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Seemann in Leipzig +1919 + + + + + + +GRUSS AN DIE GROSSEN + + +Aus lichtem See, +ueber Sterne und Schnee, +rauschen die Schaeume, +lauschen die Traeume, +Himmel hinab, Himmel hinan, +ewige Bahn. + +Aus Kinderland, +ueber Acker und Sand, +wachsen die Gluten, +die boesen, die guten, +Himmel hinab, Himmel hinan, +ewige Bahn. + + + +GRUSS AN DIE KLEINEN + + +Ich moecht euch alle miteinander +auf bunten Wiesen sehn, +bei Klarinetten und Geigen +die Fuesschen im Tanze drehn. + +Ich moecht euch alle miteinander +mitnehmen im Fliegerkahn, +euch die schoene Erde zeigen, +und was fleissige Menschen getan. + +Ich moecht euch alle miteinander +still fuehren an der Hand, +euch heimliche Dinge sagen +von Gott und dem Sternenland. + + + + + +ERSTER TEIL + + + +WUNDERCHEN + + +Putzt die Fenster! fegt die Ecken! +Darf sich kein Staub, kein Kruemel verstecken, +muss alles so blank wie Ostertag sein, +denn das Wunderchen zieht ein. +Zieht ein--schon stimmen die Englein die Geigen; +alle Koenige werden sich neigen, +Hirten und Koenige mit dem Stern +haben Wunderchen gern. + Wer soll Wunderchens Taufpate sein? +Sieben grosse Meister laden wir ein; +sieben grosse Helden mit Kron und Schalmein +sollen Wunderchens Taufpaten sein. + Und wer ist schnell + sein Spielgesell? +Da kommen gesprungen +die reizenden jungen +Wachholderweibchen und Fliedermaennchen, +Taunixchen mit silbernen Wasserkaennchen. +Aus Vogelnestern und Weidenkaetzchen +gucken neugierige Schelmenmaetzchen: + Wir lachen fein, + wir singen fein, +wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein! + + + +GEHT LEISE + + +Geht leise-- +es ist mued von der Reise. +Es kommt weit her: +vom Himmel uebers Meer, +vom Meer den dunklen Weg ins Land, +bis es die kleine Wiege fand-- +Geht leise. + + + +WITTEWOLL SCHLAFEN + + +Auf der Leine, auf gruenem Platz +haengen sieben Hemdchen und ein Latz; +im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt, +liegt mit grossen Augen mein Kind-- +wittewoll schlafen? + +Henne macht sich ein Bett im Sand, +Fliege traeumt an der Mauerwand, +Schmetterling sitzt in der Mittagsruh, +schaukelt die Fluegel auf und zu-- +wittewoll schlafen? + +Suselesu, der Sonnenwind +blaest in die Augen dem mueden Kind; +es will noch blinzeln--Spinnchen haelt +den bunten Schleier vor die Welt-- +--wittewoll--schlafen-- -- + + + +FRUeHSTUeCK + + +So morgens um halb acht herum: +Rumpumpel macht das Maeulchen krumm. +Und keine fuenf Minuten drauf +wacht Rumpumpel auf. + +Hu! kommt der kalte Badeschwamm, +Rumpumpel haelt die Ohren stramm; +und schlaegt die Ticke-Tacke acht, +wird ihm die Milch gebracht. + +Die schmeckt Rumpumpeln aber fein; +er patscht mit beiden Faeustchen drein +und trinkt und trinkt, bis alles leer. +Rumpumpelchen, das freut mich sehr: +morgen gibt's gut Wetter! + + + +SEEREISE + + +Pitsch--patsch--Badefass, +Rumpumpel plantscht die Stube nass, +ist ein junger Wasserheld, +segelt durch die ganze Welt, +im Wipp--im Wapp--im Schaukelkahn +ueber den grossen Ozean. +Stehn drueben alle Wilden still +und schrein: Was bloss Rumpumpel will? +so splitternackt und pitschenass +in seinem kleinen Schaukelfass? +Schnell das Badelaken! + + + +SO LALA + + +Steht ein Toepfchen rund und nett +unterm Bett, +so lala, so lala. +Reicht mir mal das Kindel her, +das braucht jetzt keine Windel mehr, +so lala, so lala. + +Rolle, rolle, ratteratt, +rollt ein Wagen durch die Stadt; +sind zwei blanke Pferdchen davor, +hinten drauf ein schwarzer Mohr. + +Horch, er haelt vor unserm Haus; +steigen zwei feine Jungherren aus, +mit Federbarettchen +und goldenen Kettchen. +Schnell das Toepfchen unters Bettchen! + + + +MEIN WAGEN + + +Mein Wagen hat vier Raeder, +vier Raeder hat mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloss sagen. + +Mein Wagen hat 'ne Deichsel, +'ne Deichsel hat mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloss sagen. + +Mein Wagen hat ein Pferdchen, +ein Pferdchen hat mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloss sagen. + +Mein Wagen fahrt nach Potsdam, +nach Potsdam faehrt mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloss sagen. + +Und wer mit mir nach Potsdam will, +in meinem neuen Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +der braucht es bloss zu sagen. + + + +KUTSCHER AUF DEM KNIE + + +Wagen im Wind. +Wie sitzt mein Kind? +Wie geht mein Pferd? +Alles verkehrt. +Holdriutsch-- +oben die Raeder, unten die Kutsch! + +Wagen im Schnee. +Da guckt das Reh, +da schnuppert der Has +mit der wackligen Nas. +Holdriuff-- +da sitzt unser Kutscher wieder oben uff! + + + +EREIGNIS + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Hurra, zum ersten Mal: +Mutter, der Peter, +hurra, da steht er! +haelt sich am Roeckchen, +haelt sich am Stoeckchen, +grade wie 'n Licht, +fuerchtet sich nicht. + +Hurra, zum ersten Mal: +Mutter, der Peter, +hurra, da geht er! +guck, ganz alleinechen +setzt er die Beinechen! +Aua, Geschrei-- +bautz!--vorbei. + + + +HEILSPRUeCHEL + + +Kra, kra, kalter Schnee, +dem Raben tut sein Beinchen weh, +dem Haesechen sein Herzchen; +die boese Zeit, die kalte Zeit, +ein jedes hat sein Schmerzchen. + +Heile, Fingerchen, heile, +es dauert noch 'ne Weile, +es dauert noch bis Rosmarein, +dann ist lauter Sonnenschein. + + + +SCHLIMME GESCHICHTE + + +Im Stall unser Schaefchen--baeht, +im Hof unser Haehnchen kraeht, +und der Karo an der Kette +bellt mit Spitz um die Wette. +Auf'm Dach unser Kaetzchen--maut, +und im Ententeich die Froesche, alle Froesche quaken laut: +Kinder, denkt euch den Schreck, +unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg. + + + +AUSTREIBUNG + + +Das kann doch nicht Rumpumpel sein? +So kann Rumpumpel doch nicht schrein? +Seeloewen sind in unserm Haus; +schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus. +Ich 'n Stock, +Du 'n Stock, +alle beide einen Stock. +Ei der Daus, +wollt ihr raus, +wollt ihr in euer Seeloewenhaus! + + + +WENN RUMPUMPEL BRUMMIG IST + + +Die Henne legt ein Ei, +da ging der Mond entzwei; +die Haelfte fiel nach Nuckenstadt +und schlug zwei grosse Brummer platt. + +Zwei grosse Brummer, brumm, +summten hier herum, +um Rumpumpels Kopf, +um Rumpumpels Bauch +und um sein dickes Naeschen auch. + +Nun sind sie tot... Aber im Ei +pickt das Kueken die Schale entzwei, +kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz-- +--ist der Mond wieder ganz. + + + +DER PUDDING + + +Rumpumpel will essen, +nun fix gebraten: +ein Kaetzel, ein Spaetzel +und sieben Soldaten. + +Das gibt einen Pudding +so gross wie ein Haus. +Zuletzt leckt Rumpumpel +die Kuchenschuessel aus. + + + +ZWEI MAeULCHEN + + +Winkele, wankele, +vor der Tuer steht ein Bankele, +auf der Bank sitzt mein Kindele, +spielt mit mei'm Huendele, +winkele, wankele. + +Winkele, wankele, +ich hab ein Gedankele: +ein Aepfle fuers Kindele, +ein Knoechle fuers Huendele. +Dankele. + + + +MUeCKEBOLD + + +Mueckchen, Mueckchen, Duennebein, +Mueckchen, lass das Stechen sein, +Stechen tut ja weh! +Mueckchen, Mueckchen, weisst du was: +beiss doch in das gruene Gras, +beiss doch in den Klee! + + + +DAS SCHERCHEN + + +Schnipsel, schnipsel, Scherchen, +schneid mir ein Gewehrchen; +schiess ich mir ein Haeschen tot, +brat's dem Kind zum Mittagbrot. +Die Schnitzel fliegen zum Fenster hinaus +durch den Sonnenschein in des Gaertners Haus; +der hat seine Freude dran, +oder guckt sie gar nicht an, +oder streut sie in den Wind, +oder schenkt sie seinem Kind-- +schnipsel, schnipsel, Scherchen-- -- + + + +GESCHICHTCHEN VOM WINDE + + + Wer kommt dort angeflogen? + Das ist der Wind. + Der Wind ist ungezogen, + er blaest dem Kind + unters Roeckchen, + an die Soeckchen, + um die Ohren, an die Nase; + solch Geblase! + + Ganz zerfleddert und zerzaust + kommt Rumpumpel angesaust; + und hustet + und prustet, + das arme Troepfchen, + und steckt sein Koepfchen + in Mutters Schoss. + +Und weisst du, warum der Wind so getollt? +Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt. + + + +ANZIEHLIEDCHEN + + +Wer strampelt im Bettchen? +versteckt sich wie 'n Dieb? +Das ist der Rumpumpel, +den haben wir lieb. + +Was guckt da fuer 'n Naeschen? +Ein Buebchen sitzt dran. +Das ist der Rumpumpel, +den ziehn wir jetzt an. + +Erst wird er gewaschen, +vom Kopf bis zur Zeh; +er weint nicht, er greint nicht, +denn es tut ja nicht weh. + +Schnell her mit dem Hemdchen: +da schluepfen wir fein, +erst rechts und dann links, +in die Aermelchen 'rein. + +Fix an noch die Struempfchen, +fix an auch die Schuh; +kommts Haendchen, schnuerts Baendchen, +schon sind sie zu. + +Nun Leibchen und Hoeschen, +ein Roeckchen kommt auch; +sonst friert dem Rumpumpel +sein kleiner runder Bauch. + +Das Kaemmchen kaemmt sachte, +aber still muss man stehn; +zuletzt noch das Kleidchen, +der Tausend, wie Schoen! +Nun geht er und sagt: Guten Morgen. + + + +DAS LAeMMECHEN + + +In Wolfenbuettel wohnt ein Lamm, +das hat ganz schwarze Haare. +Meint ihr, es brauche einen Kamm? +I Gott bewahre! + +Aber mein Laemmechen +braucht ein Kaemmechen, +braucht ein Schwaemmechen, +laesst sich nix verdriessen; +setzt sein neues Kaeppechen auf, +will mal Koppkegel schiessen. + + + +DIE WILDEN BEINCHEN + + +Guten Morgen, ihr Beinchen! +Wie heisst ihr denn? +Ich heisse Hampel, +ich heisse Strampel; +und das ist Fuesschen Uebermut, +und das ist Fuesschen Tunichtgut. + +Uebermut und Tunichtgut +gehn auf die Reise, +platsch, durch alle Suempfe, +nass sind Schuh und Struempfe; +guckt die Rute um die Eck-- +laufen sie alle beide weg. + + + +DER LUMPICHTE BU + + +Ka Struempferl im Kasten, +ka Baenderl am Schuh, +ka Knoepferl am Wams-- +oh, der lumpichte Bu! + + + +TINTENHEINZ UND PLAeTSCHERLOTTCHEN + + +Heini, Heini, +ach, ist Heini dumm: +stippt mit allen Fingerchen +im Tintenfass herum. + +Heini, Heini, +kleiner dummer Mohr: +stippt sich alle Fingerchen, +klecks, ins Ohr. + +Und unten am Brunnen, +da steht ein Fass, +da macht sich unsre Lotte +pitschepatschenass. + +Und oben die Sonne +hat drueber gelacht +und hat unsre Lotte +wieder trocken gemacht. + + + +ES REGNET + + +Es regnet, es regnet +der Kuh auf den Schwanz; +es regnet, es regnet +der Braut in den Kranz. + +Es regnet, es regnet, +die Welt ist schon nass; +hol 's Toepfchen, +fang 's Troepfchen, +dann sag ich dir was: + +Waescht du die Nase, +bleibt sie fein grade. +Waescht du das Muendchen, +bist du 'n lieb Kindchen. +Waescht du aber die Augen schoen, +kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn. + + + +TROeSTERCHEN + + +Bluemchen haengt das Koepfchen, +der Tau ist ihm zu schwer; +kommt der durstige Morgenwind, +traegt die Tropfen ins Meer. + +Spaetzchen piepst und bettelt, +das Kroepfchen ist ihm leer; +Pferdchen hat die Krippe voll, +streut Koernerchen umher. + +Kindchen weint noch immer, +Boeckchen stoesst so sehr. +Schenkt ihm Mutter einen Kuss: +sieh mal, nun weint's nicht mehr. + + + +HAeSCHEN IN DER GRUBE + + +(mit Benutzung des Volkspiels) + + +Haeschen in der Grube +sass und schlief, +kam der heilge Kuckdiguck +und bracht ihm einen Brief. + +Haeschen, bist du muede +oder bist du krank? +Steck doch deine Laeufer raus, +ob du noch huepfen kannst. + +Und was stand geschrieben +in Kuckdiguckens Brief? +"Dem Kutscher, der nicht fahren kann, +geht der Wagen schief." + + + +HASENSPIEL + + +Hinter den Birken ueber den Rasen +huschen drei Hasen +an uns vorbei, +Springen ueber Busch und Dorn, +wollen ins junggruene Winterkorn, +hocken da, +locken sich da, +laufen kreuz, +laufen quer, +hin und her, +als gaeb's in der Welt keine Schrotflinte mehr. + +Warte, in der Weihnachtszeit +kommen die drei Hasen ins Haus geschneit. +Den groessten verschicken wir, +den zweitgroessten spicken wir, +der kleinste kommt ins Hundehaus +und steckt hinten sein Schwaenzchen raus. + + + +DREI BAeUMCHEN + + +Jung jung drei Baeumchen +wachsen im Wiesengras, +jung jung drei Baeumchen +sagen mir was. + +Das erste hat sich +so gequaelt, +hat alle seine siebentausend +Blaettchen gezaehlt. + +Das zweite traegt Pflaeumchen, +schlicker-schleckerfein; +haett es deine Zaehnchen, +es aesse sie allein. + +Das dritte, das dritte +schuettelt sich bloss: +fallen lauter Blueten +in meinen Schoss. + +Sag ich schoen Dank, +geh ich nach Haus, +mach ich Rumpumpeln +ein Kraenzchen draus. + + + +SCHABERNACK + + +Wenn ich in die Stube geh +und den Rumpumpel seh, +tanzen wir zwei +Ringeldireih, +lachen wir, +machen wir +Schabernack, +Huckepack, +Kaetzchen spielt den Dudelsack, +macht Rumpumpel Hottehueh +nach der alten Melodie: +Miau, miau, +dem Kater seine Frau, +dem Kater seine grisegrimme +gritzegraue Frau. + + + +AM ABEND + + +Still. +Was bloss das Kaetzchen will? +Es streicht um meinen Schoss herum, +das Schwaenzchen hoch, den Buckel krumm, +Still-- +und weisst du, was es will? + +Still. +Was bloss die Glucke will? +Sie lockt und lockt die kleine Brut +zum warmen Stall und deckt sie gut, +Still-- +und weisst du, was sie will? + +Still. +Was bloss Rumpumpel will? +Die Augen macht er schon ganz klein +und gaehnt und will genommen sein, +still-- +nun weisst du, was er will. + + + +GUTENACHTLIEDCHEN + + +Leise, Peterle, leise, +der Mond geht auf die Reise; +er hat sein weisses Pferd gezaeumt, +das geht so still, als ob es traeumt, +leise, Peterle, leise. + +Stille, Peterle, stille, +der Mond hat eine Brille; +ein graues Woelkchen schob sich vor, +das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr, +stille, Peterle, stille. + +Traeume, Peterle, traeume, +der Mond guckt durch die Baeume; +ich glaube gar, nun bleibt er stehn, +um Peterle im Schlaf zu sehn-- +traeume, Peterle, traeume. + + + +FREUND HUSCH + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Husch, husch, husch, +ich schluepfe aus dem Busch; +ich stecke mein Laternchen an, +ich zuende uns die Sternchen an, +husch. + +Husch, husch, husch, +ich putze meinen Busch. +Der Mond ist da, der Mond ist hell; +der Mond, der ist mein Spielgesell, +husch. + +Husch, husch, husch, +ich schuettel meinen Busch. +Die Kinderchen sind all zur Ruh, +ich schuettel ihnen Traeume zu; +die haben wir vergangne Nacht, +der Mond und ich, uns ausgedacht, +husch, husch, husch, +im Busch. + + + +RUMPUMPELS GEBURTSTAG + + +Kraeht der Hahn frueh am Tage, +kraeht laut, kraeht weit: +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Guckt das Eichhoernchen runter: +Wenig Zeit, wenig Zeit! +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Kommt das Haeschen gesprungen, +macht Maennchen vor Freud: +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Steht der Kuchen auf dem Tische, +macht sich dick, macht sich breit: +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Und Vater und Mutter, +alle Kinder, alle Leut +schrein: Hoch der Rumpumpel, +sein Geburtstag ist heut! + + + +MUTTERS GEBURTSTAG + + +Leises Klopfen an der Tuere: +Kann ich 'rein, Mama? +Frisch gewaschen, frisch gebuegelt +steht Rumpumpel da. +Rosen in beiden Haendchen; +wie der Kerl sich freut! +Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen, +Mutti Burtstag heut. +Vater putzt die grosse Stube, +die ist maechtig schoen. +Lauter Blumen! Und die Torte! +Komm, zu Vati gehn! + + + +RUMPUMPEL TANZT + + +Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt, +es blitzen seine Schuh; +der Kreisel und der Hampelmann +sehn verwundert zu. + +Der Kreisel pufft den Hampelmann: +guck, Hans, was sagst du nur? +der Junge tanzt, der Junge tanzt +und sitzt an keiner Schnur. + +Der Hampelmann zieht ein Gesicht +und schlenkert und sagt: puh, +auch eine Peitsche braucht er nicht, +tanzt doch so schoen wie du. + +Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt, +die liebe Sonne scheint; +der Kreisel und der Hampelmann +sind sich spinnefeind. + + + +KREISELLIEDCHEN + + +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein +rundum, rundum, +kommt die dicke Marmelkugel, +rollt ihn um, rollt ihn um; +pass auf, Herr Dreidel! +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein +rundum, rundum, +pfeift der Wind aus einer Ecke, +pfeift ihn um, pfeift ihn um; +steh auf, Herr Dreidel! +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein, +peitsch di Hieb, peitsch di Hieb; +hopp hopp, wie springt das Bruederlein, +halt den Dieb, halt den Dieb, +heissa, Herr Dreidel! + + + +KONZERT + + +Musik, Musik, die Floete kommt, +Rumpumpel tut's begreifen: +er horcht und hebt das Fingerchen, +faengt gleich an mitzupfeifen. + +Musik, Musik, die Geige kommt, +die Geige tut fein klingen; +Rumpumpel hebt das Fingerchen, +faengt leise an zu singen. + +Musik, Musik, der Brummbass kommt, +ganz deutlich hoert man's summen; +Rumpumpel hebt das Fingerchen, +tut wie 'ne Hummel brummen. + +Das gibt ein herrliches Konzert, +ihr Kinder, kommt, ich bitte! +Drei Kirschen kost't der erste Platz, +und eine kost't die Mitte. + +Hinten herum ist alles frei, +grossmuetig sind wir heute; +der Mohr, der Spitz, der Hampelmann +sind gar zu arme Leute. + + + +DIE ERSTEN HOeSCHEN + + +Der Schneidermeister Piekenich +ist ein geschickter Mann, +er kommt und misst dem Peterle +die ersten Hosen an. + +Er nimmt sein Buch und Metermass, +schreibt sich die Zahlen auf; +und wenn der Bub nicht stille steht, +kriegt er eins hinten drauf. + +"Du lieber Meister Piekenich, +mach die Hosen recht schoen! +Ich will ja unter den Linden +damit spazieren gehn. + +Und alle kleinen Jungens +gucken nach mir hin +und sehn an meinen Hoeschen, +dass ich auch ein Junge bin." + + + +DER KLEINE SUeNDER + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Gestern lief der Peter weg, +spinnefix verstohlen. +Setzt sich Mutter den Baenderhut auf: +wart, ich will dich holen. +Sausepeter, +Flausepeter, +kleiner Suender, wo bist du? + +Hahnematz steht auf der Wiese, +"Kiek ins