und man wird den Weitblick und die Richtigkeit seiner
+Voraussagungen bewundern m&uuml;ssen. Er f&uuml;hrt nun weiter aus,
+wie viele Reiche bereits an innerer Zerr&uuml;ttung zu Grunde gingen,
+weil sie die sozialen Uebel nicht zu l&ouml;sen vermochten. &bdquo;Welche
+Monumente diese Reiche immer &uuml;berlebten, sie stehen da, eine
+Schande ihrer Politik. Rom und Byzanz (Konstantinopel), ehemals die
+Hauptst&auml;dte der gr&ouml;&szlig;ten Reiche, sind heute zwei
+l&auml;cherlich gewordene Metropolen. Auf dem Kapitol sind die Tempel
+Z&auml;sar's durch obskure G&ouml;tter aus Jud&auml;a verdr&auml;ngt,
+am Bosporus werden die christlichen Basiliken durch die G&ouml;tter
+der Unwissenheit beschmutzt. Hier wird Jesus auf das Piedestal von
+Jupiter erhoben, dort setzt sich Mahomed auf den Altar von Jesu. Rom
+und Byzanz, die Natur bewahrte euch vor der Verachtung der Nationen,
+die ihr gefesselt hattet; ihr wurdet zwei Arenas politischer
+Maskeraden, zwei Pandorab&uuml;chsen, die im Orient den Vandalismus
+und die Pest, im Occident den Aberglauben und seine Raserei
+verbreiteten; ihr seid zwei konservirte Mumien, um den Triumphwagen zu
+schm&uuml;cken und den modernen Hauptst&auml;dten einen Vorgeschmack
+von dem Schicksal zu geben, das den Denkm&auml;lern und den Arbeiten der
+Zivilisation bereitet wird. Zivilisirte! studirt die sozialen Uebel
+des Menschengeschlechts und schafft Wandel!&ldquo;&nbsp;&mdash;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Drei Gesellschaftsbildungen theilen sich in die Erde: Die
+Zivilisation, die Barbarei und die Wildheit. Die eine ist nothwendig
+besser als die beiden andern, und die beiden unvollkommneren, die sich
+nicht zur besseren erheben, sind von jener Krankheit der
+Entkr&auml;ftung erfa&szlig;t, von der nach Montesquieu das
+Menschengeschlecht betroffen ist. Die dritte, die beste, welche die
+andern nicht zu sich zu erheben vermag, ist offenbar unzureichend
+f&uuml;r das Wohl des Menschengeschlechts; sie hat den
+gr&ouml;&szlig;eren Theil desselben in einem tieferen Zustand ermatten
+lassen. Die beiden ersten Gesellschaftsbildungen sind von der
+L&auml;hmung betroffen, die dritte, die Zivilisation, von der
+politischen Ohnmacht; sie m&uuml;ssen also alle drei aus einem
+krankhaften Zustand heraus, der den ganzen Erdball in seinem sozialen
+Mechanismus beunruhigt. V&ouml;lker! eure sehnlichsten W&uuml;nsche
+verwirklichen sich, die gl&auml;nzendste Mission ist dem
+gr&ouml;&szlig;ten der Helden aufbewahrt. Der soziale Kompa&szlig; ist
+entdeckt, der euch auf den Ruinen der Barbarei und der Zivilisation
+zur universellen Harmonie f&uuml;hren wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die modernen Sophisten haben, namentlich in Frankreich, immer
+behauptet, die Einheit des Systems der Natur zu erkl&auml;ren, sie
+haben aber nie ernste Studien &uuml;ber diesen Gegenstand gemacht und
+man hat nie das Geringste &uuml;ber die allgemeine Einheit erfahren.
+Sie bildet sich aus folgenden drei Zweigen: Einheit des Menschen mit
+sich, mit Gott und mit dem Weltall. Der innere Widerspruch des
+Menschen mit sich selbst (Fourier meint hier den Widerspruch im
+Menschen, seine Triebe befriedigen zu wollen, aber nicht befriedigen
+zu k&ouml;nnen, oder nicht befriedigen zu d&uuml;rfen. Der Verf.) hat
+die Wissenschaft der Moral geboren, welche die Doppelseitigkeit
+<TT>(duplicit&eacute;)</TT> der Handlung als wesentlichen Zustand und
+unwandelbare Bestimmung des Menschen betrachtet. Sie lehrt: man
+m&uuml;sse seinen Trieben widerstehen, im Krieg mit ihnen leben, also
+im Krieg mit sich selbst sein; ein Prinzip, wodurch der Mensch auch in
+den Kriegszustand mit Gott ger&auml;th, denn die Triebe und Instinkte
+kommen von Gott, der sie dem Menschen und allen Kreaturen zum
+F&uuml;hrer gab.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Man antwortet zwar: Gott habe uns die Vernunft zum F&uuml;hrer und
+M&auml;&szlig;iger der Triebe gegeben, woraus also resultirte: 1.
+da&szlig; Gott uns zwei unvers&ouml;hnlichen und sich antipathischen
+F&uuml;hrern, den Trieben und der Vernunft, &uuml;berliefert hat; 2.
+da&szlig; Gott gegen neunundneunzig Prozent der Menschen sehr
+ungerecht handelte, weil er ihrer Vernunft nicht die St&auml;rke
+gew&auml;hrte, ihre Triebe bek&auml;mpfen zu k&ouml;nnen; 3. da&szlig;
+Gott, indem er uns zum Gegengewicht die Vernunft gab, mit einem
+untauglichen Mechanismus handelte, denn es ist unzweifelhaft,
+da&szlig; diese Schwerkraft selbst bei dem hundertsten Menschen, der
+allein nur damit versehen ist, ohnm&auml;chtig ist, <i>wie ja die
+Distributeure der Vernunft, z.&nbsp;B. ein Voltaire, am meisten von ihren
+Trieben unterjocht wurden.</i>&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Alle drei Hypothesen sind nichtig. Die Darlegung der Attraktion der
+Triebe wird beweisen, da&szlig; im soziet&auml;ren Zustand Vernunft
+und Triebe sich ausgleichen und auss&ouml;hnen und da&szlig; sie nur
+im heutigen sozialen Zustand sich im Diskord befinden. Man sagt: der
+Mensch sei f&uuml;r die Gesellschaft geboren, man vergi&szlig;t aber,
+da&szlig; es nur zwei Gesellschaftsordnungen giebt, die der
+Privatwirthschaft und der Gemeinwirthschaft; der isolirte Zustand und
+der soziet&auml;re Zustand. Der gegenw&auml;rtige Zustand setzt die
+isolirte Familie voraus, der soziet&auml;re die Arbeit und die
+Lebensweise in zahlreichen Vereinigungen, welche nach einer bestimmten
+Regel f&uuml;r Jeden sich theilen und ausgleichen, nach den drei
+Eigenschaften: Arbeit, Kapital und Talent. Gott, als h&ouml;chster
+&ouml;konomischer Leiter, mu&szlig; nothwendig die Assoziation als den
+besseren Zustand wollen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es giebt nunmehr viererlei Wissenschaften zu beachten: &uuml;ber die
+Assoziation, den aromalen Mechanismus, die Attraktion der Triebe und
+die universelle Analogie.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die vier Hauptbewegungen und die f&uuml;nfte, die soziale als pivotale
+oder Angelpunkt, sind bereits hervorgehoben worden. Gehen wir also
+&uuml;ber zum &bdquo;Studium der Assoziation&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das Band ist die Basis jeder Oekonomie; wir finden die Keime in dem
+ganzen sozialen Mechanismus zerstreut, von der m&auml;chtigen
+Ostindischen Kompagnie bis zu den armen Gesellschaften der f&uuml;r
+eine bestimmte Industrie vereinigten Dorfbewohner. So sieht man die
+Bergbewohner des Jura sich zur K&auml;sefabrikation vereinigen;
+20&ndash;30 Haushaltungen bringen t&auml;glich ihre Milch zum
+Fabrikanten und am Ende der Saison erh&auml;lt jede ihren Theil an
+K&auml;se, entsprechend der Quantit&auml;t Milch, die sie lieferte.
+Wir haben &uuml;berall im Kleinen wie im Gro&szlig;en diese Keime
+f&uuml;r das Wohlsein bei der Hand, es sind rohe Diamanten, welche die
+Wissenschaft schleifen mu&szlig;. Das Problem ist, diese Fetzen einer
+Assoziation, die in allen Zweigen der menschlichen Arbeit zerstreut
+sind, zu einem Mechanismus, einer allgemeinen Einheit zu verbinden, wo
+sie bisher nur mit H&uuml;lfe des Instinktes entstanden. Bisher hat
+die Wissenschaft diese Studie vermieden, die allein wahrhaft dringlich
+war. Ein Jahrhundert, das sich so vieler Vernachl&auml;ssigungen in
+wissenschaftlicher Ordnung und Erforschung schuldig machte,
+mu&szlig;te des Ueberblicks &uuml;ber das Ganze ermangeln; es hat
+weder die Eintheilung des ganzen Systems der Bewegung, noch die drei
+Einheiten wahrgenommen, woraus es h&auml;tte schlie&szlig;en
+m&uuml;ssen, da&szlig; die soziale und die materielle Welt im
+Widerspruch miteinander, also im Widerspruch mit der Einheit
+organisirt sind.&ldquo;<a href="#Footnote_9"
+name="FNanchor_9" id="FNanchor_9"><sup>9</sup></a>
+
+</P><P>
+
+<i>&bdquo;Was die soziale Bewegung betrifft, so sieht man jede interessirte
+Klasse der anderen das B&ouml;se w&uuml;nschen, &uuml;berall setzt
+sich das pers&ouml;nliche Interesse in Gegensatz zu dem
+Allgemeininteresse.</i> Der Arzt w&uuml;nscht, da&szlig; seine
+Mitb&uuml;rger recht viel Krankheiten bekommen, denn er w&uuml;rde zu
+Grunde gerichtet sein, wenn alle Welt ohne Krankheit st&uuml;rbe;
+dasselbe gesch&auml;he den Advokaten, wenn jeder Streit
+schiedsrichterlich auszugleichen w&auml;re. Der Geistliche ist
+interessirt, da&szlig; es viel Todte giebt und zwar viele reiche
+Todte, Beerdigungen &agrave; 1000 Franks. Der Richter ersehnt
+j&auml;hrlich wenigstens 45.000 Verbrechen, damit die
+Gerichtsh&ouml;fe stets besch&auml;ftigt, also nothwendig sind. Der
+Wucherer w&uuml;nscht Hungersnoth; der Weinh&auml;ndler Hagel;
+Architekten und Baumeister ersehnen Feuersbr&uuml;nste. So handeln in
+diesem l&auml;cherlichen Mechanismus der Zivilisation die Theile gegen
+das Ganze und jeder Einzelne gegen Alle. Die ganze Ungeheuerlichkeit
+eines solchen Zustandes wird man erst begreifen, wenn man die
+soziet&auml;re Organisation kennen lernt, wo die Interessen eine ganz
+entgegengesetzte Richtung nehmen; wo Jeder das Gesammtwohl
+w&uuml;nscht, weil dieses seinem pers&ouml;nlichen Wohl am meisten
+entspricht. So zeigt sich &uuml;berall statt der Einheitlichkeit der
+Handlung, welche die moralischen und politischen Wissenschaften
+r&uuml;hmen, die allgemeine Doppelseitigkeit. Wenn je die Zivilisation
+&uuml;ber sich err&ouml;then und das Bed&uuml;rfni&szlig; nach einem
+anderen Zustande empfinden mu&szlig;, so heute, wo alle ihre
+Illusionen zerst&ouml;rt sind; wo ihre Freiheit <i>als der Weg zur
+Anarchie</i> erkannt ist, ihre Zerw&uuml;rfnisse zum Despotismus
+f&uuml;hren und ihre Handelsmaximen den Wucher, den Betrug, den
+Bankerott beg&uuml;nstigen, <i>die Nationen schlie&szlig;lich unter
+das Joch des Monopols beugen</i> und zur D&uuml;rftigkeit und
+Verarmung der Masse f&uuml;hren. So l&ouml;sen sich alle Chim&auml;ren
+von der Vollkommenheit dieser Gesellschaft auf, wodurch man uns in
+ihren Schafstall f&uuml;hrte.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Will die Wissenschaft zum Ziele kommen, so mu&szlig; sie folgende
+Grunds&auml;tze zur Richtschnur ihrer Beth&auml;tigung nehmen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sie mu&szlig; 1. das ganze Gebiet des Wissens erforschen und
+mu&szlig; festhalten, da&szlig; nichts gethan ist, so lange noch etwas
+zu thun &uuml;brig bleibt; 2. die Erfahrung zu Rathe ziehen und sie
+zum F&uuml;hrer nehmen; 3. vom Bekannten zum Unbekannten vermittelst
+der Analogie vorschreiten; 4. von der Analyse zur Synthese
+&uuml;bergehen; 5. nicht glauben, da&szlig; die Natur auf die uns
+bekannten Mittel beschr&auml;nkt ist; 6. die Spannkr&auml;fte im
+ganzen sozialen und materiellen Mechanismus vereinfachen; 7. sich nur
+an die durch das Experiment festgestellte Wahrheit halten; 8. sich an
+die Natur schlie&szlig;en; 9. beachten, da&szlig; aus Irrth&uuml;mern
+entstandene Vorurtheile keine Prinzipien sind; 10. die Thatsachen
+beobachten, die wir kennen lernen wollen und sich solche nicht
+vorstellen; 11. vermeiden, da&szlig; zum Schlie&szlig;en Worte
+mi&szlig;braucht werden, die man nicht versteht; 12. vergessen, was
+wir gelernt haben! Man mu&szlig; die Ideen wieder an ihrer Quelle
+aufnehmen und die menschliche Einsicht wieder herstellen. Alsdann wird
+man zu der Einsicht kommen, da&szlig; Alles im System der Natur
+verbunden ist, und da&szlig; es zwischen ihren Theilen eine Einheit
+giebt. Der Mensch, als einer ihrer edelsten Theile, mu&szlig; in
+Uebereinstimmung sein mit den Harmonien des Weltalls, also mit der
+mathematischen oder rationellen Harmonie, der planet&auml;ren oder
+sozialen, der musikalischen oder sprechenden. (Einheit der Sprache,
+Weltsprache.) Ist der Mensch also bestimmt, sich den Harmonien zu
+assimiliren, so mu&szlig; er das Band suchen, das ihn mit Allem
+vereinigt, dieses Band ist die Synthese von der Attraktion der
+Triebe.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier f&auml;hrt dann fort: Er wolle an der Hand von Prinzipien,
+welche nicht er, sondern die Philosophen feststellten, die Erforschung
+der sozialen Bewegung vornehmen. Man werde sehen, wie die Sophisten,
+trotz solcher vortrefflichen F&uuml;hrer, wie ihre Prinzipien, auf
+alle Klippen geworfen wurden und der Menschheit nur sieben
+Gei&szlig;eln brachten: D&uuml;rftigkeit, Betrug, Unterdr&uuml;ckung,
+Menschenschl&auml;chterei, klimatische Exzesse (Folge von
+Waldverw&uuml;stungen etc.), Krankheiten erzeugende Gifte, dogmatische
+Finsterni&szlig;. Es sei in der Natur begr&uuml;ndet, da&szlig; jede
+soziale Periode ihre Aufmerksamkeit auf Fragen richte, die sie zu
+einer h&ouml;heren Stufe der Entwicklung f&uuml;hrten; so
+besch&auml;ftige man sich unter den Zivilisirten mit zwei Wegen, dem
+Handelssystem und der Freiheit. Das seien die beiden Paradepferde der
+Philosophen, die sie mit Vorliebe ritten. Man wolle die freie
+Zirkulation im Handel und komme zum Seehandelsmonopol; man wolle die
+Meinungsfreiheit und komme zur Herrschaft der Denunzianten und des
+Schaffots.<a href="#Footnote_10"
+name="FNanchor_10" id="FNanchor_10"><sup>10</sup></a>
+
+</P><P>
+
+Nach der Gesundheit und dem Reichthum sei nichts werthvoller, als die
+Freiheit, diese m&uuml;sse man in k&ouml;rperliche und soziale
+Freiheit scheiden. Der Gewohnheit entsprechend, Alles nur einseitig
+anzusehen, habe man nicht erkannt, da&szlig; die Freiheit zwei- und
+mehrseitig sein k&ouml;nne. Tausend Jahre vergingen, ehe man nur an
+die k&ouml;rperliche Freiheit (die Beseitigung der Sklaverei) dachte.
+Plato und Aristoteles hielten die Sklaverei f&uuml;r nothwendig.
+Letzterer erkl&auml;rte sogar, &bdquo;der Sklave sei der Tugend nicht
+f&auml;hig&ldquo;. Unter dem Christenthum wurde die k&ouml;rperliche
+Freiheit allm&auml;lig durchgesetzt, aber noch existirte die Sklaverei
+vielfach.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aber was ist diese k&ouml;rperliche Freiheit werth ohne die soziale?
+Der Bettler hat ein Einkommen, das kaum zum Leben gen&uuml;gt,
+trotzdem genie&szlig;t er gr&ouml;&szlig;ere Freiheit als der
+Arbeiter, der, um leben zu k&ouml;nnen, an die Arbeit gefesselt ist.
+Doch seine Triebe bleiben unbefriedigt. Er will in's Theater gehen,
+aber er hat kaum genug, um sich zu n&auml;hren, er m&ouml;chte
+Volksvertreter werden, aber dazu geh&ouml;rt ein gro&szlig;es
+Verm&ouml;gen.<a href="#Footnote_11"
+name="FNanchor_11" id="FNanchor_11"><sup>11</sup></a> Mit dem stolzen Titel, ein
+freier Mensch zu sein, hat er nur den Dunst statt der Wirklichkeit der
+sozialen Freiheit; er ist nur ein passives Mitglied der Gesellschaft.
+Streng genommen hat der Arbeiter nur einen Tag in der Woche, den
+Sonntag, wo er k&ouml;rperlich frei ist, alle anderen Tage ist er
+gebunden. So sehen wir die Freiheit nur sehr einfach, rein
+k&ouml;rperlich. Doppelt ist die Freiheit, wo sie k&ouml;rperlich und
+sozial aktiv ist; sie genie&szlig;t der Wilde. Der Wilde berathschlagt
+&uuml;ber Krieg und Frieden, wie bei uns ein Minister; er hat, soweit
+dies &uuml;berhaupt in seiner Horde m&ouml;glich ist, den freien
+Aufschwung der Triebe seiner Seele, er genie&szlig;t eine
+Sorglosigkeit, die der Zivilisirte nicht kennt. Er mu&szlig; zwar
+jagen und fischen, um sich zu ern&auml;hren, aber das sind anziehende
+Besch&auml;ftigungen, die ihm die k&ouml;rperliche aktive Freiheit
+nicht nehmen. Eine Arbeit, die Freude macht, wird nicht als
+dr&uuml;ckende Verpflichtung empfunden. So geht's auch dem Kaufmann;
+wenn er Stoffe ausbreitet, flott L&uuml;gen verzapft und dabei seine
+Waaren verkauft, so ist ihm das ein Vergn&uuml;gen; er w&uuml;rde sehr
+m&uuml;rrisch und gr&auml;mlich sein, wenn kein K&auml;ufer k&auml;me
+und er weder l&uuml;gen noch verkaufen k&ouml;nnte.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Freiheit des Wilden ist also zweifach, aber diese zweifache
+Freiheit weicht noch ab von der Bestimmung, die produktive Arbeit
+verlangt; es ist also die anziehende, produktive Arbeit n&ouml;thig.
+Diese unterstellt eine Einheitlichkeit der Verbindung, die
+pers&ouml;nliche Zustimmung jedes Betheiligten, ob Mann, Frau, Kind,
+die Verbindung aus Trieb f&uuml;r die Aus&uuml;bung der Arbeit und die
+Aufrechterhaltung der begr&uuml;ndeten Ordnung. Diese vollst&auml;ndig
+freie Wahl der Arbeit, bestimmt durch die Triebe, ist die Bestimmung
+des Menschen. Von der Masse der Zivilisirten mag ein Achtel mit ihrer
+Lage zufrieden sein, aber sieben Achtel sind unzufrieden. Die
+gro&szlig;e Menge ist nur auf die k&ouml;rperliche Arbeit
+beschr&auml;nkt, ihre Besch&auml;ftigung ist indirekte Sklaverei, eine
+Qual, von der sie sich zu befreien w&uuml;nscht.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die kleine zufriedene Minderheit besteht aus M&uuml;&szlig;igen, oder
+Solchen, die privilegirte Stellungen einnehmen, und doch hat kaum
+Einer, Monarch und Minister nicht ausgenommen, seine volle Freiheit
+erreicht. Kann man also behaupten, da&szlig; die soziale Freiheit
+besteht? Sie ist wie die Gleichheit und die Br&uuml;derlichkeit nur
+Chim&auml;re. Die Br&uuml;derlichkeit sandte Einen nach dem Andern
+ihrer Koryph&auml;en zur Guillotine, die Gleichheit dekorirte das Volk
+mit dem Titel Souver&auml;n, schaffte ihm aber weder Arbeit noch Brot;
+es verkauft sein Leben um 5 Sous pro Tag<a href="#Footnote_12"
+name="FNanchor_12" id="FNanchor_12"><sup>12</sup></a> und man schleift es, die Kette
+am Hals, zur Schlachtbank. So sind Freiheit, Gleichheit,
+Br&uuml;derlichkeit nur Phantome.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Freiheit ist illusorisch, wenn sie nicht allgemein ist. Wo der
+freie Aufschwung der Triebe auf eine sehr kleine Minderheit
+beschr&auml;nkt ist, da giebt es nur Unterdr&uuml;ckung. Um aber der
+Menge die Entfaltung und die Befriedigung der Triebe zu sichern, ist
+eine soziale Organisation n&ouml;thig, die drei Bedingungen
+erf&uuml;llt. Man mu&szlig; 1. ein Regime der industriellen Attraktion
+suchen, entdecken und organisiren; 2. Jedem das Aequivalent der sieben
+nat&uuml;rlichen Rechte des Wilden garantiren;<a href="#Footnote_13"
+name="FNanchor_13" id="FNanchor_13"><sup>13</sup></a> 3.
+die Interessen des Volks mit denjenigen der Gro&szlig;en verbinden,
+denn das Volk wird auf sie eifers&uuml;chtig sein und sie hassen, so
+lange es nicht an ihrem Wohlsein gradweise Antheil hat. Nur unter
+diesen drei Bedingungen kann man dem Volk ein Minimum an
+Nahrungsmitteln, Bekleidung, Wohnung und haupts&auml;chlich auch an
+Vergn&uuml;gungen sichern, denn ohne das Angenehme w&uuml;rde dem
+Menschen auch der neue Zustand nicht gen&uuml;gen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Pr&uuml;fen wir also, wie die soziet&auml;re Ordnung dem Individuum
+die freie Aus&uuml;bung der erw&auml;hnten sieben Rechte, die mit dem
+Mechanismus der Barbarei und der Zivilisation so unvertr&auml;glich
+sind, in entsprechender Form gew&auml;hren kann.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Schreiten wir zun&auml;chst dazu, sie wie ihre Angelpunkte
+<TT>(pivots)</TT> zu erkl&auml;ren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier giebt nun nachfolgendes Tableau, begleitet von drei Analogien,
+um Diejenigen zu entt&auml;uschen, die es als ein von ihm systematisch
+angewandtes Vorurtheil ansehen, da&szlig; er gew&ouml;hnlich den
+Zahlen 7 und 12 (also wie Pythagoras es that) den Vorzug gebe. Er will
+beweisen, da&szlig; diese Zahlenverh&auml;ltnisse in der Natur der
+Dinge liegen, also gegebene sind, nicht willk&uuml;rlich erfundene.
+
+</P>
+
+<TABLE BORDER=1 CELLPADDING=10 ALIGN=center summary = "Rechte, Triebe, Fraben, Linien">
+<TR ALIGN=center>
+ <TD></TD>
+ <TH COLSPAN=2>Rechte</TH>
+ <TH COLSPAN=2>Triebe</TH>
+ <TH>Farben</TH>
+ <TH>geometrische Linien</TH>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>1.</TD>
+ <TD ROWSPAN=4>Kardinale<BR> oder <BR>industrielle<BR> Rechte</TD>
+ <TD>Sammelfreiheit</TD>
+ <TD ROWSPAN=4>Haupt-<BR>Triebe</TD>
+ <TD>Freundschaft</TD>
+ <TD>Violet</TD>
+ <TD>Kreis</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>2.</TD>
+ <TD>Weide</TD>
+ <TD>Liebe</TD>
+ <TD>Azur</TD>
+ <TD>Elipse</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>3.</TD>
+ <TD>Fischfang</TD>
+ <TD>Familiensinn</TD>
+ <TD>Gelb</TD>
+ <TD>Parabel</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>4.</TD>
+ <TD>Jagd</TD>
+ <TD>Ehrgeiz</TD>
+ <TD>Roth</TD>
+ <TD>Hyperbel</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>1.</TD>
+ <TD ROWSPAN=3> Distributive<BR> Rechte </TD>
+ <TD> Innere Verbindung </TD>
+ <TD ROWSPAN=3> Distributive<BR> Triebe </TD>
+ <TD> Kabaliste </TD>
+ <TD> Indigoblau </TD>
+ <TD> Spirale </TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>2.</TD>
+ <TD> Sorglosigkeit </TD>
+ <TD> Papillone </TD>
+ <TD> Gr&uuml;n </TD>
+ <TD> Muschellinie </TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD>3.</TD>
+ <TD> Ausw&auml;rtiger Raub </TD>
+ <TD> Komposite </TD>
+ <TD> Orangegelb </TD>
+ <TD> Logarithmus </TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD COLSPAN=2 ROWSPAN=2> X. </TD>
+ <TH> Minimum </TH>
+ <TH COLSPAN=2> Einheitlichkeit </TH>
+ <TH> Wei&szlig; </TH>
+ <TD> </TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD> Freiheit </TD>
+ <TD COLSPAN=2> Gunst </TD>
+ <TD> Schwarz </TD>
+ <TD> Nebenkreis </TD>
+</TR>
+</TABLE>
+
+<P>
+
+
+Die Freiheit kommt nur als Folge der sieben andern Rechte, sie ist das
+Resultat ihrer Verbindung, so wie Wei&szlig; oder Schwarz die
+Verbindung oder Aufsaugung der sieben Farbenstrahlen ist.
+
+</P><P>
+
+Fourier f&uuml;hrt dann weiter aus, da&szlig; aber die Freiheit nur
+einfach oder falsch sei, wenn sie nicht von der Hauptsache, dem
+Prinzipalen aller Rechte, dem <i>Minimum</i> begleitet sei, was die
+Periode der Wildheit nicht biete. Auch genie&szlig;en die Freiheit in
+der Wildheit nur die M&auml;nner, die Frauen sind ausgeschlossen und
+ist ihre Lage schlimmer, als in der Zivilisation. Es gen&uuml;gt weder
+die Freiheit, wie sie die Zivilisation bietet, noch gen&uuml;gen die
+sieben Naturrechte, die der Wilde besitzt, um einen befriedigenden
+Zustand herzustellen. Der neue soziet&auml;re Zustand m&uuml;sse also
+alle drei Geschlechter gleichm&auml;&szlig;ig ber&uuml;cksichtigen und
+ihren Trieben Befriedigung gew&auml;hren.
+
+</P><P>
+
+Die bez&uuml;gliche Auffassung Fourier's von der Lage der Wilden und
+der Zivilisirten lassen wir, da sie charakteristisch ist, hier
+ausf&uuml;hrlicher folgen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Sorglosigkeit, dieses Gl&uuml;ck der Thiere, dieses Recht des
+Wilden, genie&szlig;t man in der Zivilisation nur im Besitz
+gro&szlig;er Sch&auml;tze. Aber neun Zehntel der Zivilisirten, weit
+entfernt, dem n&auml;chsten Tag ohne Sorgen entgegensehen zu
+k&ouml;nnen, sind mit t&auml;glichen Sorgen &uuml;berladen und
+m&uuml;ssen eine widerw&auml;rtige und aufgezwungene Arbeit erledigen.
+Den Sonntag eilen sie dann in die Schenken und an die
+Vergn&uuml;gungsorte, um wenigstens f&uuml;r einige Augenblicke eine
+Sorglosigkeit zu genie&szlig;en, die so viele Reiche, von der Unruhe
+verfolgt, vergebens suchen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Rechthaber <TT>(ergoteurs)</TT> werden sagen, die Sorglosigkeit
+sei eine Charaktereigenschaft und kein Recht; aber sie wird ein Recht,
+indem sie im Zustand der Zivilisation ge&auml;chtet ist, wo man die
+Leichtlebigkeit als entehrend betrachtet und laut verurtheilt.
+Versucht ein mit wenig Gl&uuml;cksg&uuml;tern bedachter Familienvater
+sich mit den Seinen einem Vergn&uuml;gen zu &uuml;berlassen und
+verl&auml;&szlig;t er seine Werkstatt, ohne f&uuml;r Steuern, Miethe
+und die k&uuml;nftigen Bed&uuml;rfnisse gesorgt zu haben, so belehrt
+ihn die &ouml;ffentliche Meinung durch ihre Kritiken und der
+Steuereinnehmer durch seine Exekutoren, da&szlig; er kein Recht zur
+Sorglosigkeit habe, und er mu&szlig;, trotz seines Hangs dazu, sich
+derselben entschlagen. Ueberdies ist schon die zivilisirte Erziehung
+systematisch darauf bedacht, den Geschmack an der Sorglosigkeit zu
+bek&auml;mpfen, ein Vergn&uuml;gen, dessen freie Entfaltung in der
+Harmonie durch nichts beeintr&auml;chtigt wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Wilde genie&szlig;t diese Sorglosigkeit und beunruhigt sich nicht
+&uuml;ber die Zukunft. W&auml;re es anders, f&uuml;rchtete er
+da&szlig; seine Kinder, seine Horde Hunger litte, er w&uuml;rde die
+Anerbietungen an Ackerbauger&auml;then und den notwendigen
+Gegenst&auml;nden f&uuml;r die Kultur des Bodens, welche die
+Regierungen der Zivilisirten ihm machen, annehmen. Aber er will keins
+seiner Rechte einb&uuml;&szlig;en. G&auml;be er seine Sorglosigkeit
+auf, er w&uuml;rde allm&auml;lig seine ganze Freiheit, alle seine
+Rechte verlieren. Er macht freilich diese Berechnung nicht, aber die
+Natur macht sie f&uuml;r ihn. Die Attraktion leitet ihn auf den
+rechten Weg, wie man sp&auml;ter sehen wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Den einzigen plausiblen Einwand, den man gegen dieses Gl&uuml;ck des
+Wilden machen kann, ist, da&szlig; die Frauen es nicht genie&szlig;en:
+die Frauen bilden die H&auml;lfte des Menschengeschlechts und sie
+haben bei den Wilden eine sehr tiefe und ungl&uuml;ckliche Stellung.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nichts wahrer als das. Aber wenn ich diese Thatsache nicht
+anf&uuml;hrte, die Philosophen w&uuml;rden keine Notiz davon nehmen,
+denn sie selbst haben die Gewohnheit, die Frauen f&uuml;r Nichts
+anzusehen. Von den drei Geschlechtern, aus denen das
+Menschengeschlecht sich zusammensetzt, dem oberen, den M&auml;nnern,
+dem niederen, den Frauen, und dem gemachten oder neutralen Geschlecht,
+den Kindern, sehen sie nur <i>ein</i> Geschlecht und arbeiten nur
+f&uuml;r dieses, f&uuml;r das obere oder m&auml;nnliche. Aber welches
+Gl&uuml;ck verschafften diesem die Philosophen? Statt der sieben
+Rechte, aus welchen die Freiheit sich zusammensetzt, nur die sieben
+Gei&szlig;eln.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich bin einem vorauszusehenden Einwand bereits begegnet, indem ich
+die Freiheit des Wilden als divergirend zusammengesetzt bezeichnete;
+sie ist in doppelter Weise divergirend; sozial, durch die
+Unvertr&auml;glichkeit des sozialen K&ouml;rpers, Horde genannt, mit
+der industriellen Arbeit oder Bestimmung, materiell durch
+Ausschlie&szlig;ung des weiblichen Geschlechts, das wenig oder gar
+nicht an den sieben nat&uuml;rlichen Rechten theilnimmt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Trotzdem, so f&uuml;hrt Fourier weiter aus, stehe der m&auml;nnliche
+Wilde durch den Genu&szlig; der genannten sieben Rechte an Freiheit
+&uuml;ber der gro&szlig;en Mehrheit der Zivilisirten, welche die
+immense Mehrheit beider Geschlechter von diesen Vortheilen
+ausschl&ouml;sse. Die Zivilisation schulde f&uuml;r das Ausgeben
+dieser nat&uuml;rlichen Rechte einem Jeden ein Minimum an
+Lebensnothwendigkeiten, Kleidung, Wohnung, und zwar proportional der
+sozialen Stellung, zu der er geh&ouml;re, denn <i>nothd&uuml;rftig</i>
+gen&auml;hrt, gekleidet und logirt werde man auch in den
+Armenh&auml;usern, wo der Mensch aber nichts als ein Gefangener und
+sehr ungl&uuml;cklich sei.
+
+</P><P>
+
+Statt den Zivilisirten f&uuml;r den Verlust seiner sieben
+nat&uuml;rlichen Rechte durch eine menschenw&uuml;rdige Existenz zu
+entsch&auml;digen, garantirten ihm unsere Publizisten einige
+Tr&auml;umereien und Gaskonnaden, wie: &bdquo;da&szlig; er stolz sein
+d&uuml;rfe auf den Namen eines freien Mannes und das Gl&uuml;ck habe,
+unter einer Verfassung zu leben.&ldquo; Diese L&auml;cherlichkeiten
+verdienten nicht einmal den Namen der Illusion und befriedigten keinen
+Arbeitenden, der vor Allem nach seinem Geschmack zu essen, sorglos und
+vergn&uuml;gt zu leben w&uuml;nsche.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der soziet&auml;re Zustand garantirt dem Volk die sieben Rechte des
+Wilden in F&uuml;lle, indem er ihm ein ausreichendes Aequivalent
+bietet; er gew&auml;hrt jedem Menschen so viel Wohlsein, da&szlig;
+z.&nbsp;B. Niemand mehr auf den Gedanken kommt, zu stehlen, was er so haben
+kann, oder da&szlig; er sich durch eine Handlung in der
+&ouml;ffentlichen Meinung mehr zu Grunde richtet, als er durch eine
+schlechte Handlung zu gewinnen vermag. Schlie&szlig;lich werden alle
+Kinder in den Begriffen der Ehre erzogen und k&ouml;nnen alle
+Bequemlichkeiten des Lebens reichlich genie&szlig;en. Es wird also
+Niemand mehr an Diebstahl denken, wo Alle im Ueberflu&szlig; leben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Zivilisation, indem sie den Menschen der sieben Rechte des Wilden
+beraubt, gew&auml;hrt ihm keinerlei entsprechende Aequivalente. Fragt
+einmal einen ungl&uuml;cklichen Arbeiter der Zivilisation, der keine
+Arbeit und kein Brot hat, vom Gl&auml;ubiger und Exekutor
+bedr&auml;ngt wird, ob er nicht lieber wie der Wilde das Recht der
+Jagd und des Fischfangs, des Fr&uuml;chtesammelns und der freien Weide
+seinem Zustand vorziehe und er wird keinen Augenblick z&ouml;gern,
+sich f&uuml;r den Wilden zu entscheiden. Was giebt ihm die
+Zivilisation f&uuml;r seinen Verlust? Das Gl&uuml;ck, unter der
+Verfassung zu leben. Dem Hungernden ist nicht damit gedient, da&szlig;
+er, anstatt eine gute Mahlzeit zu genie&szlig;en, die Verfassung lesen
+kann; es hei&szlig;t den Nothleidenden in seinem Elend beleidigen,
+wenn man ihm eine solche Entsch&auml;digung bietet.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Daraus folgt: in der industriellen Gesellschaft wird die Freiheit
+illusorisch und verh&auml;ngnisvoll, wenn man sie nur in einfacher
+Anwendung einf&uuml;hrt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier sagt also: die Freiheit ohne Garantie eines Minimums, die
+Freiheit ohne Brot, ist f&uuml;r die gro&szlig;e Menge der
+Bev&ouml;lkerung unter Umst&auml;nden nur die Freiheit des
+Verhungerns. Die Freiheit hat nur Werth, ja sie ist erst dann
+vorhanden, wenn auch der Mensch zu leben hat, und diesen
+Lebensunterhalt garantirt die Zivilisation nicht. &bdquo;So haben unsere
+Tr&auml;umereien von den Menschenrechten und der Freiheit, die man in
+Versuch setzte, nichts als T&auml;uschungen und
+verh&auml;ngni&szlig;volle Ersch&uuml;tterungen erzeugt. Unsere
+Gesellschaft hat zu ihren Angelpunkten zwei Triebfedern, welche der
+Einheitlichkeit der Freiheit und dem proportionalen Existenzminimum
+des soziet&auml;ren Zustandes schnurstracks gegen&uuml;berstehen:
+allgemeiner Egoismus und Zweideutigkeit aller Handlungen. Diese
+beiderseitigen Charaktereigenschaften lassen sich nicht vereinigen,
+sie schlie&szlig;en sich aus.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Volle einheitliche Freiheit und menschenw&uuml;rdige Existenz lassen
+sich nur durch die Anwendung des Mechanismus der Serien der Triebe
+erreichen, au&szlig;erhalb desselben ist das ganze System der Triebe
+im Widerspruch mit sich, es herrschen Egoismus und
+Zweideutigkeit.&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+Es gilt also f&uuml;r Fourier, eine entsprechende Organisation zu
+schaffen, bei welcher alle Klassen gleichm&auml;&szlig;ig, unter
+voller Ber&uuml;cksichtigung ihrer sozialen Lebensstellung,
+zufriedengestellt werden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Vermittelst der gradweisen Abstufung der Interessen ist der Niedere
+an dem Wohlsein des H&ouml;heren interessirt; die gewohnte Begegnung
+bei den anziehenden Arbeiten in den Intriguen der verschiedenen Serien
+dient als Kitt f&uuml;r die Einheitlichkeit. Man hat nichts mehr von
+der vollen Freiheit des Volkes zu f&uuml;rchten, das in dem
+gegenw&auml;rtigen Zustande des Elends und der Eifersucht gegen die
+H&ouml;heren seine Unabh&auml;ngigkeit nur zur Pl&uuml;nderung und
+Erw&uuml;rgung derselben benutzen w&uuml;rde.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aus dieser Darlegung resultirt, da&szlig; die Gew&auml;hrung einer
+ausk&ouml;mmlichen Lebenshaltung ausschlie&szlig;lich von der
+Entdeckung des soziet&auml;ren Regimes und der anziehenden Arbeit
+abh&auml;ngt. Wie kann man dem Volk von Freiheit zu sprechen wagen,
+wenn man ihm selbst nicht einmal die widerwillige Arbeit, von der
+heute seine Existenz abh&auml;ngt, zu garantiren vermag? In einem
+solchen Zustande der Dinge, wie dem gegenw&auml;rtigen, wird alle
+Freiheit nur ein Keim des Aufruhrs. Die Agitatoren f&uuml;hlen das
+wohl und darum haben sie die Macht an sich gerissen. Ihre erste Sorge
+ist, dem Volk den Maulkorb anzulegen und die philosophischen
+Schw&auml;tzer, die Bonaparte knebelte und Robespierre in Masse auf's
+Schaffot schickte, zu unterdr&uuml;cken.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+<i>&bdquo;In der Zivilisation kann also keine wirkliche Freiheit
+existiren</i>, sie existirt nur im Zustande der Wildheit, aber dort
+unvollst&auml;ndig und gef&auml;hrlich, weil sie die Horde dem Hunger,
+dem Krieg, der Pest aussetzt und weder sich auf die Frauen, noch auf
+die Greise ausdehnt, welch letztere man opfert, wenn sie unbrauchbar
+werden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Obschon die Freiheit des m&auml;nnlichen Wilden dem Schicksal unserer
+Arbeiter und Bettler vorzuziehen ist, ist sie nur ein rohes, der
+Vernunft unw&uuml;rdiges Gl&uuml;ck, weil die industrielle
+Th&auml;tigkeit ihm fremd ist. Andererseits ist der Zustand des Elends
+und der Unterdr&uuml;ckung, in dem unsere Arbeiter seufzen, nicht die
+Frucht des sozialen Genies, sondern des Mangels an einem solchen und
+eine Schmach f&uuml;r die Wissenschaft. Weit entfernt, da&szlig; diese
+verstand, uns zur Freiheit zu erheben, hat sie nicht einmal sie zu
+definiren gewu&szlig;t, noch vermochte sie ihre verschiedenen
+Charaktereigenschaften darzulegen. Der Wissenschaft bleibt die
+Schande, unter dem Vorwand, uns ein Gut zu geben, dessen Wesen sie
+selbst nicht kannte, tausend politische St&uuml;rme erregt zu haben.
+Sie ist mit der Freiheit wie mit dem Handel verfahren, sie hat einen
+Hebel zu literarischen Intriguen aus ihnen gemacht und weit entfernt,
+einen Schatten von Ehrlichkeit in ihre Debatten zu tragen, hat sie
+selbst weder die Probleme bezeichnet, noch empfohlen, welche auf's
+Lebhafteste die Anstrengungen des Genies herausfordern, n&auml;mlich:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In Sachen des Handels: das Bed&uuml;rfni&szlig; der Assoziation, die
+Garantie der Wahrheit und die Unterdr&uuml;ckung der zahlreichen
+Verbrechen der handeltreibenden K&ouml;rperschaften: der Bankerotte,
+des Wuchers, des B&ouml;rsenspiels etc.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In Sachen der Freiheit: das Bed&uuml;rfni&szlig; der industriellen
+Attraktion; ein Aequivalent f&uuml;r die nat&uuml;rlichen Rechte (die
+der Wilde hat) und Garantien f&uuml;r ein gradweise abgestuftes
+Minimum f&uuml;r die verschiedenen Klassen.&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Streit &uuml;ber die Freiheit hat erst neuerdings vier Millionen
+K&ouml;pfe gekostet (Fourier spielt hier auf die der gro&szlig;en
+Revolution folgenden Kriege an), die den politischen Sophismen und der
+Handelseifersucht geopfert wurden, gen&uuml;gend, um dieses Chaos von
+irrigen Lehren &uuml;ber die Freiheit und den Handel zu entwirren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es geh&ouml;rt zu den Gebr&auml;uchen der Zivilisirten, einem Dogma
+zu Ehren, dessen Sinn, noch dessen praktische Wirkungen man kennt,
+sich gegenseitig an die Gurgel zu fahren. Beweis daf&uuml;r sind die
+aus den Debatten &uuml;ber die Verwandlung <TT>(Transsubstantiation)</TT>
+und die Wesenseinheit <TT>(Consubstantialit&eacute;)</TT>
+hervorgegangenen Kriege. Unser Jahrhundert hat &auml;hnlich &uuml;ber
+die Menschenrechte spekulirt; um sie zu erhalten, massakrirte man sich
+und doch kannte man ihr wahres Wesen nicht.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Nach Fourier liegt das wahre Wesen der Freiheit in der Anerkennung
+&bdquo;des Rechts auf Arbeit&ldquo;, das &bdquo;f&uuml;r den Armen allein werthvoll
+ist.&ldquo; Die Erfahrung hat uns zur Gen&uuml;ge gelehrt, da&szlig; mit
+dieser Anerkennung auch nichts gethan ist. Es ist auch &uuml;ber
+dieses &bdquo;Recht&ldquo; gar viel gestritten worden und zuletzt, im Jahre 1848
+in Paris in den Junitagen, viel Blut geflossen. Das Recht auf Arbeit
+steht in Bezug auf seine Phrasenhaftigkeit um kein Haar breit hinter
+der &bdquo;Freiheit&ldquo; und den &bdquo;Menschenrechten&ldquo; zur&uuml;ck, Jeder legt sich
+dieses &bdquo;Recht&ldquo; zurecht, wie er es braucht und es seinem
+Interessenstandpunkt entspricht. Gewisse Sozialisten betrachten noch
+heute das Wort als eine Art Schiboleth, das die soziale Frage
+l&ouml;se; bei den Anh&auml;ngern des preu&szlig;ischen Landrechts,
+die dieses &bdquo;Recht&ldquo; ebenfalls anerkennen, schrumpft es zu einem Recht
+auf Armenhausarbeit und Armenunterst&uuml;tzung zusammen. Auch nach
+der Junirevolution hat es noch die K&ouml;pfe in der
+franz&ouml;sischen Kammer erhitzt, man schlug gro&szlig;e
+Redeschlachten und dabei ist es bis heute geblieben. Schlie&szlig;lich
+waren bei all diesen Schlagworten es immer und immer die Vertreter der
+kleinb&uuml;rgerlichen Demokratie, die sich am eifrigsten f&uuml;r sie
+begeisterten und sich zu ihren Champions aufwarfen. Ganz begreiflich.
+Diese Demokratie repr&auml;sentirt eine Gesellschaftsschicht, die
+zwischen der gro&szlig;b&uuml;rgerlichen und der proletarischen Klasse
+mitten innesteht, in Folge davon ohnm&auml;chtig ist und in Bezug auf
+die Heilung der sozialen Uebel an chronischer Impotenz leidet und
+daher ihr Thatenbed&uuml;rfni&szlig; in gro&szlig;en Worten und
+Kraftphrasen zu verpuffen gen&ouml;thigt ist. Die b&uuml;rgerlichen
+Ideologen lieben es, am Klang der Worte sich zu berauschen, sie sind
+aber allm&auml;lig sehr einflu&szlig;los und harmlos geworden.
+
+</P><P>
+
+Fourier war allerdings ein viel zu mathematisch denkender und logisch
+schlie&szlig;ender Kopf, um sich durch eine Phrase, die er bei Andern
+klar durchschaute, beirren zu lassen, und so folgert er: es giebt
+keine wie immer zusammengesetzte Freiheit ohne das Minimum; kein
+Minimum ohne die industrielle Anziehung <TT>(attraction)</TT>; keine
+industrielle Anziehung in der zerst&uuml;ckelten
+<TT>(morcel&eacute;)</TT> Arbeit, womit er sagen will, in der auf
+Privatwirthschaft beruhenden Arbeit. Die industrielle Anziehung kann
+nur aus den Serien der Triebe geboren werden; also:
+
+</P><P>
+
+Das Minimum, gest&uuml;tzt auf die industrielle Anziehung, ist der
+einzige Weg zur Freiheit, einen andern giebt es nicht. Aber um in
+diesen Weg einzutreten, mu&szlig; man die Zivilisation verlassen,
+mu&szlig; man ihre Produktions- und Distributionsform aufheben; und da
+es hierzu, nach ihm, zw&ouml;lf Wege giebt, mu&szlig; man den
+g&uuml;nstigsten w&auml;hlen, um zur Assoziation zu gelangen.
+
+</P><P>
+
+Es handelt sich also darum, den neuen Zustand dergestalt zu
+organisiren, da&szlig; folgende sieben Funktionen voll angewendet und
+ausge&uuml;bt werden k&ouml;nnen: h&auml;usliche Arbeiten,
+l&auml;ndliche Arbeiten, industrielle Arbeiten, Austausch, Unterricht,
+Wissenschaften, sch&ouml;ne K&uuml;nste. Es mu&szlig; vorhanden sein:
+Anziehung f&uuml;r alle Besch&auml;ftigungen, proportionale
+Vertheilung des Erzeugten, Gleichgewicht der Bev&ouml;lkerung,
+Oekonomie in den H&uuml;lfsmitteln.
+
+</P><P>
+
+Die Anziehung an die Arbeiten kann nur vorhanden sein, wenn jede
+Arbeit angenehm <i>und</i> lukrativ ist. Die Vertheilung findet statt
+nach den drei industriellen F&auml;higkeiten: Arbeit, Kapital, Talent.
+Die Bev&ouml;lkerungszahl einer Phalanx darf 1800&ndash;2000 Personen
+nicht &uuml;berschreiten, weil in dieser Zahl, nach Fourier's
+Berechnung, die verschiedenen Triebe und Charaktereigenschaften voll
+und zweckm&auml;&szlig;ig vertheilt enthalten sind und eine
+gr&ouml;&szlig;ere oder kleinere Zahl die Ausgleichung st&ouml;ren
+w&uuml;rde. Die Oekonomie der H&uuml;lfsmittel ergiebt sich aus dem
+m&ouml;glichst zweckm&auml;&szlig;igen Zusammenwirken aller mit
+einander Operirenden, die alle gleichm&auml;&szlig;ig an der
+Ersparni&szlig; von Materialien, Zeit und Kraft interessirt sind. So
+wird man in einer Phalanx von 400 Familien nicht 400 K&uuml;chenfeuer,
+400 Einzelwirthschaften erhalten, sondern man wird nur 4 oder 5
+gro&szlig;e K&uuml;chenfeuer anlegen und die Bewohner in 4 oder 5
+Klassen, nach dem Stande ihres Verm&ouml;gens, eintheilen und sie in
+einem gemeinsamen Palast wohnen lassen. Der soziet&auml;re Zustand
+l&auml;&szlig;t keine Gleichheit zu. Ebenso werden bei dem Ackerbau
+wie bei der Industrie die Vortheile in positiver Beziehung &mdash;
+Erh&ouml;hung der Produkte durch zweckm&auml;&szlig;igste Kombinirung
+und Anwendung der Kr&auml;fte und H&uuml;lfsmittel &mdash; und in
+negativer Beziehung &mdash; Ersparnisse an Kraft, Zeit, Materialien
+&mdash; sehr bedeutende sein. Es entsteht wieder rationelle Waldzucht,
+Quellenschonung, Klimaverbesserung. Ueber alle diese Vortheile, welche
+die assoziirte Th&auml;tigkeit erzeugen m&uuml;sse, &auml;u&szlig;ert
+sich Fourier wie folgt:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Eine Phalanx, die sich z.&nbsp;B. mit Wein- oder Oelbau befa&szlig;t, wird
+nur einen einzigen Werkraum f&uuml;r die Fertigstellung n&ouml;thig
+haben, statt der vielen, die jetzt in einer Gemeinde von 15&ndash;1800
+Seelen n&ouml;thig sind; statt 300 Bottiche wird sie nur ein Dutzend
+bed&uuml;rfen. Man wird ferner f&uuml;r die Reben- und Oelbaumanlagen
+die Ueberwachung, die Einfriedigungen und Ummauerungen ersparen. Man
+wird die Lese nicht auf einmal vornehmen, wie dies jetzt der kleine
+Privatbesitzer, um Kosten und Zeit zu ersparen, thun mu&szlig;,
+sondern in dem Ma&szlig;e, wie die Trauben reifen, und damit
+gro&szlig;e Verluste an Quantit&auml;t oder Qualit&auml;t
+verh&uuml;ten. Statt der 1000 F&auml;sser, welche heute 300 Familien
+ben&ouml;thigen, werden 30 gro&szlig;e Tonnen gen&uuml;gen. Man wird
+neun Zehntel der Kosten f&uuml;r die Lagerr&auml;ume, neunzehn
+Zwanzigstel f&uuml;r das Fa&szlig;werk ersparen. Die richtige
+Behandlung des Weins ist dem kleinen Besitzer unm&ouml;glich, weder
+kann er ihm die n&ouml;thige Lagerung gew&auml;hren in trockenen gut
+gel&uuml;fteten nach Norden gelegenen Lagerr&auml;umen, noch hat er
+die Einrichtungen und Vorrichtungen f&uuml;r die t&auml;gliche
+K&uuml;hlung der Keller und F&auml;sser. Auch fehlt der Ueberzahl der
+Besitzer die M&ouml;glichkeit, die Weine durch verschiedene
+F&uuml;llungen zu verbessern, leichte mit schweren Qualit&auml;ten zu
+schneiden, oder sich fremde w&auml;rmere Weine zu verschaffen. Ferner
+wird heute der Wein, unmittelbar nach der Ernte, von vielen
+Eigenth&uuml;mern zum billigsten Preis verkauft, weil sie ihn
+verkaufen m&uuml;ssen, sei es, da&szlig; sie Geld n&ouml;thig haben,
+der Gl&auml;ubiger schon wartet, oder da&szlig; es ihnen an geeigneten
+Aufbewahrungsr&auml;umen fehlt, und sie der Mittel oder des
+Verst&auml;ndnisses zur Pflege entbehren. In der Phalanx wird der Wein
+in Folge guter Aufbewahrung und Pflege schon nach einem Jahre das
+F&uuml;nffache des Preises werth sein und mit dem Alter entsprechend
+im Preise steigen. Die Phalanx verkauft ihn, wie ihr Interesse
+gebietet. Und so noch viele andere Vortheile, die aus der
+Gemeinwirthschaft entspringen, stets Kosten ersparen und die Produkte
+verbessern. Man wird bessern Saamen, bessere Pflanzen anschaffen, im
+Ankauf nie betrogen werden; man wird f&uuml;r die verschiedenen
+Pflanzungen die besten und geeignetsten Bodenarten aussuchen
+k&ouml;nnen, Maschinen, Geb&auml;ude, St&auml;lle, Lagerr&auml;ume
+werden die zweckm&auml;&szlig;igsten sein, die verf&uuml;gbaren
+Kr&auml;fte werden jede Arbeit im richtigen Moment erm&ouml;glichen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Eine der gl&auml;nzendsten Seiten der soziet&auml;ren Arbeit wird die
+Einf&uuml;hrung der Wahrheit in Handel und Wandel werden. Indem die
+Assoziation die kooperative, solidarische, sehr vereinfachte, auf
+Wahrhaftigkeit und Garantie beruhende Konkurrenz an die Stelle der
+individuellen, unsoliden, l&uuml;gnerischen, verschlungenen und
+willk&uuml;rlichen Konkurrenz der Zivilisation setzt, wird sie nur ein
+Zwanzigstel der Arme und der Kapitalien ben&ouml;thigen. Man wird also
+den heutigen Handel als parasitisch unterdr&uuml;cken, denn
+parasitisch ist Alles, was unterdr&uuml;ckt werden kann, ohne
+da&szlig; der Zweck gesch&auml;digt wird. Man wird in der Phalanx
+statt hunderter konkurrirender und gegen einander intriguirender
+Kaufleute und Kr&auml;mer mit ihren Verkaufshallen und L&auml;den nur
+ein gro&szlig;es Waarenlager und verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig
+sehr wenig Personen brauchen, da alle K&auml;ufe und Verk&auml;ufe
+nach au&szlig;en die Phalanxen unter sich abschlie&szlig;en.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der Zivilisation ist der Mechanismus in jeder Art der
+ruin&ouml;seste und falscheste. So giebt es au&szlig;er im Handel noch
+tausende und abertausende von parasitischen Existenzen, z.&nbsp;B. die in
+der Rechtspflege besch&auml;ftigten Personen, eine Institution, die
+nur auf den Fehlern der zivilisirten Ordnung beruht ... Andererseits
+fehlen die Mittel f&uuml;r das N&ouml;thigste. So mangeln Frankreich
+heute einige hundert Millionen Franken f&uuml;r die Verbesserung der
+Wege und Stra&szlig;en; im soziet&auml;ren Zustand, wo Phalanx an
+Phalanx sich reiht, bestehen die ausgezeichneten Verbindungsmittel,
+f&uuml;r die jedes Phalanst&egrave;re (das Phalanst&egrave;re ist der
+ganze Bezirk [Kanton] inklusive der Geb&auml;ude. Der Kanton soll nach
+Fourier eine Quadratstunde Fl&auml;cheninhalt haben) aufzukommen hat,
+ohne da&szlig; es der Staatssteuern dazu bedarf. Ebenso f&auml;llt die
+kostspielige Katastrirung der Grundst&uuml;cke f&uuml;r den Staat
+fort. Eine Wahl, die heute unendlich viel Zeit und Geldopfer
+erfordert, eine Menge der widerlichsten Kabalen erzeugt, wird in der
+Phalanx dem Einzelnen kaum eine Minute Zeit kosten, eine Reise dazu
+hat er nicht n&ouml;thig zu machen.&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Unter die Unproduktiven geh&ouml;ren ferner die Soldaten, die
+Grenzw&auml;chter, die Steuerbeamten; auch sind ein gro&szlig;er Theil
+der Dienstboten und viele von den in der isolirten Wirthschaft
+besch&auml;ftigten Personen unter die Parasiten zu rechnen. Sobald
+M&auml;nner, Frauen, Kinder, letztere vom dritten Lebensjahre ab, aus
+Anziehung th&auml;tig sind, wenn Trieb, Geschicklichkeit, Wetteifer,
+der verbesserte Mechanismus der Arbeit, Einheitlichkeit der
+Handlungen, freier Verkehr, Verbesserungen des Klimas, h&ouml;here
+Kraft und Langlebigkeit der Menschen zusammenwirken, werden die
+Arbeitsmittel und Kr&auml;fte in's Unberechenbare sich steigern und
+wird das Produkt quantitativ und qualitativ sich dem entsprechend
+veredeln und vermehren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Am meisten wird das Schicksal der Kinder in der soziet&auml;ren
+Organisation sich verbessern. In der meist sehr &uuml;bel und
+mangelhaft geleiteten Privatwirthschaft finden die Kinder in ihren
+H&uuml;tten, Hofwerkstellen, Scheuern weder die H&uuml;lfsmittel, noch
+die Belehrung, noch die Beurtheilung, noch den Antrieb, den sie
+n&ouml;thig haben, um sich geh&ouml;rig zu entwickeln. Dabei sterben
+sie massenhaft in Folge ihrer ungesunden Wohn- und Lebensweise, oder
+sie siechen dahin. Im soziet&auml;ren Zustand wird die Sterblichkeit
+sich au&szlig;erordentlich vermindern, die Kinder werden an
+k&ouml;rperlicher und geistiger Gesundheit in heute ungeahnter Weise
+zunehmen. Drohende Ueberv&ouml;lkerung wird die soziet&auml;re
+Organisation auszugleichen wissen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Zivilisation befindet sich allen diesen Fragen gegen&uuml;ber in
+einem falschen Kreisschlu&szlig; <TT>(cercle vicieux)</TT> und das
+erkennt man allm&auml;lig. Man ist erstaunt, zu finden, da&szlig;
+<i>in der Zivilisation die Armuth selbst den Ueberflu&szlig;
+erzeugt.</i> Unser Zustand bringt nicht das Gl&uuml;ck, sondern das
+Nichtgl&uuml;ck hervor; die Exzesse der Industrie f&uuml;hren zu den
+gr&ouml;&szlig;ten Uebeln, sie werfen uns von der Scylla in die
+Charybdis, und warum? Weil wir ohne Leitfaden in einem Labyrinthe
+wandeln. Das zeigt sich &uuml;berall. W&auml;hlen wir als Beispiel die
+nat&uuml;rlichen Anlagen des Menschen und die Kunst, sie zum Aufbruch
+zu bringen. Ein K&auml;rrner f&auml;hrt Metall in eine
+Gie&szlig;erei.<a href="#Footnote_14"
+name="FNanchor_14" id="FNanchor_14"><sup>14</sup></a> Bei dem Anblick ihrer
+Einrichtungen erfa&szlig;t ihn die Neigung, als Lehrling einzutreten.
+Er entdeckt bei sich einen Trieb, den bisher weder er, noch seine
+Eltern kannten; er tritt wirklich als Lehrling ein und macht so
+erstaunliche Fortschritte, da&szlig; er schon nach einem Jahre einen
+sehr geschickten Arbeiter ersetzte und pro Tag 22 Franken verdiente.
+Welche Anklage liegt in diesem einen Beispiel gegen unsere Arbeits-
+und Erziehungsmethoden, gegen unsere Theorie der Vervollkommnung und
+des Studiums des Menschen. Jedes Kind hat vom jugendlichsten Alter an
+Anlagen und Triebe verschiedenster Art, aber wie erm&ouml;glichen,
+da&szlig; wir sie kennen lernen? Dazu ist die Zivilisation
+unf&auml;hig. Uns mangelt der Kompa&szlig;, der Schl&uuml;ssel, der
+uns dieses Zauberbuch &uuml;ber die Anziehungen und die industriellen
+und wissenschaftlichen Anlagen und Triebe entziffert. Das kann nur
+durch die Anwendung der Serien der Triebe geschehen; sie bilden den
+Schl&uuml;ssel zu jedem Zweig des sozialen Mechanismus und
+haupts&auml;chlich auch f&uuml;r die Erziehung. Das Problem, das es
+hier zu l&ouml;sen gilt, ist, nicht nur eine, sondern selbst zwanzig
+Anlagen zum Aufbruch zu bringen bei einem Kinde, das kaum drei Jahre
+alt ist. Vom vierten Jahre ab soll es schon spielend in zwanzig
+verschiedenen Serien industrieller Th&auml;tigkeit geschickt sein und
+mehr gewinnen, als seine Nahrung und sein Unterhalt kosten; es
+&uuml;bt abwechselnd alle physischen und intellektuellen
+F&auml;higkeiten, Alles mit Eifer ergreifend. Statt zwanzig Anlagen im
+Alter von vier Jahren finden wir bei dem Zivilisirten oft nicht eine
+im Alter von zwanzig Jahren, sie wurden unterdr&uuml;ckt, erstickt,
+weil die Eltern arm waren, oder die Triebe und Anlagen nicht anzuregen
+verstanden, oder die Gelegenheit fehlte. So steht es &auml;hnlich
+selbst bei der wohlhabenden Klasse. Unter zwanzig jungen Leuten, die
+man auf die Universit&auml;ten und Hochschulen schickt, ist &ouml;fter
+kaum einer, der die in ihn gesetzten Hoffnungen erf&uuml;llt. Die
+Anlagen zum Aufbruch zu bringen, die Kunst, sie vom niedersten
+Lebensalter an zu entwickeln, das ist die Klippe, an der unsere
+Wissenschaften scheitern. Wir verstehen das nicht einmal in der
+Agrikultur, woher es kommt, da&szlig; diese selbst unserer Dorfjugend
+widerw&auml;rtig erscheint. Unsere wissenschaftliche, unsere
+industrielle Erziehung steht, wie Alles, au&szlig;erhalb der Natur,
+au&szlig;erhalb der Anziehung. Es ist klar, wir brauchen einen
+Wegweiser, eine neue Wissenschaft und diese ist die Lehre von den
+Serien der Triebe. Ohne sie werden die Nebel immer gr&ouml;&szlig;er.
+Man behauptet, die Menschen seien heute nicht falscher als
+fr&uuml;her. Inde&szlig; vor einem halben Jahrhundert konnte man
+f&uuml;r wenig Geld noch Stoffe von guter Farbe und Qualit&auml;t und
+nat&uuml;rliche, d.&nbsp;h. unverf&auml;lschte Nahrungsmittel kaufen; heute
+herrschen &uuml;berall Verf&auml;lschung und Betr&uuml;gerei. Der
+Landmann selbst ist ein F&auml;lscher geworden, wie es der Kaufmann
+schon vor ihm war. Milch, Oel, Wein, Branntwein, Zucker, Mehl, Kaffee,
+Alles ist schamlos verf&auml;lscht. Die arme Menge kann sich keine
+nat&uuml;rlichen Lebensmittel mehr verschaffen, man verkauft ihr
+langsam wirkende Gifte; solche Fortschritte machte der Handelsgeist
+selbst bis in die entlegensten D&ouml;rfer. Seit f&uuml;nfzig Jahren
+hat sich die Zahl der Handeltreibenden vervierfacht, ohne da&szlig;
+die Besch&auml;ftigung f&uuml;r sie sich entsprechend vermehrte, der
+Schwindel ist in demselben Ma&szlig;e gewachsen und ebenso die
+Aufsaugung der Kapitalien.&ldquo;<a href="#Footnote_15"
+name="FNanchor_15" id="FNanchor_15"><sup>15</sup></a> &bdquo;Zu allen Zeiten und an allen
+Orten wird die Anziehung der Triebe zu drei Zielen zu kommen suchen:
+Zum Luxus oder zur Befriedigung der f&uuml;nf Sinne; zu
+Gruppenbildungen und Serien der Gruppen &mdash; Bande der Zuneigung
+&mdash;; zu dem Mechanismus der Triebe, der Charaktere und Instinkte;
+und durch sie alle drei zur universellen Einheitlichkeit.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Luxus umfa&szlig;t alle sinnlichen Vergn&uuml;gungen. Indem sich
+die Triebe nach Befriedigung sehnen, w&uuml;nschen wir uns implicite
+Gesundheit und Reichthum als Mittel der Befriedigung; wir
+w&uuml;nschen uns inneren Luxus oder k&ouml;rperliche Kraft,
+Verfeinerung und St&auml;rke der Sinne, und &auml;u&szlig;eren Luxus
+oder Reichthum. Man mu&szlig; diese beiden Mittel besitzen, um den
+ersten Zweck der Anziehung der Triebe zu erreichen. Wir m&uuml;ssen
+also befriedigen: Geschmack, Gef&uuml;hl, Gesicht, Geh&ouml;r, Geruch.
+F&uuml;r das zweite Ziel sucht die Anziehung Gruppen zu bilden und
+zwar in der Zahl von vier: Gruppe der Freundschaft, des Ehrgeizes, als
+h&ouml;here; der Liebe, der Elternschaft oder der Familie, als niedere
+Ziele. Alle Gruppen, die sich in voller Freiheit und nach Neigung
+bilden, beziehen sich auf eins dieser vier Ziele. Wird eine Gruppe
+zahlreich, so theilt sie sich in Untergruppen, indem sie eine Serie
+von Theilen bildet, abgestuft in Nuancen nach Neigungen und Geschmack.
+Alle Gruppen suchen eine Serie (Reihe) oder Stufenleiter zu bilden,
+verschieden in Gattung und Art. Die Serien der Gruppen sind also
+zweites Ziel der Anziehung, indem sie sich f&uuml;r alle Funktionen
+der Sinne und der Seele bilden. Das dritte Ziel ist der Mechanismus
+der Triebe oder der Serien von Gruppen. Es ist das Bestreben der
+f&uuml;nf sinnlichen Triebe (1. Geschmack, 2. Gef&uuml;hl, 3. Geruch,
+4. Gesicht, 5. Geh&ouml;r) mit den vier affektiven: 6. Freundschaft,
+7. Ehrgeiz, 8. Liebe, 9. Elternschaft, in Uebereinstimmung zu bringen.
+Diese Uebereinstimmung vollzieht sich durch Vermittelung der drei
+wenig bekannten und viel verkannten Triebe. 10. der Kabalist, Trieb
+durch Intrigue nach Vereinigung der Gleichstrebenden; 11. der
+Papillon, Trieb nach Abwechslung, nach Kontrasten; 12. der Komposit,
+Trieb der Aneiferung, der Begeisterung, des Strebens nach
+Vervollkommnung.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Diese zw&ouml;lf zusammenwirkenden Triebe stellen die Harmonie der
+Triebe her. Ein Jeder w&uuml;nscht im Spiel seiner Triebe eine solche
+Ausgleichung sich zu verschaffen, da&szlig; der Aufschwung des einen
+Triebes den Aufschwung aller &uuml;brigen beg&uuml;nstigt. Z.&nbsp;B. Liebe,
+Ehrgeiz wollen ihr Ziel erreichen und nicht entt&auml;uscht sein; die
+Gourmandis hat die Absicht, die Gesundheit zu verbessern, und nicht zu
+sch&auml;digen ... Gegenw&auml;rtig ist der Mensch im Kriege mit sich
+selbst. Seine Triebe gerathen aneinander. Der Ehrgeiz wirkt der Liebe,
+die Elternschaft der Freundschaft entgegen, und so befinden sich alle
+Triebe best&auml;ndig in Disharmonie. Aus diesem Kampf der Triebe
+entstand die Wissenschaft der Moral, die verlangt, man solle die
+Triebe unterdr&uuml;cken; aber unterdr&uuml;cken hei&szlig;t nicht
+organisiren, harmoniren. Unser Zweck ist, den freiwillig ineinander
+greifenden Mechanismus der Triebe zu schaffen, <i>ohne einen zu
+unterdr&uuml;cken</i>. Dies geschieht, wenn jedes Individuum, indem es
+sein pers&ouml;nliches Interesse verfolgt, damit auch dem
+Allgemeininteresse best&auml;ndig dient. Heute ist das Gegentheil der
+Fall. Die Zivilisation ist ein Krieg des Einen gegen Alle und Aller
+gegen Einen; eine Ordnung, wo Jeder sein Interesse dabei findet, alle
+Anderen zu t&auml;uschen, sie ist ein den Trieben fremder Diskord;
+aber das Ziel der Triebe mu&szlig; sein, zur inneren und
+&auml;u&szlig;eren Harmonie zu kommen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Kunst zu assoziiren, besteht darin, eine Phalanx von Serien der
+Triebe in voller Uebereinstimmung bilden und entwickeln zu
+k&ouml;nnen, die vollkommen frei nur durch Anziehung bewegt sein
+sollen und angewendet werden auf die sieben bereits erw&auml;hnten
+industriellen Funktionen. Hauswirthschaft, Ackerbau, Industrie, Handel
+und Verkehr, Unterricht, Wissenschaften, sch&ouml;ne K&uuml;nste ...
+Eine Serie der Triebe ist eine Verbindung verschiedener in auf- und
+absteigender Stufenfolge verbundener Gruppen, die vereinigt sind durch
+Uebereinstimmung des Geschmacks f&uuml;r irgend eine Th&auml;tigkeit,
+wie den Anbau einer Frucht, und in welcher f&uuml;r jeden Zweig der
+Arbeit hierbei eine spezielle Gruppe sich bildet. Wenn die Serie
+Hyazinthen oder Kartoffeln baut, mu&szlig; sie eben so viel Gruppen
+bilden, als Arten von Hyazinthen oder Kartoffeln kultivirt werden
+sollen. Jede Gruppe bildet sich aus Gliedern der Serie, die f&uuml;r
+eine bestimmte Art inkliniren. Es sind mindestens 45&ndash;50 Serien
+nothwendig, wenn einigerma&szlig;en die n&ouml;thige Abwechslung und
+Ausgleichung herbeigef&uuml;hrt werden soll. Die Serien benutzen die
+Verschiedenheiten der Charaktere, des Geschmacks, der Instinkte, der
+Verm&ouml;gen, der Anspr&uuml;che, der Bildungsstufen. Jede Serie
+setzt sich aus kontrastirenden und abgestuften Ungleichheiten
+zusammen, sie erheischt ebensoviel Gegens&auml;tze oder Antipathien
+als Uebereinstimmungen oder Sympathien, wie ja auch in der Musik ein
+Akkord dadurch sich herstellt, da&szlig; man ebensoviel Noten
+ausfallen l&auml;&szlig;t, als man zusetzt. Die Kontraste der
+T&ouml;ne erzeugen den Akkord. Eine Vereinigung von Serien der Triebe
+hat f&uuml;r die soziale Harmonie gl&auml;nzende Eigenschaften, sie
+erzeugt Bewegung, Wahrheit, Gerechtigkeit, direkte und indirekte
+Uebereinstimmung, Einheitlichkeit. Die Zivilisation hat alle
+entgegengesetzten Eigenschaften: Entkr&auml;ftung, Ungerechtigkeit,
+Betrug, Mi&szlig;stimmung, Zweideutigkeit. Aber die Serie der Triebe
+w&uuml;rde nicht richtig funktioniren, wenn sie nicht drei
+Eigenschaften bes&auml;&szlig;e. Die verschiedenen Gruppen m&uuml;ssen
+miteinander rivalisiren oder gegeneinander in Bewegung gerathen; das
+ist nur m&ouml;glich, wenn die Gruppen nicht grundverschiedene
+Leistungen vollziehen, sondern nur gradweise verschiedene, also z.&nbsp;B.
+nicht verschiedene Arten von Obst, sondern verschiedene Sorten einer
+Art bauen. Ferner m&uuml;ssen die einzelnen Sitzungen kurz sein, sie
+d&uuml;rfen sich nicht &uuml;ber zwei Stunden ausdehnen, weil sonst
+die Erm&uuml;dung eintritt. Soll eine Arbeit anziehend sein, so
+mu&szlig; sie kurzzeitig sein und man mu&szlig; dann zu einer andern
+kontrastirenden Th&auml;tigkeit &uuml;bergehen k&ouml;nnen. Endlich
+mu&szlig; Jedes in der Gruppe eine bestimmte Arbeit haben, die es im
+Wetteifer mit den Uebrigen am besten zu machen sucht. So kommen die
+Kabalist, die Papillon, die Komposit in Anwendung. Eine Gruppe
+gen&uuml;gt, wenn sie sieben Mitglieder z&auml;hlt; sie ist
+vollkommen, wenn sie neun hat; sie theilt sich dann unwillk&uuml;rlich
+wieder in Untergruppen, in die beiden Fl&uuml;gel und das Zentrum.
+Vierundzwanzig Gruppen ist die niedrigste Anzahl f&uuml;r eine Serie.&ldquo;
+
+</P>
+<BR /><HR><BR />
+<P>
+
+&bdquo;Die Zivilisirten treffen &uuml;berall instinktiv das Falsche, sie
+ziehen immer das Falsche dem Wahren vor und so ist auch der Angelpunkt
+ihres Systems eine falsche Gruppe, die sie auf die kleinste Zahl, auf
+zwei beschr&auml;nkten. Diese Gruppe ist das Ehepaar. Diese Gruppe ist
+falsch durch die Beschr&auml;nkung der Zahl, falsch durch das Fehlen
+der Freiheit, falsch durch das Auseinandergehen und die Spaltungen des
+Geschmacks. Diese Differenzen machen sich schon nach den ersten Tagen
+f&uuml;hlbar; man differirt bez&uuml;glich der Gerichte, der ehelichen
+Besuche, der Ausgaben, der Unterhaltung, und wegen hundert anderer
+Dinge. Nun, wenn die Zivilisirten nicht einmal die
+urspr&uuml;nglichste ihrer Gruppen harmonisiren k&ouml;nnen, dann
+k&ouml;nnen sie dies noch weniger mit dem Ganzen. <i>Der Mensch ist
+aus Instinkt Feind des Zwanges und der Gleichheit, er strebt in jeder
+Beziehung best&auml;ndig nach Ver&auml;nderung.&ldquo;</i>
+
+</P><P>
+
+Da nach Fourier also der Mensch in jeder Beziehung Feind der
+Gleichheit ist, weshalb auch die Verm&ouml;gensunterschiede bestehen
+bleiben m&uuml;ssen, giebt es in der Phalanx eine hierarchische
+Ordnung, die freilich, bei Lichte besehen, sehr harmlos ist, und sich
+auch nur zum Besten des Ganzen beth&auml;tigen kann. Freund
+milit&auml;rischer Einrichtungen, die ihm durch ihre strenge Ordnung
+und ihre regelm&auml;&szlig;ige Funktionirung imponiren &mdash; er
+soll mit gro&szlig;er Vorliebe bis an sein Lebensende den
+milit&auml;rischen Uebungen und Paraden beigewohnt haben &mdash;,
+giebt er seiner phalansteren Hierarchie einen
+milit&auml;risch-monarchischen Anstrich, obgleich ihr Grundtypus ein
+rein demokratischer ist. Die Leiter der Serien und Gruppen werden
+Offiziere genannt und haben milit&auml;rische Grade. Es sind
+Hauptleute, Lieutenants, Fahnenjunker; es giebt ganze St&auml;be in
+der Phalanx und werden alle W&uuml;rden ohne R&uuml;cksicht auf das
+Geschlecht erworben. Sind in einer Gruppe oder Serie
+haupts&auml;chlich Frauen, so werden die Offiziersstellen
+haupts&auml;chlich Frauen bekleiden. Dasselbe gilt von den Kindern,
+Knaben wie M&auml;dchen. Die Mitglieder der Serien und Gruppen
+w&auml;hlen zu ihren Leitern Diejenigen, die sich innerhalb ihres
+Kreises am meisten auszeichnen und dadurch die Sympathien der Uebrigen
+erwerben. Fourier ist ferner der Ansicht, da&szlig; die Menschen, mit
+sehr wenig Ausnahmen, an &auml;u&szlig;eren Auszeichnungen, an
+sch&ouml;nen Farbenzusammenstellungen in ihrer Kleidung, an Uniformen,
+gl&auml;nzenden Schaustellungen und Festen, opulenten Einrichtungen,
+pr&auml;chtigen Denkm&auml;lern und Bauten ihre Freude haben. Nach all
+diesen Richtungen soll die Phalanx das H&ouml;chste bieten.
+
+</P><P>
+
+Zur Leitung werden zweierlei Arten von Offizieren gew&auml;hlt; die
+Einen, welche die eigentliche gesch&auml;ftliche Leitung haben, und
+die Andern, welche den sogenannten &auml;u&szlig;eren Dienst versehen,
+die f&uuml;r den Glanz und das w&uuml;rdige Auftreten der Gruppen und
+Serien bei Festen, Aufz&uuml;gen, Schaustellungen und f&uuml;r die
+Ausschm&uuml;ckung sorgen. Auch in letzterer Beziehung wird ein
+lebhafter Wetteifer zwischen den einzelnen Serien und Gruppen
+entstehen. Man wird f&uuml;r die zuletzt erw&auml;hnten Funktionen
+haupts&auml;chlich solche Personen zu Offizieren erw&auml;hlen, die
+gr&ouml;&szlig;eren Reichthum besitzen. Denn da in der Phalanx das
+Kapital f&uuml;nf- und sechsfach h&ouml;here Zinsen erlangt, als in
+der Zivilisation, ohne da&szlig; Arbeit und Talent dabei zu kurz
+kommen, und die reichen Leute in der Phalanx sehr bedeutend billiger
+und doch viel besser leben, als in unserer gegenw&auml;rtigen sozialen
+Ordnung, werden sie eine Ehre darein setzen, ihren eigentlich sonst
+gar nicht unterzubringenden Ueberflu&szlig; zum Besten des Ganzen
+anzuwenden. Sie werden also &ouml;fter f&uuml;r ihre Serien- und
+Gruppengenossen besonders opulente Mahlzeiten veranstalten, die ihnen
+gar nicht so au&szlig;ergew&ouml;hnlich theuer kommen, weil sie nur
+das Plus des Preises &uuml;ber die regelm&auml;&szlig;ige Mahlzeit,
+deren Kosten Jedem Tag f&uuml;r Tag von der Phalanx angerechnet
+werden, zu bezahlen haben; ferner werden sie den Bau pr&auml;chtiger
+Pavillons, die Aufstellung von Statuen, Alt&auml;ren und dergleichen in
+dem Theile des Kantons, in dem die Serie oder Gruppe, in welcher sie
+die hervorragende Rolle spielen, besch&auml;ftigt ist, auf ihre Kosten
+betreiben.
