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Band + +Author: Gerhard Rohlfs + +Release Date: January 24, 2006 [EBook #17600] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON TRIPOLIS NACH *** + + + + +Produced by Magnus Pfeffer, Hagen von Eitzen, Clare Boothby +and the Online Distributed Proofreading Team at +http://www.pgdp.net (This file was produced from images +generously made available by the Bibliothèque nationale +de France (BnF/Gallica) at http://gallica.bnf.fr) + + + + + +Von +TRIPOLIS nach ALEXANDRIEN. + + + + + + +BESCHREIBUNG +der im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen +in den Jahren 1868 und 1869 ausgeführten Reise + + +von + + +GERHARD ROHLFS. + + +Mit einer Photographie, zwei Karten, vier Lithografien +und vier Tabellen. + + +ZWEITER BAND + + +1871 + + + +[Illustration: In der Jupiter-Ammons-Oase gefundene Münzen.] + + + + +Inhalts-Verzeichniss. + + +Barca +Von Cyrene über Bengasi nach Audjila +Audjila und Djalo +Die libysche Wüste zwischen Djalo und der Oase des Ammon +Die Jupiter Ammons-Oase +Von der Ammons-Oase nach Egypten + + + + +Barca. + + +Wie die Alten schon über die Grenzen der Cyrenaica uneins waren, da weder +im West noch Süden bestimmte Marken gezogen waren, im Ost aber bald nach +Ptolemaeus der Chers. mag., nach Plinius und Strabo der Catabathmos als +Grenze angenommen wurde; so auch noch heute. Die Araber, diese guten +Geographen, rechnen zu Barca, denn so nennen sie, was die Alten und wir +mit Cyrenaica bezeichnen, das Land, was von dem Meere im Norden und Westen +einerseits, im Süden vom Fareg und der Wüste, im Osten von Akabat el kebir +andererseits, umringt wird. Fast ähnliche Grenzen nehmen die Türken an, +nur dass sie die weit nach Süden zu gelegenen Oasen Audjila und Djalo +ebenfalls mit zu Barca zählen. + +Wir beschäftigen uns hier nur mit dem eigentlichen Plateau von Barca, +welches eine längliche von Westen nach Osten gezogene Gestalt hat. +Ungefähr von gleicher Grösse wie die Insel Sardinien fällt dasselbe nach +Nordwest und Norden zu schroff ins Meer, ebenso der schmale Ostrand nach +dem Golfe von Bomba zu, im Süden und im Südwesten sind sanfte Uebergänge +zur See, und mittelst der Steppe zur Wüste. Das eigentliche Hochland +besteht durchaus aus Kalkstein, der dick mit röthlichem Humus belegt ist. +An den Schluchten, wo dieser Kalkstein aus feinen oft mikroscopischen +Muscheln gebildet zu Tage liegt, bemerkt man häufige natürliche Höhlen und +Stalactitengrotten, ebenso findet man auf dem Plateau selbst noch +Petrefacten, Cardien, Pectiniten und Ostreen. Der Boden selbst ist +äusserst fruchtbar, Theophrast lobt schon die leichte, durch trockne und +reine Luft, belebte Erde. Und in der Neuzeit sagt unser grösster deutscher +Geograph, Carl Ritter: "In der That ist es auffallend, dass dieses Land +von Europäern unbesetzt, unbesucht blieb, ja selbst erst von neuem +entdeckt werden musste, nachdem Phönizier, Carthager, Griechen, Aegypter, +Römer dort schon einheimisch gewesen waren. + +"Eine europäische Colonie, die sich auf dieser Berginsel ansiedelte, würde +durch die gefährliche Syrte im Westen, durch die Steilküste im Norden und +die Wüste Sahara im Süden gegen jeden Feind gesichert sein etc. etc." + +Ein anderer ausgezeichneter Geograph, Conrad Mannert, sagt von Cyrenaica: +"Warum hat sich die gesegnete Gegend so ganz aus dem Blicke des Europäers +verloren? Warum ist noch nie der Versuch zu einer neuen für eine Seemacht +nicht schweren Ansiedlung gemacht worden, welche zugleich den Weg nach den +inneren Gegenden von Afrika bahnen würde?" + +Es ist allerdings bemerkenswerth, dass dies Kleinod des mittelländischen +Meeres sich der Aufmerksamkeit der Europäer so lange entzogen hat. Wären +wir nicht von vornherein gegen staatliche Colonisation, so würden wir +Oesterreich oder Italien zurufen, erwerbt dies Land und lenkt dort neue +Auswanderung hin. In der schmalen Ebene von Bengasi und Tokra bleibt die +Bodenbeschaffenheit die nämliche, im Süden aber geht allmälig der +röthliche Humus in weisslichen Sandboden über, daher auch die Eingebornen +nach dieser äusserlichen Farbe Barka el hamra von Barca el beida +unterscheiden. Es scheint nicht, dass Cyrenaica je Schätze des +Mineralreiches besessen hätte, denn wenn die Alten Gold, Silber und edle +Steine anführen, als Handelsgegenstände, so kamen die sicher aus dem +Süden. Ammonisches Salz wird auch oft als ein Product der Cyrenaica +angeführt; nicht dies ist es aber heute mehr, wohl aber Salz, welches das +Land selbst producirt[1], und das heute aus den Salzseen bei Bengasi +gewonnen wird. Im Alterthum hebt Sinesius noch eine weisse Kreide hervor, +die bei Paraetonium gewonnen zu Cement benutzt wurde. + +Glücklich der Art gelegen, dass Cyrenaica zur grösseren Hälfte vom Meere +bespült wird, während der Uebergang zur Wüste nur allmälig mittelst Steppe +erfolgt, ist es reichlich mit Pflanzenwuchs gesegnet. Aber trotzdem hat es +nur geringe und periodische Wasserläufe, es ist dies eben dadurch bedingt, +dass die Hauptabdachungen nach Norden die kürzere, nach Süden die längere, +eben beide zu schmal sind, um die Bildung grosser Thäler und Flüsse zu +erlauben. Da der höchste Kamm nicht in der Mitte, sondern mehr nach Norden +zu, von Osten nach Westen das Land durchzieht, so sind die von ihm +entspringenden Thäler, Schluchten und Rinnsäle, kürzer, aber auch, weil +sie häufiger und grössere Quantitäten Wasser schwemmen, tiefer und +zerrissener. Es liegt dies in der Natur der Sache, da eben die Nordseite +des Plateaus bedeutend mehr Feuchtigkeit bekommt, als die längere +Südseite. + +Buchten an der eigentlichen Insel Cyrenaica sind nur vorhanden nach dem +Osten zu. Die Busen von Bomba und Tokra sind aber auch ganz ausgezeichnet. +In Bomba konnte 1808 der französische Admiral Gantheames sich vor dem +verfolgenden britischen Admiral Lord Collingwood zurückziehen, und entging +hiedurch der Gefangennahme. Die übrigen Häfen, welche die Alten benutzten, +als Apollonia, Ptolemais, Dernis, Berenice, sind heutzutage ganz +unbrauchbar, doch liesse sich das alte Berenice mit leichter Mühe wieder +zu einem guten Hafen herrichten. + +Was Bomba und Tokra anbetrifft, so unternahm Ali Riza Pascha von Tripolis +Anfang 1869 einen neuen Colonisationsversuch, es scheint aber, dass seine +Bemühungen gescheitert sind, obgleich die in türkischen Zeitungen +veröffentlichten Berichte Anfangs sehr günstig lauteten. Wassermangel und +ungenügende Sicherheit des Eigenthums werden wohl Hauptgrund beim +Scheitern dieser neuen Besiedlung gewesen sein. + +Aeusserst üppig ist die Pflanzenwelt vertreten, von der wir hier nur einen +allgemeinen[2] Ueberblick geben. Wie die Alten schon verschiedene +Pflanzenregionen in Cyrenaica unterschieden, uns sogar erzählen, dass man +mehrere Ernten abhalten könne, zuerst in der Ebene, dann auf den Abhängen, +endlich auf der Hochebene selbst, so auch noch heute. Und wenn Homer die +lachende und reiche Fruchtbarkeit des Landes, wenn Pindar die Cyrenaica +die Fruchttragende, den Garten des Jupiter und der Venus nennt, wenn +Diodor die Cyrenaica den fruchtbarsten Boden schlechtweg heisst, wenn +Arrian das Land als krautreich und gut bewässert schildert, wenn Scylax +uns die verschiedenen Obstsorten aufführt, so ist eben nichts +Uebertriebenes darin, wie wir es bei den Alten erwähnt finden, eben so +reich, so üppig, so ergiebig ist heute noch die Pflanzenwelt. + +In der That glaubt man, sobald man sich aus der Stadt Bengasi entfernt und +im Anfange der Küste folgend, ins Innere begiebt, fortwährend in einem +lachenden Garten zu sein. Die üppigsten Blumenwiesen werden durchschnitten +und der Fernblick ist überall gehemmt durch Lentisken und Myrtengebüsch. +Und steigt man die Berge hinauf, sind Rosmarin und Wachholder, grosse +Büsche der einfachen weissen Rose da, um heimathliche Erinnerungen wach zu +rufen, während an den feuchten Schluchten der rothblühende Oleander und +Lorbeerbüsche, die südeuropäischen Länder vertreten. Und diese ist denn +auch die eigentliche Vegetation: Dr. Ascherson fand aus den mitgebrachten +Pflanzen die grösste Uebereinstimmung mit denen, welche er durch eigne +Anschauung auf den Inseln des Mittelmeeres kennen gelernt hatte. + +An grossen Bäumen, welche besonders auf dem Plateau und in den nach Norden +zu gehenden Thälern vorkommen, nennen wir die kleinblättrige immergrüne +Eiche, die oft 150' hohe Cypresse, die Thuya und den Wachholderbaum. +Verwildert kommt hier ebenfalls vor der Oelbaum, Feigenbaum, +Johannisbrodbaum, Birnbaum; Weinreben aber sind uns nirgends mehr +aufgestossen, obschon im Alterthume Wein nebst Oel Hauptausfuhr-Artikel +war nach Sicilien und Griechenland. Und wie im Alterthume Cyrce ihre +Grotte mit dem wohlriechenden Thyon räucherte, so ist auch heute noch ein +leiser Rauch eines Wachholderfeuers nicht unangenehm, im Gegentheil, oft +erschienen unsere Gräber, die wir mit trocknem Wachholderholz erleuchteten +und wärmten, wie parfümirt. Aus diesem Holze wurden wahrscheinlich auch +jene bei den Alten so berühmten wohlduftenden Möbeln verfertigt, von denen +die Thyaden oder Trinktische besonders beliebt waren. Auch die aus +Cyrenaica kommenden Rosenwasser und andere starkriechende Pflanzenproducte +waren zur Blüthezeit viel gesucht, und um Essenzen herzustellen, brauchte +man auch heute nur die Hand auszustrecken, wohlriechende, starkduftende +Blumen sind überall, Geranien, Violen, Artemisien etc. schwängern zur +Blüthezeit die Luft mit ihren Düften. + +Wild findet man an geniessbaren Pflanzen überall und zwar in +ausgezeichneter Güte die Artischocke und Trüffel, letztere wird von +Plinius schon unter dem Namen Misy erwähnt. Das von den Alten als ein von +den Bäumen hängendes wohlriechendes Obst, spagnus, weiss ich nicht zu +erklären. + +Was aber vor Allem den Reichthum der Colonie ausmachte, war das Sylphium, +eine Pflanze, von der wir auf den alten cyrenaïschen Münzen recht gute +Bilder haben. Auch finden wir derselben bei einer Menge der alten +Schriftsteller erwähnt, zum Theil beschrieben. Alle Reisenden nun von +della Cella[3] an, Beechey, Pacho, Barth etc. etc., haben diese Pflanze in +der heute von den Eingebornen genannten Drias (bot: thapsia garganica +genannt) wiedererkennen wollen. Zu della Cellas Zeit nannten ihm die +Landesbewohner, dieselbe Pflanze, Coinon. Und es lässt sich nicht leugnen, +dass die Pflanze mit den Abbildungen Aehnlichkeit zeigt, wenn es auch kein +Gleichniss ist; aber nicht nur Aehnlichkeit mit den Münzbildern zeigt +dieselbe, sondern, wie wir gleich sehen werden, mit vielen Eigenschaften, +welche wir von derselben bei den Alten erwähnt finden. + +In neuerer Zeit nun ist Dr. Schroff in Wien[4] dagegen aufgetreten, +dieser, indem er die Eigenschaften der Thapsia garganica nicht mit den von +den Alten erwähnten, vereinbar hält; dann Ørsted[5], welcher hauptsächlich +Drias nicht für das alte Sylphium erkennen will, weil ihm die Münzbilder +nicht für diese Pflanze zutreffend sind. Professor Ørsted vindicirt +Narthex asa foetida, als das alte Silphium, glaubend, dass die +Eigenschaften dieser Ambilifore am meisten mit dem Silphium und den +Bildern der Münzen übereinstimmen. + +Nach Theophrast entstand, natürlich konnte solche Wunderpflanze nur durch +ein Wunder entstehen, 430 v. R. das Silphium nach einem Pechregen, +derselbe beschreibt die Wurzel als dick, fleischig, den Stengel dem des +Fenchel ähnlich, die Samenkörner als breit und geflügelt, ähnlich, wie die +von Phyllis; dies alles fanden wir bei der heutigen Drias-Pflanze auch, +und auch der Standort, den er für die Pflanze angiebt, stimmt: "Die +Umgegend der Hesperiden-Gärten." Nach _Plinius_ war die Rinde der Wurzel +schwarz, länger als eine Elle; wo sie aus dem Boden kam, war eine +Tuberosität, welche eingeschnitten einen milchigen Saft gab, die +Samenkörner sind glatt, und fallen leicht mit den gelb vertrockneten +Blättern, sobald die erste Jahreszeit vorüber ist, ab; auf der Pflanze +selbst bemerkt man auch Tuberositäten. Plinius verlegt den Standort des +Silphium ebenfalls in die Umgegend der hesperidischen Gärten. Nach ihm +wurde der Stengel gegessen, nachdem man ihn gekocht hatte, er constatirt +ferner _die schädliche Wirkung aufs Vieh_, die Ziegen und Schafe waren +sehr begierig danach, die Ziegen fingen an zu niesen, die Schafe zu +schlafen. Zu seiner Zeit war die Pflanze schon fast ganz verschwunden, so +dass Nero eine einzige Pflanze als ein grosses Geschenk angeboten wurde. +Wir sehen, dass auch die Beschreibung von Plinius vollkommen passt. + +Von anderen Autoren verlegen _Herodot_ und _Scylax_ den Standort der +Pflanze in die ganze Küstengegend von Pentapolitanien, von der Insel +Plataea bis zum Anfange der grossen Syrte, _Catull_ bei Cyrene, _Strabo_ +und _Ptolemaeus_ mitten in die Wüste, südlich von Cyrene, Arrian endlich +sagt, sie sei über den ganzen fruchtbaren Boden Cyrenaicas bis zum Saume +der Wüste verbreitet. Nach diesem Schriftsteller wurden Ziegen und Schafe +eingepfercht, um sie vor dem Silphium zu bewahren. + +Sobald die Provinz römisch wurde, fing die Pflanze an zu verschwinden, +jedoch 100 Jahre nach der Regierung Roms berichtet _Plautus_ noch von +reichlichen Ernten, _Strabo_ fand sie ebenfalls noch vor, _Plinius_ fand +das Silphium schon spärlich und _Synesius_ berichtet als etwas +Ausserordentliches von einer im Garten seines Bruders gezogenen Pflanze. +Die Ursache des Verschwindens der Pflanze wird von den Alten verschieden +angegeben, nach _Solin_ war es, um sich von den hohen Taxen zu befreien, +denen das Silphium unterworfen war, _Strabo_ führt die Ausrottung auf die +eindringenden Barbaren zurück. Höchst wahrscheinlich wirkten beide +Ursachen, um die Pflanze so schnell schwinden zu machen, denn die mit +Kameelen eindringenden Libyer hatten natürlich ein Interesse daran, diese +den Kameelen den Tod bringende Pflanze auszurotten. + +Bei den Römern stand das Silphium oder Laserpitium im gleichen Werthe mit +Silber; hauptsächlich wurde der aus dem Stempel der Pflanze Thysias +gewonnene Saft, oder der aus der Wurzel mittelst Einschnitte +hervorquellende succus, Caulias genannt, als Arznei benutzt. Man +verarbeitete beide mit Kleie; und dies dann bis zu dicker Consistenz +eingekocht, wurde so über die ganze civilisirte Welt verschickt. Beide +Posten werden auch unter dem Namen "Thränen der Cyrenaica" ohne +Unterschied genannt. Die Römer verwahrten das Silphium in ihrem +öffentlichen Schatze. Julius Caesar fand 1500 römische Pfunde vor. + +Die heutige Drias-Pflanze, Thap. garg., zeigt sowohl mit den +Münzabbildungen, als mit den eben erwähnten die grösste Aehnlichkeit, nur +möchte ich die Frage aufwerfen, warum gerade die Thapsia garganica von +_Cyrenaica_ sich von den anderen unterscheidet. Und doch _muss_ ein +Unterschied da sein. In Algerien, in Marokko fällt es keinem Eingebornen +ein, sein Kameel mit Maulkörben zu versehen, sobald er es in die mit +Thapsia garganica bestandenen Gegenden treibt, während in Cyrenaica die +Pflanze, sobald sie trocken ist, sehr gefürchtet wird. Auch schreibt man +dort der Pflanze keine besonderen medicinischen Eigenschaften zu, während +die Bewohner von Barca noch heute die Drias-Pflanze, wie die Alten das +Silphium als ein Universalmittel betrachten. Da muss denn doch wohl ein +Unterschied zwischen der Thapsia garganica von Cyrenaica und den übrigen +bestehen, der den Botanikern bis jetzt entgangen ist. Auch mir gelang es +nur, Stengel und Blätter der Drias-Pflanze mitzubringen, die Blüthezeit +war noch nicht angegangen, als ich in Cyrenaica war. _Heinzmann_, der die +Thapsia garganica medicinisch untersuchte, fand, dass die Wurzel ein +werthvolles Heilmittel sei, äusserlich bei unreinen Geschwüren sowohl der +Menschen als Thiere gebraucht. Die Tinctur der Rinde der Wurzel auf +gesunde Hauttheile gebracht, erregt meist anhaltendes Jucken, zuletzt +Pusteln ohne grosse Entzündung. Auf eine offene Wunde gebracht, wird kein +Brennen und Jucken gefühlt. Innerlich 6-8 Gran genommen, wird Schwindel, +Ohrensausen, Ideenconfusion, grosses Gefühl von Schwäche mit lange +andauernden schweren Schweissen beobachtet. Wiederholte, von ihm in Europa +angestellte Versuche, stellten die Thapsia garganica als ein drastisches +Reinigungsmittel hin. Theophrastus, Dioscoridas und Plinius sprechen von +ganz gleichen und ähnlichen Wirkungen. Was uns anbetrifft, so bleiben wir +also dabei und sagen, dass die in _Cyrenaica_ wachsende Thapsia garganica +oder Drias das alte Silphium ist. + +Diese, wie wir so eben gesehen haben, so sehr pflanzenreiche Insel ist +äusserst thieram. Fast wäre man versucht anzunehmen, dass das +nekropolenartige des ganzen Landes, denn wie Cyrenaica sich heute dem +Besucher zeigt, kann man es als Eine grosse Todtenstadt bezeichnen, auch +Einfluss auf die Leben suchenden Thiere gehabt habe. In den Küstenstrichen +finden sich zwar ziemlich viel wilde Thiere, als Hasen, Kaninchen, +Gazellen und die Vierfüssler, welche im Allgemeinen am Nordrande von +Afrika gefunden werden, aber in geringerem Maasse als in Tunis, Algerien +und dem so wildreichen Marokko. Ausser der Hyäne und dem Schakal sind +reissende Thiere gar nicht vorhanden. Wildschweine finden sich in den +Schluchten der Hochebene, aber auch in geringer Zahl. Ueberall stösst man +aber auf den Maulwurf, dessen Spuren man sogar weit nach Süden in der +Ebene verfolgen kann. Die Vogelwelt ist ebenfalls sparsam und durch keine +besonderen Arten vertreten. Schlangen und Scorpionen, Eidechsen und +anderes Gewürm sind dieselben, wie die auf dem Nordabhange des Atlas, in +den südlichen Ebenen ist die Hornviper häufig. An den steilen Felsparthien +des Hochlandes haben zahlreiche Bienenschwärme in den Höhlungen ihre +Nester angelegt, und wie im Alterthum bildet denn auch noch heute der +Honig ein Hauptproduct des Landes. Ein von Süden kommendes Thier, die +Heuschrecke, bildet auch in der Jetztzeit noch oft die grosse Landplage +der Bewohner. Die meist so berühmten Pferde der Cyrenaica sind sehr +heruntergekommen, was Form und Schönheit anbetrifft, Dauerhaftigkeit, +Gelehrigkeit und Kraft ist ihnen aber auch jetzt noch eigen. +Hauptreichthum der Bewohner machen die Rinder, Schafe[6] und Ziegenheerden +aus, von denen nach Malta hin exportirt werden, Esel und Maulthiere hat +man nur zum eigenen Bedarf und sie sind nicht besser, als die in den +berberischen Staaten. Die südlichen Ebenen haben vorzügliche +Kameelzüchtereien, von denen auch nach Egypten hin exportirt werden. + +Die Bewohner des Landes sind nomadisirende Araber. Jedenfalls sind Spuren +der griechischen, ptolemäischen und römischen Herrschaft nirgends zu +erkennen, wie denn auch nach Vernichtung dieser Herrschaften ihre +eigentlichen Unterthanen, Griechen und Römer mit vernichtet wurden oder +auswanderten. Die dann eindringenden libyschen Völker sind von den Arabern +absorbirt worden, wenigstens ist heute nichts mehr vom Libyerthum zu +bemerken, die alles nivellisirende mohammedanische Religion hat zwischen +Berbern und Arabern, die ohnedies äusserlich sich so nahe stehen, jeden +Unterschied aufgehoben. Der heutige Bewohner Cyrenaicas, der _nur_ +arabisch spricht (Mischmasch von maghrebinisch und ägyptisch), ist +mittlerer Grösse, mager, hat ein längliches Gesicht, in der Jugend mit +vollen Backen, fallen sie im Alter sehr ein und die Backenknochen treten +stark hervor, stechende schwarze Augen von buschigen Brauen überwölbt, +eine starkgebogene, lange Nase, verhältnissmässig grosser Mund und spitzes +Kinn sind die allgemeinsten Gesichtszüge. Der Bart ist spärlich, Haupthaar +lang und schwarz. Die Frauen, welche wie überall da, wo sie eine +untergeordnete Stellung zum Manne einnehmen, auch körperlich +unverhältnissmässig klein sind, haben in der Jugend volle und hübsche +Formen, und eben das Volle rundet denn auch die scharfen Gesichtszüge ab, +die im Alter aber ebenso markirt wie beim Manne hervortreten, ohne dass +die tausend Falten der Haut im Stande sind, die scharf vorspringenden +Knochenparthien zu verdecken. Die Nase ist bei den Frauen mehr gerade als +gebogen. + +Männer und Frauen lieben es, sich mit Antimon zu zeichnen; machen allerlei +bunte Figuren aufs Gesicht, Brust, Arme und Hände. Die Frauen färben auch +die Unterlippe schwarz, umrändern die Augen mit Kohöl und färben die Nägel +roth. Ihre Kleidung ist die der übrigen nomadisirenden Völker Nordafrikas +und keine Frau, mit Ausnahme der Städterinnen, geht verschleiert. In der +übrigen Lebensweise ist auch kein Unterschied, Basina, diese +Gerstenpolenta, mit stark gepfefferter Sauce bildet ebenfalls das +Nationalgericht. Auch hier haben die Nomaden gar keinen Fortschritt +gemacht, wie zur Zeit der Rebecca geht noch heute das Weib mit dem Kruge +zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, wie zur Zeit Abrahams pflügt der Mann +noch mit demselben Pfluge, ohne dass er sich Mühe gegeben hätte, einen +besseren kennen zu lernen. Auf dem Boden hockend essen heute noch alle mit +den Fingern aus Einer Schüssel, wie Jesus Christus mit seinen Jüngern. +Etwas haben die Snussi indess für gute Sitte durch strengere Beobachtungen +der mohammedanischen Vorschriften gesorgt. Früher z.B. war es bei einigen +Stämmen Sitte, dass ein verheiratheter Mann einem Fremden seine Frau +anbot, heute würde man vergeblich in ganz Cyrenaica eine Tribus suchen, wo +eine solche Unsitte herrschte. Aber Lesen und Schreiben ist nirgends +bekannt, wie denn überhaupt auf dem Lande nirgends eine Medressa oder +Schule besteht, und auch die Sauya, welche die Snussi angelegt haben, +keine Schulen unterhalten. + +Nach ziemlich sicheren Abschätzungen, vom französischen Consulate in +Bengasi mitgetheilt, stellen die Gesammtstämme von der grossen Syrte an +gerechnet (Mündung des Fareg) bis zur ägyptischen Grenze 72,000 bewaffnete +Fussgänger und 3500 Cavaliere, danach könnte man die Gesammtbevölkerung +von Cyrenaica auf circa 302,000 Einwohner anschlagen. Hiervon bilden die +Auergehr den bedeutendsten Stamm, ihre verschiedenen Sippen stellen mehr +als 10,000 Fussgänger und fast 1000 Reiter, die Brassa zählen mit 3500 +Fussgänger und 500 Cavalieren, die Abidat mit 5890 Fussgänger und 350 +Reiter, die ailet[7] Ali 4600 Fussgänger und 225 Reiter, die Sauya 2100 +Fussgänger, 75 Reiter etc. + +Nach den neuesten Nachrichten[8] ist von der türkischen Regierung die +Landschaft Barca als von Tripolis unabhängig in eine Mutasarefia von +Bengasi umgewandelt worden, und hat folgende Kaimmakamliks als +Unterprovinzen: 1) Djalo und Audjila, 2) Mytarba oder Adjedabia, 3) +Kaimmakamlik der Auergehr, 4) Merdj, 5) Gaigab, 6) Derna und 7) Bengasi +selbst. Höchst wahrscheinlich ist dies aber ein Irrthum, und sind die +aufgeführten Städte- und Ortsnamen nicht Kaimmakamliks, sondern Mudirats, +da diese sonst keineswegs, was Grösse und Bevölkerung anbetrifft, einem +anderen türkischen Kaimmakamlik entsprechen. Wenn deshalb Cyrenaica jetzt +direct von Constantinopel regiert wird, nicht wie bis Herbst 1869 von +Tripolis, so dürfte doch, wenn auch die Unterabtheilung die richtige ist, +die Bezeichnung als Kaimmakamlik für dieselbe zu bezweifeln sein. + +Ueber Bengasi, welches wir beschrieben haben, über das Gebiet der +Auergehr, deren Schich keinen festen Sitz hat, sondern der häufig bei +Tokra, häufig auf den Hochebenen sein Zelt aufschlägt, über Audjila, +Gaigab und Adjedabia[9], welche ebenfalls beschrieben wurden, haben wir +hier weiter nichts hinzuzufügen. + +Was Merdj anbetrifft, in südwestlicher Richtung circa 6 Stunden von +Tolmetta (Ptolemais) auf dem Hochplateau gelegen, so ist darüber gar kein +Zweifel heute, dass dieser Ort das alte Barca ist. Gegründet wurde diese +Stadt von den Libyern; als die Griechen nach Cyrene kamen, fanden sie +Barce schon fertig. Die Barcaei standen bei den Griechen besonders im Rufe +von ausgezeichneten Pferdebändigern und Wagenlenkern. Als in Cyrene selbst +Zwistigkeiten unter den Griechen ausbrachen, zog ein Theil nach Barce, und +von dieser Zeit an tritt diese Stadt als selbstständig und unabhängig in +die Reihe der Städte der Pentopolitania. Das alte Ptolemais selbst wird +ursprünglich nur als "Hafen" von Barce genannt, bis unter der Herrschaft +der Ptolemäer dieser Hafenort die eigentliche Bevölkerung von Barce +aufnimmt, und diese Stadt aus der Geschichte verschwindet. Der Name Barca, +den die Araber heute auf das ganze Land ausdehnen, kommt aber zweifelsohne +von Barce, dem heutigen Merdj her, obgleich die Eingeborenen behaupten, +diesen Ausdruck deshalb dem Lande zu geben, weil das ganze Gebiet ein +"Barca" d.h. "Segen" sei. + +Derna endlich, am nordöstlichsten in Barca gelegen, ist das alte Darnis. +Ausser Bengasi ist dies die einzige Stadt. Ungefähr mit 1500 Einwohnern +wird von hier ein ziemlich lebhafter Handel mit Malta und Creta getrieben, +die Engländer unterhalten hier sogar ein Viceconsulat. Im französischen +Kriege gegen Aegypten versuchte General Gantheaume hier eine Landung, +jedoch ohne Erfolg. Auch Nordamerika war später eine Zeitlang in Besitz +von Derna, gab aber den Ort seines schlechten Hafens wegen, oder vielmehr +weil ein solcher gar nicht vorhanden ist, wieder auf. Derna ist von den +ausgezeichnetsten Gärten umgeben: alle Producte und Früchte, die am +Mittelmeere überhaupt vorkommen, liefert die Umgegend in Hülle und Fülle. + + * * * * * + + + + +Von Cyrene über Bengasi nach Audjila. + + +Es war ein entsetzliches Wetter, als wir in der Todtenstadt unser Grab, +die Knissieh, verliessen und dann durch die Battus-Strasse die Stadt +hinaufzogen und dieser Lebewohl sagten. Wind und kalter Regen stritten +darum wer siegen sollte, da aber der Kampf aufs höchste erbittert, immer +unentschieden blieb, so hatten wir am meisten davon zu leiden. Sobald wir +aus der Umfassungsmauer heraus waren, verfolgten wir einen alten Weg, der +in südwestlicher Richtung lief, auch hie und da tief eingeschnittene +Spuren der alten Fahrzeuge zeigte, und wie alle auf die Hauptstadt +zugehenden Wege rechts und links mit Gräben eingefasst war. Die Gegend war +einförmig und einsam, obschon keineswegs der Vegetation entbehrend, und +überall zeigte sich fetter rother Thonboden. Ueber 2000' hoch war die +Kälte sehr empfindlich, und das monotone Plateau wurde nur ein Mal, eine +Stunde von Cyrene entfernt, von einem Uadi dem Isnait-Thale, welches von +S.-O. nach N.-W. streicht, unterbrochen. Nach drei Stunden erreichten wir +Safsaf, wo eine der grossartigsten Cysternen die Aufmerksamkeit des +Reisenden in Anspruch nimmt. Höchst wahrscheinlich sammelten diese +Cysternen, welche das Wasser einer ganzen Niederung aufnehmen, den Regen +für Cyrene selbst, da die um die Cysterne liegenden Ruinen nur unbedeutend +sind, also so grossartiger Reservoirs nicht bedurften. Wahrscheinlich +existirte in alten Zeiten eine Wasserleitung, um das Wasser nach der Stadt +zu führen. + +Die überdeckten Bogen der Cysterne gewährten nur auf einige Augenblicke +Schutz gegen den Regen, zudem drohten die höchsten Punkte in dem +Wasserbehälter auch überschwemmt zu werden. Wir beschlossen daher so rasch +wie möglich nach dem circa eine Stunde südwestlich davon gelegenen Gasr +Gaigab zu gehen, wo wir auf Schutz gegen das immer mehr rasende Wetter +hoffen durften. Dem Aduli war dies doppelt lieb, da er dort ganz in der +Nähe seine Zelte hatte, er also auf diese Art nach Hause kam. + +Ehe wir das Castell Gaigab, worin eine türkische Compagnie lag, +erreichten, schickte ich einen Diener voraus, um mich anzumelden und um +ein Zimmer bitten zu lassen. Und alsbald kam trotz des Regens der +Commandant des Forts uns entgegen, und zwar barfüssig, da er sagte, er +habe keine Schuhe oder Stiefeln und seine Pantoffeln seien dem Schmutze +nicht gewachsen. Wie sich später herausstellte, hatte er sein Schuhzeug +versetzt, um Schnaps kaufen zu können. Aber warum hatte der türkische +Kriegsminister ihn und die übrigen Truppen auch monatelang ohne Gage +gelassen. Unter vielen Complimenten führte der Hauptmann-Commandant, ein +kleiner dicker Mann, uns ins Fort, die Thorwache trat ins Gewehr und "Has +dur, ssalam dur"[10] rief der Wachcommandant, und freute sich wie ein +kleines Kind, mal Gelegenheit zu haben, seine Künste produciren zu können. +Von den Soldaten waren auch einige ohne Schuhe, einige sogar um ihre +Beine, sans culottes, nicht zu zeigen, hatten den langen Mantel an. + +Alsbald wurden wir dann in ein grosses Zimmer gebracht und ein tüchtiges +Kohlenfeuer rief bald unsere halb erstarrten Glieder ins Leben, auch eine +Tasse guten Kaffees war schon bereit, kurz der Hauptmann war ausser sich +vor Freude, in seiner Einsamkeit so unerwartet Gäste bekommen zu haben. + +Das Gasr Gaigab selbst, in gerader Linie nur drei Stunden S.-S.-O. von +Cyrene gelegen, ist ein regelmässiges Viereck mit vier Eckthürmen, welche +das Fort flankiren. Jede Seite der äusseren Mauer ist circa 1000' lang und +dieselben sind 25' hoch. Im Innern sind an den 3-4' dicken Mauern zugleich +die Baulichkeiten, Casernement, Officierzimmer, Küche, Arsenal und +Magazine; das Fort hat für eine Besatzung von 200 Mann immer Proviant auf +1 Jahr, auch ist hinlänglich Pulver und Kugeln vorhanden. Gegen die bloss +mit schlechten Steinschloss bewaffneten Beduinen bietet es also +hinlänglich Schutz. Auf den vier Eckthürmen stehen zudem je eine mächtige +Kanone, wahrscheinlich von einem an der Küste früher ein Mal gestrandeten +Schiffe genommen, denn das englische Wappen ist darauf, die Jahreszahl ist +aber schon abgerostet und ob dieselben überhaupt noch sehr tüchtig sind, +möchte ich sehr bezweifeln. + +Wir waren bald heimisch eingerichtet und Abends hatte ich die Ehre mit dem +Hauptmann zu speisen, gegen die Sitte der vornehmen Türken waren keine +Messer und Gabel vorhanden, jedoch Teller; um nicht unangenehm zu +berühren, legte auch ich mein Besteck, das mein Diener mir hingelegt +hatte, wieder weg, um nach Adams Manier zu essen. Als er mir aber, um den +Mund abzuwischen, sein eigenes schmutziges Taschentuch reichen wollte, +dankte ich höflichst und liess mir rasch meine Serviette reichen. Die +übrigen Officiere thaten Leporello-Dienste, durften aber nicht mit uns bei +Tische essen. Auch erlaubte nie der Capitän, dass einer der Officiere die +Gläser füllte (selbverständlich schlechter Araki) und als ich ihm im +Scherze mal zurief, den Officieren doch auch ein Glas zu geben, machte er +ein Gesicht, als ob er eine Ohrfeige bekommen hätte, und ängstlich die +Flasche, als um sie zu schützen, in die Hand nehmend, erwiederte er, sie +tränken nie. Die armen Effendi, wie gern hätten sie auch wohl ein Glas +genommen, aber wenn es dem Commandant möglich war, trotz der +Soldlosigkeit, sich Geld oder Credit für Araki zu erschwingen, so +vermochten das die übrigen Officiere doch nicht, indess rächten sie sich +nachher, denn der Hauptmann zechte so lange, bis er aus meinem Zimmer +herausgetragen werden musste, und nun liessen die beiden anderen Effendi +schnell den Rest der Flasche in ihre durstigen Kehlen verschwinden und +stellten dann die leere Flasche an die Lagerseite des sorglos, aber laut +schlafenden Commandanten. + +Wie gross war aber der Schrecken des Hauptmanns, als er am andern Morgen +erfuhr, ich besitze gar keinen Schnaps, er hatte nämlich bloss so stark +seinem Araki zugesprochen, dann auch mir einige Gläschen grossmüthigst +abgegeben, weil er hoffte, dass ich am andern Tage alles doppelt und +dreifach ersetzen würde, und nun hatte er es mit einem Frangi zu thun, der +nicht mal Araki mit sich führte. Doch ich tröstete ihn, indem ich +versprach ihm von Bengasi aus Alcohol schicken zu wollen, den ich dort als +zum Photographiren nöthig gekauft, später aber übrig behalten und dann +zurückgelassen hatte. Und sein guter Humor wurde bald ganz wieder +hergestellt, als ich ihm sagte, den Tag noch bleiben zu wollen, weil +Königs Geburtstag sei, und dass ich bei dieser Gelegenheit den Soldaten +eine kleine Festlichkeit bereiten wolle. Zugleich bat ich, unsre +norddeutsche Flagge aufs Castell hissen zu dürfen und der Hauptmann +stimmte mit Freuden ein, ja, er beorderte sogleich für Mittag Parade über +die ganze Truppe und Inspection der Baulichkeiten, und die Soldaten hatten +wohl ihr Lebtag nie so geputzt, um die Waffen glänzend zu machen und um +die neuen Uniformen, welche aus dem Magazine (wahrscheinlich hatten sie +dieselben noch nie angehabt) ausgegeben wurden, in den Stand zu setzen. +Zudem waren Abtheilungen beschäftigt, die Zimmer, Küche und alle +Räumlichkeiten zu reinigen, kurz bald nahm alles einen festlichen Anstrich +an. + +Mittags wurde denn auch die Truppe, welche im Hofe des Castells +aufgestellt worden war, feierlich inspicirt, der Hauptmann diesmal in +Pantoffeln, aber mit Säbel und Dienstzeichen versehen. Die Soldaten sahen +besser aus wie ich geglaubt hatte, alle ihre Uniformen waren neu und die +Gewehre französische Minié-Büchsen. Nachdem sodann noch die Schlafzimmer +waren besehen worden, die auch recht reinlich ausgefegt waren, aber weiter +nichts enthielten als was jedes türkische Soldatenzimmer bietet: für jeden +Mann eine Matte und einen kleinen Teppich statt eines Bettes; als endlich +Küche, Vorrathskammern u.s.w. waren besichtigt worden, hatte die +Mannschaft ihr Mittagsmahl einzunehmen. + +Ich hatte am Morgen mehrere Ziegen kaufen und durch die Soldaten +schlachten lassen, mit Reis hatten sie sich daraus ungeheure +Pillau-Schüsseln gemacht, und nachdem sie mit grosser Hast, wie lange +hatten sie wohl kein Fleisch gehabt, die Schüsseln geleert hatten, wurde +ihnen noch ein Kaffee en gros gegeben. + +Aber die Hauptfestlichkeit ging jetzt erst an: ich hatte ein Paar Dutzend +rother Fes, Taschentücher, dann kleine Geldsummen in Papier als Preise +ausgestellt, und hienach mussten die Soldaten Wettrennen, Sacklaufen und +Blindekuh spielen. Der Hauptmann-Commandant theilte die Preise aus, +nachdem er jedoch für seine Mühe, und weil er selbst als +Höchstcommandirender nicht mitlaufen konnte, von jedem Preise vorweg einen +für sich genommen hatte. Im Anfange wollte es nicht recht, wo hatte je ein +türkischer Soldat Sacklaufen gelernt, oder sonstige dergleichen Spiele +mitgemacht, als aber nur mal erst einer sich einen neuen rothen Fes +erobert hatte, wurden alle so eifrig und anstellig, dass bald jeder sein +Theil weg hatte. Aber gewiss war es spasshaft anzusehen, wie die oft +fünfzig Jahre alten Soldaten (in der Türkei dient in der Regel, wer ein +Mal Militair ist, so lange wie er die Flinte tragen kann) sich kindlich +freuten, und ebenso so grosse Freude hatten, wenn sie einen Preis bekamen, +wie bei uns die muntere Schuljugend. Gewiss werden sie nie den Tag, den +Milud des Sultans von Prussia vergessen, ihr eigener Sultan Abdul Asis +kümmert sich nicht an seinem Geburtstage um seine Truppen. Bis spät in die +Nacht hinein tanzten und sangen die Soldaten, und der Hauptmann war so +gerührt worden, dass er seine beiden Officiere, welche auch jeder einen +Baschlik (circa 8 Groschen) gewonnen hatten, gegen Baarbezahlung auf ein +Glas Araki einlud, kurz Alle waren befriedigt, und froh und müde legten +Türken und Deutsche, welche am Tage Königs Geburtstag zusammen gefeiert +hatten, da wo vielleicht einst die Siegeswagen der Battiden getummelt +waren, sich sorglos zum Schlaf nieder. + +Nachdem ich dann noch am andern Morgen die verschiedenen Quellen von +Gaigab, von denen eine unmittelbar unter der Mauer des Forts selbst +entspringt, besichtigt und gefunden hatte, dass alle Spuren antiker +Bearbeitung zeigen, sagten wir unseren türkischen Freunden Lebewohl. Der +Aduli blieb zurück, statt seiner kam jedoch sein ältester Sohn, um als +Führer zu dienen. + +Um 7½ Uhr aufbrechend, hatten wir im Allgemeinen S.-W.-R., erreichten +um 8 Uhr 20 Minuten die Quelle Lali und gleich darauf den Marabut Sidi +Sbah, wo ebenfalls eine Quelle ist. Um 9½ Uhr waren wir bei der Quelle +Djebarah, und liessen um 10 Uhr die Sauya-Faidia etwas nördlich von uns +liegen. Wir befanden uns immer auf einem grossgewellten, jedoch niedrigen +Hügellande, und gerade auf der Wasserscheide des Mittelmeeres und der +Sahara. So passirten wir um 12 Uhr 20 Minuten das uadi Feria, das ins +Mittelmeer und gleich darauf das uadi Tebiabo, das in die Sahara +abfliesst. Zwischen beiden erreichten wir die grösste Höhe 909 M., obschon +andere Berge und Hügel seitwärts vom Wege noch 100-150 M. höher sind[11]. +Die Gegend ist nicht bewaldet, aber trotzdem nicht ganz von Bäumen +entblösst, und der fette rothe Boden Veranlassung zur üppigsten Vegetation +der Blumen, namentlich gedeiht hier die Drias-Pflanze häufig und kräftig. +Aber Bewohner sieht man nirgends, nur da, wo Fels zu Tage liegt, wie +überall weicher Kalkstein, mahnen die tiefeingeschnittenen Räderspuren der +Wagen der Alten, wie stark auch dieser höchste Kamm von Cyrenaica einst +frequentirt war. Die Gegend selbst wird als Weidegrund der Brassa, eines +der bedeutendsten Nomadenvölker vom heutigen Barca, genannt. Um 4 Uhr 15 +Minuten schlugen wir Lager bei einer Oertlichkeit, Namens Slantia, wo +zahlreiche Höhlen, theils natürliche, theils künstliche, einen Sitz der +alten libyschen Ureinwohner zeigen. + +Am folgenden Tag hielten wir zuerst südlich, dann südwestlich und zuletzt +ganz westlich[12]. Die Gegend ist sehr waldig, namentlich stark mit +Wachholder bestanden, die Abdachung geht nur der Wüste zu, und überall +sieht man die Ruinen alter römischer Burgen. Dies Land ist gleichfalls den +Brassa eigen, obschon es ganz wie ausgestorben ist. Bei dem Castell Sira +el gedim stiessen wir wieder auf zahlreiche Höhlen libyscher Troglodyten, +und Nachmittags um 2 Uhr erreichten wir den scharf prononcirten Abfall des +Hochplateaus, und gelangten mittelst des uadi Farat in die grosse Ebene el +Chi[=e]. Die Drias hört nun auf, wie überhaupt hier eine ganz andere +Vegetation auftritt, namentlich ist es die Schih (artemisia), die uns hier +zum ersten Male entgegentritt, und an die nahe Wüste erinnert. Wir +campirten Nachmittags in einem Kessel, Namens Maraua, wo auch Felshöhlen +der alten Libyer zahlreich vorhanden sind. Sehr eigenthümlich sind +manchmal Reste von Mauern, welche ein Thal quer durchschneiden, dann +wieder grosse viereckige Mauerreste, welche aber keine Wohnungen gewesen +zu sein scheinen, vielmehr wohl dazu dienten, um Nachts das Vieh +aufzunehmen als Schutz gegen die wilden Thiere. Wasser findet sich auf der +ganzen Strecke von Sirah nach Maraua nicht. + +Bei Maraua hat die el Chi[=e]-Ebene eine Tiefe von 508 M., sie ist +einförmig, aber äusserst fruchtbar und die zahlreichen Ruinen der alten +Castells deuten auf ehemalige starke Bevölkerung. In der Mitte, wo die +Chi[=e]-Ebene von einem nach Süden strömenden uadi Gedede unterbrochen +wird, hat sie 450 Meter, nach Westen kommt man dann auf den Höhenzug, der +Schad ben Medja genannt wird und gut mit Wachholder bestanden ist. Von +hier an gehört das Land den uled Abid, und das nun vor einem aufsteigende +Gebirge führt auch den Namen djebel Abid. Es ist mit Wachholder und Thuya +so reichlich bewachsen, wie die schönsten Districte der Cyrenaica und +wetteifert an Fruchtbarkeit mit der duftenden el Chi[=e]-Ebene. Aber auch +hier sieht man keine Einwohner, nur selten mal eine Heerde, und selbst +Wild scheint zu fehlen. Erst bei den Brunnenlöchern von Djerdes, die +wieder 640 Meter hoch liegen, stösst man auf Abid-Triben und gut angebaute +Felder. Auch finden sich hier Höhlen alter libyscher Stämme. + +Obschon die Abid zu den berüchtigsten Räubern der Cyrenaica gehören, so +kamen wir doch gut mit ihnen aus, zudem waren wir sehr auf unserer Hut. +Als wir bei Djerdes lagerten, sank morgens das Thermometer vor +Sonnenaufgang auf -2°. + +Die Gegend blieb am folgenden Tage[13] im Anfange im Gebirge gleich gut +bewaldet und später in der Ebelerhar-Ebene, fanden wir diese bedeutend +krautreicher als die Chi[=e]-Ebene. Abends lagerten wir bei den +Wasserlöchern von Biar (Pl. von Bir-Brunnen) und fanden dort herum +zahlreiche Freg der Auergehr, überhaupt war den ganzen Tag hindurch die +Gegend nicht nur reicher an Vegetation, sondern auch besser bevölkert. Die +Auergehr bekümmerten sich so wenig um uns, wie wir um sie, in der Nähe +eines kleinen Marabuts schlugen wir Zelte. Die Brunnenlöcher von Biar +liegen 320 Meter hoch. + +Nachts wurde einem meiner Neger sein Geld, welches derselbe in sein +Schnupftuch gebunden hatte, gestohlen. Da es nur einer der anderen Diener +genommen haben konnte, so liess ich alle auskleiden, ohne dass wir etwas +entdecken konnten, auch schwuren alle die grässlichsten Eide, in Gegenwart +des Grabes des Marabut und beim Haupte Mohammeds und Sidi Snussi's. Und +vor allen Dingen zeichnete sich ein ehemaliger österreichischer Kavass von +Tripolis, Herr Hammed Bimbaschi, aus, laut rufend, sein Vater und er solle +ewig brennen, wenn er das Geld habe. Aber schon zwei Tage später fand sich +das Geld bei ihm vor, er hatte sich in Bengasi durch Einkäufe verrathen, +und musste dann in Folge davon Bekanntschaft mit dem türkischen Gefängniss +machen. Als ich später Bengasi verliess, bekam er seine Freiheit wieder, +Meineid und Diebstahl, namentlich gegen einen eben erst freigewordenen +Sklaven begangen, werden in diesen Ländern nicht sonderlich beachtet. + +Den letzten Tag blieben wir von Biar noch 3 Stunden in S.-W.-R. in dieser +krautreichen Ebene, und kamen dann an das eine Stunde breite Gebirge, +welches nur 100 Meter hoch den Rand der Ebene, der ersten Terrasse bildet. +Mittelst des Fuhm el Fedj, eines Engpasses, stiegen wir dann in die +Meeresebene hinab, vorbei bei dem vulcanartig aussehenden Berg Basina +(Name einer Mehlspeise, die puddingförmig aufgetischt wird) und erreichten +von hier an nach 4 Stunden in reiner westlicher Richtung Bengasi. Die +Ebene hier ist nicht sehr fruchtbar, der Fels liegt fast überall zu Tage. +Dass aber die röthliche Erde einst dicker gelegen hat, beweisen die +überaus zahlreichen Ruinen von Dörfern, Häusern und Gehöften, und trotz +der heutigen Unfruchtbarkeit dieser Ebene ist es höchst wahrscheinlich, +dass diese Fläche einst die berühmten Gärten der Hesperiden bildete. + +Wir hatten in Bengasi einen fünftägigen Aufenthalt, welcher indess auch +sehr nöthig war, um uns neu zu organisiren und auszurüsten. Bis auf meinen +deutschen Diener Wetzel aus Bamberg und dem freigelassenen Neger Bu-Bekr +trat eine vollkommene Veränderung im Personal ein. Den Photograph aus +Berlin sah ich mich genöthigt nun wirklich fortzuschicken, ich hatte ihn +in Tripolis schon einmal entlassen, mich aber dennoch bewegen lassen ihn +wieder zu nehmen, aber in den letzten Tagen in Cyrene benahm er sich so +unumgänglich, dass ich diese Gelegenheit seiner los zu werden, nicht +versäumte. Der österreichische Cavas Hammed wurde eingesperrt, noch andere +verliessen den Dienst. Dafür machte ich dann aber die werthvolle +Acquisition des alten ehemaligen Dieners Mohammed Staui, der sich dicht +bei Bengasi als Landmiether niedergelassen hatte. Den alten geizigen Staui +hätte ich nur in Cyrenaica selbst haben sollen, sein Geiz wäre mir dort +gut zu Statten gekommen gegen die unverschämten Prellereien des Aduli, +gegen die Diebereien des Cavassen und der anderen Diener, welche es so +weit trieben, dass sie unter der Hand eines Tages einen ganzen Schlauch +Butter verkauft hatten. Dann bekam ich noch einen anderen weggelaufenen +Neger, ich glaube Ali rief man ihn, einen wahren Goldjungen. Aus Sella her +seinem Herrn entsprungen, hatte er mit diesem Räuberhandwerk getrieben, +und die weitesten Streifzüge, südlich bis Tragen und Wau, östlich bis zum +Ammonium nach dem Norden zu bis zur Küste an der Syrte gemacht. In dieser +ganzen weiten Strecke kannte er Schritt und Tritt. Bei einer +Beutevertheilung hatte er sich mit seinem alten Herrn entzweit, war nach +Bengasi aufs englische Consulat geflüchtet, wo ich ihn vorfand und in +meine Dienste nahm. Er war jetzt von glühender Begier für Freiheit +erfasst, wollte Skendria und Masser[14] kennen lernen, und wie konnte er +es besser durchführen, als wenn er mich begleitete. Wir wurden denn auch +bald handelseinig, und er war jedenfalls der nützlichste aller Diener, in +Packen und Behandlung der Kameele war er unübertrefflich, sogar besser als +der Gatroner, da er ein junger Bursche von 25 Jahren war. Dabei hatte er +das heiterste Gemüth von der Welt, fortwährend singend, unterliess er +diese Beschäftigung nur um zu plaudern und zu necken, oder allenfalls um +mit dem in Amerika zum halben Zweifler gewordenen Staui einen religiösen +Discurs anzufangen, der gemeiniglich mit Staui's Niederlage endete, worauf +dieser sich dann verächtlich zu uns wandte: "nigger great donkey." Ali +hatte aber eine verhältnissmässig gute religiöse Erziehung gehabt, er war +sogar eine Zeitlang in der berühmten Sauya Sarabub, dem Hauptorte der +Snussi, gewesen. + +Wir waren natürlich wieder in Bengasi auf dem englischen Consulate, und +mit den Einkäufen verging rasch die Zeit. Namentlich musste eine grosse +Zahl von Schläuchen gekauft werden, wir brauchten derer nicht weniger als +12, endlich andere Provision, Mehl, Zwieback, Oel, Butter, Datteln, +Zucker, Kaffee und Thee, auch in Fett eingekochtes Fleisch, Stockfische +u. dgl. wurde eingekauft. + +Am 3. April Morgens 10 Uhr verliessen wir dann die Stadt in Begleitung des +englischen und französischen Consuls. Das Wetter war trübe, so dass wir +die Berge nicht sehen konnten, unsere Richtung war 160°. Bald stiess dann +noch ein Reiter zu Kameel zu uns, ein Diener des Mudirs von Audjila, der +die Gelegenheit benutzen wollte, in Karawane zurückzukehren. Er erwies +sich später äusserst nützlich, da er des Weges sehr kundig war, was ich +von dem eigens gemietheten halbblinden Führer Hammed Uadjili nicht sagen +konnte. + +Schon nach 2½ Stunden durch fruchtbares Land dahin reitend, machten wir +beim Brunnen Choëbea Halt, verzehrten gemeinschaftlich ein Frühstück, +tranken eine letzte Flasche Wein, eine letzte Flasche Ale, und unsere +freundlichen Begleiter kehrten nach Bengasi zurück, während wir südwärts +den Weg weiter zogen. Derselbe bleibt einförmig, obschon der Boden +fruchtbar ist, zum Theil cultivirt wird, zum Theil krautreiche, zu dieser +Jahreszeit von Blumen bunte Wiesengründe hat, Freg sind nur spärlich +vorhanden. Wir setzten nur noch 2 Stunden den Weg so fort und lagerten +inmitten eines weiten Ruinenfeldes unter dem Schutze eines kleinen +Castells. Es scheinen hier mehr ländliche, weit zerstreut liegende +Wohnungen gewesen zu sein, als bestimmte Orte, wenigstens finden wir in so +unmittelbarer Nähe von Berenice keinen erwähnt. Das Castell, recht gut +erhalten, aber klein, diente zum Schutze der Landbewohner und speciell +hier noch wohl zum Schutze der Küste. + +Am folgenden Tage brachen wir früh auf und hielten 150° R. Auch an dem +Tage war die Gegend überaus ruinenreich, und auch hier traten alle +Augenblicke grosse Einhegungen von Steinen entgegen, von denen manchmal +aber nur noch die unterste Steinreihe erhalten ist. Der Boden bleibt ein +gleich fruchtbarer röthlicher Humus, ist überall bis zu den Bergen gleich +culturfähig, sehr krautreich aber wenig mit Buschwerk bestanden. Die Berge +sind sichtbar, aber je weiter man nach Süden kommt, je mehr zieht sich das +Ufer des Hochplateaus nach Südosten zurück. Die Gegend ist hier besser +bevölkert, denn irgendwo in Cyrenaica, meist sind es Freg der Mschitat und +Auergehr, welche rechts und links vom Wege aufgeschlagen sind. +Eigenthümlich wie die Alten genau die Oertlichkeit erkannt haben müssen, +wo sie Wasser zu finden glaubten. Denn ein blosser Zufall liess sie wohl +nicht jene Kalkplatten durchbohren um dann nach 25-30' und oft noch tiefer +auf Wasser, zu stossen. Und dass sie von den Alten angelegt worden sind, +geht aus der ganzen Construction derselben hervor, warum aber gruben sie +nicht an anderen Stellen nach Wasser? wahrscheinlich weil sie aus +Erfahrung wussten, dass unter Kalkfelsen am ersten Wasser zu finden sei. +Wir lagerten Abends in der Nähe von zahlreichen Freg, ohne indess mit den +Insassen in Berührung zu treten[15]. Auch am folgenden Tage[16] hat die +Gegend noch denselben fruchtbaren aber wenig bebauten Charakter, die Freg +werden südlich von den ailet Feres bewohnt und gegen Abend, wo wir der +Syrte so nahe sind, dass wir die Brandung derselben hörten, lagerten wir +zwischen Schih- und Halfa-Vegetation, waren also bis zum Uebergange der +Wüste gekommen. + +Je weiter man nach Süden kommt[17], je spärlicher wird die Vegetation und +Bevölkerung, fast nur Halfa und Schih zeigen sich noch, alle Brunnen haben +noch denselben Bautypus, d.h. sind nicht in das Erdreich getrieben, +sondern da, wo Kalkfelsen zu Tage liegt, hindurch gebohrt. Beim bir +Schimmach nun rechnen die Araber die Grenze von Barca el hamra, dem rothen +Cyrenaica und was von hier an südlich liegt, heissen sie Barca el beida, +das weisse Cyrenaica. Hauptsächliches Unterscheidungszeichen bildet der +Boden selbst, denn nördlich vom Brunnen ist röthlicher Humus, südlich +davon weisslicher Sandboden. + +Auch jetzt hatten wir immer mit schlechtem Wetter[18] zu kämpfen, heisse +Stunden wechselten mit kalten und stürmischen und namentlich waren die +Nächte rauh. In Schadábia verweilten wir einen Tag. Es ist hier die +grösste Ruine zwischen Bengasi und Audjila, und das Fort noch recht gut +erhalten. Wie alle von viereckiger Form, und mit flankirenden Thürmen +versehen, besteht der Bau aus grossen Quadern, durch Fels getriebene +Brunnen mit ausgezeichnetem Wasser (es ist dies das letzte süsse bis zur +Ammonsoase) sind ganz in der Nähe. Ich glaube man kann in Schadábia das +alte Automalax[19] erblicken, wenigstens stimmen Oertlichkeit und +Entfernung von Berenice. Es ist dies nach Süden zu der letzte bewohnte +Ort, und heute eine berühmte Sauya der Mádani, deren Chef Mohammed el +Mádani in Mesurata begraben liegt. Wie diese Brüderschaft eine der +tolerantesten ist, so zeigte sich auch der Vorsteher von Schadábia +äusserst liebenswürdig und ohne fanatischen Dünkel. Er warnte wiederholt +(auf Beurmann hinweisend, der indess gar nichts mit den Snussi zu thun +gehabt hat) vor den Snussi, vor den Bewohnern von Audjila und Siuah, +meinte aber, hier solle ich nur ruhig campiren, da wo eine Sauya der +Mádani sei, habe Niemand etwas zu fürchten. Aber trotzdem und trotz seiner +guten Rathschläge, unterliess ich es doch nicht Nachts Wachen auszustellen +und den Thieren überdies wie immer ihre Eisen anlegen zu lassen. Mein +armer Esel war nun fast reitunfähig geworden, die heissen Winde hatten ihn +vom Esel auf den Hund gebracht. + +Von Schadábia aus, legten wir am 8. April die ersten zwei Stunden südlich +zu West zurück bis zur merkwürdigen Burg Henéa[20]. Offenbar ist dies +weder ein griechisches noch römisches Bauwerk, sondern libyschen +Ursprungs. Zu ebener Erde gelegen, ist diese Burg der Art angelegt +(ähnlich wie die monolithischen Kirchen von Lalibala in Abessinien), dass +man zum Graben derselben den Fels ausgehoben hat, und den als einzigen +Block inwendig stehen gebliebenen Felsen zur Burg verarbeitet hatte. Die +contreescarpirten Wände des tiefen 20' breiten Grabens haben Gänge und +Kasematten, sämmtlich wie neu und ausgezeichnet erhalten. Unterirdisch +stehen diese mit der Block-Burg zusammen. Diese enthält vollkommen gute +erhaltene Abtheilungen. Alles aus einem Steine gehauen, durchwandelt man +lange breite Gänge, mit Krippen ebenfalls aus Stein, Beweis, dass in +dieser eigenthümlichen Burg sogar Pferde waren, andere kleine Zimmer und +grosse Säle münden auf die Gänge. Nur ein einziger sanft ablaufender +Zugang führt, die Contreescarpe durchschneidend, in den Graben, die +Hauptöffnung des Blocks befindet sich aber auf der entgegengesetzten Seite +der Burg. Die ganze Contreescarpe, die unterirdisch, wie gesagt, mit dem +Block communicirt, konnte den Graben durch Felslöcher vertheidigen. Gewiss +eins der bemerkenswerthesten Baudenkmäler alter Fortification. + +Von hier an gingen wir selben Tages noch fünf Stunden S.-S.-O. weiter, +passirten nach zwei Stunden den Tafra-Brunnen, der wie alle folgenden +Bitterwasser hat, liessen nach etwa einer Stunde den vereinzelten Hügel +Karassa, der als Allem oder Wegweiser dient, liegen und lagerten Abends am +Chor-Shofan. Die sehr schwache Bevölkerung wird von den uled Schich und +den Schibli gebildet. Die Vegetation hört fast ganz auf, in der That +hatten wir mit Chor-Shofan die Grenze des Mittelmeer-Niederschlags +erreicht, der Floh hört auf der beständige Begleiter des Menschen zu sein. +Wie mit Zauber ist er verschwunden, heute wird man noch von ihm gequält, +morgen hat er uns verlassen. Die Araber sagten zwar, anderes Ungeziefer +würde auch das Weite suchen, aber ich wusste aus langer Erfahrung, dass +die noch lästigeren Collegen des Floh die Wüste, den Samum, die trockne +Hitze nicht scheuen. Im Gegentheil! Vom Chor-Shofan fängt dann nun auch +die Sahara an. + +Auch am folgenden Tage hielten wir S.-S.-O.-R., und um 6 Uhr Morgens +aufbrechend, brachte uns der Allem (Wegweiser) el Dürr auf den vom Brunnen +Alaya kommenden Weg. Und eine Stunde Frühstücksrast abgerechnet, +durchschritten wir um 2 Uhr den ned Fareg. Es ist dies eigentlich kein +Thal oder Flussbett, sondern eine von Westen nach Osten streichende +Einsenkung ohne Abdachung. Nach Westen geht die Fareg-Einsenkung drei +Tagemärsche weit bis zum Ras el ain el kebrit, und zwei Tagemärsche vom +Punkt, wo wir Fareg passirten nach Osten; da wo wir die Einsenkung +passirten, liegt der Brunnen Besseria[21]. Das südliche Ufer vom Fareg +heisst Diffa el uadi (Gastmahl des Thales) und eine Menge Steinhaufen, +Bu-Sfar genannt, sind zum Andenken für die errichtet, welche sich dem +Gebrauche hier ein Extraessen zu geben, entzogen. Solche Steinhaufen, +welche Gräber vorstellen sollen, findet man an gewissen Stellen in der +ganzen Sahara. An solchen Stellen muss nämlich ein des Weges zum _ersten_ +Male durchziehender, seinen Cameraden, welche die Reise schon gemacht +haben, einen Extraschmaus geben, thut er es nicht, so errichtet man ihm +einen Steinhaufen, ein Grab, zum Zeichen seines Geizes. Da nun aber solche +Stellen sehr häufig vorkommen, so hatte ich ein für allemal die Gewohnheit +mich begraben zu lassen und legte zuerst gewöhnlich den Stein; ausser +unserem Führer, dem Diener des Mudir von Audjila und meinem Neger Bu-Bekr, +hatte Niemand von uns den Weg zurückgelegt, wir liessen uns also alle +begraben, wie auch später noch öfter. Gleich hinter Fareg fängt eine +Sserir an, Namens Thuil (die lange), dort lagerten wir fünf Uhr Abends. + +Am 10. April erreichten wir in südsüdöstlicher Richtung nach einem +sechsstündigen Marsche über die Sserir Thuil die grosse von Westen +kommende Einsenkung des Bir Ressam. Wo diese im Westen ihren Anfang nimmt, +war von meinen Leuten nicht zu ermitteln, vielleicht geht sie bis dicht an +die Syrte, vielleicht nach Ain kibrit, und ist somit im Zusammenhange mit +Fareg. Der Brunnen selbst hat abscheuliches Wasser, die Kameele trinken es +jedoch, einige Palmbüsche sind in der Nähe, und die Ruinen des Gasr +Shahabi deuten auf eine einstige Besiedelung. Die Einsenkung zeichnet sich +durch zahlreiche Versteinerungen, Muscheln etc. aus, oft sieht man ganze +Baumstämme auf dem Boden liegen, meist in Flintstein verwandelt. Palmen +und Lentisken sind es besonders, die ehemals die Vegetation bildeten, von +der jetzt nur die steinernen Formen übrig geblieben sind. Lebende +Vegetation ist in dieser Einsenkung durch Belbel, Domrahn und Rherrhek +vertreten, letzteres ein Busch; der in der Süd-Sahara unter dem Namen Suak +bekannt ist. Die Ressam-Einsenkung ist 100 Meter tiefer als das Mittelmeer +(am Brunnen das Barometer auf 772 M.M. = -104 Meter). Den tiefsten Punkt +erreichten wir Abends bei Gor-n-nus (am Lagerplatz ergab das Barometer +Abends 772, Morgens 773, um 9 Uhr Morgens 772, erreichte also circa 107 M. +Tiefe). An dem Tage hatten wir 12 Stunden zurückgelegt. + +Auch am folgenden Tage behielten wir diese Richtung von früher und +marschirten in der Depression weiter, um 6 Uhr aufbrechend, sendete die +Einsenkung um 7 Uhr einen ebenso breiten Arm nach dem circa 6 Stunden +entfernten Gor Mschirk ab. Um 9 Uhr passirten wir den ebenfalls +Bitterwasser haltenden Brunnen Marak und stiessen auf zwei grosse von +Audjila kommende Sklavenkarawanen, die nach Bengasi zogen. Das Land +ausserhalb der Einsenkung ist grossgewellt, und grobkörniger Sandboden, +manchmal mit bunten Kieselchen bestreut, und nicht ganz ohne alle +Vegetation. Nachmittags 2 Uhr bemerkten wir östlich von uns den Dj. +Beddafar circa 4 Stunden entfernt. Die nach S.-O. ziehende Depression +hatten wir Mittags schon verlassen, und lagerten Abends 5 Uhr bei Gor +meschtefar schirgia. + +Der darauf folgende Tag, ein zwölfstündiger Marsch, über eine durch nichts +unterbrochene grossgewellte, grobkörnige Sandebene, war der langweiligste +und einförmigste von allen, nur zweimal wird diese wüste Ebene durch zwei +Allem (Wegweiser) unterbrochen. Unsere Richtung war immer die gleiche, wie +an den vorherigen Tagen. Ebenso unerquicklich war der letzte Tag, der +Führer war zudem auf dem Kameele eingeschlafen und wir hatten eine ganze +Zeitlang die Richtung verloren, bis wir endlich durch den Stand der Sonne +aufmerksam darauf gemacht wurden. + + * * * * * + + + + +Audjila und Djalo. + + +Es war gegen Abend des elften Tages, als wir die Oase erreichten. Schon +einige Stunden vorher hatten wir wie eine schwarze Linie am Horizont die +hohen Palmen derselben erblickt, und die Kameele, welche seit Bir-Ressam +nicht getrunken hatten, beschleunigten den Marsch, sobald sie die Palmen +hatten auftauchen gesehen. Je näher wir kamen, desto schöner wurde der +Anblick; links vor uns, wo bedeutende Sebcha sich ausdehnten, spiegelten +sich die Palmen als wie auf einer Silberfläche, davor schlug die Luft +grosse Wellen, so dass man oft ein bewegtes Meer zu sehen glaubte. Dann +kamen wir an den röthlich-braunen Sebcha, der, von der untergehenden Sonne +beleuchtet, einen eigenthümlichen Contrast mit der weissen Sandfläche +davor, mit den grünen Palmen dahinter bildete. So hat auch die Wüste ihre +Schönheit, und in solchem Augenblick konnte ich es begreifen, wenn St. +John, als er von der Wüste Abschied nahm, sein Buch mit den Worten +schloss: + + "Oh! that the desert were my dwelling-place + with one fair spirit for my minister!" + +Den ganzen Tag abwechselnd zu Kameel und Esel, war ich abgesprungen, +sobald wir den Sebcha erreicht hatten, durch den nur ein schmaler Pfad +sich hinschlängelt, während rechts und links Salzmoräste liegen, mit einer +dünnen Kruste bedeckt. Es war also die grösste Vorsicht nöthig, um die +Kameele hindurchzuführen, denn ein beladenes Kameel wäre bei einem +Seitentritt gleich versunken. Alle kamen gut durch, nur der alte Esel, der +von weitem einige Ya seiner Brüder vernommen hatte, Musik, welche für +seine langen Ohren verlockend sein musste, wollte in seiner Ungeduld vom +Wege ab, aber schon beim ersten Schritt sass er fest. Nur mit Mühe konnten +ihn die Leute wieder flott kriegen, aber herausgezogen, ging er dann +geduldig und nachdenkend hinter der langen Colonne von Kameelen einher. + +Es war schon ganz dunkel, als wir den eigentlichen Palmwald erreichten, +nachdem wir schon eine Zeitlang zwischen Had (Cornulaca monacantha +Delile), Belbel (Anabasis articulata) und Domran (Traganum nudatum), den +ersten Vorboten der Vegetation, hinmarschirt waren. Das Aufziehen des +Wassers aus den Brunnen verrieth uns, dass wir jetzt zwischen Gärten +waren, denn es war nun so dunkel geworden unter den Palmen, dass wir nur +noch den Weg unterscheiden konnten. Aber bald hatten wir den Lagerplatz +erreicht und fanden schon eine andere Karawane vor, die von Djalo gekommen +nach Bengasi wollte. Zwischen Tamarisken, in der Nähe der Quelle Sibilleh, +der einzigen der ganzen Oase, schlugen wir unsere Zelte auf, umringt von +vielen Neugierigen, die sich nach vielen Ssalamat nach den Neuigkeiten und +Preisen in Bengasi erkundigten. + +Ich schickte gleich einen Theil der Leute mit den Kameelen zur Quelle, um +diese abtränken zu lassen und um uns einen Schlauch frischen süssen +Wassers zu füllen, die anderen schlugen rasch die Zelte auf, einer +beschäftigte sich mit der Küche, und noch ein anderer war mit den +Bewohnern in Unterhandlung getreten, um Hühner, Eier und Zwiebeln zu +kaufen. Obgleich spät angekommen, hatte sich die ganze Einwohnerschaft um +unsere Zelte versammelt, jedoch ging alles recht anständig zu, und war von +Zudringlichkeit oder Schimpfen keine Rede. Als ich später noch heraustrat, +die etwas zerstreut stehenden Kisten und anderen Gegenstände +zusammenstellen liess, und meinen Leuten empfahl wegen etwaiger Diebe sich +Nachts dicht daneben zu legen, trat einer der Einwohner heran und meinte, +alles könne stehen und liegen bleiben wie es wäre, hier sei nicht Barca, +Diebe gäbe es in Audjila nicht, und die Leute sollten nur ruhig schlafen, +ohne Wache zu halten. Unser alter Führer bestätigte diess auch und sagte +er wolle mit seinem Kopfe haften, wenn irgend etwas abhanden käme. So +konnten wir uns denn einmal wieder einem sorglosen Schlaf hingeben, zumal +der alte Staui immer nur halb schlief; auch die Kameele und Esel bekamen +keine Fusseisen, was sonst immer geschehen war. + +Die Oasengruppe besteht aus drei durch Sserir getrennten Inseln, im Westen +Audjila, in der Mitte Djalo[22], im Osten Uadi, dessen Verlängerung im +Süden Batofl ist. Djalo liegt nach Moriz v. Beurmann auf 21° 23' 4" ö. L. +v. Gr. und 29° 0' 40" n. Br. Die später aus den Berichten Beurmanns an +Prof. Bruhns in Leipzig von diesem gemachten Berechnungen bedürfen einer +Revision. Der ganze Oasencomplex fällt nach der zehnblättrigen Karte der +Petermann'schen Mittheilungen zwischen 29° und 29° 30' n. Br. und circa +21° 50' und 22° 30' ö. L. v. Gr. + +Die Lage der einzelnen Oasen zu sich selbst ist derart, dass Audjila im +Westen gelegen, halbmondartig von N.-N.-O. nach S.-S.-W. gestreckt ist, +und seine convexe Seite, nach Osten gerichtet, durch eine vier bis fünf +Stunden breite Sserir von Djalo getrennt wird, welches länglich gestreckt +ist und seine Längsachse von N.-W. nach S.-O. gerichtet hat. Die +Nordwestspitze von Djalo ist demnach auch nur drei Stunden von Audjila +entfernt. Uadi, höchst wahrscheinlich eine Fortsetzung von Uadi el Ressam +und Mareg, zieht sich ebenfalls in einem grossen Bogen, dessen convexe +Seite nach Osten gerichtet ist, hin, und verbreitert sich südlich zur Oase +Batofl, so dass der Ort Batofl fast südlich, etwas zu Ost, unter Djalo zu +liegen kommt. Tiefer als das Meer gelegen, etwa 51 Meter, ist Audjila von +Sserir und röthlichen Sanddünen umgeben, denen jede Spur von Vegetation +abgeht. In der Oase selbst ist der Boden gypsartig, sobald man eine +Schicht von einigen Fuss Sand durchdrungen hat. Die Länge von Audjila +beträgt circa drei deutsche Meilen, der nördlichste Theil ist indess nicht +bewohnt; die Breite ist verhältnissmässig gering, eine Stunde nördlich von +Audjila, wo die Oase am breitesten ist, circa ¼ deutsche Meile. + +Djalo, ebenfalls von Sserir umgeben, und etwa 30 Meter tiefer als das +mittelländische Meer, hat eine S-förmig gewundene Gestalt, die Länge +beträgt ebenfalls circa drei deutsche Meilen, die Breite jedoch in der +Mitte erreicht 1½ deutsche Meilen, und fast bis zum Südende bleibt sie +dieselbe. Das Terrain in Djalo ist bedeutend salzhaltiger, die Oase im +Innern an vielen Stellen von Dünen durchsetzt, das Wasser ist so +brackisch, dass die reichen Leute zum Trinken ihren Bedarf in Uadi holen +lassen. In Leschkerreh sind die Bodenverhältnisse dieselben, das Wasser +ist dort süss, ebenso in Batofl, welches guten Gartenboden und +ausgezeichnetes Trinkwasser hat. + +Diese Oasengruppe, den Alten unter dem Namen Augila ([griechisch: ta +Augila]) bekannt, scheint in den ältesten Zeiten keine festen Bewohner +gehabt zu haben. Herodot überliefert uns, dass die an der Syrte +herumnomadisirenden Nasomonen alljährlich nach Audjila zögen, um im Herbst +die Datteln einzuheimsen. Derselbe erwähnt ferner nur eine Quelle, und in +der That ist auch nur eine vorhanden, Sibilléh. Auch die Beschreibung des +salzhaltigen Bodens trifft zu, wenn auch die Erwähnung eines einzigen Hügels +nicht passt, da in Audjila sowohl wie in Djalo viele Hügel sind, welche aber +als Neulinge oder Dünen auch nach Herodots Zeit entstanden sein können. Die +Entfernung von der Ammon-Oase giebt Herodot auf zehn Tagemärsche an, und +eben so weit bis zu den Ländern der Garamanten. Wir brauchen deshalb die +Angabe des Plinius nicht für falsch zu halten, der die letzte Entfernung +auf zwölf Tagemärsche angiebt. + +Später scheinen sich libysche Stämme in Audjila festgesetzt zu haben, +obgleich der Cultus der Sterne dort nicht eingebürgert gewesen zu sein +scheint. Ueberdies wissen wir auch von den Nasomonen, dass diese mit ihren +Todten und auf den Gräbern derselben feierliche Handlungen vornahmen. Um +so leichter wurden sie dann später geneigt, als sie sich in Audjila +fixirten, den Cultus der Ammonier anzunehmen. Pomponius Mela erzählt uns +von ihrem Manendienst, welche Manen sie wie Orakel zu consultiren +pflegten, sie schliefen, sagt er, oft auf den Gräbern ihrer Anverwandten, +und legten die Träume als eine Antwort aus. Dass übrigens der Ammondienst +später dort herrschte, geht aus Procopius hervor, der das eigentliche +Ammonium unter dem Namen eines doppelten, zwiefachen Augila begreift, und +sagt, bei beiden seien Heidentempel und Priester gewesen, welche von +Justinian in Kirchen und Christen umgewandelt worden wären. + +Unter den Römern scheint ein Castell zum Schutze der Karawanen in Audjila +gewesen zu sein; Leo im 15. Jahrhundert will dort noch Schlösser gesehen +haben, und Pacho spricht auch noch von Backsteinüberresten, welche er aber +auf libyschen Ursprung zurückführen zu müssen glaubt. Hamilton erwähnt nur +vieler Topfscherben, ich selbst konnte auch nichts weiter finden, und +diese können ebenso gut neuesten wie ältesten Datums sein. Dapper kennt +die Oase im Anfange des 17. Jahrhunderts unter dem Namen Augele. + +Wenn von Pacho noch ein unterirdisches Gebäude erwähnt wird, welches er in +Djalo gesehen haben will, und er auch in seinem Atlas Abbildungen einer +dort vorgefundenen Säule und eines Steines giebt, so konnte schon Hamilton +nichts davon entdecken, Beurmann erwähnt die Sache gar nicht, und ich +selbst konnte auch nichts darüber in Erfahrung bringen, denn auf eigene +Faust angestellte Nachforschungen führten zu keinem besseren Ergebnisse. +Indess ist wohl kaum ein Zweifel zu erheben, dass dasselbe existirte. + +Die heutigen Bewohner zerfallen in drei Hauptstämme, die Uadjili, sesshaft +in der Oase Audjila und einem Theile der Oase von Djalo, besonders im +Hauptorte Lebba, die Modjabra, besonders in Djalo mit ihrem Hauptorte +l'Areg und die Suaya in Leschkerreh. In Batofl sind die Bewohner gemischt +von allen drei Stämmen. Von diesen sind die Uadjili libyscher Herkunft, +reden auch heute noch einen Dialekt des Tamasirht und ist ihre Sprache eng +verwandt mit der von Rhadames, Sokna, Siuah und dem Targi. Ob die Modjabra +auch berberischen Ursprungs sind, ist zweifelhaft, sie reden arabisch, +wollen aber keine Araber sein, die Suaya sind ächte Araber. + +Die Zahl der Bewohner ist schwer zu ermitteln; Pacho in den zwanziger +Jahren giebt sie auf 9-10,000 Einwohner an, und basirt seinen Calcul auf +3000 waffenfähige Männer. Hamilton giebt für l'Areg allein 4000 Einwohner +an, von andern Reisenden, welche die Oasen berührt haben, fehlen +statistische Nachrichten. Nach eigenem Ueberschlage, und auf die Aussage +der Eingebornen hin, würde ich für Audjila 4000, für Djalo 6000, für +Leschkerreh 500 und für Batofl 1000 Einwohner annehmen, im Ganzen also +circa 11-12,000 Einwohner. Im Aeusseren ist zwischen den Berbern und +Arabern gar kein Unterschied wahrzunehmen, denn die letzten sind hässlich, +meist mit dicken Lippen und von bräunlichem Teint, was wohl der starken +Vermischung mit Negerblut zuzuschreiben ist. Ursprünglich von unabhängigem +und kriegerischem Naturell, haben sie seit 20 Jahren lernen müssen sich +dem Gesetze zu fügen, und sind jetzt mit allen Umwohnern, welche, wie sie, +dem osmanischen Reiche unterworfen sind, in Frieden. Die Moralität in den +Oasen ist keineswegs weit her, wie überall da, wo zu den ohnediess laxen +Gesetzen des Islam, sich die Leute offen dem Trunke ergeben. Sowohl +Uadjili wie Modjabra fröhnen dem täglichen, reichlichen Genusse des Lakbi +(Palmwein), welcher Jahr aus Jahr ein meistens den kleinen männlichen +Palmen entzapft wird. Daher kommt es denn auch wohl, dass die Heirathen +als festes Bindemittel zwischen Mann und Frau hier noch leichter gelöst +werden als es sonst in den meisten mohammedanischen Ländern der Fall ist. +Hamilton notirte, dass es Männer gäbe, welche 20-30mal hintereinander +geheirathet hätten, und man sich eine Frau für den billigen Preis von 8 +bis 10 Thalern verschaffen könne. Im Uebrigen sind weder die Modjabra noch +Uadjili als Diebe, Mörder oder Lügner verschrieen, und die Bewohner der +anderen beiden kleinen Oasen haben auch einen guten Ruf. Die Modjabra, als +vorzügliche Handelsleute in der ganzen Wüste bekannt, haben überall +Credit, sowohl in Aegypten, Bengasi und Tripolis als auch in Uadai, Bornu +und Haussa. Nebst den Rhadamsern sind sie die kühnsten und weitreisendsten +Kaufleute, und meist bringen sie, bis Schwäche sie hindert, ihr Leben auf +ihren langen, gefahrvollen Wegen zu. Die directe Verbindung mit Uadai über +Kufra und Uadjanga ist ihr Werk, nach Burkhart geschah dies zuerst im +Jahre 1811 und 1813. Der Verkehr wurde bald sehr bedeutend. 