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@@ -0,0 +1,5775 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 13732 ***
+
+DAS LIEBE NEST
+
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+
+
+Gesammelte Kindergedichte
+von
+Paula Dehmel
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+Herausgegeben von Richard Dehmel
+mit Zeichnungen von Hans Thoma
+bei E. A. Seemann in Leipzig
+1919
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+GRUSS AN DIE GROSSEN
+
+
+Aus lichtem See,
+über Sterne und Schnee,
+rauschen die Schäume,
+lauschen die Träume,
+Himmel hinab, Himmel hinan,
+ewige Bahn.
+
+Aus Kinderland,
+über Acker und Sand,
+wachsen die Gluten,
+die bösen, die guten,
+Himmel hinab, Himmel hinan,
+ewige Bahn.
+
+
+
+GRUSS AN DIE KLEINEN
+
+
+Ich möcht euch alle miteinander
+auf bunten Wiesen sehn,
+bei Klarinetten und Geigen
+die Füßchen im Tanze drehn.
+
+Ich möcht euch alle miteinander
+mitnehmen im Fliegerkahn,
+euch die schöne Erde zeigen,
+und was fleißige Menschen getan.
+
+Ich möcht euch alle miteinander
+still führen an der Hand,
+euch heimliche Dinge sagen
+von Gott und dem Sternenland.
+
+
+
+
+
+ERSTER TEIL
+
+
+
+WUNDERCHEN
+
+
+Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
+Darf sich kein Staub, kein Krümel verstecken,
+muß alles so blank wie Ostertag sein,
+denn das Wunderchen zieht ein.
+Zieht ein--schon stimmen die Englein die Geigen;
+alle Könige werden sich neigen,
+Hirten und Könige mit dem Stern
+haben Wunderchen gern.
+ Wer soll Wunderchens Taufpate sein?
+Sieben große Meister laden wir ein;
+sieben große Helden mit Kron und Schalmein
+sollen Wunderchens Taufpaten sein.
+ Und wer ist schnell
+ sein Spielgesell?
+Da kommen gesprungen
+die reizenden jungen
+Wachholderweibchen und Fliedermännchen,
+Taunixchen mit silbernen Wasserkännchen.
+Aus Vogelnestern und Weidenkätzchen
+gucken neugierige Schelmenmätzchen:
+ Wir lachen fein,
+ wir singen fein,
+wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein!
+
+
+
+GEHT LEISE
+
+
+Geht leise--
+es ist müd von der Reise.
+Es kommt weit her:
+vom Himmel übers Meer,
+vom Meer den dunklen Weg ins Land,
+bis es die kleine Wiege fand--
+Geht leise.
+
+
+
+WITTEWOLL SCHLAFEN
+
+
+Auf der Leine, auf grünem Platz
+hängen sieben Hemdchen und ein Latz;
+im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt,
+liegt mit großen Augen mein Kind--
+wittewoll schlafen?
+
+Henne macht sich ein Bett im Sand,
+Fliege träumt an der Mauerwand,
+Schmetterling sitzt in der Mittagsruh,
+schaukelt die Flügel auf und zu--
+wittewoll schlafen?
+
+Suselesu, der Sonnenwind
+bläst in die Augen dem müden Kind;
+es will noch blinzeln--Spinnchen hält
+den bunten Schleier vor die Welt--
+--wittewoll--schlafen-- --
+
+
+
+FRÜHSTÜCK
+
+
+So morgens um halb acht herum:
+Rumpumpel macht das Mäulchen krumm.
+Und keine fünf Minuten drauf
+wacht Rumpumpel auf.
+
+Hu! kommt der kalte Badeschwamm,
+Rumpumpel hält die Ohren stramm;
+und schlägt die Ticke-Tacke acht,
+wird ihm die Milch gebracht.
+
+Die schmeckt Rumpumpeln aber fein;
+er patscht mit beiden Fäustchen drein
+und trinkt und trinkt, bis alles leer.
+Rumpumpelchen, das freut mich sehr:
+morgen gibt's gut Wetter!
+
+
+
+SEEREISE
+
+
+Pitsch--patsch--Badefaß,
+Rumpumpel plantscht die Stube naß,
+ist ein junger Wasserheld,
+segelt durch die ganze Welt,
+im Wipp--im Wapp--im Schaukelkahn
+über den großen Ozean.
+Stehn drüben alle Wilden still
+und schrein: Was bloß Rumpumpel will?
+so splitternackt und pitschenaß
+in seinem kleinen Schaukelfaß?
+Schnell das Badelaken!
+
+
+
+SO LALA
+
+
+Steht ein Töpfchen rund und nett
+unterm Bett,
+so lala, so lala.
+Reicht mir mal das Kindel her,
+das braucht jetzt keine Windel mehr,
+so lala, so lala.
+
+Rolle, rolle, ratteratt,
+rollt ein Wagen durch die Stadt;
+sind zwei blanke Pferdchen davor,
+hinten drauf ein schwarzer Mohr.
+
+Horch, er hält vor unserm Haus;
+steigen zwei feine Jungherren aus,
+mit Federbarettchen
+und goldenen Kettchen.
+Schnell das Töpfchen unters Bettchen!
+
+
+
+MEIN WAGEN
+
+
+Mein Wagen hat vier Räder,
+vier Räder hat mein Wagen,
+rolle, rolle, rummerjan,
+das wollt ich euch bloß sagen.
+
+Mein Wagen hat 'ne Deichsel,
+'ne Deichsel hat mein Wagen,
+rolle, rolle, rummerjan,
+das wollt ich euch bloß sagen.
+
+Mein Wagen hat ein Pferdchen,
+ein Pferdchen hat mein Wagen,
+rolle, rolle, rummerjan,
+das wollt ich euch bloß sagen.
+
+Mein Wagen fahrt nach Potsdam,
+nach Potsdam fährt mein Wagen,
+rolle, rolle, rummerjan,
+das wollt ich euch bloß sagen.
+
+Und wer mit mir nach Potsdam will,
+in meinem neuen Wagen,
+rolle, rolle, rummerjan,
+der braucht es bloß zu sagen.
+
+
+
+KUTSCHER AUF DEM KNIE
+
+
+Wagen im Wind.
+Wie sitzt mein Kind?
+Wie geht mein Pferd?
+Alles verkehrt.
+Holdriutsch--
+oben die Räder, unten die Kutsch!
+
+Wagen im Schnee.
+Da guckt das Reh,
+da schnuppert der Has
+mit der wackligen Nas.
+Holdriuff--
+da sitzt unser Kutscher wieder oben uff!
+
+
+
+EREIGNIS
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Hurra, zum ersten Mal:
+Mutter, der Peter,
+hurra, da steht er!
+hält sich am Röckchen,
+hält sich am Stöckchen,
+grade wie 'n Licht,
+fürchtet sich nicht.
+
+Hurra, zum ersten Mal:
+Mutter, der Peter,
+hurra, da geht er!
+guck, ganz alleinechen
+setzt er die Beinechen!
+Aua, Geschrei--
+bautz!--vorbei.
+
+
+
+HEILSPRÜCHEL
+
+
+Kra, kra, kalter Schnee,
+dem Raben tut sein Beinchen weh,
+dem Häsechen sein Herzchen;
+die böse Zeit, die kalte Zeit,
+ein jedes hat sein Schmerzchen.
+
+Heile, Fingerchen, heile,
+es dauert noch 'ne Weile,
+es dauert noch bis Rosmarein,
+dann ist lauter Sonnenschein.
+
+
+
+SCHLIMME GESCHICHTE
+
+
+Im Stall unser Schäfchen--bäht,
+im Hof unser Hähnchen kräht,
+und der Karo an der Kette
+bellt mit Spitz um die Wette.
+Auf'm Dach unser Kätzchen--maut,
+und im Ententeich die Frösche, alle Frösche quaken laut:
+Kinder, denkt euch den Schreck,
+unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg.
+
+
+
+AUSTREIBUNG
+
+
+Das kann doch nicht Rumpumpel sein?
+So kann Rumpumpel doch nicht schrein?
+Seelöwen sind in unserm Haus;
+schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus.
+Ich 'n Stock,
+Du 'n Stock,
+alle beide einen Stock.
+Ei der Daus,
+wollt ihr raus,
+wollt ihr in euer Seelöwenhaus!
+
+
+
+WENN RUMPUMPEL BRUMMIG IST
+
+
+Die Henne legt ein Ei,
+da ging der Mond entzwei;
+die Hälfte fiel nach Nuckenstadt
+und schlug zwei große Brummer platt.
+
+Zwei große Brummer, brumm,
+summten hier herum,
+um Rumpumpels Kopf,
+um Rumpumpels Bauch
+und um sein dickes Näschen auch.
+
+Nun sind sie tot... Aber im Ei
+pickt das Küken die Schale entzwei,
+kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz--
+--ist der Mond wieder ganz.
+
+
+
+DER PUDDING
+
+
+Rumpumpel will essen,
+nun fix gebraten:
+ein Kätzel, ein Spätzel
+und sieben Soldaten.
+
+Das gibt einen Pudding
+so groß wie ein Haus.
+Zuletzt leckt Rumpumpel
+die Kuchenschüssel aus.
+
+
+
+ZWEI MÄULCHEN
+
+
+Winkele, wankele,
+vor der Tür steht ein Bankele,
+auf der Bank sitzt mein Kindele,
+spielt mit mei'm Hündele,
+winkele, wankele.
+
+Winkele, wankele,
+ich hab ein Gedankele:
+ein Äpfle fürs Kindele,
+ein Knöchle fürs Hündele.
+Dankele.
+
+
+
+MÜCKEBOLD
+
+
+Mückchen, Mückchen, Dünnebein,
+Mückchen, laß das Stechen sein,
+Stechen tut ja weh!
+Mückchen, Mückchen, weißt du was:
+beiß doch in das grüne Gras,
+beiß doch in den Klee!
+
+
+
+DAS SCHERCHEN
+
+
+Schnipsel, schnipsel, Scherchen,
+schneid mir ein Gewehrchen;
+schieß ich mir ein Häschen tot,
+brat's dem Kind zum Mittagbrot.
+Die Schnitzel fliegen zum Fenster hinaus
+durch den Sonnenschein in des Gärtners Haus;
+der hat seine Freude dran,
+oder guckt sie gar nicht an,
+oder streut sie in den Wind,
+oder schenkt sie seinem Kind--
+schnipsel, schnipsel, Scherchen-- --
+
+
+
+GESCHICHTCHEN VOM WINDE
+
+
+ Wer kommt dort angeflogen?
+ Das ist der Wind.
+ Der Wind ist ungezogen,
+ er bläst dem Kind
+ unters Röckchen,
+ an die Söckchen,
+ um die Ohren, an die Nase;
+ solch Geblase!
+
+ Ganz zerfleddert und zerzaust
+ kommt Rumpumpel angesaust;
+ und hustet
+ und prustet,
+ das arme Tröpfchen,
+ und steckt sein Köpfchen
+ in Mutters Schoß.
+
+Und weißt du, warum der Wind so getollt?
+Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt.
+
+
+
+ANZIEHLIEDCHEN
+
+
+Wer strampelt im Bettchen?
+versteckt sich wie 'n Dieb?
+Das ist der Rumpumpel,
+den haben wir lieb.
+
+Was guckt da für 'n Näschen?
+Ein Bübchen sitzt dran.
+Das ist der Rumpumpel,
+den ziehn wir jetzt an.
+
+Erst wird er gewaschen,
+vom Kopf bis zur Zeh;
+er weint nicht, er greint nicht,
+denn es tut ja nicht weh.
+
+Schnell her mit dem Hemdchen:
+da schlüpfen wir fein,
+erst rechts und dann links,
+in die Ärmelchen 'rein.
+
+Fix an noch die Strümpfchen,
+fix an auch die Schuh;
+kommts Händchen, schnürts Bändchen,
+schon sind sie zu.
+
+Nun Leibchen und Höschen,
+ein Röckchen kommt auch;
+sonst friert dem Rumpumpel
+sein kleiner runder Bauch.
+
+Das Kämmchen kämmt sachte,
+aber still muß man stehn;
+zuletzt noch das Kleidchen,
+der Tausend, wie Schön!
+Nun geht er und sagt: Guten Morgen.
+
+
+
+DAS LÄMMECHEN
+
+
+In Wolfenbüttel wohnt ein Lamm,
+das hat ganz schwarze Haare.
+Meint ihr, es brauche einen Kamm?
+I Gott bewahre!
+
+Aber mein Lämmechen
+braucht ein Kämmechen,
+braucht ein Schwämmechen,
+läßt sich nix verdrießen;
+setzt sein neues Käppechen auf,
+will mal Koppkegel schießen.
+
+
+
+DIE WILDEN BEINCHEN
+
+
+Guten Morgen, ihr Beinchen!
+Wie heißt ihr denn?
+Ich heiße Hampel,
+ich heiße Strampel;
+und das ist Füßchen Übermut,
+und das ist Füßchen Tunichtgut.
+
+Übermut und Tunichtgut
+gehn auf die Reise,
+platsch, durch alle Sümpfe,
+naß sind Schuh und Strümpfe;
+guckt die Rute um die Eck--
+laufen sie alle beide weg.
+
+
+
+DER LUMPICHTE BU
+
+
+Ka Strümpferl im Kasten,
+ka Bänderl am Schuh,
+ka Knöpferl am Wams--
+oh, der lumpichte Bu!
+
+
+
+TINTENHEINZ UND PLÄTSCHERLOTTCHEN
+
+
+Heini, Heini,
+ach, ist Heini dumm:
+stippt mit allen Fingerchen
+im Tintenfaß herum.
+
+Heini, Heini,
+kleiner dummer Mohr:
+stippt sich alle Fingerchen,
+klecks, ins Ohr.
+
+Und unten am Brunnen,
+da steht ein Faß,
+da macht sich unsre Lotte
+pitschepatschenaß.
+
+Und oben die Sonne
+hat drüber gelacht
+und hat unsre Lotte
+wieder trocken gemacht.
+
+
+
+ES REGNET
+
+
+Es regnet, es regnet
+der Kuh auf den Schwanz;
+es regnet, es regnet
+der Braut in den Kranz.
+
+Es regnet, es regnet,
+die Welt ist schon naß;
+hol 's Töpfchen,
+fang 's Tröpfchen,
+dann sag ich dir was:
+
+Wäscht du die Nase,
+bleibt sie fein grade.
+Wäscht du das Mündchen,
+bist du 'n lieb Kindchen.
+Wäscht du aber die Augen schön,
+kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn.
+
+
+
+TRÖSTERCHEN
+
+
+Blümchen hängt das Köpfchen,
+der Tau ist ihm zu schwer;
+kommt der durstige Morgenwind,
+trägt die Tropfen ins Meer.
+
+Spätzchen piepst und bettelt,
+das Kröpfchen ist ihm leer;
+Pferdchen hat die Krippe voll,
+streut Körnerchen umher.
+
+Kindchen weint noch immer,
+Böckchen stößt so sehr.
+Schenkt ihm Mutter einen Kuß:
+sieh mal, nun weint's nicht mehr.
+
+
+
+HÄSCHEN IN DER GRUBE
+
+
+(mit Benutzung des Volkspiels)
+
+
+Häschen in der Grube
+saß und schlief,
+kam der heilge Kuckdiguck
+und bracht ihm einen Brief.
+
+Häschen, bist du müde
+oder bist du krank?
+Steck doch deine Läufer raus,
+ob du noch hüpfen kannst.
+
+Und was stand geschrieben
+in Kuckdiguckens Brief?
+"Dem Kutscher, der nicht fahren kann,
+geht der Wagen schief."
+
+
+
+HASENSPIEL
+
+
+Hinter den Birken über den Rasen
+huschen drei Hasen
+an uns vorbei,
+Springen über Busch und Dorn,
+wollen ins junggrüne Winterkorn,
+hocken da,
+locken sich da,
+laufen kreuz,
+laufen quer,
+hin und her,
+als gäb's in der Welt keine Schrotflinte mehr.
+
+Warte, in der Weihnachtszeit
+kommen die drei Hasen ins Haus geschneit.
+Den größten verschicken wir,
+den zweitgrößten spicken wir,
+der kleinste kommt ins Hundehaus
+und steckt hinten sein Schwänzchen raus.
+
+
+
+DREI BÄUMCHEN
+
+
+Jung jung drei Bäumchen
+wachsen im Wiesengras,
+jung jung drei Bäumchen
+sagen mir was.
+
+Das erste hat sich
+so gequält,
+hat alle seine siebentausend
+Blättchen gezählt.
+
+Das zweite trägt Pfläumchen,
+schlicker-schleckerfein;
+hätt es deine Zähnchen,
+es äße sie allein.
+
+Das dritte, das dritte
+schüttelt sich bloß:
+fallen lauter Blüten
+in meinen Schoß.
+
+Sag ich schön Dank,
+geh ich nach Haus,
+mach ich Rumpumpeln
+ein Kränzchen draus.
+
+
+
+SCHABERNACK
+
+
+Wenn ich in die Stube geh
+und den Rumpumpel seh,
+tanzen wir zwei
+Ringeldireih,
+lachen wir,
+machen wir
+Schabernack,
+Huckepack,
+Kätzchen spielt den Dudelsack,
+macht Rumpumpel Hottehüh
+nach der alten Melodie:
+Miau, miau,
+dem Kater seine Frau,
+dem Kater seine grisegrimme
+gritzegraue Frau.
+
+
+
+AM ABEND
+
+
+Still.
+Was bloß das Kätzchen will?
+Es streicht um meinen Schoß herum,
+das Schwänzchen hoch, den Buckel krumm,
+Still--
+und weißt du, was es will?
+
+Still.
+Was bloß die Glucke will?
+Sie lockt und lockt die kleine Brut
+zum warmen Stall und deckt sie gut,
+Still--
+und weißt du, was sie will?
+
+Still.
+Was bloß Rumpumpel will?
+Die Augen macht er schon ganz klein
+und gähnt und will genommen sein,
+still--
+nun weißt du, was er will.
+
+
+
+GUTENACHTLIEDCHEN
+
+
+Leise, Peterle, leise,
+der Mond geht auf die Reise;
+er hat sein weißes Pferd gezäumt,
+das geht so still, als ob es träumt,
+leise, Peterle, leise.
+
+Stille, Peterle, stille,
+der Mond hat eine Brille;
+ein graues Wölkchen schob sich vor,
+das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr,
+stille, Peterle, stille.
+
+Träume, Peterle, träume,
+der Mond guckt durch die Bäume;
+ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
+um Peterle im Schlaf zu sehn--
+träume, Peterle, träume.
+
+
+
+FREUND HUSCH
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Husch, husch, husch,
+ich schlüpfe aus dem Busch;
+ich stecke mein Laternchen an,
+ich zünde uns die Sternchen an,
+husch.
+
+Husch, husch, husch,
+ich putze meinen Busch.
+Der Mond ist da, der Mond ist hell;
+der Mond, der ist mein Spielgesell,
+husch.
+
+Husch, husch, husch,
+ich schüttel meinen Busch.
+Die Kinderchen sind all zur Ruh,
+ich schüttel ihnen Träume zu;
+die haben wir vergangne Nacht,
+der Mond und ich, uns ausgedacht,
+husch, husch, husch,
+im Busch.
+
+
+
+RUMPUMPELS GEBURTSTAG
+
+
+Kräht der Hahn früh am Tage,
+kräht laut, kräht weit:
+Guten Morgen, Rumpumpel,
+dein Geburtstag ist heut!
+
+Guckt das Eichhörnchen runter:
+Wenig Zeit, wenig Zeit!
+Guten Morgen, Rumpumpel,
+dein Geburtstag ist heut!
+
+Kommt das Häschen gesprungen,
+macht Männchen vor Freud:
+Guten Morgen, Rumpumpel,
+dein Geburtstag ist heut!
+
+Steht der Kuchen auf dem Tische,
+macht sich dick, macht sich breit:
+Guten Morgen, Rumpumpel,
+dein Geburtstag ist heut!
+
+Und Vater und Mutter,
+alle Kinder, alle Leut
+schrein: Hoch der Rumpumpel,
+sein Geburtstag ist heut!
+
+
+
+MUTTERS GEBURTSTAG
+
+
+Leises Klopfen an der Türe:
+Kann ich 'rein, Mama?
+Frisch gewaschen, frisch gebügelt
+steht Rumpumpel da.
+Rosen in beiden Händchen;
+wie der Kerl sich freut!
+Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
+Mutti Burtstag heut.
+Vater putzt die große Stube,
+die ist mächtig schön.
+Lauter Blumen! Und die Torte!
+Komm, zu Vati gehn!
+
+
+
+RUMPUMPEL TANZT
+
+
+Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
+es blitzen seine Schuh;
+der Kreisel und der Hampelmann
+sehn verwundert zu.
+
+Der Kreisel pufft den Hampelmann:
+guck, Hans, was sagst du nur?
+der Junge tanzt, der Junge tanzt
+und sitzt an keiner Schnur.
+
+Der Hampelmann zieht ein Gesicht
+und schlenkert und sagt: puh,
+auch eine Peitsche braucht er nicht,
+tanzt doch so schön wie du.
+
+Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
+die liebe Sonne scheint;
+der Kreisel und der Hampelmann
+sind sich spinnefeind.
+
+
+
+KREISELLIEDCHEN
+
+
+Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
+rundum, rundum,
+kommt die dicke Marmelkugel,
+rollt ihn um, rollt ihn um;
+paß auf, Herr Dreidel!
+Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
+rundum, rundum,
+pfeift der Wind aus einer Ecke,
+pfeift ihn um, pfeift ihn um;
+steh auf, Herr Dreidel!
+Herr Dreidel tanzt auf einem Bein,
+peitsch di Hieb, peitsch di Hieb;
+hopp hopp, wie springt das Brüderlein,
+halt den Dieb, halt den Dieb,
+heißa, Herr Dreidel!
+
+
+
+KONZERT
+
+
+Musik, Musik, die Flöte kommt,
+Rumpumpel tut's begreifen:
+er horcht und hebt das Fingerchen,
+fängt gleich an mitzupfeifen.
