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-rw-r--r--15559-h/15559-h.htm12571
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+<TITLE>Jules Verne: Robur der Sieger</TITLE>
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+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Robur der Sieger, by Jules Verne
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Robur der Sieger
+
+Author: Jules Verne
+
+Release Date: April 6, 2005 [EBook #15559]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ROBUR DER SIEGER ***
+
+
+
+
+Produced by K.F. Creiner and the Online Distributed Proofreading Team.
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+</pre>
+
+
+<H1>Robur der Sieger</H1>
+
+<H2>von</H2>
+<H1>Julius Verne</H1>
+
+<H6>Bibliographische Anstalt Adolph Schumann.<BR>
+Leipzig</H6>
+
+<P><B>
+[Hinweis: Andere &Uuml;bersetzungen des Romans
+&bdquo;Robur-le-Conqu&eacute;rant&ldquo; sind unter dem Titel
+&bdquo;Robur der Eroberer&ldquo; erschienen.]
+</B></P>
+
+
+<HR>
+
+
+
+<H2>Inhalt</H2>
+
+<P> <A HREF="#kap01"><B>I.</B></A> Worin die gelehrte Welt sich ebenso
+wenig Rath wei&szlig;, wie die ungelehrte.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap02"><B>II.</B></A> In welchem die Mitglieder des
+Weldon-Instituts mit einander streiten, ohne zu einer Uebereinstimmung
+zu gelangen.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap03"><B>III.</B></A> In dem eine neue Pers&ouml;nlichkeit
+nicht besonders vorgestellt zu werden braucht, da sie das selbst
+besorgt.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap04"><B>IV.</B></A> In dem der Verfasser infolge einer
+Bemerkung des Dieners Frycollin den Mond wieder zu Ehren zu bringen
+versucht.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap05"><B>V.</B></A> In dem die Einstellung der
+Feindseligkeiten zwischen dem Vorsitzenden und dem Schriftf&uuml;hrer
+des Weldon-Instituts beschlossen wird.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap06"><B>VI.</B></A> Welches Ingenieure, Mechaniker und
+andere Gelehrte vielleicht am besten &uuml;berschlagen.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap07"><B>VII.</B></A> In welchem Onkel Prudent und Phil
+Evans sich noch nicht &uuml;berzeugen lassen wollen.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap08"><B>VIII.</B></A> Worin man sehen wird, da&szlig;
+Robur sich entschlie&szlig;t, auf die ihm vorgelegte wichtige Frage zu
+antworten.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap09"><B>IX.</B></A> In dem der &bdquo;Albatros&ldquo; fast
+zehntausend Kilometer zur&uuml;cklegt und das mit einem
+merkw&uuml;rdigen Sprunge endigt.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap10"><B>X.</B></A> Worin man sehen wird, wie und warum der
+Diener Frycollin in's Schlepptau genommen wurde.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap11"><B>XI.</B></A> In dem die Wuth des Onkel Prudent mit
+dem Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap12"><B>XII.</B></A> In dem der Ingenieur Robur handelt,
+als ob er sich um einen der Monthyon-Preise bewerben wollte.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap13"><B>XIII.</B></A> In den Onkel Prudent und Phil Evans
+einen ganzen Ocean durchfahren, ohne die Seekrankheit zu bekommen.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap14"><B>XIV.</B></A> In dem der &bdquo;Albatros&ldquo;
+etwas ausf&uuml;hrt, was man vielleicht niemals h&auml;tte
+ausf&uuml;hren k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap15"><B>XV.</B></A> Worin Dinge vorgehen, deren
+Schilderung sich gewi&szlig; der M&uuml;he lohnt.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap16"><B>XVI.</B></A> Welches den Leser in einer vielleicht
+beklagenswerthen Ungewi&szlig;heit l&auml;&szlig;t.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap17"><B>XVII.</B></A> Worin der Leser um zwei Monate
+r&uuml;ckw&auml;rts und auch um neun Monate vorw&auml;rts gef&uuml;hrt
+wird.
+
+</P><P>
+
+<A HREF="#kap18"><B>XVIII.</B></A> Welches diese wahrhafte Geschichte
+zu Ende f&uuml;hrt, ohne sie zu beendigen. </P>
+
+
+<HR>
+
+
+
+<A NAME="kap01" ID="kap01"></A>
+<H3>I.<BR>
+Worin die gelehrte Welt sich ebenso wenig Rath wei&szlig;, wie die
+ungelehrte.
+</H3>
+
+
+<P>
+Paff! ... Paff!
+
+</P><P>
+
+Zwei Pistolensch&uuml;sse knallten zu gleicher Zeit. Eine Kuh, welche
+eben in der Entfernung von f&uuml;nfzig Schritten vor&uuml;ber trabte,
+bekam eine Kugel in's R&uuml;ckgrat ... und sie ging die Sache doch
+gar nichts an.
+
+</P><P>
+
+Von den beiden Gegnern war keiner getroffen worden.
+
+</P><P>
+
+Wer waren jene beide Herren? Niemand wei&szlig; es, und gerade hier
+w&auml;re ja Gelegenheit gewesen, ihre Namen der Nachwelt zu
+&uuml;berliefern. Es l&auml;&szlig;t sich &uuml;ber sie nichts weiter
+sagen, als da&szlig; der &auml;ltere ein Engl&auml;nder, der j&uuml;ngere
+Duellant ein Amerikaner war. Desto leichter l&auml;&szlig;t sich die
+Oertlichkeit bestimmen, an der jener unschuldige Wiederk&auml;uer eben
+sein letztes Grasb&uuml;ndelchen abgeweidet hatte; diese ist n&auml;mlich
+am rechten Ufer des Niagara und unweit der H&auml;ngebr&uuml;cke zu
+suchen, welche drei Meilen unterhalb der ber&uuml;hmten F&auml;lle das
+canadische Ufer mit dem amerikanischen verbindet.
+
+</P><P>
+
+Der Engl&auml;nder schritt jetzt auf den Amerikaner zu.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich bleibe nichtsdestoweniger dabei, da&szlig; es die Melodie von
+<TT>Rule Britannia</TT> war, sagte er.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, der <TT>Yankee Doodle</TT>!&ldquo; versetzte der Andere.
+
+</P><P>
+
+Der Streit schien auf's Neue entbrennen zu sollen, als sich einer der
+Zeugen &mdash; ohne Zweifel im Interesse des weidenden Viehs &mdash; mit
+den Worten einmischte:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nehmen wir an, es w&auml;re der <TT>Rule Doodle</TT> und der
+<TT>Yankee Britannia</TT> gewesen und begeben wir uns nun zum
+Fr&uuml;hst&uuml;ck.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Dieses Compromi&szlig; zwischen den beiden Nationalges&auml;ngen Amerikas
+und Gro&szlig;britanniens wurde zur allgemeinen Befriedigung angenommen.
+L&auml;ngs des linken Niagara-Ufers zur&uuml;ckwandelnd, beeilten sich
+Amerikaner und Engl&auml;nder, an der einladenden Tafel des H&ocirc;tels
+auf Goat Island &mdash; einem neutralen Gebiete zwischen den beiden
+F&auml;llen &mdash; Platz zu nehmen. W&auml;hrend ihrer Besch&auml;ftigung
+mit gekochten Eiern und dem landes&uuml;blichen Schinken mit kaltem
+Roastbeef, einem Zwischengericht von im Munde fast brennenden Pickles und
+mit Hochfluthen von Thee, welche die weltbekannten Wasserf&auml;lle
+eifers&uuml;chtig machen k&ouml;nnten, wollen wir sie nicht weiter
+st&ouml;ren, zumal kaum anzunehmen ist, da&szlig; von ihnen im Laufe
+dieser Erz&auml;hlung noch ferner die Rede sein wird.
+
+</P><P>
+
+Wer hatte nun Recht &mdash; der Engl&auml;nder oder der Amerikaner? Es
+w&auml;re schwer gewesen, diese Frage zu entscheiden. Jedenfalls liefert
+jenes Duell den Beweis f&uuml;r die leidenschaftliche Erregung der Geister
+nicht allein in der Neuen, sondern auch in der Alten Welt, und zwar
+&uuml;ber ein Ereigni&szlig; oder eine unerkl&auml;rliche Erscheinung,
+welche seit etwa einem Monate alle K&ouml;pfe verwirrte.
+
+</P><P>
+
+<TT>... Os sublime dedit coelumque tueri</TT><BR>
+hat Ovid einst zu Ehren der Menschheit gesungen. In der That hatte man
+seit dem Erscheinen des ersten Menschen auf der Erdkugel noch niemals
+den Himmel so vielfach betrachtet.
+
+</P><P>
+
+Gerade in der vorhergegangenen Nacht hatte n&auml;mlich eine Trompete aus
+der Luft ihre metallenen T&ouml;ne herabgeschmettert &uuml;ber denjenigen
+Theil von Canada, der sich zwischen dem Ontario- und dem Erie-See
+ausdehnt. Die Einen hatten daraus den <TT>Yankee Doodle</TT>, die Anderen
+das <TT>Rule Britannia</TT> zu h&ouml;ren vermeint, daraus entstand auch
+obiger angels&auml;chsische Zweikampf, der mit dem Fr&uuml;hst&uuml;ck auf
+Goat Island endigte. Vielleicht war es weder der eine, noch der andere
+Nationalgesang gewesen; nur dar&uuml;ber herrschte bei Niemand ein
+Zweifel, da&szlig; die betreffenden T&ouml;ne die Eigenth&uuml;mlichkeit
+gehabt hatten, als schienen sie vom Himmel zur Erde hernieder zu steigen.
+
+</P><P>
+
+Sollte man etwa gar an eine Himmelsposaune denken, die ein Engel oder ein
+Erzengel geblasen h&auml;tte? ... Waren es nicht vielmehr lustige
+Luftschiffer gewesen, die sich des sonoren Instrumentes bedienten, von dem
+die Reclame so ausgebreiteten Gebrauch macht? Nein, von einem Ballon, von
+Luftschiffern konnte nicht die Rede sein. In hohen Himmelsregionen vollzog
+sich ein au&szlig;ergew&ouml;hnliches Ereigni&szlig;, dessen Natur und
+Ursprung kein Mensch zu entr&auml;thseln vermochte. Heute zeigte sich
+dasselbe &uuml;ber Amerika, vierundzwanzig Stunden sp&auml;ter &uuml;ber
+Europa, acht Tage sp&auml;ter in Asien &uuml;ber dem Himmlischen Reiche.
+Wenn die Trompete, welche das Vor&uuml;berziehen jener Erscheinung
+ank&uuml;ndigte, nicht die des J&uuml;ngsten Gerichtes war, welche, ja,
+welche war es dann?
+
+</P><P>
+
+In allen Landen der Erde, in K&ouml;nigreichen wie in Republiken, entstand
+deshalb eine gewisse Unruhe, welche gestillt werden mu&szlig;te. Vernimmt
+Einer in seinem Hause eigenth&uuml;mliche und unerkl&auml;rliche
+Ger&auml;usche, w&uuml;rde er nicht schnellstens die Ursache derselben zu
+ermitteln suchen, und wenn das vergeblich w&auml;re, w&uuml;rde er nicht
+sein Haus verlassen, um ein anderes zu bewohnen? Ganz sicherlich! Hier war
+das Haus freilich die Erdkugel, und es gab doch kein Mittel, diese zu
+verlassen und etwa mit dem Monde, Mars, Venus, Jupiter oder einem anderen
+Planeten des Sonnensystems zu vertauschen.
+
+</P><P>
+
+Es galt demnach unbedingt, aufzukl&auml;ren, was im unendlichen leeren
+Raume, doch innerhalb der Erdatmosph&auml;re, vorging. Ohne Luft ist ja
+ein Ger&auml;usch unm&ouml;glich, und da man hier ein solches vernahm
+&mdash; immer jene fast sagenhafte Trompete &mdash; mu&szlig;te die
+Erscheinung auch in der Lufth&uuml;lle stattfinden, deren Dichtigkeit sich
+nach oben zu immer mehr vermindert und die sich &uuml;ber unserem
+Sph&auml;roid nur wenige Meilen hoch verbreitet.
+
+</P><P>
+
+Nat&uuml;rlich bem&auml;chtigten sich die Tagesbl&auml;tter der
+vorliegenden Frage, behandelten sie unter allen Gesichtspunkten,
+beleuchteten oder verdunkelten dieselbe, berichteten falsche oder wahre
+Thatsachen, erregten oder beruhigten ihre Leser im Interesse der H&ouml;he
+ihrer Auflage &mdash; und wiegelten endlich die schon halb verwirrten
+Massen nicht wenig auf. Welch' Wunder! Die Politik hatte den Laufpa&szlig;
+erhalten und die Gesch&auml;fte gingen deshalb doch nicht schlecht. Aber
+um was handelte es sich &uuml;berhaupt?
+
+</P><P>
+
+Man befragte alle gro&szlig;en Observatorien der ganzen Welt. Wenn diese
+keine Antwort gaben, wozu n&uuml;tzten dann solche Observatorien
+eigentlich? Wenn die Astronomen, welche selbst in der Entfernung von
+hunderttausend Millionen Meilen noch einen Lichtpunkt zu zwei und drei
+Sternen aufzul&ouml;sen verm&ouml;gen, nicht im Stande waren, den Ursprung
+einer kosmischen Erscheinung zu ergr&uuml;nden, die nur wenige Kilometer
+&uuml;ber ihnen auftrat, wozu hatte man Astronomen?
+
+</P><P>
+
+Man konnte auch in der That kaum sch&auml;tzungsweise angeben, wie viel
+Teleskope, Brillen, Fernr&ouml;hre, Lorgnetten, Binocles und Monocles
+w&auml;hrend der sch&ouml;nen Sommernacht nach dem Himmel gerichtet waren,
+noch wie viele Augen sich vor die Oculare und Instrumente von jeder Art
+und Vergr&ouml;&szlig;erung hefteten. Vielleicht mehrere Hunderttausend,
+und das ist nur gering angeschlagen. Zehnmal mehr, als man am Firmament
+mit unbewaffnetem Auge sichtbare Sterne z&auml;hlt. Nein, noch keiner, auf
+allen Punkten der Erdkugel gleichzeitig beobachteten
+Sonnenfinsterni&szlig; hatte man solche Ehre angethan!
+
+</P><P>
+
+Die Observatorien antworteten, aber unzul&auml;nglich. Jedes gab seine
+Meinung ab, die stets von der aller anderen abwich, so da&szlig; sich
+daraus w&auml;hrend der letzten Wochen des April und der ersten des Mai
+ein wirklicher B&uuml;rgerkrieg unter der Gelehrtenwelt entwickelte.
+
+</P><P>
+
+Das Observatorium von Paris erwies sich sehr zur&uuml;ckhaltend. Keine
+seiner Abtheilungen sprach sich entschieden aus. In der Abtheilung
+f&uuml;r mathematische Astronomie hatte man es f&uuml;r unter seiner
+W&uuml;rde gehalten, Beobachtungen anzustellen; in der f&uuml;r die
+Meridianmessung hatte man nichts entdeckt; in der f&uuml;r physikalische
+Beobachtungen hatte man nichts wahrgenommen; in der f&uuml;r Geod&auml;sie
+nichts bemerkt; in der f&uuml;r Meteorologie war Niemand etwas
+aufgefallen; in der f&uuml;r die Berechnungen hatte man nichts gesehen.
+Das war wenigstens ein offenes Gest&auml;ndni&szlig;. Dieselbe
+Offenherzigkeit bekundete das Observatorium von Montsoucis, wie die
+magnetische Station im Park Saint-Maur. Dieselbe Achtung vor der Wahrheit
+bewies das L&auml;ngenbureau. Nun ja, Frankreich hei&szlig;t ja das Land,
+wo man &bdquo;frank&ldquo;, d.&nbsp;h. offen spricht.
+
+</P><P>
+
+Die Provinz war etwas entschiedener in ihrer Aeu&szlig;erung. Etwa in der
+Nacht zwischen dem 6. und 7. Mai hatte sich ein Lichtschein elektrischen
+Ursprunges gezeigt, der 20 Secunden nicht &uuml;berdauerte. Am Pic-Du-Midi
+war derselbe zwischen 9 und 10 Uhr Abends beobachtet worden; im
+meteorologischen Observatorium des Puy-de-D&ocirc;me hatte man ihn
+zwischen 1 und 2 Uhr Morgens bemerkt; auf dem Mont Ventoux in der Provence
+zwischen 2 und 3 Uhr; in Nizza zwischen 3 und 4 Uhr; auf den Semnoz-Alpen
+endlich zwischen Annecy, le Bourget und dem Genfer See im Augenblicke, als
+der Tagesschimmer sich eben bis zum Zenith erhob.
+
+</P><P>
+
+Offenbar konnte man diese Beobachtungen unm&ouml;glich in Bausch und Bogen
+verwerfen. Es unterlag keinem Zweifel, da&szlig; der Lichtschein an
+verschiedenen Punkten, und zwar im Verlauf einiger Stunden, wahrgenommen
+worden war. Derselbe ging also entweder von mehreren Herden aus, die sich
+durch die Erdatmosph&auml;re hinbewegten, oder, wenn er nur einem einzigen
+solchen angeh&ouml;rte, so mu&szlig;te dieser sich mit einer Schnelligkeit
+fortbewegen, welche nahezu 200 Kilometer in der Stunde erreichte.
+
+</P><P>
+
+Hatte man denn aber im Laufe des Tages niemals etwas Besonderes in der
+Luft bemerkt?
+
+</P><P>
+
+Nein, niemals.
+
+</P><P>
+
+Erklang nicht wenigstens jene Trompete einmal durch die Luftschichten?
+
+</P><P>
+
+Nein, zwischen Aufgang und Untergang der Sonne hatte man nicht den
+leisesten Ton geh&ouml;rt.
+
+</P><P>
+
+Im vereinigten K&ouml;nigreich Gro&szlig;britannien wu&szlig;te man nicht
+mehr aus, noch ein. Die Observatorien gelangten zu keinerlei
+Uebereinstimmung. Greenwich konnte sich nicht mit Oxford verst&auml;ndigen,
+obwohl Beide die Behauptung aufstellten, &bdquo;an der ganzen Sache sei
+nichts&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Eine Gesichtst&auml;uschung! meinte das Eine.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Eine Geh&ouml;rst&auml;uschung!&ldquo; erwiderte das Andere.
+
+</P><P>
+
+Dar&uuml;ber lagen sie im Streit; auf eine T&auml;uschung lief es jedoch
+allemal hinaus. Die Verhandlungen zwischen den Sternwarten zu Berlin und
+der zu Wien drohten zu internationalen Verwicklungen zu f&uuml;hren.
+Ru&szlig;land bewies ihnen in der Person des Vorstehers seiner Sternwarte
+zu Pulkowa, da&szlig; sie Beide Recht h&auml;tten, das h&auml;nge nur von
+den Gesichtspunkten ab, auf die sie sich bez&uuml;glich Bestimmung der
+Natur jener Erscheinung stellten, die in der Theorie unm&ouml;glich
+schien und in der Praxis m&ouml;glich war.
+
+</P><P>
+
+In der Schweiz, auf der Sternwarte zu S&auml;ntis, im Canton Appenzell,
+auf dem Rigi, im G&auml;bris, in den Beobachtungsstationen des
+St.&nbsp;Gotthard, St.&nbsp;Bernhard, des Julier, des Simplon, in denen
+von Z&uuml;rich und des Sonnblick in den Hohen Tauern, beflei&szlig;igte
+man sich einer ganz besonderen Zur&uuml;ckhaltung gegen&uuml;ber einer
+Thatsache, die bisher Niemand zu bekr&auml;ftigen vermocht hatte &mdash;
+was gewi&szlig; recht vern&uuml;nftig zu nennen ist.
+
+</P><P>
+
+In Italien dagegen, auf den meteorologischen Stationen des Vesuvs und des
+Aetna, welch' letztere sich in der alten Casa Inghlese befindet, wie auf
+dem Monte Cavo, z&ouml;gerten die Beobachter nicht im geringsten, die
+Wirklichkeit jener Erscheinung anzuerkennen, und das auf Grund des
+Umstandes, da&szlig; sie dieselbe einmal am Tage in Form eines kleinen
+Dampfw&ouml;lkchens und einmal in der Nacht in Gestalt einer
+Sternschnuppe hatten wahrnehmen k&ouml;nnen. Ueber die eigentliche Natur
+derselben wu&szlig;ten sie freilich ebenfalls nichts.
+
+</P><P>
+
+In der That begann dieses Geheimnis allm&auml;hlich die Vertreter der
+Wissenschaft zu erm&uuml;den, erregte dagegen und erschreckte desto mehr
+die Einf&auml;ltigen und Unwissenden, welche, Dank einem hochweisen
+Naturgesetze, von jeher in dieser Welt die ungeheure Mehrzahl gebildet
+haben, noch bilden und in aller Zukunft bilden werden. Die Astronomen und
+Meteorologen hatten also schon darauf verzichtet, sich mit der Sache zu
+besch&auml;ftigen, als in der Nacht vom 26. zum 27. auf der Sternwarte zu
+Cantokeino in Finnland, in Norwegen, in der Nacht vom 28. zum 29. auf der
+des Isfjord und auf Spitzbergen, die Norweger auf einer und die Schweden
+auf der anderen Seite in der Anschauung &uuml;bereingestimmt hatten,
+da&szlig; inmitten einer Art Nordlichtscheines etwas wie ein gewaltiger
+Vogel oder ein Luftungeheuer sichtbar gewesen sei. War es auch nicht
+gelungen, dessen Structur genauer zu bestimmen, so unterlag es doch
+keinem Zweifel, da&szlig; derselbe kleine K&ouml;rper ausgeworfen habe,
+welche gleich Bomben mit einem Knalle zersprangen.
+
+</P><P>
+
+In Europa neigte man wohl dazu, die Beobachtungen der Stationen von
+Finnmarken und Spitzbergen nicht anzuzweifeln. Ganz besonders
+merkw&uuml;rdig erschien freilich, da&szlig; die Schweden und die
+Norweger doch einmal &uuml;ber einen Punkt einig zu sein schienen.
+
+</P><P>
+
+Man lachte und spottete &uuml;ber die angebliche Entdeckung auf allen
+Sternwarten S&uuml;damerikas, in Brasilien und Peru, ebenso wie in La
+Plata, auf denen von Australien, in Sidney, Adelaide, wie in Melbourne,
+und das australische Lachen ist bekanntlich sehr ansteckend.
+
+</P><P>
+
+Nur ein einziger Vorsteher einer meteorologischen Station verhielt sich
+zustimmend bei dieser Frage, trotz der Sp&ouml;tteleien, welche seine
+Erkl&auml;rung derselben hervorrufen mochte. Das war ein Chinese, der
+Director der Sternwarte zu Zi-Ka-Wey, die sich inmitten einer
+ausgedehnten Ebene, mindestens zehn Lieues vom Meere, erhebt und welche
+bei ungemeiner Klarheit der Luft ein grenzenlos weiter Horizont
+umschlie&szlig;t.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es k&ouml;nnte ja sein, sagte er, da&szlig; der Gegenstand, um den
+es sich handelt, ein besonders construirter Apparat, eine fliegende
+Maschine w&auml;re.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Welcher Scherz!
+
+</P><P>
+
+Waren die vielfachen Widerspr&uuml;che nun schon in der Alten Welt sehr
+lebhaft, so begreift man leicht, wie sie sich in jenem Theile der Neuen
+Welt gestalten mu&szlig;ten, von dem die Vereinigten Staaten das weitaus
+gr&ouml;&szlig;te Gebiet einnehmen.
+
+</P><P>
+
+Ein Yankee liebt bekanntlich keine Umwege &mdash; er w&auml;hlt
+gew&ouml;hnlich den, der am schnellsten zum Ziele f&uuml;hrt. So
+z&ouml;gerten auch die amerikanischen Bundesstaaten nicht im mindesten,
+ihre Ansichten gegenseitig auszusprechen. Wenn sie sich dabei nicht
+gleich die Objective ihrer Fernrohre an den Kopf warfen, so kam das nur
+daher, da&szlig; sie dieselben jetzt, wo sie gerade am meisten gebraucht
+wurden, erst h&auml;tten wieder ersetzen m&uuml;ssen.
+
+</P><P>
+
+In dieser so viel Staub aufwirbelnden Frage standen die Sternwarten von
+Washington im District Columbia und die von Cambridge im Staate Duna
+denen des Darmouth-Collegs in Connecticut und von Ann-Arbor in Michigan
+feindlich gegen&uuml;ber. Ihr Streit betraf &uuml;brigens nicht die Natur
+des beobachteten K&ouml;rpers, sondern die genaue Zeit der Beobachtung,
+denn Alle behaupteten, ihn in derselben Nacht, zu derselben Stunde, zur
+gleichen Minute und Secunde wahrgenommen zu haben, obwohl die Flugbahn
+des geheimni&szlig;vollen Wanderers der L&uuml;fte nur in
+m&auml;&szlig;iger H&ouml;he &uuml;ber dem Horizont liegen sollte. Von
+Connecticut bis Michigan, von Duna nach Columbia ist aber die Entfernung
+eine so gro&szlig;e, da&szlig; eine doppelte Beobachtung zu ein und
+demselben Zeitpunkt als unm&ouml;glich angesehen werden konnte.
+
+</P><P>
+
+Dudley in Albany, Staat New-York, und West-Point, die
+Milit&auml;rakademie, gaben allen ihren Collegen Unrecht in einer
+Zuschrift, welche die gerade Aufsteigung und die Declination des
+bewu&szlig;ten K&ouml;rpers bestimmte.
+
+</P><P>
+
+Sp&auml;ter stellte sich jedoch heraus, da&szlig; diese Beobachter einem
+Irrthume unterlegen waren und da&szlig; der betreffende K&ouml;rper nur
+eine Feuerkugel gewesen war, welche durch die mittleren Luftschichten
+hinblitzte. Um diese Feuerkugel handelte es sich aber offenbar nicht. Wie
+k&ouml;nnte auch eine solche Feuerkugel eine Trompete geblasen haben?
+
+</P><P>
+
+Was nun die erw&auml;hnte Trompete anging, versuchte man vergeblich deren
+schmetternden Ton als eine einfache Geh&ouml;rst&auml;uschung
+hinzustellen. Jedenfalls hatten sich bei dieser Gelegenheit die Ohren der
+Leute ebenso wenig get&auml;uscht, wie deren Augen. Unz&auml;hlige
+Beobachter hatten vielmehr entschieden etwas gesehen und gleichzeitig
+geh&ouml;rt. In der sehr dunklen Nacht &mdash; vom 12. zum 13. Mai
+&mdash; war es den Beobachtern des Yale-Collegs an der Hochschule von
+Sheffield sogar gelungen, einige Tacte eines musikalischen Satzes in
+<TT>A-dur</TT> und im Viervierteltacte in Noten zu fixiren, welche
+vollkommen mit einem Theile der Melodie des bekannten <TT>Chant du
+d&eacute;part</TT> &mdash; eines Soldatenliedes beim Auszug zum Kampfe
+&mdash; &uuml;bereinstimmten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sehr sch&ouml;n! riefen dazu die Witzbolde, da h&auml;tten wir ja
+ein franz&ouml;sisches Orchester, das seine Weisen mitten in der Luft
+ert&ouml;nen l&auml;&szlig;t!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Scherzen hei&szlig;t aber nicht antworten. Diese Bemerkung machte auch
+das von der Atlantic Iron Works Company gegr&uuml;ndete Observatorium zu
+Boston, dessen Anschauungen in Fragen der Astronomie und Meteorologie
+f&uuml;r die gelehrte Welt allm&auml;hlich schon die Bedeutung von
+Gesetzen gewannen.
+
+</P><P>
+
+Ferner gab auch noch das, Dank der Freigebigkeit des Mr. Kilgoor im Jahre
+1870 auf dem Berge Lookout entstandene Observatorium von Cincinnati eine
+Erkl&auml;rung ab, jenes Institut, das sich durch seine mikrometrischen
+Messungen der Doppelsterne so vortheilhaft bekannt gemacht hat. Sein
+Director sprach sich in vollem guten Glauben dahin aus, da&szlig; den
+weitverbreiteten Ger&uuml;chten unzweifelhaft etwas zu Grunde liege,
+da&szlig; sich zu nahe aneinanderliegenden Zeiten an sehr verschiedenen
+Stellen in der Atmosph&auml;re ein in Bewegung befindlicher K&ouml;rper
+zeige, da&szlig; &uuml;ber dessen Natur,
+Gr&ouml;&szlig;enverh&auml;ltnisse, Geschwindigkeit und Flugbahn aber
+kein Urtheil m&ouml;glich sei.
+
+</P><P>
+
+Da erhielt ein Journal von allergr&ouml;&szlig;ter Verbreitung, der
+New-York Herald, von einem Abonnenten folgende anonyme Mittheilung:
+&bdquo;Noch d&uuml;rfte der Wettkampf unvergessen sein, der vor einigen
+Jahren herrschte zwischen den beiden Erben der Begum von Ragginahra, dem
+franz&ouml;sischen Arzt Sarrasin in seiner Stadt Franceville und dem
+deutschen Ingenieur Herrn Schulze in seiner Stadt Stahlstadt, welche
+Beide im s&uuml;dlichen Theile von Oregon, Vereinigte Staaten, angelegt
+waren.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Man kann auch nicht vergessen haben, da&szlig; Herr Schulze in der
+Absicht, Franceville zu zerst&ouml;ren, ein ungeheures Gescho&szlig;,
+schon mehr eine Maschine, auf letztere Stadt schleuderte, welche dieselbe
+mit einem Schlage vernichten sollte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Noch weniger kann der Vergessenheit verfallen sein, da&szlig;
+dieses Gescho&szlig;, dessen Anfangsgeschwindigkeit beim Verlassen der
+M&uuml;ndung der Monstrekanone falsch berechnet war, mit einer
+sechzehnmal gr&ouml;&szlig;eren Geschwindigkeit, als gew&ouml;hnliche
+Geschosse &mdash; n&auml;mlich f&uuml;nfundsiebzig bis achtzig
+geographische Meilen in der Stunde &mdash; hinweg getragen wurde,
+da&szlig; es auf die Erde nicht niedergefallen ist und nach seinem
+Uebergang in den Zustand etwa einer Feuerkugel noch jetzt um unseren
+Planeten kreist und in alle Ewigkeit kreisen mu&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Warum sollte dieses Riesengescho&szlig;, dessen Vorhandensein
+nicht anzuzweifeln ist, nicht der in Frage stehende K&ouml;rper
+sein?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Das war ja recht scharfsinnig von dem Abonnenten des New-York Herald ...
+aber die Trompete&nbsp;...? In dem Projectil des Herrn Schulze hatte sich
+bestimmt keine Trompete befunden.
+
+</P><P>
+
+Alle bisherigen Erkl&auml;rungen erkl&auml;rten also nichts, alle
+Beobachter beobachteten einfach falsch.
+
+</P><P>
+
+Es blieb sonach nur noch die von dem Director von Zi-Ka-Wey aufgestellte
+Hypothese. Aber, mein Gott, der Mann war ja Chinese!
+
+</P><P>
+
+Man darf nicht etwa glauben, da&szlig; sich der Bev&ouml;lkerung der
+Alten und der Neuen Welt endlich ein gewisser Ueberdru&szlig;
+bem&auml;chtigt h&auml;tte. Im Gegentheil, die Er&ouml;rterungen dauerten
+in gleicher Lebhaftigkeit fort, ohne da&szlig; irgendwo eine
+Uebereinstimmung erzielt wurde. Gleichwohl trat einmal eine Art Pause
+ein. Es vergingen n&auml;mlich einige Tage, ohne da&szlig; etwas von dem
+fraglichen Gegenstande, von der Feuerkugel oder was es sonst war,
+gemeldet wurde und ohne da&szlig; sich der bekannte Trompetenton aus der
+Luft h&ouml;ren lie&szlig;. War jener K&ouml;rper also irgendwo auf die
+Erde niedergefallen, vielleicht an einem Punkte, der sein Wiederauffinden
+besonders erschwerte &mdash; etwa gar in's Meer? Lag er jetzt in der
+unendlichen Tiefe des Atlantischen, des Pacifischen oder des Indischen
+Oceans? Wer h&auml;tte das sagen k&ouml;nnen?
+
+</P><P>
+
+Da vollzog sich aber zwischen dem 2. und dem 9. Juni eine neue Reihe von
+Thatsachen, deren Erkl&auml;rung durch die Annahme eines rein kosmischen
+Ph&auml;nomens schlechterdings unm&ouml;glich war.
+
+</P><P>
+
+Im Laufe jener acht Tage fand man n&auml;mlich auf den entlegensten
+Punkten eine Fahne gerade an den schwerst zug&auml;nglichen Stellen von
+Kirchen u.&nbsp;s.&nbsp;w. befestigt; so wurden die Hamburger
+&uuml;berrascht durch eine solche an der Spitze des Thurmes von
+St.&nbsp;Michael, die T&uuml;rken auf dem h&ouml;chsten Minaret der
+heiligen Sophien-Moschee, die Einwohner von Rouen an der Spitze des
+metallenen Pfeiles ihrer Kathedrale, die Stra&szlig;burger am obersten
+Punkte des M&uuml;nsters, die Amerikaner auf dem Kopfe ihrer
+Bilds&auml;ule der Freiheit am Eingange des Hafens und am Gipfel des
+Washington-Denkmals in Boston, die Chinesen an der Spitze des Tempels der
+f&uuml;nfhundert Geister in Canton, die Hindus am sechzehnten Stockwerk
+der Pyramide des Tempels zu Tanjur, die R&ouml;mer am Kreuze des
+St.&nbsp;Peters-Domes, die Engl&auml;nder am Kreuz der
+St.&nbsp;Pauls-Kirche in London, die Egypter an der obersten Spitze der
+Pyramide von Gizeh, die Wiener an dem Reichsadler auf der Spitze des
+St.&nbsp;Stephansthurmes, die Pariser am Blitzableiter des dreihundert
+Meter hohen eisernen Thurmes der Ausstellung von 1889 und noch andere
+mehr.
+
+</P><P>
+
+Diese Fahne aber zeigte ein schwarzes Flaggentuch, das in der Mitte eine
+goldene Sonne und ringsum verstreut einzelne Sterne enthielt. </P>
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap02" ID="kap02"></A>
+<H3>II.<BR>
+In welchem die Mitglieder des Weldon-Instituts mit einander streiten,
+ohne zu einer Uebereinstimmung zu gelangen.
+</H3>
+
+
+<P>
+&bdquo;Und der Erste, der das Gegentheil behauptet&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Oho, das wird man behaupten, wenn ein Grund daf&uuml;r vorliegt!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und auch trotz Ihrer Drohungen!&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Achten Sie auf Ihre Worte, Bat Fyn!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und Sie auf die Ihrigen, Onkel Prudent!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich bleibe dabei, da&szlig; sich die Schraube nur am Hintertheil
+befinden darf!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir auch! Wir auch! erschallten f&uuml;nfzig Stimmen wie aus
+einer Kehle.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sie mu&szlig; am Vordertheil sein! rief Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Am Vordertheil! br&uuml;llten f&uuml;nfzig andere Stimmen eben so
+stark, wie jene fr&uuml;heren.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir werden nie zu ein und derselben Ansicht kommen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Niemals! ... Niemals!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nun, warum streiten wir dann &uuml;berhaupt noch?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist kein Streit ... es ist nur eine Er&ouml;rterung!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Das h&auml;tte freilich kein Mensch geglaubt, der die scharfe Entgegnung,
+die Vorw&uuml;rfe und das Geschrei h&ouml;rte, welche den Sitzungssaal
+seit einer guten Viertelstunde erf&uuml;llten.
+
+</P><P>
+
+Gedachter Saal war n&auml;mlich der gr&ouml;&szlig;te des
+Weldon-Institutes ... und jenes vor allen ber&uuml;hmten Clubs in der
+Walnut Street zu Philadelphia, Pennsylvanien, Vereinigte Staaten von
+Nordamerika.
+
+</P><P>
+
+In genannter Stadt war es erst am Vortage bei Gelegenheit der Wahl eines
+Gaslaternenanz&uuml;nders zu &ouml;ffentlichen Kundgebungen,
+ger&auml;uschvollen Versammlungen und zu reichlich ausgetheilten
+Schl&auml;gen gekommen. Daher r&uuml;hrte eine noch nicht
+bes&auml;nftigte Reizbarkeit und stammte wohl auch jene
+au&szlig;ergew&ouml;hnliche Erregung, welche die Mitglieder des
+Weldon-Instituts eben zeigten. Und hierbei handelte es sich nur um eine
+einfache Vereinigung von &bdquo;Ballonisten&ldquo;, welche &uuml;ber die
+noch heutigen Tages brennende Frage der Lenkbarkeit der Ballons
+verhandelten.
+
+</P><P>
+
+Der Vorgang aber spielte sich in einer Stadt der Vereinigten Staaten ab,
+welche an schneller Entwickelung selbst New-York, Chicago, Cincinnati und
+San Francisco &uuml;berholt hat &mdash; einer Stadt, welche weder ein
+Hafenplatz, noch der Mittelpunkt von Petroleum- oder Steinkohlenbergwerken,
+auch kein Brennpunkt der Industrie, so wenig wie der Kreuzungspunkt eines
+vielstrahligen Bahnnetzes ist &mdash; in einer Stadt, die an
+Gr&ouml;&szlig;e schon Manchester, Edinburgh, Liverpool, Wien, Petersburg
+und Dublin &uuml;bertrifft &mdash; einer Stadt, die einen Park besitzt,
+in dem die sieben Parks der Hauptstadt von England zusammen Platz finden
+&mdash; einer Stadt endlich, welche jetzt nahezu 1,200.000 Einwohner
+z&auml;hlt und sich nach London, Paris, New-York und Berlin als die
+f&uuml;nfte Stadt der Welt betrachtet.
+
+</P><P>
+
+Philadelphia ist fast eine Stadt aus Marmor mit seinen vielen
+monumentalen Geb&auml;uden und &ouml;ffentlichen Anstalten, welche ihres
+Gleichen nirgends finden. Das bedeutendste aller Collegs der Neuen Welt
+ist das Colleg Girard, und das hat seinen Sitz in Philadelphia. Die
+gr&ouml;&szlig;te Eisenbr&uuml;cke der Erde ist die, welche den
+Schuylkill &uuml;berspannt, und diese befindet sich in Philadelphia. Der
+sch&ouml;nste Tempel der Freimaurerei ist der Maurertempel in
+Philadelphia; endlich besteht der gr&ouml;&szlig;te Club von Freunden und
+Bef&ouml;rderern der Luftschifffahrt ebenfalls in Philadelphia, und wer
+Gelegenheit gehabt h&auml;tte, diesen am Abend des 12. Juni zu besuchen,
+der w&uuml;rde sich dabei ausgezeichnet unterhalten haben.
+
+</P><P>
+
+In erw&auml;hntem gro&szlig;en Saale bewegten, dr&auml;ngten sich,
+gestikulirten, sprachen, verhandelten und stritten &mdash; Alle den Hut
+auf dem Kopfe &mdash; wohl hundert Ballonisten unter dem hohen Vorsitz
+eines Pr&auml;sidenten, dem ein Schriftf&uuml;hrer und ein Schatzmeister
+zur Seite standen. Es waren das keine Ingenieurs von Fach; nein, einfache
+Liebhaber alles Dessen, was mit der Aerostatik in Beziehung stand, aber
+begeisterte Liebhaber, und vor Allem Feinde Derjenigen, welche den
+Aerostaten Apparate, &bdquo;schwerer als die Luft&ldquo;, fliegende
+Maschinen, Luftschiffe u. dgl. entgegenzustellen beabsichtigen. Da&szlig;
+diese wackeren Leute nimmermehr die Lenkbarkeit des Ballons erfinden
+w&uuml;rden, war gewi&szlig; mehr als wahrscheinlich. Auf jeden Fall
+hatte ihr Vorsitzender Noth genug, um sie selbst geh&ouml;rig zu lenken
+und zu leiten.
+
+</P><P>
+
+Dieser in Philadelphia sattsam bekannte Pr&auml;sident war der Onkel
+Prudent &mdash; Prudent seinem Familiennamen nach. Was die weitere
+Bezeichnung &bdquo;Onkel&ldquo; betrifft, so braucht man sich in Amerika
+&uuml;ber diese nicht zu wundern, wo Jeder zum Onkel werden kann, ohne
+einen Neffen oder eine Nichte zu haben. Man sagt dort ebenso Onkel, wie
+anderw&auml;rts Vater von Leuten, welche auf eine Vaterschaft nicht den
+geringsten Anspruch haben.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent war eine gewichtige Pers&ouml;nlichkeit und trotz seines
+Namens oft genannt gerade wegen seiner K&uuml;hnheit, daneben sehr reich,
+was selbst in den Vereinigten Staaten nicht von Nachtheil sein soll. Wie
+h&auml;tte er das auch nicht sein sollen, da er einen gro&szlig;en Theil
+der Niagarafall-Actien sein eigen nannte? Jener Zeit hatte sich
+n&auml;mlich in Buffalo eine Gesellschaft von Ingenieuren zur Ausbeutung
+der ber&uuml;hmten F&auml;lle gegr&uuml;ndet. Die 7500 Cubikmeter, welche
+der Niagara jede Secunde hinabw&auml;lzt, k&ouml;nnen 7 Millionen
+Dampfpferdekr&auml;fte erzeugen. Diese ungeheure, in einem Umkreise von
+500 Kilometer nach allen Fabriken und Werkst&auml;tten vertheilte
+Kraftmenge lieferte eine j&auml;hrliche Ersparni&szlig; von 1200
+Millionen Mark, von dem ein Theil in die Cassen der Gesellschaft &mdash;
+speciell in die Taschen des Onkel Prudent &mdash; zur&uuml;ckflo&szlig;.
+Uebrigens war er Junggeselle, lebte h&ouml;chst einfach und hatte als
+h&auml;uslichen pers&ouml;nlichen Beistand niemand Anderen, als seinen
+Diener Frycollin, der eigentlich am allerwenigsten verdiente, im Dienste
+eines so k&uuml;hnen, unternehmenden Herrn zu stehen. Aber es giebt
+einmal Regelwidrigkeiten.
+
+</P><P>
+
+Da&szlig; der Onkel Prudent Freunde hatte, da er so reich war, versteht
+sich ja von selbst; aber er hatte auch Feinde, weil er Vorsitzender jenes
+Clubs war &mdash; unter Allen alle die, welche selbst nach diesem Amte
+strebten; und als der hitzigsten Einer ist hier der Schriftf&uuml;hrer
+des Weldon-Institutes zu erw&auml;hnen.
+
+</P><P>
+
+Es war das der ebenfalls sehr reiche Phil Evans, der Director der Walton
+Watch Company, einer gewaltigen Uhrenfabrik, welche tagt&auml;glich 500
+St&uuml;ck Zeitmesser erzeugt und Producte liefert, die sich den besten
+der Schweiz an die Seite stellen k&ouml;nnen. Phil Evans h&auml;tte also
+f&uuml;r einen der gl&uuml;cklichen Menschen der Welt selbst in den
+Vereinigten Staaten gelten k&ouml;nnen, wenn man von jener Stellung des
+Onkel Prudent absah. Wie letzterer, war auch er 45 Jahre alt, von
+scheinbar unersch&uuml;tterlicher Gesundheit, wie jener von
+unzweifelhafter K&uuml;hnheit, und sorgte er sich wenig darum, die
+gewissen Vorz&uuml;ge des Junggesellenstandes gegen die oft zweifelhaften
+Vortheile der Ehe zu vertauschen. Wahrlich, das waren zwei M&auml;nner,
+wie geschaffen, einander zu verstehen, die sich doch nicht verstanden,
+und Beide, was wohl zu bemerken ist, von ungemein stark entwickeltem
+Charakter, der Eine, Onkel Prudent, hitzig, der Andere, Phil Evans,
+eiskalt bis zum Ueberma&szlig;e.
+
+</P><P>
+
+Und woher kam es, da&szlig; Phil Evans nicht zum Vorsitzenden des Clubs
+ernannt worden war? Die Stimmenzahl f&uuml;r Onkel Prudent und f&uuml;r
+ihn war die genau gleiche gewesen. Wohl zwanzig Mal wurde die Abstimmung
+wiederholt, aber auch zwanzig Mal ergab sich eine Majorit&auml;t weder
+f&uuml;r den Einen, noch f&uuml;r den Anderen. Das war eine peinliche
+Lage, welche wahrscheinlich die Lebenszeit der beiden Candidaten
+h&auml;tte &uuml;berdauern k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Da schlug ein Mitglied des Clubs ein Mittel vor, die Stimmengleichheit
+aufzuheben. Es war Jem Cip, der Schatzmeister des Weldon-Institutes. Jem
+Cip war eingefleischter Vegetarianer, mit anderen Worten,
+ausschlie&szlig;licher Gem&uuml;seesser, einer der Leute, die jede
+Fleischnahrung, wie alle gegohrenen Getr&auml;nke verwarfen &mdash; halb
+Brahmanen und halb Muselm&auml;nner &mdash; der Rival eines Nievmann,
+Pitmann, Ward und Davie, welche der Secte dieser unschuldigen Thoren
+einen gewissen Namen gemacht haben.
+
+</P><P>
+
+Bei vorliegender Gelegenheit wurde Jem Cip von einem anderen Mitglied des
+Clubs unterst&uuml;tzt, von William T. Forbes, dem Director einer
+gro&szlig;en Anstalt, in der Glucose durch Behandlung von Lumpen mit
+Schwefels&auml;ure hergestellt wurde &mdash; ein Verfahren, nach dem man
+also Zucker aus alter W&auml;sche zu erzeugen vermag. Es war ein gut
+situirter Mann, dieser William T. Forbes, und Vater von zwei reizenden,
+bejahrteren T&ouml;chtern, der Mi&szlig; Dorothee, genannt Doll, und der
+Mi&szlig; Martha, genannt Mat, die in der besten Gesellschaft von
+Philadelphia den Ton angaben.
+
+</P><P>
+
+Der von William T. Forbes nebst einigen Anderen unterst&uuml;tzte
+Vorschlag Jem Cip's ging nun dahin, den Vorsitzenden des Clubs durch den
+Mittelpunkt zu bestimmen.
+
+</P><P>
+
+Wahrlich, dieser Wahlmodus k&ouml;nnte in allen F&auml;llen angewendet
+werden, wo es sich darum handelt, den W&uuml;rdigsten zu erw&auml;hlen,
+und sehr viele, h&ouml;chst vern&uuml;nftige Amerikaner dachten auch
+schon daran, denselben bei der Ernennung des Pr&auml;sidenten der
+Vereinigten Staaten zur Anwendung zu bringen.
+
+</P><P>
+
+Auf zwei tadellos wei&szlig;e Tafeln wurde hierzu je eine schwarze Linie
+gezogen. Die L&auml;nge beider war mathematisch genau die gleiche, denn
+man hatte dieselbe mit ebenso viel Sorgfalt abgemessen, als handelte es
+sich dabei um die Grundlinien des ersten Dreiecks einer
+Triangulationsarbeit. Hierauf wurden beide Tafeln am n&auml;mlichen Tage
+inmitten des Sitzungssaales der Gesellschaft aufgestellt; die beiden
+Wettbewerber versahen sich Jeder mit einer sehr feinspitzigen Nadel und
+gingen wieder gleichzeitig auf die, Jedem durch das Loos zugefallene
+Tafel zu. Derjenige der beiden Rivalen aber, welcher seine Nadel am
+n&auml;chsten dem Mittelpunkte der Linie einstechen w&uuml;rde, sollte
+damit zum Vorsitzenden des Weldon-Institutes gew&auml;hlt sein.
+
+</P><P>
+
+Es versteht sich von selbst, da&szlig; hierbei jedes Hilfsmittel, jedes
+Umhertappen verboten und nur die Sicherheit des Blicks entscheidend war.
+Es galt, nach volksth&uuml;mlichem Ausdruck, den Zirkel im Auge zu haben.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent stach seine Nadel ein und zu gleicher Zeit Phil Evans.
+Darauf wurde nachgemessen, welcher der beiden Konkurrenten sich dem
+Mittelpunkte am meisten gen&auml;hert hatte.
+
+</P><P>
+
+Welches Wunder! Die beiden M&auml;nner hatten so vortreffliches
+Augenma&szlig; entwickelt, da&szlig; die Messungen keinen
+sch&auml;tzenswerthen Unterschied ergaben. War von ihnen auch nicht genau
+der mathematische Mittelpunkt getroffen worden, so erwies sich der Raum
+zwischen diesem und den beiden Nadeln kaum merkbar und schien bei beiden
+obendrein noch gleich gro&szlig; zu sein.
+
+</P><P>
+
+Die Versammlung befand sich nun in neuer Verlegenheit.
+
+</P><P>
+
+Zum Gl&uuml;ck bestand eines der Mitglieder, Truk Milnor, darauf, die
+Messungen mit Hilfe eines mit Perreaux' mikrometischer Maschine
+getheilten Lineals noch einmal vorzunehmen, welche die M&ouml;glichkeit
+gew&auml;hrt noch ein F&uuml;nfzehnhundertstel eines Millimeters
+abzulesen. Auf dem Lineal waren in der That f&uuml;nfzehnhundert
+Abtheilungen auf einem solchen kleinen Raum mittelst Diamant eingeritzt,
+und bei Abmessung der Entfernung der Stiche von den betreffenden
+Mittelpunkten erhielt man folgendes Resultat:
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent hatte sich dem Mittelpunkt auf weniger als sechs
+f&uuml;nfzehnhundertstel Millimeter gen&auml;hert, Phil Evans auf nahezu
+neun f&uuml;nfzehnhundertstel.
+
+</P><P>
+
+Daher kam es, da&szlig; Phil Evans nur Schriftf&uuml;hrer des
+Weldon-Institutes wurde, w&auml;hrend Onkel Prudent die W&uuml;rde des
+Pr&auml;sidenten desselben erhielt.
+
+</P><P>
+
+Einer Entfernung von drei f&uuml;nfzehnhundertstel, mehr hatte es nicht
+bedurft, um Phil Evans mit Ha&szlig; gegen Onkel Prudent zu
+erf&uuml;llen, mit einem Ha&szlig;, der, wenn er ihn auch in sich
+verschlo&szlig;, doch nicht minder grimmig war.
+
+</P><P>
+
+Jener Zeit, und zwar seit dem letzten Viertel dieses neunzehnten
+Jahrhunderts, hatte die Frage der lenkbaren Ballons immerhin schon einige
+Fortschritte zu verzeichnen, die mit Triebschraube ausger&uuml;steten
+Gondeln, welche Henry Giffard 1852 an seinem verl&auml;ngerten Ballon
+anbrachte, ferner Dupuy de L&ocirc;me, 1872, die Gebr&uuml;der Tissandier
+1883 und die Capit&auml;ne Krebs und Renard im Jahre 1884 hatten
+mindestens einige Ergebnisse erzielt, denen man Rechnung tragen
+mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Doch wenn diese Apparate in einem schwereren Medium als sie selbst, unter
+dem Drucke einer Schraube man&ouml;vrirend, eine schr&auml;ge Richtung
+gegen den Wind einhielten, sogar gegen einen widrigen Luftzug aufkamen,
+um nach ihrem Ausgangspunkt zur&uuml;ckzukehren, also wirklich gelenkt
+worden waren, so konnte das doch nur unter ganz besonders g&uuml;nstigen
+Umst&auml;nden erreicht werden. In gro&szlig;en, geschlossenen
+ausgedehnten Hallen allerdings! In recht ruhiger Atmosph&auml;re &mdash;
+das ging auch noch recht gut. Bei einem leichten Winde von f&uuml;nf bis
+sechs Meter in der Secunde war es vielleicht eben noch zu erzwingen
+&mdash; Alles in Allem hatte man eigentlich praktisch verwendbare
+Resultate aber noch nicht erzielt. Gegen einen Windm&uuml;hlenwind von
+acht Metern in der Secunde w&uuml;rden jene Apparate nahezu
+station&auml;r geblieben sein; vor einer frischen Brise von zehn Metern
+in der Secunde hatten sie in Gefahr geschwebt, zerrissen zu werden; und
+bei einer jener Cyclonen, welche hundert Meter in der Secunde
+&uuml;berschreiten, w&uuml;rde man von ihnen kein St&uuml;ckchen wieder
+gefunden haben.
+
+</P><P>
+
+Selbst nach den scheinbar gl&auml;nzend gelungenen Versuchen der
+Capit&auml;ne Krebs und Renard d&uuml;rfte als bewiesen angesehen werden,
+da&szlig; die Aerostaten, wenn sie an Bewegungsf&auml;higkeit auch ein
+wenig gewonnen hatten, mit dieser doch gerade nur gegen eine schwache
+Brise aufzukommen vermochten. Es war also nach wie vor als unm&ouml;glich
+zu betrachten, diese Art der Fortbewegung durch die Luft praktisch zu
+verwenden.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend man sich aber so eifrig mit dem Problem der Lenkbarkeit der
+Aerostaten, das hei&szlig;t mit den Mitteln besch&auml;ftigte, diesen
+eine eigene Geschwindigkeit zu verleihen, hatte die Frage der Motoren
+unzweifelhaft weit schnellere Fortschritte gemacht. An Stelle der
+Dampfmaschinen und der Verwendung der blo&szlig;en Muskelkraft waren
+allm&auml;hlich die elektrischen Motore getreten. Die Batterien mit
+doppeltchromsaurem Natron, deren Elemente auf hohe Spannung angeordnet
+waren, wie sie die Gebr&uuml;der Tissandier ben&uuml;tzten, erzielten
+eine Schnelligkeit von etwa vier Metern in der Secunde. Die zw&ouml;lf
+Pferdekraft entwickelnden dynamo-elektrischen Maschinen der Capit&auml;ne
+Krebs und Renard gestatteten, eine Geschwindigkeit von im Mittel sechs
+Meter in der Secunde zu erreichen.
+
+</P><P>
+
+Bei ihren Versuchen waren Mechaniker und Elektriker bestrebt gewesen,
+sich dem frommen Wunsche zu n&auml;hern, eine &bdquo;Dampfpferdekraft in
+einem Taschenuhrgeh&auml;use&ldquo; zu erzeugen. Die Effecte der
+S&auml;ule, deren Zusammensetzung die Capit&auml;ne Krebs und Renard
+geheim gehalten hatten, wurden ebenfalls bald &uuml;bertroffen, und nach
+ihnen fanden die Aeronauten Gelegenheit, Motore zu verwenden, deren
+Leichtigkeit im gleichen Verh&auml;ltni&szlig; mit ihrer Kraftwirkung
+wuchs.
+
+</P><P>
+
+Die Anh&auml;nger der M&ouml;glichkeit einer Lenkbarkeit der Ballons
+hatten also gewi&szlig; Ursache, ihren Muth aufrecht zu erhalten, und
+doch, wie viele klare K&ouml;pfe haben es verworfen, an die
+Ben&uuml;tzung solcher zu glauben. In der That, wenn der Aerostat einen
+Angriffspunkt der ihm innewohnenden Kraft in der Luft findet, so ist er
+doch mit seiner gro&szlig;en Masse in diese eingetaucht. Und wie
+k&ouml;nnte derselbe, da er wieder den Str&ouml;mungen der
+Atmosph&auml;re eine so breite Angriffsfl&auml;che bietet, jemals, und
+wenn sein Triebwerk noch so m&auml;chtig w&auml;re, direct gegen einen
+widrigen Wind aufkommen?
+
+</P><P>
+
+Diese Frage lag noch immer vor, man hoffte dieselbe jedoch durch
+Anwendung sehr gro&szlig;er Apparate zu l&ouml;sen.
+
+</P><P>
+
+Es ergab sich &uuml;brigens, da&szlig; bei diesem Wettstreite der
+Erfinder in der Herstellung eines sehr kr&auml;ftigen und dennoch
+leichten Motors die Amerikaner sich dem gew&uuml;nschten Ziele am meisten
+gen&auml;hert hatten. Ein auf der Anwendung einer neuen S&auml;ule
+beruhender dynamo-elektrischer Apparat, dessen Construction
+vorl&auml;ufig noch Geheimni&szlig; blieb, war seinem Erfinder, einem
+bisher unbekannten Chemiker in Boston, abgekauft worden. Mit
+gr&ouml;&szlig;ter Sorgfalt durchgef&uuml;hrte Berechnungen und mit
+&auml;u&szlig;erster Genauigkeit entworfene Diagramme ergaben, da&szlig;
+dieser Apparat, wenn er auf eine Schraube von angepa&szlig;ter
+Gr&ouml;&szlig;e wirkte, eine Fortbewegung von achtzehn bis zwanzig
+Metern in der Secunde gew&auml;hrleisten mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Wahrlich, das w&auml;re gro&szlig;artig gewesen!
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und das Ding ist nicht theuer!&ldquo; hatte Onkel Prudent hinzu
+gesetzt, als er dem Erfinder gegen regelrecht ausgef&uuml;llte Quittung
+das letzte P&auml;ckchen von hunderttausend Papierdollars
+einh&auml;ndigte, mit dem man ihm seine Erfindung bezahlte.
+
+</P><P>
+
+Unverz&uuml;glich ging das Weldon-Institut an's Werk. Handelt es sich um
+ein Versuchsunternehmen, das irgend welchen praktischen Nutzen
+verspricht, so wird das Geld in amerikanischen Taschen stets leicht
+locker. Die n&ouml;thigen Mittel str&ouml;mten zusammen, so da&szlig;
+selbst die Gr&uuml;ndung einer Actiengesellschaft umgangen werden konnte.
+Dreihunderttausend Dollars (also 600.000 fl. = 1,2 Millionen Mark)
+f&uuml;llten gleich nach dem ersten Aufruf die Cassen des Clubs. Die
+Arbeiten begannen unter Leitung des hervorragendsten Luftschiffers der
+Vereinigten Staaten, Harry W. Tinder's, der sich unter tausend Anderen
+vorz&uuml;glich durch drei k&uuml;hne Fahrten ber&uuml;hmt gemacht hat:
+die eine, bei der er sich bis 1200 Meter erhob, d.&nbsp;h. h&ouml;her
+aufstieg, als Gay-Lussac, Coxwell, Sivel, Croc&eacute;-Spinelli,
+Tissandier, Glaisher; die zweite, w&auml;hrend der er ganz Amerika von
+New-York bis San Francisco &uuml;berflog und um mehrere hundert Lieues
+die l&auml;ngste Reise Nadar's, Godard's und vieler Anderen hinter sich
+lie&szlig;, ohne John Wise zu rechnen, der von St.&nbsp;Louis bis nach
+der Grafschaft Jefferson elfhundertf&uuml;nfzig Meilen zur&uuml;ckgelegt
+hatte; die dritte endlich, welche mit einem furchtbaren Sturze aus der
+H&ouml;he von f&uuml;nfzehnhundert Fu&szlig; endigte, bei dem er sich
+doch nur den rechten Daumen verstauchte, w&auml;hrend der minder vom
+Gl&uuml;cke beg&uuml;nstigte Pil&acirc;tre de Rozier bei einem Sturze von
+nur siebenhundert Fu&szlig; augenblicklich den Tod fand.
+
+</P><P>
+
+Zur Zeit, mit der diese Erz&auml;hlung beginnt, konnte man schon
+beurtheilen, da&szlig; das Weldon-Institut die Angelegenheit kr&auml;ftig
+gef&ouml;rdert hatte. In den Turner-Werften zu Philadelphia erhob sich
+schon ein ungeheurer Aerostat, dessen Haltbarkeit durch F&uuml;llung mit
+stark comprimirter Luft gepr&uuml;ft werden sollte. Vor Allem w&uuml;rde
+dieser den Namen eines Monstre-Ballons verdienen.
+
+</P><P>
+
+Wie viel fa&szlig;te der G&eacute;ant Nadar's? Sechstausend Cubikmeter.
+Wie viel der Ballon John Wise's? Zwanzigtausend Cubikmeter. Welchen
+Fassungsraum hatte der Ballon Giffard auf der Ausstellung von 1878?
+F&uuml;nfundzwanzigtausend Cubikmeter bei achtzehn Meter Halbmesser.
+Vergleicht man diese drei Aerostaten mit dem des Weldon-Institutes,
+dessen Volumen vierzigtausend Cubikmeter betrug, so begreift man leicht,
+da&szlig; Onkel Prudent und seine Clubgenossen einigerma&szlig;en Recht
+hatten, sich vor Stolz aufzubl&auml;hen.
+
+</P><P>
+
+Dieser Ballon, der nicht dazu bestimmt war, die h&ouml;chsten Schichten
+der Atmosph&auml;re zu erreichen, nannte sich nicht
+&bdquo;Excelsior&ldquo;, eine Bezeichnung, welche sonst bei den
+Amerikanern sehr beliebt ist, nein, er war einfach <TT>Go a head</TT>,
+d.&nbsp;h. &bdquo;Vorw&auml;rts&ldquo; getauft, und es er&uuml;brigte
+also nur noch, da&szlig; er seinen Namen rechtfertigte, indem er der
+Leitung seines Capit&auml;ns allenthalben entsprach.
+
+</P><P>
+
+Jener Zeit war die dynamo-elektrische Maschine nach dem vom
+Weldon-Institute angekauften Patente fast vollendet und man durfte darauf
+rechnen, da&szlig; der <TT>Go a head</TT> seinen Flug durch das Luftmeer
+begonnen haben werde.
+
+</P><P>
+
+Immerhin waren bekanntlich alle mechanischen Schwierigkeiten noch nicht
+&uuml;berwunden.
+
+</P><P>
+
+Sehr viele Sitzungen waren zu diesem Zwecke abgehalten worden, nicht etwa
+die Form der Schraube oder deren Gr&ouml;&szlig;enverh&auml;ltnisse
+festzustellen, sondern um die Frage zu entscheiden, ob dieselbe am
+Hintertheil des gro&szlig;en Apparates angebracht werden sollte, wie die
+Gebr&uuml;der Tissandier wollten, oder am Vordertheile, wie es die
+Capit&auml;ne Krebs und Renard schon gethan hatten. Es bedarf kaum der
+Erw&auml;hnung, da&szlig; die Vertreter dieser beiden Ansichten bei den
+bez&uuml;glichen Verhandlungen dar&uuml;ber fast handgemein wurden. Die
+Gruppe der &bdquo;Vorderm&auml;nner&ldquo; glich an Zahl genau der der
+&bdquo;Hinterm&auml;nner&ldquo;. Onkel Prudent, dessen Stimme bei
+sonstiger Stimmengleichheit die entscheidende gewesen w&auml;re, Onkel
+Prudent, der unzweifelhaft aus der Schule des Professors Buridan
+hervorgegangen war, vermied es kl&uuml;glich, sich zu &auml;u&szlig;ern.
+
+</P><P>
+
+Bei der Unm&ouml;glichkeit, ein Einverst&auml;ndni&szlig;
+herbeizuf&uuml;hren, war es nat&uuml;rlich auch unm&ouml;glich, die
+Schraube an Ort und Stelle zu setzen. Das konnte demnach lange dauern,
+wenn sich nicht etwa die Regierung in's Mittel legte. In den Vereinigten
+Staaten liebt es die Regierung aber bekanntlich nicht, sich in
+Privatangelegenheiten einzumischen oder um das zu k&uuml;mmern, was sie
+nicht direct angeht. Damit hat sie gewi&szlig; ganz Recht.
+
+</P><P>
+
+So war die Sachlage, und die Sitzung vom 13. Juni schien gar nicht
+endigen oder vielmehr nur in einen ungeheuren Tumult auslaufen zu wollen
+&mdash; der wie gew&ouml;hnlich mit Injurien begann, sich mit
+Faustschl&auml;gen fortsetzte, dann zu Stockschl&auml;gen &uuml;berging
+und mit dem Knallen der Revolver abschlo&szlig; &mdash; als ein
+Zwischenfall um acht Uhr siebenunddrei&szlig;ig Minuten diesen beliebten
+Verlauf st&ouml;rte.
+
+</P><P>
+
+Kalt und gemessen, wie ein Polizist inmitten der st&uuml;rmischen Wogen
+einer Volksversammlung, hatte sich der Th&uuml;rsteher des
+Weldon-Instituts gen&auml;hert und dem Vorsitzenden eine Karte
+eingeh&auml;ndigt. Er erwartete eben noch die Befehle, welche der Onkel
+Prudent ihm zu ertheilen haben k&ouml;nnte.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent lie&szlig; die Dampftrompete ert&ouml;nen, die ihm als
+Pr&auml;sidentenglocke diente, denn hier h&auml;tte, um durchzudringen,
+nicht einmal die gro&szlig;e Glocke des Kremls hingereicht.
+Nichtsdestoweniger nahm der L&auml;rm nur noch zu. Da
+&bdquo;entbl&ouml;&szlig;te der Pr&auml;sident den Kopf&ldquo; und Dank
+diesem allerletzten Hilfsmittel entstand wenigstens eine leidliche Ruhe.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Eine Mittheilung an den Club! rief Onkel Prudent, nachdem er sich
+eine Prise aus der ungeheuren Dose, die ihn niemals verlie&szlig;,
+zugelangt.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Reden Sie! Reden Sie! antworteten neunundneunzig Stimmen, die
+hier&uuml;ber zuf&auml;llig einer Meinung waren.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ein Fremdling, geehrte Collegen, w&uuml;nscht in unseren
+Sitzungssaal Eintritt zu erhalten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nimmermehr! widersetzten sich alle Stimmen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Er w&uuml;nscht uns, fuhr Onkel Prudent fort, allem Anscheine
+nach den Beweis zu liefern, da&szlig; es der greulichste Wahnwitz sei, an
+die Lenkbarkeit von Ballons zu glauben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Allgemeines Murren beantwortete diese Erkl&auml;rung.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Herein, herein mit ihm!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wie nennt sich denn diese merkw&uuml;rdige Pers&ouml;nlichkeit?
+fragte der Schriftf&uuml;hrer Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Robur, antwortete Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Robur! ... Robur! ... Robur!&ldquo; heulte die ganze Versammlung.
+
+</P><P>
+
+Und wenn bei Nennung dieses eigenth&uuml;mlichen Namens der Tr&auml;ger
+desselben so schnell Zulassung fand, geschah es eigentlich nur, weil das
+ganze Weldon-Institut sich Hoffnung machte, auf den Mann den
+Ueberschu&szlig; seiner Erbitterung abzusch&uuml;tteln.
+
+</P><P>
+
+Der Sturm hatte sich also einen Augenblick gelegt &mdash; wenigstens
+scheinbar. Wie k&ouml;nnte &uuml;brigens ein Sturm so schnell
+vor&uuml;bergehen bei einem Volk, welches jeden Monat zwei bis drei
+solcher nach Europa unter der Form von Wirbelwinden entsendet?
+
+</P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap03" ID="kap03"></A>
+<H3>III.<BR>
+In dem eine neue Pers&ouml;nlichkeit nicht besonders vorgestellt zu
+werden braucht, da sie das selbst besorgt.
+</H3>
+
+
+<P>
+&bdquo;B&uuml;rger der Vereinigten Staaten, ich hei&szlig;e Robur<A
+NAME="footmark1" ID="footmark1" HREF="#foot1"><SUP>1</SUP></A> und bin
+dieses Namens w&uuml;rdig. Trotz meiner vierzig Jahre sehe ich aus wie
+drei&szlig;ig, habe eine eiserne Constitution, eine unersch&uuml;tterliche
+Gesundheit, hervorragende Muskelkraft und einen Magen, der selbst in der
+Welt der Strau&szlig;e als vorz&uuml;glich gelten w&uuml;rde.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Versammlung lauschte. Jedes Ger&auml;usch hatte vorl&auml;ufig
+aufgeh&ouml;rt, als man diese unerwartete Vorrede <TT>pro facie sua</TT>
+vernahm. War es ein Narr oder ein Sp&ouml;tter, diese Pers&ouml;nlichkeit?
+Wie dem auch sein mochte, er machte Eindruck und wu&szlig;te sich diesen
+zu erzwingen. Jetzt ging kein Lufthauch durch diese Menge, in der doch
+kurz vorher ein Orkan w&uuml;thete. Die Windstille nach der hohen See.
+
+</P><P>
+
+Ueberdies schien Robur wirklich der Mann zu sein, f&uuml;r den er sich
+ausgab. Von mittlerer Gr&ouml;&szlig;e mit geometrischer Gestalt, ein
+regelm&auml;&szlig;iges Trapez bildend, deren gr&ouml;&szlig;te
+Parallelseite von der Schulterbreite ausgef&uuml;llt wurde; auf dieser
+Linie sa&szlig; wieder auf einem kr&auml;ftigen Halse ein gewaltiger
+sph&auml;roidaler Kopf. Welchem Dickkopfe mochte derselbe zu vergleichen
+sein? Dem eines Stieres, aber eines Stieres mit hochintelligentem
+Gesicht. Darin funkelten ein paar Augen, welche der geringste Widerspruch
+sicherlich in volle Gluth versetzte, und &uuml;ber letzteren waren die
+Augenbrauenmuskeln &mdash; ein Zeichen entwickelter Energie &mdash;
+fortw&auml;hrend zusammengezogen. Die Haare des Mannes waren kurz, etwas
+kraus und von metallischem Glanze, als tr&uuml;ge er ein Toupet von
+eisernem Stroh; seine breite Brust hob und senkte sich mit Bewegungen
+gleich einem Schmiedeblasebalg. Arme und H&auml;nde, Beine und
+F&uuml;&szlig;e erwiesen sich des Rumpfes v&ouml;llig w&uuml;rdig.
+
+</P><P>
+
+Schnurr- und Backenbart sah man bei ihm nicht, nur einen starken
+Seemanns-Kinnbart nach amerikanischer Mode, der die Anhaftepunkte der
+Kinnlade frei lie&szlig;, deren Kaumuskeln eine furchtbare Kraft
+entwickeln mu&szlig;ten. Man hat berechnet &mdash; was berechnet man denn
+nicht? &mdash; da&szlig; der Druck der Kinnlade des Krokodils unter
+gew&ouml;hnlichen Umst&auml;nden dem von vierhundert Atmosph&auml;ren
+gleich kommt, w&auml;hrend der eines Jagdhundes von mittlerer
+Gr&ouml;&szlig;e hundert erreichen soll. Daraus hat man auch folgende
+merkw&uuml;rdige Formel abgeleitet: wenn ein Kilogramm Hund acht
+Kilogramm Muskelkraft entwickelt, so entwickelt ein Kilogramm Krokodil
+deren zw&ouml;lf. Nun, ein Kilogramm des genannten Robur h&auml;tte deren
+gewi&szlig; zehn entwickelt. Er hielt also zwischen Hund und Krokodil in
+dieser Beziehung die Mitte.
+
+</P><P>
+
+Aus welchem Lande dieses merkw&uuml;rdige Menschenkind stammte,
+h&auml;tte man nur schwer errathen k&ouml;nnen. Jedenfalls dr&uuml;ckte
+sich der Mann ganz gel&auml;ufig englisch aus und ohne jenen schleppenden
+Tonfall, der den Yankee von Neu-England unterscheidet.
+
+</P><P>
+
+Er fuhr folgenderma&szlig;en fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun lassen Sie mich auch von meinen anderen Eigenschaften
+sprechen, ehrenwerthe B&uuml;rger. Sie sehen vor sich einen Ingenieur,
+dessen geistige Natur seiner k&ouml;rperlichen nicht nachsteht. Ich
+f&uuml;rchte mich vor Nichts und vor Niemand; besitze eine Willenskraft,
+die noch nie vor einem Anderen gewichen ist. Hab' ich mir einmal ein Ziel
+gesetzt, so w&uuml;rde ganz Amerika, ja die ganze Welt sich vergeblich
+verb&uuml;nden, mich von Erreichung desselben abzuhalten. Hab' ich einen
+Gedanken, so erwarte ich, da&szlig; Andere ihn theilen, und vertrage
+keinen Widerspruch. Ich betone diese Einzelnheiten, ehrenwerthe
+B&uuml;rger, weil Sie mich gr&uuml;ndlich kennen lernen m&uuml;ssen. Sie
+finden vielleicht, da&szlig; ich zu viel von mir selbst spreche? Thut
+nichts! Jetzt aber &uuml;berlegen Sie sich Alles, ehe Sie mich
+unterbrechen, denn ich bin hierhergekommen, Ihnen Dinge zu sagen, welche
+Ihnen vielleicht nicht recht gefallen d&uuml;rften.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ein Grollen wie das der Brandung lief l&auml;ngs der ersten B&auml;nke
+des Saales hin, ein Zeichen, da&szlig; das Meer bald wieder hoch aufwogen
+werde.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Reden Sie, ehrenwerther Fremdling,&ldquo; begn&uuml;gte sich Onkel
+Prudent, der M&uuml;he hatte, seine Ruhe zu bewahren, auf diese Ansprache
+zu antworten.
+
+</P><P>
+
+Und Robur sprach wie vorher, ohne sich irgendwie um Beifall oder
+Mi&szlig;fallen seiner Zuh&ouml;rer zu k&uuml;mmern.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ja wohl, ich wei&szlig; Alles! Nach einem Jahrhundert andauernder
+Experimente, die zu Nichts gef&uuml;hrt, nach Versuchen, die
+ergebni&szlig;los verliefen, giebt es noch immer verkehrt beanlagte
+Geister, welche hartn&auml;ckig an die Lenkbarkeit von Ballons glauben.
+Sie erdenken irgend einen Motor, einen elektrischen oder einen anderen,
+der an ihre anspruchsvollen, d&uuml;nnen H&uuml;llen angebracht wurde,
+welche letztere den atmosph&auml;rischen Str&ouml;mungen so breite
+Angriffsfl&auml;chen darbieten. Sie bildeten sich ein, Beherrscher eines
+Aerostaten werden zu k&ouml;nnen, wie man etwa ein Schiff auf der
+Oberfl&auml;che des Meeres beherrscht. Weil einige Erfinder bei ganz oder
+doch fast ganz stiller Witterung den Erfolg gehabt haben, entweder schief
+durch den Wind oder einer ganz leichten Brise entgegen zu fahren, deshalb
+sollte die Lenkbarkeit von Apparaten, welche leichter sind, als die Luft,
+zu praktischen Erfolgen f&uuml;hren? O gehen Sie! Sie sind hier an
+hundert M&auml;nner, die an die Verwirklichung ihrer Tr&auml;ume glauben
+und viele Tausende von Dollars nicht in's Wasser, aber in die Luft
+werfen. Ich sage Ihnen, das hei&szlig;t gegen eine Unm&ouml;glichkeit
+k&auml;mpfen!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wunderbar, die Mitglieder des Weldon-Instituts sagten gegen&uuml;ber
+dieser Behauptung jetzt kein Wort, als w&auml;ren sie eben so taub wie
+langm&uuml;thig geworden, oder hielten sie nur an sich, um zu sehen, wie
+weit dieser k&uuml;hne Widersacher zu gehen wagen w&uuml;rde?