1855 stockte +indess der Handel mit Uadai gänzlich, da, wie v. Beurmann uns erzählt, in +jenem Jahre eine von Uadai kommende Karawane, die noch dazu dem Sultan +dieses Landes gehörte, bei Audjila von maltesischen Kaufleuten überfallen +und ausgeplündert wurde. Seit zwei Jahren sind die directen Verbindungen +wieder hergestellt, bei unserer Anwesenheit war gerade eine Karawane aus +Uadai in Bengasi und eine aus Modjabra-Kaufleuten bestehende wurde +erwartet. + +Die Uadjili beschäftigen sich viel mit Gartenzucht und dem Vermiethen von +Kameelen, für welche sie in den benachbarten Uadis reichlich Futter +finden. Ohne sich direct am Handel zu betheiligen, vermitteln sie +hauptsächlich den Verkehr mit Bengasi und den zunächst liegenden Oasen, +jeder Erwachsene ist Führer; bis Fesan, Bengasi, zur Syrte und Aegypten +kennen die Uadjili Schritt und Tritt. Die Suaya von Leschkerreh, noch mehr +dem Trunke ergeben wie die eben genannten, leben von ihren Palmen und +Kameelen, ausserdem heimsen sie die Datteln einiger Oasen von Kufra ein, +da aber jetzt Kufra, ein Oasencomplex, welcher etwa 6 Tagemärsche südlich +von Batofl liegt, eine feste Besiedlung bekommen hat, so werden diese +Herbstzüge der Suaya wohl bald aufhören. Seit einiger Zeit hat dort Sidi +el Mahdi, der Sohn und Nachfolger des unter den Mohammedanern in +Nordostafrika berühmten Snussi eine Sauya[23] gegründet und auch eine +Stadt angelegt. + +Die Kleidung der Bewohner ist sehr einfach, ein langes Hemd, darüber ein +Barakan oder Haik, eine fast enge, baumwollene Hose, die aber nur bis auf +die Waden herabfällt, ein rother oder weisswollener Fes und gelbe +Pantoffeln ist die gewöhnliche Tracht; Arme gehen meist barhaupt und +barfuss. Die reichen Modjabra-Kaufleute machen natürlich Luxus und lieben +es Tripoliner oder Kahiriner Tracht anzulegen. Die Rhadamser Sitte, feine +Sudan-Toben oder Nube-Hosen zu tragen, herrscht hier nicht. Die Frauen, +welche unverschleiert gehen, legen meist dunkelblaue Tracht an, haben je +nach Vermögen schwere silberne oder kupferne Ringe um Knöchel und Arme, +auch die Finger bestecken sie reichlich mit Ringen, und um den Hals tragen +sie Bernsteinketten, oft auch goldene. Die meisten tragen ein blaues +Kattuntuch um den Kopf, und desshalb war auch nicht zu erkennen, welcher +Mode sie in Beziehung ihrer Haare huldigen. + +Vom Liva Bengasi abhängig, werden alle Oasen von einem Mudir regiert, der +seinen Sitz in Djalo hat, aber meist seine Zeit in Bengasi zubringt. +Während seiner Abwesenheit regiert jeder Stamm sich selbst, deren haben +wir in Audjila drei, in l'Areg vierzehn und in Lebba drei, Leschkerreh und +Batofl haben je einen, ebenso die kleinen Palmdörfer der Oasen. Pacho fand +bei seiner Anwesenheit in Djalo einen Franzosen als Bei und Herrscher der +ganzen Oase. Mit der französischen Expedition als Tambour nach Aegypten +gekommen, war er in türkische Gefangenschaft gerathen, hatte sich durch +einnehmendes Wesen und Tapferkeit bis zum Officier hinaufgeschwungen und +war schliesslich von Tripolis aus zum Bei der Oasen ernannt worden. Die +Bewohner von Djalo erinnerten sich in der That noch des Mamelucken, +welcher Pacho so viele Aufmerksamkeit erwiesen hatte. + +Für die Gerechtigkeit ist ausserdem ein Kadi vorhanden, der seine Stelle +und Ernennung vom Gouverneur von Bengasi erkaufen muss; der Dienst in den +Djemmen wird von Tholba und Faki versehen, welche sich selbst durch +Frömmigkeit und Gelehrsamkeit die Thür zu diesen Plätzen öffnen. Der Orden +der Snussi hat gleichfalls in Djalo ein Kloster gestiftet, und den +Bemühungen der Brüder soll es gelungen sein den Leuten etwas mehr Moral +und Erziehung beizubringen, obgleich das allgemeine und starke Trinken +noch immer anhält, wie man aus den zahlreich angezapften Palmen ersehen +kann. + +Es versteht sich von selbst, dass die Bewohner eine Steuer zahlen, und +zwar wird die Palme mit 2½ Piaster besteuert. Es mögen sicher über 200,000 +Palmen insgesammt in den Oasen sein, mehr aber als 100,000 werden +officiell nicht besteuert. Dies macht also für das türkische Gouvernement +eine jährliche Einnahme von 250,000 Piaster oder 12,500 Mahbub, oder etwa +14,000 preussische Thaler. Djalo muss hievon bei weitem das Meiste zahlen, +obschon die Angabe Hamilton's, Audjila mit etwa 16,000 Dattelbäumen, +überdoppelt zu niedrig ist, und Djalo allein auch mehr als 100,000 Palmen +hat. Man denke aber nicht etwa, dass die nicht censirten Palmen nichts zu +bezahlen haben, gezählt sind sie alle, aber das Geld der nicht +eingetragenen wandert in die Tasche des Mudirs, der natürlich für seine +Stelle durch grosse Bakschisch danken muss. Andere Abgaben kommen nicht +vor, namentlich sind aus den Negerländern kommende Gegenstände, als Federn +und Elfenbein, hier keinem Zoll unterworfen, sondern erst in Bengasi oder +Aegypten. Die in der Oase circulirenden Münzsorten sind die von der +Türkei, doch ist natürlich auch hier der Maria Theresienthaler das +häufigste grosse Silbergeld. + +Im übrigen leben die Bewohner sehr einfach. Gegen ihre ganz +ausgezeichneten Datteln, schon im Alterthum berühmt, tauschen sie sich das +ihnen noch nöthige Korn und Vieh ein, und in ihren Gärten ziehen sie +ausser Weizen, Gerste von ausgezeichneter Güte, Negerhirse, einige Gemüse, +als rothen Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben, Bohnen, Carotten, Malochin +(Hibiscus esculentus), Auberginen (Solanum melongena), Tomaten, Kürbisse, +Melonen und Wassermelonen. An Früchten finden sich ausser den vielen +Dattelsorten, schlechte Pflaumen und verkrüppelte Aepfel, Aprikosen und +Pfirsiche. Von wildwachsenden Bäumen ist nur der Ethel (Tamarix +articulata) vorhanden. + +Das Thierreich ist wie in allen Oasen schwach vertreten, drei oder vier +Pferde, kleine Esel, gar kein Rindvieh, eine Anzahl von Ziegen und Schafe +(Fettschwanz), einige wenige Hunde, ist alles, was an Säugethieren +vorhanden ist; an Federvieh sind Hühner zahlreich, Tauben wenige +vorhanden. Wild kommt gar nicht vor, wenn man Springratten, Ratten und +Mäuse nicht dahin zählen will. Von den Vögeln sind nur Raben, Schwalben, +kleine Waldtauben und Sperlinge vorhanden, Fische giebt es keine in der +Quelle, Frösche, Eidechsen, Skorpione, Mistkäfer sind in mässiger Zahl, +aber Milliardenweise die Fliegen vorhanden. Im Mineralreich verdient nur +das Salz eine Erwähnung, das, aus den Sebchas gewonnen, mehr als +hinreichend für den Bedarf der Bewohner ist. + +Die Gartenzucht wird in Audjila sehr sorgfältig betrieben, und gewiss mit +grosser Mühe. In kleine Beete eingetheilt, welche von Dämmen +eingeschlossen sind, geschieht die Bewässerung durch Brunnen, bei denen +Sklaven oder Esel thätig sind, das Wasser Tag und Nacht herauszuziehen. +Diese kleinen Beete zu einem Garten vereinigt, sind dann von Palmhecken +eingefriedigt, welche zuweilen auch dazu dienen, die Sanddünen abzuhalten. +Es ist hier ein fortwährendes Ringen mit der Natur, jeder Fleck wird +benutzt, oft werden sogar die Dünen angegriffen, denn mit Wasser und etwas +Dünger gedeiht im Lande Alles, was die Bewohner ziehen wollen. Und das +geht das ganze Jahr durch: ist im März die Gerste und der Weizen +geschnitten, so wird gleich wieder gedüngt für Sommergemüse, und wenn +diese gegessen sind, kommen Bohnen, Rüben und Carotten an die Reihe. In +Djalo ist aber lange nicht solch sorgfältiger Gartenbau, theils liegt es +wohl daran, weil der Boden bedeutend ungünstiger ist, dann auch, weil die +Modjábra alle Kaufleute sind, Vermögen haben, mithin ihren Bedarf für Geld +leicht von Audjila beziehen können. In Leschkerreh ist gar kein Gartenbau, +hingegen sollen die Bewohner Batofls eben so rührig sein wie die Uadjili. + +Die Oase Audjila, nach dem Hauptorte so benannt, welcher fast im Süden und +hart am Ostrande liegt, hat ausserdem noch die bewohnten Oerter, von +Norden nach Süden gerechnet folgenden Namens: Masús, Beldjú, Soáni +Schoáschna, Nekfósch, Nuâra, Duenéhm, Tin-Kersi, Abd-el Metal, Bu-Ssellim, +Fellri, alle diese Oerter liegen nördlich vom Orte Audjla, westlich davon +sind Ssellúfa, Tin-Gedért, Bir-Daim, südwestlich Duertállem und südlich +Bu-Attáf, Márabit und el-Chúschschan. Alle diese ebengenannten Oerter +bestehen aus Palmhütten, manchmal jedoch auch sind die Wände der Häuser +aus Stein und Thon. Kein einziges dieser Dörfer dürfte über 20 Familien +haben. + +Wenn die Oase Audjila den Namen vom Hauptorte empfangen hat, so ist dies +bei Djalo nicht der Fall, es ist dies ein Name, der blos die ganze Oase +bezeichnet, ohne eine bestimmte Oertlichkeit darin. Die Hauptörter sind +hier l'Areg und Lebba, beide ungefähr von gleicher Grösse, in Lebba wird +die Uadjili-Sprache, in l'Areg arabisch gesprochen. Beide liegen dicht bei +einander in der Richtung von N.-W. nach S.-O. Von ihnen ausgerechnet +liegen im N.-W. Héri, Schürf, Um-es-Msihd, im N. Halláuin, Drb-el-Bil, +Lakoschía, Lafan, Hágeba, Hargús, Djémma, Schükoría, Lkúddea, Ssossomíat, +im W. Síada, _Mhérik_, _Rschada_, Lcharabísch, Lrharbi, Lsoéïat, im S.-W. +Rhoschiría, im S. Rmla, Lkeböl, im O. _Lebús_, Beráni, Ssafan und Hattía. +Nur die mit gesperrten Lettern gedruckten haben über zwanzig Familien. In +den andern beiden Oasen sind nur je ein Ort des gleichen Namens. + +Die Sonne schien, als ich am andern Morgen erwachte, schon ins Zelt; mein +Diener hatte es leise aufgeschnallt, und auf einer Kiste, welche zugleich +als Tisch diente, fand ich bereits Kaffee und Milch, frisches Brod, Butter +und Gemüse, die wir seit Bengasi nicht mehr gehabt hatten. Meine Leute +sassen wartend in der Sonne, reparirten die Sättel, die Säcke, indess der +alte Mohammed Staui, dessen sich vielleicht Einige erinnern werden, welche +meinen Aufenthalt in Rhadames verfolgt haben, die Mehl- und Fettvorräthe +revidirte, und halb englisch, halb arabisch, halb italienisch meinem +deutschen Diener (einem Bayern), der zugleich alle anderen unter sich +hatte, auseinander zu setzen suchte, wir würden nächstens Bankerott +machen, wenn fortgefahren würde den Negern und Kameeltreibern alle Tage so +reichliche Portionen zu verabreichen. Der alte Staui war noch geiziger +geworden als er früher schon war, er hätte uns am liebsten mit unseren +Vorräthen Alle verhungern lassen, mich selbst nicht ausgenommen. + +Langsam wurde geladen, langsam wurde aufgebrochen, und langsam zogen wir +dahin durch die schmucken Palmgärten, es war ein Spazierritt, denn wir +hatten nur etwa drei Stunden bis zum Orte Audjila selbst. Natürlich +erregten auch hier die sonderbaren Kisten, und dann hauptsächlich wir +beiden Deutschen in christlicher Tracht grosses Aufsehen; aber nur +freundliche Ssalamat wurden uns zu Theil, welche mein bayerischer Diener +immer ernst mit der Hand auf der Brust erwiederte. Es war fast 11 Uhr +geworden, als wir dicht bei Audjila waren, und ich dem Staui sagte +vorauszugehen, um dem Mudir, welcher von Djalo hierher gekommen war, meine +Ankunft anzuzeigen. Und als wir dann durch die engen Strassen, die gerade +breit genug waren für ein beladenes Kameel, dahinzogen, kam uns der Mudir +schon entgegen, begleitet von all seinen Beamten, Dienern und einem +grossen Tross Neugieriger. Ich war froh, dass er, als die nicht enden +wollenden Ssalamat vorüber waren, anfing in arabischer Sprache zu +sprechen, da sonst in der Regel die meisten türkischen Beamten nur ihre +eigene Sprache reden. Er führte uns dann nach dem Schlosse, welches wohl +aus dem Grunde nicht bewohnt wurde, weil es ganz baufällig, fast eine +vollkommene Ruine ist. Zudem hatte der Mudir seinen Wohnsitz nicht darin +aufgeschlagen, weil keine Harem-Vorrichtung darin ist. Dies Gebäude, +welches den pomphaften Namen Schloss führte, war früher, als Audjila noch +unabhängig war, von dem Bei der Oase bewohnt worden. Jetzt konnten wir mit +Noth aus all den vielen Zimmern eins herausfinden, welches überdacht war +und wo man ein Unterkommen sich schaffen konnte, natürlich mussten gleich +die Fensterlöcher und die Thür verstopft und behangen werden, zur Abwehr +gegen die unzähligen Fliegen, die aber nur durch vollkommene Dunkelheit zu +verscheuchen sind. Meine Leute campirten im Hofe selbst, da die übrigen +Zimmer Einsturz drohten, die meisten sogar ganz zusammengefallen waren. +Gegenüber vom Schloss befindet sich die Djemma, ein insofern interessantes +Bauwerk, als das ganze Dach aus kleinen Kuppeln besteht von 4-5 Fuss +Durchmesser auf 8-10 Fuss Höhe. Es ist dies die einzige Kirche im Orte, +denn die andern sind blos kleine Capellen, in denen Freitags kein Chotba +gelesen wird. Sonst hat Audjila nichts merkwürdiges, der Ort ist ohne +Mauern, aber die Häuser selbst bilden nach aussen eine Art Mauer, alle +Strassen sind gleich eng, Kaufläden giebt es keine, aber Nachmittags +findet immer eine Art von Dellöl oder Auction statt, wo man kaufen und +verkaufen kann. Die Bewohner im Orte betrugen sich sehr anständig, nur +belästigte uns sehr eine weibliche Marábta (Heilige), welche, in +tausenderlei Fetzen gehüllt, mit Federn geschmückt und mit Ringen und +Glasperlen behangen, das Haar lang herabhängend mit bunten Bändern darin, +sich für einen Abkömmling der Rumi (Christen) ausgab und bettelte. Da ich +anfangs ihr Kauderwälsch nicht verstand und im Glauben sie spotte auf uns +Christen, sie schon hinausschmeissen lassen wollte, baten die Bewohner des +Ortes, welche immer zahlreich versammelt waren und sich an ihrem obscönen +Tanzen und Schreien ergötzten, sie doch gewähren zu lassen, sie sei zwar +ein Christenkind, habe aber von einem heiligen Manne ein Kind bekommen und +sei dann besessen worden, ob von guten oder bösen Geistern, das wüssten +sie nicht, sie sei aber Marábta. Ueberdies sei sie ja eine weitläufige +Verwandte von mir. Die Marábta fing nun an auf die Mohammedaner zu +schimpfen, um sich bei uns in Gunst zu setzen, die Uádjili mussten das +ruhig mit anhören, es war eben eine Heilige für sie. Mit einigen kleinen +Geschenken für sie und ihr Kind brachten wir sie bald zum Hause hinaus, um +dieser widerlichen Scene ein Ende zu machen. + +Ich blieb nur noch den folgenden Tag in Audjila, um neue Vorräthe zu +kaufen, da wir uns hier bis zur Jupiter Ammons-Oase verproviantiren +mussten. Meine Unterhandlungen, um nach Kufra zu kommen, hatten vollkommen +fehlgeschlagen, zwar wurden mir Kameele zu vermiethen angeboten, aber die +Hauptsache, ein Führer, war nirgends zu beschaffen. Mir blieb nun blos +noch die schwache Hoffnung, einen solchen in Djalo zu finden, aber auch +das erwies sich später als trüglich. Am 15. April Morgens brachen wir +dahin auf. + +Sobald man Audjila verlassen, kommt man gleich auf eine grobkiesige +Sserir, etwa 20 Meter höher gelegen als die Oase. Wir hielten den +grossen Karawanenweg, welcher die Oasen verbindet, und dieser läuft +in 160° Richtung. Ausser einem Wegweiser, Allem es Schrab oder +Luftspiegelungswegweiser genannt, ist diese öde Fläche eben durch nichts +als herrliche Fata morgana unterbrochen, welche hier täglich und zu jeder +Jahreszeit beobachtet werden. + +Schon nach zwei Stunden erblickt man das Nordwestende des Palmenwaldes von +Djalo, Ued el Ftor (Frühstücksthal) genannt, und nach zwei anderen Stunden +erreicht man den Brunnen Meslíua, und gleich darauf ist man unter den +Palmen der Oase selbst. Man passirt den Ort Siáda, und dann gerade östlich +weitergehend, erreicht man, immer von Palmen beschattet, nach einer andern +Stunde die Hauptörter l'Areg und Lebba. Beim ersten vorbeiziehend, +schlugen wir unser Lager unter einigen schönen Tamarisken auf, zwischen +den beiden Orten, welche nur einen halben Kilometer von einander getrennt +sind. Unser Empfang war aber hier ein ganz anderer als in Audjila, Banden +von Kindern zogen neben uns her: Christenhunde, ungläubige Schweine, Söhne +des Teufels, das waren noch die gelindesten Schimpfworte dieser kleinen +Bengel; unsere mohammedanischen Diener kamen nicht besser weg, für sie +erfanden sie noch besondere Beinamen, als im Dienste der verhassten +Nassara stehend. Als sie nun gar anfingen mit Steinen zu werfen, wurden +meine Diener auch grob, und es hätte durch diese kleinen Taugenichtse zu +unangenehmen Verwickelungen kommen können, wenn nicht endlich die Eltern +gekommen wären, um sie wegzutreiben. Um aber ähnliche Scenen zu vermeiden, +machte ich die Eltern aufmerksam darauf, wie viele Brüder, Väter oder +Verwandte von ihnen in Aegypten oder Bengasi wären, und dass diese dort +Alle für meine Sicherheit und selbst für Beleidigungen würden haften +müssen. Dies hatte den guten Erfolg, dass wir nun ruhig campiren konnten. + +Der Mudir in Audjila hatte mir für die bedeutendsten Schichs der beiden +Oerter Briefe mitgegeben, welche ich gleich bei unserer Ankunft durch den +Führer hatte abgeben lassen. Gegen Abend kam denn auch Schich Yunes, um +uns zu begrüssen. Es war derselbe, der zur Zeit Hamiltons in Djalo war, +und obschon dieser sich eben nicht sehr zufrieden über ihn ausdrückt, +gefiel mir der Mann recht gut. Ich bot ihm einen Feldstuhl zum Sitzen an, +er meinte aber, er würde herunterfallen, zog seine gelben Pantoffeln aus +und setzte sich auf den Teppich. Ohne Zweifel heute der reichste und +angesehenste unter den Schichs, ging seine Macht aber doch nicht so weit, +mir einen Führer nach Kufra zu verschaffen, oder fehlte der gute Wille? +Nach seiner Meinung könne man nach Kufra nur hinkommen, wenn eine Karawane +nach Uadai abginge, da der Weg nur einigen Wenigen bekannt sei, und diese +gerade jetzt unterwegs wären. Möglich, dass dem wirklich so war, +wahrscheinlich aber wollten die Modjabra sowohl, als auch die Uadjili +keinen Christen dahin führen, um nicht die guten Beziehungen mit Uadai zu +stören.--Abends schickte Schich Yunes eine grosse Diffa, aus allmächtigen +Kuskussu-Schüsseln, Basina-Platten und gebackenen Hühnern bestehend; als +Gegengeschenk schickte ich einige Pfund Pulver, einige Dutzend +Taschentücher, Kautaback und Zucker. Die beiden Oerter aber, viel reicher +als Audjila, fanden nicht für gut den Nsrani zu bewirthen; die Uadjili +hatten uns einen Hammel geschenkt und ein entsprechendes Gegengeschenk +erhalten. + +Die beiden Oerter sind ungefähr von gleicher Grösse, und obschon sie von +aussen ärmlicher aussahen als Audjila, bedeutend behäbiger im Innern +gebaut. Die Häuser sind grösser und mit mehr Comfort ausgestattet, die +Modjábra trinken Thee und Kaffee und bringen sich oft von Kairo oder +Alexandrien Luxusgegenstände mit, deren Gebrauch der arme Uadjili nicht +einmal kennt. Jeder Ort hat eine Hauptmoschee, in l'Areg ist sodann noch +eine grosse Sauya der Snussi, in deren Moschee Freitags auch Chotba +gelesen wird. Ohne Aussicht, nach Kufra kommen zu können, blieb ich nur +noch den folgenden Tag in Djalo, weil ich stündlich meinem Firman von +Konstantinopel entgegensah, und Leute mir gesagt hatten, in Audjila sei +ein Courier von Bengasi eingetroffen. Unter der Zeit verkaufte ich meinen +alten Esel; es wäre unmöglich gewesen ihn durch die Rhartdünen und über +die Gerdoba-Ebene zu bringen, ich hätte denn ein eigenes Kameel für ihn +halten müssen zum Weitertransport. Und nachdem dann noch Datteln für die +Kameele waren eingekauft worden, der Courier aber nicht eintraf, sagten +wir den grünen Oasen der Nasomonen Adieu. + + * * * * * + + + + +Die libysche Wüste zwischen Djalo und der Oase des Ammon. + + +Heute kommen wir überein, den Theil der Sahara die libysche Wüste zu +nennen, welcher südlich vom sogenannten libyschen Plateau und nördlich von +Fur und Kordofan einerseits, andererseits westlich vom Nil und östlich von +einer Linie gelegen ist, welche man sich von Audjila durch Kufra und +Uadjanga nach Uadai gezogen denkt. Eigentlich liegt aber zu einer +besonderen Benennung gar keine Berechtigung vor, da diese Strecke Landes +sich durch Nichts von der übrigen Sahara zu unterscheiden scheint. Die +Alten nannten das ganze nördliche Afrika Libyen zum Unterschiede von dem +im Innern gelegenen Aethiopien, und die specielle Benennung dieses Theiles +der Wüste als _libysch_, scheint durch die arabischen Geographen +aufgekommen zu sein, da auch Leo diesen Theil östlich von Audjila als +Leuata, Lebeta bezeichnet, ein Wort, was von Libyae herkommt. + +Und wir können, bis das Innere dieses grossen Raumes erforscht ist, eines +Raumes von circa 15 Quadratgraden, in den nie ein Europäer gedrungen ist, +mit Recht diesen Namen beibehalten, um nur überhaupt einen Namen für eine +so grosse Gegend zu haben, die wir sonst höchstens die östliche Sahara +nennen könnten. Gewiss ist aber auch in diesem Theile der Wüste die +grösste Mannigfaltigkeit vorhanden, Berge wechseln mit Sserir, Sanddünen +mit Hammada, und zwei grosse Oasen sind uns wenigstens dem Namen nach +bekannt, Kufra und Uadjanga. + +Beide sind bewohnt, denn wenn Kufra auch durch tripolitanische Rasien, bis +vor einigen Jahren der Bevölkerung war beraubt worden (man hatte die +einheimischen Teda in die Gefangenschaft geschleppt), so hat jetzt Sidi el +Mahdi, der Sohn Snussis, dort eine Filial-Sauya errichtet, und Neger aus +Uadai bilden den Kern der Bevölkerung. + +Ob sich nun die lange Depression von Bir Ressam an durch Audjila hindurch +bis nach Siuah, auch südlich hin erstreckt, das wäre gewiss höchst lohnend +zu erforschen. Würde es der Fall sein, dass die Bodensenkung bis Uadjanga +reicht; also ungefähr bis zum 22° nördl. B., so liesse sich durch eine +Durchstechung des Ufers, etwa an der grossen Syrte, eine grosse Umwälzung +für Afrika hervorrufen. Der ganze Theil südlich, vom sogenannten libyschen +Plateau, würde dann Binnen-See werden, Audjila, Djalo und Siuah würden +verschwinden, aber Central-Afrika würde uns dann auf eine Weise zugänglich +werden, die Nichts zu wünschen übrig lässt. Und was hätte das Verschwinden +jener kleinen Oasen zu bedeuten, und andere, von grösserer Ausdehnung, +sind wohl schwerlich vorhanden. Oder sollten in der That, westlich von den +Uah-Oasen, östlich von Kufra und Uadjanga, grössere Oasen existiren, oder +gar bevölkerte Oasen dort vorhanden sein, ohne dass wir Kunde davon +hätten? Wir glauben das nicht. Aber gerade diese Abwesenheit von Oasen, +dieses Trostlose, diese endlose Einöde berechtigen uns denn auch um so +mehr, diesen Theil der Sahara speciell zu benennen und zwar mit dem alten +Worte der libyschen Wüste. Wir durchzogen die Sahara von Westen nach +Osten, von Norden nach Süden, aber nie durchwandelten wir eine ödere, +abschreckendere Gegend als die von Uadi nach Bir Tarfaya. Der Weg südlich +von Fesan bis Kauar ist durch die Gerippe vor Durst verschmachteter +Negersklaven bezeichnet; aber dies ist nicht hervorgebracht durch +Brunnenmangel, sondern durch zu knappes Mitnehmen von Wasser, durch +Entbehrungen und Strapazen aller Art, welche die Sklaven zu erdulden +haben. Zwischen Tidikelt und Timbuctu wird als verderbend und ohne Wasser +die Tanesruft erwähnt, und doch beträgt die brunnenlose Strecke nur 5 +Tagemärsche. Es giebt auch wohl in der ganzen übrigen Sahara keine +Karawanenstrasse, welche eine grössere Brunnenentfernung hätte. + +Hier von Batofl nach Süden, hat man erst am siebenten Tage Wasser, und +geht man von Djalo oder Uadi nach Osten, also nach Siuah, so ist man circa +45 deutsche Meilen ohne Wasser. Und diese entsetzliche, wasserlose, +vegetationslose Wüstenstrecke musste jetzt durchzogen werden. + +Es war 7 Uhr Morgens, am 17. April, als wir Djalo verliessen, wo das +Wasser so schlecht und die Leute so unmanierlich und wenig liebenswürdig +waren. Wir hatten noch mehrere Schläuche zu unseren schon vorhandenen +gekauft, hatten unsere Mehl- und Dattelvorräthe erneuert, und glaubten so +den Schrecken der Wüste trotzen zu können. Wir hielten immer N.-O. +Richtung zu N. und legten im Ganzen an dem Tage sieben Stunden zurück, von +denen zwei in der Oase Djalo selbst. So hübsch diese von aussen als Ganzes +sich ausnimmt, so trostlos ist sie im Innern: fast nirgends Gartenbau, +überall Dünenbildung, die Palmen nur gruppenweise, und fast so viele Lakbi +träufelnde Palmen als fruchttragende, geben die vielen abgestorbenen +Stümpfe dieses segenbringenden Baumes eine schlechte Vorstellung von dem +Betriebseifer der Bewohner. + +Man erreicht dann eine Ebene, die aus Kies und grobem Sand besteht, und wo +zahlreiche Baumstümpfe, jetzt versteinert, und verglaste Holztrümmer auf +ehemalige Vegetation hindeuten. Diese Ebene ist etwas höher als Audjila +aber auch noch _unter_ dem Niveau des Meeres. In dieser einförmigen Gegend +zogen wir nun, immer in der alten Richtung haltend, sieben langweilige +Stunden dahin, und erreichten dann das Uadi, wo wir Brunnenlöcher fanden. +Diese haben weiter keinen Namen, sondern werden schlechtweg biur el uadi, +d.h. Brunnen des Thales genannt. + +Das Uadi zieht sich von hier nach Nordost, und einen halben Tagemarsch +weiter stösst man auf den Brunnen A'gela (Lagheirah), der selbst +hinwiederum einen halben Tagemarsch östlich vom bewohnten Orte Leschkerreh +sich befindet. Dieser Ort liegt indess nicht im Uadi. Nach Süden zu geht +das Uadi bis nach Batofl, welches gewissermaassen seine Oasenbildung der +unterirdischen Feuchtigkeit des Uadi verdankt. Dies ist reichlich mit +Wüstengras, Belbel und männlichen Dattelbüschen bestanden. Letztere, +welche gerade in Blüthe standen, wurden von den Bewohnern Djalos ihrer +Blumen beraubt, die damit die weiblichen Dattelbäume ihrer Oase +befruchten. Obgleich das Wasser überall auf 3 bis 5 Fuss Tiefe anzutreffen +ist, scheint das Uadi nie bewohnt gewesen zu sein, wenigstens sind +nirgends Spuren von Bauten oder Anpflanzungen übrig geblieben. Es ist dies +umsomehr zu verwundern, als das Wasser das Beste der ganzen Oasengruppe +und im Verhältniss so wenig salzhaltig ist, dass nach dem Gebrauche des +brakischen Wassers von Djalo es fast als süss erscheint. + +Wir warfen uns frische Wasserlöcher aus, und schlugen so rasch wie wir +konnten im Schutze hoher Palmbüsche unsere Zelte auf, denn schon seit +einigen Stunden verkündete die blutigroth gefärbte Sonne, dass ein +Samumwind nahe sei. + +Kaum war dies geschehen, als denn der heisse Staubwind mit einer solchen +Heftigkeit zu wehen anfing, wie ich ihn in der Sahara noch nie erlebt +hatte. In Einem Augenblicke war die Sonne unseren Blicken entzogen und wir +Alle von einem feinen Staube, der heiss die Haut berührte, umflossen. Es +war der 17. April Nachmittags, und dieser Gluth-Orkan hielt bis zum 20. +incl. an, immer mit gleicher Heftigkeit. Allerdings war die Hitze nicht +sehr gross, da überdies die heisse Jahreszeit noch fern war (höchster +Wärmepunkt am 19. April Nachmittags 3 Uhr: 33°), auch zeigte das Barometer +keinen bedeutend niedrigen Stand, aber dafür war der Feuchtigkeitsgehalt +der Luft durch den alles austrocknenden Wind dermassen gering geworden, +dass man behaupten konnte, in absolut trockner Luft zu sein. Das +Hygrometer fiel am 19. und 20. April Nachmittags auf 2° (unter normalen +Verhältnissen hatte es um diese Zeit in dieser Sahararegion circa 25°, am +Rande des Meeres 60 bis 70°). + +Um uns in dieser Feueratmosphäre zu erhalten, hatten wir bei vollkommener +Unthätigkeit das Bedürfniss, circa 12 Liter Wasser innerhalb 24 Stunden zu +trinken, der Körper bedurfte also einer wässrigen Zufuhr, welche gleich +ist dem gewöhnlichen Blutquantum des Menschen. Ich verstand es nun leicht, +wie es möglich sein kann, dass _zu Fusse reisende_ Menschen in der Sahara, +während eines solchen Samumwindes, innerhalb eines halben Tages bei +Wassermangel verdursten können. Die Trockenheit ist nämlich so gross, dass +die ganze Feuchtigkeit des Menschen verdunstet: sie _muss_ fortwährend, +will der Mensch nicht an Austrocknung sterben, durch Wasserzufuhr ersetzt +werden. Die Verdunstung erfolgt nur durch die Haut und unmerklich. Hieraus +erklärt sich denn auch, weshalb die _trockne_ Wüstenhitze für den Menschen +weit leichter zu ertragen ist, als feuchte Wärme. Durch das beständige +Verdunsten auf der Oberfläche der Haut, unterstützt durch Bewegung der +Luft wird Kälte erzeugt, Schweissbildung findet nicht statt. In feuchter +Luft findet keine Hautausdünstung statt, man schwitzt unerträglich und man +glaubt fortwährend in einem Dampfbade zu sein. + +Die Absonderung der Nieren ist bei einem Samum fast ganz aufgehoben, da +eben die Thätigkeit der Haut diese gewissermaassen ersetzt. Zum Glück für +uns befanden wir uns während dieses schrecklichen Gebli (Wüstenausdruck +für Samum) in der Nähe der Wasserlöcher; aber einer der Neger war immer +beschäftigt, mit den Händen den hineintreibenden Sand hinauszuwerfen, und +Morgens waren die Löcher immer dem Erdboden gleich durch Sand zugetrieben. +Die Dürre war am dritten Tage so gross, dass eine Menge Gegenstände von +selbst barsten, ein Elfenbein-Doppelglas sprang auseinander, ein Spiegel +durch das dahinter liegende Holz gezwungen, sprang entzwei, alle Uhren, +sei es nun, dass Staub hineingedrungen war, oder dass die Räderchen sich +lockerten, standen still. Die innersten Gemächer der Koffer waren von +feinem Staube durchdrungen, und alle Essvorräthe wurden während dieser +Zeit so mit Sand und Schmutz untermischt, als ob man sie absichtlich darin +herumgezogen hätte. + +An Reinmachen, Waschen des Körpers oder an Kochen war natürlich während +dieser Zeit nicht zu denken. Ich verzichtete ebenfalls darauf, mein Bett +oder meine Decken ausstäuben zu lassen, denn kaum war dies geschehen, als +unmittelbar nachher Sand und Staub von neuem eindrangen. Wir waren zu +vollkommener Unthätigkeit verdammt. + +Am 20. April sprang der Wind nach N.-W. um, wehte aber den ganzen Tag über +mit gleicher orkanartiger Heftigkeit, erst am Abend sahen wir, nachdem wir +drei volle Tage in einer Sandwolke gelebt hatten, den Himmel wieder. + +Aber jetzt, wo wir wieder sehen konnten, wurden wir erst eines anderen +Unfalls gewahr: mein Reitkameel war entlaufen. Wie es Sitte ist bei einem +solchen Samum, hatten wir gleich beim Beginn des Sturmes die Kameele +niederknieen gemacht und die Vorderfüsse, um das Aufstehen zu verhindern, +durch Stricke zusammengeschnürt. Wahrscheinlich waren diese nicht mehr gut +gewesen, das Kameel hatte sie zerrissen und natürlich das Weite gesucht. + +Obgleich wenig Hoffnung vorhanden war, das Kameel wieder einzufangen, +welches natürlich in der Richtung des Windes gegangen sein musste, so +brach am anderen Tage der Führer auf, um in Djalo, Audjila und Leschkerreh +Erkundigungen einzuziehen. Da hiermit mehrere Tage hingingen, so wurde +Ali, einer der Neger, zurückgeschickt, um noch mehr Datteln und Mehl zu +kaufen, und um einen anderen Führer zu miethen, da es sich immer mehr +herausstellte, dass der in Bengasi engagirte nicht wegtüchtig sei. Wir +hatten von hier an eine der wasserlosesten Wüstenstrecke zu durchziehen, +welche wegen der Rhartdünen, wo der Wind den Bergen bald diese Form, bald +jene giebt, der tüchtigste Führer nothwendig war. Nachdem ein solcher, der +von den Schichs der Oase war empfohlen worden, gefunden, dann alle +Haverien ausgebessert waren, traten wir am 25. April unsere Weiterreise +an[24]. + +Wir marschirten am selben Tage nur 3½ Stunde weit in 50° Richtung. Gerade +während unseres Aufbruchs traf eine Karawane von der Ammons-Oase ein, +welche den fürchterlichen Sturm am Tarfaya-Brunnen überstanden hatte, aber +wenig glücklicher als wir, da dieser ein sehr bitteres Wasser hat. Wir +lagerten Abends an einer niedrigen Hügelkette Gor Msúan genannt. + +Der darauf folgende Tag zeichnete sich durch Nichts aus, die Richtung +blieb dieselbe; aber ein vierstündiger Marsch brachte uns dann mittelst +des Fum er Rhart in die eigentliche Dünen-Region. Dieses Sandmeer ist nach +Süden zu vollkommen unbekannt, nach Norden erstreckt es sich circa einen +Tagemarsch weit. Die Sandberge erreichen eine Höhe von 100-150' sind aber +nicht ganz ohne alle Vegetation, so hat man namentlich viel Had und +Mischab. Ueberall stösst man aber auch hier auf Gerippe von Menschen und +Thieren, und namentlich zeigte uns unser neuer Führer, mit dem wir sehr +gut zufrieden waren, einen Platz, auf dem 40 Menschengerippe, von vielen +anderen Thierknochen untermischt, lagen; eine Karawane, die durch die +Unkenntniss unseres eben entlassenen Dieners Hammed, während eines Samum +verirrt und verschmachtet war. Er allein, Hammed, hatte die Kraft gehabt +von hier Uadi zu erreichen. Auch am 27. April waren wir immer noch mit dem +Durchwaten der Rhart-Dünen beschäftigt, die denselben Charakter behielten, +manchmal aber eigenthümliche kraterartige Vertiefung zeigten[25]. Wir +lagerten Abends in der Gerdobia und stiessen hier wieder auf eine von der +Jupiter-Ammons-Oase kommenden Karawane. Diese gab uns nun zuerst die +Nachricht, dass man dort von der Ankunft eines Christen unterrichtet sei, +die ganze Oase sei in Aufregung gewesen, als von Kairo ein Bote mit einem +viceköniglichen Briefe eingetroffen, woraus man ersehen, von Tripolis käme +ein Christ, um der Oase einen Besuch abzustatten. + +Die Gerdobia ist übrigens durch Nichts von den Rhartdünen unterschieden, +nur verlässt man dieselben hier, da der Sand in gleicher Richtung von West +nach Ost weiter streicht, wir aber in nordöstlicher Linie ziehend, hier +das Ende des Sandmeeres erreicht hatten. So kamen wir denn auch am +folgenden Tage nach einem zweistündigen Marsche mittelst des Fum er Rhart +schirgi auf die Sserir Gerdoba. Von hier an hatten wir nun immer im Süden +von uns den Nordrand der Sanddünen, im Norden aber, sehr weit entfernt von +uns, den Südrand des sogenannten libyschen Wüstenplateaus. Die Gerdoba ist +eine Tiefebene, die ebenfalls unter dem Spiegel des Meeres, und mit +kleinen verwitterten, gebräunten Kalksteinchen überschüttet ist. Sie ist +ohne alle Vegetation und hat zahlreiche _Zeugen_. Diese Ebene zeichnet +sich übrigens gleichfalls, wie die eben passirten Rhart-Dünen durch +Brunnenlosigkeit aus, und so wie die Sandgegend, ist dieser feste Boden +mit Gebeinen von Todten übersäet. So passirten wir am 29. April, wo wir +ebenfalls immer östliche Richtung hielten, das Grab der 7. Modjabra und +etwas weiter eine Oertlichkeit, die einen Namen von 70 dort +verschmachteten Sklaven hatte. + +Nach einem sechstägigen Marsche erreichten wir denn endlich einen Brunnen +bir Tarfaya. Aber welch ein Wasser! Der Geschmack desselben war ähnlich, +als ob man Glaubersalz und Bittersalz darin aufgelöst hätte, und die +Wirkung war eine nicht minder drastische. Aber was war zu thun, nach dem +sechstägigen Marsche war unser Wasservorrath vom Uadi auf, und vor der +Ammons-Oase war auf kein eigentliches Süsswasser zu rechnen. Wir schlugen +also Lager und suchten es uns so bequem wie möglich zu machen. Die Gegend +war aber äusserst trostlos, das Plateau zu fern, um irgendwie durch seine +steilabfallenden Ufer etwas Abwechslung zu bieten, und selbst die nahen +Sanddünen langweiliger anzusehen als sonst in ihrem ewigen Einerlei. + +Mein guter Humor war aber bald wieder hergestellt, die Leute hatten noch +einen Schlauch entdeckt mit Wasser vom Uadi, und da sie freiwillig auf +dasselbe verzichteten, konnten wenigstens ich und mein deutscher Diener +noch für einige Zeit schwelgen. Der alte Staui und die übrigen Diener +fanden das Tarfaya-Wasser auch sehr wirksam, nahmen jedoch die Folgen +davon mit so fröhlicher Geduld auf, dass sie lachend erklärten, es wäre +jetzt viel bequemer für sie sans culottes zu gehen, da sie dann der Mühe +überhoben seien, fortwährend ihre Inexpressibles auszuziehen. Fortwährend +ohne Uhr, da sämmtliche Kinder Nürnbergs beim letzten Sandsturm unwohl +geworden waren, konnte ich die genaue Zeit nur nach einer Sonnenuhr +bemessen. Eine solche hatte ich aufgestellt und in meinem Zelte auf dem +Feldbette liegend, rief ich Bernhard (dem baierischen Gefährten): "Seien +Sie so gut und sehen Sie die Zeit ab."--Er kam dann nach einer Weile mit +der Uhr in der Hand: "Då schauns selber nåch, å Bieruhr kenn i schon, åber +då kenn i mich nit aus." Er war dann ob meines Lachens zuerst so verdutzt, +dass er gar nicht verstand, dass eine Sonnenuhr nur während des +Sonnenscheines zeigt. So hatten wir auch trotz der vielen Mühen und +Entbehrungen, welche die libysche Wüste mehr als jeder andere Theil der +Sahara im Gefolge hatte, manche heitere Augenblicke. Eine grosse +Annehmlichkeit war die Anwesenheit Bernhards, der, als ein gebildeter, +bescheidener Mensch, rasch die Eigenthümlichkeiten und Sitten unserer halb +rohen Diener erkannt hatte, und sich mit Leichtigkeit in alle Verhältnisse +zu schicken wusste. + +Mit dem Brunnen Tarfaya hat die eigentliche Sahara nach Osten und Norden +ihr Ende, denn bis zum Orte Siuah, hat man von hier eine ununterbrochene +Hattieh und das im Norden sich hinziehende Plateau bietet wenigstens zur +Winterzeit guten Weideboden. Unmittelbar im Süden erstrecken sich die +Sanddünen, welche nur Fortsetzung der Rhart-Dünen sind. Rechnet man nun +den Brunnen Tarfaya als äusserste Grenze der ehemaligen Oase des +Jupiter-Ammon, so heben sich damit auch alle Widersprüche über Entfernung +vom alten Ammonium bis Audjila oder Fesan, und selbst die mancher neueren +Reisenden, welche die Grenzen Siuahs auf diese Art unbestimmt gelassen +haben. Von Tarfaya an stösst man aber auf menschliche Bauwerke, die sich +meistens als Gräber in die steile Felswand des Plateaus hineingearbeitet, +kennzeichnen. Es ist also wohl anzunehmen, dass im Alterthume auch diese +Partie schon bewohnt war. + +Um den Brunnen selbst findet sich nur die Alanda-Staude, die zwar von den +Kameelen abgeweidet wird, aber deren sie doch bald überdrüssig werden, wie +immer einer Pflanze, wenn sie nur _einzeln_ vorhanden ist. Der Boden +selbst ist gypsig und kalkig. Ganz in der Nähe befindet sich ein +ausgedehntes Salzlager, Gart el milha genannt, wo ein Sebcha von einer +Salzkruste bedeckt ist, welche manchmal 3-4" Dicke hat. Es ist +wahrscheinlich von dieser Oertlichkeit, von wo im Alterthume das +hochberühmte ammonische Salz gewonnen wurde, welches die Priester des +Ammon-Tempels als besonders weiss und gut hochstehenden Persönlichkeiten +zum Geschenke machten, und womit sie nebenbei Handel trieben. + +Verfolgt man nun weiter die Oase nach Osten[26], so kommt man unmittelbar +darauf in reichere Vegetation: Domrahn, Had, Alanda und später einzelne +Palmbüsche. Ebenso wird die Gegend reicher an Fossilien, Seesterne, +Pectineen, Ostreen bedecken manchmal den Boden so dicht, als ob man sie +absichtlich hergeschüttet hätte. Der Boden ist sehr abwechselnd, Sand, +Sebcha, Kalk, Kies wechselt mit einander, aber überall ist Vegetation. Man +erreicht dann die Oase Faradga, d.h. einen circa 4 Stunden langen, ½ +Stunde breiten See, der südlich vom Plateau liegt. An und in diesem +Plateau hat Sidi Snussi seine berühmte Sauya gegründet, die den Namen +Sarabub erhalten hat. Heutzutage residirt als Chef dieser religiösen +Brüderschaft sein ältester Sohn, Sidi el Mahdi in Sarabub. Ich habe früher +an anderer Stelle Gelegenheit gehabt, über die Bedeutung dieses Ordens zu +sprechen, und brannte natürlich vor Begier den Chef selbst und namentlich +das Kloster, von dem wir, am Südende der Oase, an einer Oertlichkeit +Namens Hoëssa lagernd, nur circa 2 Stunden entfernt waren, kennen zu +lernen. Höchst wahrscheinlich hat Sidi Snussi zu seinem ersten Wohnsitze +alte Katakomben gewählt, wo ihm die geheimen unterirdischen Gänge zu +seinen Betrügereien gut zu Statten kamen. Wunder, wie man sie zur Zeit +Jesu Christi erzählte, passiren hier denn auch noch alle Tage, und werden +mit derselben Leichtgläubigkeit, und mit derselben Vergrösserung von den +heutigen Bewohnern colportirt. So lassen Sidi el Mahdi und vordem sein +Vater das Essen für die zahlreichen Verehrer und Pilger vom Himmel +herabsteigen, und obschon sich in der Umgegend von Sarabub keine Aecker +und Felder befinden, sind die Speicher und Vorrathskammern immerwährend +gefüllt. So trinkt Sidi el Mahdi das schönste Süsswasser, obwohl der +Faradga-See vor der Thür der Sauya gelegen, vollkommen untrinkbares Wasser +hat. Blinde, Lahme werden täglich geheilt, ja nach den Aussagen der +frommen Verehrer Snussis sollen auch zahlreiche ehemalige Christen, jetzt +durchs allmächtige Gebet des Snussi zum Islam bekehrt, sich in der Sauya +aufhalten. + +Ich war höchst traurig, dass mein Führer, der selbst zum Orden der Snussi +gehörte, sich weigerte mich zu begleiten, und allein, ich gestehe es +offen, wagte ich in dies Wespennest von semitischer Unduldsamkeit nicht +einzudringen. So lagerten wir traurig beim Sebcha Hoëssa, freilich im +Schatten von hohen Palmbüschen, aber die Wasserlöcher, die wir gruben, +gaben zwar bei 1½' ein reichliches klares Wasser, aber so bitter, dass wir +es kaum zum Kochen unseres Abendessens benutzen konnten. Wie anders, +dachte ich dann, unter den Palmen liegend, war es einst hier, wo die +Gesittung der Aegypter, der Griechen und Römer herrschte. Wo man +Religionskriege nicht kannte, und anders Denkende höchstens mit dem Namen +"Barbaren" belegte. Zu meiner Beschämung musste ich dann aber gestehen, +dass von den drei semitischen Religionen, die durch ihre Unduldsamkeit, +durch ihren Glaubenseifer soviel Unheil und soviel Blutvergiessen über die +Menschheit gebracht haben, ich meine das Judenthum, Christenthum und der +Mohamedanismus, gerade das Christenthum sich am meisten durch Fanatismus +und Hass gegen anders Denkende ausgezeichnet hat. Wer vermöchte alle die +Opfer zu zählen, welche die christliche Liebe zur Ehre Gottes bei +Katholiken und Protestanten schon gefordert hat, und wenn heutzutage auch +nicht mehr gefoltert, verbrannt und gesiedet wird, wer zählt die +moralischen Opfer, welche unsere Religion der Liebe und Duldsamkeit noch +täglich fordert. + +Ich stand also ab nach Sarabub zu pilgern, aber wie leid that es mir, als +ich später von den Freunden Sidi el Mahdi's in Siuah erfuhr, er würde es +hoch aufgenommen haben, falls ich zu ihm gekommen wäre, auf alle Fälle +würde ich nichts zu fürchten gehabt haben. Es scheint also fast, dass der +Fanatismus der Snussi abgenommen hat, wie denn auch die Chuan Snussis in +der Ammons-Oase mich recht freundlich aufnahmen. + +Man hat nun weiterreisend[27], eine Reihe von Seen zur Seite, die sich +alle durch ihr tiefblaues Wasser, welches äusserst salzig ist, +auszeichnen. Der bedeutendste davon ist der el Araschieh mit einer Insel +in der Mitte. Da nirgends Boote vorhanden sind, überdies der den See +umgebende Boden Sebchabildung hat, so hat Niemand bis jetzt diese kleine +Felsinsel erreichen können. Dafür ist sie natürlich für die Bewohner +Siuahs der Aufenthaltsort von Djenun (Geistern), die hier eins der +Schwerter Mohammeds bewachen. Bei Gaigab stösst man auf die ersten +Palmenwälder, deren Früchte von den Bewohnern Siuahs geerntet werden. Die +Gegend wird nun immer reicher und die überall in den Felswänden sich +befindenden Gräber zeugen von der ehemaligen starken Bevölkerung. + +Von Gaigab geht der Weg nun ganz nach Süd-Süd-Ost um, man passirt +zahlreiche Engpässe und erreicht dann den Schiata-See. Alle diese Seen +sind ohne Fische, weil das Wasser zu salzig ist, aber entbehren doch nicht +jeden Lebens. Eigenthümlich ist, dass die oft ins Wasser langenden hohen +Sanddünen nicht vermocht haben, sie mit Sand zu überschütten, und gewiss +ein guter Beweis, dass der Canal von Suez nichts von Versandung zu +fürchten hat, denn wie gering ist die Sandanhäufung längs des Canals im +Vergleich zu den hohen Dünen der libyschen Wüste. In dem +Tamariskengebüsch, im Schilfe des Sees waren zahlreiche fast zahme +Vögelchen, auch sahen wir hier die ersten Schwalben. + +Die Gegend behielt denselben Charakter bis Maragi, wo wir auf die ersten +menschlichen Wohnungen und Gärten stiessen. Beim Maragi-See ist auch eine +Filiale der Snussi und eine sehr gute Süsswasserquelle, von der wir aber +als anders Gläubige am Abend, wo wir dort campirten, nicht profitiren +durften. + +Am 6. Mai, dem letzten Tage unserer Reise zur Oase des Jupiter-Ammon, +brachen wir früh um 6 Uhr auf, wir hatten im Ganzen nur noch 6 Stunden. +Zahlreiche Leute, beladene Esel kamen uns entgegen, und als wir von weitem +den grünen Palmwald erblickten, wurde Halt gemacht. + + * * * * * + + + + +Die Jupiter Ammons-Oase. + + +So waren wir denn in der eigentlichen Oase angekommen, und lagerten bei +den hohen Trümmern der Burg Masra[28]; der vierstündige Marsch hatte +Menschen und Thiere so ermattet, dass diese, welche überdies in den +letzten Tagen guten Weideboden gehabt hatten, sich ruhig zwischen die +Agolbüsche[29] legten, die Diener aber alle im Schatten des Thurmes +schliefen. Doch war die Hitze so gross, dass Alle von Schweiss trieften, +und die nackten Neger wie lackirt aussahen. Ich selbst hatte mein Zelt +derart schlagen lassen, dass es nur Schatten warf, der Luftzug aber +überall frei unten durchstreichen konnte. Obgleich wir vom Hauptorte Siuah +nur noch einige Stunden entfernt waren, und es hoch aus den Palmen östlich +von uns emporragen sahen, hatte ich es doch für nöthig gefunden, hier um +10 Uhr zu lagern, da das Thermometer um jene Zeit schon 30 Grad angab: wir +mussten gielen, wie die Araber sagen, d.h. die heisse Zeit vorüber gehen +lassen. + +Aber immer noch unsicher, wie man mich im Hauptorte aufnehmen würde, +schickte ich den alten Staui gleich weiter, und diensteifrig wie er +jederzeit war, machte er sich auch gleich auf den Weg. Er hatte den +Auftrag meine Ankunft anzuzeigen, Einkäufe zu machen und um Quartier zu +bitten. Mit seiner Doppelflinte auf dem Rücken, sonst pflegte er sie nie +zu tragen aus Bequemlichkeit, die Schuhe in der Hand, um sie nicht +abzunutzen, ging er von dannen, und versprach dicht vor Siuah der Karawane +entgegen zu kommen. Der Führer deutete ihm noch genau den Weg an, was sehr +nothwendig war, da Staui bei Tag nur halb, bei Nacht aber fast gar nichts +sah; er wollte dies zwar nie zugeben, aber es war so auffällig, dass er es +manchmal eingestehen musste, er meinte dann zwar immer, es sei +ausnahmsweise auffallend dunkel. + +Man hatte von diesem Punkte eine umfassende Aussicht, gerade östlich von +uns waren die merkwürdigen Berge Amelal und Djari, mit steilen senkrecht +aufsteigenden Wänden, weiterhin etwas zu Süden Siuah und in der Ferne +Agermi, ganz im Süden Agolweiden, welche allmählich mit Sebcha[30] und +Dünen verschwammen, und im Westen war endlose Wüste. Von dem Berge Amelal, +der eine Stunde von unserem Lagerplatze entfernt zu sein schien, thürmten +sich Dünen auf, sie schienen bis an seinen Fuss zu gehen. Da sie hoch +waren, beschloss ich sie zu ersteigen, denn die Hitze war im Zelte trotz +des Luftzuges so unerträglich geworden, dass es kaum in der Sonne +schlimmer sein konnte. + +Gedacht, gethan! Ich rief meinem Landsmann, das Zelt zu hüten und zu +wachen, und ging gerade auf die Dünen los, von denen eine etwa eine +Viertelstunde breite Agolweide mich trennte. So rasch als es die Hitze +erlaubte, zog ich von dannen, hatte bald den Sand erreicht, und war nach +einigen Minuten oben. Aber welch überraschender Anblick bot sich mir: zu +meinen Füssen fielen die Dünen, die nur einen schmalen Kamm bildeten, fast +steil ab, und die lieblichsten Gärten, das saftigste Grün lag wie ein +kleines Paradies vor mir. Nicht etwa Palmen, von diesen war hier keine +einzige vorhanden, meist waren es Oelbäume, aber von solch wundervoll +frischem Grün, dass ich sie Anfangs für Myrten hielt. Murmelnde Bäche +zogen sich zwischen den Gärten hindurch, freilich nicht breit und +schnellfliessend, aber überall hin Segen spendend, und kräftig genug, um +auch im Hochsommer Alles frisch und ewig jung zu erhalten. Die Gärten der +Glückseligen! dachte ich, und vollkommen konnte ich mir das Entzücken der +Krieger Macedoniens mitdenken, als Alexander sie nach dem beschwerlichen +Wüstenmarsch zu diesen reizenden Gefilden führte. In Nordwest verloren +sich die Gärten in Agolweiden, im Osten waren Sebcha, dahinter Palmen, +ebenso im Südwesten. Am Fusse des Amelal war eine mit Salz bedeckte +Sebcha, wie eine Insel schien dieser merkwürdige Berg daraus +hervorzuragen. + +Ich war unentschlossen, was ich thun sollte, nur von einem Diener +begleitet, der meine Doppelflinte trug, hatte ich ausserdem nur einen +Revolver bei mir, und konnte natürlich nicht wissen, wie mich die Besitzer +der Gärten, welche meiner Meinung nach zu Siuah gehören mussten, empfangen +würden. Aber altes Gemäuer, welches ich inmitten der Gärten aus dem +Gebüsch hervorlugen sah, entschied; ich ging rasch hinab, und köstlich +balsamische Lüfte, kühlender Schatten unter grossblättrigen Feigenbäumen, +waren mein erster Lohn. Ueber Gräben hinwegsetzend, in denen reichlich +klares Wasser rieselte, durch üppige Klee- und Kornfelder, alle natürlich +im Schatten der dichtlaubigen Feigen, Apricosen, Granaten und Oliven, +dahineilend, waren wir bald in der Nähe der Ruinen. Hier lag unter einem +Gerüste, welches zum Trocknen von Früchten diente, und nur aus vier +Pfählen und einem Strohdache bestand, im kühlen Schatten ein Mann, +offenbar der Besitzer des Gartens und der Ruine. "Allah iaunik, Gott helfe +Dir," rief ich ihm zu, absichtlich vermeidend ihm ein Ssalam zu geben, da +fanatische Mohammedaner von Christen nicht gerne ein Ssalam entgegen +nehmen. Diese Vorsicht wäre indess nicht nöthig gewesen. Mit einem "Allah +slemtik, grüss Dich Gott," war er auf den Beinen, und nachdem die +hergebrachten Begrüssungen nun endlich vorüber waren, und wir uns +gegenseitig wenigstens zehnmal versichert hatten, dass wir Gottlob beide +gesund wären, sagte er: "also Du bist der Christ oder dessen Diener, den +wir erwarten." Letzteres sollte offenbar eine Anspielung auf meine Tracht +sein, die allerdings sehr einfach war: leinene Hosen, Hemd, Hut und +Stiefeln. Und nach seinen und aller Leute in Siuah Begriffen, musste der +Christ, welcher ihnen durch Ismael Pascha so dringend war empfohlen +worden, ein furchtbar mächtiger und reicher Christ sein, also schöne +Kleider, schöne Zelte, schöne Pferde und viele Diener haben. Als ich ihm +sagte, ich sei es allerdings, schien er etwas enttäuscht zu sein. Ich +sagte ihm dann, dass mein Zelt, mein Diener und Kameele hinter den Dünen +wären, und als auf seine fernere Frage, ob die Kameele mein Eigenthum +wären, dies bejaht wurde, schien ich wieder in seiner Achtung zu steigen. + +"Nun sei willkommen," sagte er, "und trinke zuerst von unserem gesegneten +Wasser." Er holte dann selbst aus einem antiken Stein eine Kumme mit +Wasser, setzte sie an seinen Mund, und nachdem er getrunken, reichte er +sie mir. Das war ein köstlicher Trunk, süss und kalt. "Omar," rief er +dann, "bring Datteln von den gequetschten!" Gleich darauf kam ein kleiner +kränklich aussehender Knabe, sein Sohn, mit einem Strohteller voll +Datteln. Obgleich ich erst gefrühstückt hatte, musste ich doch, so wollte +es die Sitte, einige Mundvoll Dattelteig essen; mein Neger Bu Bekr langte +desto besser zu. Erst nachdem ich gegessen, fing er dann an zu fragen: wo +ich herkomme, was ich wolle, warum ich hier in den Garten gekommen, warum +der Vicekönig meinetwillen nach Siuah geschrieben habe etc. Nachdem ich +seine übrigens ganz natürliche Neugier befriedigt hatte, dachte auch ich +Recht zum Fragen zu haben, und erfuhr nun zuerst, dass ich hier im Ort +Chamisa sei, dass sie Siuahner seien, aber ausser Abstammung und Sprache +nichts mit ihnen zu thun haben, dass noch sieben andere Familien in +Chamisa wohnten, und sie in allem mit Sklaven 43 Männer zählen, mit +Frauen, Sklavinnen und Kindern aber etwa 100 Bewohner ausmachten. + +Ich erfuhr nun jetzt erst, dass der Ort, wo wir lagerten, Masra heisse +(mein Führer, der des Weges kundig war, wusste in der Oase selbst gar +nicht Bescheid, und hatte die Ruine zuerst Bled el Rum, dann Amudeïn +genannt), und nun fragte ich nach dem unter dem Namen Bled el Rum[31] +bekannten dorischen Tempel, dessen bei Browne, Hornemann, Caillaud, +Hammilton u.a. gedacht wird. Sehr freundlich erbot er sich, mich selbst +nach den Ruinen Bled el Rum hinzuführen. In nordwestlicher Richtung durch +die Gärten fortgehend, und überall auch von den anderen Grundherren +freundlich aufgenommen, rief er ihnen nur im Vorbeigehen zu: "Das ist er, +er ist endlich gekommen," und schien ordentlich stolz zu sein mir als +Führer zu dienen. "Wir erwarteten Dich alle Tage," fügte er hinzu, "aber +ich konnte nicht denken, dass Du unseren Ort zuerst besuchen würdest." Auf +meine Frage, ob die Siuahner mich gut empfangen würden, sagte er: "wenn +sie wüssten, Du wärest hier, würden sie schon herausgekommen sein, um Dich +zu holen, denn unser Herr (Sidina oder Effendina, diesen Titel gaben die +Eingebornen dem Vicekönig von Aegypten) hat ihnen mit einer Extra-Abgabe +gedroht, wenn Dir das Geringste in ihrem Gebiete zustosse." Nun glaubte +ich in dieser Beziehung ganz ruhig sein zu können, denn der Mann hatte ja +kein Interesse mich zu täuschen. Wir hatten bald das Ende der Gärten +erreicht, deren Vegetation überall gleich üppig war, und nach einer +kleinen Stunde zwischen Agolkraut und dann Sebcha, sahen wir am Fusse des +Gebirges Bled el Rum vor uns. Dies waren die Reste wirklich, welche zuerst +von Browne unter dem Namen eines dorischen Tempels bekannt wurden, und von +allen anderen Reisenden ebenso beschrieben worden sind. Nur St. John macht +hiervon eine Ausnahme, und sagt: die Ruine von Bled el Rum ist eine +Nachahmung des Tempels von Umma beida; damit hält er es doch wohl offenbar +für ein ägyptisches Bauwerk, was es auch in der That ist. Denn es ist wohl +kaum anzunehmen, dass in der Jupiter Ammonsoase die Griechen zu einer so +frühen Zeit gewesen sind, wo bei ihnen der Tempelbau gänzlich ohne Säulen +geschah, jedenfalls würde man den Pronaos wohl mit zwei Säulen geschmückt +haben. Hier aber ist das nicht der Fall. Nicht nur, dass überhaupt der +ganze Tempel massenhafte Mauern fasst, ist er unverhältnissmässig lang, +zeigt eine andere Abtheilung mit grossem Eingang und zwei seitlichen +Fenstern (diesen Theil kann man als Pronaos bezeichnen), dann eine hintere +lange Kammer durch eine Wand mit Thür von der vordern getrennt. Der ganze +hintere Theil aber, die Cella ist zerstört bis auf den ersten an den +Pronaos stossenden Theil. Das ganze Gebäude ist über 60' auf 15', wie man +aus den Umrissen erkennen kann. Hammilton, der drei Abtheilungen erkannt +haben will, und auch die äusseren Mauern als rein dorisch angiebt, hat +andere Zahlenverhältnisse; worauf er dieselben basirt, konnte ich nicht +herausfinden. Nur die Höhe von 18' und einigen Zollen, und die Breite der +deckenden Steine am Eingange des inneren Zimmers, von einer Wand zur +anderen, wie die in Umma beida, stimmen mit den meinigen. Von diesen +colossalen Decksteinen, welche das glatte Dach des Tempels bildeten, +liegen nur noch zwei. Es unterliegt nach dieser Beschreibung also wohl +keinem Zweifel, dass der Tempel Bled el Rum ägyptischer Herkunft ist. +Hieroglyphen oder sonstige Inschriften waren nirgends zu entdecken, sollen +auch, wie mein Begleiter mir sagte, nie dort gefunden worden sein. + +Nachdem wir eine Zeit lang im Schatten der Deckquadern gerastet hatten, +traten wir den Rückweg an, ohne von den zahlreichen Katakomben, welche in +den Felswänden sich befinden, eine zu besichtigen. Dieselben sind ohne +Verzierungen und ganz leer. Unser Weg ging wieder zu den Gärten, brachte +uns diesmal zur Hauptquelle, welche inmitten der Gärten von Chamisa liegt, +und sprudelnd aus der Erde wie alle die andern auch, hervor fliesst. Von +einem runden aus Quadern aufgeführten Gemäuer umgeben, hat sie fünf gleich +starke Abflüsse, um nach verschiedenen Richtungen hin die Gärten zu +durchwässern. Dem Geschmacke nach war das Wasser vollkommen süss, und +hatte wahrscheinlich, ich hatte leider kein Thermometer bei mir, dieselbe +Temperatur wie die andern Quellen. Früher müssen die Gärten bedeutend +umfangreicher gewesen sein, wahrscheinlich waren die umgebenden Agolfelder +und die Sebcha bis Bled el Rum alle Gartenland. Aber ohne Frage ist dies +der fruchtbarste Theil der ganzen Oase, nur hier gedeihen Orangen und +Limonen, in langen Guirlanden rankt der Wein von Baum zu Baum wie in +Norditalien, Oliven, Feigenbäume, Granatbüsche, Quitten und Aepfel (diese +kleiner und verkrüppelter Art), Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und +Mandelbäume bilden ein ununterbrochenes Laubdickicht. + +Wir waren bald bei der Behausung meines Mannes wieder angekommen, und ich +bat nun mir seine Wohnung zu zeigen, was er auch mit Bereitwilligkeit +that; aber der grosse längliche Bau, dessen Mauern noch circa 6 Fuss hoch +aus der Erde ragten, aus regelmässig behauenen Steinen aufgeführt, bot im +Innern nichts als eine bequeme Benutzung der Räumlichkeit, welche durch +andere Thonwände und Laubscheiden in Zimmer, Höfe und Stallung für Vieh +eingerichtet waren. Der Eingang schien auf der langen Seite gewesen zu +sein, welche gegen Süden gerichtet war, denn hier fand man sie in der +Mitte durchbrochen, alle andern Seiten zeigten keine Spur eines Einganges, +sondern das ursprüngliche Gemäuer. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass ein +derartiges Gebäude eine Privatwohnung war, aber auch ein Tempel dürfte es +schwerlich gewesen sein, vielmehr ein anderes öffentliches Gebäude oder +ein Schutzwerk dieser vorgeschobenen Gärten. + +Da ich gar nichts bei mir hatte, was ich dem guten Manne, der mich so +freundlich geführt hatte, hätte bieten können, so forderte ich ihn auf, +uns zu unsern Zelten zu begleiten, was er auch bereitwilligst that. Mein +Führer aber war bei unserer Rückkehr gar nicht zufrieden, dass ich ohne +ihn nach Chamisa gegangen war, wie er auch früher schon nicht wollte, dass +Staui vorausgeschickt wurde, sondern selbst gern Bote gewesen wäre. Er +glaubte, mich als ein willenloses Werkzeug in seiner Hand zu haben, wollte +den Beschützer herausbeissen, und das um so mehr, je mehr wir uns dem +gefürchteten Orte näherten. Unterwegs hatte ich mich allen seinen +Anordnungen gefügt, aber ihm jetzt gezeigt, dass er weiter nichts als +Wegweiser sei, und ich seiner Rathschläge und seiner Vermittelung mit den +Eingebornen nicht bedürfe. Reichlich beschenkt, half unser neuer Freund +aus Chamisa unsere Kameele laden, und um 4 Uhr Nachmittags, als es schon +anfing kühler zu werden, nahmen wir Abschied von ihm und setzten uns in +Bewegung. + +Der Weg führte abwechselnd durch Grasbüschel, Agolkraut und Sebcha, und +südöstliche Richtung haltend, hatten wir links einen glänzenden +Salzspiegel. Nach einer Stunde ging dieser in ein offenes Wasserbecken +über, von zahlreichen Enten und Gänsen belebt, und wir selbst befanden uns +jetzt zwischen niedrigem Palmgebüsch, aus dem allmählich hohe und schlanke +Palmen wurden, und bald sahen wir uns auf gleicher Höhe mit den Gärten. +Wir hatten im Ganzen nur zwei Stunden bis Siuah, von denen die erste +Stunde in S.-O., die letzte in O.