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Fischer Verlag -1903 - -'Schwere Stunde' aus »Das Wunderkind. Novellen.« Berlin, S. Fischer -Verlag [1914] (= Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane, Jg. 6, -Bd. 6) - - - - * * * * * - - - -GLADIUS DEI - - -1 - -München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen -Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den -springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte -sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und -lichten, umgrünten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem -Sonnendunst eines ersten, schönen Junitages. - -Vogelgeschwätz und heimlicher Jubel über allen Gassen. ...Und auf -Plätzen und Zeilen rollt, wallt und summt das unüberstürzte und -amüsante Treiben der schönen und gemächlichen Stadt. Reisende aller -Nationen kutschieren in den kleinen, langsamen Droschken umher, indem -sie rechts und links in wahlloser Neugier an den Wänden der Häuser -hinaufschauen, und steigen die Freitreppen der Museen hinan... - -Viele Fenster stehen geöffnet, und aus vielen klingt Musik auf -die Straßen hinaus, Übungen auf dem Klavier, der Geige oder dem -Violoncell, redliche und wohlgemeinte dilettantische Bemühungen. Im -'Odeon' aber wird, wie man vernimmt, an mehreren Flügeln ernstlich -studiert. - -Junge Leute, die das Nothung-Motiv pfeifen und abends die Hintergründe -des modernen Schauspielhauses füllen, wandern, literarische -Zeitschriften in den Seitentaschen ihrer Jacketts, in der Universität -und der Staatsbibliothek aus und ein. Vor der Akademie der bildenden -Künste, die ihre weißen Arme zwischen der Türkenstraße und dem -Siegestor ausbreitet, hält eine Hofkarosse. Und auf der Höhe der Rampe -stehen, sitzen und lagern in farbigen Gruppen die Modelle, pittoreske -Greise, Kinder und Frauen in der Tracht der Albaner Berge. - -Lässigkeit und hastloses Schlendern in all den langen Straßenzügen des -Nordens... Man ist von Erwerbsgier nicht gerade gehetzt und verzehrt -dortselbst, sondern lebt angenehmen Zwecken. Junge Künstler, runde -Hütchen auf den Hinterköpfen, mit lockeren Krawatten und ohne Stock, -unbesorgte Gesellen, die ihren Mietzins mit Farbenskizzen bezahlen, -gehen spazieren, um diesen hellblauen Vormittag auf ihre Stimmung -wirken zu lassen, und sehen den kleinen Mädchen nach, diesem hübschen, -untersetzten Typus mit den brünetten Haarbandeaux, den etwas zu -großen Füßen und den unbedenklichen Sitten. ...Jedes fünfte Haus -läßt Atelierfensterscheiben in der Sonne blinken. Manchmal tritt -ein Kunstbau aus der Reihe der bürgerlichen hervor, das Werk eines -phantasievollen jungen Architekten, breit und flachbogig, mit bizarrer -Ornamentik, voll Witz und Stil. Und plötzlich ist irgendwo die Tür -an einer allzu langweiligen Fassade von einer kecken Improvisation -umrahmt, von fließenden Linien und sonnigen Farben, Bacchanten, Nixen, -rosigen Nacktheiten... - -Es ist stets aufs neue ergötzlich, vor den Auslagen der -Kunstschreinereien und der Basare für moderne Luxusartikel zu -verweilen. Wieviel phantasievoller Komfort, wieviel linearer Humor in -der Gestalt aller Dinge! Überall sind die kleinen Skulptur-, Rahmen- -und Antiquitätenhandlungen verstreut, aus deren Schaufenstern dir -die Büsten der florentinischen Quattrocento-Frauen voll einer edlen -Pikanterie entgegenschauen. Und der Besitzer des kleinsten und -billigsten dieser Läden spricht dir von Donatello und Mino da -Fiesole, als habe er das Vervielfältigungsrecht von ihnen persönlich -empfangen... - -Aber dort oben am Odeonsplatz, angesichts der gewaltigen Loggia, vor -der sich die geräumige Mosaikfläche ausbreitet, und schräg gegenüber -dem Palast des Regenten drängen sich die Leute um die breiten -Fenster und Schaukästen des großen Kunstmagazins, des weitläufigen -Schönheitsgeschäftes von M. Blüthenzweig. Welche freudige Pracht der -Auslage! Reproduktionen von Meisterwerken aus allen Galerien der Erde, -eingefaßt in kostbare, raffiniert getönte und ornamentierte Rahmen -in einem Geschmack von preziöser Einfachheit; Abbildungen moderner -Gemälde, sinnenfroher Phantasieen, in denen die Antike auf eine -humorvolle und realistische Weise wiedergeboren zu sein scheint; die -Plastik der Renaissance in vollendeten Abgüssen; nackte Bronzeleiber -und zerbrechliche Ziergläser; irdene Vasen von steilem Stil, die -aus Bädern von Metalldämpfen in einem schillernden Farbenmantel -hervorgegangen sind; Prachtbände, Triumphe der neuen -Ausstattungskunst, Werke modischer Lyriker, gehüllt in einen -dekorativen und vornehmen Prunk; dazwischen die Porträts von -Künstlern, Musikern, Philosophen, Schauspielern, Dichtern, der -Volksneugier nach Persönlichem ausgehängt... In dem ersten Fenster, -der anstoßenden Buchhandlung zunächst, steht auf einer Staffelei -ein großes Bild, vor dem die Menge sich staut: eine wertvolle, in -rotbraunem Tone ausgeführte Photographie in breitem, altgoldenem -Rahmen, ein aufsehenerregendes Stück, eine Nachbildung des Clous der -großen internationalen Ausstellung des Jahres, zu deren Besuch an -den Litfaßsäulen, zwischen Konzertprospekten und künstlerisch -ausgestatteten Empfehlungen von Toilettenmitteln, archaisierende und -wirksame Plakate einladen. - -Blick um dich, sich in die Fenster der Buchläden. Deinen Augen -begegnen Titel wie 'Die Wohnungskunst seit der Renaissance', -'Die Erziehung des Farbensinnes', 'Die Renaissance im modernen -Kunstgewerbe', 'Das Buch als Kunstwerk', 'Die dekorative Kunst', -'Der Hunger nach Kunst'--und du mußt wissen, daß diese Weckschriften -tausendfach gekauft und gelesen werden, und daß abends über -ebendieselben Gegenstände vor vollen Sälen geredet wird... - -Hast du Glück, so begegnet dir eine der berühmten Frauen in Person, -die man durch das Medium der Kunst zu schauen gewohnt ist, eine jener -reichen und schönen Damen von künstlich hergestelltem tizianischen -Blond und im Brillantenschmuck, deren betörenden Zügen durch die Hand -eines genialen Porträtisten die Ewigkeit zuteil geworden ist, und von -deren Liebesleben die Stadt spricht--Königinnen der Künstlerfeste im -Karneval, ein wenig geschminkt, ein wenig gemalt, voll einer edlen -Pikanterie, gefallsüchtig und anbetungswürdig. Und sieh, dort fährt -ein großer Maler mit seiner Geliebten in einem Wagen die Ludwigstraße -hinauf. Man zeigt sich das Gefährt, man bleibt stehen und blickt den -beiden nach. Viele Leute grüßen. Und es fehlt nicht viel, daß die -Schutzleute Front machen. - -Die Kunst blüht, die Kunst ist an der Herrschaft, die Kunst streckt -ihr rosenumwundenes Zepter über die Stadt hin und lächelt. Eine -allseitige respektvolle Anteilnahme an ihrem Gedeihen, eine -allseitige, fleißige und hingebungsvolle Übung und Propaganda in ihrem -Dienste, ein treuherziger Kultus der Linie, des Schmuckes, der Form, -der Sinne, der Schönheit obwaltet... München leuchtete. - - - -2 - -Es schritt ein Jüngling die Schellingstraße hinan; er schritt, -umklingelt von den Radfahrern, in der Mitte des Holzpflasters der -breiten Fassade der Ludwigskirche entgegen. Sah man ihn an, so war -es, als ob ein Schatten über die Sonne ginge oder über das Gemüt eine -Erinnerung an schwere Stunden. Liebte er die Sonne nicht, die die -schöne Stadt in Festglanz tauchte? Warum hielt er in sich gekehrt und -abgewandt die Augen zu Boden gerichtet, indes er wandelte? - -Er trug keinen Hut, woran bei der Kostümfreiheit der leichtgemuten -Stadt keine Seele Anstoß nahm, sondern hatte statt dessen die Kapuze -seines weiten, schwarzen Mantels über den Kopf gezogen, die seine -niedrige, eckig vorspringende Stirn beschattete, seine Ohren bedeckte -und seine hageren Wangen umrahmte. Welcher Gewissensgram, welche -Skrupeln und welche Mißhandlungen seiner selbst hatten diese Wangen so -auszuhöhlen vermocht? Ist es nicht schauerlich, an solchem Sonnentage -den Kummer in den Wangenhöhlen eines Menschen wohnen zu sehen? Seine -dunklen Brauen verdickten sich stark an der schmalen Wurzel seiner -Nase, die groß und gehöckert aus dem Gesichte hervorsprang, und -seine Lippen waren stark und wulstig. Wenn er seine ziemlich nahe -beieinanderliegenden braunen Augen erhob, bildeten sich Querfalten -auf seiner kantigen Stirn. Er blickte mit einem Ausdruck von Wissen, -Begrenztheit und Leiden. Im Profil gesehen, glich dieses Gesicht genau -einem alten Bildnis von Möncheshand, aufbewahrt zu Florenz in einer -engen und harten Klosterzelle, aus welcher einstmals ein furchtbarer -und niederschmetternder Protest gegen das Leben und seinen Triumph -erging... - -Hieronymus schritt die Schellingstraße hinan, schritt langsam und -fest, indes er seinen weiten Mantel von innen mit beiden Händen -zusammenhielt. Zwei kleine Mädchen, zwei dieser hübschen, untersetzten -Wesen mit den Haarbandeaux, den zu großen Füßen und den unbedenklichen -Sitten, die Arm in Arm und abenteuerlustig an ihm vorüberschlenderten, -stießen sich an und lachten, legten sich vornüber und gerieten ins -Laufen vor Lachen über seine Kapuze und sein Gesicht. Aber er achtete -dessen nicht. Gesenkten Hauptes und ohne nach rechts oder links zu -blicken, überschritt er die Ludwigstraße und stieg die Stufen der -Kirche hinan. - -Die großen Flügel der Mitteltür standen weit geöffnet. In der -geweihten Dämmerung, kühl, dumpfig und mit Opferrauch geschwängert, -war irgendwo fern ein schwaches, rötliches Glühen bemerkbar. Ein altes -Weib mit blutigen Augen erhob sich von einer Betbank und schleppte -sich an Krücken zwischen den Säulen hindurch. Sonst war die Kirche -leer. - -Hieronymus benetzte sich Stirn und Brust am Becken, beugte das Knie -vor dem Hochaltar und blieb dann im Mittelschiffe stehen. War es -nicht, als sei seine Gestalt gewachsen, hier drinnen? Aufrecht und -unbeweglich, mit frei erhobenem Haupte stand er da, seine große, -gehöckerte Nase schien mit einem herrischen Ausdruck über den starken -Lippen hervorzuspringen, und seine Augen waren nicht mehr zu Boden -gerichtet, sondern blickten kühn und geradeswegs ins Weite, zu dem -Kruzifix auf dem Hochaltar hinüber. So verharrte er reglos eine -Weile; dann beugte er zurücktretend aufs neue das Knie und verließ die -Kirche. - -Er schritt die Ludwigstraße hinauf, langsam und fest, gesenkten -Hauptes, inmitten des breiten, ungepflasterten Fahrdammes, entgegen -der gewaltigen Loggia mit ihren Statuen. Aber auf dem Odeonsplatze -angelangt, blickte er auf, so daß sich Querfalten auf seiner kantigen -Stirne bildeten, und hemmte seine Schritte: aufmerksam gemacht durch -die Menschenansammlung vor den Auslagen der großen Kunsthandlung, des -weitläufigen Schönheitsgeschäftes von M. Blüthenzweig. - -Die Leute gingen von Fenster zu Fenster, zeigten sich die -ausgestellten Schätze und tauschten ihre Meinungen aus, indes einer -über des anderen Schulter blickte. Hieronymus mischte sich unter sie -und begann auch seinerseits alle diese Dinge zu betrachten, alles in -Augenschein zu nehmen, Stück für Stück. - -Er sah die Nachbildungen von Meisterwerken aus allen Galerieen -der Erde, die kostbaren Rahmen in ihrer simplen Bizarrerie, die -Renaissanceplastik, die Bronzeleiber und Ziergläser, die schillernden -Vasen, den Buchschmuck und die Porträts der Künstler, Musiker, -Philosophen, Schauspieler, Dichter, sah alles an und wandte an jeden -Gegenstand einen Augenblick. Indem er seinen Mantel von innen mit -beiden Händen fest zusammenhielt, drehte er seinen von der Kapuze -bedeckten Kopf in kleinen, kurzen Wendungen von einer Sache zur -nächsten, und unter seinen dunklen, an der Nasenwurzel stark sich -verdichtenden Brauen, die er emporzog, blickten seine Augen mit einem -befremdeten, stumpfen und kühl erstaunten Ausdruck auf jedes Ding eine -Weile. So erreichte er das erste Fenster, dasjenige, unter dem das -aufsehenerregende Bild sich befand, blickte eine Zeitlang den vor ihm -sich drängenden Leuten über die Schultern und gelangte endlich nach -vorn, dicht an die Auslage heran. - -Die große, rötlichbraune Photographie stand, mit äußerstem Geschmack -in Altgold gerahmt, auf einer Staffelei inmitten des Fensterraumes. -Es war eine Madonna, eine durchaus modern empfundene, von jeder -Konvention freie Arbeit. Die Gestalt der heiligen Gebärerin war von -berückender Weiblichkeit, entblößt und schön. Ihre großen, schwülen -Augen waren dunkel umrändert, und ihre delikat und seltsam lächelnden -Lippen standen halb geöffnet. Ihre schmalen, ein wenig nervös und -krampfhaft gruppierten Finger umfaßten die Hüfte des Kindes, eines -nackten Knaben von distinguierter und fast primitiver Schlankheit, -der mit ihrer Brust spielte und dabei seine Augen mit einem klugen -Seitenblick auf den Beschauer gerichtet hielt. - -Zwei andere Jünglinge standen neben Hieronymus und unterhielten sich -über das Bild, zwei junge Männer mit Büchern unter dem Arm, die -sie aus der Staatsbibliothek geholt hatten oder dorthin brachten, -humanistisch gebildete Leute, beschlagen in Kunst und Wissenschaft. - -»Der Kleine hat es gut, hol' mich der Teufel!« sagte der eine. - -»Und augenscheinlich hat er die Absicht, einen neidisch zu machen«, -versetzte der andere... »Ein bedenkliches Weib!« - -»Ein Weib zum Rasendwerden! Man wird ein wenig irre am Dogma von der -unbefleckten Empfängnis...« - -»Ja, ja, sie macht einen ziemlich berührten Eindruck... Hast du das -Original gesehen?« - -»Selbstverständlich. Ich war ganz angegriffen. Sie wirkt in der Farbe -noch weit aphrodisischer... besonders die Augen.« - -»Die Ähnlichkeit ist eigentlich doch ausgesprochen.« - -»Wieso?« - -»Kennst du nicht das Modell? Er hat doch seine kleine Putzmacherin -dazu benützt. Es ist beinahe Porträt, nur stark ins Gebiet des -Korrupten hinaufstilisiert... Die Kleine ist harmloser.« - -»Das hoffe ich. Das Leben wäre allzu anstrengend, wenn es viele gäbe, -wie diese mater amata...« - -»Die Pinakothek hat es angekauft.« - -»Wahrhaftig? Sieh da! Sie wußte wohl übrigens, was sie tat. Die -Behandlung des Fleisches und der Linienfluß des Gewandes ist wirklich -eminent.