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+Project Gutenberg's Ausgewählte Fabeln, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
+
+Title: Ausgewählte Fabeln
+
+Author: Gotthold Ephraim Lessing
+
+Posting Date: September 22, 2014 [EBook #9375]
+Release Date: November, 2005
+First Posted: September 26, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AUSGEWÄHLTE FABELN ***
+
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+Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen
+
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+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
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+Ausgewählte Fabeln
+
+Gotthold Ephraim Lessing
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+1759
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+Inhalt:
+
+Das Geschenk der Feien
+Das Roß und der Stier
+Der Affe und der Fuchs
+Der Besitzer des Bogens
+Der Esel mit dem Löwen
+Der Esel und das Jagdpferd
+Der Esel und der Wolf
+Der Fuchs
+Der Geizige
+Der Hamster und die Ameise
+Der Hirsch
+Der Hirsch und der Fuchs
+Der Knabe und die Schlange
+Der Löwe mit dem Esel
+Der Löwe und der Hase
+Der Pelikan
+Der Phönix
+Der Rabe
+Der Rabe und der Fuchs
+Der Rangstreit der Tiere
+Der Sperling und der Strauß
+Der Strauß
+Der Wolf auf dem Todbette
+Der Wolf und der Schäfer
+Der hungrige Fuchs
+Der junge und der alte Hirsch
+Die Eiche
+Die Eiche und das Schwein
+Die Erscheinung
+Die Eule und der Schatzgräber
+Die Furien
+Die Gans
+Die Geschichte des alten Wolfs
+Die Nachtigall und die Lerche
+Die Pfauen und die Krähe
+Die Schwalbe
+Die Sperlinge
+Die Traube
+Die Wasserschlange
+Die Ziegen
+Die eherne Bildsäule
+Die junge Schwalbe
+Jupiter und das Schaf
+Merops
+Minerva
+Zeus und das Pferd
+
+
+
+
+Das Geschenk der Feien
+
+Zu der Wiege eines jungen Prinzen, der in der Folge einer der größten
+Regenten seines Landes ward, traten zwei wohltätige Feien.
+
+"Ich schenke diesem meinem Lieblinge", sagte die eine, "den
+scharfsichtigen Blick des Adlers, dem in seinem weiten Reiche auch die
+kleinste Mücke nicht entgeht."
+
+"Das Geschenk ist schön", unterbrach sie die zweite Feie. "Der Prinz
+wird ein einsichtsvoller Monarch werden. Aber der Adler besitzt nicht
+allein Scharfsichtigkeit, die kleinsten Mücken zu bemerken, er besitzt
+auch eine edle Verachtung, ihnen nicht nachzujagen. Und diese nehme
+der Prinz von mir zum Geschenk!"
+
+"Ich danke dir, Schwester, für diese weise Einschränkung", versetzte
+die erste Feie. "Es ist wahr; viele würden weit größere Könige
+gewesen sein, wenn sie sich weniger mit ihrem durchdringenden
+Verstande bis zu den kleinsten Angelegenheiten hätten erniedrigen
+wollen."
+
+
+
+
+Das Roß und der Stier
+
+Auf einem feurigen Rosse flog stolz ein dreister Knabe daher. Da rief
+ein wilder Stier dem Rosse zu: "Schande! Von einem Knaben ließ ich
+mich nicht regieren!"
+
+"Aber ich", versetzte das Roß. "Denn was für Ehre könnte es mir
+bringen, einen Knaben abzuwerfen?"
+
+
+
+
+Der Affe und der Fuchs
+
+"Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!"
+so prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: "Un du,
+nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir
+nachzuahmen."
+
+Schriftsteller meiner Nation!--Muß ich mich noch deutlicher erklären?
+
+
+
+
+Der Besitzer des Bogens
+
+Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr
+weit und sehr sicher schoß, und den er ungemein wert hielt. Einst
+aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: "Ein wenig zu
+plump bist du doch! All deine Zierde ist die Glätte. Schade!--Doch
+dem ist abzuhelfen!" fiel ihm ein. "Ich will hingehen und den besten
+Künstler Bilder in den Bogen schnitzen lassen."--Er ging hin, und der
+Künstler schnitzte eine ganze Jagd auf den Bogen, und was hätte sich
+besser auf einem Bogen geschickt als eine Jagd?
+
+Der Mann war voller Freuden. "Du verdienst diese Zieraten, mein
+lieber Bogen!"--Indem will er ihn versuchen, er spannt, und der Bogen--
+zerbricht.
+
+
+
+
+Der Esel mit dem Löwen
+
+Als der Esel mit dem Löwen des Äsopus, der ihn statt seines Jägerhorns
+brauchte, nach dem Walde ging, begegnete ihm ein anderer Esel von
+seiner Bekanntschaft und rief ihm zu: "Guten Tag, mein Bruder!"--
+
+"Unverschämter!" war die Antwort.--
+
+"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit
+einem Löwen gehst, besser als ich, mehr als ein Esel?"
+
+
+
+
+Der Esel und das Jagdpferd
+
+Ein Esel vermaß sich, mit einem Jagdpferd um die Wette zu laufen. Die
+Probe fiel erbärmlich aus, und der Esel ward ausgelacht. "Ich merke
+nun wohl", sagte der Esel, "woran es gelegen hat; ich trat mir vor
+einigen Monaten einen Dorn in den Fuß, und der schmerzt mich noch."
+
+"Entschuldigen Sie mich", sagte der Kanzelredner Liederhold, "wenn
+meine heutige Predigt so gründlich und erbaulich nicht gewesen, als
+man sie von dem glücklichen Nachahmer eines Mosheims erwartet hätte;
+ich habe, wie Sie hören, einen heisern Hals, und den schon seit acht
+Tagen."
+
+
+
+
+Der Esel und der Wolf
+
+Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe. "Habe Mitleid mit mir",
+sagte der zitternde Esel, "ich bin ein armes krankes Tier; sieh nur,
+was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten habe!"
+
+"Wahrhaftig, du dauerst mich", versetzte der Wolf. "Und ich finde
+mich in meinem Gewissen verbunden, dich von deinen Schmerzen zu
+befreien."
+
+Kaum ward das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen.
+
+
+
+
+Der Fuchs
+
+Ein verfolgter Fuchs rettete sich auf eine Mauer. Um auf der andern
+Seite gut herabzukommen, ergriff er einen nahen Dornstrauch. Er ließ
+sich auch glücklich daran nieder, nur daß ihn die Dornen schmerzlich
+verwundeten. "Elende Helfer", rief der Fuchs, "die nicht helfen
+können, ohne zugleich zu schaden!"
+
+
+
+
+Der Geizige
+
+"Ich Unglücklicher!" klagte ein Geizhals seinem Nachbar. "Man hat mir
+den Schatz, den ich in meinem Garten vergraben hatte, diese Nacht
+entwendet und einen verdammten Stein an dessen Stelle gelegt."
+
+"Du würdest", antwortete ihm der Nachbar, "deinen Schatz doch nicht
+genutzt haben. Bilde dir also ein, der Stein sei dein Schatz; und du
+bist nichts ärmer."
+
+"Wäre ich schon nichts ärmer", erwiderte der Geizhals; "ist ein andrer
+nicht um so viel reicher? Ein andrer um so viel reicher! Ich möchte
+rasend werden."
+
+
+
+
+Der Hamster und die Ameise
+
+"Ihr armseligen Ameisen", sagte ein Hamster. Verlohnt es sich der
+Mühe, daß ihr den ganzen Sommer arbeitet, um ein so Weniges
+einzusammeln? Wenn ihr meinen Vorrat sehen solltet!--"
+
+"Höre", antworibete eine Ameise, "wenn er größer ist, als du ihn
+brauchst, so ist es schon recht, daß die Menschen dir nachgraben,
+deine Scheuern ausleeren und dich deinen räuberischen Geiz mit dem
+Leben büßen lassen!"
+
+
+
+
+Der Hirsch
+
+Die Natur hatte einen Hirsch von mehr als gewöhnlicher Größe gebildet,
+und an seinem Halse hingen ihm lange Haare herab. Da dachte der
+Hirsch bei sich selbst: Du könntest dich ja wohl für ein Elend ansehen
+lassen. Und was tat der Eitle, ein Elend zu scheinen? Er hing den
+Kopf traurig zur Erde und stellte sich, sehr oft das böse Wesen zu
+haben.
+
+So glaubt nicht selten ein witziger Geck, daß man ihn für keinen
+schönen Geist halten werde, wenn er nicht über Kopfweh und Hypochonder
+klage.
+
+
+
+
+Der Hirsch und der Fuchs
+
+Der Hirsch sprach zu dem Fuchse: "Nun weh uns armen schwächeren Tieren!
+Der Löwe hat sich mit dem Wolfe verbunden."
+
+"Mit dem Wolfe?" sagte der Fuchs. "Das mag noch hingehen! Der Löwe
+brüllt, der Wolf heult und so werdet, ihr euch noch oft beizeiten mit
+der Flucht retten können. Aber alsdenn, alsdenn möchte es um uns alle
+geschehen sein, wenn es dem gewaltigen Löwen einfallen sollte, sich
+mit dem schleichenden Luchse zu verbinden."
+
+
+
+
+Der Knabe und die Schlange
+
+Ein Knabe spielte mit einer zahmen Schlange. "Mein liebes Tierchen",
+sagte der Knabe, "ich würde mich mit dir so gemein nicht machen, wenn
+dir das Gift nicht benommen wäre. Ihr Schlangen seid die boshaftesten,
+undankbarsten Geschöpfe! Ich habe es wohl gelesen, wie es einem
+armen Landmanne ging, der eine, vielleicht von deinen Ureltern, die er
+halb erfroren unter einer Hecke fand, mitleidig aufhob und sie in
+seinen erwärmenden Busen steckte. Kaum fühlte sich die Böse wieder,
+als sie ihren Wohltäter biß; und der gute freundliche Mann mußte
+sterben."
+
+"Ich erstaune", sagte die Schlange, "wie parteiisch eure
+Geschichtschreiber sein müssen! Die unsrigen erzählen diese Historie
+ganz anders. Dein freundlicher Mann glaubte, die Schlange sei
+wirklich erfroren, und weil es eine von den bunten Schlangen war, so
+steckte er sie zu sich, ihr zu Hause die schöne Haut abzustreiten.
+War das recht?"
+
+"Ach, schweig nur", erwiderte der Knabe. "Welcher Undankbare hätte
+sich nicht zu entschuldigen gewußt!"
+
+"Recht, mein Sohn", fiel der Vater, der dieser Unterredung zugehört
+hatte, dem Knaben ins Wort. "Aber gleichwohl, wenn du einmal von
+einem außerordentlichen Undanke hören solltest, so untersuche ja alle
+Umstände genau, bevor du einen Menschen mit so einem abscheulichen
+Schandflecke brandmarken lässest. Wahre Wohltäter haben selten
+Undankbare verpflichtet; ja, ich will zur Ehre der Menschheit hoffen--
+niemals. Aber die Wohltäter mit kleinen eigennützigen Absichten, die
+sind es wert, mein Sohn, daß sie Undank anstatt Erkenntlichkeit
+einwuchern."
+
+
+
+
+Der Löwe mit dem Esel
+
+Als des Äsopus Löwe mit dem Esel, der ihm durch seine fürchterliche
+Stimme die Tiere sollte jagen helfen, nach dem Walde ging, rief ihm
+eine naseweise Krähe von dem Baume zu: "Ein schöner Gesellschafter!
+Schämst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?"--"Wen ich brauchen
+kann", versetzte der Löwe, "dem kann ich ja wohl meine Seite gönnen."
+
+So denken die Großen alle, wenn sie einen Niedrigen ihrer Gemeinschaft
+würdigen.
+
+
+
+
+Der Löwe und der Hase
+
+Ein Löwe würdigte einen drolligen Hasen seiner näheren Bekanntschaft.
+"Aber ist es denn wahr", fragte ihn einst der Hase, "daß euch Löwen
+ein elender krähender Hahn so leicht verjagen kann?"
+
+"Allerdings ist es wahr", antwortete der Löwe; "und es ist eine
+allgemeine Anmerkung, daß wir großen Tiere durchgängig eine gewisse
+kleine Schwachheit an uns haben. So wirst du, zum Exempel, von dem
+Elefanten gehört haben, daß ihm das Grunzen eines Schweins Schauder
+und Entsetzen erwecket."
+
+"Wahrhaftig?" unterbrach ihn der Hase. "Ja, nun begreif' ich auch,
+warum wir Hasen uns so entsetzlich vor den Hunden fürchten."
+
+
+
+
+Der Pelikan
+
+Für wohlgeratene Kinder können Eltern nicht zu viel tun. Aber wenn
+sich ein blöder Vater für einen ausgearteten Sohn das Blut vom Herzen
+zapft, dann wird Liebe zur Torheit.
+
+Ein frommer Pelikan, da er seine Jungen schmachten sah, ritzte sich
+mit scharfem Schnabel die Brust auf und erquickte sie mit seinem Blute.
+"Ich bewundere deine Zärtlichkeit", rief ihm ein Adler zu, "und
+bejammere deine Blindheit. Sieh doch, wie manchen nichtswürdigen
+Kuckuck du unter deinen Jungen mit ausgebrütet hast!"
+
+So war es auch wirklich; denn auch ihm hatte der kalte Kuckuck seine
+Eier untergeschoben.--Waren es undankbare Kuckucke wert, daß ihr Leben
+so teuer erkauft wurde?
+
+
+
+
+Der Phönix
+
+Nach vielen Jahrhunderten gefiel es dem Phönix, sich wieder einmal
+sehen zu lassen. Er erschien, und alle Tiere und Vögel versammelten
+sich um ihn. Sie gafften, sie staunten, sie bewunderten und brachen
+in entzückendes Lob aus.
+
+Bald aber verwandten die besten und geselligsten mitleidsvoll ihre
+Blicke und seufzten: "Der unglückliche Phönix! Ihm ward das harte Los,
+weder Geliebte noch Freunde zu haben; denn er ist der einzige seiner
+Art!"
+
+
+
+
+Der Rabe
+
+Der Rabe bemerkte, daß der Adler ganze dreißig Tage über seinen Eiern
+brütete. "Und daher kommt es ohne Zweifel", sprach er, "daß die
+jungen des Adlers so scharfsichtig und stark werden. Gut! Das will
+ich auch tun." Und seitdem brütet der Rabe ganze dreißig Tage über
+seinen Eiern; aber noch hat er nichts als elende Raben ausgebrütet.
+
+
+
+
+Der Rabe und der Fuchs
+
+Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner
+für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen
+fort. Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich
+ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel des
+Jupiters!"
+
+--"Für wen siehst du mich an?" fragte der Rabe. "Für wen ich dich
+ansehe?" erwiderte der Fuchs. "Bist du nicht der rüstige Adler, der
+täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich
+Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in
+der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich
+zu schicken noch fortfährt?"
+
+Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu
+werden. Ich muß, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen.
+--Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog
+stolz davon.
+
+Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter
+Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes
+Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.
+
+Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte
+Schmeichler!
+
+
+
+
+Der Rangstreit der Tiere
+
+In vier Fabeln
+
+
+1.
+
+Es entstand ein hitziger Rangstreit unter den Tieren. Ihn zu
+schlichten, sprach das Pferd, "lasset uns den Menschen zu Rate ziehen;
+er ist keiner von den streitenden Teilen und kann desto unparteiischer
+sein."
+
+"Aber hat er auch den Verstand dazu?" ließ sich ein Maulwurf hören.
+"Er braucht wirklich den allerfeinsten, unsere oft tief versteckten
+Vollkommenheiten zu erkennen."
+
+"Das war sehr weislich erinnert!" sprach der Hamster.
+
+"Jawohl!" rief auch der Igel. "Ich glaube es nimmermehr, daß der
+Mensch Scharfsichtigkeit genug besitzt."
+
+"Schweigt ihr!" befahl das Pferd. "Wir wissen es schon: Wer sich auf
+die Güte seiner Sache am wenigsten zu verlassen hat, ist immer am
+fertigsten, die Einsicht seines Richters in Zweifel zu ziehen."
+
+
+2.
+
+Der Mensch ward Richter.--"Noch ein Wort", rief ihm der majestätische
+Löwe zu, "bevor du den Ausspruch tust! Nach welcher Regel, Mensch,
+willst du unsern Wert bestimmen?"
+
+"Nach welcher Regel? Nach dem Grade, ohne Zweifel", antwortete der
+Mensch, "in welchem ihr mir mehr oder weniger nützlich seid."
+
+"Vortrefflich!" versetzte der beleidigte Löwe. "Wie weit würde ich
+alsdann unter dem Esel zu stehen kommen! Du kannst unser Richter
+nicht sein, Mensch! Verlaß die Versammlung!"
+
+
+3.
+
+Der Mensch entfernte sich.--"Nun", sprach der höhnische Maulwurf,--
+(und ihm stimmten der Hamster und der Igel wieder bei)--"siehst du,
+Pferd? der Löwe meint es auch, daß der Mensch unser Richter nicht
+sein kann. Der Löwe denkt wie wir."
+
+"Aber aus besseren Gründen als ihr!" sagte der Löwe, und warf ihnen
+einen verächtlichen Blick zu.
+
+
+4.
+
+Der Löwe fuhr weiter fort: "Der Rangstreit, wenn ich es recht überlege,
+ist ein nichtswürdiger Streit! Haltet mich für den Vornehmsten oder
+den Geringsten; es gilt mir gleichviel. Genug, ich kenne mich!"--Und
+so ging er aus der Versammlung.
+
+Ihm folgte der weise Elefant, der kühne Tiger, der ernsthafte Bär, der
+kluge Fuchs, das edle Pferd; kurz alle, die ihren Wert fühlten oder zu
+fühlen glaubten.
+
+Die sich am letzten wegbegeben und über die zerrissene Versammlung am
+meisten murrten, waren--der Affe und der Esel.
+
+
+
+
+Der Sperling und der Strauß
+
+"Sei auf deine Größe, auf deine Stärke so stolz wie du willst", sprach
+der Sperling zu dem Strauße; "ich bin doch mehr ein Vogel als du.
+Denn du kannst nicht fliegen, ich aber fliege, obgleich nicht hoch,
+obgleich nur ruckweise."
+
+Der leichte Dichter eines fröhlichen Trinkliedes, eines kleinen
+verliebten Gesanges, ist mehr ein Genie, als der schwunglose Schreiber
+einer langen Hermanniade.
+
+
+
+
+Der Strauß
+
+"Jetzt will ich fliegen!" rief der gigantische Strauß, und das ganze
+Volk der Vögel stand in ernster Erwartung um ihn versammelt. "Jetzt
+will ich fliegen", rief er nochmals, breitete die gewaltigen Fittiche
+weit aus und schoß, gleich einem Schiffe mit aufgespannten Segeln, auf
+dem Boden dahin, ohne ihn mit einem Tritte zu verlieren.