-N. zu machen. Als wir uns aber der Stadt +so weit genähert hatten, dass wir unter den Wällen die Leute mit blossem +Auge erkennen konnten, liess ich halten. Es kam mir verdächtig vor, dass +Staui, der einen vierstündigen Vorsprung hatte, nicht zurückgekehrt war, +um uns einzuholen. Wir befanden uns in einer sandigen Ebene, wo hie und da +hohe Palmen, hie und da Palmbüsche standen; da wo wir hielten, konnten wir +den ganzen Ort sehen und gesehen werden. Als aber nach abermaligen 10 +Minuten Niemand aus dem Orte kam, gingen wir etwas seitwärts zu einer +Gruppe hübscher Bäume, liessen die Kameele knieen, abladen und schlugen +Zelte. Und nachdem dies geschehen war, hiess ich den Führer in die Stadt +gehen, um die Ursache zu erfragen, warum Staui nicht zurückgekommen sei. + +Leute, welche von aussen kamen und zur Stadt gingen, andere die nach der +Bearbeitung der Gärten herauskamen, gingen bei uns vorüber, ohne irgend +etwas zu sagen. All dies kam mir so sonderbar vor, dass ich schon zu +fürchten anfing, die fanatische Partei hätte vielleicht die Oberhand +bekommen und es durchgesetzt, mir den Aufenthalt in Siuah zu verbieten, +wie das wiederholt mit früheren Reisenden der Fall gewesen war. Es +dunkelte schon als der Führer zurückkam; mit Angst und Zagen war er +hingegangen, freudestrahlenden Antlitzes kam er zurück: der Gatroner und +er seien sehr gut empfangen worden, sagte er, und ersterer sei schon +längst aus der Stadt zurückgekehrt, müsse sich aber wohl seiner +Halbblindheit wegen verlaufen haben, die Schichs, fügte er hinzu, würden +es gerne sehen, wenn Du noch diesen Abend zur Stadt kämest. Das ging nun +freilich nicht mehr, es war zu dunkel, um zu packen, überdies war es 8 Uhr +Abends geworden. + +Ich lag schon auf meinem Feldbette und wollte gerade das Licht auslöschen, +da es 10 Uhr Abends geworden war, als ich Pferdegetrappel hörte und lautes +Rufen von Menschen. Aufspringen und mit dem Revolver aus dem Zelte +stürzen, war eins, aber im selben Augenblicke kam auch schon der Führer +auf mich zugelaufen und rief: "Alle Schichs kommen, um Dich zu begrüssen." +Gleich darauf waren sie denn auch vor den Zelten und drängten sich am +Eingange des meinigen zusammen. Dasselbe konnte höchstens drei Personen +fassen, weil Bett und Kisten fast den ganzen Raum einnahmen. Ein junger +Schich, kaum 18 Jahre alt, kam zuerst herein und nahm unaufgefordert Platz +(ich merkte daraus gleich, dass er einer der vornehmsten Persönlichkeiten +von Siuah sein musste), zwei andere ältere folgten und setzten sich ihm +gegenüber, während die andern sich vors Zelt hockten, wohin Teppiche +gelegt waren. Die drei im Zelte befindlichen Schichs waren reich gekleidet +mit Kahiriner Stoffen, namentlich hatte der junge Schich Hammed die +neuesten Seidenstoffe mit echter Goldverzierung an. Nachdem wie gewöhnlich +die Ssalamat und Begrüssungen recht lange gedauert hatten, riefen alle ein +Willkommen; dann zog Schich Hammed einen Brief aus den Falten seines +Turbans und ihn mir reichend, sagte er: "Mein Bruder Omar (dies ist +gegenwärtig der mächtigste der Schichs von Siuah, und auch der am besten +in Kairo angeschriebene), erster Schich der Lifaya, hat, nachdem er lange +auf Dich gewartet hat, abreisen müssen, nun hat er diesen Brief für Dich +zurückgelassen und mir befohlen (bei den Mohammedanern gehorcht, sobald +der Vater todt ist, der jüngere dem älteren Bruder) Dir Gastfreundschaft +zu erzeigen. Ich habe nicht bis morgen warten wollen, und als die andern +Schichs erfuhren, ich sei aufgebrochen, Dich zu begrüssen, wurden sie +eifersüchtig und sind mitgekommen, wenn sie aber nichts gemerkt hätten, +wären sie sicher nicht gekommen." Ein grosser Lärm entstand, die andern +riefen "Lügner, wir wollten den Christen zuerst besuchen, und Du hast Dich +uns angeschlossen." Im Augenblick sah ich, dass die alte Feindschaft +zwischen Lifaya und Rharbyin noch immer existire. Ich beschwichtigte +rasch, indem ich dankte und sagte, Alle wären mir gleich willkommen; "Gott +allein sieht in Eure Herzen," fügte ich hinzu, "und nur Er weiss, wessen +Herz weiss oder schwarz ist." Ich hatte glücklich so die Rivalität +gedämpft, obgleich sich die Rharbyin gedemüthigt fühlten, als nun Schich +Hammeds Diener ein fettes Schaf, einen grossen Korb voll Reis, einen Sack +mit Datteln und Zwiebeln hereinbrachte, und hinzufügte, dies sei sein und +seines Bruders Gastgabe. Ich dankte für die Aufmerksamkeit, und suchte +dann eine allgemeine Unterhaltung in Gang zu bringen. Die Schichs fingen +an sich zu entschuldigen wegen ihres Benehmens gegen Hamilton, und +versuchten namentlich, und auch wohl nicht mit Unrecht, alle Schuld auf +die Lifaya zu schieben. Hammed sagte dann vor Zorn erröthend: "Die Zeiten +sind heut anders, wir haben den Vapor (Eisenbahn) und Eisendraht (Ssilk, +so bezeichnet man den Telegraph) in Aegypten kennen gelernt. Wenn vor 10 +Jahren unsere Väter in Aegypten das gesehen hätten, was wir jetzt sehen, +so wäre alles das nicht vorgefallen, aber ma scha Allah kan, was Gott will +geschieht," schloss er mit des Propheten Worten. + +Endlich sagte ich der Versammlung (man hatte schon Kaffee genommen und +sass wenigstens eine Stunde), ich sei müde und wünsche zu schlafen. Die +Schichs erhoben sich nun auch sogleich, sagten aber, sie würden draussen +bei meinem Zelte schlafen, denn sie seien für mich verantwortlich, deshalb +hätten sie auch gleich ihre Teppiche mitgebracht. Ich sah jetzt erst, dass +jeder einen Teppich bei sich hatte. Auf mein Erwiedern, dass ich dies +nicht leiden würde, sondern vollkommen auf den guten Sinn der Siuahner +vertraue, wollten sie nicht hören, erst auf meine Erklärung, dass, falls +sie zu bleiben bestünden, ich aufpacken und meinen Lagerplatz weiter +zurück verlegen würde, zogen sie von dannen, mit dem Versprechen, mich am +folgenden Morgen feierlichst einzuholen. + +Und so kam es denn auch; am andern Morgen ganz früh waren Alle wieder da +und noch viele Neugierige mit ihnen. Nach schnellem Packen ging es dann +vorwärts nach Siuah, zwei Schichs voraus zu Pferde (in der ganzen Oase +sind nur 4 oder 5 Pferde), dann ich und mein bayerischer Diener je zu +Kameel, endlich die andern Kameele mit siuahnischen Eseln von ihren +Eigenthümern geritten und Fussleute, und gewiss alle Kinder des Ortes. +Auch der alte Staui hatte sich Morgens wieder eingefunden, in seiner +Blindheit war er im Dunkeln vom Wege gekommen, und der arme Teufel hatte +die ganze Nacht ohne Nahrung am Fusse einer Palme zubringen müssen, bis in +der Früh ihm Siuahner den Weg zu unserm Lagerplatz zeigten. Natürlich +wurde viel Pulver verbrannt, und meine Diener machten mit ihren +Doppelflinten und Revolvern auch nicht wenig Lärm. So gings zwischen den +beiden Anhöhen durch, von denen die eine terrassenförmig bis oben mit +Häusern bebaut ist und den Lifaya gehört, indessen die andere, dicht +westsüdwestlich von diesem gelegen und am Fusse bebaut, von den Rharbyin +bewohnt ist. Dann nach Norden biegend, erreichten wir das Kasr oder +Schloss, welches die Wohnung des Mudir, Rathhaus und Gefängniss für ganz +Siuah ist. Hier wurden wir einquartiert, und da der Mudir gerade in +Alexandrien war, uns die ganze obere Etage, welche gute und luftige Zimmer +hatte, zur Verfügung gestellt. Während wir noch mit unserer Einrichtung +beschäftigt waren, kam denn auch der Kahdi, aber ich merkte, dass sein +Besuch ein vollkommen erzwungener war, jedenfalls nicht aus freiem +Antriebe erfolgte, ich kürzte denselben denn auch so rasch wie möglich ab, +froh endlich einige Augenblicke Ruhe zu haben. + +Also war ich da in dieser hochberühmten Oase, welche zu sehen ich mich +schon lange gesehnt hatte, diesen geheimnissvollen Fleck, der die Ursache +so vieler Opfer gewesen war, welcher so reiche geschichtliche Erinnerungen +wach rief. Noch vor 6 Monaten in der Hauptstadt der Intelligenz unserer +Zeit, befand ich mich jetzt an dem Orte, wo vor mehr als 2000 Jahren die +damals bekannte Welt sich Raths erholte, an der Stelle, wo der grösste +Krieger seiner Zeit sich "Sohn des Zeus" anreden hörte! Oft glaubte ich zu +träumen, aber ein Blick aus meinem Fenster auf die unzähligen Katakomben +sagte mir dann, Alles ist Wahrheit, Du bist wirklich an der heiligen +Stätte des Jupiter Ammon. Da vor Dir sind die stummen Zeugen, welche die +Reste derer beherbergten, auf deren Worte Könige und Völker lauschten, +während jetzt ihre Knochen, von rohen Barbaren umhergeschleudert, in der +Sonne bleichen, und langsam durch den ewigen Kreislauf aller Dinge sich +auflösen, um in die ewige Natur zurückzukehren. + +Die Gründung des ammonischen Orakels geht bis in die vorgeschichtliche +Zeit zurück, die ältesten Nachrichten darüber finden wir bei Herodot. +Diodor und Curtius geben uns eine ausführliche Beschreibung der schon +bestehenden Oertlichkeiten, und in der neuesten Zeit finden wir in O. +Parthey's trefflicher Abhandlung über die Jupiter Ammons-Oase Alles +erschöpfend niedergelegt, was Ursprung, Bedeutung, Geschichte des Orakels +und des ehemals und jetzt dort lebenden Volkes anbetrifft. Demnach steht +es nun unzweifelhaft fest, dass sowohl die Stadt Ammon[32], als auch die +Ruinen des Orakels ägyptischen Ursprungs sind. Wie früh überhaupt der Ruf +des Orakels verbreitet war, geht daraus hervor, dass Krösus von Lydien +sich dort Raths erholte, Cambyses wollte das Königreich der Ammonier +zerstören, aber sein ganzes Heer wurde durch Wassermangel und heisse +Landstürme aufgerieben. Erst durch den berühmten Zug Alexanders wurde die +Lage des Orakelortes und die örtliche Gestaltung desselben ans Tageslicht +gezogen, denn selbst Herodot weiss über die Lage noch nichts Bestimmtes +anzugeben. + +Wir wissen schon von den Alten, und durch die neuesten Reisenden ist dies +bestätigt, dass es in der Oase zwei Tempel des Jupiters Ammon gab, von +denen der eine grössere unmittelbar neben der Akropolis selbst stand, der +andere kleine nicht fern von jenem neben dem Sonnenquell in einem +Palmhaine gelegen sein soll. Obgleich nun schon Minutoli die äussere Mauer +des grossen Tempels in Agermi bemerkt hatte, sie aber, weil er nicht ins +Innere dringen konnte, für blosses Mauerwerk hielt, namentlich Hirt darauf +aufmerksam machte, dass Umma beida nur der kleine Ammonstempel sein könne +(dagegen fälschlich den grossen nach Siuah hin verlegt haben wollte), so +hielten doch alle neuern Reisenden von Browne bis auf St. John den Umma +beida-Tempel für den grossen. Erst Hamilton machte zuerst die wichtige +Entdeckung des grossen Tempels in Agermi, der alten Akropolis, indem es +ihm gelang, in das Innere selbst hineinzudringen. Hamilton hält nun zwar +das Gebäude selbst für die Akropolis, allein schon aus seiner eigenen +Beschreibung geht hervor, dass wir es mit einem Tempel zu thun haben. Nach +ihm der erste Europäer, der Siuah wieder besuchte, kann ich, was derselbe +über die Grossartigkeit dieser Baulichkeit sagte, nur bestätigen, und +glücklicher wie er, konnte ich wenigstens die Copien von einigen +Hieroglyphen mit heim bringen. Schmutz, Rauch, Dunkelheit des ganzen +Raumes, und namentlich die Durchbauung des ganzen Tempels mit Häusern +verdeckten zwar die Hauptsache, oft war auch sogar eine Colonne +absichtlich zerstört, indem man die erhabenen Hieroglyphen abgehauen oder +die Bilder verkalkt hatte, indess konnte unser berühmter Aegyptolog +Brugsch aus den ihm vorgelegten Abzeichnungen erkennen, "dass die Texte in +altägyptischer Schrift abgefasst sind, dass sie sich auf eine Reihe +männlicher Gottheiten beziehen, die, nach den erhaltenen Kronen zu +urtheilen, Ammon und den widderköpfigen Harschaf, den Arsaphes der +Griechen, darstellten, dass endlich die Texte Reden jener Gottheiten +enthalten, die sich an einen Gott wenden, welcher Ur-testu, das ist +Grosser der Völker, genannt wird. Dies Epitheton beweist, dass der König +ein nicht einheimischer war, sondern einer fremden Dynastie angehören +musste." Der Name der Oertlichkeit scheint leider nicht genannt, +wenigstens war Brugsch nicht im Stande etwas daraus zu erkennen, so dass +die Frage über die altägyptische Benennung des Tempels immer noch eine +offene bleibt. Hoffentlich gelingt es mit Unterstützung der ägyptischen +Regierung einem späteren Forscher die Bewohner, welche sich ihre Häuser in +den Tempel gebaut haben, zu vermögen, dieselben zu verkaufen und +abzubrechen, bei dem jetzigen guten Geiste der Bevölkerung würde dies ohne +Zweifel mit einigen Geldopfern zu bewerkstelligen sein. + +Was das Bildniss des Ammon anbetrifft, so liegen darüber abweichende +Berichte vor; nach Curtius brachten die Macedonier die Nachricht zurück, +es gleiche einem Nabel ringsum mit Smaragden und Edelsteinen besetzt. Es +wurde in Procession von Priestern in einem vergoldeten Schiffchen +herumgetragen. Silberne, an beiden Seiten herabhängende Schellen +klingelten, und alte Weiber und Jungfrauen sangen herkömmliche Weisen +dazu. Diodor, ohne des Nabels zu erwähnen, macht dieselbe Beschreibung wie +Curtius, Arrian sieht das als Fabel an, er weiss, dass der Jupiter Ammon +als widderköpfig abgebildet wird. Auffallend ist nun aber, dass nach den +neuesten Forschungen der ägyptische Ammon nie widderköpfig abgebildet +wird, sondern Knepf oder Chnubis. Jedenfalls ist wohl anzunehmen, dass das +Bild anders im Allerheiligsten des Tempels, wohin nur die geweihten +Priester dringen durften, dargestellt wurde, als wie man es ausserhalb dem +grossen Publikum zeigte. Alexander trug nach seinem Besuche bei Ammon +häufig als Helmschmuck Widderhörner, und auch derartige Münzen liegen vor. +Möglich, dass Alexander, da er im Allerheiligsten war, das wirkliche +Ammonsbild zu sehen bekam. Chnubis, Knepf und Ammon werden übrigens nach +Brugsch häufig verwechselt. Im kleinen Tempel von Umma beida findet sich +ein grosser Marmorblock, der auf allen vier Seiten einen grossen +menschlichen Kopf mit Widderhörnern zeigt. Dies kann möglicherweise der +Sockel gewesen sein, auf dem die Statue des Jupiter Ammon stand. Der Kopf +selbst, eine scheussliche Fratze von Doppelmenschen-Grösse, soll wohl kein +eigentliches Bild des Ammon sein, hat aber jedenfalls Bezug darauf. Das +Widderhorn und der Widder mussten überhaupt bei den alten Ammoniern eine +grosse Rolle spielen, Beweis davon der kleine in Bab el medina, eine +Stunde südwestlich von Siuah, gefundene Marmorwidder, jetzt in Berlin auf +dem Museum. + +Wenn wir zur Zeit Alexanders das Ammonsorakel den grössten Ruhm geniessen +sahen, so dass es sich mit denen von Delphi und Dodona in jeder Beziehung +messen konnte, so bemerken wir andererseits, dass es zur Zeit Christi nur +noch wenig mehr cultivirt wurde. Die Römer scheinen überhaupt nie grosse +Vorliebe für dieses Orakel gehabt zu haben. Wir finden, namentlich durch +die griechischen Bewohner Cyrenaica's gestiftet, verschiedene dem Ammon +gewidmete Tempel auf der Nordküste von Afrika, ebenso auch in Griechenland +selbst, aber in Italien wird uns von einem solchen nichts überliefert. + +Mit der Christianisirung von ganz Nordafrika hörten die Ammonstempel in +der Oase auch auf heidnische Gotteshäuser zu sein, wahrscheinlich wurden +sie in Kirchen umgewandelt. Zur Zeit des Christenthums in Afrika, wurde +Siuah[33], wie die anderen Oasen (Uah) als Verbannungsort benutzt, und als +im 7. Jahrhundert die Araber über Nordafrika sich ergossen, fiel es dem +mohammedanischen Cultus anheim. + +Die Nachrichten der arabischen Schriftsteller Edrisi, Abu'l Feda, Ebn el +Wardi und Jakuti sind sehr vage, sie führen den Ort unter der Benennung +Santariat auf, wenn aber Ritter meint, dass erst Wansleb im Jahre 1664 +zuerst den Namen Siwah als gehört aufgebracht habe, so finden wir diese +Benennung neben Santariat auch schon bei Makrisi erwähnt. Heute ist jede +Erinnerung an Jupiter Ammon bei dem Volke verschwunden, nicht so die von +Alexander und Santariat. Der letzte Name Santariat, findet sich in alten +in der Oase aufbewahrten Deftas[34], und als ich Umma beida besuchte, +sagten mir unaufgefordert meine Begleiter, dass dieses Gebäude von +Iskender (Alexander), demselben der Skendria[35] gegründet, erbaut wäre. +Wenn wir nun auch wissen, dass Alexander beide Tempel schon erbaut +vorfand, so geht doch daraus hervor, dass eine Erinnerung an ihn sich von +Generation zu Generation fortgepflanzt hat. + +Politisch war seit den ältesten Zeiten die Oase wohl immer in einer Art +von Abhängigkeit von Aegypten. Ob Herkules zum Ammon gekommen, sowie +Semiramis, ist nicht festzustellen. Sicher ist aber, dass die Vertreibung +der Juden aus dem Lande der Pharaonen mit auf Rath des Ammon geschah, und +dann bieten geschichtliche Anhaltspunkte: der Zug des Kambyses und +Alexanders, Lysanders und Hannibals Rathfrage, der Besuch Kato des +Jüngeren u.a. Nach Herodot unter eigenen Königen, dann den Persern +unterworfen, beugten die Ammonier sich freiwillig vor den Macedoniern. +Unter den Ptolemäern und Römern scheinen sie ein mildes Joch gehabt zu +haben, und die Könige der Ammonier, unter denen wir wohl die Oberpriester +des Tempels verstehen müssen, genossen schon ihrer grossen Heiligkeit +wegen einer gewissen Berücksichtigung. Plinius rechnet das Orakel zu +Cyrenaica, und geographisch zählt Hierokles die Ammons-Oase zu den sechs +Städten Libyens, während Lukan und Silius Italicus den Tempel als einen +Tempel der Garamanten bezeichnen; andere noch rechneten die Oase zum +Gebiete der südlich von Cyrenaica hausenden Asbysten. + +Die Ammonier scheinen freiwillige Abgaben gegeben zu haben, so wissen wir, +dass zur Zeit der persischen Herrschaft die Perserkönige nur ammonisches +Salz, das im Alterthum hochberühmt war, auf ihrer Tafel duldeten, und dass +dies nebst dem Wasser des Nils einen Theil des Tributs ausmachte. + +Im Jahre 1150 für immer dem Koran anheim gefallen, blieb die Oase dennoch +unabhängig, bis Mehemed Ali 1819 dieselbe unterwerfen liess, und seit der +Zeit unter Beibehaltung seiner Schichs der Ort einen jährlichen Tribut an +Aegypten zahlen musste. Nicht zufrieden damit, empörten sich die Bewohner +zu wiederholten Malen, versetzten aber im Jahre 1853 ihrer +Quasiunabhängigkeit den Todesstoss durch die schlechte Behandlung, welche +sie dem englischen Reisenden Hamilton widerfahren liessen. Gleich darauf +von Said-Pascha mit einer Soldatenmacht überzogen und durch eine +ausserordentliche Abgabe gebrandschatzt, ist Siuah seit der Zeit +integrirender Theil Aegyptens und bildet jetzt ein Mudirat, mit +Beibehaltung der eigenen Schichs, die indess nur Familienangelegenheiten +zu ordnen haben. + +Uns Europäern wurde die Oase zuerst durch Browne wieder entdeckt im Jahre +1792, und sechs Jahre später war es ein Deutscher Namens Hornemann, +welcher durch die Mittel der afrikanischen Gesellschaft von London, mit +Unterstützung Napoleons, der zu der Zeit in Aegypten war, die berühmte +Oase erreichte. Belzoni, der ungefähr zwanzig Jahre später reiste, und +zwischen 1815 und 1819 die kleinen Oasen westlich vom Nil besuchte, ist +nie in Siuah gewesen. Er glaubte in dem Brunnen der Oase El Kasr den +Sonnenquell entdeckt zu haben, der im Alterthum seiner abwechselnden +Temperatur wegen bekannt war, und den Belzoni bei der Quelle El Kasrs +wahrzunehmen glaubte. Quellen, die ein solches Täuschungsgefühl +hervorrufen, giebt es fast in allen Oasen der Wüste, am bekanntesten ist +ausser der Sonnenquelle die grosse Quelle von Rhadames. Erst 1819 +erreichte Butin, ein französischer Officier, Siuah, entging mit genauer +Noth dem Tode, um ihn bald nachher in Syrien zu finden, wo er ermordet +wurde. Gegen Ende desselben Jahres kam Cailliaud nach der Oase, er durfte +Umma beida besuchen und constatirte zuerst die tiefe Lage des Thales. + +Als dann im selben Jahre Mehemet Ali Siuah durch Schamaschirgi Bei +unterwerfen liess, begleiteten diesen der französische Generalconsul +Dovretti von Alexandria, ausserdem der Ingenieur Linaud de Bellefonds, +Ricci und der Maler Frediani. Von einer Truppe von 1500 bis 2000 Mann +unterstützt, kann man sich denken, dass sie Alles besichtigen konnten, +dennoch kamen sie nicht in den grossen Tempel von Agermi; ungehindert aber +konnten sie Umma beida, Amudeïn, Bled el Rum und den See Araschich +besichtigen, Jomard hat ausführliche Beschreibungen davon gegeben. + +Minutoli besuchte im Auftrage des Königs von Preussen die Oase im +folgenden Jahre, und erreichte, da er sich einer guten Aufnahme zu +erfreuen hatte, die besten Resultate, seine Ansichten von Agermi und Siuah +sind noch heute so ähnlich, als ob die beiden Oerter sich gar nicht +verändert hätten. Minutolis Begleiter, Ehrenberg Hemprich u.a. fanden +aber, da der General inzwischen zurückgekehrt war, so schlechte Aufnahme +bei den Einwohnern, dass sie nichts ausrichten konnten. Erst 1847 wurde +die Jupiter Ammons-Oase dem Publikum wieder ins Gedächtniss gerufen durch +die Reise des Engländers Bayle St. John von Aegypten aus, der mit einigen +Gefährten die Oase besuchte, aber auch mit grossen Widerwärtigkeiten zu +kämpfen hatte, hervorgerufen durch den glühenden Hass und Fanatismus der +Eingebornen gegen jeden Europäer. Hamilton endlich war es 1853 vorbehalten +den grossen Tempel des Jupiter Ammon zu entdecken, obwohl er in demselben +nur die Königsburg zu erkennen glaubte. Obgleich im Anfange mit Kugeln +empfangen und lange Zeit gefangen, konnte er nachher unter dem Schutze +ägyptischer Soldaten frei umhergehen, und alles Interessante untersuchen. +Seit seiner Zeit ist den Europäern die Oase geöffnet; denn durch eine +Extracontribution, durch Soldateneinquartierung, und durch die Bestellung +eines Mudirs, wurde der Trotz der Eingebornen gebrochen. Und wenn Hamilton +fühlte und sagte, dass seine Leiden und Entbehrungen zukünftigen Reisenden +die Thore von Siuah öffnen würden, so hatte er vollkommen Recht, nicht nur +ist er der Wiederentdecker des grossen Tempels des Jupiter Ammon, sondern +auch der Schlüssel zur Oase für die späteren Reisenden gewesen. + +Die Lage des Ortes Siuah bestimmte Browne zu 29° 12' und einigen Sekunden +nördl. Br., die Länge zu 24° 54' östl. v. Gr. Cailliaud giebt dieselbe zu +29° 12' 20" nördl. Br. und 23° 46' östl. L. v. P. an. Auf der +Petermann'schen zehnblättrigen Karte finden wir gleiche Maasse, ebenso auf +der Karte, welche der Partheyschen Abhandlung über die Jupiter Ammons-Oase +beigegeben ist. Ehrenberg auf seiner Karte verlegt es 29° 30' nördl. Br. +und circa 26° 15' östl. L. v. G. Gruoc bestimmt die Breite des Umma +beida-Tempels 29° 9' 52" nördl. Br., Pacho auf seiner seinem Werke +Cyrenaique etc. beigegebenen Karte hat 29° 12' und einige Sekunden n. Br. +und circa 23° 50' östl. L. v. P. Auf der Minutolis Atlas beigegebenen +Karte finden wir gleiche Lage, wie bei Cailliaud angegeben, Kiepert +endlich hat 29° und einige Minuten nördl. Br. und circa 43° 50' östl. L. +F.[36] Da alle diese und noch viele andere nur auf die Bestimmungen von +Browne und Cailliaud fussen, die Petermann-Hassensteinsche[37] Karte aber +diese Lage durch Itinerare unterstützt, so müssen wir, bis anderweitige +Messungen ein anderes Resultat ergeben sollten, uns an diese halten. Alle +weichen ja auch nur wenig von einander ab. Was die Höhe des Ortes +betrifft, so haben darüber die Alten schon Andeutungen gegeben. +Aristoteles sagt mit klaren Worten, dass die Oase des Jupiter Ammon tiefer +gelegen sei als Unterägypten, andere Schriftsteller, wie Eratosthenes von +Cyrene und Strabo, erkennen, dass die ganze Gegend von Jupiter Ammon unter +dem Meere gewesen sein müsse. Erst in der Neuzeit fand Angelot, ein +französischer Geolog, aus dem von Cailliaud beobachteten hohen +Barometerstand, dass die Oase circa 33 Meter tiefer als das +mittelländische Meer liege. Meine eigenen, auf 23 zu verschiedenen +Tageszeiten angestellten Barometerbeobachtungen fussenden Messungen +ergeben für Siuah eine mittlere Tiefe von 52 Meter. + +Die Oase gehört also zu der grossen nordafrikanischen Einsenkung, welche +sich ohne Unterbrechung von der grossen Syrte bis nach Aegypten hinzieht. +Die Grösse der Oase variirt sehr, so dass man, wenn man nicht verschiedene +Gesichtspunkte berücksichtigt, auf die grössten Widersprüche zu stossen +glaubt. Schon im Alterthum herrschte darüber Verwirrung. Browne giebt die +Länge der Oase auf sechs engl. Meilen (2½ St.), die Breite auf 4½ bis 5 +engl. Meilen (circa 2 St.) an. Minutoli rechnet die Länge des fruchtbaren +Terrains auf über 2 deutsche Meilen, die Breite beträgt nach ihm nie über +½ Meile. St. John giebt dem fruchtbaren Lande eine Länge von 5 engl. +Meilen, eine Breite von 3-4 Meilen. Das ganze Oasenthal von Muley Yus bis +Edras Amelal ist nach ihm 15 bis 17 engl. Meilen lang. Die Sache liegt +einfach so, dass wir annähernd genau die Länge der Oase bestimmen, aber +die Breite ohne wirkliche Messung nicht einmal schätzen können. Diese ist +nämlich, was das fruchtbare Terrain anbetrifft, wie in allen +langgestreckten Oasen so verschieden, oft nur einige Schritte breit, oft +zwei Kilometer, dass, wollte man eine durchschnittliche Breite angeben, +man sich ein ganz falsches Bild von der Oase machen würde. Dazu kommt +noch, dass man zur Oase ebenso gut den ersten Anfang von Vegetation, +welcher schon beim Brunnen Tarfaya beginnt, und weit im Osten von Siuah +als Hattieh sich fortsetzt, rechnen kann, oder nur eine engere Oase +annehmen, welche im Westen bei Maragi anfängt und im Osten bei Muley Yus +endet. Letztere hat eine Längenausdehnung von circa 4 deutschen Meilen, +derart, dass die Richtung von Maragi bis Siuah fast von N.-W. nach S.-O., +die von Siuah nach Muley Yus von S.-W. nach N.-O. streicht. Von +zahlreichen Sebcha und Hattieh unterbrochen, finden sich hier die +Palmengärten, von denen indess keiner in der Breitenrichtung mehr als 2 +Kilometer Ausdehnung hat. + +Am Südrande des steilabfallenden, aus Kalkstein bestehenden sogenannten +libyschen Küstenplateau gelegen, ist die Oase im Süden von nicht hohen +Sanddünen begrenzt. In der Oase selbst liegen mehrere steile Felsen, von +denen der Amelal und Djari in W. z. N. R. von Siuah, und davon zwei +Stunden entfernt, als zwei grosse senkrechte Zeugen bei einer Höhe von +circa 100 Meter die bedeutendsten sind. Der Dj. Muta, 1 Kilometer nördlich +von Siuah, dieser Ort selbst, Agermi, endlich Dj. Hammed ½ Stunde S. z. W. +vom Hauptorte, und der fünfköpfige Dj. Brick eine Stunde südöstlich von +Siuah, sind andere derartige Zeugen. + +Das Terrain, ursprünglich salzig und sebchaartig, ist durch die +zahlreichen süssen Quellen, von denen es in der Oase über 30 giebt[38], in +dem Bereiche dieser Quellen culturfähig geworden. Die berühmteste von +allen, aber nicht mehr die ergiebigste (diese ist in Chamisa, auch die +Mosesquelle ist stärker), ist Ain hammam, Taubenquelle, welche wir noch +heute nach alten Ueberlieferungen die Sonnenquelle nennen. Sie hat +ungefähr 110 Schritte im Umfange[39], am Grunde bemerkt man Mauerwerk. Sie +besitzt nur einen Hauptabfluss, der sich hernach in verschiedene Arme und +nach verschiedenen Richtungen zerspaltet. Nach Diodor hatte der +Sonnenquell seinen Namen daher, weil die Temperatur des Wassers in +umgekehrtem Verhältnisse zur Sonnenwärme stand; nach den Aussagen der +wissenschaftlichen Begleiter Alexanders, war der Sonnenquell Mittags kalt, +Mitternachts heiss, und Morgens und Abends lau. Wenn so die Alten, ihre +Beobachtungen auf das blosse Gefühl beim Eintauchen in das Wasser +stützend, allgemein die abwechselnde Temperatur als eine ausgemachte +Thatsache annahmen, und die wunderlichsten Erklärungen darüber gaben, so +ist es zu verwundern, dass sowohl Minutoli als auch Gruoc noch an eine +allen physikalischen Gesetzen widersprechende variirende Temperatur +glauben konnten. Bayle St. John und Hamilton, die übrigens nur einmal +Gelegenheit fanden, bei Tageszeit ihr Thermometer in den Sonnenquell zu +tauchen, fanden ersterer 84° F., letzterer 85° F. Meine zu allen +Tageszeiten und Nachts gemachten Beobachtungen ergaben unveränderlich 29° +C.[40], nur einmal um 2 Uhr Nachmittags bemerkte ich eine Erhöhung um +0,5°, was sehr wohl auf die hohe Lufttemperatur um die Zeit geschoben +werden kann. Meine Beobachtungen stimmen also mit denen der beiden +Engländer sehr gut. Bei allen andern Quellen, namentlich bei Ain mussa und +Ain ben Lif, welche einer öfteren Untersuchung unterzogen wurden, bemerkte +ich gleichen Wärmegrad. Den Eingebornen selbst ist über eine wechselnde +Temperatur der Quellen nichts bekannt, wohl aber schreiben sie einigen +Quellen, namentlich der Ain Hendeli gewisse Heilkräfte zu. Obgleich, +namentlich wenn man das Salzwasser in der Wüste gewohnt geworden ist, von +angenehmem Geschmack, ist das Wasser der Quellen salziger als das unserer +Flüsse. St. John, welcher Wasser aus dem Sonnenquell mitbrachte, und +untersuchen liess durch Price, fand die Dichtigkeit des Wassers zu +1,0015[41], die der Themse zu 1,0003. In 100 Theilen enthielt das +Sonnenquellwasser 0,23950 (das Themsewasser enthält 0,032932) solide +Theile, und davon waren gemeines Salz 0,1615. Es ist kein Grund vorhanden, +dass die andern Quellen anders zusammengesetzt sein sollten, denn alle +dringen wohl aus einer und derselben unterirdischen Süsswasserschicht, +hervorgepresst durch den Druck vom libyschen Wüstenplateau. Alle zeigen +auch dieselbe Erscheinung des Blasenaufsteigens, als ob das Wasser siede, +und haben in dieser Beziehung die grösste Aehnlichkeit mit dem Quell in +Rhadames. + +Die meisten grösseren Quellen haben eine künstliche, runde +Quadereinfassung, bei vielen gut erhalten. Namentlich sind die Ain Mussa +und Ain ben Lif noch heute mit so gut erhaltenen in Kreis gelegten Quadern +und Kalk umgeben, dass man glauben sollte, dass diese Bauten, welche +mindestens 2000 Jahre alt sind, gestern wären angefertigt worden. Von +Siuah aus liegt der Sonnenquell eine kleine Stunde östlich, Ain Mussa eine +halbe Stunde nordöstlich, Ain ben Lif, gleich südwestlich vom Orte selbst, +und Ain Hendeli am nordwestlichen Fusse des Dj. Brick. + +Das Klima würde in der Oase des Jupiter Ammon gewiss ein sehr gesundes +sein, wie überall in der Wüste Sahara, wenn nicht die vielen Sümpfe und +Sebcha, die Vermischung von Süss- und Salzwasser, die darin faulenden +organischen Stoffe, namentlich im Spätsommer, die schlimmsten Fieber +hervorriefen. Freilich behaupten die Eingebornen dagegen unempfindlich zu +sein, und glauben nur für Fremde sei jene Jahreszeit gefährlich, die +grosse in Siuah herrschende Sterblichkeit aber, das ungesunde, fahle +Aussehen der Kinder, beweisen zu Genüge das Gegentheil. Man wird nicht +irren, wenn man die mittlere Temperatur in Siuah zu 25° C. und vielleicht +noch einige Grade höher annimmt. Die tiefe Lage des Ortes, der Schutz, den +das Plateau gegen Nordwinde gewährt, lassen eine höhere Temperatur als an +andern Orten gleicher Breite leicht erklärlich finden. Der Himmel ist fast +immer rein, nur Morgens kommen manchmal Nebel vom Mittelländischen Meere, +Regen sind aber hier ebenso ausnahmsweise wie in allen andern Theilen der +grossen Wüste. + +Mit reichster Vegetation da bedeckt, wo die Süsswasserquellen[42] sind, +ist die Hauptpflanze die Dattelpalme, wie in allen Oasen der Sahara, und +auch an verschiedenen Sorten fehlt es nicht. Vor allen als vorzüglich +werden die Sorten Sultani und Rhaselli gepriesen, und bilden selbst einen +grossen Ausfuhrartikel nach Aegypten. Die Zahl der Dattelpalmen beträgt +über 300,000, obschon die officielle Zählung bedeutend weniger angiebt. +Das geht schon daraus hervor, dass in guten Jahren nach Minutoli bis an +9000 Kameelladungen, zu je 3 Ctr., gewonnen werden. An andern Bäumen ist +vor allen der Oelbaum bemerkenswerth, der hier in ungesehener Pracht und +Frische gedeiht. Doch werden die Palmen sowohl, als auch die andern +Obstbäume von Zeit zu Zeit mit Agol gedüngt, welches, zu dicken Bündeln +zusammengepresst, an die Wurzeln der Bäume gelegt wird. Nur in Chamisa +gedeihen Orangen und Limonen, aber überall gleich üppig die Weinreben, +Granaten, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen und Aepfel (die Aepfel sind +jedoch verkrüppelter Art). Was von den Alten noch an Bäumen erwähnt wird, +als Cyperus-Arten, der Baum Elate und andere, wohlriechendes Harz gebende +Bäume, so kommen dieselben heute in der Oase und der Umgegend nicht vor, +und werden auch wohl trotz der guten Autoren des Alterthums früher nicht +vorhanden gewesen sein, weil die klimatischen Verhältnisse ihr Wachsthum +nicht zuliessen. An Gemüsen wird ganz dasselbe gezogen, wie in Audjila, +aber obgleich hier culturfähiges Land genug vorhanden ist, und die +Bewässerung sich fast ganz von selbst macht, so reicht der Ertrag des +Getreides lange nicht für den Consum der Bewohner hin, und wie in allen +Oasen bildet auch hier die Dattel das Eintauschmittel. Die Bestellung der +Gärten ist natürlich lange nicht mit so grossen Schwierigkeiten verknüpft, +wie in den Oasen, wo durch das Heraufziehen des Wassers aus Brunnen das +Land bewässert werden muss, ausserdem ist das Wasser der zahlreichen +Quellen so reichlich, dass auch nicht auf eine karge Abmessung der Zeit, +wie beim Quell von Rhadames oder bei den Fogorat in Tuat gesehen zu werden +braucht. In der Jupiter Ammon-Oase ist das Wasser verhältnissmässig so +reichlich, wie in Tafilet und Ued Draa, kleine Bäche ergiessen sich nach +verschiedenen Richtungen aus den Quellen, und werden dann nach Bedürfniss +in die Gärten geleitet. + +Das Thierreich ist ebenso spärlich, wie in den Audjila-Oasen, Schafe und +Ziegen werden von den nördlich nomadisirenden Arabern eingeführt, Esel aus +Aegypten, einige Kühe werden draussen in den nordöstlichen Hattien +gehalten, da eine gefährliche Bremse, welche sich in der ganzen +nordafrikanischen Niederung aufhält, den Thieren schädlich ist. Aus dem +Grunde halten auch die Siuahner keine Kameele, obschon die Agolweiden in +der Oase ausgezeichnetes Futter dafür abgeben. Diese Fliege, welche auch +in ganz Centralafrika vorkommt, ist grau von Farbe, von der Grösse einer +Honigbiene, und quält Menschen und Thiere gleichviel; der Stich erzeugt +auf der Stelle Blutung, aber keine Anschwellung; sie ist jedoch nicht zu +verwechseln mit der viel gefährlicheren Zetse-Fliege, welche so weit nach +Norden zu nicht vorkömmt. Gross ist die Zahl der kleinen wilden +Waldtauben, welche sich in den Oelbäumen und Palmen herumtummeln, und da +diese besonders dicht beim Sonnenquell stehen, und so den Tauben +willkommenen Schutz und Schatten bieten, haben die Eingebornen den Quell +mit dem arabischen Namen "Ain el hammam" Taubenquell, belegt. + +Als sonstiges Naturproduct haben wir nur noch des Salzes zu erwähnen, +welches aus den Sebcha gewonnen wird. Im Winter sickert aus diesen sehr +salzhaltiges Wasser auf die Oberfläche, und nach erfolgter Verdunstung +bleibt im Sommer eine Salzkruste zurück, die an manchen Stellen die Dicke +von mehreren Zoll erreicht. Das Salz krystallisirt in oft mehrere +fingerdicke und fingerlange Stücke von schönster weisser Farbe zusammen. +Das von mir mitgebrachte von Baeyer in Berlin untersuchte Salz aus der +Ammons-Oase enthält 59,26 Proc. Chlor (reines Kochsalz enthält 60,66 +Proc.) hat also ungefähr 97,5 Proc. Kochsalz. Ausserdem fanden sich Spuren +von Magnesia und geringe im Wasser unlösliche Substanzen vor. Das im +Alterthum auch schon in der Medicin bekannte sal ammoniacum ist nicht mit +diesem zu verwechseln, dies wurde künstlich durch Destillation aus +Kameelmist gewonnen, während jenes ein Naturproduct der Oase des Jupiter +Ammon ist. + +Was das Volk anbetrifft, welches diese Wüsteninsel bewohnte und bewohnt, +so finden wir nur bei Herodot die Nachricht, dass es ein Mischlingsvolk +aus Aegyptern und Aethiopiern, und auch seine Sprache eine +zusammengesetzte sei. Wenn dies nun zur Zeit Herodots der Fall war, so +änderte sich das wahrscheinlich im Laufe der Zeiten. Der fanatische Islam +hatte wahrscheinlich alle Einwohner dahin gerafft. Im 12. Jahrhundert, +sagt Edrisi, existirten in den kleinen Oasen gar keine Einwohner, aber +Siuah schildert er mit Mohammedanern bevölkert. Makrisi führt Santaria +oder Siuah mit bloss 600 berberischen Einwohnern an. Und wenn wir heute +die Einwohner classificiren sollen, so müssten wir sie ohne Zweifel dem +grossen Berberstamm beizählen, welcher sich in der Wüste am reinsten in +den Tuareg und in Nordafrika, am unvermischtesten am Nordabhange des +grossen Atlas, im Rif und im Djurdjura-Gebirge erhalten hat. Die Sprache +der Siuahner ist nichts als ein Dialect des Tamasirht, und ohne Mühe macht +sich ein Targi, ein Rhadamser oder ein Atlasbewohner mit den heutigen +Söhnen des Jupiter Ammon verständlich[43]. Freilich fehlt den Bewohnern +Siuahs jene männliche, fast griechische Schönheit der Tuareg und +Atlasbewohner, auch ist ihre Farbe viel dunkler, ohne indess negerartig zu +sein. Dies hat aber lediglich seinen Grund in der starken Vermischung mit +Negerblut, wovon sich Tuareg und Atlasbewohner enthalten. Aber alle andern +Berber in der Wüste, welche in Häusern wohnen, theilen dies mit den +Siuahnern in gleichem Maasse: die Uadjili, Soknaui, Rhadamsi, Tuati, +Filali und Draui sind durch ihre starke Vermischung mit Negern hässlich +geworden. Während meiner Anwesenheit in Siuah sah ich mit Ausnahme des +jungen Schich Hammed, des Bruders Schich Omars, keinen einzigen Mann, von +dem man auch nur hätte sagen können, dass er hübsch gewesen wäre, von +schön nicht zu reden. Hervorstehende Backenknochen, wulstige Lippen, +breite Nase, fast ebenso viele mit lockigen, wie mit schlichten Haaren, +schwarze stechende Augen, gebräunte Hautfarbe bei fast magerem Körperbau, +das ist das Bild eines heutigen Siuahner. Aber ihre Sprache ist +unvermischt die Berbersprache, soweit nicht der Islam und einige andere +Umstände sie gezwungen haben, arabische Wörter aufzunehmen, wie das ja +auch alle andern Berbervölker, die den Koran angenommen, gethan haben. + +Wie in allen mohammedanischen Oertern ist es auch hier schwer, etwas +Bestimmtes über die Zahl der Bevölkerung zu erfahren. Bei Minutoli werden +8000 Bewohner auf 6 Stämme vertheilt angegeben, Hamilton, mein Vorgänger, +rechnet nur die Hälfte, 4000 Einwohner. Dovretti hat für Siuah allein 2500 +Seelen. Die Siuahner selbst gaben mir die Zahl der waffenfähigen Männer +auf 600 Mann und 800 männliche Sklaven für die ganze Bevölkerung an, was +eine Totalbevölkerung von 5600 Seelen ergeben würde. Von Haus aus +fanatisch und unwissend, scheint namentlich in den letzten 10 Jahren ein +merkwürdiger Umschwung mit ihnen vorgegangen zu sein, und hauptsächlich +ist dies wohl den innigeren Beziehungen mit Aegypten zuzuschreiben. Die +beiden Hauptstämme Lifaya und Rharbyin haben derzeit als Schichs: die +Lifaya einen gewissen Omar, die Rharbyin einen gewissen Hallok, in Agermi +ist zudem Mohammed Djari Haupt der Eingebornen. Die Lifaya zerfallen in +drei Unterstämme, ebenso die Rharbyin, von denen der eine in Agermi +ansässig ist. Natürlich ist, seit ein von Aegypten bestellter Mudir die +Regierung vertritt, die Macht der Schichs eine sehr beschränkte, und +berührt nur die intimsten Angelegenheiten der Familie. Die Bewohner der +Oase verschmähen ebenso wenig den Genuss des Lakbi und Araki, wie die +übrigen Inselbewohner der libyschen Wüste, nur verbergen sie den Fremden +ihre Trunksucht, und wenn man ihren Worten Glauben schenken wollte, so +hätte ein Siuahner nie Lakbi gesehen. Mit der Ehe steht es daher auch +nicht besser, und wenn Reisende behaupten, Wittwen und Unverheirathete +dürften nicht in Siuah selbst wohnen, so ist das offenbar ein +Missverständniss. Der eigentliche Ort Siuah ist so eng gebaut, und die +Häuser aus schlechtem Material so hoch, dass gar kein Platz zum Weiterbau +mehr vorhanden ist. Auf diese Art sind Sebucha, Menschia und der Ort im +S.-W. von der eigentlichen Burg Siuah entstanden, genau genommen sind dies +jedoch nur Quartiere eines Ganzen. Die reichen Bewohner kleiden sich sehr +elegant, nach Art der wohlhabenden Kahiriner Kaufleute; der gewöhnliche +Mann trägt sich wie in den andern Oasen. Bei den Frauen ist durchweg die +blaue Tracht der Fellah-Frauen in Aegypten hergebracht, als eigenthümlich +bemerkte ich, dass sie wie die Frauen in Centralafrika niederhocken und +ihr Gesicht abwenden, sobald sie einem Mann begegnen. + +Als Mohammedaner huldigen sie dem malekitischen Ritus, und in der Sprache +haben sie, unter sich Berberisch sprechend, im Arabischen fast ganz den +ägyptischen Dialect, im Schreiben jedoch halten sie sich an der +maghrebinischen Schreibweise. Religiöse Innungen sind drei vertreten: +Snussi, Madani und Abd Salamin von Mesurata. Die Snussi, die +jüngstentstandenen, sind am zahlreichsten. + +Ausser dem schon erwähnten Orte Chamisa hat die Oase als Hauptort Siuah, +welcher in den kasernenartig bebauten Berg und dem im S.-W. daran +liegenden Stadttheil der Rharbyin zerfällt, endlich im Nordost, dicht +dabei Sebucha, auch von Rharbyin bewohnt, und noch einen halben Kilometer +weiter nach N.-O. der von Lifaya bewohnte Ort Menschia. Der andere Ort im +N.-O., eine kleine Stunde von Siuah entfernt, ist Agermi, von Rharbyin +bewohnt. In früheren Zeiten herrschte in der Regel Krieg zwischen Agermi +und der Burg Siuah, seit die ägyptische Regierung festen Fuss hat, sind +die Fehden unblutiger Art. + +Was den Handel Siuahs anbetrifft, so ist derselbe gering, der Siuahner hat +lange nicht den Unternehmungsgeist der Modjabra, seine weitesten Reisen +sind Alexandria und Kairo; nach Audjila oder Bengasi, nach Fesan oder +Sudan kommt er nie. Jedoch als Zwischenstation von jeher wichtig gewesen, +besitzt Siuah verhältnissmässig viel Geld. Von einigen Producten führen +sie nur Oel[44] und Datteln nach Aegypten aus, und tauschen meist ihre +eigenen Bedürfnisse dagegen ein. An dem Sklavenhandel betheiligen sie sich +nur indirect, indem die Modjabra hier gewöhnlich mit ihrem Trupp einen +langen Aufenthalt nehmen, um die Sklaven wohlgenährt und fett auf den +ägyptischen Markt zu bringen. Die Einwohner verstehen nichts zu +fabriciren, wenn man nicht Körbe, Teller und Matten aus Palmzweigen und +Bast dahin rechnen will, wie sie in jeder andern Oase auch und besser +gemacht werden. Jedoch giebt es die hauptsächlichen Handwerker: Schlosser, +Schmiede, Schuhmacher, Schneider, Schreiner sorgen für die +unentbehrlichsten Bedürfnisse der Bewohner. + +Die Abgaben, welche das ägyptische Gouvernement bezieht, sind keineswegs +übermässig gross, denn 10,000 M.-Th.-Thaler jährlich ist gewiss nicht zu +viel für eine Bevölkerung von 5-6000 Seelen mit so reichen Palmwäldern und +Gärten wie diese Oase sie hat. Freilich werden dabei auch noch wohl manche +Nebenerpressungen dreingehen: der Mudir verlangt seine Bakschisch, der +Kadhi spricht nur Recht, wenn man ihm so und so viel unter seinen Teppich +legt, aber das ist Norm in allen mohammedanischen Staaten, und die +Siuahner haben keineswegs Grund mit der ägyptischen Regierung unzufrieden +zu sein. + +Wie ich schon angeführt habe, hatte man mich ins Kasr einquartiert, +welches nach Norden gelegen, unterhalb der Burg von Siuah, eine der besten +Wohnungen war; vor dem Hause befindet sich ein grosser ummauerter Platz, +in dessen hinterem abermals ummauertem Theile die Dattelmagazine sich +befinden, während in dem andern vordern Theile das zum Ausdreschen +bestimmte Getreide aufgespeichert liegt. In der Mitte steht eine hohe +Kuppel Sidi Slimans, eines in Siuah in grosser Verehrung stehenden +Heiligen. Am ersten Tage verging natürlich fast die ganze Zeit mit +Besuchempfangen. Selbst der fanatische Kadhi hatte für gut befunden dem +Christen einen Besuch zu machen, aber mein Erstaunen wurde noch vermehrt, +als auch der Mkaddem der Snussi zu mir kam, und sein Bedauern ausdrückte, +dass ich nicht Sidi el Madhi in Sarabub (den Sohn und Nachfolger Sidi +Mohammed Snussi's) besucht habe. Als ich ihm erwiederte, mein Führer habe +mir gesagt, und auch früher habe ich dies überall in Barca gehört, dass +Sidi el Madhi keine Christen in Sarabub sehen wollte, und ich mein Leben, +falls ich hinginge, riskiren würde, schwur er, dies sei eine böswillige +Verleumdung, Sidi el Madhi würde im Gegentheil sich gefreut haben mir +Gastfreundschaft erweisen zu können. Bald darauf wurde dann das +Gastgeschenk hereingebracht, ein fetter Hammel, Datteln, Reis, Zwiebeln, +Knoblauch und Tomaten, auch einige Körbe mit Brod fehlten nicht. Die +Uebrigen erklärten, die Bewohner wünschten, ich möchte wenigstens 14 Tage +ihr Gast sein, während der Zeit solle es mir an nichts fehlen, und um vor +Zudringlichkeit geschützt zu sein, oder bei etwaigen Käufen nicht +übervortheilt zu werden, stellten sie mir zwei Kavassen zur Disposition; +namentlich, liessen sie mir sagen, sollte mir Alles gezeigt werden, was +ich zu sehen wünsche. + +Mein erster Gang war natürlich nach Umma beida, theils weil die aus den +Palmen hervorragenden Ruinen von selbst schon einluden, theils weil gerade +Nachmittags noch Zeit genug zu dieser Promenade vorhanden war. Der Weg +dahin läuft immer zwischen den schönsten Gärten, und nach einer kleinen +Stunde ist man an Ort und Stelle. Nur von einem Diener begleitet und einem +Eingebornen, um den Weg zu zeigen, grüssten uns die uns Begegnenden +überall aufs freundlichste, viele schlossen sich auch wohl eine Strecke +Weges an, um etwas zu plaudern und Neuigkeiten zu erfahren. Umma beida +oder der kleine Jupiter Ammons-Tempel ist heute schon lange nicht mehr, +wie ihn Minutoli und später noch St. John gesehen haben. Der Thorweg, der +von beiden beschrieben und von Minutoli auch gezeichnet wurde, existirt +nicht mehr, nur vom hinteren Tempel stehen noch die Seitenwände etwa 25' +hoch und inwendig einen 16' breiten Raum lassend. Die Länge der noch +stehenden Mauern ist 14' resp. 10', und überdacht ist das Ganze von 3 +colossalen Monolithen[45], die auf der unteren Deckseite gut erhaltene, +ausgebreitete Adler zeigen. St. John will noch 10 andere Decksteine in +Bruchstücken auf der Erde liegen gesehen haben; ich bemerkte nur zwei und +einige Bruchstücke, welche zu zwei anderen gehört haben mochten. Zu Browns +Zeiten lagen sogar noch 5 Decksteine oben, Minutoli fand aber nur noch +drei vor. Dieser Theil des Tempels, dessen hintere südliche Wand fehlt, +dessen Pronaos noch zur Zeit Minutolis vorhanden war, jetzt aber auch +verschwunden ist, hat an seinen inneren Wänden vollkommen gut erhaltene +Hieroglyphencolonnen: an der östlichen Wand sind noch 53, von denen die +mittleren 47 ganz erhalten sind, an der westlichen Wand 52, mit 49 ganz +erhaltenen Colonnen. Unten aus kleinen Quadern gebaut, sind dieselben nach +oben zu grösser, und derart inwendig verkittet, dass durch die Fugen der +Schrift kein Abbruch geschieht. An der Aussenseite scheinen nie +Hieroglyphen gewesen zu sein, und die Bilder sind gänzlich verwittert. +Zwischen den allegorischen Bildern oberhalb und unterhalb der +Schriftcolonnen bemerkt man noch an manchen Stellen die ursprüngliche +Farbe, besonders grün und blau, was sehr dazu beiträgt, Bilder und +Hieroglyphen hervortreten zu machen. Die am südlichen Ende des Tempels +sitzende Figur des behornten Ammon, Huldigungen entgegennehmend, von den +mit Schakal- und Sperber-Köpfen versehenen menschlichen Figuren, ist das +am besten Erhaltene. Tölken, der Minutolis Aufzeichnungen bearbeitete, +erkannte darin die Bezwingung feindlicher Gottheiten, denen Ammon sich +nach der Besiegung gnädig erzeigt, sowie einen ganzen Zug Priester und +heiliger Frauen, und in der untersten Reihe den Tod des Osiris und die +Trauer um ihn. Dieser vollständige Cyclus heiliger Lehre bildete so im +Gotteshause selbst ein Lehrbuch für den geistlichen Unterricht[46]. + +Von der äusseren Umfassungsmauer ist nur noch die südöstliche Ecke, welche +aus gewaltigen Quadern besteht, vorhanden, alles Uebrige ist verschleppt +oder in den sehr morastigen Boden versunken. Nach Minutoli betrug die +Umfangsmauer 77 Schritt in der Länge und 66 Schritt in der Breite, was mit +meinen Messungen genau stimmt. + +Der Tempel selbst ruht auf einem beinahe viereckigen Kalkfelsen, dessen +obere Partie, ob Kunst oder Natur, grosse Alabasterquadern zeigt, in denen +sich eigenthümlich krystallisirte Rosetten befinden, welche oft einen Fuss +Durchmesser haben. Von unterirdischen Gängen ist jetzt nichts mehr zu +sehen, obschon die Leute von geheimen Gängen nach Agermi und Siuah fabeln. +Die Richtung des Tempels ist bei 15° Abw. genau 348°. + +Der Sonnenquell liegt 1 Kilometer südlich von Umma beida inmitten von +Palmgärten; da ich ihn schon oben beschrieben, sowie das Resultat der +Messungen, die ich an jenem und den folgenden Tagen wiederholte, schon +mitgetheilt habe, so brauche ich mich hier darüber nicht weiter +einzulassen. Der Rückweg nach Siuah wurde über Agermi genommen, ohne +jedoch den Ort selbst zu betreten, da für diese interessante Burg eine +eigene Tagesfahrt bestimmt war. Früh am andern Morgen ging es dann bei der +Tammagrat-Quelle vorbei, nach dem südöstlich etwa 1 Stunde entfernten +fünfspitzigen Dj. Brick. Hier scheint man die Steine zu den Bauten des +Tempels gebrochen zu haben, auch befinden sich da mehrere regelmässig +bearbeitete Felsengräber, wie die in Cyrenaica, einige sogar mit Säulen im +Innern. Verschiedene Grabkammern lassen aus ihrer Grösse und den vielen +Nebengemächern schliessen, dass sie ganzen Familien als Begräbnissstätte +dienten. Sonst war jedoch von Bildwerken oder Inschriften nichts zu +entdecken. Gleich am Fusse des Berges nordwestlich, entspringt die bei den +Eingebornen im grossen Rufe stehende Quelle Hendeli, welche einst so stark +gewesen sein soll, dass sie einen Bach bildete, welcher die Gärten bis Bab +el medina und weiter bewässerte, auch sollen in der Tiefe grosse Schätze +verborgen sein; jetzt ist sie nur mittelmässig stark, hat dieselbe +Temperatur, und war von Geschmack ganz gleich dem Sonnenquell. + +Während aller dieser Excursionen waren die Bewohner immer von der grössten +Bereitwilligkeit; wenn ich ermüdete, war rasch ein Esel zum Reiten zur +Hand, und namentlich liess Schich Hammed keinen Tag vorüber gehen, an +welchem er nicht irgend ein kleines Geschenk brachte. Entweder schickte er +Datteln oder Kuchen oder Eier, und schien absichtlich die Chikanen, welche +sein Stamm Hamilton zugefügt hatte, an mir wieder gut machen zu wollen. +Obschon er mich auf meinen Excursionen begleitete, musste er davon +abstehen, Agermi zu besuchen, weil als Lifaya er dort keinen Zugang hatte. +Vor circa 20 Jahren hatten nämlich die Lifaya sich Agermis durch +Ueberrumpelung bemächtigt, und nur mit Hülfe der anderen Rharbyin gelang +es den Bewohnern sich wieder in Besitz ihrer Burg zu setzen, seit der Zeit +aber ist es keinem der Lifaya gestattet, Agermi zu betreten, etwaige +Geschäfte werden vor dem Thore, in welchem immer eine Wache ist, +abgemacht. Für mich waren keine Schwierigkeiten den Ort zu besuchen, und +sobald ich am Thore war erkannt worden, bekam ich Einlass. Durch einen +gewundenen engen Gang, der an mehreren Stellen abgeschlossen werden +konnte, der manchmal überbaut war, und auf den auch die Djemma mündete, +ging es aufwärts zu einem freien Platze, der fast die Mitte des oben +glatten Felsens einnimmt, und um den herum die Häuser Agermis gebaut sind. +Zuerst musste ich den Schich Mohammed Djari besuchen, welcher der reichste +Mann der ganzen Oase sein soll; sein Haus war auch recht gut eingerichtet, +drei Stock hoch und da wo wir hingeführt wurden, bildete das Zimmer eine +Art Veranda. An beiden Seiten in demselben waren Divane von Thon mit +Matten belegt, über welche syrische Teppiche gebreitet lagen. Nach dem +Austausch der Höflichkeiten wurden Thee und Kaffee servirt und Neuigkeiten +aufgetischt, dann kam hauptsächlich die Schatzgräberei aufs Tapet, denn +die Eingebornen vermuthen, dass unter jedem alten Steine Gold und Silber +verzaubert liegen muss. Mohammed Djari wachte übrigens genau darüber, dass +seine Neger die Tassen vorschriftsmässig präsentirten und wieder in +Empfang nahmen, und sicher nahm er es als ein grosses Compliment entgegen, +als ich ihm sagte, bei ihm sei Alles "türkisch". Endlich konnte ich mich +losmachen, und er gab mir dann einen Kavas mit, der mir Alles zeigen +sollte. Einem anderen gewundenen und engen Gange folgend, bemerkte ich +gleich an einem Gebäude nördlich Grundmauern aus Quadern, oben darauf war +ein Stall, und nichts hinderte meinen Eintritt; aber so viel ich auch +suchte, es war eben weiter nichts als die Grundmauer zu entdecken, welche +2 Fuss hoch aus der Erde stand und von der nur die eine Wand übrig zu sein +schien. Nun nach Westen gehend, kamen wir bald an das grosse Gebäude, +dessen äussere Mauer man zum Theil von aussen des Ortes sieht, und dessen +innere Wand theilweise auf dem grossen Platz in Agermi zu sehen ist. Durch +die Wand führt ein gebrochener Weg gleich in einen Vorhof, dessen Dach +aber gänzlich verschwunden ist, und welcher 15 Fuss lang und 10 Fuss breit +ist. Nach Süden zu aber verbaut von einem Hause, kann man den südlichen +Eingang nicht sehen, der jedoch in Form einer einzigen grossen Thür +vorhanden ist. Hieroglyphen sind hier nirgends zu sehen. Durch zwei grosse +ägyptische Thore kommt man nach Norden in das Allerheiligste, welches aber +von Häusern ganz durchbaut ist. Die Thore, 18 Fuss hoch, kann man nur +mittelst der Häuser passiren. Voll Rauch, Staub und Russ, entdeckte ich +hier jene Hieroglyphen und Bilder, von denen einiges zu copiren nur mit +Hülfe mehrerer Kerzen gelang, und wovon ich oben das Resultat nach Brugsch +mitgetheilt habe. Die Leute zeigten auch hier den besten Willen mir Alles +sehen zu lassen, aber um vollständig befriedigt zu werden, hätte man ihre +Häuser, welche den grössten Theil der Wände bedeckten, wegbrechen müssen, +und dazu wollte sich natürlich Niemand verstehen. Jene Cella war in ihren +Dimensionen 24 Fuss lang auf 18 Fuss Höhe und 18 Fuss Breite. Interessant +war noch ein geheimer Gang in der Dicke der östlichen, inneren Längsmauer. +Wie ich später sah, steht derselbe jetzt noch in Verbindung mit dem +grossen Brunnen in Agermi. Derselbe ist 2 Fuss breit, so dass gerade ein +Mann darin gehen konnte, und war wahrscheinlich der Weg vom Tempel zum +Brunnen, den die Priester ungesehen hinabgingen, um am Wasser die zum +Opfer bestimmten Gegenstände zu reinigen. Der Brunnen selbst, auf der +Südseite des Platzes gelegen, ist durch den Fels gearbeitet, sehr geräumig +und tief, und von oben sieht man deutlich auf einer kleinen Plattform den +Tempelgang dicht oberhalb des Niveaus des Wassers ausmünden. + +Geht man dann vom Vorhof aus durch das die südliche Wand schliessende +Haus, so kommt man auf eine Strasse und stösst alsbald auf eine grosse +Mauer aus colossalen Quadern, die eine Art von Brücke über die Strasse +bildet. Der Häuser wegen lassen sich auch hier keine weiteren +Nachforschungen anstellen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach dürften dies +Reste der alten Akropolis sein, während das vorhin beschriebene Gebäude +mit zwei Abtheilungen dem grossen Tempel des Jupiter Ammon entspricht. +Schon der Zusammenhang mit dem Brunnen mittelst des geheimen Ganges macht +dies wahrscheinlich. Auch mit der Beschreibung der Alten, z.B. Diodor, von +den Räumlichkeiten der Jupiter Ammons-Oase stimmt Alles. Nach ihnen war +die heilige Quelle, und das ist der Brunnen, dicht bei dem Tempel gelegen. +Anführen muss ich noch, dass von diesem Brunnen aus, der eine starke +Quelle enthält, sieben Bäche aus dem Berge heraus nach aussen sich +ergiessen. Die dritte äussere Umschliessungsmauer, von der bei den Alten +die Rede ist, müssen wir jedenfalls wohl ausserhalb Agermi suchen, da der +Raum nicht gross genug gewesen sein würde, um Platz für Soldaten und +Diener, wofür er bestimmt sein sollte, aufzunehmen. Spuren von Mauerwerk +fand ich später südwestlich von Agermi zwischen einigen Hütten, +Tschücktschuck genannt, und diese könnten möglicherweise Reste der dritten +Umfassung gewesen sein. + +Es versteht sich wohl von selbst, dass ich meinen Besuch in Agermi +wiederholte, aber dennoch, so oft auch alle Häuser, welche zugänglich +waren, durchsucht wurden, war nichts zu entdecken. Gerade südlich von +Agermi, kaum einen Viertel Kilometer entfernt, finden sich die Reste eines +griechischen Tempels, seine Richtung ist von Westen nach Osten, die +Umrisse lassen sich nur aus den zum Theil aus dem Boden sehenden Quadern +erkennen, zu Tage liegt sonst nichts als die Schafte zweier cannellirter +Säulen. Die Schuttumrisse geben auf 18 Schritt Länge eine Breite von 14 +Schritt; ursprünglich mögen aber die Verhältnisse andere gewesen sein, da +dieselben eben nur durch Schutt und Anhäufungen zu bemessen waren. + +In jenen Tagen erstand ich auch durch Kauf den interessanten Marmorwidder, +sowie einige alte Münzen, welche in der Oase gefunden worden sind. +Zugleich machte ich mich auf nach dem Orte, wo der Widder war entdeckt +worden. Ungefähr 1½ Stunde S.-W. von Siuah gelegen, fand ich am Rande der +Oase und der Dünen nichts als einen 12' Quadrat grossen Schutthaufen, in +dem einzelne Kalkquadern lagen. Möglicherweise kann hier ein Triumphbogen +gestanden haben, worauf der Name bab el medina[47] wenigstens hindeutet. +Die übrige Zeit ging damit hin, die Oase nach allen Richtungen hin zu +durchstreifen, Agermi, Umma beida und der Sonnenquell erhielten täglich +einen Besuch, auch Ain Mussa, eine grosse schön ummauerte Quelle, auf +selbem Wege zwischen Siuah und Agermi gelegen. Besonders auch unterwarf +ich den Dj. Muta, Todtenberg, einer genauen Untersuchung, derselbe ist +etwas nördlich von Siuah gelegen. Ungefähr 150' hoch und an der Basis +einen Umfang von etwa 1500 Meter zeigend, ist dies gewiss die sonderbarste +Grabstätte, die man auf Gottes Erdboden antreffen kann. Seit Jahrtausenden +muss dies der gemeinsame Beerdigungsplatz der Bewohner der Oase gewesen +sein. Hunderte von Gewölben, Löchern, Katakomben und Gräbern machen aus +dem ganzen aus Kalkstein bestehenden Berg ein wahres Labyrinth, und es +giebt darin Gewölbe, welche zur Aufnahme von hundert und mehr Todten +hergerichtet waren. Spitz nach oben zulaufend, ist der Berg so +durchlöchert, dass er einem Zellenbau gleicht. Hunderte, Tausende von +zerrissenen Gerippen, ganze Haufen von Schädeln, oft noch gut +eingewickelte Mumienglieder liegen am Fusse des Berges umher. Da ist auch +kein Grab, welches nicht durchsucht, kein Gerippe, welches nicht +auseinander gerissen worden wäre, um möglicherweise Ringe oder +Schmucksachen an demselben zu entdecken. Ja, einige Gräber hatten offenbar +in späteren Zeiten schon zu Wohnungen dienen müssen, russige Wände, +Topfscherben und Feuerstellen zeigten es deutlich. An der südöstlichen +Bergkante wohnen noch jetzt einige arme Familien in den Todtengemächern, +meine Begleiter sagten mir, es seien vor einigen Jahren aus Djalo +eingewanderte Modjabra. Bemerkenswerth von all den vielen Gräbern war ein +in der Mitte des Berges auf der Ostseite gelegenes: der Eingang mit +Halbsäulen geschmückt, liess schon auf ein sorgfältig ausgehauenes Innere +schliessen, und in der That entsprach die innere Einrichtung ganz dem +eleganten Aeusseren. Durch einen Vorhof gelangte man in eine geräumige +Kammer mit zwei seitlichen Nebencabinetten, welche, wie die Hauptkammer +sorgfältig ausgehauene Aufnahmestellen für die Todten hatten. In +Manneshöhe zog sich auf blauem Grunde eine Epheu- oder Rebenblattguirlande +in lebhaft grüner Farbe herum, und so frisch waren die Töne, als ob sie +gestern wären gemalt worden. Im Hintergrunde der Kammer bemerkte man auch +erhabene gemeisselte Figuren an der Wand, doch waren sie absichtlich so +zerstört, dass sich nichts erkennen liess. Der unterirdische Gang, der von +hier nach Agermi führen sollte, erwies sich, nachdem Licht gebracht wurde, +als nichts anderes, denn unterirdische Grabhöhlen, welche sich von hier +noch weiter ins Innere des Berges fortsetzten, dann aber mit einer +Felswand ein Ende hatten. + +Ich hatte während meiner Anwesenheit in Siuah nie davon gesprochen, den +Ort selbst besuchen zu wollen, ich wusste, wie empfindlich früheren +Reisenden gegenüber die Bewohner in diesem Punkte gewesen waren. Und wenn +man vom mohammedanischen Standpunkte aus das Haus als etwas Heiliges, für +Fremde Unzugängliches betrachtet, wird man das auch ganz natürlich finden. +Nun ist aber Siuah selbst so zu sagen ein einziges Haus. Der konische +Berg, aus dem es besteht, ist seit 1000 Jahren so eng überbaut worden, +dass die Häuser _ein_ Ganzes bilden und alle eine Höhe von drei +Stockwerken erreicht haben; wo nur noch Platz war, hat man gebaut, so dass +sogar die Strasse mit Ausnahme einiger nach oben gelassener Luftlöcher +ganz überbaut ist. + +Als nun aber Hammed mich in den letzten Tagen fragte, ob ich noch etwas zu +sehen wünschte, und ich erwiederte, ich glaubte Alles gesehen zu haben, +während doch mein Blick, der auf Siuah ruhte, das Gegentheil verrieth, +sagte er von selbst: "Ja, mit Ausnahme des Ortes, wenn Du aber hinein +willst, will ich gleich ausrufen die Thüren zuzuhalten und die Weiber +einzusperren." Man kann sich denken, mit welcher Freude ich den Vorschlag +annahm, zumal nach den Erkundigungen St. Johns alte Baureste in Siuah sein +sollten. Man hatte schnell die Frauen unter Schloss gelegt, und durch eine +der vielen Thüren gelangten wir unter einem Hause durch bald in die +grosse, aber auch überdachte Strasse, welche sich schneckenhausartig um +den Berg bis fast nach oben hinaufzieht. Indess war es doch noch hell +genug, um ohne Licht oder Fackel gehen zu können, manchmal aber die +Strasse so niedrig, dass Achtung gerufen wurde, um nicht mit dem Kopf +anzustossen. Von dieser grossen Strasse liefen radienförmig Gänge aus, +nach aussen und innen. Mit Ausnahme der durch den Fels getriebenen +Brunnen, es giebt deren vier in Siuah, welche davon zeugen, dass auch im +hohen Alterthum dieser Punkt der Oase schon stark bewohnt war, ist indess +nichts von altem Mauerwerk vorhanden. Oben am Ende der Spirale, denn das +war die Strasse, angekommen, fand ich ein Haus; der Besitzer, ein alter +Mann, war aber auch freundlich genug mich einzuladen, und bald befand ich +mich auf dem Dache des höchsten Hauses von Siuah, hatte von hier aus den +Blick auf alle Dächer, welche, wie Stufen nach unten abfielen. Ein +herrlicher Rundblick eröffnete sich hier auf den Amelal-Felsen, auf das +steile nördliche Ufer, auf die Palmgärten, auf Dj. Muta, Agermi und Umma +beida, und nach Süden auf die endlose Fläche der Sahara. Dem alten Manne +gab ich denn ein mehr als reichliches Bakschisch, das wird aber künftigen +Reisenden auch wieder die Thür öffnen. Wenn ich somit in Siuah selbst auch +nur ein negatives Resultat erlangt hatte, nämlich constatiren zu können, +dass hier keine Ruinen irgendwelcher Art vorhanden sind, so bestätigt das +andererseits um so mehr, in den auf Agermi vorhandenen Ruinen den grossen +Tempel und die Akropolis mit vollem Rechte zu erkennen. + +Während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes hatten sowohl die Schichs der +Lifaya, als auch die der Rharbyin gewetteifert mir ihre Dienste +anzubieten, und um sich selbst herauszustreichen, hielten sie es fürs +Beste sich gegenseitig zu verleumden. Ich hielt mich mit allen gut, Hammed +aber, der sich gegen mich am uneigennützigsten und aufrichtigsten gezeigt +hatte, beschenkte ich mit einem schönen weissseidenen Ueberwurf, einer +Djibba oder Djelaba, welche von einem Stück angefertigt worden war, das +von den in Tripolis verfertigten Burnussen für den Sultan von Bornu übrig +geblieben war; aber auch alle Uebrigen wurden reichlich bedacht, um sie in +ihren guten Gesinnungen gegen uns Europäer zu erhalten. + +Und dann wurden am 11. Mai die Kameele vorgetrieben, beladen, und in +Begleitung sämmtlicher Schichs und vieler Bekannten, während alles Volk +auf der Strasse war, verliessen wir die Mestah oder den Dattelhof, und +riefen den Siuahnern ein Allah ihennikum zu. + + * * * * * + + + + +Von der Ammons-Oase nach Egypten. + + +Wir zogen selben Tages nur bis zum unfernen Agermi, von einer grossen +Menge Leute aus Siuah begleitet. Zum letzten Male ging es nun vorbei an +jenen sprudelnden Quellen, an jenen immer grünen Gärten. So mochten vor +tausenden von Jahren auch die Pilgerschaaren heimgezogen sein, welche +gekommen waren, um sich Rath und Frieden für das Gemüth zu holen. Seitdem +die christliche Religion einzog, ging das Ansehn des Orakels der Ammonier +unter, seit die Schwesterreligion des Islam sich festsetzte, wurde Alles, +was daran erinnerte, vernichtet. Wenn ich daran denke, wie Mohammedaner +und Christen es sich haben angelegen sein lassen, die Tempel und +Gotteshäuser der Heiden einzureissen zur Ehre Gottes, und dann lese: +(Ausland Nr. 18, 1870) "Zu solchen Stätten haben wir gewiss in erster +Linie auch die altchristlichen Kirchen Roms zu zählen, jene ersten +Gotteshäuser, welche die ewige Stadt mit ihren zahllosen Tempeln im weiten +Umkreise umgebend, ihr _mildes Licht_ in die Nacht des versinkenden +Heidenthums hineinleuchten liessen, so fragte ich unwillkürlich, ob es +Ironie oder Wahrheit sei. Ich dachte mir, hat man mit den +Verdammungsartikeln, welche man 1870 vom St. Peter zur Ehre und Liebe +Gottes schleudert, noch nicht genug. Klingt es in der That nicht, wie eine +Parodie, wenn man im Jahre 1870 noch von der Liebe und Milde einer +christlichen oder semitischen Religion redet, die allerdings Liebe und +Demuth predigt, deren Lehren aber nun seit Tausenden von Jahren nur +Schwert, Inquisition, Hexenprocesse und Verdammungsurtheile zur Folge +haben.--Alexander d. Gr. liess sich im Tempel des Ammon doch nur zum Sohne +Gottes proclamiren, der heilige Vater im St. Peter aber lässt sich im +Jahre 1870 zum Gotte selbst ausrufen. + +Wir waren bald am Fusse der alten Akropolis und schlugen unsere Zelte im +Schatten der Dattelbäume nordwärts von Agermi. Alle Bewohner halfen aufs +Freundlichste, so dass wir rasch damit fertig wurden. Ich besuchte sodann +noch den Schich von Agermi, den grossen Tempel, machte dem kleinen Tempel +einen Abschiedsbesuch und setzte mich an den Sonnenquell. Hier kam dann +noch eine Deputation Lifaya, um sich speciell zu verabschieden, und kehrte +sodann nach unserem Lager zurück. Der Schich von Agermi und andere +Vornehme des Ortes erwarteten mich, damit ich mit ihnen käme, um Nachts +auf der Burg zu schlafen. Auf meine Antwort, ich zöge es vor, in meinem +Zelte zu schlafen (schon der Reinlichkeit halber, da die Siuahner, weil in +der Wüste allerdings ohne Flöhe, aber keineswegs ohne sonstiges Ungeziefer +sind), sagten sie, es sei gefährlich, die Lifaya würden kommen, um mich zu +ermorden, und die Schuld würde dann auf sie zurückfallen. Aber auch dies +konnte mich nicht bewegen, ich erwiederte einfach, ich könne nicht +glauben, dass, da ich so lange Gast der Lifaya gewesen, diese schliesslich +ihren Gast ermorden würden. + +Als die Agermi-Bewohner so sahen, dass nichts auszurichten war, +beschlossen sie eine starke Wache bei meinem Zelte zu stellen. Vorher +jedoch kam eine grosse Diffa (Gastmahl) von Schich Mohammed Djari, die um +so mehr Hülle und Fülle hatte, als es galt, mit einem Schlage die +Gastfreundschaft der Siuahner auszustechen und zwar in ihrer Gegenwart, +denn eine Menge Leute vom ersten Orte wollten auch noch die letzte Nacht +in unserer Nähe verbringen. So war denn auch an Schlafen nicht zu denken, +die Wache, die vielen Freiwilligen hatten so viel zu plaudern, zu singen +und zu scherzen, dass auch wir fast die ganze Nacht an der Seite eines +kleinen glimmenden Feuers zubrachten, welches nicht dazu diente, die Kälte +zu vermindern, denn es war eine der schönsten Sommernächte, sondern um den +Taback für die Raucher anzuzünden, und um von Zeit zu Zeit eine Tasse +Kaffee zu kochen, womit ich die Ammonier tractirte. + +Mit anbrechendem Morgen ging es dann fort, alle Bewohner riefen uns ihr +Lebewohl nach und nur noch von Einzelnen begleitet, waren wir denn bald +aus den eigentlichen Gärten dieser reizenden Oase heraus. Der Weg[48] bot +am ganzen Tage nichts irgend Bemerkenswerthes; wir sahen die Rinderheerde +der Oasenbewohner ohne Hirten in einem Sebcha, wo etwas Grün war, weiden, +und fragten uns, wozu solche erbärmliche Thiere nützen dürften, und +lagerten Abends nach einem ziemlich anstrengenden Marsche südlich vom +Plateau. + +Dieser Lagerplatz im u. Mohemen gelegen, befand sich gewissermaassen am +oberen Kopfende des Uadi, das nach der Oase Lebak führt, welche südlich +von Siuah gelegen, jedoch unbewohnt ist. In der Entfernung sahen wir +Palmen, die jedoch nach Aussage unseres Führers ohne Herrn sein sollen. +Die Lebaker Palmen werden von den Siuahnern eingeheimst. + +Schon um 4½ Uhr brachen wir am anderen Tage in nordöstl. Richtung auf; +brauchten, um aus dem Mohemen-Thale herauszukommen, noch eine Stunde, und +erstiegen dann eine in die Depression hineinragende Halbinsel, deren +Abhang nach N.-W. zu der Nokb el Modjabri genannt wird, der Rand ist 105 +Meter hoch. Je weiter man nach Osten kommt (die ersten 4 Stunden in N.-O., +die letzten 5 in östl. Richtung), desto mehr hebt sich der Boden der +Halbinsel, so dass Abends an unserem Lagerplatze das Aneroid 137 Meter +zeigt. Da, wo wir lagerten, mündet auch ein ziemlich betretener von Lebak +nach Um sserir führender Weg ein. Am folgenden Tage erreichten wir im Nokb +el abiod nach einem zweistündigen Marsche in nordöstl. Richtung den +höchsten Punkt der Halbinsel, kamen dann immer in selber Richtung bleibend +herab, entstiegen einem zweiten Absatz, nokb el hamar genannt, und ein +dritter Absatz brachte uns in die Hattieh der Oase Um sserir. + +Dies kleine Eiland liegt unmittelbar südlich vom libyschen Plateau. Wir +fanden auch hier eine überaus freundliche Aufnahme, schlugen aber +ebenfalls aus, auf dem Orte selbst zu wohnen, sondern schlugen unser Zelt +unter den Palmen auf. Um sserir oder auch Gara genannt, liegt wie Agermi +auf einem Felsblocke. Im Ganzen werden höchstens 300 Einwohner hier sein, +alle sahen sehr dürftig aus. Der Ort selbst hat heute durchaus keine +Ueberbleibsel von alten Bauten, obschon nicht bezweifelt werden kann, dass +auch die Alten hier eine Ansiedelung hatten. Einige alte römische Münzen +aus der Zeit der Kaiser, die ich hier sammeln konnte, bestätigen dies. Die +Oase selbst ist ebenso wasserreich im Verhältnisse, wie die des Ammon, +aber nur eine Quelle Um sserir el gotara enthält trinkbares Wasser, alles +andere ist brakisch. Die Bewohner scheinen sehr faul zu sein, und ihr +Dasein mit Lakbitrinken zu verbringen. Von hier führt ein näherer Weg als +von Siuah nach der südlich von Um sserir gelegenen, unbewohnten Oase +Dorha. Nach den übereinstimmenden Aussagen der Bewohner von Um sserir +bietet diese Oertlichkeit keine Ruinen oder Spuren ehemaliger Besiedlung, +die phantasiereichen Aussagen der Bewohner Siuahs gegen Hamilton und mich +beruhen daher wohl auf Unwahrheiten; alles Merkwürdige soll sich auf +einige sonderbar geformte Felsblöcke beziehen. + +Wir setzten daher unseren Weg fort und machten am Aufbruchstage 11 Stunden +in 80° Richtung. Es ist ein Irrthum, wenn auf den Karten verschiedene Wege +verzeichnet sind, es ist hier nur Ein Weg, südlich vom Plateau, und dass +der Reisende in der Sahara nicht reisen kann, wie er _will_, ist eine +bekannte Thatsache, er muss immer dem Karawanenwege folgen. Die Depression +wird nun gegen Osten hin merklich tiefer, und erreicht wahrscheinlich in +den Natronseen den tiefsten Punkt; die Gegend ist sonst vollkommne Sserir. +Man passirt den Bir bel Geradi mit stark purgirendem Wasser, und erreicht +dann die Brunnen Mkemen und Morhara, die beide ausgezeichnetes Wasser +haben. Hier stiessen wir wieder auf eine grosse von Kairo kommende +Karawane. + +Hier trennt sich denn auch der Weg nach dem Meere und Alexandrien von dem +nach Kairo; da unser Führer von Djalo behauptete den Weg nach Alexandrien +nicht zu kennen, so übernahm ich selbst von Morhara die Führerschaft und +nun ging es in nordöstl. Richtung dem Plateau entgegen. Nach 4 Stunden war +dies denn auch erreicht und wir somit aus der libyschen Wüste heraus. Zwei +andere Tage brachten uns über die krautreiche Hochebene, wo uns rechts und +links der Anblick weidender Schafheerden erfreute, nach dem Bir Hamman und +der darauf folgende Tag ans Mittelmeer selbst. + +An der Küste entlang ziehend, erreichten wir dann Alexandrien, vierzehn +Tage nachdem wir von Agermi, der alten Akropolis des Ammonium aufgebrochen +waren. + + + + +[Transkriptions-Notiz: +Die folgenden Tabellen wurden erheblich umgeformt, damit die Zeilenlänge +im Rahmen bleibt. Im Original sind die Tageszeiten nicht dem Datum (also +den Zeilen) untergeordnet, sondern den einzelnen Meßgrößen (also den +Spalten), so daß sich eine entsprechende Vielzahl von Spalten ergibt. +Außerdem wurden die Tabellen neu gruppiert, damit sich eine Tabelle je +Kalendermonat ergibt, sowie die Einträge Spalte "Anmerkungen" an den +Fuß der jeweiligen Tabelle mit einem Verweis auf den Tag verschoben. + + +Spalte 1: Datum +Spalte 2: Tageszeit +Spalte 3: "Aufenthaltsörther" +Spalte 4: "Barometer" +Spalte 5: "Thermometer" +Spalte 6: "Hygrometer" +Spalte 7: "Windes-Herkunft" +Spalte 8: "Windes-Stärke" +Spalte 9: "Himmel" + +Abkürzungen: vSA = vor Sonnenaufgang; nSU = nach Sonnenuntergang + +Für eine der Vorlage erheblich ähnlichere Darstellung der Tabellen sei +auf die HTML-Version dieses Etextes unter +http://www.gutenberg.org/1/7/6/0/17600 verwiesen.] + ++-----------------------------------------------------------------------+ +|Decbr. 