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+The Project Gutenberg EBook of Die Italienische Plastik, by Wilhelm Bode
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Die Italienische Plastik
+
+Author: Wilhelm Bode
+
+Release Date: July 1, 2006 [EBook #18733]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE ITALIENISCHE PLASTIK ***
+
+
+
+
+Produced by Juliet Sutherland, Sigal Alon, Roger Frank and
+the Online Distributed Proofreading Team at
+http://www.pgdp.net
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+
+
+
+ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Im Original steht hier "altitalischen" anstatt "altitalienisch".
+ Im Original steht hier "italischer" anstatt "italienischer".
+ Im Original steht hier "süditalischen" anstatt "süditalienischen".
+ Im Original steht hier "Eine" anstatt "eine".
+ Im Original steht hier "Forsetzung" anstatt "Fortsetzung".
+ Im Original steht hier "Ein" anstatt "ein".
+ Im Original steht hier "Aller" anstatt "aller".
+ Im Original steht hier "norditalischen" anstatt "norditalienischen".
+ Im Original steht hier "Jahrzente" anstatt "Jahrzehnte".
+ Im Original steht hier "süditalische" anstatt "süditalienische".
+ Im Original steht hier "oberitalischen" anstatt "oberitalienischen".
+ Im Original steht hier "Querzia" anstatt "Quercia".
+ Im Original steht hier "Einem" anstatt "einem".
+
+
+
+
+HANDBÜCHER
+DER KÖNIGLICHEN MUSEEN ZU BERLIN
+MIT ABBILDUNGEN
+
+
+DIE
+ITALIENISCHE PLASTIK
+
+VON
+
+WILHELM BODE
+
+MIT 86 ABBILDUNGEN IM TEXT
+
+
+ZWEITE AUFLAGE
+
+BERLIN
+W. SPEMANN
+1893
+
+
+
+
+Altchristliche Plastik
+(um 300 bis 600 n. Ch.).
+
+
+[Abbildung: 1. Bronzestatuette des hl. Petrus]
+
+Das Auftreten und der schließliche Sieg des Christentums, welches die
+alte Welt zertrümmerte und eine neue Kultur an seine Stelle setzte, hat
+zur Belebung der Kunst zunächst nicht beigetragen. Die künstlerische
+Schöpfungskraft war im weströmischen Reiche zur Zeit Konstantin's schon
+völlig erloschen; die Kunst, zumal die bildnerische, die recht
+eigentlich die Kunst der Antike gewesen war, zehrte von Traditionen,
+welche mehr und mehr verblaßten; und in den immer roheren und
+empfindungsloseren, immer spärlicheren Nachbildungen verlor sich
+allmählich auch die handwerksmäßige Fertigkeit. Für den Bronzeguß fehlte
+es, von Werken der Kleinkunst abgesehen, an Ausdauer und technischem
+Können, für die Ausführung von Freifiguren überhaupt an künstlerischem
+Vermögen; die bildnerische Thätigkeit wurde daher bald auf das Relief
+beschränkt, und auch dieses wurde vorwiegend im Kleinen ausgeführt.
+
+Die christliche Religion war schon an sich für die plastische Gestaltung
+ihrer Ideen und Personen wenig geeignet, sie war ihr auch durch ihren
+Zusammenhang mit dem mosaischen Gesetz abgeneigt; in Folge dessen wurde
+die Plastik von den großen monumentalen Werken, welche die Anerkennung
+des Christentums als Staatsreligion notwendig machte, so gut wie ganz
+ausgeschlossen. Aber auch der greisenhafte Zustand der Zeit, das Fehlen
+jeder erfinderischen Kraft für die neuen künstlerischen Aufgaben, welche
+durch das Christentum und die christliche Staatskirche erwuchsen, machte
+ein Zurückgehen auf antike Vorbilder und teilweise selbst auf antike
+Motive, ja eine knechtische Entlehnung derselben notwendig. Selbst die
+Aufgaben blieben im Grunde die alten; man erfüllte sie nur mit neuem
+Geist.
+
+[Abbildung: 427. Elfenbeinpyxis]
+
+In erster Linie steht, als Ausfluß des tiefgewurzelten altitalienisch
+Totenkultus, der Schmuck der Sarkophage; daneben die kleine Plastik,
+namentlich die Elfenbeinschnitzerei und der Schmuck der Lampen, die in
+den Katakomben eine reiche Verwendung zu heiligen Zwecken fanden. Bei
+der Ausführung dieser Bildwerke schlössen sich die Künstler den
+heidnischen Vorbildern unmittelbar an; Stil und Technik blieben
+dieselben, verloren aber schließlich auch den letzten Zusammenhang mit
+der Natur. Zur Schöpfung heiliger Typen, wie sie der neue Glaube
+erfordert hätte, war eine solche Plastik nicht mehr befähigt. Für
+Christus und einige der vornehmsten Apostel, namentlich Petrus, hatte
+die historische Tradition in der vorausgegangenen Zeit die Vorbilder
+festgestellt; im Übrigen sind fast alle anderen Gestalten schemenhafte
+Nachbildungen heidnischer Vorbilder. Die Einzelfigur trat zurück; das
+erzählende Relief, von der Malerei abhängig und ein notdürftiger Ersatz
+derselben, wurde fast ausschließlich, wie in den Anfängen der Kunst,
+eine bildliche Erläuterung des neuen Glaubens.
+
+Diese aus spätrömischer Tradition herausgewachsene und in römischer Form
+und Auffassungsweise in die Erscheinung tretende Kunstübung, die als
+altchristliche Kunst bezeichnet wird, starb langsam ab unter den Stürmen
+der Völkerwanderung, in denen das weströmische Reich durch deutsche
+Völkerschaften zertrümmert wurde, die nicht im Stande waren, dauerhafte
+Zustände an die Stelle zu setzen.
+
+[Abbildung: 429. Elfenbeintafel.]
+
+Die Werke italienischer Plastik aus dieser Zeit, die überhaupt spärlich
+sind, haben nur selten ihren Weg aus Italien herausgefunden; was sich im
+Auslande findet, gehört fast ausnahmslos der Kleinkunst an; vorwiegend
+sind es Werke der Elfenbeinplastik. Die Berliner Sammlung besitzt, als
+große Seltenheit, die kleine Freifigur eines Petrus aus Bronze (No. 1);
+eine Arbeit des IV. Jahrh., die durch ihren unmittelbaren Anschluß an
+eine antike Rednerstatue, trotz der rohen Bildung der Extremitäten, noch
+eine gewisse Lebendigkeit in der Haltung und im Ausdruck besitzt. Ebenso
+rein antik erscheint die gleichzeitig entstandene Elfenbeinpyxis mit der
+Darstellung Christi zwischen den Aposteln und dem Opfer Abrahams (No.
+427), die, Dank der leichteren Bearbeitung des Materials, feiner in der
+Durchbildung ist; sie ist eines der besten Beispiele altchristlicher
+Elfenbeinplastik. Die Ausartung derselben in flüchtige Roheit zeigt das
+Bruchstück einer anderen Pyxis (No. 430) mit einer Darstellung des
+kleinen Joseph zwischen seinen Brüdern, die wohl erst dem VI. Jahrh.
+angehört. Für den Einfluß, den die allmählich aus der Antike sich
+eigenartig entwickelnde byzantinische Kunst schon damals von Ravenna aus
+auf einzelne Teile von Italien ausübte, ist das große Diptychon mit dem
+thronenden Christus zwischen Petrus und Paulus und mit Maria zwischen
+zwei Engeln (No. 428 und 429) ein besonders charakteristisches,
+vorzügliches Beispiel. Die Arbeit stimmt mit den Elfenbeinreliefs am
+Throne des Maximian ({~DAGGER~} 556) in Ravenna überein und darf daher als
+gleichzeitige Arbeit eines Künstlers in Ravenna gelten.
+
+
+
+
+Die romanische Epoche
+(um 600 bis 1250).
+
+
+[Abbildung: 4. Sarkophag aus Venedig.]
+
+Nach den furchtbaren Verheerungen und Plagen, mit welchen Italien seit
+der Zertrümmerung des weströmischen Reiches in verstärktem Maße
+heimgesucht wurde, war die Begründung des Longobardenreiches eine erste,
+wenn auch nur schwache und kurze Erholung für das verwüstete,
+menschenleere Land. In solchen Nöten hatten die Künste keine Pflege
+finden können, waren selbst die Keime erstickt, aus denen sich Neues
+hätte entwickeln können. Aber auch nach der Aufrichtung des
+Longobardenreiches verging fast ein halbes Jahrtausend unter
+fortwährendem politischen Elend, bis in Italien der Boden für eine
+nationale Kunstentwickelung wieder bestellt war. Freilich war das
+Bedürfnis zu künstlerischer Ausgestaltung und Ausschmückung der
+Umgebung, namentlich der Gotteshäuser, selbst in dieser kunstarmen,
+unkünstlerischen Zeit nicht erloschen; und wo höhere Anforderungen
+gestellt wurden, mußte man sich an das Ausland wenden. Schon die ersten
+unter den Longobardenkönigen zogen daher byzantinische Künstler an ihren
+Hof, und später sehen wir wiederholt in den verschiedensten Teilen von
+Italien, namentlich in Venedig und Süditalien, byzantinische Künstler
+eine hervorragende Thätigkeit entfalten. Regelmäßig wiederholt sich
+dabei dieselbe Erscheinung: die Vorbilder, welche diese fremden
+Künstler schufen, wurden barbarisch nachgeahmt, ohne daß sich daran eine
+eigenartige lebensfähige Kunstthätigkeit anzuschließen im Stande war.
+
+Besonders tief ist in diesem langen Zeitraume der Stand der
+bildnerischen Kunst. Hier wirkte noch der Umstand sehr ungünstig ein,
+daß die der figürlichen Plastik abholden Byzantiner fast nur nach der
+ornamentalen Seite Vorbilder lieferten. Diese byzantinische und
+byzantinisierende Dekorationsweise trägt den Charakter einer
+teppichartigen Flächendekoration, welche Wandfüllungen, Ballustraden,
+Kapitelle u. s. f. vollständig bedeckt. Gewinde von Weintrauben oder
+Epheu, Akanthusblätter und Akanthusranken umgeben Krucifixe, Rosetten
+oder Tiere mit symbolischer Beziehung, oder bilden den Grund, auf dem
+sich dieselben abheben. Auch das aus dem Norden Europa's stammende
+Bandgewinde, phantastisch und oft sehr zierlich verschlungen, hat sich
+hier eingefunden. Wo diese Ornamente rein und gut gearbeitet sind,
+dürfen wir, nach dem Vergleich mit erhaltenen Arbeiten im Gebiete des
+alten byzantinischen Reiches, auf die Hand von byzantinischen Künstlern
+schließen. Besonders reiche und gute Beispiele der Art bieten Rom,
+Brescia und namentlich Venedig und Torcello. Von letzteren besitzt auch
+die Berliner Sammlung, aus der 1841 erworbenen Sammlung Pajaro, eine
+Anzahl interessanter Stücke, welche teils noch von dem alten Markusdom
+(aus dem Jahre 829, so das Fenster No. 2 und die Muscheldekoration No.
+6), teils von dem Umbau nach einem Brande im Jahre 976 herrühren; von
+letzterem ein Paar Kapitelle (No. 8 und 9) u. a. m. Die Pfauen am Brunnen
+(No. 7) aus frühester byzantinischer Zeit. Auch die seltenen feineren
+Arbeiten der kleinen Plastik: Altarvorsätze in edlen Metallen,
+Elfenbeinarbeiten, namentlich die Kästchen mit Einzelfiguren von
+Kämpfern u. dergl., sind regelmäßig Arbeiten byzantinischer Künstler,
+die im IX. und X. Jahrh. in Italien beschäftigt waren.
+
+Weit zahlreicher und über ganz Italien zerstreut sind die italienischen
+Nachbildungen solcher byzantinischer Vorbilder in Stein, die durch den
+Mangel an Originalität der Erfindung und an dekorativem Sinn, wie durch
+auffallende Roheit der Ausführung sich unschwer als Arbeiten
+einheimischer Steinmetzen kennzeichnen. Neben Venedig und seinen
+Nachbarorten sind Cividale, Ancona, Rom mit Bauten, an denen dekorative
+Bildwerke dieser Art ursprünglich oder von älteren Monumenten angebracht
+sind, besonders reich; sie finden sich aber auch bis nach Sicilien
+hinein. Das Berliner Museum hat von solchen Arbeiten namentlich ein Paar
+interessanter Sarkophage (No. 3 und 4) und einen Thürbogen (No. 5)
+aufzuweisen, die dem VIII. und IX. Jahrh. anzugehören scheinen.
+
+Erst im XI. Jahrh. beginnt langsam aber stetig und fast gleichzeitig in
+verschiedenen Teilen Italiens eine nationale Kunst wieder einzusetzen;
+zunächst in der Architektur, welche allmählich auch die Plastik zu ihrer
+Beihülfe heranzieht. Dieselbe erstarkt während des XII. Jahrh. im
+gesunden Anschluß an die Baukunst und gelangt um die Mitte des XIII.
+Jahrh. zu einer selbständigen künstlerischen Entfaltung. Für den Verlauf
+dieser Entwickelung in den einzelnen Teilen Italiens ist namentlich der
+verschiedene Einfluß maßgebend, der von außen auf die bildnerische
+Thätigkeit einwirkt. In Venedig und seiner Nachbarschaft bleiben für
+lange Zeit noch die Vorbilder der byzantinischen Bildwerke der
+Ausgangspunkt für die einheimische Plastik. In Süditalien und Sicilien
+sind gleichfalls byzantinische Künstler noch bis in das XII. Jahrh.
+thätig; neben ihnen macht sich aber auch arabischer Einfluß in
+eigentümlicher Weise geltend. Unabhängiger von der östlichen Kunst zeigt
+sich die Plastik in Mittel- und Oberitalien. In Mittelitalien, in Rom
+wie in Toskana in eigener Weise, bilden die zahlreichen Überreste
+spätrömischer und etrurischer Plastik den Anhalt für die ersten
+unbeholfenen Versuche in der eigenen Kunstübung. Am selbständigsten und
+bedeutsamsten entwickelt sich die plastische Kunst von vornherein in der
+Lombardei, zuerst in Mailand und Verona, dann namentlich in Parma und
+Modena; lombardische Steinmetzen und Bildhauer verbreiten sich weiter
+über Ober- und Mittelitalien und tragen auch hier zu einer freieren,
+selbständigen Entwickelung der Plastik wesentlich bei.
+
+[Abbildung: 454. Elfenbeinrelief der Kreuzigung.]
+
+Süditalien war als Bestandteil des oströmischen Kaiserreichs auch in
+künstlerischer Beziehung von Byzanz abhängig geblieben und diese
+Abhängigkeit bekundete sich auch noch, nachdem ganz Sicilien in die
+Hände der Araber fiel und Ende des XI. Jahrh. Süditalien samt Sicilien
+von den Normannen erobert wurde. Der bildnerische Schmuck der
+kirchlichen Monumente hat entweder rein ornamentalen Charakter oder die
+Bildwerke tragen auch im Großen den Stil der Kleinkunst. Dies gilt
+namentlich für die Bronzethüren, welche aus einer Reihe kleiner Platten
+mit winzigen figürlichen Darstellungen zusammengesetzt sind. Diese
+wurden anfangs in einer Art Niellotechnik hergestellt, später, seit der
+Mitte des XII. Jahrh. in einzelnen Platten mit Reliefs gegossen. Sie
+erscheinen im Stil von den Elfenbeinreliefs abhängig; erstere sind
+durchweg byzantinische Arbeiten, letztere wurden meist schon von
+Italienern ausgeführt, bekunden aber noch stark byzantinischen Einfluß.
+Unter diesem Einfluß entwickelte sich Ende des XI. und im XII. Jahrh.
+eine regere und in ihrer Art recht tüchtige Kleinplastik mit lebendig
+erzählendem, wenn auch kindlich naivem Charakter; zumeist in Elfenbein,
+worin der bekannte Altarvorsatz im Dom von Salerno das Hauptstück ist;
+vereinzelt auch in Stein, wie in den zierlich gearbeiteten Marmortafeln
+im Dom zu Neapel, die durchaus im Stil der Elfenbeinreliefs behandelt
+sind. Die Berliner Sammlung besitzt verschiedene Elfenbeinreliefs, die
+denen in Salerno nahe verwandt sind (No. 436, 453 u. 454) und offenbar
+den gleichen Ursprung haben; und für jene Marmorreliefs erscheinen die
+Darstellungen aus der Schöpfung auf einer Elfenbeintafel der Sammlung
+(No. 455) wie die unbeholfenen, altertümlichen Vorbilder.
+
+[Abbildung: 28. Büste einer süditalienischen Fürstin.]
+
+In der kurzen Zeit des Friedens und äußeren Gedeihens der
+süditalienischen Provinzen unter der Herrschaft Friedrichs II. brachten
+die Cosmaten aus Rom ein neues Element in die Dekoration. Aus
+dergleichen Zeit oder wenig später sind aber auch einige Stücke großer
+Plastik erhalten: verschiedene Porträtbüsten, die sich bisher schwer in
+Zusammenhang mit der übrigen Entwickelung der Plastik in Süditalien
+bringen ließen. Zwar scheinen die Büsten im Museum zu Capua vielmehr
+Arbeiten aus der letzten Verfallzeit römischer Kunst zu sein; aber es
+bleiben als zweifellose Arbeiten dieser Zeit ein paar Frauenbüsten, die
+der Sigilgaïta Rufolo an der Kanzel im Dom zu Ravello und zwei
+verwandte, aber flüchtiger behandelte Reliefköpfe an derselben Kanzel
+(vom Jahre 1272), sowie die aus der unmittelbaren Nachbarschaft von
+Ravello stammende Büste einer jungen Fürstin in Berlin (No. 28). Beide
+Büsten, obgleich unter sich nicht unwesentlich verschieden, stimmen in
+dem Streben nach möglichstem Anschluß an spätrömische Arbeiten, selbst
+in der technischen Behandlung überein. Bei der Vereinzelung dieser
+Bildwerke liegt es näher, dieselben auf Einflüsse der Kunst der Pisaner
+Meister (s. S. 16) zurückzuführen, als umgekehrt daraus auf Süditalien
+als die Heimat der Kunst des Niccolo Pisano zu schließen. Wie roh die
+große Plastik in Süditalien damals noch war, dafür giebt die Statue
+Karls von Anjou, die jetzt an der Treppe des Conservatorenpalastes zu
+Rom steht, augenfälligen Beweis.
+
+In Venedig und seiner Umgebung finden wir gleichzeitig eine der
+süditalienischen verwandte Entwickelung der Plastik: auch hier
+verhindert der byzantinische Einfluß eine freie eigenartige Gestaltung;
+auch hier sind noch lange Zeit byzantinische Künstler hervorragend
+thätig und liefern auch später durch ihre Arbeiten die Vorbilder für die
+flüchtigen Nachbildungen der einheimischen Künstler. Mehr noch als in
+Süditalien bleibt in Venedig der bildnerische Schmuck auf ornamentale
+Verzierungen beschränkt, die mit Tierdarstellungen in phantastischer
+Weise verquickt sind. Ein charakteristisches Zeichen für die Scheu vor
+freier Skulptur ist der Umstand, daß noch um die Mitte des XIII. Jahrh.
+für die Monumente der Dogen antike Sarkophage benutzt wurden. Wo uns an
+den Bauten dieser Zeit plastischer Schmuck begegnet, ist er entweder aus
+dem Orient herübergeholt oder orientalischen Vorbildern nachgeahmt.
+Ausnahmen, wie die Säulen des Tabernakels in San Marco, (wenn nicht zum
+Teil früh-christlich), bestätigen nur die Regel: sie sind ganz nach Art
+der Elfenbeinschnitzwerke und der Goldschmiedearbeiten eingeteilt und
+mit ganz kleinen Reliefdarstellungen wie übersponnen, Arbeiten, die in
+ihrer sauberen, ängstlichen Ausführung jeden größeren bildnerischen Sinn
+vermissen lassen. Das Berliner Museum besitzt eine ganze Sammlung
+charakteristischer venezianischer Dekorationsstücke, wie sie noch heute
+das Äußere und Innere der romanischen Kirchen und die Fassaden der
+gleichzeitigen Paläste Venedigs und der Nachbarorte auf den Inseln in
+reicher musivischer Anordnung bedecken. (No. 11ff.).
+
+Noch ausschließlicher als in Süditalien und Venedig bleibt in Rom die
+Thätigkeit der Bildhauer auf rein dekorative Arbeiten beschränkt; ja
+diese verzichtet selbst auf eigentlich plastische Ornamentik und bildet
+dafür ein zierliches und farbenreiches musivisches Schmucksystem aus,
+welches mit Anlehnung an antike Vorbilder aus dem unerschöpflichen
+Vorrat an römischen Baustücken in wertvollen Steinen aller Art sein
+Material herbeiholt und gerade durch die Fülle und den Wert desselben
+zur Ausbildung dieser Dekorationsweise angeregt wurde; als
+Cosmatenarbeit benannt, weil namentlich der Marmorarius _Cosmas_ und
+seine Familie dieselbe ausübte. Ein Beispiel dafür, doch schon aus
+späterer Zeit, bietet die Aschenurne (No. 31).
+
+[Abbildung: 28A. Marmorbüste aus Rom.]
+
+Zwischen diesen Arbeiten steht das Bruchstück eines großen plastischen
+Werkes, welches in Rom ausgegraben wurde und das sich jetzt im Berliner
+Museum befindet, bisher vereinzelt und unerklärt da: der kolossale
+Marmorkopf eines bärtigen Mannes, den der Reif im lockigen Haar wohl als
+Fürsten charakterisiert (No. 28A). Neben den oben genannten, etwa
+gleichzeitigen süditalienischen Büsten fällt in diesem Marmorwerke der
+enge Anschluß an antike Büsten archaischen Stils, sowie die
+außerordentlich saubere Ausführung und teilweise schon individuelle
+Empfindung auf, wie sie sich z. B. in der Behandlung des Ohres bekundet.
+Die eigentümlich stilisierte Behandlung des flach anliegenden lockigen
+Barthaares findet sich ganz übereinstimmend im Haar der Bronzewölfin im
+Kapitol, die auch sonst in ihrer Auffassung und Behandlung mehr
+mittelalterlichen als antiken Charakter hat. Wir werden daher auch
+dieses Werk der römischen Plastik des XIII. Jahrh. zuzuschreiben haben,
+die uns in ihrer Entwickelung und im Zusammenhang mit der Plastik des
+übrigen Italien noch manches zu raten giebt.
+
+Eine klare und stetige Entwickelung und eine reichere Entfaltung zeigt
+die Skulptur nur in Norditalien und Toskana. Von vornherein, seit dem
+Anfang des XII. Jahrh., tritt sie hier in gesunder Verbindung mit der
+Architektur zur Hebung und Belebung ihrer Glieder auf; auch geht sie
+denselben Weg, den sich hier die selbständige Entwickelung der
+Architektur bahnt: vom Mittelpunkt des alten Longobardenreiches, von
+Mailand und seiner Umgebung, wird sie durch Marmorarbeiter dieser Orte
+(namentlich aus Como) nach Mittelitalien übertragen und lange Zeit
+vorwiegend durch diese »Comasken« ausgeübt. Die Lombardei selbst hat nur
+dürftige Reste aufzuweisen; die großen Reliefs am Tabernakel über dem
+Hochaltar in S. Ambrogio zu Mailand sind in ihrer starren
+Regelmäßigkeit, wenn nicht von byzantinischer Herkunft, doch erst aus
+dem XIII. Jahrh.; das beweisen die rohen Skulpturen der Porta Romana vom
+Meister _Anselmus_, die aus den Jahren 1167 bis 1171 datieren. Sehr
+bedeutend sind dagegen die Überreste, welche heute noch in Verona
+erhalten sind: das Portal des Domes (1135) und namentlich die Fassade
+von S. Zeno sind hier mit reichstem Skulpturenschmuck verziert. Beide
+Arbeiten gehen wenigstens teilweise auf Meister _Nicolaus_ zurück, der
+an S. Zeno mit dem Meister _Wilhelm_ zusammen arbeitet, dann am Dom von
+Modena thätig ist und 1139 auch das Portal des Domes zu Ferrara mit
+reichem plastischen Schmuck versieht. Neben diesen Steinarbeiten bieten
+die aus vielen ehernen Platten bestehenden Thürflügel von San Zeno das
+Bild einer äußersten Barbarei in allen körperlichen Bildungen dar. Die
+einzelnen Tafeln könnten auch verschiedenen Ursprungs und Alters sein.
+Mit einigen älteren deutschen Bronzearbeiten haben sie gemein, daß die
+Figürchen in ihrem starken Hochrelief wie aufgenietet erscheinen.
+Teppichartig bedecken die Marmorreliefs die Wände und zeigen eine
+kindlich naive, unbeholfene und derbe, ja selbst rohe, aber eigenartige
+Erzählungs- und Darstellungsweise. Das Relief springt hier durchweg
+kräftig über den Rahmen hinaus, der ganz flach bleibt; doch sind die
+Figuren, selbst die Extremitäten dabei gleichmäßig in der Fläche
+gehalten. Die viel lebendigeren und besser verstandenen Figuren an dem
+Taufbecken in S. Giovanni in Fonte zu Verona gehören schon einer
+vorgeschritteneren Zeit an und verraten, wie die gleichzeitigen
+venezianischen Bildwerke, die Schulung durch byzantinische Künstler und
+Vorbilder.
+
+Den Arbeiten in Verona und Ferrara sind die noch umfangreicheren
+Skulpturen in Parma und dem benachbarten San Donino schon wesentlich
+überlegen. An beiden Orten ist _Benedetto Antelami_, der sich in
+bezeichneten Arbeiten zwischen den Jahren 1178 und 1196 nachweisen läßt,
+der maßgebende Künstler. Hier wie an den vorgenannten Orten sind die
+Portale Mittelpunkt des Reliefschmuckes, welcher das Bogenfeld, den
+Bogen, Sturz und Pfosten, vielfach auch die Wandflächen zu den Seiten
+und den Baldachin vor der Thür bedeckt, und dessen Motive Scenen aus dem
+alten und neuen Testament, namentlich aus der Schöpfungsgeschichte und
+der Passion, dann Folgen genreartiger Darstellungen der Monate, sowie
+(an den Einrahmungen, als Säulenträger u. s. f.) phantastische Tierbilder
+und gelegentlich Darstellungen lokaler Beziehung zeigen. Im Innern ist
+der plastische Schmuck weit spärlicher; die Kapitelle der Säulen,
+Kanzeln, Lettner, Taufbecken, Weihwasserbecken und einzelne
+Architekturteile sind mit Reliefs geschmückt, die sich aber leider meist
+nicht mehr an ihrem Platze befinden. Die Arbeiten Antelami's zeichnen
+sich vor den älteren lombardischen Bildwerken aus durch glückliche
+architektonische Verteilung, klare Anordnung, saubere und gleichmäßige
+Ausführung, durch ausgebildete Reliefbehandlung, bessere
+Naturbeobachtung und namentlich durch feinere innere Beziehungen ihres
+Ideengehaltes. Dies gilt in höherem Maße noch von einigen jetzt aus
+ihrem Zusammenhange gerissenen Skulpturen im Innern des Baptisteriums,
+die schon dem XIII. Jahrh. angehören. Ungeschickter und flüchtiger in
+der Arbeit, aber durch den reineren Reliefstil, der die Figuren schon
+fast frei gerundet vor den Grund stellt, sind von Interesse die
+Monatsdarstellungen am Dome von Ferrara und die von derselben Hand
+herrührende Anbetung der Könige über der Thür von S. Mercuriale zu
+Forlì; wahrscheinlich schon aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts. --
+
+Wenig später, aber unter anderen Bedingungen, entstand und entwickelte
+sich die Skulptur in Toskana, wenn sie auch mit der lombardischen Kunst
+Beziehungen hat und aus der Lombardei sogar eine Reihe ihrer Künstler
+bezog. In höherem Maße als in der Lombardei war in Toskana die Plastik
+abhängig von der Architektur, welche dort bald nach der Mitte des XI.
+Jahrh. an den Formen der Antike in sehr eigenartiger Weise sich als
+Basilikenbau entwickelt hatte. Die innere Gestaltung erhielt in der
+Fassade einen reichen organischen Ausdruck; teils in einer Art farbiger
+Steinmosaik, wie an San Miniato vor Florenz, teils in Säulenarkaden, wie
+zuerst am Dom zu Pisa. Der feine architektonische Sinn ließ hier nur
+eine beschränkte Mitwirkung der freien Plastik zu; auch machte sich
+diese erst nach Verlauf eines vollen Jahrhunderts, nach der Mitte des
+XII. Jahrh. geltend. Außen blieb sie im Wesentlichen auf den Thürsturz
+und die Thürflügel beschränkt, im Innern wurde ihr der Schmuck der
+Kapitelle, des Taufbeckens und namentlich der Kanzel überwiesen, welche
+gerade damals durch die Predigerorden, die Dominikaner und Franziskaner,
+eine besondere Bedeutung erhielt.
+
+Die frühesten dieser Bildwerke besitzt Pistoja. Ein Meister _Gruamons_
+fertigte 1162 am Thürsturz des Hauptportals von S. Giovanni Fuorcivitas
+das Abendmahl und 1166 für San Andrea an derselben Stelle die Anbetung
+der Könige. Als Verfertiger der Kapitelle dieser Thür nennt sich der
+Meister _Enrigus_. Ein Jahr später entstand das Relief am
+Architravbalken der Thür von S. Bartolommeo in Pantano. Den gleichen
+Charakter tragen die jüngeren, aber trotzdem roheren Bildwerke an der
+Kanzel in Groppoli vor Pistoja, sowie der Erzengel Michael ebenda (vom
+Jahre 1194), letzterer interessant als Freifigur. Gleichzeitige Arbeiten
+derselben Richtung sind (von zahlreichen, überall im nordwestlichen
+Toskana zerstreuten skulptierten Kapitellen, Säulenbasen u. dergl.
+abgesehen): in Pisa die Architravskulpturen an S. Casciano und das
+Relief mit Christus zwischen den Apostelsymbolen von einem Meister
+_Bonusamicus_ (jetzt im Campo Santo), in Lucca der Portalschmuck des
+Meisters _Biduinus_ an S. Salvatore und die Reliefs des Taufbeckens vom
+Meister _Robertus_ in S. Frediano, letztere wohl die tüchtigsten von
+allen diesen Arbeiten. Zu den spätesten, aber trotzdem noch fast rohen
+Arbeiten dieser Art zählen die Bildwerke am Dom zu Arezzo, der zweiten
+Hälfte des XII. und dem Anfang des XIII. Jahrh. angehörend. Dasselbe
+gilt auch noch von den Arbeiten des _Marchionne_ (vom Jahre 1216).
+
+[Abbildung: 21D. Bemalte Madonnenstatue des Presbyter Martin.]
+
+Alle diese Werke halten sich auf dem Niveau der Arbeiten von
+Steinmetzen, welche die Ornamente an den Kirchenbauten auszuführen
+gewohnt sind. Sie behandeln daher ihre Reliefs in der Komposition und in
+der Wiedergabe der menschlichen Gestalt genau wie ihre Ornamente: die
+Figuren sind ganz in der Fläche gehalten und möglichst zur Ausfüllung
+des Raumes benutzt, so daß der Grund ringsum ausgehoben erscheint und
+die Gestalten in der Regel mit den Füßen den unteren, mit den Köpfen den
+oberen Rand berühren. In den Verhältnissen, in Bewegung und Ausdruck der
+Figuren noch völlig kindlich und in der Ausführung mehr oder weniger
+roh, konnten dennoch diese Arbeiten durch die Selbständigkeit und die
+Naivetät der Empfindung und durch den Ernst des Strebens den Grund zu
+einer wirklich künstlerischen Entwickelung der Plastik legen.
+
+Wie weit damals diese einheimische Skulptur noch hinter der
+byzantinischen zurückstand, beweist am deutlichsten eine Anzahl
+Arbeiten, die gleichzeitig in Toskana unter byzantinischem Einfluß
+ausgeführt worden sind; namentlich in Pisa, das durch seinen blühenden
+Handel auf dem Mittelmeere zu dem halb byzantinischen Süden von Italien
+und zu Byzanz selbst in nahe Beziehung gebracht war. Schon die
+Bronzethür am Dom zu Pisa, wahrscheinlich die Arbeit des Pisaners
+_Bonannus_ (1180), der einige Jahre später in Monreale die sehr
+verwandte Thür goß, erscheint ganz unter dem Einfluß gleichzeitiger
+byzantinischer Goldschmiedearbeiten. Noch stärker und vorteilhafter
+macht sich diese Einwirkung in den Skulpturen an den Architraven von
+zwei Thüren des Battistero geltend; an der östlichen Thür auch in den
+Laibungen. Hier haben die Figuren die volle Schönheit, die schlanken
+Körperformen, die zierlichen Falten der klassischen Gewänder, die
+vornehme Ruhe und die feine Rundung echt byzantinischer Arbeiten dieser
+Zeit. Diesen kommen sie ferner in der Sauberkeit der Arbeit gleich und
+besitzen dabei auch die charakteristische Fülle, die einfach schlichte
+Erzählungsart, die kräftige Ausarbeitung, den in seiner Gebundenheit
+feinen Ausdruck solcher Arbeiten. Die Berliner Sammlung, die von älteren
+romanischen Bildwerken aus Toskana nur ein mit Köpfen und Tieren
+dekoriertes Kapitell aufzuweisen hat (No. 27, aus Lucca stammend, etwa
+vom Jahre 1200), besitzt eine in ihrer Art hervorragende große
+Madonnenstatue aus jener von byzantinischen Vorbildern beeinflußten
+Richtung: die thronende Maria mit dem segnenden Christkind von der Hand
+des _Presbyter Martin_ von Borgo San Sepolcro, aus d. J. 1199 (No. 21D):
+lebensgroße Figuren aus Holz mit ihrer ursprünglichen, trefflich
+erhaltenen Bemalung; herbe im Ausdruck, gebunden in Haltung und
+regelmäßiger Faltenbildung, aber von einer eigentümlich strengen Größe
+der Erscheinung.
+
+Ihren eigenen plastischen Stil bilden sodann die Marmorarbeiter aus,
+welche die wirkungsvollen zierlichen Inkrustationsarbeiten der
+toskanischen Fassaden und der Innendekoration in weißem Marmor und
+tiefgrünem Serpentin auszuführen hatten. Während gleichzeitig die
+römischen Cosmaten nicht einmal den Versuch zu figürlicher Darstellung
+machten, wurden diese toskanischen Marmorarbeiter durch die allgemeine
+Richtung auf figurale Skulptur und den Wunsch, dieselbe als Erklärung
+des Dogmas für die gläubige Gemeinde zu benutzen, bald zu einer
+Einbeziehung figürlicher Darstellungen in ihre Steinmosaiken gebracht;
+namentlich an den Kanzeln. Schon die Kanzel in San Miniato (wohl nicht
+viel früher als der von 1207 datierte Fußboden der Kirche) zeigt an
+passender Stelle wenigstens eine Figur. In der etwas jüngeren Kanzel in
+San Lionardo vor Florenz sind die figürlichen Kompositionen schon die
+Hauptsache. Während sie aber hier noch auf dem inkrustierten Grunde wie
+aufgeleimt erscheinen, sind sie in der Kanzel des Domes zu Volterra wie
+in Meister Guido's Kanzel in S. Bartolommeo in Pantano zu Pistoja (vom
+Jahre 1250) und in der ähnlichen, noch jüngeren Kanzel in Barga frei aus
+dem Grunde gearbeitet, so daß die Steinintarsia auf die Einrahmung
+beschränkt oder ganz verdrängt ist. Man merkt diesen Bildwerken, selbst
+noch denen des Meisters der Kanzel in Pistoja, _Guido Bigarelli_ aus
+Como, die Hand des Ornamentisten an, der auch die menschliche Gestalt
+mit schematischer Regelmäßigkeit und zierlicher Sauberkeit behandelt,
+statt sie frisch nach dem Leben zu schaffen. Der Komposition kommt aber
+diese Regelmäßigkeit und der Geschmack in der Anordnung und Ausfüllung
+des Raumes entschieden zu gute, und ebenso ist die saubere Durchbildung
+ein Vorzug gegenüber jenen älteren romanischen Bildwerken.
+
+Auf Meister Guido geht in Pistoja noch die gedrungene Gestalt des
+Erzengels Michael am Oratorio S. Giuseppe zurück; in Pisa hat er 1246
+das prachtvolle, mit reicher Marmorintarsia geschmückte Taufbecken
+vollendet, und in seiner Art sind auch schon die Skulpturen am
+Hauptportal des Domes zu Lucca: Christus im Limbus und am Architrav die
+Apostel und Maria, vom Meister _Guidetto_ (in dem man neuerdings den
+jungen Guido Bigarelli hat erblicken wollen). Diese Arbeiten in Lucca
+sind seit 1204 ausgeführt; die Fortsetzung derselben an der Fassade seit
+dem Jahre 1233 fiel Kräften zu, die bei aller Verwandtschaft mehr
+plastischen Sinn hatten als Meister Guido. Der Monatscyklus und die
+Darstellungen aus der Geschichte des hl. Martin stehen dem Guido noch am
+nächsten, die Skulpturen der Reguluspforte haben schon eine über ihn
+hinausgehende Vornehmheit der Erscheinung, Freiheit der Bewegung und
+Feinheit der Empfindung. Das große Reiterstandbild des hl. Martin, der
+mit dem Bettler seinen Mantel teilt, ist die letzte und zugleich die
+schwierigste Aufgabe, welche diese lombardisch-toskanische
+Steinmetzen- und Bildnerschule in Lucca zu lösen hatte. Einer der ersten
+Versuche, eine Freifigur zu geben, und seit dem Altertum das erste
+Reiterbild, ist dieses Bildwerk ausgezeichnet durch die vornehme Ruhe
+der schönen Gestalten, durch die feine Empfindung für Proportionen und
+teilweise selbst durch naturalistische Wahrheit: aber zu freier
+Bewegung, zu naturalistischer Durchbildung, zu einer Auffassung der
+Figuren als Gruppe oder nur als richtige Freifiguren vermag sich der
+Künstler noch nicht zu erheben. In der Anlehnung an die Kirchenwand, in
+der Einhaltung der äußeren Fläche verrät sich vielmehr der an die
+Reliefdarstellung gewöhnte Künstler.
+
+
+
+
+Niccolo Pisano und die Protorenaissance
+(um 1250 bis 1300).
+
+
+Die Bildwerke, in denen der plastische Schmuck der Portale des Domes zu
+Lucca seinen Abschluß erhielt: die Kreuzabnahme in der Lünette, die
+Geburt Christi und die Anbetung der Könige am Architrav des linken
+Seitenportals, verraten einen Künstler ganz anderer, ganz neuer Art.
+Hier herrscht echt plastischer Sinn und große, ja in der Kreuzabnahme
+eine fast gewaltige Auffassung; daneben erscheinen selbst die wenig
+älteren Skulpturen des anderen Seitenportals nur als befangene
+Leistungen fleißiger Steinmetzen. Vasari bezeichnet als Künstler dieser
+Arbeiten den _Niccolo Pisano_ (um 1206 bis nach 1280); mit vollem Recht,
+wie der Vergleich mit seinen beglaubigten Arbeiten, namentlich mit der
+1260 vollendeten Kanzel im Baptisterium zu Pisa beweist.
+
+[Abbildung: Kanzel des Niccolo Pisano im Baptisterium zu Pisa.]
+
+Der Bildhauer Niccolo di Piero, der sich nach seinem Geburtsort Pisano
+nennt, steht auf den Schultern jener älteren lombardisch-toskanischen
+Bildnerschule: speziell hat er in den Arbeiten an der Domfassade zu
+Lucca seine unmittelbaren Vorläufer. Dies gilt sowohl für die plastische
+Gestaltung wie für den geistigen Inhalt seiner Kunstwerke, während die
+dekorative, an byzantinischen Vorbildern großgezogene Plastik
+Süditaliens, mit der man den Niccolo (wegen der fragwürdigen Herkunft
+seines Vaters aus Apulien) hat in Verbindung bringen wollen, im vollen
+Gegensatze zu Niccolo's Kunst steht. Aber auch gegenüber jener älteren
+Plastik, aus der er hervorgeht, erscheint der Künstler recht eigentlich
+als Reformator. Niccolo Pisano ist kein Naturalist wie die Meister des
+Quattrocento; er steht den Künstlern des Cinquecento weit näher, denn
+sein höchstes Streben ist klassische Schönheit, der er durch das Studium
+und gelegentlich selbst durch unmittelbare Nachbildung der Antike nahe
+zu kommen sucht. Freilich waren in Italien die antiken Reste schon
+früher, ja regelmäßig im Mittelalter das Vorbild für die bildnerische
+Thätigkeit gewesen; aber diese hatte aus eigenem Unvermögen in halb
+unbewußter, sklavischer Weise die alten Vorbilder nachzuahmen gestrebt.
+Bei Niccolo Pisano ist der Anschluß an die Antike, deren Schönheit er
+zuerst wieder klar erfaßte, ein völlig bewußter; erwählt die Vorbilder
+aus den antiken Monumenten und bildet ihre Gewandung, ihre Technik nach,
+wie er sie für seine Zwecke verwenden zu können glaubt. Der Weg zum
+Verständnis und zur Wiedergabe der Natur geht bei Niccolo durch die
+Antike; die Abhängigkeit von derselben verhindert ihn, sich zu
+wirklichem Naturverständnis durchzuarbeiten; daher die Erscheinung, daß
+der Künstler im ersten Ergreifen seiner Aufgabe am größten und freiesten
+erscheint, in seinen späteren Arbeiten zum Teil handwerksmäßiger und
+manierierter wird. Verhängnisvoll war ihm in seinem Streben der Umstand,
+daß seine klassischen Vorbilder, zumeist Sarkophagreliefs, die heute
+noch im Campo Santo zu Pisa erhalten sind, schon der Zeit des tiefen
+Verfalls der antiken Kunst angehören, daß sie handwerksmäßige
+Nachbildungen aus dritter und vierter Hand nach schlecht verstandenen
+Originalen sind. Die Eigentümlichkeiten dieser antiken Vorbilder finden
+sich daher auch bei Niccolo: das starke Hochrelief, die Überfüllung der
+Kompositionen, die ungleichen Verhältnisse der Figuren unter einander
+wie die derbe, untersetzte Bildung derselben, die dicken gleichmäßigen
+Stoffe der Gewänder mit antikem Schnitt und der einförmige brüchige
+Faltenwurf, die starke Anwendung des Bohrers und die Vorliebe für das
+Stehenlassen der Bohrlöcher, namentlich in den Haaren. Mit jenen
+Vorbildern hat der Künstler dafür auch die Schönheit der Formen und die
+Größe der Erscheinung gemein; seine Madonna ist eine thronende Juno,
+seine Könige in der »Anbetung« erscheinen wie antike Göttergestalten,
+sein Priester in der »Darstellung im Tempel« ist die Gestalt des
+indischen Bacchus, und unter den Tugenden finden wir, als Stärke, einen
+nackten Herkules. Je mehr sich der Künstler der Antike nähern kann, je
+direkter er aus ihr seine Gestalten entnimmt, desto größer und tüchtiger
+erscheint er; je mehr sich dagegen das Motiv von der Antike entfernt,
+desto geringer sind regelmäßig seine Leistungen. Dies zeigt sich
+namentlich in den Darstellungen der Passion Christi. In solchen
+Kompositionen macht sich auch der Mangel an dramatischem Sinn und die
+Leere in Ausdruck und Empfindung als Folge jenes engen Anschlusses an
+die Antike am stärksten geltend.
+
+Urkundlich begegnen wir Niccolo Pisano zuerst an der Kanzel im
+Baptisterium zu Pisa, die er 1260 vollendete; nach dem Charakter der
+Arbeit und dem Gange seiner späteren Beschäftigung ist es aber sehr
+wahrscheinlich, daß die Skulpturen am Domportal in Lucca der Pisaner
+Kanzel vorausgehen, also etwa um die Mitte des Jahrhunderts entstanden.
+Am Architrav sind (leider sehr zerstört) die Verkündigung, die Anbetung
+der Hirten und die Könige aus dem Morgenlande vereinigt; Kompositionen
+so klar und ausdrucksvoll wie keines dieser Motive in seiner späteren
+Zeit wiederkehrt. Die Abnahme vom Kreuz im Tympanon ist in der Anordnung
+im Raum, in den Proportionen, in der großen, teilweise selbst fein
+empfundenen Auffassung die bedeutendste Schöpfung des Niccolo.
+
+In der Kanzel zu Pisa fällt diesen Arbeiten gegenüber der engere
+Anschluß an die antiken Vorbilder in seinen Vorzügen und Nachteilen ins
+Auge. Was über den Künstler im Allgemeinen gesagt ist, gilt für dieses
+sein Hauptwerk im Besonderen. Wenn ihm Mangel an Innerlichkeit in den
+einzelnen Darstellungen vorgeworfen werden muß und dadurch die
+Auffassung als eine wenig kirchliche erscheint, so ist dafür die Kanzel
+in dem Zusammenhang der Darstellungen, in dem Ideengehalt ihres
+Bilderschmuckes um so mehr durchdacht, um so tiefer und gewaltiger. Das
+Evangelium von der Erlösung ist der Grundgedanke, der in allen seinen
+Teilen hier zum ersten Mal völlig klar durchgeführt ist, von den
+Verheißungen durch die Propheten an, dann in den einzelnen
+geschichtlichen Thatsachen bis zu den Wirkungen, die in den Gestalten
+der christlichen Tugenden verkörpert sind und in den Tieren als Träger
+der Säulen und Lesepulte ihren symbolischen Ausdruck erhalten. Der
+Inhalt der Predigt, für welche die Kanzel geschaffen ist, ist wohl nie
+wieder so eindringlich der gläubigen Gemeinde bildnerisch zur Anschauung
+gebracht worden.
+
+Der Kanzel in Pisa soll der Figurenschmuck am Marmorschrein des hl.
+Dominicus in S. Domenico zu Bologna gefolgt sein; die Reliefs mit
+Darstellungen aus dem Leben des Heiligen wurden bis 1267 fertig
+gestellt. Auf die Besichtigung aus der Nähe berechnet, sind sie
+gleichmäßiger, ja fast zu zierlich durchgeführt und glücklicher in den
+Verhältnissen; sie bleiben auch einfacher in der Auffassung, was wohl
+die Aufgabe von Darstellungen aus der Zeitgeschichte mit sich brachte.
+Niccolo stand bei der Arbeit ein junger Schüler, Fra Guglielmo, zur
+Seite; der abweichende Charakter der Bildwerke macht es sogar nicht
+unwahrscheinlich, daß Guglielmo dieselben allein ausführte.
+
+Noch vor Beendigung dieses Monuments übernahm Niccolo wieder die
+Ausführung einer Kanzel: die für den Dom von Siena, welche er in der
+außerordentlich kurzen Zeit zwischen dem März 1266 und dem November 1268
+fertigstellte. Als Gehülfen Niccolo's werden Arnolfo, Lapo und Donato
+schon im Kontrakt namhaft gemacht und die Beschäftigung seines noch
+nicht erwachsenen Sohnes Giovanni wurde ihm freigestellt. Der
+architektonische Aufbau wie der Ideengang in den Darstellungen (die hier
+um zwei Relieftafeln bereichert sind, weil die Kanzel achteckig ist)
+bleibt im Wesentlichen der gleiche wie in Pisa; doch macht sich in
+diesen Kompositionen die Überfüllung mit Figuren, der Mangel an Klarheit
+im Aufbau und eine ungleichmäßigere Durcharbeitung empfindlich geltend,
+und es fehlt den Gestalten meist die klassische Größe der Erscheinung,
+welche in jener ersten Kanzel so überraschend wirkt. Dafür sind die
+Köpfe hier jedoch ausdrucksvoller, die Figuren richtiger in den
+Verhältnissen und naturwahrer, die Scenen lebendiger und bewegter als in
+Pisa.
+
+Wenn hier schon der abweichende Charakter durch die verschiedenen
+Mitarbeiter Niccolo's wesentlich mit bedingt sein wird, so läßt sich
+dies um so mehr für die letzte beglaubigte Arbeit des bejahrten
+Künstlers, für die Skulpturen am großen Brunnen in Perugia, annehmen,
+welche um 1280 unter Beihülfe von Arnolfo und Giovanni Pisano vollendet
+wurden: am unteren Becken fünfzig Tafeln mit Einzelgestalten und kleinen
+Kompositionen in ziemlich flachem Relief, am oberen Becken
+vierundzwanzig Statuetten der Sibyllen, Tugenden u. s. f.; zumeist
+ausgezeichnet durch gute Verhältnisse und saubere Arbeit, einzelne auch
+durch tiefere dramatische Auffassung. Diese besten Arbeiten lassen sich
+leicht als Werke Giovanni's erkennen.
+
+[Abbildung: 22. Relief eines Lesepultes von Niccolo Pisano.]
+
+Die Berliner Sammlung besitzt ein aus Pistoja stammendes Marmorrelief,
+das den Anspruch auf eine Arbeit des Niccolo erheben darf: zwei Engel,
+welche das Brustbild des Bischofs Beato Buonacorso von Pistoja in einem
+Tuche zwischen sich emporhalten (No. 22); ursprünglich wohl die
+Unterseite eines Lesepultes, welches vielleicht während der Restauration
+eines Altars in Pistoja, die Niccolo 1272 übernahm, entstanden ist. Die
+vollen Gestalten, die Typen, die Faltenbildung, sogar so auffallende
+Eigentümlichkeiten, wie die flatternden Zipfel des Tuches, stimmen mit
+den beglaubigten Arbeiten des Künstlers, namentlich mit der Verkündigung
+an der Kanzel zu Pisa so sehr überein, daß wohl nur auf Niccolo als
+Urheber dieser Arbeit geschlossen werden kann.
+
+ * * * * *
+
+Der enge Anschluß des Niccolo Pisano an die Antike sollte eine weitere
+Entwickelung der italienischen Plastik im Sinne der Renaissance erwarten
+lassen. Gerade das Gegenteil ist der Fall: schon seine Schüler wenden
+sich vom Studium der Antike ab, und sein eigener Sohn Giovanni schlägt
+eine Richtung ein, welche von der des Vaters wesentlich verschieden ist.
+Sie beherrscht die italienische Plastik ein volles Jahrhundert; offenbar
+weil Niccolo's Nachahmung der Antike ohne tieferes Naturstudium eine
+äußerliche blieb und einer tieferen Auffassung, wie sie die christlichen
+Stoffe verlangten, entbehrte.
+
+Unter den Schülern und Mitarbeitern des Niccolo sind uns zwei in eigenen
+Werken bezeugt, welche ohne höhere Eigenart die Pfade ihres Meisters
+wandern, Fra Guglielmo und Arnolfo di Cambio; beide namentlich dadurch
+von Bedeutung, daß sie die Kunstweise ihres Lehrers über Italien
+verbreiteten. Der Dominikaner _Fra Guglielmo d'Agnolo_ aus Pisa (um 1238
+bis nach 1313) war Niccolo's Mitarbeiter an der Arca des hl. Dominicus
+in Bologna gewesen, an deren Reliefs ihm außer der Ausführung vielleicht
+sogar die Erfindung mit gebührt. Nach der Verwandtschaft dieser Arbeiten
+mit den Reliefs an der von einem Meister Guglielmo ausgeführten Kanzel
+in S. Giovanni fuorcivitas in Pistoja hat man diese mit Recht ebenfalls
+als ein Werk des Dominikaners Fra Guglielmo in Anspruch genommen.
+Einfacher und dadurch klarer in der Komposition wie Niccolo, zeigt er in
+seinen Gestalten den ähnlichen klassischen Zug in den Typen, in der
+Gewandung und Bewegung; freilich kaum aus direktem Studium der Antike,
+sondern nach den Vorbildern seines Lehrers. Wenn er diesen in der
+Eigenartigkeit wie in der Größe der Erscheinung lange nicht erreicht, so
+hat er doch feinere Empfindung und eine gewisse Innigkeit im Ausdruck
+vor ihm voraus, die sich gelegentlich (wie in der Beweinung Christi)
+selbst auf die Bewegung und ganze Komposition ausdehnt.
+
+Der Florentiner _Arnolfo di Cambio_ (1232 bis 1315), Niccolo's Gehülfe
+an der Kanzel in Siena wie am Brunnen zu Perugia und, wie Guglielmo, in
+seiner späteren Zeit namentlich als Architekt hervorragend thätig, steht
+in den beiden von ihm bekannten plastischen Monumenten gleichfalls ganz
+unter des Meisters Einfluß, ist aber noch weniger selbständig als Fra
+Guglielmo. Die Statuetten und kleinen Reliefs am Grabmal des Kardinals
+de Braye ({~DAGGER~} 1280) in S. Domenico zu Orvieto sowie an dem gemeinsam mit
+einem Künstler Paulus ausgeführten Tabernakel in S. Paolo fuori le mura
+in Rom sind gut in den Verhältnissen, einfach und ernst in Ausdruck und
+Haltung, in der Gewandung sogar geschmackvoller und naturwahrer als bei
+Niccolo, aber sie erscheinen unbedeutend und werden durch den
+architektonischen Aufbau unterdrückt. Sowohl in jenem Tabernakel wie
+namentlich in dem Grabmal hat Arnolfo, soweit bisher bekannt, das
+Vorbild für den Aufbau ähnlicher Monumente gegeben, welches für die
+plastische Entwickelung im Trecento, namentlich in Siena, verhängnisvoll
+wurde.
+
+
+
+
+Giovanni Pisano und die Kunst des Trecento
+(um 1300 bis 1400).
+
+
+Der einzige völlig eigenartige Künstler, den Niccolo großgezogen hat,
+ist sein Sohn _Giovanni Pisano_ (um 1250 bis nach 1320), dem Vater
+mindestens ebenbürtig an Talent und auf die Entwickelung der
+italienischen Kunst noch von bedeutenderem, nachhaltigerem Einfluß. Ja
+obgleich Giovanni der Schüler und langjährige Gehülfe seines Vaters war,
+erscheint seine Richtung als die unmittelbare, energische Reaktion gegen
+die Kunstweise des Niccolo Pisano. Statt der klassischen Ruhe des
+Niccolo sehen wir bei ihm hochgradige Erregung, statt Schönheit der Form
+die Bethätigung des seelischen Lebens in Verbindung mit einem
+entschieden naturalistischen Streben. Freilich reicht sein Können,
+reicht seine Kenntnis der Natur nicht aus, um bei der Fülle großer und
+neuer Gedanken, bei dem großartigen dramatischen Sinn wirklich volle
+naturalistische Durchbildung zu erzielen; Giovanni begnügt sich damit,
+die Natur in großen Zügen anzudeuten, um desto frischer und
+überwältigender das innere Leben zum Ausdruck zu bringen. Daher sind die
+Proportionen oft sehr vernachlässigt und selbst falsch, die Körper und
+Gesichter nicht selten häßlich und verzerrt, die Ausführung meist
+flüchtig und zuweilen sogar roh. Freilich kommt dies zum guten Teil auf
+Rechnung der Gehülfen, deren sich der Künstler zur Ausführung der
+zahlreichen und umfangreichen Arbeiten, zu denen er in seiner langen
+Künstlerlaufbahn in ganz Italien berufen wurde, in großem Umfange
+bedienen mußte.
+
+Giovanni's Reliefstil ist der seines Vaters: das Hochrelief, welches der
+Künstler noch weit malerischer behandelt als sein Vorgänger; freilich
+unter Beeinträchtigung der architektonischen Wirkung. Auch im Inhalt
+seiner Darstellungen folgt er im Wesentlichen dem Niccolo; nur in der
+Auffassung und Wiedergabe ist er grundverschieden von ihm.
+
+Giovanni muß ein sehr frühreifes Talent gewesen sein, da sein Vater den
+etwa fünfzehnjährigen Jüngling 1265 im Kontrakt über die Kanzel für den
+Dom von Siena schon als Gehülfen mit namhaft machen durfte; bei dem
+jugendlichen Alter können wir hier aber die Bethätigung einer
+eigenartigen Richtung bei der Arbeit nicht annehmen. Anders ist dies bei
+der Ausführung des Brunnens in Perugia, bei welcher Giovanni 1278 neben
+dem Vater beschäftigt war. Hier läßt sich eine Reihe der Bildwerke,
+namentlich verschiedene weibliche Gestalten durch die Kühnheit der
+Bewegung, den Ernst des Ausdrucks und die malerische Gewandbehandlung
+unschwer als Arbeiten Giovanni's herauserkennen, der dieselben mit
+besonderer Sorgfalt ausführte. Als Jugendarbeit Giovanni's darf wohl
+auch das ihm in S. Giovanni fuorcivitas zu Pistoja zugeschriebene
+Weihwasserbecken gelten, an dem die Gestalten der Tugenden noch ganz die
+Großartigkeit der Formen und Haltung haben, die Niccolo eigentümlich
+ist. Im Jahre 1278 wurde Giovanni zum Bau des Campo Santo nach Pisa
+gerufen; damals entstanden wohl die groß empfundenen Madonnenstatuen,
+von denen die eine über einem Portal des Baptisteriums; die andere, eine
+Halbfigur, jetzt im Campo Santo steht. Wieder neue architektonische
+Aufgaben zogen den Künstler von Pisa nach Siena, wo er als Dombaumeister
+zwischen den Jahren 1290 bis 1295 erwähnt wird. Hier gehen die alten
+Figuren an der Fassade teilweise noch auf Giovanni zurück, sind aber,
+mit Ausnahme der großartigen Gestalt einer Sibylle an der Ecke des
+Seitenschiffs, derbe und selbst rohe Arbeiten seiner Werkstatt.
