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diff --git a/13732-0.txt b/13732-0.txt new file mode 100644 index 0000000..e72fc78 --- /dev/null +++ b/13732-0.txt @@ -0,0 +1,5775 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 13732 *** + +DAS LIEBE NEST + + + + + + +Gesammelte Kindergedichte +von +Paula Dehmel + + + + + + +Herausgegeben von Richard Dehmel +mit Zeichnungen von Hans Thoma +bei E. A. Seemann in Leipzig +1919 + + + + + + +GRUSS AN DIE GROSSEN + + +Aus lichtem See, +über Sterne und Schnee, +rauschen die Schäume, +lauschen die Träume, +Himmel hinab, Himmel hinan, +ewige Bahn. + +Aus Kinderland, +über Acker und Sand, +wachsen die Gluten, +die bösen, die guten, +Himmel hinab, Himmel hinan, +ewige Bahn. + + + +GRUSS AN DIE KLEINEN + + +Ich möcht euch alle miteinander +auf bunten Wiesen sehn, +bei Klarinetten und Geigen +die Füßchen im Tanze drehn. + +Ich möcht euch alle miteinander +mitnehmen im Fliegerkahn, +euch die schöne Erde zeigen, +und was fleißige Menschen getan. + +Ich möcht euch alle miteinander +still führen an der Hand, +euch heimliche Dinge sagen +von Gott und dem Sternenland. + + + + + +ERSTER TEIL + + + +WUNDERCHEN + + +Putzt die Fenster! fegt die Ecken! +Darf sich kein Staub, kein Krümel verstecken, +muß alles so blank wie Ostertag sein, +denn das Wunderchen zieht ein. +Zieht ein--schon stimmen die Englein die Geigen; +alle Könige werden sich neigen, +Hirten und Könige mit dem Stern +haben Wunderchen gern. + Wer soll Wunderchens Taufpate sein? +Sieben große Meister laden wir ein; +sieben große Helden mit Kron und Schalmein +sollen Wunderchens Taufpaten sein. + Und wer ist schnell + sein Spielgesell? +Da kommen gesprungen +die reizenden jungen +Wachholderweibchen und Fliedermännchen, +Taunixchen mit silbernen Wasserkännchen. +Aus Vogelnestern und Weidenkätzchen +gucken neugierige Schelmenmätzchen: + Wir lachen fein, + wir singen fein, +wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein! + + + +GEHT LEISE + + +Geht leise-- +es ist müd von der Reise. +Es kommt weit her: +vom Himmel übers Meer, +vom Meer den dunklen Weg ins Land, +bis es die kleine Wiege fand-- +Geht leise. + + + +WITTEWOLL SCHLAFEN + + +Auf der Leine, auf grünem Platz +hängen sieben Hemdchen und ein Latz; +im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt, +liegt mit großen Augen mein Kind-- +wittewoll schlafen? + +Henne macht sich ein Bett im Sand, +Fliege träumt an der Mauerwand, +Schmetterling sitzt in der Mittagsruh, +schaukelt die Flügel auf und zu-- +wittewoll schlafen? + +Suselesu, der Sonnenwind +bläst in die Augen dem müden Kind; +es will noch blinzeln--Spinnchen hält +den bunten Schleier vor die Welt-- +--wittewoll--schlafen-- -- + + + +FRÜHSTÜCK + + +So morgens um halb acht herum: +Rumpumpel macht das Mäulchen krumm. +Und keine fünf Minuten drauf +wacht Rumpumpel auf. + +Hu! kommt der kalte Badeschwamm, +Rumpumpel hält die Ohren stramm; +und schlägt die Ticke-Tacke acht, +wird ihm die Milch gebracht. + +Die schmeckt Rumpumpeln aber fein; +er patscht mit beiden Fäustchen drein +und trinkt und trinkt, bis alles leer. +Rumpumpelchen, das freut mich sehr: +morgen gibt's gut Wetter! + + + +SEEREISE + + +Pitsch--patsch--Badefaß, +Rumpumpel plantscht die Stube naß, +ist ein junger Wasserheld, +segelt durch die ganze Welt, +im Wipp--im Wapp--im Schaukelkahn +über den großen Ozean. +Stehn drüben alle Wilden still +und schrein: Was bloß Rumpumpel will? +so splitternackt und pitschenaß +in seinem kleinen Schaukelfaß? +Schnell das Badelaken! + + + +SO LALA + + +Steht ein Töpfchen rund und nett +unterm Bett, +so lala, so lala. +Reicht mir mal das Kindel her, +das braucht jetzt keine Windel mehr, +so lala, so lala. + +Rolle, rolle, ratteratt, +rollt ein Wagen durch die Stadt; +sind zwei blanke Pferdchen davor, +hinten drauf ein schwarzer Mohr. + +Horch, er hält vor unserm Haus; +steigen zwei feine Jungherren aus, +mit Federbarettchen +und goldenen Kettchen. +Schnell das Töpfchen unters Bettchen! + + + +MEIN WAGEN + + +Mein Wagen hat vier Räder, +vier Räder hat mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloß sagen. + +Mein Wagen hat 'ne Deichsel, +'ne Deichsel hat mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloß sagen. + +Mein Wagen hat ein Pferdchen, +ein Pferdchen hat mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloß sagen. + +Mein Wagen fahrt nach Potsdam, +nach Potsdam fährt mein Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +das wollt ich euch bloß sagen. + +Und wer mit mir nach Potsdam will, +in meinem neuen Wagen, +rolle, rolle, rummerjan, +der braucht es bloß zu sagen. + + + +KUTSCHER AUF DEM KNIE + + +Wagen im Wind. +Wie sitzt mein Kind? +Wie geht mein Pferd? +Alles verkehrt. +Holdriutsch-- +oben die Räder, unten die Kutsch! + +Wagen im Schnee. +Da guckt das Reh, +da schnuppert der Has +mit der wackligen Nas. +Holdriuff-- +da sitzt unser Kutscher wieder oben uff! + + + +EREIGNIS + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Hurra, zum ersten Mal: +Mutter, der Peter, +hurra, da steht er! +hält sich am Röckchen, +hält sich am Stöckchen, +grade wie 'n Licht, +fürchtet sich nicht. + +Hurra, zum ersten Mal: +Mutter, der Peter, +hurra, da geht er! +guck, ganz alleinechen +setzt er die Beinechen! +Aua, Geschrei-- +bautz!--vorbei. + + + +HEILSPRÜCHEL + + +Kra, kra, kalter Schnee, +dem Raben tut sein Beinchen weh, +dem Häsechen sein Herzchen; +die böse Zeit, die kalte Zeit, +ein jedes hat sein Schmerzchen. + +Heile, Fingerchen, heile, +es dauert noch 'ne Weile, +es dauert noch bis Rosmarein, +dann ist lauter Sonnenschein. + + + +SCHLIMME GESCHICHTE + + +Im Stall unser Schäfchen--bäht, +im Hof unser Hähnchen kräht, +und der Karo an der Kette +bellt mit Spitz um die Wette. +Auf'm Dach unser Kätzchen--maut, +und im Ententeich die Frösche, alle Frösche quaken laut: +Kinder, denkt euch den Schreck, +unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg. + + + +AUSTREIBUNG + + +Das kann doch nicht Rumpumpel sein? +So kann Rumpumpel doch nicht schrein? +Seelöwen sind in unserm Haus; +schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus. +Ich 'n Stock, +Du 'n Stock, +alle beide einen Stock. +Ei der Daus, +wollt ihr raus, +wollt ihr in euer Seelöwenhaus! + + + +WENN RUMPUMPEL BRUMMIG IST + + +Die Henne legt ein Ei, +da ging der Mond entzwei; +die Hälfte fiel nach Nuckenstadt +und schlug zwei große Brummer platt. + +Zwei große Brummer, brumm, +summten hier herum, +um Rumpumpels Kopf, +um Rumpumpels Bauch +und um sein dickes Näschen auch. + +Nun sind sie tot... Aber im Ei +pickt das Küken die Schale entzwei, +kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz-- +--ist der Mond wieder ganz. + + + +DER PUDDING + + +Rumpumpel will essen, +nun fix gebraten: +ein Kätzel, ein Spätzel +und sieben Soldaten. + +Das gibt einen Pudding +so groß wie ein Haus. +Zuletzt leckt Rumpumpel +die Kuchenschüssel aus. + + + +ZWEI MÄULCHEN + + +Winkele, wankele, +vor der Tür steht ein Bankele, +auf der Bank sitzt mein Kindele, +spielt mit mei'm Hündele, +winkele, wankele. + +Winkele, wankele, +ich hab ein Gedankele: +ein Äpfle fürs Kindele, +ein Knöchle fürs Hündele. +Dankele. + + + +MÜCKEBOLD + + +Mückchen, Mückchen, Dünnebein, +Mückchen, laß das Stechen sein, +Stechen tut ja weh! +Mückchen, Mückchen, weißt du was: +beiß doch in das grüne Gras, +beiß doch in den Klee! + + + +DAS SCHERCHEN + + +Schnipsel, schnipsel, Scherchen, +schneid mir ein Gewehrchen; +schieß ich mir ein Häschen tot, +brat's dem Kind zum Mittagbrot. +Die Schnitzel fliegen zum Fenster hinaus +durch den Sonnenschein in des Gärtners Haus; +der hat seine Freude dran, +oder guckt sie gar nicht an, +oder streut sie in den Wind, +oder schenkt sie seinem Kind-- +schnipsel, schnipsel, Scherchen-- -- + + + +GESCHICHTCHEN VOM WINDE + + + Wer kommt dort angeflogen? + Das ist der Wind. + Der Wind ist ungezogen, + er bläst dem Kind + unters Röckchen, + an die Söckchen, + um die Ohren, an die Nase; + solch Geblase! + + Ganz zerfleddert und zerzaust + kommt Rumpumpel angesaust; + und hustet + und prustet, + das arme Tröpfchen, + und steckt sein Köpfchen + in Mutters Schoß. + +Und weißt du, warum der Wind so getollt? +Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt. + + + +ANZIEHLIEDCHEN + + +Wer strampelt im Bettchen? +versteckt sich wie 'n Dieb? +Das ist der Rumpumpel, +den haben wir lieb. + +Was guckt da für 'n Näschen? +Ein Bübchen sitzt dran. +Das ist der Rumpumpel, +den ziehn wir jetzt an. + +Erst wird er gewaschen, +vom Kopf bis zur Zeh; +er weint nicht, er greint nicht, +denn es tut ja nicht weh. + +Schnell her mit dem Hemdchen: +da schlüpfen wir fein, +erst rechts und dann links, +in die Ärmelchen 'rein. + +Fix an noch die Strümpfchen, +fix an auch die Schuh; +kommts Händchen, schnürts Bändchen, +schon sind sie zu. + +Nun Leibchen und Höschen, +ein Röckchen kommt auch; +sonst friert dem Rumpumpel +sein kleiner runder Bauch. + +Das Kämmchen kämmt sachte, +aber still muß man stehn; +zuletzt noch das Kleidchen, +der Tausend, wie Schön! +Nun geht er und sagt: Guten Morgen. + + + +DAS LÄMMECHEN + + +In Wolfenbüttel wohnt ein Lamm, +das hat ganz schwarze Haare. +Meint ihr, es brauche einen Kamm? +I Gott bewahre! + +Aber mein Lämmechen +braucht ein Kämmechen, +braucht ein Schwämmechen, +läßt sich nix verdrießen; +setzt sein neues Käppechen auf, +will mal Koppkegel schießen. + + + +DIE WILDEN BEINCHEN + + +Guten Morgen, ihr Beinchen! +Wie heißt ihr denn? +Ich heiße Hampel, +ich heiße Strampel; +und das ist Füßchen Übermut, +und das ist Füßchen Tunichtgut. + +Übermut und Tunichtgut +gehn auf die Reise, +platsch, durch alle Sümpfe, +naß sind Schuh und Strümpfe; +guckt die Rute um die Eck-- +laufen sie alle beide weg. + + + +DER LUMPICHTE BU + + +Ka Strümpferl im Kasten, +ka Bänderl am Schuh, +ka Knöpferl am Wams-- +oh, der lumpichte Bu! + + + +TINTENHEINZ UND PLÄTSCHERLOTTCHEN + + +Heini, Heini, +ach, ist Heini dumm: +stippt mit allen Fingerchen +im Tintenfaß herum. + +Heini, Heini, +kleiner dummer Mohr: +stippt sich alle Fingerchen, +klecks, ins Ohr. + +Und unten am Brunnen, +da steht ein Faß, +da macht sich unsre Lotte +pitschepatschenaß. + +Und oben die Sonne +hat drüber gelacht +und hat unsre Lotte +wieder trocken gemacht. + + + +ES REGNET + + +Es regnet, es regnet +der Kuh auf den Schwanz; +es regnet, es regnet +der Braut in den Kranz. + +Es regnet, es regnet, +die Welt ist schon naß; +hol 's Töpfchen, +fang 's Tröpfchen, +dann sag ich dir was: + +Wäscht du die Nase, +bleibt sie fein grade. +Wäscht du das Mündchen, +bist du 'n lieb Kindchen. +Wäscht du aber die Augen schön, +kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn. + + + +TRÖSTERCHEN + + +Blümchen hängt das Köpfchen, +der Tau ist ihm zu schwer; +kommt der durstige Morgenwind, +trägt die Tropfen ins Meer. + +Spätzchen piepst und bettelt, +das Kröpfchen ist ihm leer; +Pferdchen hat die Krippe voll, +streut Körnerchen umher. + +Kindchen weint noch immer, +Böckchen stößt so sehr. +Schenkt ihm Mutter einen Kuß: +sieh mal, nun weint's nicht mehr. + + + +HÄSCHEN IN DER GRUBE + + +(mit Benutzung des Volkspiels) + + +Häschen in der Grube +saß und schlief, +kam der heilge Kuckdiguck +und bracht ihm einen Brief. + +Häschen, bist du müde +oder bist du krank? +Steck doch deine Läufer raus, +ob du noch hüpfen kannst. + +Und was stand geschrieben +in Kuckdiguckens Brief? +"Dem Kutscher, der nicht fahren kann, +geht der Wagen schief." + + + +HASENSPIEL + + +Hinter den Birken über den Rasen +huschen drei Hasen +an uns vorbei, +Springen über Busch und Dorn, +wollen ins junggrüne Winterkorn, +hocken da, +locken sich da, +laufen kreuz, +laufen quer, +hin und her, +als gäb's in der Welt keine Schrotflinte mehr. + +Warte, in der Weihnachtszeit +kommen die drei Hasen ins Haus geschneit. +Den größten verschicken wir, +den zweitgrößten spicken wir, +der kleinste kommt ins Hundehaus +und steckt hinten sein Schwänzchen raus. + + + +DREI BÄUMCHEN + + +Jung jung drei Bäumchen +wachsen im Wiesengras, +jung jung drei Bäumchen +sagen mir was. + +Das erste hat sich +so gequält, +hat alle seine siebentausend +Blättchen gezählt. + +Das zweite trägt Pfläumchen, +schlicker-schleckerfein; +hätt es deine Zähnchen, +es äße sie allein. + +Das dritte, das dritte +schüttelt sich bloß: +fallen lauter Blüten +in meinen Schoß. + +Sag ich schön Dank, +geh ich nach Haus, +mach ich Rumpumpeln +ein Kränzchen draus. + + + +SCHABERNACK + + +Wenn ich in die Stube geh +und den Rumpumpel seh, +tanzen wir zwei +Ringeldireih, +lachen wir, +machen wir +Schabernack, +Huckepack, +Kätzchen spielt den Dudelsack, +macht Rumpumpel Hottehüh +nach der alten Melodie: +Miau, miau, +dem Kater seine Frau, +dem Kater seine grisegrimme +gritzegraue Frau. + + + +AM ABEND + + +Still. +Was bloß das Kätzchen will? +Es streicht um meinen Schoß herum, +das Schwänzchen hoch, den Buckel krumm, +Still-- +und weißt du, was es will? + +Still. +Was bloß die Glucke will? +Sie lockt und lockt die kleine Brut +zum warmen Stall und deckt sie gut, +Still-- +und weißt du, was sie will? + +Still. +Was bloß Rumpumpel will? +Die Augen macht er schon ganz klein +und gähnt und will genommen sein, +still-- +nun weißt du, was er will. + + + +GUTENACHTLIEDCHEN + + +Leise, Peterle, leise, +der Mond geht auf die Reise; +er hat sein weißes Pferd gezäumt, +das geht so still, als ob es träumt, +leise, Peterle, leise. + +Stille, Peterle, stille, +der Mond hat eine Brille; +ein graues Wölkchen schob sich vor, +das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr, +stille, Peterle, stille. + +Träume, Peterle, träume, +der Mond guckt durch die Bäume; +ich glaube gar, nun bleibt er stehn, +um Peterle im Schlaf zu sehn-- +träume, Peterle, träume. + + + +FREUND HUSCH + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Husch, husch, husch, +ich schlüpfe aus dem Busch; +ich stecke mein Laternchen an, +ich zünde uns die Sternchen an, +husch. + +Husch, husch, husch, +ich putze meinen Busch. +Der Mond ist da, der Mond ist hell; +der Mond, der ist mein Spielgesell, +husch. + +Husch, husch, husch, +ich schüttel meinen Busch. +Die Kinderchen sind all zur Ruh, +ich schüttel ihnen Träume zu; +die haben wir vergangne Nacht, +der Mond und ich, uns ausgedacht, +husch, husch, husch, +im Busch. + + + +RUMPUMPELS GEBURTSTAG + + +Kräht der Hahn früh am Tage, +kräht laut, kräht weit: +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Guckt das Eichhörnchen runter: +Wenig Zeit, wenig Zeit! +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Kommt das Häschen gesprungen, +macht Männchen vor Freud: +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Steht der Kuchen auf dem Tische, +macht sich dick, macht sich breit: +Guten Morgen, Rumpumpel, +dein Geburtstag ist heut! + +Und Vater und Mutter, +alle Kinder, alle Leut +schrein: Hoch der Rumpumpel, +sein Geburtstag ist heut! + + + +MUTTERS GEBURTSTAG + + +Leises Klopfen an der Türe: +Kann ich 'rein, Mama? +Frisch gewaschen, frisch gebügelt +steht Rumpumpel da. +Rosen in beiden Händchen; +wie der Kerl sich freut! +Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen, +Mutti Burtstag heut. +Vater putzt die große Stube, +die ist mächtig schön. +Lauter Blumen! Und die Torte! +Komm, zu Vati gehn! + + + +RUMPUMPEL TANZT + + +Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt, +es blitzen seine Schuh; +der Kreisel und der Hampelmann +sehn verwundert zu. + +Der Kreisel pufft den Hampelmann: +guck, Hans, was sagst du nur? +der Junge tanzt, der Junge tanzt +und sitzt an keiner Schnur. + +Der Hampelmann zieht ein Gesicht +und schlenkert und sagt: puh, +auch eine Peitsche braucht er nicht, +tanzt doch so schön wie du. + +Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt, +die liebe Sonne scheint; +der Kreisel und der Hampelmann +sind sich spinnefeind. + + + +KREISELLIEDCHEN + + +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein +rundum, rundum, +kommt die dicke Marmelkugel, +rollt ihn um, rollt ihn um; +paß auf, Herr Dreidel! +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein +rundum, rundum, +pfeift der Wind aus einer Ecke, +pfeift ihn um, pfeift ihn um; +steh auf, Herr Dreidel! +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein, +peitsch di Hieb, peitsch di Hieb; +hopp hopp, wie springt das Brüderlein, +halt den Dieb, halt den Dieb, +heißa, Herr Dreidel! + + + +KONZERT + + +Musik, Musik, die Flöte kommt, +Rumpumpel tut's begreifen: +er horcht und hebt das Fingerchen, +fängt gleich an mitzupfeifen. + +Musik, Musik, die Geige kommt, +die Geige tut fein klingen; +Rumpumpel hebt das Fingerchen, +fängt leise an zu singen. + +Musik, Musik, der Brummbaß kommt, +ganz deutlich hört man's summen; +Rumpumpel hebt das Fingerchen, +tut wie 'ne Hummel brummen. + +Das gibt ein herrliches Konzert, +ihr Kinder, kommt, ich bitte! +Drei Kirschen kost't der erste Platz, +und eine kost't die Mitte. + +Hinten herum ist alles frei, +großmütig sind wir heute; +der Mohr, der Spitz, der Hampelmann +sind gar zu arme Leute. + + + +DIE ERSTEN HÖSCHEN + + +Der Schneidermeister Piekenich +ist ein geschickter Mann, +er kommt und mißt dem Peterle +die ersten Hosen an. + +Er nimmt sein Buch und Metermaß, +schreibt sich die Zahlen auf; +und wenn der Bub nicht stille steht, +kriegt er eins hinten drauf. + +"Du lieber Meister Piekenich, +mach die Hosen recht schön! +Ich will ja unter den Linden +damit spazieren gehn. + +Und alle kleinen Jungens +gucken nach mir hin +und sehn an meinen Höschen, +daß ich