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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/9046-8.txt b/9046-8.txt new file mode 100644 index 0000000..7422772 --- /dev/null +++ b/9046-8.txt @@ -0,0 +1,6520 @@ +Project Gutenberg's Koenig Ottokars Glueck und Ende, by Franz Grillparzer + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Koenig Ottokars Glueck und Ende + Trauerspiel in fuenf Aufzuegen + +Author: Franz Grillparzer + +Release Date: October, 2005 [EBook #9046] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on September 1, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KOENIG OTTOKARS GLUECK UND ENDE *** + + + + +Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau. + + + + +This Etext is in German. + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +KÖNIG OTTOKARS GLÜCK UND ENDE + +von FRANZ GRILLPARZER + +Trauerspiel in fünf Aufzügen + + +Personen: + +Primislaus Ottokar, König von Böhmen +Margarethe von Österreich, Witwe Heinrichs von Hohenstaufen, seine Gemahlin +Benesch von Diedicz, Milota und Zawisch, die Rosenberge +Berta, Beneschs Tochter +Braun von Olmütz, des Königs Kanzler +Bela, König von Ungarn +Kunigunde von Massovien, seine Enkelin +Rudolf von Habsburg +Albrecht und Rudolf, seine Söhne +Friedrich Zollern, Burggraf von Nürnberg +Heinrich von Lichtenstein und Berthold Schenk von Emerberg, +Österreichische Ritter +Der alte Merenberg, Friedrich Pettauer und Seyfried Merenberg, +steirische Ritter +Herbott von Füllenstein +Ortolf von Windischgrätz +Ottokar von Hornek +Merenbergs Frau +Paltram Vatzo, Bürgermeister von Wien +Der Bürgermeister von Prag +Ein kaiserlicher Herold +Der Küster von Götzendorf +Der Kanzler des Erzbischofs von Mainz +Elisabeth, Margarethens Kammerfrau +Ein Kammerfräulein Kunigundens +Abgeordnete der deutschen Wahlversammlung + +Böhmische, österreichische, steirische, kärntnerische Landesherren und +Kriegsleute. + + + + +Erster Aufzug + +Im Schlosse zu Prag. Vorzimmer der Königin. Rechts und links Seitentüren, +deren erstere zu den innern Gemächern führt. Vor derselben, Wache haltend, +Seyfried von Merenberg, auf seine Partisane gestützt. + +Frau Elisabeth mit einer andern Kammerfrau tritt aus dem Zimmer der +Königin. + + +Elisabeth. +Lauf, Barbara! lauf schnell nach Meister Niklas! +Die Königin scheint wohl, doch trau ich nicht. + +(Ein Diener ist gekommen.) + +Elisabeth. +Hast du den Balsam? Gut, gib her, mein Freund! +O unglücksel'ger Tag! O arme Frau! + +(Der alte Merenberg kommt.) + +Merenberg. +Wie geht's der Königin? + +Elisabeth. +Verwunderlich! +Doch tut sie sich Gewalt, das sieht man wohl. + +Merenberg. +Wer ist bei ihr? + +Elisabeth. +Der Graf von Habsburg, Herr! +O daß ich das erleben müssen! +(Ab ins Zimmer der Königin.) + +Merenberg. +Sohn! + +Seyfried (der gedankenvoll, auf seine Hallbarte gestützt, dagestanden hat). +Ihr, Vater? + +Merenberg. +Hast du schon gehört? + +Seyfried. +Ja wohl! + +Merenberg. +Und sagst dazu? + +Seyfried. +Ich glaub's nicht, Vater! + +Merenberg. +Wie? + +Seyfried. +Nein, Vater! Und bin so ergrimmt darob, +Daß ich den Lügnern mit der Hallbart hier +Den Kopf einschlagen möchte, allgesamt. + +Merenberg (zurücktretend). +O weh, mein Sohn! schlag deinen Vater nicht! +Denn ich glaub's auch. + +Seyfried. +Ihr auch? + +Merenberg. +Ich weiß, mein Sohn! + +Seyfried. +Wie? so ein Herr, ein