« - -»Ja, ein unglaublich begabter Kerl.« - -»Kennst du ihn?« - -»Ein wenig. Er wird Karriere machen, das ist sicher. Er war schon -zweimal beim Regenten zur Tafel...« - -Das letzte sprachen sie, während sie anfingen, voneinander Abschied zu -nehmen. - -»Sieht man dich heute abend im Theater?« fragte der eine. »Der -dramatische Verein gibt Macchiavelli's 'Mandragola' zum besten.« - -»Oh, bravo. Davon kann man sich Spaß versprechen. Ich hatte vor, ins -Künstlervarieté zu gehen, aber es ist wahrscheinlich, daß ich den -wackeren Nicolò schließlich vorziehe. Auf Wiedersehen...« - -Sie trennten sich, traten zurück und gingen nach rechts und links -auseinander. Neue Leute rückten an ihre Stelle und betrachteten das -erfolgreiche Bild. Aber Hieronymus stand unbeweglich an seinem Platze; -er stand mit vorgestrecktem Kopfe, und man sah, wie seine Hände, mit -denen er auf der Brust seinen Mantel von innen zusammenhielt, sich -krampfhaft ballten. Seine Brauen waren nicht mehr mit jenem kühl und -ein wenig gehässig erstaunten Ausdruck emporgezogen, sie hatten sich -gesenkt und verfinstert, seine Wangen, von der schwarzen Kapuze halb -bedeckt, schienen tiefer ausgehöhlt als vordem, und seine dicken -Lippen waren ganz bleich. Langsam neigte sein Kopf sich tiefer und -tiefer, so daß er schließlich seine Augen ganz von unten herauf starr -auf das Kunstwerk gerichtet hielt. Die Flügel seiner großen Nase -bebten. - -In dieser Haltung verblieb er wohl eine Viertelstunde. Die Leute um -ihn her lösten sich ab, er aber wich nicht vom Platze. Endlich drehte -er sich langsam, langsam auf den Fußballen herum und ging fort. - - - -3 - -Aber das Bild der Madonna ging mit ihm. Immerdar, mochte er nun in -seinem engen und harten Kämmerlein weilen oder in den kühlen Kirchen -knieen, stand es vor seiner empörten Seele, mit schwülen, umränderten -Augen, mit rätselhaft lächelnden Lippen, entblößt und schön. Und kein -Gebet vermochte es zu verscheuchen. - -In der dritten Nacht aber geschah es, daß ein Befehl und Ruf aus der -Höhe an Hieronymus erging, einzuschreiten und seine Stimme zu erheben -gegen leichtherzige Ruchlosigkeit und frechen Schönheitsdünkel. -Vergebens wendete er, Mosen gleich, seine blöde Zunge vor; -Gottes Wille blieb unerschütterlich und verlangte laut von seiner -Zaghaftigkeit diesen Opfergang unter die lachenden Feinde. - -Da machte er sich auf am Vormittage und ging, weil Gott es wollte, -den Weg zur Kunsthandlung, zum großen Schönheitsgeschäft von M. -Blüthenzweig. Er trug die Kapuze über dem Kopf und hielt seinen Mantel -von innen mit beiden Händen zusammen, indes er wandelte. - - - -4 - -Es war schwül geworden; der Himmel war fahl, und ein Gewitter drohte. -Wiederum belagerte viel Volks die Fenster der Kunsthandlung, besonders -aber dasjenige, in dem das Madonnenbild sich befand. Hieronymus warf -nur einen kurzen Blick dorthin; dann drückte er die Klinke der mit -Plakaten und Kunstzeitschriften verhangenen Glastür. »Gott will es!« -sagte er und trat in den Laden. - -Ein junges Mädchen, das irgendwo an einem Pult in einem großen Buche -geschrieben hatte, ein hübsches, brünettes Wesen mit Haarbandeaux und -zu großen Füßen, trat auf ihn zu und fragte freundlich, was ihm zu -Diensten stehe. - -»Ich danke Ihnen«, sagte Hieronymus leise und blickte ihr, Querfalten -in seiner kantigen Stirn, ernst in die Augen. »Nicht Sie will ich -sprechen, sondern den Inhaber des Geschäftes, Herrn Blüthenzweig.« - -Ein wenig zögernd zog sie sich von ihm zurück und nahm ihre -Beschäftigung wieder auf. Er stand inmitten des Ladens. - -Alles, was draußen in einzelnen Beispielen zur Schau gestellt war, es -war hier drinnen zwanzigfach zu Häuf getürmt und üppig ausgebreitet: -eine Fülle von Farbe, Linie und Form, von Stil, Witz, Wohlgeschmack -und Schönheit. Hieronymus blickte langsam nach beiden Seiten, und dann -zog er die Falten seines schwarzen Mantels fester um sich zusammen. - -Es waren mehrere Leute im Laden anwesend. An einem der breiten Tische, -die sich quer durch den Raum zogen, saß ein Herr in gelbem Anzug und -mit schwarzem Ziegenbart und betrachtete eine Mappe mit französischen -Zeichnungen, über die er manchmal ein meckerndes Lachen vernehmen -ließ. Ein junger Mensch mit einem Aspekt von Schlechtbezahltheit -und Pflanzenkost bediente ihn, indem er neue Mappen zur Ansicht -herbeischleppte. Dem meckernden Herrn schräg gegenüber prüfte eine -vornehme alte Dame moderne Kunststickereien, große Fabelblumen in -blassen Tönen, die auf langen, steifen Stielen senkrecht nebeneinander -standen. Auch um sie bemühte sich ein Angestellter des Geschäfts. -An einem zweiten Tische saß, die Reisemütze auf dem Kopfe und die -Holzpfeife im Munde, nachlässig ein Engländer. Durabel gekleidet, -glatt rasiert, kalt und unbestimmten Alters, wählte er unter Bronzen, -die Herr Blüthenzweig ihm persönlich herzutrug. Die ziere Gestalt -eines nackten kleinen Mädchens, welche, unreif und zart gegliedert, -ihre Händchen in koketter Keuschheit auf der Brust kreuzte, hielt er -am Kopfe erfaßt und musterte sie eingehend, indem er sie langsam um -sich selbst drehte. - -Herr Blüthenzweig, ein Mann mit kurzem braunen Vollbart und blanken -Augen von ebenderselben Farbe, bewegte sich händereibend um ihn herum, -indem er das kleine Mädchen mit allen Vokabeln pries, deren er habhaft -werden konnte. - -»Hundertfünfzig Mark, Sir«, sagte er auf englisch; »Münchener Kunst, -Sir. Sehr lieblich in der Tat. Voller Reiz, wissen Sie. Es ist -die Grazie selbst, Sir. Wirklich äußerst hübsch, niedlich und -bewunderungswürdig.« Hierauf fiel ihm noch etwas ein und er sagte: -»Höchst anziehend und verlockend.« Dann fing er wieder von vorne an. - -Seine Nase lag ein wenig platt auf der Oberlippe, so daß er beständig -in einem leicht fauchenden Geräusch in seinen Schnurrbart schnüffelte. -Manchmal näherte er sich dabei dem Käufer in gebückter Haltung, als -beröche er ihn. Als Hieronymus eintrat, untersuchte Herr Blüthenzweig -ihn flüchtig in eben dieser Weise, widmete sich aber alsbald wieder -dem Engländer. - -Die vornehme Dame hatte ihre Wahl getroffen und verließ den Laden. Ein -neuer Herr trat ein. Herr Blüthenzweig beroch ihn kurz, als wollte er -so den Grad seiner Kauffähigkeit erkunden, und überließ es der jungen -Buchhalterin, ihn zu bedienen. Der Herr erstand nur eine Fayencebüste -Piero's, Sohn des prächtigen Medici, und entfernte sich wieder. -Auch der Engländer begann nun aufzubrechen. Er hatte sich das kleine -Mädchen zu eigen gemacht und ging unter den Verbeugungen Herrn -Blüthenzweigs. Dann wandte sich der Kunsthändler zu Hieronymus und -stellte sich vor ihn hin. - -»Sie wünschen...« fragte er ohne viel Demut. - -Hieronymus hielt seinen Mantel von innen mit beiden Händen zusammen -und blickte Herrn Blüthenzweig fast ohne mit der Wimper zu zucken ins -Gesicht. Er trennte langsam seine dicken Lippen und sagte: - -»Ich komme zu Ihnen wegen des Bildes in jenem Fenster dort, der -großen Photographie, der Madonna.«--Seine Stimme war belegt und -modulationslos. - -»Jawohl, ganz recht«, sagte Herr Blüthenzweig lebhaft und begann, -sich die Hände zu reiben: »Siebenzig Mark im Rahmen, mein Herr. Es ist -unveränderlich ... eine erstklassige Reproduktion. Höchst anziehend -und reizvoll.« - -Hieronymus schwieg. Er neigte seinen Kopf in der Kapuze und sank ein -wenig in sich zusammen, während der Kunsthändler sprach; dann richtete -er sich wieder auf und sagte: - -»Ich bemerke Ihnen im voraus, daß ich nicht in der Lage, noch -überhaupt willens bin, irgend etwas zu kaufen. Es tut mir leid, Ihre -Erwartungen enttäuschen zu müssen. Ich habe Mitleid mit Ihnen, wenn -Ihnen das Schmerz bereitet. Aber erstens bin ich arm, und zweitens -liebe ich die Dinge nicht, die Sie feilhalten. Nein, kaufen kann ich -nichts.« - -»Nicht ... also nicht«, sagte Herr Blüthenzweig und schnüffelte stark. -»Nun, darf ich fragen...« - -»Wie ich Sie zu kennen glaube«, fuhr Hieronymus fort, »so verachten -Sie mich darum, daß ich nicht imstande bin, Ihnen etwas abzukaufen...« - -»Hm ...« sagte Herr Blüthenzweig. »Nicht doch! Nur ...« - -»Dennoch bitte ich Sie, mir Gehör zu schenken und meinen Worten -Gewicht beizulegen.« - -»Gewicht beizulegen. Hm. Darf ich fragen ...« - -»Sie dürfen fragen«, sagte Hieronymus, »und ich werde Ihnen antworten. -Ich bin gekommen, Sie zu bitten, daß Sie jenes Bild, die große -Photographie, die Madonna, sogleich aus Ihrem Fenster entfernen und -sie niemals wieder zur Schau stellen.« - -Herr Blüthenzweig blickte eine Weile stumm in Hieronymus' Gesicht, mit -einem Ausdruck, als forderte er ihn auf, über seine abenteuerlichen -Worte in Verlegenheit zu geraten. Da dies aber keineswegs geschah, so -schnüffelte er heftig und brachte hervor: - -»Wollen Sie die Güte haben, mir mitzuteilen, ob Sie hier in -irgendeiner amtlichen Eigenschaft stehen, die Sie befugt, mir -Vorschriften zu machen, oder was Sie eigentlich herführt...« - -»O nein«, antwortete Hieronymus; »ich habe weder Amt noch Würde von -Staates wegen. Die Macht ist nicht auf meiner Seite, Herr. Was mich -herführt, ist allein mein Gewissen.« - -Herr Blüthenzweig bewegte nach Worten suchend den Kopf hin und her, -blies heftig mit der Nase in seinen Schnurrbart und rang mit der -Sprache. Endlich sagte er: - -»Ihr Gewissen ... Nun, so wollen Sie gefälligst ... Notiz davon -nehmen ... daß Ihr Gewissen für uns eine ... eine gänzlich belanglose -Einrichtung ist!«-- - -Damit drehte er sich um, ging schnell zu seinem Pult im Hintergrunde -des Ladens und begann zu schreiben. Die beiden Ladendiener lachten von -Herzen. Auch das hübsche Fräulein kicherte über ihrem Kontobuche. Was -den gelben Herrn mit dem schwarzen Ziegenbart betraf, so zeigte es -sich, daß er ein Fremder war, denn er verstand augenscheinlich nichts -von dem Gespräch, sondern fuhr fort, sich mit den französischen -Zeichnungen zu beschäftigen, wobei er von Zeit zu Zeit sein meckerndes -Lachen vernehmen ließ.-- - -»Wollen Sie den Herrn abfertigen«, sagte Herr Blüthenzweig über die -Schulter hinweg zu seinem Gehilfen. Dann schrieb er weiter. Der junge -Mensch mit dem Aspekt von Schlechtbezahltheit und Pflanzenkost trat -auf Hieronymus zu, indem er sich des Lachens zu enthalten trachtete, -und auch der andere Verkäufer näherte sich. - -»Können wir Ihnen sonst irgendwie dienlich sein?« fragte der -Schlechtbezahlte sanft. Hieronymus hielt unverwandt seinen leidenden, -stumpfen und dennoch durchdringenden Blick auf ihn gerichtet. - -»Nein«, sagte er, »sonst können Sie es nicht. Ich bitte Sie, das -Madonnenbild unverzüglich aus dem Fenster zu entfernen, und zwar für -immer.« - -»Oh ... Warum?« - -»Es ist die heilige Mutter Gottes...« sagte Hieronymus gedämpft. - -»Allerdings ... Sie hören ja aber, daß Herr Blüthenzweig nicht geneigt -ist, Ihren Wunsch zu erfüllen.« - -»Man muß bedenken, daß es die heilige Mutter Gottes ist«, sagte -Hieronymus, und sein Kopf zitterte. - -»Das ist richtig.--Und weiter? Darf man keine Madonnen ausstellen? -Darf man keine malen?« - -»Nicht so! Nicht so!« sagte Hieronymus beinahe flüsternd, indem er -sich hoch emporrichtete und mehrmals heftig den Kopf schüttelte. -Seine kantige Stirn unter der Kapuze war ganz von langen und tiefen -Querfalten durchfurcht. »Sie wissen sehr wohl, daß es das Laster -selbst ist, das ein Mensch dort gemalt hat ... die entblößte Wollust! -Von zwei schlichten und unbewußten Leuten, die dieses Madonnenbild -betrachteten, habe ich mit meinen Ohren gehört, daß es sie an dem -Dogma der unbefleckten Empfängnis irremache...« - -»Oh, erlauben Sie, nicht darum handelt es sich«, sagte der junge -Verkäufer überlegen lächelnd. Er schrieb in seinen Mußestunden eine -Broschüre über die moderne Kunstbewegung und war sehr wohl imstande, -ein gebildetes Gespräch zu führen. - -»Das Bild ist ein Kunstwerk«, fuhr er fort, »und man muß den Maßstab -daranlegen, der ihm gebührt. Es hat allerseits den größten Beifall -gehabt. Der Staat hat es angekauft...« - -»Ich weiß, daß der Staat es angekauft hat«, sagte Hieronymus. »Ich -weiß auch, daß der Maler zweimal beim Regenten gespeist hat. Das Volk -spricht davon, und Gott weiß, wie es sich die Tatsache deutet, daß -jemand für ein solches Werk zum hochgeehrten Manne wird. Wovon -legt diese Tatsache Zeugnis ab? Von der Blindheit der Welt, einer -Blindheit, die unfaßlich ist, wenn sie nicht auf schamloser Heuchelei -beruht. Dieses Gebilde ist aus Sinnenlust entstanden und wird in -Sinnenlust genossen ... ist dies wahr oder nicht? Antworten Sie; -antworten auch Sie, Herr Blüthenzweig!« - -Eine Pause trat ein. Hieronymus schien allen Ernstes eine Antwort zu -verlangen und blickte mit seinen leidenden und durchdringenden Augen -abwechselnd auf die beiden Verkäufer, die ihn neugierig und verdutzt -anstarrten, und auf Herrn Blüthenzweigs runden Rücken. Es herrschte -Stille. Nur der gelbe Herr mit dem schwarzen Ziegenbart ließ, über die -französischen Zeichnungen gebeugt, sein meckerndes Lachen vernehmen. - -»Es _ist_ wahr!« fuhr Hieronymus fort, und in seiner belegten Stimme -bebte eine tiefe Entrüstung ... »Sie wagen nicht, es zu leugnen! Wie -aber ist es dann möglich, den Verfertiger dieses Gebildes im Ernste zu -feiern, als habe er der Menschheit ideale Güter um eines vermehrt? Wie -ist es dann möglich, davor zu stehen, sich unbedenklich dem schnöden -Genüsse hinzugeben, den es verursacht, und sein Gewissen mit dem Worte -Schönheit zum Schweigen zu bringen, ja, sich ernstlich einzureden, -man überlasse sich dabei einem edlen, erlesenen und höchst -menschenwürdigen Zustande? Ist dies ruchlose Unwissenheit oder -verworfene Heuchelei? Mein Verstand steht still an dieser Stelle ... -er steht still vor der absurden Tatsache, daß ein Mensch durch die -dumme und zuversichtliche Entfaltung seiner tierischen Triebe auf -Erden zu höchstem Ruhme gelangen kann!... Schönheit ... Was ist -Schönheit? Wodurch wird die Schönheit zutage getrieben und worauf -wirkt sie? Es ist unmöglich, dies nicht zu wissen, Herr Blüthenzweig! -Wie aber ist es denkbar, eine Sache so sehr zu durchschauen und -nicht angesichts ihrer von Ekel und Gram erfüllt zu werden? Es ist -verbrecherisch, die Unwissenheit der schamlosen Kinder und kecken -Unbedenklichen durch die Erhöhung und frevle Anbetung der Schönheit -zu bestätigen, zu bekräftigen und ihr zur Macht zu verhelfen, denn sie -sind weit vom Leiden und weiter noch von der Erlösung! ...Du blickst -schwarz, antworten Sie mir, du, Unbekannter. Das Wissen, sage ich -Ihnen, ist die tiefste Qual der Welt; aber es ist das Fegefeuer, ohne -dessen läuternde Pein keines Menschen Seele zum Heile gelangt. -Nicht kecker Kindersinn und ruchlose Unbefangenheit frommt, Herr -Blüthenzweig, sondern jene Erkenntnis, in der die Leidenschaften -unseres eklen Fleisches hinsterben und verlöschen.