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+The Project Gutenberg EBook of Libussa, by Franz Grillparzer
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+this or any other Project Gutenberg eBook.
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+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
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+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Libussa
+ Trauerspiel in fuenf Aufzuegen
+
+Author: Franz Grillparzer
+
+Release Date: October, 2005 [EBook #9049]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on September 1, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO Latin-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LIBUSSA ***
+
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+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
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+
+This Etext is in German.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+LIBUSSA
+
+von FRANZ GRILLPARZER
+
+Trauerspiel in fünf Aufzügen
+
+
+Personen:
+
+Kascha, Tetka und Libussa, Schwestern
+Primislaus
+Domeslav, Lapak und Biwoy, Wladiken
+Wlasta, Dobromila, Swartka, Slawa und Dobra, Dienerinnen der Schwestern
+Ein Weib mit einem Kinde
+Landleute
+Gewaffnete
+Diener
+
+
+
+
+Erster Aufzug
+
+Offner Platz im Walde. Rechts im Vorgrunde eine Hütte. Daneben brennt
+ein Feuer.
+
+
+Primislaus (an der Tür der Hütte horchend).
+Bist du schon fertig?
+
+Libussa (von innen).
+Nein.
+
+Primislaus (nach vorn kommend).
+Ihr Götter!
+Ist es denn wahr? und ist es wirklich so?
+Daß ich im Walde ging, längshin am Gießbach,
+Und nun ein Schrei in meine Ohren fällt,
+Und eines Weibes leuchtende Gewande,
+Vom Strudel fortgerafft, die Nacht durchblinken.
+Ich eile hin und fasse sie, und trage
+Die süße Beute, laue Tropfen regnend,
+Hierher; und sie erholt sich, und ich löse
+Die goldnen Schuhe selbst ihr von den Füßen,
+Und breit ins Gras den schwergesognen Schleier,
+Und meine Hütt' empfängt den teuern Gast.
+Glückselige, ihr meiner Schwester Kleider,
+Die sie getragen und mir sterbend ließ,
+Ihr werdet dieser Hohen Leib umhüllen,
+Und näher sie mir zaubern, die so fern.
+
+Libussa (in ländlicher Tracht aus der Hütte tretend).
+Hier bin ich, und verwandelt wie du siehst.
+Des Bauern Kleider hüllen minder warm nicht
+Als eines Fürsten Rock; insoweit, merk ich,
+Sind sie sich gleich.
+
+Primislaus. Du Hohe, Herrliche!
+Wie zierst du diese ländlich niedre Tracht!
+Das Bild der Schwester, die mir kaum entschwand,
+Es tritt in dir neu atmend mir entgegen,
+Dasselbe Bild, doch lieblicher, gewiß.
+
+Libussa. Auch für die Kleider Dank! du mein Erretter!
+Wenn Rettung ja wo die Gefahr nicht groß.
+Ich half mir selbst, glaub nur! erschienst du nicht.
+Doch nun erfülle ganz dein schönes Wort
+Und bring mich zu den Meinen wie du wolltest.
+
+Primislaus. Dein edler Leib, bedarf er nicht der Ruh?
+
+Libussa. Ich hab geruht, nun ruft mich ein Geschäft.
+
+Primislaus. Bei dem ein Helfer dich nicht fördert?
+
+Libussa. Nein.
+
+Primislaus. Du hast den Ort bezeichnet, der dein Ziel.
+Geleiten sollt' ich zu drei Eichen dich,
+Die auf dem Hügel stehn am Weg nach Budesch.
+Ist dort dein Haus?
+
+Libussa. Dort nicht.
+
+Primislaus. Vielleicht von da aus
+Erkennst du selbst den Weg?
+
+Libussa. So ist's.
+
+Primislaus. Und ich
+Soll dort dem Ungefähr dich übergeben,
+Das niemals wohl uns mehr zusammenführt?
+
+Libussa. Der Menschen Wege kreuzen sich gar vielfach
+Und leicht begegnet sich Getrennter Pfad.
+
+Primislaus. Du bist kein Weib um das man werben könnte?
+
+Libussa. Du hast's erraten.
+
+Primislaus. Und, verbeut's dein Stand,
+Sind's andre Gründe, die's verbieten?
+
+Libussa. Beides.
+Nun noch einmal: gedenke deines Worts
+Und führe mich aus dieses Waldes Schlünden
+Zum Ziele meines Weges, das du kennst.
+
+Primislaus. Wohl, du gebeutst und ich muß dir gehorchen.
+Dort angebunden steht mein wackres Roß,
+Gefällt's dir, so besteig es, und ich leite
+Am Zügel es den Trennungs-Eichen zu.
+Den Trennungs-Eichen! Wohl für immer. Sei's denn!
+Dein Schmuck liegt hier im Grase rings verstreut.
+Der Schleier da, die goldnen Schuhe hier,
+Des Gürtels reiche Ketten aufgesprengt
+Und in zwei Stücken ein so schönes Ganze.
+Ich samml' es dir und trag es dienend nach,
+Bis an dem Ort der Trennung du's erhältst.
+Und kehr ich wieder in die heim'sche Hütte
+Ist deines Daseins jede Spur verweht,
+Das Gras selbst wo du tratest, es ersteht,
+Und wie ein Träumender nach seines Traums Entschwinden,
+Frag ich mich selbst: wie war's? und weiß mich nicht zu finden.
+Komm denn!
+
+Libussa. Noch eins vorerst, das ich vergaß.
+(Sie geht in die Hütte.)
+
+Primislaus. Ich will ein Zeichen nehmen meiner Tat,
+Daran ich sie, sie mich dereinst erkennt,
+Denn sie verhehlt, ich seh's, mit Fleiß ihr edles Selbst.
+Des Gürtels goldnen Ketten eingefügt
+Seh ich ein Kleinod, wohl nicht reich zumeist,
+Allein beprägt mit Bildern und mit Sprüchen;
+Das lös ich los und wahre mir's als Pfand,
+Das Namen mir enthüllt und Stamm und Haus und Stand.
+(Er steckt das Kleinod in den Busen und sammelt Libussens übriges Geräte.)
+
+(Libussa kommt zurück, ein Körbchen mit Kräutern tragend.)
+
+Libussa. Sieh mich zurück!
+
+Primislaus. Und mich bereit.
+
+Libussa. Wohlan!
+Wo ist dein Pferd?
+
+Primislaus. Sieh, dort!
+
+Libussa. So komm!
+
+Primislaus. Mit Gott!
+
+(Sie gehen. Primislaus Libussas Gewande tragend.--Pause. Dann kommt
+Wlasta mit einem Jagdspieße bewaffnet, von der linken Seite.)
+
+Wlasta. Und nirgends Menschen?--Doch! Hier eine Hütte.
+(An die Türe schlagend.)
+Ihr drin im Hause!--Keine Antwort?
+(Nachdem sie die Türe geöffnet.)
+ Leer!
+Und wieder keine Spur und keine Kunde.
+
+(Dobromila tritt im Hintergrunde auf.)
+
+Wlasta. Wer schreitet dort?
+
+Dobromila. Hallo! Libussas Mägde!
+
+Wlasta. Libussas Mägde hier!
+
+Dobromila. Bist du's, o Wlasta?
+
+Wlasta. Ich bin's. Suchst du die Fürstin?
+
+Dobromila. Wohl, Libussa.
+
+Wlasta. Und keine Spur?
+
+Dobromila. Noch keine. Einsam ging sie,
+Nach Kräutern suchend für den kranken Vater,
+Von Psary aus, dem Schloß, gen Budesch zu,
+Und ward nicht mehr gesehn.
+
+Wlasta. Wie lebt der Fürst?
+
+Dobromila. Er lebt wie einer, der zu leben aufhört,
+Ich fürchte bald, er stirbt.
+
+Wlasta. Ei, seine Töchter,
+Gar hoch erfahren in geheimer Kunst,
+Sie hindern wohl sein Ende.
+
+Dobromila. Ach, die Kunst,
+Sie endet auch, oft eh' man noch am Ende.
+Komm, laß uns jetzt nach Budesch, und im Gehn
+Erheben wir die Stimme Zeichen gebend,
+Vielleicht vernimmt's die Fürstin und erscheint.
+
+Wlasta. Hier läuft ein Pfad. Du rechts, ich links ins Dickicht
+Und ausgeruft: Libussas Mägde, ho!
+
+Dobromila (schon außer der Szene).
+ Libussa!
+
+(Beide ab.)
+
+
+
+----------------
+
+Schloß der Schwestern auf Budesch.
+
+Innerer Hof. Links ein Teil der Wohngebäude mit einer Pforte. Der
+Hintergrund durch eine wallartige Terrasse geschlossen mit einem großen
+Eingangstor. Oben sitzt Swartka. Links nach vorn Dobra an einem Tische,
+auf dem ein aufgeschlagenes großes Buch liegt. Ein großer eherner
+Leuchter mit brennendem Licht steht neben ihr.
+
+Dobra. Was ist die Zeit?
+
+Swartka. Längst Mitternacht vorüber.
+Die Sterne gehen scharenweis zur Ruh
+Und ein Gebilde schwindet nach dem andern.
+Den Reihen führt der flammende Arktur,
+Die Krone sinkt am Himmel und der Adler
+Lenkt nach den Bergen seinen müden Flug.
+
+Dobra (in dem Buche nachsehend).
+O weh, o weh!
+
+Swartka. Was klagst, was jammerst du?
+
+Dobra. Wenn Mars und Jupiter sich so begegnen
+Ist das die Stunde, die dem Leben droht.
+Weh, Herzog Krokus, wenn du ja noch lebst.
+Welch Sternbild glänzt zuhöchst?
+
+Swartka. Ob meiner Scheitel
+Spannt seine Flügel aus der helle Schwan,
+Ein Erbe recht der Sterne, welche gingen,
+Und wie geschlagne Saiten zitternd klingen
+Kommt an mein Aug' der Leier Strahl heran.
+
+Dobra. O mög' es gute Vorbedeutung sein
+Für meiner Frauen Zukunft. Doch davon
+Schweigt dieses Buch.
+
+Swartka. Fuchs, Fisch und Eidechs drängen
+Die niedre Form dem edlen Vogel nach,
+Die kluge Schlange droht mit fahlem Blinken,
+Und auf dem Pfad der königlichen Sterne
+Folgt namenloses Volk zu weiter Ferne.
+
+Dobra. Laß nun genug sein, Swartka! Komm herab!
+Es wachen Kascha noch und Tetka oben
+In ihrer Kammer. Laß zu ihnen uns,
+Sie werden ihrer Diener Eifer loben.
+
+Swartka. Ich komme. Harre noch!
+(Sie steigt herab.)
+
+(Es wird ans Tor geschlagen.)
+
+Von außen. Macht auf! Macht auf!
+
+Dobra. Wer lärmt?
+
+Von außen. Macht auf um aller Götter willen!
+
+Dobra. Geh Swartka hin und öffne nur das Tor!
+Der Lärm tut's an Gewicht dem Anlaß wohl zuvor.
+
+(Durchs geöffnete Tor dringen Domaslav, Biwoy, Lapak herein.
+Volk hinter ihnen.)
+
+Domaslav. Wo sind die Fürstinnen? bring mich vor sie!
+
+Dobra. Sie wachen noch, doch zeigen sie sich nie.
+
+Lapak. Auch nicht dem Bringer wichtig schwerer Kunde?
+
+Dobra. Das Wicht'ge wiegt nicht gleich in dein', in ihrem Munde.
+
+Domaslav. Doch frommt es uns, es frommt dem ganzen Land.
+
+Dobra. Ob's ihnen selber frommt, blieb dir wohl unbekannt.
+
+Biwoy. So hebt die Stimme, schlaget an die Schilde,
+Sie müssen uns vernehmen, sei's mit Zwang.
+
+Dobra. Am Tor der Einsicht tobt und lärmt der Wilde,
+Hört er am liebsten doch der eignen Worte Klang.
+
+Lapak. So wisse denn: der Fürst, der uns gebot,
+Der Böhmen Herr und deiner Frauen Vater,
+Fürst Krokus lebt nicht mehr.
+
+Dobra. Ihr Götter! tot?
+
+Lapak. Des Landes Hort, sein Schirmer und Berater
+Starb diese Nacht.
+
+Dobra. So ist sie wahr gewesen
+Die Kunde, die mein Aug' in Sternenschrift gelesen?
+Fürst Krokus tot!
+
+Biwoy. Du siehst, der Grund genügt,
+Daß man den Schlummer stört, in dem ein Weib sich wiegt.
+
+Dobra. Sie schlummern nicht, doch wenn in Schlaf versenket,
+Ihr Träumen acht ich mehr als was ihr andern denket.
+
+Biwoy. Nun wohl, so rüttl' ich selber an der Tür,
+Wenn sie zu uns nicht, wohl, komm ich zu ihr.
+
+(Er geht auf die Türe zu. Diese öffnet sich und Tetka und Kascha treten
+heraus. Erstere eine offene Rolle in der Hand, die zweite das Haupt
+nachdenklich gesenkt. Alle weichen ehrerbietig zurück.)
+
+Kascha. Ich sage dir: es war um Mitternacht
+Da ging er heim und segnete das Leben;
+Hätt' ich der Zeichen Widerstreit bedacht,
+Vielleicht war's Zeit ihm Fristung noch zu geben.
+
+Tetka. Libussa war bei ihm.
+
+Kascha. Fast glaub ich: Nein.
+Ihr Platz ist dunkel in den sonn'gen Kreisen.
+
+Tetka. Wo blieb sie sonst?
+
+Kascha. Bald wird mir's klarer sein.
+Die nächste Stunde muß ihr Handeln weisen.
+Gab sie ihm jenen Trank, den du wohl kennst,
+Gepreßt von Kräutern, die die Wälder bieten,
+Vielleicht starb er noch nicht.
+
+Tetka. Daß es nicht möglich ist,
+Die Krankheit aufzuhalten, ja den Tod
+Durch Vorsatz und Entschluß! Kann einer sterben
+Weil er nicht leben will; warum nicht leben
+Weil er dem Tod sich weigert? Könnte Schwäche
+So viel, und Stärke nichts? Stand ich am Bette
+Des Vaters, und erinnerte ihn dran
+Wie vielen fromme, daß er länger lebe,
+Er sah dem Tod ins Aug' und starb noch nicht.
+
+Kascha. Wie gerne bot sich heilend meine Kunst.
+
+Tetka. Ich ehre deine Kunst, weil du sie denkest,
+Doch hilft sie dem nur der wie du gedacht.
+Wenn du den Kranken mit dem Besten tränkest,
+Er stirbt, hält er für Gift was du gebracht.
+Als Krücke mag es sein daß sie noch leiste
+Für schwache Seelen, die am Willen krank,
+In Wahrheit hilft doch nur der Geist dem Geiste,
+Er ist der Arzt, das Bette und der Trank.
+Wenn ich mich über unsern Vater neigte
+Und ihm die Sprüche alter Weisheit las,
+Der Seinen Not, der Feinde Scheelsucht zeigte,
+Er faßte neuen Mut und er genas.
+
+Kascha. Nun aber ist er tot, wir sind verwaist.
+
+Tetka. Bist du verwaist? ich nicht. Ich seh ihn noch,
+Nicht wie zuletzt in seiner Schwachheit Banden.
+Ehrwürd'ger Greis, war Greis er immer doch,
+Mir ist er als ein Jüngling auferstanden.
+
+Lapak (näher tretend).
+Erhabne Fürstinnen!
+
+Kascha. Was ist?
+
+Tetka. Was sucht, was wollt ihr?
+
+Domaslav. Die Nachricht euch zu bringen sind wir da--
+
+Kascha. Wir haben es gewußt, bevor es noch geschah.
+
+Tetka. Als ihr noch hofftet, zagtet, dies und das gemeint,
+Da war es uns bekannt, da haben wir's beweint.
+
+Lapak. Wenn nun der Tod den besten Fürsten schlug--
+
+Kascha. Zu gut für euch, für uns nicht gut genug.
+Denn sorgt' er nicht um euch, und dacht' er an die Seinen,
+Ihr lebtet wüst wie vor, wir brauchten nicht zu weinen.
+
+Tetka. Weil euer Trutz vergällt ihm jeden Tag,
+Gab er dem Kummer sich und welkte hin, erlag.
+
+Domaslav. Wenn's nun auch so, und wenn die Sorg' um uns
+Beschwert sein Leben, gar es ihm geraubt,
+Laßt das uns nicht entgelten, hohe Frauen,
+Belohnt, mit dem wir nahn, das kindliche Vertrauen,
+Vollendet was begann des Vaters hohes Haupt.
+
+Lapak. Die Krone die er trug, dies Land, sein Reich
+Verschmäht sie nicht und nehmt, wählt eine unter euch.
+
+Domaslav. Ihr stammet, wissen wir, von höhern Mächten,
+Wir sind ein dunkles Volk, unkundig in den Rechten;
+Der Stab, der in Fürst Krokus Händen lag,
+Wer, als sein eignes Blut, zu halten ihn vermag?
+
+Alle (auf die Knie sinkend).
+Nehmt unsre Krone! Wählet! Kascha, du!
+
+Kascha.
+ Unter Sternen schweif ich,
+ In der Tiefe walt ich;
+ Was Natur vermag und kann
+ Ist mir willig untertan.
+ Das Leblose lebt,
+ Des Lebend'gen Dasein ist Tod.
+ Ich mag nicht herrschen über Leichen,
+ Geht zu andern mit euern Reichen,
+ Was ist mir gemein mit euch?
+
+Lapak. So nimm denn Tetka du dich unser an!
+
+Tetka.
+ Was sein soll ist nur Eins,
+ Was sein kann ist ein Vieles,
+ Ich aber will sein einig und Eins.
+ Nutzen und Vorteil zählen,
+ Aus Wahrheit und Lüge wählen,
+ Recht erdenken das kein Recht,
+ Dafür sucht einen Sündenknecht.
+ Mein sonnig Reich strahlt hellres Licht,
+ Von mir! Ich mag eure Krone nicht!
+
+Lapak. So laßt ihr uns denn hilflos und verwaist!
+Wo ist Libussa eure jüngste Schwester?
+
+Tetka. Sie ist nicht heim. Allein, wenn auch zu Hause,
+Sie folgt euch nicht.
+
+Domaslav. Laßt uns es doch versuchen.
+
+Tetka. Ich sag euch, sie verweigert's.
+
+Lapak. Gut. Doch hören,
+Anhören soll sie uns. Erlaubt zu harren.
+
+Kascha. Seht ihr so gern noch einmal euch verschmäht,
+So wartet bis sie naht. Geht dort hinein!
+Ihr aber gebt was sie am meisten lockt,'
+Gebt ihnen Speis' und Trank, und damit gut.
+
+Domaslav. Wir nehmen unsern Urlaub, hohe Frauen.
+
+Kascha. Gehabt euch wohl! Und, wenn nicht eure Fürstin,
+Bin ich euch Freundin doch.
+
+(Die Abgeordneten werden durch eine Pforte links abgeführt.)
+
+ Nun aber ihr!
+Stellt euch ringsum, senkt eure düstern Schleier,
+Und feiert still und trauernd das Gedächtnis
+Des edlen Manns, der unsern Kreis verließ.
+ Nacht um uns und Dunkel,
+ Damit in uns es Licht!
+
+(Alle verhüllen sich, die Szene verwandelt sich.)
+
+
+
+----------------
+
+Kurze Waldgegend. Es ist noch dunkel.
+
+Primislaus tritt auf, ein weißes Roß am Zügel führend, auf dem
+Libussa sitzt.
+
+Primislaus. Hier ist der Ort, den du mir hast bezeichnet.
+Der Weg nach Budesch dies, dies die drei Eichen,
+Gelöst hab ich mein Wort.
+
+Libussa. Sei drum bedankt.
+
+Primislaus. Nun soll ich von dir scheiden, dich verlassen,
+Dich nie mehr wiedersehn vielleicht?
+
+Libussa. Vielleicht.
+
+Primislaus. Du bist kein Weib um das man werben könnte?
+
+Libussa. Ich hab es schon verneint.
+
+Primislaus. Träf' ich dich wieder,
+Je wieder, glaub, ich würde dich erkennen,
+Wär's unter Tausenden. Doch du auch mich?
+Im Dunkel fand ich dich, im Dunkel scheid ich.
+Gib mir ein Zeichen dran du mich erkennst
+Wenn ich dich wiederseh.
+
+Libussa. Es ist nicht nötig.
+
+Primislaus. Doch wenn rückkehrend ich in meine Hütte
+Ein Kleinod fände das dir angehört?
+
+Libussa. Bring es hierher, ich werde darnach senden
+Und lös es gern um Gold und jeden Preis.
+
+Primislaus. Für mich ist Gold kein Preis. So laß uns scheiden!
+Dein Schleier und die schimmernden Gewande,
+In denen ich den Fluten dich entriß,
+Hier eingebunden trägt's des Pferdes Rücken.
+Nur eine Kette noch, es war dein Gürtel,
+Der unter meiner Retterhand zerstückt,
+Doch fügt' ich neu die goldnen Hakenglieder,
+Neig mir dein Haupt und trag den neuen Schmuck.
+
+(Libussa senkt ihr Haupt, er hängt ihr die Kette um den Hals.)
+
+So zier ich dich du Schöne, Hehre, Hohe;
+Für wen? ich weiß nicht; ist's doch nicht für mich.
+Und so leb wohl!
+
+Libussa. Auch du!
+
+Primislaus. Nur noch drei Schritte.
+Dort teilt, von selber kennbar, sich der Weg
+Und leicht gelangst du wieder zu den Deinen,
+Wenn du den Waldpfad rechts nur sorglich meidest,
+Die du, ein Märchen, kamst, und eine Wahrheit scheidest.
+(Das Pferd leitend.)
+Vertrau dem Pferd, es trägt dich gut und sicher.
+
+(Beide ab.)
+
+
+
+----------------
+
+Vorhof auf dem Schloß der Schwestern.
+
+Kascha, Tetka und ihre Jungfrauen in derselben Stellung wie am Schluß
+der vorletzten Szene.
+
+Kascha. Das Totenopfer ist nach Recht vollbracht,
+Nun laßt uns sorgen für die Lebenden.
+
+(Alle erheben sich.)
+
+Libussa ist nicht hier. Auch war sie, scheint es,
+Bei unsers Vaters Tode nicht.
+
+Swartka. So ist's.
+
+Kascha (zu Tetka).
+Was sagt der Geist in dir?
+
+Tetka. Er schweigt. Nur dunkel
+Ertönt es wie von Not und Fährlichkeit.
+
+Kascha (die starr auf den Boden gesehen hat.).
+Sie ist in jener Lagen einer, spricht's mir,
+Aus denen Glück und Unglück gleich entsteht,
+Am Scheideweg von Seligkeit und Jammer.
+Horch! Spricht ein Mann?
+
+Tetka. Wo?
+
+Kascha. Nein, Libussa spricht.
+Allein sie ist begleitet.
+
+Tetka. Wie auch immer!
+Sie sei gefunden und ihr Heil bewahrt.
+Die Diener sendet aus, die Männer alle
+Mit Leuchten, Fackeln in den dunkeln Wald.
+Ihr andern aber steigt dort auf die Zinnen!
+Die Opferpauke tön', ein fernes Zeichen,
+Dem Ohr der Irrenden bekannter Schall.
+Und alle ruft: Libussa. Auf!
+
+Die Mädchen (zum Teile den Wall hinaneilend).