+
+Sehet da ein poetisches Bild jener unpoetischen Köpfe, die in den
+ersten Zeilen ihrer ungeheuren Oden mit stolzen Schwingen prahlen,
+sich über Wolken und Sterne zu erheben drohen und dem Staube doch
+immer getreu bleiben!
+
+
+
+
+Der Wolf auf dem Todbette
+
+Der Wolf lag in den letzten Zügen und schickte einen prüfenden Blick
+auf sein vergangenes Leben zurück. "Ich bin freilich ein Sünder",
+sagte er; "aber doch, ich hoffe, keiner von den größten. Ich habe
+Böses getan; aber auch viel Gutes. Einstmals, erinnere ich mich, kam
+mir ein blökendes Lamm, welches sich von der Herde verirrt hatte, so
+nahe, daß ich es gar leicht hätte erwürgen können; und ich tat ihm
+nichts. Zu eben dieser Zeit hörte ich die Spöttereien und Schmähungen
+eines Scbafes mit der bewunderungswürdigsten Gleichgültigkeit an, ob
+ich schon keine schätzenden Hunde zu fürchten hatte."
+
+"Und alles kann ich dir bezeugen", fiel ihm Freund Fuchs, der ihn zum
+Tode bereiten half, ins Wort. "Denn ich erinnere mich noch gar wohl
+aller Umstände dabei. Es war zu eben der Zeit, als du dich an dem
+Beine so jämmerlich würgtest, das dir der gutherzige Kranich hernach
+aus dem Schlunde zog."
+
+
+
+
+Der Wolf und der Schäfer
+
+Ein Schäfer hatte durch eine grausame Seuche seine ganze Herde
+verloren. Das erfuhr der Wolf und kam, seine Kondolenz abzustatten.
+
+"Schäfer", sprach er, "ist es wahr, daß dich ein so grausames Unglück
+betroffen? Du bist um deine ganze Herde gekommen? Die liebe, fromme,
+fette Herde? Du dauerst, mich, und ich möchte blutige Tränen weinen."
+
+"Habe Dank, Meister Isegrim", versetzte der Schäfer. "Ich sehe, du
+hast ein sehr mitleidiges Herz."
+
+"Das hat er auch wirklich", fügte des Schäfers Hylax hinzu, "so oft er
+unter dem Unglücke seines Nächsten selbst leidet."
+
+
+
+
+Der hungrige Fuchs
+
+"Ich bin zu einer unglücklichen Stunde geboren!" so klagte ein junger
+Fuchs einem alten. "Fast keiner von meinen Anschlägen will mir
+gelingen."--"Deine Anschläge", sagte der ältere Fuchs, "werden ohne
+Zweifel doch klug sein. Laß doch hören, wann machst du deine
+Anschläge?" "Wann ich sie mache? Wann anders, als wenn mich hungert?"
+--"Wenn dich hungert?" fuhr der alte Fuchs fort. "Ja! da haben wir es!
+Hunger und Überlegung sind nie beisammen. Mache sie künftig, wenn
+du satt bist; und sie werden besser ausfallen."
+
+
+
+
+Der junge und der alte Hirsch
+
+Ein Hirsch, den die gütige Natur Jahrhunderte hat leben lassen, sagte
+einst zu einem seiner Enkel: "Ich kann mich der Zeit noch sehr wohl
+erinnern, da der Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfunden
+hatte."
+
+"Welche glückliche Zeit muß das für unser Geschlecht gewesen sein!"
+seufzte der Enkel.
+
+"Du schließest zu geschwind!" sagte der alte Hirsch. "Die Zeit war
+anders, aber nicht besser. Der Mensch hatte da, anstatt des
+Feuerrohrs, Pfeile und Bogen, und wir waren ebenso schlimm daran als
+jetzt."
+
+
+
+
+Die Eiche
+
+Der rasende Nordwind hatte seine Stärke in einer stürmischen Nacht an
+einer erhabenen Eiche bewiesen. Nun lag sie gestreckt, und eine Menge
+niedriger Sträucher lagen unter ihr zerschmettert. Ein Fuchs, der
+seine Grube nicht weit davon hatte, sah sie des Morgens darauf. "Was
+für ein Baum!" rief er. "Hätte ich doch nimmermehr gedacht, daß er so
+groß gewesen wäre!"
+
+
+
+
+Die Eiche und das Schwein
+
+Ein gefräßiges Schwein mästete sich unter einer hohen Eiche mit der
+herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiß, verschluckte
+es bereits eine andere mit dem Auge.
+
+"Undankbares Vieh!" rief endlich der Eichbaum herab. "Du nährst dich
+von meinen Früchten ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in
+die Höhe zu richten."
+
+Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort:
+"Meine dankbaren Blicke sollten nicht außen bleiben, wenn ich nur
+wüßte, daß du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."
+
+
+
+
+Die Erscheinung
+
+In der einsamsten Tiefe jenes Waldes, wo ich schon manches redende
+Tier belauscht, lag ich an einem sanften Wasserfalle und war bemüht,
+einem meiner Märchen den leichten poetischen Schmuck zu geben, in
+welchem am liebsten zu erscheinen La Fontaine die Fabel fast verwöhnt
+hat. Ich sann, ich wählte, ich verwarf, die Stirne glühte--Umsonst,
+es kam nichts auf das Blatt. Voll Unwill sprang ich auf; aber sieh!--
+auf einmal stand sie selbst, die fabelnde Muse vor mir.
+
+Und sie sprach lächelnd: "Schüler, wozu die undankbare Mühe? Die
+Wahrheit braucht die Anmut der Fabel; aber wozu braucht die Fabel die
+Anmut der Harmonie? Du willst das Gewürze würzen. G'nug, wenn die
+Erfindung des Dichters ist; der Vortrag sei des ungekünstelten
+Geschichtsschreibers, so wie der Sinn des Weltweisen."
+
+Ich wollte antworten, aber die Muse verschwand. "Sie verschwand?"
+höre ich einen Leser fragen. "Wenn du uns doch nur wahrscheinlicher
+täuschen wolltest! Die seichten Schlüsse, auf die dein Unvermögen
+dich führte, der Muse in den Mund zu legen! Zwar ein gewöhnlicher
+Betrug-"
+
+Vortrefflich, mein Leser! Mir ist keine Muse erschienen. Ich erzähle
+eine bloße Fabel, aus der du selbst die Lehre gezogen. Ich bin nicht
+der erste und werde nicht der letzte sein, der seine Grillen zu
+Orakelsprüchen einer göttlichen Erscheinung macht.
+
+
+
+
+Die Eule und der Schatzgräber
+
+Jener Schatzgräber war ein sehr unbilliger Mann. Er wagte sich in die
+Ruinen eines alten Raubschlosses und ward da gewahr, daß die Eule eine
+magere Maus ergriff und verzehrte. "Schickt sich das", sprach er,
+"für den philosophischen Liebling Minervens?"
+
+"Warum nicht?" versetzte die Eule. "Weil ich stille Betrachtungen
+liebe, kann ich deswegen von der Luft leben? Ich weiß zwar, daß ihr
+Menschen es von euren Gelehrten verlanget--"
+
+
+
+
+Die Furien
+
+"Meine Furien", sagte Pluto zu dem Boten der Götter, "werden alt und
+stumpf. Ich brauche frische. Geh also, Merkur, und suche mir auf der
+Oberwelt drei tüchtige Weibspersonen dazu aus." Merkur ging.
+
+Kurz darauf sagte Juno zu ihrer Dienerin: "Glaubtest du wohl, Iris,
+unter den Sterblichen zwei oder drei vollkommen strenge, züchtige
+Mädchen zu finden? Aber vollkommen strenge! Verstehst du mich? Um
+Cytheren hohnzusprechen, die sich das ganze weibliche Geschlecht
+unterworfen zu haben rühmt. Geh immer und sieh, wo du sie auftreibst."
+Iris ging.--
+
+In welchem Winkel der Erde suchte nicht die gute Iris! Und dennoch
+umsonst! Sie kam ganz allein wieder, und Juno rief ihr entgegen: "Ist
+es möglich? O Keuschheit! O Tugend!"
+
+"Göttin", sagte Iris, "ich hätte dir wohl drei Mädchen bringen können,
+die alle drei vollkommen streng und züchtig gewesen; die alle drei nie
+einer Mannsperson gelächelt, die alle drei den geringsten Funken der
+Liebe in ihren Herzen erstickt; aber ich kam, leider, zu spät."
+
+"Zu spät?" sagte Juno. "Wieso?"
+
+"Eben hatte sie Merkur für den Pluto abgeholt."
+
+"Für den Pluto? Und wozu will Pluto diese Tugendhaften?"
+
+"Zu Furien."
+
+
+
+
+Die Gans
+
+Die Federn einer Gans beschämten den neugeborenen Schnee. Stolz auf
+dieses blendende Geschenk der Natur glaubte sie eher zu einem Schwane
+als zu dem, was sie war, geboren zu sein. Sie sonderte sich von
+ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestätisch auf dem Teiche
+herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie
+mit aller Macht abhelfen wollte; bald suchte sie ihm die prächtige
+Biegung zu geben, in welcher der Schwan das würdige Ansehen eines
+Vogels des Apollo hat. Doch vergebens; er war zu steif, und mit aller
+ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als daß sie eine
+lächerliche Gans ward, ohne ein Schwan zu werden.
+
+
+
+
+Die Geschichte des alten Wolfs
+
+in sieben Fabeln
+
+1.
+
+Der böse Wolf war zu Jahren gekommen und faßte den gleißenden
+Entschluß, mit den Schäfern auf einem gütlichen Fuß zu leben. Er
+machte sich also auf und kam zu dem Schäfer, dessen Horden seiner
+Höhle die nächsten waren.
+
+"Schäfer", sprach er, "du nennst mich den blutgierigsten Räuber, der
+ich doch wirklich nicht bin. Freilich muß ich mich an deine Schafe
+halten, wenn mich hungert; denn Hunger tut weh. Schütze mich nur vor
+dem Hunger; mache mich nur satt, und du sollst mit mir recht wohl
+zufrieden sein. Denn ich bin wirklich das zahmste, sanftmütigste Tier,
+wenn ich satt bin."
+
+"Wenn du satt bist? Das kann wohl sein", versetzte der Schäfer.
+"Aber wann bist du denn satt? Du und der Geiz werden es nie. Geh
+deinen Weg!"
+
+2.
+
+Der abgewiesene Wolf kam zu einem zweiten Schäfer.
+
+"Du weißt, Schäfer", war seine Anrede, "daß ich dir das Jahr durch
+manches Schaf würgen könnte. Willst du mir überhaupt jedes Jahr sechs
+Schafe geben, so bin ich zufrieden. Du kannst alsdann sicher schlafen
+und die Hunde ohne Bedenken abschaffen."
+
+"Sechs Schafe?" sprach der Schäfer, "das ist ja eine ganze Herde!"
+
+"Nun, weil du es bist, so will ich mich mit fünfen begnügen", sagte
+der Wolf.
+
+"Du scherzest, fünf Schafe! Mehr als fünf Schafe opfere ich kaum im
+ganzen Jahre dem Pan."
+
+"Auch nicht viere?" fragte der Wolf weiter; und der Schäfer schüttelte
+spöttisch den Kopf.
+
+"Drei?--Zwei?"
+
+"Nicht ein einziges", fiel endlich der Bescheid, "denn es wäre ja wohl
+töricht, wenn ich mich einem Feinde zinsbar machte, vor welchem ich
+mich durch meine Wachsamkeit sichern kann."
+
+3.
+
+Aller guten Dinge sind drei, dachte der Wolf und kam zu einem dritten
+Schäfer.
+
+"Es geht mir recht nahe", sprach er, "daß ich unter euch Schäfern als
+das grausamste, gewissenloseste Tier verschrien bin. Dir, Montan,
+will ich jetzt beweisen, wie unrecht man mir tut. Gib mir jährlich
+ein Schaf, so soll deine Herde in jenem Walde, den niemand unsicher
+macht als ich, frei und unbeschädigt weiden dürfen. Ein Schaf!
+Welche Kleinigkeit! Könnte ich großmütiger, könnte ich
+uneigennütziger handeln?--Du lachst, Schäfer? Worüber lachst du denn?"
+
+"Oh, über nichts! Aber wie alt bist du, guter Freund?" sprach der
+Schäfer.
+
+"Was geht dich mein Alter an? Immer noch alt genug, dir deine
+liebsten Lämmer zu würgen."
+
+"Erzürne dich nicht, alter Isegrim! Es tut mir leid, daß du mit
+deinem Vorschlage einige Jahre zu spät kommst. Deine ausgerissenen
+Zähne verraten dich. Du spielst den Uneigennützigen, bloß um dich
+desto gemächlicher nähren zu können."
+
+4.
+
+Der Wolf ward ärgerlich, faßte sich aber doch und ging auch zu dem
+vierten Schäfer. Diesem war eben sein treuer Hund gestorben, und der
+Wolf machte sich den Umstand zunutze.
+
+"Schäfer", sprach er, "ich habe mich mit meinen Brüdern in dem Walde
+veruneinigt und so, daß ich mich in Ewigkeit nicht wieder mit ihnen
+aussöhnen werde. Du weißt, wieviel du von ihnen zu fürchten hast!
+Wenn du mich aber anstatt deines verstorbenen Hundes in Dienste nehmen
+willst, so stehe ich dir dafür, daß sie keines deiner Schafe auch nur
+scheel ansehen sollen."
+
+"Du willst sie also", versetzte der Schäfer, "gegen deine Brüder im
+Walde beschützen?"
+
+"Was meine ich denn sonst? Freilich."
+
+"Das wäre nicht übel! Aber, wenn ich dich nun in meine Horden
+einnähme, sage mir doch, wer sollte alsdann meine armen Schafe gegen
+dich beschützen? Einen Dieb ins Haus nehmen, um vor den Dieben außer
+dem Hause sicher zu sein, das halten wir Menschen--"
+
+"Ich höre", sagte der Wolf, "du fängst an zu moralisieren. Lebe wohl!"
+
+
+5.
+
+"Wäre ich nicht so alt!" knirschte der Wolf "Aber ich muß mich leider
+in die Zeit schicken." Und so kam er zu dem fünften Schäfer.
+
+"Kennst du mich, Schäfer?" fragte der Wolf.
+
+"Deinesgleichen wenigstens kenne ich", versetzte der Schäfer.
+
+"Meinesgleichen? Daran zweifle ich sehr. Ich bin ein so sonderbarer
+Wolf, daß ich deiner und aller Schäfer Freundschaft wohl wert bin."
+
+"Und wie sonderbar bist du denn?"
+
+"Ich könnte kein lebendiges Schaf würgen und fressen, und wenn es mir
+das Leben kosten sollte. Ich nähre mich bloß mit toten Schafen. Ist
+das nicht löblich? Erlaube mir also immer, daß ich mich dann und wann
+bei deiner Herde einfinden und nachfragen darf, ob dir nicht--"
+
+"Spare der Worte!" sagte der Schäfer. "Du müßtest gar keine Schafe
+fressen, auch nicht einmal tote, wenn ich dein Feind nicht sein sollte.
+Ein Tier, das mir schon tote Schafe frißt, lernt leicht aus Hunger
+kranke Schafe für tot und gesunde für krank ansehen. Mache auf meine
+Freundschaft also keine Rechnung und geh!"
+
+
+6.
+
+Ich muß nun schon mein Liebstes daran wenden, um zu meinem Zweckc zu
+gelangen! dachte der Wolf und kam zu dem sechsten Schäfer. "Schäfer,
+wie gefällt dir mein Pelz?" fragte der Wolf.
+
+"Dein Pelz?" sagte der Schäfer, "laß sehen! Er ist schön; die Hunde
+müssen dich nicht oft untergehabt haben."
+
+"Nun, so höre, Schäfer; ich bin alt und werde es so lange nicht mehr
+treiben. Füttere mich zu Tode, und ich vermache dir meinen Pelz."
+
+"Ei sieh doch!" sagte der Schäfer, "kommst du auch hinter die Schliche
+der alten Geizhälse? Nein, nein; dein Pelz würde mich am Ende
+siebenmal mehr kosten, als er wert wäre. Ist es dir aber ein Ernst,
+mir ein Geschenk zu machen, so gib mir ihn gleich jetzt." Hiermit
+griff der Schäfer nach der Keule, und der Wolf floh.
+
+
+7.
+
+"O die Unbarmherzigen!" schrie der Wolf und geriet in die äußerste Wut.
+"So will ich auch als ihr Feind sterben, ehe mich der Hunger tötet,
+denn sie wollen es nicht besser!" Er lief, brach in die Wohnungen der
+Schäfer ein, riß ihre Kinder nieder und ward nicht ohne große Mühe von
+den Schäfern erschlagen.
+
+Da sprach der weiseste von ihnen: "Wir taten doch wohl unrecht, daß
+wir den alten Räuber auf das äußerste brachten und ihm alle Mittel zur
+Besserung, so spät uns erzwungen sie auch war, benahmen!"
+
+
+
+
+Die Nachtigall und die Lerche
+
+Was soll man zu den Dichtern sagen, die so gern ihren Flug weit über
+alle Fassung des größten Teiles ihrer Leser nehmen? Was sonst, als
+was die Nachtigall einst zu der Lerche sagte: "Schwingst du dich,
+Freundin, nur darum so hoch, um nicht gehört zu werden?"
+
+
+
+
+Die Pfauen und die Krähe
+
+Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausgefallenen Federn der
+farbigen Pfaue und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein
+glaubte, unter diese glänzenden Vögel der Juno. Sie ward erkannt, und
+schnell fielen die Pfaue mit scharfen Schnäbeln auf sie, ihr den
+betrügerischen Putz auszureißen.
+
+"Lasset nach!" schrie sie endlich, "ihr habt nun alle das Eurige
+wieder." Doch die Pfaue, welche einige von den eigenen glänzenden
+Schwingfedern der Krähe bemerkt hatten, versetzten: "Schweig,
+armselige Närrin, auch diese können nicht dein sein!"--und hackten
+weiter.
+
+
+
+
+Die Schwalbe
+
+Glaubt mir, Freunde, die große Welt ist nicht für den Weisen, ist nich
+für den Dichter! Man kennt da ihren wahren Wert nicht, und ach! sie
+sind oft schwach genug, ihn mit einem nichtigen zu vertauschen.
+
+In den ersten Zeiten war die Schwalbe ein ebenso tonreicher
+melodischer Vogel wie die Nachtigall. Sie ward es aber bald müde, in
+den einsamen Büschen zu wohnen und da von niemandem als dem fleißige
+Landmanne und der unschuldigen Schäferin gehört und bewundert zu
+werden. Sie verließ ihre demütigere Freundin und zog in die Stadt.--
+Was geschah? Weil man in der Stadt nicht Zeit hatte, ihr göttliches
+Lied zu hören, so verlernte sie es nach und nach und lernte dafür--
+bauen.
