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+The Project Gutenberg EBook of Die Laune des Verliebten, by J.W. Goethe
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Laune des Verliebten
+ Ein Schaeferspiel in Versen und einem Akt
+
+Author: J.W. Goethe
+
+Release Date: December 1, 2003 [EBook #10354]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO Latin-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAUNE DES VERLIEBTEN ***
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+Produced by Andrew Sly
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+Johann Wolfgang Goethe
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+Die Laune des Verliebten
+
+Ein Schäferspiel in Versen und einem Akt
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+
+Personen
+
+Egle
+Amine
+Eridon
+Lamon
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+[Amine und Egle sitzen an der einen Seite des Theaters und winden
+Kränze. Lamon kommt dazu und bringt ein Körbchen mit Blumen.]
+
+Lamon [indem er das Körbchen niedersetzt].
+Hier sind noch Blumen.
+
+Egle.
+ Gut!
+
+Lamon.
+ Seht doch, wie schön sie sind!
+Die Nelke brach ich dir.
+
+Egle.
+ Die Rose! -
+
+Lamon.
+ Nein, mein Kind!
+Aminen reich' ich heut' das Seltene vom Jahr;
+Die Rose seh' ich gern in einem schwarzen Haar.
+
+Egle.
+Und das soll ich wohl gar verbindlich, artig nennen?
+
+Lamon.
+Wie lange liebst du mich schon, ohne mich zu kennen?
+Ich weiß es ganz gewiß, du liebst nur mich allein,
+Und dieses muntre Herz ist auch auf ewig dein,
+Du weißt es. Doch verlangst du mich noch mehr zu binden?
+Ist es wohl scheltenswert, auch andre schön zu finden?
+Ich wehre dir ja nicht, zu sagen: der ist schön,
+Der artig, scherzhaft der; ich will es eingestehn,
+Nicht böse sein.
+
+Egle.
+ Sei's nicht, ich will es auch nicht werden.
+Wir fehlen beide gleich. Mit freundlichen Gebärden
+Hör ich gar manchen an, und mancher Schäferin
+Sagst du was Süßes vor, wenn ich nicht bei dir bin.
+Dem Herzen läßt sich wohl, dem Scherze nicht gebieten;
+Vor Unbeständigkeit muß uns der Leichtsinn hüten.
+Mich kleidet Eifersucht noch weniger als dich.
+[zu Aminen:]
+Du lächelst über uns! Was denkst du, Liebe? sprich!
+
+Amine.
+Nicht viel.
+
+Egle.
+ Genug, mein Glück und deine Qual zu fühlen.
+
+Amine.
+Wieso?
+
+Egle.
+ Wieso! Anstatt, daß wir zusammen spielen,
+Daß Amors Schläfrigkeit bei unserm Lachen flieht,
+Beginnet deine Qual, wenn dich dein Liebster sieht.
+Nie war der Eigensinn bei einem Menschen größer.
+Du denkst, er liebe dich. O nein, ich kenn ihn besser:
+Er sieht, daß du gehorchst, drum liebt dich der Tirann,
+Damit er jemand hat, dem er befehlen kann.
+
+Amine.
+Ach, er gehorcht mir oft.
+
+Egle.
+ Um wieder zu befehlen.
+Mußt du nicht jeden Blick von seinen Augen stehlen?
+Die Macht, von der Natur in unsern Blick gelegt,
+Daß er den Mann entzückt, daß er ihn niederschlägt,
+Hast du an ihn geschenkt, und mußt dich glücklich halten,
+Wenn er nur freundlich sieht. Die Stirne voller Falten,
+Die Augenbraunen tief, die Augen düster, wild,
+Die Lippen aufgedrückt, ein liebenswürdig Bild,
+Wie er sich täglich zeigt, bis Bitten, Küsse, Klagen
+Den rauhen Winterzug von seiner Stirne jagen.
+
+Amine.
+Du kennst ihn nicht genug, du hast ihn nicht geliebt.
+Es ist nicht Eigensinn, der seine Stirne trübt;
+Ein launischer Verdruß ist seines Herzens Plage
+Und trübet mir und ihm die besten Sommertage;
+Und doch vergnüg ich mich, da, wenn er mich nur sieht,
+Wenn er mein Schmeicheln hört, bald seine Laune flieht.
+
+Egle
+Fürwahr ein großes Glück, das man entbehren könnte.
+Doch nenne mir die Lust, die er dir je vergönnte?
+Wie pochte deine Brust, wenn man vom Tanze sprach;
+Dein Liebster flieht den Tanz und zieht dich Arme nach.
+Kein Wunder, daß er dich bei keinem Feste leidet,
+Da er der Wiese Gras um deine Tritte neidet,
+Den Vogel, den du liebst, als Nebenbuhler haßt;
+Wie könnt er ruhig sein, wenn dich ein andrer faßt
+Und gar, indem er sich mit dir im Reihen kräuselt,
+Dich zärtlich an sich drückt und Liebesworte säuselt.
+
+Amine.
+Sei auch nicht ungerecht, da er mich dieses Fest,
+Weil ich ihn darum bat, mit euch begehen läßt.
+
+Egle.
+Das wirst du fühlen.
+
+Amine.
+ Wie?
+
+Egle.
+ Warum bleibt er zurücke?
+
+Amine.
+Er liebt den Tanz nicht sehr.
+
+Egle.
+ Nein, es ist eine Tücke.
+Kommst du vergnügt zurück, fängt er halb spöttisch an:
+Ihr wart wohl sehr vergnügt? - Sehr - Das war wohlgetan.
+Ihr spieltet? - Pfänder - So! Damöt war auch zugegen?
+Und tanztet? - Um den Baum - Ich hätt euch sehen mögen.
+Er tanzte wohl recht schön? Was gabst du ihm zum Lohn?
+
+Amine [lächelnd].
+Ja.
+
+Egle.
+ Lachst du?
+
+Amine.
+ Freundin, ja, das ist sein ganzer Ton. -
+Noch Blumen!
+
+Lamon.
+ Hier! das sind die besten.
+
+Amine.
+ Doch mit Freuden
+Seh ich ihn meinen Blick der ganzen Welt beneiden;
+Ich seh an diesem Neid, wie mich mein Liebster schätzt;
+Und meinem kleinen Stolz wird alle Qual ersetzt.
+
+Egle.
+Kind, ich bedaure dich, du bist nicht mehr zu retten,
+Da du dein Elend liebst; du klirrst mit deinen Ketten
+Und überredest dich, es sei Musik.
+
+Amine.
+ Ein Band
+Zur Schleife fehlt mir noch.
+
+Egle [zu Lamon].
+ Du hast mir eins entwandt,
+Das ich vom Maienkranz bei'm Frühlingsfest bekommen.
+
+Lamon.
+Ich will es holen.
+
+Egle.
+ Doch du mußt bald wiederkommen.
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+[Egle. Amine.]
+
+Amine.
+Er achtet das nicht viel, was ihm sein Mädchen schenkt.
+
+Egle.
+Mir selbst gefällt es nicht, wie mein Geliebter denkt;
+Zu wenig rühren ihn der Liebe Tändeleien,
+Die ein empfindlich Herz, so klein sie sind, erfreuen.
+Doch, Freundin, glaube mir, es ist geringre Pein,
+Nicht gar so sehr geliebt, als es zu sehr zu sein.
+Die Treue lob' ich gern; doch muß sie unserm Leben,
+Bei voller Sicherheit, die volle Ruhe geben.
+
+Amine.
+Ach, Freundin! schätzenswert ist solch ein zärtlich Herz.
+Zwar oft betrübt er mich, doch rührt ihn auch mein Schmerz.
+Wirft er mir etwas vor, fängt er an, mich zu plagen,
+So darf ich nur ein Wort, ein gutes Wort nur sagen,
+Gleich ist er umgekehrt, die wilde Zanksucht flieht,
+Er weint sogar mit mir, wenn er mich weinen sieht,
+Fällt zärtlich vor mir hin und fleht, ihm zu vergeben.
+
+Egle.
+Und du vergibst ihm?
+
+Amine.
+ Stets.
+
+Egle.
+ Heißt das nicht elend leben?
+Dem Liebsten, der uns stets beleidigt, stets verzeihn,
+Um Liebe sich bemühn und nie belohnt zu sein!
+
+Amine.
+Was man nicht ändern kann -
+
+Egle.
+ Nicht ändern? Ihn bekehren
+Ist keine Schwierigkeit.
+
+Amine.
+ Wie das?
+
+Egle.
+ Ich will dich's lehren.
+Es stammet deine Not, die Unzufriedenheit
+Des Eridons -
+
+Amine.
+ Von was?
+
+Egle.
+ Von deiner Zärtlichkeit.
+
+Amine.
+Die, dacht ich, sollte nichts als Gegenlieb entzünden.
+
+Egle.
+Du irrst; sei hart und streng, du wirst ihn zärtlich finden.
+Versuch es nur einmal, bereit ihm kleine Pein:
+Erringen will der Mensch, er will nicht sicher sein.
+Kommt Eridon, mit dir ein Stündchen zu verbringen,
+So weiß er nur zu gut, es muß ihm stets gelingen.
+Der Nebenbuhler Zahl ist ihm nicht fürchterlich.
+Er weiß, du liebest ihn weit stärker als er dich.
+Sein Glück ist ihm zu groß, und, er ist zu belachen,
+Da er kein Elend hat, will er sich Elend machen.
+Er sieht, daß du nichts mehr als ihn auf Erden liebst,
+Und zweifelt nur, weil du ihm nichts zu zweifeln gibst.
+Begegn ihm, daß er glaubt, du könntest ihn entbehren;
+Zwar er wird rasen, doch das wird nicht lange währen,
+Dann wird ein Blick ihn mehr als jetzt ein Kuß erfreun;
+Mach, daß er fürchten muß, und er wird glücklich sein.
+
+Amine.
+Ja, das ist alles gut; allein es auszuführen
+Vermag ich nicht.
+
+Egle.
+ Wer wird auch gleich den Mut verlieren.
+Geh, du bist allzu schwach. Sieh dort!
+
+Amine.
+ Mein Eridon!
+
+Egle.
+Das dacht' ich. Armes Kind! er kommt, du zitterst schon
+Vor Freude, das ist nichts; willst du ihn je bekehren,
+Mußt du ihn ruhig sehn sich nahn, ihn ruhig hören.
+Das Wallen aus der Brust! die Röte vom Gesicht!
+Und dann -
+
+Amine.
+ O laß mich los! So liebt Amine nicht.
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+[Eridon kommt langsam mit übereinandergelegten Armen, Amine steht auf
+und läuft ihm entgegen. Egle bleibt in ihrer Beschäftigung sitzen.]
+
+Amine [ihn bei der Hand fassend].
+Geliebter Eridon!
+
+Eridon [küßt ihr die Hand].
+ Mein Mädchen!
+
+Egle [für sich].
+ Ach wie süße!
+
+Amine.
+Die schönen Blumen! Sprich, mein Freund, wer gab dir diese?
+
+Eridon.
+Wer? Meine Liebste.
+
+Amine.
+ Wie? - Ah, sind das die von mir?
+So frisch von gestern noch?
+
+Eridon.
+ Erhalt' ich was von dir,
+So ist's mir wert. Doch die von mir?
+
+Amine.
+ Zu jenen Kränzen
+Fürs Fest gebraucht ich sie.
+
+Eridon.
+ Dazu! Wie wirst du glänzen!
+Lieb' in des Jünglings Herz und bei den Mädchen Neid
+Erregen!
+
+Egle.
+ Freue dich, daß du die Zärtlichkeit
+So eines Mädchens hast, um die so viele streiten.
+
+Eridon.
+Ich kann nicht glücklich sein, wenn viele mich beneiden.
+
+Egle.
+Und könntest doch; denn wer ist sicherer als du?
+
+Eridon [zu Aminen].
+Erzähl' mir doch vom Fest; kommt wohl Damöt dazu?
+
+Egle [einfallend].
+Er sagte mir es schon, er werde heut' nicht fehlen.
+
+Eridon [zu Aminen].
+Mein Kind, wen wirst du dir zu deinem Tänzer wählen?
+[Amine schweigt, er wendet sich zu Eglen.]
+O sorge, gib ihr den, der ihr am liebsten sei!
+
+Amine.
+Das ist unmöglich, Freund, denn du bist nicht dabei!
+
+Egle.
