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+The Project Gutenberg eBook, Pater Filucius, by Wilhelm Busch
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Pater Filucius
+
+Author: Wilhelm Busch
+
+Release Date: December 13, 2004 [eBook #14340]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PATER FILUCIUS***
+
+
+E-text prepared by Inka Weide and the Project Gutenberg Online Distributed
+Proofreading Team
+
+
+
+Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this
+ file which includes the original illustrations.
+ See 14340-h.htm or 14340-h.zip:
+ (https://www.gutenberg.org/dirs/1/4/3/4/14340/14340-h/14340-h.htm)
+ or
+ (https://www.gutenberg.org/dirs/1/4/3/4/14340/14340-h.zip)
+
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+
+
+PATER FILUCIUS
+
+Allegorisches Zeitbild
+
+Mit den Beigaben
+
+«Von mir über mich», «Der Nöckergreis»
+
+und Portrait
+
+von
+
+WILHELM BUSCH
+
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+
+
+
+
+
+Von mir über mich[A]
+
+
+Kein Ding sieht so aus, wie es ist. Am wenigsten der Mensch, dieser
+lederne Sack voller Kniffe und Pfiffe. Und auch abgesehen von den
+Kapriolen und Masken der Eitelkeit. Immer, wenn man Was wissen will, muß
+man sich auf die zweifelhafte Dienerschaft des Kopfes und der Köpfe
+verlassen und erfährt nie recht, was passirt ist. Wer ist heutigen Tages
+noch so harmlos, daß er Weltgeschichten und Biographien für richtig
+hält? Sie gleichen den Sagen und Anekdoten, die Namen, Zeit und Ort
+benennen, um sich glaubhaft zu machen. Sind sie unterhaltlich erzählt,
+sind sie ermunternd und lehrreich, oder rührend und erbaulich, nun gut!
+so wollen wir's gelten lassen. Ist man aber nicht grad ein Professor der
+Beredsamkeit und sonst noch allerlei, was der heilige Augustinus
+gewesen, und will doch partout über sich selbst was schreiben, dann wird
+man wohl am Besten thun, man faßt sich kurz. Und so auch ich.
+
+[Fußnote A: Diese Selbstbiographie liegt uns in zwei Fassungen von des
+Verfassers Hand vor. Die erste (von 1893) fügten wir der
+Jubiläums-Ausgabe der frommen Helene, die zweite (von 1894) der ersten
+billigen Ausgabe des Pater Filucius bei. In der vorliegenden neuen
+Auflage glaubten wir, der Fassung von 1894 einige Abschnitte der
+früheren einverleiben zu sollen, weil sie uns charakteristisch und
+wichtig erschienen. Die Verlagsbuchhandlung.]
+
+Ich bin geboren im April 1832 zu Wiedensahl als der Erste von Sieben.
+
+Mein Vater war Krämer; heiter und arbeitsfroh; meine Mutter, still und
+fromm, schaffte fleissig in Haus und Garten. Liebe und Strenge sowohl,
+die mir von ihnen zu Theil geworden, hat der "Schlafittig" der Zeit aus
+meiner dankbaren Erinnerung nicht zu verwischen vermocht.
+
+Was weiss ich denn noch aus meinem dritten Jahr? Knecht Heinrich macht
+schöne Flöten für mich und spielt selber auf der Maultrommel, und im
+Garten ist das Gras fast so hoch wie ich, und die Erbsen sind noch
+höher, und hinter dem strohgedeckten Hause, neben dem Brunnen, stand ein
+flacher Kübel mit Wasser, und ich sah mein Schwesterchen drin liegen,
+wie ein Bild unter Glas und Rahmen, und als die Mutter kam, war's kaum
+noch in's Leben zu bringen.
+
+Mein gutes Großmütterlein war zuerst wach in der Früh. Sie schlug Funken
+am P-förmigen Stahl, bis einer zündend in's "Usel" sprang, in die
+halbverkohlte Leinwand im Deckelkästchen des Feuerzeugs; und bald
+flackerte es lustig in der Küche auf dem offenen Heerde unter dem
+Dreifuß und dem kupfernen Kessel; und nicht lange, so hatte auch das
+Kanonenöfchen in der Stube ein rothglühendes Bäuchlein, worins bullerte.
+Als ich sieben, acht Jahr alt war, durft ich zuweilen mit aufstehn; und
+im Winter besonders kam es mir wonnig geheimnißvoll vor, so früh am Tag
+schon selbstbewußt in dieser Welt zu sein, wenn ringsumher noch alles
+still und tot und dunkel war. Dann saßen wir zwei, bis das Wasser
+kochte, im engen Lichtbezirk der pompejanisch geformten zinnernen Lampe.
+Sie spann. Ich las ein paar schöne Morgenlieder aus dem Gesangbuch vor.
+
+Später beim Kaffee nahmen Herrschaft, Knecht und Mägde, wie es guten
+Freunden geziemt, am nämlichen Tische Platz.
+
+Um diese Zeit passirte eine kleine Geschichte, die recht schmerzhaft und
+schimpflich für mich ablief. Beim Küster diente ein Kuhjunge, fünf,
+sechs Jahre älter als ich. Er hatte in einen rostigen Kirchenschlüssel,
+so groß wie dem Petrus seiner, ein Zündloch gefeilt, gehacktes
+Fensterblei hatte er auch schon genug; blos das Pulver fehlte ihm noch
+zu Blitz und Donner. Infolge seiner Beredsamkeit machte ich einen
+stillen Besuch bei einer gewissen steinernen Kruke, die auf dem Speicher
+stand. Nachmittags zogen wir mit den Kühen auf die einsame Waldwiese.
+Großartig war der Widerhall des Geschützes. Und so beiläufig ging auch
+ein altes Bäuerlein vorbei in der Richtung des Dorfes. Abends kehrte ich
+fröhlich heim und freute mich so recht auf das Nachtessen. Mein Vater
+empfing mich an der Thür und lud mich ein, ihm auf den Speicher zu
+folgen. Hier ergriff er mich beim linken Arm und trieb mich vermittels
+eines Rohrstockes im Kreise umher, immer um die Kruke herum, wo das
+Pulver drin war. Wie peinlich mir das war, ließ ich weithin
+verlautbaren. Und sonderbar! Ich bin weder Jäger noch Soldat geworden.