+
+Musik, Musik, die Geige kommt,
+die Geige tut fein klingen;
+Rumpumpel hebt das Fingerchen,
+fängt leise an zu singen.
+
+Musik, Musik, der Brummbaß kommt,
+ganz deutlich hört man's summen;
+Rumpumpel hebt das Fingerchen,
+tut wie 'ne Hummel brummen.
+
+Das gibt ein herrliches Konzert,
+ihr Kinder, kommt, ich bitte!
+Drei Kirschen kost't der erste Platz,
+und eine kost't die Mitte.
+
+Hinten herum ist alles frei,
+großmütig sind wir heute;
+der Mohr, der Spitz, der Hampelmann
+sind gar zu arme Leute.
+
+
+
+DIE ERSTEN HÖSCHEN
+
+
+Der Schneidermeister Piekenich
+ist ein geschickter Mann,
+er kommt und mißt dem Peterle
+die ersten Hosen an.
+
+Er nimmt sein Buch und Metermaß,
+schreibt sich die Zahlen auf;
+und wenn der Bub nicht stille steht,
+kriegt er eins hinten drauf.
+
+"Du lieber Meister Piekenich,
+mach die Hosen recht schön!
+Ich will ja unter den Linden
+damit spazieren gehn.
+
+Und alle kleinen Jungens
+gucken nach mir hin
+und sehn an meinen Höschen,
+daß ich auch ein Junge bin."
+
+
+
+DER KLEINE SÜNDER
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Gestern lief der Peter weg,
+spinnefix verstohlen.
+Setzt sich Mutter den Bänderhut auf:
+wart, ich will dich holen.
+Sausepeter,
+Flausepeter,
+kleiner Sünder, wo bist du?
+
+Hahnematz steht auf der Wiese,
+"Kiek ins Grüne" kräht er;
+sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter?
+Bummelpeter,
+Schummelpeter,
+kleiner Sünder, wo bist du?
+
+Wie sie sich im Garten umguckt,
+ist er nicht zu sehen,
+bleibt sie neben dem Spargelbeet
+unterm Pflaumbaum stehen.
+Aber Peter,
+nirgends steht er;
+kleiner Sünder, wo bist du?
+
+Hört sie etwas lachen, horch
+oben aus dem Baume;
+sitzt der Peter seelenvergnügt,
+pflückt sich eine Pflaume.
+Wirft ein Steinchen,
+schwenkt die Beinchen,
+wupptich--: Mutter, da bin ich!
+
+
+
+FLUTSCHPETER
+
+
+Flutschpeter lief nie gradeaus;
+ja, und warum? Er lief
+getreulich seiner Nase nach,
+und die, ja die war--schief.
+
+
+
+DIE TROMMELPARTIE
+
+
+Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
+er trommelt: wer will mit?
+Kommt das Kätzchen
+Mausemätzchen,
+das will mit.
+
+Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
+er trommelt: wer will mit?
+Kommt das Hündchen
+Belleinstündchen,
+das will mit.
+
+Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
+er trommelt: wer will mit?
+Kommt das Schweinchen
+Rosenfeinchen,
+das will mit.
+
+Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
+er trommelt: wer will mit?
+Kommt der Bär
+Brummesehr,
+der will mit.
+
+So geht's im Trab,
+bergauf, bergab,
+durch Dünn und Dick,
+durch Schlamm und Schlick;
+Rumpumpel schlägt die Trommel.
+
+Das Kätzchen maut,
+das Hündchen bellt,
+das Schweinchen quiekt,
+der Bär brummt: was 'ne dumme Welt!
+Rumpumpel schlägt die Trommel.
+
+
+
+RUMPELREIM
+
+
+Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus,
+Ride-bide-Bummstock ließ sie wieder raus;
+Ride-bide-Bummstock, du bist dumm,
+die Mäuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um.
+
+
+
+DAS KARNICKEL
+
+
+Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
+was bist du heut so still?
+Sieh her, ich habe Kohl für dich,
+sitz doch nicht gar so feierlich!
+Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
+wie kommst du mir heut vor!
+
+Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
+ist dir dein Haus zu eng?
+Ein Weilchen darfst du aus dem Stall,
+bloß friß mir nicht die Knospen all!
+Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
+bist mir nun wieder gut?
+
+
+
+LEKTION
+
+
+Hühner, wollt ihr wohl artig sein!
+hübsch langsam essen und nicht so schrein!
+Müßt ihr denn immer zanken und beißen?
+euch um jedes Körnchen reißen?
+Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier,
+du ißt ja für vier.
+Weg! hörst du nicht? du sollst dich trollen!
+Die niedlichen kleinen Küken wollen
+auch mal heran an das schöne Futter.
+Wenn du nicht hörst, sag ich's der Mutter;
+die fängt dich ein und macht dich tot,
+dann essen wir dich zum Mittagbrot.
+
+
+
+LIED DES HÜHNCHENS
+
+
+ Tuck--tuck--heut ist Regentag,
+ und ich muß mich plagen;
+ kratze schon acht Stunden, tuck,
+ und noch knurrt mein Magen.
+Tuck tuck tuck, pick und schluck,
+hab noch immer nicht genug.
+
+ Tuck die Enten, tuck die Enten,
+ Enten sind doch Narren;
+ gehn ins Wasser, tuck ins Wasser,
+ als könnte man da scharren.
+Tuck tuck tuck, pick und schluck,
+hab noch immer nicht genug.
+
+ Pferde, tuck tuck tuck, und Kühe
+ haben große Köpfe,
+ aber keine Kröpfe, tuck;
+ traurige Geschöpfe!
+Tuck tuck tuck, pick und schluck,
+hab noch immer nicht genug.
+
+ Tuck, wie war der Hahn galant,
+ suchte mir manch Krümchen;
+ heute geht er, tuck tuck tuck,
+ mit Cochinchina-Mühmchen.
+Tuck tuck tuck, pick und schluck,
+hab noch immer nicht genug.
+
+ Tuck, du fetter Regenwurm,
+ dich muß ich noch ergattern;
+ schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck,
+ Muhmen und Gevattern!
+Tuck tuck tuck, pick und schluck,
+hab noch immer nicht genug.
+
+ Tuck, wär ich doch endlich satt,
+ tuck, das wär ein Segen;
+ muß Rumpumpeln, tuck tuck tuck,
+ sein Frühstücks-Ei noch legen.
+Tuck tuck tuck, pick und schluck,
+ach, wann hat man wohl genug?
+
+
+
+SO SIEHT UNSRE WIRTSCHAFT AUS
+
+
+Unser Müller hat ein Mühlenhaus,
+mi-ma-Mühlenhaus,
+kommt Korn hinein und Mehl heraus,
+mi-ma-Mehl heraus;
+Mühlenhaus, Mehl heraus,
+so sieht unsre Wirtschaft aus.
+
+Unser Bäcker, der backt weiße Wecken,
+wi-wa-weiße Wecken,
+und braunes Brot und Streußelschnecken,
+stri-stra-Streußelschnecken;
+weiße Wecken, Streußelschnecken,
+Mühlenhaus, Mehl heraus,
+so sieht unsre Wirtschaft aus.
+
+Unser Schlächter schlacht't ein feistes Schwein,
+fi-fa-feistes Schwein,
+und pökelt Wurst und Schinken ein,
+schi-scha-Schinken ein;
+feistes Schwein, Schinken ein,
+weiße Wecken, Streußelschnecken,
+Mühlenhaus, Mehl heraus,
+so sieht unsre Wirtschaft aus.
+
+Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh,
+bi-ba-bunte Kuh,
+die gibt uns Milch und Butter dazu,
+bi-ba-Butter dazu;
+bunte Kuh, Butter dazu,
+feistes Schwein, Schinken ein,
+weiße Wecken, Streußelschnecken,
+Mühlenhaus, Mehl heraus,
+so sieht unsre Wirtschaft aus.
+
+Unsre Henne macht ein laut Geschrei,
+li-la-laut Geschrei,
+und legt dabei ein frisches Ei,
+fri-fra-frisches Ei;
+frisches Ei, laut Geschrei,
+bunte Kuh, Butter dazu,
+feistes Schwein, Schinken ein,
+weiße Wecken, Streußelschnecken,
+Mühlenhaus, Mehl heraus,
+so sieht unsre Wirtschaft aus.
+[Transkriptions-Notiz: Fehlendes "aus" hinzugefügt.]
+
+Rumpumpel ist ein kluges Kind,
+kli-kla-kluges Kind,
+das fragt nicht viel und ißt geschwind,
+i-a-ißt geschwind;
+kluges Kind, ißt geschwind,
+frisches Ei, laut Geschrei,
+bunte Kuh, Butter dazu,
+feistes Schwein, Schinken ein,
+weiße Wecken, Streußelschnecken,
+Mühlenhaus, Mehl heraus,
+so sieht unsre Wirtschaft aus.
+
+
+
+
+
+ZWEITER TEIL
+
+
+
+DAS HAUS
+
+
+Ich bau, ich bau ein steinern Haus;
+vorne guckt ein Esel raus,
+hinten eine Kuh,
+muh.
+
+
+
+MIT TROMMEL UND TRAB
+
+
+Sitzen zwei alte Weiber im Sand,
+spinnen viel feine Fäden über Land,
+über Bäume,
+über Zäune,
+um Stoppel und Dorn,
+immer von vorn.
+
+Für wen sitzen die alten Weiber im Sand,
+spinnen viel feine Fäden über Land?
+Für Wildbub Kraushaar,
+kommt alle hundert Jahr
+mit Trommel und Trab
+vom Himmel herab,
+reißt alle Fäden auf einmal ab,
+macht sich ein'n Mützenpuschel draus
+und lacht die alten Weiber aus.
+
+
+
+SIEBENSCHLÄFER
+
+
+Ihr Siebenschläfer in den Höhlen,
+reckt euch, streckt euch, aufgewacht!
+Der Frühling leuchtet in den Himmel
+nach einer einzigen warmen Nacht.
+
+Schnell, schüttelt eure grauen Zotteln,
+und blinzelt in das blaue Licht;
+Herrgott, wer wird so langsam trotteln,
+ich lauf voraus, ich warte nicht.
+
+Die Amsel übt schon ihre Lieder,
+ich pfeif sie nach, ich sing sie auch;
+und denkt euch nur, der blaue Flieder
+hat Knospen, und der Haselstrauch.
+
+Der Teckel bellt vor lauter Wonne
+und wühlt die frische Erde um--
+Na? seid ihr noch nicht in der Sonne,
+ihr Siebenschläfer faul und dumm?
+
+
+
+OSTERLIED
+
+
+Has, Has, Osterhas,
+wir möchten nicht mehr warten.
+Der Krokus und das Tausendschön,
+Vergißmeinnicht und Tulpen stehn
+schon lang in unserm Garten.
+
+Has, Has, Osterhas,
+mit deinen bunten Eiern.
+Der Star lugt aus dem Kasten aus,
+Blühkätzchen sitzen um sein Haus;
+wann kommst du Frühling feiern?
+
+Has, Has, Osterhas,
+ich wünsche mir das Beste:
+ein großes Ei, ein kleines Ei
+und ein lustiges Dideldumdei,
+alles in einem Neste.
+
+
+
+MAIWUNDER
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Maikönig kommt gefahren,
+in seinem grüngoldnen Wagen,
+mit Saus und Gesinge.
+Seine Zügel sind Sonnenstrahlen,
+große blaue Schmetterlinge
+ziehn ihn über Busch und Bach,
+daß die weißen Blütenglocken
+in seinen Locken
+schwingen und springen,
+und Hans guckt ihm nach
+und hört sein Lied:
+wer zieht mit? zieht mit?
+
+Kommt das Maienweibchen,
+trägt ein weißes Kleidchen,
+trägt ein grünes Kränzchen,
+sagt zu unserm Hänschen:
+Eia, Hans,
+komm zum Tanz!
+Einen Schritt Frau Nixe,
+einen Schritt Herr Nix,
+Ringeldireih, Ringeldireih,
+Dienerchen,
+Knix!
+
+
+
+HANSEL UND GRETEL
+
+
+Hansel und Gretel stehen zu zwein,
+der Hansel ist grob,
+und die Gretel ist fein,
+der Hansel ist dick,
+und die Gretel ist dünn,
+der Hansel ist aus Birkenholz,
+die Gretel ist aus Zinn.
+Heißa, juchheißa, wer wird nun König?
+Was der eine zu viel hat, hat der andre zu wenig.
+
+
+
+PRINZESSCHEN
+
+
+Wer tanzt mit mir?
+wer spielt mit mir?
+ich bin so sehr allein.
+Kam da der gelbe Sonnenstrahl:
+Ich tanze Tippel-huschemal,
+willst du meine Tänzerin sein?
+
+Wer tanzt mit mir?
+wer spielt mit mir?
+der Sonnenstrahl ist zu fein.
+Kam da der wilde Pustewind:
+Heidih, ich spiele Wegefind,
+lauf doch, fang mich ein!
+
+Wer tanzt mit mir?
+wer spielt mit mir?
+der Wind macht mein Krönchen entzwei.
+Kam da unser brauner Junge an,
+macht 'nen Diener wie 'n Edelmann:
+Prinzeß, ich bin so frei.
+
+
+
+DAS GROSSE LOCH
+
+
+Das große Loch,
+wie kam es doch
+in Gretens neuen Schuh?
+Die ganzen Zehn
+sind ja zu sehn;
+wer macht das Loch uns zu?
+
+Drüben hinterm Rathaus
+hängt ein großes Schild raus,
+goldner Stiefel drauf.
+Da wohnt der Schuster Firlefanz,
+der macht dein Schuhchen wieder ganz;
+lauf, Grete, lauf!
+
+
+
+ZWEI GESELLEN
+
+
+Es tanzen zwei Gesellen
+ hier herum;
+der eine, der ist klug,
+und der andre, der ist dumm.
+Der eine liegt im Grase,
+der andre sitzt am Tisch;
+der eine kaut den Kanten,
+der andre ißt den Fisch
+ ißt den Fisch.
+
+Es tanzen zwei Gesellen
+ hier herum;
+der eine, der ist grad,
+und der andre, der ist krumm.
+Der eine, der bleibt mager,
+der andre, der wird fett;
+der eine kommt an'n Galgen,
+der andre stirbt im Bett.
+ Je nun, je nun,
+ was ist dabei zu tun.
+
+
+
+WENN'S PFINGSTEN REGNET
+
+
+Oben aus dem Fahnenhaus
+guckt das schwarze Wettermännchen raus,
+spreizt die Beine und grinst uns an;
+schäme dich, alter Wettermann!
+Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
+hast du dem Fritze fest versprochen,
+daß zu Pfingsten, im Monat Mai,
+das allerschönste Wetter sei.
+Und nun regnet's, liebe Not,
+alle hellen Blüten tot;
+sie liegen da wie nasser Schnee.
+Auf den Wegen steht See an See;
+ja, wenn wir noch drin baden könnten,
+wie die Spatzen oder die Enten.
+Wir dürfen aber gar nicht raus,
+sehn so mucksch wie Maulwürfe aus;
+röche nicht der Kuchen so lecker her,
+wüßte man gar nicht, daß Feiertag wär.
+Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
+Schäme dich, schwarzer Wettermann!
+
+
+
+EINE HÜHNERGESCHICHTE
+
+
+Vor der Laube kräht der Hahn,
+ein rot-schwarz-gelb und grüner:
+Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch,
+fix, kommt fix, ihr Hühner!
+
+Seht die Hennen,
+wie sie rennen,
+aus Verstecken,
+über Zäune, über Hecken,
+gackern, beißen sich und schrein,
+jede will die erste sein.
+Wie sie fliegen, wie sie flattern,
+um ein Plätzchen zu ergattern.
+Oben auf des Tisches Mitte
+steht Herr Hahn:
+Bitte, meine Damen, bitte,
+fangt nur an!
+Pick und schluck,
+nicht genug,
+immer mehr
+Kuchen her!
+Unser Kropf
+ist ein Topf,
+wird nicht voll,
+wird nicht leer,
+darum mehr
+Kuchen her,
+bis der Teller leckeleer!
+
+Drüben aus des Gärtners Haus
+guckt der kleine Fritz und lacht:
+Ei, wie sah das lustig aus,
+das haben die Hühner klug gemacht.
+
+
+
+MARIEKEN UND DIE KÜKEN
+
+
+Marie, Marei, Marieken
+mit deinen sieben Küken,
+was willst du tun?
+
+"Die alte Kluckenmutter ist tot,
+nun frieren die Kinder und finden kein Brot;
+ich will sie pflegen."
+
+Marie, Marei, Marieken
+mit deinen sieben Küken,
+was hast du im Sack?
+
+"Kartoffelmus und Hirsekern,
+das essen meine Kinderchen gern,
+das streu ich ihnen."
+
+Marie, Marei, Marieken,
+gib mir eins von deinen Küken,
+du hast noch genug.
+
+"Wenn ich meine Kinder verschenken tät,
+müßt ich weinen von früh bis spät,
+daß sollst du wissen."
+
+Marie, Marei, Marieken,
+Zu Hühnern werden die Küken;
+was machst du dann?
+
+"Und werden hübsch bunt und werden groß,
+fliegen mir alle um Kopf und Schoß,
+hei, alle sieben!"
+
+
+
+KINDERKÜCHE
+
+
+Marie-Marei will Braten machen,
+hat keine Pfanne;
+nimmt sie sich die Schiefertafel
+von klein Schwester Hanne.
+Hat sie eine Pfanne.
+
+Marie-Marei will Braten machen,
+hat keine Butter;
+borgt sie beim Kanarienvogel
+rasch ein bißchen Futter.
+Hat sie Butter.
+
+Marie-Marei will Braten machen,
+hat keine Kohlen;
+vor der Tür blüht roter Mohn,
+geht sie den sich holen.
+Hat sie Kohlen.
+
+Marie-Marei will Braten machen,
+fehlt noch das Gänschen;
+nimmt sie sich die Pudelmütze
+von klein Bruder Fränzchen.
+Hat sies Gänschen.
+
+Hei, mit diesen Wunderdingen
+muß der Braten wohlgelingen;
+bitte zu Tisch!
+
+
+
+ESSENSREGELN
+
+
+Spitzt das Ohr und merkt euch still,
+was die gute Sitte will!
+Wer die schöne Form erfaßt,
+ist ein gern gesehner Gast;
+wer sich frech und plump beträgt,
+wird ohne Besen hinausgefegt.
+
+
+--1--
+
+Ein Kind soll nicht vorher von Speisen naschen,
+soll Mund und Hände sich sauber waschen,
+sich erst setzen, wenn die andern sitzen,
+das Mäulchen bei Tisch nicht zum Pfeifen spitzen,
+nicht plappern, wenn große Leute sprechen,
+das Brot nicht zerkrümeln, zerkneten, nur Bissen abbrechen.
+
+
+--2--
+
+Rückt immer den Stuhl so dicht heran,
+daß Löffel und Gabel zum Munde kann,
+ohne das Tischtuch zu betrippen;
+und schließt beim Kauen hübsch die Lippen!
+Turnen beim Essen, das will nicht passen;
+also die Ellbogen hübsch unten lassen!
+
+
+--3--
+
+Nicht gierig stopfen! langsam essen!
+auch keinen Rest auf dem Teller vergessen!
+Nicht wie Hunde oder Katzen
+schlecken, schlürfen, schnaufen, schmatzen!
+Nicht kichern und nicht heimlich fragen,
+und immer schön bitte und danke sagen!
+
+
+--4--
+
+Seid ihr beim Essen und trinkt dazwischen,
+sollt ihr zuvor die Lippen wischen.
+Kartoffeln und Fisch mit Stahlmessern schneiden,
+das wird ein Mensch, der Geschmack hat, vermeiden.
+Brot nimmt man zuhilfe, wenn Fischmesser fehlen;
+auch Obst soll man nicht mit Stahlklingen schälen.
+
+
+--6--
+
+Wer stochert in den Zähnen,
+nicht unterdrückt das Gähnen,
+das Messer in den Mund steckt,
+Gabel und Teller ableckt,
+zuviel packt auf den Löffel,
+gilt als Flegel und Töffel.
+
+
+
+DIE BÖSE MIES
+
+
+Es war einmal ein Kätzchen,
+ein allerliebstes Frätzchen.
+Es hatte das Mamsellchen
+ein seidenweiches Fellchen
+und einen Bart ums Schnäuzchen
+und Augen wie ein Käuzchen.
+Es machte gern den Rücken krumm
+und brachte viele Mäuse um,
+dann schlich es auf die Ofenbank
+und leckte sich die Pfoten blank.
+
+Einst aber, oh das Kätzchen,
+was tut das liebe Frätzchen?
+Einst stand auf unserm Tische
+ein Teller Bratenfische.
+Hopp, ist das Kätzchen oben:
+die Fische muß ich loben.
+So denkt es sich und sitzt und schmaust,
+doch Mutterchen kommt angesaust,
+und gibt dem Naschmamsellchen
+--na warte--eins aufs Fellchen.
+
+Nein, unser Miesekätzchen
+war gar kein liebes Frätzchen:
+los auf die gute Mutter,
+und durch das Ärmelfutter
+--kratz--in den Ellenbogen!
+War das nicht ungezogen?
+Dann lief es voller Wut hinaus
+und kam erst abends spät nach Haus,
+und schlich sich auf die Ofenbank
+und leckte sich die Pfoten blank.
+
+
+
+POTTKIEKER
+
+
+Mutti, Mutti, was ist denn da drin?
+ "Hoppel-poppel-Appelreis,
+ mach dich weg, Naseweis,
+ kann dich hier nicht brauchen,
+ der Ofen tut rauchen,
+ muß Spähne suchen,
+ sonst brennt der Kuchen,
+ muß Gänse schlachten,
+ in sechs Wochen ist Weihnachten."
+
+Mutti, Mutti, wo soll ich denn hin?
+ "Ei, tanz mit dem Schimmel,
+ bohr Löcher in den Himmel,
+ lehr die Katz das Alphabet,
+ sieh nach, ob sich der Kirchturm dreht,
+ oder lauf ans Ende der Welt,
+ paß auf, daß keiner runter fällt,
+ marsch!"