Gruene" kraeht er; +sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter? +Bummelpeter, +Schummelpeter, +kleiner Suender, wo bist du? + +Wie sie sich im Garten umguckt, +ist er nicht zu sehen, +bleibt sie neben dem Spargelbeet +unterm Pflaumbaum stehen. +Aber Peter, +nirgends steht er; +kleiner Suender, wo bist du? + +Hoert sie etwas lachen, horch +oben aus dem Baume; +sitzt der Peter seelenvergnuegt, +pflueckt sich eine Pflaume. +Wirft ein Steinchen, +schwenkt die Beinchen, +wupptich--: Mutter, da bin ich! + + + +FLUTSCHPETER + + +Flutschpeter lief nie gradeaus; +ja, und warum? Er lief +getreulich seiner Nase nach, +und die, ja die war--schief. + + + +DIE TROMMELPARTIE + + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt das Kaetzchen +Mausemaetzchen, +das will mit. + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt das Huendchen +Belleinstuendchen, +das will mit. + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt das Schweinchen +Rosenfeinchen, +das will mit. + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt der Baer +Brummesehr, +der will mit. + +So geht's im Trab, +bergauf, bergab, +durch Duenn und Dick, +durch Schlamm und Schlick; +Rumpumpel schlaegt die Trommel. + +Das Kaetzchen maut, +das Huendchen bellt, +das Schweinchen quiekt, +der Baer brummt: was 'ne dumme Welt! +Rumpumpel schlaegt die Trommel. + + + +RUMPELREIM + + +Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus, +Ride-bide-Bummstock liess sie wieder raus; +Ride-bide-Bummstock, du bist dumm, +die Maeuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um. + + + +DAS KARNICKEL + + +Hans Wackelohr, Hans Wackelohr, +was bist du heut so still? +Sieh her, ich habe Kohl fuer dich, +sitz doch nicht gar so feierlich! +Hans Wackelohr, Hans Wackelohr, +wie kommst du mir heut vor! + +Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut, +ist dir dein Haus zu eng? +Ein Weilchen darfst du aus dem Stall, +bloss friss mir nicht die Knospen all! +Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut, +bist mir nun wieder gut? + + + +LEKTION + + +Huehner, wollt ihr wohl artig sein! +huebsch langsam essen und nicht so schrein! +Muesst ihr denn immer zanken und beissen? +euch um jedes Koernchen reissen? +Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier, +du isst ja fuer vier. +Weg! hoerst du nicht? du sollst dich trollen! +Die niedlichen kleinen Kueken wollen +auch mal heran an das schoene Futter. +Wenn du nicht hoerst, sag ich's der Mutter; +die faengt dich ein und macht dich tot, +dann essen wir dich zum Mittagbrot. + + + +LIED DES HUeHNCHENS + + + Tuck--tuck--heut ist Regentag, + und ich muss mich plagen; + kratze schon acht Stunden, tuck, + und noch knurrt mein Magen. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck die Enten, tuck die Enten, + Enten sind doch Narren; + gehn ins Wasser, tuck ins Wasser, + als koennte man da scharren. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Pferde, tuck tuck tuck, und Kuehe + haben grosse Koepfe, + aber keine Kroepfe, tuck; + traurige Geschoepfe! +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck, wie war der Hahn galant, + suchte mir manch Kruemchen; + heute geht er, tuck tuck tuck, + mit Cochinchina-Muehmchen. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck, du fetter Regenwurm, + dich muss ich noch ergattern; + schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck, + Muhmen und Gevattern! +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck, waer ich doch endlich satt, + tuck, das waer ein Segen; + muss Rumpumpeln, tuck tuck tuck, + sein Fruehstuecks-Ei noch legen. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +ach, wann hat man wohl genug? + + + +SO SIEHT UNSRE WIRTSCHAFT AUS + + +Unser Mueller hat ein Muehlenhaus, +mi-ma-Muehlenhaus, +kommt Korn hinein und Mehl heraus, +mi-ma-Mehl heraus; +Muehlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unser Baecker, der backt weisse Wecken, +wi-wa-weisse Wecken, +und braunes Brot und Streusselschnecken, +stri-stra-Streusselschnecken; +weisse Wecken, Streusselschnecken, +Muehlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unser Schlaechter schlacht't ein feistes Schwein, +fi-fa-feistes Schwein, +und poekelt Wurst und Schinken ein, +schi-scha-Schinken ein; +feistes Schwein, Schinken ein, +weisse Wecken, Streusselschnecken, +Muehlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh, +bi-ba-bunte Kuh, +die gibt uns Milch und Butter dazu, +bi-ba-Butter dazu; +bunte Kuh, Butter dazu, +feistes Schwein, Schinken ein, +weisse Wecken, Streusselschnecken, +Muehlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unsre Henne macht ein laut Geschrei, +li-la-laut Geschrei, +und legt dabei ein frisches Ei, +fri-fra-frisches Ei; +frisches Ei, laut Geschrei, +bunte Kuh, Butter dazu, +feistes Schwein, Schinken ein, +weisse Wecken, Streusselschnecken, +Muehlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. +[Transkriptions-Notiz: Fehlendes "aus" hinzugefuegt.] + +Rumpumpel ist ein kluges Kind, +kli-kla-kluges Kind, +das fragt nicht viel und isst geschwind, +i-a-isst geschwind; +kluges Kind, isst geschwind, +frisches Ei, laut Geschrei, +bunte Kuh, Butter dazu, +feistes Schwein, Schinken ein, +weisse Wecken, Streusselschnecken, +Muehlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + + + + + +ZWEITER TEIL + + + +DAS HAUS + + +Ich bau, ich bau ein steinern Haus; +vorne guckt ein Esel raus, +hinten eine Kuh, +muh. + + + +MIT TROMMEL UND TRAB + + +Sitzen zwei alte Weiber im Sand, +spinnen viel feine Faeden ueber Land, +ueber Baeume, +ueber Zaeune, +um Stoppel und Dorn, +immer von vorn. + +Fuer wen sitzen die alten Weiber im Sand, +spinnen viel feine Faeden ueber Land? +Fuer Wildbub Kraushaar, +kommt alle hundert Jahr +mit Trommel und Trab +vom Himmel herab, +reisst alle Faeden auf einmal ab, +macht sich ein'n Muetzenpuschel draus +und lacht die alten Weiber aus. + + + +SIEBENSCHLAeFER + + +Ihr Siebenschlaefer in den Hoehlen, +reckt euch, streckt euch, aufgewacht! +Der Fruehling leuchtet in den Himmel +nach einer einzigen warmen Nacht. + +Schnell, schuettelt eure grauen Zotteln, +und blinzelt in das blaue Licht; +Herrgott, wer wird so langsam trotteln, +ich lauf voraus, ich warte nicht. + +Die Amsel uebt schon ihre Lieder, +ich pfeif sie nach, ich sing sie auch; +und denkt euch nur, der blaue Flieder +hat Knospen, und der Haselstrauch. + +Der Teckel bellt vor lauter Wonne +und wuehlt die frische Erde um-- +Na? seid ihr noch nicht in der Sonne, +ihr Siebenschlaefer faul und dumm? + + + +OSTERLIED + + +Has, Has, Osterhas, +wir moechten nicht mehr warten. +Der Krokus und das Tausendschoen, +Vergissmeinnicht und Tulpen stehn +schon lang in unserm Garten. + +Has, Has, Osterhas, +mit deinen bunten Eiern. +Der Star lugt aus dem Kasten aus, +Bluehkaetzchen sitzen um sein Haus; +wann kommst du Fruehling feiern? + +Has, Has, Osterhas, +ich wuensche mir das Beste: +ein grosses Ei, ein kleines Ei +und ein lustiges Dideldumdei, +alles in einem Neste. + + + +MAIWUNDER + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Maikoenig kommt gefahren, +in seinem gruengoldnen Wagen, +mit Saus und Gesinge. +Seine Zuegel sind Sonnenstrahlen, +grosse blaue Schmetterlinge +ziehn ihn ueber Busch und Bach, +dass die weissen Bluetenglocken +in seinen Locken +schwingen und springen, +und Hans guckt ihm nach +und hoert sein Lied: +wer zieht mit? zieht mit? + +Kommt das Maienweibchen, +traegt ein weisses Kleidchen, +traegt ein gruenes Kraenzchen, +sagt zu unserm Haenschen: +Eia, Hans, +komm zum Tanz! +Einen Schritt Frau Nixe, +einen Schritt Herr Nix, +Ringeldireih, Ringeldireih, +Dienerchen, +Knix! + + + +HANSEL UND GRETEL + + +Hansel und Gretel stehen zu zwein, +der Hansel ist grob, +und die Gretel ist fein, +der Hansel ist dick, +und die Gretel ist duenn, +der Hansel ist aus Birkenholz, +die Gretel ist aus Zinn. +Heissa, juchheissa, wer wird nun Koenig? +Was der eine zu viel hat, hat der andre zu wenig. + + + +PRINZESSCHEN + + +Wer tanzt mit mir? +wer spielt mit mir? +ich bin so sehr allein. +Kam da der gelbe Sonnenstrahl: +Ich tanze Tippel-huschemal, +willst du meine Taenzerin sein? + +Wer tanzt mit mir? +wer spielt mit mir? +der Sonnenstrahl ist zu fein. +Kam da der wilde Pustewind: +Heidih, ich spiele Wegefind, +lauf doch, fang mich ein! + +Wer tanzt mit mir? +wer spielt mit mir? +der Wind macht mein Kroenchen entzwei. +Kam da unser brauner Junge an, +macht 'nen Diener wie 'n Edelmann: +Prinzess, ich bin so frei. + + + +DAS GROSSE LOCH + + +Das grosse Loch, +wie kam es doch +in Gretens neuen Schuh? +Die ganzen Zehn +sind ja zu sehn; +wer macht das Loch uns zu? + +Drueben hinterm Rathaus +haengt ein grosses Schild raus, +goldner Stiefel drauf. +Da wohnt der Schuster Firlefanz, +der macht dein Schuhchen wieder ganz; +lauf, Grete, lauf! + + + +ZWEI GESELLEN + + +Es tanzen zwei Gesellen + hier herum; +der eine, der ist klug, +und der andre, der ist dumm. +Der eine liegt im Grase, +der andre sitzt am Tisch; +der eine kaut den Kanten, +der andre isst den Fisch + isst den Fisch. + +Es tanzen zwei Gesellen + hier herum; +der eine, der ist grad, +und der andre, der ist krumm. +Der eine, der bleibt mager, +der andre, der wird fett; +der eine kommt an'n Galgen, +der andre stirbt im Bett. + Je nun, je nun, + was ist dabei zu tun. + + + +WENN'S PFINGSTEN REGNET + + +Oben aus dem Fahnenhaus +guckt das schwarze Wettermaennchen raus, +spreizt die Beine und grinst uns an; +schaeme dich, alter Wettermann! +Am Ostersonntag, vor sieben Wochen, +hast du dem Fritze fest versprochen, +dass zu Pfingsten, im Monat Mai, +das allerschoenste Wetter sei. +Und nun regnet's, liebe Not, +alle hellen Blueten tot; +sie liegen da wie nasser Schnee. +Auf den Wegen steht See an See; +ja, wenn wir noch drin baden koennten, +wie die Spatzen oder die Enten. +Wir duerfen aber gar nicht raus, +sehn so mucksch wie Maulwuerfe aus; +roeche nicht der Kuchen so lecker her, +wuesste man gar nicht, dass Feiertag waer. +Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an; +Schaeme dich, schwarzer Wettermann! + + + +EINE HUeHNERGESCHICHTE + + +Vor der Laube kraeht der Hahn, +ein rot-schwarz-gelb und gruener: +Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch, +fix, kommt fix, ihr Huehner! + +Seht die Hennen, +wie sie rennen, +aus Verstecken, +ueber Zaeune, ueber Hecken, +gackern, beissen sich und schrein, +jede will die erste sein. +Wie sie fliegen, wie sie flattern, +um ein Plaetzchen zu ergattern. +Oben auf des Tisches Mitte +steht Herr Hahn: +Bitte, meine Damen, bitte, +fangt nur an! +Pick und schluck, +nicht genug, +immer mehr +Kuchen her! +Unser Kropf +ist ein Topf, +wird nicht voll, +wird nicht leer, +darum mehr +Kuchen her, +bis der Teller leckeleer! + +Drueben aus des Gaertners Haus +guckt der kleine Fritz und lacht: +Ei, wie sah das lustig aus, +das haben die Huehner klug gemacht. + + + +MARIEKEN UND DIE KUeKEN + + +Marie, Marei, Marieken +mit deinen sieben Kueken, +was willst du tun? + +"Die alte Kluckenmutter ist tot, +nun frieren die Kinder und finden kein Brot; +ich will sie pflegen." + +Marie, Marei, Marieken +mit deinen sieben Kueken, +was hast du im Sack? + +"Kartoffelmus und Hirsekern, +das essen meine Kinderchen gern, +das streu ich ihnen." + +Marie, Marei, Marieken, +gib mir eins von deinen Kueken, +du hast noch genug. + +"Wenn ich meine Kinder verschenken taet, +muesst ich weinen von frueh bis spaet, +dass sollst du wissen." + +Marie, Marei, Marieken, +Zu Huehnern werden die Kueken; +was machst du dann? + +"Und werden huebsch bunt und werden gross, +fliegen mir alle um Kopf und Schoss, +hei, alle sieben!" + + + +KINDERKUeCHE + + +Marie-Marei will Braten machen, +hat keine Pfanne; +nimmt sie sich die Schiefertafel +von klein Schwester Hanne. +Hat sie eine Pfanne. + +Marie-Marei will Braten machen, +hat keine Butter; +borgt sie beim Kanarienvogel +rasch ein bisschen Futter. +Hat sie Butter. + +Marie-Marei will Braten machen, +hat keine Kohlen; +vor der Tuer blueht roter Mohn, +geht sie den sich holen. +Hat sie Kohlen. + +Marie-Marei will Braten machen, +fehlt noch das Gaenschen; +nimmt sie sich die Pudelmuetze +von klein Bruder Fraenzchen. +Hat sies Gaenschen. + +Hei, mit diesen Wunderdingen +muss der Braten wohlgelingen; +bitte zu Tisch! + + + +ESSENSREGELN + + +Spitzt das Ohr und merkt euch still, +was die gute Sitte will! +Wer die schoene Form erfasst, +ist ein gern gesehner Gast; +wer sich frech und plump betraegt, +wird ohne Besen hinausgefegt. + + +--1-- + +Ein Kind soll nicht vorher von Speisen naschen, +soll Mund und Haende sich sauber waschen, +sich erst setzen, wenn die andern sitzen, +das Maeulchen bei Tisch nicht zum Pfeifen spitzen, +nicht plappern, wenn grosse Leute sprechen, +das Brot nicht zerkruemeln, zerkneten, nur Bissen abbrechen. + + +--2-- + +Rueckt immer den Stuhl so dicht heran, +dass Loeffel und Gabel zum Munde kann, +ohne das Tischtuch zu betrippen; +und schliesst beim Kauen huebsch die Lippen! +Turnen beim Essen, das will nicht passen; +also die Ellbogen huebsch unten lassen! + + +--3-- + +Nicht gierig stopfen! langsam essen! +auch keinen Rest auf dem Teller vergessen! +Nicht wie Hunde oder Katzen +schlecken, schluerfen, schnaufen, schmatzen! +Nicht kichern und nicht heimlich fragen, +und immer schoen bitte und danke sagen! + + +--4-- + +Seid ihr beim Essen und trinkt dazwischen, +sollt ihr zuvor die Lippen wischen. +Kartoffeln und Fisch mit Stahlmessern schneiden, +das wird ein Mensch, der Geschmack hat, vermeiden. +Brot nimmt man zuhilfe, wenn Fischmesser fehlen; +auch Obst soll man nicht mit Stahlklingen schaelen. + + +--6-- + +Wer stochert in den Zaehnen, +nicht unterdrueckt das Gaehnen, +das Messer in den Mund steckt, +Gabel und Teller ableckt, +zuviel packt auf den Loeffel, +gilt als Flegel und Toeffel. + + + +DIE BOeSE MIES + + +Es war einmal ein Kaetzchen, +ein allerliebstes Fraetzchen. +Es hatte das Mamsellchen +ein seidenweiches Fellchen +und einen Bart ums Schnaeuzchen +und Augen wie ein Kaeuzchen. +Es machte gern den Ruecken krumm +und brachte viele Maeuse um, +dann schlich es auf die Ofenbank +und leckte sich die Pfoten blank. + +Einst aber, oh das Kaetzchen, +was tut das liebe Fraetzchen? +Einst stand auf unserm Tische +ein Teller Bratenfische. +Hopp, ist das Kaetzchen oben: +die Fische muss ich loben. +So denkt es sich und sitzt und schmaust, +doch Mutterchen kommt angesaust, +und gibt dem Naschmamsellchen +--na warte--eins aufs Fellchen. + +Nein, unser Miesekaetzchen +war gar kein liebes Fraetzchen: +los auf die gute Mutter, +und durch das Aermelfutter +--kratz--in den Ellenbogen! +War das nicht ungezogen? +Dann lief es voller Wut hinaus +und kam erst abends spaet nach Haus, +und schlich sich auf die Ofenbank +und leckte sich die Pfoten blank. + + + +POTTKIEKER + + +Mutti, Mutti, was ist denn da drin? + "Hoppel-poppel-Appelreis, + mach dich weg, Naseweis, + kann dich hier nicht brauchen, + der Ofen tut rauchen, + muss Spaehne suchen, + sonst brennt der Kuchen, + muss Gaense schlachten, + in sechs Wochen ist Weihnachten." + +Mutti, Mutti, wo soll ich denn hin? + "Ei, tanz mit dem Schimmel, + bohr Loecher in den Himmel, + lehr die Katz das Alphabet, + sieh nach, ob sich der Kirchturm dreht, + oder lauf ans Ende der Welt, + pass auf, dass keiner runter faellt, + marsch!" + + + +DER REITERSMANN + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Schimmel, willst du laufen, +will ich uns was kaufen. +Heissa, lauf nach Mexiko, +da kaufe ich dir Bohnenstroh; +laufe nach der Mongolei, +da kauf ich mir ein Osterei, +hopp! + +Eile, Schimmel, eile, +oder du kriegst Keile. +Hoppssa, lauf nach Hindostan, +da kaufe ich mir Marzipan; +laufe nach Kap Morgenrot, +da kauf ich dir ein Dreierbrot, +burr! + + + +DAS RICHTIGE PFERD + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd! +Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert, +es hat so steife Beine, +es stampft nicht, frisst nicht, wiehert nicht, +und macht solch ledernes Gesicht, +und weiss nicht, was ich meine. + +Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd, +ein wirklich richtiges Pferd beschert, +dann reit ich ueber die Bruecke, +und reite durch den Kiefernforst +nach Vehlefanz und Haselhorst +und noch fuenf grosse Stuecke. + +Dann bin ich mitten in der Welt, +da such ich mir ein Haberfeld +und lasse mein Pferdchen grasen. +Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt, +wo der Riese den Regenbogen haelt, +und--schick euch 'ne Ansichtspostkarte. + + + +DER KLEINE REKRUT + + +Ich hab einen Helm aus Packpapier, +mit einem Federbusche; +der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf +mit schwarz-weiss-roter Tusche. + +Einen hoelzernen Saebel hab ich auch, +mit einem richtgen Griffe; +wenn nur der Scherenschleifer kaem, +dass er ihn endlich schliffe! + +Meine Mutter ist 'ne gute Frau, +die schenkt mir einen Dukaten, +dann kauf ich mir ein Schiessgewehr, +geh unter die Soldaten. + + + +DER HAUPTMANN + + +Ich bin der Hauptmann, +ihr die Soldaten; +immer gehorsam, +das will ich euch raten, +hoert ihr! + +Eins, zwei, immer hinterher, +eins, zwei, schultert das Gewehr, +marsch! + +Seht euch nicht um, +seht euch nicht an, +immer huebsch stramm, +Mann hinter Mann, +halt! + +Eins, zwei, immer hinterher, +eins, zwei, schultert das Gewehr, +marsch! + + + +ABZAeHLREIM + + +Rechts, links, ueber Eck, +die Henne legt die Eier weg, +legt sie in ein Buendel Stroh, +irgendwie, irgendwo; +kommt der Marder Wagemut, +jagt die Henne von der Brut, +rechts, links, ueber Eck-- +ein Kueken hat--er--weg. + + + +FRAGEFRITZE UND DIE PLAPPERTASCHE + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Fritz, ich moecht den Spaten haben. +"Mutterchen, warum?" +Moechte eine Grube graben. +"Mutterchen, warum?" + +Moechte drin ein Baeumchen pflanzen. +"Mutterchen, warum?" +Wird mein Fritze drunter tanzen. +"Mutterchen, warum?" + +Wird das Baeumchen Kirschen tragen. +"Mutterchen, warum?" +Ei, du musst die Spatzen fragen, +die sind nicht so dumm!