Ritter, so ein König, +Und täte schlimm an seinem eignen Wort, +Die Frau verlassend, die ihm angetraut? +Hab ich nicht knabenweis bei ihm gedient, +Und war er mir ein Muster, Vorbild nicht +Von jedem hohen Tun? + +Merenberg. +'s wird keiner bös, +Der nicht, bevor er's ward, erst gut gewesen! + +Seyfried. +Und was ich Löblichs tat und Gutes dachte, +An ihn hielt ich's und an sein adlig Walten, +Gar tief beschämt ob des zu großen Abstands. +Er hat die letzte Zeit mich schwer gekränkt, +Ich durft' nicht mit ihm in die Ungarschlacht! +Denn seht, er denkt wohl, daß ein alt Gefühl +Für Berta noch von Rosenberg--Ihr wißt ja!-- +O hätt' ich das aus seinem Leben fort, +Den einz'gen Fleck, im andern steht er rein!-- +Doch glaubt! sie haben ihn dazu verleitet, +Die Rosenberg! Der Vater--pfui des Kupplers! + +Merenberg. +Denk was du willst, nur eines halt für wahr: +Die Königin muß fort, und sie und ihre Diener, +Das Ärgste haben sie, das Äußerste zu scheun. + +Ich geh noch heute heim nach Merenberg, +Auf meiner Väter Schloß, auch du mußt fort! + +Seyfried. +Wie, Vater? + +Merenberg. +Du! dies törichte Vertrauen +Soll dich nicht selber an das Messer liefern. +Du folgst mir nach, zum Schein; allein in Bruck +Harrt dein ein treuer Knecht mit frischen Pferden, +Und während man dich bei dem Vater glaubt, +Eilst du nach Deutschland auf verborgnen Pfaden. +Die Königin will sich ans Reich nicht wenden +Mit ihrer Not; ich aber will's, hilft Gott! +Ich will nicht sehn die Tochter meines Herrn +Von Haus und Land vertrieben, ohne Schutz. +Du gehst nach Frankfurt, und dies Schreiben gibst du +(Er öffnet das Koller, in dem der Brief steckt) +Dem Erzbischof von Mainz. Allein man kömmt, +Wir sind bewacht, (indem er sich von ihm entfernt) Verschwiegenheit und Eile! +Ein Tag zuviel ist dreißig Jahr zuwenig! + +(Benesch von Diedicz und Milota kommen.) + +Benesch. +War nicht Herr Zawisch hier? + +Seyfried (indem er sich abwendet). +Ich sah ihn nicht! + +Benesch. +Er ritt doch nur ins Schloß! + +Milota. +Sei ruhig, Bruder! + +Benesch. +Was ruhig? Sieh, ich bin's! Der König wagt's nicht! +Heiß ich nicht Rosenberg? Ist unser Haus +Im ganzen Lande nicht das mächtigste? +Und er sollt's wagen? Solchen Schimpf? Ha, Possen! +Doch soll's heraus, wer das Gerücht ersann; +Ich will ihn treffen, so--und so--und so! +Bis in das vierte Glied! + +(Berta von Diedicz kommt.) + +Benesch. +Ha, Närrin, du? +Was willst du hier? Geh fort, auf dein Gemach! + +Berta. +Ich kann nicht bleiben, rastlos treibt's mich um. +Sie eilen durch das Schloß und flüstern sich +Entsetzliches mit scheuen Blicken zu. +Sagt, Vater, ist es wahr? + +Benesch. +Das fragst du mich? +Geh fort! von hier! + +Berta. +O Gott! wo find ich Menschen? +(Indem sie auf Seyfried losgeht, zurückfahrend.) +Ihr, Merenberg? Euch sollt' ich eher meiden, +Vor allen Euch; und doch, Ihr seid ein Mensch! +Ich hab Euch schwer beleidigt, Merenberg, +Doch rächt Euch jetzt nicht, jetzt nicht! Seht mich knien. +(Sie kniet.) +Sagt, ist es wahr? + +Seyfried. +Was, Berta? + +Berta. +Ist es wahr? +Des Königs Eh' getrennt! + +Seyfried. +Der Vater sagt's. + +Berta. +Die andern sagen's auch!--und er vermählt-- +Zu späte Scham, ist jetzo Zeit zu schämen? +Vermählt von neuem sich mit-- + +Seyfried (mitleidig). +Nicht mit Berta +Von Rosenberg! + +(Sie drückt mit einem Ausruf ihr Gesicht an den Boden.) + +Benesch (zu Seyfried). +Wer sagt's Euch?