+Nein, hör nur, Eridon, ich kann's nicht mehr ertragen,
+Welch eine Lust ist das, Aminen so zu plagen?
+Verlaß sie, wenn du glaubst, daß sie die Treue bricht;
+Glaubst du, daß sie dich liebt, nun gut, so plag sie nicht.
+
+Eridon.
+Ich plage sie ja nicht.
+
+Egle.
+ Wie? Heißt das sie erfreuen?
+Aus Eifersucht Verdruß auf ihr Vergnügen streuen,
+Stets zweifeln, da sie dir doch niemals Ursach gibt,
+Daß sie -
+
+Eridon.
+ Bürgst du mir denn, daß sie mich wirklich liebt?
+
+Amine.
+Ich dich nicht lieben! Ich!
+
+Eridon.
+ Wenn lehrst du mich es glauben?
+Wer ließ sich einen Strauß vom kecken Damon rauben?
+Wer nahm das schöne Band vom jungen Thyrsis an?
+
+Amine.
+Mein Eridon! -
+
+Eridon.
+ Nicht wahr, das hast du nicht getan?
+Belohntest du sie denn? O ja, du weißt zu küssen.
+
+Amine.
+Mein Bester, weißt du nicht? -
+
+Egle.
+ O schweig, er will nichts wissen!
+Was du ihm sagen kannst, hast du ihm längst gesagt,
+Er hat es angehört, und doch aufs neu geklagt.
+Was hilft's dich? Magst du's ihm auch heut noch einmal sagen -
+Er wird beruhigt gehn, und morgen wieder klagen.
+
+Eridon.
+Und das vielleicht mit Recht.
+
+Amine.
+ Mit Recht? Ich! Untreu sein?
+Amine, dir? Mein Freund, kannst du es glauben?
+
+Eridon.
+ Nein!
+Ich kann, ich will es nicht.
+
+Amine.
+ Gab ich in meinem Leben
+Dir je Gelegenheit?
+
+Eridon.
+ Die hast du oft gegeben.
+
+Amine.
+Wenn war ich untreu?
+
+Eridon.
+ Nie! das ist es, was mich quält:
+Aus Vorsatz hast du nie, aus Leichtsinn stets gefehlt.
+Das, was mir wichtig scheint, hältst du für Kleinigkeiten;
+Das, was mich ärgert, hat bei dir nichts zu bedeuten.
+
+Egle.
+Gut! nimmt's Amine leicht, so sag, was schadet's dir?
+
+Eridon.
+Das hat sie oft gefragt; ja freilich schadet's mir!
+
+Egle.
+Was denn? Amine wird nie andern viel erlauben.
+
+Eridon.
+Zu wenig zum Verdacht, zu viel, sie treu zu glauben.
+
+Egle.
+Mehr, als ein weiblich Herz je liebte, liebt sie dich.
+
+Eridon.
+Und liebt den Tanz, die Lust, den Scherz so sehr als mich.
+
+Egle.
+Wer das nicht leiden kann, mag unsre Mütter lieben!
+
+Amine.
+Schweig, Egle! Eridon, hör auf, mich zu betrüben!
+Frag unsre Freunde nur, wie ich an dich gedacht,
+Selbst wenn wir fern von dir getändelt und gelacht;
+Wie oft ich mit Verdruß, der mein Vergnügen nagte,
+Weil du nicht bei mir warst, was mag er machen? fragte.
+O wenn du es nicht glaubst, komm heute mit mir hin,
+Und dann sag' noch einmal, daß ich dir untreu bin.
+Ich tanze nur mit dir, ich will dich nie verlassen,
+Dich nur soll dieser Arm, dich diese Hand nur fassen.
+Wenn mein Betragen dir den kleinsten Argwohn gibt -
+
+Eridon.
+Daß man sich zwingen kann, beweist nicht, daß man liebt.
+
+Egle.
+Sieh ihre Tränen an, sie fließen dir zur Ehre!
+Nie dacht ich, daß dein Herz im Grund so böse wäre.
+Die Unzufriedenheit, die keine Grenzen kennt
+Und immer mehr verlangt, je mehr man ihr vergönnt,
+Der Stolz, in ihrer Brust der Jugend kleine Freuden,
+Die ganz unschuldig sind, nicht neben dir zu leiden,
+Beherrschen wechselsweis dein hassenswürdig Herz;
+Nicht ihre Liebe rührt, dich rühret nicht ihr Schmerz.
+Sie ist mir wert, du sollst hinfort sie nicht betrüben:
+Schwer wird es sein, dich fliehn, doch schwerer ist's, dich lieben.
+
+Amine [für sich].
+Ach! warum muß mein Herz so voll von Liebe sein!
+
+Eridon [steht einen Augenblick still, dann naht er sich furchtsam
+Aminen und faßt sie bei der Hand].
+Amine! liebstes Kind, kannst du mir noch verzeihn?
+
+Amine.
+Ach, hab ich dir es nicht schon allzu oft bewiesen?
+
+Eridon.
+Großmütges, bestes Herz, laß mich zu deinen Füßen!
+
+Amine.
+Steh auf, mein Eridon!
+
+Egle.
+ Jetzt nicht so vielen Dank!
+Was man so heftig fühlt, fühlt man nicht allzulang.
+
+Eridon.
+Und diese Heftigkeit, mit der ich sie verehre -
+
+Egle.
+Wär weit ein größer Glück, wenn sie so groß nicht wäre.
+Ihr lebtet ruhiger, und dein und ihre Pein -
+
+Eridon.
+Vergib mir diesmal noch, ich werde klüger sein.
+
+Amine.
+Geh, lieber Eridon, mir einen Strauß zu pflücken!
+Ist er von deiner Hand, wie schön wird er mich schmücken!
+
+Eridon.
+Du hast die Rose ja!
+
+Amine.
+ Ihr Lamon gab sie mir.
+Sie steht mir schön.
+
+Eridon [empfindlich].
+ Ja wohl -
+
+Amine.
+ Doch, Freund, ich geb' sie dir,
+Daß du nicht böse wirst.
+
+Eridon [nimmt sie an und küßt ihr die Hand].
+ Gleich will ich Blumen bringen.
+[Ab.]
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+[Amine. Egle. Hernach Lamon.]
+
+Egle.
+Gutherzig armes Kind, so wird dir's nicht gelingen!
+Sein stolzer Hunger wächst, je mehr daß du ihm gibst.
+Gib acht, er raubt zuletzt dir alles, was du liebst.
+
+Amine.
+Verlier' ich ihn nur nicht, das Eine macht mir bange.
+
+Egle.
+Wie schön! Man sieht es wohl, du liebst noch nicht gar lange.
+Im Anfang geht es so: hat man sein Herz verschenkt,
+So denkt man nichts, wenn man nicht an den Liebsten denkt.
+Ein seufzender Roman, zu dieser Zeit gelesen,
+Wie zärtlich der geliebt, wie jener treu gewesen,
+Wie fühlbar jener Held, wie groß in der Gefahr,
+Wie mächtig zu dem Streit er durch die Liebe war,
+Verdreht uns gar den Kopf; wir glauben uns zu finden,
+Wir wollen elend sein, wir wollen überwinden.
+Ein junges Herz nimmt leicht den Eindruck vom Roman;
+Allein ein Herz, das liebt, nimmt ihn noch leichter an.
+Wir lieben lange so, bis wir zuletzt erfahren,
+Daß wir, statt treu zu sein, von Herzen närrisch waren.
+
+Amine.
+Doch das ist nicht mein Fall.
+
+Egle.
+ Ja, in der Hitze spricht
+Ein Kranker oft zum Arzt: ich hab' das Fieber nicht.
+Glaubt man ihm das? Niemals. Trotz allem Widerstreben
+Gibt man ihm Arzenei. So muß man dir sie geben.
+
+Amine.
+Von Kindern spricht man so, von mir klingt's lächerlich;
+Bin ich ein Kind?
+
+Egle.
+ Du liebst!
+
+Amine.
+ Du auch!
+
+Egle.
+ Ja, lieb' wie ich!
+Besänftige den Sturm, der dich bisher getrieben!
+Man kann sehr ruhig sein, und doch sehr zärtlich lieben.
+
+Lamon.
+Da ist das Band!
+
+Amine.
+ Sehr schön!
+
+Egle.
+ Wie lange zauderst du!
+
+Lamon.
+Ich ging am Hügel hin, da rief mir Chloris zu.
+Da hab ich ihr den Hut mit Blumen schmücken müssen.
+
+Egle.
+Was gab sie dir dafür?
+
+Lamon.
+ Was? Nichts! Sie ließ sich küssen.
+Man tu auch, was man will, man trägt doch nie zum Lohn
+Von einem Mädchen mehr als einen Kuß davon.
+
+Amine [zeigt Eglen den Kranz mit der Schleife].
+Ist es so recht?
+
+Egle.
+ Ja, gib!
+[Sie hängt Aminen den Kranz um, so daß die Schleife auf die rechte
+Schulter kommt. Mittlerweile redet sie mit Lamon.]
+ Hör! nur recht lustig heute!
+
+Lamon.
+Nur heute recht gelärmt! Man fühlt nur halbe Freude,
+Wenn man sie sittsam fühlt und lang sich's überlegt,
+Ob unser Liebster das, der Wohlstand jens erträgt.
+
+Egle.
+Du hast wohl recht.
+
+Lamon.
+ Ja wohl!
+
+Egle.
+ Amine! setz dich nieder!
+[Amine setzt sich, Egle steckt ihr Blumen in die Haare, indem sie
+fortredet.]
+Komm, gib mir doch den Kuß von deiner Chloris wieder.
+
+Lamon [küßt sie].
+Von Herzen gerne. Hier!
+
+Amine.
+ Seid ihr nicht wunderlich!
+
+Egle.
+Wär Eridon es so, es wär ein Glück für dich.
+
+Amine.
+Gewiß, er dürfte mir kein fremdes Mädchen küssen.
+
+Lamon.
+Wo ist die Rose?
+
+Egle.
+ Sie hat sie ihm geben müssen,
+Ihn zu besänftigen.
+
+Amine.
+ Ich muß gefällig sein.
+
+Lamon.
+Gar recht! Verzeih du ihm, so wird er dir verzeihn.
+Ja, ja! Ich merk es wohl, ihr plagt euch um die Wette.
+
+Egle [als ein Zeichen, daß sle mit dem Kopfputze fertig ist].
+So!
+
+Lamon.
+ Schön!
+
+Amine.
+ Ach daß ich doch jetzt schon die Blumen hätte,
+Die Eridon mir bringt.
+
+Egle.
+ Erwart' ihn immer hier.
+Ich geh' und putze mich. Komm Lamon, geh mit mir!
+Wir lassen dich allein und kommen bald zurücke.
+
+
+
+Fünfter Auftritt
+
+[Amine. Hernach Eridon.]
+
+Amine.
+O welche Zärtlichkeit, beneidenswürdges Glücke!
+Wie wünscht' ich - sollt' es wohl in meinen Kräften stehn -
+Den Eridon vergnügt, und mich beglückt zu sehn!
+Hätt' ich nicht so viel Macht ihm über mich gegeben,
+Er würde glücklicher und ich zufriedner leben.
+Versuch', ihm diese Macht durch Kaltsinn zu entziehn!
+Doch, wie wird seine Wut bei meiner Kälte glühn!
+Ich kenne seinen Zorn, wie zittr' ich, ihn zu fühlen!
+Wie schlecht wirst du, mein Herz, die schwere Rolle spielen!
+Doch wenn du es so weit wie deine Freundin bringst,
+Da er dich sonst bezwang, du künftig ihn bezwingst -
+Heut' ist Gelegenheit; sie nicht vorbei zu lassen,
+Will ich gleich jetzt - Er kommt! Mein Herz, du mußt dich fassen.
+
+Eridon [gibt ihr Blumen].
+Sie sind nicht gar zu schön, mein Kind! verzeih es mir,
+Aus Eile nahm ich sie.
+
+Amine.
+ Genug, sie sind von dir.
+
+Eridon.
+So blühend sind sie nicht, wie jene Rosen waren,
+Die Damon dir geraubt.
+
+Amine [steckt sie an den Busen].
+ Ich will sie schon bewahren;
+Hier, wo du wohnst, soll auch der Blumen Wohnplatz sein.
+
+Eridon.
+Ist ihre Sicherheit da -
+
+Amine.
+ Glaubst du etwa? -
+
+Eridon.