+
+
+
+
+Die Sperlinge
+
+Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählige Nester gab, ward
+ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze dastand, kamen die
+Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen. Allein sie fanden
+sie alle vermauert. "Zu was", schrien sie, "taugt denn nun das große
+Gebäude? Kommt, verlaßt den unbrauchbaren Steinhaufen!"
+
+
+
+
+Die Traube
+
+Ich kenne einen Dichter, dem die schreiende Bewunderung seiner kleinen
+Nachahmer weit mehr geschadet hat als die neidische Verachtung seiner
+Kunstrichter.
+
+"Sie ist ja doch sauer!" sagte der Fuchs von der Traube, nach der er
+lange genug vergebens gesprungen war. Das hörte ein Sperling und
+sprach: "Sauer sollte die Traube sein? Danach sieht sie mir doch
+nicht aus!" Er flog hin und kostete und fand sie ungemein süß und rief
+hundert näschige Brüder herbei. "Kostet doch!" schrie er, "kostet
+doch! Diese treffliche Traube schalt der Fuchs sauer."
+
+Sie kosteten alle, und in wenigen Augenblicken ward die Traube so
+zugerichtet, daß nie ein Fuchs wieder danach sprang.
+
+
+
+
+Die Wasserschlange
+
+Zeus hatte nunmehr den Fröschen einen anderen König gegeben; anstatt
+eines friedlichen Klotzes eine gefräßige Wasserschlange.
+
+"Willst du unser König sein", schrien die Frösche, "warum verschlingst
+du uns?"--"Darum", antwortete die Schlange, "weil ihr um mich gebeten
+habt."--
+
+"Ich habe nicht um dich gebeten!" rief einer von den Fröschen, den sie
+schon mit den Augen verschlang.--"Nicht?" sagte die Wasserschlange.
+"Desto schlimmer! So muß ich dich verschlingen, weil du nicht um mich
+gebeten hast."
+
+
+
+
+Die Ziegen
+
+Die Ziegen baten den Zeus, auch ihnen Hörner zu geben; denn anfangs
+hatten die Ziegen keine Hörner.
+
+"Überlegt es wohl, was ihr bittet", sagte Zeus. "Es ist mit dem
+Geschenke der Hörner ein anderes unzertrennlich verbunden, das euch so
+angenehm nicht sein möchte."
+
+Doch die Ziegen beharrten auf ihrer Bitte, und Zeus sprach: "So habt
+denn Hörner!"
+
+Und die Ziegen bekamen Hörner--und Bart! Denn anfangs hatten die
+Ziegen auch keinen Bart. O wie schmerzte sie der häßliche Bart, weit
+mehr, als sie die stolzen Hörner erfreuten!
+
+
+
+
+Die eherne Bildsäule
+
+Die eherne Bildsäule eines vortrefflichen Künstlers schmolz durch die
+Hitze einer wütenden Feuersbrunst in einen Klumpen. Dieser Klumpen
+kam einem anderen Künstler in die Hände, und durch seine
+Geschicklichkeit verfertigte er eine neue Bildsäule daraus, von der
+ersteren in dem, was sie vorstellte, unterschieden, an Geschmack und
+Schönheit aber ihr gleich.
+
+Der Neid sah es und knirschte. Endlich besann er sich auf einen
+armseligen Trost: Der gute Mann würde dieses noch ganz erträgliche
+Stück auch nicht hervorgebracht haben, wenn ihm nicht die Materie der
+alten Bildsäule dabei zustatten gekommen wäre.
+
+
+
+
+Die junge Schwalbe
+
+"Was macht ihr da?" fragte eine junge Schwalbe die geschäftigen
+Ameisen.
+
+"Wir sammeln Vorrat für den Winter", war die Antwort.
+
+"Das ist klug", sagte die Schwalbe, "das will ich auch tun."
+
+Und gleich fing sie an, eine Menge toter Spinnen und Fliegen in ihr
+Nest zu tragen.
+
+"Aber wozu soll das?" fragte endlich ihre Mutter.
+
+"Wozu? Das ist Vorrat für den bösen Winter, liebe Mutter. Sammle
+doch auch! Die Ameisen haben mich diese Vorsicht gelehrt"
+
+"Laß nur die Ameisen!" versetzte die Mutter. "Uns Schwalben hat die
+Natur ein schöneres Los bereitet. Wenn der reiche Sommer sich wendet,
+dann ziehen wir fort von hier."
+
+
+
+
+Jupiter und das Schaf
+
+Ein Schafweibchen lebte in einer spärlich bewachsenen Gebirgsgegend.
+Es mußte viel von anderen Tieren erleiden und war ständig auf der
+Flucht vor Feinden. Ein Adler kreiste oft über diesem Gebiet, und das
+Schafweibchen war gezwungen, immer wieder ihr kleines Schäfchen zu
+verstecken. Auch mußte es achtgeben, daß der Wolf es nicht entdeckte,
+denn dieser strolchte auf dem dichtbebuschten Nachbarhügel herum.
+Außerdem war es wirklich ein Wunder, daß der Bär aus der waldigen
+Schlucht unter ihm es und sein Kind mit seinen riesigen Pranken noch
+nicht erwischt hatte.
+
+An einem Sonntag beschloß das Schaf, zum Himmelsgott zu wandern und
+ihn um Hilfe zu bitten. Demütig trat es vor Jupiter und schilderte
+ihm sein Leid. "Ich sehe wohl, mein frommes Geschöpf, daß ich dich
+allzu schutzlos geschaffen habe", sprach der Gott freundlich, "darum
+will ich dir auch helfen. Aber du mußt selber wählen, was für eine
+Waffe ich dir zu deiner Verteidigung geben soll. Willst du vielleicht,
+daß ich dein Gebiß mit scharfen Fang- und Reißzähnen ausrüste und
+deine Füße mit spitzen Krallen bewaffne?"
+
+Das Schaf schauderte. "O nein, gütiger Vater, ich möchte mit den
+wilden, mörderischen Raubtieren nichts gemein haben."
+
+"Soll ich deinen Mund mit Giftwerkzeugen wappnen?" Das Schaf wich bei
+dieser Vorstellung einen Schritt zurück. "Bitte nicht, gnädiger
+Herrscher, die Giftnattern werden ja überall so sehr gehaßt."
+
+"Nun, was willst du dann haben?" fragte Jupiter geduldig. "Ich könnte
+Hörner auf deine Stirn pflanzen, würde dir das gefallen?"
+
+"Auch das bitte nicht", wehrte das Schaf schüchtern ab, "mit meinem
+Gehörn könnte ich so streitsüchtig oder gewalttätig werden wie ein
+Bock."
+
+"Mein liebes Schaf", belehrte Jupiter sein sanftmütiges Geschöpf,
+"wenn du willst, daß andere dir keinen Schaden zufügen, so mußt du
+gezwungenerweise selber schaden können."
+
+"Muß ich das?" seufzte das Schaf und wurde nachdenklich. Nach einer
+Weile sagte es: "Gütiger Vater, laß mich doch lieber so sein, wie ich
+bin. Ich fürchte, daß ich die Waffen nicht nur zur Verteidigung
+gebrauchen würde, sondern daß mit der Kraft und den Waffen zugleich
+auch die Lust zum Angriff erwacht."
+
+Jupiter warf einen liebevollen Blick auf das Schaf, und es trabte in
+das Gebirge zurück. Von dieser Stunde an klagte das Schaf nie mehr
+über sein Schicksal.
+
+
+
+
+Merops
+
+"Ich muß dich doch etwas fragen", sprach ein junger Adler zu einem
+tiefsinnigen grundgelehrten Uhu. "Man sagt, es gäbe einen Vogel mit
+Namen Merops, der, wenn er in die Luft steige, mit dem Schwanze voraus,
+den Kopf gegen die Erde gekehrt, fliege. Ist das wahr?"
+
+"Ei nicht doch!" antwortete der Uhu; "das ist eine alberne Erdichtung
+des Menschen. Er mag selbst ein solcher Merops sein, weil er nur gar
+zu gern den Himmel erfliegen möchte, ohne die Erde auch nur einen
+Augenblick aus dem Gesichte zu verlieren."
+
+
+
+
+Minerva
+
+Laß sie doch, Freund! laß sie, die kleinen hämischen Neider deines
+wachsenden Ruhmes! Warum will dein Witz ihre der Vergessenheit
+bestimmte Namen verewigen?
+
+In dem unsinnigen Kriege, welchen die Riesen wider die Götter führten,
+stellten die Riesen der Minerva einen schrecklichen Drachen entgegen.
+Minerva aber ergriff den Drachen und schleuderte ihn mit gewaltiger
+Hand an das Firmament. Da glänzt er noch, und was so oft großer Taten
+Belohnung war, ward des Drachens beneidenswürdige Strafe.
+
+
+
+
+Zeus und das Pferd
+
+"Vater der Tiere und Menschen", so sprach das Pferd und nahte sich dem
+Throne des Zeus, "man will, ich sei eines der schönsten Geschöpfe,
+womit du die Welt geziert, und meine Eigenliebe heißt es mich glauben.
+Aber sollte gleichwohl nicht noch verschiedenes an mit zu bessern
+sein?" "Und was meinst du denn, das an dir zu bessern sei? Rede, ich
+nehme Lehre an", sprach der gute Gott und lächelte.
+
+"Vielleicht", sprach das Pferd weiter, "würde ich flüchtiger sein,
+wenn meine Beine höher und schmächtiger wären; ein langer Schwanenhals
+würde mich nicht verstellen; eine breitere Brust wurde meine Stärke
+vermehren; und da du mich doch einmal bestimmt hast, deinen Liebling,
+den Menschen, zu tragen, so könnte mir ja wohl der Sattel anerschaffen
+sein, den mir der wohltätige Reiter auflegt."
+
+"Gut", versetzte Zeus, "gedulde dich einen Augenblick!" Zeus, mit
+ernstem Gesichte, sprach das Wort der Schöpfung. Da quoll Leben in
+den Staub, da verband sich organisierter Stoff; und plötzlich stand
+vor dem Throne--das häßliche Kamel.
+
+Das Pferd sah, schauderte und zitterte vor entsetzendem Abscheu.
+
+"Hier sind höhere und mächtigere Beine", sprach Zeus; "hier ist ein
+langer Schwanenhals; hier ist eine breite Brust; hier ist der
+anerschaffene Sattel! Willst du, Pferd, daß ich dich so umbilden
+soll?"
+
+Das Pferd zitterte noch.
+
+"Geh", fuhr Zeus fort; "dieses Mal sei belehrt, ohne bestraft zu
+werden. Dich deiner Vermessenheit aber dann und wann reuend zu
+erinnern, so daure du fort, neues Geschöpf"--Zeus warf einen
+erhaltenden Blick auf das Kamel--"und das Pferd erblicke dich nie,
+ohne zu schaudern."
+
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Ausgewählte Fabeln, von Gotthold
+Ephraim Lessing.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Ausgewählte Fabeln, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AUSGEWÄHLTE FABELN ***
+
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+Produced by Delphine Lettau and Mike Pullen
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+so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
+States without permission and without paying copyright
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+of this license, apply to copying and distributing Project
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
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+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
+agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
+electronic works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
+Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
+of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
+works in the collection are in the public domain in the United
+States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
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+mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
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+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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+The Project Gutenberg EBook of Ausgewählte Fabeln, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
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+this or any other Project Gutenberg eBook.
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+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
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+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Ausgewählte Fabeln
+
+Author: Gotthold Ephraim Lessing
+
+Release Date: November, 2005 [EBook #9375]
+[This file was first posted on September 26, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: US-ASCII
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, AUSGEWäHLTE FABELN ***
+
+
+
+
+E-text prepared by Delphine Lettau and Mike Pullen
+
+
+
+
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 7-bit version.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+Ausgewaehlte Fabeln
+
+Gotthold Ephraim Lessing
+
+1759
+
+
+
+
+
+
+
+Inhalt:
+
+Das Geschenk der Feien
+Das Ross und der Stier
+Der Affe und der Fuchs
+Der Besitzer des Bogens
+Der Esel mit dem Loewen
+Der Esel und das Jagdpferd
+Der Esel und der Wolf
+Der Fuchs
+Der Geizige
+Der Hamster und die Ameise
+Der Hirsch
+Der Hirsch und der Fuchs
+Der Knabe und die Schlange
+Der Loewe mit dem Esel
+Der Loewe und der Hase
+Der Pelikan
+Der Phoenix
+Der Rabe
+Der Rabe und der Fuchs
+Der Rangstreit der Tiere
+Der Sperling und der Strauss
+Der Strauss
+Der Wolf auf dem Todbette
+Der Wolf und der Schaefer
+Der hungrige Fuchs
+Der junge und der alte Hirsch
+Die Eiche
+Die Eiche und das Schwein
+Die Erscheinung
+Die Eule und der Schatzgraeber
+Die Furien
+Die Gans
+Die Geschichte des alten Wolfs
+Die Nachtigall und die Lerche
+Die Pfauen und die Kraehe
+Die Schwalbe
+Die Sperlinge
+Die Traube
+Die Wasserschlange
+Die Ziegen
+Die eherne Bildsaeule
+Die junge Schwalbe
+Jupiter und das Schaf
+Merops
+Minerva
+Zeus und das Pferd
+
+
+
+
+Das Geschenk der Feien
+
+Zu der Wiege eines jungen Prinzen, der in der Folge einer der groessten
+Regenten seines Landes ward, traten zwei wohltaetige Feien.
+
+"Ich schenke diesem meinem Lieblinge", sagte die eine, "den
+scharfsichtigen Blick des Adlers, dem in seinem weiten Reiche auch die
+kleinste Muecke nicht entgeht."
+
+"Das Geschenk ist schoen", unterbrach sie die zweite Feie. "Der Prinz
+wird ein einsichtsvoller Monarch werden. Aber der Adler besitzt nicht
+allein Scharfsichtigkeit, die kleinsten Muecken zu bemerken, er besitzt
+auch eine edle Verachtung, ihnen nicht nachzujagen. Und diese nehme
+der Prinz von mir zum Geschenk!"
+
+"Ich danke dir, Schwester, fuer diese weise Einschraenkung", versetzte
+die erste Feie. "Es ist wahr; viele wuerden weit groessere Koenige
+gewesen sein, wenn sie sich weniger mit ihrem durchdringenden
+Verstande bis zu den kleinsten Angelegenheiten haetten erniedrigen
+wollen."
+
+
+
+
+Das Ross und der Stier
+
+Auf einem feurigen Rosse flog stolz ein dreister Knabe daher. Da rief
+ein wilder Stier dem Rosse zu: "Schande! Von einem Knaben liess ich
+mich nicht regieren!"
+
+"Aber ich", versetzte das Ross. "Denn was fuer Ehre koennte es mir
+bringen, einen Knaben abzuwerfen?"
+
+
+
+
+Der Affe und der Fuchs
+
+"Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen koennte!"
+so prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: "Un du,
+nenne mir ein so geringschaetziges Tier, dem es einfallen koennte, dir
+nachzuahmen."
+
+Schriftsteller meiner Nation!--Muss ich mich noch deutlicher erklaeren?
+
+
+
+
+Der Besitzer des Bogens
+
+Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr
+weit und sehr sicher schoss, und den er ungemein wert hielt. Einst
+aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: "Ein wenig zu
+plump bist du doch! All deine Zierde ist die Glaette. Schade!--Doch
+dem ist abzuhelfen!" fiel ihm ein. "Ich will hingehen und den besten
+Kuenstler Bilder in den Bogen schnitzen lassen."--Er ging hin, und der
+Kuenstler schnitzte eine ganze Jagd auf den Bogen, und was haette sich
+besser auf einem Bogen geschickt als eine Jagd?
+
+Der Mann war voller Freuden. "Du verdienst diese Zieraten, mein
+lieber Bogen!"--Indem will er ihn versuchen, er spannt, und der Bogen--
+zerbricht.
+
+
+
+
+Der Esel mit dem Loewen
+
+Als der Esel mit dem Loewen des Aesopus, der ihn statt seines Jaegerhorns
+brauchte, nach dem Walde ging, begegnete ihm ein anderer Esel von
+seiner Bekanntschaft und rief ihm zu: "Guten Tag, mein Bruder!"--
+
+"Unverschaemter!" war die Antwort.--
+
+"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit
+einem Loewen gehst, besser als ich, mehr als ein Esel?"
+
+
+
+
+Der Esel und das Jagdpferd
+
+Ein Esel vermass sich, mit einem Jagdpferd um die Wette zu laufen. Die
+Probe fiel erbaermlich aus, und der Esel ward ausgelacht. "Ich merke
+nun wohl", sagte der Esel, "woran es gelegen hat; ich trat mir vor
+einigen Monaten einen Dorn in den Fuss, und der schmerzt mich noch."
+
+"Entschuldigen Sie mich", sagte der Kanzelredner Liederhold, "wenn
+meine heutige Predigt so gruendlich und erbaulich nicht gewesen, als
+man sie von dem gluecklichen Nachahmer eines Mosheims erwartet haette;
+ich habe, wie Sie hoeren, einen heisern Hals, und den schon seit acht
+Tagen."
+
+
+
+
+Der Esel und der Wolf
+
+Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe. "Habe Mitleid mit mir",
+sagte der zitternde Esel, "ich bin ein armes krankes Tier; sieh nur,
+was fuer einen Dorn ich mir in den Fuss getreten habe!"
+
+"Wahrhaftig, du dauerst mich", versetzte der Wolf. "Und ich finde
+mich in meinem Gewissen verbunden, dich von deinen Schmerzen zu
+befreien."
+
+Kaum ward das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen.
+
+
+
+
+Der Fuchs
+
+Ein verfolgter Fuchs rettete sich auf eine Mauer. Um auf der andern
+Seite gut herabzukommen, ergriff er einen nahen Dornstrauch. Er liess
+sich auch gluecklich daran nieder, nur dass ihn die Dornen schmerzlich
+verwundeten. "Elende Helfer", rief der Fuchs, "die nicht helfen
+koennen, ohne zugleich zu schaden!"
+
+
+
+
+Der Geizige
+
+"Ich Ungluecklicher!" klagte ein Geizhals seinem Nachbar. "Man hat mir
+den Schatz, den ich in meinem Garten vergraben hatte, diese Nacht
+entwendet und einen verdammten Stein an dessen Stelle gelegt."
+
+"Du wuerdest", antwortete ihm der Nachbar, "deinen Schatz doch nicht
+genutzt haben. Bilde dir also ein, der Stein sei dein Schatz; und du
+bist nichts aermer."
+
+"Waere ich schon nichts aermer", erwiderte der Geizhals; "ist ein andrer
+nicht um so viel reicher? Ein andrer um so viel reicher! Ich moechte
+rasend werden."