--Her zu mir! + +Milota (auf sie zugehend). +Kommt, Nichte, kommt! Hier ist kein Platz für Euch! + +Berta. +O Seyfried, schütze mich! + +Seyfried. +Mit Gunst, Herr Milota! +Wenn Ihr es wagt, die Hand an sie zu legen, +So stoß ich Euch die Partisan in Leib. +(Die Hallbarte gesenkt.) + +Benesch. +Und wenn ich selbst--! + +Seyfried. +Mir gleich! + +Benesch. +Verweigerst du dem Vater +Sein Kind? + +Seyfried. +O hättet Ihr sie doch verweigert, +Sie läge jetzt nicht stöhnend vor uns da, +Daß mir das Herz im Innern um sich wendet! + +Benesch. +Wir hätten sie wohl dir vermählen sollen? + +Seyfried. +'s war besser, Herr, als jetzo solche Schmach! + +Benesch. +Mein Kind! + +Seyfried. +Zurück! Mir hat sie sich vertraut, +Und ich weiß Anvertrautes zu bewahren! + +Benesch. +So soll mein Schwert! + +Seyfried. +Laßt sein! Du aber fürcht dich nicht! + +(Zawisch tritt ein und bleibt beim Eingange laut lachend stehen.) + +Zawisch. +Ha, ha, ha, ha! + +Benesch (der sich rasch umgewendet hat, da er Zawisch erblickt). +Bist du's? Dich sendet Gott! + +Zawisch. +Was kämpft ihr denn, ihr hochgesinnten Jäger, +So wutentzündet um des Bären Fell? +Herr Petz trabt wohlgemut durch Berg und Tal +Und weist euch seinerzeit wohl noch die Pranken. +Schön Mühmchen, grüß Euch Gott! (Zu Seyfried.) Und Ihr, Herr Weidmann! +Hebt Eure Feder und seht nicht so kraus; +Ich bin kein Wild für Euch! + +Benesch. +Nun sag, erzähle! + +Milota. +Ja, Neffe, sprich! + +Zawisch. +Erzähle! Sprich! Ei, was denn? + +Benesch. +Der König-- + +Zawisch. +Hat die Ungarn derb geschlagen, +Bei Kroissenbrunn; (gegen Milota) Ihr, Ohm, wart ja dabei! + +Benesch. +Wer fragt um das? + +Zawisch. +Der Friede ist gemacht: +Auf Österreich-- + +Benesch. +Nicht doch! + +Zawisch. +Auf Steiermark-- + +Benesch. +Willst du mein spotten? + +Zawisch. +Nu, was wollt ihr denn? + +Benesch. +Des Königs Ehe-- + +Zawisch. +Ei, die ist getrennt! + +Benesch. +Die Handfest ausgefertigt? + +Zawisch. +Und besiegelt. +Die Königin geht heute noch nach Wien. +Von da-- + +Benesch. +Und spricht man nicht?--Verdammt!--Mit wem-- +(Gegen Berta hin.) +Regst du dich noch?--Mit wem der König?-- + +Zawisch. +Ah! +Mit wem er sich zum zweitenmal vermählt? +Ei, mit wem anders denn, als dort mit jener, +Mit Eurer Tochter? Ihr habt's schlau gekartet! +Erst führtet Ihr das Mädchen still ihm vor, +Geschmückt! man konnte kaum was Schöners sehn! +Dann halft der Armen Mangel Ihr an Witz +Mit Euerm eignen nach. Was sie da Reden führte! +Die Königin von Saba kann nicht besser! +Zuletzt--nu, was weiß ich, was alles noch! +Kurz, er ist ganz berückt, und gebt nur acht, +Er kommt zur Stund' und freit um ihre Hand. + +Berta (aufspringend). +Zu ihr, zu ihr! zu ihren Füßen sterben! +(Ab in der Königin Gemach.) + +Zawisch. +Ha, ha, ha, ha! + +Merenberg. +Herr Zawisch! + +Zawisch. +Lustig! lustig! +Wir wollen auf des Königs Hochzeit tanzen! +(Zu Seyfried.) +Ihr habt ja auch vordem um sie gefreit? +Weiß Gott! ich glaub, einmal zu Nacht, bei Wein, +Gefiel mir selbst ihr rot und weiß Gesicht! +Nu, gebt mir Eure Hand, Herr Bundesbruder! +(Seyfried wendet sich ab.) + +Milota. +Wozu das tolle Wesen? Grad und kurz: +Mit wem vermählt der König sich? + +Zawisch. +So kurz +Als Eure Frage soll die Antwort sein! +Mit Kunigunde von Massovien, +Des Ungarkönigs Nichte. + +Benesch. +Gift und