+ Nein!
+Ich glaube nichts, mein Kind; nur Furcht ist's, was ich fühle.
+Das allerbeste Herz vergißt bei muntrem Spiele,
+Wenn es des Tanzes Lust, des Festes Lärm zerstreut,
+Was ihm die Klugheit rät und ihm die Pflicht gebeut.
+Du magst wohl oft an mich auch beim Vergnügen denken;
+Doch fehlt es dir an Ernst, die Freiheit einzuschränken,
+Zu der das junge Volk sich bald berechtigt glaubt,
+Wenn ihm ein Mädchen nur im Scherze was erlaubt.
+Es hält ihr eitler Stolz ein tändelndes Vergnügen
+Sehr leicht für Zärtlichkeit.
+
+Amine.
+ Gnug, daß sie sich betrügen!
+Wohl schleicht ein seufzend Volk Liebhaber um mich her;
+Doch du nur hast mein Herz, und sag, was willst du mehr?
+Du kannst den Armen wohl mich anzusehn erlauben,
+Sie glauben wunder -
+
+Eridon.
+ Nein, sie sollen gar nichts glauben!
+Das ist's, was mich verdrießt. Zwar weiß ich, du bist mein;
+Doch einer denkt vielleicht, beglückt wie ich zu sein,
+Schaut in das Auge dir und glaubt dich schon zu küssen
+Und triumphiert wohl gar, daß er dich mir entrissen.
+
+Amine.
+So störe den Triumph! Geliebter, geh mit mir,
+Laß sie den Vorzug sehn, den du -
+
+Eridon.
+ Ich danke dir.
+Es würde grausam sein, das Opfer anzunehmen;
+Mein Kind, du würdest dich des schlechten Tänzers schämen;
+Ich weiß, wem euer Stolz beim Tanz den Vorzug gibt:
+Dem, der mit Anmut tanzt, und nicht dem, den ihr liebt.
+
+Amine.
+Das ist die Wahrheit.
+
+Eridon [mit zurückgehaltenem Spott].
+ Ja! Ach, daß ich nicht die Gabe
+Des leichten Damarens, des Vielgepriesnen, habe!
+Wie reizend tanzt er nicht!
+
+Amine.
+ Schön! daß ihm niemand gleicht.
+
+Eridon.
+Und jedes Mädchen -
+
+Amine.
+ Schätzt -
+
+Eridon.
+ Liebt ihn darum!
+
+Amine.
+ Vielleicht.
+
+Eridon.
+Vielleicht? Verflucht! Gewiß!
+
+Amine.
+ Was machst du für Gebärden?
+
+Eridon.
+Du fragst? Plagst du mich nicht, ich möchte rasend werden!
+
+Amine.
+Ich? Sag, bist du nicht schuld an mein und deiner Pein?
+Grausamer Eridon! wie kannst du nur so sein?
+
+Eridon.
+Ich muß; ich liebe dich. Die Liebe lehrt mich klagen;
+Liebt ich dich nicht so sehr, ich würde dich nicht plagen!
+Ich fühl mein zärtlich Herz von Wonne hoch entzückt,
+Wenn mir dein Auge lacht, wenn deine Hand mich drückt,
+Ich dank den Göttern, die mir dieses Glücke gaben;
+Doch ich verlang's allein, kein andrer soll es haben.
+
+Amine.
+Nun gut, was klagst du denn? Kein andrer hat es nie.
+
+Eridon.
+Und du erträgst sie doch; nein, hassen sollst du sie.
+
+Amine.
+Sie hassen? und warum?
+
+Eridon.
+ Darum! weil sie dich lieben.
+
+Amine.
+Der schöne Grund!
+
+Eridon.
+ Ich seh's, du willst sie nicht betrüben.
+Du mußt sie schonen; sonst wird deine Lust geschwächt,
+Wenn du nicht -
+
+Amine.
+ Eridon, du bist sehr ungerecht.
+Heißt uns die Liebe denn die Menschlichkeit verlassen?
+Ein Herz, das Einen liebt, kann keinen Menschen hassen.
+Dies zärtliche Gefühl läßt kein so schrecklichs zu,
+Zum wenigsten bei mir.
+
+Eridon.
+ Wie schön verteidigst du
+Des zärtlichen Geschlechts hochmütiges Vergnügen,
+Wenn zwanzig Toren knien, die zwanzig zu betrügen!
+Heut ist ein großer Tag, der deinen Hochmut nährt,
+Heut wirst du manchen sehn, der dich als Göttin ehrt;
+Noch manches junge Herz wird sich für dich entzünden,
+Kaum wirst du Blicke gnug für alle Diener finden.
+Gedenk an mich, wenn dich der Toren Schwarm vergnügt;
+Ich bin der größte! Geh!
+
+Amine [für sich].
+ Flieh, schwaches Herz! Er siegt.
+Ihr Götter! Lebt er denn, mir jede Lust zu stören?
+Währt denn mein Elend fort, um niemals aufzuhören?
+[zu Eridon.]
+Der Liebe leichtes Band machst du zum schweren Joch,
+Du quälst mich als Tyrann, und ich? ich lieb dich noch!
+Mit aller Zärtlichkeit antwort ich auf dein Wüten,
+In allem geb ich nach; doch bist du nicht zufrieden.
+Was opfert ich nicht auf! Ach! dir genügt es nie.
+Du willst die heutge Lust! Nun gut, hier hast du sie!
+[Sie nimmt die Kränze aus den Haaren und von der Schulter, wirft sie
+weg und fährt in einem gezwungenen ruhigen Tone fort.]
+Nicht wahr, mein Eridon? So siehst du mich viel lieber,
+Als zu dem Fest geputzt. Ist nicht dein Zorn vorüber?
+Du stehst! siehst mich nicht an! Bist du erzürnt auf mich?
+
+Eridon [fällt vor ihr nieder].
+Amine! Scham und Reu! Verzeih, ich liebe dich!
+Geh zu dem Fest!
+
+Amine.
+ Mein Freund, ich werde bei dir bleiben;
+Ein zärtlicher Gesang soll uns die Zeit vertreiben.
+
+Eridon.
+Geliebtes Kind, geh!
+
+Amine.
+ Geh! hol' deine Flöte her.
+
+Eridon.
+Du willst's!
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Amine.
+ Er scheint betrübt, und heimlich jauchzet er.
+An ihm wirst du umsonst die Zärtlichkeit verlieren.
+Dies Opfer, rührt es ihn? Es schien ihn kaum zu rühren;
+Er hielt's für Schuldigkeit. Was willst du, armes Herz?
+Du murrst, drückst diese Brust. Verdient' ich diesen Schmerz?
+Ja, wohl verdienst du ihn! Du siehst, dich zu betrüben
+Hört er nicht auf, und doch hörst du nicht auf zu lieben.
+Ich trag's nicht lange mehr. Still! Ha! ich höre dort
+Schon die Musik. Es hüpft mein Herz, mein Fuß will fort.
+Ich will! Was drückt mir so die bange Brust zusammen!
+Wie ängstlich wird es mir! Es zehren heftge Flammen
+Am Herzen. Fort, zum Fest! Ach, er hält mich zurück!
+Armsel'ges Mädchen! Sieh, das ist der Liebe Glück!
+[Sie wirft sich auf einen Rasen, und weint; da die andern auftreten,
+wischt sie sich die Augen und steht auf.]
+Weh mir, da kommen sie, wie werden sie mich höhnen!
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+[Amine. Egle. Lamon.]
+
+Egle.
+Geschwind! Der Zug geht fort! Amine! Wie? in Tränen?
+
+Lamon [hebt die Kränze auf].
+Die Kränze?
+
+Egle.
+ Was ist das? wer riß sie dir vom Haupt?
+
+Amine.
+Ich!
+
+Egle.
+ Willst du denn nicht mit?
+
+Amine.
+ Gern, wär' es mir erlaubt.
+
+Egle.
+Wer hat dir denn was zu erlauben? Geh, und rede
+Nicht so geheimnisvoll! Sei gegen uns nicht blöde!
+Hat Eridon -?
+
+Amine.
+ Ja! Er!
+
+Egle.
+ Das hatt' ich wohl gedacht.
+Du Närrin, daß dich nicht der Schaden klüger macht!
+Versprachst du ihm vielleicht, du wolltest bei ihm bleiben,
+Um diesen schönen Tag mit Seufzern zu vertreiben?
+Ich zweifle nicht, mein Kind, daß du ihm so gefällst.
+[Nach einigem Stillschweigen, indem sie Lamon einen Wink gibt.]
+Doch du siehst besser aus, wenn du den Kranz behältst.
+Komm, setz ihn auf! und den, sieh! den häng hier herüber!
+Nun bist du schön.
+[Amine steht mit niedergeschlagenen Augen und läßt Egle machen. Egle
+gibt Lamon ein Zeichen.]
+ Doch ach, es läuft die Zeit vorüber;
+Ich muß zum Zug!
+
+Lamon.
+ Ja wohl! Dein Diener, gutes Kind.
+
+Amine [beklemmt].
+Lebt wohl!
+
+Egle [im Weggehen].
+ Amine! nun, gehst du nicht mit? Geschwind!
+[Amine sieht sie traurig an und schweigt.]
+
+Lamon [faßt Egle bei der Hand, sie fortzuführen].
+Ach, laß sie doch nur gehn! Vor Bosheit möcht' ich sterben;
+Da muß sie einem nun den schönen Tanz verderben!
+Den Tanz mit Rechts und Links, sie kann ihn ganz allein,
+Wie sich's gehört; ich hofft auf sie, nun fällt's ihr ein,
+Zu Haus zu bleiben! Komm, ich mag ihr nichts mehr sagen.
+
+Egle.
+Den Tanz versäumst du! Ja, du bist wohl zu beklagen.
+Er tanzt sich schön. Leb wohl!
+[Egle will Aminen küssen. Amine fällt ihr um den Hals und weint.]
+
+Amine.
+ Ich kann's nicht mehr ertragen.
+
+Egle.
+Du weinst?
+
+Amine.
+ So weint mein Herz, und ängstlich drückt es mich.
+Ich möchte! - Eridon, ich glaub, ich hasse dich.
+
+Egle.
+Er hätt's verdient. Doch nein! Wer wird den Liebsten hassen?
+Du mußt ihn lieben, doch dich nicht beherrschen lassen,
+Das sagt ich lange schon! Komm mit!
+
+Lamon.
+ Zum Tanz, zum Fest!
+
+Amine.
+Und Eridon?
+
+Egle.
+ Geh nur! ich bleib. Gib acht, er läßt
+Sich fangen und geht mit. Sag, würde dich's nicht freuen?
+
+Amine.
+Unendlich!
+
+Lamon.
+ Nun so komm! Hörst du dort die Schalmeien?
+Die schöne Melodie?
+[Er faßt Aminen bei der Hand, singt, und tanzt.]
+
+Egle [singt].
+ Und wenn euch der Liebste mit Eifersucht plagt,
+ Sich über ein Nicken, ein Lächeln beklagt,
+ Mit Falschheit euch necket, von Wankelmut spricht,
+ Dann singet und tanzet, da hört ihr ihn nicht.
+[Lamon zieht im Tanz Aminen mit sich fort.]
+
+Amine [im Abgehen].
+ O bring' ihn ja mit dir!
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+[Egle. Hernach Eridon mit einer Flöte und Liedern.]
+
+Egle.
+Schon gut! Wir wollen sehn! Schon lange wünscht ich mir
+Gelegenheit und Glück, den Schäfer zu bekehren.
+Heut' wird mein Wunsch erfüllt; wart nur, ich will dich lehren!
+Dir zeigen, wer du bist; und wenn du dann sie plagst! -
+Er kommt! Hör, Eridon!
+
+Eridon.
+ Wo ist sie?
+
+Egle.
+ Wie! du fragst?
+Mit meinem Lamon dort, wo die Schalmeien blasen.
+
+Eridon [wirft die Flöte auf die Erde und zerreißt die Lieder].
+Verfluchte Untreu!
+
+Egle.
+ Rasest du?
+
+Eridon.
+ Sollt' ich nicht rasen!
+Da reißt die Heuchlerin mit lächelndem Gesicht
+Die Kränze von dem Haupt, und sagt: Ich tanze nicht!
+Verlangt ich das? Und - O!
+[Er stampft mit dem Fuße und wirft die zerrissenen Lieder weg.]
