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+The Project Gutenberg EBook of Französisch-slavische Kämpfe in der Bocca
+di Cattaro 1806-1814., by Nicola Velimirovitch
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Französisch-slavische Kämpfe in der Bocca di Cattaro 1806-1814.
+
+Author: Nicola Velimirovitch
+
+Release Date: May 24, 2005 [EBook #15891]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZÖSISCH-SLAVISCHE KÄMPFE ***
+
+
+
+
+Produced by Zoran Stefanovic, Ralph Janke and Proofreaders
+Europe, http://dp.rastko.net.
+
+
+
+
+
+Französisch-slavische Kämpfe in der Bocca di Cattaro 1806-1814.
+
+Inaugural-Dissertation zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde
+vorgelegt der hohen philosophischen Fakultät der Universität Bern
+
+von Dr. NICOLA VELIMIROVITCH.
+
+Bern 1910
+
+
+
+
+Inhaltsverzeichnis
+
+I. Vor den Kämpfen.
+ 1. Die Situation nach dem Pressburger Frieden.
+ 2. Stand der Dinge in der Bocca di Cattaro.
+ 3. Peter I. und seine Beziehungen zu den Grossmächten.
+
+II. Die Kämpfe bis zu Oubrils Vertrag.
+ 4. Ragusas Uebergabe und der Kampf bei Zavtat.
+ 5. Der Kampf auf dem Berg Brgat.
+ 6. Belagerung Ragusas.
+ 7. Oubrils Vertrag.
+
+III. Die Kämpfe bis zum Tilsiter Frieden.
+ 8. Vorbereitung zum neuen Kampf.
+ 9. Der Kampf bei Castelnuovo.
+ 10. Die Bocca während des Waffenstillstandes.
+ Okkupation der Inseln.
+ 11. Uebergabe der Bocca nach dem Tilsiter Frieden.
+
+IV. Die Ereignisse in der Bocca von 1812--1814.
+ 12. Die Beziehungen der zwei neuen Nachbarn.
+ 13. Ausbruch neuer Feindseligkeiten.
+ Kämpfe bei Budua, Troiza und Castelnuovo.
+ 14. Belagerung und Uebergabe Cattaros.
+
+
+
+
+I.
+
+Vor den Kämpfen.
+
+
+1. Die Situation nach dem Pressburger Frieden.
+
+Der «Austerlitzblick», der den grossen englischen Staatsmann William
+Pitt frühzeitig ins Grab gebracht hatte, hielt die übrigen zwei an der
+furchtbaren Katastrophe unmittelbar beteiligten Verbündeten, Russland
+und Oesterreich in monatelangen Todesängsten. Das rührte aber den Sieger
+von Austerlitz wenig. Zielbewusst und rücksichtslos, wie er immer
+verfuhr, diktierte Napoleon nun den Vertrag von Pressburg, am 26.
+Dezember 1805. Umsonst hatte Talleyrand ihm in der Demütigung
+Oesterreichs Mässigung angeraten.[1] Er forderte und bekam alles, was er
+wollte. Alles, was Oesterreich ehemals durch den Vertrag von Campo
+Formio gewonnen hatte, musste es jetzt den Franzosen geben. Beinahe drei
+Millionen seiner Untertanen musste Oesterreich der Herrschaft Napoleons
+ausliefern. Neben Venedig gingen ihm auch Istrien (ohne Triest) und
+Dalmatien (ohne das Litorale) mit der _Bocca di Cattaro_ verloren. Die
+einzige Verpflichtung, die Napoleon auf sich nahm, war die sofortige
+Entfernung der französischen Truppen von dem österreichischen Boden.
+Dieser Pressburger Friede war in der Tat für Oesterreich so ungünstig,
+dass Graf Stadion mit Recht denselben «Capitulation» Oesterreichs nennen
+konnte.
+
+Napoleon hegte damals böse Pläne gegen die Türkei, obwohl sie sein
+Verbündeter war. Diese seine Tendenz lässt sich klar aus dem Pressburger
+Vertrag erkennen; insbesondere aber zeugt dafür seine spätere Haltung.
+Durch den Vertrag liess er sich Dalmatien abtreten, wobei die Uebergabe
+der Bocca di Cattaro in erster Linie betont wurde. Den österreichischen
+Boden wollte er nicht nur nicht räumen, sondern verstärkte im geheimen
+die sich auf demselben noch befindlichen französischen Truppen. Das
+Städtchen _Braunau_, das ebenso geräumt werden sollte, blieb auch
+weiterhin unter französischer Besatzung. Und noch mehr: Napoleon
+forderte den Durchzug seiner italienischen Truppen von Venedig nach
+Dalmatien über österreichischen Boden, über _Monfalcone_, wo früher der
+venezianischen Armee der Durchzug stets gestattet wurde. Ja, Napoleon
+forderte sogar energisch von Oesterreich die Sperrung seiner Häfen für
+die englische und russische Flotte.
+
+Graf Stadion seinerseits versuchte alles mögliche, um die Beziehungen zu
+Frankreich nicht zu verwickeln und zu verschärfen. In dieser Absicht
+sandte er auch Vincent nach Paris, um die Vorurteile Napoleons gegen ihn
+zu zerstreuen. Napoleons Antwort war die denkbar schroffste. Er sandte
+Andréossy zu Stadion mit der Forderung, sofort und unverzüglich den
+Durchzug der französischen Armee durch das österreichische Gebiet zu
+bewilligen. Zu Vincent sagte Napoleon bei der ersten Audienz: «Man muss
+mir den Durchzug gestatten, andernfalls werde ich euch mit Krieg
+überziehen».[2] Stadion bemühte sich, die Sache irgendwie zu mildern.
+Darum machte er dem französischen Botschafter in Wien, Larochefoucauld,
+mancherlei Vorstellungen; aber alles war vergeblich. Dieser verlangte
+binnen 24 Stunden eine bestimmte Antwort und Ernennung einer
+Persönlichkeit, die mit Andréossy Verhandlungen eingehen könnte.
+
+Nun, zu dieser schwierigen Frage gesellte sich eine andere, für
+Oesterreich unvergleichlich schwierigere und für Napoleon desto
+willkommenere: Die Abtretung der Bocca di Cattaro.
+
+Es verbreitete sich zuerst ein Gerücht, das bald nachher auch bestätigt
+wurde, dass die Bocca di Cattaro Russland abgetreten würde. Der
+österreichische General _Ghiselieri_, hiess es, habe sie dem
+Befehlshaber der russischen Flotte im Adriatischen Meere übergeben. Das
+war natürlich ganz vertragswidrig. So fasste es auch Napoleon auf. Er
+verlangte sofort eine Erklärung Oesterreichs darüber. Oesterreich
+sollte, das war seine Forderung, in Petersburg Schritte tun, welche die
+Herausgabe der Bocca ermöglichen könnten. Wollte Russland nicht
+nachgeben, so sollte Oesterreich seine Mitwirkung zur Eroberung der
+Bocca nicht versagen. Es sollte in dem Falle auch seine Häfen den
+englischen und russischen Schiffen verschliessen, worauf es Napoleon am
+meisten ankam, da er diese feindlichen Flotten um jeden Preis aus der
+Adria vertrieben sehen wollte. Sein Hintergedanke war, Oesterreich mit
+Russland zu entzweien und somit den Dreibund zu sprengen. Würde ihm dies
+gelingen, sagte er sich, so wären alle seine Pläne der Verwirklichung
+nahe, andernfalls aber hätte er einen Grund, an Oesterreich noch härtere
+Forderungen zu stellen. Denn ohnehin reute es ihn, bei dem Pressburger
+Vertrag das Litorale nicht genug berücksichtigt zu haben. Wiederholt
+erklärte Larochefoucauld nach den Instruktionen Napoleons dem Grafen
+Stadion, dass Braunau so lange im Besitz der Franzosen bleiben werde,
+als die Bocca ihnen nicht übergeben würde. Das war aber nicht alles. Er
+drohte mit Besetzung von Fiume und Triest. Das war viel schlimmer.
+Schliesslich drohte Napoleon mit dem Krieg. Und das war für Oesterreich
+das Schlimmste.
+
+In Wien glaubte man, dass Napoleon nun einen Anlass zu neuer Bekriegung
+Oesterreichs suche. Dies zu vermeiden und den Frieden aufrecht zu
+erhalten, war aller, besonders aber Kaiser Franz' und Stadions Wunsch.
+Letztere machten eine Vorstellung in Petersburg in bezug auf die Bocca
+und die Forderungen Napoleons. Inzwischen schrieb Franz an Napoleon
+eigenhändig betreffs der Bocca, ihre Herausgabe an die Russen sei ohne
+sein Wissen und Wollen erfolgt, eine Untersuchung habe er gegen den
+General Brady, den Befehlshaber in Dalmatien, eingeleitet und die
+Verhaftung Ghiselieris anbefohlen. Die Sperrung der Häfen für die
+russische Flotte werde erfolgen, sobald Russland eine ausweichende
+Antwort geben werde. In demselben Sinne hatte sich auch Stadion La
+Rochefoucauld gegenüber geäussert.[3]
+
+Trostlos und fast verzweifelt stand Oesterreich da, weil zwei mächtige
+feindliche Heere seine beiden Grenzen bedrohten, das französische im
+Südwesten, das russische im Norden. In Wien wurde nun die Frage
+aufgeworfen: Mit wem von beiden Mächten soll es Oesterreich halten? Man
+war in der Beantwortung dieser Frage nicht einig. Erzherzog Karl,
+Trauttmansdorf, Metternich und viele andere waren der Meinung, man müsse
+den französischen Forderungen sich widersetzen und, wenn eben möglich,
+eine Allianz mit Frankreich anstreben. Zur Illustration der Meinung
+dieser Mehrheit, wie auch der Situation, in welcher sich Oesterreich
+damals befand, sei hier einiges aus dem Briefe Karls an den Kaiser
+angeführt:«... Ich glaube meine Aufmerksamkeit vorzüglich auf zwei Fälle
+richten zu müssen, von welchen der eine oder andere Eurer Majestät
+unausweichlich bevorzustehen scheint. Der erste und unglücklichste für
+den Staat wäre ohne Zweifel jener, wenn wir durch unsere unglückliche
+Lage in einen neuen Krieg mit dem einen oder anderen der beiden Kolosse,
+die uns bedrohen, verwickelt würden. Von beiden stehen mächtige Armeen
+an unseren Grenzen, mit beiden würden die ersten Feindseligkeiten den
+Krieg in das Herz der Monarchie führen, mit beiden würde der erste
+Ausbruch des Krieges uns ganze Provinzen entreissen, beide würden einen
+Teil der Erbstaaten beherrschen, ausplündern und verheeren, ehe wir
+imstande wären, eine Armee, der es an _allem_, sogar an Gewehren fehlt,
+in Ungarn versammeln zu können. Sollte jedoch zwischen diesen beiden
+grossen Uebeln eines gewählt werden müssen, so bietet der Krieg mit
+Frankreich noch unendlich schrecklichere Resultate dar, als jener mit
+Russland. Meine innere Ueberzeugung entreisst mir das traurige
+Geständnis: Ein neuer Krieg mit Frankreich und seinen Alliierten ist das
+Todesurteil für die österreichische Monarchie ... Nicht so ganz ohne
+alle Rettung erscheint der Krieg mit Russland.»[4]
+
+Stadion hingegen war entschieden gegen die Allianz mit Frankreich. «Es
+würde,» sagte er, «Oesterreich Frankreich untertan werden; und ein
+solches Verhältnis bezeichnet man als Allianz.»[5] Für den Fall eines
+Bündnisses mit Frankreich aber stellte er seinen Rücktritt in Aussicht.
+
+Keineswegs besser war die Situation in Petersburg. Alexander hatte einen
+Krieg zur Befreiung der Völker von der Macht Napoleons unternommen. Mit
+unermesslicher Zuversicht und unzähligen Hoffnungen ging er in den
+Kampf. Der «Austerlitzblick» aber machte ihn zu einem gebrochenen und
+ratlosen Mann. Ein schrecklicher Wirrwarr herrschte an seinem Hofe und
+in seinem Kopfe. Mannigfaltige Gährungen, mannigfaltige Richtungen
+kreuzten sich im Volke wie in den Parteilagern. Jedermann versuchte
+seine eigene Haltung gleich seiner Vergangenheit zu rechtfertigen. Und
+jedem gelang es natürlich. An der Niederlage Russlands war also niemand
+im Lande schuld. Die früheren Ratgeber des Kaisers, die ihm vorher so
+viel Ruhmvolles von einem Krieg gegen Napoleon vorgespiegelt hatten,
+schoben jetzt alle Schuld an dem Misserfolg Oesterreich zu. Die
+altrussische Partei predigte entschieden den Bruch des Bündnisses mit
+Oesterreich. Man beschuldigte es sogar eines Verrates. Die Leute der
+Opposition gegen das Regiment Czartoryskis gewannen jetzt grossen
+Einfluss auf den Kaiser und das Volk. Ihre Parole war nun, Russland
+solle nur noch die eigenen Vorteile im Auge behalten, seine Verbündeten
+ihrem Schicksal überlassen und sich nicht mehr zwecklos und sinnlos in
+einen weiteren Kampf stürzen.
+
+Eine friedliche Stimmung beherrschte ganz und gar die öffentliche
+Meinung in Russland. Man verdächtigte aber den Zaren, er beschäftige
+sich auch weiterhin mit Kriegsplänen. Allerlei Beschwerden gegen den
+Kaiser und insbesondere gegen Czartoryski wurden laut und lauter. Der
+österreichische Botschafter in Petersburg, _Merveldt_, teilte sogar dem
+Wiener Hof mit, dass die tiefgehende Gährung der Gemüter die Möglichkeit
+eines Thronwechsels bezeugte.[6] Wenn die Friedenspartei schliesslich
+die Oberhand in Petersburg gewann, so verdankte sie dies auswärtigen
+Ereignissen; Pitt starb und sein Nachfolger neigte zum Frieden.
+
+Mit Ungeduld wartete man in Wien auf einen Entschluss Russlands, d.h.
+auf die Antwort in bezug auf die Frage der Bocca di Cattaro. Endlich kam
+der langersehnte Bescheid. Rasumovski erschien am 26. Mai bei Stadion
+und teilte ihm mit, Russland sei bereit, Cattaro mit der Bocca
+herauszugeben. Allein die Räumung Cattaros seitens der Russen sei eine
+Sache, die nicht sofort erledigt werden könnte. Der russische Agent in
+Cetinje und in der Bocca habe die Bevölkerung der Bocca stets der
+russischen Protektion versichert. Diesem Versprechen könne sich Russland
+jetzt nicht entziehen, ohne den Unwillen seiner slavischen Brüder in
+dieser Gegend sich zuzuziehen. Die Russen wollten die Bocca den
+Oesterreichern, und diese könnten sie dann den Franzosen übergeben. Es
+brauche aber Zeit, bis die Bevölkerung zur ruhigen Hinnahme des
+unabwendbaren Beschlusses vorbereitet wäre. Also sprach Rasumovski.
+
+Graf Stadion besprach mit dem französischen Gesandten die Sachlage und
+verlangte Verschiebung der Hafensperre, die Napoleon so dringend
+forderte. Larochefoucauld gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden.
+Er forderte sofortige Hafensperre. Bei diesen Erklärungen und
+Gegenerklärungen, bei diesem beständigen Hin- und Herschwanken verlief
+viel Zeit, ohne dass man zu irgend einem positiven Resultat zu gelangen
+vermochte. Inzwischen aber bahnte sich langsam der Weg für die
+Friedensverhandlungen, die zuletzt zu _Oubrils_ Vertrag führten.
+
+So hielt die Angelegenheit der Bocca ganz Europa ein halbes Jahr in
+höchster Spannung: Der Friede Europas stand auf dem Spiel, wenigstens
+für den Augenblick. Aber auch nach Ablauf dieser Zeit war die Frage
+wegen der Bocca di Cattaro nicht endgültig gelöst; die Entscheidung
+stand nur auf dem Papier. Nicht einmal der Tilsiter Vertrag brachte eine
+befriedigende Lösung. Eine solche erfolgte erst, als alle anderen durch
+Napoleon auf die Tagesordnung gebrachten Fragen der europäischen Politik
+ihren Abschluss fanden, d.h. im Jahre 1814.
+
+Wenden wir uns nun dem Lande zu, das für einen Augenblick als Schlüssel
+der politischen Situation Europas galt und der Uebermacht des
+siegreichen französischen Gewalthabers so lange trotzte und seinen
+Weltplänen sich in den Weg setzte, indem es um nichts anderes als um
+seine Freiheit und Unabhängigkeit mutig und aufopfernd kämpfte.[7]
+
+
+2. Stand der Dinge in der Bocca di Cattaro.
+
+Im Jahre 1797 vernichtete Bonaparte die Republik Venedig. Das traurige
+und bedauernswerte Schicksal dieses ruhmreichen Staates mussten
+naturgemäss auch seine Provinzen und Schutzgebiete fühlen. Eines dieser
+letzteren war die Bocca di Cattaro, welche seit 1420 unter Venedig
+stand. In jenem Jahre stellten sich die Bokelen, die bis dahin unter dem
+Schutz der ungarischen Könige gewesen waren, unter die Oberhoheit
+Venedigs, weil die Entwicklung der Dinge sie hierzu zwang. Ganz
+Dalmatien nämlich ging den Ungarn verloren. Die Bocca konnte, wenn sie
+es wollte, auch weiterhin unter dem ungarischen Schutz, bleiben. Dieser
+Schutz aber wäre nur ein formaler und unwirksamer gewesen. Wozu dann
+solch ein Schutz?
+
+Die Bokelen begaben sich freiwillig in die Obhut des neuen Herrn von
+Dalmatien, aber nur unter gewissen gegenseitig unterschriebenen
+Bedingungen. Die wichtigste unter diesen lautete: «Wenn die Republik
+Venedig wegen irgend einer politischen Umwälzung nicht mehr imstande
+sein wird, Cattaro zu verteidigen, so darf sie es an niemand weder
+abtreten noch verkaufen, sondern muss es in seiner alten Freiheit
+weiterbestehen lassen.»[8]
+
+Dieses alten Vertrages mit Venedig sich erinnernd widersetzten sich nun
+die Bokelen der Okkupation der Bocca durch Oesterreich, dem dieses
+Gebiet durch den Vertrag von Campo Formio von 1797 nach der Zerstörung
+der venezianischen Republik zugestanden wurde. Die Volkshäupter
+versammelten und berieten sich, welche Schritte sie jetzt unternehmen
+sollten. Alle waren einmütig in dem Entschluss, die Unabhängigkeit des
+Landes zu verteidigen. Ueber die Art und Weise dieser Verteidigung
+wollten sie nicht allein entscheiden. Auf dem hohen Berge, der ihrem
+Küstenland als der natürliche Schutz schien gegeben zu sein, hatten sie
+einen Ratgeber, der zugleich ihr religiöser Führer war, bei dem sie in
+schwierigen Momenten Rat und Trost holten und den sie in den
+schwierigsten zu Hilfe riefen. Sie befragten ihn durch eine Deputation.
+Der Fürstbischof[9] von Montenegro, denn er war jener Mann, gab den
+Bokelen den Ratschlag, sie sollten eine provisorische Verwaltung des
+Landes einsetzen, eine Landwehr errichten und die Gerichtsbarkeit in
+eigene Hände übernehmen. In diesem provisorischen Zustande sollten sie
+dann leben und abwarten, ob sich Venedig wieder erheben würde oder
+nicht. Sollte ersteres geschehen, so würden sie ihre Beziehungen zu ihm
+wieder herstellen können. Wenn aber nicht, so sollten sie die Herrschaft
+des römischen Kaisers anerkennen, aber nur unter denselben Bedingungen,
+unter welchen sie Venedigs Schutz genossen hätten.