+
+Von Siena scheint der Künstler sich nach Pistoja gewandt zu haben, wo er
+1301 die Kanzel in S. Andrea vollendete. Sie bezeichnet den Höhepunkt
+von Giovanni's Kunst; was zur Charakteristik derselben im Allgemeinen
+gesagt ist, gilt daher ganz besonders von diesem Werke: die
+Kompositionen sind von außerordentlich dramatischer Gewalt, die
+Einzelfiguren, namentlich die Gestalten der Sibyllen, erscheinen in der
+die innere Begeisterung aussprechenden Bewegung als Vorahnung der
+Sibyllen Michelangelo's an der Decke der Sixtina. Gleich nach Vollendung
+dieser Kanzel erhielt Giovanni den Auftrag auf eine ähnliche, noch
+reichere Kanzel für seine Heimatstadt, deren einzelne Teile jetzt im Dom
+und im Campo Santo zerstreut aufgestellt sind; sie wurde erst 1311
+vollendet. Den Bildwerken der Kanzel in S. Andrea nahe verwandt, sind
+hier die Reliefs und Freifiguren womöglich noch dramatischer und
+bewegter, noch mannigfaltiger in den Motiven, stärker in den
+Verkürzungen und reicher in genrehaften Nebenbeziehungen, aber auch noch
+flüchtiger in der Ausführung und willkürlicher in den Proportionen. Der
+architektonische Aufbau wird stark beeinträchtigt durch die großen
+tragenden Figuren, deren Sockel zum Teil wieder mit Statuen geschmückt
+sind.
+
+[Abbildung: 23. Madonnenstatuette von Giovanni Pisano.]
+
+Von dieser Kanzel in Pisa stammt ein kleines Lesepult im Berliner Museum
+(No. 24), das an der Unterseite zwei Engel mit dem Brustbild Christi
+zwischen sich trägt; eine charakteristische Arbeit in der Art der
+übrigen Reliefs an der Pisaner Kanzel. Ein zweites Werk des Künstlers in
+der Berliner Sammlung, die Marmorstatuette der Madonna (unter halber
+Lebensgröße, No. 23), scheint zur Zeit, als er an der Kanzel in Pistoja
+arbeitete, gemeißelt zu sein. Wenigstens zeigt sie die nächste
+Verwandtschaft zu der Silberstatuette im Dom zu Prato, deren Entstehung
+auf die Zeit seiner Thätigkeit hier als Architekt im Jahre 1300
+zurückgeführt wird. Im Berliner Privatbesitz befinden sich außerdem (im
+Besitz des Herrn A. von Beckerath) ein Paar ebenso wertvolle Bruchstücke
+einer anscheinend für Florenz gearbeiteten Kanzel: zwei sitzende
+Sibyllen, deren schlichtere Haltung und große Gewandbehandlung die
+Entstehung jener Kanzel noch vor die Kanzel in Pistoja verweist.
+
+In Norditalien war Giovanni anscheinend im Anfange des XIV. Jahrh.
+thätig; die große Madonnenstatue in der Madonna dell' Arena zu Padua und
+vielleicht auch die Statue des Stifters Enrico Scrovegno sind plastische
+Zeugnisse dieses seines Aufenthalts in der Nähe Venedigs. Spuren seiner
+Thätigkeit lassen sich auch sonst noch über Mittel- und Oberitalien
+verfolgen: Teile einer Auferstehung im Museum zu Perugia, die Giganten
+am Portal der Kirche von San Quirico (um 1298), die Bruchstücke vom
+Grabmal der Gemahlin Kaiser Heinrichs VII. (nach 1313) im Pal. Bianchi
+zu Genua und angeblich auch das Taufbecken in S. Pietro vor Pisa.
+Dagegen sind mehrere große Grabmonumente, die auch jetzt noch auf seinen
+Namen zu gehen pflegen, namentlich das Monument Papst Benedicts XI.
+({~DAGGER~} 1304) in S. Domenico zu Perugia und das Grabmal der hl. Margherita in
+S. Margherita zu Cortona, sicher nicht von Giovanni, sondern schon aus
+einer vorgerückteren Zeit des Trecento und erscheinen der sienischen
+Kunst verwandt.
+
+ * * * * *
+
+Giovanni Pisano gilt mit vollem Recht als der einflußreichste Künstler
+seiner Zeit: er ist der wahre Lehrer von Giotto; seine Stellung zur
+plastischen Kunst des Trecento, zur italienischen Gotik, entspricht der
+Stellung Donatello's zum Quattrocento und der Michelangelo's zum
+Cinquecento und Barock. Mit beiden zählt er zu den bahnbrechenden
+Meistern auf dem Gebiete der bildnerischen Kunst in Italien.
+
+Trotz dieser außerordentlichen Wirkung der Kunst des Giovanni hat
+derselbe keine treuen Nachfolger seiner eigenen Richtung gehabt; denn
+die dekorativen Skulpturen an der Madonna della Spina in Pisa (seit
+1321), am Dom zu Siena u. s. f., welche noch ganz den Charakter des
+Künstlers tragen, sind in seiner Werkstatt ausgeführt. Die Kunst des
+Giovanni war eine zu subjektive, um einen Nachfolger in derselben
+Richtung zu gestatten; die Nachahmung hätte hier, wie manche Arbeiten
+der Werkstatt beweisen, zur ärgsten Manier und Roheit führen müssen. Es
+war daher von besonderem Glück für die Entwickelung der italienischen
+Kunst, daß ein so verschieden und eigenartig veranlagtes Genie, wie das
+des Malers Giotto, die Erbschaft des großen Pisaner Bildhauers antrat.
+Giotto ist auch für die Plastik der Vermittler zwischen Giovanni Pisano
+und der Frührenaissance. Von seinem allgemeinen Einfluß als Maler
+abgesehen, hat er in seinen Entwürfen zu den Reliefs an dem von ihm
+(1334) begonnenen Bau des Campanile in Florenz auch unmittelbar in die
+bildnerische Kunst eingegriffen; ja angeblich hat er auch selbst bei der
+Ausführung desselben mit Hand angelegt. Gegenüber der ungezügelten
+Gewalt seines Vorgängers macht sich bei ihm ein mäßigender,
+ausgleichender Einfluß, ein Streben nach abgeschlossener Komposition,
+nach tiefer, aber gehaltener Empfindung in Ausdruck und Bewegung, nach
+schlichter Wiedergabe der Natur recht deutlich geltend.
+
+Der Bildhauer, dem die Ausführung dieser Kompositionen im Wesentlichen
+zufiel, war _Andrea Pisano_ aus Pontedera (um 1273 bis 1319). In der
+Werkstatt des Giovanni Pisano großgezogen, erscheint er doch weit mehr
+durch Giotto beeinflußt. Durch ihn erhielt Florenz auch in der Plastik
+die Stellung als Vorort Italiens, die bisher fast ein Jahrhundert lang
+Pisa eingenommen hatte. Sein bekanntes Meisterwerk ist die Bronzethür
+von S. Giovanni zu Florenz (1330 bis 1336 ausgeführt). Die kleinen
+Felder von zierlicher gotischer Form enthalten unten acht Tugenden,
+darüber Darstellungen aus dem Leben des Schutzheiligen von Florenz,
+Johannes d. T. Mit Giotto hat hier der Künstler die knappe, klare Art
+der Darstellung, den schlichten Ernst und die Wahrheit der Empfindung,
+die Beschränkung auf wenige Hauptfiguren, die vornehme Ruhe in Haltung
+und Bewegung gemein, während er im Verständnis der menschlichen Gestalt,
+in der Richtigkeit der Verhältnisse, im Studium der Gewandung schon über
+ihn hinausgeht. Neben den herben Figuren Giotto's erscheinen Andrea's
+Gestalten schön und anmutig im Ausdruck; neben Giovanni's überfüllten
+Kompositionen mit tieferregten Scenen sind diese Darstellungen des
+Johanneslebens auf den ersten Blick fast nüchtern und unbelebt, bei
+näherer Betrachtung erscheinen sie wahrhaft klassisch in ihrem einfachen
+Hochrelief, dem knappen, ausdrucksvollen Stil der Komposition wie
+Erzählung und in der Meisterschaft der Durchbildung. Durch die gleichen
+Eigenschaften lassen sich auch mehrere Einzelfiguren auf Andrea
+zurückführen: die Marmorstatuetten von Christus und der hl. Reparata im
+Museum von Sa. Maria del Fiore zu Florenz, die große Madonna über dem
+Hauptportal des Domes zu Orvieto (wo Andrea 1347 bis 1349 als
+Dombaumeister beschäftigt war) und ein bemalter Krucifixus in der
+Berliner Sammlung (No. 25); letzterer eine besonders edle, fein
+empfundene Arbeit des Künstlers, deren Wirkung noch durch die gute
+Erhaltung der alten Bemalung erhöht wird.
+
+[Abbildung: 26. Madonnenstatuette von Nino Pisano.]
+
+Andrea's Richtung auf das Schlichte und Anmutige erscheint in seinem
+Sohne _Nino Pisano_ ({~DAGGER~} 1368), der nach des Vaters Tode sich in Pisa
+niederließ (das jetzt schon von Florenz seine Künstler empfangen mußte),
+in das Genrehafte weiter entwickelt. Wie sich dies in besonders
+vorteilhafter Weise in seinen Madonnen bekundet, zeigt eine
+Marmorstatuette der Berliner Sammlung (No. 26), welche mit größeren
+bezeichneten Statuen der Madonna (in S. Maria Novella zu Florenz, auf
+dem Hochaltar der Madonna della Spina und am Grabmal Salterello in
+S. Caterina zu Pisa) die engste Verwandtschaft hat. Die einzige
+beglaubigte Arbeit seines Bruders _Tommaso_, ein Altar in Campo Santo zu
+Pisa, zeigt dagegen einen sehr gering veranlagten Künstler.
+
+Eine Weiterbildung in naturalistischer Richtung erhält die florentiner
+Plastik wieder durch einen Maler, durch _Andrea Orcagna_ (Andrea di
+Cione, genannt Orcagna, {~DAGGER~} 1368), der als Baumeister von Or San Michele
+hier 1359 das Tabernakel vollendete. Als dekoratives Schmuckstück steht
+dasselbe wohl unübertroffen in der italienischen Gotik da, und durch
+seinen reichen Figuren- und Reliefschmuck kommt es in plastischer
+Bedeutung der Bronzethür des Andrea Pisano nahe. Dem Giotto verwandt in
+der Größe der Auffassung, in der Sauberkeit der Durchbildung dem Andrea
+Pisano nahe, ist Orcagna beiden überlegen durch die feine
+naturalistische Empfindung und Durchführung; ganz eigen ist ihm die
+malerische Behandlung des Reliefs.
+
+Die große Darstellung des Todes Mariä mit der Gürtelspende an der
+Rückseite von Andrea's Tabernakel bleibt bis zum Ausgang des Trecento
+die hervorragendste Leistung. Arbeiten, wie die Reliefs der Tugenden an
+der Loggia de' Lanzi (1383 bis 1387), sind recht tüchtige Werke unter
+dem Einfluß des Orcagna; im Großen und Ganzen verliert sich aber die
+bildnerische Kunst dieser Zeit in Florenz in nüchterne und meist sogar
+starre oder kleinliche Nachahmung der großen vorangegangenen Meister;
+die Statuen am Campanile aus dieser Zeit, die verschiedenen Figuren an
+den südlichen Portalen des Domes, der Altar des _Alberto di Arnoldo_ im
+Bigallo (1364), der Taufstein in S. Giovanni (1371), verschiedene
+Grabdenkmäler in S. Croce u. s. f. sind ebenso viele sprechende Beispiele
+für diese Erstarrung der plastischen Kunst. Ein Werk dieser Art, ein
+Madonnenrelief Alberto's am Campanile, ist in einer bemalten
+Stucknachbildung (wohl der frühesten Arbeit dieser Art, die bisher
+bekannt ist) im Berliner Museum vertreten (No. 32A).
+
+ * * * * *
+
+Für die florentiner Bildnerschule dieser Zeit ist es charakteristisch,
+daß ihre Thätigkeit fast ausschließlich auf ihre Vaterstadt beschränkt
+bleibt, wo sich große und kleine Aufgaben in reichem Maße für die
+Künstler darboten. Anders die _Bildhauerschule Siena's_, welche sich an
+die Thätigkeit von Niccolo und Giovanni Pisano in Siena anschließt und,
+Dank dem politischen Aufschwunge der Stadt seit dem Ende des XIII.
+Jahrh., eine ebenso reiche Entwickelung aufzuweisen hat, wie die
+gleichzeitige florentiner Schule: in der Heimat fast gar nicht
+beschäftigt, wenden sich die Sieneser Künstler nach außen und sind in
+Mittel- und Süditalien in umfangreicher und mannigfaltiger Weise thätig
+gewesen. Ihren Charakter behalten sie aber auch hier im Wesentlichen
+bei.
+
+Die sienische Plastik des Trecento hat die hervorragenden
+Eigentümlichkeiten mit der sienischen Malerei gemein, zeigt aber gerade
+die Schwächen der letzteren in besonders starkem Maße. Da den Bildwerken
+die malerische Wirkung der Gemälde durch den glänzenden, zierlich
+gearbeiteten Goldgrund, zumal bei ihrer jetzigen Farblosigkeit, abgeht,
+so machen sich hier der Mangel an Größe der Auffassung wie an
+Monumentalität in Aufbau und Anordnung, die eigentümliche Breite und
+Redseligkeit in der Erzählung der Reliefs, die weiche, knochenlose
+Wiedergabe der menschlichen Gestalt meist in störender Weise geltend und
+lassen die gemütvolle, weiche Empfindung und die saubere Ausführung als
+Gemeingut so vieler sienischen Kunstwerke nur selten oder doch nicht
+voll zur Geltung kommen.
+
+Unter den zahlreichen Bildhauern Siena's in dieser Zeit ist keiner --
+und auch das ist ein charakteristisches Kennzeichen dieser Schule --,
+der sich aus der Mittelmäßigkeit der anderen wesentlich heraushöbe.
+Schon die unmittelbaren Nachfolger des Giovanni Pisano in Siena, soweit
+wir beglaubigte Arbeiten von ihnen kennen: die Tino, Maestro Gano, Goro
+di Gregorio, Agostino di Giovanni, Cellino u. a. m. haben den gleichen
+Charakter. Meister _Gano_ verfertigt bereits im Anfange des XIV. Jahrh.
+ein Paar Grabmonumente im Dom von Casale bei Volterra. _Goro di
+Gregorio_ arbeitet 1323 die Reliefs und Statuetten an der Arca di S.
+Cerbone im Dom zu Massa Maritima. _Tino di Camaino_ ({~DAGGER~} 1339), hat als
+Grabbildner eine ausgedehnte Thätigkeit enfaltet: von seiner Hand sind
+in Pisa das Monument Kaiser Heinrichs VII. (1315), in Florenz das
+Monument des Bischofs Ant. d'Orso im Dom, in Neapel (seit 1323)
+verschiedene Grabmonumente in S. Maria Domna Regina und in Corpus
+Domini. _Cellino di Nese_ errichtet das Grabmal des Cino de' Sinibaldi
+im Dom zu Pistoja (1337); als das früheste Professorengrab von Bedeutung
+für diese namentlich in der Universitätsstadt Bologna entwickelte
+Gattung von Monumenten. Verschiedene, nach ihrem Urheber nicht zu
+benennende Monumente in Cortona, Perugia, Assisi tragen ähnlichen
+Charakter. Das reichste Monument unter allen sienischen Grabdenkmalen
+dieser Zeit, das des Bischofs Tarlati im Dom zu Arezzo von _Agostino di
+Giovanni_ und _Agnolo di Ventura_ (1330), zeigt die Schwächen der
+Bildnerschule Siena's und den völlig unmonumentalen, kleinlichen Aufbau
+in der Häufung von zahlreichen kleinen Reliefs und Statuetten, wie in
+der puppenhaften Größe und übertriebenen Zierlichkeit der Figuren. Die
+Reliefs mit Motiven aus der Zeitgeschichte besitzen dabei aber eine
+gewisse einfache Anschaulichkeit und genrehafte Lebendigkeit, welche bei
+näherer Betrachtung wenigstens teilweise für jene Mängel entschädigen.
+
+Vorteilhafter noch zeigt sich die sienische Plastik an einem Monumente,
+an dem sie sich am umfangreichsten und einheitlichsten bethätigt hat, am
+Fassadenschmuck des Domes von Orvieto. Die vier breiten Pfeilerflächen
+zwischen den Portalen sind hier nach einheitlichem Entwurf und unter
+einheitlicher Leitung vollständig überzogen mit Bildwerken in mäßigem
+Hochrelief, welche die Schöpfung und den Sündenfall, die Verheißung des
+Alten Testaments, das Leben des Erlösers und das Jüngste Gericht
+darstellen. Die alte Zuweisung derselben an Giovanni und Andrea Pisano
+ist als unhaltbar aufgegeben. Diese Skulpturen zeigen vielmehr alle
+charakteristischen Eigenschaften der sienischen Kunst und werden wohl
+mit Recht, wenigstens in ihrem Entwurf, dem Baumeister der Fassade, dem
+Sienesen _Lorenzo Maitani_, zugewiesen. Völlig unarchitektonisch in der
+Anordnung der einzelnen Scenen, die nach Art der mittelalterlichen
+Miniaturen nur durch mageres Geäst getrennt sind, ohne Größe oder
+Energie der Auffassung, ohne besondere Mannigfaltigkeit, in der
+Behandlung der Körper wie im Ausdruck wenig individuell und weichlich,
+geben diese Skulpturen durch den glücklichen Reliefstil und die saubere
+Durchführung, durch den ausgesprochenen Schönheitssinn, die Lieblichkeit
+der Typen, das feine Naturgefühl, selbst in der Behandlung des Nackten,
+durch die schlichte und klare, wenn auch etwas breite Erzählungsweise,
+durch die gemütliche, genrehafte Auffassung die vorteilhafteste
+Vorstellung von dem Können der sienischen Bildhauer dieser Zeit. Ihre
+treffliche Erhaltung macht sie besonders wirkungsvoll.
+
+ * * * * *
+
+Über Toskana hinaus verbreitete sich mit dem Ruhm der Pisaner
+Bildhauerschule auch alsbald das Bedürfnis, der Kunst derselben
+teilhaftig zu werden. Schon die Schüler des Niccolo Pisano wandern nach
+allen Teilen Italiens und legen fast überall den Grund zu reicher
+plastischer Thätigkeit. Selbst in Rom und Süditalien erwacht die Freude
+an figürlicher Plastik. In Rom verbindet sie sich mit der alten
+Mosaikdekoration der Cosmaten (nach einem Meister Cosmas genannt, in
+dessen Familie die künstlerische Laufbahn lange erblich blieb)
+gelegentlich zu recht glücklicher Gesamtwirkung, wenn auch die
+eigentlich plastischen Teile regelmäßig von geringer Bedeutung sind. Die
+Grabmonumente haben hier in der Regel den Vorzug vor den Tabernakeln und
+Altären. Auf Wandpilastern erhebt sich der spitzbogige Bau, dessen Bogen
+ursprünglich ein Mosaikgemälde zu schmücken pflegte; darunter ruht auf
+dem Paradebett der Tote, hinter dem von anmutigen Engeln ein Vorhang
+gehalten wird; am Sockel sind die Wappen des Verstorbenen zwischen
+zierlichen Mosaikornamenten angebracht. In der monumentalen Wirkung des
+einfachen architektonischen Aufbaus, in der würdevollen Auffassung der
+Gestalt des Verstorbenen und in der reichen harmonischen Farbenwirkung
+sind diese Grabdenkmäler denen der toskanischen Meister überlegen. Dies
+gilt namentlich für die Monumente des Cosmaten _Johannes_: das Grabmal
+Gonsalvo in S. Maria Maggiore (vom Jahre 1299), das des Stephanus in
+S. Balbina und das Monument Durante in der Minerva (1296); teilweise
+auch für die zahlreichen ähnlichen Grabmäler in S. M. in Araceli, meist
+der Familie Savelli angehörig. Wie wenig trotzdem die römische Kunst im
+Stande war, aus sich heraus zu einer frischen, stetigen Entwickelung zu
+gelangen, beweist der Umstand, daß mehr als ein Jahrhundert später die
+Grabdenkmäler noch fast ganz in derselben Weise gestaltet wurden, nur
+unter allmählicher Verdrängung des musivischen Schmuckes.
+
+Reicher noch, namentlich auch an rein plastischem Schmuck, dagegen
+künstlerisch weit geringwertiger sind die Monumente Süditaliens während
+des Trecento. Insbesondere die Kirchen Neapels werden durch die
+Prunksucht der Anjou und der großen Barone Süditaliens mit reichen
+Grabmonumenten förmlich überladen, für welche die Monumente der nach
+Neapel berufenen toskanischen Künstler, namentlich des Sienesen _Tino di
+Camaino_, die Vorbilder wurden: unter einem Baldachin auf hohen
+gewundenen Säulen steht der von drei oder vier Tugenden getragene und
+mit Reliefs geschmückte Sarkophag, auf dem hinter einem von Engeln
+zurückgezogenen Vorhange die ruhende Figur des Verstorbenen sichtbar
+wird; über ihm ein Dach mit Statuetten. Die einförmige, gedankenlose
+Wiederholung dieser Motive, die Überladung, die plumpen Formen und
+Verhältnisse, der Mangel an koloristischem Sinn in der Bemalung, die
+empfindungslose Auffassung und Behandlung der Figuren lassen auch bei
+den besten dieser Grabdenkmäler, wie sie namentlich im Dom, in
+S. Chiara, S. Domenico und S. M. Domna Regina besonders zahlreich sind,
+den Beschauer zu keinem künstlerischen Genusse kommen.
+
+Für den Einfluß französischer Gotik, der sich in diesen Monumenten
+Süditaliens unter der Herrschaft der Anjou gelegentlich geltend macht,
+sind ein Paar Marmorstatuetten der Berliner Sammlung, die aus Neapel
+stammen (No. 29 und 30), charakteristische Beispiele. Von ungewöhnlich
+feiner Empfindung, erscheinen sie den Leidtragenden an gleichzeitigen
+französischen und burgundischen Sarkophagen in Ausdruck, Haltung und
+selbst in der Tracht nahe verwandt. Wie lange sich hier im Süden,
+namentlich in Sicilien und Calabrien, diese Mischung französischer und
+Pisaner Gotik erhält, dafür ist die reich bemalte Alabasterfigur der
+Madonna (No. 206) ein charakteristisches Beispiel; sie kann nach den
+Ornamenten wie nach der Behandlung kaum vor 1500 entstanden sein.
+
+ * * * * *
+
+Auch Norditalien, selbst die Lombardei, welche mit ihren Steinmetzen und
+Bildhauern noch bis zur Mitte des XIII. Jahrhunderts das übrige Italien
+und namentlich gerade Toskana versorgt hatte, kommt seit dem Anfange des
+Trecento völlig unter den Einfluß der Pisaner Schule und bezieht aus
+dieser die Künstler für die wichtigen plastischen Aufgaben, die jetzt
+allmählich in größerer Zahl gestellt wurden. Für Mailand wird die
+Thätigkeit eines Pisaner Künstlers, _Giovanni di Balduccio_, bestimmend,
+der in seiner Heimat ein Grabmal in Sarzana (1322) und eine Kanzel in
+S. Casciano bei Florenz gearbeitet hatte. Sein berühmter Marmorsarkophag
+des Petrus Martyr in S. Eustorgio zu Mailand ist zwar unbedeutend in der
+Erzählung und teilweise linkisch in der Bewegung, aber von größter
+Delikatesse der Durchführung und in den großen Statuen der Tugenden an
+den Säulen von besonders glücklichen Verhältnissen, geschmackvoller
+Gewandung und lieblichem Ausdruck. Die Reliefs des Hochaltars in
+S. Eustorgio, verschiedene Grabmäler in S. Marco, S. Eustorgio, im Museo
+Lapidario und andere Mailänder Arbeiten des Trecento sind offenbar unter
+dem Einflusse dieser Monumente entstanden. Eine Arbeit Balduccio's ist
+auch das Grabmal des Azzo Visconti im Palast Trivulzio zu Mailand.
+Dagegen erscheint das Grabmal des Kardinals Luca Fieschi ({~DAGGER~} 1336) im Dom
+zu Genua unter allen Monumenten dieser Zeit am stärksten von Giovanni
+Pisano beeinflußt. Die Komposition des Thomasreliefs am Sarkophag ist in
+der Belebung der Figuren, in Bewegung und Gewandung wohl die
+bedeutendste Arbeit der Lombardei.
+
+Die reiche Arca di S. Agostino im Dom zu Pavia (begonnen seit 1362) und
+andere einfachere Monumente in den lombardischen Städten zeigen den
+unter der Einwirkung solcher Pisaner Vorbilder allmählich entwickelten
+Stil der lombardischen Plastik der zweiten Hälfte des Trecento, der mehr
+durch Sauberkeit der Arbeit und Schlichtheit der Auffassung als durch
+Größe oder feine Belebung sich auszeichnet. Wie weit die französische
+Kunst schon ein Jahrhundert früher dieser Kunst überlegen war, beweist
+der berühmte Bronzeleuchter des Mailänder Domes, das Beutestück eines
+Trivulzio in einem Kriege gegen Frankreich.
+
+Noch auf einem anderen Wege kommt die toskanische Kunst nach der
+Lombardei: durch die Lombarden, die in Venedig arbeiteten und Aufträge
+für ihre Heimat bekamen. Solche Arbeiten sind namentlich die
+verschiedenen Reitermonumente der Lombardei, in erster Linie die
+berühmten Monumente der Tyrannen von Verona, die Scaligerdenkmäler auf
+dem kleinen Platz neben S. Maria Antica. Im Figürlichen sämtlich mehr
+oder weniger untergeordnet, sind sie von Bedeutung als die ersten
+künstlerischen Äußerungen trotziger Ruhmessucht, die hier von vornherein
+losgelöst von der Kirche erscheint. Dem reichsten dieser Monumente, dem
+des Can Signorio von _Bonino da Campiglione_ (von 1375), ist das
+früheste, dem Can Grande I. errichtete Grabdenkmal (1329) in seinem
+einfach monumentalen Aufbau und der trefflich heraldisch stilisierten
+Reiterfigur auf der Spitze wesentlich überlegen. Die Monumente des
+Barnabo Visconti (1384) und der Regina della Scala (1385), in der Brera
+zu Mailand, sind von diesen Arbeiten abhängig.
+
+In Venedig nahm, wie die Baukunst, so auch die Plastik im Laufe des
+Trecento eine ganz neue und eigenartige Entwickelung. Zur Erklärung
+dieser Erscheinung läßt Vasari sowohl den Niccolo wie den Giovanni
+Pisano in Venedig thätig sein. Für Niccolo ist dies mehr als
+unwahrscheinlich; auch ein Aufenthalt Giovanni's ist uns in Venedig
+selbst nicht bezeugt, wohl aber in dem benachbarten Padua, wo Giovanni
+mit Giotto zusammen an der Ausschmückung der Madonna dell' Arena
+beschäftigt war (vgl. S. 22). Daß also die bildnerische Kunst in Venedig
+direkt und indirekt durch die Pisaner Meister beeinflußt und belebt
+worden, erscheint zweifellos; aber gerade der Umstand, daß keiner der
+Pisaner Künstler hier selbst thätig war, hat in Venedig einer
+selbständigeren Entwickelung der Plastik im Trecento Vorschub geleistet,
+welche der gleichzeitigen Malerei wesentlich überlegen ist.
+
+[Abbildung: 162. Brunnenmündung aus Venedig, Anfang des XV. Jahrh.]
+
+Anfangs (gelegentlich wohl bis in die Mitte des Jahrhunderts) schließt
+sich die bildnerische Thätigkeit noch an jene ältere, auf byzantinischen
+Vorbildern beruhende Dekorationsart an, welche in phantastischer Weise
+figürliche Darstellungen mit Ornamenten und abenteuerlichen Tierbildern
+verquickt. Die Fassade der Paläste und die Kirchen haben zahlreiche
+Beispiele dafür aufzuweisen; die beste Gelegenheit für die Anbringung
+derartigen Schmuckes bot aber der allmähliche Ausbau von San Marco, der
+innen und außen zahlreiche dekorative Bildwerke aus der zweiten Hälfte
+des XIII. und dem Anfange des XIV. Jahrh. aufzuweisen hat. Die
+interessantesten darunter sind die Reliefs an den Bögen über den
+Hauptportalen, namentlich über dem mittleren, an denen auch die Motive:
+Darstellungen der Monate, Propheten, Sibyllen u. s. f., noch die alten
+sind, während die guten Verhältnisse, die saubere Ausführung und die
+tüchtige naturalistische Empfindung schon die vorgerückte Zeit verraten.
+Diese Abhängigkeit von der Architektur und der gewollte Anschluß an
+ältere Vorbilder hielt in Venedig lange Zeit eine freie, selbständige
+Entfaltung der Plastik zurück. Die Künstler (zumeist zugewanderte
+Comasken) scheinen daher Gelegenheiten, die sich ihnen dafür außerhalb
+ihrer Vaterstadt boten, gern ergriffen zu haben. So finden wir in den
+vierziger Jahren einen Venezianer _Jacopo Lanfrani_ in Bologna
+beschäftigt; hier sind von seiner Hand das Professorengrab Calderini ({~DAGGER~}
+1348) im Museo Civico und das stattliche Wandmonument des Taddeo Pepoli
+({~DAGGER~} 1347) in S. Domenico erhalten; letzteres originell im Aufbau, gut im
+Reliefstil und tüchtig in den Figuren, wenn auch wenig belebt in der
+Komposition und im Ausdruck. Einige Jahrzehnte später arbeitet ein
+Meister _Antonio_ aus Venedig einen Marmoraltar für S. Lorenzo zu
+Vicenza, und 1372 der Meister _Andriolo_ die fünf Statuen für die
+Kapelle S. Felice im Santo zu Padua. Letztere sind den frühesten
+Arbeiten der Gebrüder Massegne schon nahe verwandt, die gleichfalls ihr
+Heil zuerst draußen hatten versuchen müssen: _Jacobello_ und _Pier Paolo
+delle Massegne_ erhielten 1388 den Auftrag auf den großen Marmoraltar
+von S. Francesco in Bologna. In den zahlreichen Statuetten von
+verschiedener Größe zwar etwas flüchtig und lieblos, ist der Altar nicht
+nur von stattlicher Erscheinung und klar im Aufbau, sondern in einzelnen
+Teilen, namentlich in dem Relief der Krönung Mariä in der Mitte, schon
+von dem eigentümlichen Schönheitssinn, der weichen Fülle der Gestalten
+und dem Fluß der Gewandung, welche die späteren Arbeiten der Massegne in
+Venedig auszeichnen. Beglaubigt sind hier die Statuen Mariä und der
+Apostel vom Jahre 1394, welche auf den Schranken des Chors der
+Markuskirche stehen; nach ihrer Übereinstimmung mit diesen Figuren
+gehören ihnen auch die 1397 ausgeführten zehn Statuen der Seitennischen
+des Chors, sowie die auf den Chorstühlen. Ein Altar im linken Querschiff
+und die Figuren auf den Chorstühlen der Markuskirche, das Relief über
+dem Eingang zur Kirche von S. Zaccaria, der Altar in der Taufkapelle der
+Frari und ebenda die Grabmäler Simone Dandolo (vollendet 1396) und Paolo
+Savello ({~DAGGER~} 1405, mit dem trefflichen Reiter in Holz), in S. Giovanni e
+Paolo, das Grabmal Ant. Venier ({~DAGGER~} 1400), das Relief der Madonna zwischen
+zwei Engeln über einer Seitenthür der Frari sind hervorragende Arbeiten
+aus gleicher Zeit und von ähnlichem Charakter, deren Venedig noch eine
+beträchtliche Zahl von geringerer Qualität aufzuweisen hat. Auch die
+älteren Bildwerke am Dogenpalast und einzelne Skulpturen am Dache von
+S. Marco sind wenigstens in dieser Zeit und unter dem Einflüsse dieser
+Skulpturen begonnen worden; die Vollendung derselben, namentlich die
+berühmten Gruppen der Schande Noahs und des Urteils Salomonis an den
+Ecken des Dogenpalastes fallen bereits in eine Zeit, da in Florenz die
+Renaissance schon ihre erste Blüte entfaltete. Gemeinsam ist diesen
+Arbeiten, in größerem oder geringerem Maße, ein ausgesprochener
+Schönheitssinn in den vollen Gestalten, in dem ernsten, anmutigen
+Ausdruck, der ruhigen Haltung, der großen und einfachen Faltengebung;
+und damit verbinden sich saubere Durcharbeitung und ein oft schon fein
+entwickelter Natursinn, namentlich für die Einzelheiten. Die
+Befangenheit im Ausdruck und eine nüchterne Ruhe, welche bei bewegten
+Motiven besonders störend auffällt, verraten jedoch auch in den besten
+dieser Arbeiten, daß auf diesem Wege allein zu völliger Freiheit nicht
+zu gelangen war.
+
+Unter der beträchtlichen Zahl meist dekorativer venezianischer
+Bildwerke, welche die Berliner Sammlung besitzt, befinden sich auch
+mehrere charakteristische, gute Arbeiten dieser Zeit: zwei weibliche
+Halbfiguren, liebliche Lockenköpfe von vollen Formen (No. 35 und 36),
+eine Brunnenmündung im Charakter der Kapitelle des Dogenpalastes (No.
+162) und ein großes Holzkrucifix von herb naturalistischer Auffassung
+(No. 37), sämtlich Arbeiten, die schon in den Anfang des XV. Jahrh.
+fallen.
+
+
+
+
+Die Frührenaissance
+(Das Quattrocento, um 1400 bis 1500).
+
+
+Die Kunst der »Renaissance«, die Wiedergeburt der antiken, der
+klassischen Kunst -- wie schon die Künstler des XV. Jahrh. mit
+Bewußtsein und Stolz ihre Kunst bezeichneten -- zeigt sich auf keinem
+anderen Gebiete in so scharfem Gegensatze zu der vorausgehenden Zeit wie
+in der Plastik. Die Rückkehr zu den antiken Formen in der Dekoration hat
+sie mit der Architektur gemein; wie diese betrachtet sie die Antike, die
+Überreste der römischen Kunst, als ihre unübertroffene Lehrmeisterin,
+entlehnt sie derselben zahlreiche Motive und Gestalten. Aber während die
+Architektur des Quattrocento in ihren Grundformen, in den Verhältnissen
+und technischen Hülfsmitteln auf den großen Errungenschaften des
+Trecento nur weiterbaut, tritt die gleichzeitige Plastik in einen viel
+größeren Gegensatz zu ihrer Vorgängerin, welche bei aller Lebendigkeit
+noch der naturalistischen Durchbildung ermangelt hatte. Sie befolgt als
+obersten Grundsatz die _Wirklichkeit_: volle Naturwahrheit und schärfste
+Charakteristik im Motiv wie in der Durchbildung der einzelnen Gestalt
+bis in die kleinsten Einzelheiten. Die menschliche Figur in der vollen
+Wirklichkeit ihrer Erscheinung: individuell in Kopf und Gestalt,
+eigenartig in Haltung und Bewegung, wie in der Tracht bleibt das
+vornehmste Ziel der Bildhauer durch das ganze XV. Jahrh. Diese Aufgabe
+verfolgen sie mit einer Begeisterung und Überzeugung, mit einem Ernst
+und oft mit einer Einseitigkeit, die vor Übertreibung nicht
+zurückschreckt; aber ein glücklicher Takt, Naivetät und angeborener
+Schönheitssinn bilden die natürlichen Schranken, in denen sich jenes
+Streben trotz seiner Kraft und Einseitigkeit in einer so mannigfaltigen,
+so eigentümlich reizvollen Weise entfalten konnte, wie innerhalb der
+Plastik zu keiner anderen Zeit nach der Blüte der attischen Kunst.
+
+Das realistische Streben führte in erster Linie auf das _Studium des
+Nackten_, welches das Trecento schon aus kirchlichen Gründen und
+religiöser Scheu vernachlässigt hatte. Hier galt es die größten
+Anstrengungen; nur langsam und mühsam hat selbst der bahnbrechende
+Meister Donatello aus allgemeinen und befangenen Anschauungen sich zu
+wirklicher Kenntnis des Körpers durchgearbeitet. Aber auch bei ihm und
+im ganzen Quattrocento ist diese Kenntnis, ähnlich wie in der antiken
+Kunst, ein aus steter Anschauung gewonnenes Resultat; erst Leonardo
+erhebt die Anatomie zu einer Hilfswissenschaft der Kunst. Durch Piero
+della Francesca hatte schon früher die Perspektive ihre
+wissenschaftliche Begründung erhalten, während sie bis dahin, auch in
+der Plastik, meist in naiver Ausübung richtiger Beobachtungen mehr oder
+weniger glücklich angewandt worden war.
+
+Mit dem Studium des nackten Körpers geht das _Gewand_studium Hand in
+Hand. In Bewegung, in Faltengebung, selbst in der Wahl der Stoffe sind
+die Künstler bestrebt, die Gewandung der Figur möglichst anzupassen, den
+Körper darin erkennen zu lassen und zugleich die Gestalt dadurch zu
+heben und zu charakterisieren. Um während der Übertragung des Modells in
+Stein die künstlich gelegten Falten desselben dauernd zu erhalten,
+wurden die über dem Manneken angeordneten Stoffe (in der Regel ein
+starker Leinenstoff) von manchen Künstlern in Gips getränkt,
+gelegentlich sogar in derselben Weise auf dem Original angebracht
+(vergl. die Johannesbüste von Donatello No. 38a).
+
+Das Moment, welches neben der Rückkehr zur Natur als gleichbedeutend für
+die »Wiedergeburt« der italienischen Kunst bezeichnet zu werden pflegt,
+das _Studium der Antike_, hat die plastische Detailbehandlung der
+Bildhauer des Quattrocento fast gar nicht berührt: es läßt sich kaum ein
+größerer Gegensatz in der Plastik denken, wie zwischen der florentiner
+Kunst des XV. Jahrh. und der griechischen der Blütezeit, von der
+römischen Kunst ganz zu schweigen. Dagegen galten die Überreste der
+antiken Kunst, welche mit größtem Eifer aufgesucht und gesammelt wurden,
+den Bildhauern des Quattrocento in solchem Maße als unübertreffliche
+Vorbilder, daß sie ihnen nicht nur fast sämtliche Motive der Dekoration
+entlehnten, sondern sogar, wo es irgend anging, auch ihre figürlichen
+Kompositionen sich zum Vorbild nahmen. Die mythologischen und zum Teil
+auch die allegorischen Gestalten und Motive in den Bildwerken des XV.
+Jahrh. sind fast regelmäßig der Antike, namentlich den Sarkophagen,
+geschnittenen Steinen und Münzen entlehnt. Gerade der Künstler, der
+durch seinen rücksichtslosen Realismus die Richtung des Quattrocento am
+schärfsten ausgeprägt und die ganze italienische Kunst der Folgezeit am
+stärksten beeinflußt hat, dessen schöpferische Gestaltungskraft, dessen
+eigenartige Phantasie von wenigen Künstlern erreicht worden ist: gerade
+Donatello entlehnt, ja kopiert mit größter Vorliebe aus der Antike.
+Seine Reliefs im Hof des Palazzo Riccardi sind als Nachbildungen antiker
+Gemmen und Kameen bekannt; als solche lassen sich aber auch
+verschiedene Plaketten nachweisen, und selbst seine zahlreichen
+Puttendarstellungen an den Sockeln der Statuen, an den Kapitellen und
+Einrahmungen, an den Rüstungen seiner Krieger und an den Friesen seiner
+Kanzeln sind fast regelmäßig nichts anderes, als mehr oder weniger freie
+Umbildungen antiker Amorettendarstellungen auf Sarkophagen oder
+geschnittenen Steinen. Selbst in den biblischen Motiven Donatello's läßt
+sich die Benutzung verwandter antiker Darstellungen verfolgen; so ist in
+seinen großartigen Kompositionen der Beweinung Christi bald die eine,
+bald die andere Figur antiken Sarkophagreliefs mit der Klage um den Tod
+der Alceste oder ähnlichen Scenen frei entlehnt. Freilich ist es für
+Donatello und für die ganze Richtung der Plastik des Quattrocento
+bezeichnend, wie der Künstler auch diesen Nachbildungen der Antike
+seinen Geist, seinen Stil aufprägt, so daß sie als eigenste Erfindungen
+des Künstlers erscheinen.
+
+Der _Ort der Bestimmung für die plastischen Kunstwerke_ bleibt im
+Wesentlichen der gleiche wie in der vorausgegangenen Zeit: die Kirchen
+vereinigen, nach wie vor, als Schmuck der Außenseite wie des Innern die
+große Mehrzahl aller Skulpturen; vereinzelt kommt daneben, wie im
+Trecento, der plastische Schmuck von Gemeindebauten und selbst von
+Plätzen vor. Aber die Auftraggeber, wie die Gesinnung und Absicht der
+Bestellung sind wesentlich andere geworden. Obgleich für die Kirche
+bestimmt, sind diese Bildwerke doch keineswegs immer im kirchlichen oder
+gar frommen Sinne gestiftet oder geschaffen; die Auffassung ist vielmehr
+meist eine rein menschliche, auf treue Wiedergabe des Wirklichen
+gerichtet. Der Kultus des Individuums, aus der Erkenntnis des eigenen
+Wertes und der allseitigen Ausbildung der Individualität hervorgegangen,
+hatte zur demokratischen Umbildung der italienischen Gemeinwesen oder
+zur Unterwerfung derselben unter Tyrannen geführt; er erhielt einen
+charakteristischen Ausdruck in der schrankenlosen Ruhmsucht, welche in
+der Kunst, vor Allem in der Plastik, ein hervorragendes Mittel zu seiner
+Bethätigung fand. Der Platz für die bildnerische Thätigkeit zur
+Verherrlichung der einzelnen Persönlichkeit wurden aber nicht das
+Privathaus, nicht der Palast, wie man erwarten sollte, auch nur in
+beschränktem Maße die städtischen Bauten, die öffentlichen Plätze und
+Straßen: dieser Platz war oder blieb recht eigentlich die Kirche. Denn
+in der Umwälzung, welche die moderne Zeit heraufführte, hatte zwar
+Selbstsucht und Selbstüberhebung den Glauben aufs tiefste erschüttert,
+aber die Kirche hatte ihre Stellung zu behaupten gewußt. Die
+Wiedergeburt des ganzen Lebens hatte nicht zu einer inneren Reform der
+kirchlichen Institutionen geführt, sondern hatte dieselben mit in ihre
+Kreise gezogen: die Päpste und die hohe Geistlichkeit wetteiferten in
+der monumentalen Bethätigung ihres Ruhmes und beschäftigten zahlreiche
+Künstler zu ihrer Verherrlichung; sie haben dadurch zur Kräftigung der
+Kirche bei der großen Menge nicht wenig beigetragen. Die Geistlichen
+nahmen nicht den geringsten Anstand, das Gotteshaus zum Tummelplatz der
+Ruhmsucht des Einzelnen zu machen; wurde doch dadurch zugleich die
+Kirche geschmückt und verherrlicht. Die Päpste und ihre Nepoten gingen
+im Luxus der Monumente allen Anderen voran; Roms Kirchen übertrafen in
+Pracht und Menge der Denkmäler selbst die Grabkirchen der reichsten
+Tyrannen. Wenn die Kirchen von Venedig an Zahl und Pracht der
+Grabmonumente sich mit den Kirchen Roms beinahe messen können, wenn
+diese Denkmäler in Florenz durch ihre Schönheit allen anderen überlegen
+sind, so haben dieselben doch an beiden Orten einen eigentümlichen
+Charakter, der ihnen schon durch die Vornehmheit der Gesinnung vor den
+römischen Monumenten den Vorzug giebt: in beiden Republiken dienten
+diese Denkmäler in erster Reihe nicht der Verherrlichung des Einzelnen,
+sondern dem Ruhme des Staats. In Venedig durfte nur dem Dogen, als dem
+Repräsentanten der stolzen Republik, die Ehre eines Prachtmonuments in
+der Kirche zu Teil werden in Florenz wurden den berühmten
+Staatssekretären, den vornehmen Wohlthätern und Freunden der Stadt,
+selbst den großen Künstlern prächtige Denkmäler gesetzt, während die
+vornehmen Familien, die Mediceer nicht ausgenommen, sich in dieser Zeit
+mit einfachen oder doch mit bildlosen Grabmälern begnügen.
+
+Dadurch, daß der Mittelpunkt für die Thätigkeit der Bildhauer auch im
+Quattrocento nach wie vor die Kirche ist, bleiben auch die _Aufgaben_
+der Plastik im Wesentlichen dieselben wie vorher. Der Schmuck der
+Fassaden, die monumentalen Ausstattungsstücke des Innern: Altar, Kanzel,
+Sängertribüne, Tabernakel, Sakristeibrunnen, Kandelaber, Chorschranken
+werden, wo es immer angeht, einem Bildhauer zur Ausführung übergeben.
+Aber Auffassung und Formenbehandlung sind ganz neu; nicht nur durch die
+Aufnahme antiker Dekorationsformen, vor Allem sind die Künstler ihren
+Vorgängern durch ihr Stilgefühl und den monumentalen Sinn überlegen,
+indem sie jene Gegenstände regelmäßig architektonisch gestalten und
+figürliche Bildwerke nur zur Hebung der Form und als sinnige Erklärung
+ihrer Bedeutung anbringen. Die Grabmonumente, die jetzt eine so
+außerordentliche Bedeutung gewinnen und nicht selten fast die ganzen
+Wände der Kirchen bedecken, waren allerdings auch schon im Trecento an
+demselben Platze; aber an die Stelle des Heiligengrabes, das nur noch
+ausnahmsweise einen Stifter findet, tritt das Privatgrab und das
+Staatsdenkmal, und der von Säulen getragene, mit einem Baldachin
+überdachte Sarkophag des Trecento wird durch das geschmackvolle, der
+Architektur sich einfügende Nischengrab verdrängt. Über dem Sarkophag
+ist auf dem Paradebett der Verstorbene in seiner Amtstracht feierlich
+ausgestellt; den oberen Abschluß der meist sehr fein gegliederten und
+zierlich dekorierten Nische pflegt ein Relief mit der Madonna zu bilden,
+zu deren Seiten anbetende Engel.
+
+Wenn derart das Innere der Kirchen zu einer Ruhmeshalle persönlichen und
+nationalen Stolzes wird, so sind die Außenseiten nicht selten der Platz
+für den Wetteifer individueller Meisterschaft unter den Bildhauern des
+Quattrocento geworden: die Wände von Or San Michele und des Campanile
+wie (freilich nie vollendet) die Fassade des Domes in Florenz sind die
+klassischen Beispiele dafür; sie galten schon dem Cinquecento
+gewissermaßen als Sammelplätze der Meisterschaft der vorausgegangenen
+großen Zeit.
+
+Wie die Plastik des Quattrocento ihre Vorwürfe dem Trecento oder der
+Antike entlehnt, so ist es auch charakteristisch für dieselbe, daß sie
+in ihren Motiven äußerst bescheiden und selbst beschränkt ist und jedes
+Suchen nach neuen Motiven vermeidet: ihr Ziel liegt vielmehr gerade
+darin, das Alte in neuer Form zu geben. In den heiligen Motiven ist
+kaum eine wesentliche Änderung gegen die vorausgehende Zeit namhaft zu
+machen. Die Gestalten Christi und der Maria, die Apostel und
+Evangelisten, die einzelnen Heiligen werden in dem Charakter und den
+Formen übernommen und festgehalten, in denen sie die Zeit der
+absterbenden antiken Kunst für den neuen Glauben festgestellt und wie
+sie das Trecento, namentlich Giotto, weiter entwickelt hatte. Wenn ein
+Künstler, wenn insbesondere ein Bildhauer sich eine Abweichung erlaubt,
+geschieht es regelmäßig aus rein künstlerischen Rücksichten. Wo, wie in
+Florenz, das lokale Bewußtsein besonders stark ausgeprägt ist, werden
+einzelne Heilige oder biblische Heroen mit Vorliebe dargestellt und
+gewissermaßen als Verkörperung des Staates zu Nationalhelden
+umgeschaffen; so in Florenz Johannes d. T., welcher den alten
+Stadtheiligen S. Zenobius ganz verdrängt, der heilige Georg und David,
+sowie die Freiheitsheldin Judith. Im Allgemeinen überwiegen das
+Festhalten am Hergebrachten und religiöse Scheu so sehr den Naturalismus
+der Zeit, daß die Darstellung des Nackten aus den heiligen Motiven fast
+verbannt bleibt. Wo ausnahmsweise, wie beim Täufer oder der Magdalena,
+der Gegenstand die Wiedergabe der nackten Figur nahe legte, zogen die
+Künstler doch vor, eine herbe Charakterfigur zu schaffen, deren Blößen
+von Tierfellen oder vom eigenen Haar verhüllt sind. Nur die
+Jünglingsfigur des hl. Sebastian und, ganz vereinzelt, auch die
+Gestalten von Adam und Eva sind von einigen Künstlern zur Schaustellung
+jugendlich schöner Körper benutzt worden. Die einzige allgemeine
+Ausnahme ist gerade der stärkste Beweis für die keusche Auffassungsweise
+dieser realistischen Kunst: die nackte Bildung des Kindes. Das
+Christkind pflegt regelmäßig unbekleidet dargestellt zu werden, ebenso
+die Kinderengel. In der Darstellung des Kindes, in der sich die Kunst
+der Zeit, und ganz besonders die Plastik, mit aller Naivetät und
+Lebensfrische ergeht, hat das Quattrocento, unter eigentümlicher
+Zusammenwirkung älterer christlicher und antiker Vorbilder,
+ausnahmsweise einen eigenen Typus geschaffen, den _Putto_. Im Alter, wo
+im Kinde sich zuerst das Bewußtsein der eigenen Kraft und
+Persönlichkeit regt, ist der Putto ein eigentümliches Gemisch von
+christlichem Engel und antikem Genius, ein gutherziger Kinderkobold, der
+als Schutzengel den Menschen auf seinem Lebenswege begleitet und an
+seinem Grabe Wache hält, der als guter Werkstattsgeist dem Künstler
+überall helfend und schmückend zur Seite steht, der neckend und
+scherzend sein harmloses Spiel treibt; selbst in den ernstesten Motiven
+der Heiligengeschichte, in denen sie, wenn auch untergeordnet -- in der
+Einrahmung -- gewissermaßen zur Aussöhnung mit dem tragischen Inhalt
+dienen sollen.
+
+Neben den religiösen und biblischen Motiven findet die _Allegorie_, die
+in der kirchlichen Kunst des Mittelalters unter dem Einflüsse der
+Scholastik einen bedeutenden Platz einnahm, in der Plastik des
+Quattrocento beschränktere Anwendung und zugleich eine freiere
+künstlerische Ausbildung. Diese verdankt sie neben der naturalistischen
+Auffassung der Zeit vor Allem dem Anschluß an die Allegorie der Antike
+und der Weiterbildung derselben. Zu den kirchlichen Tugenden: Glaube,
+Liebe, Hoffnung, gesellen sich die weltlichen Tugenden: Stärke,
+Vorsicht, Mäßigung, und mit diesen werden gelegentlich schon die
+Wissenschaften in gleichen Rang gestellt. Wie diese, so werden auch die
+der Antike entlehnten allegorischen Figuren, wie der Ruhm, das Glück,
+der Frühling u. a. m., als schöne jugendliche Frauengestalten gebildet,
+die nur an ihren Attributen kenntlich sind; die monströsen Bildungen,
+welche die scholastische Deutelsucht des Trecento der Kunst aufdrängte,
+waren dem gesunden und plastischen Sinne des Quattrocento zuwider.
+
+Die Verehrung der Antike und das Studium derselben weckte auch in den
+Bildhauern das Interesse an den Stoffen aus der _antiken Mythologie_ und
+_Geschichte_. Da die große Kunst fast ausschließlich auf kirchliche
+Aufgaben beschränkt blieb, so war es die für die Privaten beschäftigte
+Kleinkunst, in welcher die Freude an solchen Stoffen volle Bethätigung
+finden konnte; in der Plastik insbesondere der bildnerische Schmuck der
+kleinen Hausgeräte, wie Tintefässer, Leuchter, Schwertgriffe, Agraffen,
+Kästchen u. s. f., die uns heute meist nur in ihren einzelnen Teilen, den
+sogenannten Plaketten, erhalten sind, ferner die Rückseiten der
+Medaillen und die Kameen. Die Motive sind zumeist den bekanntesten
+römischen Klassikern, namentlich Ovid und Livius entlehnt und je nach
+der Bestimmung des Gegenstandes mit feiner Beziehung ausgewählt: an den
+Schwertgriffen finden wir regelmäßig Thaten der mythischen römischen
+Helden, die Herkulesarbeiten oder ähnliche Darstellungen, an den
+Agraffen Venus und Amor, die Liebschaften der Götter u. dergl.
+
+Die ausgeprägt naturalistische Auffassung des Quattrocento ließe von
+vornherein auf die Ausbildung des _Genre_ auch in der Plastik schließen;
+so naturwahr und selbst genrehaft manche Motive aber auch aufgefaßt
+sind, so haben doch religiöse Scheu und monumentaler Sinn eine
+Entwickelung der Plastik nach dieser Richtung fast ganz zurückgehalten.
+Nur in der Darstellung des Kindes, im »Putto«, hat das XV. Jahrh. in
+Italien eine wirkliche Genrefigur geschaffen, und gerade diese Ausnahme
+ist ein Beweis für den Geschmack und das Stilgefühl dieser Zeit, worauf
+oben (vergl. S. 39) schon hingewiesen ist. Ein dem Namen nach noch
+unbekannter Nachfolger Donatello's modelliert sogar Gruppen von Kindern,
+die in der derben Gestaltung und Auffassung dem Bauerngenre der späteren
+Niederländer kaum etwas nachgeben. Nur ein Künstler Italiens, Guido
+Mazzoni in Modena, abseits von den großen Kunststätten, geht in seinem
+Realismus so weit, daß er regelmäßig seine biblischen Motive zu derben
+Volksscenen aus seiner Umgebung umgestaltet; seine bekannten farbigen
+Thongruppen der Anbetung des Kindes und der Beweinung Christi sind
+offenbar Nachahmungen der religiösen Volksschauspiele der Zeit. Gerade
+solche Ausnahmen lassen den Geschmack und den großen Sinn der
+italienischen Kunst im Allgemeinen in um so schärferem Licht erscheinen.
+
+So anspruchslos und konservativ die Plastik des Quattrocento in den
+Motiven ist, so mannigfaltig und neu ist sie, dem Trecento gegenüber, im
+_Material_, in dem sie ihre Bildwerke ausführt; jedes zugängliche und
+brauchbare Material, in dem eine künstlerische Ausführung möglich war,
+ist von den Bildhauern des XV. Jahrh. benutzt worden; die Wahl desselben
+ist dabei aber vielfach nach der gestellten Aufgabe getroffen und die
+Ausführung regelmäßig mit feinem Stilgefühl dem Charakter des Stoffes
+entsprechend gemacht worden.
+
+Das häufigste und für vornehmere Aufgaben bevorzugte Material ist nach
+wie vor der Marmor. Die seit der Zeit des Niccolo Pisano stark
+ausgebeuteten Brüche von Carrara lieferten eine Fülle des schönsten
+Marmors, dessen kalter Färbung die italienischen Künstler
+(wahrscheinlich durch Einlassen von heißem Wachs) einen warmen
+gelblichen Ton zu geben verstanden. Der Marmor wurde als solcher zur
+Erscheinung gebracht; nur einzelne Ornamente an den Gewändern, die
+Heiligenscheine und Haare wurden noch vergoldet und der Hintergrund des
+Reliefs, falls er nicht ein landschaftlicher oder architektonischer war,
+erhielt regelmäßig eine graublaue Farbe; reichere Bemalung des Marmors
+kommt nur ausnahmsweise und zu dekorativen Zwecken vor. Für die in
+Verbindung mit der Architektur arbeitende Plastik wird der Marmor häufig
+durch billigeren Stein ersetzt: im Venezianischen und im Herzogtum
+Urbino durch den feinen italienischen Kalkstein (für Venedig meist aus
+Istrien bezogen und danach als pietra d'Istria bezeichnet), in Florenz
+durch den feinkörnigen grünlichgrauen Sandstein aus der Umgebung von
+Florenz (unter dem Namen pietra serena bekannt).