+
+Egle [in einem gesetzten Tone].
+ Erlaub mir doch zu fragen:
+Was hast du für ein Recht, den Tanz ihr zu versagen?
+Willst du denn, daß ein Herz, von deiner Liebe voll,
+Kein Glück als nur das Glück um dich empfinden soll?
+Meinst du, es sei der Trieb nach jeder Lust gestillet,
+Sobald die Zärtlichkeit das Herz des Mädchen füllet?
+Genug ist's, daß sie dir die besten Stunden schenkt,
+Mit dir am liebsten weilt, abwesend an dich denkt.
+Drum ist es Torheit, Freund, sie ewig zu betrüben;
+Sie kann den Tanz, das Spiel und doch dich immer lieben.
+
+Eridon [schlägt die Arme unter und sieht in die Höhe].
+Ah!
+
+Egle.
+ Sag mir, glaubst du denn, daß dieses Liebe sei,
+Wenn du sie bei dir hältst? Nein, das ist Sklaverei.
+Du kommst: nun soll sie dich, nur dich beim Feste sehen;
+Du gehst: nun soll sie gleich mit dir von dannen gehen;
+Sie zaudert: alsobald verdüstert sich dein Blick;
+Nun folgt sie dir, doch bleibt ihr Herz gar oft zurück.
+
+Eridon.
+Wohl immer!
+
+Egle.
+ Hört man doch, wenn die Verbittrung redet.
+Wo keine Freiheit ist, wird jede Lust getötet.
+Wir sind nun so. Ein Kind ist zum Gesang geneigt;
+Man sagt ihm: sing mir doch! Es wird bestürzt und schweigt.
+Wenn du ihr Freiheit läßt, so wird sie dich nicht lassen;
+Doch, machst du's ihr zu arg, gib acht, sie wird dich hassen.
+
+Eridon.
+Mich hassen!
+
+Egle.
+ Nach Verdienst. Ergreife diese Zeit,
+Und schaffe dir das Glück der echten Zärtlichkeit!
+Denn nur ein zärtlich Herz, von eigner Glut getrieben,
+Das kann beständig sein, das nur kann wirklich lieben.
+Bekenne, weißt du denn, ob dir der Vogel treu,
+Den du im Käfigt hälst?
+
+Eridon.
+ Nein!
+
+Egle.
+ Aber wenn er frei
+Durch Feld und Garten fliegt, und doch zurücke kehret?
+
+Eridon.
+Ja! Gut! Da weiß ich's.
+
+Egle.
+ Wird nicht deine Lust vermehret,
+Wenn du das Tierchen siehst, das dich so zärtlich liebt,
+Die Freiheit kennt, und dir dennoch den Vorzug gibt?
+Und kommt dein Mädchen einst von einem Fest zurücke,
+Noch von dem Tanz bewegt, und sucht dich; ihre Blicke
+Verraten, daß die Lust nie ganz vollkommen sei,
+Wenn du, ihr Liebling, du, ihr Einzger, nicht dabei -
+Wenn sie dir schwört, ein Kuß von dir sei mehr als Freuden
+Von tausend Festen - bist du da nicht zu beneiden?
+
+Eridon [gerührt].
+O Egle!
+
+Egle.
+ Fürchte, daß der Götter Zorn entbrennt,
+Da der Beglückteste sein Glück so wenig kennt.
+Auf! Sei zufrieden, Freund! Sie rächen sonst die Tränen
+Des Mädchens, das dich liebt.
+
+Eridon.
+ Könnt ich mich nur gewöhnen,
+Zu sehn, daß mancher ihr beim Tanz die Hände drückt,
+Der eine nach ihr sieht, sie nach dem andern blickt.
+Denk ich nur dran, mein Herz möcht da vor Bosheit reißen!
+
+Egle.
+Eh! laß das immer sein! das will noch gar nichts heißen.
+Sogar ein Kuß ist nichts!
+
+Eridon.
+ Was sagst du? Nichts - ein Kuß?
+
+Egle.
+Ich glaube, daß man viel im Herzen fühlen muß,
+Wenn er was sagen soll - Doch! willst du ihr verzeihen?
+Denn wenn du böse tust, so kann sie nichts erfreuen.
+
+Eridon.
+Ach Freundin!
+
+Egle [schmeichelnd].
+ Tu es nicht, mein Freund; du bist auch gut.
+Leb wohl!
+[Sie faßt ihn bei der Hand.]
+Du bist erhitzt!
+
+Eridon.
+ Es schlägt mein wallend Blut -
+
+Egle.
+Noch von dem Zorn? Genug! Du hast es ihr vergeben.
+Ich eile jetzt zu ihr. Sie fragt nach dir mit Beben;
+Ich sag ihr: er ist gut, und sie beruhigt sich,
+Ihr Herz wallt zärtlicher, und heißer liebt sie dich.
+[Sie sieht ihn mit Empfindung an.]
+Gib acht, sie sucht dich auf, sobald das Fest vorüber,
+Und durch das Suchen selbst wirst du ihr immer lieber.
+[Egle stellt sich immer zärtlicher, lehnt sich auf seine Schulter.
+Er nimmt ihre Hand und küßt sie.]
+Und endlich sieht sie dich! O welcher Augenblick!
+Drück sie an deine Brust, und fühl dein ganzes Glück!
+Ein Mädchen wird beim Tanz verschönert, rote Wangen,
+Ein Mund, der lächelnd haucht, gesunkne Locken hangen
+Um die bewegte Brust, ein sanfter Reiz umzieht
+Den Körper tausendfach, wie er im Tanze flieht,
+Die vollen Adern glühn, und bei des Körpers Schweben
+Scheint jede Nerve sich lebendiger zu heben.
+[Sie affektiert eine zärtliche Entzückung und sinkt an seine Brust; er
+schlingt seinen Arm um sie.]
+Die Wollust, dies zu sehn, was überwiegt wohl die?
+Du gehst nicht mit zum Fest, und fühlst die Rührung nie.
+
+Eridon.
+Zu sehr, an deiner Brust, o Freundin, fühl ich sie!
+[Er fällt Eglen um den Hals und küßt sie, sie läßt es geschehn. Dann
+tritt sie einige Schritte zurück und fragt mit einem leichtfertigen
+Tone.]
+
+Egle.
+Liebst du Aminen?
+
+Eridon.
+ Sie, wie mich!
+
+Egle.
+ Und kannst mich küssen?
+O warte nur, du sollst mir diese Falschheit büßen!
+Du ungetreuer Mensch!
+
+Eridon.
+ Wie? glaubst du denn, daß ich -
+
+Egle.
+Ich glaube, was ich kann. Mein Freund, du küßtest mich
+Recht zärtlich, das ist wahr. Ich bin damit zufrieden
+Schmeckt dir mein Kuß? Ich denk's: die heißen Lippen glühten
+Nach mehr. Du armes Kind! Amine, wärst du hier!
+
+Eridon.
+Wär sie's!
+
+Egle.
+ Nur noch getrutzt! Wie schlimm erging es dir!
+
+Eridon.
+Ja, keifen würde sie. Du mußt mich nicht verraten.
+Ich habe dich geküßt, jedoch was kann's ihr schaden,
+Und wenn Amine mich auch noch so reizend küßt,
+Darf ich nicht fühlen, daß dein Kuß auch reizend ist?
+
+Egle.
+Da frag' sie selbst.
+
+
+
+Letzter Auftritt
+
+[Amine, Egle, Eridon.]
+
+Eridon.
+ Weh mir!
+
+Amine.
+ Ich muß, ich muß ihn sehen!
+Geliebter Eridon! es hieß mich Egle gehen,
+Ich brach mein Wort, mich reut's; mein Freund, ich gehe nicht!
+
+Eridon [für sich].
+Ich Falscher!
+
+Amine.
+ Zürnst du noch? du wendest dein Gesicht?
+
+Eridon [für sich].
+Was werd' ich sagen!
+
+Amine.
+ Ach! verdient sie diese Rache,
+So eine kleine Schuld? Du hast gerechte Sache,
+Doch laß -
+
+Egle.
+ O laß ihn gehn! Er hat mich erst geküßt;
+Das schmeckt ihm noch.
+
+Amine.
+ Geküßt!
+
+Egle.
+ Recht zärtlich!
+
+Amine.
+ Ah! das ist
+Zu viel für dieses Herz! So schnell kannst du mich hassen?
+Ich Unglückselige! Mein Freund hat mich verlassen!
+Wer andre Mädchen küßt, fängt seins zu fliehen an.
+Ach! seit ich dich geliebt, hab ich so was getan?
+Kein Jüngling durfte mehr nach meinen Lippen streben;
+Kaum hab ich einen Kuß beim Pfänderspiel gegeben.
+Mir nagt die Eifersucht so gut das Herz wie dir;
+Und doch verzeih ich dir's, nur wende dich zu mir!
+Doch, armes Herz, umsonst bist du so sehr verteidigt!
+Er fühlt nicht Liebe mehr, seitdem du ihn beleidigt.
+Die mächtge Rednerin spricht nun umsonst für dich.
+
+Eridon.
+O welche Zärtlichkeit! wie sehr beschämt sie mich!
+
+Amine.
+O Freundin, konntest du mir meinen Freund verführen!
+
+Egle.
+Getrost, mein gutes Kind! du sollst ihn nicht verlieren.
+Ich kenn' den Eridon und weiß, wie treu er ist.
+
+Amine.
+Und hat -
+
+Egle.
+ Ja, das ist wahr, und hat mich doch geküßt.
+Ich weiß, wie es geschah, du kannst ihm wohl vergeben.
+Sieh! Wie er es bereut!
+
+Eridon [fällt vor Aminen nieder].
+ Amine! Liebstes Leben!
+O zürne du mit ihr! sie machte sich so schön;
+Ich war dem Mund so nah und konnt nicht widerstehn.
+Doch kennest du mein Herz, mir kannst du das erlauben,
+So eine kleine Lust wird dir mein Herz nicht rauben.
+
+Egle.
+Amine, küss ihn! weil er so vernünftig spricht.
+[Zu Eridon.]
+Lust raubt ihr nicht dein Herz, dir raubt sie ihres nicht.
+So, Freund! du mußtest dir dein eigen Urteil sprechen;
+Du siehst, liebt sie den Tanz, so ist es kein Verbrechen.
+[Ihn nachahmend.]
+Und wenn ein Jüngling ihr beim Tanz die Hände drückt,
+Der eine nach ihr sieht, sie nach dem andern blickt,
+Auch das hat, wie du weißt, nicht gar so viel zu sagen.
+Ich hoffe, du wirst nie Aminen wieder plagen,
+Und denke, du gehst mit.
+
+Amine.
+ Komm mit zum Fest!
+
+Eridon.
+ Ich muß;
+Ein Kuß belehrte mich.
+
+Egle [zu Aminen].
+ Verzeih uns diesen Kuß!
+Und kehrt die Eifersucht in seinen Busen wieder,
+So sprich von diesem Kuß, dies Mittel schlag ihn nieder! -
+Ihr Eifersüchtigen, die ihr ein Mädchen plagt,
+Denkt euren Streichen nach, dann habt das Herz und klagt.
+
+----------------------------------------------------------------------
+
+
+
+
+
+
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+
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+
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--- /dev/null
+++ b/old/10354-8.zip
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--- /dev/null
+++ b/old/10354.txt
@@ -0,0 +1,1721 @@
+The Project Gutenberg EBook of Die Laune des Verliebten, by J.W. Goethe
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Laune des Verliebten
+ Ein Schaeferspiel in Versen und einem Akt
+
+Author: J.W. Goethe
+
+Release Date: December 1, 2003 [EBook #10354]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO Latin-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAUNE DES VERLIEBTEN ***
+
+
+
+
+Produced by Andrew Sly
+
+
+
+
+
+Johann Wolfgang Goethe
+
+Die Laune des Verliebten
+
+Ein Schaeferspiel in Versen und einem Akt
+
+
+
+Personen
+
+Egle
+Amine
+Eridon
+Lamon
+
+
+
+Erster Auftritt
+
+[Amine und Egle sitzen an der einen Seite des Theaters und winden
+Kraenze. Lamon kommt dazu und bringt ein Koerbchen mit Blumen.]
+
+Lamon [indem er das Koerbchen niedersetzt].
+Hier sind noch Blumen.
+
+Egle.
+ Gut!
+
+Lamon.