+
+Als ich neun Jahre alt war, sollte ich zu dem Bruder meiner Mutter nach
+Ebergötzen. Wie Kinder sind, halb froh halb wehmüthig, plätscherte ich
+am Abend vor der Abreise mit der Hand in der Regentonne, über die ein
+Strauch von weißen Rosen hing, und sang Christine! Christine! versimpelt
+für mich hin.
+
+Früh vor Tage wurde das dicke Pommerchen in die Scheerdeichsel des
+Leiterwagens gedrängt. Das Gepäck ist aufgeladen; als ein Hauptstück der
+wohlverwahrte Leib eines alten Zinkedings von Klavier, dessen lästig
+gespreiztes Beingestell in der Heimath blieb; ein ahnungsvolles Symbol
+meiner musikalischen Zukunft. Die Reisenden stiegen auf; Großmutter,
+Mutter, vier Kinder und ein Kindermädchen; Knecht Heinrich zuletzt. Fort
+rumpelt's durch den Schaumburger Wald. Ein Rudel Hirsche springt über
+den Weg; oben ziehen die Sterne; im Klavierkasten tunkt es.
+
+In Wirthshäusern einkehren thaten wir nicht; ein wenig seitwärts von der
+Straße wurde still gehalten; der Deckel der Ernährungskiepe wurde
+aufgethan und unter anderem ein ganzer geräucherter Schinken entblößt,
+der sich bald merklich verminderte. Nach mehrmaligem Uebernachten bei
+Verwandten, erreichten wir glücklich das Pfarrhaus zu Ebergötzen.
+
+Gleich am Tage nach der Ankunft schloß ich Freundschaft mit dem Sohne
+des Müllers. Wir gingen vors Dorf hinaus, um zu baden. Wir machten eine
+Mudde aus Erde und Wasser, die wir "Peter und Paul" benannten,
+überkleisterten uns damit von oben bis unten, legten uns in die Sonne,
+bis wir inkrustirt waren wie Pasteten, und spültens im Bach wieder ab.
+
+Auch der Wirth des Ortes, weil er ein Piano besaß, wurde bald mein guter
+Bekannter. Er war rauh wie Esau. Ununterbrochen kroch das schwarze Haar
+in die Kravatte und aus den Aermeln wieder heraus bis dicht an die
+Fingernägel. Beim Rasiren mußte er weinen, denn das Jahr 48, welches
+selbst den widerspänstigsten Bärten die Freiheit gab, war noch nicht
+erschienen. Er trug lederne Klapppantoffeln und eine gelbgrüne Joppe,
+die das hintere Mienenspiel der blaßblauen Hose nur selten zu bemänteln
+suchte. Seine Philosophie war der Optimismus mit rückwirkender Kraft; er
+sei zu gut für diese Welt, pflegte er gern und oft zu behaupten. Als er
+einst einem Jagdhunde muthwillig auf die Zehen trat und ich meinte, das
+stimme nicht recht mit seiner Behauptung, kriegt ich sofort eine
+Ohrfeige. Unsere Freundschaft auch. Doch die Erschütterung währte nicht
+lange. Er ist mir immer ein lieber und drolliger Mensch geblieben. Er
+war ein geschmackvoller Blumenzüchter, ein starker Schnupfer und
+kinderlos, obgleich er sich dreimal vermählt hat.
+
+Bei ihm fand ich einen dicken Notenband, der durchgeklimpert, und
+freireligiöse Schriften jener Zeit, die begierig verschlungen wurden.
+
+Der Lehrer der Dorfjugend, weil nicht der meinige, hatte keine Gewalt
+über mich--so lange er lebte. Aber er hing sich auf, fiel herunter,
+schnitt sich den Hals ab und wurde auf dem Kirchhofe dicht vor meinem
+Kammerfenster begraben. Und von nun an zwang er mich allnächtlich, auch
+in der heißesten Sommerzeit, ganz unter der Decke zu liegen. Bei Tag ein
+Freigeist, bei Nacht ein Geisterseher.
+
+Mein Freund aus der Mühle, der meine gelehrten Unterrichtsstunden
+theilte, theilte auch meine Studien in freier Natur. Dohnen und
+Sprenkeln wurden eifrig verfertigt, und der Schlupfwinkel keiner Forelle
+den ganzen Bach entlang, unter Steinen und Baumwurzeln blieb unbemerkt
+von uns.
+
+Zwischen all dem herum aber schwebte beständig das anmuthige Bildniss
+eines blondlockigen Kindes. Natürlich sehnte ich oft die bekannte
+Feuersbrunst herbei mit nachfolgendem Tode zu den Füßen der geretteten
+Geliebten. Meist jedoch war ich nicht so rücksichtslos gegen mich
+selbst, sondern begnügte mich mit dem Wunsch, daß ich zauberhaft fliegen
+und hupfen könnte, hoch in der Luft, von einem Baum zum andern, und daß
+sie es mit ansähe und wäre starr vor Bewunderung.
+
+Von meinem Onkel, der äußerst milde war, erhielt ich nur ein einzig Mal
+Hiebe, mit einem trockenen Georginenstängel, weil ich den Dorftroddel
+geneckt hatte. Dem war die Pfeife voll Kuhhaare gestopft und
+dienstbeflissen angezündet. Er rauchte sie aus, bis auf's letzte
+Härchen, mit dem Ausdruck der seligsten Zufriedenheit. Also der Erfolg
+war unerwünscht für mich in zwiefacher Hinsicht. Es macht nichts. Ein
+Troddel bleibt immer eine schmeichelhafte Erinnerung.
