diff options
| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:33:54 -0700 |
|---|---|---|
| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:33:54 -0700 |
| commit | ad9a3212d5a579712b418057f67daf760ff87b80 (patch) | |
| tree | c10841d0f42b3ce2dce9f3690161eabf3b3f1054 | |
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 3 | ||||
| -rw-r--r-- | 9875-8.txt | 5019 | ||||
| -rw-r--r-- | 9875-8.zip | bin | 0 -> 56321 bytes | |||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 | ||||
| -rw-r--r-- | old/7gs2410.txt | 4991 | ||||
| -rw-r--r-- | old/7gs2410.zip | bin | 0 -> 55949 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/8gs2410.txt | 4991 | ||||
| -rw-r--r-- | old/8gs2410.zip | bin | 0 -> 55959 bytes |
9 files changed, 15017 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/9875-8.txt b/9875-8.txt new file mode 100644 index 0000000..c7b9608 --- /dev/null +++ b/9875-8.txt @@ -0,0 +1,5019 @@ +The Project Gutenberg EBook of Julius Caesar, by William Shakespeare + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Julius Caesar + +Author: William Shakespeare + +Posting Date: November 17, 2011 [EBook #9875] +Release Date: February, 2006 +First Posted: October 26, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JULIUS CAESAR *** + + + + +Produced by Delphine Lettau + + + + + + + + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Julius Cäsar + +William Shakespeare + +Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel + + + + + + + +Personen: + +Julius Cäsar + +Octavius Cäsar, Marcus Antonius und M. Ämilius Lepidus, +Triumvirn nach dem Tode des Julius Cäsar + +Cicero, Publius und Popilius Lena, Senatoren + +Marcus Brutus, Cassius, Casca, Trebonius, Ligarius, Decius Brutus, +Metellus Cimber und Cinna, Verschworene gegen Julius Cäsar + +Flavius und Marullus, Tribunen + +Artemidorus, ein Sophist von Knidos + +Ein Wahrsager + +Cinna, ein Poet + +Ein anderer Poet + +Lucilius, Titinius, Messala, Der junge Cato und Volumnius, +Freunde des Brutus und Cassius + +Varro, Clitus, Claudius, Strato, Lucius und Dardanius, +Diener des Brutus + +Pindarus, Diener des Cassius + +Calpurnia, Gemahlin der Cäsar + +Portia, Gemahlin des Brutus + +Senatoren, Bürger, Wache, Gefolge usw. + + + +Die Szene ist einen großen Teil des Stücks hindurch zu Rom, nachher +zu Sardes und bei Philippi + + + + +Erster Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Eine Straße + +Flavius, Marullus und ein Haufe von Bürgern + +Flavius. +Packt euch nach Haus, ihr Tagediebe! fort! +Ist dies ein Feiertag! Was? wißt ihr nicht, +Daß ihr als Handwerksleut an Werkeltagen +Nicht ohn ein Zeichen der Hantierung dürft +Umhergehn?--Welch' Gewerbe treibst du? sprich! + +Erster Bürger. +Nun, Herr, ich bin ein Zimmermann. + +Marullus. +Wo ist dein ledern Schurzfell und dein Maß? +Was machst du hier in deinen Sonntagskleidern?-- +Ihr, Freund, was treibt Ihr? + +Zweiter Bürger. +Die Wahrheit zu gestehn, Herr, gegen einen feinen Arbeiter gehalten, +mache ich nur, sozusagen, Flickwerk. + +Marullus. +Doch welch Gewerb? Antworte gradezu. + +Zweiter Bürger. +Ein Gewerbe, Herr, das ich mit gutem Gewissen treiben kann, wie ich +hoffe. Es besteht darin, einen schlechten Wandel zu verbessern. + +Marullus. +Welch ein Gewerb, du Schuft? welch ein Gewerb? + +Zweiter Bürger. +Nein, ich bitte Euch, Herr, laßt Euch die Geduld nicht reißen. +Wenn aber ja was reißt, so gebt Euch nur in meine Hand. + +Marullus. +Was meinst du damit? Mich in deine Hand geben, du naseweiser Bursch? + +Zweiter Bürger. +Nun ja, Herr, damit ich Euch flicken kann. + +Flavius. +Du bist ein Schuhflicker, nicht wahr? + +Zweiter Bürger. +Im Ernst, Herr, ich bin ein Wundarzt für alte Schuhe: wenn's +gefährlich mit ihnen steht, so mache ich sie wieder heil. So hübsche +Leute, als jemals auf Rindsleder getreten, sind auf meiner Hände Werk +einhergegangen. + +Flavius. +Doch warum bist du in der Werkstatt nicht? +Was führst du diese Leute durch die Gassen? + +Zweiter Bürger. +Meiner Treu, Herr, um ihre Schuhe abzunutzen, damit ich wieder Arbeit +kriege. Doch im Ernst, Herr, wir machen Feiertag, um den Cäsar zu +sehen und uns über seinen Triumph zu freuen. + +Marullus. +Warum euch freun? Was hat er wohl erobert? +Was für Besiegte führt er heim nach Rom +Und fesselt sie zur Zier an seinen Wagen? +Ihr Blöck'! ihr Steine! schlimmer als gefühllos! +O harte Herzen! arge Männer Roms! +Habt ihr Pompejus nicht gekannt? Wie oft +Stiegt ihr hinan auf Mauern und auf Zinnen, +Auf Türme, Fenster, ja auf Feueressen, +Die Kinder auf dem Arm, und saßet da +Den lieben langen Tag, geduldig wartend, +Bis durch die Straßen Roms Pompejus zöge? +Und saht ihr seinen Wagen nur von fern, +Erhobt ihr nicht ein allgemeines Jauchzen, +So daß die Tiber bebt' in ihrem Bett, +Wenn sie des Lärmes Widerhall vernahm +An ihren hohlen Ufern? +Und legt ihr nun die Feierkleider an? +Und spart ihr nun euch einen Festtag aus? +Und streut ihr nun ihm Blumen auf den Weg, +Der siegprangt über des Pompejus Blut? +Hinweg! +In eure Häuser lauft, fallt auf die Knie +Und fleht die Götter an, die Not zu wenden, +Die über diesen Undank kommen muß! + +Flavius. +Geht, geht, ihr guten Bürger! und versammelt +Für dies Vergehen eure armen Brüder; +Führt sie zur Tiber, weinet eure Tränen +Ins Flußbett, bis ihr Strom, wo er am flachsten, +Die höchsten ihrer Uferhöhen küßt. + (Die Bürger ab.) +Sieh, wie die Schlacken ihres Innern schmelzen! +Sie schwinden weg, verstummt in ihrer Schuld. +Geht Ihr den Weg, hinab zum Kapitol; +Hierhin will ich. Entkleidet dort die Bilder, +Seht Ihr mit Ehrenzeichen sie geschmückt. + +Marullus. +Ist das erlaubt? +Ihr wißt, es ist das Luperkalienfest. + +Flavius. +Es tut nichts: laßt mit den Trophäen Cäsars +Kein Bild behängt sein. Ich will nun umher +Und will den Pöbel von den Gassen treiben. +Das tut auch Ihr, wo Ihr gedrängt sie seht. +Dies wachsende Gefieder, ausgerupft +Der Schwinge Cäsars, wird den Flug ihm hemmen, +Der, über Menschenblicke hoch hinaus, +Uns alle sonst in knechtscher Furcht erhielte. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Ein öffentlicher Platz + +In einem feierlichen Aufzuge mit Musik kommen Cäsar, Antonius, zum +Wettlauf gerüstet, Calpurnia, Portia, Decius, Cicero, Brutus, Cassius +und Casca; hinter ihnen ein großes Gedränge, darunter ein Wahrsager + +Cäsar. +Calpurnia! + +Casca. +Still da! Cäsar spricht. + +(Die Musik hält inne.) + +Cäsar. +Calpurnia! + +Calpurnia. +Hier, mein Gemahl! + +Cäsar. +Stellt dem Antonius grad Euch in den Weg +Wenn er zur Wette läuft.--Antonius! + +Antonius. +Erlauchter Cäsar? + +Cäsar. +Vergeßt, Antonius, nicht, in Eurer Eil +Calpurnia zu berühren; denn es ist +Ein alter Glaube, unfruchtbare Weiber, +Berührt bei diesem heilgen Wettelauf, +Entladen sich des Fluchs. + +Antonius. +Ich werd es merken. +Wenn Cäsar sagt: "Tu das", so ist's vollbracht. + +Cäsar. +Beginnt; laßt nichts von den Gebräuchen aus. + +(Musik.) + +Wahrsager. +Cäsar! + +Cäsar. +He, wer ruft? + +Casca. +Es schweige jeder Lärm: noch einmal, still! + +(Die Musik hält inne.) + +Cäsar. +Wer ist es im Gedräng, der mich begehrt? +Durch die Musik dringt gellend eine Stimme, +Die "Cäsar!" ruft. Spricht Cäsar neigt sein Ohr. + +Wahrsager. +Nimm, vor des Märzen Idus dich in acht. + +Cäsar. +Wer ist der Mann? + +Brutus. +Ein Wahrsager; er warnt Euch vor des Märzen Idus. + +Cäsar. +Führt ihn mir vor, laßt sein Gesicht mich sehn. + +Casca. +Komm aus dem Haufen, Mensch; tritt vor den Cäsar. + +Cäsar. +Was sagst du nun zu mir? Sprich noch einmal. + +Wahrsager. +Nimm vor des Märzen Idus dich in acht. + +Cäsar. +Er ist ein Träumer; laßt ihn gehn, und kommt. + +(Ein Marsch. Alle bis auf Brutus und Cassius gehn ab.) + +Cassius. +Wollt Ihr den Hergang bei dem Wettlauf sehn? + +Brutus. +Ich nicht. + +Cassius. +Ich bitt Euch, tut's. + +Brutus. +Ich hab am Spiel nicht Lust, mir fehlt ein Teil +Vom muntern Geiste des Antonius; +Doch muß ich Euch in Eurem Wunsch nicht hindern. +Ich laß Euch, Cassius. + +Cassius. +Brutus, seit kurzem geb ich acht auf Euch; +Ich find in Eurem Blick die Freundlichkeit, +Die Liebe nicht, an die Ihr mich gewöhnt. +Zu unwirsch und zu fremd begegnet Ihr +Dem Freunde, der Euch liebt. + +Brutus. +Mein Cassius, +Betrügt Euch nicht. Hab ich den Blick verschleiert, +So kehrt die Unruh meiner Mienen sich +Nur gegen mich allein. Seit kurzem quälen +Mich Regungen von streitender Natur, +Gedanken, einzig für mich selbst geschickt, +Die Schatten wohl auf mein Betragen werfen. +Doch laßt dies meine Freunde nicht betrüben +(Wovon Ihr einer sein müßt, Cassius), +Noch mein achtloses Wesen anders deuten, +Als daß, mit sich im Krieg, der arme Brutus +Den andern Liebe kund zu tun vergißt. + +Cassius. +Darin, Brutus, mißverstand ich Euren Unmut. +Deshalb begrub hier diese Brust Entwürfe +Von großem Werte, würdige Gedanken. +Sagt, Brutus, könnt Ihr Euer Antlitz sehn? + +Brutus. +Nein, Cassius, denn das Auge sieht sich nicht, +Als nur im Widerschein, durch andre Dinge. + +Cassius. +So ist's; +Und man beklagt sich sehr darüber, Brutus, +Daß Ihr nicht solche Spiegel habt, die Euren +Verborgnen Wert Euch in die Augen rückten, +Auf daß Ihr Euren Schatten säht. Ich hörte, +Wie viele von den ersten Männern Roms +(Nur Cäsarn nehm ich aus), von Brutus redend, +Und seufzend unter dieser Zeiten Joch, +Dem edlen Brutus offne Augen wünschten. + +Brutus. +Auf welche Wege, Cassius, lockt Ihr mich, +Daß Ihr mich heißt in meinem Innern suchen, +Was doch nicht in mir ist? + +Cassius. +Drum, lieber Brutus, schickt Euch an zu hören. +Und weil Ihr wißt, Ihr könnt Euch selbst so gut +Nicht sehn als durch den Widerschein, so will +Ich, Euer Spiegel, Euch bescheidentlich +Von Euch entdecken, was Ihr noch nicht wißt. +Und denkt von mir kein Arges, werter Brutus. +Wär ich ein Lacher aus der Menge; pflegt ich +Mein Herz durch Alltagsschwüre jedem neuen +Beteurer auszubieten; wenn Ihr wißt, +Daß ich die Menschen streichle, fest sie herze +Und dann sie lästre; oder wenn Ihr wißt, +Daß ich beim Schmaus mich mit der ganzen Schar +Verbrüdern mag, dann hütet Euch vor mir. + +(Trompeten und Freudengeschrei.) + +Brutus. +Was heißt dies Jauchzen? Wie ich fürchte, wählt +Das Volk zum König Cäsarn. + +Cassius. +Fürchtet Ihr's? +Das hieße ja, Ihr möchtet es nicht gern. + +Brutus. +Nein, Cassius, nicht gern; doch lieb ich ihn. +Doch warum haltet Ihr mich hier so lange? +Was ist es, das Ihr mir vertrauen möchtet? +Ist's etwas, dienlich zum gemeinen Wohl, +Stellt Ehre vor ein Auge, Tod vors andre, +Und beide seh ich gleiches Mutes an. +Die Götter sein mir günstig, wie ich mehr +Die Ehre lieb, als vor dem Tod mich scheue. + +Cassius. +Ich weiß, daß diese Tugend in Euch wohnt, +Sogut ich Euer äußres Ansehn kenne. +Wohl! Ehre ist der Inhalt meiner Rede. +Ich weiß es nicht, wie Ihr und andre Menschen +Von diesem Leben denkt; mir, für mich selbst, +Wär es so lieb, nicht da sein, als zu leben +In Furcht vor einem Wesen wie ich selbst. +Ich kam wie Cäsar frei zur Welt, so Ihr; +Wir nährten uns sogut, wir können beide +Sogut wie er des Winters Frost ertragen. +Denn einst, an einem rauhen stürmschen Tage, +Als wild die Tiber an ihr Ufer tobte, +Sprach Cäsar zu mir: "Wagst du, Cassius, nun +Mit mir zu springen in die zornge Flut +Und bis dorthin zu schwimmen?"--Auf dies Wort, +Bekleidet, wie ich war, stürzt ich hinein +Und hieß ihn folgen; wirklich tat er's auch. +Der Strom brüllt' auf uns ein; wir schlugen ihn +Mit wackern Sehnen, warfen ihn beiseit +Und hemmten ihn mit einer Brust des Trotzes. +Doch eh wir das gewählte Ziel erreicht, +Rief Cäsar: "Hilf mir, Cassius! ich sinke." +Ich, wie Äneas, unser großer Ahn, +Aus Trojas Flammen einst auf seinen Schultern +Den alten Vater trug, so aus den Wellen +Zog ich den müden Cäsar.--Und der Mann +Ist nun zum Gott erhöht, und Cassius ist +Ein arm Geschöpf und muß den Rücken beugen, +Nickt Cäsar nur nachlässig gegen ihn. +Als er in Spanien war, hatt er ein Fieber, +Und wenn der Schaur ihn ankam, merkt ich wohl +Sein Beben: ja, er bebte, dieser Gott! +Das feige Blut der Lippen nahm die Flucht, +Sein Auge, dessen Blick die Welt bedräut, +Verlor den Glanz, und ächzen hört ich ihn. +Ja, dieser Mund, der horchen hieß die Römer +Und in ihr Buch einzeichnen seine Reden, +Ach, rief: "Titinius! gib mir zu trinken!" +Wie'n krankes Mädchen. Götter! ich erstaune, +Wie nur ein Mann so schwächlicher Natur +Der stolzen Welt den Vorsprung abgewann, +Und nahm die Palm allein. + +(Jubelgeschrei. Trompeten.) + +Brutus. +Ein neues Jauchzen! +Ich glaube, dieser Beifall gilt die Ehren, +Die man auf Cäsars Haupt von neuem häuft. + +Cassius. +Ja, er beschreitet, Freund, die enge Welt +Wie ein Colossus, und wir kleinen Leute, +Wir wandeln unter seinen Riesenbeinen, +Und schaun umher nach einem schnöden Grab. +Der Mensch ist manchmal seines Schicksals Meister: +Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, +Durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge. +Brutus und Cäsar--was steckt doch in dem Cäsar, +Daß man den Namen mehr als Euren spräche? +Schreibt sie zusammen: ganz so schön ist Eurer; +Sprecht sie: er steht den Lippen ganz so wohl; +Wägt sie: er ist so schwer; beschwört mit ihnen: +Brutus ruft Geister auf so schnell wie Cäsar. + (Jubelgeschrei.) +Nun denn, im Namen der gesamten Götter, +Mit was für Speise nährt der Cäsar sich, +Daß er so groß ward? Zeit, du bist entehrt. +Rom, du verlorst die Kraft des Heldenstamms. +Welch Alter schwand wohl seit der großen Flut, +Das nicht geglänzt durch mehr als einen Mann? +Wer sagte jemals, wenn er sprach von Rom, +Es faß ihr weiter Kreis nur einen Mann? +Nun ist in Rom fürwahr des Raums genug: +Find't man darin nur einen einzgen Mann. +O, beide hörten wir von unsern Vätern: +"Einst gab es einen Brutus, der so gern +Des alten Teufels Hof als einen König +Geduldet hätt in Rom." + +Brutus. +Daß Ihr mich liebt, bezweifl' ich keineswegs; +Worauf Ihr bei mir dringt, das ahn ich wohl; +Was ich davon gedacht und von den Zeiten, +Erklär ich Euch in Zukunft. Doch für jetzt +Möcht ich, wenn ich Euch freundlich bitten darf, +Nicht mehr getrieben sein. Was ihr gesagt, +Will ich erwägen; was Ihr habt zu sagen, +Mit Ruhe hören und gelegne Zeit, +So hohe Dinge zu besprechen, finden. +Bis dahin, edler Freund, beherzigt dies: +Brutus wär lieber eines Dorfs Bewohner, +Als sich zu zählen zu den Söhnen Roms +In solchem harten Stand, wie diese Zeit +Uns aufzulegen droht. + +Cassius. +Ich bin erfreut, daß meine schwachen Worte +Dem Brutus so viel Funken nur entlockt. + +Cäsar und sein Zug kommen zurück. + +Brutus. +Das Spiel ist aus, und Cäsar kehrt zurück. + +Cassius. +Wenn sie uns nahn, zupft Casca nur am Ärmel, +Er wird nach seiner mürr'schen Art Euch sagen, +Was von Belang sich heut ereignet hat. + +Brutus. +Ich will es tun. Doch seht nur, Cassius, +Auf Cäsars Stirne glüht der zornge Fleck, +Die andern sehn gescholtnen Dienern gleich. +Calpurnias Wang ist blaß, und Cicero +Blickt mit so feurigen und roten Augen, +Wie wir ihn wohl im Kapitol gesehn, +Wenn Senatoren ihn im Rat bestritten. + +Cassius. +Casca wird uns berichten, was es gibt. + +Cäsar. +Antonius! + +Antonius. +Cäsar? + +Cäsar. +Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein, +Mit glatten Köpfen, und die nachts gut schlafen. +Der Cassius dort hat einen hohlen Blick; +Er denkt zuviel: die Leute sind gefährlich. + +Antonius. +O fürchtet den nicht; er ist nicht gefährlich, +Er ist ein edler Mann und wohlgesinnt. + +Cäsar. +Wär er nur fetter!--Zwar ich fürcht ihn nicht; +Doch wäre Furcht nicht meinem Namen fremd, +Ich kenne niemand, den ich eher miede +Als diesen hagern Cassius. Er liest viel; +Er ist ein großer Prüfer und durchschaut +Das Tun der Menschen ganz; er liebt kein Spiel, +Wie du, Antonius, hört nicht Musik; +Er lächelt selten, und auf solche Weise, +Als spott er sein, verachte seinen Geist, +Den irgend was zum Lächeln bringen konnte. +Und solche Männer haben nimmer Ruh, +Solang die jemand größer sehn als sich; +Das ist es, was sie so gefährlich macht. +Ich sag dir eher, was zu fürchten stände, +Als was ich fürchte; ich bin stets doch Cäsar. +Komm mir zur Rechten, denn dies Ohr ist taub, +Und sag mir wahrhaft, was du von ihm denkst. + +(Cäsar und sein Gefolge ab; Casca bleibt zurück.) + +Casca. +Ihr zogt am Mantel mich; wollt Ihr mich sprechen? + +Brutus. +Ja, Casca, sag uns, was sich heut begeben, +Daß Cäsar finster sieht. + +Casca. +Ihr wart ja bei ihm; wart Ihr nicht? + +Brutus. +Dann fragt ich Casca nicht, was sich begeben. + +Casca. +Nun, man bot ihm eine Krone an, und als man sie ihm anbot, schob er +sie mit dem Rücken der Hand zurück: so--; und da erhob das Volk ein +Jauchzen. + +Brutus. +Worüber jauchzten sie zum andern Mal? + +Casca. +Nun, auch darüber. + +Cassius. +Sie jauchzten dreimal ja; warum zuletzt? + +Casca. +Nun, auch darüber. + +Brutus. +Wurd ihm die Krone dreimal angeboten? + +Casca. +Ei, meiner Treu, wurde sie's, und er schob sie dreimal zurück; +jedesmal sachter als das vorige Mal; und bei jedem Zurückschieben +jauchzten meine ehrlichen alten Freunde. + +Cassius. +Wer bot ihm die Krone an? + +Casca. +Je nun, Antonius. + +Brutus. +Sagt uns die Art und Weise, lieber Casca. + +Casca. +Ich kann mich ebensogut hängen lassen, als euch die Art und Weise +erzählen: es waren nichts als Possen, ich gab nicht acht darauf. Ich +sah den Mark Anton ihm eine Krone anbieten--doch eigentlich war's +keine rechte Krone, es war so 'ne Art von Stirnband--und wie ich euch +sagte, er schob sie einmal beiseite; aber bei alledem hätte er sie +nach meinem Bedünken gern gehabt. Dann bot er sie ihm nochmals an, +und dann schob er sie nochmals zurück; aber nach meinem Bedünken kam +es ihm hart an, die Finger wieder davonzutun. Und dann bot er sie ihm +zum dritten Male an; er schob sie zum dritten Male zurück; und +jedesmal, daß er sie ausschlug, kreischte das Gesindel und klatscht in +die rauhen Fäuste und warfen die schweißigen Nachtmützen in die Höhe +und gaben eine solche Last stinkenden Atems von sich, weil Cäsar die +Krone ausschlug, daß Cäsar fast daran erstickt wäre; denn er ward +ohnmächtig und fiel nieder, und ich für mein Teil wagte nicht zu +lachen, aus Furcht, ich möchte den Mund auftun und die böse Luft +einatmen. + +Cassius. +Still doch! ich bitt Euch. Wie? er fiel in Ohnmacht? + +Casca. +Er fiel auf dem Marktplatze nieder, hatte Schaum vor dem Munde und war +sprachlos. + +Brutus. +Das mag wohl sein; er hat die fallende Sucht. + +Cassius. +Nein, Cäsar hat sie nicht. Doch Ihr und ich +Und unsrer wackrer Casca, wir haben sie. + +Casca. +Ich weiß nicht, was Ihr damit meint; aber ich bin gewiß, Cäsar fiel +nieder. Wenn das Lumpenvolk ihn nicht beklatschte und auszischte, je +nachdem er ihnen gefiel oder mißfiel, wie sie es mit den Komödianten +auf dem Theater machen, so bin ich kein ehrlicher Kerl. + +Brutus. +Was sagt' er, als er zu sich selber kam? + +Casca. +Ei nun, eh er hinfiel, als er merkte, daß der gemeine Haufe sich +freute, daß er die Krone ausschlug, so riß er euch sein Wams auf und +bot ihnen seinen Hals zum Abschneiden--triebe ich irgend 'ne +Hantierung, so will ich mit den Schuften zur Hölle fahren, wo ich ihn +nicht beim Wort genommen hätte--und damit fiel er hin. Als er wieder +zu sich selbst kam, sagte er, wenn er irgendwas Unrechtes getan oder +gesagt hätte, so bäte er Ihre Edeln, es seinem Übel beizumessen. Drei +oder vier Weibsbilder, die bei mir standen, riefen--"Ach, die gute +Seele!" und vergaben ihm von ganzem Herzen. Doch das gilt freilich +nicht viel; wenn er ihre Mütter totgeschlagen hätte, sie hätten's +ebensogut getan. + +Brutus. +Und darauf ging er so verdrießlich weg? + +Casca. +Ja. + +Cassius. +Hat Cicero etwas gesagt? + +Casca. +Ja, er sprach griechisch. + +Cassius. +Was wollt er denn? + +Casca. +Ja, wenn ich Euch das sage, so will ich Euch niemals wieder vor die +Augen kommen. Aber die ihn verstanden, lächelten einander zu und +schüttelten die Köpfe. Doch was mich anlangt, mir war es griechisch. +Ich kann Euch noch mehr Neues erzählen: dem Marullus und Flavius ist +das Maul gestopft, weil sie Binden von Cäsars Bildsäulen gerissen +haben. Lebt wohl. Es gab noch mehr Possen, wenn ich mich nur darauf +besinnen könnte. + +Cassius. +Wollt Ihr heute abend bei mir speisen, Casca? + +Casca. +Nein, ich bin schon versagt. + +Cassius. +Wollt Ihr morgen bei mir zu Mittag speisen? + +Casca. +Ja, wenn ich lebe und Ihr bei Eurem Sinne bleibt und Eure Mahlzeit das +Essen verlohnt. + +Cassius. +Gut, ich erwart Euch. + +Casca. +Tut das; lebt beide wohl! (Ab.) + +Brutus. +Was für ein plumper Bursch ist dies geworden? +Er war voll Feuer als mein Schulgenoß. + +Cassius. +Das ist er jetzt noch bei der Ausführung +Von jedem kühnen, edlen Unternehmen, +Stellt er sich schon so unbeholfen an. +Dies rauhe Wesen dient gesundem Witz +Bei ihm zur Brüh; es stärkt der Leute Magen, +Eßlustig seine Reden zu verdaun. + +Brutus. +So ist es auch. Für jetzt verlaß ich Euch, +Und morgen, wenn Ihr wünscht mit mir zu sprechen, +Komm ich zu Euch ins Haus; doch wenn Ihr wollt, +So kommt zu mir, und ich will Euch erwarten. + +Cassius. +Das will ich; bis dahin gedenkt der Welt. + (Brutus ab.) +Gut, Brutus, du bist edel; doch ich sehe, +Dein löbliches Gemüt kann seiner Art +Entwendet werden. Darum ziemt es sich, +Daß Edle sich zu Edlen immer halten. +Wer ist so fest, den nichts verführen kann? +Cäsar ist feind mir, und er liebt den Brutus, +Doch wär ich Brutus nun, er Cassius, +Er sollte mich nicht lenken. Diese Nacht +Werf ich ihm Zettel von verschiednen Händen, +Als ob sie von verschiednen Bürgern kämen, +Durchs Fenster, alle voll der großen Meinung, +Die Rom von seinem Namen hegt, wo dunkel +Auf Cäsars Ehrsucht soll gedeutet sein. +Dann denke Cäsar seines nahen Falles; +Wir stürzen bald ihn, oder dulden alles. (Ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Straße. Ungewitter + +Casca, mit gezognem Schwert, und Cicero kommen von verschiednen Seiten + +Cicero. +Guten Abend, Casca! Kommt Ihr her von Cäsar? +Warum so atemlos und so verstört? + +Casca. +Bewegt's Euch nicht, wenn dieses Erdballs Feste +Wankt wie ein schwaches Rohr? O Cicero! +Ich sah wohl Stürme, wo der Winde Schelten +Den knotgen Stamm gespaltet, und ich sah +Das stolze Meer anschwellen, wüten, schäumen, +Als wollt es an die drohnden Wolken reichen; +Doch nie bis heute nacht, noch nie bis jetzt +Ging ich durch einen Feuerregen hin. +Entweder ist im Himmel innrer Krieg, +Wo nicht, so reizt die Welt durch Übermut +Die Götter, uns Zerstörung herzusenden. + +Cicero. +Ja, saht Ihr jemals wundervollre Dinge? + +Casca. +Ein Sklave, den Ihr wohl von Ansehn kennt, +Hob seine linke Hand empor; sie flammte +Wie zwanzig Fackeln auf einmal, und doch, +Die Glut nicht fühlend, blieb sie unversengt. +Auch kam (seitdem steckt ich mein Schwert nicht ein) +Beim Kapitol ein Löwe mir entgegen; +Er gaffte stark mich an, ging mürrisch weiter +Und tat mir nichts. Auf einen Haufen hatten +Wohl hundert bleiche Weiber sich gedrängt, +Entstellt von Furcht; die schwuren, daß sie Männer +Mit feurgen Leibern wandern auf und ab +Die Straßen sahn. Und gestern saß der Vogel +Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte +Und kreischt' und schrie. Wenn dieser Wunderzeichen +So viel zusammentreffen, sage niemand: +"Dies ist der Grund davon, sie sind natürlich"; +Denn Dinge schlimmer Deutung, glaub ich, sind's +Dem Himmelstrich, auf welchen sie sich richten. + +Cicero. +Gewiß, die Zeit ist wunderbar gelaunt; +Doch Menschen deuten oft nach ihrer Weise +Die Dinge, weit entfernt vom wahren Sinn. +Kommt Cäsar morgen auf das Kapitol? + +Casca. +Ja, denn er trug es dem Antonius auf, +Euch kund zu tun, er werde morgen kommen. + +Cicero. +Schlaft wohl denn, Casca! Dieser Aufruhr läßt +Nicht draußen weilen. + +Casca. +Cicero, lebt wohl! (Cicero ab.) + +Cassius tritt auf. + +Cassius. +Wer da? + +Casca. +Ein Römer. + +Cassius. +Casca, nach der Stimme. + +Casca. +Eur Ohr ist gut. Cassius, welch eine Nacht? + +Cassius. +Die angenehmste Nacht für wackre Männer. + +Casca. +Wer sah den Himmel je so zornig drohn? + +Cassius. +Die, welche so voll Schuld die Erde sahn. +Ich, für mein Teil, bin durch die Stadt gewandert, +Mich unterwerfend dieser grausen Nacht, +Und so entgürtet, Casca, wie Ihr seht, +Hab ich die Brust dem Donnerkeil entblößt. +Und wenn des Blitzes schlängelnd Blau zu öffnen +Des Himmels Busen schien, bot ich mich selbst +Dem Strahl des Wetters recht zum Ziele dar. + +Casca. +Warum versucht Ihr den Himmel so? +Es steht dem Menschen Furcht und Zittern an, +Wenn die gewaltgen Götter solche Boten +Furchtbarer Warnung, uns zu schrecken, senden. + +Cassius. +O Casca! Ihr seid stumpf; der Lebensfunke, +Der glühen sollt in Römern, fehlt Euch, oder +Ihr braucht ihn nicht. Ihr sehet bleich und starrt, +Von Furcht ergriffen und versenkt in Staunen, +Des Himmels ungewohnten Grimm zu schauen. +Doch wolltet Ihr den wahren Grund erwägen, +Warum die Feur, die irren Geister alle, +Was Tier' und Vögel macht vom Stamm entarten +Und Greise faseln, Kinder prophezein; +Warum all diese Dinge ihr Gesetz, +Natur und angeschaffne Gaben wandeln +In Mißbeschaffenheit: nun so erkennt Ihr, +Der Himmel hauchte diesen Geist in sie, +Daß sie der Furcht und Warnung Werkzeug würden +Für irgendeinen mißbeschaffnen Zustand. +Nun könnt ich, Casca, einen Mann dir nennen, +Ganz ähnlich dieser schreckenvollen Nacht, +Der donnert, blitzt, die Gräber öffnet, brüllt, +So wie der Löwe dort im Kapitol; +Ein Mann, nicht mächtiger als ich und du +An Leibeskraft, doch drohend angewachsen, +Und furchtbar, wie der Ausbruch dieser Gärung. + +Casca. +'s ist Cäsar, den Ihr meint. Nicht, Cassius? + +Cassius. +Es sei auch, wer es sei: die Römer haben +Jetzt Mark und Bein, wie ihre Ahnen hatten. +Doch weh uns! unsrer Väter Geist ist tot, +Und das Gemüt der Mütter lenket uns, +Denn unser Joch und Dulden zeigt uns weibisch. + +Casca. +Ja freilich heißt's, gewillt sei der Senat, +Zum König morgen Cäsarn einzusetzen; +Er soll zur See, zu Land die Krone tragen +An jedem Ort, nur in Italien nicht. + +Cassius. +Ich weiß, wohin ich diesen Dolch dann kehre; +Den Cassius soll von Knechtschaft Cassius lösen. +Darin, ihr Götter, macht ihr Schwache stark, +Darin, ihr Götter, bändigt ihr Tyrannen; +Noch felsenfeste Burg, noch ehrne Mauern, +Noch dumpfe Keller, noch der Ketten Last +Sind Hindernisse für des Geistes Stärke. +Das Leben, dieser Erdenschranken satt, +Hat stets die Macht, sich selber zu entlassen. +Und weiß ich dies, so wiß auch alle Welt: +Den Teil der Tyrannei, der auf mit liegt, +Werf ich nach Willkür ab. + +Casca. +Das kann auch ich. +So trägt ein jeder Sklav in eigner Hand +Gewalt, zu brechen die Gefangenschaft. + +Cassius. +Warum denn wäre Cäsar ein Tyrann? +Der arme Mann! Ich weiß, er wär kein Wolf, +Wenn er nicht säh, die Römer sind nur Schafe; +Er wär kein Leu, wenn sie nicht Rehe wären. +Wer eilig will ein mächtig Feuer machen, +Nimmt schwaches Stroh zuerst; was für Gestrüpp +Ist Rom, und was für Plunder, wenn es dient +Zum schlechten Stoff, der einem schnöden Dinge +Wie Cäsar Licht verleiht? Doch, o mein Gram! +Wo führtest du mich hin? Ich spreche dies +Vielleicht vor einem willgen Knecht; dann weiß ich, +Daß ich muß Rede stehn; doch führ ich Waffen, +Und mich bekümmern die Gefahren nicht. + +Casca. +Ihr sprecht mit Casca, einem Mann, der nie +Ein Ohrenbläser war. Hier, meine Hand! +Werbt nur Partei zur Abstellung der Übel, +Und dieser Fuß soll Schritt mit jedem halten, +Der noch soweit geht. + +Cassius. +Ein geschloßner Handel! +Nun, Casca, wißt: ich habe manche schon +Der Edelmütigsten von Rom beredet, +Mit mir ein Unternehmen zu bestehn +Von ehrenvoll-gefährlichem Erfolg. +Ich weiß, sie warten in Pompejus' Halle +Jetzt eben mein; denn in der furchtbarn Nacht +Kann niemand unter freiem Himmel dauern. +Des Elementes Antlitz und Gestalt +Ist wie das Werk beschaffen, das wir treiben: +Höchst blutig, feurig und höchst fürchterlich. + +Cinna tritt auf. + +Casca. +Seid still ein Weilchen, jemand kommt in Eil. + +Cassius. +Ich hör am Gange, daß es Cinna ist; +Er ist ein Freund.--Cinna, wohin so eilig? + +Cinna. +Euch sucht ich. Wer ist das? Metellus Cimber? + +Cassius. +Nein, es ist Casca, ein Verbündeter +Zu unsrer Tat. Werd ich erwartet, Cinna? + +Cinna. +Das ist mir lieb. Welch eine grause Nacht! +Ein paar von uns sahn seltsame Gesichte. + +Cassius. +Werd ich erwartet, sagt mir? + +Cinna. +Ja, +Ihr werdet es. O Cassius! könntet Ihr +In unsern Bund den edlen Brutus ziehn-- + +Cassius. +Seid ruhig! Guter Cinna, diesen Zettel, +Seht, wie Ihr in des Prätors Stuhl ihn legt, +Daß Brutus nur ihn finde; diesen werft +Ihm in das Fenster; diesen klebt mit Wachs +Ans Bild des alten Brutus. Dies getan, +Kommt zu Pompejus' Hall und trefft uns dort. +Ist Decius Brutus und Trebonius da? + +Cinna. +Ja, alle, bis auf Cimber, und der sucht +In Eurem Haus Euch auf. Gut, ich will eilen +Die Zettel anzubringen, wie Ihr wünscht. + +Cassius. +Dann stellt Euch ein bei des Pompejus' Bühne. + (Cinna ab.) +Kommt, Casca, laßt uns beide noch vor Tag +In seinem Hause Brutus sehn. Drei Viertel +Von ihm sind unser schon; der ganze Mann +Ergibt sich bei dem nächsten Angriff uns. + +Casca. +O, er sitzt hoch in alles Volkes Herzen, +Und was in uns als Frevel nur erschiene, +Sein Ansehn wird es, wie der Stein der Weisen, +In Tugend wandeln und in Würdigkeit. + +Cassius. +Ihn, seinen Wert, wie sehr wir ihn bedürfen, +Gabt Ihr recht wohl getroffen. Laßt uns gehn, +Es ist nach Mitternacht; wir wollen ihn +Vor Tage wecken und uns sein versichern. (Ab.) + + + + +Zweiter Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Der Garten des Brutus + +Brutus tritt auf + +Brutus. +He, Lucius! auf!-- +Ich kann nicht aus der Höh der Sterne raten, +Wie nah der Tag ist.--Lucius, hörst du nicht?-- +Ich wollt, es wär mein Fehler, so zu schlafen.-- +Nun, Lucius, nun! Ich sag: erwach! Auf, Lucius! + +Lucius kommt. + +Lucius. +Herr, riefet Ihr? + +Brutus. +Bring eine Kerze mir ins Lesezimmer, +Und wenn sie brennt, so komm und ruf mich hier. + +Lucius. +Ich will es tun, Herr. (Ab.) + +Brutus. +Es muß durch seinen Tod geschehn. Ich habe +Für mein Teil keinen Grund, ihn wegzustoßen, +Als fürs gemeine Wohl. Er wünscht, gekrönt zu sein; +Wie seinen Sinn das ändern möchte, fragt sich. +Der warme Tag ist's, der die Natter zeugt; +Das heischt mit Vorsicht gehn. Ihn krönen?--Ja-- +Und dann ist's wahr, wir leihn ihm einen Stachel, +Womit er kann nach Willkür Schaden tun. +Der Größe Mißbrauch ist, wenn von der Macht +Sie das Gewissen trennt; und, um von Cäsarn +Die Wahrheit zu gestehn, ich sah noch nie, +Daß ihn die Leidenschaften mehr beherrscht +Als die Vernunft. Doch oft bestätigt sich's, +Die Demut ist der jungen Ehrfurcht Leiter; +Wer sie hinanklimmt, kehrt den Blick ihr zu; +Doch hat er erst die höchste Spross' erreicht, +Dann kehret er der Leiter seinen Rücken, +Schaut himmelan, verschmäht die niedern Tritte, +Die ihn hinaufgebracht. Das kann auch Cäsar: +Drum, eh er kann, beugt vor. Und weil der Streit +Nicht Schein gewinnt durch das, was Cäsar ist, +Legt so ihn aus: das, was er ist, vergrößert, +Kann dies und jenes Übermaß erreichen. +Drum achtet ihn gleich einem Schlangenei, +Das, ausgebrütet, giftig würde werden +Wie sein Geschlecht, und würgt ihn in der Schale. + +Lucius kommt zurück. + +Lucius. +Die Kerze brennt in Eurem Zimmer, Herr. +Als ich nach Feuerstein im Fenster suchte, +Fand ich dies Blatt, versiegelt; und ich weiß, +Es war nicht da, als ich zu Bette ging. + +Brutus. +Geh wieder in dein Bett; es ist noch Nacht. +Ist morgen nicht des Märzen Idus, Knabe? + +Lucius. +Ich weiß nicht, Herr. + +Brutus. +Such im Kalender denn, und sag es mir. + +Lucius. +Das will ich, Herr. (Ab.) + +Brutus. +Die Ausdünstungen, schwirrend in der Luft, +Gewähren Licht genug, dabei zu lesen. + (Er öffnet den Brief und liest.) +"Brutus, du schläfst. Erwach und sieh dich selbst! +Soll Rom?--Sprich, schlage, stelle her! +Brutus, du schläfst. Erwache!--" +Oft hat man schon dergleichen Aufgebote +Mir in den Weg gestreut. +"Soll Rom?"--So muß ich es ergänzen: +"Soll Rom vor einem Manne beben?" Wie? +Mein Ahnherr trieb einst von den Straßen Roms +Tarquin hinweg, als er ein König hieß. +"Sprich, schlage, stelle her!" Werd ich zu sprechen, +Zu schlagen angemahnt? O Rom, ich schwöre, +Wenn nur die Herstellung erfolgt, empfängst du +Dein ganz Begehren von der Hand des Brutus! + +Lucius kommt zurück. + +Lucius. +Herr, vierzehn Tage sind vom März verstrichen. + +(Man klopft draußen.) + +Brutus. +'s ist gut. Geh an die Pforte; jemand klopft. (Lucius ab.) +Seit Cassius mich spornte gegen Cäsar, +Schlief ich nicht mehr. +Bis zur Vollführung einer furchtbarn Tat, +Vom ersten Antrieb, ist die Zwischenzeit +Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum. +Der Genius und die sterblichen Organe +Sind dann im Rat vereint; und die Verfassung +Des Menschen, wie ein kleines Königreich, +Erleidet dann den Zustand der Empörung. + +Lucius kommt zurück. + +Lucius. +Herr, Euer Bruder Cassius wartet draußen; +Er wünschet Euch zu sehn. + +Brutus. +Ist er allein? + +Lucius. +Nein, es sind mehr noch bei ihm. + +Brutus. +Kennst du sie? + +Lucius. +Nein, Herr, sie tragen eingedrückt die Hüte +Und das Gesicht im Mantel halb begraben, +Daß ich durchaus sie nicht erkennen kann +An irgendeinem Zuge. + +Brutus. +Laß sie sein. (Lucius ab.) +Es sind die Bundesbrüder. O Verschwörung! +Du schämst dich, die verdächtge Stirn bei Nacht +Zu zeigen, wann das Bös' am freisten ist? +O denn, bei Tag, wo willst du eine Höhle +Entdecken, dunkel gnug es zu verlarven, +Dein schnödes Antlitz?--Verschwörung, suche keine! +In Lächeln hüll es und in Freundlichkeit! +Denn trätst du auf in angeborner Bildung, +So wär der Erebus nicht finster gnug, +Vor Argwohn dich zu schützen. + +Cassius, Casca, Decius, Metellus Cimber und Trebonius treten auf. + +Cassius. +Sind wir gelegen? Guten Morgen, Brutus! +Ich fürchte, daß wie Eure Ruhe stören. + +Brutus. +Längst war ich auf und wach die ganze Nacht. +Kenn ich die Männer, welche mit Euch kommen? + +Cassius. +Ja, jeden aus der Zahl; und keiner hier, +Der Euch nicht hoch hält, und ein jeder wünscht, +Ihr hättet nur die Meinung von Euch selbst, +Die jeder edle Römer von Euch hegt. +Dies ist Trebonius. + +Brutus. +Er ist willkommen. + +Cassius. +Dies Decius Brutus. + +Brutus. +Er ist auch willkommen. + +Cassius. +Dies Casca, dies Cinna, und dies Metellus Cimber. + +Brutus. +Willkommen alle! +Was stellen sich für wache Sorgen zwischen +Die Nacht und eure Augen? + +Cassius. +Auf ein Wort, +Wenn's Euch beliebt. (Sie reden leise miteinander.) + +Decius. +Hier liegt der Ost: bricht da der Tag nicht an? + +Casca. +Nein. + +Cinna. +Doch, um Verzeihung! und die grauen Streifen, +Die das Gewölk durchziehn, sind Tagesboten. + +Casca. +Ihr sollt gestehn, daß ihr euch beide trügt. +Die Sonn erscheint hier, wo mein Degen hinweist; +Das ist ein gut Teil weiter hin nach Süden, +Wenn ihr die junge Jahreszeit erwägt. +Zwei Monde noch, und höher gegen Norden +Steigt ihre Flamm empor, und grade hier +Steht hinterm Kapitol der hohe Ost. + +Brutus. +Gebt eure Hand mir, einer nach dem andern. + +Cassius. +Und lasset uns beschwören den Entschluß. + +Brutus. +Nein, keinen Eid! Wenn nicht der Menschen Antlitz, +Das innre Seelenleid, der Zeit Verfall-- +Sind diese Gründe schwach, so brecht nur auf, +Und jeder fort zu seinem trägen Bett! +Laßt frechgesinnte Tyrannei dann schalten, +Bis jeder nach dem Lose fällt. Doch tragen +Sie Feuer gnug in sich, wie offenbar, +Um Feige zu entflammen und mit Mut +Des Weibes schmelzendes Gemüt zu stählen: +O dann, Mitbürger! welchen andern Sporn +Als unsre Sache braucht es, uns zu stacheln +Zur Herstellung? Was für Gewähr, als diese: +Verschwiegne Römer, die das Wort gesprochen, +Und nicht zurückziehn? Welchen andern Eid, +Als Redlichkeit mit Redlichkeit im Bund, +Daß dies gescheh, wo nicht, dafür zu sterben? +Laßt Priester, Memmen, listge Männer schwören, +Verdorrte Greis und solche Jammerseelen, +Die für das Unrecht danken; schwören laßt +Bei bösen Händeln Volk, dem man nicht traut. +Entehrt nicht so den Gleichmut unsrer Handlung +Und unsern unbezwinglich festen Sinn, +Zu denken, unsre Sache, unsre Tat +Brauch einen Eid; da jeder Tropfe Bluts, +Der edel fließt in jedes Römers Adern, +Sich seines echten Stamms verlustig macht, +Wenn er das kleinste Teilchen nur verletzt +Von irgendeinem Worte, das er gab. + +Cassius. +Doch wie mit Cicero? Forscht man ihn aus? +Ich denk, er wird sehr eifrig für uns sein. + +Casca. +Laßt uns ihn nicht vorübergehn. + +Cinna. +Nein, ja nicht. + +Metellus. +Gewinnt ihn ja für uns. Sein Silberhaar +Wird eine gute Meinung uns erkaufen +Und Stimmen werben, unser Werk zu preisen. +Sein Urteil habe unsre Hand gelenkt: +So wird es heißen; unsre Hastigkeit +Und Jugend wird im mindsten nicht erscheinen, +Von seinem würdgen Ansehn ganz bedeckt. + +Brutus. +O nennt ihn nicht! Laßt uns ihm nichts eröffnen, +Denn niemals tritt er einer Sache bei, +Wenn andre sie erdacht. + +Cassius. +So laßt ihn weg. + +Casca. +'s ist wahr; er paßt auch nicht. + +Decius. +Wird niemand sonst, als Cäsar, angetastet? + +Cassius. +Ja, gut bedacht! Mich dünkt, daß Mark Anton, +Der so beliebt beim Cäsar ist, den Cäsar +Nicht überleben darf. Er wird sich uns +Gewandt in Ränken zeigen, und ihr wißt, +Daß seine Macht, wenn er sie nutzt, wohl hinreicht, +Uns allen Not zu schaffen. Dem zu wehren, +Fall Cäsar und Antonius zugleich. + +Brutus. +Zu blutge Weise, Cajus Cassius, wär's, +Das Haupt abschlagen und zerhaun die Glieder, +Wie Grimm beim Tod und Tücke hinterher. +Antonius ist ja nur ein Glied des Cäsar. +Laßt Opferer uns sein, nicht Schlächter, Cajus. +Wir alle stehen gegen Cäsars Geist, +Und in dem Geist des Menschen ist kein Blut. +O könnten wir doch Cäsars Geist erreichen +Und Cäsarn nicht zerstücken! Aber ach! +Cäsar muß für ihn bluten. Edle Freunde, +Laßt kühnlich uns ihn töten, doch nicht zornig; +Zerlegen laßt uns ihn, ein Mahl für Götter, +Nicht ihn zerhauen wie ein Aas für Hunde. +Laßt unsre Herzen, schlauen Herren gleich, +Zu rascher Tat aufwiegeln ihre Diener. +Und dann zum Scheine schmälen. Dadurch wird +Notwendig unser Werk und nicht gehässig; +Und wenn es so dem Aug des Volks erscheint, +Wird man uns Reiniger, nicht Mörder nennen. +Was Mark Anton betrifft, denkt nicht an ihn, +Denn er vermag nicht mehr als Cäsars Arm, +Wenn Cäsars Haupt erst fiel. + +Cassius. +Doch fürcht ich ihn, +Denn seine Liebe hängt so fest am Cäsar. + +Brutus. +Ach, guter Cassius, denket nicht an ihn! +Liebt er den Cäsar, so vermag er nichts +Als gegen sich; sich härmen, für ihn sterben. +Und das wär viel von ihm, weil er der Lust, +Der Wüstheit, den Gelagen sich ergibt. + +Trebonius. +Es ist kein Arg in ihm; er sterbe nicht. +Denn er wird leben und dies einst belachen. + +(Die Glocke schlägt.) + +Brutus. +Still! zählt die Glocke. + +Cassius. +Sie hat drei geschlagen. + +Trebonius. +Es ist zum Scheiden Zeit. + +Cassius. +Doch zweifl' ich noch, +Ob Cäsar heute wird erscheinen wollen; +Denn kürzlich ist er abergläubisch worden, +Ganz dem entgegen, wie er sonst gedacht +Von Träumen, Einbildung und heilgen Bräuchen. +Vielleicht, daß diese großen Wunderdinge, +Das ungewohnte Schrecken dieser Nacht +Und seiner Augurn Überredung ihn +Entfernt vom Kapitol für heute hält. + +Decius. +Das fürchtet nimmer; wenn er das beschloß, +So übermeistr' ich ihn. Er hört es gern, +Das Einhorn lasse sich mit Bäumen fangen, +Der Löw im Netz, der Elefant in Gruben, +Der Bär mit Spiegeln und der Mensch durch Schmeichler; +Doch sag ich ihm, daß er die Schmeichler haßt, +Bejaht er es, am meisten dann geschmeichelt. +Laßt mich gewähren; +Denn ich verstehe sein Gemüt zu lenken, +Und will ihn bringen auf das Kapitol. + +Cassius. +Ja, laßt uns alle gehn, um ihn zu holen. + +Brutus. +Zur achten Stund aufs späteste, nicht wahr? + +Cinna. +Das sei das Spätste, und dann bleibt nicht aus. + +Metellus. +Cajus Ligarius ist dem Cäsar feind, +Der's ihm verwies, daß er Pompejus lobte; +Es wundert mich, daß niemand sein gedacht. + +Brutus. +Wohl, guter Cimber, geht nur vor bei ihm; +Er liebt mich herzlich, und ich gab ihm Grund; +Schickt ihn hieher, so will ich schon ihn stimmen. + +Cassius. +Der Morgen übereilt uns: laßt uns gehn. +Zerstreut euch, Freunde; doch bedenket alle, +Was ihr gesagt, und zeigt euch echte Römer. + +Brutus. +Seht, werte Männer, frisch und fröhlich aus; +Tragt euren Vorsatz nicht auf eurer Stirn. +Nein, führt's hindurch, wie Helden unsrer Bühne, +mit munterm Geist und würdger Festigkeit. +Und somit insgesamt euch guten Morgen! + (Alle ab, außer Brutus.) +He, Lucius!--Fest im Schlaf? Es schadet nichts. +Genieß den honigschweren Tau des Schlummers. +Du siehst Gestalten nicht, noch Phantasien, +Womit geschäftge Sorg ein Hirn erfüllt; +Drum schläfst du so gesund. + +Portia tritt auf. + +Portia. +Mein Gatte! Brutus! + +Brutus. +Was wollt Ihr, Portia? warum steht Ihr auf? +Es dient Euch nicht, die zärtliche Natur +Dem rauhen kalten Morgen zu vertraun. + +Portia. +Euch gleichfalls nicht. Unfreundlich stahlt Ihr, Brutus, +Von meinem Bett Euch; und beim Nachtmahl gestern +Erhobt Ihr plötzlich Euch und gingt umher, +Sinnend und seufzend mit verschränkten Armen. +Und wenn ich Euch befragte, was es sei, +So starrtet Ihr mich an mit finstern Blicken. +Ich drang in Euch, da riebt Ihr Euch die Stirn +Und stampftet ungeduldig mit dem Fuß; +Doch hielt ich an, doch gabt Ihr keine Rede +Und winktet mit der Hand unwillig weg, +Damit ich Euch verließ. Ich tat es auch, +Besorgt, die Ungeduld noch zu verstärken, +Die schon zu sehr entflammt schien, und zugleich +Mir schmeichelnd, nur von Laune rühr es her, +Die ihre Stunden hat bei jedem Mann. +Nicht essen, reden, schlafen läßt es Euch; +Und könnt es Eure Bildung so entstellen, +Als es sich Eurer Fassung hat bemeistert, +So kennt ich Euch nicht mehr. Mein teurer Gatte, +Teilt mir die Ursach Eures Kummers mit. + +Brutus. +Ich bin nicht recht gesund, und das ist alles. + +Portia. +Brutus ist weise; wär er nicht gesund, +Er nähm die Mittel wahr, um es zu werden. + +Brutus. +Das tu ich, gute Portia; geh zu Bett. + +Portia. +Ist Brutus krank? und ist es heilsam, so +Entblößt umherzugehn und einzusaugen +Den Dunst des Morgens? Wie, ist Brutus krank, +Und schleicht er vom gesunden Bett sich weg, +Der schnöden Ansteckung der Nacht zu trotzen? +Und reizet er die böse Fieberluft, +Sein Übel noch zu mehren?--Nein, mein Brutus, +Ihr tragt ein krankes Übel im Gemüt, +Wovon, nach meiner Stelle Recht und Würde, +Ich wissen sollte; und auf meinen Knien +Fleh ich bei meiner einst gepriesnen Schönheit, +Bei allen Euren Liebesschwüren, ja, +Bei jenem großen Schwur, durch welchen wir +Einander einverleibt und eins nur sind: +Enthüllt mir, Eurer Hälfte, Eurem Selbst, +Was Euch bekümmert, was zu Nacht für Männer +Euch zugesprochen; denn es waren hier +Sechs oder sieben, die ihr Antlitz selbst +Der Finsternis verbargen. + +Brutus. +O kniet nicht, liebe Portia. + +Portia. +Ich braucht es nicht, wärt Ihr mein lieber Brutus. +Ist's im Vertrag der Ehe, sagt mir, Brutus, +Bedungen, kein Geheimnis sollt ich wissen, +Das Euch gehört? Und bin ich Euer Selbst +Nur gleichsam, mit gewissen Einschränkungen? +Beim Mahl um Euch zu sein, Eur Bett zu teilen, +Auch wohl mit Euch zu sprechen? Wohn ich denn +Nur in der Vorstadt Eurer Zuneigung? +Ist es nur das, so ist ja Portia +Des Brutus Buhle nur und nicht sein Weib. + +Brutus. +Ihr seid mein echtes, ehrenwertes Weib, +So teuer mir als wie die Purpurtropfen, +Die um mein trauernd Herz sich drängen. + +Portia. +Wenn dem so wär, so wüßt ich dies Geheimnis. +Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch +Ein Weib, das Brutus zur Gemahlin nahm. +Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch +Ein Weib von gutem Rufe, Catos Tochter. +Denkt Ihr, ich sei so schwach wie mein Geschlecht, +Aus solchem Stamm erzeugt und so vermählt? +Sagt das Geheimnis mir: ich will's bewahren, +Ich habe meine Stärke hart erprüft, +Freiwillig eine Wunde mir versetzend +Am Schenkel hier; ertrüg ich das geduldig +Und ein Geheimnis meines Gatten nicht? + +Brutus. +Ihr Götter, macht mich wert des edlen Weibes! + (Man klopft draußen.) +Horch! horch! man klopft; geh eine Weil hinein, +Und unverzüglich soll dein Busen teilen, +Was noch mein Herz verschließt. +Mein ganzes Bündnis will ich dir enthüllen +Und meiner finstern Stirne Zeichenschrift. +Verlaß mich schnell. (Portia ab.) + +Lucius und Ligarius kommen. + +Brutus. +Wer klopft denn, Lucius? + +Lucius. +Hier ist ein Kranker, der Euch sprechen will. + +Brutus. +Ligarius ist's, von dem Metellus sprach. +Du, tritt beiseit.--Cajus Ligarius, wie? + +Ligarius. +Nehmt einen Morgengruß von matter Zunge. + +Brutus. +O welche Zeit erwählt Ihr, wackrer Cajus, +Ein Tuch zu tragen! Wärt Ihr doch nicht krank! + +Ligarius. +Ich bin nicht krank, hat irgendeine Tat, +Des Namens Ehre würdig, Brutus vor. + +Brutus. +Solch eine Tat, Ligarius, hab ich vor, +Wär Euer Ohr gesund, davon zu hören. + +Ligarius. +Bei jedem Gott, vor dem sich Römer beugen, +Hier sag ich ab der Krankheit. Seele Roms! +Du wackrer Sohn, aus edlem Blut entsprossen! +Wie ein Beschwörer riefst du auf in mir +Den abgestorbnen Geist. Nun heiß mich laufen, +So will ich an Unmögliches mich wagen, +Ja Herr darüber werden. Was zu tun? + +Brutus. +Ein Wagestück, das Kranke heilen wird. + +Ligarius. +Doch gibt's nicht auch Gesunde krank zu machen? + +Brutus. +Die gibt es freilich. Was es ist, mein Cajus, +Eröffn ich dir auf unserm Weg zu ihm, +An dem es muß geschehn. + +Ligarius. +Macht Euch nur auf +Mit neu entflammtem Herzen folg ich Euch, +Zu tun, was ich nicht weiß. Doch es genügt, +Daß Brutus mir vorangeht. + +Brutus. +Folgt mir denn. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Ein Zimmer in Cäsars Palaste + +Donner und Blitz. Cäsar im Nachtkleide + +Cäsar. +Zu Nacht hat Erd und Himmel Krieg geführt. +Calpurnia rief im Schlafe dreimal laut: +"O helft! Sie morden Cäsarn!" Niemand da? + +Ein Diener kommt. + +Diener. +Herr? + +Cäsar. +Geh, heiß die Priester gleich zum Opfer schreiten, +Und bring mir ihre Meinung vom Erfolg. + +Diener. Es soll geschehn. (Ab.) + +Calpurnia (tritt auf). +Was meint Ihr, Cäsar? Denkt Ihr auszugehn? +Ihr müßt heut keinen Schritt vom Hause weichen. + +Cäsar. +Cäsar geht aus. Mir haben stets Gefahren +Im Rücken nur gedroht; wenn sie die Stirn +Des Cäsar werden sehn, sind sie verschwunden. + +Calpurnia. +Cäsar, ich hielt auf Wunderzeichen nie, +Doch schrecken sie mich nun. Im Haus ist jemand, +Der außer dem, was wir gesehn, gehört, +Von Greueln meldet, so die Wach erblickt'. +Es warf auf offner Gasse eine Löwin, +Und Grüft erlösten gähnend ihre Toten. +Wildglühnde Krieger fochten auf den Wolken, +In Reihn, Geschwadern und nach Kriegsgebrauch, +Wovon es Blut gesprüht aufs Kapitol. +Das Schlachtgetöse klirrte in der Luft; +Da wiehern Rosse, Männer röcheln sterbend, +Und Geister wimmerten die Straßen durch. +O Cäsar! unerhört sind diese Dinge; +Ich fürchte sie. + +Cäsar. +Was kann vermieden werden, +Das sich zum Ziel die mächtgen Götter setzten? +Ich gehe dennoch aus, denn diese Zeichen, +So gut wie Cäsarn, gelten sie der Welt. + +Calpurnia. +Kometen sieht man nicht, wenn Bettler sterben; +Der Himmel selbst flammt Fürstentod herab. + +Cäsar. +Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt, +Die Tapfern kosten einmal nur den Tod. +Von allen Wundern, die ich je gehört, +Scheint mir das größte, daß sich Menschen fürchten, +Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller, +Kommt, wann er kommen soll. + Der Diener kommt zurück. +Was dünkt den Augurn? + +Diener. +Sie raten Euch, für heut nicht auszugehn. +Da sie dem Opfertier das Eingeweide +Ausnahmen, fanden sie kein Herz darin. + +Cäsar. +Die Götter tun der Feigheit dies zur Schmach. +Ein Tier ja wäre Cäsar ohne Herz, +Wenn er aus Furcht sich heut zu Hause hielte. +Das wird er nicht; gar wohl weiß die Gefahr, +Cäsar sei noch gefährlicher als sie. +Wir sind zwei Leun, an einem Tag geworfen, +Und ich der ältre und der schrecklichste; +Und Cäsar wird doch ausgehn. + +Calpurnia. +Ach, mein Gatte! +In Zuversicht geht Eure Weisheit unter. +Geht heute doch nicht aus; nennt's meine Furcht, +Die Euch zu Hause hält, nicht Eure eigne. +Wir senden Mark Anton in den Senat, +Zu sagen, daß Ihr unpaß heute seid. +Laßt mich auf meinen Knien dies erbitten. + +Cäsar. +Ja, Mark Anton soll sagen, ich sei unpaß, +Und dir zulieb will ich zu Hause bleiben. + Decius tritt auf. +Sieh, Decius Brutus kommt; der soll's bestellen. + +Decius. +Heil, Cäsar! Guten Morgen, würdger Cäsar! +Ich komm Euch abzuholen zum Senat. + +Cäsar. +Und seid gekommen zur gelegnen Zeit, +Den Senatoren meinen Gruß zu bringen. +Sagt ihnen, daß ich heut nicht kommen will; +Nicht kann, ist falsch; daß ich's nicht wage, falscher; +Ich will nicht kommen heut, sagt ihnen das. + +Calpurnia. +Sagt, er sei krank. + +Cäsar. +Hilft Cäsar sich mit Lügen? +Streckt ich so weit erobernd meinen Arm, +Graubärten scheu die Wahrheit zu verkleiden? +Geht, Decius! sagt nur: Cäsar will nicht kommen. + +Decius. +Laßt einen Grund mich wissen, großer Cäsar, +Daß man mich nicht verlacht, wenn ich es sage. + +Cäsar. +Der Grund ist nur mein Will'; ich will nicht kommen, +Das gnügt zu des Senats Befriedigung. +Doch um Euch insbesondre gnug zu tun, +Weil ich Euch liebe, will ich's Euch eröffnen: +Calpurnia hier, mein Weib, hält mich zu Haus. +Sie träumte diese Nacht, sie säh mein Bildnis, +Das wie ein Springbrunn klares Blut vergoß +Aus hundert Röhren; rüstge Römer kamen +Und tauchten lächelnd ihre Hände drein. +Dies legt sie aus als Warnungen und Zeichen +Und Unglück, das uns droht, und hat mich kniend +Gebeten, heute doch nicht auszugehn. + +Decius. +Ihr habt den Traum ganz irrig ausgelegt; +Es war ein schönes, glückliches Gesicht. +Eur Bildnis, Blut aus vielen Röhren spritzend, +Worein so viele Römer lächelnd tauchten, +Bedeutet, saugen werd aus Euch das große Rom +Belebend Blut; und große Männer werden +Nach Heiligtümern und nach Ehrenpfändern +Sich drängen. Das bedeutet dieser Traum. + +Cäsar. +Auf diese Art habt Ihr ihn wohl erklärt. + +Decius. +Ja, wenn Ihr erst gehört, was ich Euch melde. +Wißt denn: an diesem Tag will der Senat +Dem großen Cäsar eine Krone geben. +Wenn Ihr nun sagen laßt, Ihr wollt nicht kommen, +So kann es sie gereun. Auch ließ' es leicht +Zum Spott sich wenden; jemand spräche wohl: +"Verschiebt die Sitzung bis auf andre Zeit, +Wenn Cäsars Gattin beßre Träume hat." +Wenn Cäsar sich versteckt, wird man nicht flüstern: +"Seht! Cäsar fürchtet sich?" +Verzeiht mir, Cäsar; meine Herzensliebe +Heißt dieses mich zu Eurem Vorteil sagen, +Und Schicklichkeit steht meiner Liebe nach. + +Cäsar. +Wie töricht scheint nun Eure Angst, Calpurnia! +Ich schäme mich, daß ich ihr nachgegeben. +Reicht mein Gewand mir her, denn ich will gehn. + Publius, Brutus, Ligarius, Metellus, + Casca, Trebonius und Cinna treten auf. +Da kommt auch Publius, um mich zu holen. + +Publius. +Guten Morgen, Cäsar! + +Cäsar. +Publius, willkommen!