+ Seht doch, wie schoen sie sind!
+Die Nelke brach ich dir.
+
+Egle.
+ Die Rose! -
+
+Lamon.
+ Nein, mein Kind!
+Aminen reich' ich heut' das Seltene vom Jahr;
+Die Rose seh' ich gern in einem schwarzen Haar.
+
+Egle.
+Und das soll ich wohl gar verbindlich, artig nennen?
+
+Lamon.
+Wie lange liebst du mich schon, ohne mich zu kennen?
+Ich weiss es ganz gewiss, du liebst nur mich allein,
+Und dieses muntre Herz ist auch auf ewig dein,
+Du weisst es. Doch verlangst du mich noch mehr zu binden?
+Ist es wohl scheltenswert, auch andre schoen zu finden?
+Ich wehre dir ja nicht, zu sagen: der ist schoen,
+Der artig, scherzhaft der; ich will es eingestehn,
+Nicht boese sein.
+
+Egle.
+ Sei's nicht, ich will es auch nicht werden.
+Wir fehlen beide gleich. Mit freundlichen Gebaerden
+Hoer ich gar manchen an, und mancher Schaeferin
+Sagst du was Suesses vor, wenn ich nicht bei dir bin.
+Dem Herzen laesst sich wohl, dem Scherze nicht gebieten;
+Vor Unbestaendigkeit muss uns der Leichtsinn hueten.
+Mich kleidet Eifersucht noch weniger als dich.
+[zu Aminen:]
+Du laechelst ueber uns! Was denkst du, Liebe? sprich!
+
+Amine.
+Nicht viel.
+
+Egle.
+ Genug, mein Glueck und deine Qual zu fuehlen.
+
+Amine.
+Wieso?
+
+Egle.
+ Wieso! Anstatt, dass wir zusammen spielen,
+Dass Amors Schlaefrigkeit bei unserm Lachen flieht,
+Beginnet deine Qual, wenn dich dein Liebster sieht.
+Nie war der Eigensinn bei einem Menschen groesser.
+Du denkst, er liebe dich. O nein, ich kenn ihn besser:
+Er sieht, dass du gehorchst, drum liebt dich der Tirann,
+Damit er jemand hat, dem er befehlen kann.
+
+Amine.
+Ach, er gehorcht mir oft.
+
+Egle.
+ Um wieder zu befehlen.
+Musst du nicht jeden Blick von seinen Augen stehlen?
+Die Macht, von der Natur in unsern Blick gelegt,
+Dass er den Mann entzueckt, dass er ihn niederschlaegt,
+Hast du an ihn geschenkt, und musst dich gluecklich halten,
+Wenn er nur freundlich sieht. Die Stirne voller Falten,
+Die Augenbraunen tief, die Augen duester, wild,
+Die Lippen aufgedrueckt, ein liebenswuerdig Bild,
+Wie er sich taeglich zeigt, bis Bitten, Kuesse, Klagen
+Den rauhen Winterzug von seiner Stirne jagen.
+
+Amine.
+Du kennst ihn nicht genug, du hast ihn nicht geliebt.
+Es ist nicht Eigensinn, der seine Stirne truebt;
+Ein launischer Verdruss ist seines Herzens Plage
+Und truebet mir und ihm die besten Sommertage;
+Und doch vergnueg ich mich, da, wenn er mich nur sieht,
+Wenn er mein Schmeicheln hoert, bald seine Laune flieht.
+
+Egle
+Fuerwahr ein grosses Glueck, das man entbehren koennte.
+Doch nenne mir die Lust, die er dir je vergoennte?
+Wie pochte deine Brust, wenn man vom Tanze sprach;
+Dein Liebster flieht den Tanz und zieht dich Arme nach.
+Kein Wunder, dass er dich bei keinem Feste leidet,
+Da er der Wiese Gras um deine Tritte neidet,
+Den Vogel, den du liebst, als Nebenbuhler hasst;
+Wie koennt er ruhig sein, wenn dich ein andrer fasst
+Und gar, indem er sich mit dir im Reihen kraeuselt,
+Dich zaertlich an sich drueckt und Liebesworte saeuselt.
+
+Amine.
+Sei auch nicht ungerecht, da er mich dieses Fest,
+Weil ich ihn darum bat, mit euch begehen laesst.
+
+Egle.
+Das wirst du fuehlen.
+
+Amine.
+ Wie?
+
+Egle.
+ Warum bleibt er zuruecke?
+
+Amine.
+Er liebt den Tanz nicht sehr.
+
+Egle.
+ Nein, es ist eine Tuecke.
+Kommst du vergnuegt zurueck, faengt er halb spoettisch an:
+Ihr wart wohl sehr vergnuegt? - Sehr - Das war wohlgetan.
+Ihr spieltet? - Pfaender - So! Damoet war auch zugegen?
+Und tanztet? - Um den Baum - Ich haett euch sehen moegen.
+Er tanzte wohl recht schoen? Was gabst du ihm zum Lohn?
+
+Amine [laechelnd].
+Ja.
+
+Egle.
+ Lachst du?
+
+Amine.
+ Freundin, ja, das ist sein ganzer Ton. -
+Noch Blumen!
+
+Lamon.
+ Hier! das sind die besten.
+
+Amine.
+ Doch mit Freuden
+Seh ich ihn meinen Blick der ganzen Welt beneiden;
+Ich seh an diesem Neid, wie mich mein Liebster schaetzt;
+Und meinem kleinen Stolz wird alle Qual ersetzt.
+
+Egle.
+Kind, ich bedaure dich, du bist nicht mehr zu retten,
+Da du dein Elend liebst; du klirrst mit deinen Ketten
+Und ueberredest dich, es sei Musik.
+
+Amine.
+ Ein Band
+Zur Schleife fehlt mir noch.
+
+Egle [zu Lamon].
+ Du hast mir eins entwandt,
+Das ich vom Maienkranz bei'm Fruehlingsfest bekommen.
+
+Lamon.
+Ich will es holen.
+
+Egle.
+ Doch du musst bald wiederkommen.
+
+
+
+Zweiter Auftritt
+
+[Egle. Amine.]
+
+Amine.
+Er achtet das nicht viel, was ihm sein Maedchen schenkt.
+
+Egle.
+Mir selbst gefaellt es nicht, wie mein Geliebter denkt;
+Zu wenig ruehren ihn der Liebe Taendeleien,
+Die ein empfindlich Herz, so klein sie sind, erfreuen.
+Doch, Freundin, glaube mir, es ist geringre Pein,
+Nicht gar so sehr geliebt, als es zu sehr zu sein.
+Die Treue lob' ich gern; doch muss sie unserm Leben,
+Bei voller Sicherheit, die volle Ruhe geben.
+
+Amine.
+Ach, Freundin! schaetzenswert ist solch ein zaertlich Herz.
+Zwar oft betruebt er mich, doch ruehrt ihn auch mein Schmerz.
+Wirft er mir etwas vor, faengt er an, mich zu plagen,
+So darf ich nur ein Wort, ein gutes Wort nur sagen,
+Gleich ist er umgekehrt, die wilde Zanksucht flieht,
+Er weint sogar mit mir, wenn er mich weinen sieht,
+Faellt zaertlich vor mir hin und fleht, ihm zu vergeben.
+
+Egle.
+Und du vergibst ihm?
+
+Amine.
+ Stets.
+
+Egle.
+ Heisst das nicht elend leben?
+Dem Liebsten, der uns stets beleidigt, stets verzeihn,
+Um Liebe sich bemuehn und nie belohnt zu sein!
+
+Amine.
+Was man nicht aendern kann -
+
+Egle.
+ Nicht aendern? Ihn bekehren
+Ist keine Schwierigkeit.
+
+Amine.
+ Wie das?
+
+Egle.
+ Ich will dich's lehren.
+Es stammet deine Not, die Unzufriedenheit
+Des Eridons -
+
+Amine.
+ Von was?
+
+Egle.
+ Von deiner Zaertlichkeit.
+
+Amine.
+Die, dacht ich, sollte nichts als Gegenlieb entzuenden.
+
+Egle.
+Du irrst; sei hart und streng, du wirst ihn zaertlich finden.
+Versuch es nur einmal, bereit ihm kleine Pein:
+Erringen will der Mensch, er will nicht sicher sein.
+Kommt Eridon, mit dir ein Stuendchen zu verbringen,
+So weiss er nur zu gut, es muss ihm stets gelingen.
+Der Nebenbuhler Zahl ist ihm nicht fuerchterlich.
+Er weiss, du liebest ihn weit staerker als er dich.
+Sein Glueck ist ihm zu gross, und, er ist zu belachen,
+Da er kein Elend hat, will er sich Elend machen.
+Er sieht, dass du nichts mehr als ihn auf Erden liebst,
+Und zweifelt nur, weil du ihm nichts zu zweifeln gibst.
+Begegn ihm, dass er glaubt, du koenntest ihn entbehren;
+Zwar er wird rasen, doch das wird nicht lange waehren,
+Dann wird ein Blick ihn mehr als jetzt ein Kuss erfreun;
+Mach, dass er fuerchten muss, und er wird gluecklich sein.
+
+Amine.
+Ja, das ist alles gut; allein es auszufuehren
+Vermag ich nicht.
+
+Egle.
+ Wer wird auch gleich den Mut verlieren.
+Geh, du bist allzu schwach. Sieh dort!
+
+Amine.
+ Mein Eridon!
+
+Egle.
+Das dacht' ich. Armes Kind! er kommt, du zitterst schon
+Vor Freude, das ist nichts; willst du ihn je bekehren,
+Musst du ihn ruhig sehn sich nahn, ihn ruhig hoeren.
+Das Wallen aus der Brust! die Roete vom Gesicht!
+Und dann -
+
+Amine.
+ O lass mich los! So liebt Amine nicht.
+
+
+
+Dritter Auftritt
+
+[Eridon kommt langsam mit uebereinandergelegten Armen, Amine steht auf
+und laeuft ihm entgegen. Egle bleibt in ihrer Beschaeftigung sitzen.]
+
+Amine [ihn bei der Hand fassend].
+Geliebter Eridon!
+
+Eridon [kuesst ihr die Hand].
+ Mein Maedchen!
+
+Egle [fuer sich].
+ Ach wie suesse!
+
+Amine.
+Die schoenen Blumen! Sprich, mein Freund, wer gab dir diese?
+
+Eridon.
+Wer? Meine Liebste.
+
+Amine.
+ Wie? - Ah, sind das die von mir?
+So frisch von gestern noch?
+
+Eridon.
+ Erhalt' ich was von dir,
+So ist's mir wert. Doch die von mir?
+
+Amine.
+ Zu jenen Kraenzen
+Fuers Fest gebraucht ich sie.
+
+Eridon.
+ Dazu! Wie wirst du glaenzen!
+Lieb' in des Juenglings Herz und bei den Maedchen Neid
+Erregen!
+
+Egle.
+ Freue dich, dass du die Zaertlichkeit
+So eines Maedchens hast, um die so viele streiten.
+
+Eridon.
+Ich kann nicht gluecklich sein, wenn viele mich beneiden.
+
+Egle.
+Und koenntest doch; denn wer ist sicherer als du?
+
+Eridon [zu Aminen].
+Erzaehl' mir doch vom Fest; kommt wohl Damoet dazu?
+
+Egle [einfallend].
+Er sagte mir es schon, er werde heut' nicht fehlen.
+
+Eridon [zu Aminen].
+Mein Kind, wen wirst du dir zu deinem Taenzer waehlen?
+[Amine schweigt, er wendet sich zu Eglen.]
+O sorge, gib ihr den, der ihr am liebsten sei!
+
+Amine.
+Das ist unmoeglich, Freund, denn du bist nicht dabei!
+
+Egle.
+Nein, hoer nur, Eridon, ich kann's nicht mehr ertragen,
+Welch eine Lust ist das, Aminen so zu plagen?
+Verlass sie, wenn du glaubst, dass sie die Treue bricht;
+Glaubst du, dass sie dich liebt, nun gut, so plag sie nicht.
+
+Eridon.
+Ich plage sie ja nicht.
+
+Egle.
+ Wie? Heisst das sie erfreuen?
+Aus Eifersucht Verdruss auf ihr Vergnuegen streuen,
+Stets zweifeln, da sie dir doch niemals Ursach gibt,
+Dass sie -
+
+Eridon.
+ Buergst du mir denn, dass sie mich wirklich liebt?