-- + +Kommt die kleine Plappertasche: +"Mutterchen, nicht wahr, +ich bin klueger als der Fritze, +bin schon bald sechs Jahr. + +"Mutterchen, nicht wahr, der Fritze +ist ein Schaf, o je! +Ich kann schon bis zwanzig zaehlen +und das A-B-C." + +I, du kleine Plappertasche, +lass den Fritz in Ruh. +Plappertasche, wische wasche, +halt das Maeulchen zu. + +Uebermorgen in vier Wochen +kommt der Weihnachtsmann; +wenn du dann noch immer plapperst, +was bekommst du dann? + +Einen grossen Maulkorb!-- + + + +PLAPPERMUeNDCHEN + + +In Leipzig wohnt ein Baeckermeister, +Hans-back-die-Semmeln-groesser heisst er; +Seine Mutter, die Frau Meisterin, +zieht den Teig wer weiss wie duenn, +rollt ihn mit der Mangel aus, +macht sieben bucklige Bretzeln draus, +drei fuer den Vater, +drei fuer die Mutter, +eine fuer unser Plappermuendchen, +dann schweigt's vielleicht ein Viertelstuendchen. + + + +PUPPENDOKTOR + + +Lieber Doktor Pillermann, +guck dir bloss mein Pueppchen an. +Drei Tage hat es nichts gegessen, +hat immer so stumm dagesessen, +es will nicht einmal Zuckerbrot, +die Arme haengen ihr wie tot. +Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich, +ist diese Krankheit sehr gefaehrlich? + +Madam, Sie aengstigen sich noch krank; +der Puls geht ruhig, Gott sei Dank. +Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen, +sie muss zu Bett und tuechtig schwitzen; +drei Kiebitzeier gebt ihr ein, +dann wird es morgen besser sein. +Empfehle mich. + + + +KLEINER EINKAUF + + +Guten Tag, guten Tag, liebe Gruenkramfrau, +Gemuese will ich kaufen, +ich bin mit meinem Henkelkorb +extra hergelaufen; +auch schoene frische Eier will ich, +hoffentlich sind sie heute billig. + +Die Schoten hier gefallen mir, +zuckersuesse Kerne; +auch von den Ruebchen moechte ich +ein halbes Liter gerne. +Kohlrueben? lieben wir nicht sehr; +doch zeigen Sie mal die Pflaumen her! + +Davon will ich fuenf Litermass, +haufenvoll gemessen! +weil meine Kinderchen zu Haus +alle gern Pflaumen essen. +Geld schick ich Ihnen morgen her; +ich denke doch, es eilt nicht sehr, +ich hab es grad vergessen. + + + +VATERS GEBURTSTAG + + +Schnell, schnell, Besen, +feg die Stube rein; +wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt, +muss alles sauber sein. + +Wisch, wisch, Lappen, +ueber Stuhl und Schrank; +wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt, +sind sie blitzeblank. + +Blueh, blueh, Blume, +blueh recht frisch; +wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt, +Stehst du auf dem Tisch. + +Herz-Herz-Muttchen, +schnell das neue Kleid; +bis Vaeterchen zum Kaffee kommt, +ist nur noch wenig Zeit. + +Tick, tick, Uhrchen, +renn doch nicht so fix; +wenn Vaeterchen zum Kaffee kommt, +mach ich meinen Knix. + +Fertig, alles fertig, +der Kuchen auch ist da; +der Kaffee kommt, der Vater kommt, +mein Verschen kann ich ja: +"Heut ist dein Geburtstag!" + + + +DAS HIMMELSPRINZESSCHEN + + +Ich bin das Himmelsprinzesschen, +habe Fluegel von blauem Duft, +ich schlafe im Wolkenbettchen +und bade in Licht und Luft. +Mir gehoert die silberne Schaukel +hoch oben im Himmelssaal; +wenn die goldenen Seile schwingen, +blitzt es unten im Tal. + +Der alte Wetterriese +donnert und schilt mich aus, +ich flitze ueber die Sterne +und lache den Brummbart aus. +Die Mirlamein vom Monde +webt meine Kleider und Schuh, +die gute Mutter Sonne +gibt goldne Spangen dazu. + +Der liebe Gott hat mich gerne, +ich bin sein liebes Kind; +er nimmt uns auf die Kniee, +mich und den Fruehlingswind. + +Des Abends sitzen wir stille +bei Mirlamein im Zelt +und spinnen Wuensche und Traeume +und streuen sie ueber die Welt. + + + +WINDFREUDE + + +Wenn der Wind ueber Wiesen und Felder rennt, +renn ich mit; +da denk ich, dass ich fliegen kann, +und guck mir lustig die Voegel an, +susewitt, susewitt. + +Wenn der Wind durch die Straeucher und Baeume fegt, +feg ich mit; +die Bluetenkaetzchen feg ich zu Hauf +und setz mir vom Ahorn ein Nasenhuetchen auf, +susewitt, susewitt. + +Wenn der Wind durch die Turmloecher singt und pfeift, +pfeif ich mit; +sein Jodler wird mir gar nicht schwer, +und den Brummbass lern ich nebenher, +susewitt, susewitt. + + + +LIED VOM MONDE + + +Wind, Wind, sause, +der Mond ist nicht zu Hause; +er ist wohl hinter den Berg gegangen, +will vielleicht eine Sternschnuppe fangen, +Wind, Wind, sause. + +Stern, Stern, scheine, +der Mond, der ist noch kleine; +er hat die Sichel in der Hand, +er maeht das Gras am Himmelsrand, +Stern, Stern, scheine. + +Singe, Vogel, singe, +der Mond ist guter Dinge; +er steckt den halben Taler raus, +das sieht blank und lustig aus, +singe, Vogel, singe. + +Und hell wird's, immer heller; +der Mond, der hat 'nen Teller, +mit allerfeinstem Silbersand, +den streut er ueber Meer und Land, +und hell wird's, immer heller. + + + +WEIHNACHTSSCHNEE + + +Ihr Kinder, sperrt die Naeschen auf, +es riecht nach Weihnachtstorten; +Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd +und backt die feinsten Sorten. + +Ihr Kinder, sperrt die Augen auf, +sonst nehmt den Operngucker: +die grosse Himmelsbuechse, seht, +tut Ruprecht ganz voll Zucker. + +Er streut--die Kuchen sind schon voll-- +er streut--na, das wird munter: +er schuettelt die Buechse und streut und streut +den ganzen Zucker runter. + +Ihr Kinder, sperrt die Maeulchen auf, +schnell! Zucker schneit es heute! +Fangt auf, holt Schuesseln!--Ihr glaubt es nicht? +Ihr seid unglaeubige Leute! + + + +KNECHT RUPRECHT IN NOeTEN + + +Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart +und rueckt zurecht die Brille: +Ihr Engelskinder, laermt nicht so, +seid mal ein bisschen stille! +Kommt, rueckt huebsch artig zu mir ran, +seht euch mal das Bestellbuch an! + +Was steht hier auf dem ersten Blatt? +was auf dem zweiten, dritten? +was steht am Ende von dem Buch? +was steht hier in der Mitten?--: +Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr, +Schick uns doch mal das Luftschiff her! + +Hans moechte nach Amerika, +und Fritz zu Tante Lotte, +Kurt durch die Luft zu Grosspapa, +Marie zum lieben Gotte; +Georg will bloss nach Neuruppin +mit Zeppelin, mit Zeppelin. + +Ach Zeppelin, du Zaubermann, +'s ist aus der Haut zu fahren, +das ganze liebe kleine Pack +will bloss noch Luftschiff fahren; +dein Fahrzeug ist ja viel zu klein, +da gehn nicht alle Kinder 'rein. + +Ihr Engelskinder, helft mir doch +in meinen Weihnachtsnoeten, +baut mir ein Luftschiff riesengross +mit hunderttaufend Boeten, +lasst lustig die Propeller gehn, +da sollt ihr mal die Freude sehn! + +Hurra, schreit da die Engelschar, +wir helfen alle, alle. +Nach dreien Tagen, blitzeblank, +stehts Luftschiff in der Halle. +Dank schoen, sagt Ruprecht, faehrt hinab, +holt alle Jungs und Maedels ab +zur Flugfahrt durch die Welten. +Ob sie sich nicht erkaelten? + + + +FROHE BOTSCHAFT + + +Frueh, eh ich's konnt begreifen, +hoert ich schon etwas pfeifen, +hoert ich Schon etwas brummen, +wie tausend Bienen summen. + Was ist denn los? Ach ja: + der Weihnachtsmann ist da! + +Die Raben und die Spatzen, +sie muessen's weiterschwatzen; +in alle Haeuser dringt es, +von allen Glocken klingt es. + Was laeuten sie? O ja: + der Weihnachtsmann ist da! + +Mit seinem braven Esel +zieht er von Thorn bis Wesel; +wo Maedels sind und Buben, +tritt er in ihre Stuben +und langt aus Sack und Taschen +zum Spielen was und Naschen. + Wo habt ihr's her? Na ja: + der Weihnachtsmann war da! + + + +DER LIEBE WEIHNACHTSMANN + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Der Esel, der Esel, +wo kommt der Esel her? +Von Wesel, von Wesel, +er will ans schwarze Meer. + +Wer hat denn, wer hat denn +den Esel so bepackt? +Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht +mit seinem Klappersack. + +Mit Nuessen, mit Aepfeln, +mit Spielzeug allerlei, +und Kuchen, ja Kuchen +aus seiner Baeckerei. + +Wo baeckt denn, wo baeckt denn +Knecht Ruprecht seine Speis? +In Island, in Island, +drum ist sein Bart so weiss. + +Die Rute, die Rute +hat er dabei verbrannt; +heut sind die Kinder artig +im ganzen deutschen Land. + +Ach Ruprecht, ach Ruprecht, +du lieber Weihnachtsmann: +komm auch zu mir mit deinem +Sack heran! + + + +SANKT NIKLAS' AUSZUG + + +Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus, +klopft seine lange Pfeife aus +und sagt zur heiligen Kathrein: +Oel mir die Wasserstiefel ein, +bitte hol auch den Knotenstock +vom Boden und den Fuchspelzrock, +die Muetze lege oben drauf, +und schuette dem Esel tuechtig auf, +halt auch sein Sattelzeug bereit; +wir reisen, es ist Weihnachtszeit. +Und dass ich's nicht vergess, ein Loch +ist vorn im Sack, das stopfe noch! +Ich geh derweil zu Gottes Sohn +und hol mir meine Instruktion. + +Die heilige Kaethe, sanft und still, +tut alles, was Sankt Niklas will. +Der klopft indes beim Herrgott an, +Sankt Peter hat ihm aufgetan +und sagt: Gruess Gott! wie schaut's denn aus? +und fuehrt ihn ins himmlische Werkstaettenhaus. + +Da sitzen die Englein an langen Tischen, +ab und zu Feen dazwischen, +die den kleinsten zeigen, wie's zu machen, +und weben und kleben die niedlichsten Sachen, +haemmern und haekeln, schnitzen und schneidern, +faelteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern, +packen die Schachteln, binden sie zu +und haben so gluehende Baeckchen wie Du. +Herr Jesus sitzt an seinem Pult +und schreibt mit Liebe und Geduld +eine lange Liste. Potz Element, +wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt! +Die sollen die schoenen Engelsgaben +zu Weihnachten haben. + +Was fertig ist, wird eingesackt +und auf das Eselchen gepackt. +Sankt Niklas zieht sich recht warm an; +Kinder, er ist ein alter Mann, +und es faengt tuechtig an zu schnein, +da muss er schon vorsichtig sein. + +So geht es durch die Waelder im Schritt, +manch Tannenbaeumchen nimmt er mit; +und wo er wandert, bleibt im Schnee +manch Futterkoernchen fuer Hase und Reh. +Aus Haus und Huette strahlt es hell, +da hebt er dem Esel den Sack vom Fell, +macht leise alle Tueren auf, +jubelnd umdraengt ihn der kleine Hauf: +Sankt Niklas, Sankt Niklas, +was hast du gebracht? +was haben die Englein +fuer uns gemacht? +"Schoen Ding, gut Ding, +aus dem himmlischen Haus; +langt in den Sack! holt euch was raus!" + + + +BESCHEIDENE FRAGE + + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +bringst du der flinken Grete was? +Sie ist fast immer artig gewesen, +hat fleissig in ihrer Fibel gelesen, +kann das grosse H schon ganz richtig schreiben, +wird Ostern gewiss nicht sitzen bleiben; + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du ihr was? + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +bringst du dem dicken Peterle was? +Er ist noch zu klein, um zur Schule zu gehn, +aber beten kann er schon wunderschoen: +"Lieber Dott, mach alle Menssen dut, +nimm alle unter deinen Hut'" + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du ihm was? + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +bringst du der kleinen Lene was? +Sie gehoert der armen Flick-Marie +und hat schon lange ein schlimmes Knie; +zum Spielen kommt sie gar nicht mehr raus, +sieht immer so blass und aengstlich aus. + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du ihr was? + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +ich wuensch mir selber auch noch was: +moecht in der Weihnacht mit dir gehn, +mir all die froehlichen Kinder besehn, +wie sie tanzen und tuten, knabbern und schlucken +und am strahlenden Christbaum die Wunder angucken. + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du mir das? + + + + + +DRITTER TEIL + + + +WIDMUNG + + +Klaenge wachsen auf den Wegen +im Gebuesch, im jungen Gruen; +alle meine Melodien +moechte ich mit leisem Segen +abends auf dein Kissen legen. + +Wilde Blumen, seltne Fruechte: +was der reife Sommer bringt, +moecht ich in dein Zimmer tragen, +sollst mir keine Antwort sagen-- +Still--der Traum versinkt--verklingt. + + + +SONNE + + +Sonne scheint draussen und scheint in die Stube, +unten am Boden kugelt mein Bube, +greift nach den schimmernden, flimmernden Staeubchen; +ich sitze am Fenster und naehe ein Haeubchen, +ein ganz kleines Haeubchen aus weissem Batist. +Ob's wohl ein Maedel ist?-- +Und hat's _seine_ Augen, _seinen_ trotzfrohen Sinn, +dann weiss kein Mensch, wie gluecklich ich bin! +Bloss Er--Er--sein liebes Gesicht-- -- +"Na, Bub? Hast du die Sonne noch nicht?"-- + + + +MARIENLIED + + +Maria herzt ihr Kindlein +und kuesst sein rotes Muendlein; +sie weiss es nicht, +dass einst zu Golgatha +sein Kreuz wird aufgericht't. + +Der Wind mit Blumendueften +tut des Kindes Haerlein lueften; +nicht weiss der Wind, +dass einst zu Golgatha +unschuldig Blut verrinnt. + +Sein Laemmlein kommt gesprungen, +spielt um den holden Jungen; +sieht nicht von fern, +dass man zu Golgatha +einst hoehnt den lieben Herrn. + +Ihr sorgend Mutterherzen +muesst es fein still verschmerzen; +ihr wisst es nicht, +wann eurem teuren Kindlein +sein Kreuz wird aufgericht't. + + + +KORSISCHES WIEGENLIED + + +Schlafe, mein kleiner Wildling, +du schlankes Reis, schlaf ein; +draussen im Mondschein die Pappel +sieht auf dein Bett herein. + +Traeume, mein heisser Wildling; +was ballst du die kleine Faust? +Kuehl geht der Wind durchs Fenster, +die hohe Pappel braust. + +Wachse, mein trotziger Wildling, +wachse dich hoch und frei, +horch auf die herrischen Stuerme +und des Adlers stolzen Schrei! + +Raeche mich, Sohn meiner Wildheit, +raeche den Mutterleib, +Schaerfe den Dolch und toete, +toete das fremde Weib! + + + +KOeNIGSKIND + + +--1-- + +Schlafe ruhig, Koenigskind; +wie im Traume singt der Wind, +schweigend sitzt der Mond zu Haus, +giesst die weissen Strahlen aus, +giesst sie ueber das weite Land, +ueber Wald und Huegelwand. + +Taube gurrt im dunklen Laub, +Kaefer surrt und fliegt auf Raub, +Fischlein steht im Wasser still, +weiss nicht, ob es schwimmen will. +Was dir auch das Leben spinnt: +traeume, Koenigskind! + + +--2-- + +Ein Vogel flog aus dem Heimatland, +er flog wohl sieben Tage lang +ueber fremde Waelder und Seen; +da wurden ihm die Fluegel lahm, +und als er ans grosse Wasser kam, +konnt er nicht weiter. + +Ein Maegdlein musste von Hause fort, +in ein fernes Land an fremden Ort, +so bang und alleine. +Die Mutter gab ihr drei Tropfen Blut: +Tochter, liebe Tochter, wahre sie gut, +sonst trifft dich ein Unheil. + +Das Voeglein fiel aus der Hoeh herab, +brach die Fluegel beide und fand sein Grab +im oeden Lande; +das Maegdlein verlor der Mutter Blut, +verlor den Weg und verlor den Mut +und irrt in der Fremde. + + +--3-- + +Waldtaube sass gefangen, +Kuruh, das Voegelein, +wohl hinter Gitter und Stangen; +da liess das Koepflein hangen +Kuruh das Voegelein. + +Waldtaube sass am Gitter, +Kuruh, das Voegelein, +da kam ein blauer Ritter, +ein Falke an ihr Gitter: +Kuruh, mein Voegelein. + +Und bist du auch gefangen, +Kuruh, mein Voegelein, +meine Liebe zerbricht die Stangen, +zu dir will ich gelangen, +Kuruh, mein Voegelein. + +Mit seinen starken Faengen +tat er das Gitter aufzwaengen, +Kuruh, mein Voegelein. +Sie breiteten aus die Fluegel, +flogen weithin ueber die Huegel, +grad in die Sonne hinein, +Kuruh, mein Voegelein. + + + +HEIMWEH + + +Quellchen geht in den Rauschebach, +Bach geht in den Fluss, +Fluss geht vorbei am Elternhaus, +Muetterchen hoert seinen Gruss; +gruesse mir, Quellchen, gruesse mir fein +Vater und Mutter, vergiss es nicht, nein? + +Vater pfeift seinem Huehnerhund, +Mutter sorgt fuer den Herd, +Schwesterchen giesst ihre Tausendschoen, +Bruder zaeumt sich sein Pferd; +gruesse mir, Quellchen, ich bin so allein, +Bruder und Schwester, vergiss es nicht, nein? + + + +ELFENREIGEN + + + Eia, wir Elfen, + wir kommen und helfen, + eh du's gedacht, Kind, eh du's gedacht. + Wir kommen + im frommen + Geleuchte der Nacht, + Gewaender + und Baender + vom Monde erdacht; + wir schweben + und heben + im Reigenspiel sacht + die Schleier + zur Feier + der freundlichen Nacht. + Eia, wir reichen + uns schmeichelnd die weichen + Haende im gleichen + lieblichen Takt, im lieblichen Takt. + Wir gleiten + durch Weiten + der wandernden Welt, + wie ziehende + fliehende + Nebel im Feld; + wir lauschen, + dem Rauschen + der Quellen gesellt, + und schauen + die blauen + Gefilde bestellt. + Eia, wir zeigen + im silbernen Reigen + mit Nicken und Neigen +die Zauber der Welt, die Zauber der Welt. + + + +WIEGENMAeRCHEN + + +Des Mondes Tochter, Mirlamein, +kam in die warme Welt herein, +sie kam aus ihres Vaters Haus +auf einer weissen Fledermaus. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Da sass Prinzessin Mirlamein +auf einem grossen weissen Stein +mitten in bluehender Heide +in ihrem milchweissen Kleide. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +In ihren Haenden bleich und fein +hielt sie die Floete aus Elfenbein; +sie blies--das klang so hell und hold, +als ob ein Engel uns troesten wollt. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Gleich stecken alle Voegelein +den Kopf in die Fluegel und schlummern ein, +die Hirsche und Rehe im tiefen Wald +suchen ihr Lager und schlafen bald. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Gluehwuermchen loescht das Laempchen aus, +fliegt muede in sein Blaetterhaus, +die Tauben gurren im Schlaf kuruh, +mein Kind macht auch die Augen zu. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Die Floete verklingt. Vom Heidestein +wehen die Schleier der Mirlamein, +Sie winkt der weissen Fledermaus +und fliegt zum stillen Mond nach Haus. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + + + +TRAUMBALLADE + + +Traumkoenig geht durch bleiches Land, +rings gruessen ihn verstohlen +die braunen Nachtviolen; +Marlenchen geht an seiner Hand, +Marlenchen, jung Marlenchen. + +Traumkoenig geht an den Rosmarinstrauch, +da brennen die Lebenskerzen, +sie brennen mit roten Herzen; +Marlenchen fuehlt ihren heissen Hauch, +Marlenchen, jung Marlenchen. + +Traumkoenig geht am See entlang, +die Wasserelfen singen +ein Lied von kuehlen Dingen; +Marlenchen ueberkommt es bang, +Marlenchen, jung Marlenchen. + +Traumkoenig geht mit leisem Schritt +hinein in die weichen Wellen, +die silbern im Mond aufquellen; +Marlenchen geht in die Tiefe mit, +Marlenchen, jung Marlenchen. + + + +MUTTER HULE + + +(nach einer alten Volksdichtung) + + +Die alte Mutter Hule +kann reisen ohne Geld: +sie setzt sich auf den Gaenserich +und reitet durch die Welt. + +Die alte Mutter Hule, +die hat im Wald ein Haus; +der Uhu sitzt als Waechter davor, +laesst niemand 'rein und 'raus. + +Frau Hulens Sohn heisst Michel, +der ist nicht grad, nicht krumm; +am Sonntag ist er manchmal klug +und Montags manchmal dumm. + +Sie schickte ihn zum Markte, +da kauft er sich 'ne Gans; +die flatterte und schnatterte +und wippte mit dem Schwanz. + +Frau Hule holt den Ganter; +wie liebten sie sich gleich! +Sie frassen zusammen aus einem Napf +und schwammen in einem Teich. + +Des Morgens in der Fruehe +fand Michel ein grosses Ei; +das hatte die liebe Gans gelegt, +der Gaenserich stand dabei. + +Der Michel lief zur Hule: +guck, was ich dir gebracht, +ein goldnes Ei. Die Hule sagt: +das hast du brav gemacht. + +Der Michel trug's zu Markte, +drei Dukaten wollt er haben; +der Jud wollt bloss die Haelfte geben, +da schmiss er ihn in'n Graben. + +Er ging am Schloss vorueber, +da stand ein Fraeulein lilienschoen; +dem Michel schwoll das Herze, +er blieb ein bisschen bei ihr stehn. + +Der Jude und ein Ritter +fielen ueber Michel her +von vorne und von hinten, +da schrie der Michel sehr. + +Die alte Mutter Hule +flog ueber Prag und Wien, +verwandelt ihren Michel schnell +in einen Harlekin. + +Und auch das Fraeulein ruehrte sie +mit ihrem Flederwisch, +da stand ein Kolombinchen da +mit Backen rot und frisch. + +Wo blieb das goldne Ei, huchjee? +Das rollte weit ins Meer. +Der Michel zog die Stiefel aus +und sockte hinterher. + +Die alte Mutter Hule +sattelt hui die grosse Gans +und flog damit zum roten Mond, +denn da war Fastnachtstanz. + + + +EIN SINGSANG VOM RHEINE + + +Herr Steuermann, Herr Steuermann, +leg an der Brueck von Koellen an! +Ein Schifflein kommt gefahren +wohl ueber den gruenen Rhein. +Was hat das Schiff geladen? + Ei, roten Wein, + ei, weissen Wein, +den hat das Schiff geladen. + +Zu Koellen an der Bruecke, +da tagt der hohe Rat am Rhein. +Was wollen die Herren trinken? + Ei, roten Wein, + ei, weissen Wein, +den wollen die Herren trinken. + +Ein Schifflein kommt gefahren +wohl ueber den gruenen Rhein. +Was hat das Schiff geladen? + Ei, blonde Juengferlein, + ei, braune Juengferlein, +die hat das Schiff geladen. + +Zu Koellen an der Bruecke, +da tagt der hohe Rat am Rhein. +Wen wollen die Herren kuessen? + Ei, blonde Juengferlein, + ei, braune Juengferlein, +die wollen die Herren kuessen. + +Herr Steuermann, Herr Steuermann, +leg an der Brueck von Koellen an! + + + +BADEBALLADE + + +Lise Nackfisch und Hans Pitschenass +badeten im Teiche, +strampelten, tauchten, +plantschten und fauchten; + --hell lachte die alte Eiche. + +Murrian Knurr, der Pudelhund, +kam vorbei am Teiche, +erhob ein Geschrei: Herbei! Polizei! +da baden zwei, nackend und frei! + --hell lachte die alte Eiche. + +Lise Nackfisch und Hans Pitschenass +sprangen aus dem Teiche, +fassten Murrian am Kopf, an Schwanz und Zopf, +seiften ihn ein, trotz Bellen und Schrein, + --hell lachte die alte Eiche. + +Lise Nackfisch und Hans Pitschenass +baden wieder im Teiche, +hampeln und strampeln, spritzen und tauchen, +patschen und plantschen, prusten und fauchen, + --hell lacht die alte Eiche. + + + +DER TEUFEL UND DIE KATZ + + +(nach Schwinds Bildern) + + +Ein Kaetzlein ging einst jagen, +welch schoene Katz, welch feine Katz; +an einer Kirchhofsmauer, +da lag sie auf der Lauer +und fing sich einen Ratz. + +"Ach Kaetzlein, lass mich leben, +du schoene Katz, du feine Katz; +will dienen deinem Willen, +jed Wuenschlein dir erfuellen +als dein getreuer Schatz." + +Das Kaetzlein liess sich ruehren, +die schoene Katz, die feine Katz; +sie liess die Ratte leben, +tat ihr ein Laternchen geben, +zu leuchten bei der Hatz. + +"Ich tu dir wacker helfen, +du schoene Katz, du feine Katz; +brauchst bloss die Oehrlein spitzen, +da laufen aus Spalt und Ritzen +Langschwaenze auf den Platz." + +Der Ratz ward gross und groesser-- +"Du schoene Katz, du feine Katz, +wir wollen beid spazieren, +am Arm will ich dich fuehren +als dein getreuer Schatz. + +Dein Schwaenzlein will ich kaemmen, +ei schoene Katz, ei feine Katz!" +Er rupft sie zum Erbarmen, +kein Mauen hilft der armen, +vor Schmerz tut sie 'nen Satz. + +Haett ich dich doch gefressen, +ich gute Katz, ich feine Katz; +ein Untier bist du worden, +wirst mich gewiss noch morden, +du Ungetuem von Ratz. + +Er sprang ihr auf den Ruecken: +"Hei, Schoene Katz, hei, feine Katz, +jetzt habe _ich_ zu sagen, +musst mich als Reiter tragen +auch ohne Zaum und Latz. + +Jetzt fahren wir zur Hoelle, +du schoene Katz, du feine Katz; +heidi, ein Katzenbraten +wird dem Teufel schon geraten, +ich schuer den Ofen, Schatz." + + + +DER ESEL UND DIE LOeWENHAUT + + +(nach der Fabel von Hans Sachs) + + +Ein Muellersmann aus Oberwesel +hatt 'nen gewitzten jungen Esel; +der weidete auf gruenem Gras +und dachte sich so dies und das, +wollt fuer sein Leben gern auf Erden +was Bessers als ein Esel werden. +Da fand er--und sein Herz schlug schnell-- +ein unversehrtes Loewenfell. +Er kriecht hinein, es passt ihm gut, +er fuehlt auch gleich des Loewen Mut +und denkt mit innerstem Behagen: +nun brauchst du nicht mehr Saecke tragen. +Stolz trabt er durch den Wald daher, +tut ganz, als ob ein Leu er waer, +schuettelt die Maehne, schlaegt mit dem Schweif +und setzt die Tatzen breit und steif. +Das Haeslein spitzt das lange Ohr, +die Sache kommt ihm kitzlig vor, +es springt hinweg; das Rehlein auch. +Wie freut sich da der eitle Gauch! +Und als der Mueller, der ihn sieht +von weitem, auch erschrocken flieht, +kann er vor Wonne kaum sich fassen, +muss laut sein I-A toenen lassen. +Da merkt der Mueller, wen er hat, +pruegelt den Esel muerb und matt +und schimpft ihn aus: du dummes Vieh! +zum Loewen wird ein Esel nie; +du hast mich mit dem Fell genarrt, +das sollst du buessen, Esel, wart! +und schlaegt und pufft ihn immer mehr. +Der Esel haengt die Ohren sehr, +als so sein Meister ihn verblaeut; +sein Hochmut hat ihn recht gereut, +wollt fuerder Saecke tapfer tragen, +nie mehr nach Loewenhaeuten fragen. + + + +EIN SPATZENGESPRAeCH + + +Ich war in Fez durch die Buden gewandelt +und hatte einen Ring erhandelt +mit einem seltsam geschliffenen Stein; +sollte der Ring Koenig Salomos sein. +Wer ihn besaesse, verstuende sofort +zahlreicher Tiere Geberde und Wort, +koennte das Gras beim Wachsen belauschen, +hoerte Musik aus den Quellen rauschen, +verstuende die Sprache von Baum und Stein, +muesste aber ein Sonntagskind sein. +Nun, ich war zu meinem Frommen +Beim Glockenlaeuten auf die Welt gekommen, +nahm meinen Ring, bezahlte bar, +und--war jetzt klueger, als ich war. + +Froehlich ging ich zur Stadt hinaus, +wusste da ein einsames Bauernhaus, +warf mich glatt in die Fruehlingsruh, +kaute Halme und pfiff dazu, +dachte an dies und dachte an das, +wie so gedeihlich aus Ernst und Spass +die Welt sich verbastelt zum Gottgetriebe, +dachte an Glauben, dachte an Liebe, +und wie hellauf ueber Zacken und Kanten, +trotz Pflichten, Gesetzen und alten Tanten, +das Leben in neue Blueten schiesst, +in die der Saft der Zeit sich ergiesst. +Dachte und dachte, eiferbeflissen, +glaubte den Weg aller Wege zu wissen, +genau der Laenge nach und der Breite, +der die Welt zum Heile geleite; +dachte-- --was man so buntes denkt, +wenn ueber einem die Sonne haengt. + +Neben mir bluehte lichtblauer Flieder; +ein Spatzenpaerlein liess sich drin nieder, +die plusterten zaertlich die dicken Haelschen, +zogen sich Federchen aus den Pelzchen, +sahen recht verliebt darein, +mussten wohl jung verheiratet sein. +Doch das Schweigen waehrte nicht lange, +bald war eine Unterhaltung im Gange; +ja, mein Ring kam mir trefflich zustatten, +deutlich verstand ich das Plaudern der Gatten +und durfte mit Vergnuegen ermessen, +sie hatten hoehere Interessen. + +"Maenne," sagte das Spatzenfrauchen +und rueckte naeher an ihr Grauchen, +"du bist so klug vom vielen Reisen, +koenntst mich ein wenig unterweisen. +Sag mir doch, was die Menschen wollen, +wenn sie die Erde in dicken Schollen +aufwerfen; nie kriegen sie genug +von ihrem Getue mit Spaten und Pflug." +"Hm," sagte der Spatzmann mit Bedacht, +nachdem er ein Weilchen nachgedacht, +"Hm, in der Erde gibt's schoene Dinge, +Zum Beispiel Kaefer und Engerlinge, +die werden sie brauchen zu Schmaus und Festen +und werden damit ihre Jungen maesten. +Auch Koerner graben sie sehr gescheit +in den Boden ein; und wenn's friert und schneit, +und es ist Futtermangel im Haus, +graben sie alle wieder aus." + +"Du bist doch der gescheiteste Spatz," +sagte die Spaetzin, "mein trautester Schatz. +Doch noch was andres wollt ich dich fragen, +du kannst mir sicherlich auch sagen, +warum die Sonne morgens aufsteht +und abends wieder untergeht; +ich habe mir seit vielen Wochen +umsonst darueber den Kopf zerbrochen." +Der Spatz putzt sich den Schnabel und spricht: +"Kleines Naerrchen, das weisst du nicht? +Wie sollten wir Voegel anders wissen, +wann wir morgens ausfliegen muessen? +Die Sonne ist da, um uns zu wecken +und abends uns wieder ins Nest zu stecken." + +"Ja, ja, nun wird mir alles klar," +sagte das Weibchen; "ganz offenbar +hast du da recht. Doch in der Nacht +der Mond? fuer wen ist der gemacht?" +"Der Mond? Ach, nenn mir den Falschen nicht; +der haelt es mit dem Katzengezuecht, +lockt Marder und Eulen auf unsre Brut, +drum hass' ich ihn mit aller Wut." +Und zornig straeubt der kleine Mann +die Federn und sieht sein Weibchen an. +Das draengt sich an ihn, zaertlich, dicht, +glaettet ihm die Daunen an Hals und Gesicht +und fluestert erschrocken: "Du hast ja recht, +der meint es gewiss mit uns Voegeln schlecht; +nie nenn ich ihn wieder. Doch sag mir, du Bester, +ob nicht auch in der Menschen Nester +die Sonne Licht und Waerme bringt, +dass alles frueh aufsteht und singt?" + +"Nein, Kind, fuer _uns_ ist die Sonne gemacht, +uns bringt sie Tag, uns bringt sie Nacht. +Die Menschen haben in ihren Zimmern +ihre eignen Sonnen, ich sah sie flimmern. +Als ich mal nachts, aus dem Schlaf geschreckt, +an ein Fenster stiess, hab ich's entdeckt: +sie machen bloss knips, dann haben sie Licht, +die brauchen unsre Sonne nicht." + +Das Spatzenfrauchen schien ganz beglueckt +von so viel Klugheit und sah entzueckt +ihr Maennchen an: "Du bist ein Genie, +und weisst auch sicher, warum und wie +die Menschen in ihren Steinhaeusern kleben +und nicht so frei wie wir Voegel leben?" + +Das Spaetzchen guckte ein wenig ins Land, +hatte aber die Antwort schnell bei der Hand: +"Vor Mardern und Eulen und Katzengetier +sind sie in den Haeusern viel sichrer als wir, +und, was der wichtigste Grund von allen, +kein Junges kann aus dem Neste fallen. +Ja, ja, die Menschen haben Geist, +sind auch den Voegeln gefaellig meist, +haben sie doch von Land zu Land +lauter feste Draehte gespannt, +damit unsre Wandrer scharenweise +sich ausruhn koennen auf der Reise. +Auch Versammlungen werden von Jungen und Alten +im Herbste darauf abgehalten; +wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet, +so praktisch haben sie's eingerichtet." + +"Glaub's schon, die Menschen sind recht klug, +aber noch immer nicht klug genug," +sagte das Weibchen; "was wuerden sie geben, +koennten sie frei in den Lueften schweben, +doch sind sie zu ungeschickt zum Fliegen +und werden niemals Fluegel kriegen." + +"Bloss mit den dicken seidenen Baellen +steigen sie manchmal tausend Ellen," +lachte das Maennchen; "was nur die tollen +Leute bei uns in den Lueften wollen? +Jetzt baun sie sogar allerhand Gestelle +und rasen herum mit Windesschnelle. +Auch der Dompfaff lachte neulich +und meinte, er faende die Dinger abscheulich; +sinnlos waer dies Gefliege und Rattern, +kein Muecklein koennt man dabei ergattern. +Ernsthaft sitzen sie in dem Kahn +und gucken die Welt durch Roehren an; +es ist wirklich lachhaft mitanzusehn. +Komm, Schatz, wir wollen zu Bette gehn; +fuer heute hast du genug profitiert, +morgen wird wieder ein Stuendchen doziert." +Eine Weile noch plusterte da was rum, +dann waren die Plappermaeulchen stumm. + +Ich aber ging uebers stille Feld; +so malt sich in Spatzenkoepfen die Welt, +dacht ich und laechelte ueberlegen. +Da hoert ich's in den Lueften sich regen, +eine alte Esche rief mir zu: +"Wieviel ist der Spatz denn beschraenkter als du? +Seid ihr Menschen nicht auch allesamt +zu solchen unwissenden Tierlein verdammt, +die das grosse Warum und das ewige Wie +mit ihrer taeppischen Kindsphantasie +zu begreifen suchen? Duerft ihr vertraun +dem Funken in euch und aufwaerts schaun? +Sind eure stolzesten Gruebler und eifrigsten Spaeher +der Gottheit nur um ein Strichelchen naeher?" +So sprach die Esche. Ich sah in die Weiten, +sacht fuehlt' ich den Ring mir vom Finger gleiten, +scheu blickt' ich hin--er war verschwunden, +und niemals hab ich ihn wiedergefunden. + + + +DREI KOBOLDSTREICHE + + +Fixfax der arge Kobold spricht: +die Langeweile bekommt mir nicht, +ich will in lustigen Abenteuern +den alten Koboldruhm erneuern, +denn geht's den Menschen allzu glatt, +wird ihre Seele stumpf und matt. +Drum will ich sie in diesen Tagen +ein wenig necken, ein wenig plagen; +ein Kobold will doch auch mal lachen, +sich ueber die Menschlein lustig machen, +die den Kern aller Dinge glauben zu kennen +und sich so leicht die Finger verbrennen. +Drum, Fixfax, auf zu keckem Wagen, +stoer ein bisschen ihr Wohlbehagen, +brauchst sie ja nicht ins Unglueck zu hetzen, +ihnen bloss ein paar sanfte Pueffe versetzen. + + +ERSTER STREICH + +Ei, wie stroemen Wohlgerueche +aus Frau Puffkes Wirtschaftskueche, +denn fuer hungrige Soldaten +will sie grad ein Ferkel braten; +alles ist schon gut bereit +und die Essenszeit nicht weit. +Fixfax nun, das muntre Maetzchen, +klettert hurtig wie ein Kaetzchen +hoch hinauf zu Schornsteins Rand, +setzt sich listig und gewandt +mitten auf das Loch da, schwapp, +und nun zieht der Rauch nicht ab; +rueckwaerts stroemt er in die Kueche, +weg sind alle Wohlgerueche, +und Frau Puffke steht und hustet, +krebsrot im Gesicht, und prustet, +kann dem dicken Rauch nicht wehren, +sich die Sache nicht erklaeren. +Rennt zum Schornsteinfeger Krause, +aber der ist nicht zu Hause; +niemand weiss, wo Krause schweift, +und Frau Puffke steht und keift, +denn die Uhr laeuft immer weiter. +Endlich kommt er mit der Leiter, +um den Schaden zu ergruenden, +doch er kann durchaus nichts finden; +denn der Fixfax, wohlbedacht, +hat sich aus dem Staub gemacht, +und Herr Krause mit dem Besen +brummt, die Sonne sei's gewesen. +Vier Uhr schlug's, als die Soldaten +endlich kriegten ihren Braten. + + +ZWEITER STREICH + +Vor dem Spiegel, kerzengrad, +steht Herr Amtsvorsteher Plath; +tadellos und mit Geschmack +sitzt die Hose und der Frack, +ausgezeichnet auch die glatte +bluetenweisse Taftkrawatte, +Kragen, Vorhemd, _comme il faut_, +und Herr Plath ist seelenfroh. +Langt noch sorglich aus dem Schrank +den Zylinder blitzeblank; +nimmt dann Stock und Handschuh munter, +steigt voll Stolz die Treppe runter, +denn er ist heut eingeladen +Zum Empfang bei ihrer Gnaden +der Prinzessin Schneckenstein, +und das hebt ihm Brust und Bein. +Fixfax aber dachte gleich: +wart, dir spiel ich einen Streich. +Auf den Taubenboden geht er +und nach losen Federn spaeht er, +sammelt allen Flaum ins Saeckchen, +blaest verschmitzt das ganze Paeckchen +ueber Plathens neuen Frack +und auf seinen _Chapeau-claque_. +Plath sieht ganz befiedert aus, +doch er ahnt nichts von dem Graus, +steuert durch die Nacht geschwind, +denkt bloss: was fuer'n arger Wind! +tritt mit Wuerde in den Saal, +Alle lachen--o Skandal! +Bis er endlich sich besieht +und geknickt von dannen flieht. +Draussen denkt er aergerlich: +So ein Pech, das hab nur ich! + + +DRITTER STREICH + +Auf des Sofas weichem Grunde +schlummert sanft mit offnem Munde +Pastor Pfannkuch. Nur die Fliegen +summen sich was zum Vergnuegen, +sonst ist's muckstill. Fast erledigt +liegt der Text der Sonntagspredigt +auf dem Schreibtisch. Sonnenfleckchen +spielen in den Zimmereckchen; +nichts bedroht den tiefen Frieden, +der dem frommen Mann beschieden. +Doch da stiehlt sich in die Stube +Fixfax, dieser lose Bube, +kichert, faengt ein Dutzend Fliegen, +die sind hier sehr rasch zu kriegen, +tunkt sie in das Tintenfass, +bis sie gaenzlich schwarz und nass, +laesst sie dann gleich wieder fliegen +und entfernt sich mit Vergnuegen. +Nach 'nem Weilchen, ach Herrjee, +kommt Frau Pastor mit dem Tee, +ruft voll Abscheu, Schreck und Graus: +Berthold! Mensch, wie siehst du aus! +bist ja wie'n Idiot beschmiert, +Backen, Nase, schwarz karriert! +Himmel, auch die neue Predigt +ist beschmudelt und beschaedigt, +und auf meinen weissen Deckchen +grinsen lauter Tintenfleckchen! +Mann, wie hast du das getan? +Und sie sehn sich gruebelnd an... + +Fixfax aber, auf der Wacht, +sitzt im Mauseloch und lacht +sich ins Faeustchen ohne Reue, +und--gebt Acht--er wird