+ Libussa!
+
+(Der Ton eines fernen Horns wird gehört. Alle stehen unbeweglich.)
+
+Dobra. Das sind sie; ja, Libussens Mägde. Wlasta
+Und Dobromila auf der Herrin Spur.
+
+Tetka (heftig).
+Libussa, hier!
+
+(Der Ton des Horns etwas näher.)
+
+ Sie ist's. Tut auf die Pforten
+Und eilt entgegen ihr mit Licht und Beistand.
+
+(Man öffnet. Einige gehen hinaus, andere bleiben in der Brüstung des
+Tors stehen, darunter Swartka.)
+
+Swartka. Sie kommt, und hoch zu Roß. Und Wlasta, Dobromila
+Begleiten sie und blasen in ihr Horn.
+
+(Libussa wird in der Torbrüstung sichtbar. Sie hat einen weißen Mantel
+übergeworfen und ein Federbarett auf dem Kopfe. Wlasta und Dobromila
+gewaffnet hinter ihr.)
+
+Libussa. Führt nur das Pferd zurück zu den drei Eichen,
+Und trefft ihr einen Mann, stellt's ihm zurück.
+
+(Eine Jungfrau geht.)
+
+Wart ihr besorgt?
+
+Tetka. Wie sehr!
+
+Kascha. Ich nicht, ich wußte
+Du kamst.
+
+Libussa. Doch lag einmal die Sorge nah.
+Im Wald verirrt, nicht Wegesspur, noch Führer,
+Ein Gießbach wollte sich das Ansehn geben
+Als sei er fürchterlich. Da kam mir Hilfe.
+(Vor Tetka tretend und ihr ins Auge blickend.)
+Doch unser Vater, gelt!
+
+Tetka. Ja wohl.
+
+Libussa (an ihrem Halse).
+ O meine Schwester!
+Und ich war fern!
+
+Tetka. Wie kam's?
+
+Libussa (sich aufrichtend).
+ In all der Zeit
+Als ich an seinem Bette saß und wachte,
+Da schwebte vor den Augen des Gemüts,
+Hatt' ich's gehört nun, oder wußt' ich's sonst,
+Das Bild mir einer Blume, weiß und klein,
+Mit siebenspalt'gem Kelch und schmalen Blättern;
+Die gib dem Vater, sprach's, und er genest.
+In feuchten Gründen, schien es, wachse sie,
+Das Tal von Budesch mußt' ich immer denken.
+Da nahm ich Korb und Griffel und ging hin.
+Ich suchte und er starb. Solang ich lebe
+Will büßen ich die unfreiwill'ge Schuld,
+Und dies mein Aug', es sei vom heut'gen Tag
+Geweiht den Tränen um den Edlen, Guten.
+
+Tetka (sie umarmend).
+Ja wohl Libussa, Trauer sei und Klage
+Geschäft uns und Erholung allen Drei'n.
+
+Kascha. Sag Zwei'n.
+
+Libussa (gereizt).
+Warum? Wen schließest du nur aus?
+
+Kascha. Die, welcher obliegt mehr als ihn beklagen:
+Zu folgen ihm in seiner harten Pflicht.
+Des Czechenvolkes Erste sind im Schloß;
+Sie fordern von Fürst Krokus Töchtern eine
+Als Herzogin für das verwaiste Land.
+
+Libussa. Nehmt ihr's, ich nicht!
+
+Kascha. So sprachen wir schon beide.
+Doch sähe gern der Vater unvollendet
+Was er für dieses dunkle Volk getan?
+Und heißt es sein Gedächtnis hoch nicht ehren,
+Fortsetzen, wenn auch schwach, was er begann?
+
+Libussa. Doch welche nimmt's?
+
+Kascha. Laßt denn das Los entscheiden.
+
+Libussa. Wie nur?
+
+Kascha. So hört was ich mir ausgedacht.
+Uns jeder gab der Vater, der nun tot,
+Am Jahrestag von unsrer Mutter Scheiden
+Ein kostbar Kleinod mit der Eltern Bild
+In halberhobner Arbeit dargestellt,
+Als Gürtel eingefaßt in goldne Spangen.
+Und da die Zierde gleich, so sagt der Name
+Der Eignerin mit Sorgfalt eingeprägt:
+Libussens bin ich, Tetkas oder Kaschas.
+Die Gürtel nun, des Vaters letzte Gabe
+Und geistiges Vermächtnis noch dazu--
+Sprach er doch ja: so oft ihr sie vereint,
+Will ich im Geist bei euch sein und mit Rat--
+Laßt legen uns in diese Opferschale.
+Tetka, die Ernste, trete dann hinzu
+Und deren Namen, blind sie greifend, faßt,
+Die ist befreit, und also auch die Zweite.
+Der Dritten Gürtel wird zum Diadem
+Sie folgt, ob ungern, in die Fürstenwohnung.
+Seid ihr's zufrieden?
+
+Libussa (Barett und Mantel abgebend und in Bauerntracht dastehend).
+ Wohl.
+
+Tetka. Libussa, du?
+Wie sonderbar gekleidet.
+
+Libussa (sich betrachtend).
+ Sonderbar?
+Vergaß ich's doch beinah! Je, gute Tetka,
+Der Zufall kommt und meldet sich nicht an,
+Auftauchend ist er da; und wohl uns, wenn beim Scheiden
+Er äußerlich verändert nur uns läßt.
+Das Kleid ist warm, und also lieb ich es.
+
+Tetka. Doch wir--?
+
+Libussa (das Geschmeide vom Halse nehmend).
+ Hier ist mein Gürtel.
+
+Tetka (ihren Gürtel ablösend).
+ Hier der meine.
+
+Kascha (Libussens Geschmeide nehmend).
+Am Hals?
+
+Libussa. Und doch er selbst, wie ich dieselbe.
+
+Kascha. Das ist dein Gürtel nicht.
+
+Libussa. Wie wäre das?
+
+Kascha. Die Ketten wohl; allein der Mutter Bildnis,
+Das Mittelkleinod fehlt mit deinem Namen,
+O Unbesonnene!
+
+Libussa. Was schmähst du mich?
+
+(Die abgesendeten Jungfrauen kommen zurück.)
+
+Dobromila. Wir waren, hohe Frau, bei den drei Eichen,
+Wie du befahlst, und suchten jenen Mann.
+Doch kam er nicht und war nicht aufzufinden.
+
+Libussa. Nun, es ist gut. (Vor sich hin.) Das hat mir der getan!
+
+(Die Jungfrauen ziehen sich zurück.)
+
+Kascha. Die Nacht im Wald, in Bauerntracht gehüllt,
+Verloren deines Vaters Angedenken.
+
+Libussa. Mein Vater lebt, ein Lebender, in mir,
+So lang ich atme lebt auch sein Gedächtnis.
+
+Kascha. Die Liebe knüpft sich gern an feste Zeichen,
+Der Leichtsinn liebt was schwankend so wie er.
+
+Libussa. Mit einem Wort löst' ich die Rätsel leicht,
+Doch würdet ihr's entstellen und verkehren.
+Drum halt nur was du weißt, mein sichres Herz!
+
+Kascha (Libussas Geschmeide hinwerfend).
+Der Kreis getrennt. Du kannst mit uns nicht losen.
+
+Libussa (auf deren Wink eine Jungfrau das Geschmeide aufhebt).
+Nicht losen? Und wer weiß, ob ich's auch will?
+Ein Schritt aus dem Gewohnten, merk ich wohl,
+Er zieht unhaltsam hin auf neue Bahnen,
+Nur vorwärts führt das Leben, rückwärts nie.
+Ich soll nicht losen? Und ich will es nicht.
+Wo sind die Männer aus der Czechen Rat?
+Den Vater will ich ehren durch die Tat,
+Mögt ihr das Los mit dumpfen Brüten fragen:
+Ich will sein Amt und seine Krone tragen.
+
+Tetka. Libussa, oh!
+
+Kascha. Hör erst auf mich, Libussa!
+Wenn ich gekränkt dich mit zu raschem Wort--
+
+Libussa. Du kränktest mich nicht mehr, ich seh's, als dich.
+Doch was ich sprach, es bleibt. Mein Wort ein Fels.
+Und mag ich's nur gestehn! Denk ich von heut
+Mich wieder hier in eurer stillen Wohnung
+Beschäftigt mit--weiß ich doch kaum womit--
+Mit Mitteln zu den Mitteln eines Zwecks,
+Mit Mond und Sternen, Kräutern, Lettern, Zahlen,
+Dünkt's allermeist einförmig mir und kahl.
+Dies Kleid es reibt die Haut mit dichtern Fäden
+Und weckt die Wärme bis zur tiefsten Brust
+Mit Menschen Mensch sein dünkt von heut mir Lust,
+Des Mitgefühles Pulse fühl ich schlagen,
+Drum will ich dieser Menschen Krone tragen.
+
+Heraus Wladiken! Czechenvolk heraus!
+
+Die Jungfrauen (rufen).
+Libussa Herzogin! Der Böhmen Fürstin!
+
+(Domaslav, Biwoy, Lapak und die übrigen Abgeordneten aus der Pforte links.)
+
+Domaslav. Täuscht unser Ohr und hörten wir genau?
+Erkürt der Böhmen Fürstin, unsre Frau?
+Und welche will--?
+
+Libussa. Hier ist von Wollen nicht,
+Von Müssen ist die Rede und von Pflicht.
+Und da nun eine muß aus unsrer Zahl,
+So will ich und begebe mich der Wahl.
+
+Lapak. Libussa, du?
+
+Libussa. Die Jüngste aus dem Kreise
+Und minder gut vielleicht als sie und minder weise,
+Auf ihnen würde Hohes gut beruhn;
+Doch handelt sich's um irdisch niedres Tun,
+Wo zu viel Einsicht schädlich dem Vollbringen,
+Fernsichtigkeit geht fehl in nahen Dingen.
+Wenn nun des Vaters Geist auf mir beruht,
+So fügt sich's wie es kann und, hoff ich, gut.
+Seid ihr's zufrieden?
+
+Die Abgeordneten (kniend).
+Hoch Libussa, hoch!
+Der Böhmen Herzogin, der Czechen Fürstin!
+
+Libussa. Steht auf! sind's diese nicht und dieser Ort
+Was euch zu Boden zieht. Doch hört mein Wort.
+Es hielt euch fest des Vaters strenge Rechte
+Und beugt' euch in heilsam weises Joch.
+Ich bin ein Weib und, ob ich es vermochte,
+So widert mir die starre Härte doch.
+Wollt ihr nun mein als einer Frau gedenken,
+Lenksam dem Zaum, so daß kein Stachel not,
+Will freudig ich die Ruhmesbahn euch lenken,
+Ein überhörtes wär' mein letzt' Gebot.
+So wie ich ungern nun von hinnen scheide,
+Lenkt' ich zurück dann meinen müden Lauf
+Und träte bittend zwischen diese beide;
+Ihr nähmet, Schwestern, mich doch wieder auf?
+
+Kascha. Wenn du's noch kannst, von Irdischem umnachtet.
+
+Tetka. Wer handelt geht oft fehl.
+
+Libussa. Auch wer betrachtet!
+
+Domaslav. Nicht fruchtlos sollst du, zweimal nicht uns mahnen,
+Nimm unsern Schwur darauf und unsrer Untertanen.
+
+Libussa. Dies letzte Wort, es sei von euch verbannt,
+In Zukunft herrscht nur eines hier im Land:
+Das kindliche Vertraun. Und nennt ihr's Macht,
+Nennt ihr ein Opfer das sich selbst gebracht,
+Die Willkür, die sich allzu frei geschienen
+Und, eigner Herrschaft bang, beschloß zu dienen.
+Wollt ihr als Brüder leben, eines Sinns,
+So nennt mich eure Fürstin und ich bin's;
+Doch sollt' ich zwein ein zweifach Recht erdenken,
+Wollt' eher ich an euch euch selbst als Sklaven schenken.
+Seid ihr's zufrieden so?
+
+Alle. Wir wollen!
+
+Libussa. Nun so kommt.
+Allein vergäßt ihr was uns allen frommt,
+(auf ihre Schwestern zeigend)
+Da diese hier den Rücktritt mir versagen,
+So ging' ich hin es meinem Vater klagen.
+
+Lebt, Schwestern, wohl! Auf Wiedersehn, und bald!
+Ihr andern folgt und jubelt durch den Wald.
+Ihr Mädchen mir voraus, und stoßt ins Horn,
+Bis jetzt mir nächst, steht billig ihr nun vorn.
+Und so, gehobnen Haupts, mit furchtlos offnen Blicken,
+Entgegen kühn den kommenden Geschicken.
+
+Die Männer. Libussa hoch! der Böhmen Herzogin!
+
+(Man hat Libussa wieder den Mantel und das Federbarett gegeben; sie geht,
+die Mädchen vor ihr her, die Männer schließen. Alle mit Fackeln und Jubel
+durch das mittlere Tor ab.)
+
+Kascha. Hast du gehört?
+
+Tetka. Ja wohl.
+
+Kascha. Nun?
+
+Tetka. Ich bedaure sie,
+Sie wird's bereun, und früher als sie denkt.
+
+Kascha. Die Roheit kann des Höhern nicht entbehren,
+Doch hat sie's angefaßt, will sie's in sich verkehren,
+Wer nicht wie Menschen sein will, schwach und klein,
+Der halte sich von Menschennähe rein.
+Komm mit!
+
+Tetka. Wohin?
+
+Kascha. An unser täglich Werk.
+Ihr aber reinigt mir so Hof als Hallen,
+Was hier geschehn, es sei in Traum zerfallen.
+
+(Die Schwestern mit Begleitung ab.)
+
+Dobra. Nun wir denn auch ans Werk und gib mir Kunde
+Ob gutes Zeichen eintritt diese Stunde.
+Welch Sternbild herrscht?
+
+Swartka (auf der Höhe der Mauer).
+Die Jungfrau blinkt, doch nein,
+Ich irrte mich, es ist des Löwen Macht,
+Der auf sein Böhmen schaut.
+
+Dobra (gen Himmel blickend).
+Hältst du auch sichre Wacht?
+
+Swartka (mit halbem Leibe über die Brustwehr gelehnt und laut ausrufend).
+Der Osten graut, dem Tage weicht die Nacht!
+
+
+
+
+Zweiter Aufzug
+
+Ebene an den Ufern der Moldau. Rechts ein Teil von Libussas Wohnung.
+Auf derselben Seite nach vorn ein kleines Gebüsch, vor dem ein Weib mit
+einem etwa vierjährigen Kinde sitzt. Links gegenüber ein Tisch mit
+plaudernden und zechenden Gesellen. Zwei darunter spielen eine Art rohes
+Brettspiel. Im Hintergrunde wird zu einer Zither getanzt.
+
+
+Das Weib (ihren Knaben emporhebend).
+Nun, Tomyn, spring!
+
+Einer der Spielenden. Ei ja, der schwarze Stein,
+Er stand erst hier.
+
+Zweiter. Dir fällt wohl gar noch ein,
+Daß ich betrüg im Spiel?
+
+Erster. Wer denkt an das;
+Sei mir nicht bös und zieh!
+
+(Sie spielen weiter.)
+
+Ein Alter. Ja, laßt euch sagen:
+Fürst Krokus war ein Held in seinen Tagen.
+Der schlug, wenn's etwa galt, auch einmal los
+Und ließ den Mann am Herde nicht vertöffeln,
+Da saßen wir die Hände nicht im Schoß
+Und suppten Frieden aus mit breiten Löffeln.
+
+Ein Jüngerer. Je nun, der Löffel hat noch keinen Mund zerrissen,
+Des Krieges Messer schneid't mitunter harte Bissen.
+Der Großen breiter Schlund mag derlei noch vertragen,
+Den Kleinen stumpft die Zähn' er und verdirbt den Magen.
+Ich lobe mir den Frieden.
+
+Alter. Je, was denkst du?
+Versteh mich recht.
+(Den Becher hebend.)
+Libussa hoch!
+
+Alle am Tische (ebenso).
+Libussa!
+
+(Ein Gewaffneter und Wlasta mit Brustharnisch und Helm an seiner Seite
+haben, wie beaufsichtigend, die Menge durchschritten.)
+
+Gewaffneter (zum Tische tretend).
+Ist's hier so laut?
+
+Alter. Wir sprachen von Libussen,
+Und wenn auch laut, wer spricht da laut genug?
+
+Wlasta. Doch horcht! Der Arbeit Ablösstunde schlug.
+
+(Man hört Gesang von Männerstimmen. Mehrere Feldarbeiter kommen, sich
+paarweise umschlingend, die Jacken über die Schultern gehängt. Sie singen:)
+
+ Ruh' nach der Arbeit
+ Wird wohler tun,
+ Denn wer nicht müde
+ Kann auch nicht ruhn.
+
+Einer von denen am Tische. Willkommen! Schon zurück?
+
+Einer der Gekommenen. Was denkst du, Lieber?
+Der Teil des Tags, der uns traf, ist vorüber,
+Nun kommt's an euch.
+
+Der Erste (aufstehend).
+Wir sind auch schon bereit.
+Zur Arbeit, ho!
+
+(Mehrere am Tische stehen auf und nehmen die abgelegten Jacken auf.)
+
+Kamt ihr im Pflügen weit?
+
+Der Andere. Zum Rain.
+
+Der Erste. Macht's heiß,
+
+Der Andere. Je nu, es sengt die Matten
+(Den Schweiß mit dem Ärmel von der Stirne wischend.)
+Doch der die Sonne gibt, der gibt zuletzt auch Schatten.
+
+Der Erste. Macht's euch bequem.
+(Zu den andern vom Tische Aufgestandenen.)
+Ihr kommt!
+
+Einer von ihnen (zum Schenken).
+Noch einen Trunk!
+
+Schenke. Was meinst du auch? Ich denk du hast genung,
+Sonst gibt es eitel Zank, wie jüngst beim Frühlingsfeste.
+Die Fürstin liebt das nicht. Halt's wie die andern Gäste!
+
+Der Vorige. So wart ich bis zum Quell.
+
+Schenke. Tu das, es kühlt den Brand
+Und heiter bleibt der Kopf und rührig Fuß und Hand.
+
+Wlasta (die gewaffnet ab und zu gegangen ist, ohne Strenge).
+Zur Arbeit!
+
+Der letzt Zurückgebliebene. Wohl! Das ist ja was ich meine.
+
+(Er und die übrigen Aufgestandenen nach der rechten Seite ab. Die neu
+Gekommenen setzen sich.)
+
+Der Erste von ihnen (zum Alten).
+Wir pflügten heut dein Feld.
+
+Alter. Ging's gut?
+
+Der Pflüger. Ei, gar viel Steine,
+Doch hielten wir darum nur doppelt fest.
+
+Alter. Habt Dank!
+
+Erster Spieler (einen Zug machend).
+Verloren!
+
+Zweiter (nachdem er das Spiel übersehen, dem andern Geld hinschiebend).
+Nun, hier ist der Rest.
+
+Erster. Du hörst wohl gar schon auf?
+
+Zweiter (auf eine Figur des Brettspieles zeigend).
+Fraß alles doch der Reiter.
+
+Erster (einen Teil des Geldes zurückschiebend).
+Nimm von dem meinen da und spielen wir nur weiter.
+
+Wlasta (hinzutretend).
+Spielt ihr um Geld?
+
+Erster Spieler. Es gilt kein großes Glück,
+Wir zahlen nur zum Scherz und geben's dann zurück.
+
+Wlasta. Ihr tut ganz recht, wollt ihr die Fürstin euch gewogen.
+
+Erster Spieler. Wer will das nicht?
+(Noch eine Handvoll Geld dem andern hinlegend.)
+Da nimm! und ausgezogen!
+
+(Sie spielen weiter.)
+
+Das Weib im Vordergrunde (das sich unterdessen mit dem Kinde beschäftigt
+hat, zu demselben).
+Wenn nun die Fürstin kommt, küß ihr den Saum.
+
+(Von den Tanzenden im Hintergrunde löst sich ein Paar los, das jetzt,
+gegen die Mitte zu, hervor tanzt.)
+
+Einer der Sitzenden. Seht wie der Janek springt, der nimmt sich Raum
+Tanzt er mit Ilsen doch.
+
+(Mehrere stehen auf, dem Tanze zuzusehen.)
+
+Ein Alter (von der linken Seite kommend).
+Laßt ab, ihr beiden!
+Wie oft ward's euch gesagt: ich will's nicht leiden.
+
+Einer der Zusehenden. Ei, Alter, trenn es nicht das hübsche Paar!
+
+Der Alte. Zuletzt nennt ihr noch Weib und Mann sie gar.
+
+Der Vorige. Warum auch nicht?
+
+Der Alte. Warum? Ich will's euch sagen--
+Mein Mädel da ist reich und er hat kaum zu nagen.
+
+Der Vorige. So lebt ihr Alten stets denn in vergangner Zeit?
+Was gestern fest und wahr ist's darum nicht auch heut.
+Der Reichtum letzter Zeit kam etwas stark zu Falle,
+Sonst hatten die und der, nun aber haben alle.
+Was kaufst du um dein Geld da wo nichts käuflich ist,
+Das Land ein breiter Tisch, an dem, wer hungert, ißt.
+Deshalb des Burschen Not, der Tochter dich erbarme,
+Er hat was ewig reich: ein Herz und rüst'ge Arme.
+
+Das Mädchen. Mein Vater!
+
+Der Alte (zum Gehen gewendet).
+Ei, ja doch!
+
+Der vorher gesprochen. Geht, folgt ihm auf dem Fuß!
+Zuletzt sagt er doch ja, und wär's aus Überdruß.
+
+(Musik von der linken Seite.)
+
+Schon wieder Sang und Klang? Das hat nicht Langeweile!
+
+Weiber und Kinder (hüpfend und in die Hände schlagend).
+Ei schön! Die Knappenschaft des Bergwerks aus der Eule!
+
+(Bergknappen mit Musik von der linken Seite. In der Mitte auf den
+Schultern von vier Männern eine Tragbahre mit glänzenden Stufen,
+Erzstücken und Gefäßen voll edlen Metallen.--Die Anwesenden drängen
+sich betrachtend und bewundernd nach dem Hintergrunde.--Lapak von der
+linken Seite kommend und Domaslav mit Biwoy rechts auftretend, begegnen
+sich.)
+
+Lapak. Seid mir gegrüßt!
+
+Domaslav. Und du!
+
+Lapak (auf das Volk weisend).
+Das freut sich.
+
+Domaslav. In der Tat.
+
+Lapak. Man ist redet glücklich hier.
+
+Domaslav. Und jedermann ist satt.
+
+Lapak. So Herr als Knecht.
+
+Domaslav. Der Knecht nun wohl am meisten.
+
+Lapak. Das möcht' ich mir zu sagen nicht erdreisten.
+Wir sind doch Herrn.
+
+Domaslav. Und satt so gut als die.
+(Auf die Menge weisend.)
+Zwar satt sein ist nicht viel.
+
+Lapak. Zu viel macht doch nur Müh.
+Libussa--
+
+Domaslav. Ah, sie ist der Frauen Zierde!
+
+Lapak. Gerecht.
+
+Domaslav. Und weise.
+
+Lapak. Mild.
+
+Domaslav. Und doch voll Würde.
+Nur--
+
+Lapak. Meinst du?
+
+Domaslav. Ich?--Sie ist wie du gesagt.
+
+Lapak. Und wer im ganzen Land zu widersprechen wagt?