+
+
+
+DER REITERSMANN
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Schimmel, willst du laufen,
+will ich uns was kaufen.
+Heißa, lauf nach Mexiko,
+da kaufe ich dir Bohnenstroh;
+laufe nach der Mongolei,
+da kauf ich mir ein Osterei,
+hopp!
+
+Eile, Schimmel, eile,
+oder du kriegst Keile.
+Hoppßa, lauf nach Hindostan,
+da kaufe ich mir Marzipan;
+laufe nach Kap Morgenrot,
+da kauf ich dir ein Dreierbrot,
+burr!
+
+
+
+DAS RICHTIGE PFERD
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd!
+Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert,
+es hat so steife Beine,
+es stampft nicht, frißt nicht, wiehert nicht,
+und macht solch ledernes Gesicht,
+und weiß nicht, was ich meine.
+
+Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd,
+ein wirklich richtiges Pferd beschert,
+dann reit ich über die Brücke,
+und reite durch den Kiefernforst
+nach Vehlefanz und Haselhorst
+und noch fünf große Stücke.
+
+Dann bin ich mitten in der Welt,
+da such ich mir ein Haberfeld
+und lasse mein Pferdchen grasen.
+Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt,
+wo der Riese den Regenbogen hält,
+und--schick euch 'ne Ansichtspostkarte.
+
+
+
+DER KLEINE REKRUT
+
+
+Ich hab einen Helm aus Packpapier,
+mit einem Federbusche;
+der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf
+mit schwarz-weiß-roter Tusche.
+
+Einen hölzernen Säbel hab ich auch,
+mit einem richtgen Griffe;
+wenn nur der Scherenschleifer käm,
+daß er ihn endlich schliffe!
+
+Meine Mutter ist 'ne gute Frau,
+die schenkt mir einen Dukaten,
+dann kauf ich mir ein Schießgewehr,
+geh unter die Soldaten.
+
+
+
+DER HAUPTMANN
+
+
+Ich bin der Hauptmann,
+ihr die Soldaten;
+immer gehorsam,
+das will ich euch raten,
+hört ihr!
+
+Eins, zwei, immer hinterher,
+eins, zwei, schultert das Gewehr,
+marsch!
+
+Seht euch nicht um,
+seht euch nicht an,
+immer hübsch stramm,
+Mann hinter Mann,
+halt!
+
+Eins, zwei, immer hinterher,
+eins, zwei, schultert das Gewehr,
+marsch!
+
+
+
+ABZÄHLREIM
+
+
+Rechts, links, über Eck,
+die Henne legt die Eier weg,
+legt sie in ein Bündel Stroh,
+irgendwie, irgendwo;
+kommt der Marder Wagemut,
+jagt die Henne von der Brut,
+rechts, links, über Eck--
+ein Küken hat--er--weg.
+
+
+
+FRAGEFRITZE UND DIE PLAPPERTASCHE
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Fritz, ich möcht den Spaten haben.
+"Mutterchen, warum?"
+Möchte eine Grube graben.
+"Mutterchen, warum?"
+
+Möchte drin ein Bäumchen pflanzen.
+"Mutterchen, warum?"
+Wird mein Fritze drunter tanzen.
+"Mutterchen, warum?"
+
+Wird das Bäumchen Kirschen tragen.
+"Mutterchen, warum?"
+Ei, du mußt die Spatzen fragen,
+die sind nicht so dumm!--
+
+Kommt die kleine Plappertasche:
+"Mutterchen, nicht wahr,
+ich bin klüger als der Fritze,
+bin schon bald sechs Jahr.
+
+"Mutterchen, nicht wahr, der Fritze
+ist ein Schaf, o je!
+Ich kann schon bis zwanzig zählen
+und das A-B-C."
+
+I, du kleine Plappertasche,
+laß den Fritz in Ruh.
+Plappertasche, wische wasche,
+halt das Mäulchen zu.
+
+Übermorgen in vier Wochen
+kommt der Weihnachtsmann;
+wenn du dann noch immer plapperst,
+was bekommst du dann?
+
+Einen großen Maulkorb!--
+
+
+
+PLAPPERMÜNDCHEN
+
+
+In Leipzig wohnt ein Bäckermeister,
+Hans-back-die-Semmeln-größer heißt er;
+Seine Mutter, die Frau Meisterin,
+zieht den Teig wer weiß wie dünn,
+rollt ihn mit der Mangel aus,
+macht sieben bucklige Bretzeln draus,
+drei für den Vater,
+drei für die Mutter,
+eine für unser Plappermündchen,
+dann schweigt's vielleicht ein Viertelstündchen.
+
+
+
+PUPPENDOKTOR
+
+
+Lieber Doktor Pillermann,
+guck dir bloß mein Püppchen an.
+Drei Tage hat es nichts gegessen,
+hat immer so stumm dagesessen,
+es will nicht einmal Zuckerbrot,
+die Arme hängen ihr wie tot.
+Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich,
+ist diese Krankheit sehr gefährlich?
+
+Madam, Sie ängstigen sich noch krank;
+der Puls geht ruhig, Gott sei Dank.
+Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen,
+sie muß zu Bett und tüchtig schwitzen;
+drei Kiebitzeier gebt ihr ein,
+dann wird es morgen besser sein.
+Empfehle mich.
+
+
+
+KLEINER EINKAUF
+
+
+Guten Tag, guten Tag, liebe Grünkramfrau,
+Gemüse will ich kaufen,
+ich bin mit meinem Henkelkorb
+extra hergelaufen;
+auch schöne frische Eier will ich,
+hoffentlich sind sie heute billig.
+
+Die Schoten hier gefallen mir,
+zuckersüße Kerne;
+auch von den Rübchen möchte ich
+ein halbes Liter gerne.
+Kohlrüben? lieben wir nicht sehr;
+doch zeigen Sie mal die Pflaumen her!
+
+Davon will ich fünf Litermaß,
+haufenvoll gemessen!
+weil meine Kinderchen zu Haus
+alle gern Pflaumen essen.
+Geld schick ich Ihnen morgen her;
+ich denke doch, es eilt nicht sehr,
+ich hab es grad vergessen.
+
+
+
+VATERS GEBURTSTAG
+
+
+Schnell, schnell, Besen,
+feg die Stube rein;
+wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
+muß alles sauber sein.
+
+Wisch, wisch, Lappen,
+über Stuhl und Schrank;
+wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
+sind sie blitzeblank.
+
+Blüh, blüh, Blume,
+blüh recht frisch;
+wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
+Stehst du auf dem Tisch.
+
+Herz-Herz-Muttchen,
+schnell das neue Kleid;
+bis Väterchen zum Kaffee kommt,
+ist nur noch wenig Zeit.
+
+Tick, tick, Uhrchen,
+renn doch nicht so fix;
+wenn Väterchen zum Kaffee kommt,
+mach ich meinen Knix.
+
+Fertig, alles fertig,
+der Kuchen auch ist da;
+der Kaffee kommt, der Vater kommt,
+mein Verschen kann ich ja:
+"Heut ist dein Geburtstag!"
+
+
+
+DAS HIMMELSPRINZESSCHEN
+
+
+Ich bin das Himmelsprinzeßchen,
+habe Flügel von blauem Duft,
+ich schlafe im Wolkenbettchen
+und bade in Licht und Luft.
+Mir gehört die silberne Schaukel
+hoch oben im Himmelssaal;
+wenn die goldenen Seile schwingen,
+blitzt es unten im Tal.
+
+Der alte Wetterriese
+donnert und schilt mich aus,
+ich flitze über die Sterne
+und lache den Brummbart aus.
+Die Mirlamein vom Monde
+webt meine Kleider und Schuh,
+die gute Mutter Sonne
+gibt goldne Spangen dazu.
+
+Der liebe Gott hat mich gerne,
+ich bin sein liebes Kind;
+er nimmt uns auf die Kniee,
+mich und den Frühlingswind.
+
+Des Abends sitzen wir stille
+bei Mirlamein im Zelt
+und spinnen Wünsche und Träume
+und streuen sie über die Welt.
+
+
+
+WINDFREUDE
+
+
+Wenn der Wind über Wiesen und Felder rennt,
+renn ich mit;
+da denk ich, daß ich fliegen kann,
+und guck mir lustig die Vögel an,
+susewitt, susewitt.
+
+Wenn der Wind durch die Sträucher und Bäume fegt,
+feg ich mit;
+die Blütenkätzchen feg ich zu Hauf
+und setz mir vom Ahorn ein Nasenhütchen auf,
+susewitt, susewitt.
+
+Wenn der Wind durch die Turmlöcher singt und pfeift,
+pfeif ich mit;
+sein Jodler wird mir gar nicht schwer,
+und den Brummbaß lern ich nebenher,
+susewitt, susewitt.
+
+
+
+LIED VOM MONDE
+
+
+Wind, Wind, sause,
+der Mond ist nicht zu Hause;
+er ist wohl hinter den Berg gegangen,
+will vielleicht eine Sternschnuppe fangen,
+Wind, Wind, sause.
+
+Stern, Stern, scheine,
+der Mond, der ist noch kleine;
+er hat die Sichel in der Hand,
+er mäht das Gras am Himmelsrand,
+Stern, Stern, scheine.
+
+Singe, Vogel, singe,
+der Mond ist guter Dinge;
+er steckt den halben Taler raus,
+das sieht blank und lustig aus,
+singe, Vogel, singe.
+
+Und hell wird's, immer heller;
+der Mond, der hat 'nen Teller,
+mit allerfeinstem Silbersand,
+den streut er über Meer und Land,
+und hell wird's, immer heller.
+
+
+
+WEIHNACHTSSCHNEE
+
+
+Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
+es riecht nach Weihnachtstorten;
+Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
+und backt die feinsten Sorten.
+
+Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
+sonst nehmt den Operngucker:
+die große Himmelsbüchse, seht,
+tut Ruprecht ganz voll Zucker.
+
+Er streut--die Kuchen sind schon voll--
+er streut--na, das wird munter:
+er schüttelt die Büchse und streut und streut
+den ganzen Zucker runter.
+
+Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf,
+schnell! Zucker schneit es heute!
+Fangt auf, holt Schüsseln!--Ihr glaubt es nicht?
+Ihr seid ungläubige Leute!
+
+
+
+KNECHT RUPRECHT IN NÖTEN
+
+
+Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
+und rückt zurecht die Brille:
+Ihr Engelskinder, lärmt nicht so,
+seid mal ein bißchen stille!
+Kommt, rückt hübsch artig zu mir ran,
+seht euch mal das Bestellbuch an!
+
+Was steht hier auf dem ersten Blatt?
+was auf dem zweiten, dritten?
+was steht am Ende von dem Buch?
+was steht hier in der Mitten?--:
+Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
+Schick uns doch mal das Luftschiff her!
+
+Hans möchte nach Amerika,
+und Fritz zu Tante Lotte,
+Kurt durch die Luft zu Großpapa,
+Marie zum lieben Gotte;
+Georg will bloß nach Neuruppin
+mit Zeppelin, mit Zeppelin.
+
+Ach Zeppelin, du Zaubermann,
+'s ist aus der Haut zu fahren,
+das ganze liebe kleine Pack
+will bloß noch Luftschiff fahren;
+dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
+da gehn nicht alle Kinder 'rein.
+
+Ihr Engelskinder, helft mir doch
+in meinen Weihnachtsnöten,
+baut mir ein Luftschiff riesengroß
+mit hunderttaufend Böten,
+laßt lustig die Propeller gehn,
+da sollt ihr mal die Freude sehn!
+
+Hurra, schreit da die Engelschar,
+wir helfen alle, alle.
+Nach dreien Tagen, blitzeblank,
+stehts Luftschiff in der Halle.
+Dank schön, sagt Ruprecht, fährt hinab,
+holt alle Jungs und Mädels ab
+zur Flugfahrt durch die Welten.
+Ob sie sich nicht erkälten?
+
+
+
+FROHE BOTSCHAFT
+
+
+Früh, eh ich's konnt begreifen,
+hört ich schon etwas pfeifen,
+hört ich Schon etwas brummen,
+wie tausend Bienen summen.
+ Was ist denn los? Ach ja:
+ der Weihnachtsmann ist da!
+
+Die Raben und die Spatzen,
+sie müssen's weiterschwatzen;
+in alle Häuser dringt es,
+von allen Glocken klingt es.
+ Was läuten sie? O ja:
+ der Weihnachtsmann ist da!
+
+Mit seinem braven Esel
+zieht er von Thorn bis Wesel;
+wo Mädels sind und Buben,
+tritt er in ihre Stuben
+und langt aus Sack und Taschen
+zum Spielen was und Naschen.
+ Wo habt ihr's her? Na ja:
+ der Weihnachtsmann war da!
+
+
+
+DER LIEBE WEIHNACHTSMANN
+
+
+(von Paula und Richard Dehmel)
+
+
+Der Esel, der Esel,
+wo kommt der Esel her?
+Von Wesel, von Wesel,
+er will ans schwarze Meer.
+
+Wer hat denn, wer hat denn
+den Esel so bepackt?
+Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht
+mit seinem Klappersack.
+
+Mit Nüssen, mit Äpfeln,
+mit Spielzeug allerlei,
+und Kuchen, ja Kuchen
+aus seiner Bäckerei.
+
+Wo bäckt denn, wo bäckt denn
+Knecht Ruprecht seine Speis?
+In Island, in Island,
+drum ist sein Bart so weiß.
+
+Die Rute, die Rute
+hat er dabei verbrannt;
+heut sind die Kinder artig
+im ganzen deutschen Land.
+
+Ach Ruprecht, ach Ruprecht,
+du lieber Weihnachtsmann:
+komm auch zu mir mit deinem
+Sack heran!
+
+
+
+SANKT NIKLAS' AUSZUG
+
+
+Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus,
+klopft seine lange Pfeife aus
+und sagt zur heiligen Kathrein:
+Öl mir die Wasserstiefel ein,
+bitte hol auch den Knotenstock
+vom Boden und den Fuchspelzrock,
+die Mütze lege oben drauf,
+und schütte dem Esel tüchtig auf,
+halt auch sein Sattelzeug bereit;
+wir reisen, es ist Weihnachtszeit.
+Und daß ich's nicht vergeß, ein Loch
+ist vorn im Sack, das stopfe noch!
+Ich geh derweil zu Gottes Sohn
+und hol mir meine Instruktion.
+
+Die heilige Käthe, sanft und still,
+tut alles, was Sankt Niklas will.
+Der klopft indes beim Herrgott an,
+Sankt Peter hat ihm aufgetan
+und sagt: Grüß Gott! wie schaut's denn aus?
+und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus.
+
+Da sitzen die Englein an langen Tischen,
+ab und zu Feen dazwischen,
+die den kleinsten zeigen, wie's zu machen,
+und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
+hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern,
+fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern,
+packen die Schachteln, binden sie zu
+und haben so glühende Bäckchen wie Du.
+Herr Jesus sitzt an seinem Pult
+und schreibt mit Liebe und Geduld
+eine lange Liste. Potz Element,
+wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
+Die sollen die schönen Engelsgaben
+zu Weihnachten haben.
+
+Was fertig ist, wird eingesackt
+und auf das Eselchen gepackt.
+Sankt Niklas zieht sich recht warm an;
+Kinder, er ist ein alter Mann,
+und es fängt tüchtig an zu schnein,
+da muß er schon vorsichtig sein.
+
+So geht es durch die Wälder im Schritt,
+manch Tannenbäumchen nimmt er mit;
+und wo er wandert, bleibt im Schnee
+manch Futterkörnchen für Hase und Reh.
+Aus Haus und Hütte strahlt es hell,
+da hebt er dem Esel den Sack vom Fell,
+macht leise alle Türen auf,
+jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf:
+Sankt Niklas, Sankt Niklas,
+was hast du gebracht?
+was haben die Englein
+für uns gemacht?
+"Schön Ding, gut Ding,
+aus dem himmlischen Haus;
+langt in den Sack! holt euch was raus!"
+
+
+
+BESCHEIDENE FRAGE
+
+
+Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+bringst du der flinken Grete was?
+Sie ist fast immer artig gewesen,
+hat fleißig in ihrer Fibel gelesen,
+kann das große H schon ganz richtig schreiben,
+wird Ostern gewiß nicht sitzen bleiben;
+ Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+ schenkst du ihr was?
+
+Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+bringst du dem dicken Peterle was?
+Er ist noch zu klein, um zur Schule zu gehn,
+aber beten kann er schon wunderschön:
+"Lieber Dott, mach alle Menßen dut,
+nimm alle unter deinen Hut'"
+ Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+ schenkst du ihm was?
+
+Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+bringst du der kleinen Lene was?
+Sie gehört der armen Flick-Marie
+und hat schon lange ein schlimmes Knie;
+zum Spielen kommt sie gar nicht mehr raus,
+sieht immer so blaß und ängstlich aus.
+ Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+ schenkst du ihr was?
+
+Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+ich wünsch mir selber auch noch was:
+möcht in der Weihnacht mit dir gehn,
+mir all die fröhlichen Kinder besehn,
+wie sie tanzen und tuten, knabbern und schlucken
+und am strahlenden Christbaum die Wunder angucken.
+ Sankt Nikolas, Sankt Nikolas,
+ schenkst du mir das?
+
+
+
+
+
+DRITTER TEIL
+
+
+
+WIDMUNG
+
+
+Klänge wachsen auf den Wegen
+im Gebüsch, im jungen Grün;
+alle meine Melodien
+möchte ich mit leisem Segen
+abends auf dein Kissen legen.
+
+Wilde Blumen, seltne Früchte:
+was der reife Sommer bringt,
+möcht ich in dein Zimmer tragen,
+sollst mir keine Antwort sagen--
+Still--der Traum versinkt--verklingt.
+
+
+
+SONNE
+
+
+Sonne scheint draußen und scheint in die Stube,
+unten am Boden kugelt mein Bube,
+greift nach den schimmernden, flimmernden Stäubchen;
+ich sitze am Fenster und nähe ein Häubchen,
+ein ganz kleines Häubchen aus weißem Batist.
+Ob's wohl ein Mädel ist?--
+Und hat's _seine_ Augen, _seinen_ trotzfrohen Sinn,
+dann weiß kein Mensch, wie glücklich ich bin!
+Bloß Er--Er--sein liebes Gesicht-- --
+"Na, Bub? Hast du die Sonne noch nicht?"--
+
+
+
+MARIENLIED
+
+
+Maria herzt ihr Kindlein
+und küßt sein rotes Mündlein;
+sie weiß es nicht,
+daß einst zu Golgatha
+sein Kreuz wird aufgericht't.
+
+Der Wind mit Blumendüften
+tut des Kindes Härlein lüften;
+nicht weiß der Wind,
+daß einst zu Golgatha
+unschuldig Blut verrinnt.
+
+Sein Lämmlein kommt gesprungen,
+spielt um den holden Jungen;
+sieht nicht von fern,
+daß man zu Golgatha
+einst höhnt den lieben Herrn.
+
+Ihr sorgend Mutterherzen
+müßt es fein still verschmerzen;
+ihr wißt es nicht,
+wann eurem teuren Kindlein
+sein Kreuz wird aufgericht't.
+
+
+
+KORSISCHES WIEGENLIED
+
+
+Schlafe, mein kleiner Wildling,
+du schlankes Reis, schlaf ein;
+draußen im Mondschein die Pappel
+sieht auf dein Bett herein.
+
+Träume, mein heißer Wildling;
+was ballst du die kleine Faust?
+Kühl geht der Wind durchs Fenster,
+die hohe Pappel braust.
+
+Wachse, mein trotziger Wildling,
+wachse dich hoch und frei,
+horch auf die herrischen Stürme
+und des Adlers stolzen Schrei!
+
+Räche mich, Sohn meiner Wildheit,
+räche den Mutterleib,
+Schärfe den Dolch und töte,
+töte das fremde Weib!
+
+
+
+KÖNIGSKIND
+
+
+--1--
+
+Schlafe ruhig, Königskind;
+wie im Traume singt der Wind,
+schweigend sitzt der Mond zu Haus,
+gießt die weißen Strahlen aus,
+gießt sie über das weite Land,
+über Wald und Hügelwand.
+
+Taube gurrt im dunklen Laub,
+Käfer surrt und fliegt auf Raub,
+Fischlein steht im Wasser still,
+weiß nicht, ob es schwimmen will.
+Was dir auch das Leben spinnt:
+träume, Königskind!
+
+
+--2--
+
+Ein Vogel flog aus dem Heimatland,
+er flog wohl sieben Tage lang
+über fremde Wälder und Seen;
+da wurden ihm die Flügel lahm,
+und als er ans große Wasser kam,
+konnt er nicht weiter.
+
+Ein Mägdlein mußte von Hause fort,
+in ein fernes Land an fremden Ort,
+so bang und alleine.
+Die Mutter gab ihr drei Tropfen Blut:
+Tochter, liebe Tochter, wahre sie gut,
+sonst trifft dich ein Unheil.
+
+Das Vöglein fiel aus der Höh herab,
+brach die Flügel beide und fand sein Grab
+im öden Lande;
+das Mägdlein verlor der Mutter Blut,
+verlor den Weg und verlor den Mut
+und irrt in der Fremde.
+
+
+--3--
+
+Waldtaube saß gefangen,
+Kuruh, das Vögelein,
+wohl hinter Gitter und Stangen;
+da ließ das Köpflein hangen
+Kuruh das Vögelein.
+
+Waldtaube saß am Gitter,
+Kuruh, das Vögelein,
+da kam ein blauer Ritter,
+ein Falke an ihr Gitter:
+Kuruh, mein Vögelein.
+
+Und bist du auch gefangen,
+Kuruh, mein Vögelein,
+meine Liebe zerbricht die Stangen,
+zu dir will ich gelangen,
+Kuruh, mein Vögelein.
+
+Mit seinen starken Fängen
+tat er das Gitter aufzwängen,
+Kuruh, mein Vögelein.
+Sie breiteten aus die Flügel,
+flogen weithin über die Hügel,
+grad in die Sonne hinein,
+Kuruh, mein Vögelein.