+
+Die Bearbeitung des Marmors, wie im Allgemeinen auch der als Ersatz
+dafür eintretenden geringeren Steinarten geschah fast ausschließlich
+durch verschiedenartige Meißel. Der Bohrer wurde zwar daneben
+angewendet, aber man verstand noch nicht, wie im Altertum, denselben
+auch lang zu führen; um z. B. eine tiefe Falte zu machen, setzte man ein
+Bohrloch neben das andere und meißelte dann die kleinen Zwischenwände
+fort (man vergleiche die Marmorstatue des Giovannino von Michelangelo
+No. 209). Durch diese verschiedene Behandlungsweise lassen sich die
+Arbeiten der Antike und des Quattrocento im Zweifelfalle meist unschwer
+auseinander halten. Die Bearbeitung des feinen Kalksteins konnte, bei
+der großen Dichtigkeit und Weichheit desselben, wenn er frisch gebrochen
+war, in einem vorgeschrittenen Stadium der Arbeit mit Messern oder
+messerartigen Instrumenten erfolgen, wodurch eine außerordentliche
+Schärfe der Ausführung möglich wurde (vergl. die Büste der Urbiner
+Prinzessin, No. 62A, sowie die Pilaster von der Scuola di San Giovanni
+in Venedig, No. 169 u. 170). Die Politur, welche die Marmorbildwerke
+regelmäßig erhielten, war lange nicht so stark wie im Trecento oder im
+späten Altertum, sie wurde aber in der Wirkung verstärkt durch die
+Tönung, welche der Marmor zum Schluß erhielt.
+
+Neu, wenn auch nicht als Material, so doch im Umfange und in der Art
+seiner Verwendung, ist die _Bronze_. Nach den Arbeiten der
+byzantinischen Künstler war die Bronzethür des Andrea Pisano der erste
+vereinzelte Versuch eines Bronzegusses im Großen gewesen; im XV. Jahrh.
+gewann derselbe eine solche Bedeutung und damit allmählich auch eine
+solche künstlerische Ausbildung, daß die Bronze offenbar als das
+vornehmste Material für plastische Monumente jeder Art angesehen wurde.
+Anfangs auf den Guß von Reliefs beschränkt, wurde die Bronzeplastik bald
+auch auf Statuen, Büsten und Werke der Kleinkunst ausgedehnt; und
+während in der ersten Hälfte des Jahrhunderts Statuetten noch voll
+gegossen werden mußten und viele Güsse so ungenügend gelangen, daß die
+Ciselierung einen hervorragenden Anteil an der Fertigstellung der
+Bronzen hatte, sind die späteren Bronzen schon dünn und leicht und, bei
+kleineren Bildwerken, häufig à cire perdue gegossen und ganz unciseliert
+gelassen. Die Güsse scheinen meist über Wachsmodelle ausgeführt zu sein.
+Die Patina wurde, da der Besteller nicht Jahre lang warten wollte, bis
+der Einfluß der Luft Patina bildete, regelmäßig künstlich hergestellt,
+indem die Bronzen mit einer schwärzlichen pechartigen Masse überzogen
+wurden, die wahrscheinlich poliert worden ist. Mit der Zeit ging diese
+durch Berührung von den Höhen ab; hier bildete sich dann eine natürliche
+Patina, die in Verbindung mit jener künstlichen Patina in den Tiefen mit
+ihrem schwärzlichen stumpfen Ton von feiner malerischer Wirkung ist.
+
+Die Freude an der Plastik und das Bedürfnis, alle öffentlichen Bauten
+mit Bildwerken auszustatten und selbst das Privathaus damit zu
+schmücken, hatte die Ausbildung der kostspieligen Bronzeplastik
+hervorgerufen; sie war aber zugleich die Veranlassung, daß die Künstler
+sich nach billigen Materialien umschauen mußten, um den Anforderungen
+auch der weniger Bemittelten nachkommen zu können. Daher sehen wir jetzt
+eine außerordentlich große Zahl von Bildwerken in Holz und namentlich in
+Thon ausführen, Schnitzaltäre und Einzelstatuen, ausnahmsweise auch
+Büsten in _Holz_, reich bemalt und vergoldet, finden wir fast nur in
+besonders holzreichen Gegenden, wie in den Apenninen und in Oberitalien,
+namentlich an den Abhängen der Alpen und in der Nachbarschaft derselben.
+Hier hat offenbar der Einfluß der benachbarten deutschen Kunst
+bestimmend eingewirkt. Weit bedeutender, namentlich auch für die
+künstlerische Entfaltung der italienischen Plastik, ist die Bildnerei in
+_Thon_ geworden. Während im Trecento nur ganz ausnahmsweise der Thon für
+plastische Zwecke verwendet wurde, gewinnt derselbe gleich im Anfange
+des Quattrocento eine hervorragende Bedeutung als bildnerisches
+Darstellungsmittel. Und zwar durchaus nicht allein in den steinarmen
+Gegenden, wie in der Lombardei oder im Gebiet von Bologna und Ferrara:
+gerade in Florenz leiten den Übergang aus dem Trecento in die neue Zeit
+eine Reihe von Bildhauern ein, welche vorwiegend in Thon modellieren und
+für kleinere Kirchen und Privatkapellen Altäre und Supraporten mit
+Madonnenreliefs, gelegentlich auch den ganzen Wandschmuck der Kirchen
+oder Grabmonumente, sowie die Tabernakel in den Straßen aus Thon
+herstellen. War hier zweifellos die Billigkeit und Schnelligkeit der
+Herstellung der Grund für die Wahl des Materials, so erkannten die
+florentiner Bildhauer bald auch den Vorteil, welchen der Thon als das
+einfachste Mittel zum unmittelbaren, unverfälschten Ausdruck der
+künstlerischen Absicht bietet; sie benutzten denselben daher regelmäßig
+zur Herstellung von kleinen Skizzen oder Modellen, welche an die Stelle
+der ausgeführten Zeichnungen traten, nach denen das Trecento regelmäßig
+gearbeitet hatte. Solche Entwürfe in der Berliner Sammlung sind z. B. das
+Relief der Grablegung Christi von Verrocchio (No. 97A) und Maria im
+Limbus von B. da Majano (No. 589D). Nach den Thonmodellen wurden in der
+Werkstatt vielfach von Schülern oder Gehülfen, die Marmor- oder
+Bronzebildwerke ausgeführt; eine Teilung der Arbeit, wie sie sich
+namentlich in Florenz durch den Umfang mancher Monumente und die Häufung
+der Aufträge an die berühmteren Künstler mit Notwendigkeit
+herausbildete. Solche Modelle, deren Ausführungen in Marmor oder in
+Bronze noch erhalten sind, sind in unserer Sammlung die Büste des
+Filippo Strozzi von B. da Majano (No. 85, Marmorausführung im Louvre),
+das Tondo mit der Anbetung von A. Rossellino (No. 64, Marmorausführung
+im Bargello) und das Madonnenrelief von Bellano (No. 156A,
+Bronzeausführung am Grabmal De Castro in S. Servi zu Padua).
+Verschiedene andere Thonarbeiten der Sammlung sind zweifellos
+gleichfalls als Modelle gearbeitet worden, wenn sich auch die Monumente,
+für die sie bestimmt waren, nicht mehr nachweisen lassen oder überhaupt
+nicht zur Ausführung kamen.
+
+Alle diese Thonbildwerke wurden regelmäßig bemalt; selbst die meisten
+Modelle und Skizzen, da dieselben wegen ihres künstlerischen Wertes in
+den Ateliers aufbewahrt oder an andere Künstler vergeben wurden, die
+Naturfarbe des gebrannten Thons aber dem Farbensinn der Zeit
+widerstrebte. Ausgeführt wurde die Bemalung in Wasserfarben, und zwar
+ganz naturalistisch, wie bei einem Gemälde. Die Farben wurden meist
+nicht direkt auf den Thon aufgetragen, sondern man überzog denselben
+vorher, wie die Tafel bei Gemälden, mit einer dünnen Kreideschicht, weil
+auf dieser Farben und Vergoldung besser haften. Da manche dieser
+Bildwerke, wie Straßentabernakel, Lünetten, Friese u. a., zur
+Aufstellung in freier Luft bestimmt waren, so gab man den Farben zum
+Widerstande gegen die Witterung einen Lacküberzug, wie er z. B. noch bei
+dem Madonnenrelief (No. 112A) erhalten ist. Ein solcher Überzug konnte
+jedoch nur kurze Zeit dem Einflüsse von Wasser und Sonne widerstehen;
+daher kam Luca della Robbia auf den Gedanken, seine Thonskulpturen in
+derselben Art wie die Thongefäße mit einer Glasur zu überziehen. Seine
+Versuche hatten den besten Erfolg und fanden allgemeinsten Beifall, so
+daß sich eine Industrie daran anknüpfte, welche ein Jahrhundert lang in
+der Familie dieses Künstlers durch verschiedene Generationen ausgeübt
+wurde. Florenz und der von Florenz abhängige Teil Mittelitaliens
+verdankt derselben eine außerordentlich große Zahl von Altären,
+Tabernakeln, Lünetten, Wappen, Friesen, ausnahmsweise auch Freifiguren,
+Taufbecken u. s. f., die meist noch an Ort und Stelle erhalten sind. Das
+Thonmodell wurde leicht gebrannt (bei größeren Monumenten in mehreren
+Stücken), dann bemalt und nach Überzug mit einer Emailschicht zum
+zweiten Mal ins Feuer gebracht. Die Bemalung war (und zwar von
+vornherein schon bei Luca selbst) entweder ganz farbig; dann waren die
+Farben auf weiß, blau, grün, gelb, violett und schwarz beschränkt; oder
+die Figuren wurden, in Nachahmung des Marmors, weiß gelassen; dann
+erhielt nur der Hintergrund bei Reliefs einen blauen Ton und die
+Ornamente, Heiligenscheine und Muster wurden vielfach vergoldet. Die
+Einrahmung besteht meist aus plastischen, farbig gehaltenen Frucht- oder
+Blumenkränzen von stilvoller Anordnung, aber feinster naturalistischer
+Durchführung.
+
+Das Bedürfnis nach Kunstwerken für die häusliche Andacht und die
+Popularität der Plastik, namentlich in Florenz, hat neben den
+verschiedenartigen Thonbildwerken noch eine andere Gattung von
+Skulpturen hervorgebracht, die _Stuckbildwerke_, vorwiegend
+Stuckreliefs. Schon gegen den Ausgang des Trecento hatten florentiner
+Künstler vereinzelt Abgüsse nach ihren Arbeiten in Marmor oder Stein
+angefertigt und sie, nach vollständiger Bemalung, in den Handel
+gebracht. Seit dem Anfange des Quattrocento bis gegen das Ende des
+Jahrhunderts wurden solche Nachbildungen nach kleineren
+Originalskulpturen in großer Menge angefertigt. Dadurch, daß an Stelle
+des Madonnenbildes im Trecento jetzt das Madonnenrelief mehr und mehr
+das häusliche Andachtsbild des florentiner Bürgers wurde, kamen manche
+dieser Stuckreliefs in hunderten von Exemplaren in das Publikum. Wegen
+der Unscheinbarkeit und Wertlosigkeit des Materials ist freilich nur ein
+kleiner Teil derselben auf uns gekommen und unter den erhaltenen ist
+weitaus die Mehrzahl durch Schmutz und Übermalungen in ihrer Wirkung
+mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Doch leisten auch diese noch die
+besten Dienste zur Vervollständigung des Bildes der einzelnen
+florentiner Künstler; denn zahlreiche Werke derselben, deren Originale
+zerstört wurden oder verloren gingen, sind uns in solchen
+Stucknachbildungen erhalten. Diese Stuckbildwerke wurden regelmäßig
+durch Guß hergestellt, und zwar aus einer von unserem Gips wesentlich
+verschiedenen Mischung von Marmorstaub und mehr oder weniger
+grobkörnigem Sand; eine Mischung, welche diese Bildwerke bis zu einem
+gewissen Grade wetterbeständig machte und eine künstlerische Bemalung
+ermöglichte. Nur ausnahmsweise wurde der Stuck auch wie Thon modelliert
+und mit Messern bearbeitet, wie die Stuckbüste eines jungen Mädchens von
+Desiderio (No. 62 G) und das florentiner Madonnenrelief (No. 63)
+beweisen. Jene Abgüsse wurden in der Regel über die Originale,
+gelegentlich aber auch über die Modelle hergestellt, und zwar meist in
+der Werkstatt der Künstler selbst. Auf diese Weise konnten die
+kostspieligen Originale in Marmor oder Bronze in zahlreichen Kopien um
+einen ganz geringen Preis in aller Hände kommen. Der selbständige
+künstlerische Wert dieser Stuckbildwerke hängt von ihrer Bemalung ab.
+Sehr häufig wurden dieselben freilich nur handwerksmäßig von
+Anstreichern bemalt, oft aber wurde die Bemalung mit großer Feinheit
+ausgeführt, sei es nun durch den Künstler, der das Original verfertigt
+hatte, oder durch einen ihm befreundeten Maler. Regelmäßig war diese
+Bemalung, wie bei den Thonbildwerken, eine vollständige und ganz
+farbige; nur ausnahmsweise ahmt sie den Marmor (vergl. Rossellino's
+Madonna No. 72) oder die Bronzefarbe nach (vergl. Luca's Madonnenrelief
+No. 114).
+
+Wie im Trecento, so spielt auch im Quattrocento die _Goldschmiedekunst_
+eine wichtige Rolle in der Plastik; war doch eine Reihe der tüchtigsten
+Bildhauer dieser Zeit bei Goldschmieden ausgebildet oder selbst als
+Goldschmiede hervorragend thätig. Neben gelegentlichen Aufträgen der
+Kirchen auf Vervollständigung jener großen Silberaltäre mit kleinen
+getriebenen Reliefs und Einzelfiguren, wie sie in Florenz und Pistoja
+noch erhalten sind, hatten die Goldschmiede namentlich die wachsenden
+Ansprüche der Vornehmen an eine künstlerische Gestaltung des Schmuckes
+und der kleinen häuslichen Geräte zu befriedigen. Kußtäfelchen für die
+Andacht im Hause, Schmuckkästchen aller Art, Tintefässer, Leuchter und
+Lampen, Hut-Agraffen, Schwertknäufe, Schließen u. dergl. wurden in Gold,
+Silber oder edlen Steinarten, namentlich in Bergkrystall hergestellt und
+bei dem monumentalen Sinne der Zeit in reichster Weise plastisch
+ausgestattet. Wie nun das künstlerische Bedürfnis der Zeit in den
+bemalten Stuckbildwerken ein Mittel zu weitester Verbreitung
+hervorragender größerer Bildwerke gefunden hatte, so wußten die Künstler
+diesem Bedürfnisse in ähnlicher Weise für jene kleinen Gebrauchsgegenstände
+entgegenzukommen, indem sie die kostbaren Originale oder die Modelle
+derselben abformten und in Bronze (ausnahmsweise auch in Blei[A])
+nachgössen; die einzelnen Teile aber waren gesuchte Besitzstücke in den
+Werkstätten der Bildhauer und Goldschmiede des XV. und XVI. Jahrh. Diese
+Nachgüsse erhalten dadurch für die Skulptur eine ähnliche Bedeutung wie
+der Kupferstich für die zeichnenden Künste. Während die Originale, ihres
+edlen Materials halber bis auf eine kleine Zahl durch Einschmelzen
+zerstört wurden, sind uns Bronzenachbildungen davon in ganzen oder nur
+in einzelnen Teilen, namentlich in den kleinen Relieftafeln, den
+_Plaketten_ (plachette, plaquettes, vergl. S. 39f.), zahlreich
+erhalten. Die verschiedenartigen, bis jetzt bekannten Plaketten aus dem
+Quattrocento und den ersten Jahrzehnten des Cinquecento übersteigen die
+Ziffer von eintausend; die Berliner Sammlung besitzt davon allein nahezu
+achthundert, die fast ausnahmslos erst in neuester Zeit erworben wurden,
+während Goethe schon im Anfange dieses Jahrhunderts mit den
+italienischen Medaillen auch eine nicht unbedeutende Sammlung solcher
+Plaketten zusammenbrachte (jetzt im Goethe-Museum zu Weimar). Der Wert
+dieser kleinen Bronzereliefs besteht namentlich in der Veranschaulichung
+der Meisterschaft, welche die Plastik des Quattrocento in der Erfindung
+und in der Ausgestaltung der mannigfaltigsten Motive, wie in der
+stilvollen Durchführung der verschiedensten Arten des Reliefs besaß;
+auch können wir, da die große Plastik fast ganz auf religiöse Motive
+oder Porträtdarstellung beschränkt blieb, hier allein das Geschick der
+Künstler in der plastischen Gestaltung mythologischer, historischer und
+allegorischer Gegenstände genügend kennen lernen.
+
+In der _Art der plastischen Darstellung_ bringt das Quattrocento die
+völlige Befreiung und stilvolle Ausbildung der verschiedenen Gattungen,
+welche das Trecento nur teilweise und vermischt gekannt hatte. Die
+Freifigur in ihrer vollen naturalistischen Durchbildung wird schon im
+ersten Jahrzehnt des XV. Jahrh., namentlich durch Donatello, eine der
+wichtigsten Aufgaben der Plastik. Sie wird jetzt meist schon mit
+Rücksicht auf den Platz ihrer Aufstellung gebildet, sowohl der
+stilistischen Rücksicht auf das Bauwerk, wie nicht selten auch der
+perspektiven Rücksicht auf den Standpunkt des Beschauers. Selbst vor der
+Zusammenordnung verschiedener Figuren zur Gruppe scheut die Zeit nicht
+zurück. Die vier Heiligen des Nanni di Banco in einer der Nischen von Or
+San Michele in Florenz sind zwar noch zufällig neben einander gestellte
+Freifiguren; aber Donatello's Bronzegruppe der Judith über den Leichnam
+des Holofernes, die Gruppen der Begegnung Mariä mit Elisabeth von Andrea
+della Robbia in Pistoja und die Begrüßung der Heiligen Franz und
+Dominicus von demselben Künstler unter der Halle auf Piazza S. Maria
+Novella, sowie Verrocchio's »Christus und Thomas« an Or San Michele in
+Florenz entsprechen in Komposition, Bewegung und Ausdruck als Gruppe wie
+in den Einzelfiguren den höchsten künstlerischen Anforderungen.
+
+Die _plastische Darstellung des Porträts_, im XIV. Jahrh. fast ganz
+zurückgedrängt, erhält im XV. Jahrh., in Folge der bis zum
+rücksichtslosesten Egoismus ausgebildeten Individualität und der
+Ruhmsucht der Zeit, eine hervorragende Bedeutung; jedoch fast
+ausschließlich als Büste oder als Reliefporträt. Die Porträtstatue fehlt
+fast ganz; einige Statuen auf Dogengräbern ausgenommen, begnügte man
+sich damit, Heiligenfiguren die Züge berühmter Zeitgenossen zu geben
+(wie dies z. B. bei mehreren Prophetenstatuen Donatello's am Campanile
+der Fall ist). Eine Ausnahme machte man nur mit der _Reiterstatue_,
+welche schon von einzelnen Tyrannen des Trecento als vornehmstes Denkmal
+ihres Ruhmes bevorzugt war. Während der Reiter in der norditalienischen
+Kunst, im Anschluß an jene älteren Denkmäler, eine mehr reliefartig
+gedachte Figur innerhalb eines reichen Monumentes bleibt, haben die
+Florentiner Donatello und Verrocchio im Gattamelata und Colleoni
+selbständige Reitermonumente geschaffen, die in ihrem Aufbau und in der
+gewaltigen individuellen Wirkung von Roß und Reiter zu den großartigsten
+Monumenten aller Zeiten zählen.
+
+Die bevorzugte Art der plastischen Porträtdarstellung ist die _Büste_,
+die sonst im Quattrocento für die Wiedergabe von Heiligen oder
+Idealfiguren nur ausnahmsweise gewählt wird. In Florenz, das auch hier
+vorangeht und die glänzendste und mannigfaltigste Entwickelung zeigt,
+wurde die Wiedergabe der hervorragenderen Mitglieder der vornehmen
+Familien in Büsten aus Marmor oder bemaltem Thon mehr und mehr die
+Regel. Um dieselben in weitere Kreise zu verbreiten, benutzen die
+Künstler auch hier das Mittel der Stucknachbildungen, welche sie in
+ihren Werkstätten anfertigen und bemalen ließen. Beispiele dafür sind in
+der Berliner Sammlung u. a. die Büste des Lorenzo Magnifico (No. 148)
+und des angeblichen Macchiavelli (No. 147, Marmor-Original im Bargello).
+
+Charakteristisch für die Form der Porträtbüsten des XV. Jahrh. und für
+ihre Bestimmung zur Aufstellung auf Kaminen und Thürstürzen, ist die
+flache Endigung nach unten; diese verlangte eine Basis, welche entweder
+aus einem Stück mit der Büste oder als besonderer Untersatz aus bemaltem
+Holz gearbeitet ist. Die Persönlichkeit ist regelmäßig in größter
+Anspruchslosigkeit und Einfachheit aufgefaßt; der Künstler beschränkt
+sich darauf, dieselbe mit möglichster Treue in ihrer vollen
+Eigentümlichkeit wiederzugeben. Nur ganz ausnahmsweise ist eine innere
+Erregung oder eine lebendige Bewegung in der Büste angestrebt, wie in
+Donatello's Büste des Niccolo Uzzano im Bargello.
+
+Für die hohe Entwickelung des künstlerischen Empfindens und die Feinheit
+des Stilgefühls im Quattrocento ist die Behandlung des _Reliefs_ ein
+sprechendes Zeugnis. Wie im ganzen Mittelalter, so nimmt das Relief auch
+jetzt noch den bedeutendsten Platz in der Plastik ein, tritt aber
+gleichfalls weniger selbständig wie als Schmuck der verschiedensten
+Monumente und Bauteile auf. Während nun das Relief im früheren
+Mittelalter über eine überfüllte Anhäufung von beinahe freistehenden
+Figuren, nach dem Vorbilde der spätrömischen und etruskischen Denkmäler,
+nicht hinauskommt und das Trecento daraus zu einer ganz malerischen
+Behandlung des Reliefs gelangt, ist die Auffassung des Reliefs im
+Quattrocento, so verschieden und mannigfaltig sie ist, regelmäßig eine
+durchaus plastische. Die Art des Reliefs -- ob Hochrelief, Halbrelief
+oder Flachrelief -- ist daher zumeist nicht nach der Individualität der
+einzelnen Künstler verschieden (wenn auch einzelne die eine oder andere
+Art bevorzugen), sondern sie wird, wie in der klassischen Zeit der
+griechischen Plastik, der Bestimmung des einzelnen Reliefs entsprechend
+gewählt. Es finden sich daher an größeren Monumenten nicht selten alle
+Arten des Reliefs nebeneinander, wie es die Gesamtwirkung und der Platz,
+an dem die einzelnen Reliefs angebracht sind, erforderte. Die
+perspektivische Behandlung des Reliefs, des Flachreliefs wie des
+Hochreliefs ist dabei den Künstlern des Quattrocento fast ausnahmslos
+zur anderen Natur geworden.
+
+Die _Beteiligung der verschiedenen Provinzen Italiens_ an der
+Entwickelung der Plastik im Quattrocento ist eine sehr verschiedene: wie
+im XIV. Jahrh. ist auch im XV. Toskana für den Fortschritt und die Höhe
+der Kunstentfaltung fast allein maßgebend. Insbesondere gewann
+_Florenz_, das seit Giotto die Führerschaft in der Malerei übernommen
+hatte, seit der Mitte des Trecento auch in der Plastik die fast
+ausschließliche Herrschaft. Im Boden von Florenz keimt die junge
+Pflanze, hier entfaltet sie sich rasch zur herrlichen Blüte und reift
+zur Frucht, deren Samen in ganz Italien die bildnerische Thätigkeit
+aufsprießen läßt. Toskanische und insbesondere Florentiner Künstler
+verbreiten sich über ganz Italien und legen dadurch den Grund zu einer
+provinzialen Entfaltung der Plastik, die sich in mehr oder weniger
+selbständigen Bahnen entwickelt, ohne freilich Werke von dem allgemeinen
+Kunstwerte zu schaffen, wie es die florentinischen Skulpturen dieser
+Zeit sind.
+
+ * * * * *
+
+Die neue Zeit tritt nur langsam und vielfach schüchtern ins Leben;
+selbst der Meister, der ihr recht eigentlich zu ihrem Rechte verholfen
+hat, selbst Donatello macht sich doch nur sehr allmählich von den
+Gewohnheiten los, in denen er groß gezogen war. Aber auch, als er schon
+frei und rücksichtslos die neuen Wege ging, die er sich selbst gebahnt
+hatte, wirkten die Traditionen des Trecento doch in anderen Künstlern,
+selbst in Florenz, noch Jahrzehnte lang nach.
+
+Am Ausgange des XIV. Jahrh. stellt sich die Plastik in ganz Italien in
+sehr unvorteilhafter Weise als ein gedankenloses Ausleben der Richtung
+der jüngeren Pisani dar, der jedes ernstere Naturstudium, jede naive
+Anschauung fehlte. Erst um die Wende des Jahrhunderts macht sich in
+Florenz ein frischer naturalistischer Zug in dekorativen Arbeiten,
+namentlich an den Domthüren geltend. Tritt derselbe in den Laibungen des
+Südportals, die zwischen den Jahren 1386 und 1402 von einem _Piero di
+Giovanni Tedesco_ gearbeitet wurden, in den spielenden nackten Engeln
+zwischen naturalistischem Rankenwerk, noch befangen und selbst
+ungeschickt zu Tage, so ist in den Laibungen des Nordportals, welches
+1408 von _Niccolo d'Arezzo_ begonnen und von _Antonio di Banco_ (unter
+Beihülfe seines Sohnes _Giovanni_) beendet wurde, sowohl in der
+Durchbildung der Ornamente wie der Figürchen darin eine Wiedergeburt
+aufs Entschiedenste angestrebt, freilich auf Grundlage der gotischen
+Formen und der Entwickelung des Trecento. Während daher die lebensgroßen
+Figuren derselben Künstler (besonders im Dom zu Florenz) noch
+altertümlich und befangen erscheinen, sind ihre kleinen Figuren durch
+die geschmackvolle Anordnung, zarte Empfindung und zierliche
+Durchführung schon fast modern im Sinne des Quattrocento.
+
+Den Höhepunkt dieser in enger Beziehung zum Trecento stehenden und davon
+abhängigen Richtung der florentiner Plastik des Quattrocento bezeichnet
+_Lorenzo (di Cione) Ghiberti_ (1378-1455). Beurteilt man diesen
+gefeierten Meister der Plastik vom einseitigen Standpunkt des
+Naturalismus und mit Rücksicht auf die Bedeutung, die er für die
+Entwickelung der Renaissancekunst gehabt hat, so wird man zu einer
+einseitigen Verurteilung des Künstlers gelangen. Verglichen namentlich
+mit seinem jüngeren Nebenbuhler Donatello erscheint Ghiberti leer und
+oberflächlich in den Formen, gesucht und theatralisch in Komposition,
+Bewegung und Ausdruck, unruhig und beinahe stillos in seiner
+Reliefbehandlung, namentlich an der späteren Bronzethür. Aber dem Mangel
+an Naivetät und an Ernst des Naturstudiums stehen doch hervorragende
+künstlerische Eigenschaften gegenüber: Reichtum der Phantasie, hoher
+Schönheitssinn, Großartigkeit der Auffassung, Schwung in der Bewegung
+und Meisterschaft der Komposition, durch welche Ghiberti trotz jener
+Schwächen als der größte unter den Bildnern dasteht, welche aus der
+Kunst des Trecento in die des Quattrocento überleiten. Seine Fehler
+treten am stärksten hervor in großen Einzelfiguren, wie in den drei
+bronzenen Kolossalfiguren an Or San Michele (ausgeführt zwischen den
+Jahren 1414 und 1428); und doch sind auch diese entweder durch die
+Großartigkeit der Bewegung, wie der Matthäus, oder durch die Vornehmheit
+der Empfindung, wie die Gestalt des Stephanus, ausgezeichnet. Am
+glücklichsten zeigt sich das Talent des Künstlers in Kompositionen mit
+kleinen Figuren, namentlich wenn er sich darin seine Vorgänger aus dem
+Trecento zum Vorbilde nimmt. Der bei dem Auftrag auf seine erste Thür
+(1403, vollendet 1424) geforderte Anschluß an die Bronzethür des Andrea
+Pisano legte dem jungen Ghiberti in Form, Komposition und Reliefstil der
+einzelnen Füllungen eine Beschränkung auf, innerhalb welcher seine Größe
+in Auffassung und Anordnung, sein Pathos, die Schönheit und Vornehmheit
+seiner Gestalten zu voller, ungestörter Entfaltung kommen konnten.
+Ähnliche Vorzüge haben auch seine beiden Kompositionen am Taufbrunnen in
+San Giovanni zu Siena (1417-1427) und selbst noch die Reliefs an der
+1440 gegossenen Graburne des hl. Zenobius im Dom zu Florenz. In der
+zweiten Bronzethür, welche Ghiberti zwischen den Jahren 1424 und 1452
+für das Battistero in Florenz ausführte, in den berühmten »Pforten des
+Paradieses«, ist schon der architektonische Aufbau nicht glücklich;
+namentlich leiden aber die einzelnen Kompositionen an Überfüllung und an
+einer malerischen Behandlung der Reliefs, welche von beinahe
+freistehenden Figuren vorn bis zu ganz flach behandelten Scenen im
+Hintergrunde mit reicher landschaftlicher Umgebung sich abstufen. Ein
+Vergleich mit den Bronzethüren des Luca della Robbia im Dom und mit den
+kleinen unscheinbaren Thüren Donatello's in der Sakristei von San
+Lorenzo zu Florenz, die etwa gleichzeitig entstanden, läßt die Schwächen
+dieser Arbeit Ghiberti's in monumentaler wie in plastischer Wirkung
+doppelt stark empfinden. Doch sind auch hier in der Erfindung, in
+manchen Gruppen, in den Einzelfiguren und Köpfen der Einrahmung
+hervorragende Schönheiten.
+
+Für Ghiberti's Stellung zwischen der Kunst des Trecento und des
+Quattrocento, welche ihn mehr als den Abschluß des ersteren wie als
+Vorläufer oder gar als Bahnbrecher der letzteren erscheinen läßt, ist es
+charakteristisch, daß er fast gar keinen Einfluß auf die Entwickelung
+der Kunst in Florenz gehabt, daß er trotz zahlreicher Mitarbeiter keine
+Schule gemacht hat. Selbst sein Sohn Vittorio, bis zu des Vaters Tode
+dessen Mitarbeiter, geht in den selbständigen Werken seine eigenen Wege.
+
+Neben Ghiberti hat eine kleine Gruppe von gleichzeitigen florentiner
+Bildhauern, die ihrem Namen nach meist noch unbekannt sind, in ihrer
+Stellung zwischen der älteren und der neuen Zeit eine verwandte, eigene
+Bedeutung. Während sie dem Ghiberti an Phantasie und schöpferischem
+Talent weit nachstehen, in der naturalistischen Durchbildung oft noch
+hinter ihm zurückbleiben und in ihrer Ornamentik an den überlieferten
+gotischen Formen festhalten, die sie in barocker Weise ausbilden, zeigen
+sie doch gerade in der Auffassung einen modernen naturalistischen Zug,
+der Ghiberti noch abgeht. Ihre einfachen Kompositionen oder
+Einzelfiguren sind durch Naivetät und Natürlichkeit der Empfindung
+ausgezeichnet; namentlich in der Madonna, die außerordentlich häufig von
+ihnen dargestellt ist, bringen sie das rein menschliche Verhältnis von
+Mutter und Kind mit eben so viel Einfachheit wie Zartheit der Empfindung
+zum Ausdruck. Mit ihrer Auffassungsweise sind sie offenbar der
+Anschauung des Volkes entgegengekommen; dies beweist schon der Umstand,
+daß sie regelmäßig den billigen Thon zur Ausführung ihrer Werke wählen,
+und daß gerade durch ihre Arbeiten sich als häuslicher Andachtsgegenstand
+der Florentiner das Madonnenrelief, an Stelle des Madonnenbildes im
+Trecento, einbürgert. In diesen Madonnenreliefs, die, in bemaltem Thon
+oder Stuck ausgeführt, auch dem wenig bemittelten Bürger zugänglich
+waren, sind die häuslichen Bürgertugenden des Florentiners dieser Zeit:
+Keuschheit und Liebe zwischen Eltern und Kindern, in der edelsten Weise
+verklärt zum Ausdruck gebracht.
+
+[Abbildung: 108A. Bemalter Thonaltar vom Meister der Pellegrinikapelle.]
+
+Während die Berliner Sammlung von Ghiberti, der außerhalb Toskana
+überhaupt fehlt, und von den vorher genannten Künstlern keine Werke
+aufzuweisen hat, sind diese florentiner »Thonbildner« besonders reich
+und gut vertreten, so daß sich die verschiedenen Künstler dieser Gruppe
+nirgends besser als in Berlin in ihrer Eigenart unterscheiden lassen.
+
+[Abbildung: 109D. Bemaltes Stuckrelief von einem florentiner
+Thonbildner.]
+
+Am altertümlichsten und zugleich am befangensten erscheint ein Künstler,
+der besonders häufig vorkommt und in Norditalien, in Sta. Anastasia zu
+Verona, im Dom zu Modena und in Venedig eine bedeutendere Thätigkeit
+entwickelt hat. Schon in seiner architektonischen Umrahmung zeigt er
+eine eigentümlich barocke Mischung plumper gotischer und schlecht
+verstandener Renaissanceformen. Die unsichere, ausgeschwungene Haltung
+seiner Figuren, die kleinen Köpfe, die langen Falten der schweren Stoffe
+mit ihren Schnörkeln, wo sie auf den Boden aufstoßen, die mangelhafte
+Durchbildung, namentlich die knochen- und gelenklose Bildung der Körper
+verraten einen Bildner, der in den Traditionen des Trecento aufgewachsen
+ist und nicht eigene Kraft genug hat, sich von ihnen los zu machen. Die
+große vorspringende Stirn, die überstehende Oberlippe, das kleine
+zurücktretende Kinn und der treuherzige Ausdruck der tiefliegenden
+Augen sind die bezeichnenden Züge seiner Köpfe, die ihn ebenso leicht
+erkennen lassen, wie seine Ornamente und seine Gewandgebung. Von seiner
+Hand besitzt das Berliner Museum einen seiner charakteristischen Altäre
+(No. 108), eine Madonnenstatuette (No. 107) und ein oder zwei kleine
+Madonnenreliefs (No. 108A und B). In diesen Gruppen von schlichter
+Zuständlichkeit entschädigt die Innigkeit der Empfindung für das Fehlen
+naturalistischer Durchbildung. Weit geringer erscheint der Künstler aber
+in größeren und bewegten Gruppen, wie in den Passionsscenen der
+Pellegrinikapelle in Sa. Anastasia zu Verona, seiner umfangreichsten
+Arbeit, nach der er als der _Meister der Pellegrinikapelle_ (von Einigen
+mit _Rosso_ identificiert, von Andern als _Dello Delli_ bezeichnet)
+benannt zu werden pflegt.
+
+[Abbildung: 112A. Bemaltes Relief von einem florentiner Thonbildner.]
+
+Die Richtung dieses Meisters hat mit der des Quercia in Siena manche
+Verwandtschaft, weshalb dieser auch gewöhnlich als der Urheber der hier
+in Frage kommenden Thonwerke gilt. Aber neben dem Meister der
+Pellegrinikapelle sehen wir noch verschiedene florentiner Bildner
+dieselbe Richtung verfolgen, und zwar meist freier und naturalistischer.
+Von eigenartiger Größe in der Erfindung erscheint ein Künstler, dem die
+Maria mit dem schlafenden Kinde (No. 112B) angehört. Ähnlich groß
+empfunden ist die Maria, welche das nackte, vor ihr stehende Kind
+kitzelt (No. 112A). Einem anderen Meister gehören ein Paar große
+Madonnenkompositionen, denen besonders zarte Empfindung und reiche
+Gewandung eigentümlich ist (No. 109C und D). Besonders häufig als
+Stuckreliefs verbreitet sind verschiedene unter sich nahe verwandte
+Madonnen, in denen sich das Kind zärtlich an die Mutter anschmiegt;
+alle, wie das nebenstehend abgebildete Relief (No. 109), ausgezeichnet
+durch die glückliche Gruppierung von Mutter und Kind, das innige, rein
+menschliche Verhältnis zwischen beiden und die einfache, volle
+Faltengebung; nur in der Ausführung der Extremitäen, namentlich der
+Hände, verrät sich noch ein naturalistisch nicht zu voller Freiheit
+durchgebildeter Künstler.
+
+[Abbildung: 109. Bemaltes Stuckrelief von einem florentiner Thonbildner.]
+
+Ein Künstler dieser Gruppe ist _Bicci di Lorenzo_, der 1424 das
+Thonrelief der Krönung Mariä über der Thür von S. Egidio in Florenz
+modellierte. Wie wenig diese Richtung monumentalen Aufgaben gewachsen
+ist, beweist _Bernardo Ciuffagni_ (1385-1456), dessen Evangelist
+Matthäus im Dome zu Florenz wie der Josua ebenda, der Jacobus an Or San
+Michele und andere Arbeiten charakterlos und ohne naturalistischen Sinn
+gebildet sind. Gegenüber diesen Bildnern, die aus der Kunst des Trecento
+hervorgehen und mehr oder weniger noch mit ihr zusammenhängen,
+kennzeichnen sich der große Bahnbrecher im Gebiete der Architektur
+_Filippo Brunelleschi_ (1379 bis 1446) und _Nanni d'Antonio di Banco_ ({~DAGGER~}
+1420, nach Vasari im Alter von 47 Jahren) als volle Künstler der
+Renaissance: beide studieren mit größtem Eifer die Werke der Antike,
+gehen aber zugleich unmittelbar auf die Natur zurück. In den einzigen
+beiden beglaubigten Bildwerken des Brunellesco, dem kleinen Bronzerelief
+mit dem Opfer Abrahams im Bargello, das er als Konkurrenzarbeit für die
+Thür des Battistero ausführte, sowie (wenn auch weniger stark) in dem
+Holzkrucifix in Sa. Ma. Novella, bekundet der Künstler bei fast
+gotischer Formbehandlung und Faltengebung einen rücksichtslosen, beinahe
+genrehaften Naturalismus, dem die religiöse Idee wie die Schönheit der
+Komposition und der Figuren fast ganz geopfert sind. Nanni di Banco, der
+in seinen Ornamenten nicht über eine naturalistische Durchbildung
+spätgotischer Motive hinauskommt, bewahrt dagegen durch ein
+ausgesprochenes, an der Antike großgezogenes Schönheitsgefühl in allen
+seinen Bildwerken einen gehaltenen Ernst im Ausdruck, schlichte Würde in
+der Haltung, einfache Schönheit in seinen stattlichen Gestalten und in
+ihrer reichen Gewandung. Unter seinen Marmorstatuen an Or San Michele
+giebt der hl. Eligius an vornehmer, gebieterischer Haltung und
+Schönheit der Gewandung den besten Figuren Ghiberti's nichts nach; und
+das große Relief mit der Gürtelspende Mariä am Nordportal des Domes
+(seit 1414 in Arbeit) ist die erste im großen Maßstab gehaltene
+Komposition, die im Sinne der Renaissance das Motiv in lebensfrischer
+Weise auffaßt und jede Figur bis auf die kleinste Falte treu nach der
+Natur durcharbeitet, dabei aber zugleich die Gestalten mit edler
+Schönheit ausstattet und ganz mit der Empfindung des feierlichen Moments
+erfüllt.
+
+Bei seinen Einzelfiguren gelingt dem Nanni freilich die innere Belebung
+nicht immer: der hl. Lucas im Dome und die Gruppe von vier in wenig
+glücklicher Weise zusammengestellten Heiligen in einer der Nischen von
+Or San Michele, für welche der Künstler antike Togastatuen als Vorbild
+genommen hat, erscheinen mit ihren müden Augen und geschlossenen Lippen
+etwas unbelebt und verraten auch in der Bildung der Körper, daß sie mehr
+nach einer richtigen Empfindung als aus voller Kenntnis des menschlichen
+Körpers gearbeitet wurden. In diesem Sinne: in der naturalistischen
+Durchbildung, im Studium und der Erkenntnis des Organismus, andererseits
+aber auch in der psychologischen Vertiefung und in der
+Charakterschilderung ist der eigentliche Schöpfer der Renaissanceplastik
+_Donatello_ (Donato di Niccolo di Betto Bardi 1386-1466). Was oben zur
+Charakteristik der Plastik des Quattrocento gesagt ist, gilt daher im
+vollsten Maße und in erster Linie für ihn. Von Donatello wird uns
+erzählt, daß er als Jüngling in Rom mit seinem älteren Freunde
+Brunellesco rastlos die antiken Überreste durchsucht und nach ihnen
+studiert habe. Ein aufmerksames Studium seiner Werke bestätigt dies in
+vollem Maße: kein anderer Künstler hat in seinen Motiven so nach antiken
+Vorbildern gesucht und sich, soweit es irgend möglich war, so eng an
+dieselben angeschlossen, wie Donatello; aber andererseits hat kein
+anderer Künstler so eigenartig diese Studien verarbeitet, steht kaum ein
+zweiter der Antike in seiner ganzen Auffassung so fern, wie gerade er.
+Donatello ist als Bildhauer -- und er hat sich im Gegensatze zu vielen
+seiner Zeitgenossen ausschließlich der Plastik gewidmet -- strenger und
+rücksichtsloser Naturalist, ohne jedoch über der Vertiefung in die Natur
+den geistigen Inhalt des Kunstwerkes zu vernachlässigen. Körper und
+Geist sind ihm, wie in der Natur, unzertrennbar und durch einander
+bedingt; der Körper ist ihm das Gefäß für den Geist, das er gerade
+deshalb so naturtreu bildet, um den Geist darin um so lebendiger und
+überzeugender zum Ausdruck zu bringen. Seine Kenntnis des menschlichen
+Körpers geht auf gründliche Studien des Nackten zurück; er erhält sich
+aber dabei, im Gegensatz zu Michelangelo, die Naivetät in der Anschauung
+der Erscheinung, da er sich noch vom Sezieren fern hält. In dem Ernst
+seiner naturalistischen Auffassung geht er so weit, daß ihm die
+Gewandung, auf die er eine besondere Sorgfalt verlegt, weder Selbstzweck
+(wie z. B. noch bei Nanni di Banco, wo sie den Körper verhüllt) noch
+vorwiegend malerisches Ausdrucksmittel ist; vielmehr sucht er in erster
+Linie den Körper darunter wiederzugeben und dadurch zu heben. Die
+Wiedergabe des Körpers selbst ist aber bei ihm nicht mehr eine naive
+Wiedergabe der Oberfläche, sondern sie beruht auf der sicheren
+Handhabung des Knochengerüstes. Sie ist andererseits ganz beherrscht
+durch die Idee des Kunstwerkes, durch den Charakter, welchen der
+Künstler der Einzelfigur zu verleihen sucht, oder durch den Ausdruck des
+Geschehens, welchen er in der Gruppe oder dem erzählenden Relief
+wiederzugeben bestrebt ist. Die heiligen Motive, die er fast unverändert
+von der älteren Kunst übernimmt, schafft er insofern neu, als er sie
+durch seinen Naturalismus zu einfach menschlichen Charakteren und
+Begebnissen umbildet; andererseits hebt er sie über das Alltägliche
+hinaus durch die Größe seiner Auffassung, durch die gewaltige innere
+Erregung, die sich in Statuen und Büsten als mühsam verhaltene Kraft
+zeigt, in seinen Kompositionen in stärksten Ausbrüchen der Leidenschaft
+äußert. Seinen Gestalten wohnt (nach Rumohr's Ausspruch, der sonst dem
+Künstler sehr wenig gerecht wird), eine »zuckende Bewegung« inne, die
+aber »eine gewisse unsichtbare Spirallinie umgiebt, vor welcher sein
+Streben nach Ausladung instinktmäßig in den jedesmal gegebenen
+Schwerpunkt zurückweicht«. In seinem Streben, den Charakter der
+Persönlichkeit oder einen Typus im schärfsten Lichte zu zeigen, oder die
+Situation eines historischen Motivs aufs Äußerste zuzuspitzen, scheut
+der Künstler auch vor dem Häßlichen und vor dem Furchtbaren nicht
+zurück, aber nur selten verfällt er dabei in Übertreibung. Gerade
+dadurch ist sein Vorbild von so außerordentlichem Einflusse, ja
+entscheidend für die Entwickelung der Renaissance geworden, die während
+des ganzen Quattrocento unter seiner Einwirkung steht.
+
+[Abbildung: Donatello's hl. Georg im Museo Nazionale zu Florenz.]
+
+Donatello hatte das Glück, von vornherein zu monumentalen Aufgaben
+herangezogen zu werden. Erst zwanzig Jahre alt, erhielt er im Jahre
+1406 den Auftrag, zwei kleine Marmorstatuen jugendlicher Propheten für
+das Nordportal des Domes zu fertigen; nachdem er die Probe mit Glück
+bestanden hatte, wurde er zu den großen Aufgaben der Dombauhütte, und
+bald darauf auch zu der ähnlichen Aufgabe der Ausschmückung von Or San
+Michele herangezogen. Als er 1408 die Prophetenstatuetten ablieferte,
+erhielt er den Auftrag zu der Marmorstatue des David (jetzt im
+Bargello), und noch in demselben Jahre wurde die Kolossalstatue des
+sitzenden Johannes für die Fassade bei ihm bestellt (jetzt im Chor). Die
+Vollendung dieser Figur (1415) zog sich durch neue und bedeutende
+Aufträge in die Länge: 1412 arbeitete der Künstler gleichfalls für den
+Dom, die Statue des Josua (unter der irrtümlichen Bezeichnung des Poggio
+Bracciolini jetzt im Dom); schon einige Jahre früher entstand der in
+Holz geschnitzte Crucifixus in Sa. Croce, und bis zum Jahre 1416
+vollendete der Künstler drei große Marmorstatuen für die Nischen von Or
+San Michele: Petrus (?), Markus und zuletzt den berühmten Georg. Kaum
+hatte Donatello diese Arbeiten abgeliefert, so erfolgte wieder von
+Seiten der Dom-Opera ein neuer ähnlicher Auftrag: die Statuen für die
+Nischen des Campanile. Im Jahre 1416 wurde die Johannesstatue in Auftrag
+gegeben, dann (bis 1426) der Prophet Habakuk, der Jeremias und König
+David; und gleichzeitig schuf der Künstler gemeinsam mit dem von ihm
+abhängigen Giovanni Rosso den Abraham mit Isaak und den Josua (1421).
+Daneben gehen Werke her, für welche die Besteller nicht mehr bekannt
+sind: wie die Marmorstatuen des jugendlichen Johannes im Bargello und
+die jüngere und vollendetere in Casa Martelli, und die Bronzestatue des
+hl. Ludwig innen über dem Hauptportal von Sa. Croce.
+
+[Abbildung: 39a. Marmorrelief der Stäupung Christi von Donatello.]
+
+In dieser ansehnlichen Zahl meist kolossaler statuarischer Arbeiten,
+die einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten ausfüllen, liegt eine reiche
+Entwickelung des Künstlers beschlossen. In der frühesten Zeit, welche
+die Kolossalfigur des Evangelisten Johannes und der hl. Georg am
+glänzendsten vertreten, ist das Streben nach Formenschönheit vorwaltend:
+schöne regelmäßige Züge, vornehme ruhige Haltung und einfache große
+Motive der Faltengebung kennzeichnen alle diese Gestalten, deren inneres
+Leben verhalten erscheint, wie unter der Asche glimmende Kohlen. Mit den
+Statuen für den Campanile beginnt das Streben nach individueller
+Belebung, die im »Zuccone« am weitesten getrieben ist; die Figuren
+werden für den hohen Platz perspektivisch gearbeitet; die Köpfe sind
+Bildnisse von Zeitgenossen, in ungeschminkter Wahrheit wiedergegeben;
+die Gewandung zeigt tiefe Falten von malerischer Wirkung und für die
+Haltung ist ein Heraustreten aus jener verhaltenen Ruhe der früheren
+Zeit charakteristisch; für einzelne Figuren ist diese Bewegung sogar ein
+ausgesprochenes Ausschreiten, wodurch der Künstler zur Freistellung der
+Beine gelangt. Der allmähliche Fortschritt im Verständnis der Natur
+zeigt sich in der feineren Belebung und individuelleren Durchbildung des
+Körpers, in der Bekundung anatomischer Studien, in der Durchbildung der
+Extremitäten und in der Betonung der Gelenke.
+
+Die Berliner Sammlung besitzt eine Bronzefigur in halber Lebensgröße,
+den Täufer im Mannesalter darstellend (No. 38), die in Haltung,
+Gewandung und Durchbildung ein charakteristisches gutes Beispiel von
+Donatello's Statuen dieser letzgenannten Gruppe ist. In der That läßt
+sich ihre Entstehung mit Wahrscheinlichkeit in das Jahr 1423 setzen.
+
+[Abbildung: 699. Stäupung Christi von Donatello.]
+
+Donatello war durch die Anhäufung großer Aufträge seit dem Anfange der
+zwanziger Jahre dazu gezwungen worden, Schüler und Gehülfen zur
+Mitarbeit heranzuziehen, was ihm, bei steter Belastung mit neuen
+Arbeiten, zur notwendigen Gewohnheit wurde. Doch wurde er dazu teilweise
+auch durch die Natur der Aufträge veranlaßt, denn es fehlte ihm die
+Erfahrung im Gießen und Ciselieren. Hatte er schon zur Ausführung
+verschiedener Statuen am Campanile den Giovanni Rossi herangezogen, so
+trat er bald darauf für verschiedene noch umfangreichere Aufgaben mit
+dem Architekten und Bildhauer Michelozzo in Verbindung; eine
+Gemeinschaft, welche nahezu durch ein Jahrzehnt hindurch für die meisten
+Arbeiten des Künstlers bestimmend wurde und seinen architektonischen
+Sinn wesentlich läutern half. Donatello's Anteil an diesen Monumenten
+ist sehr wahrscheinlich nicht bedeutend und ihr Einfluß auf die
+Entwickelung der Kunst des Quattrocento ist ein geringer gewesen. Soweit
+wir noch ein Urteil darüber haben (das Monument Aragazzi in
+Montepulciano ist nur noch den einzelnen Teilen nach, nicht in seinem
+Aufbau bekannt), sind nämlich die drei aus dieser gemeinsamen Arbeit
+hervorgegangenen Grabdenkmäler in ihrem Aufbau durch lokale Einflüsse
+bestimmt worden: das Monument Papst Johanns XXIII. im Battistero zu
+Florenz (um 1424 bis 1427 in Arbeit) durch die Anordnung zwischen zwei
+der mächtigen Wandsäulen, und das Grabmal des Kardinals Brancacci in
+S. Angelo a Nilo zu Neapel durch die Anlehnung an den vom Trecento
+überlieferten Typus der neapolitanischen Grabmonumente (wie das Grabmal
+Aragazzi im Dome zu Montepulciano um 1427 und 1428 gearbeitet).
+Donatello mag wenigstens für die Denkmäler in Florenz und Neapel der
+Entwurf des figürlichen Teils gebühren; an der Ausführung läßt sich nur
+die großartige von Michelozzo in Bronze gegossene Grabfigur des Papstes,
+sowie das kleine Relief der Himmelfahrt Mariä an dem Sarkophag des
+Grabmals in Neapel mit Sicherheit für Donatello in Anspruch nehmen;
+alles Andere ist hier, wie in dem 1428 bestellten, keineswegs besonders
+originellen Marmorsarkophag des Giovanni de' Medici in der Sakristei zu
+S. Lorenzo und bei der Thomasnische an Or San Michele, durch Michelozzo
+und untergeordnete Gehülfen, wie Portigiani, ausgeführt.
+
+[Abbildung: 39. Marmorrelief der Madonna von Donatello.]
+
+[Abbildung: 42. Marmorrelief der Madonna von einem Schüler Donatello's.]
+
+In jenem Himmelfahrtsrelief und gleichzeitig in dem berühmten
+Bronzerelief mit dem Tanz der Salome an Quercia's Taufbrunnen in San
+Giovanni zu Siena (1427; ähnliches Relief in Marmor im Museum zu Lille)
+hatte Donatello zuerst sein außerordentliches Talent für die Komposition
+figurenreicher Darstellungen in Anordnung, Perspektive, Reliefstil und
+vor Allem in der dramatischen Belebung des Motivs zeigen können. Auch
+sind diese Arbeiten (namentlich auch die Bronzestatuetten an demselben
+Brunnen) wie verschiedene nach ihrer Verwandtschaft der gleichen Zeit
+einzureihende Monumente (das große bemalte Steinrelief der Verkündigung
+in Sa. Croce, die Engel mit dem Leichnam Christi und das kleine
+Stuckrelief der Madonna mit Heiligen und spielenden Engeln im
+S. Kensington Museum) ausgezeichnet durch ungewöhnlichen Schönheitssinn
+in den Typen wie in der Haltung und Gewandung, der sich mit einem hohen
+Ernste paart. Das Berliner Museum besitzt verschiedene Arbeiten, welche
+die charakteristischen Merkmale dieser Zeit tragen, vorwiegend
+Madonnenreliefs. Eigenhändig ist, nach der meisterhaften Behandlung, das
+große Marmorrelief der Madonna aus Casa Pazzi (No. 39), wohl die
+früheste dieser Arbeiten. Ein zweites Marmorrelief (No. 42), aus
+Palazzo Orlandini, zeigt dagegen in der Ausführung die Hand eines
+Schülers. Dasselbe gilt von einem Thonrelief (No. 43), der Nachbildung
+eines Schülers nach einer verschollenen, auch in Plaketten (No. 700)
+erhaltenen Komposition Donatello's aus dieser Zeit. Wichtiger noch ist
+ein Marmorrelief der Stäupung Christi (39a), das in der Komposition eine
+Vorahnung des bekannten Fresko von Sebastiano del Piombo ist und in der
+Behandlung des Nackten schon Michelangelo nahekommt.
+
+Im Jahre 1432 wurde Donatello aus einer untergeordneten Veranlassung
+nach Rom gerufen. Der Aufenthalt hier, der sich bis in das folgende Jahr
+ausdehnte, wurde von bestimmender Bedeutung für seine Entwicklung. Nach
+diesem (allein beglaubigten) Aufenthalt in Rom läßt sich ein besonders
+energisches Studium der Antike in seinen Werken verfolgen; freilich
+äußert sich dasselbe weniger in der Form wie in den Motiven. So ist in
+dem großen Tabernakel im St. Peter zu Rom, welches er an Ort und Stelle
+neben einer Grabplatte in Araceli und einem Relief der Schlüsselübergabe
+(jetzt im South Kensington Museum) ausführte, das Relief der Beweinung
+Christi in engem Anschluß an römische Sarkophagdarstellungen komponiert.
+Nach den antiken Genien bildet er seine Putten um, mit denen er jetzt
+seine Kompositionen in reicher Fülle belebt. Zeigt sich dies schon an
+jenem Tabernakel, so kommt die neue Auffassung noch stärker bei der
+Vollendung der (seit 1428) wieder in Gemeinschaft mit Michelozzo und
+Portigiani ausgeführten Reliefs mit tanzenden Engeln an der Außenkanzel
+des Domes in Prato zur Geltung. Vor Allem kommt sie aber zur Geltung in
+den ähnlichen Motiven an der berühmten Florentiner Domkanzel
+(1433-1440), in der Bronzefigur des Amor, welche er in unmittelbarem
+Anschluß und Wetteifer mit der Antike für Cosimo de' Medici modellierte,
+und in den Steinmedaillons des Mediceerpalastes, die er nach Kameen in
+Cosimo's Besitz ausführen ließ; sämtlich Arbeiten, die wahrscheinlich in
+den ersten Jahren nach seiner Rückkehr aus Rom entstanden. Ein
+charakteristisches Beispiel dafür, wie Donatello in dieser Zeit antike
+Motive zu ganz eigenen lebensvollen Kompositionen gestaltete, hat das
+Berliner Museum in einem kleinen Bronzerelief mit spielenden Putten (No.
+698) aufzuweisen.
+
+[Abbildung: 39A. Bemaltes Thonrelief der Madonna von Donatello.]
+
+Auf die erste Zeit nach der Rückkehr aus Rom geht wohl auch eine zweite
+für Cosimo ausgeführte Bronzestatue des David im Bargello zurück, die
+erste Statue der Renaissance, in der ein nackter jugendlicher Körper mit
+ähnlicher Frische und in der vornehmen Ruhe, wie in der Blütezeit der
+griechischen Kunst wiedergegeben ist. Durch denselben Gönner erhielt
+Donatello um diese Zeit auch den Auftrag zur Ausschmückung der Sakristei
+von San Lorenzo, die sein Freund Brunellesco eben vollendet hatte. Die
+Büste des hl. Lorenz, vier große Medaillons mit reichen Kompositionen
+an der Wölbung, die vier Evangelisten in den Zwickeln, zwei Reliefs mit
+je zwei einzelnen Heiligen, sowie die beiden Bronzethüren sind hier von
+Donatello's Hand und wurden wohl sämtlich noch vor seiner Abreise nach
+Padua vollendet.