« - -Stillschweigen. Der gelbe Herr mit dem schwarzen Ziegenbart meckerte -kurz. - -»Sie müssen nun wohl gehen«, sagte der Schlechtbezahlte sanft. - -Aber Hieronymus machte keineswegs Anstalten, zu gehen. Hoch -aufgerichtet in seinem Kapuzenmantel, mit brennenden Augen stand er -inmitten des Kunstladens, und seine dicken Lippen formten mit hartem -und gleichsam rostigem Klange unaufhaltsam verdammende Worte... - -»Kunst! rufen sie, Genuß! Schönheit! Hüllt die Welt in Schönheit ein -und verleiht jedem Dinge den Adel des Stiles! ...Geht mir, Verruchte! -Denkt man, mit prunkenden Farben das Elend der Welt zu übertünchen? -Glaubt man, mit dem Festlärm des üppigen Wohlgeschmacks das Ächzen -der gequälten Erde übertönen zu können? Ihr irrt, Schamlose! Gott läßt -sich nicht spotten, und ein Greuel ist in seinen Augen euer frecher -Götzendienst der gleißenden Oberfläche! ...Du schmähst die Kunst, -antworten Sie mir, du, Unbekannter. Sie lügen, sage ich Ihnen, ich -schmähe nicht die Kunst! Die Kunst ist kein gewissenloser Trug, der -lockend zur Bekräftigung und Bestätigung des Lebens im Fleische reizt! -Die Kunst ist die heilige Fackel, die barmherzig hineinleuchte in -alle fürchterlichen Tiefen, in alle scham- und gramvollen Abgründe -des Daseins; die Kunst ist das göttliche Feuer, das an die Welt gelegt -werde, damit sie aufflamme und zergehe samt all ihrer Schande und -Marter in erlösendem Mitleid! ...Nehmen Sie, Herr Blüthenzweig, nehmen -Sie das Werk des berühmten Malers dort aus Ihrem Fenster ... ja, Sie -täten gut, es mit einem heißen Feuer zu verbrennen und seine Asche in -alle Winde zu streuen, in alle vier Winde!...« - -Seine unschöne Stimme brach ab. Er hatte einen heftigen Schritt -rückwärts getan, hatte einen Arm der Umhüllung des schwarzen -Mantels entrissen, hatte ihn mit leidenschaftlicher Bewegung weit -hinausgereckt und wies mit einer seltsam verzerrten, krampfhaft auf -und nieder bebenden Hand auf die Auslage, das Schaufenster, dorthin, -wo das aufsehenerregende Madonnenbild seinen Platz hatte. In dieser -herrischen Haltung verharrte er. Seine große, gehöckerte Nase schien -mit einem befehlshaberischen Ausdruck hervorzuspringen, seine dunklen, -an der Nasenwurzel stark sich verdickenden Brauen waren so hoch -emporgezogen, daß die kantige, von der Kapuze beschattete Stirn ganz -in breiten Querfalten lag, und über seinen Wangenhöhlen hatte sich -eine hektische Hitze entzündet. - -Hier aber wandte Herr Blüthenzweig sich um. Sei es, daß die Zumutung, -diese Siebenzig-Mark-Reproduktion zu verbrennen, ihn so aufrichtig -entrüstete, oder daß überhaupt Hieronymus' Reden seine Geduld am Ende -erschöpft hatten: jedenfalls bot er ein Bild gerechten und starken -Zornes. Er wies mit dem Federhalter auf die Ladentür, blies mehrere -Male kurz und erregt mit der Nase in den Schnurrbart, rang mit der -Sprache und brachte dann mit höchstem Nachdruck hervor: - -»Wenn Sie Patron nun nicht augenblicklich von der Bildfläche -verschwinden, so lasse ich Ihnen durch den Packer den Abgang -erleichtern, verstehen Sie mich?!« - -»Oh, Sie schüchtern mich nicht ein, Sie verjagen mich nicht, Sie -bringen meine Stimme nicht zum Schweigen!« rief Hieronymus, indem -er oberhalb der Brust seine Kapuze mit der Faust zusammenraffte -und furchtlos den Kopf schüttelte... »Ich weiß, daß ich einsam und -machtlos bin, und dennoch verstumme ich nicht, bis Sie mich hören, -Herr Blüthenzweig! Nehmen Sie das Bild aus Ihrem Fenster und -verbrennen Sie es noch heute! Ach, verbrennen Sie nicht dies allein! -Verbrennen Sie auch diese Statuetten und Büsten, deren Anblick in -Sünde stürzt, verbrennen Sie diese Vasen und Zierate, diese schamlosen -Wiedergeburten des Heidentums, diese üppig ausgestatteten Liebesverse! -Verbrennen Sie alles, was Ihr Laden birgt, Herr Blüthenzweig, denn es -ist ein Unrat in Gottes Augen! Verbrennen, verbrennen, verbrennen Sie -es!« rief er außer sich, indem er eine wilde, weite Bewegung rings in -die Runde vollführte... »Diese Ernte ist reif für den Schnitter ... -Die Frechheit dieser Zeit durchbricht alle Dämme ... Ich aber sage -Ihnen...« - -»Krauthuber!« ließ Herr Blüthenzweig, einer Tür im Hintergrund -zugewandt, mit Anstrengung seine Stimme vernehmen... »Kommen Sie -sofort herein!« - -Das, was infolge dieses Befehls auf dem Schauplatze erschien, war ein -massiges und übergewaltiges Etwas, eine ungeheuerliche und strotzende -menschliche Erscheinung von schreckeneinflößender Fülle, deren -schwellende, quellende, gepolsterte Gliedmaßen überall formlos -ineinander übergingen ... eine unmäßige, langsam über den Boden -wuchtende und schwer pustende Riesengestalt, genährt mit Malz, ein -Sohn des Volkes von fürchterlicher Rüstigkeit! Ein fransenartiger -Seehundsschnauzbart war droben in seinem Angesicht bemerkbar, ein -gewaltiges, mit Kleister besudeltes Schurzfell bedeckte seinen Leib, -und die gelben Ärmel seines Hemdes waren von seinen sagenhaften Armen -zurückgerollt. - -»Wollen Sie diesem Herrn die Türe öffnen, Krauthuber«, sagte Herr -Blüthenzweig, »und, sollte er sie dennoch nicht finden, ihm auf die -Straße hinausverhelfen.« - -»Ha?« sagte der Mann, indem er mit seinen kleinen Elefantenaugen -abwechselnd Hieronymus und seinen erzürnten Brotherrn betrachtete ... -Es war ein dumpfer Laut von mühsam zurückgedämmter Kraft. Dann ging -er, mit seinen Tritten alles um sich her erschütternd, zur Tür und -öffnete sie. - -Hieronymus war sehr bleich geworden. »Verbrennen Sie...« wollte er -sagen, aber schon fühlte er sich von einer furchtbaren Übermacht -umgewandt, von einer Körperwucht, gegen die kein Widerstand denkbar -war, langsam und unaufhaltsam der Tür entgegengedrängt. - -»Ich bin schwach...« brachte er hervor. »Mein Fleisch erträgt -nicht die Gewalt ... es hält nicht stand, nein ... Was beweist das? -Verbrennen Sie...« - -Er verstummte. Er befand sich außerhalb des Kunstladens. Herrn -Blüthenzweigs riesiger Knecht hatte ihn schließlich mit einem kleinen -Stoß und Schwung fahren lassen, so daß er, auf eine Hand gestützt, -seitwärts auf die steinerne Stufe niedergesunken war. Und hinter ihm -schloß sich klirrend die Glastür. - -Er richtete sich empor. Er stand aufrecht und hielt schwer atmend mit -der einen Faust seine Kapuze oberhalb der Brust zusammengerafft, -indes er die andere unter dem Mantel hinabhängen ließ. In seinen -Wangenhöhlen lagerte eine graue Blässe; die Flügel seiner großen, -gehöckerten Nase blähten und schlössen sich zuckend; seine häßlichen -Lippen waren zu dem Ausdruck eines verzweifelten Hasses verzerrt, und -seine Augen, von Glut umzogen, schweiften irr und ekstatisch über den -schönen Platz. - -Er sah nicht die neugierig und lachend auf ihn gerichteten Blicke. -Er sah auf der Mosaikfläche vor der großen Loggia die Eitelkeiten -der Welt, die Maskenkostüme der Künstlerfeste, die Zierate, -Vasen, Schmuckstücke und Stilgegenstände, die nackten Statuen und -Frauenbüsten, die malerischen Wiedergeburten des Heidentums, die -Porträts der berühmten Schönheiten von Meisterhand, die üppig -ausgestatteten Liebesverse und Propagandaschriften der Kunst -pyramidenartig aufgetürmt und unter dem Jubelgeschrei des durch -seine furchtbaren Worte geknechteten Volkes in prasselnde Flammen -aufgehen... Er sah gegen die gelbliche Wolkenwand, die von der -Theatinerstraße heraufgezogen war und in der es leise donnerte, ein -breites Feuerschwert stehen, das sich im Schwefellicht über die frohe -Stadt hinreckte... - -»Gladius Dei super terram...« flüsterten seine dicken Lippen, und in -seinem Kapuzenmantel sich höher emporrichtend, mit einem versteckten -und krampfigen Schütteln seiner hinabhängenden Faust, murmelte er -bebend: »Cito et velociter!« - - - - * * * * * - - - -SCHWERE STUNDE - - -Er stand vom Schreibtisch auf, von seiner kleinen, gebrechlichen -Schreibkommode, stand auf wie ein Verzweifelter und ging mit hängendem -Kopfe in den entgegengesetzten Winkel des Zimmers zum Ofen, der lang -und schlank war wie eine Säule. Er legte die Hände an die Kacheln, -aber sie waren fast ganz erkaltet, denn Mitternacht war lange vorbei, -und so lehnte er, ohne die kleine Wohltat empfangen zu haben, die er -suchte, den Rücken daran, zog hustend die Schöße seines Schlafrockes -zusammen, aus dessen Brustaufschlägen das verwaschene Spitzenjabot -heraushing, und schnob mühsam durch die Nase, um sich ein wenig Luft -zu verschaffen; denn er hatte den Schnupfen wie gewöhnlich. - -Das war ein besonderer und unheimlicher Schnupfen, der ihn fast nie -völlig verließ. Seine Augenlider waren entflammt und die Ränder seiner -Nasenlöcher ganz wund davon, und in Kopf und Gliedern lag dieser -Schnupfen ihm wie eine schwere, schmerzliche Trunkenheit. Oder war an -all der Schlaffheit und Schwere das leidige Zimmergewahrsam schuld, -das der Arzt nun schon wieder seit Wochen über ihn verhängt hielt? -Gott wußte, ob er wohl daran tat. Der ewige Katarrh und die Krämpfe in -Brust und Unterleib mochten es nötig machen, und schlechtes Wetter war -über Jena, seit Wochen, seit Wochen, das war richtig, ein miserables -und hassenswertes Wetter, das man in allen Nerven spürte, wüst, -finster und kalt, und der Dezemberwind heulte im Ofenrohr, verwahrlost -und gottverlassen, daß es klang nach nächtiger Heide im Sturm und -Irrsal und heillosem Gram der Seele. Aber gut war sie nicht, diese -enge Gefangenschaft, nicht gut für die Gedanken und den Rhythmus des -Blutes, aus dem die Gedanken kamen... - -Das sechseckige Zimmer, kahl, nüchtern und unbequem, mit seiner -geweißten Decke, unter der Tabaksrauch schwebte, seiner schräg -karierten Tapete, auf der oval gerahmte Silhouetten hingen, und seinen -vier, fünf dünnbeinigen Möbeln, lag im Lichte der beiden Kerzen, -die zu Häupten des Manuskripts auf der Schreibkommode brannten. Rote -Vorhänge hingen über den oberen Rahmen der Fenster, Fähnchen nur, -symmetrisch geraffte Kattune; aber sie waren rot, von einem warmen, -sonoren Rot, und er liebte sie und wollte sie niemals missen, weil -sie etwas von Üppigkeit und Wollust in die unsinnlich-enthaltsame -Dürftigkeit seines Zimmers brachten... - -Er stand am Ofen und blickte mit einem raschen und schmerzlich -angestrengten Blinzeln hinüber zu dem Werk, von dem er geflohen war, -dieser Last, diesem Druck, dieser Gewissensqual, diesem Meer, das -auszutrinken, dieser furchtbaren Aufgabe, die sein Stolz und sein -Elend, sein Himmel und seine Verdammnis war. Es schleppte sich, es -stockte, es stand--schon wieder, schon wieder! Das Wetter war schuld -und sein Katarrh und seine Müdigkeit. Oder das Werk? Die Arbeit -selbst? Die eine unglückselige und der Verzweiflung geweihte -Empfängnis war? - -Er war aufgestanden, um sich ein wenig Distanz davon zu verschaffen, -denn so oft bewirkte die räumliche Entfernung vom Manuskript, daß man -Übersicht gewann, einen weiteren Blick über den Stoff, und Verfügungen -zu treffen vermochte. Ja, es gab Fälle, wo das Erleichterungsgefühl, -wenn man sich abwendete von der Stätte des Ringens, begeisternd -wirkte. Und das war eine unschuldigere Begeisterung, als wenn man -Likör nahm oder schwarzen, starken Kaffee... Die kleine Tasse stand -auf dem Tischchen. Wenn sie ihm über das Hemmnis hülfe? Nein, -nein, nicht mehr! Nicht der Arzt nur, auch ein zweiter noch, ein -Ansehnlicherer, hatte ihm dergleichen behutsam widerraten: der andere, -der dort, in Weimar, den er mit einer sehnsüchtigen Feindschaft -liebte. Der war weise. Der wußte zu leben, zu schaffen; mißhandelte -sich nicht; war voller Rücksicht gegen sich selbst... - -Stille herrschte im Hause. Nur der Wind war hörbar, der die -Schloßgasse hinuntersauste, und der Regen, wenn er prickelnd gegen die -Fenster getrieben ward. Alles schlief, der Hauswirt und die Seinen, -Lotte und die Kinder. Und er stand einsam wach am erkalteten Ofen -und blinzelte gequält zu dem Werk hinüber, an das seine kranke -Ungenügsamkeit ihn glauben ließ... Sein weißer Hals ragte lang aus der -Binde hervor, und zwischen den Schößen des Schlafrocks sah man seine -nach innen gekrümmten Beine. Sein rotes Haar war aus der hohen und -zarten Stirn zurückgestrichen, ließ blaß geäderte Buchten über den -Schläfen frei und bedeckte die Ohren in dünnen Locken. An der Wurzel -der großen, gebogenen Nase, die unvermittelt in eine weißliche Spitze -endete, traten die starken Brauen, dunkler als das Haupthaar, nahe -zusammen, was dem Blick der tiefliegenden, wunden Augen etwas tragisch -Schauendes gab. Gezwungen, durch den Mund zu atmen, öffnete er die -dünnen Lippen, und seine Wangen, sommersprossig und von Stubenluft -fahl, erschlafften und fielen ein... - -Nein, es mißlang, und alles war vergebens! Die Armee! Die Armee hätte -gezeigt werden müssen! Die Armee war die Basis von allem! Da sie nicht -vors Auge gebracht werden konnte--war die ungeheure Kunst denkbar, -sie der Einbildung aufzuzwingen? Und der Held war kein Held; er war -unedel und kalt! Die Anlage war falsch, und die Sprache war falsch, -und es war ein trockenes und schwungloses Kolleg in Historie, breit, -nüchtern und für die Schaubühne verloren! - -Gut, es war also aus. Eine Niederlage. Ein verfehltes Unternehmen. -Bankerott. Er wollte es Körnern schreiben, dem