-- +Wie, Brutus? seid Ihr auch so früh schon auf?-- +Guten Morgen, Casca!--Cajus Ligarius, +So sehr war Cäsar niemals Euer Feind +Als dieses Fieber, das Euch abgezehrt.-- +Was ist die Uhr? + +Brutus. +Es hat schon acht geschlagen. + +Cäsar. +Habt Dank für Eure Müh und Höflichkeit. + Antonius tritt auf. +Seht! Mark Anton, der lange schwärmt des Nachts, +Ist doch schon auf.--Antonius, seid gegrüßt! + +Antonius. +Auch Ihr, erlauchter Cäsar! + +Cäsar. +Befehlt, daß man im Hause fertig sei; +Es ist nicht recht, so auf sich warten lassen. +Ei, Cinna!--Ei, Metellus!--Wie, Trebonius? +Ich hab mit Euch ein Stündchen zu verplaudern; +Gedenkt daran, daß Ihr mich heut besucht, +Und bleibt mir nah, damit ich Euer denke. + +Trebonius. +Das will ich, Cäsar--(beiseite) will so nah Euch sein, +Daß Eure besten Freunde wünschen sollen, +Ich wär entfernt gewesen. + +Cäsar. +Lieben Freunde, +Kommt mit herein und trinkt ein wenig Weins, +Dann gehen wir gleich Freunden miteinander. + +Brutus (beiseite). +Daß gleich nicht stets dasselbe ist, o Cäsar! +Das Herz des Brutus blutet, es zu denken. + +(Alle ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Straße nahe beim Kapitol + +Artemidorus tritt auf und liest einen Zettel + +Artemidorus. +"Cäsar, hüte dich vor Brutus; sei wachsam gegen Cassius; halte dich +weit vom Casca; habe ein Auge auf Cinna; mißtraue dem Trebonius; +beobachte den Metellus Cimber; Decius Brutus liebt dich nicht; +beleidigt hast du den Cajus Ligarius. Nur ein Sinn lebt in allen +diesen Männern, und er ist gegen Cäsar gerichtet. Wo du nicht +unsterblich bist, schau um dich. Sorglosigkeit gibt der Verschwörung +Raum. Mögen dich die großen Götter schützen! Der Deinige +Artemidorus." + + +Hier will ich stehn, bis er vorübergeht, +Und will ihm dies als Bittschrift überreichen. +Mein Herz bejammert, daß die Tugend nicht +Frei von dem Zahn des Neides leben kann. +O Cäsar, lies! so bist du nicht verloren; +Sonst ist das Schicksal mit Verrat verschworen. (Ab.) + + + +Vierte Szene +Ein andrer Teil derselben Straße vor dem Hause des Brutus + +Portia und Lucius kommen + +Portia. +Ich bitt dich, Knabe, lauf in den Senat. +Halt dich mit keiner Antwort auf und geh! +Was wartest du? + +Lucius. +Zu hören, was ich soll. + +Portia. +Ich möchte dort und wieder hier dich haben, +Eh ich dir sagen kann, was du da sollst. +O Festigkeit, steh unverrückt mir bei, +Stell einen Fels mir zwischen Herz und Zunge! +Ich habe Mannessinn, doch Weibeskraft. +Wie fällt doch ein Geheimnis Weibern schwer!-- +Bist du noch hier? + +Lucius. +Was sollt ich, gnädge Frau? +Nur hin zum Kapitol und weiter nichts, +Und so zurück zu Euch, und weiter nichts? + +Portia. +Nein, ob dein Herr wohl aussieht, melde mir, +Denn er ging unpaß fort, und merk dir recht, +Was Cäsar macht, wer mit Gesuch ihm naht. +Still, Knabe! Welch Geräusch? + +Lucius. +Ich höre keins. + +Portia. +Ich bitt dich, horch genau. +Ich hörte wilden Lärm, als föchte man, +Und der Wind bringt vom Kapitol ihn her. + +Lucius. +Gewißlich, gnädge Frau, ich höre nichts. + +Ein Wahrsager kommt. + +Portia. +Komm näher, Mann! Wo führt dein Weg dich her? + +Wahrsager. +Von meinem Hause, liebe gnädge Frau. + +Portia. +Was ist die Uhr? + +Wahrsager. +Die neunte Stund etwa. + +Portia. +Ist Cäsar schon aufs Kapitol gegangen? + +Wahrsager. +Nein, gnädge Frau; ich geh, mir Platz zu nehmen, +Wo er vorbeizieht auf das Kapitol. + +Portia. +Du hast an Cäsar ein Gesuch, nicht wahr? + +Wahrsager. +Das hab ich, gnädge Frau. Beliebt es Cäsarn, +Aus Güte gegen Cäsar mich zu hören, +So bitt ich ihn, es gut mit sich zu meinen. + +Portia. +Wie? weißt du, daß man ihm ein Leid will antun? + +Wahrsager. +Keins seh ich klar vorher, viel, fürcht ich, kann geschehn. +Doch guten Tag! Hier ist die Straße eng; +Die Schar, die Cäsarn auf der Ferse folgt, +Von Senatoren, Prätorn, Supplikanten, +Würd einen schwachen Mann beinah erdrücken. +Ich will an einen freiern Platz und da +Den großen Cäsar sprechen, wenn er kommt. (Ab.) + +Portia. +Ich muß ins Haus. Ach, welch ein schwaches Ding +Das Herz des Weibes ist! O Brutus! +Der Himmel helfe deinem Unternehmen.-- +Gewiß, der Knabe hört' es.--Brutus wirbt um etwas, +Das Cäsar weigert.--O, es wird mir schlimm! +Lauf, Lucius, empfiehl mich meinem Gatten, +Sag, ich sei fröhlich, komm zu mir zurück +Und melde mir, was er dir aufgetragen. + +(Beide ab.) + + + + +Dritter Aufzug + + + +Erste Szene +Das Kapitol. Sitzung des Senats + +Ein Haufe Volks in der Straße, die zum Kapitol führt, darunter +Artemidorus und der Wahrsager. Trompetenstoß. Cäsar, Brutus, Cassius, + Casca, Decius, Metellus, Trebonius, Cinna, Antonius, Lepidus, +Popilius, Publius und andre kommen + +Cäsar. +Des Märzen Idus ist nun da. + +Wahrsager. +Ja, Cäsar, +Doch nicht vorbei. + +Artemidorus. +Heil, Cäsar! Lies den Zettel hier. + +Decius. +Trebonius bittet Euch, bei guter Weile +Dies untertänige Gesuch zu lesen. + +Artemidorus. +Lies meines erst, o Cäsar! Mein Gesuch +Betrifft den Cäsar näher; lies, großer Cäsar! + +(Tritt dem Cäsar näher.) + +Cäsar. +Was uns betrifft, werd auf die Letzt verspart. + +Artemidorus. +Verschieb nicht, Cäsar, lies im Augenblick. + +Cäsar. +Wie? ist der Mensch verrückt? + +Publius. +Mach Platz, Gesell! + +Cassius. +Was? Drängt ihr auf der Straße mit Gesuchen? +Kommt in das Kapitol. + +(Cäsar geht in das Kapitol, die übrigen folgen ihm. +Alle Senatoren stehen auf.) + +Popilius. +Mög euer Unternehmen heut gelingen! + +Cassius. +Welch Unternehmen, Lena? + +Popilius. +Geh's euch wohl. + +(Er nähert sich dem Cäsar.) + +Brutus. +Was sprach Popilius Lena da? + +Cassius. +Er wünschte, +Daß unser Unternehmen heut gelänge; +Ich fürchte, unser Anschlag ist entdeckt. + +Brutus. +Seht, wie er Cäsarn naht! Gebt acht auf ihn. + +Cassius. +Sei schleunig, Casca, daß man nicht zuvorkommt. +Was ist zu tun hier, Brutus? Wenn es auskommt, +Kehrt Cassius oder Cäsar nimmer heim; +Denn ich entleibe mich. + +Brutus. +Sei standhaft, Cassius. +Popilius spricht von unserm Anschlag nicht. +Er lächelt, sieh, und Cäsar bleibt in Ruh. + +Cassius. +Trebonius nimmt die Zeit wahr, Brutus; sieh, +Er zieht geschickt den Mark Anton beiseite. + +(Antonius und Trebonius ab. +Cäsar und die Senatoren nehmen ihre Sitze ein.) + +Decius. +Wo ist Metellus Cimber? Laßt ihn gehn +Und sein Gesuch sogleich dem Cäsar reichen. + +Brutus. +Er ist bereit; drängt an und steht ihm bei. + +Cinna. +Casca, Ihr müßt zuerst den Arm erheben. + +Cäsar. +Sind alle da? Was für Beschwerden gibt's, +Die Cäsar heben muß und sein Senat? + +Metellus (niederkniend). +Glorreicher, mächtigster, erhabner Cäsar! +Metellus Cimber wirft vor deinen Sitz +Ein Herz voll Demut nieder. + +Cäsar. +Cimber, hör, +Ich muß zuvor dir kommen. Dieses Kriechen, +Dies knechtische Verbeugen könnte wohl +Gemeiner Menschen Blut in Feuer setzen +Und vorbestimmte Wahl, gefaßten Schluß +Zum Kinderwillen machen. Sei nicht töricht +Und denk, so leicht empört sei Cäsars Blut, +Um aufzutaun von seiner echten Kraft +Durch das, was Narrn erweicht: durch süße Worte, +Gekrümmtes Bücken, hündisches Geschmeichel. +Dein Bruder ist verbannt durch einen Spruch; +Wenn du für ihn dich bückst und flehst und schmeichelst, +So stoß ich dich wie einen Hund hinweg. +Wiß, Cäsar tut kein Unrecht; ohne Gründe +Befriedigt man ihn nicht. + +Metellus. +Gibt's keine Stimme, würdiger als meine, +Die süßer tön im Ohr des großen Cäsar, +Für des verbannten Bruders Wiederkehr? + +Brutus. +Ich küsse deine Hand, doch nicht als Schmeichler, +Und bitte, Cäsar, daß dem Publius Cimber +Die Rückberufung gleich bewilligt werde. + +Cäsar. +Wie? Brutus! + +Cassius. +Gnade, Cäsar! Cäsar, Gnade! +Auch Cassius fällt tief zu Füßen dir, +Begnadigung für Cimber zu erbitten. + +Cäsar. +Ich ließe wohl mich rühren, glich' ich euch; +Mich rührten Bitten, bät ich, um zu rühren. +Doch ich bin standhaft wie des Nordens Stern, +Des unverrückte, ewig stete Art +Nicht ihresgleichen hat am Firmament. +Der Himmel prangt mit Funken ohne Zahl, +Und Feuer sind sie all' und jeder leuchtet; +Doch einer nur behauptet seinen Stand. +So in der Welt auch; sie ist voll von Menschen, +Und Menschen sind empfindlich, Fleisch und Blut; +Doch in der Menge weiß ich einen nur, +Der unbesiegbar seinen Platz bewahrt, +Vorn Andrang unbewegt; daß ich der bin, +Auch hierin laßt es mich ein wenig zeigen, +Daß ich auf Cimbers Banne fest bestand +Und drauf besteh, daß er im Banne bleibe. + +Cinna. +O Cäsar! + +Cäsar. +Fort, sag ich! Willst du den Olymp versetzen? + +Decius. +Erhabner Cäsar!-- + +Cäsar. +Kniet nicht Brutus auch umsonst? + +Casca. +Dann, Hände, sprecht für mich! + +(Casca sticht Cäsarn mit dem Dolch in den Nacken. Cäsar fällt ihm in +den Arm. Er wird alsdann von verschiednen andern Verschwornen und +zuletzt von Marcus Brutus mit Dolchen durchstochen.) + +Cäsar. +Brutus, auch du?--So falle, Cäsar! + +(Er stirbt. Die Senatoren und das Volk fliehen bestürzt.) + +Cinna. +Befreiung! Freiheit! Die Tyrannei ist tot! +Lauft fort! verkündigt! ruft es durch die Gassen! + +Cassius. +Hin zu der Rednerbühne! Rufet aus: +"Befreiung! Freiheit! Wiederherstellung!" + +Brutus. +Seid nicht erschrocken, Volk und Senatoren! +Flieht nicht! Steht still! Die Ehrsucht hat gebüßt. + +Casca. +Geht auf die Rednerbühne, Brutus. + +Decius. +Ihr, Cassius, auch. + +Brutus. +Wo ist Publius? + +Cinna. +Hier, ganz betroffen über diesen Aufruhr. + +Metellus. +Steht dicht beisammen, wenn ein Freund des Cäsar +Etwa-- + +Brutus. +Sprecht nicht von Stehen!--Publius, getrost! +Wir haben nicht im Sinn, Euch Leid zu tun, +Auch keinem Römer sonst: sagt ihnen das. + +Cassius. +Und geht nur, Publius, damit das Volk, +Das uns bestürmt, nicht Euer Alter kränke. + +Brutus. +Tut das; und niemand steh für diese Tat +Als wir, die Täter. + +Trebonius kommt zurück. + +Cassius. +Wo ist Mark Anton? + +Trebonius. +Er floh bestürzt nach Haus, und Männer, Weiber +Und Kinder blicken starr und schrein und laufen, +Als wär der jüngste Tag. + +Brutus. +Schicksal! wir wollen sehn, was dir geliebt. +Wir wissen, daß wir sterben werden; Frist +Und Zeitgewinn nur ist der Menschen Trachten. + +Cassius. +Ja, wer dem Leben zwanzig Jahre raubt, +Der raubt der Todesfurcht so viele Jahre. + +Brutus. +Gesteht das ein, und Wohltat ist der Tod. +So sind wir Cäsars Freunde, die wir ihm +Die Todesfurcht verkürzten. Bückt euch, Römer, +Laßt unsre Händ in Cäsars Blut uns baden +Bis an die Ellenbogen! Färbt die Schwerter! +So treten wir hinaus bis auf den Markt, +Und, überm Haupt die roten Waffen schwingend, +Ruft alle dann: "Erlösung! Friede! Freiheit!" + +Cassius. +Bückt euch und taucht! In wie entfernter Zeit +Wird man dies hohe Schauspiel wiederholen, +In neuen Zungen und mit fremdem Pomp! + +Brutus. +Wie oft wird Cäsar noch zum Spiele bluten, +Der jetzt am Fußgestell Pompejus' liegt, +Dem Staube gleich geachtet! + +Cassius. +Sooft als das geschieht, +Wird man auch unsern Bund, die Männer nennen, +Die Freiheit wiedergaben ihrem Land. + +Decius. +Nun, sollen wir hinaus? + +Cassius. +Ja, alle fort! +Brutus voran, und seine Tritte zieren +Wir mit den kühnsten, besten Herzen Roms. + +Ein Diener kommt. + +Brutus. +Doch stillt Wer kommt? Ein Freund des Mark Anton. + +Diener. +So, Brutus, hieß mich mein Gebieter knien, +So hieß Antonius mich niederfallen, +Und tief im Staube hieß er so mich reden: +"Brutus ist edel, tapfer, weis und redlich, +Cäsar war groß, kühn, königlich und gütig. +Sprich: Brutus lieb ich, und ich ehr ihn auch. +Sprich: Cäsarn fürchtet ich, ehrt ihn und liebt ihn. +Will Brutus nur gewähren, daß Anton +Ihm sicher nahen und erforschen dürfe, +Wie Cäsar solche Todesart verdient, +So soll dem Mark Anton der tote Cäsar +So teuer nicht als Brutus lebend sein; +Er will vielmehr dem Los und der Partei +Des edlen Brutus unter den Gefahren +Der wankenden Verfassung treulich folgen." +Dies sagte mein Gebieter, Mark Anton. + +Brutus. +Und dein Gebieter ist ein wackrer Römer, +So achtet ich ihn stets. +Sag, wenn es ihm geliebt, hieher zu kommen, +So steh ich Red ihm und, bei meiner Ehre, +Entlaß ihn ungekränkt. + +Diener. +Ich hol ihn gleich. (Ab.) + +Brutus. +Ich weiß, wir werden ihn zum Freunde haben. + +Cassius. +Ich wünsch es; doch es wohnt ein Sinn in mir, +Der sehr ihn fürchtet; und mein Unglücksahnen +Trifft immer ein aufs Haar. + +Antonius kommt zurück. + +Brutus. +Hier kommt Antonius ja.--Willkommen, Mark Anton! + +Antonius. +O großer Cäsar! liegst du so im Staube? +Sind alle deine Siege, Herrlichkeiten, +Triumphe, Beuten eingesunken nun +In diesen kleinen Raum?--Gehab dich wohl!-- +Ich weiß nicht, edle Herrn, was ihr gedenkt, +Wer sonst noch bluten muß, wer reif zum Fall. +Wofern ich selbst kann keine Stunde besser +Als Cäsars Todesstunde, halb so kostbar +Kein Werkzeug sein, als diese eure Schwerter, +Geschmückt mit Blut, dem edelsten der Welt. +Ich bitt euch, wenn ihr's feindlich mit mir meint, +Jetzt, da noch eure Purpurhände dampfen, +Büßt eure Lust. Und lebt ich tausend Jahre, +Nie werd ich so bereit zum Tod mich fühlen; +Kein Ort gefällt mir so, kein Weg zum Tode, +Als hier beim Cäsar fallen, und durch euch, +Die ersten Heldengeister unsrer Zeit. + +Brutus. +O Mark Anton! begehrt nicht Euren Tod. +Wir müssen blutig zwar und grausam scheinen, +Wie unsre Händ und die geschehne Tat +Uns zeigen; doch Ihr seht die Hände nur, +Und dieses blutge Werk, so sie vollbracht; +Nicht unsre Herzen: sie sind mitleidsvoll, +Und Mitleid gegen Roms gesamte Not +(Wie Feuer Feuer löscht, so Mitleid Mitleid) +Verübt' an Cäsarn dies. Was Euch betrifft, +Für Euch sind unsre Schwerter stumpf, Anton. +Seht, unsre Arme, trotz verübter Tücke, +Und unsre Herzen, brüderlich gesinnt, +Empfangen Euch mit aller Innigkeit, +mit redlichen Gedanken und mit Achtung. + +Cassius. +Und Eure Stimme soll soviel als jede +Bei der Verteilung neuer Würden gelten. + +Brutus. +Seid nur geduldig, bis wir erst das Volk +Beruhigt, das vor Furcht sich selbst nicht kennt; +Dann legen wir den Grund Euch dar, weswegen +Ich, der den Cäsar liebt', als ich ihn schlug, +Also verfahren. + +Antonius. +Ich bau auf eure Weisheit. +Mir reiche jeder seine blutge Hand; +Erst, Marcus Brutus, schütteln wir sie uns; +Dann, Cajus Cassius, faß ich Eure Hand; +Nun Eure, Decius Brutus; Eure, Cinna; +Metellus, Eure nun; mein tapfrer Casca, +Die Eure; reicht, Trebonius, Eure mir +Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen. +Ach, all ihr edlen Herrn, was soll ich sagen, +Mein Ansehn steht jetzt auf so glattem Boden, +Daß ich euch eines von zwei schlimmen Dingen, +Ein Feiger oder Schmeichler, scheinen muß. +Daß ich dich liebte, Cäsar, o 's ist wahr! +Wofern dein Geist jetzt niederblickt auf uns, +Wird's dich nicht kränken, bittrer als dein Tod, +Zu sehn, wie dein Antonius Frieden macht +Und deiner Feinde blutge Hände drückt, +Du Edelster, in deines Leichnams Nähe? +Hätt ich so manches Aug als Wunden du, +Und jedes strömte Tränen, wie sie Blut, +Das ziemte besser mir, als einen Bund +Der Freundschaft einzugehn mit deinen Feinden. +Verzeih mir, Julius!--Du edler Hirsch, +Hier wurdest du erjagt, hier fielest du; +Hier stehen deine Jäger, mit den Zeichen +Des Mordes und von deinem Blut bepurpurt. +O Welt, du warst der Wald für diesen Hirsch, +Und er, o Welt! war seines Waldes Stolz.-- +Wie ähnlich einem Wild, von vielen Fürsten +Geschossen, liegst du hier! + +Cassius. +Antonius-- + +Antonius. +Verzeiht mir, Cajus Cassius; +Dies werden selbst die Feinde Cäsars sagen, +An einem Freund ist's kalte Mäßigung. + +Cassius. +Ich tadl Euch nicht, daß Ihr den Cäsar preist; +Allein, wie denkt Ihr Euch mit uns zu stehen? +Seid Ihr von unsern Freunden? oder sollen +Wir vorwärtsdringen, ohn auf Euch zu baun? + +Antonius. +Deswegen faßt ich eure Hände; nur +Vergaß ich mich, als ich auf Cäsarn blickte. +Ich bin euch allen Freund und lieb euch alle, +In Hoffnung, eure Gründe zu vernehmen, +Wie und warum gefährlich Cäsar war. + +Brutus. +Jawohl, sonst wär dies ein unmenschlich Schauspiel. +Und unsre Gründe sind so wohl bedacht, +Wärt Ihr der Sohn des Cäsar, Mark Anton, +Sie gnügten Euch. + +Antonius. +Das such ich einzig ja. +Auch halt ich an um die Vergünstigung, +Den Leichnam auszustellen auf dem Markt +Und auf der Bühne, wie's dem Freunde ziemt, +Zu reden bei der Feier der Bestattung. + +Brutus. +Das mögt Ihr, Mark Anton. + +Cassius. +Brutus, ein Wort mit Euch. +(Beiseite.) Ihr wißt nicht, was Ihr tut; gestattet nicht, +Daß ihm Antonius die Rede halte. +Wißt Ihr, wie sehr das Volk durch seinen Vortrag +Sich kann erschüttern lassen? + +Brutus. +Nein, verzeiht. +Ich selbst betrete erst die Bühn und lege +Von unsers Cäsars Tod die Gründe dar. +Was dann Antonius sagen wird, erklär ich, +Gescheh erlaubt und mit Bewilligung; +Es sei uns recht, daß Cäsar jeder Ehre +Teilhaftig werde, so die Sitte heiligt. +Dies wird uns mehr Gewinn als Schaden bringen. + +Cassius. +Wer weiß, was vorfällt? Ich bin nicht dafür. + +Brutus. +Hier, Mark Anton, nehmt Ihr die Leiche Cäsars. +Ihr sollt uns nicht in Eurer Rede tadeln, +Doch sprecht von Cäsarn Gutes nach Vermögen +Und sagt, daß Ihr's mit unserm Willen tut. +Sonst sollt Ihr gar mit dem Begräbnis nichts +Zu schaffen haben. Auf derselben Bühne, +Zu der ich jetzo gehe, sollt Ihr reden, +Wenn ich zu redet, aufgehört. + +Antonius. +So sei's! +Ich wünsche weiter nichts. + +Brutus. +Bereitet denn die Leich und folget uns. + +(Alle bis auf Antonius ab.) + +Antonius. +O du, verzeih mir, blutend Stückchen Erde! +Daß ich mit diesen Schlächtern freundlich tat. +Du bist der Rest des edelsten der Männer, +Der jemals lebt, im Wechsellauf der Zeit. +Weh! weh der Hand, die dieses Blut vergoß! +Jetzt prophezei ich über deinen Wunden, +Die ihre Purpurlippen öffnen, stumm +Von meiner Zunge Stimm und Wort erflehend: +Ein Fluch wird fallen auf der Menschen Glieder, +Und innre Wut und wilder Bürgerzwist +Wird ängsten alle Teil' Italiens; +Verheerung, Mord wird so zur Sitte werden +Und so gemein das Furchtbarste, daß Mütter +Nur lächeln, wenn sie ihre zarten Kinder +Gevierteilt von des Krieges Händen sehn. +Die Fertigkeit in Greueln würgt das Mitleid; +Und Cäsars Geist, nach Rache jagend, wird, +Zur Seit ihm Ate, heiß der Höll entstiegen, +In diesen Grenzen mit des Herrschers Ton +Mord rufen und des Krieges Hund' entfesseln, +Daß diese Schandtat auf zum Himmel stinke +Von Menschenaas, das um Bestattung ächzt. + Ein Diener kommt. +Ihr dienet dem Octavius Cäsar? nicht? + +Diener. +Ja, Mark Anton. + +Antonius. +Cäsar beschied ihn schriftlich her nach Rom. + +Diener. +Den Brief empfing er und ist unterwegs; +Und mündlich hieß er mich an Euch bestellen + (Er erblickt den Leichnam Cäsars.) +O Cäsar! + +Antonius. +Dein Herz ist voll, geh auf die Seit und weine. +Ich sehe, Leid steckt an; denn meine Augen, +Da sie des Grames Perlen sahn in deinen, +Begannen sie zu fließen--Kommt dein Herr? + +Diener. +Er bleibt zur Nacht von Rom nur sieben Meilen. + +Antonius. +Reit schnell zurück und meld' ihm, was geschehn. +Hier ist ein Rom voll Trauer und Gefahr, +Kein sichres Rom noch für Octavius. +Eil hin und sag ihm das!--Nein, warte noch! +Du sollst nicht fort, bevor ich diese Leiche +Getragen auf den Markt und meine Rede +Das Volk geprüft, wie dieser blutgen Männer +Unmenschliches Beginnen ihm erscheint. +Und demgemäß sollst du dem jungen Cäsar +Berichten, wie allhier die Dinge stehn. +Leih deinen Arm mir. + +(Beide ab mit Cäsars Leiche.) + + + +Zweite Szene +Das Forum + +Brutus und Cassius kommen mit einem Haufen Volks + +Bürger. +Wir wollen Rechenschaft! Legt Rechenschaft uns ab! + +Brutus. +So folget mir und gebt Gehör mir, Freunde.-- +Ihr, Cassius geht in eine andre Straße +Und teilt die Haufen-- +Wer mich will reden hören, bleibe hier; +Wer Cassius folgen will, der geh mit ihm. +Wir wollen öffentlich die Gründ' erklären +Von Cäsars Tod. + +Erster Bürger. +Ich will den Brutus hören. + +Zweiter Bürger. +Den Cassius ich: so können wir die Gründe +Vergleichen, wenn wir beide angehört. + +(Cassius mit einigen Bürgern ab. Brutus besteigt die Rostra.) + +Dritter Bürger. +Der edle Brutus steht schon oben--still! + +Brutus. +Seid ruhig zum Schluß. +Römer! Mitbürger! Freunde! Hört mich meine Sache führen und seid +still, damit ihr hören möget. Glaubt mir um meiner Ehre willen und +hegt Achtung vor meiner Ehre, damit ihr glauben mögt. Richtet mich +nach eurer Weisheit und weckt eure Sinne, um desto besser urteilen zu +können. Ist jemand in dieser Versammlung, irgendein herzlicher Freund +Cäsars, dem sage ich: des Brutus Liebe zum Cäsar war nicht geringer +als seine. Wenn dieser Freund dann fragt, warum Brutus gegen Cäsar +aufstand, ist dies meine Antwort: nicht, weil ich Cäsarn weniger +liebte, sondern weil ich Rom mehr liebte. Wolltet ihr lieber, Cäsar +lebte und ihr stürbet alle als Sklaven, als daß Cäsar tot ist, damit +ihr alle lebet wie freie Männer? Weil Cäsar mich liebte, wein ich um +ihn; weil er glücklich war, freue ich mich; weil er tapfer war, ehr +ich ihn; aber weil er herrschsüchtig war, erschlug ich ihn. Also +Tränen für seine Liebe, Freude für sein Glück, Ehre für seine +Tapferkeit und Tod für seine Herrschsucht. Wer ist hier so niedrig +gesinnt, daß er ein Knecht sein möchte? Ist es jemand, er rede, denn +ihn habe ich beleidigt. Wer ist hier so roh, daß er nicht wünschte, +ein Römer zu sein? Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich +beleidigt. Wer ist hier so schlecht, daß er sein Vaterland nicht +liebte? Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich beleidigt. Ich +halte inne, um Antwort zu hören. + +Bürger (verschiedene Stimmen auf einmal). +Niemand, Brutus! niemand! + +Brutus. +Dann habe ich niemand beleidigt. Ich tat Cäsarn nichts, als was ihr +dem Brutus tun würdet. Die Untersuchung über seinen Tod ist im +Kapitol aufgezeichnet; sein Ruhm nicht geschmälert, wo er Verdienste +hatte, seine Vergehen nicht übertrieben, für die er den Tod gelitten. + Antonius und andre treten auf mit Cäsars Leiche. +Hier kommt seine Leiche, von Mark Anton betrauert, der, ob er schon +keinen Teil an seinem Tode hatte, die Wohltat seines Sterbens, einen +Platz im gemeinen Wesen, genießen wird. Wer von euch wird es nicht? +Hiermit trete ich ab. Wie ich meinen besten Freund für das Wohl Roms +erschlug, so habe ich denselben Dolch für mich selbst, wenn es dem +Vaterland gefällt, meinen Tod zu bedürfen. + +Bürger. +Lebe, Brutus! lebe! lebe! + +Erster Bürger. +Begleitet mit Triumph ihn in sein Haus. + +Zweiter Bürger. +Stellt ihm ein Bildnis auf bei seinen Ahnen. + +Dritter Bürger. +Er werde Cäsar! + +Vierter Bürger. +Im Brutus krönt ihr Cäsars beßre Gaben. + +Erster Bürger. +Wir bringen ihn zu Haus mit lautem Jubel. + +Brutus. Mitbürger-- + +Zweiter Bürger. +Schweigt doch! Stille! Brutus spricht. + +Erster Bürger. +Still da! + +Brutus. +Ihr guten Bürger, laßt allein mich gehn; +Bleibt mir zuliebe hier beim Mark Anton. +Ehrt Cäsars Leiche, ehret seine Rede, +Die Cäsars Ruhm verherrlicht. Dem Antonius +Gab unser Will' Erlaubnis, sie zu halten. +Ich bitt euch, keiner gehe fort von hier +Als ich allein, bis Mark Anton gesprochen. (Ab.) + +Erster Bürger. +He, bleibt doch! Hören wir den Mark Anton. + +Dritter Bürger. +Laßt ihn hinaufgehn auf die Rednerbühne. +Ja, hört ihn! Edler Mark Anton, hinauf! + +Antonius. +Um Brutus' willen bin ich euch verpflichtet. + +Vierter Bürger. +Was sagt er da vom Brutus? + +Dritter Bürger. +Er sagt, um Brutus' willen find er sich +Uns insgesamt verpflichtet. + +Vierter Bürger. +Er täte wohl, +Dem Brutus hier nichts Übles nachzureden. + +Erster Bürger. +Der Cäsar war ein Tyrann. + +Dritter Bürger. +Ja, das ist sicher; +Es ist ein Glück für uns, daß Rom ihn los ward. + +Vierter Bürger. +Still! Hört doch, was Antonius sagen kann! + +Antonius. +Ihr edlen Römer-- + +Bürger. +Still da! hört ihn doch! + +Antonius. +Mitbürger! Freunde! Römer! hört mich an: +Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen. +Was Menschen Übles tun, das überlebt sie, +Das Gute wird mit ihnen oft begraben. +So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus +Hat euch gesagt, daß er voll Herrschsucht war; +Und war er das, so war's ein schwer Vergehen, +Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt. +Hier, mit des Brutus Willen und der andern +(Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, +Das sind sie alle, alle ehrenwert), +Komm ich, bei Cäsars Leichenzug zu reden. +Er war mein Freund, war mir gerecht und treu; +Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, +Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. +Er brachte viel Gefangne heim nach Rom, +Wofür das Lösegeld den Schatz gefüllt. +Sah das der Herrschsucht wohl am Cäsar gleich? +Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar; +Die Herrschsucht sollt aus härterm Stoff bestehn. +Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, +Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. +Ihr alle saht, wie am Lupercusfest +Ich dreimal ihm die Königskrone bot, +Die dreimal er geweigert. War das Herrschsucht? +Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, +Und ist gewiß ein ehrenwerter Mann. +Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen; +Ich spreche hier von dem nur, was ich weiß. +Ihr liebtet all ihn einst nicht ohne Grund; +Was für ein Grund wehrt euch, um ihn zu trauern? +O Urteil, du entflohst zum blöden Vieh, +Der Mensch ward unvernünftig!--Habt Geduld! +Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Cäsar, +Und ich muß schweigen, bis es mir zurückkommt. + +Erster Bürger. +Mich dünkt, in seinen Reden ist viel Grund. + +Zweiter Bürger. +Wenn man die Sache recht erwägt, ist Cäsarn +Groß Unrecht widerfahren. + +Dritter Bürger. +Meint Ihr, Bürger? +Ich fürcht, ein Schlimmrer kommt an seine Stelle. + +Vierter Bürger. +Habt ihr gehört? Er nahm die Krone nicht; +Da sieht man, daß er nicht herrschsüchtig war. + +Erster Bürger. +Wenn dem so ist, so wird es manchem teuer +Zu stehen kommen. + +Zweiter Bürger. +Ach, der arme Mann! +Die Augen sind ihm feuerrot vom Weinen. + +Dritter Bürger. +Antonius ist der bravste Mann in Rom. + +Vierter Bürger. +Gebt acht! Er fängt von neuem an zu reden. + +Antonius. +Noch gestern hätt umsonst dem Worte Cäsars +Die Welt sich widersetzt; nun liegt er da, +Und der Geringste neigt sich nicht vor ihm. +O Bürger! strebt ich, Herz und Mut in euch +Zur Wut und zur Empörung zu entflammen, +So tät ich Cassius und Brutus Unrecht, +Die ihr als ehrenwerte Männer kennt. +Ich will nicht ihnen Unrecht tun, will lieber +Dem Toten Unrecht tun, mir selbst und euch, +Als ehrenwerten Männern, wie sie sind. +Doch seht dies Pergament mit Cäsars Siegel; +Ich fand's bei ihm, es ist sein letzter Wille. +Vernähme nur das Volk dies Testament +(Das ich, verzeiht mir, nicht zu lesen denke), +Sie gingen hin und küßten Cäsars Wunden +Und tauchten Tücher in sein heilges Blut, +Ja, bäten um ein Haar zum Angedenken, +Und sterbend nennten sie's im Testament +Und hinterließen's ihres Leibes Erben +Zum köstlichen Vermächtnis. + +Vierter Bürger. +Wir wollen's hören: lest das Testament! +Lest, Mark Anton! + +Bürger. +Ja, ja, das Testament! +Laßt Cäsars Testament uns hören. + +Antonius. +Seid ruhig, lieben Freund'! Ich darf's nicht lesen, +Ihr müßt nicht wissen, wie euch Cäsar liebte. +Ihr seid nicht Holz, nicht Stein, ihr seid ja Menschen; +Drum, wenn ihr Cäsars Testament erführt, +Es setzt' in Flammen euch, es macht' euch rasend. +Ihr dürft nicht wissen, daß ihr ihn beerbt, +Denn wüßtet ihr's, was würde draus entstehn? + +Bürger. +Lest das Testament! Wir wollen's hören, Mark Anton! +Ihr müßt es lesen! Cäsars Testament! + +Antonius. +Wollt ihr euch wohl gedulden? wollt ihr warten? +Ich übereilte mich, da ich's euch sagte. +Ich fürcht, ich tu den ehrenwerten Männern +Zu nah, durch deren Dolche Cäsar fiel; +Ich fürchte es. + +Vierter Bürger. +Sie sind Verräter: ehrenwerte Männer! + +Bürger. +Das Testament! Das Testament! + +Zweiter Bürger. +Sie waren Bösewichter, Mörder! Das Testament! +Lest das Testament! + +Antonius. +So zwingt ihr mich, das Testament zu lesen? +Schließt einen Kreis um Cäsars Leiche denn, +Ich zeig euch den, der euch zu Erben machte. +Erlaubt ihr mir's? Soll ich hinuntersteigen? + +Bürger. +Ja, kommt nur! + +Zweiter Bürger. +Steigt herab! + +(Er verläßt die Rednerbühne.) + +Dritter Bürger. +Es ist Euch gern erlaubt. + +Vierter Bürger. +Schließt einen Kreis herum. + +Erster Bürger. +Zurück vom Sarge! von der Leiche weg! + +Zweiter Bürger. +Platz für Antonius! für den edlen Antonius! + +Antonius. +Nein, drängt nicht so heran! Steht weiter weg! + +Bürger. +Zurück! Platz da! zurück! + +Antonius. +Wofern ihr Tränen habt, bereitet euch, +Sie jetzo zu vergießen. Diesen Mantel, +Ihr kennt ihn alle; doch erinnr' ich mich +Des ersten Males, daß ihn Cäsar trug +In seinem Zelt, an einem Sommerabend-- +Er überwand den Tag die Nervier-- +Hier, schauet! fuhr des Cassius Dolch herein; +Seht, welchen Riß der tücksche Casca machte! +Hier stieß der vielgeliebte Brutus durch; +Und als er den verfluchten Stahl hinwegriß, +Schaut her, wie ihm das Blut des Cäsar folgte, +Als stürzt' es vor die Tür, um zu erfahren, +Ob wirklich Brutus so unfreundlich klopfte. +Denn Brutus, wie ihr wißt, war Cäsars Engel. +Ihr Götter, urteilt, wie ihn Cäsar liebte! +Kein Stich von allen schmerzte so wie der. +Denn als der edle Cäsar Brutus sah, +Warf Undank, stärker als Verräterwaffen, +Ganz nieder ihn; da brach sein großes Herz, +Und in dem Mantel sein Gesicht verhüllend, +Grad am Gestell der Säule des Pompejus, +Von der das Blut rann, fiel der große Cäsar. +O meine Bürger, welch ein Fall war das! +Da fielet ihr und ich, wir alle fielen, +Und über uns frohlockte blutge Tücke. +O ja! nun weint ihr, und ich merk, ihr fühlt +Den Drang des Mitleids; dies sind milde Tropfen. +Wie? weint ihr, gute Herzen, seht ihr gleich +Nur unsers Cäsars Kleid verletzt? Schaut her! +Hier ist er selbst, geschändet von Verrätern. + +Erster Bürger. +O kläglich Schauspiel! + +Zweiter Bürger. +O edler Cäsar! + +Dritter Bürger. +O jammervoller Tag! + +Vierter Bürger. +O Buben und Verräter! + +Erster Bürger. +O blutger Anblick! + +Zweiter Bürger. +Wir wollen Rache! Rache! Auf und sucht! +Sengt! brennt! schlagt! mordet! laßt nicht einen leben! + +Antonius. +Seid ruhig, meine Bürger! + +Erster Bürger. +Still da! Hört den edlen Antonius! + +Zweiter Bürger. +Wir wollen ihn hören, wir wollen ihm folgen, +wir wollen für ihn sterben! + +Antonius. +Ihr guten, lieben Freund', ich muß euch nicht +Hinreißen zu des Aufruhrs wildem Sturm. +Die diese Tat getan, sind ehrenwert. +Was für Beschwerden sie persönlich führen, +Warum sie's taten, ach! das weiß ich nicht; +Doch sind sie weis und ehrenwert, und werden +Euch sicherlich mit Gründen Rede stehn. +Nicht euer Herz zu stehlen, komm ich, Freunde; +Ich bin kein Redner, wie es Brutus ist, +Nur, wie ihr alle wißt, ein schlichter Mann +Dem Freund ergeben, und das wußten die +Gar wohl, die mir gestattet, hier zu reden. +Ich habe weder Witz noch Wort' und Würde, +Noch Kunst des Vortrags noch die Macht der Rede, +Der Menschen Blut zu reizen; nein, ich spreche +Nur gradezu und sag euch, was ihr wißt. +Ich zeig euch des geliebten Cäsars Wunden, +Die armen stummen Munde, heiße die +Statt meiner reden. Aber wär ich Brutus +Und Brutus Mark Anton, dann gäb es einen, +Der eure Geister schürt' und jeder Wunde +Des Cäsars eine Zunge lieh', die selbst +Die Steine Roms zum Aufstand würd empören. + +Dritter Bürger. +Empörung! + +Erster Bürger. +Steckt des Brutus Haus in Brand! + +Dritter Bürger. +Hinweg denn! kommt, sucht die Verschwornen auf! + +Antonius. +Noch hört mich, meine Bürger, hört mich an! + +Bürger. +Still da! Hört Mark Anton! den edlen Mark Anton! + +Antonius. +Nun, Freunde, wißt ihr selbst auch, was ihr tut? +Wodurch verdiente Cäsar eure Liebe? +Ach nein! ihr wißt nicht.--Hört es denn! Vergessen +Habt ihr das Testament, wovon ich sprach. + +Bürger. +Wohl wahr! Das Testament! Bleibt, hört das Testament! + +Antonius. +Hier ist das Testament mit Cäsars Siegel; +Darin vermacht er jedem Bürger Roms, +Auf jeden Kopf euch, fünfundsiebzig Drachmen. + +Zweiter Bürger. +O edler Cäsar!--Kommt, rächt seinen Tod! + +Dritter Bürger. +O königlicher Cäsar. + +Antonius. +Hört mich mit Geduld! + +Bürger. +Still da! + +Antonius. +Auch läßt er alle seine Lustgehege, +Verschloßne Lauben, neugepflanzte Gärten +Diesseit der Tiber euch und euren Erben +Auf ewge Zeit, damit ihr euch ergehn +Und euch gemeinsam dort ergötzen könnt. +Das war ein Cäsar: wann kommt seinesgleichen? + +Erster Bürger. +Nimmer! nimmer!--Kommt! hinweg! hinweg! hinweg! +Verbrennt den Leichnam auf dem heilgen Platze, +Und mit den Bränden zündet den Verrätern +Die Häuser an. Nehmt denn die Leiche auf! + +Zweiter Bürger. +Geht! holt Feuer! + +Dritter Bürger. +Reißt Bänke ein! + +Vierter Bürger. +Reißt Sitze, Läden, alles ein! + +(Die Bürger mit Cäsars Leiche ab.) + +Antonius. +Nun wirk es fort. Unheil, du bist im Zuge: +Nimm, welchen Lauf du willst!-- + Ein Diener kommt. +Was bringst du, Bursch? + +Diener. +Herr! Octavius ist schon nach Rom gekommen. + +Antonius. +Wo ist er? + +Diener. +Er und Lepidus sind in Cäsars Hause. + +Antonius. +Ich will sofort dahin, ihn zu besuchen, +Er kommt erwünscht. Das Glück ist aufgeräumt +Und wird in dieser Laun uns nichts versagen. + +Diener. +Ich hört ihn sagen, Cassius und Brutus +Sei'n durch die Tore Roms wie toll geritten. + +Antonius. +Vielleicht vernahmen sie vom Volke Kundschaft, +Wie ich es aufgewiegelt. Führ indes +Mich zum Octavius. (Beide ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Straße + +Cinna, der Poet, tritt auf + +Cinna. +Mir träumte heut, daß ich mit Cäsarn schmauste, +Und Mißgeschick füllt meine Phantasie. +Ich bin unlustig, aus dem Haus zu gehn, +Doch treibt es mich heraus. + +Bürger kommen. + +Erster Bürger. +Wie ist Euer Name? + +Zweiter Bürger. +Wo geht Ihr hin? + +Dritter Bürger. +Wo wohnt Ihr? + +Vierter Bürger. +Seid Ihr verheiratet oder ein Junggesell? + +Zweiter Bürger. +Antwortet jedem unverzüglich. + +Erster Bürger. +Ja, und kürzlich. + +Vierter Bürger. +Ja, und weislich. + +Dritter Bürger. +Ja, und ehrlich, das raten wir Euch. + +Cinna. +Wie ist mein Name? Wohin gehe ich? Wo wohne ich? Bin ich +verheiratet oder ein Junggesell? Also um jedem Manne unverzüglich und +kürzlich, weislich und ehrlich zu antworten, sage ich weislich: ich +bin ein Junggesell. + +Zweiter Bürger. +Das heißt soviel: wer heiratet, ist ein Narr. Dafür Denke ich Euch +eins zu versetzen. Weiter, unverzüglich! + +Cinna. +Unverzüglich gehe ich zu Cäsars Bestattung. + +Erster Bürger. +Als Freund oder Feind? + +Cinna. +Als Freund. + +Zweiter Bürger. +Das war unverzüglich beantwortet. + +Vierter Bürger. +Eure Wohnung, kürzlich! + +Cinna. +Kürzlich, ich wohne beim Kapitol. + +Dritter Bürger. +Euer Name, Herr! ehrlich! + +Cinna. +Ehrlich, mein Name ist Cinna. + +Erster Bürger. +Reißt ihn in Stücke! Er ist ein Verschworner. + +Cinna. +Ich bin Cinna, der Poet! Ich bin Cinna, der Poet! + +Vierter Bürger. +Zerreißt ihn für seine schlechten Verse! Zerreißt ihn für seine +schlechten Verse! + +Cinna. +Ich bin nicht Cinna, der Verschworne. + +Vierter Bürger. +Es tut nichts! sein Name ist Cinna; reißt ihm den Namen aus dem +Herzen und laßt ihn laufen. + +Dritter Bürger. +Zerreißt ihn! Zerreißt ihn! Kommt, Brände! Heda, Feuerbrände! Zum +Brutus! Zum Cassius! Steckt alles in Brand! Ihr zu des Decius Hause! + Ihr zu des Casca! Ihr zu des Ligarius! Fort! Kommt! + +(Alle ab.) + + + + +Vierter Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Ein Zimmer des Antonius + +Antonius, Octavius und Lepidus, an einem Tische sitzend + +Antonius. +Die müssen also sterben, deren Namen +Hier angezeichnet stehn. + +Octavius. +Auch Euer Bruder +Muß sterben, Lepidus. Ihr willigt drein? + +Lepidus. +Ich willge drein. + +Octavius. +Zeichn ihn, Antonius. + +Lepidus. +Mit dem Beding, daß Publius nicht lebe, +Der Eurer Schwester Sohn ist, Mark Anton. + +Antonius. +Er lebe nicht; sieh her, ein Strich verdammt ihn. +Doch Lepidus, geht Ihr zu Cäsars Haus, +Bringt uns sein Testament; wir wollen sehn, +Was an Vermächtnissen sich kürzen läßt. + +Lepidus. +Wie? Soll ich hier euch finden? + +Octavius. +Hier oder auf dem Kapitol. (Lepidus ab.) + +Antonius. +Dies ist ein schwacher, unbrauchbarer Mensch, +Zum Botenlaufen nur geschickt. Verdient er, +Wenn man die dreibenannte Welt verteilt, +Daß er als dritter Mann sein Teil empfange? + +Octavius. +Ihr glaubtet es und hörtet auf sein Wort, +Wen man im schwarzen Rate unsrer Acht +Zum Tode zeichnen sollte. + +Antonius. +Octavius, ich sah mehr Tag' als Ihr. +Ob wir auf diesen Mann schon Ehren häufen, +Um manche Last des Leumunds abzuwälzen, +Er trägt sie doch nur wie der Esel Gold, +Der unter dem Geschäfte stöhnt und schwitzt, +Geführt, getrieben, wie den Weg wir weisen; +Und hat er unsern Schatz, wohin wir wollen, +Gebracht, dann nehmen wir die Last ihm ab +Und lassen ihn als ledgen Esel laufen, +Daß er die Ohren schütteln mög und grasen +Auf offner Weide. + +Octavius. +Tut, was Euch beliebt; +Doch ist er ein geprüfter, wackrer Krieger. + +Antonius. +Das ist mein Pferd ja auch, Octavius, +Dafür bestimm ich ihm sein Maß von Futter. +Ist's ein Geschöpf nicht, das ich lehre fechten, +Umwenden, halten, grade vorwärts rennen, +Des körperliches Tun mein Geist regiert? +In manchem Sinn ist Lepidus nichts weiter: +Man muß ihn erst abrichten, lenken, mahnen; +Ein Mensch von dürftgem Geiste, der sich nährt +Von Gegenständen, Künsten, Nachahmungen, +Die, alt und schon von andern abgenutzt, +Erst seine Mode werden. Sprecht nicht anders +Von ihm als einem Werkzeug nur.--Und nun, +Octavius, vernehmet große Dinge: +Brutus und Cassius werben Völker an, +Wir müssen ihnen stracks die Spitze bieten; +Drum laßt die Bundsgenossen uns versammeln, +Die Freunde sichern, alle Macht aufbieten; +Und laßt zu Rat uns sitzen alsobald, +Wie man am besten Heimliches entdeckt +Und offnen Fährlichkeiten sicher trotzt. + +Octavius. +Das laßt uns tun; denn uns wird aufgelauert, +Und viele Feinde bellen um uns her; +Und manche, so da lächeln, fürcht ich, tragen +Im Herzen tausend Unheil. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Vor Brutus' Zelte im Lager nahe bei Sardes + +Trommeln werden gerührt. Brutus, Lucilius, Lucius und Soldaten treten +auf. Pindarus und Titinius kommen ihnen entgegen + +Brutus. +Halt! + +Lucilius. +He! Gebt das Wort und haltet. + +Brutus. +Was gibt's, Lucilius? Ist Cassius nahe? + +Lucilius. +Er ist nicht weit, und hier kommt Pindarus, +Im Namen seines Herrn Euch zu begrüßen. + +(Pindarus überreicht dem Brutus einen Brief.) + +Brutus. +Sein Gruß ist freundlich. Wißt, daß Euer Herr, +Von selbst verändert oder schlecht beraten, +Mir gültgen Grund gegeben, ungeschehn +Geschehenes zu wünschen. Aber ist er +Hier in der Näh, so wird er mir genugtun. + +Pindarus. +Ich zweifle nicht, voll Ehr und Würdigkeit +Wird, wie er ist, mein edler Herr erscheinen. + +Brutus. +Wir zweifeln nicht an ihm.--Ein Wort, Lucilius: +Laßt mich erfahren, wie er Euch empfing. + +Lucilius. +Mit Höflichkeit und Ehrbezeugung gnug, +Doch nicht mit so vertrauter Herzlichkeit, +Nicht mit so freiem, freundlichem Gespräch, +Als er vordem wohl pflegte. + +Brutus. +Du beschreibst, +Wie warme Freund' erkalten. Merke stets +Lucilius, wenn Lieb erkrankt und schwindet, +Nimmt sie gezwungne Höflichkeiten an. +Einfältge, schlichte Treu weiß nichts von Künsten; +Doch Gleisner sind wie Pferde, heiß im Anlauf: +Sie prangen schön mit einem Schein von Kraft; +Doch sollen sie den blutgen Sporn erdulden, +So sinkt ihr Stolz, und falschen Mähren gleich +Erliegen sie der Prüfung.--Naht sein Heer? + +Lucilius. +Sie wollten Nachtquartier in Sardes halten. +Der größte Teil, die ganze Reiterei +Kommt mit dem Cassius. + +(Ein Marsch hinter der Szene.) + +Brutus. +Horch! Er ist schon da. +Rückt langsam ihm entgegen. + +Cassius tritt auf mit Soldaten. + +Cassius. +Halt! + +Brutus. +Halt! Gebt das Befehlswort weiter. + +(Hinter der Szene: Halt!--Halt!--Halt!) + +Cassius. +Ihr tatet mir zu nah, mein edler Brutus. + +Brutus. +Ihr Götter, richtet! Tu ich meinen Feinden +Zu nah? und sollt ich's meinem Bruder tun? + +Cassius. +Brutus, dies Euer würdiges Benehmen +Deckt Unrecht zu, und wenn Ihr es begeht-- + +Brutus. +Seid ruhig, Cassius! bringet leise vor, +Was für Beschwerd Ihr habt.--Ich kenn Euch wohl. +Im Angesicht der beiden Heere hier, +Die nichts von uns als Liebe sehen sollten, +Laßt uns nicht hadern. Heißt hinweg sie ziehn; +Führt Eure Klagen dann in meinem Zelt; +Ich will Gehör Euch geben. + +Cassius. +Pindarus, +Heißt unsre Obersten ein wenig weiter +Von diesem Platz hinweg die Scharen führen. + +Brutus. +Tut Ihr das auch, Lucilius. Laßt niemand, +Solang die Unterredung dauert, ein. +Laßt Lucius und Titinius Wache stehn. (Alle ab.) + + + +Dritte Szene +Im Zelte des Brutus + +Lucius und Titinius in einiger Entfernung davon. Brutus und Cassius +treten auf + +Cassius. +Eur Unrecht gegen mich erhellet hieraus: +Ihr habt den Lucius Pella hart verdammt, +Weil er bestochen worden von den Sardern; +Mein Brief, worin ich mich für ihn verwandt, +Weil ich ihn kenne, ward für nichts geachtet. + +Brutus. +Ihr tatet Euch zu nah, in solchem Fall zu schreiben. + +Cassius. +In solcher Zeit, wie diese, ziemt es nicht, +Daß jeder kleine Fehl bekrittelt werde. + +Brutus. +Laßt mich Euch sagen, Cassius, daß Ihr selbst +Verschrien seid, weil Ihr hohle Hände macht, +Weil Ihr an Unverdiente Eure Ämter +Verkauft und feilschet. + +Cassius. +Mach ich hohle Hände? +Ihr wißt wohl, Ihr seid Brutus, der dies sagt, +Sonst, bei den Göttern! wär dies Wort Eur letztes. + +Brutus. +Des Cassius Name adelt die Bestechung, +Darum verbirgt die Züchtigung ihr Haupt. + +Cassius. +Die Züchtigung! + +Brutus. +Denkt an den März, denkt an des Märzen Idus! +Hat um das Recht der große Julius nicht +Geblutet? Welcher Bube legt' an ihn +Die Hand wohl, schwang den Stahl, und nicht ums Recht? +Wie? Soll nun einer derer, die den ersten +Von allen Männern dieser Welt erschlugen, +Bloß, weil er Räuber schützte: sollen wir +Mit schnöden Gaben unsre Hand besudeln? +Und unser Würden weiten Kreis verkaufen +Für soviel Plunders, als man etwa greift? +Ein Hund sein lieber und den Mond anbellen, +Als solch ein Römer! + +Cassius. +Brutus, reizt mich nicht! +Ich will's nicht dulden. Ihr vergeßt Euch selbst, +Wenn Ihr mich so umzäunt; ich bin ein Krieger, +Erfahrner, älter, fähiger als Ihr, +Bedingungen zu machen. + +Brutus. +Redet nur,-- +Ihr seid es doch nicht, Cassius. + +Cassius. +Ich bin's. + +Brutus. +Ich sag, Ihr seid es nicht. + +Cassius. +Drängt mich nicht mehr, ich werde mich vergessen; +Gedenkt an Euer Heil, reizt mich nicht länger. + +Brutus. +Geht, leichtgesinnter Mann! + +Cassius. +Ist's möglich? + +Brutus. +Hört mich an, denn ich will reden. +Muß ich mich Eurer jähen Hitze fügen? +Muß ich erschrecken, wenn ein Toller starrt? + +Cassius. +Ihr Götter! Götter! muß ich all dies dulden? + +Brutus. +All dies? Noch mehr! Ergrimmt, bis es Euch birst, +Das stolze Herz. Geht, zeiget Euren Sklaven, +Wie rasch zum Zorn Ihr seid, und macht sie zittern. +Muß ich beiseit mich drücken? muß den Hof +Euch machen? Muß ich dastehn und mich krümmen +Vor Eurer krausen Laune? Bei den Göttern! +Ihr sollt hinunterwürgen Euren Gift, +Und wenn Ihr börstet; denn von heute an +Dient Ihr zum Scherz, ja zum Gelächter mir, +Wenn Ihr Euch so gebärdet. + +Cassius. +Dahin kam's? + +Brutus. +Ihr sagt, daß Ihr ein beßrer Krieger seid: +Beweist es denn, macht Euer Prahlen wahr. +Es soll mir lieb sein; denn, was mich betrifft, +Ich werde gern von edlen Männern lernen. + +Cassius. +Ihr tut zu nah, durchaus zu nah mir, Brutus. +Ich sagt, ein ältrer Krieger, nicht ein beßrer. +Sagt ich, ein beßrer? + +Brutus. +Und hättet Ihr's gesagt, mir gilt es gleich. + +Cassius. +Mir hätte Cäsar das nicht bieten dürfen. + +Brutus. +O schweigt! Ihr durftet ihn auch nicht so reizen. + +Cassius. +Ich durfte nicht? + +Brutus. +Nein. + +Cassius. +Wie? Durft ihn nicht reizen? + +Brutus. +Ihr durftet es für Euer Leben nicht. + +Cassius. +Wagt nicht zuviel auf meine Liebe hin, +Ich möchte tun, was mich nachher gereute. + +Brutus. +Ihr habt getan, was Euch gereuen sollte. +Eur Drohn hat keine Schrecken, Cassius; +Denn ich bin so bewehrt durch Redlichkeit, +Daß es vorbeizieht wie der leere Wind, +Der nichts mir gilt. Ich sandte hin zu Euch +Um eine Summe Golds, die Ihr mir abschlugt. +Ich kann kein Geld durch schnöde Mittel heben. +Beim Himmel! lieber prägt ich ja mein Herz +Und tröpfelte mein Blut für Drachmen aus +Als daß ich aus der Bauern harten Händen +Die jämmerliche Habe winden sollte +Durch irgendeinen Schlich.--Ich sandt um Gold zu Euch, +Um meine Legionen zu bezahlen; +Ihr schlugt mir's ab: war das, wie Cassius sollte? +Hätt ich dem Cajus Cassius so erwidert? +Wenn Marcus Brutus je so geizig wird, +Daß er so lumpge Pfennige den Freunden +Verschließt, dann rüstet eure Donnerkeile, +Zerschmettert ihn, ihr Götter! + +Cassius. +Ich schlug es Euch nicht ab. + +Brutus. +Ihr tatet es. + +Cassius. +Ich tat's nicht; der Euch meine Antwort brachte, +War nur ein Tor.--Brutus zerreißt mein Herz-- +Es sollt ein Freund des Freundes Schwächen tragen, +Brutus macht meine größer, als sie sind. + +Brutus. +Das tu ich nicht, bis Ihr damit mich quält. + +Cassius. +Ihr liebt mich nicht. + +Brutus. +Nicht Eure Fehler lieb ich. + +Cassius. +Nie konnt ein Freundesaug dergleichen sehn. + +Brutus. +Des Schmeichlers Auge säh sie nicht, erschienen +Sie auch so riesenhaft wie der Olymp. + +Cassius. +Komm, Mark Anton, und komm, Octavius, nur! +Nehmt eure Rach allein am Cassius; +Denn Cassius ist des Lebens überdrüssig, +Gehaßt von einem, den er liebt; getrotzt +Von seinem Bruder; wie ein Knecht gescholten. +Man späht nach allen meinen Fehlern, zeichnet +Sie in ein Denkbuch, lernt sie aus dem Kopf, +Wirft sie mir in die Zähne.--Oh, ich könnte +Aus meinen Augen meine Seele weinen! +Da ist mein Dolch, hier meine nackte Brust; +Ein Herz drin, reicher als des Plutus Schacht, +Mehr wert als Gold; wo du ein Römer bist, +So nimm's heraus. Ich, der dir Gold versagt, +Ich biete dir mein Herz. Stoß zu, wie einst +Auf Cäsar! Denn ich weiß, als du am ärgsten +Ihn haßtest, liebtest du ihn mehr, als je +Du Cassius geliebt. + +Brutus. +Steckt Euren Dolch ein! +Seid zornig, wenn Ihr wollt: es steh Euch frei! +Tut, was Ihr wollt, Schmach soll für Laune gelten. +O Cassius! einem Lamm seid Ihr gesellt, +Das so nur Zorn hegt wie der Kiesel Feuer, +Der, viel geschlagen, flüchtge Funken zeigt +Und gleich drauf wieder kalt ist. + +Cassius. +Lebt ich dazu, +Ein Scherz nur und Gelächter meinem Brutus +Zu sein, wenn Gram und böses Blut mich plagt? + +Brutus. +Als ich das sprach, hatt ich auch böses Blut. + +Cassius. +Gesteht Ihr soviel ein? Gebt mir die Hand. + +Brutus. +Und auch mein Herz. + +Cassius. +O Brutus! + +Brutus. +Was verlangt Ihr? + +Cassius. +Liebt Ihr mich nicht genug, Geduld zu haben, +Wenn jene rasche Laune, von der Mutter +Mir angeerbt, macht, daß ich mich vergesse? + +Brutus. +Ja, Cassius; künftig, wenn Ihr allzu streng +Mit Eurem Brutus seid, so denket er, +Die Mutter schmäl aus Euch, und läßt Euch gehn. + +(Lärm hinter der Szene.) + +Ein Poet (hinter der Szene). +Laßt mich hinein, ich muß die Feldherrn sehn. +Ein Zank ist zwischen ihnen; 's ist nicht gut, +Daß sie allein sind. + +Lucilius (hinter der Szene). +Ihr sollt nicht hinein. + +Poet (hinter der Szene). +Der Tod nur hält mich ab. + +Der Poet tritt ein. + +Cassius. +Ei nun, was gibt's? + +Poet. +Schämt ihr euch nicht, ihr Feldherrn? Was beginnt ihr? +Liebt euch, wie sich's für solche Männer schickt; +Fürwahr, ich hab mehr Jahr' als ihr erblickt. + +Cassius. +Ha, ha! wie toll der Zyniker nicht reimt! + +Brutus. +Ihr Schlingel, packt Euch! Fort, verwegner Bursch! + +Cassius. +Ertragt ihn, Brutus! seine Weis ist so. + +Brutus. +Kennt er die Zeit, so kenn ich seine Laune. +Was soll der Krieg mit solchen Schellennarren? +Geh fort, Gesell! + +Cassius. +Fort! fort! geh deines Wegs! + +(Der Poet ab.) +Lucilius und Titinius kommen. + +Brutus. +Lucilius und Titinius, heißt die Obersten +Auf Nachtquartier für ihre Scharen denken. + +Cassius. +Kommt selber dann und bringt mit euch Messala +Sogleich zu uns herein. + +(Lucilius und Titinius ab.) + +Brutus. +Lucius, eine Schale Weins. + +Cassius. +Ich dachte nicht, daß Ihr so zürnen könntet. + +Brutus. +O Cassius, ich bin krank an manchem Gram. + +Cassius. +Ihr wendet die Philosophie nicht an, +Die ihr bekennt, gebt Ihr zufällgen Übeln Raum. + +Brutus. +Kein Mensch trägt Leiden besser.