+Zwar wenn--
+
+Domaslav. Erkläre dich!
+
+Lapak. Was ist da zu erklären?
+Das Land ist segensvoll, und mög' es ewig währen!
+
+Domaslav. Die Dauer freilich--
+
+Lapak. Wohl. Das Schöne währt nur kurz.
+Und wer die Höhe wählt--
+
+Domaslav. Der wagt zugleich den Sturz.
+
+Lapak. Die Dauer, ja; und, wag ich's anzudeuten--?
+Siehst du dort Wlasta durch die Männer schreiten?
+Da Tadeln nun ein Menschenfehler doch--
+Die Weiber, dächt' ich, stellt sie allzuhoch.
+Zwar wird sie wissen wohl--
+
+Domaslav.--In ihrer Weisheit Fülle--
+
+Lapak. Warum sie also tut.
+
+Domaslav. Gewiß! Und dann--Doch stille!
+
+Lapak. Was ist?
+
+Domaslav. Mir schien als käme wer.--Dann noch zumeist,
+Die Niedern find ich werden allzudreist.
+
+Lapak. Man sieht die Achtung doch nicht gerne sich versagen.
+
+Domaslav. Und braucht man nun sein Recht--
+
+Lapak. So eilt das gleich zu klagen.
+
+Domaslav. Ja dies, und daß die Weiber sie so hoch gestellt,
+Sonst ist ihr Reich--
+
+Beide. Das beste in der Welt.
+
+Domaslav. Und, Biwoy, du schweigst still?
+
+Biwoy. Was bleibt mir über?
+Hör ich die Klugen sprechen als im Fieber.
+Verkehrt ist all dies Wesen, eitler Tand,
+Und los aus seinen Fugen unser Land.
+Weiber führen Waffen und raten und richten,
+Der Bauer ein Herr, der Herr mitnichten.
+Und all dies Tändeln mit sanft und mild
+Gibt höchstens 'ne Sangweis', ein feines Bild;
+Doch wie's entstand unter einer Stirn,
+Hat's nirgends Raum als im Menschenhirn.
+Und fiel' ein Feind in unsre Gauen,
+Wir würden des allen die Früchte schauen.
+
+Lapak. Wie kurz und rasch.
+
+Domaslav. Fürwahr, er übertreibt.
+Zwar etwas ist daran--
+
+Lapak. Das etwa übrigbleibt.
+
+Domaslav. Daß ich's denn grad heraus nach meiner Einsicht deute,
+Dem Ganzen fehlt ein Mann, ein Mann an ihrer Seite.
+
+Lapak. Vielleicht. Zu all den Gaben, die der Fürstin Zier,
+Ein ruhig sichres Aug'--
+
+Domaslav. Gleich, weiser Lapak, dir.
+
+Lapak. Weis' ist Libussa selbst. Sag: Domaslav der reiche.
+
+Domaslav. Der reiche Domaslav? Sind wir nicht längst denn gleiche?
+Der starke Biwoy wär' dem Land ein starker Schild.
+
+Biwoy. Mag sein. Doch frägt darnach das zarte Frauenbild?
+
+Domaslav. Wozu noch mehr? Laßt uns zum Werk vereinen!
+Wir werben ohne Neid. Sie wähle von uns einen.
+Und wer das Los erhält, gedenke dankbarlich
+Des Brüderpaars, und stell' als Nächste sie nach sich.
+
+Lapak. Wenn nur--
+
+Wlasta (rufend).
+Die Fürstin naht.
+
+(Der Tanz hört auf.)
+
+Laßt euch nicht stören!
+Sie wird in eurer Lust den schönsten Willkomm hören.
+
+(Libussa kommt von der rechten Seite von mehreren begleitet. Sie bleibt
+betrachtend stehen. Die Tanzenden machen noch einige Schritte, dann hören
+sie zugleich mit der Musik auf, wobei einige Weiber Blumensträuße zu
+Libussens Füßen legen.)
+
+Libussa. Habt Dank ihr Leute! Für die Blumen auch,
+Mich freut es wenn ihr sie, die Frommen, liebt,
+Und ihnen gleich auch bleibt an stillem Blühn.
+Was euch die Gärtnerin mit nächster Sorge,
+Verteilend hilfreich Naß und Wärm' und Schatten,
+Kann nützlich sein, das ist euch ja gewiß.
+Die Freude, hoff ich, stört nicht das Geschäft?
+
+Wlasta. Die Pflüger, kaum gewechselt, sind im Feld.
+
+Libussa. Mir schmerzt die Stirn; das zielt auf feuchte Zeit.
+Sie sollen eilen, daß sie heut vollenden.
+Doch wird der Sommer heiß. Das Jahr ist gut.
+Wer sind die Leute dort?
+
+Wlasta. Die Knappenschaft
+Des Bergwerks aus der Eule. Reiche Beute
+Dir bietend sind sie da. Willst du sie sprechen?
+
+Libussa. Nicht jetzt. Mich ekelt an der anspruchsvolle Tand.
+(Einen der Blumensträuße in der Hand haltend.)
+Die Butterblumen hier sind helles Gold
+Und reines Silber nickt in diesen Glöckchen.
+Hat jemand Lust an ihrem toten Hort
+Zu Schmuck und zu Gerät, sei's ihm gegönnt.
+
+Ah, Brom! Wie lebst du und wie lebt dein Weib?
+Seid ihr versöhnt und streitet ihr nicht mehr?
+Demnächst komm ich zu dir mich des zu überzeugen.
+Nicht immer von Gehorsam sprich zu ihr,
+Sie wird dir um so williger gehorchen.
+Das heißt: wenn du im Recht; denn hast du unrecht,
+So seh ich nicht warum sie weichen sollte.
+Ich blicke rings um mich und finde nirgends
+Den Stempel der Mißbill'gung, den Natur
+Der offnen Stirn des Weibes aufgedrückt.
+Sieh, deine Fürstin ist ein Weib, und braucht sie Rat,
+Geht sie zu ihren Schwestern, und hier Wlasta,
+Sie wacht in Waffen und gebeut statt mir.
+Fühlt sich dein Knecht als Mensch dem Herren ähnlich,
+Warum soll sich dein Weib denn minder fühlen?
+Kein Sklave sei im Haus und keine Sklavin:
+Am wenigsten die Mutter deines Sohns.
+
+(Zu dem Weibe mit dem Kinde.)
+Ah, Gute! und dein Kind! Ist's nun gesund?
+Und machten jene Kräuter es genesen?
+Doch eine Narbe noch, hier nächst der Stirn!
+Nimm Pfeilwurz, wie es auf den Wiesen wächst
+Und drück ihms an die Stirne wiederholt
+Und sag dazu: in Gottesnamen.--Gut!
+
+Auch gibt's hier eine Hochzeit sagt man mir.
+(Das Tänzerpaar von vorher und der Vater treten näher.)
+Ei, alter Risbak, fühlst du dich erweicht
+Und nennst sie Mann und Weib das hübsche Paar?
+Du tust sehr wohl, sie sind einander wert.
+Denn was du immer sprachst von arm und reich
+Da ist nicht Sinn dabei. Wohl denn, Glück auf!
+Kehrt nur zu Spiel und Tanz, und froh zur Arbeit.
+
+(Das Volk zieht sich zurück. Sie kommt gegen den Vorgrund.)
+
+Sieh da ihr Herrn, so vornehm abgesondert?
+Wie unzufrieden oder doch erstaunt?
+
+Domaslav. Vielleicht erstaunt; daß du, den Göttern ähnlich,
+Die Gaben spendest, die du selbst nicht teilst.
+
+Libussa. Leih deinen scharfen Sinn mir weiser Lapak,
+Daß ich verstehe was dort jener meint.
+
+Domaslav. So stiftest du nicht Ehen, hohe Fürstin,
+Und bist der Ehe doch, der Liebe feind.
+
+Libussa. Du hältst mich wohl für rasend, guter Mann?
+Wie sollt' ich hassen was so menschlich ist?
+Allein zu Lieb' und Ehe braucht es zwei;
+Und, sag ich's nur, mein Vater, euer Fürst,
+War mir des Mannes ein so würdig Bild,
+Daß ich vergebens seinesgleichen suche.
+(Sich von ihnen entfernend.)
+Zwar einmal schien's, doch es verschwand auch schnell.
+
+Lapak. Du willst Geprüfte, doch du willst nicht prüfen.
+
+Libussa (vor sich hin).
+Stellt er sich denn der Prüfung? wollt' ich auch.
+
+Domaslav. Was man entfernt wünscht, hüllt man gern in Dunkel.
+
+Libussa. Nun weiser Lapak denn und starker Biwoy
+Und mächt'ger Domaslav, die ihr euch teilt
+In das was ich im Mann vereint mir denke,
+Hört denn ein Rätsel, und als halbe Lösung
+Füg ich ein Zeichen bei nach Seherart.
+War doch die Kette stets der Ehe Bild.
+(Sie nimmt ihren Halsschmuck und legt ihn auf ein Kissen, das ein
+Page hält.)
+
+Wer mir die Kette teilt,
+Allein sie teilt mit keinem dieser Erde,
+Vielmehr sie teilt, auf daß sie ganz erst werde;
+Hinzufügt was, indem man es verlor,
+Das Kleinod teurer machte denn zuvor:
+Er mag sich stellen zu Libussas Wahl,
+Vielleicht wird er, doch nie ein andrer ihr Gemahl.
+
+Domaslav. Wer mir die Kette teilt.
+
+Biwoy. Und wieder doch nicht teilt.
+
+Domaslav. Hinzufügt was--
+
+Libussa. Müht euch nicht ab!
+Der weise Lapak, sah ich, schrieb sich's auf.
+Verbirg es nicht und teil es diesen mit,
+Er soll für alle. Nun mit Gott! ihr Herrn.
+Sucht auf die Lösung; aber hört zugleich:
+Bis ihr's gefunden meidet meine Nähe.--
+Libussa ist kein Ziel, das gar so nah.
+(Zum Pagen.)
+Geh nur voran! Ihr folgt! Glück auf den Weg!
+
+Biwoy (im Abgehen leise).
+Sie narrt uns, sagt' ich euch.
+
+Lapak (ebenso).
+Wart ab das Ende.
+
+(Die drei samt dem Pagen ab nach der linken Seite.)
+
+Libussa. Wer einsam wirkt spricht in ein leeres All,
+Was Antwort schien ist eigner Widerhall.
+
+Ha Wlasta komm! Ist irgendein Geschäft,
+Ein Mühen, eine Sorge, eine Qual,
+Daß ich bevölkre meines Innern Wüste?
+
+(Die im Hintergrunde Stehenden drängen sich nach der linken Seite.)
+
+Was dort?
+
+Wlasta. Zwei Männer streiten wie du siehst.
+Sie fassen sich am Bart.
+
+Libussa (in die Szene blickend).
+Schlägst du den Bruder?
+Gebt mir ein Schwert, er soll des Todes sterben!
+Und doch, schelt ich den Zorn und fühl ihn selbst?
+Trennt sie!
+
+(Einige gehen nach der linken Seite.)
+
+Und ist das Tier erst Mensch geworden,
+Bringt sie, auf daß ich schlichte ihren Streit.
+Ei Streit und Streit!
+(Die Hand auf die Brust gelegt.)
+Ist's hier denn etwa Friede?
+
+(Ab nach der rechten Seite. Die übrigen zerstreuen sich.)
+
+
+
+----------------
+
+Verwandlung
+
+Kurze Gegend mit Felsen und Bäumen.
+
+Die drei Wladiken kommen, vor ihnen der Knabe mit dem Kissen.
+
+
+Domaslav. Setz nur das Kissen ab, dort leg es hin,
+Indes wir uns beraten was zu tun.
+
+(Der Knabe setzt das Kissen auf ein niedres Felsstück links im Vorgrunde
+und geht.--Domaslav dem Knaben nachblickend.)
+
+Mir dünkt ich sehe Spott in seinen Augen.
+
+Biwoy (der sich rechts im Vorgrunde zur Erde niedergeworfen hat, mit
+seinem Schwerte spielend).
+Hat er nicht recht und sind wir nicht genarrt?
+
+Lapak (im Hintergrunde, die Hände auf dem Rücken, auf und ab gehend).
+Das frägt sich noch!
+
+Biwoy. Ei ja, dann klügle du!
+
+Domaslav (der links im Vorgrunde auf das Felsenstück gestützt, unverwandt
+die Kette betrachtet)
+Wer mir die Kette teilt--
+
+Biwoy. Allein--Wie heißt's?
+
+Lapak (unwillig hervorsprechend).
+Allein sie teilt mit keinem dieser Erde.
+(Er geht wieder auf und nieder.)
+
+Biwoy. Sie teilt, allein mit niemand. Guter Schwank!
+(Aufstehend.)
+Ich hab es satt. Ich sag euch, es ist Unsinn.
+Der Widerspruch, ja die Unmöglichkeit
+Geknüpft in Reimwerk um uns zu verspotten,
+Und uns zu bannen fern von ihrem Hof,
+Weil sie uns scheut und unsre Nähe fürchtet.
+Wenn nicht der Sinn von Rätsel und von Kette
+In jener Knechtschaft liegt, die uns ihr Vater
+Vor Jahren auferlegt, und die sein Sprößling
+Mit zarten Händen gern verdoppeln möchte.
+
+Drum ist mein Rat: Geh' jeder auf sein Schloß;
+Du Lapak, du bist weise, Domaslav
+Bist reich, hast Diener, Schreiber, die dir helfen
+Um auszuklügeln was vielleicht der Sinn.
+Ich bin ein Mann des Schwerts. Gebt mir das Kleinod,
+Ich will es hüten, daß, gelingt die Lösung,
+Nicht einer ernte wo gesät für drei,
+Und sich allein das Ziel der Werbung eigne.
+
+Domaslav. Das darf nicht sein!
+
+Biwoy (die Hand am Schwert).
+Es darf nicht?
+
+Lapak. Nein und nein!
+
+Biwoy. So laßt das Los denn zwischen uns entscheiden.
+Wir werden doch nicht wie die Blinden wandeln
+Uns wechselseits umklammernd mit den Händen?
+Geführt von jenem Gold als unserm Auge
+Und jenem Knaben--Ruft den Knaben her!
+Er soll entscheiden, werfen uns das Los.
+
+Domaslav. Damit er rückgekehrt, am Hof Libussas
+Uns ihren Weibern schildre zum Gespött?
+
+Biwoy. Da hast du recht!
+
+Lapak. Dort geht ein Wandersmann,
+Des Weges scheint's hierher. Er kennt uns nicht;
+Sei unser Los sein unbestochnes Wort.
+
+(Da Biwoy sich nach der bezeichneten Seite wendet.)
+
+Tritt du nicht vor! Des Menschen Sinn ist rasch,
+Zuerst gesehn ist ihm zuerst gekannt.
+Er soll uns gleich, mit einem Male schaun.
+
+(Sie ziehen sich zurück.)
+(Primislaus tritt im Vorgrunde von der linken Seite auf.)
+
+Primislaus. Sowie der Wolf rings um die Herde kreist,
+Halb Hunger und halb Furcht, schleich ich im stillen
+Her um das Haus, das jene Hohe birgt.
+Und in der Brust trag ich das reiche Bild,
+Das sie mir gab, vielmehr: das ich mir nahm,
+So daß, wenn's hier zur linken Seite pocht,
+Ich unterscheide kaum, ob es mein Herz,
+Ob es ihr Kleinod was so mächtig stürmt;
+Und beide drängen hin zu ihrer Herrin.
+Doch nah ich ihr, rückstattend meinen Raub,
+Lohnt sie mit Gold die Tat, die mich beglückt,
+Und bleib ich fern, so deckt ein schnell Vergessen
+Was sie kaum weiß mehr und nur hier noch lebt.
+Ich sah dort einen Knaben ihres Hauses,
+Gekleidet in die Farben seines Diensts,
+Vielleicht kann ich ein Wort versteckter Mahnung,
+Rückrufender Erinnrung ihm vertraun,
+Daß sie gedenkt des Vorfalls jener Nacht.
+
+(Indem er sich nach rückwärts wendet, treten die drei Wladiken vor.)
+
+Lapak. Erschrick nicht, fremder Mann!
+
+Primislaus. Erschrak ich denn?
+
+Domaslav. Du kennst nicht uns, wir dich nicht.
+
+Primislaus. Also scheint's.
+
+Lapak. Zum Schiedsmann bist du demnach wie erlesen.
+
+Primislaus. Was ist zu scheiden und was ist getrennt?
+
+Lapak. Etwa die Kette hier.
+
+Primislaus (für sich).
+Libussas Kette.
+
+Domaslav. Sie gab uns eine hohe Frau.
+
+Primislaus. Libussa!
+
+Lapak. So weißt du--?
+
+Primislaus.--Nichts, als nur, daß es die ihre.
+
+Domaslav. So sag denn kurz, wie kurz ist unsre Frage:
+Wes von uns dreien soll das Kleinod sein?
+
+Primislaus. Ich bin kein Mann des Zufalls und des Glücks,
+Zumal wo's Richterspruch gilt und Entscheidung.
+Wollt ihr den nähern Sinn mir nicht vertraun,
+So bleibt mit Gott, ich ziehe meines Wegs.
+
+Lapak. Soll ich?
+
+Biwoy. Tu's immerhin, der Mann scheint klug,
+Vielleicht verhilft er etwa uns zur Lösung.
+
+Domaslav. Nun also denn: Wir drei, die du hier siehst,
+Sind mächtige Wladiken dieses Landes,
+Als mächtig eben, stark und reich, berufen
+Zu werben um der Fürstin hohe Hand.
+Als heute nun wir solcher Absicht nahten,
+Gab uns die Fürstin dieses Halsgeschmeid
+Und sprach dazu--Wie heißt's?
+
+Primislaus. Laßt mich es hören.
+
+Lapak (lesend).
+Wer mir die Kette teilt--
+
+Biwoy. Doch teilt mit keinem.
+Es klingt wie Wahnsinn.
+
+Primislaus. Jedes Wort, ich bitte.
+
+Lapak (lesend).
+Wer mir die Kette teilt,
+Allein sie teilt mit keinem dieser Erde--
+
+(Während die Wladiken neben Lapak stehen und in die Schrift blicken, hat
+Primislaus die Kette ergriffen, die hakenförmigen Glieder getrennt und
+rasch wieder zusammengefügt.--Lapak fortfahrend.)
+
+Vielmehr sie teilt auf daß sie ganz erst werde;
+
+Domaslav (lesend).
+Hinzufügt was, indem man es verlor,
+Das Kleinod teurer machte denn zuvor--
+
+(Bei diesen Worten fährt Primislaus schnell nach der linken Seite der
+Brust, wo er das Kleinod verborgen.)
+
+Biwoy (ebenfalls lesend).
+Er mag sich stellen zu Libussas Wahl;
+Vielleicht wird er, doch nie ein andrer ihr Gemahl.
+
+Primislaus. Ich will zu ihr!
+
+Domaslav. Was ficht Euch an? Ihr geht?
+
+Primislaus. Das Rätsel ist gelöst.
+
+Lapak. Wie nur?
+
+Primislaus.--Es schien so,
+Doch decket neue Nacht das kaum Erhellte.
+
+Sie sprach's zu euch als Werbern ihrer Hand?
+
+Domaslav. So war's.
+
+Primislaus (von ihnen wegtretend).
+Und überließ dem Zufall denn
+Ob sie des Rätsels Lösung dennoch fänden?
+Und der es fand, er war ja ihr Gemahl!
+
+Fahr hin, mein Glück, dein Flug war allzurasch!
+Doch blieb ein Stachel, scheint's, in ihrer Brust.
+Laß mich's versuchen denn: ich drück ihn fester,
+Ob ihn die Zeit vertieft, ob sie ihn heilt.
+(Laut.)
+Nun denn: ob des das Kleinod oder jenes
+Ist nicht die Frage, scheint's, zu dieser Zeit,
+Nicht einen wollte sie vorerst bezeichnen,
+Ihr alle sollt zur Werbung euch berecht'gen,
+Den einen wird bestimmen ihre Wahl
+Weshalb, da sie zu »teilen« euch gebot
+Und »mitzuteilen« doch so streng verpönte,
+Sie in Gesamtbesitz euch wünscht zugleich:
+Gemeinsam haben heißt als Freunde teilen
+Gebt acht, ob ich die Wahrheit näher treffe.
+Fürst Krokus gab der Töchter Dreizahl, jeder,
+Der Mutter Bild umringt von edlen Steinen
+In Gürtelspangen künstlich eingefügt;
+Die Spangen sie sind hier, das Bildnis fehlt.
+Wie sie's verlor, die Fürstin, wer kann's wissen?
+Doch daß es fehlt, und damals schon gefehlt,
+Als jene Fraun um Böhmens Krone losten,
+Sagt das Gerücht in jedes Mannes Mund;
+Wie auch, daß durch den Abgang jenes Bildes
+Bezeichnet ward als Herzogin Libussa,
+Und in der Tat »durch das was man verlor,
+Das Kleinod reicher wurde als zuvor«
+Denn es trug ein der Böhmen Herzogskrone.
+
+Domaslav. Mir deucht, der Mann hat recht.
+
+Lapak. Mir scheint's nicht minder.
+
+Biwoy. So hätten wir das Rätsel denn!
+
+Primislaus. Das Wort,
+Allein die Sache nicht. Sie will das Bildnis.
+»Hinzufügt was, indem man es verlor«
+Und wie es weiter heißt. Sie will die Sache.
+
+Biwoy. Allein wie finden wir die Sache nun?
+
+Primislaus. Ein Mittel wär' vielleicht. Was gebt ihr dem,
+Der euch das Bildnis schafft nach dem ihr strebt?
+
+Lapak (leise zu ihm).
+Ein Kornmaß Silber, bringt er's heimlich mir.
+
+Domaslav (ebenso).
+Mein Schloß in Kresnagrund, wird's mir zuteil.
+
+Biwoy (laut).
+Werd' ich der Böhmen Herzog, all mein Eigen.
+
+Primislaus. Das ist versprochen viel, gegeben wenig.
+Erkenntlichkeit ist ein gar schwankend Ding.
+Wer zielt, drückt das Geschoß an Brust und Wange,
+Doch wenn er traf, wirft er's verächtlich hin.
+Die Kette hier ist Gold, und Gold genug
+Hat Böhmens Fürstin, habt ihr Herren auch;
+Mir wär's ein reicher Schatz. Gebt mir die Kette,
+So schaff ich euch das Bild.
+
+Lapak. Nicht so, nicht also.
+
+Biwoy. Wir wollen beides, Bild und Kette.
+
+Domaslav. Ja.
+
+Primislaus. Wer auf den Markt geht, der steckt Geld zu sich.
+Für nichts ist nichts. Und somit Gott befohlen!
+
+Domaslav. So habt Ihr selbst das Bild?
+(Leise zu den übrigen.)
+Wir sind zu drei'n,
+Vielleicht daß mit Gewalt--
+
+Primislaus. Wer's nun besitzt!
+Der Ort der es verbirgt ist mir bekannt,
+Und wer mich schädigt bringt sich um den Schatz.
+(Die Hand an ein dolchartiges Messer in seinem Gürtel gelegt.)
+Nebstdem daß ich nicht wehrlos, wie ihr seht.
+
+Domaslav. Es sei darum! Doch was soll dir die Kette?