+
+Die Bokelen folgten diesem Ratschlag. Allein die Stadt _Budua_ machte
+einen Schritt weiter, indem sie zu ihrem direkten «Beschützer und
+Richter, den Peter Petrovic, den ruhmvollen Erzbischof und Metropoliten
+von Montenegro,» wählte.[10]
+
+Aber im Sommer desselben Jahres nahmen die Oesterreicher allmählich ganz
+Dalmatien ein. In der zweiten Hälfte des August erschien der
+österreichische General Baron _Rukavina_ mit der Flotte in der Bucht di
+Cattaro. Umsonst warteten die Bokelen auf baldige Wiedererhebung ihrer
+Protektorin von der anderen Küste des Adriatischen Meeres. Die Republik
+Venedig war für immer vernichtet. Wie hätte dann die Bocca stand halten
+können vor der überwältigenden Macht des Feindes? Die Bokelen ergaben
+sich. Hätte der Vladika es gewollt, so hätten sie mit Begeisterung gegen
+die Oesterreicher gekämpft. Da der Vladika aber auf anderen Seiten gegen
+die Feinde seines Landes zu kämpfen hatte, und da er auch mit dem
+österreichischen Kaiser auf gutem Fusse lebte, blieb den Bokelen nichts
+übrig, als sich zu ergeben.
+
+Das bisher Gesagte gehört eigentlich nicht unmittelbar zu den
+Ereignissen, die wir zu beschreiben unternommen haben; es musste aber in
+Erinnerung gerufen werden, um zu zeigen, dass wir hier mit einem Volke
+zu tun haben, das sich als ein Ganzes für sich und doch als ein Teil
+einer grösseren Volksfamilie fühlte, das seine Vergangenheit hatte,
+welches von ständigem Bestreben seiner Vorahnen nach Freiheit erfüllt
+war, mit einem kleinen Volke, das keinem seiner Nachbarn lästig war und
+das von ihnen nichts weiter verlangte, als freie hohe See und ein freies
+Obdach auf dem Lande. Denn dieses Volk lebte seit jeher mehr auf dem
+Wasser wie auf dem Festlande. Seeleute und Fischer waren es, die in
+ihrem Leben mehr Wasser und Himmel schauten als festes Land. Ein freies
+Gemüt, eine klare und unbefangene Beurteilung der Dinge und ein
+ungetrübtes Gerechtigkeitsgefühl war ihnen stets eigen gewesen. Sie
+entzogen sich nicht dem Kultureinfluss ihrer italienischen Schutzherren.
+Sie haben wohl nie die Opulenz und den Glanz Ragusas in ihren Städten
+geschaut, dennoch waren diese reich. Cattaro und Perast machten
+Konkurrenz manchen grösseren Küstenstädten in Ober-Dalmatien und
+Italien. Castelnuovo, Budua und Risano waren kleiner an Umfang und
+Grösse, nicht aber an Reichtum und Unternehmungen. Diese Leute von der
+Bocca di Cattaro durchreisten schon in ihren Jugendjahren die Welt.
+Manchmal mit Reichtum, immer aber mit grösserer Erfahrung kehrten sie in
+ihre Heimat zurück, die sie so liebten und in der sie ihren Lebensabend
+zu verbringen wünschten. Nichts Abscheulicheres gab es für sie, als
+Unterjochung eines Volkes, Tyrannei und Unterdrückung. Die Freiheit war
+für sie ebenso notwendig für das Leben wie das Meer und die Luft. Diese
+vornehme Eigenart ihres Temperaments zeigten die Bokelen während ihrer
+ganzen Geschichte. Unterjocht waren sie nie, wohl aber nahmen sie den
+Schutz bald dieser, bald jener Macht in Anspruch. Dadurch wurde ihre
+Freiheit nicht nur nicht eingeschränkt, sondern oft sogar vergrössert
+und besser gesichert vor der Gier der nächsten Nachbarn.
+
+Durch den Vertrag von Campo Formio wie auch durch denjenigen von
+Pressburg fühlten sich die Bokelen schwer verletzt, weil man über sie
+ohne ihre Zustimmung verfügte. Sie hatten früher mit Venedig verhandelt,
+bevor sie unter seine Obhut traten. Solche direkte Verhandlungen mit
+Oesterreich oder mit Frankreich war ihnen untersagt. Das verletzte ihren
+Stolz, der eine mächtige Rolle spielte in ihrem politischen und sozialen
+Leben. Das war der hauptsächliche Grund ihres Unwillens, ihrer Aufregung
+gegen die Bestimmungen der Grossmächte. Der andere Grund dafür lag in
+der Furcht vor der Einschränkung ihrer Freiheit im Handel und in der
+Politik.
+
+Die Stimmung in der Bocca nach dem Pressburger Frieden war noch erregter
+als nach dem von Campo Formio, einmal weil Europa zu wiederholten Malen
+über das Land willkürlich verfügte, und sodann, weil das Gerücht
+verbreitet wurde, dass die Franzosen, die angehenden Herren des Landes,
+die Bocca ihres freien Handels und Betriebes berauben wollten. Als der
+österreichische Kreiskapitän in der Bocca, Baron _Kavalkabo_, den
+Bokelen verkündigte, dass alle Städte des Landes bis zum 10. Februar an
+die Franzosen übergeben werden müssten, wurden sie so betrübt und
+erzürnt, dass sie alle wie ein Mann sich bereit erklärten, ihr Land vor
+den neuen Weltavanturisten bis in den Tod zu verteidigen.[11] Sie sahen
+sich nach zwei Seiten um Hilfe um. Die erste Hilfe war natürlich in
+Montenegro zu suchen. Eine andere Hilfe hofften sie von den Russen zu
+bekommen. Nicht aber von den Russen in Russland, sondern von der
+russischen Flotte, die sich zurzeit bei _Korfu_ befand und die zur
+Aufgabe hatte, die Ionische Republik vor den Franzosen zu schirmen.
+Diese Flotte befehligte der Vize-Admiral _Senjavin_. Nach der Schlacht
+bei _Trafalgar_, wo die französische Flotte vernichtet wurde, waren
+Russen und Engländer auf dem Wasser ganz unzweifelhaft die Herren.
+Napoleon hatte so gut wie keine Flotte mehr. Darum musste er trachten,
+das Litorale überall gut gegen die Angriffe vom Wasser her zu
+befestigen. Daher ist es auch klar, warum er so dringend die Hafensperre
+für die russische und englische Flotte von Oesterreich forderte. Wenn
+diese Flotte den Zugang zu keinem Hafen mehr in der Adria hätte, dachte
+Napoleon, so müsste sie sich von selbst zurückziehen. Höchstens könnte
+sich diese Flotte noch bei Korfu aufhalten. Darum plante er eben die
+ganze Meeresküste bis nach und mit Albanien in Besitz zu nehmen, dann
+von Albanien aus Korfu anzugreifen und die vereinigte Flotte zu
+vertreiben.
+
+Es gab viele Bokelen, die früher im russischen Marinedienst gestanden
+hatten und auch viele andere, die in der grossen Politik der Zeit
+Bescheid wussten. Die einen wie die anderen konnten gut erwägen, was für
+ein Schlag es für die russische Flotte wäre, wenn ihr der Zugang in die
+Bucht von Cattaro abgeschnitten wäre.
+
+In Cetinje weilte damals der russische Agent _Sankorski_, auf dessen
+Mission in Montenegro wir noch einmal zu sprechen kommen werden. Zum
+Vladika und zu dem russischen Agenten sandten die Bokelen eine
+Deputation. Diese erklärte, die Bokelen seien entschlossen, die Bocca
+bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, falls ihnen die
+Montenegriner und die russische Eskader zu Hilfe kommen würden.[12]
+Sankorski seinerseits sprach den Bokelen die russische Hilfe sofort zu,
+und eben in diesem Sinne schrieb er an Senjavin. Der Vladika war
+natürlich noch mehr bereit, seinen treuen Bokelen zu Hilfe zu eilen als
+die Russen selbst. Er berief nach Cetinje alle Volkshäupter Montenegros
+und hielt mit ihnen eine Beratung, deren Schluss eine einstimmige
+Erklärung war, dass die Montenegriner nicht nur gegen die Franzosen um
+die Bocca zu kämpfen bereit seien, sondern dass sie die Oesterreicher,
+bevor das Land von jenen okkupiert wäre, aus der Bocca vertreiben
+wollten. Bereits am nächsten Tage, dem 28. Februar, stand der Vladika
+vor Castelnuovo und belagerte die Stadt. An demselben Tage langte auch
+die russische Eskader unter dem Kommando von Kapitän _Belli_ an. Nach
+fünftägiger Belagerung forderten der Vladika und Belli von dem
+österreichischen Kommandanten die Kapitulation der Stadt und die
+Uebergabe der Schlüssel von allen bokelischen Städten. Es wurde ihm
+gesagt, er verteidige ein fremdes Land, denn die Frist der Uebergabe der
+Bocca an die Franzosen war bereits schon am 10. Februar abgelaufen.
+Markis Ghiselieri war schliesslich mit den russisch-montenegrinischen
+Forderungen einverstanden. Er trat den Bokelen ihr Land mit acht
+grösseren und kleineren Städten ab. Die österreichische Besatzung wurde
+überall ersetzt durch das einheimische Heer.[13]
+
+Somit erhielten die Bokelen ihr Land ganz und frei ohne viele Mühen und
+Kämpfe zurück. Sonst wurde aber die Frage der Bocca di Cattaro viel
+verwickelter und für den europäischen Frieden von drohenderer Gefahr als
+je.
+
+
+3. Peter I. und seine Beziehungen zu den Grossmächten.
+
+Um zu erklären, warum der Vladika Peter in dieser Zeit ohne weiteres für
+den Kampf gegen die Franzosen energisch eintrat, muss man seine
+Beziehungen zu den Grossmächten kennen lernen. Peter Petrovic Njegosch
+übernahm die Staatsverwaltung nach dem Tode seines Vetters, des Vladika
+Javva 1782. Es war damals eine ungemein schwierige Zeit für Montenegro.
+Die Gefahr drohte von dem _Ikadarsee_ her, von dem Vezir von Ikadar
+_Mahmut-pascha Buschatlia._.[14] Dieser war dem Sultan abtrünnig
+geworden und herrschte in der Ikadarprovinz nach eigener Willkür. Als
+ein Schreckbild und eine höllische Geissel wurde er von allen Nachbarn
+angesehen und gefürchtet. Die montenegrinische Grenze war nie ruhig und
+sicher vor seinen Banden.
+
+Vladika Peter, angesichts der vom _Pascha von Ikadar_ drohenden Gefahr,
+entschloss sich in Russland Hilfe zu suchen. Er hoffte viel für sein
+Land von _Ekaterina II._ Auf Befehl aber des launischen Fürsten
+_Potemkin_ wurde er von Petersburg binnen 24 Stunden ausgewiesen, ohne
+die Kaiserin gesehen zu haben.
+
+Als im Jahre 1788 Russland und Oesterreich mit der Türkei in Krieg
+gerieten, sandten beide Höfe, Petersburg und Wien, ihre Boten nach
+Montenegro, um den Vladika für den Krieg gegen den gemeinsamen Feind zu
+gewinnen. Joseph II. schrieb an den Vladika, dass er die Absicht habe,
+die unterjochten Christen zu befreien und sie zu Teilnehmern jener
+Vorteile zu machen, die seine Untertanen genössen; er bat den Vladika,
+an dem Krieg teilzunehmen[15]. Ekaterina sandte den General-Lieutnant
+_Tutolmin_ zum Vladika, «damit er Euch,» wie sie schrieb,[16] «Unserer
+kaiserlichen Gnade und Unseres Wohlwollens versichert, und wenn der
+Glaube, den die Ungläubigen schänden, wenn die Freiheit, die sie
+bedrohen und unterdrücken ... Euch bewegen, mit uns an dem Krieg
+teilzunehmen gegen christliche Feinde, dann wird er (Tutolmin) mit Euch
+verabreden, was die Bewaffnung eines Heeres betrifft; Ihr sollt ihm Euer
+Vertrauen schenken und auch überzeugt sein, dass Wir Euch nie vergessen,
+sondern stets Sorge tragen werden um Eure Sicherheit.»
+
+Vladika Peter mit seinem Volk erklärte sich bereit, dem Rufe zweier Höfe
+zu folgen. Er tat alles mögliche, um dem österreichischen General
+_Vukasovic_ bei seinen Operationen gegen die Türken von Montenegro aus
+beizustehen. Mit seinen Truppen und mit allen Mitteln, die ihm zur
+Verfügung standen, unterstützte er die österreichische Armee. Für diesen
+Dienst gewann er aber weder während des Krieges noch nach dem Frieden in
+_Jasch_ irgendwelchen Vorteil für sein Land, ausgenommen eine Masse von
+Kriegsmaterial, das ihm die Oesterreicher hinterliessen, und das er gut
+in späteren Kämpfen gegen die Türken brauchen konnte. Viel mehr
+Nachteile musste er erleiden. Er zog sich nämlich den Groll der Türken
+zu, die nun nach Rache gegen Montenegro trachteten, da es von Russen und
+Oesterreichern nach dem abgeschlossenen Frieden verlassen ward. Nach
+vierjährigen Kämpfen kam es schliesslich zu einer gewaltigen Schlacht
+zwischen Montenegrinern und Mahmut-pascha im Dorfe _Krusse_ (1796), wo
+die Montenegriner den glänzendsten Sieg in ihrer ganzen Geschichte
+davontrugen. Es stritten 6000 Montenegriner gegen 30,000 Türken. Von
+diesen fielen in der Schlacht 3000, unter ihnen der Pascha selbst,
+dessen Kopf immer noch in Cetinje als Siegestrophäe aufbewahrt wird.
+
+Seitdem liessen die Türken Montenegro in Ruhe. _Selim III._ erkannte
+selbst die Unabhängigkeit Montenegros an und bezeugte in seinem
+Schreiben: «Montenegro war nie unserer Hohen Pforte untertan.»[17]
+
+Nach dieser berühmten Schlacht begann die militärische Tüchtigkeit und
+der Mut der Montenegriner auch die Aufmerksamkeit der Machthaber Europas
+auf sich zu ziehen. Die russische Diplomatie, die nach dem Frieden zu
+Jasch Montenegro vollständig sich selbst überlassen hatte---trotz der
+oben erwähnten Versicherung Ekatarinas---brachte jetzt alle Huldigungen
+den Montenegrinern und ihrem Vladika dar. So erliess der Zar _Paul_ im
+Jahre 1798 ein Schreiben[18] an den Vladika, in dem er diesen und sein
+Volk seiner kaiserlichen Gunst versicherte. Derselbe Kaiser versprach
+dem Vladika in einem andern Schreiben[19] vom 23. Januar 1799, eine
+jährliche Subvention von 1000 Dukaten. «Wir haben», sagt Paul, «gnädigst
+befohlen, dass man Euch aus Unserer Kasse vom 1. Januar 1799 an, am
+Schlusse jedes Jahres, je 1000 Dukaten aushändigt, indem wir
+voraussetzen, dass das Geld zum gemeinsamen nationalen Nutzen gebraucht
+werden wird.» Dieses wurde auch von dem Kaiser Alexander I. bestätigt,
+kurz darauf aber suspendiert, da im Herbst 1803 der Vladika Peter bei
+dem Kaiser verleumdet wurde, dass er angeblich seine bischöfliche
+Pflicht ganz vernachlässigt habe und nun im Verein mit seinem Sekretär,
+dem katholischen Abbat _Dolci_ (der ein dalmatinischer Serbe war),
+danach trachte, Montenegro an die Franzosen um 25,000 Dukaten
+auszuliefern. Alexander sandte sofort seinen Agenten nach Cetinje mit
+einem Schreiben[20] vom 7. November 1803, in dem es heisst: «Wir sind
+beunruhigt durch die glaubwürdige Nachricht, die zu Uns gekommen ist und
+Uns bezeugt hat, dass die herrschsüchtigen Fremden--die leider mitten in
+Montenegro die Unterstützung von manchen Leuten finden, die sich mit
+ruchlosen Absichten tragen--das montenegrinische Volk und seine
+Unabhängigkeit mit Vernichtung bedrohen ... Durch den Wunsch bewogen,
+diese Gefahr abzuwenden, haben wir nach Montenegro unsern Kommissär, den
+General-Lieutnant Graf _Svelic_ mit dem Auftrag gesandt, die
+Montenegriner und Bergleute unseres unaufhörlichen Wohlwollens gegen sie
+zu versichern, die ihnen drohende Gefahr zu zeigen und den geeigneten
+Weg zu ihrem Nutzen und Ruhm zu weisen.»
+
+Der russische heilige Synod glaubte in diese Angelegenheit selbst
+eingreifen zu müssen. Er erliess an den Vladika Peter ein unerhört
+vermessenes Schreiben,[21] in dem er dem Vladika Vorwürfe machte, die
+Gnade und den Grossmut der russischen Zaren und des Synods selbst
+vergessen, die vom Synod an Montenegro geschenkten Kirchengeräte und
+-gewänder veräussert, Klöster und Kirchen, Gottesdienst und
+Kirchenzeremonien vernachlässigt zu haben. «Darum ladet Euch der heilige
+Synod», heisst es dann, «durch diesen Brief vor sein Gericht, damit Ihr
+Euch rechtfertiget, wenn Ihr Euch unschuldig wisset, oder andernfalls
+Euch durch Busse reiniget. Falls Ihr diesen Befehl nicht befolget, wird
+der heilige Synod Euern Ungehorsam als Beweis Eurer Absichten gegen die
+Religion, gegen das Gesetz und gegen Euer Vaterland und als ein Zeichen
+Eurer Zuneigung zu dem feindlichen Volke ansehen. Und darum wird sich
+der heilige Synod gezwungen sehen, Euch als unwürdigen Sohn der heiligen
+Kirche und als Verräter Eures Vaterlandes zu betrachten, Euch Eures
+Amtes zu entheben und aus der Kirche zu exkommunizieren.»