+
+[Abbildung: 38A. Bemalte Thonbüste des Johannes von Donatello.]
+
+Bei der Herstellung der Modelle für seine Bronzearbeiten, sowie bei den
+Skizzen für die Werke, welche Gehülfen ausführten, hatte Donatello
+Freude am Arbeiten in Thon bekommen, das ihm rasch von der Hand ging,
+seine Gedanken in voller Frische zum Ausdruck brachte und reiche
+Bemalung, wie er sie liebte, ermöglichte. In der Sakristei von San
+Lorenzo führte er daher alle Dekorationen der Decken und Wände in Thon
+aus. Gleichzeitig modellierte er in demselben Material eine Reihe von
+größeren Madonnenreliefs und Büsten. Die Berliner Sammlung besitzt eines
+dieser Madonnenreliefs, überlebensgroße Figuren, die durch ihre beinahe
+tadellos erhaltene prachtvolle Bemalung und Vergoldung ausgezeichnet
+sind (No. 39A). Auch hat das Museum in der bemalten Thonbüste des
+jugendlichen Johannes (No. 38A) eine den berühmten Büsten des Uzzano im
+Bargello und einer unbekannten Frau im South Kensington Museum in
+Auffassung und Behandlung nahe verwandte Werk aufzuweisen. Das
+Stuckrelief No. 46 (wohl eine verkleinerte Nachbildung der Zeit) bietet
+eine andere der besonders groß empfundenen Madonnenkompositionen dieser
+Epoche des Künstlers, von denen das Louvre und das Kensington Museum
+gleichfalls einige treffliche Beispiele besitzen.
+
+[Abbildung: 46. Stuckrelief der Madonna von Donatello.]
+
+Alle diese etwa im Anfange der vierziger Jahre entstandenen Arbeiten,
+denen wohl auch die merkwürdige Bronzegruppe der Judith in der Loggia
+de' Lanzi zu Florenz zuzuzählen ist, zeigen Donatello auf der Höhe der
+dramatischen Auffassung, in voller Beherrschung und freier
+künstlerischer Ausgestaltung jener inneren Erregung, die auch in der
+Einzelfigur so mächtig und doch so maßvoll sich ausdrückt; sie zeigen
+ihn zugleich auch in der formalen Durchbildung der Gestalt als vollen
+Meister, der sein Können mit feiner Mäßigung und vornehmem Geschmack zur
+Geltung bringt. Die Arbeiten dieser Zeit und die der folgenden Jahre,
+die ihnen eng verwandt sind, bezeichnen wohl den Höhepunkt der Kunst
+Donatello's und der ganzen Frührenaissance.
+
+[Abbildung: Reiterstatue des Gattamelata von Donatello in Padua.]
+
+Im Jahre 1443 wurde Donatello zu einer Aufgabe berufen, die, wie für ihn
+selbst, so auch für die Entwickelung der Renaissancekunst überhaupt ein
+neuer großer Schritt wurde: das bronzene Reiterdenkmal des in Padua
+verstorbenen venezianischen Condottiere Gattamelata, zu dessen
+Ausführung der Künstler 1444 nach Padua übersiedelte. Nahezu ein
+Jahrzehnt verging über dieser Arbeit, in deren Pausen Donatello u. a.
+den reichen Bronzeschmuck für den Hochaltar des Santo anfertigte: das
+Krucifix und fünf Statuen, die Evangelistensymbole, vier Reliefs mit
+Wundern des hl. Antonius und zwölf Tafeln mit musizierenden Engeln,
+endlich ein großes Grablegungsrelief in Thon. Die Reiterstatue ist nicht
+nur als das erste Werk dieser Art seit dem Altertum von epochemachender
+Bedeutung, sondern an sich durch die Lebenswahrheit in Roß und Reiter,
+durch die Art, wie der Künstler in der ganz individuellen und vornehmen
+Gestalt des Gattamelata den Heerführer, den Schlachtenlenker als solchen
+dargestellt hat, eines der großartigsten Monumente aller Zeiten. Unter
+den Bronzen des Hochaltars, welche meist durch die Mitarbeit von zum
+Teil sehr untergeordneten Gehülfen mehr oder weniger stark
+beeinträchtigt sind, gehören doch einzelne der Statuen, namentlich das
+Krucifix, sowie die große Grablegung und die vier figurenreichen Reliefs
+mit den Wundern des hl. Antonius, zu Donatello's besten Leistungen;
+letztere ganz besonders durch die dramatische Gestaltung der schwierigen
+Motive, die klare Gruppierung der zahlreichen Figuren, die geschickte
+perspektivische Anordnung im Raum, die Mannigfaltigkeit der Gestalten
+und ihre Durchbildung. Durch diese Thätigkeit in Padua hat Donatello
+nicht nur die Plastik, sondern (durch seinen Einfluß auf Mantegna) auch
+die Malerei in Norditalien in neue Bahnen gelenkt.
+
+Die Berliner Sammlung besitzt aus dieser Zeit seines Aufenthalts in
+Padua neben dem kleinen Bronzerelief der Stäupung Christi (No. 699) eine
+größere Bronzearbeit Donatello's: die durch ihre ungeschminkte Wahrheit
+überraschende Büste des kunstsinnigen Markgrafen Ludwig III. von Mantua
+(No. 40), die wahrscheinlich, gleich einer ähnlichen Büste desselben
+Mannes, im Besitz von M. E. André in Paris, als Vorarbeit für ein
+Reiterdenkmal dieses Fürsten entstand, als Donatello im Jahre 1450/51
+für ihn in Mantua beschäftigt war. Zu der Ausführung eines solchen
+Denkmals (über das jedoch keine urkundliche Nachrichten erhalten sind)
+ist es freilich ebenso wenig gekommen, wie zu dem Reitermonument des
+Borso d'Este, welches dem Künstler gleichzeitig für Modena in Auftrag
+gegeben war.
+
+[Abbildung: Bronzerelief am Hochaltar im Santo zu Padua von Donatello.]
+
+Nach Florenz zurückgekehrt, hat Donatello trotz seines Alters, noch eine
+Reihe bedeutender Arbeiten geschaffen, wenn er auch deren Ausführung
+jetzt meist Schülern überlassen mußte. Zunächst ging er (1457) an die
+Ausführung einer Aufgabe, die ihm schon Jahrzehnte früher gestellt
+worden war: die Bronzestatue des Täufers für die Taufkapelle des Domes
+von Siena, wohl die großartigste, wenn auch die herbste unter den
+zahlreichen Gestalten dieses Heiligen, welche wir seiner Hand verdanken.
+Etwa gleichzeitig entstand die verwandte Holzstatue des hl. Hieronymus
+in der Pinakothek zu Faenza. Die köstliche Thonskizze eines Altars mit
+der Stäupung und der Kreuzigung Christi im Kensington Museum und eine
+kleine verwandte Skizze der Kreuzigung, die nur durch eine schadhafte
+Stucknachbildung in unserem Museum (No. 41) erhalten ist, erscheinen wie
+Vorarbeiten zu der letzten großen That seines Lebens, zu den beiden
+Bronzekanzeln, welche Donatello für Cosimo in San Lorenzo ausführte. Von
+der Hand seiner Schüler Bertoldo und Bellano in wenig glücklicher Weise
+vollendet und ciseliert, ungeschickt und mit rohen Einsätzen erst in
+später Zeit zusammengestellt, sind doch die meisten dieser Kompositionen
+aus der Passion Christi ausgezeichnet, sowohl durch die malerische
+Wiedergabe der sehr figurreichen Scenen, wie durch die dramatische
+Schilderung tief erregter Leidenschaften, mit denen die heiteren Motive
+aus dem Kinderleben im Fries in glücklichster Weise kontrastieren.
+Freilich verraten die unruhige Gewandung, die eckigen Falten, die wie
+geknittertes Papier erscheinen, und die flache Reliefbehandlung (das
+»gebackene« Relief) die bis zur Manier gesteigerte Gewohnheit, im Thon
+mit dem Modellierholz zu arbeiten.
+
+ * * * * *
+
+[Abbildung: 40. Bronzebüste des Lodovico III. Gonzaga von Donatello.]
+
+Als Donatello 1466 im Alter von 80 Jahren starb, hatte er die Plastik
+Italiens völlig neu gestaltet und indirekt auch auf die Entwickelung der
+Malerei Einfluß geübt. Der unbestechliche Ernst seines Naturstudiums,
+seine treffende, ehrliche Charakteristik, sein Talent der dramatischen
+Schilderung, seine Art der plastischen Behandlung hatten auf die meisten
+Altersgenossen, hatten zumal auf alle jüngeren Künstler bestimmend
+eingewirkt. Daß sie ihm fast alle in ihrer Weise folgten, daß Jeder
+Neues und Großes schuf, ist nicht der geringste Triumph der
+Kunstrichtung des Donatello.
+
+[Abbildung: 49. Madonnenrelief von Donatello.]
+
+Unter Donatello's Nachfolgern sind seine Mitarbeiter meist von
+geringerer Begabung; sie ahmen ihr Vorbild nur zu oft in den
+Äußerlichkeiten nach, die sie zur Karikatur übertreiben. Dies gilt
+namentlich von einigen uns dem Namen nach noch nicht bekannten
+Bildhauern, die anscheinend in den dreißiger und vierziger Jahren zu
+Donatello in Beziehung standen, und die uns bisher namentlich durch eine
+Reihe von Madonnenreliefs bekannt sind. Der älteste unter diesen
+Künstlern, der regelmäßig in Marmor arbeitete (wie gleichzeitig sein
+Lehrer), ist besonders stark karikierend und auffallend ungeschickt in
+den Verhältnissen seiner Figuren, die abschreckend häßliche Typen
+zeigen. Das große Madonnenrelief in der Mediceerkapelle von S. Croce
+bietet ein besonders charakteristisches Werk, dem andere Madonnen im
+Kensington Museum und in unserer Sammlung (No. 44, sowie das Stuckrelief
+No. 45, dessen Marmor-Original bei M. E. André zu Paris) eng verwandt
+sind. Vielleicht ist auch das große Madonnenrelief über einem
+Seitenportal des Domes in Siena von seiner Hand. Interesse bietet dieser
+Künstler nur dadurch, daß fast alle seine Arbeiten mehr oder weniger
+treue Nachbildungen von Kompositionen Donatello's zu sein scheinen, die
+uns meist nicht mehr erhalten sind. Wahrscheinlich ist dieser Unbekannte
+der Gehülfe, der Donatello's mythologische Kompositionen im Hof des Pal.
+Medici in Marmor ausführte. Ein jüngerer und begabterer Nachfolger
+verwandter Richtung, dessen Madonnenreliefs charakteristischerweise in
+Thon ausgeführt sind, ist der Künstler, der die Madonna in einem
+Tabernakel in Via Pietra Piana zu Florenz modellierte. Von seiner Hand
+ist in der Berliner Sammlung vielleicht das Thonrelief der Madonna mit
+dem stehenden Kinde (No. 50); verwandt ist auch das kleinere
+Madonnenrelief (No. 54) und namentlich die bedeutendere Anbetung des
+Kindes (No. 47).
+
+[Abbildung: 60A. Madonnenrelief von einem Nachfolger Donatello's.]
+
+Selbständiger als diese sind die früheren Mitarbeiter Donatello's;
+zunächst der seit 1421 an den Statuen des Campanile neben und mit
+Donatello zusammen thätige _Giovanni di Bartolo_, gen. _Rosso_ (gest.
+nach 1451). Während der Künstler sich in diesen Statuen unmittelbar an
+gleichzeitige Arbeiten Donatello's anlehnt, ist er in seinem Grabmal
+Brenzoni in Verona eigenartiger, aber in der Formgebung noch stärker vom
+Trecento beeinflußt.
+
+[Abbildung: 59. Stuckrelief der Madonna mit Engeln von Ag. di Duccio.]
+
+_Michelozzo Michelozzi_ (1391-1472), in erster Linie Architekt, aber
+wegen seiner hohen technischen Begabung von den florentiner Bildhauern
+namentlich zur Ausführung ihrer Erzgüsse herangezogen, hat mit Donatello
+gleichfalls seit dem Anfange der zwanziger Jahre bis zu seiner
+langjährigen Entfernung von Florenz zusammen gearbeitet. Die drei großen
+Marmorgrabmäler (vgl. S. 59) sind im Wesentlichen von seiner Hand
+ausgeführt, wohl auch in ihrem Aufbau von ihm entworfen. Aus dem
+Vergleich mit den reichen Bildwerken an diesen Monumenten lassen sich
+dem Michelozzo auch vereinzelte kleinere Bildwerke zuweisen, wie die
+Statue des Täufers in einem Hofe der Annunziata (der beglaubigten
+Statuette am Silberaltar in der Opera del Duomo ganz entsprechend) und
+verschiedene Madonnenreliefs, von denen sich das schönste, in Thon
+modelliert und mit tadellos erhaltener wirkungsvoller Bemalung, in der
+Berliner Sammlung befindet (No. 58). Auch ein bemaltes Stuckrelief im
+Rund (No. 58A) giebt wohl eine ältere Komposition des Michelozzo wieder.
+In reicheren, bewegten Kompositionen völlig ungenügend, ist der Künstler
+in seinen Einzelgestalten, den Freifiguren wie Reliefs, von einer den
+Architekten verratenden vornehmen Ruhe, von großem Wurf der Gewänder,
+von ernster, gelegentlich selbst großer Auffassung, Freilich meist ohne
+volle Belebung; daher erscheint er leicht nüchtern und einförmig.
+Charakteristisch ist für den Künstler das starke Halbrelief.
+
+Der Gehülfe Michelozzo's in jenen mit Donatello gemeinsam übernommenen
+Monumenten, _Pagno di Lapo Portigiani_ (1406-1470) ist ein ebenso
+handwerksmäßiger Bildhauer, wie ein anderer Gehülfe Donatello's, der den
+Marmoraltar in der Sakristei von San Lorenzo ausführte. Auch _Buggiano_
+(Andrea di Lazzaro Cavalcanti, 1412-1462), der Schüler und Adoptivsohn
+Brunellesco's, ist in seinen Marmorarbeiten, namentlich in den beiden
+Sakristeibrunnen im Dom, ein derber Nachfolger Donatello's. Ein etwas
+jüngerer Künstler, _Agostino di Duccio_ (1418 bis nach 1481), hat durch
+sein unstätes Leben in der Verbannung früh die Kunstweise seines
+Meisters außerhalb Toscana's verbreitet. In Modena, in Rimini (der
+reiche Innenschmuck von San Francesco), in Perugia hat er eine sehr
+umfangreiche bildnerische Thätigkeit entfaltet. Ohne Sinn für feinere
+naturalistische Durchbildung, in der Ausführung regelmäßig flüchtig, in
+seinen überschlanken Gestalten mit den zahlreichen langen und zierlichen
+Falten der Gewänder oft geradezu manieriert, besitzt der Künstler doch
+einen eigentümlichen Reiz durch die reiche phantastische Erfindung, die
+lebendige und zuweilen selbst packende Auffassungsweise, den pikanten
+Wechsel zwischen kräftigem Hochrelief und malerischem Flachrelief. Das
+in letzterer Weise behandelte Stuckrelief im Berliner Museum: die
+Madonna mit dem Kinde, welches Engel bedienen (No. 59), ist ein ebenso
+charakteristisches wie anziehendes Beispiel der Kunst des Agostino; es
+ist nahe verwandt einem Marmorrelief mit dem gleichen Motiv im Museo
+dell' Opera zu Florenz und einem zweiten Madonnenrelief in einer Kirche
+in Frankreich.
+
+Ein dem Namen nach bisher unbekannter Nachfolger Donatello's, der
+selbständigste und weitaus bedeutendste unter ihnen, ist dadurch von
+besonderem Interesse, daß er in seiner genrehaften Darstellung des
+Kindes bis zur Ausführung wirklicher Genregruppen geht: meist streitende
+Kinder von derben häßlichen Formen (No. 106D). In seinen
+Madonnenstatuetten ist das Christkind ebenso bäurisch in Form und
+Benehmen, die Mutter dagegen auffallend lieblich (No. 106B) oder selbst
+großartig in Bewegung wie in Ausdruck und Gewandung (No. 106E). Größere
+Werke dieses originellen Künstlers haben sich bisher nicht nachweisen
+lassen.
+
+ * * * * *
+
+[Abbildung: 106B. Thonstatuette der Madonna von einem
+Donatello-Nachfolger.]
+
+Donatello's derber Naturalismus würde vielleicht, wie wir an den meisten
+der genannten Schüler und Nachfolger sehen, die Entwickelung der
+florentiner Plastik in eine allzu naturalistische, über dem Streben nach
+Originalität und Wahrheit die Rücksicht auf Schönheit und Maß
+vergessende Richtung gedrängt haben, wenn nicht ein jüngerer Künstler in
+seiner außerordentlich langen und fruchtbaren Laufbahn gerade diese
+Eigenschaften in seinen Bildwerken mit besonderem Glück und Energie
+gepflegt hätte. _Luca della Robbia_ (1399-1482), der -- soviel wir
+wissen -- nur in seinem Neffen Andrea einen Schüler groß zog, hat gerade
+durch jene Eigenschaften auf die Weiterentwickelung der Florentiner
+Plastik, insbesondere auf die jüngeren, von Donatello abhängigen
+Künstler einen günstigen Einfluß geübt. Berühmt und schon in seiner Zeit
+außerordentlich populär durch die Erfindung, bemalte Thonbildwerke mit
+einer wetterbeständigen Glasur zu überziehen, ist er ebenso geschickt
+und ebenso häufig in Marmor- wie in Bronzearbeiten beschäftigt gewesen.
+Die berühmten Reliefs mit den singenden und spielenden Kindern an der
+zweiten Sängertribüne des Domes, welche zwischen 1431 und 1440
+entstanden, die im Jahre 1437 bestellten Reliefs an der Rückseite des
+Campanile, ein Paar gleichzeitige (unfertig gebliebene) Reliefs für
+einen Altar des Domes (jetzt im Bargello), sowie, in ihren wesentlichen
+Teilen, das Tabernakel in Peretola (1442) und das Grabmal des Bischofs
+Federighi in S. Francesco di Paola (bestellt 1456) sind Arbeiten des
+Luca in Marmor; und in den Thüren der Domsakristei, welche ihm 1446 in
+Auftrag gegeben wurden (erst 1467 vollendet), besitzen wir eine der
+trefflichsten Bronzearbeiten des Quattrocento. Von den fast zahllosen
+glasierten Thonbildwerken, die dem Luca in und außerhalb Italiens
+zugeschrieben werden, sind die berühmten Thürlünetten über den
+Sakristeien des Domes in Florenz (1443 und 1446), die Engel mit den
+Kandelabern ebenda (1448), die Portallünette in San Domenico zu Urbino
+(um 1450) urkundlich beglaubigte Arbeiten Luca's; auch die Reliefs in
+der Pazzi-Kapelle bei Sa. Croce und in der Kapelle des Kardinals von
+Portugal in San Miniato lassen sich, nach der Zeit ihrer Entstehung, nur
+Luca zuschreiben. Die künstlerische Eigenart, die in allen diesen
+Arbeiten scharf ausgesprochen ist, läßt durch den übereinstimmenden
+Charakter außerdem noch eine beträchtliche Zahl von glasierten wie
+unglasierten Thonbildwerken und Stuckreliefs in Florenz wie in den
+Sammlungen außerhalb Italiens als Werke Luca's erkennen.
+
+[Abbildung: 106E. Bemalte Thonstatuette der Madonna von einem
+Nachfolger Donatello's]
+
+In allen diesen Arbeiten steht Luca zwischen seinen älteren Zeitgenossen
+Ghiberti und Donatello etwa in der Mitte: mit Ghiberti hat er den
+Geschmack in der Anordnung, den hohen Schönheitssinn, den leichten Fluß
+der vollen Gewandung gemeinsam; dem Donatello steht er im Ernst der
+Naturbeobachtung, in der frischen und lebensvollen Charakteristik nahe,
+welche er nicht am wenigsten dessen Vorbilde verdankt. Das feine
+Maßhalten im Relief (in der Regel ein Halbrelief), die Schönheit seiner
+Gestalten und der vornehme Ernst in Ausdruck und Haltung bringen den
+Künstler der klassischen griechischen Kunst ganz nahe. Aber diese
+Verwandtschaft beruht keineswegs auf einem intimen Studium oder gar auf
+Nachahmung der Antike, der Luca unter seinen Zeitgenossen besonders fern
+gestanden zu haben scheint: sie ist vielmehr der Ausfluß einer
+verwandten künstlerischen Anschauungsweise und verbindet sich bei ihm
+mit einem völlig eigenartigen und frischen Naturalismus. Seine
+Kompositionen, seine einzelnen Gestalten erscheinen daher, so wenig
+Abwechselung ihm auch die meisten Aufgaben boten, stets neu und
+lebenswahr.
+
+[Abbildung: 114. Stuckrelief der Madonna mit Heiligen von Luca della
+Robbia.]
+
+Den besten Beweis dafür bieten die Arbeiten des Künstlers in der
+Berliner Sammlung; verschiedene Originalarbeiten in glasiertem oder
+unglasiertem Thon, sowie eine größere Zahl von Stucknachbildungen, die
+als Wiederholungen von verlorenen oder verschollenen Originalen einen
+besonderen Wert haben. Die Mehrzahl dieser Bildwerke zeigt ein und
+dasselbe Motiv: Maria mit dem Kinde, allein oder inmitten andächtiger
+Engel oder verehrender Heiliger. Während die größeren Madonnenreliefs,
+namentlich die meisten Lünetten Luca's, als Andachtsbilder gedacht sind
+und daher Maria ernst und hehr als Gottesmutter und das Kind als das
+seiner Mission bewußte Christkind aufgefaßt ist, kommt in diesen
+Mariendarstellungen der Berliner Sammlung die rein menschliche
+Auffassung zur Geltung. Das Verhältnis von Mutter und Kind ist in den
+mannigfachsten, köstlichsten Situationen der Natur abgelauscht, und mit
+einer Frische und Lebendigkeit, mit einer Innigkeit und einem
+Schönheitssinn, gelegentlich auch mit einem Anflug von Humor zur
+Darstellung gebracht, wie kein zweiter Künstler dasselbe wiedergegeben
+hat. Selbst Raphaels gefeierte Madonnen zeigen daneben kaum Ein neues
+Motiv und stehen in Frische und Naivetät entschieden hinter Luca's
+Kompositionen zurück.
+
+[Abbildung: 116A. Glasiertes Thonrelief der Madonna von Luca della
+Robbia.]
+
+Auffassung und Behandlung der frühesten dieser Reliefs, die noch den
+zwanziger Jahren angehören, zeigen eine so auffallende Verwandtschaft
+mit einzelnen Madonnenreliefs der frühen florentiner Thonbildner (vergl.
+S. 53), daß wir daraus wohl auf eine engere Beziehung Luca's zu diesen
+Künstlern schließen müssen; mutmaßlich war er der Schüler eines dieser
+Meister. Um 1430, als Luca seine Reliefs der Orgelballustrade begann,
+stand er bereits unter dem entschiedenen Einflusse Donatello's, mit
+welchem er damals schon in die Schranken treten durfte; zwei der
+Berliner Madonnenreliefs (No. 50A und 117) verraten in dem ernsten
+Ausdrucke der Maria und in der Art, wie ihr Kopf ins Profil gestellt
+ist, das Vorbild Donatello's ebenso sehr, wie in dem derben Typus und in
+dem ausgelassenen Gebahren des Kindes. Ähnlich auch das Relief No. 116.
+In verschiedenen anderen Reliefs sehen wir Mutter und Kind in zärtlicher
+Liebe an einander geschmiegt (No. 115) oder die Mutter bemüht, durch
+scherzhaftes Spiel ihrem Liebling ein Lächeln abzugewinnen, wie in No.
+113 und 114. Hier wie in der Maria, welche das Kind stillt (No. 116),
+ist die Komposition vergrößert durch Engel und Heilige, welche
+verehrend, spielend und bedienend zu den Seiten der Maria stehen. Diese
+Darstellungen sind ganz besonders geeignet, den Geschmack und das
+Geschick des Künstlers im Aufbau und in der Anordnung, die Wahrheit und
+Mannigfaltigkeit in der Charakteristik, die Feinheit der Empfindung,
+namentlich in den Beziehungen der Figuren zu einander kennen zu lehren.
+Ähnliche Vorzüge zeichnen auch eine abweichende Darstellung aus: den
+Leichnam Christi, der von klagenden Engeln unterstützt wird (No. 157).
+Nach der Verwandtschaft der jugendlichen Engelsgestalten ist dies Relief
+wohl gleichzeitig mit den Marmorreliefs der Sängertribüne entstanden.
+Auch die bemalte Thonfigur einer knieenden Maria (No. 112C), offenbar
+von einer Gruppe der Verkündigung, ist ein edles Werk aus Luca's
+mittlerer Zeit.
+
+[Abbildung: 116L. Bemaltes Thonrelief der Madonna von Luca della
+Robbia.]
+
+[Abbildung: 113. Unbemaltes Thonrelief der Madonna mit Engeln von
+Luca della Robbia.]
+
+Luca della Robbia verdankte seine Popularität schon zu seiner Zeit den
+glänzenden und einschmeichelnden glasierten Thonarbeiten, die zugleich
+durch ihre Billigkeit und die Schnelligkeit der Herstellung die weiteste
+Verbreitung fanden. Es ist daher begreiflich, daß sein Schüler und
+Neffe, _Andrea della Robbia_ (1437-1528), welcher bis zum Tode Luca's
+sein Gehülfe war und der allein das Geheimnis der Glasierung kannte,
+seine Thätigkeit so gut wie ausschließlich auf diese Thonbildwerke
+beschränkte, für welche ihn obenein sein schlichteres Talent und seine
+Empfindungsweise besonders befähigten. Die Arbeiten dieser Art, welche
+er während seines langen Lebens, in jungen Jahren mit dem Onkel
+zusammen, in hohem Alter unter Beihülfe verschiedener Söhne ausführte,
+bezeichnet schon Vasari als »zahllose«. In allen diesen, meist als
+Altäre oder Tabernakel, über Florenz und ganz Toscana zerstreuten
+Arbeiten bewundern wir einen Künstler, der in seinem Schönheitssinn,
+seinem Geschmack der Anordnung und Färbung, in der Zartheit der
+Empfindung und der Feinheit der Durchbildung sich als der treue und
+glückliche Schüler seines Oheims Luca bewährt. Seine Arbeiten, die jene
+Eigenschaften ganz besonders beliebt machen, werden regelmäßig als Werke
+des Luca ausgegeben. Aber der bestechende Liebreiz seiner Köpfe und
+seiner Gestalten ist ein mehr äußerlicher; wo es gilt, Charaktere zu
+zeichnen oder lebendige Scenen zu schildern, reicht sein Talent nicht
+aus. Er sucht sich daher möglichst auf einfache Darstellungen ruhiger
+Existenz zu beschränken, auf den Ausdruck stiller Andacht und heiterer
+Freude, wozu ihm seine Madonnen, einzeln oder umgeben von andächtigen
+Heiligen, seine Anbetungen des Kindes, seine Putten- und
+Kinderdarstellungen und ähnliche Motive die reichste und schönste
+Gelegenheit bieten.
+
+[Abbildung: 116. Stuckrelief der Madonna mit Engeln von Luca della
+Robbia.]
+
+Andrea's Mangel an origineller Gestaltungskraft, die seinen Figuren bei
+aller bestrickenden Lieblichkeit eine gewisse Einförmigkeit und
+Schwächlichkeit aufprägt, hat auch in seiner langen Thätigkeit nur eine
+verhältnismäßig geringe künstlerische Wandlung hervorgerufen. Jahrzehnte
+lang der Gehülfe seines Onkels Luca, dessen spätere Aufträge wohl im
+Wesentlichen schon von seiner Hand ausgeführt wurden, ist er in seinen
+frühesten eigenen Arbeiten: in den köstlichen Wickelkindern an der Halle
+der Innocenti, in der Begegnung Mariä in San Domenico zu Pistoja, in
+der Begegnung der Heiligen Franz und Dominicus unter der Halle auf
+Piazza Sa. Maria Novella, in den Altären von La Vernia u. s. f. (meist
+Ende der sechziger oder in den siebenziger Jahren entstanden) von einer
+seinem Lehrer nahekommenden Schönheit der Gestalten, Feinheit der
+Durchbildung und Vornehmheit der Erscheinung. Ein treffliches Werk
+dieser Zeit ist der Hochaltar der Berliner Sammlung (No. 118), welcher
+Maria zwischen zwei Heiligen zeigt. Gleichfalls in die frühere Zeit
+gehört wohl die kleine Verkündigung (No. 119A), welche durch die reichen
+Farben unter Andrea's Werken fast einzig dasteht. In seiner mittleren
+Zeit erscheint der Künstler, anscheinend unter Verrocchio's Einfluß,
+kräftiger in seinen Gestalten, reicher und unruhiger in der Gewandung;
+so in der schönen Verkündigung in den Innocenti. Aus dieser Zeit sind in
+der Berliner Sammlung u. A. die Lünette mit der Madonna zwischen
+anbetenden Engeln (No. 119) und »der Knabe als Brunnenfigur« (No. 121).
+Mehrere andere glasierte Thonbildwerke sind Werkstattarbeiten des
+Andrea.
+
+[Abbildung: Andrea della Robbia. Begegnung der Maria mit
+Elisabeth in S. Domenico zu Pistoja.]
+
+Wie bei den späteren Aufträgen an Luca della Robbia die Ausführung durch
+seinen Neffen Andrea wahrscheinlich ist, so läßt sich das gleiche
+Verhältnis zwischen Andrea und seinen Söhnen für die Bestellungen
+annehmen, welche dieser Künstler in den letzten Jahrzehnten seines
+langen Lebens erhielt. Unter diesen Söhnen des Andrea ist _Giovanni
+della Robbia_ (geb. 1469, gest. angeblich 1529) diejenige
+Persönlichkeit, welche die Kunst der della Robbia in der dritten
+Generation bestimmt. Seine eigenen Arbeiten und die seiner Werkstatt
+sind fast noch in größerer Zahl, wie die seines Vaters, über ganz
+Mittelitalien verbreitet. In seinen Jugendarbeiten, wie in dem
+köstlichen Sakristeibrunnen von Sa. Maria Novella (1497), erscheint der
+Künstler unter dem Einflüsse seines Vaters diesem noch ganz nahe
+verwandt und beinahe ebenbürtig; später werden seine Arbeiten nicht nur
+technisch immer geringer: bunt in den Farben oder nüchtern farblos,
+ungleichmäßig und flüchtig in der Glasur (die Fleischteile daher meist
+überhaupt nur bemalt) und schwerfällig und selbst roh in den
+Einrahmungen durch Fruchtkränze. Auch die Nüchternheit der Erfindung,
+die ausdruckslose Regelmäßigkeit der Köpfe, die schwerfällige Bildung
+der Falten fallen darin ebenso störend auf wie der Mangel an
+Individualität und Naturstudium in der Durchbildung. Ein
+charakteristisches Beispiel dafür ist das große Rund mit der Madonna
+zwischen den Heiligen Johannes dem Täufer und Hieronymus (No. 129), das
+in seiner Farblosigkeit ebenso nüchtern wirkt, wie der hl. Antonius (No.
+135) durch die Buntheit seiner Farben unruhig und schwerfällig
+erscheint. Besonders bezeichnend für das Bestreben des Künstlers, nach
+den Lehren seines Freundes Savonarola die Kunst zu einem reinen
+Andachtsmittel zu gestalten und daher an die Stelle der von der Andacht
+abziehenden naturalistischen Durchbildung und der einfach menschlichen
+Empfindung das Typische und Allgemeine zu setzen, ist die große Gruppe
+der Beweinung Christi (No. 128A), ein frühes Hauptwerk dieser Art von
+Giovanni's eigener Hand. --
+
+Giovanni della Robbia ist bereits ein Künstler der beginnenden
+Hochrenaissance, der hier vorweg besprochen ist, weil er durch die
+Technik und den inneren Zusammenhang mit den älteren Gliedern seiner
+Familie von diesen nicht getrennt werden kann. Wir kehren zu
+Donatello's Nachfolgern und jüngeren Zeitgenossen zurück.
+
+[Abbildung: 118. Glasierter Thonaltar von Andrea della Robbia.]
+
+Als Schüler Donatello's gilt seit Vasari _Desiderio da Settignano_
+(1428-1464). Obgleich jung verstorben, hat der Künstler doch auf die
+Entwickelung der florentiner Plastik einen nachhaltigen Einfluß
+ausgeübt. In der Natürlichkeit und Lebendigkeit der Auffassung, in dem
+Momentanen der Darstellung dem Donatello nahe kommend, in der
+malerischen Behandlung des Reliefs ihm gewachsen, hat er vor seinem
+großen Meister einen besonders feinen Sinn für architektonischen Aufbau
+und Dekoration wie die Freude an der Durchführung seiner Arbeiten
+voraus. Daß dieselben fast alle in Marmor ausgeführt sind, ist kein
+Zufall: war er doch recht eigentlich für die Behandlung des Marmors
+begabt und hat denselben für die zweite Hälfte des Quattrocento zu dem
+bevorzugten Material für plastische Kunstwerke gemacht. Der schalkhafte
+Ausdruck seiner Kinder, der frische, fast übermütige Sinn seiner Jugend
+und ein echt weiblicher Zug von Schönheit verbinden sich mit einer
+Leichtigkeit der Erfindung, einer Fröhlichkeit des Schaffens, einer
+Meisterschaft der naturalistischen Durchbildung und einer malerischen
+Weichheit der Behandlung in allen seinen Werken zu einem stets
+bezaubernden, stets überraschenden Gesamteindruck.
+
+Die beiden Hauptwerke Desiderio's, das Grabmal des Staatssekretärs
+Marzuppini ({~DAGGER~} 1455) in Sa. Croce und das große Marmortabernakel in San
+Lorenzo, gehören wohl beide der gleichen späteren Zeit des Künstlers an.
+Aus dieser Zeit stammen auch verschiedene Madonnenreliefs in Marmor, für
+welche eine ähnliche malerische Behandlung in ganz flachem Relief
+charakteristisch ist: zwei davon im Privatbesitz in Paris, ein drittes
+(als Tabernakel) in der Via Cavour zu Florenz, ein viertes in der
+Galerie zu Turin. Letzteres kommt besonders häufig in farbigen
+Stucknachbildungen vor; die feinste derselben besitzt die Berliner
+Sammlung (No. 62 B). Als Arbeiten der früheren Zeit des Künstlers lassen
+sich vielleicht das beinahe noch herbe Madonnenrelief unter Donatello's
+Namen in der Via dei Martelli und der ähnlich behandelte köstliche Kamin
+aus Sandstein mit den Reliefporträts eines jungen Ehepaares im South
+Kensington Museum ansprechen. Die herrlichen dekorativen Arbeiten in der
+Badia unter Fiesole, die Kanzel im Refektorium und eine Thür in der
+Kirche, wurden offenbar nach seinen Entwürfen von Schülern ausgeführt.
+
+[Abbildung: Grabmal Marzuppini von Desiderio in Sa. Croce zu Florenz.]
+
+Die Feinheit der Beobachtung, der Geschmack in der Anordnung und die
+Vollendung in der Durchführung sind Eigenschaften Desiderio's, die ihm
+ganz besonders zum Porträtbildhauer befähigten, namentlich für die
+Wiedergabe von Kindern und jungen Frauen. Nur eine solche Arbeit ist uns
+gesichert und auch diese nur auf die Autorität Vasari's hin: die Büste
+der Marietta Strozzi im Palazzo Strozzi zu Florenz; aber nach dieser wie
+nach dem Charakter der Gestalten Desiderio's in seinen Monumenten lassen
+sich dem Künstler noch verschiedene ähnliche Frauenbildnisse und
+Büsten von Knaben und Jünglingen mit großer Wahrscheinlichkeit zuweisen.
+Die Mehrzahl dieser Frauenbüsten ist jetzt in der Berliner Sammlung
+vereinigt. Eine derselben ist eine Marmorbüste der jungen Marietta
+Strozzi (No. 62), der verstümmelten Büste im Palazzo Strozzi sehr
+ähnlich; in der schlanken Bildung, der kecken Haltung, dem offenen Blick
+und dem schelmischen Zug um den leicht geöffneten Mund erscheint sie wie
+ein Geschwisterkind der Jünglingsgestalten am Grabmal Murzuppini und am
+Tabernakel in San Lorenzo. Eine jetzt farblose, teilweise modellierte
+Stuckbüste (No. 62 C) ist dieser Marmorbüste aufs engste verwandt und
+stellt vielleicht dieselbe junge Florentinerin in etwas vorgeschrittenem
+Alter dar. Eine zweite ähnliche Stuckbüste (No. 62E), deren feine alte
+Bemalung noch erhalten ist, stellt nach ihrer Herkunft wahrscheinlich
+eine der vielen Töchter des Herzogs Federigo von Urbino dar. Eine andere
+Tochter dieses Fürsten vermuten wir in der aus der Urbiner Erbschaft
+stammenden, in Kalkstein ausgeführten Mädchenbüste (No. 62A) von sehr
+verschiedenem Typus; in der treuen Wiedergabe der Individualität und in
+der feinen naturalistischen Durchbildung ein unübertroffenes
+Meisterwerk.
+
+[Abbildung: 62B. Bemaltes Stuckrelief der Madonna von Desiderio.]
+
+Von den verschiedenen Kinderbüsten, welche sich nach dem Vergleich mit
+den beglaubigten Arbeiten auf Desiderio zurückführen lassen, ist keine
+in der Berliner Sammlung vertreten; die Marmorbüste eines älteren Knaben
+im Museo Nazionale zu Florenz und der lachende Knabe bei Herrn Benda in
+Wien sind die Hauptwerke dieser Art; letztere als Jugendarbeit noch ganz
+unter Donatello's Einfluß, welchem sie daher auch zugeschrieben wird.
+
+[Abbildung: 62. Marmorbüste der Marietta Strozzi von Desiderio.]
+
+Dem Desiderio steht der gleichaltrige Antonio Rossellino besonders nahe.
+Bei der frühzeitigen und von vornherein ganz eigenartigen Entwickelung
+Desiderio's dürfen wir die Verwandtschaft des Antonio wohl mit
+Bestimmtheit auf den Einfluß des Ersteren zurückführen. Seine Schule hat
+Antonio aber wohl unter seinem älteren Bruder, dem berühmten Baumeister
+und Bildhauer _Bernardo Rossellino_ (eigentlich Bernardo di Matteo
+Gamberelli gen. Rosselino, 1409-1464) durchgemacht, mit dessen späteren
+Arbeiten Antonio's Jugendwerke die nächste Verwandtschaft zeigen. Der
+eigenartige, schaffensfreudige und energische Charakter in Bernardo's
+Bauten wohnt auch seinen Bildwerken inne. In der Durchbildung der
+menschlichen Gestalt teilweise noch befangen, hat er durch den großen
+architektonischen Aufbau seiner plastischen Monumente die florentiner
+Skulptur des Quattrocento in vorteilhaftester Weise bestimmt; ihm
+verdankt dieselbe wohl in erster Reihe die feine Empfindung für die
+architektonischen Verhältnisse, welche sich in fast allen Denkmälern aus
+der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts bekundet. Bernardo's großes
+Marmorgrabmal des Leon Bruni ({~DAGGER~} 1444) in Sa. Croce ist das erste und
+zugleich das vornehmste Nischengrab in Florenz, das Vorbild für alle
+anderen. Der figürliche Schmuck, dessen Verteilung zu der Wirkung des
+großartigen Aufbaues wesentlich beiträgt, ist im Allgemeinen noch etwas
+schwerfällig und in der Bewegung nicht immer frei; dagegen ist die Figur
+des Toten so edel gedacht und so schön angeordnet, wie wohl an keinem
+zweiten italienischen Grabmonument. In dem Grabmal Lazzari in
+S. Domenico zu Pistoja, über dessen Ausführung der Künstler hinstarb,
+hat er den von ihm verlangten Typus des Bologneser Professorengrabes mit
+dem Auditorium als Mittelpunkt in freie künstlerische Form gebracht,
+während er in dem Monument der Beata Villana in Sa. Maria Novella ein
+einfaches gotisches Motiv sich aneignete: Engel ziehen den
+baldachinartigen Vorhang vor der im Todesschlafe ruhenden Gestalt des
+jungen Heiligen zurück. Auch das Marmortabernakel in der Kirche des
+Hospitals von Sa. Maria Nuova (um 1450) hat in seinem architektonischen
+Aufbau wie in der Gliederung ähnliche Vorzüge.
+
+[Abbildung: 62A. Büste einer Urbiner Prinzessin von Desiderio.]
+
+[Abbildung: 141. Bemalte Stuckbüste des Gio. Rucellai von einem
+unbekannten Florentiner um 1460.]
+
+Die figürlichen Darstellungen an diesen Monumenten wie seine rein
+figürlichen Bildwerke; die große Lünette und die beiden Heiligenfiguren
+an der Fassade der Misericordia zu Arezzo (von 1434 u. 1435) und die
+Gruppe der Verkündigung in S. Francesco zu Empoli (vom Jahre 1447) haben
+noch etwas Schwerfälliges in Form und Bewegung und eine gewisse stumme
+Befangenheit im Ausdruck. Damit verbinden sie aber einen wirkungsvollen
+Ernst, eine wie mühsam verhaltene Empfindung und inbrünstige
+Begeisterung, weiche, wenn auch etwas motivlose Faltenbildung in den
+vollen Gewändern und feine naturalistische Behandlung des Fleisches,
+namentlich in den schönen Köpfen. Die einzige Arbeit in der Berliner
+Sammlung, die sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auf diesen Künstler
+zurückführen läßt, ist ein Stuckrelief, Maria, das Kind anbetend (No.
+73A), das in den Typen und in der weichen unbestimmten Behandlung der
+Gewandfalten die Merkmale Bernardo's aufweist; doch ist die Komposition
+offenbar abhängig von der auf Donatello's Schule zurückgehenden Anbetung
+des Kindes (No. 47).
+
+[Abbildung: 65A. Marmorrelief der Madonna von Ant. Rossellino.]
+
+Bernardo's jüngster Bruder _Antonio Rossellino_ (1427 bis 1478), an
+seinem letzten Denkmal, dem Grabmal Lazzari in Pistoja, urkundlich sein
+Mitarbeiter, erscheint auch nach dem Charakter seiner Bildwerke,
+namentlich der Jugendarbeiten, als ein Schüler seines Bruders. Er sucht
+zuerst außerhalb Florenz seine Sporen zu verdienen: 1457 arbeitet
+Antonio am Sebastianaltar in Empoli und im folgenden Jahre vollendet er
+den Marmorschrein des Beato Marcolini, jetzt im Museum zu Forlì. In
+beiden Arbeiten ist er schon voller Meister und seinem Bruder überlegen
+durch freiere Bewegung und feineres Naturverständnis, das sich
+namentlich in der weichen, geschmackvollen Behandlung der Gewandung und
+in der meisterhaften Wiedergabe des Fleisches bekundet. Die Statue des
+Sebastian in Empoli ist eine der schönsten Freifiguren der
+Frührenaissance.
+
+Solche Arbeiten mußten dem Künstler auch in der Heimat, wo sie sehr
+wahrscheinlich ausgeführt wurden, rasch Ansehen verschaffen und Aufträge
+zuführen. Im Jahre 1461 wurde ihm in der That ein solcher in großartiger
+Form zu Teil: der Bau der Grabkapelle für den 1459 jung verstorbenen
+Kardinal von Portugal mit seinem Grabmal in San Miniato al Monte.
+Antonio hat diese Aufgabe in einer Weise gelöst, daß die Kapelle,
+obgleich seines Altarbildes von Piero Pallajuolo beraubt, noch heute mit
+Recht als ein Schmuckkästchen Florentiner Quattrocentokunst berühmt ist,
+und das Grabmal, wenn nicht als das großartigste, so doch als das
+reizvollste Grabmonument der Renaissance gelten darf. Erscheint schon in
+der Gestalt des auf dem Paradebett ausgestreckten Verstorbenen der Tod
+nur als ein sanfter Schlaf, als ein Ausruhen zu neuem Leben, so ist die
+überirdische Freude des zukünftigen Lebens auf köstliche Weise in der
+Schar der Engel zum Ausdruck gebracht, von denen die einen die Madonna
+mit dem Christkind in der Mandorla zu dem Verstorbenen herabtragen, die
+anderen mit der Krone zu seiner Seite knien. Beide Motive: Tod und
+Leben, kommen in sinniger, wirkungsvoller Weise auch im
+architektonischen Aufbau und in der Dekoration zur Geltung.
+
+Dieser Arbeit, welche den Meister wohl eine Reihe von Jahren fast
+ausschließlich beschäftigte, folgten verschiedene größere und kleinere
+Madonnenreliefs in Marmor, wie die große Madonna del latte in Sa. Croce,
+das durch seine reiche Umrahmung ausgezeichnete Relief in Solarolo, ein
+kleineres Relief im Museum zu Wien und ein zweites im Bargello, endlich
+das Rundrelief der Anbetung ebenda und eine Umarbeitung dieser
+Komposition zu einem reich gegliederten, höchst sauber durchgearbeiteten
+Altar in der Kirche Montoliveto zu Neapel. Für seine Meisterschaft und
+seinen Geschmack in der Wiedergabe der vollen Individualität geben zwei
+gleichzeitig (1468) entstandene Marmorbüsten älterer Männer im Bargello
+und im South Kensington Museum das glänzendste Zeugnis. Sein besonderes
+Talent für die Darstellung des Kindes bekunden eine Anzahl Kinderbüsten
+in der Chiesa de' Vanchettoni zu Florenz, im Bargello, im Pal. Martelli,
+im Medaillenkabinet, bei G. Dreyfuß zu Paris und in der Sammlung
+Hainauer in Berlin, samtlich in Marmor. Einige Thongruppen der Maria mit
+dem Kinde, wahrscheinlich Modelle für größere Marmorarbeiten, erscheinen
+durch die Auffassung des Kindes beinahe wie Genredarstellungen. Die
+köstlichste dieser Gruppen ist die Madonna mit dem lachenden Kinde im
+South Kensington Museum.
+
+[Abbildung: 149A. Bemalte Thonbüste der hl. Elisabeth von Ant.
+Rossellino.]
+
+Wie Antonio in seiner früheren Zeit zur Fertigstellung eines Monuments
+berufen wurde, über das sein Bruder hingestorben war (Grabmal Lazzari in
+Pistoja, vollendet 1468), so hat er selbst einen großen Auftrag, den er
+von Neapel aus erhielt, das Grabmal der 1470 verstorbenen Maria von
+Arragonien für die Chiesa di Montoliveto, nur noch anfangen können. Die
+Ausführung dieses Monuments, für welches das Grabmal des Kardinals von
+Portugal ausdrücklich als Vorbild ausbedungen war, ist in allen
+wesentlichen Teilen von der Hand des Benedetto da Majano.
+
+[Abbildung: 67. Marmorbüste von Ant. Rossellino.]
+
+Die Berliner Sammlung enthält eine reiche Auswahl verschiedenartiger
+Arbeiten des A. Rossellino, die den Künstler in vorteilhafter Weise
+kennen lehren; außer mehreren bemalten Stucknachbildungen von
+Madonnenreliefs (No. 66 und 68 bis 70) auch verschiedene Originale. In
+dem großen Marmorrelief der Madonna, welche das Kind auf dem Schoße hält
+(No. 65A), besitzt die Sammlung eine ganz eigenhändige und zugleich wohl
+die vollendetste Arbeit des Meisters in dieser Art. Die Modellierung,
+namentlich im Kinderkörper und in den Händen der Maria, ist mit
+unübertrefflicher Treue und Feinheit der Natur abgelauscht; die
+Behandlung des Reliefs von den ganz flach gehaltenen Cherubim in den
+oberen Ecken bis zu dem ganz in Hochrelief gearbeiteten Körper des
+Christkindes ist von großer malerischer Wirkung, die Ausführung in
+Marmor von höchster Delikatesse. Die zahlreichen Aufträge, wie die
+Vorliebe für die Wahl des Marmors und die Ansprüche an die Durchführung
+in diesem Material machte sonst in der zweiten Hälfte des XV. Jahrh.
+eine starke Beteiligung von Schülern und Gehülfen an der Ausführung zur
+Regel und hatte, neben kleinen Thonskizzen, die Anfertigung großer
+Modelle in Thon als Vorlagen für die Schüler zur Folge. Gerade von Ant.
+Rossellino sind uns solche Thonmodelle noch in größerer Zahl erhalten,
+die sich alle durch die feine naturalistische Durchbildung und die
+Frische der Arbeit auszeichnen. Dies gilt ganz besonders von einigen
+hervorragenden Arbeiten dieser Art in der Berliner Sammlung, einer
+Madonna mit dem Kinde auf reich dekoriertem Sessel (No. 65) und dem
+großen Rundrelief mit der Anbetung der Hirten (No. 64), dessen
+wesentlich veränderte Marmorausführung das Bargello besitzt (vgl. oben).
+Auch ein Paar tüchtige Büsten der Sammlung lassen sich wenigstens mit
+Wahrscheinlichkeit auf Antonio zurückführen; die Marmorbüste eines
+Florentiners in mittleren Jahren (No. 67) und die farbige Thonbüste der
+hl. Elisabeth (No. 149A), worin das Porträt einer vornehmen Nonne
+wiedergegeben ist.
+
+[Abbildung: 65. Thonrelief der Madonna von Ant. Rossellino.]
+
+Ebenso reich und vorteilhaft wie A. Rossellino ist auch der jüngste
+unter den großen Marmorbildnern des Quattrocento, _Benedetto da Majano_
+(1442-1497), im Berliner Museum vertreten. Benedetto erscheint als
+Nachfolger Rossellino's für die Vollendung des Grabmals der Maria von
+Arragonien (nach 1481); diesen hat er sich aber auch schon in seinem
+frühesten bekannten Werke zum Vorbild genommen, im Wandaltar des hl.
+Savinus in der Kathedrale von Faenza (um 1470). Augenscheinlich hat
+Antonio's Markolinusmonument in Forlì den Aufbau dieses Altares
+bestimmt; aber auch Behandlung, Ausdruck und Empfindung sind dem
+Rossellino so verwandt, daß daraus eine nähere Beziehung Benedetto's zu
+diesem Künstler fast zweifellos wird. Auch in späteren Werken bleibt die
+innere Verwandtschaft zwischen beiden Künstlern, so daß ihre Arbeiten
+oft mit einander verwechselt werden. Gemeinsam ist ihnen der
+Schönheitssinn und Geschmack, die Einfachheit und Natürlichkeit in
+Auffassung und Darstellungsweise, die Lieblichkeit der Erscheinung und
+die Holdseligkeit im Ausdruck ihrer Gestalten, die Weichheit in der
+Behandlung, namentlich auch in der Gewandung, die Eleganz und
+Zierlichkeit im architektonischen Aufbau und in den dekorativen Details.
+Doch sind bei Benedetto alle diese Eigenschaften schärfer ausgeprägt und
+werden, wenigstens in seiner letzten Zeit, schon teilweise zur Manier;
+seine Gestalten sind schlanker, der Faltenwurf der in späterer Zeit wie
+gebauscht erscheinenden Gewänder, ist voller und weicher; die Formen
+seiner Figuren sind von einer mehr allgemeinen Schönheit, der Ausdruck
+zuweilen schon von einer etwas leeren träumerischen Holdseligkeit, und
+den figurenreicheren Kompositionen fehlt es an dramatischer Auffassung
+und energischer Bewegung. Innerhalb seiner Befähigung hat aber
+Benedetto doch eine so glückliche und mannigfaltige Thätigkeit
+entfaltet, daß er unter den letzten Bildhauern des Quattrocento in
+Florenz in erster Linie genannt zu werden verdient.
+
+Der oben erwähnten Jugendarbeit des Savinusaltars in Faenza folgt in
+Florenz im Auftrage des P. Meilini, dessen Büste als Greis aus dem Jahre
+1474 jetzt das Bargello besitzt, die berühmte Kanzel in Sa. Croce. Sie
+ist ganz besonders ausgezeichnet durch ihre glücklichen Verhältnisse und
+die zierliche Dekoration. Ein Thonmodell zu einer der Reliefdarstellungen
+aus dem Leben des hl. Franz besitzt die Berliner Sammlung: die (bei der
+Ausführung verworfene) Vision des Papstes Innocenz III. (No. 87). Etwa
+gleichzeitig (1475) scheint der Altar der hl. Fina in der Collegiata zu
+San Gimignano entstanden zu sein, der im Aufbau durch Rossellino's
+Grabmonument in San Miniato beeinflußt ist. Durch die Zartheit der
+Empfindung, die Lieblichkeit der Gestalten und die Zierlichkeit der
+Dekoration erscheint er für seine Bestimmung zur Verherrlichung einer
+heiligen Jungfrau besonders geeignet. Wohl im Anschluß an diese Arbeit
+fertigte Benedetto für San Domenico in Siena das große herrlich
+aufgebaute Marmorciborium mit den Evangelisten am Sockel und den schönen
+Figuren der leuchterhaltenden Engel, denen zur Seite des Finamonuments
+ganz verwandt.
+
+[Abbildung: 86. Bemalte Thonstatue der Madonna von Ben. da Majano.]
+
+Von San Gimignano zurückgekehrt, war Benedetto für den Palazzo Vecchio
+in Florenz thätig, wo er die Marmoreinrahmung der Thür des Audienzsaales
+zwischen den Jahren 1475 und 1481 ausführte; dazu gehörten ursprünglich
+auch die Johannesstatue und die beiden Gruppen von Kindern mit
+Kandelabern, welche jetzt im Bargello aufgestellt sind. Aus dem Jahre
+1480 datiert die jetzt unbemalte Thonstatue der Madonna im Dom zu
+Prato, an deren Sockel ein Marmorrelief der Beweinung Christi sich
+befindet. Ihr ebenbürtig und durch die Erhaltung der alten Bemalung noch
+überlegen, erscheint eine ganz ähnliche große Madonnenstatue der
+Berliner Sammlung (No. 86), die in der Verbindung von naiver Wiedergabe
+der schlichten Lebenswahrheit mit vollendeter Anmut und feinem Geschmack
+in der Anordnung als ein Meisterwerk des Benedetto gelten darf.
+Genrehafter in der Auffassung und wohl etwas jünger ist eine
+Madonnenstatuette unserer Sammlung (No. 89D), in welcher wir das Kind im
+Einschlafen auf dem Schoße der Mutter sehen. Solche Statuetten, die wohl
+zum Teil als Skizzen oder Modelle entstanden, sind aus der späteren Zeit
+des Benedetto nicht selten.
+
+[Abbildung: 85. Bemalte Thonbüste des Fil. Strozzi von Ben. da Majano.]
+
+In der ersten Hälfte der achtziger Jahre vollendete Benedetto das
+Grabmal der Maria von Arragonien in der Chiesa di Montoliveto zu Neapel,
+über dessen Ausführung A. Rossellino hingestorben war. Im Aufbau und in
+sämtlichen Figuren fast treu kopiert nach dem Monument des Kardinals von
+Portugal, ist es in den Typen, in der Bewegung und Gewandung wie in der
+Dekoration ein gleich bezeichnendes Werk des Benedetto, der auf die
+Durchführung ganz besondere Sorgfalt verwendete. Diese Arbeit wurde die
+Veranlassung zu einem zweiten großen Monumente für dieselbe Kirche, dem
+Marmoraltar mit der Verkündigung, als Gegenstück von Rossellino's
+Anbetungsaltar, der dem Meister wieder als Vorbild für den Aufbau
+gegeben wurde. Es fehlt diesem 1489 vollendeten Monumente, bei aller
+Schönheit im Einzelnen, schon vielfach an der Frische und Naivetät der
+früheren Arbeiten; auch machen sich hier die langen Falten in den
+bauschigen Gewändern teilweise schon recht störend geltend.
+
+[Abbildung: 88. Fahnensockel in Marmor von Ben. da Majano.]
+
+Als dieser Marmoraltar fertig wurde, beschäftigten den Künstler schon
+die Pläne für den Palast, mit dessen Bau ihn Filippo Strozzi betraut
+hatte; und als bald darauf eine schwere Krankheit den Auftraggeber
+befiel, gab dieser ihm auch sein Grabmal in Arbeit, welches jetzt die
+Familienkapelle in Sa. Maria Novella schmückt. Auf dunkler Rückwand vier
+Engel, die schwebend in schwärmerischem Anblick des Christkindes
+versunken sind, das in den Armen der Mutter von einem Rosenkranz umgeben
+ist. In der ersten Zeit seiner Beziehungen zu diesem kunstsinnigen
+Gönner entstand die bemalte Thonbüste Fillippo's in der Berliner
+Sammlung (No. 85), mit deren Benutzung einige Zeit später die
+Marmorbüste im Louvre ausgeführt wurde. Die feinen Züge dieses großen
+Mannes sind, namentlich in der Thonbüste, mit einer Frische und Treue,
+mit einer Anspruchslosigkeit und einem Geschmack wiedergegeben, welche
+diese Büste als ein Meisterwerk der Porträtplastik überhaupt erscheinen
+lassen. Eine zweite Thonbüste, die gleichfalls noch ihre alte Bemalung
+besitzt, die Büste der hl. Katharina von Siena (No. 149), darf wohl
+ebenfalls auf Benedetto zurückgeführt werden, für den der halb
+schwärmerische, halb träumerische Ausdruck des schönen Kopfes, die
+weichen Falten und die Dekoration des Sockels charakteristisch sind. Die
+kranztragenden Engel am Sockel kommen genau so als Dekoration eines
+trefflichen kleinen Reliefs mit der Geburt des Johannes im South
+Kensington Museum vor, welches Ende der siebziger Jahre entstanden zu
+sein scheint.