+
+
+
+HEIMWEH
+
+
+Quellchen geht in den Rauschebach,
+Bach geht in den Fluß,
+Fluß geht vorbei am Elternhaus,
+Mütterchen hört seinen Gruß;
+grüße mir, Quellchen, grüße mir fein
+Vater und Mutter, vergiß es nicht, nein?
+
+Vater pfeift seinem Hühnerhund,
+Mutter sorgt für den Herd,
+Schwesterchen gießt ihre Tausendschön,
+Bruder zäumt sich sein Pferd;
+grüße mir, Quellchen, ich bin so allein,
+Bruder und Schwester, vergiß es nicht, nein?
+
+
+
+ELFENREIGEN
+
+
+ Eia, wir Elfen,
+ wir kommen und helfen,
+ eh du's gedacht, Kind, eh du's gedacht.
+ Wir kommen
+ im frommen
+ Geleuchte der Nacht,
+ Gewänder
+ und Bänder
+ vom Monde erdacht;
+ wir schweben
+ und heben
+ im Reigenspiel sacht
+ die Schleier
+ zur Feier
+ der freundlichen Nacht.
+ Eia, wir reichen
+ uns schmeichelnd die weichen
+ Hände im gleichen
+ lieblichen Takt, im lieblichen Takt.
+ Wir gleiten
+ durch Weiten
+ der wandernden Welt,
+ wie ziehende
+ fliehende
+ Nebel im Feld;
+ wir lauschen,
+ dem Rauschen
+ der Quellen gesellt,
+ und schauen
+ die blauen
+ Gefilde bestellt.
+ Eia, wir zeigen
+ im silbernen Reigen
+ mit Nicken und Neigen
+die Zauber der Welt, die Zauber der Welt.
+
+
+
+WIEGENMÄRCHEN
+
+
+Des Mondes Tochter, Mirlamein,
+kam in die warme Welt herein,
+sie kam aus ihres Vaters Haus
+auf einer weißen Fledermaus.
+Mirlama, Mirlamein,
+schlaf ein.
+
+Da saß Prinzessin Mirlamein
+auf einem großen weißen Stein
+mitten in blühender Heide
+in ihrem milchweißen Kleide.
+Mirlama, Mirlamein,
+schlaf ein.
+
+In ihren Händen bleich und fein
+hielt sie die Flöte aus Elfenbein;
+sie blies--das klang so hell und hold,
+als ob ein Engel uns trösten wollt.
+Mirlama, Mirlamein,
+schlaf ein.
+
+Gleich stecken alle Vögelein
+den Kopf in die Flügel und schlummern ein,
+die Hirsche und Rehe im tiefen Wald
+suchen ihr Lager und schlafen bald.
+Mirlama, Mirlamein,
+schlaf ein.
+
+Glühwürmchen löscht das Lämpchen aus,
+fliegt müde in sein Blätterhaus,
+die Tauben gurren im Schlaf kuruh,
+mein Kind macht auch die Augen zu.
+Mirlama, Mirlamein,
+schlaf ein.
+
+Die Flöte verklingt. Vom Heidestein
+wehen die Schleier der Mirlamein,
+Sie winkt der weißen Fledermaus
+und fliegt zum stillen Mond nach Haus.
+Mirlama, Mirlamein,
+schlaf ein.
+
+
+
+TRAUMBALLADE
+
+
+Traumkönig geht durch bleiches Land,
+rings grüßen ihn verstohlen
+die braunen Nachtviolen;
+Marlenchen geht an seiner Hand,
+Marlenchen, jung Marlenchen.
+
+Traumkönig geht an den Rosmarinstrauch,
+da brennen die Lebenskerzen,
+sie brennen mit roten Herzen;
+Marlenchen fühlt ihren heißen Hauch,
+Marlenchen, jung Marlenchen.
+
+Traumkönig geht am See entlang,
+die Wasserelfen singen
+ein Lied von kühlen Dingen;
+Marlenchen überkommt es bang,
+Marlenchen, jung Marlenchen.
+
+Traumkönig geht mit leisem Schritt
+hinein in die weichen Wellen,
+die silbern im Mond aufquellen;
+Marlenchen geht in die Tiefe mit,
+Marlenchen, jung Marlenchen.
+
+
+
+MUTTER HULE
+
+
+(nach einer alten Volksdichtung)
+
+
+Die alte Mutter Hule
+kann reisen ohne Geld:
+sie setzt sich auf den Gänserich
+und reitet durch die Welt.
+
+Die alte Mutter Hule,
+die hat im Wald ein Haus;
+der Uhu sitzt als Wächter davor,
+läßt niemand 'rein und 'raus.
+
+Frau Hulens Sohn heißt Michel,
+der ist nicht grad, nicht krumm;
+am Sonntag ist er manchmal klug
+und Montags manchmal dumm.
+
+Sie schickte ihn zum Markte,
+da kauft er sich 'ne Gans;
+die flatterte und schnatterte
+und wippte mit dem Schwanz.
+
+Frau Hule holt den Ganter;
+wie liebten sie sich gleich!
+Sie fraßen zusammen aus einem Napf
+und schwammen in einem Teich.
+
+Des Morgens in der Frühe
+fand Michel ein großes Ei;
+das hatte die liebe Gans gelegt,
+der Gänserich stand dabei.
+
+Der Michel lief zur Hule:
+guck, was ich dir gebracht,
+ein goldnes Ei. Die Hule sagt:
+das hast du brav gemacht.
+
+Der Michel trug's zu Markte,
+drei Dukaten wollt er haben;
+der Jud wollt bloß die Hälfte geben,
+da schmiß er ihn in'n Graben.
+
+Er ging am Schloß vorüber,
+da stand ein Fräulein lilienschön;
+dem Michel schwoll das Herze,
+er blieb ein bißchen bei ihr stehn.
+
+Der Jude und ein Ritter
+fielen über Michel her
+von vorne und von hinten,
+da schrie der Michel sehr.
+
+Die alte Mutter Hule
+flog über Prag und Wien,
+verwandelt ihren Michel schnell
+in einen Harlekin.
+
+Und auch das Fräulein rührte sie
+mit ihrem Flederwisch,
+da stand ein Kolombinchen da
+mit Backen rot und frisch.
+
+Wo blieb das goldne Ei, huchjee?
+Das rollte weit ins Meer.
+Der Michel zog die Stiefel aus
+und sockte hinterher.
+
+Die alte Mutter Hule
+sattelt hui die große Gans
+und flog damit zum roten Mond,
+denn da war Fastnachtstanz.
+
+
+
+EIN SINGSANG VOM RHEINE
+
+
+Herr Steuermann, Herr Steuermann,
+leg an der Brück von Köllen an!
+Ein Schifflein kommt gefahren
+wohl über den grünen Rhein.
+Was hat das Schiff geladen?
+ Ei, roten Wein,
+ ei, weißen Wein,
+den hat das Schiff geladen.
+
+Zu Köllen an der Brücke,
+da tagt der hohe Rat am Rhein.
+Was wollen die Herren trinken?
+ Ei, roten Wein,
+ ei, weißen Wein,
+den wollen die Herren trinken.
+
+Ein Schifflein kommt gefahren
+wohl über den grünen Rhein.
+Was hat das Schiff geladen?
+ Ei, blonde Jüngferlein,
+ ei, braune Jüngferlein,
+die hat das Schiff geladen.
+
+Zu Köllen an der Brücke,
+da tagt der hohe Rat am Rhein.
+Wen wollen die Herren küssen?
+ Ei, blonde Jüngferlein,
+ ei, braune Jüngferlein,
+die wollen die Herren küssen.
+
+Herr Steuermann, Herr Steuermann,
+leg an der Brück von Köllen an!
+
+
+
+BADEBALLADE
+
+
+Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß
+badeten im Teiche,
+strampelten, tauchten,
+plantschten und fauchten;
+ --hell lachte die alte Eiche.
+
+Murrian Knurr, der Pudelhund,
+kam vorbei am Teiche,
+erhob ein Geschrei: Herbei! Polizei!
+da baden zwei, nackend und frei!
+ --hell lachte die alte Eiche.
+
+Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß
+sprangen aus dem Teiche,
+faßten Murrian am Kopf, an Schwanz und Zopf,
+seiften ihn ein, trotz Bellen und Schrein,
+ --hell lachte die alte Eiche.
+
+Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß
+baden wieder im Teiche,
+hampeln und strampeln, spritzen und tauchen,
+patschen und plantschen, prusten und fauchen,
+ --hell lacht die alte Eiche.
+
+
+
+DER TEUFEL UND DIE KATZ
+
+
+(nach Schwinds Bildern)
+
+
+Ein Kätzlein ging einst jagen,
+welch schöne Katz, welch feine Katz;
+an einer Kirchhofsmauer,
+da lag sie auf der Lauer
+und fing sich einen Ratz.
+
+"Ach Kätzlein, laß mich leben,
+du schöne Katz, du feine Katz;
+will dienen deinem Willen,
+jed Wünschlein dir erfüllen
+als dein getreuer Schatz."
+
+Das Kätzlein ließ sich rühren,
+die schöne Katz, die feine Katz;
+sie ließ die Ratte leben,
+tat ihr ein Laternchen geben,
+zu leuchten bei der Hatz.
+
+"Ich tu dir wacker helfen,
+du schöne Katz, du feine Katz;
+brauchst bloß die Öhrlein spitzen,
+da laufen aus Spalt und Ritzen
+Langschwänze auf den Platz."
+
+Der Ratz ward groß und größer--
+"Du schöne Katz, du feine Katz,
+wir wollen beid spazieren,
+am Arm will ich dich führen
+als dein getreuer Schatz.
+
+Dein Schwänzlein will ich kämmen,
+ei schöne Katz, ei feine Katz!"
+Er rupft sie zum Erbarmen,
+kein Mauen hilft der armen,
+vor Schmerz tut sie 'nen Satz.
+
+Hätt ich dich doch gefressen,
+ich gute Katz, ich feine Katz;
+ein Untier bist du worden,
+wirst mich gewiß noch morden,
+du Ungetüm von Ratz.
+
+Er sprang ihr auf den Rücken:
+"Hei, Schöne Katz, hei, feine Katz,
+jetzt habe _ich_ zu sagen,
+mußt mich als Reiter tragen
+auch ohne Zaum und Latz.
+
+Jetzt fahren wir zur Hölle,
+du schöne Katz, du feine Katz;
+heidi, ein Katzenbraten
+wird dem Teufel schon geraten,
+ich schür den Ofen, Schatz."
+
+
+
+DER ESEL UND DIE LÖWENHAUT
+
+
+(nach der Fabel von Hans Sachs)
+
+
+Ein Müllersmann aus Oberwesel
+hatt 'nen gewitzten jungen Esel;
+der weidete auf grünem Gras
+und dachte sich so dies und das,
+wollt für sein Leben gern auf Erden
+was Bessers als ein Esel werden.
+Da fand er--und sein Herz schlug schnell--
+ein unversehrtes Löwenfell.
+Er kriecht hinein, es paßt ihm gut,
+er fühlt auch gleich des Löwen Mut
+und denkt mit innerstem Behagen:
+nun brauchst du nicht mehr Säcke tragen.
+Stolz trabt er durch den Wald daher,
+tut ganz, als ob ein Leu er wär,
+schüttelt die Mähne, schlägt mit dem Schweif
+und setzt die Tatzen breit und steif.
+Das Häslein spitzt das lange Ohr,
+die Sache kommt ihm kitzlig vor,
+es springt hinweg; das Rehlein auch.
+Wie freut sich da der eitle Gauch!
+Und als der Müller, der ihn sieht
+von weitem, auch erschrocken flieht,
+kann er vor Wonne kaum sich fassen,
+muß laut sein I-A tönen lassen.
+Da merkt der Müller, wen er hat,
+prügelt den Esel mürb und matt
+und schimpft ihn aus: du dummes Vieh!
+zum Löwen wird ein Esel nie;
+du hast mich mit dem Fell genarrt,
+das sollst du büßen, Esel, wart!
+und schlägt und pufft ihn immer mehr.
+Der Esel hängt die Ohren sehr,
+als so sein Meister ihn verbläut;
+sein Hochmut hat ihn recht gereut,
+wollt fürder Säcke tapfer tragen,
+nie mehr nach Löwenhäuten fragen.
+
+
+
+EIN SPATZENGESPRÄCH
+
+
+Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
+und hatte einen Ring erhandelt
+mit einem seltsam geschliffenen Stein;
+sollte der Ring König Salomos sein.
+Wer ihn besäße, verstünde sofort
+zahlreicher Tiere Geberde und Wort,
+könnte das Gras beim Wachsen belauschen,
+hörte Musik aus den Quellen rauschen,
+verstünde die Sprache von Baum und Stein,
+müßte aber ein Sonntagskind sein.
+Nun, ich war zu meinem Frommen
+Beim Glockenläuten auf die Welt gekommen,
+nahm meinen Ring, bezahlte bar,
+und--war jetzt klüger, als ich war.
+
+Fröhlich ging ich zur Stadt hinaus,
+wußte da ein einsames Bauernhaus,
+warf mich glatt in die Frühlingsruh,
+kaute Halme und pfiff dazu,
+dachte an dies und dachte an das,
+wie so gedeihlich aus Ernst und Spaß
+die Welt sich verbastelt zum Gottgetriebe,
+dachte an Glauben, dachte an Liebe,
+und wie hellauf über Zacken und Kanten,
+trotz Pflichten, Gesetzen und alten Tanten,
+das Leben in neue Blüten schießt,
+in die der Saft der Zeit sich ergießt.
+Dachte und dachte, eiferbeflissen,
+glaubte den Weg aller Wege zu wissen,
+genau der Länge nach und der Breite,
+der die Welt zum Heile geleite;
+dachte-- --was man so buntes denkt,
+wenn über einem die Sonne hängt.
+
+Neben mir blühte lichtblauer Flieder;
+ein Spatzenpärlein ließ sich drin nieder,
+die plusterten zärtlich die dicken Hälschen,
+zogen sich Federchen aus den Pelzchen,
+sahen recht verliebt darein,
+mußten wohl jung verheiratet sein.
+Doch das Schweigen währte nicht lange,
+bald war eine Unterhaltung im Gange;
+ja, mein Ring kam mir trefflich zustatten,
+deutlich verstand ich das Plaudern der Gatten
+und durfte mit Vergnügen ermessen,
+sie hatten höhere Interessen.
+
+"Männe," sagte das Spatzenfrauchen
+und rückte näher an ihr Grauchen,
+"du bist so klug vom vielen Reisen,
+könntst mich ein wenig unterweisen.
+Sag mir doch, was die Menschen wollen,
+wenn sie die Erde in dicken Schollen
+aufwerfen; nie kriegen sie genug
+von ihrem Getue mit Spaten und Pflug."
+"Hm," sagte der Spatzmann mit Bedacht,
+nachdem er ein Weilchen nachgedacht,
+"Hm, in der Erde gibt's schöne Dinge,
+Zum Beispiel Käfer und Engerlinge,
+die werden sie brauchen zu Schmaus und Festen
+und werden damit ihre Jungen mästen.
+Auch Körner graben sie sehr gescheit
+in den Boden ein; und wenn's friert und schneit,
+und es ist Futtermangel im Haus,
+graben sie alle wieder aus."
+
+"Du bist doch der gescheiteste Spatz,"
+sagte die Spätzin, "mein trautester Schatz.
+Doch noch was andres wollt ich dich fragen,
+du kannst mir sicherlich auch sagen,
+warum die Sonne morgens aufsteht
+und abends wieder untergeht;
+ich habe mir seit vielen Wochen
+umsonst darüber den Kopf zerbrochen."
+Der Spatz putzt sich den Schnabel und spricht:
+"Kleines Närrchen, das weißt du nicht?
+Wie sollten wir Vögel anders wissen,
+wann wir morgens ausfliegen müssen?
+Die Sonne ist da, um uns zu wecken
+und abends uns wieder ins Nest zu stecken."
+
+"Ja, ja, nun wird mir alles klar,"
+sagte das Weibchen; "ganz offenbar
+hast du da recht. Doch in der Nacht
+der Mond? für wen ist der gemacht?"
+"Der Mond? Ach, nenn mir den Falschen nicht;
+der hält es mit dem Katzengezücht,
+lockt Marder und Eulen auf unsre Brut,
+drum hass' ich ihn mit aller Wut."
+Und zornig sträubt der kleine Mann
+die Federn und sieht sein Weibchen an.
+Das drängt sich an ihn, zärtlich, dicht,
+glättet ihm die Daunen an Hals und Gesicht
+und flüstert erschrocken: "Du hast ja recht,
+der meint es gewiß mit uns Vögeln schlecht;
+nie nenn ich ihn wieder. Doch sag mir, du Bester,
+ob nicht auch in der Menschen Nester
+die Sonne Licht und Wärme bringt,
+daß alles früh aufsteht und singt?"
+
+"Nein, Kind, für _uns_ ist die Sonne gemacht,
+uns bringt sie Tag, uns bringt sie Nacht.
+Die Menschen haben in ihren Zimmern
+ihre eignen Sonnen, ich sah sie flimmern.
+Als ich mal nachts, aus dem Schlaf geschreckt,
+an ein Fenster stieß, hab ich's entdeckt:
+sie machen bloß knips, dann haben sie Licht,
+die brauchen unsre Sonne nicht."
+
+Das Spatzenfrauchen schien ganz beglückt
+von so viel Klugheit und sah entzückt
+ihr Männchen an: "Du bist ein Genie,
+und weißt auch sicher, warum und wie
+die Menschen in ihren Steinhäusern kleben
+und nicht so frei wie wir Vögel leben?"
+
+Das Spätzchen guckte ein wenig ins Land,
+hatte aber die Antwort schnell bei der Hand:
+"Vor Mardern und Eulen und Katzengetier
+sind sie in den Häusern viel sichrer als wir,
+und, was der wichtigste Grund von allen,
+kein Junges kann aus dem Neste fallen.
+Ja, ja, die Menschen haben Geist,
+sind auch den Vögeln gefällig meist,
+haben sie doch von Land zu Land
+lauter feste Drähte gespannt,
+damit unsre Wandrer scharenweise
+sich ausruhn können auf der Reise.
+Auch Versammlungen werden von Jungen und Alten
+im Herbste darauf abgehalten;
+wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet,
+so praktisch haben sie's eingerichtet."
+
+"Glaub's schon, die Menschen sind recht klug,
+aber noch immer nicht klug genug,"
+sagte das Weibchen; "was würden sie geben,
+könnten sie frei in den Lüften schweben,
+doch sind sie zu ungeschickt zum Fliegen
+und werden niemals Flügel kriegen."
+
+"Bloß mit den dicken seidenen Bällen
+steigen sie manchmal tausend Ellen,"
+lachte das Männchen; "was nur die tollen
+Leute bei uns in den Lüften wollen?
+Jetzt baun sie sogar allerhand Gestelle
+und rasen herum mit Windesschnelle.
+Auch der Dompfaff lachte neulich
+und meinte, er fände die Dinger abscheulich;
+sinnlos wär dies Gefliege und Rattern,
+kein Mücklein könnt man dabei ergattern.
+Ernsthaft sitzen sie in dem Kahn
+und gucken die Welt durch Röhren an;
+es ist wirklich lachhaft mitanzusehn.
+Komm, Schatz, wir wollen zu Bette gehn;
+für heute hast du genug profitiert,
+morgen wird wieder ein Stündchen doziert."
+Eine Weile noch plusterte da was rum,
+dann waren die Plappermäulchen stumm.
+
+Ich aber ging übers stille Feld;
+so malt sich in Spatzenköpfen die Welt,
+dacht ich und lächelte überlegen.
+Da hört ich's in den Lüften sich regen,
+eine alte Esche rief mir zu:
+"Wieviel ist der Spatz denn beschränkter als du?
+Seid ihr Menschen nicht auch allesamt
+zu solchen unwissenden Tierlein verdammt,
+die das große Warum und das ewige Wie
+mit ihrer täppischen Kindsphantasie
+zu begreifen suchen? Dürft ihr vertraun
+dem Funken in euch und aufwärts schaun?
+Sind eure stolzesten Grübler und eifrigsten Späher
+der Gottheit nur um ein Strichelchen näher?"
+So sprach die Esche. Ich sah in die Weiten,
+sacht fühlt' ich den Ring mir vom Finger gleiten,
+scheu blickt' ich hin--er war verschwunden,
+und niemals hab ich ihn wiedergefunden.
+
+
+
+DREI KOBOLDSTREICHE
+
+
+Fixfax der arge Kobold spricht:
+die Langeweile bekommt mir nicht,
+ich will in lustigen Abenteuern
+den alten Koboldruhm erneuern,
+denn geht's den Menschen allzu glatt,
+wird ihre Seele stumpf und matt.
+Drum will ich sie in diesen Tagen
+ein wenig necken, ein wenig plagen;
+ein Kobold will doch auch mal lachen,
+sich über die Menschlein lustig machen,
+die den Kern aller Dinge glauben zu kennen
+und sich so leicht die Finger verbrennen.
+Drum, Fixfax, auf zu keckem Wagen,
+stör ein bißchen ihr Wohlbehagen,
+brauchst sie ja nicht ins Unglück zu hetzen,
+ihnen bloß ein paar sanfte Püffe versetzen.
+
+
+ERSTER STREICH
+
+Ei, wie strömen Wohlgerüche
+aus Frau Puffkes Wirtschaftsküche,
+denn für hungrige Soldaten
+will sie grad ein Ferkel braten;
+alles ist schon gut bereit
+und die Essenszeit nicht weit.
+Fixfax nun, das muntre Mätzchen,
+klettert hurtig wie ein Kätzchen
+hoch hinauf zu Schornsteins Rand,
+setzt sich listig und gewandt
+mitten auf das Loch da, schwapp,
+und nun zieht der Rauch nicht ab;
+rückwärts strömt er in die Küche,
+weg sind alle Wohlgerüche,
+und Frau Puffke steht und hustet,
+krebsrot im Gesicht, und prustet,
+kann dem dicken Rauch nicht wehren,
+sich die Sache nicht erklären.
+Rennt zum Schornsteinfeger Krause,
+aber der ist nicht zu Hause;
+niemand weiß, wo Krause schweift,
+und Frau Puffke steht und keift,
+denn die Uhr läuft immer weiter.