+
+Gern gedenk ich auch des kleinen alten Bettelvogts, welcher derzeit _dat
+baddelspeit_ trug, den kurzen Spiess, als Zeichen seines mächtigen
+Amtes. Zu warmer Sommerzeit hielt er sein Mittagschläfchen im Grase. Er
+konnte bemerkenswerth schnarchen. Zog er die Luft ein, so machte er den
+Mund weit auf und es ging: Krah! Stiess er sie aus, so machte er den
+Mund ganz spitz, und es ging: Püh! wie ein sanfter Flötenton. Einst
+fanden wir ihn tot unter dem berühmtesten Birnbaume des Dorfes; Speer im
+Arm; Mund offen; so daß man sah: Krah! war sein letzter Laut gewesen. Um
+ihn her lagen die goldigsten Sommerbirnen; aber für diesmal mochten wir
+keine.
+
+Etwa ums Jahr 45 bezogen wir die Pfarre zu Lüethorst.
+
+Unter meinem Fenster murmelte der Bach. Gegenüber stand ein Haus, eine
+Schaubühne des ehelichen Zwistes. Das Stück fing an hinter der Scene,
+spielte weiter auf dem Flur und schloß im Freien. Sie stand oben vor der
+Thür und schwang triumphirend den Reiserbesen; er stand unten im Bach
+und streckte die Zunge heraus; und so hatte er auch seinen Triumph.
+
+In den Stundenplan schlich sich nun auch die Metrik ein. Dichter,
+heimische und fremde, wurden gelesen. Zugleich fiel mir die "Kritik der
+reinen Vernunft" in die Hände, die wenn auch damals nur spärlich
+durchschaut, doch eine Neigung erweckte, in der Gehirnkammer Mäuse zu
+fangen, wo es nur gar zu viel Schlupflöcher giebt.
+
+Sechzehn Jahre alt, ausgerüstet mit einem Sonnett und einer ungefähren
+Kenntniß der vier Grundrechnungsarten, erhielt ich Einlaß zur
+polytechnischen Schule in Hannover.
+
+Hier ging mit meinem Aeußern eine stolze Veränderung vor. Ich kriegte
+die erste Uhr--alt, nach dem Kartoffelsystem--und den ersten
+Paletot--neu, so schön ihn der Dorfschneider zu bauen vermochte. Mit
+diesem Paletot, um ihn recht sehen zu lassen, stellt' ich mich gleich am
+ersten Morgen dicht vor den Schulofen. Eine brenzlichte Wolke und die
+freudige Theilnahme der Mitschüler ließen mich ahnen, was hinten vor
+sich ging. Der umfangreiche Schaden wurde kurirt nach der
+Schnirrmethode, beschämend zu sehn; und nur noch bei äußerster
+Witterungsnoth ließ sich das einst so prächtige Kleidungsstück auf
+offener Straße blicken.
+
+In der reinen Mathematik schwang ich mich bis zu "Eins mit Auszeichnung"
+empor, aber in der angewandten bewegte ich mich mit immer matterem
+Flügelschlage.
+
+Im Jahre 48 trug auch ich mein gewichtiges Kuhbein, welches nie scharf
+geladen werden durfte, und erkämpfte mir in der Wachstube die bislang
+noch nicht geschätzten Rechte des Rauchens und des Biertrinkens; zwei
+Märzerrungenschaften, deren erste muthig bewahrt, deren zweite durch die
+Reaktion des Alters jetzt merklich verkümmert ist.
+
+Ein Maler wies mir den Weg nach Düsseldorf. Ich kam, so viel ich weiss,
+grad zu einem jener Frühlingsfeste, für diesmal die Erstürmung einer
+Burg, die weithin berühmt waren. Ich war sehr begeistert davon und von
+dem Maiwein auch.
+
+Nachdem ich mich schlecht und recht durch den Antikensaal hindurch
+getüpfelt hatte, begab ich mich nach Antwerpen in die Malschule, wo man,
+so hieß es, die alte Muttersprache der Kunst noch immer erlernen könnte.
+
+In dieser kunstberühmten Stadt sah ich zum ersten Male die Werke alter
+Meister: Rubens, Brouwer, Teniers, Frans Hals. Ihre göttliche
+Leichtigkeit der Darstellung malerischer Einfälle, verbunden mit
+stofflich juwelenhaftem Reiz; diese Unbefangenheit eines guten
+Gewissens, welches nichts zu vertuschen braucht; diese Farbenmusik,
+worin man alle Stimmen klar durchhört, vom Grundbaß herauf, haben für
+immer meine Liebe und Bewunderung gewonnen.
+
+Ich wohnte am Eck der Käsbrücke bei einem Bartscheerer. Er hieß Jan,
+seine Frau hieß Mie. In gelinder Abendstunde saß ich mit ihnen vor der
+Hausthür; im grünen Schlafrock; die Thonpfeife im Munde; und die
+Nachbarn kamen auch herzu; die Töchter in schwarzlackirten Holzschuhen.
+Jan und Mie balbirten mich abwechselnd, verpflegten mich während einer
+Krankheit und schenkten mir beim Abschied in kalter Jahreszeit eine
+rothe warme Jacke und drei Orangen.
+
+Nach Antwerpen hielt ich mich in der Heimath auf.
+
+Was damals die Leute _ut oler welt_ erzählten, sucht ich mir fleissig zu
+merken, doch wusst ich leider zu wenig, um zu wissen, was
+wissenschaftlich bemerkenswerth war. Das Vorspuken eines demnächstigen
+Feuers hieß: _wabern_. Den Wirbelwind, der auf der Landstraße den Staub
+auftrichtert, nannte man: _warwind_; es sitzt eine Hexe drin. Uebrigens
+hörte ich, seit der "alte Fritz" das Hexen verboten hätte, müssten sich
+die Hexen sehr in acht nehmen mit ihrer Kunst.
+
+Von Märchen wußte das meiste ein alter, stiller, für gewöhnlich
+wortkarger Mann. Für Spukgeschichten dagegen von bösen Toten, die
+wiederkommen zum Verdrusse der Lebendigen, war der Schäfer Autorität.