+
+Amine.
+Ich dich nicht lieben! Ich!
+
+Eridon.
+ Wenn lehrst du mich es glauben?
+Wer liess sich einen Strauss vom kecken Damon rauben?
+Wer nahm das schoene Band vom jungen Thyrsis an?
+
+Amine.
+Mein Eridon! -
+
+Eridon.
+ Nicht wahr, das hast du nicht getan?
+Belohntest du sie denn? O ja, du weisst zu kuessen.
+
+Amine.
+Mein Bester, weisst du nicht? -
+
+Egle.
+ O schweig, er will nichts wissen!
+Was du ihm sagen kannst, hast du ihm laengst gesagt,
+Er hat es angehoert, und doch aufs neu geklagt.
+Was hilft's dich? Magst du's ihm auch heut noch einmal sagen -
+Er wird beruhigt gehn, und morgen wieder klagen.
+
+Eridon.
+Und das vielleicht mit Recht.
+
+Amine.
+ Mit Recht? Ich! Untreu sein?
+Amine, dir? Mein Freund, kannst du es glauben?
+
+Eridon.
+ Nein!
+Ich kann, ich will es nicht.
+
+Amine.
+ Gab ich in meinem Leben
+Dir je Gelegenheit?
+
+Eridon.
+ Die hast du oft gegeben.
+
+Amine.
+Wenn war ich untreu?
+
+Eridon.
+ Nie! das ist es, was mich quaelt:
+Aus Vorsatz hast du nie, aus Leichtsinn stets gefehlt.
+Das, was mir wichtig scheint, haeltst du fuer Kleinigkeiten;
+Das, was mich aergert, hat bei dir nichts zu bedeuten.
+
+Egle.
+Gut! nimmt's Amine leicht, so sag, was schadet's dir?
+
+Eridon.
+Das hat sie oft gefragt; ja freilich schadet's mir!
+
+Egle.
+Was denn? Amine wird nie andern viel erlauben.
+
+Eridon.
+Zu wenig zum Verdacht, zu viel, sie treu zu glauben.
+
+Egle.
+Mehr, als ein weiblich Herz je liebte, liebt sie dich.
+
+Eridon.
+Und liebt den Tanz, die Lust, den Scherz so sehr als mich.
+
+Egle.
+Wer das nicht leiden kann, mag unsre Muetter lieben!
+
+Amine.
+Schweig, Egle! Eridon, hoer auf, mich zu betrueben!
+Frag unsre Freunde nur, wie ich an dich gedacht,
+Selbst wenn wir fern von dir getaendelt und gelacht;
+Wie oft ich mit Verdruss, der mein Vergnuegen nagte,
+Weil du nicht bei mir warst, was mag er machen? fragte.
+O wenn du es nicht glaubst, komm heute mit mir hin,
+Und dann sag' noch einmal, dass ich dir untreu bin.
+Ich tanze nur mit dir, ich will dich nie verlassen,
+Dich nur soll dieser Arm, dich diese Hand nur fassen.
+Wenn mein Betragen dir den kleinsten Argwohn gibt -
+
+Eridon.
+Dass man sich zwingen kann, beweist nicht, dass man liebt.
+
+Egle.
+Sieh ihre Traenen an, sie fliessen dir zur Ehre!
+Nie dacht ich, dass dein Herz im Grund so boese waere.
+Die Unzufriedenheit, die keine Grenzen kennt
+Und immer mehr verlangt, je mehr man ihr vergoennt,
+Der Stolz, in ihrer Brust der Jugend kleine Freuden,
+Die ganz unschuldig sind, nicht neben dir zu leiden,
+Beherrschen wechselsweis dein hassenswuerdig Herz;
+Nicht ihre Liebe ruehrt, dich ruehret nicht ihr Schmerz.
+Sie ist mir wert, du sollst hinfort sie nicht betrueben:
+Schwer wird es sein, dich fliehn, doch schwerer ist's, dich lieben.
+
+Amine [fuer sich].
+Ach! warum muss mein Herz so voll von Liebe sein!
+
+Eridon [steht einen Augenblick still, dann naht er sich furchtsam
+Aminen und fasst sie bei der Hand].
+Amine! liebstes Kind, kannst du mir noch verzeihn?
+
+Amine.
+Ach, hab ich dir es nicht schon allzu oft bewiesen?
+
+Eridon.
+Grossmuetges, bestes Herz, lass mich zu deinen Fuessen!
+
+Amine.
+Steh auf, mein Eridon!
+
+Egle.
+ Jetzt nicht so vielen Dank!
+Was man so heftig fuehlt, fuehlt man nicht allzulang.
+
+Eridon.
+Und diese Heftigkeit, mit der ich sie verehre -
+
+Egle.
+Waer weit ein groesser Glueck, wenn sie so gross nicht waere.
+Ihr lebtet ruhiger, und dein und ihre Pein -
+
+Eridon.
+Vergib mir diesmal noch, ich werde klueger sein.
+
+Amine.
+Geh, lieber Eridon, mir einen Strauss zu pfluecken!
+Ist er von deiner Hand, wie schoen wird er mich schmuecken!
+
+Eridon.
+Du hast die Rose ja!
+
+Amine.
+ Ihr Lamon gab sie mir.
+Sie steht mir schoen.
+
+Eridon [empfindlich].
+ Ja wohl -
+
+Amine.
+ Doch, Freund, ich geb' sie dir,
+Dass du nicht boese wirst.
+
+Eridon [nimmt sie an und kuesst ihr die Hand].
+ Gleich will ich Blumen bringen.
+[Ab.]
+
+
+
+Vierter Auftritt
+
+[Amine. Egle. Hernach Lamon.]
+
+Egle.
+Gutherzig armes Kind, so wird dir's nicht gelingen!
+Sein stolzer Hunger waechst, je mehr dass du ihm gibst.
+Gib acht, er raubt zuletzt dir alles, was du liebst.
+
+Amine.
+Verlier' ich ihn nur nicht, das Eine macht mir bange.
+
+Egle.
+Wie schoen! Man sieht es wohl, du liebst noch nicht gar lange.
+Im Anfang geht es so: hat man sein Herz verschenkt,
+So denkt man nichts, wenn man nicht an den Liebsten denkt.
+Ein seufzender Roman, zu dieser Zeit gelesen,
+Wie zaertlich der geliebt, wie jener treu gewesen,
+Wie fuehlbar jener Held, wie gross in der Gefahr,
+Wie maechtig zu dem Streit er durch die Liebe war,
+Verdreht uns gar den Kopf; wir glauben uns zu finden,
+Wir wollen elend sein, wir wollen ueberwinden.
+Ein junges Herz nimmt leicht den Eindruck vom Roman;
+Allein ein Herz, das liebt, nimmt ihn noch leichter an.
+Wir lieben lange so, bis wir zuletzt erfahren,
+Dass wir, statt treu zu sein, von Herzen naerrisch waren.
+
+Amine.
+Doch das ist nicht mein Fall.
+
+Egle.
+ Ja, in der Hitze spricht
+Ein Kranker oft zum Arzt: ich hab' das Fieber nicht.
+Glaubt man ihm das? Niemals. Trotz allem Widerstreben
+Gibt man ihm Arzenei. So muss man dir sie geben.
+
+Amine.
+Von Kindern spricht man so, von mir klingt's laecherlich;
+Bin ich ein Kind?
+
+Egle.
+ Du liebst!
+
+Amine.
+ Du auch!
+
+Egle.
+ Ja, lieb' wie ich!
+Besaenftige den Sturm, der dich bisher getrieben!
+Man kann sehr ruhig sein, und doch sehr zaertlich lieben.
+
+Lamon.
+Da ist das Band!
+
+Amine.
+ Sehr schoen!
+
+Egle.
+ Wie lange zauderst du!
+
+Lamon.
+Ich ging am Huegel hin, da rief mir Chloris zu.
+Da hab ich ihr den Hut mit Blumen schmuecken muessen.
+
+Egle.
+Was gab sie dir dafuer?
+
+Lamon.
+ Was? Nichts! Sie liess sich kuessen.
+Man tu auch, was man will, man traegt doch nie zum Lohn
+Von einem Maedchen mehr als einen Kuss davon.
+
+Amine [zeigt Eglen den Kranz mit der Schleife].
+Ist es so recht?
+
+Egle.
+ Ja, gib!
+[Sie haengt Aminen den Kranz um, so dass die Schleife auf die rechte
+Schulter kommt. Mittlerweile redet sie mit Lamon.]
+ Hoer! nur recht lustig heute!
+
+Lamon.
+Nur heute recht gelaermt! Man fuehlt nur halbe Freude,
+Wenn man sie sittsam fuehlt und lang sich's ueberlegt,
+Ob unser Liebster das, der Wohlstand jens ertraegt.
+
+Egle.
+Du hast wohl recht.
+
+Lamon.
+ Ja wohl!
+
+Egle.
+ Amine! setz dich nieder!
+[Amine setzt sich, Egle steckt ihr Blumen in die Haare, indem sie
+fortredet.]
+Komm, gib mir doch den Kuss von deiner Chloris wieder.
+
+Lamon [kuesst sie].
+Von Herzen gerne. Hier!
+
+Amine.
+ Seid ihr nicht wunderlich!
+
+Egle.
+Waer Eridon es so, es waer ein Glueck fuer dich.
+
+Amine.
+Gewiss, er duerfte mir kein fremdes Maedchen kuessen.
+
+Lamon.
+Wo ist die Rose?
+
+Egle.
+ Sie hat sie ihm geben muessen,
+Ihn zu besaenftigen.
+
+Amine.
+ Ich muss gefaellig sein.
+
+Lamon.
+Gar recht! Verzeih du ihm, so wird er dir verzeihn.
+Ja, ja! Ich merk es wohl, ihr plagt euch um die Wette.
+
+Egle [als ein Zeichen, dass sle mit dem Kopfputze fertig ist].
+So!
+
+Lamon.
+ Schoen!
+
+Amine.
+ Ach dass ich doch jetzt schon die Blumen haette,
+Die Eridon mir bringt.
+
+Egle.
+ Erwart' ihn immer hier.
+Ich geh' und putze mich. Komm Lamon, geh mit mir!
+Wir lassen dich allein und kommen bald zuruecke.
+
+
+
+Fuenfter Auftritt
+
+[Amine. Hernach Eridon.]
+
+Amine.
+O welche Zaertlichkeit, beneidenswuerdges Gluecke!
+Wie wuenscht' ich - sollt' es wohl in meinen Kraeften stehn -
+Den Eridon vergnuegt, und mich beglueckt zu sehn!
+Haett' ich nicht so viel Macht ihm ueber mich gegeben,
+Er wuerde gluecklicher und ich zufriedner leben.
+Versuch', ihm diese Macht durch Kaltsinn zu entziehn!
+Doch, wie wird seine Wut bei meiner Kaelte gluehn!
+Ich kenne seinen Zorn, wie zittr' ich, ihn zu fuehlen!
+Wie schlecht wirst du, mein Herz, die schwere Rolle spielen!
+Doch wenn du es so weit wie deine Freundin bringst,
+Da er dich sonst bezwang, du kuenftig ihn bezwingst -
+Heut' ist Gelegenheit; sie nicht vorbei zu lassen,
+Will ich gleich jetzt - Er kommt! Mein Herz, du musst dich fassen.
+
+Eridon [gibt ihr Blumen].
+Sie sind nicht gar zu schoen, mein Kind! verzeih es mir,
+Aus Eile nahm ich sie.
+
+Amine.
+ Genug, sie sind von dir.
+
+Eridon.
+So bluehend sind sie nicht, wie jene Rosen waren,
+Die Damon dir geraubt.
+
+Amine [steckt sie an den Busen].
+ Ich will sie schon bewahren;
+Hier, wo du wohnst, soll auch der Blumen Wohnplatz sein.
+
+Eridon.
+Ist ihre Sicherheit da -
+
+Amine.
+ Glaubst du etwa? -
+
+Eridon.
+ Nein!
+Ich glaube nichts, mein Kind; nur Furcht ist's, was ich fuehle.
+Das allerbeste Herz vergisst bei muntrem Spiele,
+Wenn es des Tanzes Lust, des Festes Laerm zerstreut,
+Was ihm die Klugheit raet und ihm die Pflicht gebeut.