auch ein Junge bin." + + + +DER KLEINE SÜNDER + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Gestern lief der Peter weg, +spinnefix verstohlen. +Setzt sich Mutter den Bänderhut auf: +wart, ich will dich holen. +Sausepeter, +Flausepeter, +kleiner Sünder, wo bist du? + +Hahnematz steht auf der Wiese, +"Kiek ins Grüne" kräht er; +sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter? +Bummelpeter, +Schummelpeter, +kleiner Sünder, wo bist du? + +Wie sie sich im Garten umguckt, +ist er nicht zu sehen, +bleibt sie neben dem Spargelbeet +unterm Pflaumbaum stehen. +Aber Peter, +nirgends steht er; +kleiner Sünder, wo bist du? + +Hört sie etwas lachen, horch +oben aus dem Baume; +sitzt der Peter seelenvergnügt, +pflückt sich eine Pflaume. +Wirft ein Steinchen, +schwenkt die Beinchen, +wupptich--: Mutter, da bin ich! + + + +FLUTSCHPETER + + +Flutschpeter lief nie gradeaus; +ja, und warum? Er lief +getreulich seiner Nase nach, +und die, ja die war--schief. + + + +DIE TROMMELPARTIE + + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt das Kätzchen +Mausemätzchen, +das will mit. + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt das Hündchen +Belleinstündchen, +das will mit. + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt das Schweinchen +Rosenfeinchen, +das will mit. + +Rumpumpel macht 'ne Landpartie, +er trommelt: wer will mit? +Kommt der Bär +Brummesehr, +der will mit. + +So geht's im Trab, +bergauf, bergab, +durch Dünn und Dick, +durch Schlamm und Schlick; +Rumpumpel schlägt die Trommel. + +Das Kätzchen maut, +das Hündchen bellt, +das Schweinchen quiekt, +der Bär brummt: was 'ne dumme Welt! +Rumpumpel schlägt die Trommel. + + + +RUMPELREIM + + +Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus, +Ride-bide-Bummstock ließ sie wieder raus; +Ride-bide-Bummstock, du bist dumm, +die Mäuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um. + + + +DAS KARNICKEL + + +Hans Wackelohr, Hans Wackelohr, +was bist du heut so still? +Sieh her, ich habe Kohl für dich, +sitz doch nicht gar so feierlich! +Hans Wackelohr, Hans Wackelohr, +wie kommst du mir heut vor! + +Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut, +ist dir dein Haus zu eng? +Ein Weilchen darfst du aus dem Stall, +bloß friß mir nicht die Knospen all! +Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut, +bist mir nun wieder gut? + + + +LEKTION + + +Hühner, wollt ihr wohl artig sein! +hübsch langsam essen und nicht so schrein! +Müßt ihr denn immer zanken und beißen? +euch um jedes Körnchen reißen? +Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier, +du ißt ja für vier. +Weg! hörst du nicht? du sollst dich trollen! +Die niedlichen kleinen Küken wollen +auch mal heran an das schöne Futter. +Wenn du nicht hörst, sag ich's der Mutter; +die fängt dich ein und macht dich tot, +dann essen wir dich zum Mittagbrot. + + + +LIED DES HÜHNCHENS + + + Tuck--tuck--heut ist Regentag, + und ich muß mich plagen; + kratze schon acht Stunden, tuck, + und noch knurrt mein Magen. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck die Enten, tuck die Enten, + Enten sind doch Narren; + gehn ins Wasser, tuck ins Wasser, + als könnte man da scharren. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Pferde, tuck tuck tuck, und Kühe + haben große Köpfe, + aber keine Kröpfe, tuck; + traurige Geschöpfe! +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck, wie war der Hahn galant, + suchte mir manch Krümchen; + heute geht er, tuck tuck tuck, + mit Cochinchina-Mühmchen. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck, du fetter Regenwurm, + dich muß ich noch ergattern; + schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck, + Muhmen und Gevattern! +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +hab noch immer nicht genug. + + Tuck, wär ich doch endlich satt, + tuck, das wär ein Segen; + muß Rumpumpeln, tuck tuck tuck, + sein Frühstücks-Ei noch legen. +Tuck tuck tuck, pick und schluck, +ach, wann hat man wohl genug? + + + +SO SIEHT UNSRE WIRTSCHAFT AUS + + +Unser Müller hat ein Mühlenhaus, +mi-ma-Mühlenhaus, +kommt Korn hinein und Mehl heraus, +mi-ma-Mehl heraus; +Mühlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unser Bäcker, der backt weiße Wecken, +wi-wa-weiße Wecken, +und braunes Brot und Streußelschnecken, +stri-stra-Streußelschnecken; +weiße Wecken, Streußelschnecken, +Mühlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unser Schlächter schlacht't ein feistes Schwein, +fi-fa-feistes Schwein, +und pökelt Wurst und Schinken ein, +schi-scha-Schinken ein; +feistes Schwein, Schinken ein, +weiße Wecken, Streußelschnecken, +Mühlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh, +bi-ba-bunte Kuh, +die gibt uns Milch und Butter dazu, +bi-ba-Butter dazu; +bunte Kuh, Butter dazu, +feistes Schwein, Schinken ein, +weiße Wecken, Streußelschnecken, +Mühlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + +Unsre Henne macht ein laut Geschrei, +li-la-laut Geschrei, +und legt dabei ein frisches Ei, +fri-fra-frisches Ei; +frisches Ei, laut Geschrei, +bunte Kuh, Butter dazu, +feistes Schwein, Schinken ein, +weiße Wecken, Streußelschnecken, +Mühlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. +[Transkriptions-Notiz: Fehlendes "aus" hinzugefügt.] + +Rumpumpel ist ein kluges Kind, +kli-kla-kluges Kind, +das fragt nicht viel und ißt geschwind, +i-a-ißt geschwind; +kluges Kind, ißt geschwind, +frisches Ei, laut Geschrei, +bunte Kuh, Butter dazu, +feistes Schwein, Schinken ein, +weiße Wecken, Streußelschnecken, +Mühlenhaus, Mehl heraus, +so sieht unsre Wirtschaft aus. + + + + + +ZWEITER TEIL + + + +DAS HAUS + + +Ich bau, ich bau ein steinern Haus; +vorne guckt ein Esel raus, +hinten eine Kuh, +muh. + + + +MIT TROMMEL UND TRAB + + +Sitzen zwei alte Weiber im Sand, +spinnen viel feine Fäden über Land, +über Bäume, +über Zäune, +um Stoppel und Dorn, +immer von vorn. + +Für wen sitzen die alten Weiber im Sand, +spinnen viel feine Fäden über Land? +Für Wildbub Kraushaar, +kommt alle hundert Jahr +mit Trommel und Trab +vom Himmel herab, +reißt alle Fäden auf einmal ab, +macht sich ein'n Mützenpuschel draus +und lacht die alten Weiber aus. + + + +SIEBENSCHLÄFER + + +Ihr Siebenschläfer in den Höhlen, +reckt euch, streckt euch, aufgewacht! +Der Frühling leuchtet in den Himmel +nach einer einzigen warmen Nacht. + +Schnell, schüttelt eure grauen Zotteln, +und blinzelt in das blaue Licht; +Herrgott, wer wird so langsam trotteln, +ich lauf voraus, ich warte nicht. + +Die Amsel übt schon ihre Lieder, +ich pfeif sie nach, ich sing sie auch; +und denkt euch nur, der blaue Flieder +hat Knospen, und der Haselstrauch. + +Der Teckel bellt vor lauter Wonne +und wühlt die frische Erde um-- +Na? seid ihr noch nicht in der Sonne, +ihr Siebenschläfer faul und dumm? + + + +OSTERLIED + + +Has, Has, Osterhas, +wir möchten nicht mehr warten. +Der Krokus und das Tausendschön, +Vergißmeinnicht und Tulpen stehn +schon lang in unserm Garten. + +Has, Has, Osterhas, +mit deinen bunten Eiern. +Der Star lugt aus dem Kasten aus, +Blühkätzchen sitzen um sein Haus; +wann kommst du Frühling feiern? + +Has, Has, Osterhas, +ich wünsche mir das Beste: +ein großes Ei, ein kleines Ei +und ein lustiges Dideldumdei, +alles in einem Neste. + + + +MAIWUNDER + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Maikönig kommt gefahren, +in seinem grüngoldnen Wagen, +mit Saus und Gesinge. +Seine Zügel sind Sonnenstrahlen, +große blaue Schmetterlinge +ziehn ihn über Busch und Bach, +daß die weißen Blütenglocken +in seinen Locken +schwingen und springen, +und Hans guckt ihm nach +und hört sein Lied: +wer zieht mit? zieht mit? + +Kommt das Maienweibchen, +trägt ein weißes Kleidchen, +trägt ein grünes Kränzchen, +sagt zu unserm Hänschen: +Eia, Hans, +komm zum Tanz! +Einen Schritt Frau Nixe, +einen Schritt Herr Nix, +Ringeldireih, Ringeldireih, +Dienerchen, +Knix! + + + +HANSEL UND GRETEL + + +Hansel und Gretel stehen zu zwein, +der Hansel ist grob, +und die Gretel ist fein, +der Hansel ist dick, +und die Gretel ist dünn, +der Hansel ist aus Birkenholz, +die Gretel ist aus Zinn. +Heißa, juchheißa, wer wird nun König? +Was der eine zu viel hat, hat der andre zu wenig. + + + +PRINZESSCHEN + + +Wer tanzt mit mir? +wer spielt mit mir? +ich bin so sehr allein. +Kam da der gelbe Sonnenstrahl: +Ich tanze Tippel-huschemal, +willst du meine Tänzerin sein? + +Wer tanzt mit mir? +wer spielt mit mir? +der Sonnenstrahl ist zu fein. +Kam da der wilde Pustewind: +Heidih, ich spiele Wegefind, +lauf doch, fang mich ein! + +Wer tanzt mit mir? +wer spielt mit mir? +der Wind macht mein Krönchen entzwei. +Kam da unser brauner Junge an, +macht 'nen Diener wie 'n Edelmann: +Prinzeß, ich bin so frei. + + + +DAS GROSSE LOCH + + +Das große Loch, +wie kam es doch +in Gretens neuen Schuh? +Die ganzen Zehn +sind ja zu sehn; +wer macht das Loch uns zu? + +Drüben hinterm Rathaus +hängt ein großes Schild raus, +goldner Stiefel drauf. +Da wohnt der Schuster Firlefanz, +der macht dein Schuhchen wieder ganz; +lauf, Grete, lauf! + + + +ZWEI GESELLEN + + +Es tanzen zwei Gesellen + hier herum; +der eine, der ist klug, +und der andre, der ist dumm. +Der eine liegt im Grase, +der andre sitzt am Tisch; +der eine kaut den Kanten, +der andre ißt den Fisch + ißt den Fisch. + +Es tanzen zwei Gesellen + hier herum; +der eine, der ist grad, +und der andre, der ist krumm. +Der eine, der bleibt mager, +der andre, der wird fett; +der eine kommt an'n Galgen, +der andre stirbt im Bett. + Je nun, je nun, + was ist dabei zu tun. + + + +WENN'S PFINGSTEN REGNET + + +Oben aus dem Fahnenhaus +guckt das schwarze Wettermännchen raus, +spreizt die Beine und grinst uns an; +schäme dich, alter Wettermann! +Am Ostersonntag, vor sieben Wochen, +hast du dem Fritze fest versprochen, +daß zu Pfingsten, im Monat Mai, +das allerschönste Wetter sei. +Und nun regnet's, liebe Not, +alle hellen Blüten tot; +sie liegen da wie nasser Schnee. +Auf den Wegen steht See an See; +ja, wenn wir noch drin baden könnten, +wie die Spatzen oder die Enten. +Wir dürfen aber gar nicht raus, +sehn so mucksch wie Maulwürfe aus; +röche nicht der Kuchen so lecker her, +wüßte man gar nicht, daß Feiertag wär. +Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an; +Schäme dich, schwarzer Wettermann! + + + +EINE HÜHNERGESCHICHTE + + +Vor der Laube kräht der Hahn, +ein rot-schwarz-gelb und grüner: +Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch, +fix, kommt fix, ihr Hühner! + +Seht die Hennen, +wie sie rennen, +aus Verstecken, +über Zäune, über Hecken, +gackern, beißen sich und schrein, +jede will die erste sein. +Wie sie fliegen, wie sie flattern, +um ein Plätzchen zu ergattern. +Oben auf des Tisches Mitte +steht Herr Hahn: +Bitte, meine Damen, bitte, +fangt nur an! +Pick und schluck, +nicht genug, +immer mehr +Kuchen her! +Unser Kropf +ist ein Topf, +wird nicht voll, +wird nicht leer, +darum mehr +Kuchen her, +bis der Teller leckeleer! + +Drüben aus des Gärtners Haus +guckt der kleine Fritz und lacht: +Ei, wie sah das lustig aus, +das haben die Hühner klug gemacht. + + + +MARIEKEN UND DIE KÜKEN + + +Marie, Marei, Marieken +mit deinen sieben Küken, +was willst du tun? + +"Die alte Kluckenmutter ist tot, +nun frieren die Kinder und finden kein Brot; +ich will sie pflegen." + +Marie, Marei, Marieken +mit deinen sieben Küken, +was hast du im Sack? + +"Kartoffelmus und Hirsekern, +das essen meine Kinderchen gern, +das streu ich ihnen." + +Marie, Marei, Marieken, +gib mir eins von deinen Küken, +du hast noch genug. + +"Wenn ich meine Kinder verschenken tät, +müßt ich weinen von früh bis spät, +daß sollst du wissen." + +Marie, Marei, Marieken, +Zu Hühnern werden die Küken; +was machst du dann? + +"Und werden hübsch bunt und werden groß, +fliegen mir alle um Kopf und Schoß, +hei, alle sieben!" + + + +KINDERKÜCHE + + +Marie-Marei will Braten machen, +hat keine Pfanne; +nimmt sie sich die Schiefertafel +von klein Schwester Hanne. +Hat sie eine Pfanne. + +Marie-Marei will Braten machen, +hat keine Butter; +borgt sie beim Kanarienvogel +rasch ein bißchen Futter. +Hat sie Butter. + +Marie-Marei will Braten machen, +hat keine Kohlen; +vor der Tür blüht roter Mohn, +geht sie den sich holen. +Hat sie Kohlen. + +Marie-Marei will Braten machen, +fehlt noch das Gänschen; +nimmt sie sich die Pudelmütze +von klein Bruder Fränzchen. +Hat sies Gänschen. + +Hei, mit diesen Wunderdingen +muß der Braten wohlgelingen; +bitte zu Tisch! + + + +ESSENSREGELN + + +Spitzt das Ohr und merkt euch still, +was die gute Sitte will! +Wer die schöne Form erfaßt, +ist ein gern gesehner Gast; +wer sich frech und plump beträgt, +wird ohne Besen hinausgefegt. + + +--1-- + +Ein Kind soll nicht vorher von Speisen naschen, +soll Mund und Hände sich sauber waschen, +sich erst setzen, wenn die andern sitzen, +das Mäulchen bei Tisch nicht zum Pfeifen spitzen, +nicht plappern, wenn große Leute sprechen, +das Brot nicht zerkrümeln, zerkneten, nur Bissen abbrechen. + + +--2-- + +Rückt immer den Stuhl so dicht heran, +daß Löffel und Gabel zum Munde kann, +ohne das Tischtuch zu betrippen; +und schließt beim Kauen hübsch die Lippen! +Turnen beim Essen, das will nicht passen; +also die Ellbogen hübsch unten lassen! + + +--3-- + +Nicht gierig stopfen! langsam essen! +auch keinen Rest auf dem Teller vergessen! +Nicht wie Hunde oder Katzen +schlecken, schlürfen, schnaufen, schmatzen! +Nicht kichern und nicht heimlich fragen, +und immer schön bitte und danke sagen! + + +--4-- + +Seid ihr beim Essen und trinkt dazwischen, +sollt ihr zuvor die Lippen wischen. +Kartoffeln und Fisch mit Stahlmessern schneiden, +das wird ein Mensch, der Geschmack hat, vermeiden. +Brot nimmt man zuhilfe, wenn Fischmesser fehlen; +auch Obst soll man nicht mit Stahlklingen schälen. + + +--6-- + +Wer stochert in den Zähnen, +nicht unterdrückt das Gähnen, +das Messer in den Mund steckt, +Gabel und Teller ableckt, +zuviel packt auf den Löffel, +gilt als Flegel und Töffel. + + + +DIE BÖSE MIES + + +Es war einmal ein Kätzchen, +ein allerliebstes Frätzchen. +Es hatte das Mamsellchen +ein seidenweiches Fellchen +und einen Bart ums Schnäuzchen +und Augen wie ein Käuzchen. +Es machte gern den Rücken krumm +und brachte viele Mäuse um, +dann schlich es auf die Ofenbank +und leckte sich die Pfoten blank. + +Einst aber, oh das Kätzchen, +was tut das liebe Frätzchen? +Einst stand auf unserm Tische +ein Teller Bratenfische. +Hopp, ist das Kätzchen oben: +die Fische muß ich loben. +So denkt es sich und sitzt und schmaust, +doch Mutterchen kommt angesaust, +und gibt dem Naschmamsellchen +--na warte--eins aufs Fellchen. + +Nein, unser Miesekätzchen +war gar kein liebes Frätzchen: +los auf die gute Mutter, +und durch das Ärmelfutter +--kratz--in den Ellenbogen! +War das nicht ungezogen? +Dann lief es voller Wut hinaus +und kam erst abends spät nach Haus, +und schlich sich auf die Ofenbank +und leckte sich die Pfoten blank. + + + +POTTKIEKER + + +Mutti, Mutti, was ist denn da drin? + "Hoppel-poppel-Appelreis, + mach dich weg, Naseweis, + kann dich hier nicht brauchen, + der Ofen tut rauchen, + muß Spähne suchen, + sonst brennt der Kuchen, + muß Gänse schlachten, + in sechs Wochen ist Weihnachten." + +Mutti, Mutti, wo soll ich denn hin? + "Ei, tanz mit dem Schimmel, + bohr Löcher in den Himmel, + lehr die Katz das Alphabet, + sieh nach, ob sich der Kirchturm dreht, + oder lauf ans Ende der Welt, + paß auf, daß keiner runter fällt, + marsch!" + + + +DER REITERSMANN + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Schimmel, willst du laufen, +will ich uns was kaufen. +Heißa, lauf nach Mexiko, +da kaufe ich dir Bohnenstroh; +laufe nach der Mongolei, +da kauf ich mir ein Osterei, +hopp! + +Eile, Schimmel, eile, +oder du kriegst Keile. +Hoppßa, lauf nach Hindostan, +da kaufe ich mir Marzipan; +laufe nach Kap Morgenrot, +da kauf ich dir ein Dreierbrot, +burr! + + + +DAS RICHTIGE PFERD + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd! +Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert, +es hat so steife Beine, +es stampft nicht, frißt nicht, wiehert nicht, +und macht solch ledernes Gesicht, +und weiß nicht, was ich meine. + +Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd, +ein wirklich richtiges Pferd beschert, +dann reit ich über die Brücke, +und reite durch den Kiefernforst +nach Vehlefanz und Haselhorst +und noch fünf große Stücke. + +Dann bin ich mitten in der Welt, +da such ich mir ein Haberfeld +und lasse mein Pferdchen grasen. +Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt, +wo der Riese den Regenbogen hält, +und--schick euch 'ne Ansichtspostkarte. + + + +DER KLEINE REKRUT + + +Ich hab einen Helm aus Packpapier, +mit einem Federbusche; +der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf +mit schwarz-weiß-roter Tusche. + +Einen hölzernen Säbel hab ich auch, +mit einem richtgen Griffe; +wenn nur der Scherenschleifer käm, +daß er ihn endlich schliffe! + +Meine Mutter ist 'ne gute Frau, +die schenkt mir einen Dukaten, +dann kauf ich mir ein Schießgewehr, +geh unter die Soldaten. + + + +DER HAUPTMANN + + +Ich bin der Hauptmann, +ihr die Soldaten; +immer gehorsam, +das will ich euch raten, +hört ihr! + +Eins, zwei, immer hinterher, +eins, zwei, schultert das Gewehr, +marsch! + +Seht euch nicht um, +seht euch nicht an, +immer hübsch stramm, +Mann hinter Mann, +halt! + +Eins, zwei, immer hinterher, +eins, zwei, schultert das Gewehr, +marsch! + + + +ABZÄHLREIM + + +Rechts, links, über Eck, +die Henne legt die Eier weg, +legt sie in ein Bündel Stroh, +irgendwie, irgendwo; +kommt der Marder Wagemut, +jagt die Henne von der Brut, +rechts, links, über Eck-- +ein Küken hat--er--weg. + + + +FRAGEFRITZE UND DIE PLAPPERTASCHE + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Fritz, ich möcht den Spaten haben. +"Mutterchen, warum?" +Möchte eine Grube graben. +"Mutterchen, warum?" + +Möchte drin ein Bäumchen pflanzen. +"Mutterchen, warum?" +Wird mein Fritze drunter tanzen. +"Mutterchen, warum?" + +Wird das Bäumchen Kirschen tragen. +"Mutterchen, warum?" +Ei, du mußt die Spatzen fragen, +die sind nicht so dumm!