+Wenn er abends erzählte, lag er quer über dem Bett, und wenn es ihm
+trocken und öd wurde im Mund, sprang er auf und ging vor den Tischkasten
+und biß ein neues Endchen Kautaback ab zur Erfrischung. Sein Frauchen
+sass daneben und spann.
+
+In den Spinnstuben sangen die Mädchen, was ihre Mütter und Großmütter
+gesungen. Während der Pause, abends um neun, wurde getanzt; auf der
+weiten Haustenne; unter der Stalllaterne; nach dem Liede:
+
+ maren will mi hawern meihn,
+ wer schall den wol binnen?
+ dat schall (meiers dortchen) don,
+ de will eck wol finnen.
+
+Von Wiedensahl aus besucht ich auf längere Zeit den Onkel in Lüethorst.
+Ein Liebhabertheater im benachbarten Städtchen zog mich in den
+angenehmen Kreis seiner Thätigkeit; aber mehr noch fesselte mich das
+wundersame Leben des Bienenvolkes und der damals wogende Kampf um die
+Partenogenesis, den mein Onkel als gewandter Schriftsteller und
+Beobachter entscheidend mit durchfocht. Der Wunsch und Plan, nach
+Brasilien auszuwandern, dem Eldorado der Imker, hat sich nicht
+verwirklichen sollen. Die Annahme, daß ich praktischer Bienenzüchter
+geworden sei, ist freundlicher Irrthum.
+
+Auch zog mich es unwiderstehlich abseits in das Reich der
+Naturwissenschaften. Ich las Darwin, ich las Schopenhauer damals mit
+Leidenschaft. Doch so Was läßt nach mit der Zeit. Ihre Schlüssel passen
+ja zu vielen Thüren in dem verwunschenen Schlosse dieser Welt; aber kein
+"hiesiger" Schlüssel, so scheints, und wärs der Asketenschlüssel, paßt
+jemals zur Ausgangsthür.
+
+Von Lüethorst ging ich nach München. Indeß in der damaligen akademischen
+Strömung kam mein flämisches Schifflein, das wohl auch schlecht
+gesteuert war, nicht recht zum Schwimmen.
+
+Um so angenehmer war es im Künstlerverein, wo man sang und trank und
+sich nebenbei karikirend zu necken pflegte. Auch ich war solchen
+persönlichen Späßen nicht abgeneigt. Man ist ein Mensch und erfrischt
+und erbaut sich gerne an den kleinen Verdrießlichkeiten und Dummheiten
+anderer Leute. Selbst über sich selber kann man lachen mitunter, und das
+ist ein Extrapläsir, denn dann kommt man sich sogar noch klüger und
+gedockener vor als man selbst.
+
+Lachen ist ein Ausdruck relativer Behaglichkeit. Der Franzl hinterm Ofen
+freut sich der Wärme um so mehr, wenn er sieht, wie sich draußen der
+Hansel in die röthlichen Hände pustet. Zum Gebrauch in der
+Oeffentlichkeit habe ich jedoch nur Phantasiehanseln genommen. Man kann
+sie auch besser herrichten nach Bedarf und sie eher sagen und thun
+lassen, was man will. Gut schien mir oft der Trochäus für biederes
+Reden; stets praktisch der Holzschnittstrich für stilvoll heitere
+Gestalten. So ein Contourwesen macht sich leicht frei von dem Gesetze
+der Schwere und kann, besonders wenn es nicht schön ist, viel aushalten,
+eh es uns weh thut. Man sieht die Sache an und schwebt derweil in
+behaglichem Selbstgefühl über den Leiden der Welt, ja über dem Künstler,
+der gar so naiv ist.
+
+Auch das Gebirg, das noch nie gesehene, wurde für längere Zeit
+aufgesucht. An einem Spätnachmittag kam ich zu Fuß vor dem Dörfchen an,
+wo ich zu bleiben gedachte. Gleich das erste Häuschen mit dem
+Plätscherbrunnen und dem Zaun von Kürbis durchflochten sah verlockend
+idyllisch aus. Feldstuhl und Skizzenbuch wurden aufgeklappt. Auf der
+Schwelle saß ein steinaltes Mütterlein und schlief, das Kätzchen
+daneben. Plötzlich, aus dem Hintergrunde des Hauses, kam eine jüngere
+Frau, faßte die Alte bei den Haaren und schleifte sie auf den
+Kehrichthaufen. Dabei quäkte die Alte wie ein Huhn, das geschlachtet
+werden soll. Feldstuhl und Skizzenbuch wurden zugeklappt. Mit diesem
+Rippenstoße führte mich das neckische Schicksal zu den trefflichen
+Bauersleuten und in die herrliche Gegend, von denen ich nur ungern
+wieder Abschied nahm.
+
+Es kann 59 gewesen sein, als zuerst in den "Fliegenden" eine Zeichnung
+mit Text von mir gedruckt wurde; zwei Männer, die aufs Eis gehen, wobei
+einer den Kopf verliert. Vielfach, wie's die Noth gebot, illustrirte ich
+dann neben eigenen auch fremde Texte. Bald aber meint ich, ich müßte
+alles halt selber machen. Die Situationen geriethen in Fluß und
+gruppirten sich zu kleinen Bildergeschichten, denen größere gefolgt
+sind. Fast alle habe ich, ohne Wem was zu sagen, in Wiedensahl
+verfertigt. Dann hab ich sie laufen lassen auf den Markt, und da sind
+sie herumgesprungen, wie Buben thun, ohne viel Rücksicht zu nehmen auf
+gar zu empfindliche Hühneraugen, wohingegen man aber auch wohl annehmen
+darf, daß sie nicht gar zu empfindlich sind, wenn sie mal Schelte
+kriegen.
+
+Man hat den Autor für einen Bücherwurm und Absonderling gehalten. Das
+erste mit Unrecht.
+
+Zwar liest er unter anderm die Bibel, die großen Dramatiker, die
+Bekenntnisse des Augustin, den Pickwick und Donquixote und hält die
+Odyssee für das schönste der Märchenbücher, aber ein Bücherwurm ist doch
+ein Thierchen mit ganz anderen Manierchen.