+
+Primislaus. Vielleicht als Zeichen dessen was geschah,
+Als Bürgschaft auch vielleicht für euern Dank;
+Denn--wiederum vielleicht--geb ich sie später
+Für einen Lohn der höher als sie selbst.
+
+Biwoy. Der Handel ist geschlossen. Nun das Bild!
+
+Primislaus (mit Erwartung erregenden Gebärden gegen die auf dem Kissen
+liegende Kette gewendet).
+Wohl denn, ihr Herrn, betrachtet mir das Kissen.
+Die Klugheit gilt gar oft als Zauberkraft,
+Und ist's auch oft.--Ihr seht--O weh, es fiel!
+(Während die Augen der Wladiken auf das Kissen gerichtet sind, hat er
+das Bild aus der Brust gezogen und in die linke Hand genommen. Jetzt
+stößt er, die Kette mit der rechten Hand fassend, das Kissen von dem
+Felsstück herab, so daß es nach rückwärts fällt, und gleichzeitig läßt
+er das Bild in derselben Richtung fallen.)
+Und hier das Bild.
+
+Domaslav. Es ist's.
+
+Lapak. Ich sah's zuerst.
+
+Domaslav. Ich hab's zuerst ergriffen.
+
+Biwoy. Nun, und ich?
+Man wird mir meinen Teil doch nicht bestreiten?
+
+Domaslav. Doch ob's das rechte nun?
+
+Biwoy. Ja wohl, laßt sehn!
+
+(Sie stehen seitwärts gewendet, das Bild betrachtend, das sie sich
+wechselweise aus der Hand nehmen.)
+
+Primislaus (die Kette in den Busen steckend).
+Ich nehme meinen Lohn, der mir ein Zeichen
+So gut wie jenes andre. Und Libussa
+Sie wird erinnert. Hoffnung bleibt wie vor.
+(Er entfernt sich nach der linken Seite.)
+
+Domaslav (das Bild in der Hand haltend).
+Hier steht es: Krokus hier.
+
+Lapak. Und hier Libussa.
+
+(Sie wenden sich um.)
+
+Wo aber blieb der Mann?
+
+Domaslav. Und wo die Kette?
+(Ans Schwert greifend.)
+Verräterei!
+
+Biwoy. Verräter? Und warum?
+Der Handel ward geschlossen: ihm die Kette
+Und uns das Bild. Er ist in seinem Recht.
+Wir haben was wir suchten. Laßt uns heim;
+Libussa muß nun wählen unter uns,
+Die sie verbannt, vielleicht für immer glaubte.
+Und sucht sie Ausflucht etwa weiter noch,
+Bleibt uns das Schwert.
+
+Lapak. Und was selbst Schwache schützt:
+Vereinigung.
+
+Biwoy. Recht gut, fühlt ihr euch schwach,
+Ich nicht.--Du Knabe dort, komm nur herbei
+
+(der Knabe kommt vom Hintergrunde links)
+
+Nimm jenes Kissen auf. Und lach nicht wieder,
+Wie du vorerst getan.
+(Das Bild auf das Kissen legend.)
+Hier ist das Rätsel,
+Das auch die Lösung ist. Nun lachen wir.
+Es soll sich manches ändern hier im Land
+Und auch in euerm Haus, geliebt's den Göttern.
+Der Fürstin Weisheit ehr ich; doch ein Mann,
+Es hat doch andern Schick!
+
+Die beiden. Ja wohl!
+
+Biwoy (sich mit einem verächtlichen Blick von ihnen wendend und dem
+Knaben folgend).
+Nur vorwärts!
+
+(Die beiden andern, hinter ihm hergehend, reichen sich die Hände, indem
+sie ihr Mißtrauen gegen ihn und ihr Einverständnis durch Gebärden ausdrücken.)
+
+
+----------------
+
+Verwandlung
+
+Platz vor Libussas Schlosse wie zu Anfang des Aufzuges.
+
+Libussa kommt mit Gefolge. Auf der entgegengesetzten Seite, links im
+Hintergrunde, haben sich mehrere Männer aufgestellt.
+
+
+Libussa. Setzt mir den Stuhl heraus; ich will ins Freie.
+Vielmehr nur: sattelt mir das weiße Roß,
+Dasselbe das mich einst nach Budesch trug,
+In jener Nacht, als bei des Vaters Scheiden
+Ich Herrin, Sklavin ward von diesem Land.
+Wer sind die Leute dort?
+
+Wlasta. Die Streitenden
+Von heute morgen.
+
+Libussa. Und sie streiten noch?
+Und einen Markstein gilt's, den man verrückt?
+
+Einer der Streitenden. Hier dieser hat's getan!
+
+Libussa. Sahst du's?
+
+Derselbe. Ich sah es nicht.
+
+Libussa. Und sahen's andre?
+
+Der nämliche. Nein.
+
+Libussa. Und zeihst den Bruder
+Des Frevels doch? Vergleicht euch!
+
+Der Zweite. Wohl, ich will.
+
+Der Erste. Ich nicht.
+
+Libussa. Und wenn ich dreifach Land dir gebe
+Für das was du verlierst?
+
+Der Erste. Ich will mein Recht.
+
+Libussa. Von allen Worten, die die Sprache nennet,
+Ist keins mir so verhaßt als das von Recht.
+Ist es dein Recht wenn Frucht dein Acker trägt?
+Wenn du nicht hinfällst tot zu dieser Frist,
+Ist es dein Recht auf Leben und auf Atem?
+Ich sehe üb'rall Gnade, Wohltat nur
+In allem was das All für alle füllt,
+Und diese Würmer sprechen mir von Recht?
+Daß du dem Dürft'gen hilfst, den Bruder liebst,
+Das ist dein Recht, vielmehr ist deine Pflicht,
+Und Recht ist nur der ausgeschmückte Name
+Für alles Unrecht das die Erde hegt.
+Ich les in euren Blicken wer hier trügt,
+Doch sag ich's euch, so fordert ihr Beweis.
+Sind Recht doch und Beweis die beiden Krücken,
+An denen alles hinkt was krumm und schief.
+Vergleicht euch! sonst zieh ich das Streitgut ein
+Und lasse Disteln säen drauf und Dornen
+Mit einer Überschrift: Hier wohnt das Recht.
+
+Erster Streitender. Doch du erlaubst, o Fürstin, daß den Anspruch
+Wir Männern unsersgleichen legen vor.
+
+Libussa (sich wegwendend).
+Wenn Gleiches sie begehren sind sie gleich,
+Doch Gleiches leisten, stört mit eins die Gleichheit.
+
+(Die drei Wladiken kommen mit dem Knaben der das Kissen trägt.)
+
+Noch mehr der Toren! Wollt ihr auch ein Recht?
+
+Domaslav. Ja Fürstin, ja; und zwar auf deine Hand.
+
+Libussa. Nicht mehr als das? Fürwahr ihr seid bescheiden.
+
+Lapak. Gelöst ist die Bedingung, die du setztest.
+
+Domaslav. Wir haben was du fordertest. Hier ist's.
+(Auf das Kissen zeigend.)
+
+Libussa. So habt ihr ihn getötet?
+
+Biwoy. Wen?
+
+Libussa. Den Mann
+Der es besaß.
+
+Biwoy. Er lebt.
+
+Libussa. Und gab's?
+
+Domaslav. Für Gold.
+
+Libussa. So ist er auch denn wie die andern alle:
+Ein Sklav' des Nutzens; nur der Neigung Herr,
+Um etwa mit Gewinn sie zu verhandeln,
+Fahr hin o Hoffnung! erste, letzte du.
+
+Der erste der Streitenden (zu den Wladiken herüberrufend).
+Nehmt euch, ihr Herrn, der Unterdrückten an!
+
+Libussa (zu ihm).
+Geduld mein Freund! Ich werde, will dich richten,
+Verhärtet wie ich bin, paßt mir das Amt.
+(Zu den Wladiken).
+Er nahm das Gold freiwillig?
+
+Biwoy. Ja, die Kette.
+
+Libussa. Dieselbe die ich gab? Sie fehlt.
+
+Biwoy. Er hat sie.
+
+Libussa. Und ihr, ihr überließt--?
+
+Biwoy. Es war der Preis,
+Den er, trotz höherm, einzig nur verlangte.
+
+Libussa. Habt Dank!--Der Mann ist klug. Wohl edel auch.
+Befreit mich von der Werbung dieser Toren,
+Erinnert mich an meinen Dank, und hat
+Was ihn als Gegenstand des Danks bezeichnet.
+Wo ist der Mann? Bringt her ihn!
+
+Lapak. Er ist fern.
+Den Schiedspruch kaum getan, war er verschwunden.
+
+Libussa. Wohl also stolz auch. Gut, ich liebe Stolz,
+Zumal wenn er in eigner Höhe sucht
+Den Maßstab, nicht in fremder Niedrigkeit.
+Verschmäht er meinen Dank? Ich will ihn sehn.
+
+Lapak. Doch erst entscheide, Fürstin, unsern Anspruch.
+
+Libussa. Wozu entscheiden was entschieden schon?
+Halb habt ihr nur erfüllt des Spruches Sinn.
+Verboten ward zu teilen, ihr teilt mit
+An einen Fremden was euch ward zu hüten.
+Hinzuzufügen galt's was man verlor,
+Ihr aber, statt des Ganzen, bringt den Teil.
+Halb habt ihr nur erfüllt, drum halb der Lohn.
+Werbt wie bisher und bleibt an meinem Hof.
+
+Domaslav. Wir sind betrogen.
+
+Biwoy. Sagt' ich's nicht?
+
+Der erste der Streitenden (der indessen mit seinem Gegner gehadert).
+Mein Recht!
+Ich will mein Recht. O wäre hier ein Mann,
+Der ernst entschiede wo es geht um Ernstes.
+
+Mehrere (mit Domaslav und Biwoy).
+Ja wohl: ein Mann, ein Mann!
+
+Libussa. Da lärmen sie,
+Und haben, fühl ich, recht. Es fehlt ein solcher.
+Ich kann nicht hart sein weil ich selbst mich achte.
+Den Zügel führ ich wohl mit weicher Hand,
+Doch hier bedarf's des Sporns, der scharfen Gerte.
+
+Wohlan ihr Herrn, ich geb euch einen Mann.
+(Da die drei Wladiken näher treten.)
+Glaubt ihr von euch die Rede? Dermal nicht.
+(Wieder vor sich hin sprechend.)
+Du dünkst dich klüger als Libussa ist?
+Ich will dir zeigen, daß du dich betrogen.
+
+Dem Fischer gleich wirfst du die Angel aus,
+Willst ferne stehn, belauernd deinen Köder.
+Libussa ist kein Fischlein das man fängt.
+Gewaltig wie der fürstliche Delphin
+Reiß ich die Angel dir zusamt der Leine
+Aus schwacher Hand und schleudre dich ins Meer,
+Da zeig denn ob du schwimmen kannst, mein Fischer.
+(Zu dem Volke.)
+Da gilt es denn den Mann euch zu bezeichnen,
+Der schlichten soll und richten hier im Land,
+Und nahe stehn, wohl etwa nächst der Fürstin.
+
+Ich habe lang zu euch Vernunft gesprochen,
+Doch ihr bliebt taub; vielleicht horcht ihr dem Unsinn,
+Ob scheinbar oder wirklich gilt hier gleich.
+
+Seht hier das Roß, denselben weißen Zelter,
+Der mich nach Budesch trug an jenem Tag,
+Da ich nach Kräutern suchend fand die Krone.
+
+Führt ihn hinaus am Zaum zu den drei Eichen,
+Wo sich die Wege teilen in den Wald,
+Dort laßt den Zügel ihm und folgt ihm nach,
+Und wo es hingeht, suchend seinen Stall
+Und früherer Gewohnheit alte Stätte,
+Dort tretet ein. Ihr findet einen Mann
+In Pflügerart, der--da es dann wohl Mittag--
+An einem Tisch von Eisen tafelnd sitzt
+Und einsam bricht sein Brot. Den bringt zu mir.
+Das ist der Mann, den ihr und ich gesucht.
+Was jetzo leicht und los das macht er fest,
+Und eisern wird er sein so wie sein Tisch
+Um euch zu bändigen, die ihr von Eisen.
+Die Luft wird er besteuern, die ihr atmet,
+Mit seinem Zoll belasten euer Brot,
+Der gibt euch Recht, das Recht zugleich und Unrecht
+Und statt Vernunft gibt er euch ein Gesetz,
+Und wachsen wird's wie alles mehrt die Zeit,
+Bis ihr für euch nicht mehr, für andre seid.
+Wenn ihr dann klagt, trifft selber euch die Klage,
+Und ihr denkt etwa mein und an Libussens Tage.
+
+(Indem sie mit einem leichten Schlage das Pferd zum Gehen ermuntert und
+die übrigen zu beiden Seiten Raum machen, fällt der Vorhang.)
+
+
+
+
+Dritter Aufzug
+
+Gehöft vor Primislaus' Hütte wie zu Anfang des ersten Aufzuges. Ein
+umgewendeter Pflug rechts im Vorgrunde.
+
+
+Primislaus (rechts in die Szene sprechend).
+Bringt nur die Stiere zum ersehnten Stall!
+Der Pflug bleibt hier. Ich will darauf mich setzen.
+Der Tag war heiß, die Arbeit ist getan.
+(Er setzt sich, die Stirn in die Hand stützend.)
+Nun wackrer Pflügersmann, es steht dir wohl
+Aus deinem schlichten Tun den Blick zu heben
+Nach dieses Lebens Höhn, vom Tal zum Gipfel.
+Zwar heißt's, es war in längstentschwundner Zeit
+Im Lande weit begütert unser Stamm
+Und licht und hehr in seinen ersten Wurzeln.
+Allein was soll das mir? Ist heut doch heut,
+Und Gestern aus demselben Stoff wie Morgen.
+
+Nebstdem, daß wär' ich einer der Wladiken,
+Ich mich nicht stellte zu so hoher Werbung.
+Denn wie im Bienenstock die Königin
+Nicht nur die höchste, einzig ist, allein,
+Von niedern Drohnen nur zur Lust umflattert,
+Indes die Arbeitsbienen Honig baun,
+So ist der auf dem Throne sitzt, nur sich,
+Sich selber gleich und niemandes Genoß.
+Der Fürst verklärt die Gattin die er wählt,
+Die Königin erniedrigt den als Mann,
+Den wählend sie als Untertan erhöht,
+Denn es sei nicht der Mann des Weibes Mann,
+Das Weib des Mannes Weib, so steht's zu Recht.
+Drum wie die Frau ist aller Wesen Krone,
+Also der Mann das Haupt, das sich die Krone aufsetzt,
+Und selbst der Knecht ist Herr in seinem Haus.
+(Er ist aufgestanden.)
+So sprichst du, prahlst, und trägst im Busen doch
+Was dich an jene Hoffnung jetzt noch kettet.
+
+Man sage nicht das Schwerste sei die Tat,
+Da hilft der Mut, der Augenblick, die Regung;
+Das Schwerste dieser Welt ist der Entschluß.
+Mit eins die tausend Fäden zu zerreißen
+An denen Zufall und Gewohnheit führt,
+Und aus dem Kreise dunkler Fügung tretend
+Sein eigner Schöpfer zeichnen sich sein Los,
+Das ist's wogegen alles sich empört
+Was in dem Menschen eignet dieser Erde
+Und aus Vergangnem eine Zukunft baut.
+Daß sie mein denkt, daß wach in ihrer Seele
+Mein Bild--nicht einmal das: ein Traum, ein Nichts,
+Das tausend Formen so wie meine kleiden,
+Das nicht einmal ein Name ihr bezeichnet,
+Kein Gleichnis, denn sie sah mich damals kaum
+Als uns die Nacht im Wald zusammenführte,
+Das weckt in mir ein gleichverworrnes Nichts,
+Das doch mein Glück ist, meines Lebens Säule,
+Und das zerstören ich nicht mag, nicht kann.
+
+Wär' sie ein Hirtenmädchen, nicht Libussa,
+Und ich der Pflüger der ich wirklich bin,
+Ich träte vor sie hin und sagte: Mädchen,
+Ich bin derselbe dem du einst begegnet.
+Sieh hier das Zeichen. Wird's nun licht in dir,
+Wie längst in dieser Brust, so nimm und gib!
+(Die Hand hinhaltend.)
+Dann könnte sie nicht sprechen: Guter Mann,
+Stellt dort euch zu den Dienern meines Hauses,
+Des, wes ihr mich erinnert, denk ich kaum.
+
+Ei wackrer Mann, setz dich nur wieder hin,
+Nimm Käs' und Brot aus deiner Pflügertasche
+Und halte Mahl am ungefügen Tisch.
+Ist's eignes Brot doch, das erhält und stärkt,
+Das Brot der Gnade nur beengt und lastet.
+(Er hat sich wieder gesetzt und den Inhalt seiner Tasche auf die
+Pflugschar ausgelegt.)
+
+Sie hat mein Roß, das etwa so viel gilt
+Als diese goldnen Spangen die ich trage,
+Und so sind sie mein Eigentum zu Recht.
+
+Ich wollte, sie bestieg' einmal den Zelter
+Und in Gedanken ihm die Zügel lassend,
+Trüg' sie das Tier hieher.
+Doch welch Geräusch?
+Täuscht mich mein Aug? Das ist mein Roß; doch leer
+Und ohne Reiter, rings von Volk umgeben.
+Bin ich im Land der Märchen und der Wunder?
+Doch folgen die Wladiken, seh ich nun,
+Die sich erdachten etwa solchen Fund
+Um zu ergänzen was nur halb in ihrer
+Und halb in meiner Hand. Kommt immer, kommt!
+Ich fühle mich als Herr in meinem Haus,
+Und so brech ich mein Brot. Ist doch der Pflüger,
+Indem er alle nährt, den Höchsten gleich:
+Wie Wasser und wie Luft, die niemand kauft,
+Doch mit dem Leben zahlt, entbehrt er ihrer.
+
+(Die drei Wladiken kommen, von Volk begleitet, von der linken Seite.)
+
+Biwoy. Hier blieb der Zelter stehn, hier ist der Ort.
+
+Domaslav. Und hier der Mann, der, wie Libussa sprach,
+An einem Tisch von Eisen sitzt, sein Brot
+Auf einer Pflugschar mit den Händen teilend.
+
+Biwoy. Derselbe ist's, es ist der nämliche,
+Der unsern Streit geschlichtet.
+
+Lapak. Mir wird's hell.
+
+Primislaus (aufstehend).
+Glück auf ihr Herrn! Was führt euch her zu mir?
+
+(Man hat das Pferd gebracht. Primislaus hinzutretend und es streichelnd.)
+
+Ha Prischenk, du mein Roß, du wieder heim?
+
+Lapak. Sein Roß?
+
+Primislaus. Noch einmal denn: was führt euch her?
+
+Domaslav. Der Fürstin Wort.
+
+Primislaus. Libussas?
+
+Lapak. Sie befahl
+An ihren Hofhalt dich mit uns zu führen.
+
+Primislaus. Galt mir auch, euch zu folgen, der Befehl?
+
+Lapak. Das nicht.
+
+Primislaus. Doch, wenn ich's nun verweigerte,
+Kommt ihr mit Macht, mich nöt'genfalls zu zwingen.
+Seid unbesorgt, ich folg euch ohne Zwang.
+Was aber war der hohen Ladung Grund?
+
+Domaslav. Wir wissen's nicht.
+
+Lapak. Vielleicht doch ward ihr kund,
+Daß du ein schlauer Richter bist zu eignem Nutzen,
+Und wünscht als Richter dich zu nutz dem Volk.
+Zum mindsten lag ein Fall vor, der verwirrte.
+
+Primislaus. Ich richte niemand als mich selber etwa,
+Und täusche nicht, als wer sich selbst getäuscht.
+
+Domaslav. Besteig das Roß denn und folg uns nach Hof.
+
+Primislaus. Dies Tier, das meine Fürstin hat getragen,
+Besteige niemand, der nicht eignen Rechts,
+Nebstdem daß es das ihre, und ich wünsche,
+Daß es das ihre bleibe, nach wie vor.
+Dann, sollt' ich mit der Arbeit Staub beladen
+Mich nahn dem Ort, wo Arbeit nur ein Gast,
+Nicht der Bewohner ist? Ich geh ins Haus
+Und schmücke mich wie sich der Landmann schmückt.
+Auch, da man Höhern naht mit Ehrengaben,
+Bring ich von Früchten und von Blumen ihr,
+Wie sie der Armut eignen, ein Geschenk.
+So lang, ihr Herrn, zerstreut euch im Gehöft.
+Man reicht euch Met und Milch und nährend Brot,
+Auf daß gestärkt wir gehn, wo Stärke not.
+
+(Er entläßt sie mit einer Handbewegung und geht in die Hütte.)
+
+Lapak. Hast du gehört?
+
+Domaslav. Wie stolz.
+
+Biwoy. Nun um so besser.
+Stolz gegen Stolz, wie Kiesel gegen Stahl,
+Erzeugt, was beiden feind, den Feuerstrahl.
+
+(Alle nach der linken Seite ab.)
+
+
+----------------
+
+Verwandlung
+
+Tiefes Theater. Im Hintergrunde auf einem Felsen das Schloß der Schwestern.
+
+Wlasta und Swartka vom Hintergrunde nach vorn kommend.
+
+
+Wlasta. So weigern mir die Schwestern, deine Fraun,
+Den Eintritt denn?
+
+Swartka. Sie sind nicht gern gestört.
+
+Wlasta. Und wissen sie: ich komme von Libussen.
+
+Swartka. Sie wissen es.
+
+Wlasta. Und doch--?
+
+Swartka. Und doch.--Verzieh!
+Sie steigen nieder von dem jähen Abhang,
+Den Weg vom Schloß ins Freie.--Tritt zurück!
+Wenn sie vorübergehen, sprich sie an.
+
+(Kascha und Tetka sind von der Höhe herabgekommen.)
+
+Kascha. Ich sage dir: die Wasserwaage zittert,
+Der Boden hebt, die Zeit gebiert ein Neues.
+
+Wlasta. Erlauchte Frau.
+
+Kascha. Ah, Wlasta, sei gegrüßt!
+Willkommen hier im Freien, denn im Schloß
+War's nicht gegönnt.
+
+Wlasta. Und wer verbot's?
+
+Tetka. Wir selber.
+Wer aufmerkt, der gebeut selbst und gehorcht.
+
+Wlasta. Die Fürstin, meine Frau--
+
+Kascha. Wir wissen es.
+Libussa will zurück in ihrer Schwestern Mitte,
+Empört von ihres Volkes wildem Trotz.
+Sag ihr, das kann nicht sein.
+
+Wlasta. Du meinst wie ich.
+
+Kascha. Vielleicht nicht ganz. Allein,--und sag ihr das--
+Wer gehen will auf höh'rer Mächte Spuren
+Muß einig sein in sich, der Geist ist eins.
+Wem's nicht gelungen all die bunten Kräfte
+Im Mittelpunkt zu sammeln seines Wesens,
+So daß der Leib zum Geist wird, und der Geist
+Ein Leib erscheint, sich gliedernd in Gestalt,
+Wem ird'sche Sorgen, Wünsche und das schlimmste
+Von allem was da stört,--Erinnerung,
+Das weitverbreitete Gemüt zerstreun,
+Für den gibt's fürder keine Einsamkeit,
+In der der Mensch allein ist mit sich selbst.
+Die Spuren ihres Wirkens, ihres Amts,
+Sie folgen künftig ihr wohin sie geht.