Pest! + +Zawisch. +Ihr wolltet selbst des Königs Eh' getrennt, +Habt jahrelang euch weidlich drum bemüht; +Sie ist getrennt--und er freit Belas Nichte. + +Benesch (mit der Hand vor der Stirn). +Verraten, hintergangen! Schändlich, schändlich! + +Zawisch. +Pocht nicht so hart an der Gedanken Tor, +Wenn's früher schloß, macht jetzo doch nicht auf! + +Benesch. +Jetzt spottest du, und hast es selbst gebilligt! + +Zawisch. +Gebilligt, ich? den Unsinn, die Verrücktheit! + +Benesch. +Ja, du, und du! + +Milota. +Weil du Gewißheit vorgabst!-- + +Benesch. +Bringt mir sie her, das Mädchen bringt mir her! +Sie soll nicht leben! Sie und ich! Oh!--Oh! + +Seyfried (herüberrufend). +Schmäht Ihr das Mädchen? Schmähet auf Euch selbst! +Wer hieß Euch glauben, daß für Eure Tochter +Des Königs, ihres eignen Königs Hand-- + +Zawisch. +Das ließ' sich allenfalls noch glauben, Herr! +Ein Merenberg wär' toll, dächt' er an so was; +Doch wir, die aus der Weltstadt Roma stammen, +Von den Patriziern, die den Erdkreis beugten, +Und, als Ursini, noch dem Throne stehn zunächst, +Auf dem Sankt Peters Macht ob Herrschern herrschet; +Wir mögen wohl nach Fürstenkronen trachten, +Und eine Rosenberg mag kühn und frei +Dem Besten sich vermählen dieser Erde: +Auch--ha, ha, ha, ha, ha! + +Milota (der sich gesetzt hat). +Verdammt sein Lachen! + +Zawisch. +Die Tochter rast, der Vater rauft sein Haar, +Und wir beweisen unsern alten Adel! +Und wär' er älter als der Engel Fall, +Der König winkt, und knall! liegt er am Boden. + +Benesch. +Doch eh' ich falle, Rache! (Milota anfassend.) Rache, Bruder! + +Milota (der aufsteht). +Ich sann soeben und gedenk zu handeln! + +Zawisch. +Regst du dich auch, vierschröt'ger Milota? +Ei ja, da muß der König nun wohl zittern! + +Benesch. +Wenn du--wenn du dich unsrer Sach' entziehst, +Bist du kein Rosenberg; ein Schurk'! Nicht wahr? + +Milota. +So ist's! + +Zawisch. +Ei ja! Wie führen wir's denn aus? +Beim nächsten Kirchgang drück dich an den König +Und tritt ihm auf den Fuß. Das schmerzt verzweifelt, +Und so bist du gerächt! + +Benesch. +Er spottet unser? +Mein Kopf! Mein Kopf!--Er ist kein Rosenberg! + +Milota. +Komm, Bruder, laß uns gehn! Wer lachen kann +Bei seines Hauses Schmach, verdient-- + +Zawisch. +Halt, Freund! +Wer seid ihr denn, ihr beide, daß ihr schmäht? +Die ihr auf offner Straße Rachepläne +Zu tauben Wänden schreit und--offnen Ohren! +Verschwört euch auf dem Markt und treibt im Zimmer Aufruhr! +Herr Merenberg, nicht wahr, das nenn' ich Leute? +Der Rausch des Zorns ist wie ein andrer Rausch: +Das beste Mittel ist die frische Luft. +Drum fort ins Freie, meine werten Herrn! +Brennt unser Haus und können wir nicht löschen, +So laßt uns wenigstens die Hände wärmen. +Der König ist mein Herr, und damit holla! + +Milota (ihm näher tretend). +Fast glaub ich, Freund, du denkst mehr als du sprichst. +Sag, wofür hältst du uns? + +Zawisch (laut). +Für wackre Leute: +Was man verschweigt, erratet ihr auch nicht; +Errietet ihr's, ihr könntet's nicht verschweigen! +Es öffnet sich die Tür der Königin, +Sie kommt, mit ihr der Großalmosenier, +Der Graf von Habsburg. Laßt uns gehn, +Wir wollen sie nicht in der Hora stören. +(Ziehn sich zurück.) + +(Die Königin tritt aus ihrem Zimmer mit Rudolf von Habsburg. Hinter ihr +zwei Diener, die Bertan ohnmächtig in einem Lehnstuhl heraustragen. +Daneben Frau Elisabeth, die