+
+</P><P>
+
+Alle Arten von Serien und Gruppen, gebildet in Uebereinstimmung mit
+den Trieben, deren Ordnung und Mechanismus der Zivilisation als ein
+undurchdringliches Geheimni&szlig; erscheint, sind nach Fourier das
+Ergebni&szlig; geometrischer Berechnungen auf Grund der Anziehungen
+und der Bestimmungen. Die Richtigkeit dieser von ihm unternommenen
+Berechnungen ist nach seiner Meinung unzweifelhaft. Er kennt das
+Geheimni&szlig; des ganzen Mechanismus der Gesellschaft und von einem
+guten Theil des Weltalls; Alles organisirt sich nach bestimmten
+mathematischen Zahlenverh&auml;ltnissen, die zun&auml;chst nur ihm
+bekannt sind.
+
+</P><P>
+
+Wenn einmal Jemand sich im Besitz eines solchen Geheimnisses und
+solcher Kenntnisse w&auml;hnt, so ist nat&uuml;rlich, da&szlig; jede
+andere Theorie, die auf dasselbe Ziel hinaus l&auml;uft, ihm als eine
+Art Profanation seiner eigenen Ideen, als eine Art Sakrilegium
+erscheint, und da&szlig; er die fremden Theorien dementsprechend als
+Charlatanerie behandelt und verurtheilt. Da nun um dieselbe Zeit, als
+Fourier mit seinen Theorien vor die Oeffentlichkeit trat, Owen in
+England mit seinen Assoziationsversuchen ebenfalls hervortrat und
+gro&szlig;es Aufsehen erregte, sp&auml;ter auch schriftstellerisch und
+pers&ouml;nlich agitatorisch f&uuml;r dieselben wirkte, konnten diese
+Bestrebungen Fourier nicht unbekannt bleiben. Er griff Owen heftig an,
+als einen Mann, der vom Mechanismus der Assoziation nichts verstehe,
+nur Sophismen verbreite und mit seinem Kommunismus und Atheismus das
+gr&ouml;&szlig;te Unheil anstifte. In &auml;hnlicher Weise wandte er
+sich sp&auml;ter auch gegen die Saint Simonisten, die er mit ihrer
+neuen Religionsgr&uuml;ndung l&auml;cherlich machte. Unbegreiflich war
+ihm nur, da&szlig; Beide, Owen und Saint Simon, mehr Beachtung und
+Anhang fanden, als er.
+
+</P><P>
+
+Fourier f&auml;hrt nun weiter fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das Bed&uuml;rfni&szlig; nach periodischer Verschiedenheit,
+kontrastirenden Situationen, Szenenver&auml;nderungen, nach pikanten
+Zuf&auml;llen, nach Neuigkeiten, welche die Illusion erregen, ist dem
+Menschen eingeboren. Dieser Trieb ist die Papillon. Das
+Bed&uuml;rfni&szlig; nach Abwechslung macht sich bei dem Menschen von
+Stunde zu Stunde, lebhaft von zwei zu zwei Stunden bemerkbar. Wird es
+nicht befriedigt, so verf&auml;llt er der Lauheit und Langeweile. Auf
+der Befriedigung dieses Triebes nach Ver&auml;nderung beruht das
+Gl&uuml;ck der Pariser Sybariten. Es ist die Kunst, &bdquo;gut und rasch zu
+leben&ldquo;. Verschiedenheit und Verkettung der Vergn&uuml;gungen,
+Raschheit der Bewegung ist nothwendig.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Indem nun im soziet&auml;ren Zustand alle Besch&auml;ftigung in kurzen
+Sitzungen von etwa einundeinhalbst&uuml;ndiger Dauer sich vollzieht,
+kann Jeder im Laufe des Tages acht bis zehn ihn anziehende und seine
+Triebe befriedigende verschiedene Th&auml;tigkeiten aus&uuml;ben, die
+durch die Art ihrer Aus&uuml;bung ihm nur Vergn&uuml;gen bereiten. Den
+n&auml;chsten Tag besucht er Gruppen und Serien, die von denen des
+vorhergehenden Tages in ihrer Zusammensetzung wie in ihrer
+Th&auml;tigkeit verschieden sind. So eilt der Mensch, entsprechend
+seinen Trieben, selbst indem er n&uuml;tzlich th&auml;tig ist, von
+Vergn&uuml;gen zu Vergn&uuml;gen, <i>ohne in Exzesse zu verfallen,</i>
+denen der Zivilisirte nicht entgeht. Denn dieser widmet einer Arbeit
+sechs Stunden und mehr, einem Fest sechs Stunden, einem Ball die ganze
+Nacht auf Kosten seines Schlafes und seiner Gesundheit. Dann sind auch
+die Vergn&uuml;gungen der Zivilisirten immer unproduktiv, w&auml;hrend
+im soziet&auml;ren Zustand die Arbeiten selbst zu Vergn&uuml;gen und
+also produktiv werden. Sehen wir zu, wie ein Unbemittelter und wie ein
+Reicher in der Phalanx ihren Tag verbringen. Wir nehmen den Monat Juni
+als Beispiel der Lebensweise f&uuml;r den Unbemittelten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Fr&uuml;h 3&frac12; Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Sitzung<a href="#Footnote_16"
+name="FNanchor_16" id="FNanchor_16"><sup>16</sup></a> in
+einer Gruppe f&uuml;r die Pflege der Thiere in den Stallungen; 5 Uhr
+Sitzung in einer Gruppe der G&auml;rtner; 7 Uhr Fr&uuml;hst&uuml;ck;
+7&frac12; Uhr Sitzung der M&auml;her; 9&frac12; Uhr Sitzung der
+Gem&uuml;sebauer, und zwar werden diese Gartenarbeiten bei
+gr&ouml;&szlig;erer W&auml;rme unter k&uuml;nstlich konstruirten
+transportablen Zelten vorgenommen; 11 Uhr zweite Sitzung in den
+Stallungen; um 1 Uhr Mittagstisch; 2 Uhr Waldarbeiten; 4 Uhr
+Besch&auml;ftigung in einer Manufaktur; 6 Uhr Bew&auml;sserung; 8 Uhr
+B&ouml;rse; 8&frac12; Uhr Abendessen; 9 Uhr Unterhaltungen; 10 Uhr
+Schlafengehen.
+
+</P><P>
+
+Die B&ouml;rse der Phalanx besch&auml;ftigt sich nicht mit dem Handel
+von Papieren und dem Schacher der Lebensmittel, sondern es werden hier
+die Abmachungen f&uuml;r den n&auml;chsten Tag getroffen; es bilden
+sich neue Gruppen und Serien. Auch wird sp&auml;ter, wenn die Phalanx
+in voller Wirksamkeit ist, die Zahl der Ruhepausen und Mahlzeiten sich
+auf f&uuml;nf erh&ouml;hen und werden die Sitzungen k&uuml;rzer. Der
+Reiche, dessen Tagesbesch&auml;ftigung wir nun folgen lassen, ist ein
+Gutsbesitzer, der probeweise in die Phalanx trat.
+
+</P><P>
+
+Fr&uuml;h 3&frac12; Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Zusammenkunft im
+Morgensaal, Unterhaltungen &uuml;ber die Nachterlebnisse; 4&frac12;
+Uhr erste Erholung, gefolgt von der industriellen Parade &mdash;
+Kinder und Erwachsene, M&auml;nner und Frauen ziehen mit Fahnen und
+Emblemen unter Musik in ihren Gruppen und Serien auf das Feld &mdash;;
+5&frac12; Uhr Jagd; 7 Uhr Fischfang; 8 Uhr Fr&uuml;hst&uuml;ck;
+Zeitungen; 9 Uhr Gartenkultur unter Zelten; 10&frac12; Uhr Fasanerie;
+11&frac12; Uhr Bibliothek; 1 Uhr Mittagessen; 2&frac12; Uhr
+Gew&auml;chsh&auml;user; 4 Uhr Pflege exotischer Pflanzen; 5 Uhr
+Pflege der Fischteiche; 6 Uhr Vesperbrot auf dem Felde; 6&frac12; Uhr
+Schafzucht; 8 Uhr B&ouml;rse; 8&frac12; Uhr Abendessen; 9&frac12; Uhr
+Schaustellungen; 10&frac12; Uhr Schlafengehen.
+
+</P><P>
+
+Die kurze Schlafzeit &mdash; sechs Stunden &mdash; erkl&auml;rt
+Fourier damit, da&szlig; die Harmonisten in Folge ihrer
+vern&uuml;nftigen und angenehmen Lebensweise, die Niemand
+&uuml;beranstrenge, weniger Schlaf brauchten, als die Zivilisirten,
+auch w&uuml;rden sie von Kindheit an an diese Lebensweise
+gew&ouml;hnt. Bei der minuti&ouml;sen Ausarbeitung, die Fourier allen
+Einrichtungen seiner Phalanx zu Theil werden l&auml;&szlig;t, hat er
+sich auch ausf&uuml;hrlich mit den baulichen Einrichtungen
+befa&szlig;t und die entsprechenden Pl&auml;ne seinen Werken
+einverleibt. Die Phalanx ist eben ein Uhrwerk, das nach den
+Pl&auml;nen seines Erfinders konstruirt werden mu&szlig;, wenn es den
+beabsichtigten Zweck erreichen soll. Das Geb&auml;ude der Phalanx, das
+Phalanst&egrave;re, besitzt ringsum Gallerien, die im Winter
+gleichm&auml;&szlig;ig durchw&auml;rmt, im Sommer von erfrischender
+K&uuml;hle sind. Der L&auml;nge nach laufen durch das m&auml;chtige
+Geb&auml;ude, in dem die 1800&ndash;2000 Angeh&ouml;rigen der Phalanx
+wohnen, S&auml;ulenhallen, die nach allen Theilen f&uuml;hren, nach
+den S&auml;len, den Wohnungen, der B&ouml;rse. Verdeckte G&auml;nge
+stellen bequeme Verbindungen nach den Ateliers, Werkst&auml;tten und
+Stallungen her. Man behaupte, meint F., durch die kurzen Sitzungen
+werde viel Zeit verbraucht, um von einem Ort zum andern zu kommen. Das
+sei inde&szlig; falsch, da das Geb&auml;ude mitten im Bezirk liege und
+von allen Seiten in 5&ndash;10, h&ouml;chstens 15 Minuten zu erreichen
+sei. Auch k&auml;men die Kosten des Baues nicht in Betracht, da die
+Arbeitsweise in der Phalanx gegen diejenige in der Zivilisation
+immense Vortheile biete, und der Eifer, mit dem Jedermann sich
+betheilige, herbeif&uuml;hre, da&szlig; in einer Stunde geleistet
+werde, was in der Zivilisation kaum in drei Stunden geleistet werden
+k&ouml;nne. Man betrachte nur einmal unsere Arbeiter auf dem Felde,
+die, wenn ein Vogel vor&uuml;ber fliege, sich hinstellten und ihm
+nachs&auml;hen, die H&auml;nde auf die Hacke gest&uuml;tzt. Das komme
+daher, weil unsere Arbeiten Ueberdru&szlig; erweckten und
+erm&uuml;deten und jeden Reizes entbehrten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Besch&auml;ftigung in der Phalanx erzeugt das die Gesundheit
+f&ouml;rdernde k&ouml;rperliche Gleichgewicht. Die Gesundheit
+mu&szlig; nothwendig gesch&auml;digt werden, wenn der Mensch sich
+zw&ouml;lf Stunden einer gleichm&auml;&szlig;igen Arbeit
+&uuml;berlassen mu&szlig;, die, welcher Art sie immer ist, die
+verschiedenen Glieder des K&ouml;rpers und seinen Geist nicht
+gen&uuml;gend besch&auml;ftigt. Dies wird noch schlimmer, wenn
+dieselbe Arbeit Tag f&uuml;r Tag das ganze Jahr hindurch sich
+wiederholt. Daraus entstehen neben dem allgemeinen Widerwillen an der
+Arbeit die vielen Berufskrankheiten; so sind gewisse chemische
+Fabriken wahre M&ouml;rdergruben, in denen eine Besch&auml;ftigung von
+zweist&uuml;ndigen Sitzungen, zwei- oder dreimal die Woche f&uuml;r
+den Einzelnen, ohne jeden Nachtheil ertragen wird. Die reiche Klasse
+verf&auml;llt wieder andern Krankheiten, der Gicht, der Apoplexie, dem
+Podagra, Krankheiten, die dem Landmann fremd sind. Die Fettleibigkeit,
+bei den Reichen so gew&ouml;hnlich, ist ein Zustand, der
+k&ouml;rperliches Gleichgewicht und Wohlbefinden gr&ouml;blich
+st&ouml;rt. Fast alle Besch&auml;ftigungen und Vergn&uuml;gungen der
+Reichen stehen mit der Natur im Widerspruch. Die sanit&auml;re
+Bestimmung schreibt dem Menschen best&auml;ndige Abwechslung in der
+Th&auml;tigkeit sowohl f&uuml;r den K&ouml;rper als f&uuml;r den Geist
+vor, diese h&auml;lt allein die Aktivit&auml;t und das Gleichgewicht
+aufrecht.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Was vorzugsweise das k&ouml;rperliche Wohlbefinden f&ouml;rdert, wird
+auch das seelische f&ouml;rdern. Vereinigt in der Zivilisation das
+Interesse Freunde, so vereinigt es im soziet&auml;ren Zustand sogar
+die Feinde, es s&ouml;hnt die antipathischen Charaktere durch
+indirekte Kooperation aus, und zwar, weil in einer gro&szlig;en Reihe
+von Serien und Gruppen, in die jeder Einzelne nach der Verschiedenheit
+seiner Neigungen und Triebe nach und nach eintritt, er durch die
+Ber&uuml;hrung findet, da&szlig; Diejenigen, die ihm auf dem einen
+Gebiet antipathisch waren, ihm auf anderen sympathisch sind. Auch wird
+das Nebeneinanderarbeiten nach demselben Ziel unwiderstehlich seine
+auss&ouml;hnende Wirkung &uuml;ben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die seelischen Triebe verlangen so gut wie die sensuellen
+Abwechslung, um befriedigt zu werden; es sind also auch die Herzen der
+gro&szlig;en Mehrheit der beiden Geschlechter dem Bed&uuml;rfni&szlig;
+nach Ver&auml;nderung und Abwechslung unterworfen. Der Mann wie die
+Frau w&uuml;nschte sich ein Serail, wenn Abh&auml;ngigkeit, Sitte und
+Gesetz sich dem nicht widersetzten. Die ernsten Holl&auml;nder, die in
+Amsterdam so hoch moralisch scheinen, haben in Batavia ihre Serails,
+gef&uuml;llt mit Frauen aller Hautfarben. Da haben wir das
+Geheimni&szlig; unserer Moral; sie wird zur Heuchlerin, wenn die
+Umst&auml;nde es gebieten, und sie wirft die Maske ab, wenn sie dies
+ungestraft thun kann.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Pflanzen und Thiere haben das Bed&uuml;rfni&szlig; nach Wechsel und
+Kreuzung. Mangels eines solchen Wechsels arten sie aus. Ebenso hat der
+Magen das Bed&uuml;rfni&szlig; nach Wechsel; entsprechende
+Ver&auml;nderung in den Speisen erleichtert die Verdauung und
+erh&ouml;ht das Behagen und die Befriedigung; aber man gebe dem Magen
+dieselbe ausgesuchteste Speise t&auml;glich und er wird sie mit
+Widerwillen zur&uuml;ckweisen. Geist und Seele sind von dem Trieb nach
+Ver&auml;nderung beherrscht; oft wirken zwei und drei Triebe
+gleichzeitig; so Liebe und Ehrgeiz.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Erde selbst hat ihre internirenden Zeiten, die der Besaamung, der
+Erzeugung. Der Boden bedarf alternirender Anwendung der Pflanzen; die
+ganze Natur verlangt nach Wechsel. In der ganzen Welt existiren nur
+die Moralisten und die Chinesen, welche die Einf&ouml;rmigkeit, die
+Uniformit&auml;t verlangen; aber die Chinesen sind auch die
+falschesten, der Natur am meisten widerstrebenden Wesen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier, der, wie wiederholt hervorgehoben wurde, Alles ha&szlig;te,
+was mit dem Handel zu thun hatte, ha&szlig;te die Chinesen besonders,
+weil sie, nach dem Vorurtheil seiner Zeit, die gr&ouml;&szlig;ten
+Diebe und Betr&uuml;ger im Handel seien. Wir wissen heute, da&szlig;
+dies eine falsche Ansicht ist, obgleich die Vorurtheile gegen die
+Chinesen noch sehr stark in Europa sind. Ebenso wie die Chinesen waren
+Fourier als haupts&auml;chlich handeltreibendes Volk die Juden
+verha&szlig;t, die er unmittelbar den Chinesen in der Rangordnung
+folgen lie&szlig;. Er war sehr ungl&uuml;cklich, als man in Frankreich
+den Juden die vollen b&uuml;rgerlichen Rechte einr&auml;umte, was ihn
+freilich nicht abhielt, wie wir sahen, Herrn von Rothschild unter die
+Kandidaten f&uuml;r seine Versuchsphalanx zu reihen und ihm ein
+K&ouml;nigreich Jerusalem in Aussicht zu stellen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Moral&ldquo;, f&uuml;hrt Fourier weiter aus, &bdquo;welche die drei Triebe:
+Kabalist, Papillone, Komposit, am heftigsten kritisirt, ist selbst im
+st&auml;rksten Widerspruch mit der Natur. Diese drei Triebe spielen
+eine gro&szlig;e Rolle im sozialen Mechanismus, wie die Natur es will;
+sie haben die Herrschaft, denn sie dirigiren die Serien der Triebe;
+jede Serie ist in ihrem Mechanismus gef&auml;lscht, wenn sie nicht den
+kombinirten Schwung dieser drei Triebe beg&uuml;nstigt; sie bilden die
+neutrale Gattung in der Tonleiter der zw&ouml;lf Triebe.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aktiver Gattung sind die vier Triebe der Seele: Freundschaft,
+Ehrgeiz, Liebe, Elternschaft; passiver Gattung die f&uuml;nf
+sensuellen Triebe: Geh&ouml;r, Geruch, Geschmack, Gesicht,
+Gef&uuml;hl. Die neutrale Gattung &mdash; die mechanisirenden Triebe
+&mdash; macht sich besonders bemerklich bei den Kindern, denen die
+zwei affektiven Triebe &mdash; Geschlechtsliebe und Elternschaft
+&mdash; noch fehlen; sie &uuml;berlassen sich den mechanisirenden
+Trieben in ihren Spielen am meisten, welche sie sehr selten &uuml;ber
+zwei Stunden aus&uuml;ben, ohne zu wechseln.
+
+</P><P>
+
+Diese Disposition wird man f&uuml;r sie bei der Organisation ihrer
+Erziehung und Besch&auml;ftigung besonders in Anwendung bringen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Anziehung kann dreierlei Art sein: direkt oder &uuml;bereinstimmend;
+indirekt oder gemischt; verkehrt oder abweichend, d.&nbsp;h. gef&auml;lscht.
+Direkt ist sie, wenn sie aus Freude an dem Gegenstand selbst die
+Th&auml;tigkeit aus&uuml;bt. So haben Archimedes in der Geometrie,
+Linn&eacute; in der Botanik, Lavoisier in der Chemie nicht des
+Gewinnes wegen, sondern aus hei&szlig;er Liebe zur Wissenschaft
+gearbeitet. So kann ein F&uuml;rst aus Liebe an dem Gegenstand
+Orangen- oder Nelkenzucht treiben, oder wie Ludwig XVI. die Schlosserei;
+kann eine F&uuml;rstin Zeisige oder Fasanen pflegen. Hier herrscht
+direkte Anziehung zur bestimmten Besch&auml;ftigung, und so werden in
+der soziet&auml;ren Gesellschaft sieben Achtel der Arbeiten beschaffen
+sein.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die indirekte Anziehung ist vorhanden, wenn Jemand eine
+Th&auml;tigkeit mehr des Gewinnes wegen, oder der Resultate seiner
+Arbeit als des Gegenstandes selbst wegen aus&uuml;bt. Zum Beispiel ein
+Naturforscher, der widerliche Reptile oder Giftpflanzen unterh&auml;lt.
+Er liebt weder das Eine, noch das Andere an sich, aber er &uuml;berwindet
+seinen Widerwillen durch den Eifer, den die in Aussicht stehenden
+wissenschaftlichen Resultate in ihm erwecken. Solche indirekte
+Anziehung wird soziet&auml;re Funktionen erregen, die einer besonderen
+Anziehung beraubt sind, aber gr&ouml;&szlig;eren Gewinn oder
+gr&ouml;&szlig;ere Anerkennung finden. Dieser Art Arbeiten wird es ein
+Achtel geben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die verkehrte oder gef&auml;lschte Anziehung herrscht dort, wo die
+Arbeit den Trieben Verstimmung erzeugt. Das ist der Fall, wo der
+Arbeiter nur dem Zwang gehorcht, wo seine Arbeitskraft gekauft ist, wo
+moralische Erw&auml;gungen ihn treiben, aber weder Freudigkeit
+f&uuml;r, noch Geschmack an der Th&auml;tigkeit vorhanden ist. Diese
+Nichtattraktion kann in der Phalanx nicht existiren, sie herrscht aber
+in sieben Achteln der Arbeiten der Zivilisation vor. Diese
+Zivilisirten hassen ihre Th&auml;tigkeit, sie &uuml;ben sie entweder
+aus Hunger oder Langeweile, sie erscheint ihnen eine Strafe, zu der
+sie tr&auml;gen Schrittes, mit tr&uuml;bsinnigem,
+niedergedr&uuml;cktem Aussehen gehen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Gewinnanreiz, der bei den f&uuml;r Lohn oder Gehalt Arbeitenden
+nur eine divergirende Anziehung aus&uuml;bt, kann in der Assoziation
+oft ein edles H&uuml;lfsmittel sein. Zum Beispiel es handele sich um
+eine Erfindung wie die, die Rauchverbrennung herbeizuf&uuml;hren. Hier
+handelt es sich um Gewinn und Ruhm. Wer das Mittel entdeckt,
+empf&auml;ngt von der Phalanx f&uuml;nf Franken, da aber eine Million
+Phalanxen auf dem Erdboden bei dieser Erfindung interessirt sind, so
+erh&auml;lt er f&uuml;nf Millionen Franken und empf&auml;ngt
+au&szlig;erdem als Erfinder das Diplom als einer der Magnaten des
+Erdballs, wodurch er auf der ganzen Erde die diesem Rang zugebilligten
+Ehrenbezeugungen empf&auml;ngt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Durch diese Form der Belohnung f&uuml;r allgemein n&uuml;tzlich oder
+angenehm erkannte Leistungen wird selbst in den kleinsten Dingen der
+Gewinn enorm sein. Wird f&uuml;r eine Ode oder Symphonie eine
+Belohnung von zwei Sous gew&auml;hrt und erkl&auml;ren sich bei der
+Abstimmung 500.000 Phalanxen f&uuml;r dieselbe, so werden dem Dichter
+oder Komponisten 50.000 Franken ausgezahlt. Er empf&auml;ngt zu diesem
+Zweck die entsprechende Anzeige von dem Weltkongre&szlig;, und wird
+diese Summe ihm in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt,
+ausgeh&auml;ndigt. So wird Jeder f&uuml;r au&szlig;ergew&ouml;hnliche
+Leistungen in demselben Verh&auml;ltni&szlig; Belohnungen und Ehren
+empfangen, als diese Anerkennung finden. Denn nur diejenigen Phalanxen
+steuern, die sich zu Gunsten einer Leistung aussprachen, sie also
+f&uuml;r w&uuml;rdig erachteten und werthvoll fanden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die indirekte Anziehung wird man in der Zivilisation selten finden,
+sie kann nur durch einen m&auml;chtigen Ansto&szlig; angeregt werden.
+Ein Beispiel. Im Jahre 1810 gerieth bei L&uuml;ttich eine Kohlenmine
+in Brand und wurden achtzig Arbeiter, ohne Nahrungsmittel zu haben,
+darin eingeschlossen. Um sie zu befreien, mu&szlig;te in wenig Tagen
+ein bedeutender Durchstich fertiggestellt werden. Alle Kameraden der
+Eingeschlossenen gingen mit Feuereifer an die Arbeit, Jeder setzte
+eine Ehre darein, das H&ouml;chste zu leisten, und nach vier Tagen war
+eine Arbeit vollbracht, zu der man sonst mindestens zwanzig gebraucht
+h&auml;tte. Es war nicht der Geldgewinn, der sie trieb, denn die
+Arbeiter wiesen jede Belohnung als eine Beleidigung zur&uuml;ck, es
+war der Drang, ihre Genossen um jeden Preis zu retten. So kann also
+die widerlichste unangenehmste Arbeit indirekt anziehend werden, wenn
+edle Impulse ihr zu H&uuml;lfe kommen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier erl&auml;utert nun weiter die innere Organisation und
+Verwaltung der Phalanx. &bdquo;In der Zivilisation kennt man keine andere
+Rangordnung, als die nach Stand und Verm&ouml;gen; die soziet&auml;re
+Ordnung dagegen wendet eine uns heute g&auml;nzlich unbekannte
+Klassifikation an, diejenige der Charaktere nach dem Lebensalter und
+nach Temperamenten. Die verschiedenen Alter vom dritten Lebensjahre an
+bis zum Greisenalter theilen sich in sechzehn St&auml;mme
+<TT>(tribus)</TT> und, den beiden Geschlechtern entsprechend, in
+zweiunddrei&szlig;ig Ch&ouml;re.&ldquo; Die Kinder vom fr&uuml;hesten
+Lebensalter &mdash; bis zu einem Jahre S&auml;uglinge, bis zum zweiten
+Poupons und bis zum dritten Lutins genannt &mdash; z&auml;hlen als
+unentwickelt noch nicht mit. Jeder der sechzehn St&auml;mme hat seine
+besondere Bezeichnung. Stamm Nr. 1, 3&ndash;4&frac12; Jahre
+z&auml;hlend, umfa&szlig;t die Bambins; Nr. 2, 4&frac12;&ndash;6&frac12;
+Jahre, die Cherubins; Nr. 3, 6&frac12;&ndash;9 Jahre, die Seraphins;
+Nr. 4, 9&ndash;12 Jahre, die Lyzeisten; Nr. 5, 12&ndash;15&frac12;
+Jahre, die Gymnasiasten; Nr. 6, 15&frac12;&ndash;20 Jahre, die
+Jugendlichen. Die weiter folgenden St&auml;mme sind nicht streng nach
+den Lebensaltern geregelt; die drei letzten, aus den h&ouml;chsten
+Lebensaltern gebildet, hei&szlig;en: die Ehrw&uuml;rdigen, die
+Verehrten, die Patriarchen. Abgesehen von den sechs ersten
+St&auml;mmen, f&uuml;r die eine besondere Organisation und ein
+besonderes Erziehungssystem besteht, wobei beim Aufsteigen von einem
+Stamm in den andern besondere Pr&uuml;fungen verlangt werden, hat
+diese Stammeseintheilung kaum einen praktischen Zweck, wenigstens ist
+er nicht zu erkennen. Nur die &auml;ltesten St&auml;mme haben gewisse
+Ehrenposten in der Phalanx inne, sie sind aber ohne wesentlichen
+Einflu&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Die werthvollste Anwendung von dieser Stufenleiter wird bei den
+Kindern gemacht, sie soll die nat&uuml;rliche Erziehung erleichtern
+und den Korpsgeist erzeugen, mit H&uuml;lfe dessen sie mit Eifer zu
+den Studien und zu den Arbeiten hingezogen werden. Sobald die Kinder
+in das Reifealter &uuml;bergetreten sind, besuchen sie wie die
+&auml;lteren Lebensalter t&auml;glich die B&ouml;rse, wo alle
+Abmachungen f&uuml;r die Arbeiten und die Vergn&uuml;gungen des
+n&auml;chsten Tages besprochen und geordnet werden.
+
+</P><P>
+
+Die oberste Leitung der Phalanx liegt in den H&auml;nden der
+Regentschaft. Diese wird aus den Mitgliedern des Areopags
+gew&auml;hlt, der sich zusammensetzt: 1. aus den Chefs aller Serien;
+2. aus den drei &auml;ltesten St&auml;mmen: den Ehrw&uuml;rdigen,
+Verehrten und Patriarchen; 3. aus den Aktion&auml;ren und 4. aus den
+Magnaten und Magnatinnen der Phalanx. Der Areopag hat wenig zu thun,
+da sich Alles durch Anziehung und den Korpsgeist der St&auml;mme,
+Ch&ouml;re und Serien regelt; er giebt nur &uuml;ber wichtige
+Gesch&auml;fte, wie die beste Erntezeit, die Weinlese, Neubauten etc.,
+seine Meinung kund, doch ist diese Meinung nicht verpflichtend. &bdquo;Weder
+sind der Areopag noch die Regentschaft mit l&auml;cherlichen
+Verantwortlichkeiten belastet, wie z.&nbsp;B. ein Finanzminister in der
+Zivilisation.&ldquo; Das Rechnungswesen ist Sache einer besonderen Serie,
+welche die B&uuml;cher f&uuml;hrt, die jedes Mitglied der Phalanx
+einsehen kann. Ueberdies ist das Rechnungswesen so einfach wie
+m&ouml;glich. T&auml;gliche Zahlungen giebt es nicht, jedes Mitglied
+hat, entsprechend seinem Verm&ouml;gensantheil und dem
+voraussichtlichen Arbeitsertrag, Kredit. Ebenso rechnen die
+verschiedenen Phalanxen auf Grund ihrer Bucheintragungen von Zeit zu
+Zeit miteinander ab. Die Rechnung f&uuml;r die Einzelnen wird am Ende
+des Jahres, wenn die Bilanz gezogen ist und die Vertheilungen
+vorgenommen werden, beglichen. Dasselbe Verfahren wird seitens der
+Phalanxen dem Fiskus gegen&uuml;ber beobachtet, der
+viertelj&auml;hrlich seine Steuern f&uuml;r die Gesammtheit der
+Mitglieder einer Phalanx p&uuml;nktlich, und bei dem viel ergiebigeren
+Ertrag aller Arbeit auch in entsprechend h&ouml;heren Betr&auml;gen,
+abgef&uuml;hrt erh&auml;lt. Herr Fiskus erspart also seine gesammten
+Steuerbeamten, Exekutoren und die f&uuml;r diesen Zweck in
+Th&auml;tigkeit zu setzenden Gerichtsbeamten. Ebenso geben die
+industriellen Armeen, worunter diejenigen Abordnungen der Phalanxen
+verstanden werden, welche sich in einem mehr oder weniger entfernten
+Lande oder in einer Provinz mit Abordnungen anderer Phalanxen zu
+gemeinsamen, besonders gearteten gr&ouml;&szlig;eren Arbeitsleistungen
+zusammenfinden, auf ihrer Reise einfache Schuldverschreibungen ab, die
+der betreffenden Phalanx pr&auml;sentirt und von dieser berichtigt
+werden. Da nun solche industriellen Armeen ziemlich oft zusammentreten
+und Reisen unternehmen, ist jedes Phalansterium mit den entsprechenden
+Unterkunftsr&auml;umen f&uuml;r Menschen und Thiere versehen. Ferner
+haben die Kinder keinen Vormund mehr n&ouml;thig, das gro&szlig;e Buch
+der Phalanx hat f&uuml;r jedes derselben sein Konto und verwaltet
+seinen Besitzstand und sein Einkommen. Die Kinder k&ouml;nnen sogar
+vom f&uuml;nften Lebensjahre ab schon &uuml;ber ihr Einkommen
+verf&uuml;gen.
+
+</P><P>
+
+Fourier geht nun &uuml;ber zur Kostenberechnung f&uuml;r die
+Gr&uuml;ndung einer Phalanx. Diese veranschlagt er auf f&uuml;nfzehn
+Millionen Franken. Das Hauptgeb&auml;ude, ungef&auml;hr 500 Fu&szlig;
+lang und 250 Fu&szlig; tief, bilden zwei hintereinander liegende,
+durch Gallerien verbundene parallel laufende Bauten und besteht aus
+Parterre, Entresol und vier Etagen. Das Zentrum des Geb&auml;udes
+tritt nach hinten zur&uuml;ck, wodurch ein gro&szlig;er freier Platz
+zwischen den Fl&uuml;geln entsteht, der als Paradeplatz Verwendung
+findet. Der Raum zwischen den beiden parallel laufenden Bauten ist mit
+Blumenparterren, Orangerien, Springbrunnen ausgef&uuml;llt. Der
+gro&szlig;e Mitteleingang f&uuml;hrt in eine m&auml;chtige
+S&auml;ulenhalle, von wo Gallerien und Treppen nach allen Theilen des
+Geb&auml;udes fuhren. Im Parterre des Mittelraums befindet sich der
+gro&szlig;e Wintergarten. Die Alten wohnen in den Parterrer&auml;umen,
+die Kinder im Entresol. In den Fl&uuml;geln der ersten Etage logiren
+die reichen Phalansterianer, in der Mitte der ersten Etage befindet
+sich der B&ouml;rsensaal, die Speise- und Vergn&uuml;gungss&auml;le.
+Au&szlig;erdem giebt es eine Menge R&auml;ume f&uuml;r kleine
+Gesellschaften. Die oberste Etage bleibt f&uuml;r die Fremden und die
+Besucher reservirt. K&uuml;chen und B&auml;der befinden sich im
+Souterrain. Die Werkst&auml;tten, Waaren- und Getreidelager und
+Stallungen liegen symmetrisch geordnet dem Hauptgeb&auml;ude
+gegen&uuml;ber, getrennt durch eine breite mit B&auml;umen und
+Blumenbosquets bepflanzte Stra&szlig;e. Alle Passagen und
+Ueberg&auml;nge sind gegen die Unbilden der Witterung gesch&uuml;tzt
+und im Winter erw&auml;rmt. Hinter den beiden Fl&uuml;geln des
+Hauptgeb&auml;udes liegen rechts und links die Kirche und das Theater,
+beide ebenfalls durch verdeckte G&auml;nge mit dem Wohngeb&auml;ude in
+Verbindung stehend.
+
+</P><P>
+
+Die Th&auml;tigkeit der Phalanx wird sich besonders erstrecken auf die
+Vieh- und Gefl&uuml;gelzucht, eine Th&auml;tigkeit, die namentlich in
+der ung&uuml;nstigsten Jahreszeit ausgenutzt werden kann. Garten- und
+Feldbau wird im ausgedehnteren Ma&szlig;stab betrieben, und wird
+w&auml;hrend der milden Jahreszeit die meisten H&auml;nde in Anspruch
+nehmen. Die K&uuml;chenarbeiten mit ihren umf&auml;nglichen
+Vorarbeiten erfordern Tag f&uuml;r Tag eine gro&szlig;e Anzahl
+verschiedener Kr&auml;fte. Der K&uuml;che werden die Phalansterianer
+eine besondere Sorgfalt schenken, denn gut zu essen betrachten sie als
+eine ihrer vornehmsten Pflichten, und daher wird allen
+Th&auml;tigkeitszweigen, die mit der K&uuml;che in Verbindung stehen,
+eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Dazu
+geh&ouml;ren also insbesondere Gem&uuml;se und Obstzucht, Vieh- und
+Gefl&uuml;gelzucht, Fischzucht, Wildpflege, Konservenbereitung.
+Manufakturen und Gewerbe sollen nach Bed&uuml;rfni&szlig; eingerichtet
+und haupts&auml;chlich im Winter betrieben werden.
+
+</P><P>
+
+Die Phalanx richtet ihre ganze Th&auml;tigkeit und ihr Bestreben
+dahin, da&szlig; Alles, was sie leistet, sich durch Solidit&auml;t wie
+durch Sch&ouml;nheit und Geschmack auszeichnet, sie sucht mir einem
+Wort in Allem das Vollendete zu liefern. Dadurch wird sie im Vergleich
+zu der Zivilisation in vielen Dingen geringere Quantit&auml;ten an
+Produkten verbrauchen, z.&nbsp;B. an Tuchen, Kleidungsstoffen, M&ouml;beln,
+Werkzeugen.
+
+</P><P>
+
+In einer gut und voll eingerichteten Phalanx werden nach Fourier's
+Berechnung n&ouml;thig sein: f&uuml;r Thier- und Gefl&uuml;gelzucht 30
+Serien; f&uuml;r Garten- und Landwirthschaft, inklusive Wiesenbau und
+Waldbewirthschaftung, 50 Serien; f&uuml;r die Manufakturen 20 Serien;
+f&uuml;r Hauswirthschaft und Erziehung 40 Serien; f&uuml;r K&uuml;che
+und Kellerei 60 Serien; im Ganzen also 200.
+
+</P><P>
+
+In der Manufaktur wird man wieder diejenigen Besch&auml;ftigungen, die
+t&auml;glich in Anspruch genommen werden, wie: Schneiderei,
+Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Sattlerei u.&nbsp;s.&nbsp;w., von denen
+unterscheiden, in denen eigentliche Massenfabrikation, wie die
+Anfertigung der Halbfabrikate, W&auml;schefabrikation u.&nbsp;s.&nbsp;w., betrieben
+wird. Diese Massenfabrikation l&auml;&szlig;t sich auf bestimmte
+Zeiten beschr&auml;nken. Die Anwendung in den verschiedenen
+Th&auml;tigkeiten bleibt der freien Wahl der Geschlechter
+&uuml;berlassen, auch werden die rivalisirenden Serien nach den
+verschiedensten Methoden th&auml;tig sein und immer neue Methoden zu
+erfinden suchen. Manche Gewerbe werden besonderen Anklang finden, wie
+die Kunsttischlerei, die Parfumerie &mdash; letztere
+haupts&auml;chlich bei den Frauen &mdash;, die Konditorei. Die
+Geschlechter werden sich dabei die ihrer Natur besonders zusagenden
+Th&auml;tigkeiten ganz von selbst ausw&auml;hlen. So wird in der
+Konditorei das Anmachen des Teigs haupts&auml;chlich M&auml;nnerarbeit
+sein, die Frauen werden sich mit der Herrichtung der Fr&uuml;chte und
+Materialien besch&auml;ftigen, die Kinder werden bei dem Formen, dem
+Auslesen und Einlegen in Anspruch genommen sein. Auch wird, weil alle
+Einrichtungen auf das Beste und Zweckm&auml;&szlig;igste getroffen
+sind, die peinlichste Reinlichkeit in den Werkst&auml;tten und
+Arbeitsr&auml;umen aufrecht erhalten werden k&ouml;nnen. Ist Butter-
+und K&auml;sefabrikation vorzugsweise Frauen- und
+Kinderbesch&auml;ftigung, so die Fleischerei M&auml;nnerarbeit.
+Fourier f&uuml;hrt dies Alles sehr im Detail aus, um zu zeigen, wie
+alle Geschlechter in zweckm&auml;&szlig;iger Weise ihrem Charakter und
+ihren Anlagen entsprechend ihre Besch&auml;ftigungen zu finden
+verm&ouml;chten. Der ganze Mechanismus der industriellen Anziehung
+w&uuml;rde umgest&uuml;rzt und die Phalanx unm&ouml;glich werden, wenn
+man in der Assoziation, sowie heute in der Zivilisation, keine
+R&uuml;cksicht auf die verschiedenen Triebe nehmen und die
+Arbeitssitzungen &uuml;ber das zul&auml;ssige Ma&szlig; ausdehnen
+wollte.
+
+</P><P>
+
+Die Fabriken werden aus den St&auml;dten allm&auml;lig auf das Land
+verlegt, damit der Arbeiter die volle Abwechslung der
+Besch&auml;ftigung, wie die Vortheile und Annehmlichkeiten des
+Landlebens und der l&auml;ndlichen Besch&auml;ftigung genie&szlig;en
+kann.
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+&bdquo;F&uuml;r den neuen soziet&auml;ren Zustand ist die Erziehung von der
+gr&ouml;&szlig;ten Wichtigkeit; sie hat zum Zweck, alle
+k&ouml;rperlichen und geistigen F&auml;higkeiten zur vollen
+Entwicklung zu bringen, und soll &uuml;berall, selbst in den
+Vergn&uuml;gungen, produktiv angewendet werden. Unsere heutige
+Erziehung wirkt entgegengesetzt; sie unterdr&uuml;ckt und
+verschlechtert die F&auml;higkeiten des Kindes; sie leitet die Jugend
+im Widerspruch mit der Natur, denn der erste Zweck der Natur oder der
+Anziehung ist der Luxus &mdash; k&ouml;rperliche Kraft und
+Verfeinerung der Sinne. Der Luxus erzeugt bei dem Kinde eine lebhafte
+Anziehung f&uuml;r produktive Th&auml;tigkeit, die ihm heute
+verha&szlig;t ist. Seine Entwicklung ist also eine falsche, die
+heutige Erziehung schw&auml;cht seine Gesundheit. Man nehme hundert
+Kinder, ganz nach Zufall, aus der reichen Klasse, die gute Pflege und
+gute Nahrung haben, und man wird finden, da&szlig; sie weniger
+kr&auml;ftig sind, als hundert halbnackte Dorfkinder, die mit
+Schwarzbrot gen&auml;hrt werden und wenig Pflege haben. Aber der
+treffendste Beweis f&uuml;r unser falsches Erziehungssystem ist,
+da&szlig; es die Anlagen des Kindes nicht zur Entfaltung bringt,
+sondern dies dem Zufall &uuml;berl&auml;&szlig;t. Abgesehen von den
+verschiedenen Systemen der Erziehung, man zerst&ouml;rt die Anlagen,
+sei es in der H&auml;uslichkeit, sei es in der Welt, durch ein Dutzend
+ganz entgegengesetzter Methoden, die dem Kinde ganz widersprechende
+Impulse geben, seine erste Erziehung durch eine ganz neue absorbiren.
+Das geschieht durch das, was man den Geist der Welt nennt. Ist ein
+junger Mann sechzehn Jahre alt geworden und tritt in die Welt ein, so
+lehren ihn V&auml;ter, Verwandte, Nachbaren, Diener, Kameraden, sich
+&uuml;ber die Lehren, die ihn im j&uuml;ngeren Alter
+einsch&uuml;chterten, lustig zu machen, sich mit den Sitten der
+galanten Welt in Einklang zu setzen; sie rathen ihm, &uuml;ber die
+Lehren der Moral, die den Vergn&uuml;gungen feind sind, zu lachen und
+sich dar&uuml;ber hinwegzusetzen, um sp&auml;ter von den Liebeleien,
+nachdem er sie gen&uuml;gend genossen, zu den Gesch&auml;ften des
+Ehrgeizes &uuml;berzugehen. Welch eine Absurdit&auml;t unserer
+Erzieher, dem Kinde ein System von Ansichten einzutrichtern, die jetzt
+bei ihm &uuml;ber den Haufen zu werfen alle Welt sich bem&uuml;ht! Man
+wird keinen jungen Mann von zwanzig Jahren treffen, der, eine
+gl&uuml;ckliche Gelegenheit zum Ehebruch findend, das Beispiel des
+keuschen Joseph nachahmt, &bdquo;der Moral und den gesunden Doktrinen&ldquo;
+folgt. F&auml;nde man ihn, er w&uuml;rde dem Publikum und den
+Moralisten selbst ein R&auml;thsel sein. Ebenso w&uuml;rde sich die
+&auml;ltere Welt &uuml;ber einen Finanzmann moquiren, der, obgleich er
+es ungestraft thun kann, sich mit fremdem Eigenthum die Taschen nicht
+f&uuml;llte: er w&uuml;rde als ein Dummkopf, ein Vision&auml;r
+betrachtet, der nicht wei&szlig;, &bdquo;da&szlig;, wenn man an der Krippe
+sitzt, auch essen soll&ldquo;. In welch falscher Stellung befinden sich da
+nicht unsere Erziehungsdoktrinen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der gro&szlig;e Zweck und die Aufgabe der Erziehung mu&szlig; sein,
+Charaktere wie die von Nero, Tiberius, Ludwig XI. ebenso n&uuml;tzlich
+f&uuml;r die Gesellschaft zu machen, wie diejenigen eines Titus, Marc
+Aurelius, Heinrich IV.<a href="#Footnote_17"
+name="FNanchor_17" id="FNanchor_17"><sup>17</sup></a> Um diesen Zweck zu erreichen,
+mu&szlig; von der Wiege an das Naturell des Kindes sich frei
+entwickeln, w&auml;hrend wir bem&uuml;ht sind, von der Wiege an dieses
+Naturell zu ersticken und zu verk&uuml;nsteln. In der Zivilisation
+denkt man bei dem niedrigsten Lebensalter nur an die rein physische
+Sorge, wohingegen der soziet&auml;re Zustand schon vom Alter von sechs
+Monaten ab sehr wirksam auf die intellektuelle wie materiellen
+F&auml;higkeiten des Kindes achtet.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Zun&auml;chst sei festgestellt, da&szlig; in der Assoziation die
+Pflege und Unterhaltung der extremen Alter, der Kinder bis zu drei
+Jahren und der Patriarchen, als Liebeswerk der Gesammtheit angesehen
+wird. (Man halte fest, da&szlig; nach Fourier vom dritten Jahre ab die
+Kinder in der Phalanx sich schon so n&uuml;tzlich erweisen, da&szlig;
+sie ihre Erziehungs- und Unterhaltungskosten voll decken.) Das Prinzip
+in der Erziehung ist dasselbe wie in allen andern Funktionen der
+Assoziation. Man bildet Serien f&uuml;r die Funktion&auml;re, wie
+f&uuml;r die Funktionen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Bonnen bilden Serien, und ebenso werden die Kinder nach den
+Charaktereigenschaften und Temperamenten, die sie alsbald nach ihrer
+Geburt offenbaren, in Serien geordnet und in die bez&uuml;glichen
+S&auml;le vertheilt. Da bildet sich eine Serie der Friedlichen, der
+Widerspenstigen, der Verw&uuml;ster oder Teufelchen. Die Bonnen, die
+Tag und Nacht ihre Posten versehen, wechseln ihren Dienst wie in allen
+&uuml;brigen Besch&auml;ftigungen alle ein und einhalb bis zwei
+Stunden. Die Bonnen werden von Unterbonnen &mdash; jungen
+M&auml;dchen, die f&uuml;r die Pflege der Kleinen Neigung haben
+&mdash; unterst&uuml;tzt. Die M&uuml;tter k&ouml;nnen &mdash; wie
+schon erw&auml;hnt &mdash; ebenfalls als Bonnen eintreten, anderen
+Falles finden sie sich zu den Stunden ein, wo sie dem Kinde die
+Mutterbrust geben oder sich nach seinem Befinden erkundigen wollen.
+Die Mutter ist also nicht, wie die meisten M&uuml;tter in der
+Zivilisation &mdash; namentlich wenn sie unbemittelt sind und keine
+Pflegerin halten k&ouml;nnen &mdash;, Tag und Nacht an das Kind
+gefesselt.
+
+</P><P>
+
+Die Bonnen w&auml;hlen sich die S&auml;le, in denen sie ihre Pflichten
+versehen wollen; Jede ist bem&uuml;ht, f&uuml;r ihr Verhalten und die
+Pflege, die sie den Kindern zu Theil werden l&auml;&szlig;t, den
+Beifall und den Dank der M&uuml;tter zu erwerben. Auch ist Tag und
+Nacht &auml;rztlicher Beistand vorhanden, sobald er gebraucht wird.
+Die Aerzte nehmen in der Phalanx eine ganz andere Stellung ein, als in
+der Zivilisation; sie erhalten ihre Belohnung nicht nach der Zahl der
+Kranken, <i>sondern nach der Zahl der Gesunden;</i> sie sind also
+dabei interessirt, da&szlig; die Phalansterianer m&ouml;glichst gesund
+bleiben, wohingegen heute sich die Aerzte recht viel Kranke,
+namentlich reiche Kranke w&uuml;nschen.
+
+</P><P>
+
+Um den Zweck guter Pflege und Gesundheit zu erreichen, sind alle
+Einrichtungen f&uuml;r die Kleinen auf das denkbar Beste und
+Zweckm&auml;&szlig;igste getroffen. Die Kleinen befinden sich in einer
+Lage, wie sie in der heutigen Ordnung kaum die Reichsten ihren Kindern
+zu schaffen verm&ouml;gen, bei denen die Bonnen Tag und Nacht
+ununterbrochen in Anspruch genommen sind und erm&uuml;den. Sobald das
+Kind sechs Monate alt ist, ist man bem&uuml;ht, seine Sinne zu wecken.
+Was es h&ouml;rt und sieht, ist darauf berechnet, seine Sinne zu
+raffiniren: es h&ouml;rt nur guten Gesang und gute Musik, es sieht nur
+die sch&ouml;nsten Bilder, die elegantesten Spielsachen, es
+empf&auml;ngt sp&auml;ter die passende Unterweisung und freundliche
+Belehrung. In Folge dieser Erziehung wird das Kind in der Assoziation
+mit drei Jahren intelligenter und geschickter sein, als es bei uns mit
+sechs Jahren ist. In der Zivilisation tr&auml;gt Alles dazu bei, Geist
+und Sinne des Kindes zu f&auml;lschen, wenn sie nicht gar
+unterdr&uuml;ckt werden. Eltern, Dienstboten, Verwandte verderben
+durch ihr widersprechendes Verhalten und h&auml;ufigen Unverstand den
+Charakter des Kindes und hindern die Erziehung.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der Phalanx ist man bem&uuml;ht, die Triebe, sobald sie sich
+zeigen, in geeigneter Weise zu befriedigen und die Anlagen des Kindes
+dadurch zu wecken. Die Bonnen f&uuml;hren das Kind in die
+Spielwerkst&auml;tten und K&uuml;chen, wo es Alles sieht und durch das
+Beispiel der &auml;lteren Kinder der Nachahmungstrieb bei ihm geweckt
+wird. Es wird sich alsdann zeigen, da&szlig; der Trieb des Kindes,
+Alles zu sehen, Alles zu untersuchen, Alles anzuwenden; die
+Liebhaberei f&uuml;r l&auml;rmende Besch&auml;ftigung; die Sucht,
+Alles nachzuahmen und selbst zu hantiren, und namentlich die Neigung,
+sich den <i>Aelteren, St&auml;rkeren und Geschickteren
+anzuschlie&szlig;en und diese als seine Lehrer zu betrachten, in
+ungeahnter Weise seine Entwicklung f&ouml;rdert.</i> Diese letztere
+Eigenschaft ist die wesentlichste, weil sie am besten alle Anlagen im
+Kinde weckt. Hierzu kommt der Eifer, es Seinesgleichen zuvor zu thun.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es giebt eine ganze Reihe von Mitteln, die das Kind anreizen und
+anziehen und seine Anlagen zum Aufbruch bringen. Dahin geh&ouml;ren
+also vorzugsweise: Die Freude an kleinen Werkzeugen, den verschiedenen
+Altern angepa&szlig;t; der Reiz zum Schmuck: Uniformen, Waffen,
+Fahnen, die nach Graden gegeben werden; Paraden der kleinen
+Geschm&uuml;ckten; passende Tischgenossenschaften, wobei der Geschmack
+geweckt wird; Stolz des Kindes, wenn es glaubt, etwas von
+gr&ouml;&szlig;erem Werth geleistet zu haben, ein Glaube, in dem man
+es best&auml;rkt; der Nachahmungstrieb, der veranla&szlig;t wird, wenn
+es von &auml;lteren Kindern f&uuml;r seine Leistungen Lob
+empf&auml;ngt; volle Freiheit in der Wahl seiner Besch&auml;ftigung,
+es mu&szlig; jeden Augenblick eine solche unterbrechen und zu einer
+andern &uuml;bergehen k&ouml;nnen; der Korpsgeist, der sich bei
+Kindern leicht entwickelt; die Rivalit&auml;ten zwischen den einzelnen
+Ch&ouml;ren, Gruppen, Serien.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier f&uuml;hrt vierundzwanzig solcher Anreize auf, wir
+begn&uuml;gen uns mit den aufgez&auml;hlten neun. Den Kindern wird
+ferner mit der gr&ouml;&szlig;ten Wahrheitsliebe begegnet, Niemand
+schmeichelt ihnen. Ihre nat&uuml;rlichen Lehrer sind die &auml;lteren
+und erfahreneren Kinder, denen sie mit gro&szlig;er
+Anh&auml;nglichkeit folgen; jedes wird streben, &uuml;ber seine
+Altersklasse hinauszukommen. Ein Verweis, den es von einem
+&auml;lteren Kinde bekommt, das es als Beispiel sich vorgenommen, wird
+ihm die h&auml;rteste Strafe sein, ein Lob der h&ouml;chste Lohn. Will
+das Kind in eine h&ouml;here Erziehungsstufe aufr&uuml;cken, so hat es
+eine Pr&uuml;fung seiner Fertigkeiten abzulegen; je nach dem Ausfall
+derselben bekommt es eine Ehrenerweisung oder einen Grad. Bis zum
+neunten Lebensjahre ist die Erziehung physisch und materiell, dann
+beginnt auch die intellektuelle. Der K&ouml;rper mu&szlig; erst die
+n&ouml;thige Festigkeit erlangt haben, ehe die geistige
+Th&auml;tigkeit mit gutem Erfolg beginnen kann. Trieb und Anlagen der
+beiden Geschlechter werden sp&auml;ter in Folge der verschiedenen
+Natur ganz von selbst differiren. Man darf annehmen, da&szlig;
+f&uuml;r die Wissenschaften zwei Drittel M&auml;nner und ein Drittel
+Frauen, f&uuml;r die K&uuml;nste ein Drittel M&auml;nner und zwei
+Drittel Frauen neigen. Zwei Drittel der M&auml;nner werden mehr
+Neigung f&uuml;r die gro&szlig;e Kultur und ein Drittel mehr f&uuml;r
+die kleine haben, bei den Frauen umgekehrt. Aehnlich werden sich die
+Ausgleichungen auf allen Gebieten finden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In dem Alter, wo bei uns die Erziehung erst beginnt, mit f&uuml;nf
+Jahren, sind bei dem Kind der Assoziation bereits alle Anlagen zum
+Aufbruch gekommen. Bis zum 20. Jahre wird kein Zweig der Agrikultur,
+der Industrie, der Gewerbe, der K&uuml;nste und Wissenschaften ihm
+fremd sein; seine k&ouml;rperliche und geistige Erziehung ist dann
+eine harmonische. Der Unterschied des Erziehungssystems in der
+Zivilisation und der Assoziation ist: Dort wird die Erziehung auf der
+kleinsten h&auml;uslichen Verbindung, der Familie, begr&uuml;ndet, in
+der Assoziation auf drei gro&szlig;en Gruppen: Ch&ouml;re, Serien von
+Gruppen und die Serien der Phalanx. Dort &uuml;berall St&ouml;rungen,
+Mangel an Mitteln, Unfreiheit, Unterdr&uuml;ckung, Einseitigkeit, hier
+volle Freiheit, Ueberflu&szlig; der Mittel, Vielseitigkeit. Dort
+Klassen- und Standesunterschied, hier Gleichberechtigung f&uuml;r
+Alle, kein anderer Unterschied als der, welchen die nat&uuml;rlichen
+Anlagen und F&auml;higkeiten ergeben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der Harmonie nehmen die Kinder lebhaften Antheil an den
+Rivalit&auml;ten der einzelnen Kantone, die selbst wieder als
+Erziehungsmittel benutzt werden. Zum Beispiel: In der Phalanx von
+Meudon kultivirt eine Gruppe Kinder Aurikeln und ist pikirt, da&szlig;
+die bez&uuml;gliche Gruppe in der Phalanx von Marly bei dem Wettbewerb
+den Preis davon trug. Die Kinder wollen also die Ursache ihres
+Mi&szlig;erfolgs kennen lernen, der vielleicht in der Verschiedenheit
+des Bodens zu suchen ist. Der Reverend, welcher die bez&uuml;gliche
+Gruppe leitet, giebt ihnen darauf Unterweisung &uuml;ber die
+Verschiedenheit der Bodenarten, und dieses Studium, in den andern
+Gruppen wiederholt, bringt ihnen allm&auml;lig die Elementarkenntnisse
+&uuml;ber einen Zweig des Mineralreichs bei. Diese Belehrungen werden
+der K&ouml;der, da&szlig; die Kinder in der Schule nach
+bez&uuml;glichen Lehrb&uuml;chern verlangen, und so bilden sie sich
+weiter.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Diese Verbindung der verschiedenen Hebel und Anreize existirt in der
+Zivilisation nicht, und dann ist man erstaunt, da&szlig; das Kind sich
+weder zur Landkultur, noch zu den exakten Wissenschaften hingezogen
+f&uuml;hlt, wohingegen die Rivalit&auml;ten in der Serie in ihm schon
+sehr fr&uuml;hzeitig das Bed&uuml;rfni&szlig; nach Wissen und
+Unterweisung wecken, ohne da&szlig; man ihm merkbar die Anregung dazu
+beibringt. Bei den Kindern in der Zivilisation finden wir &uuml;berall
+den Zerst&ouml;rungstrieb und den Hang zum M&uuml;&szlig;iggang, in
+der Harmonie &uuml;berall Antrieb zu n&uuml;tzlicher
+Besch&auml;ftigung und zu Studien. Das ist der Unterschied zwischen
+den beiden Gesellschaftsformen. Die Zivilisation, die kleine Vandalen
+z&uuml;chtet, darf sich nicht wundern, wenn sie sp&auml;ter so viele
+erwachsene Vandalen besitzt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Nach Fourier sollen aber die Kinder auch in h&ouml;herem Grade
+f&uuml;r die Allgemeinheit sich n&uuml;tzlich machen. Wie in der
+Assoziation das Vergn&uuml;gen selbst materiellen Nutzen schafft, so
+auch die Erziehung. Wie schon bemerkt, umfassen die beiden ersten
+St&auml;mme: die Cherubins und Seraphins, das Alter von
+4&frac12;&ndash;9 Jahren, und die dritte Phase der Kindheit
+umfa&szlig;t die St&auml;mme der Lyzeisten und Gymnasiasten im Alter
+von 9&ndash;15&frac12; Jahren; Lebensalter, in denen die Betheiligten
+der Assoziation wichtige Dienste leisten k&ouml;nnen, immer, indem sie
+sich vergn&uuml;gen. Bei den Kindern treten gewisse
+Charaktereigenschaften auf, die f&uuml;r die Gesammtheit n&uuml;tzlich
+verwandt werden k&ouml;nnen. Es ist eine bekannte Thatsache, da&szlig;
+die Knaben durchschnittlich zur Unsauberkeit neigen, dagegen die
+M&auml;dchen f&uuml;r den Putz eingenommen sind. Nun giebt es in der
+Assoziation Besch&auml;ftigungen, die unangenehm sind, f&uuml;r diese
+sind die Charaktereigenschaften der Kinder n&uuml;tzlich zu
+verwerthen. Fourier rechnet, da&szlig; unter den Knaben zwei Drittel
+und unter den M&auml;dchen ein Drittel zu unsauberen
+Besch&auml;ftigungen eine gewisse Neigung haben. Diese nennt er die
+&bdquo;kleinen Horden&ldquo;. Umgekehrt sind zwei Drittel der M&auml;dchen und ein
+Drittel der Knaben f&uuml;r den Putz und die Reinlichkeit eingenommen,
+diese nennt er die &bdquo;kleinen Banden&ldquo;. Die kleinen Horden und die
+kleinen Banden setzen sich aus den 4 St&auml;mmen im Alter von
+4&frac12;&ndash;15&frac12; Jahren zusammen. &bdquo;Die kleinen Horden
+streben zum Sch&ouml;nen auf dem Weg des Guten, die kleinen Banden
+streben zum Guten auf dem Wege des Sch&ouml;nen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die kleinen Horden, die von lebhaftem Ehrgef&uuml;hl und mit
+Unerm&uuml;dlichkeit erf&uuml;llt sind, vollziehen jede unangenehme
+Arbeit, f&uuml;r welche sich sonst kaum Jemand findet. Sie sind
+&uuml;berall, wo der Einheitlichkeit der Phalanx durch Unordnung
+Gefahr droht; sie stehen stets in der Bresche.&ldquo; (Fourier will hiermit
+sagen, da&szlig;, ohne die Hingabe der kleinen Horden an die
+unangenehmen Arbeiten, die Phalanx zum Zwang w&uuml;rde greifen
+m&uuml;ssen, wodurch der auf voller Freiwilligkeit und Anziehung
+beruhende Mechanismus der Phalanx t&ouml;dtlichen Schaden erlitte. In
+der Phalanx darf kein Schatten von Zwang vorhanden sein, wenn sie
+ihren idealen Zweck erreichen soll.)
+
+</P><P>
+
+Die kleinen Horden theilen sich in drei Klassen; die erste beseitigt
+den Unrath, reinigt Stra&szlig;en und Rinnen, schafft die K&uuml;chen-
+und Fleischereiabf&auml;lle fort; die zweite vollzieht die
+gef&auml;hrlichen Arbeiten, sie verfolgt die Reptilien, t&ouml;dtet
+die kleinen Raubthiere, sie mu&szlig; stets am Platze sein, wo
+gro&szlig;e Gewandtheit erfordert wird: Klettern, Springen. Die dritte
+Klasse bildet gewisserma&szlig;en die Reserve, sie hilft, wo sie
+gebraucht wird. Die kleinen Horden haben ferner das Raupen,
+Unkrautj&auml;ten und die Vertilgung der Giftschlangen zu besorgen;
+sie halten Stra&szlig;en und Wege in Ordnung und legen gro&szlig;en
+Werth darauf, von Fremden f&uuml;r ihre Ordnungsliebe belobt zu
+werden. Um &uuml;berall rasch bei der Hand zu sein, reiten sie auf
+Zwergpferden.
+
+</P><P>
+
+Obgleich die Arbeit der kleinen Horden wegen Mangel an direkter
+Anziehung die schwierigste ist, werden sie von allen Serien materiell
+doch am niedrigsten gelohnt; sie nehmen aber auch kein Geschenk an,
+selbst wenn es in der Assoziation f&uuml;r anst&auml;ndig gelte, ein
+solches anzunehmen; sie setzen ihren Stolz darein, aus Hingabe
+f&uuml;r die Assoziation, die f&uuml;r ihren Bestand so
+n&uuml;tzlichen und notwendigen Arbeiten zu verrichten. F&uuml;r ihre
+freiwillige Hingebung tragen sie den Titel &bdquo;Verbindung f&uuml;r
+Verbesserungen&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die kleinen Horden sind also in Wahrheit der Ausbund aller
+b&uuml;rgerlichen Tugenden; sie &uuml;ben zur Ehre der Gesellschaft
+die Selbstverleugnung, die das Christenthum empfiehlt, und verachten
+die Reichth&uuml;mer, wie die Philosophen empfehlen; sie verwirklichen
+alle ertr&auml;umten Tugenden der Zivilisation. Bewahrer der sozialen
+Ehre, zertreten sie nicht nur bildlich, sondern physisch und
+thats&auml;chlich der Schlange den Kopf, befreien sie die Gesellschaft
+von dem schlimmen Gift der Viper; sie ersticken den Stolz und
+verh&uuml;ten das Aufkommen des Kastengeistes.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+F&uuml;r alles das Gute, das sie der Gesellschaft leisten, werden sie
+hoch geehrt. Bei allen Paraden und Festlichkeiten marschiren sie an
+der Spitze. Handelt es sich um besonders schwierige und rasch zu
+erledigende Arbeiten &mdash; z.&nbsp;B. da&szlig; ein Gewitter Stra&szlig;en
+und Wege verletzt, B&auml;ume und Str&auml;ucher schwer
+besch&auml;digte, oder da&szlig; eine Ueberschwemmung eingetreten ist
+&mdash;, so versammeln sich die kleinen Horden von vier oder f&uuml;nf
+Nachbarphalanxen zu gemeinsamer Handlung; sie treffen Morgens gegen
+f&uuml;nf Uhr zusammen, und nachdem sie einer religi&ouml;sen Hymne
+beigewohnt, brechen sie mit voller Begeisterung unter einem wahren
+H&ouml;llenl&auml;rm auf. Die Sturmglocke und alle &uuml;brigen
+Glocken werden gel&auml;utet, Trompeten schmettern, Trommeln wirbeln,
+die Hunde heulen, das Vieh br&uuml;llt. So geht es im Sturm an die
+Arbeit. Gegen acht Uhr kehren sie, noch erregt von ihren Thaten,
+zur&uuml;ck und machen Toilette. Darauf giebt es gemeinsames
+Fr&uuml;hst&uuml;ck. Nach demselben erh&auml;lt jede der kleinen
+Horden zur Belohnung einen Eichenkranz, den sie an ihre Fahne heftet,
+darauf steigen sie zu Pferde und kehren unter Musikbegleitung zu ihren
+Phalanxen zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Um von unsern Kindern Wunder von Tugenden zu erhalten, mu&szlig; man
+nach Ansicht der Zivilisirten zu &uuml;bernat&uuml;rlichen Mitteln
+greifen, wie es in unsern Kl&ouml;stern geschieht, wo durch ein sehr
+strenges Noviziat die Neophyten zur Selbstverleugnung erzogen werden.
+Die soziet&auml;re Ordnung kommt auf einem ganz entgegengesetzten Wege
+zum Ziel, indem sie die kleinen Horden durch den Anreiz des
+Vergn&uuml;gens sich dienstbar macht. Analysiren wir die
+H&uuml;lfsmittel f&uuml;r diese Tugenden. Es sind vier, die alle vier
+unsere Moral verwirft: Geschmack an Unreinlichkeit, Stolz,
+Unversch&auml;mtheit, Ungehorsam.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Indem die kleinen Horden sich diesen angeblichen Lastern
+&uuml;berlassen, erheben sie sich zu allen Tugenden. Sehen wir zu: Die
+Theorie der Anziehung erfordert, da&szlig; alle Triebe, die Gott dem
+Menschen gab, sich n&uuml;tzlich machen k&ouml;nnen, <i>ohne,
+da&szlig; man die Triebe selbst &auml;ndert.</i> So sehen wir,
+da&szlig; bei den j&uuml;ngsten Kindern die Neugier und die
+Unbest&auml;ndigkeit sich n&uuml;tzlich erwies, weil sie das Kind zu
+einer Menge von Gruppen hinzogen, wodurch seine Anlagen sich
+offenbarten. Der Trieb, die Ungezogenheiten Aelterer nachzuahmen,
+wird, wie wir sahen, in der Assoziation Impuls zur Anziehung zu
+n&uuml;tzlichen Arbeiten. Ebenso der Ungehorsam gegen Eltern und
+Erzieher, die nicht erziehen k&ouml;nnen. Die Erziehung mu&szlig;
+durch kabalistische Rivalit&auml;ten der Gruppen herbeigef&uuml;hrt
+werden. So werden alle Impulse bei kleinen wie gro&szlig;en Kindern in
+der Harmonie gut, vorausgesetzt, da&szlig; man sie durch Serien der
+Triebe zur Uebung bringen kann. Man wird nicht vom ersten Tage an die
+kleinen Horden an die widerw&auml;rtigen Arbeiten bringen, man erregt
+zun&auml;chst ihren Stolz nach Rang. Jede Autorit&auml;t, sogar der
+Monarch, schuldet ihnen den ersten Gru&szlig;; keine industrielle
+Armee r&uuml;ckt aus, ohne da&szlig; die kleinen Horden an der Spitze
+marschiren; sie haben das Vorrecht, bei allen Arbeiten der Einheit
+(das sind gro&szlig;e Arbeiten, welche die Phalanxen eines oder
+mehrerer Reiche unternehmen, gro&szlig;e Kanalbauten etc.) die erste
+Hand an's Werk zu legen; sie sind die Ueberall und Nirgends, ohne
+deren Mitwirkung nichts Bedeutendes geschieht. An ihrer Spitze stehen
+die kleinen Kane (Kan und Kanin), die selbst gew&auml;hlten Offiziere;
+die kleinen Horden haben auch ihre besondere Kunstsprache und ihre
+kleine Artillerie. Ferner w&auml;hlen sie aus der Zahl der Alten
+Druiden und Druidinnen, deren Aufgabe es ist, den Geschmack f&uuml;r
+die Funktionen der kleinen Horden zu bewahren; sie haben ferner bei
+allen religi&ouml;sen Uebungen bestimmte Dienste zu versehen und
+erhalten daf&uuml;r besondere Abzeichen. Fr&uuml;hzeitig zu Bette
+gehend (acht Uhr Abends), erheben sie sich um drei Uhr Morgens und
+geben die Initiative f&uuml;r alle Arbeiten der Phalanx. Es ist also
+eine Korporation von Kindern, die, indem sie sich allen Neigungen,
+welche die Moral der Zivilisation ihrem Alter verbietet,
+&uuml;berl&auml;&szlig;t, alle Chim&auml;ren der Tugend, an denen die
+Moralisten sich erg&ouml;tzen, verwirklicht. Die kleinen Horden
+verachten keineswegs den Reichthum, aber heute macht nur der Egoismus
+Gebrauch davon; sie opfern sogar einen Theil ihres Besitzes zum Nutzen
+der Phalanx und erhalten so die wahre Quelle des Reichthums, die
+industrielle Anziehung, die sich auf alle Klassen erstreckt. Die
+Kinder der Reichen werden sich ebenso zu den kleinen Horden hingezogen
+f&uuml;hlen, wie die Kinder der Geringen. Sie sind die
+Repr&auml;sentanten der Einheit der Phalanx, und das ist ihr
+entscheidender Charakter. Indem ferner die kleinen Horden die Tugend
+der sozialen Liebe &uuml;ben, rei&szlig;en sie Jedermann zur
+indirekten Aus&uuml;bung von wohlthuenden Handlungen hin, ebnen sie
+den Weg zur Edelm&uuml;thigkeit, durch welche die Reichen in der
+Harmonie sich verbinden, um den Armen zu beg&uuml;nstigen, wogegen sie
+heute &uuml;bereinkommen, ihn zu pl&uuml;ndern.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es wird sich zeigen, da&szlig; alle Triumphe der Tugend der guten
+Organisation der kleinen Horden geschuldet sind; sie allein
+k&ouml;nnen im sozialen Mechanismus den Despotismus des Geldes
+balanziren, dieses elenden Metalls, elend in den Augen der
+Philosophen, das aber sehr edel wird, wenn es zur Aufrechthaltung der
+industriellen Einheit dient. In unserer Gesellschaft, wo Diejenigen,
+die sich auf den Reichthum st&uuml;tzen, als Leute <TT>&bdquo;comme il
+faut&ldquo;</TT> bezeichnet werden, da ist das Geld die Klippe. Die es
+besitzen, sind die Leute, &bdquo;die nichts thun und zu nichts zu gebrauchen
+sind.&ldquo; Leider ist der Beiname <TT>&bdquo;comme il faut&ldquo;</TT> (wie man sein
+mu&szlig;) in unserer Gesellschaft nur zu berechtigt, denn in der
+Zivilisation gr&uuml;ndet sich die Zirkulation auf die Phantasien der
+M&uuml;&szlig;igen, sie sind in Wahrheit die Leute <TT>&bdquo;comme il
+faut&ldquo;</TT> (wie man dazu sein mu&szlig;), um die verkehrte Zirkulation
+und die verkehrte Konsumtion aufrechtzuerhalten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier ist hier der Meinung, da&szlig; der Hauptfehler unserer
+b&uuml;rgerlichen Gesellschaft in der falschen Anwendung liege, welche
+die Geldbesitzer von ihrem Gelde machten, er ist ferner der Ansicht,
+da&szlig; es heute haupts&auml;chlich die Luxusbed&uuml;rfnisse der
+Reichen seien, welche die Geld- und Waarenzirkulation bestimmten. Es
+ist dies die Aufstellung des auch heute noch im gew&ouml;hnlichen
+Leben und selbst seitens sogenannter Gelehrter vielfach wiederholten
+Glaubenssatzes, der namentlich in Zeiten allgemeiner
+gesch&auml;ftlicher Stagnation, also in Zeiten der Krisen laut wird,
+da&szlig; die reichen Leute mehr Geld ausgeben m&uuml;&szlig;ten, &bdquo;um
+das Gesch&auml;ft zu heben&ldquo;, weil ihr Bedarf entscheidend sei. Und man
+macht es ihnen zu einer Art sozialer Pflicht, durch Luxusausgaben
+&bdquo;Geld unter die Leute zu bringen&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Wir sehen auch nicht selten Aristokratie und Bourgeoisie nach diesem
+Rezepte handeln, wobei die Betreffenden sich noch das M&auml;ntelchen
+der Gesellschaftswohlth&auml;ter umh&auml;ngen. Man i&szlig;t und
+trinkt gut, kleidet sich noch besser, tanzt und am&uuml;sirt sich in
+dem stolzen und befriedigenden Bewu&szlig;tsein, &bdquo;indem man seine
+Triebe befriedigte&ldquo;, sich und die Gesellschaft zu retten. Die Leute,
+die so handeln, geh&ouml;ren zu dem Achtel, f&uuml;r die, nach
+Fourier, die b&uuml;rgerliche Welt die vollkommenste Welt ist. Wir
+wissen heute, da&szlig; diese Zahl kein Achtel, nicht einmal ein
+Zwanzigstel der Gesellschaft bildet.
+
+</P><P>
+
+Da&szlig; die Ansicht Fourier's von der Bedeutung der Reichen f&uuml;r
+die Waarenzirkulation und Konsumtion irrig ist, bedarf heute f&uuml;r
+Niemand, der einigerma&szlig;en den Organismus unserer Gesellschaft
+kennt, eines Beweises. Nicht der Verbrauch dieser handvoll Reicher,
+und sei ihr Verbrauch noch so bedeutend, sondern der Verbrauch der
+Masse stimulirt die Zirkulation. Wo der Massenverbrauch
+nachl&auml;&szlig;t, weil die Masse &auml;rmer wird, oder weil, wie in
+der Regel in den modernen Krisen der Ueberproduktion, der Konsum der
+Waarenproduktion nicht zu folgen vermag, einestheils, weil die
+Kaufkraft fehlt, anderntheils, weil Waaren bestimmter Gattungen weit
+&uuml;ber das normale Bed&uuml;rfni&szlig; erzeugt wurden, da tritt
+die Stagnation mit allen ihren Folgen ein. Der Luxusverbrauch der
+Reichen hat nie eine allgemeine Krise gehoben, noch hat er durch sein
+Fehlen eine solche erzeugt. Es ist aber ein charakteristisches Merkmal
+f&uuml;r einen Gesellschaftszustand, da&szlig; eine Klasse, &bdquo;die
+nichts thut und zu nichts n&uuml;tze ist&ldquo;, wie Fourier sich
+ausdr&uuml;ckt, so viel verbrauchen kann und doch immer reicher wird.
+Welch geringe Rolle der Verbrauch der reichen Klasse im
+Verh&auml;ltni&szlig; zum Verbrauch der Masse der Bev&ouml;lkerung
+spielt, zeigend schlagend die Ergebnisse der indirekten Steuern. &bdquo;Die
+Steuer auf Luxusartikel der Reichen bringt nichts ein&ldquo;, sagte
+F&uuml;rst Bismarck in seiner ber&uuml;hmten Steuerprogrammrede im
+Herbst 1876 im Reichstag; &bdquo;was n&uuml;tzt die Steuer auf Austern,
+Champagner, Equipagen, sie bringt nichts, nehmen wir daf&uuml;r die
+'Luxusbed&uuml;rfnisse' der Masse, Bier, Kaffee, Branntwein, Tabak.&ldquo;
+Unsere Steuertabellen geben ihm Recht.
+
+</P><P>
+
+Indem nun Fourier, weil er die eigentlich treibenden Gesetze der
+b&uuml;rgerlichen Gesellschaft nicht erkannte und in seinem Zeitalter
+noch nicht erkennen konnte, sein phalansteres System auf der
+Beibehaltung des Geldes gr&uuml;ndete und dem Kapital einen
+erheblichen Theil des Arbeitsertrags &mdash; vier Zw&ouml;lftel
+&mdash; zuschrieb, entging ihm nicht, da&szlig; bei dem Reichthum, den
+die Phalanx durch ihre Organisation der Arbeit erzeugen sollte, das
+Mi&szlig;verh&auml;ltni&szlig; im Verm&ouml;gen und Einkommen der
+verschiedenen Klassen sich in der Phalanx noch mehr steigern
+m&uuml;sse, als in der Zivilisation. Er mu&szlig;te also ein Mittel
+finden, um dieser klaffenden Ungleichheit einigerma&szlig;en
+vorzubeugen. Er verfiel, wie sich sp&auml;ter zeigen wird, auf das
+Mittel der Massenanwendung testamentarischer Legate, welche die
+reichen Leute der Phalanx allen Denen zuweisen w&uuml;rden, f&uuml;r
+die sie im Laufe ihrer phalansteren Th&auml;tigkeit aus irgend einem
+Grunde eine besondere Zuneigung gefa&szlig;t, aber selbst mittellos
+seien. Die Frage liegt freilich nahe, was denn diese ganze
+Reichthumsaufh&auml;ufung in Privath&auml;nden f&uuml;r einen Sinn und
+f&uuml;r eine Berechtigung hat, wenn die <i>soziet&auml;re Arbeit</i>
+diesen Reichthum erzeugt und dieser so gro&szlig; ist, da&szlig; er
+allen Gliedern der Phalanx den gr&ouml;&szlig;ten Luxus gestattet und
+selbst die verw&ouml;hntesten Geschm&auml;cker zu befriedigen vermag.