+
+
+
+
+Der Hamster und die Ameise
+
+"Ihr armseligen Ameisen", sagte ein Hamster. Verlohnt es sich der
+Muehe, dass ihr den ganzen Sommer arbeitet, um ein so Weniges
+einzusammeln? Wenn ihr meinen Vorrat sehen solltet!--"
+
+"Hoere", antworibete eine Ameise, "wenn er groesser ist, als du ihn
+brauchst, so ist es schon recht, dass die Menschen dir nachgraben,
+deine Scheuern ausleeren und dich deinen raeuberischen Geiz mit dem
+Leben buessen lassen!"
+
+
+
+
+Der Hirsch
+
+Die Natur hatte einen Hirsch von mehr als gewoehnlicher Groesse gebildet,
+und an seinem Halse hingen ihm lange Haare herab. Da dachte der
+Hirsch bei sich selbst: Du koenntest dich ja wohl fuer ein Elend ansehen
+lassen. Und was tat der Eitle, ein Elend zu scheinen? Er hing den
+Kopf traurig zur Erde und stellte sich, sehr oft das boese Wesen zu
+haben.
+
+So glaubt nicht selten ein witziger Geck, dass man ihn fuer keinen
+schoenen Geist halten werde, wenn er nicht ueber Kopfweh und Hypochonder
+klage.
+
+
+
+
+Der Hirsch und der Fuchs
+
+Der Hirsch sprach zu dem Fuchse: "Nun weh uns armen schwaecheren Tieren!
+Der Loewe hat sich mit dem Wolfe verbunden."
+
+"Mit dem Wolfe?" sagte der Fuchs. "Das mag noch hingehen! Der Loewe
+bruellt, der Wolf heult und so werdet, ihr euch noch oft beizeiten mit
+der Flucht retten koennen. Aber alsdenn, alsdenn moechte es um uns alle
+geschehen sein, wenn es dem gewaltigen Loewen einfallen sollte, sich
+mit dem schleichenden Luchse zu verbinden."
+
+
+
+
+Der Knabe und die Schlange
+
+Ein Knabe spielte mit einer zahmen Schlange. "Mein liebes Tierchen",
+sagte der Knabe, "ich wuerde mich mit dir so gemein nicht machen, wenn
+dir das Gift nicht benommen waere. Ihr Schlangen seid die boshaftesten,
+undankbarsten Geschoepfe! Ich habe es wohl gelesen, wie es einem
+armen Landmanne ging, der eine, vielleicht von deinen Ureltern, die er
+halb erfroren unter einer Hecke fand, mitleidig aufhob und sie in
+seinen erwaermenden Busen steckte. Kaum fuehlte sich die Boese wieder,
+als sie ihren Wohltaeter biss; und der gute freundliche Mann musste
+sterben."
+
+"Ich erstaune", sagte die Schlange, "wie parteiisch eure
+Geschichtschreiber sein muessen! Die unsrigen erzaehlen diese Historie
+ganz anders. Dein freundlicher Mann glaubte, die Schlange sei
+wirklich erfroren, und weil es eine von den bunten Schlangen war, so
+steckte er sie zu sich, ihr zu Hause die schoene Haut abzustreiten.
+War das recht?"
+
+"Ach, schweig nur", erwiderte der Knabe. "Welcher Undankbare haette
+sich nicht zu entschuldigen gewusst!"
+
+"Recht, mein Sohn", fiel der Vater, der dieser Unterredung zugehoert
+hatte, dem Knaben ins Wort. "Aber gleichwohl, wenn du einmal von
+einem ausserordentlichen Undanke hoeren solltest, so untersuche ja alle
+Umstaende genau, bevor du einen Menschen mit so einem abscheulichen
+Schandflecke brandmarken laessest. Wahre Wohltaeter haben selten
+Undankbare verpflichtet; ja, ich will zur Ehre der Menschheit hoffen--
+niemals. Aber die Wohltaeter mit kleinen eigennuetzigen Absichten, die
+sind es wert, mein Sohn, dass sie Undank anstatt Erkenntlichkeit
+einwuchern."
+
+
+
+
+Der Loewe mit dem Esel
+
+Als des Aesopus Loewe mit dem Esel, der ihm durch seine fuerchterliche
+Stimme die Tiere sollte jagen helfen, nach dem Walde ging, rief ihm
+eine naseweise Kraehe von dem Baume zu: "Ein schoener Gesellschafter!
+Schaemst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?"--"Wen ich brauchen
+kann", versetzte der Loewe, "dem kann ich ja wohl meine Seite goennen."
+
+So denken die Grossen alle, wenn sie einen Niedrigen ihrer Gemeinschaft
+wuerdigen.
+
+
+
+
+Der Loewe und der Hase
+
+Ein Loewe wuerdigte einen drolligen Hasen seiner naeheren Bekanntschaft.
+"Aber ist es denn wahr", fragte ihn einst der Hase, "dass euch Loewen
+ein elender kraehender Hahn so leicht verjagen kann?"
+
+"Allerdings ist es wahr", antwortete der Loewe; "und es ist eine
+allgemeine Anmerkung, dass wir grossen Tiere durchgaengig eine gewisse
+kleine Schwachheit an uns haben. So wirst du, zum Exempel, von dem
+Elefanten gehoert haben, dass ihm das Grunzen eines Schweins Schauder
+und Entsetzen erwecket."
+
+"Wahrhaftig?" unterbrach ihn der Hase. "Ja, nun begreif' ich auch,
+warum wir Hasen uns so entsetzlich vor den Hunden fuerchten."
+
+
+
+
+Der Pelikan
+
+Fuer wohlgeratene Kinder koennen Eltern nicht zu viel tun. Aber wenn
+sich ein bloeder Vater fuer einen ausgearteten Sohn das Blut vom Herzen
+zapft, dann wird Liebe zur Torheit.
+
+Ein frommer Pelikan, da er seine Jungen schmachten sah, ritzte sich
+mit scharfem Schnabel die Brust auf und erquickte sie mit seinem Blute.
+"Ich bewundere deine Zaertlichkeit", rief ihm ein Adler zu, "und
+bejammere deine Blindheit. Sieh doch, wie manchen nichtswuerdigen
+Kuckuck du unter deinen Jungen mit ausgebruetet hast!"
+
+So war es auch wirklich; denn auch ihm hatte der kalte Kuckuck seine
+Eier untergeschoben.--Waren es undankbare Kuckucke wert, dass ihr Leben
+so teuer erkauft wurde?
+
+
+
+
+Der Phoenix
+
+Nach vielen Jahrhunderten gefiel es dem Phoenix, sich wieder einmal
+sehen zu lassen. Er erschien, und alle Tiere und Voegel versammelten
+sich um ihn. Sie gafften, sie staunten, sie bewunderten und brachen
+in entzueckendes Lob aus.
+
+Bald aber verwandten die besten und geselligsten mitleidsvoll ihre
+Blicke und seufzten: "Der unglueckliche Phoenix! Ihm ward das harte Los,
+weder Geliebte noch Freunde zu haben; denn er ist der einzige seiner
+Art!"
+
+
+
+
+Der Rabe
+
+Der Rabe bemerkte, dass der Adler ganze dreissig Tage ueber seinen Eiern
+bruetete. "Und daher kommt es ohne Zweifel", sprach er, "dass die
+jungen des Adlers so scharfsichtig und stark werden. Gut! Das will
+ich auch tun." Und seitdem bruetet der Rabe ganze dreissig Tage ueber
+seinen Eiern; aber noch hat er nichts als elende Raben ausgebruetet.
+
+
+
+
+Der Rabe und der Fuchs
+
+Ein Rabe trug ein Stueck vergiftetes Fleisch, das der erzuernte Gaertner
+fuer die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen
+fort. Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich
+ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel des
+Jupiters!"
+
+--"Fuer wen siehst du mich an?" fragte der Rabe. "Fuer wen ich dich
+ansehe?" erwiderte der Fuchs. "Bist du nicht der ruestige Adler, der
+taeglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich
+Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in
+der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich
+zu schicken noch fortfaehrt?"
+
+Der Rabe erstaunte und freute sich innig, fuer einen Adler gehalten zu
+werden. Ich muss, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen.
+--Grossmuetig dumm liess er ihm also seinen Raub herabfallen und flog
+stolz davon.
+
+Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und frass es mit boshafter
+Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes
+Gefuehl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.
+
+Moechtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte
+Schmeichler!
+
+
+
+
+Der Rangstreit der Tiere
+
+In vier Fabeln
+
+
+1.
+
+Es entstand ein hitziger Rangstreit unter den Tieren. Ihn zu
+schlichten, sprach das Pferd, "lasset uns den Menschen zu Rate ziehen;
+er ist keiner von den streitenden Teilen und kann desto unparteiischer
+sein."
+
+"Aber hat er auch den Verstand dazu?" liess sich ein Maulwurf hoeren.
+"Er braucht wirklich den allerfeinsten, unsere oft tief versteckten
+Vollkommenheiten zu erkennen."
+
+"Das war sehr weislich erinnert!" sprach der Hamster.
+
+"Jawohl!" rief auch der Igel. "Ich glaube es nimmermehr, dass der
+Mensch Scharfsichtigkeit genug besitzt."
+
+"Schweigt ihr!" befahl das Pferd. "Wir wissen es schon: Wer sich auf
+die Guete seiner Sache am wenigsten zu verlassen hat, ist immer am
+fertigsten, die Einsicht seines Richters in Zweifel zu ziehen."
+
+
+2.
+
+Der Mensch ward Richter.--"Noch ein Wort", rief ihm der majestaetische
+Loewe zu, "bevor du den Ausspruch tust! Nach welcher Regel, Mensch,
+willst du unsern Wert bestimmen?"
+
+"Nach welcher Regel? Nach dem Grade, ohne Zweifel", antwortete der
+Mensch, "in welchem ihr mir mehr oder weniger nuetzlich seid."
+
+"Vortrefflich!" versetzte der beleidigte Loewe. "Wie weit wuerde ich
+alsdann unter dem Esel zu stehen kommen! Du kannst unser Richter
+nicht sein, Mensch! Verlass die Versammlung!"
+
+
+3.
+
+Der Mensch entfernte sich.--"Nun", sprach der hoehnische Maulwurf,--
+(und ihm stimmten der Hamster und der Igel wieder bei)--"siehst du,
+Pferd? der Loewe meint es auch, dass der Mensch unser Richter nicht
+sein kann. Der Loewe denkt wie wir."
+
+"Aber aus besseren Gruenden als ihr!" sagte der Loewe, und warf ihnen
+einen veraechtlichen Blick zu.
+
+
+4.
+
+Der Loewe fuhr weiter fort: "Der Rangstreit, wenn ich es recht ueberlege,
+ist ein nichtswuerdiger Streit! Haltet mich fuer den Vornehmsten oder
+den Geringsten; es gilt mir gleichviel. Genug, ich kenne mich!"--Und
+so ging er aus der Versammlung.
+
+Ihm folgte der weise Elefant, der kuehne Tiger, der ernsthafte Baer, der
+kluge Fuchs, das edle Pferd; kurz alle, die ihren Wert fuehlten oder zu
+fuehlen glaubten.
+
+Die sich am letzten wegbegeben und ueber die zerrissene Versammlung am
+meisten murrten, waren--der Affe und der Esel.
+
+
+
+
+Der Sperling und der Strauss
+
+"Sei auf deine Groesse, auf deine Staerke so stolz wie du willst", sprach
+der Sperling zu dem Strausse; "ich bin doch mehr ein Vogel als du.
+Denn du kannst nicht fliegen, ich aber fliege, obgleich nicht hoch,
+obgleich nur ruckweise."
+
+Der leichte Dichter eines froehlichen Trinkliedes, eines kleinen
+verliebten Gesanges, ist mehr ein Genie, als der schwunglose Schreiber
+einer langen Hermanniade.
+
+
+
+
+Der Strauss
+
+"Jetzt will ich fliegen!" rief der gigantische Strauss, und das ganze
+Volk der Voegel stand in ernster Erwartung um ihn versammelt. "Jetzt
+will ich fliegen", rief er nochmals, breitete die gewaltigen Fittiche
+weit aus und schoss, gleich einem Schiffe mit aufgespannten Segeln, auf
+dem Boden dahin, ohne ihn mit einem Tritte zu verlieren.
+
+Sehet da ein poetisches Bild jener unpoetischen Koepfe, die in den
+ersten Zeilen ihrer ungeheuren Oden mit stolzen Schwingen prahlen,
+sich ueber Wolken und Sterne zu erheben drohen und dem Staube doch
+immer getreu bleiben!
+
+
+
+
+Der Wolf auf dem Todbette
+
+Der Wolf lag in den letzten Zuegen und schickte einen pruefenden Blick
+auf sein vergangenes Leben zurueck. "Ich bin freilich ein Suender",
+sagte er; "aber doch, ich hoffe, keiner von den groessten. Ich habe
+Boeses getan; aber auch viel Gutes. Einstmals, erinnere ich mich, kam
+mir ein bloekendes Lamm, welches sich von der Herde verirrt hatte, so
+nahe, dass ich es gar leicht haette erwuergen koennen; und ich tat ihm
+nichts. Zu eben dieser Zeit hoerte ich die Spoettereien und Schmaehungen
+eines Scbafes mit der bewunderungswuerdigsten Gleichgueltigkeit an, ob
+ich schon keine schaetzenden Hunde zu fuerchten hatte."
+
+"Und alles kann ich dir bezeugen", fiel ihm Freund Fuchs, der ihn zum
+Tode bereiten half, ins Wort. "Denn ich erinnere mich noch gar wohl
+aller Umstaende dabei. Es war zu eben der Zeit, als du dich an dem
+Beine so jaemmerlich wuergtest, das dir der gutherzige Kranich hernach
+aus dem Schlunde zog."
+
+
+
+
+Der Wolf und der Schaefer
+
+Ein Schaefer hatte durch eine grausame Seuche seine ganze Herde
+verloren. Das erfuhr der Wolf und kam, seine Kondolenz abzustatten.
+
+"Schaefer", sprach er, "ist es wahr, dass dich ein so grausames Unglueck
+betroffen? Du bist um deine ganze Herde gekommen? Die liebe, fromme,
+fette Herde? Du dauerst, mich, und ich moechte blutige Traenen weinen."
+
+"Habe Dank, Meister Isegrim", versetzte der Schaefer. "Ich sehe, du
+hast ein sehr mitleidiges Herz."
+
+"Das hat er auch wirklich", fuegte des Schaefers Hylax hinzu, "so oft er
+unter dem Ungluecke seines Naechsten selbst leidet."
+
+
+
+
+Der hungrige Fuchs
+
+"Ich bin zu einer ungluecklichen Stunde geboren!" so klagte ein junger
+Fuchs einem alten. "Fast keiner von meinen Anschlaegen will mir
+gelingen."--"Deine Anschlaege", sagte der aeltere Fuchs, "werden ohne
+Zweifel doch klug sein. Lass doch hoeren, wann machst du deine
+Anschlaege?" "Wann ich sie mache? Wann anders, als wenn mich hungert?"
+--"Wenn dich hungert?" fuhr der alte Fuchs fort. "Ja! da haben wir es!
+Hunger und Ueberlegung sind nie beisammen. Mache sie kuenftig, wenn
+du satt bist; und sie werden besser ausfallen."
+
+
+
+
+Der junge und der alte Hirsch
+
+Ein Hirsch, den die guetige Natur Jahrhunderte hat leben lassen, sagte
+einst zu einem seiner Enkel: "Ich kann mich der Zeit noch sehr wohl
+erinnern, da der Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfunden
+hatte."
+
+"Welche glueckliche Zeit muss das fuer unser Geschlecht gewesen sein!"
+seufzte der Enkel.
+
+"Du schliessest zu geschwind!" sagte der alte Hirsch. "Die Zeit war
+anders, aber nicht besser. Der Mensch hatte da, anstatt des
+Feuerrohrs, Pfeile und Bogen, und wir waren ebenso schlimm daran als
+jetzt."
+
+
+
+
+Die Eiche
+
+Der rasende Nordwind hatte seine Staerke in einer stuermischen Nacht an
+einer erhabenen Eiche bewiesen. Nun lag sie gestreckt, und eine Menge
+niedriger Straeucher lagen unter ihr zerschmettert. Ein Fuchs, der
+seine Grube nicht weit davon hatte, sah sie des Morgens darauf. "Was
+fuer ein Baum!" rief er. "Haette ich doch nimmermehr gedacht, dass er so
+gross gewesen waere!"
+
+
+
+
+Die Eiche und das Schwein
+
+Ein gefraessiges Schwein maestete sich unter einer hohen Eiche mit der
+herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte
+es bereits eine andere mit dem Auge.
+
+"Undankbares Vieh!" rief endlich der Eichbaum herab. "Du naehrst dich
+von meinen Fruechten ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in
+die Hoehe zu richten."
+
+Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort:
+"Meine dankbaren Blicke sollten nicht aussen bleiben, wenn ich nur
+wuesste, dass du deine Eicheln meinetwegen haettest fallen lassen."
+
+
+
+
+Die Erscheinung
+
+In der einsamsten Tiefe jenes Waldes, wo ich schon manches redende
+Tier belauscht, lag ich an einem sanften Wasserfalle und war bemueht,
+einem meiner Maerchen den leichten poetischen Schmuck zu geben, in
+welchem am liebsten zu erscheinen La Fontaine die Fabel fast verwoehnt
+hat. Ich sann, ich waehlte, ich verwarf, die Stirne gluehte--Umsonst,
+es kam nichts auf das Blatt. Voll Unwill sprang ich auf; aber sieh!--
+auf einmal stand sie selbst, die fabelnde Muse vor mir.
+
+Und sie sprach laechelnd: "Schueler, wozu die undankbare Muehe? Die
+Wahrheit braucht die Anmut der Fabel; aber wozu braucht die Fabel die
+Anmut der Harmonie? Du willst das Gewuerze wuerzen. G'nug, wenn die
+Erfindung des Dichters ist; der Vortrag sei des ungekuenstelten
+Geschichtsschreibers, so wie der Sinn des Weltweisen."
+
+Ich wollte antworten, aber die Muse verschwand. "Sie verschwand?"
+hoere ich einen Leser fragen. "Wenn du uns doch nur wahrscheinlicher
+taeuschen wolltest! Die seichten Schluesse, auf die dein Unvermoegen
+dich fuehrte, der Muse in den Mund zu legen! Zwar ein gewoehnlicher
+Betrug-"
+
+Vortrefflich, mein Leser! Mir ist keine Muse erschienen. Ich erzaehle
+eine blosse Fabel, aus der du selbst die Lehre gezogen. Ich bin nicht
+der erste und werde nicht der letzte sein, der seine Grillen zu
+Orakelspruechen einer goettlichen Erscheinung macht.