--Portia starb. + +Cassius. +Ha! Portia! + +Brutus. +Sie ist tot. + +Cassius. +Lag das im Sinn Euch, wie entkam ich lebend? +O bittrer, unerträglicher Verlust! +An welcher Krankheit? + +Brutus. +Die Trennung nicht erduldend; +Und Gram, daß mit Octavius Mark Anton +So mächtig worden--denn mit ihrem Tod +Kam der Bericht--das brachte sie von Sinnen, +Und wie sie sich allein sah, schlang sie Feuer. + +Cassius. +Und starb so? + +Brutus. +Starb so. + +Cassius. +O ihr ewgen Götter! + +Lucius kommt mit Wein und Kerzen. + +Brutus. +Sprecht nicht mehr von ihr.--Gebt eine Schale Weins! +Hierin begrab ich allen Unglimpf, Cassius. (Trinkt.) + +Cassius. +Mein Herz ist durstig, Euch Bescheid zu tun. +Füllt, Lucius, bis der Wein den Becher kränzt; +Von Brutus' Liebe trink ich nie zuviel. (Trinkt.) + +Titinius und Messala kommen. + +Brutus. +Herein, Titinius! Seid gegrüßt, Messala! +Nun laßt uns dicht um diese Kerze sitzen +Und, was uns frommt, in Überlegung ziehn. + +Cassius. +O Portia, bist du hin! + +Brutus. +Nicht mehr, ich bitt Euch! +Messala, seht, ich habe Brief' empfangen, +Daß Mark Anton, mit ihm Octavius, +Heranziehn gegen uns mit starker Macht +Und ihren Heerzug nach Philippi lenken. + +Messala. +Ich habe Briefe von demselben Inhalt. + +Brutus. +Mit welchem Zusatz? + +Messala. +Daß durch Proskription und Achtserklärung +Octavius, Mark Anton und Lepidus +Auf hundert Senatoren umgebracht. + +Brutus. +Darüber weichen unsre Briefe ab. +Der meine spricht von siebzig Senatoren, +Die durch die Ächtung fielen; Cicero +Sei einer aus der Zahl. + +Cassius. +Auch Cicero? + +Messala. +Ja, er ist tot, und durch den Achtsbefehl.-- +Kam Euer Brief von Eurer Gattin, Herr? + +Brutus. +Nein, Messala. + +Messala. +Und meldet Euer Brief von ihr Euch nichts? + +Brutus. +Gar nichts, Messala. + +Messala. +Das bedünkt mich seltsam. + +Brutus. +Warum? Wißt Ihr aus Eurem Brief von ihr? + +Messala. +Nein, Herr. + +Brutus. +Wenn Ihr ein Römer seid, sagt mir die Wahrheit. + +Messala. +Tragt denn die Wahrheit, die ich sag, als Römer: +Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise. + +Brutus. +Leb wohl denn, Portia!--Wir müssen sterben, +Messala; dadurch, daß ich oft bedacht, +Sie müß einst sterben, hab ich die Geduld, +Es jetzt zu tragen. + +Messala. +So trägt ein großer Mann ein großes Unglück. + +Cassius. +Durch Kunst hab ich soviel hievon als ihr, +Doch die Natur ertrüg's in mir nicht so. + +Brutus. +Wohlan, zu unserm lebenden Geschäft! +Was denkt Ihr? Ziehn wir nach Philippi gleich? + +Cassius. +Mir scheint's nicht ratsam. + +Brutus. +Euer Grund? + +Cassius. +Hier ist er: +Weit besser ist es, wenn der Feind uns sucht; +So wird er, sich zum Schaden, seine Mittel +Erschöpfen, seine Krieger müde machen. +Wir liegen still indes, bewahren uns +In Ruh wehrhaften Stand und Munterkeit. + +Brutus. +Den bessern Gründen müssen gute weichen. +Das Land von hier bis nach Philippi hin +Beweist uns nur aus Zwang Ergebenheit, +Denn murrend hat es Lasten uns gezahlt. +Der Feind, indem er durch dasselbe zieht, +Wird seine Zahl daraus ergänzen können +Und uns erfrischt, vermehrt, ermutigt nahn. +Von diesem Vorteil schneiden wir ihn ab, +Wenn zu Philippi wir die Stirn ihm bieten, +Dies Volk im Rücken. + +Cassius. +Hört mich, lieber Bruder! + +Brutus. +Erlaubt mir gütig!--Ferner müßt Ihr merken, +Daß wir von Freunden alles aufgeboten, +Daß unsre Legionen übervoll +Und unsre Sache reif. Der Feind nimmt täglich zu; +Wir, auf dem Gipfel, stehn schon an der Neige. +Der Strom der menschlichen Geschäfte wechselt; +Nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück; +Versäumt man sie, so muß die ganze Reise +Des Lebens sich durch Not und Klippen winden. +Wir sind nun flott auf solcher hohen See +Und müssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen; +Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren. + +Cassius. +So zieht denn, wie Ihr wollt; wir rücken selbst +Dem Feind entgegen nach Philippi vor. + +Brutus. +Die tiefe Nacht hat das Gespräch beschlichen, +Und die Natur muß frönen dem Bedürfnis, +Das mit ein wenig Ruh wir täuschen wollen. +Ist mehr zu sagen noch? + +Cassius. +Nein. Gute Nacht! +Früh stehn wir also morgen auf, und fort. + +Brutus. +Lucius, mein Schlafgewand! (Lucius ab.) Lebt wohl, Messala! +Gute Nacht, Titinius! Edler, edler Cassius, +Gute Nacht und sanfte Ruh! + +Cassius. +O teurer Bruder, +Das war ein schlimmer Anfang dieser Nacht. +Nie trenne solcher Zwiespalt unsre Herzen, +Nie wieder, Brutus. + +Brutus. +Alles steht ja wohl. + +Cassius. +Nun, gute Nacht! + +Brutus. +Gute Nacht, mein guter Bruder! + +Titinius und Messala. +Mein Feldherr, gute Nacht! + +Brutus. +Lebt alle wohl. + +(Cassius, Titinius und Messala ab.) +Lucius kommt zurück mit dem Nachtkleide. + +Brutus. +Gib das Gewand, wo hast du deine Laute? + +Lucius. +Im Zelte hier. + +Brutus. +Wie? Schläfrig? Armer Schelm, +Ich tadle drum dich nicht; du hast dich überwacht. +Ruf Claudius her und andre meiner Leute, +Sie sollen hier im Zelt auf Kissen schlafen. + +Lucius. +Varro und Claudius! + +Varro und Claudius kommen. + +Varro. +Ruft mein Gebieter? + +Brutus. +Ich bitt euch, liegt in meinem Zelt und schlaft; +Bald weck ich euch vielleicht, um irgendwas +Bei meinem Bruder Cassius zu bestellen. + +Varro. +Wenn's Euch beliebt, wir wollen stehn und warten. + +Brutus. +Das nicht! Nein, legt euch nieder, meine Freunde.-- + (Die beiden Diener legen sich nieder.) +Vielleicht verändert noch sich mein Entschluß.-- +Sieh, Lucius, hier das Buch, das ich so suchte; +Ich steckt es in die Tasche des Gewandes. + +Lucius. +Ich wußte wohl, daß mein Gebieter mir +Es nicht gegeben. + +Brutus. +Hab Geduld mit mir, +Mein guter Junge, ich bin sehr vergeßlich. +Hältst du noch wohl die müden Augen auf +Und spielst mir ein paar Weisen auf der Laute? + +Lucius. +Ja, Herr, wenn's Euch beliebt. + +Brutus. +Das tut's, mein Junge. +Ich plage dich zuviel, doch du bist willig. + +Lucius. +Es ist ja meine Pflicht. + +Brutus. +Ich sollte dich +Zur Pflicht nicht über dein Vermögen treiben; +Ich weiß, daß junges Blut auf Schlafen hält. + +Lucius. +Ich habe schon geschlafen, mein Gebieter. + +Brutus. +Du tatest recht und sollst auch wieder schlafen. +Ich will nicht lang dich halten; wenn ich lebe, +Will ich dir Gutes tun. + (Musik und ein Lied.) +Die Weis ist schläfrig--Mörderischer Schlummer, +Legst du die blei'rne Keul auf meinen Knaben, +Der dir Musik macht?--Lieber Schelm, schlaf wohl, +Ich tu dir's nicht zuleid, daß ich dich wecke; +Nickst du, so brichst du deine Laut entzwei; +Ich nehm sie weg, und schlaf nun, guter Knabe. +Laßt sehn! Ist, wo ich aufgehört zu lesen, +Das Blatt nicht eingelegt? Hier, denk ich, ist's. (Er setzt sich.) + Der Geist Cäsars erscheint. +Wie dunkel brennt die Kerze!--Ha, wer kommt? +Ich glaub, es ist die Schwäche meiner Augen, +Die diese schreckliche Erscheinung schafft. +Sie kommt mir näher--Bist du irgendwas? +Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel, +Der starren macht mein Blut, das Haar mir sträubt? +Gib Rede, was du bist. + +Geist. +Dein böser Engel, Brutus. + +Brutus. +Weswegen kommst du? + +Geist. +Um dir zu sagen, daß du zu Philippi +Mich sehn sollst. + +Brutus. +Gut, ich soll dich wiedersehn? + +Geist. +Ja, zu Philippi. (Verschwindet.) + +Brutus. +Nun, zu Philippi will ich denn dich sehn. +Nun ich ein Herz gefaßt, verschwindest du; +Gern spräch ich mehr mit dir noch, böser Geist.-- +Bursch! Lucius!--Varro! Claudius! wacht auf! +Claudius! + +Lucius. +Die Saiten sind verstimmt. + +Brutus. +Er glaubt, er sei bei seiner Laute noch. +Erwache, Lucius! + +Lucius. +Herr? + +Brutus. +Hast du geträumt, daß du so schrieest, Lucius? + +Lucius. +Ich weiß nicht, mein Gebieter, daß ich schrie. + +Brutus. +Ja doch, was tatst du; sahst du irgendwas? + +Lucius. +Nichts auf der Welt. + +Brutus. +Schlaf wieder, Lucius.--Heda, Claudius! +Du, Bursch, wach auf! + +Varro. +Herr? + +Claudius. +Herr? + +Brutus. +Weswegen schriet ihr so in eurem Schlaf? + +Varro und Claudius. +Wir schrieen, Herr? + +Brutus. +Ja, saht ihr irgendwas? + +Varro. +Ich habe nichts gesehn. + +Claudius. +Ich gleichfalls nicht. + +Brutus. +Geht und empfehlt mich meinem Bruder Cassius; +Er lasse früh voraufziehn seine Macht, +Wir wollen folgen. + +Varro und Claudius. +Herr, es soll geschehn. + +(Alle ab.) + + + + +Fünfter Aufzug + + + +Erste Szene +Die Ebene von Philippi + +Octavius, Antonius und ihr Heer + +Octavius. +Nun, Mark Anton, wird meine Hoffnung wahr. +Ihr spracht, der Feind werd auf den Höhn sich halten +Und nicht herab in unsre Ebene ziehn; +Es zeigt sich anders: seine Scharen nahn! +Sie wollen zu Philippi hier uns mahnen +Und Antwort geben, eh wir sie befragt. + +Antonius. +Pah, steck ich doch in ihren Herzen, weiß, +Warum sie's tun. Sie wären's wohl zufrieden, +Nach andern Plätzen hinzuziehn, und kommen +Mit bangem Trotz, im Wahn, durch diesen Aufzug +Uns vorzuspiegeln, sie besitzen Mut. +Allein dem ist nicht so. + +Ein Bote tritt auf. + +Bote. +Bereitet euch, ihr Feldherrn. +Der Feind rückt an in wohlgeschloßnen Reihn. +Sein blutges Schlachtpanier ist ausgehängt, +Und etwas muß im Augenblick geschehn. + +Antonius. +Octavius, führet langsam Euer Heer +Zur linken Hand der Ebene weiter vor. + +Octavius. +Zur rechten ich; behaupte du die linke. + +Antonius. +Was kreuzt Ihr mich, da die Entscheidung drängt? + +Octavius. +Ich kreuz Euch nicht, doch ich verlang es so. + +(Marsch.) +Trommeln werden gerührt. Brutus und Cassius kommen mit ihrem Heere; +Lucilius, Titinius, Messala und andre. + +Brutus. +Sie halten still und wollen ein Gespräch. + +Cassius. +Titinius, steh! Wir treten vor und reden. + +Octavius. +Antonius, geben wir zur Schlacht das Zeichen? + +Antonius. +Nein, Cäsar, laßt uns ihres Angriffs warten. +Kommt, tretet vor! Die Feldherrn wünschen ja +Ein Wort mit uns. + +Octavius. +Bleibt stehn bis zum Signal. + +Brutus. +Erst Wort, dann Schlag: nicht wahr, ihr Landsgenossen? + +Octavius. +Nicht, daß wir mehr als ihr nach Worten fragen. + +Brutus. +Gut Wort, Octavius, gilt wohl bösen Streich. + +Antonius. +Ihr, Brutus, gebt bei bösem Streich gut Wort. +Des zeuget Cäsars Herz, durchbohrt von Euch, +Indes Ihr rieft: "Lang lebe Cäsar, Heil!" + +Cassius. +Die Führung Eurer Streiche, Mark Anton, +Ist uns noch unbekannt; doch Eure Worte +Begehn an Hyblas Bienen Raub und lassen +Sie ohne Honig. + +Antonius. +Nicht auch stachellos? + +Brutus. +O ja! auch tonlos, denn Ihr habt ihr Summen +Gestohlen, Mark Anton, und drohet weislich, +Bevor Ihr stecht. + +Antonius. +Ihr tatet's nicht, Verräter, +Als eure schnöden Dolch' einander stachen +In Cäsars Brust. Ihr zeigtet eure Zähne +Wie Affen, krocht wie Hunde, bücktet tief +Wie Sklaven euch und küßtet Cäsars Füße; +Derweil von hinten der verfluchte Casca +Mit tückschem Bisse Cäsars Nacken traf. +O Schmeichler! + +Cassius. +Schmeichler!--Dankt Euch selbst nun, Brutus, +Denn diese Zunge würde heut nicht freveln, +Wär Cassius' Rat befolgt. + +Octavius. +Zur Sache! kommt! Macht Widerspruch uns schwitzen, +So kostet rötre Tropfen der Erweis. +Seht! auf Verschworne zück ich dieses Schwert: +Wann, denkt ihr, geht es wieder in die Scheide? +Nie, bis des Cäsar dreiundzwanzig Wunden +Gerächt sind, oder bis ein andrer Cäsar +Mit Mord gesättigt der Verräter Schwert. + +Brutus. +Cäsar, du kannst nicht durch Verräter sterben, +Du bringest denn sie mit. + +Octavius. +Das hoff ich auch; +Von Brutus' Schwert war Tod mir nicht bestimmt. + +Brutus. +O wärst du deines Stammes Edelster, +Du könntest, junger Mann, nicht schöner sterben. + +Cassius. +Ein launisch Bübchen, unwert solchen Ruhms, +Gesellt zu einem Wüstling und 'nem Trinker. + +Antonius. +Der alte Cassius! + +Octavius. +Kommt, Antonius! fort! +Trotz in die Zähne schleudr' ich euch, Vertäter! +Wagt ihr zu fechten heut, so kommt ins Feld, +Wo nicht, wenn's euch gemutet. + +(Octavius und Antonius mit ihrem Heere ab.) + +Cassius. +Nun tobe, Wind! schwill, Woge! schwimme, Nachen! +Der Sturm ist wach und alles auf dem Spiel. + +Brutus. +Lucilius, hört! ich muß ein Wort Euch sagen. + +Lucilius. Herr? + +(Brutus und Lucilius reden beiseite miteinander.) + +Cassius. +Messala! + +Messala. +Was befiehlt mein Feldherr? + +Cassius. +Messala, dies ist mein Geburtstag; grade +An diesem Tag kam Cassius auf die Welt. +Gib mir die Hand, Messala, sei mein Zeuge, +Daß ich gezwungen, wie Pompejus einst, +An eine Schlacht all unsre Freiheit wage. +Du weißt, ich hielt am Epicurus fest +Und seiner Lehr; nun ändr' ich meinen Sinn +Und glaub an Dinge, die das Künftge deuten. +Auf unserm Zug von Sardes stürzten sich +Zwei große Adler auf das vordre Banner; +Da saßen sie und fraßen gierig schlingend +Aus unsrer Krieger Hand; sie gaben uns +Hieher bis nach Philippi das Geleit; +Heut morgen sind sie auf und fortgeflohn. +Statt ihrer fliegen Raben, Geier, Krähn +Uns überm Haupt und schaun herab auf uns +Als einen siechen Raub; ihr Schatten scheint +Ein Trauerhimmel, unter dem das Heer, +Bereit, den Atem auszuhauchen, liegt. + +Messala. +Nein, glaubt das nicht. + +Cassius. +Ich glaub es auch nur halb, +Denn ich bin frischen Mutes und entschlossen, +Zu trotzen standhaft jeglicher Gefahr. + +Brutus. +Tu das, Lucilius. + +Cassius. +Nun, mein edler Brutus, +Sein uns die Götter heute hold, auf daß wir +Gesellt in Frieden unserm Alter nahn! +Doch weil das Los der Menschen niemals sicher, +Laßt uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall. +Verlieren wir dies Treffen, so ist dies +Das allerletzte Mal, daß wir uns sprechen: +Was habt Ihr dann Euch vorgesetzt zu tun? + +Brutus. +Ganz nach der Vorschrift der Philosophie, +Wonach ich Cato um den Tod getadelt, +Den er sich gab (ich weiß nicht, wie es kommt, +Allein ich find es feig und niederträchtig, +Aus Furcht, was kommen mag, des Lebens Zeit +So zu verkürzen), will ich mit Geduld +Mich waffnen und den Willen hoher Mächte +Erwarten, die das Irdische regieren. + +Cassius. +Dann, geht die Schlacht verloren, laßt Ihr's Euch +Gefallen, daß man durch die Straßen Roms +Euch im Triumphe führt? + +Brutus. +Nein, Cassius, nein! Glaub mir, du edler Römer, +Brutus wird nie gebunden gehn nach Rom; +Er trägt zu hohen Sinn. Doch dieser Tag +Muß enden, was des Märzen Idus anfing; +Ob wir uns wieder treffen, weiß ich nicht: +Drum laßt ein ewig Lebewohl uns nehmen. +Gehab dich wohl, mein Cassius, für und für! +Sehn wir uns wieder, nun, so lächeln wir; +Wo nicht, so war dies Scheiden wohlgetan. + +Cassius. +Gehab dich wohl, mein Brutus, für und für! +Sehn wir uns wieder, lächeln wir gewiß; +Wo nicht, ist wahrlich wohlgetan dies Scheiden. + +Brutus. +Nun wohl, rückt vor! O wüßte jemand doch +Das Ende dieses Tagwerks, eh es kommt! +Allein es gnüget, enden wird der Tag, +Dann wissen wir sein Ende.--Kommt und fort! + +(Alle ab.) + + + +Zweite Szene +Das Schlachtfeld + +Getümmel. Brutus und Messala kommen + +Brutus. +Reit, reit, Messala, reit! Bring diese Zettel +Den Legionen auf der andern Seite. (Lautes Getümmel.) +Laß sie auf einmal stürmen, denn ich merke, +Octavius' Flügel hält nur schwachen Stand; +Ein schneller Anfall wirft ihn übern Haufen. +Reit! reit, Messala! Laß herab sie kommen! + +(Beide ab.) + + + +Dritte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Getümmel. Cassius und Titinius kommen + +Cassius. +O sieh, Titinius! sieh! die Schurken fliehn. +Ich selbst ward meiner eignen Leute Feind: +Dies unser Banner wandte sich zur Flucht; +Ich schlug den Feigen und entriß es ihm. + +Titinius. +O Cassius! Brutus gab das Wort zu früh. +Im Vorteil gegen den Octavius, setzt' er +Zu hitzig nach; sein Heer fing an zu plündern, +Indes uns alle Mark Anton umzingelt. + +Pindarus kommt. + +Pindarus. +Herr, flieht doch weiter! flieht doch weiter weg! +Antonius ist in Euren Zelten, Herr; +Drum, edler Cassius, flieht! Flieht weit hinweg! + +Cassius. +Der Hügel hier ist weit genug. Schau, schau, +Titinius! Sind das meine Zelte nicht, +Wo ich das Feuer sehe? + +Titinius. +Ja, mein Feldherr. + +Cassius. +Wenn du mich hebst, Titinius, so besteig +Mein Pferd, setz ihm die Sporen in die Seite, +Bis es zu jener Mannschaft dich gebracht +Und wieder her, damit ich sicher wisse, +Ob jene Mannschaft Freund ist oder Feind. + +Titinius. +Wie ein Gedanke bin ich wieder hier. (Ab.) + +Cassius. +Geh, Pindarus, steig höher auf den Hügel, +Denn mein Gesicht ist kurz; acht auf Titinius +Und sag mir, was du auf dem Feld entdeckst. + (Pindarus ab.) +An diesem Tage atmet ich zuerst; +Die Zeit ist um, und enden soll ich da, +Wo ich begann; mein Leben hat den Kreislauf +Vollbracht.--Du dort, was gibt's? + +Pindarus (oben). +O Herr! + +Cassius. +Was gibt's? + +Pindarus. +Titinius ist von Reitern ganz umringt; +Sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter. +Nun sind sie dicht schon bei ihm--nun Titinius! +Sie steigen ab--er auch--er ist gefangen; +Und horcht! sie jubeln laut. (Freudengeschrei.) + +Cassius. +Steig nur herunter, sieh nicht weiter zu. +O Memme, die ich bin, so lang zu leben, +Bis ich den besten Freund vor meinen Augen +Gefangen sehen muß! + Pindarus kommt zurück. +Komm, Bursch, hieher! +Ich macht in Parthia dich zum Gefangnen +Und ließ dich schwören, deines Lebens schonend, +Was ich nur immer tun dich hieß', du wollest +Es unternehmen. Komm nun, halt den Schwur! +Sei frei nun, und mit diesem guten Schwert, +Das Cäsars Leib durchbohrt, triff diesen Busen. +Erwidre nichts! Hier fasse du das Heft, +Und ist mein Angesicht verhüllt, wie jetzt, +So führ das Schwert.--Cäsar, du bist gerächt +Und mit demselben Schwert, das dich getötet. (Er stirbt.) + +Pindarus. +So bin ich frei, doch wär ich's lieber nicht, +Hätt es auf mir beruht.--O Cassius! +Weit weg flieht Pindarus von diesem Lande, +Dahin, wo nie ein Römer ihn bemerkt. (Ab.) + +Titinius und Messala kommen. + +Messala. +Es ist nur Tausch, Titinius; denn Octav +Ward von des edlen Brutus Macht geschlagen, +Wie Cassius' Legionen von Antonius. + +Titinius. +Die Zeitung wird den Cassius sehr erquicken. + +Messala. +Wo ließt Ihr ihn? + +Titinius. +Ganz trostlos, neben ihm +Sein Sklave Pindarus, auf diesem Hügel. + +Messala. +Ist er das nicht, der auf dem Boden liegt? + +Titinius. +Er liegt nicht da wie lebend.--O mein Herz! + +Messala. +Nicht wahr, er ist es? + +Titinius. +Nein, er war's, Messala: +Doch Cassius ist nicht mehr.--O Abendsonne! +Wie du in deinen roten Strahlen sinkst, +So ging in Blut der Tag des Cassius unter. +Die Sonne Roms ging unter; unser Tag +Ist hingeflohn; nun kommen Wolken, Tau, +Gefahren; unsre Taten sind getan. +Mißtraun in mein Gelingen bracht ihn um. + +Messala. +Mißtraun in guten Ausgang bracht ihn um. +O hassenswerter Wahn! der Schwermut Kind! +Was zeigst du doch dem regen Witz der Menschen +Das, was nicht ist! O Wahn, so bald empfangen, +Zu glücklicher Geburt gelangst du nie +Und bringst die Mutter um, die dich erzeugt. + +Titinius. +Auf, Pindarus! Wo bist du, Pindarus? + +Messala. +Such ihn, Titinius; ich indessen will +Zum edlen Brutus und sein Ohr durchbohren +Mit dem Bericht. Wohl nenn ich es durchbohren; +Denn scharfer Stahl und giftge Pfeile würden +Dem Ohr des Brutus so willkommen sein, +Als Meldung dieses Anblicks. + +Titinius. +Eilt, Messala! +Ich suche Pindarus indessen auf. (Messala ab.) +Warum mich ausgesandt, mein wackrer Cassius? +Traf ich nicht deine Freunde? Setzten sie +Nicht diesen Siegeskranz auf meine Stirn, +Ihn dir zu bringen? Vernahmst du nicht ihr Jubeln? +Ach, jeden Umstand hast du mißgedeutet! +Doch halt, nimm diesen Kranz um deine Stirn; +Dein Brutus hieß mich dir ihn geben; ich +Vollführe sein Gebot.--Komm schleunig, Brutus, +Und sieh, wie ich den Cajus Cassius ehrte! +Verzeiht, ihr Götter!--Dies ist Römerbrauch: +Komm, Cassius' Schwert! triff den Titinius auch. (Er stirbt.) + +Getümmel. Messala kommt zurück mit Brutus, dem jungen Cato, Strato, +Volumnius und Lucilius. + +Brutus. +Wo? Wo, Messala? sag, wo liegt die Leiche? + +Messala. +Seht, dort! Titinius trauert neben ihr. + +Brutus. +Titinius' Antlitz ist emporgewandt. + +Cato. +Er ist erschlagen. + +Brutus. +O Julius Cäsar! Du bist mächtig noch; +Dein Geist geht um, er ist's, der unsre Schwerter +In unser eignes Eingeweide kehrt. + +(Lautes Getümmel.) + +Cato. +Mein wackrer Freund Titinius! Seht doch her, +Wie er den toten Cassius gekränzt! + +Brutus. +Und leben noch zwei Römer, diesen gleich? +Du letzter aller Römer, lebe wohl! +Unmöglich ist's, daß Rom je deinesgleichen +Erzeugen sollte.--Diesem Toten, Freunde, +Bin ich mehr Tränen schuldig, als ihr hier +Mich werdet zahlen sehen; aber, Cassius, +Ich finde Zeit dazu, ich finde Zeit. +Drum kommt, und schickt nach Thassos seine Leiche, +Er soll im Lager nicht bestattet werden; +Es schlüg uns nieder.--Komm, Lucilius! +Komm, junger Cato! Zu der Walstatt hin! +Ihr, Flavius und Labeo, laßt unsre Scharen rücken! +Es ist drei Uhr, und, Römer, noch vor Nacht +Versuchen wir das Glück in einer zweiten Schlacht. + +(Alle ab.) + + + +Vierte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Getümmel. Soldaten von beiden Heeren, fechtend; darauf Brutus, Cato, +Lucilius und andre + +Brutus. +Noch, Bürger, o noch haltet hoch die Häupter! + +Cato. +Ein Bastard, der's nicht tut! Wer will mir folgen? +Ich rufe meinen Namen durch das Feld: +Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hört! +Feind der Tyrannen, Freund des Vaterlands! +Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hört! + +Brutus (dringt auf den Feind ein). +Und ich bin Brutus, Marcus Brutus, ich; +Des Vaterlandes Freund: kennt mich als Brutus! + +(Ab, indem er auf den Feind eindringt. Cato wird überwältigt und +fällt.) + +Lucilius. +O junger, edler Cato! bist du hin? +Ja! tapfer wie Titinius stirbst du nun, +Man darf dich ehren als des Cato Sohn. + +Erster Soldat. +Ergib dich, oder stirb! + +Lucilius. Nur um zu sterben +Ergeb ich mich. Hier ist soviel für dich (Bietet ihm Geld an), +Daß du sogleich mich töten wirst; nun töte +Den Brutus, und es ehre dich sein Tod. + +Erster Soldat. +Wir dürfen's nicht.--Ein edler Gefangner. + +Zweiter Soldat. +Platz da! +Sagt dem Antonius, daß wir Brutus haben. + +Erster Soldat. +Ich will es melden.--Sieh, da kommt der Feldherr. + Antonius tritt auf. +Wir haben Brutus, Herr! wir haben Brutus! + +Antonius. +Wo ist er? + +Lucilius. +In Sicherheit; Brutus ist sicher gnug. +Verlaß dich drauf, daß nimmermehr ein Feind +Den edlen Brutus lebend fangen wird. +Die Götter schützen ihn vor solcher Schmach! +Wo ihr ihn findet, lebend oder tot, +Er wird wie Brutus, wie er selbst, sich zeigen. + +Antonius. +Dies ist nicht Brutus, Freund, doch auf mein Wort, +Ein nicht geringrer Fang. Verwahrt ihn wohl, +Erweist nur Gutes ihm; ich habe lieber +Zu Freunden solche Männer als zu Feinden. +Eilt! seht, ob Brutus tot ist oder lebt! +Und bringt Bericht zu des Octavius Zelt, +Wie alles sich begeben. + +(Alle ab.) + + + +Fünfte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Brutus, Dardanius, Clitus, Strato und Volumnius treten auf + +Brutus. +Kommt, armer Überrest von Freunden! ruht +An diesem Felsen. + +Clitus. +Herr, Statilius zeigte +Das Fackellicht, doch kommt er nicht zurück; +Er ist gefangen oder gar erschlagen. + +Brutus. +Setz dich zu mir. Erschlagen ist die Losung, +Es ist des Tages Sitte.--Höre, Clitus! (Spricht leise mit ihm.) + +Clitus. +Wie, gnädger Herr? Ich? Nicht um alle Welt. + +Brutus. +Still denn! kein Wort! + +Clitus. +Eh tötet ich mich selbst. + +Brutus. +Dardanius, hör! (Spricht leise mit ihm.) + +Dardanius. +Ich eine solche Tat? + +Clitus. +O Dardanius! + +Dardanius. +O Clitus! + +Clitus. +Welch einen schlimmen Antrag tat dir Brutus? + +Dardanius. +Ich sollt ihn töten, Clitus; sieh, er sinnt. + +Clitus. +Nun ist das herrliche Gefäß voll Gram, +So daß es durch die Augen überfließt. + +Brutus. +Komm zu mir, Freund Volumnius: ein Wort! + +Volumnius. +Was sagt mein Feldherr? + +Brutus. +Dies, Volumnius: +Der Geist des Cäsar ist zu zweien Malen +Mir in der Nacht erschienen; erst zu Sardes, +Und vorge Nacht hier in Philippis Ebne. +Ich weiß, daß meine Stunde kommen ist. + +Volumnius. +Nicht doch, mein Feldherr. + +Brutus. +O ja, es ist gewiß, Volumnius. +Du siehst, Volumnius, wie es um uns steht; +Der Feind hat uns zum Abgrund hingetrieben. (Getümmel.) +Es ziemt sich mehr, von selbst hineinzuspringen, +Als zu erwarten seinen letzten Stoß. +Volumnius, wir gingen in die Schule +Zusammen, wie du weißt. Ich bitte dich +Um jener unsrer alten Liebe willen: +Halt du mein Schwert, indes ich drein mich stürze. + +Volumnius. +Das, Brutus, ist kein Dienst für einen Freund. + +(Fortdauerndes Getümmel.) + +Clitus. +Flieht, Herr, o flieht! Hier gilt kein Säumen mehr. + +Brutus. +Lebt wohl denn, Ihr--und Ihr--und Ihr, Volumnius. +Du, Strato, lagst die ganze Zeit im Schlaf: +Leb wohl auch du!--Mitbürger, meinem Herzen +Ist's Wonne, daß ich noch im ganzen Leben +Nicht einen fand, der nicht getreu mir war. +Ich habe Ruhm von diesem Unglückstage, +Mehr, als Octavius und Mark Anton +Durch diesen schnöden Sieg erlangen werden. +So lebt zusammen wohl! Denn Brutus' Zunge +Schließt die Geschichte seines Lebens bald. +Nacht deckt mein Auge, mein Gebein will Ruh, +Es strebte längst nur dieser Stunde nach. + +(Getümmel. Geschrei hinter der Szene.--"Flieht! flieht! flieht!") + +Clitus. +Flieht, Herr! o flieht! + +Brutus. +Nur fort! Ich will euch folgen. + (Clitus, Dardanius und Volumnius ab.) +Ich bitt dich, Strato, bleib bei deinem Herrn. +Du bist ein Mensch von redlichem Gemüt, +In deinem Leben war ein Funken Ehre. +Halt denn mein Schwert, und wende dich hinweg, +Indes ich drein mich stürze. Willst du, Strato? + +Strato. +Gebt erst die Hand mir. Herr, gehabt Euch wohl! + +Brutus. +Leb wohl, mein Freund!--Besänftge, Cäsar, dich! +Nicht halb so gern bracht ich dich um als mich. + +(Er stürzt sich auf sein Schwert und stirbt.) +Getümmel. Rückzug. Octavius und Antonius mit ihrem Heere, Messala +und Lucilius kommen. + +Octavius. +Wer ist der Mann? + +Messala. +Der Diener meines Herrn. +Strato, wo ist dein Herr? + +Strato. +Frei von den Banden, die Ihr tragt, Messala. +Die Sieger können nur zu Asch ihn brennen; +Denn Brutus unterlag allein sich selbst, +Und niemand sonst hat Ruhm von seinem Tode. + +Lucilius. +So mußten wir ihn finden.--Dank dir, Brutus, +Daß du Lucilius' Rede wahr gemacht. + +Octavius. +Des Brutus Leute nehm ich all in Dienst. +Willst du in Zukunft bei mir leben, Bursch? + +Strato. +Ja, wenn Messala mich Euch überläßt. + +Octavius. +Tut mir's zulieb, Messala. + +Messala. +Strato, wie starb mein Herr? + +Strato. +Ich hielt das Schwert, so stürzt' er sich hinein. + +Messala. +Octavius, nimm ihn denn, daß er dir folge, +Der meinem Herrn den letzten Dienst erwies. + +Antonius. +Dies war der beste Römer unter allen: +Denn jeder der Verschwornen, bis auf ihn, +Tat, was er tat, aus Mißgunst gegen Cäsar. +Nur er verband aus reinem Biedersinn +Und zum gemeinen Wohl sich mit den andern. +Sanft war sein Leben, und so mischten sich +Die Element' in ihm, daß die Natur +Aufstehen durfte und der Welt verkünden: +Dies war ein Mann! + +Octavius. +Nach seiner Tugend laßt uns ihm begegnen +Mit aller Achtung und Bestattungsfeier. +Er lieg in meinem Zelte diese Nacht, +Mit Ehren wie ein Krieger angetan. +Nun ruft das Heer zur Ruh; laßt fort uns eilen +Und dieses frohen Tags Trophäen teilen. (Ab.) + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Julius Cäsar, von William +Shakespeare (Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel). + + + + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Julius Caesar, by William Shakespeare + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JULIUS CAESAR *** + +***** This file should be named 9875-8.txt or 9875-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/9/8/7/9875/ + +Produced by Delphine Lettau + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. They may be modified and printed and given away--you may do +practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is +subject to the trademark license, especially commercial +redistribution. + + + +*** START: FULL LICENSE *** + +THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE +PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK + +To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free +distribution of electronic works, by using or distributing this work +(or any other work associated in any way with the phrase "Project +Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project +Gutenberg-tm License (available with this file or online at +https://gutenberg.org/license). + + +Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm +electronic works + +1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all +the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy +all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. +If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project +Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the +terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or +entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. + +1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be +used on or associated in any way with an electronic work by people who +agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few +things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works +even without complying with the full terms of this agreement. See +paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project +Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement +and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic +works. See paragraph 1.E below. + +1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" +or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project +Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the +collection are in the public domain in the United States. If an +individual work is in the public domain in the United States and you are +located in the United States, we do not claim a right to prevent you from +copying, distributing, performing, displaying or creating derivative +works based on the work as long as all references to Project Gutenberg +are removed. Of course, we hope that you will support the Project +Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by +freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of +this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with +the work. You can easily comply with the terms of this agreement by +keeping this work in the same format with its attached full Project +Gutenberg-tm License when you share it without charge with others. + +1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern +what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in +a constant state of change. If you are outside the United States, check +the laws of your country in addition to the terms of this agreement +before downloading, copying, displaying, performing, distributing or +creating derivative works based on this work or any other Project +Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning +the copyright status of any work in any country outside the United +States. + +1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: + +1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate +access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently +whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the +phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project +Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, +copied or distributed: + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + +1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived +from the public domain (does not contain a notice indicating that it is +posted with permission of the copyright holder), the work can be copied +and distributed to anyone in the United States without paying any fees +or charges. If you are redistributing or providing access to a work +with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the +work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 +through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the +Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or +1.E.9. + +1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted +with the permission of the copyright holder, your use and distribution +must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional +terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked +to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the +permission of the copyright holder found at the beginning of this work. + +1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm +License terms from this work, or any files containing a part of this +work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. + +1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this +electronic work, or any part of this electronic work, without +prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with +active links or immediate access to the full terms of the Project +Gutenberg-tm License. + +1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, +compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any +word processing or hypertext form. However, if you provide access to or +distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than +"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version +posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org), +you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a +copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon +request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other +form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm +License as specified in paragraph 1.E.1. + +1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, +performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works +unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. + +1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing +access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided +that + +- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from + the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method + you already use to calculate your applicable taxes. The fee is + owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he + has agreed to donate royalties under this paragraph to the + Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments + must be paid within 60 days following each date on which you + prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax + returns. Royalty payments should be clearly marked as such and + sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the + address specified in Section 4, "Information about donations to + the Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies + you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he + does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm + License. You must require such a user to return or + destroy all copies of the works possessed in a physical medium + and discontinue all use of and all access to other copies of + Project Gutenberg-tm works. + +- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any + money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the + electronic work is discovered and reported to you within 90 days + of receipt of the work. + +- You comply with all other terms of this agreement for free + distribution of Project Gutenberg-tm works. + +1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm +electronic work or group of works on different terms than are set +forth in this agreement, you must obtain permission in writing from +both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael +Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the +Foundation as set forth in Section 3 below. + +1.F. + +1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable +effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread +public domain works in creating the Project Gutenberg-tm +collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic +works, and the medium on which they may be stored, may contain +"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual +property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a +computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by +your equipment. + +1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right +of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project +Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project +Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all +liability to you for damages, costs and expenses, including legal +fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT +LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE +PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE +TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE +LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR +INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH +DAMAGE. + +1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a +defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can +receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a +written explanation to the person you received the work from. If you +received the work on a physical medium, you must return the medium with +your written explanation. The person or entity that provided you with +the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a +refund. If you received the work electronically, the person or entity +providing it to you may choose to give you a second opportunity to +receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy +is also defective, you may demand a refund in writing without further +opportunities to fix the problem. + +1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth +in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO +WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. + +1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied +warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. +If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the +law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be +interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by +the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any +provision of this agreement shall not void the remaining provisions. + +1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the +trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance +with this agreement, and any volunteers associated with the production, +promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, +harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, +that arise directly or indirectly from any of the following which you do +or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm +work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any +Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. + + +Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm + +Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of computers +including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit https://pglaf.org + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/9875-8.zip b/9875-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..726af08 --- /dev/null +++ b/9875-8.zip diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..92c96c1 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #9875 (https://www.gutenberg.org/ebooks/9875) diff --git a/old/7gs2410.txt b/old/7gs2410.txt new file mode 100644 index 0000000..0fc0c7c --- /dev/null +++ b/old/7gs2410.txt @@ -0,0 +1,4991 @@ +The Project Gutenberg EBook of Julius Caesar, by William Shakespeare + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Julius Caesar + +Author: William Shakespeare + +Release Date: February, 2006 [EBook #9875] +[This file was first posted on October 26, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: US-ASCII + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, JULIUS CAESAR *** + + + + +Etext prepared by Delphine Letttau + + + + + + + +This Etext is in German. + +We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, +known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- +and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- +which requires a binary transfer, or sent as email attachment and +may require more specialized programs to display the accents. +This is the 7-bit version. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Julius Caesar + +William Shakespeare + +Uebersetzt von August Wilhelm von Schlegel + + + + + + + +Personen: + +Julius Caesar + +Octavius Caesar, Marcus Antonius und M. Aemilius Lepidus, +Triumvirn nach dem Tode des Julius Caesar + +Cicero, Publius und Popilius Lena, Senatoren + +Marcus Brutus, Cassius, Casca, Trebonius, Ligarius, Decius Brutus, +Metellus Cimber und Cinna, Verschworene gegen Julius Caesar + +Flavius und Marullus, Tribunen + +Artemidorus, ein Sophist von Knidos + +Ein Wahrsager + +Cinna, ein Poet + +Ein anderer Poet + +Lucilius, Titinius, Messala, Der junge Cato und Volumnius, +Freunde des Brutus und Cassius + +Varro, Clitus, Claudius, Strato, Lucius und Dardanius, +Diener des Brutus + +Pindarus, Diener des Cassius + +Calpurnia, Gemahlin der Caesar + +Portia, Gemahlin des Brutus + +Senatoren, Buerger, Wache, Gefolge usw. + + + +Die Szene ist einen grossen Teil des Stuecks hindurch zu Rom, nachher +zu Sardes und bei Philippi + + + + +Erster Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Eine Strasse + +Flavius, Marullus und ein Haufe von Buergern + +Flavius. +Packt euch nach Haus, ihr Tagediebe! fort! +Ist dies ein Feiertag! Was? wisst ihr nicht, +Dass ihr als Handwerksleut an Werkeltagen +Nicht ohn ein Zeichen der Hantierung duerft +Umhergehn?--Welch' Gewerbe treibst du? sprich! + +Erster Buerger. +Nun, Herr, ich bin ein Zimmermann. + +Marullus. +Wo ist dein ledern Schurzfell und dein Mass? +Was machst du hier in deinen Sonntagskleidern?-- +Ihr, Freund, was treibt Ihr? + +Zweiter Buerger. +Die Wahrheit zu gestehn, Herr, gegen einen feinen Arbeiter gehalten, +mache ich nur, sozusagen, Flickwerk. + +Marullus. +Doch welch Gewerb? Antworte gradezu. + +Zweiter Buerger. +Ein Gewerbe, Herr, das ich mit gutem Gewissen treiben kann, wie ich +hoffe. Es besteht darin, einen schlechten Wandel zu verbessern. + +Marullus. +Welch ein Gewerb, du Schuft? welch ein Gewerb? + +Zweiter Buerger. +Nein, ich bitte Euch, Herr, lasst Euch die Geduld nicht reissen. +Wenn aber ja was reisst, so gebt Euch nur in meine Hand. + +Marullus. +Was meinst du damit? Mich in deine Hand geben, du naseweiser Bursch? + +Zweiter Buerger. +Nun ja, Herr, damit ich Euch flicken kann. + +Flavius. +Du bist ein Schuhflicker, nicht wahr? + +Zweiter Buerger. +Im Ernst, Herr, ich bin ein Wundarzt fuer alte Schuhe: wenn's +gefaehrlich mit ihnen steht, so mache ich sie wieder heil. So huebsche +Leute, als jemals auf Rindsleder getreten, sind auf meiner Haende Werk +einhergegangen. + +Flavius. +Doch warum bist du in der Werkstatt nicht? +Was fuehrst du diese Leute durch die Gassen? + +Zweiter Buerger. +Meiner Treu, Herr, um ihre Schuhe abzunutzen, damit ich wieder Arbeit +kriege. Doch im Ernst, Herr, wir machen Feiertag, um den Caesar zu +sehen und uns ueber seinen Triumph zu freuen. + +Marullus. +Warum euch freun? Was hat er wohl erobert? +Was fuer Besiegte fuehrt er heim nach Rom +Und fesselt sie zur Zier an seinen Wagen? +Ihr Bloeck'! ihr Steine! schlimmer als gefuehllos! +O harte Herzen! arge Maenner Roms! +Habt ihr Pompejus nicht gekannt? Wie oft +Stiegt ihr hinan auf Mauern und auf Zinnen, +Auf Tuerme, Fenster, ja auf Feueressen, +Die Kinder auf dem Arm, und sasset da +Den lieben langen Tag, geduldig wartend, +Bis durch die Strassen Roms Pompejus zoege? +Und saht ihr seinen Wagen nur von fern, +Erhobt ihr nicht ein allgemeines Jauchzen, +So dass die Tiber bebt' in ihrem Bett, +Wenn sie des Laermes Widerhall vernahm +An ihren hohlen Ufern? +Und legt ihr nun die Feierkleider an? +Und spart ihr nun euch einen Festtag aus? +Und streut ihr nun ihm Blumen auf den Weg, +Der siegprangt ueber des Pompejus Blut? +Hinweg! +In eure Haeuser lauft, fallt auf die Knie +Und fleht die Goetter an, die Not zu wenden, +Die ueber diesen Undank kommen muss! + +Flavius. +Geht, geht, ihr guten Buerger! und versammelt +Fuer dies Vergehen eure armen Brueder; +Fuehrt sie zur Tiber, weinet eure Traenen +Ins Flussbett, bis ihr Strom, wo er am flachsten, +Die hoechsten ihrer Uferhoehen kuesst. + (Die Buerger ab.) +Sieh, wie die Schlacken ihres Innern schmelzen! +Sie schwinden weg, verstummt in ihrer Schuld. +Geht Ihr den Weg, hinab zum Kapitol; +Hierhin will ich. Entkleidet dort die Bilder, +Seht Ihr mit Ehrenzeichen sie geschmueckt. + +Marullus. +Ist das erlaubt? +Ihr wisst, es ist das Luperkalienfest. + +Flavius. +Es tut nichts: lasst mit den Trophaeen Caesars +Kein Bild behaengt sein. Ich will nun umher +Und will den Poebel von den Gassen treiben. +Das tut auch Ihr, wo Ihr gedraengt sie seht. +Dies wachsende Gefieder, ausgerupft +Der Schwinge Caesars, wird den Flug ihm hemmen, +Der, ueber Menschenblicke hoch hinaus, +Uns alle sonst in knechtscher Furcht erhielte. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Ein oeffentlicher Platz + +In einem feierlichen Aufzuge mit Musik kommen Caesar, Antonius, zum +Wettlauf geruestet, Calpurnia, Portia, Decius, Cicero, Brutus, Cassius +und Casca; hinter ihnen ein grosses Gedraenge, darunter ein Wahrsager + +Caesar. +Calpurnia! + +Casca. +Still da! Caesar spricht. + +(Die Musik haelt inne.) + +Caesar. +Calpurnia! + +Calpurnia. +Hier, mein Gemahl! + +Caesar. +Stellt dem Antonius grad Euch in den Weg +Wenn er zur Wette laeuft.--Antonius! + +Antonius. +Erlauchter Caesar? + +Caesar. +Vergesst, Antonius, nicht, in Eurer Eil +Calpurnia zu beruehren; denn es ist +Ein alter Glaube, unfruchtbare Weiber, +Beruehrt bei diesem heilgen Wettelauf, +Entladen sich des Fluchs. + +Antonius. +Ich werd es merken. +Wenn Caesar sagt: "Tu das", so ist's vollbracht. + +Caesar. +Beginnt; lasst nichts von den Gebraeuchen aus. + +(Musik.) + +Wahrsager. +Caesar! + +Caesar. +He, wer ruft? + +Casca. +Es schweige jeder Laerm: noch einmal, still! + +(Die Musik haelt inne.) + +Caesar. +Wer ist es im Gedraeng, der mich begehrt? +Durch die Musik dringt gellend eine Stimme, +Die "Caesar!" ruft. Spricht Caesar neigt sein Ohr. + +Wahrsager. +Nimm, vor des Maerzen Idus dich in acht. + +Caesar. +Wer ist der Mann? + +Brutus. +Ein Wahrsager; er warnt Euch vor des Maerzen Idus. + +Caesar. +Fuehrt ihn mir vor, lasst sein Gesicht mich sehn. + +Casca. +Komm aus dem Haufen, Mensch; tritt vor den Caesar. + +Caesar. +Was sagst du nun zu mir? Sprich noch einmal. + +Wahrsager. +Nimm vor des Maerzen Idus dich in acht. + +Caesar. +Er ist ein Traeumer; lasst ihn gehn, und kommt. + +(Ein Marsch. Alle bis auf Brutus und Cassius gehn ab.) + +Cassius. +Wollt Ihr den Hergang bei dem Wettlauf sehn? + +Brutus. +Ich nicht. + +Cassius. +Ich bitt Euch, tut's. + +Brutus. +Ich hab am Spiel nicht Lust, mir fehlt ein Teil +Vom muntern Geiste des Antonius; +Doch muss ich Euch in Eurem Wunsch nicht hindern. +Ich lass Euch, Cassius. + +Cassius. +Brutus, seit kurzem geb ich acht auf Euch; +Ich find in Eurem Blick die Freundlichkeit, +Die Liebe nicht, an die Ihr mich gewoehnt. +Zu unwirsch und zu fremd begegnet Ihr +Dem Freunde, der Euch liebt. + +Brutus. +Mein Cassius, +Betruegt Euch nicht. Hab ich den Blick verschleiert, +So kehrt die Unruh meiner Mienen sich +Nur gegen mich allein. Seit kurzem quaelen +Mich Regungen von streitender Natur, +Gedanken, einzig fuer mich selbst geschickt, +Die Schatten wohl auf mein Betragen werfen. +Doch lasst dies meine Freunde nicht betrueben +(Wovon Ihr einer sein muesst, Cassius), +Noch mein achtloses Wesen anders deuten, +Als dass, mit sich im Krieg, der arme Brutus +Den andern Liebe kund zu tun vergisst. + +Cassius. +Darin, Brutus, missverstand ich Euren Unmut. +Deshalb begrub hier diese Brust Entwuerfe +Von grossem Werte, wuerdige Gedanken. +Sagt, Brutus, koennt Ihr Euer Antlitz sehn? + +Brutus. +Nein, Cassius, denn das Auge sieht sich nicht, +Als nur im Widerschein, durch andre Dinge. + +Cassius. +So ist's; +Und man beklagt sich sehr darueber, Brutus, +Dass Ihr nicht solche Spiegel habt, die Euren +Verborgnen Wert Euch in die Augen rueckten, +Auf dass Ihr Euren Schatten saeht. Ich hoerte, +Wie viele von den ersten Maennern Roms +(Nur Caesarn nehm ich aus), von Brutus redend, +Und seufzend unter dieser Zeiten Joch, +Dem edlen Brutus offne Augen wuenschten. + +Brutus. +Auf welche Wege, Cassius, lockt Ihr mich, +Dass Ihr mich heisst in meinem Innern suchen, +Was doch nicht in mir ist? + +Cassius. +Drum, lieber Brutus, schickt Euch an zu hoeren. +Und weil Ihr wisst, Ihr koennt Euch selbst so gut +Nicht sehn als durch den Widerschein, so will +Ich, Euer Spiegel, Euch bescheidentlich +Von Euch entdecken, was Ihr noch nicht wisst. +Und denkt von mir kein Arges, werter Brutus. +Waer ich ein Lacher aus der Menge; pflegt ich +Mein Herz durch Alltagsschwuere jedem neuen +Beteurer auszubieten; wenn Ihr wisst, +Dass ich die Menschen streichle, fest sie herze +Und dann sie laestre; oder wenn Ihr wisst, +Dass ich beim Schmaus mich mit der ganzen Schar +Verbruedern mag, dann huetet Euch vor mir. + +(Trompeten und Freudengeschrei.) + +Brutus. +Was heisst dies Jauchzen? Wie ich fuerchte, waehlt +Das Volk zum Koenig Caesarn. + +Cassius. +Fuerchtet Ihr's? +Das hiesse ja, Ihr moechtet es nicht gern. + +Brutus. +Nein, Cassius, nicht gern; doch lieb ich ihn. +Doch warum haltet Ihr mich hier so lange? +Was ist es, das Ihr mir vertrauen moechtet? +Ist's etwas, dienlich zum gemeinen Wohl, +Stellt Ehre vor ein Auge, Tod vors andre, +Und beide seh ich gleiches Mutes an. +Die Goetter sein mir guenstig, wie ich mehr +Die Ehre lieb, als vor dem Tod mich scheue. + +Cassius. +Ich weiss, dass diese Tugend in Euch wohnt, +Sogut ich Euer aeussres Ansehn kenne. +Wohl! Ehre ist der Inhalt meiner Rede. +Ich weiss es nicht, wie Ihr und andre Menschen +Von diesem Leben denkt; mir, fuer mich selbst, +Waer es so lieb, nicht da sein, als zu leben +In Furcht vor einem Wesen wie ich selbst. +Ich kam wie Caesar frei zur Welt, so Ihr; +Wir naehrten uns sogut, wir koennen beide +Sogut wie er des Winters Frost ertragen. +Denn einst, an einem rauhen stuermschen Tage, +Als wild die Tiber an ihr Ufer tobte, +Sprach Caesar zu mir: "Wagst du, Cassius, nun +Mit mir zu springen in die zornge Flut +Und bis dorthin zu schwimmen?"