-- + +Kommt die kleine Plappertasche: +"Mutterchen, nicht wahr, +ich bin klüger als der Fritze, +bin schon bald sechs Jahr. + +"Mutterchen, nicht wahr, der Fritze +ist ein Schaf, o je! +Ich kann schon bis zwanzig zählen +und das A-B-C." + +I, du kleine Plappertasche, +laß den Fritz in Ruh. +Plappertasche, wische wasche, +halt das Mäulchen zu. + +Übermorgen in vier Wochen +kommt der Weihnachtsmann; +wenn du dann noch immer plapperst, +was bekommst du dann? + +Einen großen Maulkorb!-- + + + +PLAPPERMÜNDCHEN + + +In Leipzig wohnt ein Bäckermeister, +Hans-back-die-Semmeln-größer heißt er; +Seine Mutter, die Frau Meisterin, +zieht den Teig wer weiß wie dünn, +rollt ihn mit der Mangel aus, +macht sieben bucklige Bretzeln draus, +drei für den Vater, +drei für die Mutter, +eine für unser Plappermündchen, +dann schweigt's vielleicht ein Viertelstündchen. + + + +PUPPENDOKTOR + + +Lieber Doktor Pillermann, +guck dir bloß mein Püppchen an. +Drei Tage hat es nichts gegessen, +hat immer so stumm dagesessen, +es will nicht einmal Zuckerbrot, +die Arme hängen ihr wie tot. +Ach, lieber Doktor, sag mir ehrlich, +ist diese Krankheit sehr gefährlich? + +Madam, Sie ängstigen sich noch krank; +der Puls geht ruhig, Gott sei Dank. +Doch darf sie nicht im Zimmer sitzen, +sie muß zu Bett und tüchtig schwitzen; +drei Kiebitzeier gebt ihr ein, +dann wird es morgen besser sein. +Empfehle mich. + + + +KLEINER EINKAUF + + +Guten Tag, guten Tag, liebe Grünkramfrau, +Gemüse will ich kaufen, +ich bin mit meinem Henkelkorb +extra hergelaufen; +auch schöne frische Eier will ich, +hoffentlich sind sie heute billig. + +Die Schoten hier gefallen mir, +zuckersüße Kerne; +auch von den Rübchen möchte ich +ein halbes Liter gerne. +Kohlrüben? lieben wir nicht sehr; +doch zeigen Sie mal die Pflaumen her! + +Davon will ich fünf Litermaß, +haufenvoll gemessen! +weil meine Kinderchen zu Haus +alle gern Pflaumen essen. +Geld schick ich Ihnen morgen her; +ich denke doch, es eilt nicht sehr, +ich hab es grad vergessen. + + + +VATERS GEBURTSTAG + + +Schnell, schnell, Besen, +feg die Stube rein; +wenn Väterchen zum Kaffee kommt, +muß alles sauber sein. + +Wisch, wisch, Lappen, +über Stuhl und Schrank; +wenn Väterchen zum Kaffee kommt, +sind sie blitzeblank. + +Blüh, blüh, Blume, +blüh recht frisch; +wenn Väterchen zum Kaffee kommt, +Stehst du auf dem Tisch. + +Herz-Herz-Muttchen, +schnell das neue Kleid; +bis Väterchen zum Kaffee kommt, +ist nur noch wenig Zeit. + +Tick, tick, Uhrchen, +renn doch nicht so fix; +wenn Väterchen zum Kaffee kommt, +mach ich meinen Knix. + +Fertig, alles fertig, +der Kuchen auch ist da; +der Kaffee kommt, der Vater kommt, +mein Verschen kann ich ja: +"Heut ist dein Geburtstag!" + + + +DAS HIMMELSPRINZESSCHEN + + +Ich bin das Himmelsprinzeßchen, +habe Flügel von blauem Duft, +ich schlafe im Wolkenbettchen +und bade in Licht und Luft. +Mir gehört die silberne Schaukel +hoch oben im Himmelssaal; +wenn die goldenen Seile schwingen, +blitzt es unten im Tal. + +Der alte Wetterriese +donnert und schilt mich aus, +ich flitze über die Sterne +und lache den Brummbart aus. +Die Mirlamein vom Monde +webt meine Kleider und Schuh, +die gute Mutter Sonne +gibt goldne Spangen dazu. + +Der liebe Gott hat mich gerne, +ich bin sein liebes Kind; +er nimmt uns auf die Kniee, +mich und den Frühlingswind. + +Des Abends sitzen wir stille +bei Mirlamein im Zelt +und spinnen Wünsche und Träume +und streuen sie über die Welt. + + + +WINDFREUDE + + +Wenn der Wind über Wiesen und Felder rennt, +renn ich mit; +da denk ich, daß ich fliegen kann, +und guck mir lustig die Vögel an, +susewitt, susewitt. + +Wenn der Wind durch die Sträucher und Bäume fegt, +feg ich mit; +die Blütenkätzchen feg ich zu Hauf +und setz mir vom Ahorn ein Nasenhütchen auf, +susewitt, susewitt. + +Wenn der Wind durch die Turmlöcher singt und pfeift, +pfeif ich mit; +sein Jodler wird mir gar nicht schwer, +und den Brummbaß lern ich nebenher, +susewitt, susewitt. + + + +LIED VOM MONDE + + +Wind, Wind, sause, +der Mond ist nicht zu Hause; +er ist wohl hinter den Berg gegangen, +will vielleicht eine Sternschnuppe fangen, +Wind, Wind, sause. + +Stern, Stern, scheine, +der Mond, der ist noch kleine; +er hat die Sichel in der Hand, +er mäht das Gras am Himmelsrand, +Stern, Stern, scheine. + +Singe, Vogel, singe, +der Mond ist guter Dinge; +er steckt den halben Taler raus, +das sieht blank und lustig aus, +singe, Vogel, singe. + +Und hell wird's, immer heller; +der Mond, der hat 'nen Teller, +mit allerfeinstem Silbersand, +den streut er über Meer und Land, +und hell wird's, immer heller. + + + +WEIHNACHTSSCHNEE + + +Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf, +es riecht nach Weihnachtstorten; +Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd +und backt die feinsten Sorten. + +Ihr Kinder, sperrt die Augen auf, +sonst nehmt den Operngucker: +die große Himmelsbüchse, seht, +tut Ruprecht ganz voll Zucker. + +Er streut--die Kuchen sind schon voll-- +er streut--na, das wird munter: +er schüttelt die Büchse und streut und streut +den ganzen Zucker runter. + +Ihr Kinder, sperrt die Mäulchen auf, +schnell! Zucker schneit es heute! +Fangt auf, holt Schüsseln!--Ihr glaubt es nicht? +Ihr seid ungläubige Leute! + + + +KNECHT RUPRECHT IN NÖTEN + + +Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart +und rückt zurecht die Brille: +Ihr Engelskinder, lärmt nicht so, +seid mal ein bißchen stille! +Kommt, rückt hübsch artig zu mir ran, +seht euch mal das Bestellbuch an! + +Was steht hier auf dem ersten Blatt? +was auf dem zweiten, dritten? +was steht am Ende von dem Buch? +was steht hier in der Mitten?--: +Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr, +Schick uns doch mal das Luftschiff her! + +Hans möchte nach Amerika, +und Fritz zu Tante Lotte, +Kurt durch die Luft zu Großpapa, +Marie zum lieben Gotte; +Georg will bloß nach Neuruppin +mit Zeppelin, mit Zeppelin. + +Ach Zeppelin, du Zaubermann, +'s ist aus der Haut zu fahren, +das ganze liebe kleine Pack +will bloß noch Luftschiff fahren; +dein Fahrzeug ist ja viel zu klein, +da gehn nicht alle Kinder 'rein. + +Ihr Engelskinder, helft mir doch +in meinen Weihnachtsnöten, +baut mir ein Luftschiff riesengroß +mit hunderttaufend Böten, +laßt lustig die Propeller gehn, +da sollt ihr mal die Freude sehn! + +Hurra, schreit da die Engelschar, +wir helfen alle, alle. +Nach dreien Tagen, blitzeblank, +stehts Luftschiff in der Halle. +Dank schön, sagt Ruprecht, fährt hinab, +holt alle Jungs und Mädels ab +zur Flugfahrt durch die Welten. +Ob sie sich nicht erkälten? + + + +FROHE BOTSCHAFT + + +Früh, eh ich's konnt begreifen, +hört ich schon etwas pfeifen, +hört ich Schon etwas brummen, +wie tausend Bienen summen. + Was ist denn los? Ach ja: + der Weihnachtsmann ist da! + +Die Raben und die Spatzen, +sie müssen's weiterschwatzen; +in alle Häuser dringt es, +von allen Glocken klingt es. + Was läuten sie? O ja: + der Weihnachtsmann ist da! + +Mit seinem braven Esel +zieht er von Thorn bis Wesel; +wo Mädels sind und Buben, +tritt er in ihre Stuben +und langt aus Sack und Taschen +zum Spielen was und Naschen. + Wo habt ihr's her? Na ja: + der Weihnachtsmann war da! + + + +DER LIEBE WEIHNACHTSMANN + + +(von Paula und Richard Dehmel) + + +Der Esel, der Esel, +wo kommt der Esel her? +Von Wesel, von Wesel, +er will ans schwarze Meer. + +Wer hat denn, wer hat denn +den Esel so bepackt? +Knecht Ruprecht, Knecht Ruprecht +mit seinem Klappersack. + +Mit Nüssen, mit Äpfeln, +mit Spielzeug allerlei, +und Kuchen, ja Kuchen +aus seiner Bäckerei. + +Wo bäckt denn, wo bäckt denn +Knecht Ruprecht seine Speis? +In Island, in Island, +drum ist sein Bart so weiß. + +Die Rute, die Rute +hat er dabei verbrannt; +heut sind die Kinder artig +im ganzen deutschen Land. + +Ach Ruprecht, ach Ruprecht, +du lieber Weihnachtsmann: +komm auch zu mir mit deinem +Sack heran! + + + +SANKT NIKLAS' AUSZUG + + +Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus, +klopft seine lange Pfeife aus +und sagt zur heiligen Kathrein: +Öl mir die Wasserstiefel ein, +bitte hol auch den Knotenstock +vom Boden und den Fuchspelzrock, +die Mütze lege oben drauf, +und schütte dem Esel tüchtig auf, +halt auch sein Sattelzeug bereit; +wir reisen, es ist Weihnachtszeit. +Und daß ich's nicht vergeß, ein Loch +ist vorn im Sack, das stopfe noch! +Ich geh derweil zu Gottes Sohn +und hol mir meine Instruktion. + +Die heilige Käthe, sanft und still, +tut alles, was Sankt Niklas will. +Der klopft indes beim Herrgott an, +Sankt Peter hat ihm aufgetan +und sagt: Grüß Gott! wie schaut's denn aus? +und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus. + +Da sitzen die Englein an langen Tischen, +ab und zu Feen dazwischen, +die den kleinsten zeigen, wie's zu machen, +und weben und kleben die niedlichsten Sachen, +hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern, +fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern, +packen die Schachteln, binden sie zu +und haben so glühende Bäckchen wie Du. +Herr Jesus sitzt an seinem Pult +und schreibt mit Liebe und Geduld +eine lange Liste. Potz Element, +wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt! +Die sollen die schönen Engelsgaben +zu Weihnachten haben. + +Was fertig ist, wird eingesackt +und auf das Eselchen gepackt. +Sankt Niklas zieht sich recht warm an; +Kinder, er ist ein alter Mann, +und es fängt tüchtig an zu schnein, +da muß er schon vorsichtig sein. + +So geht es durch die Wälder im Schritt, +manch Tannenbäumchen nimmt er mit; +und wo er wandert, bleibt im Schnee +manch Futterkörnchen für Hase und Reh. +Aus Haus und Hütte strahlt es hell, +da hebt er dem Esel den Sack vom Fell, +macht leise alle Türen auf, +jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf: +Sankt Niklas, Sankt Niklas, +was hast du gebracht? +was haben die Englein +für uns gemacht? +"Schön Ding, gut Ding, +aus dem himmlischen Haus; +langt in den Sack! holt euch was raus!" + + + +BESCHEIDENE FRAGE + + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +bringst du der flinken Grete was? +Sie ist fast immer artig gewesen, +hat fleißig in ihrer Fibel gelesen, +kann das große H schon ganz richtig schreiben, +wird Ostern gewiß nicht sitzen bleiben; + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du ihr was? + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +bringst du dem dicken Peterle was? +Er ist noch zu klein, um zur Schule zu gehn, +aber beten kann er schon wunderschön: +"Lieber Dott, mach alle Menßen dut, +nimm alle unter deinen Hut'" + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du ihm was? + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +bringst du der kleinen Lene was? +Sie gehört der armen Flick-Marie +und hat schon lange ein schlimmes Knie; +zum Spielen kommt sie gar nicht mehr raus, +sieht immer so blaß und ängstlich aus. + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du ihr was? + +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, +ich wünsch mir selber auch noch was: +möcht in der Weihnacht mit dir gehn, +mir all die fröhlichen Kinder besehn, +wie sie tanzen und tuten, knabbern und schlucken +und am strahlenden Christbaum die Wunder angucken. + Sankt Nikolas, Sankt Nikolas, + schenkst du mir das? + + + + + +DRITTER TEIL + + + +WIDMUNG + + +Klänge wachsen auf den Wegen +im Gebüsch, im jungen Grün; +alle meine Melodien +möchte ich mit leisem Segen +abends auf dein Kissen legen. + +Wilde Blumen, seltne Früchte: +was der reife Sommer bringt, +möcht ich in dein Zimmer tragen, +sollst mir keine Antwort sagen-- +Still--der Traum versinkt--verklingt. + + + +SONNE + + +Sonne scheint draußen und scheint in die Stube, +unten am Boden kugelt mein Bube, +greift nach den schimmernden, flimmernden Stäubchen; +ich sitze am Fenster und nähe ein Häubchen, +ein ganz kleines Häubchen aus weißem Batist. +Ob's wohl ein Mädel ist?-- +Und hat's _seine_ Augen, _seinen_ trotzfrohen Sinn, +dann weiß kein Mensch, wie glücklich ich bin! +Bloß Er--Er--sein liebes Gesicht-- -- +"Na, Bub? Hast du die Sonne noch nicht?"-- + + + +MARIENLIED + + +Maria herzt ihr Kindlein +und küßt sein rotes Mündlein; +sie weiß es nicht, +daß einst zu Golgatha +sein Kreuz wird aufgericht't. + +Der Wind mit Blumendüften +tut des Kindes Härlein lüften; +nicht weiß der Wind, +daß einst zu Golgatha +unschuldig Blut verrinnt. + +Sein Lämmlein kommt gesprungen, +spielt um den holden Jungen; +sieht nicht von fern, +daß man zu Golgatha +einst höhnt den lieben Herrn. + +Ihr sorgend Mutterherzen +müßt es fein still verschmerzen; +ihr wißt es nicht, +wann eurem teuren Kindlein +sein Kreuz wird aufgericht't. + + + +KORSISCHES WIEGENLIED + + +Schlafe, mein kleiner Wildling, +du schlankes Reis, schlaf ein; +draußen im Mondschein die Pappel +sieht auf dein Bett herein. + +Träume, mein heißer Wildling; +was ballst du die kleine Faust? +Kühl geht der Wind durchs Fenster, +die hohe Pappel braust. + +Wachse, mein trotziger Wildling, +wachse dich hoch und frei, +horch auf die herrischen Stürme +und des Adlers stolzen Schrei! + +Räche mich, Sohn meiner Wildheit, +räche den Mutterleib, +Schärfe den Dolch und töte, +töte das fremde Weib! + + + +KÖNIGSKIND + + +--1-- + +Schlafe ruhig, Königskind; +wie im Traume singt der Wind, +schweigend sitzt der Mond zu Haus, +gießt die weißen Strahlen aus, +gießt sie über das weite Land, +über Wald und Hügelwand. + +Taube gurrt im dunklen Laub, +Käfer surrt und fliegt auf Raub, +Fischlein steht im Wasser still, +weiß nicht, ob es schwimmen will. +Was dir auch das Leben spinnt: +träume, Königskind! + + +--2-- + +Ein Vogel flog aus dem Heimatland, +er flog wohl sieben Tage lang +über fremde Wälder und Seen; +da wurden ihm die Flügel lahm, +und als er ans große Wasser kam, +konnt er nicht weiter. + +Ein Mägdlein mußte von Hause fort, +in ein fernes Land an fremden Ort, +so bang und alleine. +Die Mutter gab ihr drei Tropfen Blut: +Tochter, liebe Tochter, wahre sie gut, +sonst trifft dich ein Unheil. + +Das Vöglein fiel aus der Höh herab, +brach die Flügel beide und fand sein Grab +im öden Lande; +das Mägdlein verlor der Mutter Blut, +verlor den Weg und verlor den Mut +und irrt in der Fremde. + + +--3-- + +Waldtaube saß gefangen, +Kuruh, das Vögelein, +wohl hinter Gitter und Stangen; +da ließ das Köpflein hangen +Kuruh das Vögelein. + +Waldtaube saß am Gitter, +Kuruh, das Vögelein, +da kam ein blauer Ritter, +ein Falke an ihr Gitter: +Kuruh, mein Vögelein. + +Und bist du auch gefangen, +Kuruh, mein Vögelein, +meine Liebe zerbricht die Stangen, +zu dir will ich gelangen, +Kuruh, mein Vögelein. + +Mit seinen starken Fängen +tat er das Gitter aufzwängen, +Kuruh, mein Vögelein. +Sie breiteten aus die Flügel, +flogen weithin über die Hügel, +grad in die Sonne hinein, +Kuruh, mein Vögelein. + + + +HEIMWEH + + +Quellchen geht in den Rauschebach, +Bach geht in den Fluß, +Fluß geht vorbei am Elternhaus, +Mütterchen hört seinen Gruß; +grüße mir, Quellchen, grüße mir fein +Vater und Mutter, vergiß es nicht, nein? + +Vater pfeift seinem Hühnerhund, +Mutter sorgt für den Herd, +Schwesterchen gießt ihre Tausendschön, +Bruder zäumt sich sein Pferd; +grüße mir, Quellchen, ich bin so allein, +Bruder und Schwester, vergiß es nicht, nein? + + + +ELFENREIGEN + + + Eia, wir Elfen, + wir kommen und helfen, + eh du's gedacht, Kind, eh du's gedacht. + Wir kommen + im frommen + Geleuchte der Nacht, + Gewänder + und Bänder + vom Monde erdacht; + wir schweben + und heben + im Reigenspiel sacht + die Schleier + zur Feier + der freundlichen Nacht. + Eia, wir reichen + uns schmeichelnd die weichen + Hände im gleichen + lieblichen Takt, im lieblichen Takt. + Wir gleiten + durch Weiten + der wandernden Welt, + wie ziehende + fliehende + Nebel im Feld; + wir lauschen, + dem Rauschen + der Quellen gesellt, + und schauen + die blauen + Gefilde bestellt. + Eia, wir zeigen + im silbernen Reigen + mit Nicken und Neigen +die Zauber der Welt, die Zauber der Welt. + + + +WIEGENMÄRCHEN + + +Des Mondes Tochter, Mirlamein, +kam in die warme Welt herein, +sie kam aus ihres Vaters Haus +auf einer weißen Fledermaus. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Da saß Prinzessin Mirlamein +auf einem großen weißen Stein +mitten in blühender Heide +in ihrem milchweißen Kleide. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +In ihren Händen bleich und fein +hielt sie die Flöte aus Elfenbein; +sie blies--das klang so hell und hold, +als ob ein Engel uns trösten wollt. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Gleich stecken alle Vögelein +den Kopf in die Flügel und schlummern ein, +die Hirsche und Rehe im tiefen Wald +suchen ihr Lager und schlafen bald. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Glühwürmchen löscht das Lämpchen aus, +fliegt müde in sein Blätterhaus, +die Tauben gurren im Schlaf kuruh, +mein Kind macht auch die Augen zu. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + +Die Flöte verklingt. Vom Heidestein +wehen die Schleier der Mirlamein, +Sie winkt der weißen Fledermaus +und fliegt zum stillen Mond nach Haus. +Mirlama, Mirlamein, +schlaf ein. + + + +TRAUMBALLADE + + +Traumkönig geht durch bleiches Land, +rings grüßen ihn verstohlen +die braunen Nachtviolen; +Marlenchen geht an seiner Hand, +Marlenchen, jung Marlenchen. + +Traumkönig geht an den Rosmarinstrauch, +da brennen die Lebenskerzen, +sie brennen mit roten Herzen; +Marlenchen fühlt ihren heißen Hauch, +Marlenchen, jung Marlenchen. + +Traumkönig geht am See entlang, +die Wasserelfen singen +ein Lied von kühlen Dingen; +Marlenchen überkommt es bang, +Marlenchen, jung Marlenchen. + +Traumkönig geht mit leisem Schritt +hinein in die weichen Wellen, +die silbern im Mond aufquellen; +Marlenchen geht in die Tiefe mit, +Marlenchen, jung Marlenchen. + + + +MUTTER HULE + + +(nach einer alten Volksdichtung) + + +Die alte Mutter Hule +kann reisen ohne Geld: +sie setzt sich auf den Gänserich +und reitet durch die Welt. + +Die alte Mutter Hule, +die hat im Wald ein Haus; +der Uhu sitzt als Wächter davor, +läßt niemand 'rein und 'raus. + +Frau Hulens Sohn heißt Michel, +der ist nicht grad, nicht krumm; +am Sonntag ist er manchmal klug +und Montags manchmal dumm. + +Sie schickte ihn zum Markte, +da kauft er sich 'ne Gans; +die flatterte und schnatterte +und wippte mit dem Schwanz. + +Frau Hule holt den Ganter; +wie liebten sie sich gleich! +Sie fraßen zusammen aus einem Napf +und schwammen in einem Teich. + +Des Morgens in der Frühe +fand Michel ein großes Ei; +das hatte die liebe Gans gelegt, +der Gänserich stand dabei. + +Der Michel lief zur Hule: +guck, was ich dir gebracht, +ein goldnes Ei. Die Hule sagt: +das hast du brav gemacht. + +Der Michel trug's zu Markte, +drei Dukaten wollt er haben; +der Jud wollt bloß die Hälfte geben, +da schmiß er ihn in'n Graben. + +Er ging am Schloß vorüber, +da stand ein Fräulein lilienschön; +dem Michel schwoll das Herze, +er blieb ein bißchen bei ihr stehn. + +Der Jude und ein Ritter +fielen über Michel her +von vorne und von hinten, +da schrie der Michel sehr. + +Die alte Mutter Hule +flog über Prag und Wien, +verwandelt ihren Michel schnell +in einen Harlekin. + +Und auch das Fräulein rührte sie +mit ihrem Flederwisch, +da stand ein Kolombinchen da +mit Backen rot und frisch. + +Wo blieb das goldne Ei, huchjee? +Das rollte weit ins Meer. +Der Michel zog die Stiefel aus +und sockte hinterher. + +Die alte Mutter Hule +sattelt hui die große Gans +und flog damit zum roten Mond, +denn da war Fastnachtstanz. + + + +EIN SINGSANG VOM RHEINE + + +Herr Steuermann, Herr Steuermann, +leg an der Brück von Köllen an! +Ein Schifflein kommt gefahren +wohl über den grünen Rhein. +Was hat das Schiff geladen? + Ei, roten Wein, + ei, weißen Wein, +den hat das Schiff geladen. + +Zu Köllen an der Brücke, +da tagt der hohe Rat am Rhein. +Was wollen die Herren trinken? + Ei, roten Wein, + ei, weißen Wein, +den wollen die Herren trinken. + +Ein Schifflein kommt gefahren +wohl über den grünen Rhein. +Was hat das Schiff geladen? + Ei, blonde Jüngferlein, + ei, braune Jüngferlein, +die hat das Schiff geladen. + +Zu Köllen an der Brücke, +da tagt der hohe Rat am Rhein. +Wen wollen die Herren küssen? + Ei, blonde Jüngferlein, + ei, braune Jüngferlein, +die wollen die Herren küssen. + +Herr Steuermann, Herr Steuermann, +leg an der Brück von Köllen an! + + + +BADEBALLADE + + +Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß +badeten im Teiche, +strampelten, tauchten, +plantschten und fauchten; + --hell lachte die alte Eiche. + +Murrian Knurr, der Pudelhund, +kam vorbei am Teiche, +erhob ein Geschrei: Herbei! Polizei! +da baden zwei, nackend und frei! + --hell lachte die alte Eiche. + +Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß +sprangen aus dem Teiche, +faßten Murrian am Kopf, an Schwanz und Zopf, +seiften ihn ein, trotz Bellen und Schrein, + --hell lachte die alte Eiche. + +Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß +baden wieder im Teiche, +hampeln und strampeln, spritzen und tauchen, +patschen und plantschen, prusten und fauchen, + --hell lacht die alte Eiche. + + + +DER TEUFEL UND DIE KATZ + + +(nach Schwinds Bildern) + + +Ein Kätzlein ging einst jagen, +welch schöne Katz, welch feine Katz; +an einer Kirchhofsmauer, +da lag sie auf der Lauer +und fing sich einen Ratz. + +"Ach Kätzlein, laß mich leben, +du schöne Katz, du feine Katz; +will dienen deinem Willen, +jed Wünschlein dir erfüllen +als dein getreuer Schatz." + +Das Kätzlein ließ sich rühren, +die schöne Katz, die feine Katz; +sie ließ die Ratte leben, +tat ihr ein Laternchen geben, +zu leuchten bei der Hatz. + +"Ich tu dir wacker helfen, +du schöne Katz, du feine Katz; +brauchst bloß die Öhrlein spitzen, +da laufen aus Spalt und Ritzen +Langschwänze auf den Platz." + +Der Ratz ward groß und größer-- +"Du schöne Katz, du feine Katz, +wir wollen beid spazieren, +am Arm will ich dich führen +als dein getreuer Schatz. + +Dein Schwänzlein will ich kämmen, +ei schöne Katz, ei feine Katz!" +Er rupft sie zum Erbarmen, +kein Mauen hilft der armen, +vor Schmerz tut sie 'nen Satz. + +Hätt ich dich doch gefressen, +ich gute Katz, ich feine Katz; +ein Untier bist du worden, +wirst mich gewiß noch morden, +du Ungetüm von Ratz. + +Er sprang ihr auf den Rücken: +"Hei, Schöne Katz, hei, feine Katz, +jetzt habe _ich_ zu sagen, +mußt mich als Reiter tragen +auch ohne Zaum und Latz. + +Jetzt fahren wir zur Hölle, +du schöne Katz, du feine Katz; +heidi, ein Katzenbraten +wird dem Teufel schon geraten, +ich schür den Ofen, Schatz." + + + +DER ESEL UND DIE LÖWENHAUT + + +(nach der Fabel von Hans Sachs) + + +Ein Müllersmann aus Oberwesel +hatt 'nen gewitzten jungen Esel; +der weidete auf grünem Gras +und dachte sich so dies und das, +wollt für sein Leben gern auf Erden +was Bessers als ein Esel werden. +Da fand er--und sein Herz schlug schnell-- +ein unversehrtes Löwenfell. +Er kriecht hinein, es paßt ihm gut, +er fühlt auch gleich des Löwen Mut +und denkt mit innerstem Behagen: +nun brauchst du nicht mehr Säcke tragen. +Stolz trabt er durch den Wald daher, +tut ganz, als ob ein Leu er wär, +schüttelt die Mähne, schlägt mit dem Schweif +und setzt die Tatzen breit und steif. +Das Häslein spitzt das lange Ohr, +die Sache kommt ihm kitzlig vor, +es springt hinweg; das Rehlein auch. +Wie freut sich da der eitle Gauch! +Und als der Müller, der ihn sieht +von weitem, auch erschrocken flieht, +kann er vor Wonne kaum sich fassen, +muß laut sein I-A tönen lassen. +Da merkt der Müller, wen er hat, +prügelt den Esel mürb und matt +und schimpft ihn aus: du dummes Vieh! +zum Löwen wird ein Esel nie; +du hast mich mit dem Fell genarrt, +das sollst du büßen, Esel, wart! +und schlägt und pufft ihn immer mehr. +Der Esel hängt die Ohren sehr, +als so sein Meister ihn verbläut; +sein Hochmut hat ihn recht gereut, +wollt fürder Säcke tapfer tragen, +nie mehr nach Löwenhäuten fragen. + + + +EIN SPATZENGESPRÄCH + + +Ich war in Fez durch die Buden gewandelt +und hatte einen Ring erhandelt +mit einem seltsam geschliffenen Stein; +sollte der Ring König Salomos sein. +Wer ihn besäße, verstünde sofort +zahlreicher Tiere Geberde und Wort, +könnte das Gras beim Wachsen belauschen, +hörte Musik aus den Quellen rauschen, +verstünde die Sprache von Baum und Stein, +müßte aber ein Sonntagskind sein. +Nun, ich war zu meinem Frommen +Beim Glockenläuten auf die Welt gekommen, +nahm meinen Ring, bezahlte bar, +und--war jetzt klüger, als ich war. + +Fröhlich ging ich zur Stadt hinaus, +wußte da ein einsames Bauernhaus, +warf mich glatt in die Frühlingsruh, +kaute Halme und pfiff dazu, +dachte an dies und dachte an das, +wie so gedeihlich aus Ernst und Spaß +die Welt sich verbastelt zum Gottgetriebe, +dachte an Glauben, dachte an Liebe, +und wie hellauf über Zacken und Kanten, +trotz Pflichten, Gesetzen und alten Tanten, +das Leben in neue Blüten schießt, +in die der Saft der Zeit sich ergießt. +Dachte und dachte, eiferbeflissen, +glaubte den Weg aller Wege zu wissen, +genau der Länge nach und der Breite, +der die Welt zum Heile geleite; +dachte-- --was man so buntes denkt, +wenn über einem die Sonne hängt. + +Neben mir blühte lichtblauer Flieder; +ein Spatzenpärlein ließ sich drin nieder, +die plusterten zärtlich die dicken Hälschen, +zogen sich Federchen aus den Pelzchen, +sahen recht verliebt darein, +mußten wohl jung verheiratet sein. +Doch das Schweigen währte nicht lange, +bald war eine Unterhaltung im Gange; +ja, mein Ring kam mir trefflich zustatten, +deutlich verstand ich das Plaudern der Gatten +und durfte mit Vergnügen ermessen, +sie hatten höhere Interessen. + +"Männe," sagte das Spatzenfrauchen +und rückte näher an ihr Grauchen, +"du bist so klug vom vielen Reisen, +könntst mich ein wenig unterweisen. +Sag mir doch, was die Menschen wollen, +wenn sie die Erde in dicken Schollen +aufwerfen; nie kriegen sie genug +von ihrem Getue mit Spaten und Pflug." +"Hm," sagte der Spatzmann mit Bedacht, +nachdem er ein Weilchen nachgedacht, +"Hm, in der Erde gibt's schöne Dinge, +Zum Beispiel Käfer und Engerlinge, +die werden sie brauchen zu Schmaus und Festen +und werden damit ihre Jungen mästen. +Auch Körner graben sie sehr gescheit +in den Boden ein; und wenn's friert und schneit, +und es ist Futtermangel im Haus, +graben sie alle wieder aus." + +"Du bist doch der gescheiteste Spatz," +sagte die Spätzin, "mein trautester Schatz. +Doch noch was andres wollt ich dich fragen, +du kannst mir sicherlich auch sagen, +warum die Sonne morgens aufsteht +und abends wieder untergeht; +ich habe mir seit vielen Wochen +umsonst darüber den Kopf zerbrochen." +Der Spatz putzt sich den Schnabel und spricht: +"Kleines Närrchen, das weißt du nicht? +Wie sollten wir Vögel anders wissen, +wann wir morgens ausfliegen müssen? +Die Sonne ist da, um uns zu wecken +und abends uns wieder ins Nest zu stecken." + +"Ja, ja, nun wird mir alles klar," +sagte das Weibchen; "ganz offenbar +hast du da recht. Doch in der Nacht +der Mond? für wen ist der gemacht?" +"Der Mond? Ach, nenn mir den Falschen nicht; +der hält es mit dem Katzengezücht, +lockt Marder und Eulen auf unsre Brut, +drum hass' ich ihn mit aller Wut." +Und zornig sträubt der kleine Mann +die Federn und sieht sein Weibchen an. +Das drängt sich an ihn, zärtlich, dicht, +glättet ihm die Daunen an Hals und Gesicht +und flüstert erschrocken: "Du hast ja recht, +der meint es gewiß mit uns Vögeln schlecht; +nie nenn ich ihn wieder. Doch sag mir, du Bester, +ob nicht auch in der Menschen Nester +die Sonne Licht und Wärme bringt, +daß alles früh aufsteht und singt?" + +"Nein, Kind, für _uns_ ist die Sonne gemacht, +uns bringt sie Tag, uns bringt sie Nacht. +Die Menschen haben in ihren Zimmern +ihre eignen Sonnen, ich sah sie flimmern. +Als ich mal nachts, aus dem Schlaf geschreckt, +an ein Fenster stieß, hab ich's entdeckt: +sie machen bloß knips, dann haben sie Licht, +die brauchen unsre Sonne nicht." + +Das Spatzenfrauchen schien ganz beglückt +von so viel Klugheit und sah entzückt +ihr Männchen an: "Du bist ein Genie, +und weißt auch sicher, warum und wie +die Menschen in ihren Steinhäusern kleben +und nicht so frei wie wir Vögel leben?" + +Das Spätzchen guckte ein wenig ins Land, +hatte aber die Antwort schnell bei der Hand: +"Vor Mardern und Eulen und Katzengetier +sind sie in den Häusern viel sichrer als wir, +und, was der wichtigste Grund von allen, +kein Junges kann aus dem Neste fallen. +Ja, ja, die Menschen haben Geist, +sind auch den Vögeln gefällig meist, +haben sie doch von Land zu Land +lauter feste Drähte gespannt, +damit unsre Wandrer scharenweise +sich ausruhn können auf der Reise. +Auch Versammlungen werden von Jungen und Alten +im Herbste darauf abgehalten; +wir sind ihnen wirklich zu Dank verpflichtet, +so praktisch haben sie's eingerichtet." + +"Glaub's schon, die Menschen sind recht klug, +aber noch immer nicht klug genug," +sagte das Weibchen; "was würden sie geben, +könnten sie frei in den Lüften schweben, +doch sind sie zu ungeschickt zum Fliegen +und werden niemals Flügel kriegen." + +"Bloß mit den dicken seidenen Bällen +steigen sie manchmal tausend Ellen," +lachte das Männchen; "was nur die tollen +Leute bei uns in den Lüften wollen? +Jetzt baun sie sogar allerhand Gestelle +und rasen herum mit Windesschnelle. +Auch der Dompfaff lachte neulich +und meinte, er fände die Dinger abscheulich; +sinnlos wär dies Gefliege und Rattern, +kein Mücklein könnt man dabei ergattern. +Ernsthaft sitzen sie in dem Kahn +und gucken die Welt durch Röhren an; +es ist wirklich lachhaft mitanzusehn. +Komm, Schatz, wir wollen zu Bette gehn; +für heute hast du genug profitiert, +morgen wird wieder ein Stündchen doziert." +Eine Weile noch plusterte da was rum, +dann waren die Plappermäulchen stumm. + +Ich aber ging übers stille Feld; +so malt sich in Spatzenköpfen die Welt, +dacht ich und lächelte überlegen. +Da hört ich's in den Lüften sich regen, +eine alte Esche rief mir zu: +"Wieviel ist der Spatz denn beschränkter als du? +Seid ihr Menschen nicht auch allesamt +zu solchen unwissenden Tierlein verdammt, +die das große Warum und das ewige Wie +mit ihrer täppischen Kindsphantasie +zu begreifen suchen? Dürft ihr vertraun +dem Funken in euch und aufwärts schaun? +Sind eure stolzesten Grübler und eifrigsten Späher +der Gottheit nur um ein Strichelchen näher?" +So sprach die Esche. Ich sah in die Weiten, +sacht fühlt' ich den Ring mir vom Finger gleiten, +scheu blickt' ich hin--er war verschwunden, +und niemals hab ich ihn wiedergefunden. + + + +DREI KOBOLDSTREICHE + + +Fixfax der arge Kobold spricht: +die Langeweile bekommt mir nicht, +ich will in lustigen Abenteuern +den alten Koboldruhm erneuern, +denn geht's den Menschen allzu glatt, +wird ihre Seele stumpf und matt. +Drum will ich sie in diesen Tagen +ein wenig necken, ein wenig plagen; +ein Kobold will doch auch mal lachen, +sich über die Menschlein lustig machen, +die den Kern aller Dinge glauben zu kennen +und sich so leicht die Finger verbrennen. +Drum, Fixfax, auf zu keckem Wagen, +stör ein bißchen ihr Wohlbehagen, +brauchst sie ja nicht ins Unglück zu hetzen, +ihnen bloß ein paar sanfte Püffe versetzen. + + +ERSTER STREICH + +Ei, wie strömen Wohlgerüche +aus Frau Puffkes Wirtschaftsküche, +denn für hungrige Soldaten +will sie grad ein Ferkel braten; +alles ist schon gut bereit +und die Essenszeit nicht weit. +Fixfax nun, das muntre Mätzchen, +klettert hurtig wie ein Kätzchen +hoch hinauf zu Schornsteins Rand, +setzt sich listig und gewandt +mitten auf das Loch da, schwapp, +und nun zieht der Rauch nicht ab; +rückwärts strömt er in die Küche, +weg sind alle Wohlgerüche, +und Frau Puffke steht und hustet, +krebsrot im Gesicht, und prustet, +kann dem dicken Rauch nicht wehren, +sich die Sache nicht erklären. +Rennt zum Schornsteinfeger Krause, +aber der ist nicht zu Hause; +niemand weiß, wo Krause schweift, +und Frau Puffke steht und keift, +denn die Uhr läuft immer weiter. +Endlich kommt er mit der Leiter, +um den Schaden zu ergründen, +doch er kann durchaus nichts finden; +denn der Fixfax, wohlbedacht, +hat sich aus dem Staub gemacht, +und Herr Krause mit dem Besen +brummt, die Sonne sei's gewesen. +Vier Uhr schlug's, als die Soldaten +endlich kriegten ihren Braten. + + +ZWEITER STREICH + +Vor dem Spiegel, kerzengrad, +steht Herr Amtsvorsteher Plath; +tadellos und mit Geschmack +sitzt die Hose und der Frack, +ausgezeichnet auch die glatte +blütenweiße Taftkrawatte, +Kragen, Vorhemd, _comme il faut_, +und Herr Plath ist seelenfroh. +Langt noch sorglich aus dem Schrank +den Zylinder blitzeblank; +nimmt dann Stock und Handschuh munter, +steigt voll Stolz die Treppe runter, +denn er ist heut eingeladen +Zum Empfang bei ihrer Gnaden +der Prinzessin Schneckenstein, +und das hebt ihm Brust und Bein. +Fixfax aber dachte gleich: +wart, dir spiel ich einen Streich. +Auf den Taubenboden geht er +und nach losen Federn späht er, +sammelt allen Flaum ins Säckchen, +bläst verschmitzt das ganze Päckchen +über Plathens neuen Frack +und auf seinen _Chapeau-claque_. +Plath sieht ganz befiedert aus, +doch er ahnt nichts von dem Graus, +steuert durch die Nacht geschwind, +denkt bloß: was für'n arger Wind! +tritt mit Würde in den Saal, +Alle lachen--o Skandal! +Bis er endlich sich besieht +und geknickt von dannen flieht. +Draußen denkt er ärgerlich: +So ein Pech, das hab nur ich! + + +DRITTER STREICH + +Auf des Sofas weichem Grunde +schlummert sanft mit offnem Munde +Pastor Pfannkuch. Nur die Fliegen +summen sich was zum Vergnügen, +sonst ist's muckstill. Fast erledigt +liegt der Text der Sonntagspredigt +auf dem Schreibtisch. Sonnenfleckchen +spielen in den Zimmereckchen; +nichts bedroht den tiefen Frieden, +der dem frommen Mann beschieden. +Doch da stiehlt sich in die Stube +Fixfax, dieser lose Bube, +kichert, fängt ein Dutzend Fliegen, +die sind hier sehr rasch zu kriegen, +tunkt sie in das Tintenfaß, +bis sie gänzlich schwarz und naß, +läßt sie dann gleich wieder fliegen +und entfernt sich mit Vergnügen. +Nach 'nem Weilchen, ach Herrjee, +kommt Frau Pastor mit dem Tee, +ruft voll Abscheu, Schreck und Graus: +Berthold! Mensch, wie siehst du aus! +bist ja wie'n Idiot beschmiert, +Backen, Nase, schwarz karriert! +Himmel, auch die neue Predigt +ist beschmudelt und beschädigt, +und auf meinen weißen Deckchen +grinsen lauter Tintenfleckchen! +Mann, wie hast du