+Wozu noch kommt, daß in der letzten Zeit
+Die Neigung, scheint's, die Neigung zu dem Mann,
+In ihrem edlen Innern Platz gegriffen;
+Zum mindsten war das Kleinod das du brachtest,
+Als Zeichen deiner Sendung, nicht mehr strahlend,
+Gewesen war's in einer fremden Hand.
+Sie kann nicht mehr zu uns zurück, denn störend
+Und selbst gestört, zerstörte sie den Kreis.
+
+(Sie tun ein paar Schritte. Wlasta tritt ihnen in den Weg.)
+
+Wlasta. Doch gebt ihr Rat der Fürstin, wie sie bändigt
+Die Meinungen des Volks, mit sich im Kampf.
+
+Kascha. Kennt einen Weisern sie im Volk als sich,
+So steige sie vom Stuhl und gönn' ihn jenem.
+Doch ist die Weisre sie, wie sie's denn ist,
+So gehe sie den ungehemmten Gang,
+Nicht schauend rechts und links was steht und fällt.
+Der Fragen viel erspart die feste Antwort.
+Ich sehe rings in weiter Schöpfung Kreisen
+Und finde übrall weise Nötigung.
+Der Tag erscheint, die Nacht, der Mond, die Sonne,
+Der Regen tränkt dein Feld, der Hagel trifft's,
+Du kannst es nützen, kannst dich freuen, klagen,
+Es ändern nicht. Was will das Menschenkind
+Daß es die Dinge richtet die da sind.
+
+Tetka. Das Denken selbst, das frei sich dünkt vor allen,
+Ist eigner Nötigung zu Dienst verfallen.
+Hat sich der Grund gestellt, so folgt die Folge,
+Und zwei zu zwei ist minder nicht noch mehr
+Als vier, ob fünf dir auch willkommner wär'.
+Wer seine Schranken kennt der ist der Freie,
+Wer frei sich wähnt ist seines Wahnes Knecht.
+
+Kascha. Hoffst du durch Überzeugen dich geschützt?
+Es billigt jeder das nur was ihm nützt.
+Ein einz'ges ist was Meinungen verbindet:
+Die Ehrfurcht, die nicht auf Erweis sich gründet.
+Der Sohn gehorcht, gab sich der Vater kund,
+Den Ausspruch heiligt ihm der heil'ge Mund.
+Daß einer herrsche ist des Himmels Ruf,
+Weil zum Gehorchen er die Menschen schuf.
+Wir selbst, als Schwestern deiner Fürstin gleich,
+Gehorchen ihr, weil ihrer ward das Reich.
+Und fällt's zu widerstreben jemand ein,
+Mag er versuchen erst kein Mensch zu sein.
+
+(Indem die Fürstinnen ihren Weg fortsetzen, und Wlasta, wie zu neuen
+Vorstellungen ihnen zur Seite folgt, gehen alle nach links ab.)
+
+----------------
+
+Saal in Libussas Schlosse. Zur rechten Seite ein Thron auf Stufen.
+
+Dobromila (kommt von der rechten Seite, zurücksprechend).
+Der Erker hier reicht weiter in das Feld!
+(Sie tritt an ein Fenster das sie öffnet.)
+
+Libussa (von derselben Seite kommend).
+Und siehst du hier auch nichts?
+
+Dobromila. Wie vor noch immer,
+Ringsum von den Wladiken keine Spur.
+
+Libussa. Ich sagte dir du sollst nach Wlasta sehn,
+Die ich gesandt zu meinem Schwesterpaar,
+Und die, halb Mann sie selbst, nach Männerart
+Die Zeit mit Vielgeschäftigkeit zersplittert.
+Sagt einer Frau: Tu das! sie richtet's aus;
+Der Mann will immer mehr als man geheißen.
+Liebt sie zu sprechen, lüstet's ihn zu hören,
+Und was er seine Wißbegierde nennt,
+Ist Neugier nur in anderer Gestalt.
+Wenn nicht zu träg, er spräche mehr als sie.
+
+Ich will zu meinen Schwestern auf Hradschin!
+Zur Gnade leben trotzigen Vasallen,
+Die alles was Gewicht weil es Gehalt,
+Erst auf der Waage eignen Zweifels wägen,
+Der nur bezweifelt was ihm nicht genehm.
+Das soll nicht sein mit Krokus' Fürstentochter.
+Sie mögen sich bestreiten, sich bekriegen,
+Vielleicht wird sie die Not, doch nie das Wort besiegen.
+
+Fast reut es mich, daß ich die Toren sandte
+Nach jenem andern Toren, wie es scheint,
+Der trotzig so wie sie und stolz dazu,
+Dort zögert wo die Eile noch zu langsam.
+Wenn ich gewürdigt ihn noch sein zu denken,
+Wenn unter dieser Stirn, in dieser Brust
+Die Spuren noch lebendig jenes Eindrucks
+Den gebend ich empfing, was hält ihn ab
+Hervorzutreten aus der Dunkelheit
+Des Ohres und der Nacht ans Licht des Auges,
+Den Dank zu holen, ob auch nicht den Lohn?
+
+Und unter solchen wär' mein Los zu weilen?
+Wohl etwa gar, wie die Wladiken meinen,
+Mein Selbst geknüpft an einen ihrer Schar?
+Die Glieder dieses Leibes, die mein eigen,
+Zu Lehen tragen von der Niedrigkeit?
+Der Hand Berührung und des Atems Nähe
+Erdulden, wie die Pflicht folgt einem Recht?
+Mich schaudert. All mein Wesen wird zum: Nein.
+
+Es soll sich Wlasta einem Mann vermählen
+Und ihre Kinder folgen mir im Reich.
+
+Dobromila. Ich sehe Staub.
+
+Libussa. Nun Staub ist eben nichts.
+
+Dobromila. Allmählig doch entwickeln sich Gestalten.
+Ha, die Wladiken sind's.
+
+Libussa. Und Wlasta nicht?
+
+Dobromila. Der Zug umgibt dein zügelfreies Roß.
+
+Libussa. Das keinen Reiter trägt?
+
+Dobromila. Ich sehe keinen.
+Vor allen her nur geht ein einzelner,
+Geschmückt mit Blumen wie--
+
+Libussa. Ein Opfer etwa?
+Ich will des Schrittes Unlust ihm ersparen,
+Und schien die Frau ihm nicht des Kommens wert,
+Soll ihm die Fürstin wert der Achtung scheinen.
+(In die Hände klatschend.)
+Herbei ihr Diener, Mägde dieses Hauses,
+Umgeht die euch gebeut in voller Schar
+Auf daß, wer Hohes sonst nicht kann erkennen,
+Zum mindsten mit dem Aug es nehme wahr.
+
+(Von der rechten Seite ist Libussens Gefolge eingetreten und hat sich
+in Reihen gestellt. Sie selbst besteigt den Thron.--Primislaus kommt
+von der linken Seite. Hinter ihm die Wladiken und Volk. Er trägt einen
+Kranz von Ähren und Kornblumen auf dem Kopfe, in der rechten Hand eine
+Sichel, mit dem linken Arme hält er einen Korb mit Blumen und Früchten.)
+
+Primislaus. Auf dein Geheiß erschein ich, hohe Fürstin,
+Mit Landmanns Gaben und in Landmanns Schmuck
+Und dir zu Füßen leg ich meine Habe.
+Den Kranz von Ähren, die der Fluren Krone
+Und minder nicht von Gold als Fürstenschmuck,
+Ich neig ihn vor der Fürstin Diadem.
+Die Sichel, die mein Schwert, der Waffen beste,
+Denn sie bekämpft der Menschen ärgsten Feind,
+Des Name schon ein Schreckensbild: die Not,
+Ich strecke sie, von höhrer Macht besiegt.
+Und dies mein Schild, bemalt nicht nur mit Zeichen,
+Geschmückt mit Inhalt und mit Wirklichkeit,
+Das Wappen meines Standes, meines Tuns,
+Ich biet es dir als ärmliches Geschenk,
+Wie es dem Höhern wohl der Niedre beut,
+Der sich als niedrig weiß, obgleich nicht fühlt.
+Und so aus meinem Haus, das meine Burg,
+Komm ich zu Hof und, neigend dir mein Knie,
+Frag ich, o Fürstin: was ist dein Gebot. (Er kniet.)
+
+Libussa. Es scheint du sprichst als Gleicher zu der Gleichen.
+
+Primislaus. Dir neigt sich nicht mein Knie nur, auch mein Sinn.
+
+Libussa. Doch wenn sich beide nicht aus Willkür beugten,
+Erreichten sie wohl etwa doch mein Maß?
+Steh auf!
+
+Primislaus. Wenn meine Gaben du erst nahmst,
+Der Geber sieht in ihnen sich verschmäht.
+
+Libussa. So nehmt sie denn! Ich liebe diese Blumen,
+Weil sie als Meinung gelten ohne Wert.
+
+(Man hat den Korb zu ihren Füßen gesetzt.)
+
+Du nennst sie deinen Schild. Ein einfach Wappen!
+Doch wär' ein Wahlspruch etwa beigefügt,
+Was gilt's? er wäre stolz, so wie sie einfach.
+
+Primislaus (der aufgestanden ist).
+Ein Wahlspruch auch fehlt meinem Schilde nicht,
+Demütig aber ist er wie die Zeichen.
+Du liebst in Rätseln auszusprechen dich
+Und knüpfst daran die höchsten deiner Gaben.
+Dich selbst. Erlaube, daß ich ähnlich spreche.
+(Den Korb aufnehmend und ihr darreichend.)
+
+Unter Blumen liegt das Rätsel
+Und die Lösung unter Früchten.
+Wer in Fesseln legte trägt sie,
+Der sie trägt ist ohne Kette.
+
+Libussa (die Blumen betrachtend).
+Das ist nun wohl des Ostens Blumensprache,
+Die träumend redet mit geschloßnem Mund,
+Und diese Rosen, Nelken, saft'gen Früchte
+Sind wohl geordnet zu geheimen Sinn.
+Bei beßrer Muße findet sich die Deutung.
+(Den Korb abgebend.)
+Doch Rätsel geben ziemt nur der Gewalt,
+Die Rätsel lösen eignet dem Gehorsam.
+Drum offen, da geheim nur was vertraut:
+Sahst du mich irgend schon?
+
+Primislaus. Wer sah dich nicht
+Als dich das Land mit seiner Krone schmückte?
+
+Libussa. Und sprach ich je zu dir?
+
+Primislaus. Zu mir, wie allen,
+Die als dein Wort verehren dein Gesetz.
+
+Libussa. Der Zelter den ich sandte, ohne Leitung,
+Er blieb in deines Hauses Räumen stehn.
+War er je dein?
+
+Primislaus. Und wär' er's ja gewesen,
+Wenn ich ihn gab, war er nicht mehr mein eigen.
+Ein Mann geht zögernd vorwärts, rückwärts nie.
+
+Libussa. Ein Mann, ein Mann! Ich seh es endlich kommen.
+Die Schwestern mein sie lesen in den Sternen,
+Und Wlasta führt die Waffen wie ein Krieger,
+Ich selber ordne schlichtend dieses Land;
+Doch sind wir Weiber nur, armsel'ge Weiber:
+Indes sie streiten, zanken, weinerhitzt,
+Das Wahre übersehn in hast'ger Torheit
+Und nur nach fernen Nebeln geizt ihr Blick,
+Sind aber Männer, Männer, Herrn des All!
+Und einen Mann begehrt ja dieses Volk;
+Das Volk, nicht ich; das Land, nicht seine Fürstin.
+Du giltst für klug, und Klugheit ist ja doch
+Ein Notbehelf für Weisheit wo sie fehlt.
+Sie wollen einen Richter, der entscheide,
+Nicht was da gut und billig, fromm und weise,
+Nein, nur was recht, wieviel ein jeder nehmen,
+Wieviel verweigern kann, ohn' eben Dieb
+Und Schelm zu heißen, ob er's etwa wäre.
+Dazu bist du der Mann, wie's mindstens scheint.
+Allein der Richter sei vor allem frei
+Von fremdem Gut, soll er das fremde schützen.
+Drum sag nur an: ist nichts in deinen Händen
+Was mir gehört und du mir vorenthältst?
+
+Primislaus. Dein bin ich selbst und all was ich besitze,
+Was ich besaß ist nicht in meiner Hand.
+
+Libussa. Mir widert dieser Reden Doppelsinn,
+Die nichts als Stolz, als schlechtverhüllter Hochmut.
+Drum frag ich offen dich zum letztenmal--
+
+Doch regt sich auch der Stolz in dieser Brust
+Ausweichen den zu sehn den ich begrüßt,
+Den zu bemerken nur ich mich gewürdigt.
+
+So höre du auch eine Gleichnisrede,
+Sie soll mir zeigen ob du weise bist.
+(Vom Throne herabsteigend.)
+
+Ein König hatte sich verirrt beim Jagen
+Und fand bei einem Landmann Dach und Schutz.
+Des andern Tags, zur Hofburg heimgekehrt,
+Vermißt er--einen Ring, ihm wert, ja heilig,
+Den er bei Nacht, man weiß nicht wie, verlor.
+Da läßt verkünden er auf allen Straßen,
+Daß, wer das Kleinod, seines Vaters Erbteil,
+Ihm wiederbringt, belohnt mit reichen Gaben
+Ihm nächst soll stehen, hoch in seiner Gunst.
+Was hättest du getan, warst du der Landmann?
+
+Primislaus. Vielleicht fühlt' ich mich durch die Tat belohnt,
+Und jener Ring, als Ausdruck des Bewußtseins,
+War teurer mir als selbst der höchste Lohn.
+
+Libussa. So tat er auch, der Tor. Er gab ihn nicht.
+Doch bald darauf brach aus in jener Gegend
+Ein Aufstand, den veranlaßt--was weiß ich?--
+Vielleicht des Königs Güte, wie so oft.
+Doch jener Fürst, der nicht nur milder Vater,
+Auch strenger Richter, sammelt rasch ein Heer,
+Zieht gegen die Empörer und besiegt sie.
+Ein Teil fällt durch das Schwert, der Überrest,
+Er harrt gefangen eines gleichen Schicksals
+Durch Henkershand. Da läßt der Fürst verkünden:
+Der allgemeinen Strafe sei entnommen
+Der einzige, der das vermißte Kleinod
+Ihm wiederbringt; als Lohn für jenen Dienst,
+Den er, ob Pflicht, doch seinem Herrn erwiesen.
+
+Primislaus (lebhaft).
+Nun weiß ich die Geschichte, hohe Frau!
+
+Libussa. Was also tat der Mann, wenn's dir bekannt?
+
+Primislaus. Er warf den Ring am Weg in einen Busch.
+Unschuldig, sprach er, soll mich Unschuld schützen,
+Wenn schuldig, sei die Strafe mir der Schuld.
+Auf alle gleich der Fürst den Zorn entlade,
+Dem Zufall dank ich nichts, noch eines Menschen Gnade.
+
+Libussa. Weißt du was nun geschah?
+
+Primislaus. Ich weiß es nicht.
+
+Libussa. Der Fürst gab alle gleich dem Schwerte hin.
+Verloren war der Ring, doch auch der Mann.
+
+Ich habe mich getäuscht, du bist nicht klug,
+Du kannst nicht Richter sein in diesem Land.
+
+Es sinkt der Tag. Gönnt ihm für heut die Herberg.
+Zeigt ihm das Schloß mit allen seinen Schätzen,
+Damit er sehe was ein Herr und Fürst.
+Am nächsten Morgen mag er heimwärts reisen
+Und tafeln an dem selbstgewählten Tisch,
+Vom selben Stoff, wie seine Worte weisen:
+Der Kopf, das Herz, so wie sein Tisch, von Eisen.
+
+(Indem sie mit einer geringschätzigen Handbewegung sich abwendet und
+Primislaus tiefverneigt dasteht, fällt der Vorhang.)
+
+
+
+
+Vierter Aufzug
+
+Auf den Wällen von Libussas Burg. Im Hintergrunde durch ein zinnenartiges
+Steingeländer geschlossen. Rechts und links halbrunde Türme mit Eingängen.
+Dobromila sitzt im Hintergrunde am Geländer und liest. Wlasta und Primislaus
+treten aus dem Turme links.
+
+
+Wlasta. Komm hier heraus! Dort rechts ist deine Wohnung.
+Hast du betrachtet dir das Schloß genau,
+Und sahst du je im Leben solche Pracht?
+
+Primislaus. Ich nicht.
+
+Wlasta. Ward manch ein Wunsch dabei nicht rege?
+
+Primislaus. Wer wünschte sich auch Flügel wie der Adler
+Und Flossen wie der Fisch? Sie mögen's haben.
+Das höchste, wie beschränkt auch, ist der Mensch,
+Im König selbst der Mensch zuletzt das beste.
+Auch, sah ich eure Betten gar so weich,
+Dacht' ich: ihr Schlaf ist schlecht wohl, weil so wählich.
+Und die Geräte in den Küchenräumen,
+Verfälschend das Bedürfnis mit der Kunst,
+Zu sagen schienen sie: Hier fehlt der Hunger,
+Der beste Koch und auch der beste Gast.
+In meiner Hütte ißt und schläft sich's wohl;
+Der Überfluß ist schlechtverhüllter Mangel.
+
+Wlasta. Da dich die Kunst so widersetzlich findet,
+Wird Feld und Flur vielleicht dich mehr erfreun.
+Komm hier und sieh hinaus in die Gefilde,
+Die endlos sich dem Horizonte nahn.
+Das alles, Berg und Tal und weite Flächen,
+Das alles ist Libussas, meiner Frau.
+
+Primislaus. Und sie die Seele denn so vieler Glieder?
+Ich möchte nicht mein Selbst so weit zerstreun,
+Aus Furcht nichts zu behalten für mich selbst.
+(Kopf und Hände bezeichnend.)
+Hier ist mein Rat und hier sind meine Diener,
+Die Füße meine Boten, und das Herz
+Es ist mein Reich, weit bis zum Sitz der Götter,
+Und eine Spanne groß nur in der Brust,
+Daß Raum für mich und alle meine Brüder.
+Wär' ich ein Fürst, erschräk' ich vor mir selbst,
+So wie ein Bild erschreckt das gar zu ähnlich.
+(Dobromila bemerkend.)
+Doch halt! wir stören hier.
+
+Dobromila. Ich war vertieft,
+Da merkt' ich nicht was rings um uns geschah.
+
+Primislaus. Dein Buch ist weise wohl?
+
+Dobromila. Komm selbst und lies!
+
+Primislaus. Ich kann nicht lesen, Frau!
+
+Dobromila. Nicht lesen, wie?
+
+Primislaus. In Büchern nicht, allein in Mienen wohl.
+Da les ich denn: du willst mich, Frau, beschämen.
+
+Dobromila. Vielleicht nur wundr' ich mich, daß du von Ländern
+Und Fürsten sprichst, und weißt noch nicht was nötig:
+Den Gang der Zeit von Anfang, die Geschichte.
+
+Primislaus. Was heut, war gestern morgen,--und wird morgen
+Ein gestern sein. Wer klar das Heut erfaßt,
+Erkennt die Gestern alle und die Morgen.
+
+Dobromila. Was aber war das erste in der Welt?
+
+Primislaus. Das Letzte, Frau! Im Anfang liegt das Ende.
+
+Dobromila. Die Sterne kennst du nicht?
+
+Primislaus. Ich sehe sie,
+Und sehen sie nicht mich, bin durch mein Sehen
+Ich besser denn als sie.
+
+Dobromila. Was ist das Schwerste?
+
+Primislaus. Gerechtigkeit.
+
+Dobromila. Du irrst mein rascher Freund!
+Das allerschwerste ist: den Feind zu lieben.
+
+Primislaus. Halb ist das leicht, und ganz vielleicht unmöglich.
+Allein bei allen Kämpfen dieses Lebens
+Den Anspruch bändigen der eignen Brust,
+Nicht mild, nicht gütig, selbst großmütig nicht,
+Gerecht sein gegen sich und gegen andre,
+Das ist das Schwerste auf der weiten Erde,
+Und wer es ist, sei König dieser Welt.
+
+Doch laß die toten Lehren deiner Blätter!
+Die Wahrheit lebt und wandelt wie du selbst,
+Dein Buch ist nur ein Sarg für ihre Leiche.
+(Zu Wlasta hinzutretend, die von zwei hingelehnten Schwertern eines
+ergriffen hat und es prüfend beugt.)
+Was schaffst du hier?
+
+Wlasta. Du siehst, ich prüfe Waffen.
+
+Primislaus. Was soll dem Weib das Schwert?
+
+Wlasta. Hier ist ein zweites,
+Versuchen wir, gefällt's dir, einen Gang?
+
+Primislaus. Ich kann nicht lesen und ich kann nicht fechten.
+Was soll das Spiel? Der Ernst erst macht die Waffe.
+Allein bewehre drei und vier und fünf
+Mit solchem Tand, und laß sie nachts versuchen
+Zu dringen in die Hütte, meine Burg,
+Bewehrt mit meines Vaters breiter Axt,
+Tret ich entgegen ihnen, und der Mut
+Mag dann entscheiden wer ein beßrer Krieger.
+
+Ich bin ermüdet, zeige mir die Stätte
+Wo man zu Nacht die Herberg mir bestellt.
+
+Wlasta (auf den Turm rechts zeigend).
+Sieh, dort!
+
+Slawa (hinter der Szene).
+Ihr sollt nicht, sag ich euch!
+
+Primislaus. Was nur des Neuen?
+
+Slawa (aus dem Turme links kommend).
+O schützet mich!
+
+Primislaus. Du bist das erste Weib
+An diesem Wunderort, das Schutz begehrt,
+Die andern sind vielmehr geneigt zu meistern.
+
+Slawa. Ja Schutz vor dir und deinesgleichen, Mann.
+
+Primislaus. Vor mir?
+
+Slawa. So denn vor deinesgleichen.
+Sie bilden sich nun ein mich schön zu finden,
+Obgleich ich es nicht bin, ja sein nicht mag.
+Da folgt mir denn der überläst'ge Schwarm
+Und tritt entgegen mir auf allen Pfaden.
+Der eine faßt die Hand mir mit der seinen,
+Der andre dreht die Augen quer im Kopf
+Wie ein Verscheidender, schon halb Verstorbner,
+Der dritte kniet und schwört beim hohen Himmel,
+Ich sei das Kleinod dieser weiten Welt,
+Von meinem Blick erwart' er Tod und Leben.
+Wie jämmerlich ist aber das Geschlecht,
+Das alles was den Menschen ehrt und adelt
+Blöd übersieht und nur nach äußern Gaben,
+Nach Weiß und Rot, nach Haar und Zahn und Fuß,
+Den Abgott wählt, das Letzte sich des Strebens.
+
+Primislaus. Mein Kind, was dich die Männer heißt verachten,
+Birgt etwa wohl Verachtung für dich selbst.
+Wer nach dem Äußern seine Wahl bestimmt,
+Bezweifelt, fürcht ich, sehr den Wert des Innern.
+Man sucht den Diamant läg' er im Staube,
+Geschliffnem Glas gibt erst der Glanz den Wert,
+Ist all sein Wesen Glänzen doch und Scheinen.
+Dein Weg führt dich zurecht, hier bist du sicher.
+Mir ist das Weib ein Ernst, wie all mein Zielen,
+Ich will mit ihr,--sie soll mit mir nicht spielen.
+
+Sagt das der Fürstin als den letzten Gruß
+Am Morgen, wenn ich fern schon meiner Wege.