--Auf dies Wort, +Bekleidet, wie ich war, stuerzt ich hinein +Und hiess ihn folgen; wirklich tat er's auch. +Der Strom bruellt' auf uns ein; wir schlugen ihn +Mit wackern Sehnen, warfen ihn beiseit +Und hemmten ihn mit einer Brust des Trotzes. +Doch eh wir das gewaehlte Ziel erreicht, +Rief Caesar: "Hilf mir, Cassius! ich sinke." +Ich, wie Aeneas, unser grosser Ahn, +Aus Trojas Flammen einst auf seinen Schultern +Den alten Vater trug, so aus den Wellen +Zog ich den mueden Caesar.--Und der Mann +Ist nun zum Gott erhoeht, und Cassius ist +Ein arm Geschoepf und muss den Ruecken beugen, +Nickt Caesar nur nachlaessig gegen ihn. +Als er in Spanien war, hatt er ein Fieber, +Und wenn der Schaur ihn ankam, merkt ich wohl +Sein Beben: ja, er bebte, dieser Gott! +Das feige Blut der Lippen nahm die Flucht, +Sein Auge, dessen Blick die Welt bedraeut, +Verlor den Glanz, und aechzen hoert ich ihn. +Ja, dieser Mund, der horchen hiess die Roemer +Und in ihr Buch einzeichnen seine Reden, +Ach, rief: "Titinius! gib mir zu trinken!" +Wie'n krankes Maedchen. Goetter! ich erstaune, +Wie nur ein Mann so schwaechlicher Natur +Der stolzen Welt den Vorsprung abgewann, +Und nahm die Palm allein. + +(Jubelgeschrei. Trompeten.) + +Brutus. +Ein neues Jauchzen! +Ich glaube, dieser Beifall gilt die Ehren, +Die man auf Caesars Haupt von neuem haeuft. + +Cassius. +Ja, er beschreitet, Freund, die enge Welt +Wie ein Colossus, und wir kleinen Leute, +Wir wandeln unter seinen Riesenbeinen, +Und schaun umher nach einem schnoeden Grab. +Der Mensch ist manchmal seines Schicksals Meister: +Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, +Durch eigne Schuld nur sind wir Schwaechlinge. +Brutus und Caesar--was steckt doch in dem Caesar, +Dass man den Namen mehr als Euren spraeche? +Schreibt sie zusammen: ganz so schoen ist Eurer; +Sprecht sie: er steht den Lippen ganz so wohl; +Waegt sie: er ist so schwer; beschwoert mit ihnen: +Brutus ruft Geister auf so schnell wie Caesar. + (Jubelgeschrei.) +Nun denn, im Namen der gesamten Goetter, +Mit was fuer Speise naehrt der Caesar sich, +Dass er so gross ward? Zeit, du bist entehrt. +Rom, du verlorst die Kraft des Heldenstamms. +Welch Alter schwand wohl seit der grossen Flut, +Das nicht geglaenzt durch mehr als einen Mann? +Wer sagte jemals, wenn er sprach von Rom, +Es fass ihr weiter Kreis nur einen Mann? +Nun ist in Rom fuerwahr des Raums genug: +Find't man darin nur einen einzgen Mann. +O, beide hoerten wir von unsern Vaetern: +"Einst gab es einen Brutus, der so gern +Des alten Teufels Hof als einen Koenig +Geduldet haett in Rom." + +Brutus. +Dass Ihr mich liebt, bezweifl' ich keineswegs; +Worauf Ihr bei mir dringt, das ahn ich wohl; +Was ich davon gedacht und von den Zeiten, +Erklaer ich Euch in Zukunft. Doch fuer jetzt +Moecht ich, wenn ich Euch freundlich bitten darf, +Nicht mehr getrieben sein. Was ihr gesagt, +Will ich erwaegen; was Ihr habt zu sagen, +Mit Ruhe hoeren und gelegne Zeit, +So hohe Dinge zu besprechen, finden. +Bis dahin, edler Freund, beherzigt dies: +Brutus waer lieber eines Dorfs Bewohner, +Als sich zu zaehlen zu den Soehnen Roms +In solchem harten Stand, wie diese Zeit +Uns aufzulegen droht. + +Cassius. +Ich bin erfreut, dass meine schwachen Worte +Dem Brutus so viel Funken nur entlockt. + +Caesar und sein Zug kommen zurueck. + +Brutus. +Das Spiel ist aus, und Caesar kehrt zurueck. + +Cassius. +Wenn sie uns nahn, zupft Casca nur am Aermel, +Er wird nach seiner muerr'schen Art Euch sagen, +Was von Belang sich heut ereignet hat. + +Brutus. +Ich will es tun. Doch seht nur, Cassius, +Auf Caesars Stirne glueht der zornge Fleck, +Die andern sehn gescholtnen Dienern gleich. +Calpurnias Wang ist blass, und Cicero +Blickt mit so feurigen und roten Augen, +Wie wir ihn wohl im Kapitol gesehn, +Wenn Senatoren ihn im Rat bestritten. + +Cassius. +Casca wird uns berichten, was es gibt. + +Caesar. +Antonius! + +Antonius. +Caesar? + +Caesar. +Lasst wohlbeleibte Maenner um mich sein, +Mit glatten Koepfen, und die nachts gut schlafen. +Der Cassius dort hat einen hohlen Blick; +Er denkt zuviel: die Leute sind gefaehrlich. + +Antonius. +O fuerchtet den nicht; er ist nicht gefaehrlich, +Er ist ein edler Mann und wohlgesinnt. + +Caesar. +Waer er nur fetter!--Zwar ich fuercht ihn nicht; +Doch waere Furcht nicht meinem Namen fremd, +Ich kenne niemand, den ich eher miede +Als diesen hagern Cassius. Er liest viel; +Er ist ein grosser Pruefer und durchschaut +Das Tun der Menschen ganz; er liebt kein Spiel, +Wie du, Antonius, hoert nicht Musik; +Er laechelt selten, und auf solche Weise, +Als spott er sein, verachte seinen Geist, +Den irgend was zum Laecheln bringen konnte. +Und solche Maenner haben nimmer Ruh, +Solang die jemand groesser sehn als sich; +Das ist es, was sie so gefaehrlich macht. +Ich sag dir eher, was zu fuerchten staende, +Als was ich fuerchte; ich bin stets doch Caesar. +Komm mir zur Rechten, denn dies Ohr ist taub, +Und sag mir wahrhaft, was du von ihm denkst. + +(Caesar und sein Gefolge ab; Casca bleibt zurueck.) + +Casca. +Ihr zogt am Mantel mich; wollt Ihr mich sprechen? + +Brutus. +Ja, Casca, sag uns, was sich heut begeben, +Dass Caesar finster sieht. + +Casca. +Ihr wart ja bei ihm; wart Ihr nicht? + +Brutus. +Dann fragt ich Casca nicht, was sich begeben. + +Casca. +Nun, man bot ihm eine Krone an, und als man sie ihm anbot, schob er +sie mit dem Ruecken der Hand zurueck: so--; und da erhob das Volk ein +Jauchzen. + +Brutus. +Worueber jauchzten sie zum andern Mal? + +Casca. +Nun, auch darueber. + +Cassius. +Sie jauchzten dreimal ja; warum zuletzt? + +Casca. +Nun, auch darueber. + +Brutus. +Wurd ihm die Krone dreimal angeboten? + +Casca. +Ei, meiner Treu, wurde sie's, und er schob sie dreimal zurueck; +jedesmal sachter als das vorige Mal; und bei jedem Zurueckschieben +jauchzten meine ehrlichen alten Freunde. + +Cassius. +Wer bot ihm die Krone an? + +Casca. +Je nun, Antonius. + +Brutus. +Sagt uns die Art und Weise, lieber Casca. + +Casca. +Ich kann mich ebensogut haengen lassen, als euch die Art und Weise +erzaehlen: es waren nichts als Possen, ich gab nicht acht darauf. Ich +sah den Mark Anton ihm eine Krone anbieten--doch eigentlich war's +keine rechte Krone, es war so 'ne Art von Stirnband--und wie ich euch +sagte, er schob sie einmal beiseite; aber bei alledem haette er sie +nach meinem Beduenken gern gehabt. Dann bot er sie ihm nochmals an, +und dann schob er sie nochmals zurueck; aber nach meinem Beduenken kam +es ihm hart an, die Finger wieder davonzutun. Und dann bot er sie ihm +zum dritten Male an; er schob sie zum dritten Male zurueck; und +jedesmal, dass er sie ausschlug, kreischte das Gesindel und klatscht in +die rauhen Faeuste und warfen die schweissigen Nachtmuetzen in die Hoehe +und gaben eine solche Last stinkenden Atems von sich, weil Caesar die +Krone ausschlug, dass Caesar fast daran erstickt waere; denn er ward +ohnmaechtig und fiel nieder, und ich fuer mein Teil wagte nicht zu +lachen, aus Furcht, ich moechte den Mund auftun und die boese Luft +einatmen. + +Cassius. +Still doch! ich bitt Euch. Wie? er fiel in Ohnmacht? + +Casca. +Er fiel auf dem Marktplatze nieder, hatte Schaum vor dem Munde und war +sprachlos. + +Brutus. +Das mag wohl sein; er hat die fallende Sucht. + +Cassius. +Nein, Caesar hat sie nicht. Doch Ihr und ich +Und unsrer wackrer Casca, wir haben sie. + +Casca. +Ich weiss nicht, was Ihr damit meint; aber ich bin gewiss, Caesar fiel +nieder. Wenn das Lumpenvolk ihn nicht beklatschte und auszischte, je +nachdem er ihnen gefiel oder missfiel, wie sie es mit den Komoedianten +auf dem Theater machen, so bin ich kein ehrlicher Kerl. + +Brutus. +Was sagt' er, als er zu sich selber kam? + +Casca. +Ei nun, eh er hinfiel, als er merkte, dass der gemeine Haufe sich +freute, dass er die Krone ausschlug, so riss er euch sein Wams auf und +bot ihnen seinen Hals zum Abschneiden--triebe ich irgend 'ne +Hantierung, so will ich mit den Schuften zur Hoelle fahren, wo ich ihn +nicht beim Wort genommen haette--und damit fiel er hin. Als er wieder +zu sich selbst kam, sagte er, wenn er irgendwas Unrechtes getan oder +gesagt haette, so baete er Ihre Edeln, es seinem Uebel beizumessen. Drei +oder vier Weibsbilder, die bei mir standen, riefen--"Ach, die gute +Seele!" und vergaben ihm von ganzem Herzen. Doch das gilt freilich +nicht viel; wenn er ihre Muetter totgeschlagen haette, sie haetten's +ebensogut getan. + +Brutus. +Und darauf ging er so verdriesslich weg? + +Casca. +Ja. + +Cassius. +Hat Cicero etwas gesagt? + +Casca. +Ja, er sprach griechisch. + +Cassius. +Was wollt er denn? + +Casca. +Ja, wenn ich Euch das sage, so will ich Euch niemals wieder vor die +Augen kommen. Aber die ihn verstanden, laechelten einander zu und +schuettelten die Koepfe. Doch was mich anlangt, mir war es griechisch. +Ich kann Euch noch mehr Neues erzaehlen: dem Marullus und Flavius ist +das Maul gestopft, weil sie Binden von Caesars Bildsaeulen gerissen +haben. Lebt wohl. Es gab noch mehr Possen, wenn ich mich nur darauf +besinnen koennte. + +Cassius. +Wollt Ihr heute abend bei mir speisen, Casca? + +Casca. +Nein, ich bin schon versagt. + +Cassius. +Wollt Ihr morgen bei mir zu Mittag speisen? + +Casca. +Ja, wenn ich lebe und Ihr bei Eurem Sinne bleibt und Eure Mahlzeit das +Essen verlohnt. + +Cassius. +Gut, ich erwart Euch. + +Casca. +Tut das; lebt beide wohl! (Ab.) + +Brutus. +Was fuer ein plumper Bursch ist dies geworden? +Er war voll Feuer als mein Schulgenoss. + +Cassius. +Das ist er jetzt noch bei der Ausfuehrung +Von jedem kuehnen, edlen Unternehmen, +Stellt er sich schon so unbeholfen an. +Dies rauhe Wesen dient gesundem Witz +Bei ihm zur Brueh; es staerkt der Leute Magen, +Esslustig seine Reden zu verdaun. + +Brutus. +So ist es auch. Fuer jetzt verlass ich Euch, +Und morgen, wenn Ihr wuenscht mit mir zu sprechen, +Komm ich zu Euch ins Haus; doch wenn Ihr wollt, +So kommt zu mir, und ich will Euch erwarten. + +Cassius. +Das will ich; bis dahin gedenkt der Welt. + (Brutus ab.) +Gut, Brutus, du bist edel; doch ich sehe, +Dein loebliches Gemuet kann seiner Art +Entwendet werden. Darum ziemt es sich, +Dass Edle sich zu Edlen immer halten. +Wer ist so fest, den nichts verfuehren kann? +Caesar ist feind mir, und er liebt den Brutus, +Doch waer ich Brutus nun, er Cassius, +Er sollte mich nicht lenken. Diese Nacht +Werf ich ihm Zettel von verschiednen Haenden, +Als ob sie von verschiednen Buergern kaemen, +Durchs Fenster, alle voll der grossen Meinung, +Die Rom von seinem Namen hegt, wo dunkel +Auf Caesars Ehrsucht soll gedeutet sein. +Dann denke Caesar seines nahen Falles; +Wir stuerzen bald ihn, oder dulden alles. (Ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Strasse. Ungewitter + +Casca, mit gezognem Schwert, und Cicero kommen von verschiednen Seiten + +Cicero. +Guten Abend, Casca! Kommt Ihr her von Caesar? +Warum so atemlos und so verstoert? + +Casca. +Bewegt's Euch nicht, wenn dieses Erdballs Feste +Wankt wie ein schwaches Rohr? O Cicero! +Ich sah wohl Stuerme, wo der Winde Schelten +Den knotgen Stamm gespaltet, und ich sah +Das stolze Meer anschwellen, wueten, schaeumen, +Als wollt es an die drohnden Wolken reichen; +Doch nie bis heute nacht, noch nie bis jetzt +Ging ich durch einen Feuerregen hin. +Entweder ist im Himmel innrer Krieg, +Wo nicht, so reizt die Welt durch Uebermut +Die Goetter, uns Zerstoerung herzusenden. + +Cicero. +Ja, saht Ihr jemals wundervollre Dinge? + +Casca. +Ein Sklave, den Ihr wohl von Ansehn kennt, +Hob seine linke Hand empor; sie flammte +Wie zwanzig Fackeln auf einmal, und doch, +Die Glut nicht fuehlend, blieb sie unversengt. +Auch kam (seitdem steckt ich mein Schwert nicht ein) +Beim Kapitol ein Loewe mir entgegen; +Er gaffte stark mich an, ging muerrisch weiter +Und tat mir nichts. Auf einen Haufen hatten +Wohl hundert bleiche Weiber sich gedraengt, +Entstellt von Furcht; die schwuren, dass sie Maenner +Mit feurgen Leibern wandern auf und ab +Die Strassen sahn. Und gestern sass der Vogel +Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte +Und kreischt' und schrie. Wenn dieser Wunderzeichen +So viel zusammentreffen, sage niemand: +"Dies ist der Grund davon, sie sind natuerlich"; +Denn Dinge schlimmer Deutung, glaub ich, sind's +Dem Himmelstrich, auf welchen sie sich richten. + +Cicero. +Gewiss, die Zeit ist wunderbar gelaunt; +Doch Menschen deuten oft nach ihrer Weise +Die Dinge, weit entfernt vom wahren Sinn. +Kommt Caesar morgen auf das Kapitol? + +Casca. +Ja, denn er trug es dem Antonius auf, +Euch kund zu tun, er werde morgen kommen. + +Cicero. +Schlaft wohl denn, Casca! Dieser Aufruhr laesst +Nicht draussen weilen. + +Casca. +Cicero, lebt wohl! (Cicero ab.) + +Cassius tritt auf. + +Cassius. +Wer da? + +Casca. +Ein Roemer. + +Cassius. +Casca, nach der Stimme. + +Casca. +Eur Ohr ist gut. Cassius, welch eine Nacht? + +Cassius. +Die angenehmste Nacht fuer wackre Maenner. + +Casca. +Wer sah den Himmel je so zornig drohn? + +Cassius. +Die, welche so voll Schuld die Erde sahn. +Ich, fuer mein Teil, bin durch die Stadt gewandert, +Mich unterwerfend dieser grausen Nacht, +Und so entguertet, Casca, wie Ihr seht, +Hab ich die Brust dem Donnerkeil entbloesst. +Und wenn des Blitzes schlaengelnd Blau zu oeffnen +Des Himmels Busen schien, bot ich mich selbst +Dem Strahl des Wetters recht zum Ziele dar. + +Casca. +Warum versucht Ihr den Himmel so? +Es steht dem Menschen Furcht und Zittern an, +Wenn die gewaltgen Goetter solche Boten +Furchtbarer Warnung, uns zu schrecken, senden. + +Cassius. +O Casca! Ihr seid stumpf; der Lebensfunke, +Der gluehen sollt in Roemern, fehlt Euch, oder +Ihr braucht ihn nicht. Ihr sehet bleich und starrt, +Von Furcht ergriffen und versenkt in Staunen, +Des Himmels ungewohnten Grimm zu schauen. +Doch wolltet Ihr den wahren Grund erwaegen, +Warum die Feur, die irren Geister alle, +Was Tier' und Voegel macht vom Stamm entarten +Und Greise faseln, Kinder prophezein; +Warum all diese Dinge ihr Gesetz, +Natur und angeschaffne Gaben wandeln +In Missbeschaffenheit: nun so erkennt Ihr, +Der Himmel hauchte diesen Geist in sie, +Dass sie der Furcht und Warnung Werkzeug wuerden +Fuer irgendeinen missbeschaffnen Zustand. +Nun koennt ich, Casca, einen Mann dir nennen, +Ganz aehnlich dieser schreckenvollen Nacht, +Der donnert, blitzt, die Graeber oeffnet, bruellt, +So wie der Loewe dort im Kapitol; +Ein Mann, nicht maechtiger als ich und du +An Leibeskraft, doch drohend angewachsen, +Und furchtbar, wie der Ausbruch dieser Gaerung. + +Casca. +'s ist Caesar, den Ihr meint. Nicht, Cassius? + +Cassius. +Es sei auch, wer es sei: die Roemer haben +Jetzt Mark und Bein, wie ihre Ahnen hatten. +Doch weh uns! unsrer Vaeter Geist ist tot, +Und das Gemuet der Muetter lenket uns, +Denn unser Joch und Dulden zeigt uns weibisch. + +Casca. +Ja freilich heisst's, gewillt sei der Senat, +Zum Koenig morgen Caesarn einzusetzen; +Er soll zur See, zu Land die Krone tragen +An jedem Ort, nur in Italien nicht. + +Cassius. +Ich weiss, wohin ich diesen Dolch dann kehre; +Den Cassius soll von Knechtschaft Cassius loesen. +Darin, ihr Goetter, macht ihr Schwache stark, +Darin, ihr Goetter, baendigt ihr Tyrannen; +Noch felsenfeste Burg, noch ehrne Mauern, +Noch dumpfe Keller, noch der Ketten Last +Sind Hindernisse fuer des Geistes Staerke. +Das Leben, dieser Erdenschranken satt, +Hat stets die Macht, sich selber zu entlassen. +Und weiss ich dies, so wiss auch alle Welt: +Den Teil der Tyrannei, der auf mit liegt, +Werf ich nach Willkuer ab. + +Casca. +Das kann auch ich. +So traegt ein jeder Sklav in eigner Hand +Gewalt, zu brechen die Gefangenschaft. + +Cassius. +Warum denn waere Caesar ein Tyrann? +Der arme Mann! Ich weiss, er waer kein Wolf, +Wenn er nicht saeh, die Roemer sind nur Schafe; +Er waer kein Leu, wenn sie nicht Rehe waeren. +Wer eilig will ein maechtig Feuer machen, +Nimmt schwaches Stroh zuerst; was fuer Gestruepp +Ist Rom, und was fuer Plunder, wenn es dient +Zum schlechten Stoff, der einem schnoeden Dinge +Wie Caesar Licht verleiht? Doch, o mein Gram! +Wo fuehrtest du mich hin? Ich spreche dies +Vielleicht vor einem willgen Knecht; dann weiss ich, +Dass ich muss Rede stehn; doch fuehr ich Waffen, +Und mich bekuemmern die Gefahren nicht. + +Casca. +Ihr sprecht mit Casca, einem Mann, der nie +Ein Ohrenblaeser war. Hier, meine Hand! +Werbt nur Partei zur Abstellung der Uebel, +Und dieser Fuss soll Schritt mit jedem halten, +Der noch soweit geht. + +Cassius. +Ein geschlossner Handel! +Nun, Casca, wisst: ich habe manche schon +Der Edelmuetigsten von Rom beredet, +Mit mir ein Unternehmen zu bestehn +Von ehrenvoll-gefaehrlichem Erfolg. +Ich weiss, sie warten in Pompejus' Halle +Jetzt eben mein; denn in der furchtbarn Nacht +Kann niemand unter freiem Himmel dauern. +Des Elementes Antlitz und Gestalt +Ist wie das Werk beschaffen, das wir treiben: +Hoechst blutig, feurig und hoechst fuerchterlich. + +Cinna tritt auf. + +Casca. +Seid still ein Weilchen, jemand kommt in Eil. + +Cassius. +Ich hoer am Gange, dass es Cinna ist; +Er ist ein Freund.--Cinna, wohin so eilig? + +Cinna. +Euch sucht ich. Wer ist das? Metellus Cimber? + +Cassius. +Nein, es ist Casca, ein Verbuendeter +Zu unsrer Tat. Werd ich erwartet, Cinna? + +Cinna. +Das ist mir lieb. Welch eine grause Nacht! +Ein paar von uns sahn seltsame Gesichte. + +Cassius. +Werd ich erwartet, sagt mir? + +Cinna. +Ja, +Ihr werdet es. O Cassius! koenntet Ihr +In unsern Bund den edlen Brutus ziehn-- + +Cassius. +Seid ruhig! Guter Cinna, diesen Zettel, +Seht, wie Ihr in des Praetors Stuhl ihn legt, +Dass Brutus nur ihn finde; diesen werft +Ihm in das Fenster; diesen klebt mit Wachs +Ans Bild des alten Brutus. Dies getan, +Kommt zu Pompejus' Hall und trefft uns dort. +Ist Decius Brutus und Trebonius da? + +Cinna. +Ja, alle, bis auf Cimber, und der sucht +In Eurem Haus Euch auf. Gut, ich will eilen +Die Zettel anzubringen, wie Ihr wuenscht. + +Cassius. +Dann stellt Euch ein bei des Pompejus' Buehne. + (Cinna ab.) +Kommt, Casca, lasst uns beide noch vor Tag +In seinem Hause Brutus sehn. Drei Viertel +Von ihm sind unser schon; der ganze Mann +Ergibt sich bei dem naechsten Angriff uns. + +Casca. +O, er sitzt hoch in alles Volkes Herzen, +Und was in uns als Frevel nur erschiene, +Sein Ansehn wird es, wie der Stein der Weisen, +In Tugend wandeln und in Wuerdigkeit. + +Cassius. +Ihn, seinen Wert, wie sehr wir ihn beduerfen, +Gabt Ihr recht wohl getroffen. Lasst uns gehn, +Es ist nach Mitternacht; wir wollen ihn +Vor Tage wecken und uns sein versichern. (Ab.) + + + + +Zweiter Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Der Garten des Brutus + +Brutus tritt auf + +Brutus. +He, Lucius! auf!-- +Ich kann nicht aus der Hoeh der Sterne raten, +Wie nah der Tag ist.--Lucius, hoerst du nicht?-- +Ich wollt, es waer mein Fehler, so zu schlafen.-- +Nun, Lucius, nun! Ich sag: erwach! Auf, Lucius! + +Lucius kommt. + +Lucius. +Herr, riefet Ihr? + +Brutus. +Bring eine Kerze mir ins Lesezimmer, +Und wenn sie brennt, so komm und ruf mich hier. + +Lucius. +Ich will es tun, Herr. (Ab.) + +Brutus. +Es muss durch seinen Tod geschehn. Ich habe +Fuer mein Teil keinen Grund, ihn wegzustossen, +Als fuers gemeine Wohl. Er wuenscht, gekroent zu sein; +Wie seinen Sinn das aendern moechte, fragt sich. +Der warme Tag ist's, der die Natter zeugt; +Das heischt mit Vorsicht gehn. Ihn kroenen?--Ja-- +Und dann ist's wahr, wir leihn ihm einen Stachel, +Womit er kann nach Willkuer Schaden tun. +Der Groesse Missbrauch ist, wenn von der Macht +Sie das Gewissen trennt; und, um von Caesarn +Die Wahrheit zu gestehn, ich sah noch nie, +Dass ihn die Leidenschaften mehr beherrscht +Als die Vernunft. Doch oft bestaetigt sich's, +Die Demut ist der jungen Ehrfurcht Leiter; +Wer sie hinanklimmt, kehrt den Blick ihr zu; +Doch hat er erst die hoechste Spross' erreicht, +Dann kehret er der Leiter seinen Ruecken, +Schaut himmelan, verschmaeht die niedern Tritte, +Die ihn hinaufgebracht. Das kann auch Caesar: +Drum, eh er kann, beugt vor. Und weil der Streit +Nicht Schein gewinnt durch das, was Caesar ist, +Legt so ihn aus: das, was er ist, vergroessert, +Kann dies und jenes Uebermass erreichen. +Drum achtet ihn gleich einem Schlangenei, +Das, ausgebruetet, giftig wuerde werden +Wie sein Geschlecht, und wuergt ihn in der Schale. + +Lucius kommt zurueck. + +Lucius. +Die Kerze brennt in Eurem Zimmer, Herr. +Als ich nach Feuerstein im Fenster suchte, +Fand ich dies Blatt, versiegelt; und ich weiss, +Es war nicht da, als ich zu Bette ging. + +Brutus. +Geh wieder in dein Bett; es ist noch Nacht. +Ist morgen nicht des Maerzen Idus, Knabe? + +Lucius. +Ich weiss nicht, Herr. + +Brutus. +Such im Kalender denn, und sag es mir. + +Lucius. +Das will ich, Herr. (Ab.) + +Brutus. +Die Ausduenstungen, schwirrend in der Luft, +Gewaehren Licht genug, dabei zu lesen. + (Er oeffnet den Brief und liest.) +"Brutus, du schlaefst. Erwach und sieh dich selbst! +Soll Rom?--Sprich, schlage, stelle her! +Brutus, du schlaefst. Erwache!--" +Oft hat man schon dergleichen Aufgebote +Mir in den Weg gestreut. +"Soll Rom?"--So muss ich es ergaenzen: +"Soll Rom vor einem Manne beben?" Wie? +Mein Ahnherr trieb einst von den Strassen Roms +Tarquin hinweg, als er ein Koenig hiess. +"Sprich, schlage, stelle her!" Werd ich zu sprechen, +Zu schlagen angemahnt? O Rom, ich schwoere, +Wenn nur die Herstellung erfolgt, empfaengst du +Dein ganz Begehren von der Hand des Brutus! + +Lucius kommt zurueck. + +Lucius. +Herr, vierzehn Tage sind vom Maerz verstrichen. + +(Man klopft draussen.) + +Brutus. +'s ist gut. Geh an die Pforte; jemand klopft. (Lucius ab.) +Seit Cassius mich spornte gegen Caesar, +Schlief ich nicht mehr. +Bis zur Vollfuehrung einer furchtbarn Tat, +Vom ersten Antrieb, ist die Zwischenzeit +Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum. +Der Genius und die sterblichen Organe +Sind dann im Rat vereint; und die Verfassung +Des Menschen, wie ein kleines Koenigreich, +Erleidet dann den Zustand der Empoerung. + +Lucius kommt zurueck. + +Lucius. +Herr, Euer Bruder Cassius wartet draussen; +Er wuenschet Euch zu sehn. + +Brutus. +Ist er allein? + +Lucius. +Nein, es sind mehr noch bei ihm. + +Brutus. +Kennst du sie? + +Lucius. +Nein, Herr, sie tragen eingedrueckt die Huete +Und das Gesicht im Mantel halb begraben, +Dass ich durchaus sie nicht erkennen kann +An irgendeinem Zuge. + +Brutus. +Lass sie sein. (Lucius ab.) +Es sind die Bundesbrueder. O Verschwoerung! +Du schaemst dich, die verdaechtge Stirn bei Nacht +Zu zeigen, wann das Boes' am freisten ist? +O denn, bei Tag, wo willst du eine Hoehle +Entdecken, dunkel gnug es zu verlarven, +Dein schnoedes Antlitz?--Verschwoerung, suche keine! +In Laecheln huell es und in Freundlichkeit! +Denn traetst du auf in angeborner Bildung, +So waer der Erebus nicht finster gnug, +Vor Argwohn dich zu schuetzen. + +Cassius, Casca, Decius, Metellus Cimber und Trebonius treten auf. + +Cassius. +Sind wir gelegen? Guten Morgen, Brutus! +Ich fuerchte, dass wie Eure Ruhe stoeren. + +Brutus. +Laengst war ich auf und wach die ganze Nacht. +Kenn ich die Maenner, welche mit Euch kommen? + +Cassius. +Ja, jeden aus der Zahl; und keiner hier, +Der Euch nicht hoch haelt, und ein jeder wuenscht, +Ihr haettet nur die Meinung von Euch selbst, +Die jeder edle Roemer von Euch hegt. +Dies ist Trebonius. + +Brutus. +Er ist willkommen. + +Cassius. +Dies Decius Brutus. + +Brutus. +Er ist auch willkommen. + +Cassius. +Dies Casca, dies Cinna, und dies Metellus Cimber. + +Brutus. +Willkommen alle! +Was stellen sich fuer wache Sorgen zwischen +Die Nacht und eure Augen? + +Cassius. +Auf ein Wort, +Wenn's Euch beliebt. (Sie reden leise miteinander.) + +Decius. +Hier liegt der Ost: bricht da der Tag nicht an? + +Casca. +Nein. + +Cinna. +Doch, um Verzeihung! und die grauen Streifen, +Die das Gewoelk durchziehn, sind Tagesboten. + +Casca. +Ihr sollt gestehn, dass ihr euch beide truegt. +Die Sonn erscheint hier, wo mein Degen hinweist; +Das ist ein gut Teil weiter hin nach Sueden, +Wenn ihr die junge Jahreszeit erwaegt. +Zwei Monde noch, und hoeher gegen Norden +Steigt ihre Flamm empor, und grade hier +Steht hinterm Kapitol der hohe Ost. + +Brutus. +Gebt eure Hand mir, einer nach dem andern. + +Cassius. +Und lasset uns beschwoeren den Entschluss. + +Brutus. +Nein, keinen Eid! Wenn nicht der Menschen Antlitz, +Das innre Seelenleid, der Zeit Verfall-- +Sind diese Gruende schwach, so brecht nur auf, +Und jeder fort zu seinem traegen Bett! +Lasst frechgesinnte Tyrannei dann schalten, +Bis jeder nach dem Lose faellt. Doch tragen +Sie Feuer gnug in sich, wie offenbar, +Um Feige zu entflammen und mit Mut +Des Weibes schmelzendes Gemuet zu staehlen: +O dann, Mitbuerger! welchen andern Sporn +Als unsre Sache braucht es, uns zu stacheln +Zur Herstellung? Was fuer Gewaehr, als diese: +Verschwiegne Roemer, die das Wort gesprochen, +Und nicht zurueckziehn? Welchen andern Eid, +Als Redlichkeit mit Redlichkeit im Bund, +Dass dies gescheh, wo nicht, dafuer zu sterben? +Lasst Priester, Memmen, listge Maenner schwoeren, +Verdorrte Greis und solche Jammerseelen, +Die fuer das Unrecht danken; schwoeren lasst +Bei boesen Haendeln Volk, dem man nicht traut. +Entehrt nicht so den Gleichmut unsrer Handlung +Und unsern unbezwinglich festen Sinn, +Zu denken, unsre Sache, unsre Tat +Brauch einen Eid; da jeder Tropfe Bluts, +Der edel fliesst in jedes Roemers Adern, +Sich seines echten Stamms verlustig macht, +Wenn er das kleinste Teilchen nur verletzt +Von irgendeinem Worte, das er gab. + +Cassius. +Doch wie mit Cicero? Forscht man ihn aus? +Ich denk, er wird sehr eifrig fuer uns sein. + +Casca. +Lasst uns ihn nicht voruebergehn. + +Cinna. +Nein, ja nicht. + +Metellus. +Gewinnt ihn ja fuer uns. Sein Silberhaar +Wird eine gute Meinung uns erkaufen +Und Stimmen werben, unser Werk zu preisen. +Sein Urteil habe unsre Hand gelenkt: +So wird es heissen; unsre Hastigkeit +Und Jugend wird im mindsten nicht erscheinen, +Von seinem wuerdgen Ansehn ganz bedeckt. + +Brutus. +O nennt ihn nicht! Lasst uns ihm nichts eroeffnen, +Denn niemals tritt er einer Sache bei, +Wenn andre sie erdacht. + +Cassius. +So lasst ihn weg. + +Casca. +'s ist wahr; er passt auch nicht. + +Decius. +Wird niemand sonst, als Caesar, angetastet? + +Cassius. +Ja, gut bedacht! Mich duenkt, dass Mark Anton, +Der so beliebt beim Caesar ist, den Caesar +Nicht ueberleben darf. Er wird sich uns +Gewandt in Raenken zeigen, und ihr wisst, +Dass seine Macht, wenn er sie nutzt, wohl hinreicht, +Uns allen Not zu schaffen. Dem zu wehren, +Fall Caesar und Antonius zugleich. + +Brutus. +Zu blutge Weise, Cajus Cassius, waer's, +Das Haupt abschlagen und zerhaun die Glieder, +Wie Grimm beim Tod und Tuecke hinterher. +Antonius ist ja nur ein Glied des Caesar. +Lasst Opferer uns sein, nicht Schlaechter, Cajus. +Wir alle stehen gegen Caesars Geist, +Und in dem Geist des Menschen ist kein Blut. +O koennten wir doch Caesars Geist erreichen +Und Caesarn nicht zerstuecken! Aber ach! +Caesar muss fuer ihn bluten. Edle Freunde, +Lasst kuehnlich uns ihn toeten, doch nicht zornig; +Zerlegen lasst uns ihn, ein Mahl fuer Goetter, +Nicht ihn zerhauen wie ein Aas fuer Hunde. +Lasst unsre Herzen, schlauen Herren gleich, +Zu rascher Tat aufwiegeln ihre Diener. +Und dann zum Scheine schmaelen. Dadurch wird +Notwendig unser Werk und nicht gehaessig; +Und wenn es so dem Aug des Volks erscheint, +Wird man uns Reiniger, nicht Moerder nennen. +Was Mark Anton betrifft, denkt nicht an ihn, +Denn er vermag nicht mehr als Caesars Arm, +Wenn Caesars Haupt erst fiel. + +Cassius. +Doch fuercht ich ihn, +Denn seine Liebe haengt so fest am Caesar. + +Brutus. +Ach, guter Cassius, denket nicht an ihn! +Liebt er den Caesar, so vermag er nichts +Als gegen sich; sich haermen, fuer ihn sterben. +Und das waer viel von ihm, weil er der Lust, +Der Wuestheit, den Gelagen sich ergibt. + +Trebonius. +Es ist kein Arg in ihm; er sterbe nicht. +Denn er wird leben und dies einst belachen. + +(Die Glocke schlaegt.) + +Brutus. +Still! zaehlt die Glocke. + +Cassius. +Sie hat drei geschlagen. + +Trebonius. +Es ist zum Scheiden Zeit. + +Cassius. +Doch zweifl' ich noch, +Ob Caesar heute wird erscheinen wollen; +Denn kuerzlich ist er aberglaeubisch worden, +Ganz dem entgegen, wie er sonst gedacht +Von Traeumen, Einbildung und heilgen Braeuchen. +Vielleicht, dass diese grossen Wunderdinge, +Das ungewohnte Schrecken dieser Nacht +Und seiner Augurn Ueberredung ihn +Entfernt vom Kapitol fuer heute haelt. + +Decius. +Das fuerchtet nimmer; wenn er das beschloss, +So uebermeistr' ich ihn. Er hoert es gern, +Das Einhorn lasse sich mit Baeumen fangen, +Der Loew im Netz, der Elefant in Gruben, +Der Baer mit Spiegeln und der Mensch durch Schmeichler; +Doch sag ich ihm, dass er die Schmeichler hasst, +Bejaht er es, am meisten dann geschmeichelt. +Lasst mich gewaehren; +Denn ich verstehe sein Gemuet zu lenken, +Und will ihn bringen auf das Kapitol. + +Cassius. +Ja, lasst uns alle gehn, um ihn zu holen. + +Brutus. +Zur achten Stund aufs spaeteste, nicht wahr? + +Cinna. +Das sei das Spaetste, und dann bleibt nicht aus. + +Metellus. +Cajus Ligarius ist dem Caesar feind, +Der's ihm verwies, dass er Pompejus lobte; +Es wundert mich, dass niemand sein gedacht. + +Brutus. +Wohl, guter Cimber, geht nur vor bei ihm; +Er liebt mich herzlich, und ich gab ihm Grund; +Schickt ihn hieher, so will ich schon ihn stimmen. + +Cassius. +Der Morgen uebereilt uns: lasst uns gehn. +Zerstreut euch, Freunde; doch bedenket alle, +Was ihr gesagt, und zeigt euch echte Roemer. + +Brutus. +Seht, werte Maenner, frisch und froehlich aus; +Tragt euren Vorsatz nicht auf eurer Stirn. +Nein, fuehrt's hindurch, wie Helden unsrer Buehne, +mit munterm Geist und wuerdger Festigkeit. +Und somit insgesamt euch guten Morgen! + (Alle ab, ausser Brutus.) +He, Lucius!--Fest im Schlaf? Es schadet nichts. +Geniess den honigschweren Tau des Schlummers. +Du siehst Gestalten nicht, noch Phantasien, +Womit geschaeftge Sorg ein Hirn erfuellt; +Drum schlaefst du so gesund. + +Portia tritt auf. + +Portia. +Mein Gatte! Brutus! + +Brutus. +Was wollt Ihr, Portia? warum steht Ihr auf? +Es dient Euch nicht, die zaertliche Natur +Dem rauhen kalten Morgen zu vertraun. + +Portia. +Euch gleichfalls nicht. Unfreundlich stahlt Ihr, Brutus, +Von meinem Bett Euch; und beim Nachtmahl gestern +Erhobt Ihr ploetzlich Euch und gingt umher, +Sinnend und seufzend mit verschraenkten Armen. +Und wenn ich Euch befragte, was es sei, +So starrtet Ihr mich an mit finstern Blicken. +Ich drang in Euch, da riebt Ihr Euch die Stirn +Und stampftet ungeduldig mit dem Fuss; +Doch hielt ich an, doch gabt Ihr keine Rede +Und winktet mit der Hand unwillig weg, +Damit ich Euch verliess. Ich tat es auch, +Besorgt, die Ungeduld noch zu verstaerken, +Die schon zu sehr entflammt schien, und zugleich +Mir schmeichelnd, nur von Laune ruehr es her, +Die ihre Stunden hat bei jedem Mann. +Nicht essen, reden, schlafen laesst es Euch; +Und koennt es Eure Bildung so entstellen, +Als es sich Eurer Fassung hat bemeistert, +So kennt ich Euch nicht mehr. Mein teurer Gatte, +Teilt mir die Ursach Eures Kummers mit. + +Brutus. +Ich bin nicht recht gesund, und das ist alles. + +Portia. +Brutus ist weise; waer er nicht gesund, +Er naehm die Mittel wahr, um es zu werden. + +Brutus. +Das tu ich, gute Portia; geh zu Bett. + +Portia. +Ist Brutus krank? und ist es heilsam, so +Entbloesst umherzugehn und einzusaugen +Den Dunst des Morgens? Wie, ist Brutus krank, +Und schleicht er vom gesunden Bett sich weg, +Der schnoeden Ansteckung der Nacht zu trotzen? +Und reizet er die boese Fieberluft, +Sein Uebel noch zu mehren?--Nein, mein Brutus, +Ihr tragt ein krankes Uebel im Gemuet, +Wovon, nach meiner Stelle Recht und Wuerde, +Ich wissen sollte; und auf meinen Knien +Fleh ich bei meiner einst gepriesnen Schoenheit, +Bei allen Euren Liebesschwueren, ja, +Bei jenem grossen Schwur, durch welchen wir +Einander einverleibt und eins nur sind: +Enthuellt mir, Eurer Haelfte, Eurem Selbst, +Was Euch bekuemmert, was zu Nacht fuer Maenner +Euch zugesprochen; denn es waren hier +Sechs oder sieben, die ihr Antlitz selbst +Der Finsternis verbargen. + +Brutus. +O kniet nicht, liebe Portia. + +Portia. +Ich braucht es nicht, waert Ihr mein lieber Brutus. +Ist's im Vertrag der Ehe, sagt mir, Brutus, +Bedungen, kein Geheimnis sollt ich wissen, +Das Euch gehoert? Und bin ich Euer Selbst +Nur gleichsam, mit gewissen Einschraenkungen? +Beim Mahl um Euch zu sein, Eur Bett zu teilen, +Auch wohl mit Euch zu sprechen? Wohn ich denn +Nur in der Vorstadt Eurer Zuneigung? +Ist es nur das, so ist ja Portia +Des Brutus Buhle nur und nicht sein Weib. + +Brutus. +Ihr seid mein echtes, ehrenwertes Weib, +So teuer mir als wie die Purpurtropfen, +Die um mein trauernd Herz sich draengen. + +Portia. +Wenn dem so waer, so wuesst ich dies Geheimnis. +Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch +Ein Weib, das Brutus zur Gemahlin nahm. +Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch +Ein Weib von gutem Rufe, Catos Tochter. +Denkt Ihr, ich sei so schwach wie mein Geschlecht, +Aus solchem Stamm erzeugt und so vermaehlt? +Sagt das Geheimnis mir: ich will's bewahren, +Ich habe meine Staerke hart erprueft, +Freiwillig eine Wunde mir versetzend +Am Schenkel hier; ertrueg ich das geduldig +Und ein Geheimnis meines Gatten nicht? + +Brutus. +Ihr Goetter, macht mich wert des edlen Weibes! + (Man klopft draussen.) +Horch! horch! man klopft; geh eine Weil hinein, +Und unverzueglich soll dein Busen teilen, +Was noch mein Herz verschliesst. +Mein ganzes Buendnis will ich dir enthuellen +Und meiner finstern Stirne Zeichenschrift. +Verlass mich schnell. (Portia ab.) + +Lucius und Ligarius kommen. + +Brutus. +Wer klopft denn, Lucius? + +Lucius. +Hier ist ein Kranker, der Euch sprechen will. + +Brutus. +Ligarius ist's, von dem Metellus sprach. +Du, tritt beiseit.--Cajus Ligarius, wie? + +Ligarius. +Nehmt einen Morgengruss von matter Zunge. + +Brutus. +O welche Zeit erwaehlt Ihr, wackrer Cajus, +Ein Tuch zu tragen! Waert Ihr doch nicht krank! + +Ligarius. +Ich bin nicht krank, hat irgendeine Tat, +Des Namens Ehre wuerdig, Brutus vor. + +Brutus. +Solch eine Tat, Ligarius, hab ich vor, +Waer Euer Ohr gesund, davon zu hoeren. + +Ligarius. +Bei jedem Gott, vor dem sich Roemer beugen, +Hier sag ich ab der Krankheit. Seele Roms! +Du wackrer Sohn, aus edlem Blut entsprossen! +Wie ein Beschwoerer riefst du auf in mir +Den abgestorbnen Geist. Nun heiss mich laufen, +So will ich an Unmoegliches mich wagen, +Ja Herr darueber werden. Was zu tun? + +Brutus. +Ein Wagestueck, das Kranke heilen wird. + +Ligarius. +Doch gibt's nicht auch Gesunde krank zu machen? + +Brutus. +Die gibt es freilich. Was es ist, mein Cajus, +Eroeffn ich dir auf unserm Weg zu ihm, +An dem es muss geschehn. + +Ligarius. +Macht Euch nur auf +Mit neu entflammtem Herzen folg ich Euch, +Zu tun, was ich nicht weiss. Doch es genuegt, +Dass Brutus mir vorangeht. + +Brutus. +Folgt mir denn. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Ein Zimmer in Caesars Palaste + +Donner und Blitz. Caesar im Nachtkleide + +Caesar. +Zu Nacht hat Erd und Himmel Krieg gefuehrt. +Calpurnia rief im Schlafe dreimal laut: +"O helft! Sie morden Caesarn!" Niemand da? + +Ein Diener kommt. + +Diener. +Herr? + +Caesar. +Geh, heiss die Priester gleich zum Opfer schreiten, +Und bring mir ihre Meinung vom Erfolg. + +Diener. Es soll geschehn. (Ab.) + +Calpurnia (tritt auf). +Was meint Ihr, Caesar? Denkt Ihr auszugehn? +Ihr muesst heut keinen Schritt vom Hause weichen. + +Caesar. +Caesar geht aus. Mir haben stets Gefahren +Im Ruecken nur gedroht; wenn sie die Stirn +Des Caesar werden sehn, sind sie verschwunden. + +Calpurnia. +Caesar, ich hielt auf Wunderzeichen nie, +Doch schrecken sie mich nun. Im Haus ist jemand, +Der ausser dem, was wir gesehn, gehoert, +Von Greueln meldet, so die Wach erblickt'. +Es warf auf offner Gasse eine Loewin, +Und Grueft erloesten gaehnend ihre Toten. +Wildgluehnde Krieger fochten auf den Wolken, +In Reihn, Geschwadern und nach Kriegsgebrauch, +Wovon es Blut gesprueht aufs Kapitol. +Das Schlachtgetoese klirrte in der Luft; +Da wiehern Rosse, Maenner roecheln sterbend, +Und Geister wimmerten die Strassen durch. +O Caesar! unerhoert sind diese Dinge; +Ich fuerchte sie. + +Caesar. +Was kann vermieden werden, +Das sich zum Ziel die maechtgen Goetter setzten? +Ich gehe dennoch aus, denn diese Zeichen, +So gut wie Caesarn, gelten sie der Welt. + +Calpurnia. +Kometen sieht man nicht, wenn Bettler sterben; +Der Himmel selbst flammt Fuerstentod herab. + +Caesar. +Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt, +Die Tapfern kosten einmal nur den Tod. +Von allen Wundern, die ich je gehoert, +Scheint mir das groesste, dass sich Menschen fuerchten, +Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller, +Kommt, wann er kommen soll. + Der Diener kommt zurueck. +Was duenkt den Augurn? + +Diener. +Sie raten Euch, fuer heut nicht auszugehn. +Da sie dem Opfertier das Eingeweide +Ausnahmen, fanden sie kein Herz darin. + +Caesar. +Die Goetter tun der Feigheit dies zur Schmach. +Ein Tier ja waere Caesar ohne Herz, +Wenn er aus Furcht sich heut zu Hause hielte. +Das wird er nicht; gar wohl weiss die Gefahr, +Caesar sei noch gefaehrlicher als sie. +Wir sind zwei Leun, an einem Tag geworfen, +Und ich der aeltre und der schrecklichste; +Und Caesar wird doch ausgehn. + +Calpurnia. +Ach, mein Gatte! +In Zuversicht geht Eure Weisheit unter. +Geht heute doch nicht aus; nennt's meine Furcht, +Die Euch zu Hause haelt, nicht Eure eigne. +Wir senden Mark Anton in den Senat, +Zu sagen, dass Ihr unpass heute seid. +Lasst mich auf meinen Knien dies erbitten. + +Caesar. +Ja, Mark Anton soll sagen, ich sei unpass, +Und dir zulieb will ich zu Hause bleiben. + Decius tritt auf. +Sieh, Decius Brutus kommt; der soll's bestellen. + +Decius. +Heil, Caesar! Guten Morgen, wuerdger Caesar! +Ich komm Euch abzuholen zum Senat. + +Caesar. +Und seid gekommen zur gelegnen Zeit, +Den Senatoren meinen Gruss zu bringen. +Sagt ihnen, dass ich heut nicht kommen will; +Nicht kann, ist falsch; dass ich's nicht wage, falscher; +Ich will nicht kommen heut, sagt ihnen das. + +Calpurnia. +Sagt, er sei krank. + +Caesar. +Hilft Caesar sich mit Luegen? +Streckt ich so weit erobernd meinen Arm, +Graubaerten scheu die Wahrheit zu verkleiden? +Geht, Decius! sagt nur: Caesar will nicht kommen. + +Decius. +Lasst einen Grund mich wissen, grosser Caesar, +Dass man mich nicht verlacht, wenn ich es sage. + +Caesar. +Der Grund ist nur mein Will'; ich will nicht kommen, +Das gnuegt zu des Senats Befriedigung. +Doch um Euch insbesondre gnug zu tun, +Weil ich Euch liebe, will ich's Euch eroeffnen: +Calpurnia hier, mein Weib, haelt mich zu Haus. +Sie traeumte diese Nacht, sie saeh mein Bildnis, +Das wie ein Springbrunn klares Blut vergoss +Aus hundert Roehren; ruestge Roemer kamen +Und tauchten laechelnd ihre Haende drein. +Dies legt sie aus als Warnungen und Zeichen +Und Unglueck, das uns droht, und hat mich kniend +Gebeten, heute doch nicht auszugehn. + +Decius. +Ihr habt den Traum ganz irrig ausgelegt; +Es war ein schoenes, glueckliches Gesicht. +Eur Bildnis, Blut aus vielen Roehren spritzend, +Worein so viele Roemer laechelnd tauchten, +Bedeutet, saugen werd aus Euch das grosse Rom +Belebend Blut; und grosse Maenner werden +Nach Heiligtuemern und nach Ehrenpfaendern +Sich draengen. Das bedeutet dieser Traum. + +Caesar. +Auf diese Art habt Ihr ihn wohl erklaert. + +Decius. +Ja, wenn Ihr erst gehoert, was ich Euch melde. +Wisst denn: an diesem Tag will der Senat +Dem grossen Caesar eine Krone geben. +Wenn Ihr nun sagen lasst, Ihr wollt nicht kommen, +So kann es sie gereun. Auch liess' es leicht +Zum Spott sich wenden; jemand spraeche wohl: +"Verschiebt die Sitzung bis auf andre Zeit, +Wenn Caesars Gattin bessre Traeume hat." +Wenn Caesar sich versteckt, wird man nicht fluestern: +"Seht! Caesar fuerchtet sich?" +Verzeiht mir, Caesar; meine Herzensliebe +Heisst dieses mich zu Eurem Vorteil sagen, +Und Schicklichkeit steht meiner Liebe nach. + +Caesar. +Wie toericht scheint nun Eure Angst, Calpurnia! +Ich schaeme mich, dass ich ihr nachgegeben. +Reicht mein Gewand mir her, denn ich will gehn. + Publius, Brutus, Ligarius, Metellus, + Casca, Trebonius und Cinna treten auf. +Da kommt auch Publius, um mich zu holen. + +Publius. +Guten Morgen, Caesar! + +Caesar. +Publius, willkommen!-- +Wie, Brutus? seid Ihr auch so frueh schon auf?-- +Guten Morgen, Casca!--Cajus Ligarius, +So sehr war Caesar niemals Euer Feind +Als dieses Fieber, das Euch abgezehrt.-- +Was ist die Uhr? + +Brutus. +Es hat schon acht geschlagen. + +Caesar. +Habt Dank fuer Eure Mueh und Hoeflichkeit. + Antonius tritt auf. +Seht! Mark Anton, der lange schwaermt des Nachts, +Ist doch schon auf.--Antonius, seid gegruesst! + +Antonius. +Auch Ihr, erlauchter Caesar! + +Caesar. +Befehlt, dass man im Hause fertig sei; +Es ist nicht recht, so auf sich warten lassen. +Ei, Cinna!--Ei, Metellus!--Wie, Trebonius? +Ich hab mit Euch ein Stuendchen zu verplaudern; +Gedenkt daran, dass Ihr mich heut besucht, +Und bleibt mir nah, damit ich Euer denke. + +Trebonius. +Das will ich, Caesar--(beiseite) will so nah Euch sein, +Dass Eure besten Freunde wuenschen sollen, +Ich waer entfernt gewesen. + +Caesar. +Lieben Freunde, +Kommt mit herein und trinkt ein wenig Weins, +Dann gehen wir gleich Freunden miteinander. + +Brutus (beiseite). +Dass gleich nicht stets dasselbe ist, o Caesar! +Das Herz des Brutus blutet, es zu denken. + +(Alle ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Strasse nahe beim Kapitol + +Artemidorus tritt auf und liest einen Zettel + +Artemidorus. +"Caesar, huete dich vor Brutus; sei wachsam gegen Cassius; halte dich +weit vom Casca; habe ein Auge auf Cinna; misstraue dem Trebonius; +beobachte den Metellus Cimber; Decius Brutus liebt dich nicht; +beleidigt hast du den Cajus Ligarius. Nur ein Sinn lebt in allen +diesen Maennern, und er ist gegen Caesar gerichtet. Wo du nicht +unsterblich bist, schau um dich. Sorglosigkeit gibt der Verschwoerung +Raum. Moegen dich die grossen Goetter schuetzen! Der Deinige +Artemidorus." + + +Hier will ich stehn, bis er voruebergeht, +Und will ihm dies als Bittschrift ueberreichen. +Mein Herz bejammert, dass die Tugend nicht +Frei von dem Zahn des Neides leben kann. +O Caesar, lies! so bist du nicht verloren; +Sonst ist das Schicksal mit Verrat verschworen. (Ab.) + + + +Vierte Szene +Ein andrer Teil derselben Strasse vor dem Hause des Brutus + +Portia und Lucius kommen + +Portia. +Ich bitt dich, Knabe, lauf in den Senat. +Halt dich mit keiner Antwort auf und geh! +Was wartest du? + +Lucius. +Zu hoeren, was ich soll. + +Portia. +Ich moechte dort und wieder hier dich haben, +Eh ich dir sagen kann, was du da sollst. +O Festigkeit, steh unverrueckt mir bei, +Stell einen Fels mir zwischen Herz und Zunge! +Ich habe Mannessinn, doch Weibeskraft. +Wie faellt doch ein Geheimnis Weibern schwer!-- +Bist du noch hier? + +Lucius. +Was sollt ich, gnaedge Frau? +Nur hin zum Kapitol und weiter nichts, +Und so zurueck zu Euch, und weiter nichts? + +Portia. +Nein, ob dein Herr wohl aussieht, melde mir, +Denn er ging unpass fort, und merk dir recht, +Was Caesar macht, wer mit Gesuch ihm naht. +Still, Knabe! Welch Geraeusch? + +Lucius. +Ich hoere keins. + +Portia. +Ich bitt dich, horch genau. +Ich hoerte wilden Laerm, als foechte man, +Und der Wind bringt vom Kapitol ihn her. + +Lucius. +Gewisslich, gnaedge Frau, ich hoere nichts. + +Ein Wahrsager kommt. + +Portia. +Komm naeher, Mann! Wo fuehrt dein Weg dich her? + +Wahrsager. +Von meinem Hause, liebe gnaedge Frau. + +Portia. +Was ist die Uhr? + +Wahrsager. +Die neunte Stund etwa. + +Portia. +Ist Caesar schon aufs Kapitol gegangen? + +Wahrsager. +Nein, gnaedge Frau; ich geh, mir Platz zu nehmen, +Wo er vorbeizieht auf das Kapitol. + +Portia. +Du hast an Caesar ein Gesuch, nicht wahr? + +Wahrsager. +Das hab ich, gnaedge Frau. Beliebt es Caesarn, +Aus Guete gegen Caesar mich zu hoeren, +So bitt ich ihn, es gut mit sich zu meinen. + +Portia. +Wie? weisst du, dass man ihm ein Leid will antun? + +Wahrsager. +Keins seh ich klar vorher, viel, fuercht ich, kann geschehn. +Doch guten Tag! Hier ist die Strasse eng; +Die Schar, die Caesarn auf der Ferse folgt, +Von Senatoren, Praetorn, Supplikanten, +Wuerd einen schwachen Mann beinah erdruecken. +Ich will an einen freiern Platz und da +Den grossen Caesar sprechen, wenn er kommt. (Ab.) + +Portia. +Ich muss ins Haus. Ach, welch ein schwaches Ding +Das Herz des Weibes ist! O Brutus! +Der Himmel helfe deinem Unternehmen.-- +Gewiss, der Knabe hoert' es.--Brutus wirbt um etwas, +Das Caesar weigert.--O, es wird mir schlimm! +Lauf, Lucius, empfiehl mich meinem Gatten, +Sag, ich sei froehlich, komm zu mir zurueck +Und melde mir, was er dir aufgetragen. + +(Beide ab.) + + + + +Dritter Aufzug + + + +Erste Szene +Das Kapitol. Sitzung des Senats + +Ein Haufe Volks in der Strasse, die zum Kapitol fuehrt, darunter +Artemidorus und der Wahrsager. Trompetenstoss. Caesar, Brutus, Cassius, + Casca, Decius, Metellus, Trebonius, Cinna, Antonius, Lepidus, +Popilius, Publius und andre kommen + +Caesar. +Des Maerzen Idus ist nun da. + +Wahrsager. +Ja, Caesar, +Doch nicht vorbei. + +Artemidorus. +Heil, Caesar! Lies den Zettel hier. + +Decius. +Trebonius bittet Euch, bei guter Weile +Dies untertaenige Gesuch zu lesen. + +Artemidorus. +Lies meines erst, o Caesar! Mein Gesuch +Betrifft den Caesar naeher; lies, grosser Caesar! + +(Tritt dem Caesar naeher.) + +Caesar. +Was uns betrifft, werd auf die Letzt verspart. + +Artemidorus. +Verschieb nicht, Caesar, lies im Augenblick. + +Caesar. +Wie? ist der Mensch verrueckt? + +Publius. +Mach Platz, Gesell! + +Cassius. +Was? Draengt ihr auf der Strasse mit Gesuchen? +Kommt in das Kapitol. + +(Caesar geht in das Kapitol, die uebrigen folgen ihm. +Alle Senatoren stehen auf.) + +Popilius. +Moeg euer Unternehmen heut gelingen! + +Cassius. +Welch Unternehmen, Lena? + +Popilius. +Geh's euch wohl. + +(Er naehert sich dem Caesar.) + +Brutus. +Was sprach Popilius Lena da? + +Cassius. +Er wuenschte, +Dass unser Unternehmen heut gelaenge; +Ich fuerchte, unser Anschlag ist entdeckt. + +Brutus. +Seht, wie er Caesarn naht! Gebt acht auf ihn. + +Cassius. +Sei schleunig, Casca, dass man nicht zuvorkommt. +Was ist zu tun hier, Brutus? Wenn es auskommt, +Kehrt Cassius oder Caesar nimmer heim; +Denn ich entleibe mich. + +Brutus. +Sei standhaft, Cassius. +Popilius spricht von unserm Anschlag nicht. +Er laechelt, sieh, und Caesar bleibt in Ruh. + +Cassius. +Trebonius nimmt die Zeit wahr, Brutus; sieh, +Er zieht geschickt den Mark Anton beiseite. + +(Antonius und Trebonius ab. +Caesar und die Senatoren nehmen ihre Sitze ein.) + +Decius. +Wo ist Metellus Cimber? Lasst ihn gehn +Und sein Gesuch sogleich dem Caesar reichen. + +Brutus. +Er ist bereit; draengt an und steht ihm bei. + +Cinna. +Casca, Ihr muesst zuerst den Arm erheben. + +Caesar. +Sind alle da? Was fuer Beschwerden gibt's, +Die Caesar heben muss und sein Senat? + +Metellus (niederkniend). +Glorreicher, maechtigster, erhabner Caesar! +Metellus Cimber wirft vor deinen Sitz +Ein Herz voll Demut nieder. + +Caesar. +Cimber, hoer, +Ich muss zuvor dir kommen. Dieses Kriechen, +Dies knechtische Verbeugen koennte wohl +Gemeiner Menschen Blut in Feuer setzen +Und vorbestimmte Wahl, gefassten Schluss +Zum Kinderwillen machen. Sei nicht toericht +Und denk, so leicht empoert sei Caesars Blut, +Um aufzutaun von seiner echten Kraft +Durch das, was Narrn erweicht: durch suesse Worte, +Gekruemmtes Buecken, huendisches Geschmeichel. +Dein Bruder ist verbannt durch einen Spruch; +Wenn du fuer ihn dich bueckst und flehst und schmeichelst, +So stoss ich dich wie einen Hund hinweg. +Wiss, Caesar tut kein Unrecht; ohne Gruende +Befriedigt man ihn nicht. + +Metellus. +Gibt's keine Stimme, wuerdiger als meine, +Die suesser toen im Ohr des grossen Caesar, +Fuer des verbannten Bruders Wiederkehr? + +Brutus. +Ich kuesse deine Hand, doch nicht als Schmeichler, +Und bitte, Caesar, dass dem Publius Cimber +Die Rueckberufung gleich bewilligt werde. + +Caesar. +Wie? Brutus! + +Cassius. +Gnade, Caesar! Caesar, Gnade! +Auch Cassius faellt tief zu Fuessen dir, +Begnadigung fuer Cimber zu erbitten. + +Caesar. +Ich liesse wohl mich ruehren, glich' ich euch; +Mich ruehrten Bitten, baet ich, um zu ruehren. +Doch ich bin standhaft wie des Nordens Stern, +Des unverrueckte, ewig stete Art +Nicht ihresgleichen hat am Firmament. +Der Himmel prangt mit Funken ohne Zahl, +Und Feuer sind sie all' und jeder leuchtet; +Doch einer nur behauptet seinen Stand. +So in der Welt auch; sie ist voll von Menschen, +Und Menschen sind empfindlich, Fleisch und Blut; +Doch in der Menge weiss ich einen nur, +Der unbesiegbar seinen Platz bewahrt, +Vorn Andrang unbewegt; dass ich der bin, +Auch hierin lasst es mich ein wenig zeigen, +Dass ich auf Cimbers Banne fest bestand +Und drauf besteh, dass er im Banne bleibe. + +Cinna. +O Caesar! + +Caesar. +Fort, sag ich! Willst du den Olymp versetzen? + +Decius. +Erhabner Caesar!