+
+Als charakteristisches Werk der letzten Zeit Benedetto's besitzt die
+Berliner Sammlung ein kleines Stuckrelief mit der Kreuzigung Christi
+(No. 92). Das Hauptwerk dieser Zeit ist der schön aufgebaute Altar des
+hl. Bertoldus in S. Agostino zu San Gimignano (seit 1494). Die Büsten
+Giotto's und des Squarcialupi im Dom zu Florenz (um 1490) sind weniger
+bedeutend und verraten in der Ausführung die Hand von Schülern. Auch das
+fein durchgeführte Krucifix ebenda ist zu weichlich in der Auffassung.
+Die Statuen der Madonna und des (unvollendeten) Sebastian, die er in
+seinem Testament der Misericordia hinterließ, sind besonders bezeichnend
+für die etwas leere Allgemeinheit in den Formen und in dem
+schwärmerischen Ausdruck, wie für die schwülstige Fülle der Gewandung in
+seiner letzten Zeit. Das einzige Beispiel für Benedetto's Behandlung des
+Marmors bietet in der Berliner Sammlung (No. 88) eine dekorative Arbeit:
+der Sockel einer Kirchenfahne mit drei köstlichen Engelsköpfen am Fuß.
+
+Mit Ant. Rossellino und Ben. da Majano wetteifert als beliebter
+Marmorbildner in seiner Heimat wie außerhalb derselben ein dritter
+florentiner Künstler, _Mino da Fiesole_ (1431-1484). Erst durch
+Desiderio aus einem Steinmetzen zum Künstler ausgebildet, wie uns Vasari
+berichtet, hat er in seiner künstlerischen Thätigkeit das Handwerkmäßige
+nie völlig abgestreift. Seine außerordentliche Fertigkeit verführte ihn
+zu flüchtiger und ungleichmäßiger Massenproduktion; als Unternehmer
+unterzog er sich bald hier, bald dort großen Aufgaben und nahm keinen
+Anstand, die Ausführung mit anderen, oft recht geringwertigen Künstlern
+zu teilen. Nicht gewöhnt, auf die Natur als letzte und einzige Quelle
+zurückzugehen, war er, wo er nicht (wie in den Porträts) zur
+unmittelbaren Wiedergabe der Natur angehalten wurde, der Gefahr des
+Manierismus besonders ausgesetzt. Der Liebreiz seiner Figuren ist mehr
+äußerlich; Ausdruck und Bewegung derselben ermangeln des inneren Lebens
+und haben daher leicht etwas Starres und Kleinliches, wie auch sein
+Faltenwurf eckig und einförmig ist. Wie ihm wirkliches Formenverständnis
+und freie schöpferische Phantasie abgehen, so fehlt ihm auch die Freude
+des echten Künstlers an der Durchbildung seiner Werke. Andererseits
+weisen alle Bildwerke des Mino große technische Fertigkeit und
+Sicherheit in der Behandlung des Marmors auf; durch sie wird der
+Künstler in den Stand gesetzt, ohne Skizzen und Modelle unmittelbar aus
+dem Marmor heraus und daher ganz im Charakter des Materials zu schaffen.
+Daneben besitzt er eine, ich möchte sagen, bäuerische Naivetät und
+Frische der Auffassung, sobald er unmittelbar nach der Natur arbeitet,
+also namentlich als Porträtbildner. In seinen zahlreichen Porträts,
+Büsten wie Reliefporträts, deren er fast so viele hinterlassen hat wie
+alle seine florentiner Zeitgenossen zusammen, zeigt er eine Breite und
+Derbheit der Charakteristik, eine Frische der Wiedergabe, welche ihn dem
+Frans Hals vergleichen, ihn aber gelegentlich auch, gerade wie Hals, bei
+besonders frappanten Persönlichkeiten nahe an Karikatur streifen läßt.
+
+Mino ist schon jung nach Rom gekommen: im Jahre 1454, also mit 23 Jahren
+datiert er seine jetzt im Berliner Museum befindliche Büste des Niccolo
+Strozzi »in urbe«; 1463 und 1464 ist er dort für die Kanzel im Peter,
+sowie für das große Ciborium und den Hieronymusaltar in Sa. M. Maggiore
+thätig; nach dem Tode Papst Pauls II. (1471) wurde er zur Anfertigung
+von dessen Grabmal berufen, und um 1475-1480 finden wir ihn für Nepoten
+und Kirchenfürsten unter Sixtus IV. beschäftigt. Wie Mino durch diese
+seine außerordentlich umfangreiche Thätigkeit in Rom auf die gesamte
+römische Plastik der Frührenaissance bestimmenden Einfluß ausübte, so
+hat der Aufenthalt in Rom auch auf ihn zurückgewirkt; namentlich ist
+sein eigentümlicher Faltenwurf mit den zierlichen Parallelfalten und
+ihren scharfen Knicken augenscheinlich eine mißverstandene Auffassung
+der Gewandbehandlung an archaistischen römischen Bildwerken.
+
+Die Zahl und der Umfang der meisten Monumente, welche Mino in Rom wie in
+Florenz und Umgebung geschaffen hat, ist nur erklärlich aus seiner
+außerordentlichen handwerksmäßigen Sicherheit und Leichtigkeit des
+Schaffens. Mino scheint jede Aufgabe übernommen zu haben, die sich ihm
+darbot; daher sind die Bildwerke seiner Hand ebenso mannigfaltig wie
+zahlreich. In der Erfindung meist von den Vorbildern seiner Florentiner
+Zeitgenossen abhängig oder lokalen Bedingungen sich fügend, im Aufbau
+wenig originell und ohne feines Ebenmaß der Verhältnisse, in der
+Ornamentik und Profilierung ohne den Sinn für Natur und Stil, der
+namentlich seinen Lehrer Desiderio auszeichnet, erzielt Mino doch in
+einer Anzahl dieser Monumente durch Frische der Empfindung, glückliche
+Verbindung der architektonischen und plastischen Teile, Zierlichkeit der
+Arbeit, gelegentlich auch durch eigenartige Ideen eine reizvolle
+Gesamtwirkung. Unter den Grabmonumenten, den zahlreichsten unter Mino's
+Arbeiten, stehen die einfachsten obenan: das Grabmal des Bischofs Leon.
+Salutati im Dom von Fiesole (vor 1466), in der Verbindung von Büste und
+Sarkophag und im Aufbau an der Wand, wie in der Durchführung eines der
+vollendetsten und eigenartigsten Monumente der Frührenaissance; sowie
+das köstliche Monument des jungen Francesco Tornabuoni in der Minerva zu
+Rom ({~DAGGER~} 1480). Andere Grabdenkmäler sind stärker beeinflußt von fremden
+Vorbildern, namentlich vom Marzuppini-Monument: so das des Giugni ({~DAGGER~}
+1466) und des Grafen Hugo (vollendet 1481) in der Badia zu Florenz, das
+des Kardinals Nie. Forteguerri ({~DAGGER~} 1473) mit der trefflichen Gestalt des
+Toten auf schöner Doppelbahre in Sa. Cecilia zu Rom, sowie die späteren
+römischen Grabmäler des P. Riario ({~DAGGER~} 1474) in Sti. Apostoli, des Chr.
+della Rovere ({~DAGGER~} 1479) in Sa. M. del Popolo, des Ferricci im Hof der
+Minerva. Sie sind sämtlich unter mehr oder weniger starker Beteiligung
+anderer in Rom arbeitender Künstler ausgeführt und von dem Typus der
+römischen Gräber beeinflußt. Andere Monumente dieser Art in Rom, wie das
+des Papstes Paul II. und des Kardinals Piccolomini ({~DAGGER~} 1479), sind nur
+noch in einzelnen Teilen vorhanden (in den Grotten des Vatikan und in
+S. Agostino).
+
+[Abbildung: 81. Marmorrelief der Madonna von Mino da Fiesole.]
+
+Die Berliner Sammlung besitzt ein unfertiges Relief, das jedenfalls für
+die Rückseite eines Grabmonuments berechnet war, die Gestalt des
+Glaubens (No. 82); von besonderem Interesse durch den unfertigen
+Zustand: der Kopf, bis auf die Politur schon ganz durchgeführt, andere
+Teile der Figur dagegen eben erst aus dem Groben herausgehauen. Der
+Umstand, daß jede Angabe von Punkten fehlt, läßt darauf schließen, daß
+Mino diese Figur ganz eigenhändig und ohne Modell arbeitete. Wir dürfen
+danach wohl annehmen, daß er überhaupt seine Arbeiten, soweit nicht
+andere Künstler neben ihm thätig waren, im Wesentlichen allein
+ausführte. Auch ein im Rund komponiertes, ziemlich flach gehaltenes
+Marmorrelief der Madonna (No. 81) bildete wohl ursprünglich den Abschluß
+eines Grabmonuments. In Zeichnung und Durchbildung eine der besten
+Arbeiten des Künstlers, im Ausdruck so anmutig, wie kaum eine zweite
+Madonna, läßt sich dieselbe nach ihrer Verwandtschaft mit den spätesten
+Arbeiten Mino's, namentlich mit der Madonna am Grabmal Hugo, in die
+letzten Jahre seiner Thätigkeit setzen. In diese Zeit gehört wohl auch
+die eben genannte (vielleicht bei seinem Tode unvollendet gebliebene)
+Figur des Glaubens, deren Kopf mit dem der Madonna die größte
+Verwandtschaft hat.
+
+[Abbildung: 79. Marmorbüste des N. Strozzi von Mino.]
+
+Die Zahl der Kanzeln, Altäre, Tabernakel und Ciborien von Mino's Hand
+ist fast ebenso groß, wie die der Grabdenkmäler; teilweise sind
+dieselben auch von gleichem Umfange. In Florenz gehören die Altäre im
+Dom von Fiesole (vor 1466) und der bald darauf entstandene ähnliche
+Altar in der Badia, die Tabernakel in Sa. Croce und S. Ambrogio (1481)
+zu seinen bekanntesten Arbeiten. Die Kanzel in Prato, die er 1473 mit
+Ant. Rossellino zusammen ausführte, und das Ciborium in Volterra (1471)
+stehen durch die Flüchtigkeit der Zeichnung und die oft kindlich
+ungeschickte Komposition wesentlich hinter jenen Arbeiten zurück. In Rom
+sind die meisten Werke dieser Art zerstückelt: so die große Kanzel des
+Peter, an welcher vier Apostel von Mino's Hand sind, das kolossale
+Ciborium in Sa. Ma. Maggiore (1463) und das gemeinsam mit Dalmata
+ausgeführte Tabernakel in S. Marco (um 1463). Die Tabernakel in Sa. Ma.
+in Trastvere und in S. Pietro in Perugia (1473, wohl gleichfalls in Rom
+entstanden) befinden sich dagegen noch an ihrem ursprünglichen Platze.
+Von den ziemlich zahlreichen Madonnenreliefs, die der Bargello, der
+Louvre und Pariser Privatsammlungen aufzuweisen haben, war wohl die
+Mehrzahl für Tabernakel bestimmt, wie heute noch eines mit dem besonders
+tüchtigen, größeren Madonnenrelief als Straßentabernakel gegenüber
+Palazzo Martelli in Florenz aufgestellt ist.
+
+[Abbildung: 80. Marmorbüste eines jungen Mädchens von Mino.]
+
+Die Meisterschaft des Mino als Porträtbildner ist nicht nur durch die
+Grabstatuen seiner Monumente, sondern auch durch eine stattliche Reihe
+von Büsten und Reliefs bezeugt, die fast ausschließlich Florentiner
+darstellen. Die früheste beglaubigte Büste stellt den in Rom im Exil
+lebenden Niccolo Strozzi (1454) dar; sie befindet sich jetzt im Berliner
+Museum (No. 79). Die auffallende Persönlichkeit dieses bedeutenden
+Mannes, der seit seiner Jugend an Fettsucht litt, ist mit einer Größe
+und Breite zum Ausdruck gebracht, welche diese und ähnliche Büsten
+Mino's unter die besten florentiner Arbeiten der Art einreihen läßt.
+Bald darauf wurde der Künstler als Porträtbildner für die Medici
+beschäftigt: die Büsten des Piero und seines Bruders Giovanni de'
+Medici (im Bargello) entstanden etwa gleichzeitig mit der Büste eines
+Unbekannten in der Sammlung Hainauer zu Berlin (1456), um die Mitte der
+fünfziger Jahre. Die kleinere Büste des Rinaldo della Luna (Bargello)
+datiert von 1461, und wenig später entstand wohl die großartige Büste
+von Mino's Gönner Diotisalvi Neroni, welchen 1466 für seinen Verrat an
+den Mediceern die Verbannung traf. Aus der gleichen Periode ist die
+Büste am Grabe des Bischofs von Fiesole, wieder ein Meisterwerk in
+feiner Charakteristik und geschmackvoller Aufstellung. In diese Zeit
+gehört auch, nach Auffassung und Behandlung, die einzige bisher bekannte
+fertige[B] Frauenbüste von Mino's Hand, im Berliner Museum (No. 80);
+etwas eckig in Formgebung und Bewegung, aber von köstlicher Frische der
+Auffassung und höchster Delikatesse der Durchführung. Die einzige von
+ihm in Rom ausgeführte Büste, Papst Paul II. im Pal. Venezia, geht dort
+von Alters her als ein Werk des Bellano. Eine Anzahl florentiner
+Knaben- und Jünglingsbüsten, hergebrachter Weise in der Ausstaffierung
+des Schutzheiligen von Florenz, Johannes d. T., sind fast ausnahmslos
+jetzt außerhalb Italiens: im Louvre, im Museum zu Lyon, in Pariser
+Privatsammlungen.
+
+Wohin Mino's handwerksmäßige Ausübung der Marmorplastik ohne
+künstlerische Begabung führen konnte, beweist ein dem Namen nach noch
+unbekannter florentiner Bildhauer dieser Zeit, der regelmäßig mit Mino
+verwechselt wird. Von diesem jetzt als »_Meister der Marmormadonnen_«
+bezeichneten Anonymus besitzt die Berliner Sammlung zwei sehr
+charakteristische und besonders gute Arbeiten: die Madonna im
+Cherubimkranz (No. 77) und eine kleine sitzende Madonna in ganzer Figur
+(No. 76). Eckig, unbelebt und gespreizt, wie Mino in seinen geringeren
+Arbeiten, ist dieser Künstler in der Formbehandlung wie in der
+Faltengebung dem Ant. Rossellino näher verwandt; seine maskenhaften
+Gesichter, sein stereotypes, grinsendes Lächeln verraten ihn in allen
+seinen Werken. -- Eine große Marmorbüste Christi als Eccehomo in der
+Berliner Sammlung (No. 84), die manche Verwandtschaft mit diesem
+Künstler zeigt, ist seinen Madonnen in dem herben Naturalismus doch so
+sehr überlegen, daß sie wohl einem dritten, dem Mino nahestehenden
+Bildhauer dieser Zeit zuzuschreiben ist.
+
+Zur florentiner Schule muß auch der Lucchese _Matteo Civitale_
+(1435-1501) gerechnet werden. Urkundlich steht er zwar nicht in
+Beziehung zu Florenz; aber die Abhängigkeit Lucca's von Florenz seit dem
+Anfange des Quattrocento und, als Folge davon, das Aufhören einer
+lokalen künstlerischen Tradition, wie die völlige Abhängigkeit des
+Künstlers von seinen Florentiner Zeitgenossen, namentlich von Desiderio,
+lassen keinen Zweifel darüber, daß er in Florenz seine Lehrzeit
+durchmachte und an die Florentiner Kunst sich anschloß. Ohne
+hervorstechende Eigenart und ohne die lebensvolle Frische und den feinen
+Natursinn der Florentiner, verdient Matteo doch durch sein
+Schönheitsgefühl, durch die Innigkeit der Empfindung und seinen
+Geschmack einen Platz neben den Florentiner Marmorbildnern seiner Zeit.
+Besonders glücklich in seinen Dekorationsarbeiten, wie heute namentlich
+noch das Tempietto (1481) und die Kanzel (1492) im Dom zu Lucca
+bezeugen, befriedigt er in seinen figürlichen Darstellungen am meisten,
+je einfacher sie sind und je mehr seine fromme, innige Empfindung darin
+zum Ausdruck kommen kann. Sein Christus als Schmerzensmann, den er mit
+Vorliebe zum Vorwurf wählt und am glücklichsten in der Büste des Museums
+zu Lucca und in dem Hochrelief des Bargello wiedergegeben hat, wird im
+Adel der Formen und des Ausdrucks durch keine ähnliche Florentiner
+Arbeit übertroffen; seine betenden Engel vom (zerstörten)
+Sakramentsaltar im Dom zu Lucca (1473) und sein Relief mit der
+allegorischen Figur des Glaubens im Bargello gehören durch die
+Vereinigung von begeistertem Ausdruck gläubiger Andacht mit Schönheit
+der Form und Bewegung zu dem besten, was die toskanische Kunst dieser
+Zeit hervorgebracht hat. Unter den großen Monumenten genügen die
+einfacheren am meisten; so das Grabmal von Matteo's langjährigem Gönner
+Dom. Bertini im Dom (1479), teilweise auch das Grabmal des hl. Romanus
+in S. Romano (1490). Das Monument des Pietro a Noceto ({~DAGGER~} 1472) im Dom
+giebt sich dagegen zu sehr als Nachbildung des Marzuppini-Monuments von
+Desiderio; und der Regulusaltar (1484) ist eine nur teilweise geglückte
+Verbindung von Wandaltar und Grabmal. Gegen Ende des Jahrhunderts
+erhielt Matteo eine größere Aufgabe außerhalb seiner Heimat: er wurde
+nach Genua berufen, um das Innere der Johanneskapelle im Dom
+auszuschmücken. Die Reliefs aus dem Leben des Täufers und sechs der
+lebensgroßen Statuen sind von seiner Hand; in Florenz würden diese
+Figuren zu weichlich und nicht frei genug in ihrer naturalistischen
+Durchbildung erscheinen; in Genua sind sie die beste Leistung der
+Renaissance, selbst neben den Statuen des A. Sansovino, welcher nach
+Matteo's Tode den Schmuck der Kapelle zu vollenden hatte.
+
+Die Berliner Sammlung besitzt keine Arbeit des Luccheser Künstlers, der
+außerhalb seiner Heimat überhaupt nur sehr spärlich vertreten ist. Doch
+befindet sich im Berliner Privatbesitz, in der Sammlung des Herrn A. von
+Beckerath, das Profilporträt eines jungen Mädchens in reicher Tracht,
+ein tüchtiges Werk aus Matteo's früherer Zeit.
+
+ * * * * *
+
+Die Marmorplastik in ihrer einseitigen Richtung mußte zu einer
+dekorativen und dadurch zugleich oberflächlichen und selbst
+handwerksmäßigen Ausübung führen, welche die Künstler von den großen
+Zielen der Kunst abdrängte. In naturgemäßem Gegensatz gegen diese Art
+der plastischen Kunst und zugleich zum Heil für die gedeihliche
+Fortentwickelung der italienischen Plastik bildete sich neben ihr eine
+auf Donatello's letzter Thätigkeit fußende Richtung der Skulptur in
+Florenz aus, welche den Schwerpunkt ihres Strebens auf möglichst treue
+naturalistische Durchbildung legte und damit zugleich eine Vertiefung
+der Auffassung und Erweiterung und Vervollkommnung der Technik verband.
+Die Künstler dieser Richtung gehen aber keineswegs, wie ihr großer
+Lehrmeister Donatello, einseitig auf die Wiedergabe des
+Charakteristischen und Momentanen aus, sondern verbinden damit ein
+ausgesprochenes Streben nach Anmut und selbst nach Schönheit. An der
+Spitze dieser Bewegung stehen Ant. Pollajuolo und Andrea del Verrocchio.
+Ihrer Richtung entspricht es, daß sie sich in den verschiedensten
+Künsten versuchen und diese sämtlich nicht nur mit großer
+Geschicklichkeit ausüben, sondern auch technisch wesentlich vorwärts
+bringen, und daß sie als Bildner sich mit Vorliebe der Bronze bedienen.
+
+_Antonio Pollajuolo_ (1429-1498), der geschätzteste Goldschmied seiner
+Zeit, als Maler durch seine Versuche in der Firnis- und Ölmalerei von
+hervorragender Bedeutung, hatte auch als Bronzegießer mit Recht einen
+Ruf in ganz Italien. In großem Stil konnte er sich als solcher erst in
+seinem Alter an den Bronzemonumenten in der Peterskirche bekunden, die
+ihm Papst Innocenz VIII. in Auftrag gab. Die Denkmäler von Papst Sixtus
+IV, (vollendet 1493) und von Innocenz VIII. selbst beweisen aber, daß
+Pollajuolo's Begabung nicht nach der monumentalen Seite lag: die Art,
+wie das Sixtus-Denkmal gewissermaßen als Grabplatte etwas erhöht über
+dem Fußboden angebracht ist und wie die Gestalten der Tugenden in eine
+tiefe Hohlkehle hineingezwängt sind, ist entschieden verfehlt. Daneben
+erscheint der Aufbau des Innocenzgrabes als Wandgrab glücklicher; die
+Wirkung desselben wird noch durch die außerordentlich individuelle
+Kolossalfigur des sitzenden Papstes gehoben; aber nach einer inneren
+Beziehung der allegorischen Gestalten zu dem Verstorbenen, nach der
+künstlerischen Berechtigung der Darstellung desselben in zwei fast
+gleich großen Porträtgestalten wird man vergeblich suchen. Die Freude
+des Künstlers und seine Kraft liegt in der Durchbildung im Einzelnen: in
+der individuellen Gestaltung der Bildnisse, in der naturwahren Bildung
+der schlanken, jugendlichen Frauengestalten, in der Charakteristik der
+Stoffe und in der Durchbildung ihrer Falten, welche bis ins Kleinste
+hinein das treueste Naturstudium beweisen. In der Sauberkeit von Guß,
+Ciselierung und Politur, in der Zierlichkeit der Faltenbildung verrät
+sich der als Goldschmied großgewordene Künstler. Die gleichen
+Eigenschaften charakterisieren auch die wenigen erhaltenen kleineren
+Bildwerke: sein Relief und mehr noch seine gravierten Darstellungen an
+dem Silberaltar der Domopera zu Florenz (seit 1456), sein Thonmodell
+eines keck dreinschauenden Jünglings im Panzer, die kleine Bronzegruppe
+von Herkules und Kakus, die in ihrem Aufbau als Gruppe besonders
+gelungen ist, sowie ein Paar Bronzestatuetten nach der Antike, sämtlich
+im Bargello.
+
+In dem gleichen Streben, bei ähnlicher künstlerischer Ausbildung und
+ganz verwandter Veranlagung wie Pollajuolo, hat der wenige Jahre jüngere
+_Andrea del Verrocchio_ (1435 bis 1488) sein Talent in glücklicherer
+Weise entfaltet und einen viel bedeutenderen Einfluß auf seine
+Zeitgenossen und die spätere Entwickelung der italienischen Kunst
+gehabt. Schüler eines Goldschmieds, wie Pollajuolo, und wie dieser als
+Goldschmied von Luca della Robbia zu der Ciselierung von dessen
+Bronzethür im Dom herangezogen (1467), ist er auch als Maler ebensosehr
+thätig gewesen und hat in allen Zweigen der Kunst eine Vertiefung im
+Inhalt wie eine Vervollkommnung der Technik angestrebt und durchgeführt.
+Verrocchio war es gegeben, den geistigen Gehalt voll zu erfassen und ihn
+ganz in der Form zum Ausdruck zu bringen, die Form selbst aber mit
+möglichster Naturtreue wiederzugeben und künstlerisch, dem jedesmaligen
+Stoffe entsprechend, aufs Höchste durchzubilden. Dabei verstand er es,
+im Einzelnen zu verallgemeinern und im Individuellen zugleich Typen
+hinzustellen. In diesem Streben hat er in den verschiedensten
+Kunstgattungen Großes geschaffen; ein ganz besonderer Reiz dieser seiner
+Kunstwerke liegt aber in der Einfalt seiner Kunst, in dem Ernst seines
+Strebens, in dem mühseligen Ringen nach einem vollen und doch stets
+neuen Ausdruck seines künstlerischen Ideals.
+
+[Abbildung: Bronzegruppe von Verrocchio an Or San Michele in Florenz.]
+
+Verrocchio hatte das Glück, schon jung die Aufmerksamkeit der Mediceer
+auf sich zu lenken, die ihm bis zu seinem Tode die mannigfachsten
+Aufgaben stellten und ihn in den Stand setzten, sein Talent in der
+vielseitigsten Weise zu entfalten. Zwei der frühesten uns bekannten
+Arbeiten sind ein Paar große dekorative Bildwerke in der Sakristei von
+S. Lorenzo, ein Marmorbrunnen und das Bronzegrabmal des Piero und
+Giovanni de' Medici (vollendet 1472), beide in ihrer Art ganz
+eigenartig, vollendet im Aufbau und meisterhaft in der Dekoration. Von
+verschiedenen Büsten, die er damals und einige Jahre später von
+Mitgliedern der Mediceerfamilie ausführte, sind noch die beiden, wohl
+als Modelle für Bronzeguß entstandenen, Thonbüsten des Lorenzo und
+Giuliano als Jünglinge erhalten (bei Mr. Shaw in Boston und M. Dreyfuß
+in Paris); auch die aus dem Pal. Medici stammende Marmorbüste einer
+jungen Frau im Bargello stellt wahrscheinlich gleichfalls ein Mitglied
+der Familie dar. Diese Büsten sind neben ihrer meisterhaften Wiedergabe
+der Individualität sämtlich ausgezeichnet durch die große, stilvolle
+Auffassung, die den Charakter trefflich wiedergiebt und die
+Dargestellten zugleich als wahre Typen vornehmer Florentiner jener Zeit
+erscheinen läßt. Es ist nur eine Konsequenz dieser Richtung, daß
+Verrocchio auch schon Charakterköpfe bildet, wie das schöne
+Scipio-Relief der Rattier'schen Sammlung (jetzt im Louvre; ein ähnliches
+Kriegerrelief in Robbia-Nachbildung findet sich in der Berliner Sammlung
+No. 137A). Köstliche Bilder der Jugend sind die beiden Bronzen, die
+Verrocchio für Lorenzo ausführte, der berühmte David im Bargello (1476)
+und der als Fontaine gedachte Knabe mit dem Fisch, jetzt im Pal.
+Vecchio: dort ein Jüngling mit noch nicht voll entwickelten Formen, von
+graziösester Haltung und in dem holdseligen Lockenkopf mit einer kecken
+Mischung von stolzer Siegesfreude und mädchenhafter Schüchterheit; hier
+ein prächtiger nackter Bube im ausgelassenen Spiel. Für eine ähnliche
+Figur, einen posaunenblasenden Putto, war das Modell in der Sammlung
+Dreyfuß bestimmt. Verschiedene für die Medici gearbeitete
+Madonnenreliefs in Marmor (eines jetzt im Bargello, ein zweites,
+größeres bei Mr. Shaw in Boston) stehen mit diesen Arbeiten nicht ganz
+auf derselben Höhe, weil bei der Marmorausführung durch Schülerhände die
+Frische der Empfindung und die Feinheit der naturalistischen
+Durchbildung verloren ging, welche das große Thonmodell einer Madonna im
+Museum von Sa. Maria Nuova dagegen im vollsten Maße besitzt.
+
+In etwas späterer Zeit, gegen Ausgang der siebziger Jahre, traten fast
+gleichzeitig zwei neue Aufgaben gleichen Charakters an den Künstler
+heran: die Denkmäler für die 1477 im Wochenbett verstorbene Francesca
+Tornabuoni und für den Kardinal Niccolo Forteguerri ({~DAGGER~} 1473) in Pistoja,
+zu dem Verrocchio auf Lorenzo's Entscheidung 1477 den Auftrag erhielt.
+Beide Monumente sind unvollständig auf uns gekommen und gehen in ihrer
+Ausführung in Marmor auf Schüler zurück. Für das Tornabuoni-Monument
+lassen die Überreste: das friesartige, höchst dramatisch empfundene
+Relief mit dem Tode der Francesca im Bargello und die vier Statuetten
+der Tugenden im Besitz von M. E. André in Paris, eine sehr eigenartige
+Erfindung wenigstens vermuten; für das Forteguerri-Monument ist uns
+dieselbe in dem kleinen Modell im South Kensington Museum bezeugt.
+Verrocchio hat seine Aufgabe völlig neu erfaßt, indem er das Grabmal
+als große Wandtafel gestaltet, auf welcher er die Darstellung als
+einheitliche Komposition in ganz dramatischer und malerischer Weise
+ausbildet. Dem auf dem Sarkophag knieenden Kardinal naht sich die
+Gestalt des Glaubens und weist ihn nach oben, wo Christus segnend in
+einer von vier Engeln getragenen Mandorla thront; zu ihm blickt flehend
+die auf der anderen Seite des Kardinals heranschwebende Figur der
+Hoffnung, während die Liebe hinter ihm zum Erlöser aufschwebt.
+
+[Abbildung: Reitermonument des Colleoni von Verrocchio in Venedig.]
+
+Ebenso eigenartig, ebenso groß komponiert und tief und dramatisch
+empfunden ist die 1483 vollendete Bronzegruppe von Christus und Thomas
+an Or San Michele zu Florenz; die großartigste Gruppe der
+Frührenaissance durch den äußerst geschickten Aufbau, die Klarheit und
+Feinheit in der Wiedergabe der Handlung (man beachte die sprechende
+Bewegung der Hände!), den überwältigenden Ernst in der Auffassung und
+die vollendete Durchbildung. Als Verrocchio diese Gruppe in der
+Marmornische aufstellte, die einst Donatello gearbeitet hatte, war er
+schon zu einer ebenso großen Aufgabe, zur Anfertigung eines bronzenen
+Reiterdenkmals für Bartolommeo Colleoni in Venedig, berufen (1479). Dem
+Künstler war es nicht vorbehalten, dieses gewaltige Werk zu vollenden:
+er starb 1488 in Folge einer Erkältung beim Guß. Der Colleoni gilt heute
+als das großartigste Reitermonument aller Zeiten: er verdient diesen
+Ruhm in vollem Maße, da in keinem zweiten Monument Roß und Reiter so
+einheitlich komponiert und empfunden sind und wohl kaum zum zweiten Mal
+in einem Denkmal ein so gewaltiges Zeitbild gegeben ist, wie er es in
+der für das Quattrocento besonders bezeichnenden, ja den Charakter der
+Zeit vielfach bestimmenden Gestalt des Condottiere mit überraschender
+Wucht und Lebensfülle geschaffen hat.
+
+[Abbildung: 97A. Thonrelief der Grablegung von Verrocchio.]
+
+Die Größe und Meisterschaft Verrocchio's in der Erfindung und
+Komposition zeigen namentlich ein Paar kleinere Reliefs: die von
+Federigo von Urbino gestiftete Bronzetafel der Kreuzabnahme in der
+Carmine zu Venedig, sowie das nur als Stucknachbild (im South Kensington
+Museum) erhaltene Relief der »Eifersucht«.
+
+Unsere Berliner Sammlung besitzt keines der großen Meisterwerke
+Verrocchio's, wohl aber eine ganze Reihe von kleineren Arbeiten der
+verschiedensten Art, namentlich Modelle, welche für ihn besonders
+charakteristisch sind und die künstlerische Absicht in größter Frische
+zum Ausdruck bringen. Einzelne sind große Modelle, die als Vorlagen für
+die Ausführung durch Schüler entstanden; so zwei nackte liegende Putten,
+als Wappenhalter für ein Grabmal gedacht (No. 96 u. 97). Dasselbe gilt
+wohl auch von einem flachen Relief der Grablegung (No. 97A), eine
+besonders edel aufgefaßte, trefflich abgewogene und fein durchgebildete
+Komposition aus der späteren Zeit, über deren Bestimmung bisher nichts
+bekannt ist. Die mittelgroße Figur eines schlafenden Jünglings (No. 93)
+scheint, wie der lesende Alte im South Kensington Museum, als Aktstudie
+für eine größere Komposition entstanden zu sein. Sie ist als solche von
+besonders feiner Durchbildung und läßt sich nach der Verwandtschaft des
+schönen lockigen Kopfes mit dem David in die mittlere Zeit des Künstlers
+setzen. Auch für den David besitzt die Berliner Sammlung ein kleines
+flüchtiges Modell (No. 95). Ein größeres, feiner durchgeführtes und sehr
+edel aufgefaßtes Modell der knieenden Maria von Egypten (No. 94) und ein
+Paar im Pariser Besitz befindliche kleine Thonreliefs mit der in einer
+Cherubimglorie gen Himmel fahrenden Heiligen scheinen auf Studien zu
+einem uns unbekannten größeren Werke dieser Heiligen hinzuweisen.
+Ähnliche Modelle zu bekannten Werken besitzt der Louvre in zwei
+schwebenden Engeln (für das Forteguerri-Monument) und Baron Ad.
+Rothschild in Paris in zwei Statuetten für die lebensvolle Komposition
+der Enthauptung des Johannes am Silberaltar des florentiner Doms (1480).
+Unter den Porträts der Berliner Sammlung trägt die Thonbüste eines
+kraushaarigen Jünglings (No. 100) deutlich den Typus Verrocchio's;
+ebenso scheinen mir die fein empfundenen Reliefporträts in Marmor von
+Matthias Corvinus und seiner Gemahlin (No. 98 und 99) dem Künstler
+selbst anzugehören, wie auch die lebensvollen Hochreliefs des alten
+Cosimo (No. 104) und seines Enkels Giuliano (No. 104A) mit
+Wahrscheinlichkeit auf ihn zurückzuführen sind.
+
+Von einem anfangs ganz von Desiderio beeinflußten, später fast sklavisch
+sich an Verrocchio anschließenden florentiner Künstler, von _Francesco
+di Simone_ (1440-1493), der in Florenz und Bologna verschiedene
+Grabmonumente und dekorative Skulpturen hinterlassen hat, besitzt die
+Berliner Sammlung einen tüchtigen Kamin in pietra serena (No. 106). Auf
+_Lorenzo di Credi_ (1459-1537), der auch als Bildhauer mit Verrocchio
+thätig war, namentlich bei der Ausführung des Forteguerri-Monuments,
+scheint das Thonrelief der sitzenden Madonna in ganzer Figur (No. 104D)
+hinzuweisen, wenn ein Schluß aus dessen Gemälden auf Skulpturen, die wir
+sonst nicht von ihm kennen, erlaubt ist.
+
+Indem Verrocchio volle Beseelung der Form mit vollendeter
+naturalistischer Wiedergabe derselben zu verbinden strebt, führt er das
+Quattrocento zu seinem Abschluß. Es war eine Notwendigkeit, daß der
+Schöpfer der Hochrenaissance, daß _Leonardo_ auf seinen Schultern stand
+und aus seiner Werkstatt hervorging, in der er bis zu seinem 28. Jahre
+Mitarbeiter seines Lehrers gewesen war.
+
+ * * * * *
+
+[Abbildung: 93. Thonfigur eines schlafenden Jünglings von Verrocchio.]
+
+Unter den Künstlern, welche die Entstehung und Entwickelung der
+Renaissance mit am meisten beeinflußt haben, hätte der Sienese _Jacopo
+della Quercia_ (1371-1438) mit voran genannt werden müssen. Ohne
+Vorgänger und ohne eigentlichen Nachfolger steht der Künstler völlig
+eigenartig zwischen der Kunst des Trecento und der des Quattrocento,
+erscheint aber zugleich wie ein Vorläufer Michelangelo's, dem er auch in
+seiner einsamen Stellung unter den Künstlern Sienas verwandt ist. In
+seiner Dekoration noch vollständig gotisch, in der ausgeschwungenen
+Haltung seiner Figuren, in den weichen Falten der dicken Gewänder, in
+der oberflächlichen, wenig naturwahren Durchbildung der Formen noch
+abhängig von der Kunst des Trecento, ist Quercia durch seine großartige
+Auffassung, wie durch die eigentümliche Belebung seiner Gestalten völlig
+neu und ein echter Künstler der Renaissance. Seine Kompositionen sind
+groß aufgebaut, seine Körper sind gewaltig gebildet und von einem
+dämonischen Geist beseelt, der sie zu stürmischer Bethätigung drängt,
+welche nur mühsam zurückgehalten erscheint. Wie bei Michelangelo ist in
+Quercia's Bildwerken das Leben, ist die Handlung mehr im Körper als im
+Gesicht ausgedrückt. Da dem Künstler zu einer naturalistischen
+Durchbildung noch die Kenntnis abgeht, so stehen seine Einzelfiguren
+hinter seinen Reliefdarstellungen zurück, die meist in einem
+eigentümlich flachen, malerischen Stil gehalten sind.
+
+[Abbildung: 94. Thonmodell der Maria von Egypten von Verrocchio.]
+
+Quercia's Thätigkeit ist nicht auf seine Vaterstadt beschränkt; er war
+auch für Lucca hervorragend thätig und verbrachte den Schluß seines
+Lebens in Bologna, wo er den Schmuck des Hauptportals von S. Petronio
+arbeitete. Quercia's Jugendarbeiten sind nicht mehr erhalten, und selbst
+die früheste Arbeit, die auf uns gekommen ist, die 1409 begonnene
+Marmoreinfassung des Wasserbeckens auf dem großen Platz in Siena, ist
+nur noch in dürftigen Überresten (in der Domopera) vorhanden: lebhaft
+bewegte Statuen und Relieffiguren der Tugenden sowie die großartigen
+Kompositionen der Schöpfung Adams und der Austreibung aus dem Paradiese.
+Während der Künstler an diesem umfangreichen Werke arbeitete, war er
+auch für Lucca beschäftigt: 1413 entstand das Grabmal der Ilaria del
+Caretto im Dom (die schöne Gestalt der jungen Toten auf einem Untersatz
+ruhend, welchen nackte Putten mit Kränzen schmücken); 1416 fertigte
+Quercia die Grabsteine des Ehepaares Trenta in S. Frediano, und für
+dieselbe Familie führte er hier den 1422 vollendeten Marmoraltar aus.
+Der manieriert gotische Charakter der Einzelfiguren dieses Altares
+sticht auffallend ab gegen die groß empfundenen, lebensvollen
+Darstellungen der Predella.
+
+Im Jahre 1416 hatte Quercia den Auftrag zum Entwurf des Taufbrunnens in
+S. Giovanni zu Siena erhalten, dessen Ausführung seiner Leitung
+unterstellt wurde. Neben der Johannesstatuette auf der Spitze und
+mehreren kleinen Prophetenfiguren in Relief ist eines der Bronzereliefs,
+die Ausweisung des Zacharias aus dem Tempel (vollendet 1430), von seiner
+Hand; unter allen Arbeiten am Taufbrunnen ist es allein dem daneben
+angebrachten Relief Donatello's in Klarheit und Lebendigkeit der
+Komposition und in Großartigkeit der Gestalten gewachsen.
+
+Noch vor Vollendung dieser Arbeit wurde Quercia nach Bologna gerufen, wo
+er zwischen 1425 und 1438 den reichen bildnerischen Schmuck des
+Hauptportals von S. Petronio ausführte: in der Lünette die großen
+Freifiguren der Heiligen Petronius und Ambrosius zur Seite der sitzenden
+Madonna; am Architrav und an der Einrahmung der Thür flache Reliefs aus
+dem Leben Christi und der Schöpfungsgeschichte; an den Laibungen und am
+Thürbogen in etwas höherem Relief die kleinen Halbfiguren der Propheten.
+Von allen Bildwerken des Künstlers sind diese wohl die vorzüglichsten
+und, mit Einschluß der Freifiguren, auch die am besten durchgebildeten
+Arbeiten. Alle Vorzüge Quercia's: Reichtum und Großartigkeit der
+Erfindung, großer und malerischer Aufbau, mächtige Gestalten und
+stürmische Bewegung sind hier in glücklichster Weise vereinigt. Neben
+diesen Arbeiten entstanden ein Paar andere Monumente in Bologna, von
+denen das eine in Bruchstücken im Museo civico, das zweite, ein
+Grabdenkmal des Rechtsgelehrten Antonio Galeazzo Bentivoglio, sich noch
+am Bestimmungsort, im Chorumgang von S. Giacomo Maggiore befindet. Die
+Statuetten an diesem Monument sind den Holzfiguren von Heiligen im Chor
+von S. Martino zu Siena nahe verwandt; das Flachrelief, welches den
+Professor auf dem Katheder vor seinen Zuhörern darstellt, ist wieder von
+großer Lebendigkeit und feiner malerischer Behandlung.
+
+[Abbildung: 153A. Weibliche Marmorbüste von Ant. Federighi.]
+
+Quercia's Richtung ist eine vom sienesischen Kunstcharakter im
+Allgemeinen wesentlich verschiedene. Der allmähliche Verfall der Stadt,
+die schon für Quercia selbst nicht ausreichende Beschäftigung darbot,
+verhinderte auch die Ausbildung einer seinen Bahnen folgenden Schule.
+Nur ein Künstler Sienas, _Antonio Federighi_ (um 1420-1490), obgleich
+schwerlich ein Schüler Quercia's, zeigt sich doch noch wesentlich
+beeinflußt von ihm und hat ein Stück seines großen Sinnes geerbt. Die
+reckenhaften Gestalten Quercia's sind bei Federighi zu kräftiger Fülle
+gemäßigt, seine stürmisch unruhige Bewegung zu kühner Haltung, der
+stumme, halb befangene, halb mürrische Ausdruck zu frischem kecken Sinn,
+die tiefen unruhigen Falten der dicken Gewänder zu rundem vollen
+Faltenwurf; dazu bringt der Künstler einen offenen Sinn und fleißige
+Beobachtung der Natur und andererseits ein dem Quercia unbekanntes
+Studium der Antike hinzu. Federighi genügt daher gerade in seinen
+Statuen und in seiner Dekoration am meisten: unter den drei tüchtigen
+Figuren von seiner Hand am Casino de' Nobili ist der hl. Ansanus (seit
+1456) die wirkungsvollste Statue der sienesischen Kunst; ebenso sind die
+nackten Statuetten an den beiden Weihwasserbecken im Dom durch ihre
+kräftige naturalistische Bildung als Arbeiten des Künstlers
+gekennzeichnet. Der dekorative Teil dieser und ähnlicher Arbeiten ist in
+gleicher Weise durch die glückliche Verbindung antiker Motive mit feinem
+Naturstudium und energischer Behandlungsweise ausgezeichnet. Sein
+Anschluß an die Antike geht gelegentlich so weit, daß man bei der Wahl
+antiker Motive an antike Herkunft glauben konnte; so gelten der
+reichverzierte Sockel der Taufkapelle im Dom und eine Bacchusstatuette
+im Privatbesitz als römische Arbeiten. Die Reliefs am Taufbecken jener
+Kapelle, die dem Quercia zugeschrieben werden, stehen zwar unter dem
+Einfluß der gleichen Kompositionen dieses Künstlers, zeigen aber
+Federighi's geringeres Talent in der Erfindung und im Aufbau. Diese
+Eigenschaften kennzeichnen auch das Monument Bartoli im Dom.
+
+[Abbildung: 151. 152. Holzstatuen der Verkündigung von einem
+Quercia-Schüler.]
+
+Von Quercia's Hand hat die Berliner Sammlung noch kein eigenhändiges
+Werk aufzuweisen; doch kennzeichnen sich zwei (ursprünglich bemalte)
+Holzstatuen der Verkündigung von schöner Haltung und edlem Ausdruck
+(No. 151 und 152) als Arbeiten eines von Quercia beeinflußten, aber
+schlichter empfindenden Künstlers. Eine ganz ähnliche, jedoch geringere
+Verkündigungsgruppe in der Collegiata zu S. Gimignano ist nach der
+Inschrift darauf 1426 vom sienesischen Maler Martino di Bartolommeo
+ausgeführt. Als ein Werk Federighi's läßt sich wohl mit Sicherheit die
+Marmorbüste einer jungen Frau bestimmen, welche sich früher im
+Privatbesitz in Siena befand (No. 153A). Die kecke Wendung des Kopfes,
+der energische, fast mürrische Ausdruck der individuellen Züge, und
+andererseits der Anschluß an die Antike im Kostüm, in der Behandlung der
+Haare, der Augensterne u. s. f. sind ebensoviele charakteristische
+Merkmale für die Urheberschaft des Federighi. Auch das Reliefporträt
+eines schielenden Mannes (No. 153), derber noch behandelt wie jene als
+sienesische Porträtbüste fast alleinstehende Arbeit, ist nach dem
+ähnlichen Charakter mit Wahrscheinlichkeit dem Federighi zuzuschreiben.
+
+Unter den Bildhauern Sienas ist nur _Giovanni di Stefano_ dem Federighi
+noch teilweise verwandt und wohl unter seinem Einfluß groß geworden. Das
+altarartige Tabernakel in S. Domenico (1466) zeigt die kräftige Art der
+Dekoration und die frischen Engelsgestalten wie in Federighi's Werken;
+seine Marmorstatue des hl. Ansanus mit dem Krüppel zur Seite, in der
+Johanneskapelle des Doms (vor 1487), hat noch die kräftigen Formen und
+die vollen Falten wie die Figuren jenes Künstlers, wenn ihr auch die
+energische Auffassung und kecke Haltung derselben fehlen. In seinen
+spätesten Arbeiten, den leuchterhaltenden Bronzeengeln neben
+Vecchietta's Tabernakel im Dom (seit 1489), schließt sich der Künstler
+dagegen in den schlanken Verhältnissen, den schönen Köpfen und
+zierlichen Falten mehr dem Vorbild Vecchietta's an. -- Ein Zeitgenosse
+Federighi's, der neben ihm in Siena arbeitet, _Urbano da Cortona_, ist
+ein geringer, nüchterner Geselle, obgleich er unter Donatello in Padua
+gearbeitet hatte. (Reliefs im Dom und in der Loggia de' Nobili.)
+
+[Abbildung: 154. Marmorrelief der Madonna von einem unbekannten
+Sienesen.]
+
+_Lorenzo Vecchietta_ (um 1412-1480) ist auch in seiner bildnerischen
+Thätigkeit recht eigentlich der Vertreter der sienesischen Kunst des
+vorgeschrittenen Quattrocento im Großen und Ganzen. Zu großen Aufgaben
+nicht berufen und gezwungen, in den verschiedensten Kunstfächern sich zu
+versuchen, sind die Künstler Sienas im kleinen Kreise und im Kleinen
+thätig, und erscheinen daher auch klein im Charakter ihrer Kunst. Sind
+schon die Arbeiten des Goldschmieds _Turino di Sano_ und seiner Söhne,
+namentlich des talentvollen _Giovanni di Turino_ ({~DAGGER~} um 1454), welche
+einen wesentlichen Anteil an der Ausführung von Quercia's Taufbrunnen
+nahmen, neben Quercia's und Donatello's Reliefs nüchtern und kleinlich,
+so hat auch Vecchietta nichts von der großen Auffassung, von der reich
+gestaltenden Phantasie dieser Künstler; sein Streben geht vielmehr, wie
+in seinen Bildern so in seinen Skulpturen, auf treue und oft ängstliche
+Wiedergabe der Natur in allen Details, auf sauberste Durchbildung, auf
+Lieblichkeit der Erscheinung und Innigkeit des Ausdrucks. Galt es eine
+Einzelgestalt von großem Charakter, eine Komposition von dramatischem
+Inhalt, so erscheint der Künstler regelmäßig ungenügend und schwächlich;
+wo aber die Aufgabe seiner Begabung entgegenkam, wo es galt, einen
+Engelskopf oder eine jugendliche Frauengestalt zu schaffen, oder Scenen
+frommer Andacht zu schildern, wo Fleiß und Ausdauer zum Erfolge
+notwendig waren, wie bei der Bronzearbeit, da hat der Künstler Tüchtiges
+und Reizvolles geleistet. Vecchietta's Statuen des Paulus (1458) und
+Petrus (1460) an der Loggia de' Nobili erscheinen daher neben
+Federighi's energischen Gestalten schwächlich und charakterlos; die
+Bronzestatue Christi auf dem Altar der Spitalkirche und das Marmorrelief
+mit dem Hieronymus am Eingang der Libreria wirken kleinlich durch die
+übertriebene Betonung der Details. In der bronzenen Grabfigur des
+Marino Soccino (jetzt im Bargello zu Florenz) und namentlich in dem
+1465-1472 ausgeführten Bronzetabernakel auf dem Hochaltar des Doms zu
+Siena kommen dagegen seine guten Eigenschaften voll zur Geltung: die
+Schönheit und der Liebreiz seiner jugendlichen Gestalten, der Geschmack
+im Aufbau und in der Dekoration, das tüchtige Naturstudium und die
+Meisterschaft der Durchführung und der Technik in Guß, Ciselierung und
+Patinierung.
+
+Dem Vecchietta sind eine Reihe jüngerer Künstler, die gleichfalls meist
+auch als Maler thätig waren, nahe verwandt. So _Francesco di Giorgio_
+(1439-1502), dessen tüchtigste Arbeiten verschiedene der Bronzeengel
+neben Vecchietta's Tabernakel sind (1497), holdselige Gestalten von
+schöner Bewegung und ganz malerisch behandelter Gewandung. Auch
+_Neroccio di Bartolommeo_ (1447-1500), in seiner Katharinenstatue der
+Taufkapelle des Domes (1487) dem Federighi und Gio. di Stefano noch
+nahe, erscheint regelmäßig nüchtern und selbst schwächlich in seinen
+Gestalten, und in dem Piccolomini-Grabmal im Dom ist er abhängig von
+Federighi's Monument Bartoli. Ähnliches gilt von _Giacomo Cozzarelli_
+(1453-1515), dessen nicht seltene kleinere Thonfiguren von Heiligen in
+Sto. Spirito, Sa. Caterina u. s. f. von weichen gefälligen Formen und
+lieblichem Ausdruck sind. Die bildnerische Kunst Sienas, das inzwischen
+seine politische Selbständigkeit schon an Florenz verloren hatte,
+erschöpfte sich in solchen vereinzelten kleinen Bildwerken, denen Kraft
+und Eigenartigkeit der Auffassung, wie Frische der Naturanschauung
+abgehen. Zu neuem Leben hat sich seitdem die Plastik in Siena nicht
+wieder erhoben.
+
+ * * * * *
+
+Der außerordentliche Aufschwung der Kunst in Toskana weckte schon früh
+in allen Teilen Italiens das Bedürfnis nach toskanischen Kunstwerken.
+Wir sahen, wie eine Reihe von Florentiner Bildhauern, darunter auch die
+tüchtigsten, auf kürzere oder längere Zeit zu den verschiedensten
+Aufgaben nach dem Norden wie nach dem Süden Italiens berufen wurden;
+neben den Monumenten, die sie dort schufen, haben sie fast überall den
+Keim zu einer eigenen lokalen Kunstentwickelung in den Bahnen der
+Renaissance gelegt, in der sich der Einfluß der florentiner Kunst in
+verschiedener Weise und mehr oder weniger nachhaltig geltend macht.
+
+Donatello's Thätigkeit für Neapel und sein Aufenthalt in Rom waren zu
+kurz und fanden den Boden noch zu wenig vorbereitet; Künstler wie
+Filarete, der die Petersthüren goß, wie Rosso oder Piero di Niccolo, die
+schon in den zwanziger Jahren in Verona und Venedig beschäftigt wurden,
+waren zu unbedeutend, um hier eine nachhaltige Wirkung ausüben zu
+können. Dies geschah erst durch den zehnjährigen Aufenthalt Donatello's
+in Padua, der für die Entwickelung der Plastik in ganz Oberitalien
+bestimmend wurde und dadurch (bei dem Wandertrieb der lombardischen
+Bildhauer) auch auf die mittel- und süditalienische Kunst nicht ohne
+Einfluß blieb. Seine damalige Richtung, seine Art der Thätigkeit hier
+wurden grundlegend für seine Nachfolger. Die Aufgaben, die ihm in Padua
+gestellt wurden, waren umfangreiche und schwierige Bronzearbeiten; sie
+erforderten Künstler, die nach den Skizzen des Meisters die Modelle in
+Thon herstellten, erforderten andere Künstler zum Guß und zur
+Ciselierung. Donatello hatte dafür verschiedene junge Bildhauer, die uns
+namhaft gemacht werden, aus Toskana mit sich gebracht, zog aber bei dem
+Umfang und der langen Dauer seiner Arbeiten auch Künstler aus Padua und
+der Nachbarschaft zu seiner Beihülfe heran. So bildete er hier in den
+zehn Jahren seiner Anwesenheit eine so große Werkstatt aus, wie sie bis
+dahin in Italien, selbst in Florenz kein Künstler gehabt hatte; eine
+Werkstatt, welche nach Donatello's Rückkehr nach Florenz umfangreich und
+selbständig genug war, um Padua selbst als Mittelpunkt bildnerischer
+Thätigkeit für Oberitalien zu erhalten, und um von hier aus nach den
+verschiedensten Seiten, namentlich über Oberitalien, durch die in dieser
+Werkstatt gebildeten Künstler die Kunstrichtung Donatello's zu
+verbreiten und der Renaissance dadurch dauernden Eingang zu verschaffen.
+Daß dieses so rasch und gründlich geschah, dafür gebührt freilich das
+Hauptverdienst nicht einem Bildhauer, sondern dem Maler Andrea Mantegna,
+dessen Lehrzeit bei dem untergeordneten Squarcione und dessen erste
+Thätigkeit in Padua gerade zusammenfällt mit der Zeit von Donatello's
+Aufenthalt daselbst.
+
+Der Paduaner Bildnerschule ist der Charakter der späteren Werke
+Donatello's auf's schärfste aufgeprägt. Die einseitige Richtung auf das
+Charakteristische und Natürliche, die struktive Bildung der Gestalten
+ohne Rücksicht auf gefällige Erscheinung, ja selbst mit Vernachlässigung
+derselben, die eng anliegende Gewandung, in welcher der Körper möglichst
+stark zur Geltung kommt, und die malerische Behandlungsweise der kleinen
+knitterigen Falten, die Vorliebe für die Ausführung in Bronze und die
+dadurch bedingte Modellierung in Thon sind die hervorstechenden
+Eigenschaften, welche den Paduaner Skulpturen des späteren Quattrocento
+und teilweise der gesamten oberitalienischen Plastik eigentümlich sind.
+Freilich, die Unmittelbarkeit der Naturanschauung und die dramatische
+Gestaltung konnten diese Künstler dem großen Meister nicht absehen; die
+Gefahr, die künstlerische Formensprache desselben zu übertreiben und zu
+veräußerlichen, sie zur Karikatur zu machen, lag daher bei diesen
+Nachfolgern Donatello's besonders nahe, und dieser Gefahr haben
+keineswegs alle die Kraft eigener künstlerischer Empfindungsart mit
+Erfolg entgegensetzen können.
+
+Unter Donatello's Gehülfen am Hochaltar für den Santo war der tüchtigste
+_Giovanni da Pisa_. Von ihm ist der Altar in der von Mantegna und
+anderen Schülern Squarcione's ausgemalten Kapelle der Eremitani
+erhalten: die Madonna thronend zwischen sechs Heiligen, in der Predella
+die Anbetung der Könige, im Fries und Aufsatz spielende Putten; in Thon
+im Relief gebildet, trotz des dicken modernen Anstrichs noch jetzt von
+großem Reiz durch die Lebendigkeit der Komposition, die Frische und
+Natürlichkeit der Gestalten.
+
+[Abbildung: 163. Portallünette von Bellano (?).]
+
+Ein jüngerer Schüler, der von Donatello auch in Florenz (und Perugia)
+beschäftigte Paduaner _Bartolommeo Bellano_ (um 1430-1498), von Haus aus
+weniger begabt, zeigt sich gelegentlich schon sehr manieriert. In dem
+großen Marmorgrab des A. Rouzelli ({~DAGGER~} 1466) im Santo folgt er mit
+geringem architektonischen Sinn dem Vorbild des Marzuppini-Monuments.