1868 | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|15|vSA|Tripolis |769|12 |73|W |X|Rein | +| |9 |Tripolis |770|12 |70|SW |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |770|23 |65|SW |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |769|18 |70|W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|16|vSA|Tripolis |770|11 |72|W |X|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |770|13 |72|W |1|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |771|23 |66|W |2|Rein | +| |nSU|Tripolis |770|17 |70|W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|17|vSA|Tripolis |768|12 |73|W |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |768|12 |70|SW |2|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |770|20 |66|W |2|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |769|16 |68|W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|18|vSA|Tripolis |767|12 |70|W |X|Rein | +| |9 |Tripolis |768|23 |70|NW |1|Rein | +| |3 |Tripolis |770|18 |66|NW |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |769|15 |69|NW |X|Rein | 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++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|23|vSA|Tripolis |767|10 |70|NW |1|Rein | +| |9 |Tripolis | | | | |1| | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|24|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|25|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|26|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|27|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | 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++-----------------------------------------------------------------------+ +|Januar 1869 | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|1 |vSA|Tripolis |767| 7 |61|O |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |768|10 |61|O |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |768|18 |60|O |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |770|14 |60|O |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|2 |vSA|Tripolis | | |71|W |1|Bedeckt | +| |9 |Tripolis | | |70|W |1|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |772|18 |64|SW |1|Bedeckt | +| |nSU|Tripolis |772|17 |65|X |X|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|3 |vSA|Tripolis |770|15 |64|W |1|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |770|15 |62|O |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |768|19 |41|O |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |769|14 |61|O |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|4 |vSA|Tripolis |766|13 |68|SW |1|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |768|14 |68|SW |1|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |770|19 |70|NW |1|Regen | +| |nSU|Tripolis |770|15 |70|NW |2|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|5 |vSA|Tripolis |772|14 |71|N |2|Regen | +| |9 |Tripolis |772|15 |66|N |2|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |773|17 |67|NNW|2|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |773|15 |69|NNW|2|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|6 |vSA|Tripolis |773|12 |72|NNW|2|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |774|13 |70|NNW|2|Regen | +| |3 |Tripolis |774|17 |60|NNW|1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |775|15 |62|NW |1|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|7 |vSA|Tripolis |775|15 |70|NW |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |775|15 |60|NW |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |774|18 |70|NW |1|Regen | +| |nSU|Tripolis |774|13 |60|N |X|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|8 |vSA|Tripolis |774|14 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+|12|vSA|Tripolis |768| 8 |71|W |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |770|11 |70|NW |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |767|14 |62|W |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |767|12 |70|W |1|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|13|vSA|Tripolis |766| 8 |73|NW |1|Rein | +| |9 |Tripolis |768|10 |70|NW |1|Schleier | +| |3 |Tripolis |764|13 |60|NW |1|Schleier | +| |nSU|Tripolis |764|12 |71|NW |X|Schleier | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|14|vSA|Tripolis |766| 9 |74|X |X|Schleier | +| |9 |Tripolis |767|12 |65|X |X|Schleier | +| |3 |Tripolis |765|18 |60|S |X|Schleier | +| |nSU|Tripolis |765|14 |70|S |X|Schleier | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|15|vSA|Tripolis |765|10 |70|S |X|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |764|12 |71|SW |X|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |764|16 |60|O |X|Bedeckt | +| |nSU|Tripolis |764|13 |70|O |X|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|16|vSA|Tripolis |764|12 |75|SO |X|Regen | +| |9 |Tripolis |764|12 |73|SO |X|Regen | +| |3 |Tripolis |760|12 |69|N |1|Regen | +| |nSU|Tripolis | |14 |70|N |1|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|17|vSA|Tripolis |762|10 |75|N |1|Regen | +| |9 |Tripolis |762|14 |70|N |1|Regen | +| |3 |Tripolis |762|15 |69|N |1|Regen | +| |nSU|Tripolis |762|12 |70|N |2|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|18|vSA|Tripolis |762|10 |74|NW |1|Regen | +| |9 |Tripolis |761|12 |74|NW |1|Regen | +| |3 |Tripolis |761|15 |75|W |1|Regen | +| |nSU|Tripolis |765|12 |70|O |X|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|19|vSA|Tripolis |765|12 |70|NW |X|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |765|13 |56|NW |X|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |765|12 |60|W |X|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |765|12 |70|W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|20|vSA|Tripolis |763|10 |73|W |X|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |764|14 |75|NW |1|Regen | +| |3 |Tripolis |763|14 |70|NW |2|Regen | +| |nSU|Tripolis |761|10 |70|NW |2|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|21|vSA|Tripolis |760| 8 |72|W |2|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |760|10 |75|W |3|Bedeckt | +| |3 |Tripolis |760|12 |70|W |3|Wolkenbruch | +| |nSU|Tripolis |764|11 |71|W |2|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|22|vSA|Tripolis |764| 8 |71|N |2|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |766|10 |70|NW |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |764|12 |70|NW |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |764|12 |70|NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|23|vSA|Tripolis |760| 7 |70|NW |1|Rein | +| |9 |Tripolis |762|10 |70|W |2|Rein | +| |3 |Tripolis |762|12 |72|W |2|Rein | +| |nSU|Tripolis |761|10 |70|W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|24|vSA|Tripolis |751| 7 |70|NW |1|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |765| 9 |70|NW |1|Regen | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|25|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|26|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|27|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|28|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|29|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|30|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|31|vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ + + 5.: Den ganzen Tag schauert es. + 8.: Die ganze Nacht starker Regen. + 11.: Abends 9 Uhr Ende der Regen und Gewitter. + 15.: Die ganze Nacht Regen. + 21.: Um Mitternacht Wolkenbruch mit Hagel. + + ++-----------------------------------------------------------------------+ +|Febr. 1869 | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|1 |vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|2 |vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|3 |vSA|Tripolis | | | | | | | +| |9 |Tripolis | | | | | | | +| |3 |Tripolis | | | | | | | +| |nSU|Tripolis | | | | | | | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|4 |vSA|Tripolis |775|10 |70|W |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |776|12 |70|W |X|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |774|18 |70|W |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |776|10 | |N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|5 |vSA|Tripolis |776| 8 |70|N |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |777|13 |55|N |X|Rein | +| |3 |Tripolis |777|18 |70|N |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |777|12 |70|N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|6 |vSA|Tripolis |777|12 |71|NW |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |777|14 |60|NW |X|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |777|19 |52|N |X|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |776|10 |70|N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|7 |vSA|Tripolis |776| 8 |70|N |X|Rein | +| |9 |Tripolis |777|15 |60|X |X|Rein | +| |3 |Tripolis |777|20 |49|N |X|Rein | +| |nSU|Tripolis |776|12 |65|N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|8 |vSA|Tripolis |775| 8 |70|N |X|Rein | +| |9 |Tripolis |775|14 |67|NNW|1|Rein | +| |3 |Tripolis |774|18 |62|NW |2|Rein | +| |nSU|Tripolis |774|12 |65|N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|9 |vSA|Tripolis |773| 9 |70|N |X|Rein | +| |9 |Tripolis |774|14 |65|NW |X|Rein | +| |3 |Tripolis |774|18 |60|W |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |773|10 |65|X |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|10|vSA|Tripolis |774| 9 |70|N |X|Rein | +| |9 |Tripolis |774|12 |65|W |X|Rein | +| |3 |Tripolis |775|18 |62|W |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |776|15 |70|X |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|11|vSA|Tripolis |776|14 |70|NW |X|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |776|15 |70|N | |Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |776|20 |71|N |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |775|14 |70|N |X|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|12|vSA|Tripolis |765| 8 |70|NW |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis |775|14 |70|NW |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |774|18 |63|NW |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |772|12 |69|NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|13|vSA|Tripolis |770| 8 |70|W |X|Rein | +| |9 |Tripolis |769|14 |63|W |X|Rein | +| |3 |Tripolis |768|20 |60|W |X|Rein | +| |nSU|Tripolis |768|14 |68|W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|14|vSA|Tripolis |766| 8 |72|W |1|Rein | +| |9 |Tripolis |766|15 |62|W |X|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |766|20 |59|W |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |765|14 |60|W |X|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|15|vSA|Tripolis |763| 7 |72|W |2|Bedeckt | +| |9 |Tripolis |762|14 |70|W |2|Regen | +| |3 |Tripolis |760|19 |70|W |3|Regen | +| |nSU|Tripolis |764| | |W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|16|vSA|Tripolis | | | |W |X|Rein | +| |9 |Tripolis | | | |W |1|Rein | +| |3 |Tripolis | | | |W |1|Rein | +| |nSU|Tripolis | | | |W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|17|vSA|Tripolis | | | |NW |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Tripolis | | | |NW |X|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis | | | |NW |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis | | | |NW |X|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|18|vSA|Tripolis | | | |NW |1|Rein | +| |9 |Tripolis | | | |NW |1|Rein | +| |3 |Tripolis | | | |NW |1|Rein | +| |nSU|Tripolis | | | |NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|19|vSA|Tripolis |773|10 |70|W |1|Rein | +| |9 |Tripolis |774|14 |65|NW |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |773|18 |60|W |1|Rein | +| |nSU|Tripolis |773|12 |70|NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|20|vSA|Tripolis |769|12 |72|W |1|Rein | +| |9 |Tripolis |770|13 |64|W |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Tripolis |770|19 |58|W |2|Haufen-Wolken | +| |nSU|Tripolis |770|15 |70|W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|21|vSA|Mittelmeer |768|10 |70|SW |1|Staub | +| |9 |Mittelmeer |767|14 |65|S |2|Staub | +| |3 |Mittelmeer |770|19 |61|S |2|Staub | +| |nSU|Mittelmeer |770|14 |69|S |2|Staub | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|22|vSA|Mittelmeer |765| 8 |73|SO |2|Staub | +| |9 |Mittelmeer |769|14 |68|SO |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Mittelmeer |768|18 |60|SO |1|Rein | +| |nSU|Mittelmeer |768|15 |70|SO |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|23|vSA|Mittelmeer |768| 8 |74|SSO|X|Rein | +| |9 |Mittelmeer |770|14 |68|SSO|X|Rein | +| |3 |Mittelmeer |770|19 |62|SSO|X|Rein | +| |nSU|Mittelmeer |770|14 |72|SSO|X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|24|vSA|Mittelmeer |770| 8 |73|N |X|Rein | +| |9 |Mittelmeer |771|12 |69|N |1|Rein | +| |3 |Mittelmeer |770|18 |59|N |X|Rein | +| |nSU|Mittelmeer |770|14 |70|N |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|25|vSA|Mittelmeer |772|10 |72|NO |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Mittelmeer |773|14 |68|NO |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Mittelmeer |772|20 |58|NO |X|Haufen-Wolken | +| |nSU|Mittelmeer |775|16 |71|NO |X|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|26|vSA|Mittelmeer |775|10 |74|ONO|1|Haufen-Wolken | +| |9 |Mittelmeer |772|13 |69|ONO|1|Haufen-Wolken | +| |3 |Mittelmeer |773|18 |58|ONO|1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Mittelmeer |771|15 |73|ONO|1|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|27|vSA|Bengasi |771|10 |74|N |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Bengasi |770|14 |65|N |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Bengasi |771|18 |56|N |2|Haufen-Wolken | +| |nSU|Bengasi |771|16 |69|N |2|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|28|vSA|Bengasi |770| 9 |70|NO |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Bengasi |770|14 |64|NO |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Bengasi |770|18 |60|NO |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Bengasi |768|14 |69|W |1|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ + + 10.: Zwischen 5 bis 7 Uhr Nachmittags sehr wolkig um 2 W.-Wind. + + ++-----------------------------------------------------------------------+ +|März 1869 | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|1 |vSA|Bengasi |767| 8 |73|W |2|Bedeckt | +| |9 |Bengasi |764|10 |70|W |2|Regen | +| |3 |Bengasi |763|14 |70|W |2|Regen | +| |nSU|Bengasi |760| 9 |74|W |3|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|2 |vSA|Bengasi |759| 9 |74|W |2|Wolkig | +| |9 |Bengasi |759|12 |74|W |3|Regen u. Bedeckt | +| |3 |Bengasi |757|15 |70|W |1|Bedeckt u. Regen | +| |nSU|Bengasi |757|10 |73| |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|3 |vSA|Bengasi |757| 8 |74|W |1|Rein | +| |9 |Bengasi |756|14 |64|NW |2|Rein | +| |3 |Bengasi |753|18 |60|NW |3|Rein | +| |nSU|Bengasi |754|16 |66|S |1|Staubig | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|4 |vSA|Bengasi |754|10 |70|SO |1|Rein | +| |9 |Bengasi |754|12 | |W |1|Regen | +| |3 |Weg |753|18 | |W |3|Haufen-Wolken | +| |nSU|(Kafes) Thuil |753|14 | |W |3|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|5 |vSA|Weg | | | |W |3|Bedeckt u. Regen | +| |9 |Weg | | | |SW |3|Bedeckt u. Regen | +| |3 |Weg | | | |SW |3|Bedeckt u. Regen | +| |nSU|Tokra |763|14 |73|W |3|Bedeckt u. Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|6 |vSA|Tokra |763| 8 |73|W |1|Bedeckt u. Regen | +| |9 |Tokra |765|14 | |W |1|Regen | +| |3 |Tokra |765|20 | |W |1|Abwechs. Regen | +| |nSU|Tokra |765|14 | |W |1|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|7 |vSA|Tokra |762| 7 | |W |1|Rein | +| |9 |Weg |761|14 | |SW |2|Rein | +| |3 |Sisi |761|19 | |SW |3|Rein | +| |nSU|Chaluf |761|12 | |SW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|8 |vSA|Sidi Chaluf |762| 7 | |W |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Weg |763|14 | |W |X|Rein | +| |3 |Ptolemais |763|20 | |W |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Ptolemais |764|10 | |NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|9 |vSA|Ptolemais |764| 5 | |SO |1|Rein | +| |9 |Ptolemais |765|14 | |SW |X|Rein | +| |3 |Ptolemais |765|20 | |SW |X|Rein | +| |nSU|Ptolemais |765| 8 | |SW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|10|vSA|Tolmetta |762| 7 | |SO |3|Staubig | +| |9 |Tolmetta |760|12 | |SO |4|Staubig | +| |3 |Tolmetta |759|19 | |SO |4|Staubig | +| |nSU|Tolmetta |758|12 | |SO |4|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|11|vSA|Tolmetta |757|12 | |SO |2|Bedeckt u. etw. Regen | +| |9 |Weg | |15 | |SO |1|Bedeckt | +| |3 |Weg | |20 | |SO |X|Bedeckt u. etw. Regen | +| |nSU|Mrsihd |727|14 | |SO |X|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|12|vSA|Mrsihd |727|14 | |S |X|Schleier | +| |9 |Weg | |20 | |S |X|Schleier | +| |3 |Weg | |32 | |S |X|Schleier | +| |nSU|Megade |727|14 | |S |X|Schleier | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|13|vSA|Megade |722|12 | |S |2|Bedeckt u. Schleier | +| |9 |Weg | |15 | |S |1|Wolkig u. Schleier | +| |3 |Beni |714|20 | |S |2|Gewitter u. Regen | +| |nSU|Gedani |715| 6 | |S |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|14|vSA|Beni Gedani |715| 5 | |S |X|Bedeckt | +| |9 | | |14 | |SW |2|Haufen-Wolken | +| |3 | | |19 | |W |1|Haufen-Wolken | +| |nSU|Djenin |705| 3 | |NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|15|vSA|Djenin |705| 1 | |S |1|Rein | +| |9 |Weg | | | |X |X|Rein | +| |3 |Cyrene |707|14 |52|S |X|Rein | +| |nSU|Cyrene |706| 9 |60|SW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|16|vSA|Cyrene |701| 2 |62|SO |3|SM | +| |9 |Battusstrasse |701|14 |58|SO |4|SM | +| |3 |Battusstrasse |704|15 |50|W |2|Haufen-Wolken | +| |nSU| |705| 5 |68|W |1|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|17|vSA|Battusstrasse |704| 5 |70|W |1|Rein | +| |9 |Cyrene |707|10 |70|W |4|Regen | +| |3 |Cyrene |709|12 |69|W |4|Regen | +| |nSU| |709| 6 |71|W |2|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|18|vSA|Cyrene, östl. Necr.|709| 5 |70|W |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Cyrene, östl. Necr.|709|10 | |W |3|Regen | +| |3 |Cyrene, östl. Necr.|710|14 | |W |3|Regen | +| |nSU| |710| 7 | |W |1|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|19|vSA|Necropolis Cyrene |708| 6 | |W |1|Bedeckt | +| |9 |Necropolis Cyrene |708|12 | |W |3|Regen u. Gewitter | +| |3 |Necropolis Cyrene |707|14 | |W |2|Regen u. Gewitter | +| |nSU| |707| 8 | |W |2|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|20|vSA|Necropol. Cyrene |707| 5 | |W |2|Regen | +| |9 | |705| 9 | |W |4|Regen | +| |3 |Gasr- |695|12 | |W |3|Regen | +| |nSU|Gaigab |698| 7 | |W |2|Regen | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|21|vSA|Kasr |697| 2 | |O |X|Rein | +| |9 |Kasr |697|10 | |N |3|Rein | +| |3 |Gaigab |695|12 | |N |3|Rein | +| |nSU|Gaigab |698| 7 | |W |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|22|vSA|Kasr |698| 4 | |W |1|Rein | +| |9 |Kasr |698|10 | |W |1|Rein | +| |3 |Gaigab |698|14 | |W |X|Rein | +| |nSU|Gaigab |697| 8 | |W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|23|vSA|Gaigab |698| 6 | |W |2|Rein | +| |9 |Weg | |15 | |SSO|3|Schmutzig | +| |3 |Weg | |20 | |SSO|4|Schmutzig | +| |nSU|Slantia |688|20 | |SSO|X|Schmutzig | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|24|vSA|Slantia |687| 4 | |SSW|2|Schmutzig | +| |9 |Weg | |10 | |SW |3|Haufen-Wolken | +| |3 |Maraua |714|12 | |W |3|Haufen-Wolken | +| |nSU|Maraua |716|14 | |W |3|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|25|vSA|Maraua |715| 7 | |W |2|Haufen-Wolken | +| |9 |Weg | | 9 | |W |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Weg | |17 | |NW |3|Haufen-Wolken | +| |nSU|Djerdes |704| 9 | |NW |2|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|26|vSA|Djerdes |705| 2 | |S |2|Rein | +| |9 |des | |17 | |S |2|Rein | +| |3 |Weg | |23 | |S |2|Rein | +| |nSU|Biar |732|14 | |S |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|27|vSA|Biar |732|10 | |NW |2|Regen | +| |9 |Weg | |15 | |NW |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Weg | |22 | |NW |2|Haufen-Wolken | +| |nSU|Bengasi |761|15 | |NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|28|vSA|Bengasi |760|14 | |S |2|Staubig | +| |9 |Bengasi |762|20 | |S |3|Staubig | +| |3 |Bengasi |760|26 | |S |3|Staubig | +| |nSU|Bengasi |762|20 | |S |X|Staubig | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|29|vSA|Bengasi |759|20 |60|S |X|Staubig | +| |9 |Bengasi |758|20 |57|S |X|Schleier | +| |3 |Bengasi |755|23 |53|W |1|Bedeckt | +| |nSU|Bengasi |755|18 |68|W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|30|vSA|Bengasi |757|15 |72|N |X|Rein | +| |9 |Bengasi |759|19 |64|NO |1|Rein | +| |3 |Bengasi |759|23 |49|O |1|Rein | +| |nSU|Bengasi |760|17 |60|X |X|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|31|vSA|Bengasi |760|14 |68|N |X|Rein | +| |9 |Bengasi |762|20 |60|N |1|Rein | +| |3 |Bengasi |762|24 |50|N |1|Rein | +| |nSU|Bengasi |764|16 |60|N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ + + 9.: Der Sturm fing nachts um 12 Uhr an. + 12.: Nachts 12 Uhr starkes Gewitter und Regen. + 15.: In der Sonne 21. + 16.: Battustrasse etwas höher als die Apolloquelle. + ++-----------------------------------------------------------------------+ +|April 1869 | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|1 |vSA|Bengasi |762|14 |59|N |1|Schleier | +| |9 |Bengasi |762|20 |58|N |X|Schleier | +| |3 |Bengasi |760|20 |42|NO |2|Haufen-Wolken | +| |nSU|Bengasi |761|16 |62|NO |1|Schleier | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|2 |vSA|Bengasi |755|15 |50|SO |3|Schmutzig | +| |9 |Bengasi |754|18 |43|S |4|Staubig | +| |3 |Bengasi |755|30 |24|S |3|Staubig | +| |nSU|Bengasi |753|18 |48|S |X|Schleier | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|3 |vSA|Bengasi |756|14 |62|W |X|Bedeckt | +| |9 |Bengasi |755|19 | |W |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Ksebéah |754|22 | |W |2|Hf.-Wolken u. Regen | +| |nSU|Ksebéah |754|14 | |W |2|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|4 |vSA|Ksebéah |757|12 | |W |X|Rein | +| |9 |Weg |758|14 | |W |3|Hf.-Wolken u. Regen | +| |3 |Weg |759|18 | |W |3|Hf.-Wolken u. Regen | +| |nSU|el Hussein |759|12 | |W |2|Haufen-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|5 |vSA|el Hussein |761| 8 | |S |X|Rein | +| |9 |Weg |763|19 | |S |1|Haufen-Wolken | +| |3 |Weg |764|26 | |S |1|Rein | +| |nSU|Djelid |763|14 | |S |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|6 |vSA|Djelid |762| 8 | |O |1|Rein | +| |9 |Weg |760|24 | |S |2|Rein | +| |3 |Weg |760|32 | |S |2|Staubig | +| |nSU|Ferssi |762|18 | |W |3|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|7 |vSA|Ferssi |760|10 | |W |2|Bedeckt u. Regen | +| |9 |Weg |762|16 | |W |3|Bedeckt u. Regen | +| |3 |Schadábia |765|20 | |W |4|Haufen-Wolken | +| |nSU|Schadábia |764|15 | |NW |4|Regen u. Sturm | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|8 |vSA|Schadábia |763| 8 | |NW |4|Regen u. Sturm | +| |9 |Schadábia |761|12 | |NW |4|Regen u. Sturm | +| |3 |Weg |758|22 | |NW |3|Haufen-Wolken | +| |nSU|Chor Ssofan |759|12 | |NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|9 |vSA|Chor Ssofan |761|12 | |NNW|1|Haufen-Wolken | +| |9 |Weg |762|15 | |NNW|3|Regen | +| |3 |Weg |765|25 | |NNW|3|Rein | +| |nSU|Thuil |762|14 | |NNW|1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|10|vSA|Thuil |762| 8 | |N |X|Rein | +| |9 |Weg |768|18 | |NNW|1|Rein | +| |3 |BirRessam |772|26 | |NW |1|Rein | +| |nSU|Gor-n-Nus |772|14 | |NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|11|vSA|Gor-n-Nus |773| 8 | |SO |X|Rein | +| |9 |Weg |772|19 | |SO |X|Rein | +| |3 |Weg |770|26 | |O |X|Rein | +| |nSU|Meschtèret |769|20 | |NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|12|vSA|Muschtèret |769| 9 | |SO |X|Rein | +| |9 |Weg |772|18 | |O |1|Rein | +| |3 |Weg |770|28 | |O |X|Rein | +| |nSU|Audjila |770|22 |52|NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|13|vSA|Audjila |767|12 |50|SO |X|Rein | +| |9 |Audjila |770|23 |42|SO |X|Rein | +| |3 |Audjila |767|25 |20|NW |1|Rein | +| |nSU|Audjila |768|23 |21|NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|14|vSA|Audjila |767|12 |29|X |X|Rein | +| |9 |Audjila |767|20 |29|SO |X|Rein | +| |3 |Audjila |765|26 |23|N |1|Rein | +| |nSU|Audjila |767|20 |29|N |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|15|vSA|Audjila |765|10 |39|N |X|Rein | +| |9 | | |20 | |NW |1|Rein | +| |3 |Weg | |26 | |NW |1|Rein | +| |nSU|Djalo |765| |40|NW |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|16|vSA|Djalo |763|12 |56|N |1|Rein | +| |9 |Djalo |767|23 |40|N |X|Rein | +| |3 |Djalo |764|26 |25|S |X|Rein | +| |nSU|Djalo |763|22 |26|N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|17|vSA|Djalo |763|20 |40|SSW|1|Rein | +| |9 |Weg | |24 | |S |2|Schmutzig | +| |3 |uadi |763|30 | 9|S |3|Schmutzig | +| |nSU| |761|23 |10|SSO|1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|18|vSA|uadi |757|16 |14|SSO|2|Schmutzig | +| |9 |uadi |761|25 |10|SSW|3|Alles Staub | +| |3 |uadi |760|30 | 2|SW | |Alles Staub | +| |nSU|uadi |759|24 | 2|S |1|Schmutz | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|19|vSA|uadi |756|20 | 5|S |2|Schmutzig | +| |9 |uadi |760|28 | 4|SSO|4|Alles ein Staubmeer | +| |3 |uadi |756|33 | 2|SSO| |Alles ein Staubmeer | +| |nSU|uadi |756|24 | 2|SSO|3|Alles ein Staubmeer | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|20|vSA|uadi |756|14 |15|NW |3|Schmutzig | +| |9 |uadi |759|22 |17|NW |5|Wolkig oben, Staub unten| +| |3 |uadi |760|20 |25|NW |4|Wolkig oben, Staub unten| +| |nSU|uadi |763|18 |26|NW | |Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|21|vSA|uadi |763|12 |38|NW | |Rein | +| |9 |uadi |765|20 |36|NNW|X|Rein | +| |3 |uadi |766|25 |25|W |2|Haufen-Wolken | +| |nSU|uadi |764|14 |28|NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|22|vSA|uadi |763|14 |33|W |X|Rein | +| |9 |uadi |766|18 |29|W |1|Rein | +| |3 |uadi |766|25 |25|W |2|Einige Hf-Wolk. | +| |nSU|uadi |765|14 |23|W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|23|vSA|uadi |765|14 |34|W |1|Rein | +| |9 |uadi |767|20 |30|W |1|Rein | +| |3 |uadi |765|34 |29|W |1|Rein | +| |nSU|uadi |764|13 |29|NW |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|24|vSA|uadi |763|14 |33|S |X|Rein | +| |9 |uadi |763|20 |17|S |1|Rein | +| |3 |uadi |764|24 | 6|W |3|Feder-Wolken | +| |nSU|uadi |761|20 |15|NW |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|25|vSA|uadi |760|14 |22|NNW|1|Rein | +| |9 |uadi |765|20 | |N |1|Rein | +| |3 |Weg | |22 | |N |1|Rein | +| |nSU|Msuan |761|18 |30|N |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|26|vSA|Msuan |758|13 |50|N |X|Rein | +| |9 | | |18 | |N |X|Rein | +| |3 | | |22 | |N |X|Rein | +| |nSU|Ismael |763|16 |25|N |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|27|vSA|Ismael |758| 8 |35|O |1|Rein | +| |9 | | |20 | |O |X|Rein | +| |3 | | |24 | |W |X|Rein | +| |nSU|Gerdobia |763|18 |26|N |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|28|vSA| |760|12 |30|NO |1|Rein | +| |9 | |765|20 | |SO |1|Flocken-Wolken | +| |3 | |763|26 | |SO |X|Flocken-Wolken | +| |nSU| |762|20 |26|O |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|29|vSA| |759|14 |36|O |1|Bedeckt | +| |9 | | |22 | |O |2|Rein | +| |3 | | |28 | |O |1|Schleier | +| |nSU| |760|22 |25|O |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|30|vSA| |758|15 |33|O |1|Schmutzig | +| |9 | | |22 | |O |2|Staub | +| |3 | |760|28 |22|O |3|Staub | +| |nSU| |760|25 |25|O |2|Bedeckt | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ + + 18.: Um 12 Uhr Orkan S aus SSW, Alles Staubmeer. + 19.: Um 12 Uhr Orkan S aus SSO, Alles Staubmeer. + 20.: Mit untergehenden Monde ging der Wind Nachts 12 Uhr nach NW um. + 21.: Um 5 Uhr Abends war heiterer Himmel, das Aneroid stieg von Mittag + an, denn die Fluth um 9 Uhr ist nicht zu zählen. + 22.: Um 1 Uhr Morgens fiel der Wind gänzlich. + 23.: Um 11 Uhr Vormittags was das Aneroid 768. + 26.: Mittags hat es gethauet. + + ++-----------------------------------------------------------------------+ +|Mai 1869 | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|1 |vSA|Tarfaya |760|19 |27|O |1|Bedeckt | +| |9 | | |25 | |O |2|Schleier | +| |3 |Bu Allua |763|32 | 8|SO |1|Schleier | +| |nSU|Bu Allua |763|30 |10|S |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|2 |vSA|Bu Allua |763|21 |20|S |X|Schleier | +| |9 |Bu Allua | |30 | |SO |3|Staub Bedeckt | +| |3 |Hoësa |766|36 |11|SO |4|Staub Bedeckt | +| |nSU|Hoësa |765|30 |20|N |5|Staub | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|3 |vSA|Hoësa |762|25 |27|S |4|Staub | +| |9 | | |30 | |S |5|Alles Staubwolke | +| |3 | |763|38 | |S |3|Alles Staubwolke | +| |nSU|Gaigab |763|27 |20|N |1|Staub | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|4 |vSA|Gaigab |763|22 |20|N |1|Bedeckt | +| |9 | | |25 | |N |3|Bedeckt | +| |3 |Schiata |765|30 |25|N |2|Rein | +| |nSU|Schiata |765|20 |27|N |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|5 |vSA|Schiata |765|16 |29|N |1|Haufen-Wolken | +| |9 |Schiata |767|20 |27|N |X|Schleier-Wolken | +| |3 | | | | |N |X|Schleier | +| |nSU|Maragi |765|20 | |N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|6 |vSA|Maragi |764|15 | |O |X|Rein | +| |9 |Chamisa |767|25 | |O |1|Rein | +| |3 |Siua |768|30 | |S |1|Rein | +| |nSU|Siua |768|25 | |W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|7 |vSA|Siua |768|20 |25|O |X|Rein | +| |9 |Siua |768|26 |25|O |1|Rein | +| |3 |Siua |765|29 |23|O |X|Rein | +| |nSU|Siua |767|25 |23|W |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|8 |vSA|Siua |767|17 |28|W |X|Rein | +| |9 |Siua |768|24 |27|W |1|Rein | +| |3 |Siua |766|30 |20|O |1|Rein | +| |nSU|Siua |766|25 |22|O |X|Schleier | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|9 |vSA|Siua |766|18 |23|O |1|Rein | +| |9 |Siua |767|25 |23|O |2|Rein | +| |3 |Siua |764|32 |17|O |2|Rein | +| |nSU|Siua |764|27 |17|O |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|10|vSA|Siua |762|17 |25|O |1|Rein | +| |9 |Siua |763|26 |20|SO |1|Rein | +| |3 |Siua |762|31 |15|W |X|Rein | +| |nSU|Siua |761|30 |18|NO |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|11|vSA|Siua |764|17 |27|O |X|Rein | +| |9 |Siua |765|24 |25|N |2|Rein | +| |3 |Agermi |764|26 | |N |2|Rein | +| |nSU|Agermi |763|26 | |N |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|12|vSA|Agermi |765|19 | |N |2|Bedeckt | +| |9 |Weg |767|24 | |N |2|Rein | +| |3 |Weg |764|26 | |N |1|Rein | +| |nSU|Huemen |764|25 | |N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|13|vSA|Huemen |764|20 | |N |1|Rein | +| |9 |Weg | |25 | |W |2|Rein | +| |3 |Weg | |26 | |W |3|Rein | +| |nSU|Weg |749|25 | |W |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|14|vSA|Weg |748|14 | |N |1|Rein | +| |9 |Weg |Weg|25 | |N |1|Rein | +| |3 |Um es sserir |768|28 | |NW |1|Rein | +| |nSU|Um es sserir |765|24 | |N |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|15|vSA|Um es sserir |765|15 | |N |1|Rein | +| |9 |Um es sserir |768|22 | |N |1|Rein | +| |3 |Um es sserir |765|26 | |N |3|Rein | +| |nSU|Um es sserir |766|22 | |N |3|Schleier-Wolken | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|16|vSA|Um es sserir |763|18 | |N |X|Rein | +| |9 |Weg |770|20 | |O |1|Rein | +| |3 |Weg |770|28 | |O |1|Rein | +| |nSU|Weg |770|24 | |O |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|17|vSA|Weg |768|18 | |NO |X|Rein | +| |9 |Weg |772|26 | |OSO|1|Rein | +| |3 |Weg |770|36 | |S |2|Rein | +| |nSU|Weg |770|27 | |S |1|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|18|vSA|Weg |767|21 | |S |X|Rein | +| |9 |Weg |773|28 | |NW |1|Rein | +| |3 |Weg |771|36 | |NW |5|Staub | +| |nSU|Weg |770|20 | |N |3|Staub | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|19|vSA|Weg |778|20 | |N |X|Theils Bedeckt | +| |9 |Weg |770|24 | |N |2|Bedeckt | +| |3 |Weg |770|25 | |N |2|Bedeckt | +| |nSU|Bel Gerady |778|22 | |N |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|20|vSA|Bel Gerady |766|16 | |N |X|Rein | +| |9 |Weg |765|24 | |NO |2|Rein | +| |3 |Weg |763|24 | |NO |2|Rein | +| |nSU|Weg |760|20 | |N |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|21|vSA|Weg |760|16 | |NO |1|Rein | +| |9 |Weg |760|24 | |N | |Rein | +| |3 |Morhara |769|25 | |NNW|2|Rein | +| |nSU|Morhara |767|24 | |N |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|22|vSA|Morhara |767|18 | |N |X|Rein | +| |9 |Weg |755|22 | |N |2|Rein | +| |3 |Weg |755|24 | |N |3|Rein | +| |nSU|Weg |759|29 | |N |2|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|23|vSA|Weg |757|20 | |N |X|Bedeckt | +| |9 |Weg |756|22 | |N |2|Haufen-Wolken | +| |3 |Weg |760|24 | |N |2|Rein | +| |nSU|Bir Hamman |762|18 | |N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|24|vSA|Bir Hamman |760|18 | |N |X|Haufen-Wolken | +| |9 |Weg |763|20 | |N |2|Rein | +| |3 |Weg |762|25 | |N |2|Rein | +| |nSU|Brunnen |763|19 | |N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ +|25|vSA|Bir Hamman |762|18 | |N |X|Bedeckt | +| |9 |Weg |764|24 | |N |1|Rein | +| |3 |Alexandria |762|26 | |N |1|Rein | +| |nSU|Alexandria |761|20 | |N |X|Rein | ++--+---+-------------------+---+------+--+---+-+------------------------+ + + 2.: Bei Mondesaufgang heftige Windstösse aus S, vor und nach absol. + Windstille. + 13.: Um 11 Uhr war das Barom. 752. + 14.: Um 9 hatten wir den höchsten Punkt erreicht, das Aneroid 745. + 15.: Morgens hatte es etwas gethauet. + 21.: Morgens Thau. + 22.: Morgens stark Thau. + 23.: Morgens Thau. + + + + +[Illustration: GERHARD ROHLFS' ROUTEN IN CYRENAICA im Sommer 1869. Nach +dem Originalentwurfe des Reisenden Maßstab c'a 1:150,000 und der +Küstenaufnahme der britischen Admiralität zusammengestellt von Rich. +Kiepert. Maßstab in 1:500,000.] + + +[Illustration: DIE AMMONS-OASE ODER SIUAH aufgenommen 1863 von Gerhard +Rohlfs.] + + +[Illustration: Versteinertes Holz aus der Ammons Oase.] + + +[Illustration: Asterit aus der Oase des Jupiter-Ammon.] + + +[Illustration: I. Ostracit, II. Salz, III. Chalcedonröhre u. IV. +versteinerte Muschelarten der Ammons Oase.] + + + + +In unserm Verlage sind ferner erschienen: + +GERHARD ROHLFS, Reise durch Marokko, Übersteigung des grossen Atlas, + Exploration der Oasen von Tafilet, Tuat und Tidikelt und Reise durch + die grosse Wüste über Rhadames nach Tripoli. Mit einer Karte von + Nord-Afrika von Dr. A. _Petermann_. Zweite Auflage. Preis: 1 Thlr. 20 + Sgr. + +Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen + Expeditionscorps in Abessinien. Mit dem Portrait des General NAPIER und + einer Karte von Abessinien von Dr. A. _Petermann_. Preis: 1 Thlr. 25 + Sgr. + +LAND UND LEUTE IN AFRIKA. Berichte aus den Jahren 1865-1870. Preis: 1-1/3 + Thlr. + +Ferner erschien in unserm Verlage: + +LUDWIG BRUNIER, Louise. Eine deutsche Königin. Mit dem Portrait der + Königin Louise von Preussen. Preis: 1-1/3 Thlr., eleg. gebunden mit + Goldschnitt 1-5/6 Thlr. + + _Prachtausgabe._ Preis: 2 Thlr., elegant gebunden in Kalblederband + mit Goldschnitt 3-1/3 Thlr. + +Bremen. J. KÜHTMANN'S BUCHHANDLUNG. + + + + +Fußnoten: + + +[1] Octbr 1869 lagen aus den Salzseen gewonnen noch 6,000,000 Oka Salz zum +Verladen in Bengasi bereit, ausserdem von Carcora gewonnenen; und jährlich +gehen nach der Levante durchschnittlich von dieser Stadt gegen 5,000,000 +Oka. Mittheilungen von Chapman esq., brit. Consul in Bengasi. + +[2] Die mitgebrachten Pflanzen werden durch eine besondere Broschüre von +Dr. Ascherson beschrieben werden. + +[3] Die Schriften le Maire's, der Cyrenaica noch vor della Cella besuchte, +sind mir nicht zur Hand. + +[4] Zeitschrift der Gesellschaft der Aerzte von Wien. 1. Theil. 1862. + +[5] En Bidrag til Tydning af den i Oldtiden under Navn af Silfion meget +anvendte og høit skattede, men senere forsvundene Kryderplante, af Prof. +Dr. A. S. Ørsted, Kjøbenhavn, 1869. + +[6] Fettschwanz. + +[7] In Cyrenaica setzen die Araber nicht "beni" oder "uled" vor ihre +Sippen, sondern "ailet", was gleichbedeutend ist, nur noch mehr den +Begriff "Familie" ausdrückt. + +[8] Englischer Consulatsbericht von Bengasi, 29. October 1869. + +[9] S. die Nrn. des Ausland, Adjedabia noch unedirt, ebenso Gaigab. + +[10] Schultert, präsentirt. + +[11] Um 12 Uhr 40 M. passirten wir uadi Ibeb nach dem Mittelmeere, dann +uadi manasseh um 1 Uhr 15 M., uadi bird um 1 Uhr 20 M., beide zur Sahara +gehend. Um 2 Uhr war der Marabut Sidi Homri mit Quelle links vom Wege, und +um 3 Uhr das Kasr Abayan ½ St. östlich vom Wege, um 3 Uhr 40 M. der Berg +Djilmana, ½ St. westlich vom Wege. + +[12] Aufbruch 6-¾ Uhr in 200° R., um 7½ uadi Shihr, nach der Wüste gehend, +um 8 Uhr u. Smelah, gleichfalls nach der Wüste, um 8-¼ das alte römische +Castell Sirah und von diesem aus auf 1½ St. Entfernung das alte Castell +Meschedeschi in S.-O.-Richtung gepeilt. Von Sirah jetzt in S.-W.-Richtung +weiter, und um 9 Uhr das uadi Dorr, das in die Wüste geht und auf 2 St. +Entfernung im N.-W. das römische Castell Sehadeh. Um 9½ die Ruinen vom +römischen Fort Siral el qedim, um 9-¾ das uadi Djaf und das uadi Ibgehl, +vereinigt der Sahara zufliessend; 11 Uhr 20 M. das uadi megad, welches +auch in die Sahara geht. Von hier an in W.-Richtung weiter bei den Sheniet +Chalil vorbei und mit dem uadi Schirb fortgehend, der in das uadi Farat +übergeht, von der Hochebene herab nach 3 St. in Maraua. Am folgenden Tage +Aufbr. 5-¾ Uhr in S.-W.-Richtung, um 7 Uhr 240° R. Um 9 Uhr den von Nord +nach Süd fliessenden uadi Gedede und die Richtung nun 250°. Von 9 Uhr 20 +M. S.-W. Richtung, 9 Uhr 40 M. der nach Teknis führende Weg geschnitten +und nun im uadi messamer, das in die Wüste geht. Um 10 Uhr das alte +Castell Bu Rhassil eine St. südl. vom Wege. Um 11 Uhr auf einen Höhenzug, +der von N.-W. nach S.-O. streicht und Schad ben Medja Wald heisst, auf +diesem die Ruine Gasr Tolun, ½ St. nördl. vom Wege. Um 11½ Uhr das nach S. +fliessende uadi mdud. Nach ¾ St. Aufenthalt um 12½ im uadi Rinfaid in +W.-Richtung weiter, und um 1-¾ Uhr den nach S. fliessenden uadi Stiksfara +passirt. Um 2½ W.-Richtung und um 3 Uhr 10 M. den in die Sahara +fliessenden uadi Schabl n Bet passirt, um 4 Uhr die Spitze des uadi Erköb +und um 4-¼ in Djerdes campirt. + +[13] Um 6-¾ Aufbr. von Djerdes in S.-W.-Richtung; gleich darauf passirten +wir das nach S.-O. streichende Medjrah-Thal und mit dem von einem +Knotenpunkte kommenden Benia-Thal S.-W. weitergehend, erreichten wir 8-¾ +die Wasserlöcher von Benia. Dicht am Wege, im N.-W. von uns, ist hier die +römische Ruine Gasr Djebela. Nun heisst das Benia-Thal hier Gardab, wir +durchzogen es westlich haltend, während uadi Gardab nach N.-W. umbiegt; um +10½ übersteigen wir eine von Süden kommende Gebirgszunge und kamen dann +ins uadi Tolhan, welches ebenfalls nach N.-W. gehend, sich mit uadi Gardab +zum uadi Djedj vereinigt und dann in den Birsia bei Tokra ins Meer fällt. +Durchs uadi Bu Simmeh S.-W. vom Gab kommend, hatten wir 11½ die +Ebelerhar-Ebene vor uns, durchschnitten in dieser den nach N.-W. ziehenden +uadi Selitmitnan um 12-¾ und lagerten, den Gasr Ebelerhar um 2 Uhr S.-O. +vom Wege dicht liegen lassend, um 5 Uhr bei den Biar-Wasserlöchern. + +[14] Alexandria und Cairo. + +[15] An dem Tage Aufbruch um 6-¾ Uhr in 150° Richtung. Um 7 Uhr 10 M. +Ruinen von Mabruka, 8 Uhr Ruinen und Brunnen Bu-Drissa, 9-¼ rechts vom Wege +Massafa Brunnen und Ruinen; 11 Brunnen Ktiuë, hier ½ St. Aufenthalt und +jetzt gerade S. R. 12½ Uhr Brunnen Ktet, 12-¾ Ruinen von Batat, 1½ Brunnen +Ktet el tani und gleich darauf Grab des Marabut Kellani, 3 Uhr 1 St. +östlich vom Wege der Snussi Sauya Tilimon, um 5 Uhr Lager. + +[16] Am 5. April Aufbruch 6½ Uhr in 160° R. 8-¼ kobóret oder Gräber links +am Wege, 9½ Gasr el Hussein, 1 St. rechts vom Wege, 10 Uhr Gasr magrún 1 +St. rechts vom Wege, 11½-12½ Ruhe, 1 Uhr bir Simmach, 1-¼ rechts vom Wege ¼ +St. Komon-Hügel, 2½ links vom Wege gasr Scheban und Schebibi und rechts +nach S.-W. 3 St. entfernt Gasr. Adams, 5½ Lager bei Oertlichkeit Djelil. + +[17] Am 6. April Aufbruch 6½ Uhr in 160° R. 7½ die Kubba Sid Hammed ben +Thaib rechts dicht am Wege, um 8 Uhr rechts am Meere ca. 2 St. entfernt +der Brunnen Ledjra, um 9 Uhr Gasr Dababia am Meere, um 10 Uhr Sidi Sultan +Brunnen am Meere, um 11 Uhr links am Wege Gasr el Debah, um 11½ der +Brunnen Milha, Pause hier bis 12-¾, um 1 Uhr Brunnen Morsiffa, um 4 Uhr +Sidi Faradji, um 5 Uhr Lager bei Oertlichkeit Ferssi. + +[18] Am 7. April Aufbruch in 160° R. und nach 3 St. bei Gasr Schadábia. +Die drei Districte südlich von Hussein heissen Fadéla, Ferssi und Shiuf. + +[19] [griechisch: Automalax phrounion] war die südöstlichste Grenzfeste der +Bewohner Cyrenaica's. + +[20] Es ist dies wohl della Cella's Aduchni. + +[21] Brunnen im Fareg von Westen nach Osten: 1) Ain kibrit, 2) Djafar, 3) +Ssebat Bu Hamra, 4) Ssalemo, 5) Bel klebat, 6) Buttofal, 7) Tagsilt, 8) +Busseria, 9) Ain Naga, 11) Bel Aissar, 12) Delemia, 13) Schagria, 14) +Adjelan, 15) Bei Dafun, 16) _Besseria_, 17) Okadia, 18) Chasm el kübsch, +19) Shauono. + +[22] Nordöstlich von Djalo liegt noch ganz isolirt der kleine Ort +Leschkerreh, der auch zur Gruppe gehört. + +[23] Kloster und Schule. + +[24] Das verlaufene Kameel, welches natürlich nordwärts gezogen war, wurde +später von einer Arabertribe eingefangen, und durch die Verwendung des +englischen Consuls, Mr. Chapman von Bengasi, nach der Stadt gebracht und +dort verkauft. Es war aber so abgemagert, dass nicht mehr als 25 +M.-Theresienth. dafür zu bekommen waren. + +[25] Am 27. April, Aufbruch um 6 Uhr, Richtung N.-O.; um 8 Uhr schwarzer +Hügel Lumahi; um 9 Uhr Gobr Bu Fatma; um 2 Uhr kraterartiger Kessel +Batron; um 5 Uhr ein anderer Brmt el Targi; um 6 Uhr Abends Lager in der +Gerdobia.--Am 28. April, Aufbruch 6 Uhr in N.-O. Richt.; um 8 Uhr, Fum er +Rhart schirgi, und nun in östlicher Richtung, 10 Stunden Lager bei Kobr +Benin u Banan.--Am 29. April, Aufbruch 5½ Uhr in östlicher Richt., um 8 +Uhr, Bottom Fattoma, ein Wegweiser; um 11-¼ Uhr, der Pass Schibiha; um 1-¼ +Uhr, der Hügel Gar-Chot mit 7 Gräbern Modjabra, um 2¾ Mueddin, Grab der 70 +Sklaven, um 4-¼ Uhr, der grossartige Aufgang, Rkbt el meheri, um 6 Uhr +Lager. + +[26] Am 1. Mai, ½ Stunde in östl. Richtung, 2 Stunden in 80°, 1 Stunde in +110° und Lager bei Bir Bu Allua; am 2. Mai 8 St. gelagert bei dem Sebcha +Hoëssa; am 3. Mai 3 Stunden in östlicher Richt. und 6 Stunden in 80° +Richt. beim 2 St. langen Lueschka-See, beim Necta-Sauya-See und beim über +3 Stunden langen el Araschich-See vorbei, Lager in Gaigab. + +[27] Am 4. Mai, 6 Stunden in 160° Richt. und dann 3 Stunden in +S.-O.-Richt., Lager am Schiata-See; am 5. Mai, 8 St. in S.-O.-R. bis +Siuah. + +[28] Masra sind die Ueberreste von zwei aus Steinen erbauten Thürmen, +welche, durch eine Mauer verbunden, wohl aus der römischen Zeit herrühren, +von einigen Reisenden für Amudeïn gehalten, liegen diese Ruinen weiter +nach Nordwesten, dicht bei Bled el Rum. + +[29] Alhagi Maurorum. + +[30] Sebcha ist See, Lagune. + +[31] Ich schreibe absichtlich bled el Rum und nicht bled er rum, im +Arabischen geschrieben wechselt das el nie, wird aber häufig vor einem mit +r, s, oder n anfangenden Worte er, es, en ausgesprochen. Indess vor r als +einem l sehr verwandten Tone, bleibt es häufig in der Aussprache, so Harun +al Raschid, nicht Harun ar Raschid. Oft aber wird er gesprochen Wohllauts +halber, wo man el erwarten sollte, so sagt man nicht stafr el Lah, sondern +stafr er Lah. + +[32] Die meisten römischen Schriftsteller schreiben Hammon. + +[33] Man sollte eigentlich Si-Uah schreiben. + +[34] Chroniken. + +[35] Alexandria in Aegypten. + +[36] Mir steht nur eine alte Ausgabe von Kieperts grossem Atlas zu Gebote. + +[37] Nach Hassenstein dürfte übrigens wegen der von Beurmann bestimmten +westlicheren Lage von Audjila auch Siuah weiter nach Westen zu liegen +kommen. + +[38] Makrisi giebt sogar an es seien über 40. + +[39] Minutoli: Längsdurchmesser 60, Breitendurchmesser 20 Schritte, was +wohl auf einem Irrthum beruht, da der Born fast vollkommen rund ist. + +[40] Die Quelle zu Rhadames hat ungefähr dieselbe Temperatur. + +[41] Vatonne fand das Rhadamser Quellenwasser bei 15° Temperatur zu +1,00231. + +[42] Natürlich alles Culturpflanzen, ausser der andern Wüstenvegetation +fand ich in Siuah am Quell el Lif nur eine blühende Pflanze, nach +Ascherson in Berlin eine Erythraea latifolia. + +[43] Uebrigens ist Jacksons Behauptung, die Ammonier seien vom Sus her +eingewanderte Leute, weil sie Schellah sprechen, ebenso unrichtig, als +wenn einer sagen wollte, die Bewohner vom Sus sind Ammonier, weil sie +Schellah reden. S. Jackson account of Timbuctoo. Lond. + +[44] Das Oel ist ganz ausgezeichnet in der Ammons-Oase, und kann trotz der +rohen Zubereitungsweise an Klarheit und Süssigkeit einen Vergleich mit den +besten Sorten von Parma und der Provence aushalten. + +[45] Minutoli: die Seitenwände 15½' Länge, 4' 8" dick, Höhe von den +Mäandern gerechnet 15', die Decksteine 5' breit, 3' dick. + +[46] Siehe Minutolis Reise zum Tempel des Jupiter Ammon etc., +herausgegeben von Dr. E. H. Tölken, Berlin 1824. + +[47] bab el medina heisst Stadtthor. + +[48] Am 12. Mai, Aufbruch 5 Uhr, 1 Stunde in nordöstl. Richt. dann auf den +Berg Temsdega-Erköb in 60° R. und nach 2 Stunden von hier auf Muley Yus in +östl. Richt. Im Süden von Temsdega-Erköb und Muley Yus der Berg Tlaklibt. +Südlich von Tlaklibt liegt 2 Stunden entfernt Dj. und Ain-Haderdid. Von +hier in 60° Richt. weiter nach 1½ Stunden den vom Plateau kommenden u. +Elketof, dann nach 1 Stunde den vom Plateau kommenden u. Ethel, die beide +nach Südosten gehen, passirt. Sodann überschreitet man ein 1½ St. breites +Blatt des Plateaus, das in die Niederung reicht, und nach einer halben +Stunde Lager im u. Mohemen. + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Von Tripolis nach Alexandrien - 2. Band, by +Gerhard Rohlfs + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON TRIPOLIS NACH *** + +***** This file should be named 17600-8.txt or 17600-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/1/7/6/0/17600/ + +Produced by Magnus Pfeffer, Hagen von Eitzen, Clare Boothby +and the Online Distributed Proofreading Team at +http://www.pgdp.net (This file was produced from images +generously made available by the Bibliothèque nationale +de France (BnF/Gallica) at http://gallica.bnf.fr) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + +*** END: FULL LICENSE *** + diff --git a/17600-8.zip b/17600-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..152293b --- /dev/null +++ b/17600-8.zip diff --git a/17600-h.zip b/17600-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..e2db07c --- /dev/null +++ b/17600-h.zip diff --git a/17600-h/17600-h.htm b/17600-h/17600-h.htm new file mode 100644 index 0000000..3c85ecd --- /dev/null +++ b/17600-h/17600-h.htm @@ -0,0 +1,10303 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> +<head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1"/> + <title>The Project Gutenberg eBook of Von Tripolis nach Alexandrien, Zweiter Band.</title> + <style type="text/css"> +/* leave room for page numbers */ +body { margin-left: 9%; margin-right: 9%; } + +/* headings */ +h1 { text-align: center; margin-top: 12ex; } +h2 { text-align: center; margin-top: 10ex; } + +/* the default blue of usual browsers should suffice. 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Band + +Author: Gerhard Rohlfs + +Release Date: January 24, 2006 [EBook #17600] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON TRIPOLIS NACH *** + + + + +Produced by Magnus Pfeffer, Hagen von Eitzen, Clare Boothby +and the Online Distributed Proofreading Team at +http://www.pgdp.net (This file was produced from images +generously made available by the Bibliothèque nationale +de France (BnF/Gallica) at http://gallica.bnf.fr) + + + + + + +</pre> + +<h1>Von<br/> +<big>Tripolis</big> nach <big>Alexandrien</big>.</h1> + +<p class="front"><big>Beschreibung</big><br/> +der im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen<br/> +in den Jahren 1868 und 1869 ausgeführten Reise</p> + +<p class="front">von</p> + +<p class="front"><b>Gerhard Rohlfs.</b></p> + +<p class="front">Mit einer Photographie, zwei Karten, vier Lithografien<br/> +und vier Tabellen.</p> + +<p class="front"><b>Zweiter Band</b></p> + +<p class="front">1871</p> + +<hr class="front"/> + +<div class="figure"> +<a href="images/coins.jpg"><img height="500px" width="226px" src="images/coins_tn.jpg" alt="[Illustration: In Jupiter-Ammons-Oase gefundene Münzen.]"/></a> +<p>In der Jupiter-Ammons-Oase gefundene Münzen.</p> +</div> + +<hr class="front"/> + +<h2>Inhalts-Verzeichniss.</h2> + +<ul class="TOC"> +<li><a href="#page-1">Barca</a></li> +<li><a href="#page-19">Von Cyrene über Bengasi nach Audjila</a></li> +<li><a href="#page-44">Audjila und Djalo</a></li> +<li><a href="#page-66">Die libysche Wüste zwischen Djalo und der Oase des Ammon</a></li> +<li><a href="#page-85">Die Jupiter Ammons-Oase</a></li> +<li><a href="#page-142">Von der Ammons-Oase nach Egypten</a></li> +</ul> + +<hr class="front"/> + + +<h2><a id="page-1"></a><span class="pgnum">1</span>Barca.</h2> + + +<p>Wie die Alten schon über die Grenzen der Cyrenaica +uneins waren, da weder im West noch Süden bestimmte +Marken gezogen waren, im Ost aber bald nach +Ptolemaeus der Chers. mag., nach Plinius und Strabo der +Catabathmos als Grenze angenommen wurde; so auch +noch heute. Die Araber, diese guten Geographen, rechnen +zu Barca, denn so nennen sie, was die Alten und +wir mit Cyrenaica bezeichnen, das Land, was von dem +Meere im Norden und Westen einerseits, im Süden vom +Fareg und der Wüste, im Osten von Akabat el kebir +andererseits, umringt wird. Fast ähnliche Grenzen nehmen +die Türken an, nur dass sie die weit nach Süden +zu gelegenen Oasen Audjila und Djalo ebenfalls mit zu +Barca zählen.</p> + +<p>Wir beschäftigen uns hier nur mit dem eigentlichen +Plateau von Barca, welches eine längliche von Westen +nach Osten gezogene Gestalt hat. Ungefähr von gleicher +Grösse wie die Insel Sardinien fällt dasselbe nach Nordwest +und Norden zu schroff ins Meer, ebenso der schmale +<a id="page-2"></a><span class="pgnum">2</span>Ostrand nach dem Golfe von Bomba zu, im Süden und +im Südwesten sind sanfte Uebergänge zur See, und mittelst +der Steppe zur Wüste. Das eigentliche Hochland +besteht durchaus aus Kalkstein, der dick mit röthlichem +Humus belegt ist. An den Schluchten, wo dieser Kalkstein +aus feinen oft mikroscopischen Muscheln gebildet +zu Tage liegt, bemerkt man häufige natürliche Höhlen +und Stalactitengrotten, ebenso findet man auf dem Plateau +selbst noch Petrefacten, Cardien, Pectiniten und +Ostreen. Der Boden selbst ist äusserst fruchtbar, Theophrast +lobt schon die leichte, durch trockne und reine +Luft, belebte Erde. Und in der Neuzeit sagt unser +grösster deutscher Geograph, Carl Ritter: „In der That +ist es auffallend, dass dieses Land von Europäern unbesetzt, +unbesucht blieb, ja selbst erst von neuem entdeckt +werden musste, nachdem Phönizier, Carthager, +Griechen, Aegypter, Römer dort schon einheimisch gewesen +waren.</p> + +<p>„Eine europäische Colonie, die sich auf dieser Berginsel +ansiedelte, würde durch die gefährliche Syrte im +Westen, durch die Steilküste im Norden und die Wüste +Sahara im Süden gegen jeden Feind gesichert sein etc. etc.“</p> + +<p>Ein anderer ausgezeichneter Geograph, Conrad Mannert, +sagt von Cyrenaica: „Warum hat sich die gesegnete +Gegend so ganz aus dem Blicke des Europäers +verloren? Warum ist noch nie der Versuch zu einer +neuen für eine Seemacht nicht schweren Ansiedlung gemacht +<a id="page-3"></a><span class="pgnum">3</span>worden, welche zugleich den Weg nach den inneren +Gegenden von Afrika bahnen würde?“</p> + +<p>Es ist allerdings bemerkenswerth, dass dies Kleinod +des mittelländischen Meeres sich der Aufmerksamkeit +der Europäer so lange entzogen hat. Wären wir nicht +von vornherein gegen staatliche Colonisation, so würden +wir Oesterreich oder Italien zurufen, erwerbt dies Land +und lenkt dort neue Auswanderung hin. In der schmalen +Ebene von Bengasi und Tokra bleibt die Bodenbeschaffenheit +die nämliche, im Süden aber geht allmälig +der röthliche Humus in weisslichen Sandboden +über, daher auch die Eingebornen nach dieser äusserlichen +Farbe Barka el hamra von Barca el beida unterscheiden. +Es scheint nicht, dass Cyrenaica je Schätze +des Mineralreiches besessen hätte, denn wenn die Alten +Gold, Silber und edle Steine anführen, als Handelsgegenstände, +so kamen die sicher aus dem Süden. Ammonisches +Salz wird auch oft als ein Product der Cyrenaica +angeführt; nicht dies ist es aber heute mehr, wohl +aber Salz, welches das Land selbst producirt<a id="FNA-1" href="#FN-1"><sup>1</sup></a>, und das +heute aus den Salzseen bei Bengasi gewonnen wird. Im +Alterthum hebt Sinesius noch eine weisse Kreide hervor, +die bei Paraetonium gewonnen zu Cement benutzt wurde.</p> + +<p><a id="page-4"></a><span class="pgnum">4</span>Glücklich der Art gelegen, dass Cyrenaica zur +grösseren Hälfte vom Meere bespült wird, während der +Uebergang zur Wüste nur allmälig mittelst Steppe erfolgt, +ist es reichlich mit Pflanzenwuchs gesegnet. Aber +trotzdem hat es nur geringe und periodische Wasserläufe, +es ist dies eben dadurch bedingt, dass die Hauptabdachungen +nach Norden die kürzere, nach Süden die +längere, eben beide zu schmal sind, um die Bildung +grosser Thäler und Flüsse zu erlauben. Da der höchste +Kamm nicht in der Mitte, sondern mehr nach Norden +zu, von Osten nach Westen das Land durchzieht, so sind +die von ihm entspringenden Thäler, Schluchten und Rinnsäle, +kürzer, aber auch, weil sie häufiger und grössere +Quantitäten Wasser schwemmen, tiefer und zerrissener. +Es liegt dies in der Natur der Sache, da eben die Nordseite +des Plateaus bedeutend mehr Feuchtigkeit bekommt, +als die längere Südseite.</p> + +<p>Buchten an der eigentlichen Insel Cyrenaica sind +nur vorhanden nach dem Osten zu. Die Busen von +Bomba und Tokra sind aber auch ganz ausgezeichnet. +In Bomba konnte 1808 der französische Admiral Gantheames +sich vor dem verfolgenden britischen Admiral +Lord Collingwood zurückziehen, und entging hiedurch +der Gefangennahme. Die übrigen Häfen, welche die +Alten benutzten, als Apollonia, Ptolemais, Dernis, Berenice, +sind heutzutage ganz unbrauchbar, doch liesse sich +<a id="page-5"></a><span class="pgnum">5</span>das alte Berenice mit leichter Mühe wieder zu einem +guten Hafen herrichten.</p> + +<p>Was Bomba und Tokra anbetrifft, so unternahm Ali +Riza Pascha von Tripolis Anfang 1869 einen neuen +Colonisationsversuch, es scheint aber, dass seine Bemühungen +gescheitert sind, obgleich die in türkischen Zeitungen +veröffentlichten Berichte Anfangs sehr günstig +lauteten. Wassermangel und ungenügende Sicherheit des +Eigenthums werden wohl Hauptgrund beim Scheitern +dieser neuen Besiedlung gewesen sein.</p> + +<p>Aeusserst üppig ist die Pflanzenwelt vertreten, von +der wir hier nur einen allgemeinen<a id="FNA-2" href="#FN-2"><sup>2</sup></a> Ueberblick geben. +Wie die Alten schon verschiedene Pflanzenregionen in +Cyrenaica unterschieden, uns sogar erzählen, dass man +mehrere Ernten abhalten könne, zuerst in der Ebene, +dann auf den Abhängen, endlich auf der Hochebene +selbst, so auch noch heute. Und wenn Homer die +lachende und reiche Fruchtbarkeit des Landes, wenn +Pindar die Cyrenaica die Fruchttragende, den Garten +des Jupiter und der Venus nennt, wenn Diodor die Cyrenaica +den fruchtbarsten Boden schlechtweg heisst, wenn +Arrian das Land als krautreich und gut bewässert schildert, +wenn Scylax uns die verschiedenen Obstsorten aufführt, +so ist eben nichts Uebertriebenes darin, wie wir +<a id="page-6"></a><span class="pgnum">6</span>es bei den Alten erwähnt finden, eben so reich, so üppig, +so ergiebig ist heute noch die Pflanzenwelt.</p> + +<p>In der That glaubt man, sobald man sich aus der +Stadt Bengasi entfernt und im Anfange der Küste folgend, +ins Innere begiebt, fortwährend in einem lachenden +Garten zu sein. Die üppigsten Blumenwiesen werden +durchschnitten und der Fernblick ist überall gehemmt +durch Lentisken und Myrtengebüsch. Und steigt man +die Berge hinauf, sind Rosmarin und Wachholder, grosse +Büsche der einfachen weissen Rose da, um heimathliche +Erinnerungen wach zu rufen, während an den feuchten +Schluchten der rothblühende Oleander und Lorbeerbüsche, +die südeuropäischen Länder vertreten. Und diese ist +denn auch die eigentliche Vegetation: Dr. Ascherson +fand aus den mitgebrachten Pflanzen die grösste Uebereinstimmung +mit denen, welche er durch eigne Anschauung +auf den Inseln des Mittelmeeres kennen gelernt hatte.</p> + +<p>An grossen Bäumen, welche besonders auf dem Plateau +und in den nach Norden zu gehenden Thälern vorkommen, +nennen wir die kleinblättrige immergrüne Eiche, +die oft 150' hohe Cypresse, die Thuya und den Wachholderbaum. +Verwildert kommt hier ebenfalls vor der +Oelbaum, Feigenbaum, Johannisbrodbaum, Birnbaum; +Weinreben aber sind uns nirgends mehr aufgestossen, +obschon im Alterthume Wein nebst Oel Hauptausfuhr-Artikel +war nach Sicilien und Griechenland. Und wie +im Alterthume Cyrce ihre Grotte mit dem wohlriechenden +<a id="page-7"></a><span class="pgnum">7</span>Thyon räucherte, so ist auch heute noch ein leiser +Rauch eines Wachholderfeuers nicht unangenehm, im +Gegentheil, oft erschienen unsere Gräber, die wir mit +trocknem Wachholderholz erleuchteten und wärmten, wie +parfümirt. Aus diesem Holze wurden wahrscheinlich auch +jene bei den Alten so berühmten wohlduftenden Möbeln +verfertigt, von denen die Thyaden oder Trinktische besonders +beliebt waren. Auch die aus Cyrenaica kommenden +Rosenwasser und andere starkriechende Pflanzenproducte +waren zur Blüthezeit viel gesucht, und um +Essenzen herzustellen, brauchte man auch heute nur +die Hand auszustrecken, wohlriechende, starkduftende +Blumen sind überall, Geranien, Violen, Artemisien etc. +schwängern zur Blüthezeit die Luft mit ihren Düften.</p> + +<p>Wild findet man an geniessbaren Pflanzen überall +und zwar in ausgezeichneter Güte die Artischocke +und Trüffel, letztere wird von Plinius schon unter dem +Namen Misy erwähnt. Das von den Alten als ein von +den Bäumen hängendes wohlriechendes Obst, spagnus, +weiss ich nicht zu erklären.</p> + +<p>Was aber vor Allem den Reichthum der Colonie +ausmachte, war das Sylphium, eine Pflanze, von der wir +auf den alten cyrenaïschen Münzen recht gute Bilder +haben. Auch finden wir derselben bei einer Menge der +alten Schriftsteller erwähnt, zum Theil beschrieben. Alle +<a id="page-8"></a><span class="pgnum">8</span>Reisenden nun von della Cella<a id="FNA-3" href="#FN-3"><sup>3</sup></a> an, Beechey, Pacho, +Barth etc. etc., haben diese Pflanze in der heute von +den Eingebornen genannten Drias (bot: thapsia garganica +genannt) wiedererkennen wollen. Zu della Cellas Zeit +nannten ihm die Landesbewohner, dieselbe Pflanze, Coinon. +Und es lässt sich nicht leugnen, dass die Pflanze mit +den Abbildungen Aehnlichkeit zeigt, wenn es auch kein +Gleichniss ist; aber nicht nur Aehnlichkeit mit den Münzbildern +zeigt dieselbe, sondern, wie wir gleich sehen +werden, mit vielen Eigenschaften, welche wir von derselben +bei den Alten erwähnt finden.</p> + +<p>In neuerer Zeit nun ist Dr. Schroff in Wien<a id="FNA-4" href="#FN-4"><sup>4</sup></a> dagegen +aufgetreten, dieser, indem er die Eigenschaften +der Thapsia garganica nicht mit den von den Alten erwähnten, +vereinbar hält; dann Ørsted<a id="FNA-5" href="#FN-5"><sup>5</sup></a>, welcher hauptsächlich +Drias nicht für das alte Sylphium erkennen will, +weil ihm die Münzbilder nicht für diese Pflanze zutreffend +sind. Professor Ørsted vindicirt Narthex asa foetida, +als das alte Silphium, glaubend, dass die Eigenschaften +dieser Ambilifore am meisten mit dem Silphium +und den Bildern der Münzen übereinstimmen.</p> + +<p><a id="page-9"></a><span class="pgnum">9</span>Nach Theophrast entstand, natürlich konnte solche +Wunderpflanze nur durch ein Wunder entstehen, 430 v. +R. das Silphium nach einem Pechregen, derselbe beschreibt +die Wurzel als dick, fleischig, den Stengel dem +des Fenchel ähnlich, die Samenkörner als breit und geflügelt, +ähnlich, wie die von Phyllis; dies alles fanden +wir bei der heutigen Drias-Pflanze auch, und auch der +Standort, den er für die Pflanze angiebt, stimmt: „Die +Umgegend der Hesperiden-Gärten.“ Nach<i> Plinius</i> war +die Rinde der Wurzel schwarz, länger als eine Elle; +wo sie aus dem Boden kam, war eine Tuberosität, welche +eingeschnitten einen milchigen Saft gab, die Samenkörner +sind glatt, und fallen leicht mit den gelb vertrockneten +Blättern, sobald die erste Jahreszeit vorüber ist, ab; auf +der Pflanze selbst bemerkt man auch Tuberositäten. +Plinius verlegt den Standort des Silphium ebenfalls in +die Umgegend der hesperidischen Gärten. Nach ihm +wurde der Stengel gegessen, nachdem man ihn gekocht +hatte, er constatirt ferner<i> die schädliche Wirkung +aufs Vieh</i>, die Ziegen und Schafe waren sehr begierig +danach, die Ziegen fingen an zu niesen, die Schafe zu +schlafen. Zu seiner Zeit war die Pflanze schon fast +ganz verschwunden, so dass Nero eine einzige Pflanze +als ein grosses Geschenk angeboten wurde. Wir sehen, +dass auch die Beschreibung von Plinius vollkommen passt.</p> + +<p>Von anderen Autoren verlegen<i> Herodot</i> und<i> Scylax</i> den Standort der Pflanze in die ganze Küstengegend +<a id="page-10"></a><span class="pgnum">10</span>von Pentapolitanien, von der Insel Plataea bis +zum Anfange der grossen Syrte,<i> Catull</i> bei Cyrene,<i> Strabo</i> und<i> Ptolemaeus</i> mitten in die Wüste, südlich +von Cyrene, Arrian endlich sagt, sie sei über den +ganzen fruchtbaren Boden Cyrenaicas bis zum Saume der +Wüste verbreitet. Nach diesem Schriftsteller wurden +Ziegen und Schafe eingepfercht, um sie vor dem Silphium +zu bewahren.</p> + +<p>Sobald die Provinz römisch wurde, fing die Pflanze +an zu verschwinden, jedoch 100 Jahre nach der Regierung +Roms berichtet<i> Plautus</i> noch von reichlichen +Ernten,<i> Strabo</i> fand sie ebenfalls noch vor,<i> Plinius</i> +fand das Silphium schon spärlich und<i> Synesius</i> berichtet +als etwas Ausserordentliches von einer im Garten +seines Bruders gezogenen Pflanze. Die Ursache des +Verschwindens der Pflanze wird von den Alten verschieden +angegeben, nach<i> Solin</i> war es, um sich von den +hohen Taxen zu befreien, denen das Silphium unterworfen +war,<i> Strabo</i> führt die Ausrottung auf die eindringenden +Barbaren zurück. Höchst wahrscheinlich +wirkten beide Ursachen, um die Pflanze so schnell +schwinden zu machen, denn die mit Kameelen eindringenden +Libyer hatten natürlich ein Interesse daran, +diese den Kameelen den Tod bringende Pflanze auszurotten.</p> + +<p>Bei den Römern stand das Silphium oder Laserpitium +im gleichen Werthe mit Silber; hauptsächlich +<a id="page-11"></a><span class="pgnum">11</span>wurde der aus dem Stempel der Pflanze Thysias gewonnene +Saft, oder der aus der Wurzel mittelst Einschnitte +hervorquellende succus, Caulias genannt, als +Arznei benutzt. Man verarbeitete beide mit Kleie; und +dies dann bis zu dicker Consistenz eingekocht, wurde +so über die ganze civilisirte Welt verschickt. Beide +Posten werden auch unter dem Namen „Thränen der +Cyrenaica“ ohne Unterschied genannt. Die Römer verwahrten +das Silphium in ihrem öffentlichen Schatze. +Julius Caesar fand 1500 römische Pfunde vor.</p> + +<p>Die heutige Drias-Pflanze, Thap. garg., zeigt sowohl +mit den Münzabbildungen, als mit den eben erwähnten +die grösste Aehnlichkeit, nur möchte ich die +Frage aufwerfen, warum gerade die Thapsia garganica +von<i> Cyrenaica</i> sich von den anderen unterscheidet. +Und doch<i> muss</i> ein Unterschied da sein. In Algerien, +in Marokko fällt es keinem Eingebornen ein, sein Kameel +mit Maulkörben zu versehen, sobald er es in die +mit Thapsia garganica bestandenen Gegenden treibt, +während in Cyrenaica die Pflanze, sobald sie trocken +ist, sehr gefürchtet wird. Auch schreibt man dort der +Pflanze keine besonderen medicinischen Eigenschaften +zu, während die Bewohner von Barca noch heute die +Drias-Pflanze, wie die Alten das Silphium als ein Universalmittel +betrachten. Da muss denn doch wohl ein +Unterschied zwischen der Thapsia garganica von Cyrenaica +und den übrigen bestehen, der den Botanikern +<a id="page-12"></a><span class="pgnum">12</span>bis jetzt entgangen ist. Auch mir gelang es nur, Stengel +und Blätter der Drias-Pflanze mitzubringen, die +Blüthezeit war noch nicht angegangen, als ich in Cyrenaica +war.<i> Heinzmann</i>, der die Thapsia garganica +medicinisch untersuchte, fand, dass die Wurzel ein +werthvolles Heilmittel sei, äusserlich bei unreinen Geschwüren +sowohl der Menschen als Thiere gebraucht. +Die Tinctur der Rinde der Wurzel auf gesunde Hauttheile +gebracht, erregt meist anhaltendes Jucken, zuletzt +Pusteln ohne grosse Entzündung. Auf eine offene Wunde +gebracht, wird kein Brennen und Jucken gefühlt. Innerlich +6–8 Gran genommen, wird Schwindel, Ohrensausen, +Ideenconfusion, grosses Gefühl von Schwäche mit lange +andauernden schweren Schweissen beobachtet. Wiederholte, +von ihm in Europa angestellte Versuche, stellten +die Thapsia garganica als ein drastisches Reinigungsmittel +hin. Theophrastus, Dioscoridas und Plinius +sprechen von ganz gleichen und ähnlichen Wirkungen. +Was uns anbetrifft, so bleiben wir also dabei und sagen, +dass die in<i> Cyrenaica</i> wachsende Thapsia garganica +oder Drias das alte Silphium ist.