-- + +Caesar. +Kniet nicht Brutus auch umsonst? + +Casca. +Dann, Haende, sprecht fuer mich! + +(Casca sticht Caesarn mit dem Dolch in den Nacken. Caesar faellt ihm in +den Arm. Er wird alsdann von verschiednen andern Verschwornen und +zuletzt von Marcus Brutus mit Dolchen durchstochen.) + +Caesar. +Brutus, auch du?--So falle, Caesar! + +(Er stirbt. Die Senatoren und das Volk fliehen bestuerzt.) + +Cinna. +Befreiung! Freiheit! Die Tyrannei ist tot! +Lauft fort! verkuendigt! ruft es durch die Gassen! + +Cassius. +Hin zu der Rednerbuehne! Rufet aus: +"Befreiung! Freiheit! Wiederherstellung!" + +Brutus. +Seid nicht erschrocken, Volk und Senatoren! +Flieht nicht! Steht still! Die Ehrsucht hat gebuesst. + +Casca. +Geht auf die Rednerbuehne, Brutus. + +Decius. +Ihr, Cassius, auch. + +Brutus. +Wo ist Publius? + +Cinna. +Hier, ganz betroffen ueber diesen Aufruhr. + +Metellus. +Steht dicht beisammen, wenn ein Freund des Caesar +Etwa-- + +Brutus. +Sprecht nicht von Stehen!--Publius, getrost! +Wir haben nicht im Sinn, Euch Leid zu tun, +Auch keinem Roemer sonst: sagt ihnen das. + +Cassius. +Und geht nur, Publius, damit das Volk, +Das uns bestuermt, nicht Euer Alter kraenke. + +Brutus. +Tut das; und niemand steh fuer diese Tat +Als wir, die Taeter. + +Trebonius kommt zurueck. + +Cassius. +Wo ist Mark Anton? + +Trebonius. +Er floh bestuerzt nach Haus, und Maenner, Weiber +Und Kinder blicken starr und schrein und laufen, +Als waer der juengste Tag. + +Brutus. +Schicksal! wir wollen sehn, was dir geliebt. +Wir wissen, dass wir sterben werden; Frist +Und Zeitgewinn nur ist der Menschen Trachten. + +Cassius. +Ja, wer dem Leben zwanzig Jahre raubt, +Der raubt der Todesfurcht so viele Jahre. + +Brutus. +Gesteht das ein, und Wohltat ist der Tod. +So sind wir Caesars Freunde, die wir ihm +Die Todesfurcht verkuerzten. Bueckt euch, Roemer, +Lasst unsre Haend in Caesars Blut uns baden +Bis an die Ellenbogen! Faerbt die Schwerter! +So treten wir hinaus bis auf den Markt, +Und, ueberm Haupt die roten Waffen schwingend, +Ruft alle dann: "Erloesung! Friede! Freiheit!" + +Cassius. +Bueckt euch und taucht! In wie entfernter Zeit +Wird man dies hohe Schauspiel wiederholen, +In neuen Zungen und mit fremdem Pomp! + +Brutus. +Wie oft wird Caesar noch zum Spiele bluten, +Der jetzt am Fussgestell Pompejus' liegt, +Dem Staube gleich geachtet! + +Cassius. +Sooft als das geschieht, +Wird man auch unsern Bund, die Maenner nennen, +Die Freiheit wiedergaben ihrem Land. + +Decius. +Nun, sollen wir hinaus? + +Cassius. +Ja, alle fort! +Brutus voran, und seine Tritte zieren +Wir mit den kuehnsten, besten Herzen Roms. + +Ein Diener kommt. + +Brutus. +Doch stillt Wer kommt? Ein Freund des Mark Anton. + +Diener. +So, Brutus, hiess mich mein Gebieter knien, +So hiess Antonius mich niederfallen, +Und tief im Staube hiess er so mich reden: +"Brutus ist edel, tapfer, weis und redlich, +Caesar war gross, kuehn, koeniglich und guetig. +Sprich: Brutus lieb ich, und ich ehr ihn auch. +Sprich: Caesarn fuerchtet ich, ehrt ihn und liebt ihn. +Will Brutus nur gewaehren, dass Anton +Ihm sicher nahen und erforschen duerfe, +Wie Caesar solche Todesart verdient, +So soll dem Mark Anton der tote Caesar +So teuer nicht als Brutus lebend sein; +Er will vielmehr dem Los und der Partei +Des edlen Brutus unter den Gefahren +Der wankenden Verfassung treulich folgen." +Dies sagte mein Gebieter, Mark Anton. + +Brutus. +Und dein Gebieter ist ein wackrer Roemer, +So achtet ich ihn stets. +Sag, wenn es ihm geliebt, hieher zu kommen, +So steh ich Red ihm und, bei meiner Ehre, +Entlass ihn ungekraenkt. + +Diener. +Ich hol ihn gleich. (Ab.) + +Brutus. +Ich weiss, wir werden ihn zum Freunde haben. + +Cassius. +Ich wuensch es; doch es wohnt ein Sinn in mir, +Der sehr ihn fuerchtet; und mein Ungluecksahnen +Trifft immer ein aufs Haar. + +Antonius kommt zurueck. + +Brutus. +Hier kommt Antonius ja.--Willkommen, Mark Anton! + +Antonius. +O grosser Caesar! liegst du so im Staube? +Sind alle deine Siege, Herrlichkeiten, +Triumphe, Beuten eingesunken nun +In diesen kleinen Raum?--Gehab dich wohl!-- +Ich weiss nicht, edle Herrn, was ihr gedenkt, +Wer sonst noch bluten muss, wer reif zum Fall. +Wofern ich selbst kann keine Stunde besser +Als Caesars Todesstunde, halb so kostbar +Kein Werkzeug sein, als diese eure Schwerter, +Geschmueckt mit Blut, dem edelsten der Welt. +Ich bitt euch, wenn ihr's feindlich mit mir meint, +Jetzt, da noch eure Purpurhaende dampfen, +Buesst eure Lust. Und lebt ich tausend Jahre, +Nie werd ich so bereit zum Tod mich fuehlen; +Kein Ort gefaellt mir so, kein Weg zum Tode, +Als hier beim Caesar fallen, und durch euch, +Die ersten Heldengeister unsrer Zeit. + +Brutus. +O Mark Anton! begehrt nicht Euren Tod. +Wir muessen blutig zwar und grausam scheinen, +Wie unsre Haend und die geschehne Tat +Uns zeigen; doch Ihr seht die Haende nur, +Und dieses blutge Werk, so sie vollbracht; +Nicht unsre Herzen: sie sind mitleidsvoll, +Und Mitleid gegen Roms gesamte Not +(Wie Feuer Feuer loescht, so Mitleid Mitleid) +Veruebt' an Caesarn dies. Was Euch betrifft, +Fuer Euch sind unsre Schwerter stumpf, Anton. +Seht, unsre Arme, trotz veruebter Tuecke, +Und unsre Herzen, bruederlich gesinnt, +Empfangen Euch mit aller Innigkeit, +mit redlichen Gedanken und mit Achtung. + +Cassius. +Und Eure Stimme soll soviel als jede +Bei der Verteilung neuer Wuerden gelten. + +Brutus. +Seid nur geduldig, bis wir erst das Volk +Beruhigt, das vor Furcht sich selbst nicht kennt; +Dann legen wir den Grund Euch dar, weswegen +Ich, der den Caesar liebt', als ich ihn schlug, +Also verfahren. + +Antonius. +Ich bau auf eure Weisheit. +Mir reiche jeder seine blutge Hand; +Erst, Marcus Brutus, schuetteln wir sie uns; +Dann, Cajus Cassius, fass ich Eure Hand; +Nun Eure, Decius Brutus; Eure, Cinna; +Metellus, Eure nun; mein tapfrer Casca, +Die Eure; reicht, Trebonius, Eure mir +Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen. +Ach, all ihr edlen Herrn, was soll ich sagen, +Mein Ansehn steht jetzt auf so glattem Boden, +Dass ich euch eines von zwei schlimmen Dingen, +Ein Feiger oder Schmeichler, scheinen muss. +Dass ich dich liebte, Caesar, o 's ist wahr! +Wofern dein Geist jetzt niederblickt auf uns, +Wird's dich nicht kraenken, bittrer als dein Tod, +Zu sehn, wie dein Antonius Frieden macht +Und deiner Feinde blutge Haende drueckt, +Du Edelster, in deines Leichnams Naehe? +Haett ich so manches Aug als Wunden du, +Und jedes stroemte Traenen, wie sie Blut, +Das ziemte besser mir, als einen Bund +Der Freundschaft einzugehn mit deinen Feinden. +Verzeih mir, Julius!--Du edler Hirsch, +Hier wurdest du erjagt, hier fielest du; +Hier stehen deine Jaeger, mit den Zeichen +Des Mordes und von deinem Blut bepurpurt. +O Welt, du warst der Wald fuer diesen Hirsch, +Und er, o Welt! war seines Waldes Stolz.-- +Wie aehnlich einem Wild, von vielen Fuersten +Geschossen, liegst du hier! + +Cassius. +Antonius-- + +Antonius. +Verzeiht mir, Cajus Cassius; +Dies werden selbst die Feinde Caesars sagen, +An einem Freund ist's kalte Maessigung. + +Cassius. +Ich tadl Euch nicht, dass Ihr den Caesar preist; +Allein, wie denkt Ihr Euch mit uns zu stehen? +Seid Ihr von unsern Freunden? oder sollen +Wir vorwaertsdringen, ohn auf Euch zu baun? + +Antonius. +Deswegen fasst ich eure Haende; nur +Vergass ich mich, als ich auf Caesarn blickte. +Ich bin euch allen Freund und lieb euch alle, +In Hoffnung, eure Gruende zu vernehmen, +Wie und warum gefaehrlich Caesar war. + +Brutus. +Jawohl, sonst waer dies ein unmenschlich Schauspiel. +Und unsre Gruende sind so wohl bedacht, +Waert Ihr der Sohn des Caesar, Mark Anton, +Sie gnuegten Euch. + +Antonius. +Das such ich einzig ja. +Auch halt ich an um die Verguenstigung, +Den Leichnam auszustellen auf dem Markt +Und auf der Buehne, wie's dem Freunde ziemt, +Zu reden bei der Feier der Bestattung. + +Brutus. +Das moegt Ihr, Mark Anton. + +Cassius. +Brutus, ein Wort mit Euch. +(Beiseite.) Ihr wisst nicht, was Ihr tut; gestattet nicht, +Dass ihm Antonius die Rede halte. +Wisst Ihr, wie sehr das Volk durch seinen Vortrag +Sich kann erschuettern lassen? + +Brutus. +Nein, verzeiht. +Ich selbst betrete erst die Buehn und lege +Von unsers Caesars Tod die Gruende dar. +Was dann Antonius sagen wird, erklaer ich, +Gescheh erlaubt und mit Bewilligung; +Es sei uns recht, dass Caesar jeder Ehre +Teilhaftig werde, so die Sitte heiligt. +Dies wird uns mehr Gewinn als Schaden bringen. + +Cassius. +Wer weiss, was vorfaellt? Ich bin nicht dafuer. + +Brutus. +Hier, Mark Anton, nehmt Ihr die Leiche Caesars. +Ihr sollt uns nicht in Eurer Rede tadeln, +Doch sprecht von Caesarn Gutes nach Vermoegen +Und sagt, dass Ihr's mit unserm Willen tut. +Sonst sollt Ihr gar mit dem Begraebnis nichts +Zu schaffen haben. Auf derselben Buehne, +Zu der ich jetzo gehe, sollt Ihr reden, +Wenn ich zu redet, aufgehoert. + +Antonius. +So sei's! +Ich wuensche weiter nichts. + +Brutus. +Bereitet denn die Leich und folget uns. + +(Alle bis auf Antonius ab.) + +Antonius. +O du, verzeih mir, blutend Stueckchen Erde! +Dass ich mit diesen Schlaechtern freundlich tat. +Du bist der Rest des edelsten der Maenner, +Der jemals lebt, im Wechsellauf der Zeit. +Weh! weh der Hand, die dieses Blut vergoss! +Jetzt prophezei ich ueber deinen Wunden, +Die ihre Purpurlippen oeffnen, stumm +Von meiner Zunge Stimm und Wort erflehend: +Ein Fluch wird fallen auf der Menschen Glieder, +Und innre Wut und wilder Buergerzwist +Wird aengsten alle Teil' Italiens; +Verheerung, Mord wird so zur Sitte werden +Und so gemein das Furchtbarste, dass Muetter +Nur laecheln, wenn sie ihre zarten Kinder +Gevierteilt von des Krieges Haenden sehn. +Die Fertigkeit in Greueln wuergt das Mitleid; +Und Caesars Geist, nach Rache jagend, wird, +Zur Seit ihm Ate, heiss der Hoell entstiegen, +In diesen Grenzen mit des Herrschers Ton +Mord rufen und des Krieges Hund' entfesseln, +Dass diese Schandtat auf zum Himmel stinke +Von Menschenaas, das um Bestattung aechzt. + Ein Diener kommt. +Ihr dienet dem Octavius Caesar? nicht? + +Diener. +Ja, Mark Anton. + +Antonius. +Caesar beschied ihn schriftlich her nach Rom. + +Diener. +Den Brief empfing er und ist unterwegs; +Und muendlich hiess er mich an Euch bestellen + (Er erblickt den Leichnam Caesars.) +O Caesar! + +Antonius. +Dein Herz ist voll, geh auf die Seit und weine. +Ich sehe, Leid steckt an; denn meine Augen, +Da sie des Grames Perlen sahn in deinen, +Begannen sie zu fliessen--Kommt dein Herr? + +Diener. +Er bleibt zur Nacht von Rom nur sieben Meilen. + +Antonius. +Reit schnell zurueck und meld' ihm, was geschehn. +Hier ist ein Rom voll Trauer und Gefahr, +Kein sichres Rom noch fuer Octavius. +Eil hin und sag ihm das!--Nein, warte noch! +Du sollst nicht fort, bevor ich diese Leiche +Getragen auf den Markt und meine Rede +Das Volk geprueft, wie dieser blutgen Maenner +Unmenschliches Beginnen ihm erscheint. +Und demgemaess sollst du dem jungen Caesar +Berichten, wie allhier die Dinge stehn. +Leih deinen Arm mir. + +(Beide ab mit Caesars Leiche.) + + + +Zweite Szene +Das Forum + +Brutus und Cassius kommen mit einem Haufen Volks + +Buerger. +Wir wollen Rechenschaft! Legt Rechenschaft uns ab! + +Brutus. +So folget mir und gebt Gehoer mir, Freunde.-- +Ihr, Cassius geht in eine andre Strasse +Und teilt die Haufen-- +Wer mich will reden hoeren, bleibe hier; +Wer Cassius folgen will, der geh mit ihm. +Wir wollen oeffentlich die Gruend' erklaeren +Von Caesars Tod. + +Erster Buerger. +Ich will den Brutus hoeren. + +Zweiter Buerger. +Den Cassius ich: so koennen wir die Gruende +Vergleichen, wenn wir beide angehoert. + +(Cassius mit einigen Buergern ab. Brutus besteigt die Rostra.) + +Dritter Buerger. +Der edle Brutus steht schon oben--still! + +Brutus. +Seid ruhig zum Schluss. +Roemer! Mitbuerger! Freunde! Hoert mich meine Sache fuehren und seid +still, damit ihr hoeren moeget. Glaubt mir um meiner Ehre willen und +hegt Achtung vor meiner Ehre, damit ihr glauben moegt. Richtet mich +nach eurer Weisheit und weckt eure Sinne, um desto besser urteilen zu +koennen. Ist jemand in dieser Versammlung, irgendein herzlicher Freund +Caesars, dem sage ich: des Brutus Liebe zum Caesar war nicht geringer +als seine. Wenn dieser Freund dann fragt, warum Brutus gegen Caesar +aufstand, ist dies meine Antwort: nicht, weil ich Caesarn weniger +liebte, sondern weil ich Rom mehr liebte. Wolltet ihr lieber, Caesar +lebte und ihr stuerbet alle als Sklaven, als dass Caesar tot ist, damit +ihr alle lebet wie freie Maenner? Weil Caesar mich liebte, wein ich um +ihn; weil er gluecklich war, freue ich mich; weil er tapfer war, ehr +ich ihn; aber weil er herrschsuechtig war, erschlug ich ihn. Also +Traenen fuer seine Liebe, Freude fuer sein Glueck, Ehre fuer seine +Tapferkeit und Tod fuer seine Herrschsucht. Wer ist hier so niedrig +gesinnt, dass er ein Knecht sein moechte? Ist es jemand, er rede, denn +ihn habe ich beleidigt. Wer ist hier so roh, dass er nicht wuenschte, +ein Roemer zu sein? Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich +beleidigt. Wer ist hier so schlecht, dass er sein Vaterland nicht +liebte? Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich beleidigt. Ich +halte inne, um Antwort zu hoeren. + +Buerger (verschiedene Stimmen auf einmal). +Niemand, Brutus! niemand! + +Brutus. +Dann habe ich niemand beleidigt. Ich tat Caesarn nichts, als was ihr +dem Brutus tun wuerdet. Die Untersuchung ueber seinen Tod ist im +Kapitol aufgezeichnet; sein Ruhm nicht geschmaelert, wo er Verdienste +hatte, seine Vergehen nicht uebertrieben, fuer die er den Tod gelitten. + Antonius und andre treten auf mit Caesars Leiche. +Hier kommt seine Leiche, von Mark Anton betrauert, der, ob er schon +keinen Teil an seinem Tode hatte, die Wohltat seines Sterbens, einen +Platz im gemeinen Wesen, geniessen wird. Wer von euch wird es nicht? +Hiermit trete ich ab. Wie ich meinen besten Freund fuer das Wohl Roms +erschlug, so habe ich denselben Dolch fuer mich selbst, wenn es dem +Vaterland gefaellt, meinen Tod zu beduerfen. + +Buerger. +Lebe, Brutus! lebe! lebe! + +Erster Buerger. +Begleitet mit Triumph ihn in sein Haus. + +Zweiter Buerger. +Stellt ihm ein Bildnis auf bei seinen Ahnen. + +Dritter Buerger. +Er werde Caesar! + +Vierter Buerger. +Im Brutus kroent ihr Caesars bessre Gaben. + +Erster Buerger. +Wir bringen ihn zu Haus mit lautem Jubel. + +Brutus. Mitbuerger-- + +Zweiter Buerger. +Schweigt doch! Stille! Brutus spricht. + +Erster Buerger. +Still da! + +Brutus. +Ihr guten Buerger, lasst allein mich gehn; +Bleibt mir zuliebe hier beim Mark Anton. +Ehrt Caesars Leiche, ehret seine Rede, +Die Caesars Ruhm verherrlicht. Dem Antonius +Gab unser Will' Erlaubnis, sie zu halten. +Ich bitt euch, keiner gehe fort von hier +Als ich allein, bis Mark Anton gesprochen. (Ab.) + +Erster Buerger. +He, bleibt doch! Hoeren wir den Mark Anton. + +Dritter Buerger. +Lasst ihn hinaufgehn auf die Rednerbuehne. +Ja, hoert ihn! Edler Mark Anton, hinauf! + +Antonius. +Um Brutus' willen bin ich euch verpflichtet. + +Vierter Buerger. +Was sagt er da vom Brutus? + +Dritter Buerger. +Er sagt, um Brutus' willen find er sich +Uns insgesamt verpflichtet. + +Vierter Buerger. +Er taete wohl, +Dem Brutus hier nichts Uebles nachzureden. + +Erster Buerger. +Der Caesar war ein Tyrann. + +Dritter Buerger. +Ja, das ist sicher; +Es ist ein Glueck fuer uns, dass Rom ihn los ward. + +Vierter Buerger. +Still! Hoert doch, was Antonius sagen kann! + +Antonius. +Ihr edlen Roemer-- + +Buerger. +Still da! hoert ihn doch! + +Antonius. +Mitbuerger! Freunde! Roemer! hoert mich an: +Begraben will ich Caesarn, nicht ihn preisen. +Was Menschen Uebles tun, das ueberlebt sie, +Das Gute wird mit ihnen oft begraben. +So sei es auch mit Caesarn! Der edle Brutus +Hat euch gesagt, dass er voll Herrschsucht war; +Und war er das, so war's ein schwer Vergehen, +Und schwer hat Caesar auch dafuer gebuesst. +Hier, mit des Brutus Willen und der andern +(Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, +Das sind sie alle, alle ehrenwert), +Komm ich, bei Caesars Leichenzug zu reden. +Er war mein Freund, war mir gerecht und treu; +Doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war, +Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. +Er brachte viel Gefangne heim nach Rom, +Wofuer das Loesegeld den Schatz gefuellt. +Sah das der Herrschsucht wohl am Caesar gleich? +Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Caesar; +Die Herrschsucht sollt aus haerterm Stoff bestehn. +Doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war, +Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. +Ihr alle saht, wie am Lupercusfest +Ich dreimal ihm die Koenigskrone bot, +Die dreimal er geweigert. War das Herrschsucht? +Doch Brutus sagt, dass er voll Herrschsucht war, +Und ist gewiss ein ehrenwerter Mann. +Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen; +Ich spreche hier von dem nur, was ich weiss. +Ihr liebtet all ihn einst nicht ohne Grund; +Was fuer ein Grund wehrt euch, um ihn zu trauern? +O Urteil, du entflohst zum bloeden Vieh, +Der Mensch ward unvernuenftig!--Habt Geduld! +Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Caesar, +Und ich muss schweigen, bis es mir zurueckkommt. + +Erster Buerger. +Mich duenkt, in seinen Reden ist viel Grund. + +Zweiter Buerger. +Wenn man die Sache recht erwaegt, ist Caesarn +Gross Unrecht widerfahren. + +Dritter Buerger. +Meint Ihr, Buerger? +Ich fuercht, ein Schlimmrer kommt an seine Stelle. + +Vierter Buerger. +Habt ihr gehoert? Er nahm die Krone nicht; +Da sieht man, dass er nicht herrschsuechtig war. + +Erster Buerger. +Wenn dem so ist, so wird es manchem teuer +Zu stehen kommen. + +Zweiter Buerger. +Ach, der arme Mann! +Die Augen sind ihm feuerrot vom Weinen. + +Dritter Buerger. +Antonius ist der bravste Mann in Rom. + +Vierter Buerger. +Gebt acht! Er faengt von neuem an zu reden. + +Antonius. +Noch gestern haett umsonst dem Worte Caesars +Die Welt sich widersetzt; nun liegt er da, +Und der Geringste neigt sich nicht vor ihm. +O Buerger! strebt ich, Herz und Mut in euch +Zur Wut und zur Empoerung zu entflammen, +So taet ich Cassius und Brutus Unrecht, +Die ihr als ehrenwerte Maenner kennt. +Ich will nicht ihnen Unrecht tun, will lieber +Dem Toten Unrecht tun, mir selbst und euch, +Als ehrenwerten Maennern, wie sie sind. +Doch seht dies Pergament mit Caesars Siegel; +Ich fand's bei ihm, es ist sein letzter Wille. +Vernaehme nur das Volk dies Testament +(Das ich, verzeiht mir, nicht zu lesen denke), +Sie gingen hin und kuessten Caesars Wunden +Und tauchten Tuecher in sein heilges Blut, +Ja, baeten um ein Haar zum Angedenken, +Und sterbend nennten sie's im Testament +Und hinterliessen's ihres Leibes Erben +Zum koestlichen Vermaechtnis. + +Vierter Buerger. +Wir wollen's hoeren: lest das Testament! +Lest, Mark Anton! + +Buerger. +Ja, ja, das Testament! +Lasst Caesars Testament uns hoeren. + +Antonius. +Seid ruhig, lieben Freund'! Ich darf's nicht lesen, +Ihr muesst nicht wissen, wie euch Caesar liebte. +Ihr seid nicht Holz, nicht Stein, ihr seid ja Menschen; +Drum, wenn ihr Caesars Testament erfuehrt, +Es setzt' in Flammen euch, es macht' euch rasend. +Ihr duerft nicht wissen, dass ihr ihn beerbt, +Denn wuesstet ihr's, was wuerde draus entstehn? + +Buerger. +Lest das Testament! Wir wollen's hoeren, Mark Anton! +Ihr muesst es lesen! Caesars Testament! + +Antonius. +Wollt ihr euch wohl gedulden? wollt ihr warten? +Ich uebereilte mich, da ich's euch sagte. +Ich fuercht, ich tu den ehrenwerten Maennern +Zu nah, durch deren Dolche Caesar fiel; +Ich fuerchte es. + +Vierter Buerger. +Sie sind Verraeter: ehrenwerte Maenner! + +Buerger. +Das Testament! Das Testament! + +Zweiter Buerger. +Sie waren Boesewichter, Moerder! Das Testament! +Lest das Testament! + +Antonius. +So zwingt ihr mich, das Testament zu lesen? +Schliesst einen Kreis um Caesars Leiche denn, +Ich zeig euch den, der euch zu Erben machte. +Erlaubt ihr mir's? Soll ich hinuntersteigen? + +Buerger. +Ja, kommt nur! + +Zweiter Buerger. +Steigt herab! + +(Er verlaesst die Rednerbuehne.) + +Dritter Buerger. +Es ist Euch gern erlaubt. + +Vierter Buerger. +Schliesst einen Kreis herum. + +Erster Buerger. +Zurueck vom Sarge! von der Leiche weg! + +Zweiter Buerger. +Platz fuer Antonius! fuer den edlen Antonius! + +Antonius. +Nein, draengt nicht so heran! Steht weiter weg! + +Buerger. +Zurueck! Platz da! zurueck! + +Antonius. +Wofern ihr Traenen habt, bereitet euch, +Sie jetzo zu vergiessen. Diesen Mantel, +Ihr kennt ihn alle; doch erinnr' ich mich +Des ersten Males, dass ihn Caesar trug +In seinem Zelt, an einem Sommerabend-- +Er ueberwand den Tag die Nervier-- +Hier, schauet! fuhr des Cassius Dolch herein; +Seht, welchen Riss der tuecksche Casca machte! +Hier stiess der vielgeliebte Brutus durch; +Und als er den verfluchten Stahl hinwegriss, +Schaut her, wie ihm das Blut des Caesar folgte, +Als stuerzt' es vor die Tuer, um zu erfahren, +Ob wirklich Brutus so unfreundlich klopfte. +Denn Brutus, wie ihr wisst, war Caesars Engel. +Ihr Goetter, urteilt, wie ihn Caesar liebte! +Kein Stich von allen schmerzte so wie der. +Denn als der edle Caesar Brutus sah, +Warf Undank, staerker als Verraeterwaffen, +Ganz nieder ihn; da brach sein grosses Herz, +Und in dem Mantel sein Gesicht verhuellend, +Grad am Gestell der Saeule des Pompejus, +Von der das Blut rann, fiel der grosse Caesar. +O meine Buerger, welch ein Fall war das! +Da fielet ihr und ich, wir alle fielen, +Und ueber uns frohlockte blutge Tuecke. +O ja! nun weint ihr, und ich merk, ihr fuehlt +Den Drang des Mitleids; dies sind milde Tropfen. +Wie? weint ihr, gute Herzen, seht ihr gleich +Nur unsers Caesars Kleid verletzt? Schaut her! +Hier ist er selbst, geschaendet von Verraetern. + +Erster Buerger. +O klaeglich Schauspiel! + +Zweiter Buerger. +O edler Caesar! + +Dritter Buerger. +O jammervoller Tag! + +Vierter Buerger. +O Buben und Verraeter! + +Erster Buerger. +O blutger Anblick! + +Zweiter Buerger. +Wir wollen Rache! Rache! Auf und sucht! +Sengt! brennt! schlagt! mordet! lasst nicht einen leben! + +Antonius. +Seid ruhig, meine Buerger! + +Erster Buerger. +Still da! Hoert den edlen Antonius! + +Zweiter Buerger. +Wir wollen ihn hoeren, wir wollen ihm folgen, +wir wollen fuer ihn sterben! + +Antonius. +Ihr guten, lieben Freund', ich muss euch nicht +Hinreissen zu des Aufruhrs wildem Sturm. +Die diese Tat getan, sind ehrenwert. +Was fuer Beschwerden sie persoenlich fuehren, +Warum sie's taten, ach! das weiss ich nicht; +Doch sind sie weis und ehrenwert, und werden +Euch sicherlich mit Gruenden Rede stehn. +Nicht euer Herz zu stehlen, komm ich, Freunde; +Ich bin kein Redner, wie es Brutus ist, +Nur, wie ihr alle wisst, ein schlichter Mann +Dem Freund ergeben, und das wussten die +Gar wohl, die mir gestattet, hier zu reden. +Ich habe weder Witz noch Wort' und Wuerde, +Noch Kunst des Vortrags noch die Macht der Rede, +Der Menschen Blut zu reizen; nein, ich spreche +Nur gradezu und sag euch, was ihr wisst. +Ich zeig euch des geliebten Caesars Wunden, +Die armen stummen Munde, heisse die +Statt meiner reden. Aber waer ich Brutus +Und Brutus Mark Anton, dann gaeb es einen, +Der eure Geister schuert' und jeder Wunde +Des Caesars eine Zunge lieh', die selbst +Die Steine Roms zum Aufstand wuerd empoeren. + +Dritter Buerger. +Empoerung! + +Erster Buerger. +Steckt des Brutus Haus in Brand! + +Dritter Buerger. +Hinweg denn! kommt, sucht die Verschwornen auf! + +Antonius. +Noch hoert mich, meine Buerger, hoert mich an! + +Buerger. +Still da! Hoert Mark Anton! den edlen Mark Anton! + +Antonius. +Nun, Freunde, wisst ihr selbst auch, was ihr tut? +Wodurch verdiente Caesar eure Liebe? +Ach nein! ihr wisst nicht.--Hoert es denn! Vergessen +Habt ihr das Testament, wovon ich sprach. + +Buerger. +Wohl wahr! Das Testament! Bleibt, hoert das Testament! + +Antonius. +Hier ist das Testament mit Caesars Siegel; +Darin vermacht er jedem Buerger Roms, +Auf jeden Kopf euch, fuenfundsiebzig Drachmen. + +Zweiter Buerger. +O edler Caesar!--Kommt, raecht seinen Tod! + +Dritter Buerger. +O koeniglicher Caesar. + +Antonius. +Hoert mich mit Geduld! + +Buerger. +Still da! + +Antonius. +Auch laesst er alle seine Lustgehege, +Verschlossne Lauben, neugepflanzte Gaerten +Diesseit der Tiber euch und euren Erben +Auf ewge Zeit, damit ihr euch ergehn +Und euch gemeinsam dort ergoetzen koennt. +Das war ein Caesar: wann kommt seinesgleichen? + +Erster Buerger. +Nimmer! nimmer!--Kommt! hinweg! hinweg! hinweg! +Verbrennt den Leichnam auf dem heilgen Platze, +Und mit den Braenden zuendet den Verraetern +Die Haeuser an. Nehmt denn die Leiche auf! + +Zweiter Buerger. +Geht! holt Feuer! + +Dritter Buerger. +Reisst Baenke ein! + +Vierter Buerger. +Reisst Sitze, Laeden, alles ein! + +(Die Buerger mit Caesars Leiche ab.) + +Antonius. +Nun wirk es fort. Unheil, du bist im Zuge: +Nimm, welchen Lauf du willst!-- + Ein Diener kommt. +Was bringst du, Bursch? + +Diener. +Herr! Octavius ist schon nach Rom gekommen. + +Antonius. +Wo ist er? + +Diener. +Er und Lepidus sind in Caesars Hause. + +Antonius. +Ich will sofort dahin, ihn zu besuchen, +Er kommt erwuenscht. Das Glueck ist aufgeraeumt +Und wird in dieser Laun uns nichts versagen. + +Diener. +Ich hoert ihn sagen, Cassius und Brutus +Sei'n durch die Tore Roms wie toll geritten. + +Antonius. +Vielleicht vernahmen sie vom Volke Kundschaft, +Wie ich es aufgewiegelt. Fuehr indes +Mich zum Octavius. (Beide ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Strasse + +Cinna, der Poet, tritt auf + +Cinna. +Mir traeumte heut, dass ich mit Caesarn schmauste, +Und Missgeschick fuellt meine Phantasie. +Ich bin unlustig, aus dem Haus zu gehn, +Doch treibt es mich heraus. + +Buerger kommen. + +Erster Buerger. +Wie ist Euer Name? + +Zweiter Buerger. +Wo geht Ihr hin? + +Dritter Buerger. +Wo wohnt Ihr? + +Vierter Buerger. +Seid Ihr verheiratet oder ein Junggesell? + +Zweiter Buerger. +Antwortet jedem unverzueglich. + +Erster Buerger. +Ja, und kuerzlich. + +Vierter Buerger. +Ja, und weislich. + +Dritter Buerger. +Ja, und ehrlich, das raten wir Euch. + +Cinna. +Wie ist mein Name? Wohin gehe ich? Wo wohne ich? Bin ich +verheiratet oder ein Junggesell? Also um jedem Manne unverzueglich und +kuerzlich, weislich und ehrlich zu antworten, sage ich weislich: ich +bin ein Junggesell. + +Zweiter Buerger. +Das heisst soviel: wer heiratet, ist ein Narr. Dafuer Denke ich Euch +eins zu versetzen. Weiter, unverzueglich! + +Cinna. +Unverzueglich gehe ich zu Caesars Bestattung. + +Erster Buerger. +Als Freund oder Feind? + +Cinna. +Als Freund. + +Zweiter Buerger. +Das war unverzueglich beantwortet. + +Vierter Buerger. +Eure Wohnung, kuerzlich! + +Cinna. +Kuerzlich, ich wohne beim Kapitol. + +Dritter Buerger. +Euer Name, Herr! ehrlich! + +Cinna. +Ehrlich, mein Name ist Cinna. + +Erster Buerger. +Reisst ihn in Stuecke! Er ist ein Verschworner. + +Cinna. +Ich bin Cinna, der Poet! Ich bin Cinna, der Poet! + +Vierter Buerger. +Zerreisst ihn fuer seine schlechten Verse! Zerreisst ihn fuer seine +schlechten Verse! + +Cinna. +Ich bin nicht Cinna, der Verschworne. + +Vierter Buerger. +Es tut nichts! sein Name ist Cinna; reisst ihm den Namen aus dem +Herzen und lasst ihn laufen. + +Dritter Buerger. +Zerreisst ihn! Zerreisst ihn! Kommt, Braende! Heda, Feuerbraende! Zum +Brutus! Zum Cassius! Steckt alles in Brand! Ihr zu des Decius Hause! + Ihr zu des Casca! Ihr zu des Ligarius! Fort! Kommt! + +(Alle ab.) + + + + +Vierter Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Ein Zimmer des Antonius + +Antonius, Octavius und Lepidus, an einem Tische sitzend + +Antonius. +Die muessen also sterben, deren Namen +Hier angezeichnet stehn. + +Octavius. +Auch Euer Bruder +Muss sterben, Lepidus. Ihr willigt drein? + +Lepidus. +Ich willge drein. + +Octavius. +Zeichn ihn, Antonius. + +Lepidus. +Mit dem Beding, dass Publius nicht lebe, +Der Eurer Schwester Sohn ist, Mark Anton. + +Antonius. +Er lebe nicht; sieh her, ein Strich verdammt ihn. +Doch Lepidus, geht Ihr zu Caesars Haus, +Bringt uns sein Testament; wir wollen sehn, +Was an Vermaechtnissen sich kuerzen laesst. + +Lepidus. +Wie? Soll ich hier euch finden? + +Octavius. +Hier oder auf dem Kapitol. (Lepidus ab.) + +Antonius. +Dies ist ein schwacher, unbrauchbarer Mensch, +Zum Botenlaufen nur geschickt. Verdient er, +Wenn man die dreibenannte Welt verteilt, +Dass er als dritter Mann sein Teil empfange? + +Octavius. +Ihr glaubtet es und hoertet auf sein Wort, +Wen man im schwarzen Rate unsrer Acht +Zum Tode zeichnen sollte. + +Antonius. +Octavius, ich sah mehr Tag' als Ihr. +Ob wir auf diesen Mann schon Ehren haeufen, +Um manche Last des Leumunds abzuwaelzen, +Er traegt sie doch nur wie der Esel Gold, +Der unter dem Geschaefte stoehnt und schwitzt, +Gefuehrt, getrieben, wie den Weg wir weisen; +Und hat er unsern Schatz, wohin wir wollen, +Gebracht, dann nehmen wir die Last ihm ab +Und lassen ihn als ledgen Esel laufen, +Dass er die Ohren schuetteln moeg und grasen +Auf offner Weide. + +Octavius. +Tut, was Euch beliebt; +Doch ist er ein gepruefter, wackrer Krieger. + +Antonius. +Das ist mein Pferd ja auch, Octavius, +Dafuer bestimm ich ihm sein Mass von Futter. +Ist's ein Geschoepf nicht, das ich lehre fechten, +Umwenden, halten, grade vorwaerts rennen, +Des koerperliches Tun mein Geist regiert? +In manchem Sinn ist Lepidus nichts weiter: +Man muss ihn erst abrichten, lenken, mahnen; +Ein Mensch von duerftgem Geiste, der sich naehrt +Von Gegenstaenden, Kuensten, Nachahmungen, +Die, alt und schon von andern abgenutzt, +Erst seine Mode werden. Sprecht nicht anders +Von ihm als einem Werkzeug nur.--Und nun, +Octavius, vernehmet grosse Dinge: +Brutus und Cassius werben Voelker an, +Wir muessen ihnen stracks die Spitze bieten; +Drum lasst die Bundsgenossen uns versammeln, +Die Freunde sichern, alle Macht aufbieten; +Und lasst zu Rat uns sitzen alsobald, +Wie man am besten Heimliches entdeckt +Und offnen Faehrlichkeiten sicher trotzt. + +Octavius. +Das lasst uns tun; denn uns wird aufgelauert, +Und viele Feinde bellen um uns her; +Und manche, so da laecheln, fuercht ich, tragen +Im Herzen tausend Unheil. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Vor Brutus' Zelte im Lager nahe bei Sardes + +Trommeln werden geruehrt. Brutus, Lucilius, Lucius und Soldaten treten +auf. Pindarus und Titinius kommen ihnen entgegen + +Brutus. +Halt! + +Lucilius. +He! Gebt das Wort und haltet. + +Brutus. +Was gibt's, Lucilius? Ist Cassius nahe? + +Lucilius. +Er ist nicht weit, und hier kommt Pindarus, +Im Namen seines Herrn Euch zu begruessen. + +(Pindarus ueberreicht dem Brutus einen Brief.) + +Brutus. +Sein Gruss ist freundlich. Wisst, dass Euer Herr, +Von selbst veraendert oder schlecht beraten, +Mir gueltgen Grund gegeben, ungeschehn +Geschehenes zu wuenschen. Aber ist er +Hier in der Naeh, so wird er mir genugtun. + +Pindarus. +Ich zweifle nicht, voll Ehr und Wuerdigkeit +Wird, wie er ist, mein edler Herr erscheinen. + +Brutus. +Wir zweifeln nicht an ihm.--Ein Wort, Lucilius: +Lasst mich erfahren, wie er Euch empfing. + +Lucilius. +Mit Hoeflichkeit und Ehrbezeugung gnug, +Doch nicht mit so vertrauter Herzlichkeit, +Nicht mit so freiem, freundlichem Gespraech, +Als er vordem wohl pflegte. + +Brutus. +Du beschreibst, +Wie warme Freund' erkalten. Merke stets +Lucilius, wenn Lieb erkrankt und schwindet, +Nimmt sie gezwungne Hoeflichkeiten an. +Einfaeltge, schlichte Treu weiss nichts von Kuensten; +Doch Gleisner sind wie Pferde, heiss im Anlauf: +Sie prangen schoen mit einem Schein von Kraft; +Doch sollen sie den blutgen Sporn erdulden, +So sinkt ihr Stolz, und falschen Maehren gleich +Erliegen sie der Pruefung.--Naht sein Heer? + +Lucilius. +Sie wollten Nachtquartier in Sardes halten. +Der groesste Teil, die ganze Reiterei +Kommt mit dem Cassius. + +(Ein Marsch hinter der Szene.) + +Brutus. +Horch! Er ist schon da. +Rueckt langsam ihm entgegen. + +Cassius tritt auf mit Soldaten. + +Cassius. +Halt! + +Brutus. +Halt! Gebt das Befehlswort weiter. + +(Hinter der Szene: Halt!--Halt!--Halt!) + +Cassius. +Ihr tatet mir zu nah, mein edler Brutus. + +Brutus. +Ihr Goetter, richtet! Tu ich meinen Feinden +Zu nah? und sollt ich's meinem Bruder tun? + +Cassius. +Brutus, dies Euer wuerdiges Benehmen +Deckt Unrecht zu, und wenn Ihr es begeht-- + +Brutus. +Seid ruhig, Cassius! bringet leise vor, +Was fuer Beschwerd Ihr habt.--Ich kenn Euch wohl. +Im Angesicht der beiden Heere hier, +Die nichts von uns als Liebe sehen sollten, +Lasst uns nicht hadern. Heisst hinweg sie ziehn; +Fuehrt Eure Klagen dann in meinem Zelt; +Ich will Gehoer Euch geben. + +Cassius. +Pindarus, +Heisst unsre Obersten ein wenig weiter +Von diesem Platz hinweg die Scharen fuehren. + +Brutus. +Tut Ihr das auch, Lucilius. Lasst niemand, +Solang die Unterredung dauert, ein. +Lasst Lucius und Titinius Wache stehn. (Alle ab.) + + + +Dritte Szene +Im Zelte des Brutus + +Lucius und Titinius in einiger Entfernung davon. Brutus und Cassius +treten auf + +Cassius. +Eur Unrecht gegen mich erhellet hieraus: +Ihr habt den Lucius Pella hart verdammt, +Weil er bestochen worden von den Sardern; +Mein Brief, worin ich mich fuer ihn verwandt, +Weil ich ihn kenne, ward fuer nichts geachtet. + +Brutus. +Ihr tatet Euch zu nah, in solchem Fall zu schreiben. + +Cassius. +In solcher Zeit, wie diese, ziemt es nicht, +Dass jeder kleine Fehl bekrittelt werde. + +Brutus. +Lasst mich Euch sagen, Cassius, dass Ihr selbst +Verschrien seid, weil Ihr hohle Haende macht, +Weil Ihr an Unverdiente Eure Aemter +Verkauft und feilschet. + +Cassius. +Mach ich hohle Haende? +Ihr wisst wohl, Ihr seid Brutus, der dies sagt, +Sonst, bei den Goettern! waer dies Wort Eur letztes. + +Brutus. +Des Cassius Name adelt die Bestechung, +Darum verbirgt die Zuechtigung ihr Haupt. + +Cassius. +Die Zuechtigung! + +Brutus. +Denkt an den Maerz, denkt an des Maerzen Idus! +Hat um das Recht der grosse Julius nicht +Geblutet? Welcher Bube legt' an ihn +Die Hand wohl, schwang den Stahl, und nicht ums Recht? +Wie? Soll nun einer derer, die den ersten +Von allen Maennern dieser Welt erschlugen, +Bloss, weil er Raeuber schuetzte: sollen wir +Mit schnoeden Gaben unsre Hand besudeln? +Und unser Wuerden weiten Kreis verkaufen +Fuer soviel Plunders, als man etwa greift? +Ein Hund sein lieber und den Mond anbellen, +Als solch ein Roemer! + +Cassius. +Brutus, reizt mich nicht! +Ich will's nicht dulden. Ihr vergesst Euch selbst, +Wenn Ihr mich so umzaeunt; ich bin ein Krieger, +Erfahrner, aelter, faehiger als Ihr, +Bedingungen zu machen. + +Brutus. +Redet nur,-- +Ihr seid es doch nicht, Cassius. + +Cassius. +Ich bin's. + +Brutus. +Ich sag, Ihr seid es nicht. + +Cassius. +Draengt mich nicht mehr, ich werde mich vergessen; +Gedenkt an Euer Heil, reizt mich nicht laenger. + +Brutus. +Geht, leichtgesinnter Mann! + +Cassius. +Ist's moeglich? + +Brutus. +Hoert mich an, denn ich will reden. +Muss ich mich Eurer jaehen Hitze fuegen? +Muss ich erschrecken, wenn ein Toller starrt? + +Cassius. +Ihr Goetter! Goetter! muss ich all dies dulden? + +Brutus. +All dies? Noch mehr! Ergrimmt, bis es Euch birst, +Das stolze Herz. Geht, zeiget Euren Sklaven, +Wie rasch zum Zorn Ihr seid, und macht sie zittern. +Muss ich beiseit mich druecken? muss den Hof +Euch machen? Muss ich dastehn und mich kruemmen +Vor Eurer krausen Laune? Bei den Goettern! +Ihr sollt hinunterwuergen Euren Gift, +Und wenn Ihr boerstet; denn von heute an +Dient Ihr zum Scherz, ja zum Gelaechter mir, +Wenn Ihr Euch so gebaerdet. + +Cassius. +Dahin kam's? + +Brutus. +Ihr sagt, dass Ihr ein bessrer Krieger seid: +Beweist es denn, macht Euer Prahlen wahr. +Es soll mir lieb sein; denn, was mich betrifft, +Ich werde gern von edlen Maennern lernen. + +Cassius. +Ihr tut zu nah, durchaus zu nah mir, Brutus. +Ich sagt, ein aeltrer Krieger, nicht ein bessrer. +Sagt ich, ein bessrer? + +Brutus. +Und haettet Ihr's gesagt, mir gilt es gleich. + +Cassius. +Mir haette Caesar das nicht bieten duerfen. + +Brutus. +O schweigt! Ihr durftet ihn auch nicht so reizen. + +Cassius. +Ich durfte nicht? + +Brutus. +Nein. + +Cassius. +Wie? Durft ihn nicht reizen? + +Brutus. +Ihr durftet es fuer Euer Leben nicht. + +Cassius. +Wagt nicht zuviel auf meine Liebe hin, +Ich moechte tun, was mich nachher gereute. + +Brutus. +Ihr habt getan, was Euch gereuen sollte. +Eur Drohn hat keine Schrecken, Cassius; +Denn ich bin so bewehrt durch Redlichkeit, +Dass es vorbeizieht wie der leere Wind, +Der nichts mir gilt. Ich sandte hin zu Euch +Um eine Summe Golds, die Ihr mir abschlugt. +Ich kann kein Geld durch schnoede Mittel heben. +Beim Himmel! lieber praegt ich ja mein Herz +Und troepfelte mein Blut fuer Drachmen aus +Als dass ich aus der Bauern harten Haenden +Die jaemmerliche Habe winden sollte +Durch irgendeinen Schlich.--Ich sandt um Gold zu Euch, +Um meine Legionen zu bezahlen; +Ihr schlugt mir's ab: war das, wie Cassius sollte? +Haett ich dem Cajus Cassius so erwidert? +Wenn Marcus Brutus je so geizig wird, +Dass er so lumpge Pfennige den Freunden +Verschliesst, dann ruestet eure Donnerkeile, +Zerschmettert ihn, ihr Goetter! + +Cassius. +Ich schlug es Euch nicht ab. + +Brutus. +Ihr tatet es. + +Cassius. +Ich tat's nicht; der Euch meine Antwort brachte, +War nur ein Tor.--Brutus zerreisst mein Herz-- +Es sollt ein Freund des Freundes Schwaechen tragen, +Brutus macht meine groesser, als sie sind. + +Brutus. +Das tu ich nicht, bis Ihr damit mich quaelt. + +Cassius. +Ihr liebt mich nicht. + +Brutus. +Nicht Eure Fehler lieb ich. + +Cassius. +Nie konnt ein Freundesaug dergleichen sehn. + +Brutus. +Des Schmeichlers Auge saeh sie nicht, erschienen +Sie auch so riesenhaft wie der Olymp. + +Cassius. +Komm, Mark Anton, und komm, Octavius, nur! +Nehmt eure Rach allein am Cassius; +Denn Cassius ist des Lebens ueberdruessig, +Gehasst von einem, den er liebt; getrotzt +Von seinem Bruder; wie ein Knecht gescholten. +Man spaeht nach allen meinen Fehlern, zeichnet +Sie in ein Denkbuch, lernt sie aus dem Kopf, +Wirft sie mir in die Zaehne.--Oh, ich koennte +Aus meinen Augen meine Seele weinen! +Da ist mein Dolch, hier meine nackte Brust; +Ein Herz drin, reicher als des Plutus Schacht, +Mehr wert als Gold; wo du ein Roemer bist, +So nimm's heraus. Ich, der dir Gold versagt, +Ich biete dir mein Herz. Stoss zu, wie einst +Auf Caesar! Denn ich weiss, als du am aergsten +Ihn hasstest, liebtest du ihn mehr, als je +Du Cassius geliebt. + +Brutus. +Steckt Euren Dolch ein! +Seid zornig, wenn Ihr wollt: es steh Euch frei! +Tut, was Ihr wollt, Schmach soll fuer Laune gelten. +O Cassius! einem Lamm seid Ihr gesellt, +Das so nur Zorn hegt wie der Kiesel Feuer, +Der, viel geschlagen, fluechtge Funken zeigt +Und gleich drauf wieder kalt ist. + +Cassius. +Lebt ich dazu, +Ein Scherz nur und Gelaechter meinem Brutus +Zu sein, wenn Gram und boeses Blut mich plagt? + +Brutus. +Als ich das sprach, hatt ich auch boeses Blut. + +Cassius. +Gesteht Ihr soviel ein? Gebt mir die Hand. + +Brutus. +Und auch mein Herz. + +Cassius. +O Brutus! + +Brutus. +Was verlangt Ihr? + +Cassius. +Liebt Ihr mich nicht genug, Geduld zu haben, +Wenn jene rasche Laune, von der Mutter +Mir angeerbt, macht, dass ich mich vergesse? + +Brutus. +Ja, Cassius; kuenftig, wenn Ihr allzu streng +Mit Eurem Brutus seid, so denket er, +Die Mutter schmael aus Euch, und laesst Euch gehn. + +(Laerm hinter der Szene.) + +Ein Poet (hinter der Szene). +Lasst mich hinein, ich muss die Feldherrn sehn. +Ein Zank ist zwischen ihnen; 's ist nicht gut, +Dass sie allein sind. + +Lucilius (hinter der Szene). +Ihr sollt nicht hinein. + +Poet (hinter der Szene). +Der Tod nur haelt mich ab. + +Der Poet tritt ein. + +Cassius. +Ei nun, was gibt's? + +Poet. +Schaemt ihr euch nicht, ihr Feldherrn? Was beginnt ihr? +Liebt euch, wie sich's fuer solche Maenner schickt; +Fuerwahr, ich hab mehr Jahr' als ihr erblickt. + +Cassius. +Ha, ha! wie toll der Zyniker nicht reimt! + +Brutus. +Ihr Schlingel, packt Euch! Fort, verwegner Bursch! + +Cassius. +Ertragt ihn, Brutus! seine Weis ist so. + +Brutus. +Kennt er die Zeit, so kenn ich seine Laune. +Was soll der Krieg mit solchen Schellennarren? +Geh fort, Gesell! + +Cassius. +Fort! fort! geh deines Wegs! + +(Der Poet ab.) +Lucilius und Titinius kommen. + +Brutus. +Lucilius und Titinius, heisst die Obersten +Auf Nachtquartier fuer ihre Scharen denken. + +Cassius. +Kommt selber dann und bringt mit euch Messala +Sogleich zu uns herein. + +(Lucilius und Titinius ab.) + +Brutus. +Lucius, eine Schale Weins. + +Cassius. +Ich dachte nicht, dass Ihr so zuernen koenntet. + +Brutus. +O Cassius, ich bin krank an manchem Gram. + +Cassius. +Ihr wendet die Philosophie nicht an, +Die ihr bekennt, gebt Ihr zufaellgen Uebeln Raum. + +Brutus. +Kein Mensch traegt Leiden besser.--Portia starb. + +Cassius. +Ha! Portia! + +Brutus. +Sie ist tot. + +Cassius. +Lag das im Sinn Euch, wie entkam ich lebend? +O bittrer, unertraeglicher Verlust! +An welcher Krankheit? + +Brutus. +Die Trennung nicht erduldend; +Und Gram, dass mit Octavius Mark Anton +So maechtig worden--denn mit ihrem Tod +Kam der Bericht--das brachte sie von Sinnen, +Und wie sie sich allein sah, schlang sie Feuer. + +Cassius. +Und starb so? + +Brutus. +Starb so. + +Cassius. +O ihr ewgen Goetter! + +Lucius kommt mit Wein und Kerzen. + +Brutus. +Sprecht nicht mehr von ihr.--Gebt eine Schale Weins! +Hierin begrab ich allen Unglimpf, Cassius. (Trinkt.) + +Cassius. +Mein Herz ist durstig, Euch Bescheid zu tun. +Fuellt, Lucius, bis der Wein den Becher kraenzt; +Von Brutus' Liebe trink ich nie zuviel. (Trinkt.) + +Titinius und Messala kommen. + +Brutus. +Herein, Titinius! Seid gegruesst, Messala! +Nun lasst uns dicht um diese Kerze sitzen +Und, was uns frommt, in Ueberlegung ziehn. + +Cassius. +O Portia, bist du hin! + +Brutus. +Nicht mehr, ich bitt Euch! +Messala, seht, ich habe Brief' empfangen, +Dass Mark Anton, mit ihm Octavius, +Heranziehn gegen uns mit starker Macht +Und ihren Heerzug nach Philippi lenken. + +Messala. +Ich habe Briefe von demselben Inhalt. + +Brutus. +Mit welchem Zusatz? + +Messala. +Dass durch Proskription und Achtserklaerung +Octavius, Mark Anton und Lepidus +Auf hundert Senatoren umgebracht. + +Brutus. +Darueber weichen unsre Briefe ab. +Der meine spricht von siebzig Senatoren, +Die durch die Aechtung fielen; Cicero +Sei einer aus der Zahl. + +Cassius. +Auch Cicero? + +Messala. +Ja, er ist tot, und durch den Achtsbefehl.-- +Kam Euer Brief von Eurer Gattin, Herr? + +Brutus. +Nein, Messala. + +Messala. +Und meldet Euer Brief von ihr Euch nichts? + +Brutus. +Gar nichts, Messala. + +Messala. +Das beduenkt mich seltsam. + +Brutus. +Warum? Wisst Ihr aus Eurem Brief von ihr? + +Messala. +Nein, Herr. + +Brutus. +Wenn Ihr ein Roemer seid, sagt mir die Wahrheit. + +Messala. +Tragt denn die Wahrheit, die ich sag, als Roemer: +Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise. + +Brutus. +Leb wohl denn, Portia!--Wir muessen sterben, +Messala; dadurch, dass ich oft bedacht, +Sie muess einst sterben, hab ich die Geduld, +Es jetzt zu tragen. + +Messala. +So traegt ein grosser Mann ein grosses Unglueck. + +Cassius. +Durch Kunst hab ich soviel hievon als ihr, +Doch die Natur ertrueg's in mir nicht so. + +Brutus. +Wohlan, zu unserm lebenden Geschaeft! +Was denkt Ihr? Ziehn wir nach Philippi gleich? + +Cassius. +Mir scheint's nicht ratsam. + +Brutus. +Euer Grund? + +Cassius. +Hier ist er: +Weit besser ist es, wenn der Feind uns sucht; +So wird er, sich zum Schaden, seine Mittel +Erschoepfen, seine Krieger muede machen. +Wir liegen still indes, bewahren uns +In Ruh wehrhaften Stand und Munterkeit. + +Brutus. +Den bessern Gruenden muessen gute weichen. +Das Land von hier bis nach Philippi hin +Beweist uns nur aus Zwang Ergebenheit, +Denn murrend hat es Lasten uns gezahlt. +Der Feind, indem er durch dasselbe zieht, +Wird seine Zahl daraus ergaenzen koennen +Und uns erfrischt, vermehrt, ermutigt nahn. +Von diesem Vorteil schneiden wir ihn ab, +Wenn zu Philippi wir die Stirn ihm bieten, +Dies Volk im Ruecken. + +Cassius. +Hoert mich, lieber Bruder! + +Brutus. +Erlaubt mir guetig!--Ferner muesst Ihr merken, +Dass wir von Freunden alles aufgeboten, +Dass unsre Legionen uebervoll +Und unsre Sache reif. Der Feind nimmt taeglich zu; +Wir, auf dem Gipfel, stehn schon an der Neige. +Der Strom der menschlichen Geschaefte wechselt; +Nimmt man die Flut wahr, fuehret sie zum Glueck; +Versaeumt man sie, so muss die ganze Reise +Des Lebens sich durch Not und Klippen winden. +Wir sind nun flott auf solcher hohen See +Und muessen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen; +Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren. + +Cassius. +So zieht denn, wie Ihr wollt; wir ruecken selbst +Dem Feind entgegen nach Philippi vor. + +Brutus. +Die tiefe Nacht hat das Gespraech beschlichen, +Und die Natur muss froenen dem Beduerfnis, +Das mit ein wenig Ruh wir taeuschen wollen. +Ist mehr zu sagen noch? + +Cassius. +Nein. Gute Nacht! +Frueh stehn wir also morgen auf, und fort. + +Brutus. +Lucius, mein Schlafgewand! (Lucius ab.) Lebt wohl, Messala! +Gute Nacht, Titinius! Edler, edler Cassius, +Gute Nacht und sanfte Ruh! + +Cassius. +O teurer Bruder, +Das war ein schlimmer Anfang dieser Nacht. +Nie trenne solcher Zwiespalt unsre Herzen, +Nie wieder, Brutus. + +Brutus. +Alles steht ja wohl. + +Cassius. +Nun, gute Nacht! + +Brutus. +Gute Nacht, mein guter Bruder! + +Titinius und Messala. +Mein Feldherr, gute Nacht! + +Brutus. +Lebt alle wohl. + +(Cassius, Titinius und Messala ab.) +Lucius kommt zurueck mit dem Nachtkleide. + +Brutus. +Gib das Gewand, wo hast du deine Laute? + +Lucius. +Im Zelte hier. + +Brutus. +Wie? Schlaefrig? Armer Schelm, +Ich tadle drum dich nicht; du hast dich ueberwacht. +Ruf Claudius her und andre meiner Leute, +Sie sollen hier im Zelt auf Kissen schlafen. + +Lucius. +Varro und Claudius! + +Varro und Claudius kommen. + +Varro. +Ruft mein Gebieter? + +Brutus. +Ich bitt euch, liegt in meinem Zelt und schlaft; +Bald weck ich euch vielleicht, um irgendwas +Bei meinem Bruder Cassius zu bestellen. + +Varro. +Wenn's Euch beliebt, wir wollen stehn und warten. + +Brutus. +Das nicht! Nein, legt euch nieder, meine Freunde.-- + (Die beiden Diener legen sich nieder.) +Vielleicht veraendert noch sich mein Entschluss.-- +Sieh, Lucius, hier das Buch, das ich so suchte; +Ich steckt es in die Tasche des Gewandes. + +Lucius. +Ich wusste wohl, dass mein Gebieter mir +Es nicht gegeben. + +Brutus. +Hab Geduld mit mir, +Mein guter Junge, ich bin sehr vergesslich. +Haeltst du noch wohl die mueden Augen auf +Und spielst mir ein paar Weisen auf der Laute? + +Lucius. +Ja, Herr, wenn's Euch beliebt. + +Brutus. +Das tut's, mein Junge. +Ich plage dich zuviel, doch du bist willig. + +Lucius. +Es ist ja meine Pflicht. + +Brutus. +Ich sollte dich +Zur Pflicht nicht ueber dein Vermoegen treiben; +Ich weiss, dass junges Blut auf Schlafen haelt. + +Lucius. +Ich habe schon geschlafen, mein Gebieter. + +Brutus. +Du tatest recht und sollst auch wieder schlafen. +Ich will nicht lang dich halten; wenn ich lebe, +Will ich dir Gutes tun. + (Musik und ein Lied.) +Die Weis ist schlaefrig--Moerderischer Schlummer, +Legst du die blei'rne Keul auf meinen Knaben, +Der dir Musik macht?--Lieber Schelm, schlaf wohl, +Ich tu dir's nicht zuleid, dass ich dich wecke; +Nickst du, so brichst du deine Laut entzwei; +Ich nehm sie weg, und schlaf nun, guter Knabe. +Lasst sehn! Ist, wo ich aufgehoert zu lesen, +Das Blatt nicht eingelegt? Hier, denk ich, ist's. (Er setzt sich.) + Der Geist Caesars erscheint. +Wie dunkel brennt die Kerze!--Ha, wer kommt? +Ich glaub, es ist die Schwaeche meiner Augen, +Die diese schreckliche Erscheinung schafft. +Sie kommt mir naeher--Bist du irgendwas? +Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel, +Der starren macht mein Blut, das Haar mir straeubt? +Gib Rede, was du bist. + +Geist. +Dein boeser Engel, Brutus. + +Brutus. +Weswegen kommst du? + +Geist. +Um dir zu sagen, dass du zu Philippi +Mich sehn sollst. + +Brutus. +Gut, ich soll dich wiedersehn? + +Geist. +Ja, zu Philippi. (Verschwindet.) + +Brutus. +Nun, zu Philippi will ich denn dich sehn. +Nun ich ein Herz gefasst, verschwindest du; +Gern spraech ich mehr mit dir noch, boeser Geist.