sich neue +Schelmentaten ausklabuntern, +um uns Menschen aufzumuntern. + + + +SPUK + + +(nach alten Mustern) + + +Der Bauer schlaeft im Hirsekraut; +wer faehrt dem Bauer sein Heu nach Haus? +Der rote Mond guckt uebern Strauch, +der Bauer schlaeft und wacht nicht auf. + +Wer faehrt dem Bauer sein Heu nach Haus? +Aus ihrem Loche lugt die Maus, +der Fuchs schleicht sacht aus seinem Bau; +der Bauer traeumt und wacht nicht auf. + +Der Mond scheint hell und hoch herauf, +der Marder schleicht durchs fahle Laub, +die Eulen huschen schwarz und grau; +der Bauer stoehnt, doch wacht nicht auf. + +Husch, horch: Wer trippelt und trappelt zu Hauf? +Wer spannt die mueden Gaeule aus? +Die Gaeule wissen den Weg nach Haus; +der Bauer schlaeft im Hirsekraut. + +Wer kichert in des Wagens Bauch? +Wohin rollen die Raeder ohne Ruck, ohne Laut? +Wer haelt sie an am Garten, am Zaun? +Wer fuhr dem Bauer sein Heu nach Haus? + +Der kommt verstoert beim Morgengraun: +O Frau, mein Heu! O Frau, mein Traum! +Die Frau fuehrt lachend ihn zum Zaun, +da zupft die Ziege vom Wagen das Kraut. + +"Schlaf andermal nicht und sei nicht faul, +wenn der Vollmond steigt uebern Berg herauf; +die Kobolde fuhren dein Heu nach Haus, +jetzt geh und leg ihnen Speck und Kraut." + + + +DER MAeRCHENKOeNIG UND SEIN TOeCHTERLEIN + + +Herbei, ihr kleinen Wichte, +Kobold, Alraun und Wurzelmann, +schafft hunderttausend Lichte +und putzt damit die Baeume an! +Bis in die hoechsten Spitzen +soll Licht bei Lichtlein blitzen. + +Der Mond und alle Sterne +sind doch bloss blasser Himmelsschaum; +mein Toechterlein will gerne +den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum. +Drum macht, wie ich euch sage, +die Nacht zum hellen Tage! + +Der Maerchenkoenig spricht's. Im Nu +geht's an ein Lichterkneten; +kein einziger sieht muessig zu, +goennt kaum sich Zeit zum Beten. +Und als die Heilige Nacht heran, +zuenden sie alle Kerzen an. + +Hei, war das ein Gestrahle, +ein Leuchten, flimmern, ueberhell, +als brach mit einem Male +von Fels zu Fels ein Feuerquell. +Auf Zweig und Aeste blicken +die Baeume mit Entzuecken. + +Der Meister fuehrt sein Toechterlein +durch diese Weihnachtspracht. +Sie schreitet wie im Sonnenschein, +fuehlt Kaelte nicht noch Nacht, +und fluestert traumverloren: +Die Liebe ward geboren. + +Da rauschte durch die Weiten +dies wundersame Wort, +in Erd- und Himmelsbreiten +pflanzt es sich heilig fort. +Mit hunderttausend Kerzen +glueht's heut in allen Herzen, +klingt's heut durch alle Ohren: +Die Liebe ist geboren! + + + +WEIHNACHTSGANG + + +Es war zur lieben Weihnachtszeit, +die Waelder lagen tief verschneit, +im Acker schlief in guter Ruh +das Korn und traeumte dem Fruehling zu, +die Winternachmittagssonne stand +wie ein gelber Fleck an weisser Wand-- +da schritt ich hinaus in die blinkende Weite +und summte ein Lied mir zum Geleite. + +Wie ich so ging auf stillen Wegen, +kam mir ein seltsamer Zug entgegen. +Ein Eselchen ganz vollgesackt +mit Schachteln und allerhand Kram bepackt, +Schritt langsam durch die Felderruh; +Sein Fuehrer rief ihm bisweilen zu, +es war ein Alter in weissem Haar, +mit Runzelgesicht und sonderbar +altmodischem Pelzwerk, sonst gut bei Kraeften, +die Fuesse staken in hohen Schaeften +und kamen munter mit Hott und Hueh +grad auf mich zu samt dem Eselsvieh. +Potz Blitz, faellt mir auf einmal ein, +das muss doch der Gottesknecht Ruprecht sein. +Ich blicke scharf in das baertge Gesicht: +"Gruess Gott, mein Alter, kennst du mich nicht? +Ich hab doch oft dein Loblied gesungen, +und all die Maedels und all die Jungen, +die noch an Mutters Rockzipfel haengen +oder sich auf den Schulbaenken draengen, +kennen dich wie ihre grossen Zehen, +doch hat wohl noch niemand dich draussen gesehen. +Sonst kamst du immer auf heimlichen Wegen +uns erst in der heimlichen Stube entgegen +mit Sack und Pack und netten Geschenken; +was soll ich, Weihnachtsmann, von dir denken? +Da stehst du nun mit Haut und Haar, +bist nicht ein bisschen unsichtbar, +wie es dir zukommt."--"So ist meine Art," +brummte der Alte und strich sich den Bart, +"ich denke mir gern Ueberraschungen aus, +fuer diesmal mach ich's ausserm Haus; +komm mit, da sollst du was erleben, +das wird ein Extra-Vergnuegen geben." +"Topp," rief ich, "Alter, ich bin dabei, +ich hoere gern lustiges Kindergeschrei." + +So schritten wir ruestig zur Stadt. Am Tor +langte Ruprecht ein hoelzernes Pfeifchen hervor +und blies. Wie konnte der Alte pfeifen! +Jetzt lernt ich den Rattenfaenger begreifen: +aus allen Strassen, aus Tuer und Tor +--mir klingt der Laerm noch immer im Ohr-- +mit Jubeln und Lachen, in bunten Haufen +kamen wohl hundert Kinder gelaufen. +Sie tanzten um Ruprecht, bettelten, baten, +eins um 'ne Kutsche, eins um Soldaten, +eins um ein Pueppchen, eins um ein Buechlein, +eins um ein Roesslein, eins um ein Tuechlein, +und Ruprecht langte in seinen Sack +und gab, was es wuenschte, dem kleinen Pack. +Ja, jedes Kind durfte etwas erlangen; +aber die uebermuetigen Rangen +schrien durcheinander und wollten mehr, +kletterten ueber das Eselchen her, +zupften den Ruprecht an Bart und Kragen, +wollten ihm gar die Saecke wegtragen. +Da wurde es aber dem Alten zu bunt, +er nahm sein Zauberpfeifchen, und-- +schrill kam ein Ton. Wie erschraken sie doch. +Sie wurden ganz kleinlaut, man hoerte nur noch: +"Komm, Fritzchen--Hans, lass doch--nicht schreien, Marie-- +Knecht Ruprecht wird boese--seht ihr nicht wie?!" +Und sie stellten sich artig um ihn herum +und waren wie die Maeuschen stumm. +Er kommandierte: "Linksum, kehrt, +nun geht nach Hause, wie sich's gehoert!" +Da fassten die Grossen die Kleinen an: +"Gruess Gott und schoenen Dank auch, Herr Weihnachtsmann." + +Und wieder toente die Schalmei, +die Kinder trabten zwei zu zwei +und sangen lustig die Weise mit, +und fern und ferner klang ihr Schritt; +mein Blick verfolgte den kleinen Schwarm. +Wie sind ihre Baeckchen vor Freude warm-- +so dacht ich--und Freude ist der Saft, +den wir auf unsrer Wanderschaft +durchs Leben aus frohen Kindertagen +ins graue Alter mit hinuebertragen +als verjuengendes Elixier; +ein gut Teil davon verdanken wir dir, +du alter baertiger Gottgeselle! +Ich sah mich um--leer war die Stelle, +nur fern in der daemmernden Abendluft +verschwebte ein Woelkchen wie Weihrauchduft, +und durch die feiernde Stille drang +der erste hohe Glockenklang. + + + +WEIHNACHTSBESUCH + + +Laendliche Strassen, dicht beschneit. +Knirschen, Gelaeut, +ein Schlitten; +inmitten +sitzen drei kleine Leut +bis zu den Oehrchen vermummt. +Es singt und summt +von Weihnachtsglocken; +ein paar neugierige Flocken +lassen vom Wind sich herueberwehn, +wollen durchaus das Maedelchen sehn +mit den roten Kaeltebaeckchen +und den goldbraunen Zottelloeckchen +und das Buebchen daneben, +das sich eben +das immer tropfende Naeschen putzt. +Grossaeugig, verdutzt, +bis zum Maeulchen zugedeckt, +im Wollmuetzchen fast versteckt, +sitzt das Kleinste auf Mutters Schoss. +"Kutscher, ein bisschen los, +es wird kalt; +Sie wissen doch, drueben zum Foerster am Wald." +Der Alte schmunzelt und knallt +mit der Peitsche, hueh, hott-- +die Gaeule bleiben bei ihrem Trott. +... Von drueben her Lichter, +Zwei altliebe Gesichter +hinter den Scheiben: +"Wo sie nur bleiben? +Ist schon die fuenfte Stunde!" +Da knurren die Hunde, +bellen, wollen hinaus; +Grossmutter laeuft vors Haus. +Da:--Knirschen, Gelaeut, +ein Schlitten, +inmitten +sitzen vier liebe Leut. +Wie das Altchen sich freut! +Unter Lachen und Weinen +wickelt sie aus den Tuechern die Kleinen, +kuesst die Tochter, nimmt ihr das Juengste vom Knie: +"Ein praechtiges Kindchen! Gott schuetz es, Marie!" +Neben ihr sprudelt ein Zuenglein: +"Grossmutter, komm doch 'rein! +Grossmutter, sind die Huehner noch wach? +Grossmutter, Vater kommt morgen nach, +er laesst schoen gruessen." +... Auf bedaechtigen Fuessen, +als ging ihn die Sache nichts an, +kommt auch der Foerster langsam heran. +"Na? +Seid ihr endlich da?" +Gleich laeuft der Fritz auf ihn zu: +"Grossvater, Du, +guck mal drueben den roten Fleck! +och, Grossvater, nu is die Sonne weg." +"Die Sonne? Hm, lass man; drin is noch eine, +'ne ganze feine, +die wird uns bald blinken-- +nu aber, bitte, kommt Kaffee trinken." +... Der Platz wird leer, +schneestill und stumm. +Der alte Kutscher lenkt langsam um, +nickt vor sich her, +gedankenschwer, +und brummelt fuer sich: +"Der oll Foerster hett's gaud, manch enner hett's nich." + + + +KOeNIG KUCHEN UND KOeNIGIN SCHOKOLADE + + +Bei Koenig Kuchen und Koenigin Schokoladen +war ich mit Linchen heut Nacht in Gnaden +zu Gaste geladen. +Ein prachtvolles Fuhrwerk, tripp, tripp, trapp, +holte uns stolz von Hause ab. +Vorn stampften zwei schneeweisse Vollblutjucker +aus feinem biegsamen Lederzucker, +auf dem Kutschbock der dicke Mohr +kam uns marzipanisch vor, +und neben ihm der fette Mops +war ganz gefuellt mit englischen Drops. +Die Kutsche, aus weissem Zuckerkant, +erstrahlte hell wie Diamant; +sie ging auf zierlichen Suessholzraedern, +aus Vanille waren die Deichsel, die Federn, +dicke Polster aus Traubenrosinen +sollten uns als Sitze dienen, +aber in den Baetterteig-Wagentaschen +gab es allerhand Gutes zum Naschen. +Ein allerliebster Praline-Page +dienerte neben der Equipage +in einem rot kandierten Frack +und oeffnete uns den Wagenschlag. +Wir stiegen ein und fuhren im Nu +durch Russland und Asien nach China zu. +Bald kamen wir in jenes Land, +wo Koenig Kuchen, der Suesse genannt, +unumschraenkt herrscht in seinen Reichen +mit seiner Fuerstin ohnegleichen, +der herrlichen Koenigin Schokolade, +die uns zum Fest befohlen in Gnade. + +Das goldgelb glacierte Ballfesthaus +sah wie ein riesiger Napfkuchen aus, +umgeben von einem Spritzkuchengitter; +als Wache davor zwei braune Ritter +aus Pfefferkuchen mit Gussfiligran, +die hatten Knackmandel-Harnische an. +Als Fuehrer dienten mir und Linchen +zwei allerliebste Thorner Kathrinchen; +sie verbeugten sich hoeflich als wir kamen, +und sagten: bitte, meine Damen. + +Ach, Kinder, wie das Herz mir lacht, +denk ich zurueck an all die Pracht! +Die Waende waren von Makronen, +verbraemt mit Schokoladenbohnen, +aus gruenen Bonbons die glatten Dielen, +dass wir nachher beim Tanz fast fielen, +die Saeulen aus maechtigen Baumkuchentorten +von den allerhoechsten und edelsten Sorten, +die Tische aus marmoriertem Konfekt, +mit drolligen Lutschfiguerchen bedeckt, +die Stuehle Faesschen mit Gelees, +mit Eingemachtem und Knusperknees; +rings auf appetitlichen Zimmetstaffeln +lagen Biskuits und Keks und Waffeln. +Im Hintergrunde ein Gletschersee, +mit Vanille-Eisbergen und Schlagsahnen-Schnee, +entsandte in doppelter Kaskade +Zitronen- und Himbeer-Limonade; +und hoch ueber allem, im glanzvollen Saal, +strahlte eine Sonne aus Zucker-Opal. + +In der Mitte aber stand ein Thron, +gebaut aus Bretzeln mit blauem Mohn, +darauf sass liebreich in ihrer Gnade +die herrliche Koenigin Schokolade. +Sie harrte huldvoll, bis die Schar +der Kinder ganz versammelt war, +die sie aus kalter und warmer Zone +herbefohlen zu ihrem Throne, +um ihnen mit koeniglichen Haenden +von ihren suessen Kleinodien zu spenden; +ihr hoher Gemahl, der Koenig Kuchen, +hatte Muehe, sie auszusuchen. +Da waren Kinder aus Deutschland und Spanien, +aus Frankreich, Chile, Mesopotamien, +Kinder von Kaffern und Hottentotten, +von Persern, Eskimos und Schotten, +Kinder aus Sueden und Kinder aus Norden +von den feinsten Familien und den wildesten Horden, +denn alle Kinder zu allen Zeiten +essen gerne Suessigkeiten. + +An der Koenigin Seite, im leckeren Grase +machte Maennchen ein stattlicher Osterhase, +und als die Kinder versammelt waren, +ordnete er die bunten Scharen; +rechts gingen die Maedchen, links die Knaben, +so wollt es der Koenig Kuchen haben, +und jedes Kind in jeder Reih +bekam ein praechtiges Osterei, +die Maedchen blaue, rote die Jungen, +dann ist das Haeschen davongesprungen. + +Nun fing die Kapelle zu spielen an, +vorn geigte ein Nuernberger Lebkuchenmann; +ich sag euch, es war 'ne Musik fuer Kenner, +und waren doch alles gebackene Maenner, +mit Rosinenaugen und Mandelnasen, +und konnten so lieblich floeten und blasen. +Es wurde getanzt, gespielt, gelacht, +damit verging die schoene Nacht. +Zuguterletzt, nicht zu vergessen, +wurde alles aufgegessen, +artig gedankt und Abschied genommen; +wir fuhren heim, wie wir gekommen, +und erwachten in unserm Bett-- +Kinder, Kinder, wie war das nett!-- + + + +DER ERSTE MAI + + +Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten, +immer weiss man nicht neue Geschichten; +oft sind die Maerchengeister stumm, +als waeren sie wer weiss wie dumm, +und alle Waende grinsen mich an, +als haett ich ihnen was angetan. +So war's auch neulich. Bei mir zu Haus +sah alles oede und langweilig aus, +da bin ich in den Abend geschlendert; +der Himmel hing rosenrot umbaendert, +die Wolken tuermten sich wie ein Tor, +ploetzlich stand ich grade davor +und sah hinein in das Himmelsschloss. +"Na, Petrus, was ist denn hier oben los?" +fragt ich; "hier sieht's ja munter aus." +Da schmunzelt der alte Waechter vom Haus +und sagt mir--aber ihr duerft nicht lachen--: +Im Himmel waere gross Reinemachen, +die Jungfrau Maria taet revidieren +und die himmlischen Scharen zum Scheuerfest fuehren. +Die kleinsten Englein muessten ran, +kriegten grosse Schuerzen an, +duerfte keins spielen und muessig bleiben, +muessten fegen und wischen, seifen und reiben. +Da wuerden die Sterne blitzblank geputzt, +den kleinen Kometen die Schwaenzchen gestutzt, +der Himmel mit Wunderblau lackiert, +der Regenbogen neu ausstaffiert; +dem Vollmond wuerde, wie er sich auch steift, +mal gruendlich wieder die Glatze geseift, +und damit am klaren Firmament +die liebe Sonne schoen leuchten koennt, +wuerden die Wolken fest ausgedrueckt +und hinter den Horizont geschickt. +Wenn alles fertig, wueschen sich +die Englein die Fluegel saeuberlich-- +denn morgen sei ja der erste Mai-- -- +Ich fragte, was an dem Tage sei, +da blitzte mich Petrus an und sprach: +"Na, weisst du, das ist doch wirklich 'ne Schmach; +da sieht man wieder, wie wenig ihr wisst, +nicht mal, wann Gottes Geburtstag ist." +Na, Kinder, ich machte ein dummes Gesicht; +das wusst ich bei aller Gelehrsamkeit nicht. +Doch nun wurde mir auf einmal klar: +Darum putzt sich die Erde Jahr fuer Jahr +mit Blumen und Kraeutern im bunten Gemisch, +darum gruenen die Hecken, die Baeume so frisch, +darum ueben die Voegel die Festmelodie, +und Bienen und Grillen begleiten sie, +darum wird dem Menschen die Freude so gross, +als saess er dem lieben Gott im Schoss, +wenn der Maiwind kommt ueber Berg und Tal-- +nun begriff ich den Fruehling mit einem Mal. +Und ich fragte Petrus aus froher Seele: +Erlaubst du, dass ich das weiter erzaehle? +"Immerzu," sagte der und strich sich den Magen; +"kannst den neugierigen Leuten gleich noch sagen, +dass an Gottes Geburtstag, dem ersten Mai, +auch der Tanztag fuer Teufel und Hexen sei. +Sonst duerfen sie, zu Aller Segen, +sich keinen Schritt ohne Leine bewegen; +doch an dem Tage sind sie frei, +--da macht die Bande genug Geschrei," +entfuhr es brummend dem alten Knaben-- +"doch Gott ist der Herr und will es so haben. +Er sieht in hoher heiliger Ruh +dem tollen Blocksbergvergnuegen zu; +und treibt es einer zu arg von der Sippe, +kommt er sofort wieder an die Strippe. +Nun aber leb wohl, ich wuensch gute Nacht, +um neun wird der Himmel zugemacht." +Langsam schloss sich das Wolkentor; +ich ging, ein Liedchen klang mir im Ohr. +Zu Haus in heimlicher Abendruh +nickt ich den Sternen froehlich zu +und betete: Ich bin nur ein Zwerg, +und die herrliche Welt, sie ist dein Werk, +o Gott; du hast alles, nichts kann man dir schenken, +nur deiner in Freude und Demut gedenken. +So nimm dieses Liedchen, ich hab es erdacht +in dieser Fruehlings-Geburstagsnacht. + + + +WETTERWUNSCH + + +Scheine, Sonne, scheine, +die Waesch haengt auf der Leine; +unsre Hemden, unsre Socken, +mach sie uns bis Sonntag trocken, +scheine, Sonne, scheine! + +Rausche, rausche, Regen, +gib uns deinen Segen, +wasch die armen Suender rein, +gib uns Brot und gib uns Wein, +rausche, rausche, Regen! + +Zu best ist allerwegen +Sonnenschein _und_ Regen; +auch der Wind muss pfeifen, +soll die Ernte reifen. +Regen, Wind und Sonnenschein +moegen bei unserm Hause sein! + + + +HAMMERLIEDCHEN + + +Pink, pank, Hammerschlag, +der Nagel hat 'nen Kopf; +und wenn er keine Spitze hat, +ist er ein armer Tropf. + Mein Haemmerlein du, + schlag zu, schlag zu! + +Pink, pank, Hammerschlag, +hast du der Naegel zehn +und nagelst du ein Saerglein zu, +ist's um einen geschehn. + Mein Feuerlein du, + blas zu, blas zu! + + + +IM SONNENSCHEIN + + +(nach einer alten Fabel) + + +Kribbel-krabbel-Kaefer +laeuft hinab zum See, +er kommt vom gruenen Huegel, +hell leuchten seine Fluegel + im Sonnenschein. + +Kommt der Fisch geschwommen, +Sperrt das Fischmaul auf, +da ist in zwei Sekunden +der Kaefer drin verschwunden + im Sonnenschein. + +Ueberm See der Reiher +sieht, wies Fischlein schnappt, +nimmt seinen spitzen Schnabel +und spiesst es auf die Gabel + im Sonnenschein. + +Wie nun stolz der Reiher +seine Kreise zieht +mit leuchtendem Gefieder, +knallt ihn der Jaeger nieder + im Sonnenschein. + + + +WANDERLIED + + + Sonnenlichter, + Fruehlingswichter +spielen auf der dunkeln Wand. +Pruefend oeffne ich das Fenster; +seht die Wolken, die Gespenster +loesen sich am Himmelsrand. + + Holla, Jungen, + aufgesprungen, +schnell das Raenzel aus dem Spind! +Kommt, wir wandern durch die feuchten +Saaten; wie Smaragden leuchten +Halm an Halm im Morgenwind. + + Feste Schritte, + Maennersitte; +wie die Ferne lockt und wirbt! +Und wir lassen sie im Schreiten +achtlos oft voruebergleiten, +bis sie