+
+Die montenegrinischen Volksgubernatoren entsandten eine in der Tat
+vornehme und ritterliche Antwort dem Kaiser wie auch dem Synod. Diese
+Briefe sind von unschätzbarem Wert, da sie am besten illustrieren, wie
+das montenegrinische Volk seine Beziehungen zu dem russischen Volke und
+zu der russischen Kirche auffasste. Wir gestatten uns hier nur folgenden
+Auszug aus der Antwort an den heiligen Synod. Nachdem der Synod an alle
+Misshelligkeiten und Misszustände in seiner eigenen Kirche erinnert
+worden ist, und nach einem köstlich sarkastischen Vergleich der
+russischen Bischöfe, die in «vergoldeten Wagen im Luxus und Prunk
+fahren», mit dem montenegrinischen Bischof, der «zu Fuss und im
+Schweisse seines Angesichtes die steilen Berge erklimmen muss, um das
+Volk zu trösten und zu belehren», wird folgendermassen fortgefahren:
+«Bis jetzt haben wir nicht gehört, dass der russische Synod ein
+Richterrecht hat über das xaveno-serbische Volk, das ausserhalb der
+russischen Grenzen lebt. Darum hat er auch kein Recht über uns. Denn
+wir, das Volk in Montenegro und den Bergen, sind nicht Untertanen des
+russischen Reiches, sondern wir stehen bloss in seinem moralischen
+Schutz, und zwar dieses nicht aus einem anderen Grunde, sondern nur aus
+Gleichheit des Glaubens und des Volksstammes. Sollte Russland uns von
+sich zurückstossen, was wir nicht hoffen, werden wir doch Russland treu
+bleiben, solange der orthodoxe Glaube dort herrschen würde, aber immer
+nur unter der Bedingung, dass wir nie und nimmer Russland Untertan sein
+sollen wie die anderen Völker seines Reiches. Wir sind bereit, unsere
+von unseren Vorahnen mühsam erhaltene Freiheit bis zum Tode zu
+verteidigen und lieber mit dem Schwert in der Hand zu sterben, als uns
+in schändliche Sklaverei irgend einer Macht der Welt zu begeben.» Und
+dann heisst es weiter: «Bis heute hat niemand unseren Bischof vor das
+Gericht des russischen Synods zu stellen vermocht. Dies werden wir auch
+jetzt nicht dulden. Hätte er in irgend etwas gefehlt---wie er bei Euch
+ungerechterweise verleumdet wurde---, so könnten wir selbst ihn richten,
+_und zwar nicht als den Bischof, sondern als den einfachsten Bürger
+unter uns._»
+
+Der inquisitorische Synod wagte nach dieser Antwort keine weiteren
+Schritte, obwohl er durch seinen Boten dem Vladika mündlich drohte, ihn
+nach Sibirien zu vertreiben.[22]
+
+Der Kaiser war taktvoller und überlegener. Er befahl (nachdem er den
+Brief von dem Vladika erhalten hatte) seinem Konsul in Cattaro,
+_Masurevski_ mit Namen, nach Cetinje zu gehen und den Vladika zu
+beruhigen.[23]
+
+In der Tat hegte der Vladika zu dieser Zeit gewisse Hoffnung auf den
+ersten Konsul. Bonaparte war ganz gut unterrichtet von der militärischen
+Macht Montenegros. Im Jahre 1803 entsandte Bonaparte einen Offizier,
+_Félix de Laprade_, nach Montenegro, um mit dem Vladika ein Bündnis zu
+Werke zu bringen. Zu derselben Zeit waren die französischen Agenten,
+_Berthier_ und _Pouqueville_, die im Auftrag Bonapartes mit Peter I.
+gewisse Verhandlungen anstellten, in Ragusa. Der lebendige Wunsch der
+Montenegriner, mit den Bokelen ein Staatswesen zu bilden, war Bonaparte
+bekannt. Diesen Wunsch legte er darum seinen Verhandlungen zugrunde. Er
+versprach, die Bocca Montenegro zu überlassen, und übertrug dem Vladika
+alle Ehren. Bonaparte beabsichtigte, mit Oesterreich und mit der Türkei
+nacheinander zu kämpfen. Im einen wie im anderen Falle konnten die
+Montenegriner ihm von unermesslichem Nutzen sein, sei es mit bewaffneter
+Macht, sei es mit dem Einfluss des Vladika in der Bocca wie in der
+Herzegovina.[24]
+
+Die Unterhandlungen stockten. Der Vladika sandte einen Deputierten zu
+Bonaparte. Talleyrand empfing denselben freundlich, gab ihm aber keine
+entschiedene und klare Antwort, wie Peter erwartet hatte. Warum
+Bonaparte die Sache in die Länge zog, ist nicht sicher. Es war ein
+Moment der Spannung zwischen Montenegro und Russland. Er hatte die beste
+Gelegenheit, diesen Moment auszunützen. Das hatte er angefangen, aber
+nicht bis zum Ende durchgeführt. Sei dem wie es wolle, sicher aber ist,
+dass der Vladika, dem sich Bonaparte verschloss, von nun an die
+Franzosen als Feinde ansah und schon mit der Möglichkeit eines
+Zusammenstosses mit denselben in der Bocca rechnete.[25]
+
+Auch zu Oesterreich hatte Vladika Peter keine klaren und ungetrübten
+Beziehungen. Seitdem er mit Mahmut-pascha fertig war, und seitdem
+Oesterreich die Bocca okkupiert hatte, gab es oft Grenzkonflikte
+zwischen Montenegrinern und Oesterreichern. Denn nachdem der Vladika
+sein Land vor den Türken gesichert hatte, richtete er sein Augenmerk
+ausschliesslich auf die Bocca. Die Bocca zu befreien und mit Montenegro
+zu vereinigen, war sein einziges Streben. Nur angesichts dieses Ideals
+ist verständlich, warum er Beziehungen mit Bonaparte mit Eifer
+unterhielt und warum er es zu Grenzkonflikten mit den Oesterreichern
+kommen liess. Den österreichischen Verwalter Dalmatiens, _Bardy_,
+kostete es viel Geschick und Mühe, den Ausbruch eines Krieges mit
+Montenegro zu verhindern oder zu verschieben.
+
+So war am Anfang des Jahres 1805 für Russland immer noch die Möglichkeit
+gegeben, seine Beziehungen zu Montenegro wieder herzustellen. Alexander
+liess auch diesen Augenblick nicht unbenutzt. Bald nach der
+Versöhnungsmission Masurevskis nach Cetinje traf in der Hauptstadt
+Montenegros im März 1805 ein Gesandter aus Petersburg ein, der Staatsrat
+Stephan Sankovski, dessen Namen wir bereits erwähnt haben. Alexander
+eröffnete den Plan, Napoleon zu bekriegen und «Europa zu befreien». Er
+sandte Sankovski nach Cetinje, um Montenegro für die eventuelle Aktion
+für sich zu gewinnen.[26] Sankovskis besondere Mission bestand
+natürlich darin, den Vladika günstig gegen Russland zu stimmen.
+Sankovski brachte 3000 Dukaten mit sich, eine Summe, welche seit 1802 an
+Montenegro nicht bezahlt worden war.[27] In einem Schreiben, das
+Alexander an das Volk in Montenegro richtete, hiess es: «Immer bereit,
+euch Unsere Gunst zu bezeugen, haben Wir eurem Wunsche in bezug auf den
+Metropoliten gerne Folge geleistet, indem Wir demselben Bischof Unser
+kaiserliches Wohlwollen wieder geschenkt haben. Wir sind im übrigen
+überzeugt, dass Wir weder wegen seines Betragens noch dessen aller uns
+lieben Mitglieder des montenegrinischen Staatsrates nicht nur nicht
+irgend einen Anlass zum Verdacht oder zur Unzufriedenheit finden,
+sondern im Gegenteil, dass Wir immer in ihnen würdige Nachfolger jener
+Montenegriner erkennen werden, die Unseren Vorgängern die Beweise
+unverbrüchlicher Anhänglichkeit und Ergebenheit dem russischen Reich
+gegeben haben.»[28]
+
+Die Mission Sankovskis war eine lange und schwierige, denn die
+Verstimmung des Vladika gegen Russland war gross. Seine Mission wurde
+aber erleichtert durch die Entwicklung der Ereignisse. Als die
+bokelische Deputation nach Cetinje kam, um um Hilfe zu bitten, war
+Sankovski seinem Ziele nahe. Der Vladika liebte die Bocca und die
+Bokelen und wollte ihnen nach besten Kräften helfen. Franzosen und
+Oesterreicher waren seine Feinde, also musste er nolens-volens wieder
+den Russen sich anschliessen.
+
+
+
+
+II.
+
+Die Kämpfe bis zu Oubrils Vertrag.
+
+
+4. Ragusas Uebergabe und der Kampf bei Zavtat.
+
+Bald nachdem die Städte der Bocca den Bokelen übergeben worden waren und
+nachdem Montenegriner und Bokelen mit den Russen im Kloster _Savina_ am
+6. März ein grosses Nationalfest veranstaltet hatten, tauchten neue
+Schwierigkeiten auf. Noch am 7. März verbreitete sich im slavischen
+Lager bei Castelnuovo das Gerücht von dem Beschluss des ragusanischen
+Senats, dass Ragusa den Franzosen den Zugang nach der Bocca gestatten
+und ihnen sogar nötigenfalls seine Schiffe zum Heerestransport von
+_Ston_ nach Ragusa anerbieten werde. Obwohl man noch keine sichere
+Nachricht darüber hatte, segelte Kapitän Belli nach Ston, um jeder
+Eventualität vorzubeugen. Der Vladika entsandte eine Truppe seiner
+Montenegriner an die Grenze der Republik Ragusa, um dieselbe zu bedrohen
+und mindestens zur Neutralität zu zwingen. Das Gerücht zeigte sich als
+unbegründet. Als Admiral Senjavin zum zweiten Male nach der Bocca kam,
+entsandte Ragusa einen Senator, um ihn zu begrüssen und ihn um den
+Schutz der Republik zu bitten. Einmal kam Senjavin selbst nach Ragusa.
+Der Senat hiess ihn willkommen und schloss mit ihm am 18. Mai den
+Vertrag des folgenden Wortlautes: «Sobald man hört, dass das
+französische Heer den Boden der Republik betreten hätte, wird die Stadt
+Ragusa die russische Garnison aufnehmen, und der Senat die Bürger
+bewaffnen, damit sie gemeinsam mit dem russischen Heer gegen die
+Franzosen kämpfen.» Somit glaubte man, die Sache sei endgültig erledigt.
+Es war aber nicht so. In den Verhandlungen mit Senjavin waren drei
+Mitglieder des Senats gegen einen solchen Vertrag mit dem russischen
+Admiral. Sie dachten, die französische Landesmacht in Dalmatien---die sie
+sich natürlich allzugross vorstellten---könne die Republik besser in
+Schutz nehmen als die russische Flotte mit der kleinen Zahl der Bokelen
+und Montenegriner. In nachträglichen Beratungen darüber erklärten auch
+die übrigen Mitglieder des Senats sich mit den drei Opponenten
+einverstanden. Sie hielten es also für besser, die Franzosen statt der
+Russen aufzunehmen. Und so geschah es.
+
+Am 13. Mai fuhr Senjavin nach Triest. Und am folgenden Tage schon
+überschritt der französische General _Lauriston_ die türkische Grenze;
+am 15. war er in Ragusa, das er einnahm. Niemand leistete ihm
+Widerstand. Er kam mit 3000 Soldaten. Nun tat er etwas, was die
+Ragusaner nicht träumen konnten. Am 16. Mai erliess er eine Proklamation
+im Namen Napoleons, in welcher es hiess, dass die Unabhängigkeit der
+Republik aufgehoben sei, und dass ihr dieselbe so lange nicht
+wiedererstattet werden solle, bis das russische Heer die Bocca und die
+adriatischen Inseln räumen und die russische Flotte aus der Adria sich
+entfernen würde. Ragusa musste also seine Freiheit einbüssen wegen der
+russischen Uebermacht über die Franzosen zur See. Es vermochte an der
+Situation nichts zu ändern, an der Situation, an welcher es am mindesten
+Schuld trug. Der nun unverbesserliche Fehler des Senats war, dass er den
+Russen und seinen übrigen slavischen Volksgenossen gegenüber wortbrüchig
+wurde. Hätte die Republik am ersten mit Senjavin geschlossenen Bündnis
+festgehalten, so wäre ihre Unabhängigkeit wahrscheinlich noch für einige
+Jahre aufrechterhalten und ihr Untergang auf so viele Jahre verschoben
+worden.
+
+Als Vladika Peter von der Uebergabe Ragusas benachrichtigt wurde, eilte
+er sofort mit Montenegrinern und Bokelen den Franzosen entgegen. Mit den
+Franzosen waren auch die Ragusaner. Am 2. Juni stiessen die Armeen bei
+Zavtat zusammen. Der Kampf war nicht von langer Dauer, aber desto
+grösserer Erbitterung. Die Franzosen wurden mit ihren Verbündeten
+zurückgedrängt unter nicht unbedeutenden Verlusten. Sie liessen auf dem
+Kampffelde 250 Tote zurück und flüchteten sich in die Stadt Zavtat, wo
+sie sich einschlossen. Die Montenegriner und Bokelen hatten neun und die
+Russen einen Toten.
+
+Die drei folgenden Tage setzte sich der Kampf fort. Der Vladika bekam
+von den Russen einige Verstärkung. Nach dem ersten Kampf aber
+verliessen die Franzosen nachts Zavtat und liessen vier Kanonen zurück.
+Der russische Major _Sabjelin_ besetzte Zavtat. Die Montenegriner und
+Bokelen verfolgten den Feind auf dem Rückzug. Diesen Rückzug führten die
+Franzosen in bester Ordnung, aber langsam und mühsam aus, denn auf jedem
+Schritt mussten sie sich vor kühnen feindlichen Angriffen wehren. Als
+sie in die Nähe von Ragusa kamen, bemächtigten sie sich des Berges
+_Brgat_ und fingen an, sich auf demselben zu befestigen.
+
+Dieser Rückzug aber von Zavtat bis nach Brgat kam den Franzosen teuer zu
+stehen. Sie verloren 300 Mann, unter welchen 8 Offiziere waren. Sehr
+wichtig war dieser erste Zusammenstoss der verbündeten Slaven mit den
+Franzosen, wichtig für beide Teile. Die Montenegriner und Bokelen, die
+so viel von der unbesiegbaren französischen Armee hatten erzählen hören
+und die nicht so ganz siegesgewiss gegen die Franzosen in den Streit
+gezogen waren, wurden durch diese ersten Zusammenstösse sehr ermuntert
+und kampfesfreudig. Sie sahen ein, dass die französische Armee nicht
+unbesiegbar war. Sie dehnten die Bedeutung ihres Sieges aus und meinten,
+dieser Sieg sei ein Sieg über Napoleon. Diese Meinung tat der Grösse von
+Napoleons Ruhm natürlich keinen Abbruch, war aber anderseits geeignet,
+die Zuversicht ihrer Träger zu verstärken.
+
+Die Franzosen lernten jetzt zum ersten Male Mut und Kriegsführung eines
+von ihnen so weit entlegenen und bis dahin unbekannten Volkes kennen.
+Das erste Begegnen mit diesem Volke machte auf sie einen unerwarteten
+Eindruck. Sie hofften keineswegs bei einem so kleinen Volke so viele
+Widerstandskraft finden zu können. Sie gingen gegen die Bocca di Cattaro
+vor mit festem Glauben, dass sie mit einem Schlage alles bis nach
+Cattaro einnehmen würden. Sie dachten, das ungeübte und ungeschickte
+Küsten- und Bergvolk könne nicht so gut die Waffen handhaben. Sie
+hofften diesem Volke sofort Furcht einzuflössen. Sie täuschten sich in
+allen Stücken. Sie bewunderten zuerst den Kriegsmut und die verwegene
+Unerschrockenheit dieses einfachen Volkes. Ja, diese Bewunderung
+steigerte sich fast zur Furcht: Dieses Volk flösste den Franzosen
+Schrecken ein, erstens einmal durch seinen Mut und dann durch seine
+unbarmherzige und furchtbare Behandlung der Kriegsgefangenen.
+Gewöhnlich erkannten die Montenegriner keine Kriegsgefangenen an und
+liessen feindliche Krieger, die in ihre Hände fielen, wie in den
+früheren Kämpfen gegen die Türken---enthaupten. Dieses Verfahren war
+abscheulich in den Augen der feinfühlenden Franzosen. Abscheulich war es
+in der Tat.
+
+General Lauriston musste also von nun an die Sache viel ernster nehmen.
+Ein ungefähres Bild von bevorstehenden harten Kämpfen vermochte er schon
+nach dieser ersten bösen Erfahrung zu entwerfen.
+
+
+5. Der Kampf auf dem Berg Brgat.
+
+Mit fieberhafter Eile befestigte nun General Lauriston sein Lager auf
+dem steilen und uneinnehmbaren Berge Brgat. Dieser Gipfel beherrschte
+vollständig Ragusa nebst der ganzen Umgebung, wie auch den Hafen
+_Gravosa_. Von keiner Seite konnte das französische Heer überrascht
+werden. Die Linie vom Meer bis zur türkischen Grenze hatten die
+Franzosen besetzt. Diese Linie war sehr gut. Weil sie kurz war, konnte
+sie desto besser und stärker befestigt werden. Der rechte Flügel der
+Armee erstreckte sich bis zum Meer und der linke bis zur
+herzegovinischen Grenze, welche von der verbündeten Armee nicht
+überschritten werden durfte. Von hinten konnten die Franzosen keineswegs
+angegriffen werden; ebenso nicht von rechts und links. Und vor ihnen
+befanden sich steile und unzugängliche Abhänge. Günstigere Lage konnte
+man sich nicht denken.
+
+Während dieser ganzen Zeit weilte Admiral Senjavin mit der Flotte in
+Triest. Erst nach dem Kampf von Zavtat erhielt er die Kunde, dass die
+Franzosen ihm zuvorgekommen seien und Ragusa bereits eingenommen hätten.
+Rasch kehrte er nach Cattaro zurück, von dort zog er dann weiter und
+traf am 12. Juni vor Ragusa ein.
+
+Sofort suchte Senjavin den Vladika auf, um sich über den Stand der Dinge
+zu erkundigen. Die Montenegriner hatten sich nämlich nicht von den
+Franzosen abgekehrt; sie nahmen vielmehr Aufstellung am südöstlichen
+Fusse des Brgat, wohin sich der Feind zurückgezogen hatte. Mit ihnen
+waren auch die Russen, etwa 1200 Mann, unter dem Major Sabjelin. Die
+Zahl der Montenegriner samt den Bokelen belief sich auf 3500 Mann.
+Vladika Peter war der Meinung, man müsse den Feind so schnell wie
+möglich angreifen, bevor er seine Befestigung beendet und Verstärkung
+aus dem Norden erhalten hätte. Der Admiral war damit einverstanden. Der
+Angriff sollte schon am nächsten Tage ausgeführt werden. Den Oberbefehl
+über das reguläre russische Heer übernahm Fürst _Vjasemski_, der gerade
+von Korfu gekommen war.
+
+Am 17. Juni in aller Frühe entsandte der Vladika eine Abteilung
+Montenegriner, damit sie sich, wenn möglich, wenigstens des vordersten
+französischen Postens bemächtige. Der Feind war nämlich in vier
+Gefechtsabteilungen gegliedert. Die Montenegriner stürzten
+leidenschaftlich auf den ersten Posten los, zersprengten ihn und drangen
+sofort gegen den zweiten vor. Die Franzosen wollten sie offenbar etwas
+mehr in ihre unmittelbare Nähe locken. Vladika und Vjasemski sahen ein,
+dass die Lage dieser tapferen Abteilung jetzt sehr gefährlich, fast
+verzweifelt war. Sie sandten derselben einen Trupp Jäger zu Hilfe. Diese
+gerieten aber bald in dieselbe gefährliche Lage. Ein türkischer Offizier
+benachrichtigte den Vladika von dem Nahen einer Verstärkung für die
+Franzosen. Die Verbündeten sahen, dass sie keine Stunde mehr säumen
+dürften. Blitzartig bestieg Vladika den eroberten Posten. Die
+vorgerückten Montenegriner sahen ihren Vladika ihnen zu Hilfe kommen und
+fassten neuen Mut.[29] Der linke Flügel wurde angegriffen. Lauriston
+erwartete keineswegs den Angriff von dieser Seite. Er rückte seine
+Truppen nach links. Französische Batterien feuerten unaufhörlich. Nur
+ein Schritt zurück hätte für die Slaven Vernichtung bedeutet. Sie
+mussten also vorwärtsklettern. An einen Rückzug konnte man nicht im
+geringsten denken. Die Situation war also für die Slaven äusserst
+schwierig. Inzwischen aber erschien das übrige russische reguläre Heer
+auf dem Berg. Ein donnerndes «Hurra» erscholl hinter den Montenegrinern
+und Bokelen. Die Franzosen waren überrascht und erstaunt, doch nicht
+verworren. In guter Ordnung kämpften sie immer noch tapfer. Mit
+Schrecken aber sahen sie, wie das unreguläre Heer tollkühn ihrer Festung
+nahte. Es dauerte nicht lange, und sie erblickten es in unmittelbarer
+Nähe ihrer Schanze. Nur einen Augenblick zögerten die Montenegriner,
+bis sich das ganze verbündete Heer gesammelt hatte; dann aber wurde mit
+einem Schlag die französische Redoute, die mit 10 Kanonen bewaffnet war,
+erstürmt.[30] Die Franzosen zogen sich zurück und liessen ihre drei
+Positionen im Stich. Es blieb ihnen nur noch eine vierte am Fusse des
+Berges, gerade oberhalb von Ragusa. Unterdessen vereinigte sich mit
+ihnen die gerade angekommene Verstärkungstruppe. Daher fassten sie allen
+Mut zusammen und griffen die Slaven an, wurden aber wieder bis zu ihrer
+vierten Position zurückgeschlagen, wo sie haltmachten, doch ohne jede
+Hoffnung verloren zu haben. Nicht mehr als eine Viertelstunde vermochten
+sie von da aus Widerstand zu leisten. Die vierte Position wurde
+erstürmt, die Franzosen auseinandergetrieben. Ungeordnet und verwirrt
+flohen sie der Stadt zu. Viele Montenegriner kamen ihnen zuvor und
+legten sich an der Strasse in den Hinterhalt, um ihnen den Einzug in die
+Stadt zu verwehren. Unter zahlreichen Verlusten bemächtigten sich die
+Franzosen dennoch gegen 7 Uhr abends Ragusas.