+Diesem Widerspruch sucht also Fourier durch das bezeichnete Mittel aus
+dem Wege zu gehen, es soll der Wiederkehr &bdquo;der verkehrten Zirkulation
+nach den Phantasien der M&uuml;&szlig;igen begegnen&ldquo;, und die Reichen
+sollen durch das selbstlose Auftreten der kleinen Horden zu Akten der
+Edelm&uuml;thigkeit gegen die Unbemittelten angeeifert werden. Das ist
+die gro&szlig;e moralische Aufgabe, die er den kleinen Horden zuweist.
+
+</P><P>
+
+Fourier f&auml;hrt fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Th&auml;tigkeit und Erregung der kleinen Horden wird sich
+verdoppeln, wenn ihnen der Kontrast, den die Natur ihnen vorbehielt,
+entgegentritt, die kleinen Banden. Der Keim des Widerspruchs, der
+darin liegt, da&szlig; zwei Drittel der Kinder m&auml;nnlichen
+Geschlechts zur Unsauberheit, zum Ungehorsam, zur Wildheit neigen,
+zwei Drittel der Kinder weiblichen Geschlechts zum Putz und zu guten
+Manieren, mu&szlig; entwickelt und f&uuml;r die Phalanx ausgenutzt
+werden. Je mehr die kleinen Horden durch Tugend und Hingebung sich
+auszeichnen, um so mehr mu&szlig; die rivalisirende Korporation
+&mdash; m&uuml;ssen die kleinen Banden &mdash; Eigenschaften annehmen,
+welche den W&uuml;nschen der &ouml;ffentlichen Meinungen entsprechend,
+das Gleichgewicht herstellen. Die kleinen Banden sind die Bewahrer der
+sozialen Anmuth; dies ist ein weniger gl&auml;nzender Posten als jener
+der kleinen Horden, St&uuml;tze der sozialen Uebereinstimmung zu sein.
+Aber die Sorge f&uuml;r den Schmuck und das Ganze des Luxus in der
+Phalanx ist in der Harmonie nicht weniger werthvoll. In dieser Art
+Arbeiten sind die kleinen Banden sehr n&uuml;tzlich und unentbehrlich;
+sie haben im ganzen Kanton der Phalanx die spirituelle und materielle
+Ausschm&uuml;ckung bei allen Festen, Aufz&uuml;gen, Schaustellungen
+auszuf&uuml;hren. In der Wahl der Kleider ist Niemand in der Harmonie
+an Vorschriften gebunden, aber sobald es sich um korporative
+Vereinigungen handelt, hat jede Gruppe, jede Serie ihre Kost&uuml;me
+und trifft die Wahl. Sache der kleinen Banden ist, die Modelle zu
+liefern. Im Gegensatz zu den kleinen Horden zeichnen sich die kleinen
+Banden durch H&ouml;flichkeit und angenehme Manieren aus. Der
+m&auml;nnliche Theil der kleinen Banden wird haupts&auml;chlich die
+jungen Gelehrten stellen, die fr&uuml;hreifen Geister, wie Pascal, die
+fr&uuml;hzeitig Anlagen zum Studium entwickeln; ferner die kleinen
+Verweichlichten, die zur Weichlichkeit und Ueppigkeit neigen. Weniger
+th&auml;tig als die kleinen Horden, erheben sie sich auch sp&auml;ter
+und erscheinen erst um vier Uhr Morgens in den Ateliers. W&auml;hrend
+sich die kleinen Horden mit der Pflege der gro&szlig;en Hausthiere
+besch&auml;ftigen, pflegen die kleinen Banden die Brieftauben,
+H&uuml;hner, V&ouml;gel, Biber etc.; sie &uuml;berwachen ferner die
+Blumen- und Gartenanlagen, damit diese nicht besch&auml;digt oder
+zerst&ouml;rt werden. Wer Dergleichen sich zu Schulden kommen
+l&auml;&szlig;t, wird vor ihren Richterstuhl gef&uuml;hrt und
+geb&uuml;&szlig;t; sie &uuml;ben ferner die Zensur &uuml;ber die
+schlechte oder fehlerhafte Aussprache. Wie die kleinen Horden ihre
+Druiden und Druidinnen, so w&auml;hlen sich die kleinen Banden aus den
+mannbaren Altern zu Kooperateuren: Korybanten und Korybantinnen.
+Derselbe Kontrast besteht in den beiderseitigen Beziehungen auf
+Reisen; die kleinen Banden verbinden sich mit den gro&szlig;en Banden,
+den fahrenden Rittern und Ritterinnen, die kleinen Horden mit den
+gro&szlig;en Horden, den Abenteurern und Abenteurerinnen. Die Natur
+hat eben f&uuml;r die Vertheilung der Charaktere eine Scheidung von
+Grund aus in kr&auml;ftige und milde N&uuml;anzen vorgenommen, eine
+Vertheilung, die sich in allen erschaffenen Dingen zeigt; in den
+Farben, dem Hintergrunde der Luft, der Musik. Dieser Kontrast ist es
+auch, der die Scheidung der Kinder in kleine Banden und kleine Horden
+naturgem&auml;&szlig; herbeif&uuml;hrt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jede industrielle Serie w&uuml;rde fehlerhaft sein, wenn sie der
+Geschlossenheit ermangelte; um sie geschlossen zu machen, mu&szlig;
+man die feinsten Unterscheidungen in den Geschm&auml;ckern in's Spiel
+setzen. Man wird fr&uuml;hzeitig die Kinder an diese feinen
+Unterscheidungen in den Neigungen gew&ouml;hnen. Das ist also die
+Aufgabe der kleinen Banden, welche die Kinder vereinigen, die zu den
+minuti&ouml;sesten Raffinements im Schmuck, im Geschmack, in der
+Kleidung neigen; ihr Blick wird so gesch&auml;rft, da&szlig; sie wie
+unsere Schriftsteller und K&uuml;nstler einen Fehler sehen, der dem
+gew&ouml;hnlichen Menschen entgeht. Die kleinen Banden haben also die
+Gewandtheit, Spaltungen unter den Geschmacksrichtungen zu veranlassen,
+die Feinheiten der Kunst zu klassifiziren und durch Raffinement der
+Phantasien und durch Abstufungen die Geschlossenheit der Serien
+herbeizuf&uuml;hren. So sch&ouml;pft die Erziehung in der Harmonie
+ihre Mittel der Ausgleichung aus den beiden entgegengesetzten
+Geschmacksrichtungen, aus dem Hang zur Unsauberheit und zur Eleganz,
+zwei Richtungen die beide heute verurtheilt werden. Die kleinen Horden
+wirken negativ ebenso viel, wie die kleinen Banden positiv. Die einen
+beseitigen die Hindernisse, die der Harmonie in der Phalanx sich
+entgegenstellen, sie vernichten den Kastengeist, der aus den
+unangenehmen Arbeiten leicht geboren wird; die anderen schaffen durch
+ihre Gewandtheit die Abstufungen der Geschm&auml;cker und organisiren
+die n&uuml;anzirten Spaltungen in den verschiedenen Gruppen. So gehen
+die kleinen Horden vom Guten auf den Weg zum Sch&ouml;nen, die kleinen
+Banden vom Sch&ouml;nen auf den Weg zum Guten; eine kontrastirende
+Handlung, die ein allgemeines Gesetz in der ganzen Natur ist.&ldquo;
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+&bdquo;Die Erziehungssysteme der Zivilisirten verfallen alle dem Fehler,
+da&szlig; sie die Theorie &uuml;ber die Praxis setzen. Sie verstehen
+nicht, das Kind zur Th&auml;tigkeit anzureizen; sie sind
+gen&ouml;thigt, es bis zum sechsten oder siebenten Jahre unth&auml;tig
+zu lassen, ein Alter, in dem es schon ein geschickter Praktiker sein
+k&ouml;nnte. Im siebenten Jahre wollen sie ihm dann Theorie,
+Kenntnisse, Studien beibringen, f&uuml;r die sie den Wunsch bei ihm
+nicht zu wecken verstanden. Dem Kinde in der Harmonie kann dieser
+Wunsch nicht fehlen, weil es vom dritten Jahre bereits praktisch
+th&auml;tig war und bis zum siebenten spielend eine Menge praktischer
+Kenntnisse erlangt hat. Es besitzt jetzt das Bed&uuml;rfni&szlig;,
+sich auf das Studium der exakten Wissenschaften zu st&uuml;tzen ...
+Die Erziehung der Zivilisirten ist im Widerspruch mit der Natur des
+Kindes, es ist die verkehrte Welt wie ihr ganzes System, von dem ihre
+Erziehung ein Theil ist. Ferner: Das Kind ist auf die Arbeit des
+Studirens beschr&auml;nkt, es bleibt vom Morgen bis Abend w&auml;hrend
+neun bis zehn Monate des Jahres &uuml;ber den Anfangsgr&uuml;nden und
+der Grammatik sitzen, mu&szlig; ihm da nicht der Widerwille gegen die
+Studien kommen? Das Kind hat das Bed&uuml;rfni&szlig;, w&auml;hrend
+der sch&ouml;nen Jahreszeit im Garten, im Wald, in den Wiesen sich
+besch&auml;ftigend zu tummeln, statt dessen mu&szlig; es an
+sch&ouml;nen wie an Regentagen sitzen und studiren. Es kann keine
+Einheitlichkeit in der Handlung geben, wo es nur eine einfache
+Funktion giebt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Eine Gesellschaft, welche die V&auml;ter den ganzen Tag als Gefangene
+in die Bureaux, Komptoirs und Fabriken sperrt, kann auch die Sottise
+begehen, das Kind das ganze Jahr in die Schule zu sperren, wobei es
+sich ebenso langweilt wie die Lehrer. Unsere Politiker und Moralisten
+sprechen best&auml;ndig von der Natur, sie ziehen sie aber keinen
+Augenblick zu Rathe. Beobachteten sie die in den Ferien weilenden
+Kinder, wie sie, mit leichten Blousen bekleidet, sich im Heu kugeln,
+vergn&uuml;glich sich in der Weinlese, bei dem N&uuml;sse- und
+Obstpfl&uuml;cken, bei der Jagd auf sch&auml;dliche V&ouml;gel etc.
+anwenden, und w&uuml;rden sie die Kinder in einem solchen Augenblicke
+einladen, zu ihren Studien zur&uuml;ckzukehren, so w&uuml;rden sie
+beobachten k&ouml;nnen, ob es die Natur des Kindes ist, w&auml;hrend
+der sch&ouml;nen Jahreszeit in der Umgebung von B&uuml;chern und
+Pedanten eingeschlossen zu werden. Man antwortet: Man mu&szlig; im
+jugendlichen Alter lernen, damit man sich des Namens eines freien
+Mannes w&uuml;rdig macht, w&uuml;rdig des Handels und der Verfassung!
+&mdash; Gut! Aber wenn die Kinder durch Anziehung und kabalistische
+Rivalit&auml;ten zum Lernen sich begeben, so werden sie in hundert
+Lektionen im <i>Winter,</i> beschr&auml;nkt auf zweist&uuml;ndige
+Sitzungen, mehr lernen, als in 300 Tagen, da man sie in den Schulen
+oder im Pensionat eingeschlossen h&auml;lt.
+
+</P><P>
+
+Das zivilisirte Kind kann nur mit H&uuml;lfe von Entziehungen,
+Pensums, Ruthenstreichen zum Lernen angehalten werden. Erst seit einem
+halben Jahrhundert sucht die Wissenschaft, verwirrt &uuml;ber dieses
+elende System, durch weniger herbes Vorgehen das Kind zu gewinnen; sie
+versucht sich, die Langeweile der Kinder in den Schulen zu
+enth&uuml;llen, ein G&ouml;tzenbild des Nacheifers bei den
+Sch&uuml;lern, Zuneigung f&uuml;r die Lehrer zu schaffen. Das beweist,
+da&szlig; sie erkannt hat, wie es sein sollte, aber sie hat kein
+Mittel, ihre Gedanken zu verwirklichen. Die mit Zuneigung
+verkn&uuml;pfte Uebereinstimmung zwischen Lehrern und Kindern kann nur
+in dem Fall einer als Gunst erscheinenden anregenden Unterweisung
+erzeugt werden. Das wird in der Zivilisation, in welcher der ganze
+Unterricht durch den Widersinn, die Theorie &uuml;ber die Praxis zu
+stellen, gef&auml;lscht ist, nie geschehen. Der Unterricht ist ferner
+gef&auml;lscht durch seine Einseitigkeit und ununterbrochene Dauer.
+Man findet vielleicht ein Achtel unter den Kindern, die den
+gegenw&auml;rtigen Unterricht mit Leichtigkeit, aber ohne davon
+besonders angeregt zu sein, annehmen. Daraus schlie&szlig;en die
+Lehrer, da&szlig; die &uuml;brigen sieben Achtel nichts taugen; sie
+argumentiren auf die Ausnahme und machen diese zur Regel. Das ist die
+gew&ouml;hnliche Illusion bei allen Lobliedern auf die Vollkommenheit.
+Es giebt &uuml;berall eine kleine Zahl Ausnahmen, aber sie darf man
+nicht in Ber&uuml;cksichtigung ziehen, sondern die gro&szlig;e Menge,
+welche die Regel ist. Ich fragte Kinder, die aus den ber&uuml;hmtesten
+Schulen kamen, wie von Pestalozzi und Andern, ich fand stets nur einen
+mittelm&auml;&szlig;igen Schatz von Kenntnissen und eine gro&szlig;e
+Unbek&uuml;mmertheit f&uuml;r Studien und Lehrer.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wir haben heute eine Erziehungsmethode, und diese wird auf alle
+Sch&uuml;ler angewendet, als wenn alle vollkommen gleichartig seien.
+Ich kenne nun verschiedene Methoden, die alle gut w&auml;ren, und es
+lie&szlig;en sich noch andere finden. Schlie&szlig;lich ist jede
+Methode gut, wenn sie dem Charakter des Sch&uuml;lers entspricht.
+D'Alembert ward ausgelacht, als er vorschlug, das Studium der
+Geschichte im Gegensatz zur chronologischen Ordnung zu betreiben,
+dergestalt, da&szlig; man nicht von der Vergangenheit zur Gegenwart,
+sondern von der Gegenwart nach R&uuml;ckw&auml;rts in die
+Vergangenheit schreite. Man warf ihm vor, den Reiz am Studium zu
+zerst&ouml;ren und die mathematische Trockenheit in die Methode des
+Unterrichts zu bringen. Das ist ein l&auml;cherlicher Sophismus. Keine
+Methode ist an sich trocken, sie sind alle fruchtbar, wenn man sie den
+Charakteren anzupassen und schmackhaft zu machen versteht. Man gebe
+den Kindern eine ganze Reihe von Methoden zur Auswahl, viele werden
+doch keinen Geschmack am Studium finden. Unsere Lehrmethoden ermangeln
+nicht nur des aktiven H&uuml;lfsmittels, sie ermangeln ebenso der
+materiellen Anziehung, als welche ich die Oper und die Gourmandis
+betrachte.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Oper bildet das Kind zur ma&szlig;vollen Einheit, welche f&uuml;r
+es eine Quelle des Wohlbefindens und der Gesundheit wird; sie
+verschafft ihm also den inneren und &auml;u&szlig;eren Luxus, welches
+der erste Zweck der Anziehung ist. Das Kind wird durch die Oper von
+fr&uuml;hester Jugend an in allen gymnastischen und choreographischen
+Uebungen geschult. Die Anziehung ist darin sehr kr&auml;ftig, es
+erwirbt die nothwendige Gewandtheit f&uuml;r alle Arbeiten in den
+Serien, wo Alles sich mit Sicherheit, Ma&szlig; und Einheit, wie man
+diese in der Oper herrschen sieht, vollziehen soll. Die Oper nimmt
+also unter den H&uuml;lfsmitteln f&uuml;r die Erziehung vom niederen
+Lebensalter an den ersten Rang ein. Unter der Oper sind alle
+k&ouml;rperlichen Uebungen begriffen, sowohl die mit der Flinte als
+mit dem Rauchfa&szlig;. Diese choreographischen Evolutionen, werden
+sie nun mit der Flinte oder dem Rauchfa&szlig; oder in der Oper
+vollzogen, gefallen den Kindern au&szlig;erordentlich, sie betrachten
+es als eine hohe Gunst, zugelassen zu werden. Man w&uuml;rde die Natur
+des Menschen vollst&auml;ndig verkennen, wenn man die Oper nicht in
+erster Linie unter die H&uuml;lfsmittel der Erziehung vom
+fr&uuml;hesten Alter an setzte, welche f&uuml;r die materiellen
+Studien nur anziehend wirkt. Um den K&ouml;rper nach allen Richtungen
+hin m&ouml;glichst vollkommen zu machen, m&uuml;ssen, bevor man mit
+der Seele beginnt, zwei unseren sog. moralischen Methoden sehr fremde
+H&uuml;lfsmittel in's Spiel gesetzt werden: die Oper und die
+K&uuml;che, oder die angewandte Gourmandis.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das Kind soll zwei aktive Sinne &uuml;ben: Geschmack und Geruch, und
+zwar durch die K&uuml;che, und zwei passive: Gesicht und Geh&ouml;r,
+und diese durch die Oper; den Taktsinn endlich durch die Arbeiten, in
+denen es sich auszeichnet. Die K&uuml;che und die Oper sind die beiden
+H&uuml;lfsmittel, die das Kind durch die Anziehung unter das Regime
+der Serien der Triebe f&uuml;hren. Die Magie und die Feerien der Oper
+ziehen das Kind m&auml;chtig an. Dagegen erwirbt es in den K&uuml;chen
+der Phalanx die Intelligenz und Geschicklichkeit in all den
+Vorbereitungen f&uuml;r die Tafel; es lernt alle Produkte kennen,
+f&uuml;r welche es sich schon durch die Tischunterhaltungen
+interessirte; es werden Pflanzen und Thiere besprochen, und so wird es
+in Hof, Stallungen und G&auml;rten eingef&uuml;hrt. Die K&uuml;che
+wird das Band f&uuml;r diese Funktionen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Oper ist die Vereinigung f&uuml;r die materielle Uebereinstimmung,
+sie dient allen Altern und Geschlechtern. In ihr werden ge&uuml;bt: 1.
+Gesang, oder das Ma&szlig; der menschlichen Stimme; 2. Instrumente,
+oder das Ma&szlig; k&uuml;nstlicher T&ouml;ne; 3. Poesie, oder
+Ausdruck der Gedanken und Worte nach Ma&szlig;; 4. Pantomimen, oder
+Harmonie der Gesten; 5. Tanz, oder Bewegung nach Ma&szlig;; 6.
+Gymnastik, oder harmonische Uebungen; 7. Malerei und harmonische
+Kost&uuml;me. Das Ganze beruht also auf einem regelm&auml;&szlig;igen
+Mechanismus und in geometrischer Ausf&uuml;hrung.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Bei uns ist die Oper nur eine Arena der Galanterie, eine Anreizung zu
+Ausgaben, und da begreift sich, da&szlig; sie durch die moralischen
+und religi&ouml;sen Klassen zur&uuml;ckgewiesen wird; in der Harmonie
+ist sie eine freundschaftliche Vereinigung, in der keinerlei
+bedenkliche Intriguen zwischen Leuten stattfinden k&ouml;nnen, die
+sich jeden Augenblick bei den verschiedensten Arbeiten in den
+industriellen Serien begegnen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Oper, heute so kostspielig, kostet fast nichts in der Harmonie.
+T&auml;nzer, S&auml;nger, Musiker, Maler, alle Handwerker und
+K&uuml;nstler stellt die Phalanx aus ihrer Mitte. Ohne die Mitwirkung
+der Nachbaren und die H&uuml;lfe der Durchreisenden wird die Phalanx
+eine Auswahl von 12&ndash;1300 Akteuren haben, die in irgend einer Weise
+sich betheiligen. Die geringste Phalanx wird eine besser ausgestattete
+Oper besitzen, als heute unsere gro&szlig;en St&auml;dte.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier widmet dann mehrere Kapitel der K&uuml;che der Phalanx, ihrer
+Einrichtung und Organisation und der Verwendung der Kinder in
+derselben. Die Neigung zu gutem Essen, zur Gourmandis, ist in seinem
+System auch Erziehungsmittel. Was das Kind i&szlig;t, soll es in der
+Praxis kennen lernen, es soll die Substanzen, ihre Zusammensetzung und
+ihre Zubereitung erfahren. Wir fassen uns hier&uuml;ber kurz, da aus
+dem bisher Gesagten der Leser wird beurtheilen k&ouml;nnen, wie auch
+hier sich die verschiedenen Serien beth&auml;tigen. Die Kinder werden
+zun&auml;chst an der Hand passend f&uuml;r sie eingerichteter
+K&uuml;chen in die Geheimnisse der Kochkunst spielend eingeweiht,
+Neugier und Interesse wird geweckt; sie treten allm&auml;lig in die
+gro&szlig;en Zentralk&uuml;chen mit ihren Appendixen f&uuml;r die
+Vorbereitung der Speisen &uuml;ber, lernen eine Anzahl interessanter
+Details kennen &mdash; das Einmachen, die Konservirung &mdash;, in
+denen sie n&uuml;tzliche Verwendung finden. Die Zubereitung der
+Materialien f&uuml;hrt ganz von selbst dazu, auch das Werden und
+Entwickeln der verarbeiteten Materialien zu beobachten. Mit
+zunehmendem Alter wird das Kind mit der Gefl&uuml;gelzucht, der
+Stallwirthschaft, der Obst- und Gem&uuml;sezucht bekannt und darin
+eingeweiht. In allen diesen Beth&auml;tigungen kommt, wie im ganzen
+Mechanismus der Phalanx, die Serien- und Gruppenbildung nach Trieben,
+die Abwechslung durch kurze Sitzungen und die Kontrastwirkung zur
+Geltung; die Rivalit&auml;ten regen den Eifer und die Erfindungsgabe
+an.
+
+</P><P>
+
+Nach diesen selben Grunds&auml;tzen und Methoden werden darauf die
+Kinder in die verschiedenen Wissenschaften eingeweiht; &uuml;berall
+entscheiden die eigenen Triebe, die durch das Beispiel der
+Mitsch&uuml;ler und das Vorbild der &auml;lteren Sch&uuml;ler angeregt
+und stimulirt werden. Die Auswahl der Lehrmittel ist die
+gr&ouml;&szlig;te. Alles ist auf das Vortrefflichste eingerichtet,
+Zwang ist nirgends vorhanden, ebenso wird kein Unterschied zwischen
+den beiden Geschlechtern gemacht. &bdquo;Die Studien sollen nicht an zweiter
+Stelle figuriren, aber das Interesse soll durch die physische
+Beth&auml;tigung f&uuml;r die verschiedenen Zweige des Studiums
+geweckt werden. Die Arbeiten der Schule sollen mit denen in den
+Werkst&auml;tten und in den G&auml;rten eng verbunden sein, die
+letzteren sollen die ersteren unterst&uuml;tzen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Mit 15 bis 16 Jahren treten die Kinder in das Reifealter, es beginnen
+die Jahre der Pubert&auml;t und der Geschlechtstrieb macht sich
+allm&auml;lig geltend; damit beginnt auch f&uuml;r die Phalanx die
+Aufgabe, die Erziehung entsprechend umzugestalten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Hier ist der Punkt&ldquo;, f&auml;hrt Fourier fort, &bdquo;wo alle unsere auf die
+Unterdr&uuml;ckung der Geschlechtsliebe berechneten Methoden, die in
+den Beziehungen der Liebe nur die allgemeine Heuchelei zu
+begr&uuml;nden wissen, in die Br&uuml;che gehen. Das geschieht von
+hier ab im ganzen Verlauf des Liebeslebens. In keiner Angelegenheit
+zeigt sich unsere Wissenschaft so unf&auml;hig und ungeschickt, als
+hier. F&uuml;r alle anderen Mi&szlig;br&auml;uche und Uebel haben
+unsere Philosophen wenigstens die Anwendung einiger Gegenmittel
+versucht, aber keine in Sachen der Liebe, von wo demnach ihr ganzes
+Werk in Unordnung gest&uuml;rzt wird, denn sie haben nur die
+Unwahrheit und die geheime Rebellion gegen die Natur und die Gesetze
+begr&uuml;ndet. Indem die Liebe keinen anderen Weg zur Befriedigung
+findet, als mit Anwendung der Doppelz&uuml;ngigkeit, wird sie ein
+permanenter Verschw&ouml;rer, der unaufh&ouml;rlich daran arbeitet,
+die Gesellschaft zu desorganisiren, alle ihre Regeln zu untergraben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich habe gefunden, da&szlig; die Zivilisation in Bezug auf die Liebe
+nur unausf&uuml;hrbare Gesetze hat, die &uuml;berall der Heuchelei die
+Ungestraftheit sichern; die Uebertreter werden um so mehr protegirt,
+je k&uuml;hner sie sind. In allen Salons, in der ganzen Gesellschaft
+sind jene die Angesehensten, die in Liebesangelegenheiten die
+Leichtherzigsten sind, welche die meisten Eroberungen aufweisen
+k&ouml;nnen, d.&nbsp;h. mit dem, was die zivilisirte Sitte und Moral
+verlangt, auf dem gespanntesten Fu&szlig;e stehen. Nirgends ist die
+Scheinheiligkeit und Duperie gr&ouml;&szlig;er, als in unserem Ehe-
+und Liebesleben, ist zwischen dem, was die Natur beansprucht und die
+Moral vorschreibt, ein sch&auml;rferer Widerspruch. Anstatt dieser
+Skandale, welche die Zwangsgesetzgebung der Zivilisation erzeugt,
+mu&szlig; die Harmonie, indem sie die volle Freiheit der ersten Liebe
+sichert, hervorzurufen wissen: 1. die Begeisterung der verschiedenen
+Alter f&uuml;r die Arbeit; 2. die Konkurrenz der Geschlechter f&uuml;r
+die guten Sitten; 3. Belohnung der wirklichen Tugenden; 4. Anwendung
+dieser Tugenden f&uuml;r das &ouml;ffentliche Wohl, von dem sie in der
+Zivilisation getrennt sind.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die wesentlichste Aufgabe Derer, die in der Harmonie die erste Liebe
+genie&szlig;en werden, ist, da&szlig; sie die beiden Lebensalter, die
+unmittelbar unter und &uuml;ber der Pubert&auml;t sind, zur Arbeit
+anziehen. Man mu&szlig; also unter den Jugendlichen zwei Korporationen
+bilden, die &auml;hnlich wie die kleinen Banden und die kleinen Horden
+aufeinander wirken. Diese beiden Korporationen sind das Vestalat,
+bestehend aus zwei Drittel Vestalinnen und ein Drittel Vestalen, und
+des Damoiselat, bestehend aus zwei Drittel Damoiseaux und ein Drittel
+Damoiselles. Die Korporation des Vestalats widmet sich bis zum
+achtzehnten oder neunzehnten Jahr der Keuschheit, die Korporation des
+Damoiselats widmet sich der fr&uuml;hen Liebe. Die Wahl steht allen
+Theilen frei. Jedes kann nach Belieben in die eine oder in die andere
+Korporation ein- und austreten, aber man mu&szlig;, so lange man zu
+einer der Korporationen geh&ouml;rt, auch die Gewohnheiten und Regeln
+derselben beobachten: Keuschheit im Vestalat, Treue im Damoiselat. Die
+jungen M&auml;nner neigen in der Regel selten dazu, dem Beispiel des
+keuschen Joseph zu folgen, sie sind dementsprechend auch im Vestalat
+in der Minorit&auml;t. Im Allgemeinen werden es die festen Charaktere
+sein, welche f&uuml;r das Vestalat sich entscheiden, w&auml;hrend die
+milderen f&uuml;r das Damoiselat die Wahl treffen. Hingegen werden die
+jungen M&auml;dchen, die eben erst aus dem Chor der Gymnasiastinnen
+austreten, in der Regel einige Zeit im Vestalat zubringen.&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Damoiselles und Damoiseaux, die der Versuchung nachgaben, m&uuml;ssen
+von da ab den Morgenzusammenk&uuml;nften der Kinder fern bleiben; sie
+besuchen nunmehr Abends einen der Liebesh&ouml;fe der Erwachsenen
+&mdash; die sich allabendlich zwischen neun und zehn Uhr in den
+S&auml;len zusammenfinden &mdash; und erheben sich in Folge dessen
+auch sp&auml;ter von der Nachtruhe. Dagegen erhebt sich das Vestalat
+mit den Kindern. Wegen dieser fortdauernden Beziehungen zu den Kindern
+wird das Vestalat mit besonderer Achtung und Anh&auml;nglichkeit von
+diesen behandelt, umgekehrt wird das Damoiselat von ihnen
+mi&szlig;achtet. Die &auml;lteren St&auml;mme von zwanzig und mehr
+Jahren haben wieder aus anderen Motiven f&uuml;r das Vestalat und die
+Virginit&auml;t eine tiefe Zuneigung. So vereinigt das Vestalat in
+sich den h&ouml;chsten Grad der Gunst der Kindheit und des
+m&auml;nnlichen Alters. Die Keuschheit der Vestalinnen und Vestalen
+ist um so besser gesichert, da sie die volle Freiheit haben, jederzeit
+die Korporation zu verlassen und auf die Vortheile der Rolle zu
+verzichten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mit Ausnahme der Schlafzeit, welche die Vestalen und Vestalinnen nach
+Geschlechtern getrennt in verschiedenen R&auml;umen zubringen, haben
+sie ihre volle Freiheit; sie gehen den gewohnten Besch&auml;ftigungen
+in den verschiedenen Serien und Gruppen nach; sie haben aber auch ihre
+besonderen Sitzungen und gew&auml;hren den Besten unter sich den Titel
+&bdquo;Bewerber&ldquo; oder &bdquo;Bewerberin&ldquo;. Diejenigen, die diesen Titel
+f&uuml;hren, haben den Vortheil, in der industriellen Armee, in der
+sie eine besondere Stellung einnehmen, auch mit besonderen Ehren
+empfangen zu werden. Uebertritt ein zum Vestalat geh&ouml;riges
+Mitglied die vorgeschriebenen Gepflogenheiten und wird dies
+festgestellt, so macht man ihm aus seiner Unbest&auml;ndigkeit kein
+Verbrechen, aber es hat aus der K&ouml;rperschaft auszuscheiden.
+Nichts verschafft einem M&auml;dchen von 16&ndash;18 Jahren mehr
+Achtung, als eine nicht bezweifelte Keuschheit, eine warme Hingabe an
+die Arbeit und die Studien. Mit Ausnahme der schmutzigen Arbeiten sind
+die Vestalinnen die Kooperatrizen der kleinen Horden; ist Gefahr im
+Verzuge, handelt es sich z.&nbsp;B. darum, wegen drohenden Unwetters rasch
+eine Ernte zu bergen, so sind sie stets an der Spitze. Jede Phalanx
+wird sich bem&uuml;hen, die gefeiertsten Vestalinnen zu besitzen und
+sie nach der Art ihres Verdienstes als Reine durch Titel
+auszuzeichnen, wie die Sch&ouml;ne, die Hingebende, die Talentirte,
+die Gunstbezeugende. Das Vestalat w&auml;hlt aus seiner Mitte die
+pr&auml;sidirende Quadrille, welche bei den Zeremonien den Ehrenwagen
+besetzt und an den Fest- und Ehrentagen der Phalanx die Honneurs
+macht. Kommt ein Monarch, so sendet man ihm nicht wie bei uns
+beglac&eacute;handschuhte Schwadroneure entgegen, die vor ihm
+&uuml;ber die Sch&ouml;nheiten der Verfassung und das Gl&uuml;ck des
+Handels peroriren, sondern man deputirt die liebensw&uuml;rdigsten
+Vestalinnen, die ihn an der Grenze begr&uuml;&szlig;en. Kommt eine
+F&uuml;rstin, so w&auml;hlt man Vestalen. Versammelt sich eine
+industrielle Armee, so sind es die Vestalen, die ihr die Oriflamme
+&uuml;bergeben und die erste Rolle bei den Festen wie bei den Arbeiten
+einnehmen. Die Arbeiten dieser Armeen werden durch die Anwesenheit der
+Vestalen und Vestalinnen einen besonderen Reiz gewinnen und sie
+werden, so stimulirt, ihre Arbeiten, ohne da&szlig; sie Erm&uuml;dung
+verursachen, ausf&uuml;hren. Indem man ferner den Armeen jeden Abend
+gl&auml;nzende Feste giebt, hat man nicht n&ouml;thig, mit der Kette
+am Hals die jungen Leute hinzuf&uuml;hren, wie das bei unseren jungen
+Ausgehobenen geschieht, die stolz auf den sch&ouml;nen Namen &bdquo;freie
+M&auml;nner&ldquo; sind. Die industrielle Armee wird zu einem Drittel aus
+Bacchantinnen, Bajaderen, Heroinen, Feen gebildet sein, und so werden
+mehr junge M&auml;nner und Frauen herzustr&ouml;men, als man
+n&ouml;thig hat. Ferner werden F&uuml;rsten und F&uuml;rstinnen diese
+Armeen besuchen, um sich dort nach ihrem Geschmack ihre Gattin oder
+ihren Gatten zu w&auml;hlen, und es ist anzunehmen, da&szlig; eine
+solche Wahl meist auf eine Vestalin oder einen Vestalen f&auml;llt.
+Diese Herrschaften werden in der Harmonie nicht mehr die Sklaven sein,
+wie in der Zivilisation, in welcher man ihnen nach chinesischer Manier
+einen Mann oder eine Frau aufn&ouml;thigt, die sie niemals gesehen
+haben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Von allen Seiten mit den g&uuml;nstigsten Blicken betrachtet, wird
+der vestalische K&ouml;rper Gegenstand einer sozialen Abg&ouml;tterei,
+eines halbreligi&ouml;sen Kultus. Die Menschen lieben einmal, sich
+Idole zu schaffen, und so wird in Folge dieses Bed&uuml;rfnisses das
+Vestalat ein Idol der Phalanx. Die kleinen Horden, die keiner Macht
+der Erde den ersten Gru&szlig; bewilligen, werden vor dem Vestalat
+ihre Fahne neigen und ihm als Ehrengarde dienen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Ehren, die Fourier dieser K&ouml;rperschaft f&uuml;r das Opfer,
+ihre Keuschheit einige Jahre zu bewahren, zugedenkt, sind noch
+gr&ouml;&szlig;erer Art. Ist die ganze Erde einmal mit Phalanxen
+bedeckt, so wird sich auch die Nothwendigkeit einer allgemeinen
+Eintheilung im Reiche verschiedener Grade ergeben, die, wie Alles bei
+ihm, geometrisch abgemessen sind. Der oberste Leiter des Erdballs ist
+der Omniarch, der in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, seinen
+Sitz hat; dann folgen 3 Auguste, 12 Z&auml;sarinnen, ungef&auml;hr 48
+Kaiserinnen, 144 Kalifen, 576 Sultane, 1721 K&ouml;niginnen, 6912
+Kaziken u.&nbsp;s.&nbsp;w. Man fragt sich freilich vergeblich, was alle diese
+F&uuml;rsten, F&uuml;rstinnen und hohen m&auml;nnlichen und weiblichen
+W&uuml;rdentr&auml;ger in dieser sozialen Organisation f&uuml;r einen
+Zweck und eine Bedeutung haben, inwiefern ihre Funktionen f&uuml;r das
+Gedeihen dieser phalansteren Gesellschaft notwendig sind. Dar&uuml;ber
+giebt auch Fourier keine Auskunft. Sie geh&ouml;ren eben in sein
+System, das bem&uuml;ht ist, den Trieben und Neigungen, wir pflegen
+auch zu sagen Schw&auml;chen, der Menschen nach Titeln und
+Auszeichnungen Rechnung zu tragen. Auch hofft er, da&szlig; sein
+System in um so h&ouml;herem Grade die Unterst&uuml;tzung der
+h&ouml;heren Klassen finden werde, als es ihnen besondere Aussicht
+f&uuml;r die Erlangung von Titeln und W&uuml;rden er&ouml;ffnet.
+
+</P><P>
+
+Eine solche Schaar hoher W&uuml;rdentr&auml;ger und
+W&uuml;rdentr&auml;gerinnen bedarf entsprechender Frauen und
+M&auml;nner, und da haben Vestalinnen und Vestalen in erster Linie die
+sch&ouml;nste Aussicht, zu diesen Ehren zu kommen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Auch bewilligt die Harmonie der Virginit&auml;t Ehrentafeln. Welch
+ein Unterschied zwischen dieser und der Zivilisation, wo die
+Virginit&auml;t nur Geringsch&auml;tzung findet und Gunstbezeigungen
+nur Denen zu Theil werden, die sich einen falschen Heiligenschein
+f&uuml;r die Gaukeleien der Libertins zu geben wissen. Diese
+W&uuml;stlinge, die in ihren Liaisons die Kunst gelernt haben, die
+Menschen zu betr&uuml;gen und zu d&uuml;piren, werfen sich unter den
+Spitzbuben, welche die &ouml;ffentliche Meinung leiten, als Lobredner
+der Tugend auf. Welche Ermuthigung findet unter uns ein junges,
+sch&ouml;nes M&auml;dchen, um ihre Virginit&auml;t zu bewahren? Ist
+sie arm, wird sie ihre Anbeter, die alle gute Rechner sind, nicht
+beth&ouml;ren, sie wissen, da&szlig; die Tugend keinen Lebensunterhalt
+f&uuml;r die Haushaltung schafft. Ihre Eltern werden gezwungen, auf
+einen Sechzigj&auml;hrigen oder irgend eine andere Schamlosigkeit zu
+spekuliren und sie wird durch diese Spekulation prostituirt; sie
+findet kaum einen Mann von mittlerem Alter, der ihr eine
+anst&auml;ndige Existenz zu bieten vermag. So wird ihre Sch&ouml;nheit
+ein Gegenstand elterlicher Beunruhigung, ihre Tugend wird f&uuml;r die
+Zukunft verd&auml;chtig sein. Hat sie einiges Verm&ouml;gen, so ist
+sie w&auml;hrend langer Zeit zwischen m&auml;nnlichen und weiblichen
+Maklern Gegenstand eines gemeinen Handels. Endlich wird sie einem
+durch Laster verdorbenen Manne &uuml;berliefert; denn es giebt weit
+mehr verdorbene als gute Ehem&auml;nner.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Findet ein M&auml;dchen unter uns bis zum f&uuml;nfundzwanzigsten
+Lebensjahre keinen Ehemann, so beginnt man sich &uuml;ber sie lustig
+zu machen, man glossirt sie wie eine verd&auml;chtig gewordene Waare.
+Um den Preis einer in Entbehrungen verlebten Jugend sammelt sie in dem
+Ma&szlig;e, wie sie &auml;lter wird, eine Ernte gemeiner Witze, mit
+der jedes alte M&auml;dchen &uuml;bersch&uuml;ttet wird. Das ist eine
+der Zivilisation w&uuml;rdige Ungerechtigkeit. Das Opfer, das sie
+fordert erniedrigt sie; undankbar, wie sie ist, belohnt sie die
+Hingebung der jungen M&auml;dchen an ihre Morallehren mit
+Beschimpfungen und Aergernissen. Da braucht man sich nicht zu wundern,
+da&szlig; man bei jungen M&auml;dchen, die nicht &uuml;berwacht
+werden, nur eine Maske der Keuschheit findet. Leistet ein junges
+M&auml;dchen Gehorsam, so wird es, als M&auml;dchen alt geworden, von
+derselben &ouml;ffentlichen Meinung bestraft, die es zwang, seine
+sch&ouml;ne Jugend ihrem Vorurtheil zu opfern. Was kann es
+Unn&uuml;tzeres geben, als diese ewige Virginit&auml;t? Sie ist eine
+Frucht, die man, statt sie zu genie&szlig;en, verderben
+l&auml;&szlig;t. Das sind Ungeheuerlichkeiten, die vollkommen
+w&uuml;rdig sind dieser zivilisirten Ordnung, welche stolz auf ihre
+Weisheit und ihre Wissenschaft ist. Aber wenn man einem sch&ouml;nen
+M&auml;dchen, um den Preis, ihre Keuschheit zu bewahren, eine
+Vergeltung in Aussicht stellt, ist diese ihr gewi&szlig;? Sie
+l&auml;uft nicht geringe Gefahr, einen Spieler, oder einen durch
+Ausschweifung br&uuml;chig Gewordenen, einen rappelk&ouml;pfischen
+oder brutalen Mann zum Gatten zu erhalten. Ferner hat ein
+anst&auml;ndiges M&auml;dchen selten genug Finesse, um die
+Heucheleien, die tr&uuml;gerischen Aufmerksamkeiten ihrer Bewerber zu
+erkennen, durch die eine ein wenig erfahrene Frau nicht mehr
+get&auml;uscht wird. Hat sie aber eine gute Partie in Aussicht, so
+wird irgend eine Intriguantin, die in der Kunst zu bezaubern
+ge&uuml;bt ist, sie ihr entfremden. Das anst&auml;ndige M&auml;dchen
+wird darum betrogen, es erh&auml;lt nur einen unfruchtbaren Tribut der
+Achtung und altert oft in der Ehelosigkeit.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich kann mich nicht so, wie ich es w&uuml;nschte, hier aussprechen,
+weil die Er&ouml;rterung dieser Fragen dem allgemeinen Vorurtheil
+zuwider ist, und doch sollte man sie gr&uuml;ndlich behandeln, um die
+Unanst&auml;ndigkeit, die Heuchelei und die schlechten Sitten der
+Zivilisirten in Allem, was das Verh&auml;ltni&szlig; der Geschlechter
+betrifft, an den Pranger zu stellen. Die Sitten in der Harmonie
+m&ouml;gen auf den ersten Anblick Ansto&szlig; erregen, sie werden
+aber alle Tugenden geb&auml;ren, von denen sehr
+&uuml;berfl&uuml;ssiger Weise die Zivilisation nur tr&auml;umt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wenn ich das Erziehungssystem darlege, nach dem die Kinder in der
+Harmonie sich entwickeln, so werden die meisten V&auml;ter rufen. 'Ah,
+das ist sch&ouml;n, das ist, was ich l&auml;ngst gew&uuml;nscht, so
+sollte und m&uuml;&szlig;te es sein'; aber wenn ich es auch
+unternehme, die Liebesbeziehungen darzulegen, so schreien die bissigen
+Moralisten, da&szlig; ich die guten Sitten verletze. Sie werden
+&uuml;ber jede Parallele verwundert sein, die ich zwischen den
+Gewohnheiten der beiden Gesellschaftsordnungen ziehe. Zum Beispiel,
+wenn ich die vestalischen Verm&auml;hlungen mit denen der Zivilisation
+vergleiche, deren Moral nur unanst&auml;ndige und skandal&ouml;se
+Gewohnheiten zu Grunde liegen: so die zweideutigen Zeremonien, die der
+Verbindung des Paares vorausgehen; die zweideutigen Wortspiele, die
+Trunkenheit der Festbetheiligten, das Herfallen mit schlechten
+Scherzen &uuml;ber die Braut. Die Gepflogenheit der Saufgelage kann
+einer dezenten Gesellschaft, wie sie die Vestalen sind, nicht
+gefallen; sie haben die Methode, ihre Vereinigung zu vollziehen, ohne
+da&szlig; sie zuvor den Sp&ouml;ttereien und Witzeleien ausgesetzt
+sind, die den n&auml;chsten Morgen noch immer fr&uuml;h genug kommen.
+Es bleibt weder Zeit f&uuml;r die ewigen zweideutigen Wortspiele, noch
+f&uuml;r die moralischen Schlemmereien.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Man begeht, wie man sieht, in der Harmonie nicht die Inkonsequenz,
+Vestalinnen zu schaffen ohne Vestalen, sie ahmte sonst den Widerspruch
+der Zivilisation nach, die den M&auml;dchen die Keuschheit
+vorschreibt, aber die Ausschweifungen der jungen M&auml;nner tolerirt,
+d.&nbsp;h. man provozirt bei den Einen, was man den Andern verbietet, eine
+Zweideutigkeit, die der Zivilisation w&uuml;rdig ist. Welcher Art
+werden die jungen M&auml;nner sein, die in der Harmonie sich f&uuml;r
+das Vestalat erkl&auml;ren? &mdash; Diejenigen, die, wie die
+S&ouml;hne des Theseus, f&uuml;r aktive Th&auml;tigkeiten, aber wenig
+f&uuml;r die Liebe neigen. Wenn Hippolyt die Jagd allein gen&uuml;gte,
+um ihn von der Liebe abzuziehen, so wird eine soziale Ordnung, die
+jedem Jugendlichen drei&szlig;ig und mehr Gelegenheiten bietet, wo er
+seine Kr&auml;fte &uuml;ben und seinen Ehrgeiz befriedigen kann,
+interessanter sein, als das mittelm&auml;&szlig;ige Vergn&uuml;gen der
+Jagd.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Vergegenw&auml;rtige man sich immer wieder, da&szlig; alle diese
+anscheinend so romantischen Gepflogenheiten den Zweck verfolgen, den
+wirklichen Reichthum der Phalanx zu steigern, indem sie die Liebe in
+allen ihren Unterarten f&uuml;r den Fortschritt der Arbeit und der
+Entwicklung nutzbar machen. Der Reichthum steigt in demselben
+Ma&szlig;e, wie allen Trieben der freie Aufschwung gesichert ist. Es
+wird geschehen, da&szlig; die Alten, die in der Harmonie den Reichthum
+und die Vergn&uuml;gungen mehr lieben werden, als man sie heute liebt,
+die Ersten sein werden, welche die Freiheit der Liebe herzustellen
+verlangen. Die n&ouml;thigen Gegengewichte werden sich in
+gen&uuml;gender Zahl aus der Konkurrenz der Instinkte und der
+Geschlechter ergeben.&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Man sieht, da&szlig; meine Theorie &uuml;berall eine einheitliche
+ist, alle Probleme haben dieselbe L&ouml;sung, die Bildung von Serien,
+freien Gruppen, und diese nach den drei Regeln zu entwickeln:
+geschlossene Abstufung der Triebe (Kabalist), Wechsel in der
+Aus&uuml;bung aller Th&auml;tigkeiten (Papillone), kurze Sitzungen
+(Komposit). Das ist die feste Regel f&uuml;r die Bildung und
+Entwicklung der Serien; ihr Zweck mu&szlig; sein, &uuml;berall die
+Konkurrenz der Geschlechter, der Lebensalter und der Instinkte zu
+begr&uuml;nden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Den Leser choquirt die Idee der freien Liebe, weil daraus ein
+Durcheinander der Kinder verschiedener Abstammung resultire; um diese
+Vorurtheile zur&uuml;ckzuweisen, m&uuml;&szlig;te ich zu sehr
+weitl&auml;ufigen Auseinandersetzungen greifen, die ich hier nicht
+geben kann; ich werde beweisen, da&szlig; das zivilisirte Regime alle
+die Uebel erzeugt, die man von der Freiheit der Liebe bef&uuml;rchtet,
+da&szlig; aber diese Freiheit, auf eine Phalanx mit Serien der Triebe
+angewandt, alle Unordnungen, die sie in der Zivilisation hervorruft,
+vermeidet. Wie es in der Zivilisation aussieht, daf&uuml;r m&ouml;gen
+einige Beweise folgen. Die Statistik von Paris ergiebt, da&szlig; ein
+Drittel der V&auml;ter ihre Kinder verlassen und verleugnen. Auf
+27.000 Geburten rechnet man &uuml;ber 9000 Bastarde, und doch ist
+Paris der Mittelpunkt der &bdquo;moralischen Erleuchtung&ldquo; und die
+&bdquo;Vollendung der Vervollkommnung der Vervollkommnungsf&auml;higkeit&ldquo;.
+Wenn &uuml;berall ebenso viel Vollkommenheit existirt als in Paris,
+ist ein Drittel der Kinder von ihren V&auml;tern verlassen. Ferner
+sind da die syphilitischen Krankheiten, die in unserer Ordnung
+zahlreiche Opfer erfordern. Die Jugend wird bei unseren Sitten zur
+Unaufrichtigkeit erzogen, sie macht sich ein Spiel daraus, diese
+Krankheiten zu verbreiten, deren Gefahr jede kluge Person zwingt, sich
+von der galanten Welt zu isoliren und so die unnat&uuml;rliche
+Befriedigung der Triebe herausfordert. Ferner: Wenn im jugendlichen
+Alter die M&auml;dchen &uuml;ber die Treue get&auml;uscht werden, so
+t&auml;uschen sp&auml;ter ihrerseits die Frauen; sie nehmen einfach
+Repressalien. Wenn in Paris, &bdquo;dem Hort der Moral&ldquo;, man j&auml;hrlich
+&uuml;ber 9000 V&auml;ter sieht, die ihre Kinder verlassen, so wird
+die Rache der M&uuml;tter eine entsprechende sein. Auf 27.000 Geburten
+schw&ouml;ren die Frauen 9000 Kinder ihren Ehem&auml;nnern zu, die sie
+von ihren Liebhabern bekommen haben. Das ist Reziprozit&auml;t der
+V&auml;ter und M&uuml;tter f&uuml;r ihre Kinder. Ferner: Nach dem
+Liebesalter gefallen sich die Alten inmitten ihrer z&auml;rtlichen
+Kinder und Enkel, die nat&uuml;rlich in den gesunden Doktrinen der
+Philosophie erzogen wurden, und freuen sich der ihnen erwiesenen
+Zuneigung. Es ist meist nur Duperie und Scheinheiligkeit. Alle diese
+Aufmerksamkeiten gelten nicht ihnen, sondern ihrem Verm&ouml;gen. Um
+sich davon zu &uuml;berzeugen, brauchten sie nur den
+Zusammenk&uuml;nften beizuwohnen, bei welchen die Liebenden ihre
+Eltern glossiren. Sie werden als l&auml;cherliche Harpagons oder
+unbequeme Argusse behandelt; man unterh&auml;lt sich mit
+W&uuml;nschen, wie, da&szlig; der Augenblick bald kommen m&ouml;ge, um
+ein Verm&ouml;gen genie&szlig;en zu k&ouml;nnen, das nach der Meinung
+der Jungen die Alten nicht anzuwenden verstehen. Man antwortet:
+da&szlig; ehrenhafte Familien vor geheimen Orgien sicher sind. Ja, so
+lange die Furcht darin herrscht. Aber sind die V&auml;ter und die
+Argusse todt oder abwesend, in demselben Augenblick kommt auch die
+Orgie, oft selbst w&auml;hrend die V&auml;ter leben. Die jungen Leute
+&uuml;berzeugen die V&auml;ter, da&szlig; sie nicht kommen, ihre
+T&ouml;chter zu verf&uuml;hren, da&szlig; sie wahre Freunde der Moral
+und der Verfassung sind, andererseits &uuml;berzeugen sie die Mutter,
+da&szlig; sie eben so h&uuml;bsch wie die Tochter ist, &bdquo;was manchmal
+wahr ist&ldquo;. Gest&uuml;tzt auf diese Argumente, organisiren sie im Hause
+die maskirte Orgie. Der Vater gewahrt den Kniff und versucht
+widerspenstig zu werden, aber die Frau beweist ihm, da&szlig; er nicht
+die rechte Einsicht habe und er schweigt. Und selbst wenn die
+V&auml;ter solche Fallen zu vermeiden wissen, gerathen sie nicht in
+zwanzig andere Unannehmlichkeiten, in einen wahren <TT>Cercle
+vicieux</TT> von moralischen Sottisen? Hier f&auml;llt eine gehorsame
+Tochter in Krankheit und stirbt, weil ein Band ihr versagt blieb, das
+die Natur gebot. Dort wird eine entf&uuml;hrt oder schwanger und alle
+v&auml;terlichen Berechnungen werden zu Schanden. Und welch eine
+Verlegenheitsquelle sind T&ouml;chter ohne Aussteuer? Um sich zu
+erleichtern, schlie&szlig;t der Vater die Augen &uuml;ber die
+Freiheiten der Sch&ouml;nsten, damit ihm die Kosten ihres
+Flitterstaats erspart bleiben. Die wenigst Sch&ouml;ne steckt er in
+ein ewiges Gef&auml;ngni&szlig;,<a href="#Footnote_18"
+name="FNanchor_18" id="FNanchor_18"><sup>18</sup></a> ihr sagend, da&szlig; sie
+gl&uuml;cklicher sein werde, wenn sie Gott diene. Oder er hat eine
+Tochter verheiratet, aber die Verbindung geht zu Grunde, und statt
+eine Tochter los und ledig zu sein, hat er sie und ihre ruinirte
+Familie zu erhalten. Und so lie&szlig;en sich noch viele F&auml;lle
+der Entt&auml;uschung anf&uuml;hren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da kommt die Moral und beweist an einigen gl&uuml;cklichen Ausnahmen,
+welche segensreiche, Gl&uuml;ck bringende Einrichtung diese Ehe
+unserer Zivilisation sei, aber die gro&szlig;e Majorit&auml;t, die
+dieses Gl&uuml;ckes beraubt ist, sieht und empfindet dieses Gl&uuml;ck
+nicht. V&auml;ter wie Kinder sind in falscher Position, die gute
+Ordnung beruht auf einem mehr oder weniger maskirten Zwang, und dieser
+Zwang erstickt die Zuneigung; er reduzirt das Familienleben zu einem
+Trugbild. Die Eltern erhalten das wahre Gl&uuml;ck nur in einer
+Ordnung, die den W&uuml;nschen der Natur entspricht, aber unsere
+Moralisten haben nie eine Studie &uuml;ber die Beziehungen der Liebe
+gemacht. Ein Beispiel lehrt dies.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier bezieht sich hier zum Beweis f&uuml;r die Richtigkeit seiner
+Anschauung &uuml;ber die Moralisten auf einen Vorgang, der ihm zufolge
+im Pensionat des ber&uuml;hmten Pestalozzi in Yverdon vorgefallen sein
+soll, und er verspottet hierbei zugleich die sogenannte intuitive
+Methode, nach der Pestalozzi bei seinem Erziehungssystem verfuhr. Wie
+weit der zu erz&auml;hlende Vorfall auf Wahrheit beruht, k&ouml;nnen
+wir nicht kontroliren, inde&szlig; sind &auml;hnliche Vorg&auml;nge
+auch heutzutage durchaus nichts Seltenes. Fourier erz&auml;hlt also,
+da&szlig;, w&auml;hrend Pestalozzi in seinem Institut nach seiner
+intuitiven Methode J&uuml;nglinge und junge M&auml;dchen
+unterrichtete, er gar nicht gewahr wurde, wie diese unter sich nach
+der sensitiven Methode handelten. Daraus entstand denn eines Tages
+eine schreckliche Entdeckung. Es gab ein f&uuml;rchterliches
+Durcheinander. Es ward entdeckt, da&szlig; eine Anzahl der
+Sch&uuml;lerinnen theils durch Lehrer, theils durch Sch&uuml;ler
+schwanger geworden war, wor&uuml;ber, sehr begreiflich, der
+ber&uuml;hmte Lehrer ganz au&szlig;er sich gerieth, der, wie Fourier
+boshaft hinzusetzt, &bdquo;bei dem Gr&uuml;beln &uuml;ber seine intuitiven
+Subtilit&auml;ten ganz und gar vergessen hatte, der Intuition der
+Liebe Rechnung zu tragen&ldquo;. &bdquo;W&auml;hrend so die Philosophen die Triebe
+unterdr&uuml;cken wollen, kommen diese und unterdr&uuml;cken
+unvermutheter Weise die arme Philosophie. Es zeigt sich hier,
+da&szlig;, wie immer man sich in der Zivilisation der Freiheit
+n&auml;hern will, sei es in Sachen der Liebe, sei es in Sachen der
+anderen Triebe, man f&auml;llt stets in einen Abgrund von Sottisen,
+weil die Freiheit nur im soziet&auml;ren Zustand zur Geltung kommen
+kann, wovon die Moral keine Ahnung hat.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier sagt dann weiter: Die Freiheit zu besitzen und zu sichern, sei
+der Wunsch des Menschengeschlechtes, aber das k&ouml;nne man nicht,
+ohne den Mechanismus der Gegengewichte zu kennen, die den
+Mi&szlig;brauch der Freiheit verh&uuml;teten. Deshalb tappte bisher
+der menschliche Geist im Finstern und fielen alle Neuerer, die
+revolution&auml;ren Politiker, mit ihren Versuchen, wie die Pestalozzi
+und Owen und andere politische Halsbrecher, stets von der Charybdis in
+die Skilla.
+
+</P><P>
+
+Es ist nicht uninteressant, hier auch ein Urtheil anzuf&uuml;hren, das
+Fourier &uuml;ber Kant und, indem er &uuml;ber die Methode
+Pestalozzi's spricht, &uuml;ber die Deutschen &uuml;berhaupt
+f&auml;llt. Er sagt &uuml;ber Kant: Welches Wesen habe man von ihm
+gemacht. Er sei der erste Metaphysiker der Schule. Kein Anderer solle
+wie er mit analytischer Gr&uuml;ndlichkeit &uuml;ber die Wahrnehmungen
+der Anschauungen des Erkenntni&szlig;verm&ouml;gens, die
+Willens&auml;u&szlig;erung der Empfindungen, Klarheit gebracht haben.
+Er sei ein Eroberer, der Alles an sich rei&szlig;e, der das Angesicht
+der Wissenschaft g&auml;nzlich &auml;ndere. Er (Fourier) habe zu
+diesem Urtheil &bdquo;Ja&ldquo; gesagt, obgleich er nicht die F&auml;higkeit
+besitze, &uuml;ber Kant oder die anderen Ideologen ein Urtheil
+abzugeben; er habe nie eine Zeile von ihrer Wissenschaft begriffen,
+was ihn aber nicht verhindere, &uuml;ber ihre Bedeutung auf Grund der
+vorliegenden <i>Resultate</i> zu urtheilen. Heute rangire man die
+alten Ideologen unter die Alchimisten, man betrachte ihre Lehren als
+Visionen; damit sei nicht gesagt, da&szlig; die modernen Ideologen mit
+den Chemikern auf eine Stufe zu stellen seien, denn diese
+st&uuml;tzten sich auf die Erfahrung. Die Ideologen, Kant nicht
+ausgenommen, seien Sch&ouml;ngeister, Rechthaber <TT>(ergoteurs)</TT>,
+die in einem Jahrhundert zu Ansehen k&auml;men, das, wie das unsere,
+neue G&ouml;tzenbilder brauche.
+
+</P><P>
+
+Charakteristisch an diesem Urtheil ist die Offenheit, womit Fourier
+zugiebt, Kant nie verstanden zu haben; damit, k&ouml;nnte man sagen,
+sei auch das Urtheil &uuml;ber Fourier gesprochen, und doch th&auml;te
+man ihm Unrecht, denn f&uuml;r ihn entscheiden, wie er selbst sagt,
+die greifbaren Resultate, und diese allein. Fourier ist trotz aller
+Spekulationen, denen er selbst in seiner Ideenentwicklung
+verf&auml;llt, eine durchaus auf das Konkrete gerichtete Natur. Eine
+Spekulation, die keine praktischen Resultate f&uuml;r das Leben
+verspricht, verwirft er. Da&szlig; Kant mit Begriffen operirte,
+&uuml;ber Begriffe spekulirte, scheint ihm eine unfruchtbare Arbeit;
+eine solche Wissenschaft kann f&uuml;r die Menschen, die, nach ihm,
+nur das Gl&uuml;ck wollen und zwar sichtbar und greifbar, keine
+Wissenschaft sein. Die Philosophie m&uuml;ht sich ab, den Begriff des
+Gl&uuml;cks zu definiren, Fourier ist damit sehr rasch fertig:
+Gl&uuml;ck hei&szlig;t volle Befriedigung aller Triebe des Menschen,
+suchen wir also ihm diese Befriedigung zu verschaffen. Was nicht
+darauf abzielt, ist, nach seiner Meinung, vom Uebel, metaphysische
+Spekulation ohne Werth; die Praxis und die Erfahrung entscheiden.
+
+</P><P>
+
+So urtheilt er auch weiter absprechend &uuml;ber Pestalozzi. Nach ihm
+ist Pestalozzi der praktische Metaphysiker, wie Kant der theoretische.
+Sein (Pestalozzi's) Institut sei jedenfalls das beste in Europa, es
+werde nach einer Methode geleitet, die von Montaigne bis Jean Jacques
+Rousseau empfohlen worden sei. Das Pensionat sei renommirt, und die
+Kinder seien stolz, ihm anzugeh&ouml;ren, wie der Soldat stolz sei, in
+einem sch&ouml;nen Regiment zu dienen. Aber um das Kind anzuregen,
+seinen Wetteifer zu entfachen, habe man nichts als die intuitive
+Methode. Aber kein Kind bei&szlig;e an die Angel. Pestalozzi gestehe
+selbst, da&szlig; er nur selten Kinder gewinne, und da&szlig; zwei
+Drittel desertirten und ungeduldig w&uuml;rden. Dazu komme, da&szlig;
+er wegen Mangel an Verm&ouml;gen das Pensionat nur mangelhaft
+ausstatten k&ouml;nne. &bdquo;Man traktirt vergeblich die Kinder mit der
+intuitiven Methode, um sie &uuml;ber ihre Unbehaglichkeit zu
+tr&ouml;sten, sie wollen nicht die von diesem ideologischen Dunst
+Get&auml;uschten sein.&ldquo; Schlie&szlig;lich habe man die deutschen
+Kinder an diesen metaphysischen Jargon gew&ouml;hnt. Das sei nicht zu
+verwundern. Deutsche Kinder seien sehr geschmeidig, man bringe
+Tausende zum Gehorsam mit der Erkl&auml;rung: &bdquo;Es mu&szlig; sein.&ldquo; Die
+Deutschen seien eine Nation &bdquo;von Freunden der Ordnung&ldquo;, der Deutsche
+sei ein Mechanismmus, den man jederzeit mit dem: &bdquo;es mu&szlig; sein&ldquo;
+in Bewegung setzen k&ouml;nne, da sei es leicht, die Kinder nach
+irgend welchen Zierereien der Metaphysik, wie diese intuitive Methode,
+zu bilden, aber f&uuml;r die Vortrefflichkeit der Erziehung beweise
+das nichts.
+
+</P><P>
+
+In Ausf&uuml;hrung seiner Theorie erkl&auml;rt Fourier weiter,
+da&szlig;, bevor die Bedingungen, unter denen die von ihm dargelegten
+Prinzipien freier Liebe sich verwirklichen k&ouml;nnten, mehrere
+Generationen im phalansteren System vergehen m&uuml;&szlig;ten. Das
+Geschlecht m&uuml;sse erst dazu gesund erzogen und vorbereitet sein.
+Zun&auml;chst gelte es, die Syphilis, die ganze Geschlechter
+geschw&auml;cht habe, vollst&auml;ndig auszurotten, dann die
+politischen Hindernisse des Verkehrs der Geschlechter zu beseitigen;
+das Schwierigste aber sei, zu verhindern, da&szlig; nicht in dem
+Augenblick, wo man der Liebe gr&ouml;&szlig;ere Freiheit gebe, die
+geheime und korporative Orgie &mdash; worunter Fourier den
+ungeregelten, durch kein System der Serien der Triebe gez&uuml;gelten
+Geschlechtsgenu&szlig; versteht &mdash; hervorbreche. Die Orgie
+k&ouml;nne nicht durch Unterdr&uuml;ckungsmittel verh&uuml;tet werden,
+sondern durch die Oberherrschaft von Ehre und Tugend, erzeugt durch
+Einrichtungen, wie er sie in Bezug auf das Vestalat vorgeschlagen. Er
+glaubt ferner die Richtigkeit seiner Ansichten &uuml;ber die Liebe aus
+dem neuen Testament beweisen zu k&ouml;nnen, eine Beweisf&uuml;hrung,
+die bekanntlich bis in die neueste Zeit von den auf religi&ouml;ser
+Grundlage beruhenden kommunistischen Sekten sowohl f&uuml;r die
+Gemeinschaft der G&uuml;ter, wie f&uuml;r die Freiheit des
+Geschlechtsverkehrs und die Gleichheit von Mann und Frau in's Treffen
+gef&uuml;hrt worden ist, aber von Anderen und durch andere Stellen des
+neuen Testaments ebenso bek&auml;mpft wird.
+
+</P><P>
+
+Die Liebesbeziehungen, wie sie in der Zivilisation m&ouml;glich seien,
+behauptet Fourier, z&ouml;gen die Jugend von den Arbeiten und den
+Studien ab, sie erregten die Indolenz, die Frivolit&auml;t und
+verf&uuml;hrten zu unsinnigen Ausgaben. Umgekehrt werde in der
+Harmonie die Liebe zur Kultur und zum Studium anreizen und den Eifer
+daf&uuml;r verdoppeln.
+
+</P><P>
+
+Fourier geht nun dazu &uuml;ber, zu untersuchen, wie die verschiedenen
+Geschlechter und Klassen f&uuml;r die neue Ordnung zu gewinnen seien
+und wo man den Hebel ansetzen m&uuml;sse. Das einflu&szlig;reichste
+Geschlecht seien die Kinder. Die Kinder wirkten auf die M&uuml;tter
+und die M&uuml;tter und Kinder zusammen auf die V&auml;ter; einem
+solchen Ansturm k&ouml;nnten letztere nicht widerstehen. Unter den
+Klassen seien es die Reichen, die auf die niederen Klassen den
+Einflu&szlig; h&auml;tten. Es gelte, die Reichen zu verf&uuml;hren,
+denn bequemten diese sich zur Arbeit in der Serie, so w&uuml;rden die
+&uuml;brigen Klassen, durch deren Beispiel angefeuert, erst recht
+eifrig bei der Sache sein. Welche Arbeiten w&uuml;rden es also sein,
+die Reiche und Kinder am ehesten zum Eintritt in die soziet&auml;re
+Ordnung verf&uuml;hren k&ouml;nnten? Man merke wohl, es handelt sich
+nicht um ein Ueberzeugen, um ein Wirken auf den Verstand, sondern um
+ein Verf&uuml;hren, ein Wirken auf die Leidenschaften und Triebe. Auf
+die Kinder wird den gr&ouml;&szlig;ten Anreiz gutes Essen und Trinken
+&uuml;ben, also die Gourmandis. Eine K&uuml;che f&uuml;r sie und die
+freie Befriedigung ihrer Geschm&auml;cker wird ihre ganze Phantasie in
+Beschlag nehmen und gewinnen. Man wird also die Kinder in Serien und
+Gruppen organisiren und sie mit der Herstellung der gew&uuml;nschten
+Herrlichkeiten vertraut machen. Von jetzt ab werden sie die eifrigsten
+Werber f&uuml;r die Phalanx werden. Dazu kommen die schon
+erw&auml;hnten anderen Anreize: Kleine Ateliers, kleine Werkzeuge,
+k&ouml;rperliche Exerzitien und choreographische Uebungen mit
+Vorstellungen, Ferien etc. in der Oper.
+
+</P><P>
+
+Die reiche Klasse wird anfangs z&ouml;gern; die Einzelnen werden in
+diese und jene Serie treten und die Arbeit auf kurze Zeit versuchen.
+Aber eingetreten, naht die Verf&uuml;hrung. Da ist ein reicher Mann,
+Namens Mondor, der von Natur Hang zu Gartenarbeiten hat. Er
+interessirt sich namentlich f&uuml;r Pflanzensamen, das Sammeln der
+Fr&uuml;chte und ihre Konservirung. Nun liebt Mondor besonders
+Rothkohl, den er an der Tafel der Phalanx ausgezeichnet findet; auch
+hat er davon sch&ouml;ne Beete auf den Feldern der Phalanx gesehen.
+Mondor l&auml;&szlig;t sich den Samen zeigen, untersucht ihn und giebt
+einer Gruppe von S&auml;ern einige gute Winke, wor&uuml;ber diese
+Mondor ihr Lob zollen, dessen Eigenliebe dadurch geschmeichelt wird.
+Er tritt in die Gruppe der S&auml;er ein und betheiligt sich an ihren
+Arbeiten, aber ohne andern Gruppen beizutreten. Den Tag nach diesem
+Engagement erlebt Mondor, da&szlig; bei der Fr&uuml;hparade die Kinder
+ihn mit einer Fanfare begr&uuml;&szlig;en, worauf ein Herold vortritt
+und ihn zum Baccalaureus des Rothkohls, in R&uuml;cksicht auf seine
+Kenntnisse f&uuml;r diesen Zweig des Gartenbaues, ausruft. Dann tritt
+eine Vestalin vor, welche ihm die Abzeichen dieser Serie
+&uuml;berreicht und ihn umarmt. Darauf empf&auml;ngt er die
+Begl&uuml;ckw&uuml;nschungen der Chefs, die durch die Kinder mit einer
+neuen Fanfare begleitet werden. All das gef&auml;llt Mondor so,
+da&szlig; er sich entschlie&szlig;t, ganz in die Phalanx einzutreten
+und an ihren Arbeiten seinen Neigungen entsprechend theilzunehmen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Auf &auml;hnliche Weise wird jeder reiche Mann und jede reiche Frau&ldquo;,
+meint Fourier weiter, &bdquo;nachdem sie einige Tage in der Phalanx
+zugebracht haben und allen Vorg&auml;ngen gefolgt sind, gewonnen, und
+sie werden &uuml;berrascht sein, pl&ouml;tzlich zwanzig und mehr
+industrielle Anziehungen bei sich zu entdecken, die sie bisher selbst
+nicht kannten. Es ist der h&auml;ufige Wechsel in der freien Wahl der
+Th&auml;tigkeit, was ihnen besonders gef&auml;llt. Der Einflu&szlig;
+dieser parzell&auml;ren Anwendungen, bald hierin, bald darin, wird die
+Wirkung haben, da&szlig; sieben Achtel der Frauen sich f&uuml;r die
+verschiedensten Besch&auml;ftigungen der Hauswirthschaft interessiren,
+die ihnen heute meist widrig erscheinen. Diese liebt nicht, sich mit
+der Pflege kleiner Kinder abzugeben, sie wird aber gern in eine Gruppe
+eintreten, die sich mit einem Zweig der Schneiderei oder N&auml;hterei
+befa&szlig;t; die andere will nicht am Herde stehen, sie ist dagegen
+eingenommen f&uuml;r die Herstellung verzuckerter Kr&ecirc;me und die
+Arbeiten der Konservirung; umgekehrt werden Andere angenehm finden,
+was Jene verwerfen. So werden die Frauen zwanzig und mehr
+Besch&auml;ftigungen finden, f&uuml;r die sie in der Zivilisation
+nicht die Mittel und die Einrichtungen besa&szlig;en, oder die sie
+erm&uuml;deten und mi&szlig;stimmten, weil sie dieselben ohne
+Abwechslung und bis zum &auml;u&szlig;ersten Ma&szlig; ihrer
+Kr&auml;fte erf&uuml;llen mu&szlig;ten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Gew&ouml;hnlich geben die Ehem&auml;nner und Moralisten der Frau in
+der Ehe wenig Geld, aber viel gute Rathschl&auml;ge, und so finden die
+Frauen in der Haushaltung nur Plackerei und Entbehrungen, wie die
+M&auml;nner in der Bodenkultur nur Erm&uuml;dung und Spitzb&uuml;berei
+finden. Der immerw&auml;hrende Wechsel der Besch&auml;ftigung nach
+Wahl wird die Hauptquelle der industriellen Anziehung und daraus
+werden andere Anreize hervorgehen. Chloe hat mehrere Male an einer
+Tafel der Serie der Lautenmacher servirt und hat aus den gepflogenen
+Unterhaltungen Interesse f&uuml;r diese Besch&auml;ftigung gewonnen;
+sie fa&szlig;t eines Tages den Entschlu&szlig;, das Atelier derselben
+zu besuchen, und was sie sieht und h&ouml;rt, gef&auml;llt ihr so,
+da&szlig; sie beschlie&szlig;t, in die Serie der Lautenmacher
+einzutreten. Ohne da&szlig; sie diese Gesellschaft kennen lernte und
+ihr Atelier besuchte, w&uuml;rde sie nie Interesse und Trieb f&uuml;r
+diese Besch&auml;ftigung empfunden haben. Weiter: Sebastian, ein
+junger Mann ohne Verm&ouml;gen, zerrei&szlig;t eines Tages an einem
+Haken sein sch&ouml;nstes Kleid. Den n&auml;chsten Tag entdeckt dies
+bei der Ordnung von Sebastian's Zimmer eine der Zimmerordnerinnen und
+diese bringt das Kleid zu den Ausbesserinnen, wo Celiante, eine reiche
+Dame von f&uuml;nfzig Jahren, die Leitung hat. Celiante ist sehr
+passionirt f&uuml;r solche Arbeiten und betrachtet sich selbst mit
+Stolz als die Geschickteste in der Serie. Celiante kennt Sebastian,
+dem sie mehrfach in Gruppen, in welchen er sich auszeichnete,
+begegnete und empfindet Wohlwollen f&uuml;r ihn. Sie benutzt also
+diese Gelegenheit, ihm ein Zeichen ihrer Wohlgeneigtheit zu geben,
+indem sie selbst in meisterlicher Weise an Sebastian's Kleid die
+Reparatur vornimmt. So wird der unverm&ouml;gende Sebastian in der
+Phalanx von einer Dame bedient, die Million&auml;rin ist. Solche
+Begegnungen und Zuf&auml;lle giebt es in der Phalanx t&auml;glich in
+Menge, die h&auml;ufig auch zu ernsteren Beziehungen f&uuml;hren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Leistung wird nie von Person zu Person bezahlt, die Phalanx
+stellt sie in Rechnung; die Leistung erlangt dadurch den Charakter der
+rein unpers&ouml;nlichen Beziehung. Arm arbeitet f&uuml;r Reich, Alt
+f&uuml;r Jung und umgekehrt. Die Greise und Greisinnen, die zu keiner
+Leistung mehr verpflichtet sind, werden es sich zum besonderen
+Vergn&uuml;gen machen, die Kinder in den Th&auml;tigkeiten zu
+unterweisen, f&uuml;r die sie selbst ein lebhaftes Interesse
+besa&szlig;en, oder noch besitzen; sie werden in diesen Kindern die
+Erben und Nachfolger ihrer Lieblingsbesch&auml;ftigungen erblicken,
+und ein Kind ohne Verm&ouml;gen wird h&auml;ufig von ihnen adoptirt
+oder mit Legaten bedacht werden. In der Phalanx hat Jeder die
+Gewi&szlig;heit, da&szlig; er in seinen Lieblingsvergn&uuml;gen und
+Besch&auml;ftigungen Nachfolger findet, in der Zivilisation nicht. Die
+Natur scheint ein solches Verh&auml;ltni&szlig; zwischen Eltern und
+Kindern h&auml;ufig nicht zu beg&uuml;nstigen, indem die S&ouml;hne
+oft ganz andere Neigungen und Anlagen als die V&auml;ter haben,
+wor&uuml;ber in der Zivilisation die Eltern oft bitter klagen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Im Widerspruch mit dem auf Ausgleichung und Uebereinstimmung
+berechneten Charakter der Harmonie l&auml;uft die Zivilisation darauf
+hinaus, die verschiedensten Klassen und Lebensalter miteinander zu
+&uuml;berwerfen. Eltern und Kinder, Vorgesetzte und Untergebene,
+Unternehmer und Arbeiter befinden sich meist in Differenzen &uuml;ber
+Anschauungen und Neigungen, Befugnisse und Pflichten. Gehalt- und
+Lohnfragen f&uuml;hren zu Streitigkeiten ohne Ende, und das
+pers&ouml;nliche Kommando wird Gegenstand des Hasses, denn jedes
+willk&uuml;rliche Befehlen ist dem&uuml;thigend f&uuml;r den, welcher
+gehorcht. Das pers&ouml;nliche Regiment ist in der soziet&auml;ren
+Ordnung unm&ouml;glich; Alles ordnet sich nach freier Uebereinkunft
+und passioneller Zustimmung. In einem Solchen Zustande giebt es keine
+Willk&uuml;r in der gegebenen Ordnung, nichts Beleidigendes im
+freiwilligen Gehorchen. Da, wo die zivilisirte Ordnung mit ihrer
+Privatwirthschaft und ihren abh&auml;ngigen Existenzen stets zwei- und
+dreifache Disharmonie und Unordnung schafft, erzeugt der
+soziet&auml;re Zustand drei- und vierfache Freude, Bande der
+Uebereinstimmung jeder Art.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aber der soziet&auml;re Zustand wird auch h&auml;ufig zu gemischten
+Gruppen und Serien greifen m&uuml;ssen, in denen ein uns fremder und
+von uns ver&auml;chtlich behandelter Geschmack, f&uuml;r den wir keine
+Verwendung haben, zur Anwendung kommt. Zum Beispiel, wenn es sich um
+Ausf&uuml;hrung einer schwierigen, nicht sehr angenehmen Arbeit
+handelt, wie die, einen Berg mit der Anpflanzung eines Forstes zu
+kr&ouml;nen. Hierf&uuml;r wird man kaum eine Serie finden, die sich
+aus Trieb mit der ganzen Arbeit belasten will; man wird also gemischte
+Serien, die nacheinander folgen, in's Spiel setzen m&uuml;ssen, denn
+man wird Erdtransporte und grobe Arbeiten vorzunehmen haben. Man
+schickt also zun&auml;chst die Beginner <TT>(initiateurs)</TT> in's
+Treffen, d.&nbsp;h. Leute, die alles Neue mit Feuereifer beginnen, aber
+nichts zu Ende bringen, deren Strohfeuer nach einigen Sitzungen
+verraucht ist, die aber &uuml;berall, wo es einen gef&auml;hrlichen
+oder unangenehmen Schritt zu thun giebt, bei der Hand und darum sehr
+werthvoll sind. Es sind Charaktere, die man leicht stimuliren kann und
+die vor keiner Schwierigkeit zur&uuml;ckschrecken. Bis sie
+erm&uuml;det sind, hat das Werk ein anderes Angesicht gewonnen, und
+nun kommen die <i>Gelegenheitscharaktere</i> oder die
+<i>Wetterfahnen</i> an die Reihe, Leute, die sich mit jedem Winde
+drehen, immer die Ansicht des zuletzt Gekommenen haben und f&uuml;r
+jede Neuheit, die Kredit erlangt hat, zu gewinnen sind. Sie
+schw&ouml;ren, wenn sie das Unternehmen in Angriff genommen sehen,
+da&szlig; es sehr plausibel sei, und werden sich mit den Beginnern,
+die zur&uuml;ckgeblieben sind, verbinden. Darauf folgen die
+Wunderlichen oder ewig Beweglichen, Leute, die sich in Alles mischen,
+was <i>halb</i> gethan ist, es modifiziren und um&auml;ndern,
+best&auml;ndig ihre Th&auml;tigkeit wechseln, einen guten Posten
+f&uuml;r einen schlechten hergeben, ohne einen anderen Grund, als ihre
+nat&uuml;rliche Unruhe. Sie machen sich eifrig an die Anpflanzung,
+sobald sie sehen, da&szlig; die Arbeiten vorgeschritten sind, und man
+wird ihnen jede nichts bedeutende Aenderung gestatten, um sie zu
+streicheln. Diese werden mit dem Rest der Vorhergehenden einige Zeit
+bei ihrer Arbeit aushalten. Dann folgen die <i>Cham&auml;leons</i>
+oder <i>Ver&auml;nderlichen,</i> eine in der Zivilisation sehr
+zahlreiche Klasse, die immer dabei sind, wo eine Sache Erfolg hat. Sie
+werden bei einem Werk nicht unth&auml;tig bleiben wollen, das zu zwei
+Dritteln beendet ist, sie werden die Arbeit bis ziemlich zu Ende
+f&uuml;hren, aber dann sie verlassen. Jetzt ist der Moment gekommen,
+wo die Fertigmacher <TT>(finiteurs)</TT> antreten k&ouml;nnen. Das
+sind die Leute, die sich immer erst dann f&uuml;r ein Werk begeistern,
+wenn sie es fast vollendet sehen. Niemals erh&auml;lt man f&uuml;r
+einen Anfang ihre Stimme, sie erkl&auml;ren jedes Unternehmen f&uuml;r
+unm&ouml;glich, f&uuml;r l&auml;cherlich und ergehen sich in
+&uuml;bertreibenden Anklagen gegen die, welche eine Verbesserung
+beginnen, und behandeln als Narren oder hirnlosen Neuerer Jeden, der
+etwas Gro&szlig;es unternimmt. Ist aber das Werk zu drei Vierteln
+fertig, dann &auml;ndern diese Aristarchen den Ton; sie werden
+Lobredner von dem, was sie erst beschrieen und behaupten, da&szlig;
+sie von vornherein das Unternehmen unterst&uuml;tzt, das ohne ihre
+H&uuml;lfe nicht geworden w&auml;re. Sie werden ihre Inkonsequenz
+nicht gewahr und machen sich jetzt voll Hingebung an das Werk. Dieser
+letztere Charakter ist sehr h&auml;ufig in Frankreich; nach
+geschehener That fordern die Franzosen alle Neuerungen zur&uuml;ck,
+die sie anfangs verlachten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier benutzt diese Gelegenheit, um seinen Landsleuten den Text zu
+lesen &uuml;ber die Art, wie sie ihn selbst und seine Entdeckung
+behandelten. In Sachen der Harmonie oder industriellen Anziehung
+ermangelten sie nicht, sich als echte Fertigmacher, d.&nbsp;h. Leute, die
+zuletzt kommen, wenn die Hauptarbeit gethan ist, zu zeigen. Sie haben
+begonnen, ihn, den Entdecker und Autor der Phalanx, zu beschimpfen,
+sp&auml;ter werden sie die Gr&uuml;ndungsaktion&auml;re verlachen,
+dann, wenn sie die Vorbereitungen zu der Versuchsphalanx vorschreiten
+sehen, werden sie sich eines Besseren besinnen und schlie&szlig;lich
+in dem Moment der Er&ouml;ffnung die Aktien zum drei- und vierfachen
+Preise zur&uuml;ckkaufen. Nun werden sie behaupten, da&szlig; sie den
+Autor von Anfang an protegirt und bewundert haben und ihn in seiner
+Entdeckung ermuthigten. Und wie die Extreme sich ber&uuml;hrten, so
+seien die Franzosen gro&szlig;e Unternehmer f&uuml;r bekannte Dinge,
+die Andere probirt. Kein Volk neige mehr dazu wie sie, Alles zu
+beginnen, aber ohne etwas zu beenden, den Plan der Arbeit zu
+&auml;ndern, wenn er zur H&auml;lfte vollendet sei. Nie sehe man einen
+Sohn einen Plan vollenden, den der Vater begonnen, nie einen
+Architekten einen Plan fortf&uuml;hren, den sein Vorg&auml;nger
+angefangen. Die Franzosen seien Wetterfahnen, die sich nie an einen
+bestimmten Geschmack, nie an eine Meinung b&auml;nden, pl&ouml;tzlich
+von einem Extrem in's andere fielen und das Widerstreitendste zu
+verbinden suchten. Vor einem halben Jahrhundert seien sie voll
+Verachtung f&uuml;r den Handel gewesen und heute l&auml;gen sie voll
+kriechender Schmeichelei vor ihm auf dem Bauch; ehemals r&uuml;hmten
+sie sich ihrer Rechtschaffenheit und heute seien sie ebenso
+betr&uuml;gerisch im Handel wie Chinesen und Juden. Kurz, der
+nationale Charakter der Franzosen sei in jeder Beziehung ein Gemisch
+von Gegens&auml;tzen, und wenn k&uuml;nftige Geschichtsschreiber, in
+der Harmonie die Geschichte der Zivilisation schreibend, die
+Charaktere klassifizirten, w&uuml;rden die Franzosen als Typus der
+Widerspr&uuml;che an der Spitze der Stufenleiter stehen.