</p> + +<p>Diese, wie wir so eben gesehen haben, so sehr +pflanzenreiche Insel ist äusserst thieram. Fast wäre +man versucht anzunehmen, dass das nekropolenartige +des ganzen Landes, denn wie Cyrenaica sich heute dem +Besucher zeigt, kann man es als Eine grosse Todtenstadt +bezeichnen, auch Einfluss auf die Leben suchenden +<a id="page-13"></a><span class="pgnum">13</span>Thiere gehabt habe. In den Küstenstrichen finden sich +zwar ziemlich viel wilde Thiere, als Hasen, Kaninchen, +Gazellen und die Vierfüssler, welche im Allgemeinen +am Nordrande von Afrika gefunden werden, aber in geringerem +Maasse als in Tunis, Algerien und dem so +wildreichen Marokko. Ausser der Hyäne und dem Schakal +sind reissende Thiere gar nicht vorhanden. Wildschweine +finden sich in den Schluchten der Hochebene, +aber auch in geringer Zahl. Ueberall stösst man aber +auf den Maulwurf, dessen Spuren man sogar weit nach +Süden in der Ebene verfolgen kann. Die Vogelwelt ist +ebenfalls sparsam und durch keine besonderen Arten +vertreten. Schlangen und Scorpionen, Eidechsen und +anderes Gewürm sind dieselben, wie die auf dem Nordabhange +des Atlas, in den südlichen Ebenen ist die +Hornviper häufig. An den steilen Felsparthien des Hochlandes +haben zahlreiche Bienenschwärme in den Höhlungen +ihre Nester angelegt, und wie im Alterthum bildet +denn auch noch heute der Honig ein Hauptproduct des +Landes. Ein von Süden kommendes Thier, die Heuschrecke, +bildet auch in der Jetztzeit noch oft die +grosse Landplage der Bewohner. Die meist so berühmten +Pferde der Cyrenaica sind sehr heruntergekommen, +was Form und Schönheit anbetrifft, Dauerhaftigkeit, +Gelehrigkeit und Kraft ist ihnen aber auch jetzt noch +eigen. Hauptreichthum der Bewohner machen die Rinder, +<a id="page-14"></a><span class="pgnum">14</span>Schafe<a id="FNA-6" href="#FN-6"><sup>6</sup></a> und Ziegenheerden aus, von denen nach +Malta hin exportirt werden, Esel und Maulthiere hat +man nur zum eigenen Bedarf und sie sind nicht besser, +als die in den berberischen Staaten. Die südlichen +Ebenen haben vorzügliche Kameelzüchtereien, von denen +auch nach Egypten hin exportirt werden.</p> + +<p>Die Bewohner des Landes sind nomadisirende Araber. +Jedenfalls sind Spuren der griechischen, ptolemäischen +und römischen Herrschaft nirgends zu erkennen, wie +denn auch nach Vernichtung dieser Herrschaften ihre +eigentlichen Unterthanen, Griechen und Römer mit vernichtet +wurden oder auswanderten. Die dann eindringenden +libyschen Völker sind von den Arabern absorbirt +worden, wenigstens ist heute nichts mehr vom +Libyerthum zu bemerken, die alles nivellisirende mohammedanische +Religion hat zwischen Berbern und +Arabern, die ohnedies äusserlich sich so nahe stehen, +jeden Unterschied aufgehoben. Der heutige Bewohner +Cyrenaicas, der<i> nur</i> arabisch spricht (Mischmasch von +maghrebinisch und ägyptisch), ist mittlerer Grösse, mager, +hat ein längliches Gesicht, in der Jugend mit vollen +Backen, fallen sie im Alter sehr ein und die Backenknochen +treten stark hervor, stechende schwarze Augen +von buschigen Brauen überwölbt, eine starkgebogene, +lange Nase, verhältnissmässig grosser Mund und spitzes +Kinn sind die allgemeinsten Gesichtszüge. Der Bart +<a id="page-15"></a><span class="pgnum">15</span>ist spärlich, Haupthaar lang und schwarz. Die Frauen, +welche wie überall da, wo sie eine untergeordnete Stellung +zum Manne einnehmen, auch körperlich unverhältnissmässig +klein sind, haben in der Jugend volle und +hübsche Formen, und eben das Volle rundet denn auch +die scharfen Gesichtszüge ab, die im Alter aber ebenso +markirt wie beim Manne hervortreten, ohne dass die +tausend Falten der Haut im Stande sind, die scharf +vorspringenden Knochenparthien zu verdecken. Die +Nase ist bei den Frauen mehr gerade als gebogen.</p> + +<p>Männer und Frauen lieben es, sich mit Antimon zu +zeichnen; machen allerlei bunte Figuren aufs Gesicht, Brust, +Arme und Hände. Die Frauen färben auch die Unterlippe +schwarz, umrändern die Augen mit Kohöl und färben +die Nägel roth. Ihre Kleidung ist die der übrigen nomadisirenden +Völker Nordafrikas und keine Frau, mit +Ausnahme der Städterinnen, geht verschleiert. In der +übrigen Lebensweise ist auch kein Unterschied, Basina, +diese Gerstenpolenta, mit stark gepfefferter Sauce bildet +ebenfalls das Nationalgericht. Auch hier haben die +Nomaden gar keinen Fortschritt gemacht, wie zur Zeit +der Rebecca geht noch heute das Weib mit dem Kruge +zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen, wie zur Zeit +Abrahams pflügt der Mann noch mit demselben Pfluge, +ohne dass er sich Mühe gegeben hätte, einen besseren +kennen zu lernen. Auf dem Boden hockend essen heute +noch alle mit den Fingern aus Einer Schüssel, wie +<a id="page-16"></a><span class="pgnum">16</span>Jesus Christus mit seinen Jüngern. Etwas haben die +Snussi indess für gute Sitte durch strengere Beobachtungen +der mohammedanischen Vorschriften gesorgt. +Früher z.B. war es bei einigen Stämmen Sitte, dass +ein verheiratheter Mann einem Fremden seine Frau anbot, +heute würde man vergeblich in ganz Cyrenaica +eine Tribus suchen, wo eine solche Unsitte herrschte. +Aber Lesen und Schreiben ist nirgends bekannt, wie +denn überhaupt auf dem Lande nirgends eine Medressa +oder Schule besteht, und auch die Sauya, welche die +Snussi angelegt haben, keine Schulen unterhalten.</p> + +<p>Nach ziemlich sicheren Abschätzungen, vom französischen +Consulate in Bengasi mitgetheilt, stellen die +Gesammtstämme von der grossen Syrte an gerechnet +(Mündung des Fareg) bis zur ägyptischen Grenze 72,000 +bewaffnete Fussgänger und 3500 Cavaliere, danach könnte +man die Gesammtbevölkerung von Cyrenaica auf circa +302,000 Einwohner anschlagen. Hiervon bilden die Auergehr +den bedeutendsten Stamm, ihre verschiedenen +Sippen stellen mehr als 10,000 Fussgänger und fast +1000 Reiter, die Brassa zählen mit 3500 Fussgänger +und 500 Cavalieren, die Abidat mit 5890 Fussgänger +und 350 Reiter, die ailet<a id="FNA-7" href="#FN-7"><sup>7</sup></a> Ali 4600 Fussgänger und +225 Reiter, die Sauya 2100 Fussgänger, 75 Reiter etc.</p> + +<p><a id="page-17"></a><span class="pgnum">17</span>Nach den neuesten Nachrichten<a id="FNA-8" href="#FN-8"><sup>8</sup></a> ist von der türkischen +Regierung die Landschaft Barca als von Tripolis +unabhängig in eine Mutasarefia von Bengasi umgewandelt +worden, und hat folgende Kaimmakamliks als +Unterprovinzen: 1) Djalo und Audjila, 2) Mytarba oder +Adjedabia, 3) Kaimmakamlik der Auergehr, 4) Merdj, +5) Gaigab, 6) Derna und 7) Bengasi selbst. Höchst +wahrscheinlich ist dies aber ein Irrthum, und sind die +aufgeführten Städte- und Ortsnamen nicht Kaimmakamliks, +sondern Mudirats, da diese sonst keineswegs, was +Grösse und Bevölkerung anbetrifft, einem anderen türkischen +Kaimmakamlik entsprechen. Wenn deshalb Cyrenaica +jetzt direct von Constantinopel regiert wird, +nicht wie bis Herbst 1869 von Tripolis, so dürfte doch, +wenn auch die Unterabtheilung die richtige ist, die +Bezeichnung als Kaimmakamlik für dieselbe zu bezweifeln +sein.</p> + +<p>Ueber Bengasi, welches wir beschrieben haben, über +das Gebiet der Auergehr, deren Schich keinen festen Sitz +hat, sondern der häufig bei Tokra, häufig auf den Hochebenen +sein Zelt aufschlägt, über Audjila, Gaigab und +Adjedabia<a id="FNA-9" href="#FN-9"><sup>9</sup></a>, welche ebenfalls beschrieben wurden, haben +wir hier weiter nichts hinzuzufügen.</p> + +<p>Was Merdj anbetrifft, in südwestlicher Richtung +circa 6 Stunden von Tolmetta (Ptolemais) auf dem Hochplateau +<a id="page-18"></a><span class="pgnum">18</span>gelegen, so ist darüber gar kein Zweifel heute, +dass dieser Ort das alte Barca ist. Gegründet wurde +diese Stadt von den Libyern; als die Griechen nach +Cyrene kamen, fanden sie Barce schon fertig. Die +Barcaei standen bei den Griechen besonders im Rufe +von ausgezeichneten Pferdebändigern und Wagenlenkern. +Als in Cyrene selbst Zwistigkeiten unter den Griechen +ausbrachen, zog ein Theil nach Barce, und von dieser +Zeit an tritt diese Stadt als selbstständig und unabhängig +in die Reihe der Städte der Pentopolitania. Das alte +Ptolemais selbst wird ursprünglich nur als „Hafen“ von +Barce genannt, bis unter der Herrschaft der Ptolemäer +dieser Hafenort die eigentliche Bevölkerung von Barce +aufnimmt, und diese Stadt aus der Geschichte verschwindet. +Der Name Barca, den die Araber heute auf +das ganze Land ausdehnen, kommt aber zweifelsohne +von Barce, dem heutigen Merdj her, obgleich die Eingeborenen +behaupten, diesen Ausdruck deshalb dem Lande +zu geben, weil das ganze Gebiet ein „Barca“ d.h. +„Segen“ sei.</p> + +<p>Derna endlich, am nordöstlichsten in Barca gelegen, +ist das alte Darnis. Ausser Bengasi ist dies die einzige +Stadt. Ungefähr mit 1500 Einwohnern wird von hier +ein ziemlich lebhafter Handel mit Malta und Creta getrieben, +die Engländer unterhalten hier sogar ein Viceconsulat. +Im französischen Kriege gegen Aegypten versuchte +General Gantheaume hier eine Landung, jedoch +<a id="page-19"></a><span class="pgnum">19</span>ohne Erfolg. Auch Nordamerika war später eine Zeitlang +in Besitz von Derna, gab aber den Ort seines +schlechten Hafens wegen, oder vielmehr weil ein solcher +gar nicht vorhanden ist, wieder auf. Derna ist von +den ausgezeichnetsten Gärten umgeben: alle Producte +und Früchte, die am Mittelmeere überhaupt vorkommen, +liefert die Umgegend in Hülle und Fülle.</p> + +<hr/> + + + + +<h2>Von Cyrene über Bengasi nach Audjila.</h2> + + +<p>Es war ein entsetzliches Wetter, als wir in der +Todtenstadt unser Grab, die Knissieh, verliessen und +dann durch die Battus-Strasse die Stadt hinaufzogen und +dieser Lebewohl sagten. Wind und kalter Regen stritten +darum wer siegen sollte, da aber der Kampf aufs +höchste erbittert, immer unentschieden blieb, so hatten +wir am meisten davon zu leiden. Sobald wir aus der +Umfassungsmauer heraus waren, verfolgten wir einen alten +Weg, der in südwestlicher Richtung lief, auch hie und +da tief eingeschnittene Spuren der alten Fahrzeuge zeigte, +und wie alle auf die Hauptstadt zugehenden Wege rechts +und links mit Gräben eingefasst war. Die Gegend +war einförmig und einsam, obschon keineswegs der Vegetation +entbehrend, und überall zeigte sich fetter rother +<a id="page-20"></a><span class="pgnum">20</span>Thonboden. Ueber 2000' hoch war die Kälte sehr +empfindlich, und das monotone Plateau wurde nur ein +Mal, eine Stunde von Cyrene entfernt, von einem Uadi +dem Isnait-Thale, welches von S.-O. nach N.-W. streicht, +unterbrochen. Nach drei Stunden erreichten wir Safsaf, +wo eine der grossartigsten Cysternen die Aufmerksamkeit +des Reisenden in Anspruch nimmt. Höchst wahrscheinlich +sammelten diese Cysternen, welche das Wasser einer +ganzen Niederung aufnehmen, den Regen für Cyrene +selbst, da die um die Cysterne liegenden Ruinen nur +unbedeutend sind, also so grossartiger Reservoirs nicht +bedurften. Wahrscheinlich existirte in alten Zeiten eine +Wasserleitung, um das Wasser nach der Stadt zu führen.</p> + +<p>Die überdeckten Bogen der Cysterne gewährten nur +auf einige Augenblicke Schutz gegen den Regen, zudem +drohten die höchsten Punkte in dem Wasserbehälter +auch überschwemmt zu werden. Wir beschlossen daher +so rasch wie möglich nach dem circa eine Stunde südwestlich +davon gelegenen Gasr Gaigab zu gehen, wo wir +auf Schutz gegen das immer mehr rasende Wetter hoffen +durften. Dem Aduli war dies doppelt lieb, da er dort +ganz in der Nähe seine Zelte hatte, er also auf diese +Art nach Hause kam.</p> + +<p>Ehe wir das Castell Gaigab, worin eine türkische +Compagnie lag, erreichten, schickte ich einen Diener +voraus, um mich anzumelden und um ein Zimmer bitten +zu lassen. Und alsbald kam trotz des Regens der Commandant +<a id="page-21"></a><span class="pgnum">21</span>des Forts uns entgegen, und zwar barfüssig, da +er sagte, er habe keine Schuhe oder Stiefeln und seine +Pantoffeln seien dem Schmutze nicht gewachsen. Wie +sich später herausstellte, hatte er sein Schuhzeug versetzt, +um Schnaps kaufen zu können. Aber warum hatte +der türkische Kriegsminister ihn und die übrigen Truppen +auch monatelang ohne Gage gelassen. Unter vielen +Complimenten führte der Hauptmann-Commandant, ein +kleiner dicker Mann, uns ins Fort, die Thorwache trat +ins Gewehr und „Has dur, ssalam dur“<a id="FNA-10" href="#FN-10"><sup>10</sup></a> rief der Wachcommandant, +und freute sich wie ein kleines Kind, mal +Gelegenheit zu haben, seine Künste produciren zu können. +Von den Soldaten waren auch einige ohne Schuhe, +einige sogar um ihre Beine, sans culottes, nicht zu zeigen, +hatten den langen Mantel an.</p> + +<p>Alsbald wurden wir dann in ein grosses Zimmer +gebracht und ein tüchtiges Kohlenfeuer rief bald +unsere halb erstarrten Glieder ins Leben, auch eine +Tasse guten Kaffees war schon bereit, kurz der Hauptmann +war ausser sich vor Freude, in seiner Einsamkeit +so unerwartet Gäste bekommen zu haben.</p> + +<p>Das Gasr Gaigab selbst, in gerader Linie nur drei +Stunden S.-S.-O. von Cyrene gelegen, ist ein regelmässiges +Viereck mit vier Eckthürmen, welche das Fort +flankiren. Jede Seite der äusseren Mauer ist circa 1000' +<a id="page-22"></a><span class="pgnum">22</span>lang und dieselben sind 25' hoch. Im Innern sind an +den 3–4' dicken Mauern zugleich die Baulichkeiten, +Casernement, Officierzimmer, Küche, Arsenal und Magazine; +das Fort hat für eine Besatzung von 200 Mann +immer Proviant auf 1 Jahr, auch ist hinlänglich Pulver +und Kugeln vorhanden. Gegen die bloss mit schlechten +Steinschloss bewaffneten Beduinen bietet es also hinlänglich +Schutz. Auf den vier Eckthürmen stehen zudem +je eine mächtige Kanone, wahrscheinlich von einem +an der Küste früher ein Mal gestrandeten Schiffe genommen, +denn das englische Wappen ist darauf, die Jahreszahl +ist aber schon abgerostet und ob dieselben überhaupt +noch sehr tüchtig sind, möchte ich sehr bezweifeln.</p> + +<p>Wir waren bald heimisch eingerichtet und Abends +hatte ich die Ehre mit dem Hauptmann zu speisen, gegen +die Sitte der vornehmen Türken waren keine Messer +und Gabel vorhanden, jedoch Teller; um nicht unangenehm +zu berühren, legte auch ich mein Besteck, das +mein Diener mir hingelegt hatte, wieder weg, um nach +Adams Manier zu essen. Als er mir aber, um den Mund +abzuwischen, sein eigenes schmutziges Taschentuch reichen +wollte, dankte ich höflichst und liess mir rasch +meine Serviette reichen. Die übrigen Officiere thaten +Leporello-Dienste, durften aber nicht mit uns bei Tische +essen. Auch erlaubte nie der Capitän, dass einer der +Officiere die Gläser füllte (selbverständlich schlechter +Araki) und als ich ihm im Scherze mal zurief, den Officieren +<a id="page-23"></a><span class="pgnum">23</span>doch auch ein Glas zu geben, machte er ein Gesicht, +als ob er eine Ohrfeige bekommen hätte, und ängstlich +die Flasche, als um sie zu schützen, in die Hand +nehmend, erwiederte er, sie tränken nie. Die armen +Effendi, wie gern hätten sie auch wohl ein Glas genommen, +aber wenn es dem Commandant möglich war, trotz +der Soldlosigkeit, sich Geld oder Credit für Araki zu +erschwingen, so vermochten das die übrigen Officiere +doch nicht, indess rächten sie sich nachher, denn der +Hauptmann zechte so lange, bis er aus meinem Zimmer +herausgetragen werden musste, und nun liessen die beiden +anderen Effendi schnell den Rest der Flasche in +ihre durstigen Kehlen verschwinden und stellten dann +die leere Flasche an die Lagerseite des sorglos, aber +laut schlafenden Commandanten.</p> + +<p>Wie gross war aber der Schrecken des Hauptmanns, +als er am andern Morgen erfuhr, ich besitze gar keinen +Schnaps, er hatte nämlich bloss so stark seinem Araki +zugesprochen, dann auch mir einige Gläschen grossmüthigst +abgegeben, weil er hoffte, dass ich am andern +Tage alles doppelt und dreifach ersetzen würde, und nun +hatte er es mit einem Frangi zu thun, der nicht mal +Araki mit sich führte. Doch ich tröstete ihn, indem ich +versprach ihm von Bengasi aus Alcohol schicken zu wollen, +den ich dort als zum Photographiren nöthig gekauft, +später aber übrig behalten und dann zurückgelassen +hatte. Und sein guter Humor wurde bald ganz wieder +<a id="page-24"></a><span class="pgnum">24</span>hergestellt, als ich ihm sagte, den Tag noch bleiben zu +wollen, weil Königs Geburtstag sei, und dass ich bei +dieser Gelegenheit den Soldaten eine kleine Festlichkeit +bereiten wolle. Zugleich bat ich, unsre norddeutsche +Flagge aufs Castell hissen zu dürfen und der Hauptmann +stimmte mit Freuden ein, ja, er beorderte sogleich für +Mittag Parade über die ganze Truppe und Inspection +der Baulichkeiten, und die Soldaten hatten wohl ihr Lebtag +nie so geputzt, um die Waffen glänzend zu machen +und um die neuen Uniformen, welche aus dem Magazine +(wahrscheinlich hatten sie dieselben noch nie angehabt) +ausgegeben wurden, in den Stand zu setzen. Zudem +waren Abtheilungen beschäftigt, die Zimmer, Küche und +alle Räumlichkeiten zu reinigen, kurz bald nahm alles +einen festlichen Anstrich an.</p> + +<p>Mittags wurde denn auch die Truppe, welche im +Hofe des Castells aufgestellt worden war, feierlich inspicirt, +der Hauptmann diesmal in Pantoffeln, aber mit Säbel +und Dienstzeichen versehen. Die Soldaten sahen besser +aus wie ich geglaubt hatte, alle ihre Uniformen waren +neu und die Gewehre französische Minié-Büchsen. Nachdem +sodann noch die Schlafzimmer waren besehen worden, +die auch recht reinlich ausgefegt waren, aber weiter +nichts enthielten als was jedes türkische Soldatenzimmer +bietet: für jeden Mann eine Matte und einen kleinen +Teppich statt eines Bettes; als endlich Küche, Vorrathskammern +<a id="page-25"></a><span class="pgnum">25</span>u.s.w. waren besichtigt worden, hatte die Mannschaft +ihr Mittagsmahl einzunehmen.</p> + +<p>Ich hatte am Morgen mehrere Ziegen kaufen und +durch die Soldaten schlachten lassen, mit Reis hatten +sie sich daraus ungeheure Pillau-Schüsseln gemacht, und +nachdem sie mit grosser Hast, wie lange hatten sie wohl +kein Fleisch gehabt, die Schüsseln geleert hatten, wurde +ihnen noch ein Kaffee en gros gegeben.</p> + +<p>Aber die Hauptfestlichkeit ging jetzt erst an: ich +hatte ein Paar Dutzend rother Fes, Taschentücher, dann +kleine Geldsummen in Papier als Preise ausgestellt, und +hienach mussten die Soldaten Wettrennen, Sacklaufen +und Blindekuh spielen. Der Hauptmann-Commandant +theilte die Preise aus, nachdem er jedoch für seine Mühe, +und weil er selbst als Höchstcommandirender nicht mitlaufen +konnte, von jedem Preise vorweg einen für sich +genommen hatte. Im Anfange wollte es nicht recht, wo +hatte je ein türkischer Soldat Sacklaufen gelernt, oder sonstige +dergleichen Spiele mitgemacht, als aber nur mal erst +einer sich einen neuen rothen Fes erobert hatte, wurden +alle so eifrig und anstellig, dass bald jeder sein Theil weg +hatte. Aber gewiss war es spasshaft anzusehen, wie die +oft fünfzig Jahre alten Soldaten (in der Türkei dient in der +Regel, wer ein Mal Militair ist, so lange wie er die Flinte +tragen kann) sich kindlich freuten, und ebenso so grosse +Freude hatten, wenn sie einen Preis bekamen, wie bei +uns die muntere Schuljugend. Gewiss werden sie nie +<a id="page-26"></a><span class="pgnum">26</span>den Tag, den Milud des Sultans von Prussia vergessen, +ihr eigener Sultan Abdul Asis kümmert sich nicht an +seinem Geburtstage um seine Truppen. Bis spät in die +Nacht hinein tanzten und sangen die Soldaten, und der +Hauptmann war so gerührt worden, dass er seine beiden +Officiere, welche auch jeder einen Baschlik (circa 8 Groschen) +gewonnen hatten, gegen Baarbezahlung auf ein +Glas Araki einlud, kurz Alle waren befriedigt, und froh +und müde legten Türken und Deutsche, welche am Tage +Königs Geburtstag zusammen gefeiert hatten, da wo vielleicht +einst die Siegeswagen der Battiden getummelt +waren, sich sorglos zum Schlaf nieder.</p> + +<p>Nachdem ich dann noch am andern Morgen die verschiedenen +Quellen von Gaigab, von denen eine unmittelbar +unter der Mauer des Forts selbst entspringt, besichtigt +und gefunden hatte, dass alle Spuren antiker +Bearbeitung zeigen, sagten wir unseren türkischen Freunden +Lebewohl. Der Aduli blieb zurück, statt seiner kam +jedoch sein ältester Sohn, um als Führer zu dienen.</p> + +<p>Um 7½ Uhr aufbrechend, hatten wir im Allgemeinen +S.-W.-R., erreichten um 8 Uhr 20 Minuten die Quelle +Lali und gleich darauf den Marabut Sidi Sbah, wo ebenfalls +eine Quelle ist. Um 9½ Uhr waren wir bei der +Quelle Djebarah, und liessen um 10 Uhr die Sauya-Faidia +etwas nördlich von uns liegen. Wir befanden uns +immer auf einem grossgewellten, jedoch niedrigen Hügellande, +und gerade auf der Wasserscheide des Mittelmeeres +<a id="page-27"></a><span class="pgnum">27</span>und der Sahara. So passirten wir um 12 Uhr +20 Minuten das uadi Feria, das ins Mittelmeer und gleich +darauf das uadi Tebiabo, das in die Sahara abfliesst. +Zwischen beiden erreichten wir die grösste Höhe 909 M., +obschon andere Berge und Hügel seitwärts vom Wege +noch 100–150 M. höher sind<a id="FNA-11" href="#FN-11"><sup>11</sup></a>. Die Gegend ist nicht +bewaldet, aber trotzdem nicht ganz von Bäumen entblösst, +und der fette rothe Boden Veranlassung zur +üppigsten Vegetation der Blumen, namentlich gedeiht +hier die Drias-Pflanze häufig und kräftig. Aber Bewohner +sieht man nirgends, nur da, wo Fels zu Tage liegt, +wie überall weicher Kalkstein, mahnen die tiefeingeschnittenen +Räderspuren der Wagen der Alten, wie stark +auch dieser höchste Kamm von Cyrenaica einst frequentirt +war. Die Gegend selbst wird als Weidegrund der +Brassa, eines der bedeutendsten Nomadenvölker vom heutigen +Barca, genannt. Um 4 Uhr 15 Minuten schlugen +wir Lager bei einer Oertlichkeit, Namens Slantia, wo +zahlreiche Höhlen, theils natürliche, theils künstliche, +einen Sitz der alten libyschen Ureinwohner zeigen.</p> + +<p><a id="page-28"></a><span class="pgnum">28</span>Am folgenden Tag hielten wir zuerst südlich, dann +südwestlich und zuletzt ganz westlich<a id="FNA-12" href="#FN-12"><sup>12</sup></a>. Die Gegend +ist sehr waldig, namentlich stark mit Wachholder bestanden, +die Abdachung geht nur der Wüste zu, und +überall sieht man die Ruinen alter römischer Burgen. +Dies Land ist gleichfalls den Brassa eigen, obschon es +ganz wie ausgestorben ist. Bei dem Castell Sira el gedim +stiessen wir wieder auf zahlreiche Höhlen libyscher +<a id="page-29"></a><span class="pgnum">29</span>Troglodyten, und Nachmittags um 2 Uhr erreichten wir +den scharf prononcirten Abfall des Hochplateaus, und +gelangten mittelst des uadi Farat in die grosse Ebene +el Chiē. Die Drias hört nun auf, wie überhaupt hier +eine ganz andere Vegetation auftritt, namentlich ist es +die Schih (artemisia), die uns hier zum ersten Male +entgegentritt, und an die nahe Wüste erinnert. Wir +campirten Nachmittags in einem Kessel, Namens Maraua, +wo auch Felshöhlen der alten Libyer zahlreich vorhanden +sind. Sehr eigenthümlich sind manchmal Reste +von Mauern, welche ein Thal quer durchschneiden, dann +wieder grosse viereckige Mauerreste, welche aber keine +Wohnungen gewesen zu sein scheinen, vielmehr wohl +dazu dienten, um Nachts das Vieh aufzunehmen als +Schutz gegen die wilden Thiere. Wasser findet sich +auf der ganzen Strecke von Sirah nach Maraua nicht.</p> + +<p>Bei Maraua hat die el Chiē-Ebene eine Tiefe von +508 M., sie ist einförmig, aber äusserst fruchtbar und +die zahlreichen Ruinen der alten Castells deuten auf +ehemalige starke Bevölkerung. In der Mitte, wo die +Chiē-Ebene von einem nach Süden strömenden uadi +Gedede unterbrochen wird, hat sie 450 Meter, nach +Westen kommt man dann auf den Höhenzug, der +Schad ben Medja genannt wird und gut mit Wachholder +bestanden ist. Von hier an gehört das Land den uled +Abid, und das nun vor einem aufsteigende Gebirge führt +auch den Namen djebel Abid. Es ist mit Wachholder +<a id="page-30"></a><span class="pgnum">30</span>und Thuya so reichlich bewachsen, wie die schönsten +Districte der Cyrenaica und wetteifert an Fruchtbarkeit +mit der duftenden el Chiē-Ebene. Aber auch hier sieht +man keine Einwohner, nur selten mal eine Heerde, und +selbst Wild scheint zu fehlen. Erst bei den Brunnenlöchern +von Djerdes, die wieder 640 Meter hoch liegen, +stösst man auf Abid-Triben und gut angebaute Felder. +Auch finden sich hier Höhlen alter libyscher Stämme.</p> + +<p>Obschon die Abid zu den berüchtigsten Räubern +der Cyrenaica gehören, so kamen wir doch gut mit +ihnen aus, zudem waren wir sehr auf unserer Hut. Als +wir bei Djerdes lagerten, sank morgens das Thermometer +vor Sonnenaufgang auf -2°.</p> + +<p>Die Gegend blieb am folgenden Tage<a id="FNA-13" href="#FN-13"><sup>13</sup></a> im Anfange +im Gebirge gleich gut bewaldet und später in der Ebelerhar-Ebene, +fanden wir diese bedeutend krautreicher +<a id="page-31"></a><span class="pgnum">31</span>als die Chiē-Ebene. Abends lagerten wir bei den Wasserlöchern +von Biar (Pl. von Bir-Brunnen) und fanden dort +herum zahlreiche Freg der Auergehr, überhaupt war den +ganzen Tag hindurch die Gegend nicht nur reicher an +Vegetation, sondern auch besser bevölkert. Die Auergehr +bekümmerten sich so wenig um uns, wie wir um +sie, in der Nähe eines kleinen Marabuts schlugen wir +Zelte. Die Brunnenlöcher von Biar liegen 320 Meter hoch.</p> + +<p>Nachts wurde einem meiner Neger sein Geld, welches +derselbe in sein Schnupftuch gebunden hatte, gestohlen. +Da es nur einer der anderen Diener genommen +haben konnte, so liess ich alle auskleiden, ohne dass wir +etwas entdecken konnten, auch schwuren alle die grässlichsten +Eide, in Gegenwart des Grabes des Marabut +und beim Haupte Mohammeds und Sidi Snussi's. Und +vor allen Dingen zeichnete sich ein ehemaliger österreichischer +Kavass von Tripolis, Herr Hammed Bimbaschi, +aus, laut rufend, sein Vater und er solle ewig +brennen, wenn er das Geld habe. Aber schon zwei +Tage später fand sich das Geld bei ihm vor, er hatte +sich in Bengasi durch Einkäufe verrathen, und musste +dann in Folge davon Bekanntschaft mit dem türkischen +Gefängniss machen. Als ich später Bengasi verliess, bekam +er seine Freiheit wieder, Meineid und Diebstahl, +namentlich gegen einen eben erst freigewordenen Sklaven +begangen, werden in diesen Ländern nicht sonderlich +beachtet.</p> + +<p><a id="page-32"></a><span class="pgnum">32</span>Den letzten Tag blieben wir von Biar noch 3 Stunden +in S.-W.-R. in dieser krautreichen Ebene, und kamen +dann an das eine Stunde breite Gebirge, welches +nur 100 Meter hoch den Rand der Ebene, der ersten +Terrasse bildet. Mittelst des Fuhm el Fedj, eines Engpasses, +stiegen wir dann in die Meeresebene hinab, vorbei +bei dem vulcanartig aussehenden Berg Basina (Name +einer Mehlspeise, die puddingförmig aufgetischt wird) +und erreichten von hier an nach 4 Stunden in reiner +westlicher Richtung Bengasi. Die Ebene hier ist nicht +sehr fruchtbar, der Fels liegt fast überall zu Tage. Dass +aber die röthliche Erde einst dicker gelegen hat, beweisen +die überaus zahlreichen Ruinen von Dörfern, Häusern +und Gehöften, und trotz der heutigen Unfruchtbarkeit +dieser Ebene ist es höchst wahrscheinlich, dass +diese Fläche einst die berühmten Gärten der Hesperiden +bildete.</p> + +<p>Wir hatten in Bengasi einen fünftägigen Aufenthalt, +welcher indess auch sehr nöthig war, um uns neu zu +organisiren und auszurüsten. Bis auf meinen deutschen +Diener Wetzel aus Bamberg und dem freigelassenen Neger +Bu-Bekr trat eine vollkommene Veränderung im +Personal ein. Den Photograph aus Berlin sah ich mich +genöthigt nun wirklich fortzuschicken, ich hatte ihn in +Tripolis schon einmal entlassen, mich aber dennoch +bewegen lassen ihn wieder zu nehmen, aber in den letzten +Tagen in Cyrene benahm er sich so unumgänglich, +<a id="page-33"></a><span class="pgnum">33</span>dass ich diese Gelegenheit seiner los zu werden, +nicht versäumte. Der österreichische Cavas Hammed +wurde eingesperrt, noch andere verliessen den Dienst. +Dafür machte ich dann aber die werthvolle Acquisition +des alten ehemaligen Dieners Mohammed Staui, der sich +dicht bei Bengasi als Landmiether niedergelassen hatte. +Den alten geizigen Staui hätte ich nur in Cyrenaica +selbst haben sollen, sein Geiz wäre mir dort gut zu +Statten gekommen gegen die unverschämten Prellereien +des Aduli, gegen die Diebereien des Cavassen und der +anderen Diener, welche es so weit trieben, dass sie unter +der Hand eines Tages einen ganzen Schlauch Butter verkauft +hatten. Dann bekam ich noch einen anderen weggelaufenen +Neger, ich glaube Ali rief man ihn, einen +wahren Goldjungen. Aus Sella her seinem Herrn entsprungen, +hatte er mit diesem Räuberhandwerk getrieben, +und die weitesten Streifzüge, südlich bis Tragen und Wau, +östlich bis zum Ammonium nach dem Norden zu bis +zur Küste an der Syrte gemacht. In dieser ganzen weiten +Strecke kannte er Schritt und Tritt. Bei einer Beutevertheilung +hatte er sich mit seinem alten Herrn entzweit, +war nach Bengasi aufs englische Consulat geflüchtet, +wo ich ihn vorfand und in meine Dienste nahm. Er war +jetzt von glühender Begier für Freiheit erfasst, wollte +Skendria und Masser<a id="FNA-14" href="#FN-14"><sup>14</sup></a> kennen lernen, und wie konnte er +es besser durchführen, als wenn er mich begleitete. Wir +<a id="page-34"></a><span class="pgnum">34</span>wurden denn auch bald handelseinig, und er war jedenfalls +der nützlichste aller Diener, in Packen und Behandlung +der Kameele war er unübertrefflich, sogar +besser als der Gatroner, da er ein junger Bursche von +25 Jahren war. Dabei hatte er das heiterste Gemüth +von der Welt, fortwährend singend, unterliess er diese +Beschäftigung nur um zu plaudern und zu necken, oder +allenfalls um mit dem in Amerika zum halben Zweifler +gewordenen Staui einen religiösen Discurs anzufangen, +der gemeiniglich mit Staui's Niederlage endete, worauf +dieser sich dann verächtlich zu uns wandte: „nigger great +donkey.“ Ali hatte aber eine verhältnissmässig gute +religiöse Erziehung gehabt, er war sogar eine Zeitlang +in der berühmten Sauya Sarabub, dem Hauptorte der +Snussi, gewesen.</p> + +<p>Wir waren natürlich wieder in Bengasi auf dem +englischen Consulate, und mit den Einkäufen verging +rasch die Zeit. Namentlich musste eine grosse Zahl von +Schläuchen gekauft werden, wir brauchten derer nicht +weniger als 12, endlich andere Provision, Mehl, Zwieback, +Oel, Butter, Datteln, Zucker, Kaffee und Thee, +auch in Fett eingekochtes Fleisch, Stockfische u. dgl. +wurde eingekauft.</p> + +<p>Am 3. April Morgens 10 Uhr verliessen wir dann +die Stadt in Begleitung des englischen und französischen +Consuls. Das Wetter war trübe, so dass wir die +Berge nicht sehen konnten, unsere Richtung war 160°. +<a id="page-35"></a><span class="pgnum">35</span>Bald stiess dann noch ein Reiter zu Kameel zu uns, ein +Diener des Mudirs von Audjila, der die Gelegenheit benutzen +wollte, in Karawane zurückzukehren. Er erwies +sich später äusserst nützlich, da er des Weges sehr +kundig war, was ich von dem eigens gemietheten halbblinden +Führer Hammed Uadjili nicht sagen konnte.</p> + +<p>Schon nach 2½ Stunden durch fruchtbares Land +dahin reitend, machten wir beim Brunnen Choëbea Halt, +verzehrten gemeinschaftlich ein Frühstück, tranken eine +letzte Flasche Wein, eine letzte Flasche Ale, und unsere +freundlichen Begleiter kehrten nach Bengasi zurück, +während wir südwärts den Weg weiter zogen. Derselbe +bleibt einförmig, obschon der Boden fruchtbar ist, zum +Theil cultivirt wird, zum Theil krautreiche, zu dieser +Jahreszeit von Blumen bunte Wiesengründe hat, Freg +sind nur spärlich vorhanden. Wir setzten nur noch +2 Stunden den Weg so fort und lagerten inmitten eines +weiten Ruinenfeldes unter dem Schutze eines kleinen +Castells. Es scheinen hier mehr ländliche, weit zerstreut +liegende Wohnungen gewesen zu sein, als bestimmte +Orte, wenigstens finden wir in so unmittelbarer Nähe +von Berenice keinen erwähnt. Das Castell, recht gut +erhalten, aber klein, diente zum Schutze der Landbewohner +und speciell hier noch wohl zum Schutze der +Küste.</p> + +<p>Am folgenden Tage brachen wir früh auf und hielten +150° R. Auch an dem Tage war die Gegend überaus +<a id="page-36"></a><span class="pgnum">36</span>ruinenreich, und auch hier traten alle Augenblicke +grosse Einhegungen von Steinen entgegen, von denen +manchmal aber nur noch die unterste Steinreihe erhalten +ist. Der Boden bleibt ein gleich fruchtbarer röthlicher +Humus, ist überall bis zu den Bergen gleich culturfähig, +sehr krautreich aber wenig mit Buschwerk bestanden. +Die Berge sind sichtbar, aber je weiter man +nach Süden kommt, je mehr zieht sich das Ufer des +Hochplateaus nach Südosten zurück. Die Gegend ist +hier besser bevölkert, denn irgendwo in Cyrenaica, meist +sind es Freg der Mschitat und Auergehr, welche rechts +und links vom Wege aufgeschlagen sind. Eigenthümlich +wie die Alten genau die Oertlichkeit erkannt haben müssen, +wo sie Wasser zu finden glaubten. Denn ein blosser +Zufall liess sie wohl nicht jene Kalkplatten durchbohren +um dann nach 25–30' und oft noch tiefer auf Wasser, +zu stossen. Und dass sie von den Alten angelegt worden +sind, geht aus der ganzen Construction derselben +hervor, warum aber gruben sie nicht an anderen Stellen +nach Wasser? wahrscheinlich weil sie aus Erfahrung +wussten, dass unter Kalkfelsen am ersten Wasser +zu finden sei. Wir lagerten Abends in der Nähe von +zahlreichen Freg, ohne indess mit den Insassen in Berührung +zu treten<a id="FNA-15" href="#FN-15"><sup>15</sup></a>. Auch am folgenden Tage<a id="FNA-16" href="#FN-16"><sup>16</sup></a> hat +<a id="page-37"></a><span class="pgnum">37</span>die Gegend noch denselben fruchtbaren aber wenig bebauten +Charakter, die Freg werden südlich von den ailet +Feres bewohnt und gegen Abend, wo wir der Syrte so +nahe sind, dass wir die Brandung derselben hörten, lagerten +wir zwischen Schih- und Halfa-Vegetation, waren +also bis zum Uebergange der Wüste gekommen.</p> + +<p>Je weiter man nach Süden kommt<a id="FNA-17" href="#FN-17"><sup>17</sup></a>, je spärlicher +wird die Vegetation und Bevölkerung, fast nur Halfa und +Schih zeigen sich noch, alle Brunnen haben noch denselben +Bautypus, d.h. sind nicht in das Erdreich getrieben, +sondern da, wo Kalkfelsen zu Tage liegt, hindurch +gebohrt. Beim bir Schimmach nun rechnen die +Araber die Grenze von Barca el hamra, dem rothen +Cyrenaica und was von hier an südlich liegt, heissen +<a id="page-38"></a><span class="pgnum">38</span>sie Barca el beida, das weisse Cyrenaica. Hauptsächliches +Unterscheidungszeichen bildet der Boden selbst, +denn nördlich vom Brunnen ist röthlicher Humus, südlich +davon weisslicher Sandboden.</p> + +<p>Auch jetzt hatten wir immer mit schlechtem Wetter<a id="FNA-18" href="#FN-18"><sup>18</sup></a> +zu kämpfen, heisse Stunden wechselten mit kalten +und stürmischen und namentlich waren die Nächte rauh. +In Schadábia verweilten wir einen Tag. Es ist hier die +grösste Ruine zwischen Bengasi und Audjila, und das +Fort noch recht gut erhalten. Wie alle von viereckiger +Form, und mit flankirenden Thürmen versehen, besteht +der Bau aus grossen Quadern, durch Fels getriebene +Brunnen mit ausgezeichnetem Wasser (es ist dies das +letzte süsse bis zur Ammonsoase) sind ganz in der Nähe. +Ich glaube man kann in Schadábia das alte Automalax<a id="FNA-19" href="#FN-19"><sup>19</sup></a> +erblicken, wenigstens stimmen Oertlichkeit und Entfernung +von Berenice. Es ist dies nach Süden zu der letzte bewohnte +Ort, und heute eine berühmte Sauya der Mádani, +deren Chef Mohammed el Mádani in Mesurata begraben +liegt. Wie diese Brüderschaft eine der tolerantesten ist, +so zeigte sich auch der Vorsteher von Schadábia äusserst +liebenswürdig und ohne fanatischen Dünkel. Er warnte +<a id="page-39"></a><span class="pgnum">39</span>wiederholt (auf Beurmann hinweisend, der indess gar +nichts mit den Snussi zu thun gehabt hat) vor den Snussi, +vor den Bewohnern von Audjila und Siuah, meinte aber, +hier solle ich nur ruhig campiren, da wo eine Sauya der +Mádani sei, habe Niemand etwas zu fürchten. Aber +trotzdem und trotz seiner guten Rathschläge, unterliess +ich es doch nicht Nachts Wachen auszustellen und den +Thieren überdies wie immer ihre Eisen anlegen zu lassen. +Mein armer Esel war nun fast reitunfähig geworden, die +heissen Winde hatten ihn vom Esel auf den Hund gebracht.</p> + +<p>Von Schadábia aus, legten wir am 8. April die ersten +zwei Stunden südlich zu West zurück bis zur merkwürdigen +Burg Henéa<a id="FNA-20" href="#FN-20"><sup>20</sup></a>. Offenbar ist dies weder ein griechisches +noch römisches Bauwerk, sondern libyschen +Ursprungs. Zu ebener Erde gelegen, ist diese Burg der +Art angelegt (ähnlich wie die monolithischen Kirchen +von Lalibala in Abessinien), dass man zum Graben derselben +den Fels ausgehoben hat, und den als einzigen +Block inwendig stehen gebliebenen Felsen zur Burg verarbeitet +hatte. Die contreescarpirten Wände des tiefen +20' breiten Grabens haben Gänge und Kasematten, +sämmtlich wie neu und ausgezeichnet erhalten. Unterirdisch +stehen diese mit der Block-Burg zusammen. +Diese enthält vollkommen gute erhaltene Abtheilungen. +Alles aus einem Steine gehauen, durchwandelt man lange +<a id="page-40"></a><span class="pgnum">40</span>breite Gänge, mit Krippen ebenfalls aus Stein, Beweis, +dass in dieser eigenthümlichen Burg sogar Pferde waren, +andere kleine Zimmer und grosse Säle münden auf die +Gänge. Nur ein einziger sanft ablaufender Zugang führt, +die Contreescarpe durchschneidend, in den Graben, die +Hauptöffnung des Blocks befindet sich aber auf der entgegengesetzten +Seite der Burg. Die ganze Contreescarpe, +die unterirdisch, wie gesagt, mit dem Block communicirt, +konnte den Graben durch Felslöcher vertheidigen. +Gewiss eins der bemerkenswerthesten Baudenkmäler +alter Fortification.</p> + +<p>Von hier an gingen wir selben Tages noch fünf +Stunden S.-S.-O. weiter, passirten nach zwei Stunden den +Tafra-Brunnen, der wie alle folgenden Bitterwasser hat, +liessen nach etwa einer Stunde den vereinzelten Hügel +Karassa, der als Allem oder Wegweiser dient, liegen +und lagerten Abends am Chor-Shofan. Die sehr schwache +Bevölkerung wird von den uled Schich und den Schibli +gebildet. Die Vegetation hört fast ganz auf, in der That +hatten wir mit Chor-Shofan die Grenze des Mittelmeer-Niederschlags +erreicht, der Floh hört auf der beständige +Begleiter des Menschen zu sein. Wie mit Zauber +ist er verschwunden, heute wird man noch von ihm gequält, +morgen hat er uns verlassen. Die Araber sagten +zwar, anderes Ungeziefer würde auch das Weite suchen, +aber ich wusste aus langer Erfahrung, dass die noch +lästigeren Collegen des Floh die Wüste, den Samum, +<a id="page-41"></a><span class="pgnum">41</span>die trockne Hitze nicht scheuen. Im Gegentheil! Vom +Chor-Shofan fängt dann nun auch die Sahara an.</p> + +<p>Auch am folgenden Tage hielten wir S.-S.-O.-R., +und um 6 Uhr Morgens aufbrechend, brachte uns der +Allem (Wegweiser) el Dürr auf den vom Brunnen Alaya +kommenden Weg. Und eine Stunde Frühstücksrast abgerechnet, +durchschritten wir um 2 Uhr den ned Fareg. +Es ist dies eigentlich kein Thal oder Flussbett, sondern +eine von Westen nach Osten streichende Einsenkung ohne +Abdachung. Nach Westen geht die Fareg-Einsenkung +drei Tagemärsche weit bis zum Ras el ain el kebrit, +und zwei Tagemärsche vom Punkt, wo wir Fareg passirten +nach Osten; da wo wir die Einsenkung passirten, +liegt der Brunnen Besseria<a id="FNA-21" href="#FN-21"><sup>21</sup></a>. Das südliche Ufer vom +Fareg heisst Diffa el uadi (Gastmahl des Thales) und +eine Menge Steinhaufen, Bu-Sfar genannt, sind zum Andenken +für die errichtet, welche sich dem Gebrauche +hier ein Extraessen zu geben, entzogen. Solche Steinhaufen, +welche Gräber vorstellen sollen, findet man an +gewissen Stellen in der ganzen Sahara. An solchen Stellen +muss nämlich ein des Weges zum<i> ersten</i> Male +durchziehender, seinen Cameraden, welche die Reise +schon gemacht haben, einen Extraschmaus geben, thut +<a id="page-42"></a><span class="pgnum">42</span>er es nicht, so errichtet man ihm einen Steinhaufen, ein +Grab, zum Zeichen seines Geizes. Da nun aber solche +Stellen sehr häufig vorkommen, so hatte ich ein für allemal +die Gewohnheit mich begraben zu lassen und legte +zuerst gewöhnlich den Stein; ausser unserem Führer, dem +Diener des Mudir von Audjila und meinem Neger Bu-Bekr, +hatte Niemand von uns den Weg zurückgelegt, +wir liessen uns also alle begraben, wie auch später noch +öfter. Gleich hinter Fareg fängt eine Sserir an, Namens +Thuil (die lange), dort lagerten wir fünf Uhr Abends.</p> + +<p>Am 10. April erreichten wir in südsüdöstlicher Richtung +nach einem sechsstündigen Marsche über die Sserir +Thuil die grosse von Westen kommende Einsenkung des +Bir Ressam. Wo diese im Westen ihren Anfang nimmt, +war von meinen Leuten nicht zu ermitteln, vielleicht geht +sie bis dicht an die Syrte, vielleicht nach Ain kibrit, +und ist somit im Zusammenhange mit Fareg. Der Brunnen +selbst hat abscheuliches Wasser, die Kameele trinken +es jedoch, einige Palmbüsche sind in der Nähe, und die +Ruinen des Gasr Shahabi deuten auf eine einstige Besiedelung. +Die Einsenkung zeichnet sich durch zahlreiche +Versteinerungen, Muscheln etc. aus, oft sieht man +ganze Baumstämme auf dem Boden liegen, meist in Flintstein +verwandelt. Palmen und Lentisken sind es besonders, +die ehemals die Vegetation bildeten, von der jetzt +nur die steinernen Formen übrig geblieben sind. Lebende +Vegetation ist in dieser Einsenkung durch Belbel, Domrahn +<a id="page-43"></a><span class="pgnum">43</span>und Rherrhek vertreten, letzteres ein Busch; der +in der Süd-Sahara unter dem Namen Suak bekannt ist. +Die Ressam-Einsenkung ist 100 Meter tiefer als das +Mittelmeer (am Brunnen das Barometer auf 772 M.M. += -104 Meter). Den tiefsten Punkt erreichten +wir Abends bei Gor-n-nus (am Lagerplatz ergab das +Barometer Abends 772, Morgens 773, um 9 Uhr Morgens +772, erreichte also circa 107 M. Tiefe). An dem Tage +hatten wir 12 Stunden zurückgelegt.</p> + +<p>Auch am folgenden Tage behielten wir diese Richtung +von früher und marschirten in der Depression weiter, +um 6 Uhr aufbrechend, sendete die Einsenkung um 7 Uhr +einen ebenso breiten Arm nach dem circa 6 Stunden +entfernten Gor Mschirk ab. Um 9 Uhr passirten wir +den ebenfalls Bitterwasser haltenden Brunnen Marak und +stiessen auf zwei grosse von Audjila kommende Sklavenkarawanen, +die nach Bengasi zogen. Das Land ausserhalb +der Einsenkung ist grossgewellt, und grobkörniger +Sandboden, manchmal mit bunten Kieselchen bestreut, +und nicht ganz ohne alle Vegetation. Nachmittags 2 Uhr +bemerkten wir östlich von uns den Dj. Beddafar circa +4 Stunden entfernt. Die nach S.-O. ziehende Depression +hatten wir Mittags schon verlassen, und lagerten Abends +5 Uhr bei Gor meschtefar schirgia.</p> + +<p>Der darauf folgende Tag, ein zwölfstündiger Marsch, +über eine durch nichts unterbrochene grossgewellte, grobkörnige +Sandebene, war der langweiligste und einförmigste +<a id="page-44"></a><span class="pgnum">44</span>von allen, nur zweimal wird diese wüste Ebene +durch zwei Allem (Wegweiser) unterbrochen. Unsere +Richtung war immer die gleiche, wie an den vorherigen +Tagen. Ebenso unerquicklich war der letzte Tag, der +Führer war zudem auf dem Kameele eingeschlafen und +wir hatten eine ganze Zeitlang die Richtung verloren, +bis wir endlich durch den Stand der Sonne aufmerksam +darauf gemacht wurden.</p> + +<hr/> + + + + +<h2>Audjila und Djalo.</h2> + + +<p>Es war gegen Abend des elften Tages, als wir die +Oase erreichten. Schon einige Stunden vorher hatten +wir wie eine schwarze Linie am Horizont die hohen Palmen +derselben erblickt, und die Kameele, welche seit +Bir-Ressam nicht getrunken hatten, beschleunigten den +Marsch, sobald sie die Palmen hatten auftauchen gesehen. +Je näher wir kamen, desto schöner wurde der +Anblick; links vor uns, wo bedeutende Sebcha sich ausdehnten, +spiegelten sich die Palmen als wie auf einer +Silberfläche, davor schlug die Luft grosse Wellen, so dass +man oft ein bewegtes Meer zu sehen glaubte. Dann +kamen wir an den röthlich-braunen Sebcha, der, von +der untergehenden Sonne beleuchtet, einen eigenthümlichen +Contrast mit der weissen Sandfläche davor, mit +<a id="page-45"></a><span class="pgnum">45</span>den grünen Palmen dahinter bildete. So hat auch die +Wüste ihre Schönheit, und in solchem Augenblick konnte +ich es begreifen, wenn St. John, als er von der Wüste +Abschied nahm, sein Buch mit den Worten schloss:</p> + +<div class="poem"> +<p>„Oh! that the desert were my dwelling-place</p> +<p>with one fair spirit for my minister!“</p> +</div> + +<p>Den ganzen Tag abwechselnd zu Kameel und Esel, +war ich abgesprungen, sobald wir den Sebcha erreicht +hatten, durch den nur ein schmaler Pfad sich hinschlängelt, +während rechts und links Salzmoräste liegen, mit +einer dünnen Kruste bedeckt. Es war also die grösste +Vorsicht nöthig, um die Kameele hindurchzuführen, denn +ein beladenes Kameel wäre bei einem Seitentritt gleich +versunken. Alle kamen gut durch, nur der alte Esel, +der von weitem einige Ya seiner Brüder vernommen +hatte, Musik, welche für seine langen Ohren verlockend +sein musste, wollte in seiner Ungeduld vom Wege ab, +aber schon beim ersten Schritt sass er fest. Nur mit +Mühe konnten ihn die Leute wieder flott kriegen, aber +herausgezogen, ging er dann geduldig und nachdenkend +hinter der langen Colonne von Kameelen einher.</p> + +<p>Es war schon ganz dunkel, als wir den eigentlichen +Palmwald erreichten, nachdem wir schon eine Zeitlang +zwischen Had (Cornulaca monacantha Delile), Belbel +(Anabasis articulata) und Domran (Traganum nudatum), +den ersten Vorboten der Vegetation, hinmarschirt waren. +Das Aufziehen des Wassers aus den Brunnen verrieth +<a id="page-46"></a><span class="pgnum">46</span>uns, dass wir jetzt zwischen Gärten waren, denn es war +nun so dunkel geworden unter den Palmen, dass wir +nur noch den Weg unterscheiden konnten. Aber bald +hatten wir den Lagerplatz erreicht und fanden schon +eine andere Karawane vor, die von Djalo gekommen +nach Bengasi wollte. Zwischen Tamarisken, in der Nähe +der Quelle Sibilleh, der einzigen der ganzen Oase, schlugen +wir unsere Zelte auf, umringt von vielen Neugierigen, +die sich nach vielen Ssalamat nach den Neuigkeiten +und Preisen in Bengasi erkundigten.</p> + +<p>Ich schickte gleich einen Theil der Leute mit den +Kameelen zur Quelle, um diese abtränken zu lassen und +um uns einen Schlauch frischen süssen Wassers zu füllen, +die anderen schlugen rasch die Zelte auf, einer beschäftigte +sich mit der Küche, und noch ein anderer war +mit den Bewohnern in Unterhandlung getreten, um Hühner, +Eier und Zwiebeln zu kaufen. Obgleich spät angekommen, +hatte sich die ganze Einwohnerschaft um unsere +Zelte versammelt, jedoch ging alles recht anständig zu, +und war von Zudringlichkeit oder Schimpfen keine Rede. +Als ich später noch heraustrat, die etwas zerstreut stehenden +Kisten und anderen Gegenstände zusammenstellen +liess, und meinen Leuten empfahl wegen etwaiger +Diebe sich Nachts dicht daneben zu legen, trat einer +der Einwohner heran und meinte, alles könne stehen +und liegen bleiben wie es wäre, hier sei nicht Barca, +Diebe gäbe es in Audjila nicht, und die Leute sollten +<a id="page-47"></a><span class="pgnum">47</span>nur ruhig schlafen, ohne Wache zu halten. Unser alter +Führer bestätigte diess auch und sagte er wolle mit +seinem Kopfe haften, wenn irgend etwas abhanden käme. +So konnten wir uns denn einmal wieder einem sorglosen +Schlaf hingeben, zumal der alte Staui immer nur halb +schlief; auch die Kameele und Esel bekamen keine Fusseisen, +was sonst immer geschehen war.</p> + +<p>Die Oasengruppe besteht aus drei durch Sserir getrennten +Inseln, im Westen Audjila, in der Mitte Djalo<a id="FNA-22" href="#FN-22"><sup>22</sup></a>, +im Osten Uadi, dessen Verlängerung im Süden Batofl +ist. Djalo liegt nach Moriz v. Beurmann auf 21° 23' 4" +ö. L. v. Gr. und 29° 0' 40" n. Br. Die später aus den +Berichten Beurmanns an Prof. Bruhns in Leipzig von +diesem gemachten Berechnungen bedürfen einer Revision. +Der ganze Oasencomplex fällt nach der zehnblättrigen +Karte der Petermann'schen Mittheilungen zwischen 29° +und 29° 30' n. Br. und circa 21° 50' und 22° 30' ö. L. v. Gr.</p> + +<p>Die Lage der einzelnen Oasen zu sich selbst ist derart, +dass Audjila im Westen gelegen, halbmondartig von +N.-N.-O. nach S.-S.-W. gestreckt ist, und seine convexe +Seite, nach Osten gerichtet, durch eine vier bis fünf +Stunden breite Sserir von Djalo getrennt wird, welches +länglich gestreckt ist und seine Längsachse von N.-W. +nach S.-O. gerichtet hat. Die Nordwestspitze von Djalo +ist demnach auch nur drei Stunden von Audjila entfernt. +<a id="page-48"></a><span class="pgnum">48</span>Uadi, höchst wahrscheinlich eine Fortsetzung von Uadi +el Ressam und Mareg, zieht sich ebenfalls in einem +grossen Bogen, dessen convexe Seite nach Osten gerichtet +ist, hin, und verbreitert sich südlich zur Oase Batofl, so +dass der Ort Batofl fast südlich, etwas zu Ost, unter +Djalo zu liegen kommt. Tiefer als das Meer gelegen, +etwa 51 Meter, ist Audjila von Sserir und röthlichen +Sanddünen umgeben, denen jede Spur von Vegetation +abgeht. In der Oase selbst ist der Boden gypsartig, sobald +man eine Schicht von einigen Fuss Sand durchdrungen +hat. Die Länge von Audjila beträgt circa drei +deutsche Meilen, der nördlichste Theil ist indess nicht +bewohnt; die Breite ist verhältnissmässig gering, eine +Stunde nördlich von Audjila, wo die Oase am breitesten +ist, circa ¼ deutsche Meile.</p> + +<p>Djalo, ebenfalls von Sserir umgeben, und etwa +30 Meter tiefer als das mittelländische Meer, hat eine +S-förmig gewundene Gestalt, die Länge beträgt ebenfalls +circa drei deutsche Meilen, die Breite jedoch in der Mitte +erreicht 1½ deutsche Meilen, und fast bis zum Südende +bleibt sie dieselbe. Das Terrain in Djalo ist bedeutend +salzhaltiger, die Oase im Innern an vielen Stellen von +Dünen durchsetzt, das Wasser ist so brackisch, dass die +reichen Leute zum Trinken ihren Bedarf in Uadi holen +lassen. In Leschkerreh sind die Bodenverhältnisse dieselben, +das Wasser ist dort süss, ebenso in Batofl, welches +<a id="page-49"></a><span class="pgnum">49</span>guten Gartenboden und ausgezeichnetes Trinkwasser +hat.</p> + +<p>Diese Oasengruppe, den Alten unter dem Namen +Augila (<span class="greek">τὰ Αὔγιλα</span>) bekannt, scheint in den ältesten Zeiten +keine festen Bewohner gehabt zu haben. Herodot überliefert +uns, dass die an der Syrte herumnomadisirenden +Nasomonen alljährlich nach Audjila zögen, um im Herbst +die Datteln einzuheimsen. Derselbe erwähnt ferner nur +eine Quelle, und in der That ist auch nur eine vorhanden, +Sibilléh. Auch die Beschreibung des salzhaltigen +Bodens trifft zu, wenn auch die Erwähnung eines einzigen +Hügels nicht passt, da in Audjila sowohl wie in +Djalo viele Hügel sind, welche aber als Neulinge oder +Dünen auch nach Herodots Zeit entstanden sein können. +Die Entfernung von der Ammon-Oase giebt Herodot auf +zehn Tagemärsche an, und eben so weit bis zu den +Ländern der Garamanten. Wir brauchen deshalb die +Angabe des Plinius nicht für falsch zu halten, der die +letzte Entfernung auf zwölf Tagemärsche angiebt.</p> + +<p>Später scheinen sich libysche Stämme in Audjila +festgesetzt zu haben, obgleich der Cultus der Sterne +dort nicht eingebürgert gewesen zu sein scheint. Ueberdies +wissen wir auch von den Nasomonen, dass diese +mit ihren Todten und auf den Gräbern derselben feierliche +Handlungen vornahmen. Um so leichter wurden +sie dann später geneigt, als sie sich in Audjila fixirten, +den Cultus der Ammonier anzunehmen. Pomponius Mela +<a id="page-50"></a><span class="pgnum">50</span>erzählt uns von ihrem Manendienst, welche Manen sie +wie Orakel zu consultiren pflegten, sie schliefen, sagt er, +oft auf den Gräbern ihrer Anverwandten, und legten die +Träume als eine Antwort aus. Dass übrigens der Ammondienst +später dort herrschte, geht aus Procopius +hervor, der das eigentliche Ammonium unter dem Namen +eines doppelten, zwiefachen Augila begreift, und sagt, +bei beiden seien Heidentempel und Priester gewesen, +welche von Justinian in Kirchen und Christen umgewandelt +worden wären.</p> + +<p>Unter den Römern scheint ein Castell zum Schutze +der Karawanen in Audjila gewesen zu sein; Leo im +15. Jahrhundert will dort noch Schlösser gesehen haben, +und Pacho spricht auch noch von Backsteinüberresten, +welche er aber auf libyschen Ursprung zurückführen zu +müssen glaubt. Hamilton erwähnt nur vieler Topfscherben, +ich selbst konnte auch nichts weiter finden, und +diese können ebenso gut neuesten wie ältesten Datums +sein. Dapper kennt die Oase im Anfange des 17. Jahrhunderts +unter dem Namen Augele.</p> + +<p>Wenn von Pacho noch ein unterirdisches Gebäude +erwähnt wird, welches er in Djalo gesehen haben will, +und er auch in seinem Atlas Abbildungen einer dort +vorgefundenen Säule und eines Steines giebt, so konnte +schon Hamilton nichts davon entdecken, Beurmann erwähnt +die Sache gar nicht, und ich selbst konnte auch +nichts darüber in Erfahrung bringen, denn auf eigene +<a id="page-51"></a><span class="pgnum">51</span>Faust angestellte Nachforschungen führten zu keinem +besseren Ergebnisse. Indess ist wohl kaum ein Zweifel +zu erheben, dass dasselbe existirte.</p> + +<p>Die heutigen Bewohner zerfallen in drei Hauptstämme, +die Uadjili, sesshaft in der Oase Audjila und +einem Theile der Oase von Djalo, besonders im Hauptorte +Lebba, die Modjabra, besonders in Djalo mit ihrem +Hauptorte l'Areg und die Suaya in Leschkerreh. In +Batofl sind die Bewohner gemischt von allen drei Stämmen. +Von diesen sind die Uadjili libyscher Herkunft, +reden auch heute noch einen Dialekt des Tamasirht und +ist ihre Sprache eng verwandt mit der von Rhadames, +Sokna, Siuah und dem Targi. Ob die Modjabra auch +berberischen Ursprungs sind, ist zweifelhaft, sie reden +arabisch, wollen aber keine Araber sein, die Suaya sind +ächte Araber.</p> + +<p>Die Zahl der Bewohner ist schwer zu ermitteln; +Pacho in den zwanziger Jahren giebt sie auf 9–10,000 +Einwohner an, und basirt seinen Calcul auf 3000 waffenfähige +Männer. Hamilton giebt für l'Areg allein 4000 +Einwohner an, von andern Reisenden, welche die Oasen +berührt haben, fehlen statistische Nachrichten. Nach +eigenem Ueberschlage, und auf die Aussage der Eingebornen +hin, würde ich für Audjila 4000, für Djalo 6000, +für Leschkerreh 500 und für Batofl 1000 Einwohner +annehmen, im Ganzen also circa 11–12,000 Einwohner. +Im Aeusseren ist zwischen den Berbern und Arabern gar +<a id="page-52"></a><span class="pgnum">52</span>kein Unterschied wahrzunehmen, denn die letzten sind +hässlich, meist mit dicken Lippen und von bräunlichem +Teint, was wohl der starken Vermischung mit Negerblut +zuzuschreiben ist. Ursprünglich von unabhängigem und +kriegerischem Naturell, haben sie seit 20 Jahren lernen +müssen sich dem Gesetze zu fügen, und sind jetzt mit +allen Umwohnern, welche, wie sie, dem osmanischen Reiche +unterworfen sind, in Frieden. Die Moralität in den +Oasen ist keineswegs weit her, wie überall da, wo zu +den ohnediess laxen Gesetzen des Islam, sich die Leute +offen dem Trunke ergeben. Sowohl Uadjili wie Modjabra +fröhnen dem täglichen, reichlichen Genusse des Lakbi +(Palmwein), welcher Jahr aus Jahr ein meistens den +kleinen männlichen Palmen entzapft wird. Daher kommt +es denn auch wohl, dass die Heirathen als festes Bindemittel +zwischen Mann und Frau hier noch leichter gelöst +werden als es sonst in den meisten mohammedanischen +Ländern der Fall ist. Hamilton notirte, dass es Männer +gäbe, welche 20–30mal hintereinander geheirathet hätten, +und man sich eine Frau für den billigen Preis von 8 bis +10 Thalern verschaffen könne. Im Uebrigen sind weder +die Modjabra noch Uadjili als Diebe, Mörder oder Lügner +verschrieen, und die Bewohner der anderen beiden kleinen +Oasen haben auch einen guten Ruf. Die Modjabra, +als vorzügliche Handelsleute in der ganzen Wüste bekannt, +haben überall Credit, sowohl in Aegypten, Bengasi +und Tripolis als auch in Uadai, Bornu und Haussa. +<a id="page-53"></a><span class="pgnum">53</span>Nebst den Rhadamsern sind sie die kühnsten und weitreisendsten +Kaufleute, und meist bringen sie, bis Schwäche +sie hindert, ihr Leben auf ihren langen, gefahrvollen +Wegen zu. Die directe Verbindung mit Uadai über Kufra +und Uadjanga ist ihr Werk, nach Burkhart geschah dies +zuerst im Jahre 1811 und 1813. Der Verkehr wurde +bald sehr bedeutend. 1855 stockte indess der Handel +mit Uadai gänzlich, da, wie v. Beurmann uns erzählt, +in jenem Jahre eine von Uadai kommende Karawane, +die noch dazu dem Sultan dieses Landes gehörte, bei +Audjila von maltesischen Kaufleuten überfallen und ausgeplündert +wurde. Seit zwei Jahren sind die directen +Verbindungen wieder hergestellt, bei unserer Anwesenheit +war gerade eine Karawane aus Uadai in Bengasi +und eine aus Modjabra-Kaufleuten bestehende wurde +erwartet.</p> + +<p>Die Uadjili beschäftigen sich viel mit Gartenzucht +und dem Vermiethen von Kameelen, für welche sie in +den benachbarten Uadis reichlich Futter finden. Ohne +sich direct am Handel zu betheiligen, vermitteln sie +hauptsächlich den Verkehr mit Bengasi und den zunächst +liegenden Oasen, jeder Erwachsene ist Führer; bis Fesan, +Bengasi, zur Syrte und Aegypten kennen die Uadjili +Schritt und Tritt. Die Suaya von Leschkerreh, noch +mehr dem Trunke ergeben wie die eben genannten, leben +von ihren Palmen und Kameelen, ausserdem heimsen sie +die Datteln einiger Oasen von Kufra ein, da aber jetzt +<a id="page-54"></a><span class="pgnum">54</span>Kufra, ein Oasencomplex, welcher etwa 6 Tagemärsche +südlich von Batofl liegt, eine feste Besiedlung bekommen +hat, so werden diese Herbstzüge der Suaya wohl bald +aufhören. Seit einiger Zeit hat dort Sidi el Mahdi, der +Sohn und Nachfolger des unter den Mohammedanern in +Nordostafrika berühmten Snussi eine Sauya<a id="FNA-23" href="#FN-23"><sup>23</sup></a> gegründet +und auch eine Stadt angelegt.</p> + +<p>Die Kleidung der Bewohner ist sehr einfach, ein +langes Hemd, darüber ein Barakan oder Haik, eine fast +enge, baumwollene Hose, die aber nur bis auf die Waden +herabfällt, ein rother oder weisswollener Fes und gelbe +Pantoffeln ist die gewöhnliche Tracht; Arme gehen meist +barhaupt und barfuss. Die reichen Modjabra-Kaufleute +machen natürlich Luxus und lieben es Tripoliner oder +Kahiriner Tracht anzulegen. Die Rhadamser Sitte, feine +Sudan-Toben oder Nube-Hosen zu tragen, herrscht hier +nicht. Die Frauen, welche unverschleiert gehen, legen +meist dunkelblaue Tracht an, haben je nach Vermögen +schwere silberne oder kupferne Ringe um Knöchel und +Arme, auch die Finger bestecken sie reichlich mit Ringen, +und um den Hals tragen sie Bernsteinketten, oft +auch goldene. Die meisten tragen ein blaues Kattuntuch +um den Kopf, und desshalb war auch nicht zu erkennen, +welcher Mode sie in Beziehung ihrer Haare huldigen.</p> + +<p>Vom Liva Bengasi abhängig, werden alle Oasen von +einem Mudir regiert, der seinen Sitz in Djalo hat, aber +<a id="page-55"></a><span class="pgnum">55</span>meist seine Zeit in Bengasi zubringt. Während seiner +Abwesenheit regiert jeder Stamm sich selbst, deren haben +wir in Audjila drei, in l'Areg vierzehn und in Lebba +drei, Leschkerreh und Batofl haben je einen, ebenso die +kleinen Palmdörfer der Oasen. Pacho fand bei seiner +Anwesenheit in Djalo einen Franzosen als Bei und Herrscher +der ganzen Oase. Mit der französischen Expedition +als Tambour nach Aegypten gekommen, war er in +türkische Gefangenschaft gerathen, hatte sich durch einnehmendes +Wesen und Tapferkeit bis zum Officier hinaufgeschwungen +und war schliesslich von Tripolis aus +zum Bei der Oasen ernannt worden. Die Bewohner von +Djalo erinnerten sich in der That noch des Mamelucken, +welcher Pacho so viele Aufmerksamkeit erwiesen hatte.</p> + +<p>Für die Gerechtigkeit ist ausserdem ein Kadi vorhanden, +der seine Stelle und Ernennung vom Gouverneur +von Bengasi erkaufen muss; der Dienst in den Djemmen +wird von Tholba und Faki versehen, welche sich selbst +durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit die Thür zu diesen +Plätzen öffnen. Der Orden der Snussi hat gleichfalls +in Djalo ein Kloster gestiftet, und den Bemühungen +der Brüder soll es gelungen sein den Leuten etwas mehr +Moral und Erziehung beizubringen, obgleich das allgemeine +und starke Trinken noch immer anhält, wie man +aus den zahlreich angezapften Palmen ersehen kann.</p> + +<p>Es versteht sich von selbst, dass die Bewohner eine +Steuer zahlen, und zwar wird die Palme mit 2½ Piaster +<a id="page-56"></a><span class="pgnum">56</span>besteuert. Es mögen sicher über 200,000 Palmen insgesammt +in den Oasen sein, mehr aber als 100,000 werden +officiell nicht besteuert. Dies macht also für das +türkische Gouvernement eine jährliche Einnahme von +250,000 Piaster oder 12,500 Mahbub, oder etwa 14,000 +preussische Thaler. Djalo muss hievon bei weitem das +Meiste zahlen, obschon die Angabe Hamilton's, Audjila +mit etwa 16,000 Dattelbäumen, überdoppelt zu niedrig +ist, und Djalo allein auch mehr als 100,000 Palmen hat. +Man denke aber nicht etwa, dass die nicht censirten +Palmen nichts zu bezahlen haben, gezählt sind sie alle, +aber das Geld der nicht eingetragenen wandert in die +Tasche des Mudirs, der natürlich für seine Stelle durch +grosse Bakschisch danken muss. Andere Abgaben kommen +nicht vor, namentlich sind aus den Negerländern +kommende Gegenstände, als Federn und Elfenbein, hier +keinem Zoll unterworfen, sondern erst in Bengasi oder +Aegypten. Die in der Oase circulirenden Münzsorten +sind die von der Türkei, doch ist natürlich auch hier +der Maria Theresienthaler das häufigste grosse Silbergeld.</p> + +<p>Im übrigen leben die Bewohner sehr einfach. Gegen +ihre ganz ausgezeichneten Datteln, schon im Alterthum +berühmt, tauschen sie sich das ihnen noch nöthige Korn +und Vieh ein, und in ihren Gärten ziehen sie ausser +Weizen, Gerste von ausgezeichneter Güte, Negerhirse, +einige Gemüse, als rothen Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, +Rüben, Bohnen, Carotten, Malochin (Hibiscus esculentus), +<a id="page-57"></a><span class="pgnum">57</span>Auberginen (Solanum melongena), Tomaten, Kürbisse, +Melonen und Wassermelonen. An Früchten finden sich +ausser den vielen Dattelsorten, schlechte Pflaumen und +verkrüppelte Aepfel, Aprikosen und Pfirsiche. Von wildwachsenden +Bäumen ist nur der Ethel (Tamarix articulata) +vorhanden.</p> + +<p>Das Thierreich ist wie in allen Oasen schwach vertreten, +drei oder vier Pferde, kleine Esel, gar kein Rindvieh, +eine Anzahl von Ziegen und Schafe (Fettschwanz), +einige wenige Hunde, ist alles, was an Säugethieren vorhanden +ist; an Federvieh sind Hühner zahlreich, Tauben +wenige vorhanden. Wild kommt gar nicht vor, wenn +man Springratten, Ratten und Mäuse nicht dahin zählen +will. Von den Vögeln sind nur Raben, Schwalben, kleine +Waldtauben und Sperlinge vorhanden, Fische giebt es +keine in der Quelle, Frösche, Eidechsen, Skorpione, +Mistkäfer sind in mässiger Zahl, aber Milliardenweise +die Fliegen vorhanden. Im Mineralreich verdient nur +das Salz eine Erwähnung, das, aus den Sebchas gewonnen, +mehr als hinreichend für den Bedarf der Bewohner +ist.</p> + +<p>Die Gartenzucht wird in Audjila sehr sorgfältig betrieben, +und gewiss mit grosser Mühe. In kleine Beete +eingetheilt, welche von Dämmen eingeschlossen sind, geschieht +die Bewässerung durch Brunnen, bei denen +Sklaven oder Esel thätig sind, das Wasser Tag und Nacht +herauszuziehen. Diese kleinen Beete zu einem Garten +<a id="page-58"></a><span class="pgnum">58</span>vereinigt, sind dann von Palmhecken eingefriedigt, welche +zuweilen auch dazu dienen, die Sanddünen abzuhalten. +Es ist hier ein fortwährendes Ringen mit der Natur, +jeder Fleck wird benutzt, oft werden sogar die Dünen +angegriffen, denn mit Wasser und etwas Dünger gedeiht +im Lande Alles, was die Bewohner ziehen wollen. Und +das geht das ganze Jahr durch: ist im März die Gerste +und der Weizen geschnitten, so wird gleich wieder gedüngt +für Sommergemüse, und wenn diese gegessen sind, +kommen Bohnen, Rüben und Carotten an die Reihe. In +Djalo ist aber lange nicht solch sorgfältiger Gartenbau, +theils liegt es wohl daran, weil der Boden bedeutend +ungünstiger ist, dann auch, weil die Modjábra alle Kaufleute +sind, Vermögen haben, mithin ihren Bedarf für +Geld leicht von Audjila beziehen können. In Leschkerreh +ist gar kein Gartenbau, hingegen sollen die Bewohner +Batofls eben so rührig sein wie die Uadjili.</p> + +<p>Die Oase Audjila, nach dem Hauptorte so benannt, +welcher fast im Süden und hart am Ostrande liegt, hat +ausserdem noch die bewohnten Oerter, von Norden nach +Süden gerechnet folgenden Namens: Masús, Beldjú, +Soáni Schoáschna, Nekfósch, Nuâra, Duenéhm, Tin-Kersi, +Abd-el Metal, Bu-Ssellim, Fellri, alle diese Oerter liegen +nördlich vom Orte Audjla, westlich davon sind Ssellúfa, +Tin-Gedért, Bir-Daim, südwestlich Duertállem und südlich +Bu-Attáf, Márabit und el-Chúschschan. Alle diese ebengenannten +Oerter bestehen aus Palmhütten, manchmal +<a id="page-59"></a><span class="pgnum">59</span>jedoch auch sind die Wände der Häuser aus Stein und +Thon. Kein einziges dieser Dörfer dürfte über 20 Familien +haben.</p> + +<p>Wenn die Oase Audjila den Namen vom Hauptorte +empfangen hat, so ist dies bei Djalo nicht der Fall, es +ist dies ein Name, der blos die ganze Oase bezeichnet, +ohne eine bestimmte Oertlichkeit darin. Die Hauptörter +sind hier l'Areg und Lebba, beide ungefähr von gleicher +Grösse, in Lebba wird die Uadjili-Sprache, in l'Areg +arabisch gesprochen. Beide liegen dicht bei einander in +der Richtung von N.-W. nach S.-O. Von ihnen ausgerechnet +liegen im N.-W. Héri, Schürf, Um-es-Msihd, im +N. Halláuin, Drb-el-Bil, Lakoschía, Lafan, Hágeba, Hargús, +Djémma, Schükoría, Lkúddea, Ssossomíat, im W. +Síada,<i> Mhérik</i>,<i> Rschada</i>, Lcharabísch, Lrharbi, +Lsoéïat, im S.-W. Rhoschiría, im S. Rmla, Lkeböl, im +O.<i> Lebús</i>, Beráni, Ssafan und Hattía. Nur die mit +gesperrten Lettern gedruckten haben über zwanzig Familien. +In den andern beiden Oasen sind nur je ein +Ort des gleichen Namens.</p> + +<p>Die Sonne schien, als ich am andern Morgen erwachte, +schon ins Zelt; mein Diener hatte es leise aufgeschnallt, +und auf einer Kiste, welche zugleich als Tisch +diente, fand ich bereits Kaffee und Milch, frisches Brod, +Butter und Gemüse, die wir seit Bengasi nicht mehr +gehabt hatten. Meine Leute sassen wartend in der +Sonne, reparirten die Sättel, die Säcke, indess der alte +<a id="page-60"></a><span class="pgnum">60</span>Mohammed Staui, dessen sich vielleicht Einige erinnern +werden, welche meinen Aufenthalt in Rhadames verfolgt +haben, die Mehl- und Fettvorräthe revidirte, und halb +englisch, halb arabisch, halb italienisch meinem deutschen +Diener (einem Bayern), der zugleich alle anderen +unter sich hatte, auseinander zu setzen suchte, wir würden +nächstens Bankerott machen, wenn fortgefahren würde +den Negern und Kameeltreibern alle Tage so reichliche +Portionen zu verabreichen. Der alte Staui war noch +geiziger geworden als er früher schon war, er hätte uns +am liebsten mit unseren Vorräthen Alle verhungern lassen, +mich selbst nicht ausgenommen.