+Du magst wohl oft an mich auch beim Vergnuegen denken;
+Doch fehlt es dir an Ernst, die Freiheit einzuschraenken,
+Zu der das junge Volk sich bald berechtigt glaubt,
+Wenn ihm ein Maedchen nur im Scherze was erlaubt.
+Es haelt ihr eitler Stolz ein taendelndes Vergnuegen
+Sehr leicht fuer Zaertlichkeit.
+
+Amine.
+ Gnug, dass sie sich betruegen!
+Wohl schleicht ein seufzend Volk Liebhaber um mich her;
+Doch du nur hast mein Herz, und sag, was willst du mehr?
+Du kannst den Armen wohl mich anzusehn erlauben,
+Sie glauben wunder -
+
+Eridon.
+ Nein, sie sollen gar nichts glauben!
+Das ist's, was mich verdriesst. Zwar weiss ich, du bist mein;
+Doch einer denkt vielleicht, beglueckt wie ich zu sein,
+Schaut in das Auge dir und glaubt dich schon zu kuessen
+Und triumphiert wohl gar, dass er dich mir entrissen.
+
+Amine.
+So stoere den Triumph! Geliebter, geh mit mir,
+Lass sie den Vorzug sehn, den du -
+
+Eridon.
+ Ich danke dir.
+Es wuerde grausam sein, das Opfer anzunehmen;
+Mein Kind, du wuerdest dich des schlechten Taenzers schaemen;
+Ich weiss, wem euer Stolz beim Tanz den Vorzug gibt:
+Dem, der mit Anmut tanzt, und nicht dem, den ihr liebt.
+
+Amine.
+Das ist die Wahrheit.
+
+Eridon [mit zurueckgehaltenem Spott].
+ Ja! Ach, dass ich nicht die Gabe
+Des leichten Damarens, des Vielgepriesnen, habe!
+Wie reizend tanzt er nicht!
+
+Amine.
+ Schoen! dass ihm niemand gleicht.
+
+Eridon.
+Und jedes Maedchen -
+
+Amine.
+ Schaetzt -
+
+Eridon.
+ Liebt ihn darum!
+
+Amine.
+ Vielleicht.
+
+Eridon.
+Vielleicht? Verflucht! Gewiss!
+
+Amine.
+ Was machst du fuer Gebaerden?
+
+Eridon.
+Du fragst? Plagst du mich nicht, ich moechte rasend werden!
+
+Amine.
+Ich? Sag, bist du nicht schuld an mein und deiner Pein?
+Grausamer Eridon! wie kannst du nur so sein?
+
+Eridon.
+Ich muss; ich liebe dich. Die Liebe lehrt mich klagen;
+Liebt ich dich nicht so sehr, ich wuerde dich nicht plagen!
+Ich fuehl mein zaertlich Herz von Wonne hoch entzueckt,
+Wenn mir dein Auge lacht, wenn deine Hand mich drueckt,
+Ich dank den Goettern, die mir dieses Gluecke gaben;
+Doch ich verlang's allein, kein andrer soll es haben.
+
+Amine.
+Nun gut, was klagst du denn? Kein andrer hat es nie.
+
+Eridon.
+Und du ertraegst sie doch; nein, hassen sollst du sie.
+
+Amine.
+Sie hassen? und warum?
+
+Eridon.
+ Darum! weil sie dich lieben.
+
+Amine.
+Der schoene Grund!
+
+Eridon.
+ Ich seh's, du willst sie nicht betrueben.
+Du musst sie schonen; sonst wird deine Lust geschwaecht,
+Wenn du nicht -
+
+Amine.
+ Eridon, du bist sehr ungerecht.
+Heisst uns die Liebe denn die Menschlichkeit verlassen?
+Ein Herz, das Einen liebt, kann keinen Menschen hassen.
+Dies zaertliche Gefuehl laesst kein so schrecklichs zu,
+Zum wenigsten bei mir.
+
+Eridon.
+ Wie schoen verteidigst du
+Des zaertlichen Geschlechts hochmuetiges Vergnuegen,
+Wenn zwanzig Toren knien, die zwanzig zu betruegen!
+Heut ist ein grosser Tag, der deinen Hochmut naehrt,
+Heut wirst du manchen sehn, der dich als Goettin ehrt;
+Noch manches junge Herz wird sich fuer dich entzuenden,
+Kaum wirst du Blicke gnug fuer alle Diener finden.
+Gedenk an mich, wenn dich der Toren Schwarm vergnuegt;
+Ich bin der groesste! Geh!
+
+Amine [fuer sich].
+ Flieh, schwaches Herz! Er siegt.
+Ihr Goetter! Lebt er denn, mir jede Lust zu stoeren?
+Waehrt denn mein Elend fort, um niemals aufzuhoeren?
+[zu Eridon.]
+Der Liebe leichtes Band machst du zum schweren Joch,
+Du quaelst mich als Tyrann, und ich? ich lieb dich noch!
+Mit aller Zaertlichkeit antwort ich auf dein Wueten,
+In allem geb ich nach; doch bist du nicht zufrieden.
+Was opfert ich nicht auf! Ach! dir genuegt es nie.
+Du willst die heutge Lust! Nun gut, hier hast du sie!
+[Sie nimmt die Kraenze aus den Haaren und von der Schulter, wirft sie
+weg und faehrt in einem gezwungenen ruhigen Tone fort.]
+Nicht wahr, mein Eridon? So siehst du mich viel lieber,
+Als zu dem Fest geputzt. Ist nicht dein Zorn vorueber?
+Du stehst! siehst mich nicht an! Bist du erzuernt auf mich?
+
+Eridon [faellt vor ihr nieder].
+Amine! Scham und Reu! Verzeih, ich liebe dich!
+Geh zu dem Fest!
+
+Amine.
+ Mein Freund, ich werde bei dir bleiben;
+Ein zaertlicher Gesang soll uns die Zeit vertreiben.
+
+Eridon.
+Geliebtes Kind, geh!
+
+Amine.
+ Geh! hol' deine Floete her.
+
+Eridon.
+Du willst's!
+
+
+
+Sechster Auftritt
+
+Amine.
+ Er scheint betruebt, und heimlich jauchzet er.
+An ihm wirst du umsonst die Zaertlichkeit verlieren.
+Dies Opfer, ruehrt es ihn? Es schien ihn kaum zu ruehren;
+Er hielt's fuer Schuldigkeit. Was willst du, armes Herz?
+Du murrst, drueckst diese Brust. Verdient' ich diesen Schmerz?
+Ja, wohl verdienst du ihn! Du siehst, dich zu betrueben
+Hoert er nicht auf, und doch hoerst du nicht auf zu lieben.
+Ich trag's nicht lange mehr. Still! Ha! ich hoere dort
+Schon die Musik. Es huepft mein Herz, mein Fuss will fort.
+Ich will! Was drueckt mir so die bange Brust zusammen!
+Wie aengstlich wird es mir! Es zehren heftge Flammen
+Am Herzen. Fort, zum Fest! Ach, er haelt mich zurueck!
+Armsel'ges Maedchen! Sieh, das ist der Liebe Glueck!
+[Sie wirft sich auf einen Rasen, und weint; da die andern auftreten,
+wischt sie sich die Augen und steht auf.]
+Weh mir, da kommen sie, wie werden sie mich hoehnen!
+
+
+
+Siebenter Auftritt
+
+[Amine. Egle. Lamon.]
+
+Egle.
+Geschwind! Der Zug geht fort! Amine! Wie? in Traenen?
+
+Lamon [hebt die Kraenze auf].
+Die Kraenze?
+
+Egle.
+ Was ist das? wer riss sie dir vom Haupt?
+
+Amine.
+Ich!
+
+Egle.
+ Willst du denn nicht mit?
+
+Amine.
+ Gern, waer' es mir erlaubt.
+
+Egle.
+Wer hat dir denn was zu erlauben? Geh, und rede
+Nicht so geheimnisvoll! Sei gegen uns nicht bloede!
+Hat Eridon -?
+
+Amine.
+ Ja! Er!
+
+Egle.
+ Das hatt' ich wohl gedacht.
+Du Naerrin, dass dich nicht der Schaden klueger macht!
+Versprachst du ihm vielleicht, du wolltest bei ihm bleiben,
+Um diesen schoenen Tag mit Seufzern zu vertreiben?
+Ich zweifle nicht, mein Kind, dass du ihm so gefaellst.
+[Nach einigem Stillschweigen, indem sie Lamon einen Wink gibt.]
+Doch du siehst besser aus, wenn du den Kranz behaeltst.
+Komm, setz ihn auf! und den, sieh! den haeng hier herueber!
+Nun bist du schoen.
+[Amine steht mit niedergeschlagenen Augen und laesst Egle machen. Egle
+gibt Lamon ein Zeichen.]
+ Doch ach, es laeuft die Zeit vorueber;
+Ich muss zum Zug!
+
+Lamon.
+ Ja wohl! Dein Diener, gutes Kind.
+
+Amine [beklemmt].
+Lebt wohl!
+
+Egle [im Weggehen].
+ Amine! nun, gehst du nicht mit? Geschwind!
+[Amine sieht sie traurig an und schweigt.]
+
+Lamon [fasst Egle bei der Hand, sie fortzufuehren].
+Ach, lass sie doch nur gehn! Vor Bosheit moecht' ich sterben;
+Da muss sie einem nun den schoenen Tanz verderben!
+Den Tanz mit Rechts und Links, sie kann ihn ganz allein,
+Wie sich's gehoert; ich hofft auf sie, nun faellt's ihr ein,
+Zu Haus zu bleiben! Komm, ich mag ihr nichts mehr sagen.
+
+Egle.
+Den Tanz versaeumst du! Ja, du bist wohl zu beklagen.
+Er tanzt sich schoen. Leb wohl!
+[Egle will Aminen kuessen. Amine faellt ihr um den Hals und weint.]
+
+Amine.
+ Ich kann's nicht mehr ertragen.
+
+Egle.
+Du weinst?
+
+Amine.
+ So weint mein Herz, und aengstlich drueckt es mich.
+Ich moechte! - Eridon, ich glaub, ich hasse dich.
+
+Egle.
+Er haett's verdient. Doch nein! Wer wird den Liebsten hassen?
+Du musst ihn lieben, doch dich nicht beherrschen lassen,
+Das sagt ich lange schon! Komm mit!
+
+Lamon.
+ Zum Tanz, zum Fest!
+
+Amine.
+Und Eridon?
+
+Egle.
+ Geh nur! ich bleib. Gib acht, er laesst
+Sich fangen und geht mit. Sag, wuerde dich's nicht freuen?
+
+Amine.
+Unendlich!
+
+Lamon.
+ Nun so komm! Hoerst du dort die Schalmeien?
+Die schoene Melodie?
+[Er fasst Aminen bei der Hand, singt, und tanzt.]
+
+Egle [singt].
+ Und wenn euch der Liebste mit Eifersucht plagt,
+ Sich ueber ein Nicken, ein Laecheln beklagt,
+ Mit Falschheit euch necket, von Wankelmut spricht,
+ Dann singet und tanzet, da hoert ihr ihn nicht.
+[Lamon zieht im Tanz Aminen mit sich fort.]
+
+Amine [im Abgehen].
+ O bring' ihn ja mit dir!
+
+
+
+Achter Auftritt
+
+[Egle. Hernach Eridon mit einer Floete und Liedern.]
+
+Egle.
+Schon gut! Wir wollen sehn! Schon lange wuenscht ich mir
+Gelegenheit und Glueck, den Schaefer zu bekehren.
+Heut' wird mein Wunsch erfuellt; wart nur, ich will dich lehren!
+Dir zeigen, wer du bist; und wenn du dann sie plagst! -
+Er kommt! Hoer, Eridon!
+
+Eridon.
+ Wo ist sie?
+
+Egle.
+ Wie! du fragst?
+Mit meinem Lamon dort, wo die Schalmeien blasen.
+
+Eridon [wirft die Floete auf die Erde und zerreisst die Lieder].
+Verfluchte Untreu!
+
+Egle.
+ Rasest du?
+
+Eridon.
+ Sollt' ich nicht rasen!
+Da reisst die Heuchlerin mit laechelndem Gesicht
+Die Kraenze von dem Haupt, und sagt: Ich tanze nicht!
+Verlangt ich das? Und - O!
+[Er stampft mit dem Fusse und wirft die zerrissenen Lieder weg.]
+
+Egle [in einem gesetzten Tone].