+
+</P><P>
+
+Robur fuhr fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nehmen wir einen Ballon. Um ein Kilogramm an Gewicht zu verlieren,
+mu&szlig; derselbe ein Cubikmeter Gas aufnehmen. Ein Ballon, der den
+Anspruch macht, mit Hilfe seines Mechanismus dem Winde zu widerstehen,
+wenn der Druck einer steifen Brise auf das Gro&szlig;segel eines Schiffes
+der Kraft von 400 Pferden gleichkommt, wenn man bei dem
+Ungl&uuml;cksfalle mit der Taybr&uuml;cke gesehen hat, da&szlig; ein
+Orkan einen Druck von 444 Kilogramm auf den Quadratmeter auszu&uuml;ben
+im Stande ist! Ein Ballon, wo die Natur doch niemals ein fliegendes
+Gesch&ouml;pf nach diesem System geschaffen hat, ob dasselbe nun mit
+Fl&uuml;geln, wie die V&ouml;gel, oder mit Membranen, wie gewisse Fische
+und S&auml;ugethiere, ausger&uuml;stet wurden&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; S&auml;ugethiere? rief eines der Mitglieder des Clubs.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gewi&szlig;, die Fledermaus, welche ja auch fliegt, wenn ich
+nicht irre. Sollte der Herr, welcher mich unterbrach, wirklich nicht
+wissen, da&szlig; die Fledermaus ein S&auml;ugethier ist, oder hat er
+jemals eine Omelette aus Fledermauseiern bereiten sehen?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Darauf hielt der Heimgeschickte seine Unterbrechungen ferner f&uuml;r
+sich, Robur dagegen fuhr mit demselben Eifer fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;W&auml;re damit aber gesagt, da&szlig; der Mensch darauf
+verzichten m&uuml;sse, das Luftmeer zu beherrschen und durch
+Nutzbarmachung dieses wunderbaren Bef&ouml;rderungsmittels die
+Zust&auml;nde der alternden Welt umzuwandeln? Gewi&szlig; nicht! So wie
+er der Herr der Meere geworden durch das Schiff mit Ruder, Segel, Rad
+oder Schraube, so wird er auch zum Herrn der Luft werden durch Apparate,
+welche schwerer sind als diese, denn unbedingt m&uuml;ssen jene schwerer
+sein, um m&auml;chtiger sein zu k&ouml;nnen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Jetzt war in der Versammlung aber kein Halten mehr. Welche Breitseite von
+Zurufen donnerte aus jedem Munde, die alle auf Robur zielten, wie eben so
+viele Gewehrl&auml;ufe oder Kanonenrohre! Sollten sie nicht antworten auf
+solch' offenbare, in's Lager der Ballonisten geschleuderte
+Kriegserkl&auml;rung? Wurde hiermit nicht der Kampf zwischen dem
+&bdquo;leichter&ldquo; und &bdquo;schwerer als die Luft&ldquo;
+ausgesprochener Ma&szlig;en wieder aufgenommen?
+
+</P><P>
+
+Robur verzog keine Miene. Die Arme &uuml;ber der Brust gekreuzt wartete
+er es regungslos ab, bis wieder Ruhe eingetreten war.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent befahl durch eine Handbewegung, das Feuer einzustellen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ja, fuhr Robur fort, die Zukunft geh&ouml;rt den Flugmaschinen.
+Die Luft bietet den hinreichenden, soliden St&uuml;tzpunkt. Man verleihe
+einer S&auml;ule dieses Mediums eine aufsteigende Bewegung von 45 Meter
+in der Secunde, und ein Mensch w&uuml;rde sich schon oberhalb derselben
+erhalten, wenn die Sohlen seiner Schuhe nur ein Achtel Quadratmeter
+Oberfl&auml;che boten. W&uuml;rde die Geschwindigkeit der Lufts&auml;ule
+auf 90 Meter gesteigert, so k&ouml;nnte er mit blo&szlig;en
+F&uuml;&szlig;en darauf gehen. Treibt man nun durch die Fl&uuml;gel einer
+archimedischen Schraube eine Luftmasse mit derselben Schnelligkeit fort,
+so erzielt man dasselbe Resultat.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Was Robur hier sagte, hatten vor ihm alle Anh&auml;nger der sogenannten
+Aviation ausgesprochen, deren Arbeiten langsam, aber sicher zur
+L&ouml;sung des vorliegenden Problems zu f&uuml;hren versprechen.
+
+</P><P>
+
+Die Ehre, diese einfachen Gedanken verbreitet zu haben, kommt Ponton
+d'Ann&eacute;court, La Landelle, Nadar, Luzi, Louvrie, Liais,
+B&eacute;l&eacute;gnic, Moreau, den beiden Richard, Babinet, Jobert, Du
+Temple, Salives, Penaud, De Villeneuve, Gauchol und Tatin, Michel Loup,
+Edison, Planavergue und noch einer Menge anderer M&auml;nner zu. Mehrmals
+aufgegeben und wieder aufgenommen, mu&szlig;te denselben doch eines Tages
+der Sieg zu Theil werden. Und hatten von dieser Seite die Feinde der
+Aviation, welche behaupteten, da&szlig; der Vogel nur durch
+Erw&auml;rmung der Luft, mit der er sich aufbl&auml;ht, fliege, auf
+Antwort warten m&uuml;ssen? Hatten die Erstgenannten nicht vielmehr
+nachgewiesen, da&szlig; ein 5 Kilogramm wiegender Adler sich h&auml;tte
+mit 50 Cubikmeter jenes erw&auml;rmten Fluidums anf&uuml;llen
+m&uuml;ssen, um sich dadurch allein frei schwebend zu erhalten?
+
+</P><P>
+
+Ganz dasselbe wies auch hier Robur mit unerbittlicher Logik nach, aber
+inmitten eines Heidenl&auml;rmes, der sich von allen Seiten erhob. Zum
+Schlu&szlig; warf er den Ballonisten noch folgende Worte in's Gesicht:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mit Ihren Aerostaten k&ouml;nnen Sie nichts ausrichten, werden Sie
+zu nichts kommen und niemals etwas wagen d&uuml;rfen. Der k&uuml;hnste
+Ihrer Aeronauten, John Wise, mu&szlig;te, obwohl er schon eine Luftreise
+von 1200 Meilen &uuml;ber das Festland Amerikas zur&uuml;ckgelegt hatte,
+doch auf die Absicht, &uuml;ber den atlantischen Ocean zu fahren,
+verzichten. Und seit jener Zeit sind Sie um keinen Schritt, um keinen
+einzigen auf diesem Wege vorw&auml;rts gekommen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mein Herr, begann da der Vorsitzende, der sich vergeblich
+bem&uuml;hte, ruhig zu bleiben, Sie vergessen offenbar, was unser
+unsterblicher Franklin ausgesprochen hat, als die erste
+Mongolfi&egrave;re aufstieg, also zur Zeit der Geburt des Ballons.
+&bdquo;Jetzt ist das nur ein Kind, aber es wird wachsen!&ldquo; lautete
+seine Prophezeiung, und es ist gewachsen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, Herr Pr&auml;sident, nein, es ist nicht gewachsen ... es
+ist nur gr&ouml;&szlig;er und dicker geworden, und das ist nicht das
+N&auml;mliche.&ldquo; <A NAME="footmark2" ID="footmark2" HREF="#foot2"><SUP>2</SUP></A>
+
+</P><P>
+
+Das war ein directer Angriff gegen die Pl&auml;ne des Weldon-Instituts,
+welches die Herstellung eines Monstre-Ballons beschlossen,
+unterst&uuml;tzt und betrieben hatte. Sofort kreuzten sich denn auch
+ziemlich bedrohliche Ausrufe in dem ger&auml;umigen Saale, wie:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nieder mit dem Eindringling!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Werft ihn von der Trib&uuml;ne herunter!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Um ihm zu beweisen, da&szlig; er schwerer ist als die
+Luft!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Und Aehnliches mehr.
+
+</P><P>
+
+Man begn&uuml;gte sich indessen noch mit Worten, ohne zu
+Th&auml;tlichkeiten &uuml;berzugehen. Robur konnte also noch einmal seine
+Stimme erheben und laut hinausrufen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Fortschritte, B&uuml;rger Ballonisten, sind nicht mit dem
+Aerostaten, sondern nur mit fliegenden Maschinen zu erwarten. Der Vogel
+fliegt auch, und der ist kein Ballon, sondern ein Mechanismus!&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja er fliegt wohl, schrie der vor Zorn keuchende Bat&nbsp;T. Fyn,
+aber er fliegt gegen alle Regeln der Mechanik.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ach so!&ldquo; erwiderte Robur, die Achseln zuckend.
+
+</P><P>
+
+Dann fuhr er fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Seit man den Flug der gr&ouml;&szlig;eren und kleineren fliegenden
+Thiere genau beobachtet hat, ist folgender sehr einfache Gedanke in den
+Vordergrund getreten: Es gilt auch hier die Natur nachzuahmen, denn diese
+t&auml;uscht sich niemals. Zwischen dem Albatros, der kaum zehn
+Fl&uuml;gelschl&auml;ge in der Minute macht, und dem Pelikan, der
+siebenzig macht&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Einundsiebenzig! rief eine schnarrende Stimme.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und der Biene, bei der man hundertzweiundneunzig in der Secunde
+z&auml;hlte&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Hundertdreiundneunzig! rief ein Anderer aus Scherz.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und der Stubenfliege, welche dreihundertunddrei&szlig;ig fertig
+bringt&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Dreihundertdrei&szlig;igundeinhalb!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und dem Mosquito, der Millionen macht&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein ... Milliarden!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Robur lie&szlig; sich durch alle diese Einreden nicht au&szlig;er Fassung
+bringen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Zwischen diesen verschiedenen Zahlen ... nahm er wieder das Wort.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ist ein gro&szlig;er Unterschied! lie&szlig; sich eine Stimme
+h&ouml;ren.
+
+</P><P>
+
+... Wird man die richtige w&auml;hlen m&uuml;ssen, um eine praktische
+L&ouml;sung der Aufgabe zu finden. Schon an dem Tage, wo De Lucy
+nachweisen konnte, da&szlig; der Hirschk&auml;fer, jenes Insect, welches
+nur zwei Gramm wiegt, ein Gewicht von vierhundert Gramm, d.&nbsp;h.
+zweihundert Mal so viel wie sein eigenes Gewicht, aufzuheben vermochte,
+war eigentlich das Problem der Aviation gel&ouml;st. Au&szlig;erdem wurde
+nachgewiesen, da&szlig; die Fl&auml;chenausdehnung der Fl&uuml;gel in
+gleichem Verh&auml;ltni&szlig; abnimmt, wie die Gr&ouml;&szlig;e und das
+Gewicht des Thieres zunehmen. Seitdem hat man schon mehr als sechzig
+verschiedene Apparate erdacht oder auch ausgef&uuml;hrt&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Die noch niemals haben fliegen k&ouml;nnen! rief der
+Schriftf&uuml;hrer Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Welche geflogen sind oder noch fliegen werden, antwortete Robur,
+ohne sich irre machen zu lassen. Ob man sie nun Streophoren,
+Helicopteren, Orthoptheren nennt, oder ihrem Namen nach dem lateinischen
+<TT>navis</TT> die Silbe <TT>&bdquo;nef&ldquo;</TT> anh&auml;ngt,
+meinetwegen auch nach dem Worte <TT>avis</TT> die Silbe
+<TT>&bdquo;efs&ldquo;</TT> &mdash; jedenfalls kommt man zu dem Apparate,
+dessen endliche Herstellung den Menschen zum Herren des Luftmeeres machen
+mu&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Aha, die Schraube! warf Phil Evans ein. Der Vogel hat aber keine
+Schraube ... so weit man das wei&szlig;!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Zugegeben, erwiderte Robur, wie Penaud gezeigt hat, arbeitet
+eigentlich der Vogel selbst als solche und ist seinem Fluge nach
+Helicoptere, darum ist auch die Schraube der Motor der Zukunft&nbsp;...
+</P>
+
+<BLOCKQUOTE>
+... &bdquo;Vor solchem Uebel,
+<BR>
+Heilige Helice<A NAME="footmark3" ID="footmark3"
+HREF="#foot3"><SUP>3</SUP></A>, beh&uuml;te uns!&ldquo;&nbsp;...
+</BLOCKQUOTE>
+
+<P>
+tr&auml;llerte einer der Zuh&ouml;rer, der zuf&auml;llig dieses Motiv
+aus H&eacute;rold's Zampa im Kopfe behalten hatte.
+
+</P><P>
+
+Alle wiederholten den Refrain im Chor und mit Intonationen, bei denen
+sich der Componist sicher im Grabe herumdrehte.
+
+</P><P>
+
+Dann, als die letzten T&ouml;ne in einem entsetzlichen Durcheinander
+verhallten, glaubte Onkel Prudent unter Ben&uuml;tzung eines
+augenblicklichen Stillschweigens sagen zu m&uuml;ssen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;B&uuml;rger Fremdling, bis hierher haben wir Sie reden lassen,
+ohne Sie zu unterbrechen&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Es scheint demnach, als ob der Vorsitzende des Weldon-Instituts die
+fr&uuml;heren Einw&uuml;rfe, die Zwischenrufe, das tolle Durcheinander
+nicht f&uuml;r Unterbrechungen, sondern nur f&uuml;r einfachen
+Meinungsaustausch hielt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jedenfalls, fuhr er fort, mu&szlig; ich Sie daran erinnern,
+da&szlig; die Theorie der Aviation schon im Voraus durch die meisten
+amerikanischen und fremden Ingenieure verurtheilt und v&ouml;llig
+verworfen worden ist. Ein System, auf dessen Debetseite der Tod Sarasin
+Volant's in Constantinopel, der des M&ouml;nches Voador in Lissabon, der
+Letuo's im Jahre 1852 und der Groof's 1864 steht, ohne die Opfer zu
+z&auml;hlen, die ich augenblicklich vergessen habe, und w&auml;re es nur
+der mythologische Icarus&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Dieses System, nahm Robur den Satz auf, ist nicht
+verdammenswerther, als das, dessen Opferliste die Namen eines
+Pil&acirc;tre de Rozier in Calais, der Madame Blanchard in Paris, eines
+Donaldson und Grimwood, welche in den Michigan-See fielen, eines Swel,
+Croc&eacute;-Spinelli, Eloy und so vieler Anderer enth&auml;lt, welche
+gewi&szlig; nicht so leicht der Vergessenheit anheimfallen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Das hie&szlig; &bdquo;mit einem Hieb parirt&ldquo;, wie man in der
+Fechtkunst sagen w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mit Ihren Ballons, fuhr Robur fort, werden Sie &uuml;brigens,
+dieselben m&ouml;gen noch so vervollkommnet sein, niemals eine praktisch
+werthvolle Schnelligkeit erzielen, zehn Jahre brauchen, um eine Reise um
+die Erde zu vollenden &mdash; was eine Maschine in etwa acht Tagen
+abmachen d&uuml;rfte.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Neue w&uuml;thende Proteste und Verneinungen, welche drei ganze Minuten
+anhielten, bevor dann Phil Evans das Wort ergreifen konnte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Mein Herr Aviator, Sie, der Sie uns so viel von der Herrlichkeit
+der Aviation vorreden, sind Sie denn jemals in dieser Weise geflogen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, gewi&szlig;!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und Sie h&auml;tten also den Kampf mit der Luft siegreich
+bestanden?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Vielleicht, mein Herr.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Hurrah, Robur, der Sieger! rief eine Stimme spottend.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nun ja, Robur, der Sieger &mdash; ich nehme diesen Namen an und
+werde ihn f&uuml;hren, denn ich habe das Recht dazu.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir erlauben uns inde&szlig; daran zu zweifeln! rief Jem Cip.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Meine Herren, erkl&auml;rte Robur, dessen Augenbrauen sich
+runzelten, wenn ich eine ernsthafte Sache ernsthaft behandle, duld' ich
+es nicht, da&szlig; mir Jemand eine Unzuverl&auml;ssigkeit meiner Worte
+vorwirft, und ich w&uuml;rde gern den Namen des Herrn kennen lernen, der
+mich in dieser Weise unterbrach.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich hei&szlig;e Jem Cip ... und bin Vegetarianer.
+
+</P><P>
+
+&mdash; B&uuml;rger Jem Cip, antwortete Robur, ich wei&szlig;, da&szlig;
+die Pflanzenesser gew&ouml;hnlich l&auml;ngere Eingeweide haben, als
+andere Menschen &mdash; mindestens um einen Fu&szlig; l&auml;nger. Das
+ist schon viel ... Nun verleiten Sie mich nicht, die Ihrigen noch mehr zu
+verl&auml;ngern, indem ich bei den Ohren anfange&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Durch die Th&uuml;r!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Hinaus auf die Stra&szlig;e!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Man viertheile ihn!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Lynchen, lyncht den Kerl!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Verdrehen wir ihn zu einer Schraube!&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Wuth der Ballonisten hatte ihren Gipfel erreicht. Schon sprangen sie
+von den St&uuml;hlen auf und umdr&auml;ngten die Trib&uuml;ne. Robur
+verschwand unter einer Unmasse von Armen, welche sich, wie von einem
+Sturme getrieben, auf- und abbewegten. Vergebens lie&szlig; die
+Dampftrompete ihren heulenden Ton durch die Versammlung brausen. An jenem
+Abende konnte Philadelphia wohl glauben, eine Feuersbrunst verzehre eines
+seiner Quartiere, und das ganze Wasser des Schuylkill-Stromes werde zum
+L&ouml;schen desselben nicht hinreichen.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich entstand in der l&auml;rmenden Masse eine Bewegung nach
+r&uuml;ckw&auml;rts. Robur hatte eben die H&auml;nde wieder aus den
+Taschen gezogen und streckte sie gegen die vorderste Reihe der
+w&uuml;thenden Gegner aus.
+
+</P><P>
+
+Seine beiden H&auml;nde zeigten jetzt zwei sogenannte amerikanische
+F&auml;uste, welche gleichzeitig Revolver bilden und die schon ein Druck
+des Daumens ihre &uuml;berall verst&auml;ndliche Sprache reden lassen
+&mdash; zwei kleine Taschen-Mitrailleusen.
+
+</P><P>
+
+Dann rief er, das Zur&uuml;ckgehen der Angreifer und die
+vor&uuml;bergehende Stille, welche dabei eintrat, schnell ben&uuml;tzend:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Entschieden war es nicht Amerigo Vespucci, der die Neue Welt
+entdeckt hat, sondern Sebastian Cabot. Sie sind keine Amerikaner,
+B&uuml;rger Ballonisten! Sie sind nur Cabo...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In diesem Augenblicke krachten auch schon vier oder f&uuml;nf
+Sch&uuml;sse in die Luft, welche Niemand verwundeten. Inmitten des
+Pulverdampfes verschwand der Ingenieur, und als jener sich zerstreute,
+entdeckte man von ihm keine Spur mehr. Robur der Sieger war
+davongeflogen, als ob irgend ein Aviations-Apparat ihn in die L&uuml;fte
+entf&uuml;hrt h&auml;tte. </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap04" ID="kap04"></A>
+<H3>IV.<BR>
+In dem der Verfasser infolge einer Bemerkung des Dieners Frycollin den
+Mond wieder zu Ehren zu bringen versucht.
+</H3>
+
+
+<P>
+Sicherlich schon mehr als einmal hatten die Mitglieder des
+Weldon-Instituts, wenn sie nach st&uuml;rmischen Verhandlungen aus den
+Sitzungen kamen, Walnut-Street und die Nachbarstra&szlig;en noch
+streitend und l&auml;rmend durchzogen. Wiederholt waren von den Bewohnern
+dieses Stadttheiles Klagen eingegangen &uuml;ber die ger&auml;uschvollen
+Ausl&auml;ufer solcher Verhandlungen, welche bis in ihre Wohnungen
+eindrangen, und mehr als einmal hatten Polizisten einschreiten
+m&uuml;ssen, um wenigstens Verkehrsst&ouml;rungen zu beseitigen, da doch
+die meisten Leute sehr wenig oder gar kein Interesse an solchen, die
+Luftschifffahrt betreffenden Fragen nehmen. Doch vor diesem heutigen
+Abend hatte der Tumult noch nie so gro&szlig;e Verh&auml;ltnisse
+angenommen, niemals w&auml;ren jene Klagen mehr begr&uuml;ndet und
+niemals die Einmischung der Policemen nothwendiger gewesen.
+
+</P><P>
+
+Immerhin konnte man den Mitgliedern des Weldon-Instituts mildernde
+Umb&auml;nde zubilligen, da sie sich eines Ueberfalles in den eigenen
+vier Pf&auml;hlen, wie sie eben erlitten, gewi&szlig; nicht versehen
+hatten. Den &uuml;bereifrigen Verfechtern des Grundgesetzes
+&bdquo;leichter, als die Luft&ldquo; hatte ein nicht minder energischer
+Vertreter des &bdquo;schwerer, als die Luft&ldquo; h&ouml;chst
+unangenehme Dinge in's Gesicht gesagt; und als ihm daf&uuml;r die
+Behandlung zu Theil werden sollte, die er verdiente, war der Mann spurlos
+verschwunden.
+
+</P><P>
+
+Das schrie nach Rache! Um derartige Beleidigungen ungestraft zu lassen,
+h&auml;tten sie nicht amerikanisches Blut in ihren Adern haben
+m&uuml;ssen. Die Nachkommen Amerigo's als solche eines Cabot zu
+behandeln! War das nicht eine Beschimpfung, die um so unverzeihlicher
+schien, weil sie eigentlich richtig, wenigstens historisch berechtigt
+war?
+
+</P><P>
+
+Die Mitglieder des Clubs st&uuml;rzen sich also truppweise erst in die
+Walnut-Street, hierauf in die Nachbarstra&szlig;en und dann in das ganze
+Quartier, wo alle Bewohner aufgescheucht werden.
+
+</P><P>
+
+Sie zwingen dieselben, eine Durchsuchung ihrer H&auml;user vornehmen zu
+lassen, um sich sp&auml;ter wegen des gewaltth&auml;tigen Angriffs in das
+Privatleben ihrer Mitb&uuml;rger zu entschuldigen, was gerade bei den
+V&ouml;lkern von angels&auml;chsischem Stamme sonst ganz besonders
+respectirt wird. Vergebliches Aufgebot von Bel&auml;stigungen und
+Nachforschungen. Robur wurde nirgends gefunden; er hatte nicht die
+leiseste Spur hinterlassen. Und wenn er mit dem <TT>Go a head</TT>, dem
+Ballon des Weldon-Instituts, davongefahren w&auml;re, h&auml;tte er nicht
+mehr unauffindlich gewesen sein k&ouml;nnen. Nach einst&uuml;ndigen
+Haussuchungen mu&szlig;ten sie darauf verzichten, und die Collegen
+trennten sich, aber nicht ohne die eidliche Zusicherung, ihre
+Nachforschungen &uuml;ber das ganze Gebiet Nord- und S&uuml;damerikas,
+das die Neue Welt bildet, auszudehnen.
+
+</P><P>
+
+Gegen elf Uhr war die Ruhe in dem Quartier nahezu wieder hergestellt.
+Philadelphia konnte sich wieder in sanften Schlummer versenken, wozu die
+St&auml;dte, welche weniger Industrie haben, das beneidenswerthe
+Privilegium besitzen. Die verschiedenen Mitglieder des Clubs dachten
+jetzt an nichts Anderes, als an die Heimkehr an den eigenen
+h&auml;uslichen Herd. Um nur einige der hervorragendsten zu nennen, so
+begab sich William T. Forbes eiligst nach dem Tische, auf dem Mi&szlig;
+Doll und Mi&szlig; Mat ihm den Abendthee zubereitet und mit der
+selbstzubereiteten Glucose vers&uuml;&szlig;t hatten; Truk Milnor schlug
+den Weg nach seiner Fabrik ein, deren Ventilator die ganze Nacht hindurch
+in einer der entfernteren Vorst&auml;dte sauste. Der Schatzmeister Jem
+Cip, dem &ouml;ffentlich nachgesagt worden war, einen um einen Fu&szlig;
+l&auml;ngeren Darmcanal zu haben, als der Mensch ihn sonst mit sich
+herumtr&auml;gt, begab sich nach seinem E&szlig;zimmer, wo ihn ein
+vegetabilisches Abendbrot erwartete.
+
+</P><P>
+
+Zwei der bedeutendsten Ballonisten &mdash; aber nur zwei &mdash; schienen
+nicht daran zu denken, ihr Heim sogleich aufzusuchen. Sie hatten die
+Gelegenheit wahrgenommen, in hitzigster Weise weiter zu plaudern. Es
+waren das die beiden Unvers&ouml;hnlichen, Onkel Prudent und Phil Evans,
+der Vorsitzende und der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts.
+
+</P><P>
+
+An der Th&uuml;r des Clubhauses erwartete Frycollin, der Diener des Onkel
+Prudent, wie gew&ouml;hnlich seinen Herrn.
+
+</P><P>
+
+Er folgte diesem auf Schritt und Tritt nach, ohne sich um den Gegenstand
+des Gespr&auml;chs zu k&uuml;mmern, der die beiden Collegen schon in die
+Hitze gebracht hatte.
+
+</P><P>
+
+Wir gebrauchten auch nur euphemistisch das Zeitwort &bdquo;plaudern&ldquo;
+f&uuml;r die Th&auml;tigkeit, welcher der Vorsitzende und der
+Schriftf&uuml;hrer des Clubs sich mit gleichem Eifer hingaben. In der
+That stritten und zankten sie sich mit einer Energie, deren Ursprung in
+ihrer alten Rivalit&auml;t zu suchen war.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nein, und dreimal nein! wiederholte Phil Evans, h&auml;tte ich die
+Ehre gehabt, dem Weldon-Institut bei der heutigen Sitzung zu
+pr&auml;sidiren, es w&auml;re niemals zu einem solchen Scandal gekommen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und was w&uuml;rden Sie gethan haben, wenn Sie diese Ehre gehabt
+h&auml;tten? fragte Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich h&auml;tte jenem &ouml;ffentlichen Beleidiger das Wort
+abgeschnitten, noch ehe er den Mund &ouml;ffnete.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mir scheint, um Jemand das Wort abzuschneiden, m&uuml;sse man ihm
+ein solches wenigstens erst aussprechen lassen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nicht in Amerika, mein Herr, nicht in Amerika!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Und w&auml;hrend sie sich so mehr bittere als angenehme Redensarten in's
+Gesicht warfen, schlenderten die beiden M&auml;nner mehrere Stra&szlig;en
+dahin, die sie immer weiter von ihren Wohnungen entfernten; sie
+durchschritten Quartiere, deren Lage sie sp&auml;ter zu gro&szlig;en
+Umwegen zwingen mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Frycollin folgte noch immer nach, f&uuml;hlte sich aber doch etwas
+beunruhigt, seinen Herrn sich nach so menschenleeren Oertlichkeiten hin
+verirren zu sehen. Er liebte diese Gegenden nicht, vorz&uuml;glich nicht
+so kurz vor Mitternacht. Dazu herrschte tiefe Dunkelheit, denn der
+zunehmende Mond war eben nur dabei, &bdquo;seine
+achtundzwanzigt&auml;gige Rundreise&ldquo; zu beginnen.
+
+</P><P>
+
+Frycollin sah sich scheu nach rechts und links um, ob sie nicht von
+verd&auml;chtigen Schatten belauscht w&uuml;rden, und wirklich, er
+glaubte f&uuml;nf oder sechs gro&szlig;e Teufel zu erkennen, die sie
+nicht aus den Augen zu verlieren schienen.
+
+</P><P>
+
+Instinctiv n&auml;herte sich Frycollin seinem Herrn, um Alles in der Welt
+h&auml;tte er jedoch nicht gewagt, ihn inmitten eines Gespr&auml;chs zu
+unterbrechen, von dem er zuweilen einzelne Brocken aufschnappte.
+
+</P><P>
+
+Der Zufall f&uuml;gte es, da&szlig; der Vorsitzende und der
+Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts sich, ohne darauf zu achten, bis
+nach dem Fairmont-Park verirrten. Hier &uuml;berschritten sie, in
+lebhaftem Wortwechsel begriffen, den Schuylkill-Strom auf der
+ber&uuml;hmten Eisenbr&uuml;cke; sie begegneten nur sehr wenig Leuten und
+befanden sich endlich mitten in jenen weiten Terrains, die sich auf der
+einen Seite als ungeheure Wiesen ausdehnen, auf der anderen von
+herrlichem Baumbestand beschattet sind und in ihrer Gesammtheit eine
+vielleicht in der ganzen Welt einzig dastehende Anlage bilden.
+
+</P><P>
+
+Hier nahm der Schreck des Dieners Frycollin pl&ouml;tzlich noch mehr zu,
+und das mit um so gr&ouml;&szlig;erer Berechtigung, da f&uuml;nf bis
+sechs jener Schatten ihnen auch &uuml;ber die Strombr&uuml;cke
+nachgefolgt waren. Die Pupille seiner Augen hatte sich dabei so
+erweitert, da&szlig; sie bis an den Rand der Iris reichte. Und
+gleichzeitig schrumpfte sein ganzer K&ouml;rper zusammen und zog sich
+zur&uuml;ck, als bes&auml;&szlig;e er jene eigenth&uuml;mliche
+Zusammenziehbarkeit, welche den Mollusken und auch gewissen Wirbelthieren
+eigen ist.
+
+</P><P>
+
+Der Diener Frycollin war n&auml;mlich ein vollst&auml;ndiger
+Hasenfu&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Ein richtiger Neger und S&uuml;dcaroliner, mit vierschr&ouml;tigem Kopfe
+auf einem mageren Rumpfe. Er z&auml;hlte jetzt gerade 21 Jahre, war also
+nicht einmal mehr zur Zeit seiner Geburt Sclave gewesen, taugte deshalb
+aber nicht viel mehr, als ein solcher. Ein Grimassenschneider, Leckermaul
+und Faulpelz, aber vor Allem ein Prahlhans sondergleichen, stand er seit
+drei Jahren bei Onkel Prudent im Dienste. Hundert Mal war er schon nahe
+daran gewesen, vor die Th&uuml;re gesetzt zu werden, doch hatte man ihn
+behalten &mdash; um nicht aus dem Regen in die Traufe zu kommen. Und doch
+lief er hier bei einem Herrn, der jeden Augenblick zu den
+tollk&uuml;hnsten Unternehmungen bereit war, so oft Gefahr, in Lagen zu
+kommen, in denen sein Hasenherz auf die h&auml;rtesten Proben gestellt
+werden mu&szlig;te. Daf&uuml;r fand er auch gewisse Entschuldigungen.
+Niemand machte ihm besondere Vorw&uuml;rfe wegen seiner Leckerhaftigkeit
+und noch weniger wegen seiner Tr&auml;gheit. Ach, armer Frycollin,
+h&auml;ttest Du in der Zukunft lesen k&ouml;nnen!
+
+</P><P>
+
+Warum war Frycollin auch nicht in Boston im Dienste einer gewissen
+Familie Sneffel geblieben, die im Begriffe, eine Reise nach der Schweiz
+anzutreten, darauf verzichtet hatte, weil daselbst Schneelawinen
+vorkamen? War f&uuml;r Frycollin nicht dieses Haus das geeignete, aber
+nicht das des Onkel Prudent, wo das k&uuml;hne Wagen in Permanenz
+erkl&auml;rt war?
+
+</P><P>
+
+Nun, er befand sich einmal hier und sein Herr hatte sich mit der Zeit an
+seine Fehler gew&ouml;hnt, &uuml;brigens besa&szlig; er doch
+e&nbsp;i&nbsp;n&nbsp;e gute Eigenschaft. Obwohl Neger von Abstammung,
+sprach er doch nicht, wie diese gew&ouml;hnlich &mdash; und das hat
+einigen Werth, denn nichts ist so widerlich, als der abscheuliche Jargon,
+in dem die Anwendung des besitzanzeigenden F&uuml;rwortes und des
+Infinitivs bis zum Mi&szlig;brauch getrieben wird.
+
+</P><P>
+
+Es steht also fest, da&szlig; der Diener Frycollin ein feiger Prahlhans
+war, und zwar nannte man ihn einen &bdquo;Prahlhans gleich dem
+Monde&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Es erscheint &uuml;brigens nur gerecht, gegen diesen f&uuml;r die blonde
+Ph&ouml;be beleidigenden Vergleich Einspruch zu erheben; warum sollte man
+die sanfte Selene, die keusche Schwester des strahlenden Apollo, der
+Prahlerei zeihen, das Gestirn, welches, so lange die Welt steht, stets
+der Erde gerade in's Gesicht geblickt hat, ohne ihr jemals den
+R&uuml;cken zuzuwenden?
+
+</P><P>
+
+Doch wie dem auch sei, zu dieser Stunde &mdash; es war jetzt bald
+Mitternacht &mdash; begann die &bdquo;blasse, verd&auml;chtige
+Scheibe&ldquo; schon im Westen hinter den hohen Baumkronen des Parks zu
+verschwinden. Ihre durch das Gezweige hereindringenden Strahlen erhellten
+nur noch da und dort den Erdboden, so da&szlig; es unter den B&auml;umen
+noch etwas finsterer war.
+
+</P><P>
+
+Das gestattete Frycollin, einen forschenden Blick umherschweifen zu
+lassen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Brr, machte er, die Schurken sind wahrlich noch da! Offenbar
+kommen sie n&auml;her heran.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Da hielt es ihn nicht mehr und er schritt auf seinen Herrn zu.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Master Onkel!&ldquo; redete er ihn an.
+
+</P><P>
+
+So nannte er ihn gew&ouml;hnlich und so wollte der Vorsitzende des
+Weldon-Instituts auch genannt sein.
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt war der Streit der beiden Rivalen auf das Hitzigste entbrannt;
+und da sie einander spazieren f&uuml;hrten, wurde Frycollin sehr grob
+angewiesen, diesen Spaziergang mitzumachen, wie es seine Pflicht und
+Schuldigkeit sei.
+
+</P><P>
+
+Und w&auml;hrend die Beiden ohne Unterbrechung weiterstritten, gerieth
+Onkel Prudent immer weiter hinaus nach den ver&ouml;deten
+Grasgr&uuml;nden des Fairmont-Parkes und entfernte sich immer mehr vom
+Schuylkill und der Br&uuml;cke, die sie zur R&uuml;ckkehr nach der Stadt
+unbedingt &uuml;berschreiten mu&szlig;ten.
+
+</P><P>
+
+Alle Drei befanden sich jetzt inmitten einer Gruppe hoher B&auml;ume, in
+deren Gipfeln noch das letzte Licht des Mondes spielte. An den Saum
+derselben schlo&szlig; sich eine gr&ouml;&szlig;ere Lichtung an, ein
+weiter, ovaler Wiesenplan, wie geschaffen f&uuml;r Wettrennen. Hier
+h&auml;tte nicht die kleinste Unebenheit des Bodens den Galopp eines
+Pferdes gest&ouml;rt und kein Busch oder Baum die Blicke der Zuschauer
+bei der Verfolgung der mehrere englische Meilen langen Bahnlinie
+gehindert.
+
+</P><P>
+
+Und doch, w&auml;ren Onkel Prudent und Phil Evans in ihre Streitigkeiten
+nicht gar so sehr vertieft gewesen, h&auml;tten sie sich nur
+einigerma&szlig;en aufmerksam umgesehen, so h&auml;tte ihnen nicht
+entgehen k&ouml;nnen, da&szlig; der weite freie Platz heute einen ganz
+anderen Anblick darbot. War das ein Zauberspuk, der hier seit gestern
+entstanden war? Wahrlich, man h&auml;tte das Ganze mit seinen vielen
+Windm&uuml;hlen f&uuml;r ein Zauberwerk erkl&auml;ren k&ouml;nnen, wenn
+man die M&uuml;hlenfl&uuml;gel sah, die, jetzt unbeweglich, im Halbdunkel
+Grimassen zu machen schienen.
+
+</P><P>
+
+Doch weder der Pr&auml;sident, noch der Schriftf&uuml;hrer des
+Weldon-Instituts bemerkte diese auff&auml;llige Ver&auml;nderung der
+Ansicht des Fairmont-Parks; Frycollin sah sie ebenso wenig. Es schien
+ihm, als ob die unheimlichen Gestalten sich n&auml;herten und
+zusammenduckten, als r&uuml;steten sie sich zu einem r&auml;uberischen
+Ueberfalle. Er zitterte aus Angst an allen Gliedern und war doch
+gleichzeitig wie gel&auml;hmt, so hatte ihn die Furcht vor den
+n&auml;chsten Minuten ergriffen.
+
+</P><P>
+
+Obwohl ihm die Kniee f&ouml;rmlich schlotterten, gewann er doch noch die
+Kraft, einmal zu rufen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Master Onkel! ... Master Onkel!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nun, was giebt es denn?&ldquo; antwortete Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Vielleicht w&auml;ren er und Phil Evans nicht b&ouml;se dar&uuml;ber
+gewesen, ihren Zorn dadurch abzuk&uuml;hlen, da&szlig; sie dem
+ungl&uuml;cklichen Diener eine t&uuml;chtige Tracht Pr&uuml;gel
+ertheilten; dazu fanden sie aber ebenso wenig Zeit, wie letzterer, ihnen
+eine weitere Antwort zu geben.
+
+</P><P>
+
+Unter den B&auml;umen gellte pl&ouml;tzlich ein lauter Pfiff. Gleichzeitig
+flammte inmitten der Lichtung ein heller elektrischer Stern auf.
+
+</P><P>
+
+Das war zweifelsohne ein Signal und im vorliegenden Falle die Mahnung,
+da&szlig; der Augenblick zu irgend einer Gewaltth&auml;tigkeit gekommen
+sei.
+
+</P><P>
+
+Schneller, als man es ausdenken kann, st&uuml;rzten sich schon sechs
+M&auml;nner durch das Unterholz, zwei auf Onkel Prudent, zwei auf Phil
+Evans und zwei auf den Diener Frycollin. Die beiden Letzten ganz
+&uuml;berfl&uuml;ssiger Weise, denn der Neger w&auml;re ganz unf&auml;hig
+gewesen, sich zu wehren.
+
+</P><P>
+
+Obgleich &uuml;berrascht durch diesen Ueberfall, wollten der Vorsitzende
+und der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts doch versuchen,
+Widerstand zu leisten, hatten dazu aber weder Zeit, noch Kraft. Binnen
+wenigen Secunden waren sie schon stumm gemacht durch einen Knebel im
+Munde, blind durch eine Binde &uuml;ber die Augen, und wurden,
+&uuml;berw&auml;ltigt und gefesselt, schnell durch die Waldlichtung hin
+fortgeschleppt. Was konnten sie anders annehmen, als da&szlig; sie einer
+Rotte jener gewissenlosen Herumlungerer in die H&auml;nde gefallen seien,
+welche Jeden ausrauben, den sie noch zu sp&auml;ter Stunde im Walde
+antrafen? Und doch t&auml;uschten sie sich. Man durchsuchte nicht einmal
+ihre Taschen, obwohl Onkel Prudent stets, seiner Gewohnheit nach und also
+auch heute, mehrere Tausend Dollars Papiergeld bei sich f&uuml;hrte.
+
+</P><P>
+
+Kurz, eine Minute nach diesem Ueberfalle f&uuml;hlten Onkel Prudent, Phil
+Evans und der Diener Frycollin, da&szlig; sie, ohne da&szlig; ein Wort
+zwischen den Angreifern gewechselt worden w&auml;re, nicht auf den Rasen
+der Waldbl&ouml;&szlig;e, sondern auf eine Art Fu&szlig;boden
+niedergelegt wurden, der unter ihrem Gewichte knarrte. Hier lehnte man
+sie dann Einen an den Anderen. Darauf h&ouml;rte man das Klirren eines
+Riegels in seiner Klappe und dies belehrte die drei M&auml;nner,
+da&szlig; sie gefangen seien.
+
+</P><P>
+
+Nachher entstand ein seltsames, anhaltendes Ger&auml;usch, wie ein
+Schnarren, ein frrr, dessen rrr sich ohne Ende fortsetzten, ohne
+da&szlig; in der so ruhigen Nacht etwas Anderes h&ouml;rbar geworden
+w&auml;re. </P>
+
+
+<HR>
+ <P>
+
+Welche Unruhe herrschte am folgenden Tage in Philadelphia. Schon in den
+Morgenstunden erfuhr die ganze Stadt, was sich in der letzten Sitzung des
+Weldon-Instituts zugetragen: Die Erscheinung jenes r&auml;thselhaften
+Fremdlings, eines Ingenieurs, Namens Robur &mdash; Robur der Sieger!
+&mdash; die Streitigkeiten, welche er offenbar absichtlich unter den
+Ballonisten erregt, und endlich sein unerkl&auml;rliches Verschwinden.
+
+</P><P>
+
+Es machte aber doch einen noch ganz anderen Eindruck, als man sp&auml;ter
+davon h&ouml;rte, da&szlig; auch der Vorsitzende und der
+Schriftf&uuml;hrer des Clubs in der Nacht vom 12. zum 13. Juni
+verschwunden seien.
+
+</P><P>
+
+Welche Nachsuchungen wurden da nicht in der Stadt und deren Umgebungen
+angestellt! Vergeblich &mdash; alle vergeblich. Die Zeitungen von
+Philadelphia, nach ihnen die Journale von Pennsylvanien und endlich die
+von ganz Amerika bem&auml;chtigten sich eifrig dieses Vorfalls und
+erkl&auml;rten ihn auf hunderterlei Weise, von denen keine die richtige
+war. Durch Annoncen und Maueranschl&auml;ge wurden betr&auml;chtliche
+Preise ausgesetzt &mdash; nicht allein f&uuml;r Den, der die ehrenwerthen
+Verschwundenen wieder finden w&uuml;rde, sondern auch f&uuml;r Jeden, der
+nur auf eine F&auml;hrte hinweisen k&ouml;nnte, auf der man ihren Spuren
+folgen konnte. Nichts hatte Erfolg. Und h&auml;tte sich die Erde
+aufgethan gehabt, um sie zu verschlingen, so konnten der Vorsitzende und
+der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts nicht vollst&auml;ndiger von
+der Oberfl&auml;che der Erdkugel verschwunden sein.
+
+</P><P>
+
+Die Regierungsbl&auml;tter traten bei dieser Gelegenheit mit dem
+Verlangen hervor, das Personal der Polizei in betr&auml;chtlichem
+Ma&szlig;stabe zu vermehren, weil &auml;hnliche Attentate gegen die
+besten B&uuml;rger der Vereinigten Staaten sich wiederholen k&ouml;nnten
+&mdash; und sie hatten damit Recht.
+
+</P><P>
+
+Freilich verlangten die Bl&auml;tter der Opposition, da&szlig; das
+Personal vollst&auml;ndig, und zwar als unn&uuml;tz verabschiedet werde,
+da derartige Raubanf&auml;lle sich doch wiederholen k&ouml;nnten, ohne
+da&szlig; es m&ouml;glich w&uuml;rde, die Urheber derselben zu entdecken
+&mdash; und vielleicht hatten sie damit nicht Unrecht.
+
+</P><P>
+
+Alles in Allem, die Polizei blieb, was sie war und immer sein wird in der
+besten der Welten, die nicht vollkommen ist und es niemals werden wird.
+</P>
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap05" ID="kap05"></A>
+<H3>V.<BR>
+In dem die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen dem Vorsitzenden
+und dem Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts beschlossen wird.
+</H3>
+
+
+
+<P>
+Eine Binde &uuml;ber den Augen zu tragen, einen Knebel im Munde, einen
+Strick um die Handgelenke und einen solchen um die Kn&ouml;chel zu haben,
+d.&nbsp;h. also jeder M&ouml;glichkeit zu sehen, zu sprechen und sich zu
+bewegen, beraubt zu sein, das war f&uuml;r den Onkel Prudent keine Lage,
+in der er sich h&auml;tte wohl f&uuml;hlen k&ouml;nnen, und ebenso wenig
+f&uuml;r Phil Evans und den Diener Frycollin. Obendrein nicht einmal zu
+wissen, wer die Urheber dieser Entf&uuml;hrung waren, nicht zu wissen, wo
+man sich befand und welches Loos man zu erwarten habe &mdash; das
+mu&szlig;te gewi&szlig; auch das allergeduldigste Lamm in Wuth bringen,
+und bekanntlich geh&ouml;rten die Mitglieder des Weldon-Instituts, was
+ihre Geduld betraf, nicht im geringsten zur Familie der L&auml;mmer.
+Ber&uuml;cksichtigt man die nat&uuml;rliche Heftigkeit seines Charakters,
+so kann man sich leicht vorstellen, in welcher Gem&uuml;thsverfassung
+Onkel Prudent sich jetzt befinden mochte.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls mu&szlig;ten Phil Evans und er langsam einsehen, da&szlig; es
+f&uuml;r sie Schwierigkeiten haben werde, am n&auml;chsten Abend ihre
+Pl&auml;tze im Bureau des Clubs einzunehmen.
+
+</P><P>
+
+Frycollin war es mit den verbundenen Augen und dem geschlossenen Munde
+&uuml;berhaupt unm&ouml;glich, irgend etwas zu denken; er war schon mehr
+todt, als lebendig.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend einer Stunde trat in der Lage der Gefangenen keine Aenderung
+ein. Kein Mensch lie&szlig; sich erblicken, sie zu besuchen oder ihnen
+wenigstens die Freiheit der Bewegung und der Sprache wieder zu geben,
+nach der sie doch so sehr verlangten. Jetzt sahen sie sich auf erstickte
+Seufzer, auf ein dumpfes, &bdquo;Ach!&ldquo; angewiesen, das sich kaum
+durch ihre Knebel pre&szlig;te, und beschr&auml;nkt auf schwache
+Bewegungen, wie sie etwa ein seinem nat&uuml;rlichen Element entrissener
+absterbender Karpfen ausf&uuml;hrt, und man begreift leicht, welchen
+stummen Zorn, welch' verhaltene oder vielmehr eingeschn&uuml;rte Wuth das
+in ihnen erzeugen mu&szlig;te. Nach wiederholten vergeblichen
+Befreiungsversuchen verhielten sie sich eine Zeit lang ganz still. Da
+ihnen der Gesichtssinn augenblicklich abging, bem&uuml;hten sie sich,
+vielleicht durch den Geh&ouml;rsinn einige Aufkl&auml;rung &uuml;ber
+diesen beunruhigenden Zustand der Dinge zu erlangen. Vergeblich aber
+strengten sie sich an, ein anderes Ger&auml;usch zu h&ouml;ren, als das
+ununterbrochene und unerkl&auml;rliche &bdquo;frrr&ldquo;, das hier den
+ganzen Umkreis zu beherrschen schien.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen gelang es Phil Evans, der hier mit mehr Ruhe aus Werk ging,
+den Strick locker zu machen, der um seine Handgelenke lag. Dann
+l&ouml;ste sich allm&auml;hlig der fesselnde Knoten, er schmiegte die
+Finger dicht aneinander, und endlich erlangten seine H&auml;nde wieder
+die gewohnte Bewegungsfreiheit.
+
+</P><P>
+
+Durch kr&auml;ftiges Reiben stellte er den in ihnen halb unterbrochenen
+Blutumlauf wieder her, und in der n&auml;chsten Minute schon hatte Phil
+Evans die Binde abgerissen, die ihm die Augen bedeckte, den Knebel aus
+seinem Munde gel&ouml;st und alle St&uuml;cke mit der feinen Klinge
+seines &bdquo;Bowie-Messers&ldquo; zerschnitten. Ein Amerikaner, der
+nicht stets sein Bowie-Messer in der Tasche h&auml;tte, w&auml;re eben
+kein Amerikaner mehr.
+
+</P><P>
+
+Wenn Phil Evans aber hieraus die M&ouml;glichkeit, sich zu bewegen und zu
+sprechen, wieder erlangte, so war das doch eben Alles. Seine Augen fanden
+keine Gelegenheit zu n&uuml;tzlicher Th&auml;tigkeit &mdash; wenigstens
+jetzt nicht, denn in der Zelle, die sie einschlo&szlig;, herrschte
+vollst&auml;ndige Finsterni&szlig;. Ein ganz schwacher Lichtschein drang
+nur durch eine Art Schie&szlig;scharte herein, die in sechs bis sieben
+Fu&szlig; H&ouml;he in der Wand angebracht war.
+
+</P><P>
+
+Es versteht sich von selbst, da&szlig; Phil Evans keinen Augenblick
+z&ouml;gerte, auch seinen Rivalen zu befreien. Einige Z&uuml;ge mit dem
+Bowie-Messer gen&uuml;gten zur Durchschneidung der Stricke, welche dessen
+F&uuml;&szlig;e und H&auml;nde fesselten. In heller Wuth ri&szlig; sich
+Onkel Prudent, als er sich kaum auf den F&uuml;&szlig;en aufrichten
+konnte, die Binde herunter und den Knebel heraus und stammelte mit
+erstickter Stimme:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich danke Ihnen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein! ... Hier ist nichts zu danken, antwortete der Andere.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Phil Evans?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Onkel Prudent?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Hier giebt es keinen Vorsitzenden und keinen Schriftf&uuml;hrer
+des Weldon-Instituts, ich denke, auch keine Gegner mehr.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sie haben Recht, best&auml;tigte Phil Evans. Hier sind wir nur
+zwei M&auml;nner, die sich zu r&auml;chen haben an einem Dritten, dessen
+Gewaltstreich die strengste Wiedervergeltung herausfordert.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und dieser Dritte&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ist jener Robur!&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, jener Robur!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Hier fand sich also einmal ein Punkt, bez&uuml;glich dessen die beiden
+Ex-Concurrenten v&ouml;llig &uuml;bereinstimmten, ein Streit &uuml;ber
+diesen Gegenstand schien demnach ganz ausgeschlossen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und Ihr Diener? bemerkte da Phil Evans mit einem Fingerzeig auf
+Frycollin, der wie ein Seehund schnaufte, wir m&uuml;ssen auch ihn
+befreien.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Noch nicht, erwiderte Onkel Prudent, er w&uuml;rde uns mit seinen
+Klageliedern den Kopf warm machen, und wir haben jetzt Anderes zu thun,
+als auf sein Jammern zu achten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und was denn, Onkel Prudent?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Uns zu retten, wenn es m&ouml;glich ist.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und selbst wenn es unm&ouml;glich ist!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ein Zweifel daran, da&szlig; diese Entf&uuml;hrung jenem Fremdling, dem
+Robur, zuzuschreiben sei, konnte dem Pr&auml;sidenten und seinem Collegen
+gar nicht in den Sinn kommen. In der That h&auml;tten ja einfache,
+ehrsame R&auml;uber sie unzweifelhaft ihrer Uhren, Edelsteine,
+Brieftaschen und Portemonnaies entledigt und sie dann mit einem Schnitt
+durch den Hals in den Schuylkill-Strom geworfen, statt sie
+einschlie&szlig;en in ... Ja, in was? &mdash; Das war eine ernste Frage,
+welche die schleunigste L&ouml;sung verdiente, ehe sie mit einiger
+Aussicht auf Erfolg an irgend welche Vorbereitungen zu ihrer Flucht
+denken konnten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Phil Evans, nahm Onkel Prudent wieder das Wort, wir h&auml;tten
+wahrlich besser daran gethan, wenn wir beim Weggehen aus der Sitzung,
+statt Liebensw&uuml;rdigkeiten, auf welche wir hier nicht
+zur&uuml;ckkommen wollen, auszutauschen, lieber etwas weniger zerstreut
+gewesen w&auml;ren. Verlie&szlig;en wir die Stra&szlig;en von
+Philadelphia nicht, so w&auml;re das Alles nicht geschehen. Offenbar
+hatte jener Robur schon eine Ahnung davon, was sein Auftreten im Club
+bewirken w&uuml;rde, er muthma&szlig;te die Wuthausbr&uuml;che, welche
+seine Herausforderungen entfesseln mu&szlig;ten, und hatte vor der
+Th&uuml;re sicherlich einige seiner Banditen, ihm im schlimmsten Falle
+beizuspringen. Als wir dann die Walnut-Stra&szlig;e verlie&szlig;en,
+sp&uuml;rten uns seine Schergen auf, folgten unseren Spuren und als sie
+sahen, da&szlig; wir uns unkluger Weise in die Alleen des Fairmont-Parkes
+verirrten, da hatten sie ja leichtes Spiel.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Einverstanden, antwortete Phil Evans. Ja, wir haben sehr Unrecht
+gethan, nicht unmittelbar unsere Wohnungen aufzusuchen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Man hat immer Unrecht, nicht Recht zu haben,&ldquo; versetzte
+Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Da ert&ouml;nte ein langgezogener Seufzer aus dem finsteren Winkel der
+Zelle.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Was war das? fragte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; O nichts ... Frycollin tr&auml;umt nur.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Und Onkel Prudent fuhr ungest&ouml;rt fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Zwischen dem Zeitpunkte, wo wir wenige Schritte vom Anfang der
+Lichtung ergriffen wurden, und dem, wo man uns in diesen Winkel warf,
+sind kaum zwei Minuten verflossen. Es liegt also auf der Hand, da&szlig;
+jene Leute uns nicht &uuml;ber den Fairmont-Park hinaus verschleppt
+haben.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Denn wenn das geschehen w&auml;re, h&auml;tten wir doch von der
+Fortschaffung etwas versp&uuml;ren m&uuml;ssen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Einverstanden, erkl&auml;rte Onkel Prudent. Es unterliegt also
+keinem Zweifel, da&szlig; wir in einer Abtheilung irgend eines Wagens
+eingesperrt sind, vielleicht in einem jener langen Prairie-Reisewagen
+oder in dem Gef&auml;hrte von Seilt&auml;nzern.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ohne Zweifel. Bef&auml;nden wir uns auf einem auf dem
+Schuylkill-Strom vert&auml;uten Schiffe, so m&uuml;&szlig;te sich das
+durch ein leichtes Schwanken von Bord zu Bord, veranla&szlig;t durch die
+Str&ouml;mung, zu erkennen geben.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Einverstanden, stets, stets, wiederholte Onkel Prudent, und ich
+meine, es ist, wo wir uns noch in der Parklichtung befinden, jetzt oder
+nie der geeignete Moment zur Flucht, um sp&auml;ter jenen Robur wieder
+aufzusp&uuml;ren&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und ihn diesen Angriff auf die Freiheit zweier B&uuml;rger der
+Vereinigten Staaten von Amerika theuer bezahlen zu lassen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Theuer ... sehr theuer!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Doch, wer ist dieser Mann? ... Woher kommt er? ... Ist es ein
+Engl&auml;nder, ein Deutscher, ein Franzose&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Jedenfalls ein elender Wicht, das gen&uuml;gt, antwortete Onkel
+Prudent. Und nun an's Werk!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Mit ausgestreckten H&auml;nden und gespreizten Fingern tasteten Beide an
+der Wand des kleinen Raumes umher, um einen Ri&szlig; oder eine Spalte zu
+entdecken. Vergeblich. Es fand sich hier ebenso wenig davon, wie an der
+Th&uuml;r. Diese erwies sich fast hermetisch geschlossen, und es
+w&auml;re unm&ouml;glich gewesen, das Schlo&szlig; derselben zu sprengen.
+Man mu&szlig;te also ein Loch herzustellen suchen, um durch dasselbe zu
+entkommen. Dabei trat nun die Frage hervor, ob die Bowie-Messer die Wand
+anzugreifen im Stande seien, ob ihre Klingen sich nicht verbiegen oder
+bei dem Vorhaben gar zerbrechen w&uuml;rden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Doch woher stammt jenes Zittern, das gar nicht aufh&ouml;rt?
+fragte Phil Evans, der sich &uuml;ber das immer fortdauernde frrr nicht
+beruhigen konnte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Es ist ohne Zweifel der Wind, meinte Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Der Wind? ... Bis Mitternacht schien mir, als ob die Luft ganz
+ruhig gewesen w&auml;re&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gewi&szlig;, Phil Evans, doch, wenn es der Wind nicht sein soll,
+was halten Sie denn f&uuml;r die Ursache?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Phil Evans versuchte, nachdem er die beste Klinge seines Messers
+aufgeklappt, in die Wand nahe der Th&uuml;r einzuschneiden. Vielleicht
+gen&uuml;gte es hier, eine Oeffnung zu machen, um diese von au&szlig;en
+zu &ouml;ffnen. wenn sie nur durch einen Riegel versperrt oder der
+Schl&uuml;ssel im Schlosse stecken geblieben war.
+
+</P><P>
+
+Wenige Minuten Arbeit reichten hin, die Klinge des Bowie-Messers zu
+verderben, die Spitze desselben abzubrechen und es in eine
+tausendz&auml;hnige S&auml;ge zu verwandeln.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es greift wohl nicht, Phil Evans?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sollten wir uns in einer Zelle aus Stahl befinden?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das nicht, Onkel Prudent; diese W&auml;nde geben angeschlagen
+keinen metallischen Ton.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Also vielleicht aus Eisenholz?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, weder aus Eisen, noch aus Holz.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Aus was best&auml;nde sie denn dann?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist unm&ouml;glich zu entscheiden; unbedingt aber ist es eine
+Substanz, welche der Stahl nicht angreift.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent loderte in hellem Zorn auf, er fluchte, stampfte den
+widerhallenden Boden mit den F&uuml;&szlig;en und seine H&auml;nde
+suchten einen eingebildeten Robur zu erw&uuml;rgen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ruhig, Onkel Prudent, ermahnte ihn Phil Evans, ruhig. Versuchen
+Sie einmal Ihr Gl&uuml;ck.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent versuchte es, das Bowie-Messer konnte aber nicht in eine
+Wand einschneiden, die selbst dessen beste Klingen nicht zu ritzen
+vermochten, als ob diese aus Krystall w&auml;re.
+
+</P><P>
+
+Eine Flucht erschien also ganz unausf&uuml;hrbar, denn ohne Oeffnung der
+Th&uuml;r war an eine solche doch gar nicht zu denken.
+
+</P><P>
+
+Es galt demnach, f&uuml;r jetzt darauf zu verzichten, was dem
+Yankee-Temperament nicht eben leicht zu werden pflegt, und Alles vom
+Zufall zu erwarten, was hervorragenden praktischen Geistern allemal
+zuwider ist. Nat&uuml;rlich geschah das nicht ohne Verw&uuml;nschungen,
+furchtbare Drohungen und an die Adresse Robur's gerichtete schwere
+pers&ouml;nliche Beleidigungen, w&auml;hrend er doch gar nicht der Mann
+dazu schien, sich deshalb ein graues Haar wachsen zu lassen, wenn anders
+er sich im Privatleben ebenso zeigte, wie bei seinem Auftreten im
+Weldon-Institute.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen gab Frycollin einige unzweifelhafte Zeichen seiner
+unbehaglichen Lage von sich. Ob er nun krampfhaftes Kr&uuml;mmen im Magen
+empfand oder die Einschn&uuml;rung ihm einen Krampf der Glieder zugezogen
+hatte, jedenfalls begann er j&auml;mmerlich zu lamentiren.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent glaubte seinen Qualen ein Ende machen zu m&uuml;ssen, indem
+er die Stricke, welche den Neger fesselten, durchschnitt.
+
+</P><P>
+
+Fast h&auml;tte er Ursache gehabt, diese Regung von Mitleid zu bedauern.
+Sofort begann Jener n&auml;mlich eine endlose Litanei, in der
+Ausbr&uuml;che des Entsetzens und &mdash; Klagen &uuml;ber Hunger die
+Hauptrolle spielten. Frycollin litt ebenso sehr im Kopfe, wie im Magen,
+so, es w&auml;re schwierig gewesen, zu entscheiden, welchem dieser beiden
+Organe am meisten Schuld an dem Jammern des Negers beizumessen war.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Frycollin!&ldquo; rief Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Master Onkel! Master Onkel!&ldquo; antwortete der Neger mit
+kl&auml;glichem Geschrei.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es ist m&ouml;glich, da&szlig; wir verdammt sind, in diesem
+Gef&auml;ngnisse Hungers zu sterben. Wir sind aber entschlossen, Alles,
+was irgend verzehrbar erscheint, zu verbuchen, um unser Leben zu
+verl&auml;ngern.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und mich aufzuzehren? jammerte Frycollin.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wie man es unter solchen Umst&auml;nden mit einem Neger stets
+macht! Sorge also, Frycollin, da&szlig; Du Dich uns nicht zu sehr
+bemerkbar machst&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Oder Du wirst fri&ndash;cas&ndash;sirt!&ldquo; setzte Phil Evans
+hinzu.
+
+</P><P>
+
+Frycollin bekam wirklich Angst, da&szlig; sein Leichnam in Anspruch
+genommen werden k&ouml;nnte, das Leben zweier M&auml;nner zu
+verl&auml;ngern, das jedenfalls werthvoller war, als das seinige. Er
+begn&uuml;gte sich also, nur noch im Stillen zu seufzen.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen verstrich die Zeit und alle Versuche, die Th&uuml;r oder die
+Wand gewaltsam zu &ouml;ffnen, waren erfolglos geblieben. Woraus diese
+Wand bestand, lie&szlig; sich unm&ouml;glich feststellen. Metall war das
+nicht, Holz war es nicht und Stein war es auch nicht. Der Fu&szlig;boden
+der Zelle schien &uuml;brigens aus demselben Material hergestellt zu
+sein. Stie&szlig; man mit dem Fu&szlig;e auf denselben, so gab das einen
+ganz seltsamen Ton, den unter die bekannten Ger&auml;usche zu
+classificiren, Onkel Prudent gewi&szlig; viele M&uuml;he gemacht
+h&auml;tte.
+
+</P><P>
+
+Dabei bemerkte man noch, da&szlig; der Fu&szlig;boden entschieden hohl
+klang, so, als ob er nicht direct auf dem Boden der Lichtung ruhte; ja,
+er schien bei dem unerkl&auml;rlichen frrr selbst leise zu erzittern.
+Alles das war nicht gerade beruhigender Natur.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Onkel Prudent, begann Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Phil Evans? antwortete der Gefragte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Meinen Sie, da&szlig; unsere Zelle ihre Lage ver&auml;ndert hat?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Keineswegs.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und doch, als wir kaum eingesperrt waren, konnte ich deutlich den
+frischen Geruch des Grases und den harzigen Duft der B&auml;ume des
+Parkes wahrnehmen. Jetzt kann ich Luft einfangen, so viel ich will, es
+erscheint mir, als ob davon nichts zu riechen w&auml;re.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist freilich wahr.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Doch, wie soll man das erkl&auml;ren?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Erkl&auml;ren wir es auf ganz beliebige Weise, Phil Evans, nur
+nicht durch die Hypothese, da&szlig; unser Gef&auml;ngni&szlig; eine
+Ortsver&auml;nderung erlitten habe. Ich wiederhole, da&szlig; wir es
+unbedingt h&auml;tten f&uuml;hlen m&uuml;ssen, wenn wir uns auf einem in
+Gang befindlichen Wagen oder auf einem dahingleitenden Schiffe
+bef&auml;nden.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Frycollin lie&szlig; einen langgedehnten Seufzer h&ouml;ren, den man
+h&auml;tte f&uuml;r seinen letzten halten k&ouml;nnen, wenn ihm nicht
+mehrere andere nachgefolgt w&auml;ren.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich gab mich der Hoffnung hin, da&szlig; Robur uns bald veranlagen
+werde, vor ihn zu treten, fuhr Phil Evans fort.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich nicht minder, rief Onkel Prudent, aber ich werde ihm in's
+Gesicht sagen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Was?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Da&szlig; er erst wie ein Unversch&auml;mter in unsere
+Verhandlungen eingegriffen hat, um schlie&szlig;lich gleich einem
+Schurken zu handeln!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt bemerkte Phil Evans, da&szlig; der Tag zu grauen begann. Ein
+noch schwacher Lichtschein drang durch die enge, am oberen Theile der der
+Th&uuml;r gegen&uuml;berliegenden Wand angebrachte Schie&szlig;scharte
+herein. Es mochte also gegen vier Uhr Morgens sein, denn im Juni und
+unter dieser Breite f&auml;rbt sich der Horizont von Philadelphia zu
+dieser Stunde mit den ersten Morgenstrahlen.
+
+</P><P>
+
+Und doch, als Onkel Prudent seine Repetiruhr schlagen lie&szlig;, ein
+Meisterwerk, das aus der Anstalt eines Collegen hervorgegangen war
+&mdash; meldete diese, da&szlig; es erst dreivierteldrei Uhr war, obwohl
+die Uhr inzwischen bestimmt nicht gestanden hatte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Seltsam! sagte Phil Evans. Um dreivierteldrei Uhr sollte es noch
+Nacht sein.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Meine Uhr m&uuml;&szlig;te dann bedeutend nachgeblieben sein,
+bemerkte Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Eine Uhr der Waldon Watch Compagnie!&ldquo; rief Phil Evans
+beleidigt.
+
+</P><P>
+
+Auf jeden Fall begann es jetzt Tag zu werden. Nach und nach hob sich die
+Schie&szlig;scharte wei&szlig; von der tiefen Dunkelheit der Zelle ab.
+Und doch, wenn das Morgengrauen fr&uuml;hzeitiger auftrat, als es
+entsprechend dem 40. Breitengrade, unter dem Philadelphia liegt, zu
+erwarten war, so erschien es doch nicht mit der bekannten Schnelligkeit,
+wie in den niedrigen Breiten.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent machte diese neue Beobachtung und erw&auml;hnte der fast
+unerkl&auml;rlichen Erscheinung.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wir konnten vielleicht bis nach der Schie&szlig;scharte
+hinaufklimmen&ldquo;, bemerkte Phil Evans, um von da aus Rundschau zu
+halten, wo wir &uuml;berhaupt sind.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das k&ouml;nnen wir,&ldquo; stimmte Onkel Prudent zu.
+
+</P><P>
+
+Dann wandte er sich an Frycollin:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun munter, Fry, auf die F&uuml;&szlig;e!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Neger erhob sich.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Lehne Dich mit dem R&uuml;cken gegen diese Wand, fuhr Onkel
+Prudent fort, und Sie, Phil Evans, steigen gef&auml;lligst auf die
+Schultern dieses Burschen, w&auml;hrend ich Sie von r&uuml;ckw&auml;rts
+halte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Recht gern,&ldquo; antwortete Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+Einen Augenblick sp&auml;ter kletterte er schon auf Frycollin's
+Schultern, so da&szlig; er zu der Schie&szlig;scharte hinaussehen konnte.
+
+</P><P>
+
+Dieselbe war verschlossen, aber nicht durch ein Linsenglas, wie die
+Lichtpforte eines Schiffes, sondern durch eine gew&ouml;hnliche
+Planscheibe. Obwohl sie nicht sehr stark war, verhinderte sie doch den
+freien Ausblick Phil Evans', dessen Gesichtskreis dadurch ziemlich
+beschr&auml;nkt wurde.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;So zerbrechen Sie doch die Scheibe, sagte Onkel Prudent,
+vielleicht k&ouml;nnen Sie dann besser sehen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Phil Evans f&uuml;hrte einen heftigen Schlag mit dem Heft seines
+Bowie-Messers gegen die Scheibe, welche einen fast silbernen Ton gab,
+aber nicht zerbrach.
+
+</P><P>
+
+Ein zweiter, noch kr&auml;ftigerer Schlag hatte nur dasselbe Resultat.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sch&ouml;n, rief Phil Evans, unzerbrechliches Glas!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wirklich mu&szlig;te diese Scheibe aus dem nach der Methode des Erfinders
+Siemens geh&auml;rteten Glase bestehen, da sie trotz der wiederholten
+Schl&auml;ge ganz blieb.
+
+</P><P>
+
+Uebrigens war es jetzt drau&szlig;en hell genug, um ziemlich weit sehen
+zu k&ouml;nnen, wenigstens innerhalb des Gesichtsfeldes, das die
+Einfassung der Schie&szlig;scharte frei lie&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Was sehen Sie? fragte Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nichts.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wie? Keinen Wald?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nicht einmal die Gipfel der B&auml;ume?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Auch diese nicht.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir befinden uns also nicht mehr inmitten der Lichtung?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Weder in der Lichtung, noch &uuml;berhaupt im Park.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Erkennen Sie denn auch nicht die D&auml;cher der H&auml;user, die
+Spitzen der Denkm&auml;ler? sagte Onkel Prudent, dessen Entt&auml;uschung
+schon in einem Grade zunahm, da&szlig; sie nahe an Wuth grenzte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Weder D&auml;cher, noch Spitzen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Was? Auch nicht einen Mast mit Flagge, nicht einen einzigen
+Kirchthurm, nicht einmal einen Fabriksschornstein?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nichts &mdash; nichts als die leere Luft.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt &ouml;ffnete sich die Th&uuml;r der Zelle, in der ein Mann
+sichtbar wurde. Das war Robur.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ehrenwerthe Ballonisten, sagte eine ernste Stimme. Sie sind nun
+frei, nach Belieben zu gehen, wohin Sie wollen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Frei! rief Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja ... das hei&szlig;t innerhalb der Grenzen des
+&bdquo;Albatros&ldquo;!
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans st&uuml;rzten aus der Zelle.
+
+</P><P>
+
+Und was sahen sie da?
+
+</P><P>
+
+Zw&ouml;lf- bis dreizehnhundert Meter unter ihnen die Oberfl&auml;che
+eines Landes, das sie vergeblich zu erkennen sich bem&uuml;hten. </P>
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap06" ID="kap06"></A>
+<H3>VI.<BR>
+Welches Ingenieure, Mechaniker und andere Gelehrte vielleicht am besten
+&uuml;berschlagen.
+</H3>
+
+
+<P>
+&bdquo;Wann wird der Mensch einmal aufh&ouml;ren, in der Tiefe
+umherzukriechen, um im Azur und im Frieden des Himmels zu leben?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Antwort auf diese Frage Camille Flammarion's ist ziemlich leicht. Das
+wird dann geschehen, wenn die Fortschritte der Mechanik das Problem der
+Aviation, d.&nbsp;h. der Nachahmung des Vogelfluges, zu l&ouml;sen
+gestatten, und vor Ablauf weniger Jahre &mdash; das sah man ja voraus
+&mdash; mu&szlig;te eine praktische Verwerthung der Elektricit&auml;t zur
+L&ouml;sung dieses R&auml;thsels f&uuml;hren.
+
+</P><P>
+
+Schon im Jahre 1773, also ziemlich lange, bevor die Br&uuml;der
+Montgolfier ihre erste Montgolfi&egrave;re und der Physiker Charles
+seinen ersten Wasserstoffballon construirten, hatten einzelne
+abenteuerliche K&ouml;pfe davon getr&auml;umt, mittelst mechanischer
+Apparate die Luft so zu sagen zu erobern. Die ersten Erfinder hatten also
+keineswegs an Apparate gedacht, welche leichter als die Luft waren, was
+schon der Standpunkt der physikalischen Wissenschaft ihrer Zeit nicht
+erlaubte. Sie gingen darauf aus, die Fortbewegung durch die Luft durch
+specifisch schwerere Apparate, durch Flugmaschinen, welche die Bewegung
+des Vogels nachahmten, zu erm&ouml;glichen.
+
+</P><P>
+
+Ganz dasselbe hatte schon jener Thor, der Icarus, der Sohn des Daedalus,
+gethan, dessen mit Wachs angeheftete Fl&uuml;gel ihm bei der
+Ann&auml;herung an die Sonne abfielen.
+
+</P><P>
+
+Doch ohne bis auf mythologische Zeiten zur&uuml;ckzugehen, ohne eines
+Archytas von Tarent zu erw&auml;hnen, begegnet man schon in den Arbeiten
+eines Dante von Perousa, eines Leonard de Vinci und Guidotti der Idee von
+Maschinen, welche bestimmt waren, sich in der Atmosph&auml;re zu bewegen.
+Zweieinhalb Jahrhunderte sp&auml;ter traten weit zahlreichere Erfinder
+auf. Im Jahre 1742 construirt sich der Marquis de Baqueville ein System
+von Fl&uuml;geln, versucht dasselbe &uuml;ber der Seine und bricht beim
+Herabfallen den Arm. 1768 entwirft Paucton den Plan zu einem Apparat mit
+zwei Schrauben zum Heben und zur Fortbewegung. 1781 baut Meerwein, der
+Architekt des F&uuml;rsten von Baden, eine Maschine zur Nachahmung des
+Vogelflugs und verwirft den Gedanken der Lenkbarkeit von Ballons, welche
+eben erfunden worden waren. 1784 lassen Launoy und Bienvenu eine
+Helicoptere aufsteigen, die von Federn bewegt wurde. 1808 Fliegversuch
+des Oesterreichers Jakob Degen. 1810 erscheint ein Schriftchen von Deniau
+aus Nantes, in dem der Grundsatz des &bdquo;schwerer, als die Luft&ldquo;
+beleuchtet ist. In den Zeitraum von 1811&ndash;40 fallen die
+Untersuchungn und Versuche von Berblinger, Vigual, Sarti, Dubochet und
+Cagniard de Latour. 1842 tritt der Engl&auml;nder Henson mit seinem
+System der geneigten Ebene und durch Dampf bewegter Schraube auf; 1845
+Cossus mit seinem Apparat mit Steigschrauben; 1847 meldet sich Camille
+Vert mit seiner Helicoptere aus Federb&uuml;geln; 1852 Letur mit seinem
+lenkbaren Fallschirm, dessen praktische Pr&uuml;fung ihm das Leben
+kostete. In demselben Jahre tritt Michel Loup hervor mit seinem
+Vorschlage, bei dem die gleitende Bewegung in Verbindung mit vier sich
+drehenden Fl&uuml;geln gebracht ist. 1853 B&eacute;l&eacute;guic mit
+seinem durch Zugschrauben bewegten Aeroplan; Vaussin-Chardannes mit
+seinem lenkbaren Drachen; Georges Cauley mit seinen Fliegmaschinen, die
+ein Gasmotor treiben sollte. Zwischen 1854 und 1863 sind zu nennen: Josef
+Bline, der Patente auf verschiedene Systeme der Luftschifffahrt besitzt,
+Br&eacute;ant, Carlingfort, Le Bris, Du Temple, Bright, dessen
+Steigschrauben sich in verkehrter Richtung bewegen; Smythies, Panafieu,
+Crosnier u.&nbsp;A.&nbsp;m. Endlich wird im Jahre 1863 auf Betreiben
+Nadar's in Paris eine Gesellschaft &bdquo;Schwerer, als die Luft&ldquo;
+gegr&uuml;ndet; hier f&uuml;hren die Erfinder ihre Maschinen vor, von
+denen schon verschiedene patentirt wurden, wie die von Ponton
+d'Am&eacute;court und seine Dampf-Helicoptere; de la Landelle's System
+einer Verbindung von Schrauben mit geneigten Ebenen und Fallschirmen;
+Louvri&eacute;'s Aeroscaph; Esterno's mechanischer Vogel; Groof's Apparat
+mit durch Hebel bewegten Fl&uuml;geln. Jetzt, nachdem der Ansto&szlig;
+gegeben ist, erfinden die Erfinder, berechnen die Rechner Alles, was die
+willk&uuml;rliche Fortbewegung durch die Luft ihrer praktischen Anwendung
+zuzuf&uuml;hren verspricht. Bourcart, Le Bris, Kaufmann, Smyth,
+Stringfellow, Prigent, Danjard, Pom&egrave;s und de la Panze, Moy,
+R&eacute;naud, Jobert, Hureau de Villeneuve, Achenbach, Garapon,
+Duchesne, Danduran, Parisel, Dieuaide, Melkisff, Forlanini, Brearey,
+Tatin, Dandrieux, Edison erdenken, construiren, erbauen und
+vervollkommnen &mdash; die Einen unter Anwendung von Fl&uuml;geln oder
+Schrauben, die Anderen unter den von geneigten Ebenen &mdash; Maschinen,
+welche bereit sein werden, an dem Tage zu functioniren, wo ihnen ein
+gl&uuml;cklicher Erfinder einen Motor von hinreichender Kraft und
+au&szlig;erordentlicher Leichtigkeit hinzuf&uuml;gt.