+
+Ein Sonderling dürft er schon eher sein. Für die Gesellschaft, außer der
+unter vier bis sechs Augen, schwärmt er nicht sehr.
+
+Groß war auch seine Nachlässigkeit, oder Schüchternheit im schriftlichen
+Verkehr mit Fremden. Der gewandte Stilist, der seine Korrespondenten mit
+einem zierlichen Strohgeflechte beschenkt, macht sich umgehend beliebt,
+während der Unbeholfene, der seine Halme aneinander knotet, wie der
+Bauer, wenn er Seile bindet, mit Recht befürchten muß, daß er Anstoß
+erregt. Er zögert und vergißt.
+
+Verheirathet ist er auch nicht. Er denkt gelegentlich eine Steuer zu
+beantragen auf alle Ehemänner, die nicht nachweisen können, daß sie sich
+lediglich im Hinblick auf das Wohl des Vaterlandes vermählt haben. Wer
+eine hübsche und gescheite Frau hat, die ihre Dienstboten gut behandelt,
+zahlt das Doppelte. Den Ertrag kriegen die alten Junggesellen, damit sie
+doch auch eine Freud haben.
+
+Ich komme zum Schluß. Das Porträt, um rund zu erscheinen, hätte mehr
+Reflexe gebraucht. Doch manche vorzügliche Menschen, die ich liebe und
+verehre, für Selbstbeleuchtungszwecke zu verwenden, wollte mir nicht
+passend erscheinen, und in Bezug auf andere, die mir weniger sympathisch
+gewesen, halte ich ohnehin schon längst ein mildes, gemüthliches
+Schweigen für gut.
+
+So stehe ich denn tief unten an der Schattenseite des Berges. Aber ich
+bin nicht grämlich geworden, sondern wohlgemuth, halb schmunzelnd, halb
+gerührt, höre ich das fröhliche Lachen von anderseits her, wo die Jugend
+im Sonnenschein nachrückt und hoffnungsfreudig nach oben strebt.
+
+Wilhelm Busch
+
+Mit Benutzung meines "Was mich betrifft" in der Frankf. Ztg. vom 10.
+Oktober 86. Morgenblatt.
+
+
+
+
+Der Nöckergreis
+
+
+ Ich ging zum Wein und ließ mich nieder
+ Am langen Stammtisch der Nöckerbrüder.
+ Da bin ich bei Einem zu sitzen gekommen,
+ Der hatte bereits das Wort genommen.
+
+ * * * * *
+
+ Kurzum--so sprach er--ich sage bloß,
+ Wenn man den alten Erdenkloß,
+ Der, täglich theilweis aufgewärmt,
+ Langweilig präcis um die Sonne schwärmt,
+ Genau besieht und wohl betrachtet,
+ Und was darauf passirt, beachtet,
+ So findet man, und zwar mit Recht,
+ Daß nichts so ist, wie man wohl möcht.
+
+ Da ist zuerst die Hauptgeschicht:
+ Ein Bauer traut dem Andern nicht.
+ Ein Jeder sucht sich einen Knittel,
+ Ein Jeder polstert seinen Kittel,
+ Um bei dem nächsten Tanzvergnügen
+ Gewappnet zu sein und obzusiegen,
+ Anstatt bei Geigen- und Flötenton,
+ Ein Jeder mit seiner geliebten Person,
+ Fein sittsam im Kreise herumzuschweben.
+ Aber nein! Es muß halt Keile geben.
+
+ Und außerdem und anderweitig
+ Liebt man sich etwa gegenseitig?
+ Warum ist Niemand weit und breit
+ Im vollen Besitz der Behaglichkeit?
+ Das kommt davon, es ist hienieden
+ Zu Vieles viel zu viel verschieden.
+ Der Eine fährt Mist, der Andre spazieren;
+ Das kann ja zu nichts Gutem führen,
+ Das führt, wie man sich sagen muß,
+ Vielmehr zu mehr und mehr Verdruß.
+
+ Und selbst, wer es auch redlich meint,
+ Erwirbt sich selten einen Freund.
+ Wer liebt, zum Beispiel, auf dieser Erde,
+ Ich will mal sagen, die Steuerbehörde?
+ Sagt sie, besteuern wir das Bier,
+ So macht's den Christen kein Pläsir.
+ Erwägt sie dagegen die Steuerkraft
+ Der Börse, so trauert die Judenschaft.
+ Und alle beide, so Jud wie Christ,
+ Sind grämlich, daß die Welt so ist.
+
+ Es war mal 'ne alte runde Madam,
+ Deren Zustand wurde verwundersam.
+ Bald saß sie grad, bald lag sie krumm,
+ Heut war sie lustig und morgen frumm;
+ Oft aß sie langsam, oft aber so flink,
+ Wie Heinzmann, eh er zum Galgen ging.
+ Oft hat sie sogar ein Bissel tief
+ In's Gläschen geschaut, und dann ging's schief.
+ Sodann zerschlug sie mit großem Geklirr
+ Glassachen und alles Porzellangeschirr.
+ Da sah denn Jeder mit Schrecken ein,
+ Es muß wo Was nicht in Ordnung sein.
+
+ Und als sich versammelt die Herren Doctoren,
+ Da kratzten dieselben sich hinter den Ohren.
+
+ Der Erste sprach: Ich befürchte sehr,
+ Es fehlt der innere Durchgangsverkehr;
+ Die Gnädige hat sich übernommen;
+ Man muß ihr purgänzlich zu Hilfe kommen.
+ Der Zweite sprach: O nein, mit nichten!
+ Es handelt sich hier um Nervengeschichten.
+ Das ist's--sprach der Dritte--was ich auch ahne;
+ Man liest zu viele schlechte Romane.
+ Oder--sprach der Vierte--sagen wir lieber,
+ Man hat das Schulden- und Wechselfieber.
+ Ja--meinte der Fünfte--das ist es eben;
+ Das kommt vom vielen Lieben und Leben.
+ Oh weh!--rief der Sechste--der Fall ist curios;
+ Am End ist die oberste Schraube los.