+Endlich kommt er mit der Leiter,
+um den Schaden zu ergründen,
+doch er kann durchaus nichts finden;
+denn der Fixfax, wohlbedacht,
+hat sich aus dem Staub gemacht,
+und Herr Krause mit dem Besen
+brummt, die Sonne sei's gewesen.
+Vier Uhr schlug's, als die Soldaten
+endlich kriegten ihren Braten.
+
+
+ZWEITER STREICH
+
+Vor dem Spiegel, kerzengrad,
+steht Herr Amtsvorsteher Plath;
+tadellos und mit Geschmack
+sitzt die Hose und der Frack,
+ausgezeichnet auch die glatte
+blütenweiße Taftkrawatte,
+Kragen, Vorhemd, _comme il faut_,
+und Herr Plath ist seelenfroh.
+Langt noch sorglich aus dem Schrank
+den Zylinder blitzeblank;
+nimmt dann Stock und Handschuh munter,
+steigt voll Stolz die Treppe runter,
+denn er ist heut eingeladen
+Zum Empfang bei ihrer Gnaden
+der Prinzessin Schneckenstein,
+und das hebt ihm Brust und Bein.
+Fixfax aber dachte gleich:
+wart, dir spiel ich einen Streich.
+Auf den Taubenboden geht er
+und nach losen Federn späht er,
+sammelt allen Flaum ins Säckchen,
+bläst verschmitzt das ganze Päckchen
+über Plathens neuen Frack
+und auf seinen _Chapeau-claque_.
+Plath sieht ganz befiedert aus,
+doch er ahnt nichts von dem Graus,
+steuert durch die Nacht geschwind,
+denkt bloß: was für'n arger Wind!
+tritt mit Würde in den Saal,
+Alle lachen--o Skandal!
+Bis er endlich sich besieht
+und geknickt von dannen flieht.
+Draußen denkt er ärgerlich:
+So ein Pech, das hab nur ich!
+
+
+DRITTER STREICH
+
+Auf des Sofas weichem Grunde
+schlummert sanft mit offnem Munde
+Pastor Pfannkuch. Nur die Fliegen
+summen sich was zum Vergnügen,
+sonst ist's muckstill. Fast erledigt
+liegt der Text der Sonntagspredigt
+auf dem Schreibtisch. Sonnenfleckchen
+spielen in den Zimmereckchen;
+nichts bedroht den tiefen Frieden,
+der dem frommen Mann beschieden.
+Doch da stiehlt sich in die Stube
+Fixfax, dieser lose Bube,
+kichert, fängt ein Dutzend Fliegen,
+die sind hier sehr rasch zu kriegen,
+tunkt sie in das Tintenfaß,
+bis sie gänzlich schwarz und naß,
+läßt sie dann gleich wieder fliegen
+und entfernt sich mit Vergnügen.
+Nach 'nem Weilchen, ach Herrjee,
+kommt Frau Pastor mit dem Tee,
+ruft voll Abscheu, Schreck und Graus:
+Berthold! Mensch, wie siehst du aus!
+bist ja wie'n Idiot beschmiert,
+Backen, Nase, schwarz karriert!
+Himmel, auch die neue Predigt
+ist beschmudelt und beschädigt,
+und auf meinen weißen Deckchen
+grinsen lauter Tintenfleckchen!
+Mann, wie hast du das getan?
+Und sie sehn sich grübelnd an...
+
+Fixfax aber, auf der Wacht,
+sitzt im Mauseloch und lacht
+sich ins Fäustchen ohne Reue,
+und--gebt Acht--er wird sich neue
+Schelmentaten ausklabuntern,
+um uns Menschen aufzumuntern.
+
+
+
+SPUK
+
+
+(nach alten Mustern)
+
+
+Der Bauer schläft im Hirsekraut;
+wer fährt dem Bauer sein Heu nach Haus?
+Der rote Mond guckt übern Strauch,
+der Bauer schläft und wacht nicht auf.
+
+Wer fährt dem Bauer sein Heu nach Haus?
+Aus ihrem Loche lugt die Maus,
+der Fuchs schleicht sacht aus seinem Bau;
+der Bauer träumt und wacht nicht auf.
+
+Der Mond scheint hell und hoch herauf,
+der Marder schleicht durchs fahle Laub,
+die Eulen huschen schwarz und grau;
+der Bauer stöhnt, doch wacht nicht auf.
+
+Husch, horch: Wer trippelt und trappelt zu Hauf?
+Wer spannt die müden Gäule aus?
+Die Gäule wissen den Weg nach Haus;
+der Bauer schläft im Hirsekraut.
+
+Wer kichert in des Wagens Bauch?
+Wohin rollen die Räder ohne Ruck, ohne Laut?
+Wer hält sie an am Garten, am Zaun?
+Wer fuhr dem Bauer sein Heu nach Haus?
+
+Der kommt verstört beim Morgengraun:
+O Frau, mein Heu! O Frau, mein Traum!
+Die Frau führt lachend ihn zum Zaun,
+da zupft die Ziege vom Wagen das Kraut.
+
+"Schlaf andermal nicht und sei nicht faul,
+wenn der Vollmond steigt übern Berg herauf;
+die Kobolde fuhren dein Heu nach Haus,
+jetzt geh und leg ihnen Speck und Kraut."
+
+
+
+DER MÄRCHENKÖNIG UND SEIN TÖCHTERLEIN
+
+
+Herbei, ihr kleinen Wichte,
+Kobold, Alraun und Wurzelmann,
+schafft hunderttausend Lichte
+und putzt damit die Bäume an!
+Bis in die höchsten Spitzen
+soll Licht bei Lichtlein blitzen.
+
+Der Mond und alle Sterne
+sind doch bloß blasser Himmelsschaum;
+mein Töchterlein will gerne
+den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum.
+Drum macht, wie ich euch sage,
+die Nacht zum hellen Tage!
+
+Der Märchenkönig spricht's. Im Nu
+geht's an ein Lichterkneten;
+kein einziger sieht müßig zu,
+gönnt kaum sich Zeit zum Beten.
+Und als die Heilige Nacht heran,
+zünden sie alle Kerzen an.
+
+Hei, war das ein Gestrahle,
+ein Leuchten, flimmern, überhell,
+als brach mit einem Male
+von Fels zu Fels ein Feuerquell.
+Auf Zweig und Äste blicken
+die Bäume mit Entzücken.
+
+Der Meister führt sein Töchterlein
+durch diese Weihnachtspracht.
+Sie schreitet wie im Sonnenschein,
+fühlt Kälte nicht noch Nacht,
+und flüstert traumverloren:
+Die Liebe ward geboren.
+
+Da rauschte durch die Weiten
+dies wundersame Wort,
+in Erd- und Himmelsbreiten
+pflanzt es sich heilig fort.
+Mit hunderttausend Kerzen
+glüht's heut in allen Herzen,
+klingt's heut durch alle Ohren:
+Die Liebe ist geboren!
+
+
+
+WEIHNACHTSGANG
+
+
+Es war zur lieben Weihnachtszeit,
+die Wälder lagen tief verschneit,
+im Acker schlief in guter Ruh
+das Korn und träumte dem Frühling zu,
+die Winternachmittagssonne stand
+wie ein gelber Fleck an weißer Wand--
+da schritt ich hinaus in die blinkende Weite
+und summte ein Lied mir zum Geleite.
+
+Wie ich so ging auf stillen Wegen,
+kam mir ein seltsamer Zug entgegen.
+Ein Eselchen ganz vollgesackt
+mit Schachteln und allerhand Kram bepackt,
+Schritt langsam durch die Felderruh;
+Sein Führer rief ihm bisweilen zu,
+es war ein Alter in weißem Haar,
+mit Runzelgesicht und sonderbar
+altmodischem Pelzwerk, sonst gut bei Kräften,
+die Füße staken in hohen Schäften
+und kamen munter mit Hott und Hüh
+grad auf mich zu samt dem Eselsvieh.
+Potz Blitz, fällt mir auf einmal ein,
+das muß doch der Gottesknecht Ruprecht sein.
+Ich blicke scharf in das bärtge Gesicht:
+"Grüß Gott, mein Alter, kennst du mich nicht?
+Ich hab doch oft dein Loblied gesungen,
+und all die Mädels und all die Jungen,
+die noch an Mutters Rockzipfel hängen
+oder sich auf den Schulbänken drängen,
+kennen dich wie ihre großen Zehen,
+doch hat wohl noch niemand dich draußen gesehen.
+Sonst kamst du immer auf heimlichen Wegen
+uns erst in der heimlichen Stube entgegen
+mit Sack und Pack und netten Geschenken;
+was soll ich, Weihnachtsmann, von dir denken?
+Da stehst du nun mit Haut und Haar,
+bist nicht ein bißchen unsichtbar,
+wie es dir zukommt."--"So ist meine Art,"
+brummte der Alte und strich sich den Bart,
+"ich denke mir gern Überraschungen aus,
+für diesmal mach ich's außerm Haus;
+komm mit, da sollst du was erleben,
+das wird ein Extra-Vergnügen geben."
+"Topp," rief ich, "Alter, ich bin dabei,
+ich höre gern lustiges Kindergeschrei."
+
+So schritten wir rüstig zur Stadt. Am Tor
+langte Ruprecht ein hölzernes Pfeifchen hervor
+und blies. Wie konnte der Alte pfeifen!
+Jetzt lernt ich den Rattenfänger begreifen:
+aus allen Straßen, aus Tür und Tor
+--mir klingt der Lärm noch immer im Ohr--
+mit Jubeln und Lachen, in bunten Haufen
+kamen wohl hundert Kinder gelaufen.
+Sie tanzten um Ruprecht, bettelten, baten,
+eins um 'ne Kutsche, eins um Soldaten,
+eins um ein Püppchen, eins um ein Büchlein,
+eins um ein Rößlein, eins um ein Tüchlein,
+und Ruprecht langte in seinen Sack
+und gab, was es wünschte, dem kleinen Pack.
+Ja, jedes Kind durfte etwas erlangen;
+aber die übermütigen Rangen
+schrien durcheinander und wollten mehr,
+kletterten über das Eselchen her,
+zupften den Ruprecht an Bart und Kragen,
+wollten ihm gar die Säcke wegtragen.
+Da wurde es aber dem Alten zu bunt,
+er nahm sein Zauberpfeifchen, und--
+schrill kam ein Ton. Wie erschraken sie doch.
+Sie wurden ganz kleinlaut, man hörte nur noch:
+"Komm, Fritzchen--Hans, laß doch--nicht schreien, Marie--
+Knecht Ruprecht wird böse--seht ihr nicht wie?!"
+Und sie stellten sich artig um ihn herum
+und waren wie die Mäuschen stumm.
+Er kommandierte: "Linksum, kehrt,
+nun geht nach Hause, wie sich's gehört!"
+Da faßten die Großen die Kleinen an:
+"Grüß Gott und schönen Dank auch, Herr Weihnachtsmann."
+
+Und wieder tönte die Schalmei,
+die Kinder trabten zwei zu zwei
+und sangen lustig die Weise mit,
+und fern und ferner klang ihr Schritt;
+mein Blick verfolgte den kleinen Schwarm.
+Wie sind ihre Bäckchen vor Freude warm--
+so dacht ich--und Freude ist der Saft,
+den wir auf unsrer Wanderschaft
+durchs Leben aus frohen Kindertagen
+ins graue Alter mit hinübertragen
+als verjüngendes Elixier;
+ein gut Teil davon verdanken wir dir,
+du alter bärtiger Gottgeselle!
+Ich sah mich um--leer war die Stelle,
+nur fern in der dämmernden Abendluft
+verschwebte ein Wölkchen wie Weihrauchduft,
+und durch die feiernde Stille drang
+der erste hohe Glockenklang.
+
+
+
+WEIHNACHTSBESUCH
+
+
+Ländliche Straßen, dicht beschneit.
+Knirschen, Geläut,
+ein Schlitten;
+inmitten
+sitzen drei kleine Leut
+bis zu den Öhrchen vermummt.
+Es singt und summt
+von Weihnachtsglocken;
+ein paar neugierige Flocken
+lassen vom Wind sich herüberwehn,
+wollen durchaus das Mädelchen sehn
+mit den roten Kältebäckchen
+und den goldbraunen Zottellöckchen
+und das Bübchen daneben,
+das sich eben
+das immer tropfende Näschen putzt.
+Großäugig, verdutzt,
+bis zum Mäulchen zugedeckt,
+im Wollmützchen fast versteckt,
+sitzt das Kleinste auf Mutters Schoß.
+"Kutscher, ein bißchen los,
+es wird kalt;
+Sie wissen doch, drüben zum Förster am Wald."
+Der Alte schmunzelt und knallt
+mit der Peitsche, hüh, hott--
+die Gäule bleiben bei ihrem Trott.
+... Von drüben her Lichter,
+Zwei altliebe Gesichter
+hinter den Scheiben:
+"Wo sie nur bleiben?
+Ist schon die fünfte Stunde!"
+Da knurren die Hunde,
+bellen, wollen hinaus;
+Großmutter läuft vors Haus.
+Da:--Knirschen, Geläut,
+ein Schlitten,
+inmitten
+sitzen vier liebe Leut.
+Wie das Altchen sich freut!
+Unter Lachen und Weinen
+wickelt sie aus den Tüchern die Kleinen,
+küßt die Tochter, nimmt ihr das Jüngste vom Knie:
+"Ein prächtiges Kindchen! Gott schütz es, Marie!"
+Neben ihr sprudelt ein Zünglein:
+"Großmutter, komm doch 'rein!
+Großmutter, sind die Hühner noch wach?
+Großmutter, Vater kommt morgen nach,
+er läßt schön grüßen."
+... Auf bedächtigen Füßen,
+als ging ihn die Sache nichts an,
+kommt auch der Förster langsam heran.
+"Na?
+Seid ihr endlich da?"
+Gleich läuft der Fritz auf ihn zu:
+"Großvater, Du,
+guck mal drüben den roten Fleck!
+och, Großvater, nu is die Sonne weg."
+"Die Sonne? Hm, laß man; drin is noch eine,
+'ne ganze feine,
+die wird uns bald blinken--
+nu aber, bitte, kommt Kaffee trinken."
+... Der Platz wird leer,
+schneestill und stumm.
+Der alte Kutscher lenkt langsam um,
+nickt vor sich her,
+gedankenschwer,
+und brummelt für sich:
+"Der oll Förster hett's gaud, manch enner hett's nich."
+
+
+
+KÖNIG KUCHEN UND KÖNIGIN SCHOKOLADE
+
+
+Bei König Kuchen und Königin Schokoladen
+war ich mit Linchen heut Nacht in Gnaden
+zu Gaste geladen.
+Ein prachtvolles Fuhrwerk, tripp, tripp, trapp,
+holte uns stolz von Hause ab.
+Vorn stampften zwei schneeweiße Vollblutjucker
+aus feinem biegsamen Lederzucker,
+auf dem Kutschbock der dicke Mohr
+kam uns marzipanisch vor,
+und neben ihm der fette Mops
+war ganz gefüllt mit englischen Drops.
+Die Kutsche, aus weißem Zuckerkant,
+erstrahlte hell wie Diamant;
+sie ging auf zierlichen Süßholzrädern,
+aus Vanille waren die Deichsel, die Federn,
+dicke Polster aus Traubenrosinen
+sollten uns als Sitze dienen,
+aber in den Bätterteig-Wagentaschen
+gab es allerhand Gutes zum Naschen.
+Ein allerliebster Praliné-Page
+dienerte neben der Equipage
+in einem rot kandierten Frack
+und öffnete uns den Wagenschlag.
+Wir stiegen ein und fuhren im Nu
+durch Rußland und Asien nach China zu.
+Bald kamen wir in jenes Land,
+wo König Kuchen, der Süße genannt,
+unumschränkt herrscht in seinen Reichen
+mit seiner Fürstin ohnegleichen,
+der herrlichen Königin Schokolade,
+die uns zum Fest befohlen in Gnade.
+
+Das goldgelb glacierte Ballfesthaus
+sah wie ein riesiger Napfkuchen aus,
+umgeben von einem Spritzkuchengitter;
+als Wache davor zwei braune Ritter
+aus Pfefferkuchen mit Gußfiligran,
+die hatten Knackmandel-Harnische an.
+Als Führer dienten mir und Linchen
+zwei allerliebste Thorner Kathrinchen;
+sie verbeugten sich höflich als wir kamen,
+und sagten: bitte, meine Damen.
+
+Ach, Kinder, wie das Herz mir lacht,
+denk ich zurück an all die Pracht!
+Die Wände waren von Makronen,
+verbrämt mit Schokoladenbohnen,
+aus grünen Bonbons die glatten Dielen,
+daß wir nachher beim Tanz fast fielen,
+die Säulen aus mächtigen Baumkuchentorten
+von den allerhöchsten und edelsten Sorten,
+die Tische aus marmoriertem Konfekt,
+mit drolligen Lutschfigürchen bedeckt,
+die Stühle Fäßchen mit Gelees,
+mit Eingemachtem und Knusperknees;
+rings auf appetitlichen Zimmetstaffeln
+lagen Biskuits und Keks und Waffeln.
+Im Hintergrunde ein Gletschersee,
+mit Vanille-Eisbergen und Schlagsahnen-Schnee,
+entsandte in doppelter Kaskade
+Zitronen- und Himbeer-Limonade;
+und hoch über allem, im glanzvollen Saal,
+strahlte eine Sonne aus Zucker-Opal.
+
+In der Mitte aber stand ein Thron,
+gebaut aus Bretzeln mit blauem Mohn,
+darauf saß liebreich in ihrer Gnade
+die herrliche Königin Schokolade.
+Sie harrte huldvoll, bis die Schar
+der Kinder ganz versammelt war,
+die sie aus kalter und warmer Zone
+herbefohlen zu ihrem Throne,
+um ihnen mit königlichen Händen
+von ihren süßen Kleinodien zu spenden;
+ihr hoher Gemahl, der König Kuchen,
+hatte Mühe, sie auszusuchen.
+Da waren Kinder aus Deutschland und Spanien,
+aus Frankreich, Chile, Mesopotamien,
+Kinder von Kaffern und Hottentotten,
+von Persern, Eskimos und Schotten,
+Kinder aus Süden und Kinder aus Norden
+von den feinsten Familien und den wildesten Horden,
+denn alle Kinder zu allen Zeiten
+essen gerne Süßigkeiten.
+
+An der Königin Seite, im leckeren Grase
+machte Männchen ein stattlicher Osterhase,
+und als die Kinder versammelt waren,
+ordnete er die bunten Scharen;
+rechts gingen die Mädchen, links die Knaben,
+so wollt es der König Kuchen haben,
+und jedes Kind in jeder Reih
+bekam ein prächtiges Osterei,
+die Mädchen blaue, rote die Jungen,
+dann ist das Häschen davongesprungen.
+
+Nun fing die Kapelle zu spielen an,
+vorn geigte ein Nürnberger Lebkuchenmann;
+ich sag euch, es war 'ne Musik für Kenner,
+und waren doch alles gebackene Männer,
+mit Rosinenaugen und Mandelnasen,
+und konnten so lieblich flöten und blasen.
+Es wurde getanzt, gespielt, gelacht,
+damit verging die schöne Nacht.
+Zuguterletzt, nicht zu vergessen,
+wurde alles aufgegessen,
+artig gedankt und Abschied genommen;
+wir fuhren heim, wie wir gekommen,
+und erwachten in unserm Bett--
+Kinder, Kinder, wie war das nett!--
+
+
+
+DER ERSTE MAI
+
+
+Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten,
+immer weiß man nicht neue Geschichten;
+oft sind die Märchengeister stumm,
+als wären sie wer weiß wie dumm,
+und alle Wände grinsen mich an,
+als hätt ich ihnen was angetan.
+So war's auch neulich. Bei mir zu Haus
+sah alles öde und langweilig aus,
+da bin ich in den Abend geschlendert;
+der Himmel hing rosenrot umbändert,
+die Wolken türmten sich wie ein Tor,
+plötzlich stand ich grade davor
+und sah hinein in das Himmelsschloß.
+"Na, Petrus, was ist denn hier oben los?"
+fragt ich; "hier sieht's ja munter aus."
+Da schmunzelt der alte Wächter vom Haus
+und sagt mir--aber ihr dürft nicht lachen--:
+Im Himmel wäre groß Reinemachen,
+die Jungfrau Maria tät revidieren
+und die himmlischen Scharen zum Scheuerfest führen.
+Die kleinsten Englein müßten ran,
+kriegten große Schürzen an,
+dürfte keins spielen und müßig bleiben,
+müßten fegen und wischen, seifen und reiben.
+Da würden die Sterne blitzblank geputzt,
+den kleinen Kometen die Schwänzchen gestutzt,
+der Himmel mit Wunderblau lackiert,
+der Regenbogen neu ausstaffiert;
+dem Vollmond würde, wie er sich auch steift,
+mal gründlich wieder die Glatze geseift,
+und damit am klaren Firmament
+die liebe Sonne schön leuchten könnt,
+würden die Wolken fest ausgedrückt
+und hinter den Horizont geschickt.
+Wenn alles fertig, wüschen sich
+die Englein die Flügel säuberlich--
+denn morgen sei ja der erste Mai-- --
+Ich fragte, was an dem Tage sei,
+da blitzte mich Petrus an und sprach:
+"Na, weißt du, das ist doch wirklich 'ne Schmach;
+da sieht man wieder, wie wenig ihr wißt,
+nicht mal, wann Gottes Geburtstag ist."
+Na, Kinder, ich machte ein dummes Gesicht;
+das wußt ich bei aller Gelehrsamkeit nicht.
+Doch nun wurde mir auf einmal klar:
+Darum putzt sich die Erde Jahr für Jahr
+mit Blumen und Kräutern im bunten Gemisch,
+darum grünen die Hecken, die Bäume so frisch,
+darum üben die Vögel die Festmelodie,
+und Bienen und Grillen begleiten sie,
+darum wird dem Menschen die Freude so groß,
+als säß er dem lieben Gott im Schoß,
+wenn der Maiwind kommt über Berg und Tal--
+nun begriff ich den Frühling mit einem Mal.