+
+</P><P>
+
+Wie Fourier seine Landsleute kannte, geht auch noch aus einer anderen
+Stelle seiner Schriften selbst hervor, wo er von zwei Personen ein
+Zwiegespr&auml;ch &uuml;ber sich und sein Werk f&uuml;hren
+l&auml;&szlig;t. Wir lassen die amusante Stelle hier folgen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Was steht in diesem Buch &uuml;ber die Anziehung? &mdash; Bah!
+Narrheiten. Der Mensch, der es schrieb, behauptet, da&szlig; man
+bisher die Entdeckung &uuml;ber die Bestimmungen verfehlt habe;
+da&szlig; dem Menschengeschlecht ein unerme&szlig;liches Gl&uuml;ck
+vorbehalten sei; da&szlig; eine Berechnung &uuml;ber die universelle
+Harmonie der Triebe existire; da&szlig; diese strebten, eine neue
+soziale Ordnung zu gr&uuml;nden, welche nichts mit der Unordnung der
+Zivilisation zu thun habe und ihr entgegengesetzt sei; eine Ordnung,
+in der alle V&ouml;lker in Freuden schw&auml;mmen und trotz der
+Ungleichheit der Verm&ouml;gen f&uuml;r Alle Ueberflu&szlig; herrsche;
+eine Ordnung, wo die Arbeit anziehender werde, als unsere B&auml;lle
+und Schauspiele; eine Ordnung, die, sobald sie nur versuchsweise an
+einem Orte eingef&uuml;hrt sei, von allen V&ouml;lkern der Erde ohne
+Unterschied des Kulturgrades mit Begeisterung angenommen werde!
+&mdash; Das ist ein gigantischer Roman, wie je einer existirte;
+gro&szlig;artig in Wahrheit, aber unm&ouml;glich. Alle unsere
+Philosophen h&auml;tten sich also get&auml;uscht, wenn der Autor Recht
+h&auml;tte; so viel wissenschaftliche Erleuchtung von Plato und Seneka
+bis Montesquieu und Rousseau sollte ein Nichts sein? Unm&ouml;glich;
+sicherlich tr&auml;umt dieser Mensch. Und wer ist er? Ein Akademiker,
+ein ber&uuml;hmter Philosoph? &mdash; Nein! es ist einer der
+unbekanntesten Provinzialen. &mdash; Bah, ihm mangelt der gesunde
+Verstand! Ja, ja, die Provinz liefert solch originelle K&auml;uze!&ldquo;
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Fourier stellt im weiteren Verlauf seiner Ausf&uuml;hrungen ferner die
+These auf, da&szlig; im soziet&auml;ren Regime die Gourmandise die
+Quelle der Einsicht, der Aufkl&auml;rung und sozialen Uebereinstimmung
+werde und begr&uuml;ndet diese uns sehr fremd erscheinende These also:
+
+</P><P>
+
+Kein Trieb sei &uuml;bler angesehen, als die Gourmandise
+(Leckerm&auml;ulerei). K&ouml;nne man aber annehmen, da&szlig; Gott
+als Laster einen Trieb betrachtet haben wolle, dem er eine so
+gro&szlig;e Herrschaft gegeben? Seine Herrschaft sei die allgemeinste.
+Andere Triebe, wie Liebe, Ehrgeiz &uuml;bten nur auf das reife und
+m&auml;nnliche Alter mehr Einflu&szlig;, aber die Gourmandise verliere
+niemals ihre Herrschaft &uuml;ber die verschiedensten Alter, Klassen
+und V&ouml;lker, sie sei permanent bis zum Lebensende; sie herrsche
+&uuml;ber die Kinder wie &uuml;ber die Erwachsenen. Man habe Soldaten
+Revolutionen machen sehen, um sich betrinken zu k&ouml;nnen, und der
+Wilde, der die Zivilisation verabscheue, gebe sich f&uuml;r eine
+Flasche Branntwein zur Arbeit her und verkaufe f&uuml;r eine Flasche
+starken Liqueurs seine Frau und Tochter. W&uuml;rde das
+Menschengeschlecht so gebieterisch diesem Trieb unterworfen sein, wenn
+er nicht zu einer hochwichtigen Rolle in dem Mechanismus unserer
+Bestimmung ausersehen w&auml;re? Und wenn nun dieser Mechanismus die
+industrielle Anziehung sei, m&uuml;sse dieser sich dann nicht innig
+mit diesem gastronomischen Trieb &mdash; der Gourmandise &mdash;
+verbinden? Sie m&uuml;sse in der That das allgemeine Band der
+industriellen Serien, die Seele ihrer alles bewegenden Intriguen
+bilden. In der Zivilisation k&ouml;nne die Gourmandise nicht mit der
+Arbeit verbunden sein, weil der Produzent selbst nicht genie&szlig;e,
+was er erzeuge. Die Befriedigung dieses Triebes sei hier Vorrecht der
+M&uuml;&szlig;igen und dadurch <i>allein</i> werde er lasterhaft, wenn
+er es nicht schon durch die Ausgaben und die Exzesse, die er erzeuge,
+w&auml;re.&nbsp;&mdash;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der Harmonie spielt die Gourmandise die entgegengesetzte Rolle,
+sie ist nicht Belohnung des M&uuml;&szlig;igganges, <i>sondern der
+Arbeit,</i> denn der Aermste nimmt Theil an den werthvollsten
+Genu&szlig;artikeln. Sie wird ihn, Kraft der Abwechslung vor Exzessen
+bewahren, aber indem sie die Intriguen der Konsumtion mit denen der
+Produktion verbindet, wird sie die Arbeit stimuliren. Wollen Alle die
+h&ouml;chsten Tafelfreuden genie&szlig;en, so m&uuml;ssen Alle sich
+anstrengen, die vorz&uuml;glichsten Qualit&auml;ten der Nahrungsmittel
+zu erzeugen. Das Mittelm&auml;&szlig;ige wird verschwinden und binnen
+wenig Jahren wird aller Boden so kultivirt sein, da&szlig; er nur noch
+das Beste tr&auml;gt. Man wird die Eigenschaften des Bodens zur
+h&ouml;chsten Vollkommenheit zu bringen suchen; man wird gute Erde
+anfahren, wo jetzt schlechte ist, und wo der Boden nicht zu verbessern
+ist, ihn aufforsten. Acker- und Gartenbau m&uuml;ssen mit der
+Industrie wetteifern. In der ganzen Phalanx mu&szlig; das Prinzip
+herrschen, durch alle m&ouml;glichen Verbesserungen: Nahrungsmittel,
+Kleidung, M&ouml;bel und Alles, was zur Erh&ouml;hung der
+Lebensannehmlichkeiten beitr&auml;gt, zu stetig steigender
+Vervollkommnung zu bringen. Dies Prinzip erkennen auch die Moralisten
+an, die gegen den schlechten Geschmack des Publikums eifern. Aber in
+diesem, wie in allen anderen, ist die Moral in Widerspruch mit sich
+selbst; sie will Literatur und K&uuml;nste heben und verbessern, aber
+sie will uns in der <i>wesentlichsten</i> Branche, in der
+<i>materiellen Lebenshaltung,</i> im Zustand der Rohheit halten,
+obgleich grade hier der Keim ist, der die industrielle Anziehung
+gebiert und das Bed&uuml;rfni&szlig; nach Vervollkommnung weckt. So
+wenden die Moralisten da ihr Prinzip zuerst an, wo es <i>zuletzt</i>
+angewandt werden sollte.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Man mu&szlig; in der Phalanx alle Geschm&auml;cker entwickeln, selbst
+die bizarrsten, namentlich auch bei den Frauen, die oft eine starke
+nat&uuml;rliche Neigung zu Gen&uuml;ssen haben, die mit dem guten Ton
+sich schwer vertragen. Die Gastronomie ist es zun&auml;chst, welche
+die Zur&uuml;ckf&uuml;hrung zur Natur bewerkstelligen wird, wenn man
+ohne Aufschub das Hervorbrechen industrieller Serien f&uuml;r die
+Ausgleichung der Triebe erreichen will. Beispiel: Ein
+neunj&auml;hriges M&auml;dchen liebt allem L&auml;cherlichmachen zum
+Trotz den Knoblauch. Man spekulirt also auf diesen Geschmack durch ein
+doppeltes Ineinandergreifen von Umst&auml;nden. Zun&auml;chst auf die
+Vermischung der Geschlechter in einer Serie; denn die Serie, welche
+zwiebelartige Gew&auml;chse kultivirt, wie Knoblauch, Zwiebeln,
+Schnittlauch, Schalotten, besteht gew&ouml;hnlich aus M&auml;nnern.
+Man mu&szlig; ihr also ein Achtel Frauen zuf&uuml;hren, die man aber
+meist im jugendlichen Alter wird suchen m&uuml;ssen, da selten ein
+M&auml;dchen &uuml;ber 16 Jahren am Knoblauch Geschmack finden
+d&uuml;rfte. Man wird zweitens aber auch die Vermischung der Arbeiten
+bei den Individuen herbeif&uuml;hren m&uuml;ssen. Ein junges
+M&auml;dchen liebt den Knoblauch, aber es liebt nicht das Studium der
+Grammatik, wohingegen ihre Eltern w&uuml;nschen, da&szlig; sie den
+Genu&szlig; des Knoblauchs unterlasse, aber sich den Studien hingebe.
+Diese W&uuml;nsche sind in doppelter Beziehung gegen ihr Naturell. Man
+sucht also lieber Beides in doppeltem Sinne zu entwickeln. Sie steht
+im Garten und an der Tafel mit Liebhabern des Knoblauchs in Beziehung,
+und so erh&auml;lt sie eines Tages von Marzellus eine Ode zum Lobe des
+Knoblauchs beh&auml;ndigt. Lebhaft pikirt &uuml;ber die L&auml;sterer
+des Knoblauchs, ist sie beeifert, die Ode kennen zu lernen. Man
+benutzt also die Gelegenheit, um sie in freier Weise in die
+Sch&ouml;nheiten der lyrischen Poesie, des Versma&szlig;es
+einzuf&uuml;hren; vielleicht kann sie sich eher f&uuml;r die Poesie
+als f&uuml;r die Grammatik begeistern, und so f&uuml;hrt man sie von
+einem Studium zum andern. In dieser Weise verbindet die soziet&auml;re
+Erziehung den kabalistischen Geist und den Hang zum Bizarren, um bei
+einem Kinde die Neigung f&uuml;r die Studien zu wecken, es indirekt zu
+einem Studium zu f&uuml;hren, das es ohne irgend eine stimulirende
+Intrigue zur&uuml;ckgewiesen haben w&uuml;rde. Es ist unzweifelhaft
+der nat&uuml;rlichste Weg, mit H&uuml;lfe solcher Intriguen die Kinder
+zur Initiative f&uuml;r die Arbeit zu gewinnen; man benutzt die
+Gourmandise als Mittel zum Zweck.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier vergleicht den Geschmackssinn mit einem Wagen, der auf vier
+R&auml;dern l&auml;uft, die bezeichnet werden k&ouml;nnten mit
+Gastronomie, K&uuml;chenwirthschaft, Konservirung und Kultur der
+Lebensmittel. In der Zivilisation finde man es zwar h&auml;ufig
+gerechtfertigt, die Kinder in die drei letzteren
+Th&auml;tigkeitszweige nach M&ouml;glichkeit einzuweihen, aber von der
+ersteren, der Hauptsache, halte man sie fern, sie gelte als ein Uebel.
+Die Gastronomie werde allerdings erst dann als Wissenschaft zu Ehren
+kommen, wenn sie den Bed&uuml;rfnissen Aller gen&uuml;ge.
+Gegenw&auml;rtig sei es Thatsache, da&szlig; die Menge, statt in Bezug
+auf guten Tisch Fortschritte zu machen, mehr und mehr zur&uuml;ckkomme
+und immer schlechter sich n&auml;hre; ihre Nahrungsmittel lie&szlig;en
+sowohl bez&uuml;glich ihrer Nahrhaftigkeit als ihrer Menge zu
+w&uuml;nschen &uuml;brig. Wohl sehe man in Paris einige Tausend sich
+den Bauch pflegen und am Besten sich g&uuml;tlich thun, aber
+Hunderttausende bek&auml;men nicht einmal eine nat&uuml;rliche Suppe.
+Die Bouillon sei nur Schein, man bereite sie aus ranzigem Speck, Talg
+und fauligem Wasser. Der Handelsgeist sei im Wachsen und die niederen
+Klassen w&uuml;rden mehr und mehr von seinen Betr&uuml;gereien
+erdr&uuml;ckt. Die Gastronomie sei nur unter zwei Bedingungen
+lobenswerth, einmal, da&szlig; sie direkt f&uuml;r die produktiven
+Funktionen angewendet, mit den Arbeiten f&uuml;r die Kultur des Bodens
+und der Vorbereitung in Haus und K&uuml;che verbunden werde und der
+Gastronom, also der Genie&szlig;ende, selbst dabei th&auml;tig sein
+m&uuml;sse; dann, da&szlig; sie zum Wohlsein der arbeitenden Menge in
+Anwendung komme und so das Volk an den Raffinements eines guten
+Tisches Theil nehme, der jetzt nur f&uuml;r die
+M&uuml;&szlig;igg&auml;nger vorhanden sei. Dieser Zweck werde
+erreicht, wenn alle auf die Konsumtion abzielenden Funktionen sich so
+zu sagen um die Gourmandise raillirten, denn letztere werde stets
+anziehend bleiben; sie m&uuml;sse also die Basis des Geb&auml;udes
+bilden, wenn man dieses dauerhaft errichten wolle.
+
+</P><P>
+
+Unsere Philosophen stellten zwar das Prinzip auf, da&szlig; im System
+der Natur Alles verbunden sei, aber in unserm industriellen System sei
+nichts passionell verbunden. Die Industrie m&uuml;sse durch auf die
+Gourmandise berechnete Serien ihre Verbindungen bilden, diese durch
+Trieb wie Anregungen an der Tafel zu den Arbeiten in der K&uuml;che,
+der Konservirung der Nahrungsmittel und dem Garten- und Feldbau
+f&uuml;hren. Kein Trieb habe mehr Anziehung, als derjenige des
+Geschmacks, um ein Ineinandergreifen der Th&auml;tigkeiten
+herbeizuf&uuml;hren; aber in der Zivilisation arbeite man diesem Trieb
+am Heftigsten entgegen, und zwar sei es haupts&auml;chlich jene
+Verbindung, die ihrer Natur nach stets nur die Beschr&auml;nktheit und
+die Einseitigkeit aufrecht erhalte: <i>das Familienband.</i>
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Fourier beurtheilt den Kulturgrad einer Gesellschaft nach der
+Stellung, welche die Frau in derselben einnimmt, ein heute allgemein
+getheilter Standpunkt. Er geht aber weiter und macht die
+Gesellschaftsentwicklung &uuml;berhaupt von der Stellung der Frau
+abh&auml;ngig; nach ihm geht die Ver&auml;nderung in der Stellung der
+Frau einem neuen Kulturzustand voraus, was nicht richtig ist, sondern
+diese Ver&auml;nderung ist Folge. Wohl hat die b&uuml;rgerliche
+Gesellschaft scheinbar Recht, und so urtheilt Fourier, da&szlig; die
+monogamische Ehe mit ihren legitimen Kindern Grundlage ihrer
+Gesellschaft ist, aber dieser monogamischen Ehe <i>voraus</i> geht das
+b&uuml;rgerliche Eigenthum, der Privatbesitz an Grund und Boden und an
+den Produktionsmitteln. Der Privateigent&uuml;mer ist bestrebt, sein
+Eigenthum zusammenzuhalten, auch &uuml;ber seinen Tod hinaus; er will
+in seinem Eigenthum gewisserma&szlig;en fortleben. Er sucht also einen
+Erben, der seinen Intentionen gem&auml;&szlig; sein Eigenthum
+verwaltet und wo m&ouml;glich vermehrt. Wo kann er diesen seinen
+Intentionen entsprechenden Erben besser finden, als in dem von ihm
+selbst gezeugten Kinde, das vielleicht auch der Erbe seiner
+Charaktereigenschaften ist und das er vor allen Dingen durch die
+Gewalt, die er &uuml;ber es aus&uuml;ben kann, seinen Absichten
+gem&auml;&szlig; zu bilden und zu erziehen suchen wird? Damit aber der
+Erbe auch sein wirklich <i>legitimer</i> Erbe sei, mu&szlig; er
+m&ouml;glichst sich vor der Gefahr sichern, die Kinder eines Fremden
+als die seinen ansehen zu m&uuml;ssen, und deshalb umgiebt er die Ehe
+mit all den gesetzlichen Zwangseigenschaften, die sie heute besitzt.
+
+</P><P>
+
+Die b&uuml;rgerliche Ehe ist also mit dem b&uuml;rgerlichen Eigenthum
+innig verwachsen, <i>sie geht daraus hervor,</i> und es ist ein ganz
+falscher Schlu&szlig;, den Fourier macht, wenn er glaubt, in der
+b&uuml;rgerlichen Ehe das Haupt&uuml;bel sehen zu m&uuml;ssen, das der
+Umwandlung des b&uuml;rgerlichen Zustandes in seinen soziet&auml;ren
+sich entgegenstellt. Er ist von seiner Ueberzeugung, da&szlig; nur die
+Einehe das Hinderni&szlig; f&uuml;r den Ausgang aus der Zivilisation
+bilde, so durchdrungen, da&szlig; er dem Konvent vorwirft, dadurch die
+Revolution in ihrer Wirkung beschr&auml;nkt zu haben, da&szlig; er vor
+der Ehe stehen geblieben sei. Wie konnte er nur eine halbe
+Ma&szlig;regel, wie die Ehescheidung, guthei&szlig;en? Es waren die
+Philosophen, durch welche der Konvent sich gefangen nehmen lie&szlig;,
+sonst h&auml;tte nach seiner Meinung es geschehen k&ouml;nnen,
+da&szlig; die Revolution von 1793 eine zweite gebar, die eben so
+wunderbar gewesen w&auml;re, als die erste entsetzlich war.
+
+</P><P>
+
+An sich ist es vollkommen richtig, wenn Fourier die H&ouml;he eines
+Kulturzustandes bemi&szlig;t nach der Stellung, welche die Frau in ihm
+einnimmt, es ist aber falsch, wenn er die Stellung der Frau als das
+Prim&auml;re, die Eigenthumsverh&auml;ltnisse als das Sekund&auml;re
+ansieht. Das Umgekehrte ist die Wahrheit. Im gesellschaftlichen
+Urzustand herrscht der Kommunismus an Grund und Boden, und wo dieser
+herrschte oder noch herrscht, existirt auch &uuml;berall die freie
+Liebe, eingeschr&auml;nkt durch gewisse Grenzen, die der allzunahen
+Blutsverwandtschaft gezogen werden. In diesem Zustand herrscht auch
+das Mutterrecht; wohl l&auml;&szlig;t sich die Mutter, aber nicht der
+Vater des Kindes nachweisen. In dem Ma&szlig;e, wie die
+Eigenthumsverh&auml;ltnisse sich &auml;ndern, &auml;ndern sich auch
+die Beziehungen der Geschlechter. Mit der Entstehung von
+pers&ouml;nlichem Eigenthum wird auch die Frau pers&ouml;nliches
+Eigenthum, und da sie zugleich Arbeitsmittel wird, entsteht die
+Polygamie. Es giebt jetzt viele M&uuml;tter, aber einen Vater. Aber
+der Vater, der T&ouml;chter besitzt, w&uuml;nscht seinen
+T&ouml;chtern, wenn er sie verheirathet, eine bevorzugte Stellung
+unter den anderen Frauen. Dieser Wunsch ist der Wunsch aller
+Eigenth&uuml;mer, ihre W&uuml;nsche begegnen sich und man sucht durch
+gr&ouml;&szlig;ere Mitgift die Befriedigung dieser W&uuml;nsche zu
+erleichtern. Das Heirathsgut ist der Preis. Noch aber sind die
+T&ouml;chter im Gegensatz zu den S&ouml;hnen des Erbrechts beraubt.
+Allm&auml;lig erlangen sie auch dieses, sei es als Kaufpreis neben dem
+Heirathsgut, sei es als Tochter, die keine konkurrirenden Br&uuml;der
+hat. Damit kommt die Frau in die Lage, wo sie, statt der bevorzugten
+Frau, die <i>einzige</i> Frau wird. Aus der Polygamie wird
+allm&auml;lig die Monogamie. Eigenthum und Erbrecht in ihrer weiteren
+Entwicklung sind die Klammern, welche die Einehe zusammenhalten, und
+da die Eigenth&uuml;mer auch die Gesetzgeber sind, wird die Einehe,
+ganz abgesehen von dem Mangel an materiellen Mitteln, der bei
+Privateigenthum den meisten M&auml;nnern es unm&ouml;glich macht,
+mehrere Frauen ern&auml;hren zu k&ouml;nnen, Zwangsordnung auch
+f&uuml;r Jene, die kein Eigenthum und folglich nichts zu vererben
+haben. Die hierarchische Ordnung und die Gesetze, d.&nbsp;h. der Zwang,
+kommen stets von Oben, <i>sie sind die in Paragraphen formulirten
+Interessen der herrschenden Klassen.</i> Der Kampf gegen diese Ordnung
+geht stets von Unten aus, und aus diesem Kampf, der selbst wieder auf
+der Entwicklung der sozialen und materiellen Lebensbedingungen der
+Masse beruht, entsteht der gesellschaftliche Fortschritt. Mu&szlig;ten
+also hiernach Fourier's positive Vorschl&auml;ge, weil sie auf einer
+falschen Grundanschauung beruhten, negativ bleiben, so hat hingegen
+seine negative Kritik an den bestehenden Zust&auml;nden sehr positiv
+gewirkt.
+
+</P><P>
+
+Fourier geht nunmehr dazu &uuml;ber, die b&uuml;rgerliche Familie, die
+er als das Haupthinderni&szlig; seines Systems ansieht, in ihrem Wesen
+zu kritisiren. Halten wir seinen Hauptgedankengang fest: Gott hat die
+Welt erschaffen, und da er sie erschaffen hat, mu&szlig; er sie auch
+gut erschaffen haben, sonst k&auml;me er in Widerspruch mit sich
+selbst. Der Mensch ist das von Gott geschaffene h&ouml;chste lebende
+Wesen, f&uuml;r den er, wenn die Welt &uuml;berhaupt einen Zweck haben
+soll, diese Welt erschaffen hat. Wie die Welt gut, so soll der Mensch,
+dem Willen Gottes entsprechend, gl&uuml;cklich sein. Statt dessen
+sehen wir die gro&szlig;e Mehrzahl ungl&uuml;cklich, und zwar
+ungl&uuml;cklich, weil sie die Triebe, die Gott ihnen gegeben, nicht
+befriedigen k&ouml;nnen. Aus Unkenntni&szlig; ihrer Natur und ihres
+Zwecks haben sie sich eine Ordnung gegeben, in der diese Triebe meist
+unterdr&uuml;ckt werden, zur Einseitigkeit gelangen, kurz ihren Zweck
+verfehlten. Die Einheitlichkeit, d.&nbsp;h. die volle Harmonie zwischen den
+Menschen und der Welt und der Welt und Gott, ist aber der gro&szlig;e
+Zweck Gottes, und um diese Einheitlichkeit zu erm&ouml;glichen, ist
+die Vielseitigkeit der Beziehungen auf ausgedehnter Stufenleiter die
+einzige L&ouml;sung. Dieser Vielseitigkeit der Beziehungen und der
+Ausdehnung derselben auf alle Menschen und die sie umgebende Natur
+steht die isolirte Wirthschaft des Menschen entgegen. Diese isolirte
+Wirthschaft ist aber nur wieder Folge des m&ouml;glichst kleinsten
+Gruppenbandes, der Ehe, resp. Familie, <TT>ergo</TT> m&uuml;ssen Ehe
+und Familie in ihrer heutigen Gestalt verschwinden.
+
+</P><P>
+
+In diesem Gedankengang bewegt sich Fourier und von diesem Standpunkt
+aus kritisirt er die Ehe und Familie, wobei der Leser beachten will,
+da&szlig; Fourier haupts&auml;chlich Pariser und
+gro&szlig;st&auml;dtisches Leben seiner Kritik zu Grunde legt. Er
+f&uuml;hrt weiter aus:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der Zivilisation ist das System der Liebe ein System allgemeinen
+Zwangs und in Folge davon allgemeiner Falschheit. Wie im Handel so
+sind auch in Sachen der Liebe die Schutzma&szlig;regeln
+<TT>(prohibitions)</TT> und die Kontrebande unzertrennlich. Wo die
+Liebe mit Schutzma&szlig;regeln umgeben wird, darf man auf deren
+allgemeine Uebertretung rechnen. Schon daraus folgt, da&szlig; alle
+Familienbeziehungen verdorben sind. Der Gatte wird durch seine Frau
+betrogen, die Tochter verheimlicht ihm ihre Beziehungen und dies wirkt
+zur&uuml;ck auf seine Treue in der Ehe. Die schmachvollste aller
+sozialen Perfidien ist, da&szlig; er nicht selten &uuml;ber den
+Ursprung seiner Kinder get&auml;uscht wird, ein Vorkommni&szlig;, das
+auf der B&uuml;hne zum Gegenstand des Spottes und der
+L&auml;cherlichmachung dient.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Diejenigen, die beanspruchen, die Wahrhaftigkeit in die sozialen
+Verh&auml;ltnisse einzuf&uuml;hren, ohne darunter auch die Beziehungen
+der Liebe zu begreifen, sind mit Blindheit geschlagen. Sie scheinen
+nicht zu wissen, da&szlig; die Liebe eine der vier Hauptleidenschaften
+ist und eine der m&auml;chtigsten; ist sie gef&auml;lscht, so
+gen&uuml;gt dies, um durch ihren Kontakt den Mechanismus des ganzen
+sozialen Systems zu f&auml;lschen. Wer glaubt, hier F&auml;lschungen
+zulassen zu k&ouml;nnen, handelt wie eine Regierung, die um eine
+achtzig Meilen lange Grenze gegen die Pest abzusperren, sich
+begn&uuml;gt, sechzig Meilen durch einen Truppenkordon zu besetzen und
+den Rest der freien Passage den Pestkranken offen
+l&auml;&szlig;t&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Welt besteht aus Betr&uuml;gern und Betrogenen, und so sollte man
+annehmen, da&szlig; die &ouml;ffentlichen Einrichtungen die dem Betrug
+ausgesetzte Klasse sch&uuml;tze. Die Ehe, scheint es, ist ganz im
+Gegentheil eine Einrichtung zum Nachtheil der vertrauenden Leute, sie
+scheint erfunden zu sein, um die Verderbten zu belohnen. Je schlauer
+ein Mann ist und sich durch Verf&uuml;hrungsk&uuml;nste auszeichnet,
+um so leichter gelangt er zu einer reichen Heirath und gewinnt die
+&ouml;ffentliche Achtung. Man bringe die infamsten H&uuml;lfsmittel in
+Anwendung, um eine reiche Partie zu machen, sobald es ihm gelingt, zu
+heirathen, ist er ein kleiner Heiliger, ein Muster von Tugend. Erwirbt
+Jemand pl&ouml;tzlich ein gro&szlig;es Verm&ouml;gen dadurch,
+da&szlig; es ihm gelang, ein junges M&auml;dchen zu gewinnen, so ist
+das ein der &ouml;ffentlichen Meinung so gut gefallendes Resultat,
+da&szlig; sie alle Intriguen verzeiht. Alle Welt preist ihn nun als
+guten Ehemann, guten Vater, guten Verwandten, als guten Freund und
+Nachbar, guten B&uuml;rger und guten Republikaner. Das ist die Manier
+der Lobhudler, sie loben ihn vom Scheitel bis zu den Zehen, im Ganzen
+und im Einzelnen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Eine gute Heirath ist der Taufe vergleichbar durch die Raschheit, mit
+welcher sie allen fr&uuml;heren Schmutz verwischt. Daher wissen
+V&auml;ter und M&uuml;tter nichts Besseres zu thun, als ihre
+S&ouml;hne zu unterweisen, wie sie zu einer reichen Partie gelangen
+k&ouml;nnen, einerlei auf welchem Wege, denn eine reiche Heirath ist
+die wahre, b&uuml;rgerliche Taufe, welche in den Augen der
+Oeffentlichkeit alle S&uuml;nden abw&auml;scht. Dieselbe
+&ouml;ffentliche Meinung hat lange nicht diese Nachsicht mit den
+anderen Parven&uuml;s, denen sie ihre Sch&auml;ndlichkeiten, durch die
+sie zu Verm&ouml;gen gelangten, lange nachtr&auml;gt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Welche Aussicht auf Erfolg f&uuml;r die Ehe hat dagegen ein
+Tugendhafter, welcher, gehorsam den b&uuml;rgerlichen und
+religi&ouml;sen Vorschriften, erkl&auml;rt, da&szlig; er seine Tugend
+bis zum drei&szlig;igsten Jahre bewahren wolle, um sie seiner
+k&uuml;nftigen Frau als Geschenk in die Ehe zu bringen? Der, getreu
+den Lehren jenes vortrefflichen Buches, das sich &bdquo;Einf&uuml;hrung in
+einen gottergebenen Lebenswandel&ldquo; betitelt, sich bis zum
+drei&szlig;igsten Jahre enth&auml;lt &bdquo;aus dem Becher der Unzucht den
+Wein der Prostitution zu Babylon&ldquo; zu trinken? Welche Aussicht hat er?
+Und wenn es ihm einf&auml;llt, eine solche Erkl&auml;rung abzugeben,
+welchen Dank findet er bei den Frauen? M&uuml;tter wie T&ouml;chter
+werden dies scherzhaft finden und bei gleichem Verm&ouml;gen, gleichem
+Alter, gleich g&uuml;nstiger &auml;u&szlig;erer Gestalt werden Mutter
+und T&ouml;chter einen &bdquo;ge&uuml;bten&ldquo; jungen Mann ihm, dem
+&bdquo;T&ouml;lpel&ldquo;, der seine Tugend nach den Vorschriften der Religion und
+Moral bewahrte, vorziehen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Bei der Untersuchung &uuml;ber das Wesen der Ehe sind also alle
+Vortheile auf Seiten der Intriguanten und Verderbten, woraus zu
+schlie&szlig;en, da&szlig; dieses Band eine Lockspeise ist, sich
+pers&ouml;nlich zu depraviren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Dieselbe &uuml;ble Meinung, die Fourier hier durchschnittlich von den
+M&auml;nnern unter den gegebenen Verh&auml;ltnissen hat, besitzt er
+auch von den Frauen. Von ihnen r&uuml;hmt er die Leichtigkeit, mit der
+sie die Fehler ihrer Ehem&auml;nner ann&auml;hmen, aber nicht ihre
+Tugenden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Verheirathet eine Heilige an einen Spitzbuben und sie wird ihm bald
+in der Spitzb&uuml;berei nacheifern, seine Komplizin im Hehlen sein.
+Besitzt sie einen tugendhaften Mann, weit entfernt, seine Tugenden zu
+adoptiren, wird sie dagegen den Eindr&uuml;cken eines leichtfertigen
+Kourmachers zug&auml;nglich sein. Eine sch&ouml;ne Eigenschaft der
+Ehe, die den Frauen nur die Laster der M&auml;nner, nie ihre Tugenden
+mittheilt. Da es aber unter den Ehem&auml;nnern der Zivilisation
+99/100 lasterhafte und nur 1/100 tugendhafte giebt, so kann man nach
+diesem Ma&szlig;stabe die moralische Vollkommenheit sch&auml;tzen,
+welche die Ehe bei den Frauen erzeugt.&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Durchschnittlich betrachten die M&auml;nner die Ehe als eine Falle,
+die ihnen gestellt wird, und so sind es die V&auml;ter selbst, welche
+ihre S&ouml;hne veranlassen, das eheliche Band von diesem Standpunkt
+aus anzusehen. Und warum? Weil sie aus eigener Erfahrung wissen,
+da&szlig; der Reinfall unreparirbar ist. Und indem sie sich
+bem&uuml;hen, ihre S&ouml;hne von dieser Wahrheit zu &uuml;berzeugen,
+machen sie dieselben f&uuml;r den Ehehandel habgierig und
+verschlagen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;So kommt es, da&szlig; die &bdquo;Drei&szlig;igj&auml;hrigen&ldquo; oder
+Ehestandskandidaten sich in Berechnungen ersch&ouml;pfen, ehe sie zum
+ersten Schritt sich entschlie&szlig;en. Nichts spa&szlig;hafter, als
+die Unterweisungen zu h&ouml;ren, die sie sich gegenseitig geben
+&uuml;ber die Art und Weise, der k&uuml;nftigen Gattin das Joch
+aufzuerlegen und sie g&uuml;nstig f&uuml;r sich einzunehmen. Nichts
+merkw&uuml;rdiger, als diese vertraulichen Zusammenk&uuml;nfte
+<TT>(consiliabules)</TT> der Junggesellen, in welchen an den zu
+heirathenden M&auml;dchen die kritische Analyse vorgenommen wird, und
+zu beobachten die Fallstricke der V&auml;ter, die sich ihrer
+T&ouml;chter entledigen wollen. Der Schlu&szlig; aller Debatten ist,
+da&szlig; man auf Geld sehen m&uuml;sse, da&szlig;, wenn man das
+Risiko trage, von der Frau betrogen zu werden, man wenigstens nicht
+auch mit dem Heirathsgut betrogen sein wolle. Nehme man einmal eine
+Frau, so m&uuml;sse man sich eine Entsch&auml;digung f&uuml;r die
+Unzutr&auml;glichkeiten sichern, die die Ehe mit sich bringe. Das
+nennt man nach einem Kunstausdruck &bdquo;die Anhaltseile <TT>(les
+attrapes)</TT> fassen&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Und wie die M&auml;nner r&auml;sonniren, so r&auml;sonniren
+&auml;hnlich die Frauen. Fourier hebt dann die Widerspr&uuml;che in
+dem ehelichen Zustande hervor, da&szlig; der Mann, der sonst alle
+Freiheit f&uuml;r sich beanspruche und die Frau unterdr&uuml;cke, im
+wichtigsten Punkt der Ehe &ouml;ffentliche Meinung und Gesetz gegen
+sich habe, wobei man wohl beachten will, da&szlig; es sich um die
+Schilderung franz&ouml;sischer Zust&auml;nde handelt, wonach noch bis
+in die neueste Zeit das Gesetz die Untersuchung &uuml;ber die
+Vaterschaft untersagte. Dieses Gesetz, von der M&auml;nnerwelt zu
+ihrem Schutze entworfen, schl&auml;gt in den F&auml;llen, die Fourier
+hier im Auge hat, zu ihrem Schaden und ihrer Schande aus.
+
+</P><P>
+
+Er sagt: &bdquo;Trotz des Unterdr&uuml;ckungssystems, das auf den Frauen
+lastet, haben sie das einzige Privilegium, das ihnen verweigert sein
+sollte, sich bewahrt, dasjenige, den Mann zu n&ouml;thigen, ein Kind,
+das nicht das seine ist und auf dessen Angesicht die Natur selbst den
+wahren Namen des Vaters geschrieben hat, als das seine anzunehmen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In dem einzigen Fall, wo die Frau sich mit schwerer Schuld beladet,
+genie&szlig;t sie den Schutz der Gesetze, und in dem einzigen Fall, wo
+der Mann auf's Schwerste beschimpft ist, hat er die &ouml;ffentliche
+Meinung und das Gesetz &uuml;bereinstimmend gegen sich, um seine
+Schmach zu verschlimmern.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Dar&uuml;ber gie&szlig;t nun Fourier seinen Spott aus: &bdquo;Oh!&ldquo; ruft er.
+&bdquo;Wie die Zivilisirten, die so strenge Verfolger der Verletzung der
+Keuschheit bei den Frauen sind, und diesen sie aufzwingen, so
+gutwillig sich unter das schmachvolle Joch beugen und eine Frucht
+offenbaren Ehebruchs bei sich aufnehmen und derselben ihren Namen und
+ihr Verm&ouml;gen gew&auml;hren. So sind also die W&uuml;nsche der
+Philosophen erf&uuml;llt: In der Ehe ist es, wo die M&auml;nner
+wahrhaft &bdquo;eine Familie von Br&uuml;dern&ldquo; werden, wo die G&uuml;ter
+gemeinsam sind und das Kind des Nachbaren auch das unsere ist. Die
+Edelm&uuml;thigkeit dieser braven zivilisirten Ehem&auml;nner wird der
+Zukunft noch reichlich Gelegenheit zu Gel&auml;chter geben, und man
+mu&szlig; einige dieser erg&ouml;tzlichen Vorg&auml;nge aufbewahren,
+um die sonst schale Lekt&uuml;re der Geschichte der Zivilisation etwas
+genie&szlig;bar zu machen&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Diese sehr weitgehende Duldung der Ehem&auml;nner gegen die
+schmachvollste Beleidigung und die Geschmeidigkeit der Gesetze
+&uuml;ber das Vergehen den Mantel zu decken, steht in Uebereinstimmung
+mit anderen Widerspr&uuml;chen im Liebessystem der Zivilisirten. Die
+Verwirrung ist solcher Art, da&szlig; man auf der einen Seite eine
+Kirche und auf der anderen ein Theater sieht, zwei Anstalten, in
+welchen die entgegengesetzten Moralanschauungen vertreten und ein und
+denselben Personen gepredigt werden. In der Kirche lehrt man die
+Verabscheuung der Galanterien und der Wollust, und im Theater findet
+sich dasselbe Auditorium wieder, das man jetzt in die galanten
+Schliche und Raffinements aller Sinnenl&uuml;ste einweiht. Eine junge
+Frau, die soeben eine Predigt h&ouml;rte, in welcher ihr Achtung vor
+dem Gemahl und den h&ouml;heren Gewalten gelehrt wurde, geht eine
+Stunde darauf in's Theater, um Unterricht in der Kunst zu empfangen,
+wie man den Gatten oder Vormund oder sonst einen Argus betr&uuml;gt.
+Und Gott wei&szlig;, welche von den beiden Lehren bei ihr auf den
+fruchtbarsten Boden f&auml;llt. Diese wenigen Widerspr&uuml;che
+gen&uuml;gen, um den Werth unserer Theorien von der Einheit der
+Handlung im sozialen Mechanismus in das rechte Licht zu setzen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier ergeht sich nun weiter in Auseinandersetzungen &uuml;ber die
+Unnatur unserer sozialen Zust&auml;nde, welche die Geschlechter mit
+ihren Trieben und den bestehenden gesellschaftlichen Anschauungen und
+Morallehren in fortgesetzte Widerspr&uuml;che bringen und
+demoralisirend wirken. Wenn unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten
+vorschreiben, da&szlig; der Mann durchschnittlich erst mit dem
+drei&szlig;igsten, das M&auml;dchen mit dem achtzehnten Jahre
+heirathe, so liege auf der Hand, da&szlig; der Mann diese zw&ouml;lf
+Jahre des Z&ouml;libats benutze, um alle m&ouml;glichen illegitimen
+geschlechtlichen Verbindungen einzugehen. Rechne man auf jedes Jahr
+nur eine solche Verbindung, und zwar sechs in Beziehungen zur
+Prostitution, sechs im Ehebruch, so gew&auml;hre dieses einen
+traurigen Einblick in die Moral der Zust&auml;nde, und man brauche
+nicht erstaunt zu sein, wenn junge M&auml;nner im mittleren Alter sich
+r&uuml;hmten, schon mit mehr als zwanzig f&uuml;r anst&auml;ndig
+geltenden Frauen in intimsten Beziehungen gestanden zu haben.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Zweck der Ehe soll sein, das h&auml;usliche Gl&uuml;ck auf den
+guten Sitten und der Einigkeit der Familie zu gr&uuml;nden und die
+Wahrheit zur Geltung kommen zu lassen, denn Arglist und Perfidie
+m&uuml;ssen Uneinigkeit und Unordnung erzeugen. Man wird ferner
+zugeben, da&szlig; die Wahrheit in der Familie nicht herrschen kann,
+wenn sie nicht auch in der Liebe vorhanden ist. Sagen doch die
+Lobredner der zivilisirten Ehe selbst, &bdquo;da&szlig; das h&auml;usliche
+Gl&uuml;ck unzertrennlich von der Wahrhaftigkeit in der Liebe ist und
+da&szlig;, wenn das Gleichgewicht in den Beziehungen der Liebe
+mangelt, auch das Gegengewicht in den Beziehungen der Familie fehlt.
+Herrscht die Unwahrheit in der Liebe, herrscht sie nothwendig in der
+Familie und in der H&auml;uslichkeit.&ldquo; Wie vertr&auml;gt sich aber das
+Ehegl&uuml;ck mit dem Bestand der Serails in allen zivilisirten
+L&auml;ndern? Die christlichen Kolonisten haben diese &uuml;berall aus
+Negerinnen gebildet; die ernsten, so moralisch scheinenden
+Holl&auml;nder bilden sie in Batavia mit Frauen aller Farben. Und wie
+viele heimliche H&auml;user giebt es bei uns, die, &auml;u&szlig;erlich
+anst&auml;ndig aussehend, in Wahrheit niedliche Serails sind, die im
+Geheimen jedem reichen und angesehenen Manne offen stehen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der reiche Zivilisirte hat die volle Freiheit, sich sein Serail zu
+bilden, eine intelligente Matrone in sein Landhaus zu setzen, die ihm
+Frauen und M&auml;dchen, sogar von hoher Geburt, beschafft. Und neben
+diesem fixen oder geschlossenen Serail giebt es das vage oder freie.
+Ueber dieses erz&auml;hlt uns Ritter Joconde auf der B&uuml;hne. &bdquo;Ich
+bin nicht auf Treue versessen, ich eile von Liebschaft zu Liebschaft.
+Ich liebe nie nur eine Sch&ouml;ne, auch liebe ich sie selten
+l&auml;nger, als einen Tag. Es ist nicht Unbest&auml;ndigkeit,
+vielmehr Klugheit, denn auf die Frauen, ich kenne ihren Leichtsinn,
+darf man sich nicht verlassen, und so verlasse ich sie, um nicht
+verlassen zu werden.&ldquo; So stellt sich das Leben dar, das unsere meisten
+reichen jungen M&auml;nner, die vom Gl&uuml;ck beg&uuml;nstigt sind,
+f&uuml;hren. Und dieser Joconde wird auf der B&uuml;hne von Frauen und
+M&auml;nnern beklatscht, wenn er solche Sitten r&uuml;hmt. Man
+antwortet: Aber wer applaudirt? Es sind die Schwelger, welche diese
+Schauspiele besuchen. Darauf antworte ich: wenn Viele diese Sitten
+nicht nachahmen, geschieht es, weil sie es nicht k&ouml;nnen. Die
+Einen h&auml;lt die Furcht vor Krankheiten, die Anderen das Interesse,
+der Korpsgeist, die &ouml;ffentliche W&uuml;rde, der Mangel an Mitteln
+zur&uuml;ck. Man lasse einmal Jedem die Z&uuml;gel schie&szlig;en,
+&uuml;berlasse ihn der gesunden Natur und man wird sehen, da&szlig;
+die gr&ouml;&szlig;te Zahl sich beeilt, das Beispiel von Salomo und
+Ritter Joconde nachzuahmen. Jeder junge mit Mitteln ausgestattete oder
+von der Natur ein wenig beg&uuml;nstigte Stadtbewohner besucht dieses
+freie Serail, ohne wie die Barbaren (die in der Polygamie leben) auch
+f&uuml;r die Kosten der Unterhaltung sorgen zu m&uuml;ssen, es giebt
+sogar eine gute Zahl dieser Herrchen, welche die Frauen pl&uuml;ndern
+und arm essen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und ferner: Wie viele Frauen von hoher Stellung sind zu dieser Art
+Korruption geneigt! Es giebt Schriftsteller, die solchen Frauen ein
+Recht dazu zusprechen. Warum auch nicht? Doch schweigen wir, wenn wir
+von der guten Gesellschaft sprechen. Im Volke ist die
+K&auml;uflichkeit der Liebe kein Geheimni&szlig;, man kennt die
+Tarife, wie die Preiskourante an der B&ouml;rse. Man braucht
+dar&uuml;ber nicht erstaunt zu sein, wenn Walpole sogar
+&ouml;ffentlich erkl&auml;ren konnte, er habe in seinem Portefeuille
+den Preiskourant f&uuml;r die Biederkeit des englischen Parlaments.<a href="#Footnote_19"
+name="FNanchor_19" id="FNanchor_19"><sup>19</sup></a> Wie
+mu&szlig; unter solchen Sitten das h&auml;usliche Gl&uuml;ck
+beschaffen sein, das auf die eheliche Treue und die Wahrhaftigkeit in
+den gegenseitigen Beziehungen begr&uuml;ndet sein soll?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und nun die geheimen Liebschaften. Diese bilden ein sehr
+umf&auml;ngliches Kapitel, das f&uuml;r Paris allein sechs dicke
+B&auml;nde f&uuml;llen w&uuml;rde. Alle diese Schliche sind nur
+Verletzungen der b&uuml;rgerlichen, religi&ouml;sen und Moralgesetze.
+Welche Auflehnung, welche Rebellion in dieser galanten Welt gegen
+Alles, was die Gesellschaft f&uuml;r unverletzbar erkl&auml;rt. Wie
+kann man beim Anblick von so viel offenen und geheimen Verletzungen
+aller festgestellten Ordnung z&ouml;gern, anzuerkennen, da&szlig;
+entweder das Regime der Liebe bei uns im Widerspruch mit der Wahrheit
+und der Moral organisirt ist, oder da&szlig; ein solcher Zustand
+unvertr&auml;glich ist mit der Zivilisation, da&szlig; die
+Zivilisation der Antipode der Moral und der Wahrheit.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In den niederen Klassen herrscht vollkommene Emanzipation, dort
+existirt die freie Liebe offen. Und diese Klasse, die so offen die
+religi&ouml;sen und die Moralgesetze verletzt, umfa&szlig;t die
+H&auml;lfte der weiblichen Bev&ouml;lkerung unserer gro&szlig;en
+St&auml;dte. Ich will nicht unsere Zofen und Zimmerm&auml;dchen
+zitiren, die im Rufe stehen, keine Kenntni&szlig; von den Gesetzen der
+Enthaltsamkeit zu besitzen, wenigstens handeln sie, als h&auml;tten
+sie nie davon sprechen h&ouml;ren. Und wie in der kleinen, so ist es
+in der gro&szlig;en Welt. Bei den Leuten <TT>comme il faut</TT> hat
+der Ehemann seine bekannten Maitressen und die Dame vom Hause ihre
+anerkannten Liebhaber. Das geh&ouml;rt zur Harmonie der Haushaltung
+und das hei&szlig;t man: &bdquo;man mu&szlig; zu leben wissen&ldquo; <TT>(il faut
+savoir vivre)</TT>. Manchmal entsteht allerdings eine kleine
+Unzutr&auml;glichkeit daraus; man wei&szlig; nicht, von welchem Vater
+die Kinder sind. Doch zum Gl&uuml;ck verbietet das Gesetz, nach der
+Vaterschaft zu forschen. Schlimmsten Falles erkl&auml;rt der Hausarzt
+bei dem Fehlen jeder Aehnlichkeit, wodurch der Ursprung des Kindes
+verd&auml;chtig werden kann, da&szlig; die Frau w&auml;hrend ihrer
+Schwangerschaft von dem Anblick irgend einer fremden Physiognomie
+betroffen worden sei. Schlie&szlig;lich hat auch der arme Ehemann
+schlechten Dank, wenn er gegen den Wortlaut des Gesetzes und die
+Zeugenschaft des Arztes aufkommen will. Das Eine ist so unfehlbar wie
+das Andere. Auch geh&ouml;rt es in der guten Gesellschaft zum guten
+Ton, nicht eifers&uuml;chtig zu sein. Man hat meist geheirathet eines
+guten Heirathsgutes oder sonst eines Vortheils wegen, und man wurde
+darin vielleicht nicht get&auml;uscht, also mu&szlig; man in anderer
+Beziehung nachsichtig sein, und schlie&szlig;lich hei&szlig;t es: &bdquo;was
+Dir recht ist, ist mir billig.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;So giebt es in der Welt der Zivilisirten nur Lacher und Betrogene.
+Die Moral und die Ehe werden benutzt, um die Orgie zu maskiren, und
+Alle erreichen ihren Zweck. Unsere Kritik erscheint abgedroschen, doch
+f&uuml;r die Partisane des Zwangs war eine Antwort am Platze, man
+mu&szlig; sie in Verwirrung setzen, indem man ihnen die Fr&uuml;chte
+ihres Systems vor Augen h&auml;lt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aber diese Engherzigkeit und Unwahrheit des Familienbandes hat auch
+nach anderer Seite f&uuml;r die Entwicklung der Gesellschaft ihr
+Schlimmes. Nichts ist in unserem sozialen Leben von Dauer. Der
+zuf&auml;llige Tod des Familienhauptes kann alle seine Unternehmungen
+in Frage stellen. Die Theilung der Erbschaft, der Umstand, da&szlig;
+den S&ouml;hnen die Eigenschaften des Vaters und seine Kenntnisse
+fehlen, wie zwanzig andere Ursachen, k&ouml;nnen das ganze Werk des
+Vaters st&uuml;rzen. Seine Pflanzungen werden zerst&uuml;ckelt, an
+Andere &uuml;berlassen, oder sie verfallen; seine Werkst&auml;tten
+gerathen in Unordnung, seine Bibliothek kommt in die H&auml;nde des
+B&uuml;chertr&ouml;dlers, seine Gem&auml;lde in die des H&auml;ndlers.
+Genau das Gegentheil hat in der Phalanx statt. Alles wird erhalten und
+vervollkommnet, der Tod eines Individuums beunruhigt in nichts die
+industriellen Dispositionen und das Gemeinwesen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ferner: Ein Industrieller w&uuml;nscht sich einen Sohn, der ihn
+ersetzt und seine Arbeiten weiter f&uuml;hrt, aber das Schicksal giebt
+ihm nur T&ouml;chter; sein Name erlischt. Er f&auml;nde wohl geeignete
+Fortsetzer, aber in Klassen, die durch Verm&ouml;gen und
+Lebensstellung ihm nicht zusagen. Ein ander Mal verweigern die Kinder
+ihm zu folgen, oder sie sind g&auml;nzlich unf&auml;hig. Oft ist es
+wieder der &uuml;berreiche Kindersegen, der Erziehungsausgaben
+verursacht, welche die Unternehmungen des Vaters sch&auml;digen; seine
+undankbare Arbeit gen&uuml;gt kaum, die Kinder zu erziehen und ihnen
+eine Existenz zu gr&uuml;nden, und zum Dank f&uuml;r so viel
+Anstrengungen merkt er, da&szlig; dieses oder jenes seiner Kinder ihm
+den Tod w&uuml;nscht, aus Ungeduld, in den Besitz der Erbschaft zu
+kommen. Oefter treten andere eheliche und h&auml;usliche
+Unannehmlichkeiten ein, deren Zahl eine sehr gro&szlig;e ist. Ein
+Gesch&auml;ftsmann wird entmuthigt durch ungeh&ouml;riges Betragen
+seiner Frau oder seiner Kinder, durch Geldschneidereien von am
+Gesch&auml;ft Betheiligten, durch Verleumdungen und Prozesse seiner
+Neider, durch den Verlust eines Kindes, auf dem seine ganze Hoffnung
+ruhte. Nicht selten sieht man Eltern &uuml;ber den Verlust eines
+Lieblingskindes dem Tiefsinn verfallen; sie haben kein Gegengewicht
+gegen solch ein Ungl&uuml;ck, noch gegen andere, die sie treffen.
+Solch ein Familienleben ist ein stetes Straucheln, eine
+Pandorab&uuml;chse. Wie kann man annehmen, da&szlig; Gott die
+Industrie und die menschliche Th&auml;tigkeit auf einen so kritischen
+Boden f&uuml;r die, welche die Leiter sind, und noch viel mehr
+f&uuml;r Diejenigen, welche die Untergebenen sind und ausf&uuml;hren,
+hat gr&uuml;nden wollen?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Weder die Politik noch die Moral wissen die industrielle Anziehung zu
+schaffen, sie nehmen nur die Arglist zu H&uuml;lfe; sie r&uuml;hmen
+die Freuden der Ehe, wenn auch ohne Verm&ouml;gen, und bauen ihr
+ganzes soziales System darauf, den Armen zur Ehe zu bringen, damit er
+unter der Last der Kinderzahl, um die Hungernden zu n&auml;hren, zu
+flei&szlig;iger Arbeit gezwungen werde. So kommt es, da&szlig; sieben
+Achtel dieser V&auml;ter rufen: &bdquo;Oh! in welche Galeere bin ich
+gerathen.&ldquo; Es war der geheime Zweck der Moralisten, mit ihrem Lob von
+der s&uuml;&szlig;en Ehe diese Falle zu legen; damit erreichen sie,
+da&szlig; sie einen Ueberflu&szlig; an Rekruten f&uuml;r die Armee und
+an hungernden Arbeitern f&uuml;r die Fabriken haben, die um niedrigen
+Preis arbeiten, damit die Unternehmer sich bereichern k&ouml;nnen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die weitere Folge dieses ganzen Systems ist der Widerwille gegen die
+Arbeit, der schon beim Kinde stark ausgepr&auml;gt ist; es arbeitet
+nur aus Furcht vor Z&uuml;chtigung. Aber die Unordnung steigert sich
+in dem Ma&szlig;e, wie es zur Reife kommt. Die Liebe stellt sich ein
+und vermehrt den Widerwillen gegen die Zwangsarbeit und verleitet zu
+Ausgaben f&uuml;r Beziehungen, die den W&uuml;nschen des Vaters wie
+der Harmonie der Familie sehr entgegen sind. Man sollte meinen, das
+Aufbrechen der Liebe m&uuml;&szlig;te, als eines neuen
+H&uuml;lfsmittels, den industriellen Mechanismus verbessern, denn wo
+ein neuer Faktor auftritt, sollte er das Spiel der Kr&auml;fte
+vervollkommnen. Das geschieht im soziet&auml;ren Zustand, aber nicht
+in der Zivilisation. In der Harmonie wird die Liebe die industrielle
+Anziehung verst&auml;rken, durch sie wird der J&uuml;ngling wie die
+Jungfrau f&uuml;r die Vereinigungen der beiden Geschlechter in den
+Ateliers, den G&auml;rten, den Wirthschaftsanlagen, an der Tafel immer
+neue Anreize finden. Die Wirkung in der Zivilisation ist die
+entgegengesetzte, sie erzeugt Beunruhigung der Eltern, n&ouml;thigt zu
+fortgesetzter Ueberwachung, verursacht Ausgaben f&uuml;r Putz und
+Geschenke und f&uuml;hrt nicht selten zu Schulden und anderen
+Ausschweifungen der Jugend. So wird die Ehe f&uuml;r die V&auml;ter zu
+einem Pfad von Schwierigkeiten aller Art, mit wenig Ausnahmen f&uuml;r
+die Reichen, und die Erwachsenen werden durch die Liebe nur
+verdorben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ein anderes gro&szlig;es Uebel in der Familiengruppe ist, da&szlig;
+sie keine Freiheit gestattet. Man kann nach freiem Willen Freunde,
+Maitressen, Assozi&eacute;s wechseln, aber man kann nichts an den
+Banden des Blutes &auml;ndern. Das ist ein Uebel, das man noch nicht
+wahrnahm und das so schwer ist, da&szlig; die Harmonie ihm viele es
+aufhebende Gegengewichte gegen&uuml;berstellen mu&szlig;, unter
+Anderem die industrielle Adoption (wovon bereits gesprochen wurde) und
+die Theilnahme an der Erbschaft. Das Uebel herrscht, und seit lange,
+aber seine Herrschaft ist in unseren Tagen stetig gewachsen und zwar
+durch den Sieg des Handelsgeistes, der die Zivilisirten immer mehr
+erniedrigt und sie l&uuml;gnerischer macht, als sie urspr&uuml;nglich
+waren. Die Sophisten stellen die Frage: ob der Mensch von Natur
+lasterhaft sei und die meisten bejahen dies; man schlie&szlig;t also
+wie die mahommedanischen Fatalisten, welche die Pest f&uuml;r ein
+unumg&auml;ngliches Uebel erkl&auml;ren, weil sie sich scheuen,
+Schutzma&szlig;regeln gegen sie zu ergreifen. Unsere Philosophen
+ziehen dieselbe Stra&szlig;e; um sich davon zu befreien, ein
+Heilmittel zu suchen, erkl&auml;ren sie das Uebel als unabwendbare
+Bestimmung. Man mu&szlig; nur die Sch&ouml;ngeister in irgend eine
+Angelegenheit sich mischen lassen und man kann sicher sein, da&szlig;
+sie dieselbe in Unordnung bringen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In allen &uuml;brigen Vereinigungen verlangt der Mensch Freiheit der
+Bewegung und sucht die m&ouml;glichste Ausdehnung seiner Verbindungen.
+Unsere Philosophen selbst predigen, da&szlig; man die philanthropische
+Freundschaft auf die ganze Menschheit ausdehnen und Alle als
+Br&uuml;der betrachten m&uuml;sse, der Ehrgeiz solle uns treiben, uns
+mit den Freunden des Handels auf dem ganzen Erdboden zu verbinden,
+aber in Sachen der Liebe und des Familienbandes zwingt man uns in den
+m&ouml;glichst kleinsten Kreis. Man &uuml;berlasse die Liebe ihrem
+nat&uuml;rlichen Hang und &uuml;berlasse ihr selbst, sich ihre Grenzen
+zu ziehen. Man wird sehen, da&szlig; ein Mann bald mit einer gleichen
+Zahl von Frauen wird zu thun gehabt haben, wie der weise Salomo, und
+da&szlig; die Frau ihrerseits es auch nicht an der Auswahl der
+M&auml;nner wird haben fehlen lassen. Diese Vielheit in der Liebe ist
+so nat&uuml;rlich, da&szlig; selbst ein altersschwacher Sultan sich
+nie auf eine einzige Frau beschr&auml;nken l&auml;&szlig;t. In einem
+zuk&uuml;nftigen Zeitalter wird man diese Freiheit der Liebeswahl ganz
+nat&uuml;rlich finden, und ein Greis wird direkte und indirekte
+Nachkommen, Adoptivkinder und Erben in die hunderte haben. Dann wird
+das goldene Zeitalter der Vaterschaft angebrochen sein und wird die
+Freuden genie&szlig;en, die sie im gegenw&auml;rtigen Zustand
+vergeblich sucht. Die Adoptionen und die Legate werden in der Harmonie
+so zahlreich sein, wie sie in der Zivilisation unm&ouml;glich sind;
+man wird die Fortsetzer <TT>(continuateurs)</TT> aus Passion haben,
+die Mangels an eigenen, von gleichen Trieben beseelten Kindern, das
+Begonnene weiter f&uuml;hren. Au&szlig;erdem, welcher Egoismus, welche
+Eifersucht herrscht in unseren Familien, die nicht leiden, da&szlig;
+ein Au&szlig;enstehender sich in die Neigungen des Vaters theilt:
+gezwungen sich an die eigenen Kinder zu halten, begegnet er nur zu oft
+in seinen Pl&auml;nen und Unternehmungen den Antipathien derselben,
+mu&szlig; er in ihnen die Zerst&ouml;rer seines Werkes sehen. Es kann
+also kein Zweifel sein, da&szlig; das Familienband die
+anti&ouml;konomischste Verbindung ist und den W&uuml;nschen Gottes,
+welcher der h&ouml;chste Oekonom ist, und mit Aufwendung der
+geringsten Mittel das Vollkommenste zu erreichen strebt, auf's
+Direkteste entgegensteht.&ldquo;
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Fourier erl&auml;utert jetzt die Art der Vertheilung der materiellen
+Gen&uuml;sse in der Phalanx. Die Uebereinstimmung in der Vertheilung
+sei garantirt, wenn man zwei bestimmte Mittel, die mehr als
+gen&uuml;gten, in Anwendung bringe: Das erste sei die Gierigkeit, die
+bei den Menschen nie fehlen werde. Finde man ein Mittel, die Gier des
+Einzelnen in ein Pfand billiger Vertheilung umzuwandeln, so werde die
+Herrschaft der Gerechtigkeit schon gesichert. Das zweite Mittel, um
+das Gleichgewicht der Vertheilung herbeizuf&uuml;hren, sei die
+Generosit&auml;t. Diese halte man wohl f&uuml;r unm&ouml;glich, sie
+sei aber durchzuf&uuml;hren.
+
+</P><P>
+
+Jeder, der sich mit Anderen gesch&auml;ftlich verbinde, wolle daraus
+Vortheil ziehen. Trete ein solcher nicht ein, l&ouml;se die Verbindung
+sich auf. Diese Gefahr sei in der Phalanx nicht vorhanden, da die
+Vortheile f&uuml;r das Wachsthum des Einkommens kolossale seien und
+dieses im Vergleich zu heute sich wenigstens verdrei&szlig;ig- und
+vervierzigfache. Zwei Beispiele m&ouml;chten dies beweisen. Eine
+Familie, die in Paris 60.000 Franken j&auml;hrlich ausgebe und
+daf&uuml;r Pferde, Wappen, Diener und Wohnung in der Stadt und auf dem
+Lande unterhalte, k&ouml;nne in der Phalanx mit 6000 Franken dasselbe
+haben. Dieser zehnfache Vortheil werde ein zwanzigfacher, wenn man
+erw&auml;ge, welch gro&szlig;e Auswahl in Bezug auf Wagen aller Art
+man in der Phalanx habe, da&szlig; man von den Streitereien mit
+H&auml;ndlern und Kaufleuten, von den Ausgaben f&uuml;r Lakaien und
+von ihren Diebereien und Betr&uuml;gereien, von der Spionage und
+anderen Widerlichkeiten, welche das Gesinde zu einer Gei&szlig;el der
+Gro&szlig;en machten, befreit sei. Man solle ferner an die
+Verbesserung der Stra&szlig;en und Wege denken, deren Zustand heute
+auf dem Lande den Aufenthalt verbittere und sie einen gro&szlig;en
+Theil des Jahres fast unpassirbar mache. Das Gegentheil in der
+Phalanx, wo alle Stra&szlig;en und Wege mit Trottoirs f&uuml;r
+Equipagen und leichte Wagen, f&uuml;r Fu&szlig;g&auml;nger wie
+f&uuml;r Pferde und Zebras versehen, die Wege schattig und mit
+Fu&szlig;steigen, die man nach Bed&uuml;rfni&szlig; besprenge,
+ausgestattet seien. Dazu k&auml;men die Annehmlichkeiten der
+&uuml;berdeckten Verbindungen zwischen den Wohnungen, Ateliers,
+Werkst&auml;tten, Stallungen; f&uuml;r Kirche, Theater, Balls&auml;le
+u.&nbsp;s.&nbsp;w., und da&szlig; alle diese verdeckten Passagen im Winter
+erw&auml;rmt seien, so da&szlig; man kaum wissen werde, ob es
+drau&szlig;en warm oder kalt sei. Es seien dies alles Erleichterungen
+und Annehmlichkeiten, wie sie in der Zivilisation selbst ein
+K&ouml;nig sich nicht verschaffen k&ouml;nne. Das Wohlsein werde sich
+also in der Phalanx in das unz&auml;hlbar Vielfache steigern. Dasselbe
+sei mit den Mahlzeiten der Fall. Die Raffinements, die aus der
+stetigen Verbesserung der Materialien in Garten, Feld, Stallung und
+Keller hervorgingen, in der K&uuml;che durch die verbesserten Methoden
+der Fertigstellung sich steigerten, k&ouml;nne kein Einzelner, und sei
+er der Reichste, herbei- und durchf&uuml;hren. Und an alledem
+n&auml;hme der Aermste in der Phalanx Theil.
+
+</P><P>
+
+Fourier, der offenbar in den Dingen der K&uuml;che und was damit
+zusammenh&auml;ngt genaue Spezialstudien gemacht hat, f&uuml;hrt dies
+im Detail sehr anziehend und Lust erweckend aus; so wird es nach ihm
+eine Kleinigkeit sein, da&szlig; man auf jeder Tafel bei jeder
+Mahlzeit wenigstens dreierlei Arten K&auml;se, jeden wieder in
+verschiedenen Qualit&auml;ten, zum Nachtisch haben kann, so da&szlig;
+eine zw&ouml;lffache Auswahl gew&ouml;hnlich sei. Fleisch,
+Gefl&uuml;gel, Wild, Fische, Gem&uuml;se, Kompots, Eier- und
+Mehlspeisen w&uuml;rden in einer Vielseitigkeit der Herstellung und in
+einem Raffinement geliefert, von dem gegenw&auml;rtig kaum Jemand eine
+Vorstellung habe. Die Tafel der Reichen in der Phalanx sei
+t&auml;glich bei einer Mahlzeit mit mindestens drei&szlig;ig Gerichten
+bedeckt, und selbst die Armen d&uuml;rften, wenn erst die Phalanx in
+vollem Gange sei, auf mindestens zehn Gerichte zum Mittagtisch
+rechnen. Es kann, ihm zufolge, daher auch gar nicht fehlen, da&szlig;
+selbst die K&ouml;nige, nachdem sie die Phalanx besucht und sich von
+ihrer Opulenz nach allen Richtungen durch den Augenschein
+&uuml;berzeugt haben, sich beeilen werden, die Gr&uuml;ndung der
+Phalanxen nicht nur zu unterst&uuml;tzen, sondern selbst mit ihrem
+Hofstaat in eine solche einzutreten.
+
+</P><P>
+
+Die Phalanx verbindet also, nach F. Ansicht, die sensuellen
+Vergn&uuml;gungen mit der Abwesenheit aller materiellen Sorgen, die
+heute V&auml;tern und M&uuml;ttern so viel Kopfschmerzen verursachen.
+Sie findet rasch die Zustimmung der V&auml;ter, die von den Kosten der
+Haushaltung, der Erziehung und der Ausstattung der Kinder befreit
+sind; sie findet die Zustimmung der Frauen, welche alle der vielen
+Widerw&auml;rtigkeiten der Haushaltung, wo die Mittel fehlen, los und
+ledig sind; sie findet die Zustimmung der Kinder, denen nur anziehende
+Besch&auml;ftigungen, Vergn&uuml;gungen und die besten Mahlzeiten in
+Aussicht stehen; und sie findet endlich auch die Zustimmung der
+Reichen, die erhebliches Wachsthum ihres Verm&ouml;gens und das
+Verschwinden aller Risikos und die Beseitigung des Aergernisses, von
+dem, wie Fourier behauptet, sie stets umgeben sein sollen, zu erwarten
+haben. Der Arme kann nat&uuml;rlich gar nichts Besseres thun, als
+sofort mit beiden H&auml;nden zugreifen, denn er hat Nichts zu
+verlieren, aber Alles zu gewinnen. So werden die Serien, die Gruppen,
+die Individuen in der Phalanx alle in den edelm&uuml;thigsten
+Entschl&uuml;ssen &uuml;bereinstimmen und werden selbst zu materiellen
+Opfern entschlossen sein, die aber nicht einmal n&ouml;thig sind. Bei
+dem Gedanken, wieder in die Zivilisation zur&uuml;ckzufallen, wird
+Jeder erschreckt sein, wie bei dem Gedanken, in die Arme des Teufels
+zu st&uuml;rzen; Jeder w&uuml;rde bereit sein, lieber sein halbes
+Verm&ouml;gen zu opfern. So wird sich die Uebereinstimmung und die
+Aufrechterhaltung der Einheitlichkeit in allen materiellen Dingen auf
+die h&ouml;chste Stufe erheben.
+
+</P><P>
+
+Wie nach Fourier in der Phalanx sich die materiellen Interessen zur
+gr&ouml;&szlig;ten Zufriedenheit Aller ausgleichen, so wird auch die
+Vermischung und aus Zuneigung entstehende Uebereinstimmung der drei
+Klassen sich vollziehen. &bdquo;Die reiche Klasse mu&szlig; nur gewahr
+werden, da&szlig; man sich ihr seitens der anderen Klassen
+h&ouml;flich und ohne pers&ouml;nliches Interesse und ohne Gefahr der
+Hintergehung n&auml;hert, und sie wird bereitwilligst der Phalanx ihre
+Kr&auml;fte und ihr Verm&ouml;gen leihen. Damon, der ein gro&szlig;er
+Blumenfreund ist und in Paris wohnt, macht j&auml;hrlich bedeutende
+Ausgaben f&uuml;r seine Blumenbouquets, aber er wird &uuml;bel
+berathen und betrogen durch die Verk&auml;ufer, bestohlen durch
+G&auml;rtner und Diener. Dadurch wird ihm die Blumenzucht verleidet
+und er entschlie&szlig;t sich, die Kultur derselben aufzugeben, so
+sehr er sie liebt. Darauf besucht Damon die Versuchsphalanx, wo er
+sieht, da&szlig; die Blumenzucht eifrig gepflegt wird und er
+Unterst&uuml;tzung an Anderen findet, die gleich ihm daf&uuml;r
+begeistert sind. Statt Mi&szlig;trauen zu begegnen, sieht er,
+da&szlig; man seinen W&uuml;nschen und Rathschl&auml;gen, als von
+einem Sachkenner kommend, bereitwillig Folge leistet und alle Arbeiten
+ausf&uuml;hrt. Ihn trennt keine Verschiedenheit der Interessen von den
+Mitwirkenden, denn alle Kosten tr&auml;gt die Phalanx; er sieht sich
+geachtet und geliebt, weil man seine Kenntnisse sch&auml;tzt und ihn
+als eine St&uuml;tze der Serie betrachtet. Namentlich sind es die
+Kinder, die sich um ihn dr&auml;ngen und bei dem drohenden starken
+Regen Schutzzelte &uuml;ber die Beete spannen. Er f&uuml;hlt sich
+unter diesen Blumenfreunden wie in einer zweiten Familie und
+entschlie&szlig;t sich zu mehreren Adoptionen. Da ist Aminte, ein
+M&auml;dchen ohne Verm&ouml;gen, aber eine der geschicktesten
+Seriesten, die f&uuml;r Damon begeistert ist; sie sieht in ihm, dem
+Sechzigj&auml;hrigen, die St&uuml;tze der ihr theuren Kultur; sie will
+sich ihm erkenntlich zeigen, und da sie auch ein Mitglied einer Gruppe
+der Zimmerordnerinnen ist, &uuml;bernimmt sie die Sorge f&uuml;r
+Damon's Zimmer und Garderobe. Sie dient Damon nicht aus materiellem
+Interesse, denn er bezahlt sie nicht, und dies w&auml;re
+&uuml;berhaupt unzul&auml;ssig, sondern aus Dankbarkeit f&uuml;r
+seinen Eifer f&uuml;r die Kultur der Blumen. Damon hat also doppelte
+Freude, er hat in Aminte eine eifrige und gelehrige Sch&uuml;lerin und
+eine aufmerksame Gouvernante, und zum Dank adoptirt er sie. Bei dieser
+industriellen Kooperation war also die Freundschaft im Spiel, ein
+Trieb, der namentlich bei den Kindern einen sch&ouml;nen Aufschwung
+nimmt, weil ihm weder durch Liebe, noch durch Gewinnsucht, noch durch
+Familieninteresse entgegengearbeitet wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Im Jugendalter ist's haupts&auml;chlich die Liebe, welche den
+Rangunterschied verwischt und selbst einen Monarchen auf die Stufe
+einer Sch&auml;ferin, die ihn gefangen genommen hat, stellt. Wir haben
+also Keime zur Ausgleichung von Rang- und Standesunterschieden selbst
+in der Zivilisation, aber sie kommen nicht zum Ausbruch. Auch sehen
+wir, da&szlig; in Sachen des Ehrgeizes der H&ouml;here den Niederen
+unter Umst&auml;nden nicht verschm&auml;ht. Zum Beispiel in Partei-
+und Wahlk&auml;mpfen. Es sind nicht blos die Scipione und Catone, die,
+um seine Stimme zu erhalten, dem Landbebauer die Hand dr&uuml;cken.