guten Körner, der an -ihn glaubte, der in kindischem Vertrauen seinem Genius anhing. Er -würde höhnen, flehen, poltern--der Freund; würde ihn an den -Carlos gemahnen, der auch aus Zweifeln und Mühen und Wandlungen -hervorgegangen und sich am Ende, nach aller Qual, als ein weithin -Vortreffliches, eine ruhmvolle Tat erwiesen hat. Doch das war anders -gewesen. Damals war er der Mann noch, eine Sache mit glücklicher Hand -zu packen und sich den Sieg daraus zu gestalten. Skrupel und Kämpfe? -O ja. Und krank war er gewesen, wohl kränker als jetzt, ein Darbender, -Flüchtiger, mit der Welt Zerfallener, gedrückt und im Menschlichen -bettelarm. Aber jung, ganz jung noch! Jedesmal, wie tief auch gebeugt, -war sein Geist geschmeidig emporgeschnellt, und nach den Stunden -des Harms waren die anderen des Glaubens und des inneren Triumphes -gekommen. Die kamen nicht mehr, kamen kaum noch. Eine Nacht -der flammenden Stimmung, da man auf einmal in einem genialisch -leidenschaftlichen Lichte sah, was werden könnte, wenn man immer -solcher Gnade genießen dürfte, mußte bezahlt werden mit einer Woche -der Finsternis und der Lähmung. Müde war er, siebenunddreißig erst alt -und schon am Ende. Der Glaube lebte nicht mehr, der an die Zukunft, -der im Elend sein Stern gewesen. Und so war es, dies war die -verzweifelte Wahrheit: Die Jahre der Not und der Nichtigkeit, die er -für Leidens- und Prüfungsjahre gehalten, sie eigentlich waren reiche -und fruchtbare Jahre gewesen; und nun, da ein wenig Glück sich -herniedergelassen, da er aus dem Freibeutertum des Geistes in einige -Rechtlichkeit und bürgerliche Verbindung eingetreten war, Amt und -Ehren trug, Weib und Kinder besaß, nun war er erschöpft und fertig. -Versagen und verzagen--das war's, was übrigblieb. - -Er stöhnte, preßte die Hände vor die Augen und ging wie gehetzt durch -das Zimmer. Was er da eben gedacht, war so furchtbar, daß er nicht an -der Stelle zu bleiben vermochte, wo ihm der Gedanke gekommen war. Er -setzte sich auf einen Stuhl an der Wand, ließ die gefalteten Hände -zwischen den Knien hängen und starrte trüb auf die Diele nieder. - -Das Gewissen... wie laut sein Gewissen schrie! Er hatte gesündigt, -sich versündigt gegen sich selbst in all den Jahren, gegen das zarte -Instrument seines Körpers. Die Ausschweifungen seines Jugendmutes, -die durchwachten Nächte, die Tage in tabakrauchiger Stubenluft, -übergeistig und des Leibes uneingedenk, die Rauschmittel, mit denen er -sich zur Arbeit gestachelt--das rächte, rächte sich jetzt! - -Und rächte es sich, so wollte er den Göttern trotzen, die Schuld -schickten und dann Strafe verhängten. Er hatte gelebt, wie er leben -mußte, er hatte nicht Zeit gehabt, weise, nicht Zeit, bedächtig zu -sein. Hier, an dieser Stelle der Brust, wenn er atmete, hustete, -gähnte, immer am selben Punkt dieser Schmerz, diese kleine, -teuflische, stechende, bohrende Mahnung, die nicht schwieg, -seitdem vor fünf Jahren in Erfurt das Katarrhfieber, jene hitzige -Brustkrankheit, ihn angefallen--was wollte sie sagen? In Wahrheit, er -wußte es nur zu gut, was sie meinte--mochte der Arzt sich stellen wie -er konnte und wollte. Er hatte nicht Zeit, sich mit kluger Schonung -zu begegnen, mit milder Sittlichkeit hauszuhalten. Was er tun wollte, -mußte er bald tun, heute noch, schnell... Sittlichkeit? Aber wie kam -es zuletzt, daß die Sünde gerade, die Hingabe an das Schädliche und -Verzehrende ihn moralischer dünkte als alle Weisheit und kühle Zucht? -Nicht sie, nicht die verächtliche Kunst des guten Gewissens waren das -Sittliche, sondern der Kampf und die Not, die Leidenschaft und der -Schmerz! - -Der Schmerz... Wie das Wort ihm die Brust weitete! Er reckte sich -auf, verschränkte die Arme; und sein Blick, unter den rötlichen, -zusammenstehenden Brauen, beseelte sich mit schöner Klage. Man war -noch nicht elend, ganz elend noch nicht, solange es möglich war, -seinem Elend eine stolze und edle Benennung zu schenken. Eins war not: -Der gute Mut, seinem Leben große und schöne Namen zu geben! Das Leid -nicht auf Stubenluft und Konstipation zurückzuführen! Gesund genug -sein, um pathetisch sein--um über das Körperliche hinwegsehen, -hinwegfühlen zu können! Nur hierin naiv sein, wenn auch sonst wissend -in allem! Glauben, an den Schmerz glauben können... Aber er glaubte -ja an den Schmerz, so tief, so innig, daß etwas, was unter Schmerzen -geschah, diesem Glauben zufolge weder nutzlos noch schlecht sein -konnte. Sein Blick schwang sich zum Manuskript hinüber, und seine Arme -verschränkten sich fester über der Brust... Das Talent selbst--war -es nicht Schmerz? Und wenn das dort, das unselige Werk, ihn leiden -machte, war es nicht in der Ordnung so und fast schon ein gutes -Zeichen? Es hatte noch niemals gesprudelt, und sein Mißtrauen würde -erst eigentlich beginnen, wenn es das täte. Nur bei Stümpern und -Dilettanten sprudelte es, bei den Schnellzufriedenen und Unwissenden, -die nicht unter dem Druck und der Zucht des Talentes lebten. Denn das -Talent, meine Herren und Damen dort unten, weithin im Parterre, das -Talent ist nichts Leichtes, nichts Tändelndes, es ist nicht ohne -weiteres ein Können. In der Wurzel ist es Bedürfnis, ein kritisches -Wissen um das Ideal, eine Ungenügsamkeit, die sich ihr Können -nicht ohne Qual erst schafft und steigert. Und den Größten, den -Ungenügsamsten ist ihr Talent die schärfste Geißel... Nicht klagen! -Nicht prahlen! Bescheiden, geduldig denken von dem, was man trug! Und -wenn nicht ein Tag in der Woche, nicht eine Stunde von Leiden frei -war--was weiter? Die Lasten und Leistungen, die Anforderungen, -Beschwerden, Strapazen gering achten, klein sehen,--das war's, was -groß machte! - -Er stand auf, zog die Dose und schnupfte gierig, warf dann die Hände -auf den Rücken und schritt so heftig durch das Zimmer, daß die Flammen -der Kerzen im Luftzuge flatterten... Größe! Außerordentlichkeit! -Welteroberung und Unsterblichkeit des Namens! Was galt alles Glück der -ewig Unbekannten gegen dies Ziel? Gekannt sein,--gekannt und geliebt -von den Völkern der Erde! Schwatzet von Ichsucht, die ihr nichts wißt -von der Süßigkeit dieses Traumes und Dranges! Ichsüchtig ist alles -Außerordentliche, sofern es leidet. Mögt ihr selbst zusehen, spricht -es, ihr Sendungslosen, die ihr's auf Erden so viel leichter habt! Und -der Ehrgeiz spricht: Soll das Leiden umsonst gewesen sein? Groß muß es -mich machen!... - -Die Flügel seiner großen Nase waren gespannt, sein Blick drohte und -schweifte. Seine Rechte war heftig und tief in den Aufschlag seines -Schlafrockes geschoben, während die Linke geballt herniederhing. -Eine fliegende Röte war in seine hageren Wangen getreten, eine -Lohe, emporgeschlagen aus der Glut seines Künstleregoismus, jener -Leidenschaft für sein Ich, die unauslöschlich in seiner Tiefe brannte. -Er kannte ihn wohl, den heimlichen Rausch dieser Liebe. Zuweilen -brauchte er nur seine Hand zu betrachten, um von einer begeisterten -Zärtlichkeit für sich selbst erfüllt zu werden, in deren Dienst er -alles, was ihm an Waffen des Talentes und der Kunst gegeben war, zu -stellen beschloß. Er durfte es, nichts war unedel daran. Denn tiefer -noch als diese Ichsucht lebte das Bewußtsein, sich dennoch bei alldem -im Dienste vor irgend etwas Hohem, ohne Verdienst freilich, sondern -unter einer Notwendigkeit, uneigennützig zu verzehren und aufzuopfern. -Und dies war seine Eifersucht: daß niemand größer werde als er, der -nicht auch tiefer als er um dieses Hohe gelitten. - -Niemand!... Er blieb stehen, die Hand über den Augen, den Oberkörper -halb seitwärts gewandt, ausweichend, fliehend. Aber er fühlte schon -den Stachel dieses unvermeidlichen Gedankens in seinem Herzen, des -Gedankens an ihn, den anderen, den Hellen, Tastseligen, Sinnlichen, -Göttlich-Unbewußten, an den dort, in Weimar, den er mit einer -sehnsüchtigen Feindschaft liebte... Und wieder, wie stets, in tiefer -Unruhe, mit Hast und Eifer, fühlte er die Arbeit in sich beginnen, die -diesem Gedanken folgte: das eigene Wesen und Künstlertum gegen das -des anderen zu behaupten und abzugrenzen... War er denn größer? Worin? -Warum? War es ein blutendes Trotzdem, wenn er siegte? Würde je sein -Erliegen ein tragisches Schauspiel sein? Ein Gott, vielleicht--ein -Held war er nicht. Aber es war leichter, ein Gott zu sein als ein -Held!--Leichter... Der andere hatte es leichter! Mit weiser und -glücklicher Hand Erkennen und Schaffen zu scheiden, das mochte heiter -und quallos und quellend fruchtbar machen. Aber war Schaffen göttlich, -so war Erkenntnis Heldentum, und beides war der, ein Gott und ein -Held, welcher erkennend schuf! - -Der Wille zum Schweren... Ahnte man, wieviel Zucht und -Selbstüberwindung ein Satz, ein strenger Gedanke ihn kostete? -Denn zuletzt war er unwissend und wenig geschult, ein dumpfer und -schwärmender Träumer. Es war schwerer, einen Brief des Julius zu -schreiben, als die beste Szene zu machen,--und war es nicht darum auch -fast schon das Höhere?--Vom ersten rhythmischen Drange innerer Kunst -nach Stoff, Materie, Möglichkeit des Ergusses--bis zum Gedanken, zum -Bilde, zum Worte, zur Zeile: welch Ringen! welch Leidensweg! Wunder -der Sehnsucht waren seine Werke, der Sehnsucht nach Form, Gestalt, -Begrenzung, Körperlichkeit, der Sehnsucht hinüber in die klare Welt -des anderen, der unmittelbar und mit göttlichem Mund die besonnten -Dinge bei Namen nannte. - -Dennoch, und jenem zum Trotz: Wer war ein Künstler, ein Dichter gleich -ihm, ihm selbst? Wer schuf, wie er, aus dem Nichts, aus der eigenen -Brust? War nicht als Musik, als reines Urbild des Seins ein Gedicht in -seiner Seele geboren, lange bevor es sich Gleichnis und Kleid aus der -Welt der Erscheinungen lieh? Geschichte, Weltweisheit, Leidenschaft: -Mittel und Vorwände, nicht mehr, für etwas, was wenig mit ihnen -zu schaffen, was seine Heimat in orphischen Tiefen hatte. Worte, -Begriffe: Tasten nur, die sein Künstlertum schlug, um ein verborgenes -Saitenspiel klingen zu machen... Wußte man das? Sie priesen ihn sehr, -die guten Leute, für die Kraft der Gesinnung, mit welcher er die oder -jene Taste schlug. Und sein Lieblingswort, sein letztes Pathos, die -große Glocke, mit der er zu den höchsten Festen der Seele rief, sie -lockte viele herbei... Freiheit... Mehr und weniger, wahrhaftig, -begriff er darunter als sie, wenn sie jubelten. Freiheit--was hieß -das? Ein wenig Bürgerwürde doch nicht vor Fürstenthronen? Laßt ihr -euch träumen, was alles ein Geist mit dem Worte zu meinen wagt? -Freiheit wovon? Wovon zuletzt noch? Vielleicht sogar noch vom Glück, -vom Menschenglück, dieser seidenen Fessel, dieser weichen und holden -Verpflichtung... - -Vom Glück... Seine Lippen zuckten; es war, als kehrte sein Blick sich -nach innen, und langsam ließ er das Gesicht in die Hände sinken... -Er war im Nebenzimmer. Bläuliches Licht floß von der Ampel, und der -geblümte Vorhang verhüllte in stillen Falten das Fenster. Er stand am -Bette, beugte sich über das süße Haupt auf dem Kissen... Eine schwarze -Locke ringelte sich über die Wange, die von der Blässe der Perlen -schien, und die kindlichen Lippen waren im Schlummer geöffnet... Mein -Weib! Geliebte! Folgtest du meiner Sehnsucht und tratest du zu mir, -mein Glück zu sein? Du bist es, sei still! Und schlafe! Schlag jetzt -nicht diese süßen, langschattenden Wimpern auf, um mich anzuschauen, -so groß und dunkel, wie manchmal, als fragtest und suchtest du mich! -Bei Gott, bei Gott, ich liebe dich sehr! Ich kann mein Gefühl nur -zuweilen nicht finden, weil ich oft sehr müde vom Leiden bin und vom -Ringen mit jener Aufgabe, welche mein Selbst mir stellt. Und ich -darf nicht allzusehr dein, nie ganz in dir glücklich sein, um -dessentwillen, was meine Sendung ist... - -Er küßte sie, trennte sich von der lieblichen Wärme ihres Schlummers, -sah um sich, kehrte zurück. Die Glocke mahnte ihn, wie weit schon die -Nacht vorgeschritten, aber es war auch zugleich, als zeigte sie -gütig das Ende einer schweren Stunde an. Er atmete auf, seine Lippen -schlossen sich fest; er ging und ergriff die Feder... Nicht grübeln! -Er war zu tief, um grübeln zu dürfen! Nicht ins Chaos hinabsteigen, -sich wenigstens nicht dort aufhalten! Sondern aus dem Chaos, welches -die Fülle ist, ans Licht emporheben, was fähig und reif ist, Form zu -gewinnen. Nicht grübeln: Arbeiten! Begrenzen, ausschalten, gestalten, -fertig werden... - -Und es wurde fertig, das Leidenswerk. Es wurde vielleicht nicht gut, -aber es wurde fertig. Und als es fertig war, siehe, da war es auch -gut. Und aus seiner Seele, aus Musik und Idee, rangen sich neue Werke -hervor, klingende und schimmernde Gebilde, die in heiliger Form die -unendliche Heimat wunderbar ahnen ließen, wie in der Muschel das Meer - - - - - -End of Project Gutenberg's Gladius Dei; Schwere Stunde, by Thomas Mann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GLADIUS DEI; SCHWERE STUNDE *** - -***** This file should be named 12053-8.txt or 12053-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - https://www.gutenberg.org/1/2/0/5/12053/ - -Produced by Martin Agren, Tim Sneath and PG Distributed Proofreaders - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Gladius Dei; Schwere Stunde - -Author: Thomas Mann - -Release Date: April 15, 2004 [EBook #12053] - -Language: German - -Character set encoding: ASCII - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GLADIUS DEI; SCHWERE STUNDE *** - - - - -Produced by Martin Agren, Tim Sneath and PG Distributed Proofreaders - - - - - - - - -Thomas Mann - - -GLADIUS DEI - -- und - - -SCHWERE STUNDE - - - - - -Die Texte folgen den Ausgaben: - -'Gladius Dei' aus "Tristan. Sechs Novellen." Berlin, S. Fischer Verlag -1903 - -'Schwere Stunde' aus "Das Wunderkind. Novellen." Berlin, S. Fischer -Verlag [1914] (= Fischers Bibliothek zeitgenoessischer Romane, Jg. 6, -Bd. 6) - - - - * * * * * - - - -GLADIUS DEI - - -1 - -Muenchen leuchtete. Ueber den festlichen Plaetzen und weissen -Saeulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den -springenden Brunnen, Palaesten und Gartenanlagen der Residenz spannte -sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und -lichten, umgruenten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem -Sonnendunst eines ersten, schoenen Junitages. - -Vogelgeschwaetz und heimlicher Jubel ueber allen Gassen. ...Und auf -Plaetzen und Zeilen rollt, wallt und summt das unueberstuerzte und -amuesante Treiben der schoenen und gemaechlichen Stadt. Reisende aller -Nationen kutschieren in den kleinen, langsamen Droschken umher, indem -sie rechts und links in wahlloser Neugier an den Waenden der Haeuser -hinaufschauen, und steigen die Freitreppen der Museen hinan... - -Viele Fenster stehen geoeffnet, und aus vielen klingt Musik auf -die Strassen hinaus, Uebungen auf dem Klavier, der Geige oder dem -Violoncell, redliche und wohlgemeinte dilettantische Bemuehungen. Im -'Odeon' aber wird, wie man vernimmt, an mehreren Fluegeln ernstlich -studiert. - -Junge Leute, die das Nothung-Motiv pfeifen und abends die Hintergruende -des modernen Schauspielhauses fuellen, wandern, literarische -Zeitschriften in den Seitentaschen ihrer Jacketts, in der Universitaet -und der Staatsbibliothek aus und ein. Vor der Akademie der bildenden -Kuenste, die ihre weissen Arme zwischen der Tuerkenstrasse und dem -Siegestor ausbreitet, haelt eine Hofkarosse. Und auf der Hoehe der Rampe -stehen, sitzen und lagern in farbigen Gruppen die Modelle, pittoreske -Greise, Kinder und Frauen in der Tracht der Albaner Berge. - -Laessigkeit und hastloses Schlendern in all den langen Strassenzuegen des -Nordens... Man ist von Erwerbsgier nicht gerade gehetzt und verzehrt -dortselbst, sondern lebt angenehmen Zwecken. Junge Kuenstler, runde -Huetchen auf den Hinterkoepfen, mit lockeren Krawatten und ohne Stock, -unbesorgte Gesellen, die ihren Mietzins mit Farbenskizzen bezahlen, -gehen spazieren, um diesen hellblauen Vormittag auf ihre Stimmung -wirken zu lassen, und sehen den kleinen Maedchen nach, diesem huebschen, -untersetzten Typus mit den bruenetten Haarbandeaux, den etwas zu -grossen Fuessen und den unbedenklichen Sitten. ...Jedes fuenfte Haus -laesst Atelierfensterscheiben in der Sonne blinken. Manchmal tritt -ein Kunstbau aus der Reihe der buergerlichen hervor, das Werk eines -phantasievollen jungen Architekten, breit und flachbogig, mit bizarrer -Ornamentik, voll Witz und Stil. Und ploetzlich ist irgendwo die Tuer -an einer allzu langweiligen Fassade von einer kecken Improvisation -umrahmt, von fliessenden Linien und sonnigen Farben, Bacchanten, Nixen, -rosigen Nacktheiten... - -Es ist stets aufs neue ergoetzlich, vor den Auslagen der -Kunstschreinereien und der Basare fuer moderne Luxusartikel zu -verweilen. Wieviel phantasievoller Komfort, wieviel linearer Humor in -der Gestalt aller Dinge! Ueberall sind die kleinen Skulptur-, Rahmen- -und Antiquitaetenhandlungen verstreut, aus deren Schaufenstern dir -die Buesten der florentinischen Quattrocento-Frauen voll einer edlen -Pikanterie entgegenschauen. Und der Besitzer des kleinsten und -billigsten dieser Laeden spricht dir von Donatello und Mino da -Fiesole, als habe er das Vervielfaeltigungsrecht von ihnen persoenlich -empfangen... - -Aber dort oben am Odeonsplatz, angesichts der gewaltigen Loggia, vor -der sich die geraeumige Mosaikflaeche ausbreitet, und schraeg gegenueber -dem Palast des Regenten draengen sich die Leute um die breiten -Fenster und Schaukaesten des grossen Kunstmagazins, des weitlaeufigen -Schoenheitsgeschaeftes von M. Bluethenzweig. Welche freudige Pracht der -Auslage! Reproduktionen von Meisterwerken aus allen Galerien der Erde, -eingefasst in kostbare, raffiniert getoente und ornamentierte Rahmen -in einem Geschmack von prezioeser Einfachheit; Abbildungen moderner -Gemaelde, sinnenfroher Phantasieen, in denen die Antike auf eine -humorvolle und realistische Weise wiedergeboren zu sein scheint; die -Plastik der Renaissance in vollendeten Abguessen; nackte Bronzeleiber -und zerbrechliche Zierglaeser; irdene Vasen von steilem Stil, die -aus Baedern von Metalldaempfen in einem schillernden Farbenmantel -hervorgegangen sind; Prachtbaende, Triumphe der neuen -Ausstattungskunst, Werke modischer Lyriker, gehuellt in einen -dekorativen und vornehmen Prunk; dazwischen die Portraets von -Kuenstlern, Musikern, Philosophen, Schauspielern, Dichtern, der -Volksneugier nach Persoenlichem ausgehaengt... In dem ersten Fenster, -der anstossenden Buchhandlung zunaechst, steht auf einer Staffelei -ein grosses Bild, vor dem die Menge sich staut: eine wertvolle, in -rotbraunem Tone ausgefuehrte Photographie in breitem, altgoldenem -Rahmen, ein aufsehenerregendes Stueck, eine Nachbildung des Clous der -grossen internationalen Ausstellung des Jahres, zu deren Besuch an -den Litfasssaeulen, zwischen Konzertprospekten und kuenstlerisch -ausgestatteten Empfehlungen von Toilettenmitteln, archaisierende und -wirksame Plakate einladen. - -Blick um dich, sich in die Fenster der Buchlaeden. Deinen Augen -begegnen Titel wie 'Die Wohnungskunst seit der Renaissance', -'Die Erziehung des Farbensinnes', 'Die Renaissance im modernen -Kunstgewerbe', 'Das Buch als Kunstwerk', 'Die dekorative Kunst', -'Der Hunger nach Kunst'--und du musst wissen, dass diese Weckschriften -tausendfach gekauft und gelesen werden, und dass abends ueber -ebendieselben Gegenstaende vor vollen Saelen geredet wird... - -Hast du Glueck, so begegnet dir eine der beruehmten Frauen in Person, -die man durch das Medium der Kunst zu schauen gewohnt ist, eine jener -reichen und schoenen Damen von kuenstlich hergestelltem tizianischen -Blond und im Brillantenschmuck, deren betoerenden Zuegen durch die Hand -eines genialen Portraetisten die Ewigkeit zuteil geworden ist, und von -deren Liebesleben die Stadt spricht--Koeniginnen der Kuenstlerfeste im -Karneval, ein wenig geschminkt, ein wenig gemalt, voll einer edlen -Pikanterie, gefallsuechtig und anbetungswuerdig. Und sieh, dort faehrt -ein grosser Maler mit seiner Geliebten in einem Wagen die Ludwigstrasse -hinauf. Man zeigt sich das Gefaehrt, man bleibt stehen und blickt den -beiden nach. Viele Leute gruessen. Und es fehlt nicht viel, dass die -Schutzleute Front machen. - -Die Kunst blueht, die Kunst ist an der Herrschaft, die Kunst streckt -ihr rosenumwundenes Zepter ueber die Stadt hin und laechelt. Eine -allseitige respektvolle Anteilnahme an ihrem Gedeihen, eine -allseitige, fleissige und hingebungsvolle Uebung und Propaganda in ihrem -Dienste, ein treuherziger Kultus der Linie, des Schmuckes, der Form, -der Sinne, der Schoenheit obwaltet... Muenchen leuchtete. - - - -2 - -Es schritt ein Juengling die Schellingstrasse hinan; er schritt, -umklingelt von den Radfahrern, in der Mitte des Holzpflasters der -breiten Fassade der Ludwigskirche entgegen. Sah man ihn an, so war -es, als ob ein Schatten ueber die Sonne ginge oder ueber das Gemuet eine -Erinnerung an schwere Stunden. Liebte er die Sonne nicht, die die -schoene Stadt in Festglanz tauchte? Warum hielt er in sich gekehrt und -abgewandt die Augen zu Boden gerichtet, indes er wandelte? - -Er trug keinen Hut, woran bei der Kostuemfreiheit der leichtgemuten -Stadt keine Seele Anstoss nahm, sondern hatte statt dessen die Kapuze -seines weiten, schwarzen Mantels ueber den Kopf gezogen, die seine -niedrige, eckig vorspringende Stirn beschattete, seine Ohren bedeckte -und seine hageren Wangen umrahmte. Welcher Gewissensgram, welche -Skrupeln und welche Misshandlungen seiner selbst hatten diese Wangen so -auszuhoehlen vermocht? Ist es nicht schauerlich, an solchem Sonnentage -den Kummer in den Wangenhoehlen eines Menschen wohnen zu sehen? Seine -dunklen Brauen verdickten sich stark an der schmalen Wurzel seiner -Nase, die gross und gehoeckert aus dem Gesichte hervorsprang, und -seine Lippen waren stark und wulstig. Wenn er seine ziemlich nahe -beieinanderliegenden braunen Augen erhob, bildeten sich Querfalten -auf seiner kantigen Stirn. Er blickte mit einem Ausdruck von Wissen, -Begrenztheit und Leiden. Im Profil gesehen, glich dieses Gesicht genau -einem alten Bildnis von Moencheshand, aufbewahrt zu Florenz in einer -engen und harten Klosterzelle, aus welcher einstmals ein furchtbarer -und niederschmetternder Protest gegen das Leben und seinen Triumph -erging... - -Hieronymus schritt die Schellingstrasse hinan, schritt langsam und -fest, indes er seinen weiten Mantel von innen mit beiden Haenden -zusammenhielt. Zwei kleine Maedchen, zwei dieser huebschen, untersetzten -Wesen mit den Haarbandeaux, den zu grossen Fuessen und den unbedenklichen -Sitten, die Arm in Arm und abenteuerlustig an ihm vorueberschlenderten, -stiessen sich an und lachten, legten sich vornueber und gerieten ins -Laufen vor Lachen ueber seine Kapuze und sein Gesicht. Aber er achtete -dessen nicht. Gesenkten Hauptes und ohne nach rechts oder links zu -blicken, ueberschritt er die Ludwigstrasse und stieg die Stufen der -Kirche hinan. - -Die grossen Fluegel der Mitteltuer standen weit geoeffnet. In der -geweihten Daemmerung, kuehl, dumpfig und mit Opferrauch geschwaengert, -war irgendwo fern ein schwaches, roetliches Gluehen bemerkbar. Ein altes -Weib mit blutigen Augen erhob sich von einer Betbank und schleppte -sich an Kruecken zwischen den Saeulen hindurch. Sonst war die Kirche -leer. - -Hieronymus benetzte sich Stirn und Brust am Becken, beugte das Knie -vor dem Hochaltar und blieb dann im Mittelschiffe stehen. War es -nicht, als sei seine Gestalt gewachsen, hier drinnen? Aufrecht und -unbeweglich, mit frei erhobenem Haupte stand er da, seine grosse, -gehoeckerte Nase schien mit einem herrischen Ausdruck ueber den starken -Lippen hervorzuspringen, und seine Augen waren nicht mehr zu Boden -gerichtet, sondern blickten kuehn und geradeswegs ins Weite, zu dem -Kruzifix auf dem Hochaltar hinueber. So verharrte er reglos eine -Weile; dann beugte er zuruecktretend aufs neue das Knie und verliess die -Kirche. - -Er schritt die Ludwigstrasse hinauf, langsam und fest, gesenkten -Hauptes, inmitten des breiten, ungepflasterten Fahrdammes, entgegen -der gewaltigen Loggia mit ihren Statuen. Aber auf dem Odeonsplatze -angelangt, blickte er auf, so dass sich Querfalten auf seiner kantigen -Stirne bildeten, und hemmte seine Schritte: aufmerksam gemacht durch -die Menschenansammlung vor den Auslagen der grossen Kunsthandlung, des -weitlaeufigen Schoenheitsgeschaeftes von M. Bluethenzweig. - -Die Leute gingen von Fenster zu Fenster, zeigten sich die -ausgestellten Schaetze und tauschten ihre Meinungen aus, indes einer -ueber des anderen Schulter blickte. Hieronymus mischte sich unter sie -und begann auch seinerseits alle diese Dinge zu betrachten, alles in -Augenschein zu nehmen, Stueck fuer Stueck. - -Er sah die Nachbildungen von Meisterwerken aus allen Galerieen -der Erde, die kostbaren Rahmen in ihrer simplen Bizarrerie, die -Renaissanceplastik, die Bronzeleiber und Zierglaeser, die schillernden -Vasen, den Buchschmuck und die Portraets der Kuenstler, Musiker, -Philosophen, Schauspieler, Dichter, sah alles an und wandte an jeden -Gegenstand einen Augenblick. Indem er seinen Mantel von innen mit -beiden Haenden fest zusammenhielt, drehte er seinen von der Kapuze -bedeckten Kopf in kleinen, kurzen Wendungen von einer Sache zur -naechsten, und unter seinen dunklen, an der Nasenwurzel stark sich -verdichtenden Brauen, die er emporzog, blickten seine Augen mit einem -befremdeten, stumpfen und kuehl erstaunten Ausdruck auf jedes Ding eine -Weile. So erreichte er das erste Fenster, dasjenige, unter dem das -aufsehenerregende Bild sich befand, blickte eine Zeitlang den vor ihm -sich draengenden Leuten ueber die Schultern und gelangte endlich nach -vorn, dicht an die Auslage heran. - -Die grosse, roetlichbraune Photographie stand, mit aeusserstem Geschmack -in Altgold gerahmt, auf einer Staffelei inmitten des Fensterraumes. -Es war eine Madonna, eine durchaus modern empfundene, von jeder -Konvention freie Arbeit. Die Gestalt der heiligen Gebaererin war von -berueckender Weiblichkeit, entbloesst und schoen. Ihre grossen, schwuelen -Augen waren dunkel umraendert, und ihre delikat und seltsam laechelnden -Lippen standen halb geoeffnet. Ihre schmalen, ein wenig nervoes und -krampfhaft gruppierten Finger umfassten die Huefte des Kindes, eines -nackten Knaben von distinguierter und fast primitiver Schlankheit, -der mit ihrer Brust spielte und dabei seine Augen mit einem klugen -Seitenblick auf den Beschauer gerichtet hielt. - -Zwei andere Juenglinge standen neben Hieronymus und unterhielten sich -ueber das Bild, zwei junge Maenner mit Buechern unter dem Arm, die -sie aus der Staatsbibliothek geholt hatten oder dorthin brachten, -humanistisch gebildete Leute, beschlagen in Kunst und Wissenschaft. - -"Der Kleine hat es gut, hol' mich der Teufel!" sagte der eine. - -"Und augenscheinlich hat er die Absicht, einen neidisch zu machen", -versetzte der andere... "Ein bedenkliches Weib!" - -"Ein Weib zum Rasendwerden! Man wird ein wenig irre am Dogma von der -unbefleckten Empfaengnis..." - -"Ja, ja, sie macht einen ziemlich beruehrten Eindruck... Hast du das -Original gesehen?" - -"Selbstverstaendlich. Ich war ganz angegriffen. Sie wirkt in der Farbe -noch weit aphrodisischer... besonders die Augen." - -"Die Aehnlichkeit ist eigentlich doch ausgesprochen." - -"Wieso?" - -"Kennst du nicht das Modell? Er hat doch seine kleine Putzmacherin -dazu benuetzt. Es ist beinahe Portraet, nur stark ins Gebiet des -Korrupten hinaufstilisiert... Die Kleine ist harmloser." - -"Das hoffe ich. Das Leben waere allzu anstrengend, wenn es viele gaebe, -wie diese mater amata..." - -"Die Pinakothek hat es angekauft." - -"Wahrhaftig? Sieh da! Sie wusste wohl uebrigens, was sie tat. Die -Behandlung des Fleisches und der Linienfluss des Gewandes ist wirklich -eminent." - -"Ja, ein unglaublich begabter Kerl." - -"Kennst du ihn?" - -"Ein wenig. Er wird Karriere machen, das ist sicher. Er war schon -zweimal beim