+Und ich fragte Petrus aus froher Seele:
+Erlaubst du, daß ich das weiter erzähle?
+"Immerzu," sagte der und strich sich den Magen;
+"kannst den neugierigen Leuten gleich noch sagen,
+daß an Gottes Geburtstag, dem ersten Mai,
+auch der Tanztag für Teufel und Hexen sei.
+Sonst dürfen sie, zu Aller Segen,
+sich keinen Schritt ohne Leine bewegen;
+doch an dem Tage sind sie frei,
+--da macht die Bande genug Geschrei,"
+entfuhr es brummend dem alten Knaben--
+"doch Gott ist der Herr und will es so haben.
+Er sieht in hoher heiliger Ruh
+dem tollen Blocksbergvergnügen zu;
+und treibt es einer zu arg von der Sippe,
+kommt er sofort wieder an die Strippe.
+Nun aber leb wohl, ich wünsch gute Nacht,
+um neun wird der Himmel zugemacht."
+Langsam schloß sich das Wolkentor;
+ich ging, ein Liedchen klang mir im Ohr.
+Zu Haus in heimlicher Abendruh
+nickt ich den Sternen fröhlich zu
+und betete: Ich bin nur ein Zwerg,
+und die herrliche Welt, sie ist dein Werk,
+o Gott; du hast alles, nichts kann man dir schenken,
+nur deiner in Freude und Demut gedenken.
+So nimm dieses Liedchen, ich hab es erdacht
+in dieser Frühlings-Geburstagsnacht.
+
+
+
+WETTERWUNSCH
+
+
+Scheine, Sonne, scheine,
+die Wäsch hängt auf der Leine;
+unsre Hemden, unsre Socken,
+mach sie uns bis Sonntag trocken,
+scheine, Sonne, scheine!
+
+Rausche, rausche, Regen,
+gib uns deinen Segen,
+wasch die armen Sünder rein,
+gib uns Brot und gib uns Wein,
+rausche, rausche, Regen!
+
+Zu best ist allerwegen
+Sonnenschein _und_ Regen;
+auch der Wind muß pfeifen,
+soll die Ernte reifen.
+Regen, Wind und Sonnenschein
+mögen bei unserm Hause sein!
+
+
+
+HAMMERLIEDCHEN
+
+
+Pink, pank, Hammerschlag,
+der Nagel hat 'nen Kopf;
+und wenn er keine Spitze hat,
+ist er ein armer Tropf.
+ Mein Hämmerlein du,
+ schlag zu, schlag zu!
+
+Pink, pank, Hammerschlag,
+hast du der Nägel zehn
+und nagelst du ein Särglein zu,
+ist's um einen geschehn.
+ Mein Feuerlein du,
+ blas zu, blas zu!
+
+
+
+IM SONNENSCHEIN
+
+
+(nach einer alten Fabel)
+
+
+Kribbel-krabbel-Käfer
+läuft hinab zum See,
+er kommt vom grünen Hügel,
+hell leuchten seine Flügel
+ im Sonnenschein.
+
+Kommt der Fisch geschwommen,
+Sperrt das Fischmaul auf,
+da ist in zwei Sekunden
+der Käfer drin verschwunden
+ im Sonnenschein.
+
+Überm See der Reiher
+sieht, wies Fischlein schnappt,
+nimmt seinen spitzen Schnabel
+und spießt es auf die Gabel
+ im Sonnenschein.
+
+Wie nun stolz der Reiher
+seine Kreise zieht
+mit leuchtendem Gefieder,
+knallt ihn der Jäger nieder
+ im Sonnenschein.
+
+
+
+WANDERLIED
+
+
+ Sonnenlichter,
+ Frühlingswichter
+spielen auf der dunkeln Wand.
+Prüfend öffne ich das Fenster;
+seht die Wolken, die Gespenster
+lösen sich am Himmelsrand.
+
+ Holla, Jungen,
+ aufgesprungen,
+schnell das Ränzel aus dem Spind!
+Kommt, wir wandern durch die feuchten
+Saaten; wie Smaragden leuchten
+Halm an Halm im Morgenwind.
+
+ Feste Schritte,
+ Männersitte;
+wie die Ferne lockt und wirbt!
+Und wir lassen sie im Schreiten
+achtlos oft vorübergleiten,
+bis sie hinter uns erstirbt.
+
+ Hohe Ziele,
+ nicht zum Spiele;
+immer steiler wächst der Paß.
+Aber oben wolln wir rasten
+nach der Arbeit, nach dem Fasten;
+Jungens, trinkt, ich komm euch was!
+
+ Hoch im Blauen
+ selig Schauen,
+unter uns der Erde Glück!
+Doch es zieht mit tausend Armen
+immer wieder zu den warmen
+Menschenstätten uns zurück.
+
+
+
+
+
+VIERTER TEIL
+
+
+
+SPRUCH FÜRS LEBEN
+
+
+Hinüber, hinein!
+über Wipfel und Stein!
+die Herzen zu baden
+im Goldsonnenschein!
+Auf schwierigen Pfaden
+zu lichten Gnaden!
+über Wipfel und Stein,
+hinunter, hinein!
+
+
+
+ALLERLEI RÄTSEL
+
+
+(Die Lösungen stehen im Verzeichnis der Überschriften)
+
+
+--1--
+
+Ich habe Flügel--rate, Kind--
+doch flieg ich nur im Kreise;
+und singen tu ich, wenn der Wind
+mir vorpfeift, laut und leise.
+Was ihr den Feldern abgewinnt,
+kau ich auf meine Weise;
+doch was mir durch die Kehle rinnt,
+das mundet euch als Speise.
+
+
+--2--
+
+Standen vier weiße Ritterchen
+auf einem roten Gitterchen,
+die machten alles klitzeklein
+und warfen es in ein Loch hinein.
+Als das die andern Ritter sahn,
+zogen sie neue Harnische an,
+kamen aus ihren Burgen herbei,
+stellten sich tapfer in die Reih
+und machten hack
+und sagten knack
+und warfen alles in einen Sack.
+
+
+--3--
+
+Die erste frißt,
+der zweite ißt,
+das dritte wird gefressen;
+das ganze wird zu Pökelfleisch
+und Erbsenbrei gegessen.
+
+
+--4--
+
+Mein erstes ist ein Hund,
+mein zweites ist ein Junge,
+mein ganzes ist ein Dieb,
+kein Hundejunge!
+
+
+--5--
+
+Die ersten sind ein Untertan,
+die dritte ist ein Untertan,
+das ganze ist ein Untertan,
+wird von dem andern Untertan
+unter den ersten Untertan
+ganz untertänigst untergetan.
+
+
+--6--
+
+Wenn das R am Anfang steht,
+liebt man es nicht sauer;
+wenn es bis ans Ende rutscht,
+hüt dich vor dem Hauer!
+
+Wenn das R am Anfang steht,
+ist's ein Heldenname;
+wenn es bis ans Ende rutscht,
+wird's ein Waldbaumsame.
+
+Wenn das R am Anfang steht,
+sind es böse Leute;
+wenn es bis ans Ende rutscht,
+gerbt man seine Häute.
+
+Wenn das R am Anfang steht,
+ist es eine Schale;
+wenn es bis ans Ende rutscht,
+wird's ein Orientale.
+
+Wenn das R am Anfang steht,
+ist's ein klein schwarz Luder;
+wenn es bis ans Ende rutscht,
+ist's von "wenn" der Bruder.
+
+
+--7--
+
+Wächst einer alten Dame
+ein Buckel kleinster Sorte,
+verwandelt sie sich augenblicks
+in ein Stück Mandeltorte.
+Doch nimmst du ihr den Rücken,
+auf dem der Buckel wächst,
+hast du die alte Dame
+zur trocknen Frucht verhext.
+
+
+--8--
+
+Ich stand begehrlich am Worte,
+umgekehrt wuchs es nicht weit;
+ein arges Diebsgelüste
+besiegte die Redlichkeit.
+Ich stahl das umgekehrte,
+kein Argus achtete drauf;
+Schmunzelnd enteilt' ich dem Worte
+und aß es umgekehrt auf.
+
+
+--9--
+
+Mein erstes ist nicht wenig,
+mein zweites ist nicht schwer;
+mein ganzes läßt dich hoffen,
+doch hoffe nicht zu sehr!
+
+
+--10--
+
+Es läuft und hat keine Beine,
+es gibt viele und doch nur eine.
+Wer zuviel hat, kann's nicht verschenken;
+wer zu wenig hat, muß es beschränken.
+Bald geht es langsam, bald schnell;
+mal ist es dunkel, mal hell.
+
+
+--11--
+
+Christkindchen lag im Stalle
+und hörte die ersten schrein;
+die zweiten tragen wir alle
+zur Weihnachtszeit am Bein.
+
+
+--12--
+
+Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile;
+wird es der Junge, kriegt er halt Keile.
+
+
+--13--
+
+Der Vater will's das Fritzchen
+(die erste Silbe betont)--
+jedoch die Mutter bittet,
+da ward der Schelm verschont.
+Sie sprach: Du mußt dir's, Liebster,
+(die dritte Silbe betont)--
+denn Nachsicht mit den Kleinen
+wird oft von Herzen belohnt.
+Denk doch, wie du's dem Jungen
+an Einsicht bist und Geist;
+du mußt was andres dasselbe,
+das ihn sich bessern heißt.
+
+
+--14--
+
+Klärchen nähte an dem ersten
+und war ganz die beiden zweiten,
+denn sie durfte Sonntag reiten,
+Leutnant Kurt wollt sie begleiten;
+ihre Augen wurden groß,
+müßig lag die Hand im Schoß.
+
+Mutter näht am andern Fenster,
+sah's und runzelte die Brauen:
+Höre, Kind, Luftschlösser bauen
+taugt nicht viel für fleißige Frauen,
+weil man leicht die Pflicht vergißt
+und zu sehr das Ganze ist.
+
+
+--15--
+
+Mariechen war's. Mit meinem Kuchen
+stand ich nun da und dem Bukett.
+Wo soll ich bloß das Mädel suchen?
+Wenn sie doch nur geschrieben hätt!
+
+Ja ja, ich hab sie es seit Jahren;
+ich gebe zu, das war recht dumm.
+Nein, welch ein rücksichtslos Gebaren!
+Und schwer geärgert kehrt' ich um.
+
+
+--16--
+
+Froh singt ihr Lied am Sommertag
+die eins-zwei früh und spat.
+Die drei wünscht jeder Jüngling sich;
+doch bricht er ab, ist's schad.
+Das Ganze war ein König, der
+lustig und unverschämt
+die stolze Prinzeß, die ihn nicht wollt,
+bestraft hat und gezähmt.
+
+
+--17--
+
+In eins-zwei-drei lebt ganz gemütlich
+Herr Müller mit Herrn Schulze friedlich;
+bis Müller einst, wer hätt's gedacht,
+Anspruch auf Schulzes zwei-drei macht.
+Da hörte man ein bös Geschrei:
+So denk doch eins, mein Herr eins-zwei!
+Ich muß stets alles zwei bezahlen,
+kann nicht mit zuviel zwei-drei prahlen;
+kommst du noch mal mir drum ins Haus,
+ist's mit der guten eins-zwei-drei aus.
+
+
+--18--
+
+Er geht in sich, um sich zu pflegen,
+und ist in sich um sich verlegen.
+
+
+--19--
+
+Rate, Freund, es ist nicht schwer:
+Wer's hat, hat, was er hatte, nicht mehr.
+Wer's aber ist, den äfft des Teufels Brut;
+man sperrt ihn ein und fürchtet seine Wut.
+
+
+--20--
+
+Wer es hat, der ist betrübt;
+aber froh und stolz, wer's gibt.
+
+
+--21--
+
+Das Wort pflegt zu erhöhn
+den Glanz des Edelsteins;
+solang man es bewahrt,
+ist man der Herr des Seins.
+
+
+--22--
+
+Sind es die Feinde, muß man sich wehren;
+sind's deine Backen, mußt du sie nähren.
+Ist mir's ein Rätsel, schreib ich es nieder;
+ist es mein Haus--nun, so bau ich es wieder.
+
+
+--23--
+
+Wenn es von Freund und Liebchen kommt,
+oder von dir verfaßt,
+so liebst du wohl das erste Wort;
+sonst ist es dir verhaßt.
+
+Das zweite Wort, so klug wir sind,
+machen wir Menschen viel;
+und was dich reut, oft andre freut
+im schadenfrohen Spiel.
+
+Der Schluß: gefürchtet und geneckt,
+teils boshaft und teils dumm,
+geht er als Geist des Widerspruchs
+in Schrift und Mären um.
+
+Die drei vereint: wir stehn verdutzt,
+wie Zufalls Koboldmacht
+das Wort entstellt, den Sinn verdreht--
+man ärgert sich und lacht.
+
+
+--24--
+
+Zwei Worte weiß ich, die einander feind,
+das eine sucht das andre zu verderben,
+in beiden müssen viel Geschöpfe sterben;
+und hast du sie zu einem Wort vereint,
+eint sich auch ihre zehrend böse Kraft,
+schon manchen Volksstamm hat es hingerafft.
+
+
+--25--
+
+Auf der höchsten Berge Rücken
+ist es immer leicht zu finden,
+wo die kleinen Gletscherbäche
+schäumend sich zu Tale winden.
+
+Tausch die Silben--ach, verlegen
+steh ich vor gemischten Dingen,
+Chemiker und Apotheker
+mögen dir die Lösung bringen.
+
+
+--26--
+
+Ich hab keine Hände und kann doch tragen,
+hab keine Flinte und kann doch jagen;
+kann klettern und schwere Lasten heben
+und bin doch ein zartes, hinfälliges Leben.
+
+
+--27--
+
+Viel Glieder hab ich, die einander gleichen.
+Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade,
+doch himmelshell führ ich empor zur Gnade;
+manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen.
+
+Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen;
+denn Ehre trägst du neben mancher Last,
+die arbeitsfroh du übernommen hast,
+ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade.
+
+
+--28--
+
+Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder;
+mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder.
+Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder,
+bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brüder.
+
+Hitze und Kälte trag ich, hin und wider;
+übt mich der Knabe, stärkt er seine Glieder.
+Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder;
+den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder.
+
+
+--29--
+
+Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant,
+teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will.
+Bescheiden bin ich selten, niemals still;
+ja, Schweigen ist mir gänzlich unbekannt.
+
+Ein Wort füg an, das keiner gern empfängt
+und das die Kinder schreckt von Alters her;
+doch ohne es fällt manche Arbeit schwer,
+weil's feste Massen auseinander drängt.
+
+Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen,
+die im Geröll sich finden, glatt und spitz;
+du hebst sie auf und freust dich an dem Witz,
+den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen.
+
+
+--30--
+
+Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
+in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt;
+dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft
+vertiefte ich den Blick der Forschungskraft.
+Ein Wort füg an, das sich der Mensch gesetzt
+zur Ordnung gegen den, der sie verletzt;
+der Fromme fühlt es oft von Gott gesandt,
+ans Letzte, Jüngste denkt er furchtgebannt,
+an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid--
+da ist das Ganze eine Seltenheit.
+
+
+--31--
+
+Die erste Silbe führt die krause Schar,
+die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit.
+Die zweite tönt durch Weiten hell und klar,
+ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit.
+Und wenn der tapfre Krieger
+sein junges Leben gab,
+fällt ihm vielleicht der Schatten
+des Ganzen auf sein Grab.
+
+
+--32--
+
+Ein deutscher Meister war es, gottgesandt,
+der jenes edle Tonstück uns geschenkt;
+der Vogel übt's, der seine Flügel lenkt--
+dir wünsch ich es, mein deutsches Vaterland.
+
+Was allen Flügelwesen wohlbekannt,
+was jedes Blatt, das aus der Hülle bricht,
+ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht--
+das wünsch ich dir, mein deutsches Vaterland.
+
+Ein Flüßchen, an der Schieferberge Rand,
+sehr vielen ist sein Name leerer Schall,
+ein kleines Wort, doch wir ersehnen's all--
+wünsch ich dir auch, mein deutsches Vaterland.
+
+Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand,
+den Engel, der auf Morgenwiesen geht,
+doch oft verhüllten Hauptes abseits steht--
+ihn sende Gott dir, o mein Vaterland!
+
+
+--33--
+
+In Not und Gefahr
+greife ich ein,
+Schmerzlich willkommen
+der Angst und der Pein;
+lies mich von vorn,
+lies mich verkehrt,
+immer der gleiche,
+geschmäht und geehrt.
+
+
+--34--
+
+Wir sind's mit Stamm und Vaterland,
+mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt,
+mit jeder Arbeit, die der Seele wert;
+der Reiter rühmt: wir sind's, ich und mein Pferd.
+
+Doch wer es ist, trägt eine schwere Last,
+er ist sich selbst ein mißgeschickter Gast;
+Statt Liebe blüht ihm Mitleid, und im Schwarm
+gesunder Jugend fühlt er doppelt Harm.
+
+
+--35--
+
+Wir sind's gewiß in vielen Dingen
+in einem sind wir's nimmermehr;
+die sind's, die wir zu Grabe bringen,
+und eben die sind's bald nicht mehr.
+ Drum, weil wir leben,
+ sind wir's eben
+ an Wesen wie Gesicht;
+ drum, weil wir leben,
+ sind wir's eben
+ zur Zeit noch nicht.
+
+
+--36--
+
+Nennst du das Ganze, tönt es uns entgegen
+von Sommernächten, wo des Mondes Horn
+verschwärmten Pärchen winkt auf lauschigen Wegen,
+und wo aus seinem wundersamen Born
+das Märchen auftaucht und in tiefem Sinnen
+uns anschaut, und verträumte Bäche rinnen.
+
+Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar
+die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen,
+die Heiden einst wie Christen heilig war,
+wo Pilger heut und Kenner sich erbauen;
+ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest
+und hält den Glanz vergangner Zeiten fest.
+
+
+--37--
+
+Ohne Zepter, ohne Krone
+herrsche ich auf dieser Erde,
+buntes Spiel vor meinem Throne
+zaubert stets mein Wort: Es werde!
+
+Noch zwei Zeichen: Alles wich,
+Pracht und Buntheit sind verschwunden,
+und in künftigen dunklen Stunden
+werden es auch du und ich.
+
+Aber ändre den Akzent:
+sieh, schon quillt das Leben wieder,
+neue Schau und neue Lieder,
+die man gern mit mir benennt.
+
+
+--38--
+
+Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt,
+ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt.
+
+Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,
+sind Geist und Wille durch mich offenbart.
+
+Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid,
+tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.
+
+Versöhnung bring ich und entfache Streit,
+zeig manchen töricht, manchen grundgescheit.
+
+Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt;
+vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt.
+
+
+--39--
+
+Ich nähre mich von fremden Stoffen,
+doch kann auch ohne sie bestehn;
+ich bin's, auf das die Weisen hoffen,
+und alle Weiten stehn mir offen,
+ihr würdet ohne mich vergehn.
+
+Am hellen Tage herrsch ich gerne,
+doch auch die Nacht ist mir vertraut;
+ich wohne auf dem kleinsten Sterne,
+mich schreckt sie nicht, die große Ferne
+die mich mit Geisterhänden baut.
+
+Ich wirke in den Himmelsblitzen,
+versteckter Tat bin ich verhaßt;
+wo grübelnd die Gelehrten sitzen
+und ratlos ob der Lösung schwitzen,
+bin ich ein hochwillkommner Gast.
+
+
+--40--
+
+In alten Zeiten
+hat mich der Mensch erdacht
+und Ordnung mit mir
+in die Dinge gebracht.
+
+Wie nötig bin ich
+der Wissenschaft,
+wie zeige ich
+der Völker Kraft!
+
+Wenn ich nicht eng
+ihm verbunden wär,
+wie würde erliegen
+das tapferste Heer!
+
+Und doch weiß jeder,
+wie schwach ich bin,
+denn erst mein Nachbar
+gibt Halt mir und Sinn.
+
+
+--41--
+
+Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;
+mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen,
+und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,
+ eng, doch erbaulich.
+
+Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,
+sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;
+mein Schaffenswille türmte ohne Schranken
+ Quadern auf Quadern.
+
+Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte,
+ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,
+und Geist und Arbeit gaben den Bezirken
+ die feste Kette.
+
+Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen;
+und meine Kinder lassen gern sich locken
+von grünen Wäldern, sanften Herdenglocken,
+ mir zu entfliehen.
+
+
+--42--
+
+Mein erstes Wort, im engen Raum genährt,
+strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere;
+wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere,
+hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt.
+
+Mein zweites hat der Kaiser und der König,
+und ist es auch zumeist; fast jeder strebt
+es irgendwie zu sein, solang er lebt,
+und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.
+
+Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz
+anfeuernd ins Gespräch und ins Gerede,
+ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;
+man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.
+
+
+--43--
+
+Willst du das erste Wort stets sein und handeln,
+so hast du eine schwere Arbeit vor,
+so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor
+der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.
+
+Das andre Wort scheint winzig und gering,
+doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte;
+es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte,
+die nur Natur verleihen kann, empfing.
+
+Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,
+Gemeinden oder Ständen zuerkannt,
+beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,
+doch schwinden hin im späteren Geschlechte.
+
+
+--44--
+
+Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone
+flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne
+bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,
+in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.
+Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,
+bin ich--ich sag es stolz--der größten Taten Vater.
+
+Ein neues Wort schließ an: Es ist des Künstlers Ziel,
+dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,
+das er mit seinem Lebensblute tränkt
+und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.
+Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?
+Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wär.
+
+Vereine beide Worte: Welch ein Wissen
+von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen
+stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,
+die unsrer Seele dunkle Träume bringen,
+und fühlen scheu des Geistes Doppelwesen.
+Du großes Rätsel, wer wird je dich lösen?
+
+
+
+POLTERABENDGEDICHT
+
+
+für ein kleines Mädchen
+
+(mit einer Schlüssel-Atrappe)
+
+
+Ich bin eine kleine Sternschnuppe
+und rutschte herab vom Himmel
+und fiel aus der großen Milchstraße
+grad hier in das Gewimmel.
+Verwundert fragt' ich die Leute:
+Wo kommt ihr denn alle her?