+Aber hier wirkt nur die Sucht nach pers&ouml;nlichem Gewinn und
+Befriedigung pers&ouml;nlichen Ehrgeizes. Vollziehen also diese
+niederen Mittel schon die Ann&auml;herung verschiedener Klassen, dann
+ist dies viel leichter durch edle Mittel, durch Bande freiwilliger
+Zuneigung, wie das Beispiel zwischen Damon und Aminte zeigt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun kann Damon, bei zwanzig verschiedenen Th&auml;tigkeiten
+besch&auml;ftigt, &uuml;berall &auml;hnliche Bande kn&uuml;pfen. Alle
+Serien und Gruppen bestehen aus Gleichstrebenden, und da Jeder bei
+einer speziellen Arbeit in einer Branche in Uebung ist und er darin
+leicht sich auszeichnen kann, wird es ihm an Anerkennung der Genossen
+nicht fehlen. Der Reiche genie&szlig;t aber doppelte Anerkennung,
+einmal wegen der Geschicklichkeit, durch die er sich in irgend welchen
+Arbeiten auszeichnen kann, dann durch die Munifizenz, die er den von
+ihm gew&auml;hlten Industrien erweist. So macht Damon Ausgaben
+f&uuml;r sehr werthvolle Pflanzen, die auf Kosten der Phalanx
+anzuschaffen die Regentschaft sich weigert. F&uuml;r diese Dienste
+wird Damon seitens der Serie zum Chef der Zur&uuml;stungen
+gew&auml;hlt; so wird ihm sein Geschenk mit doppelter Zuneigung
+vergolten; seine intelligenten und eifrigen Genossen erweisen sich ihm
+dankbar und ihre Freundschaft und sein Ansehen steigt bei ihnen und
+den rivalisirenden Nachbarn. Der Reiche kann also sich mit vollem
+Vertrauen der Phalanx &uuml;berlassen, er hat keine Falle zu
+f&uuml;rchten, kein ungeh&ouml;riges Verlangen wird ihn beunruhigen.
+Kein Zweifel, da&szlig; in der Harmonie die Ungleichheiten sich leicht
+verbinden. Lustigkeit, Wohlbefinden, H&ouml;flichkeit und
+Rechtschaffenheit der niederen Klassen werden den Reichen zum Eintritt
+in die Vereinigungen verf&uuml;hren, dazu kommen die prunkvollen
+Zur&uuml;stungen f&uuml;r die Arbeiten der Phalanx und die Einigkeit
+der Soziet&auml;re. Die Aermeren wieder werden auf ihre neue Lage und
+die hohe Bestimmung ihrer Phalanx stolz sein und werden Alles
+aufbieten, der neuen Stellung w&uuml;rdig zu erscheinen. Unter solchen
+Verh&auml;ltnissen werden Alle bem&uuml;ht sein, die gerechte
+Vertheilung des Einkommens der Phalanx, wovon die Aufrechterhaltung
+der soziet&auml;ren Ordnung abh&auml;ngt, zu erleichtern. Man frage
+wohl, wie k&ouml;nne die Habsucht, die Liebe zum Gelde, die in der
+Phalanx fortbestehen solle, eine gerechte Vertheilung
+erm&ouml;glichen? aber man werde sehen, da&szlig; in den Serien der
+Triebe gerade die Liebe zum Gelde der Weg zur Tugend und zur
+Gerechtigkeit sei, so sehr die Moralisten die Liebe zum Gelde
+verurtheilten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier explizirt dieses also: Nichts sei leichter in einem
+Unternehmen, als die Vertheilung des Ertrages nach dem Ma&szlig;stab
+des eingeschossenen Kapitals, das sei eine Jedermann wohlbekannte,
+rein arithmetische Aufgabe; aber auch Arbeit und Talent gerecht zu
+honoriren und zufrieden zu stellen, das sei eine Kunst, welche die
+Zivilisirten nicht verst&auml;nden, und so beklagten sie sich
+best&auml;ndig &uuml;ber Ungerechtigkeit und Uebelwollen. Wolle die
+Phalanx freilich jedem Einzelnen, entsprechend seiner Theilarbeit, in
+vielleicht drei&szlig;ig oder mehr Serien und hundert Gruppen seinen
+Antheil &uuml;berweisen, so w&uuml;rde dies eine au&szlig;erordentlich
+umst&auml;ndliche und schwer zu l&ouml;sende Aufgabe sein. Der
+Mechanismus der Vertheilung sei nicht auf die Individuen, sondern auf
+die Serien berechnet, und diese werden nicht nach ihrer speziellen
+Leistung, sondern nach ihrer Bedeutung f&uuml;r die Phalanx in
+Betracht gezogen. Die Serien gelten als die einzelnen Assozi&eacute;s,
+und kraft des Rangs, den sie in dem Tableau der Arbeiten einnehmen,
+wird die Dividende nach drei Klassen vertheilt: 1. nach der
+Nothwendigkeit, 2. der N&uuml;tzlichkeit und 3. der Annehmlichkeit der
+Arbeit. Wird z.&nbsp;B. die Serie des Wiesenbaues als solche von hoher
+Wichtigkeit anerkannt, so erh&auml;lt sie ein Loos erster Ordnung in
+der Klasse, in der sie figurirt. Die Erzeugung von
+K&ouml;rnerfr&uuml;chten ist Arbeit erster Nothwendigkeit, aber die
+Serien darin bilden selbst wieder f&uuml;nf Ordnungen, und so ist
+wahrscheinlich, da&szlig; die Erzeugung von Korn, Weizen, Mais etc.
+auf der Stufenleiter der Nothwendigkeiten erst in dritter Ordnung
+kommen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die h&ouml;chste Dividende f&auml;llt den unangenehmsten Arbeiten zu
+und diese erhalten in der Phalanx die kleinen Horden; darauf kommt die
+Fleischerei in R&uuml;cksicht auf die damit verbundenen widerlichen
+und &uuml;belriechenden Arbeiten. Die Pflege und Ern&auml;hrung der
+S&auml;uglinge und Kinder in den niedersten Lebensaltern wird f&uuml;r
+eine schwerere Arbeit anerkannt als die eigentliche Feldarbeit.
+Mediziner, Chirurgen und die groben Handarbeiter rangiren in der
+ersten Ordnung der Nothwendigkeit, werden also wie die Arbeit der
+kleinen Horden am h&ouml;chsten belohnt. Die Arbeit wird nicht nach
+dem Werth bemessen, sondern nach dem Ma&szlig; der Anziehung, das sie
+aus&uuml;bt, je h&ouml;her die Anziehung, also auch die
+Annehmlichkeit, je geringer die Belohnung.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Fragt man den Zivilisirten, was nach seiner Meinung die h&ouml;here
+Belohnung verdiene, ob die Serien der Obstz&uuml;chter oder die der
+Blumenz&uuml;chter, so wird er antworten: die ersteren, und zwar
+h&auml;tten diese in der Klasse der N&uuml;tzlichkeiten, die
+Blumenz&uuml;chter in der Klasse der Annehmlichkeiten zu rangiren.
+Aber das ist ein ganz falscher Schlu&szlig;. Obgleich die Obstbaum-
+und Fr&uuml;chtezucht sehr produktiv ist, rangirt sie in der Harmonie
+in die Klasse der Annehmlichkeiten, weil sie au&szlig;erordentlich
+anziehend ist. Die Obstbaumzucht ist in der Harmonie eine der
+reizvollsten Erholungen. Jeder Obstgarten ist mit Blumenalt&auml;ren
+bes&auml;et, die von Zierstauden umgeben sind; hier werden die
+Ruhepausen abgehalten, hier vereinigen sich die Geschlechter, und so
+bietet diese Kultur neben der Gefl&uuml;gelzucht die meiste Anziehung.
+Dadurch wird die Obstzucht in die dritte Klasse, in die der
+Annehmlichkeiten gereiht, und empf&auml;ngt die niederste Belohnung.
+Was die Blumenzucht betrifft, die im Allgemeinen in der Zivilisation
+nicht sehr gesch&auml;tzt wird und kaum die Kosten deckt, so erwecken
+zwar ihre Produkte Liebreiz, aber die Arbeit erfordert gro&szlig;e
+P&uuml;nktlichkeit, erhebliche Kenntnisse und viele Sorgfalt und das
+Vergn&uuml;gen ist von kurzer Dauer. Aber diese Kultur ist, sowohl um
+die Kinder zu bilden, als um die Frauen f&uuml;r das Erforderni&szlig;
+der Kultur und das Studium agronomischer Verfeinerungen zu gewinnen,
+sehr werthvoll. Auch eignen sich die Arbeiten der Obstzucht nicht
+immer f&uuml;r die Kinder, wof&uuml;r hingegen die Pflege der
+verschiedenen Blumensorten sehr geeignet ist. Aus diesen Gr&uuml;nden
+werden die Serien der Blumenz&uuml;chter in die zweite Klasse, die der
+N&uuml;tzlichkeiten, versetzt werden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wird also die Obstbaumzucht, die noch besonders werthvoll dadurch
+wird, da&szlig; ihre Produkte, sei es in Natur, sei es als Kompot,
+Marmelade u.&nbsp;s.&nbsp;w. f&uuml;r die Ern&auml;hrung und Verfeinerung der
+Lebensweise die wichtigsten Dienste leisten, in die dritte Klasse, des
+Angenehmen, versetzt, so gelangt die Oper, die wir f&uuml;r rein
+&uuml;berfl&uuml;ssig anzusehen geneigt sind, in die zweite Ordnung
+der ersten Klasse, die der Nothwendigkeiten. Man wird freilich sagen,
+M&uuml;ller und B&auml;cker sind n&uuml;tzlicher, aber das kann nur
+von einem Gesellschaftszustand gelten, der die industrielle Anziehung
+nicht kennt. Von letzterem Standpunkt aus ist aber die Oper f&uuml;r
+die Harmonie sehr werthvoll, weil sie f&uuml;r die Kinder das
+m&auml;chtigste H&uuml;lfsmittel ist, sie zur Gewandtheit und zur
+Einheitlichkeit der industriellen Th&auml;tigkeiten zu erziehen. Von
+diesem Standpunkt aus geh&ouml;rt sie in die erste Klasse, die der
+Nothwendigkeiten, soweit hingegen sie den Erwachsenen als Mittel zum
+Vergn&uuml;gen dient, rangirt sie in die dritte Klasse, die der
+Annehmlichkeiten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ma&szlig;stab der Vertheilung f&uuml;r die Arbeit ist also: 1. die
+direkte Wirkung, die sie f&uuml;r die Bande der Einheitlichkeit der
+Phalanx im Spiel des sozialen Mechanismus besitzt; 2. der Werth, den
+sie hat f&uuml;r die Beseitigung widriger Hindernisse und 3. im
+umgekehrten Verh&auml;ltnisse steht zu der St&auml;rke der Anziehung,
+die sie erweckt. Unter den ersten Fall sind, wie schon bemerkt, die
+Besch&auml;ftigung der kleinen Horden, unter den dritten die Oper
+f&uuml;r die Erwachsenen, unter den zweiten unter Anderem die
+Besch&auml;ftigung in den Minen und Bergwerken zu z&auml;hlen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In dieser Art gruppiren sich die verschiedenen Th&auml;tigkeiten,
+deren Klassifizirung und Ordnung die Mitglieder der Phalanx selbst
+bestimmen. Die Verst&auml;ndigung ist um so leichter, da jedes
+Mitglied in einer ganzen Menge von Serien und in einer noch
+gr&ouml;&szlig;eren Zahl von Gruppen besch&auml;ftigt ist. Die Gunst,
+die ein Mitglied einer Serie oder Gruppe in der Zubilligung der
+Dividende erw&uuml;rbe, w&uuml;rde es in den anderen Gruppen und
+Serien sch&auml;digen; sein eigenes Interesse zwingt es also zur
+gr&ouml;&szlig;ten Objektivit&auml;t; auch ist es interessirt,
+da&szlig; die Harmonie nicht gest&ouml;rt wird, weil diese
+Sch&auml;digung des Ganzen unfehlbar den gr&ouml;&szlig;ten Schaden
+f&uuml;r es selbst br&auml;chte. Von diesen Gesichtspunkten aus
+vertheilt sich auch das Einkommen auf Kapital, Arbeit und Talent.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Alippus ist ein reicher Aktion&auml;r, der bis dahin in der
+Zivilisation f&uuml;r die Ausleihung seines Kapitals auf G&uuml;ter
+3&ndash;4 Prozent erhalten hat. In der Phalanx hat er Aussicht,
+12&ndash;15 Prozent zu bekommen. Er ist sehr f&uuml;r gerechte
+Vertheilung des Ertrages, doch dr&auml;ngt ihn seine Habsucht, als
+Kapitalist die H&auml;lfte der Dividende in Anspruch zu nehmen. Er
+mu&szlig; sich aber sagen, da&szlig; dann die beiden anderen
+zahlreichen Klassen, die Arbeit und Talent aufwandten, sehr
+unzufrieden sein werden und wahrscheinlich binnen wenig Jahren die
+Phalanx sich aufl&ouml;se und dies sein gr&ouml;&szlig;ter Schade sei.
+Diese Einsicht veranla&szlig;t ihn, sich in seinem eigenen Interesse
+mit weniger zu begn&uuml;gen und eine Theilung zu akzeptiren, die dem
+Kapital 4/12, der Arbeit 5/12 und dem Talent 3/12 zuweist. Er hat nach
+diesem Ma&szlig;stab noch drei- bis viermal mehr Einkommen, als die
+Zivilisation ihm gew&auml;hrte, er lebt viel billiger in der Phalanx,
+als in der Zivilisation, und er sieht au&szlig;erdem die beiden
+anderen Klassen befriedigt und dies sichert den Bestand der
+Gesellschaft. Was ihn au&szlig;erdem bestimmt, sich zufrieden zu
+geben, ist, da&szlig; er gleichzeitig als Mitglied einer Anzahl
+Serien, in denen er viel Vergn&uuml;gen geno&szlig;, freundschaftliche
+und Liebesbeziehungen ankn&uuml;pfte, seinen Antheil als Th&auml;tiger
+und, soweit er darin durch Talent sich auszeichnete, auch daf&uuml;r
+seinen Antheil erh&auml;lt. Seine Habsucht wurde also durch zwei
+Gegengewichte in der richtigen Mitte gehalten, er hat die
+Ueberzeugung, da&szlig; im Interesse Aller er sein eigenes Interesse
+wahrt und daf&uuml;r die Zustimmung der Phalanx findet, und da&szlig;
+der Fortschritt der industriellen Anziehung f&uuml;r ihn zur Quelle
+gro&szlig;en Reichthums wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Sehen wir weiter zu. Johannes hat kein Kapital und keine Aktien, er
+w&auml;re also als Zivilisirter sehr daf&uuml;r, da&szlig; die Arbeit
+auf Kosten des Kapitals und Talents den L&ouml;wenantheil erlangt und
+rechnet 7/12 f&uuml;r die Arbeit, 3/12 f&uuml;r das Kapital und 2/12
+f&uuml;r das Talent. Johannes, als Mitglied der Assoziation, denkt
+inde&szlig; anders. Wohl hat er den lebhaften Trieb, der Arbeit den
+Hauptantheil zuzuweisen, aber da er in einer Reihe von Serien und
+Gruppen durch Talent der Erste ist, so verkennt er nicht, da&szlig;
+auch dem Talent sein entsprechender Antheil geb&uuml;hre.
+Au&szlig;erdem begreift er als einsichtiger B&uuml;rger die Bedeutung
+des Kapitals, welche Vortheile der Arme aus den Ausgaben der
+Kapitalisten zieht, welche Annehmlichkeiten reiche Angeh&ouml;rige
+ihren Serien und Gruppen erweisen, endlich, da&szlig; seine Kinder
+Aussicht haben, mit Legaten bedacht zu werden. Alles das genau
+erwogen, findet auch er, da&szlig; man ein Einsehen haben und
+da&szlig; die Arbeit zu Gunsten von Kapital und Talent ein wenig
+zur&uuml;cktreten m&uuml;sse. Er k&auml;mpft also auch gegen die
+&bdquo;unvern&uuml;nftige Raubsucht&ldquo; <TT>(rapacit&eacute;
+d&eacute;raison&eacute;e)</TT>, deren ein Zivilisirter f&auml;hig
+w&auml;re und findet ebenfalls bei der Repartition von 4/12 f&uuml;r
+das Kapital, 5/12 f&uuml;r die Arbeit und 3/12 f&uuml;r das Talent
+seine Seele und sein Gewissen befriedigt.
+
+</P><P>
+
+Fourier glaubt mit besonderem Nachdruck auf dieser Art Vertheilung
+beharren zu m&uuml;ssen, was man bei seinem Bestreben und seinem
+festen Glauben, diese von ihm entdeckte und konstruirte ideale
+Gesellschaft mit freiwilliger Zustimmung aller Klassen und zum
+Wohlsein aller Klassen ohne irgend welche gewaltsame
+Ersch&uuml;tterungen begr&uuml;nden zu k&ouml;nnen, begreifen wird.
+W&auml;re die Fourier'sche Phalanx &uuml;berhaupt m&ouml;glich und
+keine Utopie, so w&auml;re unfa&szlig;bar, warum das Kapital, bei all
+den sich ihm er&ouml;ffnenden gl&auml;nzenden Aussichten, sich nicht
+beeilte, Hals &uuml;ber Kopf diesen neuen Gesellschaftszustand zu
+begr&uuml;nden. Fourier glaubt felsenfest an diese M&ouml;glichkeit
+und die Richtigkeit der von ihm gemachten Aufstellungen; er konstruirt
+sich die Pr&auml;missen und da m&uuml;ssen die Konklusionen stimmen.
+Falsch sind nicht seine Voraussetzungen, sondern falsch ist die
+Gesellschaft, die in ihrer Kurzsichtigkeit und Verblendung den Weg,
+der sich ihrem Gl&uuml;ck &ouml;ffnet, nicht sieht oder
+zur&uuml;ckweist. Er behauptet also mit Ueberzeugung, da&szlig; der
+Arme in der Harmonie die reiche Klasse und den Antheil des Kapitals am
+Ertrag bereitwillig unterst&uuml;tzen werde, weil ihm mit H&uuml;lfe
+des Kapitals in der Phalanx so zahlreiche Chancen, zu Verm&ouml;gen zu
+kommen, sich darb&ouml;ten. Der Arbeiter der Phalanx sei nicht
+entmuthigt, wie der Arbeiter der Zivilisation, der keine Aussicht
+habe, selbstst&auml;ndiger Unternehmer zu werden. &bdquo;Seine Kinder
+k&ouml;nnen durch Kenntnisse, Talent, Sch&ouml;nheit zu hohen
+W&uuml;rden und Stellungen kommen, auch kann er, da er stets mehr
+erwirbt als er ausgiebt, Ersparnisse machen, und so selbst
+allm&auml;lig Aktion&auml;r werden.&ldquo; N&auml;hrt ihm doch die Phalanx
+die Kinder, die vom dritten Lebensjahre ab bereits selbst voll
+verdienen, was sie brauchen und sp&auml;ter mehr verdienen, als sie
+n&ouml;thig haben; liefert ihm doch die Phalanx alle Werkzeuge und
+nicht weniger als drei Paradeuniformen f&uuml;r die Feste und
+Aufz&uuml;ge; auch besucht er weder Kneipen noch Caf&eacute;'s, da er
+nach f&uuml;nf vortrefflichen Mahlzeiten und all den Abwechslungen und
+Vergn&uuml;gungen, die ihm die t&auml;gliche Besch&auml;ftigung
+bietet, f&uuml;r solche Orte kein Bed&uuml;rfni&szlig; mehr empfindet;
+endlich besteht &uuml;berall die volle Gleichberechtigung: er nimmt an
+allen Berathungen Theil, hat das gleiche Stimmrecht und somit nach
+keiner Richtung einen Grund, gegen die Reichen Abneigung zu empfinden.
+In der That, es geh&ouml;rt viel Verbohrtheit dazu, all diesen
+Verlockungen zu widerstehen.
+
+</P><P>
+
+Fourier kommt nat&uuml;rlich nicht im Traum der Gedanke, da&szlig;,
+wenn all diese sch&ouml;nen Ausmalungen und scharfsinnigen
+mathematischen Berechnungen dennoch ihre Wirkungen verfehlen, das
+ganze System auf falschen Voraussetzungen beruhen m&uuml;sse, denn
+f&uuml;r ihr Interesse sind die Menschen in allen Zeitaltern und bei
+allen V&ouml;lkern sehr empf&auml;nglich gewesen und namentlich die
+herrschenden Klassen. Aber aller Widerstand und alle Feindseligkeit,
+die ihm begegneten, machten ihn an der Richtigkeit seiner Theorien und
+seiner Berechnungen nicht irre, diese sind f&uuml;r ihn unbestreitbar,
+und so ist selbstverst&auml;ndlich, da&szlig; der einmal begonnene
+Faden sich ruhig bis zu Ende spinnt, und ein Geb&auml;ude entsteht, in
+dem jeder Stein genau auf den anderen pa&szlig;t, bei dem Alles auf's
+Genaueste und Scharfsinnigste berechnet und vorgesehen ist, dem aber
+die Hauptsache fehlt, das reale Fundament. Die Erkenntni&szlig; der
+eigentlichen Entwicklungsgesetze der Gesellschaft, welche zwar die
+Gesellschaft einst zu einem &auml;hnlichen Zustande, wie ihn Fourier
+als scharfsichtiger Seher voraussetzt, f&uuml;hren werden, aber auf
+anderem Wege und durch andere Mittel und &mdash; wann die Entwicklung
+reif ist, &mdash; die Erkenntni&szlig; ihrer Entwicklungsgesetze blieb
+ihm und seinem Zeitalter fremd.
+
+</P><P>
+
+Wie der Kapitalist und der Arbeiter sich zufrieden geben und genau so
+schlie&szlig;en, wie es der Konstrukteur dieser idealen Gesellschaft
+w&uuml;nscht, so nat&uuml;rlich auch das Talent. Philint ist Mitglied
+von 36 Serien. In zw&ouml;lf zeichnet er sich als alter erfahrener
+Serist durch gro&szlig;e Geschicklichkeit und durch Talent aus, in
+zw&ouml;lf anderen ist er nur mittelm&auml;&szlig;iger Arbeiter und in
+den zw&ouml;lf letzten Neuling. Nachdem beim Jahresschlu&szlig; die
+Inventur gemacht wurde und die Mitglieder der Phalanx zur Entscheidung
+berufen werden, k&ouml;nnte er in Anbetracht der Talente, die er in
+zw&ouml;lf Serien entwickelte, sehr geneigt sein, den Antheil des
+Talents besonders zu beg&uuml;nstigen. Aber als &uuml;berlegender Mann
+mu&szlig; er sich sagen, da&szlig; damit weder sein Interesse noch das
+der Phalanx gewahrt w&uuml;rde. Einmal stehen nicht nur den 12 Serien,
+in denen er sich auszeichnet, 24 gegen&uuml;ber, in denen er nur
+mittelm&auml;&szlig;iger Arbeiter oder gar Neuling ist, es findet sich
+auch, da&szlig; von den 12 Serien, in denen er sich hervorthut, nur
+vier in die erste, also h&ouml;chst belohnte Klasse, die der
+Nothwendigkeiten, fallen, vier andere in die zweite und die letzten
+vier in die dritte Klasse. Daraus ergiebt sich f&uuml;r ihn von
+selbst, da&szlig; er den einseitigen Ma&szlig;stab der Bevorzugung des
+Talents nicht zur Geltung kommen lassen kann. Ein anderer Umstand
+tritt bei all diesen Erw&auml;gungen &uuml;ber die Vertheilungen
+hinzu. Da die Interessen aller Mitglieder in den dutzenden von Serien
+und hunderten von Gruppen pers&ouml;nlich voneinander differiren, in
+einer Serie oder Gruppe, wo zwei oder mehrere harmoniren, diese wieder
+in allen anderen Serien und Gruppen in ihren Interessen
+auseinandergehen, ist ein Intriguenspiel zu Gunsten einzelner Serien
+oder Gruppen unm&ouml;glich. In diesen hunderten durcheinandergehenden
+und sich kreuzenden Interessen, wobei kein Einzelner etwas vermag und
+keine Verbindung gleicher Interessen m&ouml;glich ist, mu&szlig;
+schlie&szlig;lich das Allgemeininteresse, das damit das Interesse
+Aller wird, siegen.
+
+</P><P>
+
+Diese Idee ist ungemein geistreich und scharfsinnig, und die
+Richtigkeit der Vorders&auml;tze, von denen Fourier ausgeht,
+zugegeben, hat er vollkommen recht, triumphirend auszurufen, da&szlig;
+sowohl in den Details wie im Ganzen bei der Vertheilung die
+distributive Gerechtigkeit in der Phalanx herrscht. &bdquo;Das Regime der
+Serien der Triebe ist die gewollte Gerechtigkeit, die das angebliche
+Laster, den <i>Durst nach Gold, in den Durst nach Gerechtigkeit
+umwandelt.</i>&ldquo; Die Habsucht, eines der schlimmsten Laster in der
+Zivilisation, wird also auch in der Phalanx zur Tugend. Unsere heute
+als am lasterhaftesten bezeichneten Triebe werden in der
+soziet&auml;ren Ordnung n&uuml;tzlich und gut, wie es die von Gott
+gewollte Bestimmung ist. Die Bewegung der Organisation der Triebe wird
+nach der von Schelling ausgesprochenen Idee &bdquo;in jedem Sinn der Spiegel
+der universellen Analogie&ldquo;. Schlie&szlig;lich hat Fourier nichts
+dagegen einzuwenden, wenn die Vertheilung auch derart stattfindet,
+da&szlig; die Arbeit 6/12, das Kapital 4/12 und das Talent nur 2/12
+erh&auml;lt. Das ganze Vertheilungsgesetz formulirt er also: &bdquo;Es
+m&uuml;sse die individuelle Habsucht durch das Kollektivinteresse
+jeder Serie und der gesammten Phalanx und die kollektiven
+Anspr&uuml;che jeder Serie durch das individuelle Interesse eines
+jeden Seristen, als Angeh&ouml;riger einer Menge anderer Serien,
+absorbirt werden.&ldquo; Und dieses Gesetz wird erreicht &bdquo;durch das direkte
+Verh&auml;ltni&szlig; der Zahl der frequentirten Serien im umgekehrten
+Verh&auml;ltni&szlig; zu der Dauer der Arbeit in den einzelnen
+Serien&ldquo;. Mit anderen Worten: Je mehr Serien der Einzelne angeh&ouml;rt
+und je k&uuml;rzer in Folge dessen die einzelnen Arbeitssitzungen
+werden, um so leichter wird die ausgleichende Gerechtigkeit in der
+Vertheilung des Arbeitsertrags sich herstellen. Mit der Zahl der
+differirenden Interessen des Einzelnen w&auml;chst die
+M&ouml;glichkeit der gerechtesten Ausgleichung und die Einheitlichkeit
+des Ganzen.
+
+</P><P>
+
+Die Habsucht wirkt also schlie&szlig;lich ausgleichend in der
+Harmonie, aber ihr steht noch ein zweiter Impuls zur Ausgleichung
+gegen&uuml;ber, die Edelm&uuml;thigkeit. Erstere wirkt direkt,
+letztere indirekt. Zum Beispiel: &bdquo;Es handelt sich um die Vertheilung
+eines Ertrags von 216 Frks. unter neun Mitglieder einer Gruppe, wobei
+sich zuf&auml;llig herausstellt, da&szlig; die Reichsten und
+Wohlhabendsten unter den neun Gruppisten in Folge ihrer Leistungen das
+Meiste erhalten. Darauf erkl&auml;ren die beiden Ersten, da&szlig; sie
+in Anbetracht ihres Kapitaleinkommens und des Vergn&uuml;gens, das
+ihnen die Arbeit gebracht, sich mit dem Minimum begn&uuml;gen &mdash;
+auf das Ganze d&uuml;rfen sie nicht verzichten &mdash; was vier
+Franken betr&auml;gt. In Folge dessen bleiben 52 Franken an die
+Uebrigen weiter zu vertheilen. Aber dem Beispiel der beiden Ersten
+folgen zwei Andere, nur da&szlig; diese entsprechend ihrem geringeren
+Verm&ouml;gen von dem ihnen zufallenden Antheil nur auf die
+H&auml;lfte verzichten, wobei weiter 20 Franken zu vertheilen
+&uuml;brig bleiben. Diese 72 Franken werden nun dergestalt unter die
+f&uuml;nf armen Soziet&auml;re vertheilt, da&szlig; sie je 24, 18, 12,
+9 und 9 Franken erhalten, und zwar erh&auml;lt davon eine sch&ouml;ne
+Vestalin, nicht wegen ihrer Leistungen, sondern weil sie bei den
+Gebern wie bei den &uuml;brigen Mitgliedern in Gunst steht, den
+h&ouml;chsten Satz. Diese Gunstbezeugung ist keine Ungerechtigkeit,
+denn sie sch&auml;digt Niemand in seinen Rechten, sie wird aber in der
+Harmonie eine Quelle der Uebereinstimmung. So werden auch eine
+gro&szlig;e Zahl von W&uuml;rden und Szeptern, bis zu dem des
+Omniarchen des Erdballs, als Gunstbezeugungen vergeben, weil alle
+diese W&uuml;rden durch Wahl erfolgen.
+
+</P><P>
+
+Wenn nun hieraus sich ergiebt, da&szlig; die reichsten Soziet&auml;re
+nur den m&ouml;glichst geringsten Arbeitsantheil empfangen &mdash; die
+Verzichtleistung soll nach Fourier in Folge des Beispiels allgemeine
+Regel werden &mdash; und den gr&ouml;&szlig;ten Theil ihres Einkommens
+nur nach Ma&szlig;gabe ihrer Kapitalien beanspruchen, so resultirt
+daraus, da&szlig; ihr Antheil am allgemeinen Benefizium im umgekehrten
+Verh&auml;ltni&szlig; zu der Entfernung <TT>(distance)</TT> der
+Kapitalien von einander steht, denn f&uuml;r Arbeit und Talent
+tendiren sie nur den kleinsten Theil in Anspruch zu nehmen. Dagegen
+steht ihr Antheil am allgemeinen Benifizium bez&uuml;glich des
+Kapitalantheils im direkten Verh&auml;ltni&szlig; der Masse der
+Kapitalien. Es kommen also hier genau wie in der physischen Welt zwei
+entgegenwirkende Kr&auml;fte in Betracht, die zentripetale, welche
+hier die Habsucht ist, und die zentrifugale, die Edelm&uuml;thigkeit.
+
+</P><P>
+
+Der Leser wird bereits erkannt haben, da&szlig; Fourier hier das von
+Newton entdeckte Gesetz der Anziehung der Weltk&ouml;rper, wonach
+diese wirkt im graden Verh&auml;ltni&szlig; zu ihrer Masse und im
+umgekehrten Verh&auml;ltni&szlig; zum Quadrat ihrer Entfernung, auf
+den Vertheilungsmodus seiner Phalanx anzuwenden sucht. Alle
+Beziehungen der Menschen unter sich und zum Weltall sind ja nach
+Fourier durch mathematische Verh&auml;ltni&szlig;zahlen zum Ausdruck
+zu bringen und nach Analogien geordnet, also mu&szlig; auch die
+Phalanx, welche im Kleinen das Spiegelbild der Einheitlichkeit der
+Welt darstellt, diese mathematischen Verh&auml;ltnisse zum Ausdruck
+bringen. Freilich ist dieser Versuch im vorliegenden Fall ein
+verungl&uuml;ckter, denn unter dem Ausdruck Entfernung kann doch
+nichts Anderes als die Gr&ouml;&szlig;e der Kapitalien verstanden
+werden, und ihre Gr&ouml;&szlig;e deckt sich wieder mit ihrer Masse,
+mit dem Quadrat der Entfernung haperts &uuml;berhaupt; und was ist der
+Mittelpunkt, um den die Kapitalien gravitiren? Im b&uuml;rgerlichen
+Leben ist der Mittelpunkt, nach dem Alles strebt, das Kapital selbst,
+in der Phalanx schwebt es in der Luft. Doch vergessen wir nicht,
+da&szlig; es sich hier um ein geistreiches, mit gro&szlig;em
+Scharfsinn aufgebautes Utopien handelt.
+
+</P><P>
+
+Fourier ist nun weiter der Ansicht, da&szlig; in seiner Phalanx die
+Generosit&auml;t, welche die reichen Leute &uuml;ben, wenigstens 7/8
+des Betrags ihrer Dividenden, und bei den Mittelleuten die H&auml;lfte
+derselben umfassen werde, diese also den &auml;rmeren Soziet&auml;ren
+zu Gute kommen. Das klinge freilich wie eine romantische Vision, weil
+man sich in der Zivilisation ein solches Ma&szlig; von Gro&szlig;muth
+gar nicht vorstellen k&ouml;nne. Mit den bereits hervorgehobenen
+Triebfedern f&uuml;r eine solche Handlungsweise verbinden sich
+allerdings noch andere, wie diejenigen, die aus den Liebesbeziehungen
+resultiren. Doch bei den Vorurtheilen der Zivilisation gegen alles,
+was das Kapitel der freien Liebe betreffe, sei er gen&ouml;thigt,
+grade dieses f&uuml;r die Harmonie so werthvolle und
+&auml;u&szlig;erst interessante Gebiet nicht weiter zu ber&uuml;hren;
+so viel aber sei sicher, da&szlig; die freie Liebe und die freie
+Vaterschaft seelische und physische Kraftquellen erschlie&szlig;en
+werde, die der Lebensfreudigkeit und der Entwicklung der Menschheit
+die gl&auml;nzendsten Aussichten er&ouml;ffneten.
+
+</P><P>
+
+Was schlie&szlig;lich den Loosantheil betreffe, der dem Talent
+zufalle, so gew&auml;hre dies besonders den unbemittelten Alten in der
+Phalanx, die in Folge einer langen Erfahrung in den verschiedensten
+Arbeitszweigen und in der Leitung der Arbeiten hervorragten, Aussicht
+auf Gewinn. In der Zivilisation sei die Arbeit des Talents, die in der
+Harmonie eine Ausgleichung zwischen dem, was dem Kapital und dem, was
+der Arbeit zufalle, herbeif&uuml;hren solle, nur eine Art
+Fu&szlig;schemel, auf dem der Reichere auf Kosten des Aermeren, dessen
+Kenntnisse er f&uuml;r sich ausbeute, in die H&ouml;he steige; der
+gesellschaftlich Beg&uuml;nstigte schm&uuml;ckte sich mit den Federn
+des Armen. Die Handlungen aus Edelmuth in der Phalanx seien es ferner,
+die haupts&auml;chlich die Grenzen zwischen den Armen und Reichen
+verwischten, daher werde ein Monarch in der Harmonie mitleidig
+l&auml;cheln, wenn man ihm eine Schutzgarde anbiete. Alle, die ihn
+umgeben, seien ihm von Herzen und nicht wegen der Bezahlung ergeben,
+der Monarch genie&szlig;e ohne alle Kosten eine Zuneigung, die er sich
+in der Zivilisation nie zu erwerben verm&ouml;ge, wo er seine
+Sicherheit nur in der Umgebung von erkauften S&ouml;ldlingen zu
+glauben finde und doch nicht vor der Ermordung sicher sei.<a href="#Footnote_20"
+name="FNanchor_20" id="FNanchor_20"><sup>20</sup></a>
+
+</P><P>
+
+Die gro&szlig;e Ungleichheit der Verm&ouml;gen werde es gerade sein,
+die in der soziet&auml;ren Gesellschaft die Harmonie geb&auml;re; nur
+ein Schatten von Gleichheit hierin w&uuml;rde sie zerst&ouml;ren. Kein
+mittelreicher Mann werde deshalb den Ansto&szlig; geben, mehr zu
+&uuml;berlassen, als was das Minimum &uuml;berschreite. Es
+gen&uuml;ge, um einen solchen Akt des Wohlwollens begehen zu
+k&ouml;nnen, den Soziet&auml;ren das betr&auml;chtliche Einkommen, das
+ihnen die zugestandene Dividende aus den Aktien einbringe. So werde,
+den moralischen Diatriben gegen die gro&szlig;en Verm&ouml;gen zum
+Trotz, die Phalanx, wo die Ungleichheit des Verm&ouml;gens die
+gr&ouml;&szlig;te und best abgestufteste sei, die doppelte Harmonie,
+in Folge des Spiels der Impulse der Habsucht und der Gro&szlig;muth,
+am besten erreichen. &bdquo;Wie weit entfernt war doch die arme Moral, in
+das Geheimni&szlig; der Harmonie der Vertheilung, die f&uuml;r alle
+anderen Harmonien die Grundlage bildet, einzudringen.&ldquo; Und da griffen
+die Philosophen seine Theorie als bizarr und unbegreiflich an, die
+doch im Gegentheil gar nichts Willk&uuml;rliches habe, sondern auf
+unersch&uuml;tterlichen geometrischen Theorien aufgebaut sei. Man
+preise Newton als das gr&ouml;&szlig;te moderne Genie, weil er die
+Berechnung der Gesetze der Anziehung begonnen habe, worin er sich aber
+nur auf einen Zweig beschr&auml;nkte; warum unterdr&uuml;cke man da
+ihn, den Mann, der diese Berechnung fortgesetzt und sie vom
+materiellen auf das passionelle Gebiet, ein Zweig, der f&uuml;r die
+Menschheit sehr viel n&uuml;tzlicher sei, als den, welchen Newton
+behandelte, &uuml;bertragen habe. Es sei nichts, als die Furcht,
+da&szlig; diese von ihm begr&uuml;ndete neue Wissenschaft das
+Handelsgesch&auml;ft mit den philosophischen Systemen und B&uuml;chern
+sch&auml;dige.
+
+</P><P>
+
+Neben den bisher angef&uuml;hrten Faktoren, die nach Fourier
+eingreifen, um das Leben in der Phalanx zu einem m&ouml;glichst
+angenehmen zu gestalten, wirken noch solche, welche die gegenseitige
+Uebereinstimmung und die Vers&ouml;hnung der Klassen und
+Standesunterschiede herbeif&uuml;hren, so die Beziehungen, welche die
+Freundschaften zwischen Armen und Reichen und die Liebe zwischen
+Jungen und Alten herstellen wird. Die Zivilisation erzeuge zwar auch
+ausnahmsweise die eine oder die andere dieser Beziehungen, aber bei
+dem Mangel der Serien der Triebe k&ouml;nnten sie zu keinem System
+werden. Wie Freundschaften zwischen Arm und Reich in der Harmonie
+entstehen, ist schon ausgef&uuml;hrt worden. Die Beziehungen, welche
+die freie Liebe hervorruft, m&uuml;&szlig;ten in R&uuml;cksicht auf
+die ebenfalls schon erw&auml;hnten Vorurtheile der Zivilisirten
+uner&ouml;rtert bleiben, so sind nur die aus Ehrgeiz und der
+Vaterschaft sich ergebenden Verh&auml;ltnisse n&auml;her zu
+betrachten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In unserer Zivilisation herrscht unter den verschiedenen Klassen und
+Standesabstufungen &uuml;berall nur Ha&szlig; und Feindseligkeit oder
+Geringsch&auml;tzung. Der hohe Adel sieht auf den niederen, der Adel
+&uuml;berhaupt auf die Bourgeoisie, die Bourgeoisie wieder auf das
+Volk mit mehr oder weniger gro&szlig;er Feindseligkeit oder
+Geringsch&auml;tzung herab, und diese Gef&uuml;hle werden von unten
+nach oben erwidert. Innerhalb der einzelnen Schichten selbst giebt es
+wieder verschiedene Abstufungen, zwischen denen &auml;hnliche
+Gef&uuml;hle herrschen. Kurz, mit der s&uuml;&szlig;en
+Br&uuml;derlichkeit, welche die Moral und die Philosophie predigen,
+sieht es in der Wirklichkeit recht windig aus. Da verachtet der
+gro&szlig;e Kaufmann den kleinen, der Gelehrte den Nichtgelehrten, der
+B&uuml;rger den Bauern und Arbeiter. Aber wo das Merkenlassen dieser
+Gef&uuml;hle den Interessen schadet, versteckt man sie, und das nennt
+man dann Gewandtheit oder Klugheit <TT>(savoir faire)</TT>. Wo in der
+Zivilisation sich der H&ouml;here dem Niederen scheinbar
+freundschaftlich n&auml;hert, sind in der Regel Hintergedanken im
+Spiel und sie f&uuml;hren zum Ueblen und zu Unordnungen. So, wenn der
+Gro&szlig;e einer Frau aus dem Volke sich n&auml;hert, die Folge ist
+gew&ouml;hnlich ein Bastardkind; oder wenn wirklich Ehen stattfinden,
+f&uuml;hren sie zu Ueberwerfungen in der Familie. Betrifft es hingegen
+Sachen des Ehrgeizes, so handelt es sich um Wahlintriguen,
+Parteistreitigkeiten, B&uuml;ndnisse zur Unterdr&uuml;ckung. Und
+gleichwohl ist der Ehrgeiz in der Harmonie ein sehr geeignetes Mittel,
+alle widerstrebenden Elemente zu verbinden. Napoleon sagt man nach, er
+habe in Moskau eine Medaille pr&auml;gen lassen, welche die Inschrift
+enthielt: &bdquo;Der Himmel f&uuml;r Gott, die Erde f&uuml;r Napoleon.&ldquo; Das
+ist damals den Franzosen gar schrecklich vorgekommen. In Wahrheit hat
+er damit eine sehr vern&uuml;nftige Absicht, die Gr&uuml;ndung einer
+Weltmonarchie ausgesprochen. Dieser Gedanke ist durchaus korrekt und
+es ist nur zu bedauern, da&szlig; Napoleon ihn nicht verwirklichen
+konnte, er w&uuml;rde damit der neuen sozialen Ordnung wesentlich
+Vorschub geleistet haben. Gleiche Sprache, gleiche Schrift, gleiche
+Kommunikationsmittel, gleiches Geld, Ma&szlig; und Gewicht zu
+schaffen, gleiche Unternehmungen in Industrie, Handel und Verkehr,
+Wissenschaft und Kunst zu begr&uuml;nden und zu vollbringen, einen
+Weltmeridian aufzustellen, alles dem Menschen Sch&auml;dliche und
+Feindliche im Pflanzen- und Thierreich zu vernichten, das h&ouml;chste
+Wohlsein durch die Gr&uuml;ndung der Phalanxen auf dem ganzen Erdboden
+herbeizuf&uuml;hren und damit auch die Aenderung und Verbesserung der
+Temperaturen zu bewerkstelligen, das ist das Ziel der soziet&auml;ren
+Ordnung, und es werden mit dieser Ordnung die Weltmonarchie und die
+Territorialmonarchien &uuml;ber den ganzen Erdboden begr&uuml;ndet
+werden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+K&uuml;nftig k&ouml;nnten also Mann wie Frau ihren Ehrgeiz darauf
+richten, Herrscher oder Herrscherin der Welt oder einer der
+Territorialmonarchien zu werden, und f&uuml;r einen politischen
+Eunuchen gelte, wessen Ehrgeiz sich mit Geringerem begn&uuml;ge. Diese
+Ansicht scheine bizarr, sie sei es aber nicht, denn nichts sei
+leichter in der soziet&auml;ren Ordnung, &bdquo;als C&auml;sar und Pompejus
+zu vers&ouml;hnen&ldquo;. C&auml;sar und Pompejus k&ouml;nnten an demselben
+Ort in ganz verschiedenen W&uuml;rden nebeneinander regieren. Giebt es
+doch nicht weniger als sechszehn verschiedene Szepter und eine
+gro&szlig;e Auswahl von W&uuml;rden und Titeln. Da giebt es
+W&uuml;rden und Titel f&uuml;r die Erblichkeit, die Adoption, den
+Favoritismus, das Vestalat u.&nbsp;s.&nbsp;w. Alle diese Szepter, W&uuml;rden,
+Titel, Grade, er&ouml;ffnen sich Jedem. &bdquo;Kennt der Monarch in der
+Zivilisation nur den legitimen Erben, in der Harmonie wird er auch das
+Recht der Adoption haben, eine Freiheit, deren er bei uns beraubt ist
+und ihm nicht selten den Lebensabend verbittert. Auch kann der
+Souver&auml;n wie die Souver&auml;nin, um der Erblichkeit zu
+gen&uuml;gen, sich eine Zeugerin oder einen Zeuger w&auml;hlen; ferner
+jeder Monarch kann Nachfolger bestimmen, welchen er nur bestimmte
+Funktionen, also einen Theil seiner Regierungsgewalt
+&uuml;bertr&auml;gt. Die Harmonisten k&ouml;nnen alle neu
+gegr&uuml;ndeten Throne durch Wahl aus ihrer Mitte besetzen, dagegen
+k&ouml;nnen die erblichen Throninhaber und Throninhaberinnen ihre
+vollen oder Theilnachfolger, wie ihre eigenen Gatten und Gattinnen
+nach Wahl sich aussuchen. Welche Aussichten er&ouml;ffnen sich da
+f&uuml;r V&auml;ter und M&uuml;tter, f&uuml;r junge M&auml;nner und
+junge M&auml;dchen! Und welcher Ausblick f&uuml;r sch&ouml;ne,
+liebensw&uuml;rdige Frauen, deren Aussichten, einen Thron zu erobern,
+in unserer Zivilisation so geringe sind. Welche Mittel immer sie in
+Anwendung bringen, ein gestecktes Ziel zu erreichen: Unschuld, Talent,
+Sch&ouml;nheit, Liebensw&uuml;rdigkeit, Gef&auml;lligkeit, alles ist
+ihnen erlaubt, sie schaden Niemand damit. Welch m&auml;chtige Mittel,
+das Volk an die Gro&szlig;en zum Anschlu&szlig; zu bringen und alle
+Quellen des Hasses, der Feindseligkeit, der Mi&szlig;gunst zu
+verstopfen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Zu diesen Anziehungs- und Auss&ouml;hnungsmitteln zwischen Hoch und
+Niedrig kommt in der Phalanx auch noch das Mittel der Vaterschaft, ein
+Thema, das etwas schwierig zu behandeln ist, weshalb es sich
+empfiehlt, die Thatsachen statt der Prinzipien sprechen zu lassen. Man
+vergesse nicht, da&szlig; in Folge der vern&uuml;nftigen und
+naturgem&auml;&szlig;en Lebensweise der Harmonisten auch die
+Langlebigkeit in der Phalanx herrscht; unter je zw&ouml;lf Personen
+giebt es <TT>mindestens</TT> eine, welche ein Alter von 150 Jahren
+erreicht. Nehmen wir des Beispiels halber Einen dieser Aeltesten.
+Ithuriel, ein sehr reicher Mann, der 150 Jahre z&auml;hlt, sieht auf
+sieben Generationen herab. Er hat 120 direkte Nachkommen, welche er in
+seinem Testament zu bedenken gewillt ist. Die n&auml;chsten
+Nachkommen, ein Sohn und eine Tochter, welche schon reich sind,
+bedenkt er nur mit einem kleinen Theil seines Verm&ouml;gens, die
+n&auml;chstfolgenden bedenkt er etwas mehr. Er giebt aber auch der
+sechsten und siebenten Generation erhebliche Antheile, damit sie nicht
+in Versuchung kommen, den Tod &auml;lterer Verwandten zu
+w&uuml;nschen. Er verbraucht f&uuml;r diese Verm&auml;chtnisse die
+H&auml;lfte seines Verm&ouml;gens. Die anderen beiden Viertel legirt
+er dergestalt, da&szlig; ein Viertel auf hundert Adoptirte kommt, das
+andere Viertel an hundert Freunde und Seitenverwandte f&auml;llt,
+darunter seine Frauen, die selbst reich sind und keiner
+gr&ouml;&szlig;eren Erbschaften bed&uuml;rfen. Diese einzige Erbschaft
+umfa&szlig;t also direkt und indirekt einen gro&szlig;en Theil der
+Mitglieder der Phalanx. Da viele Frauen und M&auml;nner in der
+gleichen Lage wie Ithuriel sind, werden sie in &auml;hnlicher Weise
+testiren und es geht schlie&szlig;lich Niemand leer aus.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da kommt die Moral und predigt, wir sollten uns Alle als eine Familie
+von Br&uuml;dern und Schwestern betrachten. Leeres Geschw&auml;tz.
+Kann Lazarus, ein armer junger Mann, den reichen Patriarchen Ithuriel
+als seinen Bruder betrachten? Wenn er in der Zivilisation auf ihn
+spekuliren wollte, bek&auml;me er nichts. Aber in der Phalanx ist er
+vielleicht einer seiner entfernten Nachkommen, oder ein
+Seitenverwandter, oder einer der Adoptirten; sicher braucht er sich
+nicht wie sein Namensvetter in der Bibel mit den Brosamen zu
+begn&uuml;gen, die von der Reichen Tische fielen. Es giebt in der
+Phalanx f&uuml;r ihn eine Menge Gelegenheiten, zu Ansehen und
+Beliebtheit und damit unzweifelhaft auch zu Wohlhabenheit zu kommen.
+Schlie&szlig;lich ist in der Phalanx, wo die Arbeit Jedem sein
+Wohlsein garantirt, Niemand auf die Erbschaftslungerei angewiesen, wie
+dies in der Zivilisation so gew&ouml;hnlich ist, wo der Tod des
+Erblassers nicht erwartet werden kann. Und andererseits, wie darf ein
+Vater in der Zivilisation es wagen, auch den Gef&uuml;hlen der
+Philanthropie und der Freundschaft Rechnung zu tragen, ohne das
+Mi&szlig;fallen und selbst die Erbitterung seiner direkten Nachkommen
+zu erregen?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der soziet&auml;ren Ordnung wird also auch die Frage gel&ouml;st,
+wie kann zwischen Testator und Erben ein Verh&auml;ltni&szlig;
+hervorgerufen werden, das die Zuneigung der Erben dem Erblasser
+erh&auml;lt, sie veranla&szlig;t, ihm die Verl&auml;ngerung des Lebens
+zu w&uuml;nschen, dessen Ende heute in den meisten F&auml;llen
+ungeduldig erwartet wird.&ldquo;
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Alle Schriftsteller, alte wie neuere, die sich bisher eingehend mit
+den sozialen Fragen besch&auml;ftigten, konnten nicht umhin, auch die
+Bev&ouml;lkerungsfrage in den Kreis ihrer Er&ouml;rterungen zu ziehen,
+so auch Fourier. Fourier mu&szlig;te dies um so mehr, als er einen
+in's kleinste Detail ausgearbeiteten Organisationsplan f&uuml;r die
+ganze Erde entwarf, eine Organisation, welche die Grundlage f&uuml;r
+alle weitere Entwicklung der Menschheit bilden sollte. Wer so f&uuml;r
+die Zukunft sorgt, mu&szlig; auch die Bev&ouml;lkerungsfrage seiner
+Pr&uuml;fung unterziehen und eine L&ouml;sung f&uuml;r sie finden. Wie
+in allen &uuml;brigen Fragen, so geht auch hier Fourier seinen eigenen
+Weg. Seine Ansichten sind um so interessanter, als in der Zeit seines
+ersten schriftstellerischen Auftretens die Schrift von Malthus
+&uuml;ber die Bev&ouml;lkerungstheorie bereits erschienen war und pro
+und kontra in den interessirten Kreisen lebhaft er&ouml;rtert wurde.
+Malthus stellte, sich anlehnend an &auml;ltere Schriftsteller,
+bekanntlich die Theorie auf, da&szlig; die Menschheit die Tendenz
+habe, sich in geometrischer Progression, also in dem
+Zahlenverh&auml;ltni&szlig; 1, 2, 4, 8, 16, 32 u.&nbsp;s.&nbsp;w. zu vermehren,
+dagegen die Nahrungsmittel die Tendenz h&auml;tten, sich in
+arithmetischer Progression zu vermehren 1, 2, 3, 4, 5 u.&nbsp;s.&nbsp;w. Aus
+diesen beiden sich widersprechenden Tendenzen folge, da&szlig; in
+kurzer Zeit &mdash; Malthus setzte einen Zeitraum von 25 Jahren
+voraus, die gen&uuml;gten, um die Verdoppelung der Menschenzahl
+herbeizuf&uuml;hren &mdash; die Erde so &uuml;berv&ouml;lkert sei,
+da&szlig; die Menschen an Nahrungsmangel zu Grunde gehen
+m&uuml;&szlig;ten. Malthus betrachtete es als &bdquo;g&ouml;ttliche
+Bestimmung&ldquo;, da&szlig; Alle, die am Gastmahl des Lebens keinen Platz
+f&auml;nden, zu verhungern h&auml;tten; das sei der nat&uuml;rliche
+Lauf der Entwicklung, so nur werde Raum f&uuml;r die Nachkommenden
+geschaffen. Diese brutale Theorie, welche der herrschenden Klasse das
+Gewissen erleichterte, fand bei dem Einen ebenso lebhaften Anklang,
+als bei dem Andern Widerspruch. Man wandte ein, da&szlig; die
+Erfahrung die Theorie nicht rechtfertige, weder habe die
+Bev&ouml;lkerungszahl in dem angegebenen Ma&szlig;stab bisher sich
+vermehrt, noch sei nachzuweisen, da&szlig; die Vermehrung der
+Nahrungsmittel in den gezogenen Grenzen sich bewege. Trete
+&uuml;berhaupt einmal Ueberv&ouml;lkerung ein, dann geschehe es in
+einer f&uuml;r die jetzigen und die nachfolgenden Generationen so
+fernen Zeit, da&szlig; die Frage jedes akute Interesse verliere.
+U.&nbsp;s.&nbsp;w.
+
+</P><P>
+
+Fourier fa&szlig;t die Frage an einem anderen Ende an. Zun&auml;chst
+wirft er den Politikern und Oekonomen vor, da&szlig; sie durch ihre
+Inkonsequenzen und Unbesonnenheiten &uuml;berhaupt
+&uuml;bers&auml;hen, das Verh&auml;ltni&szlig; der Bev&ouml;lkerung
+als Konsumenten zu der Zahl der vorhandenen produktiven Kr&auml;fte
+n&auml;her zu bestimmen, da es darauf vor Allem ankomme. Er huldigt
+also dem Grundsatz, steigende Produktivkr&auml;fte schaffen steigendes
+Produkt, beides steht im Verh&auml;ltni&szlig; zueinander. &bdquo;Vergebens
+werde die Zivilisation Mittel zu entdecken suchen, eine vier- selbst
+hundertfache Vermehrung des Produkts zu erzielen, wenn die Menschen
+verurtheilt seien, sich unter dem bisherigen sozialen Zustand zu
+vermehren, der in Folge un&ouml;konomischer Verwendung die
+Gesellschaft zwinge, best&auml;ndig das drei- und vierfache Produkt
+aufzuh&auml;ufen, um das gewohnte graduirte Auskommen der
+verschiedenen Klassen zu erm&ouml;glichen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Zu allen Zeiten sei in der Zivilisation die Ausgleichung der
+Bev&ouml;lkerung im Verh&auml;ltni&szlig; zu den Nahrungsmitteln eine
+der Klippen der Politik gewesen. Schon die Alten, die ringsum sich so
+viel unkultivirte Regionen liegen sahen, die der Kolonisirung
+f&auml;hig waren, h&auml;tten gegen die Ueberv&ouml;lkerung kein
+anderes Mittel als Aussetzung, Kindest&ouml;dtung, Erw&uuml;rgung der
+&uuml;bersch&uuml;ssigen Sklaven gehabt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Darin zeichneten sich die tugendhaften Spartaner besonders aus. Die
+r&ouml;mischen B&uuml;rger, die so stolz auf den Namen freier
+M&auml;nner, aber weit entfernt waren, gerechte M&auml;nner zu sein,
+vergn&uuml;gten sich, ihre Sklaven in den Kampfspielen zu Grunde gehen
+zu sehen ... Neuerdings haben sich Stewart, Wallace und Malthus
+&uuml;ber die Frage ausgelassen. Stewart stellt die Frage, woher man
+auf einer Insel die Lebensmittel nehmen wolle, wenn die
+Bev&ouml;lkerung von 1000 auf 10.000 oder gar 20.000 sich vermehre,
+w&auml;hrend die Insel gut kultivirt nur f&uuml;r 1000 Nahrung habe.
+Darauf hat man geantwortet: man m&uuml;sse alsdann den
+Ueberschu&szlig; fortsenden und anderw&auml;rts weiter kolonisiren.
+Damit ist aber die Frage umgangen. Wie dann, wenn der ganze Globus so
+bev&ouml;lkert ist, da&szlig; f&uuml;r den Ueberschu&szlig; nichts
+mehr zu kolonisiren &uuml;brig bleibt? Man antwortete, und darin
+stimmen auch die Owenisten ein, da&szlig; die Erde noch nicht
+&uuml;berv&ouml;lkert sei und es noch wenigstens 300 Jahre dauere, ehe
+dieser Zeitpunkt komme. Das ist ein Irrthum, denn schon nach 150
+Jahren ist die Erde &uuml;berv&ouml;lkert. Auf alle F&auml;lle ist
+nach 150 oder 300 Jahren die Frage brennend und nicht gel&ouml;st,
+wenn man bei den jetzigen Anschauungen und Mitteln bleibt. Nun, die
+soziet&auml;re Ordnung hat sehr wirksame Mittel, die
+Ueberv&ouml;lkerung zu verh&uuml;ten und sie auf dem rechten Stande zu
+erhalten. Es sind ungef&auml;hr f&uuml;nf Milliarden, die
+ausk&ouml;mmlich existiren k&ouml;nnen, wenn der ganze Erdboden mit
+Phalanxen bedeckt ist und die von mir vorausgesehenen klimatischen
+Verbesserungen eintreten, im anderen Falle ern&auml;hrt er nur drei
+Milliarden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Im soziet&auml;ren Zustand stellt die Natur der exzessiven Vermehrung
+der Bev&ouml;lkerung vier wirksame D&auml;mme entgegen: 1. die
+gr&ouml;&szlig;ere Kraft und K&ouml;rperentwicklung der Frauen; 2. die
+&uuml;ppige Lebensweise; 3. die phanegoramischen Sitten; 4. die
+gleichm&auml;&szlig;ige k&ouml;rperliche Uebung aller Kr&auml;fte. Was
+die gro&szlig;e K&ouml;rperentwicklung bewirkt, das sehen wir bei den
+starken Frauen in unseren St&auml;dten; auf vier Frauen, die
+&uuml;berhaupt unfruchtbar sind, kommen drei robuste, wohingegen die
+zarten Frauen von der gr&ouml;&szlig;ten Fruchtbarkeit sind. Man
+antwortet, da&szlig; die Frauen auf dem Lande meist robust und doch
+fruchtbar seien. Das ist richtig, aber das ist nur ein Beweis mehr,
+da&szlig; alle vier Mittel kombinirt angewendet und miteinander
+verkettet werden m&uuml;ssen. Die Frauen auf dem Lande sind fruchtbar,
+weil sie m&auml;&szlig;ig leben und eine grobe, haupts&auml;chlich
+vegetabilische Nahrung zu sich nehmen. Die St&auml;dterinnen leben
+&uuml;ppiger und raffinirter und daher kommt ihre gr&ouml;&szlig;ere
+Unfruchtbarkeit. Verbindet sich nun in der Harmonie die
+k&ouml;rperliche Kraftentwicklung der Frauen mit &uuml;ppiger
+Lebensweise und Nahrung, so wird man zwei wirksame Mittel, die der
+Fruchtbarkeit entgegenwirken, verbunden haben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Zu den phanegoramischen Mitteln &uuml;bergehend, l&auml;&szlig;t
+Fourier aus naheliegenden Gr&uuml;nden eine L&uuml;cke. Das vierte
+Mittel, die gleichm&auml;&szlig;ige k&ouml;rperliche Uebung, werde
+durch den h&auml;ufigen Wechsel der Besch&auml;ftigungen und die
+kurzen Arbeitssitzungen in hohem Ma&szlig;e bewirkt. Man habe nie
+beobachtet, wie auf Pubert&auml;t und Fruchtbarkeit k&ouml;rperliche
+Uebungen einwirkten. Dies sei frappant. Daher erlangten unsere
+D&ouml;rflerinnen sp&auml;ter die Geschlechtsreife als die
+St&auml;dterinnen oder die reichen Landbewohnerinnen. Die
+Fruchtbarkeit sei den Einfl&uuml;ssen k&ouml;rperlicher Uebungen
+gleichfalls unterworfen. Seien die k&ouml;rperlichen Uebungen
+gleichm&auml;&szlig;ig und w&uuml;rden sie abwechselnd und
+proportionell auf alle Theile des K&ouml;rpers angewandt, so sei kein
+Zweifel, da&szlig; die Geschlechtsorgane sich sp&auml;ter
+entwickelten. Das sehe man &uuml;berall, wo die Erziehung vorzugsweise
+auf die geistige und wo sie haupts&auml;chlich auf die k&ouml;rperliche
+Entwicklung gerichtet werde. Kinder von hoher Geburt &uuml;bten den
+Geist mehr als den K&ouml;rper, daraus resultire, da&szlig; ihre
+geschlechtlichen Eigenschaften m&auml;chtig angefeuert w&uuml;rden und
+fr&uuml;hzeitig sexuelle Eruptionen vorzeitige Geschlechtsreife
+erzeugten.
+
+</P><P>
+
+In der Harmonie werde das Gegentheil eintreten. Die Harmonisten
+w&uuml;rden noch sp&auml;ter als die heutigen Landbewohner ihre
+Geschlechtsreife erlangen, weil die fortgesetzten und abwechselnden
+k&ouml;rperlichen Uebungen alle Glieder in Anspruch n&auml;hmen, lange
+Zeit die Lebenss&auml;fte absorbirten; sie w&uuml;rden also den
+Augenblick verz&ouml;gern, wo in Folge ermangelnder Absorption der
+Ueberschu&szlig; der S&auml;fte unvermuthet die Pubert&auml;t vor dem
+von der Natur gewollten Zeitpunkt herbeif&uuml;hre. Ebenso w&uuml;rden
+die gleichm&auml;&szlig;ig gehandhabten gymnastischen Uebungen bei den
+Frauen die Fruchtbarkeit hemmen und zwar in solchem Ma&szlig;e,
+da&szlig; eine Frau, welche die Empf&auml;ngni&szlig; w&uuml;nsche,
+sich nun umgekehrt durch Enthaltung k&ouml;rperlicher Uebungen und
+gr&ouml;&szlig;erer industrieller Anstrengungen auf diesen Zustand
+vorbereiten m&uuml;sse. Die allzugro&szlig;e k&ouml;rperliche Ruhe in
+der Lebensweise der heutigen St&auml;dterinnen sei es haupts&auml;chlich,
+welche den Geschlechtstrieb und die Empf&auml;nglichkeit steigerten,
+es fehle das Gegengewicht der k&ouml;rperlichen Anstrengungen und
+Uebungen.
+
+</P><P>
+
+Wende man also die vier bezeichneten Mittel in Verbindung miteinander
+an, so w&uuml;rden die Chancen der Fruchtbarkeit im Gegensatz zu heute
+sich wenden und es sei statt eines Ueberschusses eher ein Defizit in
+der Bev&ouml;lkerungsentwicklung zu f&uuml;rchten, man werde mithin
+die Mittel anwenden, wie die Umst&auml;nde sie erforderten. Man sei
+also in der Harmonie im Stande, ein Gleichgewicht zwischen der Menge
+der Lebensmittel und der Menschenzahl herbeizuf&uuml;hren. Der
+vern&uuml;nftige Mann habe nur so viel Kinder, da&szlig; er ihnen das
+n&ouml;thige Verm&ouml;gen sichern k&ouml;nne, ohne welches es kein
+Gl&uuml;ck gebe, nur der unvern&uuml;nftige setze die Kinder zu
+Dutzenden in die Welt, sich entschuldigend wie jener Schah von
+Persien: &bdquo;Gott schickt sie und es kann nie zu viel rechtschaffene
+Menschen geben.&ldquo; Der soziale Mensch sinke auf die Stufe der Insekten,
+wenn er ameisenartig Kinder zeuge, die schlie&szlig;lich in Folge
+ihrer Ueberzahl gen&ouml;thigt seien, sich gegenseitig aufzuzehren.
+Wenn sie dies nicht buchst&auml;blich wie die Insekten, Fische, wilden
+Thiere machten, so zehrten sie sich politisch auf, durch
+R&auml;ubereien, Kriege und Perfidien aller Art in der besten der
+Welten. Unter der Zivilisation werde ein Land, wie bev&ouml;lkert es
+auch sei, nie dazu gelangen, es wahrhaft zu kultiviren, das zeige sich
+an Frankreich, dessen Boden zu einem Drittel brach liege, an Irland,
+das zwar nicht das bev&ouml;lkertste Land, dessen Bev&ouml;lkerung
+aber die &auml;rmste und verkommenste in Europa sei, trotzdem
+fruchtbares Land in H&uuml;lle und F&uuml;lle vorhanden sei.
+
+</P><P>
+
+So zeige sich &uuml;berall, da&szlig; das Gleichgewicht auf
+umfassender Entwicklung und nicht auf Erstickung begr&uuml;ndet sein
+m&uuml;sse, da&szlig; alle Neigungen wie der Hang nach Reichthum, nach
+Befriedigung des Ehrgeizes, Herrschaftsgel&uuml;ste, Habsucht, Gier
+nach Erbschaft, Verlangen nach Befriedigung der Liebesbed&uuml;rfnisse
+und was sonst noch die Zivilisation Alles als Fehler und Uebel ansehe,
+welche die Natur des Menschen erzeuge, ohne sie befriedigen zu
+k&ouml;nnen, in der Harmonie eben so viel Wege der Tugend und des
+allgemeinen Gl&uuml;ckes w&uuml;rden. Das gen&uuml;ge wohl, um die
+sogenannten starken Geister, die stets behaupteten, da&szlig; die
+Bewegung und die Triebe nur Wirkungen des Zufalls seien, die man
+beliebig modeln und unterdr&uuml;cken k&ouml;nne, und die den Glauben
+erweckten, als bed&uuml;rfe Gott der Unterweisungen eines Plato und
+Seneka, um zu wissen, wie er die Welten zu schaffen und die Triebe in
+Harmonie zu leiten habe, zu verwirren.
+
+</P><P>
+
+Unzweifelhaft liegt der Idee Fourier's in Bezug auf das
+Bev&ouml;lkerungsgesetz eine gro&szlig;artige und fruchtbare
+Auffassung zu Grunde. Er erkl&auml;rt mit vollem Recht, da&szlig; die
+Zivilisation, in unserer Sprache ausgedr&uuml;ckt die b&uuml;rgerliche
+Gesellschaft, wie sie &uuml;berhaupt unf&auml;hig ist, die sozialen
+Gegens&auml;tze aufzuheben, auch unf&auml;hig ist, die
+Bev&ouml;lkerungsfrage zu l&ouml;sen. Das zeigt sich nicht nur an dem
+auch von Fourier angef&uuml;hrten klassischen Beispiel, an Irland,
+dessen Bev&ouml;lkerung in demselben Ma&szlig;e &auml;rmer wird, als
+sie an Zahl im Lande abnimmt, w&auml;hrend die Zahl der unter den
+Pflug genommenen Acker Landes und die H&auml;upterzahl der Viehherden
+w&auml;chst; wir sehen ganz Aehnliches gegenw&auml;rtig auch in Ungarn
+und in Ru&szlig;land sich vollziehen, wo die b&uuml;rgerliche
+Raubwirthschaft an Grund und Boden die Massenverarmung, die steigende
+Verschuldung und die Verminderung der ackerbautreibenden
+Bev&ouml;lkerung, verbunden mit Massenbankerotten im Gefolge hat. Und
+geht die Entwicklung in der gegenw&auml;rtigen Richtung noch einige
+Jahrzehnte weiter, so werden die Vereinigten Staaten, Ostindien und
+Neuholland dasselbe Bild uns bieten. Die Raubwirthschaft an Grund und
+Boden beg&uuml;nstigt die treibhausm&auml;&szlig;ige Entwicklung der
+Industrie und des Verkehrs, und so erzeugt, wie Fourier vollkommen
+richtig und seiner Zeit weit vorauseilend ausf&uuml;hrte, <i>&bdquo;die
+Zivilisation die Armuth aus dem Ueberflu&szlig;,&ldquo;</i> und macht &bdquo;jedes
+Uebel und jedes Laster, das die Barbarei nur auf einfache Weise
+aus&uuml;bt, zu einem doppelseitigen,&ldquo; sie geht an ihrem <TT>cercle
+vicieux</TT>, an ihren inneren Widerspr&uuml;chen zu Grunde. Was
+Fourier vorausahnend in Bezug auf das Bev&ouml;lkerungsgesetz zu
+begr&uuml;nden versuchte, hat Karl Marx positiv in den Satz formulirt:
+da&szlig; jede &ouml;konomische Entwicklungsperiode auch ihr
+besonderes, ihr eigenth&uuml;mliches Bev&ouml;lkerungsgesetz hat.
+
+</P><P>
+
+In der That wird Niemand, der die gesellschaftliche Entwicklung in
+ihren verschiedenen Entwicklungsphasen einigerma&szlig;en verfolgte
+&mdash; Wildheit, Barbarei, Patriarchat, Zivilisation, und hier wieder
+antiker, feudaler, b&uuml;rgerlicher Staat &mdash; bestreiten
+k&ouml;nnen, da&szlig; die jeweilige Entwicklung der Eigenthumsformen,
+der materiellen Lebensbedingungen der Gesellschaft, auch in jeder
+Periode entsprechende Bev&ouml;lkerungszust&auml;nde schaffte. So wird
+auch eine sozialistische Gesellschaft mit von Grund aus
+ver&auml;nderter materieller Lage f&uuml;r die Gesammtheit und mit
+ihren Ver&auml;nderungen in den Beziehungen der Geschlechter ein von
+der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft abweichendes Bev&ouml;lkerungsgesetz
+f&uuml;r ihre Entwicklung haben. Der Unterschied wird haupts&auml;chlich
+sein, da&szlig;, w&auml;hrend bisher alle Gesellschaftsordnungen sich
+ihre Lebensbedingungen schufen, ihrer eignen treibenden Gesetze
+unbewu&szlig;t, aber auch die Bedingungen ihres Untergangs
+unbewu&szlig;t erzeugten, eine sozialistische Gesellschaft sowohl ihr
+Entwicklungsgesetz wie ihr Bev&ouml;lkerungsgesetz erkennt und beide
+bewu&szlig;t anwenden wird; sie wird sich &uuml;ber ihre eigene
+Zukunft ebensowenig wie &uuml;ber den einstmaligen Untergang des
+Menschengeschlechts t&auml;uschen.
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Nach Fourier's Auffassung ist die Welt einheitlich organisirt, Alles
+verbunden und in Beziehungen zu einander. Der Sch&ouml;pfer dieser
+Welt ist Gott, aber der eigentliche Mittelpunkt derselben ist der
+Mensch. Zwischen Gott und dem Menschen bestehen die innigsten
+Wechselbeziehungen, und will der Mensch das Gl&uuml;ck, das seine
+Bestimmung ist, erreichen, mu&szlig; er Gott als den obersten Leiter
+der Welt anerkennen. Diese Erkenntni&szlig; hat man aber von Alters
+her zu verhindern gesucht. Man hatte sich gew&ouml;hnt, die Welt mit
+35.000 G&ouml;ttern zu bev&ouml;lkern, statt den einen Gott
+anzuerkennen. Das war eine himmlische Maskerade, unter welcher es
+schwierig war, die wahren Absichten Gottes zu entschleiern. Selbst
+Sokrates und Cicero beschr&auml;nkten sich darauf, sich in ihrem
+Jahrhundert von diesen G&ouml;ttersottisen zu isoliren und den
+&bdquo;unbekannten Gott&ldquo; zu verherrlichen, ohne weitere Untersuchungen
+anzustellen, die dem Geist der Zeit entgegen waren. Sokrates ward ein
+Opfer seiner Bekenntnisse.
+
+</P><P>
+
+Heute, nachdem der Christianismus uns zu gesunden Ideen wieder
+zur&uuml;ckgef&uuml;hrt, zu dem Glauben an einen einzigen Gott, seien
+jene Superstitionen zerst&ouml;rt. Die menschliche Vernunft m&uuml;sse
+anerkennen, da&szlig; alle Erleuchtung von Gott komme, sie m&uuml;sse
+sich seinem Geist unterwerfen, und also bleibe nur &uuml;brig zu
+bestimmen, welch wesentliche Charaktereigenschaften, Attribute,
+Ansichten und Methoden Gott in Bezug auf die Harmonie des Weltalls
+habe.
+
+</P><P>
+
+Die Antwort auf die Frage Feuerbach's: &bdquo;Wer hat Gott geschaffen?&ldquo;,
+Antwort: &bdquo;der Mensch&ldquo;, trifft schlagend hier bei Fourier zu, der sich
+seinen Gott konstruirt, wie er ihn f&uuml;r sein soziales System
+braucht.
+
+</P><P>
+
+Dieser sein Gott hat f&uuml;nf wesentliche Eigenschaften, die ihn zu
+der ihm zugedachten Stelle bef&auml;higen. Er ist alleiniger und
+vollkommener Leiter aller Bewegung im Weltall; denn, sagt Fourier,
+wenn Gott, dieser oberste Leiter, der alleinige Herr des Universums,
+der Sch&ouml;pfer und Vertheiler von und f&uuml;r Alles ist, so hat er
+auch alle Theile des Weltalls zu lenken und besonders die
+<i>wichtigsten,</i> die sozialen Beziehungen. Also ist er der soziale
+Gesetzgeber und nicht die Menschen. Letztere haben nur das soziale
+Gesetz zu suchen, das Gott ihnen bestimmte. Da erhebe nun die
+Philosophie ihr Geschrei und setze sich, d.&nbsp;h. also die menschliche
+Vernunft, an die erste, und Gott an die zweite Stelle. Das bedeute,
+da&szlig; sie Gott von der Pr&auml;rogative der Gesetzgebung in Sachen
+der sozialen Ordnung ausschlie&szlig;e und sich an seine Stelle setze.
+Wem leuchte nicht diese Anma&szlig;ung ein? Eine zweite
+Haupteigenschaft Gottes sei, oberster Oekonom aller H&uuml;lfsmittel
+zu sein. Diese Stellung erfordere, da&szlig; er die gr&ouml;&szlig;ten
+soziet&auml;ren Vereinigungen den kleinsten, wie der Familie und der
+isolirten Privatwirthschaft vorziehe, da&szlig; er ferner als Motor
+die Anziehung der Triebe anwende, welche zw&ouml;lf gro&szlig;e
+Ersparungen im Vergleich zu dem Regime der Einschr&auml;nkung und des
+Zwangs, wie es die Zivilisation besitze, erm&ouml;gliche. Diese
+zw&ouml;lf Ersparungen z&auml;hlt er auf. Die dritte Haupteigenschaft
+Gottes bilde die distributive Gerechtigkeit. Davon sehe man nicht
+einmal einen Schatten in der Zivilisation, <i>wo das Elend der
+V&ouml;lker in demselben Ma&szlig;e wachse, wie die Industrie
+zunehme.</i> Das erste Zeichen von Gerechtigkeit in der Zivilisation
+solle ein dem Volk garantirtes Minimum des Lebensunterhaltes sein.
+Aber statt dessen sehe man das Gegentheil. Der Handelsgeist f&uuml;hre
+dahin, die hei&szlig;e Zone mit ihren den Heimathl&auml;ndern
+entrissenen schwarzen Sklaven, die gem&auml;&szlig;igte Zone mit
+wei&szlig;en Sklaven zu bedecken, die man in die industriellen Bagnos
+(die Fabriken) zwinge. Wo sei auch nur ein Funke von Gerechtigkeit
+vorhanden, wenn trotz des Wachsthums der Industrie den Armen nicht
+einmal die M&ouml;glichkeit, Arbeit zu erhalten, garantirt sei? Wo
+diese Zust&auml;nde hintrieben, sehe man an England. Die distributive
+Gerechtigkeit, die Gott wolle, gebe es nur in der Harmonie.
+
+</P><P>
+
+Die vierte Haupteigenschaft Gottes sei die Allgemeinheit der
+Vorsehung. Sie m&uuml;sse sich auf alle V&ouml;lker, Wilde wie
+Zivilisirte, ausdehnen. Da nun die Annahme unserer sozialen Ordnung
+von Wilden und Barbaren verweigert werde, so sei dies ein Beweis,
+da&szlig; diese Ordnung nicht den Ansichten Gottes entspreche, welcher
+ein System wolle, das die Harmonie unter allen Menschen herstelle.
+Jede Ordnung aber, die auf Gewalt beruhe, widerspreche der
+menschlichen Natur. Jede Klasse, die wie die Sklaven, durch das
+heutige System direkt, oder wie die Arbeiter indirekt unterdr&uuml;ckt
+w&uuml;rde, sei der St&uuml;tze der Vorsehung beraubt, die auf der
+Erde durch die Anziehung der Triebe in den industriellen Anwendungen
+allein zur Geltung komme. Jeder Zustand, der auf der Gewalt beruhe,
+sei den Ansichten Gottes entgegen, es m&uuml;sse also eine soziale
+Ordnung hergestellt werden, vor der alle V&ouml;lker und alle Klassen
+sich neigten, wenn die Vorsehung universell sein solle. Endlich, die
+f&uuml;nfte Haupteigenschaft Gottes sei, als Sch&ouml;pfer des
+Weltalls auch die Einheitlichkeit des Systems zu wollen, welche die
+Anwendung der Anziehung als Triebfeder f&uuml;r alle sozialen
+Harmonien und alle Welten voraussetze, von den Sternen bis zu den
+Insekten. Es sei also das Studium der Anziehung, in dem man das
+g&ouml;ttliche, das ganze All beherrschende Gesetz zu suchen habe.
+Weder Voltaire noch Rousseau seien im Stande gewesen, dieses soziale
+Gesetz zu entdecken; Voltaire habe in Gasconaden (prahlerischen
+Redensarten) sich ergangen, Rousseau habe dem philosophischen
+Obskurantismus die Wege gebahnt, Beide h&auml;tten das Ziel verfehlt.