-- +Bursch! Lucius!--Varro! Claudius! wacht auf! +Claudius! + +Lucius. +Die Saiten sind verstimmt. + +Brutus. +Er glaubt, er sei bei seiner Laute noch. +Erwache, Lucius! + +Lucius. +Herr? + +Brutus. +Hast du getraeumt, dass du so schrieest, Lucius? + +Lucius. +Ich weiss nicht, mein Gebieter, dass ich schrie. + +Brutus. +Ja doch, was tatst du; sahst du irgendwas? + +Lucius. +Nichts auf der Welt. + +Brutus. +Schlaf wieder, Lucius.--Heda, Claudius! +Du, Bursch, wach auf! + +Varro. +Herr? + +Claudius. +Herr? + +Brutus. +Weswegen schriet ihr so in eurem Schlaf? + +Varro und Claudius. +Wir schrieen, Herr? + +Brutus. +Ja, saht ihr irgendwas? + +Varro. +Ich habe nichts gesehn. + +Claudius. +Ich gleichfalls nicht. + +Brutus. +Geht und empfehlt mich meinem Bruder Cassius; +Er lasse frueh voraufziehn seine Macht, +Wir wollen folgen. + +Varro und Claudius. +Herr, es soll geschehn. + +(Alle ab.) + + + + +Fuenfter Aufzug + + + +Erste Szene +Die Ebene von Philippi + +Octavius, Antonius und ihr Heer + +Octavius. +Nun, Mark Anton, wird meine Hoffnung wahr. +Ihr spracht, der Feind werd auf den Hoehn sich halten +Und nicht herab in unsre Ebene ziehn; +Es zeigt sich anders: seine Scharen nahn! +Sie wollen zu Philippi hier uns mahnen +Und Antwort geben, eh wir sie befragt. + +Antonius. +Pah, steck ich doch in ihren Herzen, weiss, +Warum sie's tun. Sie waeren's wohl zufrieden, +Nach andern Plaetzen hinzuziehn, und kommen +Mit bangem Trotz, im Wahn, durch diesen Aufzug +Uns vorzuspiegeln, sie besitzen Mut. +Allein dem ist nicht so. + +Ein Bote tritt auf. + +Bote. +Bereitet euch, ihr Feldherrn. +Der Feind rueckt an in wohlgeschlossnen Reihn. +Sein blutges Schlachtpanier ist ausgehaengt, +Und etwas muss im Augenblick geschehn. + +Antonius. +Octavius, fuehret langsam Euer Heer +Zur linken Hand der Ebene weiter vor. + +Octavius. +Zur rechten ich; behaupte du die linke. + +Antonius. +Was kreuzt Ihr mich, da die Entscheidung draengt? + +Octavius. +Ich kreuz Euch nicht, doch ich verlang es so. + +(Marsch.) +Trommeln werden geruehrt. Brutus und Cassius kommen mit ihrem Heere; +Lucilius, Titinius, Messala und andre. + +Brutus. +Sie halten still und wollen ein Gespraech. + +Cassius. +Titinius, steh! Wir treten vor und reden. + +Octavius. +Antonius, geben wir zur Schlacht das Zeichen? + +Antonius. +Nein, Caesar, lasst uns ihres Angriffs warten. +Kommt, tretet vor! Die Feldherrn wuenschen ja +Ein Wort mit uns. + +Octavius. +Bleibt stehn bis zum Signal. + +Brutus. +Erst Wort, dann Schlag: nicht wahr, ihr Landsgenossen? + +Octavius. +Nicht, dass wir mehr als ihr nach Worten fragen. + +Brutus. +Gut Wort, Octavius, gilt wohl boesen Streich. + +Antonius. +Ihr, Brutus, gebt bei boesem Streich gut Wort. +Des zeuget Caesars Herz, durchbohrt von Euch, +Indes Ihr rieft: "Lang lebe Caesar, Heil!" + +Cassius. +Die Fuehrung Eurer Streiche, Mark Anton, +Ist uns noch unbekannt; doch Eure Worte +Begehn an Hyblas Bienen Raub und lassen +Sie ohne Honig. + +Antonius. +Nicht auch stachellos? + +Brutus. +O ja! auch tonlos, denn Ihr habt ihr Summen +Gestohlen, Mark Anton, und drohet weislich, +Bevor Ihr stecht. + +Antonius. +Ihr tatet's nicht, Verraeter, +Als eure schnoeden Dolch' einander stachen +In Caesars Brust. Ihr zeigtet eure Zaehne +Wie Affen, krocht wie Hunde, buecktet tief +Wie Sklaven euch und kuesstet Caesars Fuesse; +Derweil von hinten der verfluchte Casca +Mit tueckschem Bisse Caesars Nacken traf. +O Schmeichler! + +Cassius. +Schmeichler!--Dankt Euch selbst nun, Brutus, +Denn diese Zunge wuerde heut nicht freveln, +Waer Cassius' Rat befolgt. + +Octavius. +Zur Sache! kommt! Macht Widerspruch uns schwitzen, +So kostet roetre Tropfen der Erweis. +Seht! auf Verschworne zueck ich dieses Schwert: +Wann, denkt ihr, geht es wieder in die Scheide? +Nie, bis des Caesar dreiundzwanzig Wunden +Geraecht sind, oder bis ein andrer Caesar +Mit Mord gesaettigt der Verraeter Schwert. + +Brutus. +Caesar, du kannst nicht durch Verraeter sterben, +Du bringest denn sie mit. + +Octavius. +Das hoff ich auch; +Von Brutus' Schwert war Tod mir nicht bestimmt. + +Brutus. +O waerst du deines Stammes Edelster, +Du koenntest, junger Mann, nicht schoener sterben. + +Cassius. +Ein launisch Buebchen, unwert solchen Ruhms, +Gesellt zu einem Wuestling und 'nem Trinker. + +Antonius. +Der alte Cassius! + +Octavius. +Kommt, Antonius! fort! +Trotz in die Zaehne schleudr' ich euch, Vertaeter! +Wagt ihr zu fechten heut, so kommt ins Feld, +Wo nicht, wenn's euch gemutet. + +(Octavius und Antonius mit ihrem Heere ab.) + +Cassius. +Nun tobe, Wind! schwill, Woge! schwimme, Nachen! +Der Sturm ist wach und alles auf dem Spiel. + +Brutus. +Lucilius, hoert! ich muss ein Wort Euch sagen. + +Lucilius. Herr? + +(Brutus und Lucilius reden beiseite miteinander.) + +Cassius. +Messala! + +Messala. +Was befiehlt mein Feldherr? + +Cassius. +Messala, dies ist mein Geburtstag; grade +An diesem Tag kam Cassius auf die Welt. +Gib mir die Hand, Messala, sei mein Zeuge, +Dass ich gezwungen, wie Pompejus einst, +An eine Schlacht all unsre Freiheit wage. +Du weisst, ich hielt am Epicurus fest +Und seiner Lehr; nun aendr' ich meinen Sinn +Und glaub an Dinge, die das Kuenftge deuten. +Auf unserm Zug von Sardes stuerzten sich +Zwei grosse Adler auf das vordre Banner; +Da sassen sie und frassen gierig schlingend +Aus unsrer Krieger Hand; sie gaben uns +Hieher bis nach Philippi das Geleit; +Heut morgen sind sie auf und fortgeflohn. +Statt ihrer fliegen Raben, Geier, Kraehn +Uns ueberm Haupt und schaun herab auf uns +Als einen siechen Raub; ihr Schatten scheint +Ein Trauerhimmel, unter dem das Heer, +Bereit, den Atem auszuhauchen, liegt. + +Messala. +Nein, glaubt das nicht. + +Cassius. +Ich glaub es auch nur halb, +Denn ich bin frischen Mutes und entschlossen, +Zu trotzen standhaft jeglicher Gefahr. + +Brutus. +Tu das, Lucilius. + +Cassius. +Nun, mein edler Brutus, +Sein uns die Goetter heute hold, auf dass wir +Gesellt in Frieden unserm Alter nahn! +Doch weil das Los der Menschen niemals sicher, +Lasst uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall. +Verlieren wir dies Treffen, so ist dies +Das allerletzte Mal, dass wir uns sprechen: +Was habt Ihr dann Euch vorgesetzt zu tun? + +Brutus. +Ganz nach der Vorschrift der Philosophie, +Wonach ich Cato um den Tod getadelt, +Den er sich gab (ich weiss nicht, wie es kommt, +Allein ich find es feig und niedertraechtig, +Aus Furcht, was kommen mag, des Lebens Zeit +So zu verkuerzen), will ich mit Geduld +Mich waffnen und den Willen hoher Maechte +Erwarten, die das Irdische regieren. + +Cassius. +Dann, geht die Schlacht verloren, lasst Ihr's Euch +Gefallen, dass man durch die Strassen Roms +Euch im Triumphe fuehrt? + +Brutus. +Nein, Cassius, nein! Glaub mir, du edler Roemer, +Brutus wird nie gebunden gehn nach Rom; +Er traegt zu hohen Sinn. Doch dieser Tag +Muss enden, was des Maerzen Idus anfing; +Ob wir uns wieder treffen, weiss ich nicht: +Drum lasst ein ewig Lebewohl uns nehmen. +Gehab dich wohl, mein Cassius, fuer und fuer! +Sehn wir uns wieder, nun, so laecheln wir; +Wo nicht, so war dies Scheiden wohlgetan. + +Cassius. +Gehab dich wohl, mein Brutus, fuer und fuer! +Sehn wir uns wieder, laecheln wir gewiss; +Wo nicht, ist wahrlich wohlgetan dies Scheiden. + +Brutus. +Nun wohl, rueckt vor! O wuesste jemand doch +Das Ende dieses Tagwerks, eh es kommt! +Allein es gnueget, enden wird der Tag, +Dann wissen wir sein Ende.--Kommt und fort! + +(Alle ab.) + + + +Zweite Szene +Das Schlachtfeld + +Getuemmel. Brutus und Messala kommen + +Brutus. +Reit, reit, Messala, reit! Bring diese Zettel +Den Legionen auf der andern Seite. (Lautes Getuemmel.) +Lass sie auf einmal stuermen, denn ich merke, +Octavius' Fluegel haelt nur schwachen Stand; +Ein schneller Anfall wirft ihn uebern Haufen. +Reit! reit, Messala! Lass herab sie kommen! + +(Beide ab.) + + + +Dritte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Getuemmel. Cassius und Titinius kommen + +Cassius. +O sieh, Titinius! sieh! die Schurken fliehn. +Ich selbst ward meiner eignen Leute Feind: +Dies unser Banner wandte sich zur Flucht; +Ich schlug den Feigen und entriss es ihm. + +Titinius. +O Cassius! Brutus gab das Wort zu frueh. +Im Vorteil gegen den Octavius, setzt' er +Zu hitzig nach; sein Heer fing an zu pluendern, +Indes uns alle Mark Anton umzingelt. + +Pindarus kommt. + +Pindarus. +Herr, flieht doch weiter! flieht doch weiter weg! +Antonius ist in Euren Zelten, Herr; +Drum, edler Cassius, flieht! Flieht weit hinweg! + +Cassius. +Der Huegel hier ist weit genug. Schau, schau, +Titinius! Sind das meine Zelte nicht, +Wo ich das Feuer sehe? + +Titinius. +Ja, mein Feldherr. + +Cassius. +Wenn du mich hebst, Titinius, so besteig +Mein Pferd, setz ihm die Sporen in die Seite, +Bis es zu jener Mannschaft dich gebracht +Und wieder her, damit ich sicher wisse, +Ob jene Mannschaft Freund ist oder Feind. + +Titinius. +Wie ein Gedanke bin ich wieder hier. (Ab.) + +Cassius. +Geh, Pindarus, steig hoeher auf den Huegel, +Denn mein Gesicht ist kurz; acht auf Titinius +Und sag mir, was du auf dem Feld entdeckst. + (Pindarus ab.) +An diesem Tage atmet ich zuerst; +Die Zeit ist um, und enden soll ich da, +Wo ich begann; mein Leben hat den Kreislauf +Vollbracht.--Du dort, was gibt's? + +Pindarus (oben). +O Herr! + +Cassius. +Was gibt's? + +Pindarus. +Titinius ist von Reitern ganz umringt; +Sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter. +Nun sind sie dicht schon bei ihm--nun Titinius! +Sie steigen ab--er auch--er ist gefangen; +Und horcht! sie jubeln laut. (Freudengeschrei.) + +Cassius. +Steig nur herunter, sieh nicht weiter zu. +O Memme, die ich bin, so lang zu leben, +Bis ich den besten Freund vor meinen Augen +Gefangen sehen muss! + Pindarus kommt zurueck. +Komm, Bursch, hieher! +Ich macht in Parthia dich zum Gefangnen +Und liess dich schwoeren, deines Lebens schonend, +Was ich nur immer tun dich hiess', du wollest +Es unternehmen. Komm nun, halt den Schwur! +Sei frei nun, und mit diesem guten Schwert, +Das Caesars Leib durchbohrt, triff diesen Busen. +Erwidre nichts! Hier fasse du das Heft, +Und ist mein Angesicht verhuellt, wie jetzt, +So fuehr das Schwert.--Caesar, du bist geraecht +Und mit demselben Schwert, das dich getoetet. (Er stirbt.) + +Pindarus. +So bin ich frei, doch waer ich's lieber nicht, +Haett es auf mir beruht.--O Cassius! +Weit weg flieht Pindarus von diesem Lande, +Dahin, wo nie ein Roemer ihn bemerkt. (Ab.) + +Titinius und Messala kommen. + +Messala. +Es ist nur Tausch, Titinius; denn Octav +Ward von des edlen Brutus Macht geschlagen, +Wie Cassius' Legionen von Antonius. + +Titinius. +Die Zeitung wird den Cassius sehr erquicken. + +Messala. +Wo liesst Ihr ihn? + +Titinius. +Ganz trostlos, neben ihm +Sein Sklave Pindarus, auf diesem Huegel. + +Messala. +Ist er das nicht, der auf dem Boden liegt? + +Titinius. +Er liegt nicht da wie lebend.--O mein Herz! + +Messala. +Nicht wahr, er ist es? + +Titinius. +Nein, er war's, Messala: +Doch Cassius ist nicht mehr.--O Abendsonne! +Wie du in deinen roten Strahlen sinkst, +So ging in Blut der Tag des Cassius unter. +Die Sonne Roms ging unter; unser Tag +Ist hingeflohn; nun kommen Wolken, Tau, +Gefahren; unsre Taten sind getan. +Misstraun in mein Gelingen bracht ihn um. + +Messala. +Misstraun in guten Ausgang bracht ihn um. +O hassenswerter Wahn! der Schwermut Kind! +Was zeigst du doch dem regen Witz der Menschen +Das, was nicht ist! O Wahn, so bald empfangen, +Zu gluecklicher Geburt gelangst du nie +Und bringst die Mutter um, die dich erzeugt. + +Titinius. +Auf, Pindarus! Wo bist du, Pindarus? + +Messala. +Such ihn, Titinius; ich indessen will +Zum edlen Brutus und sein Ohr durchbohren +Mit dem Bericht. Wohl nenn ich es durchbohren; +Denn scharfer Stahl und giftge Pfeile wuerden +Dem Ohr des Brutus so willkommen sein, +Als Meldung dieses Anblicks. + +Titinius. +Eilt, Messala! +Ich suche Pindarus indessen auf. (Messala ab.) +Warum mich ausgesandt, mein wackrer Cassius? +Traf ich nicht deine Freunde? Setzten sie +Nicht diesen Siegeskranz auf meine Stirn, +Ihn dir zu bringen? Vernahmst du nicht ihr Jubeln? +Ach, jeden Umstand hast du missgedeutet! +Doch halt, nimm diesen Kranz um deine Stirn; +Dein Brutus hiess mich dir ihn geben; ich +Vollfuehre sein Gebot.--Komm schleunig, Brutus, +Und sieh, wie ich den Cajus Cassius ehrte! +Verzeiht, ihr Goetter!--Dies ist Roemerbrauch: +Komm, Cassius' Schwert! triff den Titinius auch. (Er stirbt.) + +Getuemmel. Messala kommt zurueck mit Brutus, dem jungen Cato, Strato, +Volumnius und Lucilius. + +Brutus. +Wo? Wo, Messala? sag, wo liegt die Leiche? + +Messala. +Seht, dort! Titinius trauert neben ihr. + +Brutus. +Titinius' Antlitz ist emporgewandt. + +Cato. +Er ist erschlagen. + +Brutus. +O Julius Caesar! Du bist maechtig noch; +Dein Geist geht um, er ist's, der unsre Schwerter +In unser eignes Eingeweide kehrt. + +(Lautes Getuemmel.) + +Cato. +Mein wackrer Freund Titinius! Seht doch her, +Wie er den toten Cassius gekraenzt! + +Brutus. +Und leben noch zwei Roemer, diesen gleich? +Du letzter aller Roemer, lebe wohl! +Unmoeglich ist's, dass Rom je deinesgleichen +Erzeugen sollte.--Diesem Toten, Freunde, +Bin ich mehr Traenen schuldig, als ihr hier +Mich werdet zahlen sehen; aber, Cassius, +Ich finde Zeit dazu, ich finde Zeit. +Drum kommt, und schickt nach Thassos seine Leiche, +Er soll im Lager nicht bestattet werden; +Es schlueg uns nieder.--Komm, Lucilius! +Komm, junger Cato! Zu der Walstatt hin! +Ihr, Flavius und Labeo, lasst unsre Scharen ruecken! +Es ist drei Uhr, und, Roemer, noch vor Nacht +Versuchen wir das Glueck in einer zweiten Schlacht. + +(Alle ab.) + + + +Vierte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Getuemmel. Soldaten von beiden Heeren, fechtend; darauf Brutus, Cato, +Lucilius und andre + +Brutus. +Noch, Buerger, o noch haltet hoch die Haeupter! + +Cato. +Ein Bastard, der's nicht tut! Wer will mir folgen? +Ich rufe meinen Namen durch das Feld: +Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hoert! +Feind der Tyrannen, Freund des Vaterlands! +Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hoert! + +Brutus (dringt auf den Feind ein). +Und ich bin Brutus, Marcus Brutus, ich; +Des Vaterlandes Freund: kennt mich als Brutus! + +(Ab, indem er auf den Feind eindringt. Cato wird ueberwaeltigt und +faellt.) + +Lucilius. +O junger, edler Cato! bist du hin? +Ja! tapfer wie Titinius stirbst du nun, +Man darf dich ehren als des Cato Sohn. + +Erster Soldat. +Ergib dich, oder stirb! + +Lucilius. Nur um zu sterben +Ergeb ich mich. Hier ist soviel fuer dich (Bietet ihm Geld an), +Dass du sogleich mich toeten wirst; nun toete +Den Brutus, und es ehre dich sein Tod. + +Erster Soldat. +Wir duerfen's nicht.--Ein edler Gefangner. + +Zweiter Soldat. +Platz da! +Sagt dem Antonius, dass wir Brutus haben. + +Erster Soldat. +Ich will es melden.--Sieh, da kommt der Feldherr. + Antonius tritt auf. +Wir haben Brutus, Herr! wir haben Brutus! + +Antonius. +Wo ist er? + +Lucilius. +In Sicherheit; Brutus ist sicher gnug. +Verlass dich drauf, dass nimmermehr ein Feind +Den edlen Brutus lebend fangen wird. +Die Goetter schuetzen ihn vor solcher Schmach! +Wo ihr ihn findet, lebend oder tot, +Er wird wie Brutus, wie er selbst, sich zeigen. + +Antonius. +Dies ist nicht Brutus, Freund, doch auf mein Wort, +Ein nicht geringrer Fang. Verwahrt ihn wohl, +Erweist nur Gutes ihm; ich habe lieber +Zu Freunden solche Maenner als zu Feinden. +Eilt! seht, ob Brutus tot ist oder lebt! +Und bringt Bericht zu des Octavius Zelt, +Wie alles sich begeben. + +(Alle ab.) + + + +Fuenfte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Brutus, Dardanius, Clitus, Strato und Volumnius treten auf + +Brutus. +Kommt, armer Ueberrest von Freunden! ruht +An diesem Felsen. + +Clitus. +Herr, Statilius zeigte +Das Fackellicht, doch kommt er nicht zurueck; +Er ist gefangen oder gar erschlagen. + +Brutus. +Setz dich zu mir. Erschlagen ist die Losung, +Es ist des Tages Sitte.--Hoere, Clitus! (Spricht leise mit ihm.) + +Clitus. +Wie, gnaedger Herr? Ich? Nicht um alle Welt. + +Brutus. +Still denn! kein Wort! + +Clitus. +Eh toetet ich mich selbst. + +Brutus. +Dardanius, hoer! (Spricht leise mit ihm.) + +Dardanius. +Ich eine solche Tat? + +Clitus. +O Dardanius! + +Dardanius. +O Clitus! + +Clitus. +Welch einen schlimmen Antrag tat dir Brutus? + +Dardanius. +Ich sollt ihn toeten, Clitus; sieh, er sinnt. + +Clitus. +Nun ist das herrliche Gefaess voll Gram, +So dass es durch die Augen ueberfliesst. + +Brutus. +Komm zu mir, Freund Volumnius: ein Wort! + +Volumnius. +Was sagt mein Feldherr? + +Brutus. +Dies, Volumnius: +Der Geist des Caesar ist zu zweien Malen +Mir in der Nacht erschienen; erst zu Sardes, +Und vorge Nacht hier in Philippis Ebne. +Ich weiss, dass meine Stunde kommen ist. + +Volumnius. +Nicht doch, mein Feldherr. + +Brutus. +O ja, es ist gewiss, Volumnius. +Du siehst, Volumnius, wie es um uns steht; +Der Feind hat uns zum Abgrund hingetrieben. (Getuemmel.) +Es ziemt sich mehr, von selbst hineinzuspringen, +Als zu erwarten seinen letzten Stoss. +Volumnius, wir gingen in die Schule +Zusammen, wie du weisst. Ich bitte dich +Um jener unsrer alten Liebe willen: +Halt du mein Schwert, indes ich drein mich stuerze. + +Volumnius. +Das, Brutus, ist kein Dienst fuer einen Freund. + +(Fortdauerndes Getuemmel.) + +Clitus. +Flieht, Herr, o flieht! Hier gilt kein Saeumen mehr. + +Brutus. +Lebt wohl denn, Ihr--und Ihr--und Ihr, Volumnius. +Du, Strato, lagst die ganze Zeit im Schlaf: +Leb wohl auch du!--Mitbuerger, meinem Herzen +Ist's Wonne, dass ich noch im ganzen Leben +Nicht einen fand, der nicht getreu mir war. +Ich habe Ruhm von diesem Unglueckstage, +Mehr, als Octavius und Mark Anton +Durch diesen schnoeden Sieg erlangen werden. +So lebt zusammen wohl! Denn Brutus' Zunge +Schliesst die Geschichte seines Lebens bald. +Nacht deckt mein Auge, mein Gebein will Ruh, +Es strebte laengst nur dieser Stunde nach. + +(Getuemmel. Geschrei hinter der Szene.--"Flieht! flieht! flieht!") + +Clitus. +Flieht, Herr! o flieht! + +Brutus. +Nur fort! Ich will euch folgen. + (Clitus, Dardanius und Volumnius ab.) +Ich bitt dich, Strato, bleib bei deinem Herrn. +Du bist ein Mensch von redlichem Gemuet, +In deinem Leben war ein Funken Ehre. +Halt denn mein Schwert, und wende dich hinweg, +Indes ich drein mich stuerze. Willst du, Strato? + +Strato. +Gebt erst die Hand mir. Herr, gehabt Euch wohl! + +Brutus. +Leb wohl, mein Freund!--Besaenftge, Caesar, dich! +Nicht halb so gern bracht ich dich um als mich. + +(Er stuerzt sich auf sein Schwert und stirbt.) +Getuemmel. Rueckzug. Octavius und Antonius mit ihrem Heere, Messala +und Lucilius kommen. + +Octavius. +Wer ist der Mann? + +Messala. +Der Diener meines Herrn. +Strato, wo ist dein Herr? + +Strato. +Frei von den Banden, die Ihr tragt, Messala. +Die Sieger koennen nur zu Asch ihn brennen; +Denn Brutus unterlag allein sich selbst, +Und niemand sonst hat Ruhm von seinem Tode. + +Lucilius. +So mussten wir ihn finden.--Dank dir, Brutus, +Dass du Lucilius' Rede wahr gemacht. + +Octavius. +Des Brutus Leute nehm ich all in Dienst. +Willst du in Zukunft bei mir leben, Bursch? + +Strato. +Ja, wenn Messala mich Euch ueberlaesst. + +Octavius. +Tut mir's zulieb, Messala. + +Messala. +Strato, wie starb mein Herr? + +Strato. +Ich hielt das Schwert, so stuerzt' er sich hinein. + +Messala. +Octavius, nimm ihn denn, dass er dir folge, +Der meinem Herrn den letzten Dienst erwies. + +Antonius. +Dies war der beste Roemer unter allen: +Denn jeder der Verschwornen, bis auf ihn, +Tat, was er tat, aus Missgunst gegen Caesar. +Nur er verband aus reinem Biedersinn +Und zum gemeinen Wohl sich mit den andern. +Sanft war sein Leben, und so mischten sich +Die Element' in ihm, dass die Natur +Aufstehen durfte und der Welt verkuenden: +Dies war ein Mann! + +Octavius. +Nach seiner Tugend lasst uns ihm begegnen +Mit aller Achtung und Bestattungsfeier. +Er lieg in meinem Zelte diese Nacht, +Mit Ehren wie ein Krieger angetan. +Nun ruft das Heer zur Ruh; lasst fort uns eilen +Und dieses frohen Tags Trophaeen teilen. (Ab.) + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Julius Caesar, von William +Shakespeare (Uebersetzt von August Wilhelm von Schlegel). + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, JULIUS CAESAR *** + +This file should be named 7gs2410.txt or 7gs2410.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7gs2411.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7gs2410a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05 + +Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, +91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + + PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION + 809 North 1500 West + Salt Lake City, UT 84116 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +http://www.gutenberg.net/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/old/7gs2410.zip b/old/7gs2410.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..d56368c --- /dev/null +++ b/old/7gs2410.zip diff --git a/old/8gs2410.txt b/old/8gs2410.txt new file mode 100644 index 0000000..486ba39 --- /dev/null +++ b/old/8gs2410.txt @@ -0,0 +1,4991 @@ +The Project Gutenberg EBook of Julius Caesar, by William Shakespeare + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Julius Caesar + +Author: William Shakespeare + +Release Date: February, 2006 [EBook #9875] +[This file was first posted on October 26, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, JULIUS CAESAR *** + + + + +Etext prepared by Delphine Letttau + + + + + + + +This Etext is in German. + +We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, +known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- +and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- +which requires a binary transfer, or sent as email attachment and +may require more specialized programs to display the accents. +This is the 8-bit version. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Julius Cäsar + +William Shakespeare + +Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel + + + + + + + +Personen: + +Julius Cäsar + +Octavius Cäsar, Marcus Antonius und M. Ämilius Lepidus, +Triumvirn nach dem Tode des Julius Cäsar + +Cicero, Publius und Popilius Lena, Senatoren + +Marcus Brutus, Cassius, Casca, Trebonius, Ligarius, Decius Brutus, +Metellus Cimber und Cinna, Verschworene gegen Julius Cäsar + +Flavius und Marullus, Tribunen + +Artemidorus, ein Sophist von Knidos + +Ein Wahrsager + +Cinna, ein Poet + +Ein anderer Poet + +Lucilius, Titinius, Messala, Der junge Cato und Volumnius, +Freunde des Brutus und Cassius + +Varro, Clitus, Claudius, Strato, Lucius und Dardanius, +Diener des Brutus + +Pindarus, Diener des Cassius + +Calpurnia, Gemahlin der Cäsar + +Portia, Gemahlin des Brutus + +Senatoren, Bürger, Wache, Gefolge usw. + + + +Die Szene ist einen großen Teil des Stücks hindurch zu Rom, nachher +zu Sardes und bei Philippi + + + + +Erster Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Eine Straße + +Flavius, Marullus und ein Haufe von Bürgern + +Flavius. +Packt euch nach Haus, ihr Tagediebe! fort! +Ist dies ein Feiertag! Was? wißt ihr nicht, +Daß ihr als Handwerksleut an Werkeltagen +Nicht ohn ein Zeichen der Hantierung dürft +Umhergehn?--Welch' Gewerbe treibst du? sprich! + +Erster Bürger. +Nun, Herr, ich bin ein Zimmermann. + +Marullus. +Wo ist dein ledern Schurzfell und dein Maß? +Was machst du hier in deinen Sonntagskleidern?-- +Ihr, Freund, was treibt Ihr? + +Zweiter Bürger. +Die Wahrheit zu gestehn, Herr, gegen einen feinen Arbeiter gehalten, +mache ich nur, sozusagen, Flickwerk. + +Marullus. +Doch welch Gewerb? Antworte gradezu. + +Zweiter Bürger. +Ein Gewerbe, Herr, das ich mit gutem Gewissen treiben kann, wie ich +hoffe. Es besteht darin, einen schlechten Wandel zu verbessern. + +Marullus. +Welch ein Gewerb, du Schuft? welch ein Gewerb? + +Zweiter Bürger. +Nein, ich bitte Euch, Herr, laßt Euch die Geduld nicht reißen. +Wenn aber ja was reißt, so gebt Euch nur in meine Hand. + +Marullus. +Was meinst du damit? Mich in deine Hand geben, du naseweiser Bursch? + +Zweiter Bürger. +Nun ja, Herr, damit ich Euch flicken kann. + +Flavius. +Du bist ein Schuhflicker, nicht wahr? + +Zweiter Bürger. +Im Ernst, Herr, ich bin ein Wundarzt für alte Schuhe: wenn's +gefährlich mit ihnen steht, so mache ich sie wieder heil. So hübsche +Leute, als jemals auf Rindsleder getreten, sind auf meiner Hände Werk +einhergegangen. + +Flavius. +Doch warum bist du in der Werkstatt nicht? +Was führst du diese Leute durch die Gassen? + +Zweiter Bürger. +Meiner Treu, Herr, um ihre Schuhe abzunutzen, damit ich wieder Arbeit +kriege. Doch im Ernst, Herr, wir machen Feiertag, um den Cäsar zu +sehen und uns über seinen Triumph zu freuen. + +Marullus. +Warum euch freun? Was hat er wohl erobert? +Was für Besiegte führt er heim nach Rom +Und fesselt sie zur Zier an seinen Wagen? +Ihr Blöck'! ihr Steine! schlimmer als gefühllos! +O harte Herzen! arge Männer Roms! +Habt ihr Pompejus nicht gekannt? Wie oft +Stiegt ihr hinan auf Mauern und auf Zinnen, +Auf Türme, Fenster, ja auf Feueressen, +Die Kinder auf dem Arm, und saßet da +Den lieben langen Tag, geduldig wartend, +Bis durch die Straßen Roms Pompejus zöge? +Und saht ihr seinen Wagen nur von fern, +Erhobt ihr nicht ein allgemeines Jauchzen, +So daß die Tiber bebt' in ihrem Bett, +Wenn sie des Lärmes Widerhall vernahm +An ihren hohlen Ufern? +Und legt ihr nun die Feierkleider an? +Und spart ihr nun euch einen Festtag aus? +Und streut ihr nun ihm Blumen auf den Weg, +Der siegprangt über des Pompejus Blut? +Hinweg! +In eure Häuser lauft, fallt auf die Knie +Und fleht die Götter an, die Not zu wenden, +Die über diesen Undank kommen muß! + +Flavius. +Geht, geht, ihr guten Bürger! und versammelt +Für dies Vergehen eure armen Brüder; +Führt sie zur Tiber, weinet eure Tränen +Ins Flußbett, bis ihr Strom, wo er am flachsten, +Die höchsten ihrer Uferhöhen küßt. + (Die Bürger ab.) +Sieh, wie die Schlacken ihres Innern schmelzen! +Sie schwinden weg, verstummt in ihrer Schuld. +Geht Ihr den Weg, hinab zum Kapitol; +Hierhin will ich. Entkleidet dort die Bilder, +Seht Ihr mit Ehrenzeichen sie geschmückt. + +Marullus. +Ist das erlaubt? +Ihr wißt, es ist das Luperkalienfest. + +Flavius. +Es tut nichts: laßt mit den Trophäen Cäsars +Kein Bild behängt sein. Ich will nun umher +Und will den Pöbel von den Gassen treiben. +Das tut auch Ihr, wo Ihr gedrängt sie seht. +Dies wachsende Gefieder, ausgerupft +Der Schwinge Cäsars, wird den Flug ihm hemmen, +Der, über Menschenblicke hoch hinaus, +Uns alle sonst in knechtscher Furcht erhielte. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Ein öffentlicher Platz + +In einem feierlichen Aufzuge mit Musik kommen Cäsar, Antonius, zum +Wettlauf gerüstet, Calpurnia, Portia, Decius, Cicero, Brutus, Cassius +und Casca; hinter ihnen ein großes Gedränge, darunter ein Wahrsager + +Cäsar. +Calpurnia! + +Casca. +Still da! Cäsar spricht. + +(Die Musik hält inne.) + +Cäsar. +Calpurnia! + +Calpurnia. +Hier, mein Gemahl! + +Cäsar. +Stellt dem Antonius grad Euch in den Weg +Wenn er zur Wette läuft.--Antonius! + +Antonius. +Erlauchter Cäsar? + +Cäsar. +Vergeßt, Antonius, nicht, in Eurer Eil +Calpurnia zu berühren; denn es ist +Ein alter Glaube, unfruchtbare Weiber, +Berührt bei diesem heilgen Wettelauf, +Entladen sich des Fluchs. + +Antonius. +Ich werd es merken. +Wenn Cäsar sagt: "Tu das", so ist's vollbracht. + +Cäsar. +Beginnt; laßt nichts von den Gebräuchen aus. + +(Musik.) + +Wahrsager. +Cäsar! + +Cäsar. +He, wer ruft? + +Casca. +Es schweige jeder Lärm: noch einmal, still! + +(Die Musik hält inne.) + +Cäsar. +Wer ist es im Gedräng, der mich begehrt? +Durch die Musik dringt gellend eine Stimme, +Die "Cäsar!" ruft. Spricht Cäsar neigt sein Ohr. + +Wahrsager. +Nimm, vor des Märzen Idus dich in acht. + +Cäsar. +Wer ist der Mann? + +Brutus. +Ein Wahrsager; er warnt Euch vor des Märzen Idus. + +Cäsar. +Führt ihn mir vor, laßt sein Gesicht mich sehn. + +Casca. +Komm aus dem Haufen, Mensch; tritt vor den Cäsar. + +Cäsar. +Was sagst du nun zu mir? Sprich noch einmal. + +Wahrsager. +Nimm vor des Märzen Idus dich in acht. + +Cäsar. +Er ist ein Träumer; laßt ihn gehn, und kommt. + +(Ein Marsch. Alle bis auf Brutus und Cassius gehn ab.) + +Cassius. +Wollt Ihr den Hergang bei dem Wettlauf sehn? + +Brutus. +Ich nicht. + +Cassius. +Ich bitt Euch, tut's. + +Brutus. +Ich hab am Spiel nicht Lust, mir fehlt ein Teil +Vom muntern Geiste des Antonius; +Doch muß ich Euch in Eurem Wunsch nicht hindern. +Ich laß Euch, Cassius. + +Cassius. +Brutus, seit kurzem geb ich acht auf Euch; +Ich find in Eurem Blick die Freundlichkeit, +Die Liebe nicht, an die Ihr mich gewöhnt. +Zu unwirsch und zu fremd begegnet Ihr +Dem Freunde, der Euch liebt. + +Brutus. +Mein Cassius, +Betrügt Euch nicht. Hab ich den Blick verschleiert, +So kehrt die Unruh meiner Mienen sich +Nur gegen mich allein. Seit kurzem quälen +Mich Regungen von streitender Natur, +Gedanken, einzig für mich selbst geschickt, +Die Schatten wohl auf mein Betragen werfen. +Doch laßt dies meine Freunde nicht betrüben +(Wovon Ihr einer sein müßt, Cassius), +Noch mein achtloses Wesen anders deuten, +Als daß, mit sich im Krieg, der arme Brutus +Den andern Liebe kund zu tun vergißt. + +Cassius. +Darin, Brutus, mißverstand ich Euren Unmut. +Deshalb begrub hier diese Brust Entwürfe +Von großem Werte, würdige Gedanken. +Sagt, Brutus, könnt Ihr Euer Antlitz sehn? + +Brutus. +Nein, Cassius, denn das Auge sieht sich nicht, +Als nur im Widerschein, durch andre Dinge. + +Cassius. +So ist's; +Und man beklagt sich sehr darüber, Brutus, +Daß Ihr nicht solche Spiegel habt, die Euren +Verborgnen Wert Euch in die Augen rückten, +Auf daß Ihr Euren Schatten säht. Ich hörte, +Wie viele von den ersten Männern Roms +(Nur Cäsarn nehm ich aus), von Brutus redend, +Und seufzend unter dieser Zeiten Joch, +Dem edlen Brutus offne Augen wünschten. + +Brutus. +Auf welche Wege, Cassius, lockt Ihr mich, +Daß Ihr mich heißt in meinem Innern suchen, +Was doch nicht in mir ist? + +Cassius. +Drum, lieber Brutus, schickt Euch an zu hören. +Und weil Ihr wißt, Ihr könnt Euch selbst so gut +Nicht sehn als durch den Widerschein, so will +Ich, Euer Spiegel, Euch bescheidentlich +Von Euch entdecken, was Ihr noch nicht wißt. +Und denkt von mir kein Arges, werter Brutus. +Wär ich ein Lacher aus der Menge; pflegt ich +Mein Herz durch Alltagsschwüre jedem neuen +Beteurer auszubieten; wenn Ihr wißt, +Daß ich die Menschen streichle, fest sie herze +Und dann sie lästre; oder wenn Ihr wißt, +Daß ich beim Schmaus mich mit der ganzen Schar +Verbrüdern mag, dann hütet Euch vor mir. + +(Trompeten und Freudengeschrei.) + +Brutus. +Was heißt dies Jauchzen? Wie ich fürchte, wählt +Das Volk zum König Cäsarn. + +Cassius. +Fürchtet Ihr's? +Das hieße ja, Ihr möchtet es nicht gern. + +Brutus. +Nein, Cassius, nicht gern; doch lieb ich ihn. +Doch warum haltet Ihr mich hier so lange? +Was ist es, das Ihr mir vertrauen möchtet? +Ist's etwas, dienlich zum gemeinen Wohl, +Stellt Ehre vor ein Auge, Tod vors andre, +Und beide seh ich gleiches Mutes an. +Die Götter sein mir günstig, wie ich mehr +Die Ehre lieb, als vor dem Tod mich scheue. + +Cassius. +Ich weiß, daß diese Tugend in Euch wohnt, +Sogut ich Euer äußres Ansehn kenne. +Wohl! Ehre ist der Inhalt meiner Rede. +Ich weiß es nicht, wie Ihr und andre Menschen +Von diesem Leben denkt; mir, für mich selbst, +Wär es so lieb, nicht da sein, als zu leben +In Furcht vor einem Wesen wie ich selbst. +Ich kam wie Cäsar frei zur Welt, so Ihr; +Wir nährten uns sogut, wir können beide +Sogut wie er des Winters Frost ertragen. +Denn einst, an einem rauhen stürmschen Tage, +Als wild die Tiber an ihr Ufer tobte, +Sprach Cäsar zu mir: "Wagst du, Cassius, nun +Mit mir zu springen in die zornge Flut +Und bis dorthin zu schwimmen?"--Auf dies Wort, +Bekleidet, wie ich war, stürzt ich hinein +Und hieß ihn folgen; wirklich tat er's auch. +Der Strom brüllt' auf uns ein; wir schlugen ihn +Mit wackern Sehnen, warfen ihn beiseit +Und hemmten ihn mit einer Brust des Trotzes. +Doch eh wir das gewählte Ziel erreicht, +Rief Cäsar: "Hilf mir, Cassius! ich sinke." +Ich, wie Äneas, unser großer Ahn, +Aus Trojas Flammen einst auf seinen Schultern +Den alten Vater trug, so aus den Wellen +Zog ich den müden Cäsar.--Und der Mann +Ist nun zum Gott erhöht, und Cassius ist +Ein arm Geschöpf und muß den Rücken beugen, +Nickt Cäsar nur nachlässig gegen ihn. +Als er in Spanien war, hatt er ein Fieber, +Und wenn der Schaur ihn ankam, merkt ich wohl +Sein Beben: ja, er bebte, dieser Gott! +Das feige Blut der Lippen nahm die Flucht, +Sein Auge, dessen Blick die Welt bedräut, +Verlor den Glanz, und ächzen hört ich ihn. +Ja, dieser Mund, der horchen hieß die Römer +Und in ihr Buch einzeichnen seine Reden, +Ach, rief: "Titinius! gib mir zu trinken!" +Wie'n krankes Mädchen. Götter! ich erstaune, +Wie nur ein Mann so schwächlicher Natur +Der stolzen Welt den Vorsprung abgewann, +Und nahm die Palm allein. + +(Jubelgeschrei. Trompeten.) + +Brutus. +Ein neues Jauchzen! +Ich glaube, dieser Beifall gilt die Ehren, +Die man auf Cäsars Haupt von neuem häuft. + +Cassius. +Ja, er beschreitet, Freund, die enge Welt +Wie ein Colossus, und wir kleinen Leute, +Wir wandeln unter seinen Riesenbeinen, +Und schaun umher nach einem schnöden Grab. +Der Mensch ist manchmal seines Schicksals Meister: +Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus, +Durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge. +Brutus und Cäsar--was steckt doch in dem Cäsar, +Daß man den Namen mehr als Euren spräche? +Schreibt sie zusammen: ganz so schön ist Eurer; +Sprecht sie: er steht den Lippen ganz so wohl; +Wägt sie: er ist so schwer; beschwört mit ihnen: +Brutus ruft Geister auf so schnell wie Cäsar. + (Jubelgeschrei.) +Nun denn, im Namen der gesamten Götter, +Mit was für Speise nährt der Cäsar sich, +Daß er so groß ward? Zeit, du bist entehrt. +Rom, du verlorst die Kraft des Heldenstamms. +Welch Alter schwand wohl seit der großen Flut, +Das nicht geglänzt durch mehr als einen Mann? +Wer sagte jemals, wenn er sprach von Rom, +Es faß ihr weiter Kreis nur einen Mann? +Nun ist in Rom fürwahr des Raums genug: +Find't man darin nur einen einzgen Mann. +O, beide hörten wir von unsern Vätern: +"Einst gab es einen Brutus, der so gern +Des alten Teufels Hof als einen König +Geduldet hätt in Rom." + +Brutus. +Daß Ihr mich liebt, bezweifl' ich keineswegs; +Worauf Ihr bei mir dringt, das ahn ich wohl; +Was ich davon gedacht und von den Zeiten, +Erklär ich Euch in Zukunft. Doch für jetzt +Möcht ich, wenn ich Euch freundlich bitten darf, +Nicht mehr getrieben sein. Was ihr gesagt, +Will ich erwägen; was Ihr habt zu sagen, +Mit Ruhe hören und gelegne Zeit, +So hohe Dinge zu besprechen, finden. +Bis dahin, edler Freund, beherzigt dies: +Brutus wär lieber eines Dorfs Bewohner, +Als sich zu zählen zu den Söhnen Roms +In solchem harten Stand, wie diese Zeit +Uns aufzulegen droht. + +Cassius. +Ich bin erfreut, daß meine schwachen Worte +Dem Brutus so viel Funken nur entlockt. + +Cäsar und sein Zug kommen zurück. + +Brutus. +Das Spiel ist aus, und Cäsar kehrt zurück. + +Cassius. +Wenn sie uns nahn, zupft Casca nur am Ärmel, +Er wird nach seiner mürr'schen Art Euch sagen, +Was von Belang sich heut ereignet hat. + +Brutus. +Ich will es tun. Doch seht nur, Cassius, +Auf Cäsars Stirne glüht der zornge Fleck, +Die andern sehn gescholtnen Dienern gleich. +Calpurnias Wang ist blaß, und Cicero +Blickt mit so feurigen und roten Augen, +Wie wir ihn wohl im Kapitol gesehn, +Wenn Senatoren ihn im Rat bestritten. + +Cassius. +Casca wird uns berichten, was es gibt. + +Cäsar. +Antonius! + +Antonius. +Cäsar? + +Cäsar. +Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein, +Mit glatten Köpfen, und die nachts gut schlafen. +Der Cassius dort hat einen hohlen Blick; +Er denkt zuviel: die Leute sind gefährlich. + +Antonius. +O fürchtet den nicht; er ist nicht gefährlich, +Er ist ein edler Mann und wohlgesinnt. + +Cäsar. +Wär er nur fetter!--Zwar ich fürcht ihn nicht; +Doch wäre Furcht nicht meinem Namen fremd, +Ich kenne niemand, den ich eher miede +Als diesen hagern Cassius. Er liest viel; +Er ist ein großer Prüfer und durchschaut +Das Tun der Menschen ganz; er liebt kein Spiel, +Wie du, Antonius, hört nicht Musik; +Er lächelt selten, und auf solche Weise, +Als spott er sein, verachte seinen Geist, +Den irgend was zum Lächeln bringen konnte. +Und solche Männer haben nimmer Ruh, +Solang die jemand größer sehn als sich; +Das ist es, was sie so gefährlich macht. +Ich sag dir eher, was zu fürchten stände, +Als was ich fürchte; ich bin stets doch Cäsar. +Komm mir zur Rechten, denn dies Ohr ist taub, +Und sag mir wahrhaft, was du von ihm denkst. + +(Cäsar und sein Gefolge ab; Casca bleibt zurück.) + +Casca. +Ihr zogt am Mantel mich; wollt Ihr mich sprechen? + +Brutus. +Ja, Casca, sag uns, was sich heut begeben, +Daß Cäsar finster sieht. + +Casca. +Ihr wart ja bei ihm; wart Ihr nicht? + +Brutus. +Dann fragt ich Casca nicht, was sich begeben. + +Casca. +Nun, man bot ihm eine Krone an, und als man sie ihm anbot, schob er +sie mit dem Rücken der Hand zurück: so--; und da erhob das Volk ein +Jauchzen. + +Brutus. +Worüber jauchzten sie zum andern Mal? + +Casca. +Nun, auch darüber. + +Cassius. +Sie jauchzten dreimal ja; warum zuletzt? + +Casca. +Nun, auch darüber. + +Brutus. +Wurd ihm die Krone dreimal angeboten? + +Casca. +Ei, meiner Treu, wurde sie's, und er schob sie dreimal zurück; +jedesmal sachter als das vorige Mal; und bei jedem Zurückschieben +jauchzten meine ehrlichen alten Freunde. + +Cassius. +Wer bot ihm die Krone an? + +Casca. +Je nun, Antonius. + +Brutus. +Sagt uns die Art und Weise, lieber Casca. + +Casca. +Ich kann mich ebensogut hängen lassen, als euch die Art und Weise +erzählen: es waren nichts als Possen, ich gab nicht acht darauf. Ich +sah den Mark Anton ihm eine Krone anbieten--doch eigentlich war's +keine rechte Krone, es war so 'ne Art von Stirnband--und wie ich euch +sagte, er schob sie einmal beiseite; aber bei alledem hätte er sie +nach meinem Bedünken gern gehabt. Dann bot er sie ihm nochmals an, +und dann schob er sie nochmals zurück; aber nach meinem Bedünken kam +es ihm hart an, die Finger wieder davonzutun. Und dann bot er sie ihm +zum dritten Male an; er schob sie zum dritten Male zurück; und +jedesmal, daß er sie ausschlug, kreischte das Gesindel und klatscht in +die rauhen Fäuste und warfen die schweißigen Nachtmützen in die Höhe +und gaben eine solche Last stinkenden Atems von sich, weil Cäsar die +Krone ausschlug, daß Cäsar fast daran erstickt wäre; denn er ward +ohnmächtig und fiel nieder, und ich für mein Teil wagte nicht zu +lachen, aus Furcht, ich möchte den Mund auftun und die böse Luft +einatmen. + +Cassius. +Still doch! ich bitt Euch. Wie? er fiel in Ohnmacht? + +Casca. +Er fiel auf dem Marktplatze nieder, hatte Schaum vor dem Munde und war +sprachlos. + +Brutus. +Das mag wohl sein; er hat die fallende Sucht. + +Cassius. +Nein, Cäsar hat sie nicht. Doch Ihr und ich +Und unsrer wackrer Casca, wir haben sie. + +Casca. +Ich weiß nicht, was Ihr damit meint; aber ich bin gewiß, Cäsar fiel +nieder. Wenn das Lumpenvolk ihn nicht beklatschte und auszischte, je +nachdem er ihnen gefiel oder mißfiel, wie sie es mit den Komödianten +auf dem Theater machen, so bin ich kein ehrlicher Kerl. + +Brutus. +Was sagt' er, als er zu sich selber kam? + +Casca. +Ei nun, eh er hinfiel, als er merkte, daß der gemeine Haufe sich +freute, daß er die Krone ausschlug, so riß er euch sein Wams auf und +bot ihnen seinen Hals zum Abschneiden--triebe ich irgend 'ne +Hantierung, so will ich mit den Schuften zur Hölle fahren, wo ich ihn +nicht beim Wort genommen hätte--und damit fiel er hin. Als er wieder +zu sich selbst kam, sagte er, wenn er irgendwas Unrechtes getan oder +gesagt hätte, so bäte er Ihre Edeln, es seinem Übel beizumessen. Drei +oder vier Weibsbilder, die bei mir standen, riefen--"Ach, die gute +Seele!" und vergaben ihm von ganzem Herzen. Doch das gilt freilich +nicht viel; wenn er ihre Mütter totgeschlagen hätte, sie hätten's +ebensogut getan. + +Brutus. +Und darauf ging er so verdrießlich weg? + +Casca. +Ja. + +Cassius. +Hat Cicero etwas gesagt? + +Casca. +Ja, er sprach griechisch. + +Cassius. +Was wollt er denn? + +Casca. +Ja, wenn ich Euch das sage, so will ich Euch niemals wieder vor die +Augen kommen. Aber die ihn verstanden, lächelten einander zu und +schüttelten die Köpfe. Doch was mich anlangt, mir war es griechisch. +Ich kann Euch noch mehr Neues erzählen: dem Marullus und Flavius ist +das Maul gestopft, weil sie Binden von Cäsars Bildsäulen gerissen +haben. Lebt wohl. Es gab noch mehr Possen, wenn ich mich nur darauf +besinnen könnte. + +Cassius. +Wollt Ihr heute abend bei mir speisen, Casca? + +Casca. +Nein, ich bin schon versagt. + +Cassius. +Wollt Ihr morgen bei mir zu Mittag speisen? + +Casca. +Ja, wenn ich lebe und Ihr bei Eurem Sinne bleibt und Eure Mahlzeit das +Essen verlohnt. + +Cassius. +Gut, ich erwart Euch. + +Casca. +Tut das; lebt beide wohl! (Ab.) + +Brutus. +Was für ein plumper Bursch ist dies geworden? +Er war voll Feuer als mein Schulgenoß. + +Cassius. +Das ist er jetzt noch bei der Ausführung +Von jedem kühnen, edlen Unternehmen, +Stellt er sich schon so unbeholfen an. +Dies rauhe Wesen dient gesundem Witz +Bei ihm zur Brüh; es stärkt der Leute Magen, +Eßlustig seine Reden zu verdaun. + +Brutus. +So ist es auch. Für jetzt verlaß ich Euch, +Und morgen, wenn Ihr wünscht mit mir zu sprechen, +Komm ich zu Euch ins Haus; doch wenn Ihr wollt, +So kommt zu mir, und ich will Euch erwarten. + +Cassius. +Das will ich; bis dahin gedenkt der Welt. + (Brutus ab.) +Gut, Brutus, du bist edel; doch ich sehe, +Dein löbliches Gemüt kann seiner Art +Entwendet werden. Darum ziemt es sich, +Daß Edle sich zu Edlen immer halten. +Wer ist so fest, den nichts verführen kann? +Cäsar ist feind mir, und er liebt den Brutus, +Doch wär ich Brutus nun, er Cassius, +Er sollte mich nicht lenken. Diese Nacht +Werf ich ihm Zettel von verschiednen Händen, +Als ob sie von verschiednen Bürgern kämen, +Durchs Fenster, alle voll der großen Meinung, +Die Rom von seinem Namen hegt, wo dunkel +Auf Cäsars Ehrsucht soll gedeutet sein. +Dann denke Cäsar seines nahen Falles; +Wir stürzen bald ihn, oder dulden alles. (Ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Straße. Ungewitter + +Casca, mit gezognem Schwert, und Cicero kommen von verschiednen Seiten + +Cicero. +Guten Abend, Casca! Kommt Ihr her von Cäsar? +Warum so atemlos und so verstört? + +Casca. +Bewegt's Euch nicht, wenn dieses Erdballs Feste +Wankt wie ein schwaches Rohr? O Cicero! +Ich sah wohl Stürme, wo der Winde Schelten +Den knotgen Stamm gespaltet, und ich sah +Das stolze Meer anschwellen, wüten, schäumen, +Als wollt es an die drohnden Wolken reichen; +Doch nie bis heute nacht, noch nie bis jetzt +Ging ich durch einen Feuerregen hin. +Entweder ist im Himmel innrer Krieg, +Wo nicht, so reizt die Welt durch Übermut +Die Götter, uns Zerstörung herzusenden. + +Cicero. +Ja, saht Ihr jemals wundervollre Dinge? + +Casca. +Ein Sklave, den Ihr wohl von Ansehn kennt, +Hob seine linke Hand empor; sie flammte +Wie zwanzig Fackeln auf einmal, und doch, +Die Glut nicht fühlend, blieb sie unversengt. +Auch kam (seitdem steckt ich mein Schwert nicht ein) +Beim Kapitol ein Löwe mir entgegen; +Er gaffte stark mich an, ging mürrisch weiter +Und tat mir nichts. Auf einen Haufen hatten +Wohl hundert bleiche Weiber sich gedrängt, +Entstellt von Furcht; die schwuren, daß sie Männer +Mit feurgen Leibern wandern auf und ab +Die Straßen sahn. Und gestern saß der Vogel +Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte +Und kreischt' und schrie. Wenn dieser Wunderzeichen +So viel zusammentreffen, sage niemand: +"Dies ist der Grund davon, sie sind natürlich"; +Denn Dinge schlimmer Deutung, glaub ich, sind's +Dem Himmelstrich, auf welchen sie sich richten. + +Cicero. +Gewiß, die Zeit ist wunderbar gelaunt; +Doch Menschen deuten oft nach ihrer Weise +Die Dinge, weit entfernt vom wahren Sinn. +Kommt Cäsar morgen auf das Kapitol? + +Casca. +Ja, denn er trug es dem Antonius auf, +Euch kund zu tun, er werde morgen kommen. + +Cicero. +Schlaft wohl denn, Casca! Dieser Aufruhr läßt +Nicht draußen weilen. + +Casca. +Cicero, lebt wohl! (Cicero ab.) + +Cassius tritt auf. + +Cassius. +Wer da? + +Casca. +Ein Römer. + +Cassius. +Casca, nach der Stimme. + +Casca. +Eur Ohr ist gut. Cassius, welch eine Nacht? + +Cassius. +Die angenehmste Nacht für wackre Männer. + +Casca. +Wer sah den Himmel je so zornig drohn? + +Cassius. +Die, welche so voll Schuld die Erde sahn. +Ich, für mein Teil, bin durch die Stadt gewandert, +Mich unterwerfend dieser grausen Nacht, +Und so entgürtet, Casca, wie Ihr seht, +Hab ich die Brust dem Donnerkeil entblößt. +Und wenn des Blitzes schlängelnd Blau zu öffnen +Des Himmels Busen schien, bot ich mich selbst +Dem Strahl des Wetters recht zum Ziele dar. + +Casca. +Warum versucht Ihr den Himmel so? +Es steht dem Menschen Furcht und Zittern an, +Wenn die gewaltgen Götter solche Boten +Furchtbarer Warnung, uns zu schrecken, senden. + +Cassius. +O Casca! Ihr seid stumpf; der Lebensfunke, +Der glühen sollt in Römern, fehlt Euch, oder +Ihr braucht ihn nicht. Ihr sehet bleich und starrt, +Von Furcht ergriffen und versenkt in Staunen, +Des Himmels ungewohnten Grimm zu schauen. +Doch wolltet Ihr den wahren Grund erwägen, +Warum die Feur, die irren Geister alle, +Was Tier' und Vögel macht vom Stamm entarten +Und Greise faseln, Kinder prophezein; +Warum all diese Dinge ihr Gesetz, +Natur und angeschaffne Gaben wandeln +In Mißbeschaffenheit: nun so erkennt Ihr, +Der Himmel hauchte diesen Geist in sie, +Daß sie der Furcht und Warnung Werkzeug würden +Für irgendeinen mißbeschaffnen Zustand. +Nun könnt ich, Casca, einen Mann dir nennen, +Ganz ähnlich dieser schreckenvollen Nacht, +Der donnert, blitzt, die Gräber öffnet, brüllt, +So wie der Löwe dort im Kapitol; +Ein Mann, nicht mächtiger als ich und du +An Leibeskraft, doch drohend angewachsen, +Und furchtbar, wie der Ausbruch dieser Gärung. + +Casca. +'s ist Cäsar, den Ihr meint. Nicht, Cassius? + +Cassius. +Es sei auch, wer es sei: die Römer haben +Jetzt Mark und Bein, wie ihre Ahnen hatten. +Doch weh uns! unsrer Väter Geist ist tot, +Und das Gemüt der Mütter lenket uns, +Denn unser Joch und Dulden zeigt uns weibisch. + +Casca. +Ja freilich heißt's, gewillt sei der Senat, +Zum König morgen Cäsarn einzusetzen; +Er soll zur See, zu Land die Krone tragen +An jedem Ort, nur in Italien nicht. + +Cassius. +Ich weiß, wohin ich diesen Dolch dann kehre; +Den Cassius soll von Knechtschaft Cassius lösen. +Darin, ihr Götter, macht ihr Schwache stark, +Darin, ihr Götter, bändigt ihr Tyrannen; +Noch felsenfeste Burg, noch ehrne Mauern, +Noch dumpfe Keller, noch der Ketten Last +Sind Hindernisse für des Geistes Stärke. +Das Leben, dieser Erdenschranken satt, +Hat stets die Macht, sich selber zu entlassen. +Und weiß ich dies, so wiß auch alle Welt: +Den Teil der Tyrannei, der auf mit liegt, +Werf ich nach Willkür ab. + +Casca. +Das kann auch ich. +So trägt ein jeder Sklav in eigner Hand +Gewalt, zu brechen die Gefangenschaft. + +Cassius. +Warum denn wäre Cäsar ein Tyrann? +Der arme Mann! Ich weiß, er wär kein Wolf, +Wenn er nicht säh, die Römer sind nur Schafe; +Er wär kein Leu, wenn sie nicht Rehe wären. +Wer eilig will ein mächtig Feuer machen, +Nimmt schwaches Stroh zuerst; was für Gestrüpp +Ist Rom, und was für Plunder, wenn es dient +Zum schlechten Stoff, der einem schnöden Dinge +Wie Cäsar Licht verleiht? Doch, o mein Gram! +Wo führtest du mich hin? Ich spreche dies +Vielleicht vor einem willgen Knecht; dann weiß ich, +Daß ich muß Rede stehn; doch führ ich Waffen, +Und mich bekümmern die Gefahren nicht. + +Casca. +Ihr sprecht mit Casca, einem Mann, der nie +Ein Ohrenbläser war. Hier, meine Hand! +Werbt nur Partei zur Abstellung der Übel, +Und dieser Fuß soll Schritt mit jedem halten, +Der noch soweit geht. + +Cassius. +Ein geschloßner Handel! +Nun, Casca, wißt: ich habe manche schon +Der Edelmütigsten von Rom beredet, +Mit mir ein Unternehmen zu bestehn +Von ehrenvoll-gefährlichem Erfolg. +Ich weiß, sie warten in Pompejus' Halle +Jetzt eben mein; denn in der furchtbarn Nacht +Kann niemand unter freiem Himmel dauern. +Des Elementes Antlitz und Gestalt +Ist wie das Werk beschaffen, das wir treiben: +Höchst blutig, feurig und höchst fürchterlich. + +Cinna tritt auf. + +Casca. +Seid still ein Weilchen, jemand kommt in Eil. + +Cassius. +Ich hör am Gange, daß es Cinna ist; +Er ist ein Freund.