das getan? +Und sie sehn sich grübelnd an... + +Fixfax aber, auf der Wacht, +sitzt im Mauseloch und lacht +sich ins Fäustchen ohne Reue, +und--gebt Acht--er wird sich neue +Schelmentaten ausklabuntern, +um uns Menschen aufzumuntern. + + + +SPUK + + +(nach alten Mustern) + + +Der Bauer schläft im Hirsekraut; +wer fährt dem Bauer sein Heu nach Haus? +Der rote Mond guckt übern Strauch, +der Bauer schläft und wacht nicht auf. + +Wer fährt dem Bauer sein Heu nach Haus? +Aus ihrem Loche lugt die Maus, +der Fuchs schleicht sacht aus seinem Bau; +der Bauer träumt und wacht nicht auf. + +Der Mond scheint hell und hoch herauf, +der Marder schleicht durchs fahle Laub, +die Eulen huschen schwarz und grau; +der Bauer stöhnt, doch wacht nicht auf. + +Husch, horch: Wer trippelt und trappelt zu Hauf? +Wer spannt die müden Gäule aus? +Die Gäule wissen den Weg nach Haus; +der Bauer schläft im Hirsekraut. + +Wer kichert in des Wagens Bauch? +Wohin rollen die Räder ohne Ruck, ohne Laut? +Wer hält sie an am Garten, am Zaun? +Wer fuhr dem Bauer sein Heu nach Haus? + +Der kommt verstört beim Morgengraun: +O Frau, mein Heu! O Frau, mein Traum! +Die Frau führt lachend ihn zum Zaun, +da zupft die Ziege vom Wagen das Kraut. + +"Schlaf andermal nicht und sei nicht faul, +wenn der Vollmond steigt übern Berg herauf; +die Kobolde fuhren dein Heu nach Haus, +jetzt geh und leg ihnen Speck und Kraut." + + + +DER MÄRCHENKÖNIG UND SEIN TÖCHTERLEIN + + +Herbei, ihr kleinen Wichte, +Kobold, Alraun und Wurzelmann, +schafft hunderttausend Lichte +und putzt damit die Bäume an! +Bis in die höchsten Spitzen +soll Licht bei Lichtlein blitzen. + +Der Mond und alle Sterne +sind doch bloß blasser Himmelsschaum; +mein Töchterlein will gerne +den ganzen Wald zum Weihnachtsbaum. +Drum macht, wie ich euch sage, +die Nacht zum hellen Tage! + +Der Märchenkönig spricht's. Im Nu +geht's an ein Lichterkneten; +kein einziger sieht müßig zu, +gönnt kaum sich Zeit zum Beten. +Und als die Heilige Nacht heran, +zünden sie alle Kerzen an. + +Hei, war das ein Gestrahle, +ein Leuchten, flimmern, überhell, +als brach mit einem Male +von Fels zu Fels ein Feuerquell. +Auf Zweig und Äste blicken +die Bäume mit Entzücken. + +Der Meister führt sein Töchterlein +durch diese Weihnachtspracht. +Sie schreitet wie im Sonnenschein, +fühlt Kälte nicht noch Nacht, +und flüstert traumverloren: +Die Liebe ward geboren. + +Da rauschte durch die Weiten +dies wundersame Wort, +in Erd- und Himmelsbreiten +pflanzt es sich heilig fort. +Mit hunderttausend Kerzen +glüht's heut in allen Herzen, +klingt's heut durch alle Ohren: +Die Liebe ist geboren! + + + +WEIHNACHTSGANG + + +Es war zur lieben Weihnachtszeit, +die Wälder lagen tief verschneit, +im Acker schlief in guter Ruh +das Korn und träumte dem Frühling zu, +die Winternachmittagssonne stand +wie ein gelber Fleck an weißer Wand-- +da schritt ich hinaus in die blinkende Weite +und summte ein Lied mir zum Geleite. + +Wie ich so ging auf stillen Wegen, +kam mir ein seltsamer Zug entgegen. +Ein Eselchen ganz vollgesackt +mit Schachteln und allerhand Kram bepackt, +Schritt langsam durch die Felderruh; +Sein Führer rief ihm bisweilen zu, +es war ein Alter in weißem Haar, +mit Runzelgesicht und sonderbar +altmodischem Pelzwerk, sonst gut bei Kräften, +die Füße staken in hohen Schäften +und kamen munter mit Hott und Hüh +grad auf mich zu samt dem Eselsvieh. +Potz Blitz, fällt mir auf einmal ein, +das muß doch der Gottesknecht Ruprecht sein. +Ich blicke scharf in das bärtge Gesicht: +"Grüß Gott, mein Alter, kennst du mich nicht? +Ich hab doch oft dein Loblied gesungen, +und all die Mädels und all die Jungen, +die noch an Mutters Rockzipfel hängen +oder sich auf den Schulbänken drängen, +kennen dich wie ihre großen Zehen, +doch hat wohl noch niemand dich draußen gesehen. +Sonst kamst du immer auf heimlichen Wegen +uns erst in der heimlichen Stube entgegen +mit Sack und Pack und netten Geschenken; +was soll ich, Weihnachtsmann, von dir denken? +Da stehst du nun mit Haut und Haar, +bist nicht ein bißchen unsichtbar, +wie es dir zukommt."--"So ist meine Art," +brummte der Alte und strich sich den Bart, +"ich denke mir gern Überraschungen aus, +für diesmal mach ich's außerm Haus; +komm mit, da sollst du was erleben, +das wird ein Extra-Vergnügen geben." +"Topp," rief ich, "Alter, ich bin dabei, +ich höre gern lustiges Kindergeschrei." + +So schritten wir rüstig zur Stadt. Am Tor +langte Ruprecht ein hölzernes Pfeifchen hervor +und blies. Wie konnte der Alte pfeifen! +Jetzt lernt ich den Rattenfänger begreifen: +aus allen Straßen, aus Tür und Tor +--mir klingt der Lärm noch immer im Ohr-- +mit Jubeln und Lachen, in bunten Haufen +kamen wohl hundert Kinder gelaufen. +Sie tanzten um Ruprecht, bettelten, baten, +eins um 'ne Kutsche, eins um Soldaten, +eins um ein Püppchen, eins um ein Büchlein, +eins um ein Rößlein, eins um ein Tüchlein, +und Ruprecht langte in seinen Sack +und gab, was es wünschte, dem kleinen Pack. +Ja, jedes Kind durfte etwas erlangen; +aber die übermütigen Rangen +schrien durcheinander und wollten mehr, +kletterten über das Eselchen her, +zupften den Ruprecht an Bart und Kragen, +wollten ihm gar die Säcke wegtragen. +Da wurde es aber dem Alten zu bunt, +er nahm sein Zauberpfeifchen, und-- +schrill kam ein Ton. Wie erschraken sie doch. +Sie wurden ganz kleinlaut, man hörte nur noch: +"Komm, Fritzchen--Hans, laß doch--nicht schreien, Marie-- +Knecht Ruprecht wird böse--seht ihr nicht wie?!" +Und sie stellten sich artig um ihn herum +und waren wie die Mäuschen stumm. +Er kommandierte: "Linksum, kehrt, +nun geht nach Hause, wie sich's gehört!" +Da faßten die Großen die Kleinen an: +"Grüß Gott und schönen Dank auch, Herr Weihnachtsmann." + +Und wieder tönte die Schalmei, +die Kinder trabten zwei zu zwei +und sangen lustig die Weise mit, +und fern und ferner klang ihr Schritt; +mein Blick verfolgte den kleinen Schwarm. +Wie sind ihre Bäckchen vor Freude warm-- +so dacht ich--und Freude ist der Saft, +den wir auf unsrer Wanderschaft +durchs Leben aus frohen Kindertagen +ins graue Alter mit hinübertragen +als verjüngendes Elixier; +ein gut Teil davon verdanken wir dir, +du alter bärtiger Gottgeselle! +Ich sah mich um--leer war die Stelle, +nur fern in der dämmernden Abendluft +verschwebte ein Wölkchen wie Weihrauchduft, +und durch die feiernde Stille drang +der erste hohe Glockenklang. + + + +WEIHNACHTSBESUCH + + +Ländliche Straßen, dicht beschneit. +Knirschen, Geläut, +ein Schlitten; +inmitten +sitzen drei kleine Leut +bis zu den Öhrchen vermummt. +Es singt und summt +von Weihnachtsglocken; +ein paar neugierige Flocken +lassen vom Wind sich herüberwehn, +wollen durchaus das Mädelchen sehn +mit den roten Kältebäckchen +und den goldbraunen Zottellöckchen +und das Bübchen daneben, +das sich eben +das immer tropfende Näschen putzt. +Großäugig, verdutzt, +bis zum Mäulchen zugedeckt, +im Wollmützchen fast versteckt, +sitzt das Kleinste auf Mutters Schoß. +"Kutscher, ein bißchen los, +es wird kalt; +Sie wissen doch, drüben zum Förster am Wald." +Der Alte schmunzelt und knallt +mit der Peitsche, hüh, hott-- +die Gäule bleiben bei ihrem Trott. +... Von drüben her Lichter, +Zwei altliebe Gesichter +hinter den Scheiben: +"Wo sie nur bleiben? +Ist schon die fünfte Stunde!" +Da knurren die Hunde, +bellen, wollen hinaus; +Großmutter läuft vors Haus. +Da:--Knirschen, Geläut, +ein Schlitten, +inmitten +sitzen vier liebe Leut. +Wie das Altchen sich freut! +Unter Lachen und Weinen +wickelt sie aus den Tüchern die Kleinen, +küßt die Tochter, nimmt ihr das Jüngste vom Knie: +"Ein prächtiges Kindchen! Gott schütz es, Marie!" +Neben ihr sprudelt ein Zünglein: +"Großmutter, komm doch 'rein! +Großmutter, sind die Hühner noch wach? +Großmutter, Vater kommt morgen nach, +er läßt schön grüßen." +... Auf bedächtigen Füßen, +als ging ihn die Sache nichts an, +kommt auch der Förster langsam heran. +"Na? +Seid ihr endlich da?" +Gleich läuft der Fritz auf ihn zu: +"Großvater, Du, +guck mal drüben den roten Fleck! +och, Großvater, nu is die Sonne weg." +"Die Sonne? Hm, laß man; drin is noch eine, +'ne ganze feine, +die wird uns bald blinken-- +nu aber, bitte, kommt Kaffee trinken." +... Der Platz wird leer, +schneestill und stumm. +Der alte Kutscher lenkt langsam um, +nickt vor sich her, +gedankenschwer, +und brummelt für sich: +"Der oll Förster hett's gaud, manch enner hett's nich." + + + +KÖNIG KUCHEN UND KÖNIGIN SCHOKOLADE + + +Bei König Kuchen und Königin Schokoladen +war ich mit Linchen heut Nacht in Gnaden +zu Gaste geladen. +Ein prachtvolles Fuhrwerk, tripp, tripp, trapp, +holte uns stolz von Hause ab. +Vorn stampften zwei schneeweiße Vollblutjucker +aus feinem biegsamen Lederzucker, +auf dem Kutschbock der dicke Mohr +kam uns marzipanisch vor, +und neben ihm der fette Mops +war ganz gefüllt mit englischen Drops. +Die Kutsche, aus weißem Zuckerkant, +erstrahlte hell wie Diamant; +sie ging auf zierlichen Süßholzrädern, +aus Vanille waren die Deichsel, die Federn, +dicke Polster aus Traubenrosinen +sollten uns als Sitze dienen, +aber in den Bätterteig-Wagentaschen +gab es allerhand Gutes zum Naschen. +Ein allerliebster Praliné-Page +dienerte neben der Equipage +in einem rot kandierten Frack +und öffnete uns den Wagenschlag. +Wir stiegen ein und fuhren im Nu +durch Rußland und Asien nach China zu. +Bald kamen wir in jenes Land, +wo König Kuchen, der Süße genannt, +unumschränkt herrscht in seinen Reichen +mit seiner Fürstin ohnegleichen, +der herrlichen Königin Schokolade, +die uns zum Fest befohlen in Gnade. + +Das goldgelb glacierte Ballfesthaus +sah wie ein riesiger Napfkuchen aus, +umgeben von einem Spritzkuchengitter; +als Wache davor zwei braune Ritter +aus Pfefferkuchen mit Gußfiligran, +die hatten Knackmandel-Harnische an. +Als Führer dienten mir und Linchen +zwei allerliebste Thorner Kathrinchen; +sie verbeugten sich höflich als wir kamen, +und sagten: bitte, meine Damen. + +Ach, Kinder, wie das Herz mir lacht, +denk ich zurück an all die Pracht! +Die Wände waren von Makronen, +verbrämt mit Schokoladenbohnen, +aus grünen Bonbons die glatten Dielen, +daß wir nachher beim Tanz fast fielen, +die Säulen aus mächtigen Baumkuchentorten +von den allerhöchsten und edelsten Sorten, +die Tische aus marmoriertem Konfekt, +mit drolligen Lutschfigürchen bedeckt, +die Stühle Fäßchen mit Gelees, +mit Eingemachtem und Knusperknees; +rings auf appetitlichen Zimmetstaffeln +lagen Biskuits und Keks und Waffeln. +Im Hintergrunde ein Gletschersee, +mit Vanille-Eisbergen und Schlagsahnen-Schnee, +entsandte in doppelter Kaskade +Zitronen- und Himbeer-Limonade; +und hoch über allem, im glanzvollen Saal, +strahlte eine Sonne aus Zucker-Opal. + +In der Mitte aber stand ein Thron, +gebaut aus Bretzeln mit blauem Mohn, +darauf saß liebreich in ihrer Gnade +die herrliche Königin Schokolade. +Sie harrte huldvoll, bis die Schar +der Kinder ganz versammelt war, +die sie aus kalter und warmer Zone +herbefohlen zu ihrem Throne, +um ihnen mit königlichen Händen +von ihren süßen Kleinodien zu spenden; +ihr hoher Gemahl, der König Kuchen, +hatte Mühe, sie auszusuchen. +Da waren Kinder aus Deutschland und Spanien, +aus Frankreich, Chile, Mesopotamien, +Kinder von Kaffern und Hottentotten, +von Persern, Eskimos und Schotten, +Kinder aus Süden und Kinder aus Norden +von den feinsten Familien und den wildesten Horden, +denn alle Kinder zu allen Zeiten +essen gerne Süßigkeiten. + +An der Königin Seite, im leckeren Grase +machte Männchen ein stattlicher Osterhase, +und als die Kinder versammelt waren, +ordnete er die bunten Scharen; +rechts gingen die Mädchen, links die Knaben, +so wollt es der König Kuchen haben, +und jedes Kind in jeder Reih +bekam ein prächtiges Osterei, +die Mädchen blaue, rote die Jungen, +dann ist das Häschen davongesprungen. + +Nun fing die Kapelle zu spielen an, +vorn geigte ein Nürnberger Lebkuchenmann; +ich sag euch, es war 'ne Musik für Kenner, +und waren doch alles gebackene Männer, +mit Rosinenaugen und Mandelnasen, +und konnten so lieblich flöten und blasen. +Es wurde getanzt, gespielt, gelacht, +damit verging die schöne Nacht. +Zuguterletzt, nicht zu vergessen, +wurde alles aufgegessen, +artig gedankt und Abschied genommen; +wir fuhren heim, wie wir gekommen, +und erwachten in unserm Bett-- +Kinder, Kinder, wie war das nett!-- + + + +DER ERSTE MAI + + +Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten, +immer weiß man nicht neue Geschichten; +oft sind die Märchengeister stumm, +als wären sie wer weiß wie dumm, +und alle Wände grinsen mich an, +als hätt ich ihnen was angetan. +So war's auch neulich. Bei mir zu Haus +sah alles öde und langweilig aus, +da bin ich in den Abend geschlendert; +der Himmel hing rosenrot umbändert, +die Wolken türmten sich wie ein Tor, +plötzlich stand ich grade davor +und sah hinein in das Himmelsschloß. +"Na, Petrus, was ist denn hier oben los?" +fragt ich; "hier sieht's ja munter aus." +Da schmunzelt der alte Wächter vom Haus +und sagt mir--aber ihr dürft nicht lachen--: +Im Himmel wäre groß Reinemachen, +die Jungfrau Maria tät revidieren +und die himmlischen Scharen zum Scheuerfest führen. +Die kleinsten Englein müßten ran, +kriegten große Schürzen an, +dürfte keins spielen und müßig bleiben, +müßten fegen und wischen, seifen und reiben. +Da würden die Sterne blitzblank geputzt, +den kleinen Kometen die Schwänzchen gestutzt, +der Himmel mit Wunderblau lackiert, +der Regenbogen neu ausstaffiert; +dem Vollmond würde, wie er sich auch steift, +mal gründlich wieder die Glatze geseift, +und damit am klaren Firmament +die liebe Sonne schön leuchten könnt, +würden die Wolken fest ausgedrückt +und hinter den Horizont geschickt. +Wenn alles fertig, wüschen sich +die Englein die Flügel säuberlich-- +denn morgen sei ja der erste Mai-- -- +Ich fragte, was an dem Tage sei, +da blitzte mich Petrus an und sprach: +"Na, weißt du, das ist doch wirklich 'ne Schmach; +da sieht man wieder, wie wenig ihr wißt, +nicht mal, wann Gottes Geburtstag ist." +Na, Kinder, ich machte ein dummes Gesicht; +das wußt ich bei aller Gelehrsamkeit nicht. +Doch nun wurde mir auf einmal klar: +Darum putzt sich die Erde Jahr für Jahr +mit Blumen und Kräutern im bunten Gemisch, +darum grünen die Hecken, die Bäume so frisch, +darum üben die Vögel die Festmelodie, +und Bienen und Grillen begleiten sie, +darum wird dem Menschen die Freude so groß, +als säß er dem lieben Gott im Schoß, +wenn der Maiwind kommt über Berg und Tal-- +nun begriff ich den Frühling mit einem Mal. +Und ich fragte Petrus aus froher Seele: +Erlaubst du, daß ich das weiter erzähle? +"Immerzu," sagte der und strich sich den Magen; +"kannst den neugierigen Leuten gleich noch sagen, +daß an Gottes Geburtstag, dem ersten Mai, +auch der Tanztag für Teufel und Hexen sei. +Sonst dürfen sie, zu Aller Segen, +sich keinen Schritt ohne Leine bewegen; +doch an dem Tage sind sie frei, +--da macht die Bande genug Geschrei," +entfuhr es brummend dem alten Knaben-- +"doch Gott ist der Herr und will es so haben. +Er sieht in hoher heiliger Ruh +dem tollen Blocksbergvergnügen zu; +und treibt es einer zu arg von der Sippe, +kommt er sofort wieder an die Strippe. +Nun aber leb wohl, ich wünsch gute Nacht, +um neun wird der Himmel zugemacht." +Langsam schloß sich das Wolkentor; +ich ging, ein Liedchen klang mir im Ohr. +Zu Haus in heimlicher Abendruh +nickt ich den Sternen fröhlich zu +und betete: Ich bin nur ein Zwerg, +und die herrliche Welt, sie ist dein Werk, +o Gott; du hast alles, nichts kann man dir schenken, +nur deiner in Freude und Demut gedenken. +So nimm dieses Liedchen, ich hab es erdacht +in dieser Frühlings-Geburstagsnacht. + + + +WETTERWUNSCH + + +Scheine, Sonne, scheine, +die Wäsch hängt auf der Leine; +unsre Hemden, unsre Socken, +mach sie uns bis Sonntag trocken, +scheine, Sonne, scheine! + +Rausche, rausche, Regen, +gib uns deinen Segen, +wasch die armen Sünder rein, +gib uns Brot und gib uns Wein, +rausche, rausche, Regen! + +Zu best ist allerwegen +Sonnenschein _und_ Regen; +auch der Wind muß pfeifen, +soll die Ernte reifen. +Regen, Wind und Sonnenschein +mögen bei unserm Hause sein! + + + +HAMMERLIEDCHEN + + +Pink, pank, Hammerschlag, +der Nagel hat 'nen Kopf; +und wenn er keine Spitze hat, +ist er ein armer Tropf. + Mein Hämmerlein du, + schlag zu, schlag zu! + +Pink, pank, Hammerschlag, +hast du der Nägel zehn +und nagelst du ein Särglein zu, +ist's um einen geschehn. + Mein Feuerlein du, + blas zu, blas zu! + + + +IM SONNENSCHEIN + + +(nach einer alten Fabel) + + +Kribbel-krabbel-Käfer +läuft hinab zum See, +er kommt vom grünen Hügel, +hell leuchten seine Flügel + im Sonnenschein. + +Kommt der Fisch geschwommen, +Sperrt das Fischmaul auf, +da ist in zwei Sekunden +der Käfer drin verschwunden + im Sonnenschein. + +Überm See der Reiher +sieht, wies Fischlein schnappt, +nimmt seinen spitzen Schnabel +und spießt es auf die Gabel + im Sonnenschein. + +Wie nun stolz der Reiher +seine Kreise zieht +mit leuchtendem Gefieder, +knallt ihn der Jäger nieder + im Sonnenschein. + + + +WANDERLIED + + + Sonnenlichter, + Frühlingswichter +spielen auf der dunkeln Wand. +Prüfend öffne ich das Fenster; +seht die Wolken, die Gespenster +lösen sich am Himmelsrand. + + Holla, Jungen, + aufgesprungen, +schnell das Ränzel aus dem Spind! +Kommt, wir wandern durch die feuchten +Saaten; wie Smaragden leuchten +Halm an Halm im Morgenwind. + + Feste Schritte, + Männersitte; +wie die Ferne lockt und wirbt! +Und