+
+
+
+
+Die Eule und der Schatzgraeber
+
+Jener Schatzgraeber war ein sehr unbilliger Mann. Er wagte sich in die
+Ruinen eines alten Raubschlosses und ward da gewahr, dass die Eule eine
+magere Maus ergriff und verzehrte. "Schickt sich das", sprach er,
+"fuer den philosophischen Liebling Minervens?"
+
+"Warum nicht?" versetzte die Eule. "Weil ich stille Betrachtungen
+liebe, kann ich deswegen von der Luft leben? Ich weiss zwar, dass ihr
+Menschen es von euren Gelehrten verlanget--"
+
+
+
+
+Die Furien
+
+"Meine Furien", sagte Pluto zu dem Boten der Goetter, "werden alt und
+stumpf. Ich brauche frische. Geh also, Merkur, und suche mir auf der
+Oberwelt drei tuechtige Weibspersonen dazu aus." Merkur ging.
+
+Kurz darauf sagte Juno zu ihrer Dienerin: "Glaubtest du wohl, Iris,
+unter den Sterblichen zwei oder drei vollkommen strenge, zuechtige
+Maedchen zu finden? Aber vollkommen strenge! Verstehst du mich? Um
+Cytheren hohnzusprechen, die sich das ganze weibliche Geschlecht
+unterworfen zu haben ruehmt. Geh immer und sieh, wo du sie auftreibst."
+Iris ging.--
+
+In welchem Winkel der Erde suchte nicht die gute Iris! Und dennoch
+umsonst! Sie kam ganz allein wieder, und Juno rief ihr entgegen: "Ist
+es moeglich? O Keuschheit! O Tugend!"
+
+"Goettin", sagte Iris, "ich haette dir wohl drei Maedchen bringen koennen,
+die alle drei vollkommen streng und zuechtig gewesen; die alle drei nie
+einer Mannsperson gelaechelt, die alle drei den geringsten Funken der
+Liebe in ihren Herzen erstickt; aber ich kam, leider, zu spaet."
+
+"Zu spaet?" sagte Juno. "Wieso?"
+
+"Eben hatte sie Merkur fuer den Pluto abgeholt."
+
+"Fuer den Pluto? Und wozu will Pluto diese Tugendhaften?"
+
+"Zu Furien."
+
+
+
+
+Die Gans
+
+Die Federn einer Gans beschaemten den neugeborenen Schnee. Stolz auf
+dieses blendende Geschenk der Natur glaubte sie eher zu einem Schwane
+als zu dem, was sie war, geboren zu sein. Sie sonderte sich von
+ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestaetisch auf dem Teiche
+herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verraeterischer Kuerze sie
+mit aller Macht abhelfen wollte; bald suchte sie ihm die praechtige
+Biegung zu geben, in welcher der Schwan das wuerdige Ansehen eines
+Vogels des Apollo hat. Doch vergebens; er war zu steif, und mit aller
+ihrer Bemuehung brachte sie es nicht weiter, als dass sie eine
+laecherliche Gans ward, ohne ein Schwan zu werden.
+
+
+
+
+Die Geschichte des alten Wolfs
+
+in sieben Fabeln
+
+1.
+
+Der boese Wolf war zu Jahren gekommen und fasste den gleissenden
+Entschluss, mit den Schaefern auf einem guetlichen Fuss zu leben. Er
+machte sich also auf und kam zu dem Schaefer, dessen Horden seiner
+Hoehle die naechsten waren.
+
+"Schaefer", sprach er, "du nennst mich den blutgierigsten Raeuber, der
+ich doch wirklich nicht bin. Freilich muss ich mich an deine Schafe
+halten, wenn mich hungert; denn Hunger tut weh. Schuetze mich nur vor
+dem Hunger; mache mich nur satt, und du sollst mit mir recht wohl
+zufrieden sein. Denn ich bin wirklich das zahmste, sanftmuetigste Tier,
+wenn ich satt bin."
+
+"Wenn du satt bist? Das kann wohl sein", versetzte der Schaefer.
+"Aber wann bist du denn satt? Du und der Geiz werden es nie. Geh
+deinen Weg!"
+
+2.
+
+Der abgewiesene Wolf kam zu einem zweiten Schaefer.
+
+"Du weisst, Schaefer", war seine Anrede, "dass ich dir das Jahr durch
+manches Schaf wuergen koennte. Willst du mir ueberhaupt jedes Jahr sechs
+Schafe geben, so bin ich zufrieden. Du kannst alsdann sicher schlafen
+und die Hunde ohne Bedenken abschaffen."
+
+"Sechs Schafe?" sprach der Schaefer, "das ist ja eine ganze Herde!"
+
+"Nun, weil du es bist, so will ich mich mit fuenfen begnuegen", sagte
+der Wolf.
+
+"Du scherzest, fuenf Schafe! Mehr als fuenf Schafe opfere ich kaum im
+ganzen Jahre dem Pan."
+
+"Auch nicht viere?" fragte der Wolf weiter; und der Schaefer schuettelte
+spoettisch den Kopf.
+
+"Drei?--Zwei?"
+
+"Nicht ein einziges", fiel endlich der Bescheid, "denn es waere ja wohl
+toericht, wenn ich mich einem Feinde zinsbar machte, vor welchem ich
+mich durch meine Wachsamkeit sichern kann."
+
+3.
+
+Aller guten Dinge sind drei, dachte der Wolf und kam zu einem dritten
+Schaefer.
+
+"Es geht mir recht nahe", sprach er, "dass ich unter euch Schaefern als
+das grausamste, gewissenloseste Tier verschrien bin. Dir, Montan,
+will ich jetzt beweisen, wie unrecht man mir tut. Gib mir jaehrlich
+ein Schaf, so soll deine Herde in jenem Walde, den niemand unsicher
+macht als ich, frei und unbeschaedigt weiden duerfen. Ein Schaf!
+Welche Kleinigkeit! Koennte ich grossmuetiger, koennte ich
+uneigennuetziger handeln?--Du lachst, Schaefer? Worueber lachst du denn?"
+
+"Oh, ueber nichts! Aber wie alt bist du, guter Freund?" sprach der
+Schaefer.
+
+"Was geht dich mein Alter an? Immer noch alt genug, dir deine
+liebsten Laemmer zu wuergen."
+
+"Erzuerne dich nicht, alter Isegrim! Es tut mir leid, dass du mit
+deinem Vorschlage einige Jahre zu spaet kommst. Deine ausgerissenen
+Zaehne verraten dich. Du spielst den Uneigennuetzigen, bloss um dich
+desto gemaechlicher naehren zu koennen."
+
+4.
+
+Der Wolf ward aergerlich, fasste sich aber doch und ging auch zu dem
+vierten Schaefer. Diesem war eben sein treuer Hund gestorben, und der
+Wolf machte sich den Umstand zunutze.
+
+"Schaefer", sprach er, "ich habe mich mit meinen Bruedern in dem Walde
+veruneinigt und so, dass ich mich in Ewigkeit nicht wieder mit ihnen
+aussoehnen werde. Du weisst, wieviel du von ihnen zu fuerchten hast!
+Wenn du mich aber anstatt deines verstorbenen Hundes in Dienste nehmen
+willst, so stehe ich dir dafuer, dass sie keines deiner Schafe auch nur
+scheel ansehen sollen."
+
+"Du willst sie also", versetzte der Schaefer, "gegen deine Brueder im
+Walde beschuetzen?"
+
+"Was meine ich denn sonst? Freilich."
+
+"Das waere nicht uebel! Aber, wenn ich dich nun in meine Horden
+einnaehme, sage mir doch, wer sollte alsdann meine armen Schafe gegen
+dich beschuetzen? Einen Dieb ins Haus nehmen, um vor den Dieben ausser
+dem Hause sicher zu sein, das halten wir Menschen--"
+
+"Ich hoere", sagte der Wolf, "du faengst an zu moralisieren. Lebe wohl!"
+
+
+5.
+
+"Waere ich nicht so alt!" knirschte der Wolf "Aber ich muss mich leider
+in die Zeit schicken." Und so kam er zu dem fuenften Schaefer.
+
+"Kennst du mich, Schaefer?" fragte der Wolf.
+
+"Deinesgleichen wenigstens kenne ich", versetzte der Schaefer.
+
+"Meinesgleichen? Daran zweifle ich sehr. Ich bin ein so sonderbarer
+Wolf, dass ich deiner und aller Schaefer Freundschaft wohl wert bin."
+
+"Und wie sonderbar bist du denn?"
+
+"Ich koennte kein lebendiges Schaf wuergen und fressen, und wenn es mir
+das Leben kosten sollte. Ich naehre mich bloss mit toten Schafen. Ist
+das nicht loeblich? Erlaube mir also immer, dass ich mich dann und wann
+bei deiner Herde einfinden und nachfragen darf, ob dir nicht--"
+
+"Spare der Worte!" sagte der Schaefer. "Du muesstest gar keine Schafe
+fressen, auch nicht einmal tote, wenn ich dein Feind nicht sein sollte.
+Ein Tier, das mir schon tote Schafe frisst, lernt leicht aus Hunger
+kranke Schafe fuer tot und gesunde fuer krank ansehen. Mache auf meine
+Freundschaft also keine Rechnung und geh!"
+
+
+6.
+
+Ich muss nun schon mein Liebstes daran wenden, um zu meinem Zweckc zu
+gelangen! dachte der Wolf und kam zu dem sechsten Schaefer. "Schaefer,
+wie gefaellt dir mein Pelz?" fragte der Wolf.
+
+"Dein Pelz?" sagte der Schaefer, "lass sehen! Er ist schoen; die Hunde
+muessen dich nicht oft untergehabt haben."
+
+"Nun, so hoere, Schaefer; ich bin alt und werde es so lange nicht mehr
+treiben. Fuettere mich zu Tode, und ich vermache dir meinen Pelz."
+
+"Ei sieh doch!" sagte der Schaefer, "kommst du auch hinter die Schliche
+der alten Geizhaelse? Nein, nein; dein Pelz wuerde mich am Ende
+siebenmal mehr kosten, als er wert waere. Ist es dir aber ein Ernst,
+mir ein Geschenk zu machen, so gib mir ihn gleich jetzt." Hiermit
+griff der Schaefer nach der Keule, und der Wolf floh.
+
+
+7.
+
+"O die Unbarmherzigen!" schrie der Wolf und geriet in die aeusserste Wut.
+"So will ich auch als ihr Feind sterben, ehe mich der Hunger toetet,
+denn sie wollen es nicht besser!" Er lief, brach in die Wohnungen der
+Schaefer ein, riss ihre Kinder nieder und ward nicht ohne grosse Muehe von
+den Schaefern erschlagen.
+
+Da sprach der weiseste von ihnen: "Wir taten doch wohl unrecht, dass
+wir den alten Raeuber auf das aeusserste brachten und ihm alle Mittel zur
+Besserung, so spaet uns erzwungen sie auch war, benahmen!"
+
+
+
+
+Die Nachtigall und die Lerche
+
+Was soll man zu den Dichtern sagen, die so gern ihren Flug weit ueber
+alle Fassung des groessten Teiles ihrer Leser nehmen? Was sonst, als
+was die Nachtigall einst zu der Lerche sagte: "Schwingst du dich,
+Freundin, nur darum so hoch, um nicht gehoert zu werden?"
+
+
+
+
+Die Pfauen und die Kraehe
+
+Eine stolze Kraehe schmueckte sich mit den ausgefallenen Federn der
+farbigen Pfaue und mischte sich kuehn, als sie genug geschmueckt zu sein
+glaubte, unter diese glaenzenden Voegel der Juno. Sie ward erkannt, und
+schnell fielen die Pfaue mit scharfen Schnaebeln auf sie, ihr den
+betruegerischen Putz auszureissen.
+
+"Lasset nach!" schrie sie endlich, "ihr habt nun alle das Eurige
+wieder." Doch die Pfaue, welche einige von den eigenen glaenzenden
+Schwingfedern der Kraehe bemerkt hatten, versetzten: "Schweig,
+armselige Naerrin, auch diese koennen nicht dein sein!"--und hackten
+weiter.
+
+
+
+
+Die Schwalbe
+
+Glaubt mir, Freunde, die grosse Welt ist nicht fuer den Weisen, ist nich
+fuer den Dichter! Man kennt da ihren wahren Wert nicht, und ach! sie
+sind oft schwach genug, ihn mit einem nichtigen zu vertauschen.
+
+In den ersten Zeiten war die Schwalbe ein ebenso tonreicher
+melodischer Vogel wie die Nachtigall. Sie ward es aber bald muede, in
+den einsamen Bueschen zu wohnen und da von niemandem als dem fleissige
+Landmanne und der unschuldigen Schaeferin gehoert und bewundert zu
+werden. Sie verliess ihre demuetigere Freundin und zog in die Stadt.--
+Was geschah? Weil man in der Stadt nicht Zeit hatte, ihr goettliches
+Lied zu hoeren, so verlernte sie es nach und nach und lernte dafuer--
+bauen.
+
+
+
+
+Die Sperlinge
+
+Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzaehlige Nester gab, ward
+ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze dastand, kamen die
+Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen. Allein sie fanden
+sie alle vermauert. "Zu was", schrien sie, "taugt denn nun das grosse
+Gebaeude? Kommt, verlasst den unbrauchbaren Steinhaufen!"
+
+
+
+
+Die Traube
+
+Ich kenne einen Dichter, dem die schreiende Bewunderung seiner kleinen
+Nachahmer weit mehr geschadet hat als die neidische Verachtung seiner
+Kunstrichter.
+
+"Sie ist ja doch sauer!" sagte der Fuchs von der Traube, nach der er
+lange genug vergebens gesprungen war. Das hoerte ein Sperling und
+sprach: "Sauer sollte die Traube sein? Danach sieht sie mir doch
+nicht aus!" Er flog hin und kostete und fand sie ungemein suess und rief
+hundert naeschige Brueder herbei. "Kostet doch!" schrie er, "kostet
+doch! Diese treffliche Traube schalt der Fuchs sauer."
+
+Sie kosteten alle, und in wenigen Augenblicken ward die Traube so
+zugerichtet, dass nie ein Fuchs wieder danach sprang.
+
+
+
+
+Die Wasserschlange
+
+Zeus hatte nunmehr den Froeschen einen anderen Koenig gegeben; anstatt
+eines friedlichen Klotzes eine gefraessige Wasserschlange.
+
+"Willst du unser Koenig sein", schrien die Froesche, "warum verschlingst
+du uns?"--"Darum", antwortete die Schlange, "weil ihr um mich gebeten
+habt."--
+
+"Ich habe nicht um dich gebeten!" rief einer von den Froeschen, den sie
+schon mit den Augen verschlang.--"Nicht?" sagte die Wasserschlange.
+"Desto schlimmer! So muss ich dich verschlingen, weil du nicht um mich
+gebeten hast."
+
+
+
+
+Die Ziegen
+
+Die Ziegen baten den Zeus, auch ihnen Hoerner zu geben; denn anfangs
+hatten die Ziegen keine Hoerner.
+
+"Ueberlegt es wohl, was ihr bittet", sagte Zeus. "Es ist mit dem
+Geschenke der Hoerner ein anderes unzertrennlich verbunden, das euch so
+angenehm nicht sein moechte."
+
+Doch die Ziegen beharrten auf ihrer Bitte, und Zeus sprach: "So habt
+denn Hoerner!"
+
+Und die Ziegen bekamen Hoerner--und Bart! Denn anfangs hatten die
+Ziegen auch keinen Bart. O wie schmerzte sie der haessliche Bart, weit
+mehr, als sie die stolzen Hoerner erfreuten!
+
+
+
+
+Die eherne Bildsaeule
+
+Die eherne Bildsaeule eines vortrefflichen Kuenstlers schmolz durch die
+Hitze einer wuetenden Feuersbrunst in einen Klumpen. Dieser Klumpen
+kam einem anderen Kuenstler in die Haende, und durch seine
+Geschicklichkeit verfertigte er eine neue Bildsaeule daraus, von der
+ersteren in dem, was sie vorstellte, unterschieden, an Geschmack und
+Schoenheit aber ihr gleich.
+
+Der Neid sah es und knirschte. Endlich besann er sich auf einen
+armseligen Trost: Der gute Mann wuerde dieses noch ganz ertraegliche
+Stueck auch nicht hervorgebracht haben, wenn ihm nicht die Materie der
+alten Bildsaeule dabei zustatten gekommen waere.
+
+
+
+
+Die junge Schwalbe
+
+"Was macht ihr da?" fragte eine junge Schwalbe die geschaeftigen
+Ameisen.
+
+"Wir sammeln Vorrat fuer den Winter", war die Antwort.
+
+"Das ist klug", sagte die Schwalbe, "das will ich auch tun."
+
+Und gleich fing sie an, eine Menge toter Spinnen und Fliegen in ihr
+Nest zu tragen.
+
+"Aber wozu soll das?" fragte endlich ihre Mutter.
+
+"Wozu? Das ist Vorrat fuer den boesen Winter, liebe Mutter. Sammle
+doch auch! Die Ameisen haben mich diese Vorsicht gelehrt"
+
+"Lass nur die Ameisen!" versetzte die Mutter. "Uns Schwalben hat die
+Natur ein schoeneres Los bereitet. Wenn der reiche Sommer sich wendet,
+dann ziehen wir fort von hier."
+
+
+
+
+Jupiter und das Schaf
+
+Ein Schafweibchen lebte in einer spaerlich bewachsenen Gebirgsgegend.
+Es musste viel von anderen Tieren erleiden und war staendig auf der
+Flucht vor Feinden. Ein Adler kreiste oft ueber diesem Gebiet, und das
+Schafweibchen war gezwungen, immer wieder ihr kleines Schaefchen zu
+verstecken. Auch musste es achtgeben, dass der Wolf es nicht entdeckte,
+denn dieser strolchte auf dem dichtbebuschten Nachbarhuegel herum.
+Ausserdem war es wirklich ein Wunder, dass der Baer aus der waldigen
+Schlucht unter ihm es und sein Kind mit seinen riesigen Pranken noch
+nicht erwischt hatte.
+
+An einem Sonntag beschloss das Schaf, zum Himmelsgott zu wandern und
+ihn um Hilfe zu bitten. Demuetig trat es vor Jupiter und schilderte
+ihm sein Leid. "Ich sehe wohl, mein frommes Geschoepf, dass ich dich
+allzu schutzlos geschaffen habe", sprach der Gott freundlich, "darum
+will ich dir auch helfen. Aber du musst selber waehlen, was fuer eine
+Waffe ich dir zu deiner Verteidigung geben soll. Willst du vielleicht,
+dass ich dein Gebiss mit scharfen Fang- und Reisszaehnen ausrueste und
+deine Fuesse mit spitzen Krallen bewaffne?"
+
+Das Schaf schauderte. "O nein, guetiger Vater, ich moechte mit den
+wilden, moerderischen Raubtieren nichts gemein haben."