--Cinna, wohin so eilig? + +Cinna. +Euch sucht ich. Wer ist das? Metellus Cimber? + +Cassius. +Nein, es ist Casca, ein Verbündeter +Zu unsrer Tat. Werd ich erwartet, Cinna? + +Cinna. +Das ist mir lieb. Welch eine grause Nacht! +Ein paar von uns sahn seltsame Gesichte. + +Cassius. +Werd ich erwartet, sagt mir? + +Cinna. +Ja, +Ihr werdet es. O Cassius! könntet Ihr +In unsern Bund den edlen Brutus ziehn-- + +Cassius. +Seid ruhig! Guter Cinna, diesen Zettel, +Seht, wie Ihr in des Prätors Stuhl ihn legt, +Daß Brutus nur ihn finde; diesen werft +Ihm in das Fenster; diesen klebt mit Wachs +Ans Bild des alten Brutus. Dies getan, +Kommt zu Pompejus' Hall und trefft uns dort. +Ist Decius Brutus und Trebonius da? + +Cinna. +Ja, alle, bis auf Cimber, und der sucht +In Eurem Haus Euch auf. Gut, ich will eilen +Die Zettel anzubringen, wie Ihr wünscht. + +Cassius. +Dann stellt Euch ein bei des Pompejus' Bühne. + (Cinna ab.) +Kommt, Casca, laßt uns beide noch vor Tag +In seinem Hause Brutus sehn. Drei Viertel +Von ihm sind unser schon; der ganze Mann +Ergibt sich bei dem nächsten Angriff uns. + +Casca. +O, er sitzt hoch in alles Volkes Herzen, +Und was in uns als Frevel nur erschiene, +Sein Ansehn wird es, wie der Stein der Weisen, +In Tugend wandeln und in Würdigkeit. + +Cassius. +Ihn, seinen Wert, wie sehr wir ihn bedürfen, +Gabt Ihr recht wohl getroffen. Laßt uns gehn, +Es ist nach Mitternacht; wir wollen ihn +Vor Tage wecken und uns sein versichern. (Ab.) + + + + +Zweiter Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Der Garten des Brutus + +Brutus tritt auf + +Brutus. +He, Lucius! auf!-- +Ich kann nicht aus der Höh der Sterne raten, +Wie nah der Tag ist.--Lucius, hörst du nicht?-- +Ich wollt, es wär mein Fehler, so zu schlafen.-- +Nun, Lucius, nun! Ich sag: erwach! Auf, Lucius! + +Lucius kommt. + +Lucius. +Herr, riefet Ihr? + +Brutus. +Bring eine Kerze mir ins Lesezimmer, +Und wenn sie brennt, so komm und ruf mich hier. + +Lucius. +Ich will es tun, Herr. (Ab.) + +Brutus. +Es muß durch seinen Tod geschehn. Ich habe +Für mein Teil keinen Grund, ihn wegzustoßen, +Als fürs gemeine Wohl. Er wünscht, gekrönt zu sein; +Wie seinen Sinn das ändern möchte, fragt sich. +Der warme Tag ist's, der die Natter zeugt; +Das heischt mit Vorsicht gehn. Ihn krönen?--Ja-- +Und dann ist's wahr, wir leihn ihm einen Stachel, +Womit er kann nach Willkür Schaden tun. +Der Größe Mißbrauch ist, wenn von der Macht +Sie das Gewissen trennt; und, um von Cäsarn +Die Wahrheit zu gestehn, ich sah noch nie, +Daß ihn die Leidenschaften mehr beherrscht +Als die Vernunft. Doch oft bestätigt sich's, +Die Demut ist der jungen Ehrfurcht Leiter; +Wer sie hinanklimmt, kehrt den Blick ihr zu; +Doch hat er erst die höchste Spross' erreicht, +Dann kehret er der Leiter seinen Rücken, +Schaut himmelan, verschmäht die niedern Tritte, +Die ihn hinaufgebracht. Das kann auch Cäsar: +Drum, eh er kann, beugt vor. Und weil der Streit +Nicht Schein gewinnt durch das, was Cäsar ist, +Legt so ihn aus: das, was er ist, vergrößert, +Kann dies und jenes Übermaß erreichen. +Drum achtet ihn gleich einem Schlangenei, +Das, ausgebrütet, giftig würde werden +Wie sein Geschlecht, und würgt ihn in der Schale. + +Lucius kommt zurück. + +Lucius. +Die Kerze brennt in Eurem Zimmer, Herr. +Als ich nach Feuerstein im Fenster suchte, +Fand ich dies Blatt, versiegelt; und ich weiß, +Es war nicht da, als ich zu Bette ging. + +Brutus. +Geh wieder in dein Bett; es ist noch Nacht. +Ist morgen nicht des Märzen Idus, Knabe? + +Lucius. +Ich weiß nicht, Herr. + +Brutus. +Such im Kalender denn, und sag es mir. + +Lucius. +Das will ich, Herr. (Ab.) + +Brutus. +Die Ausdünstungen, schwirrend in der Luft, +Gewähren Licht genug, dabei zu lesen. + (Er öffnet den Brief und liest.) +"Brutus, du schläfst. Erwach und sieh dich selbst! +Soll Rom?--Sprich, schlage, stelle her! +Brutus, du schläfst. Erwache!--" +Oft hat man schon dergleichen Aufgebote +Mir in den Weg gestreut. +"Soll Rom?"--So muß ich es ergänzen: +"Soll Rom vor einem Manne beben?" Wie? +Mein Ahnherr trieb einst von den Straßen Roms +Tarquin hinweg, als er ein König hieß. +"Sprich, schlage, stelle her!" Werd ich zu sprechen, +Zu schlagen angemahnt? O Rom, ich schwöre, +Wenn nur die Herstellung erfolgt, empfängst du +Dein ganz Begehren von der Hand des Brutus! + +Lucius kommt zurück. + +Lucius. +Herr, vierzehn Tage sind vom März verstrichen. + +(Man klopft draußen.) + +Brutus. +'s ist gut. Geh an die Pforte; jemand klopft. (Lucius ab.) +Seit Cassius mich spornte gegen Cäsar, +Schlief ich nicht mehr. +Bis zur Vollführung einer furchtbarn Tat, +Vom ersten Antrieb, ist die Zwischenzeit +Wie ein Phantom, ein grauenvoller Traum. +Der Genius und die sterblichen Organe +Sind dann im Rat vereint; und die Verfassung +Des Menschen, wie ein kleines Königreich, +Erleidet dann den Zustand der Empörung. + +Lucius kommt zurück. + +Lucius. +Herr, Euer Bruder Cassius wartet draußen; +Er wünschet Euch zu sehn. + +Brutus. +Ist er allein? + +Lucius. +Nein, es sind mehr noch bei ihm. + +Brutus. +Kennst du sie? + +Lucius. +Nein, Herr, sie tragen eingedrückt die Hüte +Und das Gesicht im Mantel halb begraben, +Daß ich durchaus sie nicht erkennen kann +An irgendeinem Zuge. + +Brutus. +Laß sie sein. (Lucius ab.) +Es sind die Bundesbrüder. O Verschwörung! +Du schämst dich, die verdächtge Stirn bei Nacht +Zu zeigen, wann das Bös' am freisten ist? +O denn, bei Tag, wo willst du eine Höhle +Entdecken, dunkel gnug es zu verlarven, +Dein schnödes Antlitz?--Verschwörung, suche keine! +In Lächeln hüll es und in Freundlichkeit! +Denn trätst du auf in angeborner Bildung, +So wär der Erebus nicht finster gnug, +Vor Argwohn dich zu schützen. + +Cassius, Casca, Decius, Metellus Cimber und Trebonius treten auf. + +Cassius. +Sind wir gelegen? Guten Morgen, Brutus! +Ich fürchte, daß wie Eure Ruhe stören. + +Brutus. +Längst war ich auf und wach die ganze Nacht. +Kenn ich die Männer, welche mit Euch kommen? + +Cassius. +Ja, jeden aus der Zahl; und keiner hier, +Der Euch nicht hoch hält, und ein jeder wünscht, +Ihr hättet nur die Meinung von Euch selbst, +Die jeder edle Römer von Euch hegt. +Dies ist Trebonius. + +Brutus. +Er ist willkommen. + +Cassius. +Dies Decius Brutus. + +Brutus. +Er ist auch willkommen. + +Cassius. +Dies Casca, dies Cinna, und dies Metellus Cimber. + +Brutus. +Willkommen alle! +Was stellen sich für wache Sorgen zwischen +Die Nacht und eure Augen? + +Cassius. +Auf ein Wort, +Wenn's Euch beliebt. (Sie reden leise miteinander.) + +Decius. +Hier liegt der Ost: bricht da der Tag nicht an? + +Casca. +Nein. + +Cinna. +Doch, um Verzeihung! und die grauen Streifen, +Die das Gewölk durchziehn, sind Tagesboten. + +Casca. +Ihr sollt gestehn, daß ihr euch beide trügt. +Die Sonn erscheint hier, wo mein Degen hinweist; +Das ist ein gut Teil weiter hin nach Süden, +Wenn ihr die junge Jahreszeit erwägt. +Zwei Monde noch, und höher gegen Norden +Steigt ihre Flamm empor, und grade hier +Steht hinterm Kapitol der hohe Ost. + +Brutus. +Gebt eure Hand mir, einer nach dem andern. + +Cassius. +Und lasset uns beschwören den Entschluß. + +Brutus. +Nein, keinen Eid! Wenn nicht der Menschen Antlitz, +Das innre Seelenleid, der Zeit Verfall-- +Sind diese Gründe schwach, so brecht nur auf, +Und jeder fort zu seinem trägen Bett! +Laßt frechgesinnte Tyrannei dann schalten, +Bis jeder nach dem Lose fällt. Doch tragen +Sie Feuer gnug in sich, wie offenbar, +Um Feige zu entflammen und mit Mut +Des Weibes schmelzendes Gemüt zu stählen: +O dann, Mitbürger! welchen andern Sporn +Als unsre Sache braucht es, uns zu stacheln +Zur Herstellung? Was für Gewähr, als diese: +Verschwiegne Römer, die das Wort gesprochen, +Und nicht zurückziehn? Welchen andern Eid, +Als Redlichkeit mit Redlichkeit im Bund, +Daß dies gescheh, wo nicht, dafür zu sterben? +Laßt Priester, Memmen, listge Männer schwören, +Verdorrte Greis und solche Jammerseelen, +Die für das Unrecht danken; schwören laßt +Bei bösen Händeln Volk, dem man nicht traut. +Entehrt nicht so den Gleichmut unsrer Handlung +Und unsern unbezwinglich festen Sinn, +Zu denken, unsre Sache, unsre Tat +Brauch einen Eid; da jeder Tropfe Bluts, +Der edel fließt in jedes Römers Adern, +Sich seines echten Stamms verlustig macht, +Wenn er das kleinste Teilchen nur verletzt +Von irgendeinem Worte, das er gab. + +Cassius. +Doch wie mit Cicero? Forscht man ihn aus? +Ich denk, er wird sehr eifrig für uns sein. + +Casca. +Laßt uns ihn nicht vorübergehn. + +Cinna. +Nein, ja nicht. + +Metellus. +Gewinnt ihn ja für uns. Sein Silberhaar +Wird eine gute Meinung uns erkaufen +Und Stimmen werben, unser Werk zu preisen. +Sein Urteil habe unsre Hand gelenkt: +So wird es heißen; unsre Hastigkeit +Und Jugend wird im mindsten nicht erscheinen, +Von seinem würdgen Ansehn ganz bedeckt. + +Brutus. +O nennt ihn nicht! Laßt uns ihm nichts eröffnen, +Denn niemals tritt er einer Sache bei, +Wenn andre sie erdacht. + +Cassius. +So laßt ihn weg. + +Casca. +'s ist wahr; er paßt auch nicht. + +Decius. +Wird niemand sonst, als Cäsar, angetastet? + +Cassius. +Ja, gut bedacht! Mich dünkt, daß Mark Anton, +Der so beliebt beim Cäsar ist, den Cäsar +Nicht überleben darf. Er wird sich uns +Gewandt in Ränken zeigen, und ihr wißt, +Daß seine Macht, wenn er sie nutzt, wohl hinreicht, +Uns allen Not zu schaffen. Dem zu wehren, +Fall Cäsar und Antonius zugleich. + +Brutus. +Zu blutge Weise, Cajus Cassius, wär's, +Das Haupt abschlagen und zerhaun die Glieder, +Wie Grimm beim Tod und Tücke hinterher. +Antonius ist ja nur ein Glied des Cäsar. +Laßt Opferer uns sein, nicht Schlächter, Cajus. +Wir alle stehen gegen Cäsars Geist, +Und in dem Geist des Menschen ist kein Blut. +O könnten wir doch Cäsars Geist erreichen +Und Cäsarn nicht zerstücken! Aber ach! +Cäsar muß für ihn bluten. Edle Freunde, +Laßt kühnlich uns ihn töten, doch nicht zornig; +Zerlegen laßt uns ihn, ein Mahl für Götter, +Nicht ihn zerhauen wie ein Aas für Hunde. +Laßt unsre Herzen, schlauen Herren gleich, +Zu rascher Tat aufwiegeln ihre Diener. +Und dann zum Scheine schmälen. Dadurch wird +Notwendig unser Werk und nicht gehässig; +Und wenn es so dem Aug des Volks erscheint, +Wird man uns Reiniger, nicht Mörder nennen. +Was Mark Anton betrifft, denkt nicht an ihn, +Denn er vermag nicht mehr als Cäsars Arm, +Wenn Cäsars Haupt erst fiel. + +Cassius. +Doch fürcht ich ihn, +Denn seine Liebe hängt so fest am Cäsar. + +Brutus. +Ach, guter Cassius, denket nicht an ihn! +Liebt er den Cäsar, so vermag er nichts +Als gegen sich; sich härmen, für ihn sterben. +Und das wär viel von ihm, weil er der Lust, +Der Wüstheit, den Gelagen sich ergibt. + +Trebonius. +Es ist kein Arg in ihm; er sterbe nicht. +Denn er wird leben und dies einst belachen. + +(Die Glocke schlägt.) + +Brutus. +Still! zählt die Glocke. + +Cassius. +Sie hat drei geschlagen. + +Trebonius. +Es ist zum Scheiden Zeit. + +Cassius. +Doch zweifl' ich noch, +Ob Cäsar heute wird erscheinen wollen; +Denn kürzlich ist er abergläubisch worden, +Ganz dem entgegen, wie er sonst gedacht +Von Träumen, Einbildung und heilgen Bräuchen. +Vielleicht, daß diese großen Wunderdinge, +Das ungewohnte Schrecken dieser Nacht +Und seiner Augurn Überredung ihn +Entfernt vom Kapitol für heute hält. + +Decius. +Das fürchtet nimmer; wenn er das beschloß, +So übermeistr' ich ihn. Er hört es gern, +Das Einhorn lasse sich mit Bäumen fangen, +Der Löw im Netz, der Elefant in Gruben, +Der Bär mit Spiegeln und der Mensch durch Schmeichler; +Doch sag ich ihm, daß er die Schmeichler haßt, +Bejaht er es, am meisten dann geschmeichelt. +Laßt mich gewähren; +Denn ich verstehe sein Gemüt zu lenken, +Und will ihn bringen auf das Kapitol. + +Cassius. +Ja, laßt uns alle gehn, um ihn zu holen. + +Brutus. +Zur achten Stund aufs späteste, nicht wahr? + +Cinna. +Das sei das Spätste, und dann bleibt nicht aus. + +Metellus. +Cajus Ligarius ist dem Cäsar feind, +Der's ihm verwies, daß er Pompejus lobte; +Es wundert mich, daß niemand sein gedacht. + +Brutus. +Wohl, guter Cimber, geht nur vor bei ihm; +Er liebt mich herzlich, und ich gab ihm Grund; +Schickt ihn hieher, so will ich schon ihn stimmen. + +Cassius. +Der Morgen übereilt uns: laßt uns gehn. +Zerstreut euch, Freunde; doch bedenket alle, +Was ihr gesagt, und zeigt euch echte Römer. + +Brutus. +Seht, werte Männer, frisch und fröhlich aus; +Tragt euren Vorsatz nicht auf eurer Stirn. +Nein, führt's hindurch, wie Helden unsrer Bühne, +mit munterm Geist und würdger Festigkeit. +Und somit insgesamt euch guten Morgen! + (Alle ab, außer Brutus.) +He, Lucius!--Fest im Schlaf? Es schadet nichts. +Genieß den honigschweren Tau des Schlummers. +Du siehst Gestalten nicht, noch Phantasien, +Womit geschäftge Sorg ein Hirn erfüllt; +Drum schläfst du so gesund. + +Portia tritt auf. + +Portia. +Mein Gatte! Brutus! + +Brutus. +Was wollt Ihr, Portia? warum steht Ihr auf? +Es dient Euch nicht, die zärtliche Natur +Dem rauhen kalten Morgen zu vertraun. + +Portia. +Euch gleichfalls nicht. Unfreundlich stahlt Ihr, Brutus, +Von meinem Bett Euch; und beim Nachtmahl gestern +Erhobt Ihr plötzlich Euch und gingt umher, +Sinnend und seufzend mit verschränkten Armen. +Und wenn ich Euch befragte, was es sei, +So starrtet Ihr mich an mit finstern Blicken. +Ich drang in Euch, da riebt Ihr Euch die Stirn +Und stampftet ungeduldig mit dem Fuß; +Doch hielt ich an, doch gabt Ihr keine Rede +Und winktet mit der Hand unwillig weg, +Damit ich Euch verließ. Ich tat es auch, +Besorgt, die Ungeduld noch zu verstärken, +Die schon zu sehr entflammt schien, und zugleich +Mir schmeichelnd, nur von Laune rühr es her, +Die ihre Stunden hat bei jedem Mann. +Nicht essen, reden, schlafen läßt es Euch; +Und könnt es Eure Bildung so entstellen, +Als es sich Eurer Fassung hat bemeistert, +So kennt ich Euch nicht mehr. Mein teurer Gatte, +Teilt mir die Ursach Eures Kummers mit. + +Brutus. +Ich bin nicht recht gesund, und das ist alles. + +Portia. +Brutus ist weise; wär er nicht gesund, +Er nähm die Mittel wahr, um es zu werden. + +Brutus. +Das tu ich, gute Portia; geh zu Bett. + +Portia. +Ist Brutus krank? und ist es heilsam, so +Entblößt umherzugehn und einzusaugen +Den Dunst des Morgens? Wie, ist Brutus krank, +Und schleicht er vom gesunden Bett sich weg, +Der schnöden Ansteckung der Nacht zu trotzen? +Und reizet er die böse Fieberluft, +Sein Übel noch zu mehren?--Nein, mein Brutus, +Ihr tragt ein krankes Übel im Gemüt, +Wovon, nach meiner Stelle Recht und Würde, +Ich wissen sollte; und auf meinen Knien +Fleh ich bei meiner einst gepriesnen Schönheit, +Bei allen Euren Liebesschwüren, ja, +Bei jenem großen Schwur, durch welchen wir +Einander einverleibt und eins nur sind: +Enthüllt mir, Eurer Hälfte, Eurem Selbst, +Was Euch bekümmert, was zu Nacht für Männer +Euch zugesprochen; denn es waren hier +Sechs oder sieben, die ihr Antlitz selbst +Der Finsternis verbargen. + +Brutus. +O kniet nicht, liebe Portia. + +Portia. +Ich braucht es nicht, wärt Ihr mein lieber Brutus. +Ist's im Vertrag der Ehe, sagt mir, Brutus, +Bedungen, kein Geheimnis sollt ich wissen, +Das Euch gehört? Und bin ich Euer Selbst +Nur gleichsam, mit gewissen Einschränkungen? +Beim Mahl um Euch zu sein, Eur Bett zu teilen, +Auch wohl mit Euch zu sprechen? Wohn ich denn +Nur in der Vorstadt Eurer Zuneigung? +Ist es nur das, so ist ja Portia +Des Brutus Buhle nur und nicht sein Weib. + +Brutus. +Ihr seid mein echtes, ehrenwertes Weib, +So teuer mir als wie die Purpurtropfen, +Die um mein trauernd Herz sich drängen. + +Portia. +Wenn dem so wär, so wüßt ich dies Geheimnis. +Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch +Ein Weib, das Brutus zur Gemahlin nahm. +Ich bin ein Weib, gesteh ich, aber doch +Ein Weib von gutem Rufe, Catos Tochter. +Denkt Ihr, ich sei so schwach wie mein Geschlecht, +Aus solchem Stamm erzeugt und so vermählt? +Sagt das Geheimnis mir: ich will's bewahren, +Ich habe meine Stärke hart erprüft, +Freiwillig eine Wunde mir versetzend +Am Schenkel hier; ertrüg ich das geduldig +Und ein Geheimnis meines Gatten nicht? + +Brutus. +Ihr Götter, macht mich wert des edlen Weibes! + (Man klopft draußen.) +Horch! horch! man klopft; geh eine Weil hinein, +Und unverzüglich soll dein Busen teilen, +Was noch mein Herz verschließt. +Mein ganzes Bündnis will ich dir enthüllen +Und meiner finstern Stirne Zeichenschrift. +Verlaß mich schnell. (Portia ab.) + +Lucius und Ligarius kommen. + +Brutus. +Wer klopft denn, Lucius? + +Lucius. +Hier ist ein Kranker, der Euch sprechen will. + +Brutus. +Ligarius ist's, von dem Metellus sprach. +Du, tritt beiseit.--Cajus Ligarius, wie? + +Ligarius. +Nehmt einen Morgengruß von matter Zunge. + +Brutus. +O welche Zeit erwählt Ihr, wackrer Cajus, +Ein Tuch zu tragen! Wärt Ihr doch nicht krank! + +Ligarius. +Ich bin nicht krank, hat irgendeine Tat, +Des Namens Ehre würdig, Brutus vor. + +Brutus. +Solch eine Tat, Ligarius, hab ich vor, +Wär Euer Ohr gesund, davon zu hören. + +Ligarius. +Bei jedem Gott, vor dem sich Römer beugen, +Hier sag ich ab der Krankheit. Seele Roms! +Du wackrer Sohn, aus edlem Blut entsprossen! +Wie ein Beschwörer riefst du auf in mir +Den abgestorbnen Geist. Nun heiß mich laufen, +So will ich an Unmögliches mich wagen, +Ja Herr darüber werden. Was zu tun? + +Brutus. +Ein Wagestück, das Kranke heilen wird. + +Ligarius. +Doch gibt's nicht auch Gesunde krank zu machen? + +Brutus. +Die gibt es freilich. Was es ist, mein Cajus, +Eröffn ich dir auf unserm Weg zu ihm, +An dem es muß geschehn. + +Ligarius. +Macht Euch nur auf +Mit neu entflammtem Herzen folg ich Euch, +Zu tun, was ich nicht weiß. Doch es genügt, +Daß Brutus mir vorangeht. + +Brutus. +Folgt mir denn. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Ein Zimmer in Cäsars Palaste + +Donner und Blitz. Cäsar im Nachtkleide + +Cäsar. +Zu Nacht hat Erd und Himmel Krieg geführt. +Calpurnia rief im Schlafe dreimal laut: +"O helft! Sie morden Cäsarn!" Niemand da? + +Ein Diener kommt. + +Diener. +Herr? + +Cäsar. +Geh, heiß die Priester gleich zum Opfer schreiten, +Und bring mir ihre Meinung vom Erfolg. + +Diener. Es soll geschehn. (Ab.) + +Calpurnia (tritt auf). +Was meint Ihr, Cäsar? Denkt Ihr auszugehn? +Ihr müßt heut keinen Schritt vom Hause weichen. + +Cäsar. +Cäsar geht aus. Mir haben stets Gefahren +Im Rücken nur gedroht; wenn sie die Stirn +Des Cäsar werden sehn, sind sie verschwunden. + +Calpurnia. +Cäsar, ich hielt auf Wunderzeichen nie, +Doch schrecken sie mich nun. Im Haus ist jemand, +Der außer dem, was wir gesehn, gehört, +Von Greueln meldet, so die Wach erblickt'. +Es warf auf offner Gasse eine Löwin, +Und Grüft erlösten gähnend ihre Toten. +Wildglühnde Krieger fochten auf den Wolken, +In Reihn, Geschwadern und nach Kriegsgebrauch, +Wovon es Blut gesprüht aufs Kapitol. +Das Schlachtgetöse klirrte in der Luft; +Da wiehern Rosse, Männer röcheln sterbend, +Und Geister wimmerten die Straßen durch. +O Cäsar! unerhört sind diese Dinge; +Ich fürchte sie. + +Cäsar. +Was kann vermieden werden, +Das sich zum Ziel die mächtgen Götter setzten? +Ich gehe dennoch aus, denn diese Zeichen, +So gut wie Cäsarn, gelten sie der Welt. + +Calpurnia. +Kometen sieht man nicht, wenn Bettler sterben; +Der Himmel selbst flammt Fürstentod herab. + +Cäsar. +Der Feige stirbt schon vielmal, eh er stirbt, +Die Tapfern kosten einmal nur den Tod. +Von allen Wundern, die ich je gehört, +Scheint mir das größte, daß sich Menschen fürchten, +Da sie doch sehn, der Tod, das Schicksal aller, +Kommt, wann er kommen soll. + Der Diener kommt zurück. +Was dünkt den Augurn? + +Diener. +Sie raten Euch, für heut nicht auszugehn. +Da sie dem Opfertier das Eingeweide +Ausnahmen, fanden sie kein Herz darin. + +Cäsar. +Die Götter tun der Feigheit dies zur Schmach. +Ein Tier ja wäre Cäsar ohne Herz, +Wenn er aus Furcht sich heut zu Hause hielte. +Das wird er nicht; gar wohl weiß die Gefahr, +Cäsar sei noch gefährlicher als sie. +Wir sind zwei Leun, an einem Tag geworfen, +Und ich der ältre und der schrecklichste; +Und Cäsar wird doch ausgehn. + +Calpurnia. +Ach, mein Gatte! +In Zuversicht geht Eure Weisheit unter. +Geht heute doch nicht aus; nennt's meine Furcht, +Die Euch zu Hause hält, nicht Eure eigne. +Wir senden Mark Anton in den Senat, +Zu sagen, daß Ihr unpaß heute seid. +Laßt mich auf meinen Knien dies erbitten. + +Cäsar. +Ja, Mark Anton soll sagen, ich sei unpaß, +Und dir zulieb will ich zu Hause bleiben. + Decius tritt auf. +Sieh, Decius Brutus kommt; der soll's bestellen. + +Decius. +Heil, Cäsar! Guten Morgen, würdger Cäsar! +Ich komm Euch abzuholen zum Senat. + +Cäsar. +Und seid gekommen zur gelegnen Zeit, +Den Senatoren meinen Gruß zu bringen. +Sagt ihnen, daß ich heut nicht kommen will; +Nicht kann, ist falsch; daß ich's nicht wage, falscher; +Ich will nicht kommen heut, sagt ihnen das. + +Calpurnia. +Sagt, er sei krank. + +Cäsar. +Hilft Cäsar sich mit Lügen? +Streckt ich so weit erobernd meinen Arm, +Graubärten scheu die Wahrheit zu verkleiden? +Geht, Decius! sagt nur: Cäsar will nicht kommen. + +Decius. +Laßt einen Grund mich wissen, großer Cäsar, +Daß man mich nicht verlacht, wenn ich es sage. + +Cäsar. +Der Grund ist nur mein Will'; ich will nicht kommen, +Das gnügt zu des Senats Befriedigung. +Doch um Euch insbesondre gnug zu tun, +Weil ich Euch liebe, will ich's Euch eröffnen: +Calpurnia hier, mein Weib, hält mich zu Haus. +Sie träumte diese Nacht, sie säh mein Bildnis, +Das wie ein Springbrunn klares Blut vergoß +Aus hundert Röhren; rüstge Römer kamen +Und tauchten lächelnd ihre Hände drein. +Dies legt sie aus als Warnungen und Zeichen +Und Unglück, das uns droht, und hat mich kniend +Gebeten, heute doch nicht auszugehn. + +Decius. +Ihr habt den Traum ganz irrig ausgelegt; +Es war ein schönes, glückliches Gesicht. +Eur Bildnis, Blut aus vielen Röhren spritzend, +Worein so viele Römer lächelnd tauchten, +Bedeutet, saugen werd aus Euch das große Rom +Belebend Blut; und große Männer werden +Nach Heiligtümern und nach Ehrenpfändern +Sich drängen. Das bedeutet dieser Traum. + +Cäsar. +Auf diese Art habt Ihr ihn wohl erklärt. + +Decius. +Ja, wenn Ihr erst gehört, was ich Euch melde. +Wißt denn: an diesem Tag will der Senat +Dem großen Cäsar eine Krone geben. +Wenn Ihr nun sagen laßt, Ihr wollt nicht kommen, +So kann es sie gereun. Auch ließ' es leicht +Zum Spott sich wenden; jemand spräche wohl: +"Verschiebt die Sitzung bis auf andre Zeit, +Wenn Cäsars Gattin beßre Träume hat." +Wenn Cäsar sich versteckt, wird man nicht flüstern: +"Seht! Cäsar fürchtet sich?" +Verzeiht mir, Cäsar; meine Herzensliebe +Heißt dieses mich zu Eurem Vorteil sagen, +Und Schicklichkeit steht meiner Liebe nach. + +Cäsar. +Wie töricht scheint nun Eure Angst, Calpurnia! +Ich schäme mich, daß ich ihr nachgegeben. +Reicht mein Gewand mir her, denn ich will gehn. + Publius, Brutus, Ligarius, Metellus, + Casca, Trebonius und Cinna treten auf. +Da kommt auch Publius, um mich zu holen. + +Publius. +Guten Morgen, Cäsar! + +Cäsar. +Publius, willkommen!-- +Wie, Brutus? seid Ihr auch so früh schon auf?-- +Guten Morgen, Casca!--Cajus Ligarius, +So sehr war Cäsar niemals Euer Feind +Als dieses Fieber, das Euch abgezehrt.-- +Was ist die Uhr? + +Brutus. +Es hat schon acht geschlagen. + +Cäsar. +Habt Dank für Eure Müh und Höflichkeit. + Antonius tritt auf. +Seht! Mark Anton, der lange schwärmt des Nachts, +Ist doch schon auf.--Antonius, seid gegrüßt! + +Antonius. +Auch Ihr, erlauchter Cäsar! + +Cäsar. +Befehlt, daß man im Hause fertig sei; +Es ist nicht recht, so auf sich warten lassen. +Ei, Cinna!--Ei, Metellus!--Wie, Trebonius? +Ich hab mit Euch ein Stündchen zu verplaudern; +Gedenkt daran, daß Ihr mich heut besucht, +Und bleibt mir nah, damit ich Euer denke. + +Trebonius. +Das will ich, Cäsar--(beiseite) will so nah Euch sein, +Daß Eure besten Freunde wünschen sollen, +Ich wär entfernt gewesen. + +Cäsar. +Lieben Freunde, +Kommt mit herein und trinkt ein wenig Weins, +Dann gehen wir gleich Freunden miteinander. + +Brutus (beiseite). +Daß gleich nicht stets dasselbe ist, o Cäsar! +Das Herz des Brutus blutet, es zu denken. + +(Alle ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Straße nahe beim Kapitol + +Artemidorus tritt auf und liest einen Zettel + +Artemidorus. +"Cäsar, hüte dich vor Brutus; sei wachsam gegen Cassius; halte dich +weit vom Casca; habe ein Auge auf Cinna; mißtraue dem Trebonius; +beobachte den Metellus Cimber; Decius Brutus liebt dich nicht; +beleidigt hast du den Cajus Ligarius. Nur ein Sinn lebt in allen +diesen Männern, und er ist gegen Cäsar gerichtet. Wo du nicht +unsterblich bist, schau um dich. Sorglosigkeit gibt der Verschwörung +Raum. Mögen dich die großen Götter schützen! Der Deinige +Artemidorus." + + +Hier will ich stehn, bis er vorübergeht, +Und will ihm dies als Bittschrift überreichen. +Mein Herz bejammert, daß die Tugend nicht +Frei von dem Zahn des Neides leben kann. +O Cäsar, lies! so bist du nicht verloren; +Sonst ist das Schicksal mit Verrat verschworen. (Ab.) + + + +Vierte Szene +Ein andrer Teil derselben Straße vor dem Hause des Brutus + +Portia und Lucius kommen + +Portia. +Ich bitt dich, Knabe, lauf in den Senat. +Halt dich mit keiner Antwort auf und geh! +Was wartest du? + +Lucius. +Zu hören, was ich soll. + +Portia. +Ich möchte dort und wieder hier dich haben, +Eh ich dir sagen kann, was du da sollst. +O Festigkeit, steh unverrückt mir bei, +Stell einen Fels mir zwischen Herz und Zunge! +Ich habe Mannessinn, doch Weibeskraft. +Wie fällt doch ein Geheimnis Weibern schwer!-- +Bist du noch hier? + +Lucius. +Was sollt ich, gnädge Frau? +Nur hin zum Kapitol und weiter nichts, +Und so zurück zu Euch, und weiter nichts? + +Portia. +Nein, ob dein Herr wohl aussieht, melde mir, +Denn er ging unpaß fort, und merk dir recht, +Was Cäsar macht, wer mit Gesuch ihm naht. +Still, Knabe! Welch Geräusch? + +Lucius. +Ich höre keins. + +Portia. +Ich bitt dich, horch genau. +Ich hörte wilden Lärm, als föchte man, +Und der Wind bringt vom Kapitol ihn her. + +Lucius. +Gewißlich, gnädge Frau, ich höre nichts. + +Ein Wahrsager kommt. + +Portia. +Komm näher, Mann! Wo führt dein Weg dich her? + +Wahrsager. +Von meinem Hause, liebe gnädge Frau. + +Portia. +Was ist die Uhr? + +Wahrsager. +Die neunte Stund etwa. + +Portia. +Ist Cäsar schon aufs Kapitol gegangen? + +Wahrsager. +Nein, gnädge Frau; ich geh, mir Platz zu nehmen, +Wo er vorbeizieht auf das Kapitol. + +Portia. +Du hast an Cäsar ein Gesuch, nicht wahr? + +Wahrsager. +Das hab ich, gnädge Frau. Beliebt es Cäsarn, +Aus Güte gegen Cäsar mich zu hören, +So bitt ich ihn, es gut mit sich zu meinen. + +Portia. +Wie? weißt du, daß man ihm ein Leid will antun? + +Wahrsager. +Keins seh ich klar vorher, viel, fürcht ich, kann geschehn. +Doch guten Tag! Hier ist die Straße eng; +Die Schar, die Cäsarn auf der Ferse folgt, +Von Senatoren, Prätorn, Supplikanten, +Würd einen schwachen Mann beinah erdrücken. +Ich will an einen freiern Platz und da +Den großen Cäsar sprechen, wenn er kommt. (Ab.) + +Portia. +Ich muß ins Haus. Ach, welch ein schwaches Ding +Das Herz des Weibes ist! O Brutus! +Der Himmel helfe deinem Unternehmen.-- +Gewiß, der Knabe hört' es.--Brutus wirbt um etwas, +Das Cäsar weigert.--O, es wird mir schlimm! +Lauf, Lucius, empfiehl mich meinem Gatten, +Sag, ich sei fröhlich, komm zu mir zurück +Und melde mir, was er dir aufgetragen. + +(Beide ab.) + + + + +Dritter Aufzug + + + +Erste Szene +Das Kapitol. Sitzung des Senats + +Ein Haufe Volks in der Straße, die zum Kapitol führt, darunter +Artemidorus und der Wahrsager. Trompetenstoß. Cäsar, Brutus, Cassius, + Casca, Decius, Metellus, Trebonius, Cinna, Antonius, Lepidus, +Popilius, Publius und andre kommen + +Cäsar. +Des Märzen Idus ist nun da. + +Wahrsager. +Ja, Cäsar, +Doch nicht vorbei. + +Artemidorus. +Heil, Cäsar! Lies den Zettel hier. + +Decius. +Trebonius bittet Euch, bei guter Weile +Dies untertänige Gesuch zu lesen. + +Artemidorus. +Lies meines erst, o Cäsar! Mein Gesuch +Betrifft den Cäsar näher; lies, großer Cäsar! + +(Tritt dem Cäsar näher.) + +Cäsar. +Was uns betrifft, werd auf die Letzt verspart. + +Artemidorus. +Verschieb nicht, Cäsar, lies im Augenblick. + +Cäsar. +Wie? ist der Mensch verrückt? + +Publius. +Mach Platz, Gesell! + +Cassius. +Was? Drängt ihr auf der Straße mit Gesuchen? +Kommt in das Kapitol. + +(Cäsar geht in das Kapitol, die übrigen folgen ihm. +Alle Senatoren stehen auf.) + +Popilius. +Mög euer Unternehmen heut gelingen! + +Cassius. +Welch Unternehmen, Lena? + +Popilius. +Geh's euch wohl. + +(Er nähert sich dem Cäsar.) + +Brutus. +Was sprach Popilius Lena da? + +Cassius. +Er wünschte, +Daß unser Unternehmen heut gelänge; +Ich fürchte, unser Anschlag ist entdeckt. + +Brutus. +Seht, wie er Cäsarn naht! Gebt acht auf ihn. + +Cassius. +Sei schleunig, Casca, daß man nicht zuvorkommt. +Was ist zu tun hier, Brutus? Wenn es auskommt, +Kehrt Cassius oder Cäsar nimmer heim; +Denn ich entleibe mich. + +Brutus. +Sei standhaft, Cassius. +Popilius spricht von unserm Anschlag nicht. +Er lächelt, sieh, und Cäsar bleibt in Ruh. + +Cassius. +Trebonius nimmt die Zeit wahr, Brutus; sieh, +Er zieht geschickt den Mark Anton beiseite. + +(Antonius und Trebonius ab. +Cäsar und die Senatoren nehmen ihre Sitze ein.) + +Decius. +Wo ist Metellus Cimber? Laßt ihn gehn +Und sein Gesuch sogleich dem Cäsar reichen. + +Brutus. +Er ist bereit; drängt an und steht ihm bei. + +Cinna. +Casca, Ihr müßt zuerst den Arm erheben. + +Cäsar. +Sind alle da? Was für Beschwerden gibt's, +Die Cäsar heben muß und sein Senat? + +Metellus (niederkniend). +Glorreicher, mächtigster, erhabner Cäsar! +Metellus Cimber wirft vor deinen Sitz +Ein Herz voll Demut nieder. + +Cäsar. +Cimber, hör, +Ich muß zuvor dir kommen. Dieses Kriechen, +Dies knechtische Verbeugen könnte wohl +Gemeiner Menschen Blut in Feuer setzen +Und vorbestimmte Wahl, gefaßten Schluß +Zum Kinderwillen machen. Sei nicht töricht +Und denk, so leicht empört sei Cäsars Blut, +Um aufzutaun von seiner echten Kraft +Durch das, was Narrn erweicht: durch süße Worte, +Gekrümmtes Bücken, hündisches Geschmeichel. +Dein Bruder ist verbannt durch einen Spruch; +Wenn du für ihn dich bückst und flehst und schmeichelst, +So stoß ich dich wie einen Hund hinweg. +Wiß, Cäsar tut kein Unrecht; ohne Gründe +Befriedigt man ihn nicht. + +Metellus. +Gibt's keine Stimme, würdiger als meine, +Die süßer tön im Ohr des großen Cäsar, +Für des verbannten Bruders Wiederkehr? + +Brutus. +Ich küsse deine Hand, doch nicht als Schmeichler, +Und bitte, Cäsar, daß dem Publius Cimber +Die Rückberufung gleich bewilligt werde. + +Cäsar. +Wie? Brutus! + +Cassius. +Gnade, Cäsar! Cäsar, Gnade! +Auch Cassius fällt tief zu Füßen dir, +Begnadigung für Cimber zu erbitten. + +Cäsar. +Ich ließe wohl mich rühren, glich' ich euch; +Mich rührten Bitten, bät ich, um zu rühren. +Doch ich bin standhaft wie des Nordens Stern, +Des unverrückte, ewig stete Art +Nicht ihresgleichen hat am Firmament. +Der Himmel prangt mit Funken ohne Zahl, +Und Feuer sind sie all' und jeder leuchtet; +Doch einer nur behauptet seinen Stand. +So in der Welt auch; sie ist voll von Menschen, +Und Menschen sind empfindlich, Fleisch und Blut; +Doch in der Menge weiß ich einen nur, +Der unbesiegbar seinen Platz bewahrt, +Vorn Andrang unbewegt; daß ich der bin, +Auch hierin laßt es mich ein wenig zeigen, +Daß ich auf Cimbers Banne fest bestand +Und drauf besteh, daß er im Banne bleibe. + +Cinna. +O Cäsar! + +Cäsar. +Fort, sag ich! Willst du den Olymp versetzen? + +Decius. +Erhabner Cäsar!-- + +Cäsar. +Kniet nicht Brutus auch umsonst? + +Casca. +Dann, Hände, sprecht für mich! + +(Casca sticht Cäsarn mit dem Dolch in den Nacken. Cäsar fällt ihm in +den Arm. Er wird alsdann von verschiednen andern Verschwornen und +zuletzt von Marcus Brutus mit Dolchen durchstochen.) + +Cäsar. +Brutus, auch du?--So falle, Cäsar! + +(Er stirbt. Die Senatoren und das Volk fliehen bestürzt.) + +Cinna. +Befreiung! Freiheit! Die Tyrannei ist tot! +Lauft fort! verkündigt! ruft es durch die Gassen! + +Cassius. +Hin zu der Rednerbühne! Rufet aus: +"Befreiung! Freiheit! Wiederherstellung!" + +Brutus. +Seid nicht erschrocken, Volk und Senatoren! +Flieht nicht! Steht still! Die Ehrsucht hat gebüßt. + +Casca. +Geht auf die Rednerbühne, Brutus. + +Decius. +Ihr, Cassius, auch. + +Brutus. +Wo ist Publius? + +Cinna. +Hier, ganz betroffen über diesen Aufruhr. + +Metellus. +Steht dicht beisammen, wenn ein Freund des Cäsar +Etwa-- + +Brutus. +Sprecht nicht von Stehen!--Publius, getrost! +Wir haben nicht im Sinn, Euch Leid zu tun, +Auch keinem Römer sonst: sagt ihnen das. + +Cassius. +Und geht nur, Publius, damit das Volk, +Das uns bestürmt, nicht Euer Alter kränke. + +Brutus. +Tut das; und niemand steh für diese Tat +Als wir, die Täter. + +Trebonius kommt zurück. + +Cassius. +Wo ist Mark Anton? + +Trebonius. +Er floh bestürzt nach Haus, und Männer, Weiber +Und Kinder blicken starr und schrein und laufen, +Als wär der jüngste Tag. + +Brutus. +Schicksal! wir wollen sehn, was dir geliebt. +Wir wissen, daß wir sterben werden; Frist +Und Zeitgewinn nur ist der Menschen Trachten. + +Cassius. +Ja, wer dem Leben zwanzig Jahre raubt, +Der raubt der Todesfurcht so viele Jahre. + +Brutus. +Gesteht das ein, und Wohltat ist der Tod. +So sind wir Cäsars Freunde, die wir ihm +Die Todesfurcht verkürzten. Bückt euch, Römer, +Laßt unsre Händ in Cäsars Blut uns baden +Bis an die Ellenbogen! Färbt die Schwerter! +So treten wir hinaus bis auf den Markt, +Und, überm Haupt die roten Waffen schwingend, +Ruft alle dann: "Erlösung! Friede! Freiheit!" + +Cassius. +Bückt euch und taucht! In wie entfernter Zeit +Wird man dies hohe Schauspiel wiederholen, +In neuen Zungen und mit fremdem Pomp! + +Brutus. +Wie oft wird Cäsar noch zum Spiele bluten, +Der jetzt am Fußgestell Pompejus' liegt, +Dem Staube gleich geachtet! + +Cassius. +Sooft als das geschieht, +Wird man auch unsern Bund, die Männer nennen, +Die Freiheit wiedergaben ihrem Land. + +Decius. +Nun, sollen wir hinaus? + +Cassius. +Ja, alle fort! +Brutus voran, und seine Tritte zieren +Wir mit den kühnsten, besten Herzen Roms. + +Ein Diener kommt. + +Brutus. +Doch stillt Wer kommt? Ein Freund des Mark Anton. + +Diener. +So, Brutus, hieß mich mein Gebieter knien, +So hieß Antonius mich niederfallen, +Und tief im Staube hieß er so mich reden: +"Brutus ist edel, tapfer, weis und redlich, +Cäsar war groß, kühn, königlich und gütig. +Sprich: Brutus lieb ich, und ich ehr ihn auch. +Sprich: Cäsarn fürchtet ich, ehrt ihn und liebt ihn. +Will Brutus nur gewähren, daß Anton +Ihm sicher nahen und erforschen dürfe, +Wie Cäsar solche Todesart verdient, +So soll dem Mark Anton der tote Cäsar +So teuer nicht als Brutus lebend sein; +Er will vielmehr dem Los und der Partei +Des edlen Brutus unter den Gefahren +Der wankenden Verfassung treulich folgen." +Dies sagte mein Gebieter, Mark Anton. + +Brutus. +Und dein Gebieter ist ein wackrer Römer, +So achtet ich ihn stets. +Sag, wenn es ihm geliebt, hieher zu kommen, +So steh ich Red ihm und, bei meiner Ehre, +Entlaß ihn ungekränkt. + +Diener. +Ich hol ihn gleich. (Ab.) + +Brutus. +Ich weiß, wir werden ihn zum Freunde haben. + +Cassius. +Ich wünsch es; doch es wohnt ein Sinn in mir, +Der sehr ihn fürchtet; und mein Unglücksahnen +Trifft immer ein aufs Haar. + +Antonius kommt zurück. + +Brutus. +Hier kommt Antonius ja.--Willkommen, Mark Anton! + +Antonius. +O großer Cäsar! liegst du so im Staube? +Sind alle deine Siege, Herrlichkeiten, +Triumphe, Beuten eingesunken nun +In diesen kleinen Raum?--Gehab dich wohl!-- +Ich weiß nicht, edle Herrn, was ihr gedenkt, +Wer sonst noch bluten muß, wer reif zum Fall. +Wofern ich selbst kann keine Stunde besser +Als Cäsars Todesstunde, halb so kostbar +Kein Werkzeug sein, als diese eure Schwerter, +Geschmückt mit Blut, dem edelsten der Welt. +Ich bitt euch, wenn ihr's feindlich mit mir meint, +Jetzt, da noch eure Purpurhände dampfen, +Büßt eure Lust. Und lebt ich tausend Jahre, +Nie werd ich so bereit zum Tod mich fühlen; +Kein Ort gefällt mir so, kein Weg zum Tode, +Als hier beim Cäsar fallen, und durch euch, +Die ersten Heldengeister unsrer Zeit. + +Brutus. +O Mark Anton! begehrt nicht Euren Tod. +Wir müssen blutig zwar und grausam scheinen, +Wie unsre Händ und die geschehne Tat +Uns zeigen; doch Ihr seht die Hände nur, +Und dieses blutge Werk, so sie vollbracht; +Nicht unsre Herzen: sie sind mitleidsvoll, +Und Mitleid gegen Roms gesamte Not +(Wie Feuer Feuer löscht, so Mitleid Mitleid) +Verübt' an Cäsarn dies. Was Euch betrifft, +Für Euch sind unsre Schwerter stumpf, Anton. +Seht, unsre Arme, trotz verübter Tücke, +Und unsre Herzen, brüderlich gesinnt, +Empfangen Euch mit aller Innigkeit, +mit redlichen Gedanken und mit Achtung. + +Cassius. +Und Eure Stimme soll soviel als jede +Bei der Verteilung neuer Würden gelten. + +Brutus. +Seid nur geduldig, bis wir erst das Volk +Beruhigt, das vor Furcht sich selbst nicht kennt; +Dann legen wir den Grund Euch dar, weswegen +Ich, der den Cäsar liebt', als ich ihn schlug, +Also verfahren. + +Antonius. +Ich bau auf eure Weisheit. +Mir reiche jeder seine blutge Hand; +Erst, Marcus Brutus, schütteln wir sie uns; +Dann, Cajus Cassius, faß ich Eure Hand; +Nun Eure, Decius Brutus; Eure, Cinna; +Metellus, Eure nun; mein tapfrer Casca, +Die Eure; reicht, Trebonius, Eure mir +Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen. +Ach, all ihr edlen Herrn, was soll ich sagen, +Mein Ansehn steht jetzt auf so glattem Boden, +Daß ich euch eines von zwei schlimmen Dingen, +Ein Feiger oder Schmeichler, scheinen muß. +Daß ich dich liebte, Cäsar, o 's ist wahr! +Wofern dein Geist jetzt niederblickt auf uns, +Wird's dich nicht kränken, bittrer als dein Tod, +Zu sehn, wie dein Antonius Frieden macht +Und deiner Feinde blutge Hände drückt, +Du Edelster, in deines Leichnams Nähe? +Hätt ich so manches Aug als Wunden du, +Und jedes strömte Tränen, wie sie Blut, +Das ziemte besser mir, als einen Bund +Der Freundschaft einzugehn mit deinen Feinden. +Verzeih mir, Julius!--Du edler Hirsch, +Hier wurdest du erjagt, hier fielest du; +Hier stehen deine Jäger, mit den Zeichen +Des Mordes und von deinem Blut bepurpurt. +O Welt, du warst der Wald für diesen Hirsch, +Und er, o Welt! war seines Waldes Stolz.-- +Wie ähnlich einem Wild, von vielen Fürsten +Geschossen, liegst du hier! + +Cassius. +Antonius-- + +Antonius. +Verzeiht mir, Cajus Cassius; +Dies werden selbst die Feinde Cäsars sagen, +An einem Freund ist's kalte Mäßigung. + +Cassius. +Ich tadl Euch nicht, daß Ihr den Cäsar preist; +Allein, wie denkt Ihr Euch mit uns zu stehen? +Seid Ihr von unsern Freunden? oder sollen +Wir vorwärtsdringen, ohn auf Euch zu baun? + +Antonius. +Deswegen faßt ich eure Hände; nur +Vergaß ich mich, als ich auf Cäsarn blickte. +Ich bin euch allen Freund und lieb euch alle, +In Hoffnung, eure Gründe zu vernehmen, +Wie und warum gefährlich Cäsar war. + +Brutus. +Jawohl, sonst wär dies ein unmenschlich Schauspiel. +Und unsre Gründe sind so wohl bedacht, +Wärt Ihr der Sohn des Cäsar, Mark Anton, +Sie gnügten Euch. + +Antonius. +Das such ich einzig ja. +Auch halt ich an um die Vergünstigung, +Den Leichnam auszustellen auf dem Markt +Und auf der Bühne, wie's dem Freunde ziemt, +Zu reden bei der Feier der Bestattung. + +Brutus. +Das mögt Ihr, Mark Anton. + +Cassius. +Brutus, ein Wort mit Euch. +(Beiseite.) Ihr wißt nicht, was Ihr tut; gestattet nicht, +Daß ihm Antonius die Rede halte. +Wißt Ihr, wie sehr das Volk durch seinen Vortrag +Sich kann erschüttern lassen? + +Brutus. +Nein, verzeiht. +Ich selbst betrete erst die Bühn und lege +Von unsers Cäsars Tod die Gründe dar. +Was dann Antonius sagen wird, erklär ich, +Gescheh erlaubt und mit Bewilligung; +Es sei uns recht, daß Cäsar jeder Ehre +Teilhaftig werde, so die Sitte heiligt. +Dies wird uns mehr Gewinn als Schaden bringen. + +Cassius. +Wer weiß, was vorfällt? Ich bin nicht dafür. + +Brutus. +Hier, Mark Anton, nehmt Ihr die Leiche Cäsars. +Ihr sollt uns nicht in Eurer Rede tadeln, +Doch sprecht von Cäsarn Gutes nach Vermögen +Und sagt, daß Ihr's mit unserm Willen tut. +Sonst sollt Ihr gar mit dem Begräbnis nichts +Zu schaffen haben. Auf derselben Bühne, +Zu der ich jetzo gehe, sollt Ihr reden, +Wenn ich zu redet, aufgehört. + +Antonius. +So sei's! +Ich wünsche weiter nichts. + +Brutus. +Bereitet denn die Leich und folget uns. + +(Alle bis auf Antonius ab.) + +Antonius. +O du, verzeih mir, blutend Stückchen Erde! +Daß ich mit diesen Schlächtern freundlich tat. +Du bist der Rest des edelsten der Männer, +Der jemals lebt, im Wechsellauf der Zeit. +Weh! weh der Hand, die dieses Blut vergoß! +Jetzt prophezei ich über deinen Wunden, +Die ihre Purpurlippen öffnen, stumm +Von meiner Zunge Stimm und Wort erflehend: +Ein Fluch wird fallen auf der Menschen Glieder, +Und innre Wut und wilder Bürgerzwist +Wird ängsten alle Teil' Italiens; +Verheerung, Mord wird so zur Sitte werden +Und so gemein das Furchtbarste, daß Mütter +Nur lächeln, wenn sie ihre zarten Kinder +Gevierteilt von des Krieges Händen sehn. +Die Fertigkeit in Greueln würgt das Mitleid; +Und Cäsars Geist, nach Rache jagend, wird, +Zur Seit ihm Ate, heiß der Höll entstiegen, +In diesen Grenzen mit des Herrschers Ton +Mord rufen und des Krieges Hund' entfesseln, +Daß diese Schandtat auf zum Himmel stinke +Von Menschenaas, das um Bestattung ächzt. + Ein Diener kommt. +Ihr dienet dem Octavius Cäsar? nicht? + +Diener. +Ja, Mark Anton. + +Antonius. +Cäsar beschied ihn schriftlich her nach Rom. + +Diener. +Den Brief empfing er und ist unterwegs; +Und mündlich hieß er mich an Euch bestellen + (Er erblickt den Leichnam Cäsars.) +O Cäsar! + +Antonius. +Dein Herz ist voll, geh auf die Seit und weine. +Ich sehe, Leid steckt an; denn meine Augen, +Da sie des Grames Perlen sahn in deinen, +Begannen sie zu fließen--Kommt dein Herr? + +Diener. +Er bleibt zur Nacht von Rom nur sieben Meilen. + +Antonius. +Reit schnell zurück und meld' ihm, was geschehn. +Hier ist ein Rom voll Trauer und Gefahr, +Kein sichres Rom noch für Octavius. +Eil hin und sag ihm das!--Nein, warte noch! +Du sollst nicht fort, bevor ich diese Leiche +Getragen auf den Markt und meine Rede +Das Volk geprüft, wie dieser blutgen Männer +Unmenschliches Beginnen ihm erscheint. +Und demgemäß sollst du dem jungen Cäsar +Berichten, wie allhier die Dinge stehn. +Leih deinen Arm mir. + +(Beide ab mit Cäsars Leiche.) + + + +Zweite Szene +Das Forum + +Brutus und Cassius kommen mit einem Haufen Volks + +Bürger. +Wir wollen Rechenschaft! Legt Rechenschaft uns ab! + +Brutus. +So folget mir und gebt Gehör mir, Freunde.-- +Ihr, Cassius geht in eine andre Straße +Und teilt die Haufen-- +Wer mich will reden hören, bleibe hier; +Wer Cassius folgen will, der geh mit ihm. +Wir wollen öffentlich die Gründ' erklären +Von Cäsars Tod. + +Erster Bürger. +Ich will den Brutus hören. + +Zweiter Bürger. +Den Cassius ich: so können wir die Gründe +Vergleichen, wenn wir beide angehört. + +(Cassius mit einigen Bürgern ab. Brutus besteigt die Rostra.) + +Dritter Bürger. +Der edle Brutus steht schon oben--still! + +Brutus. +Seid ruhig zum Schluß. +Römer! Mitbürger! Freunde! Hört mich meine Sache führen und seid +still, damit ihr hören möget. Glaubt mir um meiner Ehre willen und +hegt Achtung vor meiner Ehre, damit ihr glauben mögt. Richtet mich +nach eurer Weisheit und weckt eure Sinne, um desto besser urteilen zu +können. Ist jemand in dieser Versammlung, irgendein herzlicher Freund +Cäsars, dem sage ich: des Brutus Liebe zum Cäsar war nicht geringer +als seine. Wenn dieser Freund dann fragt, warum Brutus gegen Cäsar +aufstand, ist dies meine Antwort: nicht, weil ich Cäsarn weniger +liebte, sondern weil ich Rom mehr liebte. Wolltet ihr lieber, Cäsar +lebte und ihr stürbet alle als Sklaven, als daß Cäsar tot ist, damit +ihr alle lebet wie freie Männer? Weil Cäsar mich liebte, wein ich um +ihn; weil er glücklich war, freue ich mich; weil er tapfer war, ehr +ich ihn; aber weil er herrschsüchtig war, erschlug ich ihn. Also +Tränen für seine Liebe, Freude für sein Glück, Ehre für seine +Tapferkeit und Tod für seine Herrschsucht. Wer ist hier so niedrig +gesinnt, daß er ein Knecht sein möchte? Ist es jemand, er rede, denn +ihn habe ich beleidigt. Wer ist hier so roh, daß er nicht wünschte, +ein Römer zu sein? Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich +beleidigt. Wer ist hier so schlecht, daß er sein Vaterland nicht +liebte? Ist es jemand, er rede, denn ihn habe ich beleidigt. Ich +halte inne, um Antwort zu hören. + +Bürger (verschiedene Stimmen auf einmal). +Niemand, Brutus! niemand! + +Brutus. +Dann habe ich niemand beleidigt. Ich tat Cäsarn nichts, als was ihr +dem Brutus tun würdet. Die Untersuchung über seinen Tod ist im +Kapitol aufgezeichnet; sein Ruhm nicht geschmälert, wo er Verdienste +hatte, seine Vergehen nicht übertrieben, für die er den Tod gelitten. + Antonius und andre treten auf mit Cäsars Leiche. +Hier kommt seine Leiche, von Mark Anton betrauert, der, ob er schon +keinen Teil an seinem Tode hatte, die Wohltat seines Sterbens, einen +Platz im gemeinen Wesen, genießen wird. Wer von euch wird es nicht? +Hiermit trete ich ab. Wie ich meinen besten Freund für das Wohl Roms +erschlug, so habe ich denselben Dolch für mich selbst, wenn es dem +Vaterland gefällt, meinen Tod zu bedürfen. + +Bürger. +Lebe, Brutus! lebe! lebe! + +Erster Bürger. +Begleitet mit Triumph ihn in sein Haus. + +Zweiter Bürger. +Stellt ihm ein Bildnis auf bei seinen Ahnen. + +Dritter Bürger. +Er werde Cäsar! + +Vierter Bürger. +Im Brutus krönt ihr Cäsars beßre Gaben. + +Erster Bürger. +Wir bringen ihn zu Haus mit lautem Jubel. + +Brutus. Mitbürger-- + +Zweiter Bürger. +Schweigt doch! Stille! Brutus spricht. + +Erster Bürger. +Still da! + +Brutus. +Ihr guten Bürger, laßt allein mich gehn; +Bleibt mir zuliebe hier beim Mark Anton. +Ehrt Cäsars Leiche, ehret seine Rede, +Die Cäsars Ruhm verherrlicht. Dem Antonius +Gab unser Will' Erlaubnis, sie zu halten. +Ich bitt euch, keiner gehe fort von hier +Als ich allein, bis Mark Anton gesprochen. (Ab.) + +Erster Bürger. +He, bleibt doch! Hören wir den Mark Anton. + +Dritter Bürger. +Laßt ihn hinaufgehn auf die Rednerbühne. +Ja, hört ihn! Edler Mark Anton, hinauf! + +Antonius. +Um Brutus' willen bin ich euch verpflichtet. + +Vierter Bürger. +Was sagt er da vom Brutus? + +Dritter Bürger. +Er sagt, um Brutus' willen find er sich +Uns insgesamt verpflichtet. + +Vierter Bürger. +Er täte wohl, +Dem Brutus hier nichts Übles nachzureden. + +Erster Bürger. +Der Cäsar war ein Tyrann. + +Dritter Bürger. +Ja, das ist sicher; +Es ist ein Glück für uns, daß Rom ihn los ward. + +Vierter Bürger. +Still! Hört doch, was Antonius sagen kann! + +Antonius. +Ihr edlen Römer-- + +Bürger. +Still da! hört ihn doch! + +Antonius. +Mitbürger! Freunde! Römer! hört mich an: +Begraben will ich Cäsarn, nicht ihn preisen. +Was Menschen Übles tun, das überlebt sie, +Das Gute wird mit ihnen oft begraben. +So sei es auch mit Cäsarn! Der edle Brutus +Hat euch gesagt, daß er voll Herrschsucht war; +Und war er das, so war's ein schwer Vergehen, +Und schwer hat Cäsar auch dafür gebüßt. +Hier, mit des Brutus Willen und der andern +(Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann, +Das sind sie alle, alle ehrenwert), +Komm ich, bei Cäsars Leichenzug zu reden. +Er war mein Freund, war mir gerecht und treu; +Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, +Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. +Er brachte viel Gefangne heim nach Rom, +Wofür das Lösegeld den Schatz gefüllt. +Sah das der Herrschsucht wohl am Cäsar gleich? +Wenn Arme zu ihm schrien, so weinte Cäsar; +Die Herrschsucht sollt aus härterm Stoff bestehn. +Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, +Und Brutus ist ein ehrenwerter Mann. +Ihr alle saht, wie am Lupercusfest +Ich dreimal ihm die Königskrone bot, +Die dreimal er geweigert. War das Herrschsucht? +Doch Brutus sagt, daß er voll Herrschsucht war, +Und ist gewiß ein ehrenwerter Mann. +Ich will, was Brutus sprach, nicht widerlegen; +Ich spreche hier von dem nur, was ich weiß. +Ihr liebtet all ihn einst nicht ohne Grund; +Was für ein Grund wehrt euch, um ihn zu trauern? +O Urteil, du entflohst zum blöden Vieh, +Der Mensch ward unvernünftig!