</p> + +<p>Langsam wurde geladen, langsam wurde aufgebrochen, +und langsam zogen wir dahin durch die schmucken +Palmgärten, es war ein Spazierritt, denn wir hatten nur +etwa drei Stunden bis zum Orte Audjila selbst. Natürlich +erregten auch hier die sonderbaren Kisten, und +dann hauptsächlich wir beiden Deutschen in christlicher +Tracht grosses Aufsehen; aber nur freundliche Ssalamat +wurden uns zu Theil, welche mein bayerischer Diener +immer ernst mit der Hand auf der Brust erwiederte. Es +war fast 11 Uhr geworden, als wir dicht bei Audjila +waren, und ich dem Staui sagte vorauszugehen, um dem +Mudir, welcher von Djalo hierher gekommen war, meine +Ankunft anzuzeigen. Und als wir dann durch die engen +Strassen, die gerade breit genug waren für ein beladenes +Kameel, dahinzogen, kam uns der Mudir schon entgegen, +<a id="page-61"></a><span class="pgnum">61</span>begleitet von all seinen Beamten, Dienern und +einem grossen Tross Neugieriger. Ich war froh, dass +er, als die nicht enden wollenden Ssalamat vorüber +waren, anfing in arabischer Sprache zu sprechen, da +sonst in der Regel die meisten türkischen Beamten nur +ihre eigene Sprache reden. Er führte uns dann nach +dem Schlosse, welches wohl aus dem Grunde nicht bewohnt +wurde, weil es ganz baufällig, fast eine vollkommene +Ruine ist. Zudem hatte der Mudir seinen Wohnsitz +nicht darin aufgeschlagen, weil keine Harem-Vorrichtung +darin ist. Dies Gebäude, welches den pomphaften +Namen Schloss führte, war früher, als Audjila noch unabhängig +war, von dem Bei der Oase bewohnt worden. +Jetzt konnten wir mit Noth aus all den vielen Zimmern +eins herausfinden, welches überdacht war und wo man +ein Unterkommen sich schaffen konnte, natürlich mussten +gleich die Fensterlöcher und die Thür verstopft und behangen +werden, zur Abwehr gegen die unzähligen Fliegen, +die aber nur durch vollkommene Dunkelheit zu +verscheuchen sind. Meine Leute campirten im Hofe +selbst, da die übrigen Zimmer Einsturz drohten, die +meisten sogar ganz zusammengefallen waren. Gegenüber +vom Schloss befindet sich die Djemma, ein insofern +interessantes Bauwerk, als das ganze Dach aus kleinen +Kuppeln besteht von 4–5 Fuss Durchmesser auf 8–10 +Fuss Höhe. Es ist dies die einzige Kirche im Orte, denn die +andern sind blos kleine Capellen, in denen Freitags kein +<a id="page-62"></a><span class="pgnum">62</span>Chotba gelesen wird. Sonst hat Audjila nichts merkwürdiges, +der Ort ist ohne Mauern, aber die Häuser +selbst bilden nach aussen eine Art Mauer, alle Strassen +sind gleich eng, Kaufläden giebt es keine, aber Nachmittags +findet immer eine Art von Dellöl oder Auction +statt, wo man kaufen und verkaufen kann. Die Bewohner +im Orte betrugen sich sehr anständig, nur belästigte +uns sehr eine weibliche Marábta (Heilige), welche, in +tausenderlei Fetzen gehüllt, mit Federn geschmückt und +mit Ringen und Glasperlen behangen, das Haar lang +herabhängend mit bunten Bändern darin, sich für einen +Abkömmling der Rumi (Christen) ausgab und bettelte. +Da ich anfangs ihr Kauderwälsch nicht verstand und im +Glauben sie spotte auf uns Christen, sie schon hinausschmeissen +lassen wollte, baten die Bewohner des Ortes, +welche immer zahlreich versammelt waren und sich an +ihrem obscönen Tanzen und Schreien ergötzten, sie doch +gewähren zu lassen, sie sei zwar ein Christenkind, habe +aber von einem heiligen Manne ein Kind bekommen und +sei dann besessen worden, ob von guten oder bösen +Geistern, das wüssten sie nicht, sie sei aber Marábta. +Ueberdies sei sie ja eine weitläufige Verwandte von mir. +Die Marábta fing nun an auf die Mohammedaner zu +schimpfen, um sich bei uns in Gunst zu setzen, die +Uádjili mussten das ruhig mit anhören, es war eben eine +Heilige für sie. Mit einigen kleinen Geschenken für sie +<a id="page-63"></a><span class="pgnum">63</span>und ihr Kind brachten wir sie bald zum Hause hinaus, +um dieser widerlichen Scene ein Ende zu machen.</p> + +<p>Ich blieb nur noch den folgenden Tag in Audjila, +um neue Vorräthe zu kaufen, da wir uns hier bis zur +Jupiter Ammons-Oase verproviantiren mussten. Meine +Unterhandlungen, um nach Kufra zu kommen, hatten vollkommen +fehlgeschlagen, zwar wurden mir Kameele zu +vermiethen angeboten, aber die Hauptsache, ein Führer, +war nirgends zu beschaffen. Mir blieb nun blos noch +die schwache Hoffnung, einen solchen in Djalo zu finden, +aber auch das erwies sich später als trüglich. Am +15. April Morgens brachen wir dahin auf.</p> + +<p>Sobald man Audjila verlassen, kommt man gleich +auf eine grobkiesige Sserir, etwa 20 Meter höher gelegen +als die Oase. Wir hielten den grossen Karawanenweg, +welcher die Oasen verbindet, und dieser läuft in +160° Richtung. Ausser einem Wegweiser, Allem es +Schrab oder Luftspiegelungswegweiser genannt, ist diese +öde Fläche eben durch nichts als herrliche Fata morgana +unterbrochen, welche hier täglich und zu jeder +Jahreszeit beobachtet werden.</p> + +<p>Schon nach zwei Stunden erblickt man das Nordwestende +des Palmenwaldes von Djalo, Ued el Ftor (Frühstücksthal) +genannt, und nach zwei anderen Stunden +erreicht man den Brunnen Meslíua, und gleich darauf +ist man unter den Palmen der Oase selbst. Man passirt +den Ort Siáda, und dann gerade östlich weitergehend, +<a id="page-64"></a><span class="pgnum">64</span>erreicht man, immer von Palmen beschattet, nach einer +andern Stunde die Hauptörter l'Areg und Lebba. Beim +ersten vorbeiziehend, schlugen wir unser Lager unter +einigen schönen Tamarisken auf, zwischen den beiden +Orten, welche nur einen halben Kilometer von einander +getrennt sind. Unser Empfang war aber hier ein ganz +anderer als in Audjila, Banden von Kindern zogen neben +uns her: Christenhunde, ungläubige Schweine, Söhne +des Teufels, das waren noch die gelindesten Schimpfworte +dieser kleinen Bengel; unsere mohammedanischen +Diener kamen nicht besser weg, für sie erfanden sie +noch besondere Beinamen, als im Dienste der verhassten +Nassara stehend. Als sie nun gar anfingen mit Steinen +zu werfen, wurden meine Diener auch grob, und es hätte +durch diese kleinen Taugenichtse zu unangenehmen Verwickelungen +kommen können, wenn nicht endlich die +Eltern gekommen wären, um sie wegzutreiben. Um aber ähnliche +Scenen zu vermeiden, machte ich die Eltern +aufmerksam darauf, wie viele Brüder, Väter oder Verwandte +von ihnen in Aegypten oder Bengasi wären, und +dass diese dort Alle für meine Sicherheit und selbst für +Beleidigungen würden haften müssen. Dies hatte den +guten Erfolg, dass wir nun ruhig campiren konnten.</p> + +<p>Der Mudir in Audjila hatte mir für die bedeutendsten +Schichs der beiden Oerter Briefe mitgegeben, welche ich +gleich bei unserer Ankunft durch den Führer hatte abgeben +lassen. Gegen Abend kam denn auch Schich +<a id="page-65"></a><span class="pgnum">65</span>Yunes, um uns zu begrüssen. Es war derselbe, der zur +Zeit Hamiltons in Djalo war, und obschon dieser sich +eben nicht sehr zufrieden über ihn ausdrückt, gefiel mir +der Mann recht gut. Ich bot ihm einen Feldstuhl zum +Sitzen an, er meinte aber, er würde herunterfallen, zog +seine gelben Pantoffeln aus und setzte sich auf den Teppich. +Ohne Zweifel heute der reichste und angesehenste +unter den Schichs, ging seine Macht aber doch nicht so +weit, mir einen Führer nach Kufra zu verschaffen, oder +fehlte der gute Wille? Nach seiner Meinung könne man +nach Kufra nur hinkommen, wenn eine Karawane nach +Uadai abginge, da der Weg nur einigen Wenigen bekannt +sei, und diese gerade jetzt unterwegs wären. Möglich, +dass dem wirklich so war, wahrscheinlich aber wollten +die Modjabra sowohl, als auch die Uadjili keinen Christen +dahin führen, um nicht die guten Beziehungen mit +Uadai zu stören.—Abends schickte Schich Yunes eine +grosse Diffa, aus allmächtigen Kuskussu-Schüsseln, Basina-Platten +und gebackenen Hühnern bestehend; als Gegengeschenk +schickte ich einige Pfund Pulver, einige Dutzend +Taschentücher, Kautaback und Zucker. Die beiden +Oerter aber, viel reicher als Audjila, fanden nicht für +gut den Nsrani zu bewirthen; die Uadjili hatten uns +einen Hammel geschenkt und ein entsprechendes Gegengeschenk +erhalten.</p> + +<p>Die beiden Oerter sind ungefähr von gleicher Grösse, +und obschon sie von aussen ärmlicher aussahen als Audjila, +<a id="page-66"></a><span class="pgnum">66</span>bedeutend behäbiger im Innern gebaut. Die Häuser sind +grösser und mit mehr Comfort ausgestattet, die Modjábra +trinken Thee und Kaffee und bringen sich oft von +Kairo oder Alexandrien Luxusgegenstände mit, deren +Gebrauch der arme Uadjili nicht einmal kennt. Jeder +Ort hat eine Hauptmoschee, in l'Areg ist sodann noch +eine grosse Sauya der Snussi, in deren Moschee Freitags +auch Chotba gelesen wird. Ohne Aussicht, nach Kufra +kommen zu können, blieb ich nur noch den folgenden +Tag in Djalo, weil ich stündlich meinem Firman von +Konstantinopel entgegensah, und Leute mir gesagt hatten, +in Audjila sei ein Courier von Bengasi eingetroffen. +Unter der Zeit verkaufte ich meinen alten Esel; es wäre +unmöglich gewesen ihn durch die Rhartdünen und über +die Gerdoba-Ebene zu bringen, ich hätte denn ein eigenes +Kameel für ihn halten müssen zum Weitertransport. +Und nachdem dann noch Datteln für die Kameele waren +eingekauft worden, der Courier aber nicht eintraf, sagten +wir den grünen Oasen der Nasomonen Adieu.</p> + +<hr/> + + + + +<h2>Die libysche Wüste zwischen Djalo und der Oase des Ammon.</h2> + + +<p>Heute kommen wir überein, den Theil der Sahara +die libysche Wüste zu nennen, welcher südlich vom +sogenannten libyschen Plateau und nördlich von Fur +<a id="page-67"></a><span class="pgnum">67</span>und Kordofan einerseits, andererseits westlich vom Nil +und östlich von einer Linie gelegen ist, welche man +sich von Audjila durch Kufra und Uadjanga nach Uadai +gezogen denkt. Eigentlich liegt aber zu einer besonderen +Benennung gar keine Berechtigung vor, da diese +Strecke Landes sich durch Nichts von der übrigen Sahara +zu unterscheiden scheint. Die Alten nannten das +ganze nördliche Afrika Libyen zum Unterschiede von +dem im Innern gelegenen Aethiopien, und die specielle +Benennung dieses Theiles der Wüste als<i> libysch</i>, +scheint durch die arabischen Geographen aufgekommen +zu sein, da auch Leo diesen Theil östlich von Audjila +als Leuata, Lebeta bezeichnet, ein Wort, was von Libyae +herkommt.</p> + +<p>Und wir können, bis das Innere dieses grossen +Raumes erforscht ist, eines Raumes von circa 15 Quadratgraden, +in den nie ein Europäer gedrungen ist, mit Recht +diesen Namen beibehalten, um nur überhaupt einen +Namen für eine so grosse Gegend zu haben, die wir +sonst höchstens die östliche Sahara nennen könnten. +Gewiss ist aber auch in diesem Theile der Wüste die +grösste Mannigfaltigkeit vorhanden, Berge wechseln mit +Sserir, Sanddünen mit Hammada, und zwei grosse Oasen +sind uns wenigstens dem Namen nach bekannt, Kufra +und Uadjanga.</p> + +<p>Beide sind bewohnt, denn wenn Kufra auch durch +tripolitanische Rasien, bis vor einigen Jahren der Bevölkerung +<a id="page-68"></a><span class="pgnum">68</span>war beraubt worden (man hatte die einheimischen +Teda in die Gefangenschaft geschleppt), so hat +jetzt Sidi el Mahdi, der Sohn Snussis, dort eine Filial-Sauya +errichtet, und Neger aus Uadai bilden den Kern +der Bevölkerung.</p> + +<p>Ob sich nun die lange Depression von Bir Ressam +an durch Audjila hindurch bis nach Siuah, auch südlich +hin erstreckt, das wäre gewiss höchst lohnend zu erforschen. +Würde es der Fall sein, dass die Bodensenkung +bis Uadjanga reicht; also ungefähr bis zum 22° nördl. B., +so liesse sich durch eine Durchstechung des Ufers, etwa +an der grossen Syrte, eine grosse Umwälzung für Afrika +hervorrufen. Der ganze Theil südlich, vom sogenannten +libyschen Plateau, würde dann Binnen-See werden, Audjila, +Djalo und Siuah würden verschwinden, aber Central-Afrika +würde uns dann auf eine Weise zugänglich werden, +die Nichts zu wünschen übrig lässt. Und was hätte +das Verschwinden jener kleinen Oasen zu bedeuten, und +andere, von grösserer Ausdehnung, sind wohl schwerlich +vorhanden. Oder sollten in der That, westlich von den +Uah-Oasen, östlich von Kufra und Uadjanga, grössere +Oasen existiren, oder gar bevölkerte Oasen dort vorhanden +sein, ohne dass wir Kunde davon hätten? Wir +glauben das nicht. Aber gerade diese Abwesenheit von +Oasen, dieses Trostlose, diese endlose Einöde berechtigen +uns denn auch um so mehr, diesen Theil der Sahara +speciell zu benennen und zwar mit dem alten Worte der +<a id="page-69"></a><span class="pgnum">69</span>libyschen Wüste. Wir durchzogen die Sahara von Westen +nach Osten, von Norden nach Süden, aber nie durchwandelten +wir eine ödere, abschreckendere Gegend als +die von Uadi nach Bir Tarfaya. Der Weg südlich von +Fesan bis Kauar ist durch die Gerippe vor Durst verschmachteter +Negersklaven bezeichnet; aber dies ist +nicht hervorgebracht durch Brunnenmangel, sondern durch +zu knappes Mitnehmen von Wasser, durch Entbehrungen +und Strapazen aller Art, welche die Sklaven zu erdulden +haben. Zwischen Tidikelt und Timbuctu wird als verderbend +und ohne Wasser die Tanesruft erwähnt, und +doch beträgt die brunnenlose Strecke nur 5 Tagemärsche. +Es giebt auch wohl in der ganzen übrigen Sahara +keine Karawanenstrasse, welche eine grössere Brunnenentfernung +hätte.</p> + +<p>Hier von Batofl nach Süden, hat man erst am siebenten +Tage Wasser, und geht man von Djalo oder Uadi +nach Osten, also nach Siuah, so ist man circa 45 deutsche +Meilen ohne Wasser. Und diese entsetzliche, wasserlose, +vegetationslose Wüstenstrecke musste jetzt durchzogen +werden.</p> + +<p>Es war 7 Uhr Morgens, am 17. April, als wir Djalo +verliessen, wo das Wasser so schlecht und die Leute so +unmanierlich und wenig liebenswürdig waren. Wir hatten +noch mehrere Schläuche zu unseren schon vorhandenen +gekauft, hatten unsere Mehl- und Dattelvorräthe +erneuert, und glaubten so den Schrecken der Wüste +<a id="page-70"></a><span class="pgnum">70</span>trotzen zu können. Wir hielten immer N.-O. Richtung +zu N. und legten im Ganzen an dem Tage sieben Stunden +zurück, von denen zwei in der Oase Djalo selbst. +So hübsch diese von aussen als Ganzes sich ausnimmt, +so trostlos ist sie im Innern: fast nirgends Gartenbau, +überall Dünenbildung, die Palmen nur gruppenweise, +und fast so viele Lakbi träufelnde Palmen als fruchttragende, +geben die vielen abgestorbenen Stümpfe dieses +segenbringenden Baumes eine schlechte Vorstellung von +dem Betriebseifer der Bewohner.</p> + +<p>Man erreicht dann eine Ebene, die aus Kies und +grobem Sand besteht, und wo zahlreiche Baumstümpfe, +jetzt versteinert, und verglaste Holztrümmer auf ehemalige +Vegetation hindeuten. Diese Ebene ist etwas +höher als Audjila aber auch noch<i> unter</i> dem Niveau +des Meeres. In dieser einförmigen Gegend zogen wir +nun, immer in der alten Richtung haltend, sieben langweilige +Stunden dahin, und erreichten dann das Uadi, +wo wir Brunnenlöcher fanden. Diese haben weiter keinen +Namen, sondern werden schlechtweg biur el uadi, d.h. +Brunnen des Thales genannt.</p> + +<p>Das Uadi zieht sich von hier nach Nordost, und +einen halben Tagemarsch weiter stösst man auf den +Brunnen A'gela (Lagheirah), der selbst hinwiederum +einen halben Tagemarsch östlich vom bewohnten Orte +Leschkerreh sich befindet. Dieser Ort liegt indess nicht +im Uadi. Nach Süden zu geht das Uadi bis nach Batofl, +<a id="page-71"></a><span class="pgnum">71</span>welches gewissermaassen seine Oasenbildung der unterirdischen +Feuchtigkeit des Uadi verdankt. Dies ist +reichlich mit Wüstengras, Belbel und männlichen Dattelbüschen +bestanden. Letztere, welche gerade in Blüthe +standen, wurden von den Bewohnern Djalos ihrer Blumen +beraubt, die damit die weiblichen Dattelbäume ihrer +Oase befruchten. Obgleich das Wasser überall auf +3 bis 5 Fuss Tiefe anzutreffen ist, scheint das Uadi nie +bewohnt gewesen zu sein, wenigstens sind nirgends Spuren +von Bauten oder Anpflanzungen übrig geblieben. +Es ist dies umsomehr zu verwundern, als das Wasser +das Beste der ganzen Oasengruppe und im Verhältniss +so wenig salzhaltig ist, dass nach dem Gebrauche +des brakischen Wassers von Djalo es fast als süss erscheint.</p> + +<p>Wir warfen uns frische Wasserlöcher aus, und schlugen +so rasch wie wir konnten im Schutze hoher Palmbüsche +unsere Zelte auf, denn schon seit einigen Stunden +verkündete die blutigroth gefärbte Sonne, dass ein +Samumwind nahe sei.</p> + +<p>Kaum war dies geschehen, als denn der heisse Staubwind +mit einer solchen Heftigkeit zu wehen anfing, wie +ich ihn in der Sahara noch nie erlebt hatte. In Einem +Augenblicke war die Sonne unseren Blicken entzogen +und wir Alle von einem feinen Staube, der heiss die +Haut berührte, umflossen. Es war der 17. April Nachmittags, +und dieser Gluth-Orkan hielt bis zum 20. incl. +<a id="page-72"></a><span class="pgnum">72</span>an, immer mit gleicher Heftigkeit. Allerdings war die +Hitze nicht sehr gross, da überdies die heisse Jahreszeit +noch fern war (höchster Wärmepunkt am 19. April +Nachmittags 3 Uhr: 33°), auch zeigte das Barometer +keinen bedeutend niedrigen Stand, aber dafür war der +Feuchtigkeitsgehalt der Luft durch den alles austrocknenden +Wind dermassen gering geworden, dass man behaupten +konnte, in absolut trockner Luft zu sein. Das +Hygrometer fiel am 19. und 20. April Nachmittags auf 2° +(unter normalen Verhältnissen hatte es um diese Zeit in +dieser Sahararegion circa 25°, am Rande des Meeres +60 bis 70°).</p> + +<p>Um uns in dieser Feueratmosphäre zu erhalten, hatten +wir bei vollkommener Unthätigkeit das Bedürfniss, +circa 12 Liter Wasser innerhalb 24 Stunden zu trinken, +der Körper bedurfte also einer wässrigen Zufuhr, welche +gleich ist dem gewöhnlichen Blutquantum des Menschen. +Ich verstand es nun leicht, wie es möglich sein kann, +dass<i> zu Fusse reisende</i> Menschen in der Sahara, +während eines solchen Samumwindes, innerhalb eines +halben Tages bei Wassermangel verdursten können. Die +Trockenheit ist nämlich so gross, dass die ganze Feuchtigkeit +des Menschen verdunstet: sie<i> muss</i> fortwährend, +will der Mensch nicht an Austrocknung sterben, durch +Wasserzufuhr ersetzt werden. Die Verdunstung erfolgt +nur durch die Haut und unmerklich. Hieraus erklärt +sich denn auch, weshalb die<i> trockne</i> Wüstenhitze für +<a id="page-73"></a><span class="pgnum">73</span>den Menschen weit leichter zu ertragen ist, als feuchte +Wärme. Durch das beständige Verdunsten auf der Oberfläche +der Haut, unterstützt durch Bewegung der Luft +wird Kälte erzeugt, Schweissbildung findet nicht statt. +In feuchter Luft findet keine Hautausdünstung statt, +man schwitzt unerträglich und man glaubt fortwährend +in einem Dampfbade zu sein.</p> + +<p>Die Absonderung der Nieren ist bei einem Samum +fast ganz aufgehoben, da eben die Thätigkeit der Haut +diese gewissermaassen ersetzt. Zum Glück für uns befanden +wir uns während dieses schrecklichen Gebli (Wüstenausdruck +für Samum) in der Nähe der Wasserlöcher; +aber einer der Neger war immer beschäftigt, mit den +Händen den hineintreibenden Sand hinauszuwerfen, und +Morgens waren die Löcher immer dem Erdboden gleich +durch Sand zugetrieben. Die Dürre war am dritten +Tage so gross, dass eine Menge Gegenstände von selbst +barsten, ein Elfenbein-Doppelglas sprang auseinander, +ein Spiegel durch das dahinter liegende Holz gezwungen, +sprang entzwei, alle Uhren, sei es nun, dass Staub +hineingedrungen war, oder dass die Räderchen sich lockerten, +standen still. Die innersten Gemächer der Koffer +waren von feinem Staube durchdrungen, und alle Essvorräthe +wurden während dieser Zeit so mit Sand und +Schmutz untermischt, als ob man sie absichtlich darin +herumgezogen hätte.</p> + +<p><a id="page-74"></a><span class="pgnum">74</span>An Reinmachen, Waschen des Körpers oder an +Kochen war natürlich während dieser Zeit nicht zu denken. +Ich verzichtete ebenfalls darauf, mein Bett oder +meine Decken ausstäuben zu lassen, denn kaum war +dies geschehen, als unmittelbar nachher Sand und Staub +von neuem eindrangen. Wir waren zu vollkommener Unthätigkeit +verdammt.</p> + +<p>Am 20. April sprang der Wind nach N.-W. um, +wehte aber den ganzen Tag über mit gleicher orkanartiger +Heftigkeit, erst am Abend sahen wir, nachdem wir +drei volle Tage in einer Sandwolke gelebt hatten, den +Himmel wieder.</p> + +<p>Aber jetzt, wo wir wieder sehen konnten, wurden +wir erst eines anderen Unfalls gewahr: mein Reitkameel +war entlaufen. Wie es Sitte ist bei einem solchen Samum, +hatten wir gleich beim Beginn des Sturmes die Kameele +niederknieen gemacht und die Vorderfüsse, um das Aufstehen +zu verhindern, durch Stricke zusammengeschnürt. +Wahrscheinlich waren diese nicht mehr gut gewesen, das +Kameel hatte sie zerrissen und natürlich das Weite gesucht.</p> + +<p>Obgleich wenig Hoffnung vorhanden war, das Kameel +wieder einzufangen, welches natürlich in der Richtung +des Windes gegangen sein musste, so brach am anderen +Tage der Führer auf, um in Djalo, Audjila und Leschkerreh +Erkundigungen einzuziehen. Da hiermit mehrere +Tage hingingen, so wurde Ali, einer der Neger, zurückgeschickt, +<a id="page-75"></a><span class="pgnum">75</span>um noch mehr Datteln und Mehl zu kaufen, +und um einen anderen Führer zu miethen, da es sich +immer mehr herausstellte, dass der in Bengasi engagirte +nicht wegtüchtig sei. Wir hatten von hier an eine der +wasserlosesten Wüstenstrecke zu durchziehen, welche +wegen der Rhartdünen, wo der Wind den Bergen bald +diese Form, bald jene giebt, der tüchtigste Führer nothwendig +war. Nachdem ein solcher, der von den Schichs +der Oase war empfohlen worden, gefunden, dann alle +Haverien ausgebessert waren, traten wir am 25. April +unsere Weiterreise an<a id="FNA-24" href="#FN-24"><sup>24</sup></a>.</p> + +<p>Wir marschirten am selben Tage nur 3½ Stunde +weit in 50° Richtung. Gerade während unseres Aufbruchs +traf eine Karawane von der Ammons-Oase ein, +welche den fürchterlichen Sturm am Tarfaya-Brunnen +überstanden hatte, aber wenig glücklicher als wir, da +dieser ein sehr bitteres Wasser hat. Wir lagerten Abends +an einer niedrigen Hügelkette Gor Msúan genannt.</p> + +<p>Der darauf folgende Tag zeichnete sich durch Nichts +aus, die Richtung blieb dieselbe; aber ein vierstündiger +Marsch brachte uns dann mittelst des Fum er Rhart in +die eigentliche Dünen-Region. Dieses Sandmeer ist nach +<a id="page-76"></a><span class="pgnum">76</span>Süden zu vollkommen unbekannt, nach Norden erstreckt +es sich circa einen Tagemarsch weit. Die Sandberge +erreichen eine Höhe von 100–150' sind aber nicht +ganz ohne alle Vegetation, so hat man namentlich viel +Had und Mischab. Ueberall stösst man aber auch hier +auf Gerippe von Menschen und Thieren, und namentlich +zeigte uns unser neuer Führer, mit dem wir sehr gut +zufrieden waren, einen Platz, auf dem 40 Menschengerippe, +von vielen anderen Thierknochen untermischt, +lagen; eine Karawane, die durch die Unkenntniss unseres +eben entlassenen Dieners Hammed, während eines +Samum verirrt und verschmachtet war. Er allein, Hammed, +hatte die Kraft gehabt von hier Uadi zu erreichen. +Auch am 27. April waren wir immer noch mit dem +Durchwaten der Rhart-Dünen beschäftigt, die denselben +Charakter behielten, manchmal aber eigenthümliche kraterartige +Vertiefung zeigten<a id="FNA-25" href="#FN-25"><sup>25</sup></a>. Wir lagerten Abends in +der Gerdobia und stiessen hier wieder auf eine von der +<a id="page-77"></a><span class="pgnum">77</span>Jupiter-Ammons-Oase kommenden Karawane. Diese gab +uns nun zuerst die Nachricht, dass man dort von der +Ankunft eines Christen unterrichtet sei, die ganze Oase +sei in Aufregung gewesen, als von Kairo ein Bote mit +einem viceköniglichen Briefe eingetroffen, woraus man +ersehen, von Tripolis käme ein Christ, um der Oase +einen Besuch abzustatten.</p> + +<p>Die Gerdobia ist übrigens durch Nichts von den +Rhartdünen unterschieden, nur verlässt man dieselben +hier, da der Sand in gleicher Richtung von West nach +Ost weiter streicht, wir aber in nordöstlicher Linie ziehend, +hier das Ende des Sandmeeres erreicht hatten. +So kamen wir denn auch am folgenden Tage nach einem +zweistündigen Marsche mittelst des Fum er Rhart schirgi +auf die Sserir Gerdoba. Von hier an hatten wir nun +immer im Süden von uns den Nordrand der Sanddünen, +im Norden aber, sehr weit entfernt von uns, den Südrand +des sogenannten libyschen Wüstenplateaus. Die Gerdoba +ist eine Tiefebene, die ebenfalls unter dem Spiegel des +Meeres, und mit kleinen verwitterten, gebräunten Kalksteinchen +überschüttet ist. Sie ist ohne alle Vegetation +und hat zahlreiche<i> Zeugen</i>. Diese Ebene zeichnet sich +übrigens gleichfalls, wie die eben passirten Rhart-Dünen +durch Brunnenlosigkeit aus, und so wie die Sandgegend, +ist dieser feste Boden mit Gebeinen von Todten +übersäet. So passirten wir am 29. April, wo wir ebenfalls +immer östliche Richtung hielten, das Grab der +<a id="page-78"></a><span class="pgnum">78</span>7. Modjabra und etwas weiter eine Oertlichkeit, die einen +Namen von 70 dort verschmachteten Sklaven hatte.</p> + +<p>Nach einem sechstägigen Marsche erreichten wir +denn endlich einen Brunnen bir Tarfaya. Aber welch +ein Wasser! Der Geschmack desselben war ähnlich, als +ob man Glaubersalz und Bittersalz darin aufgelöst hätte, +und die Wirkung war eine nicht minder drastische. Aber +was war zu thun, nach dem sechstägigen Marsche war +unser Wasservorrath vom Uadi auf, und vor der Ammons-Oase +war auf kein eigentliches Süsswasser zu rechnen. +Wir schlugen also Lager und suchten es uns so bequem +wie möglich zu machen. Die Gegend war aber äusserst +trostlos, das Plateau zu fern, um irgendwie durch seine +steilabfallenden Ufer etwas Abwechslung zu bieten, und +selbst die nahen Sanddünen langweiliger anzusehen als +sonst in ihrem ewigen Einerlei.</p> + +<p>Mein guter Humor war aber bald wieder hergestellt, +die Leute hatten noch einen Schlauch entdeckt mit Wasser +vom Uadi, und da sie freiwillig auf dasselbe verzichteten, +konnten wenigstens ich und mein deutscher +Diener noch für einige Zeit schwelgen. Der alte Staui +und die übrigen Diener fanden das Tarfaya-Wasser auch +sehr wirksam, nahmen jedoch die Folgen davon mit so +fröhlicher Geduld auf, dass sie lachend erklärten, es +wäre jetzt viel bequemer für sie sans culottes zu gehen, +da sie dann der Mühe überhoben seien, fortwährend ihre +Inexpressibles auszuziehen. Fortwährend ohne Uhr, da +<a id="page-79"></a><span class="pgnum">79</span>sämmtliche Kinder Nürnbergs beim letzten Sandsturm +unwohl geworden waren, konnte ich die genaue Zeit nur +nach einer Sonnenuhr bemessen. Eine solche hatte ich +aufgestellt und in meinem Zelte auf dem Feldbette liegend, +rief ich Bernhard (dem baierischen Gefährten): +„Seien Sie so gut und sehen Sie die Zeit ab.“—Er +kam dann nach einer Weile mit der Uhr in der Hand: +„Då schauns selber nåch, å Bieruhr kenn i schon, åber +då kenn i mich nit aus.“ Er war dann ob meines Lachens +zuerst so verdutzt, dass er gar nicht verstand, +dass eine Sonnenuhr nur während des Sonnenscheines +zeigt. So hatten wir auch trotz der vielen Mühen und +Entbehrungen, welche die libysche Wüste mehr als jeder +andere Theil der Sahara im Gefolge hatte, manche heitere +Augenblicke. Eine grosse Annehmlichkeit war die +Anwesenheit Bernhards, der, als ein gebildeter, bescheidener +Mensch, rasch die Eigenthümlichkeiten und Sitten +unserer halb rohen Diener erkannt hatte, und sich mit +Leichtigkeit in alle Verhältnisse zu schicken wusste.</p> + +<p>Mit dem Brunnen Tarfaya hat die eigentliche Sahara +nach Osten und Norden ihr Ende, denn bis zum Orte +Siuah, hat man von hier eine ununterbrochene Hattieh +und das im Norden sich hinziehende Plateau bietet +wenigstens zur Winterzeit guten Weideboden. Unmittelbar +im Süden erstrecken sich die Sanddünen, welche nur +Fortsetzung der Rhart-Dünen sind. Rechnet man nun +den Brunnen Tarfaya als äusserste Grenze der ehemaligen +<a id="page-80"></a><span class="pgnum">80</span>Oase des Jupiter-Ammon, so heben sich damit auch +alle Widersprüche über Entfernung vom alten Ammonium +bis Audjila oder Fesan, und selbst die mancher neueren +Reisenden, welche die Grenzen Siuahs auf diese Art +unbestimmt gelassen haben. Von Tarfaya an stösst man +aber auf menschliche Bauwerke, die sich meistens als +Gräber in die steile Felswand des Plateaus hineingearbeitet, +kennzeichnen. Es ist also wohl anzunehmen, +dass im Alterthume auch diese Partie schon bewohnt +war.</p> + +<p>Um den Brunnen selbst findet sich nur die Alanda-Staude, +die zwar von den Kameelen abgeweidet wird, +aber deren sie doch bald überdrüssig werden, wie immer +einer Pflanze, wenn sie nur<i> einzeln</i> vorhanden ist. +Der Boden selbst ist gypsig und kalkig. Ganz in der +Nähe befindet sich ein ausgedehntes Salzlager, Gart el +milha genannt, wo ein Sebcha von einer Salzkruste bedeckt +ist, welche manchmal 3–4" Dicke hat. Es ist +wahrscheinlich von dieser Oertlichkeit, von wo im Alterthume +das hochberühmte ammonische Salz gewonnen +wurde, welches die Priester des Ammon-Tempels als besonders +weiss und gut hochstehenden Persönlichkeiten +zum Geschenke machten, und womit sie nebenbei Handel +trieben.</p> + +<p>Verfolgt man nun weiter die Oase nach Osten<a id="FNA-26" href="#FN-26"><sup>26</sup></a>, so +<a id="page-81"></a><span class="pgnum">81</span>kommt man unmittelbar darauf in reichere Vegetation: +Domrahn, Had, Alanda und später einzelne Palmbüsche. +Ebenso wird die Gegend reicher an Fossilien, Seesterne, +Pectineen, Ostreen bedecken manchmal den Boden so +dicht, als ob man sie absichtlich hergeschüttet hätte. +Der Boden ist sehr abwechselnd, Sand, Sebcha, Kalk, +Kies wechselt mit einander, aber überall ist Vegetation. +Man erreicht dann die Oase Faradga, d.h. einen circa +4 Stunden langen, ½ Stunde breiten See, der südlich +vom Plateau liegt. An und in diesem Plateau hat Sidi +Snussi seine berühmte Sauya gegründet, die den Namen +Sarabub erhalten hat. Heutzutage residirt als Chef dieser +religiösen Brüderschaft sein ältester Sohn, Sidi el +Mahdi in Sarabub. Ich habe früher an anderer Stelle +Gelegenheit gehabt, über die Bedeutung dieses Ordens +zu sprechen, und brannte natürlich vor Begier den Chef +selbst und namentlich das Kloster, von dem wir, am +Südende der Oase, an einer Oertlichkeit Namens Hoëssa +lagernd, nur circa 2 Stunden entfernt waren, kennen zu +lernen. Höchst wahrscheinlich hat Sidi Snussi zu seinem +ersten Wohnsitze alte Katakomben gewählt, wo ihm die +geheimen unterirdischen Gänge zu seinen Betrügereien +gut zu Statten kamen. Wunder, wie man sie zur Zeit +<a id="page-82"></a><span class="pgnum">82</span>Jesu Christi erzählte, passiren hier denn auch noch alle +Tage, und werden mit derselben Leichtgläubigkeit, und +mit derselben Vergrösserung von den heutigen Bewohnern +colportirt. So lassen Sidi el Mahdi und vordem +sein Vater das Essen für die zahlreichen Verehrer und +Pilger vom Himmel herabsteigen, und obschon sich in +der Umgegend von Sarabub keine Aecker und Felder +befinden, sind die Speicher und Vorrathskammern immerwährend +gefüllt. So trinkt Sidi el Mahdi das schönste +Süsswasser, obwohl der Faradga-See vor der Thür der +Sauya gelegen, vollkommen untrinkbares Wasser hat. +Blinde, Lahme werden täglich geheilt, ja nach den Aussagen +der frommen Verehrer Snussis sollen auch zahlreiche +ehemalige Christen, jetzt durchs allmächtige Gebet +des Snussi zum Islam bekehrt, sich in der Sauya aufhalten.</p> + +<p>Ich war höchst traurig, dass mein Führer, der selbst +zum Orden der Snussi gehörte, sich weigerte mich zu +begleiten, und allein, ich gestehe es offen, wagte ich in +dies Wespennest von semitischer Unduldsamkeit nicht +einzudringen. So lagerten wir traurig beim Sebcha Hoëssa, +freilich im Schatten von hohen Palmbüschen, aber die +Wasserlöcher, die wir gruben, gaben zwar bei 1½' ein +reichliches klares Wasser, aber so bitter, dass wir es +kaum zum Kochen unseres Abendessens benutzen konnten. +Wie anders, dachte ich dann, unter den Palmen +liegend, war es einst hier, wo die Gesittung der Aegypter, +<a id="page-83"></a><span class="pgnum">83</span>der Griechen und Römer herrschte. Wo man Religionskriege +nicht kannte, und anders Denkende höchstens mit +dem Namen „Barbaren“ belegte. Zu meiner Beschämung +musste ich dann aber gestehen, dass von den drei semitischen +Religionen, die durch ihre Unduldsamkeit, durch +ihren Glaubenseifer soviel Unheil und soviel Blutvergiessen +über die Menschheit gebracht haben, ich meine +das Judenthum, Christenthum und der Mohamedanismus, +gerade das Christenthum sich am meisten durch Fanatismus +und Hass gegen anders Denkende ausgezeichnet hat. Wer +vermöchte alle die Opfer zu zählen, welche die christliche +Liebe zur Ehre Gottes bei Katholiken und Protestanten +schon gefordert hat, und wenn heutzutage auch +nicht mehr gefoltert, verbrannt und gesiedet wird, wer +zählt die moralischen Opfer, welche unsere Religion der +Liebe und Duldsamkeit noch täglich fordert.</p> + +<p>Ich stand also ab nach Sarabub zu pilgern, aber +wie leid that es mir, als ich später von den Freunden +Sidi el Mahdi's in Siuah erfuhr, er würde es hoch aufgenommen +haben, falls ich zu ihm gekommen wäre, auf +alle Fälle würde ich nichts zu fürchten gehabt haben. +Es scheint also fast, dass der Fanatismus der Snussi +abgenommen hat, wie denn auch die Chuan Snussis in +der Ammons-Oase mich recht freundlich aufnahmen.</p> + +<p>Man hat nun weiterreisend<a id="FNA-27" href="#FN-27"><sup>27</sup></a>, eine Reihe von Seen +<a id="page-84"></a><span class="pgnum">84</span>zur Seite, die sich alle durch ihr tiefblaues Wasser, +welches äusserst salzig ist, auszeichnen. Der bedeutendste +davon ist der el Araschieh mit einer Insel in der +Mitte. Da nirgends Boote vorhanden sind, überdies der +den See umgebende Boden Sebchabildung hat, so hat +Niemand bis jetzt diese kleine Felsinsel erreichen können. +Dafür ist sie natürlich für die Bewohner Siuahs +der Aufenthaltsort von Djenun (Geistern), die hier eins +der Schwerter Mohammeds bewachen. Bei Gaigab stösst +man auf die ersten Palmenwälder, deren Früchte von +den Bewohnern Siuahs geerntet werden. Die Gegend +wird nun immer reicher und die überall in den Felswänden +sich befindenden Gräber zeugen von der ehemaligen +starken Bevölkerung.</p> + +<p>Von Gaigab geht der Weg nun ganz nach Süd-Süd-Ost +um, man passirt zahlreiche Engpässe und +erreicht dann den Schiata-See. Alle diese Seen sind +ohne Fische, weil das Wasser zu salzig ist, aber entbehren +doch nicht jeden Lebens. Eigenthümlich ist, +dass die oft ins Wasser langenden hohen Sanddünen +nicht vermocht haben, sie mit Sand zu überschütten, und +gewiss ein guter Beweis, dass der Canal von Suez nichts +von Versandung zu fürchten hat, denn wie gering ist +die Sandanhäufung längs des Canals im Vergleich zu +den hohen Dünen der libyschen Wüste. In dem Tamariskengebüsch, +im Schilfe des Sees waren zahlreiche fast +<a id="page-85"></a><span class="pgnum">85</span>zahme Vögelchen, auch sahen wir hier die ersten +Schwalben.</p> + +<p>Die Gegend behielt denselben Charakter bis Maragi, +wo wir auf die ersten menschlichen Wohnungen und +Gärten stiessen. Beim Maragi-See ist auch eine Filiale +der Snussi und eine sehr gute Süsswasserquelle, von der +wir aber als anders Gläubige am Abend, wo wir dort +campirten, nicht profitiren durften.</p> + +<p>Am 6. Mai, dem letzten Tage unserer Reise zur Oase +des Jupiter-Ammon, brachen wir früh um 6 Uhr auf, +wir hatten im Ganzen nur noch 6 Stunden. Zahlreiche +Leute, beladene Esel kamen uns entgegen, und als wir +von weitem den grünen Palmwald erblickten, wurde +Halt gemacht.</p> + +<hr/> + + + + +<h2>Die Jupiter Ammons-Oase.</h2> + +<p>So waren wir denn in der eigentlichen Oase angekommen, +und lagerten bei den hohen Trümmern der +Burg Masra<a id="FNA-28" href="#FN-28"><sup>28</sup></a>; der vierstündige Marsch hatte Menschen +und Thiere so ermattet, dass diese, welche überdies in +den letzten Tagen guten Weideboden gehabt hatten, sich +<a id="page-86"></a><span class="pgnum">86</span>ruhig zwischen die Agolbüsche<a id="FNA-29" href="#FN-29"><sup>29</sup></a> legten, die Diener aber +alle im Schatten des Thurmes schliefen. Doch war die +Hitze so gross, dass Alle von Schweiss trieften, und die +nackten Neger wie lackirt aussahen. Ich selbst hatte +mein Zelt derart schlagen lassen, dass es nur Schatten +warf, der Luftzug aber überall frei unten durchstreichen +konnte. Obgleich wir vom Hauptorte Siuah nur noch +einige Stunden entfernt waren, und es hoch aus den +Palmen östlich von uns emporragen sahen, hatte ich es +doch für nöthig gefunden, hier um 10 Uhr zu lagern, da +das Thermometer um jene Zeit schon 30 Grad angab: +wir mussten gielen, wie die Araber sagen, d.h. die +heisse Zeit vorüber gehen lassen.</p> + +<p>Aber immer noch unsicher, wie man mich im Hauptorte +aufnehmen würde, schickte ich den alten Staui +gleich weiter, und diensteifrig wie er jederzeit war, +machte er sich auch gleich auf den Weg. Er hatte den +Auftrag meine Ankunft anzuzeigen, Einkäufe zu machen +und um Quartier zu bitten. Mit seiner Doppelflinte auf +dem Rücken, sonst pflegte er sie nie zu tragen aus Bequemlichkeit, +die Schuhe in der Hand, um sie nicht abzunutzen, +ging er von dannen, und versprach dicht vor +Siuah der Karawane entgegen zu kommen. Der Führer +deutete ihm noch genau den Weg an, was sehr nothwendig +war, da Staui bei Tag nur halb, bei Nacht aber +fast gar nichts sah; er wollte dies zwar nie zugeben, +<a id="page-87"></a><span class="pgnum">87</span>aber es war so auffällig, dass er es manchmal eingestehen +musste, er meinte dann zwar immer, es sei ausnahmsweise +auffallend dunkel.</p> + +<p>Man hatte von diesem Punkte eine umfassende Aussicht, +gerade östlich von uns waren die merkwürdigen +Berge Amelal und Djari, mit steilen senkrecht aufsteigenden +Wänden, weiterhin etwas zu Süden Siuah und in +der Ferne Agermi, ganz im Süden Agolweiden, welche +allmählich mit Sebcha<a id="FNA-30" href="#FN-30"><sup>30</sup></a> und Dünen verschwammen, und +im Westen war endlose Wüste. Von dem Berge Amelal, +der eine Stunde von unserem Lagerplatze entfernt zu +sein schien, thürmten sich Dünen auf, sie schienen bis +an seinen Fuss zu gehen. Da sie hoch waren, beschloss +ich sie zu ersteigen, denn die Hitze war im Zelte trotz +des Luftzuges so unerträglich geworden, dass es kaum +in der Sonne schlimmer sein konnte.</p> + +<p>Gedacht, gethan! Ich rief meinem Landsmann, das +Zelt zu hüten und zu wachen, und ging gerade auf die +Dünen los, von denen eine etwa eine Viertelstunde breite +Agolweide mich trennte. So rasch als es die Hitze erlaubte, +zog ich von dannen, hatte bald den Sand erreicht, +und war nach einigen Minuten oben. Aber welch +überraschender Anblick bot sich mir: zu meinen Füssen +fielen die Dünen, die nur einen schmalen Kamm bildeten, +fast steil ab, und die lieblichsten Gärten, das saftigste +Grün lag wie ein kleines Paradies vor mir. Nicht etwa +<a id="page-88"></a><span class="pgnum">88</span>Palmen, von diesen war hier keine einzige vorhanden, +meist waren es Oelbäume, aber von solch wundervoll +frischem Grün, dass ich sie Anfangs für Myrten hielt. +Murmelnde Bäche zogen sich zwischen den Gärten hindurch, +freilich nicht breit und schnellfliessend, aber überall +hin Segen spendend, und kräftig genug, um auch im +Hochsommer Alles frisch und ewig jung zu erhalten. +Die Gärten der Glückseligen! dachte ich, und vollkommen +konnte ich mir das Entzücken der Krieger Macedoniens +mitdenken, als Alexander sie nach dem beschwerlichen +Wüstenmarsch zu diesen reizenden Gefilden führte. In +Nordwest verloren sich die Gärten in Agolweiden, im +Osten waren Sebcha, dahinter Palmen, ebenso im Südwesten. +Am Fusse des Amelal war eine mit Salz bedeckte +Sebcha, wie eine Insel schien dieser merkwürdige +Berg daraus hervorzuragen.</p> + +<p>Ich war unentschlossen, was ich thun sollte, nur von +einem Diener begleitet, der meine Doppelflinte trug, +hatte ich ausserdem nur einen Revolver bei mir, und +konnte natürlich nicht wissen, wie mich die Besitzer der +Gärten, welche meiner Meinung nach zu Siuah gehören +mussten, empfangen würden. Aber altes Gemäuer, welches +ich inmitten der Gärten aus dem Gebüsch hervorlugen +sah, entschied; ich ging rasch hinab, und köstlich +balsamische Lüfte, kühlender Schatten unter grossblättrigen +Feigenbäumen, waren mein erster Lohn. Ueber +Gräben hinwegsetzend, in denen reichlich klares Wasser +<a id="page-89"></a><span class="pgnum">89</span>rieselte, durch üppige Klee- und Kornfelder, alle natürlich +im Schatten der dichtlaubigen Feigen, Apricosen, +Granaten und Oliven, dahineilend, waren wir bald in der +Nähe der Ruinen. Hier lag unter einem Gerüste, welches +zum Trocknen von Früchten diente, und nur aus vier +Pfählen und einem Strohdache bestand, im kühlen Schatten +ein Mann, offenbar der Besitzer des Gartens und der +Ruine. „Allah iaunik, Gott helfe Dir,“ rief ich ihm zu, +absichtlich vermeidend ihm ein Ssalam zu geben, da +fanatische Mohammedaner von Christen nicht gerne ein +Ssalam entgegen nehmen. Diese Vorsicht wäre indess +nicht nöthig gewesen. Mit einem „Allah slemtik, grüss +Dich Gott,“ war er auf den Beinen, und nachdem die +hergebrachten Begrüssungen nun endlich vorüber waren, +und wir uns gegenseitig wenigstens zehnmal versichert +hatten, dass wir Gottlob beide gesund wären, sagte er: +„also Du bist der Christ oder dessen Diener, den wir +erwarten.“ Letzteres sollte offenbar eine Anspielung auf +meine Tracht sein, die allerdings sehr einfach war: leinene +Hosen, Hemd, Hut und Stiefeln. Und nach seinen +und aller Leute in Siuah Begriffen, musste der Christ, +welcher ihnen durch Ismael Pascha so dringend war +empfohlen worden, ein furchtbar mächtiger und reicher +Christ sein, also schöne Kleider, schöne Zelte, schöne +Pferde und viele Diener haben. Als ich ihm sagte, ich +sei es allerdings, schien er etwas enttäuscht zu sein. +Ich sagte ihm dann, dass mein Zelt, mein Diener und +<a id="page-90"></a><span class="pgnum">90</span>Kameele hinter den Dünen wären, und als auf seine fernere +Frage, ob die Kameele mein Eigenthum wären, +dies bejaht wurde, schien ich wieder in seiner Achtung +zu steigen.</p> + +<p>„Nun sei willkommen,“ sagte er, „und trinke zuerst +von unserem gesegneten Wasser.“ Er holte dann selbst +aus einem antiken Stein eine Kumme mit Wasser, setzte +sie an seinen Mund, und nachdem er getrunken, reichte +er sie mir. Das war ein köstlicher Trunk, süss und +kalt. „Omar,“ rief er dann, „bring Datteln von den +gequetschten!“ Gleich darauf kam ein kleiner kränklich +aussehender Knabe, sein Sohn, mit einem Strohteller +voll Datteln. Obgleich ich erst gefrühstückt hatte, musste +ich doch, so wollte es die Sitte, einige Mundvoll Dattelteig +essen; mein Neger Bu Bekr langte desto besser zu. +Erst nachdem ich gegessen, fing er dann an zu fragen: +wo ich herkomme, was ich wolle, warum ich hier in den +Garten gekommen, warum der Vicekönig meinetwillen +nach Siuah geschrieben habe etc. Nachdem ich seine +übrigens ganz natürliche Neugier befriedigt hatte, dachte +auch ich Recht zum Fragen zu haben, und erfuhr nun +zuerst, dass ich hier im Ort Chamisa sei, dass sie Siuahner +seien, aber ausser Abstammung und Sprache nichts +mit ihnen zu thun haben, dass noch sieben andere Familien +in Chamisa wohnten, und sie in allem mit Sklaven +43 Männer zählen, mit Frauen, Sklavinnen und Kindern +aber etwa 100 Bewohner ausmachten.</p> + +<p><a id="page-91"></a><span class="pgnum">91</span>Ich erfuhr nun jetzt erst, dass der Ort, wo wir lagerten, +Masra heisse (mein Führer, der des Weges kundig +war, wusste in der Oase selbst gar nicht Bescheid, +und hatte die Ruine zuerst Bled el Rum, dann Amudeïn +genannt), und nun fragte ich nach dem unter dem Namen +Bled el Rum<a id="FNA-31" href="#FN-31"><sup>31</sup></a> bekannten dorischen Tempel, dessen +bei Browne, Hornemann, Caillaud, Hammilton u.a. gedacht +wird. Sehr freundlich erbot er sich, mich selbst +nach den Ruinen Bled el Rum hinzuführen. In nordwestlicher +Richtung durch die Gärten fortgehend, und +überall auch von den anderen Grundherren freundlich +aufgenommen, rief er ihnen nur im Vorbeigehen zu: +„Das ist er, er ist endlich gekommen,“ und schien +ordentlich stolz zu sein mir als Führer zu dienen. „Wir +erwarteten Dich alle Tage,“ fügte er hinzu, „aber ich +konnte nicht denken, dass Du unseren Ort zuerst besuchen +würdest.“ Auf meine Frage, ob die Siuahner mich +gut empfangen würden, sagte er: „wenn sie wüssten, +Du wärest hier, würden sie schon herausgekommen sein, +um Dich zu holen, denn unser Herr (Sidina oder Effendina, +diesen Titel gaben die Eingebornen dem Vicekönig +<a id="page-92"></a><span class="pgnum">92</span>von Aegypten) hat ihnen mit einer Extra-Abgabe gedroht, +wenn Dir das Geringste in ihrem Gebiete zustosse.“ Nun +glaubte ich in dieser Beziehung ganz ruhig sein zu können, +denn der Mann hatte ja kein Interesse mich zu +täuschen. Wir hatten bald das Ende der Gärten erreicht, +deren Vegetation überall gleich üppig war, und +nach einer kleinen Stunde zwischen Agolkraut und dann +Sebcha, sahen wir am Fusse des Gebirges Bled el Rum +vor uns. Dies waren die Reste wirklich, welche zuerst +von Browne unter dem Namen eines dorischen Tempels +bekannt wurden, und von allen anderen Reisenden ebenso +beschrieben worden sind. Nur St. John macht hiervon +eine Ausnahme, und sagt: die Ruine von Bled el Rum +ist eine Nachahmung des Tempels von Umma beida; +damit hält er es doch wohl offenbar für ein ägyptisches +Bauwerk, was es auch in der That ist. Denn es ist +wohl kaum anzunehmen, dass in der Jupiter Ammonsoase +die Griechen zu einer so frühen Zeit gewesen sind, wo +bei ihnen der Tempelbau gänzlich ohne Säulen geschah, +jedenfalls würde man den Pronaos wohl mit zwei Säulen +geschmückt haben. Hier aber ist das nicht der Fall. +Nicht nur, dass überhaupt der ganze Tempel massenhafte +Mauern fasst, ist er unverhältnissmässig lang, +zeigt eine andere Abtheilung mit grossem Eingang und +zwei seitlichen Fenstern (diesen Theil kann man als +Pronaos bezeichnen), dann eine hintere lange Kammer +durch eine Wand mit Thür von der vordern getrennt. +<a id="page-93"></a><span class="pgnum">93</span>Der ganze hintere Theil aber, die Cella ist zerstört bis +auf den ersten an den Pronaos stossenden Theil. Das +ganze Gebäude ist über 60' auf 15', wie man aus den +Umrissen erkennen kann. Hammilton, der drei Abtheilungen +erkannt haben will, und auch die äusseren Mauern +als rein dorisch angiebt, hat andere Zahlenverhältnisse; +worauf er dieselben basirt, konnte ich nicht herausfinden. +Nur die Höhe von 18' und einigen Zollen, +und die Breite der deckenden Steine am Eingange des +inneren Zimmers, von einer Wand zur anderen, wie die +in Umma beida, stimmen mit den meinigen. Von diesen +colossalen Decksteinen, welche das glatte Dach des Tempels +bildeten, liegen nur noch zwei. Es unterliegt nach +dieser Beschreibung also wohl keinem Zweifel, dass der +Tempel Bled el Rum ägyptischer Herkunft ist. Hieroglyphen +oder sonstige Inschriften waren nirgends zu +entdecken, sollen auch, wie mein Begleiter mir sagte, +nie dort gefunden worden sein.</p> + +<p>Nachdem wir eine Zeit lang im Schatten der Deckquadern +gerastet hatten, traten wir den Rückweg an, +ohne von den zahlreichen Katakomben, welche in den +Felswänden sich befinden, eine zu besichtigen. Dieselben +sind ohne Verzierungen und ganz leer. Unser Weg +ging wieder zu den Gärten, brachte uns diesmal zur +Hauptquelle, welche inmitten der Gärten von Chamisa +liegt, und sprudelnd aus der Erde wie alle die andern +auch, hervor fliesst. Von einem runden aus Quadern +<a id="page-94"></a><span class="pgnum">94</span>aufgeführten Gemäuer umgeben, hat sie fünf gleich starke +Abflüsse, um nach verschiedenen Richtungen hin die +Gärten zu durchwässern. Dem Geschmacke nach war +das Wasser vollkommen süss, und hatte wahrscheinlich, +ich hatte leider kein Thermometer bei mir, dieselbe +Temperatur wie die andern Quellen. Früher müssen die +Gärten bedeutend umfangreicher gewesen sein, wahrscheinlich +waren die umgebenden Agolfelder und die +Sebcha bis Bled el Rum alle Gartenland. Aber ohne +Frage ist dies der fruchtbarste Theil der ganzen Oase, +nur hier gedeihen Orangen und Limonen, in langen Guirlanden +rankt der Wein von Baum zu Baum wie in Norditalien, +Oliven, Feigenbäume, Granatbüsche, Quitten und +Aepfel (diese kleiner und verkrüppelter Art), Pfirsiche, +Aprikosen, Pflaumen und Mandelbäume bilden ein ununterbrochenes +Laubdickicht.</p> + +<p>Wir waren bald bei der Behausung meines Mannes +wieder angekommen, und ich bat nun mir seine Wohnung +zu zeigen, was er auch mit Bereitwilligkeit that; +aber der grosse längliche Bau, dessen Mauern noch circa +6 Fuss hoch aus der Erde ragten, aus regelmässig behauenen +Steinen aufgeführt, bot im Innern nichts als +eine bequeme Benutzung der Räumlichkeit, welche durch +andere Thonwände und Laubscheiden in Zimmer, Höfe +und Stallung für Vieh eingerichtet waren. Der Eingang +schien auf der langen Seite gewesen zu sein, welche +gegen Süden gerichtet war, denn hier fand man sie in +<a id="page-95"></a><span class="pgnum">95</span>der Mitte durchbrochen, alle andern Seiten zeigten keine +Spur eines Einganges, sondern das ursprüngliche Gemäuer. +Es ist wohl kaum anzunehmen, dass ein derartiges Gebäude +eine Privatwohnung war, aber auch ein Tempel +dürfte es schwerlich gewesen sein, vielmehr ein anderes +öffentliches Gebäude oder ein Schutzwerk dieser vorgeschobenen +Gärten.</p> + +<p>Da ich gar nichts bei mir hatte, was ich dem guten +Manne, der mich so freundlich geführt hatte, hätte bieten +können, so forderte ich ihn auf, uns zu unsern Zelten +zu begleiten, was er auch bereitwilligst that. Mein Führer +aber war bei unserer Rückkehr gar nicht zufrieden, +dass ich ohne ihn nach Chamisa gegangen war, wie er +auch früher schon nicht wollte, dass Staui vorausgeschickt +wurde, sondern selbst gern Bote gewesen wäre. +Er glaubte, mich als ein willenloses Werkzeug in seiner +Hand zu haben, wollte den Beschützer herausbeissen, +und das um so mehr, je mehr wir uns dem gefürchteten +Orte näherten. Unterwegs hatte ich mich allen seinen +Anordnungen gefügt, aber ihm jetzt gezeigt, dass er +weiter nichts als Wegweiser sei, und ich seiner Rathschläge +und seiner Vermittelung mit den Eingebornen +nicht bedürfe. Reichlich beschenkt, half unser neuer +Freund aus Chamisa unsere Kameele laden, und um +4 Uhr Nachmittags, als es schon anfing kühler zu werden, +nahmen wir Abschied von ihm und setzten uns in +Bewegung.</p> + +<p><a id="page-96"></a><span class="pgnum">96</span>Der Weg führte abwechselnd durch Grasbüschel, +Agolkraut und Sebcha, und südöstliche Richtung haltend, +hatten wir links einen glänzenden Salzspiegel. Nach +einer Stunde ging dieser in ein offenes Wasserbecken +über, von zahlreichen Enten und Gänsen belebt, und wir +selbst befanden uns jetzt zwischen niedrigem Palmgebüsch, +aus dem allmählich hohe und schlanke Palmen +wurden, und bald sahen wir uns auf gleicher Höhe mit +den Gärten. Wir hatten im Ganzen nur zwei Stunden +bis Siuah, von denen die erste Stunde in S.-O., die letzte +in O.-N. zu machen. Als wir uns aber der Stadt so +weit genähert hatten, dass wir unter den Wällen die +Leute mit blossem Auge erkennen konnten, liess ich +halten. Es kam mir verdächtig vor, dass Staui, der +einen vierstündigen Vorsprung hatte, nicht zurückgekehrt +war, um uns einzuholen. Wir befanden uns in einer +sandigen Ebene, wo hie und da hohe Palmen, hie und +da Palmbüsche standen; da wo wir hielten, konnten wir +den ganzen Ort sehen und gesehen werden. Als aber +nach abermaligen 10 Minuten Niemand aus dem Orte +kam, gingen wir etwas seitwärts zu einer Gruppe hübscher +Bäume, liessen die Kameele knieen, abladen und +schlugen Zelte. Und nachdem dies geschehen war, hiess +ich den Führer in die Stadt gehen, um die Ursache zu +erfragen, warum Staui nicht zurückgekommen sei.</p> + +<p>Leute, welche von aussen kamen und zur Stadt +gingen, andere die nach der Bearbeitung der Gärten +<a id="page-97"></a><span class="pgnum">97</span>herauskamen, gingen bei uns vorüber, ohne irgend etwas +zu sagen. All dies kam mir so sonderbar vor, dass ich +schon zu fürchten anfing, die fanatische Partei hätte +vielleicht die Oberhand bekommen und es durchgesetzt, +mir den Aufenthalt in Siuah zu verbieten, wie das wiederholt +mit früheren Reisenden der Fall gewesen war. +Es dunkelte schon als der Führer zurückkam; mit Angst +und Zagen war er hingegangen, freudestrahlenden Antlitzes +kam er zurück: der Gatroner und er seien sehr +gut empfangen worden, sagte er, und ersterer sei schon +längst aus der Stadt zurückgekehrt, müsse sich aber +wohl seiner Halbblindheit wegen verlaufen haben, die +Schichs, fügte er hinzu, würden es gerne sehen, wenn +Du noch diesen Abend zur Stadt kämest. Das ging nun +freilich nicht mehr, es war zu dunkel, um zu packen, +überdies war es 8 Uhr Abends geworden.</p> + +<p>Ich lag schon auf meinem Feldbette und wollte gerade +das Licht auslöschen, da es 10 Uhr Abends geworden +war, als ich Pferdegetrappel hörte und lautes +Rufen von Menschen. Aufspringen und mit dem Revolver +aus dem Zelte stürzen, war eins, aber im selben +Augenblicke kam auch schon der Führer auf mich zugelaufen +und rief: „Alle Schichs kommen, um Dich zu +begrüssen.“ Gleich darauf waren sie denn auch vor +den Zelten und drängten sich am Eingange des meinigen +zusammen. Dasselbe konnte höchstens drei Personen +fassen, weil Bett und Kisten fast den ganzen Raum +<a id="page-98"></a><span class="pgnum">98</span>einnahmen. Ein junger Schich, kaum 18 Jahre alt, kam +zuerst herein und nahm unaufgefordert Platz (ich merkte +daraus gleich, dass er einer der vornehmsten Persönlichkeiten +von Siuah sein musste), zwei andere ältere +folgten und setzten sich ihm gegenüber, während die +andern sich vors Zelt hockten, wohin Teppiche gelegt +waren. Die drei im Zelte befindlichen Schichs waren +reich gekleidet mit Kahiriner Stoffen, namentlich hatte +der junge Schich Hammed die neuesten Seidenstoffe mit +echter Goldverzierung an. Nachdem wie gewöhnlich die +Ssalamat und Begrüssungen recht lange gedauert hatten, +riefen alle ein Willkommen; dann zog Schich Hammed +einen Brief aus den Falten seines Turbans und ihn mir +reichend, sagte er: „Mein Bruder Omar (dies ist gegenwärtig +der mächtigste der Schichs von Siuah, und auch +der am besten in Kairo angeschriebene), erster Schich +der Lifaya, hat, nachdem er lange auf Dich gewartet +hat, abreisen müssen, nun hat er diesen Brief für Dich +zurückgelassen und mir befohlen (bei den Mohammedanern +gehorcht, sobald der Vater todt ist, der jüngere +dem älteren Bruder) Dir Gastfreundschaft zu erzeigen. +Ich habe nicht bis morgen warten wollen, und als die +andern Schichs erfuhren, ich sei aufgebrochen, Dich zu +begrüssen, wurden sie eifersüchtig und sind mitgekommen, +wenn sie aber nichts gemerkt hätten, wären sie sicher +nicht gekommen.“ Ein grosser Lärm entstand, +die andern riefen „Lügner, wir wollten den Christen zuerst +<a id="page-99"></a><span class="pgnum">99</span>besuchen, und Du hast Dich uns angeschlossen.“ +Im Augenblick sah ich, dass die alte Feindschaft zwischen +Lifaya und Rharbyin noch immer existire. Ich +beschwichtigte rasch, indem ich dankte und sagte, Alle +wären mir gleich willkommen; „Gott allein sieht in +Eure Herzen,“ fügte ich hinzu, „und nur Er weiss, wessen +Herz weiss oder schwarz ist.“ Ich hatte glücklich +so die Rivalität gedämpft, obgleich sich die Rharbyin +gedemüthigt fühlten, als nun Schich Hammeds Diener +ein fettes Schaf, einen grossen Korb voll Reis, einen +Sack mit Datteln und Zwiebeln hereinbrachte, und hinzufügte, +dies sei sein und seines Bruders Gastgabe. Ich +dankte für die Aufmerksamkeit, und suchte dann eine +allgemeine Unterhaltung in Gang zu bringen. Die Schichs +fingen an sich zu entschuldigen wegen ihres Benehmens +gegen Hamilton, und versuchten namentlich, und auch +wohl nicht mit Unrecht, alle Schuld auf die Lifaya zu +schieben. Hammed sagte dann vor Zorn erröthend: +„Die Zeiten sind heut anders, wir haben den Vapor +(Eisenbahn) und Eisendraht (Ssilk, so bezeichnet man den +Telegraph) in Aegypten kennen gelernt. Wenn vor +10 Jahren unsere Väter in Aegypten das gesehen hätten, +was wir jetzt sehen, so wäre alles das nicht vorgefallen, +aber ma scha Allah kan, was Gott will geschieht,“ schloss +er mit des Propheten Worten.</p> + +<p>Endlich sagte ich der Versammlung (man hatte schon +Kaffee genommen und sass wenigstens eine Stunde), ich +<a id="page-100"></a><span class="pgnum">100</span>sei müde und wünsche zu schlafen. Die Schichs erhoben +sich nun auch sogleich, sagten aber, sie würden draussen +bei meinem Zelte schlafen, denn sie seien für mich verantwortlich, +deshalb hätten sie auch gleich ihre Teppiche +mitgebracht. Ich sah jetzt erst, dass jeder einen Teppich +bei sich hatte. Auf mein Erwiedern, dass ich dies +nicht leiden würde, sondern vollkommen auf den guten +Sinn der Siuahner vertraue, wollten sie nicht hören, erst +auf meine Erklärung, dass, falls sie zu bleiben bestünden, +ich aufpacken und meinen Lagerplatz weiter zurück verlegen +würde, zogen sie von dannen, mit dem Versprechen, +mich am folgenden Morgen feierlichst einzuholen.</p> + +<p>Und so kam es denn auch; am andern Morgen ganz +früh waren Alle wieder da und noch viele Neugierige +mit ihnen. Nach schnellem Packen ging es dann vorwärts +nach Siuah, zwei Schichs voraus zu Pferde (in der +ganzen Oase sind nur 4 oder 5 Pferde), dann ich und +mein bayerischer Diener je zu Kameel, endlich die andern +Kameele mit siuahnischen Eseln von ihren Eigenthümern +geritten und Fussleute, und gewiss alle Kinder +des Ortes. Auch der alte Staui hatte sich Morgens +wieder eingefunden, in seiner Blindheit war er im Dunkeln +vom Wege gekommen, und der arme Teufel hatte +die ganze Nacht ohne Nahrung am Fusse einer Palme +zubringen müssen, bis in der Früh ihm Siuahner den +Weg zu unserm Lagerplatz zeigten. Natürlich wurde +viel Pulver verbrannt, und meine Diener machten mit +<a id="page-101"></a><span class="pgnum">101</span>ihren Doppelflinten und Revolvern auch nicht wenig +Lärm. So gings zwischen den beiden Anhöhen durch, +von denen die eine terrassenförmig bis oben mit Häusern +bebaut ist und den Lifaya gehört, indessen die +andere, dicht westsüdwestlich von diesem gelegen und +am Fusse bebaut, von den Rharbyin bewohnt ist. Dann +nach Norden biegend, erreichten wir das Kasr oder +Schloss, welches die Wohnung des Mudir, Rathhaus und +Gefängniss für ganz Siuah ist. Hier wurden wir einquartiert, +und da der Mudir gerade in Alexandrien war, +uns die ganze obere Etage, welche gute und luftige Zimmer +hatte, zur Verfügung gestellt. Während wir noch +mit unserer Einrichtung beschäftigt waren, kam denn +auch der Kahdi, aber ich merkte, dass sein Besuch ein +vollkommen erzwungener war, jedenfalls nicht aus freiem +Antriebe erfolgte, ich kürzte denselben denn auch so +rasch wie möglich ab, froh endlich einige Augenblicke +Ruhe zu haben.</p> + +<p>Also war ich da in dieser hochberühmten Oase, welche +zu sehen ich mich schon lange gesehnt hatte, diesen geheimnissvollen +Fleck, der die Ursache so vieler Opfer +gewesen war, welcher so reiche geschichtliche Erinnerungen +wach rief. Noch vor 6 Monaten in der Hauptstadt +der Intelligenz unserer Zeit, befand ich mich jetzt +an dem Orte, wo vor mehr als 2000 Jahren die damals +bekannte Welt sich Raths erholte, an der Stelle, wo +der grösste Krieger seiner Zeit sich „Sohn des Zeus“ +<a id="page-102"></a><span class="pgnum">102</span>anreden hörte! Oft glaubte ich zu träumen, aber ein +Blick aus meinem Fenster auf die unzähligen Katakomben +sagte mir dann, Alles ist Wahrheit, Du bist wirklich +an der heiligen Stätte des Jupiter Ammon. Da vor +Dir sind die stummen Zeugen, welche die Reste derer +beherbergten, auf deren Worte Könige und Völker lauschten, +während jetzt ihre Knochen, von rohen Barbaren +umhergeschleudert, in der Sonne bleichen, und langsam +durch den ewigen Kreislauf aller Dinge sich auflösen, +um in die ewige Natur zurückzukehren.</p> + +<p>Die Gründung des ammonischen Orakels geht bis in +die vorgeschichtliche Zeit zurück, die ältesten Nachrichten +darüber finden wir bei Herodot. Diodor und +Curtius geben uns eine ausführliche Beschreibung der +schon bestehenden Oertlichkeiten, und in der neuesten +Zeit finden wir in O. Parthey's trefflicher Abhandlung +über die Jupiter Ammons-Oase Alles erschöpfend niedergelegt, +was Ursprung, Bedeutung, Geschichte des Orakels +und des ehemals und jetzt dort lebenden Volkes anbetrifft. +Demnach steht es nun unzweifelhaft fest, dass +sowohl die Stadt Ammon<a id="FNA-32" href="#FN-32"><sup>32</sup></a>, als auch die Ruinen des +Orakels ägyptischen Ursprungs sind. Wie früh überhaupt +der Ruf des Orakels verbreitet war, geht daraus +hervor, dass Krösus von Lydien sich dort Raths erholte, +Cambyses wollte das Königreich der Ammonier zerstören, +aber sein ganzes Heer wurde durch Wassermangel +<a id="page-103"></a><span class="pgnum">103</span>und heisse Landstürme aufgerieben. Erst durch den +berühmten Zug Alexanders wurde die Lage des Orakelortes +und die örtliche Gestaltung desselben ans Tageslicht +gezogen, denn selbst Herodot weiss über die Lage +noch nichts Bestimmtes anzugeben.</p> + +<p>Wir wissen schon von den Alten, und durch die +neuesten Reisenden ist dies bestätigt, dass es in der +Oase zwei Tempel des Jupiters Ammon gab, von denen +der eine grössere unmittelbar neben der Akropolis selbst +stand, der andere kleine nicht fern von jenem neben +dem Sonnenquell in einem Palmhaine gelegen sein soll. +Obgleich nun schon Minutoli die äussere Mauer des +grossen Tempels in Agermi bemerkt hatte, sie aber, weil +er nicht ins Innere dringen konnte, für blosses Mauerwerk +hielt, namentlich Hirt darauf aufmerksam machte, +dass Umma beida nur der kleine Ammonstempel sein +könne (dagegen fälschlich den grossen nach Siuah hin +verlegt haben wollte), so hielten doch alle neuern Reisenden +von Browne bis auf St. John den Umma beida-Tempel +für den grossen. Erst Hamilton machte zuerst +die wichtige Entdeckung des grossen Tempels in Agermi, +der alten Akropolis, indem es ihm gelang, in das Innere +selbst hineinzudringen. Hamilton hält nun zwar das +Gebäude selbst für die Akropolis, allein schon aus seiner +eigenen Beschreibung geht hervor, dass wir es mit einem +Tempel zu thun haben. Nach ihm der erste Europäer, +der Siuah wieder besuchte, kann ich, was derselbe über +<a id="page-104"></a><span class="pgnum">104</span>die Grossartigkeit dieser Baulichkeit sagte, nur bestätigen, +und glücklicher wie er, konnte ich wenigstens die +Copien von einigen Hieroglyphen mit heim bringen. +Schmutz, Rauch, Dunkelheit des ganzen Raumes, und +namentlich die Durchbauung des ganzen Tempels mit +Häusern verdeckten zwar die Hauptsache, oft war auch +sogar eine Colonne absichtlich zerstört, indem man die +erhabenen Hieroglyphen abgehauen oder die Bilder verkalkt +hatte, indess konnte unser berühmter Aegyptolog +Brugsch aus den ihm vorgelegten Abzeichnungen erkennen, +„dass die Texte in altägyptischer Schrift abgefasst +sind, dass sie sich auf eine Reihe männlicher Gottheiten +beziehen, die, nach den erhaltenen Kronen zu urtheilen, +Ammon und den widderköpfigen Harschaf, den Arsaphes +der Griechen, darstellten, dass endlich die Texte Reden +jener Gottheiten enthalten, die sich an einen Gott wenden, +welcher Ur-testu, das ist Grosser der Völker, genannt +wird. Dies Epitheton beweist, dass der König +ein nicht einheimischer war, sondern einer fremden Dynastie +angehören musste.“ Der Name der Oertlichkeit +scheint leider nicht genannt, wenigstens war Brugsch +nicht im Stande etwas daraus zu erkennen, so dass die +Frage über die altägyptische Benennung des Tempels +immer noch eine offene bleibt. Hoffentlich gelingt es +mit Unterstützung der ägyptischen Regierung einem späteren +Forscher die Bewohner, welche sich ihre Häuser +in den Tempel gebaut haben, zu vermögen, dieselben zu +<a id="page-105"></a><span class="pgnum">105</span>verkaufen und abzubrechen, bei dem jetzigen guten +Geiste der Bevölkerung würde dies ohne Zweifel mit +einigen Geldopfern zu bewerkstelligen sein.</p> + +<p>Was das Bildniss des Ammon anbetrifft, so liegen +darüber abweichende Berichte vor; nach Curtius brachten +die Macedonier die Nachricht zurück, es gleiche +einem Nabel ringsum mit Smaragden und Edelsteinen +besetzt. Es wurde in Procession von Priestern in einem +vergoldeten Schiffchen herumgetragen. Silberne, an beiden +Seiten herabhängende Schellen klingelten, und alte +Weiber und Jungfrauen sangen herkömmliche Weisen +dazu. Diodor, ohne des Nabels zu erwähnen, macht dieselbe +Beschreibung wie Curtius, Arrian sieht das als +Fabel an, er weiss, dass der Jupiter Ammon als widderköpfig +abgebildet wird. Auffallend ist nun aber, dass +nach den neuesten Forschungen der ägyptische Ammon +nie widderköpfig abgebildet wird, sondern Knepf oder +Chnubis. Jedenfalls ist wohl anzunehmen, dass das +Bild anders im Allerheiligsten des Tempels, wohin nur +die geweihten Priester dringen durften, dargestellt wurde, +als wie man es ausserhalb dem grossen Publikum zeigte. +Alexander trug nach seinem Besuche bei Ammon häufig +als Helmschmuck Widderhörner, und auch derartige +Münzen liegen vor. Möglich, dass Alexander, da er im +Allerheiligsten war, das wirkliche Ammonsbild zu sehen +bekam. Chnubis, Knepf und Ammon werden übrigens +nach Brugsch häufig verwechselt. Im kleinen Tempel +<a id="page-106"></a><span class="pgnum">106</span>von Umma beida findet sich ein grosser Marmorblock, +der auf allen vier Seiten einen grossen menschlichen +Kopf mit Widderhörnern zeigt. Dies kann möglicherweise +der Sockel gewesen sein, auf dem die Statue des +Jupiter Ammon stand. Der Kopf selbst, eine scheussliche +Fratze von Doppelmenschen-Grösse, soll wohl kein +eigentliches Bild des Ammon sein, hat aber jedenfalls +Bezug darauf. Das Widderhorn und der Widder mussten +überhaupt bei den alten Ammoniern eine grosse Rolle +spielen, Beweis davon der kleine in Bab el medina, eine +Stunde südwestlich von Siuah, gefundene Marmorwidder, +jetzt in Berlin auf dem Museum.</p> + +<p>Wenn wir zur Zeit Alexanders das Ammonsorakel +den grössten Ruhm geniessen sahen, so dass es sich mit +denen von Delphi und Dodona in jeder Beziehung messen +konnte, so bemerken wir andererseits, dass es zur +Zeit Christi nur noch wenig mehr cultivirt wurde. Die +Römer scheinen überhaupt nie grosse Vorliebe für dieses +Orakel gehabt zu haben. Wir finden, namentlich durch +die griechischen Bewohner Cyrenaica's gestiftet, verschiedene +dem Ammon gewidmete Tempel auf der Nordküste +von Afrika, ebenso auch in Griechenland selbst, +aber in Italien wird uns von einem solchen nichts überliefert.