hinter uns erstirbt. + + Hohe Ziele, + nicht zum Spiele; +immer steiler waechst der Pass. +Aber oben wolln wir rasten +nach der Arbeit, nach dem Fasten; +Jungens, trinkt, ich komm euch was! + + Hoch im Blauen + selig Schauen, +unter uns der Erde Glueck! +Doch es zieht mit tausend Armen +immer wieder zu den warmen +Menschenstaetten uns zurueck. + + + + + +VIERTER TEIL + + + +SPRUCH FUeRS LEBEN + + +Hinueber, hinein! +ueber Wipfel und Stein! +die Herzen zu baden +im Goldsonnenschein! +Auf schwierigen Pfaden +zu lichten Gnaden! +ueber Wipfel und Stein, +hinunter, hinein! + + + +ALLERLEI RAeTSEL + + +(Die Loesungen stehen im Verzeichnis der Ueberschriften) + + +--1-- + +Ich habe Fluegel--rate, Kind-- +doch flieg ich nur im Kreise; +und singen tu ich, wenn der Wind +mir vorpfeift, laut und leise. +Was ihr den Feldern abgewinnt, +kau ich auf meine Weise; +doch was mir durch die Kehle rinnt, +das mundet euch als Speise. + + +--2-- + +Standen vier weisse Ritterchen +auf einem roten Gitterchen, +die machten alles klitzeklein +und warfen es in ein Loch hinein. +Als das die andern Ritter sahn, +zogen sie neue Harnische an, +kamen aus ihren Burgen herbei, +stellten sich tapfer in die Reih +und machten hack +und sagten knack +und warfen alles in einen Sack. + + +--3-- + +Die erste frisst, +der zweite isst, +das dritte wird gefressen; +das ganze wird zu Poekelfleisch +und Erbsenbrei gegessen. + + +--4-- + +Mein erstes ist ein Hund, +mein zweites ist ein Junge, +mein ganzes ist ein Dieb, +kein Hundejunge! + + +--5-- + +Die ersten sind ein Untertan, +die dritte ist ein Untertan, +das ganze ist ein Untertan, +wird von dem andern Untertan +unter den ersten Untertan +ganz untertaenigst untergetan. + + +--6-- + +Wenn das R am Anfang steht, +liebt man es nicht sauer; +wenn es bis ans Ende rutscht, +huet dich vor dem Hauer! + +Wenn das R am Anfang steht, +ist's ein Heldenname; +wenn es bis ans Ende rutscht, +wird's ein Waldbaumsame. + +Wenn das R am Anfang steht, +sind es boese Leute; +wenn es bis ans Ende rutscht, +gerbt man seine Haeute. + +Wenn das R am Anfang steht, +ist es eine Schale; +wenn es bis ans Ende rutscht, +wird's ein Orientale. + +Wenn das R am Anfang steht, +ist's ein klein schwarz Luder; +wenn es bis ans Ende rutscht, +ist's von "wenn" der Bruder. + + +--7-- + +Waechst einer alten Dame +ein Buckel kleinster Sorte, +verwandelt sie sich augenblicks +in ein Stueck Mandeltorte. +Doch nimmst du ihr den Ruecken, +auf dem der Buckel waechst, +hast du die alte Dame +zur trocknen Frucht verhext. + + +--8-- + +Ich stand begehrlich am Worte, +umgekehrt wuchs es nicht weit; +ein arges Diebsgelueste +besiegte die Redlichkeit. +Ich stahl das umgekehrte, +kein Argus achtete drauf; +Schmunzelnd enteilt' ich dem Worte +und ass es umgekehrt auf. + + +--9-- + +Mein erstes ist nicht wenig, +mein zweites ist nicht schwer; +mein ganzes laesst dich hoffen, +doch hoffe nicht zu sehr! + + +--10-- + +Es laeuft und hat keine Beine, +es gibt viele und doch nur eine. +Wer zuviel hat, kann's nicht verschenken; +wer zu wenig hat, muss es beschraenken. +Bald geht es langsam, bald schnell; +mal ist es dunkel, mal hell. + + +--11-- + +Christkindchen lag im Stalle +und hoerte die ersten schrein; +die zweiten tragen wir alle +zur Weihnachtszeit am Bein. + + +--12-- + +Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile; +wird es der Junge, kriegt er halt Keile. + + +--13-- + +Der Vater will's das Fritzchen +(die erste Silbe betont)-- +jedoch die Mutter bittet, +da ward der Schelm verschont. +Sie sprach: Du musst dir's, Liebster, +(die dritte Silbe betont)-- +denn Nachsicht mit den Kleinen +wird oft von Herzen belohnt. +Denk doch, wie du's dem Jungen +an Einsicht bist und Geist; +du musst was andres dasselbe, +das ihn sich bessern heisst. + + +--14-- + +Klaerchen naehte an dem ersten +und war ganz die beiden zweiten, +denn sie durfte Sonntag reiten, +Leutnant Kurt wollt sie begleiten; +ihre Augen wurden gross, +muessig lag die Hand im Schoss. + +Mutter naeht am andern Fenster, +sah's und runzelte die Brauen: +Hoere, Kind, Luftschloesser bauen +taugt nicht viel fuer fleissige Frauen, +weil man leicht die Pflicht vergisst +und zu sehr das Ganze ist. + + +--15-- + +Mariechen war's. Mit meinem Kuchen +stand ich nun da und dem Bukett. +Wo soll ich bloss das Maedel suchen? +Wenn sie doch nur geschrieben haett! + +Ja ja, ich hab sie es seit Jahren; +ich gebe zu, das war recht dumm. +Nein, welch ein ruecksichtslos Gebaren! +Und schwer geaergert kehrt' ich um. + + +--16-- + +Froh singt ihr Lied am Sommertag +die eins-zwei frueh und spat. +Die drei wuenscht jeder Juengling sich; +doch bricht er ab, ist's schad. +Das Ganze war ein Koenig, der +lustig und unverschaemt +die stolze Prinzess, die ihn nicht wollt, +bestraft hat und gezaehmt. + + +--17-- + +In eins-zwei-drei lebt ganz gemuetlich +Herr Mueller mit Herrn Schulze friedlich; +bis Mueller einst, wer haett's gedacht, +Anspruch auf Schulzes zwei-drei macht. +Da hoerte man ein boes Geschrei: +So denk doch eins, mein Herr eins-zwei! +Ich muss stets alles zwei bezahlen, +kann nicht mit zuviel zwei-drei prahlen; +kommst du noch mal mir drum ins Haus, +ist's mit der guten eins-zwei-drei aus. + + +--18-- + +Er geht in sich, um sich zu pflegen, +und ist in sich um sich verlegen. + + +--19-- + +Rate, Freund, es ist nicht schwer: +Wer's hat, hat, was er hatte, nicht mehr. +Wer's aber ist, den aefft des Teufels Brut; +man sperrt ihn ein und fuerchtet seine Wut. + + +--20-- + +Wer es hat, der ist betruebt; +aber froh und stolz, wer's gibt. + + +--21-- + +Das Wort pflegt zu erhoehn +den Glanz des Edelsteins; +solang man es bewahrt, +ist man der Herr des Seins. + + +--22-- + +Sind es die Feinde, muss man sich wehren; +sind's deine Backen, musst du sie naehren. +Ist mir's ein Raetsel, schreib ich es nieder; +ist es mein Haus--nun, so bau ich es wieder. + + +--23-- + +Wenn es von Freund und Liebchen kommt, +oder von dir verfasst, +so liebst du wohl das erste Wort; +sonst ist es dir verhasst. + +Das zweite Wort, so klug wir sind, +machen wir Menschen viel; +und was dich reut, oft andre freut +im schadenfrohen Spiel. + +Der Schluss: gefuerchtet und geneckt, +teils boshaft und teils dumm, +geht er als Geist des Widerspruchs +in Schrift und Maeren um. + +Die drei vereint: wir stehn verdutzt, +wie Zufalls Koboldmacht +das Wort entstellt, den Sinn verdreht-- +man aergert sich und lacht. + + +--24-- + +Zwei Worte weiss ich, die einander feind, +das eine sucht das andre zu verderben, +in beiden muessen viel Geschoepfe sterben; +und hast du sie zu einem Wort vereint, +eint sich auch ihre zehrend boese Kraft, +schon manchen Volksstamm hat es hingerafft. + + +--25-- + +Auf der hoechsten Berge Ruecken +ist es immer leicht zu finden, +wo die kleinen Gletscherbaeche +schaeumend sich zu Tale winden. + +Tausch die Silben--ach, verlegen +steh ich vor gemischten Dingen, +Chemiker und Apotheker +moegen dir die Loesung bringen. + + +--26-- + +Ich hab keine Haende und kann doch tragen, +hab keine Flinte und kann doch jagen; +kann klettern und schwere Lasten heben +und bin doch ein zartes, hinfaelliges Leben. + + +--27-- + +Viel Glieder hab ich, die einander gleichen. +Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade, +doch himmelshell fuehr ich empor zur Gnade; +manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen. + +Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen; +denn Ehre traegst du neben mancher Last, +die arbeitsfroh du uebernommen hast, +ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade. + + +--28-- + +Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder; +mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder. +Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder, +bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brueder. + +Hitze und Kaelte trag ich, hin und wider; +uebt mich der Knabe, staerkt er seine Glieder. +Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder; +den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder. + + +--29-- + +Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant, +teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will. +Bescheiden bin ich selten, niemals still; +ja, Schweigen ist mir gaenzlich unbekannt. + +Ein Wort fueg an, das keiner gern empfaengt +und das die Kinder schreckt von Alters her; +doch ohne es faellt manche Arbeit schwer, +weil's feste Massen auseinander draengt. + +Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen, +die im Geroell sich finden, glatt und spitz; +du hebst sie auf und freust dich an dem Witz, +den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen. + + +--30-- + +Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt +in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt; +dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft +vertiefte ich den Blick der Forschungskraft. +Ein Wort fueg an, das sich der Mensch gesetzt +zur Ordnung gegen den, der sie verletzt; +der Fromme fuehlt es oft von Gott gesandt, +ans Letzte, Juengste denkt er furchtgebannt, +an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid-- +da ist das Ganze eine Seltenheit. + + +--31-- + +Die erste Silbe fuehrt die krause Schar, +die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit. +Die zweite toent durch Weiten hell und klar, +ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit. +Und wenn der tapfre Krieger +sein junges Leben gab, +faellt ihm vielleicht der Schatten +des Ganzen auf sein Grab. + + +--32-- + +Ein deutscher Meister war es, gottgesandt, +der jenes edle Tonstueck uns geschenkt; +der Vogel uebt's, der seine Fluegel lenkt-- +dir wuensch ich es, mein deutsches Vaterland. + +Was allen Fluegelwesen wohlbekannt, +was jedes Blatt, das aus der Huelle bricht, +ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht-- +das wuensch ich dir, mein deutsches Vaterland. + +Ein Fluesschen, an der Schieferberge Rand, +sehr vielen ist sein Name leerer Schall, +ein kleines Wort, doch wir ersehnen's all-- +wuensch ich dir auch, mein deutsches Vaterland. + +Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand, +den Engel, der auf Morgenwiesen geht, +doch oft verhuellten Hauptes abseits steht-- +ihn sende Gott dir, o mein Vaterland! + + +--33-- + +In Not und Gefahr +greife ich ein, +Schmerzlich willkommen +der Angst und der Pein; +lies mich von vorn, +lies mich verkehrt, +immer der gleiche, +geschmaeht und geehrt. + + +--34-- + +Wir sind's mit Stamm und Vaterland, +mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt, +mit jeder Arbeit, die der Seele wert; +der Reiter ruehmt: wir sind's, ich und mein Pferd. + +Doch wer es ist, traegt eine schwere Last, +er ist sich selbst ein missgeschickter Gast; +Statt Liebe blueht ihm Mitleid, und im Schwarm +gesunder Jugend fuehlt er doppelt Harm. + + +--35-- + +Wir sind's gewiss in vielen Dingen +in einem sind wir's nimmermehr; +die sind's, die wir zu Grabe bringen, +und eben die sind's bald nicht mehr. + Drum, weil wir leben, + sind wir's eben + an Wesen wie Gesicht; + drum, weil wir leben, + sind wir's eben + zur Zeit noch nicht. + + +--36-- + +Nennst du das Ganze, toent es uns entgegen +von Sommernaechten, wo des Mondes Horn +verschwaermten Paerchen winkt auf lauschigen Wegen, +und wo aus seinem wundersamen Born +das Maerchen auftaucht und in tiefem Sinnen +uns anschaut, und vertraeumte Baeche rinnen. + +Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar +die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen, +die Heiden einst wie Christen heilig war, +wo Pilger heut und Kenner sich erbauen; +ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest +und haelt den Glanz vergangner Zeiten fest. + + +--37-- + +Ohne Zepter, ohne Krone +herrsche ich auf dieser Erde, +buntes Spiel vor meinem Throne +zaubert stets mein Wort: Es werde! + +Noch zwei Zeichen: Alles wich, +Pracht und Buntheit sind verschwunden, +und in kuenftigen dunklen Stunden +werden es auch du und ich. + +Aber aendre den Akzent: +sieh, schon quillt das Leben wieder, +neue Schau und neue Lieder, +die man gern mit mir benennt. + + +--38-- + +Mein Strom ergiesst sich sickernd durch die Welt, +ich dring in Haus und Huette, Schloss und Zelt. + +Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt, +sind Geist und Wille durch mich offenbart. + +Ich schuere Gluten, wirke Herzeleid, +tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit. + +Versoehnung bring ich und entfache Streit, +zeig manchen toericht, manchen grundgescheit. + +Doch sitzt du in mir, fuehlst du dich geknickt; +vielleicht, dass dir durch mich die Rettung glueckt. + + +--39-- + +Ich naehre mich von fremden Stoffen, +doch kann auch ohne sie bestehn; +ich bin's, auf das die Weisen hoffen, +und alle Weiten stehn mir offen, +ihr wuerdet ohne mich vergehn. + +Am hellen Tage herrsch ich gerne, +doch auch die Nacht ist mir vertraut; +ich wohne auf dem kleinsten Sterne, +mich schreckt sie nicht, die grosse Ferne +die mich mit Geisterhaenden baut. + +Ich wirke in den Himmelsblitzen, +versteckter Tat bin ich verhasst; +wo gruebelnd die Gelehrten sitzen +und ratlos ob der Loesung schwitzen, +bin ich ein hochwillkommner Gast. + + +--40-- + +In alten Zeiten +hat mich der Mensch erdacht +und Ordnung mit mir +in die Dinge gebracht. + +Wie noetig bin ich +der Wissenschaft, +wie zeige ich +der Voelker Kraft! + +Wenn ich nicht eng +ihm verbunden waer, +wie wuerde erliegen +das tapferste Heer! + +Und doch weiss jeder, +wie schwach ich bin, +denn erst mein Nachbar +gibt Halt mir und Sinn. + + +--41-- + +Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich; +mein Leben ging so lind wie Fruehlingswellen, +und zaghaft flossen meines Geistes Quellen, + eng, doch erbaulich. + +Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern, +sie dehnten sich wie meine Machtgedanken; +mein Schaffenswille tuermte ohne Schranken + Quadern auf Quadern. + +Den Kuensten schuf ich manche Pflegestaette, +ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken, +und Geist und Arbeit gaben den Bezirken + die feste Kette. + +Doch Ruh und Frieden mussten weiterziehen; +und meine Kinder lassen gern sich locken +von gruenen Waeldern, sanften Herdenglocken, + mir zu entfliehen. + + +--42-- + +Mein erstes Wort, im engen Raum genaehrt, +strebt weit hinaus, dass es die Welt regiere; +wir staeken noch im Daemmersinn der Tiere, +haette nicht Gott dem Menschen es gewaehrt. + +Mein zweites hat der Kaiser und der Koenig, +und ist es auch zumeist; fast jeder strebt +es irgendwie zu sein, solang er lebt, +und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig. + +Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz +anfeuernd ins Gespraech und ins Gerede, +ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde; +man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz. + + +--43-- + +Willst du das erste Wort stets sein und handeln, +so hast du eine schwere Arbeit vor, +so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor +der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln. + +Das andre Wort scheint winzig und gering, +doch schlummern in ihm unbegrenzte Kraefte; +es schwillt und waechst, wenn es die rechten Saefte, +die nur Natur verleihen kann, empfing. + +Vereint die Worte: altverbriefte Rechte, +Gemeinden oder Staenden zuerkannt, +beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land, +doch schwinden hin im spaeteren Geschlechte. + + +--44-- + +Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone +flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne +bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle, +in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle. +Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater, +bin ich--ich sag es stolz--der groessten Taten Vater. + +Ein neues Wort schliess an: Es ist des Kuenstlers Ziel, +dir zu vermitteln fremder Geister Spiel, +das er mit seinem Lebensblute traenkt +und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt. +Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher? +Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht waer. + +Vereine beide Worte: Welch ein Wissen +von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen +stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen, +die unsrer Seele dunkle Traeume bringen, +und fuehlen scheu des Geistes Doppelwesen. +Du grosses Raetsel, wer wird je dich loesen? + + + +POLTERABENDGEDICHT + + +fuer ein kleines Maedchen + +(mit einer Schluessel-Atrappe) + + +Ich bin eine kleine Sternschnuppe +und rutschte herab vom Himmel +und fiel aus der grossen Milchstrasse +grad hier in das Gewimmel. +Verwundert fragt' ich die Leute: +Wo kommt ihr denn alle her? +Da sagten sie mir, dass heute +hier Polterabend waer. +Die Ehen schliesst man im Himmel, +und Donnergepolter gibt's auch; +da bin ich ja wie zu Hause +und bring meine Gabe auch. +Nehmt hier den Zauberschluessel, +vom Sirius bracht ich ihn mit +in meiner Sternentasche, +als ich herunter glitt. +Stets haeng er zu euern Haeupten, +und zieht es euch hinauf, +schliesst er zu jeder Stunde +den ganzen Himmel auf. + + + +HOCHZEITSGEDICHT + + +(mit einem Fruehlingsblumenstrauss) + +Maienkoenig schickt mich her, +sagte, dass hier Hochzeit waer, +sollt fein gratulieren; +suchte einen vollen Strauss +allerschoenster Blueten aus, +euer Haus zu zieren. + +Himmelschluessel, goldig, zart, +Blumen von besondrer Art, +schickt er euch mit Gruessen. +Seht, sie leuchten sonnengleich; +Liebe heisst das Himmelreich, +das sie euch erschliessen. + +Dieses blaue Sternchen spricht +frommen Sinns: Vergiss-mein-nicht, +vergiss mir nicht die Treue! +Treue, die zu Liebe steht, +ist so stark wie ein Gebet, +troestet stets