+ Hah!--schrie der Letzte--das alte Weib
+ Hat unbedingt den Teufel im Leib;
+ Man hole sogleich den Pater her,
+ Sonst kriegen wir noch Malör mit Der.
+
+ Der Pater kam mit eiligen Schritten;
+ Er thät den Teufel nicht lange bitten;
+ Er spricht zu ihm ein kräftiges Wort:
+ Raus raus und hebe dich fort,
+ Du Lügengeist,
+ Der frech und dreist
+ Sich hier in diesen Leib gewagt!
+ "I mag net!" hat der Teufel gesagt.
+ Hierauf--
+
+ Doch lassen wir die Späß,
+ Denn so was ist nicht sachgemäß.
+ Ich sage bloß, die Welt ist böse.
+ Was soll, zum Beispiel, das Getöse,
+ Was jetzt so manche Menschen machen
+ Mit Knallbonbons und solchen Sachen?
+ Man wird ja schließlich ganz vertattert,
+ Wenn's immer überall so knattert.
+ Das sollte man wirklich solchen Leuten
+ Mal ernstlich verbieten und zwar bei Zeiten,
+ Sonst sprengen uns diese Schwerenöther
+ Noch kurz und klein bis hoch in den Aether,
+ Und so als Pulver herum zu fliegen,
+ Das ist grad auch kein Sonntagsvergnügen.
+ Wie oft schon sagt ich: Man hüte sich.
+ Was hilft's? Man hört ja nicht auf mich.
+ Ein jeder Narr thut, was er will.
+ Na, meinetwegen! Ich schweige still!
+
+ * * * * *
+
+ So räsonirte der Nöckergreis.
+ Uns aber macht er so leicht nichts weiß;
+ Und ging's auch drüber oder drunter,
+ Wir bleiben unverzagt und munter.
+ Es ist ja richtig: Heut pfeift der Spatz
+ Und morgen vielleicht schon holt ihn die Katz;
+ Der Floh, der abends krabbelt und prickt,
+ Wird morgens, wenn's möglich, schon totgeknickt;
+ Und dennoch lebt und webt das Alles
+ Recht gern auf der Kruste des Erdenballes.
+
+ Froh hupft der Floh.
+ Vermuthlich bleibt es noch lange so.
+
+_Wiedensahl_, Januar 1893.
+
+
+
+
+Pater Filucius
+
+
+Schlüssel zu Pater Filucius
+
+Man versteht diese allegorische Darstellung der kirchlichen Bewegung,
+welche sich im Anfang der 70er Jahre abspielte, wenn man für Gottlieb
+Michael den deutschen Michel, für Tante Petrine die römische, Pauline
+die evangelische Kirche setzt; die Base Angelika ist dann die freie
+Staatskirche der Zukunft. Der Jesuit Filucius führt den Hund Schrupp,
+die demokratische Presse, ein und sucht mit seinen Helfershelfern, der
+Internationalen und den Franzosen, den Haushalt zu stören; dagegen ruft
+Michel Hiebel den Wehr-, Fibel den Lehr- und Bullerstiebel den Nährstand
+zu Hilfe, mit deren Unterstützung er auch die ganze unsaubere
+Wirthschaft zum Fenster hinauswirft.
+
+
+ Höchst erfreulich und belehrend
+ Ist es doch für Jedermann,
+ Wenn er allerlei Geschichten
+ Lesen oder hören kann.
+
+ So zum Beispiel die Geschichte
+ Von dem Gottlieb Michael,
+
+ [Illustration]
+
+ Der bis dato sich beholfen
+ So la la als Junggesell.
+
+ Zwo bejahrte fromme Tanten
+ Lenken seinen Hausbestand
+
+ [Illustration]
+
+ Und Petrine und Pauline
+ Werden diese zwo benannt.
+
+ [Illustration]
+
+ Außerdem, muß ich bemerken,
+ Ist noch eine Base da,
+ Hübsch gestaltet, kluggelehrig,
+ Nämlich die Angelika.
+
+ Wo viel zarte Hände walten--
+ Na, das ist so, wie es ist!
+
+ [Illustration]
+
+ Kellerschlüssel, Bodenschlüssel
+ Führen leicht zu Zank und Zwist.
+
+ Ebenso in Kochgeschichten
+ Einigt man sich öfters schwer.
+ Gottlieb könnte lange warten,
+ Wenn Angelika nicht wär.
+
+ [Illustration]
+
+ Sie besorgt die Abendsuppe
+ Still und sorgsam und geschwind;
+
+ [Illustration]
+
+ Gottlieb zwickt sie in die Backe:
+ "Danke sehr, mein gutes Kind!"
+
+ [Illustration]
+
+ Grimmig schauen itzt die Tanten
+ Dieses liebe Mädchen an:
+ "Ei was muß man da bemerken?
+ Das thut ja wie Frau und Mann!"
+
+ Dennoch und trotz allediesem
+ Geht die Wirthschaft doch so so.--
+ Aber aber, aber aber
+
+ [Illustration]
+
+ Jetzt kommt der Filuzio.
+
+ Nämlich dieser Jesuiter
+ Merkt schon längst mit Geldbegier
+ Auf den Gottlieb, sein Vermögen,
+ Denkend: "Ach wo krieg ich Dir?"
+
+ Allererst pürscht er sich leise
+ Hinter die Angelika,
+
+ [Illustration]
+
+ Die er Aepfelmus bereitend
+ An dem Herde stehen sah.
+
+ Und er spricht mit Vaterstimme:
+ "Meine Tochter, Gott zum Gruß!"
+
+ [Illustration]
+
+ Schlapp! da hat er im Gesichte
+ Einen Schleef von Appelmus.
+
+ Dieses plötzliche Ereigniß
+ Thut ihm in der Seele leid.--
+
+ [Illustration]
+
+ Ach man will auch hier schon wieder
+ Nicht so wie die Geistlichkeit!!