+
+"Soll ich deinen Mund mit Giftwerkzeugen wappnen?" Das Schaf wich bei
+dieser Vorstellung einen Schritt zurueck. "Bitte nicht, gnaediger
+Herrscher, die Giftnattern werden ja ueberall so sehr gehasst."
+
+"Nun, was willst du dann haben?" fragte Jupiter geduldig. "Ich koennte
+Hoerner auf deine Stirn pflanzen, wuerde dir das gefallen?"
+
+"Auch das bitte nicht", wehrte das Schaf schuechtern ab, "mit meinem
+Gehoern koennte ich so streitsuechtig oder gewalttaetig werden wie ein
+Bock."
+
+"Mein liebes Schaf", belehrte Jupiter sein sanftmuetiges Geschoepf,
+"wenn du willst, dass andere dir keinen Schaden zufuegen, so musst du
+gezwungenerweise selber schaden koennen."
+
+"Muss ich das?" seufzte das Schaf und wurde nachdenklich. Nach einer
+Weile sagte es: "Guetiger Vater, lass mich doch lieber so sein, wie ich
+bin. Ich fuerchte, dass ich die Waffen nicht nur zur Verteidigung
+gebrauchen wuerde, sondern dass mit der Kraft und den Waffen zugleich
+auch die Lust zum Angriff erwacht."
+
+Jupiter warf einen liebevollen Blick auf das Schaf, und es trabte in
+das Gebirge zurueck. Von dieser Stunde an klagte das Schaf nie mehr
+ueber sein Schicksal.
+
+
+
+
+Merops
+
+"Ich muss dich doch etwas fragen", sprach ein junger Adler zu einem
+tiefsinnigen grundgelehrten Uhu. "Man sagt, es gaebe einen Vogel mit
+Namen Merops, der, wenn er in die Luft steige, mit dem Schwanze voraus,
+den Kopf gegen die Erde gekehrt, fliege. Ist das wahr?"
+
+"Ei nicht doch!" antwortete der Uhu; "das ist eine alberne Erdichtung
+des Menschen. Er mag selbst ein solcher Merops sein, weil er nur gar
+zu gern den Himmel erfliegen moechte, ohne die Erde auch nur einen
+Augenblick aus dem Gesichte zu verlieren."
+
+
+
+
+Minerva
+
+Lass sie doch, Freund! lass sie, die kleinen haemischen Neider deines
+wachsenden Ruhmes! Warum will dein Witz ihre der Vergessenheit
+bestimmte Namen verewigen?
+
+In dem unsinnigen Kriege, welchen die Riesen wider die Goetter fuehrten,
+stellten die Riesen der Minerva einen schrecklichen Drachen entgegen.
+Minerva aber ergriff den Drachen und schleuderte ihn mit gewaltiger
+Hand an das Firmament. Da glaenzt er noch, und was so oft grosser Taten
+Belohnung war, ward des Drachens beneidenswuerdige Strafe.
+
+
+
+
+Zeus und das Pferd
+
+"Vater der Tiere und Menschen", so sprach das Pferd und nahte sich dem
+Throne des Zeus, "man will, ich sei eines der schoensten Geschoepfe,
+womit du die Welt geziert, und meine Eigenliebe heisst es mich glauben.
+Aber sollte gleichwohl nicht noch verschiedenes an mit zu bessern
+sein?" "Und was meinst du denn, das an dir zu bessern sei? Rede, ich
+nehme Lehre an", sprach der gute Gott und laechelte.
+
+"Vielleicht", sprach das Pferd weiter, "wuerde ich fluechtiger sein,
+wenn meine Beine hoeher und schmaechtiger waeren; ein langer Schwanenhals
+wuerde mich nicht verstellen; eine breitere Brust wurde meine Staerke
+vermehren; und da du mich doch einmal bestimmt hast, deinen Liebling,
+den Menschen, zu tragen, so koennte mir ja wohl der Sattel anerschaffen
+sein, den mir der wohltaetige Reiter auflegt."
+
+"Gut", versetzte Zeus, "gedulde dich einen Augenblick!" Zeus, mit
+ernstem Gesichte, sprach das Wort der Schoepfung. Da quoll Leben in
+den Staub, da verband sich organisierter Stoff; und ploetzlich stand
+vor dem Throne--das haessliche Kamel.
+
+Das Pferd sah, schauderte und zitterte vor entsetzendem Abscheu.
+
+"Hier sind hoehere und maechtigere Beine", sprach Zeus; "hier ist ein
+langer Schwanenhals; hier ist eine breite Brust; hier ist der
+anerschaffene Sattel! Willst du, Pferd, dass ich dich so umbilden
+soll?"
+
+Das Pferd zitterte noch.
+
+"Geh", fuhr Zeus fort; "dieses Mal sei belehrt, ohne bestraft zu
+werden. Dich deiner Vermessenheit aber dann und wann reuend zu
+erinnern, so daure du fort, neues Geschoepf"--Zeus warf einen
+erhaltenden Blick auf das Kamel--"und das Pferd erblicke dich nie,
+ohne zu schaudern."
+
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Ausgewaehlte Fabeln, von Gotthold
+Ephraim Lessing.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, AUSGEWäHLTE FABELN ***
+
+This file should be named 7afbl10.txt or 7afbl10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7afbl11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7afbl10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05
+
+Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
+91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
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+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
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+ PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
+ 809 North 1500 West
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+method other than by check or money order.
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+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
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+We need your donations more than ever!
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+
+
+***
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+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
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+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
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+and its trustees and agents, and any volunteers associated
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+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
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+ or other equivalent proprietary form).
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+ let us know your plans and to work out the details.
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+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
diff --git a/old/7afbl10.zip b/old/7afbl10.zip
new file mode 100644
index 0000000..50e45ac
--- /dev/null
+++ b/old/7afbl10.zip
Binary files differ
diff --git a/old/8afbl10.txt b/old/8afbl10.txt
new file mode 100644
index 0000000..bfe1b6d
--- /dev/null
+++ b/old/8afbl10.txt
@@ -0,0 +1,1502 @@
+The Project Gutenberg EBook of Ausgewählte Fabeln, by Gotthold Ephraim Lessing
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Ausgewählte Fabeln
+
+Author: Gotthold Ephraim Lessing
+
+Release Date: November, 2005 [EBook #9375]
+[This file was first posted on September 26, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, AUSGEWäHLTE FABELN ***
+
+
+
+
+E-text prepared by Delphine Lettau and Mike Pullen
+
+
+
+
+
+
+
+This Etext is in German.
+
+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
+may require more specialized programs to display the accents.
+This is the 8-bit version.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+Ausgewählte Fabeln
+
+Gotthold Ephraim Lessing
+
+1759
+
+
+
+
+
+
+
+Inhalt:
+
+Das Geschenk der Feien
+Das Roß und der Stier
+Der Affe und der Fuchs
+Der Besitzer des Bogens
+Der Esel mit dem Löwen
+Der Esel und das Jagdpferd
+Der Esel und der Wolf
+Der Fuchs
+Der Geizige
+Der Hamster und die Ameise
+Der Hirsch
+Der Hirsch und der Fuchs
+Der Knabe und die Schlange
+Der Löwe mit dem Esel
+Der Löwe und der Hase
+Der Pelikan
+Der Phönix
+Der Rabe
+Der Rabe und der Fuchs
+Der Rangstreit der Tiere
+Der Sperling und der Strauß
+Der Strauß
+Der Wolf auf dem Todbette
+Der Wolf und der Schäfer
+Der hungrige Fuchs
+Der junge und der alte Hirsch
+Die Eiche
+Die Eiche und das Schwein
+Die Erscheinung
+Die Eule und der Schatzgräber
+Die Furien
+Die Gans
+Die Geschichte des alten Wolfs
+Die Nachtigall und die Lerche
+Die Pfauen und die Krähe
+Die Schwalbe
+Die Sperlinge
+Die Traube
+Die Wasserschlange
+Die Ziegen
+Die eherne Bildsäule
+Die junge Schwalbe
+Jupiter und das Schaf
+Merops
+Minerva
+Zeus und das Pferd
+
+
+
+
+Das Geschenk der Feien
+
+Zu der Wiege eines jungen Prinzen, der in der Folge einer der größten
+Regenten seines Landes ward, traten zwei wohltätige Feien.
+
+"Ich schenke diesem meinem Lieblinge", sagte die eine, "den
+scharfsichtigen Blick des Adlers, dem in seinem weiten Reiche auch die
+kleinste Mücke nicht entgeht."
+
+"Das Geschenk ist schön", unterbrach sie die zweite Feie. "Der Prinz
+wird ein einsichtsvoller Monarch werden. Aber der Adler besitzt nicht
+allein Scharfsichtigkeit, die kleinsten Mücken zu bemerken, er besitzt
+auch eine edle Verachtung, ihnen nicht nachzujagen. Und diese nehme
+der Prinz von mir zum Geschenk!"
+
+"Ich danke dir, Schwester, für diese weise Einschränkung", versetzte
+die erste Feie. "Es ist wahr; viele würden weit größere Könige
+gewesen sein, wenn sie sich weniger mit ihrem durchdringenden
+Verstande bis zu den kleinsten Angelegenheiten hätten erniedrigen
+wollen."
+
+
+
+
+Das Roß und der Stier
+
+Auf einem feurigen Rosse flog stolz ein dreister Knabe daher. Da rief
+ein wilder Stier dem Rosse zu: "Schande! Von einem Knaben ließ ich
+mich nicht regieren!"
+
+"Aber ich", versetzte das Roß. "Denn was für Ehre könnte es mir
+bringen, einen Knaben abzuwerfen?"
+
+
+
+
+Der Affe und der Fuchs
+
+"Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte!"
+so prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: "Un du,
+nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir
+nachzuahmen."
+
+Schriftsteller meiner Nation!--Muß ich mich noch deutlicher erklären?
+
+
+
+
+Der Besitzer des Bogens
+
+Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mit dem er sehr
+weit und sehr sicher schoß, und den er ungemein wert hielt. Einst
+aber, als er ihn aufmerksam betrachtete, sprach er: "Ein wenig zu
+plump bist du doch! All deine Zierde ist die Glätte. Schade!--Doch
+dem ist abzuhelfen!" fiel ihm ein. "Ich will hingehen und den besten
+Künstler Bilder in den Bogen schnitzen lassen."--Er ging hin, und der
+Künstler schnitzte eine ganze Jagd auf den Bogen, und was hätte sich
+besser auf einem Bogen geschickt als eine Jagd?
+
+Der Mann war voller Freuden. "Du verdienst diese Zieraten, mein
+lieber Bogen!"--Indem will er ihn versuchen, er spannt, und der Bogen--
+zerbricht.
+
+
+
+
+Der Esel mit dem Löwen
+
+Als der Esel mit dem Löwen des Äsopus, der ihn statt seines Jägerhorns
+brauchte, nach dem Walde ging, begegnete ihm ein anderer Esel von
+seiner Bekanntschaft und rief ihm zu: "Guten Tag, mein Bruder!"--
+
+"Unverschämter!" war die Antwort.--
+
+"Und warum das?" fuhr jener Esel fort. "Bist du deswegen, weil du mit
+einem Löwen gehst, besser als ich, mehr als ein Esel?"
+
+
+
+
+Der Esel und das Jagdpferd
+
+Ein Esel vermaß sich, mit einem Jagdpferd um die Wette zu laufen. Die
+Probe fiel erbärmlich aus, und der Esel ward ausgelacht. "Ich merke
+nun wohl", sagte der Esel, "woran es gelegen hat; ich trat mir vor
+einigen Monaten einen Dorn in den Fuß, und der schmerzt mich noch."
+
+"Entschuldigen Sie mich", sagte der Kanzelredner Liederhold, "wenn
+meine heutige Predigt so gründlich und erbaulich nicht gewesen, als
+man sie von dem glücklichen Nachahmer eines Mosheims erwartet hätte;
+ich habe, wie Sie hören, einen heisern Hals, und den schon seit acht
+Tagen."
+
+
+
+
+Der Esel und der Wolf
+
+Ein Esel begegnete einem hungrigen Wolfe. "Habe Mitleid mit mir",
+sagte der zitternde Esel, "ich bin ein armes krankes Tier; sieh nur,
+was für einen Dorn ich mir in den Fuß getreten habe!"
+
+"Wahrhaftig, du dauerst mich", versetzte der Wolf. "Und ich finde
+mich in meinem Gewissen verbunden, dich von deinen Schmerzen zu
+befreien."
+
+Kaum ward das Wort gesagt, so ward der Esel zerrissen.
+
+
+
+
+Der Fuchs
+
+Ein verfolgter Fuchs rettete sich auf eine Mauer. Um auf der andern
+Seite gut herabzukommen, ergriff er einen nahen Dornstrauch. Er ließ
+sich auch glücklich daran nieder, nur daß ihn die Dornen schmerzlich
+verwundeten. "Elende Helfer", rief der Fuchs, "die nicht helfen
+können, ohne zugleich zu schaden!"
+
+
+
+
+Der Geizige
+
+"Ich Unglücklicher!" klagte ein Geizhals seinem Nachbar. "Man hat mir
+den Schatz, den ich in meinem Garten vergraben hatte, diese Nacht
+entwendet und einen verdammten Stein an dessen Stelle gelegt."
+
+"Du würdest", antwortete ihm der Nachbar, "deinen Schatz doch nicht
+genutzt haben. Bilde dir also ein, der Stein sei dein Schatz; und du
+bist nichts ärmer."
+
+"Wäre ich schon nichts ärmer", erwiderte der Geizhals; "ist ein andrer
+nicht um so viel reicher? Ein andrer um so viel reicher! Ich möchte
+rasend werden."
+
+
+
+
+Der Hamster und die Ameise
+
+"Ihr armseligen Ameisen", sagte ein Hamster. Verlohnt es sich der
+Mühe, daß ihr den ganzen Sommer arbeitet, um ein so Weniges
+einzusammeln? Wenn ihr meinen Vorrat sehen solltet!--"
+
+"Höre", antworibete eine Ameise, "wenn er größer ist, als du ihn
+brauchst, so ist es schon recht, daß die Menschen dir nachgraben,
+deine Scheuern ausleeren und dich deinen räuberischen Geiz mit dem
+Leben büßen lassen!"
+
+
+
+
+Der Hirsch
+
+Die Natur hatte einen Hirsch von mehr als gewöhnlicher Größe gebildet,
+und an seinem Halse hingen ihm lange Haare herab. Da dachte der
+Hirsch bei sich selbst: Du könntest dich ja wohl für ein Elend ansehen
+lassen. Und was tat der Eitle, ein Elend zu scheinen? Er hing den
+Kopf traurig zur Erde und stellte sich, sehr oft das böse Wesen zu
+haben.
+
+So glaubt nicht selten ein witziger Geck, daß man ihn für keinen
+schönen Geist halten werde, wenn er nicht über Kopfweh und Hypochonder
+klage.
+
+
+
+
+Der Hirsch und der Fuchs
+
+Der Hirsch sprach zu dem Fuchse: "Nun weh uns armen schwächeren Tieren!
+Der Löwe hat sich mit dem Wolfe verbunden."
+
+"Mit dem Wolfe?" sagte der Fuchs. "Das mag noch hingehen! Der Löwe
+brüllt, der Wolf heult und so werdet, ihr euch noch oft beizeiten mit
+der Flucht retten können. Aber alsdenn, alsdenn möchte es um uns alle
+geschehen sein, wenn es dem gewaltigen Löwen einfallen sollte, sich
+mit dem schleichenden Luchse zu verbinden."
+
+
+
+
+Der Knabe und die Schlange
+
+Ein Knabe spielte mit einer zahmen Schlange. "Mein liebes Tierchen",
+sagte der Knabe, "ich würde mich mit dir so gemein nicht machen, wenn
+dir das Gift nicht benommen wäre. Ihr Schlangen seid die boshaftesten,
+undankbarsten Geschöpfe! Ich habe es wohl gelesen, wie es einem
+armen Landmanne ging, der eine, vielleicht von deinen Ureltern, die er
+halb erfroren unter einer Hecke fand, mitleidig aufhob und sie in
+seinen erwärmenden Busen steckte. Kaum fühlte sich die Böse wieder,
+als sie ihren Wohltäter biß; und der gute freundliche Mann mußte
+sterben."
+
+"Ich erstaune", sagte die Schlange, "wie parteiisch eure
+Geschichtschreiber sein müssen! Die unsrigen erzählen diese Historie
+ganz anders. Dein freundlicher Mann glaubte, die Schlange sei
+wirklich erfroren, und weil es eine von den bunten Schlangen war, so
+steckte er sie zu sich, ihr zu Hause die schöne Haut abzustreiten.
+War das recht?"
+
+"Ach, schweig nur", erwiderte der Knabe. "Welcher Undankbare hätte
+sich nicht zu entschuldigen gewußt!"
+
+"Recht, mein Sohn", fiel der Vater, der dieser Unterredung zugehört
+hatte, dem Knaben ins Wort. "Aber gleichwohl, wenn du einmal von
+einem außerordentlichen Undanke hören solltest, so untersuche ja alle
+Umstände genau, bevor du einen Menschen mit so einem abscheulichen
+Schandflecke brandmarken lässest. Wahre Wohltäter haben selten
+Undankbare verpflichtet; ja, ich will zur Ehre der Menschheit hoffen--
+niemals. Aber die Wohltäter mit kleinen eigennützigen Absichten, die
+sind es wert, mein Sohn, daß sie Undank anstatt Erkenntlichkeit
+einwuchern."
+
+
+
+
+Der Löwe mit dem Esel
+
+Als des Äsopus Löwe mit dem Esel, der ihm durch seine fürchterliche
+Stimme die Tiere sollte jagen helfen, nach dem Walde ging, rief ihm
+eine naseweise Krähe von dem Baume zu: "Ein schöner Gesellschafter!
+Schämst du dich nicht, mit einem Esel zu gehen?"--"Wen ich brauchen
+kann", versetzte der Löwe, "dem kann ich ja wohl meine Seite gönnen."
+
+So denken die Großen alle, wenn sie einen Niedrigen ihrer Gemeinschaft
+würdigen.
+
+
+
+
+Der Löwe und der Hase
+
+Ein Löwe würdigte einen drolligen Hasen seiner näheren Bekanntschaft.
+"Aber ist es denn wahr", fragte ihn einst der Hase, "daß euch Löwen
+ein elender krähender Hahn so leicht verjagen kann?"
+
+"Allerdings ist es wahr", antwortete der Löwe; "und es ist eine
+allgemeine Anmerkung, daß wir großen Tiere durchgängig eine gewisse
+kleine Schwachheit an uns haben. So wirst du, zum Exempel, von dem
+Elefanten gehört haben, daß ihm das Grunzen eines Schweins Schauder
+und Entsetzen erwecket."