sie unterstützt.) + +Margarethe (im Auftreten gegen die zurückweichenden Rosenberge). +Da gehn sie hin; wie dunkle Wetterwolken, +Die, wenn sie sich entleert, nach Aufgang ziehn. +(Gegen Berta gewendet.) +Bringt sie in ihr Gemach und sorgt für sie, +Nach wenig Augenblicken komm ich selbst. + +Rudolf. +Beinah zu viele Sorgfalt, gnäd'ge Frau! +(Berta, von Verwandten umgeben, wird fortgebracht; auch beide Merenberge +entfernen sich.) + +Margarethe. +Sie selbst ist kaum so schlimm, nur schwachen Geistes, +Und töricht eitel, das hat sie verführt. +Doch ihre Vettern, ihre Anverwandten, +Der starre Milota, der Geifrer Benesch, +Und Zawisch, jener Schlimmste wohl von allen, +Mit Reichtum, Macht und Hoffnung auf den Thron-- +Ja, so weit ging der Übermüt'gen Stolz-- +Verlockten sie das leichtbetörte Kind. +Seit lange sah ich sie, die bösen Engel +Des Königs, meines Herrn, verstohlen reißen +An den nur allzuschwachen Banden, die +Kaum Ottokarn noch fesselten an mich. +Ich hörte, wie sie seinen Wunsch nach Erben, +Nach angebornen Folgern seines Throns, +Mit heuchlerischem Mitleid listig nährten.-- +Ein Wunsch, gar wohl verzeihlich einem König! +Doch was soll Erbrecht, das aus Unrecht stammt? +Sie waren es, die dieser Ehe Trennung +Mit unermüdlicher Geschäftigkeit +Und ohne Auftrag fast des Königs trieben; +Denn eine ihres Hauses hofften sie +Zu setzen auf der Böhmen Herrscherthron: +Die Arme, die jetzt mit dem Wahnsinn ringt! +Wie oft war sie an Festen mir genüber, +Mit Schmuck bedeckt, des Hofes Schwall um sie; +Indes ich einsam saß mit meinem Gram. +Der König Augen nur für ihren Reiz +Und Ohr für ihren Wunsch, des Mundes Dräun +Zur Schmeichelei herabgestimmt für sie. +Sie aber froh und stolz und überselig, +Wohl gar verächtlich blickend hin auf mich. +Da fühlt' ich Mitleid mit dem armen Opfer +Und nahm mir vor, am Tage ihres Falls +Ihr mild zu sein und hilfreich ihrem Unglück. +O Ottokar, wie viel nimmst du auf dich! + +Rudolf. +Vergeßt nicht ob der Unbild an der Fremden +Der eignen, größern Unbild, gnäd'ge Frau! + +Margarethe. +O glaubt nicht, daß den König ich entschuldige! +Fern sei von mir, daß ich je Böses lobe! +Er handelt unrecht, unerlaubt an mir, +Und sagen will ich's ihm, tret ich vor ihn. +Bin ich nicht jung; ich hab es nie verhehlt! +Hat Gram der Züge Reiz mir ausgelöscht; +Er sah mich ja, bevor er um mich warb! +Vermißt er Munterkeit an mir und Scherz; +Wer hieß den Muntern denn zur Freite gehn +Bei der unsel'gen Königin der Tränen, +Zum Grab gebeugt durch all der Ihren Tod? +Seitdem mit diesen Augen ich gesehn, +Im grausen Kerker von Apulien, +Den röm'schen König Heinrich, meinen Gatten, +Des harten Friedrich allzu weichen Sohn, +Von nahverwandten Händen liegen tot, +Und tot die beiden hoffnungsvollen Kleinen, +Die ihm mein Schoß, seitdem verschlossen, trug; +War Lust ein Fremdling dieser öden Brust, +Und Lächeln floh entsetzt von meinen Lippen, +Die Gram und Schmerz mit seinem Siegel schloß. + +Was gibt man an als unsrer Trennung Grund? +Den ersten weiß ich: ich bin kinderlos +Und ohne Hoffnung, je ein Kind zu säugen; +Weil ich nicht will, weit mehr noch als nicht kann! +Das wußte Ottokar, als er mich freite, +Ich sagt' ihm's, und er nahm es für genehm; +Denn auf mein reiches Erb' von Österreich +War da sein Sinn gestellt und seines Vaters, +Des ländersücht'gen König Wenzeslav. +Was will der