+
+</P><P>
+
+Wir bitten wegen dieses etwas langen Namensverzeichnisses um freundliche
+Entschuldigung, doch es schien uns nothwendig, die Einzelstufen jener
+Leiter der Luftschifffahrtserfolge, auf deren Gipfel jetzt Robur der
+Sieger erscheint, vorzuf&uuml;hren. Ohne die schwachen Versuche und die
+k&uuml;hnen Experimente seiner Vorg&auml;nger, h&auml;tte der Ingenieur
+ja unm&ouml;glich einen so vollkommenen Apparat zu construiren vermocht.
+Und wenn er nur ein ver&auml;chtliches Achselzucken f&uuml;r Diejenigen
+hatte, welche noch immer starrsinnig dabei verharrten, die Lenkbarkeit
+von Ballons erfinden zu wollen, so standen bei ihm die Anh&auml;nger des
+Grundsatzes &bdquo;schwerer als die Luft&ldquo; in hohem Ansehen, ob das
+nun Engl&auml;nder, Amerikaner, Deutsche, Oesterreicher, Italiener oder
+Franzosen waren &mdash; vor Allem letztere, deren durch ihn
+vervollkommnete Arbeiten ihn in den Stand gesetzt hatten, seine
+Flugmaschine, den &bdquo;Albatros&ldquo;, zu ersinnen und
+auszuf&uuml;hren, jenes Ungeheuer, das jetzt das Luftmeer durchma&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Taube fliegt! hatte einer der enthusiastischen Anh&auml;nger
+des &bdquo;Albatros&ldquo; gerufen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Man wird noch durch die Luft spazieren fahren, wie jetzt
+&uuml;ber die Erde! hatte darauf ein hochbegeisterter Vertheidiger
+derselben Theorie hinzugesetzt.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mit der Locomotive, der Aeromotive!&ldquo; hatte der lustigste
+von Allen hinaustrompetet, der sich mit Vorliebe der Presse bediente, um
+die Alte und die Neue Welt f&uuml;r die Sache zu interessiren.
+
+</P><P>
+
+In der That steht es ja durch Rechnung und Erfahrung fest, da&szlig; die
+Luft ein sehr widerstandsf&auml;higer St&uuml;tzpunkt sein kann. Ein
+Kreis von einem Meter Durchmesser vermag als Fallschirm nicht allein das
+Eindringen in die Luft zu verlangsamen, sondern den Fall sogar
+isochronisch zu machen. Das war schon l&auml;ngst bekannt.
+
+</P><P>
+
+Ebenso wu&szlig;te man, da&szlig; die Einwirkung der Schwerkraft, wenn
+die Fortbewegung eines K&ouml;rpers eine sehr schnelle ist, etwa im
+umgekehrten Verh&auml;ltnisse des Quadrats zur Schnelligkeit abnimmt und
+zuletzt ziemlich bedeutungslos werden kann.
+
+</P><P>
+
+Man wu&szlig;te ferner, da&szlig; sich bei zunehmendem eigenen Gewichte
+eines fliegenden Thieres die zum Schwebenderhalten desselben nothwendige
+Oberfl&auml;che der Fl&uuml;gel nicht in gleichem Ma&szlig;e
+vergr&ouml;&szlig;ert, obwohl die Bewegungen, die es ausf&uuml;hrt, etwas
+langsamer sein m&uuml;ssen.
+
+</P><P>
+
+Ein Aviations-Apparat mu&szlig; demnach so construirt sein, da&szlig; er
+diesen Naturgesetzen entspricht und dem Vogel nachgebildet ist,
+&bdquo;dem wunderbaren Typus der Fortbewegung in der Luft&ldquo;, wie
+Doctor Marey im franz&ouml;sischen Institut sich ausgedr&uuml;ckt hat.
+
+</P><P>
+
+Die Apparate nun, welche allein dieses Problem zu l&ouml;sen
+verm&ouml;gen, zerfallen in folgende drei Arten:
+
+</P><P>
+
+1. Die Helicopteren oder Spiraliferen, welche nur aus Schrauben mit
+verticalen Achsen bestehen.
+
+</P><P>
+
+2. Die Orthopteren, das sind Maschinen, welche ganz den nat&uuml;rlichen
+Flug der V&ouml;gel nachzuahmen bestimmt sind.
+
+</P><P>
+
+3. Die Aeroplanen, in Wirklichkeit geneigte Ebenen, wie die Papierdrachen
+der Knaben, aber von horizontalen Schrauben getrieben oder gezogen.
+
+</P><P>
+
+Jedes dieser Systeme hatte und hat selbst noch heute entschiedene
+Anh&auml;nger, welche ihre Ansichten unab&auml;nderlich als die richtigen
+hinstellen.
+
+</P><P>
+
+Aus mancherlei Gr&uuml;nden hatte Robur jedoch die beiden letzteren
+verworfen.
+
+</P><P>
+
+Es unterliegt zwar keinem Zweifel, da&szlig; die Orthoptere, der
+mechanische Vogel, gewisse Vorz&uuml;ge aufweist. Die Arbeiten Renaud's
+haben daf&uuml;r 1884 den Beweis beigebracht. Doch man darf, wie dem
+Genannten auch eingeworfen wurde, die Natur niemals sclavisch nachahmen
+wollen. Die Locomotiven sind auch nicht nach dem Vorbilde der Hasen und
+die Dampfschiffe nicht nach dem der Fische gebaut. Den ersteren gab man
+R&auml;der, welche doch keine Beine sind, dem letzteren Schrauben, welche
+gewi&szlig; nicht den Flossen entsprechen. Und wir meinen, Beide laufen
+doch recht gut. Uebrigens wei&szlig; man noch gar nicht genau, wie der
+Flug der V&ouml;gel, welche sehr complicirte Bewegungen ausf&uuml;hren,
+eigentlich zu Stande kommt. Doctor Marey z.&nbsp;B. hat die Vermuthung
+ausgesprochen, da&szlig; die Federn der Fl&uuml;gel sich beim Aufschlag
+&ouml;ffnen, um die Luft durchzulassen &mdash; ein Vorgang, der durch
+eine k&uuml;nstliche Maschine schwerlich herzustellen sein m&ouml;chte.
+
+</P><P>
+
+Andererseits ist es nicht zweifelhaft, da&szlig; auch die Aeroplane
+einige gute Erfolge aufzuweisen haben. Setzen die Schrauben den
+Luftschichten eine schiefe Ebene entgegen, so m&uuml;&szlig;te daraus
+eine ansteigende Bewegung hervorgehen, und kleine Versuchs-Apparate haben
+bewiesen, da&szlig; das disponible Gewicht, dasjenige, &uuml;ber welches
+man noch &uuml;ber das Eigengewicht des Apparates hinaus verf&uuml;gen
+k&ouml;nnte, mit dem Quadrate der Geschwindigkeit zunahm. Hierin liegt
+offenbar ein gro&szlig;er Vortheil, der die der Aerostaten, welche
+aufgetrieben werden sollen, weit &uuml;bertrifft.
+
+</P><P>
+
+Nichtsdestoweniger glaubte Robur, da&szlig;, wenn es etwas noch Besseres
+g&auml;be, das auch noch einfacher sein m&uuml;sse. Auch die Schrauben
+&mdash; die ihm im Weldon-Institut durch ein gl&uuml;ckliches Wortspiel
+direct an den Kopf geworfen worden waren &mdash; konnten ja wohl allen
+Anspr&uuml;chen an seine Flugmaschine gen&uuml;gen. Die Einen sollten
+dieselbe in der Luft schwebend erhalten, die Anderen sie unter den besten
+Verh&auml;ltnissen der Schnelligkeit und Sicherheit in der Horizontalen
+fortbewegen.
+
+</P><P>
+
+Theoretisch m&uuml;&szlig;te man ja mittelst einer nur kurzen, aber in
+der Fl&auml;che gro&szlig;en Schraube, wie Victor Tatin es zuerst
+ausgesprochen hatte, dahin gelangen, &bdquo;wenn man es auf das
+Aeu&szlig;erste triebe, in ungeheures Gewicht durch verschwindend kleine
+Kraft zu heben&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Wenn die Orthoptere &mdash; durch Fl&uuml;gelschl&auml;ge gleich einem
+Vogel &mdash; sich erhebt, indem sie sich in normaler Weise gegen die
+Luft st&uuml;rzt, so steigt die Helioptere auf, indem sie mit ihren
+Schraubenfl&uuml;geln schr&auml;g dagegen wirkt, als ob sie eine geneigte
+Ebene hinaufklimme. Im Grunde hat sie ja nur schraubenf&ouml;rmig
+gewundene, an Stelle der schaufelartigen Fl&uuml;gel. Die Schraube bewegt
+sich nothwendig in der Richtung ihrer Achse fort. Ist diese vertical, so
+bewegt sie sich vertical; ist sie horizontal angebracht, so treibt sie in
+horizontalem Sinne.
+
+</P><P>
+
+Der gro&szlig;e Flugapparat des Ingenieur Robur beruhte nur auf diesen
+beiden Wirkungen.
+
+</P><P>
+
+Wir geben hier eine genaue Beschreibung desselben, welche f&uuml;glich in
+drei Theile zerfallen kann, betreffend das Verdeck, die Schwebe- und
+Treibmaschinen und die &auml;u&szlig;ere Maschinerie.
+
+</P><P>
+
+Verdeck. Das war ein drei&szlig;ig Meter langes, vier Meter breites
+Bauwerk, ein wirkliches Schiffsdeck mit Vordersteven in Form eines
+Rammsporns. Darunter w&ouml;lbte sich der festgef&uuml;gte Rumpf, der die
+Apparate zur Erzeugung der mechanischen Kraft barg, ferner befanden sich
+da die Pulverkammer, die Werkzeuge, das allgemeine Magazin f&uuml;r
+Vorr&auml;the aller Art, darunter auch die Wassergef&auml;&szlig;e des
+Fahrzeugs. Rund herum standen leichte Pfosten, die, mit Eisendraht unter
+einander verbunden, die Reeling bildeten. Darauf aber erhoben sich drei
+Ruffs<A NAME="footmark4" ID="footmark4" HREF="#foot4"><SUP>4</SUP></A>,
+deren R&auml;umlichkeiten zur Wohnung f&uuml;r das Personal und f&uuml;r
+die Maschinerie bestimmt sind. Im mittleren Ruff arbeitet die Maschine,
+welche das Schwebewerk in Bewegung setzt; in dem vorderen die Maschine
+f&uuml;r die vordere Treibschraube, im hinteren die f&uuml;r die hintere
+Schraube, so da&szlig; diese drei von einander v&ouml;llig
+unabh&auml;ngig wirken. Nahe dem Vordertheile befindet sich der Ruff
+f&uuml;r die Werkstatt die K&uuml;che und die Mannschaftswohnung. Nahe
+dem Heck, im letzten Ruff, finden sich mehrere Cabinen, unter anderen die
+des Ingenieurs, ein Speisezimmer und dar&uuml;ber ein kleiner verglaster
+Raum, in dem sich der Steuermann aufh&auml;lt, der das Ganze mittelst
+eines gewaltigen Steuerrades lenkt und leitet. Alle diese Ruffs werden
+durch Lichtpforten erhellt, deren Scheiben aus Hartglas bestehen, das
+eine zehnfach gr&ouml;&szlig;ere Widerstandsf&auml;higkeit als
+gew&ouml;hnliches Glas hat. Unterhalb des Rumpfes ist ein System von
+biegsamen Federn angebracht, dazu bestimmt, etwaige St&ouml;&szlig;e zu
+mildern, obwohl eine Landung ungemein sanft bewerkstelligt werden konnte,
+so sehr war der Ingenieur Herr seines Apparates.
+
+</P><P>
+
+Auftriebs- und Treibmaschinen. Auf dem Verdeck erhoben sich lothrecht
+siebenunddrei&szlig;ig Achsen, von denen je f&uuml;nfzehn an Back- und
+Steuerbord und sieben h&ouml;here in der Mitte errichtet waren, so
+da&szlig; das Ganze einem Schiffe mit siebenunddrei&szlig;ig Masten
+&auml;hnlich wurde; nur trugen diese Masten an Stelle der Segel jeder
+zwei horizontale Schrauben von kurzer Steigung und geringem Durchmesser,
+denen aber eine ungeheure Umdrehungsgeschwindigkeit ertheilt werden
+konnte. Jede dieser Achsen empf&auml;ngt ihre Bewegung unabh&auml;ngig
+von der anderen, und au&szlig;erdem drehen sich je zwei und zwei in
+entgegengesetztem Sinne &mdash; eine nothwendige Ma&szlig;regel, um den
+ganzen Apparat nicht in wellenf&ouml;rmige Bewegung kommen zu lassen. Auf
+diese Weise aber halten sich alle Schrauben, w&auml;hrend sie eine wie
+die andere auf verticalen Lufts&auml;ulen emporzusteigen streben,
+gegenseitig das Gleichgewicht. Der Apparat ist demnach mit
+vierundsiebenzig Schwebeschrauben ausger&uuml;stet, deren drei Arme
+&auml;u&szlig;erlich durch einen Metallring zusammengehalten werden, der,
+als Schwungrad wirkend, die motorische Kraft besser ausn&uuml;tzen hilft.
+Am Vorder- wie am Hintertheile drehen sich, auf horizontalen Achsen
+montirt, zwei Treibschrauben mit vier Armen jede, welche der Fortbewegung
+des Ganzen vorstehen. Diese Schrauben, welche an Durchmesser die
+Auftriebsschrauben &uuml;bertreffen, k&ouml;nnen sich ebenfalls mit der
+gr&ouml;&szlig;ten Geschwindigkeit drehen.
+
+</P><P>
+
+Alles in Allem schlie&szlig;t sich dieser Apparat an die Systeme an,
+welche von Cossus, de la Landelle und de Ponton d'Am&eacute;court
+aufgestellt und vom Ingenieur Robur verbessert wurden. Dagegen
+geb&uuml;hrt ihm bez&uuml;glich der Wahl und der Verwendung der
+motorischen Kraft unbedingt der Ruhm des Erfinders.
+
+</P><P>
+
+Maschinerie. Weder vom Dampf des Wassers oder anderer Fl&uuml;ssigkeiten,
+weder von der comprimirten Luft oder anderen elastischen Gasen und
+endlich ebenso wenig von explosiven Gemischen, welche f&auml;hig sind,
+eine mechanische Wirkung auszu&uuml;ben, entlehnte Robur die nothwendige
+Kraft, seinen Apparat schwebend zu erhalten und fortzubewegen, er nahm
+dazu die Elektrizit&auml;t in Anspruch, jene Naturkraft, welche dereinst
+die Seele der industriellen Welt zu werden verspricht. Eine
+dynamo-elektrische Maschine verwendete er zur Erzeugung derselben jedoch
+nicht, sondern nur Batterien und Accumulatoren; nur war es Robur's
+Geheimni&szlig;, welche Materialien er zur Zusammenstellung seiner
+Elemente und welche S&auml;uren er zur Erregung derselben anwendete;
+dasselbe galt f&uuml;r die Accumulatoren. Niemand wu&szlig;te, woraus
+deren positive und negative Platten bestanden. Der Ingenieur hatte sich
+aus gewissen Gr&uuml;nden wohl geh&uuml;tet, darauf ein Patent zu nehmen.
+Unbestreitbar aber zeigten seine Batterien eine au&szlig;erordentliche
+Ergiebigkeit, die S&auml;uren eine fast vollst&auml;ndige
+Widerstandsf&auml;higkeit gegen Verdunstung und Frieren, seine
+Accumulatoren eine unverkennbare Ueberlegenheit &uuml;ber die von Faure,
+Sellon, Volckmar, und endlich lieferten seine Str&ouml;me Amp&egrave;res
+von bisher unerreichter Anzahl. Daraus aber ergab sich eine so zu sagen
+unendliche Menge elektrischer Pferdekr&auml;fte zur Bewegung der
+Schrauben, welche dem Apparate eine seinen Bed&uuml;rfnissen weit
+&uuml;berlegene Schwebe- und Triebkraft unter allen Umst&auml;nden
+verliehen.
+
+</P><P>
+
+Wir wiederholen jedoch, das war die Sache des Ingenieur Robur und
+dar&uuml;ber bewahrte er ein unverbr&uuml;chliches Geheimni&szlig;, und
+wenn der Vorsitzende und der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts
+nicht das Gl&uuml;ck haben, dasselbe zu durchdringen, so d&uuml;rfte es
+wahrscheinlich auf immer f&uuml;r die Menschheit verloren sein.
+
+</P><P>
+
+Es versteht sich von selbst, da&szlig; dieser Apparat infolge der
+gl&uuml;cklich gew&auml;hlten Lage seines Schwerpunktes hinreichende
+Stabilit&auml;t zeigte. Man brauchte also niemals zu f&uuml;rchten,
+da&szlig; er mit der horizontalen bedenkliche Winkel bilden oder gar
+umschlagen k&ouml;nnte.
+
+</P><P>
+
+Es er&uuml;brigt noch mitzutheilen, aus welchem Material der Ingenieur
+Robur seinen Aeronef hergestellt hatte, ein Name, der f&uuml;r den
+&bdquo;Albatros&ldquo; besonders geeignet erscheint. Welches war der so
+harte Stoff, da&szlig; das Bowie-Messer Phil Evans' ihn nicht zu ritzen
+und dessen Natur Onkel Prudent nicht zu erkennen vermochte? Ganz einfach
+&mdash; Papier!
+
+</P><P>
+
+Schon eine Reihe von Jahren hatte die Fabrikation desselben gro&szlig;e
+Ausdehnung gewonnen. Ungeleimtes Papier, dessen Bl&auml;tter mit Dextrin
+und St&auml;rkemehl impr&auml;gnirt wurden, bildet unter der Wirkung der
+hydraulischen Presse ein Material von der H&auml;rte des Stahls. Man
+erzeugt daraus Rollen, Schienen und Wagenr&auml;der, welche haltbarer und
+gleichzeitig leichter sind, als solche aus Metall. Diese gro&szlig;e
+Haltbarkeit bei au&szlig;erordentlicher Leichtigkeit eben hatte Robur bei
+der Erbauung seiner Luftlocomotive zu ben&uuml;tzen gesucht. Alles,
+Rumpf, Rippen, Ruffs, Cabinen, bestand aus Strohpapier, das unter hohem
+Drucke metall&auml;hnlich geworden war und das sich &mdash; ein Umstand,
+bei einem in gro&szlig;er H&ouml;he dahinschwebenden Apparate gewi&szlig;
+von Werth &mdash; auch als unverbrennlich erwies.
+
+</P><P>
+
+F&uuml;r die verschiedenen Theile der Schwebe- und Treibmaschinerie, wie
+f&uuml;r die Fl&uuml;gel der Schrauben hatte gelatiniertes Fasergewebe
+als ebenso widerstandsf&auml;higes, wie biegsames Material gedient und
+von diesem auch, da es sich allen Formen anpa&szlig;te, in den meisten
+Gasen und Fl&uuml;ssigkeiten, S&auml;uren und Salzen unl&ouml;slich war
+&mdash; ohne von seinen isolirenden Eigenschaften zu sprechen &mdash; in
+der elektrischen Maschinerie des &bdquo;Albatros&ldquo; der
+ausgedehnteste Gebrauch gemacht worden.
+
+</P><P>
+
+Der Ingenieur Robur, sein Obersteuermann Tom Turner, ein Mechaniker mit
+zwei Gehilfen, zwei Bootsm&auml;nner und ein Koch &mdash; Alles in Allem
+acht Personen &mdash; bildeten die ganze Besatzung des
+&bdquo;Albatros&ldquo;, welche f&uuml;r die bei der Fahrt durch die Luft
+n&ouml;thigen Man&ouml;ver &uuml;brig ausreichte. Jagd- und Kriegswaffen,
+Fischerger&auml;the, elektrische Lampen, Beobachtungsinstrumente,
+Boussolen und Sextanten zur Erkennung der Fahrtrichtung, Thermometer zur
+Messung der Temperatur; verschiedene Barometer, die einen, um die
+erreichte H&ouml;he, die anderen, um die Ver&auml;nderung des Luftdruckes
+zu messen, ein &bdquo;Stormglas&ldquo; zum Erkennen drohender
+St&uuml;rme, eine kleine Bibliothek, eine kleine tragbare Druckerei, ein
+Gesch&uuml;tz auf Zapfen, in der Mitte des Decks, das, von
+r&uuml;ckw&auml;rts geladen, ein Gescho&szlig; von sechs Centimeter
+Durchmesser schleuderte; der n&ouml;thige Vorrath an Pulver, Kugeln,
+Dynamitpatronen; eine K&uuml;che, in der die von Accumulatoren
+gelieferten Str&ouml;me zur Feuerung dienten, ein Vorrath von Conserven,
+Fleisch und Gem&uuml;se, die in einer Camb&uuml;se <TT>ad hoc</TT> neben
+Gef&auml;&szlig;en mit Brandy, Whisky und Gin aufgestapelt waren, endlich
+Alles, was w&auml;hrend einiger Monate gebraucht werden konnte, ohne
+landen zu m&uuml;ssen &mdash; das bildete das Material und die
+Vorr&auml;the des &bdquo;Albatros&ldquo; &mdash; ohne die ber&uuml;hmte
+Trompete zu rechnen.
+
+</P><P>
+
+Au&szlig;erdem befand sich ein leichtes, unversenkbares Kautschukboot an
+Bord, das acht Mann auf einem Flusse, einem See oder auch auf ruhigem
+Meer tragen konnte. Fallschirme in Voraussicht eines eintretenden
+Ungl&uuml;cks f&uuml;hrte Robur nicht mit sich. Er glaubte nicht an
+Unf&auml;lle dieser Art. Die Achsen der Schrauben waren alle von einander
+unabh&auml;ngig; der Stillstand der einen blieb auf die &uuml;brigen ohne
+Einflu&szlig;. Selbst wenn nur das halbe Triebwerk in Gang blieb, reichte
+es schon aus, den &bdquo;Albatros&ldquo; in seinem nat&uuml;rlichen
+Element zu erhalten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und mit ihm, wie Robur der Sieger Gelegenheit fand gegen seine
+Passagiere &mdash; Passagiere wider Willen &mdash; zu &auml;u&szlig;ern,
+mit ihm bin ich Herr jenes siebenten Welttheiles, der an Gr&ouml;&szlig;e
+Australien und Afrika, Oceanien, Asien, Amerika und Europa
+&uuml;bertrifft, jenes Icariens der Luft, das eines Tages noch Tausende
+von Icarussen bev&ouml;lkern werden!&ldquo; </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap07" ID="kap07"></A>
+<H3>VII.<BR>
+In welchem der Onkel Prudent und Phil Evans sich noch immer nicht
+&uuml;berzeugen lassen wollen.
+</H3>
+
+
+<P>
+Der Vorsitzende des Weldon-Instituts war h&ouml;chst erstaunt, sein
+Gef&auml;hrte geradezu verbl&uuml;fft. Aber weder der Eine, noch der
+Andere wollte sich diese so nat&uuml;rliche Regung anmerken lassen. Der
+Diener Frycollin dagegen verheimlichte sein Entsetzen nicht, sich an Bord
+einer solchen Maschine in den Luftraum entf&uuml;hrt zu sehen, im
+Gegentheil, er gab das offen zu erkennen.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen drehten sich die Schwebe- oder Auftriebschrauben hastig
+&uuml;ber ihren K&ouml;pfen. So schnell diese Bewegung auch vor sich
+ging, h&auml;tte sie doch noch um das Dreifache gesteigert werden
+k&ouml;nnen, im Fall der &bdquo;Albatros&ldquo; h&ouml;here Zonen
+erreichen wollte.
+
+</P><P>
+
+Die beiden eigentlichen Propeller, die jetzt einen
+mittelm&auml;&szlig;igen Gang zeigten, verliehen dem Apparate nur eine
+Fortbewegung von zwanzig Kilometern in der Stunde.
+
+</P><P>
+
+Sich &uuml;ber das Verdeck hinausbeugend, konnten die Passagiere des
+&bdquo;Albatros&ldquo; ein langes, gewundenes, fl&uuml;ssiges Band
+wahrnehmen, das sich gleich einem B&auml;chlein durch wellenf&ouml;rmiges
+Land schl&auml;ngelte, in dem auch einzelne kleinere Seen die Strahlen
+der Sonne gl&auml;nzend widerspiegelten. Dieser Bach war &uuml;brigens
+ein Flu&szlig;, und zwar einer der bedeutendsten des betreffenden
+Gebiets. An seinem linken Ufer erhob sich eine Bergkette, deren
+Fortsetzung sich &uuml;ber Gesichtsweite hinaus verlor.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Werden Sie uns wohl sagen, wo wir uns befinden? fragte Onkel
+Prudent mit einer vor Ingrimm zitternden Stimme.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich habe dazu gar keine Veranlassung, antwortete Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und werden Sie uns sagen, wohin wir fahren? setzte Phil Evans
+hinzu.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Durch den Luftraum.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und das dauert, wie lange?&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; So lange es Zeit erfordert.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wollen Sie etwa eine Reise um die Erde mit uns machen? fragte
+Phil Evans ironisch.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Noch mehr als das, erwiderte Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wenn eine solche Reise uns nicht pa&szlig;t? ... versetzte
+Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; So wird sie ihnen eben passen m&uuml;ssen!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Das gab einen kleinen Vorgeschmack von den Beziehungen, die sich zwischen
+dem Herrn des &bdquo;Albatros&ldquo; und seinen G&auml;sten, um nicht zu
+sagen, seinen Gefangenen, zu entwickeln versprachen. Offenbar wollte
+Jener ihnen jedoch erst Zeit g&ouml;nnen, sich zu sammeln, den
+au&szlig;erordentlichen Apparat zu bewundern, der sie durch die
+L&uuml;fte trug, und ohne Zweifel auch, um dem Erfinder ihre
+Gl&uuml;ckw&uuml;nsche darbringen zu k&ouml;nnen. Dieser schlenderte
+scheinbar ziellos von einem Ende des Verdecks zum anderen; sie dagegen
+hatten vollst&auml;ndige Freiheit, die Anordnung der Maschinerie und die
+Gesammtausr&uuml;stung des &bdquo;Aeronefs&ldquo; zu betrachten, oder
+auch ihre Aufmerksamkeit ungetheilt der Landschaft zuzuwenden, deren
+Relief sich unter ihren F&uuml;&szlig;en so zu sagen aufrollte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Onkel Prudent, begann da Phil Evans, wenn ich mich nicht
+t&auml;usche, m&uuml;ssen wir &uuml;ber den mittleren Gebietstheilen von
+Canada hinschweben. Jener nach Nordwest verlaufende Flu&szlig; ist
+wahrscheinlich der St.&nbsp;Lorenz, und die Stadt, die wir da hinter uns
+lassen, ist Quebec.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Es war in der That die alte Stadt Champlain's, deren
+Wei&szlig;blechd&auml;cher wie Reflectoren in der Sonne gl&auml;nzten.
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; hatte sich bis zum sechsundvierzigsten Grade
+der Breite erhoben &mdash; was den vorzeitigen Anbruch des Tages und die
+abnorme Verl&auml;ngerung des Morgenrothes hinl&auml;nglich
+erkl&auml;rte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ja, fuhr Phil Evans fort, da liegt ja die Stadt in der Gestalt
+eines Amphitheaters, der H&uuml;gel, der ihre Citadelle tr&auml;gt,
+dieses Gibraltar Nordamerikas! Dort erheben sich die englische und die
+franz&ouml;sische Hauptkirche, und da wieder das Zollamt mit seiner
+Kuppel und der englischen Fahne darauf!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Phil Evans hatte kaum ausgesprochen, als die Hauptstadt Canadas schon
+wieder in der Ferne zu verschwinden begann. Der Aeronef trat in eine
+Schicht kleinere Wolken ein, welche den Ausblick nach der Erde
+allm&auml;hlich verhinderten.
+
+</P><P>
+
+Als Robur jetzt sah, da&szlig; der Vorsitzende und Schriftf&uuml;hrer des
+Weldon-Instituts ihre Aufmerksamkeit der &auml;u&szlig;eren Construction
+des &bdquo;Albatros&ldquo; zuwendeten, trat er auf sie zu und sagte:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun, meine Herren, glauben Sie endlich an die M&ouml;glichkeit
+einer Fortbewegung durch die Luft mittelst Apparaten, die schwerer sind
+als jene?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Es w&auml;re ja schwierig gewesen, sich dem augenscheinlichen Beweise zu
+widersetzen. Onkel Prudent und Phil Evans gaben jedoch keine Antwort.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sie schweigen? fuhr der Ingenieur fort. Aha, jedenfalls verhindert
+Sie der Hunger am Sprechen ... doch, wenn ich es unternommen habe, Sie
+durch die Luft zu transportiren, so glauben Sie nicht, da&szlig; ich Sie
+auch mit diesem wenig nahrhaften Fluidum ern&auml;hren wollte. Ihr erstes
+Fr&uuml;hst&uuml;ck erwartet Sie.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Da Onkel Prudent und Phil Evans einen schon recht qu&auml;lenden Hunger
+versp&uuml;rten, hatten sie hier keine Veranlassung, Umst&auml;nde zu
+machen. Eine Mahlzeit verpflichtet ja noch zu nichts, und wenn Robur sie
+erst wieder auf der Erde abgesetzt h&auml;tte, rechneten sie nach wie vor
+darauf, ihm gegen&uuml;ber auch ihre ganze Handlungsfreiheit wieder zu
+erhalten.
+
+</P><P>
+
+Beide wurden nach dem hinteren Ruff geleitet und nach einem kleinen
+<TT>dining-room</TT>, in dem sich ein sauber gedeckter Tisch befand, an
+welchem sie w&auml;hrend der Fahrt speisen sollten. An Gerichten trug
+derselbe verschiedene Conserven und unter Anderem eine Art Brot aus
+gleichen Theilen Mehl und pulverisirtem Fleisch, untermischt mit ein
+wenig Speck, welches, in Wasser gekocht, eine vorz&uuml;gliche nahrhafte
+Suppe liefert; ferner Schnitte von ger&auml;uchertem Schinken und als
+Getr&auml;nk Thee.
+
+</P><P>
+
+Auch Frycollin war nicht vergessen worden. Auf dem Vordertheil erhielt er
+eine t&uuml;chtige Brotsuppe. Wahrlich, er mu&szlig;te gewaltigen Hunger
+haben, um essen zu k&ouml;nnen, denn seine Kinnladen zitterten eigentlich
+aus Furcht und h&auml;tten ihm jeden anderen Dienst versagt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wenn das entzwei ginge! Wenn das entzwei ginge!&ldquo; wiederholte
+der ungl&uuml;ckliche Neger. Das machte ihm fortw&auml;hrend Angst. Aber
+man denke nur ... ein Sturz von f&uuml;nfzehnhundert Meter, der ihn in
+Pulver verwandelt h&auml;tte!
+
+</P><P>
+
+Nach Verlauf einer Stunde erschienen Onkel Prudent und Phil Evans wieder
+auf dem Verdeck. Robur war nicht mehr hier. Am Hintertheile folgte der
+Steuermann in seinem Glash&auml;uschen, das Auge auf den Compa&szlig;
+gerichtet, unentwegt dem ihm vom Ingenieur vorgezeichneten Curse.
+
+</P><P>
+
+Die andere Mannschaft mochte wohl auch durch das Fr&uuml;hst&uuml;ck in
+ihrem Logis zur&uuml;ckgehalten werden. Nur ein Hilfsmechaniker, dem nun
+die Ueberwachung der Maschinen oblag, wanderte von einem Ruff zum anderen
+umher.
+
+</P><P>
+
+War die Geschwindigkeit des Apparats jetzt auch eine gro&szlig;e, so
+konnten die beiden Collegen dar&uuml;ber doch nur unvollkommen urtheilen,
+obgleich der &bdquo;Albatros&ldquo; aus jener Wolkenschicht wieder
+hervorgetreten war und sich der Erdboden f&uuml;nfzehnhundert Meter unter
+ihnen deutlich zeigte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Man kann eigentlich gar nicht daran glauben! bemerkte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; So glauben wir nicht daran,&ldquo; antwortete Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Sie begaben sich hiermit nach dem Vorderdeck und lie&szlig;en die Blicke
+&uuml;ber den Horizont im Westen schweifen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ah, eine andere Stadt! rief Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; K&ouml;nnen Sie dieselbe erkennen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, es scheint mir Montreal zu sein.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Montreal? ... Aber wir haben doch Quebeck vor kaum zwei Stunden
+verlassen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das beweist, da&szlig; diese Maschine sich mit einer
+Geschwindigkeit von mindestens f&uuml;nfundzwanzig Lieues die Stunde
+bewegt.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Das war in der That die Gr&ouml;&szlig;e der Geschwindigkeit des
+&bdquo;Albatros&ldquo;, und wenn die Passagiere davon keine
+Bel&auml;stigung versp&uuml;rten, lag das daran, da&szlig; sie mit dem
+Winde forttrieben. Bei stillem Wetter h&auml;tte sie diese Schnelligkeit
+schon merkbar genirt, weil sie fast der eines Expre&szlig;zuges
+gleichkommt. Bei widrigem Winde w&auml;re dieselbe ganz unertr&auml;glich
+gewesen.
+
+</P><P>
+
+Phil Evans t&auml;uschte sich nicht. Unter dem &bdquo;Albatros&ldquo;
+erschien Montreal, das an seiner Victoria-Br&uuml;cke, einer
+R&ouml;hrenbr&uuml;cke &uuml;ber den St.&nbsp;Lorenz gleich dem
+Bahnviaduct &uuml;ber die Lagunen von Venedig, leicht kenntlich war. Bald
+unterschied man auch seine breiten Stra&szlig;en, die ungeheuren
+Magazine, die Pal&auml;ste der Banken, die Kathedrale, eine neuerdings
+nach dem Vorbilde des St.&nbsp;Peters-Domes in Rom erbaute Basilica und
+endlich den Mont-Royal, der die ganze Stadt &uuml;berragt und zu einem
+herrlichen Park umgeschaffen ist.
+
+</P><P>
+
+Es war ein Gl&uuml;ck zu nennen, da&szlig; Phil Evans die Hauptstadt
+Canadas schon fr&uuml;her einmal besucht hatte. Er konnte so Mehreres
+erkennen, ohne Robur erst zu fragen. Nach Montreal kamen sie etwa einhalb
+zwei Uhr Nachmittags, &uuml;ber Ottawa hinweg, dessen F&auml;lle, von
+oben gesehen, einem ungeheuren Siedekessel glichen, der durch sein
+furchtbares Uebersch&auml;umen einen gro&szlig;artigen Effect
+hervorbrachte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da ist der Parlaments-Palast,&ldquo; sagte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+Er wies bei diesen Worten nach einer Art N&uuml;rnberger Spielzeug, das
+auf einem H&uuml;gel verloren war. Dieses Spielzeug mit seiner
+vielfarbigen Architektur glich dem Parlamenthaus zu London, wie die
+Kathedrale von Montreal der Peters-Kirche zu Rom. Doch nichtsdestoweniger
+war und blieb die in Sicht befindliche Stadt eben Ottawa.
+
+</P><P>
+
+Auch diese schien von dem Standpunkte der Beschauer aus schnell dem
+Horizonte zuzueilen und bildete bald nur einen etwas helleren Fleck auf
+der Erde.
+
+</P><P>
+
+Es mochte gegen zwei Uhr sein, als Robur wieder erschien. Sein
+Obersteuermann Tom Turner begleitete ihn. Er sagte zu diesem nur drei
+Worte. Letzter &uuml;bermittelte dieselben den beiden Gehilfen im Vorder-
+und im Hinterruff. Auf ein Zeichen ver&auml;nderte der Steuermann die
+Richtung des &bdquo;Albatros&ldquo;, so da&szlig; dieser um zwei Grade
+nach S&uuml;dwesten abwich. Gleichzeitig konnten Onkel Prudent und Phil
+Evans wahrnehmen, da&szlig; den Treibschrauben des Aeronefs eine
+gr&ouml;&szlig;ere Schnelligkeit verliehen wurde.
+
+</P><P>
+
+Diese Schnelligkeit h&auml;tte in Wirklichkeit noch verdoppelt werden
+k&ouml;nnen, und man h&auml;tte damit eine Maschine erhalten, welche alle
+Erdmaschinen weit hinter sich lassen mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Man urtheile selbst: Torpedoboote k&ouml;nnen zwanzig Knoten oder vierzig
+Kilometer in der Stunde zur&uuml;cklegen. Die schnellsten
+Eisenbahnz&uuml;ge bringen es wohl bis auf hundert; Schlittenboote auf
+den &uuml;bereisten Seen der Vereinigten Staaten bis auf
+hundertf&uuml;nfzehn; eine in der Werkstatt Patterson's erbaute Maschine
+mit Zahnr&auml;dern hat &uuml;ber den Erie-See hinweg
+hundertdrei&szlig;ig erreicht und eine andere Locomotive zwischen Trenton
+und Jersey gar hundertsiebenunddrei&szlig;ig Kilometer.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; aber konnte beim Maximum seiner
+Kraft&auml;u&szlig;erung mittelst seiner Treibschrauben sich zweihundert
+Kilometer in der Stunde, das hei&szlig;t fast f&uuml;nfzig Meter in der
+Secunde, fortbewegen.
+
+</P><P>
+
+Eine solche Schnelligkeit aber ist die des Orkans, der B&auml;ume
+entwurzelt, die jenes Windsto&szlig;es, der bei dem Sturm vom 21.
+September 1881 in Cahors hundertvierundneunzig Kilometer in der Stunde
+dahinraste. Es ist die mittlere Geschwindigkeit der Brieftaube, welche
+nur noch von der gew&ouml;hnlichen Schwalbe (mit siebenundsechzig Metern
+in der Secunde) und von der Mauerschwalbe (mit neunundachtzig Metern)
+&uuml;bertroffen wird.
+
+</P><P>
+
+Mit einem Worte, und wie Robur gesagt, der &bdquo;Albatros&ldquo;
+h&auml;tte bei Entwickelung der ganzen Kraft seiner Schrauben die Fahrt
+um die Erde binnen zweihundert Stunden, d.&nbsp;h. also in noch nicht
+acht Tagen zur&uuml;cklegen k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Ob die Erde jener Zeit schon 450.000 Kilometer Eisenstra&szlig;en
+besa&szlig;, d.&nbsp;h. eine L&auml;nge, welche elfmal den Aequator
+umspannt h&auml;tte &mdash; so blieb das doch f&uuml;r diese fliegende
+Maschine ohne Bedeutung. Stand ihr nicht das ganze gro&szlig;e Luftmeer
+offen?
+
+</P><P>
+
+Brauchen wir jetzt noch mehr hinzuzuf&uuml;gen? Jenes Ph&auml;nomen,
+dessen Erscheinung die ganze Alte und Neue Welt in Aufruhr versetzt
+hatte, war der Aeronef des Ingenieurs. Jene Trompete, welche die
+schmetternden Fanfaren in den L&uuml;ften ert&ouml;nen lie&szlig;, war
+die des Obersteuermanns Tom Turner. Die Flaggen, welche man auf den
+Hauptbauwerken Europas, Asiens und Amerikas aufgepflanzt gefunden hatte,
+war die Flagge Robur's des Siegers und seines &bdquo;Albatros&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Und wenn der Ingenieur bisher einige Vorsicht beobachtet hatte, um nicht
+erkannt zu werden, wenn er mit Vorliebe nur in der Nacht gefahren war,
+die er zuweilen durch jene elektrischen Lichtstr&ouml;me erhellte,
+w&auml;hrend er den Tag &uuml;ber jenseits der Wolken zu verschwinden
+trachtete, so schien er sein Geheimni&szlig; doch jetzt nicht mehr
+bewahren zu wollen. Denn als er nach Philadelphia gekommen war und sich
+in dem Sitzungssaale des Weldon-Instituts vorgestellt hatte, konnte er da
+etwas Anderes beabsichtigen, als die Bekanntgebung seiner wunderbaren
+Entdeckung, um selbst die Ungl&auml;ubigsten <TT>ipso facto</TT> zu
+&uuml;berzeugen?
+
+</P><P>
+
+Wir wissen, wie er hier aufgenommen wurde, und werden sehen, welche
+Repressalien er gegen&uuml;ber dem Vorsitzenden und dem
+Schriftf&uuml;hrer des bekannten Clubs zu ergreifen gedachte.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen hatte sich Robur den beiden M&auml;nnern gen&auml;hert. Diese
+stellten sich noch immer, als erstaunten sie nicht im geringsten
+&uuml;ber das, was sie vor sich sahen: offenbar setzte sich
+allm&auml;hlich unter diesen beiden angels&auml;chsischen Sch&auml;deln
+ein Starrsinn fest, der nur schwierig auszurotten sein w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+Robur seinerseits wollte sich auch nicht den Anschein geben, als fiele
+ihm das auf, und begann deshalb, als setze er nur ein Gespr&auml;ch fort,
+das doch schon seit zwei Stunden unterbrochen war:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sie haben sich ohne Zweifel damit befa&szlig;t, meine Herren, ob
+dieser f&uuml;r die Bewegung durch die Luft ausgezeichnete Apparat auch
+eine noch gr&ouml;&szlig;ere Geschwindigkeit annehmen k&ouml;nne. Er
+w&auml;re inde&szlig; nicht w&uuml;rdig, den Luftraum sozusagen besiegt
+zu haben, wenn er sich denselben nicht g&auml;nzlich unterw&uuml;rfig
+machen k&ouml;nnte. Ich bin darauf ausgegangen, die Luft als festen
+St&uuml;tz- und Angriffspunkt zu ben&uuml;tzen, und als solcher dient sie
+mir. Ich sah l&auml;ngst ein, da&szlig; man, um gegen den Wind
+anzuk&auml;mpfen, st&auml;rker sein m&uuml;sse, als dieser, und ich bin
+st&auml;rker. Ich bedarf keiner Segel, die mich ziehen, keiner Ruder oder
+R&auml;der, die mich treiben, keiner Schienen, um schneller und leichter
+fortzukommen &mdash; nur Luft ... nichts weiter! Luft, die mich ganz
+ebenso umgiebt, wie das Wasser jedes submarine Fahrzeug, und in der meine
+Propeller sich drehen, wie die Schrauben eines Dampfers. Das ist das
+ganze Geheimnis, wie ich das Problem der Aviation l&ouml;ste; da haben
+Sie, was weder ein Ballon, noch irgend ein Apparat, der leichter als die
+Luft ist, jemals leisten wird.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die beiden Collegen schwiegen still wie das Grab, ohne da&szlig; sich der
+Ingenieur dadurch aus der Fassung bringen lie&szlig;. Er begn&uuml;gte
+sich, verstohlen zu l&auml;cheln, und fuhr in folgenden Frages&auml;tzen
+fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sie fragen vielleicht, ob der &bdquo;Albatros&ldquo; mit dieser
+Kraft, die ihn horizontal treibt, auch eine gleich wirkungsvolle Kraft
+verbindet, um sich in verticaler Richtung zu bewegen, mit einem Worte, ob
+er, wenn es sich darum handelte, gro&szlig;e H&ouml;hen zu erreichen,
+werde noch mit einem Aerostaten wetteifern k&ouml;nnen? Nun, ich
+w&uuml;rde Ihnen nicht rathen, den <TT>Go a head</TT> mit ihm um den
+Preis k&auml;mpfen zu lassen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die beiden Collegen zuckten einfach mit den Achseln, das war vielleicht
+der wunde Punkt, an dem sie den Ingenieur fassen zu k&ouml;nnen glaubten.
+
+</P><P>
+
+Robur gab ein Zeichen. Die Treibschrauben standen sofort still, und
+nachdem der &bdquo;Albatros&ldquo; etwa noch eine Meile in gleicher
+Richtung dahin geschwebt war, blieb auch er unbeweglich.
+
+</P><P>
+
+Auf ein zweites Zeichen Robur's setzten sich die Auftriebsschrauben in
+Bewegung, und zwar mit einer Geschwindigkeit, welche man f&uuml;glich
+h&auml;tte mit den zu akustischen Experimenten ben&uuml;tzten Sirenen
+vergleichen k&ouml;nnen. Ihr frrr erhob sich in der Tonleiter um fast
+eine ganze Octave, w&auml;hrend dessen Intensit&auml;t wegen der jetzt
+d&uuml;nneren Luft abnahm, und der Apparat strebte lothrecht in die
+H&ouml;he, wie eine Lerche, welche ihre hellen T&ouml;ne durch die
+L&uuml;fte schmettert.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Herr! Bester Herr! ... rief Frycollin wiederholt, wenn nur nicht
+Alles in St&uuml;cke geht!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ein ver&auml;chtliches L&auml;cheln war Robur's ganze Antwort. Nach
+wenigen Minuten hatte der &bdquo;Albatros&ldquo; eine H&ouml;he von
+zweitausendsiebenhundert Metern erreicht, was den Gesichtskreis auf
+siebenzig Meilen ausdehnte &mdash; dann eine solche von viertausend
+Metern, was der bis auf vierhundertachtzig Millimeter herabsinkende
+Barometer anzeigte.
+
+</P><P>
+
+Nach dieser gelungenen Vorf&uuml;hrung sank der &bdquo;Albatros&ldquo;
+wieder herab. Die Verminderung des Drucks in den hohen Luftschichten
+bedingt bekanntlich eine starke Abnahme des Sauerstoffes in derselben und
+deshalb auch im Blute. Das ist die Ursache der ernsten Unf&auml;lle,
+welche schon Hunderten von Luftschiffern zugesto&szlig;en sind. Robur
+aber hielt es f&uuml;r nutzlos, sich einem solchem auszusetzen.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; gelangte also nach derjenigen H&ouml;he
+zur&uuml;ck, die er mit Vorliebe einzuhalten schien, und seine wieder in
+Th&auml;tigkeit gesetzten Treibschrauben f&uuml;hrten ihn jetzt mit
+vermehrter Geschwindigkeit nach S&uuml;dwesten hin.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jetzt, meine Herren, k&ouml;nnen Sie sich, wenn Sie nur darnach
+fragten, selbst Antwort geben.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Hiermit neigte er sich &uuml;ber die Reeling hinaus und blieb so in
+Betrachtung versunken stehen.
+
+</P><P>
+
+Als er den Kopf wieder erhob, waren der Vorsitzende und der
+Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Institut vor ihn hingetreten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ingenieur Robur, begann Onkel Prudent, der sich vergebens zu
+bemeistern suchte, das, was Sie zu glauben scheinen, haben wir uns
+keineswegs gefragt. Doch wollen wir Ihnen eine Frage stellen, auf welche
+wir jedenfalls Antwort erwarten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Reden Sie!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mit welchem Rechte haben Sie uns in Philadelphia, im
+Fairmont-Park &uuml;berfallen? Mit welchem Rechte uns in jene Zelle
+eingeschlossen? Mit welchem Rechte entf&uuml;hren Sie uns wider Willen an
+Bord dieser fliegenden Maschine?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und mit welchem Rechte, meine Herren Ballonisten, entgegnete
+Robur, mit welchem Rechte haben Sie mich beleidigt, verspottet; in Ihrem
+Club bedroht, und zwar in einer Weise, da&szlig; ich mich selbst wundere,
+lebend davon gekommen zu sein.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Fragen hei&szlig;t nicht antworten, erwiderte Phil Evans, und ich
+wiederhole Ihnen, mit welchem Rechte handelten Sie?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sie wollen das wissen?&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wenn es Ihnen gef&auml;llig ist.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nun wohl, mit dem Rechte des St&auml;rkeren!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist cynisch!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Aber es ist so.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wie lange, B&uuml;rger Ingenieur, fragte Onkel Prudent, dem
+nun die Geduld ausging, wie lange denken Sie, dieses Recht uns
+gegen&uuml;ber auszun&uuml;tzen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Aber, meine Herren, antwortete Robur ironisch, wie k&ouml;nnen
+Sie nur eine solche Frage stellen, da Sie nur den Blick zu senken
+brauchen, um ein Schauspiel zu genie&szlig;en, das in der Welt nicht
+seines Gleichen findet?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; spiegelte sich eben in der ungeheuren
+Fl&auml;che des Ontario-Sees, er war eben &uuml;ber das von Cooper so
+hoch poetisch besungene Land gekommen, dann folgte er der S&uuml;dgrenze
+dieses weiten Wasserbeckens und wandte sich dem ber&uuml;hmten Flusse zu,
+der ihm die Gew&auml;sser des Erie-Sees, aber zerst&auml;ubt im seinen
+Katarakten, zuf&uuml;hrt.
+
+</P><P>
+
+Einen Augenblick lang drang ein wahrhaft majest&auml;tisches
+Ger&auml;usch, gleich dem Rollen des Sturmes, bis zu ihm hinauf, und als
+ob sich ein feuchter Dunst in den L&uuml;ften verbreitete, wurde die
+Temperatur merklich k&uuml;hler.
+
+</P><P>
+
+Tief unten donnerten die ungeheuren Wassermassen in Hufeisenbogen
+hinunter. Man glaubte wohl einen gewaltigen Strom von Krystall vor sich
+zu sehen, den tausend, durch Refraction aus der Zerlegung des
+Sonnenlichtes entstandene Regenbogen umgl&auml;nzten. Es war ein wirklich
+erhebender Anblick.
+
+</P><P>
+
+Vor diesen F&auml;llen verband eine, gleich einem Faden ausgespannte
+schmale Br&uuml;cke ein Ufer mit dem anderen. Etwas weiter unten &mdash;
+etwa drei Meilen entfernt war eine H&auml;ngebr&uuml;cke dar&uuml;ber
+geschlagen, &uuml;ber welche sich eben ein Bahnzug hinschl&auml;ngelte,
+der von dem canadischen Ufer nach dem amerikanischen zu dampfte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Niagaraf&auml;lle!&ldquo; rief Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+Und dieser Ausruf entfuhr ihm, w&auml;hrend Onkel Prudent sich die
+erdenklichste M&uuml;he gab, alle Wunder, die sich vor seinen Augen
+entrollten, scheinbar nicht zu beachten.
+
+</P><P>
+
+Eine Minute sp&auml;ter hatte der &bdquo;Albatros&ldquo; den Strom
+&uuml;berschritten, der die Vereinigten Staaten von der Colonie Canada
+scheidet, und er schwebte nun &uuml;ber den unendlich weiten Gebieten des
+n&ouml;rdlichen Amerika. </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap08" ID="kap08"></A>
+<H3>VIII.<BR>
+Worin man sehen wird, da&szlig; Robur sich entschlie&szlig;t, auf
+die ihm vorgelegte wichtige Frage zu antworten.
+</H3>
+
+
+
+<P>
+In einer der Cabinen des Ruffs auf dem Hinterdeck hatten Onkel Prudent
+und Phil Evans zwei vorz&uuml;gliche Lagerst&auml;tten, W&auml;sche, eine
+hinreichende Menge Kleidungsst&uuml;cke zum Wechseln, nebst M&auml;nteln
+und Reisedecken vorgefunden. Kein transatlantischer Dampfer h&auml;tte
+ihnen mehr Bequemlichkeiten bieten k&ouml;nnen. Wenn sie nicht in einem
+fort schliefen, so lag das nur in ihrer Absicht, oder es hielten sie
+mindestens sehr beunruhigende Gedanken davon zur&uuml;ck. In welch'
+unberechenbares Abenteuer waren sie hier gerathen? Was zu erleben und
+zwar wider ihren Willen zu erleben stand ihnen Alles noch bevor? Wie
+w&uuml;rde die ganze Geschichte ablaufen und was beabsichtigte eigentlich
+der Ingenieur Robur? &mdash; Das war gewi&szlig; genug Material,
+unausgesetzt ihre Gedanken zu erf&uuml;llen.
+
+</P><P>
+
+Der Diener Frycollin war auf dem Verdeck in einer mit der des Kochs vom
+&bdquo;Albatros&ldquo; zusammensto&szlig;enden Cabine untergebracht
+worden. Diese Nachbarschaft mi&szlig;fiel ihm keineswegs &mdash; er
+liebte es, sich mit den gro&szlig;en dieser Erde auf guten Fu&szlig; zu
+stellen. Doch wenn er endlich einschlief, so tr&auml;umte der arme Teufel
+nur vom Herabst&uuml;rzen durch die Luft, was seinen Schlummer zum
+fortw&auml;hrenden Alpdr&uuml;cken verunstaltete.
+
+</P><P>
+
+Und doch konnte es keine ruhigere Fahrt geben, als dieses Dahinschweben
+durch die Atmosph&auml;re, deren Str&ouml;mung sich am Sp&auml;tabend
+ganz gelegt hatte. Au&szlig;er dem Schwirren der Schraubenfl&uuml;gel
+drang kein Ger&auml;usch nach dieser H&ouml;he, h&ouml;chstens zuweilen
+der schrille Pfiff einer irdischen Locomotive, die auf ihrer
+Eisenstra&szlig;e dahinrollte, oder kaum vernehmbare Laute von
+Hausthieren. &mdash; Ein eigenth&uuml;mlicher Instinct schien diesen
+Erdengesch&ouml;pfen zu verrathen, da&szlig; die Flugmaschine &uuml;ber
+ihnen hinglitt, und das veranla&szlig;te sie, einen Angstschrei von sich
+zu geben.
+
+</P><P>
+
+Am folgenden Tage, am 14. Juni, lustwandelten Onkel Prudent und Phil
+Evans schon fr&uuml;h f&uuml;nf Uhr auf dem Verdeck des
+&bdquo;Albatros&ldquo;. Eine Ver&auml;nderung gegen den Vortag zeigte
+sich nicht, der Ausguck stand am vorderen, der Steuermann am hinteren
+Theile desselben. Wozu diente aber hier ein Wachtposten? F&uuml;rchtete
+man auch mit der ersten Maschine dieser Art einen etwaigen
+Zusammensto&szlig;? Nein, das gewi&szlig; nicht. Robur hatte ja noch
+keine Nachahmer gefunden. Die M&ouml;glichkeit, einem in den L&uuml;ften
+schwebenden Aerostaten zu begegnen, war eine so geringe, da&szlig; sie
+f&uuml;glich au&szlig;er Rechnung gelassen werden konnte. Jedenfalls
+w&auml;re der Aerostat am schlimmsten daran gewesen &mdash; wie bei einem
+Zusammensto&szlig; des eisernen Topfes mit dem irdenen. Der
+&bdquo;Albatros&ldquo; hatte von einer solchen Collision ja so gut wie
+nichts zu f&uuml;rchten.
+
+</P><P>
+
+Doch konnte eine solche &uuml;berhaupt vorkommen? Ja. Es war ja nicht
+ausgeschlossen, da&szlig; der Aeronef unversehens auf eine K&uuml;ste
+zusteuerte, wie ein Schiff, wenn ein Berg, den es eben nicht umsegeln
+kann, ihm den Weg versperrte. Ein solcher Berg w&auml;re also eine Klippe
+in der Luft, und diese galt es zu vermeiden, wie das Schiff die Klippe
+des Meeres zu meiden hat.
+
+</P><P>
+
+Wohl hatte der Ingenieur, ganz wie ein Capit&auml;n die Fahrtrichtung
+angegeben unter Ber&uuml;cksichtigung der nothwendigen H&ouml;he, in der
+sich der Apparat halten mu&szlig;te, um auch die h&ouml;chsten Berggipfel
+der betreffenden Gegenden zu &uuml;bersegeln. Da der Aeronef sich aber
+eben im stark gebirgigem Lande befand, war es gewi&szlig; nur ein Gebot
+der Klugheit, sorgsam Ausguck zu halten, wenn er einmal aus irgend einem
+Grunde vom richtigen Laufe abwich.
+
+</P><P>
+
+Bei Betrachtung der unter ihnen liegenden Gegend bemerkten Onkel Prudent
+und Phil Evans einen gro&szlig;en Binnensee, dessen nach S&uuml;den
+gelegene Spitze der &bdquo;Albatros&ldquo; bald erreichen mu&szlig;te.
+Sie schlossen daraus, da&szlig; sie w&auml;hrend der Nacht &uuml;ber den
+Erie-See in seiner ganzen L&auml;nge weggekommen w&auml;ren. Da der
+Aeronef nun direct nach Westen steuerte, so mu&szlig;ten sie sp&auml;ter
+den &auml;u&szlig;ersten Theil des Michigan-Sees erreichen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Hier ist kein Zweifel m&ouml;glich, sagte Phil Evans, jenes Meer
+von D&auml;chern am Horizonte ist Chicago!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Er t&auml;uschte sich nicht, das war die genannte Stadt, in der siebzehn
+Eisenbahnlinien zusammenlaufen, die K&ouml;nigin des Westens, das
+ungeheure Magazin, in dem die Erzeugnisse von Indiana, Ohio, Wisconsin,
+Missouri und &uuml;berhaupt die aus allen Provinzen zusammenstr&ouml;men,
+welche den westlichen Theil der Union bilden.
+
+</P><P>
+
+Bewaffnet mit einem vortrefflichen Marinefernrohr, das er in seinem Ruff
+gefunden, erkannte Onkel Prudent leicht die Hauptgeb&auml;ude jener
+Stadt. Sein College konnte ihm die Kirchen, die &ouml;ffentlichen Bauten,
+die zahlreichen Elevatoren, ebenso wie das gewaltige H&ocirc;tel Sheeman
+zeigen, das einem gro&szlig;en W&uuml;rfel, wie man solche zum Spielen
+gebraucht, glich, an dem freilich die Fenster als hundertfache Augen auf
+jeder Seite erschienen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da das Chicago ist, bemerkte Onkel Prudent, so ist damit bewiesen,
+da&szlig; wir etwas gar zu weit nach Westen entf&uuml;hrt worden sind,
+als es w&uuml;nschenswert w&auml;re, um nach unserem Abfahrtspunkt
+zur&uuml;ckzukehren.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; entfernte sich in der That in gerader Linie
+von der Hauptstadt Pennsylvaniens.
+
+</P><P>
+
+H&auml;tte Onkel Prudent aber Robur auch darum angehen wollen, sie nun
+nach Osten zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, so w&auml;re das jetzt wenigstens
+unm&ouml;glich gewesen. Gerade an diesem Morgen schien der Ingenieur gar
+keine Eile zu haben, seine Cabine zu verlassen, mochte er darin nun mit
+irgend welchen Arbeiten besch&auml;ftigt sein oder vielleicht nur noch
+schlafen. Die beiden Collegen mu&szlig;ten also fr&uuml;hst&uuml;cken,
+ohne ihn gesehen zu haben.
+
+</P><P>
+
+Die Fahrgeschwindigkeit war seit dem vorigen Tage nicht ver&auml;ndert.
+Bei der Richtung des eben wendenden Windes wurde dieselbe nicht
+l&auml;stig, und da der Thermometer sich nur um einen Grad bei der
+Erhebung um hundertsiebenzig Meter senkte, so war auch die Temperatur
+eine ertr&auml;gliche. In Erwartung des Ingenieurs gingen Onkel Prudent
+und Phil Evans nachdenklich hin und her unter der Takelage der Schrauben
+&mdash; wenn der Ausdruck erlaubt ist &mdash; welche immerhin eine so
+schnelle Drehbewegung einhielten, da&szlig; die Strahlen ihrer
+Fl&uuml;gel zu einer halbdurchscheinenden Scheibe verschmolzen.
+
+</P><P>
+
+In weniger als zwei Stunden kamen sie auf diese Weise l&auml;ngs seiner
+Nordgrenze &uuml;ber den Staat Illinois hinweg, und dabei &uuml;ber den
+Vater der Gew&auml;sser, den Mississippi, dessen zweietagige Dampfer
+nicht gr&ouml;&szlig;er als gew&ouml;hnliche K&auml;hne erschienen. Dann
+wendete sich der &bdquo;Albatros&ldquo; nach Iova, nachdem Iova-City
+gegen elf Uhr Vormittags in Sicht gekommen war.
+
+</P><P>
+
+Einzelne H&uuml;gelketten, die &bdquo;Bluffs&ldquo;, schl&auml;ngelten
+sich von S&uuml;den nach dem Nordwesten durch dieses Gebiet. Ihre
+m&auml;&szlig;ige H&ouml;he machte keine besondere Aufsteigung des
+Aeronefs n&ouml;thig. Diese Bluffs mu&szlig;ten auch bald noch niedriger
+werden, um nachher den weiten Ebenen von Iova Platz zu machen, welche
+sich &uuml;ber dessen ganzen n&ouml;rdlichen Theil, wie &uuml;ber
+Nebraska ausdehnen &mdash; ungeheure Prairien, welche bis zum Fu&szlig;
+der Felsengebirge heranreichen. Da und dort gl&auml;nzten zahlreiche
+Rios, Zufl&uuml;sse und Nebenfl&uuml;sse des Missouri. An ihren Ufern
+lagen St&auml;dte und D&ouml;rfer, welche jedoch immer seltener wurden,
+je nachdem der &bdquo;Albatros&ldquo; schneller nach dem Far-West
+&uuml;ber sie hinwegglitt.
+
+</P><P>
+
+Im Laufe des Tages ereignete sich nichts Besonderes. Onkel Prudent und
+Phil Evans blieben sich g&auml;nzlich selbst &uuml;berlassen. Kaum
+bemerkten sie einmal Frycollin, der auf dem Verdeck ausgestreckt lag und
+die Augen geschlossen hielt, um lieber gar nichts zu sehen. Uebrigens
+litt er nicht etwa an Schwindelzuf&auml;llen, wie man h&auml;tte glauben
+k&ouml;nnen. Wegen Mangels an Vergleichsobjecten h&auml;tte sich dieser
+Schwindel &uuml;berhaupt nicht in derselben Weise &auml;u&szlig;ern
+k&ouml;nnen, wie etwa auf dem Dache eines hohen Geb&auml;udes; der
+Abgrund verliert seine Anziehungskraft, wenn man in der Gondel eines
+Ballons oder auf dem Deck eines Aeronefs &uuml;ber ihm schwebt, oder
+vielmehr unter dem Aeronauten g&auml;hnt gar kein Abgrund, sondern der
+Horizont allein erhebt sich an allen Seiten und umringt denselben.
+
+</P><P>
+
+Um zwei Uhr glitt der &bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber Omaha an der
+Grenze von Nebraska hin, &uuml;ber Omaha-City, den wirklichen Kopf der
+Pacific-Bahn, jenes f&uuml;nfzehnhundert Lieues langen Schienenstranges,
+der New-York und San Francisco verbindet. Einen Augenblick lang sah man
+die gelblichen Fluthen des Missouri, nachher die Stadt mit ihren Holz-
+und Steinh&auml;usern, inmitten dieses reichen Beckens gelegen gleich dem
+Schlo&szlig; eines G&uuml;rtels, der Nordamerika in der Taille umspannt.
+
+</P><P>
+
+Zweifellos mu&szlig;ten, w&auml;hrend die Passagiere des Aeronefs alle
+diese Einzelheiten betrachteten, auch die Bewohner von Omaha den
+seltsamen Apparat wahrgenommen haben.
+
+</P><P>
+
+Ihr Erstaunen aber, denselben in den L&uuml;ften hinschweben zu sehen,
+konnte gewi&szlig; nicht gr&ouml;&szlig;er sein, als das des Vorsitzenden
+und des Schriftf&uuml;hrers des Weldon-Instituts, sich an Bord desselben
+zu befinden.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls lag hier eine Thatsache vor, welche durch die Journale der
+Union besprochen wurde; eben diese lieferte eine Erkl&auml;rung des
+Ph&auml;nomens, mit dem sich seit einiger Zeit die ganze Welt
+besch&auml;ftigte.
+
+</P><P>
+
+Eine Stunde sp&auml;ter war der &bdquo;Albatros&ldquo; schon &uuml;ber
+Omaha hinweg. Der &bdquo;Albatros&ldquo; steuerte jetzt constant nach
+Westen, indem er sich vom Platte-River entfernte, dessen Thal die
+Pacific-Railway durch die Prairie folgt. Den Onkel Prudent und Phil Evans
+konnte diese Wahrnehmung gerade nicht befriedigen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Die Sache wird ernsthaft mit diesem sinnlosen Project, uns zu den
+Antipoden zu bringen, sagte der Eine.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und noch dazu wider unseren Willen! bemerkte der Andere. O,
+dieser Robur soll sich nur in Acht nehmen, ich bin nicht der Mann dazu,
+mit mir spielen zu lassen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich auch nicht! versicherte Phil Evans. Doch, folgen Sie meinem
+Rathe, Onkel Prudent, versuchen Sie sich zu m&auml;&szlig;igen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mich m&auml;&szlig;igen!&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und bemeistern Sie Ihre Wuth bis zu dem Augenblick, wo es an der
+Zeit ist, sie ausbrechen zu lassen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Gegen f&uuml;nf Uhr und nach Ueberschreitung der mit Tannen und Cedern
+bedeckten schwarzen Berge flog der &bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber jenen
+Gebieten hin, die man mit Recht das &bdquo;schlimme Land&ldquo; genannt
+hat &mdash; ein Chaos von ockerfarbigen H&uuml;geln, gleichsam von
+Bergst&uuml;cken, welche der Sch&ouml;pfer hatte auf die Erde fallen
+lassen und die dabei in Tr&uuml;mmer gegangen waren. Von ferne gesehen,
+nahmen diese Bl&ouml;cke die phantastischesten Formen an. Da und dort
+inmitten dieser ungeheuren Ansammlung von Bruchst&uuml;cken erblickte man
+Ruinen von mittelalterlichen St&auml;dten mit Forts, Wartth&uuml;rmen,
+Laufgr&auml;ben und Schanzen. Heutzutage bildet dieses &bdquo;schlimme
+oder b&ouml;se Land&ldquo; aber nichts als ein gewaltiges Beinhaus, in
+dem die Reste von Pachydermen, Chelonien und der Sage nach sogar von
+fossilen Menschen bleichen, welche durch eine unbekannte Erdrevolution in
+grauer Vorzeit hierher geworfen wurden.
+
+</P><P>
+
+Mit einbrechendem Abend war schon das gro&szlig;e Becken des Platte-River
+&uuml;bersegelt. Jetzt dehnte sich vor dem &bdquo;Albatros&ldquo; eine
+weite Ebene bis zu dem, durch dessen hohen Standpunkt sehr erweiterten
+Horizonte aus.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend der Nacht waren es nicht mehr die scharfen Pfiffe der
+Locomotive oder die heulenden T&ouml;ne von Dampfbooten, welche die Ruhe
+des gestirnten Firmaments st&ouml;rten. Lang anhaltendes Grunzen und
+Bl&ouml;cken drang manchmal bis zu dem, &uuml;brigens jetzt der Erde
+n&auml;heren Aeronef hinauf. Dasselbe r&uuml;hrte von den Bisonheerden
+her, welche bei Aufsuchung von Wasserl&auml;ufen und Weideland durch die
+Prairie trotteten. Und wenn jene schwiegen, dann erzeugte das Rascheln
+des Grases unter ihren Hufen ein dumpfes Ger&auml;usch, &auml;hnlich dem
+Rauschen einer Ueberschwemmung, und sehr verschieden von dem Schwirren
+und Sausen der Schrauben.
+
+</P><P>
+
+Von Zeit zu Zeit lie&szlig; sich wohl auch das Heulen von W&ouml;lfen,
+das Gebell und Geschrei von F&uuml;chsen und Wildkatzen h&ouml;ren oder
+das scharfe Bellen von Coyots, jenes <TT>canis latrans</TT>, dessen Name
+sich schon durch die gellenden T&ouml;ne des Thieres rechtfertigt.
+
+</P><P>
+
+Daneben verbreitete sich ein durchdringender Duft von Minze, Salbei und
+Absinth, vermischt mit dem kr&auml;ftigen Harzgeruch von Coniferen, in
+der reinen Nachtluft.
+
+</P><P>
+
+Endlich h&ouml;rte man, um alle vom Erdboden kommenden Ger&auml;usche zu
+erw&auml;hnen, auch eine Art recht unheimlichen Bellens, das aber nicht
+von den Coyots herr&uuml;hrte; das war der Schrei einer Rothhaut, welchen
+kein Pionnier des fernen Westens mit dem Geschrei eines Raubthieres
+verwechseln k&ouml;nnte.
+
+</P><P>
+
+Am 15. Juni verlie&szlig; Phil Evans gegen f&uuml;nf Uhr Morgens seine
+Cabine. Vielleicht sollte er an diesem Tage den Ingenieur Robur endlich
+wiedersehen.
+
+</P><P>
+
+Begierig, zu erfahren, warum Jener sich am vergangenen Tage gar nicht
+gezeigt haben m&ouml;ge, wandte er sich an den Obersteuermann Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+Tom Turner, von englischer Herkunft und etwa f&uuml;nfundvierzig Jahre
+alt, breit in der Brust, untersetzt von Gestalt und mit Knochen von
+Eisen, hatte einen jener charakteristischen K&ouml;pfe &agrave; la
+Hogarth, wie sie dieser Maler der angels&auml;chsischen
+H&auml;&szlig;lichkeiten aus seinem Pinsel hervorgezaubert hat. Wer die
+Tafel IV von Harlots Progre&szlig; genauer betrachtet, der wird auf
+derselben den Kopf Tom Turner's auf den Schultern des
+Gef&auml;ngni&szlig;w&auml;rters wiederfinden und wird erkennen,
+da&szlig; dessen Physiognomie nicht eben viel Ermuthigendes hat.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Werden wir heute den Ingenieur Robur sehen? fragte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wei&szlig; nicht, antwortete Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich frage Sie nicht, ob er etwa weggegangen ist.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Vielleicht.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Auch nicht, wann er zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Vermutlich, wenn er mit seiner Cursbestimmung fertig ist.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Hiermit verschwand Tom Turner schon wieder in seinem Ruff.
+
+</P><P>
+
+Phil Evans mu&szlig;te sich wohl oder &uuml;bel mit dieser Antwort
+begn&uuml;gen, welche umso weniger beruhigend erschien, als eine
+fortgesetzte Beobachtung des Compasses ihm lehrte, da&szlig; der
+&bdquo;Albatros&ldquo; noch immer nach S&uuml;dwesten weiter steuerte.
+Welcher Unterschied aber zwischen dem seit der Nacht verlassenen Gebiete
+des schlimmen Landes und der Landschaft, die sich jetzt unten auf der
+Erde entrollte!
+
+</P><P>
+
+Nachdem der Aeronef tausend Kilometer von Omaha aus zur&uuml;ckgelegt,
+befand er sich &uuml;ber einer Gegend, welche Phil Evans aus dem Grunde
+nicht zu erkennen vermochte, weil er sie vorher noch niemals besucht
+hatte. Einige Forts, mit dem Zwecke, die Indianer im Schach zu halten,
+bekr&ouml;nten die Bluffs mit ihren geometrischen Linien, welche mehr aus
+Palissaden, als aus Mauerwerk bestanden; D&ouml;rfer gab es nur wenige
+und ebenso wenig Bewohner in diesem von dem goldf&uuml;hrenden, einige
+Grade s&uuml;dlicher liegenden Gebiete Colorados so auffallend
+verschiedenen Landstriche.
+
+</P><P>
+
+In der Ferne erhob sich, vorl&auml;ufig nur in verschwindenden Umrissen,
+eine Reihe von Bergk&auml;mmen, welche die aufsteigende Sonne mit feurig
+leuchtendem Kranze schm&uuml;ckte.
+
+</P><P>
+
+Das waren die Felsengebirge.
+
+</P><P>
+
+Zum ersten Male an diesem Morgen beobachteten Onkel Prudent und Phil
+Evans eine empfindliche K&auml;lte. Die Erniedrigung der Temperatur war
+aber nicht etwa einem Witterungsumschlage zuzuschreiben, denn die Sonne
+leuchtete fortw&auml;hrend in hellem Glanze.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das wird von der Erhebung des &bdquo;Albatros&ldquo; in der
+Atmosph&auml;re herkommen,&ldquo; meinte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+In der That war der an der &auml;u&szlig;eren Seite der Th&uuml;r des
+mittleren Ruffs angebrachte Barometer bis auf f&uuml;nfhundertvierzig
+Millimeter gesunken &mdash; was einer Erhebung von etwa dreitausend
+Metern entspricht. Der Aeronef hielt sich also in einer bedeutenden,
+&uuml;brigens durch die gebirgige Bodenbeschaffenheit bedingten
+H&ouml;he.
+
+</P><P>
+
+Eine Stunde vorher hatte er sogar eine H&ouml;he von viertausend Metern
+&uuml;bersteigen m&uuml;ssen, denn hinter ihm erhoben sich viele, mit
+ewigem Schnee bedeckte Bergh&auml;upter.
+
+</P><P>
+
+Weder Onkel Prudent noch sein Gef&auml;hrte konnten sich erinnern,
+welches Land das wohl w&auml;re. Im Laufe der Nacht hatte der
+&bdquo;Albatros&ldquo; ja einen anderen Weg nach Norden oder S&uuml;den
+einhalten k&ouml;nnen, und bei seiner &uuml;berm&auml;&szlig;igen
+Schnelligkeit gen&uuml;gte das, sie schon sehr weit zu verschlagen.
+
+</P><P>
+
+Nachdem sie verschiedene mehr oder weniger annehmbare Hypothesen
+besprochen, einigten sie sich dar&uuml;ber, da&szlig; das vorliegende,
+von einem kreisf&ouml;rmigen Bergwall umrahmte Gebiet dasselbe sein
+werde, welches durch Congre&szlig;acte vom M&auml;rz 1872 zum
+Nationalpark der Vereinigten Staaten erkl&auml;rt worden war.
+
+</P><P>
+
+Sie hatten hiermit Recht, und jenes Gebiet verdient vollst&auml;ndig den
+Namen eines Parks, aber eines solchen mit Bergen statt der H&uuml;gel,
+mit Seen statt der Teiche, mit Str&ouml;men statt der B&auml;che, mit
+tiefen W&auml;ldern statt k&uuml;nstlich angelegter Labyrinthe, und als
+Springbrunnen schm&uuml;ckten denselben wirkliche Geyser von
+erstaunlicher M&auml;chtigkeit.
+
+</P><P>
+
+Nach wenig Minuten glitt der &bdquo;Albatros&ldquo;, den Stevensonberg
+rechts liegen lassend, &uuml;ber den Yellowstone-Flu&szlig; hin und
+gelangte nach dem gro&szlig;en See, der den Namen jenes Flusses
+tr&auml;gt. Welch' reiche Abwechslung im Zuge der Ufer dieses
+Wasserbeckens, deren flachere, mit Obsidianen und kleinen Krystallen
+bes&auml;ete R&auml;nder die Sonnenstrahlen in unz&auml;hligen Facetten
+widerspiegelten! Wie launenhaft liegen die Inseln &uuml;ber seine
+Oberfl&auml;che zerstreut! Wie wunderbar blau wirft dieser Riesenspiegel
+die Farbe des Himmels zur&uuml;ck! Und rings um diesen See &mdash;
+&uuml;brigens einer der h&ouml;chstgelegenen der ganzen Erde &mdash;
+schwammen und flatterten ganze Wolken verschiedener V&ouml;gel, wie
+Pelikane, Schw&auml;ne, M&ouml;ven, G&auml;nse, Rothg&auml;nse und
+Taucherv&ouml;gel. Einige der Strecken des steiler abfallenden Uferlandes
+trugen ein immergr&uuml;nes Gewand von Fichten- und
+L&auml;rchenb&auml;umen, w&auml;hrend am Fu&szlig;e seiner
+B&ouml;schungen unz&auml;hlige wei&szlig;e Dampfquellen emporwirbelten.
+Dieser Dampf entsteigt dem Erdboden wie aus einem ungeheuren Kessel, in
+dem das Wasser durch das Feuer des Erdinneren in fortw&auml;hrendem
+Sieden erhalten wird.