+
+Es herrschte eine unerträgliche Hitze an jenem Tage, was in dieser
+Gegend nicht selten ist. Gleichwohl dauerte der Kampf unaufhörlich vom
+Morgen bis zum Abend fort. Die französischen Verluste waren gross. 800
+Tote und Verwundete hatten sie (die Ragusaner mitgerechnet), unter
+welchen 18 Offiziere sich befanden; zu diesen zählte auch General
+_Delgogne_. 90 wurden gefangen genommen. Die Russen verloren 16 Gemeine
+und einen Offizier, zudem zählten sie 33 Verwundete. Die Montenegriner
+und Bokelen büssten etwa 120 Mann ein.
+
+So endete dieser blutige Kampf vom 17. Juni, dessen furchtbares Ende
+Lauriston an dem Vorabend nicht vermuten konnte: Er und seine ganze
+Armee war von allen Seiten eingeschlossen. Diese Belagerung soll uns im
+Folgenden beschäftigen.
+
+
+6. Belagerung Ragusas.
+
+Am zweiten Tage nach dem Kampfe bei Brgat belagerten die Slaven Ragusa
+vom Lande her. Die kleine Insel vor der Stadt, _Locrum_ benannt, hielten
+die Franzosen noch besetzt. Senjavin versuchte, ihnen diesen Stützpunkt
+zu entreissen, was ihm nicht gelang. Major Sabjelin nahm diejenigen
+Franzosen gefangen, die er noch ausserhalb der Stadt fand, sei es in
+Gravosa oder in den umliegenden Häusern und Schluchten. Nun wollte man
+nicht stehen bleiben, sondern dachte an weitere Schritte. Die erste
+Sorge war, wie man die Franzosen zur Uebergabe zwingen könnte.
+Vergeblich hat man Lauriston zur Kapitulation aufgefordert. Auf das
+energischste hat er es abgeschlagen. Er erwartete Hilfe aus Dalmatien.
+Etwas Proviant für das Heer besass er, jedoch nicht genug. Lange hätte
+er schon dort sich halten können, wäre die Zufuhr der Lebensmittel aus
+der Herzegovina nicht von den Montenegrinern abgeschnitten worden. Alle
+Wege nach und aus der Stadt wurden gesperrt und das Wasser
+abgeschnitten.
+
+Darauf stellten die Russen ihre zwei Batterien auf der Höhe über der
+Stadt auf und fingen an, dieselbe zu bombardieren. Die Häuser Ragusas
+waren aus festem Material gleich den Ritterburgen gebaut. Auch eine hohe
+und dicke Mauer umgab die Stadt. Doch die Kanonenkugeln richteten
+bedeutende Schäden an. Tag und Nacht waren diese Batterien tätig.
+Lauriston sandte oft kleinere Abteilungen, damit sie die bokelischen
+Freiwilligen vertrieben, die sich in den Ruinen um die Stadt verborgen
+hielten und häufig auf dieselbe Angriffe versuchten.
+
+Die eigentliche Stadt war von Menschen überfüllt. Einmal weil neben den
+Stadtbewohnern die starke französische Garnison darin weilte, und dann,
+weil das Volk aus der Umgebung noch vor der Belagerung dort Zuflucht
+gesucht hatte. Von Anfang an musste man deshalb mit allen Nöten kämpfen,
+wie Hunger, Durst und Krankheiten. Der schreckliche Zustand
+verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Senjavin war dies sehr wohl bekannt.
+Ihn und Vladika dauerte es besonders, dass die unschuldige Bevölkerung
+aus der Umgebung so furchtbar leiden musste. Darum versuchte Senjavin
+wiederholterweise Lauriston zur Kapitulation zu bewegen, aber jedesmal
+erfolglos.[31] Der französische General machte zweimal Versuche, um die
+Stadt von der Belagerung zu befreien. Am 28. Juni griffen seine Soldaten
+um Mitternacht den russischen rechten Flügel an, wurden aber
+zurückgeschlagen und liessen 10 Tote und 23 Verwundete auf dem Felde.
+Und am 3. Juli wurden zum zweiten Male 400 Franzosen nach der Vorstadt
+_Pilae_ ausgesandt, um das verbündete Heer zu beunruhigen. Eine
+Abteilung Montenegriner erhielt daher den Befehl, diejenigen Häuser in
+der Vorstadt anzuzünden, von wo aus die Franzosen ihre Angriffe machten.
+Der Befehl wurde ausgeführt. Es kam zu einem heftigen Scharmützel, in
+welchem 100 Franzosen umkamen. (Russen und Montenegriner verloren 11
+Mann.) Die übrigen flüchteten sich in die Stadt und wagten nicht mehr
+herauszukommen, solange die Belagerung dauerte.
+
+Senjavin hatte schon seit Wochen den Befehl aus Petersburg erhalten, die
+Bocca den Oesterreichern zu übergeben, damit sie dieselbe an die
+Franzosen ausliefern könnten. Diesen Bescheid hielt er lange geheim. Es
+ging aber ein leises Gerücht durch die Armee, dass der Admiral einen
+solchen Befehl in der Tasche trüge. Senjavin liess jenes Gerede nicht
+unterdrücken oder dementieren, vielmehr schien es, dass er die
+Verbreitung desselben begünstigte, bis er schliesslich selber die Sache
+der Armee kund tat. Auf diese Nachricht wurden die Bokelen und
+Montenegriner bis zum Tode betrübt und entmutigt. Sie konnten gar nicht
+fassen, dass es des Zaren Wille sei, sie, die so mutig und aufopfernd
+gegen den gemeinsamen Feind gekämpft hatten, an diesen ausgeliefert
+werden sollten. Viele verliessen den Kampfplatz sofort und kehrten heim.
+
+Die Belagerung dauerte bis am 6. Juli. An diesem Tage hatten die Slaven
+noch einen Zusammenstoss mit den Franzosen. Früh am Morgen kam die
+Nachricht ins russische Lager, dass 500 Mann Ersatztruppen für die
+Franzosen von Ston heranrücke. Der Vladika sandte zu der Mündung des
+Flusses _Ombla_ eine Abteilung Montenegriner, den nahenden Feind zu
+empfangen. Kaum waren die Montenegriner dort angelangt, als ein neues
+Heer auf den türkischen Hügeln erschien. Das war General _Molitor_ mit
+3000 Mann. Ueber Ston hatte er jene 500 Leute ausgesandt, damit er die
+Aufmerksamkeit der Slaven dorthin lenke, sie dann von hinten überrasche
+und zwischen die beiden Feuer treibe. Als diese Armee zum Vorschein kam,
+eilten die Montenegriner und Bokelen ihr entgegen. Sobald die Armee die
+Grenze überschritt, fielen sie über sie her und zwangen sie,
+haltzumachen. General Molitor war erstaunt wegen dieses kühnen Streiches
+eines so kleinen irregulären Heeres. Es kam zu einem heftigen aber
+kurzen Zusammenstoss. Die Slaven wurden bis Gravosa zurückgedrängt.
+Molitor vereinigte sich mit der Armee aus der belagerten Stadt. Senjavin
+wollte sich nicht in einen weiteren Kampf einlassen, da er keinen
+Vorteil davon erwarten konnte. Die kriegerische Stimmung seines Heeres
+und insbesondere der Bokelen hatte nachgelassen. Der Vladika schiffte
+sich mit einem Teil seiner Leute ein und fuhr mit Senjavin und den
+Russen nach der Bucht di Cattaro. Ein anderer Teil Montenegriner hielt
+noch eine Zeitlang den Kampf gegen die Franzosen aufrecht. Sie traten
+langsam den Rückzug in der Richtung auf Zavtat an und gingen von da aus
+nach Castelnuovo, um sich mit dem übrigen Heere zu vereinigen.
+
+In Castelnuovo war jetzt das Hauptlager der Bokelen, Russen und
+Montenegriner. Das Volk aus der Umgebung kam haufenweise, um die Krieger
+zu begrüssen. In diesem Lager ging es wie bei einer politischen
+Versammlung zu. Das Volk klagte und jammerte, dass es nach so vielen
+Opfern doch unterjocht werden solle. Es wurden flammende Reden gehalten
+gegen Franzosen, Oesterreicher und sogar gegen das offizielle Russland
+(nicht gegen die Russen überhaupt, denn die Russen, welche mit dem Volke
+gegen den Feind zusammenkämpften, waren in der Bocca sehr beliebt). Man
+beschloss, eine Deputation zum Zaren nach Petersburg zu schicken, um ihn
+zu bitten, die Bocca nicht ihrem Feinde auszuliefern. In der Bittschrift
+erinnerten sie den Zaren, wie die Franzosen wider das Völkerrecht Ragusa
+besetzt hätten, obwohl diese Republik unter dem Schutz der ottomanischen
+Pforte, der damaligen russischen Bundesgenossin, stand.[32] Vier
+Deputierte wurden gewählt und abgesandt.[33]
+
+In Erwartung von Russlands Antwort konnte dieses Volk keine Waffenruhe
+halten. Die Montenegriner und Bokelen gingen oft nach Ragusa, um die
+Franzosen herauszufordern. Auch vom Meere aus fuhren sie heran,
+richteten allerlei Schaden an und kehrten dann in die Bucht zurück.
+Diese Bandenzüge beunruhigten fast täglich die französische Armee, dass
+diese--obwohl die Belagerung schon am 6. Juli aufgehoben war--immer noch
+nicht wagten, aus der Stadt abzuziehen.
+
+Das war ihrerseits natürlich klug. Denn sie wussten, dass es zwischen
+Napoleon und Russland abgemachte Sache sei, die Bocca di Cattaro an sie
+auszuliefern. Warum sollten sie nun umsonst Blut vergiessen.
+
+
+7. Oubrils Vertrag.
+
+Wir haben schon im ersten Kapitel erwähnt, wie sich die politische
+Situation der europäischen Grossmächte in einem beständigen Hin-und
+Herschwanken befand. Napoleon hetzte Oesterreich gegen Russland, dieses
+stand in Ungewissheit, mit wem es nach der Niederlage von Austerlitz
+halten sollte; in England war seit dem Tode Pitts (23. Januar 1806) eine
+Wendung in der äussern Politik eingetreten. Diese war, wenn auch nur für
+kurze Zeit, von Einfluss auf die Lage des übrigen Abendlandes. Das
+Ministerium _Fox-Grenville_ kam im britischen Reiche ans Staatsruder.
+Man erwartete allerwegs, dass Fox, der mächtigste Gegner der
+kriegerischen Politik Pitts, einen neuen Weg in der äusseren Politik
+einschlagen werde. Man täuschte sich auch nicht. Fox trieb seinem
+Charakter gemäss eine friedfertige Politik. Er hegte innige Freundschaft
+für Frankreich. Ein Briefwechsel zwischen ihm und Talleyrand zeigt dies
+zur Genüge. Er wollte unverzüglich den Krieg mit Frankreich beilegen.
+
+Man kannte in Petersburg die Gesinnung und die Politik des neuen
+englischen Ministers. Unter Rücksichtsnahme auf die Tatsache, dass
+dieser Mann jetzt die Führung Englands, d.h. des russischen Verbündeten,
+hatte, wie auch auf die Absicht Napolens, Oesterreich von Russland
+loszumachen, entschloss man sich am kaiserlichen Hofe, eine Annäherung
+an Frankreich zu versuchen. Weil England denselben Schritt zu tun im
+Begriffe war, war das schon an sich ein genügender Grund, dass auch die
+Russen zu Napoleon in freundschaftliche Beziehung treten wollten. Daher
+sandte Alexander den Staatsrat Oubril, den ehemaligen Geschäftsträger
+in Paris, nach Frankreich. Oubril hielt auf der Durchreise sich in Wien
+auf und versicherte dem Hofe und dem Grafen Stadion, dass er
+Instruktionen bekommen habe, bei dem Abschluss von Verträgen auch
+Oesterreichs Interessen zu wahren.[34] Man atmete in Wien ein wenig
+freier auf. Diese Versicherung konnte insbesondere den Grafen Stadion
+beruhigen, da er durch dieselbe nun gewiss war, dass Oesterreich nicht
+gezwungen werde, sich auf die Kniee vor Napoleon zu werfen.
+
+Es war klar, dass es für die Verbündeten vorteilhafter sei, gemeinsame
+Friedensunterhandlungen mit Napoleon zu führen. Dem Betragen des
+russischen Bevollmächtigten nach aber schien es, als ob Oubril die
+Instruktionen des Zaren hätte, nötigenfalls auch Separatverhandlungen zu
+übernehmen. Fox sträubte sich insbesondere gegen solche. Er wusste gut,
+dass Napoleon nur in dem Falle etwas abzuringen sei, wenn alle
+Verbündeten gemeinsame Sache machen würden. Nicht weniger war das auch
+Stadions Standpunkt.
+
+Oubril wurde von Talleyrand mit grosser Zuvorkommenheit behandelt. Er
+versicherte den russischen Unterhändler, dass ein Friede mit Russland
+für Napoleon die wünschenswerteste Sache sei, wie auch, dass einem
+russisch-französischen Abkommen nicht viele Hindernisse im Wege ständen.
+
+Auf das diplomatische Intrigenspiel brauchen wir hier nicht näher
+einzugehen. Für uns ist nur das Schicksal der Bocca di Cattaro während
+solch verwickelter diplomatischer Zustände wichtig. Talleyrands
+Forderungen an Russland gingen darauf hinaus, die Bocca solle den
+Franzosen geräumt werden. Nur dann könne die Rede sein von einer Räumung
+des österreichischen Territoriums seitens der Franzosen.
+
+Das Abkommen wurde schliesslich zustande gebracht und am 20. Juli von
+den beiderseitigen Unterhändlern unterzeichnet. Die Hauptpunkte dieses
+Abkommens waren: Anerkennung von Napoleons Kaisertitel durch Russland,
+Räumung des österreichischen Bodens und Uebergabe der Bocca di Cattaro
+an die Franzosen. Inzwischen begann General Lauriston Verhandlungen mit
+Senjavin und den österreichischen Diplomaten, den Grafen _Bellegard_ und
+_L'Epin_. Da er sich mit Senjavin wegen dessen zögernder Haltung nicht
+verständigen konnte, forderte er von den Bokelen, sich den Franzosen zu
+ergeben. Bellegard war entschieden dagegen. Denn er meinte, wenn die
+Franzosen die Bocca nicht von Oesterreich unmittelbar erhielten, so
+würde die Festung Braunau diesem letzteren verloren gehen.[35]
+
+Lauriston machte Versuche, auch den Vladika Peter zur freundlicheren
+Gesinnung gegen die Franzosen zu bewegen. Er hatte erfahren, welch
+unwiderstehlichen Einfluss er auf die Bokelen hatte. Er wusste, dass
+keine Macht, folglich auch die Franzosen nicht, ohne seine Zustimmung in
+dieser Gegend ruhig und glücklich zu herrschen vermöchten. Lauriston
+machte dem Vladika viele Versprechungen. So verhiess er ihm z.B. im
+Auftrage Napoleons die Patriarchenwürde über ganz Dalmatien.[36]
+Selbstverständlich lehnte es der Vladika ab. Es gab eine Zeit, von
+welcher wir schon gesprochen haben, wo er willig war, mit den Franzosen
+in Bündnisverhandlungen einzugehen, wo er solche sogar sehnsüchtig
+wünschte. Diese Zeit war aber jetzt vorüber. Die Situation hatte sich
+geändert. Der Vladika wusste, dass sein Volk nach so vielem
+Blutvergiessen und nach so vielen Feindseligkeiten mit den Franzosen
+nicht frohen Herzens mit denselben jetzt ein Bündnis schliessen würde.
+Er kannte zu gut den Charakter dieses schlichten Volkes, das seine
+Gefühle nicht nach diplomatischen Erwägungen, sondern nach einem
+angeborenen Gerechtigkeitsmassstab regulierte. Dieses Volk vermochte
+nicht heute jemandes Freund zu werden, dessen Feind es gestern gewesen
+war.
+
+
+
+
+III.
+
+Die Kämpfe bis zum Tilsiter Frieden.
+
+
+8. Vorbereitung zum neuen Kampf.
+
+Im slavischen Lager zu Castelnuovo erwartete man mit Ungeduld die
+Antwort des Zaren auf die wegen Nichtauslieferung der Bocca gesandte
+Bittschrift, Lauristons Verhandlungen scheiterten allenthalben. Er gab
+sie auf, oder besser gesagt, er übergab sie dem gerade angekommenen
+Generalissimus der französischen Armee für Dalmatien, dem General
+Marmont. Am 2. August langte dieser in Ragusa an. Er fand, wie er selbst
+behauptet,[37] die Armee in einem ganz elenden Zustande. Die
+französischen Truppen in Dalmatien sollten aus den Mitteln unterhalten
+werden, die sie von dem Militärlager in Italien bekamen. Die
+Unterstützung war aber mangelhaft und unregelmässig. Die
+Kriegkommissäre, die die Lebensmittel aus Italien expedierten und die,
+welche dieselben in Dalmatien empfingen, lieferten der Armee das
+verdorbene Korn. «Le pain était infect, les hôpitaux étaient dans le
+plus grand abandon, les casernes sans fournitures; tout était dans
+l'état le plus déplorable; plus du quart de l'armée était aux hôpitaux,
+où la mortalité était effrayante: c'était pire que ce que j'avais trouvé
+deux ans et demi avant en Hollande.[38] So sagt Marmont, nicht aber von
+dem Zustande der Armee in der Bocca allein, sondern in Dalmatien
+überhaupt.
+
+Marmont gab sich alle Mühe, diesen unheilvollen Zustand zu bessern. Er
+machte die dalmatische Armee finanziell unabhängig von der
+italienischen. Fleischlieferungen bestellte er von Bosnien, wo das Vieh
+billig war und Kornlieferungen von Pola und Triest.[39] Grosse Sorgfalt
+widmete er insbesondere den bis dahin ganz vernachlässigten Spitälern.
+Es gab zu wenig Spitäler, nämlich nur ein einziges in Zara, sodass viele
+kranke Soldaten starben, bevor sie ins Spital gebracht werden konnten.
+Er vermehrte die Spitäler, er richtete sie gut und zweckmässig ein.
+Somit verminderte sich die Sterblichkeit der Soldaten merklich.[40]
+
+Marmont war überrascht, dass man in der Bocca keine Notiz davon nahm,
+dass das Land nach dem abgeschlossenen Vertrag vom 20. Juli sofort an
+die Franzosen auszuliefern sei. Er kam nach der Bocca in der festen
+Ueberzeugung, dass er nichts anderes zu tun haben werde, als bloss das
+Land zu besetzen ohne Kampf und Krieg. Als seine Hauptmission
+betrachtete er, den Bedürfnissen der Armee nachzukommen, die ungeheuer
+waren.[41]
+
+Die Situation war aber eine ganz andere, und demgemäss musste er nun
+handeln. Er erinnerte den russischen Admiral an den Pariser Vertrag.