</p> + +<p>Mit der Christianisirung von ganz Nordafrika hörten +die Ammonstempel in der Oase auch auf heidnische Gotteshäuser +zu sein, wahrscheinlich wurden sie in Kirchen umgewandelt. +<a id="page-107"></a><span class="pgnum">107</span>Zur Zeit des Christenthums in Afrika, wurde +Siuah<a id="FNA-33" href="#FN-33"><sup>33</sup></a>, wie die anderen Oasen (Uah) als Verbannungsort +benutzt, und als im 7. Jahrhundert die Araber über +Nordafrika sich ergossen, fiel es dem mohammedanischen +Cultus anheim.</p> + +<p>Die Nachrichten der arabischen Schriftsteller Edrisi, +Abu'l Feda, Ebn el Wardi und Jakuti sind sehr vage, +sie führen den Ort unter der Benennung Santariat auf, +wenn aber Ritter meint, dass erst Wansleb im Jahre 1664 +zuerst den Namen Siwah als gehört aufgebracht habe, +so finden wir diese Benennung neben Santariat auch +schon bei Makrisi erwähnt. Heute ist jede Erinnerung +an Jupiter Ammon bei dem Volke verschwunden, nicht +so die von Alexander und Santariat. Der letzte Name +Santariat, findet sich in alten in der Oase aufbewahrten +Deftas<a id="FNA-34" href="#FN-34"><sup>34</sup></a>, und als ich Umma beida besuchte, sagten mir +unaufgefordert meine Begleiter, dass dieses Gebäude von +Iskender (Alexander), demselben der Skendria<a id="FNA-35" href="#FN-35"><sup>35</sup></a> gegründet, +erbaut wäre. Wenn wir nun auch wissen, dass +Alexander beide Tempel schon erbaut vorfand, so geht +doch daraus hervor, dass eine Erinnerung an ihn sich +von Generation zu Generation fortgepflanzt hat.</p> + +<p>Politisch war seit den ältesten Zeiten die Oase wohl +immer in einer Art von Abhängigkeit von Aegypten. Ob +<a id="page-108"></a><span class="pgnum">108</span>Herkules zum Ammon gekommen, sowie Semiramis, ist +nicht festzustellen. Sicher ist aber, dass die Vertreibung +der Juden aus dem Lande der Pharaonen mit auf +Rath des Ammon geschah, und dann bieten geschichtliche +Anhaltspunkte: der Zug des Kambyses und Alexanders, +Lysanders und Hannibals Rathfrage, der Besuch +Kato des Jüngeren u.a. Nach Herodot unter eigenen +Königen, dann den Persern unterworfen, beugten die +Ammonier sich freiwillig vor den Macedoniern. Unter +den Ptolemäern und Römern scheinen sie ein mildes +Joch gehabt zu haben, und die Könige der Ammonier, +unter denen wir wohl die Oberpriester des Tempels verstehen +müssen, genossen schon ihrer grossen Heiligkeit +wegen einer gewissen Berücksichtigung. Plinius rechnet +das Orakel zu Cyrenaica, und geographisch zählt Hierokles +die Ammons-Oase zu den sechs Städten Libyens, +während Lukan und Silius Italicus den Tempel als einen +Tempel der Garamanten bezeichnen; andere noch rechneten +die Oase zum Gebiete der südlich von Cyrenaica +hausenden Asbysten.</p> + +<p>Die Ammonier scheinen freiwillige Abgaben gegeben +zu haben, so wissen wir, dass zur Zeit der persischen +Herrschaft die Perserkönige nur ammonisches Salz, das +im Alterthum hochberühmt war, auf ihrer Tafel duldeten, +und dass dies nebst dem Wasser des Nils einen Theil +des Tributs ausmachte.</p> + +<p><a id="page-109"></a><span class="pgnum">109</span>Im Jahre 1150 für immer dem Koran anheim gefallen, +blieb die Oase dennoch unabhängig, bis Mehemed +Ali 1819 dieselbe unterwerfen liess, und seit der Zeit +unter Beibehaltung seiner Schichs der Ort einen jährlichen +Tribut an Aegypten zahlen musste. Nicht zufrieden +damit, empörten sich die Bewohner zu wiederholten +Malen, versetzten aber im Jahre 1853 ihrer Quasiunabhängigkeit +den Todesstoss durch die schlechte Behandlung, +welche sie dem englischen Reisenden Hamilton +widerfahren liessen. Gleich darauf von Said-Pascha mit +einer Soldatenmacht überzogen und durch eine ausserordentliche +Abgabe gebrandschatzt, ist Siuah seit der Zeit +integrirender Theil Aegyptens und bildet jetzt ein Mudirat, +mit Beibehaltung der eigenen Schichs, die indess +nur Familienangelegenheiten zu ordnen haben.</p> + +<p>Uns Europäern wurde die Oase zuerst durch Browne +wieder entdeckt im Jahre 1792, und sechs Jahre später +war es ein Deutscher Namens Hornemann, welcher durch +die Mittel der afrikanischen Gesellschaft von London, +mit Unterstützung Napoleons, der zu der Zeit in Aegypten +war, die berühmte Oase erreichte. Belzoni, der ungefähr +zwanzig Jahre später reiste, und zwischen 1815 und +1819 die kleinen Oasen westlich vom Nil besuchte, ist +nie in Siuah gewesen. Er glaubte in dem Brunnen der +Oase El Kasr den Sonnenquell entdeckt zu haben, der +im Alterthum seiner abwechselnden Temperatur wegen +bekannt war, und den Belzoni bei der Quelle El Kasrs +<a id="page-110"></a><span class="pgnum">110</span>wahrzunehmen glaubte. Quellen, die ein solches Täuschungsgefühl +hervorrufen, giebt es fast in allen Oasen +der Wüste, am bekanntesten ist ausser der Sonnenquelle +die grosse Quelle von Rhadames. Erst 1819 erreichte +Butin, ein französischer Officier, Siuah, entging mit genauer +Noth dem Tode, um ihn bald nachher in Syrien +zu finden, wo er ermordet wurde. Gegen Ende desselben +Jahres kam Cailliaud nach der Oase, er durfte Umma +beida besuchen und constatirte zuerst die tiefe Lage des +Thales.</p> + +<p>Als dann im selben Jahre Mehemet Ali Siuah durch +Schamaschirgi Bei unterwerfen liess, begleiteten diesen +der französische Generalconsul Dovretti von Alexandria, +ausserdem der Ingenieur Linaud de Bellefonds, Ricci +und der Maler Frediani. Von einer Truppe von 1500 +bis 2000 Mann unterstützt, kann man sich denken, dass +sie Alles besichtigen konnten, dennoch kamen sie nicht +in den grossen Tempel von Agermi; ungehindert aber +konnten sie Umma beida, Amudeïn, Bled el Rum und +den See Araschich besichtigen, Jomard hat ausführliche +Beschreibungen davon gegeben.</p> + +<p>Minutoli besuchte im Auftrage des Königs von +Preussen die Oase im folgenden Jahre, und erreichte, +da er sich einer guten Aufnahme zu erfreuen hatte, die +besten Resultate, seine Ansichten von Agermi und Siuah +sind noch heute so ähnlich, als ob die beiden Oerter +sich gar nicht verändert hätten. Minutolis Begleiter, +<a id="page-111"></a><span class="pgnum">111</span>Ehrenberg Hemprich u.a. fanden aber, da der General +inzwischen zurückgekehrt war, so schlechte Aufnahme +bei den Einwohnern, dass sie nichts ausrichten konnten. +Erst 1847 wurde die Jupiter Ammons-Oase dem Publikum +wieder ins Gedächtniss gerufen durch die Reise des +Engländers Bayle St. John von Aegypten aus, der mit +einigen Gefährten die Oase besuchte, aber auch mit +grossen Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte, hervorgerufen +durch den glühenden Hass und Fanatismus der +Eingebornen gegen jeden Europäer. Hamilton endlich +war es 1853 vorbehalten den grossen Tempel des Jupiter +Ammon zu entdecken, obwohl er in demselben nur +die Königsburg zu erkennen glaubte. Obgleich im Anfange +mit Kugeln empfangen und lange Zeit gefangen, +konnte er nachher unter dem Schutze ägyptischer Soldaten +frei umhergehen, und alles Interessante untersuchen. +Seit seiner Zeit ist den Europäern die Oase +geöffnet; denn durch eine Extracontribution, durch Soldateneinquartierung, +und durch die Bestellung eines Mudirs, +wurde der Trotz der Eingebornen gebrochen. Und +wenn Hamilton fühlte und sagte, dass seine Leiden und +Entbehrungen zukünftigen Reisenden die Thore von Siuah +öffnen würden, so hatte er vollkommen Recht, nicht nur +ist er der Wiederentdecker des grossen Tempels des +Jupiter Ammon, sondern auch der Schlüssel zur Oase +für die späteren Reisenden gewesen.</p> + +<p><a id="page-112"></a><span class="pgnum">112</span>Die Lage des Ortes Siuah bestimmte Browne zu +29° 12' und einigen Sekunden nördl. Br., die Länge zu +24° 54' östl. v. Gr. Cailliaud giebt dieselbe zu 29° 12' +20" nördl. Br. und 23° 46' östl. L. v. P. an. Auf der +Petermann'schen zehnblättrigen Karte finden wir gleiche +Maasse, ebenso auf der Karte, welche der Partheyschen +Abhandlung über die Jupiter Ammons-Oase beigegeben +ist. Ehrenberg auf seiner Karte verlegt es 29° 30' nördl. +Br. und circa 26° 15' östl. L. v. G. Gruoc bestimmt die +Breite des Umma beida-Tempels 29° 9' 52" nördl. Br., +Pacho auf seiner seinem Werke Cyrenaique etc. beigegebenen +Karte hat 29° 12' und einige Sekunden n. Br. +und circa 23° 50' östl. L. v. P. Auf der Minutolis Atlas +beigegebenen Karte finden wir gleiche Lage, wie bei +Cailliaud angegeben, Kiepert endlich hat 29° und einige +Minuten nördl. Br. und circa 43° 50' östl. L. F.<a id="FNA-36" href="#FN-36"><sup>36</sup></a> Da +alle diese und noch viele andere nur auf die Bestimmungen +von Browne und Cailliaud fussen, die Petermann-Hassensteinsche<a id="FNA-37" href="#FN-37"><sup>37</sup></a> +Karte aber diese Lage durch +Itinerare unterstützt, so müssen wir, bis anderweitige +Messungen ein anderes Resultat ergeben sollten, uns an +diese halten. Alle weichen ja auch nur wenig von einander +ab. Was die Höhe des Ortes betrifft, so haben +<a id="page-113"></a><span class="pgnum">113</span>darüber die Alten schon Andeutungen gegeben. Aristoteles +sagt mit klaren Worten, dass die Oase des Jupiter +Ammon tiefer gelegen sei als Unterägypten, andere Schriftsteller, +wie Eratosthenes von Cyrene und Strabo, erkennen, +dass die ganze Gegend von Jupiter Ammon unter +dem Meere gewesen sein müsse. Erst in der Neuzeit +fand Angelot, ein französischer Geolog, aus dem von +Cailliaud beobachteten hohen Barometerstand, dass die +Oase circa 33 Meter tiefer als das mittelländische Meer +liege. Meine eigenen, auf 23 zu verschiedenen Tageszeiten +angestellten Barometerbeobachtungen fussenden +Messungen ergeben für Siuah eine mittlere Tiefe von +52 Meter.</p> + +<p>Die Oase gehört also zu der grossen nordafrikanischen +Einsenkung, welche sich ohne Unterbrechung von +der grossen Syrte bis nach Aegypten hinzieht. Die Grösse +der Oase variirt sehr, so dass man, wenn man nicht +verschiedene Gesichtspunkte berücksichtigt, auf die grössten +Widersprüche zu stossen glaubt. Schon im Alterthum +herrschte darüber Verwirrung. Browne giebt die +Länge der Oase auf sechs engl. Meilen (2½ St.), die +Breite auf 4½ bis 5 engl. Meilen (circa 2 St.) an. Minutoli +rechnet die Länge des fruchtbaren Terrains auf +über 2 deutsche Meilen, die Breite beträgt nach ihm +nie über ½ Meile. St. John giebt dem fruchtbaren Lande +eine Länge von 5 engl. Meilen, eine Breite von 3–4 Meilen. +Das ganze Oasenthal von Muley Yus bis Edras +<a id="page-114"></a><span class="pgnum">114</span>Amelal ist nach ihm 15 bis 17 engl. Meilen lang. Die +Sache liegt einfach so, dass wir annähernd genau die +Länge der Oase bestimmen, aber die Breite ohne wirkliche +Messung nicht einmal schätzen können. Diese ist +nämlich, was das fruchtbare Terrain anbetrifft, wie in +allen langgestreckten Oasen so verschieden, oft nur einige +Schritte breit, oft zwei Kilometer, dass, wollte man eine +durchschnittliche Breite angeben, man sich ein ganz falsches +Bild von der Oase machen würde. Dazu kommt +noch, dass man zur Oase ebenso gut den ersten Anfang +von Vegetation, welcher schon beim Brunnen Tarfaya +beginnt, und weit im Osten von Siuah als Hattieh sich +fortsetzt, rechnen kann, oder nur eine engere Oase annehmen, +welche im Westen bei Maragi anfängt und im +Osten bei Muley Yus endet. Letztere hat eine Längenausdehnung +von circa 4 deutschen Meilen, derart, dass +die Richtung von Maragi bis Siuah fast von N.-W. nach +S.-O., die von Siuah nach Muley Yus von S.-W. nach +N.-O. streicht. Von zahlreichen Sebcha und Hattieh +unterbrochen, finden sich hier die Palmengärten, von +denen indess keiner in der Breitenrichtung mehr als +2 Kilometer Ausdehnung hat.</p> + +<p>Am Südrande des steilabfallenden, aus Kalkstein bestehenden +sogenannten libyschen Küstenplateau gelegen, +ist die Oase im Süden von nicht hohen Sanddünen begrenzt. +In der Oase selbst liegen mehrere steile Felsen, +von denen der Amelal und Djari in W. z. N. R. von +<a id="page-115"></a><span class="pgnum">115</span>Siuah, und davon zwei Stunden entfernt, als zwei grosse +senkrechte Zeugen bei einer Höhe von circa 100 Meter +die bedeutendsten sind. Der Dj. Muta, 1 Kilometer nördlich +von Siuah, dieser Ort selbst, Agermi, endlich Dj. +Hammed ½ Stunde S. z. W. vom Hauptorte, und der +fünfköpfige Dj. Brick eine Stunde südöstlich von Siuah, +sind andere derartige Zeugen.</p> + +<p>Das Terrain, ursprünglich salzig und sebchaartig, +ist durch die zahlreichen süssen Quellen, von denen es +in der Oase über 30 giebt<a id="FNA-38" href="#FN-38"><sup>38</sup></a>, in dem Bereiche dieser +Quellen culturfähig geworden. Die berühmteste von allen, +aber nicht mehr die ergiebigste (diese ist in Chamisa, +auch die Mosesquelle ist stärker), ist Ain hammam, Taubenquelle, +welche wir noch heute nach alten Ueberlieferungen +die Sonnenquelle nennen. Sie hat ungefähr 110 +Schritte im Umfange<a id="FNA-39" href="#FN-39"><sup>39</sup></a>, am Grunde bemerkt man Mauerwerk. +Sie besitzt nur einen Hauptabfluss, der sich hernach +in verschiedene Arme und nach verschiedenen Richtungen +zerspaltet. Nach Diodor hatte der Sonnenquell +seinen Namen daher, weil die Temperatur des Wassers +in umgekehrtem Verhältnisse zur Sonnenwärme stand; +nach den Aussagen der wissenschaftlichen Begleiter Alexanders, +war der Sonnenquell Mittags kalt, Mitternachts +<a id="page-116"></a><span class="pgnum">116</span>heiss, und Morgens und Abends lau. Wenn so die Alten, +ihre Beobachtungen auf das blosse Gefühl beim Eintauchen +in das Wasser stützend, allgemein die abwechselnde +Temperatur als eine ausgemachte Thatsache annahmen, +und die wunderlichsten Erklärungen darüber gaben, so +ist es zu verwundern, dass sowohl Minutoli als auch Gruoc +noch an eine allen physikalischen Gesetzen widersprechende +variirende Temperatur glauben konnten. Bayle +St. John und Hamilton, die übrigens nur einmal Gelegenheit +fanden, bei Tageszeit ihr Thermometer in den Sonnenquell +zu tauchen, fanden ersterer 84° F., letzterer +85° F. Meine zu allen Tageszeiten und Nachts gemachten +Beobachtungen ergaben unveränderlich 29° C.<a id="FNA-40" href="#FN-40"><sup>40</sup></a>, nur +einmal um 2 Uhr Nachmittags bemerkte ich eine Erhöhung +um 0,5°, was sehr wohl auf die hohe Lufttemperatur +um die Zeit geschoben werden kann. Meine Beobachtungen +stimmen also mit denen der beiden Engländer +sehr gut. Bei allen andern Quellen, namentlich bei Ain +mussa und Ain ben Lif, welche einer öfteren Untersuchung +unterzogen wurden, bemerkte ich gleichen +Wärmegrad. Den Eingebornen selbst ist über eine +wechselnde Temperatur der Quellen nichts bekannt, wohl +aber schreiben sie einigen Quellen, namentlich der Ain +Hendeli gewisse Heilkräfte zu. Obgleich, namentlich wenn +man das Salzwasser in der Wüste gewohnt geworden ist, +<a id="page-117"></a><span class="pgnum">117</span>von angenehmem Geschmack, ist das Wasser der Quellen +salziger als das unserer Flüsse. St. John, welcher Wasser +aus dem Sonnenquell mitbrachte, und untersuchen +liess durch Price, fand die Dichtigkeit des Wassers zu +1,0015<a id="FNA-41" href="#FN-41"><sup>41</sup></a>, die der Themse zu 1,0003. In 100 Theilen +enthielt das Sonnenquellwasser 0,23950 (das Themsewasser +enthält 0,032932) solide Theile, und davon waren +gemeines Salz 0,1615. Es ist kein Grund vorhanden, +dass die andern Quellen anders zusammengesetzt sein +sollten, denn alle dringen wohl aus einer und derselben +unterirdischen Süsswasserschicht, hervorgepresst durch +den Druck vom libyschen Wüstenplateau. Alle zeigen +auch dieselbe Erscheinung des Blasenaufsteigens, als ob +das Wasser siede, und haben in dieser Beziehung die +grösste Aehnlichkeit mit dem Quell in Rhadames.</p> + +<p>Die meisten grösseren Quellen haben eine künstliche, +runde Quadereinfassung, bei vielen gut erhalten. Namentlich +sind die Ain Mussa und Ain ben Lif noch heute mit +so gut erhaltenen in Kreis gelegten Quadern und Kalk +umgeben, dass man glauben sollte, dass diese Bauten, +welche mindestens 2000 Jahre alt sind, gestern wären +angefertigt worden. Von Siuah aus liegt der Sonnenquell +eine kleine Stunde östlich, Ain Mussa eine halbe +Stunde nordöstlich, Ain ben Lif, gleich südwestlich vom +<a id="page-118"></a><span class="pgnum">118</span>Orte selbst, und Ain Hendeli am nordwestlichen Fusse +des Dj. Brick.</p> + +<p>Das Klima würde in der Oase des Jupiter Ammon +gewiss ein sehr gesundes sein, wie überall in der Wüste +Sahara, wenn nicht die vielen Sümpfe und Sebcha, die +Vermischung von Süss- und Salzwasser, die darin faulenden +organischen Stoffe, namentlich im Spätsommer, die +schlimmsten Fieber hervorriefen. Freilich behaupten die +Eingebornen dagegen unempfindlich zu sein, und glauben +nur für Fremde sei jene Jahreszeit gefährlich, die grosse +in Siuah herrschende Sterblichkeit aber, das ungesunde, +fahle Aussehen der Kinder, beweisen zu Genüge das Gegentheil. +Man wird nicht irren, wenn man die mittlere +Temperatur in Siuah zu 25° C. und vielleicht noch einige +Grade höher annimmt. Die tiefe Lage des Ortes, der +Schutz, den das Plateau gegen Nordwinde gewährt, lassen +eine höhere Temperatur als an andern Orten gleicher +Breite leicht erklärlich finden. Der Himmel ist fast immer +rein, nur Morgens kommen manchmal Nebel vom Mittelländischen +Meere, Regen sind aber hier ebenso ausnahmsweise +wie in allen andern Theilen der grossen +Wüste.</p> + +<p>Mit reichster Vegetation da bedeckt, wo die Süsswasserquellen<a id="FNA-42" href="#FN-42"><sup>42</sup></a> +sind, ist die Hauptpflanze die Dattelpalme, +<a id="page-119"></a><span class="pgnum">119</span>wie in allen Oasen der Sahara, und auch an verschiedenen +Sorten fehlt es nicht. Vor allen als vorzüglich +werden die Sorten Sultani und Rhaselli gepriesen, und +bilden selbst einen grossen Ausfuhrartikel nach Aegypten. +Die Zahl der Dattelpalmen beträgt über 300,000, obschon +die officielle Zählung bedeutend weniger angiebt. +Das geht schon daraus hervor, dass in guten Jahren +nach Minutoli bis an 9000 Kameelladungen, zu je 3 Ctr., +gewonnen werden. An andern Bäumen ist vor allen +der Oelbaum bemerkenswerth, der hier in ungesehener +Pracht und Frische gedeiht. Doch werden die Palmen +sowohl, als auch die andern Obstbäume von Zeit zu Zeit +mit Agol gedüngt, welches, zu dicken Bündeln zusammengepresst, +an die Wurzeln der Bäume gelegt wird. Nur +in Chamisa gedeihen Orangen und Limonen, aber überall +gleich üppig die Weinreben, Granaten, Aprikosen, Pfirsiche, +Pflaumen und Aepfel (die Aepfel sind jedoch verkrüppelter +Art). Was von den Alten noch an Bäumen +erwähnt wird, als Cyperus-Arten, der Baum Elate und +andere, wohlriechendes Harz gebende Bäume, so kommen +dieselben heute in der Oase und der Umgegend nicht +vor, und werden auch wohl trotz der guten Autoren des +Alterthums früher nicht vorhanden gewesen sein, weil +die klimatischen Verhältnisse ihr Wachsthum nicht zuliessen. +An Gemüsen wird ganz dasselbe gezogen, wie +in Audjila, aber obgleich hier culturfähiges Land genug +vorhanden ist, und die Bewässerung sich fast ganz von +<a id="page-120"></a><span class="pgnum">120</span>selbst macht, so reicht der Ertrag des Getreides lange +nicht für den Consum der Bewohner hin, und wie in +allen Oasen bildet auch hier die Dattel das Eintauschmittel. +Die Bestellung der Gärten ist natürlich lange +nicht mit so grossen Schwierigkeiten verknüpft, wie in +den Oasen, wo durch das Heraufziehen des Wassers aus +Brunnen das Land bewässert werden muss, ausserdem +ist das Wasser der zahlreichen Quellen so reichlich, dass +auch nicht auf eine karge Abmessung der Zeit, wie beim +Quell von Rhadames oder bei den Fogorat in Tuat gesehen +zu werden braucht. In der Jupiter Ammon-Oase +ist das Wasser verhältnissmässig so reichlich, wie in Tafilet +und Ued Draa, kleine Bäche ergiessen sich nach +verschiedenen Richtungen aus den Quellen, und werden +dann nach Bedürfniss in die Gärten geleitet.</p> + +<p>Das Thierreich ist ebenso spärlich, wie in den Audjila-Oasen, +Schafe und Ziegen werden von den nördlich +nomadisirenden Arabern eingeführt, Esel aus Aegypten, +einige Kühe werden draussen in den nordöstlichen Hattien +gehalten, da eine gefährliche Bremse, welche sich +in der ganzen nordafrikanischen Niederung aufhält, den +Thieren schädlich ist. Aus dem Grunde halten auch die +Siuahner keine Kameele, obschon die Agolweiden in der +Oase ausgezeichnetes Futter dafür abgeben. Diese Fliege, +welche auch in ganz Centralafrika vorkommt, ist grau +von Farbe, von der Grösse einer Honigbiene, und quält +Menschen und Thiere gleichviel; der Stich erzeugt auf +<a id="page-121"></a><span class="pgnum">121</span>der Stelle Blutung, aber keine Anschwellung; sie ist +jedoch nicht zu verwechseln mit der viel gefährlicheren +Zetse-Fliege, welche so weit nach Norden zu nicht vorkömmt. +Gross ist die Zahl der kleinen wilden Waldtauben, +welche sich in den Oelbäumen und Palmen herumtummeln, +und da diese besonders dicht beim Sonnenquell +stehen, und so den Tauben willkommenen Schutz +und Schatten bieten, haben die Eingebornen den Quell +mit dem arabischen Namen „Ain el hammam“ Taubenquell, +belegt.</p> + +<p>Als sonstiges Naturproduct haben wir nur noch des +Salzes zu erwähnen, welches aus den Sebcha gewonnen +wird. Im Winter sickert aus diesen sehr salzhaltiges +Wasser auf die Oberfläche, und nach erfolgter Verdunstung +bleibt im Sommer eine Salzkruste zurück, die an +manchen Stellen die Dicke von mehreren Zoll erreicht. +Das Salz krystallisirt in oft mehrere fingerdicke und +fingerlange Stücke von schönster weisser Farbe zusammen. +Das von mir mitgebrachte von Baeyer in Berlin +untersuchte Salz aus der Ammons-Oase enthält 59,26 Proc. +Chlor (reines Kochsalz enthält 60,66 Proc.) hat also ungefähr +97,5 Proc. Kochsalz. Ausserdem fanden sich +Spuren von Magnesia und geringe im Wasser unlösliche +Substanzen vor. Das im Alterthum auch schon in der +Medicin bekannte sal ammoniacum ist nicht mit diesem +zu verwechseln, dies wurde künstlich durch Destillation +<a id="page-122"></a><span class="pgnum">122</span>aus Kameelmist gewonnen, während jenes ein Naturproduct +der Oase des Jupiter Ammon ist.</p> + +<p>Was das Volk anbetrifft, welches diese Wüsteninsel +bewohnte und bewohnt, so finden wir nur bei Herodot +die Nachricht, dass es ein Mischlingsvolk aus Aegyptern +und Aethiopiern, und auch seine Sprache eine zusammengesetzte +sei. Wenn dies nun zur Zeit Herodots der Fall +war, so änderte sich das wahrscheinlich im Laufe der +Zeiten. Der fanatische Islam hatte wahrscheinlich alle +Einwohner dahin gerafft. Im 12. Jahrhundert, sagt Edrisi, +existirten in den kleinen Oasen gar keine Einwohner, +aber Siuah schildert er mit Mohammedanern bevölkert. +Makrisi führt Santaria oder Siuah mit bloss 600 berberischen +Einwohnern an. Und wenn wir heute die Einwohner +classificiren sollen, so müssten wir sie ohne +Zweifel dem grossen Berberstamm beizählen, welcher sich +in der Wüste am reinsten in den Tuareg und in Nordafrika, +am unvermischtesten am Nordabhange des grossen +Atlas, im Rif und im Djurdjura-Gebirge erhalten hat. +Die Sprache der Siuahner ist nichts als ein Dialect des +Tamasirht, und ohne Mühe macht sich ein Targi, ein +Rhadamser oder ein Atlasbewohner mit den heutigen +Söhnen des Jupiter Ammon verständlich<a id="FNA-43" href="#FN-43"><sup>43</sup></a>. Freilich fehlt +<a id="page-123"></a><span class="pgnum">123</span>den Bewohnern Siuahs jene männliche, fast griechische +Schönheit der Tuareg und Atlasbewohner, auch ist ihre +Farbe viel dunkler, ohne indess negerartig zu sein. Dies +hat aber lediglich seinen Grund in der starken Vermischung +mit Negerblut, wovon sich Tuareg und Atlasbewohner +enthalten. Aber alle andern Berber in der +Wüste, welche in Häusern wohnen, theilen dies mit den +Siuahnern in gleichem Maasse: die Uadjili, Soknaui, +Rhadamsi, Tuati, Filali und Draui sind durch ihre starke +Vermischung mit Negern hässlich geworden. Während +meiner Anwesenheit in Siuah sah ich mit Ausnahme des +jungen Schich Hammed, des Bruders Schich Omars, keinen +einzigen Mann, von dem man auch nur hätte sagen +können, dass er hübsch gewesen wäre, von schön nicht +zu reden. Hervorstehende Backenknochen, wulstige Lippen, +breite Nase, fast ebenso viele mit lockigen, wie mit +schlichten Haaren, schwarze stechende Augen, gebräunte +Hautfarbe bei fast magerem Körperbau, das ist das Bild +eines heutigen Siuahner. Aber ihre Sprache ist unvermischt +die Berbersprache, soweit nicht der Islam und +einige andere Umstände sie gezwungen haben, arabische +Wörter aufzunehmen, wie das ja auch alle andern Berbervölker, +die den Koran angenommen, gethan haben.</p> + +<p>Wie in allen mohammedanischen Oertern ist es auch +hier schwer, etwas Bestimmtes über die Zahl der Bevölkerung +zu erfahren. Bei Minutoli werden 8000 Bewohner +auf 6 Stämme vertheilt angegeben, Hamilton, mein +<a id="page-124"></a><span class="pgnum">124</span>Vorgänger, rechnet nur die Hälfte, 4000 Einwohner. +Dovretti hat für Siuah allein 2500 Seelen. Die Siuahner +selbst gaben mir die Zahl der waffenfähigen Männer auf +600 Mann und 800 männliche Sklaven für die ganze +Bevölkerung an, was eine Totalbevölkerung von 5600 +Seelen ergeben würde. Von Haus aus fanatisch und unwissend, +scheint namentlich in den letzten 10 Jahren ein +merkwürdiger Umschwung mit ihnen vorgegangen zu sein, +und hauptsächlich ist dies wohl den innigeren Beziehungen +mit Aegypten zuzuschreiben. Die beiden Hauptstämme +Lifaya und Rharbyin haben derzeit als Schichs: die Lifaya +einen gewissen Omar, die Rharbyin einen gewissen +Hallok, in Agermi ist zudem Mohammed Djari Haupt der +Eingebornen. Die Lifaya zerfallen in drei Unterstämme, +ebenso die Rharbyin, von denen der eine in Agermi ansässig +ist. Natürlich ist, seit ein von Aegypten bestellter +Mudir die Regierung vertritt, die Macht der Schichs +eine sehr beschränkte, und berührt nur die intimsten +Angelegenheiten der Familie. Die Bewohner der Oase +verschmähen ebenso wenig den Genuss des Lakbi und +Araki, wie die übrigen Inselbewohner der libyschen +Wüste, nur verbergen sie den Fremden ihre Trunksucht, +und wenn man ihren Worten Glauben schenken wollte, +so hätte ein Siuahner nie Lakbi gesehen. Mit der Ehe +steht es daher auch nicht besser, und wenn Reisende +behaupten, Wittwen und Unverheirathete dürften nicht +in Siuah selbst wohnen, so ist das offenbar ein Missverständniss. +<a id="page-125"></a><span class="pgnum">125</span>Der eigentliche Ort Siuah ist so eng gebaut, +und die Häuser aus schlechtem Material so hoch, +dass gar kein Platz zum Weiterbau mehr vorhanden ist. +Auf diese Art sind Sebucha, Menschia und der Ort +im S.-W. von der eigentlichen Burg Siuah entstanden, +genau genommen sind dies jedoch nur Quartiere eines +Ganzen. Die reichen Bewohner kleiden sich sehr elegant, +nach Art der wohlhabenden Kahiriner Kaufleute; +der gewöhnliche Mann trägt sich wie in den andern +Oasen. Bei den Frauen ist durchweg die blaue Tracht +der Fellah-Frauen in Aegypten hergebracht, als eigenthümlich +bemerkte ich, dass sie wie die Frauen in Centralafrika +niederhocken und ihr Gesicht abwenden, sobald +sie einem Mann begegnen.</p> + +<p>Als Mohammedaner huldigen sie dem malekitischen +Ritus, und in der Sprache haben sie, unter sich Berberisch +sprechend, im Arabischen fast ganz den ägyptischen +Dialect, im Schreiben jedoch halten sie sich an der +maghrebinischen Schreibweise. Religiöse Innungen sind +drei vertreten: Snussi, Madani und Abd Salamin von +Mesurata. Die Snussi, die jüngstentstandenen, sind am +zahlreichsten.</p> + +<p>Ausser dem schon erwähnten Orte Chamisa hat die +Oase als Hauptort Siuah, welcher in den kasernenartig +bebauten Berg und dem im S.-W. daran liegenden Stadttheil +der Rharbyin zerfällt, endlich im Nordost, dicht +dabei Sebucha, auch von Rharbyin bewohnt, und noch +<a id="page-126"></a><span class="pgnum">126</span>einen halben Kilometer weiter nach N.-O. der von Lifaya +bewohnte Ort Menschia. Der andere Ort im N.-O., eine +kleine Stunde von Siuah entfernt, ist Agermi, von Rharbyin +bewohnt. In früheren Zeiten herrschte in der Regel +Krieg zwischen Agermi und der Burg Siuah, seit die +ägyptische Regierung festen Fuss hat, sind die Fehden +unblutiger Art.</p> + +<p>Was den Handel Siuahs anbetrifft, so ist derselbe +gering, der Siuahner hat lange nicht den Unternehmungsgeist +der Modjabra, seine weitesten Reisen sind Alexandria +und Kairo; nach Audjila oder Bengasi, nach Fesan +oder Sudan kommt er nie. Jedoch als Zwischenstation +von jeher wichtig gewesen, besitzt Siuah verhältnissmässig +viel Geld. Von einigen Producten führen sie nur Oel<a id="FNA-44" href="#FN-44"><sup>44</sup></a> +und Datteln nach Aegypten aus, und tauschen meist ihre +eigenen Bedürfnisse dagegen ein. An dem Sklavenhandel +betheiligen sie sich nur indirect, indem die Modjabra +hier gewöhnlich mit ihrem Trupp einen langen Aufenthalt +nehmen, um die Sklaven wohlgenährt und fett auf +den ägyptischen Markt zu bringen. Die Einwohner verstehen +nichts zu fabriciren, wenn man nicht Körbe, Teller +und Matten aus Palmzweigen und Bast dahin rechnen +will, wie sie in jeder andern Oase auch und besser gemacht +<a id="page-127"></a><span class="pgnum">127</span>werden. Jedoch giebt es die hauptsächlichen Handwerker: +Schlosser, Schmiede, Schuhmacher, Schneider, +Schreiner sorgen für die unentbehrlichsten Bedürfnisse +der Bewohner.</p> + +<p>Die Abgaben, welche das ägyptische Gouvernement +bezieht, sind keineswegs übermässig gross, denn 10,000 +M.-Th.-Thaler jährlich ist gewiss nicht zu viel für eine +Bevölkerung von 5–6000 Seelen mit so reichen Palmwäldern +und Gärten wie diese Oase sie hat. Freilich +werden dabei auch noch wohl manche Nebenerpressungen +dreingehen: der Mudir verlangt seine Bakschisch, +der Kadhi spricht nur Recht, wenn man ihm so und so +viel unter seinen Teppich legt, aber das ist Norm in +allen mohammedanischen Staaten, und die Siuahner haben +keineswegs Grund mit der ägyptischen Regierung unzufrieden +zu sein.</p> + +<p>Wie ich schon angeführt habe, hatte man mich ins +Kasr einquartiert, welches nach Norden gelegen, unterhalb +der Burg von Siuah, eine der besten Wohnungen +war; vor dem Hause befindet sich ein grosser ummauerter +Platz, in dessen hinterem abermals ummauertem Theile +die Dattelmagazine sich befinden, während in dem andern +vordern Theile das zum Ausdreschen bestimmte +Getreide aufgespeichert liegt. In der Mitte steht eine +hohe Kuppel Sidi Slimans, eines in Siuah in grosser Verehrung +stehenden Heiligen. Am ersten Tage verging +natürlich fast die ganze Zeit mit Besuchempfangen. Selbst +<a id="page-128"></a><span class="pgnum">128</span>der fanatische Kadhi hatte für gut befunden dem Christen +einen Besuch zu machen, aber mein Erstaunen wurde +noch vermehrt, als auch der Mkaddem der Snussi zu +mir kam, und sein Bedauern ausdrückte, dass ich nicht +Sidi el Madhi in Sarabub (den Sohn und Nachfolger Sidi +Mohammed Snussi's) besucht habe. Als ich ihm erwiederte, +mein Führer habe mir gesagt, und auch früher +habe ich dies überall in Barca gehört, dass Sidi el Madhi +keine Christen in Sarabub sehen wollte, und ich mein +Leben, falls ich hinginge, riskiren würde, schwur er, +dies sei eine böswillige Verleumdung, Sidi el Madhi würde +im Gegentheil sich gefreut haben mir Gastfreundschaft +erweisen zu können. Bald darauf wurde dann das Gastgeschenk +hereingebracht, ein fetter Hammel, Datteln, +Reis, Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten, auch einige +Körbe mit Brod fehlten nicht. Die Uebrigen erklärten, +die Bewohner wünschten, ich möchte wenigstens 14 Tage +ihr Gast sein, während der Zeit solle es mir an nichts +fehlen, und um vor Zudringlichkeit geschützt zu sein, +oder bei etwaigen Käufen nicht übervortheilt zu werden, +stellten sie mir zwei Kavassen zur Disposition; namentlich, +liessen sie mir sagen, sollte mir Alles gezeigt werden, +was ich zu sehen wünsche.</p> + +<p>Mein erster Gang war natürlich nach Umma beida, +theils weil die aus den Palmen hervorragenden Ruinen +von selbst schon einluden, theils weil gerade Nachmittags +noch Zeit genug zu dieser Promenade vorhanden war. +<a id="page-129"></a><span class="pgnum">129</span>Der Weg dahin läuft immer zwischen den schönsten +Gärten, und nach einer kleinen Stunde ist man an Ort +und Stelle. Nur von einem Diener begleitet und einem +Eingebornen, um den Weg zu zeigen, grüssten uns die +uns Begegnenden überall aufs freundlichste, viele schlossen +sich auch wohl eine Strecke Weges an, um etwas +zu plaudern und Neuigkeiten zu erfahren. Umma beida +oder der kleine Jupiter Ammons-Tempel ist heute schon +lange nicht mehr, wie ihn Minutoli und später noch St. +John gesehen haben. Der Thorweg, der von beiden beschrieben +und von Minutoli auch gezeichnet wurde, existirt +nicht mehr, nur vom hinteren Tempel stehen noch +die Seitenwände etwa 25' hoch und inwendig einen 16' +breiten Raum lassend. Die Länge der noch stehenden +Mauern ist 14' resp. 10', und überdacht ist das Ganze +von 3 colossalen Monolithen<a id="FNA-45" href="#FN-45"><sup>45</sup></a>, die auf der unteren Deckseite +gut erhaltene, ausgebreitete Adler zeigen. St. John +will noch 10 andere Decksteine in Bruchstücken auf der +Erde liegen gesehen haben; ich bemerkte nur zwei und +einige Bruchstücke, welche zu zwei anderen gehört haben +mochten. Zu Browns Zeiten lagen sogar noch 5 Decksteine +oben, Minutoli fand aber nur noch drei vor. Dieser +Theil des Tempels, dessen hintere südliche Wand +fehlt, dessen Pronaos noch zur Zeit Minutolis vorhanden +war, jetzt aber auch verschwunden ist, hat an seinen +<a id="page-130"></a><span class="pgnum">130</span>inneren Wänden vollkommen gut erhaltene Hieroglyphencolonnen: +an der östlichen Wand sind noch 53, von +denen die mittleren 47 ganz erhalten sind, an der westlichen +Wand 52, mit 49 ganz erhaltenen Colonnen. Unten +aus kleinen Quadern gebaut, sind dieselben nach oben +zu grösser, und derart inwendig verkittet, dass durch +die Fugen der Schrift kein Abbruch geschieht. An der +Aussenseite scheinen nie Hieroglyphen gewesen zu sein, +und die Bilder sind gänzlich verwittert. Zwischen den +allegorischen Bildern oberhalb und unterhalb der Schriftcolonnen +bemerkt man noch an manchen Stellen die +ursprüngliche Farbe, besonders grün und blau, was sehr +dazu beiträgt, Bilder und Hieroglyphen hervortreten zu +machen. Die am südlichen Ende des Tempels sitzende +Figur des behornten Ammon, Huldigungen entgegennehmend, +von den mit Schakal- und Sperber-Köpfen versehenen +menschlichen Figuren, ist das am besten Erhaltene. +Tölken, der Minutolis Aufzeichnungen bearbeitete, +erkannte darin die Bezwingung feindlicher Gottheiten, +denen Ammon sich nach der Besiegung gnädig erzeigt, +sowie einen ganzen Zug Priester und heiliger Frauen, +und in der untersten Reihe den Tod des Osiris und die +Trauer um ihn. Dieser vollständige Cyclus heiliger Lehre +bildete so im Gotteshause selbst ein Lehrbuch für den +geistlichen Unterricht<a id="FNA-46" href="#FN-46"><sup>46</sup></a>.</p> + +<p><a id="page-131"></a><span class="pgnum">131</span>Von der äusseren Umfassungsmauer ist nur noch die +südöstliche Ecke, welche aus gewaltigen Quadern besteht, +vorhanden, alles Uebrige ist verschleppt oder in +den sehr morastigen Boden versunken. Nach Minutoli +betrug die Umfangsmauer 77 Schritt in der Länge und +66 Schritt in der Breite, was mit meinen Messungen +genau stimmt.</p> + +<p>Der Tempel selbst ruht auf einem beinahe viereckigen +Kalkfelsen, dessen obere Partie, ob Kunst oder +Natur, grosse Alabasterquadern zeigt, in denen sich eigenthümlich +krystallisirte Rosetten befinden, welche oft einen +Fuss Durchmesser haben. Von unterirdischen Gängen +ist jetzt nichts mehr zu sehen, obschon die Leute von +geheimen Gängen nach Agermi und Siuah fabeln. Die +Richtung des Tempels ist bei 15° Abw. genau 348°.</p> + +<p>Der Sonnenquell liegt 1 Kilometer südlich von Umma +beida inmitten von Palmgärten; da ich ihn schon oben +beschrieben, sowie das Resultat der Messungen, die ich +an jenem und den folgenden Tagen wiederholte, schon +mitgetheilt habe, so brauche ich mich hier darüber nicht +weiter einzulassen. Der Rückweg nach Siuah wurde über +Agermi genommen, ohne jedoch den Ort selbst zu betreten, +da für diese interessante Burg eine eigene Tagesfahrt +bestimmt war. Früh am andern Morgen ging es +dann bei der Tammagrat-Quelle vorbei, nach dem südöstlich +etwa 1 Stunde entfernten fünfspitzigen Dj. Brick. +Hier scheint man die Steine zu den Bauten des Tempels +<a id="page-132"></a><span class="pgnum">132</span>gebrochen zu haben, auch befinden sich da mehrere +regelmässig bearbeitete Felsengräber, wie die in Cyrenaica, +einige sogar mit Säulen im Innern. Verschiedene +Grabkammern lassen aus ihrer Grösse und den vielen +Nebengemächern schliessen, dass sie ganzen Familien als +Begräbnissstätte dienten. Sonst war jedoch von Bildwerken +oder Inschriften nichts zu entdecken. Gleich am +Fusse des Berges nordwestlich, entspringt die bei den +Eingebornen im grossen Rufe stehende Quelle Hendeli, +welche einst so stark gewesen sein soll, dass sie einen +Bach bildete, welcher die Gärten bis Bab el medina und +weiter bewässerte, auch sollen in der Tiefe grosse Schätze +verborgen sein; jetzt ist sie nur mittelmässig stark, hat +dieselbe Temperatur, und war von Geschmack ganz gleich +dem Sonnenquell.</p> + +<p>Während aller dieser Excursionen waren die Bewohner +immer von der grössten Bereitwilligkeit; wenn +ich ermüdete, war rasch ein Esel zum Reiten zur Hand, +und namentlich liess Schich Hammed keinen Tag vorüber +gehen, an welchem er nicht irgend ein kleines Geschenk +brachte. Entweder schickte er Datteln oder Kuchen +oder Eier, und schien absichtlich die Chikanen, +welche sein Stamm Hamilton zugefügt hatte, an mir wieder +gut machen zu wollen. Obschon er mich auf meinen +Excursionen begleitete, musste er davon abstehen, Agermi +zu besuchen, weil als Lifaya er dort keinen Zugang +hatte. Vor circa 20 Jahren hatten nämlich die Lifaya +<a id="page-133"></a><span class="pgnum">133</span>sich Agermis durch Ueberrumpelung bemächtigt, und nur +mit Hülfe der anderen Rharbyin gelang es den Bewohnern +sich wieder in Besitz ihrer Burg zu setzen, seit der +Zeit aber ist es keinem der Lifaya gestattet, Agermi zu +betreten, etwaige Geschäfte werden vor dem Thore, in +welchem immer eine Wache ist, abgemacht. Für mich +waren keine Schwierigkeiten den Ort zu besuchen, und +sobald ich am Thore war erkannt worden, bekam ich +Einlass. Durch einen gewundenen engen Gang, der an +mehreren Stellen abgeschlossen werden konnte, der +manchmal überbaut war, und auf den auch die Djemma +mündete, ging es aufwärts zu einem freien Platze, der +fast die Mitte des oben glatten Felsens einnimmt, und +um den herum die Häuser Agermis gebaut sind. Zuerst +musste ich den Schich Mohammed Djari besuchen, welcher +der reichste Mann der ganzen Oase sein soll; sein +Haus war auch recht gut eingerichtet, drei Stock hoch +und da wo wir hingeführt wurden, bildete das Zimmer +eine Art Veranda. An beiden Seiten in demselben waren +Divane von Thon mit Matten belegt, über welche +syrische Teppiche gebreitet lagen. Nach dem Austausch +der Höflichkeiten wurden Thee und Kaffee servirt und +Neuigkeiten aufgetischt, dann kam hauptsächlich die +Schatzgräberei aufs Tapet, denn die Eingebornen vermuthen, +dass unter jedem alten Steine Gold und Silber +verzaubert liegen muss. Mohammed Djari wachte übrigens +genau darüber, dass seine Neger die Tassen vorschriftsmässig +<a id="page-134"></a><span class="pgnum">134</span>präsentirten und wieder in Empfang nahmen, +und sicher nahm er es als ein grosses Compliment +entgegen, als ich ihm sagte, bei ihm sei Alles „türkisch“. +Endlich konnte ich mich losmachen, und er gab mir +dann einen Kavas mit, der mir Alles zeigen sollte. Einem +anderen gewundenen und engen Gange folgend, bemerkte +ich gleich an einem Gebäude nördlich Grundmauern aus +Quadern, oben darauf war ein Stall, und nichts hinderte +meinen Eintritt; aber so viel ich auch suchte, es war +eben weiter nichts als die Grundmauer zu entdecken, +welche 2 Fuss hoch aus der Erde stand und von der +nur die eine Wand übrig zu sein schien. Nun nach +Westen gehend, kamen wir bald an das grosse Gebäude, +dessen äussere Mauer man zum Theil von aussen des +Ortes sieht, und dessen innere Wand theilweise auf dem +grossen Platz in Agermi zu sehen ist. Durch die Wand +führt ein gebrochener Weg gleich in einen Vorhof, dessen +Dach aber gänzlich verschwunden ist, und welcher +15 Fuss lang und 10 Fuss breit ist. Nach Süden zu +aber verbaut von einem Hause, kann man den südlichen +Eingang nicht sehen, der jedoch in Form einer einzigen +grossen Thür vorhanden ist. Hieroglyphen sind hier +nirgends zu sehen. Durch zwei grosse ägyptische Thore +kommt man nach Norden in das Allerheiligste, welches +aber von Häusern ganz durchbaut ist. Die Thore, +18 Fuss hoch, kann man nur mittelst der Häuser passiren. +Voll Rauch, Staub und Russ, entdeckte ich hier +<a id="page-135"></a><span class="pgnum">135</span>jene Hieroglyphen und Bilder, von denen einiges zu copiren +nur mit Hülfe mehrerer Kerzen gelang, und wovon +ich oben das Resultat nach Brugsch mitgetheilt habe. +Die Leute zeigten auch hier den besten Willen mir Alles +sehen zu lassen, aber um vollständig befriedigt zu werden, +hätte man ihre Häuser, welche den grössten Theil +der Wände bedeckten, wegbrechen müssen, und dazu +wollte sich natürlich Niemand verstehen. Jene Cella war +in ihren Dimensionen 24 Fuss lang auf 18 Fuss Höhe +und 18 Fuss Breite. Interessant war noch ein geheimer +Gang in der Dicke der östlichen, inneren Längsmauer. +Wie ich später sah, steht derselbe jetzt noch in Verbindung +mit dem grossen Brunnen in Agermi. Derselbe +ist 2 Fuss breit, so dass gerade ein Mann darin gehen +konnte, und war wahrscheinlich der Weg vom Tempel +zum Brunnen, den die Priester ungesehen hinabgingen, +um am Wasser die zum Opfer bestimmten Gegenstände +zu reinigen. Der Brunnen selbst, auf der Südseite des +Platzes gelegen, ist durch den Fels gearbeitet, sehr geräumig +und tief, und von oben sieht man deutlich auf +einer kleinen Plattform den Tempelgang dicht oberhalb +des Niveaus des Wassers ausmünden.</p> + +<p>Geht man dann vom Vorhof aus durch das die +südliche Wand schliessende Haus, so kommt man auf +eine Strasse und stösst alsbald auf eine grosse Mauer +aus colossalen Quadern, die eine Art von Brücke über +die Strasse bildet. Der Häuser wegen lassen sich auch +<a id="page-136"></a><span class="pgnum">136</span>hier keine weiteren Nachforschungen anstellen, aber aller +Wahrscheinlichkeit nach dürften dies Reste der alten +Akropolis sein, während das vorhin beschriebene Gebäude +mit zwei Abtheilungen dem grossen Tempel des Jupiter +Ammon entspricht. Schon der Zusammenhang mit dem +Brunnen mittelst des geheimen Ganges macht dies wahrscheinlich. +Auch mit der Beschreibung der Alten, z.B. +Diodor, von den Räumlichkeiten der Jupiter Ammons-Oase +stimmt Alles. Nach ihnen war die heilige Quelle, +und das ist der Brunnen, dicht bei dem Tempel gelegen. +Anführen muss ich noch, dass von diesem Brunnen aus, +der eine starke Quelle enthält, sieben Bäche aus dem +Berge heraus nach aussen sich ergiessen. Die dritte +äussere Umschliessungsmauer, von der bei den Alten die +Rede ist, müssen wir jedenfalls wohl ausserhalb Agermi +suchen, da der Raum nicht gross genug gewesen sein +würde, um Platz für Soldaten und Diener, wofür er bestimmt +sein sollte, aufzunehmen. Spuren von Mauerwerk +fand ich später südwestlich von Agermi zwischen einigen +Hütten, Tschücktschuck genannt, und diese könnten möglicherweise +Reste der dritten Umfassung gewesen sein.</p> + +<p>Es versteht sich wohl von selbst, dass ich meinen +Besuch in Agermi wiederholte, aber dennoch, so oft auch +alle Häuser, welche zugänglich waren, durchsucht wurden, +war nichts zu entdecken. Gerade südlich von Agermi, +kaum einen Viertel Kilometer entfernt, finden sich die +Reste eines griechischen Tempels, seine Richtung ist von +<a id="page-137"></a><span class="pgnum">137</span>Westen nach Osten, die Umrisse lassen sich nur aus +den zum Theil aus dem Boden sehenden Quadern erkennen, +zu Tage liegt sonst nichts als die Schafte zweier +cannellirter Säulen. Die Schuttumrisse geben auf 18 Schritt +Länge eine Breite von 14 Schritt; ursprünglich mögen +aber die Verhältnisse andere gewesen sein, da dieselben +eben nur durch Schutt und Anhäufungen zu bemessen +waren.</p> + +<p>In jenen Tagen erstand ich auch durch Kauf den +interessanten Marmorwidder, sowie einige alte Münzen, +welche in der Oase gefunden worden sind. Zugleich +machte ich mich auf nach dem Orte, wo der Widder +war entdeckt worden. Ungefähr 1½ Stunde S.-W. von +Siuah gelegen, fand ich am Rande der Oase und der +Dünen nichts als einen 12' Quadrat grossen Schutthaufen, +in dem einzelne Kalkquadern lagen. Möglicherweise +kann hier ein Triumphbogen gestanden haben, worauf +der Name bab el medina<a id="FNA-47" href="#FN-47"><sup>47</sup></a> wenigstens hindeutet. Die +übrige Zeit ging damit hin, die Oase nach allen Richtungen +hin zu durchstreifen, Agermi, Umma beida und +der Sonnenquell erhielten täglich einen Besuch, auch Ain +Mussa, eine grosse schön ummauerte Quelle, auf selbem +Wege zwischen Siuah und Agermi gelegen. Besonders +auch unterwarf ich den Dj. Muta, Todtenberg, einer genauen +Untersuchung, derselbe ist etwas nördlich von +Siuah gelegen. Ungefähr 150' hoch und an der Basis +<a id="page-138"></a><span class="pgnum">138</span>einen Umfang von etwa 1500 Meter zeigend, ist dies +gewiss die sonderbarste Grabstätte, die man auf Gottes +Erdboden antreffen kann. Seit Jahrtausenden muss dies +der gemeinsame Beerdigungsplatz der Bewohner der Oase +gewesen sein. Hunderte von Gewölben, Löchern, Katakomben +und Gräbern machen aus dem ganzen aus Kalkstein +bestehenden Berg ein wahres Labyrinth, und es +giebt darin Gewölbe, welche zur Aufnahme von hundert +und mehr Todten hergerichtet waren. Spitz nach oben +zulaufend, ist der Berg so durchlöchert, dass er einem +Zellenbau gleicht. Hunderte, Tausende von zerrissenen +Gerippen, ganze Haufen von Schädeln, oft noch gut eingewickelte +Mumienglieder liegen am Fusse des Berges +umher. Da ist auch kein Grab, welches nicht durchsucht, +kein Gerippe, welches nicht auseinander gerissen +worden wäre, um möglicherweise Ringe oder Schmucksachen +an demselben zu entdecken. Ja, einige Gräber +hatten offenbar in späteren Zeiten schon zu Wohnungen +dienen müssen, russige Wände, Topfscherben und Feuerstellen +zeigten es deutlich. An der südöstlichen Bergkante +wohnen noch jetzt einige arme Familien in den +Todtengemächern, meine Begleiter sagten mir, es seien +vor einigen Jahren aus Djalo eingewanderte Modjabra. +Bemerkenswerth von all den vielen Gräbern war ein in +der Mitte des Berges auf der Ostseite gelegenes: der +Eingang mit Halbsäulen geschmückt, liess schon auf ein +sorgfältig ausgehauenes Innere schliessen, und in der +<a id="page-139"></a><span class="pgnum">139</span>That entsprach die innere Einrichtung ganz dem eleganten +Aeusseren. Durch einen Vorhof gelangte man +in eine geräumige Kammer mit zwei seitlichen Nebencabinetten, +welche, wie die Hauptkammer sorgfältig ausgehauene +Aufnahmestellen für die Todten hatten. In +Manneshöhe zog sich auf blauem Grunde eine Epheu- oder +Rebenblattguirlande in lebhaft grüner Farbe herum, +und so frisch waren die Töne, als ob sie gestern wären +gemalt worden. Im Hintergrunde der Kammer bemerkte +man auch erhabene gemeisselte Figuren an der Wand, +doch waren sie absichtlich so zerstört, dass sich nichts +erkennen liess. Der unterirdische Gang, der von hier +nach Agermi führen sollte, erwies sich, nachdem Licht +gebracht wurde, als nichts anderes, denn unterirdische +Grabhöhlen, welche sich von hier noch weiter ins Innere +des Berges fortsetzten, dann aber mit einer Felswand +ein Ende hatten.</p> + +<p>Ich hatte während meiner Anwesenheit in Siuah nie +davon gesprochen, den Ort selbst besuchen zu wollen, ich +wusste, wie empfindlich früheren Reisenden gegenüber +die Bewohner in diesem Punkte gewesen waren. Und +wenn man vom mohammedanischen Standpunkte aus das +Haus als etwas Heiliges, für Fremde Unzugängliches betrachtet, +wird man das auch ganz natürlich finden. Nun +ist aber Siuah selbst so zu sagen ein einziges Haus. +Der konische Berg, aus dem es besteht, ist seit 1000 +Jahren so eng überbaut worden, dass die Häuser<i> ein</i> +<a id="page-140"></a><span class="pgnum">140</span>Ganzes bilden und alle eine Höhe von drei Stockwerken +erreicht haben; wo nur noch Platz war, hat man gebaut, +so dass sogar die Strasse mit Ausnahme einiger nach +oben gelassener Luftlöcher ganz überbaut ist.</p> + +<p>Als nun aber Hammed mich in den letzten Tagen +fragte, ob ich noch etwas zu sehen wünschte, und ich +erwiederte, ich glaubte Alles gesehen zu haben, während +doch mein Blick, der auf Siuah ruhte, das Gegentheil +verrieth, sagte er von selbst: „Ja, mit Ausnahme des +Ortes, wenn Du aber hinein willst, will ich gleich ausrufen +die Thüren zuzuhalten und die Weiber einzusperren.“ +Man kann sich denken, mit welcher Freude ich +den Vorschlag annahm, zumal nach den Erkundigungen +St. Johns alte Baureste in Siuah sein sollten. Man +hatte schnell die Frauen unter Schloss gelegt, und durch +eine der vielen Thüren gelangten wir unter einem Hause +durch bald in die grosse, aber auch überdachte Strasse, +welche sich schneckenhausartig um den Berg bis fast +nach oben hinaufzieht. Indess war es doch noch hell +genug, um ohne Licht oder Fackel gehen zu können, +manchmal aber die Strasse so niedrig, dass Achtung +gerufen wurde, um nicht mit dem Kopf anzustossen. +Von dieser grossen Strasse liefen radienförmig Gänge +aus, nach aussen und innen. Mit Ausnahme der durch +den Fels getriebenen Brunnen, es giebt deren vier in +Siuah, welche davon zeugen, dass auch im hohen Alterthum +dieser Punkt der Oase schon stark bewohnt war, +<a id="page-141"></a><span class="pgnum">141</span>ist indess nichts von altem Mauerwerk vorhanden. Oben +am Ende der Spirale, denn das war die Strasse, angekommen, +fand ich ein Haus; der Besitzer, ein alter Mann, +war aber auch freundlich genug mich einzuladen, und +bald befand ich mich auf dem Dache des höchsten Hauses +von Siuah, hatte von hier aus den Blick auf alle +Dächer, welche, wie Stufen nach unten abfielen. Ein +herrlicher Rundblick eröffnete sich hier auf den Amelal-Felsen, +auf das steile nördliche Ufer, auf die Palmgärten, +auf Dj. Muta, Agermi und Umma beida, und nach Süden +auf die endlose Fläche der Sahara. Dem alten Manne +gab ich denn ein mehr als reichliches Bakschisch, das +wird aber künftigen Reisenden auch wieder die Thür +öffnen. Wenn ich somit in Siuah selbst auch nur ein +negatives Resultat erlangt hatte, nämlich constatiren zu +können, dass hier keine Ruinen irgendwelcher Art vorhanden +sind, so bestätigt das andererseits um so mehr, +in den auf Agermi vorhandenen Ruinen den grossen +Tempel und die Akropolis mit vollem Rechte zu erkennen.</p> + +<p>Während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes hatten +sowohl die Schichs der Lifaya, als auch die der +Rharbyin gewetteifert mir ihre Dienste anzubieten, und +um sich selbst herauszustreichen, hielten sie es fürs Beste +sich gegenseitig zu verleumden. Ich hielt mich mit allen +gut, Hammed aber, der sich gegen mich am uneigennützigsten +und aufrichtigsten gezeigt hatte, beschenkte +<a id="page-142"></a><span class="pgnum">142</span>ich mit einem schönen weissseidenen Ueberwurf, einer +Djibba oder Djelaba, welche von einem Stück angefertigt +worden war, das von den in Tripolis verfertigten +Burnussen für den Sultan von Bornu übrig geblieben +war; aber auch alle Uebrigen wurden reichlich bedacht, +um sie in ihren guten Gesinnungen gegen uns Europäer +zu erhalten.</p> + +<p>Und dann wurden am 11. Mai die Kameele vorgetrieben, +beladen, und in Begleitung sämmtlicher Schichs +und vieler Bekannten, während alles Volk auf der Strasse +war, verliessen wir die Mestah oder den Dattelhof, und +riefen den Siuahnern ein Allah ihennikum zu.</p> + +<hr/> + + + + + +<h2>Von der Ammons-Oase nach Egypten.</h2> + + +<p>Wir zogen selben Tages nur bis zum unfernen Agermi, +von einer grossen Menge Leute aus Siuah begleitet. +Zum letzten Male ging es nun vorbei an jenen sprudelnden +Quellen, an jenen immer grünen Gärten. So +mochten vor tausenden von Jahren auch die Pilgerschaaren +heimgezogen sein, welche gekommen waren, um sich +Rath und Frieden für das Gemüth zu holen. Seitdem +die christliche Religion einzog, ging das Ansehn des +Orakels der Ammonier unter, seit die Schwesterreligion +des Islam sich festsetzte, wurde Alles, was daran erinnerte, +vernichtet. Wenn ich daran denke, wie Mohammedaner +<a id="page-143"></a><span class="pgnum">143</span>und Christen es sich haben angelegen sein lassen, +die Tempel und Gotteshäuser der Heiden einzureissen +zur Ehre Gottes, und dann lese: (Ausland Nr. 18, +1870) „Zu solchen Stätten haben wir gewiss in erster +Linie auch die altchristlichen Kirchen Roms zu zählen, +jene ersten Gotteshäuser, welche die ewige Stadt mit +ihren zahllosen Tempeln im weiten Umkreise umgebend, +ihr<i> mildes Licht</i> in die Nacht des versinkenden Heidenthums +hineinleuchten liessen, so fragte ich unwillkürlich, +ob es Ironie oder Wahrheit sei. Ich dachte mir, +hat man mit den Verdammungsartikeln, welche man 1870 +vom St. Peter zur Ehre und Liebe Gottes schleudert, noch +nicht genug. Klingt es in der That nicht, wie eine +Parodie, wenn man im Jahre 1870 noch von der Liebe +und Milde einer christlichen oder semitischen Religion +redet, die allerdings Liebe und Demuth predigt, deren +Lehren aber nun seit Tausenden von Jahren nur Schwert, +Inquisition, Hexenprocesse und Verdammungsurtheile zur +Folge haben.—Alexander d. Gr. liess sich im Tempel +des Ammon doch nur zum Sohne Gottes proclamiren, +der heilige Vater im St. Peter aber lässt sich im Jahre +1870 zum Gotte selbst ausrufen.</p> + +<p>Wir waren bald am Fusse der alten Akropolis und +schlugen unsere Zelte im Schatten der Dattelbäume +nordwärts von Agermi. Alle Bewohner halfen aufs Freundlichste, +so dass wir rasch damit fertig wurden. Ich besuchte +sodann noch den Schich von Agermi, den grossen +<a id="page-144"></a><span class="pgnum">144</span>Tempel, machte dem kleinen Tempel einen Abschiedsbesuch +und setzte mich an den Sonnenquell. Hier kam +dann noch eine Deputation Lifaya, um sich speciell zu +verabschieden, und kehrte sodann nach unserem Lager +zurück. Der Schich von Agermi und andere Vornehme +des Ortes erwarteten mich, damit ich mit ihnen käme, +um Nachts auf der Burg zu schlafen. Auf meine Antwort, +ich zöge es vor, in meinem Zelte zu schlafen (schon +der Reinlichkeit halber, da die Siuahner, weil in der +Wüste allerdings ohne Flöhe, aber keineswegs ohne sonstiges +Ungeziefer sind), sagten sie, es sei gefährlich, die +Lifaya würden kommen, um mich zu ermorden, und die +Schuld würde dann auf sie zurückfallen. Aber auch +dies konnte mich nicht bewegen, ich erwiederte einfach, +ich könne nicht glauben, dass, da ich so lange Gast der +Lifaya gewesen, diese schliesslich ihren Gast ermorden +würden.</p> + +<p>Als die Agermi-Bewohner so sahen, dass nichts auszurichten +war, beschlossen sie eine starke Wache bei +meinem Zelte zu stellen. Vorher jedoch kam eine grosse +Diffa (Gastmahl) von Schich Mohammed Djari, die um +so mehr Hülle und Fülle hatte, als es galt, mit einem +Schlage die Gastfreundschaft der Siuahner auszustechen +und zwar in ihrer Gegenwart, denn eine Menge Leute +vom ersten Orte wollten auch noch die letzte Nacht in +unserer Nähe verbringen. So war denn auch an Schlafen +nicht zu denken, die Wache, die vielen Freiwilligen hatten +<a id="page-145"></a><span class="pgnum">145</span>so viel zu plaudern, zu singen und zu scherzen, dass +auch wir fast die ganze Nacht an der Seite eines kleinen +glimmenden Feuers zubrachten, welches nicht dazu +diente, die Kälte zu vermindern, denn es war eine der +schönsten Sommernächte, sondern um den Taback für +die Raucher anzuzünden, und um von Zeit zu Zeit eine +Tasse Kaffee zu kochen, womit ich die Ammonier +tractirte.</p> + +<p>Mit anbrechendem Morgen ging es dann fort, alle +Bewohner riefen uns ihr Lebewohl nach und nur noch +von Einzelnen begleitet, waren wir denn bald aus den +eigentlichen Gärten dieser reizenden Oase heraus. Der +Weg<a id="FNA-48" href="#FN-48"><sup>48</sup></a> bot am ganzen Tage nichts irgend Bemerkenswerthes; +wir sahen die Rinderheerde der Oasenbewohner +ohne Hirten in einem Sebcha, wo etwas Grün war, weiden, +und fragten uns, wozu solche erbärmliche Thiere +nützen dürften, und lagerten Abends nach einem ziemlich +anstrengenden Marsche südlich vom Plateau.</p> + +<p><a id="page-146"></a><span class="pgnum">146</span>Dieser Lagerplatz im u. Mohemen gelegen, befand +sich gewissermaassen am oberen Kopfende des Uadi, +das nach der Oase Lebak führt, welche südlich von Siuah +gelegen, jedoch unbewohnt ist. In der Entfernung sahen +wir Palmen, die jedoch nach Aussage unseres Führers +ohne Herrn sein sollen. Die Lebaker Palmen werden +von den Siuahnern eingeheimst.</p> + +<p>Schon um 4½ Uhr brachen wir am anderen Tage +in nordöstl. Richtung auf; brauchten, um aus dem Mohemen-Thale +herauszukommen, noch eine Stunde, und erstiegen +dann eine in die Depression hineinragende Halbinsel, +deren Abhang nach N.-W. zu der Nokb el Modjabri +genannt wird, der Rand ist 105 Meter hoch. Je weiter +man nach Osten kommt (die ersten 4 Stunden in N.-O., +die letzten 5 in östl. Richtung), desto mehr hebt sich +der Boden der Halbinsel, so dass Abends an unserem +Lagerplatze das Aneroid 137 Meter zeigt. Da, wo wir +lagerten, mündet auch ein ziemlich betretener von Lebak +nach Um sserir führender Weg ein. Am folgenden Tage +erreichten wir im Nokb el abiod nach einem zweistündigen +Marsche in nordöstl. Richtung den höchsten Punkt der +Halbinsel, kamen dann immer in selber Richtung bleibend +herab, entstiegen einem zweiten Absatz, nokb el +hamar genannt, und ein dritter Absatz brachte uns in +die Hattieh der Oase Um sserir.</p> + +<p>Dies kleine Eiland liegt unmittelbar südlich vom +libyschen Plateau. Wir fanden auch hier eine überaus +<a id="page-147"></a><span class="pgnum">147</span>freundliche Aufnahme, schlugen aber ebenfalls aus, auf +dem Orte selbst zu wohnen, sondern schlugen unser Zelt +unter den Palmen auf. Um sserir oder auch Gara genannt, +liegt wie Agermi auf einem Felsblocke. Im Ganzen +werden höchstens 300 Einwohner hier sein, alle +sahen sehr dürftig aus. Der Ort selbst hat heute durchaus +keine Ueberbleibsel von alten Bauten, obschon nicht +bezweifelt werden kann, dass auch die Alten hier eine +Ansiedelung hatten. Einige alte römische Münzen aus +der Zeit der Kaiser, die ich hier sammeln konnte, bestätigen +dies. Die Oase selbst ist ebenso wasserreich im +Verhältnisse, wie die des Ammon, aber nur eine Quelle +Um sserir el gotara enthält trinkbares Wasser, alles +andere ist brakisch. Die Bewohner scheinen sehr faul +zu sein, und ihr Dasein mit Lakbitrinken zu verbringen. +Von hier führt ein näherer Weg als von Siuah nach der +südlich von Um sserir gelegenen, unbewohnten Oase +Dorha. Nach den übereinstimmenden Aussagen der Bewohner +von Um sserir bietet diese Oertlichkeit keine +Ruinen oder Spuren ehemaliger Besiedlung, die phantasiereichen +Aussagen der Bewohner Siuahs gegen Hamilton +und mich beruhen daher wohl auf Unwahrheiten; +alles Merkwürdige soll sich auf einige sonderbar geformte +Felsblöcke beziehen.</p> + +<p>Wir setzten daher unseren Weg fort und machten +am Aufbruchstage 11 Stunden in 80° Richtung. Es ist +ein Irrthum, wenn auf den Karten verschiedene Wege +<a id="page-148"></a><span class="pgnum">148</span>verzeichnet sind, es ist hier nur Ein Weg, südlich vom +Plateau, und dass der Reisende in der Sahara nicht +reisen kann, wie er<i> will</i>, ist eine bekannte Thatsache, +er muss immer dem Karawanenwege folgen. Die Depression +wird nun gegen Osten hin merklich tiefer, und +erreicht wahrscheinlich in den Natronseen den tiefsten +Punkt; die Gegend ist sonst vollkommne Sserir. Man +passirt den Bir bel Geradi mit stark purgirendem Wasser, +und erreicht dann die Brunnen Mkemen und Morhara, +die beide ausgezeichnetes Wasser haben. Hier +stiessen wir wieder auf eine grosse von Kairo kommende +Karawane.</p> + +<p>Hier trennt sich denn auch der Weg nach dem +Meere und Alexandrien von dem nach Kairo; da unser +Führer von Djalo behauptete den Weg nach Alexandrien +nicht zu kennen, so übernahm ich selbst von Morhara +die Führerschaft und nun ging es in nordöstl. Richtung +dem Plateau entgegen. Nach 4 Stunden war dies denn +auch erreicht und wir somit aus der libyschen Wüste +heraus. Zwei andere Tage brachten uns über die krautreiche +Hochebene, wo uns rechts und links der Anblick +weidender Schafheerden erfreute, nach dem Bir Hamman +und der darauf folgende Tag ans Mittelmeer selbst.</p> + +<p>An der Küste entlang ziehend, erreichten wir dann +Alexandrien, vierzehn Tage nachdem wir von Agermi, +der alten Akropolis des Ammonium aufgebrochen waren.</p> + +<hr class="front"/> + + +<table> +<colgroup span="1" /> +<colgroup span="4" /> +<colgroup span="4" /> +<colgroup span="4" /> +<colgroup span="4" /> +<colgroup span="8" /> +<colgroup span="4" /> +<colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1868</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörter</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>Decbr.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> +<tr> + <td>15</td> + <td colspan="4">Tripolis</td> + <td>769</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>769</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>23</td> + <td>18</td> + <td>73</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>70</td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>16</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>771</td> + <td>770</td> + <td>11</td> + <td>13</td> + <td>23</td> + <td>17</td> + <td>72</td> + <td>72</td> + <td>66</td> + <td>70</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>17</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td>770</td> + <td>769</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>20</td> + <td>16</td> + <td>73</td> + <td>70</td> + <td>66</td> + <td>68</td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>18</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>768</td> + <td>770</td> + <td>769</td> + <td>12</td> + <td>23</td> + <td>18</td> + <td>15</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>66</td> + <td>69</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>19</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td>767</td> + <td>767</td> + <td>8</td> + <td>11</td> + <td>19</td> + <td>17</td> + <td>73</td> + <td>69</td> + <td>57</td> + <td>68</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>20</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>767</td> + <td>764</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>19</td> + <td>15</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>59</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>21</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td>766</td> + <td>10</td> + <td>13</td> + <td>18</td> + <td>12</td> + <td>69</td> + <td>70</td> + <td>57</td> + <td>70</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>22</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>769</td> + <td>769</td> + <td>768</td> + <td>12</td> + <td>15</td> + <td>19</td> + <td>13</td> + <td>71</td> + <td>69</td> + <td>66</td> + <td>70</td> + <td>SW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td></td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>23</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>10</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>70</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NW</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td></td> + <td></td> + <td>Rein</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>24</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>25</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>26</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>27</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>28</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td>767</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>18</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>54</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>29</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td>769</td> + <td>770</td> + <td></td> + <td></td> + <td>13</td> + <td>173/4</td> + <td></td> + <td></td> + <td>70</td> + <td>54</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>30</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>770</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td></td> + <td>10</td> + <td>13</td> + <td>19</td> + <td></td> + <td>69</td> + <td>68</td> + <td>49</td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>31</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td>765</td> + <td>768</td> + <td></td> + <td></td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td></td> + <td></td> + <td>53</td> + <td>40</td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td></td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td></td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>1869</td> + <td colspan="4"></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>Januar</td> + <td colspan="4"></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>1</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td>770</td> + <td>7</td> + <td>10</td> + <td>18</td> + <td>14</td> + <td>61</td> + <td>61</td> + <td>60</td> + <td>60</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>2</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td>772</td> + <td>772</td> + <td></td> + <td></td> + <td>18</td> + <td>17</td> + <td>71</td> + <td>70</td> + <td>64</td> + <td>65</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>3</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>768</td> + <td>769</td> + <td>15</td> + <td>15</td> + <td>19</td> + <td>14</td> + <td>64</td> + <td>62</td> + <td>41</td> + <td>61</td> + <td>W</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>4</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>766</td> + <td>768</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>13</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>15</td> + <td>68</td> + <td>68</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>5</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>772</td> + <td>772</td> + <td>773</td> + <td>773</td> + <td>14</td> + <td>15</td> + <td>17</td> + <td>15</td> + <td>71</td> + <td>66</td> + <td>67</td> + <td>69</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>NNW</td> + <td>NNW</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Regen</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td class="rem">Den ganzen Tag schauert es.