Regenten zur Tafel..." - -Das letzte sprachen sie, waehrend sie anfingen, voneinander Abschied zu -nehmen. - -"Sieht man dich heute abend im Theater?" fragte der eine. "Der -dramatische Verein gibt Macchiavelli's 'Mandragola' zum besten." - -"Oh, bravo. Davon kann man sich Spass versprechen. Ich hatte vor, ins -Kuenstlervariete zu gehen, aber es ist wahrscheinlich, dass ich den -wackeren Nicolo schliesslich vorziehe. Auf Wiedersehen..." - -Sie trennten sich, traten zurueck und gingen nach rechts und links -auseinander. Neue Leute rueckten an ihre Stelle und betrachteten das -erfolgreiche Bild. Aber Hieronymus stand unbeweglich an seinem Platze; -er stand mit vorgestrecktem Kopfe, und man sah, wie seine Haende, mit -denen er auf der Brust seinen Mantel von innen zusammenhielt, sich -krampfhaft ballten. Seine Brauen waren nicht mehr mit jenem kuehl und -ein wenig gehaessig erstaunten Ausdruck emporgezogen, sie hatten sich -gesenkt und verfinstert, seine Wangen, von der schwarzen Kapuze halb -bedeckt, schienen tiefer ausgehoehlt als vordem, und seine dicken -Lippen waren ganz bleich. Langsam neigte sein Kopf sich tiefer und -tiefer, so dass er schliesslich seine Augen ganz von unten herauf starr -auf das Kunstwerk gerichtet hielt. Die Fluegel seiner grossen Nase -bebten. - -In dieser Haltung verblieb er wohl eine Viertelstunde. Die Leute um -ihn her loesten sich ab, er aber wich nicht vom Platze. Endlich drehte -er sich langsam, langsam auf den Fussballen herum und ging fort. - - - -3 - -Aber das Bild der Madonna ging mit ihm. Immerdar, mochte er nun in -seinem engen und harten Kaemmerlein weilen oder in den kuehlen Kirchen -knieen, stand es vor seiner empoerten Seele, mit schwuelen, umraenderten -Augen, mit raetselhaft laechelnden Lippen, entbloesst und schoen. Und kein -Gebet vermochte es zu verscheuchen. - -In der dritten Nacht aber geschah es, dass ein Befehl und Ruf aus der -Hoehe an Hieronymus erging, einzuschreiten und seine Stimme zu erheben -gegen leichtherzige Ruchlosigkeit und frechen Schoenheitsduenkel. -Vergebens wendete er, Mosen gleich, seine bloede Zunge vor; -Gottes Wille blieb unerschuetterlich und verlangte laut von seiner -Zaghaftigkeit diesen Opfergang unter die lachenden Feinde. - -Da machte er sich auf am Vormittage und ging, weil Gott es wollte, -den Weg zur Kunsthandlung, zum grossen Schoenheitsgeschaeft von M. -Bluethenzweig. Er trug die Kapuze ueber dem Kopf und hielt seinen Mantel -von innen mit beiden Haenden zusammen, indes er wandelte. - - - -4 - -Es war schwuel geworden; der Himmel war fahl, und ein Gewitter drohte. -Wiederum belagerte viel Volks die Fenster der Kunsthandlung, besonders -aber dasjenige, in dem das Madonnenbild sich befand. Hieronymus warf -nur einen kurzen Blick dorthin; dann drueckte er die Klinke der mit -Plakaten und Kunstzeitschriften verhangenen Glastuer. "Gott will es!" -sagte er und trat in den Laden. - -Ein junges Maedchen, das irgendwo an einem Pult in einem grossen Buche -geschrieben hatte, ein huebsches, bruenettes Wesen mit Haarbandeaux und -zu grossen Fuessen, trat auf ihn zu und fragte freundlich, was ihm zu -Diensten stehe. - -"Ich danke Ihnen", sagte Hieronymus leise und blickte ihr, Querfalten -in seiner kantigen Stirn, ernst in die Augen. "Nicht Sie will ich -sprechen, sondern den Inhaber des Geschaeftes, Herrn Bluethenzweig." - -Ein wenig zoegernd zog sie sich von ihm zurueck und nahm ihre -Beschaeftigung wieder auf. Er stand inmitten des Ladens. - -Alles, was draussen in einzelnen Beispielen zur Schau gestellt war, es -war hier drinnen zwanzigfach zu Haeuf getuermt und ueppig ausgebreitet: -eine Fuelle von Farbe, Linie und Form, von Stil, Witz, Wohlgeschmack -und Schoenheit. Hieronymus blickte langsam nach beiden Seiten, und dann -zog er die Falten seines schwarzen Mantels fester um sich zusammen. - -Es waren mehrere Leute im Laden anwesend. An einem der breiten Tische, -die sich quer durch den Raum zogen, sass ein Herr in gelbem Anzug und -mit schwarzem Ziegenbart und betrachtete eine Mappe mit franzoesischen -Zeichnungen, ueber die er manchmal ein meckerndes Lachen vernehmen -liess. Ein junger Mensch mit einem Aspekt von Schlechtbezahltheit -und Pflanzenkost bediente ihn, indem er neue Mappen zur Ansicht -herbeischleppte. Dem meckernden Herrn schraeg gegenueber pruefte eine -vornehme alte Dame moderne Kunststickereien, grosse Fabelblumen in -blassen Toenen, die auf langen, steifen Stielen senkrecht nebeneinander -standen. Auch um sie bemuehte sich ein Angestellter des Geschaefts. -An einem zweiten Tische sass, die Reisemuetze auf dem Kopfe und die -Holzpfeife im Munde, nachlaessig ein Englaender. Durabel gekleidet, -glatt rasiert, kalt und unbestimmten Alters, waehlte er unter Bronzen, -die Herr Bluethenzweig ihm persoenlich herzutrug. Die ziere Gestalt -eines nackten kleinen Maedchens, welche, unreif und zart gegliedert, -ihre Haendchen in koketter Keuschheit auf der Brust kreuzte, hielt er -am Kopfe erfasst und musterte sie eingehend, indem er sie langsam um -sich selbst drehte. - -Herr Bluethenzweig, ein Mann mit kurzem braunen Vollbart und blanken -Augen von ebenderselben Farbe, bewegte sich haendereibend um ihn herum, -indem er das kleine Maedchen mit allen Vokabeln pries, deren er habhaft -werden konnte. - -"Hundertfuenfzig Mark, Sir", sagte er auf englisch; "Muenchener Kunst, -Sir. Sehr lieblich in der Tat. Voller Reiz, wissen Sie. Es ist -die Grazie selbst, Sir. Wirklich aeusserst huebsch, niedlich und -bewunderungswuerdig." Hierauf fiel ihm noch etwas ein und er sagte: -"Hoechst anziehend und verlockend." Dann fing er wieder von vorne an. - -Seine Nase lag ein wenig platt auf der Oberlippe, so dass er bestaendig -in einem leicht fauchenden Geraeusch in seinen Schnurrbart schnueffelte. -Manchmal naeherte er sich dabei dem Kaeufer in gebueckter Haltung, als -beroeche er ihn. Als Hieronymus eintrat, untersuchte Herr Bluethenzweig -ihn fluechtig in eben dieser Weise, widmete sich aber alsbald wieder -dem Englaender. - -Die vornehme Dame hatte ihre Wahl getroffen und verliess den Laden. Ein -neuer Herr trat ein. Herr Bluethenzweig beroch ihn kurz, als wollte er -so den Grad seiner Kauffaehigkeit erkunden, und ueberliess es der jungen -Buchhalterin, ihn zu bedienen. Der Herr erstand nur eine Fayencebueste -Piero's, Sohn des praechtigen Medici, und entfernte sich wieder. -Auch der Englaender begann nun aufzubrechen. Er hatte sich das kleine -Maedchen zu eigen gemacht und ging unter den Verbeugungen Herrn -Bluethenzweigs. Dann wandte sich der Kunsthaendler zu Hieronymus und -stellte sich vor ihn hin. - -"Sie wuenschen..." fragte er ohne viel Demut. - -Hieronymus hielt seinen Mantel von innen mit beiden Haenden zusammen -und blickte Herrn Bluethenzweig fast ohne mit der Wimper zu zucken ins -Gesicht. Er trennte langsam seine dicken Lippen und sagte: - -"Ich komme zu Ihnen wegen des Bildes in jenem Fenster dort, der -grossen Photographie, der Madonna."--Seine Stimme war belegt und -modulationslos. - -"Jawohl, ganz recht", sagte Herr Bluethenzweig lebhaft und begann, -sich die Haende zu reiben: "Siebenzig Mark im Rahmen, mein Herr. Es ist -unveraenderlich ... eine erstklassige Reproduktion. Hoechst anziehend -und reizvoll." - -Hieronymus schwieg. Er neigte seinen Kopf in der Kapuze und sank ein -wenig in sich zusammen, waehrend der Kunsthaendler sprach; dann richtete -er sich wieder auf und sagte: - -"Ich bemerke Ihnen im voraus, dass ich nicht in der Lage, noch -ueberhaupt willens bin, irgend etwas zu kaufen. Es tut mir leid, Ihre -Erwartungen enttaeuschen zu muessen. Ich habe Mitleid mit Ihnen, wenn -Ihnen das Schmerz bereitet. Aber erstens bin ich arm, und zweitens -liebe ich die Dinge nicht, die Sie feilhalten. Nein, kaufen kann ich -nichts." - -"Nicht ... also nicht", sagte Herr Bluethenzweig und schnueffelte stark. -"Nun, darf ich fragen..." - -"Wie ich Sie zu kennen glaube", fuhr Hieronymus fort, "so verachten -Sie mich darum, dass ich nicht imstande bin, Ihnen etwas abzukaufen..." - -"Hm ..." sagte Herr Bluethenzweig. "Nicht doch! Nur ..." - -"Dennoch bitte ich Sie, mir Gehoer zu schenken und meinen Worten -Gewicht beizulegen." - -"Gewicht beizulegen. Hm. Darf ich fragen ..." - -"Sie duerfen fragen", sagte Hieronymus, "und ich werde Ihnen antworten. -Ich bin gekommen, Sie zu bitten, dass Sie jenes Bild, die grosse -Photographie, die Madonna, sogleich aus Ihrem Fenster entfernen und -sie niemals wieder zur Schau stellen." - -Herr Bluethenzweig blickte eine Weile stumm in Hieronymus' Gesicht, mit -einem Ausdruck, als forderte er ihn auf, ueber seine abenteuerlichen -Worte in Verlegenheit zu geraten. Da dies aber keineswegs geschah, so -schnueffelte er heftig und brachte hervor: - -"Wollen Sie die Guete haben, mir mitzuteilen, ob Sie hier in -irgendeiner amtlichen Eigenschaft stehen, die Sie befugt, mir -Vorschriften zu machen, oder was Sie eigentlich herfuehrt..." - -"O nein", antwortete Hieronymus; "ich habe weder Amt noch Wuerde von -Staates wegen. Die Macht ist nicht auf meiner Seite, Herr. Was mich -herfuehrt, ist allein mein Gewissen." - -Herr Bluethenzweig bewegte nach Worten suchend den Kopf hin und her, -blies heftig mit der Nase in seinen Schnurrbart und rang mit der -Sprache. Endlich sagte er: - -"Ihr Gewissen ... Nun, so wollen Sie gefaelligst ... Notiz davon -nehmen ... dass Ihr Gewissen fuer uns eine ... eine gaenzlich belanglose -Einrichtung ist!"-- - -Damit drehte er sich um, ging schnell zu seinem Pult im Hintergrunde -des Ladens und begann zu schreiben. Die beiden Ladendiener lachten von -Herzen. Auch das huebsche Fraeulein kicherte ueber ihrem Kontobuche. Was -den gelben Herrn mit dem schwarzen Ziegenbart betraf, so zeigte es -sich, dass er ein Fremder war, denn er verstand augenscheinlich nichts -von dem Gespraech, sondern fuhr fort, sich mit den franzoesischen -Zeichnungen zu beschaeftigen, wobei er von Zeit zu Zeit sein meckerndes -Lachen vernehmen liess.-- - -"Wollen Sie den Herrn abfertigen", sagte Herr Bluethenzweig ueber die -Schulter hinweg zu seinem Gehilfen. Dann schrieb er weiter. Der junge -Mensch mit dem Aspekt von Schlechtbezahltheit und Pflanzenkost trat -auf Hieronymus zu, indem er sich des Lachens zu enthalten trachtete, -und auch der andere Verkaeufer naeherte sich. - -"Koennen wir Ihnen sonst irgendwie dienlich sein?" fragte der -Schlechtbezahlte sanft. Hieronymus hielt unverwandt seinen leidenden, -stumpfen und dennoch durchdringenden Blick auf ihn gerichtet. - -"Nein", sagte er, "sonst koennen Sie es nicht. Ich bitte Sie, das -Madonnenbild unverzueglich aus dem Fenster zu entfernen, und zwar fuer -immer." - -"Oh ... Warum?" - -"Es ist die heilige Mutter Gottes..." sagte Hieronymus gedaempft. - -"Allerdings ... Sie hoeren ja aber, dass Herr Bluethenzweig nicht geneigt -ist, Ihren Wunsch zu erfuellen." - -"Man muss bedenken, dass es die heilige Mutter Gottes ist", sagte -Hieronymus, und sein Kopf zitterte. - -"Das ist richtig.--Und weiter? Darf man keine Madonnen ausstellen? -Darf man keine malen?" - -"Nicht so! Nicht so!" sagte Hieronymus beinahe fluesternd, indem er -sich hoch emporrichtete und mehrmals heftig den Kopf schuettelte. -Seine kantige Stirn unter der Kapuze war ganz von langen und tiefen -Querfalten durchfurcht. "Sie wissen sehr wohl, dass es das Laster -selbst ist, das ein Mensch dort gemalt hat ... die entbloesste Wollust! -Von zwei schlichten und unbewussten Leuten, die dieses Madonnenbild -betrachteten, habe ich mit meinen Ohren gehoert, dass es sie an dem -Dogma der unbefleckten Empfaengnis irremache..." - -"Oh, erlauben Sie, nicht darum handelt es sich", sagte der junge -Verkaeufer ueberlegen laechelnd. Er schrieb in seinen Mussestunden eine -Broschuere ueber die moderne Kunstbewegung und war sehr wohl imstande, -ein gebildetes Gespraech zu fuehren. - -"Das Bild ist ein Kunstwerk", fuhr er fort, "und man muss den Massstab -daranlegen, der ihm gebuehrt. Es hat allerseits den groessten Beifall -gehabt. Der Staat hat es angekauft..." - -"Ich weiss, dass der Staat es angekauft hat", sagte Hieronymus. "Ich -weiss auch, dass der Maler zweimal beim Regenten gespeist hat. Das Volk -spricht davon, und Gott weiss, wie es sich die Tatsache deutet, dass -jemand fuer ein solches Werk zum hochgeehrten Manne wird. Wovon -legt diese Tatsache Zeugnis ab? Von der Blindheit der Welt, einer -Blindheit, die unfasslich ist, wenn sie nicht auf schamloser Heuchelei -beruht. Dieses Gebilde ist aus Sinnenlust entstanden und wird in -Sinnenlust genossen ... ist dies wahr oder nicht? Antworten Sie; -antworten auch Sie, Herr Bluethenzweig!" - -Eine Pause trat ein. Hieronymus schien allen Ernstes eine Antwort zu -verlangen und blickte mit seinen leidenden und durchdringenden Augen -abwechselnd auf die beiden Verkaeufer, die ihn neugierig und verdutzt -anstarrten, und auf Herrn Bluethenzweigs runden Ruecken. Es herrschte -Stille. Nur der gelbe Herr mit dem schwarzen Ziegenbart liess, ueber die -franzoesischen Zeichnungen gebeugt, sein meckerndes Lachen vernehmen. - -"Es _ist_ wahr!" fuhr Hieronymus fort, und in seiner belegten Stimme -bebte eine tiefe Entruestung ... "Sie wagen nicht, es zu leugnen! Wie -aber ist es dann moeglich, den Verfertiger dieses Gebildes im Ernste zu -feiern, als habe er der Menschheit ideale Gueter um eines vermehrt? Wie -ist es dann moeglich, davor zu stehen, sich unbedenklich dem schnoeden -Genuesse hinzugeben, den es verursacht, und sein Gewissen mit dem Worte -Schoenheit zum Schweigen zu bringen, ja, sich ernstlich einzureden, -man ueberlasse sich dabei einem edlen, erlesenen und hoechst -menschenwuerdigen Zustande? Ist dies ruchlose Unwissenheit oder -verworfene Heuchelei? Mein Verstand steht still an dieser Stelle ... -er steht still vor der absurden Tatsache, dass ein Mensch durch die -dumme und zuversichtliche Entfaltung seiner tierischen Triebe auf -Erden zu hoechstem Ruhme gelangen kann!... Schoenheit ... Was ist -Schoenheit? Wodurch wird die Schoenheit zutage getrieben