+Senjavin gab eine zögernde Antwort mit der Bemerkung, dass der Vertrag,
+obwohl abgeschlossen und durch die Unterhändler unterzeichnet, noch
+nicht durch den Zaren bestätigt worden wäre. Unterdessen erfuhr Marmont,
+dass das slavische Heer in der Bocca bei Castelnuovo Verstärkungen
+erhalte. Es ging auch ein Gerücht durch das Land, dass die Slaven an die
+Fortsetzung des Krieges dächten. Dem französischen General blieb somit
+nichts übrig, als sich selber zum Kampfe vorzubereiten. Mit grosser Eile
+liess er zwei Festungen konstruieren, die eine auf dem oberhalb Ragusa
+sich befindenden Berge _Sancto-Sergio_ und die zweite auf dem ersten
+Posten, unweit davon. Grossen Wert legte er auf die Freundschaft mit
+den benachbarten Türken von Bosnien und Herzegovina. Er knüpfte
+freundschaftliche Beziehungen mit dem Agha von Mostar, mit dem Pascha
+von Trebinje und dem Vezier von Bosnien an. Er machte ihnen manche
+Geschenke in Waffen und Berggeschützen.[42]
+
+Da die wiederholten Vorstellungen bei Senjavin keinen Erfolg hatten,
+rückte Marmont sein Heer bis ins Gebiet von Castelnuovo vor. Ein
+Waffenstillstand war am 14. August zwischen Senjavin und Lauriston
+abgeschlossen worden, der noch Gültigkeit hatte. Bei dem kleinen Hafen
+_Molonta_ stellte er auf dem Berge seine Batterien auf und traf auch bei
+_Ostro_ viele Vorkehrungen.
+
+Unterdessen kam der kaiserliche Feldjäger und brachte das Gebot des
+Zaren vom 12. August an seine Armee, den Kampf unverzüglich
+fortzusetzen. Dass Alexander den Vertrag Oubrils vom 20. Juli nicht
+anerkennen wollte, das hatte Senjavin schon vorher erfahren, und das
+wussten auch manche bokelische Führer. Der kaiserliche Bote nun
+bestätigte das, was eine allgemeine Freude im slavischen Lager und in
+der ganzen Bocca hervorrief. Am 12. September, anlässlich der
+Namenstagfeier des Zaren, teilte Senjavin im geheimen mit, dass der
+Krieg bald wieder eröffnet werden solle.[43] Man bereitete sich vor,
+soweit man dies noch nicht war. Von Korfu kam auf Befehl Senjavins der
+General-Major Popondopuli mit weiteren Infanterieabteilungen, die er auf
+der Insel in Bereitschaft hatte. Das russische reguläre Heer betrug 3000
+Mann, die Zahl der Bokelen und Montenegriner war 6000 Mann.[44] Die
+russische Flotte bestand aus 22 Kriegsschiffen, unter denen 12 Schiffe
+Kreuzer waren. Die Bokelen hatten auch eine ziemliche Anzahl von
+Handelsschiffen, die jetzt zum Krieg verwendet wurden. Diese waren
+natürlich klein, aber eben deshalb leicht lenkbar und insbesondere gut
+passend für die enge Bucht di Cattaro, wo die grossen Kriegsschiffe nur
+mit Mühe sich drehen konnten.
+
+
+9. Der Kampf bei Castelnuovo.
+
+Die französischen Truppen waren bis in die Nähe von Castelnuovo
+vorgerückt. Sie versuchten für sich den Boden zu ergreifen und sich zu
+verschanzen ganz in unmittelbarer Nähe vor dem slavischen Lager. Daher
+gab es schon am 14. September deswegen einen kleinen Zusammenstoss
+zwischen jenen Truppen und einer Abteilung der Freiwilligen unter dem
+Kommando von Graf _Georg Voinovic_ aus Castelnuovo und _Vuko Radonic_
+aus Njegusch, wobei die Franzosen mit einigen Verlusten sich
+zurückziehen mussten.[45]
+
+Um das Vorrücken der Franzosen zu verhindern, wurde sogar auch die
+Schiffsartillerie seitens der Russen verwendet. Die Franzosen hatten
+sich nämlich des Vorgebirges _Ostro_ bemächtigt, eines Punktes, der die
+gesamte Bucht beherrschte; von dort aus glaubte Marmont der russischen
+Flotte den Ausgang aus der Bucht versperren zu können. Senjavin erkannte
+die Gefahr und beschoss darum die Franzosen mit Schiffsgeschützen sobald
+sie sich auf Ostro zeigten und sich daselbst zu verschanzen suchten.[46]
+Als das starke und unaufhörliche Schiessen im Lager bei Castelnuovo
+gehört wurde, machte sich alles bereit. Am 25. September griff der
+Vladika mit seinen Leuten die Franzosen von der entgegengesetzten Seite
+an. Diese sahen sich gezwungen, das Vorgebirge zu verlassen und zogen
+nach Molonta in ihre starke Befestigung zurück. Aber schon am Abend
+desselben Tages mussten sie auch dort den Montenegrinern weichen, wobei
+sie 38 Geschütze und zahlreiches anderes Kriegsmaterial zurückliessen,
+was dem Vladika willkommen war. Die Franzosen hielten sich immer am
+Rande der Meeresküste und zogen sich langsam zurück. Nur auf dem _Debeli
+Breg_ hielten sie an und wagten Widerstand zu leisten, aber nur für
+kurze Zeit; sie setzten darauf ihre Flucht weiter fort. Am zweiten Tage
+wurden sie immer weiter verfolgt. Die russische Armee holte die
+Montenegriner bei Debeli Breg ein und vereinigte sich mit ihnen. Die
+Franzosen erreichten endlich ihr Lager in Zavtat.
+
+In einer anderen sehr starken Verschanzung bei Vutche Zdrelo hatten die
+Franzosen an diesem letzteren Tage einen heftigen Zusammenstoss mit
+einer Abteilung der Bokelen aus _Risano_ unter der Führung des Grafen
+_Sava Svelic_. Stürmisch wurden sie von den Risanern angegriffen und zur
+Preisgabe der Festung gezwungen, worauf deren bisherige Besatzung nach
+Zavtat zurückeilte.
+
+Marmont liebte ein schnelles Vorgehen. Er wollte sich nicht in Zavtat
+(Ragusa Vecchia) von dem Feind einschliessen und aushungern lassen. Er
+dachte an eine neue Offensive. Noch in der Nacht zwischen dem 29. und
+30. September zog er aus dem Lager mit ungefähr 6000[47] Mann aus. Eine
+Reserveabteilung liess er in Zavtat zurück. Mit 6000 Soldaten
+marschierte er nun gegen den Feind. Die Nacht war dunkel, es regnete
+stark. Das Vorwärtskommen der Franzosen wurde verlangsamt. Sie zogen
+jedoch tapfer die ganze Nacht weiter. Marmont hoffte, die Montenegriner,
+die am Ufer des Flusses _Liuta_ ein Nachtlager aufgeschlagen hatten,
+noch während der Finsternis zu überraschen. Er kam aber zu spät. Das
+Unwetter war schuld daran. Als es graute, war er noch eine Meile von
+Liuta entfernt. Seine Attacke führte Marmont sehr geschickt aus. Er
+sandte den Obersten _Planzone_ mit einem Bataillon voraus. Ihm sollte
+General Lauriston zur Unterstützung folgen. Marmont selbst rückte mit
+dem übrigen Heer als Reserve nach.[48]
+
+Der Angriff war ein starker. Die montenegrinischen Vorposten wurden
+zurückgeworfen bis zum Lager am Flusse, wo sich der Vladika befand. Nach
+einem heftigen Kampf, bei welchem auch er in grosse Gefahr geriet, zogen
+sich die Montenegriner mit Verlust von 60 Mann auf die Höhen von
+_Moidesch_, _Mokrino_ und _Kameno_ zurück. General Popondopula kam den
+Montenegrinern zu Hilfe. Er stellte seine Truppen auf den Moidescher
+Bergen auf, während die Montenegriner sich von da zurückzogen, um die
+Schluchten zwischen Castelnuovo und Risano zu besetzen; so deckten sie
+den Rücken der Armee. Die Erhebungen von Mokrino und Kameno wurden jetzt
+noch stärker besetzt. Die Stellung des russischen Generals war nunmehr
+viel vorzüglicher, denn die der Franzosen. Marmont ordnete Lauriston mit
+zwei Bataillonen gegen diesen feindlichen Truppenteil ab. Aber beim
+ersten Ansturm wurde Lauriston von den Russen zurückgeschlagen. Marmont
+gab Lauriston sofort eine Verstärkung mit, bestehend in einem Bataillon
+Grenadiere unter dem Kommando von General _Launay_. Der Kampf dauerte
+noch sieben Stunden. Die Russen traten nach dem ausserordentlich mutigen
+und harten Angriffe der Franzosen den Rückzug an und gaben ihre Position
+auf der Höhe preis. Das taten sie aber erst nach verzweifelter
+Gegenwehr; mit dem Bajonett war man auf die Franzosen eingedrungen.
+Ungefähr 250 Mann, Russen und Bokelen, liessen ihr Leben auf dem
+Schlachtfeld. Die Russen nahmen ihre Richtung auf Castelnuovo und wurden
+von den Franzosen unermüdlich verfolgt. Diese Verfolgung ging bis zum
+Vorgebirge Ostro und dauerte angesichts der russischen Flotte noch fort,
+bis diese mit den Kartätschen die Franzosen zum Stehen brachte und den
+Ihrigen den Rückzug bis Castelnuovo auf diese Weise ermöglichte.
+
+Am 1. Oktober begann Marmont einen neuen Kampf. Den General Lauriston
+sandte er gegen Kameno und Mokrino, wo die Bokelen und Montenegriner
+standen, und den General _Delzons_ gegen die Russen vor Castelnuovo, um
+diese herauszulocken und von der Stadt abzuschneiden. Auch befahl er,
+alle Bauernhäuser in der Umgebung der Stadt anzuzünden und zu
+verbrennen. «C'était punir la rébellion dans son foyer même»,[49]
+erklärt Marmont. Dabei wurde auch ein türkisches Dorf, _Schwinje_,
+verbrannt, weil die Bewohner des Dorfes die gefordete Hilfe den
+Franzosen nicht leisten wollten. Die Montenegriner bei Kameno und
+Mokrino warteten nicht ab bis Lauriston sich ihnen genähert hatte,
+sondern rückten, sobald sie seiner ansichtig wurden, mit Wut vor, sodass
+er sich sofort zurückziehen musste. Auf die zweite Abteilung, unter
+General Delzons, der «avec vigeur»[50] die Truppen führte, wie Marmont
+selbst bezeugt, feuerten die Geschütze von den zwei Festungen
+_Castelnuovo_ und _Espagnola_ und von der Flotte aus. Diesen Moment
+beschreibt Marmont folgendermassen (dies stimmt mit den slavischen
+Berichten): «Le 2 octobre, au moment où je faisais incendier les beaux
+faubourgs de Castelnuovo, malgré le feu de la flotte ennemie, mille à
+douze cents paysans[51] et quelques Russes vinrent attaquer les postes
+de ma gauche, les surprirent et les obligèrent à se replier.»[52] Als
+der linke Flügel, unter dem General Lauriston, zurückgedrängt wurde,
+vereinigte er sich mit dem General _Delzons_. Dieser hatte auch viel zu
+leiden unter dem Feuer vom Lande und Meere her. Marmont gab ihm
+italienische Garde zur Unterstützung bei. Der Kampf wurde von Stunde zu
+Stunde immer heftiger. Die Masse des Volkes aus den umliegenden Dörfern
+und der ganzen Bocca strömte bei dem Schauplatz des Kampfes zusammen.
+Die unmündigen Kinder wie die Greise eilten ins Lager ihrer kämpfenden
+Brüder zu Castelnuovo, um ihnen irgendwie behilflich zu sein. Der Kampf
+dauerte den ganzen Nachmittag. Die Montenegriner sprangen haufenweise
+unter die Franzosen. Furchtbare Szenen entstanden, wie man sie sich nur
+dort vorstellen kann, wo die Gegner wutentbrannt mit Dolch und Revolver
+gegeneinander losstürmen. Zuletzt wurden die Franzosen bis in ihr Lager
+in _Sutorina_ zurückgedrängt. Es war schon tiefe Nacht, als die letzten
+Schüsse fielen.
+
+Um die Morgendämmerung des 3. Oktober erschallten die Rufe der
+montenegrinischen Wachen aus der Nähe von Sutorina: «Wer ein Held ist,
+auf! Der Franzose flieht!»[53] Die Franzosen waren schon weg. In der
+Nacht befahl Marmont den Rückzug nach Zavtat. Er sah wohl ein, dass es
+ganz sinnlos wäre, sich auch weiter in einen Kampf gegen die befestigten
+Slaven in Castelnuovo einzulassen. Er konnte nicht gegen Castelnuovo
+vorgehen, ohne ins Kreuzfeuer der Festungen auf dem Lande und der Flotte
+auf dem Wasser zu geraten. Denn nur von einer Seite, und zwar von dieser
+gefährlichen aus, konnte man von Sutorina nach Novi marschieren. Ein
+Umgehen war ausgeschlossen wegen der steilen Berge, die über die Stadt
+herniederhängen.
+
+Als der Ruf der Wachen in Castelnuovo gehört wurde, stürmten die
+Montenegriner mit ihrem Vladika den Franzosen nach. In zwei Stunden
+wurden diese eingeholt. Da sich Marmont nicht in den Kampf einlassen
+wollte, beschleunigte er bloss seinen Wegzug. Unterdessen kamen auch
+russische Jäger und verfolgten im Verein mit den Montenegrinern Marmont
+aufs härteste. Viele Tote und Verwundete blieben auf den Strassen
+liegen. Die Feuerschüsse richteten unter den Franzosen grossen Schaden
+an. Endlich erreichten sie Zavtat, wo sie sich verschanzten, und die
+Montenegriner kehrten mit Beute beladen zurück.[54] Der Bericht, den uns
+Marmont von diesem Rückzug hinterlassen hat, lautet ganz anders. Er
+schreibt: «J'avais atteint mon but et montré à ces peuples barbares ma
+superiorité sur les Russes (nämlich im Kampfe bei Castelnuovo). Je me
+retirai le 3, en plein jour, à la vue de l'ennemi. Rentré à
+Raguse-Vieux, mes troupes reprirent le camp qu'elles avaient quitté cinq
+jours auparavant. La terreur des ennemis était telle, que pas un paysan
+n'osa me suivre.» (!)[55] Wenn wir alle russischen und serbischen
+Berichte von dem Kampf bei Castelnuovo und vom Rückzug der Franzosen von
+Sutorina nach Zavtat auf ihre gemeinsamen Züge hin untersuchen und wir
+bloss diesen Bericht Marmonts in Betracht ziehen, so muss uns manches
+ganz auffallend vorkommen. Sollte Marmont bei Castelnuovo das slavische
+Heer besiegt haben, so bleibt sein eiliger Rückzug nach Zavtat ganz
+unerklärlich, da jener Ort 17 km von dem Kampfplatz entfernt war. Wenn
+er wirklich gesiegt hätte, und wenn «la terreur des ennemis» so
+furchtbar gross gewesen wäre, so ist es das grösste Geheimnis für uns,
+wenn er diese «entsetzten Bauern» nicht weiterverfolgen wollte. Sein
+Ziel war doch, Castelnuovo und Cattaro zu bezwingen oder wenigstens das
+Land zu besetzen. Nichts von dem hatte er erreicht. Wozu dann
+unverrichteter Sache ein Rückzug? An einem anderen Ort, wo er das
+Ergebnis des Kampfes bei Castelnuovo in Erwägung zieht, sagt Marmont:
+«Ainsi l'ennemi, qui comptait mettre à feu et à sang Raguse et la
+Dalmatie, n'avait pas pu défendre son territoire et ses propres
+foyers.»[56] War dem so, so stand dem General nichts im Wege, dieses
+Territorium in seiner Gewalt zu behalten. Castelnuovo ist der stärkste
+Punkt in der ganzen Bocca. Wer diesen Ort besetzt hat, der ist der Herr
+des Landes. Wenn dieser Punkt also von den Slaven nicht verteidigt
+werden konnte, wie der General es behauptet, so hätte er Castelnuovo
+besetzen können. Er unterliess dies aber gänzlich und zog weiter nach
+Zavtat zurück. Er verliess natürlich auch alle anderen befestigten
+Posten, die er selbst bauen lassen oder den Slaven weggenommen hatte,
+wie Molonta, Liuta, Ostro, Sutorina, Kameno und Mokrino. Jedermann, der
+seinen Bericht mit mehr Aufmerksamkeit und Erwägung liest, wenn er auch
+den Boden, um welchen es sich hier handelt, nicht kennt, muss vor einem
+unerklärlichen Rätsel stehen. Und jedermann der diese Landschaften kennt
+und die anderweitigen Berichte denen Marmonts kritisch gegenüberstellt,
+muss daraus schliessen, dass die Franzosen bei Castelnuovo geschlagen
+worden sind und deswegen sich schnell bis nach Zavtat zurückzogen,
+verfolgt von den Bokelen, Russen und Montenegrinern.
+
+Nach dem Kampfe erliess Senjavin eine Proklamation an die Bokelen und
+Montenegriner, aus welcher wir nur den folgenden Auszug hier mitteilen:
+«Soldaten, ihr habt nicht bloss grossen Heldenmut und grosse Tapferkeit
+gezeigt, sondern auch allen Befehlen gebührend Folge geleistet und euch
+überhaupt in allem lobenswert betragen. Die Kühnheit des Feindes, der
+unser Land zu bekämpfen wagte, ist gestraft worden. Wegen eurer
+Ausdauer war der Feind erstaunt, der so viel Leute verloren hat, dass er
+sobald keine neuen Kräfte sammeln und einen neuen Kampf wird wagen
+können. Indem ich euch als Sieger begrüsse, danke ich euch, dass ihr die
+Gefangenen gut behandelt habt, und wünsche, dass die Menschlichkeit auch
+späterhin nicht verletzt wird ... etc.»[57]
+
+Dieses Dokument ist das beste Zeugnis von dem Ausgange des Kampfes bei
+Castelnuovo.
+
+
+10. Die Bocca während des Waffenstillstandes. Okkupation der Inseln.