</td> + </tr> + <tr> + <td>6</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>773</td> + <td>774</td> + <td>774</td> + <td>775</td> + <td>12</td> + <td>13</td> + <td>17</td> + <td>15</td> + <td>72</td> + <td>70</td> + <td>60</td> + <td>62</td> + <td>NNW</td> + <td>NNW</td> + <td>NNW</td> + <td>NW</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + </tbody> + </table> + + <table> + <colgroup span="1" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="8" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1869</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörher</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>Januar</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> + <tr> + <td>7</td> + <td colspan="4">Tripolis</td> + <td>775</td> + <td>775</td> + <td>774</td> + <td>774</td> + <td>15</td> + <td>15</td> + <td>18</td> + <td>13</td> + <td>70</td> + <td>60</td> + <td>70</td> + <td>60</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>8</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>774</td> + <td>773</td> + <td>771</td> + <td>770</td> + <td>14</td> + <td>15</td> + <td>17</td> + <td>14</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td class="rem">Die ganze Nacht starker Regen.</td> + </tr> + <tr> + <td>9</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>766</td> + <td>765</td> + <td>768</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>13</td> + <td>12</td> + <td>72</td> + <td>62</td> + <td>62</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>10</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>766</td> + <td>768</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>11</td> + <td>13</td> + <td>69</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>11</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>766</td> + <td>768</td> + <td>766</td> + <td>769</td> + <td>11</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>68</td> + <td>67</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Bedeckt</td> + <td class="rem">Abends 9 Uhr Ende der Regen und<br/>Gewitter.</td> + </tr> + <tr> + <td>12</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>768</td> + <td>770</td> + <td>767</td> + <td>767</td> + <td>8</td> + <td>11</td> + <td>14</td> + <td>12</td> + <td>71</td> + <td>70</td> + <td>62</td> + <td>70</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>13</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>766</td> + <td>768</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>8</td> + <td>10</td> + <td>13</td> + <td>12</td> + <td>73</td> + <td>70</td> + <td>60</td> + <td>71</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>14</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>766</td> + <td>767</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>9</td> + <td>12</td> + <td>18</td> + <td>14</td> + <td>74</td> + <td>65</td> + <td>60</td> + <td>70</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>15</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>16</td> + <td>13</td> + <td>70</td> + <td>71</td> + <td>60</td> + <td>70</td> + <td>S</td> + <td>SW</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td class="rem">Die ganze Nacht Regen.</td> + </tr> + <tr> + <td>16</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>760</td> + <td></td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>14</td> + <td>75</td> + <td>73</td> + <td>69</td> + <td>70</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>17</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>762</td> + <td>762</td> + <td>762</td> + <td>762</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>15</td> + <td>12</td> + <td>75</td> + <td>70</td> + <td>69</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>18</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>762</td> + <td>761</td> + <td>761</td> + <td>765</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>15</td> + <td>12</td> + <td>74</td> + <td>74</td> + <td>75</td> + <td>70</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>O</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>19</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>12</td> + <td>13</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>70</td> + <td>56</td> + <td>60</td> + <td>70</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>20</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>763</td> + <td>764</td> + <td>763</td> + <td>761</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>14</td> + <td>10</td> + <td>73</td> + <td>75</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>21</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>760</td> + <td>760</td> + <td>760</td> + <td>764</td> + <td>8</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>11</td> + <td>72</td> + <td>75</td> + <td>70</td> + <td>71</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Wolkenbruch</td> + <td>Regen</td> + <td class="rem">Um Mitternacht Wolkenbruch mit<br/>Hagel.</td> + </tr> + <tr> + <td>22</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>764</td> + <td>766</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>8</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>12</td> + <td>71</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>23</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>762</td> + <td>761</td> + <td>7</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>10</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>72</td> + <td>70</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>24</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>751</td> + <td>765</td> + <td></td> + <td></td> + <td>7</td> + <td>9</td> + <td></td> + <td></td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td></td> + <td></td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td></td> + <td></td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td></td> + <td></td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>25</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>26</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>27</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>28</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>29</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>30</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + </tbody> + </table> + + <table> + <colgroup span="1" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="8" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1869</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörther</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>Januar</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> + <tr> + <td>31</td> + <td colspan="4">Tripolis</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td colspan="2"></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>Febr.</td> + <td colspan="4"></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>1</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>2</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>3</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>4</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>775</td> + <td>776</td> + <td>774</td> + <td>776</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>18</td> + <td>10</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>5</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>776</td> + <td>777</td> + <td>777</td> + <td>777</td> + <td>8</td> + <td>13</td> + <td>18</td> + <td>12</td> + <td>70</td> + <td>55</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>6</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>777</td> + <td>777</td> + <td>777</td> + <td>776</td> + <td>12</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>10</td> + <td>71</td> + <td>60</td> + <td>52</td> + <td>70</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>7</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>776</td> + <td>777</td> + <td>777</td> + <td>776</td> + <td>8</td> + <td>15</td> + <td>20</td> + <td>12</td> + <td>70</td> + <td>60</td> + <td>49</td> + <td>65</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>8</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>775</td> + <td>775</td> + <td>774</td> + <td>774</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>12</td> + <td>70</td> + <td>67</td> + <td>62</td> + <td>65</td> + <td>N</td> + <td>NNW</td> + <td>NW</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>9</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>773</td> + <td>774</td> + <td>774</td> + <td>773</td> + <td>9</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>10</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>60</td> + <td>65</td> + <td>N</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>10</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>774</td> + <td>774</td> + <td>775</td> + <td>776</td> + <td>9</td> + <td>12</td> + <td>18</td> + <td>15</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>62</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem">Zwischen 5 bis 7 Uhr Nachmittags<br/>sehr wolkig um 2 W.-Wind.</td> + </tr> + <tr> + <td>11</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>776</td> + <td>776</td> + <td>776</td> + <td>775</td> + <td>14</td> + <td>15</td> + <td>20</td> + <td>14</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>71</td> + <td>70</td> + <td>NW</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>Hauf.-​Wolk.</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>12</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>775</td> + <td>774</td> + <td>772</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>12</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>63</td> + <td>69</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>13</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>770</td> + <td>769</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>14</td> + <td>70</td> + <td>63</td> + <td>60</td> + <td>68</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>14</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>766</td> + <td>766</td> + <td>766</td> + <td>765</td> + <td>8</td> + <td>15</td> + <td>20</td> + <td>14</td> + <td>72</td> + <td>62</td> + <td>59</td> + <td>60</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>15</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>763</td> + <td>762</td> + <td>760</td> + <td>764</td> + <td>7</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td></td> + <td>72</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>16</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>17</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>18</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>19</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>773</td> + <td>774</td> + <td>773</td> + <td>773</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>12</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>60</td> + <td>70</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>20</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>769</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>12</td> + <td>13</td> + <td>19</td> + <td>15</td> + <td>72</td> + <td>64</td> + <td>58</td> + <td>70</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>21</td> + <td colspan="4">Mittelmeer</td> + <td>768</td> + <td>767</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>14</td> + <td>70</td> + <td>65</td> + <td>61</td> + <td>69</td> + <td>SW</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Staub</td> + <td>Staub</td> + <td>Staub</td> + <td>Staub</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>22</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>769</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>15</td> + <td>73</td> + <td>68</td> + <td>60</td> + <td>70</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Staub</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + </tbody> + </table> + + <table> + <colgroup span="1" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="8" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1869</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörther</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>Febr.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> + <tr> + <td>23</td> + <td colspan="4">Mittelmeer</td> + <td>768</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>14</td> + <td>74</td> + <td>68</td> + <td>62</td> + <td>72</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>24</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>770</td> + <td>771</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>8</td> + <td>12</td> + <td>18</td> + <td>14</td> + <td>73</td> + <td>69</td> + <td>59</td> + <td>70</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>25</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>772</td> + <td>773</td> + <td>772</td> + <td>775</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>16</td> + <td>72</td> + <td>68</td> + <td>58</td> + <td>71</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>26</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>775</td> + <td>772</td> + <td>773</td> + <td>771</td> + <td>10</td> + <td>13</td> + <td>18</td> + <td>15</td> + <td>74</td> + <td>69</td> + <td>58</td> + <td>73</td> + <td>ONO</td> + <td>ONO</td> + <td>ONO</td> + <td>ONO</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>27</td> + <td colspan="4">Bengasi</td> + <td>771</td> + <td>770</td> + <td>771</td> + <td>771</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>16</td> + <td>74</td> + <td>65</td> + <td>56</td> + <td>69</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>28</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>768</td> + <td>9</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>14</td> + <td>70</td> + <td>64</td> + <td>60</td> + <td>69</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>März</td> + <td colspan="4"></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>1</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>764</td> + <td>763</td> + <td>760</td> + <td>8</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>9</td> + <td>73</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>74</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>2</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>759</td> + <td>759</td> + <td>757</td> + <td>757</td> + <td>9</td> + <td>12</td> + <td>15</td> + <td>10</td> + <td>74</td> + <td>74</td> + <td>70</td> + <td>73</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td></td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Wolkig</td> + <td>Regen u. Bedeckt</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>3</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>757</td> + <td>756</td> + <td>753</td> + <td>754</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>16</td> + <td>74</td> + <td>64</td> + <td>60</td> + <td>66</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>S</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Staubig</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>4</td> + <td>do.</td> + <td>do.</td> + <td>Weg</td> + <td>(Kafes) Thuil</td> + <td>754</td> + <td>754</td> + <td>753</td> + <td>753</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>18</td> + <td>14</td> + <td>70</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>SO</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>Rein</td> + <td>Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>5</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Tokra</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>763</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>73</td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>W</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>6</td> + <td colspan="4">Tokra</td> + <td>763</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>8</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>14</td> + <td>73</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Abwechs. Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>7</td> + <td>Tokra</td> + <td>Weg</td> + <td>Sisi</td> + <td>Chaluf</td> + <td>762</td> + <td>761</td> + <td>761</td> + <td>761</td> + <td>7</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>12</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>8</td> + <td>Sidi Chaluf</td> + <td>Weg</td> + <td>Ptolemais</td> + <td>Ptolemais</td> + <td>762</td> + <td>763</td> + <td>763</td> + <td>764</td> + <td>7</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>10</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>9</td> + <td colspan="4">Ptolemais</td> + <td>764</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>5</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>8</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>SO</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>SW</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem">Der Sturm fing nachts um 12 Uhr an.</td> + </tr> + <tr> + <td>10</td> + <td colspan="4">Tolmetta</td> + <td>762</td> + <td>760</td> + <td>759</td> + <td>758</td> + <td>7</td> + <td>12</td> + <td>19</td> + <td>12</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>3</td> + <td>4</td> + <td>4</td> + <td>4</td> + <td>Staubig</td> + <td>Staubig</td> + <td>Staubig</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>11</td> + <td>Tolmetta</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Mrsihd</td> + <td>757</td> + <td></td> + <td></td> + <td>727</td> + <td>12</td> + <td>15</td> + <td>20</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt u. etw. Regen</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt u. etw. Regen</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>12</td> + <td>Mrsihd</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Megade</td> + <td>727</td> + <td></td> + <td></td> + <td>727</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>32</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td class="rem">Nachts 12 Uhr starkes Gewitter und<br/>Regen.</td> + </tr> + <tr> + <td>13</td> + <td>Megade</td> + <td>Weg</td> + <td>Beni</td> + <td>Gedani</td> + <td>722</td> + <td></td> + <td>714</td> + <td>715</td> + <td>12</td> + <td>15</td> + <td>20</td> + <td>6</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt u. Schleier</td> + <td>Wolkig u. Schleier</td> + <td>Gewitter u. Regen</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>14</td> + <td>Beni Gedani</td> + <td></td> + <td></td> + <td>Djenin</td> + <td>715</td> + <td></td> + <td></td> + <td>705</td> + <td>5</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>3</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>SW</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>15</td> + <td>Djenin</td> + <td>Weg</td> + <td>Cyrene</td> + <td>Cyrene</td> + <td>705</td> + <td></td> + <td>707</td> + <td>706</td> + <td>1</td> + <td></td> + <td>14</td> + <td>9</td> + <td></td> + <td></td> + <td>52</td> + <td>60</td> + <td>S</td> + <td>X</td> + <td>S</td> + <td>SW</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem">In der Sonne 21.</td> + </tr> + <tr> + <td>16</td> + <td>Cyrene</td> + <td>Battusstrasse</td> + <td>Battusstrasse</td> + <td></td> + <td>701</td> + <td>701</td> + <td>704</td> + <td>705</td> + <td>2</td> + <td>14</td> + <td>15</td> + <td>5</td> + <td>62</td> + <td>58</td> + <td>50</td> + <td>68</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>3</td> + <td>4</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>SM</td> + <td>SM</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td class="rem">Battustrasse etwas höher als die<br/>Apolloquelle.</td> + </tr> + <tr> + <td>17</td> + <td>Battusstrasse</td> + <td>Cyrene</td> + <td>Cyrene</td> + <td></td> + <td>704</td> + <td>707</td> + <td>709</td> + <td>709</td> + <td>5</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>6</td> + <td>70</td> + <td>70</td> + <td>69</td> + <td>71</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>4</td> + <td>4</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + </tbody> + </table> + + <table> + <colgroup span="1" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="8" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1869</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörther</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>März</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> + <tr> + <td>18</td> + <td colspan="3">Cyrene, östl. Necropolis</td> + <td></td> + <td>709</td> + <td>709</td> + <td>710</td> + <td>710</td> + <td>5</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>7</td> + <td>70</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>19</td> + <td colspan="3">Necropolis Cyrene</td> + <td></td> + <td>708</td> + <td>708</td> + <td>707</td> + <td>707</td> + <td>6</td> + <td>12</td> + <td>14</td> + <td>8</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Regen u. Gewitter</td> + <td>Regen u. Gewitter</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>20</td> + <td>Necropol. Cyrene</td> + <td></td> + <td>Gasr-</td> + <td>Gaigab</td> + <td>707</td> + <td>705</td> + <td>695</td> + <td>698</td> + <td>5</td> + <td>9</td> + <td>12</td> + <td>7</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>2</td> + <td>4</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td>Regen</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>21</td> + <td colspan="2">Kasr</td> + <td colspan="2">Gaigab</td> + <td>697</td> + <td>697</td> + <td>695</td> + <td>698</td> + <td>2</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>7</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>O</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>22</td> + <td colspan="2">Kasr</td> + <td colspan="2">Gaigab</td> + <td>698</td> + <td>698</td> + <td>698</td> + <td>697</td> + <td>4</td> + <td>10</td> + <td>14</td> + <td>8</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>23</td> + <td>Gaigab</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Slantia</td> + <td>698</td> + <td></td> + <td></td> + <td>688</td> + <td>6</td> + <td>15</td> + <td>20</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>4</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Schmutzig</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>24</td> + <td>Slantia</td> + <td>Weg</td> + <td colspan="2">Maraua</td> + <td>687</td> + <td></td> + <td>714</td> + <td>716</td> + <td>4</td> + <td>10</td> + <td>12</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>SSW</td> + <td>SW</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>25</td> + <td>Maraua</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Djerdes</td> + <td>715</td> + <td></td> + <td></td> + <td>704</td> + <td>7</td> + <td>9</td> + <td>17</td> + <td>9</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>26</td> + <td>Djerdes</td> + <td>des</td> + <td>Weg</td> + <td>Biar</td> + <td>705</td> + <td></td> + <td></td> + <td>732</td> + <td>2</td> + <td>17</td> + <td>23</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>27</td> + <td>Biar</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Bengasi</td> + <td>732</td> + <td></td> + <td></td> + <td>761</td> + <td>10</td> + <td>15</td> + <td>22</td> + <td>15</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>28</td> + <td colspan="4">Bengasi</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>26</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>X</td> + <td>Staubig</td> + <td>Staubig</td> + <td>Staubig</td> + <td>Staubig</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>29</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>759</td> + <td>758</td> + <td>755</td> + <td>755</td> + <td>20</td> + <td>20</td> + <td>23</td> + <td>18</td> + <td>60</td> + <td>57</td> + <td>53</td> + <td>68</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Staubig</td> + <td>Schleier</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>30</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>757</td> + <td>759</td> + <td>759</td> + <td>760</td> + <td>15</td> + <td>19</td> + <td>23</td> + <td>17</td> + <td>72</td> + <td>64</td> + <td>49</td> + <td>60</td> + <td>N</td> + <td>NO</td> + <td>O</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>31</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>762</td> + <td>764</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>24</td> + <td>16</td> + <td>68</td> + <td>60</td> + <td>50</td> + <td>60</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>April</td> + <td colspan="4"></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>1</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>762</td> + <td>762</td> + <td>760</td> + <td>761</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>20</td> + <td>16</td> + <td>59</td> + <td>58</td> + <td>42</td> + <td>62</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Schleier</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>2</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>755</td> + <td>754</td> + <td>755</td> + <td>753</td> + <td>15</td> + <td>18</td> + <td>30</td> + <td>18</td> + <td>50</td> + <td>43</td> + <td>24</td> + <td>48</td> + <td>SO</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>3</td> + <td>4</td> + <td>3</td> + <td>X</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Staubig</td> + <td>Staubig</td> + <td>Schleier</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>3</td> + <td colspan="2">Bengasi</td> + <td colspan="2">Ksebéah</td> + <td>756</td> + <td>755</td> + <td>754</td> + <td>754</td> + <td>14</td> + <td>19</td> + <td>22</td> + <td>14</td> + <td>62</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Hf.-Wolken u. Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>4</td> + <td>Ksebéah</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>el Hussein</td> + <td>757</td> + <td>758</td> + <td>759</td> + <td>759</td> + <td>12</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>12</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Hf.-Wolken u. Regen</td> + <td>Hf.-Wolken u. Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>5</td> + <td>el Hussein</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Djelid</td> + <td>761</td> + <td>763</td> + <td>764</td> + <td>763</td> + <td>8</td> + <td>19</td> + <td>26</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>6</td> + <td>Djelid</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Ferssi</td> + <td>762</td> + <td>760</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>8</td> + <td>24</td> + <td>32</td> + <td>18</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>O</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Staubig</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>7</td> + <td>Ferssi</td> + <td>Weg</td> + <td>Schadábia</td> + <td>Schadábia</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>765</td> + <td>764</td> + <td>10</td> + <td>16</td> + <td>20</td> + <td>15</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>4</td> + <td>4</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Bedeckt u. Regen</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Regen u. Sturm</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>8</td> + <td>Schadábia</td> + <td>Schadábia</td> + <td>Weg</td> + <td>Chor Ssofan</td> + <td>763</td> + <td>761</td> + <td>758</td> + <td>759</td> + <td>8</td> + <td>12</td> + <td>22</td> + <td>12</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>4</td> + <td>4</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Regen u. Sturm</td> + <td>Regen u. Sturm</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>9</td> + <td>Chor Ssofan</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Thuil</td> + <td>761</td> + <td>762</td> + <td>765</td> + <td>762</td> + <td>12</td> + <td>15</td> + <td>25</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NNW</td> + <td>NNW</td> + <td>NNW</td> + <td>NNW</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Regen</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + </tbody> + </table> + + + <table> + <colgroup span="1" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="8" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1869</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörther</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>April</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> + <tr> + <td>10</td> + <td>Thuil</td> + <td>Weg</td> + <td>BirRessam</td> + <td>Gor-n-Nus</td> + <td>762</td> + <td>768</td> + <td>772</td> + <td>772</td> + <td>8</td> + <td>18</td> + <td>26</td> + <td>14</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>NNW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>11</td> + <td>Gor-n-Nus</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Meschtèret</td> + <td>773</td> + <td>772</td> + <td>770</td> + <td>769</td> + <td>8</td> + <td>19</td> + <td>26</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>O</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>12</td> + <td>Muschtèret</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Audjila</td> + <td>769</td> + <td>772</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>9</td> + <td>18</td> + <td>28</td> + <td>22</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>52</td> + <td>SO</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>13</td> + <td colspan="4">Audjila</td> + <td>767</td> + <td>770</td> + <td>767</td> + <td>768</td> + <td>12</td> + <td>23</td> + <td>25</td> + <td>23</td> + <td>50</td> + <td>42</td> + <td>20</td> + <td>21</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>14</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>767</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td>12</td> + <td>20</td> + <td>26</td> + <td>20</td> + <td>29</td> + <td>29</td> + <td>23</td> + <td>29</td> + <td>X</td> + <td>SO</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>15</td> + <td>Audjila</td> + <td></td> + <td>Weg</td> + <td>Djalo</td> + <td>765</td> + <td></td> + <td></td> + <td>765</td> + <td>10</td> + <td>20</td> + <td>26</td> + <td></td> + <td>39</td> + <td></td> + <td></td> + <td>40</td> + <td>N</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>16</td> + <td colspan="4">Djalo</td> + <td>763</td> + <td>767</td> + <td>764</td> + <td>763</td> + <td>12</td> + <td>23</td> + <td>26</td> + <td>22</td> + <td>56</td> + <td>40</td> + <td>25</td> + <td>26</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>S</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>17</td> + <td>Djalo</td> + <td>Weg</td> + <td>uadi</td> + <td></td> + <td>763</td> + <td></td> + <td>763</td> + <td>761</td> + <td>20</td> + <td>24</td> + <td>30</td> + <td>23</td> + <td>40</td> + <td></td> + <td>9</td> + <td>10</td> + <td>SSW</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>SSO</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>18</td> + <td colspan="4">uadi</td> + <td>757</td> + <td>761</td> + <td>760</td> + <td>759</td> + <td>16</td> + <td>25</td> + <td>30</td> + <td>24</td> + <td>14</td> + <td>10</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>SSO</td> + <td>SSW</td> + <td>SW</td> + <td>S</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td><sup>1</sup></td> + <td>1</td> + <td>Schmutzig</td> + <td colspan="2">Alles Staub</td> + <td>Schmutz</td> + <td class="rem"><sup>1</sup>Um 12 Uhr Orkan S aus SSW, Alles<br/>Staubmeer.</td> + </tr> + <tr> + <td>19</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>756</td> + <td>760</td> + <td>756</td> + <td>756</td> + <td>20</td> + <td>28</td> + <td>33</td> + <td>24</td> + <td>5</td> + <td>4</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>S</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>SSO</td> + <td>2</td> + <td>4</td> + <td><sup>2</sup></td> + <td>3</td> + <td>Schmutzig</td> + <td colspan="3">Alles ein Staubmeer</td> + <td class="rem"><sup>2</sup>Um 12 Uhr Orkan S aus SSO, Alles<br/>Staubmeer.</td> + </tr> + <tr> + <td>20</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>756</td> + <td>759</td> + <td>760</td> + <td>763</td> + <td>14</td> + <td>22</td> + <td>20</td> + <td>18</td> + <td>15</td> + <td>17</td> + <td>25</td> + <td>26</td> + <td><sup>3</sup>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>3</td> + <td>5</td> + <td>4</td> + <td><sup>4</sup></td> + <td>Schmutzig</td> + <td colspan="2">Wolkig oben und Staub unten</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>3</sup>Mit untergehenden Monde ging der<br/>Wind Nachts 12 Uhr + nach NW um.</td> + </tr> + <tr> + <td>21</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>763</td> + <td>765</td> + <td>766</td> + <td>764</td> + <td>12</td> + <td>20</td> + <td>25</td> + <td>14</td> + <td>38</td> + <td>36</td> + <td>25</td> + <td>28</td> + <td>NW</td> + <td>NNW</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td><sup>5</sup></td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>4</sup>Um 5 Uhr Abends war heiterer Himmel,<br/>das Aneroid + stieg von Mittag an,<br/>denn die Fluth um 9 Uhr ist<br/>nicht zu zählen.</td> + </tr> + <tr> + <td>22</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>763</td> + <td>766</td> + <td><sup>6</sup>766</td> + <td>765</td> + <td>14</td> + <td>18</td> + <td>25</td> + <td>14</td> + <td>33</td> + <td>29</td> + <td>25</td> + <td>23</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Einige Hf-Wolk.</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>5</sup>Um 1 Uhr Morgens fiel der Wind<br/>gänzlich.</td> + </tr> + <tr> + <td>23</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td>765</td> + <td>764</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>34</td> + <td>13</td> + <td>34</td> + <td>30</td> + <td>29</td> + <td>29</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>6</sup>Um 11 Uhr Vormittags was das<br/>Aneroid 768.</td> + </tr> + <tr> + <td>24</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>763</td> + <td>763</td> + <td>764</td> + <td>761</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>24</td> + <td>20</td> + <td>33</td> + <td>17</td> + <td>6</td> + <td>15</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>W</td> + <td>NW</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Feder-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>25</td> + <td colspan="2">uadi</td> + <td>Weg</td> + <td>Msuan</td> + <td>760</td> + <td>765</td> + <td></td> + <td>761</td> + <td>14</td> + <td>20</td> + <td>22</td> + <td>18</td> + <td>22</td> + <td></td> + <td></td> + <td>30</td> + <td>NNW</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>26</td> + <td>Msuan</td> + <td></td> + <td></td> + <td>Ismael</td> + <td>758</td> + <td></td> + <td></td> + <td>763</td> + <td>13</td> + <td>18</td> + <td>22</td> + <td>16</td> + <td><sup>7</sup>50</td> + <td></td> + <td></td> + <td>25</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>7</sup>Mittags hat es gethauet.</td> + </tr> + <tr> + <td>27</td> + <td>Ismael</td> + <td></td> + <td></td> + <td>Gerdobia</td> + <td>758</td> + <td></td> + <td></td> + <td>763</td> + <td>8</td> + <td>20</td> + <td>24</td> + <td>18</td> + <td>35</td> + <td></td> + <td></td> + <td>26</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>W</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>28</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>760</td> + <td>765</td> + <td>763</td> + <td>762</td> + <td>12</td> + <td>20</td> + <td>26</td> + <td>20</td> + <td>30</td> + <td></td> + <td></td> + <td>26</td> + <td>NO</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>O</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Flocken-​Wolken</td> + <td>Flocken-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>29</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>759</td> + <td></td> + <td></td> + <td>760</td> + <td>14</td> + <td>22</td> + <td>28</td> + <td>22</td> + <td>36</td> + <td></td> + <td></td> + <td>25</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td>Schleier</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>30</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>758</td> + <td></td> + <td>760</td> + <td>760</td> + <td>15</td> + <td>22</td> + <td>28</td> + <td>25</td> + <td>33</td> + <td></td> + <td>22</td> + <td>25</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Schmutzig</td> + <td>Staub</td> + <td>Staub</td> + <td>Bedeckt</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>Mai</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>1</td> + <td>Tarfaya</td> + <td></td> + <td colspan="2">Bu Allua</td> + <td>760</td> + <td></td> + <td>763</td> + <td>763</td> + <td>19</td> + <td>25</td> + <td>32</td> + <td>30</td> + <td>27</td> + <td></td> + <td>8</td> + <td>10</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>SO</td> + <td>S</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Schleier</td> + <td>Schleier</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>2</td> + <td colspan="2">Bu Allua</td> + <td colspan="2">Hoësa</td> + <td>763</td> + <td></td> + <td>766</td> + <td>765</td> + <td>21</td> + <td>30</td> + <td>36</td> + <td>30</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td>11</td> + <td>20</td> + <td>S</td> + <td>SO</td> + <td>SO</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>3</td> + <td>4</td> + <td>5</td> + <td><sup>8</sup>Schleier</td> + <td>Staub Bedeckt</td> + <td>Staub Bedeckt</td> + <td>Staub</td> + <td class="rem"><sup>8</sup>Bei Mondesaufgang heftige<br/>Windstösse aus S, vor und + nach<br/>absol. Windstille.</td> + </tr> + </tbody> + </table> + + + <table> + <colgroup span="1" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="8" /> + <colgroup span="4" /> + <colgroup span="1" /> + <thead> + <tr> + <th rowspan="2">1869</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Aufenthaltsörther</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Barometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Thermometer</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Hygrometer</th> + <th colspan="8">Windes-</th> + <th colspan="4" rowspan="2">Himmel</th> + <th rowspan="3">Anmerkungen</th> + </tr> + <tr> + <th colspan="4">Herkunft</th> + <th colspan="4">Stärke</th> + </tr> + <tr> + <th>Mai</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + <th>v.S.A.</th> + <th> 9 </th> + <th> 3 </th> + <th>n.S.U.</th> + </tr> + </thead> + <tbody> + <tr> + <td>3</td> + <td>Hoësa</td> + <td></td> + <td></td> + <td>Gaigab</td> + <td>762</td> + <td></td> + <td>763</td> + <td>763</td> + <td>25</td> + <td>30</td> + <td>38</td> + <td>27</td> + <td>27</td> + <td></td> + <td></td> + <td>20</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>N</td> + <td>4</td> + <td>5</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Staub</td> + <td colspan="2">Alles Staubwolke</td> + <td>Staub</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>4</td> + <td>Gaigab</td> + <td></td> + <td colspan="2">Schiata</td> + <td>763</td> + <td></td> + <td>765</td> + <td>765</td> + <td>22</td> + <td>25</td> + <td>30</td> + <td>20</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td>25</td> + <td>27</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>5</td> + <td colspan="2">Schiata</td> + <td></td> + <td>Maragi</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td></td> + <td>765</td> + <td>16</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td>20</td> + <td>29</td> + <td>27</td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Schleier-​Wolken</td> + <td>Schleier</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>6</td> + <td>Maragi</td> + <td>Chamisa</td> + <td colspan="2">Siua</td> + <td>764</td> + <td>767</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td>15</td> + <td>25</td> + <td>30</td> + <td>25</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>S</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>7</td> + <td colspan="4">Siua</td> + <td>768</td> + <td>768</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td>20</td> + <td>26</td> + <td>29</td> + <td>25</td> + <td>25</td> + <td>25</td> + <td>23</td> + <td>23</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>W</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>8</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>767</td> + <td>768</td> + <td>766</td> + <td>766</td> + <td>17</td> + <td>24</td> + <td>30</td> + <td>25</td> + <td>28</td> + <td>27</td> + <td>20</td> + <td>22</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Schleier</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>9</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>766</td> + <td>767</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>18</td> + <td>25</td> + <td>32</td> + <td>27</td> + <td>23</td> + <td>23</td> + <td>17</td> + <td>17</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>10</td> + <td colspan="4">do.</td> + <td>762</td> + <td>763</td> + <td>762</td> + <td>761</td> + <td>17</td> + <td>26</td> + <td>31</td> + <td>30</td> + <td>25</td> + <td>20</td> + <td>15</td> + <td>18</td> + <td>O</td> + <td>SO</td> + <td>W</td> + <td>NO</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>11</td> + <td colspan="2">Siua</td> + <td colspan="2">Agermi</td> + <td>764</td> + <td>765</td> + <td>764</td> + <td>763</td> + <td>17</td> + <td>24</td> + <td>26</td> + <td>26</td> + <td>27</td> + <td>25</td> + <td></td> + <td></td> + <td>O</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>12</td> + <td>Agermi</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Huemen</td> + <td>765</td> + <td>767</td> + <td>764</td> + <td>764</td> + <td>19</td> + <td>24</td> + <td>26</td> + <td>25</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>13</td> + <td>Huemen</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>764</td> + <td><sup>1</sup></td> + <td></td> + <td>749</td> + <td>20</td> + <td>25</td> + <td>26</td> + <td>25</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>W</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>1</sup>Um 11 Uhr war das Barom. 752.</td> + </tr> + <tr> + <td>14</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td colspan="2">Um es sserir</td> + <td>748</td> + <td><sup>2</sup>Weg</td> + <td>768</td> + <td>765</td> + <td>14</td> + <td>25</td> + <td>28</td> + <td>24</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>NW</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>2</sup>Um 9 hatten wir den höchsten<br/>Punkt erreicht, das + Aneroid 745.</td> + </tr> + <tr> + <td>15</td> + <td colspan="4">Um es sserir</td> + <td>765</td> + <td>768</td> + <td>765</td> + <td>766</td> + <td>15</td> + <td>22</td> + <td>26</td> + <td>22</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>3</td> + <td>3</td> + <td><sup>3</sup>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Schleier-​Wolken</td> + <td class="rem"><sup>3</sup>Morgens hatte es etwas gethauet.</td> + </tr> + <tr> + <td>16</td> + <td>Um es sserir</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>763</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>18</td> + <td>20</td> + <td>28</td> + <td>24</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>O</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>17</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>768</td> + <td>772</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>18</td> + <td>26</td> + <td>36</td> + <td>27</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NO</td> + <td>OSO</td> + <td>S</td> + <td>S</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>2</td> + <td>1</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>18</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>767</td> + <td>773</td> + <td>771</td> + <td>770</td> + <td>21</td> + <td>28</td> + <td>36</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>S</td> + <td>NW</td> + <td>NW</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>5</td> + <td>3</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Staub</td> + <td>Staub</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>19</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Bel Gerady</td> + <td>778</td> + <td>770</td> + <td>770</td> + <td>778</td> + <td>20</td> + <td>24</td> + <td>25</td> + <td>22</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Theils Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>20</td> + <td>Bel Gerady</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>766</td> + <td>765</td> + <td>763</td> + <td>760</td> + <td>16</td> + <td>24</td> + <td>24</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>NO</td> + <td>NO</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>21</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Morhara</td> + <td>Morhara</td> + <td>760</td> + <td>760</td> + <td>769</td> + <td>767</td> + <td>16</td> + <td>24</td> + <td>25</td> + <td>24</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>NO</td> + <td>N</td> + <td>NNW</td> + <td>N</td> + <td>1</td> + <td><sup>4</sup></td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>4</sup>Morgens Thau.</td> + </tr> + <tr> + <td>22</td> + <td>Morhara</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td><sup>5</sup>767</td> + <td>755</td> + <td>755</td> + <td>759</td> + <td>18</td> + <td>22</td> + <td>24</td> + <td>29</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>3</td> + <td>2</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>5</sup>Morgens stark Thau.</td> + </tr> + <tr> + <td>23</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Bir Hamman</td> + <td><sup>6</sup>757</td> + <td>756</td> + <td>760</td> + <td>762</td> + <td>20</td> + <td>22</td> + <td>24</td> + <td>18</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td class="rem"><sup>6</sup>Morgens Thau.</td> + </tr> + <tr> + <td>24</td> + <td>Bir Hamman</td> + <td>Weg</td> + <td>Weg</td> + <td>Brunnen</td> + <td>760</td> + <td>763</td> + <td>762</td> + <td>763</td> + <td>18</td> + <td>20</td> + <td>25</td> + <td>19</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>2</td> + <td>2</td> + <td>X</td> + <td>Haufen-​Wolken</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + <tr> + <td>25</td> + <td>Bir Hamman</td> + <td>Weg</td> + <td colspan="2">Alexandria</td> + <td>762</td> + <td>764</td> + <td>762</td> + <td>761</td> + <td>18</td> + <td>24</td> + <td>26</td> + <td>20</td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td></td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>N</td> + <td>X</td> + <td>1</td> + <td>1</td> + <td>X</td> + <td>Bedeckt</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td>Rein</td> + <td></td> + </tr> + </tbody> +</table> + +<hr class="front"/> +<div class="figure"> +<a href="images/route.png"><img height="419px" width="800px" src="images/route_tn.png" alt="[Illustration: GERHARD ROHLFS' ROUTEN IN CYRENAICA im Sommer 1869. Nach dem Originalentwurfe des Reisenden Maßstab c'a 1:150,000 und der Küstenaufnahme der britischen Admiralität zusammengestellt von Rich. Kiepert. Maßstab in 1:500,000.]"/></a> +</div> + + +<div class="figure"> +<p>DIE AMMONS-OASE ODER SIUAH aufgenommen 1863 von Gerhard Rohlfs.</p> +<a href="images/oase.png"><img height="338px" width="601px" src="images/oase_tn.png" alt="[Illustration: DIE AMMONS-OASE ODER SIUAH aufgenommen 1863 von Gerhard Rohlfs.]"/></a> +</div> + +<div class="figure"> +<a href="images/holz.jpg"><img height="425px" width="268px" src="images/holz_tn.jpg" alt="[Illustration: Versteinertes Holz aus der Ammons Oase.]"/></a> +<p>Versteinertes Holz aus der Ammons Oase.</p> +</div> + +<div class="figure"> +<a href="images/aster.jpg"><img height="400px" width="343px" src="images/aster_tn.jpg" alt="[Illustration: Asterit aus der Oase des Jupiter-Ammon.]"/></a> +<p>Asterit aus der Oase des Jupiter-Ammon.</p> +</div> + +<div class="figure"> +<a href="images/stones.jpg"><img height="600px" width="384px" src="images/stones_tn.jpg" alt="[Illustration: I. Ostracit, II. Salz, III. Chalcedonröhre u. IV. versteinerte Muschelarten der Ammons Oase.]"/></a> +<p>I. Ostracit, +II. Salz, +III. Chalcedonröhre u. +IV. versteinerte Muschelarten der Ammons Oase.</p> +</div> + +<hr class="front"/> + +<p>In unserm Verlage sind ferner erschienen:</p> + +<p class="indent"><b>Gerhard Rohlfs</b>, Reise durch Marokko, Übersteigung des grossen +Atlas, Exploration der Oasen von Tafilet, Tuat und Tidikelt +und Reise durch die grosse Wüste über Rhadames nach Tripoli. +Mit einer Karte von Nord-Afrika von Dr. A.<i> Petermann</i>. +Zweite Auflage. Preis: 1 Thlr. 20 Sgr.</p> + +<p class="indent">Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen +Expeditionscorps in Abessinien. Mit dem Portrait des General +<b>Napier</b> und einer Karte von Abessinien von Dr. A.<i> Petermann</i>. +Preis: 1 Thlr. 25 Sgr.</p> + +<p class="indent"><b>Land und Leute in Afrika</b>. Berichte aus den Jahren 1865–1870. +Preis: 1-1/3 Thlr.</p> + +<p>Ferner erschien in unserm Verlage:</p> + +<p class="indent"><b>Ludwig Brunier</b>, Louise. Eine deutsche Königin. Mit dem +Portrait der Königin Louise von Preussen. Preis: 1-1/3 Thlr., eleg. +gebunden mit Goldschnitt 1-5/6 Thlr.</p> + +<p class="indent2"><i>Prachtausgabe.</i> Preis: 2 Thlr., elegant gebunden in +Kalblederband mit Goldschnitt 3-1/3 Thlr.</p> + +<p>Bremen. <b>J. Kühtmann's Buchhandlung.</b></p> + + +<hr class="front"/> + +<h2>Fußnoten:</h2> + +<div class="FN"><p><a id="FN-1" href="#FNA-1"><sup>1</sup></a> Octbr 1869 lagen aus den Salzseen gewonnen noch 6,000,000 +Oka Salz zum Verladen in Bengasi bereit, ausserdem von Carcora +gewonnenen; und jährlich gehen nach der Levante durchschnittlich +von dieser Stadt gegen 5,000,000 Oka. Mittheilungen von Chapman +esq., brit. Consul in Bengasi.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-2" href="#FNA-2"><sup>2</sup></a> Die mitgebrachten Pflanzen werden durch eine besondere +Broschüre von Dr. Ascherson beschrieben werden.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-3" href="#FNA-3"><sup>3</sup></a> Die Schriften le Maire's, der Cyrenaica noch vor della Cella +besuchte, sind mir nicht zur Hand.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-4" href="#FNA-4"><sup>4</sup></a> Zeitschrift der Gesellschaft der Aerzte von Wien. 1. Theil. +1862.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-5" href="#FNA-5"><sup>5</sup></a> En Bidrag til Tydning af den i Oldtiden under Navn af +Silfion meget anvendte og høit skattede, men senere forsvundene +Kryderplante, af Prof. Dr. A. S. Ørsted, Kjøbenhavn, 1869.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-6" href="#FNA-6"><sup>6</sup></a> Fettschwanz.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-7" href="#FNA-7"><sup>7</sup></a> In Cyrenaica setzen die Araber nicht „beni“ oder „uled“ vor +ihre Sippen, sondern „ailet“, was gleichbedeutend ist, nur noch mehr +den Begriff „Familie“ ausdrückt.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-8" href="#FNA-8"><sup>8</sup></a> Englischer Consulatsbericht von Bengasi, 29. October 1869.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-9" href="#FNA-9"><sup>9</sup></a> S. die Nrn. des Ausland, Adjedabia noch unedirt, ebenso Gaigab.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-10" href="#FNA-10"><sup>10</sup></a> Schultert, präsentirt.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-11" href="#FNA-11"><sup>11</sup></a> Um 12 Uhr 40 M. passirten wir uadi Ibeb nach dem Mittelmeere, +dann uadi manasseh um 1 Uhr 15 M., uadi bird um 1 Uhr +20 M., beide zur Sahara gehend. Um 2 Uhr war der Marabut Sidi +Homri mit Quelle links vom Wege, und um 3 Uhr das Kasr Abayan +½ St. östlich vom Wege, um 3 Uhr 40 M. der Berg Djilmana, ½ St. +westlich vom Wege.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-12" href="#FNA-12"><sup>12</sup></a> Aufbruch 6¾ Uhr in 200° R., um 7½ uadi Shihr, nach +der Wüste gehend, um 8 Uhr u. Smelah, gleichfalls nach der Wüste, +um 8¼ das alte römische Castell Sirah und von diesem aus auf +1½ St. Entfernung das alte Castell Meschedeschi in S.-O.-Richtung +gepeilt. Von Sirah jetzt in S.-W.-Richtung weiter, und um 9 Uhr +das uadi Dorr, das in die Wüste geht und auf 2 St. Entfernung im +N.-W. das römische Castell Sehadeh. Um 9½ die Ruinen vom +römischen Fort Siral el qedim, um 9¾ das uadi Djaf und das uadi +Ibgehl, vereinigt der Sahara zufliessend; 11 Uhr 20 M. das uadi +megad, welches auch in die Sahara geht. Von hier an in W.-Richtung +weiter bei den Sheniet Chalil vorbei und mit dem uadi Schirb +fortgehend, der in das uadi Farat übergeht, von der Hochebene +herab nach 3 St. in Maraua. Am folgenden Tage Aufbr. 5¾ Uhr +in S.-W.-Richtung, um 7 Uhr 240° R. Um 9 Uhr den von Nord +nach Süd fliessenden uadi Gedede und die Richtung nun 250°. Von +9 Uhr 20 M. S.-W. Richtung, 9 Uhr 40 M. der nach Teknis führende +Weg geschnitten und nun im uadi messamer, das in die Wüste geht. +Um 10 Uhr das alte Castell Bu Rhassil eine St. südl. vom Wege. +Um 11 Uhr auf einen Höhenzug, der von N.-W. nach S.-O. streicht +und Schad ben Medja Wald heisst, auf diesem die Ruine Gasr Tolun, +½ St. nördl. vom Wege. Um 11½ Uhr das nach S. fliessende uadi +mdud. Nach ¾ St. Aufenthalt um 12½ im uadi Rinfaid in W.-Richtung +weiter, und um 1¾ Uhr den nach S. fliessenden uadi Stiksfara +passirt. Um 2½ W.-Richtung und um 3 Uhr 10 M. den in die +Sahara fliessenden uadi Schabl n Bet passirt, um 4 Uhr die Spitze +des uadi Erköb und um 4¼ in Djerdes campirt.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-13" href="#FNA-13"><sup>13</sup></a> Um 6¾ Aufbr. von Djerdes in S.-W.-Richtung; gleich darauf +passirten wir das nach S.-O. streichende Medjrah-Thal und mit dem +von einem Knotenpunkte kommenden Benia-Thal S.-W. weitergehend, +erreichten wir 8¾ die Wasserlöcher von Benia. Dicht am Wege, +im N.-W. von uns, ist hier die römische Ruine Gasr Djebela. Nun +heisst das Benia-Thal hier Gardab, wir durchzogen es westlich haltend, +während uadi Gardab nach N.-W. umbiegt; um 10½ übersteigen +wir eine von Süden kommende Gebirgszunge und kamen dann ins uadi +Tolhan, welches ebenfalls nach N.-W. gehend, sich mit uadi Gardab +zum uadi Djedj vereinigt und dann in den Birsia bei Tokra ins Meer +fällt. Durchs uadi Bu Simmeh S.-W. vom Gab kommend, hatten wir +11½ die Ebelerhar-Ebene vor uns, durchschnitten in dieser den +nach N.-W. ziehenden uadi Selitmitnan um 12¾ und lagerten, den Gasr +Ebelerhar um 2 Uhr S.-O. vom Wege dicht liegen lassend, um 5 Uhr +bei den Biar-Wasserlöchern.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-14" href="#FNA-14"><sup>14</sup></a> Alexandria und Cairo.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-15" href="#FNA-15"><sup>15</sup></a> An dem Tage Aufbruch um 6¾ Uhr in 150° Richtung. Um +7 Uhr 10 M. Ruinen von Mabruka, 8 Uhr Ruinen und Brunnen +Bu-Drissa, 9¼ rechts vom Wege Massafa Brunnen und Ruinen; +11 Brunnen Ktiuë, hier ½ St. Aufenthalt und jetzt gerade S. R. +12½ Uhr Brunnen Ktet, 12¾ Ruinen von Batat, 1½ Brunnen +Ktet el tani und gleich darauf Grab des Marabut Kellani, 3 Uhr +1 St. östlich vom Wege der Snussi Sauya Tilimon, um 5 Uhr Lager.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-16" href="#FNA-16"><sup>16</sup></a> Am 5. April Aufbruch 6½ Uhr in 160° R. 8¼ kobóret +oder Gräber links am Wege, 9½ Gasr el Hussein, 1 St. rechts vom +Wege, 10 Uhr Gasr magrún 1 St. rechts vom Wege, 11½–12½ +Ruhe, 1 Uhr bir Simmach, 1¼ rechts vom Wege ¼ St. Komon-Hügel, +2½ links vom Wege gasr Scheban und Schebibi und rechts +nach S.-W. 3 St. entfernt Gasr. Adams, 5½ Lager bei Oertlichkeit Djelil.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-17" href="#FNA-17"><sup>17</sup></a> Am 6. April Aufbruch 6½ Uhr in 160° R. 7½ die Kubba +Sid Hammed ben Thaib rechts dicht am Wege, um 8 Uhr rechts +am Meere ca. 2 St. entfernt der Brunnen Ledjra, um 9 Uhr Gasr +Dababia am Meere, um 10 Uhr Sidi Sultan Brunnen am Meere, um +11 Uhr links am Wege Gasr el Debah, um 11½ der Brunnen Milha, +Pause hier bis 12¾, um 1 Uhr Brunnen Morsiffa, um 4 Uhr Sidi +Faradji, um 5 Uhr Lager bei Oertlichkeit Ferssi.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-18" href="#FNA-18"><sup>18</sup></a> Am 7. April Aufbruch in 160° R. und nach 3 St. bei Gasr +Schadábia. Die drei Districte südlich von Hussein heissen Fadéla, +Ferssi und Shiuf.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-19" href="#FNA-19"><sup>19</sup></a> <span class="greek">Αὐτομάλαξ φρούνιον</span> war die südöstlichste Grenzfeste der +Bewohner Cyrenaica's.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-20" href="#FNA-20"><sup>20</sup></a> Es ist dies wohl della Cella's Aduchni.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-21" href="#FNA-21"><sup>21</sup></a> Brunnen im Fareg von Westen nach Osten: 1) Ain kibrit, +2) Djafar, 3) Ssebat Bu Hamra, 4) Ssalemo, 5) Bel klebat, 6) Buttofal, +7) Tagsilt, 8) Busseria, 9) Ain Naga, 11) Bel Aissar, 12) Delemia, +13) Schagria, 14) Adjelan, 15) Bei Dafun, 16)<i> Besseria</i>, +17) Okadia, 18) Chasm el kübsch, 19) Shauono.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-22" href="#FNA-22"><sup>22</sup></a> Nordöstlich von Djalo liegt noch ganz isolirt der kleine Ort +Leschkerreh, der auch zur Gruppe gehört.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-23" href="#FNA-23"><sup>23</sup></a> Kloster und Schule.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-24" href="#FNA-24"><sup>24</sup></a> Das verlaufene Kameel, welches natürlich nordwärts gezogen +war, wurde später von einer Arabertribe eingefangen, und durch die +Verwendung des englischen Consuls, Mr. Chapman von Bengasi, nach +der Stadt gebracht und dort verkauft. Es war aber so abgemagert, +dass nicht mehr als 25 M.-Theresienth. dafür zu bekommen waren.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-25" href="#FNA-25"><sup>25</sup></a> Am 27. April, Aufbruch um 6 Uhr, Richtung N.-O.; um +8 Uhr schwarzer Hügel Lumahi; um 9 Uhr Gobr Bu Fatma; um +2 Uhr kraterartiger Kessel Batron; um 5 Uhr ein anderer Brmt el +Targi; um 6 Uhr Abends Lager in der Gerdobia.—Am 28. April, +Aufbruch 6 Uhr in N.-O. Richt.; um 8 Uhr, Fum er Rhart schirgi, +und nun in östlicher Richtung, 10 Stunden Lager bei Kobr Benin u +Banan.—Am 29. April, Aufbruch 5½ Uhr in östlicher Richt., um +8 Uhr, Bottom Fattoma, ein Wegweiser; um 11¼ Uhr, der Pass +Schibiha; um 1¼ Uhr, der Hügel Gar-Chot mit 7 Gräbern Modjabra, +um 2¾ Mueddin, Grab der 70 Sklaven, um 4¼ Uhr, der +grossartige Aufgang, Rkbt el meheri, um 6 Uhr Lager.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-26" href="#FNA-26"><sup>26</sup></a> Am 1. Mai, ½ Stunde in östl. Richtung, 2 Stunden in 80°, +1 Stunde in 110° und Lager bei Bir Bu Allua; am 2. Mai 8 St. +gelagert bei dem Sebcha Hoëssa; am 3. Mai 3 Stunden in östlicher +Richt. und 6 Stunden in 80° Richt. beim 2 St. langen Lueschka-See, +beim Necta-Sauya-See und beim über 3 Stunden langen el Araschich-See +vorbei, Lager in Gaigab.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-27" href="#FNA-27"><sup>27</sup></a> Am 4. Mai, 6 Stunden in 160° Richt. und dann 3 Stunden +in S.-O.-Richt., Lager am Schiata-See; am 5. Mai, 8 St. in S.-O.-R. +bis Siuah.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-28" href="#FNA-28"><sup>28</sup></a> Masra sind die Ueberreste von zwei aus Steinen erbauten +Thürmen, welche, durch eine Mauer verbunden, wohl aus der römischen +Zeit herrühren, von einigen Reisenden für Amudeïn gehalten, +liegen diese Ruinen weiter nach Nordwesten, dicht bei Bled el Rum.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-29" href="#FNA-29"><sup>29</sup></a> Alhagi Maurorum.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-30" href="#FNA-30"><sup>30</sup></a> Sebcha ist See, Lagune.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-31" href="#FNA-31"><sup>31</sup></a> Ich schreibe absichtlich bled el Rum und nicht bled er rum, +im Arabischen geschrieben wechselt das el nie, wird aber häufig vor +einem mit r, s, oder n anfangenden Worte er, es, en ausgesprochen. +Indess vor r als einem l sehr verwandten Tone, bleibt es häufig in +der Aussprache, so Harun al Raschid, nicht Harun ar Raschid. Oft +aber wird er gesprochen Wohllauts halber, wo man el erwarten +sollte, so sagt man nicht stafr el Lah, sondern stafr er Lah.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-32" href="#FNA-32"><sup>32</sup></a> Die meisten römischen Schriftsteller schreiben Hammon.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-33" href="#FNA-33"><sup>33</sup></a> Man sollte eigentlich Si-Uah schreiben.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-34" href="#FNA-34"><sup>34</sup></a> Chroniken.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-35" href="#FNA-35"><sup>35</sup></a> Alexandria in Aegypten.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-36" href="#FNA-36"><sup>36</sup></a> Mir steht nur eine alte Ausgabe von Kieperts grossem Atlas +zu Gebote.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-37" href="#FNA-37"><sup>37</sup></a> Nach Hassenstein dürfte übrigens wegen der von Beurmann +bestimmten westlicheren Lage von Audjila auch Siuah weiter nach +Westen zu liegen kommen.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-38" href="#FNA-38"><sup>38</sup></a> Makrisi giebt sogar an es seien über 40.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-39" href="#FNA-39"><sup>39</sup></a> Minutoli: Längsdurchmesser 60, Breitendurchmesser 20 +Schritte, was wohl auf einem Irrthum beruht, da der Born fast vollkommen +rund ist.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-40" href="#FNA-40"><sup>40</sup></a> Die Quelle zu Rhadames hat ungefähr dieselbe Temperatur.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-41" href="#FNA-41"><sup>41</sup></a> Vatonne fand das Rhadamser Quellenwasser bei 15° +Temperatur zu 1,00231.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-42" href="#FNA-42"><sup>42</sup></a> Natürlich alles Culturpflanzen, ausser der andern +Wüstenvegetation fand ich in Siuah am Quell el Lif nur eine blühende +Pflanze, nach Ascherson in Berlin eine Erythraea latifolia.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-43" href="#FNA-43"><sup>43</sup></a> Uebrigens ist Jacksons Behauptung, die Ammonier seien vom +Sus her eingewanderte Leute, weil sie Schellah sprechen, ebenso +unrichtig, als wenn einer sagen wollte, die Bewohner vom Sus sind +Ammonier, weil sie Schellah reden. S. Jackson account of Timbuctoo. +Lond.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-44" href="#FNA-44"><sup>44</sup></a> Das Oel ist ganz ausgezeichnet in der Ammons-Oase, und +kann trotz der rohen Zubereitungsweise an Klarheit und Süssigkeit +einen Vergleich mit den besten Sorten von Parma und der Provence +aushalten.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-45" href="#FNA-45"><sup>45</sup></a> Minutoli: die Seitenwände 15½' Länge, 4' 8" dick, Höhe +von den Mäandern gerechnet 15', die Decksteine 5' breit, 3' dick.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-46" href="#FNA-46"><sup>46</sup></a> Siehe Minutolis Reise zum Tempel des Jupiter Ammon etc., herausgegeben von Dr. E. H. Tölken, Berlin 1824.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-47" href="#FNA-47"><sup>47</sup></a> bab el medina heisst Stadtthor.</p></div> + +<div class="FN"><p><a id="FN-48" href="#FNA-48"><sup>48</sup></a> Am 12. Mai, Aufbruch 5 Uhr, 1 Stunde in nordöstl. Richt. +dann auf den Berg Temsdega-Erköb in 60° R. und nach 2 Stunden +von hier auf Muley Yus in östl. Richt. Im Süden von Temsdega-Erköb +und Muley Yus der Berg Tlaklibt. Südlich von Tlaklibt liegt +2 Stunden entfernt Dj. und Ain-Haderdid. Von hier in 60° Richt. +weiter nach 1½ Stunden den vom Plateau kommenden u. Elketof, +dann nach 1 Stunde den vom Plateau kommenden u. Ethel, die beide +nach Südosten gehen, passirt. Sodann überschreitet man ein 1½ St. +breites Blatt des Plateaus, das in die Niederung reicht, und nach +einer halben Stunde Lager im u. Mohemen.</p></div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Von Tripolis nach Alexandrien - 2. Band, by +Gerhard Rohlfs + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VON TRIPOLIS NACH *** + +***** This file should be named 17600-h.htm or 17600-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/1/7/6/0/17600/ + +Produced by Magnus Pfeffer, Hagen von Eitzen, Clare Boothby +and the Online Distributed Proofreading Team at +http://www.pgdp.net (This file was produced from images +generously made available by the Bibliothèque nationale +de France (BnF/Gallica) at http://gallica.bnf.fr) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit http://pglaf.org + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: http://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + http://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + +*** END: FULL LICENSE *** + + + +</pre> + +</body> +</html> + diff --git a/17600-h/images/aster.jpg b/17600-h/images/aster.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..84b9723 --- /dev/null +++ b/17600-h/images/aster.jpg diff --git a/17600-h/images/aster_tn.jpg b/17600-h/images/aster_tn.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..ef1281d --- /dev/null +++ b/17600-h/images/aster_tn.jpg diff --git a/17600-h/images/coins.jpg b/17600-h/images/coins.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..3720320 --- /dev/null +++ b/17600-h/images/coins.jpg diff --git a/17600-h/images/coins_tn.jpg b/17600-h/images/coins_tn.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..7e7aac0 --- /dev/null +++ b/17600-h/images/coins_tn.jpg diff --git a/17600-h/images/holz.jpg b/17600-h/images/holz.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..31985df --- /dev/null +++ b/17600-h/images/holz.jpg diff --git a/17600-h/images/holz_tn.jpg b/17600-h/images/holz_tn.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..d6e6d8f --- /dev/null +++ b/17600-h/images/holz_tn.jpg diff --git a/17600-h/images/oase.png b/17600-h/images/oase.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..d7a8a2d --- /dev/null +++ b/17600-h/images/oase.png diff --git a/17600-h/images/oase_tn.png b/17600-h/images/oase_tn.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..53f486a --- /dev/null +++ b/17600-h/images/oase_tn.png diff --git a/17600-h/images/route.png b/17600-h/images/route.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..8bac447 --- /dev/null +++ b/17600-h/images/route.png diff --git a/17600-h/images/route_tn.png b/17600-h/images/route_tn.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..464506e --- /dev/null +++ b/17600-h/images/route_tn.png diff --git a/17600-h/images/stones.jpg b/17600-h/images/stones.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..c35eaae --- /dev/null +++ b/17600-h/images/stones.jpg diff --git a/17600-h/images/stones_tn.jpg b/17600-h/images/stones_tn.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..5053447 --- /dev/null +++ b/17600-h/images/stones_tn.jpg diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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