+ Erlaub mir doch zu fragen:
+Was hast du fuer ein Recht, den Tanz ihr zu versagen?
+Willst du denn, dass ein Herz, von deiner Liebe voll,
+Kein Glueck als nur das Glueck um dich empfinden soll?
+Meinst du, es sei der Trieb nach jeder Lust gestillet,
+Sobald die Zaertlichkeit das Herz des Maedchen fuellet?
+Genug ist's, dass sie dir die besten Stunden schenkt,
+Mit dir am liebsten weilt, abwesend an dich denkt.
+Drum ist es Torheit, Freund, sie ewig zu betrueben;
+Sie kann den Tanz, das Spiel und doch dich immer lieben.
+
+Eridon [schlaegt die Arme unter und sieht in die Hoehe].
+Ah!
+
+Egle.
+ Sag mir, glaubst du denn, dass dieses Liebe sei,
+Wenn du sie bei dir haeltst? Nein, das ist Sklaverei.
+Du kommst: nun soll sie dich, nur dich beim Feste sehen;
+Du gehst: nun soll sie gleich mit dir von dannen gehen;
+Sie zaudert: alsobald verduestert sich dein Blick;
+Nun folgt sie dir, doch bleibt ihr Herz gar oft zurueck.
+
+Eridon.
+Wohl immer!
+
+Egle.
+ Hoert man doch, wenn die Verbittrung redet.
+Wo keine Freiheit ist, wird jede Lust getoetet.
+Wir sind nun so. Ein Kind ist zum Gesang geneigt;
+Man sagt ihm: sing mir doch! Es wird bestuerzt und schweigt.
+Wenn du ihr Freiheit laesst, so wird sie dich nicht lassen;
+Doch, machst du's ihr zu arg, gib acht, sie wird dich hassen.
+
+Eridon.
+Mich hassen!
+
+Egle.
+ Nach Verdienst. Ergreife diese Zeit,
+Und schaffe dir das Glueck der echten Zaertlichkeit!
+Denn nur ein zaertlich Herz, von eigner Glut getrieben,
+Das kann bestaendig sein, das nur kann wirklich lieben.
+Bekenne, weisst du denn, ob dir der Vogel treu,
+Den du im Kaefigt haelst?
+
+Eridon.
+ Nein!
+
+Egle.
+ Aber wenn er frei
+Durch Feld und Garten fliegt, und doch zuruecke kehret?
+
+Eridon.
+Ja! Gut! Da weiss ich's.
+
+Egle.
+ Wird nicht deine Lust vermehret,
+Wenn du das Tierchen siehst, das dich so zaertlich liebt,
+Die Freiheit kennt, und dir dennoch den Vorzug gibt?
+Und kommt dein Maedchen einst von einem Fest zuruecke,
+Noch von dem Tanz bewegt, und sucht dich; ihre Blicke
+Verraten, dass die Lust nie ganz vollkommen sei,
+Wenn du, ihr Liebling, du, ihr Einzger, nicht dabei -
+Wenn sie dir schwoert, ein Kuss von dir sei mehr als Freuden
+Von tausend Festen - bist du da nicht zu beneiden?
+
+Eridon [geruehrt].
+O Egle!
+
+Egle.
+ Fuerchte, dass der Goetter Zorn entbrennt,
+Da der Beglueckteste sein Glueck so wenig kennt.
+Auf! Sei zufrieden, Freund! Sie raechen sonst die Traenen
+Des Maedchens, das dich liebt.
+
+Eridon.
+ Koennt ich mich nur gewoehnen,
+Zu sehn, dass mancher ihr beim Tanz die Haende drueckt,
+Der eine nach ihr sieht, sie nach dem andern blickt.
+Denk ich nur dran, mein Herz moecht da vor Bosheit reissen!
+
+Egle.
+Eh! lass das immer sein! das will noch gar nichts heissen.
+Sogar ein Kuss ist nichts!
+
+Eridon.
+ Was sagst du? Nichts - ein Kuss?
+
+Egle.
+Ich glaube, dass man viel im Herzen fuehlen muss,
+Wenn er was sagen soll - Doch! willst du ihr verzeihen?
+Denn wenn du boese tust, so kann sie nichts erfreuen.
+
+Eridon.
+Ach Freundin!
+
+Egle [schmeichelnd].
+ Tu es nicht, mein Freund; du bist auch gut.
+Leb wohl!
+[Sie fasst ihn bei der Hand.]
+Du bist erhitzt!
+
+Eridon.
+ Es schlaegt mein wallend Blut -
+
+Egle.
+Noch von dem Zorn? Genug! Du hast es ihr vergeben.
+Ich eile jetzt zu ihr. Sie fragt nach dir mit Beben;
+Ich sag ihr: er ist gut, und sie beruhigt sich,
+Ihr Herz wallt zaertlicher, und heisser liebt sie dich.
+[Sie sieht ihn mit Empfindung an.]
+Gib acht, sie sucht dich auf, sobald das Fest vorueber,
+Und durch das Suchen selbst wirst du ihr immer lieber.
+[Egle stellt sich immer zaertlicher, lehnt sich auf seine Schulter.
+Er nimmt ihre Hand und kuesst sie.]
+Und endlich sieht sie dich! O welcher Augenblick!
+Drueck sie an deine Brust, und fuehl dein ganzes Glueck!
+Ein Maedchen wird beim Tanz verschoenert, rote Wangen,
+Ein Mund, der laechelnd haucht, gesunkne Locken hangen
+Um die bewegte Brust, ein sanfter Reiz umzieht
+Den Koerper tausendfach, wie er im Tanze flieht,
+Die vollen Adern gluehn, und bei des Koerpers Schweben
+Scheint jede Nerve sich lebendiger zu heben.
+[Sie affektiert eine zaertliche Entzueckung und sinkt an seine Brust; er
+schlingt seinen Arm um sie.]
+Die Wollust, dies zu sehn, was ueberwiegt wohl die?
+Du gehst nicht mit zum Fest, und fuehlst die Ruehrung nie.
+
+Eridon.
+Zu sehr, an deiner Brust, o Freundin, fuehl ich sie!
+[Er faellt Eglen um den Hals und kuesst sie, sie laesst es geschehn. Dann
+tritt sie einige Schritte zurueck und fragt mit einem leichtfertigen
+Tone.]
+
+Egle.
+Liebst du Aminen?
+
+Eridon.
+ Sie, wie mich!
+
+Egle.
+ Und kannst mich kuessen?
+O warte nur, du sollst mir diese Falschheit buessen!
+Du ungetreuer Mensch!
+
+Eridon.
+ Wie? glaubst du denn, dass ich -
+
+Egle.
+Ich glaube, was ich kann. Mein Freund, du kuesstest mich
+Recht zaertlich, das ist wahr. Ich bin damit zufrieden
+Schmeckt dir mein Kuss? Ich denk's: die heissen Lippen gluehten
+Nach mehr. Du armes Kind! Amine, waerst du hier!
+
+Eridon.
+Waer sie's!
+
+Egle.
+ Nur noch getrutzt! Wie schlimm erging es dir!
+
+Eridon.
+Ja, keifen wuerde sie. Du musst mich nicht verraten.
+Ich habe dich gekuesst, jedoch was kann's ihr schaden,
+Und wenn Amine mich auch noch so reizend kuesst,
+Darf ich nicht fuehlen, dass dein Kuss auch reizend ist?
+
+Egle.
+Da frag' sie selbst.
+
+
+
+Letzter Auftritt
+
+[Amine, Egle, Eridon.]
+
+Eridon.
+ Weh mir!
+
+Amine.
+ Ich muss, ich muss ihn sehen!
+Geliebter Eridon! es hiess mich Egle gehen,
+Ich brach mein Wort, mich reut's; mein Freund, ich gehe nicht!
+
+Eridon [fuer sich].
+Ich Falscher!
+
+Amine.
+ Zuernst du noch? du wendest dein Gesicht?
+
+Eridon [fuer sich].
+Was werd' ich sagen!
+
+Amine.
+ Ach! verdient sie diese Rache,
+So eine kleine Schuld? Du hast gerechte Sache,
+Doch lass -
+
+Egle.
+ O lass ihn gehn! Er hat mich erst gekuesst;
+Das schmeckt ihm noch.
+
+Amine.
+ Gekuesst!
+
+Egle.
+ Recht zaertlich!
+
+Amine.
+ Ah! das ist
+Zu viel fuer dieses Herz! So schnell kannst du mich hassen?
+Ich Unglueckselige! Mein Freund hat mich verlassen!
+Wer andre Maedchen kuesst, faengt seins zu fliehen an.
+Ach! seit ich dich geliebt, hab ich so was getan?
+Kein Juengling durfte mehr nach meinen Lippen streben;
+Kaum hab ich einen Kuss beim Pfaenderspiel gegeben.
+Mir nagt die Eifersucht so gut das Herz wie dir;
+Und doch verzeih ich dir's, nur wende dich zu mir!
+Doch, armes Herz, umsonst bist du so sehr verteidigt!
+Er fuehlt nicht Liebe mehr, seitdem du ihn beleidigt.
+Die maechtge Rednerin spricht nun umsonst fuer dich.
+
+Eridon.
+O welche Zaertlichkeit! wie sehr beschaemt sie mich!
+
+Amine.
+O Freundin, konntest du mir meinen Freund verfuehren!
+
+Egle.
+Getrost, mein gutes Kind! du sollst ihn nicht verlieren.
+Ich kenn' den Eridon und weiss, wie treu er ist.
+
+Amine.
+Und hat -
+
+Egle.
+ Ja, das ist wahr, und hat mich doch gekuesst.
+Ich weiss, wie es geschah, du kannst ihm wohl vergeben.
+Sieh! Wie er es bereut!
+
+Eridon [faellt vor Aminen nieder].
+ Amine! Liebstes Leben!
+O zuerne du mit ihr! sie machte sich so schoen;
+Ich war dem Mund so nah und konnt nicht widerstehn.
+Doch kennest du mein Herz, mir kannst du das erlauben,
+So eine kleine Lust wird dir mein Herz nicht rauben.
+
+Egle.
+Amine, kuess ihn! weil er so vernuenftig spricht.
+[Zu Eridon.]
+Lust raubt ihr nicht dein Herz, dir raubt sie ihres nicht.
+So, Freund! du musstest dir dein eigen Urteil sprechen;
+Du siehst, liebt sie den Tanz, so ist es kein Verbrechen.
+[Ihn nachahmend.]
+Und wenn ein Juengling ihr beim Tanz die Haende drueckt,
+Der eine nach ihr sieht, sie nach dem andern blickt,
+Auch das hat, wie du weisst, nicht gar so viel zu sagen.
+Ich hoffe, du wirst nie Aminen wieder plagen,
+Und denke, du gehst mit.
+
+Amine.
+ Komm mit zum Fest!
+
+Eridon.
+ Ich muss;
+Ein Kuss belehrte mich.
+
+Egle [zu Aminen].
+ Verzeih uns diesen Kuss!
+Und kehrt die Eifersucht in seinen Busen wieder,
+So sprich von diesem Kuss, dies Mittel schlag ihn nieder! -
+Ihr Eifersuechtigen, die ihr ein Maedchen plagt,
+Denkt euren Streichen nach, dann habt das Herz und klagt.
+
+----------------------------------------------------------------------
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Laune des Verliebten, by J.W. Goethe
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE LAUNE DES VERLIEBTEN ***
+
+***** This file should be named 10354.txt or 10354.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+Produced by Andrew Sly
+
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+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
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+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
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+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+1.F.
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+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS," WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
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+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
+are filed in directories based on their release date. If you want to
+download any of these eBooks directly, rather than using the regular
+search system you may utilize the following addresses and just
+download by the etext year.
+
+ http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext06
+
+ (Or /etext 05, 04, 03, 02, 01, 00, 99,
+ 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90)
+
+EBooks posted since November 2003, with etext numbers OVER #10000, are
+filed in a different way. The year of a release date is no longer part
+of the directory path. The path is based on the etext number (which is
+identical to the filename). The path to the file is made up of single
+digits corresponding to all but the last digit in the filename. For
+example an eBook of filename 10234 would be found at:
+
+ https://www.gutenberg.org/1/0/2/3/10234
+
+or filename 24689 would be found at:
+ https://www.gutenberg.org/2/4/6/8/24689
+
+An alternative method of locating eBooks:
+ https://www.gutenberg.org/GUTINDEX.ALL
+
+
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