und worauf -wirkt sie? Es ist unmoeglich, dies nicht zu wissen, Herr Bluethenzweig! -Wie aber ist es denkbar, eine Sache so sehr zu durchschauen und -nicht angesichts ihrer von Ekel und Gram erfuellt zu werden? Es ist -verbrecherisch, die Unwissenheit der schamlosen Kinder und kecken -Unbedenklichen durch die Erhoehung und frevle Anbetung der Schoenheit -zu bestaetigen, zu bekraeftigen und ihr zur Macht zu verhelfen, denn sie -sind weit vom Leiden und weiter noch von der Erloesung! ...Du blickst -schwarz, antworten Sie mir, du, Unbekannter. Das Wissen, sage ich -Ihnen, ist die tiefste Qual der Welt; aber es ist das Fegefeuer, ohne -dessen laeuternde Pein keines Menschen Seele zum Heile gelangt. -Nicht kecker Kindersinn und ruchlose Unbefangenheit frommt, Herr -Bluethenzweig, sondern jene Erkenntnis, in der die Leidenschaften -unseres eklen Fleisches hinsterben und verloeschen." - -Stillschweigen. Der gelbe Herr mit dem schwarzen Ziegenbart meckerte -kurz. - -"Sie muessen nun wohl gehen", sagte der Schlechtbezahlte sanft. - -Aber Hieronymus machte keineswegs Anstalten, zu gehen. Hoch -aufgerichtet in seinem Kapuzenmantel, mit brennenden Augen stand er -inmitten des Kunstladens, und seine dicken Lippen formten mit hartem -und gleichsam rostigem Klange unaufhaltsam verdammende Worte... - -"Kunst! rufen sie, Genuss! Schoenheit! Huellt die Welt in Schoenheit ein -und verleiht jedem Dinge den Adel des Stiles! ...Geht mir, Verruchte! -Denkt man, mit prunkenden Farben das Elend der Welt zu uebertuenchen? -Glaubt man, mit dem Festlaerm des ueppigen Wohlgeschmacks das Aechzen -der gequaelten Erde uebertoenen zu koennen? Ihr irrt, Schamlose! Gott laesst -sich nicht spotten, und ein Greuel ist in seinen Augen euer frecher -Goetzendienst der gleissenden Oberflaeche! ...Du schmaehst die Kunst, -antworten Sie mir, du, Unbekannter. Sie luegen, sage ich Ihnen, ich -schmaehe nicht die Kunst! Die Kunst ist kein gewissenloser Trug, der -lockend zur Bekraeftigung und Bestaetigung des Lebens im Fleische reizt! -Die Kunst ist die heilige Fackel, die barmherzig hineinleuchte in -alle fuerchterlichen Tiefen, in alle scham- und gramvollen Abgruende -des Daseins; die Kunst ist das goettliche Feuer, das an die Welt gelegt -werde, damit sie aufflamme und zergehe samt all ihrer Schande und -Marter in erloesendem Mitleid! ...Nehmen Sie, Herr Bluethenzweig, nehmen -Sie das Werk des beruehmten Malers dort aus Ihrem Fenster ... ja, Sie -taeten gut, es mit einem heissen Feuer zu verbrennen und seine Asche in -alle Winde zu streuen, in alle vier Winde!..." - -Seine unschoene Stimme brach ab. Er hatte einen heftigen Schritt -rueckwaerts getan, hatte einen Arm der Umhuellung des schwarzen -Mantels entrissen, hatte ihn mit leidenschaftlicher Bewegung weit -hinausgereckt und wies mit einer seltsam verzerrten, krampfhaft auf -und nieder bebenden Hand auf die Auslage, das Schaufenster, dorthin, -wo das aufsehenerregende Madonnenbild seinen Platz hatte. In dieser -herrischen Haltung verharrte er. Seine grosse, gehoeckerte Nase schien -mit einem befehlshaberischen Ausdruck hervorzuspringen, seine dunklen, -an der Nasenwurzel stark sich verdickenden Brauen waren so hoch -emporgezogen, dass die kantige, von der Kapuze beschattete Stirn ganz -in breiten Querfalten lag, und ueber seinen Wangenhoehlen hatte sich -eine hektische Hitze entzuendet. - -Hier aber wandte Herr Bluethenzweig sich um. Sei es, dass die Zumutung, -diese Siebenzig-Mark-Reproduktion zu verbrennen, ihn so aufrichtig -entruestete, oder dass ueberhaupt Hieronymus' Reden seine Geduld am Ende -erschoepft hatten: jedenfalls bot er ein Bild gerechten und starken -Zornes. Er wies mit dem Federhalter auf die Ladentuer, blies mehrere -Male kurz und erregt mit der Nase in den Schnurrbart, rang mit der -Sprache und brachte dann mit hoechstem Nachdruck hervor: - -"Wenn Sie Patron nun nicht augenblicklich von der Bildflaeche -verschwinden, so lasse ich Ihnen durch den Packer den Abgang -erleichtern, verstehen Sie mich?!" - -"Oh, Sie schuechtern mich nicht ein, Sie verjagen mich nicht, Sie -bringen meine Stimme nicht zum Schweigen!" rief Hieronymus, indem -er oberhalb der Brust seine Kapuze mit der Faust zusammenraffte -und furchtlos den Kopf schuettelte... "Ich weiss, dass ich einsam und -machtlos bin, und dennoch verstumme ich nicht, bis Sie mich hoeren, -Herr Bluethenzweig! Nehmen Sie das Bild aus Ihrem Fenster und -verbrennen Sie es noch heute! Ach, verbrennen Sie nicht dies allein! -Verbrennen Sie auch diese Statuetten und Buesten, deren Anblick in -Suende stuerzt, verbrennen Sie diese Vasen und Zierate, diese schamlosen -Wiedergeburten des Heidentums, diese ueppig ausgestatteten Liebesverse! -Verbrennen Sie alles, was Ihr Laden birgt, Herr Bluethenzweig, denn es -ist ein Unrat in Gottes Augen! Verbrennen, verbrennen, verbrennen Sie -es!" rief er ausser sich, indem er eine wilde, weite Bewegung rings in -die Runde vollfuehrte... "Diese Ernte ist reif fuer den Schnitter ... -Die Frechheit dieser Zeit durchbricht alle Daemme ... Ich aber sage -Ihnen..." - -"Krauthuber!" liess Herr Bluethenzweig, einer Tuer im Hintergrund -zugewandt, mit Anstrengung seine Stimme vernehmen... "Kommen Sie -sofort herein!" - -Das, was infolge dieses Befehls auf dem Schauplatze erschien, war ein -massiges und uebergewaltiges Etwas, eine ungeheuerliche und strotzende -menschliche Erscheinung von schreckeneinfloessender Fuelle, deren -schwellende, quellende, gepolsterte Gliedmassen ueberall formlos -ineinander uebergingen ... eine unmaessige, langsam ueber den Boden -wuchtende und schwer pustende Riesengestalt, genaehrt mit Malz, ein -Sohn des Volkes von fuerchterlicher Ruestigkeit! Ein fransenartiger -Seehundsschnauzbart war droben in seinem Angesicht bemerkbar, ein -gewaltiges, mit Kleister besudeltes Schurzfell bedeckte seinen Leib, -und die gelben Aermel seines Hemdes waren von seinen sagenhaften Armen -zurueckgerollt. - -"Wollen Sie diesem Herrn die Tuere oeffnen, Krauthuber", sagte Herr -Bluethenzweig, "und, sollte er sie dennoch nicht finden, ihm auf die -Strasse hinausverhelfen." - -"Ha?" sagte der Mann, indem er mit seinen kleinen Elefantenaugen -abwechselnd Hieronymus und seinen erzuernten Brotherrn betrachtete ... -Es war ein dumpfer Laut von muehsam zurueckgedaemmter Kraft. Dann ging -er, mit seinen Tritten alles um sich her erschuetternd, zur Tuer und -oeffnete sie. - -Hieronymus war sehr bleich geworden. "Verbrennen Sie..." wollte er -sagen, aber schon fuehlte er sich von einer furchtbaren Uebermacht -umgewandt, von einer Koerperwucht, gegen die kein Widerstand denkbar -war, langsam und unaufhaltsam der Tuer entgegengedraengt. - -"Ich bin schwach..." brachte er hervor. "Mein Fleisch ertraegt -nicht die Gewalt ... es haelt nicht stand, nein ... Was beweist das? -Verbrennen Sie..." - -Er verstummte. Er befand sich ausserhalb des Kunstladens. Herrn -Bluethenzweigs riesiger Knecht hatte ihn schliesslich mit einem kleinen -Stoss und Schwung fahren lassen, so dass er, auf eine Hand gestuetzt, -seitwaerts auf die steinerne Stufe niedergesunken war. Und hinter ihm -schloss sich klirrend die Glastuer. - -Er richtete sich empor. Er stand aufrecht und hielt schwer atmend mit -der einen Faust seine Kapuze oberhalb der Brust zusammengerafft, -indes er die andere unter dem Mantel hinabhaengen liess. In seinen -Wangenhoehlen lagerte eine graue Blaesse; die Fluegel seiner grossen, -gehoeckerten Nase blaehten und schloessen sich zuckend; seine haesslichen -Lippen waren zu dem Ausdruck eines verzweifelten Hasses verzerrt, und -seine Augen, von Glut umzogen, schweiften irr und ekstatisch ueber den -schoenen Platz. - -Er sah nicht die neugierig und lachend auf ihn gerichteten Blicke. -Er sah auf der Mosaikflaeche vor der grossen Loggia die Eitelkeiten -der Welt, die Maskenkostueme der Kuenstlerfeste, die Zierate, -Vasen, Schmuckstuecke und Stilgegenstaende, die nackten Statuen und -Frauenbuesten, die malerischen Wiedergeburten des Heidentums, die -Portraets der beruehmten Schoenheiten von Meisterhand, die ueppig -ausgestatteten Liebesverse und Propagandaschriften der Kunst -pyramidenartig aufgetuermt und unter dem Jubelgeschrei des durch -seine furchtbaren Worte geknechteten Volkes in prasselnde Flammen -aufgehen... Er sah gegen die gelbliche Wolkenwand, die von der -Theatinerstrasse heraufgezogen war und in der es leise donnerte, ein -breites Feuerschwert stehen, das sich im Schwefellicht ueber die frohe -Stadt hinreckte... - -"Gladius Dei super terram..." fluesterten seine dicken Lippen, und in -seinem Kapuzenmantel sich hoeher emporrichtend, mit einem versteckten -und krampfigen Schuetteln seiner hinabhaengenden Faust, murmelte er -bebend: "Cito et velociter!" - - - - * * * * * - - - -SCHWERE STUNDE - - -Er stand vom Schreibtisch auf, von seiner kleinen, gebrechlichen -Schreibkommode, stand auf wie ein Verzweifelter und ging mit haengendem -Kopfe in den entgegengesetzten Winkel des Zimmers zum Ofen, der lang -und schlank war wie eine Saeule. Er legte die Haende an die Kacheln, -aber sie waren fast ganz erkaltet, denn Mitternacht war lange vorbei, -und so lehnte er, ohne die kleine Wohltat empfangen zu haben, die er -suchte, den Ruecken daran, zog hustend die Schoesse seines Schlafrockes -zusammen, aus dessen Brustaufschlaegen das verwaschene Spitzenjabot -heraushing, und schnob muehsam durch die Nase, um sich ein wenig Luft -zu verschaffen; denn er hatte den Schnupfen wie gewoehnlich. - -Das war ein besonderer und unheimlicher Schnupfen, der ihn fast nie -voellig verliess. Seine Augenlider waren entflammt und die Raender seiner -Nasenloecher ganz wund davon, und in Kopf und Gliedern lag dieser -Schnupfen ihm wie eine schwere, schmerzliche Trunkenheit. Oder war an -all der Schlaffheit und Schwere das leidige Zimmergewahrsam schuld, -das der Arzt nun schon wieder seit Wochen ueber ihn verhaengt hielt? -Gott wusste, ob er wohl daran tat. Der ewige Katarrh und die Kraempfe in -Brust und Unterleib mochten es noetig machen, und schlechtes Wetter war -ueber Jena, seit Wochen, seit Wochen, das war richtig, ein miserables -und hassenswertes Wetter, das man in allen Nerven spuerte, wuest, -finster und kalt, und der Dezemberwind heulte im Ofenrohr, verwahrlost -und gottverlassen, dass es klang nach naechtiger Heide im Sturm und -Irrsal und heillosem Gram der Seele. Aber gut war sie nicht, diese -enge Gefangenschaft, nicht gut fuer die Gedanken und den Rhythmus des -Blutes, aus dem die Gedanken kamen... - -Das sechseckige Zimmer, kahl, nuechtern und unbequem, mit seiner -geweissten Decke, unter der Tabaksrauch schwebte, seiner schraeg -karierten Tapete, auf der oval gerahmte Silhouetten hingen, und seinen -vier, fuenf duennbeinigen Moebeln, lag im Lichte der beiden Kerzen, -die zu Haeupten des Manuskripts auf der Schreibkommode brannten. Rote -Vorhaenge hingen ueber den oberen Rahmen der Fenster, Faehnchen nur, -symmetrisch geraffte Kattune; aber sie waren rot, von einem warmen, -sonoren Rot, und er liebte sie und wollte sie niemals missen, weil -sie etwas von Ueppigkeit und Wollust in die unsinnlich-enthaltsame -Duerftigkeit seines Zimmers brachten... - -Er stand am Ofen und blickte mit einem raschen und schmerzlich -angestrengten Blinzeln hinueber zu dem Werk, von dem er geflohen war, -dieser Last, diesem Druck, dieser Gewissensqual, diesem Meer, das -auszutrinken, dieser furchtbaren Aufgabe, die sein Stolz und sein -Elend, sein Himmel und seine Verdammnis war. Es schleppte sich, es -stockte, es stand--schon wieder, schon wieder! Das Wetter war schuld -und sein Katarrh und seine Muedigkeit. Oder das Werk? Die Arbeit -selbst? Die eine unglueckselige und der Verzweiflung geweihte -Empfaengnis war? - -Er war aufgestanden, um sich ein wenig Distanz davon zu verschaffen, -denn so oft bewirkte die raeumliche Entfernung vom Manuskript, dass man -Uebersicht gewann, einen weiteren Blick ueber den Stoff, und Verfuegungen -zu treffen vermochte. Ja, es gab Faelle, wo das Erleichterungsgefuehl, -wenn man sich abwendete von der Staette des Ringens, begeisternd -wirkte. Und das war eine unschuldigere Begeisterung, als wenn man -Likoer nahm oder schwarzen, starken Kaffee... Die kleine Tasse stand -auf dem Tischchen. Wenn sie ihm ueber das Hemmnis huelfe? Nein, -nein, nicht mehr! Nicht der Arzt nur, auch ein zweiter noch, ein -Ansehnlicherer, hatte ihm dergleichen behutsam widerraten: der andere, -der dort, in Weimar, den er mit einer sehnsuechtigen Feindschaft -liebte. Der war weise. Der wusste zu leben, zu schaffen; misshandelte -sich nicht; war voller Ruecksicht gegen sich selbst... - -Stille herrschte im Hause. Nur der Wind war hoerbar, der die -Schlossgasse hinuntersauste, und der Regen, wenn er prickelnd gegen die -Fenster getrieben ward. Alles schlief, der Hauswirt und die Seinen, -Lotte und die Kinder. Und er stand einsam wach am erkalteten Ofen -und blinzelte gequaelt zu dem Werk hinueber, an das seine kranke -Ungenuegsamkeit ihn glauben liess... Sein weisser Hals ragte lang aus der -Binde hervor, und zwischen den Schoessen des Schlafrocks sah man seine -nach innen gekruemmten Beine. Sein rotes Haar war aus der hohen und -zarten Stirn zurueckgestrichen, liess blass geaederte Buchten ueber den -Schlaefen frei und bedeckte die Ohren in duennen Locken. An der Wurzel -der grossen, gebogenen Nase, die unvermittelt in eine weissliche Spitze -endete, traten die starken Brauen, dunkler als das Haupthaar, nahe -zusammen, was dem Blick der tiefliegenden, wunden Augen etwas tragisch -Schauendes gab. Gezwungen, durch den Mund zu atmen, oeffnete er die -duennen Lippen, und seine Wangen, sommersprossig und von Stubenluft -fahl, erschlafften und fielen ein... - -Nein, es misslang, und alles war vergebens! Die Armee! Die Armee haette -gezeigt werden muessen! Die Armee war die Basis von allem! Da sie nicht -vors Auge gebracht werden konnte--war die ungeheure Kunst denkbar, -sie der Einbildung aufzuzwingen? Und der Held war kein Held; er war -unedel