+
+</P><P>
+
+F&uuml;r den Koch w&auml;re jetzt oder niemals eine g&uuml;nstige
+Gelegenheit gewesen, sich mit reichlichem Vorrathe von Forellen zu
+versorgen, welche Fischart die einzige ist, die der Yellow-See, aber auch
+zu Myriaden, ern&auml;hrt. Der &bdquo;Albatros&ldquo; hielt sich jedoch
+stets in einer solchen H&ouml;he, da&szlig; ein Fischzug, der
+unzweifelhaft von eintr&auml;glichem Erfolge gewesen w&auml;re, sich
+nicht h&auml;tte ausf&uuml;hren lassen.
+
+</P><P>
+
+Uebrigens wurde der See schon binnen dreiviertel Stunden und wenig
+sp&auml;ter das Gebiet der Geyser, die mit den sch&ouml;nsten in Island
+wetteifern, &uuml;berschritten. Ueber das Verdeck hinaus gebeugt,
+beobachteten Onkel Prudent und Phil Evans die fl&uuml;ssigen S&auml;ulen,
+die hoch aufstiegen, als sollten sie dem Aeronef noch ein neues
+Kraftelement zuf&uuml;hren. Es waren das &bdquo;der F&auml;cher&ldquo;,
+dessen D&auml;mpfe sich kreisf&ouml;rmig ausbreiten; &bdquo;das
+befestigte Schlo&szlig;&ldquo;, das sich gleichsam durch
+Trombensch&uuml;sse zu vertheidigen scheint; &bdquo;der alte Treue&ldquo;
+mit seiner von Regenbogen begrenzten Fl&uuml;ssigkeitss&auml;ule, und
+&bdquo;der Riese&ldquo;, durch den der innere Druck einen lothrechten
+Strom von f&uuml;nfundzwanzig Fu&szlig; Umfang auf mehr als zweihundert
+Fu&szlig; H&ouml;he emporschleudert.
+
+</P><P>
+
+Robur schien die Wunder dieses unvergleichlichen Schauspiels, das
+gewi&szlig; in der Welt einzig dasteht, schon zur Gen&uuml;ge zu kennen,
+denn er erschien nicht auf dem Verdeck.
+
+</P><P>
+
+Sollte er den Aeronef nur zum Vergn&uuml;gen seiner G&auml;ste &uuml;ber
+dieses National-Eigenthum hingef&uuml;hrt haben? Wenn diese Voraussetzung
+auch vielleicht zutraf, so entzog er sich doch ihren Dankesbezeugungen.
+Er lie&szlig; sich nicht einmal durch die k&uuml;hne Fahrt quer durch die
+Felsengebirge, welche der &bdquo;Albatros&ldquo; gegen sieben Uhr Morgens
+erreichte, aus seiner Ruhe st&ouml;ren.
+
+</P><P>
+
+Es ist bekannt, da&szlig; dieses orographische System sich gleich einem
+gewaltigen R&uuml;ckgrat von den Lenden Nordamerikas bis zu dessen Halse
+hin ausdehnt, indem es eine Fortsetzung der mexikanischen Anden bildet.
+Das Ganze erreicht eine L&auml;nge von dreitausendf&uuml;nfhundert
+Kilometern und hat seinen h&ouml;chsten Punkt im Pic-James, der bis fast
+zw&ouml;lftausend Fu&szlig; hoch aufragt.
+
+</P><P>
+
+Gewi&szlig; h&auml;tte der &bdquo;Albatros&ldquo; durch Vermehrung seiner
+Fl&uuml;gelschl&auml;ge, gleich einem im Aether dahineilenden Vogel, auch
+die h&ouml;chsten Gipfel dieser Ketten &uuml;berfliegen k&ouml;nnen, um
+dann wie mit Riesenschwingen nach Oregon und Utah hinabzusteigen. Dieses
+Man&ouml;ver war aber nicht einmal nothwendig, da es hier P&auml;sse
+giebt, um durch die Bergkette zu gelangen, ohne deren Kamm zu
+&uuml;bersteigen. Man findet verschiedene solcher
+&bdquo;Ca&ntilde;ons&ldquo;, eine Art mehr oder weniger enger Schluchten,
+durch welche man nur schwer gelangen kann &mdash; die einen, wie der
+Bridger-Pa&szlig;, dem auch die Pacific-Bahn folgt, um in das
+Mormonengebiet einzudringen, die anderen etwas weiter im Norden oder im
+S&uuml;den.
+
+</P><P>
+
+In einen dieser Ca&ntilde;ons lenkte der &bdquo;Albatros&ldquo; ein,
+nachdem er seine Geschwindigkeit vermindert hatte, um jedenfalls ein
+Ansto&szlig;en an die W&auml;nde der Schlucht zu vermeiden. Der
+Steuermann, dessen ungemein sichere Hand die vorz&uuml;gliche Wirksamkeit
+des Steuerruders in besonders helles Licht setzte, lenkte denselben, wie
+er es mit einem Boote ersten Ranges beim Wettfahren des Royal Thames Club
+gethan h&auml;tte. Es war in der That bewunderungsw&uuml;rdig anzusehen.
+Und trotz des Widerwillens, den die beiden Feinde des &bdquo;Schwerer,
+als die Luft&ldquo; noch immer empfanden, mu&szlig;ten sie doch
+entz&uuml;ckt sein &uuml;ber die Vollkommenheit dieser sich durch den
+Luftraum bewegenden Maschine.
+
+</P><P>
+
+Binnen weniger als zweiundeinerhalben Stunde wurde die gewaltige
+Bergkette durchfahren und der &bdquo;Albatros&ldquo; nahm seine
+gew&ouml;hnliche Geschwindigkeit von hundert Kilometer (in der Stunde)
+wieder an. Er steuerte jetzt auf's Neue dem S&uuml;dwesten zu, um nicht
+gar zu hoch &uuml;ber dem Erdboden das Gebiet von Utah schr&auml;g zu
+durchschneiden. Dabei war er bis auf wenige hundert Meter gesunken, als
+die T&ouml;ne einer Pfeife die Aufmerksamkeit des Onkel Prudent und Phil
+Evans' erregten.
+
+</P><P>
+
+Diese kamen von einem Zuge der Pacific-Bahn her, welcher der Stadt am
+gro&szlig;en Salzsee zudampfte.
+
+</P><P>
+
+In diesem Augenblick senkte sich auf geheimen Befehl der
+&bdquo;Albatros&ldquo; noch weiter, um dem mit voller Dampfkraft
+dahinfahrenden Zuge zu folgen. Er wurde sofort bemerkt. Einige K&ouml;pfe
+erschienen an den Th&uuml;ren der Waggons. Dann dr&auml;ngten sich bald
+zahlreiche Passagiere auf den kleinen Laufbr&uuml;cken, welche die
+amerikanischen &bdquo;Cars&ldquo; mit einander verbinden. Einzelne wagten
+es sogar, die Doppelwagen des Trains zu erklettern, um die Flugmaschine
+besser sehen zu k&ouml;nnen. Laute Hipps und Hurrahs dr&ouml;hnten durch
+die Luft, hatten aber nicht den Erfolg, Robur erscheinen zu lassen.
+
+</P><P>
+
+Das Spiel seiner Schrauben weiter verlangsamend, stieg der
+&bdquo;Albatros&ldquo; noch immer tiefer hinunter und verminderte auch
+seine horizontale Schnelligkeit, um den Bahnzug, den er bequem h&auml;tte
+&uuml;berholen k&ouml;nnen, nicht hinter sich zu lassen. So flog er
+&uuml;ber diesen hin, wie ein ungeheurer K&auml;fer, w&auml;hrend er doch
+h&auml;tte einem riesenhaften Raubvogel gleichen k&ouml;nnen. Jetzt
+schwenkte er wie spielend nach rechts und nach links ab, scho&szlig;
+einmal vorw&auml;rts und kehrte auf demselben Wege wieder zur&uuml;ck,
+auch hatte er stolz die schwarze Flagge mit der goldenen Sonne
+gehi&szlig;t, worauf der Zugf&uuml;hrer als Antwort das Banner mit den
+siebenunddrei&szlig;ig Sternen der amerikanischen Union schwenkte.
+
+</P><P>
+
+Vergeblich versuchten die beiden Gefangenen, die sich jetzt darbietende
+Gelegenheit zu ben&uuml;tzen, um Kunde davon zu geben, was aus ihnen
+geworden w&auml;re. Vergebens rief der Vorsitzende des Weldon-Instituts
+mit Stentorstimme:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich bin Onkel Prudent aus Philadelphia!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Und der Schriftf&uuml;hrer.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich bin Phil Evans, sein College!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ihre Rufe verhallten in den tausend Hurrahs, mit denen die Passagiere des
+Zugs die merkw&uuml;rdige Erscheinung des Luftschiffes
+begr&uuml;&szlig;ten.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen waren drei bis vier Mann vom Aeronef auf dem Verdeck desselben
+erschienen und Einer von ihnen lie&szlig; &mdash; wie es Seeleute zu thun
+pflegen, wenn sie ein langsamer fahrendes Schiff &uuml;berholen &mdash;
+nach dem Zuge ein St&uuml;ck Tau hinab &mdash; ein ironisches Angebot,
+ihn in's Schlepptau zu nehmen.
+
+</P><P>
+
+Dann nahm der &bdquo;Albatros&ldquo; sofort seinen gew&ouml;hnlichen Gang
+wieder an und nach einer halben Stunde hatte er jenen Expre&szlig;zug,
+dessen letzte Dampfw&ouml;lkchen bald aus dem Gesichtskreise
+verschwanden, schon weit hinter sich gelassen.
+
+</P><P>
+
+Gegen ein Uhr Mittags wurde eine sehr gro&szlig;e Scheibe sichtbar,
+welche die Sonnenstrahlen gleich einem ungeheuren Reflector
+zur&uuml;ckwarf.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das mu&szlig; die Hauptstadt der Mormonen, Salt-Lake-City,
+sein!&ldquo; sagte Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+In der That war es die gro&szlig;e Salzsee-Stadt und jene convexe Scheibe
+war das Dach des Tabernakels, das bequem zehntausend Heilige aufnehmen
+kann. Wie ein erhabener Spiegel zerstreute derselbe die Strahlen der
+Sonne nach allen Richtungen hin.
+
+</P><P>
+
+Hier dehnte sich die gro&szlig;e Stadt aus am Fu&szlig;e der
+Wasatsh-Berge, welche bis zur halben H&ouml;he mit Cedern und Fichten
+bedeckt sind, und am Ufer jenes Jordan, der die Gew&auml;sser von Utah in
+den gro&szlig;en Salzsee ergie&szlig;t. Unter dem Aeronef breitete sich
+das Damenbrett aus, welches die meisten amerikanischen St&auml;dte bilden
+&mdash; hier ein Damenbrett mit &bdquo;mehr Damen als Feldern&ldquo;, da
+die Polygamie bei den Mormonen in so hoher Bl&uuml;the steht. Die
+Landschaft im Umkreise zeigte sich jedoch gut bestellt und cultivirt,
+auch reich an Spinnfaserpflanzen, w&auml;hrend sich Schafheerden von mehr
+als tausend K&ouml;pfen vielfach umhertummelten.
+
+</P><P>
+
+Aber das Ganze verbla&szlig;te wie ein Schatten, und der
+&bdquo;Albatros&ldquo; flog jetzt nach S&uuml;dwest mit gesteigerter
+Geschwindigkeit, welche ziemlich f&uuml;hlbar wurde, weil sie die des
+Windes &uuml;bertraf.
+
+</P><P>
+
+Bald darauf schwebte der Aeronef &uuml;ber dem Staate Nevada und seinen
+silberf&uuml;hrenden Gebieten, die nur die Sierra von den
+goldf&uuml;hrenden L&auml;ndereien Kaliforniens trennt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wir k&ouml;nnen auf jeden Fall erwarten, San Francisco noch vor
+dem Abend zu sehen, sagte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und dann?...&ldquo; antwortete Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Es war jetzt um sechs Uhr Nachmittags, als die Sierra Nevada durch
+denselben Einschnitt von Truckie &uuml;berschritten wurde, der auch der
+Bahn als Bergpa&szlig; dient. Von hier aus hatte man nur noch dreihundert
+Kilometer zur&uuml;ckzulegen, um, wenn nicht San Francisco, so doch
+mindestens Sacramento, die Hauptstadt von Californien, zu erreichen.
+
+</P><P>
+
+Die dem &bdquo;Albatros&ldquo; jetzt verliehene Geschwindigkeit war eine
+so gro&szlig;e, da&szlig; noch vor acht Uhr die Kuppel des Capitols am
+westlichen Horizonte auftauchte, nur um bald wieder am entgegengesetzten
+zu verschwinden.
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt zeigte sich Robur auf dem Verdeck. Die beiden Collegen gingen
+auf ihn zu.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ingenieur Robur, begann Onkel Prudent, wir befinden uns nun an den
+Grenzen Amerikas. Wir meinen, dieser Scherz k&ouml;nnte nun sein Ende
+finden.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich scherze nie,&ldquo; antwortete Robur.
+
+</P><P>
+
+Er gab ein Zeichen; der &bdquo;Albatros&ldquo; senkte sich schnell
+abw&auml;rts, doch gleichzeitig nahm er eine solche Schnelligkeit an,
+da&szlig; sich Alle in die Ruffs fl&uuml;chten mu&szlig;ten.
+
+</P><P>
+
+Kaum hatte sich die Th&uuml;r der Cabine hinter den beiden Collegen
+geschlossen, als Onkel Prudent rief:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nur noch etwas mehr und ich erw&uuml;rge ihn!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir m&uuml;ssen versuchen, zu entfliehen, rieth Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja ... es koste, was es wolle!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Da klang ein langes Gemurmel bis zu ihnen herein.
+
+</P><P>
+
+Das war das Grollen des Meeres, das gegen die K&uuml;stenfelsen brandete.
+Es war der Pacifische Ocean.
+</P>
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap09" ID="kap09"></A>
+<H3>IX.<BR>
+In dem der &bdquo;Albatros&ldquo; fast zehntausend Kilometer
+zur&uuml;cklegt und das mit einem merkw&uuml;rdigen Sprunge endigt.
+</H3>
+
+
+<P>
+Onkel Prudent und Phil Evans waren fest entschlossen, zu fliehen.
+H&auml;tten sie es nur zu dreien mit den acht, allerdings sehr
+kr&auml;ftigen M&auml;nnern zu thun gehabt, welche die Besatzung des
+Aeronefs bildeten, so w&uuml;rden sie den Kampf vielleicht gewagt haben.
+Ein k&uuml;hner Handstreich h&auml;tte sie zu Herren an Bord gemacht und
+ihnen die M&ouml;glichkeit gegeben, an einem beliebigen Punkte der
+Vereinigten Staaten niederzugehen. Zu Zweien aber &mdash; denn Frycollin
+konnte ja nur als verschwindende Gr&ouml;&szlig;e gez&auml;hlt werden
+&mdash; war daran nicht wohl zu denken; da jede Gewaltanwendung also
+ausgeschlossen blieb, mu&szlig;ten sie, sobald der &bdquo;Albatros&ldquo;
+einmal zur Erde hinabging, zur List ihre Zuflucht nehmen. Das
+bem&uuml;hte sich auch Phil Evans seinem wuthschnaubenden Collegen
+beizubringen, da er von diesem immer noch eine gewaltth&auml;tige
+Uebereilung f&uuml;rchtete, welche ihre Lage nur verschlimmern konnte.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls war jetzt kein g&uuml;nstiger Augenblick. Der Aeronef glitt in
+schnellster Gangart eben &uuml;ber den Nordpacifischen Ocean hin. Schon
+am n&auml;chsten Morgen, dem des 16. Juni, sah man nichts von der
+K&uuml;ste, und da diese von der Insel Vancouver bis zur Gruppe der
+Al&euml;uten &mdash; das ist der fr&uuml;heren russischen Besitzung in
+Amerika, welche 1867 an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde &mdash;
+in einem gro&szlig;en Bogen verl&auml;uft, so hatte es den Anschein, als
+ob der &bdquo;Albatros&ldquo; letztere an dem vorspringendsten
+Bogentheile kreuzen sollte, wenigstens wenn die jetzt eingehaltene
+Fahrtrichtung nicht ver&auml;ndert wurde.
+
+</P><P>
+
+Wie lang erschienen die N&auml;chte jetzt den beiden Collegen! Sie
+beeilten sich auch jeden Morgen, ihre Cabine zu verlassen. Als sie heute
+nach dem Deck kamen, war der Horizont im Osten schon vollst&auml;ndig
+hell. Man n&auml;herte sich ja der Sommersonnenwende, dem l&auml;ngsten
+Tage auf der n&ouml;rdlichen Halbkugel, an dem es unter dem 60.
+Breitengrade eigentlich kaum Nacht wird.
+
+</P><P>
+
+Der Ingenieur Robur dagegen schien &mdash; ob aus Gewohnheit oder mit
+Absicht &mdash; keine besondere Eile zu haben, seinen Ruff zu verlassen;
+und als das heute endlich geschah, begn&uuml;gte er sich, seine beiden
+G&auml;ste zu begr&uuml;&szlig;en, als er auf dem Hintertheile des
+Aeronef ihren Weg kreuzte.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen hatte sich auch Frycollin mit vor Schlaflosigkeit
+ger&ouml;theten Augen, glanzlosem Blicke und schlotternden Beinen aus
+seiner Cabine gewagt. Er ging dahin wie Einer, dessen Fu&szlig; es
+empfindet, da&szlig; dem Boden darunter nicht recht zu trauen ist. Sein
+erster Blick richtete sich nach der Auftriebsmaschinerie, die, ohne sich
+zu beeilen, mit beruhigender Regelm&auml;&szlig;igkeit arbeitete.
+
+</P><P>
+
+Danach begab sich der immerfort schwankende Neger nach der Reeling und
+ergriff diese mit beiden H&auml;nden, um sich, mehr Gleichgewicht zu
+sichern. Offenbar w&uuml;nschte er einen Ueberblick &uuml;ber das Land zu
+gewinnen, das der &bdquo;Albatros&ldquo; jetzt in der H&ouml;he von
+h&ouml;chstens zweihundert Metern &uuml;berflog.
+
+</P><P>
+
+Frycollin hatte sich t&uuml;chtig zusammennehmen m&uuml;ssen, um einen
+solchen Versuch zu wagen. Es bedurfte ja, seiner Meinung nach, einer
+gewissen K&uuml;hnheit, seine werthe Person einer solchen Gefahr
+auszusetzen.
+
+</P><P>
+
+Vor der Reeling stehend, hielt Frycollin erst den K&ouml;rper nach
+r&uuml;ckw&auml;rts geneigt, dann sch&uuml;ttelte er an derselben, um
+ihre Haltbarkeit zu pr&uuml;fen; nachher richtete er sich auf, beugte
+sich etwas nach vorw&auml;rts und steckte endlich den Kopf ein wenig
+hinaus. Wir brauchen wohl nicht zu bemerken, da&szlig; er w&auml;hrend
+der Dauer dieses Experimentes beide Augen fest geschlossen hielt. Endlich
+&ouml;ffnete er dieselben.
+
+</P><P>
+
+Hei, wie schrie er da laut, wie flog er eiligst zur&uuml;ck und wie
+verkroch sich sein Kopf zwischen den Schultern!
+
+</P><P>
+
+Unter dem Abgrunde hatte er den ungeheuren Ocean erblickt. W&auml;ren
+seine Haare nicht gar zu krank gewesen, sie h&auml;tten sich gewi&szlig;
+&uuml;ber der Stirn gestr&auml;ubt.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das Meer! Das Meer!&nbsp;...&ldquo; schrie er auf.
+
+</P><P>
+
+Frycollin w&auml;re lang auf das Verdeck hingest&uuml;rzt, wenn der Koch
+nicht die Arme ausgebreitet h&auml;tte, ihn aufzufangen.
+
+</P><P>
+
+Dieser Koch war ein Franzose, vielleicht ein Gascogner, obwohl er sich
+Fran&ccedil;ois Tapage nannte. Wenn er nicht Gascogner war, so
+mu&szlig;te er w&auml;hrend seiner Kindheit die Brisen der Garonne
+eingesaugt haben. Wie dieser Fran&ccedil;ois Tapage aber in die Dienste
+des Ingenieurs gekommen, durch welche Reihe von Zuf&auml;lligkeiten er
+unter die Mannschaft des &bdquo;Albatros&ldquo; gerathen war, das
+wu&szlig;te kein Mensch. Jedenfalls sprach dieser Schlaukopf englisch
+trotz jedem Yankee.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Heda, aufrecht, zum Teufel, herauf! rief er, den Neger mit
+kr&auml;ftigem Handgriffe aufrichtend.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Master Tapage! ... antwortete der arme Teufel, einen
+verzweiflungsvollen Blick nach den Schrauben werfend.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Was willst Du denn, Frycollin?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Geht das manchmal entzwei?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Manchmal nicht, aber es wird einmal entzwei gehen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Warum? ... Warum denn?&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Weil zuletzt Alles einmal zum Kuckuk geht, wie man bei mir zu
+Hause sagt.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, aber da ist ja das Meer darunter?&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Im Fall eines Sturzes ist das viel besser.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Doch da mu&szlig; man ertrinken!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Man ertrinkt freilich, aber man beh&auml;lt seine Knochen&ldquo;,
+erwiderte Fran&ccedil;ois Tapage zuversichtlich.
+
+</P><P>
+
+Wie eine Schlange dahinkriechend, war Frycollin gleich darauf tief hinein
+in seine Cabine geschlichen.
+
+</P><P>
+
+Im Laufe des 16. Juni hielt der Aeronef nur eine mittlere Geschwindigkeit
+ein. Er schien an der Oberfl&auml;che dieses so ruhigen Meeres, das im
+vollen Sonnenschein gl&auml;nzte, fast hinzustreichen, da er sich kaum
+hundert Fu&szlig; &uuml;ber demselben hielt. Heute nun waren Onkel
+Prudent und sein Gef&auml;hrte in ihrer Cabine zur&uuml;ckgeblieben, um
+Robur nicht zu begegnen, der rauchend, bald allein, bald mit seinem
+Obersteuermann Tom Turner, auf dem Deck umherging. Nur die halbe Anzahl
+Schrauben war in Th&auml;tigkeit, doch gen&uuml;gte schon, den Apparat in
+den niedrigeren Zonen der Atmosph&auml;re zu erhalten.
+
+</P><P>
+
+Unter diesen Verh&auml;ltnissen h&auml;tte die Mannschaft au&szlig;er dem
+Vergn&uuml;gen eines Fischzugs sich noch die Befriedigung bereiten
+k&ouml;nnen, in ihren gewohnten Speisezettel eine Abwechslung zu bringen,
+wenn das Wasser des Stillen Oceans fischreich genug w&auml;re. Auf dessen
+Oberfl&auml;che zeigten sich aber nur einzelne Walfische, von der Art mit
+gelbem Bauche, welche gegen f&uuml;nfundzwanzig Meter in der L&auml;nge
+mi&szlig;t. Gerade diese kennt man als die furchtbarsten Cetaceer der
+n&ouml;rdlichen Meere. Die Fischer von Beruf h&uuml;ten sich weislich,
+dieselben anzugreifen, so gef&auml;hrlich k&ouml;nnen die Thiere werden.
+
+</P><P>
+
+Immerhin konnte man wohl die Harpunirung eines jener Walfische entweder
+mit der Flechter'schen Rakete oder mit der Wurfbombe versuchen, und von
+beiden hatte man eine Auswahl an Bord.
+
+</P><P>
+
+Wozu aber diese unn&uuml;tze Schl&auml;chterei? Wahrscheinlich wollte
+Robur nur den beiden Mitgliedern des Weldon-Instituts zeigen, wozu er
+seinen Aeronef Alles verwenden k&ouml;nne, und deshalb sollte auf einen
+der gewaltigen Cetaceer Jagd gemacht werden.
+
+</P><P>
+
+Auf den Ruf: &bdquo;Walfische! Walfische!&ldquo; eilten Onkel Prudent und
+Phil Evans aus ihren Cabinen. Vielleicht war ein Schiff, ein sogenannter
+Walfischfahrer, in Sicht. In diesem Falle w&auml;ren Beide, um ihrem
+Gef&auml;ngnisse zu entfliehen, entschlossen gewesen, sich in's Meer zu
+st&uuml;rzen, auf die schwache Hoffnung hin, von einem Fahrzeug
+aufgenommen zu werden.
+
+</P><P>
+
+Schon stand die ganze Mannschaft des &bdquo;Albatros&ldquo; geordnet und
+jedes Befehls gew&auml;rtig auf dem Verdeck und wartete.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wir wollen's also versuchen, Master Robur? fragte der
+Obersteuermann Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, Tom,&ldquo; antwortete der Ingenieur.
+
+</P><P>
+
+In den Ruffs f&uuml;r die Maschinerie standen der Mechaniker und seine
+Gehilfen auf Posten, um jedes Man&ouml;ver auszuf&uuml;hren, das ihnen
+durch Zeichen anbefohlen wurde. Der &bdquo;Albatros&ldquo; senkte sich
+sofort nach dem Meere zu und hielt etwa f&uuml;nfzig Fu&szlig;
+dar&uuml;ber an.
+
+</P><P>
+
+Wie die beiden Collegen sich &uuml;berzeugen konnten, war hier kein
+Schiff in Sicht, so wenig wie eine K&uuml;ste, welche sie h&auml;tten
+schwimmend erreichen k&ouml;nnen, vorausgesetzt, da&szlig; Robur sie
+nicht wieder ergreifen lie&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Mehrere Dunst- und Wasserstrahlen, welche sie durch die Nasenl&ouml;cher
+austrieben, verk&uuml;ndeten die Anwesenheit von Walfischen, welche, um
+zu athmen, einmal auf die Oberfl&auml;che kamen.
+
+</P><P>
+
+Tom Turner hatte sich, unterst&uuml;tzt von einem seiner Kameraden, am
+Vordertheil aufgestellt. Ihm nahe zur Hand lag eine jener Wurfbomben
+californischen Fabrikats, welche mit einer Art B&uuml;chse abgeschossen
+werden. Jene besteht aus einem Metallcylinder, der mit einer ebenso
+geformten Bombe endigt, welche in eine Stange mit widerhakigen Spitzen
+ausl&auml;uft. Von dem Vordercastell aus, das er eben bestieg, gab Robur
+mit der rechten Hand dem Mechaniker und mit der linken Hand dem
+Steuermann die n&ouml;thigen Zeichen, wie sie man&ouml;vriren sollten; so
+beherrschte er den Aeronef sowohl in wagrechter, wie in senkrechter
+Richtung.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ein Walfisch! ... Ein Walfisch!&ldquo; rief Tom Turner noch
+einmal.
+
+</P><P>
+
+Eben tauchte wirklich der R&uuml;cken eines solchen Cetaceers etwa vier
+Kabell&auml;ngen vor dem &bdquo;Albatros&ldquo; auf.
+
+</P><P>
+
+Der Aeronef st&uuml;rzte gleichsam auf ihn zu und hielt, als er sich kaum
+noch sechzig Fu&szlig; &uuml;ber dem Thiere befand, schnell an.
+
+</P><P>
+
+Tom Turner hatte seine, in einer an der Reeling befestigten Gabel
+liegende B&uuml;chse angeschlagen. Der Schu&szlig; krachte und das
+Gescho&szlig;, das eine lange, mit ihrem Ende am Verdeck angebundene
+Leine mit sich ri&szlig;, schlug in den K&ouml;rper des Walfisches ein.
+Die mit leicht entz&uuml;ndlichen Stoffen gef&uuml;llte Bombe explodirte
+und schleuderte dabei eine Art kleinere, zweiarmige Harpune, die sich in
+das Fleisch des Thieres einkrallte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Achtung!&ldquo; rief Tom Turner. Trotz ihrer herzlich schlechten
+Laune betrachteten Onkel Prudent und Phil Evans dieses Schauspiel doch
+mit aufrichtigem Interesse.
+
+</P><P>
+
+Der schwer verwundete Walfisch hatte das Meer mit dem Schwanze so
+furchtbar gepeitscht, da&szlig; das Wasser bis zum Vordertheil des
+Aeronefs hinaufspritzte; dann tauchte derselbe bis zu gro&szlig;er Tiefe
+hinab, w&auml;hrend man die Leine schnell nachgleiten lie&szlig;;
+letztere war &uuml;brigens in einem mit Wasser gef&uuml;llten Fasse
+zusammengelegt, um durch die Reibung nicht Feuer zu fangen. Als der
+Walfisch wieder an die Oberfl&auml;che kam, suchte er so schnell als
+m&ouml;glich in der Richtung nach Norden zu entfliehen.
+
+</P><P>
+
+Der Leser kann sich leicht vorstellen, mit welch' rasender Schnelligkeit
+der &bdquo;Albatros&ldquo; dabei geschleppt wurde, denn die
+Triebschrauben waren vorher angehalten worden. Man &uuml;berlie&szlig;
+das Thier ganz sich selbst und hielt sich nur im gleicher Linie mit ihm.
+Tom Turner stand bereit, die Leine zu kappen, wenn ein erneutes Tauchen
+dieses Schleppen gef&auml;hrlich machte.
+
+</P><P>
+
+So wurde der &bdquo;Albatros&ldquo; etwa eine halbe Stunde lang und
+vielleicht eine Entfernung von sechs Meilen weit hingezerrt; dann merkte
+man aber, da&szlig; der Cetaceer zu erlahmen anfing.
+
+</P><P>
+
+Jetzt lie&szlig;en die Hilfsmaschinisten das Triebwerk nach
+r&uuml;ckw&auml;rts arbeiten und die Triebschrauben setzten dem Walfisch,
+der sich dem Bord mehr und mehr n&auml;herte einen gewissen Widerstand
+entgegen.
+
+</P><P>
+
+Bald schwebte der Aeronef nur noch f&uuml;nfundzwanzig Fu&szlig;
+&uuml;ber demselben; noch immer peitschte sein Schweif das Wasser mit
+fast unglaublicher Gewalt, und wenn er sich vom Bauch auf den R&uuml;cken
+drehte, w&uuml;hlte das Thier eine wirkliche Brandung auf.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich richtete es sich, so zu sagen, gerade in die H&ouml;he und
+tauchte mit solcher Schnelligkeit unter, da&szlig; Tom Turner kaum Zeit
+hatte, ihm die Leine geh&ouml;rig nachschie&szlig;en zu lassen.
+
+</P><P>
+
+Mit einem Male wurde der Aeronef bis zur Wasserfl&auml;che herabgezerrt;
+an der Stelle, wo das Thier verschwunden war, hatte sich ein
+vollst&auml;ndiger Wirbel gebildet, und &uuml;ber die Reeling hinein
+schlug das Wasser, wie es &uuml;ber den Bug eines Schiffes geht, gegen
+Wind und Wellen l&auml;uft.
+
+</P><P>
+
+Gl&uuml;cklicher Weise trennte Tom Turner noch rechtzeitig mit einem
+Axthiebe die Leine, und der nun befreite &bdquo;Albatros&ldquo; stieg
+unter dem Drucke seiner Auftriebschrauben zweihundert Meter empor.
+
+</P><P>
+
+Auch w&auml;hrend dieses aufregenden Zwischenfalls hatte Robur den
+Apparat geleitet, ohne da&szlig; ihn seine Kaltbl&uuml;tigkeit nur einen
+Augenblick verlassen h&auml;tte.
+
+</P><P>
+
+Einige Minuten sp&auml;ter kam der Walfisch wieder an die Oberfl&auml;che
+&mdash; diesmal aber todt.
+
+</P><P>
+
+Von allen Seiten flatterten die Seev&ouml;gel herzu, um sich des Cadavers
+zu bem&auml;chtigen, und stie&szlig;en Schreie aus, welche einen sich
+zankenden Congre&szlig; taub gemacht h&auml;tten.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo;, der mit der todten Beute doch nichts beginnen
+konnte, setzte seinen Weg nach Westen fort.
+
+</P><P>
+
+Am folgenden Tage, am 17. Juni, Morgens um 6 Uhr, erstreckte sich am
+Horizonte Land hin. Es war die Halbinsel Alaska und die lange
+Klippenreihe der Al&euml;uten.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; zog &uuml;ber dieser Barri&egrave;re hin, an
+der es von Pelzseehunden wimmelte, welche die Al&euml;utier f&uuml;r
+Rechnung der russisch-amerikanischen Gesellschaft jagen. Der Fang dieser
+sechs bis sieben Fu&szlig; langen, fast rosenrothen und zwei-, drei- bis
+f&uuml;nfhundert Pfund wiegenden Amphibien ist f&uuml;r sie ein sehr
+gutes Gesch&auml;ft. Dieselben lagen hier in endloser Reihe wie in
+Schlachtordnung und in Abertausenden von Exemplaren.
+
+</P><P>
+
+Wenn sie sich durch das Vor&uuml;berkommen des &bdquo;Albatros&ldquo;
+nicht in ihrer phlegmatischen Ruhe st&ouml;ren lie&szlig;en, so war das
+nicht der Fall mit den Taucherv&ouml;geln, Polarenten und Eistauchern,
+deren heiseres Geschrei die Luft erf&uuml;llte und welche unter dem
+Wasser verschwanden, als ob ein entsetzliches Luftungeheuer sie bedrohte.
+
+</P><P>
+
+Die zweitausend Kilometer des Bering-Meeres von den ersten Al&euml;uten
+bis zur &auml;u&szlig;ersten Spitze von Kamtschatka wurden w&auml;hrend
+der vierundzwanzig Stunden dieses Tages und der folgenden Nacht
+zur&uuml;ckgelegt. Um ihren Fluchtplan in's Werk zu setzen, befanden sich
+Onkel Prudent und Phil Evans nicht gerade in g&uuml;nstigen
+Verh&auml;ltnissen, denn weder an dem &ouml;den Strande des
+n&ouml;rdlichsten Asiens, noch &uuml;ber dem Ochotskischen Meere
+h&auml;tten sie mit auch nur einiger Aussicht auf gl&uuml;cklichen Erfolg
+entweichen k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Allem Anscheine nach wandte sich der &bdquo;Albatros&ldquo; nach der
+Gegend von Japan oder China zu. Wenn es auch nicht sehr weise sein
+mochte, sich auf die Unterst&uuml;tzung von Chinesen oder Japanesen zu
+verlassen, waren die beiden Collegen doch fest entschlossen, zu fliehen,
+wenn der Aeronef an irgend einem Punkte dieser L&auml;nder anhalten
+sollte.
+
+</P><P>
+
+Doch w&uuml;rde er denn Halt machen? Es lag ja bei ihm nicht so, wie bei
+einem Vogel, der durch langen Flug endlich erm&uuml;det, oder wie bei
+einem Ballon, der wegen Gasmangel gen&ouml;thigt wird, einmal
+niederzugehen. Der Aeronef besa&szlig; noch f&uuml;r mehrere Wochen
+aushaltende Vorr&auml;te aller Art, und seine Organe von wunderbarer
+Solidit&auml;t straften jede Erwartung auf Schw&auml;che oder
+Tr&auml;gheit L&uuml;gen.
+
+</P><P>
+
+Nach scharfer Fahrt &uuml;ber die Halbinsel Kamtschatka, von der man kaum
+die Niederlassung von Petropaulowsk und den Vulcan von Klutschew sah, und
+nach der weiteren, &uuml;ber das Ochotskische Meer, nahezu in der
+H&ouml;he der Kurilen, welche darin einen von Hunderten von Can&auml;len
+unterbrochenen Damm bilden, erreichte der &bdquo;Albatros&ldquo; am 19.
+Juni die La&nbsp;P&eacute;rouse-Stra&szlig;e zwischen der Nordspitze von
+Japan und der Insel Sachalien an dem kleinen Einschnitt, in welchen sich
+der gro&szlig;e sibirische Strom, der Amur, ergie&szlig;t.
+
+</P><P>
+
+Nachher erhob sich ein dichter Nebel, den der Aeronef unter sich lassen
+wollte, wenn er auch nicht gezwungen war, denselben zu meiden, um weiter
+zu fahren, denn in der von ihm jetzt eingenommenen H&ouml;he hatte er
+kein Hinderni&szlig; zu f&uuml;rchten, weder h&ouml;here Bauwerke, an
+welche er h&auml;tte ansto&szlig;en k&ouml;nnen, noch Berge, an welchen
+er sich im Fluge zu zertr&uuml;mmern Gefahr gelaufen w&auml;re. Das Land
+war kaum wellenf&ouml;rmiger Natur. Die D&uuml;nste machten sich aber
+doch zu unangenehm f&uuml;hlbar, da sie Alles an Bord
+durchn&auml;&szlig;ten.
+
+</P><P>
+
+Es bedurfte ja nichts weiter, als sich &uuml;ber diese Nebelschicht,
+welche drei- bis vierhundert Meter stark sein mochte, zu erheben. Die
+Schrauben wurden also in schnelle Umdrehung versetzt, und oberhalb des
+Nebels fand der &bdquo;Albatros&ldquo; wieder den reinen, vom Sonnenlicht
+gebadeten Himmel.
+
+</P><P>
+
+Unter diesen Verh&auml;ltnissen h&auml;tten Onkel Prudent und Phil Evans
+M&uuml;he gehabt, ihren Fluchtversuch auszuf&uuml;hren, selbst wenn sie
+den Aeronef h&auml;tten verlassen k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+An diesem Tage blieb Robur, als er einmal an ihnen vor&uuml;berkam, wie
+zuf&auml;llig stehen und sagte, ohne &auml;u&szlig;erlich seinen Worten
+besondere Bedeutung beizulegen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Meine Herren, ein Segel- oder Dampfschiff, das in einen Nebel
+gerieth, dem es nicht entrinnen kann, ist immer sehr genirt, es
+f&auml;hrt nur unter fortw&auml;hrendem Pfeifen oder unter den T&ouml;nen
+des Nebelhorns weiter. Es mu&szlig; seine Fortbewegung verlangsamen und
+hat trotz aller Vorsicht jeden Augenblick eine Collision zu
+bef&uuml;rchten. Der &bdquo;Albatros&ldquo; kennt solche Sorgen nicht.
+Was k&uuml;mmern ihn die Nebel, da er sich ihnen entziehen kann? Ihm
+geh&ouml;rt das Luftmeer, die ganze weite Atmosph&auml;re!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Nach diesen Worten ging Robur ruhig weiter, ohne eine Antwort abzuwarten,
+die er auch gar nicht verlangte, und die blauen W&ouml;lkchen seiner
+Pfeife zerflossen im Azur.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Onkel Prudent, begann da Phil Evans, es scheint, als ob dieser
+merkw&uuml;rdige &bdquo;Albatros&ldquo; ganz und gar nichts zu
+f&uuml;rchten habe.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das werden wir noch sehen!&ldquo; antwortete der Vorsitzende des
+Weldon-Instituts.
+
+</P><P>
+
+Der Nebel hielt drei Tage lang, den 19., 20. und 21. Juni, mit
+beklagenswerther Z&auml;higkeit an. Man hatte hoch steigen m&uuml;ssen,
+um die japanesischen Gebirge von Fuji-Yama zu vermeiden. Als dieser
+Nebelvorhang aber zerrissen war, gewahrte man eine ungeheure Stadt mit
+Pal&auml;sten, Villen, Th&uuml;rmchen, G&auml;rten und Parks. Selbst ohne
+dieselben zu sehen, h&auml;tte Robur sie schon erkannt an dem Gebell der
+Tausende von Hunden, an dem Schreien der Raubv&ouml;gel und vor Allem an
+dem Leichengeruch, den die K&ouml;rper von Hingerichteten in weitem
+Umkreise verbreiteten.
+
+</P><P>
+
+Die beiden Collegen befanden sich auf dem Deck, als der Ingenieur eben
+das Besteck machte, f&uuml;r den Fall, da&szlig; er seine Fahrt wieder im
+Nebel fortzusetzen gezwungen w&auml;re.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Meine Herren, begann er, ich habe keinen Grund, Ihnen zu
+verheimlichen, da&szlig; diese Stadt Yeddo, die Hauptstadt von Japan
+ist.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent antwortete nicht. In Gegenwart des Ingenieurs keuchte er
+nur, als wenn es seinen seinen Lungen an Luft fehlte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Dieser Anblick Yeddos ist wirklich recht merkw&uuml;rdig.
+
+</P><P>
+
+&mdash; So merkw&uuml;rdig er auch sein mag ... versetzte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; So bleibt er doch hinter dem von Peking zur&uuml;ck, unterbrach
+ihn der Ingenieur. Das ist meine Meinung auch, &mdash; und Sie werden
+binnen Kurzem selbst dar&uuml;ber urtheilen k&ouml;nnen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Unm&ouml;glich h&auml;tte der Mann liebensw&uuml;rdiger sein k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo;, der bisher auf S&uuml;dost zuhielt,
+ver&auml;nderte jetzt seine Richtung um vier Compa&szlig;striche, um im
+Osten eine neue Route aufzusuchen.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend der Nacht zerstreute sich der Nebel, dagegen erschienen
+Anzeichen eines nicht weit entfernten Typhons, denn der Barometer fiel
+sehr rasch, alle Dunstmassen verschwanden, am fast kupferfarbenen Grunde
+des Himmels ballten sich gro&szlig;e elliptische Wolken zusammen und am
+entgegensetzten Horizont gl&uuml;hten lange, carminrothe Streifen, die
+sich vom schieferblauen Hintergrunde abhoben, im Norden aber war ein
+Theil des Himmels v&ouml;llig klar. Das Meer lag zwar still; sein Wasser
+nahm jedoch mit Sonnenuntergang eine dunkle Scharlachfarbe an.
+
+</P><P>
+
+Zum Gl&uuml;ck entfesselte sich dieser Typhon mehr im S&uuml;den und
+hatte hier keine weiteren Folgen, als da&szlig; er die seit drei Tagen
+angeh&auml;uften Nebelmassen zertheilte.
+
+</P><P>
+
+Binnen einer Stunde hatte man die zweihundert Kilometer der Meerenge von
+Korea und nachher die vorspringendste Spitze dieser Halbinsel
+&uuml;berschritten; w&auml;hrend der Typhon an den S&uuml;dostk&uuml;sten
+von China w&uuml;thete, wiegte sich der &bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber
+dem Gelben Meere, und w&auml;hrend des 22. und 23. &uuml;ber dem Golf von
+Petscheli; am 24. glitt er das Thal des Pei-Ho hinauf und gelangte
+endlich &uuml;ber die Hauptstadt des Himmlischen Reiches.
+
+</P><P>
+
+Ueber die Reling hinausgebeugt, konnten die beiden Collegen &mdash; wie
+es der Ingenieur vorausgesagt &mdash; sehr deutlich die ungeheure Stadt
+sehen, die Mauer, welche sie in zwei ungleiche H&auml;lften, die
+Mandschu- und die Chinesenstadt, theilt, ebenso wie die zw&ouml;lf sie
+umgebenden Vorst&auml;dte, die breiten, nach dem Mittelpunkte zu
+verlaufenden Alleestra&szlig;en, die Tempel, deren gelbe oder gr&uuml;ne
+D&auml;cher in der aufgehenden Sonne ergl&auml;nzten, die Parks, welche
+sich um die Pal&auml;ste der Mandarinen ausdehnen; ferner, inmitten der
+Mandschustadt, die sechshundertachtundsechzig Hektar (= 1/8 geogr.
+Quadratmeile) gro&szlig;e Gelbe Stadt mit ihren Pagoden, ihren
+kaiserlichen G&auml;rten, k&uuml;nstlichen Seen, dem die ganze Stadt
+&uuml;berragenden Kohlenberge, und endlich unterschieden sie in der Mitte
+der Gelben Stadt, gleich einer jener wunderbaren chinesischen in einander
+geschachtelten Arbeiten, die Rothe Stadt, d.&nbsp;i. den eigentlichen
+Kaiserpalast, mit allen Phantasien seiner fast unglaublichen Architektur.
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt ert&ouml;nte die Luft unter dem &bdquo;Albatros&ldquo; von
+einer seltsamen Harmonie; man h&auml;tte ein Concert von Aeolsharfen zu
+h&ouml;ren vermeint. In der Luft schwankten n&auml;mlich gegen hundert
+verschieden geformte Drachen aus Palmen- oder Pandanuspapier umher, deren
+oberen Theil eine Art leichten h&ouml;lzernen Bogens bildete, welcher
+durch ein ganz d&uuml;nnes Bambusst&auml;bchen gespannt erhalten wurde.
+Unter dem schwachen Windhauche erzeugten alle diese saitenartigen,
+verschiedene, denen einer Harmonika &auml;hnliche T&ouml;ne gebenden
+St&auml;bchen ein leises Gesumme von h&ouml;chst melancholischer Wirkung.
+Es machte den Eindruck, als ob man hier in der H&ouml;he &mdash;
+musikalischen Sauerstoff einathme.
+
+</P><P>
+
+Da fiel es Robur ein, sich diesem Luftorchester zu n&auml;hern, und
+langsam tauchte der &bdquo;Albatros&ldquo; in die t&ouml;nenden Wellen
+herab, welche die Drachen nach der Atmosph&auml;re entsandten.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich entstand in der fast zahllosen Bev&ouml;lkerung tief unten
+eine au&szlig;erordentliche Aufregung. Tamtamschl&auml;ge und andere
+entsetzliche Instrumente des chinesischen Orchesters erschallten,
+Flintensch&uuml;sse krachten und hundertfach h&auml;mmerten die Leute auf
+gro&szlig;en M&ouml;rsern herum, Alles in der Absicht, den Aeronef zu
+verjagen. Wenn die Sternkundigen des chinesischen Reiches an diesem Tage
+vielleicht erkannten, da&szlig; diese Flugmaschine die veranlassende
+Ursache zu so vielen Streitigkeiten der ganzen gelehrten Welt gewesen
+sein m&ouml;chte, so hielten die Millionen Chinesen vom niedrigsten Manne
+bis zum vielkn&ouml;pfigen Mandarin sie jedenfalls f&uuml;r ein
+apokalyptisches Ungeheuer, das am Himmel Buddhas erschien.
+
+</P><P>
+
+In dem unnahbaren &bdquo;Albatros&ldquo; k&uuml;mmerte sich
+nat&uuml;rlich Niemand um jene l&auml;rmenden Kundgebungen. Die
+Bindf&auml;den aber, welche die Drachen an kleinen in den kaiserlichen
+G&auml;rten eingerahmten Pf&auml;hlen festhielten, wurden entweder
+zerschnitten oder schnell eingezogen. Die leichten
+&bdquo;Spielzeuge&ldquo;, wie wir sagen w&uuml;rden, kamen dadurch, einen
+nur noch lauteren Ton gebend, entweder rasch zur Erde, oder sie fielen
+herab, gleich fl&uuml;gellahm geschossenen V&ouml;geln, deren Gesang mit
+dem letzten Athemzuge verstummt.
+
+</P><P>
+
+Da dr&ouml;hnte eine gewaltige Fanfare aus der Trompete Tom Turner's
+&uuml;ber der Hauptstadt und &uuml;bert&auml;ubte die letzten Kl&auml;nge
+jenes Lufttonwerks, doch das machte dem Gewehrfeuer unten kein Ende. Als
+aber eine Sprengkugel nur einige zwanzig Fu&szlig; vom Verdeck des
+&bdquo;Albatros&ldquo; platzte, stieg dieser nach den unerreichbaren
+Zonen des Himmels empor.
+
+</P><P>
+
+Im Laufe der n&auml;chstfolgenden Tage ereignete sich kein Zwischenfall,
+den sich die Gefangenen h&auml;tten zu nutze machen k&ouml;nnen. Die
+Richtung des Aeronefs blieb unab&auml;nderlich eine s&uuml;dwestliche,
+was darauf hindeutete, da&szlig; er sich Hindostan n&auml;hern sollte.
+Uebrigens bemerkte man, da&szlig; der fortw&auml;hrend h&ouml;her
+aufsteigende Erdboden den &bdquo;Albatros&ldquo; n&ouml;thigte, sich nach
+den Linien seines Profils zu richten. Etwa zehn Stunden nach der
+Weiterfahrt von Peking konnten Onkel Prudent und Phil Evans an der Grenze
+von Chen-Si einen Theil der Gro&szlig;en Mauer erkennen. Dann kamen sie,
+unter Umgehung der Bung-Berge, &uuml;ber und durch das Thal von Wany-Ho
+und &uuml;berschritten die Grenze des chinesischen Kaiserreichs, da, wo
+diese mit Tibet zusammenst&ouml;&szlig;t.
+
+</P><P>
+
+Tibet bildet eine vegetationslose Hochebene, da und dort mit
+schneebedeckten Gipfeln, trockenen Schluchten oder von Gletschern
+gen&auml;hrten Bergstr&ouml;men, mit Abgr&uuml;nden, aus welchen
+m&auml;chtige Salzlager heraufschimmern, und mit vielen, von
+gr&uuml;nenden Forsten eingerahmten Seebecken.
+
+</P><P>
+
+Das auf 450 Millimeter gesunkene Wetterglas zeigte jetzt eine H&ouml;he
+von viertausend Metern &uuml;ber dem Meere an. In dieser H&ouml;he
+&uuml;berschritt die Temperatur, obgleich man sich jetzt in den
+w&auml;rmsten Monaten der n&ouml;rdlichen Halbkugel befand, nicht den
+Gefrierpunkt. Diese starke Abk&uuml;hlung im Verein mit der Schnelligkeit
+des &bdquo;Albatros&ldquo; machte die Situation fast unertr&auml;glich,
+und obwohl die beiden Collegen warme Reisedecken zur Verf&uuml;gung
+hatten, zogen sie es doch vor, in ihre Ruffs zur&uuml;ckzukehren.
+
+</P><P>
+
+Selbstverst&auml;ndlich mu&szlig;te den Auftriebsschrauben eine
+au&szlig;erordentliche Schnelligkeit ertheilt werden, um den Aeronef in
+der hier schon recht verd&uuml;nnten Luft zu erhalten. Diese arbeiteten
+jedoch in vorz&uuml;glichstem Zusammenwirken, und es schien, als ob die
+Insassen des Apparats durch das Schwirren ihrer Fl&uuml;gel gewiegt
+w&uuml;rden.
+
+</P><P>
+
+An diesem Tage sah Garlok, eine Stadt des n&ouml;rdlichen Tibet und der
+Hauptort der Provinz Gavi-Khorsum, den &bdquo;Albatros&ldquo; etwa in der
+Gr&ouml;&szlig;e einer Brieftaube vor&uuml;berschweben.
+
+</P><P>
+
+Am 27. Juni bemerkten Onkel Prudent und Phil Evans einen gewaltigen Damm
+mit verschiedenen, in ewigem Schnee verlorenen Spitzen, der den Horizont
+begrenzte.
+
+</P><P>
+
+jAn das Ruff auf dem Vordertheil gelehnt, um dem Luftdruck bei der
+so schnellen Fortbewegung widerstehen zu k&ouml;nnen, sahen Beide die
+colossalen Bergmassen, welche dem Aeronef vorauszulaufen schienen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jedenfalls der Himalaya, sagte Phil Evans, wahrscheinlich wird
+Robur nur den unteren Theil desselben umkreisen, ohne nach Indien
+einzudringen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Desto schlimmer, antwortete Onkel Prudent, auf diesem ungeheuren
+Gebiete h&auml;tten wir vielleicht Gelegenheit&nbsp;&mdash;
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wenigstens, wenn er um die Bergkette nicht &uuml;ber Birma im
+Osten oder &uuml;ber Nepal im Westen f&auml;hrt.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich m&ouml;chte darauf wetten, da&szlig; er &uuml;ber dieselben
+gehen wird.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Jedenfalls!&ldquo; lie&szlig; sich da eine Stimme vernehmen.
+
+</P><P>
+
+Am folgenden Tage, am 28. Juni, befand sich der &bdquo;Albatros&ldquo;
+&uuml;ber der Provinz Zyang gegen&uuml;ber jenen gewaltigen Bergmassen.
+An der anderen Seite des Himalaya lag das Gebiet von Nepal.
+
+</P><P>
+
+Wenn man von Norden kommt, schneiden nacheinander drei Gebirgsketten den
+Weg nach Indien. Die beiden n&ouml;rdlichen, zwischen denen der
+&bdquo;Albatros&ldquo; wie ein Schiff zwischen ungeheuren Klippen
+dahinglitt, sind die ersten Stufen des Grenzwalles im S&uuml;den von
+Central-Asien. Der Kuen-L&uuml;n, und nach diesem der Karakorum
+bezeichnen zuerst dieses l&auml;ngliche und mit dem Himalaya parallel
+verlaufende Thal, ungef&auml;hr in jener H&ouml;henlage, in welcher sich
+die Stromgebiete des Indus im Westen und des Brahmaputra im Osten
+abgabeln.
+
+</P><P>
+
+Welch' wunderbares orographisches System! Hier ragen &uuml;ber
+zweihundert schon gemessene Gipfel auf, von denen siebzehn
+f&uuml;nfundzwanzigtausend Fu&szlig; &uuml;bersteigen! Vor dem
+&bdquo;Albatros&ldquo; erhob sich der Mount Everest auf
+achttausendachthundertvierzig Meter H&ouml;he; ihm zur Rechten der
+Dawalaghiri, achttausendzweihundert Meter hoch; zur Linken der
+Kinahanjunga, achttausendf&uuml;nfhundertzweiundneunzig Meter, der also
+seit den letzten genaueren Messungen des Mount Everest nur noch die
+zweite Stelle einnimmt.
+
+</P><P>
+
+Offenbar hatte Robur nicht die Absicht, &uuml;ber jene Gipfel
+hinwegzugehen, sondern er kannte zweifelsohne schon die verschiedenen
+P&auml;sse des Himalaya, unter Anderen den Ibi-Yamin-Pa&szlig;, den die
+Gebr&uuml;der Schlagintweit 1856 in einer H&ouml;he von
+sechstausendachthundert Metern &uuml;berschritten haben; wenigstens hielt
+er entschlossen auf diesen zu.
+
+</P><P>
+
+Jetzt kamen einige &auml;ngstliche, selbst sehr beschwerliche Stunden,
+und wenn die Verd&uuml;nnung der Luft auch nicht einen solchen Grad
+erreichte, da&szlig; man zu eigens daf&uuml;r construirten Apparaten
+h&auml;tte greifen m&uuml;ssen, den Sauerstoff in den Cabinen zu
+erneuern, so wurde die K&auml;lte doch h&ouml;chst beschwerlich.
+
+</P><P>
+
+Auf dem Vordertheile stehend und die kr&auml;ftige Gestalt in einen
+Mantel geh&uuml;llt, leitete Robur alle Man&ouml;ver. Tom Turner hielt
+die Barre des Steuerruders fest in der Hand. Der Maschinist
+&uuml;berwachte aufmerksam seine Batterien, von deren S&auml;uren
+gl&uuml;cklicher Weise ein Einfrieren nicht zu f&uuml;rchten war. Die zur
+allergr&ouml;&szlig;ten Umdrehungsgeschwindigkeit angetriebenen Schrauben
+gaben einen immer sch&auml;rfer werdenden Ton, der trotz der h&ouml;chst
+d&uuml;nnen Luft laut vernehmbar blieb. Der Barometer fiel auf
+zweihundertneunzig Millimeter, was eine H&ouml;he von siebentausend
+Metern anzeigte.
+
+</P><P>
+
+Wie prachtvoll lag dieses Chaos von Bergriesen hier vor dem erstaunten
+Blicke ausgebreitet! Ueberall wei&szlig;gl&auml;nzende Gipfel, keine
+Seen, aber gewaltige schimmernde Gletscher, die bis auf zehntausend
+Fu&szlig; H&ouml;he hinabreichen. Kein Gras, au&szlig;er einigen
+d&uuml;rftigen Kryptogamen an der Grenze des vegetabilischen Lebens,
+nichts von jenen wundersch&ouml;nen Fichten und Cedern, die sich an den
+unteren Abh&auml;ngen der Kette in herrlichen W&auml;ldern vorfinden;
+nichts von gigantischen Farren und endlosen Schmarotzerpflanzen, die
+sich, wie im Unterholz der Dschungeln, von Baum zu Baum hinziehen. Kein
+Thier, weder wilde Pferde, noch Yaks oder tibetanische Rinder; dann und
+wann nur eine Gazelle, die sich bis nach diesen Oeden hinein verirrt
+hatte; keine V&ouml;gel, au&szlig;er einzelnen jener P&auml;rchen Raben,
+welche sich bis zu den letzten Schichten der athembaren Luft erheben.
+
+</P><P>
+
+Nachdem er diesen Pa&szlig; durchschritten, begann der
+&bdquo;Albatros&ldquo; wieder hinabzusteigen. Als sie dessen Ausgang
+passirten, hatten die Reisenden, jenseits der Region der Bergwaldung,
+eine grenzenlose Landschaft vor sich, die sich in weitem Umkreise vor
+ihnen ausdehnte.
+
+</P><P>
+
+Jetzt trat Robur an seine G&auml;ste heran und sagte mit
+liebensw&uuml;rdigem Tone:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da haben Sie Indien, meine Herren!&ldquo; </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap10" ID="kap10"></A>
+<H3>X.<BR>
+Worin man sehen wird, wie und warum der Diener Frycollin in's Schlepptau
+genommen wurde.
+</H3>
+
+
+<P>
+Der Ingenieur hatte nicht die Absicht, seinen Apparat &uuml;ber die
+wundervollen Gefilde von Hindostan hinwegzuf&uuml;hren. Jedenfalls wollte
+er nur den Himalaya &uuml;bersteigen, um zu beweisen, &uuml;ber welch'
+au&szlig;erordentliche Fortbewegungsmaschine er verf&uuml;gte, und um
+davon selbst Diejenigen zu &uuml;berzeugen, welche nicht &uuml;berzeugt
+sein wollten. Bedeutete das wohl so viel wie die Behauptung, da&szlig;
+der &bdquo;Albatros&ldquo; vollkommen sei, obgleich die Vollkommenheit
+nicht von dieser Welt ist? Das wird sich sp&auml;ter zeigen.
+
+</P><P>
+
+Wenn Onkel Prudent und sein College auch nicht umhin konnten, innerlich
+anzuerkennen, da&szlig; die Kraft dieser Flugmaschine eine ganz
+au&szlig;erordentliche war, so lie&szlig;en sie sich davon wenigstens
+nichts merken. Sie suchten nur die Gelegenheit, zu entfliehen; ja, sie
+bewunderten nicht einmal das prachtvolle Schauspiel, welches sich ihren
+Augen bot, als der &bdquo;Albatros&ldquo; den reizenden Landschaften des
+Pendjab folgte.
+
+</P><P>
+
+Wohl giebt es am Himalaya einen Strich sumpfigen Landes, von dem
+gesundheitssch&auml;dliche D&uuml;nste aufsteigen, jenes Terrain, in dem
+Fieberkrankheiten epidemisch herrschen. Doch das ging den
+&bdquo;Albatros&ldquo; ja nichts an und konnte das Wohlbefinden seiner
+Insassen nicht gef&auml;hrden, er erhob sich ohne gro&szlig;e Eile nach
+dem Winkel zu, den Hindostan in seinem Vereinigungspunkt mit Turkestan
+und China bildet. Am 29. Juni &ouml;ffnete sich vor ihm schon in den
+ersten Morgenstunden das herrliche Thal von Kaschmir.
+
+</P><P>
+
+Ja, sie ist ohne Gleichen, diese Hohlkehle, welche der Himalaya zwischen
+sich frei l&auml;&szlig;t! Gefurcht von Hunderten von
+Einzelvorspr&uuml;ngen, welche die ungeheure Kette bis zum Becken des
+Hydaspis entsendet, wird dieselbe bew&auml;ssert von den launischen
+Windungen des Flusses, der die Heers&auml;ulen Porus' und Alexanders,
+d.&nbsp;h. Indien und Griechenland, in Central-Asien zum Kampfe
+zusammensto&szlig;en sah. Er f&uuml;llt noch immer sein Bett, dieser
+Hydaspis, w&auml;hrend die von dem Macedonier zur Erinnerung an seinen
+Sieg gegr&uuml;ndeten beiden St&auml;dte so vollst&auml;ndig verschwunden
+sind, da&szlig; man nicht einmal im Stande ist, die Stelle derselben
+wieder zu finden.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend dieses Vormittags schwebte der &bdquo;Albatros&ldquo;
+&uuml;ber Srinagar &mdash; mehr bekannt unter dem Namen Kaschmir &mdash;
+hin.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und sein Gef&auml;hrte sahen eine sehr sch&ouml;ne, an
+beiden Flu&szlig;ufern sich hinziehende Stadt mit ihren Br&uuml;cken
+gleich ausgespannten F&auml;den, den Sennh&uuml;tten mit ihren
+geschnitzten Balkons, ihren von hohen Pappeln beschatteten Geb&auml;uden
+mit berasten D&auml;chern, welche fast das Aussehen gro&szlig;er
+Maulwurfshaufen haben, ihren vielfachen Can&auml;len mit Barken gleich
+Nu&szlig;schalen und Bootsleuten gleich Ameisen darauf, mit ihren
+Pal&auml;sten, Tempeln, Kiosks, Moscheen und den Bungalows am Eingange
+der Vorst&auml;dte &mdash; das Ganze auch noch verdoppelt durch die
+Widerspiegelung des Wassers; endlich die alte Citadelle Hari-Parvata, die
+auf einem H&uuml;gel angelegt ist, wie das st&auml;rkste Fort von Paris
+auf dem Mont-Val&eacute;rien.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das w&auml;re Venedig, wenn wir uns in Europa
+bef&auml;nden,&ldquo; sagte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wenn wir in Europa w&auml;ren, w&uuml;rden wir den
+R&uuml;ckweg nach Amerika schon zu finden wissen,&ldquo; antwortete Onkel
+Prudent.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; verweilte nicht &uuml;ber dem See, den der
+Flu&szlig; durchflie&szlig;t, sondern setzte seinen Flug durch das Thal
+des Hydaspis fort.
+
+</P><P>
+
+Nur eine halbe Stunde blieb er, bis auf zehn Meter &uuml;ber dem Flusse
+hinabsteigend, einmal an ein und derselben Stelle. W&auml;hrend dessen
+versorgten sich Tom Turner und seine Leute mittelst eines
+Kautschukschlauches mit neuem Wasservorrathe, der durch eine Pumpe
+aufgesaugt wurde, welche die Str&ouml;me der Accumulatoren in Bewegung
+setzten.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans hatten sich dabei bedeutungsvoll angesehen,
+da ein und derselbe Gedanke in ihnen aufstieg. Sie befanden sich nur
+wenige Meter &uuml;ber der Oberfl&auml;che des Hydaspis und nahe dem Ufer
+desselben. Beide waren ge&uuml;bte Schwimmer. Ein Sprung konnte ihnen
+jetzt die Freiheit wiedergeben, und wenn sie dann ein St&uuml;ck unter
+dem Wasser fortschwammen, wie h&auml;tte Robur sie wieder ergreifen
+lassen k&ouml;nnen? Um den Treibschrauben ihre Beweglichkeit zu sichern,
+mu&szlig;te er sie ja mit seinem Apparate mindestens zwei Meter &uuml;ber
+dem Seebecken halten.
+
+</P><P>
+
+In einem Augenblicke hatten sie alle g&uuml;nstigen und ung&uuml;nstigen
+Umst&auml;nde eines solchen Versuchs gegen einander abgewogen und schon
+waren sie im Begriff, sich von dem Verdeck des Luftschiffes
+hinabzust&uuml;rzen, als sich mehrere H&auml;nde fest auf ihre Schultern
+legten.
+
+</P><P>
+
+Sie wurden beobachtet und erkannten die Unm&ouml;glichkeit, zu
+entfliehen.
+
+</P><P>
+
+Immerhin ergaben sie sich nicht ohne einigen Widerstand und bem&uuml;hten
+sich, die, welche sie hielten, zur&uuml;ckzusto&szlig;en &mdash; aber es
+waren handfeste Burschen, diese Leute des &bdquo;Albatros&ldquo;!
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Meine Herren, begn&uuml;gte sich der Ingenieur zu sagen, wenn man
+das Vergn&uuml;gen hat, in Gesellschaft mit Robur dem Sieger zu reisen,
+wie Sie ihn selbst so passend bezeichnet haben, und an Bord seines
+wunderbaren &bdquo;Albatros&ldquo;, so verl&auml;&szlig;t man diesen
+nicht so ... franz&ouml;sisch. Ja, ich sage Ihnen, Sie verlassen
+denselben &uuml;berhaupt nicht wieder!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Phil Evans zerrte seinen Gef&auml;hrten, der sich schon zu einem
+Gewaltacte hinrei&szlig;en lassen wollte, noch zur&uuml;ck. Beide begaben
+sich nach ihrem Ruff, noch immer entschlossen, zu fliehen und wenn es
+ihnen, gleichviel wo, auch das Leben kosten sollte.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; hatte wieder seinen Curs nach Westen
+eingeschlagen. W&auml;hrend dieses Tages &uuml;berschritt er bei
+mittlerer Geschwindigkeit das Gebiet von Kabulistan, die Grenze des
+K&ouml;nigreichs Herat.
+
+</P><P>
+
+In diesen noch immer so bestrittenen L&auml;ndern und auf diesem Wege,
+der den Russen nach den englischen Besitzungen in Indien offen steht,
+erschienen gro&szlig;e Haufen von Menschen, Colonnen, Gep&auml;ckwagen,
+mit einem Worte Alles, was das Personal und Material einer auf dem
+Marsche befindlichen Armee bildet. Man h&ouml;rte wohl auch Kanonendonner
+und das Knattern von Gewehren; der Ingenieur mischte sich aber niemals in
+die Angelegenheiten Anderer, so lange diese f&uuml;r ihn nicht eine Frage
+des Ehrgeizes oder der Humanit&auml;t bildeten. War Herat, wie man sagt,
+wirklich der Schl&uuml;ssel Central-Asiens, so k&uuml;mmerte es ihn doch
+gar nicht, ob dieser Schl&uuml;ssel in eine englische oder eine
+moskowitische Tasche kam. Irdische Interessen ber&uuml;hrten den
+furchtlosen Mann nicht, der das Luftmeer zu seinem ausschlie&szlig;lichen
+Gebiete erkoren hatte.
+
+</P><P>
+
+Uebrigens schwand das Land sehr bald unter einem wahrhaften Orkan von
+Sand, wie er in diesen Gegenden so h&auml;ufig vorkommt. Dieser
+Sturmwind, der hier &bdquo;Tebbad&ldquo; genannt wird, tr&auml;gt manche
+Fieberkeime mit dem unw&auml;gbar feinen Sand oft sehr weit mit fort, und
+manche Caravane ist schon in seinen w&uuml;thenden Wirbeln zu Grunde
+gegangen.
+
+</P><P>
+
+Um diesem harten Staube zu entgehen, der die Feinheit seiner Zahngetriebe
+h&auml;tte gef&auml;hrden k&ouml;nnen, erhob sich der
+&bdquo;Albatros&ldquo; um zweitausend Meter nach einer reineren Zone.
+
+</P><P>
+
+Damit schwand auch die Grenze Persiens aus den Augen und blieben dessen
+weite Ebenen fast ganz unsichtbar. Die Gangart war dabei eine sehr
+gem&auml;&szlig;igte, obwohl eine Felsenklippe nirgends zu f&uuml;rchten
+war. Wenn eine Landkarte dieser Gegend auch einige Berge zeigte, so
+steigen diese doch nur zu mittlerer H&ouml;he an. Bei der Ann&auml;herung
+an die Hauptstadt freilich galt es, den Demawend zu vermeiden, der fast
+sechstausendsechshundert Meter emporragt, und auch die Elbruskette, an
+deren Fu&szlig; Teheran erbaut ist.
+
+</P><P>
+
+Mit dem ersten Tagesgrauen des 2. Juli tauchte jener Demawend aus dem
+Sand-Samum auf.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; steuerte so, um &uuml;ber die Stadt
+hinwegzugehen, welche der Wind durch eine Wolke feinen Staubes
+verh&uuml;llte.
+
+</P><P>
+
+Gegen zehn Uhr Morgens konnte man inde&szlig; die breiten Gr&auml;ben
+erkennen, welche die Umwallung einschlie&szlig;en, und in der Mitte den
+Palast des Schah, dessen Mauern mit Fayenceplatten bedeckt sind und
+dessen Wasserbecken aus ungeheuren T&uuml;rkisen von leuchtendem Blau
+geschnitten scheinen.
+
+</P><P>
+
+Das sch&ouml;ne Bild verrann leider nur zu bald. Von hier aus schlug der
+&bdquo;Albatros&ldquo; nun eine andere Richtung ein und steuerte ziemlich
+genau nach Norden. Einige Stunden sp&auml;ter befanden sie sich &uuml;ber
+einer kleinen Stadt im n&ouml;rdlichen Winkel der persischen Grenze und
+am Strande einer ausgedehnten Wasserfl&auml;che, deren Ende weder nach
+Norden, noch nach Osten zu erkennbar war.
+
+</P><P>
+
+Diese Stadt war der Hafen Aschuarda, die s&uuml;dlichste Station
+Ru&szlig;lands; die Wasserfl&auml;che aber fast ein Meer, n&auml;mlich
+der Kaspi-See.
+
+</P><P>
+
+Hier wirbelte kein Staub mehr umher. Man sah bequem einen Haufen nach
+europ&auml;ischer Art gebauter H&auml;user, welche, mit einem sie
+&uuml;berragenden Glockenthurm, l&auml;ngs eines Vorgebirges lagen.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; senkte sich &uuml;ber dieses Meer, dessen
+Gew&auml;sser dreihundert Fu&szlig; unter dem Niveau des Mittelmeeres
+liegen. Gegen Abend glitt er l&auml;ngs der fr&uuml;her turkestanischen,
+jetzt aber russischen K&uuml;ste hin, die nach dem Golf des Beckens zu
+aufsteigt, und am n&auml;chsten Tage, dem 3. Juli, schwebte er etwa
+hundert Meter &uuml;ber dem Kaspi-See.
+
+</P><P>
+
+Weder an der asiatischen, noch an der europ&auml;ischen Seite war hier
+Land in Sicht; nur auf dem Meer bemerkte man einzelne, von schwacher
+Brise geschwellte Segel, an deren Form man erkannte, da&szlig; es
+Fahrzeuge von Eingeborenen, Kesebegs mit zwei Masten, Kajiks, das sind
+Piratenschiffe mit nur einem Maste, und Teimils, einfache, zur
+K&uuml;stenfahrt oder zum Fischfang ben&uuml;tzte Boote waren. Dann und
+wann wirbelten wohl auch die Ausl&auml;ufer von Rauchs&auml;ulen bis zum
+&bdquo;Albatros&ldquo; empor, welche aus den Schornsteinen der Dampfer
+von Aschuarda quollen, die Ru&szlig;land zu Polizeizwecken auf den
+turkomanischen Gew&auml;ssern unterh&auml;lt.
+
+</P><P>
+
+An diesem Morgen plauderte der Obersteuermann Tom Turner mit dem Koch
+Fran&ccedil;ois Tapage und gab auf eine Frage des Letzteren Antwort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ja, wir werden gegen achtundvierzig Stunden &uuml;ber dem
+Kaspi-See verweilen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sch&ouml;n, erwiderte der Koch, da haben wir doch einmal
+Gelegenheit, zu fischen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ganz gewi&szlig;.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Da &uuml;ber vierzig Stunden darauf verwendet werden sollten, die
+sechshundertf&uuml;nfundzwanzig Meilen, welche jenes Binnenmeer bei
+zweihundert (englischen) Meilen Breite mi&szlig;t, mu&szlig;te die
+Geschwindigkeit des &bdquo;Albatros&ldquo; nat&uuml;rlich stark
+gem&auml;&szlig;igt und letzterer w&auml;hrend eines vorzunehmenden
+Fischfanges ganz still gehalten werden.
+
+</P><P>
+
+Jene Antwort Tom Turner's wurde auch von Phil Evans geh&ouml;rt, der sich
+grade auf dem Vordertheil befand.
+
+</P><P>
+
+Eben begann Frycollin wieder mit seinen unaufh&ouml;rlichen Klagen und
+bat ihn, bei seinem Herrn ein gutes Wort einzulegen, da&szlig; er ihn
+&bdquo;auf der Erde absetzen&ldquo; lasse.
+
+</P><P>
+
+Ohne auf dieses sinnlose Verlangen zu antworten, begab sich Phil Evans
+nach dem Hintertheil, um den Onkel Prudent zu treffen. Diesem theilte er
+unter gr&ouml;&szlig;ter Vorsicht, von Niemand geh&ouml;rt zu werden, die
+wenigen zwischen Tom Turner und dem Koche gewechselten Worte mit.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Phil Evans, meinte Onkel Prudent, ich denke, wir machen uns doch
+keine Illusionen &uuml;ber die letzten Absichten dieses Elenden?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gewi&szlig; nicht, antwortete Phil Evans. Er wird uns die
+Freiheit nur wiedergeben, wenn ihm das pa&szlig;t &mdash; und wenn er sie
+uns &uuml;berhaupt wieder giebt.
+
+</P><P>
+
+&mdash; In diesem Falle m&uuml;ssen wir Alles wagen, um den
+&bdquo;Albatros&ldquo; zu verlassen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ein wundervoller Apparat, das mu&szlig; man wohl zugestehen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist wohl m&ouml;glich, rief Onkel Prudent, aber es ist der
+Apparat eines Schurken, der uns gegen alles Recht und Gesetz hier
+zur&uuml;ckh&auml;lt. Uebrigens bildet dieser Apparat f&uuml;r uns und
+die Unsrigen eine unausgesetzte Gefahr. Gelingt es uns also nicht,
+denselben zu vernichten&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Beginnen wir damit, uns zu retten! ... antwortete Phil Evans, wir
+werden ja sp&auml;ter sehen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Zugegeben, antwortete Onkel Prudent, und ben&uuml;tzen wir jede
+sich bietende Gelegenheit. Allem Anscheine nach f&auml;hrt der
+&bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber den Kaspi-See, um sich dann im Norden
+oder im S&uuml;den von Ru&szlig;land nach Europa zu begeben. Nun, wohin
+wir auch den Fu&szlig; setzen m&ouml;gen, bis zum Atlantischen Ocean hin
+w&auml;re unsere Rettung gesichert. Wir m&uuml;ssen uns also jede Stunde
+bereit halten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Aber, fragte Phil Evans, wie sollten wir fliehen k&ouml;nnen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; H&ouml;ren Sie mich an, antwortete Onkel Prudent. Es kommt
+zuweilen vor, da&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo; w&auml;hrend der Nacht
+nur wenige hundert Fu&szlig; &uuml;ber dem Erdboden hinschwebt. An Bord
+befinden sich verschiedene Kabel von dieser L&auml;nge, und mit einiger
+K&uuml;hnheit k&ouml;nnte man sich wohl hinabgleiten lassen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, stimmte Phil Evans bei, im gegebenen Falle w&uuml;rde ich
+nicht zaudern&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich auch nicht, versicherte Onkel Prudent. Ich f&uuml;ge noch
+hinzu, da&szlig; w&auml;hrend der Nacht au&szlig;er dem Steuermann auf
+dem Hintertheile Niemand wach ist. Eines jener Kabel liegt nun
+gew&ouml;hnlich auf dem Verdeck, und ohne gesehen und geh&ouml;rt zu
+werden, d&uuml;rfte es m&ouml;glich sein, dasselbe aufzurollen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gut, gut, unterbrach ihn Phil Evans; ich sehe mit Vergn&uuml;gen,
+Onkel Prudent, da&szlig; Sie jetzt weit ruhiger sind; das ist besser,
+wenn man handeln will. Augenblicklich freilich befinden wir uns auf dem
+Kaspi-See; verschiedene Fahrzeuge sind in Sicht. Der &bdquo;Albatros&ldquo;
+wird noch tiefer hinabgehen und w&auml;hrend des Fischzuges anhalten ...