+Die gleichen Schwächen im Aufbau hat der Wandaltar in der Sakristei,
+während hier das große Flachrelief in der Lünette mit der Darstellung
+des Wunders vom gläubigen Esel eine lebendige freie Nachbildung der
+gleichen Darstellung Donatello's am Hochaltar ist. Wie wenig das Talent
+des Künstlers sonst für große dramatisch bewegte Kompositionen
+ausreicht, beweisen die Bronzereliefs an den Chorschranken des Santo
+(1484-1488) mit zahllosen ungeschickt gehäuften puppenartigen Figuren
+von schlechten Verhältnissen und in verfehltem Hochrelief. In die letzte
+Zeit seiner Thätigkeit fallen ein Paar große Grabmonumente, beide aus
+umfangreichen Bronzetafeln zusammengesetzt: das des Paolo und Angelo de
+Castro in den Servi (1492), und das des Pietro Roccabonella in
+S. Francesco, über dessen Vollendung der Künstler hinstarb. Ersteres ist
+lebendig in den beiden Reliefporträts, aber unglücklich im Aufbau und in
+den Verhältnissen; letzteres lehnt sich in den beiden ganz bildartigen
+Tafeln an venezianische Gemälde eines Bellini an; in den tüchtigen
+Einzelfiguren ist es noch unter dem Einfluß von Donatello's Statuen am
+Hochaltar.
+
+[Abbildung: Bronzestücke von Riccio, Bellano u. A.]
+
+Von der Madonna am Grabmal de Castro, die sich als genreartige
+Umgestaltung von Donatello'schen Madonnenkompositionen seiner Paduaner
+Zeit charakterisiert, besitzt die Berliner Sammlung das Thonmodell (No.
+156A). Ein zweites Thonrelief der Madonna steht dem Donatello noch
+besonders nahe (No. 156B). Von einer anderen größeren Madonnenkomposition
+mit anmutigem genrehaften Charakter befindet sich in der Sammlung ein
+alter Thonabdruck nach dem Marmororiginal in italienischem Privatbesitz
+(bezeichnet und datiert 1461, No. 155A). Ein Paar ähnliche Madonnen des
+Künstlers findet man in den Eremitani zu Padua, wo auch im Privatbesitz
+verschiedene größere Darstellungen der Beweinung Christi in bemaltem
+Thon erhalten sind, herbe, aber ausdrucksvolle Kompositionen. In Venedig
+gehört dem Künstler augenscheinlich das dort besonders energisch
+erscheinende Evangelistenrelief rechts vom Hauptportal von S. Zaccaria;
+auch die Reliefs an den Chorschranken in den Frari verraten deutlich
+seinen Charakter.
+
+Dem Bellano ist _Giovanni Minello_ nahe verwandt, dem urkundlich ein
+Paar Thonstatuen im Museo civico zu Padua angehören, nach deren
+Verwandtschaft wohl auch die reichen, in ihrer alten Bemalung noch sehr
+wirkungsvollen Wandaltäre an der inneren Eingangswand der Eremitani dem
+Minello zuzuschreiben sind; Arbeiten aus dem letzten Viertel des
+Quattrocento, deren Einzelfiguren voller und schöner erscheinen als die
+Bellano's und deren reiche Ornamente schon den feinen Naturalismus und
+die zierliche Bildung der gleichzeitigen venezianischen Monumente
+zeigen. In besonders reicher, phantastischer Ausbildung kehrt dieselbe
+Ornamentik an der berühmten von Minello begonnenen Marmorkapelle des
+Santo wieder.
+
+[Abbildung: Bronzestatuetten von Bellano, Sansovino (?) u. A.]
+
+Diese Abschwächung Donatello'scher Traditionen durch den schlichten, auf
+das Malerische gerichteten Naturalismus, wie er sich in Venedig in den
+letzten Jahrzehnten des Quattrocento ausbildete, und durch einen engeren
+Anschluß an die Antike, namentlich in der Gewandung und in den Motiven,
+tritt noch stärker bei dem jüngsten Künstler dieser Richtung hervor, bei
+_Andrea Briosco_ gen. _Riccio_ (der »Krauskopf«, 1470-1532). In ihm
+erreicht die Paduaner Gießhütte ihre höchste und mannigfaltigste
+Entwickelung. Riccio ist auch im Großen thätig gewesen. In S. Canziano
+zu Padua befindet sich eine Pieta aus bemaltem Thon nebst verschiedenen
+Statuetten, zu denen ursprünglich auch die edel empfundenen Halbfiguren
+von Maria und Magdalena im Museo civico gehörten (1530). Der Dom von
+Treviso besitzt von ihm die anmutige Marmorstatue eines hl. Sebastian
+(1516). Das Wandgrab des Ant. Trombetta an der Eingangswand im Santo zu
+Padua zeigt in einer Einrahmung von zierlichem Steinmosaik die
+individuelle und meisterhaft durchgearbeitete Bronzebüste des
+Verstorbenen (1522). Als freistehender Sarkophag mit zierlichen
+Ornamenten ist das Grabmal Torriani in S. Fermo zu Verona gestaltet,
+dessen Bronzen jetzt im Louvre sich befinden. In beiden Monumenten
+verrät sich im Aufbau wie in der Dekoration der Kleinkünstler, der für
+die Prachtmöbel der Kirchen wie der Paläste zu modellieren gewohnt war.
+In der That liegt die Begabung und Bedeutung des Künstlers recht
+eigentlich nach dieser Seite, und bei dem rasch wachsenden Wohlstand in
+Venedig konnte sein Talent die reichste Bethätigung nach dieser Richtung
+finden. Kleinere Kirchenmöbel wie Einrichtungsgegenstände des Hauses,
+soweit sie für Bronzeausführung geeignet waren, sind in größter
+Mannigfaltigkeit und reicher Zahl aus seiner Werkstatt hervorgegangen
+und finden sich heute noch vereinzelt in den Kirchen und Sammlungen von
+Padua (vor Allen der berühmte große Kandelaber im Santo, ausgeführt
+zwischen 1507 und 1516) und Venedig, namentlich aber in den Sammlungen
+des Auslandes. Kleine Altäre und Tabernakel, Kandelaber, Leuchter,
+Lampen und Vasen, Mörser und Glocken, Kästchen und Tintefässer,
+Kußtafeln für die Hausandacht, Hutagraffen, Schwertgriffe und ähnliche
+Gegenstände sind noch jetzt in großer Zahl erhalten, teils vollständig,
+teils in ihren einzelnen Täfelchen (Plaketten, vergl. S. 123). Frisch
+und phantasievoll in der Erfindung, zeigen sie den feinsten Geschmack in
+der Ausführung: zweckentsprechend und zierlich in der Form, elegant in
+der Dekoration sind sie in ihrem figürlichen Schmuck, namentlich den
+kleinen Reliefs, die mit großer Vorliebe daran angebracht sind, auf der
+Höhe der großen Plastik, ja derselben in mancher Beziehung überlegen. In
+der Unterordnung unter die Zwecke des Möbels, in der Wahl des
+Reliefstils, in der Einordnung in den Raum sind diese Darstellungen
+ihrer Mehrzahl nach ebenso ausgezeichnet, wie in der klaren Komposition,
+in der lebendigen Erzählung, in der Meisterschaft der Durchführung und
+in einer im Kleinen wahrhaft großen Auffassung. Ähnliche Vorzüge haben
+auch die Statuetten und kleinen Gruppen des Künstlers, die gleichfalls
+in größerer Zahl erhalten sind.
+
+[Abbildung: Plaketten von Riccio, Ulocrino, Moderno, Caradosso (?) u. A.]
+
+Der Anklang, den Riccio's Arbeiten fanden, führte eine Reihe anderer
+Künstler, namentlich Goldschmiede und Medailleure, zur Nachfolge.
+Zumeist waren auch sie in Padua thätig oder doch hier ausgebildet; ihre
+zahlreichen Arbeiten sind leider der Mehrzahl nach namenlos oder mit
+Beinamen und Monogrammen versehen, deren Entzifferung noch unsicher ist.
+Hier seien nur einige der tüchtigsten namhaft gemacht. Stolz auf seine
+Nachbildungen der Antike zeichnet der Eine sich _Antico_ (Pier Jacopo
+Alari-Bonacolsi, 1460-1528); ein Anderer, Riccio nahe verwandt, giebt
+sich im Bewußtsein seiner künstlerischen Selbständigkeit den Beinamen
+_Moderno_; ein Dritter prunkt mit seiner Kenntnis der alten Sprachen in
+dem Pseudonym _Ulocrino_ (»Krauskopf«, also gleichbedeutend mit »Riccio«,
+der sich vielleicht hinter jenem Beinamen versteckt). Ein Künstler, den
+man (wohl irrtümlich) für den am päpstlichen Hofe viel beschäftigten
+Mailänder _Caradosso_ hält, ist durch kräftige Bildung seiner Gestalten
+und dramatische Auffassung ausgezeichnet; der Jo. F. F. zeichnende
+Künstler, in dem man bisher (wohl mit Unrecht) den Florentiner
+Steinschneider _Giovanni delle Corneole_ vermutet hat, ist schlanker und
+gefälliger in seinen Figuren, aber ein ebenso geschickter, echt Paduaner
+Komponist und Erzähler. In dem Vicentiner Steinschneider _Valerio
+Belli_, dessen überschlanke antikisierende Figuren und dessen nüchterne
+Kompositionen schon den vollen Charakter der Hochrenaissance haben,
+erreicht diese reizvolle Gattung der italienischen Kleinkunst ihren
+Abschluß. In ähnlicher Richtung bewegt sich die Kunst des
+Medaillengusses, die gleichzeitig und zum Teil von denselben Künstlern
+ausgeübt wird und als eine der stilvollsten Bethätigungen der
+Porträtdarstellung in der italienischen Kunst sich darstellt.
+
+[Abbildung: Plaketten von Riccio, Ulocrino, Moderno, u. A.]
+
+Wie das Berliner Museum im Münz- und Medaillenkabinet eine besonders
+reiche und vollständige Sammlung der italienischen Medaillen von Vittor
+Pisano bis auf die beiden Leoni besitzt, so hat die italienische
+Abteilung der christlichen Plastik auch die reichhaltigste Sammlung von
+Plaketten aufzuweisen, von denen einige besonders charakteristische
+Stücke der tüchtigsten Meister nebenstehend in Abbildung wiedergegeben
+sind. Einige vollständige Tintefässer, Lampen, Kußtafeln u. s. f.
+erläutern die Art der Verwendung dieser kleinen Bronzetafeln. Auch von
+kleinen Bronzestatuetten und Gruppen besitzt das Museum eine
+reichhaltige wertvolle Sammlung, zu welcher der Grund erst kürzlich
+durch den Ankauf der Falcke'schen Sammlung aus London gelegt wurde. Es
+sind darin _Riccio_ (besonders zahlreich), _Bellano_, _Bertoldo_ und
+unter den jüngeren _Cellini_ und _Gio. di Bologna_ gut vertreten sind
+(vergl. die Abbildungen auf S. 123 und 125).
+
+ * * * * *
+
+Die Künstler der Padua benachbarten Städte erscheinen in unmittelbarster
+Weise von Padua aus beeinflußt. In Mantua ist das geschmackvolle
+Grabdenkmal des Andrea Mantegna in S. Andrea, mit der edlen Bronzebüste
+vor einer Porphyrplatte, wahrscheinlich ein Werk des _Gianmarco Cavalli_
+(geb. um 1450). Von dem als Gegenstück entstandenen Denkmal, dem
+Monument des Karmelitergenerals und Dichters G. Spagnoli, besitzt die
+Berliner Sammlung die ausdrucksvolle Bronzebüste (No. 160D), eine
+treffliche Arbeit von herber Individualität. Als Modell für ein anderes
+Denkmal desselben Mannes entstand gleichzeitig, vielleicht von der Hand
+desselben Künstlers, die große Halbfigur in Holz in der Bibliothek zu
+Mantua. Die Berliner Sammlung besitzt noch eine zweite große Bronzebüste
+eines berühmten Mantuaners (No. 140), den Markgrafen Lodovico III.
+Gonzaga als bejahrten Greis; nach der außerordentlich fleißigen und
+vollendeten Durchführung, der künstlichen grünen Patina und den in
+Silber eingesetzten Augen wohl die Arbeit eines Goldschmieds vom Ende
+des Quattrocento.
+
+[Abbildung: Plaketten von Riccio, Meister IO. F., V. Belli u. A.]
+
+In Ferrara sind die wenigen erhaltenen plastischen Arbeiten dieser Zeit
+von ausgesprochen Paduanischem Charakter. Als Altarschmuck des Domes
+entstand das Krucifix zwischen den Figuren der Maria und des Johannes,
+mit den Heiligen Mauritius und Georg zur Seite (1453-1466),
+überlebensgroße Bronzefiguren, welche die beiden Florentiner
+_Baroncelli_, Vater und Sohn, angefangen hatten und die der Paduaner
+Donatello-Schüler _Domenico di Paris_ vollendete: ernste und tüchtige
+Gestalten, nach dem Vorbilde der Donatello'schen Figuren auf dem
+Hochaltar des Santo, aber etwas starr und im Charakter getriebener
+Arbeiten. Breiter und freier behandelt sind (neben kleineren Arbeiten
+des Künstlers, die in Ferrara zerstreut sind) Domenico's
+Stuckdekorationen eines Saales im Palazzo Schiffanoja, die Gestalten der
+Tugenden und Putten, die in ihren mageren, schlanken Körpern, ihren
+kleinen Köpfen, den herben Zügen, den unruhigen Falten der am Körper
+anklatschenden Gewänder die Abkunft von Donatello deutlich verraten und
+die engste Verwandtschaft mit den ferraresischen Gemälden zeigen. Eine
+sehr bezeichnende Arbeit dieser Art in der Berliner Sammlung ist die
+fein empfundene Maria in Anbetung des schlafenden Kindes (No. 155),
+welche sich in dem großen Altarbilde von Cosma Tura in unserer Galerie
+fast treu wiederholt findet.
+
+[Abbildung: 160D. Bronzebüste des G. Spagnoli von Gianmarco Cavalli (?).]
+
+Auch nach Bologna erstreckt sich noch der Einfluß der Paduaner Kunst.
+Quercia's langjährige Thätigkeit hatte hier keine unmittelbare Nachfolge
+gefunden; das Grabmal Fava ({~DAGGER~} 1439) im Chorumgang von S. Giacomo
+Maggiore ist nur eine geistlose Nachahmung von Quercia's Grabmal
+Bentivoglio, wohl von der Hand eines seiner Gesellen. Erst zwanzig Jahre
+nach Quercia's Tode tritt wieder ein Künstler von ausgesprochener
+Eigenart in Bologna auf, einer der tüchtigsten und originellsten
+Bildhauer des Quattrocento, der Süditaliener _Niccolo dell' Arca_
+({~DAGGER~} 1494). Das erste datierte Werk, das Monument mit dem bemalten
+Reiterrelief des Annibale Bentivoglio in S. Giacomo Maggiore (vom Jahre
+1458), ist noch ziemlich nüchtern und unbedeutend. Erst der Aufsatz auf
+der Arca des hl. Dominicus in S. Domenico, an dem der Künstler seit 1469
+arbeitete, gab Niccolo Gelegenheit, seine Eigenart voll auszubilden und
+aufs Vorteilhafteste zur Geltung zu bringen. Phantastisch in Marmor
+aufgebaut, mit reichem Pflanzenschmuck von vollendet naturalistischer,
+zierlichster Durchbildung, ist dieses Denkmal auch in seinen Statuetten
+von Heiligen und Propheten, die ringsum angebracht sind, von so frischem
+Naturalismus, die Figuren sind so keck und frei in Haltung und Ausdruck,
+so malerisch in dem reichen Zeitkostüm mit den vollen Falten, daß hier
+das Vorbild Quercia's unverkennbar ist. Der köstliche lockige Engel
+links zur Seite des Marmorschreins ist lange als ein Meisterwerk
+Michelangelo's bewundert worden, dessen eigene Arbeit unbeachtet diesem
+Engel gegenüber stand.
+
+Ein zwischen der Arbeit an diesem umfangreichen Werk ausgeführtes großes
+Madonnenrelief aus Thon an der Fassade des Palazzo Apostolico (1478) ist
+in der überreichen, ganz an Quercia gemahnenden Gewandung nicht von
+gleichem Reiz wie der in ganz eigener Weise in Bronze und Marmor
+gearbeitete Grabstein Garganelli ({~DAGGER~} 1478) im Museo Civico zu Bologna.
+Ein aus Bologna stammendes Thonrelief der Madonna, die von Cherubim
+hochgetragen wird, Kolossalfiguren in Thon mit alter Bemalung im Besitze
+der Berliner Sammlung (No. 191A), ist zwar nicht auf Niccolo selbst
+zurückzuführen, zeigt aber in ihrer schlichten Naturbeobachtung,
+namentlich im Kind, Verwandtschaft mit den frühesten Werken dieses
+Künstlers.
+
+Mit Niccolo tritt in Bologna ein Mantuaner Meister um die siebziger
+Jahre in die Schranken, _Sperandio_ (um 1425-1500), über dessen groß
+empfundenen und breit und derb behandelten Medaillen seine selteneren,
+meist in Thon ausgeführten großen Bildwerke bisher vergessen waren. Von
+seiner Hand ist der Unterbau des Grabmals Papst Alexanders V. in San
+Francesco, die Flachreliefs mit den Gestalten der Tugenden und die
+Statuetten der Madonna zwischen zwei Heiligen über der Grabfigur
+(vollendet 1482); flüchtige Arbeiten, die in den mageren Figuren und den
+knitterigen Falten ihre Herkunft aus der Paduaner Werkstatt Donatello's
+nicht verleugnen. Ebenso stark, aber in vorteilhafterer Weise verrät
+sich dieser Einfluß auch in dem reich dekorierten Portal der Chiesa la
+Santa, mit kräftigen Puttengestalten zwischen ganz Donatello'schen
+Ornamenten. Am günstigsten erscheint Sperandio in der Porträtdarstellung;
+wie in den kleinen Reliefporträts seiner Medaillen, so auch in den
+großen Thonbüsten vornehmer und gelehrter Bolognesen, die sich noch
+vereinzelt im Privatbesitz erhalten haben; Arbeiten von einfacher, aber
+überraschend lebensvoller Auffassung und breiter, derber Wiedergabe der
+Persönlichkeit.
+
+[Abbildung: 191A. Madonna in bemaltem Thon von einem Bologneser
+Meister um 1460.]
+
+In der jüngeren Generation der Bologneser Bildhauer, unter denen
+_Vincenzo Onofri_ der namhafteste ist, schwächt sich die Frische und
+Kraft des Naturalismus eines Niccolo dell' Arca und Sperandio mehr und
+mehr zu einer mehr schüchternen, zuweilen selbst schwächlichen
+Auffassung und sauberer und zierlicher Behandlungsweise ab. Ihre
+Arbeiten sind den Werken der gleichzeitigen Maler: der Costa, Aspertini,
+Francia u. s. f. aufs engste verwandt. Das Grabmal Nacci in S. Petronio,
+ein Jugendwerk des Onofri, die Büste des Beroaldus in S. Martino
+Maggiore (1504) und der farbige Altar mit dem Relief der Madonna
+zwischen Heiligen und Engeln in den Servi (1503), beide gleichfalls von
+Onofri, ein Professorengrab im Kreuzgang von S. Martino Maggiore (1503)
+und ein dem _Francesco Francia_ zugeschriebenes Marmorporträt des Giov.
+Bentivoglio II. in S. Giacomo Maggiore, in flachem Relief ausgeführt
+(1497), sind charakteristische und gute Arbeiten dieser Richtung, aus
+der auch das Berliner Museum ein Hauptwerk besitzt (No. 191): die in
+ihrer feinen Bemalung erhaltene Büste eines vornehmen Bolognesen. Sie
+gilt von Alters her als Arbeit des Fr. Francia, dessen gemalten
+Bildnissen sie in der That nahe verwandt ist.
+
+In dem Kirchlein Sa. Maria della Vita zu Bologna ist eine große Gruppe
+der Beweinung Christi versteckt, als deren Urheber erst neuerdings
+_Niccolo dell' Arca_ erkannt worden ist. Obgleich am falschen Platze und
+in schlechter Beleuchtung, entstellt durch dicken braunen Anstrich und
+schlechte Restaurationen, namentlich der Hände, ist diese Gruppe doch
+noch von überraschender, freilich teilweise entschieden abschreckender
+Wirkung. In verzweifeltem Schmerz umstehen die Verwandten den Leichnam
+des Herrn, die Frauen laut schreiend und in Verzweiflung sich über den
+Leichnam werfend oder ohnmächtig daneben zusammensinkend. Die zufällige
+Zusammenstellung dieser großen Freifiguren zu einer Gruppe, die volle
+naturalistische Durchbildung derselben, welche soweit geht, daß die
+meisten Figuren sogar im Zeitkostüm auftreten, steigert den
+übertriebenen Ausdruck des Schmerzes bis zu einem widerwärtigen Eindruck
+der Natürlichkeit und des Augenblicklichen (vgl. S. 132f.). Aber gerade
+durch diese Eigenschaften, in Verbindung mit der Bemalung und
+Aufstellung in Nischen, scheinen diese und ähnliche regelmäßig in Thon
+ausgeführte Gruppen einen außerordentlichen Anklang gefunden zu haben.
+Wenigstens fand Niccolo in dem Modenesen _Guido Mazzoni_ (um 1450-1518)
+einen Nachfolger, der seine Thätigkeit fast ausschließlich auf solche
+Gruppen der Beweinung des Leichnams Christi, Krippen u. s. f.
+beschränkte und damit in den verschiedensten Teilen Italiens den größten
+Erfolg hatte und selbst in das Ausland berufen wurde. Einfacher und
+weniger dramatisch in der Auffassung als Niccolo dell' Arca, wählt er
+seine Modelle mitten aus dem Volk und geht in der naturalistischen
+Wiedergabe derselben bis auf ihre Tracht und alles Beiwerk in der völlig
+genreartigen Behandlung seiner biblischen Motive noch über sein Vorbild
+hinaus, so daß nur seine biedere, ernste Auffassung eine lächerliche
+oder abschreckende Wirkung dieser Gruppen verhindert. Die früheste
+derselben, die große Gruppe der Beweinung in S. Giovanni decollato zu
+Modena (1477-1480), ist wohl seine tüchtigste und sorgfältigste Arbeit;
+sie wirkt weit weniger banal als die Anbetung des Kindes in der Krypta
+des Domes oder wie die sehr ungünstig aufgestellte Gruppe der Beweinung
+Christi in der Chiesa di Montoliveto zu Neapel. Nach Neapel wurde der
+Künstler 1491 berufen und führte hier wahrscheinlich auch die einfache,
+lebensvolle Bronzebüste des Königs Ferrante im Museo Nazionale aus. Die
+Beweinungsgruppe in S. M. della Rosa zu Ferrara ist der Gruppe in
+S. Giovanni zu Modena nahe verwandt, wenn auch nicht gewachsen. -- Das
+Berliner Museum besitzt, als einziges Stück seiner Hand außerhalb
+Italiens, das Bruchstück einer solchen Gruppe: den Kopf eines Stifters,
+ernst und schlicht in der Auffassung, treffend lebensvoll auch in der
+unberührten alten Bemalung.
+
+Guido's Gruppen haben in Modena im Cinquecento eine klassische
+Weiterbildung durch Begarelli erhalten (S. 167); sie haben aber noch zu
+seiner Zeit Nachahmer gefunden, namentlich in der Lombardei, deren
+Arbeiten in erster Linie auf unmittelbare Wirkung auf die Andacht
+berechnet und daher regelmäßig an Wallfahrtsorten oder an wunderthätigen
+Altären aufgestellt waren.
+
+ * * * * *
+
+Auch die bildnerische Kunst der Lombardei zeigt den Einfluß des
+Quattrocento, in die Bahnen der Renaissance einlenkte. Freilich waren
+schon vorher an verschiedenen Orten florentiner Künstler thätig gewesen.
+Der Mitarbeiter Donatello's bei der Statue am Campanile in Florenz,
+_Giovanni Bartolo_ gen. _Rosso_, errichtete in S. Fermo zu Verona schon
+bald nach dem Jahre 1420 jenes imposante Wandgrab der Familie Brenzoni
+mit dem Hochrelief der Auferstehung, dessen kräftige Gestalten einen
+frischen Realismus zeigen, der aber von gotischen Traditionen noch nicht
+frei ist. Den gleichen Charakter hat das Monument des Cortesia Sarego in
+Sa. Anastasia (1432), mit der energischen Reiterfigur des Feldherrn
+zwischen seinen Knappen; und in derselben Kirche besteht der Wandschmuck
+der Capella Pellegrini aus einer Folge von Thonreliefs aus dem Leben
+Christi, welche etwa gleichzeitig von einem florentiner Künstler im
+ähnlichen Übergangsstile ausgeführt wurden (vgl. S. 51). Aber diese
+Arbeiten fremder Künstler fanden keine Nachfolger unter den heimischen
+Bildhauern. Ähnlich war es in Mailand. Donatello's Schüler und
+Mitarbeiter _Michelozzo_ war hier seit 1456 thätig. Seine Bauten, die er
+für die Vertreter des Bankhauses Medici, für die Portinari errichtete,
+sind mit dekorativen Skulpturen verziert, welche in ihren Putten und
+Fruchtkränzen den Charakter seiner von Donatello abhängigen, aber etwas
+schwerfälligen und wenig belebten Plastik zeigen, dabei aber auch schon
+dem lokalen Geschmack in Anordnung, Kostümen u. s. f. Rechnung tragen.
+Dies gilt sowohl für das Portal der Mediceerbank (jetzt in der Brera)
+wie für die Pilaster und die Kuppelverzierungen der Cappella Portinari
+in S. Eustorgio (Engel mit Kränzen). Aber auch in Mailand setzt an diese
+Arbeiten nicht unmittelbar und nicht direkt eine lokale Kunstthätigkeit
+an; wie in Verona haben solche florentiner Bildwerke zweifellos später
+anregend gewirkt, aber sie waren nur ein Moment bei der Belebung der
+einheimischen Renaissanceplastik in der Lombardei und nicht das
+entscheidende.
+
+Der Charakter der lombardischen Skulptur, die bald nach der Mitte des
+Jahrhunderts an verschiedenen Orten in sehr verwandter, scharf
+ausgeprägter Weise gleich mit zahlreichen und umfassenden Werken
+auftritt, weist vor Allem auf den Einfluß der Paduaner Schule
+Donatello's, den die fahrenden comaskischen Steinmetzen und Bildhauer
+aus Padua und Venedig in die Heimat zurückbrachten. Die den
+lombardischen Bildwerken eigentümlichen hageren, sehnigen Gestalten, der
+unruhige, knitterige Faltenwurf der am Körper anklatschenden Gewänder,
+das Streben nach dramatischer Schilderung figurenreicher Darstellungen
+und nach starkem Gefühlsausdruck entspricht ganz der Paduaner Kunst,
+Aber eine ungenügende Kenntnis der Natur und eine meist oberflächliche
+Durchführung lassen diese Arbeiten nur ausnahmsweise zu voller
+künstlerischer Reife gelangen; im Ausdruck sind sie in der Regel
+schwächlich oder verzerrt, in der Formenbildung übertrieben und
+karikiert, in der Anordnung überhäuft. Die Freude an bilderischem
+Schmuck, einmal belebt, ist alsbald wieder eine so große und allgemeine,
+daß die Künstler das Innere und Äußere der Gebäude damit bedecken und,
+da sie Architekten und Bildhauer zugleich sind, ihren höchsten Triumph
+darin suchen, die architektonischen Formen in Bildwerke geradezu
+aufzulösen. Dabei ist die Vorliebe für kleine Figuren, für die Häufung
+zahlreicher Scenen und Figürchen, für die Ausführung in Holz, wo es der
+Platz erlaubte, und für reiche Bemalung und Vergoldung offenbar durch
+die Berührung mit der deutschen Kunst, wenn nicht angeregt, so doch
+wesentlich gefördert; denn diese Eigenschaften sind in den der deutschen
+Grenze benachbarten Orten am stärksten ausgeprägt. Keine andere Provinz
+von Italien ist so reich an Skulpturen dieser Zeit; aber kaum an einem
+anderen Platze sind dieselben so wenig unterschieden, drücken so wenig
+die Individualität ihrer Meister aus, wie gerade in der Lombardei. Die
+Künstler lassen sich an der dekorativen Wirkung ihrer Bildwerke genügen;
+daher fehlt es denselben an absolutem künstlerischen Wert und an dem
+Reiz der künstlerischen Eigenart. Andererseits hat aber gerade die neu
+belebte Lust am Bauen und Meißeln, welche schon im XII. und XIII. Jahrh.
+die Steinmetzen der Lombardei, namentlich aus Como und Umgebung, ihren
+Weg durch ganz Italien finden ließ, auch jetzt wieder zahlreiche
+Lombarden als fahrende Künstler über die Grenzen ihrer Heimat
+hinausgetrieben, und sich in den meisten Provinzen Italiens, außerhalb
+Toskanas, wie als Architekten so auch als Bildhauer bethätigen lassen.
+Unter ihnen sind einzelne Künstler, dank der Berührung mit der fremden
+Kunst, von einer Bedeutung, wie sie keiner der lombardischen Bildhauer
+in der Heimat besitzt. Gerade hierin liegt auch in dieser Periode die
+hervorragende Bedeutung der lombardischen Skulptur.
+
+Der Baueifer einzelner Tyrannen, namentlich der Visconti und Sforza,
+sowie des Condottiere Colleoni, der ihnen darin nacheiferte, bot den
+Bildhauern der Lombardei Gelegenheit, sich in ihrer Kunst nach
+Herzenslust in unerhörter Pracht zu zeigen. Die Certosa bei Pavia, deren
+Bau und Ausstattung fast ganz in diese Zeit fallen, hat in zierlicher
+Eleganz der Arbeit, in Pracht des wertvollen prunkenden Gesteins nicht
+ihres Gleichen in Europa; der Mailänder Dom erhielt jetzt seine graziöse
+Kuppel, die mit einem Wald von zierlichen Marmorpfeilern umkleidet
+wurde, den Tausende von kleinen und großen Statuen schmücken; und
+Bartolommeo Colleoni ließ für sein und seiner Tochter prunkendes Grabmal
+neben S. M. Maggiore in Bergamo, deren Fassade er hatte erbauen lassen,
+eine Kapelle aus farbigem Marmor herstellen, die ein wahrer
+Schmuckkasten reichster und sauberster Renaissancearbeit ist. Die
+hervorragendsten Künstler dieser Bildwerke, Baumeister zugleich, sind
+anfangs _Cristoforo Mantegazza_ ({~DAGGER~} 1482) und sein Bruder _Antonio
+Mantegazza_ ({~DAGGER~} 1493). _Gianantonio Amadeo_ (1447-1522), der für Bart.
+Colleoni jene Grabkapelle arbeitete und die Monumente darin errichtete,
+ist (seit 1477) ihr Nachfolger am Bau der Certosa und übernimmt 1499 die
+Leitung des Dombaues in Mailand. An beiden Orten entstehen gleichzeitig
+zahlreiche Statuen und Monumente in seiner Werkstatt, denen sämtlich
+mehr oder weniger der herbe, oft karikierte Charakter der Figuren, der
+unruhige Faltenwurf, die Überfüllung mit Motiven und kleinen Figuren
+innewohnt, der auch die Arbeiten der beiden Mantegazza kennzeichnet.
+
+Das früheste bisher nachweisbare Werk lombardischer Renaissance ist die
+Fassade der Taufkapelle im Dom von Genua, von _Dom_. und _Elia Gagini_
+und _Giovanni da Bissone_ seit 1448 ausgeführt. Später und weicher sind
+die Arbeiten des _Ant. Tamagnini_ und _Pace Gagini_ im Pal. San Giorgio
+ebenda; herber und eckiger die Bildwerke, mit denen namentlich _Tommaso
+Rotari_ während seiner Leitung des Dombaues in Como (1487-1526) die
+Kirche innen und außen geschmückt hat. Ein Altersgenosse, _Vincenzo
+Foppa_ gen. _Caradosso_ (um 1445-1527), der als Goldschmied und
+Stempelschneider später am Hofe der Päpste Jahrzehnte lang beschäftigt
+war, hat in Mailand als Gehülfe Bramante's bei der Ausschmückung der
+Sakristei von S. Satiro in den Thonreliefs mit spielenden Putten, welche
+Medaillons mit Charakterköpfen umgeben, Werke von reinerem plastischen
+Gefühl und lebensvollerer Durchbildung geschaffen, welche das Studium
+Donatello'scher Arbeiten verraten (um 1488). In der wohl früher
+entstandenen großen Freigruppe der Beweinung Christi in derselben Kirche
+(wenn mit Recht ihm beigemessen?) verfolgt er die Richtung des G.
+Mazzoni in stilvoller, größerer Weise. Von den jüngeren Künstlern haben
+_Tommaso Cozzanigo_ und _Andrea Fusina_ in den Mailändischen Kirchen
+eine Anzahl kleinerer Grabmonumente hinterlassen, die durch ihre
+Beschränkung, durch feines Gefühl für Verhältnisse und zierliche
+Dekoration vor jenen älteren Monumenten wie vor den weit berühmteren
+Denkmälern ihrer Zeitgenossen _Cristoforo Solari_ und _Agostino Busti_
+gen. _Bambaja_ (1480-1548) weitaus den Vorzug verdienen. Namentlich in
+Bambaja artet die Zierlichkeit der Arbeit, selbst in seinem Hauptwerke,
+dem Grabmal des Gaston de Foix (jetzt in einzelnen Teilen in den Museen
+von Mailand, Turin, London u. s. f.) gar zu leicht in Zuckerbäckerwerk,
+die Eleganz der schlanken Figürchen mit ihren Gewändern mit zahllosen
+kleinen Parallelfalten in leere Manier, die Lieblichkeit der Köpfe in
+süßliche Ziererei aus. Der Künstler, der jünger ist als die meisten
+Bildhauer der Hochrenaissance und sie zum großen Teil überlebt, hat
+daher auch nicht die Kraft gehabt, aus der manierierten Weiterbildung
+der lombardischen Frührenaissance in die Bahnen der Hochrenaissance voll
+einzulenken.
+
+Das Berliner Museum besitzt verschiedene lombardische Bildwerke dieser
+Zeit. Ein Marmorrelief der Caritas (No. 208A) ist ein bezeichnendes Werk
+eines der Künstler der Fassade der Johanniskapelle im Dom zu Genua; ein
+Profilporträt in Marmor ist eine charakteristische Arbeit des C. Solari
+(No. 201); und unter mehreren Bruchstücken bemalter Holzaltäre ist
+namentlich eine Scene aus dem Leben des hl. Bernhard (No. 199) eine
+besonders gute Arbeit dieser Art.
+
+ * * * * *
+
+Die Plastik Venedigs erhält die entscheidende Anregung zu einer neuen
+Entwickelung gleichfalls von Padua; namentlich durch den von der
+Republik bevorzugten Bellano, von dessen Thätigkeit in Venedig wir
+leider noch keine genügende Vorstellung haben (vgl. S. 122 f. Ein
+Denkmal dieser seiner Thätigkeit besitzt die Berliner Sammlung
+wahrscheinlich in der Portallünette der Scuola di S. Giovanni; Abbild.
+S. 122). Sein Einfluß verrät sich noch in den frühesten Arbeiten jener
+lombardischen Bildhauer, die in Venedig nicht nur eine hervorragende
+Thätigkeit ausübten, sondern recht eigentlich die Plastik Venedigs für
+ein halbes Jahrhundert bestimmten. Dieser neue Zuzug lombardischer
+Bildhauer beginnt aber erst nach der Mitte des XV. Jahrh., nachdem sich
+in Venedig schon längere Zeit eine bedeutende bildnerische Thätigkeit in
+ausgesprochenem Charakter der Renaissance entfaltet hatte. Ein Paar
+florentiner Bildhauer, _Piero di Niccolo_ und _Giovanni di Martino_,
+hatten das Dogengrab des Tom. Mocenigo ({~DAGGER~} 1423) errichtet, in dem sich
+handwerksmäßige Künstler unter dem Einfluß der früheren Werke
+Donatello's und Michelozzo's bekunden; ein anderer anonymer Florentiner,
+der »_Meister der Pellegrinikapelle_«, ist der Künstler des Monuments
+des Beato Pacifico Buon (1435, vgl. S. 51 f.); zwei dem Namen nach
+unbekannte Florentiner (wohl identisch mit dem eben genannten Künstler
+des Grabmals Tom. Mocenigo) sind etwa gleichzeitig Mitarbeiter an den
+Kapitellen des Dogenpalastes, und _Donatello_ selbst hat um die Mitte
+des Jahrhunderts von Padua aus für den Chor der Frari die Figur des
+Täufers geschnitzt. Alle diese Künstler, die freilich einen
+unmittelbaren Einfluß auf ihre venezianischen Mitarbeiter nicht
+ausübten, schärften doch ihren Sinn für die Natur, förderten das
+Verständnis derselben und führten dadurch in Venedig die Plastik
+allmählich und fast unmerklich aus der Gotik in die Renaissance über.
+Schon die Gruppen am Dogenpalast haben bis in die Durchführung im
+Einzelnen einen ausgesprochenen Naturalismus, wenn ihnen auch die innere
+Belebung mangelt. Die reichen Bildwerke am Portal des Dogenpalastes, der
+sog. Porta della Carta, welche unter der Leitung des _Bartolommeo Buon_
+seit dem Jahre 1439 ausgeführt wurden, zeigen bei ähnlichem Charakter in
+Bewegung und Ausdruck bereits eine viel feinere Belebung, namentlich in
+dem großartigen Kopf des Dogen Foscari (das Original im Museum des
+Dogenpalastes) und in den nackten Putten. Der Künstler verleugnet sich
+darin freilich nicht als Nachfolger der Massegne; die schönen vollen
+Formen und der gehaltene Ernst sind ein Erbteil der älteren
+venezianischen Schule.
+
+Zum Schmuck der Rückseite dieses großen und tiefen Eingangsbaues
+fertigte ein lombardischer Künstler, _Antonio di Gio. Rizo_ aus Verona,
+im Jahre 1462, die Statuen von Adam und Eva. Hier kommt die neue Zeit
+zum ersten Mal voll und in ganz eigenartiger Form zur Geltung. Diesen
+beiden großen nackten Figuren wohnt ein so energischer, unverhohlener
+Realismus inne, wie irgend einem Werke der bahnbrechenden Florentiner
+Meister; aber er äußert sich in naiverer, derberer Weise, ähnlich wie
+gleichzeitig in der nordischen Kunst, namentlich bei den Gebrüdern van
+Eyck (man vergl. die Eva mit unserer Ältermutter vom Genter Altarbild).
+Vor den nordischen Künstlern hat der Veronese jedoch voraus, daß er das
+Motiv, den geistigen Gehalt auch in Ausdruck und Bewegung, wenigstens
+beim Adam, voll und groß wiedergiebt. Die bekleideten Figuren des bis zu
+seiner Flucht aus Venedig 1498 namentlich als Architekt hervorragend
+thätigen Künstlers, wie der Schildhalter in antiker Rüstung im Hofe des
+Dogenpalastes (zur Seite des Adam), die beiden Tugenden und die
+Dogenstatue am Grabmal Tron ({~DAGGER~} 1472), zeigen Rizo in der eng
+anliegenden, knitterigen Gewandung, in den knochigen schlanken Gestalten
+mit kleinen Köpfen als ausgesprochenen und hervorragenden Schüler der
+Paduaner Schule, dem Maler Andrea Mantegna verwandt.
+
+Obgleich Rizo ohne besondere Eigenart in dem Aufbau seiner Denkmäler
+ist, obgleich er größeren Kompositionen, deren uns wenigstens keine von
+seiner Hand bekannt ist, aus dem Wege geht, hat doch die freie Erfindung
+und die breite naturalistische Durchbildung seiner Einzelfiguren auf die
+weitere Entwickelung der venezianischen Plastik einen bestimmenden
+Einfluß gehabt. Schon _Pietro Solari_ gen. _Lombardo_ ({~DAGGER~} 1515), ein
+jüngerer Landsmann und als solcher auch wieder Bildhauer und Architekt
+zugleich, erscheint ebenso sehr von Rizo wie von Bellano beeinflußt.
+Seine eigene umfangreiche Thätigkeit und die Werke seiner tüchtigen
+Schüler, die er namentlich in seinen Söhnen Tullio und Antonio groß zog,
+geben der Erscheinung Venedigs noch heute einen wesentlichen Teil ihres
+Charakters. Die lombardische Lust an vielgegliedertem und dadurch oft zu
+leicht motivlosem und kleinlichem Aufbau der Monumente ist bei Pietro
+und seinen Söhnen durch das venezianische Formengefühl gemäßigt; die
+dekorative Verwendung der Bildwerke wird durch die venezianische Freude
+an der Durchbildung vor Ausartung in Flüchtigkeit bewahrt, und die herbe
+Formenbildung, wie das unruhige, knitterige Faltenwerk der Lombarden
+erscheinen hier durch den venezianischen Schönheitssinn und die Studien
+nach der Antike, namentlich nach griechischen Bildwerken, auf ein
+glückliches Maß eingeschränkt. Ist bei Pietro seine Herkunft von der
+lombardischen Kunst immer noch deutlich erkennbar, so ist bei seinen
+Söhnen die Umbildung in den venezianischen Charakter schon so stark
+ausgeprägt, daß sie in manchen ihrer Bildwerke schon nüchtern und
+weichlich erscheinen.
+
+Pietro Lombardo hat seine größeren Arbeiten meist mit seinen Söhnen und
+anderen Gehülfen zusammen ausgeführt; auch diesen Werkstattarbeiten ist
+regelmäßig der Charakter des Meisters mehr oder weniger stark
+aufgeprägt. Als eigenhändige und frühere Werke erscheinen die
+bezeichneten Statuetten von Hieronymus und Paulus in Sto. Stefano, die
+beiden Altäre mit einzelnen Heiligen in der Markuskirche und der Schmuck
+des Chors von San Giobbe. Das früheste seiner größeren Monumente, das
+des Dogen Nic. Marcello ({~DAGGER~} 1474) in S. Giovanni e Paolo, schließt sich
+dem A. Rizo noch so eng an, daß es eine Zeit lang für eine Arbeit
+desselben galt. Im Aufbau wie in der Durchführung der Figuren ist dies
+wohl das feinste unter Pietro's Monumenten, während das Dogengrab P.
+Mocenigo ({~DAGGER~} 1476) in derselben Kirche in dem reicheren Aufbau, in der
+Fülle von Figuren in antikem Kostüm und den Reliefs mit antiken Motiven,
+in den herberen Formen die Eigenart des Künstlers noch schärfer
+ausspricht. Eine Reihe kleinerer Grabmäler in und außerhalb Venedigs,
+namentlich in Ravenna und Treviso, der Schmuck einzelner Prachtfassaden
+an öffentlichen Bauten und Palästen, verschiedene Madonnen in Altären
+und Tabernakeln lassen sich nach dem gleichen Charakter gleichfalls dem
+Pietro Lombardo zuschreiben.
+
+[Abbildung: 164. Hl. Hieronymus von B. Buon (?).]
+
+Pietro's Sohn, _Tullio Lombardo_, hat schon früh auch außerhalb der
+Werkstatt seines Vaters selbständig gearbeitet: der Wandaltar in
+S. Martino datiert schon von 1484, und das große Relief der Krönung
+Mariä in S. Giovanni Crisostomo, die Gruppen der Beweinung Christi in
+S. Lio (vielleicht noch von Pietro?) und in S. M. della Salute, sowie
+die Reliefs an der Scuola di S. Marco gehören gleichfalls wohl seiner
+früheren Zeit, während seine Beteiligung am Schmuck von Sta. M. de'
+Miracoli und an den Reliefs der Antoniuskapelle in Padua (1501 und 1525)
+erst in die ersten Jahrzehnte des Cinquecento fallen, ohne jedoch eine
+wesentliche Änderung im Charakter aufzuweisen. In den meisten dieser
+Arbeiten, namentlich in den späteren, steht Tullio im Figürlichen
+entschieden hinter seinem Vater zurück; die Falten seiner Gewänder sind
+in ihrer zierlichen parallelen Bildung fast ebenso behandelt, wie die
+sauber gekämmten Haare; die Anordnung ist durch ihre Gleichmäßigkeit
+nüchtern; und die ruhige Haltung der Gestalten des Pietro wird bei
+Tullio zu starrer Leblosigkeit, welche die mit Vorliebe von ihm
+gewählten bewegten Scenen karikiert und verzerrt erscheinen läßt.
+Tullio's jüngerer Bruder _Antonio Lombardo_ ({~DAGGER~} 1516) zeigt in den von
+ihm allein ausgeführten Arbeiten, wie in einem der Reliefs in der
+Antoniuskapelle zu Padua (1505), in den kleinen Reliefs am Grabmal
+Mocenigo in S. Giovanni e Paolo, in einer Reihe ähnlicher Kompositionen
+im Museum des Dogenpalastes, im Louvre und namentlich in der Sammlung
+Spitzer zu Paris zwar gleichfalls eine gewisse Kälte und Nüchternheit
+der Handlung: er ist Tullio aber überlegen durch sein an der Antike
+gebildetes Schönheitsgefühl, das sich in der Bildung seiner Gestalten,
+seiner Gewandung und Komposition aufs deutlichste bekundet.
+
+[Abbildung: 166. Marmorstatue von A. Leopardi (?).]
+
+Ähnliche Vorzüge zeichnen die Werke des _Alessandro Leopardi_ ({~DAGGER~} 1522)
+aus, der wohl mit den jüngeren Lombardi bei Pietro Lombardo ausgebildet
+wurde. Er war vorwiegend als Architekt und Dekorator beschäftigt. Nach
+Verrocchio's Tode zur Vollendung des Colleoni-Monuments berufen, hat er
+den trefflichen Sockel mit dem Waffenfries entworfen und ausgeführt, der
+so wesentlich zur großartigen Wirkung des Denkmals beiträgt. Von seiner
+Hand ist die Dekoration und teilweise auch der bildnerische Schmuck des
+umfangreichsten und schönsten aller Grabmäler Venedigs, des
+Dogenmonuments A. Vendramin ({~DAGGER~} 1478, vollendet 1494) in S. Giovanni e
+Paolo; seine Arbeit sind die bronzenen Flaggenhalter auf dem Markusplatz
+(1500-1505), sowie einzelne Teile am Monumente des Kardinals Zeno mit
+dem reichen Bronzeschmuck des Altars seiner Grabkapelle in S. Marco
+(1501-1515). Seine Monumente sind gleichmäßig ausgezeichnet durch den
+feinen architektonischen Sinn, die graziöse Ornamentik, die schöne
+Gliederung und Verteilung des bildnerischen Schmuckes, den
+geschmackvollen Aufbau der Kompositionen, den feinen, der
+architektonischen Wirkung entsprechenden Reliefstil, die vollen, schönen
+Gestalten mit dem sinnigen, schwärmerischen Ausdruck, der vornehmen
+Haltung, dem zierlichen Faltenwurf und der sauberen Durchführung. Auch
+hier freilich erhebt sich die venezianische Plastik nicht zu der
+künstlerischen Freiheit, Größe und Gestaltungskraft der florentiner
+Skulptur oder der gleichzeitigen Malerei in Venedig; aber in ihrer
+dekorativen Wirkung und im Zusammenklang mit der Architektur kommt sie
+der florentiner Plastik nahe.
+
+[Abbildung: 183. Profilporträt einer jungen Venezianerin, um 1500.]
+
+Die Zahl der Monumente dieser Zeit in Venedig ist eine außerordentlich
+große; auch in den Venedig unterworfenen Landstädten, bis Verona und
+Brescia, bis in die Marken und nach Istrien und Dalmatien, haben die
+Bildwerke dieser Zeit durchaus venezianischen Charakter. Die Zahl der
+Künstler, welche neben und außerhalb der Werkstätten der genannten
+großen Meister beschäftigt wurden, war zweifellos noch eine
+beträchtliche; nur von Wenigen, wie _Antonio Dentone_, _Camelio_,
+_Andrea Vicentino_, _Pyrgoteles_ u. a. sind uns beglaubigte Arbeiten
+erhalten. Dieselben schließen sich fast alle mehr oder weniger der
+Richtung des Pietro Lombardo und seiner Schüler an. Das Berliner Museum
+ist reich an venezianischen Bildwerken dieser Zeit, von denen sich
+jedoch nur wenige mit Sicherheit auf bestimmte Künstler zurückführen
+lassen. Eine ernste, vornehme Figur, der hl. Hieronymus in Hochrelief,
+gilt als ein Werk des Bart. Buon (No. 164), dem er wenigstens verwandt
+und ebenbürtig ist. Von Leopardi's Grabmal Vendramin stammen die beiden
+großen, bis auf einen Schurz nackten Wappenhalter (No. 165 und 166),
+schöne Jünglingsgestalten mit klagendem Ausdruck. Für den eigentümlich
+flachen Reliefstil, der sich an zahlreichen Monumenten Venedigs gegen
+Ende des XV. Jahrh. findet und dessen Vorbilder wohl Donatello's Reliefs
+am Hochaltar im Santo waren, ist ein marmornes Antependium mit Engeln,
+welche spielen oder die Marterinstrumente Christi halten (No. 172),
+besonders charakteristisch. Auch von den seltenen venezianischen
+Bildnissen dieser Zeit besitzt die Sammlung verschiedene tüchtige
+Beispiele: die einfache, sehr individuell gehaltene Thonbüste eines
+älteren Mannes mit langem Haar (No. 167) und unter mehreren Flachreliefs
+namentlich das feine Marmorrelief einer jungen Dame im Profil (No. 183),
+in dem hohen Kopfputz, wie wir ihn in Carpaccio's Bildern finden.
+
+ * * * * *
+
+Die Plastik des Quattrocento in Rom hat mit der venezianischen manche
+Züge gemeinsam. Angeregt von außen, wird sie im Wesentlichen durch
+fremde Künstler geübt und geht mehr auf reiche dekorative Wirkung als
+auf künstlerische Durchbildung aus. Doch wird in Rom mit der Tradition
+viel gründlicher gebrochen als in Venedig; der Charakter der römischen
+Kunst im Quattrocento ist auch weniger geschlossen und beruht in viel
+geringerem Maße auf lokalen Bedingungen. Die Kunstübung ist daher
+vielfach von den Launen der Besteller abhängig und hat, trotz aller
+Pracht des Materials und dem Umfange der Monumente, einen stark
+handwerksmäßigen Beigeschmack. Dieser zeigt sich auch in dem nur für Rom
+charakteristischen häufigen, ja beinahe regelmäßigen Zusammenarbeiten
+verschiedener Bildhauer an demselben Monumente, das an sich schon die
+einheitliche künstlerische Wirkung beeinträchtigt; eine
+Eigentümlichkeit, welche ihren Grund in der Ruhmsucht der Kirchenfürsten
+hatte, die noch bei Lebzeiten ihre Denkmäler vollendet sehen wollten.
+
+Die Monumente, welche in Rom Ende des XIV. und im Anfange des XV. Jahrh.
+von Nachfolgern der Cosmaten ausgeführt wurden, hätten die Entwickelung
+einer eigenartigen tüchtigen römischen Bildnerschule im Quattrocento
+vermuten lassen: das Grabmal des Ph. d'Alençon ({~DAGGER~} 1397) in S. M. in
+Trastevere und die beiden Monumente von der Hand des _Meister Paulus_,
+das Grabmal Caraffa im Priorato di Malta und namentlich das des
+Kardinals Stefaneschi ({~DAGGER~} 1417) in S. M. in Trastevere, sind so einfach
+und doch so wirkungsvoll im Aufbau, so groß und lebendig in der Gestalt
+des Toten, trotz der Befangenheit in der Durchbildung, daß man glauben
+sollte, in der Werkstatt solcher Künstler hätten jüngere Kräfte
+selbständig die römische Plastik zur Renaissance führen müssen. Gerade
+das Gegenteil ist der Fall: in diesen Künstlern erlischt die ältere
+eigenartige Bildnerschule Roms, und erst nach einem Zwischenraum von
+mehreren Jahrzehnten, der fast gar keine Monumente aufzuweisen hat,
+machen fremde Bildhauer die Renaissancekunst in Rom allmählich heimisch.
+_Donatello's_ vorübergehende Thätigkeit im Jahre 1432 blieb ohne
+Nachwirkung; die neue Richtung macht sich nur zögernd geltend, nachdem
+gegen Ende der dreißiger Jahre ein Paar weit untergeordnetere Künstler,
+die Florentiner _Antonio Filarete_ und _Simone Ghini_, zu längerer
+Thätigkeit nach Rom berufen wurden und sich ihnen _Isaïa_ aus _Pisa_
+kurz vor der Mitte des Jahrhunderts zugesellte. Filarete's Bronzethür
+der Peterskirche (1439-1445) steht zwar weit hinter den gleichzeitigen
+Florentiner Thüren zurück: die Verteilung und die Verhältnisse der
+Reliefs unter einander, der flache Reliefstil, die schwerfällige
+Einrahmung, in der sich antike Vorbilder mit gotischen Traditionen
+mischen, sind unglücklich; die großen Hauptfiguren wie die Reliefs mit
+den Darstellungen aus dem Leben der Päpste in zahlreichen kleinen
+Figuren sind nüchtern und leblos; nur in den kleinen Kompositionen,
+welche das Rankenwerk der Einrahmung einschließt, zeigt sich in
+frischerer, naiverer Weise der Charakter der Renaissance schon in der
+Wahl der antiken Motive. Nach der Verwandtschaft mit den Figuren an den
+Thüren ist wohl auch das steife Relief mit der Figur des hl. Markus über
+dem Eingange in S. Marco von Filarete's Hand. Simone's Bronzegrabplatte
+Papst Martins V. ist diesen Arbeiten durch lebensvollere und größere
+Naturauffassung entschieden überlegen.
+
+Mit _Isaïa di Pisa_ beginnt die Reihe der eigentlich römischen Künstler;
+römisch freilich nur nach dem Charakter ihrer Bildwerke, da auch sie
+fast alle keine Römer von Geburt sind. Von Isaïa sind uns in Rom das
+Grabmal des Papstes Eugen IV. ({~DAGGER~} 1447) in S. Salvatore in Lauro, die
+Reste des Grabmals der hl. Monica in einem Nebenraume von S. Agostino
+und sein Anteil an dem Andreastabernakel in den Grotten des Vatikans
+erhalten. Der nüchterne Aufbau seiner Monumente, die leblosen plumpen
+Figuren mit ihren kleinlichen Parallelfalten, die phantasielose
+Dekoration lassen uns heute unverständlich erscheinen, daß die Päpste
+sich mit König Alphons diesen Bildhauer streitig machen konnten.
+Künstlerisch ebenso unbedeutend sind ein Paar gleichzeitige Monumente,
+wie das Grabmal Astorgio Agnense ({~DAGGER~} 1451) im Hofe der Minerva, von
+ähnlichem Aufbau wie das Eugensmonument, und das Tabernakel in
+S. Francesca Romana. Regeres Leben und freiere Behandlung kam in die
+Plastik Roms erst nach dem Jahre 1460, namentlich durch die Päpste Paul
+II. und Sixtus IV., deren Kunstsinn zugleich den Wetteifer aller höheren
+Geistlichen in der Ausschmückung ihrer Kirchen und der eigenen
+Verherrlichung hervorrief. Diese bildnerische Thätigkeit, die in
+gleicher Regsamkeit und Pracht bis zur Zeit von Papst Julius II.
+anhielt, bewahrt in einem Zeitraum von mehr als einem halben
+Jahrhundert fast den gleichen Charakter. Der Florentiner Mino, der Römer
+Paolo Taccone, der Istrianer Giovanni Dalmata und die Lombarden Andrea
+Bregno und Luigi Capponi, die etwa gleichzeitig und vielfach zusammen
+arbeiteten, haben gemeinsam den Charakter dieser Kunst und die Typen der
+Monumente bestimmt, die in den letzten Jahrzehnten des XV. und zum Teil
+auch noch im Anfang des folgenden Jahrhunderts mit mehr oder weniger
+Selbständigkeit, oft aber sehr geistlos wiederholt wurden. Große Altäre,
+Tabernakel, Ciborien, Kanzeln, Sängertribünen, meist von bedeutendem
+Umfange und regelmäßig in Marmor ausgeführt, vor Allem aber Grabmäler
+sind die Aufgaben, welche den Künstlern gestellt werden. Letztere sind
+Nischengräber in verschiedener Form: in der Nische die Gestalt des Toten
+auf dem Sarkophag ruhend, bald flach abschließend, bald im Halbrund mit
+Relief oder Gemälde darüber, zu den Seiten bald Pfeiler mit Statuetten
+in Nischen, bald schlichte Pilaster, oder auch eine Büste in Nische mit
+einfacher Inschrifttafel darunter. Vorliebe für allgemeine Allegorien,
+Mangel an Individualität, Einförmigkeit und Mangel an Phantasie,
+zierliche aber nüchterne Ausführung, in der Gewandung ein Anschluß an
+klassische Vorbilder, namentlich aus archaistischer Zeit, sind fast
+allen diesen Monumenten in größerem oder geringerem Maße eigen.
+
+_Paolo Taccone_ gen. _Romano_ ({~DAGGER~} wahrscheinlich 1470) arbeitet zuerst
+mit Isaïa zusammen am Andreastabernakel (jetzt in den Grotten des
+Vatikans); später finden wir ihn mit Mino u. A. gemeinsam beschäftigt.