wir lassen sie im Schreiten +achtlos oft vorübergleiten, +bis sie hinter uns erstirbt. + + Hohe Ziele, + nicht zum Spiele; +immer steiler wächst der Paß. +Aber oben wolln wir rasten +nach der Arbeit, nach dem Fasten; +Jungens, trinkt, ich komm euch was! + + Hoch im Blauen + selig Schauen, +unter uns der Erde Glück! +Doch es zieht mit tausend Armen +immer wieder zu den warmen +Menschenstätten uns zurück. + + + + + +VIERTER TEIL + + + +SPRUCH FÜRS LEBEN + + +Hinüber, hinein! +über Wipfel und Stein! +die Herzen zu baden +im Goldsonnenschein! +Auf schwierigen Pfaden +zu lichten Gnaden! +über Wipfel und Stein, +hinunter, hinein! + + + +ALLERLEI RÄTSEL + + +(Die Lösungen stehen im Verzeichnis der Überschriften) + + +--1-- + +Ich habe Flügel--rate, Kind-- +doch flieg ich nur im Kreise; +und singen tu ich, wenn der Wind +mir vorpfeift, laut und leise. +Was ihr den Feldern abgewinnt, +kau ich auf meine Weise; +doch was mir durch die Kehle rinnt, +das mundet euch als Speise. + + +--2-- + +Standen vier weiße Ritterchen +auf einem roten Gitterchen, +die machten alles klitzeklein +und warfen es in ein Loch hinein. +Als das die andern Ritter sahn, +zogen sie neue Harnische an, +kamen aus ihren Burgen herbei, +stellten sich tapfer in die Reih +und machten hack +und sagten knack +und warfen alles in einen Sack. + + +--3-- + +Die erste frißt, +der zweite ißt, +das dritte wird gefressen; +das ganze wird zu Pökelfleisch +und Erbsenbrei gegessen. + + +--4-- + +Mein erstes ist ein Hund, +mein zweites ist ein Junge, +mein ganzes ist ein Dieb, +kein Hundejunge! + + +--5-- + +Die ersten sind ein Untertan, +die dritte ist ein Untertan, +das ganze ist ein Untertan, +wird von dem andern Untertan +unter den ersten Untertan +ganz untertänigst untergetan. + + +--6-- + +Wenn das R am Anfang steht, +liebt man es nicht sauer; +wenn es bis ans Ende rutscht, +hüt dich vor dem Hauer! + +Wenn das R am Anfang steht, +ist's ein Heldenname; +wenn es bis ans Ende rutscht, +wird's ein Waldbaumsame. + +Wenn das R am Anfang steht, +sind es böse Leute; +wenn es bis ans Ende rutscht, +gerbt man seine Häute. + +Wenn das R am Anfang steht, +ist es eine Schale; +wenn es bis ans Ende rutscht, +wird's ein Orientale. + +Wenn das R am Anfang steht, +ist's ein klein schwarz Luder; +wenn es bis ans Ende rutscht, +ist's von "wenn" der Bruder. + + +--7-- + +Wächst einer alten Dame +ein Buckel kleinster Sorte, +verwandelt sie sich augenblicks +in ein Stück Mandeltorte. +Doch nimmst du ihr den Rücken, +auf dem der Buckel wächst, +hast du die alte Dame +zur trocknen Frucht verhext. + + +--8-- + +Ich stand begehrlich am Worte, +umgekehrt wuchs es nicht weit; +ein arges Diebsgelüste +besiegte die Redlichkeit. +Ich stahl das umgekehrte, +kein Argus achtete drauf; +Schmunzelnd enteilt' ich dem Worte +und aß es umgekehrt auf. + + +--9-- + +Mein erstes ist nicht wenig, +mein zweites ist nicht schwer; +mein ganzes läßt dich hoffen, +doch hoffe nicht zu sehr! + + +--10-- + +Es läuft und hat keine Beine, +es gibt viele und doch nur eine. +Wer zuviel hat, kann's nicht verschenken; +wer zu wenig hat, muß es beschränken. +Bald geht es langsam, bald schnell; +mal ist es dunkel, mal hell. + + +--11-- + +Christkindchen lag im Stalle +und hörte die ersten schrein; +die zweiten tragen wir alle +zur Weihnachtszeit am Bein. + + +--12-- + +Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile; +wird es der Junge, kriegt er halt Keile. + + +--13-- + +Der Vater will's das Fritzchen +(die erste Silbe betont)-- +jedoch die Mutter bittet, +da ward der Schelm verschont. +Sie sprach: Du mußt dir's, Liebster, +(die dritte Silbe betont)-- +denn Nachsicht mit den Kleinen +wird oft von Herzen belohnt. +Denk doch, wie du's dem Jungen +an Einsicht bist und Geist; +du mußt was andres dasselbe, +das ihn sich bessern heißt. + + +--14-- + +Klärchen nähte an dem ersten +und war ganz die beiden zweiten, +denn sie durfte Sonntag reiten, +Leutnant Kurt wollt sie begleiten; +ihre Augen wurden groß, +müßig lag die Hand im Schoß. + +Mutter näht am andern Fenster, +sah's und runzelte die Brauen: +Höre, Kind, Luftschlösser bauen +taugt nicht viel für fleißige Frauen, +weil man leicht die Pflicht vergißt +und zu sehr das Ganze ist. + + +--15-- + +Mariechen war's. Mit meinem Kuchen +stand ich nun da und dem Bukett. +Wo soll ich bloß das Mädel suchen? +Wenn sie doch nur geschrieben hätt! + +Ja ja, ich hab sie es seit Jahren; +ich gebe zu, das war recht dumm. +Nein, welch ein rücksichtslos Gebaren! +Und schwer geärgert kehrt' ich um. + + +--16-- + +Froh singt ihr Lied am Sommertag +die eins-zwei früh und spat. +Die drei wünscht jeder Jüngling sich; +doch bricht er ab, ist's schad. +Das Ganze war ein König, der +lustig und unverschämt +die stolze Prinzeß, die ihn nicht wollt, +bestraft hat und gezähmt. + + +--17-- + +In eins-zwei-drei lebt ganz gemütlich +Herr Müller mit Herrn Schulze friedlich; +bis Müller einst, wer hätt's gedacht, +Anspruch auf Schulzes zwei-drei macht. +Da hörte man ein bös Geschrei: +So denk doch eins, mein Herr eins-zwei! +Ich muß stets alles zwei bezahlen, +kann nicht mit zuviel zwei-drei prahlen; +kommst du noch mal mir drum ins Haus, +ist's mit der guten eins-zwei-drei aus. + + +--18-- + +Er geht in sich, um sich zu pflegen, +und ist in sich um sich verlegen. + + +--19-- + +Rate, Freund, es ist nicht schwer: +Wer's hat, hat, was er hatte, nicht mehr. +Wer's aber ist, den äfft des Teufels Brut; +man sperrt ihn ein und fürchtet seine Wut. + + +--20-- + +Wer es hat, der ist betrübt; +aber froh und stolz, wer's gibt. + + +--21-- + +Das Wort pflegt zu erhöhn +den Glanz des Edelsteins; +solang man es bewahrt, +ist man der Herr des Seins. + + +--22-- + +Sind es die Feinde, muß man sich wehren; +sind's deine Backen, mußt du sie nähren. +Ist mir's ein Rätsel, schreib ich es nieder; +ist es mein Haus--nun, so bau ich es wieder. + + +--23-- + +Wenn es von Freund und Liebchen kommt, +oder von dir verfaßt, +so liebst du wohl das erste Wort; +sonst ist es dir verhaßt. + +Das zweite Wort, so klug wir sind, +machen wir Menschen viel; +und was dich reut, oft andre freut +im schadenfrohen Spiel. + +Der Schluß: gefürchtet und geneckt, +teils boshaft und teils dumm, +geht er als Geist des Widerspruchs +in Schrift und Mären um. + +Die drei vereint: wir stehn verdutzt, +wie Zufalls Koboldmacht +das Wort entstellt, den Sinn verdreht-- +man ärgert sich und lacht. + + +--24-- + +Zwei Worte weiß ich, die einander feind, +das eine sucht das andre zu verderben, +in beiden müssen viel Geschöpfe sterben; +und hast du sie zu einem Wort vereint, +eint sich auch ihre zehrend böse Kraft, +schon manchen Volksstamm hat es hingerafft. + + +--25-- + +Auf der höchsten Berge Rücken +ist es immer leicht zu finden, +wo die kleinen Gletscherbäche +schäumend sich zu Tale winden. + +Tausch die Silben--ach, verlegen +steh ich vor gemischten Dingen, +Chemiker und Apotheker +mögen dir die Lösung bringen. + + +--26-- + +Ich hab keine Hände und kann doch tragen, +hab keine Flinte und kann doch jagen; +kann klettern und schwere Lasten heben +und bin doch ein zartes, hinfälliges Leben. + + +--27-- + +Viel Glieder hab ich, die einander gleichen. +Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade, +doch himmelshell führ ich empor zur Gnade; +manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen. + +Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen; +denn Ehre trägst du neben mancher Last, +die arbeitsfroh du übernommen hast, +ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade. + + +--28-- + +Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder; +mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder. +Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder, +bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brüder. + +Hitze und Kälte trag ich, hin und wider; +übt mich der Knabe, stärkt er seine Glieder. +Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder; +den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder. + + +--29-- + +Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant, +teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will. +Bescheiden bin ich selten, niemals still; +ja, Schweigen ist mir gänzlich unbekannt. + +Ein Wort füg an, das keiner gern empfängt +und das die Kinder schreckt von Alters her; +doch ohne es fällt manche Arbeit schwer, +weil's feste Massen auseinander drängt. + +Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen, +die im Geröll sich finden, glatt und spitz; +du hebst sie auf und freust dich an dem Witz, +den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen. + + +--30-- + +Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt +in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt; +dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft +vertiefte ich den Blick der Forschungskraft. +Ein Wort füg an, das sich der Mensch gesetzt +zur Ordnung gegen den, der sie verletzt; +der Fromme fühlt es oft von Gott gesandt, +ans Letzte, Jüngste denkt er furchtgebannt, +an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid-- +da ist das Ganze eine Seltenheit. + + +--31-- + +Die erste Silbe führt die krause Schar, +die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit. +Die zweite tönt durch Weiten hell und klar, +ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit. +Und wenn der tapfre Krieger +sein junges Leben gab, +fällt ihm vielleicht der Schatten +des Ganzen auf sein Grab. + + +--32-- + +Ein deutscher Meister war es, gottgesandt, +der jenes edle Tonstück uns geschenkt; +der Vogel übt's, der seine Flügel lenkt-- +dir wünsch ich es, mein deutsches Vaterland. + +Was allen Flügelwesen wohlbekannt, +was jedes Blatt, das aus der Hülle bricht, +ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht-- +das wünsch ich dir, mein deutsches Vaterland. + +Ein Flüßchen, an der Schieferberge Rand, +sehr vielen ist sein Name leerer Schall, +ein kleines Wort, doch wir ersehnen's all-- +wünsch ich dir auch, mein deutsches Vaterland. + +Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand, +den Engel, der auf Morgenwiesen geht, +doch oft verhüllten Hauptes abseits steht-- +ihn sende Gott dir, o mein Vaterland! + + +--33-- + +In Not und Gefahr +greife ich ein, +Schmerzlich willkommen +der Angst und der Pein; +lies mich von vorn, +lies mich verkehrt, +immer der gleiche, +geschmäht und geehrt. + + +--34-- + +Wir sind's mit Stamm und Vaterland, +mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt, +mit jeder Arbeit, die der Seele wert; +der Reiter rühmt: wir sind's, ich und mein Pferd. + +Doch wer es ist, trägt eine schwere Last, +er ist sich selbst ein mißgeschickter Gast; +Statt Liebe blüht ihm Mitleid, und im Schwarm +gesunder Jugend fühlt er doppelt Harm. + + +--35-- + +Wir sind's gewiß in vielen Dingen +in einem sind wir's nimmermehr; +die sind's, die wir zu Grabe bringen, +und eben die sind's bald nicht mehr. + Drum, weil wir leben, + sind wir's eben + an Wesen wie Gesicht; + drum, weil wir leben, + sind wir's eben + zur Zeit noch nicht. + + +--36-- + +Nennst du das Ganze, tönt es uns entgegen +von Sommernächten, wo des Mondes Horn +verschwärmten Pärchen winkt auf lauschigen Wegen, +und wo aus seinem wundersamen Born +das Märchen auftaucht und in tiefem Sinnen +uns anschaut, und verträumte Bäche rinnen. + +Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar +die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen, +die Heiden einst wie Christen heilig war, +wo Pilger heut und Kenner sich erbauen; +ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest +und hält den Glanz vergangner Zeiten fest. + + +--37-- + +Ohne Zepter, ohne Krone +herrsche ich auf dieser Erde, +buntes Spiel vor meinem Throne +zaubert stets mein Wort: Es werde! + +Noch zwei Zeichen: Alles wich, +Pracht und Buntheit sind verschwunden, +und in künftigen dunklen Stunden +werden es auch du und ich. + +Aber ändre den Akzent: +sieh, schon quillt das Leben wieder, +neue Schau und neue Lieder, +die man gern mit mir benennt. + + +--38-- + +Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt, +ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt. + +Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt, +sind Geist und Wille durch mich offenbart. + +Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid, +tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit. + +Versöhnung bring ich und entfache Streit, +zeig manchen töricht, manchen grundgescheit. + +Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt; +vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt. + + +--39-- + +Ich nähre mich von fremden Stoffen, +doch kann auch ohne sie bestehn; +ich bin's, auf das die Weisen hoffen, +und alle Weiten stehn mir offen, +ihr würdet ohne mich vergehn. + +Am hellen Tage herrsch ich gerne, +doch auch die Nacht ist mir vertraut; +ich wohne auf dem kleinsten Sterne, +mich schreckt sie nicht, die große Ferne +die mich mit Geisterhänden baut. + +Ich wirke in den Himmelsblitzen, +versteckter Tat bin ich verhaßt; +wo grübelnd die Gelehrten sitzen +und ratlos ob der Lösung schwitzen, +bin ich ein hochwillkommner Gast. + + +--40-- + +In alten Zeiten +hat mich der Mensch erdacht +und Ordnung mit mir +in die Dinge gebracht. + +Wie nötig bin ich +der Wissenschaft, +wie zeige ich +der Völker Kraft! + +Wenn ich nicht eng +ihm verbunden wär, +wie würde erliegen +das tapferste Heer! + +Und doch weiß jeder, +wie schwach ich bin, +denn erst mein Nachbar +gibt Halt mir und Sinn. + + +--41-- + +Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich; +mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen, +und zaghaft flossen meines Geistes Quellen, + eng, doch erbaulich. + +Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern, +sie dehnten sich wie meine Machtgedanken; +mein Schaffenswille türmte ohne Schranken + Quadern auf Quadern. + +Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte, +ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken, +und Geist und Arbeit gaben den Bezirken + die feste Kette. + +Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen; +und meine Kinder lassen gern sich locken +von grünen Wäldern, sanften Herdenglocken, + mir zu entfliehen. + + +--42-- + +Mein erstes Wort, im engen Raum genährt, +strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere; +wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere, +hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt. + +Mein zweites hat der Kaiser und der König, +und ist es auch zumeist; fast jeder strebt +es irgendwie zu sein, solang er lebt, +und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig. + +Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz +anfeuernd ins Gespräch und ins Gerede, +ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde; +man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz. + + +--43-- + +Willst du das erste Wort stets sein und handeln, +so hast du eine schwere Arbeit vor, +so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor +der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln. + +Das andre Wort scheint winzig und gering, +doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte; +es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte, +die nur Natur verleihen kann, empfing. + +Vereint die Worte: altverbriefte Rechte, +Gemeinden oder Ständen zuerkannt, +beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land, +doch schwinden hin im späteren Geschlechte. + + +--44-- + +Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone +flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne +bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle, +in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle. +Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater, +bin ich--ich sag es stolz--der größten Taten Vater. + +Ein neues Wort schließ an: Es ist des Künstlers Ziel, +dir zu vermitteln fremder Geister Spiel, +das er mit seinem Lebensblute tränkt +und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt. +Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher? +Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wär. + +Vereine beide Worte: Welch ein Wissen +von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen +stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen, +die unsrer Seele dunkle Träume bringen, +und fühlen scheu des Geistes Doppelwesen. +Du großes Rätsel, wer wird je dich lösen? + + + +POLTERABENDGEDICHT + + +für ein kleines Mädchen + +(mit einer Schlüssel-Atrappe) + + +Ich bin eine kleine Sternschnuppe +und rutschte herab vom Himmel +und fiel aus der großen Milchstraße +grad hier in das Gewimmel. +Verwundert fragt' ich die Leute: +Wo kommt ihr denn alle her? +Da sagten sie mir, daß heute +hier Polterabend wär. +Die Ehen schließt man im Himmel, +und Donnergepolter gibt's auch; +da bin ich ja wie zu Hause +und bring meine Gabe auch. +Nehmt hier den Zauberschlüssel, +vom Sirius bracht ich ihn mit +in meiner Sternentasche, +als ich herunter glitt. +Stets häng er zu euern Häupten, +und zieht es euch hinauf, +schließt er zu jeder Stunde +den ganzen Himmel auf. + + + +HOCHZEITSGEDICHT + + +(mit einem Frühlingsblumenstrauß) + +Maienkönig schickt mich her, +sagte, daß hier Hochzeit wär, +sollt fein gratulieren; +suchte einen vollen Strauß +allerschönster Blüten aus, +euer Haus zu zieren. + +Himmelschlüssel, goldig, zart, +Blumen von besondrer Art, +schickt er euch mit Grüßen. +Seht, sie leuchten