+K&ouml;nnten wir daraus keinen Vortheil ziehen?&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ah, man &uuml;berwacht uns, selbst wenn wir nicht glauben,
+&uuml;berwacht zu sein, antwortete Onkel Prudent. Sie haben's ja gesehen,
+als wir versuchten, uns in den Hydaspis zu st&uuml;rzen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wer sagt, da&szlig; wir nicht auch in der Nacht beobachtet
+sind? erwiderte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Einerlei, wir m&uuml;ssen ein Ende machen, rief Onkel Prudent,
+ein Ende machen mit diesem &bdquo;Albatros&ldquo; und seinem
+Besitzer!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Man sieht, da&szlig; die beiden Collegen &mdash; und vorz&uuml;glich
+Onkel Prudent &mdash; unter der Aufregung des Zornes leicht dazu
+verf&uuml;hrt werden konnten, die waghalsigsten und f&uuml;r ihre eigene
+Sicherheit vielleicht gef&auml;hrlichsten Handlungen zu begehen.
+
+</P><P>
+
+Das Gef&uuml;hl ihrer Ohnmacht, der ver&auml;chtliche Spott, mit dem
+Robur sie behandelte, die derben Antworten, welche er ihnen ertheilte,
+Alles trug dazu bei, die Spannung ihrer Lage zu erh&ouml;hen, deren Druck
+jeden Tag deutlicher hervortrat.
+
+</P><P>
+
+An jenem Tage h&auml;tte &uuml;brigens ein neuer Auftritt bald einen
+h&ouml;chst bedauerlichen Wortwechsel zwischen Robur und den beiden
+Collegen herbeigef&uuml;hrt, und Frycollin ahnte wohl kaum, da&szlig; er
+dazu die Veranlassung geben sollte.
+
+</P><P>
+
+Als er sich einmal &uuml;ber diesem Meere ohne Grenzen sah,
+bem&auml;chtigte sich des Hasenfu&szlig;es wieder ein furchtbarer
+Schrecken. Wie ein Kind &mdash; und wie ein Neger, der er ja war &mdash;
+fing er an zu jammern zu klagen und zu protestiren und machte die
+tollsten Verrenkungen und Grimassen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich will fort! ... Ich will weg von hier! rief er. Ich bin kein
+Vogel! ... Ich bin nicht geschaffen zum Fliegen! ... Ich will, da&szlig;
+ich auf der Erde abgesetzt werde, und das sogleich!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Selbstverst&auml;ndlich bem&uuml;hte sich Onkel Prudent keineswegs, ihn
+zu beruhigen, im Gegentheil. Das Heulen des Schwarzen erregte denn auch
+die Ungeduld Robur's.
+
+</P><P>
+
+Da Tom Turner und die Anderen sich eben zum Fischfang anschickten, befahl
+der Ingenieur, um sich Frycollins zu entledigen, diesen in sein Ruff
+einzusperren. Der Neger setzte das vorige Unwesen fort, donnerte an die
+Wand und heulte aus Leibeskr&auml;ften.
+
+</P><P>
+
+Es war jetzt Mittag. Der &bdquo;Albatros&ldquo; schwebte eben nur
+f&uuml;nf oder sechs Meter &uuml;ber der Oberfl&auml;che des Meeres.
+Einige bei seiner Ann&auml;herung erschreckte Boote waren eiligst
+davongefahren. Dieser Theil des Kaspi-Sees mu&szlig;te also bald ganz
+verlassen sein.
+
+</P><P>
+
+Man begreift leicht, da&szlig; die beiden Collegen unter diesen
+Verh&auml;ltnissen, wo sie gelegentlich nur h&auml;tten mit dem Kopfe zu
+nicken brauchen, der Gegenstand erh&ouml;hter Aufmerksamkeit sein
+mu&szlig;ten und wirklich waren.
+
+</P><P>
+
+Doch selbst angenommen, da&szlig; sie sich &uuml;ber Bord gest&uuml;rzt
+h&auml;tten, so w&auml;re es doch leicht gewesen, sie mit Hilfe des
+Kautschukbootes des &bdquo;Albatros&ldquo; wieder einzufangen.
+W&auml;hrend dieses Fischzuges war also nichts zu thun, und Phil Evans
+betheiligte sich lieber selbst th&auml;tig dabei, w&auml;hrend Onkel
+Prudent im Zustand fortw&auml;hrend kochender Wuth sich in seine Cabine
+zur&uuml;ckzog.
+
+</P><P>
+
+Bekanntlich bildet der Kaspi-See eine betr&auml;chtliche Bodendepression
+wahrscheinlich vulcanischen Ursprunges. In dieses Becken ergie&szlig;en
+sich die Gew&auml;sser sehr gro&szlig;er Str&ouml;me, wie der Wolga, des
+Ural, des Kur, der Kuma, Jemba u.&nbsp;A. Ohne die starke Verdunstung,
+welche dem Wasserbecken den Wasser&uuml;berflu&szlig; wieder
+entf&uuml;hrt, h&auml;tte dieses siebzehntausend Quadratmeilen
+gro&szlig;e Loch von f&uuml;nf- bis sechshundert Fu&szlig; mittlerer
+Tiefe schon l&auml;ngst die niedrigen und sumpfigen K&uuml;sten im Norden
+und Osten &uuml;berfluthet. Obgleich diese Schale weder mit dem
+Schwarzen, noch mit dem Aral-Meer in Verbindung steht, deren Niveau weit
+h&ouml;her liegt, so ern&auml;hrt es doch eine gro&szlig;e Menge Fische
+&mdash; wohl zu bemerken aber nur solche, welche die stark hervortretende
+Bitterkeit seines Wassers, eine Folge der Naphthaquellen am S&uuml;dende
+desselben, vertragen.
+
+</P><P>
+
+Bei dem Gedanken an die Abwechslung, welche dieser Fischzug ihrem
+gewohnten Speisezettel zu verleihen versprach, gab die Mannschaft des
+&bdquo;Albatros&ldquo; die Befriedigung, welche er derselben
+gew&auml;hrte, deutlich genug zu erkennen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Achtung!&ldquo; rief Tom Turner, der eben einen Fisch von ziemlich
+bedeutender Gr&ouml;&szlig;e und &auml;hnlich einem Haifisch harpunirt
+hatte.
+
+</P><P>
+
+Es war das ein pr&auml;chtiger, gegen sieben Fu&szlig; langer St&ouml;r,
+von der Art, welche die Russen Belonga nennen, dessen mit Salz, Essig und
+Wei&szlig;wein zugerichtete Eier den Caviar darstellen. Vielleicht sind
+die in den Fl&uuml;ssen gefangenen St&ouml;re noch schmackhafter als die
+aus dem Meere. Doch wurden letztere an Bord des &bdquo;Albatros&ldquo;
+mit gro&szlig;em Jubel begr&uuml;&szlig;t.
+
+</P><P>
+
+Noch weit ergiebiger gestaltete sich dieser Fischzug aber durch Anwendung
+von Schleppnetzen, in welchen es bald von Karpfen, Brachsen und
+Seehechten, vorz&uuml;glich von jenen mittelgro&szlig;en Sterlets
+wimmelte, welche reiche Feinschmecker lebend von Astrachan nach Moskau
+und Petersburg bringen lassen. Diese hier wanderten &mdash; ohne alle
+Transportkosten &mdash; unmittelbar aus ihrem nat&uuml;rlichen Element in
+die Siedekessel der Mannschaftsk&uuml;che.
+
+</P><P>
+
+Die Leute Robur's zogen mit gro&szlig;em Vergn&uuml;gen die Leine ein,
+nachdem der &bdquo;Albatros&ldquo; sie mehrere Stunden lang langsam
+dahingef&uuml;hrt hatte. Der Gascogner Tapage (der Name bedeutet deutsch:
+L&auml;rmen, Get&ouml;se) machte durch sein Jubelgeschrei seinem Namen
+alle Ehre. Eine Stunde gen&uuml;gte, alle Beh&auml;lter des
+&bdquo;Albatros&ldquo; mit jenem Nahrungsmaterial zu f&uuml;llen, und
+dieser fuhr darauf nach Norden zu weiter.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend dieses Aufenthaltes hatte Frycollin nicht aufgeh&ouml;rt, zu
+schreien, an die Wand seiner Cabine zu h&auml;mmern, mit einem Worte,
+einen unausstehlichen L&auml;rm zu machen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wird dieser verdammte Nigger denn nicht Ruhe halten lernen! sagte
+Robur, dem die Geduld nun wirklich zu Ende ging.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mir scheint, Herr Robur, da&szlig; er v&ouml;llig Recht hat, sich
+zu beklagen, bemerkte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, ganz wie ich das Recht habe, meinen Ohren diese Qual zu
+ersparen, erwiderte Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ingenieur Robur! ... lie&szlig; sich da der eben auf dem Verdeck
+erscheinende Onkel Prudent vernehmen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Herr Pr&auml;sident des Weldon-Instituts?&ldquo;&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+Beide waren auf einander zugetreten und sahen sich eine Zeit lang in die
+Augen.
+
+</P><P>
+
+Dann zuckte Robur ein wenig die Achseln.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;An das Ende des Taues!&ldquo; sagte er.
+
+</P><P>
+
+Tom Turner hatte ihn verstanden; Frycollin wurde aus seiner Cabine
+geholt.
+
+</P><P>
+
+Aber wie j&auml;mmerlich schrie er auf, als der Obersteuermann und einer
+von dessen Kameraden ihn ergriffen und in einer Art Korb festbanden, an
+dem sie sorgsam das Ende eines Taues festkn&uuml;pften.
+
+</P><P>
+
+Es war das eines jener Taue, welche Onkel Prudent zu dem uns bekannten
+Zwecke ben&uuml;tzen wollte.
+
+</P><P>
+
+Der Neger hatte zuerst geglaubt, er solle gehenkt werden ... Nein, er
+sollte nur aufgeh&auml;ngt werden.
+
+</P><P>
+
+Das Tau wurde n&auml;mlich au&szlig;en in der L&auml;nge von etwa hundert
+Fu&szlig; abgerollt und Frycollin schwebte damit frei in der Luft.
+
+</P><P>
+
+Jetzt stand es in seinem Belieben, zu schreien, so viel er wollte; der
+Schrecken schn&uuml;rte ihm jedoch den Kehlkopf zu &mdash; er blieb
+stumm.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans hatten sich dem barbarischen Verfahren
+widersetzen wollen &mdash; sie wurden einfach zur&uuml;ckgesto&szlig;en.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das ist abscheulich! ... Das ist Barbarei! rief Onkel Prudent, der
+dar&uuml;ber ganz au&szlig;er sich war.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Freilich! antwortete Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist ein Mi&szlig;brauch der Gewalt, gegen den ich noch anders
+als durch Worte allein Einspruch erheben werde!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Immer zu!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich werde mich r&auml;chen, Ingenieur Robur!
+
+</P><P>
+
+&mdash; R&auml;chen Sie sich getrost, Pr&auml;sident des
+Weldon-Instituts.
+
+</P><P>
+
+&mdash; An Ihnen und Ihren Leuten!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Mannschaft des &bdquo;Albatros&ldquo; hatte sich in nicht besonders
+wohlwollender Haltung gen&auml;hert. Robur gab den Leuten ein Zeichen,
+sich zu entfernen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ja, an Ihnen und Ihren Leuten ... wiederholte Onkel Prudent, den
+sein College vergebens zu beruhigen suchte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ganz wie es Ihnen beliebt, erwiderte der Ingenieur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und ohne R&uuml;cksicht auf die Mittel!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Genug, sagte jetzt Robur in drohendem Tone, genug! Es giebt noch
+mehr Taue an Bord! Schweigen Sie ... oder ... der Herr ganz wie der
+Diener.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent schwieg, aber nicht aus Furcht, sondern weil ihn eine wahre
+Erstickung beklemmte, so da&szlig; Phil Evans ihn in seine Cabine
+f&uuml;hren mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Seit einer Stunde hatte sich das Wetter sehr merkbar ver&auml;ndert und
+es traten einzelne Zeichen hervor, welche keine Mi&szlig;deutung
+zulie&szlig;en &mdash; ein Unwetter war im Anzug. Die elektrische
+S&auml;ttigung der Atmosph&auml;re hatte einen so hohen Grad erreicht,
+da&szlig; Robur gegen zweieinhalb Uhr Zeuge einer bisher von ihm nie
+beobachteten Erscheinung wurde.
+
+</P><P>
+
+Im Norden, von wo das Unwetter herkam, stiegen dicht geballte, fast
+leuchtende D&uuml;nste auf &mdash; was jedenfalls von der verschiedenen
+und wechselnden elektrischen Spannung der Wolkenschichten herr&uuml;hrte.
+
+</P><P>
+
+Der Reflex von diesen Ansammlungen lie&szlig; Myriaden von Lichtern auf
+der Oberfl&auml;che des Meeres hintanzen, deren Intensit&auml;t um so
+lebhafter wurde, je mehr der Himmel sich verfinsterte.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; und jenes Meteor mu&szlig;ten bald
+zusammentreffen, da sie sich auf einander zu bewegten.
+
+</P><P>
+
+Und Frycollin? &mdash; Nun Frycollin folgte noch immer im Schlepptau
+&mdash; ja, das ist das richtige Wort, denn jenes Tau bildete einen weit
+offenen Winkel gegen den mit der Geschwindigkeit von hundert Kilometern
+hinfliegenden Apparat, wodurch der Korb nicht unerheblich
+zur&uuml;ckblieb.
+
+</P><P>
+
+Das Entsetzen des armen Teufels wird man sich unschwer ausmalen
+k&ouml;nnen, als die Blitze jetzt um ihn her aufzuckten und der Donner
+mit gewaltiger Macht durch die Himmelsr&auml;ume rollte. Das ganze
+Personal bem&uuml;hte sich angesichts dieses Unwetters so zu
+man&ouml;vriren, da&szlig; sie entweder h&ouml;her als dasselbe
+hinaufkamen oder in den unteren Luftschichten bald jenes im R&uuml;cken
+lie&szlig;en.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; befand sich eben ungef&auml;hr in mittlerer
+H&ouml;he &mdash; etwa tausend Meter &mdash; als ein Donnerschlag von
+ungeheurer Heftigkeit &uuml;ber ihn hereinbrach, dem ein furchtbarer
+Windsto&szlig; folgte. Binnen wenigen Sekunden st&uuml;rzten sich die
+feurigen Wolken auf den Aeronef.
+
+</P><P>
+
+Da raffte sich Phil Evans zusammen, um zu Gunsten Frycollins ein gutes
+Wort einzulegen und zu erkl&auml;ren, da&szlig; dieser wieder an Bord
+herangezogen w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+Robur hatte eine solche Vermittlung aber gar nicht erst abgewartet und
+schon den n&ouml;thigen Befehl ertheilt. Jetzt waren die Leute bereits
+mit dem Einziehen des Taues besch&auml;ftigt, als sich eine
+pl&ouml;tzliche Verlangsamung der Rotation der Auftriebschrauben
+bemerkbar machte.
+
+</P><P>
+
+Robur sprang nach dem mittleren Ruff.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Kraft! ... Volle Kraft! rief er dem Maschinisten zu. Wir
+m&uuml;ssen schnell h&ouml;her, als das Unwetter steht, emporsteigen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Es ist unm&ouml;glich, Herr Ingenieur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Warum?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Die Str&ouml;me sind gest&ouml;rt ... Es treten Unterbrechungen
+ein.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In der That senkte sich der &bdquo;Albatros&ldquo; schon recht merkbar.
+
+</P><P>
+
+Ganz wie das bei Gewittern mit den Str&ouml;men in den
+Telegraphendr&auml;hten vorkommt, so versagten jetzt auch die
+Accumulatoren des Apparats den regelm&auml;&szlig;igen Dienst; was aber
+nur eine Unbequemlichkeit ist, wenn es sich um Absendung von Depeschen
+handelt, wurde hier zur furchtbarsten Gefahr, das mu&szlig;te damit
+enden, da&szlig; der Aeronef, ohne da&szlig; man seiner ferner Herr war,
+in's Meer hinabst&uuml;rzte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Lass' ihn sich senken, rief Robur, damit wir aus der elektrischen
+Zone herauskommen. Vorw&auml;rts, Jungen, bewahrt Euer kaltes
+Blut!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Ingenieur hatte seine Commandobr&uuml;cke bestiegen. Die Mannschaft
+war an ihrer Stelle und hielt sich bereit, jeder Anordnung ihres Herrn
+eiligst nachzukommen.
+
+</P><P>
+
+Obwohl der &bdquo;Albatros&ldquo; sich nur einige hundert Fu&szlig;
+gesenkt hatte, schwebte er doch immer noch in der dichten Wolkenschicht
+inmitten von Blitzen, die sich wie Raketen eines Feuerwerks kreuzten. Man
+mu&szlig;te jeden Augenblick f&uuml;rchten, da&szlig; ihn ein Blitzstrahl
+treffe. Die Bewegung der Schrauben verlangsamte sich noch mehr, und was
+bisher ein etwas Schnelleres Herabsinken war, drohte jetzt ein
+gef&auml;hrlicher Sturz zu werden.
+
+</P><P>
+
+Zuletzt lag es auf der Hand, da&szlig; er in weniger als einer Minute auf
+der Meeresfl&auml;che angelangt sein mu&szlig;te, und einmal in's Wasser
+getaucht, h&auml;tte keine Macht ihn daraus zu befreien vermocht.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich lagerte sich die elektrische Wolke dicht &uuml;ber ihnen.
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; war jetzt nicht mehr als sechzig Fu&szlig; vom
+Kamm der Wellen entfernt. Binnen zwei bis drei Secunden drohten diese das
+Verdeck zu &uuml;berfluthen.
+
+</P><P>
+
+Da ben&uuml;tzte Robur noch den letzten Moment, st&uuml;rzte nach dem
+mittleren Ruff hin und packte hier die Hebel f&uuml;r die
+Vorw&auml;rtsbewegung, wodurch die von den Batterien kommenden
+Str&ouml;me geschlossen wurden, auf welche die elektrische Spannung der
+umgebenden Atmosph&auml;re keinen Einflu&szlig; &auml;u&szlig;erte ... in
+einem Augenblick hatte er den Schrauben ihre normale Schnelligkeit wieder
+gegeben, den Sturz aufgehalten, und der &bdquo;Albatros&ldquo; hielt sich
+in geringer H&ouml;he, entfloh jetzt aber mit rasender Eile dem Unwetter,
+das er bald hinter sich zur&uuml;cklie&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Es bedarf wohl nicht besonderer Bemerkung, da&szlig; Frycollin, wenn auch
+nur f&uuml;r wenige Secunden, ein unfreiwilliges Bad genommen hatte. Als
+er an Bord zur&uuml;ckkam, war er durchn&auml;&szlig;t, als h&auml;tte er
+die Tiefe des Meeres gemessen. Man wird es kaum glauben, aber er schrie
+nicht mehr.
+
+</P><P>
+
+Am n&auml;chsten Tage, am 4. Juli, hatte der &bdquo;Albatros&ldquo; die
+Nordgrenze des Kaspi-Sees &uuml;berschritten. </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap11" ID="kap11"></A>
+<H3>XI.<BR>
+In dem die Wuth des Onkel Prudent mit dem Quadrat der Geschwindigkeit
+zunimmt.
+</H3>
+
+
+<P>
+Wenn Onkel Prudent und Phil Evans je auf die Hoffnung, entfliehen zu
+k&ouml;nnen, verzichten mu&szlig;ten, so war das w&auml;hrend der nun
+folgenden f&uuml;nfzig Stunden der Fall. Bef&uuml;rchtete Robur,
+da&szlig; die Ueberwachung seiner Gefangenen bei der Fahrt &uuml;ber
+Europa weniger leicht sein m&ouml;chte? Vielleicht. Er wu&szlig;te ja
+&uuml;brigens, da&szlig; sie zu Allem entschlossen waren, um zu
+entweichen.
+
+</P><P>
+
+Doch, wie dem auch sein mochte, jeder Versuch w&auml;re jetzt einem
+Selbstmorde gleichgekommen. Wenn Einer von einem Expre&szlig;zuge, der
+mit der Geschwindigkeit von hundert Kilometern in der Stunde dahinfliegt,
+herabspringt, so setzt er vielleicht sein Leben in Gefahr; wer das aber
+von einem zweihundert Kilometer in der Stunde dahinrasenden Blitzzuge
+versuchte, der kann nur den Tod wollen.
+
+</P><P>
+
+Eben diese Geschwindigkeit, die gr&ouml;&szlig;te, die er anzunehmen im
+Stande war, war jetzt dem &bdquo;Albatros&ldquo; ertheilt worden. Er
+&uuml;berholte noch den Flug der Schwalbe, die hundertachtzig Kilometer
+in der Stunde zur&uuml;cklegen kann.
+
+</P><P>
+
+Hier mag auch bemerkt sein, da&szlig; bisher nord&ouml;stliche Winde in
+einer der Fortbewegung des &bdquo;Albatros&ldquo; sehr g&uuml;nstigen
+Ausdauer anhielten, da dieser in derselben Richtung, d.&nbsp;h. im
+Allgemeinen nach Westen zu flog. Dieser Wind begann aber allm&auml;hlich
+abzuflauen, so da&szlig; es nachgerade unm&ouml;glich wurde, sich auf dem
+Verdeck zu halten, ohne die Athmung durch die Schnelligkeit der Bewegung
+fast aufgehoben zu sehen. Die beiden Collegen w&auml;ren auch beinahe
+&uuml;ber Bord geschleudert worden, wenn sie nicht der Luftdruck an ihrem
+Ruff so zu sagen festgenagelt h&auml;tte.
+
+</P><P>
+
+Zum Gl&uuml;ck bemerkte sie der Steuermann durch die Lichtpforten seiner
+H&uuml;tte, und eine elektrische Klingel setzte die auf dem Verdeck
+eingeschlossenen Mannschaften von ihrer Nothlage in Kenntni&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Ueber das Verdeck hinkriechend, glitten vier Mann davon nach dem
+Hintertheil zu.
+
+</P><P>
+
+Diejenigen, welche sich in einem Sturm auf einem vor dem Winde liegenden
+Schiffe befunden haben, werden verstehen, welchen Druck der Wind dabei
+auszu&uuml;ben vermag. Hier war es jedoch der &bdquo;Albatros&ldquo;
+selbst, der diesen durch seine ma&szlig;lose Geschwindigkeit hervorrief.
+
+</P><P>
+
+Man mu&szlig;te wirklich seinen Gang verlangsamen, was Onkel Prudent und
+Phil Evans gestattete, ihre Cabine wieder zu erreichen.
+
+</P><P>
+
+Im Inneren seiner Ruffs f&uuml;hrte der &bdquo;Albatros&ldquo;, ganz wie
+der Ingenieur das versichert hatte, eine vollkommen athembare
+Atmosph&auml;re mit sich.
+
+</P><P>
+
+Welche erstaunliche Festigkeit besa&szlig; aber dieser Apparat, um einer
+so schnellen Fortbewegung den n&ouml;thigen Widerstand leisten zu
+k&ouml;nnen. Die Triebschrauben am Bug und am Heck sah man gar nicht mehr
+sich drehen; sie pfiffen nur mit scharfem, durchdringendem Ton durch die
+Luft.
+
+</P><P>
+
+Die letzte, vom Bord aus gesehene Stadt war Astrachan gewesen, das
+ziemlich am n&ouml;rdlichsten Ende des Kaspi-Sees lag.
+
+</P><P>
+
+Der Stern der W&uuml;ste &mdash; jedenfalls hat ein russischer Dichter es
+so genannt &mdash; ist jetzt von der ersten Gr&ouml;&szlig;e zur
+f&uuml;nften oder sechsten zur&uuml;ckgegangen. Dieser sehr einfache
+Hauptort des Gouvernements hatte einen Augenblick seine alten, mit
+unn&uuml;tzen Zinnen gekr&ouml;nten Mauern gezeigt, ebenso wie seine
+alten Th&uuml;rme in der Mitte der Stadt, seine an Kirchen in modernem
+Stil angrenzenden Moscheen, seine Kathedrale mit f&uuml;nf vergoldeten
+und mit blauen Sternen &uuml;bers&auml;eten Kuppeln, die einem
+ausgeschnittenen St&uuml;ck Firmament glichen &mdash; das Ganze fast im
+Niveau der hier zwei Kilometer breiten Wolgam&uuml;ndung.
+
+</P><P>
+
+Von diesem Punkt aus war der Flug des &bdquo;Albatros&ldquo; schon mehr
+eine Art Ritt durch die H&ouml;hen des Himmels, als w&uuml;rde er von
+fabelhaften Hippogryphen fortgetragen, welche eine Meile mit jedem
+Fl&uuml;gelschlage zur&uuml;cklegen.
+
+</P><P>
+
+Es war gegen zehn Uhr Morgens am 4. Juli, als der Aeronef, etwa dem Thale
+der Wolga folgend, nach Nordwesten weiter steuerte. An beiden
+Stromesufern hin dehnten sich die Steppen des Don und des Ural. W&auml;re
+es m&ouml;glich gewesen, einen Blick auf diese ungeheuren Gebiete zu
+werfen, so h&auml;tte man die St&auml;dte und D&ouml;rfer darin kaum
+z&auml;hlen k&ouml;nnen. Am Abend endlich zog der Aeronef &uuml;ber
+Moskau weg, ohne die auf dem Kreml flatternde Flagge zu salutiren. Binnen
+zehn Stunden hatte er die zweitausend Kilometer, welche Astrachan von der
+Hauptstadt aller Russen trennen, zur&uuml;ckgelegt.
+
+</P><P>
+
+Von Moskau nach Petersburg ist die Eisenbahnlinie nicht l&auml;nger als
+zw&ouml;lfhundert Kilometer, konnte also mehr Zeit als einen halben Tag
+nicht beanspruchen. So erreichte denn auch der &bdquo;Albatros&ldquo; mit
+der P&uuml;nktlichkeit eines Expre&szlig;zuges Petersburg und die Ufer
+der Newa gegen zwei Uhr Morgens. Die Helligkeit der Nacht, in der in so
+hoher Breite die Sonne nicht tief unter den Horizont nieder taucht,
+gestattete einen Augenblick, das Gesammtbild dieser gro&szlig;en Stadt zu
+&uuml;berschauen.
+
+</P><P>
+
+Nachher folgte der finnische Meerbusen, das Inselgewirr von Abo, die
+Ostsee, Schweden in der Breite von Stockholm, Norwegen in der von
+Christiania &mdash; zweitausend Kilometer in nur zehn Stunden! Wahrlich,
+man h&auml;tte glauben k&ouml;nnen, da&szlig; keine menschliche Macht
+fernerhin im Stande w&auml;re, die Geschwindigkeit des
+&bdquo;Albatros&ldquo; zu hemmen, als ob die Resultante seiner Treibkraft
+und der Anziehung der Erde ihn in unver&auml;nderlichem Kreislaufe um die
+Erde gefesselt hielte.
+
+</P><P>
+
+Danach unterbrach er seinen Lauf, und zwar genau &uuml;ber dem
+ber&uuml;hmten Wasserfall des Rjukanfos in Norwegen. Der Gusta, dessen
+Gipfel diesen herrlichen Theil von Telemarken beherrscht, erschien gleich
+einem riesenhaften Grenzwall, den er nach Westen nicht &uuml;berschreiten
+durfte.
+
+</P><P>
+
+Von hier aus n&auml;herte sich der &bdquo;Albatros&ldquo; auch, ohne
+Verminderung seiner Geschwindigkeit, wieder mehr dem Erdboden.
+
+</P><P>
+
+Und was begann wohl Frycollin w&auml;hrend dieser Fahrt ohne Gleichen?
+
+</P><P>
+
+Frycollin blieb stumm in seiner Cabine und schlief, mit Ausnahme der
+Zeit, wo gegessen wurde, so gut er konnte.
+
+</P><P>
+
+Fran&ccedil;ois Tapage leistete ihm dann Gesellschaft und erg&ouml;tzte
+sich weidlich an seiner ewigen Angst.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;He, he, mein Junge, sagte er, Du heulst ja gar nicht mehr?
+Brauchst Dich gar nicht zu geniren! ... Mit zwei Stunden aufgeh&auml;ngt
+sein ist Alles quitt gemacht! ... He, bei der Schnelligkeit, mit der wir
+jetzt fahren, m&uuml;&szlig;te das ein vortreffliches Luftbad gegen den
+Rheumatismus abgeben!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mir kommt es vor, als ob Alles in kurze und kleine St&uuml;cke
+ginge, antwortete Frycollin.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist wohl m&ouml;glich, mein wackerer Frycollin; aber wir
+fliegen so schnell dahin, da&szlig; wir gar nicht mehr fallen
+k&ouml;nnten. Das ist doch auch eine Beruhigung.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Glauben Sie?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Bei meiner Gascogner-Ehre!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Um die Wahrheit zu sagen und nicht zu &uuml;bertreiben, wie
+Fran&ccedil;ois Tapage, so lag die Sache so, da&szlig; die Arbeit der
+Auftriebsschrauben infolge jener ungeheuren Geschwindigkeit jetzt ein
+wenig vermindert war, der Aeronef glitt auf den Luftschichten etwa hin,
+wie eine Congr&egrave;ve'sche Rakete.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und das wird noch lange so fortdauern? sagte Frycollin.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Lange? ... O nein! antwortete der Koch, nur das ganze Leben lang.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ach! seufzte der Neger, wieder mit seinen Klagen beginnend.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nimm Dich in Acht, Frycollin, nimm Dich in Acht! rief da
+Fran&ccedil;ois Tapage, denn, wie man bei mir zu Hause sagt, der Herr
+k&ouml;nnte Dich auf die Schaukel hinaussetzen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Und mit den Bissen, die er gleich doppelt in den Mund steckte,
+w&uuml;rgte Frycollin auch seine Seufzer hinunter.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend dessen entwarfen Onkel Prudent und Phil Evans, welche nicht
+dazu angethan waren, sich unn&uuml;tz zu beklagen, einen wohl
+durchdachten Plan. An Ausf&uuml;hrung eines Fluchtversuches war ja
+unm&ouml;glich zu denken. Doch wenn sie den Fu&szlig; auch nicht auf die
+Erde setzen konnten, war es nicht denkbar, den Erdenbewohnern
+mitzutheilen, was nach ihrem Verschwinden aus dem Vorsitzenden und dem
+Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts geworden war, wer sie geraubt
+hatte, auf welcher fliegenden Maschine sie sich befanden, um vielleicht
+&mdash; aber, lieber Gott, auf welche Weise? &mdash; einen k&uuml;hnen
+Versuch ihrer Freunde, sie den H&auml;nden Robur's zu entrei&szlig;en,
+herbeif&uuml;hren zu k&ouml;nnen?
+
+</P><P>
+
+Doch wie sollten sie von sich Nachricht geben? H&auml;tte es dazu
+hingereicht, die Methode der Seeleute nachzuahmen, welche ein
+Schriftst&uuml;ck mit Bezeichnung der Stelle des Schiffbruchs in eine
+Flasche stecken und diese in's Meer werfen?
+
+</P><P>
+
+Hier vertrat die Stelle des Meeres aber die Atmosph&auml;re. Die Flasche
+konnte darauf nat&uuml;rlich nicht schwimmen. Fiel dieselbe nicht gerade
+auf einen zuf&auml;llig Vor&uuml;bergehenden, dem sie recht gut den
+Sch&auml;del zerschmettern konnte, so lag die Vermuthung nahe, da&szlig;
+sie niemals aufgefunden wurde.
+
+</P><P>
+
+Die beiden Collegen hatten leider kein anderes Mittel zur Verf&uuml;gung
+und sie standen schon im Begriff, eine Flasche des Luftfahrzeuges zu
+opfern, als dem Onkel Prudent noch ein anderer Gedanke kam. Er schnupfte,
+wie wir wissen, und diese kleine Untugend darf man einem Amerikaner, der
+weit schlimmere Unsitten h&auml;tte an sich haben k&ouml;nnen, wohl
+nachsehen. Als Schnupfer besa&szlig; er nat&uuml;rlich auch eine Dose,
+die jetzt schon l&auml;ngst leer war. Diese Dose war aus Aluminium
+gearbeitet. Warf er dieselbe hinaus, so durfte man hoffen, da&szlig;
+jeder ehrbare B&uuml;rger, der sie fand, sie auch aufheben werde. Hob er
+sie auf, so lieferte er sie auch bei der Polizei ab, und hier w&uuml;rde
+man Kenntni&szlig; nehmen von dem Document, welches dazu dienen sollte,
+die Lage der beiden Opfer Robur des Siegers kund zu geben.
+
+</P><P>
+
+Das wurde denn auch ausgef&uuml;hrt. Das kurze einzuschlie&szlig;ende
+Schriftst&uuml;ck sagte Alles und trug daneben die Adresse des
+Weldon-Instituts mit der Bitte, dasselbe dahin zu bef&ouml;rdern.
+
+</P><P>
+
+Nachdem Onkel Prudent das Papier eingelegt, umwickelte er die Dose
+sorgsam mit einem dicken wollenen Band, um zu verh&uuml;ten, da&szlig;
+dieselbe sich w&auml;hrend des Falles schon &ouml;ffne und durch das
+Aufschlagen nicht in St&uuml;cke gehe. Jetzt galt es nur noch eine
+g&uuml;nstige Gelegenheit abzuwarten.
+
+</P><P>
+
+Das Schwerste bei der ganzen Sache war es aber w&auml;hrend dieser
+merkw&uuml;rdigen Fahrt &uuml;ber Europa, das Ruff zu verlassen,
+&uuml;ber das Verdeck zu kriechen, auf die Gefahr hin, fortgerissen zu
+werden, und das ganz heimlich durchzuf&uuml;hren. Andererseits kam es
+darauf an, da&szlig; die Dose nicht in ein Meer, einen Golf, See oder
+einen anderen Wasserlauf fiel, denn damit &mdash; w&auml;re sie ja
+verloren gewesen.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls schien es aber nicht unm&ouml;glich, da&szlig; die beiden
+Collegen sich durch dieses Mittel mit der bewohnten Welt in's
+Einvernehmen setzen konnten.
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt wurde es jedoch Tag und es schien rathsamer, die Nacht
+abzuwarten und entweder eine Verminderung der Geschwindigkeit oder einen
+Halt zu ben&uuml;tzen, um das Ruff zu verlassen. Vielleicht konnten sie
+dann die Reeling erreichen und die kostbare Dose genau &uuml;ber einer
+Stadt herunterfallen lassen.
+
+</P><P>
+
+Doch selbst bei dem Zusammentreffen aller g&uuml;nstigen Umst&auml;nde
+h&auml;tte das Vorhaben nicht gleich zur Ausf&uuml;hrung gebracht werden
+k&ouml;nnen &mdash; wenigstens nicht am heutigen Tage.
+
+</P><P>
+
+Nachdem der Aeronef n&auml;mlich Norwegen in der H&ouml;he des Gusta
+verlassen, hatte er sich nach dem S&uuml;den zu gewendet und folgte jetzt
+genau dem franz&ouml;sischen Meridian Null, der bekanntlich &uuml;ber
+Paris verl&auml;uft. Er schwebte also &uuml;ber die Nordsee hinweg, nicht
+ohne an Bord der Tausende von K&uuml;stenfahrern, welche zwischen dem
+Festlande und England verkehren, das gr&ouml;&szlig;te Aufsehen zu
+erregen. Fiel die Dose hier nicht gerade auf das Deck eines solchen
+Schiffes, so hatte sie die gegr&uuml;ndete Aussicht, auf
+Nimmerwiedersehen in der Tiefe zu versinken.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans sahen sich also gen&ouml;thigt, einen
+g&uuml;nstigeren Augenblick abzuwarten. Da sollte sich ihnen, wie wir
+sehen werden, bald eine besonders geeignete Gelegenheit darbieten.
+
+</P><P>
+
+Gegen zehn Uhr Abends erreichte der &bdquo;Albatros&ldquo; die K&uuml;ste
+Frankreichs, nahezu in der H&ouml;he von Dunkerque. Die Nacht war
+ziemlich dunkel. Einen Augenblick konnte man den Leuchtthurm von Gris-Nez
+seine elektrischen Lichtstrahlen mit denen von Dover kreuzen sehen, die
+also den Canal in seiner ganzen Breite erhellten. Dann steuerte der
+&bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber Frankreich hin und hielt sich dabei in
+einer mittleren H&ouml;he von etwa tausend Metern.
+
+</P><P>
+
+Seine Geschwindigkeit hatte sich freilich nicht ge&auml;ndert. Wie eine
+Bombe flog er &uuml;ber St&auml;dte, Schl&ouml;sser und D&ouml;rfer
+hinweg, die so zahlreich in den fruchtbaren Provinzen des n&ouml;rdlichen
+Frankreichs zerstreut liegen. Es waren das unter dem Meridiane von Paris
+nach Dunkerque, Doullons, Amiens, Creil, St.&nbsp;Denis ... Immer hielt
+jener dabei eine gerade Linie ein. So gelangte er gegen Mitternacht
+&uuml;ber die &bdquo;Stadt des Lichts&ldquo;, welche diesen Namen
+wenigstens verdient, wenn ihre Einwohner schlafen oder doch schlafen
+sollten.
+
+</P><P>
+
+Welch' sonderbare Laune veranla&szlig;te nun den Ingenieur gerade
+&uuml;ber der Stadt Paris einmal anzuhalten? Niemand wei&szlig; es.
+Jedenfalls aber senkte sich hier der &bdquo;Albatros&ldquo; so weit,
+da&szlig; er nur wenige hundert Fu&szlig; &uuml;ber derselben schwebte.
+Robur trat aus seiner Cabine hervor und auch die ganze Mannschaft
+erschien, um lustwandelnd einmal frische Luft zu sch&ouml;pfen, auf dem
+Verdeck.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans achteten wohl darauf, die sich jetzt
+bietende ausgezeichnete Gelegenheit nicht vor&uuml;ber gehen zu lassen.
+Beide suchten sich, sobald sie aus ihrem Ruff getreten waren, von den
+Anderen entfernt zu halten, um den rechten Augenblick zur Ausf&uuml;hrung
+ihres Vorhabens ausw&auml;hlen zu k&ouml;nnen. Auf keinen Fall sollten
+die Anderen etwas davon merken.
+
+</P><P>
+
+Einem gigantischen K&auml;fer &auml;hnlich zog der &bdquo;Albatros&ldquo;
+so langsam &uuml;ber die Stadt hin. Er &uuml;berschritt die Linie der
+Boulevards, welche durch Edison'sche Lampen in hellem Tageslichte lagen.
+Das Ger&auml;usch der Wagen, welche noch durch die Stra&szlig;en jagten,
+und das Rollen der Z&uuml;ge auf den vielen, in Paris zusammentreffenden
+Bahnlinien drang bis zu ihm hinauf.
+
+</P><P>
+
+Dann glitt er in der H&ouml;he der h&ouml;chsten Bauwerke hin, als
+h&auml;tte er die Kugel vom Pantheon oder das Kreuz vom Invalidendom
+abstreifen wollen. Er steuerte zwischen den beiden Minarets des Trocadero
+hindurch nach dem eisernen Thurm des Marsfeldes, dessen ungeheurer
+Reflector die ganze Hauptstadt mit elektrischem Lichte
+&uuml;berstr&ouml;mte.
+
+</P><P>
+
+Diese Luftpromenade, dieses Flaniren in der Nacht, w&auml;hrte etwa eine
+Stunde. Es glich einer Station in den L&uuml;ften vor Fortsetzung der
+endlosen Reise.
+
+</P><P>
+
+Der Ingenieur Robur wollte dabei den Parisern offenbar den Anblick eines
+Meteors bereiten, das ihre Astronomen noch niemals gesehen oder nur
+geahnt hatten. Die Signallichter des &bdquo;Albatros&ldquo; wurden in
+Function gesetzt. Zwei gl&auml;nzende Strahlenb&uuml;ndel ergossen sich
+&uuml;ber die Pl&auml;tze, die H&auml;uservierecke, G&auml;rten und die
+sechzigtausend H&auml;user der Stadt, indem sie ungeheure Lichtmassen von
+einem Horizont zum anderen schweifen lie&szlig;en.
+
+</P><P>
+
+Gewi&szlig; &mdash; diesmal war der &bdquo;Albatros&ldquo; gesehen
+worden, und nicht allein gesehen, sondern auch geh&ouml;rt worden, denn
+Tom Turner hatte die Trompete hervorgeholt und eine schmetternde Fanfare
+&uuml;ber die Stadt hin ert&ouml;nen lassen. In diesem Augenblick beugte
+sich Onkel Prudent ein wenig &uuml;ber die Reeling, &ouml;ffnete die Hand
+und lie&szlig; die Dose fallen.
+
+</P><P>
+
+Fast gleichzeitig erhob sich der &bdquo;Albatros&ldquo; wieder sehr
+schnell.
+
+</P><P>
+
+Da schallte durch die H&ouml;he des Pariser Himmels ein
+vieltausendf&auml;ltiges Hurrah aus der Menge, das sich &uuml;ber die
+Boulevards fortpflanzte &mdash; ein Hurrah der Verwunderung &uuml;ber das
+unvorhergesehene, phantastische Meteor.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich erloschen die Lichtquellen des Aeronefs und rund um ihn
+wurde es wieder dunkel und still; darauf nahm er seine Fahrt mit der
+Geschwindigkeit von zweihundert Kilometern in der Stunde wieder auf.
+
+</P><P>
+
+Das war Alles gewesen, was seine Insassen von der Hauptstadt Frankreichs
+hatten sehen sollen.
+
+</P><P>
+
+Um vier Uhr Morgens hatte der &bdquo;Albatros&ldquo; das ganze Land schon
+&uuml;berflogen. Um keine Zeit mit der Ueberschreitung der Pyren&auml;en
+oder der Alpen zu verlieren, glitt er jetzt an der Oberfl&auml;che der
+Provence bis zur Spitze des Cap d'Antibes hin.
+
+</P><P>
+
+Um neun Uhr blieben die auf der Terrasse des St.&nbsp;Peters-Domes
+versammelten R&ouml;mer verbl&uuml;fft stehen, als sie ihn &uuml;ber die
+Ewige Stadt hinwegschweben sahen. Zwei Stunden sp&auml;ter schwankte er
+hoch &uuml;ber dem Golf von Neapel, einen Augenblick in der
+Rauchs&auml;ule des Vesuvs. Nachdem er dann das Mittelmeer in
+schr&auml;ger Richtung &uuml;berschritten, wurde er in der ersten
+Nachmittagsstunde von den Wachtposten in La Golette an der tunesischen
+K&uuml;ste beobachtet.
+
+</P><P>
+
+Von Amerika &uuml;ber Asien! Von Asien &uuml;ber Europa! Mehr als
+drei&szlig;igtausend Kilometer hatte der wunderbare Apparat in weniger
+als dreiundzwanzig Tagen zur&uuml;ckgelegt.
+
+</P><P>
+
+Und jetzt zog er majest&auml;tisch &uuml;ber die bekannten und
+unbekannten Landmassen Afrikas dahin! </P>
+
+
+<HR>
+
+<P>
+
+Vielleicht w&uuml;nscht der Leser zu erfahren, was nach dem Herabfallen
+aus der ber&uuml;hmten Schnupftabaksdose geworden war?
+
+</P><P>
+
+Die Dose war in der Rivoli-Stra&szlig;e vor dem Hause Nummer 210 zu einer
+Zeit niedergefallen, wo diese Stra&szlig;e gerade ziemlich leer war. Am
+folgenden Morgen wurde sie von einer ehrlichen Stra&szlig;enkehrerin
+aufgefunden, welche sich beeilte, dieselbe auf der Polizei-Pr&auml;fectur
+abzuliefern.
+
+</P><P>
+
+Hier hielt man sie zuerst f&uuml;r einen explodirenden K&ouml;rper und
+wickelte sie mit derselben allergr&ouml;&szlig;ten Vorsicht auf, wie sie
+zuletzt ge&ouml;ffnet wurde.
+
+</P><P>
+
+Da trat wirklich eine Art Explosion ein ... Ein furchtbares Niesen,
+dessen sich der Sicherheitschef nicht zu erwehren vermochte.
+
+</P><P>
+
+Dann zog man das Schriftst&uuml;ck aus der Dose und las zum allgemeinen
+Erstaunen wie folgt:
+
+</P><BLOCKQUOTE><P>
+
+&bdquo;Onkel Prudent und Phil Evans, Vorsitzender und Schriftf&uuml;hrer
+des Weldon-Instituts zu Philadelphia, entf&uuml;hrt durch den Aeronef des
+Ingenieur Robur.
+
+</P><P>
+
+Freunden und Bekannten davon Nachricht zu geben.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans.&ldquo;
+
+</P></BLOCKQUOTE><P>
+
+Hiermit war die unerkl&auml;rliche Erscheinung den Bewohnern beider
+Welten endlich erkl&auml;rt, und die vielen Gelehrten an den
+Observatorien, welche es auf der Erde giebt, gewannen die l&auml;ngst
+verlorene Ruhe endlich wieder.
+</P>
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap12" ID="kap12"></A>
+<H3>XII.<BR>
+In dem der Ingenieur Robur handelt, als ob er sich um einen der
+Monthyon-Preise bewerben wollte.
+</H3>
+
+
+<P>
+Bei dieser Erdumkreisung des &bdquo;Albatros&ldquo; dr&auml;ngen sich
+wohl von selbst ganz verschiedene Fragen auf; zum Beispiel:
+
+</P><P>
+
+Wer ist &uuml;berhaupt dieser Robur, von dem bisher nichts als der Name
+bekannt ist? Verbringt er sein Leben ganz in der Luft? Ruht sein Aeronef
+niemals aus? Hat er nicht vielleicht eine Zuflucht an unzug&auml;nglichem
+Orte, an dem er selbst wenn er der Ruhe nicht bed&uuml;rfte, sich
+wenigstens mit neuen Vorr&auml;then versorgt? Es w&auml;re doch
+merkw&uuml;rdig, wenn das nicht so sein sollte. Auch die m&auml;chtigsten
+Segler der L&uuml;fte haben ja irgendwo einen Horst oder ein Nest.
+
+</P><P>
+
+Und weiter: Was gedenkt der Ingenieur mit den beiden, ihn doch nur
+bel&auml;stigenden Gefangenen zu beginnen? Beabsichtigt er sie in seiner
+Gewalt zu behalten und f&uuml;r ewig zu verdammen, mit ihm
+umherzufliegen? Oder wird er ihnen, nachdem er sie &uuml;ber Afrika,
+S&uuml;damerika, Austral-Asien, den Indischen, den Atlantischen und den
+Stillen Ocean hinweggef&uuml;hrt, um sie wider Willen zu seinen
+Anschauungen zu &uuml;berzeugen, die Freiheit wieder schenken, etwa mit
+den Worten:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jetzt, meine Herren, hoffe ich, werden Sie sich bez&uuml;glich des
+Grundsatzes: &bdquo;Schwerer, als die Luft&ldquo;, nicht mehr so
+ungl&auml;ubig, zeigen!&nbsp;&mdash;&nbsp;?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Auf diese Fragen l&auml;&szlig;t sich vorl&auml;ufig noch keine Antwort
+geben; dies ist ein Geheimni&szlig; der Zukunft; vielleicht wird dasselbe
+eines Tages entschleiert werden.
+
+</P><P>
+
+Auf keinen Fall schickte der Vogel Robur sich aber an, jenes angedeutete
+Nest an der Nordk&uuml;ste Afrikas aufzusuchen. Im Laufe des Tages strich
+er noch, je nach Laune, bald dahinrasend, bald langsamer schwebend, vom
+Cap Bon bis zum Cap Carthago &uuml;ber die Regentschaft Tunis hin. Darauf
+wandte er sich mehr dem Landesinneren zu und schlug den Weg durch das
+wundervolle Thal der Medjerda ein, indem er dem gelblichen, unter Cactus
+und Rosenb&uuml;schen verborgenen Wasserlauf derselben folgte. Zu vielen
+Hunderten flogen V&ouml;gel auf, die in langen Reihen auf den
+Telegraphendr&auml;hten sa&szlig;en, als wollten sie die Depeschen beim
+Durchgang abfangen und auf ihren Fl&uuml;geln weiter tragen.
+
+</P><P>
+
+Mit Einbruch der Nacht schwebte der &bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber den
+Grenzen von Krumirien, und wenn noch ein Krumir wach war, so
+unterlie&szlig; er es gewi&szlig; nicht, das Gesicht auf die Erde
+niederzuwerfen und Allah bei der Erscheinung dieses riesenhaften Adlers
+um Schutz und Hilfe anzuflehen.
+
+</P><P>
+
+Am folgenden Morgen waren Bona und die sch&ouml;nen H&uuml;gel seiner
+Umgebung in Sicht, sp&auml;ter Philippeville, jetzt ein kleines Algier,
+mit seinen bogenf&ouml;rmigen Quais, seinen herrlichen Weing&auml;rten,
+deren gr&uuml;nende Reben der ganzen Landschaft ihren Charakter
+verleihen, einer Landschaft, welche aus Bordelais und den gesegneten
+Gebieten von Burgund herausgeschnitten zu sein scheint.
+
+</P><P>
+
+Diese Spazierfahrt von f&uuml;nfhundert Kilometern &uuml;ber Gro&szlig;-
+und Klein-Kabylien hinweg endigte gegen Mittag in der H&ouml;he der
+Kasbah von Algier. Welch' sch&ouml;nes Bild bot sich da den Passagieren
+des Aeronefs! Die offene Rhede zwischen Cap Matifu und der
+Pescade-Spitze, das mit Pal&auml;sten, Maravuts und Landh&auml;usern
+bes&auml;ete Uferland; die launenhaft gewundenen Th&auml;ler mit ihrem
+Mantel von Weinstocken; das tiefblaue Mittelmeer, das die hier kleinen
+Booten gleichenden transatlantischen Dampfer durchfurchen. So ging es
+weiter bis zu dem malerischen Oran, dessen in den Gartenanlagen der
+Citadelle versammelte Bewohner den &bdquo;Albatros&ldquo; mit den ersten
+aufleuchtenden Sternen verschmelzen sahen.
+
+</P><P>
+
+Wenn Onkel Prudent und Phil Evans sich fragten, welcher Laune der
+Ingenieur Robur nachgebe, als er ihr fliegendes Gef&auml;ngni&szlig;
+&uuml;ber Algerien &mdash; die Fortsetzung Frankreichs an der
+S&uuml;dk&uuml;ste des Mittelmeeres &mdash; hinf&uuml;hrte, so
+mu&szlig;ten sie die Ueberzeugung gewinnen, da&szlig; diese Laune zwei
+Stunden nach Sonnenuntergang befriedigt sei. Eine Wendung des
+Steuerruders lenkte den &bdquo;Albatros&ldquo; nach S&uuml;dosten ab, und
+dieser sah am folgenden Tage, nachdem er die bergige Gegend des Tell
+&uuml;berstiegen, die Sonne &uuml;ber dem W&uuml;stensande der Sahara
+aufgehen.
+
+</P><P>
+
+Am 8. Juli wurde nun folgende Reiseroute zur&uuml;ckgelegt: Zuerst
+erblickte man den kleinen Flecken G&eacute;ryville, der, wie Laghuat, an
+der Grenze der W&uuml;ste gegr&uuml;ndet wurde, um die endliche Eroberung
+von Kabylien zu erleichtern; nachher passirte man den Kamm von Stillen,
+und zwar bei dem herrschenden heftigen Gegenwinde nicht ohne
+Schwierigkeit. Weiter ging es &uuml;ber die W&uuml;ste hin, bald langsam
+oberhalb der gr&uuml;nenden Oasen oder Ksars, bald mit wilder
+Schnelligkeit, welche den Flug der L&auml;mmergeier &uuml;berholte.
+Manchmal mu&szlig;te sogar auf diese gewaltigen Raubv&ouml;gel Feuer
+gegeben werden, die sich, zu zw&ouml;lf und f&uuml;nfzehn vereinigt,
+selbst nicht scheuten, zum gr&ouml;&szlig;ten Schrecken Frycollins sich
+auf den Aeronef zu st&uuml;rzen.
+
+</P><P>
+
+Wenn diese L&auml;mmergeier nur durch furchtbares Geschrei, durch
+Schnabelhiebe und Krallenschl&auml;ge zu antworten vermochten, so
+verschonten die nicht minder wilden Eingeborenen ihn nicht mit
+Flintensch&uuml;ssen, vorz&uuml;glich als er &uuml;ber die Berge von Sel
+gekommen war, deren gr&uuml;ne und violette Grundmasse da und dort durch
+den wei&szlig;en Mantel blickte. Jetzt schwebte das Luftschiff schon
+&uuml;ber der gro&szlig;en Sahara, wo an verschiedenen Stellen noch Reste
+der Lagerst&auml;tten Abd-el-Kader's zu bemerken waren. Hier &mdash; und
+vorz&uuml;glich unter den Verb&uuml;ndeten Beni-Myal &mdash; bietet das
+Land f&uuml;r den europ&auml;ischen Reisenden noch immer ernste Gefahren.
+
+</P><P>
+
+Jetzt mu&szlig;te der &bdquo;Albatros&ldquo; wieder in h&ouml;here Zonen
+fl&uuml;chten, um einem daherrasenden Samum zu entgehen, der eine
+gewaltige Welle r&ouml;thlichen Sandes auf der Erde vor sich hintrieb,
+wie die steigende Fluth die Brandungswelle im Ocean. Weiterhin entluden
+die &ouml;den Hochplateaus der Chebka ihre schw&auml;rzlichen Lavamassen
+bis herunter zu dem frischen, gr&uuml;nen Thale des Ain-Massin.
+Schwerlich verm&ouml;chte sich Jemand gr&ouml;&szlig;ere Mannigfaltigkeit
+der Landschaften vorzustellen, welche der Blick hier in weitem Umfange
+umfa&szlig;te. Auf baum- und buschbedeckte H&uuml;gel folgten da lange
+graue Bodenwellen, gleich den Falten eines arabischen Burnus. In der
+Ferne erschienen &bdquo;Oueds&ldquo; mit brausenden Bergstr&ouml;men,
+W&auml;lder von Palmen, kleine Ansammlungen von H&uuml;tten, welche
+entweder einen H&uuml;gel kr&ouml;nten oder eine Moschee umrahmten, unter
+anderen Metliti, wo ein religi&ouml;ser H&auml;uptling, der gro&szlig;e
+Marabut Sidi Scheik, seinen Sitz hat.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend der Nacht wurden mehrere hundert Kilometer &uuml;ber ein
+ziemlich ebenes, nur von D&uuml;nen unterbrochenes Gebiet
+zur&uuml;ckgelegt. H&auml;tte der &bdquo;Albatros&ldquo; hier Halt machen
+wollen, so w&uuml;rde er in der Niederung der, unter einem ungeheuren
+Palmenwald versteckten Oase Uargla die Erde erreicht haben. Sehr deutlich
+zeigte sich die Stadt mit ihren drei bestimmt unterschiedenen Quartieren,
+mit dem alten Palast des Sultans, einer Art befestigter Kasbah, ihren
+H&auml;usern aus Backsteinen, welche erst die gl&uuml;hende Sonne hart
+brennt, und mit ihren im Thale erbohrten artesischen Brunnen, an denen
+der Aeronef seinen Wasservorrath h&auml;tte erneuern k&ouml;nnen. Dank
+seiner au&szlig;erordentlichen Schnelligkeit aber f&uuml;llte das im
+Thale von Kaschmir aus dem Hydaspis gesch&ouml;pfte Wasser noch immer die
+Vorrathstonnen, selbst in den W&uuml;sten von Afrika, an.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; wurde von den Arabern, den Mozabiten und den
+Negern, welche sich in die Oasen von Uargla theilen, unzweifelhaft
+bemerkt, denn es begr&uuml;&szlig;ten ihn von hier aus Hunderte von
+Gewehrsch&uuml;ssen, ohne da&szlig; die Kugeln ihn h&auml;tten erreichen
+k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Dann kam die Nacht, die grabesstille W&uuml;stennacht, deren Geheimnisse
+Felicien David so hochpoetisch geschildert hat.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend der folgenden Stunden kehrte man wieder nach S&uuml;dwesten
+zur&uuml;ck und kreuzte die Stra&szlig;en von El Golea, deren eine im
+Jahre 1859 durch den unerschrockenen Duveyrier entdeckt worden war.
+
+</P><P>
+
+Rings herrschte tiefe Finsterni&szlig;. Nichts war zu sehen von der nach
+den Pl&auml;nen Duponchel's zu erbauenden Sahara-Bahn, dem langen
+Eisenbande, das Algier mit Timbuctu &uuml;ber Leghuat und Gardaia
+verkn&uuml;pfen und sp&auml;ter bis zum Golf von Guinea fortgesetzt
+werden soll.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; gelangte nun in die &auml;quatorialen Gebiete
+jenseits des Wendekreises des Krebses. Tausend Kilometer von der
+Nordgrenze der Sahara &uuml;berschritt er die Stra&szlig;e, wo der Major
+Loiny 1846 den Tod fand; er kreuzte den Weg der Caravane von Marokko nach
+dem Sudan, und &uuml;ber dem Theile der W&uuml;ste, in dem die Tuarys
+hausen, h&ouml;rte er, was man den &bdquo;Gesang des Sandes&ldquo; zu
+nennen pflegt, ein sanftes, klagendes Murmeln, das dem Erdboden zu
+entsteigen scheint.
+
+</P><P>
+
+Nur ein einziger Zwischenfall ereignete sich hier; eine Wolke von
+Heuschrecken zog in gro&szlig;er H&ouml;he daher und aus derselben fiel
+nun eine so gro&szlig;e Menge an Bord, da&szlig; das Luftschiff davon
+unterzugehen drohte. Die Mannschaft beeilte sich jedoch, die
+unerw&uuml;nschte Last wieder abzuwerfen, bis auf mehrere hundert
+St&uuml;ck, welche Fran&ccedil;ois Tapage f&uuml;r sich in Anspruch nahm.
+Er richtete dieselben auf so ausgezeichnet schmackhafte Weise zu,
+da&szlig; Frycollin dar&uuml;ber sogar einmal seine eigene Angst
+verga&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das schmeckt so gut, wie die besten Krabben!&ldquo; sagte er.
+
+</P><P>
+
+Man befand sich jetzt tausendachthundert Kilometer von der Oase Uargla
+entfernt, fast auf der Nordgrenze des ungeheuren K&ouml;nigreichs Sudan.
+
+</P><P>
+
+Gegen zwei Uhr Nachmittags wurde auch am Knie eines gro&szlig;en Stromes
+eine Stadt sichtbar. Dieser Strom war der Niger &mdash; die Stadt war
+Timbuctu.
+
+</P><P>
+
+Wenn dieses afrikanische Mekka bisher nur von k&uuml;hnen Reisenden der
+Alten Welt, von einem Batouta, Khazan, Imbert, Mungo-Park, Adams, Loiny,
+Laill&eacute;, Barth, Lenz und Anderen besucht worden war, so konnten von
+heute ab, und zwar Dank den Zuf&auml;lligkeiten eines Abenteuers ohne
+Gleichen, auch zwei Amerikaner <TT>de visu</TT>, <TT>de auditu</TT> und
+obendrein <TT>de olfactu</TT> davon bei ihrer Heimkehr nach Amerika reden
+&mdash; wenn sie &uuml;berhaupt einmal dahin zur&uuml;ckgelangten.
+
+</P><P>
+
+<TT>De visu</TT>, weil sie alle Ecken des f&uuml;nf bis sechs Kilometer
+gro&szlig;en Dreiecks, das die Stadt bildet, &uuml;bersehen konnten;
+&mdash; <TT>de auditu</TT>, weil an diesem Tage gro&szlig;er Markt
+abgehalten wurde, bei dem es ohne einen Heidenl&auml;rmen nicht abgeht;
+&mdash; <TT>de olfactu</TT>, weil der Geruchsnerv sehr unangenehm erregt
+werden mu&szlig;te durch die D&uuml;nste des Yubu-Kamo-Platzes, auf dem
+sich dicht neben dem alten Palaste der K&ouml;nige die
+Fleischverkaufshalle erhebt.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls glaubte der Ingenieur den Vorsitzenden und den
+Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts darauf aufmerksam machen zu
+sollen, da&szlig; es die h&ouml;chste Zeit sei, sich die K&ouml;nigin des
+Sudans zu betrachten, die sich jetzt in den H&auml;nden der Touaregs von
+Laganet befindet.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Timbuctu, meine Herren!&ldquo; sagte er zu ihnen in demselben
+Tone, in dem er zw&ouml;lf Tage fr&uuml;her zu ihnen &bdquo;Indien, meine
+Herren!&ldquo; gesagt hatte.
+
+</P><P>
+
+Dann fuhr er fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Timbuctu, unter 18 Grad n&ouml;rdlicher Breite und 5 Grad 56
+Minuten westlicher L&auml;nge von Paris, zweihundertf&uuml;nfundvierzig
+Meter &uuml;ber dem mittleren Niveau des Meeres gelegen. Eine bedeutende
+Stadt von zw&ouml;lf- bis dreizehntausend Einwohnern, die sich ehedem
+durch Kunst und Wissenschaft auszeichnete. &mdash; Vielleicht hatten Sie
+den Wunsch, hier einige Tage Halt zu machen?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ein solches Angebot des Ingenieurs konnte nur ironisch gemeint sein.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Inde&szlig;, fuhr er fort, es m&ouml;chte f&uuml;r Fremde
+einigerma&szlig;en gef&auml;hrlich werden, inmitten von Negern, Berbern,
+Fullahs und Arabern, welche hier wohnen, vorz&uuml;glich wenn wir
+bedenken, da&szlig; die Ankunft des Aeronefs ihr Mi&szlig;fallen erregt
+haben d&uuml;rfte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mein Herr, erwiderte Phil Evans in derselben Tonart, f&uuml;r das
+Vergn&uuml;gen, Sie verlassen zu k&ouml;nnen, w&uuml;rden wir gern die
+Gefahr auf uns nehmen, von den Eingeborenen hier &uuml;bel empfangen zu
+werden. Ein Kerker ist so gut wie der andere, aber Timbuctu immer noch
+besser, als der &bdquo;Albatros&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das sind Geschmackssachen, versetzte der Ingenieur. Auf keinen
+Fall m&ouml;chte ich das Abenteuer wagen, denn ich bin verantwortlich
+f&uuml;r die Sicherheit der G&auml;ste, welche mir die Ehre anthun, mit
+mir zu reisen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sie begn&uuml;gen sich also nicht mehr, Ingenieur Robur, platzte
+jetzt Onkel Prudent, dem die Galle &uuml;berlief, heraus, mit der Rolle
+unseres Kerkermeisters &mdash; nein, Sie m&uuml;ssen uns auch noch
+beleidigen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; O, das war h&ouml;chstens eine erlaubte Ironie!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Giebt es denn keine Waffen an Bord?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gewi&szlig;, ein ganzes Arsenal.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Zwei Revolver w&uuml;rden gen&uuml;gen, wenn ich den einen nehme
+und Sie, mein Herr, den anderen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ein Duell, rief Robur, ein Duell, das Einem von uns das Leben
+kosten k&ouml;nnte!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, ihm gewi&szlig; kosten w&uuml;rde!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, nein, mein Herr Pr&auml;sident des Weldon-Instituts, ich
+ziehe es vor, Sie am Leben zu erhalten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Um sicherer zu sein, da&szlig; Sie selbst leben bleiben. Das ist
+sehr klug.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Klug oder nicht, mir pa&szlig;t es eben. Es steht Ihnen
+v&ouml;llig frei, dar&uuml;ber anders zu denken und Klage zu erheben,
+wenn Sie es k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist schon geschehen, Ingenieur Robur!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wirklich?
+
+</P><P>
+
+&mdash; War es denn bei unserer Fahrt &uuml;ber die bewohnten Gegenden
+Europas so schwierig, ein Schriftst&uuml;ck hinunterfallen zu
+lassen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das h&auml;tten Sie gethan? unterbrach ihn Robur, in dem der Zorn
+hell aufloderte.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wenn wir es gethan h&auml;tten?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wenn Sie es gethan h&auml;tten, verdienten Sie&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Was denn, mein Herr Ingenieur?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Da&szlig; man Sie Ihrem Schreiben &uuml;ber Bord nachfliegen
+lie&szlig;e!
+
+</P><P>
+
+&mdash; So werfen Sie uns &uuml;ber Bord ... Wir haben es gethan!&ldquo;
+rief Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Robur trat auf die beiden Collegen zu. Auf ein Zeichen von ihm waren Tom
+Turner und einige seiner Kameraden herzugelaufen. Ja, der Ingenieur hatte
+verzweifelte Lust, seine Drohung zur Ausf&uuml;hrung zu bringen, und ohne
+Zweifel zog er sich nur aus Besorgni&szlig;, ihr nicht widerstehen zu
+k&ouml;nnen, pl&ouml;tzlich in seine Cabine zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sehr sch&ouml;n! sagte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und was er zu thun nicht wagte, erkl&auml;rte Onkel Prudent, das
+werde ich wagen, ich, ja, ich werde es thun!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In diesem Augenblick liefen die Bewohner von Timbuctu auf den
+Pl&auml;tzen und Stra&szlig;en der Stadt zusammen und sammelten sich auf
+den Terrassen der amphitheatralisch erbauten H&auml;user.
+
+</P><P>
+
+In den reichen Vierteln von Sankore und Sarahama, wie in den elenden
+kugelf&ouml;rmigen H&uuml;tten des Quartiers Raguidi donnerten die
+Priester von den Spitzen der Minarets die schlimmsten Fl&uuml;che und
+Verw&uuml;nschungen gegen das Ungeheuer in der Luft. Das war inde&szlig;
+unsch&auml;dlicher, als Flintenkugeln.
+
+</P><P>
+
+Und auch bis zum Hafen von Kabara an der scharfen Biegung des Niger war
+Alles, was sich auf Schiffen und Booten befand, in lebhafterer Bewegung.
+Wenn der &bdquo;Albatros&ldquo; hier zur Erde niedergegangen w&auml;re,
+die Leute h&auml;tten ihn in St&uuml;cke gerissen.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend einiger Stunden folgten ihm schreiend und an Schnelligkeit
+wetteifernd l&auml;rmende Schaaren von St&ouml;rchen, Haselh&uuml;hnern
+und Ibissen; sein rascher Flug hatte dieselben aber bald hinter sich
+zur&uuml;ckgelassen.
+
+</P><P>
+
+Gegen Abend ert&ouml;nte ein dumpfes Grollen und Murren von zahlreichen
+Elephanten und B&uuml;ffelheerden, welche in diesen, durch ganz besondere
+Fruchtbarkeit ausgezeichneten Gebieten umherirrten.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend vierundzwanzig Stunden entrollte sich die ganze zwischen dem
+Meridian 0 und dem 2. Grade der L&auml;nge zwischen dem Knie des Stromes
+gelegene Gegend unter dem &bdquo;Albatros&ldquo; gleich einem
+Wandelpanorama.
+
+</P><P>
+
+Ja, wenn ein Geograph einen solchen Apparat zur Verf&uuml;gung gehabt
+h&auml;tte, wie leicht w&auml;re es ihm dann nicht gewesen, eine
+topographische Aufnahme des Landes auszuf&uuml;hren, die h&ouml;chsten
+Punkte zu messen, den Lauf der Str&ouml;me und ihrer Nebenfl&uuml;sse zu
+bestimmen und die Lage der St&auml;dte und D&ouml;rfer festzusetzen. Dann
+g&auml;be es in den Karten von Inner-Afrika nicht mehr so viel leere
+Stellen, so viel nur mit blassen Farben markirte L&auml;nder &mdash; und
+keine punktirte Linien und unsichere Abgrenzungen mehr, welche die
+Kartographen zur Verzweiflung bringen.
+
+</P><P>
+
+Am Morgen des 11. &uuml;berschritt der &bdquo;Albatros&ldquo; die Berge
+des n&ouml;rdlichen Guinea zwischen dem Sudan und dem Golf, der dessen
+Namen tr&auml;gt. Am Horizont erhoben sich schon in undeutlicher Linie
+die Kong-Berge des K&ouml;nigreichs Dahomey.
+
+</P><P>
+
+Seit der Abfahrt von Timbuctu hatten Onkel Prudent und Phil Evans
+beobachten k&ouml;nnen, da&szlig; sie stets die Richtung von Norden nach
+S&uuml;den eingehalten hatten. Sie schlossen daraus, da&szlig; sie, wenn
+hierin keine Aenderung eintrat, sechs Grade weiter die Aequinoctiallinie
+erreichen mu&szlig;ten. Sollte der &bdquo;Albatros&ldquo; sich wirklich
+vom Festland ganz wegwenden und hinaus, nicht auf das Behring-Meer, den
+Kaspis-See, die Nordsee und das Mittelmeer, sondern auf den Atlantischen
+Ocean wagen wollen?
+
+</P><P>
+
+Diese Aussicht war f&uuml;r die beiden Collegen, welche damit jede
+Gelegenheit, zu entfliehen, verloren, freilich keine besonders angenehme.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; bewegte sich jetzt jedoch nur langsam
+vorw&auml;rts, als z&ouml;gere er noch, das afrikanische Gebiet zu
+verlassen. Der Ingenieur dachte inde&szlig; keineswegs an eine Umkehr,
+nur fesselte das Land, &uuml;ber welches sie kamen, seine Aufmerksamkeit
+im h&ouml;chsten Grade.
+
+</P><P>
+
+Es ist allgemein und war ihm nicht minder bekannt, da&szlig; das
+K&ouml;nigreich Dahomey an der Westk&uuml;ste Afrikas eines der
+m&auml;chtigsten ist. Stark genug, um sich mit dem benachbarten Reiche
+der Aschantis im Kampfe messen zu k&ouml;nnen, sind seine Grenzen doch
+sehr beschr&auml;nkt, denn es mi&szlig;t nur f&uuml;nfundzwanzig
+(englische) Meilen von Nord nach S&uuml;d und gegen sechzig Meilen von
+Ost nach West; seine Einwohnerzahl bel&auml;uft sich jedoch auf
+7&ndash;800.000 Seelen, seitdem es die bisher unabh&auml;ngigen Gebiete
+von Ardrah und Wydoch annectirt hat.
+
+</P><P>
+
+Wenn dieses K&ouml;nigreich Dahomey also auch nicht gro&szlig; ist, so
+hat es doch recht oft von sich reden gemacht. Es wurde zeitig
+ber&uuml;hmt durch die entsetzlichen Grausamkeiten, welche daselbst beim
+Jahreswechsel begangen werden, durch die Menschenopfer, die furchtbaren
+Hekatomben, welche gew&ouml;hnlich dem verstorbenen und dem seine Stelle
+ersetzenden K&ouml;nige dargebracht werden. Ja, es geh&ouml;rt so zu
+sagen zum guten Ton, da&szlig; der K&ouml;nig von Dahomey, wenn er den
+Besuch einer hohen Person oder etwa eines Gesandten erh&auml;lt, diesem
+zu Ehren einem Dutzend Gefangenen die K&ouml;pfe abschlagen
+l&auml;&szlig;t &mdash; abschlagen durch seinen Minister der Justiz, den
+&bdquo;Minghan&ldquo;, der sich seiner Aufgabe als Henker vortrefflich
+entledigt.
+
+</P><P>
+
+Zur Zeit, als der &bdquo;Albatros&ldquo; die Grenze von Dahomey
+&uuml;berschritt, war eben der K&ouml;nig Lahadu verstorben und die ganze
+Bev&ouml;lkerung schritt zur Feier der Thronbesteigung seines
+Nachfolgers. Daher herrschte im ganzen Lande eine gro&szlig;e Aufregung
+und Bewegung, welche Robur nicht hatte entgehen k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Lange Z&uuml;ge von Landbewohnern Dahomeys dr&auml;ngten sich nach
+Abomey, der Hauptstadt des Reiches, hin. Ueberall zeigte das Land
+wohlunterhaltene Stra&szlig;en, welche durch weite, mit sehr hohem Grase
+bewachsene Ebenen verlaufen. Ungeheure Maniocfelder, W&auml;lder voll
+herrlicher Palmen, Cocosnu&szlig;b&auml;ume, Mimosen, Orangen- und
+Mangob&auml;ume, deren D&uuml;fte bis zum &bdquo;Albatros&ldquo;
+hinaufstiegen, w&auml;hrend Tausende von Papageien und Cardin&auml;len
+aus dem dunklen Gr&uuml;n aufflatterten.
+
+</P><P>
+
+Ueber die Reeling gebeugt und in Gedanken versunken, wechselte der
+Ingenieur nur wenige Worte mit Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+Es schien &uuml;brigens nicht, als ob der &bdquo;Albatros&ldquo; von
+vornherein die Aufmerksamkeit der sich fortbewegenden Menschenmasse
+erweckte, welche auch selbst unter den dichten Baumkronen meist nicht
+sichtbar war. Haupts&auml;chlich kam das jedoch wohl daher, da&szlig; er
+sich in gro&szlig;er H&ouml;he und zwischen leichten Wolken hielt.
+
+</P><P>
+
+Gegen elf Uhr Vormittags erschien die Stadt mit ihrem Mauerg&uuml;rtel,
+den noch ein zw&ouml;lf Meilen im Umfang messender Graben vertheidigt,
+mit ihren breiten, regelm&auml;&szlig;igen, sehr eben verlaufenden
+Stra&szlig;en und dem gro&szlig;en Platz, den der Palast des K&ouml;nigs
+einnimmt. Alle die vielen Baulichkeiten &uuml;berragt noch eine Terrasse,
+nicht weit vom gew&ouml;hnlichen Opferplatz. W&auml;hrend der
+gr&ouml;&szlig;ten Feste werden dem Volke von der H&ouml;he derselben aus
+die in Weidenk&ouml;rben angebundenen Gefangenen zugeworfen, und man kann
+sich schwer eine Vorstellung von der Wuth machen, mit welcher diese
+Ungl&uuml;cklichen in St&uuml;cke gerissen werden.
+
+</P><P>
+
+In einem Theile der H&ouml;fe, welche den Palast des Herrschers
+umschlie&szlig;en, sind viertausend Krieger einquartirt, eine der
+Abtheilungen der k&ouml;niglichen Armee, und nat&uuml;rlich nicht die
+schlechteste.
+
+</P><P>
+
+Wenn es auch zweifelhaft ist, da&szlig; es jemals Amazonen auf dem Strome
+dieses Namens gegeben habe, so liegt das in Dahomey anders. Die Einen
+tragen hier ein blaues Hemd, roth und blaue Sch&auml;rpe, wei&szlig;e,
+blaugestreifte Beinkleider, wei&szlig;e kurze Beinkleider dar&uuml;ber
+und die Patronentasche im G&uuml;rtel; die Anderen, die
+Elephanten-J&auml;gerinnen, sind bewaffnet mit einer plumpen Flinte,
+einem Dolch mit kurzer Klinge, und auf dem Kopfe tragen sie zwei mit
+einem Eisenringe befestigte Antilopenh&ouml;rner; die Artilleristen haben
+einen halb rothen und halb blauen Ueberwurf und als Waffe die
+Donnerb&uuml;chse mit alten gu&szlig;eisernen Rohren, noch Andere
+endlich, ein Bataillon jener M&auml;dchen, tr&auml;gt eine Art blauer
+M&auml;ntel mit kurzem wei&szlig;en Beinkleid; das sind wirkliche
+Vestalinnen, keusch wie Diana und wie diese mit Pfeilen und Bogen
+ausger&uuml;stet.