König also? Kinder, Erben? +Ein Bettlerkind säß' besser auf dem Thron, +Als Königssöhne, die das Unrecht zeugte! + +Was gibt man weiter an, als fernern Grund? + +Rudolf. +Verwandt seid Ihr in unerlaubtem Grad. + +Margarethe. +Man hat in meiner Jugend mir erzählt +Von einem Bela wohl und einem Geysa, +Die Brüder waren, Töchter hatten und +Nach Österreich und Böhmen sie vermählten +In Väter Väterszeit. Der König spottet! +Es sind die Fürstenhäuser alle sich verwandt, +Und solchen Grads Erlassung fällt nicht schwer. +Auch hat man anfangs dessen nicht erwähnt! + +Rudolf. +Erinnrung kam mit der gelegnen Zeit! + +Margarethe. +Glaubt nicht, daß mich bekümmert, fortzugehn, +Daß es mir leid tut um des Hofes Ehren! +O könnt' ich jetzt, in diesem Augenblick, +Weit hinter mir der Krone Glanz und Pracht, +Nach Haimburg hin, in meiner Väter Schloß, +Allwo ich saß nach meines Gatten Tod +Und sein und meiner Kinder Fall beweinte! +Der König sende heute noch mich fort, +Ich will ihm danken, wie ich nie gedankt! +Doch soll er mir die Ehe nicht betasten, +Beflecken nicht das Band, das uns vereint, +Und so der jüngstverfloßnen Jahre Lauf +Zum Greuel machen und zum Ärgernis! + +Ich habe diese Krone nicht gesucht! +Auf Haimburg saß ich, meines Grams gedenkend, +Beinah dem allgemeinen Elend taub: +Denn Brand und Raub verwüstete mein Land; +Der Ungar hier, der Baier dort, der Böhme, +Sie hausten mit dem Schwert in Österreich, +Verderbend meiner Väter schönes Erbe. +Da tagten sie, die Herrn, zu Triebensee, +Wie sie dem Wesen einen Vogt gewännen, +Und Boten sandten sie ins Meißnerland, +Von dorther einen Fürsten sich zu holen, +Konstanzias, der Babenbergrin, Sohn. +Die Boten aber fing der König auf, +Der damals herrscht' in Böhmen, Wenzeslav, +Der Listige; und ließ nicht eher ab +Mit Bitten, Drohn, Versprechen und Geschenken, +Bis seinem Sohn, bis diesem Ottokar +Der Herren Wahl, des Landes Herrschaft wurde. +Der wollte, jener nicht; und neuer Krieg +Durchflammte glühnder meines Landes Fluren. +Da traten zu mir hin, auf Haimburgs Schloß, +Die Landesherrn und klagten ihre Not. +Ein Mittel als das einz'ge nannten sie: +Des Stärksten Recht durch meines zu verstärken, +Durch Ottokars Vermählung und die meine +Mit Böhmen zu vereinen Österreich. +Ich sagte: Nein! gedenkend meines Gatten, +Der meine Treue mit sich nahm ins Grab. +Da führten sie mich auf des Schlosses Söller +Und zeigten mir das glutversengte Land, +Die Felder nackt, die Hütten leer, die Menschen tot. +Von Weibern, Kindern, Blutenden, Verletzten +Sah ich mit Schaudern, heulend, mich umgeben, +Zu mir um Rettung flehend, die's vermochte. +Da wollt' ich alles und versprach es ihnen! +Sie aber brachten Ottokarn zu mir, +Mir ihn bezeichnend als den künft'gen Gatten. +Mit schwarzem Aug' aus schwarzen Brauen blickend, +Stand er in scheuer Ferne sinnend da-- +Und maß, der Jüngling, mich, die Alternde. +Allein des Landes Not bei mir gedenkend, +Trat ich zu ihm und sprach ihn freundlich an; +Und so ward ich sein Weib. Ich hab ihn nie geliebt; +Ich dachte nie, ob ich ihn lieben könnte: +Doch sorgt' ich still für ihn, und wie ich sorgte, +Fand ein Gefühl sich mir im Innern ein, +Das allen Schmerz der Liebe kennt, wenn auch +Nichts von der Liebe Glück. So war's mit uns. +Nun urteilt, ob Entfernung mich erschreckt. +Ja, ich will gehn, doch bleibt die Ehe fest, +Nichts ward