+(Er geht in den Turm rechts.)
+
+Wlasta. Ich folg ihm nach, so lautet der Befehl.
+(Sie geht in denselben Turm.)
+
+(Libussa kommt aus dem Turme links.)
+
+Libussa. Wie ist's mit jenem Mann?
+
+Dobromila. Er ist von Stahl.
+
+Libussa. Es brach wohl auch ein Schwert schon im Gefecht.
+Was spröde ist zerbrechlich.
+(Zu Dobromila.)
+ Folg du ihnen.
+Der Abend dämmert schon, es ziemt sich nicht,
+Daß er und sie allein in solcher Stunde.
+
+(Da Dobromila geben will.)
+
+Vielmehr gebt einen Schleier mir. Ich selbst
+Will Zeuge sein wie weit sein Starrsinn geht.
+
+Gehorchen soll er und dann mag er ziehn.
+Ich fühl' es fast wie Haß im Busen quellen.
+(Ab in den Turm links.)
+
+
+
+----------------
+
+Gemach im Innern des Turmes. Links im Vorgrunde ein Teppich-behangener
+Tisch.
+
+Primislaus und Wlasta treten ein.
+
+Wlasta. Hier denn ist dein Gemach.
+
+Primislaus. Ich danke dir.
+Und da ich morgen mit dem Frühsten scheide,
+So nimm schon heut ein doppelt Lebewohl.
+
+Wlasta. So willst du fort?
+
+Primislaus. Mein Haus ist unbestellt,
+Auch gab mir meinen Abschied schon die Fürstin.
+
+Wlasta. Und hast du ihr, Libussen, nichts zu sagen?
+
+Primislaus. Was nur?
+
+Wlasta. Sie glaubt in dir denselben zu erkennen,
+Der einst im Walde hilfreich ihr genaht.
+Auch haben die Wladiken ausgesagt,
+Daß du es warst, der Kleinod gegen Kette
+Mit schlauer List umwechselnd ausgetauscht.
+
+Primislaus. Wenn ihr es wißt, warum nur fragt ihr noch?
+
+Wlasta. Vielleicht fühlt sich der Fürstin Stolz beleidigt,
+Daß du mit einem Recht auf ihren Dank,
+Aufgibst dein Recht, und ihren Dank verschmähst.
+
+Primislaus. Stolz gegen Stolz, wenn's wirklich also wäre.
+
+Wlasta. Allein der Stolz des Pflügers und der Fürstin!
+Zudem ist jenes Kleinod hoch ihr wert,
+Als ihres Vaters deutungsvolle Gabe.
+Durch Zufall nur geriet's in deine Hand
+Und blieb ein Eigen meiner hohen Herrin.
+Drum gib was eines andern, nicht das deine.
+
+Primislaus. Ich gab es schon.
+
+Wlasta. Wann aber, wo und wie?
+
+Primislaus. Ich sagt' es auch, ob etwas rätselhaft,
+Schon als ich kam, doch ihr verstandet's nicht.
+
+Wlasta. Hier aber will man Rätsel nicht, Gehorsam.
+
+Primislaus. Auch weiß ich, daß den werbenden Wladiken
+Sie auferlegt, ihr ganz und ungeteilt
+Das Kleinod auszuliefern, das sie hochhält.
+Vielleicht, wär' erst die eine Hälfte da,
+Fügt' ich die zweite bei, besäß' ich sie.
+
+Wlasta. Erfüllst du deinen Teil, tatst du genug.
+
+Primislaus. Ich bin hier in dem Wunderschloß der Weiber,
+Und alle weibliche Vollkommenheit
+Hat man mir vorgeführt mit etwas Prangen;
+Nur mit den Fehlern, scheint mir, des Geschlechts
+Hielt man zurück, bedächtlicher als billig.
+Da ist nun Neugier, die man Schuld euch gibt.
+Wie wär' es, holde Wlasta, wenn nur Neugier
+Dir diese Fragen in den Mund gelegt?
+Sprichst du zu mir im Auftrag deiner Frau?
+
+Wlasta. In ihrem Auftrag nicht.
+
+Primislaus. Nun also denn!
+Das Recht auf Antwort nur gibt Recht zur Frage.
+
+Wlasta. Doch weiß wovon ich spreche meine Frau.
+
+Primislaus. Das soll ich glauben eben weil du's sagst?
+
+Wlasta. Als Zeichen denn, daß nicht die Neugier bloß,
+Daß mich ein höhrer Wink dazu berechtigt,
+Sieh hier das Kleinod, dessen eine Hälfte
+Du vorenthältst, und das man ganz begehrt.
+(Das Mittelkleinod des Gürtels aus dem Busen ziehend.)
+
+Primislaus. Das schöne Bild! Die glänzend reichen Steine!
+Derlei sah ich in meinem Leben nicht.
+
+Wlasta. Verstell dich nicht, es war in deiner Hand.
+
+Primislaus. Wie käme derlei in die Hand des Pflügers?
+O gib es mir, o laß es mich betrachten!
+
+Wlasta. Halt ab die Hand!
+(Das Kleinod auf den Tisch ihr zur Seite hinlegend.)
+ Hier leg ich es denn hin.
+Du aber nun erfülle was dir Pflicht.
+Die Fürstin will nicht länger, kann's nicht dulden,
+Daß was ihr wert und teuer, heilig selbst,
+In niedrer Hand, als offenkundig Zeugnis
+Von einer halb vertraulichen Begegnung,
+Zum Anspruch stempelnd was ein Zufall war.
+Du sollst, du mußt, die Fürstin will es so.
+
+(Dobromila kommt, hinter ihr Libussa, eine Fackel tragend, vom Kopf bis
+zu den Füßen mit einem dichten Schleier bedeckt.)
+
+Dobromila. Wollt ihr nicht Licht? Der Abend dämmert schon.
+Ich laß euch hier der Dienrin helle Fackel.
+Du aber Wlasta fördre dein Geschäft.
+
+(Sie geht. Libussa bleibt, die Fackel emporhaltend, im Mittelgrunde gegen
+die linke Seite.)
+
+Wlasta (da sie Libussa erblickt, vor sich hin).
+Sie ist es selbst!
+
+Primislaus. Scheint Wlasta doch beklommen!
+Wär' sie's? O still mein ahnungsvolles Herz!
+
+Wlasta (zu Primislaus).
+Was not tut ward gesagt. Gehorche nun!
+
+Primislaus. Ihr setzt so schnell voraus, was erst bewiesen,
+Ein Unrecht bildete das auch ein Recht.
+Nimm an: ich war es selbst, der einst bei Nacht
+Begegnet eurer Fürstin tief im Walde,
+Nimm an: daß aller Unterscheidung bar,
+Sie mir erschien als Königin der Weiber,
+Nicht als das Weib das selber Königin.
+Der Glieder holder Reiz, der Stirne Thron,
+Das Aug' das herrscht, die Lippen die befehlen,
+Selbst wenn sie schweigen, ja im Schweigen mehr;
+Sie riefen in die Seele mir ein Bild,
+Das mich umschwebt seit meinen frühsten Tagen,
+Und all mein Wesen es rief aus: sie ist's!
+Ich wußte nichts von ihrem Rang und Stand
+Und nichts verbot zu hoffen und zu werben.
+Sie schied, es kam der Tag. Des Kleinods Pracht,
+Das in der Hand statt ihrer mir geblieben,
+Bezeichnete sie wohl als hoher Abkunft;
+Doch ist auch Primislav nicht niedern Stamms,
+Ein Enkelsohn von Helden, ob nur Pflüger.
+Erst als die Sage von Libussas Unfall
+Das Land durchzog, da war es plötzlich hell,
+Und ich nur noch ein hoffnungsloser Tor.
+Doch aus den Trümmern meines äußern Glücks
+Erbaute sich im Innern mir ein neues.
+Wie Trauerfaltern kreisen um das Licht,
+Umflogen meine Wünsche nun das Kleinod,
+Was früher Zeichen, ward jetzt Gegenstand.
+Ich trug's mit mir auf meiner warmen Brust,
+Ich drückt' es an das Herz, an meinen Mund,
+Das Eigentum verwechselnd mit dem Eigner--
+
+Heiß deine Freundin still die Fackel tragen,
+Wir sind im Dunkeln wenn verlöscht das Licht.
+
+Wlasta. Laß die Erzählung denn und komm zur Sache!
+
+Primislaus. Ein Traum ist ja Erzählung und sonst nichts.
+Zerstört war nun, für immer schien's, mein Hoffen.
+Da taucht's auf einmal wieder blinkend auf.
+Zu meiner Hütte kamen die Wladiken
+Geführt von meinem Gaul, der führerlos,
+Den Weg gefunden zu der frühern Heimat.
+Da sprach es still in mir: Sie denkt noch dein,
+Entschwunden ist ihr ganz nicht die Erinnrung
+An jene Nacht, die holde Wunderzeit.
+Nicht daß ich glaubte, meine Niedrigkeit
+Erhöhe je mich zu der Hoheit Höhe
+Nicht daß ich glaubte, die Bedingung,
+Die sie gesetzt den werbenden Wladiken,
+Sie würde je zum Anspruch für mich selbst;
+Allein den Schatten eines flücht'gen Eindrucks,
+Den müßigen Gedanken: wenn's nicht so,
+Wenn's anders wäre in der Welt der Dinge,
+Wenn dieser Umstand fort und jener da,
+Wenn niedrig wäre hoch und wenig viel,
+Dann möcht' es sein, dann könnt' es wohl geschehn!
+So viel, ein Nichts, ein schwebendes Atom,
+Dacht' ich mir wach in eurer Fürstin Seele.
+
+Die Freundin dort wird ungeduldig, scheint's.
+Wir müssen eilen, denn sie will von dannen.
+
+Mit solcher Hoffnung kam ich schwindelnd her,
+Das Herz trat mir in Ohr und Aug' und Lippe,
+Doch kalter Spott und rücksichtsloser Hohn
+Kam mir entgegen auf des Hauses Schwelle.
+
+Wlasta. Du dachtest dir das Weib und fandst die Fürstin.
+
+Primislaus. Es ist die Herrschaft ein gewaltig Ding,
+Der Mann geht auf in ihr mit seinem Wesen,
+Allein das Weib, es ist so hold gefügt,
+Daß jede Zutat mindert ihren Wert.
+Und wie die Schönheit, noch so reich geschmückt,
+Mit Purpur angetan und fremder Seide
+Durch jede Hülle die du ihr entziehst,
+Nur schöner wird und wirklicher sie selbst,
+Bis in dem letzten Weiß der Traulichkeit,
+Erbebend im Bewußtsein eigner Schätze,
+Sie feiert ihren siegendsten Triumph.
+So ist das Weib, der Schönheit holde Tochter,
+Das Mittelding von Macht und Schutzbedürfnis,
+Das Höchste was sie sein kann nur als Weib,
+In ihrer Schwäche siegender Gewalt.
+Was sie nicht fordert das wird ihr gegeben
+Und was sie gibt ist himmlisches Geschenk,
+Denn auch der Himmel fordert nur durch Geben.
+Doch mengt der Stolz sich in die holde Mischung,
+Ein scharfer Tropfen in die reine Milch,
+Dann lösen sich die Teile; stark und schwach
+Und süß und bitter treten auseinander,
+Der Schätzung unterwerfend und Vergleichung
+Was unschätzbar und unvergleichlich ist.
+
+Selbst Wlasta du, als du noch Waffen bogst,
+Mit rauher Stimme fordertest zum Kampf
+Warst du nicht du, zum wenigsten kein Weib;
+Doch seit die Freundin dort ins Zimmer trat,
+Hat holde Scheu begeistert all dein Wesen,
+Die Hand, die ich erfasse, zittert fast;
+Du bist nicht stolz, wie jene Freundin scheint,
+Die mit unwill'gem Fuße tritt den Boden;
+So bist du schön, dein Auge, nicht mehr starr,
+Es haftet milden Glanzes an dem Boden
+Die Wange färbt ein mädchenhaft Erröten.
+
+O weh! dein Haar ging los aus seinen Banden,
+Als strebt' es, schamhaft selber, zu verhüllen
+Den holden Wandel aus dem frühern Trotz.
+Ich streich es dir zurück. Nun wieder rein,
+Erkenn ich dich im Spiegel deiner Seele,
+Und wäre nicht mein Herz auf andern Pfaden,
+Ich sagte: Wlasta, kannst du fühlen weich?
+Begreifst du daß ein Innres schmelzen muß
+Um eins zu sein mit einem andern Innern?
+Hoffst du, entfernt von diesem stolzen Schloß,
+Zu finden wieder Demut, Milde, Schwäche?
+Ist eine Hütte dir ein Königsbau,
+Bewohnen Herrscher sie im eignen Hause?
+Sag ja, sag ja! und stelle dich mir höher
+Als deine Fürstin steht, trotz Glanz und Pracht.
+
+(Sich niederbeugend um ihr in die Augen zu sehen. Libussa hat einige
+Schritte nach vorn gemacht, wie um zu sprechen, jetzt wirft sie die
+Fackel weg und geht.)
+
+Die Fackel fiel. Laß mich!
+
+Wlasta (die die Fackel aufgehoben hat).
+Die Fürstin zürnt.
+
+Primislaus. Wie weiß die Fürstin was wir hier beginnen?
+Du schuldest Antwort mir auf meine Frage.
+Ich laß dich nicht, du mußt mir Rede stehn!
+Ich lösche dir die Fackel, dann im stillen
+Vertraust du das Geheimnis meinem Ohr.
+(Indem er wiederholt nach der Fackel greift und dadurch die Widerstrebende
+nach rückwärts drängt.)
+
+Wlasta. Verwegener und Spötter auch, zurück!
+Ich fühle mich gelähmt zum Widerstand,
+Denn Übermut und Dreistigkeit vernichtet.
+
+(Er hat ihr die Fackel entrissen und am Boden ausgelöscht.)
+
+Wir sind im Dunkeln.
+
+Von außen. Wlasta!
+
+Wlasta. Sieh mich hier!
+(Durch die Türe ab.)
+
+Primislaus (das auf dem Tische liegende Kleinod ergreifend und in den
+Busen steckend).
+Ich hab's, ich hab's! Wohl mir, die List gelang!
+Dort seh ich einen Ausgang. Fort ins Freie!
+
+(Indem er einer im Hintergrunde befindlichen Türe zueilt, erscheint
+Libussa mit zurückgeschlagenem Schleier in der Türe links und winkt
+mit gehobenem Arme. Eine Falltüre im Boden bewegt sich.)
+
+Der Boden weicht, ich sinke!
+(Nach vorn gewendet.)
+Ha, Libussa!
+(Er versinkt.)
+
+(Libussa zieht sich durch die Türe zurück.)
+
+
+----------------
+
+Verwandlung
+
+Der Thronsaal wie im dritten Aufzuge, im Mittelgrunde durch einen Vorhang
+abgeschlossen. Es ist dunkel.
+
+
+Primislaus' Stimme (hinter dem Vorhange).
+Beschützen mich die Götter! Fort die Hände!
+
+(Er kommt hinter dem Vorhange hervor, gefolgt von mehreren schwarz
+gerüsteten Männern.)
+
+Primislaus. Laßt ab!--Der Boden schwankt, die Sinne schwindeln.
+Aus steiler Höhe rasch herabgeglitten,
+Schlägt noch die Erde Wellen unter mir
+Und die Bewegung setzt sich fort ins Innre.
+Ich könnte sagen, tun, was fremd mir selbst.
+
+Nun ist es wieder gut. Nun kommt nur an!
+Was wollt ihr und was fordert man von mir?
+
+Ihr schweigt? Sind eure blanken Schwerter Worte?
+Und heischt mein Leben eure milde Frau?
+O Güte, Güte, himmelsgleiche Güte
+Wie preist dich hochentzückt ein ganzes Land!
+Ich aber nenn es Willkür, Weiberlaune,
+Die nur geleitet durch ein blind Gefühl
+Hier ausgießt ihres Füllhorns Überfluß
+Weil der Empfänger nah, weil er genehm,
+Weil ihm ein dunkles Etwas Gunst verleiht,
+Dort wieder nimmt, weil doch parteiisch Geben
+Ein Geben und ein Nehmen ist zugleich.
+Es ist die Welt kein traumgeschaffner Garten
+Wo Duft und Farbenglanz den Platz bestimmt,
+Die Rose Königin und Raute, Lattich
+Das Unkraut, das man austilgt mit dem Fuß.
+Ein Ungefähr verlieh mir Wert und Huld,
+Doch beides nimmt ein launisch Zürnen wieder.
+Und wenn Freigebigkeit aus Himmelshöhn
+Hernieder stiege zu der armen Erde,
+Sie müßte stehen menschlichem Ermessen
+Und Antwort geben, wenn gefragt: warum?
+Ich will gewogen sein mit gleicher Waage,
+Wie hoch mein Anspruch und wie tief mein Fehl.
+Der Willkür fügt kein Freier sich, kein Mann.
+
+Ich sehe Ketten dort in euern Händen
+Hier sind die meinen, legt mir Fesseln an!
+In Turmesnacht, von Lebenden geschieden
+Will ich das Loblied singen eurer Frau,
+Mich selber richten, daß ich ihr vertraut.
+
+Dir scheinen Ketten zu gelinde Strafe,
+Ich seh's, du zückst das Schwert auf meine Brust.
+Wohl weiß ich was ihr wollt, was ihr begehrt;
+Ich aber sagte: nein, und sag es noch.
+War's auch ein Spiel nur, ein verwegner Scherz,
+Den Übermut zu bändigen durch List,
+Den Anspruch mir zu wahren, der mein Recht,
+Auf eurer Fürstin Dank und Anerkennung.
+Hab ich's verweigert, so verweigr' ich's noch,
+Mein Leben setz ich ein für meinen Willen.
+Stoß, Mörder, zu! ich bin in eurer Macht,
+Der Götter Schutz vertrau ich meine Seele.
+
+(Er sinkt auf ein Knie und verhüllt die Augen mit der Hand.--Libussa
+ist von der linken Seite eingetreten. Auf ihren Wink haben sich die
+Gewaffneten hinter den Vorhang zurückgezogen. Sie klatscht in die Hände
+und von den Seitenwänden schieben sich Armleuchter mit brennenden Kerzen
+vor. Es ist licht.--Primislaus emporblickend.)
+
+War das das Zeichen blutigen Vollzugs?
+
+Du selber bist's? So traf mich schon der Stoß
+Und wall ich jenseits in den sel'gen Fluren,
+Wo uns der Wunsch erfüllt entgegenkommt?
+Wo dieser Erde Druck und bittres Leiden
+Als Kranz sich windet um der Sel'gen Haupt?
+Du bist es nicht, du bist dein eigner Schatten,
+Sei mir, dem gleichen Schatten, denn gegrüßt.
+
+Libussa. Du lebst, doch leb auch ich. Ich bin Libussa
+Und rühme mich Gerechten als gerecht.
+Du hast mich schwer beschuldigt und ich komme
+Dir Rede stehen, zu verteid'gen mich.
+
+Primislaus. Verteid'gen dich? Bist du denn nicht die Hohe,
+Die Himmlische, den hohen Göttern ähnlich?
+So wie die Sonne, wenn sie Wolken zog
+Und Blitz auf Blitz den Horizont durchschneidet,
+In Finsternis sich hüllt die bange Welt;
+Kaum daß durch eine Spalte des Gewölks
+Sie vortritt in der ewig gleichen Schöne,
+Das All die holde Dienstbarkeit erkennt,
+Vergessen fast im Segen der Gewohnheit--
+Bist du am offenbarsten wenn verhüllt
+Und trägst die Krone wenn du sie verleugnest.
+
+Libussa. Nun sprichst du so, nachdem du lang verweigert.
+
+Primislaus. Dem kränkenden Befehl.
+
+Libussa. Nun denn: ich bitte.
+
+Primislaus. Hört ihr's ihr Mauern? Hörst du's laue Luft,
+Die Wärme nimmt von ihrer Glieder Wärme?
+Wir waren, o verzeih, setz ich dich gleich,
+Wir waren wie die Kinder wenn sie schmollen,
+Wegweisend was der Wunsch zumeist begehrt.
+
+Nun fort auch jeder Anspruch, jedes Recht,
+All was nicht Demut ist und Unterwerfung.
+Womit ich binden wollte deine Huld,
+Nimm es zugleich mit dem Gebundnen hin.
+(Er hat das Kleinod aus der Brust gezogen und bietet es dar.)
+O wären diese Hände Purpurkissen,
+Um würdig dir zu bieten was das Deine.
+
+Libussa. Die Hälfte deines Anspruchs wahrst du doch.
+Es fehlt ein Teil, der voll erst macht das Ganze.
+Ich muß dich klug, muß dich verständig nennen,
+Doch minder edel deucht mich was du tatst.
+Sprich, ist es zart, wie's gegen Frauen ziemt,
+Vorzuenthalten was ihr Wunsch begehrt,
+Und sich durch List zu sichern was nur Gunst,
+Nicht Recht noch Schlauheit eignet zum Besitz?
+
+Primislaus. Ich gab es ja, gab's schon bei meinem Eintritt.
+
+Wir sind am selben Ort der mich empfing.
+Hier stehn die Blumen, meiner Armut Gabe,
+Die man als wertlos nicht vom Ort verrückt.
+So kommt denn ihr, gebt Zeugnis meinen Worten!
+(Er hat den Korb aufgenommen.)
+Den Sinnspruch hast du dennoch nicht erraten!
+ Unter Blumen liegt das Rätsel
+ Und die Lösung unter Früchten.
+ (Er stürzt den Korb zu ihren
+ Füßen auf den Boden.
+ Die Kette liegt obenauf.)
+ Wer in Ketten legte, hat sie,
+(zurücktretend)
+ Der sie trägt, ist ohne Kette.
+Und nun erlaube, daß gleich einer Magd
+Ich wieder füge was der Zufall trennte.
+(Er setzt sich auf die unterste Stufe des Thrones, indem er die Kette
+trennend, das Mittelkleinod einfügt.)
+ Wer mir die Kette teilt,
+ Allein sie teilt mit keinem dieser Erde,
+ Vielmehr sie teilt, auf daß sie ganz erst werde;
+(mit erhobener Stimme)
+ Hinzufügt was, indem man es verlor,
+ Das Kleinod teurer machte denn zuvor.
+ O wüßtest du was mir bei diesem Wort
+ Für Hoffnungen durch meine Seele stürmten!
+ Ich war ein Tor!--Dein Auftrag nun erfüllt,
+ Leg ich mein Werk zu deinen Füßen nieder
+ Und kann nun scheiden ohne Schuld und Fehl.
+(Er legt das Geschmeide auf die Blumen am Boden.)
+
+Libussa. Noch einmal nenn ich klug dich und auch edel.
+Bleib hier! Es will das Volk bestimmte Sprüche.
+Was mir der Geist, in Ahnungen verhüllt
+Und in Erinnrung an des Vaters Weisheit'
+Mit unbewiesner Sicherheit verkündet,
+Sie wollen's prüfen, wollen es begreifen
+Und ihres eignen Richters Richter sein.
+Sei du der Übertrager meiner Worte,
+Kleid ihnen ein wie's ihrer Fassung ziemt,
+Was ich errate mehr, als faßlich denke,
+Und erst als heilsam sich als wahr bewährt.
+
+Primislaus. Du bist umworben von des Landes Höchsten,
+Bald steht ein Gatte, Fürstin, neben dir.