+
+</P><P>
+
+Rechnet man zu diesen Amazonen noch f&uuml;nf- bis sechstausend Mann in
+Baumwollhemden und mit einem G&uuml;rtel um die Taille, so hat man die
+ganze Armee von Dahomey Revue passiren lassen.
+
+</P><P>
+
+Abomey selbst war an diesem Tage v&ouml;llig menschenleer, der
+K&ouml;nig, das ganze Personal, die m&auml;nnliche wie die weibliche
+Armee, sowie die Einwohner, Alle hatten die Hauptstadt verlassen, um
+einige Meilen entfernt auf einem gro&szlig;en, von pr&auml;chtigem
+Baumschlag eingerahmten Platze zusammenzustr&ouml;men.
+
+</P><P>
+
+Es war das die Ebene, auf der die Huldigung des neuen K&ouml;nigs
+stattfinden sollte, und hier harrten Tausende, bei Gelegenheit der
+letzten Razzias eingebrachte Gefangene zur Ehre desselben ihres letzten
+Augenblicks.
+
+</P><P>
+
+Gegen zwei Uhr Nachmittags begann der jetzt &uuml;ber derselben Ebene
+schwebende &bdquo;Albatros&ldquo; aus einer leichten Dunstschicht, die
+ihn bisher den Augen der Bev&ouml;lkerung von Dahomey verh&uuml;llt
+hatte, etwas mehr niederzusinken.
+
+</P><P>
+
+Hier befanden sich jetzt wohl gegen sechzigtausend Menschen, die aus
+allen Gegenden des Reiches, aus Midah, Karapay, Ardrah, Tombory und aus
+allen St&auml;dten und D&ouml;rfern gekommen waren.
+
+</P><P>
+
+Der neue K&ouml;nig &mdash; ein kr&auml;ftiger Kerl, Namens Bu-Stadi und
+f&uuml;nfundzwanzig Jahre alt &mdash; thronte auf einer kleinen
+Anh&ouml;he, welche eine Gruppe von B&auml;umen mit langen Aesten
+beschattete. Vor ihm dr&auml;ngte sich der neue Hofstaat, seine
+m&auml;nnliche Armee, seine Amazonen und das ganze Volk hin und her.
+
+</P><P>
+
+Am Fu&szlig;e dieses Erdh&uuml;gels spielten etwa f&uuml;nfzig Musiker
+auf ihren barbarischen Instrumenten, bliesen auf Elephantenz&auml;hnen,
+die einen rauhen Ton gaben, wirbelten auf gro&szlig;en, mit einer
+Hirschkuhhaut bespannten Trommeln, oder hatten Flaschenk&uuml;rbisse,
+Guitarren, Glocken, die mit einem Eisenstabe angeschlagen wurden, und
+Fl&ouml;ten aus Bambusrohr, deren scharfer Klang das ganze Orchester
+&uuml;bert&ouml;nte. Jeden Augenblick krachten die Flinten,
+Donnerb&uuml;chsen und zuweilen die alten Kanonen, deren Lafetten dabei
+zur&uuml;cksprangen, da&szlig; die Artilleristen in Lebensgefahr kamen;
+dazu herrschte ein solcher Heidenl&auml;rm und so w&uuml;stes Geschrei,
+da&szlig; man kaum einen Donnerschlag h&auml;tte h&ouml;ren k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+In einer Ecke der freien Ebene standen, von Soldaten &uuml;berwacht, die
+Gefangenen, welche dem verstorbenen K&ouml;nige das Geleit in die andere
+Welt geben sollten, denn durch sein Ableben darf ein solcher noch keine
+Einbu&szlig;e an seiner hohen W&uuml;rde erleiden. Bei der Leichenfeier
+Ghozo's, des Vaters Bahadu's, hatte dessen Sohn ihm dreitausend Diener
+mitgegeben. Bu-Stadi konnte seinem Vorg&auml;nger hierin doch nicht
+nachstehen. Der Todte brauchte ja eine Menge Sendboten, nicht allein, um
+die Geister seiner Ahnen herbeizurufen, sondern auch, um alle Bewohner
+des Himmels zu versammeln, welche das Gefolge des verewigten K&ouml;nigs
+bilden sollten.
+
+</P><P>
+
+Eine Stunde verging mit Gespr&auml;chen, Vortr&auml;gen und Ansprachen,
+unterbrochen von T&auml;nzen, welche nicht allein die eigentlichen
+Bajaderen auff&uuml;hrten, sondern auch die Amazonen, die dabei viel
+kriegerische Grazie entwickelten.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen kam die Zeit zur Hinrichtung heran. Robur, der die blutigen
+Gewohnheiten von Dahomey schon kannte, verlor die gefangenen M&auml;nner,
+Frauen und Kinder, welche abgeschlachtet werden sollten, niemals aus dem
+Auge.
+
+</P><P>
+
+Der Minghan verweilte am Fu&szlig;e des Erdh&uuml;gels. Er schwang das
+Richtschwert mit gebogener Klinge, auf der auch noch ein metallener Vogel
+sa&szlig;, dessen Gewicht ihm noch mehr Schwung verlieh. Dieses Mal war
+er nicht allein; er w&auml;re mit der Arbeit auch nicht fertig geworden.
+In seiner Umgebung befanden sich noch hundert Scharfrichter, die alle
+einge&uuml;bt waren, einen Kopf mit einem einzigen Hieb vom Rumpfe zu
+l&ouml;sen.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen n&auml;herte sich der &bdquo;Albatros&ldquo; allm&auml;hlich
+in schr&auml;ger Richtung und lie&szlig; seine Auftriebs- und
+Treibschrauben mit verminderter Geschwindigkeit spielen. Bald trat er aus
+der Wolkenschicht hervor, die ihn bis wenigstens hundert Meter von der
+Erde verh&uuml;llt hatte, und wurde jetzt zum ersten Male sichtbar.
+
+</P><P>
+
+Ganz entgegen den gew&ouml;hnlichen Erfahrungen sahen die wilden
+Eingeborenen in ihm nur ein himmlisches Wesen, das ganz allein zu dem
+Zwecke herabgestiegen sei, dem K&ouml;nige Bahadu zu huldigen.
+
+</P><P>
+
+Das gab einen Enthusiasmus ohne Gleichen, unendliche Zurufe, lautes
+Jubeln und allgemeine Gebete, gerichtet an diesen
+&uuml;bernat&uuml;rlichen Hippogryph, der ohne Zweifel jetzt kam, um den
+K&ouml;rper des verstorbenen K&ouml;nigs in die H&ouml;he des
+Dahomey'schen Himmels zu tragen.
+
+</P><P>
+
+Eben da fiel der erste Kopf unter dem Schwerte des Minghan; dann wurden
+hundert andere Gefangene ihren schrecklichen Henkern zugef&uuml;hrt.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich krachte vom &bdquo;Albatros&ldquo; ein Schu&szlig;. Der
+Justizminister st&uuml;rzte getroffen zur Erde.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Gut gezielt, Tom! sagte Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Bah! ... Es war ein Schu&szlig; mitten in den Haufen!&ldquo;
+antwortete bescheiden der Obersteuermann.
+
+</P><P>
+
+Seine ebenfalls bewaffneten Kameraden standen bereit, auf das erste
+Zeichen des Ingenieurs Feuer zu geben.
+
+</P><P>
+
+Die Volksmenge hatte durch diesen Vorfall aber ihre Anschauungen schnell
+gewechselt; dieses gefl&uuml;gelte Ungeheuer war kein guter, sondern ein
+dem guten Volk von Dahomey feindlicher Geist. Nachdem der Minghan
+gefallen, erhob sich ein wildes Geheul. Gleichzeitig knatterten viele
+Gewehre, die nach dem &bdquo;Albatros&ldquo; gerichtet waren.
+
+</P><P>
+
+Diese Drohungen hinderten letzteren jedoch nicht, bis auf etwa
+hundertf&uuml;nfzig Fu&szlig; &uuml;ber der Erde niederzusinken. Trotz
+ihrer dem Ingenieur Robur gewi&szlig; ung&uuml;nstigen Stimmung konnten
+sich Onkel Prudent und Phil Evans doch nicht versagen, an diesem
+menschenfreundlichen Werke theilzunehmen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ja, la&szlig;t uns die Gefangenen befreien! riefen sie.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist meine Absicht!&ldquo; antwortete der Ingenieur.
+
+</P><P>
+
+Schon begannen die Repetirgewehre des &bdquo;Albatros&ldquo; in den
+H&auml;nden der beiden Collegen, wie in denen der Mannschaft, ein
+Schnellfeuer, von dem doch keine Kugel inmitten der gro&szlig;en
+Menschenmasse verloren ging. Und selbst das kleine Gesch&uuml;tz an Bord,
+das so tief als m&ouml;glich herabgerichtet wurde, sandte einige
+Kart&auml;tschenladungen hinunter, welche wahre Wunder wirkten.
+
+</P><P>
+
+Sofort sprengten die Gefangenen, ohne etwas von der ihnen aus der
+H&ouml;he gekommenen Hilfe zu begreifen, ihre Fesseln, w&auml;hrend die
+Soldaten auf den Aeronef Feuer gaben. Die vordere Schraube wurde von
+einer Kugel durchl&ouml;chert, w&auml;hrend einige andere an den Rumpf
+des Fahrzeuges schlugen. Frycollin, der sich im Hintergrunde seiner
+Cabine verkrochen hatte, w&auml;re fast noch durch die Wand des Ruffs
+getroffen worden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aha, sie haben Appetit auf etwas mehr!&ldquo; rief Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+Er begab sich nach der Munitionskammer und kehrte von dort mit einem
+Dutzend Dynamitpatronen zur&uuml;ck, die er an die Kameraden vertheilte.
+Auf ein Zeichen Robur's wurden dieselben &uuml;ber den H&uuml;gel
+hinabgeworfen und durch das Aufschlagen auf den Erdboden zersprangen sie
+wie kleine Bomben.
+
+</P><P>
+
+Das gab aber eine wilde Flucht! Der K&ouml;nig, der Hof, die Armee und
+das ganze Volk st&uuml;rzte, von gewi&szlig; nicht ungerechtfertigter
+Furcht ergriffen, auf und davon! Alle suchten unter den B&auml;umen
+Schutz, w&auml;hrend die Gefangenen entflohen und Niemand daran dachte,
+sie zu verfolgen.
+
+</P><P>
+
+So wurden die Festlichkeiten zu Ehren des neuen K&ouml;nigs von Dahomey
+unterbrochen. Auch Onkel Prudent und Phil Evans mu&szlig;ten zugestehen,
+&uuml;ber wie gro&szlig;e Machtmittel dieser Apparat verf&uuml;gte, und
+welchen hohen Nutzen er der Menschheit h&auml;tte gew&auml;hren
+k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; erhob sich darauf zu mittlerer H&ouml;he; er
+glitt &uuml;ber Mydah hinweg und hatte bald diese ungastliche K&uuml;ste,
+welche die Westwinde mit unnahbarer Brandung peitschten, aus dem Gesichte
+verloren.
+
+</P><P>
+
+Er schwebte nun &uuml;ber dem Atlantischen Weltmeere.
+</P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap13" ID="kap13"></A>
+<H3>XIII.<BR>
+In dem Onkel Prudent und Phil Evans einen ganzen Ocean durchfahren, ohne
+die Seekrankheit zu bekommen.
+</H3>
+
+
+<P>
+Ja, das Atlantische Meer! Die Bef&uuml;rchtungen der beiden Collegen
+hatten sich bewahrheitet. Es schien &uuml;brigens nicht, als ob Robur
+hier &uuml;ber dem unendlichen Ocean irgend welche Unruhe empf&auml;nde.
+Das k&uuml;mmerte ihn so wenig wie seine Leute, welche an derartigen
+Fahrten gew&ouml;hnt sein mochten. Dieselben waren schon wieder in ihre
+Wohnung zur&uuml;ckgekehrt. Kein Alpdr&uuml;cken sollte ihren Schlummer
+st&ouml;ren.
+
+</P><P>
+
+Wohin steuerte nun der &bdquo;Albatros&ldquo;? Sollte er wirklich noch
+mehr als eine Reise um die Erde ausf&uuml;hren? Auf jeden Fall
+mu&szlig;te diese Fahrt doch irgendwo ein Ende nehmen. Da&szlig; Robur
+sein ganzes Leben in den L&uuml;ften, an Bord des Aeronefs zubringen
+sollte, ohne jemals zur Erde hinunter zu gehen, war doch nicht wohl
+annehmbar, denn wie h&auml;tte er seine Vorr&auml;the an Munition und
+Lebensmitteln erneuern sollen, ohne das f&uuml;r die Functionirung der
+Maschine nothwendige Material zu erw&auml;hnen? Unbedingt mu&szlig;te er
+also einen Zufluchtsort, eine Art Nothhafen haben, und wahrscheinlich auf
+einen unbekannten und schwer erreichbaren Punkt der Erde, wo der
+&bdquo;Albatros&ldquo; sich mit allen Bed&uuml;rfnissen frisch versehen
+konnte. Mit den Bewohnern der Erde mochte er jeden Verkehr abgebrochen
+haben, mit der Erde als solcher aber gewi&szlig; nicht.
+
+</P><P>
+
+Doch wenn das der Fall war, wo lag dieser Punkt? Wie mochte der Ingenieur
+dazu gelangt sein, ihn zu erw&auml;hlen? Erwartete ihn eine kleine
+Colonie etwa als ihren Herrn? Konnte er von da neue Mannschaften
+erhalten? Und zun&auml;chst, wie war er &uuml;berhaupt dazu gekommen,
+seine, aus den verschiedensten L&auml;ndern stammenden Leute an sein
+Schicksal zu binden? Ueber welche Mittel verf&uuml;gte er ferner, um
+einen so kostspieligen Apparat erbauen zu k&ouml;nnen, dessen ganze
+Construction so geheim gehalten worden war? Seine Unterhaltung freilich
+schien nicht besonders viel zu beanspruchen. An Bord f&uuml;hrte man fast
+ein gemeinsames Leben, wie in einer Familie oder wie gl&uuml;ckliche
+Leute, die kein Geheimni&szlig; vor einander haben. Doch, wer war
+eigentlich jener Robur? Woher kam er? Welcher Art war seine
+Vergangenheit? Das waren ebenso viele unl&ouml;sbare R&auml;thsel, und
+der, auf den sie Bezug hatten, w&uuml;rde gewi&szlig; der Letzte sein,
+eine Erkl&auml;rung dar&uuml;ber abzugeben.
+
+</P><P>
+
+Es ist gewi&szlig; nicht zu verwundern, wenn diese Situation voller
+unenth&uuml;llbarer Probleme die beiden Collegen mehr und mehr erregte.
+Sich so in's Unbekannte hinaus entf&uuml;hrt und den endlichen Ausgang
+eines solchen Abenteuers nicht im geringsten vorauszusehen, selbst daran
+zu zweifeln, da&szlig; dasselbe &uuml;berhaupt jemals ein Ende nehme, zum
+ewigen Umherfliegen verurtheilt zu sein &mdash; mu&szlig;te das den
+Vorsitzenden und den Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts nicht auf's
+Aeu&szlig;erste treiben?
+
+</P><P>
+
+Inzwischen schwebte der &bdquo;Albatros&ldquo; am Abend des elften Juli
+&uuml;ber den Atlantischen Ocean hin. Als am n&auml;chsten Morgen die
+Sonne aufging, erhob sie sich &uuml;ber die kreisf&ouml;rmige Linie, in
+der Himmel und Wasser zusammen zu treffen scheinen. Trotz des weit
+ausgedehnten Gesichtsfeldes war doch nirgends ein Land in Sicht und
+Afrika schon vollst&auml;ndig hinter dem n&ouml;rdlichen Horizont
+verschwunden.
+
+</P><P>
+
+Als Frycollin sich einmal aus seiner Cabine wagte und das weite Meer
+unter sich sah, wurde er sofort von der grimmigsten Angst gepackt. Unter
+sich ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, es w&auml;re besser zu
+sagen, &bdquo;um sich&ldquo;, denn f&uuml;r einen auf sehr hohem Punkte
+befindlichen Beobachter erscheint es, als ob der Abgrund ihn von allen
+Seiten umg&auml;be, und der Horizont weicht dabei gleichsam zur&uuml;ck,
+ohne da&szlig; man je seine Grenzen erreichen k&ouml;nnte.
+
+</P><P>
+
+Physikalisch erkl&auml;rte sich Frycollin diese Erscheinung sicherlich
+nicht, aber er f&uuml;hlte sie moralisch. Das gen&uuml;gte aber schon, um
+in ihm die &bdquo;Angst vor der Leere&ldquo; zu erzeugen, deren sich
+manche, sonst ganz muthige Naturen nicht entziehen k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls erging sich der Neger aus Klugheit nicht in den gewohnten
+Klagen. Mit geschlossenen Augen tastete er sich nach seiner Cabine
+zur&uuml;ck, entschlossen, diese auf lange Zeit nicht wieder zu
+verlassen.
+
+</P><P>
+
+Von den 373,895.343 Quadratkilometern<A NAME="footmark5" ID="footmark5"
+HREF="#foot5"><SUP>5</SUP></A>, welche die Oberfl&auml;che der Meere
+einnehmen, f&auml;llt &uuml;ber ein Viertel auf den Atlantischen Ocean.
+Es schien aber gar nicht, als ob der Ingenieur jetzt besondere Eile habe,
+wenigstens hatte er nicht Befehl gegeben, den Aeronef mit voller
+Geschwindigkeit arbeiten zu lassen. Uebrigens h&auml;tte dieser auch die
+Fahrtschnelligkeit wie &uuml;ber Europa hin nicht erreichen k&ouml;nnen.
+In den Gegenden, in denen der S&uuml;dwestwind vorherrscht, lief er
+diesem fast entgegen, und obwohl derselbe nur schwach zu nennen war, so
+bot der Apparat ihm doch eine gro&szlig;e Angriffsfl&auml;che.
+
+</P><P>
+
+Die neuesten und auf eine gro&szlig;e Anzahl von Beobachtungen
+gest&uuml;tzten meteorologischen Arbeiten haben eine gewisse Convergenz
+der Passate, entweder nach der Sahara oder nach dem Golf von Mexiko,
+erkennen lassen. Au&szlig;erhalb der Region der Calmen kommen sie
+entweder von Westen und str&ouml;men nach Afrika zu, oder sie kommen von
+Osten her und ziehen nach der Neuen Welt zu &mdash; wenigstens
+w&auml;hrend der w&auml;rmeren Jahreszeit.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; versuchte also gar nicht, gegen den ihm
+widrigen Wind mit der ganzen Kraft seiner Treibschrauben
+anzuk&auml;mpfen. Er begn&uuml;gte sich mit einer gem&auml;&szlig;igten
+Gangart, welche &uuml;brigens die der transatlantischen Dampfer immer
+noch &uuml;berholte.
+
+</P><P>
+
+Am 13. Juli &uuml;berschritt der Aeronef den Aequator, was der ganzen
+Mannschaft besonders angemeldet wurde.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans erfuhren also dabei auch, da&szlig; sie nun
+die n&ouml;rdliche Halbkugel verlassen hatten und nach der s&uuml;dlichen
+gekommen waren. Diese Passirung der Linie wurde jedoch nicht durch die
+tollen Ceremonien gefeiert, welche auf vielen Kriegs- und Handelsschiffen
+gebr&auml;uchlich sind.
+
+</P><P>
+
+Nur Fran&ccedil;ois Tapage lie&szlig; es sich nicht nehmen, Frycollin
+eine gro&szlig;e Pinte Wasser &uuml;ber den Kopf zu gie&szlig;en, da
+dieser Taufe aber einige Gl&auml;ser Gin nachfolgten, erkl&auml;rte der
+Neger sich bereit, die Linie so oft passiren zu wollen, wie man
+w&uuml;nschte, vorausgesetzt, da&szlig; das nicht auf dem R&uuml;cken
+eines mechanischen Vogels zu geschehen brauche, der ihm nun einmal kein
+Vertrauen einfl&ouml;&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Am Morgen des 15. schwebte der &bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;ber den
+Inseln Ascension und St.&nbsp;Helena, aber n&auml;her der letzteren hin,
+deren h&ouml;here Theile sich einige Stunden lang am Horizonte zeigten.
+
+</P><P>
+
+H&auml;tte zur Zeit, als Napoleon sich in der Gewalt der Engl&auml;nder
+befand, ein Apparat, &auml;hnlich dem des Ingenieurs Robur, existirt,
+gewi&szlig; w&uuml;rde Hudson Lowe trotz seiner oft geradezu
+beleidigenden Vorsichtsma&szlig;regeln seinen ber&uuml;hmten Gefangenen
+auf dem Wege durch die L&uuml;fte haben entweichen sehen.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend der beiden Abende des 16. und 17. Juli zeigten sich mit
+Abnahme des Tageslichtes h&ouml;chst eigenth&uuml;mliche
+D&auml;mmerungserscheinungen. Unter h&ouml;herer Breite h&auml;tte man
+bei ihrem Anblick an ein Nordlicht denken k&ouml;nnen. Die Sonne warf
+n&auml;mlich bei ihrem Niedergang &uuml;ber den Himmel vielfarbige
+Strahlen, von denen einige in leuchtendem Gr&uuml;n erschienen.
+
+</P><P>
+
+War das eine Wolke kosmischen Staubes, welche an der Erde vor&uuml;ber
+zog und jetzt den letzten Schimmer des Tages wiederstrahlte? Einige
+Beobachter haben solche D&auml;mmerungserscheinungen in dieser Weise
+allerdings erkl&auml;rt; sie w&auml;ren aber gewi&szlig; zu anderer
+Anschauung gekommen, wenn sie sich an Bord des Aeronefs befunden
+h&auml;tten.
+
+</P><P>
+
+Eine aufmerksame Pr&uuml;fung ergab n&auml;mlich, da&szlig; in der Luft
+feine Pyroxen-Krystalle schwebten, glasartige K&uuml;gelchen,
+n&auml;mlich zarte Theilchen magnetischen Eisens, ganz entsprechend den
+Stoffen, welche feuerspeiende Berge auswerfen. Es schwand damit also
+jeder Zweifel, da&szlig; diese Wolke von einer vulcanischen Eruption
+herr&uuml;hrte, deren krystallinische Auswurfsstoffe die beobachtete
+Erscheinung erzeugten &mdash; eine Wolke, welche die Luftstr&ouml;mungen
+auch noch &uuml;ber dem Atlantischen Ocean schwebend erhielten.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend dieses Theiles der Reise wurden &uuml;brigens auch noch
+andere Erscheinungen wahrgenommen. Wiederholt verliehen gewisse Wolken
+dem Himmel eine wei&szlig;graue F&auml;rbung von eigenth&uuml;mlichem
+Aussehen; gelangte man dann durch einen solchen Dunstvorhang, so erschien
+dessen Oberfl&auml;che ganz &uuml;bers&auml;et von gl&auml;nzend
+wei&szlig;en K&ouml;rperchen, zwischen denen einzelne gr&ouml;&szlig;ere
+besonders hervorleuchteten, was sich unter dieser Breite durch nichts
+Anderes, als durch eine Hagelbildung erkl&auml;ren lie&szlig;.
+
+</P><P>
+
+In der Nacht vom 17. zum 18. bildete sich ein gr&uuml;nlichgelber
+Mondregenbogen infolge der Stellung des Aeronefs zwischen dem Vollmonde
+und einem Netz von fernem Regen, der schon in Dunst &uuml;berging, ehe er
+das Meer erreichte. Vielleicht lie&szlig; sich aus diesen verschiedenen
+Erscheinungen schon auf einen bevorstehenden Witterungsumschlag
+schlie&szlig;en. Jedenfalls hatte der Wind, der seit der Abfahrt von der
+afrikanischen K&uuml;ste stets aus S&uuml;dwesten wehte, sich in der
+N&auml;he des Aequators ganz gelegt. Hier in der Tropenzone herrschte
+dazu eine fast unertr&auml;gliche Hitze. Robur suchte daher K&uuml;hlung
+in h&ouml;heren Luftschichten, und doch mu&szlig;te man sich auch noch
+hier vor den directen Sonnenstrahlen sch&uuml;tzen, welche Niemand
+h&auml;tte aushalten k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Dieser Wechsel in den Luftstr&ouml;mungen lie&szlig; schon ahnen,
+da&szlig; jenseits des Aequatorialgebiets auch andere klimatische
+Verh&auml;ltnisse herrschen w&uuml;rden; es darf hierbei auch nicht
+vergessen werden, da&szlig; der Monat Juli der s&uuml;dlichen Halbkugel
+der Januar der n&ouml;rdlichen ist, also dem tiefsten Winter entspricht.
+Wenn der &bdquo;Albatros&ldquo; noch weiter nach S&uuml;den vordrang,
+mu&szlig;te er die Folgen davon bald sp&uuml;ren.
+
+</P><P>
+
+Das Meer aber &bdquo;empfand das&ldquo;, wie die Seeleute sagen. Am 18.
+Juli zeigte sich jenseits des Wendekreises des Steinbocks ein anderes
+Ph&auml;nomen, welches gewi&szlig; jeden Schiffer erschreckt h&auml;tte.
+
+</P><P>
+
+Mit einer auf mindestens sechzig Meilen in der Stunde zu sch&auml;tzenden
+Geschwindigkeit zog &uuml;ber das Meer weg eine merkw&uuml;rdige Reihe
+von leuchtenden Wellen, die einander in der Entfernung von etwa achtzig
+Fu&szlig; folgten und lang schimmernde Streifen zur&uuml;cklie&szlig;en.
+Mit einbrechender Nacht strahlte der Widerschein davon sogar bis zum
+&bdquo;Albatros&ldquo; hinauf, so da&szlig; dieser jetzt wirklich
+h&auml;tte f&uuml;r einen gl&uuml;henden kleinen Himmelsk&ouml;rper
+angesehen werden k&ouml;nnen. Noch nie war es Robur vorgekommen,
+&uuml;ber ein Meer in Flammen hinwegzusteuern &mdash; &uuml;ber Flammen
+ohne Hitze, denen zu entfliehen er nicht n&ouml;thig hatte.
+
+</P><P>
+
+Die Elektricit&auml;t mu&szlig;te offenbar die Ursache dieser Erscheinung
+sein, denn etwa einer Fischlaichbank oder einem von jenen kleinen
+Gesch&ouml;pfen gebildeten Zuge, welche zuweilen die Fl&auml;che des
+Meeres bedecken, konnte man dieselbe nicht zuschreiben.
+
+</P><P>
+
+Das lie&szlig; vermuthen, da&szlig; die elektrische Spannung der Luft
+jetzt eine sehr hohe sein m&uuml;sse.
+
+</P><P>
+
+Am folgenden Tage, am 19. Juli w&auml;re ein Schiff auf diesem Meere wohl
+dem Untergang geweiht gewesen. Der &bdquo;Albatros&ldquo; dagegen spielte
+mit Wind und Wellen, wie der gewaltige Vogel, dessen Namen er trug. Wenn
+es ihm nicht beliebte, wie ein Sturmvogel &uuml;ber der Meeresfl&auml;che
+hinzugleiten, so konnte er wie der Adler in h&ouml;heren Schichten Ruhe
+und Sonnenschein aufsuchen.
+
+</P><P>
+
+Man hatte jetzt den 47. Grad s&uuml;dlicher Breite &uuml;berschritten.
+Der Tag dauerte nur noch sieben bis acht Stunden, und er mu&szlig;te mit
+der Ann&auml;herung an die antarktischen Gegenden noch immer k&uuml;rzer
+werden.
+
+</P><P>
+
+Gegen ein Uhr Nachmittags hatte sich der &bdquo;Albatros&ldquo;, um eine
+g&uuml;nstige Luftstr&ouml;mung aufzufinden, sehr tief gesenkt. Er
+schwebte h&ouml;chstens noch hundert Fu&szlig; &uuml;ber der
+Oberfl&auml;che des Meeres.
+
+</P><P>
+
+Das Wetter war still. An einzelnen Stellen des Himmels zogen dicke,
+dunkle Wolken mit ausgezackten R&auml;ndern auf, welche oben eine genau
+horizontale Linie bildeten. Aus diesen Wolken quollen langgezogene
+Protuberanzen hervor, deren Ende das Wasser anzuziehen schien, das
+darunter in Form eines fl&uuml;ssigen Strau&szlig;es aufbrodelte.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich stieg das Wasser in Form einer ungeheuren Sanduhr hoch
+empor.
+
+</P><P>
+
+In einem Augenblick wurde der &bdquo;Albatros&ldquo; in den Wirbel einer
+riesigen Trombe hineingezogen, der bald zwanzig andere von
+Tintenschw&auml;rze das Geleite gaben. Zum Gl&uuml;ck vollzog sich die
+Drehung dieser Trombe entgegen der der Auftriebsschrauben, sonst
+h&auml;tten diese ihre Wirkung ganz eingeb&uuml;&szlig;t und der Aeronef
+w&auml;re in's Meer gefallen; jetzt wurde er nur mit erschreckender
+Schnelligkeit um sich selbst gedreht.
+
+</P><P>
+
+Immerhin war die Gefahr gro&szlig; und schien unm&ouml;glich abwendbar,
+da der Aeronef sich nicht aus der Trombe los machen konnte, deren
+Anziehung ihn trotz der Treibschrauben zur&uuml;ckhielt. Durch die
+Centrifugalkraft wurde die Mannschaft nach beiden Enden des Verdecks
+geschleudert, und mu&szlig;te sich hier an den Schraubenmasten anhalten,
+um nicht &uuml;ber Bord zu fallen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ruhig Blut!&ldquo; rief Robur.
+
+</P><P>
+
+Und das brauchten sie wirklich, und Geduld obendrein.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans, die aus ihrer Cabine heraustraten, wurden
+nach dem Hintertheil getrieben und hatten die gr&ouml;&szlig;te
+M&uuml;he, sich noch fest zu klammern.
+
+</P><P>
+
+Und w&auml;hrend sich der &bdquo;Albatros&ldquo; in dieser Weise um sich
+selbst drehte, folgte er auch der Lagever&auml;nderung der Tromben, die
+mit einer Schnelligkeit, auf welche die Schrauben desselben h&auml;tten
+eifers&uuml;chtig werden k&ouml;nnen, sich weiterhin wanden. Sobald er
+der einen entgangen, wurde er von einer anderen gepackt und war stets in
+Gefahr, in St&uuml;cke zerrissen zu werden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Einen Kanonenschu&szlig;!&ldquo; rief der Ingenieur.
+
+</P><P>
+
+Der Obersteuermann Tom Turner verstand v&ouml;llig diesen an ihn
+gerichteten Befehl; er lehnte eben an dem kleinen Bordgesch&uuml;tz
+mittschiffs, wo die Centrifugalkraft minder wirksam war. Schneller, als
+wir es beschreiben k&ouml;nnen, hatte er die Schwanzschraube des Rohrs
+ge&ouml;ffnet und f&uuml;hrte in diese eine scharfe Patrone ein, von
+denen ein kleiner Vorrath in einem an der Lafette befestigten Kasten
+vorhanden war. Der Schu&szlig; krachte und sofort sanken einige Tromben
+zusammen.
+
+</P><P>
+
+Die Luftersch&uuml;tterung hatte hingereicht, das Meteor zu
+zerrei&szlig;en und die ungeheure Dunstmasse l&ouml;ste sich in einen
+Sturzregen auf, der den Himmel mit dicken Wasserstreifen &uuml;berzog,
+die Meer und Himmel verbanden.
+
+</P><P>
+
+Endlich befreit, beeilte sich der &bdquo;Albatros&ldquo;, um einige
+hundert Meter aufzusteigen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nichts zerbrochen an Bord?&ldquo; fragte der Ingenieur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, antwortete Tom Turner; aber das war denn doch ein etwas gar
+zu tolles Kreiseln, das wir uns nicht zum zweiten Male w&uuml;nschen
+m&ouml;chten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In der That, in der Zeit von zehn Minuten war der &bdquo;Albatros&ldquo;
+in gr&ouml;&szlig;ter Gefahr gewesen, und ohne seine solide Bauart
+d&uuml;rfte er dem Wirbeln der Tromben schwerlich widerstanden haben.
+
+</P><P>
+
+Wie lang wurden die Stunden bei dieser Fahrt &uuml;ber den Ocean, wenn
+nichts die Eint&ouml;nigkeit derselben unterbrach. Die Tage nahmen immer
+mehr ab und die K&auml;lte wurde allm&auml;hlich f&uuml;hlbar. Onkel
+Prudent und Phil Evans sahen Robur nur wenig. In seine Cabine
+eingeschlossen, besch&auml;ftigte er sich damit, den Curs zu bestimmen,
+auf seinen Karten die zur&uuml;ckgelegten Strecken einzutragen und sich,
+wenn es irgend anging, Gewi&szlig;heit zu verschaffen, wo sie sich eben
+befanden, ferner die Barometer, Thermometer und Chronometer zu beobachten
+und endlich alle Zwischenf&auml;lle der Reise in das Schiffsbuch
+einzutragen.
+
+</P><P>
+
+Sorgsam verh&uuml;llt, bem&uuml;hten sich die beiden Collegen
+unabl&auml;ssig, im S&uuml;den Land zu entdecken.
+
+</P><P>
+
+Frycollin seinerseits versuchte, gem&auml;&szlig; einem besonderen
+Auftrage des Onkel Prudent, den Koch bez&uuml;glich des Ingenieurs
+auszuforschen. Wie h&auml;tte aber Jemand aus dem, was der Gascogner
+Fran&ccedil;ois Tapage zur Antwort gab, klug werden k&ouml;nnen? Nach ihm
+war Robur bald ein ehemaliger Minister der Republik Argentina, ein Chef
+der Admiralit&auml;t, ein abgetretener Pr&auml;sident der Vereinigten
+Staaten, ein auf Wartegeld gesetzter spanischer General, oder auch ein
+Vicek&ouml;nig von Indien, der in den L&uuml;ften eine noch h&ouml;here
+Stellung gesucht hatte. Bald besa&szlig; er, Dank der mit Hilfe seiner
+Maschine ausgef&uuml;hrten Razzias, Millionen und war er allgemein in die
+Acht erkl&auml;rt; bald hatte er sich wieder durch die Herstellung dieses
+Apparats ruinirt und gezwungen gesehen, &ouml;ffentlich aufzusteigen, um
+sein Geld wieder zu gewinnen. Auf die Frage nach einem Ruheplatz
+desselben war keine Auskunft zu erhalten, au&szlig;er der, da&szlig; er
+nach dem Mond zu gehen beabsichtige, um dort zu bleiben, wenn er eine ihm
+passende Oertlichkeit antr&auml;fe.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;He, Fry ... mein Kamerad! ... Nicht wahr, es w&uuml;rde Dir
+Vergn&uuml;gen machen, zu sehen, wie es da oben zugeht?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich gehe nicht mit! Ich weigere mich! ... erwiderte der
+Schwachkopf, der alle diese Faseleien f&uuml;r Ernst nahm.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und weshalb, Fry, weshalb? Wir verheiraten Dich dort mit einer
+h&uuml;bschen, jungen Mondbewohnerin ... Du wirst da der Stammvater der
+Neger!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Als Frycollin das, was er geh&ouml;rt, seinem Herrn hinterbrachte,
+erkannte dieser wohl, da&szlig; &uuml;ber Robur keine Auskunft zu
+erlangen sei. Er dachte also nur noch daran, sich zu r&auml;chen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Phil, begann er eines Tages zu seinem Collegen, es liegt nun auf
+der Hand, da&szlig; eine Flucht f&uuml;r uns unm&ouml;glich ist.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Unm&ouml;glich, Onkel Prudent!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Zugegeben, ein Mann ist aber stets sein eigener Herr, und wenn es
+sein mu&szlig;, indem er sein Leben opfert&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wenn ein solches Opfer nothwendig ist, dann wird es so schnell
+als m&ouml;glich gebracht! antwortete Phil Evans, dessen sonst so
+k&uuml;hles Temperament nun doch die Grenze des Ertr&auml;glichen
+erreicht hatte. Ja, es ist Zeit, ein Ende zu machen! ... Wohin geht der
+&bdquo;Albatros&ldquo;? ... Jetzt fliegt er schr&auml;g &uuml;ber den
+Atlantischen Ocean, und wenn er diese Richtung beibeh&auml;lt, mu&szlig;
+er nach den K&uuml;sten von Patagonien, dann nach denen des Feuerlandes
+kommen ... Aber nachher? ... Wird er auch noch &uuml;ber den Stillen
+Ocean hinausschweben? Oder steuert er dann nach dem S&uuml;dpolarlande?
+... Diesem Robur ist Alles zuzutrauen! ... Dann w&auml;ren wir verloren!
+... Wir befinden uns also in der Zwangslage berechtigter Nothwehr, und
+wenn wir einmal zu Grunde gehen m&uuml;ssen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; So geschehe es nicht, fiel Onkel Prudent ein, ohne da&szlig; wir
+uns ger&auml;cht, ohne da&szlig; wir diesen Apparat mit Allen, die er
+tr&auml;gt, zerst&ouml;rt haben!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Bis zu solchen Anschauungen hatte der ohnm&auml;chtige Zorn, die in ihnen
+aufgeh&auml;ufte Wuth die beiden Collegen schon gebracht! Ja, weil es
+nicht anders ging, wollten sie sich opfern, um den Erfinder sammt seinem
+Geheimni&szlig; zu vernichten. Nur wenige Monate h&auml;tte dann dieser
+wunderbare Aeronef erlebt, dessen unbestreitbare Ueberlegenheit
+bez&uuml;glich der Fortbewegung durch die Luft sie anzuerkennen sich
+gezwungen sahen.
+
+</P><P>
+
+Diese Vorstellung hatte in ihren K&ouml;pfen so fest Wurzel geschlagen,
+da&szlig; sie an gar nichts Anderes mehr dachten. Doch wie sollten sie zu
+Werke gehen? O, sie wollten sich nur einer der an Bord vorhandenen
+Explosionsmaschinen bem&auml;chtigen, um damit den ganzen Apparat in
+tausend St&uuml;cke zu zersprengen; freilich mu&szlig;ten sie dazu erst
+Gelegenheit finden, in die Munitionskammer einzudringen.
+
+</P><P>
+
+Gl&uuml;cklicher Weise ahnte Frycollin nichts von ihren Absichten. Bei
+dem Gedanken, da&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo; in die Luft gesprengt
+werden sollte, w&uuml;rde er sich nicht entbl&ouml;det haben, seinen
+eigenen Herrn zu verrathen.
+
+</P><P>
+
+Am 23. Juli war es, wo in S&uuml;dwesten wieder Land sichtbar wurde, und
+zwar nahe dem Cap der Jungfrauen am Eingange der Magellan-Stra&szlig;e.
+Jenseits des 54. Breitengrades w&auml;hrte die Nacht in dieser Jahreszeit
+fast neunzehn Stunden und die Mitteltemperatur der Luft blieb
+fortw&auml;hrend unter 0 Grad zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+Statt jetzt noch weiter nach S&uuml;den vorzudringen, folgte der
+&bdquo;Albatros&ldquo; zun&auml;chst den Windungen jener Meerenge, als ob
+er dem Stillen Ocean zutriebe. Nachdem er &uuml;ber die Bai von Lomas
+hinweggekommen, den Gregory-Berg im Norden und die Brecknocks-Berge im
+Westen hinter sich gelassen, kam er in Sicht von Punta Arena, einem
+kleinen chilenischen D&ouml;rfchen, gerade als daselbst das volle
+Kirchengel&auml;ute erklang, und einige Stunden sp&auml;ter in die
+N&auml;he der alten Niederlassung im sogenannten Hungerhafen.
+
+</P><P>
+
+Wenn die Patagonier, deren Feuer man da und dort aufleuchten sah,
+wirklich eine das mittlere Menschenma&szlig; &uuml;bertreffende
+K&ouml;rpergr&ouml;&szlig;e haben, so konnten doch die Passagiere des
+Aeronefs dar&uuml;ber nicht urtheilen, da sie ihnen, von dieser H&ouml;he
+gesehen, als Zwerge erschienen.
+
+</P><P>
+
+Doch welch' Schauspiel bot sich hier w&auml;hrend der kurzen Stunden des
+s&uuml;dlichen Tages! Steile, zerkl&uuml;ftete Berge, mit ewigem Schnee
+bedeckte Spitzen, deren Seiten mit dichten W&auml;ldern bedeckt waren;
+Binnenseen, Buchten zwischen den Vorgebirgen und Inseln dieses Archipels;
+daneben Clarence-, Dawson- und Desolationsland, Can&auml;le und Furthen,
+unz&auml;hlige Caps und Halbinseln &mdash; all' dieses undurchdringliche
+Gewirr, und jetzt durch das Eis zu einer festen Masse verschmolzen, vom
+Cap Forward, am Ende des amerikanischen Festlandes, bis zum Cap Horn am
+letzten Ausl&auml;ufer der Neuen Welt!
+
+</P><P>
+
+Nachdem er jedoch den Hungerhafen erreicht, nahm der
+&bdquo;Albatros&ldquo; wieder eine v&ouml;llig s&uuml;dliche Richtung an.
+Zwischen dem Tarnberge der Halbinsel Brunswick und dem Grawes-Berge
+hindurchsteuernd, wandte er sich in gerader Linie nach dem
+Sarmiento-Berge, einem gewaltigen, dick &uuml;bereisten Spitzberge,
+welcher die Meerenge der Magellan-Stra&szlig;e in einer H&ouml;he von
+zweitausend Metern beherrscht.
+
+</P><P>
+
+Hier zeigte sich den Blicken der Reisenden das Land der Pescher&auml;s
+oder Fuegier, jener Ureinwohner, welche noch im Feuerland siedeln.
+
+</P><P>
+
+Wie herrlich und fruchtbar h&auml;tten sich diese Gebiete &mdash;
+vorz&uuml;glich deren mittlerer Theil &mdash; im Sommer gezeigt, wo die
+Tage f&uuml;nfzehn bis sechzehn Stunden lang dauern! Ueberall bieten sie
+n&auml;mlich Th&auml;ler und Weidepl&auml;tze, welche Abertausende von
+Thieren ern&auml;hren k&ouml;nnten, nebst jungfr&auml;ulichen
+W&auml;ldern mit riesenhaften B&auml;umen, mit Weiden, Buchen, Eschen,
+Cypressen und bl&uuml;henden Farrenkr&auml;utern; dann wieder Ebenen,
+welche gro&szlig;e Heerden von Guanaquen, Vigogneschafen und
+Strau&szlig;en bewohnen. Als der &bdquo;Albatros&ldquo; seine
+elektrischen Lichter ergl&uuml;hen lie&szlig;, flatterten auch
+Papageientaucher, Enten und G&auml;nse &mdash; hundertmal mehr, als
+Fran&ccedil;ois Tapage's Speisekammer fassen konnte, an Bord.
+
+</P><P>
+
+Der Koch, welcher dieses Federwild so vortrefflich zuzurichten verstand,
+da&szlig; es seinen thranigen Geschmack ganz verlor, erhielt dadurch
+pl&ouml;tzlich weit mehr Arbeit, als gew&ouml;hnlich; mehr Arbeit machte
+das aber auch Frycollin, der es nicht abschlagen konnte, von diesem
+interessanten Gefl&uuml;gel ein Dutzend nach dem anderen wenigstens zu
+rupfen.
+
+</P><P>
+
+Am n&auml;mlichen Tage zeigte sich, als die Sonne eben versinken wollte,
+auch noch ein ziemlich gro&szlig;er, von pr&auml;chtigen Waldungen
+eingerahmter See. Jetzt lagerte &uuml;ber dem See eine feste Eisdecke und
+einige Eingeborene glitten auf ihren langen Schneeschuhen pfeilschnell
+&uuml;ber dessen Oberfl&auml;che hin.
+
+</P><P>
+
+Beim Erblicken der Flugmaschine entflohen diese Fuegier n&auml;mlich nach
+allen Seiten, und wenn sie nicht fliehen konnten, so versteckten sie sich
+doch und gruben sich wie Thiere in die Erde ein.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; steuerte noch immer nach S&uuml;den &uuml;ber
+dem Beagle-Canal hinaus und weiter fort, als die Insel Navarin, deren
+griechischer Name unter den gew&ouml;hnlichen Bezeichnungen dieser
+entlegenen Landstrecken etwas auff&auml;llig erscheint, weiter, als die
+Insel Wollaston, die sich schon in den Wogen des Stillen Oceans badet.
+Endlich, nachdem er von Dahomeys K&uuml;ste aus &uuml;ber
+siebentausendf&uuml;nfhundert Kilometer zur&uuml;ckgelegt, schwebte er
+&uuml;ber die letzten Inseln des Magellan-Archipels hinweg und endlich
+ganz im S&uuml;den &uuml;ber das schreckliche Cap Horn, an das eine
+unaufh&ouml;rliche wilde Brandung donnert.
+</P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap14" ID="kap14"></A>
+<H3>XIV.<BR>
+In dem der &bdquo;Albatros&ldquo; etwas ausf&uuml;hrt, was man vielleicht
+niemals d&uuml;rfte ausf&uuml;hren k&ouml;nnen.
+</H3>
+
+
+<P>
+Der n&auml;chstfolgende Tag war der 24. Juli. Der 24. Juli der
+s&uuml;dlichen Halbkugel entspricht bekanntlich aber dem 24. Januar der
+n&ouml;rdlichen Hemisph&auml;re; au&szlig;erdem war jetzt auch schon der
+56. Breitegrad &uuml;berschritten, der im Norden Europas Schottland in
+der H&ouml;he von Edinburgh und S&uuml;dschweden in der von Helsingborg
+durchschneidet.
+
+</P><P>
+
+Der Thermometer hielt sich auch fortw&auml;hrend unter 0 Grad, so
+da&szlig; es sich n&ouml;thig machte, die Ruffs durch k&uuml;nstliche
+W&auml;rme etwas wohnlicher zu machen.
+
+</P><P>
+
+Es versteht sich von selbst, da&szlig; der Tag, wenn er seit dem 21. Juni
+des s&uuml;dlichen Winters auch schon zunahm, doch immer noch merklich
+k&uuml;rzer wurde, da der &bdquo;Albatros&ldquo; einen Curs nach den
+Polarregionen einhielt.
+
+</P><P>
+
+Die Folge davon war eine sehr geringe Helligkeit &uuml;ber jenem Theile
+des Stillen Oceans, der an das antarktische Eismeer grenzt. Man hatte
+also nur wenig Aussicht und w&auml;hrend der Nacht recht empfindliche
+K&auml;lte. Um ihr zu widerstehen, mu&szlig;te man sich nach Art der
+Eskimos und Fuegier kleiden; doch da es an Bord an warmen Ueberkleidern
+nicht fehlte, konnten die beiden, wohl eingepackten Collegen doch auf dem
+Verdeck ausharren, wobei sie freilich immer nur an ihr Vorhaben dachten
+und eine dazu g&uuml;nstige Gelegenheit zu ersp&auml;hen suchten.
+Uebrigens sahen sie Robur setzt sehr wenig, und seit jenem Wortwechsel
+mit beiderseitigen Drohungen, der &uuml;ber Timbuctu stattfand, sprachen
+der Ingenieur und sie nicht mit einander.
+
+</P><P>
+
+Frycollin kam jetzt kaum noch aus der K&uuml;che Fran&ccedil;ois Tapage's
+heraus, der ihm hier wohlwollende Gastfreundschaft gew&auml;hrte &mdash;
+unter der Bedingung, da&szlig; er sich als Hilfskoch n&uuml;tzlich
+machte. Da das nicht ohne Vortheil f&uuml;r ihn abging, hatte der Neger
+sich mit Erlaubni&szlig; seines Herrn gern dazu verpflichtet. So
+eingeschlossen, sah er ja auch nicht, was drau&szlig;en vorging, und
+konnte sich gegen jede Gefahr gesch&uuml;tzt glauben. Glich er nicht
+v&ouml;llig dem th&ouml;richten Strau&szlig;e, nicht allein physisch
+durch seinen vortrefflichen Magen, sondern auch geistig durch seine
+kindische Beschr&auml;nktheit?
+
+</P><P>
+
+Doch nach welchem Punkte der Erde sollte der &bdquo;Albatros&ldquo; sich
+nun wenden? Konnte man wohl annehmen, da&szlig; er sich im tiefen Winter
+&uuml;ber diese s&uuml;dlichen Meere oder &uuml;ber das Festland des Pols
+hinauswage? Selbst wenn die Chemikalien in den Batterien nicht durch die
+furchtbare K&auml;lte erstarrten, drohte in dieser eisigen
+Atmosph&auml;re doch Allen der Tod &mdash; der schreckliche Tod des
+Erfrierens. Da&szlig; Robur es unternommen h&auml;tte, in der warmen
+Jahreszeit &uuml;ber den Pol zu fahren, m&ouml;chte wohl angehen;
+inmitten der ewigen Nacht des antarktischen Winters erschien dies dagegen
+wie der Streich eines Tollh&auml;uslers.
+
+</P><P>
+
+Diesen Gedankengang hatten der Vorsitzende und der Schriftf&uuml;hrer des
+Weldon-Instituts, als sie sich jetzt nach dem &auml;u&szlig;ersten Ende
+der Neuen Welt entf&uuml;hrt sahen, nach Gegenden, welche zwar zu
+Amerika, aber freilich nicht zu den Vereinigten Staaten geh&ouml;ren.
+
+</P><P>
+
+Ja, was hatte dieser unergr&uuml;ndliche Robur noch Alles vor? War jetzt
+nicht der Zeitpunkt gekommen, die Reise durch Zerst&ouml;rung des
+fliegenden Apparats zu beendigen?
+
+</P><P>
+
+Fiel hier&uuml;ber die Antwort auch noch unbestimmt aus, so stand dagegen
+fest, da&szlig; der Ingenieur im Laufe des 24. Juli wiederholt mit seinem
+Obersteuermann verhandelte. Mehrere Male beobachteten auch Tom Turner und
+er selbst den Barometer, diesmal aber nicht zur Absch&auml;tzung der
+H&ouml;he, sondern um verschiedene Anzeichen eines drohenden
+Wetterumschlags zu erkennen.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent glaubte auch zu bemerken, da&szlig; Robur in Erfahrung zu
+bringen suchte, wie viel er noch an Vorr&auml;then aller Art, ebenso
+derjenigen zur Unterhaltung der Treib- und Auftriebsmaschinen des
+Aeronefs, wie derjenigen f&uuml;r die menschlichen Maschinen besa&szlig;,
+da es darauf ankam, auch diese und ihre Arbeitskraft in bestem Zustand zu
+erhalten.
+
+</P><P>
+
+Alles das schien auf eine geplante Umkehr hinzudeuten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Umkehr? ... sagte Phil Evans, aber wohin?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Dahin, wo sich Robur frisch verproviantiren kann, antwortete
+Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das m&uuml;&szlig;te irgend eine im Stillen Ocean verlorene Insel
+sein, mit einer, ihres Chefs ganz w&uuml;rdigen Colonie von Verbrechern.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das ist auch meine Ansicht, Phil Evans. Ich glaube wirklich, er
+wird nach Westen zu wenden lassen, und bei der Schnelligkeit, &uuml;ber
+die er verf&uuml;gt, d&uuml;rfte er sein Ziel bald genug erreicht haben.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir w&uuml;rden jedoch unseren Plan nicht mehr zur
+Ausf&uuml;hrung bringen k&ouml;nnen ... wenn er daselbst ankommt&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Er wird nicht ankommen, Phil Evans!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wie sich zeigte, hatten die beiden Collegen die Absichten des Ingenieurs
+wenigstens zum Theil errathen. Im Laufe des Tages noch schwand jeder
+Zweifel, da&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo;, nachdem er die Grenzen des
+s&uuml;dlichen Eismeeres gestreift, entschieden wieder
+r&uuml;ckw&auml;rts steuerte.
+
+</P><P>
+
+Wenn die Eisschollen auf dem Wasser bis zum Cap Horn hintrieben,
+mu&szlig;ten sich die s&uuml;dlicheren Theile des Stillen Weltmeeres ganz
+mit Eisfeldern und Eisbergen bedecken, und das Packeis bildete dann einen
+undurchdringlichen Wall f&uuml;r die festesten Schiffe, wie f&uuml;r die
+tollk&uuml;hnsten Reisenden.
+
+</P><P>
+
+Gewi&szlig; h&auml;tte der &bdquo;Albatros&ldquo;, wenn er seinen
+Fl&uuml;gelschlag beschleunigte, diese &uuml;ber den Ocean
+aufgeth&uuml;rmten Eisberge ebenso &uuml;berfliegen k&ouml;nnen, wie die
+auf dem Festlande des Polarkreises aufragenden Gebirge &mdash; wenn es
+&uuml;berhaupt ein Festland ist, was das S&uuml;dende der Erdachse
+&uuml;berdeckt. Doch entschieden w&uuml;rde er nicht gewagt haben,
+inmitten der finsteren Polarnacht auch einer Polarluft Trotz zu bieten,
+welche sich zuweilen bis 60 Grad unter Null abk&uuml;hlen kann.
+
+</P><P>
+
+Nachdem er also etwa hundert Kilometer nach S&uuml;den vorgedrungen,
+wandte sich der &bdquo;Albatros&ldquo; nach Westen, so, als ob er die
+Richtung nach einer unbekannten Insel des Archipels des Stillen Oceans
+einschl&uuml;ge.
+
+</P><P>
+
+Unter ihm breitete sich die fl&uuml;ssige Ebene aus, welche zwischen die
+L&auml;ndermasse Amerikas und Asiens geworfen ist. Jetzt hatten die
+Fluthen derselben jene eigenth&uuml;mliche F&auml;rbung angenommen, die
+zum Theil dem Ocean den Namen des &bdquo;Milchmeeres&ldquo; erworben
+haben. In dem Halbdunkel, welches die matten Sonnenstrahlen niemals
+wirklich durchdrangen, erschien die ganze Oberfl&auml;che des Stillen
+Weltmeeres wirklich milchig wei&szlig;. Man h&auml;tte ein ungeheures
+Schneefeld zu erblicken geglaubt, dessen Bodensenkungen und Erhebungen
+aus dieser H&ouml;he nicht zu erkennen w&auml;ren. W&auml;re auch dieser
+ganze Meerestheil durch die K&auml;lte zu einem einzigen Eisfeld erstarrt
+gewesen, der Anblick desselben h&auml;tte kaum ein anderer sein
+k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Jetzt wei&szlig; man, da&szlig; es Myriaden leuchtender Theilchen,
+phosphorescirende K&ouml;rperchen sind, welche diese Erscheinung
+erzeugen. Merkw&uuml;rdig blieb nur der Umstand, diesen opalisirenden
+Massen au&szlig;erhalb des indischen Oceans zu begegnen.
+
+</P><P>
+
+Nachdem der Barometer sich in den ersten Stunden des Tages ziemlich hoch
+gehalten hatte, fiel er pl&ouml;tzlich sehr rasch, ein Anzeichen, das
+f&uuml;r jedes Schiff von ernster Bedeutung gewesen w&auml;re,
+w&auml;hrend der Aeronef es au&szlig;er Acht lassen konnte. Jedenfalls
+lie&szlig; dasselbe aber erkennen, da&szlig; in letzter Zeit ein
+furchtbarer Sturm die Gew&auml;sser des Pacifischen Oceans aufgewirbelt
+haben mochte.
+
+</P><P>
+
+Es war gegen zwei Uhr Mittags, als Tom Turner auf den Ingenieur zutrat.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Master Robur, begann er, sehen Sie da den schwarzen Punkt am
+Horizont? ... Dort, gerade im Norden vor uns ... ein Felsen kann das
+nicht sein?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, Tom, nach dieser Seite zu liegt kein Land.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Dann mu&szlig; es ein Schiff sein, oder doch irgend ein
+Fahrzeug.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans blickten nach dem von Tom Turner
+bezeichneten Punkt hinaus.
+
+</P><P>
+
+Robur lie&szlig; sich sein Seefernrohr reichen und betrachtete scharf den
+fraglichen Gegenstand.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es ist ein Boot, sagte er, und ich m&ouml;chte behaupten,
+da&szlig; sich Menschen in demselben befinden.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Schiffbr&uuml;chige? rief Tom.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, Schiffbr&uuml;chige, welche gezwungen gewesen sein werden,
+ihr Schiff zu verlassen, erkl&auml;rte Robur; Ungl&uuml;ckliche, welche
+nicht wissen, wo sie Land finden sollen und die vielleicht vor Hunger und
+Durst umkommen. Wohlan, es soll Niemand sagen k&ouml;nnen, der
+&bdquo;Albatros&ldquo; h&auml;tte nicht den Versuch gemacht, ihnen Hilfe
+zu bringen!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Maschinist und der Gehilfe erhielten dem entsprechend Befehl und der
+Aeronef begann langsam hinabzusinken. In hundert Meter H&ouml;he hielt er
+damit ein und seine Propeller trieben ihn rasch nach Norden.
+
+</P><P>
+
+Es war in der That ein Boot, an dessen Mast ein Segel schlaff herabhing
+und das wegen Mangels an Wind nicht vorw&auml;rts kommen konnte. Die an
+Bord befindlichen Leute hatten offenbar nicht mehr Kraft genug, ein Ruder
+zu handhaben.
+
+</P><P>
+
+Auf dem Boden desselben lagen f&uuml;nf Menschen, die eingeschlafen oder
+vor Entkr&auml;ftung regungslos geworden waren, wenn nicht gar der Tod
+sie schon ereilt hatte.
+
+</P><P>
+
+Ueber ihnen angekommen, ging der &bdquo;Albatros&ldquo; langsam nach
+unten. Am Heck des Bootes konnte man noch den Namen des Schiffes lesen,
+zu dem es geh&ouml;rt hatte; es war die &bdquo;Jeannette&ldquo; von
+Nantes gewesen, ein franz&ouml;sisches Schiff, das seine Besatzung hatte
+aufgeben m&uuml;ssen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Aoh!&ldquo; rief Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+Die Leute mu&szlig;ten ihn wohl h&ouml;ren, denn sie befanden sich kaum
+achtzig Fu&szlig; unter ihm.
+
+</P><P>
+
+Keine Antwort.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Schie&szlig;t ein Gewehr ab!&ldquo; sagte Robur.
+
+</P><P>
+
+Der Befehl wurde ausgef&uuml;hrt und der Knall des Schusses verbreitete
+sich weithin &uuml;ber die Oberfl&auml;che des Wassers.
+
+</P><P>
+
+Da sah man einen der Schiffbr&uuml;chigen sich m&uuml;hsam aufrichten,
+seine Augen lagen tief in ihren H&ouml;hlen, so da&szlig; das Gesicht
+mehr dem eines Skelets &auml;hnelte.
+
+</P><P>
+
+Als er den &bdquo;Albatros&ldquo; bemerkte, malte sich in seinen
+Z&uuml;gen erst der helle Schrecken.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;F&uuml;rchtet nichts! rief Robur ihm franz&ouml;sisch zu. Wir
+kommen Euch zu retten. Wer seid Ihr?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+&mdash; Matrosen von der &bdquo;Jeannette&ldquo;, einer Dreimastbark,
+deren zweiter Officier ich war, antwortete der Mann. Vor nun vierzehn
+Tagen ... mu&szlig;ten wir dieselbe verlassen ... weil sie schon im
+Sinken war ... Wir haben weder Wasser, noch Lebensmittel
+mehr!&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die vier &uuml;brigen Schiffbr&uuml;chigen hatten sich nach und nach
+etwas erhoben. Elend, kraftlos und entsetzlich abgemagert, streckten sie
+die H&auml;nde nach dem Aeronef empor.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Achtung!&ldquo; rief Robur.
+
+</P><P>
+
+Vom Verdeck aus sank ein Tau hernieder und ein Eimer mit
+S&uuml;&szlig;wasser wurde zu dem Boote hinabgesendet.
+
+</P><P>
+
+Die Ungl&uuml;cklichen st&uuml;rzten dar&uuml;ber her und tranken mit
+einer Hast, welche fast widerlich mit anzusehen war.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Brot! ... Brot! ...&ldquo; riefen sie.
+
+</P><P>
+
+Sofort stieg auch ein Korb mit einigen Lebensmitteln, mit Conserven,
+einem Fl&auml;schchen Brandy und mehreren Pinten Kaffee zu ihnen
+herunter. Der zweite Officier hatte alle M&uuml;he, die Leute bei der
+Stillung ihres Hungers nur einigerma&szlig;en im Zaum zu halten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Wo sind wir denn? fragte er dann.
+
+</P><P>
+
+&mdash; F&uuml;nfzig Meilen von der K&uuml;ste von Chili und dem
+Chonas-Archipel, antwortete Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich danke, doch wir haben keinen Wind, und&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir werden Sie in's Schlepptau nehmen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wer sind Sie?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Leute, die sich gl&uuml;cklich sch&auml;tzen, da&szlig; sie im
+Stande waren, Euch Hilfe zu bringen,&ldquo; erwiderte einfach Robur.
+
+</P><P>
+
+Der Mann begriff, da&szlig; er hier ein Incognito zu respectiren habe.
+Doch war es wirklich m&ouml;glich, da&szlig; diese Maschine Kraft genug
+besa&szlig;, sie zu schleppen?
+
+</P><P>
+
+Ja; durch Vermittlung eines hundert Fu&szlig; langen Kabels wurde das
+Boot von dem m&auml;chtigen Apparat nach Osten hingezogen.
+
+</P><P>
+
+Um zehn Uhr Abends war Land in Sicht, oder man sah wenigstens die
+Leuchtfeuer, welche dessen Lage bezeichneten. Sie war wirklich zur
+rechten Zeit gekommen, diese Hilfe vom Himmel f&uuml;r die
+Schiffbr&uuml;chigen der &bdquo;Jeannette&ldquo;, und sie hatten
+gewi&szlig; einiges Recht, ihre Rettung f&uuml;r ein Wunder zu halten.
+
+</P><P>
+
+Als sie dann bis zum Eingang der Wasserstra&szlig;e zwischen den
+Chonas-Inseln gebracht worden waren, rief ihnen Robur zu, das Tau
+schie&szlig;en zu lassen, was sie denn auch, ihre Retter segnend, thaten,
+und der &bdquo;Albatros&ldquo; steuerte wieder auf die offene See hinaus.
+
+</P><P>
+
+Entschieden besa&szlig; er doch gute Eigenschaften, dieser Aeronef, der
+auf diese Weise im weiten Weltmeer verirrten Seeleuten Beistand leisten
+konnte. Welcher noch so vervollkommnete Ballon w&auml;re im Stande
+gewesen, es ihm nachzuthun? Unter sich mu&szlig;ten auch Onkel Prudent
+und Phil Evans das anerkennen, obwohl sie mehr in der Laune waren, die
+Wahrheit des ganzen Zwischenfalls zu leugnen.
+
+</P><P>
+
+Das Meer blieb immer aufgeregt und es traten weitere beunruhigende
+Vorzeichen auf. Der Barometer sank noch um einige Millimeter, dann und
+wann brausten sehr heftige B&ouml;en daher, welche in den
+helikopterischen Maschinen des &bdquo;Albatros&ldquo; ein lautes Pfeifen
+verursachten und diesen merkbar aufhielten. Unter solchen Umst&auml;nden
+h&auml;tte ein Segelschiff schon die Marssegel zweimal und das Focksegel
+einmal reefen m&uuml;ssen. Alles deutete darauf, da&szlig; der Wind nach
+Nordwesten umschlagen werde. Das Rohr des Sturmglases fing an, sich
+beunruhigend zu tr&uuml;ben. Um ein Uhr Morgens erlangte der Wind eine
+ungew&ouml;hnliche Heftigkeit. Obgleich der Aeronef denselben ganz von
+vorne hatte, so konnten seine Propeller ihn doch noch forttreiben, so
+da&szlig; er etwa vier bis f&uuml;nf Meilen in der Stunde
+zur&uuml;cklegte. Mehr konnte man jedoch nicht von ihm verlangen.
+
+</P><P>
+
+Ganz entschieden war jetzt ein Cyclon im Anzuge, was unter diesen Breiten
+sehr selten vorkommt. Ob man diesen nun Hurracan im Atlantischen, Typhon
+im Chinesischen Meere, Samum in der Sahara und Tornado an der
+Westk&uuml;ste nennt, immer ist es ein Wirbelsturm, der gro&szlig;e
+Gefahren mit sich bringt. Ja, Gefahren f&uuml;r jedes Fahrzeug, das von
+seiner drehenden Bewegung gepackt wird, die nach dem Centrum hin zunimmt
+und nur eine Stelle ruhig l&auml;&szlig;t, den innersten Mittelpunkt
+dieses Maelstromes der L&uuml;fte.
+
+</P><P>
+
+Robur wu&szlig;te das. Er wu&szlig;te auch, da&szlig; es rathsam war,
+einem Cyclon zu entfliehen, indem er aus dem Bereiche seiner Anziehung
+nach h&ouml;heren Luftschichten aufstieg. Bisher hatte er das immer
+vermocht. Aber es war keine Stunde, vielleicht keine Minute mehr zu
+verlieren.
+
+</P><P>
+
+In der That wuchs die Gewalt des Sturmes zusehends. Die an ihren
+K&auml;mmen zerrissenen Wellen trugen einen wei&szlig;lichen Staub
+&uuml;ber die Meeresfl&auml;che hin. Es war auch zu erkennen, da&szlig;
+der Cyclon beim Fortschreiten mit rasender Schnelligkeit sich den
+Polargebieten n&auml;hern mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Hinauf! befahl Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Hinauf!&ldquo; wiederholte Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+Dem Aeronef wurde die &auml;u&szlig;erste Auftriebskraft ertheilt und er
+erhob sich in schiefer Richtung, als steige er eine schiefe Ebene empor,
+die sich nach S&uuml;dwesten hin senkte.
+
+</P><P>
+
+Da fiel der Barometer noch weiter &mdash; die Quecksilbers&auml;ule sank
+schnell um acht, dann um zw&ouml;lf Millimeter. Pl&ouml;tzlich h&ouml;rte
+die aufsteigende Bewegung des &bdquo;Albatros&ldquo; vollst&auml;ndig
+auf.
+
+</P><P>
+
+Was veranla&szlig;te diesen Halt? Offenbar war es der Druck der Luft
+infolge einer sehr starken Str&ouml;mung, die von oben nach unten zu
+stattfand und den Widerstand seines Angriffspunktes herabsetzte.
+
+</P><P>
+
+Wenn ein Dampfer einem Strome entgegenf&auml;hrt, erzeugt seine Schraube
+eine um so weniger wirksame Arbeit, je schneller das str&ouml;mende
+Wasser zwischen ihren Fl&uuml;geln hindurchflie&szlig;t. Dann bleibt er
+zur&uuml;ck und das kann so weit gehen, da&szlig; er mit der
+Str&ouml;mung zur&uuml;ckgeht. In dieser Lage befand sich jetzt der
+&bdquo;Albatros&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Robur gab seine Sache aber damit noch nicht auf. Seine mit
+erstaunlichster Uebereinstimmung arbeitenden Schrauben wurden in die
+schnellstm&ouml;gliche Umdrehung versetzt; doch unwiderstehlich von dem
+Cyclon angezogen, konnte der Apparat ihm nicht entgehen. W&auml;hrend
+kurzer Stillen stieg er wieder etwas in die H&ouml;he. Dann zog ihn der
+schwerere Luftdruck auf's Neue hernieder und er sank, wie ein Schiff im
+Untergehen. Und konnte man das nicht ein Untergehen im Luftmeere nennen,
+inmitten einer Nacht, welche die Blendlichter des &bdquo;Albatros&ldquo;
+nur in geringem Umfange unterbrachen?
+
+</P><P>
+
+Wenn die Kraft des Cyclons immer zunahm, wurde der &bdquo;Albatros&ldquo;
+gewi&szlig; bald zum unlenkbaren Strohhalm, der von den Wirbeln
+hinweggetragen wurde, welche B&auml;ume entwurzeln, D&auml;cher abdecken
+und oft ganze Mauern umwerfen.
+
+</P><P>
+
+Robur und Tom konnten sich nur noch durch Zeichen verst&auml;ndlich
+machen. An die Reeling geklammert, fragten sich Onkel Prudent und Phil
+Evans, ob das schauerliche Meteor nicht f&uuml;r sie eintreten und den
+Aeronef mit seinem Erfinder, und mit dem Erfinder das ganze
+Geheimni&szlig; der Erfindung vernichten w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+Da es nun dem &bdquo;Albatros&ldquo; nicht gelang, sich in lothrechter
+Richtung diesem Cyclon zu entziehen, blieb ihm nur noch der eine Ausweg,
+den verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig stilleren Mittelpunkt desselben
+aufzusuchen, wo er mehr Herr seiner Man&ouml;ver war. Gewi&szlig;; doch
+um zu jenem vorzudringen, mu&szlig;te er die Kreisstr&ouml;me
+&uuml;berwinden, die ihn an ihren Peripherien mit fortzerrten.
+Besa&szlig; er wirklich genug mechanische Kr&auml;fte, sich diesen zu
+entrei&szlig;en?
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich barsten jetzt die Wolken &uuml;ber ihm; die D&uuml;nste
+verdichteten sich zu einem furchtbaren Platzregen.
+
+</P><P>
+
+Es war um zwei Uhr Morgens. Der um zw&ouml;lf Millimeter auf- und
+abschwankende Barometer war bis auf 709 gefallen, wobei allerdings die
+H&ouml;he, welche der Aeronef &uuml;ber dem Meere einnahm, in Rechnung zu
+ziehen ist.
+
+</P><P>
+
+Seltsamer Weise hatte sich dieser Cyclon au&szlig;erhalb der Zonen, die
+er sonst durchzieht, gebildet, d.&nbsp;h. zwischen dem 30. Grade
+n&ouml;rdlicher und dem 27. Grade s&uuml;dlicher Breite. Vielleicht
+erkl&auml;rt sich hierdurch, warum dieser Wirbelsturm sehr bald in einen
+gew&ouml;hnlichen, ziemlich geradlinig verlaufenden &uuml;berging. Doch
+welcher Orkan w&uuml;thete daf&uuml;r! Der Windsto&szlig; von Connecticut
+am 22. M&auml;rz 1882 h&auml;tte ihm etwa verglichen werden k&ouml;nnen,
+dessen Geschwindigkeit hundertsechzehn Meter in der Secunde, d.&nbsp;h.
+&uuml;ber hundert Meilen in der Stunde, erreichte.
+
+</P><P>
+
+Es blieb jetzt also nichts &uuml;brig, als nach r&uuml;ckw&auml;rts zu
+entfliehen, wie ein Schiff vor dem Sturm, oder sich vielmehr von dieser
+Str&ouml;mung mit forttragen zu lassen, die der &bdquo;Albatros&ldquo;
+nicht &uuml;berwinden und aus der er sich nicht befreien konnte. Doch
+wenn er dieser ihm aufgezwungenen Stra&szlig;e folgte, floh er nach dem
+S&uuml;den hin und wurde nach den Polargebieten verschlagen, welche Robur
+hatte vermeiden wollen. Doch da er nicht mehr Herr seiner Bewegungen war,
+mu&szlig;te er ja hingehen, wohin der Orkan ihn trug.
+
+</P><P>
+
+Tom Turner hielt noch immer getreulich am Steuerruder aus. Es bedurfte
+aller seiner Gewandtheit, um nicht immer von einem Bord zum anderen
+geschleudert zu werden.
+
+</P><P>
+
+Mit den ersten Stunden des Tages &mdash; wenn man den schwachen Schein,
+der den Horizont f&auml;rbte, so nennen konnte &mdash; hatte der
+&bdquo;Albatros&ldquo; vom Cap Horn her f&uuml;nfzehn Breitengrade hinter
+sich gelassen, d.&nbsp;h. &uuml;ber vierhundert Meilen, und er
+&uuml;berschritt nun den Polarkreis.
+
+</P><P>
+
+Hier dauert die Nacht im Monat Juli noch neunzehn Stunden lang, die kalte
+Sonnenscheibe erscheint nur schwach leuchtend am Horizont, um fast
+sogleich wieder zu verschwinden. Am Pole selbst verl&auml;ngert sich
+diese Nacht bis auf hundertneunundsiebzig volle Tage. Alles deutete
+darauf hin, da&szlig; sich der &bdquo;Albatros&ldquo; wie in einen
+Abgrund in dieselbe st&uuml;rzen m&uuml;sse.
+
+</P><P>
+
+An diesem Tage h&auml;tte eine Beobachtung, wenn eine solche m&ouml;glich
+gewesen w&auml;re, die s&uuml;dliche Breite von 66 Grad 40 Minuten
+ergeben. Der Aeronaut befand sich also nun vierzehnhundert Meilen vom
+antarktischen Pol.
+
+</P><P>
+
+Unwiderstehlich nach diesem sonst unerreichbaren Punkt der Erdkugel
+hingezogen, &bdquo;verzehrte&ldquo; seine Geschwindigkeit so zu sagen
+seine ganze Schwere, obwohl diese infolge der Abplattung der Erde am Pol
+hier eine noch gr&ouml;&szlig;ere war. Seine Auftriebsschrauben konnten
+sich das ja wohl gefallen lassen. Bald wurde die Gewalt des Sturmes eine
+so ungeheure, da&szlig; Robur die Umdrehungszahl der Propeller auf ein
+Minimum zu reduciren beschlo&szlig;, um diese vor ernsten
+Besch&auml;digungen zu sch&uuml;tzen und doch ein wenig bei der
+geringsten m&ouml;glichen eigenen Geschwindigkeit durch das Steuerruder
+wirken zu k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Inmitten dieser Gefahren ertheilte der Ingenieur seine Befehle mit
+gr&ouml;&szlig;ter Kaltbl&uuml;tigkeit, und die Mannschaft gehorchte ihm,
+als ob die Seele des Chefs auch in ihr lebte.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans hatten das Verdeck, wo sie &uuml;brigens
+ohne alle Schwierigkeit verweilen konnten, nicht einen Augenblick
+verlassen. Die Luft bot ja keinen oder nur sehr schwachen Widerstand. Der
+Aeronef befand sich eben in derselben Lage, wie jeder Aerostat, der sich
+mit dem Fluidum, in dem er ganz eintaucht, fortbewegt.
+
+</P><P>
+
+Das s&uuml;dliche Polargebiet umfa&szlig;t der gew&ouml;hnlichen Angabe
+nach eine Fl&auml;che von viereinhalb Millionen (englische)
+Quadratmeilen, doch wei&szlig; man nicht, ob dasselbe ein Festland, einen
+Archipel oder nur ein Meer enth&auml;lt, dessen Eis selbst w&auml;hrend
+der langen Sommerszeit nicht zum Schmelzen kommt. Bekannt ist dagegen,
+da&szlig; der S&uuml;dpol noch k&auml;lter ist, als der Nordpol, eine
+Erscheinung, welche von der Stellung der Erde in ihrer Bahn w&auml;hrend
+des Winters der antarktischen Region abgeleitet wird.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend des Tages trat kein Anzeichen ein, da&szlig; der Sturm
+abnehmen werde. Der &bdquo;Albatros&ldquo; gelangte unter den 75. Grad
+westlicher L&auml;nge nach dem Polargebiete. Wer h&auml;tte wissen
+k&ouml;nnen, unter welchem Meridian er wieder aus demselben heraustreten
+sollte?