--Habt Geduld! +Mein Herz ist in dem Sarge hier beim Cäsar, +Und ich muß schweigen, bis es mir zurückkommt. + +Erster Bürger. +Mich dünkt, in seinen Reden ist viel Grund. + +Zweiter Bürger. +Wenn man die Sache recht erwägt, ist Cäsarn +Groß Unrecht widerfahren. + +Dritter Bürger. +Meint Ihr, Bürger? +Ich fürcht, ein Schlimmrer kommt an seine Stelle. + +Vierter Bürger. +Habt ihr gehört? Er nahm die Krone nicht; +Da sieht man, daß er nicht herrschsüchtig war. + +Erster Bürger. +Wenn dem so ist, so wird es manchem teuer +Zu stehen kommen. + +Zweiter Bürger. +Ach, der arme Mann! +Die Augen sind ihm feuerrot vom Weinen. + +Dritter Bürger. +Antonius ist der bravste Mann in Rom. + +Vierter Bürger. +Gebt acht! Er fängt von neuem an zu reden. + +Antonius. +Noch gestern hätt umsonst dem Worte Cäsars +Die Welt sich widersetzt; nun liegt er da, +Und der Geringste neigt sich nicht vor ihm. +O Bürger! strebt ich, Herz und Mut in euch +Zur Wut und zur Empörung zu entflammen, +So tät ich Cassius und Brutus Unrecht, +Die ihr als ehrenwerte Männer kennt. +Ich will nicht ihnen Unrecht tun, will lieber +Dem Toten Unrecht tun, mir selbst und euch, +Als ehrenwerten Männern, wie sie sind. +Doch seht dies Pergament mit Cäsars Siegel; +Ich fand's bei ihm, es ist sein letzter Wille. +Vernähme nur das Volk dies Testament +(Das ich, verzeiht mir, nicht zu lesen denke), +Sie gingen hin und küßten Cäsars Wunden +Und tauchten Tücher in sein heilges Blut, +Ja, bäten um ein Haar zum Angedenken, +Und sterbend nennten sie's im Testament +Und hinterließen's ihres Leibes Erben +Zum köstlichen Vermächtnis. + +Vierter Bürger. +Wir wollen's hören: lest das Testament! +Lest, Mark Anton! + +Bürger. +Ja, ja, das Testament! +Laßt Cäsars Testament uns hören. + +Antonius. +Seid ruhig, lieben Freund'! Ich darf's nicht lesen, +Ihr müßt nicht wissen, wie euch Cäsar liebte. +Ihr seid nicht Holz, nicht Stein, ihr seid ja Menschen; +Drum, wenn ihr Cäsars Testament erführt, +Es setzt' in Flammen euch, es macht' euch rasend. +Ihr dürft nicht wissen, daß ihr ihn beerbt, +Denn wüßtet ihr's, was würde draus entstehn? + +Bürger. +Lest das Testament! Wir wollen's hören, Mark Anton! +Ihr müßt es lesen! Cäsars Testament! + +Antonius. +Wollt ihr euch wohl gedulden? wollt ihr warten? +Ich übereilte mich, da ich's euch sagte. +Ich fürcht, ich tu den ehrenwerten Männern +Zu nah, durch deren Dolche Cäsar fiel; +Ich fürchte es. + +Vierter Bürger. +Sie sind Verräter: ehrenwerte Männer! + +Bürger. +Das Testament! Das Testament! + +Zweiter Bürger. +Sie waren Bösewichter, Mörder! Das Testament! +Lest das Testament! + +Antonius. +So zwingt ihr mich, das Testament zu lesen? +Schließt einen Kreis um Cäsars Leiche denn, +Ich zeig euch den, der euch zu Erben machte. +Erlaubt ihr mir's? Soll ich hinuntersteigen? + +Bürger. +Ja, kommt nur! + +Zweiter Bürger. +Steigt herab! + +(Er verläßt die Rednerbühne.) + +Dritter Bürger. +Es ist Euch gern erlaubt. + +Vierter Bürger. +Schließt einen Kreis herum. + +Erster Bürger. +Zurück vom Sarge! von der Leiche weg! + +Zweiter Bürger. +Platz für Antonius! für den edlen Antonius! + +Antonius. +Nein, drängt nicht so heran! Steht weiter weg! + +Bürger. +Zurück! Platz da! zurück! + +Antonius. +Wofern ihr Tränen habt, bereitet euch, +Sie jetzo zu vergießen. Diesen Mantel, +Ihr kennt ihn alle; doch erinnr' ich mich +Des ersten Males, daß ihn Cäsar trug +In seinem Zelt, an einem Sommerabend-- +Er überwand den Tag die Nervier-- +Hier, schauet! fuhr des Cassius Dolch herein; +Seht, welchen Riß der tücksche Casca machte! +Hier stieß der vielgeliebte Brutus durch; +Und als er den verfluchten Stahl hinwegriß, +Schaut her, wie ihm das Blut des Cäsar folgte, +Als stürzt' es vor die Tür, um zu erfahren, +Ob wirklich Brutus so unfreundlich klopfte. +Denn Brutus, wie ihr wißt, war Cäsars Engel. +Ihr Götter, urteilt, wie ihn Cäsar liebte! +Kein Stich von allen schmerzte so wie der. +Denn als der edle Cäsar Brutus sah, +Warf Undank, stärker als Verräterwaffen, +Ganz nieder ihn; da brach sein großes Herz, +Und in dem Mantel sein Gesicht verhüllend, +Grad am Gestell der Säule des Pompejus, +Von der das Blut rann, fiel der große Cäsar. +O meine Bürger, welch ein Fall war das! +Da fielet ihr und ich, wir alle fielen, +Und über uns frohlockte blutge Tücke. +O ja! nun weint ihr, und ich merk, ihr fühlt +Den Drang des Mitleids; dies sind milde Tropfen. +Wie? weint ihr, gute Herzen, seht ihr gleich +Nur unsers Cäsars Kleid verletzt? Schaut her! +Hier ist er selbst, geschändet von Verrätern. + +Erster Bürger. +O kläglich Schauspiel! + +Zweiter Bürger. +O edler Cäsar! + +Dritter Bürger. +O jammervoller Tag! + +Vierter Bürger. +O Buben und Verräter! + +Erster Bürger. +O blutger Anblick! + +Zweiter Bürger. +Wir wollen Rache! Rache! Auf und sucht! +Sengt! brennt! schlagt! mordet! laßt nicht einen leben! + +Antonius. +Seid ruhig, meine Bürger! + +Erster Bürger. +Still da! Hört den edlen Antonius! + +Zweiter Bürger. +Wir wollen ihn hören, wir wollen ihm folgen, +wir wollen für ihn sterben! + +Antonius. +Ihr guten, lieben Freund', ich muß euch nicht +Hinreißen zu des Aufruhrs wildem Sturm. +Die diese Tat getan, sind ehrenwert. +Was für Beschwerden sie persönlich führen, +Warum sie's taten, ach! das weiß ich nicht; +Doch sind sie weis und ehrenwert, und werden +Euch sicherlich mit Gründen Rede stehn. +Nicht euer Herz zu stehlen, komm ich, Freunde; +Ich bin kein Redner, wie es Brutus ist, +Nur, wie ihr alle wißt, ein schlichter Mann +Dem Freund ergeben, und das wußten die +Gar wohl, die mir gestattet, hier zu reden. +Ich habe weder Witz noch Wort' und Würde, +Noch Kunst des Vortrags noch die Macht der Rede, +Der Menschen Blut zu reizen; nein, ich spreche +Nur gradezu und sag euch, was ihr wißt. +Ich zeig euch des geliebten Cäsars Wunden, +Die armen stummen Munde, heiße die +Statt meiner reden. Aber wär ich Brutus +Und Brutus Mark Anton, dann gäb es einen, +Der eure Geister schürt' und jeder Wunde +Des Cäsars eine Zunge lieh', die selbst +Die Steine Roms zum Aufstand würd empören. + +Dritter Bürger. +Empörung! + +Erster Bürger. +Steckt des Brutus Haus in Brand! + +Dritter Bürger. +Hinweg denn! kommt, sucht die Verschwornen auf! + +Antonius. +Noch hört mich, meine Bürger, hört mich an! + +Bürger. +Still da! Hört Mark Anton! den edlen Mark Anton! + +Antonius. +Nun, Freunde, wißt ihr selbst auch, was ihr tut? +Wodurch verdiente Cäsar eure Liebe? +Ach nein! ihr wißt nicht.--Hört es denn! Vergessen +Habt ihr das Testament, wovon ich sprach. + +Bürger. +Wohl wahr! Das Testament! Bleibt, hört das Testament! + +Antonius. +Hier ist das Testament mit Cäsars Siegel; +Darin vermacht er jedem Bürger Roms, +Auf jeden Kopf euch, fünfundsiebzig Drachmen. + +Zweiter Bürger. +O edler Cäsar!--Kommt, rächt seinen Tod! + +Dritter Bürger. +O königlicher Cäsar. + +Antonius. +Hört mich mit Geduld! + +Bürger. +Still da! + +Antonius. +Auch läßt er alle seine Lustgehege, +Verschloßne Lauben, neugepflanzte Gärten +Diesseit der Tiber euch und euren Erben +Auf ewge Zeit, damit ihr euch ergehn +Und euch gemeinsam dort ergötzen könnt. +Das war ein Cäsar: wann kommt seinesgleichen? + +Erster Bürger. +Nimmer! nimmer!--Kommt! hinweg! hinweg! hinweg! +Verbrennt den Leichnam auf dem heilgen Platze, +Und mit den Bränden zündet den Verrätern +Die Häuser an. Nehmt denn die Leiche auf! + +Zweiter Bürger. +Geht! holt Feuer! + +Dritter Bürger. +Reißt Bänke ein! + +Vierter Bürger. +Reißt Sitze, Läden, alles ein! + +(Die Bürger mit Cäsars Leiche ab.) + +Antonius. +Nun wirk es fort. Unheil, du bist im Zuge: +Nimm, welchen Lauf du willst!-- + Ein Diener kommt. +Was bringst du, Bursch? + +Diener. +Herr! Octavius ist schon nach Rom gekommen. + +Antonius. +Wo ist er? + +Diener. +Er und Lepidus sind in Cäsars Hause. + +Antonius. +Ich will sofort dahin, ihn zu besuchen, +Er kommt erwünscht. Das Glück ist aufgeräumt +Und wird in dieser Laun uns nichts versagen. + +Diener. +Ich hört ihn sagen, Cassius und Brutus +Sei'n durch die Tore Roms wie toll geritten. + +Antonius. +Vielleicht vernahmen sie vom Volke Kundschaft, +Wie ich es aufgewiegelt. Führ indes +Mich zum Octavius. (Beide ab.) + + + +Dritte Szene +Eine Straße + +Cinna, der Poet, tritt auf + +Cinna. +Mir träumte heut, daß ich mit Cäsarn schmauste, +Und Mißgeschick füllt meine Phantasie. +Ich bin unlustig, aus dem Haus zu gehn, +Doch treibt es mich heraus. + +Bürger kommen. + +Erster Bürger. +Wie ist Euer Name? + +Zweiter Bürger. +Wo geht Ihr hin? + +Dritter Bürger. +Wo wohnt Ihr? + +Vierter Bürger. +Seid Ihr verheiratet oder ein Junggesell? + +Zweiter Bürger. +Antwortet jedem unverzüglich. + +Erster Bürger. +Ja, und kürzlich. + +Vierter Bürger. +Ja, und weislich. + +Dritter Bürger. +Ja, und ehrlich, das raten wir Euch. + +Cinna. +Wie ist mein Name? Wohin gehe ich? Wo wohne ich? Bin ich +verheiratet oder ein Junggesell? Also um jedem Manne unverzüglich und +kürzlich, weislich und ehrlich zu antworten, sage ich weislich: ich +bin ein Junggesell. + +Zweiter Bürger. +Das heißt soviel: wer heiratet, ist ein Narr. Dafür Denke ich Euch +eins zu versetzen. Weiter, unverzüglich! + +Cinna. +Unverzüglich gehe ich zu Cäsars Bestattung. + +Erster Bürger. +Als Freund oder Feind? + +Cinna. +Als Freund. + +Zweiter Bürger. +Das war unverzüglich beantwortet. + +Vierter Bürger. +Eure Wohnung, kürzlich! + +Cinna. +Kürzlich, ich wohne beim Kapitol. + +Dritter Bürger. +Euer Name, Herr! ehrlich! + +Cinna. +Ehrlich, mein Name ist Cinna. + +Erster Bürger. +Reißt ihn in Stücke! Er ist ein Verschworner. + +Cinna. +Ich bin Cinna, der Poet! Ich bin Cinna, der Poet! + +Vierter Bürger. +Zerreißt ihn für seine schlechten Verse! Zerreißt ihn für seine +schlechten Verse! + +Cinna. +Ich bin nicht Cinna, der Verschworne. + +Vierter Bürger. +Es tut nichts! sein Name ist Cinna; reißt ihm den Namen aus dem +Herzen und laßt ihn laufen. + +Dritter Bürger. +Zerreißt ihn! Zerreißt ihn! Kommt, Brände! Heda, Feuerbrände! Zum +Brutus! Zum Cassius! Steckt alles in Brand! Ihr zu des Decius Hause! + Ihr zu des Casca! Ihr zu des Ligarius! Fort! Kommt! + +(Alle ab.) + + + + +Vierter Aufzug + + + +Erste Szene +Rom. Ein Zimmer des Antonius + +Antonius, Octavius und Lepidus, an einem Tische sitzend + +Antonius. +Die müssen also sterben, deren Namen +Hier angezeichnet stehn. + +Octavius. +Auch Euer Bruder +Muß sterben, Lepidus. Ihr willigt drein? + +Lepidus. +Ich willge drein. + +Octavius. +Zeichn ihn, Antonius. + +Lepidus. +Mit dem Beding, daß Publius nicht lebe, +Der Eurer Schwester Sohn ist, Mark Anton. + +Antonius. +Er lebe nicht; sieh her, ein Strich verdammt ihn. +Doch Lepidus, geht Ihr zu Cäsars Haus, +Bringt uns sein Testament; wir wollen sehn, +Was an Vermächtnissen sich kürzen läßt. + +Lepidus. +Wie? Soll ich hier euch finden? + +Octavius. +Hier oder auf dem Kapitol. (Lepidus ab.) + +Antonius. +Dies ist ein schwacher, unbrauchbarer Mensch, +Zum Botenlaufen nur geschickt. Verdient er, +Wenn man die dreibenannte Welt verteilt, +Daß er als dritter Mann sein Teil empfange? + +Octavius. +Ihr glaubtet es und hörtet auf sein Wort, +Wen man im schwarzen Rate unsrer Acht +Zum Tode zeichnen sollte. + +Antonius. +Octavius, ich sah mehr Tag' als Ihr. +Ob wir auf diesen Mann schon Ehren häufen, +Um manche Last des Leumunds abzuwälzen, +Er trägt sie doch nur wie der Esel Gold, +Der unter dem Geschäfte stöhnt und schwitzt, +Geführt, getrieben, wie den Weg wir weisen; +Und hat er unsern Schatz, wohin wir wollen, +Gebracht, dann nehmen wir die Last ihm ab +Und lassen ihn als ledgen Esel laufen, +Daß er die Ohren schütteln mög und grasen +Auf offner Weide. + +Octavius. +Tut, was Euch beliebt; +Doch ist er ein geprüfter, wackrer Krieger. + +Antonius. +Das ist mein Pferd ja auch, Octavius, +Dafür bestimm ich ihm sein Maß von Futter. +Ist's ein Geschöpf nicht, das ich lehre fechten, +Umwenden, halten, grade vorwärts rennen, +Des körperliches Tun mein Geist regiert? +In manchem Sinn ist Lepidus nichts weiter: +Man muß ihn erst abrichten, lenken, mahnen; +Ein Mensch von dürftgem Geiste, der sich nährt +Von Gegenständen, Künsten, Nachahmungen, +Die, alt und schon von andern abgenutzt, +Erst seine Mode werden. Sprecht nicht anders +Von ihm als einem Werkzeug nur.--Und nun, +Octavius, vernehmet große Dinge: +Brutus und Cassius werben Völker an, +Wir müssen ihnen stracks die Spitze bieten; +Drum laßt die Bundsgenossen uns versammeln, +Die Freunde sichern, alle Macht aufbieten; +Und laßt zu Rat uns sitzen alsobald, +Wie man am besten Heimliches entdeckt +Und offnen Fährlichkeiten sicher trotzt. + +Octavius. +Das laßt uns tun; denn uns wird aufgelauert, +Und viele Feinde bellen um uns her; +Und manche, so da lächeln, fürcht ich, tragen +Im Herzen tausend Unheil. (Beide ab.) + + + +Zweite Szene +Vor Brutus' Zelte im Lager nahe bei Sardes + +Trommeln werden gerührt. Brutus, Lucilius, Lucius und Soldaten treten +auf. Pindarus und Titinius kommen ihnen entgegen + +Brutus. +Halt! + +Lucilius. +He! Gebt das Wort und haltet. + +Brutus. +Was gibt's, Lucilius? Ist Cassius nahe? + +Lucilius. +Er ist nicht weit, und hier kommt Pindarus, +Im Namen seines Herrn Euch zu begrüßen. + +(Pindarus überreicht dem Brutus einen Brief.) + +Brutus. +Sein Gruß ist freundlich. Wißt, daß Euer Herr, +Von selbst verändert oder schlecht beraten, +Mir gültgen Grund gegeben, ungeschehn +Geschehenes zu wünschen. Aber ist er +Hier in der Näh, so wird er mir genugtun. + +Pindarus. +Ich zweifle nicht, voll Ehr und Würdigkeit +Wird, wie er ist, mein edler Herr erscheinen. + +Brutus. +Wir zweifeln nicht an ihm.--Ein Wort, Lucilius: +Laßt mich erfahren, wie er Euch empfing. + +Lucilius. +Mit Höflichkeit und Ehrbezeugung gnug, +Doch nicht mit so vertrauter Herzlichkeit, +Nicht mit so freiem, freundlichem Gespräch, +Als er vordem wohl pflegte. + +Brutus. +Du beschreibst, +Wie warme Freund' erkalten. Merke stets +Lucilius, wenn Lieb erkrankt und schwindet, +Nimmt sie gezwungne Höflichkeiten an. +Einfältge, schlichte Treu weiß nichts von Künsten; +Doch Gleisner sind wie Pferde, heiß im Anlauf: +Sie prangen schön mit einem Schein von Kraft; +Doch sollen sie den blutgen Sporn erdulden, +So sinkt ihr Stolz, und falschen Mähren gleich +Erliegen sie der Prüfung.--Naht sein Heer? + +Lucilius. +Sie wollten Nachtquartier in Sardes halten. +Der größte Teil, die ganze Reiterei +Kommt mit dem Cassius. + +(Ein Marsch hinter der Szene.) + +Brutus. +Horch! Er ist schon da. +Rückt langsam ihm entgegen. + +Cassius tritt auf mit Soldaten. + +Cassius. +Halt! + +Brutus. +Halt! Gebt das Befehlswort weiter. + +(Hinter der Szene: Halt!--Halt!--Halt!) + +Cassius. +Ihr tatet mir zu nah, mein edler Brutus. + +Brutus. +Ihr Götter, richtet! Tu ich meinen Feinden +Zu nah? und sollt ich's meinem Bruder tun? + +Cassius. +Brutus, dies Euer würdiges Benehmen +Deckt Unrecht zu, und wenn Ihr es begeht-- + +Brutus. +Seid ruhig, Cassius! bringet leise vor, +Was für Beschwerd Ihr habt.--Ich kenn Euch wohl. +Im Angesicht der beiden Heere hier, +Die nichts von uns als Liebe sehen sollten, +Laßt uns nicht hadern. Heißt hinweg sie ziehn; +Führt Eure Klagen dann in meinem Zelt; +Ich will Gehör Euch geben. + +Cassius. +Pindarus, +Heißt unsre Obersten ein wenig weiter +Von diesem Platz hinweg die Scharen führen. + +Brutus. +Tut Ihr das auch, Lucilius. Laßt niemand, +Solang die Unterredung dauert, ein. +Laßt Lucius und Titinius Wache stehn. (Alle ab.) + + + +Dritte Szene +Im Zelte des Brutus + +Lucius und Titinius in einiger Entfernung davon. Brutus und Cassius +treten auf + +Cassius. +Eur Unrecht gegen mich erhellet hieraus: +Ihr habt den Lucius Pella hart verdammt, +Weil er bestochen worden von den Sardern; +Mein Brief, worin ich mich für ihn verwandt, +Weil ich ihn kenne, ward für nichts geachtet. + +Brutus. +Ihr tatet Euch zu nah, in solchem Fall zu schreiben. + +Cassius. +In solcher Zeit, wie diese, ziemt es nicht, +Daß jeder kleine Fehl bekrittelt werde. + +Brutus. +Laßt mich Euch sagen, Cassius, daß Ihr selbst +Verschrien seid, weil Ihr hohle Hände macht, +Weil Ihr an Unverdiente Eure Ämter +Verkauft und feilschet. + +Cassius. +Mach ich hohle Hände? +Ihr wißt wohl, Ihr seid Brutus, der dies sagt, +Sonst, bei den Göttern! wär dies Wort Eur letztes. + +Brutus. +Des Cassius Name adelt die Bestechung, +Darum verbirgt die Züchtigung ihr Haupt. + +Cassius. +Die Züchtigung! + +Brutus. +Denkt an den März, denkt an des Märzen Idus! +Hat um das Recht der große Julius nicht +Geblutet? Welcher Bube legt' an ihn +Die Hand wohl, schwang den Stahl, und nicht ums Recht? +Wie? Soll nun einer derer, die den ersten +Von allen Männern dieser Welt erschlugen, +Bloß, weil er Räuber schützte: sollen wir +Mit schnöden Gaben unsre Hand besudeln? +Und unser Würden weiten Kreis verkaufen +Für soviel Plunders, als man etwa greift? +Ein Hund sein lieber und den Mond anbellen, +Als solch ein Römer! + +Cassius. +Brutus, reizt mich nicht! +Ich will's nicht dulden. Ihr vergeßt Euch selbst, +Wenn Ihr mich so umzäunt; ich bin ein Krieger, +Erfahrner, älter, fähiger als Ihr, +Bedingungen zu machen. + +Brutus. +Redet nur,-- +Ihr seid es doch nicht, Cassius. + +Cassius. +Ich bin's. + +Brutus. +Ich sag, Ihr seid es nicht. + +Cassius. +Drängt mich nicht mehr, ich werde mich vergessen; +Gedenkt an Euer Heil, reizt mich nicht länger. + +Brutus. +Geht, leichtgesinnter Mann! + +Cassius. +Ist's möglich? + +Brutus. +Hört mich an, denn ich will reden. +Muß ich mich Eurer jähen Hitze fügen? +Muß ich erschrecken, wenn ein Toller starrt? + +Cassius. +Ihr Götter! Götter! muß ich all dies dulden? + +Brutus. +All dies? Noch mehr! Ergrimmt, bis es Euch birst, +Das stolze Herz. Geht, zeiget Euren Sklaven, +Wie rasch zum Zorn Ihr seid, und macht sie zittern. +Muß ich beiseit mich drücken? muß den Hof +Euch machen? Muß ich dastehn und mich krümmen +Vor Eurer krausen Laune? Bei den Göttern! +Ihr sollt hinunterwürgen Euren Gift, +Und wenn Ihr börstet; denn von heute an +Dient Ihr zum Scherz, ja zum Gelächter mir, +Wenn Ihr Euch so gebärdet. + +Cassius. +Dahin kam's? + +Brutus. +Ihr sagt, daß Ihr ein beßrer Krieger seid: +Beweist es denn, macht Euer Prahlen wahr. +Es soll mir lieb sein; denn, was mich betrifft, +Ich werde gern von edlen Männern lernen. + +Cassius. +Ihr tut zu nah, durchaus zu nah mir, Brutus. +Ich sagt, ein ältrer Krieger, nicht ein beßrer. +Sagt ich, ein beßrer? + +Brutus. +Und hättet Ihr's gesagt, mir gilt es gleich. + +Cassius. +Mir hätte Cäsar das nicht bieten dürfen. + +Brutus. +O schweigt! Ihr durftet ihn auch nicht so reizen. + +Cassius. +Ich durfte nicht? + +Brutus. +Nein. + +Cassius. +Wie? Durft ihn nicht reizen? + +Brutus. +Ihr durftet es für Euer Leben nicht. + +Cassius. +Wagt nicht zuviel auf meine Liebe hin, +Ich möchte tun, was mich nachher gereute. + +Brutus. +Ihr habt getan, was Euch gereuen sollte. +Eur Drohn hat keine Schrecken, Cassius; +Denn ich bin so bewehrt durch Redlichkeit, +Daß es vorbeizieht wie der leere Wind, +Der nichts mir gilt. Ich sandte hin zu Euch +Um eine Summe Golds, die Ihr mir abschlugt. +Ich kann kein Geld durch schnöde Mittel heben. +Beim Himmel! lieber prägt ich ja mein Herz +Und tröpfelte mein Blut für Drachmen aus +Als daß ich aus der Bauern harten Händen +Die jämmerliche Habe winden sollte +Durch irgendeinen Schlich.--Ich sandt um Gold zu Euch, +Um meine Legionen zu bezahlen; +Ihr schlugt mir's ab: war das, wie Cassius sollte? +Hätt ich dem Cajus Cassius so erwidert? +Wenn Marcus Brutus je so geizig wird, +Daß er so lumpge Pfennige den Freunden +Verschließt, dann rüstet eure Donnerkeile, +Zerschmettert ihn, ihr Götter! + +Cassius. +Ich schlug es Euch nicht ab. + +Brutus. +Ihr tatet es. + +Cassius. +Ich tat's nicht; der Euch meine Antwort brachte, +War nur ein Tor.--Brutus zerreißt mein Herz-- +Es sollt ein Freund des Freundes Schwächen tragen, +Brutus macht meine größer, als sie sind. + +Brutus. +Das tu ich nicht, bis Ihr damit mich quält. + +Cassius. +Ihr liebt mich nicht. + +Brutus. +Nicht Eure Fehler lieb ich. + +Cassius. +Nie konnt ein Freundesaug dergleichen sehn. + +Brutus. +Des Schmeichlers Auge säh sie nicht, erschienen +Sie auch so riesenhaft wie der Olymp. + +Cassius. +Komm, Mark Anton, und komm, Octavius, nur! +Nehmt eure Rach allein am Cassius; +Denn Cassius ist des Lebens überdrüssig, +Gehaßt von einem, den er liebt; getrotzt +Von seinem Bruder; wie ein Knecht gescholten. +Man späht nach allen meinen Fehlern, zeichnet +Sie in ein Denkbuch, lernt sie aus dem Kopf, +Wirft sie mir in die Zähne.--Oh, ich könnte +Aus meinen Augen meine Seele weinen! +Da ist mein Dolch, hier meine nackte Brust; +Ein Herz drin, reicher als des Plutus Schacht, +Mehr wert als Gold; wo du ein Römer bist, +So nimm's heraus. Ich, der dir Gold versagt, +Ich biete dir mein Herz. Stoß zu, wie einst +Auf Cäsar! Denn ich weiß, als du am ärgsten +Ihn haßtest, liebtest du ihn mehr, als je +Du Cassius geliebt. + +Brutus. +Steckt Euren Dolch ein! +Seid zornig, wenn Ihr wollt: es steh Euch frei! +Tut, was Ihr wollt, Schmach soll für Laune gelten. +O Cassius! einem Lamm seid Ihr gesellt, +Das so nur Zorn hegt wie der Kiesel Feuer, +Der, viel geschlagen, flüchtge Funken zeigt +Und gleich drauf wieder kalt ist. + +Cassius. +Lebt ich dazu, +Ein Scherz nur und Gelächter meinem Brutus +Zu sein, wenn Gram und böses Blut mich plagt? + +Brutus. +Als ich das sprach, hatt ich auch böses Blut. + +Cassius. +Gesteht Ihr soviel ein? Gebt mir die Hand. + +Brutus. +Und auch mein Herz. + +Cassius. +O Brutus! + +Brutus. +Was verlangt Ihr? + +Cassius. +Liebt Ihr mich nicht genug, Geduld zu haben, +Wenn jene rasche Laune, von der Mutter +Mir angeerbt, macht, daß ich mich vergesse? + +Brutus. +Ja, Cassius; künftig, wenn Ihr allzu streng +Mit Eurem Brutus seid, so denket er, +Die Mutter schmäl aus Euch, und läßt Euch gehn. + +(Lärm hinter der Szene.) + +Ein Poet (hinter der Szene). +Laßt mich hinein, ich muß die Feldherrn sehn. +Ein Zank ist zwischen ihnen; 's ist nicht gut, +Daß sie allein sind. + +Lucilius (hinter der Szene). +Ihr sollt nicht hinein. + +Poet (hinter der Szene). +Der Tod nur hält mich ab. + +Der Poet tritt ein. + +Cassius. +Ei nun, was gibt's? + +Poet. +Schämt ihr euch nicht, ihr Feldherrn? Was beginnt ihr? +Liebt euch, wie sich's für solche Männer schickt; +Fürwahr, ich hab mehr Jahr' als ihr erblickt. + +Cassius. +Ha, ha! wie toll der Zyniker nicht reimt! + +Brutus. +Ihr Schlingel, packt Euch! Fort, verwegner Bursch! + +Cassius. +Ertragt ihn, Brutus! seine Weis ist so. + +Brutus. +Kennt er die Zeit, so kenn ich seine Laune. +Was soll der Krieg mit solchen Schellennarren? +Geh fort, Gesell! + +Cassius. +Fort! fort! geh deines Wegs! + +(Der Poet ab.) +Lucilius und Titinius kommen. + +Brutus. +Lucilius und Titinius, heißt die Obersten +Auf Nachtquartier für ihre Scharen denken. + +Cassius. +Kommt selber dann und bringt mit euch Messala +Sogleich zu uns herein. + +(Lucilius und Titinius ab.) + +Brutus. +Lucius, eine Schale Weins. + +Cassius. +Ich dachte nicht, daß Ihr so zürnen könntet. + +Brutus. +O Cassius, ich bin krank an manchem Gram. + +Cassius. +Ihr wendet die Philosophie nicht an, +Die ihr bekennt, gebt Ihr zufällgen Übeln Raum. + +Brutus. +Kein Mensch trägt Leiden besser.--Portia starb. + +Cassius. +Ha! Portia! + +Brutus. +Sie ist tot. + +Cassius. +Lag das im Sinn Euch, wie entkam ich lebend? +O bittrer, unerträglicher Verlust! +An welcher Krankheit? + +Brutus. +Die Trennung nicht erduldend; +Und Gram, daß mit Octavius Mark Anton +So mächtig worden--denn mit ihrem Tod +Kam der Bericht--das brachte sie von Sinnen, +Und wie sie sich allein sah, schlang sie Feuer. + +Cassius. +Und starb so? + +Brutus. +Starb so. + +Cassius. +O ihr ewgen Götter! + +Lucius kommt mit Wein und Kerzen. + +Brutus. +Sprecht nicht mehr von ihr.--Gebt eine Schale Weins! +Hierin begrab ich allen Unglimpf, Cassius. (Trinkt.) + +Cassius. +Mein Herz ist durstig, Euch Bescheid zu tun. +Füllt, Lucius, bis der Wein den Becher kränzt; +Von Brutus' Liebe trink ich nie zuviel. (Trinkt.) + +Titinius und Messala kommen. + +Brutus. +Herein, Titinius! Seid gegrüßt, Messala! +Nun laßt uns dicht um diese Kerze sitzen +Und, was uns frommt, in Überlegung ziehn. + +Cassius. +O Portia, bist du hin! + +Brutus. +Nicht mehr, ich bitt Euch! +Messala, seht, ich habe Brief' empfangen, +Daß Mark Anton, mit ihm Octavius, +Heranziehn gegen uns mit starker Macht +Und ihren Heerzug nach Philippi lenken. + +Messala. +Ich habe Briefe von demselben Inhalt. + +Brutus. +Mit welchem Zusatz? + +Messala. +Daß durch Proskription und Achtserklärung +Octavius, Mark Anton und Lepidus +Auf hundert Senatoren umgebracht. + +Brutus. +Darüber weichen unsre Briefe ab. +Der meine spricht von siebzig Senatoren, +Die durch die Ächtung fielen; Cicero +Sei einer aus der Zahl. + +Cassius. +Auch Cicero? + +Messala. +Ja, er ist tot, und durch den Achtsbefehl.-- +Kam Euer Brief von Eurer Gattin, Herr? + +Brutus. +Nein, Messala. + +Messala. +Und meldet Euer Brief von ihr Euch nichts? + +Brutus. +Gar nichts, Messala. + +Messala. +Das bedünkt mich seltsam. + +Brutus. +Warum? Wißt Ihr aus Eurem Brief von ihr? + +Messala. +Nein, Herr. + +Brutus. +Wenn Ihr ein Römer seid, sagt mir die Wahrheit. + +Messala. +Tragt denn die Wahrheit, die ich sag, als Römer: +Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise. + +Brutus. +Leb wohl denn, Portia!--Wir müssen sterben, +Messala; dadurch, daß ich oft bedacht, +Sie müß einst sterben, hab ich die Geduld, +Es jetzt zu tragen. + +Messala. +So trägt ein großer Mann ein großes Unglück. + +Cassius. +Durch Kunst hab ich soviel hievon als ihr, +Doch die Natur ertrüg's in mir nicht so. + +Brutus. +Wohlan, zu unserm lebenden Geschäft! +Was denkt Ihr? Ziehn wir nach Philippi gleich? + +Cassius. +Mir scheint's nicht ratsam. + +Brutus. +Euer Grund? + +Cassius. +Hier ist er: +Weit besser ist es, wenn der Feind uns sucht; +So wird er, sich zum Schaden, seine Mittel +Erschöpfen, seine Krieger müde machen. +Wir liegen still indes, bewahren uns +In Ruh wehrhaften Stand und Munterkeit. + +Brutus. +Den bessern Gründen müssen gute weichen. +Das Land von hier bis nach Philippi hin +Beweist uns nur aus Zwang Ergebenheit, +Denn murrend hat es Lasten uns gezahlt. +Der Feind, indem er durch dasselbe zieht, +Wird seine Zahl daraus ergänzen können +Und uns erfrischt, vermehrt, ermutigt nahn. +Von diesem Vorteil schneiden wir ihn ab, +Wenn zu Philippi wir die Stirn ihm bieten, +Dies Volk im Rücken. + +Cassius. +Hört mich, lieber Bruder! + +Brutus. +Erlaubt mir gütig!--Ferner müßt Ihr merken, +Daß wir von Freunden alles aufgeboten, +Daß unsre Legionen übervoll +Und unsre Sache reif. Der Feind nimmt täglich zu; +Wir, auf dem Gipfel, stehn schon an der Neige. +Der Strom der menschlichen Geschäfte wechselt; +Nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück; +Versäumt man sie, so muß die ganze Reise +Des Lebens sich durch Not und Klippen winden. +Wir sind nun flott auf solcher hohen See +Und müssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen; +Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren. + +Cassius. +So zieht denn, wie Ihr wollt; wir rücken selbst +Dem Feind entgegen nach Philippi vor. + +Brutus. +Die tiefe Nacht hat das Gespräch beschlichen, +Und die Natur muß frönen dem Bedürfnis, +Das mit ein wenig Ruh wir täuschen wollen. +Ist mehr zu sagen noch? + +Cassius. +Nein. Gute Nacht! +Früh stehn wir also morgen auf, und fort. + +Brutus. +Lucius, mein Schlafgewand! (Lucius ab.) Lebt wohl, Messala! +Gute Nacht, Titinius! Edler, edler Cassius, +Gute Nacht und sanfte Ruh! + +Cassius. +O teurer Bruder, +Das war ein schlimmer Anfang dieser Nacht. +Nie trenne solcher Zwiespalt unsre Herzen, +Nie wieder, Brutus. + +Brutus. +Alles steht ja wohl. + +Cassius. +Nun, gute Nacht! + +Brutus. +Gute Nacht, mein guter Bruder! + +Titinius und Messala. +Mein Feldherr, gute Nacht! + +Brutus. +Lebt alle wohl. + +(Cassius, Titinius und Messala ab.) +Lucius kommt zurück mit dem Nachtkleide. + +Brutus. +Gib das Gewand, wo hast du deine Laute? + +Lucius. +Im Zelte hier. + +Brutus. +Wie? Schläfrig? Armer Schelm, +Ich tadle drum dich nicht; du hast dich überwacht. +Ruf Claudius her und andre meiner Leute, +Sie sollen hier im Zelt auf Kissen schlafen. + +Lucius. +Varro und Claudius! + +Varro und Claudius kommen. + +Varro. +Ruft mein Gebieter? + +Brutus. +Ich bitt euch, liegt in meinem Zelt und schlaft; +Bald weck ich euch vielleicht, um irgendwas +Bei meinem Bruder Cassius zu bestellen. + +Varro. +Wenn's Euch beliebt, wir wollen stehn und warten. + +Brutus. +Das nicht! Nein, legt euch nieder, meine Freunde.-- + (Die beiden Diener legen sich nieder.) +Vielleicht verändert noch sich mein Entschluß.-- +Sieh, Lucius, hier das Buch, das ich so suchte; +Ich steckt es in die Tasche des Gewandes. + +Lucius. +Ich wußte wohl, daß mein Gebieter mir +Es nicht gegeben. + +Brutus. +Hab Geduld mit mir, +Mein guter Junge, ich bin sehr vergeßlich. +Hältst du noch wohl die müden Augen auf +Und spielst mir ein paar Weisen auf der Laute? + +Lucius. +Ja, Herr, wenn's Euch beliebt. + +Brutus. +Das tut's, mein Junge. +Ich plage dich zuviel, doch du bist willig. + +Lucius. +Es ist ja meine Pflicht. + +Brutus. +Ich sollte dich +Zur Pflicht nicht über dein Vermögen treiben; +Ich weiß, daß junges Blut auf Schlafen hält. + +Lucius. +Ich habe schon geschlafen, mein Gebieter. + +Brutus. +Du tatest recht und sollst auch wieder schlafen. +Ich will nicht lang dich halten; wenn ich lebe, +Will ich dir Gutes tun. + (Musik und ein Lied.) +Die Weis ist schläfrig--Mörderischer Schlummer, +Legst du die blei'rne Keul auf meinen Knaben, +Der dir Musik macht?--Lieber Schelm, schlaf wohl, +Ich tu dir's nicht zuleid, daß ich dich wecke; +Nickst du, so brichst du deine Laut entzwei; +Ich nehm sie weg, und schlaf nun, guter Knabe. +Laßt sehn! Ist, wo ich aufgehört zu lesen, +Das Blatt nicht eingelegt? Hier, denk ich, ist's. (Er setzt sich.) + Der Geist Cäsars erscheint. +Wie dunkel brennt die Kerze!--Ha, wer kommt? +Ich glaub, es ist die Schwäche meiner Augen, +Die diese schreckliche Erscheinung schafft. +Sie kommt mir näher--Bist du irgendwas? +Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel, +Der starren macht mein Blut, das Haar mir sträubt? +Gib Rede, was du bist. + +Geist. +Dein böser Engel, Brutus. + +Brutus. +Weswegen kommst du? + +Geist. +Um dir zu sagen, daß du zu Philippi +Mich sehn sollst. + +Brutus. +Gut, ich soll dich wiedersehn? + +Geist. +Ja, zu Philippi. (Verschwindet.) + +Brutus. +Nun, zu Philippi will ich denn dich sehn. +Nun ich ein Herz gefaßt, verschwindest du; +Gern spräch ich mehr mit dir noch, böser Geist.-- +Bursch! Lucius!--Varro! Claudius! wacht auf! +Claudius! + +Lucius. +Die Saiten sind verstimmt. + +Brutus. +Er glaubt, er sei bei seiner Laute noch. +Erwache, Lucius! + +Lucius. +Herr? + +Brutus. +Hast du geträumt, daß du so schrieest, Lucius? + +Lucius. +Ich weiß nicht, mein Gebieter, daß ich schrie. + +Brutus. +Ja doch, was tatst du; sahst du irgendwas? + +Lucius. +Nichts auf der Welt. + +Brutus. +Schlaf wieder, Lucius.--Heda, Claudius! +Du, Bursch, wach auf! + +Varro. +Herr? + +Claudius. +Herr? + +Brutus. +Weswegen schriet ihr so in eurem Schlaf? + +Varro und Claudius. +Wir schrieen, Herr? + +Brutus. +Ja, saht ihr irgendwas? + +Varro. +Ich habe nichts gesehn. + +Claudius. +Ich gleichfalls nicht. + +Brutus. +Geht und empfehlt mich meinem Bruder Cassius; +Er lasse früh voraufziehn seine Macht, +Wir wollen folgen. + +Varro und Claudius. +Herr, es soll geschehn. + +(Alle ab.) + + + + +Fünfter Aufzug + + + +Erste Szene +Die Ebene von Philippi + +Octavius, Antonius und ihr Heer + +Octavius. +Nun, Mark Anton, wird meine Hoffnung wahr. +Ihr spracht, der Feind werd auf den Höhn sich halten +Und nicht herab in unsre Ebene ziehn; +Es zeigt sich anders: seine Scharen nahn! +Sie wollen zu Philippi hier uns mahnen +Und Antwort geben, eh wir sie befragt. + +Antonius. +Pah, steck ich doch in ihren Herzen, weiß, +Warum sie's tun. Sie wären's wohl zufrieden, +Nach andern Plätzen hinzuziehn, und kommen +Mit bangem Trotz, im Wahn, durch diesen Aufzug +Uns vorzuspiegeln, sie besitzen Mut. +Allein dem ist nicht so. + +Ein Bote tritt auf. + +Bote. +Bereitet euch, ihr Feldherrn. +Der Feind rückt an in wohlgeschloßnen Reihn. +Sein blutges Schlachtpanier ist ausgehängt, +Und etwas muß im Augenblick geschehn. + +Antonius. +Octavius, führet langsam Euer Heer +Zur linken Hand der Ebene weiter vor. + +Octavius. +Zur rechten ich; behaupte du die linke. + +Antonius. +Was kreuzt Ihr mich, da die Entscheidung drängt? + +Octavius. +Ich kreuz Euch nicht, doch ich verlang es so. + +(Marsch.) +Trommeln werden gerührt. Brutus und Cassius kommen mit ihrem Heere; +Lucilius, Titinius, Messala und andre. + +Brutus. +Sie halten still und wollen ein Gespräch. + +Cassius. +Titinius, steh! Wir treten vor und reden. + +Octavius. +Antonius, geben wir zur Schlacht das Zeichen? + +Antonius. +Nein, Cäsar, laßt uns ihres Angriffs warten. +Kommt, tretet vor! Die Feldherrn wünschen ja +Ein Wort mit uns. + +Octavius. +Bleibt stehn bis zum Signal. + +Brutus. +Erst Wort, dann Schlag: nicht wahr, ihr Landsgenossen? + +Octavius. +Nicht, daß wir mehr als ihr nach Worten fragen. + +Brutus. +Gut Wort, Octavius, gilt wohl bösen Streich. + +Antonius. +Ihr, Brutus, gebt bei bösem Streich gut Wort. +Des zeuget Cäsars Herz, durchbohrt von Euch, +Indes Ihr rieft: "Lang lebe Cäsar, Heil!" + +Cassius. +Die Führung Eurer Streiche, Mark Anton, +Ist uns noch unbekannt; doch Eure Worte +Begehn an Hyblas Bienen Raub und lassen +Sie ohne Honig. + +Antonius. +Nicht auch stachellos? + +Brutus. +O ja! auch tonlos, denn Ihr habt ihr Summen +Gestohlen, Mark Anton, und drohet weislich, +Bevor Ihr stecht. + +Antonius. +Ihr tatet's nicht, Verräter, +Als eure schnöden Dolch' einander stachen +In Cäsars Brust. Ihr zeigtet eure Zähne +Wie Affen, krocht wie Hunde, bücktet tief +Wie Sklaven euch und küßtet Cäsars Füße; +Derweil von hinten der verfluchte Casca +Mit tückschem Bisse Cäsars Nacken traf. +O Schmeichler! + +Cassius. +Schmeichler!--Dankt Euch selbst nun, Brutus, +Denn diese Zunge würde heut nicht freveln, +Wär Cassius' Rat befolgt. + +Octavius. +Zur Sache! kommt! Macht Widerspruch uns schwitzen, +So kostet rötre Tropfen der Erweis. +Seht! auf Verschworne zück ich dieses Schwert: +Wann, denkt ihr, geht es wieder in die Scheide? +Nie, bis des Cäsar dreiundzwanzig Wunden +Gerächt sind, oder bis ein andrer Cäsar +Mit Mord gesättigt der Verräter Schwert. + +Brutus. +Cäsar, du kannst nicht durch Verräter sterben, +Du bringest denn sie mit. + +Octavius. +Das hoff ich auch; +Von Brutus' Schwert war Tod mir nicht bestimmt. + +Brutus. +O wärst du deines Stammes Edelster, +Du könntest, junger Mann, nicht schöner sterben. + +Cassius. +Ein launisch Bübchen, unwert solchen Ruhms, +Gesellt zu einem Wüstling und 'nem Trinker. + +Antonius. +Der alte Cassius! + +Octavius. +Kommt, Antonius! fort! +Trotz in die Zähne schleudr' ich euch, Vertäter! +Wagt ihr zu fechten heut, so kommt ins Feld, +Wo nicht, wenn's euch gemutet. + +(Octavius und Antonius mit ihrem Heere ab.) + +Cassius. +Nun tobe, Wind! schwill, Woge! schwimme, Nachen! +Der Sturm ist wach und alles auf dem Spiel. + +Brutus. +Lucilius, hört! ich muß ein Wort Euch sagen. + +Lucilius. Herr? + +(Brutus und Lucilius reden beiseite miteinander.) + +Cassius. +Messala! + +Messala. +Was befiehlt mein Feldherr? + +Cassius. +Messala, dies ist mein Geburtstag; grade +An diesem Tag kam Cassius auf die Welt. +Gib mir die Hand, Messala, sei mein Zeuge, +Daß ich gezwungen, wie Pompejus einst, +An eine Schlacht all unsre Freiheit wage. +Du weißt, ich hielt am Epicurus fest +Und seiner Lehr; nun ändr' ich meinen Sinn +Und glaub an Dinge, die das Künftge deuten. +Auf unserm Zug von Sardes stürzten sich +Zwei große Adler auf das vordre Banner; +Da saßen sie und fraßen gierig schlingend +Aus unsrer Krieger Hand; sie gaben uns +Hieher bis nach Philippi das Geleit; +Heut morgen sind sie auf und fortgeflohn. +Statt ihrer fliegen Raben, Geier, Krähn +Uns überm Haupt und schaun herab auf uns +Als einen siechen Raub; ihr Schatten scheint +Ein Trauerhimmel, unter dem das Heer, +Bereit, den Atem auszuhauchen, liegt. + +Messala. +Nein, glaubt das nicht. + +Cassius. +Ich glaub es auch nur halb, +Denn ich bin frischen Mutes und entschlossen, +Zu trotzen standhaft jeglicher Gefahr. + +Brutus. +Tu das, Lucilius. + +Cassius. +Nun, mein edler Brutus, +Sein uns die Götter heute hold, auf daß wir +Gesellt in Frieden unserm Alter nahn! +Doch weil das Los der Menschen niemals sicher, +Laßt uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall. +Verlieren wir dies Treffen, so ist dies +Das allerletzte Mal, daß wir uns sprechen: +Was habt Ihr dann Euch vorgesetzt zu tun? + +Brutus. +Ganz nach der Vorschrift der Philosophie, +Wonach ich Cato um den Tod getadelt, +Den er sich gab (ich weiß nicht, wie es kommt, +Allein ich find es feig und niederträchtig, +Aus Furcht, was kommen mag, des Lebens Zeit +So zu verkürzen), will ich mit Geduld +Mich waffnen und den Willen hoher Mächte +Erwarten, die das Irdische regieren. + +Cassius. +Dann, geht die Schlacht verloren, laßt Ihr's Euch +Gefallen, daß man durch die Straßen Roms +Euch im Triumphe führt? + +Brutus. +Nein, Cassius, nein! Glaub mir, du edler Römer, +Brutus wird nie gebunden gehn nach Rom; +Er trägt zu hohen Sinn. Doch dieser Tag +Muß enden, was des Märzen Idus anfing; +Ob wir uns wieder treffen, weiß ich nicht: +Drum laßt ein ewig Lebewohl uns nehmen. +Gehab dich wohl, mein Cassius, für und für! +Sehn wir uns wieder, nun, so lächeln wir; +Wo nicht, so war dies Scheiden wohlgetan. + +Cassius. +Gehab dich wohl, mein Brutus, für und für! +Sehn wir uns wieder, lächeln wir gewiß; +Wo nicht, ist wahrlich wohlgetan dies Scheiden. + +Brutus. +Nun wohl, rückt vor! O wüßte jemand doch +Das Ende dieses Tagwerks, eh es kommt! +Allein es gnüget, enden wird der Tag, +Dann wissen wir sein Ende.--Kommt und fort! + +(Alle ab.) + + + +Zweite Szene +Das Schlachtfeld + +Getümmel. Brutus und Messala kommen + +Brutus. +Reit, reit, Messala, reit! Bring diese Zettel +Den Legionen auf der andern Seite. (Lautes Getümmel.) +Laß sie auf einmal stürmen, denn ich merke, +Octavius' Flügel hält nur schwachen Stand; +Ein schneller Anfall wirft ihn übern Haufen. +Reit! reit, Messala! Laß herab sie kommen! + +(Beide ab.) + + + +Dritte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Getümmel. Cassius und Titinius kommen + +Cassius. +O sieh, Titinius! sieh! die Schurken fliehn. +Ich selbst ward meiner eignen Leute Feind: +Dies unser Banner wandte sich zur Flucht; +Ich schlug den Feigen und entriß es ihm. + +Titinius. +O Cassius! Brutus gab das Wort zu früh. +Im Vorteil gegen den Octavius, setzt' er +Zu hitzig nach; sein Heer fing an zu plündern, +Indes uns alle Mark Anton umzingelt. + +Pindarus kommt. + +Pindarus. +Herr, flieht doch weiter! flieht doch weiter weg! +Antonius ist in Euren Zelten, Herr; +Drum, edler Cassius, flieht! Flieht weit hinweg! + +Cassius. +Der Hügel hier ist weit genug. Schau, schau, +Titinius! Sind das meine Zelte nicht, +Wo ich das Feuer sehe? + +Titinius. +Ja, mein Feldherr. + +Cassius. +Wenn du mich hebst, Titinius, so besteig +Mein Pferd, setz ihm die Sporen in die Seite, +Bis es zu jener Mannschaft dich gebracht +Und wieder her, damit ich sicher wisse, +Ob jene Mannschaft Freund ist oder Feind. + +Titinius. +Wie ein Gedanke bin ich wieder hier. (Ab.) + +Cassius. +Geh, Pindarus, steig höher auf den Hügel, +Denn mein Gesicht ist kurz; acht auf Titinius +Und sag mir, was du auf dem Feld entdeckst. + (Pindarus ab.) +An diesem Tage atmet ich zuerst; +Die Zeit ist um, und enden soll ich da, +Wo ich begann; mein Leben hat den Kreislauf +Vollbracht.--Du dort, was gibt's? + +Pindarus (oben). +O Herr! + +Cassius. +Was gibt's? + +Pindarus. +Titinius ist von Reitern ganz umringt; +Sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter. +Nun sind sie dicht schon bei ihm--nun Titinius! +Sie steigen ab--er auch--er ist gefangen; +Und horcht! sie jubeln laut. (Freudengeschrei.) + +Cassius. +Steig nur herunter, sieh nicht weiter zu. +O Memme, die ich bin, so lang zu leben, +Bis ich den besten Freund vor meinen Augen +Gefangen sehen muß! + Pindarus kommt zurück. +Komm, Bursch, hieher! +Ich macht in Parthia dich zum Gefangnen +Und ließ dich schwören, deines Lebens schonend, +Was ich nur immer tun dich hieß', du wollest +Es unternehmen. Komm nun, halt den Schwur! +Sei frei nun, und mit diesem guten Schwert, +Das Cäsars Leib durchbohrt, triff diesen Busen. +Erwidre nichts! Hier fasse du das Heft, +Und ist mein Angesicht verhüllt, wie jetzt, +So führ das Schwert.--Cäsar, du bist gerächt +Und mit demselben Schwert, das dich getötet. (Er stirbt.) + +Pindarus. +So bin ich frei, doch wär ich's lieber nicht, +Hätt es auf mir beruht.--O Cassius! +Weit weg flieht Pindarus von diesem Lande, +Dahin, wo nie ein Römer ihn bemerkt. (Ab.) + +Titinius und Messala kommen. + +Messala. +Es ist nur Tausch, Titinius; denn Octav +Ward von des edlen Brutus Macht geschlagen, +Wie Cassius' Legionen von Antonius. + +Titinius. +Die Zeitung wird den Cassius sehr erquicken. + +Messala. +Wo ließt Ihr ihn? + +Titinius. +Ganz trostlos, neben ihm +Sein Sklave Pindarus, auf diesem Hügel. + +Messala. +Ist er das nicht, der auf dem Boden liegt? + +Titinius. +Er liegt nicht da wie lebend.--O mein Herz! + +Messala. +Nicht wahr, er ist es? + +Titinius. +Nein, er war's, Messala: +Doch Cassius ist nicht mehr.--O Abendsonne! +Wie du in deinen roten Strahlen sinkst, +So ging in Blut der Tag des Cassius unter. +Die Sonne Roms ging unter; unser Tag +Ist hingeflohn; nun kommen Wolken, Tau, +Gefahren; unsre Taten sind getan. +Mißtraun in mein Gelingen bracht ihn um. + +Messala. +Mißtraun in guten Ausgang bracht ihn um. +O hassenswerter Wahn! der Schwermut Kind! +Was zeigst du doch dem regen Witz der Menschen +Das, was nicht ist! O Wahn, so bald empfangen, +Zu glücklicher Geburt gelangst du nie +Und bringst die Mutter um, die dich erzeugt. + +Titinius. +Auf, Pindarus! Wo bist du, Pindarus? + +Messala. +Such ihn, Titinius; ich indessen will +Zum edlen Brutus und sein Ohr durchbohren +Mit dem Bericht. Wohl nenn ich es durchbohren; +Denn scharfer Stahl und giftge Pfeile würden +Dem Ohr des Brutus so willkommen sein, +Als Meldung dieses Anblicks. + +Titinius. +Eilt, Messala! +Ich suche Pindarus indessen auf. (Messala ab.) +Warum mich ausgesandt, mein wackrer Cassius? +Traf ich nicht deine Freunde? Setzten sie +Nicht diesen Siegeskranz auf meine Stirn, +Ihn dir zu bringen? Vernahmst du nicht ihr Jubeln? +Ach, jeden Umstand hast du mißgedeutet! +Doch halt, nimm diesen Kranz um deine Stirn; +Dein Brutus hieß mich dir ihn geben; ich +Vollführe sein Gebot.--Komm schleunig, Brutus, +Und sieh, wie ich den Cajus Cassius ehrte! +Verzeiht, ihr Götter!--Dies ist Römerbrauch: +Komm, Cassius' Schwert! triff den Titinius auch. (Er stirbt.) + +Getümmel. Messala kommt zurück mit Brutus, dem jungen Cato, Strato, +Volumnius und Lucilius. + +Brutus. +Wo? Wo, Messala? sag, wo liegt die Leiche? + +Messala. +Seht, dort! Titinius trauert neben ihr. + +Brutus. +Titinius' Antlitz ist emporgewandt. + +Cato. +Er ist erschlagen. + +Brutus. +O Julius Cäsar! Du bist mächtig noch; +Dein Geist geht um, er ist's, der unsre Schwerter +In unser eignes Eingeweide kehrt. + +(Lautes Getümmel.) + +Cato. +Mein wackrer Freund Titinius! Seht doch her, +Wie er den toten Cassius gekränzt! + +Brutus. +Und leben noch zwei Römer, diesen gleich? +Du letzter aller Römer, lebe wohl! +Unmöglich ist's, daß Rom je deinesgleichen +Erzeugen sollte.--Diesem Toten, Freunde, +Bin ich mehr Tränen schuldig, als ihr hier +Mich werdet zahlen sehen; aber, Cassius, +Ich finde Zeit dazu, ich finde Zeit. +Drum kommt, und schickt nach Thassos seine Leiche, +Er soll im Lager nicht bestattet werden; +Es schlüg uns nieder.--Komm, Lucilius! +Komm, junger Cato! Zu der Walstatt hin! +Ihr, Flavius und Labeo, laßt unsre Scharen rücken! +Es ist drei Uhr, und, Römer, noch vor Nacht +Versuchen wir das Glück in einer zweiten Schlacht. + +(Alle ab.) + + + +Vierte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Getümmel. Soldaten von beiden Heeren, fechtend; darauf Brutus, Cato, +Lucilius und andre + +Brutus. +Noch, Bürger, o noch haltet hoch die Häupter! + +Cato. +Ein Bastard, der's nicht tut! Wer will mir folgen? +Ich rufe meinen Namen durch das Feld: +Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hört! +Feind der Tyrannen, Freund des Vaterlands! +Ich bin der Sohn des Marcus Cato, hört! + +Brutus (dringt auf den Feind ein). +Und ich bin Brutus, Marcus Brutus, ich; +Des Vaterlandes Freund: kennt mich als Brutus! + +(Ab, indem er auf den Feind eindringt. Cato wird überwältigt und +fällt.) + +Lucilius. +O junger, edler Cato! bist du hin? +Ja! tapfer wie Titinius stirbst du nun, +Man darf dich ehren als des Cato Sohn. + +Erster Soldat. +Ergib dich, oder stirb! + +Lucilius. Nur um zu sterben +Ergeb ich mich. Hier ist soviel für dich (Bietet ihm Geld an), +Daß du sogleich mich töten wirst; nun töte +Den Brutus, und es ehre dich sein Tod. + +Erster Soldat. +Wir dürfen's nicht.--Ein edler Gefangner. + +Zweiter Soldat. +Platz da! +Sagt dem Antonius, daß wir Brutus haben. + +Erster Soldat. +Ich will es melden.--Sieh, da kommt der Feldherr. + Antonius tritt auf. +Wir haben Brutus, Herr! wir haben Brutus! + +Antonius. +Wo ist er? + +Lucilius. +In Sicherheit; Brutus ist sicher gnug. +Verlaß dich drauf, daß nimmermehr ein Feind +Den edlen Brutus lebend fangen wird. +Die Götter schützen ihn vor solcher Schmach! +Wo ihr ihn findet, lebend oder tot, +Er wird wie Brutus, wie er selbst, sich zeigen. + +Antonius. +Dies ist nicht Brutus, Freund, doch auf mein Wort, +Ein nicht geringrer Fang. Verwahrt ihn wohl, +Erweist nur Gutes ihm; ich habe lieber +Zu Freunden solche Männer als zu Feinden. +Eilt! seht, ob Brutus tot ist oder lebt! +Und bringt Bericht zu des Octavius Zelt, +Wie alles sich begeben. + +(Alle ab.) + + + +Fünfte Szene +Ein andrer Teil des Schlachtfeldes + +Brutus, Dardanius, Clitus, Strato und Volumnius treten auf + +Brutus. +Kommt, armer Überrest von Freunden! ruht +An diesem Felsen. + +Clitus. +Herr, Statilius zeigte +Das Fackellicht, doch kommt er nicht zurück; +Er ist gefangen oder gar erschlagen. + +Brutus. +Setz dich zu mir. Erschlagen ist die Losung, +Es ist des Tages Sitte.--Höre, Clitus! (Spricht leise mit ihm.) + +Clitus. +Wie, gnädger Herr? Ich? Nicht um alle Welt. + +Brutus. +Still denn! kein Wort! + +Clitus. +Eh tötet ich mich selbst. + +Brutus. +Dardanius, hör! (Spricht leise mit ihm.) + +Dardanius. +Ich eine solche Tat? + +Clitus. +O Dardanius! + +Dardanius. +O Clitus! + +Clitus. +Welch einen schlimmen Antrag tat dir Brutus? + +Dardanius. +Ich sollt ihn töten, Clitus; sieh, er sinnt. + +Clitus. +Nun ist das herrliche Gefäß voll Gram, +So daß es durch die Augen überfließt. + +Brutus. +Komm zu mir, Freund Volumnius: ein Wort! + +Volumnius. +Was sagt mein Feldherr? + +Brutus. +Dies, Volumnius: +Der Geist des Cäsar ist zu zweien Malen +Mir in der Nacht erschienen; erst zu Sardes, +Und vorge Nacht hier in Philippis Ebne. +Ich weiß, daß meine Stunde kommen ist. + +Volumnius. +Nicht doch, mein Feldherr. + +Brutus. +O ja, es ist gewiß, Volumnius. +Du siehst, Volumnius, wie es um uns steht; +Der Feind hat uns zum Abgrund hingetrieben. (Getümmel.) +Es ziemt sich mehr, von selbst hineinzuspringen, +Als zu erwarten seinen letzten Stoß. +Volumnius, wir gingen in die Schule +Zusammen, wie du weißt. Ich bitte dich +Um jener unsrer alten Liebe willen: +Halt du mein Schwert, indes ich drein mich stürze. + +Volumnius. +Das, Brutus, ist kein Dienst für einen Freund. + +(Fortdauerndes Getümmel.) + +Clitus. +Flieht, Herr, o flieht! Hier gilt kein Säumen mehr. + +Brutus. +Lebt wohl denn, Ihr--und Ihr--und Ihr, Volumnius. +Du, Strato, lagst die ganze Zeit im Schlaf: +Leb wohl auch du!--Mitbürger, meinem Herzen +Ist's Wonne, daß ich noch im ganzen Leben +Nicht einen fand, der nicht getreu mir war. +Ich habe Ruhm von diesem Unglückstage, +Mehr, als Octavius und Mark Anton +Durch diesen schnöden Sieg erlangen werden. +So lebt zusammen wohl! Denn Brutus' Zunge +Schließt die Geschichte seines Lebens bald. +Nacht deckt mein Auge, mein Gebein will Ruh, +Es strebte längst nur dieser Stunde nach. + +(Getümmel. Geschrei hinter der Szene.--"Flieht! flieht! flieht!") + +Clitus. +Flieht, Herr! o flieht! + +Brutus. +Nur fort! Ich will euch folgen. + (Clitus, Dardanius und Volumnius ab.) +Ich bitt dich, Strato, bleib bei deinem Herrn. +Du bist ein Mensch von redlichem Gemüt, +In deinem Leben war ein Funken Ehre. +Halt denn mein Schwert, und wende dich hinweg, +Indes ich drein mich stürze. Willst du, Strato? + +Strato. +Gebt erst die Hand mir. Herr, gehabt Euch wohl! + +Brutus. +Leb wohl, mein Freund!--Besänftge, Cäsar, dich! +Nicht halb so gern bracht ich dich um als mich. + +(Er stürzt sich auf sein Schwert und stirbt.) +Getümmel. Rückzug. Octavius und Antonius mit ihrem Heere, Messala +und Lucilius kommen. + +Octavius. +Wer ist der Mann? + +Messala. +Der Diener meines Herrn. +Strato, wo ist dein Herr? + +Strato. +Frei von den Banden, die Ihr tragt, Messala. +Die Sieger können nur zu Asch ihn brennen; +Denn Brutus unterlag allein sich selbst, +Und niemand sonst hat Ruhm von seinem Tode. + +Lucilius. +So mußten wir ihn finden.--Dank dir, Brutus, +Daß du Lucilius' Rede wahr gemacht. + +Octavius. +Des Brutus Leute nehm ich all in Dienst. +Willst du in Zukunft bei mir leben, Bursch? + +Strato. +Ja, wenn Messala mich Euch überläßt. + +Octavius. +Tut mir's zulieb, Messala. + +Messala. +Strato, wie starb mein Herr? + +Strato. +Ich hielt das Schwert, so stürzt' er sich hinein. + +Messala. +Octavius, nimm ihn denn, daß er dir folge, +Der meinem Herrn den letzten Dienst erwies. + +Antonius. +Dies war der beste Römer unter allen: +Denn jeder der Verschwornen, bis auf ihn, +Tat, was er tat, aus Mißgunst gegen Cäsar. +Nur er verband aus reinem Biedersinn +Und zum gemeinen Wohl sich mit den andern. +Sanft war sein Leben, und so mischten sich +Die Element' in ihm, daß die Natur +Aufstehen durfte und der Welt verkünden: +Dies war ein Mann! + +Octavius. +Nach seiner Tugend laßt uns ihm begegnen +Mit aller Achtung und Bestattungsfeier. +Er lieg in meinem Zelte diese Nacht, +Mit Ehren wie ein Krieger angetan. +Nun ruft das Heer zur Ruh; laßt fort uns eilen +Und dieses frohen Tags Trophäen teilen. (Ab.) + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Julius Cäsar, von William +Shakespeare (Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel). + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, JULIUS CAESAR *** + +This file should be named 8gs2410.txt or 8gs2410.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8gs2411.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8gs2410a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05 + +Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, +91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + + PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION + 809 North 1500 West + Salt Lake City, UT 84116 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +http://www.gutenberg.net/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/old/8gs2410.zip b/old/8gs2410.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..27941b9 --- /dev/null +++ b/old/8gs2410.zip |