sonnengleich; +Liebe heißt das Himmelreich, +das sie euch erschließen. + +Dieses blaue Sternchen spricht +frommen Sinns: Vergiß-mein-nicht, +vergiß mir nicht die Treue! +Treue, die zu Liebe steht, +ist so stark wie ein Gebet, +tröstet stets aufs neue. + +Hier Narzissen. Weiß und rein, +ohne Makel sollt ihr sein, +hütet Sinn und Herzen! +Seht der Unschuld klares Bild; +wer an ihm sich stärkt und stillt, +trägt leicht Not und Schmerzen. + +Nehmt hin, was der Mai geschickt, +nehmt den Strauß und seid beglückt +für ein langes Leben! +Unverwelklich blüh er fort, +tief in eurer Seele Hort +glühe göttlich Streben! + + + +NEUJAHRSSPIEL + + +DAS ALTE JAHR + +(tritt in grauem Mantel ein) + +Grüß Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr, +das immer ist und immer war, +das immer kommt und immer geht +und niemals zaudernd stille steht, +das mit geheimem Pendelschlag +die Weltuhr regelt Tag für Tag. +Die Würfel werf ich: Leben und Tod, +Glück oder Unglück, Heil oder Not-- +sie fallen gewichtig und ordnen die Welt, +einem Höheren unterstellt. +Zwölf Kinder hab ich zur Welt gebracht, +sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht; +sie ziehen gestaltend durch die Welt, +eins mir immer zugesellt, +während die andern harren und ruhn +zu neuer Arbeit, zu frischem Tun. +Nur heute an meinem Geburtstag sind +sie alle gekommen, aus Regen und Wind, +aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Höhn, +ihre alte Mutter wiederzusehn. +Herein, meine Söhne, ein Kompliment, +und sagt den Leuten, was ihr könnt! + + +JANUAR + +(in dickem Pelz, mit Schlittschuhen und Schellen) + +Grüß Gott! Ich bin der Januar, +voll Schnee und Eis hängt Bart und Haar; +der Vetter Nordwind versteht das Blasen, +steif sind die Ohren, rot die Nasen. +Zugefroren ist See und Fluß; +rasch den Schlittschuh unter den Fuß! + Die Eisen gleiten + durch blitzende Weiten + in Bogen und Zacken, + das gibt rote Backen! +Hört ihr das Schellengeläut? Meine Gäste +sausen durch Schnee und Rauhreifgeäste. + + +FEBRUAR + +(in Karnevalskostüm mit Pritsche) + +Grüß Gott! Ich heiße Februar, +gleiche dem Bruder fast aufs Haar, +nur trage ich gern ein Maskenröckchen, +an meiner Kappe klingeln Glöckchen. +Weil ich im Spiel und Tanzen tüchtig, +schelten sie mich vergnügungssüchtig, +spotten und lachen hinter mir her, +weil ich zu kurz geraten wär, + rufen: "Prinz Karneval, + Narren gibt's überall!" +Doch meinen Punsch und Pfannekuchen +möchten Narren wie Weise versuchen. + + +MÄRZ + +(in Landstreichertracht, mit einem Veilchensträußchen) + +Grüß Gott! Ich bin der Bruder März, +ich habe ein wildes, stürmisches Herz. +Kann mich nicht mit den Brüdern vertragen, +puste ihnen den Schnee vom Kragen. + Säubre die Wälder, + fege die Felder, +tu aus der Seele das Kalte hassen, +muß es doch oft mir gefallen lassen; +aber bin ich erst König ein Weilchen, +grüßt ihr mit mir die ersten Veilchen, +seht ihr die Spitzen an Sträuchern und Bäumen, +die selig von künftger Entfaltung träumen. + + +APRIL + +(in Wandervogeltracht mit Zupfgeige) + +Grüß Gott! Ich bin der lustge April, +der immer tut, was er grade will. +Mal liebe ich's naß, mal liebe ich's trocken, +die Zugvögel tu ich nach Hause locken. + Schneewassergüsse + schwellen die Flüsse, +ich aber streif durch den Wiesengrund, +öffne der Obstblüte lieblichen Mund +und nicke den närrischen Träumern zu; +mit denen steh ich auf du und du, +_schickt_ sie nur immer! ich lehre sie lachen +und sich aus den Plagen der Welt nichts machen. + + +MAI + +(in Bauerntracht mit Maiglöckchenstrauß) + +Grüß Gott! Der Mai darf kaum noch wagen, +Besondres von sich auszusagen. +Ich schäme mich wirklich; bin so bekannt +wie ein bunter Pudel rings im Land. +Diese sammetlockigen teutschen Tichter, +hol der Kuckuck das Reimgelichter: + "--der süße Mai, + der entzückende Mai, +der blütenbekränzte, der himmlische Mai--" +mir wird ganz blümerant dabei, +denk ich an all die Dudelei. +Die Kinder lob ich; das lärmt und lacht +und feiert ganz ungereimt meine Pracht. + + +JUNI + +(in Gärtnertracht, mit Gießkanne und Rosenstrauß) + +Grüß Gott! Ich werde Juni genannt, +Farben und Düfte bring ich ins Land. +Seht, wie's im Garten knospet und quillt, +seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt! +Vor allem muß ich die Rosen wecken, +ich küsse sie wach an Stamm und Hecken. + Sind Regen und Wind + mir wohlgesinnt, +schaff ich und wirk ich am grünen Gewande, +halte die Hoffnung am schimmernden Bande +und pflege das Wachstum der kommenden Zeit; +wenn der Schnitter prüft, ist die Saat bereit. + + +JULI + +(in Schäfertracht, mit Kornblumenstrauß) + +Grüß Gott! Erlaubt mir, daß ich sitze, +ich bin der Juli; spürt ihr die Hitze? +Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll, +die Ähren sind zum Bersten voll; +reif sind die Beeren, die blauen und roten, +saftig sind Möhren und Bohnen und Schoten. +So habe ich ziemlich wenig zu tun, +darf mich ein bißchen im Schatten ruhn. + Duftender Lindenbaum, + rausche den Sommertraum! +Seht ihr die Wolke? fühlt ihr die Schwüle? +Bald bringt Gewitter Regen und Kühle. + + +AUGUST + +(in Schnittertracht, mit Sichel und Harke) + +Grüß Gott! Ich bin der Monat August, +bin ernster Pflichten mir bewußt; +muß Frucht und Korn zur Ernte reifen, +meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen. +Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht, +der Segen wird in die Scheunen gebracht. + Zum fröhlichen Reigen + jubeln die Geigen. +Doch mancher steht abseits vom Taumel und denkt +des Schöpfers, der alles zum Besten lenkt, +der Ordnung bringt in den Gang der Dinge, +daß Schweiß und Fleiß auch Freude bringe. + + +SEPTEMBER + +(im Touristenkostüm) + +Grüß Gott! Ich bin der September, ich ziere +mit rotem Weinlaub eure Spaliere. +Dem Wandrer lachen auf allen Wegen +köstlich die reifenden Früchte entgegen, +die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne, +am Ufer der Meere träume ich gerne, + wo die Welle beginnt, + wo die Welle zerrinnt, +wo die Brandung braust und überschäumt +und ein Zugvogelschwarm den Himmel säumt; +da lieg ich und grüble und suche vergebens +den Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens. + + +OKTOBER + +(in Winzertracht mit Weinglas und Flasche) + +Grüß Gott! Ich bin der Bruder Oktober; +die Nase glänzt mir wie Zinnober, +das kommt vom Gucken ins Gläschen. Vor Zeiten +lehrt ich die Menschen Wein bereiten; +der wurde bald ihr Lieblingsgetränke, +jetzt kriegt man ihn in jeder Schänke. + Kommt mit zum Wein, + ich lade euch ein! +Seht, wie die Wälder sich buntselig färben, +sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben. +So kommt und sinnt und fragt nicht viel; +"das Leben ist des Lebens Ziel!" + + +NOVEMBER + +(in Jägertracht mit Gewehr) + +Grüß Gott! Der November stellt sich vor. +Mir ist ergeben der große Chor +der Winde und Stürme, die das Gefilde +von Unrat säubern; und auch die Gilde +der Nebel und Wolken ist mir vertraut. +Wer auf des Meeres Sanftmut baut, +wagt sein Leben, wenn ich regiere; +ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere, +ich hasse die Sonne, hasse die Milde, +zerreiße im Felde das letzte Gebilde. +Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt, +hinter scheuem Wild die Büchse knallt. + + +DEZEMBER + +(in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbäumchen) + +Grüß Gott! Ich bin der Dezember und flechte +zu kurzen Tagen die langen Nächte. +Karg ist die Sonne in meinem Gezelt, +doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt. +Wenn im Ofen die Bratäpfel schmoren, +flüstert es leise von Mündern zu Ohren, +gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken, +ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken, +ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa, +ists Christkindel denn noch nicht da?" +Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt, +bin ich in meinem Element; + hell sind die Kerzen, + warm sind die Herzen, +uns kümmert nicht Kälte noch Regen noch Wind. +Und denen, die arm und traurig sind, +und wo die Not sonst die Freude verbannt, +geben wir gern mit Herz und Hand. + + +DAS JAHR + +(läßt den grauen Mantel allmählich fallen, steht dann in hellem Festgewand) + +Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denkt +an den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt! +Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein, +Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein, +Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum, +Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum. +Und immer rollt durchs Himmelszelt +die Erde, unsre alte Welt, +die stets verjüngt, in neuer Kraft, +fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft. +Jedoch ihr Diadem und Zier, +ihr Menschenkinder, das seid ihr! +Drum freut euch ihrer Herrlichkeit, +freut euch des Meeres, so stark und weit, +freut euch der Wälder, der Blüte, der Frucht, +freut euch der Berge mit Tal und Schlucht! +Und freut euch eurer eignen Kraft, +die der Erkenntnis Wunder schafft; +seid glücklich, daß ihr Menschen seid, +der schönste Schmuck an Gottes Kleid, +wenn ihr euch seiner wert gestaltet, +euch immer göttlicher entfaltet. +Seid glaubensstark, seid willensklar, +das wünscht das neue Erdenjahr! + + +CHOR DER MONATE + +Seid friedensstark, seid liebesklar, +das wünscht der Monate bunte Schaar! + Prosit Neujahr! + Nun reicht euch zur Wende + des Jahres die Hände + und grüßt euch mit Neigen + und schlingt einen Reigen! + Spiel auf, Musik, begleite sie, + des Jahres Schluß sei Harmonie! + + + +RÄUBER UND PRINZESSIN + + +Eine Kartoffelkomödie + + +EINFÜHRUNG + +Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomödie gehört? Nein? So will ich +euch erzählen, was das ist. + +Die Kartoffelkomödie ist ein Theaterstück, das statt mit Puppen mit +Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu große +Kartoffeln, bohrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so daß ihr euern +Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken könnt, und die Hauptsache +ist fertig. Ein paar mit Stecknadeln angepiekte Hemdknöpfchen als Augen, +ein Stückchen Rübe als Mund, und eins als Nase, bilden das Gesicht. Ein +farbiger Puppenlappen wird oben mit einer Schnur zusammengezogen und um +den Zeigefinger gebunden, nachdem zwei kleine Löcher für Daumen und +Mittelfinger hineingeschnitten sind. Ihr werdet euch wundern, wie fein man +die Finger als Arme und Hände benutzen kann. + +Natürlich muß man sich in der Kleidung ein bißchen nach den Personen des +Stückes richten. In unsrer Komödie, die ich nach einer älteren Vorlage +ausgebaut habe, bekommt der König eine Krone von Goldpapier und ein rotes +oder grünes Gewand, das ihr auch etwas mit Goldstreifen besetzen könnt. +Pumpfia trägt am besten einen kleinen Schleier mit einem Streifchen +Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen großen braunen oder grauen Hut +mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natürlich +wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider könnt ihr euch selbst +ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar. + +Wenn ihr das Stück aufführen wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt +irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Türrahmen, und zwar so +hoch, daß ihr bequem mit den Händen hinauflangen könnt; eure Köpfe dürfen +natürlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Füße. Einen Vorhang braucht +man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch +wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder +Hand eine; bei einer muß es dann seine Stimme etwas verstellen. + +So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spaß machen; und den +Zuschauern auch. + + +PERSONEN: + +König Pflaumenmus. +Prinzessin Pumpfia. +Der Kanzler. +Der Räuber Jagomir. + + +ERSTE SZENE. + +Der König tritt auf, vom Kanzler begleitet. + + +KÖNIG: + +Der Sommerabend ist so schön, +da muß man doch spazieren gehn. +Die Rosen duften süß, hazieh! +Die Nachtigall singt türütü-- +--wie schmerzt mein linker großer Zeh, +und auch der rechte tut schon weh. +Den Schuster häng mir an den Galgen, +(Kanzler verbeugt sich) +denn er gehört zu den Kanallgen. +(König schnüffelt in die Luft) +Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln, +da kriegt man wirklich Appetit. +Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln, +und bring die Abendzeitung mit. +(Kanzler verbeugt sich und will gehn) +Halt! hemme noch den eiligen Lauf +und setz mir erst die Brille auf. +(Kanzler tut's, dann ab.) +Ein König muß sich informieren, +es könnt doch was im Land passieren. +(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurück.) + + +KANZLER: + +Hier, König, bringe ich die Zeitung, +die allerneuste Meinungsleitung. +Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte, +wie Majestät befohlen hatte; +und frage untertänigst an, +ob ich noch sonstwie dienen kann. + + +KÖNIG: + +Nun ja, rück mir die Krone grade; +denn fiel sie runter, wär's doch schade. +(Kanzler rückt die Krone zurecht.) +Was steht denn hier im Tageblatt? +Prinz Kasimir kommt in die Stadt? +Da wird er uns gewiß besuchen. +He, Kanzler, haben wir noch Kuchen? + + +KANZLER: + +Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe. + + +KÖNIG: + +Na, häng nicht gleich die Unterlippe; +hol Streußelkuchen vom Konditor, +auch Vollmilch, einen halben Litor. + + +KANZLER: + +Ach, Herr, von Geld ist keine Spur. + + +KÖNIG: + +Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur. +Wir Könige lassen uns nicht lumpen, +und sollten wir die Welt auspumpen. +Geh jetzt und sorge für mein Land +mit Militär und mit Verstand! +(Kanzler verneigt sich, tritt vor.) + + +KANZLER: + +Was hat ein Kanzler doch für Sorgen; +wo soll ich bloß schon wieder borgen? +Wer schafft mir von der Deutschen Bank +den Schlüssel zu dem Kassenschrank? +Reichskanzler sein ist wirklich schwer; +ich dachte nicht, daß es so wär. +Ich annonciere in der "Quelle", +vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle. +(Kanzler ab.) + + +KÖNIG (lesend): + +Den Streik, den soll der Kuckuck holen! +Wir haben so schon keine Kohlen, +mein Thronsaal wird tagtäglich kälter, +und ich--ich werde immer älter. +Auf diese Bank will ich mich legen, +ein Stündchen süßer Ruhe pflegen. +(Legt sich hin und schnarcht.) + + +ZWEITE SZENE. + +Pumpfia, König. + + +PUMPFIA: + +Wo bist du denn, mein Väterchen, +mein süßer Pumps, mein Käterchen? + + +KÖNIG: + +Wer stört mir meine Ruh im Grase? +Ach, _Du_ bist's, kleine Stumpelnase. + + +PUMPFIA: + +Papa, ich bring dein Leibgericht, +Bratkartoffeln! riechst du's nicht? +Ich briet sie selbst, ist das nicht nett? +mit Liebe und mit Hammelfett; +und machte Klopse dir zulieb, +vom Fleisch, das gestern übrig blieb. + + +KÖNIG (essend): + +Ich danke dir, mein Herzensmops, +für die Kartoffeln und den Klops. + + +PUMPFIA: + +Papa, ich bin bald zwanzig Jahre +und kriege nächstens graue Haare; +ich mach mich immer wunderschön, +allein kein Freier läßt sich sehn. +Ich krieg am End gar keinen Mann; +was fang ich alte Jungfer an? +(Sie weint.) + + +KÖNIG: + +So liebe _mich_, mein süßes Kind! +Heiraten geht nicht so geschwind. + + +PUMPFIA: + +Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem. +Wenn doch ein Prinz, ein trauter, käm! +(weint stärker.) + + +KÖNIG: + +Mein Pümpfchen, tröste dich bis morgen, +da will ich dir 'nen Mann besorgen. + + +PUMPFIA + +(fällt ihm um den Hals): +Du guter einziger Papa, +ich sag gewiß zu allen ja. + + +KÖNIG: + +Leb wohl, ich muß zur Konferenz; +es ist nicht gut, wenn ich die schwänz. +(König ab.) + + +DRITTE SZENE. + +Pumpfia, nachher Jagomir. + + +PUMPFIA: + +Ich arme Pumpfia und Prinzessin, +ach könnt ich doch mein Leid vergessen! +allein, o leider ganz allein, +in diesem holden Mondenschein! +Kein Jüngling liebt mich nur ein bißchen, +kein Prinz gibt mir ein holdes Küßchen. +Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm, +ich fall vor lauter Sehnsucht um-- +(fällt um.) + + +JAGOMIR (tritt auf): + +Ich stahl mir heimlich hier herein, +hier wird doch was zu mausen sein? +(Schnüffelnd) +Nee, wo mit Hammelfett gebraten, +da regnet's sicher nich Dukaten. +(Er erblickt Pumpfia ) +'ne Dame? Ei, wie wunderschön; +die muß ich mal genau besehn. +(Er tut's.) +Ich nehme mir den Hochgenuß +und geb ihr einen süßen Kuß. +(Er tut's.) + + +PUMPFIA (erwachend): + +Was ist das für ein schöner Mann? +Ich wag's und red ihn lieblich an. +Wer seid Ihr, herrlicher Genoß? +Wie kamt Ihr her in dieses Schloß? +Ich bin durch Euern Gruß beglückt; +hat Euch ein Engel hergeschickt? + + +JAGOMIR: + +'n Engel? Nee, das war der Robert; +der hat das Ding hier ausbaldowert. + + +PUMPFIA: + +Ist alles gleich; du bist mein Schätzchen, +mein süßer Freund, mein Busenlätzchen. + + +JAGOMIR: + +Aber--was wird dein Vater sagen? + + +PUMPFIA: + +Ach was, wer wird den Alten fragen. + + +JAGOMIR (küßt sie): + +Mein honigsüßer Sirupstengel, +mein Marzipan, mein Zuckerengel! + + +PUMPFIA: + +Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held! +Pumpfia geht mit dir durch die Welt! + + +JAGOMIR: + +Mein Schätzchen, hast du auch Moneten? + + +PUMPFIA: + +Die sind hier weniger vertreten; +an diese Frage rühre nich, +geliebter Freund, entführe mich. + + +JAGOMIR: + +Na, denn man zu, du süße Hummel! +(Beiseite) +Verflixt, das wird 'n schöner Rummel. + + +VIERTE SZENE. + +König, die Vorigen. + + +KÖNIG: + +Prinzessin Pumpfia, Kasimir, +wo seid ihr kleinen Schäker ihr? +Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken? +Na wart't, ich werd euch gleich entdecken. + + +JAGOMIR (beiseite): + +I, du meine himmlische Güte, +die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte; +dabei gehör ick zum Räuberstand, +der ernährt seinen Mann besser als so'n Land. +(Laut): +Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehr +und verbeuge mir sehr. +(Er tut's) + + +KÖNIG: + +Mein Vaterherz hüpft froh und warm: +mein Pümpfchen in des Prinzen Arm. +Mein hoher Gast, Prinz Kasimir, +wie findet meine Tochter Ihr? + + +JAGOMIR: + +Das Mädel hier? Na, himmlisch süß, +wie'n Engelken im Paradies. + + +KÖNIG: + +Na, nimm se dir se denn se doch, +und spanne sie ins Ehejoch; +dann kocht dir deine kleine Braut +Erbsen mit Speck und Sauerkraut. + + +JAGOMIR: + +Ach ja, und dann Kartoffelklöße +mit einer süßen Pflaumensöße. +(Umarmung.) + + +PUMPFIA: + +Wenn man in deinen Armen ruht, +dann kocht sich's gleich noch mal so gut. + + +KÖNIG: + +Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln, +verlier vor Rührung die Pantoffeln. +(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.) + + +FÜNFTE SZENE. + +Kanzler, die Vorigen. + + +KANZLER: + +Der Brief kommt eben von der Post, +der fünfundzwanzig Pfennige kost't. + + +KÖNIG: + +Wie oft schon hab ich deklariert, +ich nehme nichts mehr unfrankiert. +Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus, +dann fliegt es gleich zum Fenster raus. +(Er öffnet den Umschlag) +Laß sehn, was steht in diesem Brief. + + +JAGOMIR (beiseite): + +Na, geht die Sache doch noch schief? + + +KÖNIG (liest): + +"Prinz Kasimir entbeut den Gruß +dem hohen König Pflaumenmus; +er wird ihn heute noch besuchen +und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."