+Da sagten sie mir, daß heute
+hier Polterabend wär.
+Die Ehen schließt man im Himmel,
+und Donnergepolter gibt's auch;
+da bin ich ja wie zu Hause
+und bring meine Gabe auch.
+Nehmt hier den Zauberschlüssel,
+vom Sirius bracht ich ihn mit
+in meiner Sternentasche,
+als ich herunter glitt.
+Stets häng er zu euern Häupten,
+und zieht es euch hinauf,
+schließt er zu jeder Stunde
+den ganzen Himmel auf.
+
+
+
+HOCHZEITSGEDICHT
+
+
+(mit einem Frühlingsblumenstrauß)
+
+Maienkönig schickt mich her,
+sagte, daß hier Hochzeit wär,
+sollt fein gratulieren;
+suchte einen vollen Strauß
+allerschönster Blüten aus,
+euer Haus zu zieren.
+
+Himmelschlüssel, goldig, zart,
+Blumen von besondrer Art,
+schickt er euch mit Grüßen.
+Seht, sie leuchten sonnengleich;
+Liebe heißt das Himmelreich,
+das sie euch erschließen.
+
+Dieses blaue Sternchen spricht
+frommen Sinns: Vergiß-mein-nicht,
+vergiß mir nicht die Treue!
+Treue, die zu Liebe steht,
+ist so stark wie ein Gebet,
+tröstet stets aufs neue.
+
+Hier Narzissen. Weiß und rein,
+ohne Makel sollt ihr sein,
+hütet Sinn und Herzen!
+Seht der Unschuld klares Bild;
+wer an ihm sich stärkt und stillt,
+trägt leicht Not und Schmerzen.
+
+Nehmt hin, was der Mai geschickt,
+nehmt den Strauß und seid beglückt
+für ein langes Leben!
+Unverwelklich blüh er fort,
+tief in eurer Seele Hort
+glühe göttlich Streben!
+
+
+
+NEUJAHRSSPIEL
+
+
+DAS ALTE JAHR
+
+(tritt in grauem Mantel ein)
+
+Grüß Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr,
+das immer ist und immer war,
+das immer kommt und immer geht
+und niemals zaudernd stille steht,
+das mit geheimem Pendelschlag
+die Weltuhr regelt Tag für Tag.
+Die Würfel werf ich: Leben und Tod,
+Glück oder Unglück, Heil oder Not--
+sie fallen gewichtig und ordnen die Welt,
+einem Höheren unterstellt.
+Zwölf Kinder hab ich zur Welt gebracht,
+sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht;
+sie ziehen gestaltend durch die Welt,
+eins mir immer zugesellt,
+während die andern harren und ruhn
+zu neuer Arbeit, zu frischem Tun.
+Nur heute an meinem Geburtstag sind
+sie alle gekommen, aus Regen und Wind,
+aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Höhn,
+ihre alte Mutter wiederzusehn.
+Herein, meine Söhne, ein Kompliment,
+und sagt den Leuten, was ihr könnt!
+
+
+JANUAR
+
+(in dickem Pelz, mit Schlittschuhen und Schellen)
+
+Grüß Gott! Ich bin der Januar,
+voll Schnee und Eis hängt Bart und Haar;
+der Vetter Nordwind versteht das Blasen,
+steif sind die Ohren, rot die Nasen.
+Zugefroren ist See und Fluß;
+rasch den Schlittschuh unter den Fuß!
+ Die Eisen gleiten
+ durch blitzende Weiten
+ in Bogen und Zacken,
+ das gibt rote Backen!
+Hört ihr das Schellengeläut? Meine Gäste
+sausen durch Schnee und Rauhreifgeäste.
+
+
+FEBRUAR
+
+(in Karnevalskostüm mit Pritsche)
+
+Grüß Gott! Ich heiße Februar,
+gleiche dem Bruder fast aufs Haar,
+nur trage ich gern ein Maskenröckchen,
+an meiner Kappe klingeln Glöckchen.
+Weil ich im Spiel und Tanzen tüchtig,
+schelten sie mich vergnügungssüchtig,
+spotten und lachen hinter mir her,
+weil ich zu kurz geraten wär,
+ rufen: "Prinz Karneval,
+ Narren gibt's überall!"
+Doch meinen Punsch und Pfannekuchen
+möchten Narren wie Weise versuchen.
+
+
+MÄRZ
+
+(in Landstreichertracht, mit einem Veilchensträußchen)
+
+Grüß Gott! Ich bin der Bruder März,
+ich habe ein wildes, stürmisches Herz.
+Kann mich nicht mit den Brüdern vertragen,
+puste ihnen den Schnee vom Kragen.
+ Säubre die Wälder,
+ fege die Felder,
+tu aus der Seele das Kalte hassen,
+muß es doch oft mir gefallen lassen;
+aber bin ich erst König ein Weilchen,
+grüßt ihr mit mir die ersten Veilchen,
+seht ihr die Spitzen an Sträuchern und Bäumen,
+die selig von künftger Entfaltung träumen.
+
+
+APRIL
+
+(in Wandervogeltracht mit Zupfgeige)
+
+Grüß Gott! Ich bin der lustge April,
+der immer tut, was er grade will.
+Mal liebe ich's naß, mal liebe ich's trocken,
+die Zugvögel tu ich nach Hause locken.
+ Schneewassergüsse
+ schwellen die Flüsse,
+ich aber streif durch den Wiesengrund,
+öffne der Obstblüte lieblichen Mund
+und nicke den närrischen Träumern zu;
+mit denen steh ich auf du und du,
+_schickt_ sie nur immer! ich lehre sie lachen
+und sich aus den Plagen der Welt nichts machen.
+
+
+MAI
+
+(in Bauerntracht mit Maiglöckchenstrauß)
+
+Grüß Gott! Der Mai darf kaum noch wagen,
+Besondres von sich auszusagen.
+Ich schäme mich wirklich; bin so bekannt
+wie ein bunter Pudel rings im Land.
+Diese sammetlockigen teutschen Tichter,
+hol der Kuckuck das Reimgelichter:
+ "--der süße Mai,
+ der entzückende Mai,
+der blütenbekränzte, der himmlische Mai--"
+mir wird ganz blümerant dabei,
+denk ich an all die Dudelei.
+Die Kinder lob ich; das lärmt und lacht
+und feiert ganz ungereimt meine Pracht.
+
+
+JUNI
+
+(in Gärtnertracht, mit Gießkanne und Rosenstrauß)
+
+Grüß Gott! Ich werde Juni genannt,
+Farben und Düfte bring ich ins Land.
+Seht, wie's im Garten knospet und quillt,
+seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt!
+Vor allem muß ich die Rosen wecken,
+ich küsse sie wach an Stamm und Hecken.
+ Sind Regen und Wind
+ mir wohlgesinnt,
+schaff ich und wirk ich am grünen Gewande,
+halte die Hoffnung am schimmernden Bande
+und pflege das Wachstum der kommenden Zeit;
+wenn der Schnitter prüft, ist die Saat bereit.
+
+
+JULI
+
+(in Schäfertracht, mit Kornblumenstrauß)
+
+Grüß Gott! Erlaubt mir, daß ich sitze,
+ich bin der Juli; spürt ihr die Hitze?
+Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
+die Ähren sind zum Bersten voll;
+reif sind die Beeren, die blauen und roten,
+saftig sind Möhren und Bohnen und Schoten.
+So habe ich ziemlich wenig zu tun,
+darf mich ein bißchen im Schatten ruhn.
+ Duftender Lindenbaum,
+ rausche den Sommertraum!
+Seht ihr die Wolke? fühlt ihr die Schwüle?
+Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.
+
+
+AUGUST
+
+(in Schnittertracht, mit Sichel und Harke)
+
+Grüß Gott! Ich bin der Monat August,
+bin ernster Pflichten mir bewußt;
+muß Frucht und Korn zur Ernte reifen,
+meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen.
+Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht,
+der Segen wird in die Scheunen gebracht.
+ Zum fröhlichen Reigen
+ jubeln die Geigen.
+Doch mancher steht abseits vom Taumel und denkt
+des Schöpfers, der alles zum Besten lenkt,
+der Ordnung bringt in den Gang der Dinge,
+daß Schweiß und Fleiß auch Freude bringe.
+
+
+SEPTEMBER
+
+(im Touristenkostüm)
+
+Grüß Gott! Ich bin der September, ich ziere
+mit rotem Weinlaub eure Spaliere.
+Dem Wandrer lachen auf allen Wegen
+köstlich die reifenden Früchte entgegen,
+die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne,
+am Ufer der Meere träume ich gerne,
+ wo die Welle beginnt,
+ wo die Welle zerrinnt,
+wo die Brandung braust und überschäumt
+und ein Zugvogelschwarm den Himmel säumt;
+da lieg ich und grüble und suche vergebens
+den Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens.
+
+
+OKTOBER
+
+(in Winzertracht mit Weinglas und Flasche)
+
+Grüß Gott! Ich bin der Bruder Oktober;
+die Nase glänzt mir wie Zinnober,
+das kommt vom Gucken ins Gläschen. Vor Zeiten
+lehrt ich die Menschen Wein bereiten;
+der wurde bald ihr Lieblingsgetränke,
+jetzt kriegt man ihn in jeder Schänke.
+ Kommt mit zum Wein,
+ ich lade euch ein!
+Seht, wie die Wälder sich buntselig färben,
+sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben.
+So kommt und sinnt und fragt nicht viel;
+"das Leben ist des Lebens Ziel!"
+
+
+NOVEMBER
+
+(in Jägertracht mit Gewehr)
+
+Grüß Gott! Der November stellt sich vor.
+Mir ist ergeben der große Chor
+der Winde und Stürme, die das Gefilde
+von Unrat säubern; und auch die Gilde
+der Nebel und Wolken ist mir vertraut.
+Wer auf des Meeres Sanftmut baut,
+wagt sein Leben, wenn ich regiere;
+ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,
+ich hasse die Sonne, hasse die Milde,
+zerreiße im Felde das letzte Gebilde.
+Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,
+hinter scheuem Wild die Büchse knallt.
+
+
+DEZEMBER
+
+(in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbäumchen)
+
+Grüß Gott! Ich bin der Dezember und flechte
+zu kurzen Tagen die langen Nächte.
+Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,
+doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.
+Wenn im Ofen die Bratäpfel schmoren,
+flüstert es leise von Mündern zu Ohren,
+gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,
+ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,
+ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa,
+ists Christkindel denn noch nicht da?"
+Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,
+bin ich in meinem Element;
+ hell sind die Kerzen,
+ warm sind die Herzen,
+uns kümmert nicht Kälte noch Regen noch Wind.
+Und denen, die arm und traurig sind,
+und wo die Not sonst die Freude verbannt,
+geben wir gern mit Herz und Hand.
+
+
+DAS JAHR
+
+(läßt den grauen Mantel allmählich fallen, steht dann in hellem Festgewand)
+
+Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denkt
+an den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt!
+Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein,
+Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein,
+Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum,
+Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum.
+Und immer rollt durchs Himmelszelt
+die Erde, unsre alte Welt,
+die stets verjüngt, in neuer Kraft,
+fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft.
+Jedoch ihr Diadem und Zier,
+ihr Menschenkinder, das seid ihr!
+Drum freut euch ihrer Herrlichkeit,
+freut euch des Meeres, so stark und weit,
+freut euch der Wälder, der Blüte, der Frucht,
+freut euch der Berge mit Tal und Schlucht!
+Und freut euch eurer eignen Kraft,
+die der Erkenntnis Wunder schafft;
+seid glücklich, daß ihr Menschen seid,
+der schönste Schmuck an Gottes Kleid,
+wenn ihr euch seiner wert gestaltet,
+euch immer göttlicher entfaltet.
+Seid glaubensstark, seid willensklar,
+das wünscht das neue Erdenjahr!
+
+
+CHOR DER MONATE
+
+Seid friedensstark, seid liebesklar,
+das wünscht der Monate bunte Schaar!
+ Prosit Neujahr!
+ Nun reicht euch zur Wende
+ des Jahres die Hände
+ und grüßt euch mit Neigen
+ und schlingt einen Reigen!
+ Spiel auf, Musik, begleite sie,
+ des Jahres Schluß sei Harmonie!
+
+
+
+RÄUBER UND PRINZESSIN
+
+
+Eine Kartoffelkomödie
+
+
+EINFÜHRUNG
+
+Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomödie gehört? Nein? So will ich
+euch erzählen, was das ist.
+
+Die Kartoffelkomödie ist ein Theaterstück, das statt mit Puppen mit
+Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu große
+Kartoffeln, bohrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so daß ihr euern
+Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken könnt, und die Hauptsache
+ist fertig. Ein paar mit Stecknadeln angepiekte Hemdknöpfchen als Augen,
+ein Stückchen Rübe als Mund, und eins als Nase, bilden das Gesicht. Ein
+farbiger Puppenlappen wird oben mit einer Schnur zusammengezogen und um
+den Zeigefinger gebunden, nachdem zwei kleine Löcher für Daumen und
+Mittelfinger hineingeschnitten sind. Ihr werdet euch wundern, wie fein man
+die Finger als Arme und Hände benutzen kann.
+
+Natürlich muß man sich in der Kleidung ein bißchen nach den Personen des
+Stückes richten. In unsrer Komödie, die ich nach einer älteren Vorlage
+ausgebaut habe, bekommt der König eine Krone von Goldpapier und ein rotes
+oder grünes Gewand, das ihr auch etwas mit Goldstreifen besetzen könnt.
+Pumpfia trägt am besten einen kleinen Schleier mit einem Streifchen
+Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen großen braunen oder grauen Hut
+mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natürlich
+wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider könnt ihr euch selbst
+ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar.
+
+Wenn ihr das Stück aufführen wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt
+irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Türrahmen, und zwar so
+hoch, daß ihr bequem mit den Händen hinauflangen könnt; eure Köpfe dürfen
+natürlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Füße. Einen Vorhang braucht
+man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch
+wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder
+Hand eine; bei einer muß es dann seine Stimme etwas verstellen.
+
+So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spaß machen; und den
+Zuschauern auch.
+
+
+PERSONEN:
+
+König Pflaumenmus.
+Prinzessin Pumpfia.
+Der Kanzler.
+Der Räuber Jagomir.
+
+
+ERSTE SZENE.
+
+Der König tritt auf, vom Kanzler begleitet.
+
+
+KÖNIG:
+
+Der Sommerabend ist so schön,
+da muß man doch spazieren gehn.
+Die Rosen duften süß, hazieh!
+Die Nachtigall singt türütü--
+--wie schmerzt mein linker großer Zeh,
+und auch der rechte tut schon weh.
+Den Schuster häng mir an den Galgen,
+(Kanzler verbeugt sich)
+denn er gehört zu den Kanallgen.
+(König schnüffelt in die Luft)
+Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln,
+da kriegt man wirklich Appetit.
+Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln,
+und bring die Abendzeitung mit.
+(Kanzler verbeugt sich und will gehn)
+Halt! hemme noch den eiligen Lauf
+und setz mir erst die Brille auf.
+(Kanzler tut's, dann ab.)
+Ein König muß sich informieren,
+es könnt doch was im Land passieren.
+(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurück.)
+
+
+KANZLER:
+
+Hier, König, bringe ich die Zeitung,
+die allerneuste Meinungsleitung.
+Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte,
+wie Majestät befohlen hatte;
+und frage untertänigst an,
+ob ich noch sonstwie dienen kann.
+
+
+KÖNIG:
+
+Nun ja, rück mir die Krone grade;
+denn fiel sie runter, wär's doch schade.
+(Kanzler rückt die Krone zurecht.)
+Was steht denn hier im Tageblatt?
+Prinz Kasimir kommt in die Stadt?
+Da wird er uns gewiß besuchen.
+He, Kanzler, haben wir noch Kuchen?
+
+
+KANZLER:
+
+Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe.
+
+
+KÖNIG:
+
+Na, häng nicht gleich die Unterlippe;
+hol Streußelkuchen vom Konditor,
+auch Vollmilch, einen halben Litor.
+
+
+KANZLER:
+
+Ach, Herr, von Geld ist keine Spur.
+
+
+KÖNIG:
+
+Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur.
+Wir Könige lassen uns nicht lumpen,
+und sollten wir die Welt auspumpen.
+Geh jetzt und sorge für mein Land
+mit Militär und mit Verstand!
+(Kanzler verneigt sich, tritt vor.)
+
+
+KANZLER:
+
+Was hat ein Kanzler doch für Sorgen;
+wo soll ich bloß schon wieder borgen?
+Wer schafft mir von der Deutschen Bank
+den Schlüssel zu dem Kassenschrank?
+Reichskanzler sein ist wirklich schwer;
+ich dachte nicht, daß es so wär.
+Ich annonciere in der "Quelle",
+vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle.
+(Kanzler ab.)
+
+
+KÖNIG (lesend):
+
+Den Streik, den soll der Kuckuck holen!
+Wir haben so schon keine Kohlen,
+mein Thronsaal wird tagtäglich kälter,
+und ich--ich werde immer älter.
+Auf diese Bank will ich mich legen,
+ein Stündchen süßer Ruhe pflegen.
+(Legt sich hin und schnarcht.)
+
+
+ZWEITE SZENE.
+
+Pumpfia, König.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Wo bist du denn, mein Väterchen,
+mein süßer Pumps, mein Käterchen?
+
+
+KÖNIG:
+
+Wer stört mir meine Ruh im Grase?
+Ach, _Du_ bist's, kleine Stumpelnase.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Papa, ich bring dein Leibgericht,
+Bratkartoffeln! riechst du's nicht?
+Ich briet sie selbst, ist das nicht nett?
+mit Liebe und mit Hammelfett;
+und machte Klopse dir zulieb,
+vom Fleisch, das gestern übrig blieb.
+
+
+KÖNIG (essend):
+
+Ich danke dir, mein Herzensmops,
+für die Kartoffeln und den Klops.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Papa, ich bin bald zwanzig Jahre
+und kriege nächstens graue Haare;
+ich mach mich immer wunderschön,
+allein kein Freier läßt sich sehn.
+Ich krieg am End gar keinen Mann;
+was fang ich alte Jungfer an?
+(Sie weint.)
+
+
+KÖNIG:
+
+So liebe _mich_, mein süßes Kind!
+Heiraten geht nicht so geschwind.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.
+Wenn doch ein Prinz, ein trauter, käm!
+(weint stärker.)
+
+
+KÖNIG:
+
+Mein Pümpfchen, tröste dich bis morgen,
+da will ich dir 'nen Mann besorgen.
+
+
+PUMPFIA
+
+(fällt ihm um den Hals):
+Du guter einziger Papa,
+ich sag gewiß zu allen ja.
+
+
+KÖNIG:
+
+Leb wohl, ich muß zur Konferenz;
+es ist nicht gut, wenn ich die schwänz.
+(König ab.)
+
+
+DRITTE SZENE.
+
+Pumpfia, nachher Jagomir.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Ich arme Pumpfia und Prinzessin,
+ach könnt ich doch mein Leid vergessen!
+allein, o leider ganz allein,
+in diesem holden Mondenschein!
+Kein Jüngling liebt mich nur ein bißchen,
+kein Prinz gibt mir ein holdes Küßchen.
+Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,
+ich fall vor lauter Sehnsucht um--
+(fällt um.)
+
+
+JAGOMIR (tritt auf):
+
+Ich stahl mir heimlich hier herein,
+hier wird doch was zu mausen sein?
+(Schnüffelnd)
+Nee, wo mit Hammelfett gebraten,
+da regnet's sicher nich Dukaten.
+(Er erblickt Pumpfia )
+'ne Dame? Ei, wie wunderschön;
+die muß ich mal genau besehn.
+(Er tut's.)
+Ich nehme mir den Hochgenuß
+und geb ihr einen süßen Kuß.
+(Er tut's.)
+
+
+PUMPFIA (erwachend):
+
+Was ist das für ein schöner Mann?
+Ich wag's und red ihn lieblich an.
+Wer seid Ihr, herrlicher Genoß?
+Wie kamt Ihr her in dieses Schloß?
+Ich bin durch Euern Gruß beglückt;
+hat Euch ein Engel hergeschickt?
+
+
+JAGOMIR:
+
+'n Engel? Nee, das war der Robert;
+der hat das Ding hier ausbaldowert.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Ist alles gleich; du bist mein Schätzchen,
+mein süßer Freund, mein Busenlätzchen.
+
+
+JAGOMIR:
+
+Aber--was wird dein Vater sagen?
+
+
+PUMPFIA:
+
+Ach was, wer wird den Alten fragen.
+
+
+JAGOMIR (küßt sie):
+
+Mein honigsüßer Sirupstengel,
+mein Marzipan, mein Zuckerengel!
+
+
+PUMPFIA:
+
+Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held!
+Pumpfia geht mit dir durch die Welt!
+
+
+JAGOMIR:
+
+Mein Schätzchen, hast du auch Moneten?
+
+
+PUMPFIA:
+
+Die sind hier weniger vertreten;
+an diese Frage rühre nich,
+geliebter Freund, entführe mich.
+
+
+JAGOMIR:
+
+Na, denn man zu, du süße Hummel!
+(Beiseite)
+Verflixt, das wird 'n schöner Rummel.
+
+
+VIERTE SZENE.
+
+König, die Vorigen.
+
+
+KÖNIG:
+
+Prinzessin Pumpfia, Kasimir,
+wo seid ihr kleinen Schäker ihr?
+Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?
+Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.
+
+
+JAGOMIR (beiseite):
+
+I, du meine himmlische Güte,
+die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte;
+dabei gehör ick zum Räuberstand,
+der ernährt seinen Mann besser als so'n Land.
+(Laut):
+Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehr
+und verbeuge mir sehr.
+(Er tut's)
+
+
+KÖNIG:
+
+Mein Vaterherz hüpft froh und warm:
+mein Pümpfchen in des Prinzen Arm.
+Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,
+wie findet meine Tochter Ihr?
+
+
+JAGOMIR:
+
+Das Mädel hier? Na, himmlisch süß,
+wie'n Engelken im Paradies.