+
+ Doch die gute Tante Trine
+ Sehnt sich ja so lange schon
+ Nach dem Troste einer frommen
+ Klerikalen Mannsperson.--
+
+ Da ist eher was zu machen.--
+
+ [Illustration]
+
+ Luzi macht sich lieb und werth,
+ Weil er ihr als Angebinde
+
+ [Illustration]
+
+ Schrupp, den kleinen Hund, bescheert.
+
+ Schrupp ist wirklich auch possirlich.
+ Er gehorchet auf das Wort,
+ Holt herbei, was ihm befohlen,
+
+ [Illustration]
+
+ Wenn es heißet: "Schrupp, apport!"
+
+ Heißt es: "Liebes Schrupperl, singe!"
+
+ [Illustration]
+
+ Fängt er schön zu singen an;
+
+ [Illustration]
+
+ Spielt man etwas auf der Flöte,
+ Hupft er, was er hupfen kann.
+
+ Wenn es heißet: "Wo ist's Ketzerl?"
+ Wird er wie ein Borstenthier;
+
+ [Illustration]
+
+ Und vor seinem Knurren eilet
+ Tante Line aus der Thür.
+
+ Spricht man aber diese Worte:
+ "Schrupp, was thun die schönen Herrn?"
+
+ [Illustration]
+
+ Gleich küßt er die Tante Trine,
+ Und sie lacht und hat es gern.
+
+ [Illustration]
+
+ Eines nur erzeugt Bedenken.
+ Schrupp entwickelt letzterzeit
+
+ [Illustration]
+
+ Mit dem Hinterfuße eine
+ Merkliche Geschäftigkeit.
+
+ Mancher hat in diesen Dingen
+ Eine glückliche Natur.
+ Tante Trine, zum Exempel,
+ Fühlt von allem keine Spur.
+
+ Wohingegen Tante Line
+
+ [Illustration]
+
+ Keine rechte Ruh genießt,
+
+ [Illustration]
+
+ Wenn sie Abends, wie gewöhnlich,
+
+ [Illustration]
+
+ In der Hauspostille liest.
+
+ Und auch Gottlieb muß verspüren,
+ Ganz besonders in der Nacht,
+
+ [Illustration]
+
+ Daß es hier
+
+ [Illustration]
+
+ und da
+
+ [Illustration]
+
+ und dorten
+ Immer kribbelkrabbel macht.
+
+ Prickeln ist zwar auch zuwider,
+ Doch zumeist die Jagderei;
+ Und mit Recht soll man bedenken,
+ Wie dies zu verhindern sei.
+
+ Mancher liebt das Exmittiren;
+
+ [Illustration]
+
+ Und die Sache geht ja auch.
+ Aber sicher und am besten--
+
+ [Illustration]
+
+ Knacks!--ist doch der alte Brauch.
+
+ Freilich ist hier gar kein Ende.
+ Man gelanget nicht zum Ziel.
+ Jeder ruft: "Wie ist es möglich?"
+ Bis man auf den Schrupp verfiel.
+
+ Zwar die Tante und Filuzi
+ Rufen beide tiefgekränkt:
+
+ [Illustration]
+
+ "Engelrein ist sein Gefieder!"
+ Aber Schrupp wird eingezwängt.
+
+ In ein Faß voll Tabakslauge
+
+ [Illustration]
+
+ Tunkt man ihn mit Haut und Haar,
+ Ob er gleich sich heftig sträubte
+
+ [Illustration]
+
+ Und durchaus dagegen war.
+
+ Drauf so wird in einem Stalle
+ Er mit Vorsicht internirt,
+
+ [Illustration]
+
+ Bis, was man zu tadeln findet,
+ So allmählig sich verliert.
+
+ Anderseits bemerkt man dieses
+ Unter großem Herzeleid.
+
+ [Illustration]
+
+ Ach, man will auch hier schon wieder
+ Nicht so wie die Geistlichkeit!!
+
+ Jetzt wär alles gut gewesen,
+ Wäre Schrupp kein Bösewicht.--
+ Er gewöhnt sich an das Kauen,
+ Und das läßt und läßt er nicht.
+
+ Hat er Gottlieb seine Stiefel
+
+ [Illustration]
+
+ Nicht zur Hälfte aufgezehrt?
+ Tante Linens Hauspostille,
+
+ [Illustration]
+
+ Hat er die nicht auch zerstört?
+
+ Zwar die Tante und Filuzi
+ Blicken mitleidsvoll empor:
+
+ [Illustration]
+
+ "Armes gutes Schruppuppupperl!
+ Immer haben sie was vor!!"
+ Ia, es ließe sich ertragen,
+ Thäte Schrupp nur dieses blos;
+
+ [Illustration]
+
+ Würde Schrupp nicht augenscheinlich
+ Scham- und ruch- und rücksichtslos.
+
+ Und so muß er denn empfinden,
+ Daß zuletzt die böse That
+
+ [Illustration]
+
+ Für den Uebelthäter selber
+ Unbequeme Folgen hat.
+
+ Anderseits bemerkt man dieses
+ Nur mit tiefem Herzeleid.
+ Ach man will auch hier schon wieder
+ Nicht so wie die Geistlichkeit!
+
+ Leichter schmiegt sich Seel an Seele
+ In der schmerzensreichen Stund,
+
+ [Illustration]
+
+ Und man schwört in der Bergère
+ Sich den ewgen Freundschaftsbund.
+
+ Aber wie sie da so sitzen,
+ Oeffnet plötzlich sich die Thür.
+
+ [Illustration]
+
+ Gottlieb ruft mit rauher Stimme:
+ "Ei, ei, ei! was macht man hier?"
+
+ Freilich hüllen sich die beiden
+ Schnell in fromme Lieder ein;
+
+ [Illustration]
+
+ Doch nur kurze Zeit erschallen
+ Diese schönen Melodein.
+
+ Ach, die weltlichen Gewalten!--
+ Durch des Armes Muskelkraft
+
+ [Illustration]
+
+ Wird der fromme Pater Luzi
+ Wirbelartig fortgeschafft.