-- +Von alldem tut der Bauch mir weh; +was nun, mein Schwiegersohn _in spe_? +Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir? + + +JAGOMIR (stolz): + +Ich bin der Räuber Jagomir! + + +KÖNIG: + +Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus, +der reißt mir die Gedärme aus! +Gewiß, er wird mich massakrieren +und mir mein Pümpfchen dann entführen. +(Er weint.) + + +PUMPFIA: + +Was mich betrifft, ich halte still, +wenn er nur dich verschonen will. + + +JAGOMIR: + +Ich schon ihn gern, und auch sein Geld-- +(beiseite): das er nicht hat! +Ich bin ein edler Räuberheld. + + +PUMPFIA: + +Mein süßer Schuft, mein Wonneheld, +mit dir stehl ich die ganze Welt. +(Umarmung.) + + +JAGOMIR: + +Bald kommt der Kasimir ins Haus; +komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus! +Im Walde steht mein freies Schloß, +da schläft sich's fein--auf Heu und Moos. + + +KÖNIG: + +Na, dann leb wohl, mein teures Kind! +Hier hast du noch ein Angebind +(gibt ihr einen Zweimarkschein) +und außerdem noch meinen Segen. + + +PUMPFIA: + +Den kannst du uns auf Zinsen legen. +(Beide ab.) + + +KÖNIG: + +Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus, +ich weine mir ein Auge aus. +(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.) +O Kasimir, Prinz Kasimir, +warum warst du nicht eher hier! +Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf; +die Welt, die ist ein Wackeltopf. +Nur eins ist unverrückt und wahr, +nur eins wie meine Pleite klar: +Hoch herrschen über Raum und Zeit +die Frechheit und die Dreistigkeit. +(Vorhang.) + + + +KASPERLE UND DER KRIEG + + +Ein Stückchen fürs Kasperltheater + + +KASPERLE (allein, singt): + + Bummvallera + ist nicht da; + wo ist Bummvallerallerallera? + +(Er gähnt.) Ach, ist die Welt langweilig! Vor lauter Langerweile hab ich +schon ein paarmal meine Finger gezählt; aber komisch, es kommt immer was +andres raus. (Er zählt an seinen Händen): 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14, +15--na ja, nun sind's wieder 15. Na, noch mal: 1, 2, 3, 5, 7, 9, 10, 12, +13, 14--komisch, nu sind's wieder 14. Mal hat der Mensch 15 und mal 14 +Finger; und dabei sehn sie immer egal aus.(Es klopft.) Ei, da kommt +Besuch. Immer 'rein, meine Herrschaften, immer 'rein! (Polizist kommt.) + + +POLIZIST: + +Bist du der Kasper? + + +KASPERLE: + +Was? Kasper? Herr Kasper heißt es, geehrter Herr Kasper heißt es, +wertgeschätzter Herr Kasper heißt es, Sie oller Helmaffe Sie, Sie +untertänigster Rasselsäbel! + + +POLIZIST: + +Mann, seien Sie mal etwas höflicher zur königlichen Polizei! + + +KASPERLE: + +Höflich? Hi hi, höflich? Mit Höflichkeit fängt man nicht mal 'nen Floh. +Oder soll man etwa sagen: bitte, Herr Floh, seien Sie so gut, Herr Floh? + + +POLIZIST: + +Kasper, du bist ein Esel! + + +KASPERLE: + +'n Esel? Was Sie sagen! Ist 'n nettes Tierchen, so'n Esel, hihi; klettert +auf die höchsten Stellen und fällt nicht runter. Hihi, möcht schon solch +Tierchen sein. + + +POLIZIST: + +Lirum, larum, Kasper, du mußt jetzt in den Krieg; darum bin ich +hergekommen. + + +KASPERLE: + +Krieg? Was ist denn das? Kriecht man da rum, in dem Krieg? Ich bin doch +kein Kriechtier! + + +POLIZIST: + +Du dummer Kasper, du dammliger, der Krieg sind Schlachten mit Bomben und +Kanonen. + + +KASPERLE: + +Schlachten? Ei, das kenn ich, da gibt's frische Wurst; Blut- und +Leberwurst, hihi, das schmeckt aber fein!--Und Bomben? wissen Sie, die +backt meine Omama mir immer zu Weihnachten; die kenn ich auch. Und +Kanonen? ja, die stehn noch vom Großvater selig her auf'm Kramboden; der +war Sie nämlich Mistbauer, und brauchte so'ne dicken hohen Schmierstiebeln. +Also, dann kenn ich ja den Krieg; muß 'ne lustige Sache sein. + + +POLIZIST: + +Na warte man, du Frechdachs, wirst es schon merken, wenn's dir man erst um +die Ohren knallt. + + +KASPERLE: + +Knallen tut's da? O jemine! Wissen Sie, Herr Kriegsminister, gegen Knallen +hab ich von Kind auf 'ne Idiokratie. + + +POLIZIST: + +Idio_syn_krasie meinst du wohl, dummer Kasper. + + +KASPERLE: + +Nee, Herr Rasselsäbel, Sinn ist da nicht drin; sonst wär's ja keine +Idiotokratie. (Er singt): + + Die Welt, die haut sich tot wie nie, + tot wie nie, tot wie nie, + und füttert das Meer mit Korn und Vieh, + Korn und Vieh, Korn und Vieh; + das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie, + Idiotokratie! + + +POLIZIST: + +Halt deinen dummen Schnabel, Kasper, das verstehst du nicht; das ist die +hohe Diplomatie. Sage mir lieber, wie dein Vater heißt, Kasper. + + +KASPERLE: + +Das kann ich Ihnen durchaus nicht sagen, Sie neugieriger Iltis, alldieweil +ich das selber nicht weiß. Ich glaube, ich hatte gar keinen Vater. + + +POLIZIST: + +Und deine Mutter? + + +KASPERLE: + +'ne Mutter? 'ne Mutter hab ich auch nicht gehabt. Bloß 'ne Großmutter und +'ne Urmama; die haben mich zusammen zur Welt gebracht. + + +POLIZIST: + +Du bist 'n Ochse, Kasper, oder 'n Frechdachs; jeder Mensch hat doch 'ne +Mutter. + + +KASPERLE: + +'n Ochse? das wär was, ei der Daus! Was wär ich da wert bei den heutigen +Fleischpreisen? wir wollen mal zusammen rechnen, Herr Kriegsminister. +Also: ich wiege 150 Pfund, das Pfund kostet jetzt 8 Mark 50. Erst also 100 +mal 8 Mark 50--hängen wir einfach zwei Nullen an, das macht 85000 Mark; +und dann noch 50 mal 8 Mark 50, das ist mir zu schwer, das kann ich nicht +rechnen. Wissen Sie's vielleicht, Herr Kriegsrat? + + +POLIZIST: + +Na, das sind ungefähr 4000 Mark, Kasperle; es ist ja auch schon lange her, +daß ich in der Schule war. + + +KASPERLE: + +Also, ich hatte 85000 Mark; und Ihre 4000 Mark dazu, macht 100000 Mark. +Sehn Sie, Herr Kriegsminister, soviel ist der Kasper werf, wenn er ein +Ochse ist; hihi, was sagen Sie nun, Herr Oberkanonenrat? Was mag man da +erst wert sein, Sie, wenn man ein fettes Schwein ist! Wissen Sie was: +wir wollen beide Bauern werden und fette Schweine zusammen ausbrüten. +(Er singt): + + O wär ich doch ein Öchselein, + Öchselein, Öchselein, + oder auch ein fettes Schwein, + fettes Schwein, fettes Schwein, + dann pökelt' ich mich selber ein, + si- sa- selber ein. + Da käm ich in ein großes Faß, + großes Faß, großes Faß, + da rollt' ich in das Kellergelaß, + Kellergelaß, Kellergelaß, + da hätt ich für den Winter was, + Wi- Wa- Winter was. + + +POLIZIST (packt ihn): + +Ach was, vorwärts marsch mit dir in den Krieg! und hast-du-nicht-gesehn +ins Feuer! + + +KASPERLE: + +Ins Feuer soll ich? Ich ins Feuer? Aber ich bin doch keine Preßkohle, +Herr Oberheizer, daß ich ins Feuer soll? (Er ruft ins Haus): Großmama, +mein Puttchen, du alte Knochenmühle! komm doch mal her, aber putz dich +nicht erst! man will dein Kasperle ins Feuer stecken! (Großmutter kommt.) + + +GROSSMUTTER: + +Was ist denn los? Was schreist du so, Kasperchen? + + +POLIZIST: + +Er muß in den Krieg und will nicht, der Racker! + + +GROSSMUTTER: + +O Gott, o Gott, in den Krieg, mein Herzblatt? Da werden sie dich +totschießen, armes Kasperchen! Ogottogottogottedoch! + + +KASPERLE: + +Laß man, Omamachen wenn sie schießen wollen, nehm ich meine Pritsche und +hau sie selber tot. Guck mal, so--so--haste-nich-gesehn--(er haut den +Polizisten tot, wirft ihn über die Rampe und sagt dabei:) Ja, quiek man! +den Kasper krigst du nicht! der lebt ewig, du oller Rasselsäbel!-- + + + + + +VERZEICHNIS DER ÜBERSCHRIFTEN + + + +Gruß an die Großen +Gruß an die Kleinen + + + +ERSTER TEIL + + +Wunderchen +Geht leise +Wittewoll schlafen +Frühstück +Seereise +So lala +Mein Wagen +Kutscher auf dem Knie +Ereignis +Heilsprüchel +Schlimme Geschichte +Austreibung +Wenn Rumpumpel brummig ist +Der Pudding +Zwei Mäulchen +Mückebold +Das Scherchen +Geschichtchen vom Winde +Anziehliedchen +Das Lämmechen +Die wilden Beinchen +Der lumpichte Bu +Tintenheinz und Plätscherlottchen +Es regnet +Trösterchen +Häschen in der Grube +Hasenspiel +Drei Bäumchen +Schabernack +Am Abend +Gutenachtliedchen +Freund Husch +Rumpumpels Geburtstag +Mutters Geburtstag +Rumpumpel tanzt +Kreiselliedchen +Konzert +Die ersten Höschen +Der kleine Sünder +Flutschpeter +Die Trommelpartie +Rumpelreim +Das Karnickel +Lektion +Lied des Hühnchens +So sieht unsre Wirtschaft aus + + + +ZWEITER TEIL + + +Das Haus +Mit Trommel und Trab +Siebenschläfer +Osterlied +Maiwunder +Hansel und Gretel +Prinzeßchen +Das große Loch +Zwei Gesellen +Wenn's Pfingsten regnet +Eine Hühnergeschichte +Marieken und die Küken +Kinderküche +Essensregeln +Die böse Mies +Pottkieker +Der Reitersmann +Das richtige Pferd +Der kleine Rekrut +Der Hauptmann +Abzählreim +Fragefritze und die Plappertasche +Plappermündchen +Puppendoktor +Kleiner Einkauf +Vaters Geburtstag +Das Himmelsprinzeßchen +Windfreude +Lied vom Monde +Weihnachtsschnee +Knecht Ruprecht in Nöten +Frohe Botschaft +Der liebe Weihnachtsmann +Sankt Niklas' Auszug +Bescheidene Frage + + + +DRITTER TEIL + + +Widmung +Sonne +Marienlied +Korsisches Wiegenlied +Königskind +Heimweh +Elfenreigen +Wiegenmärchen +Traumballade +Mutter Hule +Ein Singsang vom Rheine +Badeballade +Der Teufel und die Katz +Der Esel und die Löwenhaut +Ein Spatzengespräch +Drei Koboldstreiche +Spuk +Der Märchenkönig und sein Töchterlein +Weihnachtsgang +Weihnachtsbesuch +König Kuchen und Königin Schokolade +Der erste Mai +Wetterwunsch +Hammerliedchen +Im Sonnenschein +Wanderlied + + + +VIERTER TEIL + +Spruch fürs Leben +Allerlei Rätsel: + 1) Windmühle + 2) Die ersten Zähnchen + 3) Sau-er-kraut + 4) Spitzbube + 5) Stiefelknecht + 6) Rebe--Eber; Recke--Ecker; Rotte--Otter; Rinde--Inder; Rabe--aber + 7) Matrone, Makrone, Marone + 8) Gitter, Rettig + 9) Vielleicht + 10) Zeit + 11) Schafwolle und Rindleder + 12) Versohlt + 13) Überlegen + 14) Saumselig + 15) Verzogen + 16) Drosselbart + 17) Nachbarschaft + 18) Der Rat + 19) Besessen + 20) Ausschlag + 21) Fassung + 22) Eingefallen + 23) Druckfehlerteufel + 24) Feuerwasser + 25) Wasserscheide, Scheiderwasser + 26) Winde + 27) Leiter + 28) Welle + 29) Donnerkeile + 30) Linsengericht + 31) A, Horn, A horn + 32) Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden + 33) Retter + 34) Verwachsen + 35) Verschieden + 36) Romantik + 37) Mode, modern + 38) Die Tinte + 39) Das Licht + 40) Die Zahl + 41) Die Stadt + 42) Geistreich + 43) Gerecht, Same, Gerechtsame + 44) Gedankenübertragung +Polterabendgedicht +Hochzeitsgedicht +Neujahrsspiel +Kartoffelkomödie: Räuber und Prinzessin +Kasperle und der Krieg + + + + + +VERZEICHNIS DER ANFANGSZEILEN + + + +Auf der höchsten Berge Rücken +Auf der Leine, auf grünem Platz +Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich +Aus lichtem See +Bei König Kuchen und Königin Schokoladen +Blümchen hängt das Köpfchen +Bummvallera ist nicht da +Christkindchen lag im Stalle +Das große Loch +Das kann doch nicht Rumpumpel sein +Das Wort pflegt zu erhöhn +Der Bauer schläft im Hirsekraut +Der Esel, der Esel +Der Schneidermeister Piekenich +Der Sommerabend ist so schön +Der Vater will's das Fritzchen +Des Mondes Tochter Mirlamein +Die alte Mutter Hule +Die erste frißt +Die ersten sind ein Untertan +Die erste Silbe führt die krause Schar +Die Henne legt ein Ei +Eia, wir Elfen +Ein deutscher Meister war es, gottgesandt +Ein Kätzlein ging einst jagen +Ein Müllersmann aus Oberwesel +Ein Vogel flog aus dem Heimatland +Er geht in sich, um sich zu pflegen +Es läuft und hat keine Beine +Es regnet, es regnet +Es tanzen zwei Gesellen +Es war einmal ein Kätzchen +Es war zur lieben Weihnachtszeit +Fixfax der arge Kobold spricht +Flutschpeter lief nie gradeaus +Fritz, ich möcht den Spaten haben +Froh singt ihr Lied am Sommertag +Früh, eh ich's konnt begreifen +Geht leise +Gestern lief der Peter weg +Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder +Grüß Gott, ihr Leut, ich bin das Jahr +Guten Morgen, ihr Beinchen +Guten Tag, guten Tag, liebe Grünkramfrau +Hansel und Gretel stehen zu zwein +Hans Wackelohr, Hans Wackelohr +Häschen in der Grube +Has, Has, Osterhas +Heini, Heini +Herbei, ihr kleinen Wichte +Herr Dreidel tanzt auf einem Bein +Herr Steuermann, Herr Steuermann +Hinter den Birken über den Rasen +Hinüber, hinein +Hühner, wollt ihr wohl artig sein +Hurra, zum ersten Mal +Husch, husch, husch +Ich bau, ich bau ein steinern Haus +Ich bin das Himmelsprinzeßchen +Ich bin der Hauptmann +Ich bin eine kleine Sternschnuppe +Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt +Ich habe Flügel--rate, Kind +Ich hab einen Helm aus Packpapier +Ich hab keine Hände und kann doch tragen +Ich möcht euch alle miteinander +Ich nähre mich von fremden Stoffen +Ich stand begehrlich am Worte +Ich war in Fez durch die Buden gewandelt +Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf +Ihr Siebenschläfer in den Höhlen +Im Stall unter Schäfchen bäht +In alten Zeiten +In eins-zwei-drei lebt ganz gemütlich +In Leipzig wohnt ein Bäckermeister +In Not und Gefahr +In Wolfenbüttel wohnt ein Lamm +Jung jung drei Bäumchen +Ka Strümpferl im Kasten +Klänge wachsen auf den Wegen +Klärchen nähte an dem ersten +Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart +Kräht der Hahn früh am Tage +Kra, kra, kalter Schnee +Kribbel-krabbel-Käfer +Ländliche Straßen, dicht beschneit +Leise, Peterle, leise +Leises Klopfen an der Türe +Lieber Doktor Pillermann +Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß +Maienkönig schickt mich her +Maikönig kommt gefahren +Maria herzt ihr Kindelein +Mariechen war's; mit meinem Kuchen +Marie-Marei-Marieken +Marie-Marei will Braten machen +Mein erstes ist ein Hund +Mein erstes ist nicht wenig +Mein erstes Wort, im engen Raum genährt +Mein Reich ist unbegrenzt: bis in die fernste Zone +Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt +Mein Wagen hat vier Räder +Mückchen, Mückchen, Dünnebein +Musik, Musik, die Flöte kommt +Mutti, Mutti, was ist denn da drin +Nein, Kinder, immer kann man nicht dichten +Nennst du das Ganze, tönt es uns entgegen +Oben aus dem Fahnenhaus +Ohne Zepter, ohne Krone +Pink, pank, Hammerschlag +Pitsch--patsch--Badefaß +Putzt die Fenster! fegt die Ecken! +Quellchen geht in den Rauschebach +Rate, Freund, es ist nicht schwer +Rechts, links, über Eck +Ride-bide-Bummstock +Rumpumpel macht 'ne Landpartie +Rumpumpel tanzt +Rumpumpel will essen +Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus +Sankt Nikolas, Sankt Nikolas +Scheine, Sonne, scheine +Schimmel, willst du laufen +Schlafe, mein kleiner Wildling +Schlafe ruhig, Königskind +Schnell, schnell, Besen +Schnipsel, schnipsel, Scherchen +Sind es die Feinde, muß man sich wehren +Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile +Sitzen zwei alte Weiber im Sand +So morgens um halb acht herum +Sonnenlichter, Frühlingswichter +Sonne scheint draußen und scheint in die Grube +Spitzt das Ohr und merkt euch still +Standen vier weiße Ritterchen +Steht ein Töpfchen rund und nett +Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant +Still--was bloß das Kätzchen will +Traumkönig geht durch bleiches Land +Tuck--tuck--heut ist Regentag +Unser Müller hat ein Mühlenhaus +Viel Glieder hab ich, die einander gleichen +Vor der Laube kräht der Hahn +Wächst einer alten Dame +Wagen im Wind +Waldtaube saß gefangen +Wenn das R am Anfang steht +Wenn der Wind über Wiesen und Felder rennt +Wenn es von Freund und Liebchen kommt +Wenn ich in die Stube geh +Wer es hat, der ist betrübt +Wer kommt dort angeflogen +Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd +Wer strampelt im Bettchen +Wer tanzt mit mir +Willst du das erste Wort stets sein und handeln +Wind, Wind, sause +Winkele, wankele +Wir sind's gewiß in vielen Dingen +Wir sind's mit Stamm und Vaterland +Zwei Worte weiß ich, die einander feind + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Das liebe Nest, by Paula Dehmel + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 13732 *** |