+
+</P><P>
+
+Je mehr er nach S&uuml;den hinabkam, desto mehr verminderte sich die
+Tagesl&auml;nge. Binnen Kurzem mu&szlig;te er sich in der
+fortw&auml;hrenden Nacht befinden, welche nur vom Mondschein oder von dem
+schwachen Leuchten der S&uuml;dlichter erhellt wird. Jetzt war aber
+Neumond, und die Gef&auml;hrten Robur's liefen Gefahr, gar nichts von
+jenen Gegenden zu sehen, deren Geheimni&szlig; der Mensch noch nicht zu
+entschleiern vermocht hat.
+
+</P><P>
+
+H&ouml;chst wahrscheinlich kam der &bdquo;Albatros&ldquo; nahe dem
+Polarkreise &uuml;ber einzelne schon bekannte Punkte hinweg, so im Westen
+&uuml;ber das Graham-Land, welches Bisco&euml; 1832 entdeckt hat, und
+&uuml;ber das Louis Philipp-Land, das Dumont d'Urville als
+&auml;u&szlig;ersten Ausl&auml;ufer des unbekannten Festlandes 1838
+entdeckte.
+
+</P><P>
+
+An Bord litt man zwar nicht besonders von der K&auml;lte, welche nicht so
+arg war, als man eigentlich f&uuml;rchten mu&szlig;te. Der Orkan schien
+eine Art Golfstrom der Luft zu bilden, der eine gewisse Menge W&auml;rme
+mit sich f&uuml;hrte.
+
+</P><P>
+
+Wie bedauerlich war es, da&szlig; diese ganze Gegend in Finsterni&szlig;
+lag! Hierzu kommt noch, da&szlig; selbst bei vollem Mondschein jede
+Beobachtung sehr beschr&auml;nkt war, denn zu dieser Jahreszeit bedeckt
+eine ungeheure Schneelage und ein dicker Eispanzer die ganze
+Oberfl&auml;che des Polargebietes. Man gewahrt dann nicht einmal jenen
+&bdquo;Blink&ldquo; der Eismassen, den wei&szlig;lichen Schein, der sich
+an dem dunklen Horizonte nicht widerspiegeln kann. Wie h&auml;tte Jemand
+unter diesen Umst&auml;nden die Gestalt von L&auml;ndern, die Ausdehnung
+der Meere oder die Vertheilung von Inseln zu erkennen vermocht? Wie
+h&auml;tte man sich &uuml;ber das hydrographische Netz des Landes
+unterrichten, oder selbst dessen orographische Anordnung aufnehmen
+k&ouml;nnen, da jetzt alle H&uuml;gel, alle Berge mit den Eisbergen und
+dem Packeise zu einer einzigen Masse verschmolzen?
+
+</P><P>
+
+Kurz vor Mitternacht erhellte ein S&uuml;dpolarlicht einmal die tiefe
+Finsterni&szlig;. Mit seinen silbernen Ausl&auml;ufern, seinen weit
+hinausreichenden Strahlen, bildete das Meteor die Gestalt eines
+ungeheuren F&auml;chers, der etwa die H&auml;lfte des Himmels einnahm.
+Die letzten elektrischen Effluvien desselben verloren sich am
+s&uuml;dlichen Kreuz, dessen vier Sterne im Zenith brannten. Diese
+Erscheinung war von wirklich unvergleichlicher Gro&szlig;artigkeit und
+ihre Helligkeit reichte hin, einen Ueberblick &uuml;ber diese in
+grenzenloses Wei&szlig; verh&uuml;llte Gegend zu gew&auml;hren.
+
+</P><P>
+
+Es versteht sich von selbst, da&szlig; der Compa&szlig; in diesen, dem
+magnetischen S&uuml;dpol so nahe gelegenen Gebieten g&auml;nzlich
+gest&ouml;rt erschien und &uuml;ber die eingehaltene Richtung keinerlei
+Aufkl&auml;rung geben konnte. Die Inclination der Nadel wurde aber
+gelegentlich eine so bedeutende, da&szlig; Robur annehmen mu&szlig;te,
+&uuml;ber diesen magnetischen Pol, der ziemlich genau im
+achtundsiebenzigsten Meridian zu suchen ist, hinweggekommen zu sein.
+
+</P><P>
+
+Und sp&auml;ter, gegen ein Uhr des Morgens, rief er nach Beobachtung des
+Winkels, den die Nadel mit der Verticalen machte, laut:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Jetzt ist der S&uuml;dpol unter unseren F&uuml;&szlig;en!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wohl sah man eine ganz wei&szlig;e Fl&auml;che, aber nichts verrieth, was
+sie unter ihrem Eispanzer bergen mochte.
+
+</P><P>
+
+Das S&uuml;dpolarlicht erlosch bald nachher, und jener ideale Punkt, in
+dem sich alle Meridiane kreuzen, ist noch immer erst zu entdecken.
+
+</P><P>
+
+Hatten Onkel Prudent und Phil Evans die Absicht, den Aeronef und Alle,
+die er trug, in der geheimni&szlig;vollsten Ein&ouml;de zu begraben, so
+war jetzt die beste Gelegenheit dazu. Wenn sie es doch nicht thaten, so
+lag es daran, da&szlig; ihnen die dazu nothwendige Sprengmaschine
+mangelte.
+
+</P><P>
+
+Indessen raste der Orkan mit einer solchen Wuth weiter, da&szlig; der
+&bdquo;Albatros&ldquo;, wenn er auf seinem Wege einen Berg getroffen
+h&auml;tte, daran unbedingt ebenso zerschellt w&auml;re, wie ein Schiff,
+das auf eine felsige K&uuml;ste geworfen wird.
+
+</P><P>
+
+Augenblicklich vermochte er sich n&auml;mlich ebenso wenig horizontal
+fortzubewegen, wie er Herr &uuml;ber sein Auf- und Absteigen war.
+
+</P><P>
+
+Einzelne Gipfel aber erheben sich bekanntlich auch in den antarktischen
+Gebieten. Jeden Augenblick war ein Zusammensto&szlig; m&ouml;glich, der
+die Vernichtung des ganzen Apparates h&auml;tte herbeif&uuml;hren
+m&uuml;ssen.
+
+</P><P>
+
+Eine solche Katastrophe schien um so mehr zu f&uuml;rchten, als der Wind,
+der nach dem Meridian 0 mehr zur&uuml;ckging, weiter nach Osten umschlug.
+Schon zeigten sich auch, etwa hundert Kilometer vom
+&bdquo;Albatros&ldquo; entfernt, zwei leuchtende Punkte.
+
+</P><P>
+
+Es waren das die beiden Vulcane, welche zu dem gewaltigen Gebiete der
+Ro&szlig;-, Erebus- und Terrorberge geh&ouml;ren.
+
+</P><P>
+
+Sollte der &bdquo;Albatros&ldquo; in den Flammen gleich einem riesigen
+Schmetterling verbrennen?
+
+</P><P>
+
+Es war eine Stunde voll entsetzlicher Angst; der eine der Vulcane, der
+Erebus, schien ordentlich auf den Aeronef, der sich aus dem Bett des
+Vulcans nicht befreien konnte, loszust&uuml;rzen ... Sein
+Flammenb&uuml;schel wuchs zusehends, ein Feuernetz versperrte den Weg,
+das die Luft weithin erleuchtete. Die an Bord jetzt deutlich sichtbaren
+Gestalten nahmen ein halb teuflisches Aussehen an. Alle erwarteten
+regungslos, ohne einen Schrei, ohne mit den Muskeln zu zucken, die
+entsetzliche Minute, in der dieser Hochofen sie mit seinen Flammen
+umh&uuml;llen w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+Der Orkan aber, der den &bdquo;Albatros&ldquo; mit sich fortri&szlig;,
+rettete ihn auch vor dieser schrecklichen Katastrophe. Die von dem Sturm
+niedergedr&uuml;ckten Flammen des Erebus gaben ihm den gef&auml;hrlichen
+Weg frei, und inmitten eines Hagels von Lavast&uuml;cken, welche durch
+die centrifugale Bewegung der Auftriebsschrauben gl&uuml;cklicher Weise
+weggeschleudert wurden, kam er gl&uuml;cklich &uuml;ber diesen in voller
+Eruption begriffenen Krater hinweg.
+
+</P><P>
+
+Eine Stunde sp&auml;ter verdeckte schon der Horizont die beiden
+colossalen Flammen, welche das Ende der Welt w&auml;hrend der langen
+Polarnacht erleuchten.
+
+</P><P>
+
+Um zwei Uhr Morgens kam man an der Insel Ballery und zwar am Rande der
+K&uuml;ste der Entdeckung vor&uuml;ber, ohne diese jedoch erkennen zu
+k&ouml;nnen, da auch sie mit den Polarl&auml;ndern durch festes Eis
+verkettet war.
+
+</P><P>
+
+Mit dem Austritt aus dem Polarkreise, den der &bdquo;Albatros&ldquo;
+unter dem f&uuml;nfundsiebenzigsten Meridian durchschnitten, trug ihn der
+Orkan &uuml;ber die Packeismassen und die Eisberge hinweg, an welchen er
+sich hundertmal zu zertr&uuml;mmern drohte. Er war eben nicht mehr in der
+Hand seines Steuermannes, sondern nur in der Hand Gottes, und Gott ist ja
+der beste Pilot.
+
+</P><P>
+
+Der Aeronef folgte nun wieder dem Meridian von Paris, der mit dem, unter
+welchem er die antarktische Welt betreten, einen Winkel von 105 Grad
+bildet.
+
+</P><P>
+
+Endlich, jenseits des 60. Breitengrades, schien die Kraft des Orkans zu
+erlahmen. Seine Schnelligkeit nahm merklich ab. Der
+&bdquo;Albatros&ldquo; wurde wieder mehr seiner selbst Herr. Ferner kam
+er jetzt, was eine gro&szlig;e Erleichterung gew&auml;hrte, wieder in die
+erleuchteten Theile der Erdkugel, und um acht Uhr Morgens brach der Tag
+an.
+
+</P><P>
+
+Nachdem Robur und die Seinen dem Wirbelsturm des Cap Horn gl&uuml;cklich
+entgangen waren, hatten sie nun auch diesen Orkan &uuml;berstanden. Sie
+waren &uuml;ber das ganze S&uuml;dpolargebiet weg, nachdem sie binnen
+neunzehn Stunden gegen siebentausend Kilometer zur&uuml;ckgelegt, wieder
+nach dem Stillen Ocean getrieben worden, und da sie zu einer Meile nur
+eine Minute gebraucht hatten, war ihre Schnelligkeit doppelt so
+gro&szlig; gewesen, als sie der &bdquo;Albatros&ldquo; unter
+gew&ouml;hnlichen Umst&auml;nden h&auml;tte entwickeln k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Infolge der St&ouml;rung des Magnetismus seiner Compa&szlig;nadel im
+Polargebiete, wu&szlig;te Robur nun aber nicht mehr, wo er sich befand.
+Er mu&szlig;te also warten, bis die Sonne unter hinreichend
+g&uuml;nstigen Verh&auml;ltnissen schien, um eine directe Beobachtung zu
+gestatten. Ungl&uuml;cklicher Weise bedeckten dichte Wolken an diesem
+Tage den Himmel und die Sonne wurde &uuml;berhaupt nicht sichtbar.
+
+</P><P>
+
+Das war f&uuml;r Alle desto betr&uuml;bender, weil die beiden
+Treibschrauben w&auml;hrend des Sturmes einige Besch&auml;digungen
+erlitten hatten.
+
+</P><P>
+
+Sehr verstimmt durch diesen Unfall, konnte Robur w&auml;hrend des ganzen
+Tages nur mit stark verminderter Geschwindigkeit weiterfahren. Als er
+&uuml;ber den Antipoden von Paris schwebte, legte er nur sechs Meilen in
+der Stunde zur&uuml;ck, denn er mu&szlig;te sich wohl h&uuml;ten, die
+Besch&auml;digungen zu verschlimmern. Versagten seine beiden
+Treibschrauben etwa ganz vollst&auml;ndig den Dienst, so wurde die Lage
+des Aeronefs &uuml;ber dem ungeheuren Stillen Ocean eine sehr
+mi&szlig;liche. Der Ingenieur fragte sich auch schon, ob er die
+n&ouml;thigen Ausbesserungen nicht sollte an Ort und Stelle vornehmen
+lassen, um die Fortsetzung der Reise zu sichern.
+
+</P><P>
+
+Am Morgen des 27. Juli wurde da ein Land im Norden gemeldet.
+
+</P><P>
+
+Man erkannte bald, da&szlig; das eine Insel war; doch welche von den
+Tausenden, die im Pacifischen Ocean verstreut liegen? Nichtsdestoweniger
+beschlo&szlig; Robur hier Halt zu machen, doch ohne auf die Erde selbst
+zu gehen. Seiner Ansicht nach mu&szlig;te ein Tag hinreichen, die
+Havarien auszubessern, und er meinte dann denselben Abend wieder weiter
+fahren zu k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Der Wind hatte sich &mdash; ein g&uuml;nstiger Umstand zur
+Ausf&uuml;hrung jenes Vorhabens &mdash; fast vollst&auml;ndig gelegt. Da
+er nun anhalten sollte, konnte der &bdquo;Albatros&ldquo; wenigstens
+nicht nach unbekannten Gegenden verschlagen werden.
+
+</P><P>
+
+Man lie&szlig; also ein mit einem Anker versehenes hundertf&uuml;nfzig
+Fu&szlig; langes Kabel von dem Luftschiff herunter. Als der Aeronef an
+den Rand der Insel kam, fa&szlig;te der Anker an den ersten Klippen
+desselben und legte sich schnell zwischen zwei Felsen fest. Das Kabel
+spannte sich unter der Wirkung der Auftriebsschrauben straff an und der
+&bdquo;Albatros&ldquo; blieb unbeweglich, wie ein Schiff, das am Strande
+festgelegt wurde.
+
+</P><P>
+
+Es war das erste Mal, da&szlig; er seit der Abfahrt aus Philadelphia
+&uuml;berhaupt mit der Erde in Ber&uuml;hrung kam. </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap15" ID="kap15"></A>
+<H3>XV.<BR>
+Worin Dinge vorgehen, deren Schilderung sich gewi&szlig; der M&uuml;he
+lohnt.
+</H3>
+
+
+<P>
+Als der &bdquo;Albatros&ldquo; noch in gen&uuml;gend hoher Luftschicht
+schwebte, konnte man erkennen, da&szlig; diese Insel von mittlerer
+Gr&ouml;&szlig;e war. Doch welcher Breitengrad durchschnitt wohl
+dieselbe? Bis zu welcher Mittagslinie war man gelangt? War jene eine
+Insel des Stillen Oceans, Austral-Asiens (Neu-Hollands) oder des
+Indischen Meeres? Das blieb so lange unbestimmt, bis Robur sein Besteck
+gemacht hatte. Obgleich dieser nun nicht im Stande gewesen war,
+Compa&szlig;angaben zu Rathe zu ziehen, hatte er doch Ursache, zu
+glauben, da&szlig; er sich &uuml;ber dem Stillen Ocean befinde. Sobald
+nur die Sonne erschien, mu&szlig;ten die Umst&auml;nde zu einer genauen
+Beobachtung h&ouml;chst g&uuml;nstige sein.
+
+</P><P>
+
+Von dieser H&ouml;he &mdash; von etwa f&uuml;nfhundert Fu&szlig; &mdash;
+aus zeigte sich die, gegen f&uuml;nfzehn (englische) Meilen im
+Durchmesser haltende Insel in der Form eines dreispitzigen Seesterns.
+
+</P><P>
+
+Vor deren S&uuml;dspitze tauchte noch ein Eiland auf, an das sich ein
+Felsengewirr anschlo&szlig;. Am Strande verrieth sich kein von Ebbe und
+Fluth zur&uuml;ckgebliebenes Merkmal, was die Ansicht Robur's
+bez&uuml;glich seiner augenblicklichen Lage zu best&auml;rken schien, da
+die Gezeiten im Stillen Ocean fast gleich Null sind.
+
+</P><P>
+
+An der Nordweste erhob sich ein nahezu kegelf&ouml;rmiger Berg, dessen
+H&ouml;he auf zw&ouml;lfhundert Fu&szlig; zu sch&auml;tzen war.
+
+</P><P>
+
+Von einem Eingeborenen sah man nichts; vielleicht wohnten solche jedoch
+am entgegengesetzten Ufer. Jedenfalls hatte der Aeronef, wenn sie diesen
+&uuml;berhaupt bemerkten, sie erschreckt und veranla&szlig;t, sich zu
+verbergen oder zu entfliehen.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; hatte die S&uuml;dostspitze der Insel
+ber&uuml;hrt. Unfern derselben schl&auml;ngelte sich in beschr&auml;nkter
+Bucht ein Fl&uuml;&szlig;chen durch die Felsen. Weiterhin zeigten sich
+gewundene Th&auml;ler mit verschiedenen Baumarten und zahlreichem wilden
+Gefl&uuml;gel, vorz&uuml;glich Rebh&uuml;hner und Trappen. Wenn die Insel
+nicht bewohnt war, so erschien sie danach also mindestens bewohnbar.
+Unzweifelhaft h&auml;tte Robur hier an's Land gehen k&ouml;nnen, und wenn
+er es doch nicht that, so kam das nur daher, da&szlig; der sehr unebene
+Boden ihm keinen geeigneten Platz zur Auflagerung des Aeronefs zu bieten
+schien.
+
+</P><P>
+
+Vor dem Wiederaufsteigen lie&szlig; der Ingenieur die nothwendigsten
+Ausbesserungen vornehmen, welche er im Laufe des Tages beendet zu sehen
+hoffte. Die in vollkommen gutem Zustande befindlichen Schwebeschrauben
+hatten selbst gegen&uuml;ber der gr&ouml;&szlig;ten Heftigkeit des Orkans
+vortrefflich functionirt, da letzterer, wie es sich zeigte, die Arbeit
+derselben sogar erleichterte. Augenblicklich war nur die H&auml;lfte des
+Auftriebsmechanismus in Th&auml;tigkeit, doch hinreichend viel, um das
+lothrecht am Ufer befestigte Tau gespannt zu erhalten.
+
+</P><P>
+
+Dagegen hatten die beiden eigentlichen Propeller gelitten, und zwar mehr,
+als Robur selbst voraussetzte. Mindestens mu&szlig;ten deren Schaufeln
+wieder aufgerichtet und das Zahngetriebe, durch welches sie die
+Drehbewegung erhielten, ausgebessert werden.
+
+</P><P>
+
+Die Mannschaft besch&auml;ftigte sich unter der Leitung Robur's und Tom
+Turner's mit der vorderen Schraube. Es erschien das vortheilhafter
+f&uuml;r den Fall, da&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo; aus irgend
+welchem Grunde gen&ouml;thigt sein k&ouml;nnte, vor v&ouml;lliger
+Vollendung der Arbeit wieder weiter zu treiben und man schon mit diesem
+Propeller allein n&ouml;thigenfalls eine gen&uuml;gende
+Fahrgeschwindigkeit erreichen konnte.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen hatten sich Onkel Prudent und sein College, die vorher auf der
+Plattform umherspaziert waren, auf dem Hinterdeck niedergelassen.
+
+</P><P>
+
+Frycollin zeigte sich jetzt merkw&uuml;rdig beruhigt. Welcher
+Unterschied, nur noch hundertf&uuml;nfzig Fu&szlig; &uuml;ber dem
+Erdboden zu schweben!
+
+</P><P>
+
+Die Arbeiten wurden nur unterbrochen, als die Erhebung der Sonne
+&uuml;ber dem Horizonte zun&auml;chst einen Stundenwinkel zu messen und
+dann zur Zeit ihrer Culmination die Mittagslinie des Orts zu bestimmen
+gestattete.
+
+</P><P>
+
+Als Resultat der mit gr&ouml;&szlig;ter Sorgfalt ausgef&uuml;hrten
+Beobachtung ergab sich da eine </P>
+
+<BLOCKQUOTE>
+L&auml;nge von 176&deg; 17' westlich von Greenwich,
+<BR>
+Breite von 43&deg; 37' s&uuml;dlich vom Aequator.
+</BLOCKQUOTE>
+
+<P> Dieser Punkt auf der Karte entsprach der Insel Chatam und dem Eilande
+Viff, welche Gruppe gew&ouml;hnlich mit dem Namen der Brougthon-Inseln
+bezeichnet wird. Dieselbe findet sich etwa f&uuml;nfzehn Grade
+&ouml;stlich von Tawai-Pomanu, der s&uuml;dlich gelegenen
+Inselh&auml;lfte Neuseelands im S&uuml;den des Stillen Oceans.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Das stimmt nahezu mit meiner Voraussetzung &uuml;berein, sagte
+Robur zu Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wir befinden uns demnach&nbsp;...?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sechsundvierzig Grade s&uuml;dlich der Insel X, das hei&szlig;t
+gegen zweitausendachthundert Seemeilen von dieser entfernt.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ein Grund mehr, unsere Propeller wieder in Ordnung zu bringen,
+antwortete der Obersteuermann. Bei der Fahrt dahin k&ouml;nnten wir
+leicht widrige Winde antreffen, und mit R&uuml;cksicht auf unsere jetzt
+nur geringen Proviantvorr&auml;the ist es von Wichtigkeit, die Insel X so
+schnell als m&ouml;glich wieder anzulaufen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gewi&szlig;, Tom, und ich hoffe auch, schon in der Nacht wieder
+aufzubrechen, schlimmsten Falls mit einer einzigen Triebschraube,
+w&auml;hrend die zweite dann unterwegs wieder in Ordnung gebracht
+w&uuml;rde.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Master Robur, fragte da Tom Turner, aber die beiden Herren und
+deren Diener&nbsp;...?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nun, Tom Turner, erwiderte der Ingenieur, h&auml;tten sie
+dar&uuml;ber sich zu beklagen, Colonisten der Insel X zu werden?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Was war denn eigentlich diese Insel X? &mdash; Eine in dem grenzenlosen
+Stillen Ocean verlorene Insel zwischen dem Aequator und dem Wendekreis
+des Krebses; eine Insel, welche das algebraische Zeichen, das Robur zu
+ihrem Namen erw&auml;hlt hatte, vollkommen rechtfertigte. Sie entstieg
+dem weiten Meere der Marquisen au&szlig;erhalb aller Wege des
+interoceanischen Verkehrs. Da hatte Robur seine kleine Colonie
+begr&uuml;ndet, da rastete der &bdquo;Albatros&ldquo;, wenn er von seinem
+Fluge erm&uuml;det war, und da versah er sich auch mit allem Nothwendigen
+f&uuml;r seine fast unaufh&ouml;rlichen Reisen. Auf dieser Insel X hatte
+Robur, der &uuml;ber reichliche Hilfsmittel verf&uuml;gte, eine Werft
+errichten und seinen Aeronef erbauen k&ouml;nnen. Hier konnte er
+denselben ausbessern, selbst ganz neu wiederherstellen. Seine Magazine
+strotzten von Materialien, Nahrungsmitteln und Vorr&auml;then aller Art,
+welche hier mit Unterst&uuml;tzung der gegen f&uuml;nfzig K&ouml;pfe
+z&auml;hlenden Einwohnerschaft aufgeh&auml;uft wurden.
+
+</P><P>
+
+Als Robur vor wenig Tagen das Cap Horn umschiffte, war es seine Absicht
+gewesen, sich schr&auml;g &uuml;ber den Stillen Ocean nach der Insel X zu
+begeben. Da hatte aber die Cyklone den &bdquo;Albatros&ldquo; in ihren
+Wirbel gerissen und nachher der wilde Orkan ihn nach s&uuml;dlicheren
+Zonen verschlagen. Kurz, er war dadurch wieder mehr in seine
+urspr&uuml;ngliche Fahrtrichtung gedr&auml;ngt worden, und abgesehen von
+den Besch&auml;digungen seiner Triebschrauben, w&auml;re dieser
+Verz&ouml;gerung keine besondere Bedeutung beizumessen gewesen.
+
+</P><P>
+
+Jetzt wollte man sich also nach der Insel X zur&uuml;ckbegeben, doch war,
+wie der Obersteuermann Tom Turner vorhergesagt hatte, der Weg dahin ein
+recht weiter, und h&ouml;chst wahrscheinlich hatte man dabei auch noch
+gegen widrige Winde anzuk&auml;mpfen. Jedenfalls bedurfte es des
+Aufwandes aller mechanischen Kraft des &bdquo;Albatros&ldquo;, um jenes
+Ziel zur bestimmten Zeit zu erreichen. Bei einigerma&szlig;en guter
+Witterung und bei der gew&ouml;hnlichen Fahrtgeschwindigkeit h&auml;tte
+das sonst nur drei bis vier Tage beansprucht.
+
+</P><P>
+
+Deshalb hatte sich Robur auch zum Anlegen an der Insel Chatam
+entschlossen, wo er wenigstens die vordere Triebschraube unter
+g&uuml;nstigeren Verh&auml;ltnissen wieder ausbessern konnte. Er
+f&uuml;rchtete dann nicht mehr, selbst im Fall sich eine ganz
+entgegengesetzte Brise erhob, nach S&uuml;den hin verschlagen zu werden,
+wenn er nach Norden zu fahren wollte. Mit Einbruch der Nacht war diese
+Reparatur vollendet. Er traf also Anstalt, seinen Anker zu lichten.
+Sollte dieser zwischen den Uferfelsen gar zu fest eingegriffen haben, so
+war er entschlossen, einfach das Ankertau zu kappen und den Flug gegen
+den Aequator zu beginnen.
+
+</P><P>
+
+Es liegt auf der Hand, da&szlig; das die einfachste Methode war und
+entschieden auch die beste, um schnell fortzukommen, und sie wurde denn
+auch sogleich verfolgt.
+
+</P><P>
+
+Im Bewu&szlig;tsein, da&szlig; jetzt keine Zeit mehr zu verlieren sei,
+ging die Mannschaft des &bdquo;Albatros&ldquo; entschlossen an diese
+Arbeit.
+
+</P><P>
+
+Und w&auml;hrend die Anderen am Vordertheil des Aeronef besch&auml;ftigt
+waren, f&uuml;hrten Onkel Prudent und Phil Evans eine Unterhaltung, deren
+Folgen von ganz au&szlig;erordentlicher Bedeutung sein sollten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Phil Evans, sagte Onkel Prudent, sind Sie gleich mir entschlossen,
+das Leben zum Opfer zu bringen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, gleich Ihnen!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und noch einmal, es liegt auf der Hand, da&szlig; wir von diesem
+Robur nichts zu hoffen haben.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nichts!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nun wohl, Phil Evans, mein Entschlu&szlig; ist gefa&szlig;t. Da
+der &bdquo;Albatros&ldquo; noch heute sp&auml;t Abends abfahren soll,
+wird die Nacht nicht vergehen, ohne da&szlig; unser Werk vollbracht
+w&auml;re. Wir werden dem Vogel des Ingenieur Robur die Fl&uuml;gel
+zerbrechen. Diese Nacht wird er mitten in der Luft zersprengt!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Haben Sie auch alles dazu N&ouml;thige in Bereitschaft?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gewi&szlig;. Letztvergangene Nacht, als sich Robur und seine
+Leute nur um die Rettung des Aeronefs bem&uuml;hten, gelang es mir, in
+die Munitionskammer zu schleichen und eine Dynamitpatrone mitzunehmen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; So lassen Sie uns unverz&uuml;glich an's Werk gehen, Onkel
+Prudent&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein, erst heute am Sp&auml;tabend. Wenn es dunkel geworden ist,
+ziehen wir uns nach unserer Wohnung zur&uuml;ck und Sie &uuml;bernehmen
+die Wache, da&szlig; mich bei den Vorbereitungen Niemand
+&uuml;berrascht.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Gegen sechs Uhr speisten die beiden Genossen in hergebrachter Weise. Zwei
+Stunden sp&auml;ter hatten sie sich nach ihrer Cabine zur&uuml;ckgezogen,
+als wollten sie sich f&uuml;r die letzte schlaflose Nacht schadlos
+halten.
+
+</P><P>
+
+Weder Robur, noch irgend einer seiner Leute konnte im entferntesten
+ahnen, welche Katastrophe den &bdquo;Albatros&ldquo; bedrohte.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent aber dachte nach folgender Art zur Ausf&uuml;hrung zu
+schreiten:
+
+</P><P>
+
+Wie schon erw&auml;hnt, war es ihm gelungen in die Munitionskammer
+einzudringen, welche in einer der unteren Rumpfabtheilungen des Aeronefs
+angelegt war. Dort hatte er sich einer gewissen Menge Pulvers und einer
+Patrone bem&auml;chtigt, die ganz mit denen &uuml;bereinstimmte, deren
+sich der Ingenieur fr&uuml;her in Dahomey bediente. Nach seiner Cabine
+zur&uuml;ckgekehrt, hatte er die Patrone sorgf&auml;ltig versteckt, mit
+der der &bdquo;Albatros&ldquo;, wenn er in der Nacht seinen Flug durch
+die L&uuml;fte wieder begonnen, gesprengt werden sollte.
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt besichtigte Phil Evans den von seinem Genossen geraubten
+Explosionsk&ouml;rper.
+
+</P><P>
+
+Dieser bestand aus einer l&auml;ngeren H&uuml;lse, deren metallene Wand
+etwa ein Kilogramm des explosiven Stoffes enthielt, also voraussichtlich
+eine hinreichende Menge, um den Aeronef auseinander zu rei&szlig;en und
+sein vielf&auml;ltiges Steigschrauben-Getriebe zu zerst&ouml;ren.
+Vernichtete ihn die Explosion aber nicht mit einem Schlage, so
+mu&szlig;te der Sturz in die Tiefe das Zerst&ouml;rungswerk vollenden.
+Die Form und Gr&ouml;&szlig;e der Patrone beg&uuml;nstigten es
+&uuml;brigens au&szlig;erordentlich, diese in einer Ecke der Cabine so
+anzubringen, da&szlig; sie die Plattform unbedingt durchschlug und ihre
+Wirkung auch das Rippenwerk des Rumpfes erreichte. Die Explosion konnte
+nun aber nur durch das Z&uuml;ndh&uuml;tchen, mit dem die Patrone
+ausger&uuml;stet war, bewerkstelligt werden, das war der heiklichste
+Theil des ganzen Vorhabens, denn dieses Z&uuml;ndh&uuml;tchen sollte nur
+nach vorausberechneter Zeit in Brand gesetzt werden.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent hatte sich den Verlauf folgenderma&szlig;en gedacht: Gleich
+nach Vollendung der Reparaturarbeiten in der Vordertriebschraube sollte
+der Aeronef den Weg nach Norden wieder aufnehmen: wenn Obiges aber
+geschehen war, lag die Wahrscheinlichkeit nahe, da&szlig; Robur mit
+seinen Leuten nach dem Hinterdeck kommen w&uuml;rde, um auch die hintere
+Triebschraube wieder in guten Stand zu setzen. Die Anwesenheit der
+gesammten Mannschaft an der N&auml;he der Cabine aber konnte Onkel
+Prudent leicht bei seiner Th&auml;tigkeit st&ouml;ren. Deshalb hatte er
+sich zur Verwendung einer Lunte entschlossen, um mittelst derselben die
+Explosion zu einer bestimmten Zeit eintreten zu lassen.
+
+</P><P>
+
+Er sprach sich dar&uuml;ber gegen Phil Evans mit folgenden Worten aus:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Als ich mir die Patrone holte, habe ich gleichzeitig auch etwas
+Pulver mitgenommen. Mit diesem Pulver denke ich eine Lunte herzustellen,
+deren L&auml;nge mit ihrer gew&uuml;nschten Brenndauer in
+Uebereinstimmung zu bringen sein wird und deren Ende ich in dem
+Z&uuml;ndh&uuml;tchen zu befestigen gedenke. Meine Absicht geht nun
+dahin, dieselbe um Mitternacht anzuz&uuml;nden und die Explosion zwischen
+drei und vier Uhr fr&uuml;h erfolgen zu lassen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Gut ausgedacht!&ldquo; antwortete Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+Die beiden Collegen waren, wie man hieraus ersieht, schon dahin gelangt,
+mit gr&ouml;&szlig;ter Kaltbl&uuml;tigkeit das schreckliche
+Vernichtungswerk zu besprechen, durch das auch sie mit untergehen
+sollten. Sie trugen eben eine solche Summe von Ha&szlig; gegen Robur und
+seine Leute in sich, da&szlig; ihnen selbst die Aufopferung des eigenen
+Lebens nicht zu gro&szlig; erschien, nur um den &bdquo;Albatros&ldquo;
+und Alle, die er mit durch die L&uuml;fte f&uuml;hrte, mit einem Schlage
+zu vernichten. Zugegeben, da&szlig; diese That ein sinnloses, ein
+verruchtes Unterfangen war; nach vollen f&uuml;nf Wochen eines nie zum
+Ausbruch gekommenen Zornes, einer nie bes&auml;nftigten stillen Wuth
+lie&szlig;en sie sich durch eine solche Kleinigkeit nicht mehr abhalten.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Und Frycollin? warf Phil Evans noch ein; steht uns das Recht zu,
+ohne ihn zu fragen, auch &uuml;ber sein Leben zu verf&uuml;gen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wir opfern ja auch das unsrige,&ldquo; entgegnete Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Es d&uuml;rfte zweifelhaft sein, da&szlig; Frycollin das als
+stichhaltigen Grund angesehen h&auml;tte.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent ging also sofort an's Werk, w&auml;hrend Phil Evans vor dem
+Ruff Wache hielt.
+
+</P><P>
+
+Die Mannschaft war noch immer am Vordertheil besch&auml;ftigt und eine
+Ueberraschung vorl&auml;ufig also kaum zu f&uuml;rchten.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent begann damit, eine geringe Menge Pulver zu Mehl zu
+verreiben. Nachdem er dasselbe leicht angefeuchtet, f&uuml;llte er es, um
+eine Lunte zu erhalten, in einen engen, aus Leinwand herstellten
+Schlauch. Durch eine vorl&auml;ufige Probe &uuml;berzeugte er sich,
+da&szlig; diese binnen zehn Minuten f&uuml;nf Centimeter weit verglimmte,
+bei der L&auml;nge von einem Meter also drei und einhalb Stunden
+ausreichen mu&szlig;te. Er l&ouml;schte die Lunte nun wieder aus, umwand
+sie fest mit Bindfaden und f&uuml;hrte das Ende derselben in das
+Z&uuml;ndh&uuml;tchen ein.
+
+</P><P>
+
+Alles das war, ohne den geringen Argwohn Anderer zu erwecken, um zehn Uhr
+Abends vollendet.
+
+</P><P>
+
+Da trat Phil Evans wieder zu seinem Collegen in die Cabine.
+
+</P><P>
+
+W&auml;hrend derselben Zeit war die Ausbesserung der vorderen
+Triebschraube eifrig gef&ouml;rdert worden; man hatte diese aber ganz
+hereinnehmen m&uuml;ssen, um die jetzt falsch gebogenen Fl&uuml;gel
+abheben zu k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Weder Batterien, noch Accumulatoren, &uuml;berhaupt nichts, was zur
+Erzeugung der mechanischen Kraft des &bdquo;Albatros&ldquo; geh&ouml;rte,
+hatte durch die Wuth der Cyklone Schaden gelitten, und jedenfalls war
+noch f&uuml;r vier bis f&uuml;nf Tage hinreichender Kraftvorrath
+vorhanden.
+
+</P><P>
+
+Es war schon Nacht geworden, als Robur und seine Leute ihre Arbeit
+unterbrachen, ohne die vordere Triebschraube bisher wieder an richtiger
+Stelle eingesetzt zu haben, da es noch einer etwa dreist&uuml;ndigen
+Reparatur bedurfte, ehe dieselbe wieder functioniren konnte. Nach kurzer
+R&uuml;cksprache mit Tom Turner entschied sich der Ingenieur daf&uuml;r,
+seinen von der gehabten Anstrengung ersch&ouml;pften Leuten einige
+Erholung zu g&ouml;nnen und auf den folgenden Morgen zu verschieben, was
+noch zu thun &uuml;brig blieb. Uebrigens brauchte man zu dieser, die
+peinlichste Sorgfalt erfordernden Arbeit die volle Tageshelle,
+w&auml;hrend die Positionslaternen dazu nur ungen&uuml;gendes Licht
+h&auml;tten liefern k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Hiervon wu&szlig;ten nun Onkel Prudent und Phil Evans freilich nichts.
+Nach den ihnen zu Ohren gekommenen Aeu&szlig;erungen Robur's mu&szlig;ten
+sie voraussetzen, da&szlig; die vordere Triebschraube vor Einbruch der
+Nacht schon wieder v&ouml;llig in Stand gesetzt sei und der
+&bdquo;Albatros&ldquo; seine Fahrt nach Norden unverz&uuml;glich
+angetreten habe. Sie hielten diesen also f&uuml;r losgel&ouml;st von der
+Insel, an der sein Anker ihn doch noch festhielt. Dieser Umstand aber
+sollte der ganzen Angelegenheit eine von ihnen gar nicht geahnte Wendung
+geben.
+
+</P><P>
+
+Es war eine dunkle, mondeslose Nacht, deren Finsterni&szlig; schwere
+Wolken nur noch tiefer machten. Von S&uuml;dwesten her wehte dann und
+wann ein leichter Lufthauch; dieser bewegte aber den
+&bdquo;Albatros&ldquo; nicht von der Stelle, sondern letzterer hielt sich
+an seinem Anker still, dessen senkrecht gespanntes Tau ihn an die Erde
+fesselte.
+
+</P><P>
+
+In ihre Cabine eingeschlossen, wechselten Onkel Prudent und sein College
+nur wenige Worte; sie lauschten auf das Schwirren der Auftriebsschrauben,
+das jedes andere Ger&auml;usch an Bord &uuml;bert&ouml;nte, und
+erwarteten nun den Augenblick zum Handeln.
+
+</P><P>
+
+Kurz vor Mitternacht begann Onkel Prudent:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Es ist nun Zeit!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Unter den Lagerst&auml;tten der Cabine befand sich ein schubladenartiger
+Koffer, in den Onkel Prudent die mit der Lunte versehene Dynamitpatrone
+gelegt hatte, damit die Lunte verglimmen konnte, ohne sich durch
+auff&auml;lligen Geruch oder etwaiges Knistern zu verrathen. Onkel
+Prudent z&uuml;ndete das freie Ende derselben an und schob den Koffer
+wieder unter das Bett zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun nach dem Hinterdeck, sagte er, dort wollen wir warten.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Beide traten heraus und verwunderten sich nicht wenig, den Steuermann
+nicht an seinem gewohnten Platze zu sehen.
+
+</P><P>
+
+Da bog sich Phil Evans &uuml;ber das Deck hinaus.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der &bdquo;Albatros&ldquo; schwebt noch am n&auml;mlichen Orte,
+sagte er leise. Die Arbeiten sind offenbar noch unvollendet. Er hat nicht
+abfahren k&ouml;nnen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ueber Onkel Prudent's Gesicht lief ein Zug der Entt&auml;uschung.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;So m&uuml;ssen wir die Lunte l&ouml;schen, sagte er.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nein ... aber uns retten! erwiderte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Uns retten?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja, mittelst des Ankertaues, da es jetzt finster ist.
+Hundertf&uuml;nfzig Fu&szlig; hinabzuklettern hat ja nichts zu bedeuten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Nichts, best&auml;tigte Onkel Prudent, und wir w&auml;ren reine
+Thoren, eine so unerwartet g&uuml;nstige Gelegenheit unben&uuml;tzt zu
+lassen.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Vorher kehrten sie jedoch noch einmal nach der Cabine zur&uuml;ck und
+versahen sich mit Allem, was sie in Voraussicht eines k&uuml;rzeren oder
+l&auml;ngeren Verweilens auf der Insel Chatam glaubten bed&uuml;rfen zu
+k&ouml;nnen. Nachdem sie die Th&uuml;r wieder geschlossen, schlichen sie
+m&ouml;glichst ger&auml;uschlos nach dem Vorderdeck.
+
+</P><P>
+
+Sie wollten auch Frycollin wecken und diesen zur gleichzeitigen Flucht
+mit ihnen veranlagen.
+
+</P><P>
+
+Rings herrschte tiefes Dunkel. Die Wolkenstr&ouml;mung von S&uuml;dwesten
+wurde etwas schneller. Der Aeronef schlingerte ein wenig vor seinem
+Anker, indem er, so weit es das gespannte Kabel zulie&szlig;, leicht in
+verticaler Richtung schwankte. Der Abstieg drohte also etwas mehr
+Schwierigkeiten zu bieten. Das war aber nicht dazu angethan, zwei
+M&auml;nner abzuschrecken, die eben noch entschlossen gewesen waren, ihr
+Leben geradezu wegzuwerfen.
+
+</P><P>
+
+Beide schlichen also &uuml;ber das Deck hin und standen zuweilen,
+gesch&uuml;tzt durch die Bauten darauf, still, um zu lauschen, ob irgend
+ein Ger&auml;usch vernehmbar werde. Nein ... Alles still. Kein Schein
+zitterte durch die Lichtpforten. Der Aeronef lag nicht allein schweigend
+da, er war vielmehr in Schlaf versunken.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und sein Begleiter n&auml;herten sich schon der Cabine
+Frycollin's, als Phil Evans pl&ouml;tzlich stehen blieb.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Der Wachtposten!&ldquo; sagte er.
+
+</P><P>
+
+Wirklich lag ein Mann in der N&auml;he eines der Ruffs. Offenbar konnte
+derselbe, wie man zu sagen pflegt, kaum eingenickt sein. Wenn dieser
+L&auml;rm schlug, mu&szlig;te die Flucht unm&ouml;glich werden.
+
+</P><P>
+
+Nahe hierbei lagen einige Stricke, Leinwandst&uuml;cke und Werg, was
+Alles bei Ausbesserung der Schraube gebraucht worden war.
+
+</P><P>
+
+Eine Minute sp&auml;ter war der Mann geknebelt, &uuml;ber und &uuml;ber
+eingewickelt und an einen Pfosten des Vordercastells gebunden, so
+da&szlig; er weder einen Laut von sich geben, noch eine Bewegung machen
+konnte.
+
+</P><P>
+
+Alles das vollzog sich fast ohne jedes Ger&auml;usch.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans horchten gespannt ... Selbst im Inneren der
+Ruffs lie&szlig; sich kein Laut h&ouml;ren. Was an Bord war, lag in
+festem Schlafe.
+
+</P><P>
+
+Die beiden Fl&uuml;chtlinge &mdash; denn diesen Namen darf man ihnen wohl
+geben &mdash; kamen nach der von Frycollin eingenommenen Cabine.
+Fran&ccedil;ois Tapage lie&szlig; ein h&ouml;chst beruhigendes Schnarchen
+vernehmen.
+
+</P><P>
+
+Zur gr&ouml;&szlig;ten Ueberraschung brauchte Onkel Prudent die Th&uuml;r
+Frycollin's nicht einmal aufzuklinken, denn diese stand offen. Er trat
+einen Schritt in die Cabine ein, zog sich aber gleich wieder zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da ist Niemand d'rin, fl&uuml;sterte er.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Niemand ... Wo k&ouml;nnte er sein?&ldquo; murmelte Phil Evans.
+
+</P><P>
+
+Beide begaben sich nun weiter nach vorn, in der Meinung, Frycollin
+m&ouml;chte in irgend einem Winkel eingeschlafen sein.
+
+</P><P>
+
+Auch hier fand sich Niemand.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sollte der Spitzbube uns schon vorausgegangen sein? ... fragte
+Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Mag das der Fall sein oder nicht, antwortete Phil Evans, wir
+k&ouml;nnen unbedingt nicht l&auml;nger warten. Vorw&auml;rts!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Ohne Z&ouml;gern packten die Fl&uuml;chtlinge einer nach dem anderen das
+Tau mit den H&auml;nden und hielten sich auch mit den F&uuml;&szlig;en
+daran fest, dann glitten sie daran herab und kamen heil und gesund zur
+Erde nieder.
+
+</P><P>
+
+Welches Entz&uuml;cken f&uuml;r sie, den Erdboden zu betreten, der ihnen
+so lange gefehlt hatte, auf fester Grundlage dahin zu gehen und nicht
+mehr ein Spielball der Luft zu sein!
+
+</P><P>
+
+Sie suchten eben, l&auml;ngs des kleinen Wasserlaufs hinwandernd, nach
+dem Inneren der Insel zu gelangen, als sich pl&ouml;tzlich vor ihnen ein
+Schatten erhob.
+
+</P><P>
+
+Das war Frycollin.
+
+</P><P>
+
+Ja, der Neger hatte denselben Gedanken gehabt, der seinem Herrn gekommen
+war, und sogar die K&uuml;hnheit, denselben ohne jede Meldung vorher zur
+Ausf&uuml;hrung zu bringen.
+
+</P><P>
+
+Jetzt war freilich keine Zeit zu Auseinandersetzungen, und Onkel Prudent
+dr&auml;ngte es weit mehr, einen Zufluchtsort in entfernteren Theilen der
+Insel zu finden, als Phil Evans stehen blieb.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;H&ouml;ren Sie mich an, Onkel Prudent, begann er. Wir sind jetzt
+au&szlig;er dem Machtbereich jenes Robur. Er und seine Begleiter sind
+einem schrecklichen Tode geweiht, und ich gebe zu, da&szlig; er ihn
+verdient hat. Wenn er aber nun bei seiner Ehre schw&ouml;ren wollte, von
+jedem Versuche, uns wieder mit sich zu schleppen, abzugehen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Die Ehre eines solchen Mannes&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent konnte den Satz nicht vollenden. An Bord des
+&bdquo;Albatros&ldquo; entstand eine auff&auml;llige Bewegung.
+
+</P><P>
+
+Allem Anscheine nach war Alarm geschlagen und die Flucht entdeckt worden.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Hierher, hierher,&ldquo; rief eine Stimme.
+
+</P><P>
+
+Diese kam von dem Wachthabenden, der seine Umh&uuml;llung doch hatte
+abstreifen k&ouml;nnen. Fast gleichzeitig warfen die Bordlichter ihre
+elektrischen Strahlen &uuml;ber einen weiten Umkreis.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Da sind sie! Da unten!&ldquo; rief Tom Turner.
+
+</P><P>
+
+Die Fl&uuml;chtlinge waren erkannt worden.
+
+</P><P>
+
+Gleichzeitig wurde auf einen laut ertheilten Befehl Robur's hin die
+Bewegung der Auftriebsschrauben verlangsamt und durch Einziehung des
+Ankertaues begann der &bdquo;Albatros&ldquo; sich der Erde zu
+n&auml;hern.
+
+</P><P>
+
+In diesem Augenblick lie&szlig; sich deutlich die Stimme Phil Evans'
+vernehmen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ingenieur Robur! rief er, verpflichten Sie sich auf Ehre, uns hier
+auf dieser Insel frei zu lassen?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Niemals!&ldquo; entgegnen Robur bestimmt.
+
+</P><P>
+
+Diese Antwort begleitete &uuml;berdies der Knall eines Gewehres, dessen
+Gescho&szlig; die Schulter Phil Evans' streifte.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ah, diese Schurken!&ldquo; rief Onkel Prudent.
+
+</P><P>
+
+Sein Messer in der Hand, st&uuml;rzte er damit schon nach dem Felsen,
+zwischen denen der Anker eingegriffen hatte. Der Aeronef befand sich nur
+noch f&uuml;nfzig Fu&szlig; &uuml;ber der Erde.
+
+</P><P>
+
+Binnen wenigen Secunden war das Tau durchschnitten, und die inzwischen
+merklich aufgefrischte Brise, die den &bdquo;Albatros&ldquo; in schiefer
+Richtung traf, f&uuml;hrte diesen nach Nordosten &uuml;ber das Meer
+hinaus.
+</P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap16" ID="kap16"></A>
+<H3>XVI.<BR>
+Welches den Leser in einer vielleicht beklagenswerthen Ungewi&szlig;heit
+l&auml;&szlig;t.
+</H3>
+
+
+<P>
+Es war jetzt zwanzig Minuten nach Mitternacht. Noch f&uuml;nf bis sechs
+Flintensch&uuml;sse krachten von dem Aeronef herunter. Phil Evans
+unterst&uuml;tzend, hatten sich Onkel Prudent und Frycollin unter den
+Schutz der Felsen gefl&uuml;chtet, ohne von einer Kugel verletzt zu
+werden. F&uuml;r den Augenblick hatten sie nichts mehr zu f&uuml;rchten.
+
+</P><P>
+
+Zun&auml;chst wurde der &bdquo;Albatros&ldquo;, w&auml;hrend er sich
+gleichzeitig von der Insel Chatam entfernte, zu einer H&ouml;he von
+neunhundert Metern emporgetrieben. Er hatte seine Aufstiegsschnelligkeit
+vergr&ouml;&szlig;ern m&uuml;ssen, um nicht in's Meer zu fallen.
+
+</P><P>
+
+In dem Augenblick, als der von seiner Emballage befreite Wachtposten den
+ersten Ausruf ausgesto&szlig;en hatte, waren Robur und Tom Turner auf ihn
+zugeeilt und hatten ihn vollends von der den Kopf umschlie&szlig;enden
+Leinwandh&uuml;lle befreit und seine Fesseln gel&ouml;st. Darauf
+st&uuml;rzte der Obersteuermann gleich nach der Cabine des Onkel Prudent
+und Phil Evans, fand diese aber leer.
+
+</P><P>
+
+Fran&ccedil;ois Tapage hatte inzwischen die Cabine Frycollin's
+durchsucht; auch in dieser war Niemand mehr.
+
+</P><P>
+
+Als Robur die Ueberzeugung gewann, da&szlig; seine Gefangenen ihm
+entronnen waren, ergriff ihn der heftigste Zorn. Mit dem Entweichen des
+Onkel Prudent und Phil Evans' war sein Geheimni&szlig; und seine
+Pers&ouml;nlichkeit aller Welt offenbart. Wegen jenes bei der Fahrt
+&uuml;ber Europa herabgeworfenen Schriftst&uuml;ckes hatte er sich
+deshalb weit weniger Sorge gemacht, weil er annehmen durfte, da&szlig;
+dasselbe beim Niederfallen &uuml;berhaupt verloren gegangen sei ... Jetzt
+lag die Sache aber ganz anders.
+
+</P><P>
+
+Dann suchte er sich wieder zu beruhigen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Sie sind vorl&auml;ufig zwar entflohen, sagte er sich; da sie von
+der Insel Chatam aber vor Ablauf einiger Tage nicht wegkommen
+k&ouml;nnen, so werde ich dahin zur&uuml;ckkehren. Ich werde sie suchen
+... sie wieder einfangen ... und dann&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In der That konnten sich die drei Fl&uuml;chtlinge noch keineswegs als
+gerettet betrachten. Erlangte der &bdquo;Albatros&ldquo; erst seine
+Man&ouml;vrirf&auml;higkeit wieder, so erschien er sicherlich wieder bei
+der Insel Chatam, von der Jene schwerlich zeitig genug zu entkommen
+vermochten. Schon vor Verlauf von zw&ouml;lf Stunden konnten sie
+ung&uuml;nstigen Falles dem Ingenieur wieder in die H&auml;nde gerathen
+sein.
+
+</P><P>
+
+Vor Verlauf von zw&ouml;lf Stunden? Aber binnen zwei Stunden sollte der
+&bdquo;Albatros&ldquo; ja vernichtet sein! Glich jene Dynamitpatrone
+nicht einem an seiner Wand befestigten Torpedo, der das
+Zerst&ouml;rungswerk mitten in der Luft vollf&uuml;hren sollte?
+
+</P><P>
+
+Inzwischen wurde der Aeronef von der noch mehr sich versteifenden Brise
+weiter nach Nordost hin getrieben und mu&szlig;te mit Sonnenaufgang die
+Insel Chatam unbedingt aus dem Gesichte verloren haben.
+
+</P><P>
+
+Um gegen den Wind aufkommen zu k&ouml;nnen, h&auml;tten seine
+Triebschrauben, mindestens die eine am Vordertheil, zu functioniren im
+Stande sein m&uuml;ssen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Tom, rief der Ingenieur, la&szlig;t die Signallaternen so hell als
+m&ouml;glich leuchten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sogleich, Master Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und dann Alle an die Arbeit!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Alle!&ldquo; wiederholte der Obersteuermann.
+
+</P><P>
+
+Jetzt konnte nicht mehr davon die Rede sein, die Vollendung der
+n&ouml;thigen Reparaturen bis zum anderen Morgen aufzuschieben. Auf dem
+&bdquo;Albatros&ldquo; gab es keinen Mann, der nicht den Eifer seines
+Chefs getheilt, keinen einzigen, der nicht das Verlangen gehabt
+h&auml;tte, die Fl&uuml;chtlinge wieder zu ergreifen. Sobald die vordere
+Triebschraube richtig eingesetzt war, wollte man nach Chatam umkehren,
+sich daselbst vor Anker legen und die Spur der Entflohenen verfolgen.
+Erst nachher sollte die Ausbesserung der hinteren Schraube vorgenommen
+werden, damit der Aeronef dann mit aller Sicherheit seine Reise &uuml;ber
+den Stillen Ocean und nach der Insel X ausf&uuml;hren k&ouml;nne.
+
+</P><P>
+
+Jedenfalls erschien es von Bedeutung, da&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo;
+nicht allzu weit nach Nordost verschlagen w&uuml;rde. Leider wurde der
+Wind aber immer st&auml;rker und er konnte gegen denselben jetzt nicht
+aufkommen, ja, sich nicht einmal an ein und derselben Stelle erhalten.
+Seiner Triebschrauben beraubt, war er eben zum unlenkbaren Aerostaten
+geworden. Die noch an der K&uuml;ste weilenden Fl&uuml;chtlinge konnten
+sich noch &uuml;berzeugen, da&szlig; er vollst&auml;ndig au&szlig;er
+Sicht gekommen war, ehe die vorbereitete Explosion ihn in St&uuml;cke
+ri&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Der jetzige Zustand der Dinge fl&ouml;&szlig;te Robur doch einige
+Beunruhigung ein, da er nur mit ziemlich bedeutender Verz&ouml;gerung
+nach der Insel Chatam zur&uuml;ckzukehren hoffen durfte. Er
+entschlo&szlig; sich deshalb, w&auml;hrend alle H&auml;nde mit der so
+nothwendigen Ausbesserung besch&auml;ftigt waren, sich tiefer
+niederzulassen, in der Erwartung, damit eine schw&auml;chere
+Luftstr&ouml;mung anzutreffen. Vielleicht konnte sich der
+&bdquo;Albatros&ldquo; in diesen Schichten wenigstens an der Stelle
+erhalten, bis er wieder eigene Kraft genug zu &auml;u&szlig;ern
+vermochte, um gegen die Brise mit Erfolg anzuk&auml;mpfen.
+
+</P><P>
+
+Dieses Man&ouml;ver wurde auch sogleich ausgef&uuml;hrt. Wenn jetzt ein
+Schiff in der N&auml;he gewesen w&auml;re, wie w&uuml;rde dessen
+Mannschaft erschrocken sein beim Anblick der Evolutionen dieses
+gewaltigen Apparates?
+
+</P><P>
+
+Als der &bdquo;Albatros&ldquo; nur noch wenige hundert Fu&szlig;
+&uuml;ber der Meeresfl&auml;che schwebte, wurde sein Niedergang
+aufgehalten.
+
+</P><P>
+
+Leider mu&szlig;te sich Robur &uuml;berzeugen, da&szlig; der Wind in
+diesen niederen Zonen nur noch heftiger wehte und der Aeronef also mit
+noch gr&ouml;&szlig;erer Schnelligkeit dahin getrieben wurde. Er lief
+hiermit nat&uuml;rlich Gefahr, sehr weit nach Nordost verschlagen zu
+werden, was die R&uuml;ckkehr nach der Insel Chatam noch mehr
+verz&ouml;gern mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Nach diesen vergeblichen Versuchen wurde daher wieder beschlossen, sich
+mehr in den oberen Lagen der Atmosph&auml;re zu erhalten, wo das Luftmeer
+in besserem Gleichgewicht und deshalb weniger bewegt war. Der
+&bdquo;Albatros&ldquo; stieg also wieder zu einer mittleren H&ouml;he von
+dreitausend Meter empor. Blieb er hier auch nicht station&auml;r, so
+trieb er doch wenigstens nur langsam weiter. Der Ingenieur konnte also
+hoffen, da&szlig; er bei Tagesanbruch und von dieser H&ouml;he aus die
+Insel, deren geographische Lage er &uuml;brigens mit vollkommener
+Sicherheit aufgenommen hatte, noch werde sehen k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Darum, ob die Fl&uuml;chtlinge Seitens der Eingeborenen &mdash; im Fall
+die Insel bewohnt war &mdash; einen freundlichen Empfang gefunden hatten,
+oder nicht, machte Robur sich keine weitere Sorge. Ob ihnen die
+Inselbewohner hilfreich beistanden, war f&uuml;r ihn ziemlich belanglos.
+Durch die Angriffswaffen, &uuml;ber die der &bdquo;Albatros&ldquo;
+verf&uuml;gte, w&uuml;rden sie sicherlich erschreckt und schnell
+zerstreut werden. Die Wiedererlangung der Gefangenen war also eine
+leichte Aufgabe, und einmal ergriffen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nun, von der Insel X entflieht Niemand!&ldquo; sagte Robur.
+
+</P><P>
+
+Eine Stunde nach Mitternacht war die vordere Triebschraube wieder in
+Stand gesetzt. Es er&uuml;brigte nun blo&szlig; noch die Montirung
+derselben, d.&nbsp;h. die geh&ouml;rige Anbringung derselben an der
+Welle, was eine weitere Stunde Arbeit erforderte. Nachher sollte der
+&bdquo;Albatros&ldquo;, den Bug nach S&uuml;dwest gerichtet, sogleich
+abfahren und die Reparatur der hinteren Triebschraube in Angriff genommen
+werden.
+
+</P><P>
+
+Aber die Lunte, welche in der verlassenen Cabine glimmte, diese Lunte,
+von der schon der dritte Theil aufgezehrt war! ... Und jener Funken, der
+sich mehr und mehr der Dynamitpatrone n&auml;herte!&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+W&auml;re die Mannschaft des Aeronefs nicht gar so dringlich
+besch&auml;ftigt gewesen, so h&auml;tte doch vielleicht Einer das
+schwache Knistern wahrgenommen, welches jetzt dann und wann in dem Ruff
+entstand; vielleicht h&auml;tte er auch den Geruch verbrannten Pulvers
+bemerkt. Das h&auml;tte ihn sicherlich so beunruhigt, da&szlig; er dem
+Ingenieur davon Mittheilung machte. Bei genauer Nachforschung konnte dann
+der Kasten, in dem der explodirende K&ouml;rper verborgen war, nicht
+unentdeckt bleiben. Es w&auml;re also noch Zeit gewesen, den wunderbaren
+&bdquo;Albatros&ldquo; und Alle, die er trug, zu retten.
+
+</P><P>
+
+Die Leute arbeiteten aber auf dem Vorderdeck und wenigstens zwanzig Meter
+entfernt von dem Ruff der Entflohenen. Noch rief sie nichts nach diesem
+Theile des Decks, sowie nichts sie von einer Besch&auml;ftigung ablenken
+konnte, die ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
+
+</P><P>
+
+Robur legte als geschickter Mechaniker pers&ouml;nlich Hand mit an. Er
+betrieb die Arbeit, ohne doch irgendwie zu vernachl&auml;ssigen,
+da&szlig; Alles mit gr&ouml;&szlig;ter Sorgfalt ausgef&uuml;hrt wurde, da
+es ihm ja darauf ankam, seines Apparates vollst&auml;ndig Herr zu werden.
+Gelang es ihm nicht, die Gefangenen bald wieder in seine Gewalt zu
+bringen, so fanden diese voraussichtlich Gelegenheit, in ihr Vaterland
+zur&uuml;ckzukehren. Dann wurden jedenfalls Nachforschungen angestellt
+und die Insel X konnte dabei m&ouml;glicher Weise aufgefunden werden;
+damit aber w&auml;re das Ende der Existenz gekommen, welche sich die
+Leute, die der &bdquo;Albatros&ldquo; trug, geschaffen hatten &mdash; das
+Ende dieser &uuml;bermenschlichen, so zu sagen hocherhabenen Lebensweise.
+
+</P><P>
+
+Eben jetzt trat Tom Turner an den Ingenieur heran. Es war ein Viertel
+nach ein Uhr.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Master Robur, begann er, mir scheint, die Brise hat Neigung
+abzuflauen und mehr nach Westen umzuschlagen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und was zeigt der Barometer? fragte Robur, nachdem er den Himmel
+fl&uuml;chtig betrachtet.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Er h&auml;lt sich ziemlich genau auf demselben Punkte, antwortete
+der Obersteuermann. Au&szlig;erdem kommt es mir vor, als ob die
+Wolkenlagen unter dem &bdquo;Albatros&ldquo; sich senkten.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ganz recht, Tom Turner, und in diesem Falle w&auml;re es nicht
+unwahrscheinlich, da&szlig; &uuml;ber dem Meere jetzt Regen fiele.
+Bleiben wir jedoch &uuml;ber der Regenzone schweben, so k&uuml;mmert uns
+das ja nicht, und wir werden an der Vollendung unserer Arbeiten dadurch
+nicht gest&ouml;rt werden.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Wenn jetzt Regen f&auml;llt, meinte Tom Turner, so kann es nur
+ein ganz feiner sein &mdash; die Form der Wolken l&auml;&szlig;t das
+wenigstens muthma&szlig;en &mdash; und h&ouml;chst wahrscheinlich legt
+sich tiefer unten der Wind bald g&auml;nzlich.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ohne Zweifel, Tom, antwortete Robur. Immerhin scheint es mir
+zweckm&auml;&szlig;iger, noch nicht hinunter zu gehen. Beeilen wir uns
+erst, alle erlittenen Besch&auml;digungen auszubessern, dann k&ouml;nnen
+wir ja nach Belieben man&ouml;vriren, und das ist die Hauptsache.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wenige Minuten nach zwei Uhr war der erste Theil der Arbeit vollendet.
+Nach Wiedereinsetzung der vorderen Triebschraube wurden die jene
+treibenden Batterien in Th&auml;tigkeit gesetzt. Nach und nach
+beschleunigte sich die Bewegung des &bdquo;Albatros&ldquo;, und, den Bug
+nach S&uuml;dwest gerichtet, kehrte er mit mittlerer Geschwindigkeit in
+der Richtung nach der Insel Chatam zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Tom, sagte Robur, es m&ouml;gen etwa zweieinhalb Stunden
+verflossen sein, seit wir nach Nordost hin getrieben wurden. Die
+Windrichtung hat sich, wie mir Compa&szlig;beobachtungen lehrten, seitdem
+nicht ge&auml;ndert. Ich sch&auml;tze also, da&szlig; wir binnen
+h&ouml;chstens einer Stunde die Gestade der Insel wieder gefunden haben
+k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ich glaub' es auch, Master Robur, antwortete der Obersteuermann,
+denn wir bewegen uns jetzt mit einer Schnelligkeit von zw&ouml;lf Meter
+in der Secunde vorw&auml;rts. Zwischen drei und vier Uhr Morgens
+m&uuml;&szlig;te der &bdquo;Albatros&ldquo; seinen Ausgangspunkt demnach
+wieder erreichen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Das w&auml;re desto besser, Tom, erwiderte der Ingenieur. Wir
+haben ein Interesse daran, noch w&auml;hrend der Nacht einzutreffen und
+ungesehen an's Land zu kommen. Die Fl&uuml;chtlinge halten uns f&uuml;r
+weit nach Norden verschlagen und sind jetzt gewi&szlig; nicht auf ihrer
+Hut. Wenn der &bdquo;Albatros&ldquo; ganz nahe der Erde hingleitet,
+werden wir versuchen, uns hinter einigen hohen Felsen der Insel zu
+verbergen. M&uuml;&szlig;ten wir dann selbst mehrere Tage bei Chatam
+verweilen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; So bleiben wir eben da, Master Robur, und h&auml;tten wir auch
+gegen eine ganze Armee von Eingeborenen zu k&auml;mpfen&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; So k&auml;mpfen wir, Tom, k&auml;mpfen wir f&uuml;r unseren
+&bdquo;Albatros&ldquo;!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Ingenieur wandte sich zu seinen neue Anordnungen erwartenden Leuten
+zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Liebe Freunde, sagte er, noch ist die Stunde der Ruhe nicht
+gekommen, wir m&uuml;ssen bis zum Anbruch des Tages th&auml;tig
+sein.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Alle erkl&auml;rten sich bereit.
+
+</P><P>
+
+Jetzt galt es, an der hinteren Triebschraube dieselben Reparaturen
+vorzunehmen, welche an der vorderen schon ausgef&uuml;hrt waren. Es
+handelte sich dabei um die gleichen Besch&auml;digungen, die auch die
+n&auml;mliche Ursache, jener Orkan bei der Fahrt &uuml;ber den
+antarktischen Continent, veranla&szlig;t hatte.
+
+</P><P>
+
+Um diese Schraube hereinzuholen, erschien es rathsam, die Fahrt des
+Aeronefs w&auml;hrend einiger Minuten zu unterbrechen oder ihm selbst
+eine R&uuml;ckw&auml;rtsbewegung zu ertheilen. Auf ein Zeichen Robur's
+legte der Hilfsmechaniker die Maschine um, indem er die vordere Schraube
+sich in entgegengesetztem Sinne drehen lie&szlig;, so da&szlig; der
+Aeronef &mdash; um den seetechnischen Ausdruck zu gebrauchen &mdash;
+&bdquo;&uuml;ber Steuer zu gehen&ldquo; anfing.
+
+</P><P>
+
+Schon wollten sich Alle nach dem Hinterdeck begeben, als Tom Turner ein
+eigenth&uuml;mlicher Geruch auffiel.
+
+</P><P>
+
+Es waren die in dem Kasten jetzt angeh&auml;uften Gase der Lunte, welche
+aus der Cabine der Fl&uuml;chtlinge hervordrangen.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Hm&nbsp;...? machte der Obersteuermann.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Was giebt es? fragte Robur.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Riechen Sie nichts? Man k&ouml;nnte sagen, es m&uuml;sse Pulver
+brennen.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ihr habt Recht, Tom!
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und dieser Geruch dringt aus dem letzten Ruff.
+
+</P><P>
+
+&mdash; Ja ... sogar aus derselben Cabine&nbsp;...
+
+</P><P>
+
+&mdash; Sollten die Elenden auch noch Feuer angelegt haben?
+
+</P><P>
+
+&mdash; Und wenn es nicht nur Feuer w&auml;re? ... rief Robur.
+Sto&szlig;t die Th&uuml;r ein, Tom, sto&szlig;t sie ein!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Obersteuermann ging aber kaum daran, diesem Befehle nachzukommen, als
+eine furchtbare Explosion den &bdquo;Albatros&ldquo; ersch&uuml;tterte.
+Die Ruffs flogen in St&uuml;cke. Die elektrischen Lampen verl&ouml;schten,
+da ihnen der Strom pl&ouml;tzlich fehlte, und es ward vollst&auml;ndig
+finster. Doch wenn auch gleichzeitig die meisten Auftriebsschrauben
+verbogen oder theilweise zertr&uuml;mmert und dadurch wirkungslos
+geworden waren, so drehten sich wenigstens noch mehrere nahe dem Bug
+ungest&ouml;rt weiter.
+
+</P><P>
+
+P&ouml;tzlich &ouml;ffnete sich auch der Aeronef ein wenig hinter dem
+ersten Ruff, dessen Accumulatoren noch immer die vordere Triebschraube in
+Th&auml;tigkeit erhielten, und der hintere Theil des Decks senkte sich
+ebenso schnell nach abw&auml;rts. Fast gleichzeitig standen die hinteren
+Auftriebsschrauben still und der &bdquo;Albatros&ldquo; st&uuml;rzte in
+die Tiefe hinab.
+
+</P><P>
+
+Das bedeutete f&uuml;r die acht M&auml;nner, welche sich gleich
+Schiffbr&uuml;chigen an dieses Wrack klammerten, einen Sturz von
+dreitausend Metern.
+
+</P><P>
+
+Derselbe mu&szlig;te obendrein noch um so schneller erfolgen, als die
+vordere Triebschraube, deren Achse jetzt senkrecht stand, noch immer
+arbeitete.
+
+</P><P>
+
+Da lie&szlig; sich Robur, der in dieser verzweifelten Lage eine ganz
+au&szlig;erordentliche Kaltbl&uuml;tigkeit an den Tag legte, bis zu dem
+halb weggesprengten Ruff gleiten, ergriff den Steuerungshebel und
+ver&auml;nderte sofort die Drehungsrichtung der Schraube, welche nun
+statt vorw&auml;rts nach aufw&auml;rts trieb.
+
+</P><P>
+
+Der Absturz wurde dadurch zwar nicht aufgehalten, aber doch wenigstens
+verlangsamt; das Wrack fiel nicht mehr mit der zunehmenden
+Geschwindigkeit nieder, welche alle nur der Wirkung der Schwerkraft
+unterworfenen K&ouml;rper zeigen. Und wenn auch allen lebenden Wesen auf
+dem &bdquo;Albatros&ldquo; noch immer der Tod drohte, weil sie
+rettungslos in's Meer st&uuml;rzen mu&szlig;ten, so war es doch nicht
+mehr der Tod durch Erstickung inmitten der wegen rasender Schnelligkeit
+des Falles unathembar werdenden Luft.
+
+</P><P>
+
+Vierundzwanzig Secunden nach der Explosion war, was vom
+&bdquo;Albatros&ldquo; noch &uuml;brig war, in den Fluthen versunken.
+</P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap17" ID="kap17"></A>
+<H3>XVII.<BR>
+Worin der Leser um zwei Monate r&uuml;ckw&auml;rts und auch um neun
+Monate vorw&auml;rtsgef&uuml;hrt wird.
+</H3>
+
+
+
+<P>
+Einige Wochen fr&uuml;her, am 13. Juni, d.&nbsp;h. am Tage nach der
+denkw&uuml;rdigen Sitzung, w&auml;hrend der es im Weldon-Institut zu so
+st&uuml;rmischen Verhandlungen gekommen war, herrschte unter allen
+Classen der Bewohner von Philadelphia, unter den Negern wie den
+Wei&szlig;en, eine leichter zu constatirende, als zu beschreibende
+Aufregung.
+
+</P><P>
+
+Schon in den ersten Morgenstunden unterhielt man sich &uuml;berall von
+den unerwarteten, l&auml;rmenden Zwischenf&auml;llen der Sitzung des
+letzten Abends. Ein Eindringling, der Ingenieur zu sein angab, ein
+Ingenieur, der den an sich unwahrscheinlichen Namen Robur &mdash; Robur
+der Sieger! &mdash; f&uuml;hren wollte, eine Pers&ouml;nlichkeit von
+unbekannter Herkunft und namenloser Nationalit&auml;t hatte sich
+unerwartet im Sitzungssaale vorgestellt, die Ballonisten mit
+gr&ouml;blichen Reden beleidigt, Diejenigen, welche der Lenkbarkeit von
+Aerostaten huldigten, verspottet, und hatte dagegen die Vorz&uuml;ge von
+specifisch schwereren Apparaten gepriesen, ein ver&auml;chtliches
+Hohnlachen unter dem wildesten Get&ouml;se ausgeschlagen und zu Drohungen
+geradezu herausgefordert, um diese seinen Gegnern wieder als Antwort in's
+Gesicht zu schleudern. Endlich war er, nachdem er den Rednerstuhl unter
+dem Knattern von Revolvern ger&auml;umt, verschwunden, und trotz aller
+Nachforschungen hatte man keine weiteren Spuren von ihm entdeckt.
+
+</P><P>
+
+Nat&uuml;rlich waren solche Vorf&auml;lle dazu angetan, alle Zungen zu
+wetzen und der Phantasie ein weites Feld zu er&ouml;ffnen. Daran sollte
+es denn auch weder in Philadelphia, noch in den sechsunddrei&szlig;ig
+anderen Staaten der Union fehlen, ja eigentlich wurde sogar die Alte Welt
+dadurch nicht minder erregt, wie die Neue Welt.
+
+</P><P>
+
+Wie mu&szlig;te sich diese allgemeine Aufregung aber noch steigern, als
+es am Abend des 13. Juni stadtkundig wurde, da&szlig; weder der
+Vorsitzende, noch der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts bis dahin
+in ihre Wohnungen zur&uuml;ckgekehrt waren, und hierbei handelte es sich
+um zwei geachtete, gelehrte M&auml;nner von
+verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig hoher Stellung. Am Vorabend noch
+hatten sie den Sitzungssaal verlassen als B&uuml;rger, welche ruhig nach
+ihrem Heim zur&uuml;ckzukehren denken, als Hagestolze, deren
+Nachhausekunft kein m&uuml;rrisch gerunzeltes Gesicht verbittert
+h&auml;tte. Sollten Sie vielleicht gar absichtlich verschwunden sein?
+Nein: mindestens hatten sie nichts ge&auml;u&szlig;ert, was zu diesem
+Glauben h&auml;tte verf&uuml;hren k&ouml;nnen; ja, es war sogar
+besprochen worden, da&szlig; sie schon am n&auml;chsten Tage wieder nach
+dem Bureau des Clubs kommen und die gewohnten Pl&auml;tze des
+Vorsitzenden und Schriftf&uuml;hrers bei einer au&szlig;erordentlichen
+Sitzung einnehmen sollten. Welche man zur weiteren Besprechung der
+Vorf&auml;lle des letzten Abends bestimmt hatte.
+
+</P><P>
+
+Doch nicht nur jene beiden weitbekannten Pers&ouml;nlichkeiten des
+Staates Pennsylvanien waren spurlos verschwunden, auch von dem Diener
+Frycollin kam keinerlei Nachricht, auch er war ebenso wenig zu finden,
+wie sein Herr. Wahrlich, seit Toussaint Louverture, Faustin Soulouque und
+Dessaline hatte noch kein Neger so viel von sich reden gemacht. Er stand
+im Begriff, einen hervorragenden Platz sowohl unter seinen dienenden
+Collegen in Philadelphia, wie unter allen jenen Originalen einzunehmen,
+welche irgend eine Exentricit&auml;t in dem sch&ouml;nen Amerika schon in
+helleres Licht zu setzen hinreicht.
+
+</P><P>
+
+Auch am folgenden Tage nichts Neues. Weder die beiden Collegen, noch
+Frycollin erschienen wieder. Ernste Beunruhigung. Beginnende Aufregung.
+Vor den <TT>Post and Telegraph offices</TT> starke Ansammlung von
+Neugierigen, um etwaige Nachricht noch ganz warm zu erhalten.
+
+</P><P>
+
+Vergebliche Liebesm&uuml;he.
+
+</P><P>
+
+Und doch hatten so Viele deutlich genug gesehen, wie Beide in lebhaftem
+Gespr&auml;ch aus dem Weldon-Institut weggingen, den sie erwartenden
+Frycollin mitnahmen und nachher die Walnut-Stra&szlig;e hinabwanderten,
+um sich dem Fairmont-Park zuzuwenden.