+
+"Wahrhaftig?" unterbrach ihn der Hase. "Ja, nun begreif' ich auch,
+warum wir Hasen uns so entsetzlich vor den Hunden fürchten."
+
+
+
+
+Der Pelikan
+
+Für wohlgeratene Kinder können Eltern nicht zu viel tun. Aber wenn
+sich ein blöder Vater für einen ausgearteten Sohn das Blut vom Herzen
+zapft, dann wird Liebe zur Torheit.
+
+Ein frommer Pelikan, da er seine Jungen schmachten sah, ritzte sich
+mit scharfem Schnabel die Brust auf und erquickte sie mit seinem Blute.
+"Ich bewundere deine Zärtlichkeit", rief ihm ein Adler zu, "und
+bejammere deine Blindheit. Sieh doch, wie manchen nichtswürdigen
+Kuckuck du unter deinen Jungen mit ausgebrütet hast!"
+
+So war es auch wirklich; denn auch ihm hatte der kalte Kuckuck seine
+Eier untergeschoben.--Waren es undankbare Kuckucke wert, daß ihr Leben
+so teuer erkauft wurde?
+
+
+
+
+Der Phönix
+
+Nach vielen Jahrhunderten gefiel es dem Phönix, sich wieder einmal
+sehen zu lassen. Er erschien, und alle Tiere und Vögel versammelten
+sich um ihn. Sie gafften, sie staunten, sie bewunderten und brachen
+in entzückendes Lob aus.
+
+Bald aber verwandten die besten und geselligsten mitleidsvoll ihre
+Blicke und seufzten: "Der unglückliche Phönix! Ihm ward das harte Los,
+weder Geliebte noch Freunde zu haben; denn er ist der einzige seiner
+Art!"
+
+
+
+
+Der Rabe
+
+Der Rabe bemerkte, daß der Adler ganze dreißig Tage über seinen Eiern
+brütete. "Und daher kommt es ohne Zweifel", sprach er, "daß die
+jungen des Adlers so scharfsichtig und stark werden. Gut! Das will
+ich auch tun." Und seitdem brütet der Rabe ganze dreißig Tage über
+seinen Eiern; aber noch hat er nichts als elende Raben ausgebrütet.
+
+
+
+
+Der Rabe und der Fuchs
+
+Ein Rabe trug ein Stück vergiftetes Fleisch, das der erzürnte Gärtner
+für die Katzen seines Nachbars hingeworfen hatte, in seinen Klauen
+fort. Und eben wollte er es auf einer alten Eiche verzehren, als sich
+ein Fuchs herbeischlich und ihm zurief: "Sei mir gesegnet, Vogel des
+Jupiters!"
+
+--"Für wen siehst du mich an?" fragte der Rabe. "Für wen ich dich
+ansehe?" erwiderte der Fuchs. "Bist du nicht der rüstige Adler, der
+täglich von der Rechten des Zeus auf diese Eiche herabkommt, mich
+Armen zu speisen? Warum verstellst du dich? Sehe ich denn nicht in
+der siegreichen Klaue die erflehte Gabe, die mir dein Gott durch dich
+zu schicken noch fortfährt?"
+
+Der Rabe erstaunte und freute sich innig, für einen Adler gehalten zu
+werden. Ich muß, dachte er, den Fuchs aus diesem Irrtum nicht bringen.
+--Großmütig dumm ließ er ihm also seinen Raub herabfallen und flog
+stolz davon.
+
+Der Fuchs fing das Fleisch lachend auf und fraß es mit boshafter
+Freude. Doch bald verkehrte sich die Freude in ein schmerzhaftes
+Gefühl; das Gift fing an zu wirken, und er verreckte.
+
+Möchtet ihr euch nie etwas anders als Gift erloben, verdammte
+Schmeichler!
+
+
+
+
+Der Rangstreit der Tiere
+
+In vier Fabeln
+
+
+1.
+
+Es entstand ein hitziger Rangstreit unter den Tieren. Ihn zu
+schlichten, sprach das Pferd, "lasset uns den Menschen zu Rate ziehen;
+er ist keiner von den streitenden Teilen und kann desto unparteiischer
+sein."
+
+"Aber hat er auch den Verstand dazu?" ließ sich ein Maulwurf hören.
+"Er braucht wirklich den allerfeinsten, unsere oft tief versteckten
+Vollkommenheiten zu erkennen."
+
+"Das war sehr weislich erinnert!" sprach der Hamster.
+
+"Jawohl!" rief auch der Igel. "Ich glaube es nimmermehr, daß der
+Mensch Scharfsichtigkeit genug besitzt."
+
+"Schweigt ihr!" befahl das Pferd. "Wir wissen es schon: Wer sich auf
+die Güte seiner Sache am wenigsten zu verlassen hat, ist immer am
+fertigsten, die Einsicht seines Richters in Zweifel zu ziehen."
+
+
+2.
+
+Der Mensch ward Richter.--"Noch ein Wort", rief ihm der majestätische
+Löwe zu, "bevor du den Ausspruch tust! Nach welcher Regel, Mensch,
+willst du unsern Wert bestimmen?"
+
+"Nach welcher Regel? Nach dem Grade, ohne Zweifel", antwortete der
+Mensch, "in welchem ihr mir mehr oder weniger nützlich seid."
+
+"Vortrefflich!" versetzte der beleidigte Löwe. "Wie weit würde ich
+alsdann unter dem Esel zu stehen kommen! Du kannst unser Richter
+nicht sein, Mensch! Verlaß die Versammlung!"
+
+
+3.
+
+Der Mensch entfernte sich.--"Nun", sprach der höhnische Maulwurf,--
+(und ihm stimmten der Hamster und der Igel wieder bei)--"siehst du,
+Pferd? der Löwe meint es auch, daß der Mensch unser Richter nicht
+sein kann. Der Löwe denkt wie wir."
+
+"Aber aus besseren Gründen als ihr!" sagte der Löwe, und warf ihnen
+einen verächtlichen Blick zu.
+
+
+4.
+
+Der Löwe fuhr weiter fort: "Der Rangstreit, wenn ich es recht überlege,
+ist ein nichtswürdiger Streit! Haltet mich für den Vornehmsten oder
+den Geringsten; es gilt mir gleichviel. Genug, ich kenne mich!"--Und
+so ging er aus der Versammlung.
+
+Ihm folgte der weise Elefant, der kühne Tiger, der ernsthafte Bär, der
+kluge Fuchs, das edle Pferd; kurz alle, die ihren Wert fühlten oder zu
+fühlen glaubten.
+
+Die sich am letzten wegbegeben und über die zerrissene Versammlung am
+meisten murrten, waren--der Affe und der Esel.
+
+
+
+
+Der Sperling und der Strauß
+
+"Sei auf deine Größe, auf deine Stärke so stolz wie du willst", sprach
+der Sperling zu dem Strauße; "ich bin doch mehr ein Vogel als du.
+Denn du kannst nicht fliegen, ich aber fliege, obgleich nicht hoch,
+obgleich nur ruckweise."
+
+Der leichte Dichter eines fröhlichen Trinkliedes, eines kleinen
+verliebten Gesanges, ist mehr ein Genie, als der schwunglose Schreiber
+einer langen Hermanniade.
+
+
+
+
+Der Strauß
+
+"Jetzt will ich fliegen!" rief der gigantische Strauß, und das ganze
+Volk der Vögel stand in ernster Erwartung um ihn versammelt. "Jetzt
+will ich fliegen", rief er nochmals, breitete die gewaltigen Fittiche
+weit aus und schoß, gleich einem Schiffe mit aufgespannten Segeln, auf
+dem Boden dahin, ohne ihn mit einem Tritte zu verlieren.
+
+Sehet da ein poetisches Bild jener unpoetischen Köpfe, die in den
+ersten Zeilen ihrer ungeheuren Oden mit stolzen Schwingen prahlen,
+sich über Wolken und Sterne zu erheben drohen und dem Staube doch
+immer getreu bleiben!
+
+
+
+
+Der Wolf auf dem Todbette
+
+Der Wolf lag in den letzten Zügen und schickte einen prüfenden Blick
+auf sein vergangenes Leben zurück. "Ich bin freilich ein Sünder",
+sagte er; "aber doch, ich hoffe, keiner von den größten. Ich habe
+Böses getan; aber auch viel Gutes. Einstmals, erinnere ich mich, kam
+mir ein blökendes Lamm, welches sich von der Herde verirrt hatte, so
+nahe, daß ich es gar leicht hätte erwürgen können; und ich tat ihm
+nichts. Zu eben dieser Zeit hörte ich die Spöttereien und Schmähungen
+eines Scbafes mit der bewunderungswürdigsten Gleichgültigkeit an, ob
+ich schon keine schätzenden Hunde zu fürchten hatte."
+
+"Und alles kann ich dir bezeugen", fiel ihm Freund Fuchs, der ihn zum
+Tode bereiten half, ins Wort. "Denn ich erinnere mich noch gar wohl
+aller Umstände dabei. Es war zu eben der Zeit, als du dich an dem
+Beine so jämmerlich würgtest, das dir der gutherzige Kranich hernach
+aus dem Schlunde zog."
+
+
+
+
+Der Wolf und der Schäfer
+
+Ein Schäfer hatte durch eine grausame Seuche seine ganze Herde
+verloren. Das erfuhr der Wolf und kam, seine Kondolenz abzustatten.
+
+"Schäfer", sprach er, "ist es wahr, daß dich ein so grausames Unglück
+betroffen? Du bist um deine ganze Herde gekommen? Die liebe, fromme,
+fette Herde? Du dauerst, mich, und ich möchte blutige Tränen weinen."
+
+"Habe Dank, Meister Isegrim", versetzte der Schäfer. "Ich sehe, du
+hast ein sehr mitleidiges Herz."
+
+"Das hat er auch wirklich", fügte des Schäfers Hylax hinzu, "so oft er
+unter dem Unglücke seines Nächsten selbst leidet."
+
+
+
+
+Der hungrige Fuchs
+
+"Ich bin zu einer unglücklichen Stunde geboren!" so klagte ein junger
+Fuchs einem alten. "Fast keiner von meinen Anschlägen will mir
+gelingen."--"Deine Anschläge", sagte der ältere Fuchs, "werden ohne
+Zweifel doch klug sein. Laß doch hören, wann machst du deine
+Anschläge?" "Wann ich sie mache? Wann anders, als wenn mich hungert?"
+--"Wenn dich hungert?" fuhr der alte Fuchs fort. "Ja! da haben wir es!
+Hunger und Überlegung sind nie beisammen. Mache sie künftig, wenn
+du satt bist; und sie werden besser ausfallen."
+
+
+
+
+Der junge und der alte Hirsch
+
+Ein Hirsch, den die gütige Natur Jahrhunderte hat leben lassen, sagte
+einst zu einem seiner Enkel: "Ich kann mich der Zeit noch sehr wohl
+erinnern, da der Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfunden
+hatte."
+
+"Welche glückliche Zeit muß das für unser Geschlecht gewesen sein!"
+seufzte der Enkel.
+
+"Du schließest zu geschwind!" sagte der alte Hirsch. "Die Zeit war
+anders, aber nicht besser. Der Mensch hatte da, anstatt des
+Feuerrohrs, Pfeile und Bogen, und wir waren ebenso schlimm daran als
+jetzt."
+
+
+
+
+Die Eiche
+
+Der rasende Nordwind hatte seine Stärke in einer stürmischen Nacht an
+einer erhabenen Eiche bewiesen. Nun lag sie gestreckt, und eine Menge
+niedriger Sträucher lagen unter ihr zerschmettert. Ein Fuchs, der
+seine Grube nicht weit davon hatte, sah sie des Morgens darauf. "Was
+für ein Baum!" rief er. "Hätte ich doch nimmermehr gedacht, daß er so
+groß gewesen wäre!"
+
+
+
+
+Die Eiche und das Schwein
+
+Ein gefräßiges Schwein mästete sich unter einer hohen Eiche mit der
+herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiß, verschluckte
+es bereits eine andere mit dem Auge.
+
+"Undankbares Vieh!" rief endlich der Eichbaum herab. "Du nährst dich
+von meinen Früchten ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in
+die Höhe zu richten."
+
+Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort:
+"Meine dankbaren Blicke sollten nicht außen bleiben, wenn ich nur
+wüßte, daß du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen lassen."
+
+
+
+
+Die Erscheinung
+
+In der einsamsten Tiefe jenes Waldes, wo ich schon manches redende
+Tier belauscht, lag ich an einem sanften Wasserfalle und war bemüht,
+einem meiner Märchen den leichten poetischen Schmuck zu geben, in
+welchem am liebsten zu erscheinen La Fontaine die Fabel fast verwöhnt
+hat. Ich sann, ich wählte, ich verwarf, die Stirne glühte--Umsonst,
+es kam nichts auf das Blatt. Voll Unwill sprang ich auf; aber sieh!--
+auf einmal stand sie selbst, die fabelnde Muse vor mir.
+
+Und sie sprach lächelnd: "Schüler, wozu die undankbare Mühe? Die
+Wahrheit braucht die Anmut der Fabel; aber wozu braucht die Fabel die
+Anmut der Harmonie? Du willst das Gewürze würzen. G'nug, wenn die
+Erfindung des Dichters ist; der Vortrag sei des ungekünstelten
+Geschichtsschreibers, so wie der Sinn des Weltweisen."
+
+Ich wollte antworten, aber die Muse verschwand. "Sie verschwand?"
+höre ich einen Leser fragen. "Wenn du uns doch nur wahrscheinlicher
+täuschen wolltest! Die seichten Schlüsse, auf die dein Unvermögen
+dich führte, der Muse in den Mund zu legen! Zwar ein gewöhnlicher
+Betrug-"
+
+Vortrefflich, mein Leser! Mir ist keine Muse erschienen. Ich erzähle
+eine bloße Fabel, aus der du selbst die Lehre gezogen. Ich bin nicht
+der erste und werde nicht der letzte sein, der seine Grillen zu
+Orakelsprüchen einer göttlichen Erscheinung macht.
+
+
+
+
+Die Eule und der Schatzgräber
+
+Jener Schatzgräber war ein sehr unbilliger Mann. Er wagte sich in die
+Ruinen eines alten Raubschlosses und ward da gewahr, daß die Eule eine
+magere Maus ergriff und verzehrte. "Schickt sich das", sprach er,
+"für den philosophischen Liebling Minervens?"
+
+"Warum nicht?" versetzte die Eule. "Weil ich stille Betrachtungen
+liebe, kann ich deswegen von der Luft leben? Ich weiß zwar, daß ihr
+Menschen es von euren Gelehrten verlanget--"
+
+
+
+
+Die Furien
+
+"Meine Furien", sagte Pluto zu dem Boten der Götter, "werden alt und
+stumpf. Ich brauche frische. Geh also, Merkur, und suche mir auf der
+Oberwelt drei tüchtige Weibspersonen dazu aus." Merkur ging.
+
+Kurz darauf sagte Juno zu ihrer Dienerin: "Glaubtest du wohl, Iris,
+unter den Sterblichen zwei oder drei vollkommen strenge, züchtige
+Mädchen zu finden? Aber vollkommen strenge! Verstehst du mich? Um
+Cytheren hohnzusprechen, die sich das ganze weibliche Geschlecht
+unterworfen zu haben rühmt. Geh immer und sieh, wo du sie auftreibst."
+Iris ging.--
+
+In welchem Winkel der Erde suchte nicht die gute Iris! Und dennoch
+umsonst! Sie kam ganz allein wieder, und Juno rief ihr entgegen: "Ist
+es möglich? O Keuschheit! O Tugend!"
+
+"Göttin", sagte Iris, "ich hätte dir wohl drei Mädchen bringen können,
+die alle drei vollkommen streng und züchtig gewesen; die alle drei nie
+einer Mannsperson gelächelt, die alle drei den geringsten Funken der
+Liebe in ihren Herzen erstickt; aber ich kam, leider, zu spät."
+
+"Zu spät?" sagte Juno. "Wieso?"
+
+"Eben hatte sie Merkur für den Pluto abgeholt."
+
+"Für den Pluto? Und wozu will Pluto diese Tugendhaften?"
+
+"Zu Furien."
+
+
+
+
+Die Gans
+
+Die Federn einer Gans beschämten den neugeborenen Schnee. Stolz auf
+dieses blendende Geschenk der Natur glaubte sie eher zu einem Schwane
+als zu dem, was sie war, geboren zu sein. Sie sonderte sich von
+ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestätisch auf dem Teiche
+herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie
+mit aller Macht abhelfen wollte; bald suchte sie ihm die prächtige
+Biegung zu geben, in welcher der Schwan das würdige Ansehen eines
+Vogels des Apollo hat. Doch vergebens; er war zu steif, und mit aller
+ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als daß sie eine
+lächerliche Gans ward, ohne ein Schwan zu werden.
+
+
+
+
+Die Geschichte des alten Wolfs
+
+in sieben Fabeln
+
+1.
+
+Der böse Wolf war zu Jahren gekommen und faßte den gleißenden
+Entschluß, mit den Schäfern auf einem gütlichen Fuß zu leben. Er
+machte sich also auf und kam zu dem Schäfer, dessen Horden seiner
+Höhle die nächsten waren.
+
+"Schäfer", sprach er, "du nennst mich den blutgierigsten Räuber, der
+ich doch wirklich nicht bin. Freilich muß ich mich an deine Schafe
+halten, wenn mich hungert; denn Hunger tut weh. Schütze mich nur vor
+dem Hunger; mache mich nur satt, und du sollst mit mir recht wohl
+zufrieden sein. Denn ich bin wirklich das zahmste, sanftmütigste Tier,
+wenn ich satt bin."
+
+"Wenn du satt bist? Das kann wohl sein", versetzte der Schäfer.
+"Aber wann bist du denn satt? Du und der Geiz werden es nie. Geh
+deinen Weg!"
+
+2.
+
+Der abgewiesene Wolf kam zu einem zweiten Schäfer.
+
+"Du weißt, Schäfer", war seine Anrede, "daß ich dir das Jahr durch
+manches Schaf würgen könnte. Willst du mir überhaupt jedes Jahr sechs
+Schafe geben, so bin ich zufrieden. Du kannst alsdann sicher schlafen
+und die Hunde ohne Bedenken abschaffen."
+
+"Sechs Schafe?" sprach der Schäfer, "das ist ja eine ganze Herde!"
+
+"Nun, weil du es bist, so will ich mich mit fünfen begnügen", sagte
+der Wolf.
+
+"Du scherzest, fünf Schafe! Mehr als fünf Schafe opfere ich kaum im
+ganzen Jahre dem Pan."
+
+"Auch nicht viere?" fragte der Wolf weiter; und der Schäfer schüttelte
+spöttisch den Kopf.
+
+"Drei?--Zwei?"