+
+Castelnuovo war und blieb das Hauptlager des slavischen Heeres. Marmont
+hatte zwei Standorte: Zavtat und Ragusa. Nach dem Kampfe bei Castelnuovo
+trat in beiden Lagern, im slavischen wie im französischen, eine Zeit der
+Orientierung nach innen und aussen ein. Die Ereignisse im fernen Norden
+blieben auch jetzt, wie übrigens während dieser ganzen Zeitepoche, nicht
+ohne Widerhall. Zwei Fragen waren für Bocca und für beide
+gegeneinanderstehenden Armeen von wesentlicher Bedeutung. Die eine
+lautete: Wird wohl Russland nun nach dem Scheitern von Oubrils Vertrag
+mit Frankreich, oder eher umgekehrt, einen neuen Krieg beginnen? Die
+andere war: Wird es Frankreich gelingen, das Bündnis der Türkei mit
+Russland zu sprengen oder nicht? Sollte die Türkei der Verbündete
+Frankreichs werden, und sollten Feindschaften zwischen derselben und
+Russland ausbrechen, so wäre die Lage der Russen in der Adria sehr
+erschwert worden. Senjavin liess noch 6 Kompagnien Jäger von Korfu nach
+der Bocca kommen. Anfangs Dezember lief Senjavin aus der Bucht aus und
+fuhr nach den dalmatischen Inseln, um dieselben zu besetzen. Für die
+militärischen Zwecke waren diese Inseln von grosser Wichtigkeit. Die
+Insel _Corzola_ war für die kleinen französischen Schiffe ein geeigneter
+Zufluchtsort.[58] Am 9. Dezember gelangte Senjavin mit seiner Flotte
+vor die Stadt und Festung Corzola. Er hatte zwei Bataillone Jäger und
+150 Mann ausgewählt, Montenegriner und Bokelen. Die Franzosen unter dem
+General _Orfengo_ waren in sehr günstiger Lage gegen jeden Angriff. Sie
+hatten eine sehr starke Schanze bei dem Kloster _Hl. Vlachho_, 14
+Geschütze, viel Munition und waren ihrer 500 Mann. «C'était un poste
+dans lequel un homme de coeur pouvait tenir au moins pendent quinze
+jours devant toutes les forees ennemies.»[59] So charakterisiert Marmont
+die Lage, in welcher sich diese französische Besatzung befand. Und doch
+gelang es Senjavin, bereits am 10. Dezember, nach kurzem und heftigem
+Gefecht, auszuschiffen; am 11. nahm er die Schanze ein und nahm alle am
+Leben gebliebenen Soldaten mit dem General _Orfengo_ selbst gefangen.
+Sechs französische Offiziere und 150 Soldaten fielen im Kampfe. Die
+Russen mit den Montenegrinern verloren etwa 30 Mann und hatten zirka 80
+Verwundete. Von den Montenegrinern zeichneten sich durch bewundernswerte
+Furchtlosigkeit und Tapferkeit die Brüder des Vladika, _Savo Petrovic_
+und _Stanko Petrovic_ aus.[60]
+
+Sofort nach der Einnahme Corzolas griff Senjavin _Brazza_, eine andere
+benachbarte Insel, an. Die Franzosen leisteten dort nicht viel
+Widerstand. Es gab dort keine Festung und keine Redoute; hier war
+General Marmont selbst. Weil die Garnison zu klein und zu schwach war,
+wollte er sich in keinen Kampf einlassen, sondern zog nach Spalato
+zurück. Die Russen aber nahmen 83 Mann gefangen, darunter 3 Offiziere.
+
+Die benachbarte Insel _Lesina_ war sehr gut befestigt. Man dachte hier,
+dass nach Brazza nun Lesina an der Reihe sein werde, und darum bereitete
+man sich möglichst schnell und gut zum Kampfe vor. Es kam aber anders.
+Der russische General erhielt aus Korfu ganz beunruhigende Nachrichten.
+Man meldete, _Ali-Pascha_ von Janina sei bereit, die Ionischen Inseln
+anzugreifen. Diese Nachricht bewog den Admiral, sofort seine Eroberungen
+auf den Inseln preiszugeben und nach Süden in See zu gehen. Er kam mit
+dem Heer zuerst nach Cattaro.[61] Und von da aus fuhr er weiter nach
+Korfu. In der Bucht blieb der Kapitän _Baratinski_ mit drei Kreuzern
+zurück. Sankovski war Zivilverwalter der Bocca, und der Vladika
+versprach, Cattaro vom Lande aus zu verteidigen.
+
+Nach seinem Rückzug nach Zavtat, blieb Marmont nicht lange in diesem
+Ort, sondern ging nach Ragusa. Vorläufig gab er den Gedanken, die Bocca
+zu erobern, auf, oder richtiger ausgedrückt: Jetzt traf er alle
+möglichen Massregeln und Vorbereitungen, um die Stadt Ragusa als den
+Ausgangspunkt für jene Eroberung zu befestigen. Napoleon selbst machte
+grosse Pläne in bezug auf diese Stadt, Marmont sagt darüber folgendes:
+«L'Empereur avait sur Raguse les projets les plus étendus: cette ville
+devait devenir notre grande place maritime dans les mers de l'Orient, et
+être disposée pour satisfaire aux besoins d'une nombreuse escadre, qui y
+aurait habituellement stationnné.»[62] Prinz Eugen schrieb an Marmont am
+8. September 1806: «Sa Majesté espère que vous aurez pu profiter du
+temps pour vous organiser, armer et fortifier Raguse. C'est un point
+très important dans les circonstances actuelles, puisque l'on croit que
+la Russie va déclarer la guerre à la Porte et marcher sur
+Constantinople.» (Marmonts Mem. X, p. 80.) Darum gab sich Marmont alle
+Mühe, Ragusa in gehörigen Verteidigungszustand zu setzen. Die zwei
+Bergfestungen über der Stadt wurden verbessert und neu ausgerüstet. Das
+gleiche tat der General mit den kleinen Inseln in der Nähe der Stadt.
+Und schliesslich gab er dem General Lauriston viele Instruktionen,
+überliess ihm 4500 Mann und reiste am 1. November nach Spalato ab.[63]
+Diese Zahl war zu gering. Daher ist es kein Wunder, dass die Franzosen
+keinen Angriff in Abwesenheit Senjavins auf die Bocca zu unternehmen
+wagten.
+
+Am 11. Oktober schrieb _Sebastiani_ aus Konstantinopel an Marmont: «Une
+rupture paraît inévitable entre la Russie et la Sublime Porté.»[64] Am
+30. Dezember war dieser Bruch vollzogen. Die Türkei erklärte Russland
+den Krieg. Und am 29. Januar 1807 bekam Marmont eine Instruktion aus
+Napoleons Lager bei _Warschau_ von dem General-Major, in der es hiess:
+«L'Empereur est aujourd'hui ami sincère de la Turquie, et ne désire que
+lui faire du bien; conduisez-vous donc en conséquence.» Und am Tage
+vorher schrieb Sebastiani noch deutlicher, wie Marmont die Türken
+unterstützen sollte: Ali-Pascha ... manque de boulets du calibre de
+douze et de seize, ainsi que de poudre. Je vous prie en grâce de faire
+tous vos efforts pour lui en envoyer le plus que vous pourrez, soit par
+terre, soit par mer, et même, s'il est possible, de lui expédier
+quelques officiers d'artillerie.»[65] Und am 30. März schrieb derselbe:
+«Les paclias de Bosnie et de Scutari ont reçu ordre de vous seconder de
+tous leurs moyens, et même de se réunir à vous pour combattre les
+Monténégrins et Cattaro.»[66]---Wir haben diese Briefauszüge angeführt,
+um zu zeigen, wie die Verbindung zwischen den Franzosen und den Türken
+sich so schnell festigte, dass sie ein gemeinsames Vorgehen auf allen
+Punkten bewirken konnten und wie die den Türken von General Marmont
+zuteilgewordene Unterstützung gegen die Montenegriner und Russen zu
+erklären sei.
+
+General Marmont half den Türken in der Tat aus allen Kräften im Kampfe
+gegen die Slaven. Das geschah im Monat Mai. Die Serben aus der
+Herzegovina wendeten sich an den Vladika mit der Bitte um Unterstützung
+gegen die Gewalttaten der Türken, von denen sie seit Beginn des
+russisch-türkischen Krieges ganz unmenschlich und grausam behandelt
+wurden. Der Vladika erklärte sich sofort bereit, ihnen seine Hilfe gegen
+die Tyrannei angedeihen zu lassen. Er besprach die Sache mit Sankovski.
+Dieser sagte, dass er direkten Befehl von seiner Regierung habe, den
+Slaven nach Möglichkeit beizustehen. Er gestattete also, dass die
+russischen Truppen mit den Montenegrinern gegen die Türken in der
+Herzegovina ziehen sollten und gab demgemäss sofort den Heerführern in
+Risano und Castelnuovo Instruktionen. Der grösste Teil der russischen
+Armee in der Bocca zog nach der Herzegovina, in zwei Richtungen, auf
+_Trebinje_ und _Onogoschte_ zu. Die Montenegriner vereinigten sich
+unterwegs mit den Russen. Alles war im besten Gang. Die genannten
+Ortschaften wurden belagert, die türkischen Häuser in der Umgebung stark
+beschädigt. Nun aber brach ein Zwist unter den russischen Befehlshabern
+aus, der diese ganze Expedition zum Scheitern brachte. Die Armee kehrte
+unverrichteter Sache heim.
+
+Der Valdika aber wollte die Sache nicht ruhen lassen. Die Klagen gegen
+die türkische Gewalttätigkeit häuften sich von Tag zu Tag immer mehr. Er
+suchte Kriegsmittel und versammelte das Heer. Am 30. Mai überschritt er
+die herzegovinische Grenze mit 3000 Montenegrinern und 400 Russen und
+griff die Stadt _Klobuk_ an.[67] Hier gab es eine starke Festung, welche
+nicht leicht zu erobern war. Die Türken verteidigten sich in jenem
+Bollwerk. Sie, hätten sich endlich doch den Angreifern ergeben müssen,
+wären im entscheidenden Augenblicke die Franzosen ihnen nicht zu Hilfe
+gekommen. Marmont stand mit dem Pascha von Trebinje, _Suliman_, auf sehr
+freundschaftlichem Fusse. Den frühern Pascha von Trebinje hatte der
+französische General abgesetzt, weil er eine den Franzosen feindliche
+Gesinnung hegte. Der neue Pascha wurde von Marmont eingesetzt. Dieser
+sandte den General Launay dem Suliman-Pascha gegen die Slaven zu Hilfe.
+Launay nahm 1000 Soldaten mit und sammelte unterwegs bis nach Klobuk hin
+noch 2000 Türken. Diese Schar fiel den Slaven in den Rücken. Diese
+fanden sich nun zwischen zwei Feuern. Die russische Abteilung geriet in
+eine solche Enge, dass sie sich ganz ergeben musste. Die Montenegriner
+zogen nach heftigem Kampfe und bedeutenden Verlusten zurück.
+
+Zur Ehre des Generals Launay soll hier eine Tat seiner Menschlichkeit
+und seines Edelmutes erwähnt werden. Als nämlich die Türken alle
+russischen Gefangenen enthaupten wollten, trat er für diese ein und
+suchte dieses barbarische Vorgehen seiner Verbündeten zu vereiteln.
+Vergeblich aber waren alle seine freundschaftlichen Mahnungen,
+vergeblich auch seine Drohungen. Er griff daher zu einem absonderlichen,
+doch höchst vorteilhaften Mittel. Er kaufte die Gefangenen los und
+zahlte einen Louisdor für den Kopf. Bald darauf bereuten es die
+Verkäufer, und sie wollten dem General das genommene Geld zurückgeben,
+damit ihnen der grosse Genuss des Blutbades nicht verloren gehe.[68]
+
+Ausser den Kämpfen in der Herzegovina gegen die Slaven im Vereine mit
+den Türken hatte Marmont einige kleinere Gefechte mit Senjavin an der
+Küste Mittel-Dalmatiens, bei Spalato und _Poliza_, die aber zu seinem
+Nachteile entschieden wurden. In die Beschreibung dieser Kämpfe wollen
+wir uns hier nicht näher einlassen, da dieselben in einen andern
+Zusammenhang gehören. Denn unser unmittelbare Zweck ist, das Schicksal
+der Bocca zu verfolgen und nur die Ereignisse zu berühren, die dieses
+Schicksal bestimmt haben, und ferner zu zeigen, wie dieses kleine, arme
+und doch höchst romantische Land auf die politische Situation Europas
+einen nicht geringen Einfluss ausübte.
+
+
+11. Uebergabe der Bocca nach dem Tilsiter Frieden.
+
+In der Bocca herrschte bereits einige Monate Ruhe. Die Festungen bei
+Castelnuovo und Cattaro wurden natürlich stets bewacht. Der grösste Teil
+der russischen Truppen mit einer kleinen Zahl von Bokelen und Bergleuten
+verliess das militärische Lager, zog heim und ging seiner gewohnten
+täglichen Beschäftigung nach. Dann und wann wurden sie bald hier- bald
+dorthin zum Kampfe gerufen, wie wir bereits gesehen haben. In der Bocca
+selbst gab es seit dem Kampfe bei Castelnuovo keine Schlacht mehr.
+Kleinere Gefechte und Scharmützel mit den Franzosen wie mit den
+benachbarten Türken, die seit ihrer Verbrüderung mit den ersteren noch
+lästiger und aufdringlicher geworden waren, hörten nie auf.
+
+Die Ereignisse in Nordeuropa lenkten wiederum die Aufmerksamkeit der
+Bokelen auf sich. Preussens Macht war vernichtet, der Krieg zwischen
+Frankreich und Russland in vollem Gange. Das Glück neigte bald auf
+diese, bald auf jene Seite. Die Heere Russlands waren zersplittert; es
+kämpfte im Süden gegen die Türkei und im Nordwesten gegen Napoleon.
+England unterstützte seine Bundesgenossen nur durch eine
+Flottendemonstration vor Konstantinopel. Es wagte aber keine
+militärische Hilfe Russland gegen den Welteroberer zu gewähren.
+Oesterreichs Haltung war schwankend. Dieser Staat war durch die
+bestandenen Kriege vollständig erschöpft. Darum konnte man es mit einem
+erschreckten Kinde vergleichen, das auch den kleinsten Schlag fürchtet,
+von welcher Seite immer derselbe kommen mag. Oesterreich wagte weder mit
+Russland noch mit Frankreich zu halten. Es bekundete aber seine
+Sympathie sowohl dem einen wie dem andern Staate. Im Herbst des Jahres
+1806 schrieb Prinz Eugen an General Marmont: «Du reste, la France est
+dans la meilleure union avec l'Autriche; on ne prévoit aucune expédition
+contre la Dalmatie.»[69] Und im Januar 1807 schrieb an denselben der
+General-Major aus dem Hauptlager zu Warschau: «Jusqu'à cette heure nous
+paraissons toujours assez bien avec l'Autriche, qui paraît comprendre
+qu'elle a beaucoup à gagner avec la France et à perdre avec les Russes.
+Les Autrichiens craignent les Français, mais ils craignent aussi les
+Russes. Il paraît qu'ils out vu de mauvais oeil l'envahissement de la
+Valachie et de la Moldavie.»[70]
+
+Die Schlacht bei _Friedland_ (14. Juni) entschied endlich alles. Die
+Russen unterlagen und nach einigen Tagen kam der Friede zustande. Schon
+am 8. Juli schrieb der General-Major an Marmont: «Je vous expédie un
+courrier-général, pour vous faire connaître que la paix est faite entre
+la France et la Russie, et que cette dernière puissance va remettre en
+notre pouvoir Cattaro.»[71]
+
+Nach dem Tilsiter Vertrag sollte also die Bocca an die Franzosen
+übergeben werden. Anfangs August bekamen Marmont und Senjavin von ihren
+Regierungen Befehle, der eine, die Bocca zu übernehmen, und der andere,
+dieselbe auszuliefern. General Lauriston hatte die Okkupation der Bocca
+zur Aufgabe bekommen. Noch am 26. Juli schrieb er dem russischen Kapitän
+Baratinski, dass der Friede zwischen den beiden Gegnern geschlossen sei,
+und dass er nächstens kommen werde, um die Bocca zu besetzen. Am 10.
+August marschierte er in das Land ein und übernahm Castelnuovo und zwei
+Tage darauf auch Cattaro und die übrigen Städte der Bocca.[72] Die
+Franzosen fürchteten, dass die Russen Cattaro etwa den Engländern
+übergeben würden. Dann bekam Marmont den Befehl, in aller Stille die
+Städte und Festungen des Landes zu okkupieren.[73] Die Okkupation der
+Bocca vollzog sich in der Tat in aller Ruhe und Stille. Die Russen zogen
+sich freiwillig zurück. Der Vladika war schon vorher wegen Unruhen an
+den Grenzen seines Landes aus der Bocca abgezogen.
+
+Die Bocea ergab sich, von allen verlassen, ihrem neuen Herrn.
+
+
+
+
+IV.
+
+Die Ereignisse in der Bocca von 1812--1814.
+
+
+12. Die Beziehungen der zwei neuen Nachbarn.
+
+Bald nach der Besetzung der Bocca di Cattaro schrieb Napoleon an
+Marmont: «Tenez un agent auprès de l'évêque et tâcher de vous concilier
+cet homme ...»[74] Und der Generalmajor aus Warschau gab an Marmont
+folgende Instruktion in bezug auf Montenegro: «Vous ne devez pas,
+général, attaquer les Monténégrins, mais, au contraire, tâcher d'avoir
+avec eux des intélligences et de les ramener à nous pour les ranger sous
+la protection de l'Empereur; mais vous sentez que cette démarche doit
+être faite avec toute la dexterité convenable.»[75] Fragt jemand: «Was
+lag Napoleon an guten Beziehungen zu Montenegro und seinem Bischofe, da
+er nun einmal die Bocca in seiner Macht hatte?», so müssen wir nochmals
+an den grossen Einfluss erinnern, den der Vladika auf die Bevölkerung
+der Bocca und auf das Militär Montenegros besass, das die einzige Macht
+an der Ostküste des Adriatischen Meeres war, die der französischen Armee
+Widerstand zu leisten vermochte. Marmont selbst, der keine besonderen
+Sympathien für den montenegrinischen Bischof hatte, sagt von seinem
+Einflusse: «Son autorité positive et légale était peu de chose dans son
+pays, _mais son influence était sans bornes_.»[76] Dann ging die Absicht
+Napoleons dahin, den Vladika zu bewegen, das russische Protektorat
+aufzugeben und das seinige anzuerkennen. Marmont versuchte auf alle
+mögliche Weise diesen Wunsch Napoleons zu verwirklichen. Die Sache aber
+ging nicht so leicht wie sich Marmont dachte. Auf alle Versuche
+Marmonts, den Vladika für Napoleons Pläne zu gewinnen, antwortete
+dieser: «Wenn Napoleon die Türken bekriegen sollte, so kann er immer auf
+das ganze Volk Montenegros rechnen.» Marmont unterliess nicht, den
+Vladika auch mit vielen und kostbaren Geschenken zu überhäufen.[77] Auch
+das war vergeblich. Denn was Napoleon wollte, war nicht bloss, dass der
+Vladika sein Protektorat ausrufen, sondern auch alle Beziehungen zu
+Russland abbrechen sollte. Und dieses letztere wäre, scheint es, für ihn
+noch wichtiger wie das erstere gewesen.
+
+Diese Versuche Napoleons dem Vladika gegenüber blieben den Höfen in Wien
+und Petersburg nicht verborgen. Diese verhielten sich natürlich nicht
+passiv in der Sache, sondern suchten den Vladika wie die Volkshäupter
+Montenegros zu bewegen, alle Vorstellungen Marmonts abschlägig zu
+beantworten. Dieser klagte über die österreichischen Intrigen in
+Cetinje.[78] Mit grossem Unwillen sah er, wie die Beziehungen zwischen
+Oesterreich und Montenegro von Tag zu Tag immer freundlicher wurden.
+
+In seinem Uebermut verlangte er schliesslich von Napoleon 7-8000 Mann
+und 8 Tage Zeit, um Montenegro zu erobern.(!)[79] Das wurde ihm
+natürlich nicht gewährt. Unterdessen bekam Marmont Anlass, sich über den
+Vladika noch mehr zu beklagen, im dem Augenblick nämlich, wo er von dem
+zwischen Montenegro und seinem ehemaligen Todfeinde, dem Vezier von
+_Scutari_, abgemachten Frieden hörte. Dieser verbot den französischen
+Truppen, durch sein Land nach Albanien und Korfu zu ziehen. Es
+verbreitete sich sogar das Gerücht, dass er einen Einfall in die Bocca
+di Cattaro im Verein mit den Montenegrinern plane. Statt dessen aber
+geschah etwas anderes, was zu noch gespannteren Beziehungen zwischen
+Franzosen und Montenegrinern führte.