+
+</P><P>
+
+Fourier greift also direkt die beiden Heiligen der franz&ouml;sischen
+Bourgeoisie an: Voltaire, der die Macht des Klerus und der Kirche wie
+kein Zweiter untergrub und ersch&uuml;tterte, und Rousseau, der das
+sozial-philosophische Lehrgeb&auml;ude errichtete, dessen Theorien das
+franz&ouml;sische B&uuml;rgerthum in der gro&szlig;en Revolution in
+die Praxis umzusetzen versuchte und, soweit auch wirklich umsetzte,
+als dies die Praxis des Lebens, d.&nbsp;h. die materiellen Interessen der
+nunmehr in Staat und Gesellschaft zur Herrschaft gekommenen Klasse
+zulie&szlig;en. In der Selbstt&auml;uschung befangen, nagelte man als
+Firmenschild die Devise: Freiheit, Gleichheit, Br&uuml;derlichkeit an,
+jene Devise, die in so grellem Kontrast zur Wirklichkeit stand und
+deren unbegreiflicher Widerspruch mit den Thatsachen die K&auml;mpfe
+in der Konstituante und im Konvent hervorriefen, die
+Schreckensherrschaft der &bdquo;Tugendhaftesten&ldquo;, der blindesten Verehrer
+Jean Jacques Rousseau's, der Robespierre, St. Just und Genossen
+gebaren und schlie&szlig;lich mit der Diktatur eines Napoleon
+Bonaparte endeten und enden mu&szlig;ten. Diesen Widerspruch zwischen
+den Theorien und der Praxis hatte Fourier so scharf wie nur noch
+Einer, St. Simon, erkannt und daher seine Angriffe und sein
+&auml;tzender Spott gegen die Philosophen, die Moralisten, die
+Metaphysiker, die Politiker und Oekonomen, die geistigen Tr&auml;ger
+und Lobredner, die Ideologen des b&uuml;rgerlichen Systems.
+
+</P><P>
+
+Wie nun Fourier das Bed&uuml;rfni&szlig; empfand, sein soziales System
+als mit den Absichten Gottes in Einklang stehend darzustellen, sich
+selbst als den Propheten der neuen von Gott gewollten Ordnung
+anzusehen, so versuchte er auch den Nachweis, da&szlig; seine Theorien
+mit der Lehre Jesu, den Schriften des Neuen Testaments im Einklang
+st&auml;nden. Nach der Revolution war man in Frankreich wieder sehr
+fromm geworden, Napoleon hatte sich schlie&szlig;lich mit dem
+Papstthum ausges&ouml;hnt und es als Vorspann f&uuml;r seine
+Kaiserherrlichkeit zu benutzen versucht. Der Weizen der Kirche
+bl&uuml;hte erst recht, als nach dem Sturze Bonaparte's die
+Restauration, gest&uuml;tzt auf die Bajonette der heiligen Allianz, in
+Frankreich ihren Einzug hielt. Es konnte also die Berufung auf die
+Ausspr&uuml;che Christi unter keinen Umst&auml;nden schaden,
+namentlich wenn man, wie Fourier, entschlossen war, die
+Unterst&uuml;tzung f&uuml;r sein soziales System zu nehmen, wo man sie
+fand, und die er, wenn &uuml;berhaupt, nur in den Kreisen der
+Gro&szlig;en und Reichen finden konnte. Er war daher sehr
+&auml;rgerlich und sogar &uuml;berrascht &mdash; letzteres ein Beweis
+daf&uuml;r, da&szlig; Ueberzeugung und nicht blos Berechnung im Spiele
+war &mdash; als er erfuhr, da&szlig; der Papst seine Werke gleich
+denen von Owen und Lamartine auf den Index gesetzt habe. Er, der
+scharfsinnige Denker, konnte nicht fassen, da&szlig; der Gott, dem er
+huldigte, der Sch&uuml;tzer und Beg&uuml;nstiger aller sinnlichen
+Triebe, dessen Kredo lautete: &bdquo;Mensch genie&szlig;e, und je mehr du
+genie&szlig;est, um so besser entsprichst du dir selbst als Mensch,
+deiner menschlichen Bestimmung und Gott als deinem Sch&ouml;pfer,&ldquo; wir
+sagen, er konnte nicht fassen, da&szlig; dieser Gott ein ganz anderer
+Gott war, als jener der christlichen Askese, der die Verachtung des
+Reichthums, der irdischen G&uuml;ter, der fleischlichen Gen&uuml;sse
+und Begierden, kurz die Verachtung der Welt predigte. Fourier legte
+ein besonderes Gewicht darauf, wie er in seinen Schriften
+nachdr&uuml;cklich und wiederholt hervorhebt, in Sachen der
+Wissenschaft mit Newton, in Sachen seiner sozialen Theorien mit
+Christus &uuml;bereinzustimmen. Indem er sich auf die Ausspr&uuml;che
+Jesu im Neuen Testamente st&uuml;tzt, bricht um so heftiger sein Zorn
+gegen die Philosophen los, die, wie er voraussetzt, aus niedrigen,
+egoistischen Motiven und verletzter Eitelkeit ihn bek&auml;mpfen,
+da&szlig; er, der Mann ohne Rang und Namen, der keine
+wissenschaftlichen Schulstudien absolvirt, eine Entdeckung gemacht
+habe, die bestimmt sei, das Schicksal des Menschengeschlechts und das
+Aussehen des Erdballs zu ver&auml;ndern.
+
+</P><P>
+
+Wie er die Ausspr&uuml;che Jesu zu seinen Gunsten und zugleich zu
+Angriffen auf seine ihm verha&szlig;testen Gegner zu verwenden sucht,
+daf&uuml;r m&ouml;gen die folgenden Beispiele zeugen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;'Gl&uuml;cklich die Armen am Geist, denn das himmlische
+K&ouml;nigreich ist ihnen.' Kein Gleichni&szlig; ist bekannter, keins
+weniger begriffen. Wer sind die Armen am Geiste, die Christus hier
+r&uuml;hmt? Es sind Diejenigen, die sich vor dem falschen Wissen der
+zweifelhaften Philosophie bewahren. Dieses falsche Wissen ist f&uuml;r
+das Genie die Klippe, der Weg zum Ruin, der es von dem rechten Wege,
+der zu allen n&uuml;tzlichen Studien f&uuml;hrt, aus denen die
+soziet&auml;re Harmonie, das himmlische K&ouml;nigreich und die
+Gerechtigkeit, die Jesus zu suchen befiehlt, hervorgehen, ablenkt. Vor
+dem Mi&szlig;brauch unseres Geistes, vor dem Labyrinth dieser durch
+ihre eigenen Autoren verurtheilten Philosophie, die wie Voltaire zu
+ihrer eigenen Schmach sagen: Oh! welch dicke Finsterni&szlig; bedeckt
+noch die Natur! mu&szlig; man uns sch&uuml;tzen. Die wahre Erleuchtung
+bringt Jesus. Die Entdeckung des soziet&auml;ren Mechanismus und des
+Studiums der Anziehung ist den geraden Geistern vorbehalten, welche
+die Sophismen verabscheuen. Sagt doch Jesus (Matth. XI, 25): 'Ich
+preise Dich Vater und Herr des Himmels und der Erde, da&szlig; Du
+solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den
+Unm&uuml;ndigen geoffenbaret.' Die Erkenntni&szlig; ist also den
+einfachen Geistern bewahrt, die Philosophen k&ouml;nnen sie nicht
+entdecken. Indem Jesus von den Armen am Geiste spricht, will er der
+Unwissenheit kein Lob zollen, wie die Sp&ouml;tter ihm unterschieben,
+er bezeugt damit nur seine Verachtung f&uuml;r die hartn&auml;ckig
+gepredigten wissenschaftlichen Dunkelheiten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die soziale Welt kann das Geheimni&szlig; der Bestimmungen nur
+erfassen, wenn sie darauf hin ihre Untersuchungen macht, aber die
+Erkenntni&szlig; wird ihr vorenthalten sein, so lange sie nicht sucht.
+Das sagt Jesus deutlich, indem er spricht (St. Luc. XI): 'Suchet, so
+werdet ihr finden, klopfet an, so wird euch aufgethan' und (St. Luc.
+XII): 'Glaubt ihr, da&szlig; Gott f&uuml;r euch weniger als f&uuml;r
+die V&ouml;gel unter dem Himmel sorgt?' Was w&uuml;rde das Suchen
+n&uuml;tzen, wenn man keinen anderen Ausgang f&auml;nde, als die
+Zivilisation, diesen Abgrund von Elend, der immer dieselben
+Gei&szlig;eln, nur unter wechselnden Formen, erzeugt? Zweifellos
+bleibt also eine gl&uuml;cklichere Gesellschaft zu entdecken
+&uuml;brig, wenn der Retter uns selbst zum Suchen auffordert. Aber
+warum hat er nicht selbst uns &uuml;ber diese aufgekl&auml;rt? Kannte
+er nach seinen eigenen Worten, Vergangenheit und Zukunft, das Ganze
+der Bestimmungen, indem er sagt: 'Mein Vater hat alles in meine
+H&auml;nde gegeben', konnte er uns da nicht &uuml;ber unsere
+soziet&auml;re Bestimmung belehren, anstatt uns zu veranlassen, die
+Entdeckung zu machen, die dann durch unser blindes Vertrauen in die
+Philosophen so viele Jahrhunderte verz&ouml;gert wurde?&ldquo; Fourier, der
+diese Fragen stellt, ist nat&uuml;rlich um die Antwort nicht verlegen,
+er antwortet: &bdquo;Da Jesus von seinem Vater mit der religi&ouml;sen
+Offenbarung beauftragt war, konnte er nicht noch mit der sozialen
+belastet werden, sie war vielmehr ausdr&uuml;cklich ausgenommen, wie
+er selbst in den Worten ausspricht: 'Gebt C&auml;sar, was des
+C&auml;sars ist, und Gott, was Gottes ist.' Er trennte also die
+Funktionen streng, je nachdem sie der Autorit&auml;t oder der sozialen
+Politik zufielen. Er that also nicht, was nicht seine Aufgabe war,
+aber er kannte die gl&uuml;ckliche Bestimmung des Menschengeschlechts,
+denn er sagt: 'Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
+da&szlig; er die Welt richte, sondern da&szlig; die Welt durch ihn
+selig werde.' Seine Mission beschr&auml;nkte sich auf das Wohl der
+Seelen und das ist der edelste Theil unserer Bestimmung, dagegen
+bleibt der untergeordnete Theil, der &uuml;ber das politische Wohl der
+Gesellschaften, der menschlichen Vernunft vorbehalten, und demzufolge
+auch die Untersuchung des sozialen Mechanismus nach den W&uuml;nschen
+Gottes; ein Weg, welcher durch die Berechnung der Anziehung entdeckt
+wurde.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jesus liebt es, sich in Anspielungen auf unsere gl&uuml;ckliche
+Bestimmung zu ergehen und auf das, was uns bevorsteht; so sagt er uns
+im Wesentlichen: Das Wohl der Seelen geht allem voran, was die
+K&ouml;rper, die weltlichen Gesellschaften betrifft, sie sind noch im
+Abgrund der Ungerechtigkeit, genannt Zivilisation; lasset sie darin;
+es ist eure Aufgabe, den Zankapfel unter sie zu tragen: 'Denn von nun
+an werden f&uuml;nf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei und
+zwei wider drei. Es wird der Vater wider den Sohn und der Sohn wider
+den Vater sein; die Mutter wider die Tochter und die Tochter wider die
+Mutter etc.' Gen&ouml;thigt, auch den Ausgang aus dieser sozialen
+H&ouml;lle zu verheimlichen, 'bin ich gekommen, ein Feuer auf Erden
+anzuz&uuml;nden; was wollte ich lieber, denn es brennte schon.' (St.
+Luc. XII.) Dieser Wunsch Jesu, da&szlig; es schon brenne, ist weit
+entfernt, ein &uuml;belwollender zu sein, es spricht vielmehr aus ihm
+die edle Ungeduld, das Ma&szlig; der Irrth&uuml;mer der Philosophie
+gef&uuml;llt zu sehen, jener Philosophie, die alle Uebel, die sie zu
+heilen vorgiebt, verschlimmert und durch das blinde Vertrauen, das wir
+in sie gesetzt, uns schmachvoll zwingt, den Ausgang aus dem
+politischen Labyrinth, in das sie uns gef&uuml;hrt, zu suchen. Darum
+erhebt er auch mit W&auml;rme gegen die Sophisten, die uns vom rechten
+Studium abwenden wollen, seine Stimme, indem er sie verfluchend sagt:
+'Wehe euch Schriftgelehrten und Pharis&auml;er, ihr Heuchler,
+da&szlig; ihr seid, wie die verdeckten Todtengr&auml;ber, dar&uuml;ber
+die Leute laufen, und kennen sie nicht. Wehe euch Schriftgelehrten,
+die ihr die Menschen mit unertr&auml;glichen Lasten beladet und
+r&uuml;hret sie nicht mit einem Finger an. Wehe euch, die ihr den
+Schl&uuml;ssel der Erkenntni&szlig; weggenommen habt; ihr kommt nicht
+hinein, und wehret denen, so hinein wollen.' (St. Luc. XI.) Ja die
+Philosophen wehren uns den Eintritt, indem sie sich bem&uuml;hen, mit
+metaphysischen Subtilit&auml;ten das Studium des Menschen zu
+verbarrikadiren, das einfachste Studium von allen, das nichts als eine
+von Vorurtheilen freie Vernunft erfordert, vertrauend der Anziehung
+wie die Kinder. Darum sagt auch Jesu: 'La&szlig;t die Kindlein zu mir
+kommen und wehret ihnen nicht, denn ihrer ist das Reich Gottes.' Und:
+'Wer das Reich Gottes nicht empf&auml;ngt wie ein Kindlein, der wird
+nicht hineinkommen.'&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Das gr&ouml;&szlig;te Hinderni&szlig;, da&szlig; die Philosophen nicht
+den rechten Weg f&uuml;r ihre Studien einschlugen, sei ihr Egoismus,
+den sie unter der Maske der Philanthropie versteckten, darum ruft
+ihnen Jesu mit Heftigkeit zu: 'Ihr, die ihr b&ouml;se seid von Jugend
+auf, k&ouml;nnt ihr sagen, da&szlig; ihr irgend etwas Gutes thatet?'
+Und: 'Wehe euch Schriftgelehrten und Pharis&auml;ern, ihr Heuchler,
+die ihr gleich seid &uuml;bert&uuml;nchten Gr&auml;bern, die auswendig
+h&uuml;bsch scheinen, aber inwendig voller Todtenbeine und Unflaths
+sind. Von au&szlig;en scheint ihr den Menschen fromm, aber inwendig
+seid ihr voller Heuchelei und Untugend.' Der niedrigste Egoismus habe
+die Philosophie auch verhindert, dem Volke das einfachste und
+nat&uuml;rlichste Recht, das Recht auf ein Minimum des
+Lebensunterhalts, zuzusprechen, ein Minimum, das Christus den
+Pharis&auml;ern gegen&uuml;ber ausdr&uuml;cklich in den Worten
+anerkannt habe: 'Habt ihr nie gelesen, was David that, da es ihm noth
+war, und ihn hungerte, sammt denen, die bei ihm waren? Wie er in das
+Haus Gottes ging, zur Zeit Obadja's, des Hohenpriesters, und a&szlig;
+die Schaubrote, die Niemand durfte essen, denn die Priester; und er
+gab sie auch denen, die bei ihm waren?' <i>Jesus hat also damit das
+Recht, zu nehmen, wo man das Nothwendige findet, geheiligt, und dieses
+Recht schlie&szlig;t implizite die Pflicht ein, dem Volk ein Minimum
+zu sichern;</i> so lange diese Pflicht nicht anerkannt wird, besteht
+f&uuml;r das Volk der soziale Vertrag nicht. Das ist das erste Gebot
+der christlichen Liebe. Die Philosophie weigert sich hartn&auml;ckig,
+dieses Recht zu lehren, einfach, weil sie nicht wei&szlig;, durch
+welche Mittel sie es dem Volk verschaffen soll, das ist freilich auch
+unm&ouml;glich, so lange man nicht wei&szlig; die Zivilisation zu
+einer h&ouml;heren Gesellschaftsordnung zu erheben.&bdquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier sieht aber nicht blos sein System an und f&uuml;r sich durch
+die Ausspr&uuml;che Jesu als sicher in Aussicht gestellt, er findet
+sogar einige seiner Haupttheorien durch sie gerechtfertigt, so die
+Anerkennung der Gourmandise und die Nachsicht gegen die armen
+S&uuml;nderinnen, die unter der Herrschaft der Zivilisation ihrem
+Liebes- und Lebenstrieb nur in der Form der Prostitution Rechnung zu
+tragen verm&ouml;gen. Er (Fourier) f&uuml;hrt Folgendes an: &bdquo;Auf den
+Vorwurf der Juden, die Jesu vorwerfen, gute Mahlzeiten zu lieben,
+antwortete er: 'Johannes der T&auml;ufer ist gekommen und a&szlig;
+kein Brot und trank keinen Wein; da sagtet ihr: Er hat den Teufel. Des
+Menschen Sohn ist gekommen, isset und trinket, da saget ihr: Siehe der
+Mensch ist ein Fresser und Weins&auml;ufer, der Z&ouml;llner und
+S&uuml;nder Freund.' Und er antwortet weiter: 'Die Weisheit wird
+gerechtfertigt sein von allen ihren Kindern.' (St. Luc. VII.) Jesus
+beurtheilte also die Weisheit als sehr vertr&auml;glich mit den
+Gen&uuml;ssen. Und um dem vorgef&uuml;hrten Beispiel zu entsprechen,
+setzt er sich an die reich bedeckte Tafel eines Pharis&auml;ers, der
+ihn eingeladen hatte. Da kommt eine Kourtisane, w&auml;scht ihm die
+F&uuml;&szlig;e und salbt ihn mit wohlriechender Salbe. Der
+Pharis&auml;er h&auml;lt sich dar&uuml;ber auf, da&szlig; er sich von
+einem solchen Weibe das gefallen lasse. Jesus aber antwortete ihm:
+&bdquo;Ihr sind viele S&uuml;nden vergeben, denn sie hat viel geliebt;
+welchem aber wenig vergeben wird, der hat wenig geliebt.&ldquo; Voll Mitleid
+f&uuml;r das unterdr&uuml;ckte Geschlecht, verzeiht er der
+S&uuml;nderin und der Ehebrecherin Magdalena. Auch sagt er uns: &bdquo;Mein
+Joch ist s&uuml;&szlig; und meine Last leicht.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Christus will also, da&szlig; man weder Feind des Reichthums noch der
+Vergn&uuml;gungen sei, er fordert nur, da&szlig; man mit dem
+Genie&szlig;en des Guten den Glauben verbinde, weil es der Glaube ist,
+der uns zur Entdeckung des soziet&auml;ren Regimes, des himmlischen
+K&ouml;nigreichs f&uuml;hrt, 'wo alle G&uuml;ter im Ueberma&szlig;
+vorhanden sein werden'. (St. Luc. XII.) Den Reichthum tadelt er nur
+r&uuml;cksichtlich der Laster, zu denen er in der Zivilisation
+verf&uuml;hrt, weshalb er sagt: &bdquo;Es ist leichter, da&szlig; ein Kameel
+durch ein Nadel&ouml;hr geht, als da&szlig; ein Reicher in's
+Himmelreich kommt.'&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Aus alledem gehe hervor, meint Fourier weiter, da&szlig; man die Worte
+Jesu erst dann richtig fassen k&ouml;nne, wenn man die Bestimmung der
+Menschheit kenne, denn hierf&uuml;r enthielten sie die verschleierten
+Vorhersagungen. Wohl beachten m&ouml;ge man, was Jesus gegen die
+Sophisten sage, wenn er diesen zurufe: &bdquo;Sehet euch vor, vor den
+falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig
+aber sind sie rei&szlig;ende W&ouml;lfe. An ihren Fr&uuml;chten sollt
+ihr sie erkennen. Kann man Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen
+von den Disteln?&ldquo; (Matth. VII.) Man m&uuml;&szlig;te nach alledem
+fragen, wie es komme, da&szlig; die Kirche, die doch sehr bedeutende
+M&auml;nner, wie Bossuet, Fenelon und viele Andere gehabt habe, zu
+keinem Zweig des Studiums der Anziehung gekommen sei; aber da
+hei&szlig;e es von ihr wie im Kap. XXIII von Matth.: &bdquo;Sie sagen wohl,
+was man thun soll, aber sie thun es nicht.&ldquo; Er greift dann auf's Neue
+die Philosophen, namentlich Voltaire und Rousseau an, und wendet sich
+wiederholt gegen Owen und seine Anh&auml;nger, jene Sektirer, die
+unter dem Namen der Assoziation anti-soziet&auml;re Vereinigungen
+bildeten und die Methoden, durch die allein die Uebereinstimmung der
+Triebe und die Anziehung der Arbeit erzeugt werden k&ouml;nne,
+zur&uuml;ckwiesen. Au&szlig;erdem, was k&ouml;nne man von einer Sekte,
+wie die Owen'sche, erwarten, die darauf ausgehe, Gott zu leugnen und
+ihm die Huldigung zu verweigern? Owen habe es sorgf&auml;ltig
+vermieden, seine Assoziation auf der Grundlage des soziet&auml;ren
+Regimes zu begr&uuml;nden, das habe seinen Stolz verwundet. Owen sei
+nur ein mittelm&auml;&szlig;iger Sophist, welcher G. Penn (den
+Gr&uuml;nder der Sekte der Qu&auml;ker) kopirt habe. Darauf wendet
+sich Fourier gegen den Widerstand, den er mit seinen Theorien in Paris
+gefunden. Es scheine, da&szlig; das neunzehnte Jahrhundert dasselbe
+Schauspiel bieten wolle, das die Zeitalter eines Kolumbus und Galilei
+der Nachwelt geboten; allen voran gehe Paris, in welchem der
+satanische Geist, der Geist des f&uuml;nfzehnten Jahrhunderts, noch
+heute herrsche. Paris sei das moderne Babylon und von ihm gelte, was
+Jesu &uuml;ber Jerusalem ausgerufen: &bdquo;Jerusalem! Jerusalem! die du
+t&ouml;dtest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt wurden.&ldquo;
+Seine Gelehrten seien eine Legion von Eiferern, die Jesu
+kennzeichnete, als er sagte: &bdquo;Wehe euch Schriftgelehrten und
+Pharis&auml;ern, ihr Heuchler, die ihr der Propheten Gr&auml;ber
+bauet, und schm&uuml;cket der Gerechten Gr&auml;ber. Und sprecht:
+W&auml;ren wir zu unserer V&auml;ter Zeiten gewesen, so wollten wir
+nicht theilhaftig sein, mit ihnen an der Propheten Blut.&ldquo; Was seien
+die Unternehmungen der Zivilisirten? Nichts als Verfeinerungen der
+Barbarei, indem man vermittelst der Reduktion der L&ouml;hne den
+V&ouml;lkern die Eisen verniete, und durch Einschlie&szlig;ung der
+armen Klasse in die modernen Bagnos, Manufakturen genannt, ihnen weder
+Wohlsein noch R&uuml;ckkehr gestatte. Diese merkantilen
+Bedr&uuml;ckungen seien durch Jesu wie die Kirchenv&auml;ter
+gen&uuml;gend gekennzeichnet. Chrisostomus erkl&auml;re: &bdquo;ein Kaufmann
+kann Gott nicht angenehm sein&ldquo;, und Christus habe sie mit Ruthenhieben
+aus dem Tempel getrieben, ihnen zurufend: &bdquo;Ihr habt mein Haus zu einer
+Diebsh&ouml;hle gemacht.&ldquo; Endlich sende die Vorsehung einen
+F&uuml;hrer, welcher die schwachen Seiten der merkantilen Hydra zu
+fassen wisse, und der, indem er das wahre und allein heilbringende
+soziale System inaugurire, die Welt von dem goldenen Kalb, &bdquo;dem
+w&uuml;rdigen Ideal einer blinden Sekte, die Blinde f&uuml;hrt&ldquo;,
+befreie.
+
+</P><P>
+
+So wird also Fourier in seinen eigenen Augen zu einem von Gott
+gesandten Erl&ouml;ser der Welt von den sozialen Uebeln, wie Christus,
+seiner Lehre gem&auml;&szlig;, der Erl&ouml;ser aus geistiger
+Knechtschaft war. Die Utopisten und die Propheten rangiren in
+derselben Klasse, beide glauben an die Unfehlbarkeit ihrer Lehren,
+d.&nbsp;h. also an ihre eigene Unfehlbarkeit. Und dieser Glaube, &bdquo;der Berge
+versetzt&ldquo;, macht die Ausdauer und die Hartn&auml;ckigkeit begreiflich,
+womit sie allen Hindernissen trotzen, allen Einw&uuml;rfen begegnen,
+und wenn die Umst&auml;nde es erfordern, freudig zum M&auml;rtyrer
+ihrer Ueberzeugungen werden. Indem Fourier die geistige Macht der
+herrschenden Klassen auf's wuchtigste angriff, die
+erfahrungsgem&auml;&szlig; und selbstverst&auml;ndlich sich auch mit
+seinem System nicht befreundet und es bek&auml;mpft haben w&uuml;rden,
+wenn er in seiner Kritik weniger scharf und bitter, in seinen
+Angriffen ma&szlig;voller und wenn er sein System mehr mit den
+herrschenden Zust&auml;nden in Einklang gebracht haben w&uuml;rde,
+suchte er in den Ausspr&uuml;chen Jesu sich eine Waffe und eine
+St&uuml;tze zu schaffen. Das Priesterthum war trotz Allem, was die
+Revolution Uebles f&uuml;r es gebracht hatte, in Frankreich noch eine
+bedeutende Macht, weil die herrschenden Klassen sehr rasch erkannten,
+da&szlig; wenn sie seine Macht beseitigten, sie einen der Aeste
+abs&auml;gten, auf denen sie selber sa&szlig;en. Die einfache Klugheit
+gebot ihnen, sich mit der Kirche zu rangiren, und wer, wie Fourier,
+mit dem Bestehenden rechnete, und dies zur Basis seines Systems in so
+fern nahm, als er an die Einsicht und die H&uuml;lfe der oberen
+Klassen appellirte und sie in erster Linie, ja ausschlie&szlig;lich,
+zur Inangriffnahme einer Versuchsphalanx, die dann durch ihre
+Resultate unfehlbar seinem System zum Siege verhelfen w&uuml;rde,
+aufforderte, der mu&szlig;te auch dem religi&ouml;sen Kultus Rechnung
+tragen. So handelte also Fourier vollkommen logisch. Er that, was
+allen sozialen Neuerer das ganze Mittelalter hindurch auch gethan
+hatten. Allerdings ist er mit Jenen nicht in Vergleich zu stellen; er
+ragt eben so weit &uuml;ber sie hinaus, als ein genial angelegter
+Geist zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts &uuml;ber einen
+fanatischen M&ouml;nch des zw&ouml;lften oder sechszehnten
+Jahrhunderts, dessen Hauptwissen in der Kenntni&szlig; der Bibel und
+den Schriften der Kirchenv&auml;ter bestand, hinaus ragen konnte.
+Fourier ist, neben St. Simon, der letzte der Utopisten, dessen System
+sich auf die religi&ouml;sen Lehren der herrschenden Kirche zu
+st&uuml;tzen versuchte, sie wenigstens als Anh&auml;ngsel benutzte.
+Wohingegen alle sozialen Bewegungen des Mittelalters einen rein
+religi&ouml;sen Charakter annahmen, und zwar so sehr, da&szlig; die
+meisten Geschichtsschreiber <i>nur</i> den religi&ouml;sen Charakter
+der Bewegungen sahen, den sozialen &mdash; der mehr oder weniger auf
+einem rohen, auf die entsprechenden Ausspr&uuml;che des Alten und
+Neuen Testaments gest&uuml;tzten Kommunismus beruhte &mdash; aber
+g&auml;nzlich &uuml;bersahen. Unter dem geistigen Druck der Kirche und
+bei der Beschr&auml;nktheit der Geister war im Mittelalter keine
+soziale Bewegung ohne ausgepr&auml;gt religi&ouml;sen Charakter
+denkbar. Was im Mittelalter Hauptsache war, wurde nat&uuml;rlich bei
+einem Fourier zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts mehr Nebensache,
+es war eine Waffe und eine St&uuml;tze, die er glaubte nicht entbehren
+zu k&ouml;nnen. So erkl&auml;rt sich die sehr gezwungene Auslegung,
+die er den meisten der zitirten Stellen geben mu&szlig;te, wobei wir
+keineswegs behaupten, da&szlig; er sich dieses Zwangs bewu&szlig;t
+war. Es ist selbst f&uuml;r m&auml;&szlig;ig begabte Kritiker, die in
+einer sp&auml;teren, aufgekl&auml;rteren und klarer sehenden Zeit
+leben, leicht, die M&auml;ngel in den Systemen und Lehren
+vorangegangener bedeutender Geister scharf zu erkennen, aber daraus zu
+schlie&szlig;en, da&szlig; das, was sie erkannten, auch Jene leicht
+erkennen mu&szlig;ten, ist falsch. Andererseits l&auml;&szlig;t sich
+nicht leicht nachweisen, wo bei vorhandenen Widerspr&uuml;chen eines
+Menschen die Ueberzeugung aufh&ouml;rt und die sog. Klugheit,
+Rechnungstr&auml;gerei oder gar der beabsichtigte Betrug beginnt. Der
+Beweis f&uuml;r Letzteres wird leicht zu f&uuml;hren sein, wo
+offenbare, grobe und direkte Widerspr&uuml;che vorliegen, bei Fourier
+wird man diese nicht leicht nachweisen k&ouml;nnen. Sein System ist
+ein streng geschlossenes und gegliedertes System mit allen
+Vorz&uuml;gen und Schw&auml;chen. Ein System, das in seiner
+Geschlossenheit selbst den Keim einer Religion enth&auml;lt, weshalb
+nur eine Schule, keine Partei sich aus ihm entwickelte. Man kann eben
+so gut von einer Fourier'schen Sekte sprechen, wie Fourier selbst, und
+stets mit gro&szlig;er Geringsch&auml;tzung, von einer Owen'schen oder
+St. Simonistischen Sekte sprach.
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Glaubte Fourier durch die auszugsweise mitgetheilten Ausspr&uuml;che
+den Beweis gef&uuml;hrt zu haben, da&szlig; Jesus und das Neue
+Testament f&uuml;r seine Theorien spr&auml;chen, so geht er nunmehr
+dazu &uuml;ber, auch den Gegenbeweis zu Gunsten seiner Lehre zu
+erbringen, d.&nbsp;h. er sucht nachzuweisen, in welcher Unwissenheit sich
+die Modernen &uuml;ber Charakter, Eigenschaften, Gang und Ende der
+Zivilisation bef&auml;nden, von der sie immer noch leichtgl&auml;ubig
+genug die Vervollkommnung hofften. Er versucht ferner nachzuweisen,
+welche Wege sie betreten m&uuml;&szlig;ten, um allm&auml;lig in die
+sechste Entwicklungsperiode, die des Garantismus, zu gelangen.
+Da&szlig; die Zivilisation &uuml;berhaupt sich zu vervollkommnen
+suche, zeige das unbewu&szlig;te Streben, &uuml;ber sich selbst hinaus
+zu gehen, sich zu Garantien zu erheben, von denen einige
+St&uuml;ckchen verwirklicht zu haben sie sich einbilde. Aber diese
+Garantien, wie das Geldsystem und die Versicherungen, verdanke sie
+mehr dem Zufall, dem Instinkt, aber nicht der Wissenschaft.
+
+</P><P>
+
+Es sei hier bemerkt, da&szlig; Fourier zwar die Einf&uuml;hrung des
+Geldes als Fortschritt f&uuml;r ein besseres Ausgleichungssystem
+ansieht, aber auszusetzen hat, da&szlig; es &bdquo;individuelles&ldquo; Geld sei,
+wie er es bezeichnet, also in den H&auml;nden des
+Privateigenth&uuml;mers Mittel der Ausbeutung, des Betrugs und der
+Unterdr&uuml;ckung werde. Das Geld soll nach ihm gesellschaftliches
+Besitzthum sein, es w&uuml;rde also in seinem System Besitzthum der
+Phalanxen werden. Da&szlig; das Geld seinen Zweck nur erf&uuml;llt,
+wenn es zwar gesellschaftlich anerkanntes Tauschmittel f&uuml;r alle
+Waaren, aber gleichzeitig im Privatbesitz ist, weil es <i>nur</i> in
+einer auf Privatbesitz und Waarenproduktion beruhenden Gesellschaft
+einen Sinn und die M&ouml;glichkeit der Existenz hat, entging ihm. Mit
+der Aufhebung der Waarenproduktion, also auch der Privatwirthschaft
+und mit der Einf&uuml;hrung gesellschaftlicher Produktion f&auml;llt
+der Gegenpol der Waarenwirthschaft, die Geldwirthschaft, von selbst,
+der Boden seiner Existenz, allgemein anerkanntes Tauschmittel f&uuml;r
+alle Waarenaustausche zu sein, wird ihm entzogen. Da wo Produkt gegen
+Produkt, richtiger Arbeit gegen Arbeit gesellschaftlicher
+Vereinigungen sich austauscht, wird der Austausch ein einfaches
+Rechenexempel, das auf dem Wege der Buchung der austauschenden
+Faktoren beglichen wird. Dagegen mu&szlig; in einer auf Millionen
+Einzelwirthschaften beruhenden Produktion, wo das Produkt als Waare
+den einzigen Zweck hat, so rasch als m&ouml;glich die H&auml;nde seines
+Produzenten zu verlassen, um durch Dutzende von H&auml;nden die
+verschlungensten Kan&auml;le zu durchwandern, welche die Spekulation
+ihm anweist, bis es endlich in die H&auml;nde des Bed&uuml;rfers
+gelangt, wir sagen, hier mu&szlig; nothwendig ein gesellschaftlich
+anerkanntes Aequivalent zur Ausgleichung aller dieser Manipulationen
+vorhanden sein, und dieses ist das Geld, das den Doppelcharakter
+besitzt, gesellschaftlich anerkanntes Werthma&szlig; und Waare zu
+sein.
+
+</P><P>
+
+Andererseits, f&auml;hrt Fourier fort, habe die Zivilisation falsche
+Methoden adoptirt, so das System der anarchischen Industrie und der
+l&uuml;gnerischen individuellen Konkurrenz; aber haupts&auml;chlich
+habe sie den Fehlgriff begangen, die Aktiengesellschaft f&uuml;r die
+Assoziation anzusehen, alles Fehler, die sie weitab vom Wege der
+sozialen Garantien f&uuml;hrten. Es sei also nothwendig, um dieses
+politische Chaos zu entwirren, eine detaillirte Analyse der
+Zivilisation und ihres Charakters zu geben, eine Aufgabe, der sich
+bisher die Gesellschaft und ihre wissenschaftlichen F&uuml;hrer
+entzogen h&auml;tten. Man glaube noch an die Vervollkommnung,
+<i>w&auml;hrend die Zivilisation bereits rapide ihrem Untergang
+entgegeneile.</i>
+
+</P><P>
+
+Wie der menschliche K&ouml;rper so bes&auml;&szlig;en auch die
+Gesellschaften ihre vier, durch bestimmte Charaktereigenschaften sich
+unterscheidenden Lebensalter, die einander sich folgten. Man
+k&ouml;nne weder den Aufschwung noch den Niedergang einer Gesellschaft
+beurtheilen, so lange man nicht die sehr unterscheidenden
+Charaktereigenschaften zu bezeichnen verm&ouml;ge, die eine bestimmte
+Gesellschaft besitze. Unsere Naturwissenschaftler seien, wenn es sich
+um die Unterscheidung ziemlich nutzloser Pflanzen handele, so sehr
+skrupul&ouml;s, warum seien dies nicht auch unsere Politiker und
+Oekonomisten? Warum folgten sie nicht dieser naturwissenschaftlichen
+Methode, wenn es sich um die ihnen so theure Zivilisation handele, um
+die von jeder der vier Phasen adoptirten Eigenschaften zu bezeichnen?
+Es sei dies das einzige Mittel, um zu erkennen, ob man noch
+vorw&auml;rts schreite oder im Niedergang sich befinde.
+
+</P><P>
+
+Nach Fourier sind nun die vier Phasen der Zivilisation und die einer
+jeden eigent&uuml;mlichen Charaktereigenschaften folgende:
+
+</P>
+
+<TABLE BORDER=1 CELLPADDING=10 ALIGN=center summary = "Phasen der Zivilisation">
+<TR ALIGN=center>
+ <TD ROWSPAN=12>Aufsteigende<BR> Schwingung</TD>
+ <TH COLSPAN=2>1. Phase: Kindheit.</TH>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Einfacher Keim</TD>
+ <TD>Monogamie.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Zusammengesetzter Keim</TD>
+ <TD>Patriarchalische oder adelige Feudalit&auml;t.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TH>Angelpunkt der Periode</TH>
+ <TD>B&uuml;rgerliche Rechte der Frau.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Gegengewicht</TD>
+ <TD>F&ouml;deration der gro&szlig;en Vasallen.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Ton oder Stimmung</TD>
+ <TD>Ritterliche Illusionen.</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TH COLSPAN=2>2. Phase: Jugend.</TH>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Einfacher Keim</TD>
+ <TD>St&auml;dtische Privilegien.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Zusammengesetzter Keim</TD>
+ <TD>Pflege der Wissenschaften und K&uuml;nste.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TH>Angelpunkt der Periode</TH>
+ <TD>Befreiung der Arbeit.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Gegengewicht</TD>
+ <TD>Repr&auml;sentativsystem.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Ton oder Stimmung</TD>
+ <TD>Illusionen &uuml;ber Freiheit.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TH COLSPAN=3>Mittagsphase.</TH>
+</TR>
+<TR>
+ <TD COLSPAN=2>Keim</TD>
+ <TD>Seeschifffahrtskunst, experimentale Chemie.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD COLSPAN=2>Charaktereigenth&uuml;mlichkeiten</TD>
+ <TD>Entt&auml;uschungen, Staatsanleihen.</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TD ROWSPAN=12>Absteigende<BR> Schwingung</TD>
+ <TH COLSPAN=2>3. Phase: Mannbarkeit.</TH>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Einfacher Keim</TD>
+ <TD>Handelsgeist, Fiskalismus.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Zusammengesetzter Keim</TD>
+ <TD>Aktien-Gesellschaften.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TH>Angelpunkt der Periode</TH>
+ <TD>Monopol der Seeherrschaft.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Gegengewicht</TD>
+ <TD>Handels-Anarchie.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Ton oder Stimmung</TD>
+ <TD>Oekonomische Illusionen.</TD>
+</TR>
+<TR ALIGN=center>
+ <TH COLSPAN=2>4. Phase: Altersschw&auml;che.</TH>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Einfacher Keim</TD>
+ <TD>Leihh&auml;user.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Zusammengesetzter Keim</TD>
+ <TD>Unternehmerschaft in bestimmter Anzahl.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TH>Angelpunkt der Periode</TH>
+ <TD>Industrielle Feudalit&auml;t.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Gegengewicht</TD>
+ <TD>Monopolwirthschaft.</TD>
+</TR>
+<TR>
+ <TD>Ton oder Stimmung</TD>
+ <TD>Illusionen &uuml;ber Assoziationen.</TD>
+</TR>
+</TABLE>
+
+<P>
+
+Man wird dem hier wiedergegebenen Tableau Scharfsinn in der
+Aufstellung und Interessantheit in der Gruppirung nicht absprechen
+k&ouml;nnen, mehrfach charakterisirt es die verschiedenen Perioden der
+zivilisirten Gesellschaft sehr treffend.
+
+</P><P>
+
+Fourier bemerkt dazu erl&auml;uternd: er habe diejenigen
+Charaktereigenschaften nicht hervorgehoben, die allen vier Phasen
+gemeinsam seien, sondern nur die, welche die eine oder andere
+auszeichneten und jene, die mit der einen oder anderen gemischt seien.
+So sei die zweite Phase, in der die Athener lebten, eine
+unvollst&auml;ndige, eine Bastardperiode, indem ihr noch Merkmale der
+Periode der Barbarei anklebten und der Angelpunkt der zweiten Phase,
+die Befreiung der Arbeit, ihr fehlte. In England und Frankreich
+befinde sich die Zivilisation im absteigenden Ast der dritten Phase
+und neige stark zur vierten, deren beide Keime sie bereits besitze.
+Dieser Zustand zeige eine schmerzlich empfundene Stagnation; das Genie
+f&uuml;hle sich erm&uuml;det von seiner Unfruchtbarkeit wie ein
+Gefangener, und arbeite sich vergeblich ab, um irgend eine neue Idee
+zu erzeugen. Mangels des erfinderischen Genies z&ouml;gere aber der
+fiskalische Geist nicht, die Mittel zu entdecken, um die vierte Phase
+zu organisiren, die zwar ein Fortschritt aber nicht zum Guten sei. Es
+handele sich darum, einen Zwischenzustand zu schaffen, der die
+Zivilisation in den Garantismus &uuml;berleite und diesen dem
+Liberalismus entgegenzustellen, diesem station&auml;ren Geist, der
+sich auf das Repr&auml;sentativsystem, eine der Charaktere der zweiten
+Phase, verbissen habe. Ein System, das f&uuml;r eine kleine Republik,
+nicht f&uuml;r ein gro&szlig;es reiches Land wie Frankreich tauglich
+sei. Umgekehrt wollten die Antiliberalen die Ungeschicklichkeit
+begehen, uns in die erste Phase zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, w&auml;hrend
+das wachsende Staatsschuldenwesen uns unwiderstehlich in die vierte
+Phase, die Altersschw&auml;che, risse.
+
+</P><P>
+
+Wer das Tableau der Charaktereigenschaften der Zivilisation genau
+pr&uuml;fe, werde erkennen, da&szlig; der Glaube, unsere Gesellschaft
+befinde sich in einem &bdquo;erhabenen Flug&ldquo;, eine Illusion sei, denn in
+Wahrheit bef&auml;nden wir uns auf dem Krebsgang. &bdquo;Es ist der
+Fortschritt nach abw&auml;rts, vergleichbar dem einer Frau, die ihre
+wei&szlig;en Haare, die sie mit sechzig Jahren besitzt, als
+Vervollkommnung der Vollkommenheit ihres Haarwuchses anpreisen wollte.
+Dar&uuml;ber wird Jeder mitleidig l&auml;cheln. <i>Wie der menschliche
+K&ouml;rper so vervollkommnet sich auch die Gesellschaft nicht, wenn
+sie altert.</i>&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Gesellschaften wie die Individuen gingen zu Grunde, wenn sie sich
+dem Wucherer &uuml;berlie&szlig;en, <i>und es sei die That unseres
+Jahrhunderts, von Anleihe zu Anleihe zu eilen.</i>
+
+</P><P>
+
+Man sage, &bdquo;das Gef&auml;&szlig; ist durchweicht, der Stoff hat seine
+bleibende Form angenommen.&ldquo; Das gelte auch von den fiskalischen
+Anleihen. Sie blieben und jedes Ministerium mache eine neue, denn &bdquo;man
+mu&szlig; essen, wenn man an der Krippe sitzt.&ldquo; <i>Welche Partei auch
+immer herrsche,</i> <i>die Finanz halte stets die Z&uuml;gel des
+Gef&auml;hrtes, damit der Marsch nicht gegen ihr Wirthschaftssystem
+sich richte.</i> Was werde also das Ende sein, dem alle unsere mit
+Schulden &uuml;berladenen Reiche zueilen, wohin uns die Oekonomisten
+gef&uuml;hrt? Der Sturz in den Abgrund. Man k&ouml;nne unsere
+Oekonomisten und Politiker jenem Reiter vergleichen, von dem die
+Sp&ouml;tter sagten: &bdquo;Er f&uuml;hrt nicht das Pferd, das Pferd
+f&uuml;hrt ihn.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier hat in diesen Auseinandersetzungen wieder einmal, seiner Zeit
+vorauseilend, den wahren Charakter der Staatsanleihen sehr richtig
+erkannt. Damit ein Staat von den Geldm&auml;chten beherrscht,
+&ouml;konomisch und finanziell ausgebeutet und gepl&uuml;ndert werden
+kann, mu&szlig; man ihn zu Anleihen verleiten. Mit jeder neuen Anleihe
+wird ihm der Strick fester gedreht, genau wie dem Privatmann. Die
+Staatsgewalt wird Werkzeug in den H&auml;nden der gro&szlig;en
+Finanzm&auml;chte, die schlie&szlig;lich weit mehr als die Minister
+selbst die Staatsangelegenheiten beherrschen und lenken, Gesetze
+dekretiren, Kriege f&uuml;hren oder verhindern, wie es ihrem Interesse
+pa&szlig;t. Und damit die Staatsmaschine nach Wunsch gehe, die
+Regierung jeder Zeit durch die Kontrole ihrer abh&auml;ngigen Stellung
+bewu&szlig;t bleibe, damit ferner die n&ouml;thigen Einnahmequellen in
+Form von Steuern aller Art zur Verzinsung und Amortisirung der
+Schulden vorhanden seien, bedarf man des Repr&auml;sentativsystems,
+durch welches die Drahtzieher der hohen Finanz den noch fehlenden
+Einflu&szlig; auf die ganze Gesetzgebung und Staatsverwaltung gewinnen
+und den Staat zu einer melkenden Kuh der Geldm&auml;chte machen. Durch
+solche Manipulationen ist heute die Regierung und Verwaltung
+Frankreichs in den H&auml;nden der gro&szlig;en Finanzm&auml;chte, die
+es in die Abenteuer von Tunis und Tonkin st&uuml;rzten, durch
+Privilegien und Staatssubventionen an die gro&szlig;en Eisenbahn- und
+Verkehrsgesellschaften das Volk berauben, durch die Ueberlast der
+indirekten Steuern es brandschatzen und pl&uuml;ndern. Durch die
+gleichen Manipulationen ist Oesterreich dahin gekommen, wo es heute
+steht, hat man die T&uuml;rkei zu Grunde gerichtet, Ungarn binnen zwei
+Jahrzehnten an den Rand des finanziellen Untergangs gebracht, Egypten
+ruinirt. Wie der kleine Bauer und der in die Klemme gerathene
+Grundbesitzer die finanziellen Wohlth&auml;ter bereit finden, ihnen
+gegen gen&uuml;gende hypothekarische Sicherheiten zu guten Zinsen Geld
+zu borgen, oft mehr als sie haben wollen, und nun den H&auml;nden des
+Gl&auml;ubigers rettungslos &uuml;berantwortet sind, der die Hand auf
+ihre Ernten legt, ihnen jederzeit mit Subhastationen droht, und sie
+zwingt, das ganze Jahr die Frohnarbeit f&uuml;r ihn, den Kapitalisten,
+zu verrichten, so sind die Staatsangeh&ouml;rigen &uuml;berschuldeter
+Reiche die Bienen, die durch ihre Arbeit, mit ihrem Honig der
+Finanzaristokratie die Kisten und Kasten f&uuml;llen m&uuml;ssen. Das
+ist heute, wo die Staatsschulden in fast allen Staaten in die
+Milliarden gewachsen sind und weiter wachsen, eine sich Jedem leicht
+aufdr&auml;ngende Thatsache. Zu Fourier's Zeit stak das
+Staatsschuldenwesen noch in den Kinderschuhen und es war ungleich
+schwerer, seinen Charakter zu erkennen als heute.
+
+</P><P>
+
+Unter die permanenten Charaktere der Zivilisation rechnet Fourier
+denjenigen, der sich schon seit alter Zeit in dem Sprichwort
+ausdr&uuml;ckt: &bdquo;Die gro&szlig;en Diebe l&auml;&szlig;t man laufen,
+die kleinen h&auml;ngt man.&ldquo; Aehnliche Charaktereigenschaften
+k&ouml;nne man noch eine Menge anf&uuml;hren. So &uuml;berlasse man
+sich bitteren Klagen &uuml;ber auff&auml;llige Thatsachen wie die,
+da&szlig; die Tugend und das Gute stets l&auml;cherlich gemacht,
+&uuml;bel behandelt und verfolgt w&uuml;rden. Ohne Zweifel sei die
+Indignation dar&uuml;ber gerechtfertigt, aber wenn gegenw&auml;rtig
+die Zivilisation eine Aufh&auml;ufung dieser beklagenswerthen
+Resultate zeige, dann klassifizire und konstatire man diese Uebel,
+damit man einen Ueberblick &uuml;ber das Wesen und die Fr&uuml;chte
+dieser abscheulichen Gesellschaftsordnung erhalte.
+
+</P><P>
+
+Aber man schenke allen diesen Uebeln so wenig Aufmerksamkeit, weil man
+sie mit dem gegenw&auml;rtigen Zustand unzertrennlich halte. Eine von
+diesen &uuml;blen permanenten Charaktereigenschaften sei auch die
+Fesselung der &ouml;ffentlichen Meinung, und zwar auch unter der
+Herrschaft der Philosophen, die nicht wollten, da&szlig; das Volk sein
+urspr&uuml;nglichstes Recht erkenne und das Recht auf ein
+Existenzminimum fordere, was freilich nur unter dem Regime der
+industriellen Anziehung garantirt werden k&ouml;nne. Andere Uebel
+erkenne man nicht, weil sie unter falscher Flagge segelten, so die
+Tyrannei des pers&ouml;nlichen Eigenthums. Der Grundeigenth&uuml;mer
+erlaube sich hundert Anordnungen &uuml;ber sein Eigenthum, die mit dem
+&ouml;ffentlichen Wohl, dem Wohl der Masse in Widerspruch
+st&uuml;nden, er erlaube sich dies alles unter dem Vorwande der
+&bdquo;Freiheit&ldquo;. Das komme, weil die Zivilisation von sozialen Garantien
+keine Ahnung habe. Wieder ein anderes meist nicht erkanntes Uebel sei
+die indirekte Verweigerung der Gerechtigkeit f&uuml;r die Armen. Der
+Arme k&ouml;nne wohl das Recht suchen, aber was n&uuml;tze dieses,
+wenn er die Kosten der Prozedur nicht aufbringen k&ouml;nne. Bei den
+gerechtesten Klagen werde er von dem reichen Pl&uuml;nderer durch
+Appellation und Gegenappellation m&uuml;rbe gemacht und zum Nachgeben
+gezwungen. Man gebe dem K&ouml;nigsm&ouml;rder einen Vertheidiger,
+aber nicht dem Armen, denn &bdquo;er k&ouml;nnte zu viele Prozesse haben&ldquo;.
+Die Gesellschaft sei &uuml;berf&uuml;llt mit Armen, die unter dieser
+Handhabung der Gerechtigkeit litten. Aber diese Gesellschaft sei eben
+ein falscher Kreisschlu&szlig; <TT>(cercle vicieux)</TT>, das sei ihr
+wesentlichster Charakter. Die M&auml;ngel der Zivilisation
+lie&szlig;en sich in zw&ouml;lf Hauptpunkte zusammenfassen. 1. Eine
+Minorit&auml;t, die Herrschenden, bewaffnet Sklaven, die eine
+Majorit&auml;t unbewaffneter Sklaven im Zaum halten. 2. Mangel an
+Solidarit&auml;t der Massen und dadurch erzwungener Egoismus. 3.
+Zweideutigkeit aller Handlungen der Gesellschaft und ihrer sozialen
+Elemente. 4. Innerer Kampf des Menschen mit sich selbst. 5. Die
+Unvernunft zum Prinzip erhoben. 6. In der Politik wird die Ausnahme
+als Grundlage f&uuml;r die Regel. 7. Das knorrigste und
+hartn&auml;ckigste Genie wird gebeugt und kleinm&uuml;thig gemacht. 8.
+Erzwungene Begeisterung f&uuml;r das Schlechte. 9. Stetige
+Verschlimmerung, indem man zu verbessern glaubt. 10. Vielseitiges
+Ungl&uuml;ck f&uuml;r die ungeheure Mehrheit. 11. Fehlen einer
+wissenschaftlichen Opposition gegen die herrschenden Theorien. 12.
+Verschlechterung der Klimate. Letzteres, durch die Zerst&ouml;rung der
+W&auml;lder und daraus folgendes Austrocknen der Quellen
+herbeigef&uuml;hrt, m&uuml;sse nothwendig und sicher bis gegen Ende
+des Jahrhunderts klimatische Exzesse erzeugen.
+
+</P><P>
+
+Fourier geht dann dazu &uuml;ber, die Natur des Handels zu
+er&ouml;rtern. Er fragt: &bdquo;Woher kommt diese Bewunderung der Modernen
+f&uuml;r den Handel, welchen doch im Geheimen alle Klassen au&szlig;er
+den Handeltreibenden verabscheuen? Woher dieses stupide Vorurtheil
+f&uuml;r die Kaufleute, die Christus mit Ruthen aus dem Tempel trieb?
+Die Antwort ist: sie besitzen viel Geld und eine Haupthandelsmacht
+(England) &uuml;bt &uuml;ber die industrielle Welt die Tyrannei des
+Handels-Monopols aus.&ldquo; Auch habe die politische Oekonomie die Analyse
+des Handels nicht zu machen gewagt und so komme es, da&szlig; die
+soziale Welt nicht wisse, was eigentlich das Wesen des Handels sei.
+&bdquo;Der Handel ist die schwache Seite der Zivilisation, der Punkt, auf
+dem man sie angreifen mu&szlig;. Im Geheimen wird der Handel von den
+Regierungen wie von den V&ouml;lkern geha&szlig;t. Nirgends sehen
+weder der Adel noch die Grundeigent&uuml;mer die Handeltreibenden mit
+g&uuml;nstigen Augen an, diese Parven&uuml;s, die in Holzschuhen
+angekommen sind und bald mit einem Verm&ouml;gen von Millionen
+prunken. Der rechtschaffene Eigenth&uuml;mer begreift nicht die
+Mittel, durch die man sich so gut zu bereichern vermag; welche
+Sorgfalt er immer der Verwaltung seines Gutes widmet, es gelingt ihm
+schwer, sein Einkommen um einige Tausend Franken zu steigern. Er wird
+perplex &uuml;ber die gro&szlig;en Profite dieser Agioteure, er
+m&ouml;chte seinem Erstaunen, seinem Verdacht &uuml;ber diese ihm
+fremde Art, Verm&ouml;gen zusammen zu scharren, Ausdruck geben, aber
+da kommen die Oekonomisten, fallen ihm in den Arm und schleudern ihr
+Anathema gegen Jeden, der es wagt, diesen gro&szlig;artigen Handel und
+die Gro&szlig;artigkeit des Handels <TT>(le commerce immence et
+l'immense commerce)</TT> zu verd&auml;chtigen. Welch sch&ouml;ne
+Phrasen sind nicht zu seiner Verherrlichung Mode geworden! Da spricht
+man mit Pathos von der 'Ausgleichung, dem Gegengewicht, der Garantie,
+dem Gleichgewicht des gro&szlig;artigen Handels und der
+Gro&szlig;artigkeit des Handels, von den Freunden des Handels, von dem
+Wohl des Handels'.&ldquo; F&uuml;r einen ungl&uuml;cklichen Philosophen gebe
+es nichts Imposanteres, als wenn eine Kohorte von Million&auml;ren mit
+tiefsinnigem Aussehen zur B&ouml;rse wandelten. Man glaube die
+r&ouml;mischen Patrizier &uuml;ber dem Schicksal Karthagos br&uuml;ten
+zu sehen. Speichellecker der Agiotage malten die Kaufleute und
+B&ouml;rsenm&auml;nner als eine Legion von Halbg&ouml;ttern; Jeder,
+der sie kenne, wisse im Gegentheil, da&szlig; es eine Legion von
+Betr&uuml;gern sei; aber ob mit Recht oder Unrecht, sie h&auml;tten
+allen Einflu&szlig; an sich gerissen. Die Philosophen seien ihnen zu
+Gunsten, selbst die Minister und der Hof beugten sich vor diesen
+Geiern des Handels; alles infolge des durch die Oekonomisten gegebenen
+Impulses. Die Folge davon sei, da&szlig; der ganze soziale K&ouml;rper
+den merkantilen R&auml;ubereien vollst&auml;ndig unterworfen sei, und
+wie der von dem Blick der Schlange faszinirte Vogel dieser in den
+Rachen fliege, so lasse sich die Gesellschaft vom Handel zu Grunde
+richten.
+
+</P><P>
+
+Eine vern&uuml;nftige und rechtschaffene Politik habe Mittel des
+Widerstandes in Anwendung bringen und sich von Fehlgriffen losmachen
+m&uuml;ssen, welche die Herrschaft der Welt in die H&auml;nde einer
+unproduktiven, l&uuml;gnerischen und &uuml;belwollenden Klasse
+liefere. Man d&uuml;rfe die Handeltreibenden nicht mit den
+Manufakturisten verwechseln.<a href="#Footnote_21"
+name="FNanchor_21" id="FNanchor_21"><sup>21</sup></a> Die Hauptschacherer, die
+Rohmaterialienh&auml;ndler s&auml;nnen nur, wie sie Manufakturisten
+und Konsumenten pl&uuml;ndern k&ouml;nnten. Zu diesem Zwecke
+unterrichteten sie sich &uuml;ber die vorhandenen Vorr&auml;the,
+kauften sie auf, hielten die Waaren zur&uuml;ck und verteuerten sie,
+um so auf Fabrikant und B&uuml;rger den Druck auszu&uuml;ben. Die sog.
+Oekonomisten stellten diese Aufk&auml;ufer und Wucherer als
+tiefsinnige Genies hin, die doch nichts als elende Schw&auml;tzer,
+abenteuerliche Spieler und tolerirte B&ouml;sewichter seien. Den
+schlagendsten Beweis habe das Jahr 1826 gegeben, wo mitten in der
+tiefsten Ruhe pl&ouml;tzlich eine Stagnation und Ueberf&uuml;lle an
+Produkten hervorgetreten sei, als alle Journale noch unmittelbar zuvor
+auf die dem Handel neuen und g&uuml;nstigen Chancen hinwiesen, welche
+die Befreiung beider Amerika im Gefolge haben werde. Nun, welches sei
+die Ursache dieser &uuml;berraschenden Krise gewesen? Es war die
+Wirkung eines komplizirten Spiels zweier charakteristischer
+Eigenschaften des Handels: des Zur&uuml;ckschlagens der Vollsaftigkeit
+<TT>(refoulement pl&eacute;thorique)</TT> und eines Gegenschlags durch
+verfehlte Spekulation.
+
+</P><P>
+
+Die erstere Eigenschaft sei die periodische Wirkung blinder Habgier
+der Kaufleute. Sobald irgendwo ein Absatzweg sich &ouml;ffne,
+w&uuml;rden viermal mehr Waaren zugef&uuml;hrt, als der Markt
+aufnehmen k&ouml;nne. So sei es auch hier gewesen. Wenn man die
+Wilden, die Neger und die spanische Bettelbev&ouml;lkerung in Abzug
+bringe, z&auml;hlten die beiden (Nord- und S&uuml;d-) Amerika kaum 20
+Millionen konsumtionsf&auml;higer Bewohner, man habe aber f&uuml;r 200
+Millionen konsumtionsf&auml;higer Menschen Waaren zugef&uuml;hrt.
+Daher die Stockung und der R&uuml;ckschlag. Im Jahre 1825 h&auml;tten
+die franz&ouml;sischen und englischen Hosenh&auml;ndler Waarenmassen
+zugef&uuml;hrt, die wenigstens auf 3 bis 4 Jahre reichten, so
+entstanden Massenverk&auml;ufe, Stockung, Entwerthung der Stoffe,
+Bankerotte der Verk&auml;ufer. Das war die nothwendige Wirkung dieser
+Ueberf&uuml;lle <TT>(pl&eacute;thore)</TT>, verursacht durch die
+Unklugheiten des Handels, der in seiner Gier nach Gewinn sich stets
+&uuml;ber das Quantum der absatzf&auml;higen Produkte den
+gr&ouml;&szlig;ten Illusionen &uuml;berlasse. Was k&ouml;nne man auch
+von einer Kohorte eifers&uuml;chtiger, durch Habgier verblendeter
+Verk&auml;ufer anders erwarten? Wie wollten wohl diese die Grenzen der
+Aufnahmef&auml;higkeit eines Marktes erkennen?
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Gen&uuml;gte schon die Ueberzufuhr von Waaren, um Bankerotte und die
+&auml;u&szlig;erste Beunruhigung der M&auml;rkte und Fabriken
+hervorzurufen, so trat in demselben Augenblick ein anderer Umstand
+dazwischen, um das Uebel zu vervielfachen. Die
+Baumwollenaufk&auml;ufer in New-York, Philadelphia, Baltimore,
+Charleston etc. hatten im Einverst&auml;ndni&szlig; mit ihren
+Vertrauten in Liverpool, London, Amsterdam, Havre und Paris sich aller
+Vorr&auml;the bem&auml;chtigt. Aber da geschah, da&szlig; Egypten und
+andere M&auml;rkte eine au&szlig;erordentlich reiche Ernte hatten. Die
+Hausse war nur ein kurzes Strohfeuer. Die wucherischen Geier Amerikas
+wie ihre Kooperateure in Europa erstickten im Ueberflu&szlig;. Die
+durch die <TT>Crise pl&eacute;thorique</TT> verursachte
+Preisschleuderei zwang die Fabriken zu feiern und brachte die
+Baumwollenspekulanten, die auf Hausse gerechnet und jetzt einer tiefen
+Baisse sich gegen&uuml;ber sahen, zum Sturz. Den verungl&uuml;ckten
+Machinationen in Amerika folgten als Gegenschlag die Bankerotte in
+Europa. Das ist der einfache Hergang der so r&auml;thselhaft
+erschienenen Ereignisse. Journale und Schriften, die dar&uuml;ber sich
+&auml;u&szlig;erten, verfielen alle in denselben Irrthum. Nach ihnen
+war nur eine Ursache vorhanden: die Unordnung, welche durch die beiden
+gleichzeitig sich vollziehenden Operationen auf dem Markt entstanden
+war. Niemand gestand die wahren Ursachen offen ein, man bem&uuml;hte
+sich vielmehr, die beiden Parteien, die das Uebel verursacht hatten,
+als unschuldig darzustellen, man gab weder zu, da&szlig; die Einen
+durch Zufuhr von Riesenmengen an Waaren die M&auml;rkte lahmlegten,
+noch da&szlig; die Anderen durch Vorenthaltung des n&ouml;thigen
+Rohmaterials die M&auml;rkte beraubten. Auf der einen Seite herrschte
+verr&uuml;ckte Verschwendung, auf der anderen vexatorische
+Unterschlagung. Es gab also in jeder Weise Exzesse und Konfusion im
+Mechanismus. Das ist der Handel, das Ideal der Dummk&ouml;pfe.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wie im vorliegenden Falle zwei, erl&auml;utert Fourier weiter, so
+wirkten oft drei und vier Ursachen zusammen, um Krisen zu erzeugen,
+und was die verschiedenen Charaktere der Bankerotte betreffe, so habe
+er eine Liste von zweiundsiebenzig verschiedenen Arten aufgestellt.
+Wollte man alle Formen des Betrugs und der Bankerotte zeichnen, man
+m&uuml;&szlig;te dicke B&uuml;cher schreiben. Von den Haupt&uuml;beln,
+die der Handel geb&auml;re und die als die Triebfeder zu allem Unheil
+ansehen seien, wolle er nur zw&ouml;lf auff&uuml;hren:
+B&ouml;rsenspiel, Lebensmittelwucher, Bankerott, Geldwucher,
+Parasitenthum, Mangel an Solidarit&auml;t, fallendes Gehalt und
+fallende L&ouml;hne, Theuerung, Verletzungen der Gesundheit,<a href="#Footnote_22"
+name="FNanchor_22" id="FNanchor_22"><sup>22</sup></a>
+willk&uuml;rliche Festsetzung der Preise, legalisirte
+Doppelz&uuml;ngigkeit im Verkehr, individuelles Geld.
+
+</P><P>
+
+Fourier spricht dann von der &bdquo;Absonderung&ldquo; der Kapitalien, worunter er
+die Konzentration auf der einen und den daraus folgenden Kapitalmangel
+auf der anderen Seite versteht. Die Kapitalkonzentration erzeuge auch
+den Ueberflu&szlig; &mdash; an Bodenerzeugnissen durch den Handel
+&mdash;, der den Preisdruck f&uuml;r die Erzeugnisse des
+Bodenbesitzers hervorrufe. Die Kapitalien h&auml;uften sich nur auf
+Seiten der unproduktiven Klasse. Bankiers und Kaufleute beklagten sich
+h&auml;ufig, nicht zu wissen, was sie mit ihren Fonds beginnen
+sollten, sie empfingen Geld f&uuml;r 3 Prozent, wo der Landmann es
+kaum f&uuml;r 6 auftreiben k&ouml;nne. Wenn er es nominell zu 5
+Prozent erhalte, koste es ihn mit allen Spesen und Lasten, die damit
+verbunden seien, 16 und 17 Prozent. Der Handel, dieser Vampyr, der das
+Blut aus dem industriellen K&ouml;rper sauge, konzentrire Alles in
+seine Taschen und zwinge die produktive Klasse, sich dem Wucherer zu
+&uuml;berliefern. Selbst die Jahre des Ueberflusses w&uuml;rden
+f&uuml;r die Agrikultur eine Gei&szlig;el, wie man das 1816 und 1817
+gesehen habe. Das Jahr 1816 brachte Mi&szlig;ernte und zwang den
+Landmann zum Schuldenmachen, als aber 1817 eine sehr reiche Ernte
+brachte, ward er gezwungen, dieselbe rasch und in Folge dessen zum
+niedrigsten Preis zu verkaufen, um seine Gl&auml;ubiger zu bezahlen.
+So zerstreue der soziale Mechanismus die kleinen Kapitalien, um sie in
+den H&auml;nden der Handeltreibenden zu konzentriren. Der Ackerbauer
+seufze, gebrochen durch den Gegenschlag, unter dem Ueberflu&szlig; der
+Ernten, deren Werth weder bei dem Verkauf noch bei der Konsumtion ihm
+geh&ouml;re, weil die Konsumtion auf umgest&uuml;rzter Basis ruhe,
+<i>&bdquo;denn die Klasse, die produzirt, nimmt an der Konsumtion nicht
+Theil&ldquo;.</i> So w&uuml;rden Eigent&uuml;mer wie Bodenbebauer oft
+gezwungen, Gei&szlig;eln, wie Frost und Hagel, herbeizuw&uuml;nschen.
+Man habe 1828 den Schrecken gesehen, als man im Juni in allen
+weinbautreibenden L&auml;ndern eine gute Ernte und damit
+erdr&uuml;ckenden Ueberflu&szlig; zu f&uuml;rchten hatte.<a href="#Footnote_23"
+name="FNanchor_23" id="FNanchor_23"><sup>23</sup></a>
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Gen&uuml;gen diese Monstrosit&auml;ten nicht, um zu beweisen,
+da&szlig; das gegenw&auml;rtige System des Handels, wie der ganze
+Mechanismus der Zivilisation die verkehrte Welt darstellt? Aber wie
+will man sich in diesem Labyrinth zurechtfinden, so lange man die
+Charaktereigenschaften dieser Gesellschaft nicht analysirt?
+Schmeichler unseres Handelssystems haben wir im Ueberflu&szlig;, deren
+alleiniges Talent darin besteht, alle Fehler der Hydra des Handels zu
+ber&auml;uchern. Wenn man erst die wahre Natur dieses
+l&uuml;gnerischen Systems erkennt, wird man erstaunt sein, da&szlig;
+man so lange sich von einem System dupiren lie&szlig;, das schon der
+Instinkt uns denunzirt, denn alle anderen Klassen hassen den Handel.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Falschheit und Zweideutigkeit, wozu dieses System gekommen ist,
+gen&uuml;gt, um den Betroffenen die Augen zu &ouml;ffnen; die
+Betr&uuml;gerei und die F&auml;lschung aller Lebensmittel hat eine
+H&ouml;he erreicht, da&szlig; man die Einf&uuml;hrung des
+Handelsmonopols als eine Schutzma&szlig;regel gegen <i>diesen</i>
+Handel begr&uuml;&szlig;en w&uuml;rde. Eine Staatsregie w&uuml;rde
+viel weniger sich auf Zweideutigkeiten einlassen k&ouml;nnen, sie
+w&uuml;rde zu einem festgesetzten Preis wenigstens nat&uuml;rliche
+Produkte geben, w&auml;hrend es heute fast unm&ouml;glich ist, im
+Handel etwas nat&uuml;rlich zu erhalten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In Paris findet man kein Zuckerbrot, das nicht mit Runkelr&uuml;ben
+gef&auml;lscht ist,<a href="#Footnote_24"
+name="FNanchor_24" id="FNanchor_24"><sup>24</sup></a> keine Tasse reiner Milch oder
+ein Glas reinen Branntweins. Kurz Unordnung und Aergerni&szlig; sind
+auf die Spitze getrieben und gehen die Dinge so weiter, so bleibt
+nichts &uuml;brig, als das Monopol.&ldquo; Fourier setzt freilich hinzu,
+da&szlig; dies durch Entdeckung seines soziet&auml;ren Systems und
+dessen Einf&uuml;hrung unn&uuml;tz werde.
+
+</P><P>
+
+Fourier &auml;u&szlig;ert sich dann &uuml;ber den Bankerott, &uuml;ber
+die Art, wie die &ouml;ffentliche Meinung ihn zum Theil behandelt und
+wie der Bankerott selbst wieder zu T&auml;uschungen benutzt wird. Auf
+der B&uuml;hne werde ein Falliment mit f&uuml;nfzig Prozent als
+Lustspiel behandelt. Wenn aber ein Bankier die anvertrauten Depots von
+Ersparnissen zahlreicher Dienstboten veruntreue, die diese
+w&auml;hrend zwanzig Jahren m&uuml;hselig zusammengescharrt, so sei
+das sicherlich keine l&auml;cherliche Sache, sondern ein Verbrechen,
+das zu bestrafen sei.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Welche Verdorbenheit in der philosophischen Welt. Die Literatur ist
+eine Prostituirte, die nur studirt, wie sie sich mit dem Laster auf's
+Beste stellen kann; sie malt Alles in den sch&ouml;nsten Farben, damit
+die Theaterkasse ihre gute Einnahme hat. Die Moral ist eine in
+Mi&szlig;kredit gerathene Schw&auml;tzerin, die nicht mehr wagt, gegen
+straflose Verbrechen, wie den Bankerott, zu deklamiren; sie
+speichelleckert allen Klassen von Dieben. Und der Oekonomismus, der
+nichts zu entdecken versteht, sucht die zu Tage liegenden Laster als
+unschuldige hinzustellen, sind es doch die Laster seiner Favoriten,
+der Handeltreibenden. So denkt keine Wissenschaft daran, ihre Aufgabe,
+die Analyse der Uebel der Zivilisation und das Suchen nach einem
+Heilmittel, zu erf&uuml;llen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Fourier f&uuml;hrt, wie er Alles zu klassifiziren und zu ordnen liebt,
+nicht weniger als vierundzwanzig Arten von Bankerotten auf, bei denen
+die Schw&auml;chen oder die Liebhabereien der Bankerotteure die
+Ursachen ihres Zusammenbruchs sind. Bei dem Einen sind zerr&uuml;ttete
+Familienverh&auml;ltnisse, eine liederliche Frau, verdorbene Kinder,
+bei dem Anderen eine Maitresse, bei dem Dritten die galanten
+Neigungen, bei dem Vierten Sentimentalit&auml;t, die ihn zum
+Gesch&auml;ft unbrauchbar machen u.&nbsp;s.&nbsp;w., die Ursachen, welche die
+Katastrophen erzeugen. Er k&ouml;nne, setzt er weiter hinzu, recht
+am&uuml;sante Kapitel zu den Details aller Arten von Bankerotten
+liefern, er treibe das Gesch&auml;ft seines Vaters und sei im
+Waarenladen erzogen worden, er habe mit eigenen Augen die Infamien des
+Handels gesehen und beschreibe ihn nicht, wie die Moralisten vom
+H&ouml;rensagen, die den Handel nur in den Salons der Agioteure kennen
+lernten und einen Bankerott als etwas ans&auml;hen, das man sich in
+guter Gesellschaft erlauben d&uuml;rfe. Jeder Bankerott, namentlich
+wenn er einen Bankier oder Wechselagenten betreffe, werde unter ihrer
+Feder zu einem beklagenswerthen Unfall, f&uuml;r den die
+Gl&auml;ubiger im Grunde dem Falliten noch verbunden seien, da&szlig;
+er sie in seine edlen Spekulationen verwickelt habe. Man zeige den
+Gl&auml;ubigern den Vorgang als eine unverschuldete Fatalit&auml;t,
+eine unvorhergesehene Katastrophe an, die durch das Ungl&uuml;ck der
+Zeiten, widrige Umst&auml;nde, einen beweinenswerthen Wechselfall
+herbeigef&uuml;hrt sei. Das sei der gew&ouml;hnliche Inhalt der
+Briefe, mit welchen ein Fallissement angezeigt werde.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Alsdann kommen der Notar und seine Gevatter, denen im Geheimen ihre
+Provisionen f&uuml;r alle Vortheile, die sie erzielen, zugesichert
+sind und stellen den Falliten als so ehrenhaft, der Achtung so
+w&uuml;rdig hin. Da ist eine z&auml;rtliche Mutter, die sich dem Wohle
+ihrer Kinder opfert, ein tugendhafter Vater, der sie in der Liebe zur
+Verfassung erzieht, eine trostlose eines besseren Schicksals
+w&uuml;rdige Familie, die von der aufrichtigsten Liebe f&uuml;r jeden
+ihrer Gl&auml;ubiger beseelt ist. Man m&uuml;&szlig;te wahrhaftig ein
+Ungeheuer sein, wenn man einer solchen Familie nicht helfen wollte, um
+sie wieder zu erheben. Das ist sogar eine Pflicht f&uuml;r jede
+rechtschaffene Seele. Dazwischen interveniren einige moralische
+Spitzbuben, die man bestochen hat, und die gegen Jedermann
+hervorheben, wie sch&ouml;n es sei, in einem solchen Falle seine
+Gef&uuml;hle walten zu lassen und da&szlig; man dem Ungl&uuml;ck
+Erbarmen schulde. Diese werden durch einige h&uuml;bsche
+F&uuml;rsprecherinnen, die sehr n&uuml;tzlich sind, um die
+Widerspenstigsten zu beruhigen, unterst&uuml;tzt. Durch alle diese
+Umtriebe ersch&uuml;ttert, kommen Dreiviertel der Gl&auml;ubiger sehr
+bewegt und irre geleitet in die Sitzung. Der Notar schl&auml;gt ihnen
+einen Nachla&szlig; von 70 Prozent ihrer Forderungen vor, indem er
+wieder ausmalt, wie diese tugendhafte Familie aus Sorge, die
+geheiligten Pflichten der Ehre zu erf&uuml;llen, sich des Letzten
+beraube. Ist die Situation g&uuml;nstig, so schl&auml;gt man den
+Gl&auml;ubigern weiter vor, da&szlig; sie, um ihr Gewissen zu
+befriedigen und um der edlen Eigenschaften einer Familie willen, die
+so w&uuml;rdig der Achtung und so eifrig f&uuml;r die Interessen ihrer
+Gl&auml;ubiger eingenommen ist, eine Huldigung bringen und statt auf
+siebzig auf achtzig Prozent verzichten. Einige Barbaren wollen
+widerstehen, aber die im Saale geschickt vertheilten Vertrauten
+&uuml;bernehmen das Gesch&auml;ft der heimlichen Anschw&auml;rzung der
+Widerstrebenden, die sie als unmoralisch bezeichnen. Dieser, tuscheln
+sie, besucht nie die Kirche und hat folglich kein Erbarmen; Jener
+unterh&auml;lt eine Maitresse; der Dritte ist ein Geizhals und
+Wucherer; der Vierte hat selbst schon einmal fallirt und besitzt ein
+Herz von Stein, das f&uuml;r seine ungl&uuml;cklichen Mitmenschen ohne
+Nachsicht und Mitleid schl&auml;gt. Endlich erkl&auml;rt die so
+bearbeitete Mehrheit ihre Zustimmung und unterzeichnet den Vertrag.
+Der Notar h&auml;lt eine salbungsvolle Rede, versichernd, da&szlig;
+man im Grunde ein gutes Gesch&auml;ft gemacht habe, denn durch die
+Dazwischenkunft der Gerichte w&uuml;rde nichts &uuml;brig geblieben
+sein und dabei habe man ein gutes Werk gethan und habe einer braven
+Familie geholfen. Schlie&szlig;lich gehen Alle voll Bewunderung
+f&uuml;r die Tugenden dieser w&uuml;rdigen Familie, die man als ein
+Muster betrachten m&uuml;sse, nach Hause.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+So vollziehe sich ein &bdquo;gef&uuml;hlvoller Bankerott&ldquo;, bei dem die
+Gl&auml;ubiger um drei Viertel ihrer Forderungen geprellt wurden;
+werde mit f&uuml;nfzig Prozent ein Fallissement arrangirt, so sei dies
+ein rechtschaffener Bankerott, etwas so Allt&auml;gliches, da&szlig;
+wer sich mit einer so m&auml;&szlig;igen Brandschatzung seiner
+Gl&auml;ubiger begn&uuml;ge, nicht n&ouml;thig habe,
+au&szlig;erordentliche Triebfedern und H&uuml;lfsmittel in Bewegung zu
+setzen. Sei nicht Dummheit des Bankerotteurs im Spiele, so sei ein
+Gesch&auml;ft, bei dem man nicht mehr als f&uuml;nfzig Prozent
+einstreichen wolle, stets sicher.
+
+</P><P>
+
+Die wahre Natur des Bankerotts kennen zu lernen, diesem h&auml;tten
+sich die Philosophen eben so entzogen, wie den Untersuchungen
+&uuml;ber die Agiotage und den Wucher, sie w&uuml;rden dann auch das
+Wesen der freien Konkurrenz begriffen haben. Napoleon habe Recht
+gehabt, zu sagen: Man kenne nicht das eigentliche Wesen des Handels.
+Napoleon sei eingesch&uuml;chtert worden durch die Erfahrung,
+da&szlig; jede Sch&auml;digung, die eine Regierung gegen den Handel
+versuche, von diesem auf die arbeitenden Klassen abgew&auml;lzt werde.
+Sobald der Handel bedroht w&uuml;rde, z&ouml;ge er die Kapitalien
+zur&uuml;ck, s&auml;e er Mi&szlig;trauen, hemme er die Zirkulation.