+Mein Leben und mein Blut sind dir erbötig;
+Doch dien ich keinem Mann.
+
+Libussa. So glaubst du wirklich,
+Die Toren träfe jemals meine Wahl?
+
+Primislaus. Doch wenn das Land nun unterstützt die Werbung?
+
+Libussa. So wirb auch du, ob hoffnungslos wie sie.
+
+Primislaus. Sie sind, noch einmal, dieses Landes Beste.
+Ich bin der Letzten einer, ohne Schutz.
+
+Libussa. Du bist so machtlos nicht als du wohl glaubst.
+Weißt du?--Und eben deshalb kam ich her,
+Trotz jenes Scherzes, erst im Turm, mit Wlasta.
+Ich weiß es war nur Scherz, doch war er frech
+Und er verdiente wohl ein längres Zürnen.
+Doch kam ich her ob wirklicher Gefahr.
+Weißt du? Das Volk steht draußen vor den Toren,
+Sie glauben dich in Haft, bedroht dein Leben
+Und fordern dich zurück mit Wut und Trotz.
+
+Primislaus. Ist hier kein Schwert? Wo sind die Waffenmänner,
+Die kurz vorher sich feindlich mir genaht?
+Ich will hinaus! ich will den Aufruhr lehren,
+Daß rohe Macht nur Macht ist im Gehorsam
+Und Niedres sich vor Höherm willig beugt.
+
+Libussa. Da wäre ja der Schützer den ich brauche!
+Du bist ein Mann, dir folgen sie wohl willig,
+Sehn sie in dir das Bild doch des Geschlechts.
+Hartnäckigkeit hat dich als Mann bewiesen.
+
+Primislaus. Wenn du Beharrlichkeit statt dessen sagst,
+Hast du genannt vielleicht den einz'gen Vorzug
+In dem die Frau nachsieht dem festen Mann.
+
+Libussa. Weshalb euch denn die Herrschaft auch gebührt?
+Doch wär' ich nun beharrlich so wie du,
+Und legte von mir dieses Landes Krone,
+Und ließe die Beharrlichen beharren
+In ihres Trotzes ungezähmter Gier?
+
+Primislaus. O tu's, Libussa, tu's! Sei wieder jene
+Als die du mir im Walde dort erschienst;
+Der Rasenplatz dein Reich, und deine Krone
+Du selbst, mit dir als Edelstein geschmückt.
+Hüll wieder dich in meiner Schwester Kleider,
+Dieselben die ich oft ans Herz gedrückt,
+Als freilich eines andern Körpers Hülle,
+Der minder schön, doch nahe mir wie du.
+Siehst du? wie hart ihr seid und karg und selbstisch?
+Ich gab dir alles was mein Eigentum,
+Mein treues Roß, der Schwester heil'ges Erbe
+(Das Geschmeide mit dem Fuße berührend.)
+Und ihr, ihr marktet um den blanken Tand,
+Der kaum ein Tausendteil von deinen Schätzen.
+
+Libussa. Es ist des Vaters teures Angedenken.
+
+Primislaus. Ich hasse deine Eltern, deine Schwestern,
+Die Wurzel und den Stamm--bis auf die Blüte.
+
+Libussa. Wohl gar auch mich?
+
+Primislaus. Auch dich, sagt' ich beinah.
+Weil ohne Worte du versprichst, und sprechend
+Der Sprache deiner Anmut widersprichst.
+
+Und dennoch warst du mein, in meiner Macht,
+Als Zeuge nur die Luft und jene Bäume.
+Die Tat war ehrfurchtsvoll, doch die Gedanken
+Sie haben räuberisch an dir gesündigt.
+Als ich aufs Pferd dich hob, bei jedem Straucheln
+Dir Hilfe bot, da fühlt' ich deine Nähe.
+Den unberührten Leib hab ich berührt,
+Ich weiß wie warm die Pulse deines Lebens,
+Und wer dich freit, wer dich von dannen führt,
+Ich werd' ihm sagen: du bist nur der Zweite,
+Den Vorschmack deines Glücks hab ich gefühlt.
+
+Libussa. Ich werde zürnen wenn du achtlos sprichst.
+
+Primislaus. Du zürnst ja schon und hast gezürnt, und Strenge
+Ist all dein Wesen, bis auf jenen Tag.
+Da warst du mild und lebst mir so im Herzen.
+
+Als nun der Augenblick der Trennung kam,
+Da sprach ich bang zu dir: Neig mir dein Haupt!
+Und hing um deinen edlen Hals die Kette
+Von der ich mir den besten Teil geraubt,
+Das Kleinod das der Jungfrau Schmuck und Zier,
+Das Sinnbild erster, ahnender Begegnung.
+Jetzt ist es keine Kette mehr, die bindet,
+Ein Gürtel, den nur Weiberhand berührt
+Und anlegt um der Herrin schlanke Hüften.
+Bis jener kommt, der bindet ihn und löst
+Und dem ich weiche, wie einst aus dem Leben.
+
+Libussa. Bleib hier! Ob stolz, sollst du mir dienstbar sein.
+Leg an den Gürtel, hier an seinem Platz,
+Und weh dem, der ihn noch nach dir berührt!
+(Mit erhobener Stimme.)
+Ihr aber, die gewärtig meines Winks,
+Herbei! Und seht was ihr begehrt erfüllt.
+
+(Mägde, Wladiken und Landleute treten ein. Libussa zu den Dienerinnen.)
+
+Ihr aber helft ihm, er ist ungeschickt.
+
+Primislaus. Ich zittre ja.
+
+Libussa. Nun denn zum letztenmal.
+
+(Die Dienerinnen legen ihr den Gürtel vollends an.)
+
+Ihr andern, die besorgt um euern Freund,
+Er ist hier sicher. Er ist mein Gemahl.
+Dient ihm wie mir, wenn nicht noch mehr als mir,
+Denn ich ich dien ihm selbst als meinem Herrn.
+Ich neige mich, folgt eurer Fürstin Beispiel,
+
+(Indem sie Primislaus' Hand ergreift und halb das Knie beugt, das Volk
+aber kniet, fällt der Vorhang.)
+
+
+
+
+Fünfter Aufzug
+
+Ländliches Gemach von querliegenden Baumstämmen gefügt. Im Hintergrunde
+zwei Mägde Libussas, die ein breites Tuch ausgespannt vor sich hinhalten,
+indes eine andre am Boden kniend mit einem Griffel eine bezweckte Form
+daran abzumessen scheint. Im Vorgrunde rechts ein Stuhl mit einem
+darangelehnten Spinnrocken. Dobromila, als eben von der Arbeit
+aufgestanden, steht daneben und sieht den im Hintergrunde Beschäftigten
+zu. Zu beiden Seiten Türen.
+
+
+Wlasta (zur Türe links eintretend).
+Ist eure Fürstin wach?
+
+Dobromila. Ah, Wlasta, du?
+
+Wlasta. Und ist sie hergestellt von ihrem Siechtum?
+
+Dobromila. Der Anlaß war so schön, und der Erfolg
+Beglückt so überhoch, daß etwas Schwäche,
+Schon als Erinnrung selber ein Genuß.
+
+Wlasta. Ihr habt euch hier recht ländlich eingerichtet.
+
+Dobromila. Der Fürst durchzieht das Land, und seine Gattin
+Folgt ihm auf jedem Schritt, so daß zur Zeit
+Hier diese Hütte unser Königsschloß.
+
+Wlasta. Und seid beschäftigt auch. O Dobromila!
+Du legtest kaum die Spindel aus der Hand.
+Ihr seid herabgekommen gute Mädchen!
+
+Dobromila. Wir sind vergnügt.
+
+Wlasta. Ich aber bin es nicht.
+Mir widert der Befehl aus niederm Mund.
+Drum ging ich zu den Schwestern deiner Frau
+Auf Wischehrad. Zwar wohnt dort Langeweile,
+Doch dient man gern wenn Hoheit heischt den Dienst.
+Kann ich Libussa sprechen?
+
+Dobromila. Schau, sie selbst!
+
+(Libussa kommt aus der Seitentüre rechts.)
+
+Libussa. Ah, Wlasta, du bei uns! Was führt dich her?
+
+Wlasta. Libussa, hohe Frau!
+
+Libussa. Dein Aug' ist feucht
+Was nur erpreßt der Starken diese Tränen?
+
+Wlasta (zeigt mit Gebärde auf die umgebenden Gegenstände).
+
+Libussa. Ja so, du weinst um uns? Wir sind dir dankbar,
+Man sagt kein irdisch Glück sei ungetrübt.
+Nimmst du die Trübsal nun, statt uns, auf dich,
+So freun wir uns um desto ungetrübter.
+
+Wlasta. Der Abstand martert mich von einst auf jetzt.
+
+Libussa. Ist dieser Abstand doch des Menschen Leben!
+Von Kind zu Jungfrau, bis zuletzt das: jung,
+Erst nur ein Wort, sich ablöst von der Frau:
+Der einz'ge Name treu uns bis zum Tode.
+
+Wlasta. Du weichst mir aus; ein Zeichen daß du's fühlst.
+Mein Jammer ist, daß ich die Hohe, Hehre
+Muß unterwürfig sehn dem Sohn des Staubs.
+
+Libussa. Du sprichst von Primislaus? O gutes Mädchen,
+Wär' irgend Schmerz in meinem vollen Glück,
+So wär' es, daß mein Gatte jeden Strahl
+Der Hoheit rücklenkt auf mein eignes Haupt;
+Daß wie ein Träger anvertrauter Macht,
+Wie ein Verweser nur von fremdem Gut,
+Er nie sich fühlt als Herr und als berechtigt.
+
+Wlasta. Doch scheint mir was geschieht ist meist sein Wille.
+
+Libussa. Es ist so, ja. Doch weißt du auch warum?
+Er hat fast immer recht. Wir haben, Mädchen,
+Die Macht geübt zu eigenem Genuß.
+Wir pflückten ab die Blumen alles Guten,
+Er geht vom Stamm herab bis zu der Wurzel,
+Und schon des Samenkornes hat er acht.
+Wir fühlten in dem fremden Glück das eigne,
+Er liebt im fremden fast das fremde nur,
+Das Edle selbst, das wohltut höherm Sinn,
+Weist er zurück und duldet das Gemeine
+Wenn allgemein der Nutzen und die Frucht.
+Drum wo uns Widersetzlichkeit gedroht,
+Dort findet er Gehorsam. Jeder hilft
+Teilnehmend am Vollbringen, am Vollbrachten.
+Es ist so schön für andere zu leben!
+Lebt er für sie, warum nicht ich für ihn?
+
+Wlasta. Doch deine Schwestern sind nicht gleichen Sinns,
+Sie fühlen noch die angestammte Hoheit
+Und es belästigt sie die neue Zeit.
+Im Walde, wo ihr Schloß, ertönt die Axt,
+Der tausendjähr'gen Eichen Stämme fallen
+Zu niedrigem Gebrauch. Der Felsen Innres
+Durchwühlt der Eigennutz und sprengt die Fugen,
+Dem Licht verflossen seit dem Schöpfungstag,
+Um Steine sich zu brechen fürs Gehöft,
+Für seiner Herde schmutzige Umfriedung.
+Sie aber, deine Schwestern, wollen einsam
+Und ungestört vom lauten Pöbelschwarm
+Dem geist'gen Anschaun leben, der Betrachtung.
+
+Libussa. Ich sag es meinem Gatten, kehrt er wieder,
+Wenn irgend möglich, stellt er's hilfreich ab.
+
+Wlasta. Wenn möglich nur? Was wär' der Macht unmöglich?
+
+Libussa. Das Unvernünft'ge, Kind, und was nicht billig.
+
+Wlasta. Bezweifelst du ihr Recht und ihre Hoheit?
+
+Libussa. Ich zweifle nicht und liebe nicht zu zweifeln.
+All was sich selbst gemacht im Lauf der Dinge
+Dünkt als natürlich mir zugleich im Recht.
+Mein Gatte aber prüft und untersucht
+Und jeder Anspruch muß ihm Rede stehn
+Als allen nützlich in der Hand des einen.
+Allein mich deucht er selber kehrt zurück;
+Vereinen wir denn beide unsre Bitten.
+
+(Primislaus kommt.)
+
+Primislaus. Libussa, hohe Frau!
+
+Libussa. Nimm als Entgegnung:
+Mein hoher Gatte; somit Herr der Frau.
+
+Primislaus. Wir haben uns geplagt den langen Morgen,
+Der Tag ist heiß, fast fühl ich mich ermüdet.
+
+Libussa. So sitz!
+
+Primislaus. Hier ist kein zweiter Stuhl für dich.
+
+Libussa. Wohlan denn: so befehl ich dir zu sitzen,
+Und du befiehl, daß ich hier steh bei dir.
+Nimm dieses Tuch, ich trockne dir den Schweiß.
+
+Primislaus (der sich gesetzt hat und die Stirne trocknet).
+Wir waren früh am Werk und gingen rastlos,
+Ich und die Ältesten, rings durch die Gegend.
+Und sahen uns den Ort und seine Lage.
+Weißt du denn auch? wir bauen eine Stadt.
+Wenn du's genehmigst nämlich und es billigst.
+
+Libussa. Sag mir vorerst: was nennt ihr eine Stadt?
+
+Primislaus. Wir schließen einen Ort mit Mauern ein
+Und sammeln die Bewohner rings der Gegend,
+Daß hilfreich sie und wechselseitig fördernd
+Wie Glieder wirken eines einz'gen Leibs.
+
+Libussa. Und fürchtest du denn nicht, daß deine Mauern,
+Den Menschen trennend vom lebendigen Anhauch
+Der sprossenden Natur, ihn minder fühlend
+Und minder einig machen mit dem Geist des All?
+
+Primislaus. Gemeinschaft mit den wandellosen Dingen
+Sie ladet ein zum Fühlen und Genießen,
+Man geht nicht rückwärts lebt man mit dem All;
+Doch vorwärts schreiten, denken, schaffen, wirken
+Gewinnt nach innen Raum, wenn eng der äußre.
+
+Libussa. Doch sind die Menschen strenggeschiedne Wesen,
+Ein jeder ist ein andrer und er selbst;
+Die enge Nähe, störende Gemeinschaft
+Schleift ab das Siegel jeder eignen Geltung,
+Statt Menschen hast du viele die sich gleich.
+
+Primislaus. Was jeder abgibt geben auch die andern
+Und so empfängt der eine tausendfach.
+Es ist der Staat die Ehe zwischen Bürgern,
+Der Gatte opfert gern den eignen Willen,
+Was ihn beschränkt ist ja ein zweites Selbst.
+
+Libussa (die Hand auf seine Schulter legend).
+Wohl, ich verstehe das mein Primislaus,
+Und also bau nur immer deine Stadt.
+Allein warum denn hier, an dieser Stelle,
+Wo manchen sie belästigt und beirrt?
+
+Primislaus (aufstehend).
+Siehst du, die Moldau, dieses Landes Ader,
+Die blutverbreitend durch den Körper strömt,
+Hier hat versammelt sie all ihre Quellen
+Und breitet sich in weiten Ufern aus.
+Noch weiter unten fließt sie in die Alb,
+Mit der vereint sie durch die Berge bricht,
+Die scheiden unser Land vom deutschen Land
+Und strömt mit ihr, so sagt man, bis ins Meer.
+Steht unsre Stadt nun hier, so baun wir Schiffe
+Und laden auf des Landes Überfluß
+An Frucht, an Korn, an Silber und an Gold.
+
+Libussa. So achtest du das Gold?
+
+Primislaus. Ich nicht, doch andre,
+Und andern eben bieten wir es dar.
+So schafft uns Tausch was hier noch etwa fehlt.
+
+Libussa. Genügsamkeit ist doch ein großes Gut!
+
+Primislaus. Befriedigt ist das Tier nur und der Weise,
+Den Menschen, die gleich mir und gleich den meisten
+Ward das Bedürfnis als ein Reiz und Stachel
+Von ew'gen Mächten in die Brust gelegt,
+Bedürfnis das sich sehnt nach der Befried'gung
+Und dort auch noch zu neuen Wünschen keimt.
+Hat auch das Land was ihm zur Not genug;
+An unsern Grenzen wohnen andre Völker,
+Die streben vor und mehren ihre Macht.
+Das Viel und Wenig liegt in der Vergleichung
+Und in der Truhe mindert sich der Schatz.
+Wer Hundert hat und sich damit begnügt,
+Er hat's nicht mehr, zählt jeder Nachbar Tausend.
+
+Nebstdem ist dieses Werk nicht mehr mein eignes.
+Des Landes Älteste die mich begleitet
+Als wir umschritten rings den weiten Raum,
+Sie haben sich, einstimmend meinen Gründen,
+Gesamt erklärt für diesen selben Ort.
+
+Libussa. So hältst du sie für weiser denn als dich?
+
+Primislaus. Ich weiß nicht. Etwa nein. Allein, Libussa,
+Wenn wir das Ganze besser überschaun,
+Verstehn die einzelnen was einzeln besser
+Und ihren Rat nicht acht ich ihn gering.
+Dann, glaubst du nicht, daß wenn sie eingewilligt,
+Mit Doppelkraft sie an die Arbeit gehn?
+Nicht nur den eignen Nutzen liebt der Mensch,
+Die eigne Meinung hat ihm gleichen Wert,
+Er hilft dir gern, sieht er im Werk das seine.
+
+Ja selbst der Himmel, scheint's, stimmt mit uns ein.
+Wir gingen lang, ich und die Ältesten,
+Die zögernd folgten, Zweifel in den Blicken,
+Ihr ganzes Wesen ein vernehmlich: Nein,
+Da schallt mit eins der Wald von Axtesschlägen
+Und einen Mann gewahren wir, der rüstig
+Sich einen Eichbaum fällt mit voller Kraft.
+Wir fragen ihn wozu das Werkstück solle?
+Da sagt er: Prah! was in des Volkes Munde
+So viel als Schwelle heißt, des Hauses Eingang.
+Daß uns nun beim Beginn des neuen Werks
+Die Schwelle gottgesandt entgegenkomme,
+Das fiel die Männer, wie von oben, an.
+Hier soll sie stehn, so riefen sie, die Stadt,
+Und Praga soll sie heißen, als die Schwelle,
+Der Eingang zu des Landes Glück und Ruhm.
+
+Libussa. Die Schwelle, das ist gut.
+
+Primislaus. Nicht wahr, Libussa?
+Ich seh es glühen hoch in deinem Auge,
+Wir stehn auf deines Geistes Machtgebiet.
+Man schelte mir die Vorbedeutung nicht!
+Wenn irgendein Gedanke, tatenschwanger
+Und einer Zukunft wert, entsteht im Menschen,
+Dann sammeln sich nicht nur die eignen Kräfte,
+Daß Geist und Leib vereint im selben Punkt,
+Auch die Natur, die roh gedankenlose,
+Sie fühlt den Anhauch eines geist'gen Wehns
+Und eilt als Mittel sich dem Werk zu fügen,
+Anteil zu nehmen an der edlen Tat.
+Was weit entfernt und scheinbar widersprechend
+Es nähert sich, gibt auf den Widerstand,
+Das Unerklärte schimmert von Bedeutung,
+Und eine Seele wird ihm der Gedanke,
+Um den sich schart was feindlich sonst und starr.
+Da mag denn auch, vorahnend was geschieht,
+Wie einer schweigend nickt wenn man ihn frägt,
+Die Körperwelt durch Bild und Vorbedeutung
+Andeuten was erlaubt und ihr genehm.
+
+Libussa. Ich sehe dich bekehrt zu meiner Meinung.
+
+Primislaus. Ich bin es, ja, und war es immerdar.
+Schlecht ist der Ackersmann, der seine Frucht
+Von Pflug und Karst, von seinem Mühn erwartet
+Und Licht und Sonne, was von oben kommt,
+Nicht als die Krone achtet seines Tuns.
+Es wirkt der Mensch, der Himmel aber segnet.
+
+Und also vorbereitet, wirst du uns
+Versagen nicht die Huld um die wir flehn.
+
+Libussa. Was ist es Primislaus was ihr begehrt?
+
+Primislaus. Ich wünsche dieses Werk als Götterwille,
+Als einen Wink von oben angesehn.
+Wir haben einen Altar aufgerichtet
+Und Opfer sollen weihen unsern Platz.
+Wär's dir genehm, nach deinem höhern Wissen,
+Der Feier vorzustehn in Priesterart?
+Vielleicht, daß die Betrachtung ferner Zukunft
+Ein Wort dir eingibt, das den Mut befeuert
+Und des Gelingens Hoffnung uns belebt.
+
+Libussa. Es schweigt der Geist seit lang in meiner Brust.
+Ich bin nicht wie die Schwestern, deren Ausspruch
+Aus strengbewiesnen, sichern Quellen rinnt;
+Nur manchmal, wenn ich meines Vaters dachte
+Und meiner edlen Mutter, die, ein Rätsel,
+Wie höhern Ursprungs, unter uns geweilt,
+Da kam mich an ein unerklärtes Schauen,
+Ich fühlte: also muß es, werd' es sein,
+Und siehe da! es war; ich weiß nicht wie.
+Doch scheint's, nicht nur des Körpers rauhe Gaben,
+Die edeln auch des Geistes brauchen Übung,
+Sonst schlummern sie auf weichen Kissen ein.
+Seitdem ich angewohnt, mich deiner Weisheit,
+Mich deinem tiefen Sinne zu vertraun,
+Entsteht kein Bild mir mehr in meinem Innern,
+Des Schauens edle Gabe scheint verwirkt.
+
+Primislaus. Die Götter geben nicht auf daß sie nehmen
+Und was du warst das bleibst du ewiglich.
+
+Libussa. Auch bin ich schwach von meinem letzten Siechtum.
+Müßt' ich mich zwingen, steigern mit Gewalt,
+Der Leib ertrüg' es nicht, glaub, ich erläge.
+Obwohl's mich lockte, noch einmal, zum letzten,
+Hinanzuklimmen auf des Schauens Höhn,
+In Bild zu kleiden--schwerer Ahnung Träume
+Und zu verkörpern was noch wesenlos.
+Doch glaub ich, Primislaus, mehr als die Seh'rin
+Liebst du dein Weib. Ich will sie dir erhalten.
+
+Primislaus. Du lehnst es ab, braucht's da noch weitern Grund?
+Und unsers Werkes Absicht auch mißfällt dir.
+Du bist die Frau in diesem weiten Land
+Und ich der erste deiner Untertanen.
+(Zu einem Begleiter.)
+Bestellt die Feier ab und sagt den Männern
+Das Weitere erfahren sie demnächst.
+(Der Angesprochene geht.--Primislaus zu Wlasta.)
+Und nun zu dir!
+
+(Libussa hat Dobromila einen Wink gegeben und entfernt sich während des
+folgenden, nur von dieser gefolgt, unbemerkt durch die Seitentüre rechts.)
+
+ Ich kenne deine Sendung.
+Ich weiß, daß deine Frauen, nur sich selbst
+Und ihres Ursprungs dunklen Quell betrachtend,
+In unfruchtbares Sinnen tief versenkt,
+Mit Feindesaugen all mein Tun betrachten.
+Daß die Vermengung mit dem Menschenschicksal,
+Daß alles was gemeinsam sie verletzt
+Mich aber widert's an, als schlauer Hirte
+Zu weiden einer Herde gleich das Volk,
+Nur hoch, weil andre niedrig und beschränkt.