+
+
+KÖNIG:
+
+Na, nimm se dir se denn se doch,
+und spanne sie ins Ehejoch;
+dann kocht dir deine kleine Braut
+Erbsen mit Speck und Sauerkraut.
+
+
+JAGOMIR:
+
+Ach ja, und dann Kartoffelklöße
+mit einer süßen Pflaumensöße.
+(Umarmung.)
+
+
+PUMPFIA:
+
+Wenn man in deinen Armen ruht,
+dann kocht sich's gleich noch mal so gut.
+
+
+KÖNIG:
+
+Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln,
+verlier vor Rührung die Pantoffeln.
+(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)
+
+
+FÜNFTE SZENE.
+
+Kanzler, die Vorigen.
+
+
+KANZLER:
+
+Der Brief kommt eben von der Post,
+der fünfundzwanzig Pfennige kost't.
+
+
+KÖNIG:
+
+Wie oft schon hab ich deklariert,
+ich nehme nichts mehr unfrankiert.
+Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,
+dann fliegt es gleich zum Fenster raus.
+(Er öffnet den Umschlag)
+Laß sehn, was steht in diesem Brief.
+
+
+JAGOMIR (beiseite):
+
+Na, geht die Sache doch noch schief?
+
+
+KÖNIG (liest):
+
+"Prinz Kasimir entbeut den Gruß
+dem hohen König Pflaumenmus;
+er wird ihn heute noch besuchen
+und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."--
+Von alldem tut der Bauch mir weh;
+was nun, mein Schwiegersohn _in spe_?
+Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?
+
+
+JAGOMIR (stolz):
+
+Ich bin der Räuber Jagomir!
+
+
+KÖNIG:
+
+Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus,
+der reißt mir die Gedärme aus!
+Gewiß, er wird mich massakrieren
+und mir mein Pümpfchen dann entführen.
+(Er weint.)
+
+
+PUMPFIA:
+
+Was mich betrifft, ich halte still,
+wenn er nur dich verschonen will.
+
+
+JAGOMIR:
+
+Ich schon ihn gern, und auch sein Geld--
+(beiseite): das er nicht hat!
+Ich bin ein edler Räuberheld.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Mein süßer Schuft, mein Wonneheld,
+mit dir stehl ich die ganze Welt.
+(Umarmung.)
+
+
+JAGOMIR:
+
+Bald kommt der Kasimir ins Haus;
+komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus!
+Im Walde steht mein freies Schloß,
+da schläft sich's fein--auf Heu und Moos.
+
+
+KÖNIG:
+
+Na, dann leb wohl, mein teures Kind!
+Hier hast du noch ein Angebind
+(gibt ihr einen Zweimarkschein)
+und außerdem noch meinen Segen.
+
+
+PUMPFIA:
+
+Den kannst du uns auf Zinsen legen.
+(Beide ab.)
+
+
+KÖNIG:
+
+Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,
+ich weine mir ein Auge aus.
+(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)
+O Kasimir, Prinz Kasimir,
+warum warst du nicht eher hier!
+Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;
+die Welt, die ist ein Wackeltopf.
+Nur eins ist unverrückt und wahr,
+nur eins wie meine Pleite klar:
+Hoch herrschen über Raum und Zeit
+die Frechheit und die Dreistigkeit.
+(Vorhang.)
+
+
+
+KASPERLE UND DER KRIEG
+
+
+Ein Stückchen fürs Kasperltheater
+
+
+KASPERLE (allein, singt):
+
+ Bummvallera
+ ist nicht da;
+ wo ist Bummvallerallerallera?
+
+(Er gähnt.) Ach, ist die Welt langweilig! Vor lauter Langerweile hab ich
+schon ein paarmal meine Finger gezählt; aber komisch, es kommt immer was
+andres raus. (Er zählt an seinen Händen): 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14,
+15--na ja, nun sind's wieder 15. Na, noch mal: 1, 2, 3, 5, 7, 9, 10, 12,
+13, 14--komisch, nu sind's wieder 14. Mal hat der Mensch 15 und mal 14
+Finger; und dabei sehn sie immer egal aus.(Es klopft.) Ei, da kommt
+Besuch. Immer 'rein, meine Herrschaften, immer 'rein! (Polizist kommt.)
+
+
+POLIZIST:
+
+Bist du der Kasper?
+
+
+KASPERLE:
+
+Was? Kasper? Herr Kasper heißt es, geehrter Herr Kasper heißt es,
+wertgeschätzter Herr Kasper heißt es, Sie oller Helmaffe Sie, Sie
+untertänigster Rasselsäbel!
+
+
+POLIZIST:
+
+Mann, seien Sie mal etwas höflicher zur königlichen Polizei!
+
+
+KASPERLE:
+
+Höflich? Hi hi, höflich? Mit Höflichkeit fängt man nicht mal 'nen Floh.
+Oder soll man etwa sagen: bitte, Herr Floh, seien Sie so gut, Herr Floh?
+
+
+POLIZIST:
+
+Kasper, du bist ein Esel!
+
+
+KASPERLE:
+
+'n Esel? Was Sie sagen! Ist 'n nettes Tierchen, so'n Esel, hihi; klettert
+auf die höchsten Stellen und fällt nicht runter. Hihi, möcht schon solch
+Tierchen sein.
+
+
+POLIZIST:
+
+Lirum, larum, Kasper, du mußt jetzt in den Krieg; darum bin ich
+hergekommen.
+
+
+KASPERLE:
+
+Krieg? Was ist denn das? Kriecht man da rum, in dem Krieg? Ich bin doch
+kein Kriechtier!
+
+
+POLIZIST:
+
+Du dummer Kasper, du dammliger, der Krieg sind Schlachten mit Bomben und
+Kanonen.
+
+
+KASPERLE:
+
+Schlachten? Ei, das kenn ich, da gibt's frische Wurst; Blut- und
+Leberwurst, hihi, das schmeckt aber fein!--Und Bomben? wissen Sie, die
+backt meine Omama mir immer zu Weihnachten; die kenn ich auch. Und
+Kanonen? ja, die stehn noch vom Großvater selig her auf'm Kramboden; der
+war Sie nämlich Mistbauer, und brauchte so'ne dicken hohen Schmierstiebeln.
+Also, dann kenn ich ja den Krieg; muß 'ne lustige Sache sein.
+
+
+POLIZIST:
+
+Na warte man, du Frechdachs, wirst es schon merken, wenn's dir man erst um
+die Ohren knallt.
+
+
+KASPERLE:
+
+Knallen tut's da? O jemine! Wissen Sie, Herr Kriegsminister, gegen Knallen
+hab ich von Kind auf 'ne Idiokratie.
+
+
+POLIZIST:
+
+Idio_syn_krasie meinst du wohl, dummer Kasper.
+
+
+KASPERLE:
+
+Nee, Herr Rasselsäbel, Sinn ist da nicht drin; sonst wär's ja keine
+Idiotokratie. (Er singt):
+
+ Die Welt, die haut sich tot wie nie,
+ tot wie nie, tot wie nie,
+ und füttert das Meer mit Korn und Vieh,
+ Korn und Vieh, Korn und Vieh;
+ das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie,
+ Idiotokratie!
+
+
+POLIZIST:
+
+Halt deinen dummen Schnabel, Kasper, das verstehst du nicht; das ist die
+hohe Diplomatie. Sage mir lieber, wie dein Vater heißt, Kasper.
+
+
+KASPERLE:
+
+Das kann ich Ihnen durchaus nicht sagen, Sie neugieriger Iltis, alldieweil
+ich das selber nicht weiß. Ich glaube, ich hatte gar keinen Vater.
+
+
+POLIZIST:
+
+Und deine Mutter?
+
+
+KASPERLE:
+
+'ne Mutter? 'ne Mutter hab ich auch nicht gehabt. Bloß 'ne Großmutter und
+'ne Urmama; die haben mich zusammen zur Welt gebracht.
+
+
+POLIZIST:
+
+Du bist 'n Ochse, Kasper, oder 'n Frechdachs; jeder Mensch hat doch 'ne
+Mutter.
+
+
+KASPERLE:
+
+'n Ochse? das wär was, ei der Daus! Was wär ich da wert bei den heutigen
+Fleischpreisen? wir wollen mal zusammen rechnen, Herr Kriegsminister.
+Also: ich wiege 150 Pfund, das Pfund kostet jetzt 8 Mark 50. Erst also 100
+mal 8 Mark 50--hängen wir einfach zwei Nullen an, das macht 85000 Mark;
+und dann noch 50 mal 8 Mark 50, das ist mir zu schwer, das kann ich nicht
+rechnen. Wissen Sie's vielleicht, Herr Kriegsrat?
+
+
+POLIZIST:
+
+Na, das sind ungefähr 4000 Mark, Kasperle; es ist ja auch schon lange her,
+daß ich in der Schule war.
+
+
+KASPERLE:
+
+Also, ich hatte 85000 Mark; und Ihre 4000 Mark dazu, macht 100000 Mark.
+Sehn Sie, Herr Kriegsminister, soviel ist der Kasper werf, wenn er ein
+Ochse ist; hihi, was sagen Sie nun, Herr Oberkanonenrat? Was mag man da
+erst wert sein, Sie, wenn man ein fettes Schwein ist! Wissen Sie was:
+wir wollen beide Bauern werden und fette Schweine zusammen ausbrüten.
+(Er singt):
+
+ O wär ich doch ein Öchselein,
+ Öchselein, Öchselein,
+ oder auch ein fettes Schwein,
+ fettes Schwein, fettes Schwein,
+ dann pökelt' ich mich selber ein,
+ si- sa- selber ein.
+ Da käm ich in ein großes Faß,
+ großes Faß, großes Faß,
+ da rollt' ich in das Kellergelaß,
+ Kellergelaß, Kellergelaß,
+ da hätt ich für den Winter was,
+ Wi- Wa- Winter was.
+
+
+POLIZIST (packt ihn):
+
+Ach was, vorwärts marsch mit dir in den Krieg! und hast-du-nicht-gesehn
+ins Feuer!
+
+
+KASPERLE:
+
+Ins Feuer soll ich? Ich ins Feuer? Aber ich bin doch keine Preßkohle,
+Herr Oberheizer, daß ich ins Feuer soll? (Er ruft ins Haus): Großmama,
+mein Puttchen, du alte Knochenmühle! komm doch mal her, aber putz dich
+nicht erst! man will dein Kasperle ins Feuer stecken! (Großmutter kommt.)
+
+
+GROSSMUTTER:
+
+Was ist denn los? Was schreist du so, Kasperchen?
+
+
+POLIZIST:
+
+Er muß in den Krieg und will nicht, der Racker!
+
+
+GROSSMUTTER:
+
+O Gott, o Gott, in den Krieg, mein Herzblatt? Da werden sie dich
+totschießen, armes Kasperchen! Ogottogottogottedoch!
+
+
+KASPERLE:
+
+Laß man, Omamachen wenn sie schießen wollen, nehm ich meine Pritsche und
+hau sie selber tot. Guck mal, so--so--haste-nich-gesehn--(er haut den
+Polizisten tot, wirft ihn über die Rampe und sagt dabei:) Ja, quiek man!
+den Kasper krigst du nicht! der lebt ewig, du oller Rasselsäbel!--
+
+
+
+
+
+VERZEICHNIS DER ÜBERSCHRIFTEN
+
+
+
+Gruß an die Großen
+Gruß an die Kleinen
+
+
+
+ERSTER TEIL
+
+
+Wunderchen
+Geht leise
+Wittewoll schlafen
+Frühstück
+Seereise
+So lala
+Mein Wagen
+Kutscher auf dem Knie
+Ereignis
+Heilsprüchel
+Schlimme Geschichte
+Austreibung
+Wenn Rumpumpel brummig ist
+Der Pudding
+Zwei Mäulchen
+Mückebold
+Das Scherchen
+Geschichtchen vom Winde
+Anziehliedchen
+Das Lämmechen
+Die wilden Beinchen
+Der lumpichte Bu
+Tintenheinz und Plätscherlottchen
+Es regnet
+Trösterchen
+Häschen in der Grube
+Hasenspiel
+Drei Bäumchen
+Schabernack
+Am Abend
+Gutenachtliedchen
+Freund Husch
+Rumpumpels Geburtstag
+Mutters Geburtstag
+Rumpumpel tanzt
+Kreiselliedchen
+Konzert
+Die ersten Höschen
+Der kleine Sünder
+Flutschpeter
+Die Trommelpartie
+Rumpelreim
+Das Karnickel
+Lektion
+Lied des Hühnchens
+So sieht unsre Wirtschaft aus
+
+
+
+ZWEITER TEIL
+
+
+Das Haus
+Mit Trommel und Trab
+Siebenschläfer
+Osterlied
+Maiwunder
+Hansel und Gretel
+Prinzeßchen
+Das große Loch
+Zwei Gesellen
+Wenn's Pfingsten regnet
+Eine Hühnergeschichte
+Marieken und die Küken
+Kinderküche
+Essensregeln
+Die böse Mies
+Pottkieker
+Der Reitersmann
+Das richtige Pferd
+Der kleine Rekrut
+Der Hauptmann
+Abzählreim
+Fragefritze und die Plappertasche
+Plappermündchen
+Puppendoktor
+Kleiner Einkauf
+Vaters Geburtstag
+Das Himmelsprinzeßchen
+Windfreude
+Lied vom Monde
+Weihnachtsschnee
+Knecht Ruprecht in Nöten
+Frohe Botschaft
+Der liebe Weihnachtsmann
+Sankt Niklas' Auszug
+Bescheidene Frage
+
+
+
+DRITTER TEIL
+
+
+Widmung
+Sonne
+Marienlied
+Korsisches Wiegenlied
+Königskind
+Heimweh
+Elfenreigen
+Wiegenmärchen
+Traumballade
+Mutter Hule
+Ein Singsang vom Rheine
+Badeballade
+Der Teufel und die Katz
+Der Esel und die Löwenhaut
+Ein Spatzengespräch
+Drei Koboldstreiche
+Spuk
+Der Märchenkönig und sein Töchterlein
+Weihnachtsgang
+Weihnachtsbesuch
+König Kuchen und Königin Schokolade
+Der erste Mai
+Wetterwunsch
+Hammerliedchen
+Im Sonnenschein
+Wanderlied
+
+
+
+VIERTER TEIL
+
+Spruch fürs Leben
+Allerlei Rätsel:
+ 1) Windmühle
+ 2) Die ersten Zähnchen
+ 3) Sau-er-kraut
+ 4) Spitzbube
+ 5) Stiefelknecht
+ 6) Rebe--Eber; Recke--Ecker; Rotte--Otter; Rinde--Inder; Rabe--aber
+ 7) Matrone, Makrone, Marone
+ 8) Gitter, Rettig
+ 9) Vielleicht
+ 10) Zeit
+ 11) Schafwolle und Rindleder
+ 12) Versohlt
+ 13) Überlegen
+ 14) Saumselig
+ 15) Verzogen
+ 16) Drosselbart
+ 17) Nachbarschaft
+ 18) Der Rat
+ 19) Besessen
+ 20) Ausschlag
+ 21) Fassung
+ 22) Eingefallen
+ 23) Druckfehlerteufel
+ 24) Feuerwasser
+ 25) Wasserscheide, Scheiderwasser
+ 26) Winde
+ 27) Leiter
+ 28) Welle
+ 29) Donnerkeile
+ 30) Linsengericht
+ 31) A, Horn, A horn
+ 32) Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden
+ 33) Retter
+ 34) Verwachsen
+ 35) Verschieden
+ 36) Romantik
+ 37) Mode, modern
+ 38) Die Tinte
+ 39) Das Licht
+ 40) Die Zahl
+ 41) Die Stadt
+ 42) Geistreich
+ 43) Gerecht, Same, Gerechtsame
+ 44) Gedankenübertragung
+Polterabendgedicht
+Hochzeitsgedicht
+Neujahrsspiel
+Kartoffelkomödie: Räuber und Prinzessin
+Kasperle und der Krieg
+
+
+
+
+
+VERZEICHNIS DER ANFANGSZEILEN
+
+
+
+Auf der höchsten Berge Rücken
+Auf der Leine, auf grünem Platz
+Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich
+Aus lichtem See
+Bei König Kuchen und Königin Schokoladen
+Blümchen hängt das Köpfchen
+Bummvallera ist nicht da
+Christkindchen lag im Stalle
+Das große Loch
+Das kann doch nicht Rumpumpel sein
+Das Wort pflegt zu erhöhn
+Der Bauer schläft im Hirsekraut
+Der Esel, der Esel
+Der Schneidermeister Piekenich
+Der Sommerabend ist so schön
+Der Vater will's das Fritzchen
+Des Mondes Tochter Mirlamein
+Die alte Mutter Hule
+Die erste frißt
+Die ersten sind ein Untertan
+Die erste Silbe führt die krause Schar
+Die Henne legt ein Ei
+Eia, wir Elfen
+Ein deutscher Meister war es, gottgesandt
+Ein Kätzlein ging einst jagen
+Ein Müllersmann aus Oberwesel
+Ein Vogel flog aus dem Heimatland
+Er geht in sich, um sich zu pflegen
+Es läuft und hat keine Beine
+Es regnet, es regnet
+Es tanzen zwei Gesellen
+Es war einmal ein Kätzchen
+Es war zur lieben Weihnachtszeit
+Fixfax der arge Kobold spricht
+Flutschpeter lief nie gradeaus
+Fritz, ich möcht den Spaten haben
+Froh singt ihr Lied am Sommertag
+Früh, eh ich's konnt begreifen
+Geht leise
+Gestern lief der Peter weg
+Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder
+Grüß Gott, ihr Leut, ich bin das Jahr
+Guten Morgen, ihr Beinchen
+Guten Tag, guten Tag, liebe Grünkramfrau
+Hansel und Gretel stehen zu zwein
+Hans Wackelohr, Hans Wackelohr
+Häschen in der Grube
+Has, Has, Osterhas
+Heini, Heini
+Herbei, ihr kleinen Wichte
+Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
+Herr Steuermann, Herr Steuermann
+Hinter den Birken über den Rasen
+Hinüber, hinein
+Hühner, wollt ihr wohl artig sein
+Hurra, zum ersten Mal
+Husch, husch, husch
+Ich bau, ich bau ein steinern Haus
+Ich bin das Himmelsprinzeßchen
+Ich bin der Hauptmann
+Ich bin eine kleine Sternschnuppe
+Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
+Ich habe Flügel--rate, Kind
+Ich hab einen Helm aus Packpapier
+Ich hab keine Hände und kann doch tragen
+Ich möcht euch alle miteinander
+Ich nähre mich von fremden Stoffen
+Ich stand begehrlich am Worte
+Ich war in Fez durch die Buden gewandelt
+Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf
+Ihr Siebenschläfer in den Höhlen
+Im Stall unter Schäfchen bäht
+In alten Zeiten
+In eins-zwei-drei lebt ganz gemütlich
+In Leipzig wohnt ein Bäckermeister
+In Not und Gefahr
+In Wolfenbüttel wohnt ein Lamm
+Jung jung drei Bäumchen
+Ka Strümpferl im Kasten
+Klänge wachsen auf den Wegen
+Klärchen nähte an dem ersten
+Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
+Kräht der Hahn früh am Tage
+Kra, kra, kalter Schnee
+Kribbel-krabbel-Käfer
+Ländliche Straßen, dicht beschneit
+Leise, Peterle, leise
+Leises Klopfen an der Türe
+Lieber Doktor Pillermann
+Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß
+Maienkönig schickt mich her
+Maikönig kommt gefahren
+Maria herzt ihr Kindelein
+Mariechen war's; mit meinem Kuchen
+Marie-Marei-Marieken
+Marie-Marei will Braten machen
+Mein erstes ist ein Hund
+Mein erstes ist nicht wenig
+Mein erstes Wort, im engen Raum genährt
+Mein Reich ist unbegrenzt: bis in die fernste Zone
+Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt
+Mein Wagen hat vier Räder
+Mückchen, Mückchen, Dünnebein
+Musik, Musik, die Flöte kommt
+Mutti, Mutti, was ist denn da drin
+Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten
+Nennst du das Ganze, tönt es uns entgegen
+Oben aus dem Fahnenhaus
+Ohne Zepter, ohne Krone
+Pink, pank, Hammerschlag
+Pitsch--patsch--Badefaß
+Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
+Quellchen geht in den Rauschebach
+Rate, Freund, es ist nicht schwer
+Rechts, links, über Eck
+Ride-bide-Bummstock
+Rumpumpel macht 'ne Landpartie
+Rumpumpel tanzt
+Rumpumpel will essen
+Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus
+Sankt Nikolas, Sankt Nikolas
+Scheine, Sonne, scheine
+Schimmel, willst du laufen
+Schlafe, mein kleiner Wildling
+Schlafe ruhig, Königskind
+Schnell, schnell, Besen
+Schnipsel, schnipsel, Scherchen
+Sind es die Feinde, muß man sich wehren
+Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile
+Sitzen zwei alte Weiber im Sand
+So morgens um halb acht herum
+Sonnenlichter, Frühlingswichter
+Sonne scheint draußen und scheint in die Grube
+Spitzt das Ohr und merkt euch still
+Standen vier weiße Ritterchen
+Steht ein Töpfchen rund und nett
+Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant
+Still--was bloß das Kätzchen will
+Traumkönig geht durch bleiches Land
+Tuck--tuck--heut ist Regentag
+Unser Müller hat ein Mühlenhaus
+Viel Glieder hab ich, die einander gleichen
+Vor der Laube kräht der Hahn
+Wächst einer alten Dame
+Wagen im Wind
+Waldtaube saß gefangen
+Wenn das R am Anfang steht
+Wenn der Wind über Wiesen und Felder rennt
+Wenn es von Freund und Liebchen kommt
+Wenn ich in die Stube geh
+Wer es hat, der ist betrübt
+Wer kommt dort angeflogen
+Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd
+Wer strampelt im Bettchen
+Wer tanzt mit mir
+Willst du das erste Wort stets sein und handeln
+Wind, Wind, sause
+Winkele, wankele
+Wir sind's gewiß in vielen Dingen
+Wir sind's mit Stamm und Vaterland
+Zwei Worte weiß ich, die einander feind
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+End of the Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 13732 ***