+Der Handel sei das Bild des Igels, den der Hund an keinem Punkte
+fassen k&ouml;nne. Das sei, was im Geheimen alle Regierungen
+qu&auml;le, was sie zwinge, sich vor dem goldenen Kalb zu beugen.
+Eines Tages habe der &ouml;sterreichische Minister Wallichs (1810)
+gegen die Schliche der B&ouml;rse in Wien auszuschlagen versucht,
+indem er eine Ueberwachung des B&ouml;rsenspiels einf&uuml;hren
+wollte; er sei von der B&ouml;rse in die Pfanne gehauen worden und
+habe schm&auml;hlich seinen Platz r&auml;umen m&uuml;ssen. Man
+m&uuml;sse also Entdeckungen machen, um gegen diese kommerzielle Hydra
+k&auml;mpfen zu k&ouml;nnen. Schlie&szlig;lich sei nichts leichter,
+als diesen Kolo&szlig; der L&uuml;ge anzugreifen; kenne man die
+Batterien, die anzuwenden seien, so werde er nicht einmal Widerstand
+versuchen.
+
+</P><P>
+
+Nat&uuml;rlich t&auml;uscht sich Fourier hier, weil er die Wirkung
+f&uuml;r die Ursache nimmt. Der Handel ist nur eine der Erscheinungen
+des kapitalistischen Systems. Ihm an den Kragen zu wollen, ohne das
+System mit der Wurzel auszuheben, ist einfach unm&ouml;glich. Fourier,
+der als Uebergangsstadium das Staatsmonopol f&uuml;r den Handel
+vorschl&auml;gt, w&uuml;rde, falls der Versuch der Durchf&uuml;hrung
+gemacht worden w&auml;re, gefunden haben, da&szlig; dies eben so
+unm&ouml;glich ist, wie alle Versuche von Wallichs bis zu Herrn v.
+Scholz und Herrn v. Maibach, der B&ouml;rse auch nur ein Haar zu
+kr&uuml;mmen. Der Kapitalismus mag einwilligen, diesen oder jenen
+Industriezweig verstaatlichen zu lassen, und er wird dies thun, wenn
+er dabei seine Rechnung findet, aber nur dann: doch den Versuch der
+Monopolisirung eines Gebietes, wie es der Handel ist, w&uuml;rde er
+ebenso auf Tod und Leben bek&auml;mpfen wie eine Verstaatlichung der
+gesammten Industrie, und er w&uuml;rde siegreich bleiben.
+Au&szlig;erdem wird der Staat, der in seiner ganzen Organisation und
+Gesetzgebung, und speziell in den gesetzgebenden Faktoren, den
+Volksvertretungen und Ministerien, der Ausdruck der kapitalistischen
+Interessen ist, dieser Staat wird nie weiter gehen, als sein
+<i>fiskalisches Interesse</i> ihn n&ouml;thigt, und was immer er
+verstaatlicht, wird selbst wieder nur in kapitalistischer Form
+verwaltet und ausgebeutet. Fourier konnte zu seiner Zeit noch einen
+gewissen ausgepr&auml;gten Gegensatz zwischen der Staatsgewalt und den
+leitenden &ouml;konomischen Klassen konstruiren, weil insbesondere der
+alte Adel mit der emporstrebenden Bourgeoisie, den M&auml;nnern von
+1789 und ihren Nachfolgern, sich in den Haaren lag und beide Parteien
+die Staatsgewalt als Schiedsrichterin anriefen. Aber hier bestand kein
+Klassengegensatz, wie zwischen Kapital und Arbeit, es war nur der
+Kampf um die Beute, wie wir heute noch diesen Kampf in voller
+Bl&uuml;the sehen, wo grundbesitzende, industrielle und
+handeltreibende Bourgeoisie die Staatsgewalt und die
+Staatsgesetzgebung f&uuml;r ihre spezifischen Interessen auszunutzen
+suchen. Diese Differenzen werden dauern, so lange es eine
+b&uuml;rgerliche Gesellschaft giebt, sie werden immer nur
+quantitativer, nie qualitativer, prinzipieller Natur sein. <i>Die
+Existenz des Staats erfordert die Aufrechterhaltung der
+Klassengegens&auml;tze;</i> er kann sie &mdash; und das liegt in
+seinem Interesse &mdash; zu mildern versuchen, aufzuheben vermag er
+sie nicht, <i>weil er sich selbst damit aufheben w&uuml;rde.</i> Die
+Entstehung des Klassengegensatzes in der Gesellschaft <i>erzeugte den
+Staat,</i> die Aufhebung des Klassengegensatzes machte ihn
+verschwinden. Der Klassengegensatz, von seinem Entstehen an in den
+Formen stetig wechselnd, aber seit dem Bestand des Staats stets
+vorhanden, <i>ist das Gesetz der Existenz des Staates.</i> Wir hoben
+bereits hervor, da&szlig; wenn der ganze Erdboden mit Fourier'schen
+Phalanxen bedeckt w&auml;re, seine Omniarchen, C&auml;sare, Auguste,
+Monarchen u.&nbsp;s.&nbsp;w. eine sehr zwecklose Staffage w&auml;ren, die keinen
+Sinn und keine Bedeutung h&auml;tte. Kriege g&auml;be es nicht mehr
+&mdash; also ist die Armee mit Allem, was damit zusammenh&auml;ngt,
+&uuml;berfl&uuml;ssig. Diebe, Betr&uuml;ger, Verbrecher existirten
+auch nicht mehr &mdash; also w&auml;ren Justiz, Polizei,
+Gef&auml;ngnisse nicht mehr von N&ouml;then. Die Steuerbeh&ouml;rden
+w&auml;ren, wie er selbst ausf&uuml;hrte, ebenfalls nutzlos. Die
+Verwaltung ihrer Angelegenheiten leitete jede Phalanx
+ausschlie&szlig;lich; die Beziehungen der Phalanxen unter sich
+w&auml;ren sehr einfache, sie bez&ouml;gen sich auf den gegenseitigen
+Austausch und die gegenseitige H&uuml;lfeleistung bei der Herstellung
+gro&szlig;er gemeinsamer Unternehmungen, auf die Mittheilung und
+Unterst&uuml;tzung von Erfindungen, Verbesserungen und Entdeckungen
+aller Art f&uuml;r das praktische Leben, f&uuml;r Wissenschaften und
+K&uuml;nste. Das sind Dinge, wozu schlie&szlig;lich eine Staatsgewalt
+in unserem Sinne nicht n&ouml;thig w&auml;re. Denn diese Staatsgewalt
+ist eine repressive und befehlende Gewalt und nicht eine blos
+ausf&uuml;hrende und anordnende Instanz; ihre Hauptaufgabe besteht
+darin, den Gegensatz innerhalb der Gesellschaft niederzuhalten,
+Ausbr&uuml;che nationaler Streitigkeiten niederschlagen und alle
+Diejenigen, welche, sei es individuell, sei es korporativ, die
+bestehenden Staatsnormen verletzen, zur Verantwortung zu ziehen.
+F&uuml;r alle diese Leistungen braucht die Staatsgewalt die
+n&ouml;thigen Werkzeuge und Institutionen: Armee, Gerichte, Polizei,
+Gef&auml;ngnisse, Steuerbeh&ouml;rden etc. Mit dem Zweck fielen auch
+die Mittel. Monarchen, die unter dem Regime der Phalanx regieren
+wollten, w&uuml;rden unbek&uuml;mmert um ihre Stellung und ihren
+Titel, in noch viel h&ouml;herem Grade die Rolle spielen, die das
+bekannte drastische Wort Napoleon's den Monarchen sogenannter
+konstitutioneller Musterstaaten, wie wir solche in Europa nur wenige
+&mdash; England, Italien, Belgien &mdash; haben, anweist; ihre
+Existenz w&uuml;rde durch die Natur der Dinge im phalansteren System
+unm&ouml;glich sein.
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Im weiteren Verlauf seiner Kritik der Zivilisation kommt Fourier auf
+diejenigen Charaktere zu sprechen, die nach dem R&uuml;ckschritt
+streben, denen der Hang zur r&uuml;ckg&auml;ngigen Bewegung eingeimpft
+<TT>(greff&eacute;e)</TT> sei, und auf diejenigen Charaktere, die zum
+Niedergang der dritten Phase treiben.
+
+</P><P>
+
+Eine Partei, welche die Mi&szlig;br&auml;uche der falschen Freiheit
+erschreckte, halte es f&uuml;r klug, auf die Gebr&auml;uche und
+Gepflogenheiten des zehnten Jahrhunderts, auf die Feudalit&auml;t und
+den religi&ouml;sen Obskurantismus zur&uuml;ckzukommen. Aber man finde
+weder ein Volk noch eine Bourgeoisie, welche sich f&uuml;r das zehnte
+Jahrhundert begeisterten. Der Versuch, das zehnte Jahrhundert auf das
+neunzehnte, die erste Phase der Zivilisation auf die dritte zu
+pfropfen, werde scheitern, Handel und Finanz seien allm&auml;chtig und
+eine Partei sei verloren, welche glaube, diese beiden M&auml;chte
+beherrschen zu k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Andererseits seien die Champions des &bdquo;erhabenen Flugs&ldquo; unserer
+Gesellschaftsordnung, die Liberalen, auch noch eine Partei von
+R&uuml;ckw&auml;rtslern, die im Flittergold der Athener und der
+R&ouml;mer st&ouml;bernd, die alten Schwindeleien, die falschen
+Menschenrechte, in Szene zu setzen suchten und auf das neunzehnte
+Jahrhundert Illusionen pfropften, welche die Zivilisation zu einem
+Mischmasch der zweiten und der dritten Phase machten.
+
+</P><P>
+
+Schlie&szlig;lich werde die Partei die Oberhand behalten, welche nach
+der vierten Phase der Entwicklung vorw&auml;rts und nicht
+r&uuml;ckw&auml;rts gehe. Wenn beide Parteien sich auszus&ouml;hnen
+und zu vereinigen verm&ouml;chten, k&ouml;nnte die Zivilisation in die
+vierte Phase aufr&uuml;cken, die, wenn sie auch nicht das eigentliche
+Gl&uuml;ck bringe, doch gegen die fr&uuml;heren gro&szlig;e
+Vorz&uuml;ge habe; sie werde die Bettelarmuth austilgen,
+best&auml;ndig Arbeit dem Volke sichern, Fonds liefern, gen&uuml;gend,
+um die &ouml;ffentlichen Schulden zu decken; W&auml;lder und Wege
+restauriren.
+
+</P><P>
+
+Was die dritte Phase betreffe, so sei sie eine Sackgasse, aus welcher
+der menschliche Geist nicht herauszukommen wisse, er nutze sich mit
+Systemen ab, die nur darauf hinaus liefen, alle Gei&szlig;eln zur
+Herrschaft zu bringen. Diese Phase zeige das Bild des Sisyphus, der
+ewig den Felsen w&auml;lzend nie zum Ziele komme. In verschiedenen
+Beziehungen seien wir sogar zu R&uuml;ckschritten gekommen, verursacht
+durch die Chim&auml;ren, welche wir uns &uuml;ber das
+Repr&auml;sentativsystem machten, was selbst Lobredner des
+Liberalismus, wie Benjamin Constant, anerkannt h&auml;tten. Solche
+Uebel seien: die Korruption der Volksvertreter durch die Bestechungen;
+die Aufschreckung der H&ouml;fe, die von Sinnen k&auml;men durch die
+Angst, die ihnen der falsche Liberalismus einfl&ouml;&szlig;e; das
+Schutzsuchen der H&ouml;fe bei den Feinden ihrer Unabh&auml;ngigkeit
+aus Furcht vor dem Liberalismus, &bdquo;diesem Schlimmsten, was ihnen
+begegnen k&ouml;nne&ldquo;; (heilige Allianz, Kongresse von Aachen, Troppau,
+Laibach, Verona, Karlsbader Beschl&uuml;sse, auf diese und
+&auml;hnliche Vorkommnisse spielt Fourier hier an); die
+Mi&szlig;helligkeiten unter den verschiedenen Klassen der B&uuml;rger
+in Folge der Wahlk&auml;mpfe; das Wachsthum der Staatsausgaben in
+Folge des Kampfes der Regierungen gegen die V&ouml;lker u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+
+</P><P>
+
+Fourier verwahrt sich dagegen, da&szlig; er ein Vertheidiger des
+Absolutismus sei, wenn er die Uebel des herrschenden Systems bloslege;
+er kritisire, um zu zeigen, da&szlig; weder das Bestehende noch das
+Vergangene das Gl&uuml;ck der Menschen geschaffen und beweise,
+da&szlig; man die jetzige Phase so rasch als m&ouml;glich verlassen
+m&uuml;sse. Er nenne den Liberalismus falsch, weil er einen
+politischen R&uuml;ckschritt unter volksfreundlicher Maske, die
+Herrschaft der Oligarchie erstrebe <i>und immer die seinen
+Versprechungen entgegengesetzten Wirkungen erzeuge.</i> Die Liberalen
+suchten sich zu rechtfertigen, indem sie sagten: &bdquo;Seht Ihr nicht,
+da&szlig; wir ohne das Repr&auml;sentativsystem und ohne unsere
+Opposition in den dr&uuml;ckendsten Despotismus fielen?&ldquo; Das gebe er
+zu, aber es sei nicht weniger gewi&szlig;, da&szlig;, indem die
+Liberalen durch ihre Taktik den R&uuml;ckschrittlern vor den Kopf
+stie&szlig;en und sie immer mehr erbitterten, sie diese immer mehr dem
+Obskurantismus in die Arme trieben. So arbeiteten die Liberalen
+indirekt gegen sich selbst. Ueberdies sei sicher, da&szlig; dieses
+sogenannte liberale System keineswegs sehr positiv operire, <i>der
+liberale Geist sei f&uuml;r alle gro&szlig;en Probleme sozialer
+Verbesserung durchaus steril, er bringe immer nur Debatten zur Welt,
+nie eine neue Idee.</i>
+
+</P><P>
+
+Fourier hat hier mit wenig Worten den Liberalismus schlagend
+gekennzeichnet; er hat nichtsdestoweniger nach zwei Seiten Unrecht. Er
+hat Unrecht, wenn er sagt, der Liberalismus schade sich selbst, weil
+er durch seine Kampfweise den Monarchen und den Konservativen vor den
+Kopf sto&szlig;e. Das ist derselbe Vorwurf, den in unserer Zeit die
+vorgeschrittenen Liberalen den Sozialisten machen. Nun kann aber keine
+Partei aus ihrer Haut, sie k&auml;mpft f&uuml;r die Ideen und
+Interessen, die ihre Lebensbedingungen bilden; ob sie dabei einen der
+Gegner, mit dem sie gewisse gleiche Ziele hat, verletzt und
+einsch&uuml;chtert, kann nicht in Frage kommen. Jede aufstrebende
+Partei, die f&uuml;r ihren Sieg k&auml;mpft, ist f&uuml;r die alten
+Parteien eine Gefahr, weil der Sieg der neuen Partei die
+Verdr&auml;ngung der alten Parteien und ihre Hinauswerfung aus der
+innegehabten Position bedeutet. Dar&uuml;ber t&auml;uscht sich keine
+Partei, die an der Herrschaft ist, und namentlich dann nicht, wenn ein
+unvers&ouml;hnlicher prinzipieller Gegensatz zwischen den
+k&auml;mpfenden Parteien besteht. Es ist daher th&ouml;richt, dem
+Angreifer seine Taktik zum Vorwurf zu machen, denn nicht um diese,
+sondern um seine wahren Bestrebungen handelt es sich.
+
+</P><P>
+
+Fourier hat ferner Unrecht, wenn er glaubt, da&szlig; ein
+B&uuml;ndni&szlig; des Liberalismus seiner Zeit mit dem Konservatismus
+ein g&uuml;nstigeres Resultat f&uuml;r den Fortschritt der
+Gesellschaft ergeben h&auml;tte. Deutschland, das heute &auml;hnliche
+K&auml;mpfe der herrschenden Klassen unter sich durchzumachen hat, wie
+das Frankreich der zwanziger und drei&szlig;iger Jahre dieses
+Jahrhunderts, ist der klassische Zeuge daf&uuml;r, wohin der
+Liberalismus und der Fortschritt der Gesellschaft kommt, wenn der
+Liberalismus sich mit dem Konservatismus verb&uuml;ndet. Indessen wir
+wissen heute, da&szlig; <i>alle</i> wie immer gearteten politischen
+Parteik&auml;mpfe nur K&auml;mpfe um materielle Interessen sind, und
+da&szlig;, wo zwei K&auml;mpfende sich gegen den dritten
+verb&uuml;nden, sie selbst nur einen Waffenstillstand schlie&szlig;en,
+weil ihnen der dritte die streitige gemeinsame Beute zu
+entrei&szlig;en droht. Es ist der alte Kampf um das bevorzugte Dasein,
+den die Menschen im Gegensatz zu den &bdquo;unvern&uuml;nftigen&ldquo; Thieren
+f&uuml;hren, indem jeder sich selbst und alle sich gegenseitig zu
+bel&uuml;gen und zu betr&uuml;gen suchen, sich vorredend, es seien die
+&bdquo;Ideen&ldquo; und nur die &bdquo;Ideen&ldquo;, f&uuml;r die sie stritten und
+k&auml;mpften. Es ist der gro&szlig;e Fortschritt unserer Zeit,
+da&szlig; der Charakter dieser K&auml;mpfe als Klassen- und
+Interessenk&auml;mpfe immer mehr erkannt wird, und vor Allem ist es
+der moderne Sozialismus, der diesen Standpunkt voll und ganz einnimmt.
+
+</P><P>
+
+Fourier f&auml;hrt fort:
+
+</P><P>
+
+Die Stehenbleibenden <TT>(immobilistes)</TT> seien eine ebenso
+l&auml;cherliche Sekte als die R&uuml;ckw&auml;rtsstrebenden, die
+soziale Bewegung weise jeden Stillstand zur&uuml;ck; sie strebe zum
+Fortschritt, dies sei ebenso ihr Bed&uuml;rfni&szlig; wie, da&szlig;
+Wasser und Luft zirkuliren m&uuml;&szlig;ten, um nicht zu verderben.
+Jeder Stillstand korrumpire. Unsere Bestimmung sei, vorw&auml;rts zu
+marschiren und so m&uuml;sse jede soziale Periode nach einer
+h&ouml;heren Entwicklung streben. So tendire die Barbarei zur
+Zivilisation und diese zum Garantismus und den h&ouml;heren
+Entwicklungsformen. Wenn eine Gesellschaft zu lange in einer
+Entwicklungsphase verharre, ermatte sie, und es entwickle sich in ihr,
+wie stehendes Wasser faulig werde, die Verderbni&szlig;. Wir
+bef&auml;nden uns seit einem Jahrhundert in der dritten Phase, aber in
+dieser kurzen Spanne Zeit sei die Entwicklung, Dank den kolossalen
+Fortschritten der Industrie, sehr rasch vor sich gegangen. Heute
+strebe die dritte Phase &uuml;ber ihre Grenzen hinaus. Wir
+bes&auml;&szlig;en zu viel Lebensmittel f&uuml;r eine auf der sozialen
+Stufenleiter gleichzeitig nicht gen&uuml;gend emporgestiegene
+Gesellschaft, und dieser Ueberflu&szlig; von Lebensmitteln, im
+sozialen Mechanismus keine nat&uuml;rliche Anwendung findend,
+&uuml;berlaste und verderbe ihn. Daraus resultire eine
+zerst&ouml;rende G&auml;hrung, es entwickle sich eine gro&szlig;e
+Menge sch&auml;dlicher Charaktere, es zeigten sich Symptome der
+Erschlaffung, alles Wirkungen des Mi&szlig;verh&auml;ltnisses, das
+zwischen den industriellen Mitteln und den auf einer tieferen
+Stufenleiter stehenden Massen der Bev&ouml;lkerung vorhanden sei. Wir
+bes&auml;&szlig;en zu viel Industrie f&uuml;r eine zu wenig
+vorgeschrittene noch in der dritten Phase zur&uuml;ckgehaltene
+Zivilisation, die aber von dem Bed&uuml;rfni&szlig; gedr&auml;ngt
+werde, sich in die vierte Phase zu erheben. Daher diese Erscheinungen
+des Ueberflusses und der Verschlechterung, von denen er die
+schlimmsten aufz&auml;hlen werde. Als Antwort auf die Prahlereien von
+der Vollkommenheit der bestehenden Gesellschaft werde er die zu Tage
+liegenden Wirkungen ihrer noch sehr neuen Verschlechterungen zeigen.
+
+</P><P>
+
+Fourier f&uuml;hrt nun ein S&uuml;ndenregister der Zivilisation von
+vierundzwanzig Eigenschaften auf, die den nothwendigen Verfall der
+Gesellschaft zur Folge haben m&uuml;&szlig;ten.
+
+</P><P>
+
+Erstens: Die politische Zentralisation. Die Hauptst&auml;dte
+w&uuml;rden zu Abgr&uuml;nden, die alle H&uuml;lfsmittel
+verschl&auml;ngen, welche die Reichen zur Agiotage verleiteten, so
+da&szlig; diese mehr und mehr die Agrikultur verschm&auml;hten.
+Zweitens: Die Fortschritte der Fiskalit&auml;t. Es entwickele sich ein
+System der Erpressung und es entst&uuml;nden die indirekten
+Bankerotte; man nehme die Mittel voraus und grabe der Zukunft den
+Abgrund. 1788 habe Necker nicht gewu&szlig;t, womit er ein
+j&auml;hrliches Defizit von f&uuml;nfzig Millionen decken solle, heute
+reichten nicht f&uuml;nfzig, man brauche f&uuml;nfhundert Millionen.
+Drittens: Befestigung des Seehandelsmonopols. 1788 habe man noch mit
+England rivalisirt und es zur&uuml;ckgehalten, heute herrsche es
+ausschlie&szlig;lich, ohne da&szlig; Europa an die Wiederherstellung
+einer wirklichen Rivalit&auml;t denken k&ouml;nne. Viertens: Wachsende
+Angriffe auf das Eigenthum. Gewohnheit und Beispiele machten diese
+durch die Vorw&auml;nde zur Revolution immer h&auml;ufiger. Diese
+Angriffe w&uuml;rden f&uuml;r alle Parteien zur Regel. Nachdem
+Frankreich &mdash; in der gro&szlig;en Revolution und unter Napoleon
+&mdash; konfiszirt habe, ahmten Spanien und Portugal das Beispiel nach
+und das werde immer schlimmer werden, weil es heute nur Fortschritt in
+der Unordnung g&auml;be. Es sei eine Charaktereigenschaft der
+Gesellschaft, die in die Barbarei zur&uuml;ckgreife. F&uuml;nftens:
+Beseitigung der Zwischenk&ouml;rperschaften; also derjenigen
+Institutionen, welche durch die straffe Zentralisation, die der
+Konvent schuf, beseitigt wurden: Provinzialst&auml;nde, Parlamente,
+Magistrate und Korporationen. Dank ihrem Sturze befinde man sich vor
+der j&auml;hrlichen Vergr&ouml;&szlig;erung des Budgets um
+f&uuml;nfhundert Millionen. Sechstens: Beraubung der Kommune an
+Eigenthum und Rechten, die man vergeblich durch die
+Lebensmittelsteuern <TT>(octrois)</TT>, welche die Industrie
+sch&auml;digten, die Bev&ouml;lkerung mi&szlig;stimmten, zu
+Steuerhinterziehungen provozirten und den ganzen legalen Handel
+vergifteten, zu entsch&auml;digen versuche. Siebentens: Verdorbenheit
+der Rechtsprechung; man vertheuere dem Armen das Rechtsuchen und mache
+es ihm unm&ouml;glich, und gleichzeitig rufe man, durch die immer
+gr&ouml;&szlig;er werdende Theilung des Eigenthums und die
+H&auml;ufung immer ohnm&auml;chtiger werdender Gesetze, das Wachsthum
+der Prozesse hervor. Die Gesetze blieben todte Buchstaben f&uuml;r
+einen pl&uuml;ndernden Lieferanten, der 76 Millionen gestohlen habe,
+und verurtheilten einen armen Teufel, der einen Kohlkopf stehle, zum
+Tode.
+
+</P><P>
+
+Fourier theilt zum Beleg f&uuml;r diesen letzteren Ausspruch den
+Ausgang zweier Prozesse mit, die sich zu seiner Zeit in Pan im
+s&uuml;dlichen Frankreich abspielten. Ein Armeelieferant, der durch
+betr&uuml;gerische Lieferungen ein Verm&ouml;gen von 76 Millionen
+ergaunerte, wurde freigesprochen, ein armer Teufel, Namens Ellisander,
+der Kohl gestohlen hatte, wurde zum Tode verurtheilt.
+
+</P><P>
+
+Achtens: Dauerlosigkeit in Institutionen, die selbst im Falle besserer
+Einsicht von Unverm&ouml;gen betroffen seien und durch den Mangel
+gerechter Methoden in der ganzen Verwaltung der Gesellschaft das
+Gegentheil von dem erzeugten, was sie bewirken sollten. Man k&ouml;nne
+keine regelm&auml;&szlig;ige, auf allgemein geltenden Grunds&auml;tzen
+basirte Landauftheilung und Landvermessung vornehmen, weil es keine
+Regel f&uuml;r solche Ma&szlig;nahmen gebe. Fourier hat hier die zu
+seiner Zeit geplante allgemeine Katastrirung im Auge, die theils wegen
+der gro&szlig;en Kosten, theils wegen des Streits &uuml;ber die
+unterzulegenden Grunds&auml;tze von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verschoben
+wurde. Neuntens: Stetig drohende Schismen, die B&uuml;rgerkriege
+hervorzurufen drohten. Zehntens: Best&auml;ndige Gefahr des Ausbruchs
+innerer K&auml;mpfe, die Folge des N&auml;hrens der Unzufriedenheit
+durch die Unwissenheit der sozialen Politiker, die kein Mittel der
+Auss&ouml;hnung und des wirklichen sozialen Fortschritts zu entdecken
+verm&ouml;chten. Elftens: Die Vererbung; die Gewohnheit, die durch die
+besiegte Partei einmal eingef&uuml;hrten Uebel beizubehalten:
+Lotterien, &ouml;ffentliche Spiele und andere
+verh&auml;ngni&szlig;volle Mittel der Fiskalit&auml;t.
+
+</P><P>
+
+Die politische Schamlosigkeit und Erniedrigung der christlichen
+M&auml;chte, die mit den Muselm&auml;nnern und Piraten ein stilles
+Vertragsverh&auml;ltni&szlig; eingingen, wonach man den
+Seer&auml;ubern, um sie zu beschwichtigen, einen Tribut bezahlte und
+den Negerhandel unterst&uuml;tzte, betrachtete Fourier als die
+zw&ouml;lfte verh&auml;ngni&szlig;volle Charaktereigenschaft der
+Zivilisation. Zu seiner Zeit standen die Dinge noch so, da&szlig; die
+meisten europ&auml;ischen M&auml;chte, Mangels der n&ouml;thigen
+maritimen Kr&auml;fte und um den Seer&auml;ubereien der
+nordafrikanischen Raubstaaten Einhalt zu thun, durch Zahlung eines
+j&auml;hrlichen Tributs die eigene Flagge vor Angriff zu sch&uuml;tzen
+suchten. Einen solchen Vertrag schlo&szlig; z.&nbsp;B. Oesterreich mit der
+T&uuml;rkei, als der Schutzmacht der nordafrikanischen
+Seer&auml;uberstaaten, ab. Oesterreich, das 1814 mit der Annexion von
+Venedig auch dessen Flotte erhielt, &mdash; 8 Linienschiffe, 7
+Fregatten etc. &mdash; lie&szlig; diese buchst&auml;blich verfaulen
+und die im Bau begriffenen Fregatten unvollendet. Der bankerotte Staat
+hatte keine Mittel, eine Kriegsflotte unterhalten zu k&ouml;nnen. Der
+Sklavenhandel, durch christliche M&auml;chte beg&uuml;nstigt, blieb
+noch bis in unser Zeitalter ein gewinnbringendes Gesch&auml;ft und
+eine Schmach unserer Kultur.
+
+</P><P>
+
+Dreizehntens: Fortschritt des Handelsgeistes. Steigende Macht des
+B&ouml;rsenspiels, das der Gesetze spotte, die Fr&uuml;chte der
+Industrie an sich rei&szlig;e, die Autorit&auml;t mit den Regierungen
+theile und &uuml;berall die Raserei f&uuml;r das Spiel verbreite.
+Vierzehntens: Beg&uuml;nstigung des Handels trotz seiner
+Verschlimmerung. Marseille baue f&uuml;r die Seer&auml;uber Schiffe
+zur Kaperung der Schiffe der Christen, um mit den gefangenen Christen
+die afrikanischen Bagnos zu f&uuml;llen; Nantes besitze Fabriken in
+denen die Marterwerkzeuge f&uuml;r die Tortur der Neger hergestellt
+und den Strafgesetzen zum Trotz ausgef&uuml;hrt w&uuml;rden; andere
+St&auml;dte ahmten den Engl&auml;ndern nach und bauten Bagnos
+(Fabriken), in denen die Arbeiter sechszehn Stunden t&auml;glich
+schanzen m&uuml;&szlig;ten. Je mehr der Handel an B&ouml;sartigkeit
+zunehme, um so mehr werde er beg&uuml;nstigt. F&uuml;nfzehntens:
+Industrielle Skandale: Fortschritte in der Art der Verf&auml;lschungen
+und der Tolerirung der Verf&auml;lschung der Lebensbed&uuml;rfnisse;
+Zunahme der aus dr&uuml;ckendem Ueberflu&szlig; entstehenden Krisen;
+unterwerthige Ueberlassung der Ernten unmittelbar nach ihrer
+Einbringung gegen vorausgegangene Lieferung anderer Bed&uuml;rfnisse,
+also zunehmende Abh&auml;ngigkeit des Bodenbebauers vom Kapitalisten.
+Sechszehntens: Handel mit wei&szlig;en Favoritinnen. Man lasse eine
+solche Gewohnheit vertragsm&auml;&szlig;ig selbst solchen M&auml;chten
+zu, welche sie, wie der Pascha von Egypten, bisher nicht hatten, und
+widersetze sich nur diplomatischen Albernheiten. Siebzehntes:
+Einb&uuml;rgerung der Sitten eines Tiberius: zunehmende Spionage, die
+bis in die Reihen der Soldaten reiche; geheime Angeberei;
+augenscheinlicher Fortschritt in der Heuchelei, der niedrigen
+Gesinnung, der dem Parteigeist innewohnenden Uebel. Achtzehntens:
+Kommunistischer Jakobinismus. Die Parteien, die ihn bek&auml;mpften,
+adoptirten seine Taktik und die Kunst, Verschw&ouml;rungen
+anzuzetteln; sie raffinirten die Verleumdung, die heute allgemein
+geworden sei und n&auml;hmen dem Charakter des Modernen noch das
+wenige von Noblesse, das ihm verblieben. Neunzehntens: Vandalistisch
+gesinnter Adel (der Restauration), der an die Rechtsideen vor der
+Revolution wieder anzukn&uuml;pfen suche; er denke nur daran, die
+Industrie, die ihm die Wahlst&uuml;rme brachte, zu zerst&ouml;ren und
+verfalle so wieder der Barbarei. Zwanzigstens: Literarische
+Luftgefechte, die unsere Schriftsteller und Gelehrten als Banner ihres
+Barbarismus aufpflanzten, wobei sie sich gegenseitig, zum
+Vergn&uuml;gen des Publikums, dem sie den Geschmack an der Verleumdung
+beigebracht, zerrissen. Sie einigten sich nur, um wirkliche
+Aufkl&auml;rung und n&uuml;tzliche Entdeckungen zu ersticken und zu
+unterdr&uuml;cken. Die Wahlfreiheiten h&auml;tten ein Trio von neuen
+Tugenden geboren: einen vandalistisch gesinnten Adel, eine an der
+Verleumdung h&auml;ngende Bourgeoisie, ein voll Tadelsucht steckendes
+Gelehrtenthum. Einundzwanzigstens: Auf rascheste Zerst&ouml;rung
+gerichtete Taktik, indem man die Kriege furchtbarer zu machen suche
+und immer mehr die barbarischen Gewohnheiten annehme; Guerillakampf,
+Landsturm, Bewaffnung von Frauen und Kindern. (Erinnerungen an
+Spanien, Tyrol und Preu&szlig;en. Der Verf.) Zweiundzwanzigstens:
+Tendenz zum Tartarismus, darin bestehend, die allgemeine Wehrpflicht
+und das Massenaufgebot, wie es Preu&szlig;en bereits besitze und es
+Ru&szlig;land in h&ouml;herem Ma&szlig;e nachzuahmen versuche,
+einzuf&uuml;hren; ein System, das, wenn es erst in einigen Reichen
+eingef&uuml;hrt sei, alle &uuml;brigen zwinge, aus
+Sicherheitsr&uuml;cksichten diese tartarische Organisation ebenfalls
+anzunehmen. Dreiundzwanzigstens: Einweihung der Barbaren in die Taktik
+der Zivilisirten, was ein sicheres Mittel sei, die R&auml;ubereien der
+Barbaresken noch mehr herauszufordern und der T&uuml;rkei nahezulegen,
+diese R&auml;ubereien nachzuahmen dadurch, da&szlig; sie in den
+Dardanellen von den Schiffen aller schwachen M&auml;chte einen
+Passagezoll erhebe. Endlich vierundzwanzigstens: Vierfache Pest. Zu
+der bereits bekannten alten des Orients komme das gelbe Fieber, der
+Typhus, der bereits gro&szlig;e Verheerungen anrichte, und die aus
+Bengalen stammende Cholera. Das sei eine neue Quadrille von vier
+wachsenden Vervollkommnungen.
+
+</P><P>
+
+Wir kritisiren diese von Fourier hier vorgef&uuml;hrten vierundzwanzig
+Charaktereigenth&uuml;mlichkeiten der Zivilisation nicht weiter, jeder
+Leser wird sich klar sein, wie weit sie heute noch vorhanden oder
+nicht vorhanden sind, sich steigerten oder sich schw&auml;chten; eine
+Anzahl derselben waren sehr vor&uuml;bergehender Natur und sind
+verschwunden, andere lasten in bedenklichem Ma&szlig;e auch auf
+unserem Zeitalter, sie sind sogar seit Fourier in ihrem Druck
+gewachsen. Die Aufstellung der Liste verr&auml;th wieder den Mann der
+scharfen Beobachtung und den Denker. Charakteristisch f&uuml;r Fourier
+aber ist die f&uuml;nfundzwanzigste der zivilisirten Untugenden, die
+er getrennt von den &uuml;brigen hervorhebt und als die
+&bdquo;schmachvollste&ldquo; aller bezeichnet: &bdquo;die Zulassung der Juden zu den
+b&uuml;rgerlichen Rechten&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Es gen&uuml;gte den Zivilisirten nicht, sagt er, die Herrschaft des
+Betrugs zu sichern, man mu&szlig;te die Wuchernationen, die
+unproduktiven Patriarchalen zu H&uuml;lfe rufen. Die j&uuml;dische
+Nation sei nicht zivilisirt, sie sei patriarchalisch; sie habe keinen
+Souver&auml;n, erkenne auch im Geheimen keinen an und halte jeden
+Betrug f&uuml;r lobenswerth, wenn es sich darum handele, Diejenigen zu
+t&auml;uschen, die nicht ihres Glaubens seien. Sie gebe zwar diese
+Prinzipien nicht zu, aber man kenne sie gen&uuml;gend. Die Juden
+verdankten ihre Zulassung zu den b&uuml;rgerlichen Rechten nur den
+Philosophen. Man sieht, Fourier's Angriffe gegen die Juden, in welchen
+er sich noch weiter ergeht, decken sich fast wortgetreu mit den
+Angriffen unserer heutigen Antisemiten.
+
+</P><P>
+
+Fourier meint weiter, die aufgez&auml;hlten Uebel geh&ouml;rten nicht
+unab&auml;nderlich zum Wesen der Zivilisation, sondern seien nur
+Anh&auml;ngsel; sie w&uuml;rde dem Einbruch dieser Uebel entgangen
+sein, wenn sie ihren Marsch beschleunigt h&auml;tte, wenn sie zeitig
+sich von der dritten Phase in die vierte Phase erhoben, ihre
+Organisation auf der sozialen Stufenleiter um so viel h&ouml;her
+ausgebildet h&auml;tte als ihre Industrie sich steigerte; so habe sie
+f&uuml;r die dritte Phase zu viel und f&uuml;r die vierte zu wenig
+Entwicklung. Die Vollsaftigkeit <TT>(pl&eacute;thore)</TT> sei nur ein
+Zuf&auml;lliges, die durch eine andere Organisation der sozialen
+Ordnung eine andere und gesundere Vertheilung erlangte. Es handele
+sich also darum, da&szlig; wachsende Industrie und Verbesserung der
+sozialen Organisation Hand in Hand gingen, damit diese kolossale
+Industrie regulirt und ausgeglichen werden k&ouml;nne, eine Industrie,
+die zu einem politischen Fleischbruch <TT>(sarcoc&eacute;le
+politique)</TT> geworden sei und es bliebe, so lange wir in der
+dritten Phase verharrten.
+
+</P><P>
+
+Hiermit habe er die Analyse der Zivilisation gegeben. H&auml;tte sich
+die Wissenschaft dieser Aufgabe unterzogen, so h&auml;tte sie erkannt,
+welche Perioden die Zivilisation durchlaufen habe und w&uuml;rde
+entdeckt haben, wann man in die Bahn des Uebels oder des Guten
+einlenkte. Man w&uuml;rde alsdann auch konstatirt haben, da&szlig; die
+Zivilisation zwar die Industrie vervollkommnete, <i>da&szlig; sie aber
+in demselben Ma&szlig;e die Sittenzust&auml;nde verschlechtere, wie
+der Fortschritt der Industrie sich entwickelte.</i> Darum gelte es,
+einen anderen sozialen Mechanismus zu entdecken, der den Sitten
+<TT>(moeurs)</TT> gem&auml;&szlig; operire und aus dem Fortschritt der
+Industrie die Wahrheit und die Gerechtigkeit schaffe. Anstatt zu
+diesem Ziel zu streben, weigere sich die Wissenschaft, eine Aenderung
+zuzulassen, behauptend: &bdquo;der nat&uuml;rliche Sinn des Wortes
+Zivilisation ist die Idee des Fortschritts in der Entwicklung; es
+setzt ein Volk voraus, das marschirt; es bedeutet die Vervollkommnung
+des b&uuml;rgerlichen Lebens und der sozialen Beziehungen, die
+billigste Vertheilung der Gewalt und des Gl&uuml;cks aller Glieder der
+Gesellschaft.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Einen Professor, der sich in solcher Weise auf seinem Pariser
+Lehrstuhl, wo der Sophismus vor jedem Widerspruch sicher sei,
+ausdr&uuml;cke, solle man als Antwort in die Spiegelmanufakturen und
+&auml;hnliche Werkst&auml;tten f&uuml;hren, damit er mit eigenen Augen
+die &bdquo;billige Vertheilung&ldquo; und das &bdquo;Gl&uuml;ck&ldquo; der Arbeiter sehen
+k&ouml;nne; jener Arbeiter, die den Phantasien der M&uuml;&szlig;igen,
+aus denen sich das Auditorium des Professors zusammensetze, als
+Vorwurf dienten. W&auml;re es wahr, da&szlig; die Zivilisation jede
+Vervollkommnung, jeden Fortschritt, jede Entwicklung beg&uuml;nstige,
+dann w&auml;ren auch die Barbaren Zivilisirte, deren Industrie in
+China, Japan, Persien, Hindostan sich sehr vervollkommnet habe; aber
+zwischen diesen beiden Gesellschaften werde man, wenn man sie
+analysire, einen m&auml;chtigen Unterschied erkennen. Der Fortschritt
+d&uuml;rfe aber nicht blos die Industrie betreffen, er m&uuml;sse auch
+die Sitten und den ganzen sozialen Mechanismus der Gesellschaft
+umfassen, zwei Beziehungen, welche die Zivilisation nur zu
+verschlechtern wisse. So bleibe ihre Aufgabe nur, Wissenschaft,
+K&uuml;nste, Industrie, Studien, welche auch die Barbaren begonnen und
+sehr weit getrieben h&auml;tten, bis in die dritte Phase zur Anwendung
+zu bringen. Habe die Zivilisation diese Aufgabe erf&uuml;llt, dann
+bleibe ihr nichts anderes &uuml;brig, als zu verschwinden und einer
+anderen Gesellschaft Platz zu machen, welche, indem sie Sitten,
+sozialen Mechanismus, Industrie und Wissenschaft immer mehr
+vervollkommne und verfeinere, sie auf eine H&ouml;he bringe, deren die
+Zivilisation nicht zur H&auml;lfte f&auml;hig sei.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Indem das Jahrhundert sich abm&uuml;ht, fabrizirt es Konstitutionen
+und Systeme im Ueberflu&szlig;; es gleich dem Eichh&ouml;rnchen, das
+in seinem Rade springt, ohne da&szlig; es vom Flecke kommt.&ldquo;
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Fourier legt nun den Plan dar, der nach seiner Meinung die
+Zivilisation auf dem k&uuml;rzesten Wege in die h&ouml;here
+Entwicklungsphase, zun&auml;chst in den Zwischenzustand zwischen
+Zivilisation und Garantismus, versetzen k&ouml;nne. Es gelte ein
+Uebergangsstadium zu schaffen, das den Handel, diese Hydra, vor der
+selbst die K&ouml;nige erschreckten und sich beugten, st&uuml;rze.
+
+</P><P>
+
+Dieses koste nur ein Dekret, und die Banken wie der Handel mit ihren
+enormen Ertr&auml;gen k&auml;men in den Besitz der Regierungen. Zwei
+Wege gebe es, dies herbeizuf&uuml;hren, einen br&uuml;sken und einen
+sanft zwingenden, einen konkurrirenden und einen untergrabenden; auch
+lie&szlig;en sich beide Methoden vereinigen.
+
+</P><P>
+
+Er unterstelle, da&szlig; es einen K&ouml;nig gebe von dem festen und
+r&uuml;cksichtslosen Charakter eines Mahmud II. (regierte als Sultan
+von 1808&ndash;1839) und also den Zwang vorziehe: dieser werde die
+ganze arme Klasse, die nichts besitze, vereinigen und sie in
+Staatsfarmen organisiren. Man k&ouml;nne rechnen, da&szlig; die Zahl
+der ganz Mittellosen ungef&auml;hr ein Zehntel der Bev&ouml;lkerung
+betrage und auf je vierhundert Familien vierzig arme Familien
+k&auml;men. Es bildeten also je zweihundert Personen die Bewohner
+einer Staatsfarm, die ihre n&ouml;thigen Geb&auml;ude, Stallungen,
+Vieh, G&auml;rten, Werkzeuge u.&nbsp;s.&nbsp;w. erhielten. Diese Zahl sei
+gro&szlig; genug, um eine zweckm&auml;&szlig;ige und wenig
+kostspielige Verwaltung, abwechselnde Arbeiten und ein lukratives
+Unternehmen zu begr&uuml;nden.
+
+</P><P>
+
+Diesen Staatsfarmen h&auml;tte sich in der Industrie die Institution
+der fixirten Unternehmerschaft anzuschlie&szlig;en. Hierunter versteht
+Fourier nicht die der Zahl nach fixirte Unternehmerschaft, sondern
+eine solche, die unter der Bedingung zugelassen wird, da&szlig; sie
+eine von Jahr zu Jahr progressiv steigende Abgabe an den Staat
+leistet, eine Ma&szlig;regel, die zwei Wirkungen haben soll; erstens:
+dem Staat eine hohe Einnahme zu bringen; zweitens: den Unbemittelten
+die Unternehmerschaft unm&ouml;glich zu machen, oder sie zur Aufgabe
+derselben zu n&ouml;thigen. Die so freigesetzte Bev&ouml;lkerung solle
+in die Staatsfarmen gedr&auml;ngt werden, die einkommende Steuer aber
+neben der Deckung der Staatsausgaben zur Deckung der Staatsschulden
+verwendet werden. Fourier setzt voraus, da&szlig; diese Einnahmen
+allm&auml;lig sehr hoch werden und einen erheblichen Theil des
+Unternehmergewinns absorbiren w&uuml;rden. Sicher ist von allen
+utopistischen Vorschl&auml;gen Fourier's dieser Vorschlag der
+utopischste.
+
+</P><P>
+
+Indem die Farmen immer zahlreicher w&uuml;rden und immer
+vorz&uuml;glichere Produkte lieferten, auch industrielle, w&uuml;rden
+sie durch die G&uuml;te ihrer Waaren, wie die Reellit&auml;t der
+Preise die private Konkurrenz immer mehr in's Gedr&auml;nge bringen
+und einen Unternehmer nach dem andern zur Gesch&auml;ftsaufgabe
+zwingen. Damit dehnten sich die Farmen immer mehr aus, die
+Kapitalisten lie&szlig;en ihnen ihre Kapitalien zuflie&szlig;en, ein
+Eigenth&uuml;mer nach dem andern trete ihnen durch Verkauf oder durch
+Pacht seinen Grund und Boden ab und sie w&uuml;rden schlie&szlig;lich
+selbst Mitglieder der Farmen. Dieser Aufsaugungsproze&szlig;
+f&uuml;hre dann zur Bildung der Phalanxen.
+
+</P><P>
+
+Man sieht, dieser Vorschlag hat eine starke Aehnlichkeit mit dem von
+Lassalle vorgeschlagenen Uebergangsstadium, nur da&szlig; Lassalle mit
+der Industrie beginnen wollte, Fourier das Hauptgewicht auf die
+Ackerbaugenossenschaft legt.
+
+</P><P>
+
+Wir haben keine Veranlassung, diesen Vorschlag ausf&uuml;hrlicher zu
+kritisiren; er ist ebenso wenig durchf&uuml;hrbar, wie die
+Gr&uuml;ndung der Phalanxen durch die Mitwirkung der Reichen. Die
+Herrscher und die Klassen m&uuml;&szlig;ten noch geboren werden, die
+im Besitz der Macht und aller Gen&uuml;sse freiwillig aus rein
+philanthropischen Gr&uuml;nden, um der Masse der Unbemittelten und
+Armen zu helfen, ihre eigene bevorzugte Stellung opferten. Wer in der
+Macht sitzt, sitzt im Recht und ihm leuchtet nicht ein, da&szlig;
+seine Stellung eine ungerechte sein k&ouml;nne. Ein Vorschlag, wie der
+Fourier'sche, kommt einer Zumuthung zum Selbstmord gleich; diesen
+begeht nicht einmal der Einzelne freiwillig, wie viel weniger eine
+Klasse, die sich im Besitz der Herrschaftsmittel und im Glauben an ihr
+Recht befindet.&nbsp;&mdash;
+
+</P><P>
+
+Fourier ergeht sich weiter in Auseinandersetzungen und Spekulationen
+&uuml;ber Einrichtungen und Zust&auml;nde der Entwicklungsperioden,
+welche der Zivilisation vorausgegangen sind, um an der Hand derselben
+nachzuweisen, da&szlig; weitere Entwicklungen &uuml;ber die
+Zivilisation hinaus folgen w&uuml;rden. Nicht nur seien Thiere und
+Pflanzen um so mehr der Degeneration verfallen, je n&auml;her sie
+unserer Zeitperiode r&uuml;ckten, sondern auch der Mensch. Der
+urspr&uuml;ngliche Mensch, der im Zustand des Edenismus
+durchschnittliche 73&frac12; pariser Zoll gro&szlig; gewesen &mdash;
+woher er diese genauen Ma&szlig;angaben besitzt, verschweigt er
+&mdash;, aber heute auf durchschnittlich 63 pariser Zoll
+zur&uuml;ckgekommen sei, werde in der Harmonie sich wieder zur
+H&ouml;he von 73&frac12;&ndash;84 pariser Zoll entwickeln. Alle dem
+Menschen n&uuml;tzliche Thiere und Pflanzen w&uuml;rden sich in
+demselben Verh&auml;ltni&szlig; vervollkommnen und veredeln. In der
+Barbarei sei der Angelpunkt des Systems, im Kontrast mit dem in der
+Zivilisation, die Einfachheit der Handlung, in der Zivilisation nehme
+jede Handlung den Charakter der Doppelseitigkeit an. Ein Beispiel
+m&ouml;ge dies beweisen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Pascha eines barbarischen Reichs verlangt Abgaben, einfach, weil
+es ihm gef&auml;llt, zu brandschatzen und zu pl&uuml;ndern, es
+f&auml;llt ihm nicht im Traum ein, erst in den Verfassungen der
+Griechen oder R&ouml;mer nach den Theorien &uuml;ber die Rechte und
+Pflichten der Staatsangeh&ouml;rigen zu forschen: er begn&uuml;gt
+sich, die Steuer zu verlangen bei Gefahr f&uuml;r die Besteuerten, im
+Nichtzahlungsfalle den Kopf zu verlieren. F&uuml;r den Pascha giebt es
+also, um zum Zweck zu gelangen, nur ein Mittel, die Gewalt; dies ist
+eine einfache Handlung. Der zivilisirte Monarch benutzt f&uuml;r
+denselben Zweck verschiedene Mittel. Zun&auml;chst hat er Polizisten
+und Soldaten zur St&uuml;tze der Verfassung. Aber man setzt dieser
+H&uuml;lfe das philosophische Handwerkszeug von moralischen
+Subtilit&auml;ten &uuml;ber das Gl&uuml;ck, Abgaben zum Wohl des
+Handels und der Verfassung zahlen zu d&uuml;rfen, hinzu. Tugendhafte
+Finanziers &uuml;bernehmen, damit wir unsere unverj&auml;hrbaren
+Rechte genie&szlig;en k&ouml;nnen, bereitwillig die Ueberwachung der
+Verwendung dieser Steuern. Der F&uuml;rst, der sie fordert, erscheint
+dabei als z&auml;rtlicher Vater, nur darauf bedacht, seine Unterthanen
+zu bereichern; er empf&auml;ngt die Steuern nur, um den unsterblichen
+Volksvertretern zu gehorchen, die ihm dieselben bewilligten; in
+Wahrheit ist es das Volk selbst, das die Steuern zu bezahlen
+<i>w&uuml;nscht</i>. Darauf erkl&auml;rt der Landmann zwar, da&szlig;
+er seine Vertreter nicht gesandt habe, damit sie die Steuern
+vermehrten, aber man antwortet ihm: er m&uuml;sse die Sch&ouml;nheiten
+der Verfassung studiren, die ihn lehre, da&szlig; die W&uuml;rde
+freier M&auml;nner darin bestehe, zu bezahlen oder &mdash; in's
+Gef&auml;ngni&szlig; zu wandern.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Hier sei also, erl&auml;utert Fourier, Doppelseitigkeit der Handlung
+vorhanden, man bringe zwei sich gegen&uuml;berstehende Mittel in
+Anwendung, die Moral und die Gewalt, die Barbarei begn&uuml;ge sich
+mit der Gewalt. Jedenfalls hat Fourier mit seiner Beweisf&uuml;hrung
+die Lacher auf seiner Seite.
+
+</P><P>
+
+In die metaphysischen Spekulationen, die Fourier &uuml;ber den Plan
+Gottes und die Gesammtheit der Bestimmungen anstellt, wollen wir ihm
+nicht folgen; ebensowenig in seine Spekulationen &uuml;ber die
+Unsterblichkeit der Seele und die Wanderungen, welche die Seele von
+Planet zu Planet, nach dem System immer gr&ouml;&szlig;erer
+Vervollkommnung, vornehme. Heiterkeit erregend ist, wie er
+ausf&uuml;hrt, warum die Menschen &uuml;ber das zuk&uuml;nftige Leben
+nichts Bestimmtes wissen. Er sagt: &bdquo;Erstaunen wir nicht &uuml;ber die
+Unkenntni&szlig;, welche &uuml;ber unsere Unsterblichkeit herrscht,
+noch &uuml;ber die Unzul&auml;nglichkeit unseres Wissens &uuml;ber
+das, was uns nach unserem Tode erwartet. W&auml;hrend des
+gegenw&auml;rtigen bedenklichen Zustandes unserer Gesellschaft darf
+Gott die Menschen keine wissenschaftliche Kenntni&szlig; von ihrem
+k&uuml;nftigen Leben erlangen lassen. Erlangte man sie,
+s&auml;mmtliche Arme der Zivilisation w&uuml;rden Selbstmord
+&uuml;ben, um dieses k&uuml;nftige Gl&uuml;ck so rasch als
+m&ouml;glich zu genie&szlig;en; aber die Reichen, die
+zur&uuml;ckblieben, h&auml;tten weder die F&auml;higkeit, noch die
+Neigung, die Armen in ihren undankbaren Besch&auml;ftigungen zu
+ersetzen. Die Wirkung w&uuml;rde also sein, da&szlig; durch das
+Verschwinden Derer, welche jetzt diese Lasten tragen, die Industrie
+der Zivilisirten zu Grunde ginge und der Globus im Zustand
+best&auml;ndiger Verwilderung bliebe. Dies w&uuml;rde die sichere
+Folge von der Ueberzeugung der Unsterblichkeit und ihrer Herrlichkeit
+sein.&ldquo; Originell ist diese Begr&uuml;ndung auf alle F&auml;lle.
+
+</P><P>
+
+Der Kuriosit&auml;t und f&uuml;r manchen Leser wohl auch des
+Interesses halber wollen wir hier ferner einige der Analogien
+erw&auml;hnen, die Fourier zwischen den verschiedenen Pflanzen und
+Thieren und den verschiedenen Menschencharakteren und ihren sozialen
+Beziehungen nachzuweisen sich bem&uuml;ht. Diese Analogien
+erf&uuml;llen nach ihm das ganze Universum, wobei er sich auf die
+Worte Schellings &mdash; eines der sonst von ihm so geha&szlig;ten
+metaphysischen Philosophen &mdash; immer wieder bezieht: &bdquo;Die
+menschliche Seele ist das Modell des Weltalls, es widerspiegelt sich
+die Idee des Ganzen in jedem Theil.&ldquo; Nach Fourier ist also die
+gro&szlig;e Feldr&uuml;be, die nur auf dem Tisch des Unbemittelten und
+unwissenden Landmannes erscheint, auch dessen Spiegelbild; im
+Thierreich der Esel. Die Steckr&uuml;be entspricht dem gebildeten
+Farmer, die kleine runde R&uuml;be dem opulenten Mann. Die Carotte ist
+das Bild des verfeinerten, gerne experimentirenden Agronomen. Der
+Sellerie mit seinem herb-s&auml;uerlichen Geschmack entspricht den
+Beziehungen l&auml;ndlicher Liebender. Die Runkelr&uuml;be ist das
+Bild des zur Arbeit gezwungenen Sklaven; wie jene durch die gewaltsame
+Auspressung ihres Saftes Zucker geben mu&szlig;, so entspricht ihr
+Saft dem ausgepre&szlig;ten Blut des Arbeiters, das Gold wird. Dagegen
+gleicht das Zuckerrohr mit seiner angenehmen S&uuml;&szlig;e dem Bilde
+der soziet&auml;ren Einheit in der Industrie. Die Kartoffel mit ihren
+zahlreichen beieinander liegenden Knollen ist ein Gleichni&szlig;
+f&uuml;r die Gruppen und Serien der Triebe. Ferner ist die Rose das
+Sinnbild der Scham, die Mistel das des Schmarotzers, die Tulpe das der
+Justiz, der Hahnenfu&szlig; das der Etikette, die Hortensie das der
+Koketterie, der Hund das der Freundschaft, das Pferd das des Soldaten,
+die Viper das der Verleumdung. Es sind also Thiere und Pflanzen bald
+das Spiegelbild der Triebe des Menschen und seiner
+Charaktereigenschaften, bald seiner sozialen Beziehungen. So wird die
+Ehe in den verschiedenen Klassen durch die verschiedenen Arten der
+Schwertlilie analogisirt. Die flatterhafte Schwertlilie <TT>(iris
+perpillon)</TT> repr&auml;sentirt die Ehe junger Liebenden; die jeder
+Annehmlichkeit beraubte Mauer-Schwertlilie entspricht der Ehe armer
+D&ouml;rfler; die blaue Schwertlilie der Ehe des beh&auml;bigen
+B&uuml;rgers; die gelb- und azurgestreifte Schwertlilie der Ehe
+reicher Liebender; die riesige graue Schwertlilie, die mit ihrer mit
+Schwarz durchschossenen Blume einer gro&szlig;en Trauerblume
+&auml;hnlich sieht, entspricht der f&uuml;rstlichen Ehe, wie
+&uuml;berhaupt der Ehe aus Ehrgeiz oder Politik. Die Blume zeigt an,
+da&szlig; diese Ehen meist ohne Liebe, oft ohne da&szlig; man sich
+zuvor kennen gelernt, geschlossen werden und ihres eigentlichen Reizes
+und der wahren Natur des Menschen, die nach Liebe d&uuml;rstet,
+entbehren. Schlie&szlig;lich bedauert Fourier lebhaft, da&szlig; er zu
+wenig die Naturgeschichte studirt habe, um diese Analogien, die eine
+der interessantesten Studien darb&ouml;ten, nach allen Richtungen
+verfolgen zu k&ouml;nnen, und bef&uuml;rwortet, da&szlig; man im
+soziet&auml;ren Zustand diesem Studium besondere Ber&uuml;cksichtigung
+schenke, weil es f&uuml;r Sinne und Gem&uuml;th seine gro&szlig;en
+Annehmlichkeiten und Reize habe.
+
+</P><BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Wir glauben im Vorstehenden die Hauptgedanken aus den Theorien
+Fourier's so wiedergegeben zu haben, als dies bei dem zugemessenen
+Raum m&ouml;glich war; da&szlig; uns dabei manche sch&ouml;ne Stelle
+in seinen Ausf&uuml;hrungen entgangen ist, wie wir andere wegen Mangel
+an Raum &uuml;bergehen mu&szlig;ten, ist bei dem betr&auml;chtlichen
+Umfang seiner Werke nat&uuml;rlich. Es ist andererseits keine leichte
+Aufgabe, sich in der Menge des Materials und in dem oft krausen Stil
+und abrupten Gedankengang zurechtzufinden. Und doch bietet das Studium
+seiner Werke einen gro&szlig;en Genu&szlig;; sie zeigen eine
+erstaunliche F&uuml;lle origineller Gedanken und Ideen, die zu einem
+erheblichen Theil auch f&uuml;r die heutige Zeit, wie f&uuml;r die
+zuk&uuml;nftige Entwicklung der Gesellschaft von gro&szlig;er
+Fruchtbarkeit sind. Sein Studium der menschlichen Triebe und die
+daraus hervorgehenden Schl&uuml;sse sind eine Arbeit, wie sie unseres
+Wissens nicht zum zweiten Male existirt. Die Art, wie er die
+menschlichen Triebe f&uuml;r eine neue Gesellschaftsorganisation zu
+verwenden beabsichtigte, ist so tief gedacht und erfa&szlig;t,
+da&szlig; die Zukunft in der Richtung der von ihm erfa&szlig;ten
+Gedanken nur weiter zu wandeln und aufzubauen braucht. Gro&szlig;artig
+ist sein System der Kindererziehung, das einem P&auml;dagogen von Fach
+eine F&uuml;lle neuer Gedanken und Anregungen geben wird und das
+zugleich Zeugni&szlig; ablegt von der erstaunlichen, in's kleinste
+Detail gehenden Beobachtung, mit der Fourier, wie Alles, was ihm
+begegnete, so auch das Leben der Kinderwelt studirte. Das ist um so
+merkw&uuml;rdiger, als er sein Leben unverheiratet beschlo&szlig; und
+keine Kinder besa&szlig;. Merkw&uuml;rdig ist auch, da&szlig; dieser
+Mann, der einsam durch's Leben ging, ganz seinen Studien ergeben, der
+Liebe jenen Tempel baute, den sie in seinen Werken findet. Seine
+intimsten Freunde und Sch&uuml;ler haben keine Ausschweifungen an ihm
+beobachtet. Das ist nicht &uuml;berfl&uuml;ssig zu bemerken in
+Anbetracht der Angriffe, welchen gerade die Abschnitte &uuml;ber die
+Liebe in seinen Werken ausgesetzt waren.
+
+</P><P>
+
+Wir haben seinen Ideen &uuml;ber Kindererziehung nur einen
+verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig kleinen Raum widmen k&ouml;nnen, sie
+nehmen aber einen ziemlich betr&auml;chtlichen in seinen Werken ein
+und umfassen eine Menge interessanter Details, die wir &uuml;bergehen
+mu&szlig;ten, die aber neben der denkenden Beobachtung, die Fourier
+den Kindern widmete, auch die tiefe Liebe athmen, die er zu diesen die
+Zukunft der Gesellschaft repr&auml;sentirenden Wesen besa&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Wer sich mit all den ber&uuml;hrten Fragen eingehender befassen will,
+dem rathen wir, die Werke Fourier's zu studiren. Er wird neben vielem
+Schrullenhaften und Vielem, was uns heute l&auml;cherlich erscheint,
+weil wir mittlerweile fast dreiviertelhundert Jahre &auml;lter wurden
+und eine ungeheure F&uuml;lle von Wissen, Entdeckungen und Erfahrungen
+aufgespeichert haben, die Fourier und seinem Zeitalter fremd und
+unbekannt waren, auch viele heute und noch f&uuml;r eine erhebliche
+Zukunft hinaus sehr werthvolle Gedanken, Anregungen und Ideen kennen
+lernen. Und selbst das Schrullenhafte und L&auml;cherliche in seinen
+Werken ist stets in so origineller Weise gedacht, da&szlig; man es mit
+Interesse liest, als ein Denkmal, das zeigt, wie in einem genialen
+Geiste, der nicht lange vor unserm Zeitalter lebte und Menschen und
+Dinge gr&uuml;ndlich kannte, sich die Zukunft der Menschheit und der
+Welt widerspiegelte. Wer Goethe's &bdquo;Wilhelm Meisters Lehr- und
+Wanderjahre&ldquo; und &bdquo;Wahrheit und Dichtung&ldquo; gelesen hat und erw&auml;gt,
+da&szlig; Fourier und Goethe gleichzeitig lebten und wenige Jahre von
+einander getrennt starben, wird in den Phantasien Beider &uuml;ber
+menschliches Gl&uuml;ck manches Verwandte finden. Der Fourier'sche
+Utopismus h&auml;lt dem Goethe'schen, wie er namentlich in den
+Wanderjahren hervortritt, voll die Waage; Fourier &uuml;bertrifft
+Goethe an realer Menschenkenntni&szlig;, an Kenntni&szlig; der
+Lebenslage der Masse und in Bezug auf die Naturgeschichte der
+Gesellschaft.
+
+</P><P>
+
+Wir lie&szlig;en in der vorliegenden Arbeit g&auml;nzlich
+unber&uuml;cksichtigt, und mu&szlig;ten und konnten dies auch,
+Fourier's sehr polemisch abgefa&szlig;te Abhandlungen gegen die
+Philosophen, die er so gr&uuml;ndlich ha&szlig;te und, wie es immer
+geschieht, wenn der Ha&szlig; vorzugsweise die Feder f&uuml;hrt, auch
+schw&auml;rzer malte, als sie es verdienten. Man halte fest, da&szlig;
+es die Politiker, die Oekonomisten, die Moralisten und Metaphysiker
+waren, denen er unter dem Namen der Philosophen zu Leibe ging. Man
+beachte ferner, da&szlig; seine Feindseligkeit wider sie daher kam,
+da&szlig; er, der die Wahrhaftigkeit &uuml;ber Alles liebte, fand,
+da&szlig; ihre gro&szlig;en Worte und sch&ouml;nen Ideen, mit welchen
+sie den Menschen das Heil, die Rettung aus allem Elend und das
+Gl&uuml;ck versprachen, im Widerspruch mit ihren Thaten und im
+grellsten Widerspruch mit dem wahren, so eben erst neugeschaffenen
+Zustand der Dinge standen. Wer wie Fourier all die gro&szlig;en,
+sch&ouml;nen und gl&auml;nzenden Gedanken, welche die Werke Rousseau's
+und der Enzyklop&auml;disten, die Reden der Wortf&uuml;hrer der
+verschiedenen politischen Parteien, der Konstitutionellen, wie der
+Siey&eacute;s und Mirabeau, der Girondisten, der Dantonisten, der
+Robespierrianer u.&nbsp;s.&nbsp;w. enthielten, kennen gelernt hatte; wer
+gesehen, wie dem rothen der wei&szlig;e Schrecken folgte, dann die
+Bourgeoisie das Heft in die Hand nahm und, raubgierig und schamlos wie
+immer, allen ihren gro&szlig;en sch&ouml;nen Worten und erhabenen
+Phrasen zum Trotz, nur daran dachte, das Volk zu unterdr&uuml;cken und
+es um die Fr&uuml;chte seiner Arbeit zu bringen; wie dann statt des
+verhei&szlig;enen Gl&uuml;cks das Massenelend sich einstellte, sich
+sichtbar vermehrte; wir sagen, wer das Alles vom Standpunkt Fourier's
+gesehen und erlebte und dabei glaubte, sich &uuml;ber die Natur der
+Dinge und der Menschen nicht zu t&auml;uschen, dessen Herz durfte mit
+Ha&szlig; und Zorn erf&uuml;llt werden. Aber er besa&szlig; in hohem
+Grade auch die Waffen des Witzes und des bei&szlig;enden Spottes,
+womit er seine Angriffe w&uuml;rzte, und dies erbitterte besonders
+seine Gegner und veranla&szlig;te sie lange Zeit, und die
+&uuml;berwiegende Zahl derselben stets, die bekannte
+Todschweigungstaktik gegen ihn zu beobachten. Einen Mann von Fourier's
+Charakter erbitterte dies noch mehr.
+
+</P><P>
+
+Sein System war nicht f&uuml;r das Verst&auml;ndni&szlig; der Massen
+berechnet, wenn auch f&uuml;r die Massen geschaffen; er suchte die
+Zustimmung und Mitwirkung der Gro&szlig;en und Reichen, und diese
+Kreise konnten, wenn &uuml;berhaupt, nur gewonnen werden, wenn
+namentlich die vornehmeren Journale sich seinen Ideen und seinen
+Werken freundlich gegen&uuml;berstellten. Aber die Schriftsteller
+dieser Kreise mu&szlig;ten sich wiederum, abgesehen von dem Inhalt
+seiner Gedanken, durch seine Kritik am meisten getroffen und verletzt
+f&uuml;hlen. Es geh&ouml;rte der kindliche Glaube eines Fourier dazu,
+da&szlig; die Gegner seine Kritik nicht als eine pers&ouml;nliche,
+sondern als rein sachliche auffassen sollten, das hie&szlig; in der
+That ihrer Natur zu viel zumuthen und der Macht seiner Gr&uuml;nde zu
+sehr vertrauen. Aber abgesehen von dieser Art seiner Polemik
+w&uuml;rden die herrschenden Klassen schon aus den mehrfach
+hervorgehobenen, im Wesen der Klassenherrschaft und des
+Klassengegensatzes liegenden Gr&uuml;nden, sich zu keiner
+freundlicheren Behandlung herbeigelassen haben. Sie behandelten ihn,
+und von ihrem Standpunkt aus mit Recht, als &bdquo;Narren&ldquo;. Wie kann man
+auch dem Wolf zumuthen, ein Lamm zu werden? Oder verlangen, von den
+Disteln Trauben zu lesen?
+
+</P><P>
+
+Diese ewigen Abweisungen forderten dann auf's Neue seinen Zorn heraus,
+sch&auml;rften seinen Witz und Spott, die er an den zahlreichen
+Bl&ouml;&szlig;en &uuml;bte, die das System und seine Vertheidiger ihm
+boten. Friedrich Engels, sicher ein berufener Beurtheiler, spricht in
+seiner Schrift &bdquo;Herrn Eugen D&uuml;hring's Umw&auml;lzung der
+Wissenschaft&ldquo; aus, da&szlig; wenn selbst die Fourier'schen
+Systemausf&uuml;hrungen keinen Werth bes&auml;&szlig;en, eine Ansicht,
+die Engels nicht hat, Fourier durch die Form seiner Kritiken zu den
+gr&ouml;&szlig;ten Satirikern aller Zeiten geh&ouml;re.
+
+</P><P>
+
+Wie die Philosophen, als Vertreter und Lobredner der b&uuml;rgerlichen
+Gesellschaft, ihn mi&szlig;handelten, so empfing er auch die Angriffe
+und Verurtheilung seitens der Kirche. Wir wiesen schon mehrfach im
+Obigen darauf hin, wie wenig Fourier's Auffassung von Gott und der
+Stellung des Menschen zu Gott den kirchlichen Ansichten behagen
+konnte. Setzte der Papst seine Schriften auf den Index, so machten es
+sich katholische Organe seiner Zeit, wie &bdquo;Gazette de France&ldquo; und
+&bdquo;L'Univers&ldquo; zum Gesch&auml;ft, ihn als einen Menschen anzugreifen,
+welcher den menschlichen Leidenschaften die Z&uuml;gel wolle
+schie&szlig;en lassen, der mit unerh&ouml;rter Frechheit die Lehren
+der Moral antaste, die heiligsten und intimsten Beziehungen der
+Geschlechter in der Familie und Ehe verspotte und untergrabe und durch
+alles dies und seine subversiven religi&ouml;sen Lehren, die im Grunde
+rein atheistische seien, die Gesellschaft, die Religion und die Moral
+umzust&uuml;rzen versuche.
+
+</P><P>
+
+So wenig das Fourier zugeben wollte und so heftig er sich insbesondere
+gegen den Vorwurf des Atheismus wehrte, den er, wie wir sahen,
+besonders Owen zum Vorwurf machte, im Grunde hatten die Vertreter der
+kirchlichen Ordnung und Autorit&auml;t Recht. Es sind doch neben
+bereits Zitirtem sehr ketzerische Ansichten, die er in einer
+l&auml;ngeren Abhandlung: &bdquo;Ueber den freien Willen&ldquo; lehrt, und
+&uuml;ber die Beziehungen zwischen Gott und Mensch, Ansichten, die
+geeignet sind, die Vertreter der geoffenbarten Religion gegen ihn
+auf's H&ouml;chste aufzubringen.
+
+</P><P>
+
+Fourier's Ansicht &uuml;ber den freien Willen lautet kurz
+zusammengefa&szlig;t also:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Theologie wie die Philosophie lehren eine falsche Lehre &uuml;ber
+den freien Willen. Nach der Philosophie soll die Vernunft allein
+herrschen und soll die Vernunft die menschlichen Handlungen bestimmen;
+f&uuml;r sie ist also der freie Wille absolut. Der zur Vernunft
+gekommene Mensch ist Herr seiner selbst, er wird handeln, wie die
+Vernunft ihm gebietet, ohne R&uuml;cksicht auf die Gesetze seiner
+Natur und den Willen Gottes.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Umgekehrt behaupten die Theologen, da&szlig; der Wille Gottes allein
+entscheidet, da&szlig; er Alles thut, Alles lenkt und der Mensch sich
+seinem Willen zu f&uuml;gen hat; Gott gegen&uuml;ber ist der Mensch
+macht- und willenlos.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Beides ist falsch. Gott und der Mensch sind zwar entgegengesetzt, sie
+sind Extreme, aber Extreme, die sich ber&uuml;hren und die in
+Gemeinschaft mit einander handeln m&uuml;ssen, um sich gegenseitig zu
+befriedigen. Gott will, da&szlig; der Mensch ihm hilft,
+gewisserma&szlig;en sein Assozi&eacute; sei. Um aber diese H&uuml;lfe
+leisten zu k&ouml;nnen, mu&szlig; der Mensch die Naturgesetze und die
+Gesetze der Anziehung studiren. Sobald er diese begriffen hat, ist er
+in der Lage, mit Gott gemeinsam zu operiren. Das Gef&uuml;hl, das
+Beide verbindet, soll Freundschaft sein, nicht Nichtachtung, wie die
+Philosophen lehren, und nicht blinde, dem&uuml;thige Unterwerfung, wie
+die Theologen predigen. In dem einen wie in dem anderen Falle kann
+weder Gott noch der Mensch gl&uuml;cklich sein und k&ouml;nnen sie
+ihren Zweck nicht erreichen.
+
+</P><P>
+
+Wir lassen uns auf keine Kritik dieser Fourier'schen Philosophie
+weiter ein, der Leser wird wissen, wie er sie zu beurtheilen hat,
+unm&ouml;glich konnte aber die Kirche mit ihr sich zufrieden geben.
+
+</P><P>
+
+Als Fourier starb, war sein Anhang gering; die Aussicht, sein System,
+an dem er mit dem Feuer eines Fanatikers und eines Neuerers hing, wie
+er von Tag zu Tag w&auml;hrend Jahrzehnten gehofft, verwirklicht zu
+sehen, war gleich Null. Vielleicht d&auml;mmerte ihm auch die
+Ueberzeugung, da&szlig; die Entwicklung der Zivilisation doch auf
+wesentlich anderem Wege zum Ziele komme, als er sich vorgestellt, und
+alle diese Entt&auml;uschungen verbitterten ihm seinen Lebensabend. Am
+10. Oktober 1837 fanden ihn seine Wirthin und seine J&uuml;nger,
+nachdem er schon l&auml;ngere Zeit vorher gekr&auml;nkelt, fr&uuml;h
+Morgens todt vor seinem Bette liegen. Einer der gr&ouml;&szlig;ten
+Menschenfreunde hatte f&uuml;r immer die Augen geschlossen.
+
+</P><P>
+
+Die Fourier'sche Schule hat keine ma&szlig;gebende Bedeutung und
+keinen entscheidenden Einflu&szlig; auf die Geschicke Frankreichs
+erlangt. Wohl besa&szlig; sie eine nicht kleine Anzahl von
+Anh&auml;ngern, die sich meist aus den gebildeten Kreisen, vornehmlich
+aus den Kreisen der Studirenden, der K&uuml;nstler, der Techniker und
+selbst der Milit&auml;rs rekrutirten, welche die Fourier'schen Ideen
+mit Geist und Geschick schriftstellerisch vertraten, aber eine Partei,
+die in den politisch-sozialen K&auml;mpfen des modernen Frankreich
+eine hervorragende Rolle spielte, wurde der Fourierismus nie. Die
+zahlreichen Schriftsteller, welche der Schule infolge ihres
+Hauptrekrutirungsfeldes f&uuml;r ihre Anh&auml;nger, aus den
+ideologisch angelegten K&ouml;pfen der jungen Bourgeoisie erwuchsen,
+schufen auch eine verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig reiche
+Literatur, aber die Zahl der Schriften stand in starkem
+Mi&szlig;verh&auml;ltni&szlig; zu ihrem Einflu&szlig; auf die Massen.
+
+</P><P>
+
+Auch der Umstand, da&szlig; mehrere ihrer Hauptwortf&uuml;hrer, so
+Victor Considerant, nach Fourier's Tode das eigentliche Haupt der
+Schule, und der erst im Februar 1887 verstorbene Cantagrel lange Jahre
+Volksvertreter in Frankreich waren, hat das allm&auml;lige
+Erl&ouml;schen des Fourierismus nicht verhindern k&ouml;nnen. In
+seinem Bestreben auf Auss&ouml;hnung der Klassengegens&auml;tze durch
+freiwilliges Entgegenkommen der Besitzenden mu&szlig;te der
+Fourierismus immer mehr zu einer reinen Humanit&auml;tsduselei
+verflachen, oder er wurde, wie im Phalanst&egrave;re zu Guise, als
+Deckmantel mi&szlig;braucht, um unter sozialistischer Flagge
+gro&szlig;b&uuml;rgerliche Ausbeutung zu betreiben. Nothwendigerweise
+m&uuml;ssen alle sozialistischen Experimente, die innerhalb der
+b&uuml;rgerlichen Welt versucht werden und naturgem&auml;&szlig; auf
+die Auss&ouml;hnung sich gegenseitig ausschlie&szlig;ender
+Gegens&auml;tze gerichtet sind, zu Grunde gehen. Wo solche Experimente
+sich l&auml;ngere Zeit halten, wie in einzelnen kommunistisch
+organisirten kleinen Gemeinwesen in den Vereinigten Staaten,
+verm&ouml;gen sie dies nur durch fast vollkommene Isolirung von der
+&uuml;brigen Welt und nur unter einer Wirthschaftsweise, die ihre
+Anh&auml;nger zu spartanischer Einfachheit zwingt und ihnen
+patriarchalische Verh&auml;ltnisse aufn&ouml;thigt.
+
+</P><P>
+
+Das ist keine Kulturentwicklung, wie sie die Menschheit erstrebt.
+Diese verlangt freie ungehinderte Entfaltung aller menschlichen
+Anlagen und F&auml;higkeiten und vollen Genu&szlig; an allen
+Kulturerrungenschaften, was nur durch steigende Vermehrung der
+Kulturmittel auf h&ouml;chster technischer und wissenschaftlicher
+Stufenleiter zu erreichen ist. Das Alles vermag ein kleines,
+isolirtes, in seinen Kr&auml;ften und Mitteln beschr&auml;nktes
+Gemeinwesen, mag es noch so kunstvoll organisirt sein, nicht zu
+schaffen. Es wird gest&ouml;rt durch jeden fremden Einflu&szlig;, der
+von au&szlig;en auf es einwirkt, und diese Einwirkung wird um so mehr
+vorhanden sein, je lebhafter die Beziehungen sind, die das Einzelne
+zum Ganzen f&uuml;r nothwendig erachtet. Entweder hei&szlig;t es also
+mit dem Ganzen gehen und sich mit ihm entwickeln, oder isolirt bleiben
+und verkn&ouml;chern, ein Drittes giebt es nicht.
+
+</P><P>
+
+In der b&uuml;rgerlichen Welt sind nur b&uuml;rgerlich handelnde
+Menschen denkbar, der Einzelne steht zum Ganzen in der Rolle eines
+Z&auml;hnchen an einem ungeheuren Triebwerk, dessen viele Dutzende von
+R&auml;dern mit ihren Tausenden von Z&auml;hnen und Z&auml;hnchen in
+gesetzm&auml;&szlig;iger Ordnung ineinandergreifen. Die Wirkung des
+Einzelnen liegt in der Wirkung auf das Ganze und umgekehrt in der
+Wirkung des Ganzen auf den Einzelnen. Beides erg&auml;nzt, beides
+bedingt sich.