+Verschiedene Kolossalstatuen: der Paulus auf Ponte S. Angelo, der
+Andreas in S. Andrea, Petrus und Paulus im Peter (alle zwischen 1461 und
+1464), haben den gleichen nüchternen, mehr von der Antike als von der
+Natur bestimmten Charakter. -- Der wenig jüngere _Giovanni Dalmata_
+(thätig in Rom um 1460-1480) ist derber und lebendiger; durch sein
+unruhiges knitteriges Faltenwerk, sein starkes Hochrelief ist er unter
+den übrigen Römern leicht herauszuerkennen. Am Paulsgrabe und am Grabmal
+Eroli ({~DAGGER~} 1479) in den Grotten, am Tabernakel in S. Marco arbeitet er
+neben Mino, am Grabmal Roverella ({~DAGGER~} 1476) in S. Clemente und am Grabmal
+Tebaldi in der Minerva neben Andrea Bregno. -- Am häufigsten begegnet
+uns in den Denkmälern Roms, neben Mino, der Lombarde _Andrea Bregno_
+(1421-1506), namentlich in Arbeiten seiner Werkstatt. Seine lombardische
+Herkunft verrät sich in den schlanken Figuren und den zierlichen
+Parallelfalten: die edlen Köpfe und die vornehme Haltung seiner Figuren
+verdankt er aber dem Studium der Antike in Rom, mit der er freilich auch
+den Mangel an feinerer Belebung und Individualität gemein hat. Zwei
+Altäre in S. M. del Popolo, die Grabmäler Roverella und Tebaldi (vergl.
+oben) in Rom und der kolossale Altar Piccolomini im Dom zu Siena (1485)
+sind seine Hauptarbeiten. -- Dem Andrea ist ein um 1480-1500 in Rom
+thätiger Lombarde, _Luigi Capponi_ aus Mailand, nahe verwandt. Von ihm
+ist u. A. das Monument Brusati in S. Clemente (1485) ein
+Kreuzigungsrelief und ein zierlicher Altar im Ospedale della
+Consolazione, der Gregorsaltar in San Gregorio, das Monument der Brüder
+Bonsi ebenda, das Grabmal des Lor. Colonna in der Vorhalle zu Sti.
+Apostoli. Letztere originell durch die Anordnung der Büsten der
+Verstorbenen, und sämtlich durch die zierliche goldschmiedartige
+Dekoration ausgezeichnet.
+
+Neben diesen Künstlern, sind uns einige wenige andere Bildhauer in
+vereinzelten Monumenten bezeugt. So ein zweiter Meister _Andrea_ in
+einem kleinen Madonnenrelief im Hospital S. Giacomo, eine treffliche
+Arbeit in feinem Flachrelief; ein _Pasquino da Montepulciano_ soll der
+Meister des großen Grabmals Pius' II. in S. Andrea della Valle sein; ein
+zierlicher Altar in S. M. della Pace soll den Namen eines _Pasquale da
+Caravaggio_ tragen; _Michele Maini_ aus Fiesole (geb. 1459) fertigte die
+Sebastiansstatue in der Minerva, wohl die tüchtigste Freifigur dieser
+Zeit in Rom. Für die Mehrzahl der Monumente fehlt aber bisher der Anhalt
+zur Bestimmung ihrer Meister; darunter sind einige der besten Werke
+Roms, meist aus früherer Zeit, wie das Grabmal Coca mit dem Fresko
+Melozzo's, das Petrusrelief mit dem Kardinal Cusa in S. Pietro in
+Vincoli (1465), und das Grabmal Lebretto in Araceli aus demselben Jahre.
+
+[Abbildung: 204. Engel neben dem Rovere-Wappen, in der Art des A.
+Bregno.]
+
+Die Berliner Sammlung besitzt einige charakteristische, gute Arbeiten
+dieser römischen Schule. Ein leider verstümmelter Engel in Hochrelief
+(No. 202) giebt sich in seinen knitterigen Falten unverkennbar als ein
+Werk des Dalmata zu erkennen; ein Marmortabernakel mit vier anbetenden
+Engeln (No. 203) ist eine gute Arbeit der Werkstatt des Andrea Bregno,
+und ein diesem verwandter, aber feinerer Künstler hat die beiden
+Engelsgestalten gemeißelt, die zur Seite eines Baumes (das Wappen der
+Rovere) gelagert sind (No. 204). Das merkwürdigste Stück der Sammlung,
+einzig in seiner Art unter den römischen Bildwerken, ist die
+Kolossalbüste des Papstes Alexander VI. (No. 205), schlicht und selbst
+etwas nüchtern aufgefaßt, jedoch von bedeutender, lebensvoller Wirkung.
+
+ * * * * *
+
+[Abbildung: 61. Marmorbüste einer neapolitanischen Prinzessin von
+Franc. Laurana.]
+
+Süditalien hat im Quattrocento nur in _Neapel_ eine reichere
+bildnerische Thätigkeit aufzuweisen, die aber, angeregt und ausgeübt
+durch fremde Künstler, keine nennenswerte lokale Schule groß zieht.
+_Donatello_ und _Michelozzo_ hatten sich in dem Grabmal Brancacci an den
+alten neapolitanischen Gräbertypus angeschlossen; die Erbauer des
+Triumphbogens König Alphons' I., meist von Rom bezogene Künstler: _Isaïa
+di Pisa_, _Paolo Romano_, _Guglielmo Monaco_ aus Perugia, _Silvestro
+d'Aquila_ u. a., aber auch _Desiderio da Settignano_ müssen ihre
+Bildwerke einem mittelalterlichen Festungsbau anpassen. Erst die jüngere
+Generation: _Ant. Rossellino_, _Ben. da Majano_, _G. Mazzoni_ durften
+freier nach künstlerischem Ermessen schaffen; doch haben sie wohl, mit
+Ausnahme des letzteren, ihre Altäre und Grabmonumente in ihrer Heimat
+ausgeführt. Die Reliefs und Statuen am Triumphbogen haben mehr oder
+weniger den Charakter der gleichzeitigen römischen Arbeiten, mit
+Ausnahme von zwei ganz Donatelloartigen Putten, die auf Desiderio
+zurückzugehen scheinen. Am Portal des Kirchleins Sta. Barbara tritt,
+neben _Giuliano da Majano_ (von dem die kleinen Architravreliefs im
+Charakter seines Bruders Benedetto herrühren), in der Madonnenstatue
+(1474) ein Künstler auf, der ein Wanderleben an den Höfen Italiens
+führte, der Dalmatiner _Francesco Laurana_ (oder Lavrana). Der Künstler
+war damals von Palermo gekommen, und hier in Sicilien hat er auch, in
+Verbindung mit einer Künstlerfamilie lombardischer Herkunft, den Gagini,
+eine nicht unbedeutende plastische Thätigkeit angeregt, die sich,
+namentlich in Palermo, nahezu ein halbes Jahrhundert lang stetig
+entfaltet.
+
+Laurana hat in Palermo verschiedene Madonnenstatuen, ähnlich der in
+Neapel, und den Reliefschmuck einer Kapelle in S. Francesco gefertigt.
+Außerdem enthält das Museum zu Palermo mehrere dekorative Arbeiten mit
+feinen Renaissanceornamenten, sowie ein Paar Reliefporträts und Büsten,
+die mit großer Wahrscheinlichkeit auf Laurana zurückgehen. Diese Büsten
+gehören nach ihrer ganz eigenartigen Auffassung und Formgebung zu einer
+Gruppe von Marmorbüsten junger Frauen, von denen das köstliche
+Hauptwerk, die früher sogenannte Marietta aus Pal. Strozzi in Florenz,
+sich jetzt im Berliner Museum befindet (No. 61). Die schüchterne, echt
+mädchenhafte Haltung, gelegentlich so stark betont, daß sie etwas
+linkisch wirkt, die halb geschlossenen, etwas schräg gestellten Augen,
+der fest geschlossene Mund, die delikate Durchführung, die starke
+Politur des Fleisches sind allen diesen Büsten gemeinsam, die sich im
+Bargello, im Louvre, im Museum zu Wien, bei M. G. Dreifuß und M. E. André
+in Paris befinden. Durchaus den gleichen Charakter hat auch eine Anzahl
+von Marmormasken junger Mädchen, die sämtlich aus Südfrankreich stammen,
+wo Laurana in seinen letzten Jahren thätig war; eine derselben besitzt
+jetzt das Berliner Museum (No. 208). Der Umstand, daß alle diese Büsten
+und Masken nachweislich oder wahrscheinlich aus den Orten stammen, an
+denen Francesco Laurana nach einander thätig war, und die Verwandtschaft
+derselben mit den Frauenköpfen seiner Statuen und Reliefs lassen
+dieselben mit großer Wahrscheinlichkeit gleichfalls auf ihn
+zurückführen.
+
+Dem Laurana nahe verwandt und wohl von ihm beeinflußt ist der Lombarde
+_Domenico Gagini_, der 1463 aus Genua nach Palermo kam. Er und
+namentlich sein Sohn _Antonio Gagini_ (1478-1536) haben mit ihrer großen
+Werkstatt hier und in anderen Städten Siciliens eine Reihe von
+Bildwerken verschiedenster Art hinterlassen. Das Museum zu Palermo ist
+reich an solchen Arbeiten; der Dom besitzt in Antonio's Madonnenstatue
+vom Jahre 1503 das lieblichste Werk des Künstlers und in dem
+Weihwasserbecken mit dem reichen Baldachinaufsatz und den nett erzählten
+Reliefs ein noch stark lombardisches späteres Werk seines Vaters.
+Schönheit der Gestalten, Lieblichkeit des Ausdrucks und saubere
+Bearbeitung des Marmors zeichnen diese Arbeiten gleichmäßig aus, während
+ihnen feinere seelische Belebung meist abgeht.
+
+
+
+
+Die Hochrenaissance
+(Das Cinquecento, um 1500 bis 1630).
+
+
+Im letzten Jahrzehnt des XV. Jahrh. bereitet sich in Florenz, das auch
+jetzt wieder die Schicksale der italienischen Kunst entscheidet, eine
+Wendung vor, welche hier mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts als
+vollzogen bezeichnet werden darf; eine Wendung, die eine neue, von der
+vorausgehenden Entwickelung grundverschiedene Epoche der italienischen
+Kunst heraufführt. Kaum in einem anderen Zweige der Kunst kommt dieselbe
+so scharf zum Ausdruck wie in der Plastik, in keinem anderen Zweige aber
+auch im Allgemeinen so wenig günstig wie gerade in der Plastik.
+
+Die Skulptur des XV. Jahrh. strebte nach Natürlichkeit und Wirklichkeit;
+die neue Zeit setzte dagegen an die Stelle der Individualität die
+Verallgemeinerung. Sie will nicht das Modell mit allen seinen
+Eigenheiten und Zufälligkeiten geben, sondern einen daraus abstrahierten
+Typus. Diese Verallgemeinerung und Idealisierung der Formen erstreckt
+sich nicht nur auf die Köpfe und den Körper, auch die Stoffe und das
+Nebenwerk werden vereinfacht und nach einem Schema behandelt, das sich
+die Künstler nach selbstgeschaffenen Schönheitsgesetzen gebildet haben.
+Dicke Stoffe, die volle Falten bilden, werden das Vorbild, und jede
+Verzierung derselben wird verschmäht.
+
+Diese Schönheitsgesetze wurden aber nicht aus der Natur, sondern aus der
+antiken Kunst abstrahiert. Die Antike wird daher jetzt mit erneutem
+Eifer studiert; nicht mehr um Anregung für Motive und Begeisterung für
+eigene Erfindungen daraus zu schöpfen, sondern um daraus allgemeine
+Grundgesetze der statuarischen Kunst abzuleiten und auf Grund derselben
+Neues zu schaffen. Dadurch, daß die Künstler die Gesetze aus den Antiken
+abstrahierten, wie sie ihnen vorlagen, also aus mehr oder weniger
+geringwertigen römischen Kopien, meist außer Zusammenhang mit den
+zugehörigen Skulpturen und der Architektur, für die sie erfunden waren,
+mußten sie vielfach zu Trugschlüssen kommen, die für ihre eigene Kunst
+verhängnisvoll wurden.
+
+Die Skulptur wurde allerdings jetzt selbständiger gestellt, sie wurde
+noch freier als sie es selbst im Quattrocento gewesen war. Denn die
+Dekoration, mit der sie bis dahin im Zusammenhang gedacht war, wurde
+beseitigt oder doch sehr eingeschränkt; die Malerei, welche man bisher
+zu ihrer Vollendung für erforderlich gehalten hatte, wurde völlig
+getrennt von der Skulptur, und selbst mit der Architektur ist dieselbe
+meist nur lose verbunden oder drückt diese sogar in ein untergeordnetes,
+dienendes Verhältnis herab.
+
+Auch auf den Inhalt sucht die Hochrenaissance ihre Nachahmung der Antike
+auszudehnen. Die religiösen Vorwürfe und Gestalten hatten schon lange
+ihre feste Form bekommen; jetzt wurde im Anschluß an die Antike aufs
+eifrigste die Mythologie und Allegorie gepflegt. Die antiken Götter
+entstanden, trotz der Reaktion in der Kirche, zu neuem Leben; freilich
+nicht als Andachtsbilder, sondern als allegorisches Beiwerk. Daher wurde
+ihnen unbeanstandet selbst in die Kirchen und in kirchlichen
+Darstellungen der Eintritt gestattet.
+
+Die Überzeugung von der Größe und Selbständigkeit der Plastik verleitete
+Künstler wie Auftraggeber zu dem Streben, die Skulpturen, wenn möglich,
+kolossal zu gestalten. Während die Frührenaissance ihre Figuren
+regelmäßig etwas unter Lebensgröße bildete, ist in der Hochrenaissance
+der kolossale Maßstab beinahe Regel; was die Skulptur an Interesse durch
+den Mangel an individuellen Gestalten eingebüßt hatte, sollte durch die
+überwältigende Wirkung des Kolossalen wieder eingebracht werden. Ein
+anderes Mittel zum gleichen Zweck, das Aufsuchen und Herausheben von
+Gegensätzen, wird geradezu zu einem der leitenden Grundsätze für die
+Plastik der Hochrenaissance; nicht nur die Gegensätze in Geschlecht und
+Alter, deren typische Gestaltung die Künstler anstreben, sondern bei der
+einzelnen Figur der Gegensatz zwischen Körper und Kopf, sowie namentlich
+zwischen den beiden Seiten des Körpers. Der »contra-posto«: das
+Hervortreten der einen Körperseite gegen die andere, die scharfe
+Betonung zwischen Spielbein und Standbein und ein entsprechender
+Gegensatz in der Bewegung der beiden Arme, ist den meisten Bildhauern
+der Hochrenaissance ein viel wichtigeres Gesetz als das Studium der
+Natur.
+
+Die Richtung auf das Große und Schöne in der Kunst des Cinquecento
+entstand als natürliche Gegenwirkung gegen die einseitige Betonung des
+Wirklichen und Gefälligen in der Kunst des Quattrocento; sie wurde
+außerdem, ganz besonders in der Skulptur, gefördert durch das erneute,
+völlig veränderte Studium der Antike; der innerste Antrieb, aus dem sie
+hervorging, liegt jedoch in der geistigen Strömung der Zeit, die schon
+Ende des XV. Jahrh. in Florenz die reformatorische Bestrebung
+Savonarola's hervorrief und später, in andere Kanäle geleitet, durch
+die Päpste selbst zur Gegenreformation gestaltet wurde. Das Wirkliche,
+das rein Menschliche verdammte sie im Leben wie in der Kunst, die sie
+nur als Mittel zur Förderung religiöser und kirchlicher Zwecke, im
+weitesten Sinne, gelten lassen wollte; daher die bewußte Abkehr von der
+Natur.
+
+Im Gebiete der Malerei und teilweise auch der Architektur sehen wir ein
+verwandtes Streben die köstlichsten Früchte zeitigen, wenn auch nur
+während eines kurzen Zeitraums und bei einer kleinen Zahl besonders
+begnadigter Künstler: in der gleichzeitigen Plastik ist dies, den Einen
+Michelangelo ausgenommen, keineswegs der Fall; die Bildwerke der
+Hochrenaissance befriedigen nur ganz ausnahmsweise in dem Maße wie die
+der vorausgegangenen Epoche oder halten doch bei näherer und
+wiederholter Betrachtung keineswegs, was sie auf den ersten Blick
+versprechen. Die Plastik war aber auch von vornherein in einer weit
+weniger günstigen Lage als ihre Schwesterkünste. Abgesehen davon, daß
+die Aufgaben der Kirche an sich für die plastische Darstellung weit
+weniger geeignet sind wie die griechische Mythologie, konnten auch die
+allegorischen Gestalten und die der Antike entlehnten Motive, da sie
+nicht aus dem Volksbewußtsein hervorgegangen waren, sich nicht typisch
+ausbilden und erscheinen daher als etwas Künstliches und Fremdartiges.
+Auch mußte in der Plastik die Absichtlichkeit, die bewußte Abwendung von
+dem Individuellen und das Zurschautragen stilistischer Gesetze, welche
+zum Teil ohne wirkliche Grundlage waren, von besonders ungünstiger
+Wirkung sein, sobald nicht ein Genie, wie das Michelangelo's, die
+Aufgabe erfaßte. Daher leiden die Bildwerke der Hochrenaissance vielfach
+an nüchterner Einförmigkeit, gesuchter Ziererei und leerer
+Empfindungslosigkeit, die sich doppelt fühlbar machen durch den
+kolossalen Maßstab. Dies ganz besonders bei der Darstellung des Nackten,
+das ja am wenigsten eine Behandlung nach der Schablone verträgt.
+
+Bei dieser Richtung ist es begreiflich, daß in der Plastik der
+Hochrenaissance das Porträt in den Hintergrund tritt und, wo es
+ausnahmsweise gefordert wird, der Mangel an naiver Naturanschauung der
+vollen Wiedergabe der Persönlichkeit meist hinderlich ist. Ebenso
+schlimm, obgleich aus anderen Gründen, ergeht es dem Relief, auf das die
+Künstler zwar keineswegs Verzicht leisten, das aber mit Übertreibung
+römischer Vorbilder regelmäßig als Hochrelief derart behandelt wird, daß
+es mehr einer Gruppe von Freifiguren gleicht, worin die Leere und
+Unwahrheit der Formen und die Einförmigkeit in der Bildung derselben
+durch die Zahl der Figuren besonders ungünstig zur Geltung kommen.
+
+Der Mangel an Individualität in dieser Kunst führt zu einer immer
+stärkeren Verwischung der lokalen Verschiedenheiten, auch an den
+besonders kunstthätigen Orten; und dieser Prozeß der Uniformierung der
+ganzen italienischen Skulptur wird noch beschleunigt durch den
+überwältigenden Einfluß, welchen Michelangelo allmählich auf fast alle
+italienische Bildhauer ausübt. Es kann daher in dieser Zeit auch nicht
+mehr von örtlichen Schulen in der italienischen Plastik die Rede sein,
+sondern nur von einzelnen Künstlern und den Schulen, welche sich an ihre
+Werkstätten anschließen. Nur an kleineren Orten, fern vom großen
+Verkehr, erhalten sich gelegentlich einzelne Künstler mehr in ihrer
+Eigenart; und hier bleibt zugleich der Einfluß der älteren Kunst noch
+mehr oder weniger lebendig. Daher sind die Leistungen verschiedener
+solcher Künstler (wie besonders Begarelli) lebenswahrer und erfreulicher
+als die der meisten gefeierten Bildhauer, die von einem Hof zum andern
+gezogen wurden. Dieses Wandern der Künstler, welches den für eine
+gesunde Kunstentwickelung unentbehrlichen Zusammenhang mit der Heimat
+noch mehr lockert, ist ein besonders charakteristisches Merkmal für die
+Skulptur der Hochrenaissance. Ein förmliches Reislaufen beginnt unter
+den italienischen Bildhauern; in Scharen ziehen sie selbst über die
+Grenzen Italiens hinaus: nach Frankreich, Spanien, Portugal, England,
+Deutschland, Ungarn und bis nach Polen und Rußland. Andererseits kommen
+jetzt, durch wechselseitige politische oder Handelsbeziehungen, mehr und
+mehr auch fremde Künstler nach Italien, insbesondere Bildhauer, von
+denen einzelne dauernd hier Beschäftigung fanden und einen nicht
+unwesentlichen Anteil an der Entwickelung der italienischen Skulptur
+genommen haben. Beide Umstände trugen dazu bei, den nationalen Charakter
+derselben zu beeinträchtigen oder abzuschwächen.
+
+ * * * * *
+
+An die Spitze der neuen Zeit wird herkömmlich eine Gruppe toskanischer
+Bildhauer gestellt, deren Jugendentwickelung noch ganz im Quattrocento
+liegt, bei denen sich aber die charakteristischen Merkmale der
+Hochrenaissance schon von ihren ersten Arbeiten an geltend machen. In
+Florenz ausgebildet, ist auch ihre erste beglaubigte Thätigkeit an
+Florenz geknüpft. Aber alle diese Künstler, selbst der älteste und
+gefeiertste unter ihnen, Andrea Sansovino, treten erst im letzten
+Jahrzehnt des XV. Jahrh. mit größeren Arbeiten an die Öffentlichkeit, zu
+einer Zeit, als ihr jüngerer Landsmann _Michelangelo Buonarroti_ (1475
+bis 1564) bereits durch seine ersten Jugendwerke ein künstlerisches
+Genie verraten hatte, das schon seine Zeitgenossen in seiner
+Eigenartigkeit und Überlegenheit allen mitlebenden Künstlern gegenüber
+richtig erkannten. Michelangelo prägt, von seinen ersten Arbeiten an, so
+stark und rein den Charakter der Hochrenaissance in sich aus, er hat so
+wesentlich zur Entfaltung und Entwickelung derselben beigetragen, er
+erscheint von frühester Jugend so eigenartig und selbständig und von
+einer so magischen Einwirkung auf seine Zeitgenossen, die er, trotz
+seiner persönlichen Vereinsamung, allein durch seine Werke in seinen
+Kreis bannte, daß jede Besprechung dieser Zeit mit ihm beginnen soll.
+
+Michelangelo ist in allen bildenden Künsten gleich heimisch: der
+Petersdom und die Deckenbilder der Sixtina sind zwei der großartigsten
+Kunstschöpfungen aller Zeiten; als Bildhauer hat er zwar nichts
+vollendet, was sich dem ebenbürtig an die Seite setzen ließe, aber doch
+war die Plastik sein eigenstes Feld. Er selbst betrachtete sich in
+erster Linie als Bildhauer und fühlte sich am wohlsten, wenn er den
+Meißel in der Hand führte. Neben allen anderen großen Aufgaben ist er
+daher auch fast ununterbrochen als Bildhauer thätig gewesen.
+
+Als Bildhauer tritt er uns zuerst entgegen und ist sogar in den ersten
+zehn Jahren selbständiger künstlerischer Beschäftigung fast
+ausschließlich als solcher thätig. Zwei bezeugte Jugendarbeiten, die er
+mit etwa 17 Jahren ausführte: das Flachrelief der Madonna an der Treppe
+und das unfertige Hochrelief mit dem Kentaurenkampf im Museum Buonarroti
+in Florenz, zeigen schon in auffallender Weise die wesentlichsten Züge
+seiner Eigenart; das Madonnenrelief in den individualitätslosen Typen
+von Mutter und Kind; in der mächtigen Bildung und den malerischen
+Wendungen der Körper, den kleinen Köpfen, der meisterhaften Behandlung
+der Extremitäten, der eigentümlich tastenden Bewegung der Finger, die
+wie ein unwillkürlicher Ausdruck des verschlossenen Lebens erscheint.
+Die Kampfesscene, obgleich überfüllt, ist ausgezeichnet durch die große
+vielseitige Gestaltung der Motive und die Art, wie die schönen nackten
+Körper in der mannigfaltigsten Weise zur Geltung gebracht sind. Während
+Michelangelo's Aufenthalt in Bologna, wohin er im Juli 1494 geflohen
+war, entstanden drei Statuetten für die Arca in S. Domenico, von denen
+noch der knieende Engel mit dem Leuchter und der hl. Petronius erhalten
+sind. Der unruhige, motivlose Faltenwurf der dicken Gewänder, beim
+Petronius sogar die Haltung und der Typus erscheinen hier deutlich
+beeinflußt durch den geistesverwandten Quercia, dessen großartige
+Bildwerke am Portal von S. Petronio auf den jungen Künstler einen tiefen
+Eindruck machten.
+
+[Abbildung: 209. Marmorstatue des Giovannino von Michelangelo.]
+
+Im Sommer 1495 war Michelangelo wieder in Florenz; die Arbeiten, die er
+hier in Jahresfrist bis zu seiner Abreise nach Rom ausführte: ein
+schlafender Amor, der so sehr im Anschluß an die Antike gebildet war,
+daß er als antik in den Handel kam, und eine Statue des jugendlichen
+Johannes des Täufers schienen verloren, bis die letztere vor zwei
+Jahrzehnten in Pisa wieder auftauchte; sie befindet sich heute im
+Berliner Museum (No. 209). Die schlanken Verhältnisse, die leichte, fast
+tänzelnde Bewegung, teilweise auch das ungewöhnliche Motiv werden auf
+den ersten Blick die Benennung dieser Marmorstatue befremdlich
+erscheinen lassen; eine nähere Betrachtung ergiebt aber die
+charakteristischen Merkmale von Michelangelo's Kunst im Großen wie im
+Einzelnen, und speziell die Eigenart der frühen Zeit, in der die Figur
+entstanden sein muß. Das Motiv: der junge Prophet ist im Begriff, ein
+mit Honig gefülltes Horn (dessen Spitze abgebrochen ist) zum Munde zu
+führen, den er aus den Waben in der Linken auslaufen ließ, ist gerade,
+weil es so unbedeutend und selbst banal ist, für die realistische
+Auffassungsweise Michelangelo's bezeichnend. Dasselbe gilt für den
+Übergang aus einer Thätigkeit in die andere, durch welche die Figur eine
+zwar unruhige, aber von verschiedenen Standpunkten sehr mannigfache und
+wirkungsvolle Erscheinung bekommt. Auch gewisse Eigentümlichkeiten im
+Einzelnen sind für Michelangelo, und zwar gerade für diese frühe Zeit
+charakteristisch: die Behandlung der Haare (wie beim Bacchus), die
+Stellung der Finger und Zehen und ihre Bildung, das Band über Brust und
+Schulter, die Falten im Fell und die Behandlung desselben, der felsige
+Fußboden und der Baumstamm bis zu den technischen Eigentümlichkeiten in
+der Anwendung des Bohrers, in der Handhabung von Meißel und Zahneisen,
+wie sie namentlich an den mehr skizzenhaft behandelten Teilen (im
+Baumstamm, am Fell und am Boden) zu Tage treten. Wenn einzelne andere
+kleine Eigenarten des jungen Künstlers hier nicht zu finden sind, wenn
+z. B. die Augensterne und die Ränder der Lippen nicht so unbestimmt sind,
+wie in den Bologneser Statuetten, und andererseits weit weniger scharf
+als in den ersten römischen Arbeiten, so kann der Grund dafür darin
+liegen, daß diese Figur gerade zwischen jenen beiden Gruppen von Werken
+liegt; in einer Zeit, aus der uns kein zweites Werk erhalten ist: vor
+Allem sind solche kleine Abweichungen aber in der eigentümlichen
+Aufgabe, einen halbwachsenen Jüngling darzustellen, und in individuellen
+Besonderheiten begründet, wie sie in jedem Werke eines großen Meisters
+sich ergeben. Sie kommen aber auch in ihrer Gesamtheit gar nicht in
+Betracht neben der Erscheinung der Statue, die durch die Schönheit der
+Konturen, die meisterhafte Wiedergabe der Formen und die vollendet feine
+und ungewöhnlich originelle Wiedergabe der Oberfläche überzeugend auf
+Michelangelo hinweist, und zwar auf seine früheste, in der Wiedergabe
+der Natur noch beinahe schlichte, vielfach von dem Studium der Antike
+bedingte Zeit.
+
+Die beiden erhaltenen Arbeiten Michelangelo's, welche während seines
+ersten Aufenthalts in Rom (1496-1500) entstanden: der Bacchus im
+Bargello und die Pieta im Peter zu Rom, haben unter sich große
+Verwandtschaft und gehören zu den glücklichsten plastischen Schöpfungen
+des Künstlers. Beim Bacchus hat der Künstler zwar wieder, wie beim
+Giovannino, ein unangenehm naturalistisches Motiv gewählt: im Rausch
+unsicher stehend, lächelt er mit stierem Blick den Weinbecher an. Auch
+über die vollen, feisten Formen muß sich der Beschauer hinwegsetzen, um
+zum reinen Genuß des in der meisterhaften Wiedergabe der Natur
+unübertrefflichen Körpers zu gelangen. Eine Vorstudie zu dieser Figur,
+der kleinere Bacchus mit dem Satyr im Gange der Uffizien, als
+Restauration eines antiken Torso entstanden (freilich durch keinerlei
+Überlieferung bezeugt), ist im Motiv weit glücklicher, wohl in Folge des
+notwendigen Anschlusses an die Antike. Die Pieta (1498/99) im St. Peter
+zu Rom ist, wenn auch nicht die freieste, so doch die edelste plastische
+Schöpfung Michelangelo's. Die Anordnung kann nicht schöner gedacht
+werden, der Gegensatz zwischen dem vollendet schönen nackten Körper
+Christi und der in dichte faltenreiche Gewänder gehüllten Maria,
+zwischen dem Leichnam und der lebendigen Gestalt ist ebenso
+wirkungsreich wie maßvoll; und die Art, wie der stumme Schmerz der
+Mutter in der Bewegung der linken Hand zum Ausdruck gebracht ist, zeugt
+von feinster psychologischer Beobachtung. Mit dem weichen Fluß in der
+Behandlung der Glieder und der Gewandung steht hier, wie in den
+gleichzeitigen und wenig späteren Arbeiten, die bronzeartige Schärfe in
+der Behandlung des Mundes, der Augen, der Nasenflügel in eigentümlichem
+Gegensatze. Darin wie in der gehaltenen Stimmung, der ruhigen Haltung
+und dem stummen, ernsten Ausdruck von Mutter und Kind steht der Pieta
+die kleine Madonnenstatue in Notredame zu Brügge noch sehr nahe,
+obgleich sie erst mehrere Jahre später, nach der Rückkehr nach Florenz
+(Sommer 1501) entstand und daher in der Gewandung und Fleischbehandlung
+noch vollendeter ist. In die gleiche Zeit fallen vier Marmorstatuetten
+für den Altar Piccolomini im Dom zu Siena; der Maßstab und das
+Zusammenarbeiten mit einem Künstler wie Andrea Bregno wirkten ungünstig
+auf Michelangelo. Er läßt den Beschauer in keinem anderen Werke so
+gleichgültig, wie in diesen Figuren.
+
+Die Arbeit, welche damals sein ganzes Interesse in Anspruch nahm, war
+die Kolossalfigur des David (jetzt in der Akademie zu Florenz): sie
+wurde ihm im August 1501 in Auftrag gegeben und konnte im Frühjahr 1504
+schon zur Aufstellung vor dem Palazzo Vecchio kommen. Der David ist der
+reinste und glücklichste Ausdruck von dem, was Michelangelo in dieser
+früheren Zeit in einer Einzelfigur zu geben bestrebt war. Daß diese
+Gestalt eines jugendlichen Herkules seit ihrer Aufstellung eine ganz
+außerordentliche Bewunderung gefunden hat, verdankt sie nicht nur ihrer
+imposanten Wirkung durch den kolossalen Maßstab, auch nicht allein der
+wohl niemals übertroffenen Naturwahrheit, durch welche sie selbst für
+den Anatomen eine Quelle zum Studium der Natur ist: ihre Wirkung, die
+ungewöhnlich plastische Erscheinung dieser Schöpfung Michelangelo's
+liegt namentlich auch in der Wahl eines glücklichen Motivs und in dem
+vollen Aufgehen von Körper und Geist in diesem Motiv: der jugendliche
+Kämpe (keineswegs ein kolossaler Knabe, wie man ihn irrtümlich genannt
+hat) faßt seinen Feind scharf ins Auge, um den Moment zum Schleudern des
+Steines zu erspähen; sein ganzer Körper ist in gehaltener Anspannung zur
+Vorbereitung dieses Momentes, der sein Sinnen ausfüllt. Ähnliche Vorzüge
+zeigen auch die zwei von der Statue noch wesentlich verschiedenen
+Modelle im Museo Buonarroti.
+
+Neben dem David arbeitete Michelangelo gleichzeitig in Florenz ein Paar
+Madonnenreliefs in Marmor, die beide leider unvollendet blieben; das
+eine jetzt im Bargello, das andere in der Akademie zu London. Beide Male
+die Madonna sitzend, das Kind an der einen, den kleinen Johannes an der
+anderen Seite; in ein Rund komponiert und in mäßigem Relief in fast
+lebensgroßen Figuren ausgeführt. Das erstere ernst und traulich, das
+zweite eine so anmutig naive Scene mit so neckischem Motiv, wie
+Michelangelo kein zweites erfunden hat; dabei beide so hehr und schön in
+der Bildung der Maria, so groß und weich in der Anlage der Falten, so
+meisterhaft in der Komposition im Rund (namentlich das Londoner Relief),
+daß diese Arbeiten als Relief der Gruppe, der Pieta und der Davidstatue
+an die Seite gestellt werden dürfen.
+
+In die gleiche Zeit gehört wohl auch die nicht ganz vollendete
+Marmorfigur des knieenden »Kupido« (vielleicht Apollo?) im South
+Kensington Museum, während der tote Adonis im Bargello, wenn überhaupt
+von Michelangelo, doch wohl erst zur Zeit seiner Arbeit am Juliusdenkmal
+entstand.
+
+Ehe der Künstler, im März 1505, von Papst Julius II. zur Ausführung
+seines Grabmonumentes nach Rom gezogen wurde, entstand die Anlage zu
+einer der Kolossalgestalten der zwölf Apostel, mit denen der Künstler
+den Dom seiner Vaterstadt schmücken sollte. Der Marmorblock, aus dem
+diese Hünengestalt wie ein versteinertes Gebilde dem Blicke sich mühsam
+enträtselt, ist heute in der Akademie zu Florenz untergebracht. Diese
+Figur ist das erste Zeugnis, daß sich in Michelangelo die Wandlung zu
+der Richtung bereits vollzogen hatte, in der er uns fortan entgegentritt
+und in der er, namentlich durch seine Riesenschöpfungen: die
+Deckenbilder der Sixtina, das Juliusmonument und die Mediceergräber, uns
+vor Augen steht, wenn sein Name genannt wird. Hatte der Künstler bis
+dahin, angeregt durch das Studium nach der Antike, die menschliche
+Gestalt als Einzelfigur oder als Gruppe um ihrer Schönheit willen treu
+nach der Natur zu bilden gestrebt und dadurch plastisch abgeschlossene
+und vollendete Werke geschaffen, welche in ihrer Art noch den Vergleich
+mit den antiken Bildwerken gestatten, so ist Michelangelo in diesem
+Matthäus und in allen späteren Werken ganz er selbst, schafft er ein
+eigenes Geschlecht, das unter ganz eigentümlichen Bedingungen ein Leben
+für sich zu führen scheint; ein Geschlecht von gewaltiger Körperbildung,
+gewaltsam bewegt wie zum Ausdruck der schmerzvollen mürrischen Stimmung,
+welche den Geist dieser Titanen befangen hält. Unbekümmert um einander
+und in sich versunken, erscheinen sie doch von einander abhängig. In der
+Einzelfigur genügt sich der Künstler nicht mehr: eine ganze Schar dieser
+Giganten bevölkert die Monumente von kolossalem Umfang, wie er sie
+fortan nur noch plante. Was er mit dem Pinsel zu leisten im Stande war,
+das traute er jetzt auch dem Meißel zu: leider sind deshalb alle seine
+späteren plastischen Monumente sehr unvollständig und unfertig auf uns
+gekommen. Ohne Rücksicht auf den Gegenstand, den er darzustellen hat,
+bringt er seine biblischen oder allegorischen Gestalten in die
+schwierigsten, gewagtesten Stellungen, um immer neue Schönheiten in der
+menschlichen Figur veranschaulichen zu können. So gesucht und oft
+gewaltsam wie diese Bewegungen sind, so wenig naiv ist jetzt auch seine
+Wiedergabe des menschlichen Körpers. Freilich beruht sie nach wie vor
+auf einer so gründlichen Kenntnis der Natur, wie sie wohl kein anderer
+Künstler irgend einer Zeit besessen hat. Aber gerade diese
+wissenschaftliche Gründlichkeit, namentlich seine anatomischen Studien
+verleiteten den Künstler, nicht die einfache Erscheinung, sondern
+gewissermaßen die Ursächlichkeit derselben zu geben: den Knochenbau, die
+Muskeln und Sehnen dem Beschauer unter der Haut nur wie durch »einen
+Schleier« sehen zu lassen.
+
+Michelangelo wurde im März 1505 nach Rom berufen, um ein Grabmal für
+Papst Julius zu entwerfen. Ehe er an die Ausführung des ersten Planes,
+der ein Freigrab in Aussicht nahm, gehen konnte, erkaltete das Interesse
+des Papstes über seinen Plänen für den Neubau der Peterskirche. Auch
+fiel dazwischen ein Aufenthalt Michelangelo's in Florenz und in Bologna
+(zur Ausführung der Bronzestatue des Papstes, die bald darauf vernichtet
+wurde), und später die Ausmalung der Decke der Sixtina: erst 1513 kam es
+zu einem neuen Plane (Original-Zeichnung in der Sammlung A. von
+Beckerath in Berlin). Der hohe, an drei Seiten freie Aufbau sollte
+danach unten Victorien und gefesselte Sklaven (als Allegorien der
+eroberten Provinzen), oben auf dem Sarkophag die knieende Figur des
+Papstes zwischen zwei Engeln mit der Madonna darüber und sitzende
+Kolossalfiguren an den Seiten (worunter der Moses) enthalten. Der
+Künstler ging mit dem Feuereifer, der ihn besonders für dieses Monument
+erfüllte, an die Arbeit; aber schon 1516 wurde die Ausdehnung desselben
+durch einen neuen Vertrag mit Papst Leo X. eingeschränkt und bald darauf
+auch die Arbeit durch Aufträge für Florenz unterbrochen. Das Monument,
+welches 1545 in S. Pietro in Vincoli zur Aufstellung kam, ist zum
+größten Teil von Schülern ausgeführt, und erscheint fast wie eine
+Karikatur des ersten großartigen Planes. Abgesehen von den beiden erst
+spät in Aussicht genommenen, wenig bedeutenden Figuren von Lea und Rahel
+ist hier nur der kolossale Moses von des Meisters Hand. Ohne die für ihn
+geplanten Nachbarfiguren und in ungünstiger Aufstellung übt diese Figur
+doch eine ganz außerordentliche Wirkung durch die mächtige Bildung der
+Glieder, die energische Wendung und die nur mühsam verhaltene innere
+Erregung. Die herrlichen beiden »Sklaven« im Louvre, die vier, erst aus
+dem Rohen gehauenen Kolosse in einer Grotte des Giardino Boboli zu
+Florenz und die Gruppe mit dem Sieg im Bargello sind weitere Zeugnisse
+dessen, was Michelangelo in diesem Monument der Welt hatte bieten
+wollen.
+
+Auch das zweite große Monument, die Mediceergräber in S. Lorenzo zu
+Florenz, seit 1519 geplant, aber erst 1524 nach der Wahl des zweiten
+Mediceerpapstes Clemens VII. in Angriff genommen, ist nur in einem Teile
+seines Planes zur Ausführung gekommen, und auch dieser Teil wurde nicht
+ganz vollendet, da Michelangelo, seitdem er Florenz 1534 für immer
+verließ, auch die Arbeit an diesen Monumenten liegen ließ. Die
+Grabkapelle der Mediceer enthält nur die beiden Denkmäler des jüngeren
+Lorenzo und seines Onkels, des jüngeren Giuliano de' Medici; beide in
+Nischen sitzend, unter ihnen, auf den Sarkophagen die nackten Gestalten
+des Tages und der Nacht, des Abends und des Morgens; an einer dritten
+Wand die Statue der Madonna zwischen den, von Montorsoli und Montelupo
+ausgeführten, Statuen der Schutzheiligen der Mediceerfamilie, Cosmus und
+Damianus. Auch hier sind die Stellungen und Bewegungen meist gesucht und
+teilweise geradezu gewaltsam, und in den Porträtstatuen ist auf das
+Porträtartige so gut wie ganz verzichtet. Aber so wenig ihrer Idee
+Entsprechendes, so wenig Persönliches diese Gestalten haben, so stark
+spricht die Persönlichkeit des Künstlers aus ihnen: der eigene
+leidenschaftliche Geist, der rastlos und unbefriedigt nach dem Großen
+und Gewaltigen strebt, wohnt auch diesen seinen Schöpfungen inne und
+zieht uns, trotzdem sie auf den ersten Blick abstoßen, mit magischer
+Gewalt immer wieder zu ihm hin. Dieser leidenschaftliche Sinn, der
+mühsam und widerwillig zurückgehalten scheint, äußert sich in den wie in
+schwerer Ruhe versunkenen Riesenleibern nur in vereinzelten, aber
+heftigen Bewegungen einzelner Teile, wie das Wetterleuchten eines fernen
+Ungewitters.
+
+[Abbildung: Michelangelo's Grabmal des Lor. de' Medici in S. Lorenzo
+zu Florenz.]
+
+Was Michelangelo zwischen und nach diesen Monumenten an Bildwerken noch
+geschaffen hat, ist meist nicht über die Anlage hinaus gekommen. Die
+einzige Ausnahme, die Christusstatue in der Minerva zu Rom (vollendet
+1521), in der ruhigen Haltung, in der ungesuchten Schönheit der nackten
+Männergestalt den früheren Werken noch verwandt, ist in einzelnen
+Extremitäten durch die Hand eines Gehülfen beeinträchtigt. Nur im Rohen
+zugehauen sind der »Apollo« im Bargello und eine kauernde Gestalt in der
+Leuchtenberg-Sammlung zu St. Petersburg; die unter dem Namen des Brutus
+bekannte Büste im Bargello, groß in der Bewegung und edel in der
+Gewandung, macht schon einen fertigeren Eindruck. Von zwei Gruppen der
+Kreuzabnahme, die seiner späteren römischen Zeit angehören, ist
+diejenige im Pal. Rondanini zu Rom nur ein kleines Bruchstück;
+wundervoll in einzelnen ausgeführten Teilen des Leichnams und merkwürdig
+als Beweis, wie der Künstler sich bei seiner Art nach kleinen Modellen
+die Figuren direkt und ohne Punktierung aus dem Marmor herauszuhauen,
+gelegentlich verhauen konnte. Die zweite, größere Gruppe, die unfertig
+jetzt im Dom zu Florenz steht, ist edel und auffallend maßvoll für diese
+späte Zeit.
+
+ * * * * *
+
+Neben Michelangelo treten die gleichzeitigen Bildhauer auch in Florenz
+vollständig in den Hintergrund. Ohne ausgeprägte Eigenart, und ohne
+tiefere Kenntnis der Natur unterscheiden sie sich hauptsächlich durch
+das größere oder geringere Maß ihrer Abhängigkeit von der antiken Kunst,
+von Michelangelo oder von der Kunst des Quattrocento. In ihrem Streben
+nach Schönheit gelingt ihnen gelegentlich eine einzelne Figur oder eine
+Gruppe; auch ist die Dekoration einzelner Monumente dieser Künstler,
+namentlich aus ihrer früheren, noch mit der Kunst ihrer Vorgänger
+zusammenhängenden Zeit durch Geschmack, Fluß der Linien und malerischen
+Reiz ausgezeichnet: in der großen Mehrzahl erscheinen aber ihre
+Bildwerke nur gar zu häufig leer und oberflächlich, vielfach auch schon
+schwülstig und manieriert, namentlich die Reliefs. Dies gilt für
+_Giovanni della Robbia_ (geb. 1469, vergl. oben S. 79) trotz seiner
+starken Abhängigkeit von der Kunst seiner Vorfahren; dies gilt auch von
+_Andrea Sansovino_ (eigentlich Andrea Contucci dal Monte Sansavino,
+1460-1529), dem gefeiertesten Bildhauer der Hochrenaissance nächst
+Michelangelo. In einem großen Thonaltar seiner Heimatstadt Monte
+Sansavino sieht der Künstler etwa einem guten Giovanni della Robbia
+ähnlich. Die Dekoration der Durchgangshalle zur Sakristei und die
+Sakramentsnische in Sto. Spirito, die ersten Arbeiten Sansovino's in
+Florenz, seine Arbeiten in Portugal, wohin der Künstler 1491 auf acht
+Jahre berufen wurde, sowie das nach seiner Rückkehr ausgeführte
+Taufbecken im Battistero von Volterra (1502) sind meist verfehlt im
+Aufbau, unglücklich in der Dekoration und im Reliefstil, und flüchtig
+und vielfach selbst kleinlich in den figürlichen Darstellungen, denen
+feinere Belebung völlig abgeht. Von diesen Arbeiten sticht ein Werk, das
+der Künstler unmittelbar darauf begann, die Gruppe der Taufe Christi in
+kolossalen Marmorfiguren über dem Hauptportal des Battistero zu Florenz
+(begonnen 1502, erst weit später durch Vincenzo Danti vollendet), durch
+Größe der Empfindung und Schönheit der Gestalten vorteilhaft ab. Doch
+auch hier stört eine gewisse Absichtlichkeit und fehlt die volle
+Feinheit der naturalistischen Durchbildung; Schwächen, die noch im
+höheren Maße an seinen fast gleichzeitig ausgeführten (1503) Statuen der
+Madonna und des Täufers in der Taufkapelle des Domes zu Genua auffallen.
+Im folgenden Jahre wechselt Sansovino schon wieder seinen Aufenthalt: er
+siedelt nach Rom über, wo, nach einem kleineren Grabmal im Durchgang zu
+Araceli (Monument des Pietro da Vincenza von 1504), seine beiden
+berühmten Monumente im Chor von Sa. Maria del Popolo im Auftrage Papst
+Julius' II. entstanden, die Denkmäler der Kardinäle Ascanio Maria Sforza
+(1505) und Girolamo Basso (1507). Im Aufbau den besten der älteren
+römischen Vorbilder, an die sich diese Monumente anlehnen, durch die
+anspruchsvolle Betonung der Architektur nicht gewachsen, steht auch der
+figürliche Schmuck durch die zu allgemeine Schönheit der Figuren und ihr
+wenig glückliches Verhältnis zur Architektur, wie durch die
+unvorteilhafte Anordnung der Grabfiguren hinter den besseren
+Grabmonumenten des Quattrocento entschieden zurück. Selbst die mit
+höchster Delikatesse durchgeführte, im Einzelnen sehr reizvolle
+malerische Dekoration hat mit der Architektur eine gewisse Unruhe der
+Gesamtwirkung gemein und läßt in ihrer örtlichen Verwendung die feine
+Berechnung, in ihrer Erfindung und Durchbildung die Naturwahrheit der
+großen Meister des XV. Jahrh. vermissen. In dem Marmorgehäuse der Santa
+Casa zu Loreto, an dem Sansovino (nach Bramante's Entwurf) den
+plastischen Schmuck, unter Teilnahme zahlreicher anderer Bildhauer, von
+1513 bis zu seinem Tode 1529 ausführte, ist die Dekoration ganz
+zurückgedrängt, die Freifiguren sind den Deckenbildern Michelangelo's
+entlehnt, und in den Reliefs stört das übertriebene Herausarbeiten der
+einzelnen Figuren. Doch ist Sansovino hier in Abwägung der Kompositionen
+wie in der Durchführung immerhin noch glücklicher als in der unmittelbar
+vor seiner Übersiedelung nach Loreto ausgeführten Gruppe der Maria
+Selbdritt in S. Agostino zu Rom (1512), die in der Anordnung, obgleich
+von Leonardo entlehnt, verfehlt, in der Ausführung oberflächlich und
+karikiert erscheint. Das Berliner Museum besitzt in dem großen
+Marmorrelief mit dem Sturz des Phaeton (No. 227) eine charakteristische
+Arbeit Andrea's in der Art der Hochreliefs in Loreto; das Reliefporträt
+des Kardinals Ant. del Monte (No. 226) ist dagegen ein tüchtiges,
+einfach aufgefaßtes Bildnis, das durch den warmen Ton des Marmors noch
+besonders anziehend wirkt.
+
+Wie Sansovino's Arbeiten der späteren Zeit durch die Berührung mit
+Michelangelo und namentlich mit dem ihm nahe verwandten Raphael in Rom
+von diesen Künstlern wesentlich beeinflußt erscheinen, so hat ein
+florentiner Bildhauer, _Lorenzetto_ (Lorenzo di Lodovico gen.
+Lorenzetto, 1489-1541), wenig später in Rom direkt nach Entwürfen
+Raphaels den plastischen Schmuck der Cap. Chigi in Sa. Maria del Popolo
+ausgeführt. Die Statue des Propheten Jonas und die ganz im antiken Sinne
+erfundene Komposition des Bronzereliefs mit Christus und der Samariterin
+(jetzt am Altar) gehören zu den edelsten Arbeiten der Hochrenaissance,
+denen A. Sansovino nur die Gruppe der Taufe in Florenz an die Seite zu
+setzen hat. Wie wenig Verdienst dabei dem Lorenzetto selbst gebührt,
+beweisen dessen spätere Arbeiten, wie die Madonnenstatue am Grabe
+Raphaels im Pantheon, die Figur der Caritas am Monument Forteguerri in
+Pistoja (1514) und die nüchterne Petrusstatue auf der Engelsbrücke.
+
+Ein Paar florentiner Künstler, deren Thätigkeit im Wesentlichen auf ihre
+Heimat beschränkt bleibt, behalten von ihren Vorgängern und Lehrern die
+Freude an reicher Dekoration. _Andrea Ferrucci_ (1465-1526) erscheint
+in seinem großen Tabernakel im Dom zu Fiesole und im Taufbrunnen des
+Doms zu Pistoja herzlich unbedeutend in den kleinen Figuren, aber
+tüchtig im Aufbau und in der malerischen Behandlung der Dekoration. Im
+höheren Maße gilt dies noch von _Benedetto da Rovezzano_ (1476-1556),
+dessen Altar in Sa. Trinita, dessen Kamin und Marmornischen im Bargello
+mit ihrem zierlichen malerisch behandelten Ornament wohl als die
+feinsten dekorativen Arbeiten der florentiner Hochrenaissance gelten
+dürfen, während die kleinen Figuren an diesen Arbeiten, die Reliefs aus
+dem Leben des hl. Giovanni Gualberto (Bargello) und seine Statuen (wie
+der Evangelist Johannes im Dom) unbelebt und befangen erscheinen.
+Ferrucci's Andreasstatue im Dom (1512) leidet an denselben Mängeln;
+dagegen zeichnen sich seine Büste des Marsilio Ficino im Dom (1521) und
+eine ähnliche Büste in S. Francesco al Monte durch einfache
+Naturbeobachtung und geschmackvolle Anordnung vor den meisten
+gleichzeitigen Büsten vorteilhaft aus.
+
+Benedetto wurde in seiner späteren Zeit durch Kardinal Wolsey nach
+England gezogen, um dort das Grabmal dieses Kirchenfürsten auszuführen.
+Schon vor ihm war ein ähnlich veranlagter Landsmann, _Piero Torrigiano_
+(geb. 1472), durch den König selbst an den englischen Hof gezogen und
+arbeitete hier das edle Grabmonument Heinrichs VII. in Westminster
+Abbey, wo auch das einfache Grab der Mutter des Königs von seiner Hand
+ist. Später ging der Künstler nach Spanien; unter den dort ausgeführten
+Bildwerken ist die bemalte Thonfigur des hl. Hieronymus im Museum zu
+Sevilla die tüchtigste. Weit manierierter ist als Bildhauer der bekannte
+Architekt _Francesco di Sangallo_ (1493 bis 1570), wie seine
+Marmorgruppe der Madonna mit Anna in Or San Michele (1526) und das
+Monument des Bischofs Angelo Medici in der Annunziata zu Florenz
+beweisen. Schlichter und naturwahrer ist seine Grabplatte des Bischofs
+Bonafede in der Certosa bei Florenz.
+
+Zwei andere Florentiner dieser Zeit sind uns namentlich durch ein Paar
+stattliche Bronzearbeiten bekannt. Die Gruppe der Predigt des Täufers am
+Battistero (1511), von der Hand des _Gio. Francesco Rustici_
+(1474-1554), schon stark beeinflußt durch Michelangelo, ist durch die
+Einfachheit und den Ernst der Auffassung und Anordnung, durch die Kraft
+der Gestalten eine der besten Arbeiten der Hochrenaissance überhaupt.
+Die Bronzestatue des Evangelisten Johannes an Or San Michele von _Baccio
+da Montelupo_ (1469-1533?) erscheint daneben nüchtern und gesucht.
+
+[Abbildung: 225. Marmorbüste der Teodorina Cibò von G. Cr. Romano (?).]
+
+Die Arbeiten der genannten florentiner Künstler charakterisieren sich
+regelmäßig durch eine gewisse Schwerfälligkeit und Nüchternheit, sowohl
+in der Dekoration wie in den Figuren, welche neben der eleganten
+Leichtigkeit und frischen Natürlichkeit ihrer Vorgänger besonders stark
+auffallen. Ein gleichzeitiger römischer Bildhauer und Goldschmied, der
+Sohn des Isaïa, _Gian Cristoforo Romano_ (um 1465-1512), bewahrt weit
+mehr von der einfachen Natürlichkeit und Grazie des Quattrocento.
+Freilich haben seine Arbeiten, auch die umfangreichsten, mehr den
+Charakter der Kleinkunst, welche während der Hochrenaissance durch ihren
+engeren Anschluß an die vorausgegangene Epoche und an die Bedingungen
+des Materials vielfach den Vorzug vor der monumentalen Plastik besitzt.
+Cristoforo's Mausoleum des Gian Galeazzo Visconto in der Certosa zu
+Pavia (um 1491-1497) erscheint wie ein Schmuckkästchen im Kolossalen;
+die Reliefs von seiner Hand haben noch viel Verwandtschaft mit besseren
+Arbeiten des späteren Quattrocento in Rom. Ein jüngeres Grabmonument
+seiner Hand, das des Pier Francesco Trecchi in S. Vincenzo zu Cremona
+(um 1502-1505), ist ohne feineren Sinn für den Aufbau, aber sehr
+reizvoll in der zierlichen Dekoration. Als ein Jugendwerk des Künstlers
+ist die treffliche Marmorbüste der jungen Beatrice d'Este im Louvre (um
+1491) wohl mit Recht für Cristoforo in Anspruch genommen. Nach dem
+Vergleich mit dieser Büste und verschiedenen beglaubigten Medaillen
+berühmter italienischer Frauen seiner Zeit darf auch die große
+Marmorbüste der Teodorina Cibò in der Berliner Sammlung (No. 225) mit
+Wahrscheinlichkeit auf Gian Cristoforo zurückgeführt werden. In Rom im
+Anfang des XVI. Jahrh. entstanden, zeigt dieses Werk in der
+anspruchslosen Haltung, in der klassischen Gewandung die Richtung der
+Hochrenaissance in einer schlichten Größe wie wenige Büsten der Zeit.
+
+In Gian Cristoforo Romano ist der Einfluß der Frührenaissance, in
+welcher der Künstler groß geworden war, ein maßgebender geblieben,
+obgleich er in Rom in Beziehung zu den großen Meistern der
+Hochrenaissance, namentlich auch zu Michelangelo stand. In höherem Maße
+ist dies noch der Fall bei mehreren gleichzeitigen oder selbst jüngeren
+Bildhauern, welche fern von den großen Kunststätten aufgewachsen waren
+und in ihrer Thätigkeit auf ihre Heimat beschränkt blieben. In einer
+Reihe von Bildwerken in den Marken, wie im Monument des Ritters
+Guidarelli im Museum zu Ravenna, oder in den beiden Marmoraltären im Dom
+von Cesena, teilweise auch noch in den Grabmonumenten des _Pietro
+Bariloto_ in Faenza (thätig um 1520-1545), sind die Vorbilder der
+venezianischen Künstlerfamilie Lombardi nur in verallgemeinerten, etwas
+verflauten Formen wiedergegeben. Ähnlich ist es nördlich von Bologna, wo
+in Parma _Gian Francesco da Grado_ in mehreren seiner Feldherrnmonumente
+in der Steccata (am Ende der zwanziger Jahre) Einfachheit im Aufbau mit
+geschmackvoller Dekoration und feiner Farbenwirkung zu verbinden weiß.
+Wie in der Plastik der Lombardei noch bis tief in das XVI. Jahrh. hinein
+die Traditionen des Quattrocento nachwirkten und selbst ein Künstler wie
+_Ag. Busti_, dessen Thätigkeit die erste Hälfte des Cinquecento
+ausfüllt ({~DAGGER~} 1548), noch auf der Grenze beider Epochen steht, ist früher
+schon ausgeführt worden (S. 138).