+
+</P><P>
+
+Jem Cip, der Vegetarianer, hatte dem Pr&auml;sidenten noch die rechte
+Hand gedr&uuml;ckt und sich verabschiedet mit den Worten:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Auf morgen also!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Und William T. Forbes, der Fabrikant von Zucker aus Leinwand, r&uuml;hmte
+sich eines vertraulichen Handschlags von Phil Evans, der ihm zweimal
+&bdquo;Auf Wiedersehen!&ldquo; zugerufen hatte.
+
+</P><P>
+
+Mi&szlig; Doll und Mi&szlig; Mat Forbes, welche ein Band reinster
+Freundschaft an Onkel Prudent fesselte, konnten sich &uuml;ber sein
+Verschwinden gar nicht beruhigen und schwatzten, nur um von ihm immer
+etwas zu h&ouml;ren, eher noch mehr, als gew&ouml;hnlich.
+
+</P><P>
+
+So verstrichen drei, vier, f&uuml;nf, sechs Tage, eine Woche, eine zweite
+Woche ... Weder irgendwer, noch irgendwas leitete auf die F&auml;hrte der
+drei Verschwundenen.
+
+</P><P>
+
+Und doch hatte man die sorgsamsten Nachsuchungen im ganzen Stadtviertel
+vorgenommen ... vergeblich; in allen nach dem Hafen zu f&uuml;hrenden
+Stra&szlig;en ... nutzlos; weiter im Park selbst, unter den Gruppen
+gr&ouml;&szlig;erer B&auml;ume und dichterer Geb&uuml;sche ... erfolglos!
+... Ueberall nichts!
+
+</P><P>
+
+Auf der gro&szlig;en Waldbl&ouml;&szlig;e erkannte man jedoch, da&szlig;
+da und dort das Gras ganz neuerdings niedergedr&uuml;ckt schien. Diese
+Wahrnehmung erregte ihrer Unerkl&auml;rlichkeit wegen einigen Verdacht.
+Ebenso wurden am Saume des dieselbe umschlie&szlig;enden Waldes Spuren
+eines stattgefundenen Kampfes entdeckt. Hatte nun eine Bande von
+Landstreichern vielleicht die beiden Collegen zu vorger&uuml;ckter
+Nachtzeit hier in dem menschenleeren Parke getroffen und &uuml;berfallen?
+
+</P><P>
+
+Das war ja m&ouml;glich. Die Polizei nahm auch eine diesbez&uuml;gliche
+regelrechte und mit gesetzlicher Langsamkeit betriebene Untersuchung in
+die Hand. Man f&uuml;hrte Schleppnetze durch den Schuylkill hin,
+schl&auml;mmte seinen Grund und befreite die Ufer von dem Gewirr
+angeh&auml;uften Unkrautes. Wenn auch das vergeblich blieb, so war es
+doch nicht nutzlos, denn der Schuylkill bedurfte einer gr&uuml;ndlichen
+S&auml;uberung gerade recht n&ouml;thig. O, es sind praktische Leute, die
+Aedilen von Philadelphia!
+
+</P><P>
+
+Sp&auml;ter wandte man sich an die verbreitetsten Zeitungen. Anzeigen,
+Reclamationen, wenn nicht gar Reclamen, wurden an alle demokratischen und
+republikanischen Bl&auml;tter der Union &mdash; ohne R&uuml;cksicht auf
+deren Farbe &mdash; versendet. Der <TT>&bdquo;Daily Negro&ldquo;</TT> das
+specielle Organ der schwarzen Rasse, brachte Frycollin's Bildni&szlig;
+nach dessen letzter Photographie. Man bot Belohnungen und versprach
+Preise Jedem, der von den drei Abwesenden Nachricht geben k&ouml;nnte, ja
+sogar allen Denen, die nur irgend welches Anzeichen entdeckten, das auf
+deren F&auml;hrte zu leiten versprach.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;F&uuml;nftausend Dollars! F&uuml;nftausend Dollars jedem
+B&uuml;rger, der&nbsp;...&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Vergeblich; die f&uuml;nftausend Dollars verblieben in der Casse des
+Weldon-Instituts.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Nicht aufzufinden! Nicht aufzufinden! Nicht aufzufinden!!! Onkel
+Prudent und Phil Evans aus Philadelphia!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Es versteht sich von selbst, da&szlig; der Club durch dieses
+unerkl&auml;rliche Verschwinden seines Vorsitzenden und seines
+Schriftf&uuml;hrers in heillose Unordnung gerieth und von vornherein sah
+derselbe sich durch diese Nothlage zu dem Beschlusse gezwungen, die
+fr&uuml;her so eifrig betriebenen und schon ziemlich fortgeschrittenen
+Arbeiten betreffs Construction des <TT>Go a head</TT> auf unbestimmte
+Zeit einzustellen. Wie h&auml;tten die anderen Mitglieder auch in
+Abwesenheit der beiden Begr&uuml;nder und F&ouml;rderer dieses
+Unternehmens, dem dieselben &mdash; an Zeit und Geld &mdash; einen Theil
+ihres Verm&ouml;gens geopfert hatten, sich entschlie&szlig;en
+k&ouml;nnen, ein Werk zu Ende zu f&uuml;hren, wenn Jene fehlten, um es
+gleichsam zu kr&ouml;nen?
+
+</P><P>
+
+Sie mu&szlig;ten sich also in Geduld fassen.
+
+</P><P>
+
+Gerade zu dieser Zeit ging auf's Neue die Rede von der wunderbaren,
+merkw&uuml;rdigen Erscheinung, welche mehrere Wochen vorher alle Geister
+so lebhaft erregt hatte.
+
+</P><P>
+
+In der That war jener geheimni&szlig;volle Gegenstand wieder und
+wiederholt wiedergesehen worden, wie er durch die h&ouml;heren Schichten
+der Atmosph&auml;re schwebte. Freilich dachte kein Mensch an einen
+Zusammenhang dieser auffallenden Erscheinung mit dem nicht weniger
+unerkl&auml;rlichen Verschwinden der beiden Mitglieder des
+Weldon-Instituts. Es h&auml;tte auch einer au&szlig;ergew&ouml;hnlichen
+Dosis von Einbildungskraft bedurft, diese beiden Thatsachen mit einander
+in Verbindung zu bringen.
+
+</P><P>
+
+Auf jeden Fall war das Asteroid, die erkaltete Feuerkugel oder das
+Luftungeheuer, wie man die Erscheinung nennen wollte, nun unter
+Bedingungen gesehen worden, welche seine Gr&ouml;&szlig;e und Gestalt
+besser abzusch&auml;tzen erlaubten. Zuerst in Canada &uuml;ber den
+Gebietstheilen, die sich von Ottawa bis Quebec erstrecken, und zwar schon
+am n&auml;chsten Tage nach dem Verschwinden der beiden Collegen; dann
+sp&auml;ter &uuml;ber den Ebenen des Fernen Westens, als der
+&bdquo;Albatros&ldquo; sich an Schnelligkeit mit einem Zuge der
+gro&szlig;en Pacific-Bahn ma&szlig;.
+
+</P><P>
+
+Von diesem Tage ab herrschte unter der gelehrten Welt keine
+Ungewi&szlig;heit mehr; dieser K&ouml;rper war kein Erzeugni&szlig; der
+Natur, sondern ein Flieg-Apparat mit praktischer Anwendung der Theorie
+des &bdquo;Schwerer, als die Luft&ldquo;. Und wenn der Sch&ouml;pfer und
+F&uuml;hrer dieses Aeronefs auch f&uuml;r seine Person das bisherige
+Incognito noch aufrecht erhalten wollte, jedenfalls sah er davon, so weit
+es seine Maschine betraf, jetzt ab, weil er dieselbe so dicht &uuml;ber
+den Gebieten des Fernen Westens sehen lie&szlig;. Die von ihm
+gew&auml;hlte mechanische Kraftquelle, wie die Natur der Maschinen,
+welche dem Apparate seine Bewegung ertheilten, blieb vorl&auml;ufig
+freilich noch unbekannt. Mindestens war jedoch au&szlig;er Zweifel
+gestellt, da&szlig; diesem Aeronef eine ganz au&szlig;ergew&ouml;hnliche
+Fortbewegungsf&auml;higkeit innewohnte, denn nur wenige Tage sp&auml;ter
+meldete man schon sein Erscheinen im Himmlischen Reiche, dann aus den
+n&ouml;rdlichen Theilen von Hindostan und kurz darauf wieder aus den
+Steppen Ru&szlig;lands.
+
+</P><P>
+
+Wer mochte nun jener k&uuml;hne Mechaniker sein, der &uuml;ber so
+gro&szlig;e bewegende Kr&auml;fte gebot, f&uuml;r den weder L&auml;nder,
+noch Meere eine Grenze hatten, der in der Erdatmosph&auml;re wie in einem
+ihm allein zugeh&ouml;rigen Gebiete schaltete und waltete? Sollte man
+glauben, es k&ouml;nne das jener Robur sein, der dem Weldon-Institut
+seine Theorien so r&uuml;cksichtslos in's Gesicht geschleudert hatte, als
+er an dem bewu&szlig;ten Abend erschien, um in die Utopien betreffs der
+lenkbaren Ballons eine klaffende Bresche zu legen?
+
+</P><P>
+
+Vielleicht kam einigen weiter blickenden K&ouml;pfen dieser Gedanke. Und
+&mdash; wunderbarer Weise &mdash; dennoch erhob sich Niemand zu der
+Annahme, da&szlig; besagter Robur mit dem Verschwinden des Vorsitzenden
+und des Schriftf&uuml;hrers vom Weldon-Institut in irgend welchem
+Zusammenhange stehen k&ouml;nnte.
+
+</P><P>
+
+Das blieb also noch weiter Geheimni&szlig;, bis eine Depesche von
+Frankreich durch das transatlantische Kabel am 6. Juli um elf Uhr
+siebenundrei&szlig;ig Minuten in New-York eintraf.
+
+</P><P>
+
+Und was meldete diese Depesche? Sie &uuml;bermittelte den Text jenes in
+Paris in einer Schnupftabaksdose gefundenen Documents &mdash; des
+Schriftst&uuml;ckes, welches endlich enth&uuml;llte, was aus den beiden
+M&auml;nnern geworden war, um welche die Union eben Trauer anlegen
+wollte.
+
+</P><P>
+
+Der Urheber der Entf&uuml;hrung war also doch Robur, der Ingenieur, der
+ausschlie&szlig;lich zu dem Zwecke nach Philadelphia kam, die Theorie der
+Ballonisten gleichsam im Ei zu ersticken. Er war es, der auf dem Aeronef
+&bdquo;Albatros&ldquo; umherfuhr; er, der zur Wiedervergeltung erfahrener
+Unbill Onkel Prudent nebst Phil Evans und Frycollin obendrein in die
+L&uuml;fte entf&uuml;hrt hatte! Und diese Personen konnte man als
+f&uuml;r immer verloren ansehen, wenn nicht durch irgend welche
+Hilfsmittel eine Maschine construirt wurde, welche im Stande war, jenen
+m&auml;chtigen Apparat zu bek&auml;mpfen, und wenn die irdischen Freunde
+Jener ihnen damit nicht zu Hilfe kamen.
+
+</P><P>
+
+Welche Erregung! Welches Staunen! Das Pariser Telegramm war an das Bureau
+des Weldon-Instituts adressirt gewesen. Die Mitglieder des Clubs
+erhielten davon unverz&uuml;glich Kenntni&szlig;. Nach zehn Minuten hatte
+ganz Philadelphia durch seine Telephons die gro&szlig;e Neuigkeit
+erfahren, binnen einer Stunde ganz Amerika, denn sie hatte sich
+elektrisch auf den zahllosen Dr&auml;hten der Neuen Welt verbreitet. Man
+wollte noch nicht recht daran glauben und hielt es wohl f&uuml;r die
+Mystification eines schlechten Witzbolds &mdash; sagten die Einen &mdash;
+f&uuml;r ein &bdquo;Einr&auml;uchern&ldquo; schlimmster Art &mdash;
+meinten die Andern. Wie w&auml;re es m&ouml;glich gewesen, diesen Raub in
+Philadelphia so im Geheimen auszuf&uuml;hren? Wie h&auml;tte der
+&bdquo;Albatros&ldquo; im Fairmont-Park zur Erde hernieder gehen
+k&ouml;nnen, ohne am Horizont des Staates Pennsylvanien bemerkt zu
+werden?
+
+</P><P>
+
+Recht sch&ouml;n &mdash; so lauteten die gew&ouml;hnlichen Argumente.
+&mdash; Die Ungl&auml;ubigen behielten zwar noch das Recht zu zweifeln,
+sollten es aber sieben Tage nach dem Eintreffen des Telegramms schon
+verlieren. Am 13. Juli ging das franz&ouml;sische Packetboot
+&bdquo;Normandie&ldquo; im Hudson vor Anker und &mdash; brachte die
+ber&uuml;hmte Schnupftabaksdose mit. Die Eisenbahn bef&ouml;rderte
+dieselbe in gr&ouml;&szlig;ter Eile von New-York nach Philadelphia.
+
+</P><P>
+
+Ja, das war sie, die Dose des Vorsitzenden vom Weldon-Institut. Jem Cip
+h&auml;tte an diesem Tage gut gethan, eine etwas substantiellere Nahrung
+zu sich zu nehmen, denn er war, als er sie erkannte, nahe daran,
+ohnm&auml;chtig umzusinken. Wie oft hatte er sich daraus ein
+Freundschaftsprieschen zugelangt! Mi&szlig; Doll und Mi&szlig; Mat
+erkannten sie ebenfalls, diese Dose, welche sie so oft mit dem heimlichen
+Wunsche betrachtet, eines Tages auch ihre d&uuml;rren Altjungfernfinger
+hinein zu senken. Und da waren ihr Vater, William T. Forbes, Truk Milnor,
+Bat T. Fyn und viele Andere aus dem Weldon-Institut &mdash; hundertmal
+hatten sie dieselbe in den H&auml;nden ihres verehrten Vorsitzenden sich
+&ouml;ffnen und schlie&szlig;en sehen. Endlich hatte sie das
+Zeugni&szlig; aller Freunde f&uuml;r sich, die Onkel Prudent in der guten
+Stadt Philadelphia besa&szlig;, deren Name &mdash; wie man nicht oft
+genug wiederholen kann &mdash; darauf hinweist, da&szlig; ihre Bewohner
+sich wie Br&uuml;der lieben.
+
+</P><P>
+
+Jetzt war also nach dieser Seite kein Schatten eines Zweifels mehr
+aufrecht zu erhalten. Nicht allein die Dose des Vorsitzenden, sondern
+besonders auch die von ihm herr&uuml;hrenden Schriftz&uuml;ge des
+Documents erlaubten es auch den Ungl&auml;ubigsten nicht mehr mit den
+Achseln zu zucken. Da begannen nun die Wehklagen und verzweifelte
+H&auml;nde erhoben sich gen Himmel. Onkel Prudent und sein College in
+einer Flugmaschine entf&uuml;hrt, ohne da&szlig; man ein Mittel entdecken
+konnte, sie zu befreien!
+
+</P><P>
+
+Die Gesellschaft der Niagara-F&auml;lle, deren st&auml;rkster
+Action&auml;r Onkel Prudent war, h&auml;tte beinahe ihre Gesch&auml;fte
+eingestellt und die Wasserf&auml;lle geschlossen. Die <TT>Walton Watch
+Company</TT> dachte schon daran, ihre Uhrenfabrik zu liquidiren, da diese
+ihren Director Phil Evans eingeb&uuml;&szlig;t hatte.
+
+</P><P>
+
+Ja, es herrschte allgemeine Trauer, und das Wort Trauer ist hier gar
+nicht &uuml;bertrieben, denn manche hirnverbrannte K&ouml;pfe, wie man
+deren auch in den Vereinigten Staaten antrifft, bildeten sich steif und
+fest ein, die beiden ehrenwerthen B&uuml;rger niemals wiederzusehen.
+
+</P><P>
+
+Nachdem er &uuml;ber Paris hingefahren war, h&ouml;rte man von dem
+&bdquo;Albatros&ldquo; zun&auml;chst nicht weiter reden. Einige Stunden
+sp&auml;ter war er &uuml;ber Rom schwebend gesehen worden &mdash; das war
+Alles. Bei der bekannten Geschwindigkeit des Aeronefs, mit der er
+&uuml;ber Europa von Nord nach S&uuml;d und &uuml;ber das Mittelmeer von
+West nach Ost gefahren war, darf das ja nicht Wunder nehmen. Und Dank
+eben dieser Schnelligkeit konnte ihn auch kein Fernrohr an irgend einem
+Punkte seiner Fahrtlinie genauer beobachten. Und h&auml;tten die
+Sternwarten ihr gesammtes Personal Tag und Nacht auf Vorposten gestellt,
+die Flugmaschine Robur des Siegers h&auml;tte sich so weit und so hoch
+entfernt &mdash; in &bdquo;Ikarien&ldquo;, wie er zu sagen pflegte
+&mdash; da&szlig; Alle verzweifelt w&auml;ren, deren Spur je wieder
+aufzufinden.
+
+</P><P>
+
+Hier sei hinzugef&uuml;gt, da&szlig; wenn seine Geschwindigkeit &uuml;ber
+dem Ufer Afrikas auch vermindert wurde, sich doch, weil jenes Document
+noch nicht bekannt war, Niemand versah, den Aeronef in den H&ouml;hen des
+algerischen Himmels zu suchen. Auf jeden Fall wurde er &uuml;ber Timbuctu
+wahrgenommen; das Observatorium dieser ber&uuml;hmten Stadt &mdash; wenn
+sie &uuml;berhaupt ein solches besitzt &mdash; hatte aber noch nicht Zeit
+gefunden, das Resultat seiner Beobachtungen nach Europa mitzutheilen. Was
+den K&ouml;nig von Dahomey betrifft, so h&auml;tte dieser gewi&szlig;
+eher zehntausend Unterthanen, und seine Minister inbegriffen, um einen
+Kopf k&uuml;rzer machen lassen, ehe er zugestand, im Kampfe mit einer in
+der Luft schwebenden Maschine unterlegen zu sein. Jeder fr&ouml;hnt eben
+seiner kleinen Eigenliebe.
+
+</P><P>
+
+Weiterhin steuerte der Ingenieur Robur dann &uuml;ber den Atlantischen
+Ocean, wobei er zuerst nach dem Feuerlande und dann nach dem Cap Horn
+kam. Ferner irrte er, etwas gegen seinen Willen, &uuml;ber die
+s&uuml;dlichsten Landvesten und &uuml;ber das ausgedehnte Polargebiet
+hinweg. Von diesen antarktischen Gegenden aus war nat&uuml;rlich keine
+Nachricht zu erwarten.
+
+</P><P>
+
+Der Juli verrann, und kein menschliches Auge konnte sich r&uuml;hmen, den
+Aeronef nur fl&uuml;chtig wieder erblickt zu haben.
+
+</P><P>
+
+Der August ging zu Ende, ohne da&szlig; sich an der Ungewi&szlig;heit
+&uuml;ber das Loos der beiden Gefangenen Robur's etwas &auml;nderte. Man
+fing allm&auml;hlich an, sich zu fragen, ob der Ingenieur, nach dem
+Beispiele des Ikarus, dieses &auml;ltesten Mechanikers, dessen die
+Sagengeschichte erw&auml;hnt, nicht ein Opfer seiner K&uuml;hnheit
+geworden sein m&ouml;ge.
+
+</P><P>
+
+Endlich vergingen auch die ersten siebenundzwanzig Tage des Septembers
+ohne jede Aenderung der Sachlage.
+
+</P><P>
+
+Bekanntlich gew&ouml;hnt man sich ja in der Welt an Alles. Es liegt in
+der menschlichen Natur, mit der Zeit den Stachel des Schmerzes weniger zu
+empfinden; man vergi&szlig;t, weil es nothwendig ist, einmal zu
+vergessen. In diesem Falle mu&szlig;te man dagegen den Bewohnern dieses
+Erdenthals zu ihrer Ehre nachsagen, da&szlig; sie von der allgemeinen
+Regel abwichen; noch immer ermattete nicht die warme Theilnahme an dem
+Loose zweier Wei&szlig;en und eines Schwarzen, die wie durch den
+Propheten Elias entf&uuml;hrt schienen, denen aber keine R&uuml;ckkehr
+durch die Bibel geweissagt war.
+
+</P><P>
+
+In Philadelphia trat das nat&uuml;rlich noch deutlicher zu Tage, als an
+jedem anderen Orte; hier kamen dabei ja n&auml;here pers&ouml;nliche
+Beziehungen in's Spiel. Robur hatte den Onkel Prudent und Phil Evans aus
+Rache ihrer Heimat entfremdet, hatte, wenn auch ohne jedes Recht, eine
+grausame Wiedervergeltung ge&uuml;bt. Doch war seine Rache damit
+gek&uuml;hlt? W&uuml;rde er dieselbe nicht auch noch anderen Collegen des
+Vorsitzenden und des Schriftf&uuml;hrers vom Weldon-Institut f&uuml;hlen
+lassen? Und wer konnte sich gesichert w&auml;hnen gegen etwaige Angriffe
+jenes allm&auml;chtigen Beherrschers des Luftmeeres?
+
+</P><P>
+
+Da durchlief am 28. September eine Neuigkeit die ganze Stadt: Onkel
+Prudent und Phil Evans sollten danach am Nachmittage in der Privatwohnung
+des Vorsitzenden vom Weldon-Institut wieder aufgetaucht sein.
+
+</P><P>
+
+Das Merkw&uuml;rdigste an dieser Botschaft war, da&szlig; sie sich
+best&auml;tigte, obgleich die Meisten nicht daran glauben wollten.
+
+</P><P>
+
+Dennoch mu&szlig;te man sich der Thatsache f&uuml;gen. Das waren die
+beiden Verschwundenen in Person &mdash; nicht ihre Schatten &mdash; und
+auch Frycollin war mit ihnen zur&uuml;ckgekehrt.
+
+</P><P>
+
+Die Mitglieder des Clubs, darauf deren Freunde und endlich eine ungeheure
+Volksmenge str&ouml;mten vor Onkel Prudent's Hause zusammen. Alle
+begr&uuml;&szlig;ten mit Jubelruf die beiden Collegen, welche unter
+Hurrahs und Hipps von Hand zu Hand getragen wurden.
+
+</P><P>
+
+Hier befand sich Jem Cip, der sein Fr&uuml;hst&uuml;ck &mdash;
+ger&ouml;stete Brotschnittchen mit gekochtem Lattig &mdash; verlassen
+hatte, und auch William T. Forbes nebst seinen beiden T&ouml;chtern
+Mi&szlig; Doll und Mi&szlig; Mat. W&auml;re Onkel Prudent Mormone
+gewesen, heute h&auml;tte er sie alle Beide zu Frauen bekommen; doch das
+war er nicht und hatte auch nicht die geringste Absicht, es je zu werden.
+Hier waren ferner Truk Milnor, Bat T. Fyn und endlich die &uuml;brigen
+Mitglieder des Clubs. Es ist noch bis heutigen Tages ein R&auml;thsel
+geblieben, wie Onkel Prudent und Phil Evans hatten lebend aus den
+Tausenden von Armen hervorgehen k&ouml;nnen, welche sie bei ihrem ersten
+Gange durch die Stadt ebenso viele Male zu erdr&uuml;cken drohten.
+
+</P><P>
+
+An eben jenem Abende sollte das Weldon-Institut seine gewohnte
+w&ouml;chentliche Sitzung abhalten. Man rechnete darauf, die beiden
+Collegen ihre fr&uuml;heren Pl&auml;tze wieder einnehmen zu sehen. Da sie
+&uuml;brigens von ihren Abenteuern bisher noch nichts erz&auml;hlt hatten
+&mdash; vielleicht hatte der Zudrang der Leute ihnen gar nicht die
+n&ouml;thige Zeit gew&auml;hrt &mdash; so hoffte man auch, da&szlig; sie
+nun von den gehabten Eindr&uuml;cken w&auml;hrend jener unfreiwilligen
+Reise berichten w&uuml;rden.
+
+</P><P>
+
+In der That hatten sich Beide aus irgend welchem Grunde bisher ganz stumm
+verhalten, und stumm blieb auch der Diener Frycollin, den seine
+Stammesgenossen vor toller Erregung fast geviertheilt h&auml;tten.
+
+</P><P>
+
+Was die beiden Collegen noch nicht gesagt und vielleicht hatten sagen
+wollen, war Folgendes:
+
+</P><P>
+
+Wir brauchen wohl kaum auf die dem Leser bekannten Vorg&auml;nge in der
+Nacht vom 27. zum 28. Juli zur&uuml;ck zu kommen; auf die k&uuml;hn
+ausgef&uuml;hrte Flucht des Vorsitzenden und des Schriftf&uuml;hrers vom
+Weldon-Institut, auf ihre lebhafte Erregung bei Durchwanderung der
+felsigen Insel Chatam, den auf Phil Evans abgefeuerten Gewehrschu&szlig;,
+auf das durchschnittene Ankertau und den &bdquo;Albatros&ldquo;, der
+damals, seiner Triebschrauben entbehrend, durch den S&uuml;dwestwind weit
+fortgetrieben und gleichzeitig zu gro&szlig;er H&ouml;he
+gewisserma&szlig;en emporgeschnellt wurde. Darauf war derselbe bald aus
+ihrem Gesichtskreis entschwunden.
+
+</P><P>
+
+Die Fl&uuml;chtlinge hatten nun nichts mehr zu f&uuml;rchten. Wie
+h&auml;tte Robur nach der Insel zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen, da seine
+Schrauben noch drei bis vier Stunden au&szlig;er Stande waren, zu
+functioniren?
+
+</P><P>
+
+Nach Ablauf dieser Zeit aber mu&szlig;te der durch die Explosion
+zerst&ouml;rte, &bdquo;Albatros&ldquo; zum elenden, auf dem Meere
+treibenden Wrack geworden sein, und Diejenigen, welche er trug, waren
+jedenfalls nur noch in St&uuml;cke gerissene Leichen, die auch der Ocean
+nicht wieder herausgeben konnte.
+
+</P><P>
+
+Der entsetzliche Racheact mu&szlig;te dann vollkommen gelungen sein. Da
+Onkel Prudent und Phil Evans sich als im Stande der Nothwehr
+betrachteten, litten sie wegen dieser That an keinen Gewissensbissen.
+
+</P><P>
+
+Phil Evans war durch die vom &bdquo;Albatros&ldquo; aus entsendete Kugel
+nur leicht verletzt worden. Alle Drei wanderten also am Ufer hinauf, in
+der Hoffnung, Eingeborene anzutreffen.
+
+</P><P>
+
+Diese Hoffnung sollte nicht get&auml;uscht werden. Etwa f&uuml;nfzig
+halbwilde, vom Fischfange lebende Einwohner siedelten an der
+Westk&uuml;ste Chatams. Sie hatten den Aeronef nach der Insel herabkommen
+sehen und bereiteten den Fl&uuml;chtlingen einen Empfang, wie sie ihn als
+&uuml;bernat&uuml;rliche Wesen verdienten. Man betete sie an, mindestens
+fehlte daran nicht viel, und brachte sie in der gr&ouml;&szlig;ten und
+sch&ouml;nsten H&uuml;tte unter. Frycollin fand gewi&szlig; niemals
+wieder eine solche Gelegenheit, die Rolle als Gott der Schwarzen spielen
+zu k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Wie sie vorausgesetzt, sahen Onkel Prudent und Phil Evans den Aeronef
+nicht wieder zur&uuml;ckkehren, und mu&szlig;ten daraus schlie&szlig;en,
+da&szlig; die schreckliche Katastrophe in gro&szlig;er H&ouml;he
+eingetreten sein werde. Nun w&uuml;rde Niemand wieder von dem Ingenieur
+Robur reden h&ouml;ren, so wenig wie von seiner wunderbaren Maschine, die
+seine Leute mit ihm dahingetragen hatte.
+
+</P><P>
+
+Jetzt galt es nur noch, eine Gelegenheit zur R&uuml;ckkehr nach Amerika
+abzuwarten, denn die Insel Chatam wird von Seefahrern wenig besucht. So
+verstrich der ganze Monat August und die Fl&uuml;chtlinge legten sich
+schon die Frage vor, ob sie am Ende nicht blo&szlig; ein
+Gef&auml;ngni&szlig; gegen ein anderes eingetauscht h&auml;tten, mit dem
+&uuml;brigens Frycollin sich weit besser, als mit dem &bdquo;Kerker in
+der Luft&ldquo;, abzufinden schien.
+
+</P><P>
+
+Endlich am 3. September erschien ein Schiff, um an der Insel Chatam
+Wasser einzunehmen. Der Leser hat jedenfalls nicht vergessen, da&szlig;
+Onkel Prudent zur Zeit der Entf&uuml;hrung aus Philadelphia mehrere
+tausend Dollars Papiergeld bei sich f&uuml;hrte, d.&nbsp;h. mehr als
+nothwendig war, um nach Amerika zur&uuml;ckkehren zu k&ouml;nnen. Nachdem
+sie ihren Verehrern, welche ihnen stets den allergr&ouml;&szlig;ten
+Respect bewiesen hatten, herzlich gedankt, schifften sich Onkel Prudent,
+Phil Evans und Frycollin nach Aukland ein. Von ihren Schicksalen
+erz&auml;hlten sie nichts, und nach zwei Tagen schon langten sie in der
+Hauptstadt Neu-Seelands an.
+
+</P><P>
+
+Hier nahm sie ein Packetboot des Stillen Oceans als Passagiere auf, und
+am 20. September landeten die Ueberlebenden vom &bdquo;Albatros&ldquo;
+nach h&ouml;chst gl&uuml;cklicher Ueberfahrt in San Francisco. Sie hatten
+weder ausgesprochen, wer sie waren, noch woher sie kamen: doch da sie
+einen recht anst&auml;ndigen Preis f&uuml;r ihre Pl&auml;tze
+entrichteten, so w&auml;re es keinem amerikanischen Capit&auml;n jemals
+eingefallen, weitere Fragen an die Leute zu richten.
+
+</P><P>
+
+In San Francisco ben&uuml;tzten Onkel Prudent, sein College und der
+Diener Frycollin den ersten Zug der gro&szlig;en Pacific-Bahn und trafen
+am 27. wohlbehalten in Philadelphia ein.
+
+</P><P>
+
+Das ist der gedr&auml;ngte Bericht &uuml;ber Alles, was seit dem
+Entweichen der Fl&uuml;chtlinge und ihrer Abfahrt von der Insel Chatam
+vorgefallen war; und somit konnten an jenem Abende der Vorsitzende und
+der Schriftf&uuml;hrer, inmitten eines ungeheuren Zudrangs, ihre
+Pl&auml;tze im Weldon-Institut wieder einnehmen.
+
+</P><P>
+
+Niemals aber hatte weder der Eine, noch der Andere eine so auffallende
+Ruhe zur Schau getragen. Ihr Anblick allein h&auml;tte niemals ahnen
+lassen, da&szlig; seit jener denkw&uuml;rdigen Sitzung vom 12. Juni
+irgend etwas Besonderes vorgefallen sei. Diese dreiundeinhalb Monate
+schienen in ihrem Leben gar nicht mit zu z&auml;hlen.
+
+</P><P>
+
+Nach den ersten Begr&uuml;&szlig;ungssalven, welche Beide ohne das Zucken
+nur eines Gesichtsmuskels hinnahmen, bedeckte Onkel Prudent das Haupt und
+ergriff er zuerst das Wort.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ehrenwerthe B&uuml;rger, sagte er, die Sitzung ist
+er&ouml;ffnet.&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Wahnsinniger und gewi&szlig; wohlberechtigter Beifall, denn wenn es auch
+als etwas Au&szlig;ergew&ouml;hnliches nicht gelten konnte, da&szlig;
+eine solche Wochenversammlung er&ouml;ffnet wurde, so erhielt der Umstand
+doch ein au&szlig;ergew&ouml;hnliches Gewicht, da&szlig; das durch Onkel
+Prudent unter Assistenz von Phil Evans geschah.
+
+</P><P>
+
+Der Vorsitzende lie&szlig; den in Zurufen und H&auml;ndeklatschen
+kundgegebenen Enthusiasmus sich ruhig austoben. Dann fuhr er fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;In unserer letzten Sitzung, meine Herrn, kam es zu recht lebhaftem
+Meinungsaustausch (H&ouml;rt! H&ouml;rt!) zwischen den Vertretern der
+Vorder- und der R&uuml;ckenschraube f&uuml;r unseren Ballon, den <TT>Go a
+head</TT>. (Zeichen von Verwunderung.) Wir haben inzwischen ein
+Auskunftsmittel erfunden, um die Vorder- und Hintersteuerer unter einen
+Hut zu bringen, und das besteht einfach darin: Wir versehen eben beide
+Enden des Nachens mit je einer Triebschraube.&ldquo; (Stillschweigen vor
+allgemeinem Erstaunen.)
+
+</P><P>
+
+Das war Alles!
+
+</P><P>
+
+Ja, Alles, von der Entf&uuml;hrung des Vorsitzenden und des
+Schriftf&uuml;hrers des Weldon-Instituts fiel kein Sterbensw&ouml;rtchen;
+kein Wort &uuml;ber den Ingenieur Robur und den &bdquo;Albatros&ldquo;;
+kein Wort &uuml;ber die Art und Weise, wie die Gefangenen hatten
+entkommen k&ouml;nnen, und endlich kein Wort &uuml;ber das Schicksal des
+Aeronefs, ob er noch durch das Luftmeer schwebe und ob noch weitere
+Angriffe gegen Mitglieder des Clubs zu bef&uuml;rchten w&auml;ren.
+
+</P><P>
+
+Gewi&szlig; fehlte es den Ballonisten nicht an Lust, Onkel Prudent und
+Phil Evans auszufragen; sie sahen dieselben aber so ernst, so
+zugekn&ouml;pft, da&szlig; es angezeigt schien, ihre Zur&uuml;ckhaltung
+zu respectiren. Wenn sie die Zeit zum Sprechen gekommen meinten,
+w&uuml;rden sie schon allein sprechen und Alle w&uuml;rden sich geehrt
+genug f&uuml;hlen, ihnen zuzuh&ouml;ren.
+
+</P><P>
+
+Uebrigens konnte unter diesem Stillschweigen ja noch ein Geheimni&szlig;
+verborgen liegen, das heute noch nicht enth&uuml;llt werden durfte.
+
+</P><P>
+
+Da nahm Onkel Prudent unter einem, bisher bei den Sitzungen des
+Weldon-Instituts unerh&ouml;rten Stillschweigen wieder das Wort.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Meine Herren, sagte er, es er&uuml;brigt uns nun blo&szlig; noch,
+den Aerostaten <TT>Go a head</TT>, der bestimmt ist, sich das Luftmeer zu
+erobern, schleunigst der Vollendung entgegen zu f&uuml;hren. &mdash; Die
+Sitzung ist geschlossen.&ldquo; </P>
+
+
+
+
+<HR>
+
+
+<A NAME="kap18" ID="kap18"></A>
+<H3>XVIII.<BR>
+Welches diese wahrhafte Geschichte zu Ende f&uuml;hrt, ohne sie zu
+beendigen.
+</H3>
+
+
+<P>
+Am 29. April des folgenden Jahres, sieben Monate nach der so unerwarteten
+R&uuml;ckkehr des Onkel Prudent und Phil Evans, war ganz Philadelphia in
+reger Bewegung. Um politische Fragen handelte es sich dabei nicht, ebenso
+wenig um Wahlen oder Volksversammlungen. Der auf Betreiben des
+Weldon-Instituts nun vollendete Aerostat <TT>Go a head</TT> sollte
+endlich seinem nat&uuml;rlichen Element &uuml;bergeben werden.
+
+</P><P>
+
+Als Aeronaut f&uuml;r denselben war der ber&uuml;hmte Harry W. Tinder,
+dessen wir schon zu Anfang dieser Erz&auml;hlung erw&auml;hnten, bestimmt
+worden, und ihm hatte man noch einen erfahrenen Gehilfen beigegeben.
+
+</P><P>
+
+Die Passagiere bildeten der Vorsitzende und der Schriftf&uuml;hrer des
+Weldon-Instituts, denen diese Ehre gewi&szlig; vor allen Anderen zukam,
+da es f&uuml;r sie so zu sagen eine Lebensaufgabe geworden war,
+pers&ouml;nlich gegen jeden Apparat, der auf dem Principe
+&bdquo;Schwerer, als die Luft&ldquo; beruhte, Einspruch zu erheben.
+
+</P><P>
+
+Doch auch jetzt, nach sieben Monaten, sollten sie immer noch erst
+anfangen, &uuml;ber ihre Abenteuer zu berichten. Selbst Frycollin hatte,
+wie sehr es ihn auch dazu dr&auml;ngte, noch nicht vom Ingenieur Robur
+und von dessen wunderbarer Maschine gesprochen. Offenbar wollten Onkel
+Prudent und Phil Evans als eingefleischte und unverbesserliche
+Ballonisten &uuml;berhaupt nicht, da&szlig; von dem Aeronef oder einer
+anderen Flugmaschine jemals die Rede sei. Auch wenn ihr Ballon, der
+<TT>Go a head</TT>, noch nicht die erste Stelle unter den zur
+Fortbewegung durch die Luft bestimmten Apparaten einnehmen sollte, so
+wollten sie doch keine, von irgendwelchem Anh&auml;nger der Aviation
+herr&uuml;hrende Erfindung dabei anwenden lassen. Sie glaubten noch immer
+und wollten auch sp&auml;ter nur glauben, da&szlig; das einzig wahre
+atmosph&auml;rische Vehikel der Aerostat sei, und da&szlig; ihm allein
+die Zukunft geh&ouml;re.
+
+</P><P>
+
+Uebrigens existirte ja Derjenige, an dem sie eine so furchtbare, ihrer
+Ansicht nach aber nur gerechte Rache genommen hatten, jetzt schon
+l&auml;ngst nicht mehr. Keiner von Denen, die er trug, hatte seinen
+Untergang &uuml;berleben k&ouml;nnen. Das Geheimni&szlig; des
+&bdquo;Albatros&ldquo; lag jetzt in den unergr&uuml;ndlichen Tiefen des
+Stillen Oceans begraben.
+
+</P><P>
+
+Die Annahme, da&szlig; der Ingenieur Robur einen Zufluchtsort, eine
+rettende Insel im ungeheuren, verlassenen Ocean gefunden habe, erschien
+nur als eine sehr gewagte Hypothese. Die beiden Collegen behielten sich
+f&uuml;r sp&auml;ter die Entscheidung dar&uuml;ber vor, ob es angezeigt
+erscheine, nach dieser Richtung besondere Nachforschungen zu veranlassen.
+
+</P><P>
+
+Man schritt also endlich zu dem gro&szlig;en Experimente, welches das
+Weldon-Institut so lange Zeit und mit so gro&szlig;er Sorgfalt
+vorbereitet hatte. Der <TT>Go a head</TT> war der vollendetste Typus
+dessen, was im Bereiche der Aerostatik bisher erfunden war &mdash;
+dasselbe wie der <TT>&bdquo;Inflexible&ldquo;</TT> und der
+<TT>&bdquo;Formidable&ldquo;</TT> (zwei neuere franz&ouml;sische
+Panzerschlachtschiffe) in der Schiffsbaukunst.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> besa&szlig; alle f&uuml;r einen Aerostaten nur
+w&uuml;nschenswerthen Eigenschaften. Sein Volumen gestattete ihm, bis zu
+den allergr&ouml;&szlig;ten H&ouml;hen, die ein Ballon nur erreichen
+kann, aufzusteigen; seine Undurchl&auml;ssigkeit f&uuml;r Gas, sich
+unbegrenzt lange in der Luft zu erhalten; seine Festigkeit, jeder
+Ausdehnung der Gase ebenso zu widerstehen, wie dem heftigsten Platzregen
+und st&auml;rksten Sturmwinde; sein Fassungsverm&ouml;gen, eine
+gen&uuml;gende Auftriebskraft zu entfalten, um au&szlig;er dem sonst
+n&ouml;thigen Zubeh&ouml;r eine elektrische Maschine mitzunehmen, die
+seinen Propellern eine, jeder bisher erreichten &uuml;berlegene
+Treibkraft verleihen konnte. Der <TT>Go a head</TT> hatte eine
+l&auml;ngliche Gestalt, um die horizontale Fortbewegung zu erleichtern.
+Seine Gondel, eine derjenigen des Ballons der Capit&auml;ne Krebs und
+Renard &auml;hnliche Plattform, enthielt alles f&uuml;r Luftschiffer
+nothwendige Ger&auml;th und Werkzeug, physikalische Instrumente, Taue,
+Anker, Rollen u.&nbsp;s.&nbsp;w., au&szlig;erdem die Apparate, Batterien
+und Accumulatoren, welche seine mechanische Kraft lieferten. Diese Gondel
+trug vorne eine Schraube und hinten neben einer gleichen Schraube ein
+Steuerruder. Aller Wahrscheinlichkeit nach mu&szlig;te jedoch die
+Arbeitsleistung der Maschinen des <TT>Go a head</TT> weit hinter der der
+Apparate des &bdquo;Albatros&ldquo; zur&uuml;ckbleiben.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> war nach vollendeter F&uuml;llung nach der
+Waldbl&ouml;&szlig;e im Fairmont-Park &uuml;bergef&uuml;hrt worden,
+d.&nbsp;h. genau nach derselben Stelle, an welcher fr&uuml;her der
+Aeronef einige Stunden gelegen hatte.
+
+</P><P>
+
+Wir brauchen wohl nicht zu betonen, da&szlig; ihm die Auftriebskraft
+durch das leichteste aller Gase verliehen worden war. Das
+gew&ouml;hnliche Leuchtgas entwickelt per Cubikmeter nur eine solche
+Hebekraft gleich 700 Gramm &mdash; was gegen die umgebende Luft nur einen
+unbetr&auml;chtlichen Gewichtsunterschied darstellt. Das Wasserstoffgas
+dagegen besitzt bei gleichem Volumen eine auf etwa 1100 Gramm zu
+sch&auml;tzende Steigekraft. Solches, nach dem Verfahren und in den
+Special-Apparaten des ber&uuml;hmten Henry Giffard dargestellte reine
+Wasserstoffgas erf&uuml;llte den ungeheuren Ballon. Da der <TT>Go a
+head</TT> nun einen Fassungsraum von 40.000 Cubikmetern besa&szlig;, so
+entsprach die Steigkraft seines Gases einem Gewichte von 40.000mal 1100
+Gramm oder 44.000 Kilogramm.
+
+</P><P>
+
+Am Morgen des 20. April war Alles bereit. Um elf Uhr schon schwankte der
+riesige Aerostat wenige Fu&szlig; &uuml;ber dem Boden und fertig, sich in
+die Luft zu erheben, majest&auml;tisch hin und her.
+
+</P><P>
+
+Es herrschte ein pr&auml;chtiges und wie f&uuml;r diesen Versuch eigens
+gemachtes Wetter. Vielleicht w&auml;re eine etwas gr&ouml;&szlig;ere
+Windst&auml;rke w&uuml;nschenswerther gewesen, da sie die Probe mehr
+beweisend gestaltet h&auml;tte. Man hat ja niemals bezweifelt, da&szlig;
+ein Ballon in ganz ruhiger Luft nach Belieben gelenkt werden k&ouml;nne,
+in bewegter Atmosph&auml;re ist das aber ein anderes Ding und nur unter
+solchen Verh&auml;ltnissen sollten derartige Proben ausgef&uuml;hrt
+werden.
+
+</P><P>
+
+Genug, jetzt war weder Wind zu versp&uuml;ren, noch deutete etwas darauf
+hin, da&szlig; solcher auftreten w&uuml;rde. An jenem Tage sendete
+Nordamerika aus seinem unersch&ouml;pflichen Vorrathe ausnahmsweise
+keinen Sturm nach dem westlichen Europa, und niemals h&auml;tte ein Tag
+g&uuml;nstiger als dieser zur Vornahme eines solchen aeronautischen
+Experimentes gew&auml;hlt werden k&ouml;nnen.
+
+</P><P>
+
+Kaum brauchen wir der ungeheuren, im Fairmont-Park aufgestauten
+Menschenmenge, ebenso wenig der zahlreichen Bahnz&uuml;ge zu
+erw&auml;hnen, welche Str&ouml;me von Neugierigen aus allen
+Nachbarstaaten &uuml;ber Philadelphia ergossen hatten; auch nicht der
+Unterbrechung jeder industriellen und commerciellen Th&auml;tigkeit,
+welche es Allen &mdash; Chefs, Beamten, Handwerkern, M&auml;nnern und
+Frauen, Greisen und Kindern, Congre&szlig;mitgliedern, Vertretern der
+bewaffneten Macht, Magistratspersonen, Reportern, wei&szlig;en und
+schwarzen Eingeborenen, die auf der Waldbl&ouml;&szlig;e zusammengelaufen
+waren &mdash; gestattete, diesem Schauspiele beizuwohnen. Oder sollten
+wir das ger&auml;uschvolle Durcheinanderwogen dieser Volksmengen
+schildern, die unerwarteten Bewegungen, das pl&ouml;tzliche Dr&auml;ngen
+und das Jauchzen und Rufen des Mobs? Sollen wir die Hipp! Hipp! Hipp!
+nachz&auml;hlen, welche von allen Seiten gleich dem Krachen von
+Feuerwerksk&ouml;rpern laut wurden, als Onkel Prudent und Phil Evans auf
+der mit dem amerikanischen Sternenbanner geschm&uuml;ckten Plattform
+erschienen? Oder m&uuml;&szlig;ten wir es erst besonders aussprechen,
+da&szlig; der gr&ouml;&szlig;te Theil dieser Neugierigen vielleicht nicht
+gekommen war, um den <TT>Go a head</TT> zu sehen, sondern um sich die
+zwei au&szlig;erordentlichen M&auml;nner zu betrachten, um welche die
+Alte Welt die Neue beneidete?
+
+</P><P>
+
+Warum aber nur Zwei und nicht Drei? Warum nicht auch Frycollin? &mdash;
+Das kam daher, da&szlig; Frycollin die Reise mit dem
+&bdquo;Albatros&ldquo; f&uuml;r seine Ber&uuml;hmtheit als gen&uuml;gend
+erachtete und er die Ehre, seinen Herrn zu begleiten, bescheiden
+abgelehnt hatte. Er bekam also keinen Theil von den tollen Jubelrufen,
+welche den Vorsitzenden und den Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts
+empfingen. Es versteht sich von selbst, da&szlig; von allen Mitgliedern
+der ber&uuml;hmten Gesellschaft keiner auf dem f&uuml;r diese reservirten
+Platze innerhalb der Pf&auml;hle und Leinen fehlte, welche einen Theil
+der Lichtung abgrenzten. Hier waren Truk Milnor, Bat T. Fyn, William T.
+Forbes, der seine beiden T&ouml;chter Mi&szlig; Doll und Mi&szlig; Mat an
+den Armen f&uuml;hrte. Alle waren erschienen, um durch ihre Anwesenheit
+zu bekr&auml;ftigen, da&szlig; nichts jemals im Stande sei, die
+Anh&auml;nger des &bdquo;Leichter, als die Luft&ldquo; zu trennen.
+
+</P><P>
+
+Gegen elf Uhr zwanzig Minuten verk&uuml;ndigte ein Kanonenschu&szlig; die
+Beendigung der letzten Vorbereitungen.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> erwartete nur noch das Signal zum Aufsteigen.
+
+</P><P>
+
+Ein zweiter Kanonenschu&szlig; donnerte um elf Uhr f&uuml;nfundzwanzig.
+
+</P><P>
+
+Der nur noch durch seine Leitseile gehaltene <TT>Go a head</TT> erhob
+sich gegen f&uuml;nfzehn Meter &uuml;ber die Lichtung. Am anderen Ende
+der Plattform stehend, legten Onkel Prudent und Phil Evans die linke Hand
+auf die Brust, was bedeuten sollte, da&szlig; sie mit dem Zuschauerkreise
+eines Herzens w&auml;ren. Dann streckten sie die rechte Hand nach dem
+Zenith aus, um anzudeuten, da&szlig; der gr&ouml;&szlig;te, bis jetzt
+bekannte Ballon endlich in Begriff stehe, von seinem &uuml;berirdischen
+Reiche Besitz zu ergreifen.
+
+</P><P>
+
+Da legten sich hunderttausend H&auml;nde auf hunderttausend Br&uuml;ste;
+und hunderttausend andere erhoben sich zum Himmel.
+
+</P><P>
+
+Um elf Uhr drei&szlig;ig krachte ein dritter Kanonenschu&szlig;.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Alles los!&ldquo; rief Onkel Prudent, die hergebrachte Redensart
+ben&uuml;tzend.
+
+</P><P>
+
+Und der <TT>Go a head</TT> erhob sich &bdquo;majest&auml;tisch&ldquo;
+&mdash; das immer gebrauchte Beiwort in der Beschreibung von beginnenden
+Luftfahrten.
+
+</P><P>
+
+In der That, es war ein pr&auml;chtiges Schauspiel! Man h&auml;tte ein
+Seeschiff zu sehen gemeint, das eben vom Stapel lief. Und war das hier
+nicht auch ein Schiff, das in's Luftmeer abgelassen wurde?
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> stieg genau lothrecht in die H&ouml;he &mdash; ein
+Beweis f&uuml;r die vollkommene Ruhe der Atmosph&auml;re &mdash; und
+hielt etwa zweihundertf&uuml;nfzig Meter &uuml;ber der Erde still.
+
+</P><P>
+
+Hier begann nun die Vorf&uuml;hrung der Fahrt in wagrechter Richtung.
+
+</P><P>
+
+Der von seinen zwei Schrauben getriebene <TT>Go a head</TT> zog mit der
+Geschwindigkeit von zehn Metern in der Secunde der Sonne entgegen. Das
+ist die Geschwindigkeit des Walfisches im freien Wasser. Es ist auch gar
+nicht falsch, jenen mit dem genannten Riesen der n&ouml;rdlichen Meere zu
+vergleichen, zumal da er auch die Gestalt jenes Cetaceers hatte.
+
+</P><P>
+
+Eine neue Salve von Hurrahs drang zu den geschickten Aeronauten empor.
+
+</P><P>
+
+Hierauf f&uuml;hrte der <TT>Go a head</TT> unter der Wirkung seines
+Steuers allerlei kreisf&ouml;rmige, schiefe und geradlinige Bewegungen
+aus, welche ihm die Hand seines Steuermannes aufn&ouml;thigte. Er wendete
+in engem Kreise, ging nach vorw&auml;rts, nach r&uuml;ckw&auml;rts, um
+selbst die z&auml;hesten Widersacher der Lenkbarkeit von Ballons eines
+Besseren zu belehren ... wenn es solche Widersacher hier gab! Und wenn es
+dergleichen gegeben h&auml;tte, h&auml;tte man sie in die Pfanne gehauen!
+
+</P><P>
+
+Warum fehlte aber der Wind diesem herrlichen Experimente? Das war
+bedauerlich. Unzweifelhaft h&auml;tte der <TT>Go a head</TT> alle
+Bewegungen ohne Z&ouml;gern ausgef&uuml;hrt, indem er entweder eine
+schr&auml;ge Richtung einhielt, wie ein Schiff, das dicht beim Winde
+segelte, oder der Luftstr&ouml;mung gleich einem Dampfer gerade
+entgegentrieb.
+
+</P><P>
+
+In diesem Augenblicke stieg der Aerostat um einige hundert Meter
+h&ouml;her hinauf.
+
+</P><P>
+
+Man begreift wohl die Absicht. Onkel Prudent und seine Begleiter suchten
+in den h&ouml;heren Luftschichten eine Str&ouml;mung zu finden, um die
+Probe zu vervollst&auml;ndigen. Ein System von inneren Ballons,
+entsprechend der Schwimmblase der Fische, in welche man mittelst Pumpen
+eine gewisse Menge Gas hineindr&uuml;cken konnte, gestattete ihm
+n&auml;mlich, auf- und niederzusteigen. Ohne je Ballast auszuwerfen, um
+h&ouml;her, oder Gas zu verlieren, um tiefer zu gehen, war er im Stande,
+sich nach Belieben des Luftschiffers in der Atmosph&auml;re zu heben oder
+zu senken. Au&szlig;erdem war er jedoch am oberen Scheitel mit einem
+Ventil versehen, f&uuml;r den Fall, da&szlig; er einmal sehr schnell
+herabzugehen gezwungen w&auml;re. Hier waren demnach nur bereits bekannte
+Mittel vorgesehen, diese aber bis zum h&ouml;chsten Grade der
+Vollkommenheit entwickelt.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> erhob sich also in lothrechter Linie. Durch
+optische Wirkung verringerten sich seine Dimensionen allm&auml;hlich den
+Blicken. Gew&ouml;hnlich erscheint das ziemlich merkw&uuml;rdig f&uuml;r
+die Zuschauer, die sich, um gerade hinauf zu sehen, fast die Halswirbel
+brechen. Der ungeheure Walfisch wurde so nach und nach zum Meerschwein,
+um endlich bis zur Gr&ouml;&szlig;e des gew&ouml;hnlichen Gr&uuml;ndlings
+herabzusinken.
+
+</P><P>
+
+Da die aufsteigende Bewegung nicht unterbrochen wurde, erreichte der
+<TT>Go a head</TT> eine H&ouml;he von viertausend Metern, blieb aber bei
+dem reinen, keine Spur von Dunst enthaltenden Himmel vollkommen klar
+sichtbar.
+
+</P><P>
+
+Inde&szlig; hielt er sich fortw&auml;hrend &uuml;ber der Lichtung, als
+w&uuml;rde er daselbst von divergirenden Leinen festgehalten. Und wenn
+eine riesenhafte Glocke &uuml;ber die Umgegend gest&uuml;rzt gewesen
+w&auml;re, h&auml;tte die Luft darunter nicht ruhiger sein k&ouml;nnen.
+Weder in jener, noch in irgend einer anderen H&ouml;he regte sich der
+leiseste Hauch. Stark verkleinert durch die Entfernung, als ob man ihn
+durch ein verkehrt gehaltenes Fernrohr betrachtet h&auml;tte,
+man&ouml;vrirte der Aerostat, ohne den geringsten Widerstand zu finden.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich drang ein Aufschrei aus der Menge, ein Schrei, dem sofort
+hunderttausend andere folgten. Alle Arme richteten sich nach einem Punkte
+am Horizont, und zwar nach Nordwesten hin.
+
+</P><P>
+
+Dort im tiefen Azur ist ein sich bewegender K&ouml;rper erschienen, der
+n&auml;her herankommt und gr&ouml;&szlig;er wird. Ist es ein Vogel, der
+mit m&auml;chtigem Fl&uuml;gelschlage durch die h&ouml;chsten
+Luftschichten schwebt? Ist's eine Feuerkugel, deren Bahn die
+Atmosph&auml;re in schiefer Richtung durchschneidet? Jedenfalls ist der
+r&auml;thselhaften Erscheinung eine bedeutende Schnelligkeit eigen und
+sie mu&szlig; bald &uuml;ber die erstaunte Volksmenge hinwegrauschen.
+
+</P><P>
+
+Ein Verdacht, der sich gleichsam elektrisch allen Gehirnen mittheilt,
+verbreitet sich &uuml;ber die ganze Lichtung.
+
+</P><P>
+
+Es scheint jedoch, als ob auch der <TT>Go a head</TT> den fremdartigen
+Gegenstand bemerkt h&auml;tte. Offenbar hat er das Gef&uuml;hl einer
+drohenden Gefahr empfunden, denn pl&ouml;tzlich steigert sich seine
+Geschwindigkeit und er flieht nach Osten hin.
+
+</P><P>
+
+Ja, die Menge hat Alles begriffen. Ein von einem der Mitglieder des
+Weldon-Instituts ausgerufener Name wird von zweihunderttausend Lippen
+wiederholt: &bdquo;Der &bdquo;Albatros&ldquo;! ...
+&bdquo;Albatros&ldquo;!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+In der That, es ist der &bdquo;Albatros&ldquo;. Robur ist es, der in den
+H&ouml;hen des Himmels wieder erscheint! Er ist's, der gleich einem
+gigantischen Raubvogel auf den <TT>Go a head</TT> losst&uuml;rzt!
+
+</P><P>
+
+Und neun Monate vorher war der durch die Explosion zersprengte Aeronef,
+die Schrauben zerbrochen und das Verdeck in zwei St&uuml;cke zerrissen,
+doch vernichtet worden. Ohne die wunderbare Besonnenheit des Ingenieurs,
+der die Drehbewegung des vorderen Propellers ver&auml;nderte, und diesen
+als Auftriebsschraube wirken lie&szlig;, w&auml;re die ganze Besatzung
+des &bdquo;Albatros&ldquo; schon durch die Schnelligkeit des Sturzes
+erstickt worden. Doch wenn sie auch dieser Gefahr gl&uuml;cklich
+entronnen, wie kam es, da&szlig; sie nicht in den Fluthen des Pacifischen
+Oceans ertrunken war?
+
+</P><P>
+
+Das kam daher, da&szlig; die Tr&uuml;mmer des Verdecks, die Fl&uuml;gel
+der Triebschrauben, die W&auml;nde der Ruffs und was sonst noch vom
+&bdquo;Albatros&ldquo; &uuml;brig war, ihn zur schwimmenden Seetrift
+verwandelt hatten. Der verwundete Vogel war in's Wasser gefallen, seine
+Fl&uuml;gel aber hielten ihn noch auf den Wellen. Einige Stunden lang
+blieben Robur und seine Leute noch auf diesem Wrack, dann fl&uuml;chteten
+sie in das auf dem Ocean wieder gefundene Kautschukboot.
+
+</P><P>
+
+Die Vorsehung, f&uuml;r Diejenigen, welche an einen g&ouml;ttlichen
+Eingriff in irdische Dinge glauben &mdash; der Zufall, f&uuml;r
+Diejenigen, welche die Schw&auml;che haben, an keine Vorsehung zu glauben
+&mdash; kam den Schiffbr&uuml;chigen zu Hilfe.
+
+</P><P>
+
+Wenige Stunden nach Sonnenaufgang wurden sie von einem Schiffe bemerkt,
+das nicht allein Robur und seine Leute, sondern auch die umher
+schwimmenden Tr&uuml;mmer des Aeronefs aufnahm. Der Ingenieur
+begn&uuml;gte sich mit der Angabe, sein Fahrzeug sei durch eine Collision
+zerst&ouml;rt worden, und sein Incognito blieb auch bei dieser
+Gelegenheit gewahrt.
+
+</P><P>
+
+Jenes Schiff war ein englischer Dreimaster, der <TT>&bdquo;Two
+Friends&ldquo;</TT> von Liverpool. Es segelte nach Melbourne, wo es nach
+wenigen Tagen eintraf.
+
+</P><P>
+
+Nun war man zwar in Australien, aber sehr fern von der Insel X, nach der
+man doch baldigst zur&uuml;ckkehren mu&szlig;te.
+
+</P><P>
+
+Unter den Tr&uuml;mmern des hinteren Ruffs hatte der Ingenieur noch eine
+betr&auml;chtliche Geldsumme gefunden, die ihm, ohne einen Anderen
+anzusprechen, alle Bed&uuml;rfnisse seiner Leute zu bestreiten
+gestattete. Kurz nach der Ankunft in Melbourne erwarb er eine kleine
+Goelette von hundert Tonnen und auf dieser begab sich Robur, der auch ein
+t&uuml;chtiger Seemann war, nach der Insel X zur&uuml;ck.
+
+</P><P>
+
+Jetzt erf&uuml;llte ihn nur noch eine einzige fixe Idee &mdash; sich zu
+r&auml;chen. Doch um das zu k&ouml;nnen, mu&szlig;te ein zweiter
+&bdquo;Albatros&ldquo; gebaut werden, was f&uuml;r den, der den ersten
+construirt hatte, ja eine leichte Aufgabe war. Man verwendete dabei, was
+noch vom alten Aeronef brauchbar erschien, unter anderen Maschinentheilen
+auch dessen Propeller, die mit allen Tr&uuml;mmern auf der Goelette
+verladen gewesen waren. Der Mechanismus wurde mittelst neuer Batterien
+und Accumulatoren wieder in Stand gesetzt. Kurz, binnen weniger als acht
+Monaten war die ganze Arbeit beendigt und ein neuer
+&bdquo;Albatros&ldquo;, ganz gleich dem durch die Explosion
+zerst&ouml;rten und eben so m&auml;chtig wie dieser, stand bereit, durch
+die Luft abzusegeln.
+
+</P><P>
+
+Selbstverst&auml;ndlich trug er auch dieselbe Mannschaft und ebenso
+selbstverst&auml;ndlich sch&auml;umte diese Mannhaft vor Wuth auf Onkel
+Prudent und Phil Evans im Besonderen, wie auf das ganze Weldon-Institut
+im Allgemeinen.
+
+</P><P>
+
+Mit den ersten Tagen des April verlie&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo;
+die Insel X. W&auml;hrend dieser Luftfahrt sollte sein Vor&uuml;berkommen
+von keinem Punkt der Erde aus gemeldet werden k&ouml;nnen. So schwebte er
+also immer zwischen den Wolken hin. Ueber Nordamerika an einer
+Ein&ouml;de des Far-West angelangt ging er zur Erde. Das tiefste
+Incognito bewahrend, erfuhr der Ingenieur hier, was ihm das
+gr&ouml;&szlig;te Vergn&uuml;gen gew&auml;hren mu&szlig;te: da&szlig; das
+Weldon-Institut nun so weit sei, mit seinen Probefahrten zu beginnen, und
+da&szlig; der <TT>Go a head</TT> mit Onkel Prudent und Phil Evans am 29.
+April von Philadelphia aus aufsteigen sollte.
+
+</P><P>
+
+Welch' herrliche Gelegenheit zur K&uuml;hlung jener Rache, die das Herz
+Robur's und aller seiner Leute erf&uuml;llte! Eine schreckliche Rache,
+welcher der <TT>Go a head</TT> nicht entrinnen sollte! Eine
+&ouml;ffentliche Rache, welche gleichzeitig die Ueberlegenheit des
+Aeronefs &uuml;ber die Aerostaten und alle Apparate dieser Art beweisen
+mu&szlig;te!
+
+</P><P>
+
+Aus diesem Grunde also erschien an jenem Tage gleich dem Geier, der aus
+schwindelnder H&ouml;he niederschie&szlig;t, der Aeronef &uuml;ber dem
+Fairmont-Park.
+
+</P><P>
+
+Ja, das war der &bdquo;Albatros&ldquo;, leicht erkannt selbst von Denen,
+die ihn fr&uuml;her nie gesehen hatten.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> floh noch immer. Er begriff jedoch, da&szlig; er
+durch eine Flucht in horizontaler Richtung niemals zu entkommen
+verm&ouml;ge. Er suchte sein Heil also in verticaler Flucht, aber nicht
+durch Ann&auml;herung an die Erde, denn da h&auml;tte der Aeronef ihm den
+Weg verlegen k&ouml;nnen, sondern indem er sich in die Luft erhob, nach
+einer Zone, in der er vielleicht nicht angegriffen werden konnte. Das war
+sehr k&uuml;hn, doch gleichzeitig recht logisch gehandelt.
+
+</P><P>
+
+Inzwischen erhob sich aber auch der &bdquo;Albatros&ldquo; mit ihm. Weit
+kleiner als der <TT>Go a head</TT> glich er dem Schwertfisch bei
+Verfolgung des Wals, den er mit seinem Stachel durchbohrt, oder dem auf
+das Panzerschiff zufliegenden Torpedo, der jenes mit einem Schlage in die
+Luft zu sprengen trachtet.
+
+</P><P>
+
+Die Zuschauer bemerkten das mit beklemmender Angst. Binnen wenigen
+Augenblicken hatte der Aerostat eine H&ouml;he von f&uuml;nftausend
+Metern erreicht. Der &bdquo;Albatros&ldquo; war ihm bei seiner
+aufsteigenden Bewegung nachgefolgt. Er t&auml;nzelte jetzt gleichsam um
+seine Seiten und umkreiste ihn in stetig vermindertem Umfange. Mit einem
+Sprung konnte er ihn vernichten, indem er seine d&uuml;nne H&uuml;lle
+zerri&szlig;. Onkel Prudent und dessen Begleiter w&auml;ren durch einen
+furchtbaren Absturz rein zerschmettert worden.
+
+</P><P>
+
+Die vor Schreck verstummten und nach Athem ringenden Zuschauer waren von
+jener Art Entsetzen gepackt, das die Brust einschn&uuml;rt und die
+F&uuml;&szlig;e l&auml;hmt, wenn man Einen aus gro&szlig;er H&ouml;he
+herabst&uuml;rzen sieht. Jetzt drohte ein Luftkampf, ein Kampf, der nicht
+einmal die geringen Aussichten f&uuml;r Rettung wie ein Wasserkampf
+darbot &mdash; der erste dieser Art, aber gewi&szlig; nicht der letzte,
+denn der Fortschritt geh&ouml;rt zu den ehernen Gesetzen dieser Welt. Und
+wenn der <TT>Go a head</TT> an seiner Seite das amerikanische
+Sternenbanner trug, so hatte der &bdquo;Albatros&ldquo; auch seine
+Flagge, das schwarze Fahnentuch mit der goldenen Sonne Robur des Siegers,
+entfaltet.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> wollte aus dem Bereiche seines Gegners zu kommen
+suchen, indem er sich noch weiter erhob. Er warf den als Reserve
+mitgef&uuml;hrten Ballast aus. Noch einmal machte er einen Satz von
+tausend Metern und erschien jetzt nur noch als ein Punkt im Luftraum. Der
+&bdquo;Albatros&ldquo;, der ihm mit der gr&ouml;&szlig;ten
+Drehgeschwindigkeit seiner Schrauben nacheilte, war schon v&ouml;llig
+unsichtbar geworden.
+
+</P><P>
+
+Pl&ouml;tzlich erhob sich von der Erde ein Schreckensschrei.
+
+</P><P>
+
+Der <TT>Go a head</TT> nahm sichtlich an Gr&ouml;&szlig;e wieder zu,
+w&auml;hrend auch der sich mit ihm senkende Aeronef auf's Neue erschien.
+Jetzt war der Sturz da! Das in der furchtbaren H&ouml;he zu stark
+ausgedehnte Gas hatte die H&uuml;lle des Ballons gesprengt, und nur noch
+halb aufgeblasen fiel dieser rasch herunter.
+
+</P><P>
+
+Der Aeronef dagegen, der nur die Bewegung seiner Auftriebsschrauben
+gem&auml;&szlig;igt hatte, sank mit abgemessener Geschwindigkeit herab.
+Er fuhr an den <TT>Go a head</TT> heran, als dieser nur noch
+zw&ouml;lfhundert Meter von der Erde entfernt war, und n&auml;herte sich
+ihm Bord an Bord.
+
+</P><P>
+
+Wollte Robur ihm den Gnadensto&szlig; geben? &mdash; Nein, er wollte
+helfen, wollte die Insassen retten!
+
+</P><P>
+
+Seine Man&ouml;vrirgeschicklichkeit war eine so erstaunliche, da&szlig;
+der Aeronaut und sein Genosse auf das Verdeck des Aeronefs gelangen
+konnten.
+
+</P><P>
+
+Sollten Onkel Prudent und Phil Evans etwa die Unterst&uuml;tzung Robur's
+ablehnen, es verweigern, sich von ihm retten zu lassen? Sie w&auml;ren es
+wahrlich im Stande gewesen! Die Leute des Ingenieurs bem&auml;chtigten
+sich jedoch derselben und schafften sie mit Gewalt vom <TT>Go a head</TT>
+nach dem &bdquo;Albatros&ldquo;.
+
+</P><P>
+
+Da machte sich der Aeronef von jenem klar und blieb an derselben Stelle,
+w&auml;hrend der jetzt v&ouml;llig gasleere Ballon auf die B&auml;ume
+neben der Lichtung niederfiel, wo er gleich einem riesigen Fetzen
+h&auml;ngen blieb.
+
+</P><P>
+
+Unten herrschte das Schweigen des Todes; es schien wirklich, als wenn
+alles Leben aus den Herzen der Menge entflohen w&auml;re. Sehr Viele
+hatten gleich die Augen geschlossen, um das Ende der Katastrophe nicht
+mit anzusehen.
+
+</P><P>
+
+Onkel Prudent und Phil Evans waren also wiederum die Gefangenen des
+Ingenieurs Robur geworden. Sollte er, nun er sie wieder erlangt, mit
+ihnen noch einmal in's Luftmeer hinausfliegen, wohin ihm Keiner folgen
+konnte?
+
+</P><P>
+
+Das war vielleicht zu vermuthen.
+
+</P><P>
+
+Indessen senkte sich der &bdquo;Albatros&ldquo;, statt h&ouml;her zu
+steigen, langsam zur Erde nieder. Man glaubte, er wolle bis auf's Land
+gehen, und die Menge dr&auml;ngte sich, um ihm Platz zu machen,
+auseinander.
+
+</P><P>
+
+Die Erregung der Leute hatte jetzt den h&ouml;chsten Grad erreicht.
+
+</P><P>
+
+Zwei Meter &uuml;ber der Erde hielt der &bdquo;Albatros&ldquo; an, und
+unter tiefstem Stillschweigen lie&szlig; sich die Stimme des Ingenieurs
+vernehmen:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;B&uuml;rger der Vereinigten Staaten, sagte er, der Vorsitzende und
+der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts sind wiederum in meiner
+Gewalt. Hielte ich sie zur&uuml;ck, so w&uuml;rde ich nur von meinem
+Rechte der Wiedervergeltung Gebrauch machen. Bei der in ihrer Seele durch
+die Erfolge des &bdquo;Albatros&ldquo; entfachten Leidenschaft aber sehe
+ich ein, da&szlig; ihr geistiger Zustand doch nicht derart ist, um die
+Umw&auml;lzungen, welche die Beherrschung des Luftmeeres einst nach sich
+ziehen mu&szlig;, vollst&auml;ndig zu begreifen. Onkel Prudent und Phil
+Evans, Sie sind frei!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Der Vorsitzende, der Schriftf&uuml;hrer des Weldon-Instituts, der
+Aeronaut und sein Gehilfe hatten nur einen Sprung zu thun, um auf die
+Erde zu gelangen.
+
+</P><P>
+
+Der &bdquo;Albatros&ldquo; erhob sich dann sofort um etwa zehn Meter
+&uuml;ber die Menge und Robur fuhr fort:
+
+</P><P>
+
+&bdquo;B&uuml;rger der Vereinigten Staaten, mein Versuch ist
+gl&uuml;cklich durchgef&uuml;hrt, doch meine Ansicht geht dahin, nichts
+zu &uuml;bereilen, auch nicht einmal den Fortschritt. Die Wissenschaft
+darf den Landessitten und Gewohnheiten nicht zu sehr vorauseilen. Die
+Menschheit soll nur schrittweise, nicht durch gewaltsame
+Um&auml;nderungen vorw&auml;rts kommen. Ich selbst w&uuml;rde heute noch
+zu zeitig auftreten, um alle widerstrebenden und getheilten Interessen zu
+vereinigen. Die Nationen sind zum wirklichen Bunde noch nicht reif.
+
+</P><P>
+
+&bdquo;Ich ziehe also weiter und nehme mein Geheimni&szlig; mit mir.
+F&uuml;r die Menschheit wird es deshalb nicht verloren sein, sondern ihr
+dereinst geh&ouml;ren, wenn sie unterrichtet genug sein wird, daraus
+Vortheil zu ziehen, und weise genug, um es nicht zu mi&szlig;brauchen.
+Heil Euch, B&uuml;rger der Vereinigten Staaten, Heil Euch, jetzt und
+immerdar!&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Die Luft mit seinen vierundsiebenzig Schrauben peitschend und von den
+beiden mit gr&ouml;&szlig;ter Kraft arbeitenden Propellern davongetragen,
+verschwand der &bdquo;Albatros&ldquo; im Osten inmitten eines Sturmes von
+Hurrahs, die jetzt der allgemeinen Bewunderung Ausdruck gaben.
+
+</P><P>
+
+Die beiden, jetzt wie das ganze Weldon-Institut tief gedem&uuml;thigten
+Collegen thaten das Einzige, was sie thun konnten &mdash; sie schlichen
+nach ihren Behausungen zur&uuml;ck, w&auml;hrend die Menge infolge einer
+pl&ouml;tzlichen Sinnes&auml;nderung nicht &uuml;bel Lust zeigte, sie mit
+jetzt ganz angebrachtem bei&szlig;enden Spotte zu begr&uuml;&szlig;en.
+</P>
+
+
+<HR>
+<P>
+
+Nun bleibt noch immer die Frage bestehen: &bdquo;Wer ist jener Robur?
+Wird man das jemals erfahren?&ldquo;
+
+</P><P>
+
+Man wei&szlig; es schon heute. Robur ist das Wissen und K&ouml;nnen der
+Zukunft, vielleicht schon des n&auml;chsten Tages &mdash; er ist der
+sichere Schatz im Schoo&szlig;e kommender Zeiten.
+
+</P><P>
+
+Da&szlig; der &bdquo;Albatros&ldquo; noch immer durch die
+Erdatmosph&auml;re hinschwebe, inmitten seines Reiches, das ihm Niemand
+streitig machen kann, ist nicht zu bezweifeln; auch Robur der Sieger wird
+seinem Versprechen gem&auml;&szlig; eines Tages wiederkehren und das
+Geheimni&szlig; einer Erfindung offenbaren, welche die socialen und
+politischen Verh&auml;ltnis der Erde g&auml;nzlich umgestalten
+d&uuml;rfte.
+
+</P><P>
+
+Was die Zukunft der Luftschifffahrt angeht, so geh&ouml;rt diese den
+Aeronefs, nicht dem Aerostaten.
+
+</P><P>
+
+Den &bdquo;Albatrossen&ldquo; ist es noch vorbehalten, sich das
+Reich der Luft endgiltig zu erobern.
+</P>
+
+
+<HR>
+
+
+<H4>Fu&szlig;noten</H4>
+
+
+<DL>
+<DT><A NAME="foot1" ID="foot1"></A><A HREF="#footmark1">[1]</A></DT>
+<DD>Zu Deutsch: Die Kraft.
+</DD>
+<DT><A NAME="foot2" ID="foot2"></A><A HREF="#footmark2">[2]</A></DT>
+<DD>Wegen des Doppelsinnes des franz&ouml;sischen <TT>grandir</TT>,
+welches sowohl k&ouml;rperlich wachsen, als auch an Bedeutung und
+Ansehen zunehmen ausdr&uuml;ckt, nicht ganz wiederzugebendes Wortspiel.
+D.&nbsp;Ueb.
+</DD>
+<DT><A NAME="foot3" ID="foot3"></A><A HREF="#footmark3">[3]</A></DT>
+<DD>Der Name Helice in der Bedeutung Schraube gebraucht. D.Ueb.
+</DD>
+<DT><A NAME="foot4" ID="foot4"></A><A HREF="#footmark4">[4]</A></DT>
+<DD>Ruffs nennt man auf Seeschiffen die auf Deck stehenden kleinen
+Holzbauwerke, welche als Wohnung f&uuml;r die Mannschaft dienen.
+</DD>
+<DT><A NAME="foot5" ID="foot5"></A><A HREF="#footmark5">[5]</A></DT>
+<DD>Die Oberfl&auml;che des festen Landes betr&auml;gt 136,055.371
+Quadratkilometer.
+</DD>
+</DL>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Robur der Sieger, by Jules Verne
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ROBUR DER SIEGER ***
+
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+*** END: FULL LICENSE ***
+
+
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+</pre>
+
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+</HTML>