und kalt! Die Anlage war falsch, und die Sprache war falsch, -und es war ein trockenes und schwungloses Kolleg in Historie, breit, -nuechtern und fuer die Schaubuehne verloren! - -Gut, es war also aus. Eine Niederlage. Ein verfehltes Unternehmen. -Bankerott. Er wollte es Koernern schreiben, dem guten Koerner, der an -ihn glaubte, der in kindischem Vertrauen seinem Genius anhing. Er -wuerde hoehnen, flehen, poltern--der Freund; wuerde ihn an den -Carlos gemahnen, der auch aus Zweifeln und Muehen und Wandlungen -hervorgegangen und sich am Ende, nach aller Qual, als ein weithin -Vortreffliches, eine ruhmvolle Tat erwiesen hat. Doch das war anders -gewesen. Damals war er der Mann noch, eine Sache mit gluecklicher Hand -zu packen und sich den Sieg daraus zu gestalten. Skrupel und Kaempfe? -O ja. Und krank war er gewesen, wohl kraenker als jetzt, ein Darbender, -Fluechtiger, mit der Welt Zerfallener, gedrueckt und im Menschlichen -bettelarm. Aber jung, ganz jung noch! Jedesmal, wie tief auch gebeugt, -war sein Geist geschmeidig emporgeschnellt, und nach den Stunden -des Harms waren die anderen des Glaubens und des inneren Triumphes -gekommen. Die kamen nicht mehr, kamen kaum noch. Eine Nacht -der flammenden Stimmung, da man auf einmal in einem genialisch -leidenschaftlichen Lichte sah, was werden koennte, wenn man immer -solcher Gnade geniessen duerfte, musste bezahlt werden mit einer Woche -der Finsternis und der Laehmung. Muede war er, siebenunddreissig erst alt -und schon am Ende. Der Glaube lebte nicht mehr, der an die Zukunft, -der im Elend sein Stern gewesen. Und so war es, dies war die -verzweifelte Wahrheit: Die Jahre der Not und der Nichtigkeit, die er -fuer Leidens- und Pruefungsjahre gehalten, sie eigentlich waren reiche -und fruchtbare Jahre gewesen; und nun, da ein wenig Glueck sich -herniedergelassen, da er aus dem Freibeutertum des Geistes in einige -Rechtlichkeit und buergerliche Verbindung eingetreten war, Amt und -Ehren trug, Weib und Kinder besass, nun war er erschoepft und fertig. -Versagen und verzagen--das war's, was uebrigblieb. - -Er stoehnte, presste die Haende vor die Augen und ging wie gehetzt durch -das Zimmer. Was er da eben gedacht, war so furchtbar, dass er nicht an -der Stelle zu bleiben vermochte, wo ihm der Gedanke gekommen war. Er -setzte sich auf einen Stuhl an der Wand, liess die gefalteten Haende -zwischen den Knien haengen und starrte trueb auf die Diele nieder. - -Das Gewissen... wie laut sein Gewissen schrie! Er hatte gesuendigt, -sich versuendigt gegen sich selbst in all den Jahren, gegen das zarte -Instrument seines Koerpers. Die Ausschweifungen seines Jugendmutes, -die durchwachten Naechte, die Tage in tabakrauchiger Stubenluft, -uebergeistig und des Leibes uneingedenk, die Rauschmittel, mit denen er -sich zur Arbeit gestachelt--das raechte, raechte sich jetzt! - -Und raechte es sich, so wollte er den Goettern trotzen, die Schuld -schickten und dann Strafe verhaengten. Er hatte gelebt, wie er leben -musste, er hatte nicht Zeit gehabt, weise, nicht Zeit, bedaechtig zu -sein. Hier, an dieser Stelle der Brust, wenn er atmete, hustete, -gaehnte, immer am selben Punkt dieser Schmerz, diese kleine, -teuflische, stechende, bohrende Mahnung, die nicht schwieg, -seitdem vor fuenf Jahren in Erfurt das Katarrhfieber, jene hitzige -Brustkrankheit, ihn angefallen--was wollte sie sagen? In Wahrheit, er -wusste es nur zu gut, was sie meinte--mochte der Arzt sich stellen wie -er konnte und wollte. Er hatte nicht Zeit, sich mit kluger Schonung -zu begegnen, mit milder Sittlichkeit hauszuhalten. Was er tun wollte, -musste er bald tun, heute noch, schnell... Sittlichkeit? Aber wie kam -es zuletzt, dass die Suende gerade, die Hingabe an das Schaedliche und -Verzehrende ihn moralischer duenkte als alle Weisheit und kuehle Zucht? -Nicht sie, nicht die veraechtliche Kunst des guten Gewissens waren das -Sittliche, sondern der Kampf und die Not, die Leidenschaft und der -Schmerz! - -Der Schmerz... Wie das Wort ihm die Brust weitete! Er reckte sich -auf, verschraenkte die Arme; und sein Blick, unter den roetlichen, -zusammenstehenden Brauen, beseelte sich mit schoener Klage. Man war -noch nicht elend, ganz elend noch nicht, solange es moeglich war, -seinem Elend eine stolze und edle Benennung zu schenken. Eins war not: -Der gute Mut, seinem Leben grosse und schoene Namen zu geben! Das Leid -nicht auf Stubenluft und Konstipation zurueckzufuehren! Gesund genug -sein, um pathetisch sein--um ueber das Koerperliche hinwegsehen, -hinwegfuehlen zu koennen! Nur hierin naiv sein, wenn auch sonst wissend -in allem! Glauben, an den Schmerz glauben koennen... Aber er glaubte -ja an den Schmerz, so tief, so innig, dass etwas, was unter Schmerzen -geschah, diesem Glauben zufolge weder nutzlos noch schlecht sein -konnte. Sein Blick schwang sich zum Manuskript hinueber, und seine Arme -verschraenkten sich fester ueber der Brust... Das Talent selbst--war -es nicht Schmerz? Und wenn das dort, das unselige Werk, ihn leiden -machte, war es nicht in der Ordnung so und fast schon ein gutes -Zeichen? Es hatte noch niemals gesprudelt, und sein Misstrauen wuerde -erst eigentlich beginnen, wenn es das taete. Nur bei Stuempern und -Dilettanten sprudelte es, bei den Schnellzufriedenen und Unwissenden, -die nicht unter dem Druck und der Zucht des Talentes lebten. Denn das -Talent, meine Herren und Damen dort unten, weithin im Parterre, das -Talent ist nichts Leichtes, nichts Taendelndes, es ist nicht ohne -weiteres ein Koennen. In der Wurzel ist es Beduerfnis, ein kritisches -Wissen um das Ideal, eine Ungenuegsamkeit, die sich ihr Koennen -nicht ohne Qual erst schafft und steigert. Und den Groessten, den -Ungenuegsamsten ist ihr Talent die schaerfste Geissel... Nicht klagen! -Nicht prahlen! Bescheiden, geduldig denken von dem, was man trug! Und -wenn nicht ein Tag in der Woche, nicht eine Stunde von Leiden frei -war--was weiter? Die Lasten und Leistungen, die Anforderungen, -Beschwerden, Strapazen gering achten, klein sehen,--das war's, was -gross machte! - -Er stand auf, zog die Dose und schnupfte gierig, warf dann die Haende -auf den Ruecken und schritt so heftig durch das Zimmer, dass die Flammen -der Kerzen im Luftzuge flatterten... Groesse! Ausserordentlichkeit! -Welteroberung und Unsterblichkeit des Namens! Was galt alles Glueck der -ewig Unbekannten gegen dies Ziel? Gekannt sein,--gekannt und geliebt -von den Voelkern der Erde! Schwatzet von Ichsucht, die ihr nichts wisst -von der Suessigkeit dieses Traumes und Dranges! Ichsuechtig ist alles -Ausserordentliche, sofern es leidet. Moegt ihr selbst zusehen, spricht -es, ihr Sendungslosen, die ihr's auf Erden so viel leichter habt! Und -der Ehrgeiz spricht: Soll das Leiden umsonst gewesen sein? Gross muss es -mich machen!... - -Die Fluegel seiner grossen Nase waren gespannt, sein Blick drohte und -schweifte. Seine Rechte war heftig und tief in den Aufschlag seines -Schlafrockes geschoben, waehrend die Linke geballt herniederhing. -Eine fliegende Roete war in seine hageren Wangen getreten, eine -Lohe, emporgeschlagen aus der Glut seines Kuenstleregoismus, jener -Leidenschaft fuer sein Ich, die unausloeschlich in seiner Tiefe brannte. -Er kannte ihn wohl, den heimlichen Rausch dieser Liebe. Zuweilen -brauchte er nur seine Hand zu betrachten, um von einer begeisterten -Zaertlichkeit fuer sich selbst erfuellt zu werden, in deren Dienst er -alles, was ihm an Waffen des Talentes und der Kunst gegeben war, zu -stellen beschloss. Er durfte es, nichts war unedel daran. Denn tiefer -noch als diese Ichsucht lebte das Bewusstsein, sich dennoch bei alldem -im Dienste vor irgend etwas Hohem, ohne Verdienst freilich, sondern -unter einer Notwendigkeit, uneigennuetzig zu verzehren und aufzuopfern. -Und dies war seine Eifersucht: dass niemand groesser werde als er, der -nicht auch tiefer als er um dieses Hohe gelitten. - -Niemand!... Er blieb stehen, die Hand ueber den Augen, den Oberkoerper -halb seitwaerts gewandt, ausweichend, fliehend. Aber er fuehlte schon -den Stachel dieses unvermeidlichen Gedankens in seinem Herzen, des -Gedankens an ihn, den anderen, den Hellen, Tastseligen, Sinnlichen, -Goettlich-Unbewussten, an den dort, in Weimar, den er mit einer -sehnsuechtigen Feindschaft liebte... Und wieder, wie stets, in tiefer -Unruhe, mit Hast und Eifer, fuehlte er die Arbeit in sich beginnen, die -diesem Gedanken folgte: das eigene Wesen und Kuenstlertum gegen das -des anderen zu behaupten und abzugrenzen... War er denn groesser? Worin? -Warum? War es ein blutendes Trotzdem, wenn er siegte? Wuerde je sein -Erliegen ein tragisches Schauspiel sein? Ein Gott, vielleicht--ein -Held war er nicht. Aber es war leichter, ein Gott zu sein als ein -Held!--Leichter... Der andere hatte es leichter! Mit weiser und -gluecklicher Hand Erkennen und Schaffen zu scheiden, das mochte heiter -und quallos und quellend fruchtbar machen. Aber war Schaffen goettlich, -so war Erkenntnis Heldentum, und beides war der, ein Gott und ein -Held, welcher erkennend schuf! - -Der Wille zum Schweren... Ahnte man, wieviel Zucht und -Selbstueberwindung ein Satz, ein strenger Gedanke ihn kostete? -Denn zuletzt war er unwissend und wenig geschult, ein dumpfer und -schwaermender Traeumer. Es war schwerer, einen Brief des Julius zu -schreiben, als die beste Szene zu machen,--und war es nicht darum auch -fast schon das Hoehere?--Vom ersten rhythmischen Drange innerer Kunst -nach Stoff, Materie, Moeglichkeit des Ergusses--bis zum Gedanken, zum -Bilde, zum Worte, zur Zeile: welch Ringen! welch Leidensweg! Wunder -der Sehnsucht waren seine Werke, der Sehnsucht nach Form, Gestalt, -Begrenzung, Koerperlichkeit, der Sehnsucht hinueber in die klare Welt -des anderen, der unmittelbar und mit goettlichem Mund die besonnten -Dinge bei Namen nannte. - -Dennoch, und jenem zum Trotz: Wer war ein Kuenstler, ein Dichter gleich -ihm, ihm selbst? Wer schuf, wie er, aus dem Nichts, aus der eigenen -Brust? War nicht als Musik, als reines Urbild des Seins ein Gedicht in -seiner Seele geboren, lange bevor es sich Gleichnis und Kleid aus der -Welt der Erscheinungen lieh? Geschichte, Weltweisheit, Leidenschaft: -Mittel und Vorwaende, nicht mehr, fuer etwas, was wenig mit ihnen -zu schaffen, was seine Heimat in orphischen Tiefen hatte. Worte, -Begriffe: Tasten nur, die sein Kuenstlertum schlug, um ein verborgenes -Saitenspiel klingen zu machen... Wusste man das? Sie priesen ihn sehr, -die guten Leute, fuer die Kraft der Gesinnung, mit welcher er die oder -jene Taste schlug. Und sein Lieblingswort, sein letztes Pathos, die -grosse Glocke, mit der er zu den hoechsten Festen der Seele rief, sie -lockte viele herbei... Freiheit... Mehr und weniger, wahrhaftig, -begriff er darunter als sie, wenn sie jubelten. Freiheit--was hiess -das? Ein wenig Buergerwuerde doch nicht vor Fuerstenthronen? Lasst ihr -euch traeumen, was alles ein Geist mit dem Worte zu meinen wagt? -Freiheit wovon? Wovon zuletzt noch? Vielleicht sogar noch vom Glueck, -vom Menschenglueck, dieser seidenen Fessel, dieser weichen und holden -Verpflichtung... - -Vom Glueck... Seine Lippen zuckten; es war, als kehrte sein Blick sich -nach innen, und langsam liess er das Gesicht in die Haende sinken... -Er war im Nebenzimmer. Blaeuliches Licht floss von der Ampel, und der -gebluemte Vorhang verhuellte in stillen Falten das Fenster. Er stand am -Bette, beugte sich ueber das suesse Haupt auf dem Kissen... Eine schwarze -Locke ringelte sich ueber die Wange, die von der Blaesse der Perlen -schien, und die kindlichen Lippen waren im Schlummer geoeffnet... Mein -Weib! Geliebte! Folgtest du meiner Sehnsucht und tratest du zu mir, -mein Glueck zu sein? Du bist es, sei still! Und schlafe! Schlag jetzt -nicht diese suessen, langschattenden Wimpern auf, um mich anzuschauen, -so gross und dunkel, wie manchmal, als fragtest und suchtest du mich! -Bei Gott, bei Gott, ich liebe dich sehr! Ich kann mein Gefuehl nur -zuweilen nicht finden, weil ich oft sehr muede vom Leiden bin und vom -Ringen mit jener Aufgabe, welche mein Selbst mir stellt. Und ich -darf nicht allzusehr dein, nie ganz in dir gluecklich sein, um -dessentwillen, was meine Sendung ist... - -Er kuesste sie, trennte sich von der lieblichen Waerme ihres Schlummers, -sah um sich, kehrte zurueck. Die Glocke mahnte ihn, wie weit schon die -Nacht vorgeschritten, aber es war auch zugleich, als zeigte sie -guetig das Ende einer schweren Stunde an. Er atmete auf, seine Lippen -schlossen sich fest; er ging und ergriff die Feder... Nicht gruebeln! -Er war zu tief, um gruebeln zu duerfen! Nicht ins Chaos hinabsteigen, -sich wenigstens nicht dort aufhalten! Sondern aus dem Chaos, welches -die Fuelle ist, ans Licht emporheben, was faehig und reif ist, Form zu -gewinnen. Nicht gruebeln: Arbeiten! Begrenzen, ausschalten, gestalten, -fertig werden... - -Und es wurde fertig, das Leidenswerk. Es wurde vielleicht nicht gut, -aber es wurde fertig. Und als es fertig war, siehe, da war es auch -gut. Und aus seiner Seele, aus Musik und Idee, rangen sich neue Werke -hervor, klingende und schimmernde Gebilde, die in heiliger Form die -unendliche Heimat wunderbar ahnen liessen, wie in der Muschel das Meer - - - - - -End of Project Gutenberg's Gladius Dei; Schwere Stunde, by Thomas Mann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GLADIUS DEI; SCHWERE STUNDE *** - -***** This file should be named 12053.txt or 12053.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - https://www.gutenberg.org/1/2/0/5/12053/ - -Produced by Martin Agren, Tim Sneath and PG Distributed Proofreaders - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To -SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any -particular state visit https://pglaf.org - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including including checks, online payments and credit card -donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. 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