aufs neue. + +Hier Narzissen. Weiss und rein, +ohne Makel sollt ihr sein, +huetet Sinn und Herzen! +Seht der Unschuld klares Bild; +wer an ihm sich staerkt und stillt, +traegt leicht Not und Schmerzen. + +Nehmt hin, was der Mai geschickt, +nehmt den Strauss und seid beglueckt +fuer ein langes Leben! +Unverwelklich blueh er fort, +tief in eurer Seele Hort +gluehe goettlich Streben! + + + +NEUJAHRSSPIEL + + +DAS ALTE JAHR + +(tritt in grauem Mantel ein) + +Gruess Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr, +das immer ist und immer war, +das immer kommt und immer geht +und niemals zaudernd stille steht, +das mit geheimem Pendelschlag +die Weltuhr regelt Tag fuer Tag. +Die Wuerfel werf ich: Leben und Tod, +Glueck oder Unglueck, Heil oder Not-- +sie fallen gewichtig und ordnen die Welt, +einem Hoeheren unterstellt. +Zwoelf Kinder hab ich zur Welt gebracht, +sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht; +sie ziehen gestaltend durch die Welt, +eins mir immer zugesellt, +waehrend die andern harren und ruhn +zu neuer Arbeit, zu frischem Tun. +Nur heute an meinem Geburtstag sind +sie alle gekommen, aus Regen und Wind, +aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Hoehn, +ihre alte Mutter wiederzusehn. +Herein, meine Soehne, ein Kompliment, +und sagt den Leuten, was ihr koennt! + + +JANUAR + +(in dickem Pelz, mit Schlittschuhen und Schellen) + +Gruess Gott! Ich bin der Januar, +voll Schnee und Eis haengt Bart und Haar; +der Vetter Nordwind versteht das Blasen, +steif sind die Ohren, rot die Nasen. +Zugefroren ist See und Fluss; +rasch den Schlittschuh unter den Fuss! + Die Eisen gleiten + durch blitzende Weiten + in Bogen und Zacken, + das gibt rote Backen! +Hoert ihr das Schellengelaeut? Meine Gaeste +sausen durch Schnee und Rauhreifgeaeste. + + +FEBRUAR + +(in Karnevalskostuem mit Pritsche) + +Gruess Gott! Ich heisse Februar, +gleiche dem Bruder fast aufs Haar, +nur trage ich gern ein Maskenroeckchen, +an meiner Kappe klingeln Gloeckchen. +Weil ich im Spiel und Tanzen tuechtig, +schelten sie mich vergnuegungssuechtig, +spotten und lachen hinter mir her, +weil ich zu kurz geraten waer, + rufen: "Prinz Karneval, + Narren gibt's ueberall!" +Doch meinen Punsch und Pfannekuchen +moechten Narren wie Weise versuchen. + + +MAeRZ + +(in Landstreichertracht, mit einem Veilchenstraeusschen) + +Gruess Gott! Ich bin der Bruder Maerz, +ich habe ein wildes, stuermisches Herz. +Kann mich nicht mit den Bruedern vertragen, +puste ihnen den Schnee vom Kragen. + Saeubre die Waelder, + fege die Felder, +tu aus der Seele das Kalte hassen, +muss es doch oft mir gefallen lassen; +aber bin ich erst Koenig ein Weilchen, +gruesst ihr mit mir die ersten Veilchen, +seht ihr die Spitzen an Straeuchern und Baeumen, +die selig von kuenftger Entfaltung traeumen. + + +APRIL + +(in Wandervogeltracht mit Zupfgeige) + +Gruess Gott! Ich bin der lustge April, +der immer tut, was er grade will. +Mal liebe ich's nass, mal liebe ich's trocken, +die Zugvoegel tu ich nach Hause locken. + Schneewasserguesse + schwellen die Fluesse, +ich aber streif durch den Wiesengrund, +oeffne der Obstbluete lieblichen Mund +und nicke den naerrischen Traeumern zu; +mit denen steh ich auf du und du, +_schickt_ sie nur immer! ich lehre sie lachen +und sich aus den Plagen der Welt nichts machen. + + +MAI + +(in Bauerntracht mit Maigloeckchenstrauss) + +Gruess Gott! Der Mai darf kaum noch wagen, +Besondres von sich auszusagen. +Ich schaeme mich wirklich; bin so bekannt +wie ein bunter Pudel rings im Land. +Diese sammetlockigen teutschen Tichter, +hol der Kuckuck das Reimgelichter: + "--der suesse Mai, + der entzueckende Mai, +der bluetenbekraenzte, der himmlische Mai--" +mir wird ganz bluemerant dabei, +denk ich an all die Dudelei. +Die Kinder lob ich; das laermt und lacht +und feiert ganz ungereimt meine Pracht. + + +JUNI + +(in Gaertnertracht, mit Giesskanne und Rosenstrauss) + +Gruess Gott! Ich werde Juni genannt, +Farben und Duefte bring ich ins Land. +Seht, wie's im Garten knospet und quillt, +seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt! +Vor allem muss ich die Rosen wecken, +ich kuesse sie wach an Stamm und Hecken. + Sind Regen und Wind + mir wohlgesinnt, +schaff ich und wirk ich am gruenen Gewande, +halte die Hoffnung am schimmernden Bande +und pflege das Wachstum der kommenden Zeit; +wenn der Schnitter prueft, ist die Saat bereit. + + +JULI + +(in Schaefertracht, mit Kornblumenstrauss) + +Gruess Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze, +ich bin der Juli; spuert ihr die Hitze? +Kaum weiss ich, was ich noch schaffen soll, +die Aehren sind zum Bersten voll; +reif sind die Beeren, die blauen und roten, +saftig sind Moehren und Bohnen und Schoten. +So habe ich ziemlich wenig zu tun, +darf mich ein bisschen im Schatten ruhn. + Duftender Lindenbaum, + rausche den Sommertraum! +Seht ihr die Wolke? fuehlt ihr die Schwuele? +Bald bringt Gewitter Regen und Kuehle. + + +AUGUST + +(in Schnittertracht, mit Sichel und Harke) + +Gruess Gott! Ich bin der Monat August, +bin ernster Pflichten mir bewusst; +muss Frucht und Korn zur Ernte reifen, +meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen. +Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht, +der Segen wird in die Scheunen gebracht. + Zum froehlichen Reigen + jubeln die Geigen. +Doch mancher steht abseits vom Taumel und denkt +des Schoepfers, der alles zum Besten lenkt, +der Ordnung bringt in den Gang der Dinge, +dass Schweiss und Fleiss auch Freude bringe. + + +SEPTEMBER + +(im Touristenkostuem) + +Gruess Gott! Ich bin der September, ich ziere +mit rotem Weinlaub eure Spaliere. +Dem Wandrer lachen auf allen Wegen +koestlich die reifenden Fruechte entgegen, +die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne, +am Ufer der Meere traeume ich gerne, + wo die Welle beginnt, + wo die Welle zerrinnt, +wo die Brandung braust und ueberschaeumt +und ein Zugvogelschwarm den Himmel saeumt; +da lieg ich und grueble und suche vergebens +den Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens. + + +OKTOBER + +(in Winzertracht mit Weinglas und Flasche) + +Gruess Gott! Ich bin der Bruder Oktober; +die Nase glaenzt mir wie Zinnober, +das kommt vom Gucken ins Glaeschen. Vor Zeiten +lehrt ich die Menschen Wein bereiten; +der wurde bald ihr Lieblingsgetraenke, +jetzt kriegt man ihn in jeder Schaenke. + Kommt mit zum Wein, + ich lade euch ein! +Seht, wie die Waelder sich buntselig faerben, +sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben. +So kommt und sinnt und fragt nicht viel; +"das Leben ist des Lebens Ziel!" + + +NOVEMBER + +(in Jaegertracht mit Gewehr) + +Gruess Gott! Der November stellt sich vor. +Mir ist ergeben der grosse Chor +der Winde und Stuerme, die das Gefilde +von Unrat saeubern; und auch die Gilde +der Nebel und Wolken ist mir vertraut. +Wer auf des Meeres Sanftmut baut, +wagt sein Leben, wenn ich regiere; +ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere, +ich hasse die Sonne, hasse die Milde, +zerreisse im Felde das letzte Gebilde. +Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt, +hinter scheuem Wild die Buechse knallt. + + +DEZEMBER + +(in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbaeumchen) + +Gruess Gott! Ich bin der Dezember und flechte +zu kurzen Tagen die langen Naechte. +Karg ist die Sonne in meinem Gezelt, +doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt. +Wenn im Ofen die Brataepfel schmoren, +fluestert es leise von Muendern zu Ohren, +gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken, +ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken, +ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa, +ists Christkindel denn noch nicht da?" +Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt, +bin ich in meinem Element; + hell sind die Kerzen, + warm sind die Herzen, +uns kuemmert nicht Kaelte noch Regen noch Wind. +Und denen, die arm und traurig sind, +und wo die Not sonst die Freude verbannt, +geben wir gern mit Herz und Hand. + + +DAS JAHR + +(laesst den grauen Mantel allmaehlich fallen, steht dann in hellem Festgewand) + +Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denkt +an den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt! +Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein, +Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein, +Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum, +Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum. +Und immer rollt durchs Himmelszelt +die Erde, unsre alte Welt, +die stets verjuengt, in neuer Kraft, +fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft. +Jedoch ihr Diadem und Zier, +ihr Menschenkinder, das seid ihr! +Drum freut euch ihrer Herrlichkeit, +freut euch des Meeres, so stark und weit, +freut euch der Waelder, der Bluete, der Frucht, +freut euch der Berge mit Tal und Schlucht! +Und freut euch eurer eignen Kraft, +die der Erkenntnis Wunder schafft; +seid gluecklich, dass ihr Menschen seid, +der schoenste Schmuck an Gottes Kleid, +wenn ihr euch seiner wert gestaltet, +euch immer goettlicher entfaltet. +Seid glaubensstark, seid willensklar, +das wuenscht das neue Erdenjahr! + + +CHOR DER MONATE + +Seid friedensstark, seid liebesklar, +das wuenscht der Monate bunte Schaar! + Prosit Neujahr! + Nun reicht euch zur Wende + des Jahres die Haende + und gruesst euch mit Neigen + und schlingt einen Reigen! + Spiel auf, Musik, begleite sie, + des Jahres Schluss sei Harmonie! + + + +RAeUBER UND PRINZESSIN + + +Eine Kartoffelkomoedie + + +EINFUeHRUNG + +Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomoedie gehoert? Nein? So will ich +euch erzaehlen, was das ist. + +Die Kartoffelkomoedie ist ein Theaterstueck, das statt mit Puppen mit +Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu grosse +Kartoffeln, bohrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so dass ihr euern +Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken koennt, und die Hauptsache +ist fertig. Ein paar mit Stecknadeln angepiekte Hemdknoepfchen als Augen, +ein Stueckchen Ruebe als Mund, und eins als Nase, bilden das Gesicht. Ein +farbiger Puppenlappen wird oben mit einer Schnur zusammengezogen und um +den Zeigefinger gebunden, nachdem zwei kleine Loecher fuer Daumen und +Mittelfinger hineingeschnitten sind. Ihr werdet euch wundern, wie fein man +die Finger als Arme und Haende benutzen kann. + +Natuerlich muss man sich in der Kleidung ein bisschen nach den Personen des +Stueckes richten. In unsrer Komoedie, die ich nach einer aelteren Vorlage +ausgebaut habe, bekommt der Koenig eine Krone von Goldpapier und ein rotes +oder gruenes Gewand, das ihr auch etwas mit Goldstreifen besetzen koennt. +Pumpfia traegt am besten einen kleinen Schleier mit einem Streifchen +Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen grossen braunen oder grauen Hut +mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natuerlich +wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider koennt ihr euch selbst +ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar. + +Wenn ihr das Stueck auffuehren wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt +irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Tuerrahmen, und zwar so +hoch, dass ihr bequem mit den Haenden hinauflangen koennt; eure Koepfe duerfen +natuerlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Fuesse. Einen Vorhang braucht +man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch +wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder +Hand eine; bei einer muss es dann seine Stimme etwas verstellen. + +So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spass machen; und den +Zuschauern auch. + + +PERSONEN: + +Koenig Pflaumenmus. +Prinzessin Pumpfia. +Der Kanzler. +Der Raeuber Jagomir. + + +ERSTE SZENE. + +Der Koenig tritt auf, vom Kanzler begleitet. + + +KOeNIG: + +Der Sommerabend ist so schoen, +da muss man doch spazieren gehn. +Die Rosen duften suess, hazieh! +Die Nachtigall singt tueruetue-- +--wie schmerzt mein linker grosser Zeh, +und auch der rechte tut schon weh. +Den Schuster haeng mir an den Galgen, +(Kanzler verbeugt sich) +denn er gehoert zu den Kanallgen. +(Koenig schnueffelt in die Luft) +Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln, +da kriegt man wirklich Appetit. +Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln, +und bring die Abendzeitung mit. +(Kanzler verbeugt sich und will gehn) +Halt! hemme noch den eiligen Lauf +und setz mir erst die Brille auf. +(Kanzler tut's, dann ab.) +Ein Koenig muss sich informieren, +es koennt doch was im Land passieren. +(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurueck.) + + +KANZLER: + +Hier, Koenig, bringe ich die Zeitung, +die allerneuste Meinungsleitung. +Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte, +wie Majestaet befohlen hatte; +und frage untertaenigst an, +ob ich noch sonstwie dienen kann. + + +KOeNIG: + +Nun ja, rueck mir die Krone grade; +denn fiel sie runter, waer's doch schade. +(Kanzler rueckt die Krone zurecht.) +Was steht denn hier im Tageblatt? +Prinz Kasimir kommt in die Stadt? +Da wird er uns gewiss besuchen. +He, Kanzler, haben wir noch Kuchen? + + +KANZLER: + +Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe. + + +KOeNIG: + +Na, haeng nicht gleich die Unterlippe; +hol Streusselkuchen vom Konditor, +auch Vollmilch, einen halben Litor. + + +KANZLER: + +Ach, Herr, von Geld ist keine Spur. + + +KOeNIG: + +Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur. +Wir Koenige lassen uns nicht lumpen, +und sollten wir die Welt auspumpen. +Geh jetzt und sorge fuer mein Land +mit Militaer und mit Verstand! +(Kanzler verneigt sich, tritt vor.) + + +KANZLER: + +Was hat ein Kanzler doch fuer Sorgen; +wo soll ich bloss schon wieder borgen? +Wer schafft mir von der Deutschen Bank +den Schluessel zu dem Kassenschrank? +Reichskanzler sein ist wirklich schwer; +ich dachte nicht, dass es so waer. +Ich annonciere in der "Quelle", +vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle. +(Kanzler ab.) + + +KOeNIG (lesend): + +Den Streik, den soll der Kuckuck holen! +Wir haben so schon keine Kohlen, +mein Thronsaal wird tagtaeglich kaelter, +und ich--ich werde immer aelter. +Auf diese Bank will ich mich legen, +ein Stuendchen suesser Ruhe pflegen. +(Legt sich hin und schnarcht.) + + +ZWEITE SZENE. + +Pumpfia, Koenig. + + +PUMPFIA: + +Wo bist du denn, mein Vaeterchen, +mein suesser Pumps, mein Kaeterchen? + + +KOeNIG: + +Wer stoert mir meine Ruh im Grase? +Ach, _Du_ bist's, kleine Stumpelnase. + + +PUMPFIA: + +Papa, ich bring dein Leibgericht, +Bratkartoffeln! riechst du's nicht? +Ich briet sie selbst, ist das nicht nett? +mit Liebe und mit Hammelfett; +und machte Klopse dir zulieb, +vom Fleisch, das gestern uebrig blieb. + + +KOeNIG (essend): + +Ich danke dir, mein Herzensmops, +fuer die Kartoffeln und den Klops. + + +PUMPFIA: + +Papa, ich bin bald zwanzig Jahre +und kriege naechstens graue Haare; +ich mach mich immer wunderschoen, +allein kein Freier laesst sich sehn. +Ich krieg am End gar keinen Mann; +was fang ich alte Jungfer an? +(Sie weint.) + + +KOeNIG: + +So liebe _mich_, mein suesses Kind! +Heiraten geht nicht so geschwind. + + +PUMPFIA: + +Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem. +Wenn doch ein Prinz, ein trauter, kaem! +(weint staerker.) + + +KOeNIG: + +Mein Puempfchen, troeste dich bis morgen, +da will ich dir 'nen Mann besorgen. + + +PUMPFIA + +(faellt ihm um den Hals): +Du guter einziger Papa, +ich sag gewiss zu allen ja. + + +KOeNIG: + +Leb wohl, ich muss zur Konferenz; +es ist nicht gut, wenn ich die schwaenz. +(Koenig ab.) + + +DRITTE SZENE. + +Pumpfia, nachher Jagomir. + + +PUMPFIA: + +Ich arme Pumpfia und Prinzessin, +ach koennt ich doch mein Leid vergessen! +allein, o leider ganz allein, +in diesem holden Mondenschein! +Kein Juengling liebt mich nur ein bisschen, +kein Prinz gibt mir ein holdes Kuesschen. +Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm, +ich fall vor lauter Sehnsucht um-- +(faellt um.) + + +JAGOMIR (tritt auf): + +Ich stahl mir heimlich hier herein, +hier wird doch was zu mausen sein? +(Schnueffelnd) +Nee, wo mit Hammelfett gebraten, +da regnet's sicher nich Dukaten. +(Er erblickt Pumpfia ) +'ne Dame? Ei, wie wunderschoen; +die muss ich mal genau besehn. +(Er tut's.) +Ich nehme mir den Hochgenuss +und geb ihr einen suessen Kuss. +(Er tut's.) + + +PUMPFIA (erwachend): + +Was ist das fuer ein schoener Mann? +Ich wag's und red ihn lieblich an. +Wer seid Ihr, herrlicher Genoss? +Wie kamt Ihr her in dieses Schloss? +Ich bin durch Euern Gruss beglueckt; +hat Euch ein Engel hergeschickt? + + +JAGOMIR: + +'n Engel? Nee, das war der Robert; +der hat das Ding hier ausbaldowert. + + +PUMPFIA: + +Ist alles gleich; du bist mein Schaetzchen, +mein suesser Freund, mein Busenlaetzchen. + + +JAGOMIR: + +Aber--was wird dein Vater sagen? + + +PUMPFIA: + +Ach was, wer wird den Alten fragen. + + +JAGOMIR (kuesst sie): + +Mein honigsuesser Sirupstengel, +mein Marzipan, mein Zuckerengel! + + +PUMPFIA: + +Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held! +Pumpfia geht mit dir durch die Welt! + + +JAGOMIR: + +Mein Schaetzchen, hast du auch Moneten? + + +PUMPFIA: + +Die sind hier weniger vertreten; +an diese Frage ruehre nich, +geliebter Freund, entfuehre mich. + + +JAGOMIR: + +Na, denn man zu, du suesse Hummel! +(Beiseite) +Verflixt, das wird 'n schoener Rummel. + + +VIERTE SZENE. + +Koenig, die Vorigen. + + +KOeNIG: + +Prinzessin Pumpfia, Kasimir, +wo seid ihr kleinen Schaeker ihr? +Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken? +Na wart't, ich werd euch gleich entdecken. + + +JAGOMIR (beiseite): + +I, du meine himmlische Guete, +die jlooben, ick sei ein Prinz von Gebluete; +dabei gehoer ick zum Raeuberstand, +der ernaehrt seinen Mann besser als so'n Land. +(Laut): +Guten Tag, Herr Koenig, ich habe die Ehr +und verbeuge mir sehr. +(Er tut's) + + +KOeNIG: + +Mein Vaterherz huepft froh und warm: +mein Puempfchen in des Prinzen Arm. +Mein hoher Gast, Prinz Kasimir, +wie findet meine Tochter Ihr? + + +JAGOMIR: + +Das Maedel hier? Na, himmlisch suess, +wie'n Engelken im Paradies. + + +KOeNIG: + +Na, nimm se dir se denn se doch, +und spanne sie ins Ehejoch; +dann kocht dir deine kleine Braut +Erbsen mit Speck und Sauerkraut. + + +JAGOMIR: + +Ach ja, und dann Kartoffelkloesse +mit einer suessen Pflaumensoesse. +(Umarmung.) + + +PUMPFIA: + +Wenn man in deinen Armen ruht, +dann kocht sich's gleich noch mal so gut. + + +KOeNIG: + +Ich bin geruehrt wie Quetschkartoffeln, +verlier vor Ruehrung die Pantoffeln. +(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.) + + +FUeNFTE SZENE. + +Kanzler, die Vorigen. + + +KANZLER: + +Der Brief kommt eben von der Post, +der fuenfundzwanzig Pfennige kost't. + + +KOeNIG: + +Wie oft schon hab ich deklariert, +ich nehme nichts mehr unfrankiert. +Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus, +dann fliegt es gleich zum Fenster raus. +(Er oeffnet den Umschlag) +Lass sehn, was steht in diesem Brief. + + +JAGOMIR (beiseite): + +Na, geht die Sache doch noch schief? + + +KOeNIG (liest): + +"Prinz Kasimir entbeut den Gruss +dem hohen Koenig Pflaumenmus; +er wird ihn heute noch besuchen +und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."