+
+ Dieses plötzliche Ereigniß
+ Thut ihm in der Seele leid,
+
+ [Illustration]
+
+ Ach man will auch hier schon wieder
+ Nicht so wie die Geistlichkeit!!
+
+ Schlimm ist's Schrupp dabei ergangen,
+ Weil er sich hineingemengt;
+
+ [Illustration]
+
+ Mit dem Fuße unvermuthet
+ Fühlt er sich zurückgedrängt.
+
+ Pater Luzi aber schleichet
+ Heimlich lauschend um das Haus,
+
+ [Illustration]
+
+ Ein pechschwarzes Ei der Rache
+ Brütet seine Seele aus.
+
+ Gottlieb seine Abendsuppe
+ Stehet am gewohnten Ort.
+
+ [Illustration]
+
+ Husch! da steigt Wer durch das Fenster;
+ Husch! Jetzt ist er wieder fort.
+
+ Gottlieb, der im Nebenzimmer
+ Eben seine Hände wusch,
+ Sieht's zum Glück und daß der Thäter
+
+ [Illustration]
+
+ Lauschend sitzt im Fliederbusch.
+
+ Jetzt hebt Gottlieb, friedlich lächelnd,
+
+ [Illustration]
+
+ Von dem Tisch den Suppentopf.
+
+ [Illustration]
+
+ Bratsch!--die Brühe sammt der Schale
+ Kommt Filuzi auf den Kopf.
+
+ Diese eklige Geschichte
+ Thut ihm in der Seele leid.
+
+ [Illustration]
+
+ Ach, man will auch hier schon wieder
+ Nicht so wie die Geistlichkeit!
+
+ Schrupp, der nur ein wenig leckte,
+ Zieht es alle Glieder krumm,
+
+ [Illustration]
+
+ Denn ein namenloser Jammer
+ Wühlt in seinem Leib herum.
+
+ Pater Luzi, finster blickend,
+ Heimlich schleichend um das Haus,
+
+ [Illustration]
+
+ Wählt zu neuem Rachezwecke
+ Zwo verwegne Lumpen aus.--
+
+ Einer heißt der Inter-Nazi
+ Und der zweite Jean Lecaq,
+
+ [Illustration]
+
+ Alle beide wohl zu brauchen,
+ Denn es mangelt Geld im Sack.
+
+ Eben wandelt in der stillen
+ Abendkühle der Natur
+ Base Gelika im Garten--
+
+ [Illustration]
+
+ Horch! da tönt der Racheschwur!
+
+ Tieferschrocken, angstbeflügelt,
+ Eilet sie in's Haus geschwind.
+
+ [Illustration]
+
+ Gottlieb küßt sie auf die Backe:
+ "Danke sehr, mein gutes Kind!"
+
+ Schleunig sucht er seine Freunde,
+ Glücklich trifft er sie zu Haus.
+ Wächter Hiebel ist der erste,
+
+ [Illustration]
+
+ Freudig ruft er: "Sabel raus!"
+
+ Meister Fibel, als der zweite,
+ Vielerprobt im Amt der Lehr,
+ Greift in die bekannte Ecke
+
+ [Illustration]
+
+ Mit den Worten: "Knüppel her!"
+
+ [Illustration]
+
+ Bullerstiebel ist der Dritte.--
+ Kaum vernimmt er so und so,
+ Faßt er auch schon nach der Gabel
+ Mit dem Rufe: "Nu man to!"
+
+ [Illustration]
+
+ Nun hat Schrupp, dieweil er leidend,
+ Sich in Gottliebs Bett gelegt,
+
+ [Illustration]
+
+ Wie er, wenn man nicht zugegen,
+ Auch wohl sonst zu thuen pflegt.
+
+ Zwölfe dröhnt es auf dem Thurme.--
+ Leise macht man: Pistpistpist!
+
+ [Illustration]
+
+ Drei Gestalten huschen näher
+ An das Bett voll Hinterlist.
+
+ Weh, jetzt trifft der Dolch, der spitze,
+ Und der Knüppel, dick und rauh,
+
+ [Illustration]
+
+ Und die Taschenmitraljöse--
+ Aber Schrupp macht: "Auwauwau!"
+ In demselbigen Momente
+ Donnert es von hinten: "Drauf!!"
+
+ [Illustration]
+
+ Und ein blasser Todesschrecken
+ Hindert jeden Weiterlauf.
+
+ Pater Luzi ganz besonders
+ Macht sich ahnungsvoll bereit.
+
+ [Illustration]
+
+ Ach, man will auch hier schon wieder
+ Nicht so wie die Geistlichkeit!
+
+ [Illustration]
+
+ Hei! Wie Fibels Waffe sauset!
+
+ [Illustration]
+
+ Heißa! Wie der Sabel blitzt!--
+
+ Zwiefach ist der Stich der Gabel
+
+ [Illustration]
+
+ Weil er zwiefach zugespitzt,--
+
+ Motten fliegen, Haare sausen!
+
+ [Illustration]
+
+ Das giebt Leben in das Haus.
+
+ [Illustration]
+
+ Hulterpulter! Durch das Fenster
+ Springt man in die Nacht hinaus.
+
+ [Illustration]
+
+ Klacks! da stecken sie im Drecke.
+ Aengstlich zappelt noch der Fuß.--
+ Eine Stimme hört man klagen:
+ "Oh, Filu--Filucius!!"--
+
+ "Kinder, das hat gut gegangen!"
+ Rufet Gottlieb hocherfreut;
+ "Wein herbei! Denn zu vermelden
+ "Hab ich eine Neuigkeit.
+
+ "Länger will ich nicht mehr hausen
+ "Wie seither als Junggesell.
+
+ [Illustration]
+
+ "Hier Angelika, die gute,
+ "Werde Madam Michael."
+
+ Drauf ergreift das Wort Herr Fibel
+ Und er spricht: "Eiei! Sieh da!
+ Ich erlaube mir zu singen:
+
+ [Illustration]
+
+ Vivat hoch! Halleluja!"
+
+ [Illustration]
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK PATER FILUCIUS***
+
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+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit:
+https://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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