+
+In Busti und anderen Bildhauern der Lombardei bringt der Einfluß der
+neuen Zeit auf die herbe alte Kunstweise oft eine eigentümlich
+unerfreuliche Mischung hervor, die als Karikatur oder Manier wirkt. In
+dem benachbarten Modena tritt uns dagegen ein etwas jüngerer Bildhauer,
+_Antonio Begarelli_ (um 1498-1565), wenn er auch seinem Vorgänger im
+Quattrocento Guido Mazzoni die Anregung zu seiner eigentümlichen
+Kunstthätigkeit verdankt, doch als völlig freier Künstler der
+Hochrenaissance entgegen. Seine Ausbildung und Beschäftigung abseits von
+den großen Kunstcentren hatte bei ihm nur die günstige Wirkung, daß er
+seine Richtung besonders eigenartig entwickelte und von fremden,
+barocken Einflüssen freihielt. Die hervorstechende Eigentümlichkeit
+seiner Kunstwerke: die Anordnung seiner Kompositionen als Gruppen von
+großen Freifiguren in Thon, ist freilich stilistisch ein Unding, da sie
+als plastische Nachbildung lebender Bilder erscheint und nur durch die
+Aufstellung in Kapellen und Nischen einen Abschluß bekommt. Aber in der
+Auffassung, in der Bildung der einzelnen Gestalten, in der Gewandung und
+Haltung derselben kommen ein Ernst und Schönheitssinn zum Ausdruck, wie
+ihn selbst Andrea Sansovino nicht aufzuweisen hat, der auch an
+Lebenswahrheit die Gestalten Begarelli's selten erreicht. Freilich sind
+dieselben so sehr auf die Zusammenstellung in Gruppen berechnet, daß
+seine Einzelfiguren regelmäßig unruhig und unsicher in der Haltung
+erscheinen. Die Kirchen Modenas sind reich an Werken seiner Hand: die
+Beweinung Christi in S. Pietro, und derselbe Gegenstand in Sa. Maria
+Pomposa, die Kreuzabnahme in S. Francesco, Christus bei Martha in
+S. Domenico sind seine bekanntesten Gruppen; Einzelstatuen an mehreren
+Stellen; auch außerhalb Modenas (in S. Benedetto bei Mantea und
+S. Giovanni zu Parma). Die Berliner Sammlung besitzt eine kleinere
+Gruppe Begarelli's: Christus am Kreuz mit schwebenden und knieenden
+Engeln zur Seite (No. 259); eine Arbeit, die wohl geeignet ist, die
+eigentümlichen Schönheiten der Kunst des Meisters zu kennzeichnen,
+daneben aber auch, als allgemeines Erbteil der Hochrenaissance, eine
+gewisse Allgemeinheit in Ausdruck und Formengebung, Absichtlichkeit in
+der Anordnung und Kälte der Wirkung durch die Farblosigkeit nicht
+verleugnet.
+
+In Bologna vertritt _Alfonso Lombardi_ (1497-1537) eine dem Begarelli
+verwandte Richtung. Auch von ihm sind ähnliche Thongruppen erhalten: die
+farbige Gruppe der Beweinung Christi im Dom und die farblose des Todes
+Mariä im Sta. Maria della Vita (1519); letztere in der Häufung der
+Figuren, in der anspruchsvollen Haltung derselben und der barocken
+Auffassung eine eigentümliche Verirrung dieser Kunstgattung. Seine
+kleineren Gruppen und Reliefs außen und innen an der Fassade von
+S. Petronio sind durch Geschmack und malerische Wirkung ausgezeichnet;
+dasselbe gilt auch von den kleinen Marmorreliefs am Untersatz der Arca
+in S. Domenico.
+
+Mit Alfonso war der Florentiner _Tribolo_ (Niccolo Pericoli gen,
+Tribolo, 1485-1550) am Schmuck der Fassade von S. Petronio thätig. Im
+Anschluss und unter der Einwirkung von Quercia's Arbeiten an der Fassade
+sind namentlich die kleinen Reliefs an den Thüren weit stilvoller in der
+Reliefbehandlung, einfacher in der Anordnung und lebendiger in der
+Schilderung als die gleichzeitigen Arbeiten an der Santa Casa des Andrea
+Sansovino, an der auch Tribolo später thätig war, oder als die Reliefs
+der Capella del Santo in S. Antonio zu Padua.
+
+Tribolo war in Florenz Schüler des _Jacopo Sansovino_ (eigentlich Jacopo
+Tatti, 1486-1570). Groß geworden in Florenz in der Werkstatt des Andrea
+Sansovino, dem er seinen Namen verdankt, dann in Florenz und später in
+Rom thätig, hat Jacopo seine Eigenart doch erst nach seiner
+Übersiedelung nach Venedig (1527) voll ausgebildet. Für diese Stadt ist
+der Künstler zugleich von hervorragender Bedeutung geworden durch die
+dort von ihm ausgebildete Schule, die, im Anschluß an die gleichzeitige
+Architektur, in Verbindung mit der Malerei und unter dem entschiedenen
+Einflusse derselben nahezu ein Jahrhundert lang eine reiche Thätigkeit
+entfaltete. Sansovino's Arbeiten in Florenz: der hl. Jacobus im Dom
+(1511-1513) und der jugendliche Bacchus im Bargello, und die römischen
+Bildwerke: die Madonnenstatue in S. Agostino, die kleine Wachsgruppe
+einer Kreuzabnahme (jetzt im South Kensington Museum) u. a. m., stehen
+noch ganz unter dem Einflusse seines Lehrers Andrea, sind aber frischer,
+lebendiger und individueller als dessen Werke; dies gilt namentlich von
+der köstlichen Jünglingsgestalt des Bacchus. Als eine Arbeit seines
+römischen Aufenthalts (um 1511-1515) bezeichnet Vasari, freilich nur
+als wahrscheinlich, ein Brustbild des Kardinals Ant. del Monte in
+Hochrelief, welches jetzt das Berliner Museum besitzt (No. 226). Die
+Formenbehandlung dieses energisch aufgefaßten Kopfes scheint jedoch eher
+auf Andrea Sansovino selbst wie auf seinen Schüler zu deuten (vergl.
+S. 163). Für den Einfluß Michelangelo's auf Jacopo in der späteren Zeit
+seines Aufenthalts in Rom ist das große Thonrelief der Madonna in
+unserer Sammlung (No. 232) besonders bezeichnend, ein Werk von großer
+Wirkung.
+
+[Abbildung: 230. Bemaltes Stuckrelief der Madonna von Jac. Sansovino.]
+
+In Venedig wurde Sansovino's bildnerischer Stil wesentlich bestimmt
+durch seine umfangreiche Thätigkeit als Architekt und durch das
+Zusammenleben mit den ihm überlegenen Malern, namentlich mit Tizian und
+Tintoretto. Nicht, daß er im Stande gewesen wäre, die plastische Kunst
+Venedigs ebenbürtig auf einen Platz neben die venezianische Malerei zu
+heben: seine Bildwerke und die der zahlreichen Schüler, welche er in
+Venedig um sich versammelte, sind kaum weniger allgemein und
+oberflächlich und sind gelegentlich ebenso manieriert, als die seiner
+Zeitgenossen außerhalb Venedigs. Aber sie haben den großen Vorzug einer
+glücklichen Verbindung mit der Architektur und einer malerischen Wirkung
+durch Auffassung, Behandlung und Material (vielfach Bronze). Sie fügen
+sich geschickt in ihre Umgebung, sind in ihrer Art meist lebensvoll und
+ohne besondere Ansprüche, und haben nicht selten gerade dadurch zugleich
+eine vornehme und selbst große Erscheinung; ähnlich etwa wie die Werke
+des Tintoretto, dessen Porträts auch die Büsten dieser Künstler nahe
+kommen.
+
+Sansovino's Werke in Venedig sind sehr zahlreich und mannigfaltig. Sehr
+nüchtern erscheint er in den beiden späten Kolossen an der Treppe des
+Dogenpalastes. Besonders malerisch und elegant sind dagegen die
+Bronzestatuen und Reliefs an der Loggietta (um 1540); ähnlichen Reiz
+besitzen die verschiedenen kleineren Bronzearbeiten im Chor von
+S. Marco, namentlich die sitzenden Apostel. Unter mehreren Grabmälern
+sind das Monument Venier ({~DAGGER~} 1556) in S. Salvatore und das des Thomas von
+Ravenna mit der sitzenden Bronzestatue über der Thür von S. Giuliano die
+ansprechendsten. Für seine Behandlung der Madonnenreliefs bieten
+verschiedene Arbeiten der Berliner Sammlung besonders charakteristische
+Beispiele. Das bemalte Hochrelief der Madonna zwischen Heiligen (No.
+231), das noch in Anlehnung an Altarbilder des Quattrocento aufgebaut
+ist, zeigt im Reliefstil wie in den Figuren die Einflüsse seines Lehrers
+Andrea mit denen Michelangelo's gemischt. Ein Paar große Stuckreliefs in
+flachem Relief (No. 230 und 230A), mit alter Bemalung, sind durch ihre
+malerische Wirkung und eine gewisse Größe der Auffassung ausgezeichnet.
+Von besonderem Interesse sind sie durch den Anschluß des Künstlers an
+Vorbilder des Quattrocento, namentlich an Donatello.
+
+[Abbildung: 247. Marmorbüste des Ott. Grimani von Al. Vittoria.]
+
+Sansovino's Schüler, die er aus allen Gegenden um sich versammelte,
+haben unter der starken Einwirkung ihres Meisters einen diesem nahe
+verwandten gemeinsamen Charakter, soweit nicht Einflüsse anderer Meister
+in ihnen schon übermächtig geworden waren, wie bei dem Florentiner Bart.
+Ammanati und Danese Cattaneo aus Carrara (1509-1573). Von _Alessandro
+Vittoria_ aus Trient (1525-1608) sind Einzelfiguren in beträchtlicher
+Zahl in den Kirchen Venedigs zerstreut; so ein Sebastian in
+S. Salvatore, ein Hieronymus in S. Giovanni e Paolo u. s. w. In ihrer
+gestreckten Form und oberflächlichen Charakteristik sind sie doch von
+wirkungsvoller, malerischer Erscheinung, den Gestalten Tintoretto's
+vergleichbar. Charakteristische Beispiele dafür bieten vier kleine
+Bronzestatuetten der Evangelisten (No. 639H bis L.) und eine größere
+Bronzefigur in der Berliner Sammlung. In dem gut aufgebauten Grabmal,
+das Vittoria sich selbst in Sa. Zaccaria errichtete, zeigt die Büste die
+eigentliche Kraft des Künstlers, die Porträtdarstellung. Auch die
+Berliner Sammlung hat verschiedene Beispiele derselben aufzuweisen:
+außer dem Selbstbildnis (No. 246), das durch seine Aufstellung im Freien
+beschädigt ist, das Thonmodell zu einer Büste des Admirals Contarini
+(No. 249), sowie die großen Marmorbüsten des Pietro Zeno (No. 248) und
+des Ottavio Grimani (No. 247); letztere in ihrer vornehmen individuellen
+Erscheinung, die durch die warme naturalistische Färbung des Marmors
+noch erhöht wird, wohl die bedeutendste unter den zahlreichen derartigen
+Arbeiten des Vittoria.
+
+Ein anderer Schüler Sansovino's, _Girolamo Campagna_ aus Verona, ist
+Vittoria in der Schönheit wie im Ausdruck seiner Gestalten und in der
+Durchbildung derselben überlegen. So in der Verkündigung am Pal. del
+Consiglio in seiner Vaterstadt Verona, dann zu Venedig in den Gruppen
+der Hochaltäre von S. Giorgio Maggiore, Redentore, Sto. Stefane und
+S. Tommaso, in verschiedenen Einzelfiguren in Sto. Stefano, in der
+Scuola di S. Rocco u. s. f. Auch der Doge Loredan am Grabmal desselben
+in S. Giovanni e Paolo ist eine edle Porträtfigur. In der malerischen
+Reliefbehandlung besonders ausgezeichnet sind die Darstellungen des
+Bronzedeckels vom Taufbrunnen in S. Marco, die gemeinsame Arbeit des
+_Tiziano Minio_ von Padua (1517-1552) und des _Desiderio_ von Florenz.
+Andere Schüler, wie _Pietro de' Sali_ ({~DAGGER~} 1563), _Jacopo Colonna_,
+_Tommaso da Lugano_ waren, neben den Genannten, Sansovino's Gehülfen bei
+den Dekorationen der Bibliothek, des Dogenpalastes und der Capella del
+Santo in S. Antonio zu Padua. Diese großen gemeinsamen Arbeiten sind um
+so glücklicher, je mehr sie auf architektonische Wirkung berechnet sind;
+wo sie, wie im Santo, rein plastisch sein wollen und hochdramatische
+Motive darzustellen haben, sind Meister und Schüler ebenso schwach wie
+die Nachfolger Michelangelo's und Andrea Sansovino's in Rom und Florenz.
+Die letzten Ausläufer dieser Schule Sansovino's am Ende des XVI. und im
+Anfange des XVII. Jahrh. sind _Tiziano Aspetti_ ({~DAGGER~} 1607) und _Giulio dal
+Moro_, deren Richtung in der Berliner Sammlung durch zwei malerisch
+wirkungsvolle, lebendig bewegte Marmorstatuetten, »Die Ehre« und »Der
+Reichtum« (No. 266 und 267), vorteilhaft vertreten ist. Mit diesen
+Künstlern erlischt in Venedig nahezu für ein Jahrhundert fast jede
+größere plastische Thätigkeit; aber auch nach ihrer Wiederbelebung durch
+die Berninische Kunstrichtung hat sie nicht mehr die Kraft zu einer
+freieren, reicheren Entfaltung.
+
+Die ganze hier betrachtete Gruppe von Künstlern seit Andrea Sansovino
+erscheint mehr oder weniger beeinflußt von Michelangelo. Auch die
+unabhängigsten unter ihnen, wie Andrea Sansovino selbst und sein Schüler
+Jacopo, gehen gelegentlich bis zur direkten Nachahmung des weit
+überlegenen Meisters (wie in Andrea's Propheten an der Santa Casa und in
+den Evangelisten Jacopo's im Chor der Markuskirche); aber sie verlieren
+darüber doch nicht ihre Eigenart und besitzen, bald in höherem bald in
+geringerem Grade, eine gewisse Lebensfülle und malerische Erscheinung.
+Den eigentlichen Schülern und Nachfolgern Michelangelo's fehlen in der
+Regel auch diese Vorzüge. Wo dieselben nicht gerade Modelle ihres
+Meisters ausführen, erscheinen sie meist manieriert oder selbst plump
+und unkünstlerisch. _Raffaello da Montelupo_ (1505-1567), der den hl.
+Damian in der Mediceerkapelle und verschiedene Figuren am Juliusgrabmal
+ausführte und vorher an der Ausschmückung der Santa Casa in Loreto Teil
+nahm, ist in seinem Grabmal Rossi in Sa. Felicità in Florenz noch
+verhältnismäßig einfach und würdig. _Fra Gio. Angiolo Montorsoli_ (1507
+bis 1563), ein anderer Mitarbeiter an Michelangelo's Grabmälern (Statue
+des hl. Cosmas), fand später in Genua ein ausgiebiges Feld der
+Thätigkeit, als Bildhauer wie als Architekt. Hier ist die prachtvolle
+Ausschmückung von S. Matteo von besonderem Interesse, weil der Künstler
+sie ganz einheitlich und mit den reichsten Mitteln ausführen konnte. Der
+Hochaltar in den Servi zu Bologna ist eine spätere Arbeit des Künstlers,
+der in Messina verschiedene große Brunnen von geringem dekorativen Werte
+ausführte. Beiden überlegen ist der Lombarde _Guglielmo della Porta_ ({~DAGGER~}
+1577), Sohn und Schüler des _Gio. Giac. della Porta_. Vater und Sohn
+haben eine beträchtliche Zahl von Marmorarbeiten in Genua (im Dom,
+S. Tommaso u. s. f.) hinterlassen, die meist leere, anspruchsvolle
+Schaustücke sind. Nach seiner Übersiedelung nach Rom trat Guglielmo in
+enge Beziehung zu Michelangelo. Sein bekanntestes Werk hier, das große
+Grabmal Papst Pauls III. im Chor des Peter ist wohl das hervorragendste
+plastische Werk, das unter dem unmittelbaren Einflüsse Michelangelo's
+entstanden ist. Groß durch den einfachen Aufbau und die kolossalen
+Gestalten, ist dasselbe namentlich ausgezeichnet durch die Lebensfülle
+und Kraft der Papstfigur, der nur wenige Bildnisfiguren dieser Zeit
+gewachsen sind.
+
+Besonders befangen in der Nachahmung Michelangelo's erscheinen die
+florentiner Künstler dieser Zeit; auch die, welche, wie _Baccio
+Bandinelli_ (1493-1560), sich persönlich feindlich dem alten Meister
+gegenüberstellten. Was ihnen an Michelangelo am meisten Eindruck machte,
+war das Kolossale; aber bei dem Mangel an feiner Naturkenntnis, an
+Geschmack und Phantasie erscheinen sie leer und roh in ihren Kolossen,
+die langweilig und nicht einmal dekorativ wirken. Dies gilt sowohl von
+Baccio's kolossalem Herkules und Kakus vor dem Pal. Vecchio, wie von den
+Statuen von Adam und Eva im Bargello und von verschiedenen Gruppen der
+Beweinung Christi und Einzelfiguren in florentiner Kirchen. In seiner
+Marmorstatue des Giovanni de' Medici vor S. Lorenzo steht die
+kriegerische Derbheit im Einklänge mit der Erscheinung und dem Charakter
+des Mannes. Am glücklichsten ist Baccio in den Propheten und Aposteln an
+den Chorschranken des Domes, die in ihrem malerischen Flachrelief von
+feiner Wirkung und meist geschickt im Raum erfunden und gut in der
+Bewegung sind. Ein Relief von ähnlichem Charakter ist das in Thon
+modellierte Selbstporträt in halber Figur im Berliner Museum (No. 218),
+welches dem danach ausgeführten Marmorrelief in der Domopera zu Florenz
+entschieden überlegen ist.
+
+Enger noch und mit mehr Glück schließt sich _Pierino da Vinci_ an
+Michelangelo (jung verstorben, thätig um 1540-1553). Von ihm sind nur
+wenige kleinere Flachreliefs im Bargello, im Privatbesitz in Florenz und
+im Auslande erhalten. Ein charakteristisches Beispiel seiner Richtung
+giebt das kleine Stuckrelief der hl. Familie in der Berliner Sammlung
+(No. 217).
+
+Der Architekt _Bartolommeo Ammanati_ (1511-1592) ist im figürlichen
+Teil seiner Grabmonumente (in S. Pietro und S. Mercurio in Rom, im Campo
+Santo zu Pisa und in den Eremitani zu Padua) wie in seinem Brunnen auf
+dem Piazza del Granduca zu Florenz äußerst nüchtern und unbelebt.
+_Giovanni dall' Opera_, der Schüler Bandinelli's, ist wesentlich von
+diesem abhängig. Der jüngere _Vincenzo Danti_ (1530-1576) hat in dem
+Bronzerelief mit der Anbetung der Schlange im Bargello ein im Geiste
+Michelangelo's gehaltenes Werk geschaffen, während seine große
+Bronzegruppe der Enthauptung des Täufers am Battistero in Florenz und
+seine sitzende Papstfigur Julius' III. in Perugia manieriert erscheinen.
+
+[Abbildung: 216. Bronzebüste des Papstes Gregor XIII.]
+
+In anderer Weise abhängig von Michelangelo zeigt sich der berühmteste
+Goldschmied seiner Zeit, _Benvenuto Cellini_ (1500-1572). Als Goldschmied
+weit über Gebühr gefeiert, da die wenigen beglaubigten Arbeiten sowohl
+echt dekorativen Sinn wie feinere Empfindung für die Bedingungen des
+Materials vermissen lassen, hat Benvenuto in seinen eigentlichen
+Bildwerken einen Ernst im Naturstudium und in der Durchbildung und
+gelegentlich eine leichte Grazie, die allen anderen florentiner
+Zeitgenossen abgeht. Freilich verraten Büsten, wie der Bindo Altoviti im
+Privatbesitz zu Florenz und die Kolossalbüste Cosimo's I. im Bargello,
+in ihrer übertrieben sauberen Ciselierung, namentlich in der scharfen
+Umränderung der Augen und des Mundes, die Gewöhnung des Goldarbeiters;
+aber die treue Wiedergabe der Persönlichkeit in diesen Büsten wie die
+Behandlung des Nackten in den Figuren, sowohl an dem schön aufgebauten
+Perseusmonument in der Loggia de' Lanzi zu Florenz wie im Bronzekrucifix
+im Escurial, erscheinen für diese Zeit sehr beachtenswert. Die Modelle
+des Perseus im Bargello (eines in Wachs, das andere in Bronze) sind der
+großen Statue noch durch Schönheit der Formen und glücklichere Bewegung
+überlegen. Die Berliner Sammlung besitzt verschiedene kleine Bronzen,
+die mit Wahrscheinlichkeit auf Cellini zurückzuführen sind: so eine
+Gruppe mit dem Sieg der Tugend, mehrere Figürchen von badenden Frauen
+und eine besonders reizende schlafende Nymphe (No. 639B, Abb. S. 178).
+
+Die Berliner Sammlung besitzt auch eine große Bronzebüste des Papstes
+Gregor XIII. (No. 216), welche deutlich den Einfluß Michelangelo's
+verrät. Der Meister hat bisher (so wenig wie für ein Paar ganz ähnliche
+Bronzebüsten der Päpste Sixtus V. in Sanssouci und Gregor XIV. im Besitz
+der Kaiserin Friedrich) noch nicht bestimmt werden können. Schlicht und
+doch groß in der Auffassung, malerisch in der Anordnung und in der
+Behandlung, ist sie von einer für diese Zeit ganz ungewöhnlich
+meisterhaften Individualisierung und von bewunderungswerter Breite und
+Sicherheit in der Ausführung.
+
+Als Bronzegießer, im Großen wie im Kleinen, haben neben Cellini ein Paar
+oberitalienische Bildhauer, der Paduaner _Leone Leoni_ (1509-1590) und
+sein Sohn _Pompeo Leoni_ ({~DAGGER~} 1610), eine ausgedehnte Thätigkeit
+entwickelt, freilich vorwiegend außerhalb Italiens, für Karl V. und
+Philipp II. Ihre Bronzestatuen und Büsten dieser Fürsten und ihrer
+Anverwandten (jetzt im Museo del Prado in Madrid, in Toledo und in
+Windsor Castle), sind ernst und lebenswahr in Haltung und Auffassung und
+zeigen eine ähnliche Freude der Künstler an reichem Beiwerk und an der
+Durchführung, wie Cellini's Bronzen; doch haben sie weniger dessen
+goldschmiedeartige Schärfe und Härte. In Italien lernt man am
+Marmormonument des Gio. Giac. de Medici im Dom zu Mailand und an der
+imposanten sitzenden Bronzefigur des Vincenzo Gonzaga über seinem
+Grabmal im Palast zu Sabionetta Leoni's Thätigkeit im Großen kennen.
+
+Wie Cellini, so sind auch beide Leoni, namentlich der ältere, als
+_Medailleure_ thätig gewesen. Überhaupt erfuhr diese eigenartige
+Kunstthätigkeit insbesondere in Oberitalien eine ununterbrochene reiche
+Pflege; durch den Anschluss an die Vorbilder des Quattrocento und die
+Beobachtung der plastischen Gesetze für die Komposition im engen Raum
+sind diese kleinen Bildwerke den gleichzeitigen großen Schöpfungen der
+Plastik in der Regel in stilvoller Komposition, wie in malerischer
+Behandlung und individueller Charakteristik entschieden überlegen. Aus
+der großen Zahl tüchtiger Medailleure sind außer den letztgenannten
+Bildhauern durch Zahl und Meisterschaft ihrer Arbeiten besonders
+hervorzuheben: der Goldschmied _Franc. Francia_ aus Bologna, der
+Veronese _G. M. Pomedello_, der Paduaner _Gio. Cavino_ ({~DAGGER~} 1570), die dem
+L. Leoni sehr verwandten Mailänder _Jac. da Trezzo_ ({~DAGGER~} 1589), _Gianant.
+Rossi_ und _Ant. Abondio_ (1538-1591), die namentlich am päpstlichen
+Hofe beschäftigten _Gian Fed. Bonzagna_ und _Lor. Fragni_, beide aus
+Padua, _Dom. Poggini_ aus Florenz, der Römer _P. P. Galeotti_ ({~DAGGER~} 1584),
+der Sienese _Pastorino_ ({~DAGGER~} 1592); letzterer von ganz besonderem
+malerischen Geschick und außerordentlich fruchtbar (es sind mehr als 150
+Medaillen von ihm bekannt).
+
+Die Pflege des Bronzegusses, der seit der Mitte des XVI. Jahrh. sehr in
+Aufnahme kam namentlich in Florenz und Venedig, eine Zeitlang auch in
+Mailand, Bologna u. s. f. zu glänzender Entfaltung gelangte, hat darin im
+Großen wie im Kleinen, in der großen Plastik wie im Kunsthandwerk, zu
+einer außerordentlichen technischen Vollendung geführt und auf die
+Entwickelung der gesamten Plastik in Italien noch im Laufe des XVI.
+Jahrh. einen bestimmenden Einfluß ausgeübt. Die Schwierigkeit der Arbeit
+und die Sorgfalt, die auf die Ausführung verwendet werden mußte, führte
+die Künstler auch auf ein gründlicheres Studium der Natur zurück. In
+ähnlicher Weise mußten auch die Bedingungen für eine günstige Wirkung
+der Bronzebildwerke: geschlossene Komposition, Mäßigung in der Bewegung
+und in den Ausladungen u. a. m., auf eine maßvollere, weniger manierierte
+Behandlung der Marmor- und Thonbildwerke zurückwirken, während
+andererseits die malerische Wirkung der Bronze auch auf die Behandlung
+des Marmors allmählich Einfluß ausübte.
+
+Ein anderes wesentliches Element für den Umschwung, der sich Ende des
+XVI. Jahrh. in der italienischen Plastik vorbereitet und allmählich den
+Barockstil heraufführt, ist das Eindringen fremder Kunst, insbesondere
+durch niederländische und später durch französische Bildhauer, die sich
+vorübergehend oder dauernd in Italien niederließen und hier teilweise
+eine sehr umfangreiche Thätigkeit ausübten. Der erste und
+einflußreichste unter ihnen ist der Vlame _Giovanni da Bologna_
+(eigentlich Jean Boulogne aus Douay, 1524-1608), welcher in den letzten
+Jahrzehnten des XVI. Jahrh. als Dekorator der öffentlichen Plätze, der
+Gärten und Paläste der Mediceer eine ganz außerordentliche Thätigkeit
+entwickelte. Der Einfluß derselben wurde noch verstärkt durch die
+zahlreichen kleineren Wiederholungen, die er nach seinen Kompositionen
+in Bronze selbst anfertigte oder in seiner Werkstatt von Susini u. A.
+fertigen ließ; Arbeiten, welche von der Zeit des Künstlers an bis auf
+unsere Zeit zu den gesuchtesten Kunstgegenständen gehörten.
+
+In Antwerpen zum Bildhauer ausgebildet, kam Giovanni mit etwa 25 Jahren
+nach Italien und ließ sich 1553 dauernd in Florenz nieder. Seine
+Reiterstatue Cosimo's I. neben dem Palazzo Vecchio (aufgestellt 1594)
+ist edel und einfach in der Haltung; spätere Standbilder von ihm in
+Florenz und Pisa sind aber nicht besser als ähnliche Werke seiner
+Zeitgenossen. Dasselbe gilt von seinen Reliefs, namentlich denen im Chor
+der Annunziata zu Florenz und an den drei Bronzethüren des Doms zu Pisa,
+die meist manieriert in den Formen und wenig glücklich im Reliefstil
+erscheinen. In seiner bekannten Gruppe: der »Fiorenza« im Bargello
+(seit 1565 ausgeführt), im Raub der Sabinerinnen (1581-1583) und im
+Herkules und Nessus in der Loggia de' Lanzi ist zwar die Durchführung
+der Formen meist gleichgültig oder willkürlich, aber der Aufbau ist
+regelmäßig kühn und schön bewegt. Ähnliches gilt von den Einzelfiguren
+(die Bronzestatuen des Lucas an Or San Michele vom Jahre 1602, die
+Figuren in der Cap. Salviati in S. Marco, im Chor des Domes zu Lucca u.
+s. f.), vor Allen von dem berühmten Merkur im Bargello. Am glücklichsten
+ist er in seinen Brunnen: in dem Neptunsbrunnen in Bologna (1563-1567),
+in den beiden Fontänen des Giardino Boboli (der mit dem Okeanos und drei
+Stromgöttern, vollendet 1576, und der kleinere mit der Badenden, die von
+Faunen belauscht wird, 1585), in der Bronzefigur der badenden Venus in
+der Villa Petraja u. s. f. Jeder dieser Brunnen ist ein Meisterwerk für
+sich: völlig plastisch und doch zugleich von großer dekorativer Wirkung,
+glücklich und groß im Aufbau, elegant in den Einzelfiguren, die sich in
+schönen, fein bewegten Linien von der Luft abheben, meisterhaft in der
+Dekoration, namentlich in den Fratzen, Masken und Ungetümen, die der
+Künstler in phantastischer Weise bildet und als Wasserspeier in
+geschicktester Weise verwendet. Die Berliner Sammlung besitzt
+verschiedene seiner kleinen Bronzen, darunter eine schöne größere Gruppe
+eines Frauenraubes.
+
+Eine kleine Bronzefigur des Merkur in derselben Sammlung, ist
+wahrscheinlich auf die Hand eines anderen Niederländers zurückzuführen,
+der gleichzeitig in Florenz thätig war, _Elia Candido_; wie Bologna
+hauptsächlich Bronzebildner. Durch Inschriften als seine Arbeiten
+bezeugt sind verschiedene etwa halblebensgroße Götterstatuetten im
+Bargello, die bisher gleichfalls seinem berühmteren Landsmann
+zugeschrieben wurden. In diesen Arbeiten ist Elia noch bewegter als
+Giovanni, die Formen sind voller und stärker ausladend, zuweilen bis zur
+Manier. Sein Sohn _Peter Candid_, der Holländer _A. de Vries_ u. A.
+sind vorübergehend in Italien thätig gewesen. Ein anderer Niederländer,
+_Pietro Francavilla_ (aus Cambray 1548-1618), ist Schüler Giovanni's,
+dessen Entwürfe er in der späteren Zeit mehrfach ausführte, jedoch mit
+wenig Glück (zuerst in Florenz, später in Genua beschäftigt). Unter den
+Italienern, die mit diesen Niederländern gleichzeitig in Florenz thätig
+sind, ist nur ein anderer Schüler des Gio. di Bologna, _Pietro Tacca_
+({~DAGGER~} um 1650) in seinen dekorativen Bronzen (Brunnen auf der Piazza dell'
+Anunziata, Bronzedekorationen im Giardino Boboli u. s. f.), von wirklicher
+Originalität, glücklicher Phantasie und Lebenswahrheit.
+
+Die reiche Sammlung kleiner Bronzefiguren im Berliner Museum enthält
+eine beträchtliche Anzahl Arbeiten von Künstlern dieser Richtung.
+
+[Abbildung: 639B. Schlafende Nymphe, Bronzefigürchen von Benv.
+Cellini (?).]
+
+
+
+
+Der Barock
+(um 1630 bis 1780).
+
+
+Die Bildwerke des Gio. da Bologna sowie verschiedener seiner
+Zeitgenossen und Nachfolger entsprechen in höherem Grade den Gesetzen
+der Plastik, als die der meisten übrigen Bildhauer der vorgeschrittenen
+Hochrenaissance. Die Schönheit der einzelnen Figur oder Gruppe an sich,
+durch den Reiz ihrer Konturen, glückliche Bewegung, schöne Körperbildung
+und vollendete Durchbildung war das vornehmste Streben dieser Künstler;
+freilich eine Schönheit, die weniger auf treue Wiedergabe der Natur als
+auf das Wohlgefällige, sinnlich Reizende der Erscheinung ausging. Alle
+diese Bildwerke, selbst die Reliefs (die schwächste Seite dieser
+Künstler), wirken daher für sich allein, auch ohne Rücksicht auf die
+Architektur, mit der sie zum Teil verbunden waren. In dieser Richtung
+entwickelte sich aber die italienische Plastik nicht weiter. Vielmehr
+wurde derselbe Geist, der die Architektur Italiens schon seit dem
+Anfange des XVII. Jahrh. beherrschte, nun auch in der Plastik lebendig
+und kam durch einen auf diesem Gebiete hochbegabten Künstler, durch
+Bernini, rasch zu unumschränkter Herrschaft. Das malerische Prinzip ist
+das bestimmende Gesetz des Barocks, auch für die Plastik. Nicht mehr die
+abgeschlossene Wirkung des Bildwerks an sich, sondern die malerische
+Zusammenwirkung desselben mit der Architektur und gelegentlich auch mit
+der Landschaft wird von den Künstlern in so rücksichtsloser Weise
+angestrebt, daß das einzelne Bildwerk, aus seinem Zusammenhange
+herausgelöst, meist als Karikatur erscheint. Diese unplastische
+Auffassung der Skulptur ist aber nicht etwa die Folge und bewirkt auch
+keineswegs ein Zurücktreten der plastischen Thätigkeit in Italien:
+vielmehr ist die Zahl der Bildhauer, unter denen hochbegabte, eine sehr
+große, und der Umfang ihrer Werke wie die Pracht des Materials sind so
+außerordentlich, daß keine andere Zeit darin mit dem Barock wetteifern
+kann.
+
+In bewußtem Gegensatze zur Hochrenaissance und seiner manieristischen
+Ausartung erstrebt die Barockplastik wieder eine treue Wiedergabe der
+Natur; aber dieser Naturalismus ist ganz eigener Art, völlig
+verschieden von dem, was das Quattrocento darunter verstand. Der Barock
+will die Wirklichkeit in der Form wie in der Empfindung, und diese hat
+für ihn eine künstlerische Berechtigung nur in der Bewegung, im Affekt.
+Das Wirkliche hat für die Künstler des Seicento seine volle Bedeutung,
+ohne Rücksicht auf Schönheit, ohne die Regeln des klassischen Altertums.
+In der Plastik, der die Mittel der Farbe, des Helldunkels, der
+Darstellung in der Fläche abgehen, erscheint dieses Wirkliche aber gar
+zu leicht als platte Gemeinheit, sowohl in den Formen wie in der
+Auffassung.
+
+Das dramatische Prinzip der Zeit, das unplastische Bestreben, selbst die
+Einzelfigur im Moment der Handlung in ihrer Bethätigung der inneren
+Erregung darzustellen, mußte von vornherein zu einer starken
+Übertreibung der Formen führen, welche bei der Gewöhnlichkeit derselben
+doppelt unangenehm auffällt. Die Männlichkeit wird zu karikierter
+Schaustellung der Muskeln, die weibliche Schönheit wird in üppiger
+Fleischesfülle gesucht und die Kenntnis der Formen in anatomischen
+Bravourstücken zur Schau getragen. Die Gewandung wird nach rein
+malerischen Prinzipien belebt und in ihren tiefen, oft wie vom Winde
+aufgebauschten Falten wird auf den Körper darunter keine Rücksicht mehr
+genommen. Dafür thut sich der Realismus etwas darauf zu Gute, die
+Stofflichkeit der Gewänder mit größter Bravour wiederzugeben, sowohl in
+Stärke und Fältelung wie in Glanz und Musterung, gelegentlich auch in
+der Färbung, für die dann verschiedene Materiale gewählt werden.
+
+Der geistige Inhalt der Bildwerke, dem zu Liebe alle Rücksichten auf
+plastische Wiedergabe der Form geopfert werden, ist genau so nichtig und
+äußerlich, wie die Erscheinung der Bildwerke. Die innere Erregung dieser
+Gestalten ist in der Regel nur eine gemachte, und bei Einzelfiguren ist
+das Motiv dafür oft so bei den Haaren herbeigezogen, daß sie geradezu
+lächerlich wirken. Die Heiligen müssen mit ihren Gewändern, ihren
+Attributen und Marterinstrumenten spielen und kokettieren, nur um bewegt
+zu erscheinen; statt fest aufzustehen, verrenken sie sich in halb
+tänzelnder, halb schwebender Bewegung.
+
+Geeigneter für eine solche Auffassung mußte die Gruppe sein. In der That
+füllt der Barock die Altäre und Wände der Kirchen, gelegentlich auch
+ihre Fassaden, die Plätze und Gärten mit großen pomphaften Gruppen von
+Martyrien, von schwülstigen Allegorien und üppigen mythologischen
+Scenen. Aber auch hier wird der Affekt meist zur Affektation oder zu
+widerwärtigem Pathos. Die Grabmonumente werden zu prunkvollen
+Aufführungen, bei denen unverständliche allegorische Gestalten den
+Jammer über den Tod, den Triumpf über die irdische Vergänglichkeit oder
+die Verherrlichung des Verstorbenen zum Ausdruck bringen sollen. Diese
+großen Grabmäler, die Wandaltäre u. s. f. erscheinen in der Gesamtwirkung
+ihrer Gruppen und Einzelfiguren wie riesige, malerische Hochreliefs, das
+Relief selbst aber ist in dieser Epoche eigentlich nicht viel mehr als
+eine auf einem Hintergründe aufgeklebte Gruppe. Nur als malerische
+Wirkung hat dasselbe hier und da noch einige Bedeutung.
+
+Neben so großen Schwächen und Fehlern, die sich in der Masse der Werke
+und in ihrem außerordentlichen Umfange um so stärker aufdrängen,
+übersieht man leicht die eigentümlichen Vorzüge, die auch dieser Stil
+für gewisse Zwecke und in gewissen Zweigen der plastischen Kunst
+aufzuweisen hat. Am augenfälligsten ist der dekorative Wert der
+Barockskulptur; sie bildet gewissermaßen einen integrierenden Teil der
+Architektur dieser Zeit, die ohne sie gar nicht zu denken ist und ihre
+Wirkung hauptsächlich mit durch den plastischen Schmuck erhält. Den
+großen Altargruppen, den riesigen Wanddekorationen, den Einzelfiguren in
+den Nischen und auf den Gesimsen können wir erst dann einigermaßen
+gerecht werden, wenn wir sie in ihrer Gesamtwirkung mit der Architektur
+betrachten, mit der und für die sie erdacht und ausgeführt wurden. Ganz
+besonders glücklich sind die Barockbildhauer, wenn ihre Figuren und
+Gruppen mit den reichen Formen der Natur zusammenwirken können oder von
+der freien Luft sich abheben: in den Figuren zwischen den Hecken der
+Gärten, in den Gruppen auf den Fontänen und Brunnen mit ihren barocken
+Felsen und den stürzenden Wassermassen. Mit großem Erfolge pflegen die
+Künstler dieser Zeit auch die Porträtdarstellung: die Porträtbüsten,
+gelegentlich auch die Statuen verbinden treffende Lebenswahrheit mit
+malerischer Breite der Anordnung und vornehmer Grandezza der Auffassung.
+Endlich kommt der Gefühlsausdruck in dieser Zeit wenigstens in Einer
+Gestalt vorteilhaft zur Geltung, in der Darstellung des Kindes. Freilich
+ist die Auffassung nicht mehr die naive, schlichte wie im Putto des
+Quattrocento; vielmehr sucht die Zeit auch in ihren Kindergestalten den
+Eindruck des Gefühlvollen, des reich bewegten Lebens hervorzurufen. Aber
+die Einfältigkeit der Kindernatur verhindert hier doch in der Regel
+Übertreibungen, und die naturalistische Behandlung der Zeit war zudem
+einer glücklichen Behandlung der Motive aus dem Kinderleben entschieden
+günstig.
+
+Der große, seine Zeit völlig beherrschende Künstler der Barockskulptur
+ist der Neapolitaner _Lorenzo Bernini_ (1598 bis 1680). Der Hauptort
+seiner Thätigkeit und seitdem der eigentliche Mittelpunkt des Barocks
+ist Rom. Aber die Barockkunst ist keineswegs der einen oder anderen
+Stadt oder Provinz Italiens mehr oder weniger eigentümlich; sie ist über
+ganz Italien verbreitet und erzeugt überall zahlreiche Monumente, deren
+Charakter im Wesentlichen derselbe ist. Ja dieser ist auch nicht einmal
+mehr ein spezifisch italienischer; denn er wird wesentlich mit bestimmt
+durch die zahlreichen niederländischen und französischen Bildhauer, die
+namentlich in Rom vorübergehend oder dauernd thätig waren: die
+_Duquesnoy_ (in Italien unter den Namen Fiammingo bekannt), _Puget,
+Houdon, Legros_ u. s. f. Die meisten dieser Künstler erscheinen neben den
+gleichzeitigen Italienern maßvoller, in ihrem Naturalismus naiver und
+gesunder, und sind daher in ihren Einzelstatuen, ihren Büsten und
+Kinderdarstellungen den Italienern mehr oder weniger überlegen.
+
+[Abbildung: 273. Marmorbüste des Malers Carlo Maratti von Franc.
+Maratti (?).]
+
+Die Berliner Sammlung hat nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von
+Bildwerken dieser Epochen aufzuweisen. Die besten darunter sind ein Paar
+Marmorbüsten: die große malerisch angeordnete Büste des Malers Carlo
+Maratti (No. 273), angeblich von _Francesco Maratti_ gefertigt, und die
+kleine sehr individuell gehaltene einfache Büste des Papstes Benedict
+XIV. (No, 272. um 1750). Die Marmorfigur eines bogenschnitzenden Amors
+von _Franz Duquesnoy_ (No. 420) ist eine charakteristische Arbeit dieses
+für seine Kinderdarstellungen vor Allem berühmten vlämischen Meisters,
+der etwas von dem Geiste seines älteren Freundes Rubens in sich hatte.
+Auf _Lorenzo Bernini_ selbst geht das geistreiche Thonmodell einer
+Fontäne zurück (No. 271A), ein Paar Seemenschen, die einen gewaltigen
+Fisch in die Höhe halten; als Modell wie durch das Motiv ganz besonders
+geeignet, den Künstler von der vorteilhaftesten Seite kennen zu lernen.
+
+ * * * * *
+
+Nach der Mitte des XVIII. Jahrh. nimmt sich die italienische Kunst noch
+einmal zu einer letzten großen Leistung zusammen, freilich nur an einem
+Ort und in sehr beschränktem Kreise. Aber die letzte kurze Blüte der
+venezianischen Malerei, die in einem Tiepolo, Canale, Bellotto, Guardi
+Künstler aufzuweisen hat, deren malerischer Sinn und technische
+Meisterschaft die höchste Bewunderung verdienen, hat die Entwickelung
+der Plastik völlig unberührt gelassen. Gerade in Venedig wurde, noch
+unter den Augen jener trefflichen Maler, der Künstler groß, dessen Namen
+vor Allen mit der Wiedergeburt der Kunst verbunden zu werden pflegt, der
+insbesondere den Grundstein zur modernen Plastik gelegt hat: _Antonio
+Canova_ (geb. 1757). In der schroffen Reaktion gegen die völlig
+unplastische Empfindung des Barocks fällt Canova zwar in eine nüchterne
+und phrasenhafte Nachahmung der Antike, die noch inhaltloser und
+unwahrer ist als die phrasenhaftesten Skulpturen des Barocks; aber er
+hat doch das Verdienst gehabt, die plastische Kunst wieder in ihre
+eigentliche Bahn einzulenken.
+
+
+
+
+Verzeichnis der Künstlernamen.
+(Die Zahlen hinter den Namen bedeuten die Seiten.)
+
+
+Abondio, Antonio, 176.
+
+Agnolo s. Guglielmo d'Agnolo.
+
+Agnolo di Ventura, 27.
+
+Agostino di Duccio, 73.
+
+Agostino di Giovanni, 27.
+
+Alari-Bonacolsi s. Antico.
+
+Alberto di Arnoldo, 26.
+
+Amadeo, Gianantonio, 137.
+
+Ammanati, Bartolommeo, 173.
+
+Andrea, 146.
+
+Andriolo, 31.
+
+Anselmus, 9.
+
+Antelami, Benedetto, 10.
+
+Antico, 126.
+
+Antonio, 31.
+
+Antonio di Banco, 49.
+
+Aquila s. Silvestro d'Aquila.
+
+Arca s. Niccolo dell' Arca.
+
+Arezzo s. Niccolo d'Arezzo.
+
+Arnoldo s. Alberto di Arnoldo.
+
+Arnolfo di Cambio, 20.
+
+Aspetti, Tiziano, 172.
+
+
+Baccio da Montelupo, 165.
+
+Balduccio s. Giovanni di Balduccio.
+
+Bambaja s. Busti, Agostino, gen. Bambaja.
+
+Banco s. Antonio und Nanni d'Antonio di Banco.
+
+Bandinelli, Baccio, 173.
+
+Bariloto, Pietro, 166.
+
+Baroncelli, Niccolo und Giovanni, 131.
+
+Bartolommeo s. Martino und Neroccio di Bartolommeo.
+
+Begarelli, Antonio, 167.
+
+Bellano, Bartolommeo, 122--124, 129.
+
+Belli, Valerio, 129.
+
+Benedetto da Majano, 94--99, 148.
+
+Benedetto da Rovezzano, 164.
+
+Bernini, Lorenzo, 181, 183.
+
+Bertoldo di Giovanni, 129.
+
+Bicci di Lorenzo, 54.
+
+Biduinus, 11.
+
+Bigarelli, Guido, 14.
+
+Bologna s. Giovanni da Bologna.
+
+Bonannus, 13.
+
+Bonino da Campiglione, 30.
+
+Bonusamicus, 11.
+
+Bonzagna, Gian Federigo, 176.
+
+Bregno, Andrea, 146.
+
+Briosco Andrea s. Riccio.
+
+Brunellesco, Filippo, 54.
+
+Buggiano, 73.
+
+Buon, Bartolommeo, 139.
+
+Buonarroti, Michelangelo, 153--162.
+
+Busti, Agostino, gen. Bambaja, 138, 166--167.
+
+
+Camaino s. Tino di Camaino.
+
+Cambio s. Arnolfo di Cambio.
+
+Camelio, 143.
+
+Campagna, Girolamo, 171.
+
+Campiglione s. Bonino da Campiglione.
+
+Candid, Peter, 177.
+
+Candido, Elia, 177.
+
+Canova, Antonio, 183.
+
+Capponi, Luigi, 146.
+
+Caradosso, Vincenzo Foppa, 127, 138.
+
+Caravaggio s. Pasquale da Caravaggio.
+
+Cattaneo, Danese, 171.
+
+Cavalli, Gian Marco, 129--130.
+
+Cavino, Giovanni, 176.
+
+Cecco s. Piero di Cecco.
+
+Cellini, Benvenuto, 129, 174--175.
+
+Cellino di Nese, 27.
+
+Cione, Andrea di, s. Orcagna.
+
+Ciuffagni Bernardo 54.
+
+Civitale, Matteo, 104--106.
+
+Colonna, Jacopo, 171.
+
+Corneole, Giovanni delle, 129.
+
+Cosmas, 8.
+
+Cosmatus, Johannes, 28.
+
+Cozzanigo, Tommaso, 138.
+
+Cozzarelli, Giacomo, 120.
+
+Credi s. Lorenzo di Credi.
+
+
+Dalmata, Giovanni, 146.
+
+Danti, Vincenzo, 173--174.
+
+Dello Delli, 53.
+
+Dentone, Antonio, 143.
+
+Desiderio da Firenze, 171.
+
+Desiderio da Settignano, 83--87, 148.
+
+Domenico di Paris, 131.
+
+Donatello, 55--69.
+
+Donato, 18.
+
+Duccio s. Agostino di Duccio.
+
+Duquesnoy, Frans, 182, 183.
+
+
+Enrigus, 11.
+
+
+Federighi, Antonio, 115--117.
+
+Ferrucci, Andrea, 164.
+
+Fiesole s. Mino da Fiesole.
+
+Filarete, Antonio, 144--145.
+
+Fragni, Lorenzo, 176.
+
+Francavilla, Pietro, 178.
+
+Francesco di Giorgio, 120.
+
+Francesco di Sangallo, 164.
+
+Francesco di Simone, 112.
+
+Francia, Francesco, 134, 176.
+
+Fusina, Andrea, 138.
+
+
+Gagini, Antonio, 137, 149.
+
+Gagini, Domenico, 137, 149.
+
+Gagini, Pace, 137.
+
+Galeotti, Pietro Paolo, 176.
+
+Gano, 27.
+
+Ghiberti, Lorenzo, 49--51.
+
+Ghiberti, Vittorio, 50.
+
+Ghini, Simone, 144--145.
+
+Gian Francesco da Grado, 166.
+
+Giorgio s. Francesco di Giorgio.
+
+Giotto, 24.
+
+Giovanni s. Agostino und Bertoldo di Giovanni.
+
+Giovanni da Bissone, 137.
+
+Giovanni da Bologna, 129, 176--177.
+
+Giovanni dall' Opera, 173.
+
+Giovanni da Pisa, 122.
+
+Giovanni di Balduccio, 29--30.
+
+Giovanni di Banco, 49.
+
+Giovanni di Bartolo gen. Rosso, 53, 71, 135.
+
+Giovanni di Martino, 139.
+
+Giovanni di Stefano, 118.
+
+Giovanni di Turino, 118.
+
+Giovanni Giacomo della Porta, 172--173.
+
+Giuliano da Majano, 148.
+
+Giulio dal Moro, 172.
+
+Goro di Gregorio, 27.
+
+Grado s. Gian Francesco da Grado.
+
+Gregorio s. Goro di Gregorio.
+
+Gruamons, 11.
+
+Guglielmo d'Agnolo, Fra, 20.
+
+Guglielmo della Porta, 172--173.
+
+Guidetto, 14.
+
+Guido s. Bigarelli.
+
+
+Houdon, 182.
+
+
+Isaïa di Pisa, 144--145, 148.
+
+
+Jacopo da Trezzo, 176.
+
+Johannes s. Cosmatus, Johannes.
+
+
+Lanfrani, Jacopo, 31.
+
+Lapo, 18.
+
+Laurana, Francesco, 149.
+
+Legros, 182.
+
+Leonardo da Vinci, 113.
+
+Leoni, Leone, 175.
+
+Leoni, Pompeo, 175.
+
+Leopardi, Alessandro, 142.
+
+Lombardi, Alfonso, 167--168.
+
+Lombardo, Antonio, 141--142.
+
+Lombardo, Pietro, 140--141.
+
+Lombardo, Tullio, 141.
+
+Lorenzetto, 163--164.
+
+Lorenzo di Credi, 112.
+
+Lugano s. Tommaso da Lugano.
+
+Maini, Michele, 147.
+
+
+Maitani, Lorenzo, 27--28.
+
+Majano, s. Benedetto und Giuliano da Majano.
+
+Mantegazza, Antonio, 137.
+
+Mantegazza, Cristoforo, 137.
+
+Mantegna, Andrea, 121.
+
+Maratti, Francesco, 183.
+
+Marchionne, 12.
+
+Martino di Bartolommeo, 118.
+
+Martino s. Giovanni di Martino.
+
+Martinus, Presbyter, 13.
+
+Massegne, Jacobello delle, 31--32.
+
+Massegne, Pier Paolo delle, 31--32.
+
+Mazzoni, Guido, 134--135, 148.
+
+Meister Andrea, Meister Anselmus etc. s. Andrea, Anselmus etc.
+
+Meister der Marmormadonnen, 104.
+
+Meister der Pellegrinikapelle, 52--53, 139.
+
+Michelangelo s. Buonarroti, Michelangelo.
+
+Michelozzo Michelozzi, 71--72, 135--136.
+
+Minello, Giovanni, 124.
+
+Minio, Tiziano, 171.
+
+Mino da Fiesole, 99--104.
+
+Moderno, 126.
+
+Monaco, Guglielmo, 148.
+
+Monogrammist »Jo. F. F.«, 127.
+
+Montelupo s. Baccio und Raffaello da Montelupo.
+
+Montepulciano s. Pasquino da Montepulciano.
+
+Montorsoli, Giovanni Angiolo, 172.
+
+Moro s. Giulio dal Moro.
+
+
+Nanni d'Antonio di Banco, 54--55.
+
+Neroccio di Bartolommeo, 120.
+
+Nese s. Cellino di Nese.
+
+Niccolo s. Piero di Niccolo.
+
+Niccolo d'Arezzo, 49.
+
+Niccolo dell' Arca, 132, 134.
+
+Nicolaus, 10.
+
+
+Onofri, Vincenzo, 133.
+
+Opera s. Giovanni dall' Opera.
+
+Orcagna, Andrea, 25--26.
+
+
+Pagno di Lapo Portigiani, 73.
+
+Paris s. Domenico di Paris.
+
+Pasquale da Caravaggio, 147.
+
+Pasquino da Montepulciano, 146.
+
+Pastorino, 176.
+
+Paulus (XIII. Jahrh.), 20.
+
+Paulus (XV. Jahrh.), 144.
+
+Pericoli, Niccolo s. Tribolo.
+
+Pierino da Vinci, 173.
+
+Piero di Giovanni Tedesco, 48.
+
+Piero di Niccolo, 139.
+
+Pietro de' Sali, 171.
+
+Pisa s. Giovanni und Isaïa di Pisa.
+
+Pisano, Andrea, 24--25.
+
+Pisano, Giovanni, 21--24.
+
+Pisano, Niccolo, 15--19.
+
+Pisano, Nino, 25.
+
+Pisano, Tommaso, 25.
+
+Pisano, Vittore, 129.
+
+Poggini, Domenico, 176.
+
+Pollajuolo, Antonio, 106--107.
+
+Pomedello, Giovanni Maria, 176.
+
+Porta s. Giovanni Giacomo und Guglielmo della Porta.
+
+Portigiani s. Pagno di Lapo Portigiani.
+
+Puget, Pierre, 182.
+
+Pyrgoteles, 143.
+
+
+Quercia, Jacopo della, 113--115, 117--118.
+
+
+Raffaello da Montelupo, 172.
+
+Riccio, Andrea, 124--126, 129.
+
+Rizo, Antonio di Giovanni, 139--140.
+
+Robertus, 11.
+
+Robbia, Andrea della, 79--82.
+
+Robbia, Giovanni della, 82, 162.
+
+Robbia, Luca della, 74--79.
+
+Romano s. Taccone, Paolo.
+
+Romano, Gian Cristoforo, 165.
+
+Rossellino, Antonio, 91--94.
+
+Rossellino, Bernardo, 87--90, 148.
+
+Rossi, Gianantonio, 176.
+
+Rosso s. Giovanni di Bartolo gen. Rosso.
+
+Rotari, Tommaso, 137--138.
+
+Rovezzano s. Benedetto da Rovezzano.
+
+Rustici, Giovanni Francesco, 164--165.
+
+
+Sali s. Pietro de' Sali.
+
+Sangallo s. Francesco di Sangallo.
+
+Sano s. Turino di Sano.
+
+Sansovino, Andrea, 162--163.
+
+Sansovino, Jacopo, 168--171.
+
+Settignano s. Desiderio da Settignano.
+
+Silvestro d'Aquila, 148.
+
+Simone s. Francesco di Simone.
+
+Solari, Cristoforo, 138.
+
+Solari, Pietro s. Lombardo.
+
+Sperandio, 132--133.
+
+Stefano s. Giovanni di Stefano.
+
+
+Tacca, Pietro, 178.
+
+Taccone, Paolo, gen. Romano, 146, 148.
+
+Tamagnini, Antonio 137.
+
+Tedesco, s. Piero di Giovanni.
+
+Tino di Camaino, 27, 29.
+
+Tommaso da Lugano, 171.
+
+Torrigiano, Piero, 164.
+
+Tribolo, 168.
+
+Trezzo s. Jacopo da Trezzo.
+
+Turino s. Giovanni di Turino.
+
+Turino di Sano, 118.
+
+
+Ulocrino, 127.
+
+Urbano da Cortona, 118.
+
+
+Vecchietta, Lorenzo, 118--120.
+
+Ventura s. Agnolo di Ventura.
+
+Verrocchio, Andrea del, 107--112.
+
+Vicentino, Andrea, 143.
+
+Vinci s. Leonardo und Pierino da Vinci.
+
+Vittoria, Alessandro, 171.
+
+Vries, Adriaan de, 177.
+
+
+Wilhelm, 10.
+
+
+
+
+Berlin. Gedruckt in der Reichsdruckerei.
+
+
+
+
+[Fußnote A: Die häufigen Bleigüsse nach den kleinen Reliefs von Moderno,
+Valerio Belli u. a. sind zumeist spätere Nachgüsse, welche von deutschen
+Goldschmieden über die Bronze-Originale als Vorlagen für ihre
+Werkstätten angefertigt wurden.]
+
+[Fußnote B: Eine ähnliche, aber unvollendete Büste einer jungen Frau
+befindet sich im französischen Privatbesitz.]
+
+
+
+
+
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+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
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+throughout numerous locations. Its business office is located at
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+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
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+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
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+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
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+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
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+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
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+works.
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+concept of a library of electronic works that could be freely shared
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