-- +Von alldem tut der Bauch mir weh; +was nun, mein Schwiegersohn _in spe_? +Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir? + + +JAGOMIR (stolz): + +Ich bin der Raeuber Jagomir! + + +KOeNIG: + +Ein Raeuber? Hu, das ist ein Graus, +der reisst mir die Gedaerme aus! +Gewiss, er wird mich massakrieren +und mir mein Puempfchen dann entfuehren. +(Er weint.) + + +PUMPFIA: + +Was mich betrifft, ich halte still, +wenn er nur dich verschonen will. + + +JAGOMIR: + +Ich schon ihn gern, und auch sein Geld-- +(beiseite): das er nicht hat! +Ich bin ein edler Raeuberheld. + + +PUMPFIA: + +Mein suesser Schuft, mein Wonneheld, +mit dir stehl ich die ganze Welt. +(Umarmung.) + + +JAGOMIR: + +Bald kommt der Kasimir ins Haus; +komm, Puempfchen, komm, wir ruecken aus! +Im Walde steht mein freies Schloss, +da schlaeft sich's fein--auf Heu und Moos. + + +KOeNIG: + +Na, dann leb wohl, mein teures Kind! +Hier hast du noch ein Angebind +(gibt ihr einen Zweimarkschein) +und ausserdem noch meinen Segen. + + +PUMPFIA: + +Den kannst du uns auf Zinsen legen. +(Beide ab.) + + +KOeNIG: + +Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus, +ich weine mir ein Auge aus. +(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.) +O Kasimir, Prinz Kasimir, +warum warst du nicht eher hier! +Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf; +die Welt, die ist ein Wackeltopf. +Nur eins ist unverrueckt und wahr, +nur eins wie meine Pleite klar: +Hoch herrschen ueber Raum und Zeit +die Frechheit und die Dreistigkeit. +(Vorhang.) + + + +KASPERLE UND DER KRIEG + + +Ein Stueckchen fuers Kasperltheater + + +KASPERLE (allein, singt): + + Bummvallera + ist nicht da; + wo ist Bummvallerallerallera? + +(Er gaehnt.) Ach, ist die Welt langweilig! Vor lauter Langerweile hab ich +schon ein paarmal meine Finger gezaehlt; aber komisch, es kommt immer was +andres raus. (Er zaehlt an seinen Haenden): 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14, +15--na ja, nun sind's wieder 15. Na, noch mal: 1, 2, 3, 5, 7, 9, 10, 12, +13, 14--komisch, nu sind's wieder 14. Mal hat der Mensch 15 und mal 14 +Finger; und dabei sehn sie immer egal aus.(Es klopft.) Ei, da kommt +Besuch. Immer 'rein, meine Herrschaften, immer 'rein! (Polizist kommt.) + + +POLIZIST: + +Bist du der Kasper? + + +KASPERLE: + +Was? Kasper? Herr Kasper heisst es, geehrter Herr Kasper heisst es, +wertgeschaetzter Herr Kasper heisst es, Sie oller Helmaffe Sie, Sie +untertaenigster Rasselsaebel! + + +POLIZIST: + +Mann, seien Sie mal etwas hoeflicher zur koeniglichen Polizei! + + +KASPERLE: + +Hoeflich? Hi hi, hoeflich? Mit Hoeflichkeit faengt man nicht mal 'nen Floh. +Oder soll man etwa sagen: bitte, Herr Floh, seien Sie so gut, Herr Floh? + + +POLIZIST: + +Kasper, du bist ein Esel! + + +KASPERLE: + +'n Esel? Was Sie sagen! Ist 'n nettes Tierchen, so'n Esel, hihi; klettert +auf die hoechsten Stellen und faellt nicht runter. Hihi, moecht schon solch +Tierchen sein. + + +POLIZIST: + +Lirum, larum, Kasper, du musst jetzt in den Krieg; darum bin ich +hergekommen. + + +KASPERLE: + +Krieg? Was ist denn das? Kriecht man da rum, in dem Krieg? Ich bin doch +kein Kriechtier! + + +POLIZIST: + +Du dummer Kasper, du dammliger, der Krieg sind Schlachten mit Bomben und +Kanonen. + + +KASPERLE: + +Schlachten? Ei, das kenn ich, da gibt's frische Wurst; Blut- und +Leberwurst, hihi, das schmeckt aber fein!--Und Bomben? wissen Sie, die +backt meine Omama mir immer zu Weihnachten; die kenn ich auch. Und +Kanonen? ja, die stehn noch vom Grossvater selig her auf'm Kramboden; der +war Sie naemlich Mistbauer, und brauchte so'ne dicken hohen Schmierstiebeln. +Also, dann kenn ich ja den Krieg; muss 'ne lustige Sache sein. + + +POLIZIST: + +Na warte man, du Frechdachs, wirst es schon merken, wenn's dir man erst um +die Ohren knallt. + + +KASPERLE: + +Knallen tut's da? O jemine! Wissen Sie, Herr Kriegsminister, gegen Knallen +hab ich von Kind auf 'ne Idiokratie. + + +POLIZIST: + +Idio_syn_krasie meinst du wohl, dummer Kasper. + + +KASPERLE: + +Nee, Herr Rasselsaebel, Sinn ist da nicht drin; sonst waer's ja keine +Idiotokratie. (Er singt): + + Die Welt, die haut sich tot wie nie, + tot wie nie, tot wie nie, + und fuettert das Meer mit Korn und Vieh, + Korn und Vieh, Korn und Vieh; + das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie, + Idiotokratie! + + +POLIZIST: + +Halt deinen dummen Schnabel, Kasper, das verstehst du nicht; das ist die +hohe Diplomatie. Sage mir lieber, wie dein Vater heisst, Kasper. + + +KASPERLE: + +Das kann ich Ihnen durchaus nicht sagen, Sie neugieriger Iltis, alldieweil +ich das selber nicht weiss. Ich glaube, ich hatte gar keinen Vater. + + +POLIZIST: + +Und deine Mutter? + + +KASPERLE: + +'ne Mutter? 'ne Mutter hab ich auch nicht gehabt. Bloss 'ne Grossmutter und +'ne Urmama; die haben mich zusammen zur Welt gebracht. + + +POLIZIST: + +Du bist 'n Ochse, Kasper, oder 'n Frechdachs; jeder Mensch hat doch 'ne +Mutter. + + +KASPERLE: + +'n Ochse? das waer was, ei der Daus! Was waer ich da wert bei den heutigen +Fleischpreisen? wir wollen mal zusammen rechnen, Herr Kriegsminister. +Also: ich wiege 150 Pfund, das Pfund kostet jetzt 8 Mark 50. Erst also 100 +mal 8 Mark 50--haengen wir einfach zwei Nullen an, das macht 85000 Mark; +und dann noch 50 mal 8 Mark 50, das ist mir zu schwer, das kann ich nicht +rechnen. Wissen Sie's vielleicht, Herr Kriegsrat? + + +POLIZIST: + +Na, das sind ungefaehr 4000 Mark, Kasperle; es ist ja auch schon lange her, +dass ich in der Schule war. + + +KASPERLE: + +Also, ich hatte 85000 Mark; und Ihre 4000 Mark dazu, macht 100000 Mark. +Sehn Sie, Herr Kriegsminister, soviel ist der Kasper werf, wenn er ein +Ochse ist; hihi, was sagen Sie nun, Herr Oberkanonenrat? Was mag man da +erst wert sein, Sie, wenn man ein fettes Schwein ist! Wissen Sie was: +wir wollen beide Bauern werden und fette Schweine zusammen ausbrueten. +(Er singt): + + O waer ich doch ein Oechselein, + Oechselein, Oechselein, + oder auch ein fettes Schwein, + fettes Schwein, fettes Schwein, + dann poekelt' ich mich selber ein, + si- sa- selber ein. + Da kaem ich in ein grosses Fass, + grosses Fass, grosses Fass, + da rollt' ich in das Kellergelass, + Kellergelass, Kellergelass, + da haett ich fuer den Winter was, + Wi- Wa- Winter was. + + +POLIZIST (packt ihn): + +Ach was, vorwaerts marsch mit dir in den Krieg! und hast-du-nicht-gesehn +ins Feuer! + + +KASPERLE: + +Ins Feuer soll ich? Ich ins Feuer? Aber ich bin doch keine Presskohle, +Herr Oberheizer, dass ich ins Feuer soll? (Er ruft ins Haus): Grossmama, +mein Puttchen, du alte Knochenmuehle! komm doch mal her, aber putz dich +nicht erst! man will dein Kasperle ins Feuer stecken! (Grossmutter kommt.) + + +GROSSMUTTER: + +Was ist denn los? Was schreist du so, Kasperchen? + + +POLIZIST: + +Er muss in den Krieg und will nicht, der Racker! + + +GROSSMUTTER: + +O Gott, o Gott, in den Krieg, mein Herzblatt? Da werden sie dich +totschiessen, armes Kasperchen! Ogottogottogottedoch! + + +KASPERLE: + +Lass man, Omamachen wenn sie schiessen wollen, nehm ich meine Pritsche und +hau sie selber tot. Guck mal, so--so--haste-nich-gesehn--(er haut den +Polizisten tot, wirft ihn ueber die Rampe und sagt dabei:) Ja, quiek man! +den Kasper krigst du nicht! der lebt ewig, du oller Rasselsaebel!-- + + + + + +VERZEICHNIS DER UeBERSCHRIFTEN + + + +Gruss an die Grossen +Gruss an die Kleinen + + + +ERSTER TEIL + + +Wunderchen +Geht leise +Wittewoll schlafen +Fruehstueck +Seereise +So lala +Mein Wagen +Kutscher auf dem Knie +Ereignis +Heilspruechel +Schlimme Geschichte +Austreibung +Wenn Rumpumpel brummig ist +Der Pudding +Zwei Maeulchen +Mueckebold +Das Scherchen +Geschichtchen vom Winde +Anziehliedchen +Das Laemmechen +Die wilden Beinchen +Der lumpichte Bu +Tintenheinz und Plaetscherlottchen +Es regnet +Troesterchen +Haeschen in der Grube +Hasenspiel +Drei Baeumchen +Schabernack +Am Abend +Gutenachtliedchen +Freund Husch +Rumpumpels Geburtstag +Mutters Geburtstag +Rumpumpel tanzt +Kreiselliedchen +Konzert +Die ersten Hoeschen +Der kleine Suender +Flutschpeter +Die Trommelpartie +Rumpelreim +Das Karnickel +Lektion +Lied des Huehnchens +So sieht unsre Wirtschaft aus + + + +ZWEITER TEIL + + +Das Haus +Mit Trommel und Trab +Siebenschlaefer +Osterlied +Maiwunder +Hansel und Gretel +Prinzesschen +Das grosse Loch +Zwei Gesellen +Wenn's Pfingsten regnet +Eine Huehnergeschichte +Marieken und die Kueken +Kinderkueche +Essensregeln +Die boese Mies +Pottkieker +Der Reitersmann +Das richtige Pferd +Der kleine Rekrut +Der Hauptmann +Abzaehlreim +Fragefritze und die Plappertasche +Plappermuendchen +Puppendoktor +Kleiner Einkauf +Vaters Geburtstag +Das Himmelsprinzesschen +Windfreude +Lied vom Monde +Weihnachtsschnee +Knecht Ruprecht in Noeten +Frohe Botschaft +Der liebe Weihnachtsmann +Sankt Niklas' Auszug +Bescheidene Frage + + + +DRITTER TEIL + + +Widmung +Sonne +Marienlied +Korsisches Wiegenlied +Koenigskind +Heimweh +Elfenreigen +Wiegenmaerchen +Traumballade +Mutter Hule +Ein Singsang vom Rheine +Badeballade +Der Teufel und die Katz +Der Esel und die Loewenhaut +Ein Spatzengespraech +Drei Koboldstreiche +Spuk +Der Maerchenkoenig und sein Toechterlein +Weihnachtsgang +Weihnachtsbesuch +Koenig Kuchen und Koenigin Schokolade +Der erste Mai +Wetterwunsch +Hammerliedchen +Im Sonnenschein +Wanderlied + + + +VIERTER TEIL + +Spruch fuers Leben +Allerlei Raetsel: + 1) Windmuehle + 2) Die ersten Zaehnchen + 3) Sau-er-kraut + 4) Spitzbube + 5) Stiefelknecht + 6) Rebe--Eber; Recke--Ecker; Rotte--Otter; Rinde--Inder; Rabe--aber + 7) Matrone, Makrone, Marone + 8) Gitter, Rettig + 9) Vielleicht + 10) Zeit + 11) Schafwolle und Rindleder + 12) Versohlt + 13) Ueberlegen + 14) Saumselig + 15) Verzogen + 16) Drosselbart + 17) Nachbarschaft + 18) Der Rat + 19) Besessen + 20) Ausschlag + 21) Fassung + 22) Eingefallen + 23) Druckfehlerteufel + 24) Feuerwasser + 25) Wasserscheide, Scheiderwasser + 26) Winde + 27) Leiter + 28) Welle + 29) Donnerkeile + 30) Linsengericht + 31) A, Horn, A horn + 32) Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden + 33) Retter + 34) Verwachsen + 35) Verschieden + 36) Romantik + 37) Mode, modern + 38) Die Tinte + 39) Das Licht + 40) Die Zahl + 41) Die Stadt + 42) Geistreich + 43) Gerecht, Same, Gerechtsame + 44) Gedankenuebertragung +Polterabendgedicht +Hochzeitsgedicht +Neujahrsspiel +Kartoffelkomoedie: Raeuber und Prinzessin +Kasperle und der Krieg + + + + + +VERZEICHNIS DER ANFANGSZEILEN + + + +Auf der hoechsten Berge Ruecken +Auf der Leine, auf gruenem Platz +Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich +Aus lichtem See +Bei Koenig Kuchen und Koenigin Schokoladen +Bluemchen haengt das Koepfchen +Bummvallera ist nicht da +Christkindchen lag im Stalle +Das grosse Loch +Das kann doch nicht Rumpumpel sein +Das Wort pflegt zu erhoehn +Der Bauer schlaeft im Hirsekraut +Der Esel, der Esel +Der Schneidermeister Piekenich +Der Sommerabend ist so schoen +Der Vater will's das Fritzchen +Des Mondes Tochter Mirlamein +Die alte Mutter Hule +Die erste frisst +Die ersten sind ein Untertan +Die erste Silbe fuehrt die krause Schar +Die Henne legt ein Ei +Eia, wir Elfen +Ein deutscher Meister war es, gottgesandt +Ein Kaetzlein ging einst jagen +Ein Muellersmann aus Oberwesel +Ein Vogel flog aus dem Heimatland +Er geht in sich, um sich zu pflegen +Es laeuft und hat keine Beine +Es regnet, es regnet +Es tanzen zwei Gesellen +Es war einmal ein Kaetzchen +Es war zur lieben Weihnachtszeit +Fixfax der arge Kobold spricht +Flutschpeter lief nie gradeaus +Fritz, ich moecht den Spaten haben +Froh singt ihr Lied am Sommertag +Frueh, eh ich's konnt begreifen +Geht leise +Gestern lief der Peter weg +Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder +Gruess Gott, ihr Leut, ich bin das Jahr +Guten Morgen, ihr Beinchen +Guten Tag, guten Tag, liebe Gruenkramfrau +Hansel und Gretel stehen zu zwein +Hans Wackelohr, Hans Wackelohr +Haeschen in der Grube +Has, Has, Osterhas +Heini, Heini +Herbei, ihr kleinen Wichte +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein +Herr Steuermann, Herr Steuermann +Hinter den Birken ueber den Rasen +Hinueber, hinein +Huehner, wollt ihr wohl artig sein +Hurra, zum ersten Mal +Husch, husch, husch +Ich bau, ich bau ein steinern Haus +Ich bin das Himmelsprinzesschen +Ich bin der Hauptmann +Ich bin eine kleine Sternschnuppe +Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt +Ich habe Fluegel--rate, Kind +Ich hab einen Helm aus Packpapier +Ich hab keine Haende und kann doch tragen +Ich moecht euch alle miteinander +Ich naehre mich von fremden Stoffen +Ich stand begehrlich am Worte +Ich war in Fez durch die Buden gewandelt +Ihr Kinder, sperrt die Naeschen auf +Ihr Siebenschlaefer in den Hoehlen +Im Stall unter Schaefchen baeht +In alten Zeiten +In eins-zwei-drei lebt ganz gemuetlich +In Leipzig wohnt ein Baeckermeister +In Not und Gefahr +In Wolfenbuettel wohnt ein Lamm +Jung jung drei Baeumchen +Ka Struempferl im Kasten +Klaenge wachsen auf den Wegen +Klaerchen naehte an dem ersten +Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart +Kraeht der Hahn frueh am Tage +Kra, kra, kalter Schnee +Kribbel-krabbel-Kaefer +Laendliche Strassen, dicht beschneit +Leise, Peterle, leise +Leises Klopfen an der Tuere +Lieber Doktor Pillermann +Lise Nackfisch und Hans Pitschenass +Maienkoenig schickt mich her +Maikoenig kommt gefahren +Maria herzt ihr Kindelein +Mariechen war's; mit meinem Kuchen +Marie-Marei-Marieken +Marie-Marei will Braten machen +Mein erstes ist ein Hund +Mein erstes ist nicht wenig +Mein erstes Wort, im engen Raum genaehrt +Mein Reich ist unbegrenzt: bis in die fernste Zone +Mein Strom ergiesst sich sickernd durch die Welt +Mein Wagen hat vier Raeder +Mueckchen, Mueckchen, Duennebein +Musik, Musik, die Floete kommt +Mutti, Mutti, was ist denn da drin +Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten +Nennst du das Ganze, toent es uns entgegen +Oben aus dem Fahnenhaus +Ohne Zepter, ohne Krone +Pink, pank, Hammerschlag +Pitsch--patsch--Badefass +Putzt die Fenster! fegt die Ecken! +Quellchen geht in den Rauschebach +Rate, Freund, es ist nicht schwer +Rechts, links, ueber Eck +Ride-bide-Bummstock +Rumpumpel macht 'ne Landpartie +Rumpumpel tanzt +Rumpumpel will essen +Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas +Scheine, Sonne, scheine +Schimmel, willst du laufen +Schlafe, mein kleiner Wildling +Schlafe ruhig, Koenigskind +Schnell, schnell, Besen +Schnipsel, schnipsel, Scherchen +Sind es die Feinde, muss man sich wehren +Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile +Sitzen zwei alte Weiber im Sand +So morgens um halb acht herum +Sonnenlichter, Fruehlingswichter +Sonne scheint draussen und scheint in die Grube +Spitzt das Ohr und merkt euch still +Standen vier weisse Ritterchen +Steht ein Toepfchen rund und nett +Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant +Still--was bloss das Kaetzchen will +Traumkoenig geht durch bleiches Land +Tuck--tuck--heut ist Regentag +Unser Mueller hat ein Muehlenhaus +Viel Glieder hab ich, die einander gleichen +Vor der Laube kraeht der Hahn +Waechst einer alten Dame +Wagen im Wind +Waldtaube sass gefangen +Wenn das R am Anfang steht +Wenn der Wind ueber Wiesen und Felder rennt +Wenn es von Freund und Liebchen kommt +Wenn ich in die Stube geh +Wer es hat, der ist betruebt +Wer kommt dort angeflogen +Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd +Wer strampelt im Bettchen +Wer tanzt mit mir +Willst du das erste Wort stets sein und handeln +Wind, Wind, sause +Winkele, wankele +Wir sind's gewiss in vielen Dingen +Wir sind's mit Stamm und Vaterland +Zwei Worte weiss ich, die einander feind + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS LIEBE NEST *** + +***** This file should be named 13732.txt or 13732.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/1/3/7/3/13732/ + +Produced by David Starner, Hagen von Eitzen and the PG Online +Distributed Proofreading Team. + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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