+
+"Nicht ein einziges", fiel endlich der Bescheid, "denn es wäre ja wohl
+töricht, wenn ich mich einem Feinde zinsbar machte, vor welchem ich
+mich durch meine Wachsamkeit sichern kann."
+
+3.
+
+Aller guten Dinge sind drei, dachte der Wolf und kam zu einem dritten
+Schäfer.
+
+"Es geht mir recht nahe", sprach er, "daß ich unter euch Schäfern als
+das grausamste, gewissenloseste Tier verschrien bin. Dir, Montan,
+will ich jetzt beweisen, wie unrecht man mir tut. Gib mir jährlich
+ein Schaf, so soll deine Herde in jenem Walde, den niemand unsicher
+macht als ich, frei und unbeschädigt weiden dürfen. Ein Schaf!
+Welche Kleinigkeit! Könnte ich großmütiger, könnte ich
+uneigennütziger handeln?--Du lachst, Schäfer? Worüber lachst du denn?"
+
+"Oh, über nichts! Aber wie alt bist du, guter Freund?" sprach der
+Schäfer.
+
+"Was geht dich mein Alter an? Immer noch alt genug, dir deine
+liebsten Lämmer zu würgen."
+
+"Erzürne dich nicht, alter Isegrim! Es tut mir leid, daß du mit
+deinem Vorschlage einige Jahre zu spät kommst. Deine ausgerissenen
+Zähne verraten dich. Du spielst den Uneigennützigen, bloß um dich
+desto gemächlicher nähren zu können."
+
+4.
+
+Der Wolf ward ärgerlich, faßte sich aber doch und ging auch zu dem
+vierten Schäfer. Diesem war eben sein treuer Hund gestorben, und der
+Wolf machte sich den Umstand zunutze.
+
+"Schäfer", sprach er, "ich habe mich mit meinen Brüdern in dem Walde
+veruneinigt und so, daß ich mich in Ewigkeit nicht wieder mit ihnen
+aussöhnen werde. Du weißt, wieviel du von ihnen zu fürchten hast!
+Wenn du mich aber anstatt deines verstorbenen Hundes in Dienste nehmen
+willst, so stehe ich dir dafür, daß sie keines deiner Schafe auch nur
+scheel ansehen sollen."
+
+"Du willst sie also", versetzte der Schäfer, "gegen deine Brüder im
+Walde beschützen?"
+
+"Was meine ich denn sonst? Freilich."
+
+"Das wäre nicht übel! Aber, wenn ich dich nun in meine Horden
+einnähme, sage mir doch, wer sollte alsdann meine armen Schafe gegen
+dich beschützen? Einen Dieb ins Haus nehmen, um vor den Dieben außer
+dem Hause sicher zu sein, das halten wir Menschen--"
+
+"Ich höre", sagte der Wolf, "du fängst an zu moralisieren. Lebe wohl!"
+
+
+5.
+
+"Wäre ich nicht so alt!" knirschte der Wolf "Aber ich muß mich leider
+in die Zeit schicken." Und so kam er zu dem fünften Schäfer.
+
+"Kennst du mich, Schäfer?" fragte der Wolf.
+
+"Deinesgleichen wenigstens kenne ich", versetzte der Schäfer.
+
+"Meinesgleichen? Daran zweifle ich sehr. Ich bin ein so sonderbarer
+Wolf, daß ich deiner und aller Schäfer Freundschaft wohl wert bin."
+
+"Und wie sonderbar bist du denn?"
+
+"Ich könnte kein lebendiges Schaf würgen und fressen, und wenn es mir
+das Leben kosten sollte. Ich nähre mich bloß mit toten Schafen. Ist
+das nicht löblich? Erlaube mir also immer, daß ich mich dann und wann
+bei deiner Herde einfinden und nachfragen darf, ob dir nicht--"
+
+"Spare der Worte!" sagte der Schäfer. "Du müßtest gar keine Schafe
+fressen, auch nicht einmal tote, wenn ich dein Feind nicht sein sollte.
+Ein Tier, das mir schon tote Schafe frißt, lernt leicht aus Hunger
+kranke Schafe für tot und gesunde für krank ansehen. Mache auf meine
+Freundschaft also keine Rechnung und geh!"
+
+
+6.
+
+Ich muß nun schon mein Liebstes daran wenden, um zu meinem Zweckc zu
+gelangen! dachte der Wolf und kam zu dem sechsten Schäfer. "Schäfer,
+wie gefällt dir mein Pelz?" fragte der Wolf.
+
+"Dein Pelz?" sagte der Schäfer, "laß sehen! Er ist schön; die Hunde
+müssen dich nicht oft untergehabt haben."
+
+"Nun, so höre, Schäfer; ich bin alt und werde es so lange nicht mehr
+treiben. Füttere mich zu Tode, und ich vermache dir meinen Pelz."
+
+"Ei sieh doch!" sagte der Schäfer, "kommst du auch hinter die Schliche
+der alten Geizhälse? Nein, nein; dein Pelz würde mich am Ende
+siebenmal mehr kosten, als er wert wäre. Ist es dir aber ein Ernst,
+mir ein Geschenk zu machen, so gib mir ihn gleich jetzt." Hiermit
+griff der Schäfer nach der Keule, und der Wolf floh.
+
+
+7.
+
+"O die Unbarmherzigen!" schrie der Wolf und geriet in die äußerste Wut.
+"So will ich auch als ihr Feind sterben, ehe mich der Hunger tötet,
+denn sie wollen es nicht besser!" Er lief, brach in die Wohnungen der
+Schäfer ein, riß ihre Kinder nieder und ward nicht ohne große Mühe von
+den Schäfern erschlagen.
+
+Da sprach der weiseste von ihnen: "Wir taten doch wohl unrecht, daß
+wir den alten Räuber auf das äußerste brachten und ihm alle Mittel zur
+Besserung, so spät uns erzwungen sie auch war, benahmen!"
+
+
+
+
+Die Nachtigall und die Lerche
+
+Was soll man zu den Dichtern sagen, die so gern ihren Flug weit über
+alle Fassung des größten Teiles ihrer Leser nehmen? Was sonst, als
+was die Nachtigall einst zu der Lerche sagte: "Schwingst du dich,
+Freundin, nur darum so hoch, um nicht gehört zu werden?"
+
+
+
+
+Die Pfauen und die Krähe
+
+Eine stolze Krähe schmückte sich mit den ausgefallenen Federn der
+farbigen Pfaue und mischte sich kühn, als sie genug geschmückt zu sein
+glaubte, unter diese glänzenden Vögel der Juno. Sie ward erkannt, und
+schnell fielen die Pfaue mit scharfen Schnäbeln auf sie, ihr den
+betrügerischen Putz auszureißen.
+
+"Lasset nach!" schrie sie endlich, "ihr habt nun alle das Eurige
+wieder." Doch die Pfaue, welche einige von den eigenen glänzenden
+Schwingfedern der Krähe bemerkt hatten, versetzten: "Schweig,
+armselige Närrin, auch diese können nicht dein sein!"--und hackten
+weiter.
+
+
+
+
+Die Schwalbe
+
+Glaubt mir, Freunde, die große Welt ist nicht für den Weisen, ist nich
+für den Dichter! Man kennt da ihren wahren Wert nicht, und ach! sie
+sind oft schwach genug, ihn mit einem nichtigen zu vertauschen.
+
+In den ersten Zeiten war die Schwalbe ein ebenso tonreicher
+melodischer Vogel wie die Nachtigall. Sie ward es aber bald müde, in
+den einsamen Büschen zu wohnen und da von niemandem als dem fleißige
+Landmanne und der unschuldigen Schäferin gehört und bewundert zu
+werden. Sie verließ ihre demütigere Freundin und zog in die Stadt.--
+Was geschah? Weil man in der Stadt nicht Zeit hatte, ihr göttliches
+Lied zu hören, so verlernte sie es nach und nach und lernte dafür--
+bauen.
+
+
+
+
+Die Sperlinge
+
+Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählige Nester gab, ward
+ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glanze dastand, kamen die
+Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungen zu suchen. Allein sie fanden
+sie alle vermauert. "Zu was", schrien sie, "taugt denn nun das große
+Gebäude? Kommt, verlaßt den unbrauchbaren Steinhaufen!"
+
+
+
+
+Die Traube
+
+Ich kenne einen Dichter, dem die schreiende Bewunderung seiner kleinen
+Nachahmer weit mehr geschadet hat als die neidische Verachtung seiner
+Kunstrichter.
+
+"Sie ist ja doch sauer!" sagte der Fuchs von der Traube, nach der er
+lange genug vergebens gesprungen war. Das hörte ein Sperling und
+sprach: "Sauer sollte die Traube sein? Danach sieht sie mir doch
+nicht aus!" Er flog hin und kostete und fand sie ungemein süß und rief
+hundert näschige Brüder herbei. "Kostet doch!" schrie er, "kostet
+doch! Diese treffliche Traube schalt der Fuchs sauer."
+
+Sie kosteten alle, und in wenigen Augenblicken ward die Traube so
+zugerichtet, daß nie ein Fuchs wieder danach sprang.
+
+
+
+
+Die Wasserschlange
+
+Zeus hatte nunmehr den Fröschen einen anderen König gegeben; anstatt
+eines friedlichen Klotzes eine gefräßige Wasserschlange.
+
+"Willst du unser König sein", schrien die Frösche, "warum verschlingst
+du uns?"--"Darum", antwortete die Schlange, "weil ihr um mich gebeten
+habt."--
+
+"Ich habe nicht um dich gebeten!" rief einer von den Fröschen, den sie
+schon mit den Augen verschlang.--"Nicht?" sagte die Wasserschlange.
+"Desto schlimmer! So muß ich dich verschlingen, weil du nicht um mich
+gebeten hast."
+
+
+
+
+Die Ziegen
+
+Die Ziegen baten den Zeus, auch ihnen Hörner zu geben; denn anfangs
+hatten die Ziegen keine Hörner.
+
+"Überlegt es wohl, was ihr bittet", sagte Zeus. "Es ist mit dem
+Geschenke der Hörner ein anderes unzertrennlich verbunden, das euch so
+angenehm nicht sein möchte."
+
+Doch die Ziegen beharrten auf ihrer Bitte, und Zeus sprach: "So habt
+denn Hörner!"
+
+Und die Ziegen bekamen Hörner--und Bart! Denn anfangs hatten die
+Ziegen auch keinen Bart. O wie schmerzte sie der häßliche Bart, weit
+mehr, als sie die stolzen Hörner erfreuten!
+
+
+
+
+Die eherne Bildsäule
+
+Die eherne Bildsäule eines vortrefflichen Künstlers schmolz durch die
+Hitze einer wütenden Feuersbrunst in einen Klumpen. Dieser Klumpen
+kam einem anderen Künstler in die Hände, und durch seine
+Geschicklichkeit verfertigte er eine neue Bildsäule daraus, von der
+ersteren in dem, was sie vorstellte, unterschieden, an Geschmack und
+Schönheit aber ihr gleich.
+
+Der Neid sah es und knirschte. Endlich besann er sich auf einen
+armseligen Trost: Der gute Mann würde dieses noch ganz erträgliche
+Stück auch nicht hervorgebracht haben, wenn ihm nicht die Materie der
+alten Bildsäule dabei zustatten gekommen wäre.
+
+
+
+
+Die junge Schwalbe
+
+"Was macht ihr da?" fragte eine junge Schwalbe die geschäftigen
+Ameisen.
+
+"Wir sammeln Vorrat für den Winter", war die Antwort.
+
+"Das ist klug", sagte die Schwalbe, "das will ich auch tun."
+
+Und gleich fing sie an, eine Menge toter Spinnen und Fliegen in ihr
+Nest zu tragen.
+
+"Aber wozu soll das?" fragte endlich ihre Mutter.
+
+"Wozu? Das ist Vorrat für den bösen Winter, liebe Mutter. Sammle
+doch auch! Die Ameisen haben mich diese Vorsicht gelehrt"
+
+"Laß nur die Ameisen!" versetzte die Mutter. "Uns Schwalben hat die
+Natur ein schöneres Los bereitet. Wenn der reiche Sommer sich wendet,
+dann ziehen wir fort von hier."
+
+
+
+
+Jupiter und das Schaf
+
+Ein Schafweibchen lebte in einer spärlich bewachsenen Gebirgsgegend.
+Es mußte viel von anderen Tieren erleiden und war ständig auf der
+Flucht vor Feinden. Ein Adler kreiste oft über diesem Gebiet, und das
+Schafweibchen war gezwungen, immer wieder ihr kleines Schäfchen zu
+verstecken. Auch mußte es achtgeben, daß der Wolf es nicht entdeckte,
+denn dieser strolchte auf dem dichtbebuschten Nachbarhügel herum.
+Außerdem war es wirklich ein Wunder, daß der Bär aus der waldigen
+Schlucht unter ihm es und sein Kind mit seinen riesigen Pranken noch
+nicht erwischt hatte.
+
+An einem Sonntag beschloß das Schaf, zum Himmelsgott zu wandern und
+ihn um Hilfe zu bitten. Demütig trat es vor Jupiter und schilderte
+ihm sein Leid. "Ich sehe wohl, mein frommes Geschöpf, daß ich dich
+allzu schutzlos geschaffen habe", sprach der Gott freundlich, "darum
+will ich dir auch helfen. Aber du mußt selber wählen, was für eine
+Waffe ich dir zu deiner Verteidigung geben soll. Willst du vielleicht,
+daß ich dein Gebiß mit scharfen Fang- und Reißzähnen ausrüste und
+deine Füße mit spitzen Krallen bewaffne?"
+
+Das Schaf schauderte. "O nein, gütiger Vater, ich möchte mit den
+wilden, mörderischen Raubtieren nichts gemein haben."
+
+"Soll ich deinen Mund mit Giftwerkzeugen wappnen?" Das Schaf wich bei
+dieser Vorstellung einen Schritt zurück. "Bitte nicht, gnädiger
+Herrscher, die Giftnattern werden ja überall so sehr gehaßt."
+
+"Nun, was willst du dann haben?" fragte Jupiter geduldig. "Ich könnte
+Hörner auf deine Stirn pflanzen, würde dir das gefallen?"
+
+"Auch das bitte nicht", wehrte das Schaf schüchtern ab, "mit meinem
+Gehörn könnte ich so streitsüchtig oder gewalttätig werden wie ein
+Bock."
+
+"Mein liebes Schaf", belehrte Jupiter sein sanftmütiges Geschöpf,
+"wenn du willst, daß andere dir keinen Schaden zufügen, so mußt du
+gezwungenerweise selber schaden können."
+
+"Muß ich das?" seufzte das Schaf und wurde nachdenklich. Nach einer
+Weile sagte es: "Gütiger Vater, laß mich doch lieber so sein, wie ich
+bin. Ich fürchte, daß ich die Waffen nicht nur zur Verteidigung
+gebrauchen würde, sondern daß mit der Kraft und den Waffen zugleich
+auch die Lust zum Angriff erwacht."
+
+Jupiter warf einen liebevollen Blick auf das Schaf, und es trabte in
+das Gebirge zurück. Von dieser Stunde an klagte das Schaf nie mehr
+über sein Schicksal.
+
+
+
+
+Merops
+
+"Ich muß dich doch etwas fragen", sprach ein junger Adler zu einem
+tiefsinnigen grundgelehrten Uhu. "Man sagt, es gäbe einen Vogel mit
+Namen Merops, der, wenn er in die Luft steige, mit dem Schwanze voraus,
+den Kopf gegen die Erde gekehrt, fliege. Ist das wahr?"
+
+"Ei nicht doch!" antwortete der Uhu; "das ist eine alberne Erdichtung
+des Menschen. Er mag selbst ein solcher Merops sein, weil er nur gar
+zu gern den Himmel erfliegen möchte, ohne die Erde auch nur einen
+Augenblick aus dem Gesichte zu verlieren."
+
+
+
+
+Minerva
+
+Laß sie doch, Freund! laß sie, die kleinen hämischen Neider deines
+wachsenden Ruhmes! Warum will dein Witz ihre der Vergessenheit
+bestimmte Namen verewigen?
+
+In dem unsinnigen Kriege, welchen die Riesen wider die Götter führten,
+stellten die Riesen der Minerva einen schrecklichen Drachen entgegen.
+Minerva aber ergriff den Drachen und schleuderte ihn mit gewaltiger
+Hand an das Firmament. Da glänzt er noch, und was so oft großer Taten
+Belohnung war, ward des Drachens beneidenswürdige Strafe.
+
+
+
+
+Zeus und das Pferd
+
+"Vater der Tiere und Menschen", so sprach das Pferd und nahte sich dem
+Throne des Zeus, "man will, ich sei eines der schönsten Geschöpfe,
+womit du die Welt geziert, und meine Eigenliebe heißt es mich glauben.
+Aber sollte gleichwohl nicht noch verschiedenes an mit zu bessern
+sein?" "Und was meinst du denn, das an dir zu bessern sei? Rede, ich
+nehme Lehre an", sprach der gute Gott und lächelte.
+
+"Vielleicht", sprach das Pferd weiter, "würde ich flüchtiger sein,
+wenn meine Beine höher und schmächtiger wären; ein langer Schwanenhals
+würde mich nicht verstellen; eine breitere Brust wurde meine Stärke
+vermehren; und da du mich doch einmal bestimmt hast, deinen Liebling,
+den Menschen, zu tragen, so könnte mir ja wohl der Sattel anerschaffen
+sein, den mir der wohltätige Reiter auflegt."
+
+"Gut", versetzte Zeus, "gedulde dich einen Augenblick!" Zeus, mit
+ernstem Gesichte, sprach das Wort der Schöpfung. Da quoll Leben in
+den Staub, da verband sich organisierter Stoff; und plötzlich stand
+vor dem Throne--das häßliche Kamel.
+
+Das Pferd sah, schauderte und zitterte vor entsetzendem Abscheu.
+
+"Hier sind höhere und mächtigere Beine", sprach Zeus; "hier ist ein
+langer Schwanenhals; hier ist eine breite Brust; hier ist der
+anerschaffene Sattel! Willst du, Pferd, daß ich dich so umbilden
+soll?"
+
+Das Pferd zitterte noch.
+
+"Geh", fuhr Zeus fort; "dieses Mal sei belehrt, ohne bestraft zu
+werden. Dich deiner Vermessenheit aber dann und wann reuend zu
+erinnern, so daure du fort, neues Geschöpf"--Zeus warf einen
+erhaltenden Blick auf das Kamel--"und das Pferd erblicke dich nie,
+ohne zu schaudern."
+
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Ausgewählte Fabeln, von Gotthold
+Ephraim Lessing.
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, AUSGEWäHLTE FABELN ***
+
+This file should be named 8afbl10.txt or 8afbl10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8afbl11.txt
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+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05
+
+Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
+91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
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+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
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+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
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+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
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+(Three Pages)
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