+
+Noch im Sommer 1808 hatten die Franzosen in Cattaro zwei Montenegriner
+als angebliche Spione gefangen genommen und ohne weiteres erschossen.
+Diese waren der Priester _Lazar Radonic_ aus dem Geschlecht _Njegusch_
+und sein achzehnjähriger Sohn. Infolgedessen war ganz Montenegro empört,
+insbesondere das genannte Geschlecht. Es gab nun in dem Küstenlandstrich
+zwischen Cattaro und _Antivari_ einen alten Stamm, _Braici_ benannt, der
+die neueingeführte französische Ordnung und Verwaltung nie anerkennen
+wollte, sondern sich gegen die französische Obrigkeit stets auflehnte.
+Daher wurden dessen Angehörige von den Montenegrinern, insbesondere von
+dem benachbarten Geschlecht _Njegusch_, aufgereizt und sogar mit
+bewaffneter Hand unterstützt. Darüber wütend, sandte Marmont den General
+_Delzons_, um diese Aufrührer zu bestrafen. Delzons wurde aber
+geschlagen und zurückgedrängt, wobei er 50 Mann verlor. Marmont machte
+Vorstellungen beim Vladika,[80] der erklärte, von den aufrührerischen
+Umtrieben vorher nicht unterrichtet gewesen zu sein. Napoleon war
+infolge dieser Ereignisse ausser sich. Er drohte, die Schwarzen Berge
+mit dem Blute der Montenegriner zu Roten Bergen zu machen.[81] Bald
+darauf setzte er den montenegrinischen Bischof in der Bocca di Cattaro
+ab und unterstellte diese dem von ihm neu gegründeten dalmatischen
+Bistum.
+
+Den weiteren Vorschlag der französischen Regierung, einen ihrer Konsule
+in Cetinje zu akkreditieren und dann eine Strasse zwischen Cattaro und
+_Nikschic_ über Cetinje auf eigene Kosten zu bauen, schlug der Vladika
+entschieden ab.
+
+So wurden die Beziehungen zwischen den zwei Nachbarn immer trüber, bis
+sie sich schliesslich scheinbar wieder besserten. In ebenjenem Jahre kam
+ein französischer Geschäftsträger, der General _Bertrand de Sivray_, zum
+Vladika und schloss mit ihm den sogenanten _Vertrag von Lastva_. Dieses
+Abkommen erleichterte den Grenzverkehr zwischen den Franzosen und
+Montenegrinern. Letzteren wurde der Zugang zu den Märkten in Cattaro und
+Budua freigegeben, unter der Bedingung aber, dass sie an der Grenze ihre
+Waffen zurückliessen. Dieser Vertrag vermochte gleichwohl das
+feindschaftliche Verhältnis zwischen Frankreich und Montenegro nicht zu
+ändern. Von Anfang an waren die Franzosen den Bokelen und
+Montenegrinern widerwärtig. Der Hass gegen Napoleon und seine
+unersättliche Herrschsucht wurde auf die ganze französische Nation
+übertragen. Darum wurden, obwohl die französische Landesverwaltung
+keineswegs unterdrückender und gewaltsamer war als diejenige
+Österreichs, die Franzosen von der Bevölkerung der Bocca verachtet und
+verschmäht. So sehnte man sich nach einer günstigen Gelegenheit, um
+gegen die unerträgliche Fremdherrschaft aufzustehen.
+
+Im Jahre 1811 dachte Napoleon an eine Unterwerfung Montenegros; er liess
+sich sogar einen Plan für einen Feldzug gegen dieses Land
+ausarbeiten.[82] Andere Ereignisse lenkten aber seine Aufmerksamkeit von
+Montenegro ab, und so gab er seine Absichten wieder auf.
+
+
+13. Ausbruch neuer Feindseligkeiten. Kämpfe bei Budua, Troiza und
+Castelnuovo.
+
+_Gauthier_, der Kommandant von Cattaro, bemühte sich gerade um diese
+Zeit, den Vladika von jeglichen kriegerischen Plänen abzubringen. Im
+Herbst 1811 sah man die englischen Kriegsschiffe oft an der bokelischen
+Küste vorbeifahren. Ein Teil der englischen mittelländischen Flotte
+stationierte bei der Insel _Lissa_, die die Engländer im Jahre 1810 den
+Franzosen weggenommen hatten. Als Gauthier erfuhr, dass der englische
+Marinekapitän _William Hoste_, welcher Befehlshaber über die Schiffe bei
+Lissa war, in geheimen Verhandlungen mit dem montenegrinischen Vladika
+stehe, fürchtete er, diese Verhandlungen mochten vielleicht Cattaro und
+ihn angehen. Er schrieb deswegen einen Warnungsbrief an den Vladika.
+Dieser Brief, der am 23. Februar 1812 geschrieben wurde, lautet
+folgendermassen: «Ich weiss wohl, dass die englischen Agenten zu Ihnen
+kommen werden, aber die Engländer sind listig. Nehmen Sie sich, Ihre
+Hochwürden, in acht, damit jene Sie nicht betrügen, wie sie alle
+Kontinentalstaaten betrogen haben, welche sie in unglückliche Kriege
+gestürzt und dann verlassen haben. Mögen sich die Montenegriner in die
+Angelegenheiten grosser Völker nicht einmischen, sondern Frieden halten
+und Freunde ihrer Nachbarn, der Franzosen, sein. Auf diese Weise werden
+sie ihren Wohlstand, ihre Unabhängigkeit und ihre Ruhe bewahren.»[83]
+
+Diese Mahnung nützte nichts. Denn bald darauf erschien in Cetinje der
+englische Offizier _Danys_, den Hoste entsandt hatte. Er sprach mit dem
+Vladika über die Vertreibung der Franzosen und die Befreiung der Bocca.
+Er versprach englische Unterstützung vom Meere aus. Nur überliess er es
+dem Vladika, den günstigen Augenblick zum Angriff zu wählen und Hoste
+davon rechtzeitig in Kenntnis zu setzen. Diese Botschaft war für den
+Vladika höchst erfreulich und willkommen. Doch er wollte nicht allzu
+eilig sein. Er wartete geduldig auf den geeigneten Augenblick. Was er
+eilig tat, das war die Vorbereitung zu neuem Kampf.
+
+Erst nach der französischen Niederlage in Russland, erliess er am 8.
+September 1813 eine Proklamation an das Volk, in welcher er dasselbe zum
+Kampf gegen die Franzosen aufforderte. Dieser langersehnte Ruf des
+Vladika wurde von den Montenegrinern freudigst aufgenommen. Sie
+brauchten nicht viel Zeit, um sich kriegsbereit zu machen. Zugleich
+sandte der Vladika einen Bürger aus Cattaro, _Zifra_, nach Lissa zu dem
+Kapitän Hoste.[84] Ohne eine Antwort von dem englischen Kommandanten der
+Eskader abzuwarten, zog der Vladika sofort mit seinem versammelten Heere
+nach _Budua_, das er am 21. September belagerte. Nach zwei Tagen ergab
+sich die Stadt, und bald folgten alle umliegenden Ortschaften ihrem
+Beispiel[85] und schlossen sich den Montenegrinern an.
+
+Der Vladika hatte nicht das ganze Heer mitgenommen. Ein Teil desselben,
+unter Führung von _Vuko Radonic_, griff am 22. September die Festung von
+Cattaro, _Troiza_, an. Die Franzosen kamen aus der Stadt der Festung zu
+Hilfe. In heftigem Kampfe wurden die Montenegriner zweimal durch das
+Geschützfeuer zurückgeworfen. Diese Festung war die beste und stärkste
+neben derjenigen in Castelnuovo. Sie wurde geschützt nicht bloss durch
+ihre eigenen Geschütze, sondern auch durch solche, die auf dem steilen
+Abhang der Stadt zur Verteidigung aufgestellt waren. Bei den
+unermüdlichen Angriffen der Montenegriner vermochte sich die Festung
+dennoch nicht lange zu behaupten. Als die Franzosen einsahen, dass sie
+die Festung übergeben müssten, zündeten sie eine Unmasse Pulver an und
+steckten dieselbe in Brand.
+
+Nach diesen zwei Kämpfen schrieb der Vladika wiederum an Hoste und
+ersuchte ihn, baldigst mit der Eskader vor Cattaro zu erscheinen. Der
+Eingang in die Bucht wurde der englischen Flotte insbesondere
+erleichtert durch zwei andere kleinere Siege über die Franzosen. Die
+französischen Batterien waren auf den zwei die Bucht überragenden, sich
+gegenüberliegenden Bergen _Verige_ und _Rosse_ aufgestellt. An dieser
+Stelle hätte darum keine feindliche Macht ohne grosse Gefahr nach
+Cattaro vorzudringen vermocht. Um von dort die Franzosen zu vertreiben,
+griffen die Montenegriner am 27. September die französische Batterie auf
+dem Verige an und bemächtigten sich derselben nach starkem Feuer und
+Gegenfeuer. 14 italienische Soldaten wurden gefangengenommen und drei
+zurückgelassene Geschütze gefunden. Am 18. September wurde auch die
+andere Batterie auf dem _Rosse_ angegriffen, die Soldaten von dort
+vertrieben und vier Geschütze genommen.
+
+Jetzt vermochte also eine Flotte gefahrlos in die Bucht bis vor Cattaro
+zu fahren.
+
+Am 12. Oktober lief Hoste in die Bucht ein. Bei seinem Durchgang bis
+nach Cattaro konnte er den heftigen Kämpfen zwischen Franzosen und
+Bokelo-Montenegrinern auf beiden Seiten der Bucht zusehen. Das waren
+Gefechte in den umliegenden Dörfern, welche von Natur so befestigt sind,
+dass ein jedes für sich als ein Bollwerk betrachtet werden kann.
+_Prtchanj_ und _Dobrota_ ergaben sich. Bei _Perast_ kam es zu einem
+besonders heftigen Zusammenstoss. Die Perastaner vertrieben mit Hilfe
+von einigen Montenegrinern die Franzosen und befreiten ihre Stadt. Die
+kleine Festung oberhalb von Perast war nicht leicht zu bezwingen;
+endlich aber mussten auch hier die Franzosen weichen. Die Perastaner
+fanden dort einige Geschütze und andere Waffen. Diese kleine Festung
+beherrschte die Insel _St. Georg_ vor Perast, wo sich eine französische
+Batterie befand. Deshalb war ihre Eroberung nun sehr erleichtert. Nach
+langer Beschiessung musste sich die Insel ergeben. Die Bokelen nahmen 80
+Franzosen gefangen und fanden daselbst 10 Geschütze.
+
+Noch am 10. Oktober entsandte der Vladika _Sava Plamcuaz_ mit einer
+Abteilung Montenegriner nach Castelnuovo, um die Stadt und beide
+Festungen zu belagern und die Verbindung zwischen der Bocca und Ragusa
+abzuschneiden. Sobald nun die Engländer vor Cattaro angelangt waren, kam
+nach einer kurzen Verabredung zwischen dem Kommandanten Hoste und dem
+Vladika auch das übrige Heer nach Castelnuovo. Eine Abteilung Engländer
+gesellte sich zu den Slaven und marschierte an der Küste längs der Bucht
+von Cattaro nach Castelnuovo ab. Hoste selbst kehrte mit seinen Schiffen
+um und machte gegenüber von Castelnuovo halt.
+
+So wurde Castelnuovo stark belagert vom Lande und vom Meere aus. Die
+Bombardierung fing sofort an. Die Franzosen leisteten zwei Tage und zwei
+Nächte lang zähen Widerstand. Aber länger vermochten sie sich nicht zu
+halten. Sie ergaben sich, und somit fielen auch beide Festungen
+Castelnuovo und _Espagnola_ den Belagerern in die Hände. Hoste und
+Vladika liessen eine Besatzung in den Festungen und kehrten dann nach
+Cattaro zurück.
+
+Von allen Städten und Festungen der Bocca blieb nur noch Cattaro in dem
+Besitz der Franzosen. Und seine Eroberung war doch die Hauptsache. Nun
+sollte auch sein Schicksal baldigst entschieden sein.
+
+
+14. Belagerung und Uebergabe Cattaros.
+
+Die Bokelen und Montenegriner begaben sich unverzüglich nach Cattaro und
+belagerten es von allen Seiten her. Da Troiza in den vorhergegangenen
+Kämpfen zerstört worden war, hatte Cattaro keine eigentliche Festung
+mehr. Aber kaum eine Stadt in der Welt ist so gut von Natur befestigt
+wie Cattaro. Man braucht bloss auf dem Berge _Vrmaz_ über der Stadt eine
+gute Geschützkette aufzupflanzen, dann ist Cattaro uneinnehmbar. Die
+Franzosen hatten oben eine gute Batterie, die aber von den
+Montenegrinern schon vorher erstürmt worden war, und zwar nicht von der
+Seite aus, die sie beherrschte, sondern von hinten, d.h. von dem
+montenegrinischen Boden aus.
+
+Um Cattaro zu erobern, musste man also unbedingt eine Anzahl Geschütze
+auf dem Berge Vrmaz haben. Einige Kanonen hatten die Montenegriner von
+den Franzosen erbeutet und einige besassen sie selbst. Die Geschütze,
+die man auf St. Georg und in Castelnuovo erobert hatte, nahm Hoste auf
+seinen Schiffen mit hinüber. Da er aber zögerte, diese Geschütze bei
+Cattaro auszuladen und dieselben auf den Vrmaz hinaufziehen zu lassen,
+fürchteten die Bokelen, dass er diese Geschütze überhaupt nicht gegen
+Cattaro brauchen wolle und erhoben deswegen Klage beim Vladika. Dieser
+teilte die Sache dem Kommandanten mit und bat ihn, die Sache möglichst
+zu beschleunigen. Auf diese Vorstellung des Vladika antwortete Hoste mit
+einem überraschenden Brief, der lautet:
+
+«Ihre Hochwürden! Ich hatte die Ehre, Ihren gestrigen Brief zu erhalten.
+Ich bedaure, dass die Bevölkerung die Zerstörung der Festung St. Georg
+böse aufgefasst hat, aber das geschah nur zu dem Zweck, dass der
+englischen Eskader der Durchgang durch _Verige_ im Falle irgend eines
+ungünstigen Umstandes gesichert werde.
+
+Ihre Hochwürden, die Geschütze werden den Bewohnern zurückgegeben
+werden, aber Sie sollen wissen, dass ich die Absicht hatte, dieselben
+auf den Berg hinaufzuschaffen und damit Cattaro zu beschiessen. Nun habe
+ich meinen Plan geändert und werde nur die Küste zwischen Cattaro und
+Ragusa blockieren. In dieser Absicht werde ich bald aus der Bucht
+hinausfahren, um den Feind zu bewachen.
+
+24. Oktober 1813. Ihr gehorsamer Diener _Hoste_.»
+
+«PS. Der Abbat _Brunazzi_ hat viel Schaden angerichtet. Seine
+unermüdlichen Intrigen können seinem Kaiser und dessen Bundesgenossen
+nur schaden, denn er hindert das gemeinsame Werk, das wir unternommen
+haben.»[86] Dieser Schritt Hostes war begreiflich. Denn er war nie
+sicher vor den feindlichen Angriffen vom Rücken her. Sehr leicht wäre er
+in ein Kreuzfeuer geraten, wenn eine feindliche Flotte in die enge Bucht
+gekommen wäre. Dann wäre er gezwungen gewesen, häufig hinauszugehen und
+sich von der Situation auf dem Wasser zwischen der Bucht und Ragusa oder
+noch weiter hinaus selbst zu überzeugen.
+
+Der Abbat Brunazzi war ein vertrauter Bote des _Erzherzogs Franz von
+Este_, der auf der Insel Lissa weilte. Dieser Abbat kam auf dem
+englischen Schiffe zusammen mit Hoste noch am 12. Oktober nach Cattaro.
+Er brachte einen Brief des Erzherzogs an den Vladika mit.[87] In diesem
+Schreiben beglückwünschte von Este den Vladika wegen seiner Siege über
+die Franzosen. Er gab dem Vladika zu verstehen, dass er den englischen
+Kommandanten bewogen hätte, mit den Schiffen nach Cattaro ihm zu Hilfe
+zu gehen. Und dann fuhr er fort: «Wenn das unternommene Werk glückt, so
+werden noch mehr Truppen geschickt werden, um im Verein mit Ihrem Heer
+die Bocca zu befreien helfen. Mit dieser kleinen Unterstützung schicke
+ich den wohlbekannten Abbat Herrn Brunazzi zu ihnen, welcher hier bei
+mir ist und welchem ich diesen Brief übergeben werde. Seine
+Geschicklichkeit und seine Arbeitsamkeit schätze ich hoch. Er war immer
+um das allgemeine Wohl der dortigen Gegenden bemüht und hat durch seinen
+Eifer und Charakter mein Vertrauen erworben. Diesen Mann empfehle ich
+Ihnen also; er hat von mir den Auftrag, Ihnen auch mündlich meine
+Hochachtung auszusprechen.»
+
+Dieser «wohlbekannte» und «eifrige» Abbat wollte sich aber der Sache mit
+mehr Eifer, als nötig war, annehmen. Seine Wühlereien, die für
+Oesterreich unter der Bevölkerung Stimmung machen sollten, und seine
+arrogante Haltung den Engländern gegenüber mussten natürlicherweise den
+Kapitän Hoste verletzen. Wir werden bald sehen, wie dieser Abbat in der
+Tat der gemeinsamen Sache mehr geschadet als genützt hat.
+
+Von der Absicht Hostes unterrichtet, schrieb der Vladika ihm sofort und
+bat ihn dringend, nicht aus der Bucht wegzugehen, bevor Cattaro
+eingenommen wäre. «Mit Ihrem Weggehen,» schrieb der Vladika, «werden
+Sie die Hoffnung der verbündeten Höfe zerstören. Denn Cattaro
+einzunehmen, ist der eigentliche Zweck unser aller Bemühungen. Und
+gerade jetzt, wo sich die beste Gelegenheit dazu bietet, wollen Sie
+weggehen.»[88] Hoste antwortete darauf: «Da Cattaro von allen Seiten
+belagert ist, finde ich mein weiteres Verweilen hier unnötig. Aber
+dennoch will ich mich nicht weit von hier entfernen; ich gehe bis nach
+Ragusa, um den Feind zu bewachen, und werde öfters herkommen, um mich
+mit Ihnen zu treffen.»[89]
+
+Hoste übergab den Montenegrinern das Pulver und andere Munition, die
+sich auf St. Georg befand, und verliess nach einigen Tagen die Bucht.
+
+Cattaro blieb unter der Belagerung und Bewachung der Montenegriner. Sie
+wussten nicht, wie man die Geschütze auf die herniederhängenden
+Bergspitzen heben und dort aufstellen sollte. Und ohne Geschütze konnten
+sie kaum hoffen, die Stadt einzunehmen. Der Vladika war entschlossen,
+Cattaro so lange besetzt zu halten, bis die englische Eskader
+zurückgekehrt oder bis der Feind durch Hunger gezwungen sich ergäbe.