+Belästigt sie die laute Menschenmenge,
+Wir haben andre Schlösser noch im Land,
+Dort mögen sie mit ihrer Jungfraun Schar
+In unnahbarer Abgetrenntheit weilen,
+Und das Gewohnte, weil es doch bequem,
+Starr wie sie selbst, für ew'ge Zeit bewahren.
+Wir wollen weiter, weiter in der Bahn,
+Ich und mein Volk, als Bürger und als Menschen.
+
+So sagt' ich dir, wenn nicht Libussa selber
+Mit ihren Schwestern diesmal einig dächte.
+Sie billigt's nicht, damit zerrinnt mein Vorsatz,
+Und deine Frauen mögen ruhig hausen
+Von mir und von der Wohlfahrt ungestört.
+
+Wlasta. Die Kunde wird die Schwestern hoch erfreun,
+Zumal als Zeichen, daß Libussa frei
+Und Herrin noch von ihrem Tun und Wollen.
+
+Primislaus. Wer zweifelt dran? Ist nicht das Land,
+Bin ich nicht selbst ihr dienend zu Gebot?
+
+Wlasta. Sie liebt und fügt sich, nennst du das wohl frei?
+
+Primislaus. Wer frei sich fügt den nenn ich nicht gezwungen.
+
+Wlasta. Wer seinem innern Wesen widerspricht
+Der ist gezwungen, ob durch sich, durch andre.
+Glaubst du, Libussa sei Libussa noch
+Als Ordnerin des Hauses, als die Herrin
+Von Mägden die die laute Spindel drehn?
+Hat darum Krokus unser hoher Herr
+Sich einer göttergleichen Frau vermählt,
+Daß seine Töchter mit gemeiner Sorge,
+Mit engem Treiben um ein Nichts bemüht?
+Sie fühlt es nicht, allein ihr Wesen fühlt's.
+Wo ist der Blitz des Augs, das adlergleich
+Die Zukunft maß wie eine Gegenwart?
+Wo ist die Kraft, die hebend ihre Brust,
+Zu sich erhob was nah und was entfernt?
+Sie sehnt sich nach den Schwestern, glaube mir,
+Dort ist ihr Platz, hier ist nur ihre Stätte.
+
+Primislaus. Und doch flieht sie der Schwestern Gegenwart.
+
+Wlasta. Weil sie sich scheut vor ihren eignen Wünschen.
+Schon einmal sandte sie mich auf ihr Schloß
+Und bat um Rückkehr in den Kreis der Ihren.
+
+Primislaus. War später das als unsrer Ehe Bund?
+
+Wlasta. Es war vorher.
+
+Primislaus. Du sprichst dir selbst die Antwort.
+Umgeben ist sie hier mit aller Ehrfurcht,
+Vor ihrem Willen beugt sich jedermann.
+Selbst unsre Stadt, die wir schon Praga nannten,
+Wir gaben sie mit schwerem Herzen auf,
+Weil ihr die Absicht nicht, das Werk, gefiel.
+Sie ist Gebieterin.
+
+Wlasta. Hier meine Antwort.
+
+(Libussa kommt schwarz gekleidet, von zwei Dienerinnen gefolgt, aus
+der Seitentüre.)
+
+Primislaus. Libussa, du, in Trauerart gekleidet?
+Wahrhaftig, du bist bleich.
+
+Libussa. Wohl nur der Abstich
+Der dunkeln Kleider, dir seit lang entwohnt.
+So ging ich einst an meines Vaters Seite,
+So ging die Mutter, gehen meine Schwestern,
+Und soll ich sammeln mich wie sonst im Geist,
+Muß ich mich auch umgeben so wie sonst.
+Die Gabe, wenn sie frisch, braucht keine Hilfe,
+Doch wird sie schwach, so ist ihr selbst das Äußre
+Ein Notbehelf, ein Anker der sie hält.
+Und nun laß uns hinaus nur zu den Männern.
+
+Primislaus. Was willst du?
+
+Libussa. Euren Platz, die Stätte weihn.
+
+Primislaus. Wir haben's abbestellt und aufgegeben.
+
+Libussa. Um meinetwillen soll kein Reifbedachtes
+Und vielen Nützliches zugrunde gehn.
+Die Sorge für das Volk ist meine Pflicht,
+Da schweigen billig kindische Bedenken.
+
+Primislaus. Ich duld es nimmermehr.
+
+Libussa (mit dem Fuße auftretend).
+ Ich aber will es.--
+Verzeih mein Primislaus! Der alte Geist
+Er kam zurück mit diesen dunkeln Kleidern.
+Du mußt dich fügen, wie du dich gefügt
+Als wir noch kämpften--zwar ich ward besiegt.
+(Zu Dobromila.)
+Der Gürtel drückt, bind ihn mir loser.
+
+Dobromila. Herrin,
+Er liegt schon locker jetzt.
+
+Libussa (zu Primislaus).
+Kennst du den Gürtel?
+
+Primislaus. Leg ihn von dir wenn er die Brust beengt.
+
+Libussa. Er folgt mir bis ins Grab. Und dann, mein Gatte,
+Er bringt mir das Gedächtnis meines Vaters
+Und meiner Schwestern vor den dunkeln Sinn.
+Da wachen Bilder auf und gehn und kommen,
+Ich seh in ihrem Geist was trüb in mir.
+Nur jetzt!--Doch sind sie traurig. Fort mit ihnen!
+
+Wlasta. Und glaubst du dich berechtigt ihn zu tragen?
+
+Libussa. Mein Vater gab ihn mir, so wie den Schwestern.
+
+Wlasta. Er gab ihn euch als Jungfraun, Unvermählten,
+Als unberührt von dieser Erde Harm,
+Als Zeichen eines höhern Stamms und Ursprungs.
+Du hast vermengt dich mit dem Irdischen,
+Bist ausgetreten aus dem Kreis der Deinen.
+Die Steigerung, die heilige Begeistrung,
+Dir sonst natürlich, ist nur noch ertrotzt,
+Erzwungen. Wag's nicht, du erträgst es nicht.
+
+Libussa. Ich will nicht nutzlos sein im Kreis der Dinge.
+Kann ich nicht wirken in der Zeit, die neu,
+So will ich segnen--euch, das Volk und mich.
+Darum ans Werk! Bringt dunkles Harz
+Und Bilsenkraut, Stechapfelsamen
+Und werft es in die Glut. Wir wollen's schlürfen,
+Mit Rauch umnebeln unsern matten Sinn,
+Daß er im Schlafe wacht und schläft im Wachen.
+(Da Primislaus sich ihr nähert.)
+Ich will's, ich will's! Schon hab ich euch's gesagt.
+Und endlich freut's dich doch, dient deiner Absicht.
+Hinaus, hinaus!
+(An der Türe stehenbleibend.)
+ Und kehren wir zurück,
+So bin ich wieder dein gehorsam Weib. (Ab.)
+
+Primislaus. Ich duld es nicht!
+(Er eilt ihr nach.)
+
+Wlasta. Du wirst, du mußt dich fügen,
+Der Wurf geworfen, fällt das Los--und trifft.
+(Sie folgt.)
+
+
+----------------
+
+Freier Platz mit Bäumen umgeben. Im Mittelgrunde, gegen die rechte
+Seite zu, ein Hügel mit einem Opferaltare auf dem ein Feuer brennt;
+daneben ein goldener Stuhl. Volk füllt den Hintergrund, darunter die
+Wladiken.
+
+Lapak (nach vorn kommend).
+Das Fest ist abgestellt.
+
+Domaslav. Um so viel besser!
+(Halblaut.)
+Was ist auch diese schlauentworfne Stadt
+Als Schwächung unsers Ansehns, unsrer Macht?
+Wenn erst das Volk in großer Zahl vereint,
+Ist von uns jeder minder als er war,
+Der Mächt'ge kaum gewachsen so viel Kleinen.
+
+Biwoy. Es bleibt der Mann ein Mann, das Schwert ein Schwert.
+
+Lapak. Laßt uns nach Haus.
+
+Domaslav. Doch seht, dort kommt die Fürstin.
+So will man doch--
+
+Lapak (sich zurückziehend).
+ Erwarten wir's in Demut.
+
+(Libussa mit starken Schritten voraus. Hinter ihr Primislaus, Wlasta
+und Gefolge.)
+
+Libussa. Hier ist der Ort und dort ist meine Stelle.
+(Gegen den Altar gewendet.)
+
+Primislaus. Noch einmal bitt ich dich: Laß ab Libussa!
+
+Libussa. Du hast den Geist in mir heraufbeschworen,
+Wie schwach er ist, doch drängt er jetzt als Geist.
+(Zu den Dienerinnen.)
+Legt Kräuter in die Flamme, die ich gab
+Und Wlasta kennt; wir wollen rasch vollenden.
+
+Primislaus. Laß uns den Bau beginnen, wenn du's billigst,
+Die Weihe sparen wir für spätre Zeit.
+
+Libussa. Den Göttern ist der Anfang und das Ende,
+Was ohne sie beginnt, vergeht beim Anfang.
+
+Du Primislaus leb wohl! heißt das: auf kurz,
+Bis wir uns wiedersehn auf lange--lange.
+(Sie hat den Hügel bestiegen.)
+Der Rauch steigt nicht empor, ein böses Zeichen,
+Indes in mir die sonst'ge Flamme Rauch.
+(Sie setzt sich.)
+Der Geist erloschen und der Körper schwach.
+(Ihr Haupt sinkt auf die Brust.)
+
+Domaslav (zu Biwoy halblaut).
+Mir deucht sie schläft.
+
+Primislaus. Libussa.
+
+Wlasta. Laß sie, laß!
+Wenn du sie störst, gefährdest du ihr Leben.
+
+Libussa. Gehütet hab ich euch dem Hirten gleich,
+Der seine Lämmer treibt auf frische Weide.
+Ihr aber wollt nicht mehr gehütet sein,
+Wollt selbst euch hüten, Hirt zugleich und Herde.
+So will's vielleicht der Gang der raschen Welt,
+Das Kind wird Mann, der Mann ein Greis--und stirbt.
+(Sich zurücklehnend.)
+Im Geiste seh ich einen schönen Garten
+Und drin zwei Menschen beiderlei Geschlechts
+Und einen Göttlichen, das Bild der Güte,
+Der ihnen freigibt jede Frucht und jeden Baum,
+Bis nur auf einen, dessen Frucht Erkennen.
+
+Ihr habt gegessen von dem Wissens-Baum
+Und wollt euch fort mit seiner Frucht ernähren.
+Glück auf den Weg! ich geb euch auf von heut.
+Und eine Stadt gedenkt ihr hier zu baun;
+Hervorzugehn aus euern frommen Hütten,
+Wo jeder war als Mensch, als Sohn und Gatte,
+Ein Wesen das er selbst und sich genug.
+Nicht Ganze mehr, nur Teile wollt ihr sein
+Von einem Ganzen, das sich nennt die Stadt,
+Der Staat, der jedes einzelne in sich verbringt,
+Statt Gut und Böse, Nutzen wägt und Vorteil
+Und euern Wert abschätzt nach seinem Preis.
+Aus eurem Land, das euch und sich genug,
+Beglückt mit allem was das Leben braucht,
+Von Bergen eingeschlossen die sein Schutz,
+So daß wenn rings so Land als Meer verginge,
+Es für sich selbst bestünde, eine Welt,
+Wollt ihr heraus mit habbegier'gem Trachten
+Und heimisch sein im Fremden, fremd zu Haus.
+
+Seht an den Bach, so schön in seinen Ufern,
+Wie alles blüht und lacht, wie froh er murmelt;
+Doch strebt er weiter, weiter bis zum Strom,
+Ergießt sein Wasser in die fremden Wellen,
+Dann wird er breit und tief und rasch und mächtig,
+Doch Diener eines andern, nicht er selbst,
+Nicht mehr der Bach mit seinen klaren Wellen.
+
+Es lösen sich der Wesen alte Bande,
+Zum Ungemeßnen wird was hold begrenzt,
+Ja selbst die Götter dehnen sich und wachsen
+Und mischen sich in einen Riesengott;
+Und allgemeine Liebe wird er heißen.
+Doch teilst du deine Liebe in das All,
+Bleibt wenig für den einzelnen, den nächsten,
+Und ganz dir in der Brust nur noch der Haß.
+Die Liebe liebt den nahen Gegenstand,
+Und alle lieben ist nicht mehr Gefühl,
+Was du Empfindung wähnst ist nur Gedanke,
+Und der Gedanke schrumpft dir ein zum Wort,
+Und um des Wortes willen wirst du hassen,
+Verfolgen, töten--Blut umgibt mich, Blut,
+Durch dich vergossen fremdes und von Fremden deines--
+Die Meinung wird dann wüten und der Streit,
+Der endlos, weil die Meinung nur du selbst
+Und du der Sieger bist und der Besiegte.
+Löst endlich sich die Zwietracht auf in Nichts,
+Bleibt dir die Welt behaftet mit der Willkür.
+Da du so lange dich in Gott gedacht,
+Denkst du zuletzt den Gott nur noch in dir.
+Der eigne Nutzen wird dir zum Altar
+Und Eigenliebe deines Wesens Ausdruck.
+Dann wirst du weiterschreiten fort und fort,
+Wirst Wege dir erfinden, neue Mittel
+Für deinen Götzendienst, dem gier'gen Bauch
+Und der Bequemlichkeit zur eklen Nahrung.
+Durch unbekannte Meere wirst du schiffen,
+Ausbeuten was die Welt an Nutzen trägt,
+Und allverschlingend sein vom All verschlungen.
+
+Nicht mehr mit blut'gen Waffen wird man kämpfen,
+Der Trug, die Hinterlist ersetzt das Schwert.
+Das Edle schwindet von der weiten Erde,
+Das Hohe sieht vom Niedern sich verdrängt.
+Und Freiheit wird sich nennen die Gemeinheit,
+Als Gleichheit brüsten sich der dunkle Neid.
+Gilt jeder nur als Mensch, Mensch sind sie alle,
+Krieg jedem Vorzug heißt das Losungswort.
+Dann schließen sich des Himmels goldne Pforten,
+Begeisterung und Glauben und Vertraun
+Und was herabträuft von den sel'gen Göttern
+Nimmt nicht den Weg mehr zu der flachen Welt.
+Im Leeren regt vergebens sich die Kraft
+Und wo kein Gegenstand da ist kein Wirken.
+Laßt mich herab! ich will nicht weiter forschen,
+Die Sinne schwindeln und der Geist vergeht.
+
+Primislaus. Libussa komm zu uns! Ich seh's, du leidest,
+Und unser Werk--wir geben's auf von heut.
+
+Libussa. Baut eure Stadt, denn sie wird blühn und grünen.
+Wie eine Fahne einigen das Volk.
+Und tüchtig wird das Volk sein, treu und bieder,
+Geduldig harrend bis die Zeit an ihm.
+Denn alle Völker dieser weiten Erde,
+Sie treten auf den Schauplatz nach und nach:
+Die an dem Po und bei den Alpen wohnen,
+Dann zu den Pyrenäen kehrt die Macht.
+Die aus der Seine trinken und der Rhone,
+Schauspieler stets, sie spielen drauf den Herrn.
+Der Brite spannt das Netz von seiner Insel
+Und treibt die Fische in sein goldnes Garn.
+Ja selbst die Menschen jenseits eurer Berge,
+Das blaugeaugte Volk voll roher Kraft,
+Das nur im Fortschritt kaum bewahrt die Stärke,
+Blind wenn es handelt, ratlos wenn es denkt,
+Auch sie bestrahlt der Weltensonne Schimmer
+Und Erbe aller Frühern glänzt ihr Stern.
+Dann kommt's an euch, an euch und eure Brüder,
+Der letzte Aufschwung ist's der matten Welt.
+Die lang gedient sie werden endlich herrschen,
+Zwar breit und weit, allein nicht hoch noch tief;
+Die Kraft, entfernt von ihrem ersten Ursprung,
+Wird schwächer, ist nur noch erborgte Kraft.
+Doch werdet herrschen ihr und euern Namen
+Als Siegel drücken auf der künft'gen Zeit.
+Doch bis dahin ist's lang. Was soll ich hier?
+Ihr habt gelernt Begeisterung entbehren,
+Ihr fragt den Geist und gebt die Antwort selbst.
+Ich sehe meinen Vater, meine Mutter,
+Sie ziehen fort und lassen mich allein.
+Auch diese Flamme, seht nur, sie erlischt,
+Und statt der Glut umnebeln mich die Dämpfe,
+Sonst ungewohnt und nun belastend mich.
+
+(Da die oben stehende Dienerin die Flamme anfachen will.)
+
+Laß nur! Die Flamme lischt, ich fühl es wohl.
+
+Primislaus. Laßt mit Gewalt sie uns vom Altar reißen,
+Ihr teures Dasein, fürcht ich, ist bedroht.
+
+Libussa (aufstehend).
+Hört ihr? Das sind der Schwestern Wanderschritte.
+Ihr habt vom Wischehrad sie ausgetrieben,
+Sie ziehen fort und lassen mich allein.
+Was soll ich noch, die Eltern-, Schwestern-lose?
+Euch selber bin ich nur die Märchen-Kund'ge,
+Auf die ihr hört so weit es euch gefällt,
+Und handelt wie's euch eingibt eigne Lust.
+Ich aber rede Wahrheit, Wahrheit, nur verhüllt
+In Gleichnis und in selbstgeschaffnes Bild.
+
+Da kommen sie die Schwestern, die Vertriebnen,
+Sie fliehn vor euch wie ihr vor ihnen floht.
+
+(Kascha und Tetka, von ihren Jungfrauen paarweise begleitet, kommen
+über eine Anhöhe im Hintergrunde.)
+
+Libussa. So zieht ihr fort?
+
+Kascha. Nimm unsern Gruß zum Abschied.
+
+Libussa. Wo aber hin?
+
+Tetka. Ins Elend, in die Welt.
+
+Primislaus. Sucht aus den Schlössern dieses weiten Landes
+In Berg und Tal euch aus den künft'gen Sitz.
+
+Kascha. Wir haben nichts mit dir.
+(Zu Libussa.)
+ Gehst du nicht mit?
+
+Libussa. Ich kann nicht, seht ihr wohl.
+
+Kascha. Wir warnten dich.
+Warum hast du an Menschen dich geknüpft?
+
+Libussa. Ich liebe sie, und all mein Sein und Wesen
+Ist nur in ihrer Nähe was es ist.
+
+Tetka. Sie aber töten dich.
+
+Libussa. Vielleicht.--Und doch:
+Der Mensch ist gut.--O bleibt noch, bleibt! Ich fühle
+Wie eure Gegenwart den mächt'gen Geist,
+Der halb erloschen, neu zu Flammen facht.
+Der Mensch ist gut, er hat nur viel zu schaffen,
+Und wie er einzeln dies und das besorgt,
+Entgeht ihm der Zusammenhang des Ganzen.
+Des Herzens Stimme schweigt, in dem Getöse
+Des lauten Tags unhörbar übertaubt,
+Und was er als den Leitstern sich des Lebens
+Nach oben klügelnd schafft, ist nur Verzerrung,
+Schon als verstärkt, damit es nur vernehmlich.
+So wird er schaffen, wirken, fort und fort.
+Doch an die Grenzen seiner Macht gelangt,
+Von allem Meister was dem Dasein not,
+Dann wie ein reicher Mann, der ohne Erben
+Und sich im weiten Hause fühlt allein,
+Wird er die Leere fühlen seines Innern.
+Beschwichtigt das Getöse lauter Arbeit,
+Vernimmt er neu die Stimmen seiner Brust:
+Die Liebe, die nicht das Bedürfnis liebt,
+Die selbst Bedürfnis ist, holdsel'ge Liebe;
+Im Drang der Kraft Bewußtsein eigner Ohnmacht;
+Begeisterung, schon durch sich selbst verbürgt,
+Die wahr ist, weil es wahr ist daß ich fühle.
+Dann kommt die Zeit, die jetzt vorübergeht,
+Die Zeit der Seher wieder und Begabten.
+Das Wissen und der Nutzen scheiden sich
+Und nehmen das Gefühl zu sich als Drittes;
+Und haben sich die Himmel dann verschlossen,
+Die Erde steigt empor an ihren Platz,
+Die Götter wohnen wieder in der Brust,
+Und Demut heißt ihr Oberer und Einer.
+Bis dahin möcht' ich leben, gute Schwestern,
+Jahrhunderte verschlafen bis dahin.
+Doch soll's nicht sein, die Nacht liegt schwer am Boden
+Und bis zum Morgen ist noch lange Zeit.
+Die Kraft versiegt, mein Auge schwimmt im Dunkel.
+Fort alles was um mich noch Gegenwart,
+Die Luft der Zukunft soll mich frei umspielen.
+Fort dunkler Schleier und du teures Kleinod,
+Du drückst die Brust, belastet zentnerschwer.
+(Schleier und Gürtel von sich und den Hügel herabwerfend.)
+Nun ist mir leicht. Ich sehe grüne Felder
+Und weite Wiesen, himmlisch blaue Luft.
+Die Erde schwankt, der Boden steigt empor,
+Doch immer weiter, größer wird der Abstand.
+Ein dunkler Schmerz er kriecht an meine Brust,
+Ich sehe nicht mehr die mir angehören.
+(In den Stuhl zurücksinkend.)
+O Primislaus war das dein letzter Kuß?
+
+Primislaus. Libussa, meine Gattin, all mein Glück!
+
+Kascha. Es stand dir nah, du stießest es zurück.
+Geliehen war sie euch und nicht geschenkt,
+Vertraun gehorcht, der Eigenwille denkt.
+Wir nehmen sie mit uns auf unsrer Fahrt,
+Bis ihr des Segens würd'ger als ihr wart.
+(Indem sie ihren Gürtel ablöst und zu dem auf dem Boden liegenden
+Libussas hinwirft.)
+Aus diesem Gold laßt eine Krone schmieden.
+(Mit Handbewegung nach dem Hügel und gegen den Boden.)
+Das Hohe schied, sein Zeichen sei hienieden.
+
+(Während sie im Begriffe ist den Hügel zu besteigen und ihre Jungfrauen
+paarweise dieselbe Richtung nehmen, wobei Tetka ihren Gürtel gleichfalls
+ablöst und hinwirft, fällt der Vorhang.)
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Libussa, von Franz Grillparzer.
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Libussa, by Franz Grillparzer
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LIBUSSA ***
+
+This file should be named 9049-8.txt or 9049-8.zip
+
+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau.
+
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+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+https://gutenberg.org or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03
+
+Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+PMB 113
+1739 University Ave.
+Oxford, MS 38655-4109
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+https://www.gutenberg.org/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
+
+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
+
+Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
+any commercial products without permission.
+
+To create these eBooks, the Project expends considerable
+efforts to identify, transcribe and proofread public domain
+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
+medium they may be on may contain "Defects". Among other
+things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
+LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
+But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
+[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
+receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
+all liability to you for damages, costs and expenses, including
+legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
+UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
+receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
+you paid for it by sending an explanatory note within that
+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
+
+THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
+Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
+
+INDEMNITY
+You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
+and its trustees and agents, and any volunteers associated
+with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
+texts harmless, from all liability, cost and expense, including
+legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
+following that you do or cause: [1] distribution of this eBook,
+[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
+or [3] any Defect.
+
+DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
+[1] Only give exact copies of it. Among other things, this
+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. If you
+ don't derive profits, no royalty is due. Royalties are
+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
+
+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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