+
+</P><P>
+
+Wer als Einzelner dem Ganzen widerstrebt, seinen Sonderweg glaubt
+gehen zu k&ouml;nnen; wer meint, den sozialen Mechanismus, in den Alle
+gebannt sind, willk&uuml;rlich durchbrechen zu k&ouml;nnen, wer
+w&auml;hnt, sein besonderes soziales Himmelreich begr&uuml;nden zu
+k&ouml;nnen, der wird, durch die harten Thatsachen rasch eines andern
+belehrt, seine Ohnmacht und Unf&auml;higkeit einsehen. Daher ist alle
+sozialistische Experimentirerei mitten in der b&uuml;rgerlichen Welt,
+gehe sie nun von einem Einzelnen aus, der sich einbildet, als
+b&uuml;rgerlicher Unternehmer sozialistisch produziren und
+distributiren zu k&ouml;nnen, oder von einer kleinen Gesammtheit, die
+dasselbe f&uuml;r sich und unter sich versucht: Utopisterei,
+Phantasterei. Ein jeder solcher Versuch ist ein Zeichen geistiger
+Unreife, der nur die Wirkung haben kann, Entt&auml;uschungen
+hervorzurufen, die Ideen bei unklaren K&ouml;pfen zu diskreditiren und
+den Gegnern die gew&uuml;nschte Waffe gegen die von ihnen
+gef&uuml;rchteten Bestrebungen zu liefern.
+
+</P><P>
+
+Der gro&szlig;e Fortschritt unseres Zeitalters ist, da&szlig; die
+Utopisten ausgestorben oder im Aussterben begriffen sind. In der Masse
+finden sie nie Boden, sie finden ihn heute weniger als je. Auch der
+einfachste Arbeiter f&uuml;hlt, da&szlig; sich <i>k&uuml;nstlich</i>
+nichts schaffen l&auml;&szlig;t, da&szlig; das, was werden soll, sich
+<i>entwickeln</i> mu&szlig; und zwar mit dem Ganzen durch das Ganze,
+nicht getrennt und isolirt von ihm.
+
+</P><P>
+
+Es handelt sich darum, der Entwicklung freie Bahn zu schaffen, alles
+Alte, Abgestorbene zu beseitigen, dem Absterbenden das Ende zu
+erleichtern, und zu diesem Zweck die kritische Sonde &uuml;berall
+eintreiben, wo Uebelst&auml;nde sich zeigen. Indem man die Kritik
+anwendet, mu&szlig; man den Ursachen nachsp&uuml;ren, die die Uebel
+erzeugten. Aus der Erkenntni&szlig; der Ursachen ergeben sich die
+Heilmittel von selbst.
+
+</P><P>
+
+In der Kritik war nun Fourier Meister, aber was seine Kritik zu
+falschen Schl&uuml;ssen f&uuml;hrte, waren die falschen
+Voraussetzungen, die er machte. Die vorhandenen Uebel erkannte er
+vortrefflich und schilderte sie gro&szlig;artig, aber in der
+Untersuchung der <i>Ursachen</i>, die diese Uebel erzeugten, ging er
+von Auffassungen &uuml;ber das Wesen der Gesellschaft aus, die ihn
+nothwendig zu falschen Ergebnissen f&uuml;hren mu&szlig;ten. Wer wie
+er die Ansicht vertrat &mdash; und sie theilte sein Zeitalter &mdash;,
+da&szlig; der Entwicklungsgang, den die Menschheit genommen, nicht die
+gesetzm&auml;&szlig;ige Wirkung der Existenz- und
+Produktionsbedingungen sei, unter denen sie sich seit Jahrtausenden
+gebildet und fortentwickelt hatte, sondern von rein zuf&auml;lligen
+und willk&uuml;rlichen Umst&auml;nden abh&auml;ngig, von dem Dichten
+und Denken dieses oder jenes Mannes, von dieser oder jener Handlung
+m&auml;chtiger Personen, wer also nicht Gesetzm&auml;&szlig;igkeit,
+sondern Zufall und Willk&uuml;r annahm, mu&szlig;te auch glauben,
+da&szlig; Zufall und Willk&uuml;r die Zust&auml;nde &auml;ndern
+k&ouml;nne. F&uuml;r Fourier war der Wille des Menschen nicht durch
+die Umst&auml;nde bestimmt, die sein Gesellschaftsinteresse
+beherrschten, f&uuml;r ihn war der Wille des Menschen eine
+selbst&auml;ndige Macht, die von den sozialen Verh&auml;ltnissen nicht
+beherrscht wurde, sondern diese willk&uuml;rlich erzeugte. Er erkannte
+nicht den Klassencharakter der Gesellschaft, f&uuml;r ihn war jede
+Meinung nur eine individuelle Meinung, die sich durch sogenannte
+allgemeine Vernunftgr&uuml;nde zu Gunsten einer Idee, die das
+allgemeine Gl&uuml;ck bezweckte, gewinnen lie&szlig;. Darum wandte er
+sich auch haupts&auml;chlich an Diejenigen, die ihrer sozialen
+Stellung nach zu allerletzt ein Interesse, richtiger gar kein
+Interesse hatten, den bestehenden Zustand zu &auml;ndern. Fourier
+steckte also, ohne es zu wissen, selbst tief noch in den Ideen der
+b&uuml;rgerlichen Philosophen, die er sonst so sehr bek&auml;mpfte und
+die auch alle von der Ansicht ausgingen, es bed&uuml;rfe nur der
+Erkenntni&szlig; einer &bdquo;Idee&ldquo; des Guten, Gerechten, Vern&uuml;nftigen,
+um diese &bdquo;Idee&ldquo; zur Geltung und Herrschaft zu bringen. Fourier
+verspottete die Philosophen, da&szlig; sie best&auml;ndig Ideen
+verherrlichten und als Grunds&auml;tze in die Gesetze eingef&uuml;hrt
+h&auml;tten, die mit der Thats&auml;chlichkeit der Dinge im
+Widerspruch blieben. Schlie&szlig;lich predigte er aber selbst Ideen,
+die an der Hartn&auml;ckigkeit der Thatsachen scheiterten.
+
+</P><P>
+
+Fourier's gro&szlig;es Verdienst besteht darin, da&szlig;, wenn er
+auch nicht erkannte, <i>warum</i> und <i>wodurch</i> die
+b&uuml;rgerliche Gesellschaft so war, wie sie war, er sich &uuml;ber
+ihren Charakter nicht t&auml;uschen lie&szlig;, da&szlig; er ihre
+Hohlheit und ihre Widerspr&uuml;che erkannte und ihr schonungslos die
+Maske vom Angesicht ri&szlig;. Niemand vor ihm hat wie er die
+b&uuml;rgerliche Gesellschaft in ihrem heuchlerischen und zweideutigen
+Charakter, der sich, wie er mit Recht hervorhebt, allen ihren
+Kundgebungen und Handlungen auspr&auml;gt, erkannt und Niemand nach
+ihm hat sie sch&auml;rfer kritisirt. Hierin hat er
+Un&uuml;bertroffenes geleistet.
+
+</P><P>
+
+Ebenso hat er nach einer anderen Seite hin, und zwar durch seine
+Kritik der menschlichen Triebe und Leidenschaften, eine tiefe und
+gro&szlig;herzige Auffassung der menschlichen Natur gezeigt, die ihn
+als einen Meister der Beobachtung erscheinen l&auml;&szlig;t. Seine
+Auffassung der menschlichen Triebe, die im sch&auml;rfsten Widerspruch
+mit jener der Theologen und Moralphilosophen stand und steht,
+da&szlig; alle Triebe nat&uuml;rlich und darum n&uuml;tzlich und
+vern&uuml;nftig, zum menschlichen Gl&uuml;cke nothwendig seien, und es
+nur der soziale Zustand der Gesellschaft sei, der sie unterdr&uuml;cke
+oder f&auml;lsche, und daher diese Triebe sowohl f&uuml;r das
+Individuum, wie f&uuml;r die Gesellschaft sch&auml;dlich erscheinen
+lie&szlig;e, mu&szlig;te den herrschenden Klassen als arge Ketzerei,
+als der Anfang zur Aufl&ouml;sung aller bisher f&uuml;r unantastbar
+geltenden gesellschaftlichen Bande erscheinen. In dieser seiner
+Auffassung der menschlichen Triebe ist Fourier der eigentliche
+Revolution&auml;r. Wer diesen Sensualismus theilt, wird logisch und
+mit Nothwendigkeit ein soziales System bek&auml;mpfen und verwerfen
+m&uuml;ssen, das der menschlichen Natur nur Zwang bereitet, zur
+F&auml;lschung, Verk&uuml;mmerung und Unterdr&uuml;ckung der
+menschlichen Triebe f&uuml;hrt und dadurch das wahre Wesen der
+menschlichen Natur aufhebt. Man kann sich daher wohl vorstellen, welch
+grimmigen Widerspruch diese Ideen bei den Lobrednern einer
+Gesellschaft finden mu&szlig;ten, die eben erst nach den schwersten
+und blutigsten K&auml;mpfen in der gro&szlig;en Revolution sich
+konstituirt hatte, die von dem Bewu&szlig;tsein durchdrungen war, die
+beste aller Welten zu sein. Kaum zum Leben und zur Geltung gekommen,
+kaum sich im Glanze ihrer Jugendherrlichkeit sonnend, tritt ihr in
+Fourier ein Kritiker von der gr&ouml;&szlig;ten Unerbittlichkeit,
+Sch&auml;rfe und R&uuml;cksichtslosigkeit gegen&uuml;ber und
+enth&uuml;llt alle ihre Bl&ouml;&szlig;en. Diese Gesellschaft, die
+eben erst die alte feudale Gesellschaft gest&uuml;rzt, nachdem sie
+dieselbe vorher durch die Waffen der Kritik schon moralisch vernichtet
+hatte, erf&auml;hrt, kaum zur Macht gekommen, an ihrem eignen Leib
+dasselbe. Eben erst der Babeuf'schen Verschw&ouml;rung durch Anwendung
+brutaler Gewalt Herr geworden, ersteht ihr in dem jungen Fourier ein
+neuer Gegner, der sie mit den aus ihrem eigenen Arsenal entnommenen
+Waffen bek&auml;mpft. Doch es war nur ein Einzelner, der zun&auml;chst
+keinen Anhang hinter sich hatte, der auch weit entfernt war, mit
+denselben Mitteln, mit denen das B&uuml;rgerthum die Gewalt an sich
+gerissen hatte, die Befreiung der Unterdr&uuml;ckten zu erstreben. So
+waren die Todtschweigepraxis oder der Spott gen&uuml;gende Waffen, mit
+dem neuen Gegner fertig zu werden. Tausend Andere an Fourier's Stelle
+w&uuml;rden in diesem vollst&auml;ndig hoffnungslos erscheinenden
+Kampfe, wo er, der mittel- und namenlose Kommis, einer Welt
+m&auml;chtiger Gegner gegen&uuml;berstand, den Muth haben sinken
+lassen. Fourier that das nicht. M&auml;nner, die
+unumst&ouml;&szlig;lich an die Richtigkeit und Gerechtigkeit des von
+ihnen Gewollten glauben, werden Fanatiker, die sich durch nichts
+ersch&uuml;ttern lassen. Zu ihnen geh&ouml;rte Fourier. Die bittersten
+Erfahrungen, die schwersten und schmerzlichsten Angriffe, Spott und
+Hohn, mit denen man ihn &uuml;bergo&szlig;, machten ihn nicht irre.
+Mit wahrhaft eiserner Ausdauer und Energie suchte er sein System
+auszubauen und zu propagiren, bis es ihm endlich nach uns&auml;glichen
+Anstrengungen gelang, wenigstens einen kleinen Kreis ergebener
+Anh&auml;nger um sich zu sammeln, die, was ihnen an Zahl abging, durch
+Muth, Begeisterung und Ausdauer ersetzten.
+
+</P><P>
+
+Konnte nun auch der Fourierismus seiner ganzen inneren Anlage nach
+keinen Einflu&szlig; auf die Massen erlangen und keine gro&szlig;e
+Parteibewegung in's Leben rufen, und verlor er in demselben Ma&szlig;e
+an Boden, wie die Klassengegens&auml;tze sich entwickelten und der
+Klassenkampf emporloderte, so sind seine Ideen f&uuml;r den
+Fortschritt der sozialen Bewegung nicht verloren gegangen.
+Fourier'sche Gedanken werden bei einer k&uuml;nftigen Neugestaltung
+der gesellschaftlichen Zust&auml;nde, wenn auch in anderer Form als
+ihr Urheber meinte, ihre Auferstehung feiern, w&auml;hrend seine
+Kritik der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft heute von Millionen getheilt
+wird, die nie eine Zeile seiner Werke zu Gesicht bekamen. Darin zeigt
+sich die wahre Bedeutung eines Menschen, da&szlig; Ideen, wegen deren
+er verfolgt, verl&auml;stert und verh&ouml;hnt wurde, deren Triumph er
+nie erlebte, nach seinem Tode weiter wirken, immer mehr Ausbreitung
+erlangen und schlie&szlig;lich, gereinigt von den Schlacken, die ihnen
+anhafteten, Gemeingut einer sp&auml;teren Zeit werden. Dieses
+Zeugni&szlig; mu&szlig; man Fourier und seinem Wirken ausstellen; und
+wenn es heute noch Sozialisten giebt, die sich durch das Fremdartige
+vieler seiner Ideen abschrecken lassen und dar&uuml;ber das Gold, das
+in seinen Werken steckt, &uuml;bersehen, so beweisen sie damit nur
+ihre Oberfl&auml;chlichkeit und ihre Unf&auml;higkeit zu objektivem
+Urtheil. Fourier war eine genial angelegte Natur, mit dem
+w&auml;rmsten Herzen f&uuml;r die Menschheit; sein Name wird erst zu
+Ehren kommen, wenn das Andenken an Andere, die heute noch der
+gro&szlig;e Haufe auf den Schild hebt, l&auml;ngst verbla&szlig;t ist.
+
+</P><P>
+
+Die Schule Fourier's besitzt heute nur noch eine kleine Anzahl
+versprengter, meist den besitzenden Klassen angeh&ouml;riger
+Anh&auml;nger in Frankreich, die mit Hartn&auml;ckigkeit dem Traum
+ihrer Jugend nachh&auml;ngen. Das ist Alles, was von ihr &uuml;brig
+blieb. Der Fourierismus ist todt, aber der Sozialismus lebt. Die neuen
+sozialen Ideen, wie sie insbesondere durch den modernen
+wissenschaftlichen Sozialismus, den man nach seinen Begr&uuml;ndern
+auch den deutschen wissenschaftlichen Sozialismus nennen darf,
+vertreten werden, haben in Frankreich, in dem durch die Utopisten wie
+Fourier wohl vorbereiteten Boden, immer mehr Wurzel gefa&szlig;t. Die
+alten Schulen und Sekten sind zersprengt oder in voller Aufl&ouml;sung
+begriffen, und in einer kurzen Spanne Zeit wird der Strom der sozialen
+Bewegung auch in Frankreich in einem einzigen breiten Bette
+flie&szlig;en und die Bewegung immer mehr zur Erf&uuml;llung ihrer
+Mission bef&auml;higen.
+
+</P><P>
+
+Ein Denkmal der Erinnerung setzte dem vielverkannten Fourier der
+Dichter Berang&eacute;r, der den Todten unter dem Schimpfwort, das ihn
+im Leben verfolgte, der &bdquo;Narr&ldquo;, besingt, nur da&szlig; er das Gedicht
+allen &bdquo;Narren&ldquo; widmet, die gleich Fourier darnach strebten, der
+Menschheit neue Bahnen zu er&ouml;ffnen.
+
+</P><P>
+
+Das Gedicht, das wir hier in der Ursprache und dann in der
+Uebersetzung eines poetisch veranlagten Freundes folgen lassen,
+lautet:
+
+</P>
+
+
+<h4>Les fous</h4>
+
+ <div class="poem">
+ <div class="stanza">
+ <p> Vieux soldats de plomb que nous sommes, </p>
+ <p> Au cordeau nous alignant tous, </p>
+ <p> Si des rangs sortent quelques hommes, </p>
+ <p> Nous crions tous: A bas les fous! </p>
+ <p> On les pers&eacute;cute, on les tue, </p>
+ <p> Sauf, apr&egrave;s un lent examen, </p>
+ <p> A leur dresser une statue </p>
+ <p> Pour la gloire du genre humain. </p>
+ </div>
+
+ <div class="stanza">
+ <p> Fourier nous dit: Sors de la fange, </p>
+ <p> Peuble en proie aux d&eacute;ceptions, </p>
+ <p> Travaille, group&eacute; par phalange, </p>
+ <p> Dans un cercle d'attractions; </p>
+ <p> La terre, apr&egrave;s tant de d&eacute;sastres, </p>
+ <p> Forme avec le ciel un hymen, </p>
+ <p> Et la loi, qui r&eacute;git les astres, </p>
+ <p> Donne la paix au genre humain. </p>
+ </div>
+
+ <div class="stanza">
+ <p> Qui d&eacute;couvrit un nouveau monde? </p>
+ <p> Un fou qu'on raillait en tout lieu; </p>
+ <p> Sur la croix que son sang inonde, </p>
+ <p> Un fou qui meurt nous l&egrave;que un Dieu. </p>
+ <p> Si demain, oubliant d'&eacute;clore, </p>
+ <p> Le jour manquait, eh bien! Demain </p>
+ <p> Quelque fou trouverait encore </p>
+ <p> Un flambeau pour le genre humain. </p>
+ </div>
+</div>
+
+<h4>Die Narren</h4>
+
+ <div class="poem">
+ <div class="stanza">
+ <p> Wir lassen richten, drillen uns und kneten, </p>
+ <p> Soldaten nur, die des Kommandos harren; </p>
+ <p> Kommt's Einem bei, aus Reih' und Glied zu treten, </p>
+ <p> Es schreit die Menge: &bdquo;Nieder mit dem Narren!&ldquo; </p>
+ <p> Er wird gehetzt, verleumdet und vernichtet, </p>
+ <p> Bis man zuletzt, als w&uuml;rde etwas Rechtes </p>
+ <p> Damit gethan, ein Denkmal ihm errichtet, </p>
+ <p> Zu Ehr' und Ruhm des menschlichen Geschlechtes. </p>
+ </div>
+
+ <div class="stanza">
+ <p> Dem Volk ruft Fourier zu: &bdquo;Im Schlamme heute, </p>
+ <p> Entwinde dich dem Truge deiner Feinde </p>
+ <p> Und schaare dich, da&szlig; Keiner aus dich beute, </p>
+ <p> Zur br&uuml;derlichen, schaffenden Gemeinde. </p>
+ <p> Der Zwist verstummt, des Hasses Brand erkaltet, </p>
+ <p> Willk&uuml;r und Herrschsucht weichen scheu dem Rechte, </p>
+ <p> Und das Gesetz, das &uuml;ber Sternen waltet, </p>
+ <p> Bringt Frieden auch dem menschlichen Geschlechte.&ldquo; </p>
+ </div>
+
+ <div class="stanza">
+ <p> Wer hat den Weg zur neuen Welt gefunden? </p>
+ <p> Ein &bdquo;Narr&ldquo;, verfallen afterweisem Spotte. </p>
+ <p> Am Kreuz erliegend seinen N&auml;gelwunden, </p>
+ <p> Wird uns ein &bdquo;Narr&ldquo;, der elend stirbt, zum Gotte. </p>
+ <p> Vers&auml;nk' die Sonne in des Dunkels Schl&uuml;nden, </p>
+ <p> Da&szlig; uns das morgen keinen Morgen br&auml;chte, </p>
+ <p> So w&uuml;rde morgen eine Fackel z&uuml;nden </p>
+ <p> Irgend ein Narr dem menschlichen Geschlechte. </p>
+ <p> </div>
+</div>
+
+<BR /><HR><BR />
+<P>
+
+Zum Schlusse werfen wir noch einen Blick auf die Ausbreitung, welche
+die Fourier'schen Ideen &uuml;ber die Grenzen Frankreichs und speziell
+auch in Deutschland gefunden hatten. Bei der Bedeutung, die Frankreich
+seit der gro&szlig;en Revolution f&uuml;r alle vorw&auml;rtsstrebenden
+Geister in der ganzen Kulturwelt erlangte, mu&szlig;ten auch die
+Erscheinungen in der sozialen Bewegung, die namentlich nach der
+Restauration mit der Entwicklung der &ouml;konomischen
+Verh&auml;ltnisse immer mehr in den Vordergrund trat, lebhafte
+Beachtung finden. Der Kapitalismus begann in allen L&auml;ndern
+Europas immer mehr Wurzel zu schlagen und sein Produktionssystem
+auszubreiten. Damit kamen selbst f&uuml;r den oberfl&auml;chlichen
+Beobachter eine Reihe von Erscheinungen zu Tage, welche die
+Selbstzufriedenen beunruhigten, die Vertreter und Anh&auml;nger der
+kleinb&uuml;rgerlichen Wirthschaftsform aber in gr&ouml;&szlig;te
+Aufregung versetzten. Man sah vielfach schw&auml;rzer in die Zukunft,
+als es durch den Gang der Dinge sich rechtfertigte. Der
+pessimistischen Schwarzseherei der Einen stand die optimistische
+Sch&ouml;nf&auml;rberei der Anderen gegen&uuml;ber. Zwischen diesen
+beiden Lagern stand eine kleine Zahl von kritischen aber ideal
+angelegten Geistern, welche weder dem &bdquo;Kreuzige&ldquo; der einen Seite, noch
+dem &bdquo;Hosianna&ldquo; der anderen Seite zustimmen konnten; sie sahen,
+da&szlig; das alte &ouml;konomische System verrottet, unhaltbar und
+unm&ouml;glich geworden war, aber sie konnten auch vor den Uebeln, die
+das neue in seinem Gefolge f&uuml;hrte, nicht die Augen
+verschlie&szlig;en. Diese bem&auml;chtigten sich jetzt mit Gier der
+neuen sozialen Ideen, die in dem &ouml;konomisch und politisch
+vorgeschritteneren Frankreich das Tageslicht erblickten und dort die
+ideal angelegten Geister ergriffen hatten. In der Schweiz, in England,
+in den Vereinigten Staaten fanden die in Frankreich auftauchenden
+utopistischen Ideen f&uuml;r Gr&uuml;ndung einer auf friedlicher
+Verst&auml;ndigung aller Klassen der Gesellschaft basirten neuen
+Gesellschaftsordnung begeisterte Anh&auml;nger und die
+bez&uuml;glichen Schriften Uebersetzer und Dolmetscher. F&uuml;r die
+praktische Verwirklichung dieser Ideen waren aber ebenso wenig wie in
+Frankreich in diesen L&auml;ndern aus schon angef&uuml;hrten
+Gr&uuml;nden die Massen zu gewinnen.
+
+</P><P>
+
+Deutschland, dessen geistige Vertreter damals alle Vorg&auml;nge in
+Frankreich aufmerksam verfolgten und aus seiner Literatur zahlreiche
+Anregungen zu &auml;hnlichem Vorgehen sch&ouml;pften, ward so
+ebenfalls im Beginn seiner gro&szlig;b&uuml;rgerlichen Entwicklung mit
+einer sozialistischen Literatur bedacht. W&auml;hrend Karl Marx und
+Friedrich Engels, der Eine mehr theoretisch, der Andere mehr
+praktisch, ihre &ouml;konomischen Studien begannen und die ersten
+Bausteine zu dem Lehrgeb&auml;ude des auf rein materialistischer
+Grundlage beruhenden wissenschaftlichen Sozialismus, wie er heute die
+Geister beherrscht, herbeischafften, begn&uuml;gten sich Andere, die
+Lehren und Ideen der franz&ouml;sischen Utopisten und Sozialisten, mit
+deutsch-philosophischem Geist durchtr&auml;nkt, in die deutsche
+Sprache zu &uuml;bertragen. Das geschah insbesondere dem
+Begr&uuml;nder der soziet&auml;ren Schule, Fourier, und dem
+kleinb&uuml;rgerlichen Sozialisten Proudhon. Neben verschiedenen
+kleineren Schriften, die in Z&uuml;rich in den vierziger und
+f&uuml;nfziger Jahren haupts&auml;chlich auf Veranlassung Karl
+B&uuml;rkli's, eines alten Sch&uuml;lers von Fourier, herauskamen,
+liegen mehrere gr&ouml;&szlig;ere Bearbeitungen des Fourier'schen
+Systems in deutscher Sprache von A. L. Churoa, Michael ***** und Franz
+Stromeyer vor.<a href="#Footnote_25"
+name="FNanchor_25" id="FNanchor_25"><sup>25</sup></a> Ferner erschien 1845 in Kolmar
+eine im Fourier'schen Geiste gehaltene Schrift, betitelt: &bdquo;Die Welt,
+wie sie ist und wie sie sein soll&ldquo;, aus dem Franz&ouml;sischen von
+Math. Briancourt. Karl Scholl lie&szlig; 1855 in Z&uuml;rich eine
+Schrift erscheinen, betitelt: &bdquo;Viktor Considerant &uuml;ber die
+Erl&ouml;sung der Menschheit in ihrem wahren Sinn.&ldquo; Auch erschienen in
+demselben Jahre in Z&uuml;rich eine Anzahl Schriften, in welchen
+f&uuml;r die Auswanderung nach Texas zur Gr&uuml;ndung von
+Phalanst&egrave;ren im Fourier'schen Sinne Propaganda gemacht wurde.
+Diese Versuche sind kl&auml;glich mi&szlig;lungen.
+
+</P><P>
+
+Interessant f&uuml;r die Geschichtsauffassung, welche die Sch&uuml;ler
+nach den Lehren ihres Meisters theilten, ist die Darlegung, die
+seitens eines Deutschen in dem Buche: &bdquo;Abbruch und Neubau&ldquo; oder
+&bdquo;Jetztzeit und Zukunft&ldquo; von Michael ***** gegeben wird. Der Verfasser
+erl&auml;utert dort die Fourier'sche Geschichts-Entwicklungstabelle,
+die wir auf Seite 240 und 241 dieser Schrift anf&uuml;hrten und bei
+dem Interesse, das diese Erl&auml;uterung nach unserer Auffassung
+verdient, geben wir sie ausf&uuml;hrlich wieder. Es hei&szlig;t da:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Adels-Feudalismus herrscht in der Kindheit der Zivilisation; die
+Sklaverei hat der Leibeigenschaft Platz gemacht; die Frau ist aus dem
+Gyn&auml;ceum (Frauengemach) oder Harem herausgetreten und hat ihre
+b&uuml;rgerlichen Rechte erlangt <i>Mit der Verleihung der
+b&uuml;rgerlichen Rechte an die Frau ist die Gesellschaft aus dem
+Zustand der Barbarei in die Zivilisation &uuml;bergegangen.</i>
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Diese Ver&auml;nderung im Zustande einer H&auml;lfte des
+Menschengeschlechts giebt den Sitten eine ganz neue F&auml;rbung,
+indem sie dieselben verfeinert und im hohen Grade das Gedeihen der
+K&uuml;nste und Wissenschaften, der Dichtkunst und der Musik
+beg&uuml;nstigt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In der Periode der Barbarei ist die Herrschaft des Oberhauptes der
+Gesellschaft eine unumschr&auml;nkte; in der ersten Phase der
+Zivilisation ist sie bereits getheilt, indem die Verb&uuml;ndung
+(F&ouml;deration) der gro&szlig;en Vasallen der k&ouml;niglichen
+Gewalt Schranken setzt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nach und nach werden die arbeitenden, dem Betriebe der Gewerbe,
+K&uuml;nste und Wissenschaften obliegenden Leibeigenen m&auml;chtig:
+Die <i>Gemeinden</i> erlangen Rechte und Privilegien; Munizipien,
+freie St&auml;dte erstehen. Sie erstehen aber nicht kraft eines
+willk&uuml;rlichen Befreiungs-Ediktes; sie erstehen nicht, weil es dem
+Staatsoberhaupt beliebt hat, sie in's Leben zu rufen. Sie erstehen,
+weil sie sich bereits selbst emanzipirt haben, weil die schon erlangte
+Macht sie faktisch frei gemacht hat. Kommen solche Edikte vor der
+Zeit, so ist es gerade, als w&auml;ren sie nicht da, und der
+Feudalismus bleibt zum deutlichen Beweise, <i>da&szlig; Verfassungen
+blo&szlig;e Chroniken vollendeter Thatsachen sind,</i> da&szlig; sie
+die Geschichte der Fortschritte einer Nation schreiben, wenn ich mich
+so ausdr&uuml;cken darf, nicht aber nothwendig sie hervorrufen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mit der steigenden Aufkl&auml;rung der fr&uuml;heren Leibeigenen, mit
+ihrem steigenden Reichthume, mit ihrem fortschreitenden Kunst- und
+Gewerbeflei&szlig;e w&auml;chst auch ihre Macht in demselben
+Ma&szlig;e, in welchem das Feudal-Element geschw&auml;cht wird.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die alten Leibeigenen sind B&uuml;rger und Volk geworden. B&uuml;rger
+und Volk verb&uuml;nden sich miteinander gegen den Feudalismus, und
+der Sieg ist ihnen gewi&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In diesem Stadium ihrer Entwicklung ist die Gesellschaft von steten
+St&uuml;rmen und Umw&auml;lzungen bedroht. Die Z&auml;higkeit des
+Feudal-Elements kann das volksth&uuml;mliche Element zu Gewaltthaten
+treiben, gegen welche die der Barbarei verschwinden. Die Kritik liegt
+mit den alten religi&ouml;sen Anschauungen im Kampfe; die Philosophie
+stellt die Bedingungen des neuen Staats gegen&uuml;ber dem alten auf.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mit der politischen Befreiung, mit der Entfesselung der Gewerbe und
+des Ackerbaues spielt das <i>Repr&auml;sentativ-System</i> der Gewalt
+gegen&uuml;ber dieselbe Rolle, die fr&uuml;her die gro&szlig;en
+Vasallen gespielt hatten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der B&uuml;rger braucht nun den Schutz des Ritters nicht l&auml;nger:
+schon hat er ihn in der Person Don Quixote's moralisch get&ouml;dtet.
+Der B&uuml;rger hat aber auch die Gleichheit vor dem Gesetz
+verk&uuml;ndet, und so folgen die <i>Freiheits-Illusionen</i> auf die
+Illusionen des Ritterthums. Die Freiheit ist noch nicht da, weil sie
+in der Verfassung steht; sie bleibt auf dem Papier, weil die
+Bedingungen, unter welchen sie wirklich in's Leben treten kann, noch
+nicht erf&uuml;llt sind.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Unterdessen hat die Zivilisation ihren H&ouml;hepunkt erreicht, sie
+hat die Schifffahrt, &uuml;berhaupt erleichterte Verbindungswege,
+Eisenbahnen, Kan&auml;le u.&nbsp;s.&nbsp;w., sowie die Experimental-Chemie in's
+Leben gerufen, und nun kann sie, wenn ihr die Wissenschaft zu
+H&uuml;lfe kommt, zu einer h&ouml;heren Periode aufsteigen, die wir,
+mit Fourier, <i>Garantismus</i> nennen wollen, da sie die
+Verwirklichung eines Systems von Garantien w&auml;re, wovon die
+jetzige Gesellschaft einige bemerkenswerthe Keime aufzuweisen hat.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Verfasser bezeichnet als solche mit Fourier: Die wissenschaftliche
+Einheit, die Quarant&auml;nen, das Assekuranzsystem, die Sparkassen
+etc.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mit der Experimental-Chemie tritt die gro&szlig;e Industrie in's
+Leben; die kleine Industrie geht in der gro&szlig;en auf. Neue
+Verfahrungsarten verdr&auml;ngen die alten, eine ganz neue
+industrielle Welt ist im Werden; Fabriken mit Hunderten und Tausenden
+von Arbeitern schie&szlig;en wie Pilze aus dem Boden hervor und
+versetzen den in altherk&ouml;mmlicher Weise betriebenen Gewerben den
+Todessto&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aber die Erfindung neuer Verfahrungsarten, sowie die Steigerung der
+Produktion gen&uuml;gen nicht: die Zivilisation hat auch den Beruf,
+diese Verfahrungsarten &uuml;berall hin zu verbreiten und so die
+M&ouml;glichkeit der Erreichung einer h&ouml;heren gesellschaftlichen
+Stufe anzubahnen. Daher die Erfindung der Schifffahrt, der
+Eisenbahnen, des Dampfbootes, kurz die Vervollkommnung der
+Verbindungsmittel &uuml;berhaupt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Indessen hat die Zivilisation &mdash; als Entwicklungsphase der
+Menschheit betrachtet &mdash; in Folge eines inneren, in ihrem Wesen
+begr&uuml;ndeten Zwiespalts die gro&szlig;e Industrie nicht in's Leben
+zu rufen vermocht, ohne zu gleicher Zeit allgemeine Gebrechen zu
+erzeugen, die unter dem Titel <i>Entwaldungen und Fiskalanleihen</i>
+aufgef&uuml;hrt und eine nothwendige Folge der beiden vorangehenden
+Phasen sind. In der That f&auml;llt auch der Boden im Ganzen genommen
+immer mehr einer anarchischen Kultur anheim, je gr&ouml;&szlig;er der
+Zwiespalt der Privatinteressen und des allgemeinen Interesses wird.
+Die Entwaldung der Anh&ouml;hen, welche die Ausmergelung der Berge und
+die Entbl&ouml;&szlig;ung der Abh&auml;nge mit sich f&uuml;hrt, ist
+der h&ouml;chste Ausdruck des Uebelstandes, da diese Entwaldungen zur
+unausbleiblichen Folge haben, da&szlig; in der Vertheilung der Wasser
+nach und nach eine g&auml;nzliche Ver&auml;nderung eintritt. Werden
+die Entwaldungen bis zum Ueberma&szlig; ausgedehnt, so wird am Ende
+selbst das Klima ernstlich Noth leiden: die schroffsten
+Ueberg&auml;nge werden nichts Ungew&ouml;hnliches sein; heute eine
+afrikanische Hitze, morgen eine sibirische K&auml;lte. Die
+Wissenschaft hat in der Person ihrer w&uuml;rdigsten Vertreter
+angefangen, auf die &uuml;blen klimatischen Folgen der planlosen
+Entwaldungen hinzudeuten. Zum deutlichen Beweise, <i>da&szlig; die
+Atmosph&auml;re f&uuml;r den Menschen ein wahres Ackerfeld ist, das er
+durch den Anbau entweder verbessern oder verschlechtern kann.</i>
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Fiskalanleihen sind ein anderes Gebrechen der auf ihrem
+H&ouml;hepunkte angekommenen Zivilisation. Die Befreiung der
+V&ouml;lker hat gewaltige Kriege nach sich gezogen; das Feudal-Element
+hat seine letzten Kr&auml;fte zusammengerafft, um das neue
+volksth&uuml;mliche Element zu erdr&uuml;cken. Daher der l&auml;stige
+Kriegsfu&szlig;, daher der fast ebenso l&auml;stige Friedensfu&szlig;.
+Die edelsten Kr&auml;fte der Nation werden in soldatischen Spielen
+vergeudet. Eine Menge anderer unproduktiver Ausgaben
+vergr&ouml;&szlig;ern das Uebel fortw&auml;hrend, bis endlich das
+thurmartige Kartenhaus des Staatsschuldenwesens zusammenst&uuml;rzt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Verfasser setzt nun weiter auseinander, wie die Charaktere des
+H&ouml;hepunktes der Zivilisation im Keime sowohl die Ursachen ihres
+Verfalles, als die Mittel zur Ersteigung einer h&ouml;heren Stufe
+enthielten. Die Entwaldungen enthielten den Keim zum materiellen
+Verfall durch die damit verbundene Verschlechterung des Klimas; die
+Fiskalanleihen enthielten den Keim des politischen Verfalls, indem sie
+die Ausbildung des <i>industriellen Feudalismus</i> m&auml;chtig
+f&ouml;rderten. Ebenso k&ouml;nnten die neugeschaffenen
+Verbindungswege in den H&auml;nden von Aktiengesellschaften die Rolle
+einer Saugpumpe spielen, wie die Schifffahrtskunde das den Angelpunkt
+der dritten Phase bildende Seemonopol in's Leben rufen k&ouml;nne.
+Endlich gab die Chemie dem Betruge die Mittel an die Hand, alle Arten
+von Produkten zu f&auml;lschen, und der l&uuml;gnerische Handel gewann
+so eine Ausdehnung, welche die ernstlichsten Besorgnisse
+einfl&ouml;&szlig;en mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Zwar k&ouml;nne die nun beginnende absteigende Periode ein
+nat&uuml;rlicher Schritt des Fortschritts werden, aber dieser Weg sei
+eine Reihe von Klippen und Sch&auml;ndlichkeiten. Unterliege die
+Zivilisation auf ihrem Wege den ihr gegen&uuml;bertretenden
+Einfl&uuml;ssen, so falle sie in eine niedere Periode zur&uuml;ck, um
+den alten Kampf von Neuem zu beginnen. Gl&uuml;cklicherweise sei das
+Leben der Menschheit ein vielfaches; falle eine Zivilisation, so sei
+bei den vielen Nationen und mancherlei Gesellschaften immer die
+Hoffnung da, da&szlig; eine derselben das Erbe der fallenden
+Gesellschaft &uuml;bernehme.
+
+</P><P>
+
+Der zweite Theil der Periode, ihre absteigende Bewegung, sei dem
+ersten umgekehrt analog (verwandt), wie die Morgend&auml;mmerung und
+Abendd&auml;mmerung, die Kindheit und das Greisenalter der Menschen,
+der Anfang und das Ende jeder Bewegung sich einander analog seien,
+ohne identisch zu sein. Nach diesem aus der allgemeinen Formel der
+Bewegung abgeleiteten Grundsatze lie&szlig;e sich erwarten, da&szlig;
+die Zivilisation mit einem Feudalismus enden werde, wie sie mit einem
+Feudalismus begonnen habe. Diese Voraussetzung erhalte durch die vor
+unseren Augen vor sich gehenden Thatsachen den Charakter einer
+mathematischen Wahrheit.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der steigende Reichthum des B&uuml;rgerthums hat den
+Adels-Feudalismus get&ouml;dtet: Pergamente und Wappen haben
+aufgeh&ouml;rt, die Herrschaft zu verleihen, und das Geld ist an ihre
+Stelle getreten. Wege zum Reichthum sind Industrie, Handel und
+Beamtenstellen. Der herrschende Geist wird demnach der
+<i>kaufm&auml;nnische</i> und <i>fiskalische</i> sein. Er ist in der
+Tabelle als einfacher Keim der dritten Phase bezeichnet, weil er einen
+neuen Feudalismus, n&auml;mlich den industriellen, den wir auch
+Handels- oder Geldfeudalismus nennen k&ouml;nnen, im Keim
+enth&auml;lt. Von nun an mu&szlig; sich Alles dem neuen Prinzipe
+unterordnen. Die Parias der dritten und vierten Phase der Zivilisation
+werden daher auch nicht die Leibeigenen der ersten Phase, sondern die
+untersten Schichten der Gesellschaft bildenden Proletarier sein. Der
+Hunger und das Elend werden sie faktisch denjenigen
+&uuml;berantworten, welche, Herren des Kapitals, auch die Werkzeuge
+der Arbeit in H&auml;nden haben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die gro&szlig;e Industrie mit ihren Kapitalien, Maschinen und
+Spekulationen macht die kleine, mit m&auml;&szlig;igen Geldmitteln
+betriebene, unm&ouml;glich. Der gro&szlig;e Handel unterdr&uuml;ckt
+den kleinen, und diese Bewegung gestaltet sich immer
+gro&szlig;artiger, je mehr das Kapital durch gl&uuml;ckliche
+Spekulationen oder durch Gr&uuml;ndung von Aktiengesellschaften sich
+konzentrirt. In demselben Ma&szlig;e, wie das Kapital sich
+konzentrirt, w&auml;chst auch der Pauperismus und das Proletariat, und
+da die gro&szlig;en Kapitalien sich am liebsten in den gro&szlig;en
+St&auml;dten ansiedeln, so wird zuerst da die Fabrikation in
+gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;stabe betrieben. Allm&auml;lig sammeln
+sich da Heere von Arbeitern, die von einem Tag zum andern leben und
+somit viel schlimmer daran sind als die Leibeigenen der ersten
+Periode. <i>Diese Arbeiter-Heere sind f&uuml;r die Zivilisation das
+Schwert des Damokles.</i> Die dritte Phase wird mindestens ebenso sehr
+von inneren K&auml;mpfen und B&uuml;rgerkriegen bedroht als die
+zweite. Nur sind die nun ausbrechenden Revolutionen nicht l&auml;nger
+<i>politischer</i>, sondern <i>sozialer</i> Natur; die Insurrektion
+nimmt einen industriellen Charakter an.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Handelsgeist und der m&auml;chtige Hebel der
+Kapitalien-Konzentration, welche den gro&szlig;en Kapitalisten das
+Monopol der Industrie nach und nach in die H&auml;nde spielt, sind die
+Elemente des See-Monopols oder Gro&szlig;handels-Monopols, wodurch der
+Geist und die Bestrebungen der ganzen Phase angedeutet werden. Die
+Politik tritt in die Dienste des Monopols und erh&auml;lt so eine ganz
+eigent&uuml;mliche F&auml;rbung, bis sie endlich nur noch das
+kaufm&auml;nnische Element vertritt. Diplomatie, Kriege, Kammern,
+Wissenschaft, Kunst, Alles wirft in unendlich verschiedenen
+Schattirungen den im Prisma des Merkantilismus gebrochenen Zeitgeist
+zur&uuml;ck. <i>Alles ist k&auml;uflich;</i> der Durst nach Gold hat
+die edlen Regungen erstickt, und der Egoismus zeigt sich in seiner
+ganzen Scheu&szlig;lichkeit.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Grundsatz der freien Konkurrenz, das <TT>laisser faire laisser
+passer</TT>, erzeugt zugleich den <i>anarchischen Handel,</i> der
+unter dem Titel &bdquo;Gegengewicht&ldquo; in der Tabelle aufgef&uuml;hrt ist. Da
+die gro&szlig;en Handelsoperationen von dem gro&szlig;en Kapital
+monopolisirt sind, so bleibt dem kleinen Kapital nur noch der
+Kleinhandel. In Folge des herrschenden merkantilischen Geistes wirft
+er sich auch auf denselben mit einer wahren Wuth &mdash; ein
+Verh&auml;ltni&szlig;, das sich in der gro&szlig;en Menge
+schmarotzerischer Zwischenh&auml;ndler und M&auml;kler am Besten zu
+erkennen giebt. Je heftiger der Konkurrenzkrieg dieser
+Zwischenh&auml;ndler entbrennt, um so gro&szlig;artiger gestalten sich
+die Betr&uuml;gereien und F&auml;lschungen jeder Art, wodurch die
+Gesellschaft systematisch gebrandschatzt wird. Dieser Anarchie allein
+aber verdankt der Kleinhandel seine Erhaltung; denn nur sie bildet
+noch einen Damm gegen die verheerende Macht des Kapitals. Sie ist also
+ein nat&uuml;rliches Gegengewicht des gro&szlig;en Kapitals. Von dem
+Tage an, wo das gro&szlig;e Kapital an den Hauptpl&auml;tzen
+gro&szlig;e Niederlagen f&uuml;r den Detailverkauf gr&uuml;ndet, wie
+dies schon jetzt mancher Orten geschieht, von diesem Tage an mu&szlig;
+der kleine und mittlere Handel das Gewehr strecken. Von dem Tage an
+wird aber auch die Anarchie im Handel und Wandel aufh&ouml;ren, und
+die Regelung des Handels wird immer leichter werden, je deutlicher die
+Charaktere des industriellen Feudalismus hervortreten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wie lie&szlig;e sich der Ton der dritten Phase besser bezeichnen, als
+mit dem Ausdruck <i>&bdquo;&ouml;konomische Illusionen&ldquo;</i>? Die politische
+Oekonomie, ein Erzeugni&szlig; des merkantilen Geistes, verh&auml;lt
+sich zu der dritten Phase wie die Poesie der Ritterzeit zu der ersten,
+wie die philosophische Ideologie und die liberale Dialektik zur
+zweiten. Das Ritterthum hat der Liberalismus unter dem Namen des
+Donquixotismus zu Grabe getragen, und nun ist der Oekonomismus auf dem
+Wege, den Liberalismus durch die <i>Politik der materiellen
+Interessen</i> zu t&ouml;dten, eine Politik, die den reinen,
+uneigenn&uuml;tzigen Liberalismus bereits in einem ziemlich
+l&auml;cherlichen Lichte erscheinen l&auml;&szlig;t.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der industrielle Feudalismus w&auml;re eine vollendete Thatsache,
+sobald das gro&szlig;e Kapital nicht allein die Fabrikation und den
+Handel, sondern auch den Grund und Boden an sich gerissen haben
+w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun aber wird die steigende Handels-Anarchie mit ihren zahllosen
+Betr&uuml;gereien, Bankerotten und F&auml;lschungen nicht allein zur
+Folge haben, da&szlig; die Lage des kleinen Gewerbs- und Handelsmannes
+immer kritischer wird, sondern es wird sie auch die &ouml;ffentliche
+Stimmung nachgerade so energisch verdammen, da&szlig; das gro&szlig;e
+Kapital darin eine Ermunterung finden wird, nun auch den Kleinhandel
+zu absorbiren. Und so wird sich dann dieser gewaltsam
+r&uuml;ckwirkende Geist politisch dadurch beth&auml;tigen, da&szlig;
+er <i>Meisterschaften in bestimmter Anzahl</i> und privilegirte
+K&ouml;rperschaften in's Leben ruft.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die <i>Leihh&auml;user</i> oder <i>Leihkassen</i> f&uuml;r Landwirthe
+haben zum Zweck, dem bedr&auml;ngten Ackerbau zu H&uuml;lfe zu kommen.
+W&auml;hrend die Kapitalien der Spekulation und den Banken
+zustr&ouml;men, leidet der Ackerbau an solchen Noth, so da&szlig; er
+dem Wucher in die H&auml;nde f&auml;llt. Schlechte Ernten, eine
+schlechte Bewirthschaftung des zerst&uuml;ckelten Grundbesitzes und
+&auml;hnliche Ursachen werden das Uebrige thun, bis endlich ein
+gro&szlig;er Theil des Grund und Bodens den Leihkassen
+anheimf&auml;llt. So wird der in Atome zerfallene Grundbesitz sich
+wieder zusammenf&uuml;gen; der kleine Besitz wird vom gro&szlig;en
+verschlungen werden, wie die Handwerker von den Fabriken, wie das
+kleine Kapital von dem gro&szlig;en.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;W&auml;hrend alles dies vor sich geht, befindet sich die Gesellschaft
+in einer wahrhaft f&uuml;rchterlichen Lage. Nichts als Krisen und
+Revolutionen. Der Ackerbau wie die Fabrikindustrie ist nur noch ein
+unerme&szlig;liches industrielles Zuchthaus, ein ungeheures Lager; die
+fr&uuml;here <i>individuelle</i> Leibeigenschaft ist eine
+<i>kollektive</i> geworden. Die neuen Leibeigenen werden von Zeit zu
+Zeit aus ihren Bagnos st&uuml;rmen und ein Spartakus wird sie
+f&uuml;hren.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der neue Adel aber, der Geldadel, wird neben der Regierungsgewalt
+eine eigene Gewalt bilden und so f&uuml;r die vierte Phase das sein,
+was der Feudaladel f&uuml;r die erste war. Und gleichwie die nationale
+Einheit erst dann begr&uuml;ndet werden konnte, als das monarchische
+Element stark genug geworden war, um das Feudalelement zu z&uuml;geln
+und zu leiten, ebenso wird auch hier die Gesellschaft nicht eher zum
+Garantismus sich erheben, als bis die Regierung das industrielle
+Element zu lenken wissen wird.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Uebrigens keine Burgen, die zerst&ouml;rt, keine hochm&uuml;tigen
+Vasallen, die gek&ouml;pft oder gemeuchelt werden m&uuml;&szlig;ten.
+Die Aufgabe der Regierung wird darin bestehen, da&szlig; sie die Rolle
+einer Vermittlerin zwischen den einander feindselig
+gegen&uuml;berstehenden Interessen &uuml;bernimmt, da&szlig; sie den
+Waarenaustausch regulirt, die Einheit der Ma&szlig;e, Gewichte u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+herstellt, mit einem Wort, da&szlig; sie in s&auml;mmtlichen
+industriellen und kommerziellen Verh&auml;ltnissen die n&ouml;thig
+gewordenen Garantien herstellt. Dann aber ist die Zivilisation, wie
+sie in der Tabelle geschildert worden, schon &uuml;berholt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Als Ton der vierten Phase endlich erscheinen in der Tabelle die
+<i>Assoziations-Illusionen</i>. Wir sagen Illusionen, weil die
+Assoziation nur die Kapitalien assoziirt, um ihre Absorptionskraft zu
+vermehren, blos das h&auml;&szlig;liche Zerrbild der <i>wahren</i>
+Assoziation ist, die Kapital, Arbeit und Talent assoziirt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Fassen wir nun das Gesagte zusammen, so finden wir, da&szlig; die
+aufsteigende und absteigende Bewegung der Periode der Zivilisation
+sich zueinander verhalten, wie die beiden H&auml;lften des
+Menschenlebens, d.&nbsp;h. da&szlig; sie in Beziehung auf den H&ouml;hepunkt
+oder die Mittelstufe miteinander symmetrisch sind;
+
+</P><P>
+
+da&szlig; die Zivilisation mit einem Feudalismus beginnt und endigt;
+
+</P><P>
+
+da&szlig; die Arbeit der beiden Phasen der aufsteigenden Bewegung eine
+Verminderung der <i>pers&ouml;nlichen</i> oder <i>direkten</i>
+Dienstbarkeit zur Folge hat, w&auml;hrend in der Phase der
+absteigenden Bewegung die <i>kollektive</i> oder <i>indirekte</i>
+Dienstbarkeit sich befestigt;
+
+</P><P>
+
+da&szlig; die Revolutionen der beiden ersten Phasen politischer Natur
+sind, w&auml;hrend die der beiden letzten einen <i>sozialen</i> oder
+industriellen Charakter annehmen;
+
+</P><P>
+
+da&szlig; das Wesen der von der Zivilisation aufgestellten
+Gleichgewichte ein unst&auml;tes soziales Gleichgewicht
+begr&uuml;ndet;
+
+</P><P>
+
+da&szlig; die Illusionen der aufsteigenden Bewegung etwas
+Ritterliches, Edles haben, w&auml;hrend denen der absteigenden
+Bewegung nichts als der gemeinste Materialismus zu Grunde liegt;
+endlich
+
+</P><P>
+
+da&szlig;, w&auml;hrend der Fortschritt in den beiden ersten Phasen
+sich nach den Entdeckungen auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst,
+nach der Vervollkommnung der technischen Vefahrungsarten bemessen
+l&auml;&szlig;t, der Ma&szlig;stab f&uuml;r den Fortschritt in der
+absteigenden Bewegung, die Auffindung derjenigen Institutionen ist,
+welche die Zivilisation ihrem nat&uuml;rlichen Tode zuf&uuml;hren und
+so der Gesellschaft die Ersteigung einer h&ouml;heren Bildungsstufe
+m&ouml;glich machen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Dies die Auffassung von der historischen Entwicklung und dem Untergang
+der Zivilisation, wie sie im Fourier'schen Geiste unser deutscher
+Autor darlegt. Bei ihm tritt in sch&auml;rferem Ma&szlig;e als bei
+Fourier das Gesetzm&auml;&szlig;ige in der Entwicklung,
+unbeeinflu&szlig;t von dem Wirken der einzelnen Person, in den
+Vordergrund. Wir haben es, scheint's, mit einem Sch&uuml;ler der
+Hegel'schen Schule zu thun, der die Lehre von den Gegens&auml;tzen in
+der Gesellschaft dialektisch auffa&szlig;t und behandelt. Fragt man
+nun nach der praktischen Wirkung dieser Anh&auml;nger Fourier's in
+Deutschland und ihrer Bedeutung f&uuml;r die Bewegung, so wei&szlig;
+Niemand davon zu melden. Die sozialistischen und kommunistischen
+Ideen, die meist sehr verschwommen im &bdquo;tollen Jahr&ldquo; in den
+verschiedensten Gegenden Deutschlands unter der vorgeschritteneren
+Arbeiterwelt in die Erscheinung traten, lassen nirgends
+Fourieristische Auffassungen erkennen. So weit Marx und Engels nichts
+die Arbeiterklasse in den Bewegungsjahren beeinflu&szlig;ten, waren es
+wesentlich die Ideen Weitling's, die Anklang fanden. Die Mehrzahl der
+Arbeiter, die sich an der Bewegung betheiligten, war von den
+unklarsten sozialen und politischen Ideen beherrscht. Woher sollte die
+Einsicht in die Arbeiterklasse kommen, wenn die h&ouml;her stehende
+Klasse, das B&uuml;rgerthum, in allen ihren &ouml;ffentlichen
+Handlungen die kompleteste Unreife und Unerfahrenheit an den Tag
+legte. Bot doch auch die damals viel weiter vorgeschrittene
+franz&ouml;sische Arbeiterklasse ein keineswegs erfreuliches
+kaleidoskopisches Bild; sie war zersplittert in Schulen und Sekten,
+die sich gegenseitig bek&auml;mpften. Es war daher auch kein Wunder,
+da&szlig; diese in Deutschland eben erst aufkeimende soziale Bewegung
+durch die Reaktion der f&uuml;nfziger Jahre bis auf die Erinnerung
+ausgetilgt wurde.
+
+</P><P>
+
+Die dann im Laufe der f&uuml;nfziger Jahre in Deutschland sich
+vollziehende kapitalistische Entwicklung schuf allm&auml;lig auch eine
+Arbeiterklasse, die besser als ihre Vorg&auml;ngerin aus den vierziger
+Jahren f&uuml;r ihren Befreiungskampf ausger&uuml;stet war. Und nun
+zeigten sich auch die Vortheile der besseren Schulung und geistigen
+Durchbildung, mit welcher die deutsche Arbeiterklasse der
+Arbeiterklasse anderer L&auml;nder voraus war. Sie erfa&szlig;te mit
+scharfem Verst&auml;ndni&szlig; die Theorien und Grundanschauungen
+ihrer gro&szlig;en Lehrer; der eigentliche Schulstreit, der die
+franz&ouml;sischen Arbeiter Jahrzehnte lang zerkl&uuml;ftete, blieb
+ihr erspart, und so wuchs die Bewegung, beg&uuml;nstigt durch die
+politische und soziale Umgestaltung Deutschlands, so, da&szlig; sie
+heute als die vorgeschrittenste in allen Kulturstaaten betrachtet
+werden darf. Keinem Personenkultus huldigend, nimmt sie dankbar die
+guten Lehren an, welche die gro&szlig;en Vork&auml;mpfer und
+Bahnbrecher der sozialistischen Ideen in irgend einem Lande der Welt
+hinterlie&szlig;en.
+
+</P><P>
+
+Die moderne soziale Bewegung ist wie die ganze moderne Kulturbewegung
+eine eminent kosmopolitische. Zun&auml;chst innerhalb des nationalen
+Rahmens und der gezogenen Sprachgrenzen wirkend, tragen die zahllosen
+Verkehrsmittel, die Sprachstudien, Reisen und Auswanderung, Literatur,
+G&uuml;teraustausch etc. in fr&uuml;her ungeahntem Ma&szlig;stab dazu
+bei, den Ideenaustausch zu f&ouml;rdern, den Nationalit&auml;ten- und
+Racenha&szlig; zu ert&ouml;dten, die Interessensolidarit&auml;t immer
+inniger zu verkn&uuml;pfen. Die Entstehung einer Weltsprache, die
+Fourier bef&uuml;rwortete, r&uuml;ckt ihrer Verwirklichung, wenn auch
+anders als er gedacht, immer n&auml;her, und die Zeit wird auch nicht
+mehr fern sein, wo aus der Interessen- und Ideengemeinsamkeit der
+ganzen Kulturwelt eine neue soziale Organisation entsteht, die weder
+nach Landes- noch nach Sprachgrenzen fragt und den B&uuml;rger zum
+Menschen macht.
+
+</P><BR /><HR class="full"><BR />
+
+
+<h2>Skizze eines Phalanx-Geb&auml;udes <TT>(Phlanst&egrave;re)</TT></h2>
+
+
+<div class="figcenter" style="text-align: center;">
+<img width = "418" height = "221" src="images/phalanstere.jpg" alt="Skizze eines Phalanx-Gebaeudes">
+</div>
+
+<P>
+
+Wie das Kreuz der Typus der mittelalterlichen Dome und Kirchen ist, so
+ist die Serie der Typus des Wohn- und Arbeitsgeb&auml;udes einer
+Phalanx, d.&nbsp;h. ein Zentrum mit zwei mittleren oder Haupt-Fl&uuml;geln
+und zwei &auml;u&szlig;ersten oder Neben-Fl&uuml;geln. Die jeweilige
+Architektur ist immer nur das &auml;u&szlig;ere Abbild der sozialen
+Verh&auml;ltnisse, und ein Kenner wird immer an der Architektur auf
+die Gesellschaftsform einer Zeitepoche schlie&szlig;en k&ouml;nnen.
+&mdash; <i>Die Gemein</i>wirthschaft, in welcher Form immer, bedingt
+nat&uuml;rlich auch ganz andere Geb&auml;ulichkeiten, als die
+<i>Privat</i>wirthschaft. &mdash; Das Zentrum soll diejenigen
+R&auml;umlichkeiten enthalten, wo die ca. 2000 Personen mehrmals des
+Tages verkehren, wie Speises&auml;le, Versammlungslokale, Bureaux,
+Bazare, Bibliotheken etc.; die zwei Hauptfl&uuml;gel, welche
+perpendikul&auml;r vom Zentrum abzweigen und so den Zentralplatz der
+Phalanx bilden, sowie die zwei &auml;u&szlig;ersten Fl&uuml;gel,
+welche nach links und rechts abbiegen und an der Hauptstra&szlig;e
+liegen, w&uuml;rden die verschiedenen Werkst&auml;tten, die
+ger&auml;uschvollsten am &auml;u&szlig;ersten Ende, enthalten. Die
+Wohnr&auml;ume w&uuml;rden die oberen Stockwerke des
+Gesammtgeb&auml;udes in Anspruch nehmen. &mdash; Gegen&uuml;ber der
+Phalanx, dem Zentralplatz und der Hauptstra&szlig;e entlang,
+k&auml;men die Oekonomie- und Maschinengeb&auml;ude, St&auml;lle etc.,
+welche man hier nicht sieht, zu liegen. &mdash; Das
+Phalanxgeb&auml;ude ist ca. 2000 Fu&szlig; oder 600 Meter lang vom
+&auml;u&szlig;ersten linken zum &auml;u&szlig;ersten rechten
+Fl&uuml;gelende gemessen. Um eine allzugro&szlig;e Ausdehnung zu
+vermeiden, ist die Reihe der Geb&auml;ude doppelt und parallel laufend
+mit dazwischen liegenden Hofg&auml;rten. &mdash; Eine breite, gedeckte
+Galerie verbindet im Innern, gegen die Hofseite hin, alle Theile des
+Geb&auml;udes und fungirt als Hauptarterie der Zirkulation.
+
+</P>
+<BR /><HR class="full"><BR />
+
+<H2>Anmerkungen</H2>
+
+<table summary = "Anmerkungen">
+
+<tr>
+<td class="sn">[<a href="#FNanchor_1" name="Footnote_1" id="Footnote_1">1</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Phalanx ist der Name einer von Philipp II. von Macedonien in seinem
+Heere eingef&uuml;hrten Schlachtordnung; die Phalanx war ein
+dichtgeschlossener, keilf&ouml;rmig geformter, mit Speeren bewaffneter
+Truppenk&ouml;rper, der mit seiner Spitze in den Feind eindrang und
+ihn auseinander sprengte. Der Name f&uuml;r sein System ist also von
+Fourier nicht &uuml;bel gew&auml;hlt.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_2" name="Footnote_2" id="Footnote_2">2</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Fourier spricht hier denselben Gedanken aus, dem Robinet in seinem
+1766 in Amsterdam erschienenen Werke &bdquo;Ueber die Natur&ldquo; <TT>(De la
+nature)</TT> Ausdruck giebt: &bdquo;Alles in der Natur steht miteinander in
+Verbindung&ldquo;, und ebenso spricht R. einen Gedanken aus, den Fourier
+&auml;hnlich wiederholt: &bdquo;Da&szlig; die Natur mit m&ouml;glichst
+sparsamer Ausnutzung der vorhandenen Stoffe arbeite.&ldquo; Holbach sagt im
+<TT>Systeme de la nature</TT>: &bdquo;In der ganzen Sch&ouml;pfung herrscht
+Wesenseinheit.&ldquo; Die Ideenassoziation ist augenf&auml;llig.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_3" name="Footnote_3" id="Footnote_3">3</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Herm. Greulich bezeichnet in seiner Schrift: &bdquo;Karl Fourier, ein
+Vielverkannter&ldquo; (Hottingen-Z&uuml;rich, Volksbuchhandlung 1881), den
+Ehrgeiz als Auszeichnungstrieb, weil das Wort Ehrgeiz einen
+h&auml;&szlig;lichen Beigeschmack habe. Der von Gr. gew&auml;hlte
+Ausdruck ist unzweifelhaft korrekt, aber wir wollen doch nochmals
+ausdr&uuml;cklich konstatiren, da&szlig; nach Fourier's Theorie
+<i>alle Triebe gut sind</i> und der Ausdruck Ehrgeiz ebensowenig
+anst&ouml;&szlig;ig sein darf, als die nach unserer landl&auml;ufigen
+Auffassung von Fourier gebrauchten Ausdr&uuml;cke Kabalist und
+Intrigue. Der Ehrgeiz ist auch in der b&uuml;rgerlichen Gesellschaft
+an sich eine ganz l&ouml;bliche Eigenschaft, der nur unangenehm und
+sch&auml;dlich wird, wenn er auf Kosten Anderer oder der Allgemeinheit
+sich Geltung verschaffen will. Im Uebrigen scheint uns, hat Greulich
+in seiner Schrift, in dem Streben, Fourier zur verdienten Anerkennung
+zu bringen, ihn ein wenig zu sehr modernisirt und in der Sprache
+unserer Zeit reden lassen, ohne seiner Einseitigkeit und Schrullen
+gen&uuml;gend Erw&auml;hnung zu thun. Ein solches
+Zug&uuml;nstigf&auml;rben erkl&auml;rt sich aus dem Bestreben, Fourier
+gegen die ungerechten und unqualifizirbaren Angriffe eines
+D&uuml;hring, Most und Bernhard Becker in Schutz zu nehmen. Alle drei
+bezeichnen Fourier &mdash; und D&uuml;hring und Most offenbar, ohne
+sich n&auml;her mit seinen Werken vertraut gemacht zu haben &mdash;
+einfach als Narren, womit sie glauben, ihn abgethan zu haben. Ob
+dieser, Fourier schon zu Lebzeiten von Seiten seiner Gegner
+entgegengeschleuderte Vorwurf eine Berechtigung hat, mag der Leser am
+Schlusse obiger Abhandlung entscheiden. Wir m&ouml;chten aber schon
+jetzt konstatiren, da&szlig; Joh. Most, der sich heute als
+Anarchistenchef aufspielt, gar keine Ahnung gehabt zu haben scheint,
+da&szlig; er Fourier als <i>Vater des Anarchismus</i> anzusehen hat
+&mdash; das Wort hier in seinem wahren Sinne, der Regierungs- und
+Staatlosigkeit genommen, und nicht im Sinne der blinden
+Gewaltstheorie, wie sie Most als anarchistisches Prinzip predigt. Die
+Fourier'sche Theorie in die Praxis umgesetzt, d.&nbsp;h. der Erdball mit
+Phalanst&egrave;ren bedeckt, machte jede Staatsorganisation
+&uuml;berfl&uuml;ssig, es w&auml;re die F&ouml;deration der Phalanxen,
+also produzirender und konsumirender Kommunen. Da&szlig; Fourier
+trotzdem nicht blos alle bestehenden Staaten als weiter bestehend
+voraussetzt, sondern auch noch so viele neue dazu zu gr&uuml;nden in
+Aussicht stellte, ist einer der Widerspr&uuml;che seines Systems, die
+ihm nicht zum Bewu&szlig;tsein kamen. Aber es ist ein Widerspruch, der
+das System selbst nicht besser und nicht schlechter macht, es in
+seinem Wesen unber&uuml;hrt l&auml;&szlig;t.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_4" name="Footnote_4" id="Footnote_4">4</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Fourier bezeichnete Diejenigen, die nach seiner Meinung die Mittel
+f&uuml;r die Versuchsphalanx bes&auml;&szlig;en, als Kandidaten und
+berechnete, da&szlig; es solcher 4000 in Europa g&auml;be.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_5" name="Footnote_5" id="Footnote_5">5</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+&bdquo;Unter den Philosophen begreife ich&ldquo;, sagt Fourier an einer Stelle,
+&bdquo;nur die Autoren der unsicheren Wissenschaften <TT>(sciences
+incertaines)</TT>, die Politiker, Moralisten, Oekonomisten und
+Methaphysiker, deren Theorien nicht auf der Erfahrung beruhen, sondern
+nur die Phantasie ihrer Urheber zur Basis haben. Wenn ich also von
+Philosophen spreche, spreche ich nur von dieser zweifelhaften Klasse,
+nicht von den Vertretern der bestimmten Wissenschaften <TT>(sciences
+fixes)</TT>.&ldquo; Fourier ging von der Ansicht aus, da&szlig; die
+franz&ouml;sische Revolution nur ein Werk der Philosophen
+sei.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_6" name="Footnote_6" id="Footnote_6">6</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Ein Hieb gegen Jean Jacques Rousseau und seine Verehrer, die den
+&bdquo;Naturzustand&ldquo; als den gl&uuml;cklichsten, tugendhaftesten Zustand
+priesen und im Hirtenleben eine Art Ideal sahen. Jahrzehnte vorher
+schon spielte die feudale Gesellschaft in ganz Europa, der
+franz&ouml;sischen Hofgesellschaft nach&auml;ffend, ihre idyllischen
+Sch&auml;ferspiele, wobei aber regelm&auml;&szlig;ig die Wolfsnaturen
+zum Vorschein kamen. Der Verfasser.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_7" name="Footnote_7" id="Footnote_7">7</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Sp&auml;ter &auml;nderte Fourier die Bezeichnung der Bewegungen und
+erh&ouml;hte sie, wie schon erw&auml;hnt wurde, auf f&uuml;nf: 1. Die
+materielle, welcher die Erde, 2. die organische, welcher das Wasser,
+3. die normale, welcher die Arome (Elektrizit&auml;t, Magnetismus), 4.
+die instinktuellen, welcher die Luft, 5. die soziale oder passionelle,
+welcher das Feuer entspricht. Die eigentliche praktische Bedeutung
+dieser f&uuml;nf Bewegungen oder Antriebe wurde bereits weiter oben
+auseinandergesetzt.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_8" name="Footnote_8" id="Footnote_8">8</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Anspielung auf die Wegnahme des Degens Friedrich's des Gro&szlig;en
+von seinem Sarge in der Milit&auml;rkirche zu Potsdam durch
+Napoleon&nbsp;I. 1806.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_9" name="Footnote_9" id="Footnote_9">9</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Wir brauchen hier nicht auf die Einseitigkeit des Urtheils Fourier's
+&uuml;ber das achtzehnte Jahrhundert hinzuweisen; das achtzehnte
+Jahrhundert hat mehr geleistet, als vor ihm viele Jahrhunderte
+zusammengenommen.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_10" name="Footnote_10" id="Footnote_10">10</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Anspielung auf die Zust&auml;nde in der franz&ouml;sischen Revolution
+w&auml;hrend der Herrschaft des rothen und des wei&szlig;en
+Schreckens.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_11" name="Footnote_11" id="Footnote_11">11</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+In der ersten H&auml;lfte des Jahrhunderts und zwar bis 1848 herrschte
+in Frankreich ein sehr hohes Zensussystem, das nur die Wahl der
+Reichsten erm&ouml;glichte.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_12" name="Footnote_12" id="Footnote_12">12</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Der Sold des franz&ouml;sischen Soldaten jener Zeit.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_13" name="Footnote_13" id="Footnote_13">13</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Als die sieben nat&uuml;rlichen Rechte des Wilden betrachtet Fourier:
+1. Sammelfreiheit der Fr&uuml;chte; 2. Weidefreiheit; 3. freien
+Fischfang; 4. freie Jagd; 5. innere Verbindung der Horde; 6.
+Sorglosigkeit; 7. ausw&auml;rtigen Raub <TT>(vol exterieur)</TT>.
+Unter diesem etwas seltsam scheinenden Recht versteht Fourier das
+Recht des Wilden, Alles, was er au&szlig;erhalb des gemeinsamen
+Eigenthums der Horde oder des Stammes der Aneignung werth findet,
+nehmen zu d&uuml;rfen. In der Zivilisation findet der Raub innerhalb
+der eigenen Gesellschaft, an Gliedern derselben statt, diesen Raub an
+der eigenen Genossenschaft kennt der Wilde nicht, der innerhalb der
+Horde, des Stammes Gemeineigenthum besitzt und dieses respektirt. In
+der Regel lebt der Wilde mit den benachbarten St&auml;mmen in
+Feindschaft und so wird dieses Recht des &bdquo;ausw&auml;rtigen Raubs&ldquo;
+einfaches Kriegsrecht. Bei uns Zivilisirten sind noch die Rudimente
+ganz &auml;hnlicher Auffassung vorhanden, die Kontribution der
+Lebensmittel im Kriege ist in unsern Augen kein Raub, und die Annexion
+fremder L&auml;nder und Provinzen wird auch nicht als solcher
+angesehen. Fourier will mit seiner ganzen Auseinandersetzung sagen:
+der Wilde hat einestheils mehr Freiheit und Wohlsein, als der arme
+Zivilisirte, andererseits weit mehr <i>Solidarit&auml;tsgef&uuml;hl</i>,
+als die Zivilisirten &uuml;berhaupt. Um das Solidarit&auml;tsgef&uuml;hl,
+das der Wilde in der Horde, im Stamm hat, in unserer Gesellschaft zu
+begr&uuml;nden, brauchen wir eine ganz neue soziale
+Organisation.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_14" name="Footnote_14" id="Footnote_14">14</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Fourier erw&auml;hnt hier einen selbsterlebten Fall und f&uuml;hrt die
+Namen an, die wir als gleichg&uuml;ltig weglassen.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_15" name="Footnote_15" id="Footnote_15">15</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Der Leser will nicht vergessen, da&szlig; das nicht heute, sondern
+schon vor dreiviertel Jahrhunderten geschrieben wurde.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_16" name="Footnote_16" id="Footnote_16">16</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Jede dieser kurzzeitigen Besch&auml;ftigungen nennt Fourier Sitzung
+<TT>(s&eacute;ance)</TT>.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_17" name="Footnote_17" id="Footnote_17">17</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Der Letztere d&uuml;rfte wohl kein passend gew&auml;hltes Muster sein,
+inde&szlig; man mu&szlig; stets beachten, <i>wann</i> das Gesagte
+geschrieben wurde. Die historische Forschung stak damals noch in den
+Kinderschuhen, Fourier folgte hier dem allgemeinen Vorurtheil, das zu
+Gunsten Heinrich's IV. sprach. Der Verf.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_18" name="Footnote_18" id="Footnote_18">18</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Das Kloster, ein in Frankreich in sogenannten besseren Familien, wo
+das n&ouml;thige Verm&ouml;gen zu einer Aussteuer fehlt, oft
+vorkommendes Auskunftsmittel, sich unbequem gewordener T&ouml;chter zu
+entledigen. Der Verfasser.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_19" name="Footnote_19" id="Footnote_19">19</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Robert Walpole, ber&uuml;hmter englischer Staatsmann, von
+1721&ndash;1742 Kanzler der Schatzkammer.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_20" name="Footnote_20" id="Footnote_20">20</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Anspielung auf die verschiedenen Attentatsversuche und
+Verschw&ouml;rungen, denen trotz aller Sicherheitsma&szlig;regeln
+Napoleon I. wie Ludwig XVIII. und Louis Philipp ausgesetzt
+waren.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_21" name="Footnote_21" id="Footnote_21">21</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Unter den Manufakturisten sind hier sowohl die Fabrikanten wie
+diejenigen Handeltreibenden verstanden, die entweder in eigener
+Behausung nach dem Prinzip der Arbeitstheilung, aber ohne Anwendung
+von Dampf und Maschinenkr&auml;ften &mdash; die damals erst im
+Entstehen waren &mdash; oder, wie dies heute noch in manchen
+Industriezweigen auch in Deutschland geschieht, z.&nbsp;B. in der
+Spielwaaren-, Messer-, Kleineisenwaaren-Fabrikation, der Hausweberei,
+Posamentirerei, Strumpfwirkerei, der Bijouterie etc., auf dem Wege der
+Hausindustrie produziren lassen, wobei der Kaufmann die Rohmaterialien
+liefert. So weit Massenerzeugung in Betracht kam, war zu Anfang dieses
+Jahrhunderts in Frankreich die Manufaktur die ma&szlig;gebende
+Produktionsform.
+
+</P><P>
+
+Unter den Handeltreibenden versteht Fourier, wie der Leser bereits
+erkannt haben wird, nicht allein die Kaufleute im engeren Sinn,
+sondern auch alle an der B&ouml;rse betheiligten Kreise, die Grund-
+und Bodenwucherer etc., kurz Alle, &bdquo;welche ohne zu s&auml;en
+ernten&ldquo;.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_22" name="Footnote_22" id="Footnote_22">22</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Fourier hat hier haupts&auml;chlich den Baustellen- und
+H&auml;userwucher im Auge, der auf Kosten der Gesundheit und
+Lebensannehmlichkeit der St&auml;dtebewohner sich breit mache, Luft
+und Licht der Bev&ouml;lkerung schm&auml;lere.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_23" name="Footnote_23" id="Footnote_23">23</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Diese Charakteristik k&ouml;nnte ebenso gut heute geschrieben sein. Sprach
+doch im Herbste 1885 die k&ouml;nigl. s&auml;chsische &bdquo;Leipz. Zeitung&ldquo;
+es offen aus, da&szlig; man heut zu Tage im Zweifel sei, ob man eine
+gute Ernte w&uuml;nschen d&uuml;rfe. Und doch veranstaltet man
+j&auml;hrlich f&uuml;r die Ernte auf allen Kanzeln Gebete und feiert
+Dankfeste.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_24" name="Footnote_24" id="Footnote_24">24</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Fourier meint hier die Herstellung des Zuckers aus Runkelr&uuml;ben,
+den er als ein gef&auml;lschtes Produkt ansah, weil man bis dahin nur
+Zucker aus Zuckerrohr gewonnen kannte. Die Einf&uuml;hrung des
+Kontinentalsystems durch Napoleon I. und das Verbot der Einfuhr
+englischer Kolonialwaaren, hatte zur Erfindung der Zuckerbereitung aus
+Runkelr&uuml;ben den Ansto&szlig; gegeben und diese Art Zucker
+b&uuml;rgerte sich von da ab immer mehr ein. Fourier, der offenbar die
+S&uuml;&szlig;igkeiten sehr liebte, sah den R&uuml;benzucker als eine
+F&auml;lschung des nat&uuml;rlichen Zuckers an. Wir, die wir heute
+fast nur aus Runkelr&uuml;ben bereiteten Zucker kennen, denken
+dar&uuml;ber anders. Schlie&szlig;lich ist kein auf k&uuml;nstlichem
+Wege gewonnenes Lebensmittel einem sog. Naturprodukt gegen&uuml;ber
+als F&auml;lschung zu betrachten, vorausgesetzt, da&szlig; &uuml;ber
+die Art seiner Entstehung kein Zweifel begeht und es dem sog.
+Naturprodukt, das es ersetzen soll, v&ouml;llig gleichwerthig ist. Wir
+werden in dieser Beziehung in Zukunft noch viele Vorurtheile ablegen
+m&uuml;ssen. Der Verfasser.</P>
+
+<tr><td class="sn">[<a href="#FNanchor_25" name="Footnote_25" id="Footnote_25">25</a>]</td>
+<td class="snt"><P>
+
+Die Titel dieser Schriften sind: &bdquo;Der Sozialismus in seiner Anwendung
+auf Kredit und Handel&ldquo; von Franz Coignet, Z&uuml;rich 1851; &bdquo;Bank- und
+Handelsreform&ldquo; von F. Coignet, aus dem Franz&ouml;sischen von Karl
+B&uuml;rkli, Z&uuml;rich 1855; &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo;, kurzgefa&szlig;te
+Darstellung der Lehre Karl Fourier's von Hipolyte Renaude, deutsch
+bearbeitet von Kaspar B&auml;r und Karl B&uuml;rkli, Z&uuml;rich 1855;
+&bdquo;Kritische Darstellung der Sozialtheorie Fourier's&ldquo; von A.&nbsp;L. Churoa,
+Braunschweig 1840; &bdquo;Organisation der Arbeit&ldquo; von Franz Stromeyer,
+Bellevue bei Konstanz 1844; &bdquo;Abbruch und Neubau&ldquo; oder &bdquo;Jetztzeit und
+Zukunft&ldquo; von Michael *****, Stuttgart 1846.</P>
+
+</td></tr></table>
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Charles Fourier, by August Bebel
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK CHARLES FOURIER ***
+
+***** This file should be named 19596-h.htm or 19596-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/1/9/5/9/19596/
+
+Produced by richyfourtytwo, K.F. Greiner and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
+</body>
+</html>
diff --git a/19596-h/images/phalanstere.jpg b/19596-h/images/phalanstere.jpg
new file mode 100644
index 0000000..b171983
--- /dev/null
+++ b/19596-h/images/phalanstere.jpg
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..3c378d2
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #19596 (https://www.gutenberg.org/ebooks/19596)