+
+Es traf aber inzwischen ein Umstand ein, der die Eroberung der Stadt
+hätte ermöglichen können, der aber durch den Hochmut und die
+Hintertreibungen des Abbat Brunazzi nicht ausgenützt werden konnte. In
+der französischen Armee, die sich in Cattaro befand, waren auch einige
+Hundert Kroaten. Diese Kroaten wollten nicht in der belagerten Stadt
+verschmachten _im Dienste ihres nationalen Feindes_, sondern beschlossen
+zu entfliehen. In der Nacht zwischen dem 28. und 29. Oktober gelang es
+ihnen, aus der Stadt herauszukommen. Sie flüchteten sich nach
+_Prtchanj_, wo der Abbat verweilte, und brachten ihm die Schlüssel der
+Stadttore und drei französische Fahnen. Der Vladika war diese Nacht eine
+halbe Stunde von Cattaro entfernt---also näher wie der Abbat---im Dorfe
+_Dobrota_. Hätte er diese Schlüssel bekommen, so hätte er die Stadt in
+der Nacht noch erstürmen können. Der Abbat vermochte ihm natürlich auch
+von Prtschanj aus diese Schlüssel zu schicken. Das tat er aber nicht aus
+Neid gegen einen orthodoxen Bischof. Die Kroaten waren ja
+römisch-katholischen Glaubensbekenntnisses und hatten sich nun zu ihm,
+dem römisch-katholischen Geistlichen, geflüchtet. Sein Stolz war in
+diesem Augenblick der eines engherzigen Parteimannes.
+
+Erst am 29. Oktober schickte er gegen Mittag dem Vladika die jetzt nicht
+mehr brauchbaren Schlüssel. Der Vladika war wegen eines solchen
+Benehmens von Seiten des Abbats höchst erzürnt. Er versuchte dennoch am
+selben Tage den Stadtkommandanten Gauthier zur Uebergabe zu bewegen.
+Dieser war durch das Weggehen der Kroaten jetzt ziemlich geschwächt.
+Gauthier weigerte sich. Er dankte dem Vladika, wies aber seinen
+Vorschlag ab.
+
+Hoste kam seinem Versprechen gemäss öfters nach der Bucht, besah die
+belagerte Stadt und ging wiederum weg. Erst Ende Dezember kam er endlich
+mit der festen Absicht, Cattaro einzunehmen. Er führte die Arbeit aus,
+die die unkundigen Montenegriner nicht auszuführen vermochten, nämlich
+die Aufstellung der Geschütze auf dem Berge _Vrmaz_. Dann begann die
+Bombardierung, vom Lande und Wasser her, die einige Tage dauerte. Ganz
+in die Enge getrieben, musste Gauthier sich ergeben. Am 8. Januar 1814
+wurde die Kapitulation vollzogen. Die Franzosen kamen in die
+Gefangenschaft des englischen Komandanten. Die Stadtschlüssel übernahmen
+zwei Mitglieder der bokelischen nationalen _Zentralkommission_ und ein
+montenegrinischer Deputierter. Den Franzosen wurde die Ueberfahrt nach
+Italien gestattet. In der ganzen Bocca blieb kein Franzose mehr zurück.
+Die Bocca war somit vollständig befreit. Nach 2 Tagen verabschiedete
+sich der englische Kommandant Hoste vom Vladika und den Montenegrinern
+und fuhr aus der Bucht di Cattaro nach Lissa.
+
+So blieb die Bocca in den Händen der Bokelen und Montenegriner und wurde
+von der Zentralkommission verwaltet.
+
+Jene Zentralkommission wurde am 10. November gewählt. An diesem Tage
+nämlich hielten die Bokelen eine Volksversammlung ab, in der sie
+beschlossen, sich mit Montenegro zu vereinigen, die Oberhoheit des
+montenegrinischen Bischofs anzuerkennen und in ihrem eigenen Lande eine
+Verwaltung auf republikanischer Grundlage einzurichten. Als Vorbild
+diente ihnen die frühere republikanische Konstitution von Ragusa.
+Ragusa hatte einen Senat, welcher alle drei Jahre eines seiner
+Mitglieder zum Präsidenten («Prinz») wählte. Die Bokelen schufen eine
+Zentralkommission, die aus 18 Mitgliedern bestand, und deren Pflicht und
+Aufgabe es war, das Land zu verwalten.
+
+Nachdem diese neue Ordnung der Dinge ins Leben gerufen und gefestigt
+worden war, wählte die Zentralkommission einen Sendboten, der eine
+Zirkularnote den europäischen Grossmächten übermitteln sollte. In dieser
+Note wurden jene Neuordnungen in der Bocca beschrieben und die Mächte
+gebeten, dieselbe anzuerkennen. Seitens des Vladika wurde ein besonderer
+Deputierter nach Petersburg und Wien zu dem gleichen Zwecke entsandt.
+
+Kaum waren diese Deputierten abgereist, so verbreitete sich das Gerücht
+in der Bocca, ein österreichisches Heer marschiere nach Süd-Dalmatien.
+Dieses Gerücht bewahrheitete sich. Als Hoste kam, um Caltaro zu
+bombardieren, drang der österreichische General _Milutinovic_ mit einem
+grossen Heer bis Castelnuovo vor. Er hatte vom Kaiser den Auftrag, den
+Montenegrinern und Engländern bei der Einnahme Cattaros zu helfen. Als
+nun Cattaro inzwischen auch ohne seine Hilfe erobert worden war, kehrte
+General Milutinovic mit seinem Heere wiederum nach Norden zurück.
+
+Am 10. Juni trafen die Sendboten wieder in der Bocca ein. Sie brachten
+eine für die Bocca trostlose Antwort von den Höfen mit sich. Die Bocca
+solle jetzt Oesterreich übergeben werden. Alexander richtete ein vom 1.
+Juni aus Paris datierendes Schreiben an die Bokelen, in welchem er sie
+versicherte, dass sie unter Oesterreichs Herrschaft dieselben
+Vergünstigungen geniessen und dieselbe Freiheit haben würden, die ihnen
+auch Venedig ehedem gewährt hatte.
+
+Zugleich mit diesem Sendboten kam General Milutinovic wieder nach der
+Bocca zurück. Er hatte von seinem Kaiser den Befehl, das Land zu
+okkupieren, was er auch in einigen Tagen vollzog. Die Bocca leistete
+keinen Widerstand, dazu fehlte ihr die Kraft.[90]
+
+
+
+
+Quellen und Literatur.
+
+
+_Mémoires du Maréchal, duc de Raguse_, liv. X-XIV, Paris 1857.
+
+_Tagebuch eines Marineoffiziers_, von Vladimir Bronewski, St. Petersburg
+1818 (russisch). (Eine fleissige und minutiöse Beschreibung aller
+Ereignisse in der Bocca di Cattaro, vom Anfang 1806 bis Sommer 1807.)
+
+_Schriftstücke der russischen Zaren_, befindlich in Cetinje im
+Staatsarchiv. (Von Peter dem Grossen bis Nicola I.)
+
+_Sammlung der offiziellen Akten und Korrespondenzen des Vladika Peter
+I._--- Aus dem Italienischen ins Serbische übersetzt und in Grlica für
+das Jahr 1838 gedruckt.
+
+_"Grlica"_, eine Zeitschrift für die serbische Geschichte, Cetinje
+1833---1838 (serbisch).
+
+_Geschichte Montenegros_, D. Milakovic, Zara 1856 (serbisch). Enthaltend
+wertvolle Dokumente, sowohl im Text wie auch in einem Anhang.
+
+_Zehn Jahre österreichischer Politik_, 1801-1810, von Adolf Beer,
+Leipzig 1877.
+
+_Zur Geschichte der orientalischen Frage_, Briefe aus dem Nachlasse
+Friedrichs von Gentz, Wien 1877.
+
+_Engel: Geschichte des Freistaates Ragusa_, Wien 1807.
+
+_Gelcic: Dello sviluppo civile di Ragusa_, Ragusa 1884.
+
+_Kirchmayer: Das Ende des aristokratischen Freistaates Ragusa_, Zara
+1900.
+
+_C. Villari: The Republik of Ragusa_, London 1904. Enthaltend einige
+wichtige Dokumente.
+
+_Wilkinson: Dalmatia and Montenegro_, London 1848.
+
+_A.J. Evans: Illyrian letters_, London 1878.
+
+_Strangford: The Eastern Shores of the Adriatic_, London 1864.
+
+_Paton: Highlands and Islands of the Adriatic_, London 1849.
+
+_Schmidt: Das Königreich Dalmatien_, Wien 1843.
+
+_X. Marmier: Lettres sur l'Adriatique et le Montenegro_, Paris 1854.
+
+_Cyprien Robert: Les Slaves de la Turquie_, 2 vol., Paris 1844. Im
+ersten Band Montenegro und die Bocca.
+
+_Joh. Wilh. Zinkeisen: Geschichte des Osmanischen Reiches in Europa_,
+I.--VII. J., Gotha 1863. Wichtig ist für die vorliegende Arbeit nur der
+VII. Band.
+
+_Sir Robert Adair: Geschichtliche Denkschrift einer Sendung an den
+Wiener Hof im Jahre 1806_, Berlin 1846 (aus dem Englischen übersetzt).
+
+_Sir Robert Adair: The Negotiations for the Peace of the Dunlanelles in
+1808--1809_, I-II vols., London 1845.
+
+_"Monumenta Ragusina"_ in "monumenta Slavorum medionalium", Agram 1880
+bis 1896.
+
+_P. Pisani: La Dalmatie de 1797-1815_, Paris 1893.
+
+_Brunswick: Recueil des documents diplomatiques relatifs au
+Monténégro_, Paris 1876.
+
+_Erber Tullio A.: Storia della Dalmaltia dal 1797-1814_, Zara 1892.
+
+_Dragovitch: Le Monténégro et la Russie_ (Antiquités russes), 1882.
+
+_Rovinski: Rapports de la Russie et des Serbes_, 1877.
+
+_A. Boppe: Documents inédits sur les rlations de la Serbie avec
+Napoléon_, Belgrade 1888.
+
+_M. Bogdanovitch: Geschichte Alexanders I._, 6 vols., St. Petersburg
+1871 (russisch).
+
+_Rovinski: Geschichte Montenegros_, St. Petersburg 1888 (russisch).
+
+_Schnitzler: Histoire intime de la Russie sous les empereurs Alexandre
+et Nicolas_, 2 vols., Paris 1847.
+
+_Nil Popov: Russland und Serbien 1806-1856_, 2 vols., Moskau 1869
+(russisch).
+
+_Dobrof: Die Südslaven_, St. Petersburg 1879 (russisch).
+
+_Karadschic V.: Montenegro und die Montenegriner_, Stuttgart 1837.
+
+Auch:
+
+_B. V. Kallay: Geschichte der Serben_, I-II vols., Wien-Leipzig 1878.
+
+_Ranke: Die serbische Revolution_, Berlin 1844.
+
+
+
+
+FUSSNOTEN:
+
+[Fußnote 1: Das ist ersichtlich aus einem Briefe Talleyrands an den
+Imperator. _Revue Historique_, XXXIX, p. 64.]
+
+[Fußnote 2: Von Vincent, 26. März 1806.]
+
+[Fußnote 3: A. Beer: _Zehn Jahre österreichischer Politik_, p. 220.]
+
+[Fußnote 4: Schreiben des Erzherzogs Karl an den Kaiser Franz, vom 29.
+April 1806. (Im Anhang des Werkes von A. Beer, p. 503-504.)]
+
+[Fußnote 5: A. Beer, p. 220.]
+
+[Fußnote 6: A. Beer, p. 224.]
+
+[Fußnote 7: General _Marmont_ sagt in seinen _Mémoires:_ L'Empereur se
+trouvait jeté dans un grand mouvement; les trônes s'écroulaient ou
+s'élevaient en sa présence, et cette petite affaire en resta là.--Liv.
+X, p. 25.]
+
+[Fußnote 8: Dieser Artikel ist in der «_Geschichte Montenegros_» von
+Milakovic angegeben, p. 210.]
+
+[Fußnote 9: Serbisch _Vladika_ genannt. Der Kürze wegen werden wir
+diesen Ausdruck weiterhin brauchen.]
+
+[Fußnote 10: Grliza von 1836, p. 78.]
+
+[Fußnote 11: Grliza 1837, p. 41.]
+
+[Fußnote 12: Milacovic, p. 240.]
+
+[Fußnote 13: Grliza, 1837, p. 41--43, vergl. Milacovic, Gesch. Mont., p.
+240--241.]
+
+[Fußnote 14: Milutinovic, p. 320.]
+
+[Fußnote 15: Das Schreiben befindet sich in dem Staatsarchiv zu
+Cetinje.]
+
+[Fußnote 16: Dieses Schreiben auch in demselben Archiv aufbewahrt.]
+
+[Fußnote 17: Das Schreiben im Archiv zu Cetinje.]
+
+[Fußnote 18: Im Archiv zu Cetinje. (Schreiben vom 12. Mai 1798.)]
+
+[Fußnote 19: Im Archiv zu Cetinje aufbewahrt.]
+
+[Fußnote 20: Im Archiv zu Cetinje.]
+
+[Fußnote 21: Im Archiv der Metropolie zu Cetinje.]
+
+[Fußnote 22: Milacovic, p. 237.]
+
+[Fußnote 23: Pojob Nil. IV, 218.]
+
+[Fußnote 24: Nil Pojob, IV, 103-104.]
+
+[Fußnote 25: Ein Brief des Vladika gefunden in der Metropolie zu
+Cetinje.]
+
+[Fußnote 26: Pojov N., p. 106.]
+
+[Fußnote 27: Bogdanovitch, p. 283--85.]
+
+[Fußnote 28: Im Archiv zu Cetinje.]
+
+[Fußnote 29: Grliza 1837, p. 51--52.]
+
+[Fußnote 30: Grliza 1837, p. 52.]
+
+[Fußnote 31: Grliza 1838, p. 44.]
+
+[Fußnote 32: Die Kopie dieser Bittschrift ist im Kloster _Savina_
+aufbewahrt.]
+
+[Fußnote 33: Grliza 1838, p. 44.]
+
+[Fußnote 34: A. Beer, p. 225.]
+
+[Fußnote 35: Milacovic, p. 259.]
+
+[Fußnote 36: Milacovic, p. 258--259.]
+
+[Fußnote 37: Viele Behauptungen Marmonts sind augenscheinlich
+übertrieben und oft sogar ganz unwahr, wie wir schon im weiteren sehen
+werden. Seine _«Memoires»_ sind von ihm in der Tat als eine Apologie
+seines Lebens geschrieben worden. Ein strenges Urteil über diese
+Apologie Marmonts ist folgendes: «Si l'on voulait étudier sa vie en
+adoptant ce qu'il dit sur lui-méme dans les neuf volumes laissés à la
+postérité comme justification de sa conduite, on courrait grand risque
+d'être continuellement à côte de vérité.» (Michauds Biographie
+universelle, tome 27, p. 18.) Wenigstens was die Ereignisse in der Bocca
+betrifft, stimmt dieses Urteil grösstenteils. Zu bedauern ist es, dass
+Europa von diesen Ereignissen lange Zeit hindurch bloss durch Marmont
+unterrichtet war.]
+
+[Fußnote 38: Mem. X, p. 2.]
+
+[Fußnote 39: Mem. X, p. 2.]
+
+[Fußnote 40: Mem. X, p. 4--5.]
+
+[Fußnote 41: Mem. X, p. 2.]
+
+[Fußnote 42: Mem. X, p. 6.]
+
+[Fußnote 43: Milacovic, p. 260.]
+
+[Fußnote 44: Marmont schätzte die russische Armee auf 7000 Mann (Mem.
+X, 11). Darunter hat er Bokelen und Montenegriner nicht gerechnet. Das
+war aber stark übertrieben. Denn die Stärke des regulären und
+unregulären Heeres betrug insgesamt etwa 9000 Mann. Sicher ist, dass von
+dieser Zahl zwei Drittel auf das unreguläre Heer entfielen.]
+
+[Fußnote 45: Orliza 1838, p. 46.]
+
+[Fußnote 46: Marmonts Mein. X, 9--10; Milacovic, p. 260--261.]
+
+[Fußnote 47: Nach Marmonts Angabe 5900. Milacovic spricht von 20,000,
+die Marmont bei sich hatte (p. 262), mit denen er aber nicht insgesamt
+gegen die Montenegriner gezogen sein soll.]
+
+[Fußnote 48: Mann. Mem. X, 13.]
+
+[Fußnote 49: Marm. Mem. X, 18. Mit wenig Grund kann dann wohl Marmont
+das für Herd und Freiheit kämpfende Volk der Bokelen und Montenegriner
+«_peuples barbares_» nennen. ---(Mem. X, 19).]
+
+[Fußnote 50: Mem. p. 16.]
+
+[Fußnote 51: Marmont nennt Bokelen und Montenegriner verächtlich
+_paysans_ (selten _montagnards_). Diese zu bekämpfen, «_n'était rieu
+pour moi_ (Mem. X, p. 10)», meinte er, bevor er gegen sie in den Kampf
+zog. Mit diesen verachteten _paysans_ machte er aber ganz böse
+Erfahrungen und erlitt von ihnen mehr Schläge, als er zu gestehen
+wagte.]
+
+[Fußnote 52: Mem. p. 18.]
+
+[Fußnote 53: Milacovic, p. 301.]
+
+[Fußnote 54: Grliza 1838, p. 50--51.]
+
+[Fußnote 55: Mem. X, p. 19.]
+
+[Fußnote 56: Mem. X, p. 18.]
+
+[Fußnote 57: Die Proklamation vom 6. Oktober (24. September), die sich
+im Kloster Savina befindet.]
+
+[Fußnote 58: Mem., p. 29.]
+
+[Fußnote 59: Mem. p. 30.]
+
+[Fußnote 60: Grliza 1838, p. 52-53.]
+
+[Fußnote 61: Grliza 1838, p. 53.]
+
+[Fußnote 62: Mem. X, p. 21.]
+
+[Fußnote 63: Mem. X, p. 22.]
+
+[Fußnote 64: Mem. X, p. 85.]
+
+[Fußnote 65: Mem. X, p. 93.]
+
+[Fußnote 66: Mem. X, p. 101.]
+
+[Fußnote 67: Marmont, Mem. X, p. 53. Milacovic, p. 280.]
+
+[Fußnote 68: Marmont, Mem. X, p. 53-54.]
+
+[Fußnote 69: Der Brief vom 8. Sept. 1806, Marmont, Mem. X, p. 80.]
+
+[Fußnote 70: Zitiert bei Marmont, Mem. X, p. 90.]
+
+[Fußnote 71: Zitiert bei Marmont, Mem. X, p. 106]
+
+[Fußnote 72: Grliza 1838, p. 55-56.]
+
+[Fußnote 73: Marmont, Mem. X, p. 108.]
+
+[Fußnote 74: E. Lavisse, Napoleon, p. 702.]
+
+[Fußnote 75: Bei Marmont, Mem. X, p. 107.]
+
+[Fußnote 76: Marmont, Mem. X, p. 59.]
+
+[Fußnote 77: Marmont, Mem. p. 125.]
+
+[Fußnote 78: Marmont, Mem. p. 126.]
+
+[Fußnote 79: Marmont, Mem. p. 126.]
+
+[Fußnote 80: Mem. 130.]
+
+[Fußnote 81: Milacovic, p. 278.]
+
+[Fußnote 82: Lavisse, p. 702.]
+
+[Fußnote 83: Im Staatsarchiv in Cetinje.]
+
+[Fußnote 84: Karadzitch, p. 39.]
+
+[Fußnote 85: Orliza 1838, p. 56. Vergl. mit Milacovic, p. 276.]
+
+[Fußnote 86: Dieser Brief ist im Archiv der Metropolie zu Cetinje
+aufbewahrt.]
+
+[Fußnote 87: Dieser Brief ist auch dort.]
+
+[Fußnote 88: Im Archiv zu Cetinje.]
+
+[Fußnote 89: Idem.]
+
+[Fußnote 90: Milacovic, p. 305-308.]
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Französisch-slavische Kämpfe in der
+Bocca di Cattaro 1806-1814., by Nicola Velimirovitch
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FRANZÖSISCH-SLAVISCHE KÄMPFE ***
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+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
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+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+License as specified in paragraph 1.E.1.
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+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
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+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
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