verletzt, was ihren Bruch begehrte. + +Rudolf. +Von einem spricht man noch: daß Ihr zu Trier, +Nach Eures Gatten, König Heinrichs Tod, +Nicht mehr Euch zu vermählen feierlich gelobt. +Doch ist's Erdichtung wohl! + +Margarethe. +Nein, das ist wahr! +Es war kein feierlich Gelübd', kein solches, +Das andre Bande kirchlich brechen könnte; +Doch hab ich es gelobt--und hätt' es halten sollen! + +Zu Trier lag ich im Gebet vor Gott, +Und ew'ge Treu und ew'gen Witwenstand +Gelobt' ich meinem Gatten, König Heinrich. +Nicht Manneshände sollten je berühren +Den kleinsten Finger mir, des Kleides Saum, +Und selbst ein Weib nicht meine Lippen küssen, +Die einst an Heinrichs teurem Mund geruht. +Ja, ich gelobt's, und alles Unheil rief ich, +Wenn ich's je bräche, nieder auf mein Haupt. +Das Unheil, merk ich, tut, was seines Amtes. +Nochmal, es war kein feierlich Gelübd'! +Ich tat's nur mir und meines Heinrich Schatten! +Doch war's Gelübd', ich hätt' es halten sollen! + +Rudolf. +Was, gnäd'ge Frau, soll ich dem König melden? + +Margarethe. +Wie rasch wir sind, an andern das zu tadeln, +Was selber wir, wenn minder gleich, verübt! +Sagt König Ottokar, Herr Graf von Habsburg: +Das Ganze legt' ich ihm auf sein Gewissen, +Was er entscheide, das sei mir genehm. + +Rudolf. +Ihr willigt ein? + +Margarethe. +Ich widerspreche nicht. + +Rudolf. +Doch man verlangt zugleich, daß ab Ihr tretet, +Das Land von Österreich und das von Steier, +Der Babenberger Gut. + +Margarethe. +Ich hab's getan. + +Rudolf. +Doch war es Schenkung um der Ehe wegen, +Der Ehe Trennung hebt die Schenkung auf. + +Margarethe. +Ich will sie wiederholen. + +Rudolf. +Auch bedenkt, +Daß jene Lande Reicheslehen sind, +Dem Reich erledigt und nicht Euch gehörig. + +Margarethe. +So weit mein Recht geht, geb ich es dahin. +Sagt das dem König, und zugleich: +Er soll vor Unrecht sorglich sich bewahren; +Denn auch das kleine rächt sich. So lebt wohl! + +(Trompeten und Lärm auf der Straße.) + +Der alte Merenberg (tritt ein). +Der König kommt. + +Margarethe. +Gerechter Gott!--Ich will +Zu stärken mich versuchen durch Gebet. +(Sie entläßt die beiden durch eine Handbewegung und geht in ihr Gemach. +Die andern auf der entgegengesetzten Seite ab.) + + + +------------------------------------------------------------------------- + +Thronsaal mit gotischen Bogen und Säulen. Der Thron an der zweiten +Kulisse rechts. Im Vorgrunde zu beiden Seiten ein reichbedeckter Tisch +mit einem Armstuhl. + +Kriegerische Musik, Trompetensignale und Volkszuruf von außen. Böhmische +Große und Krieger treten, vom Hintergrunde her, auf und stellen sich +teils neben den Thron, teils gegenüber in Reihen. Links im Vorgrunde +eine Deputation der Stadt Prag mit dem Bürgermeister an der Spitze. Die +Mitte des Hintergrundes nimmt eine tartarische Gesandtschaft ein, +Der Kanzler (tritt auf). +Der König kommt! + +Alle. +Hoch lebe Ottokar! + +Ottokar (tritt ganz gerüstet, jedoch ohne Helm, vom Hintergrunde her +rasch auf). +Habt Dank, ihr Herrn! +(Er bleibt vor den tartarischen Gesandten stehen, die auf die Kniee +niedergefallen sind.) +Wer sind die Leute da? + +Kanzler. +Gesandte, Herr, des Khanes der Tartaren; +Sie bringen Gruß und bieten Freundschaftsbund. + +Ottokar. +Heißt sie nur aufstehn!--Hört ihr? Auf vom Boden! +Ein sonderbares Volk und sonderbar bewaffnet! +Weist her den Säbel! (Er wiegt ihn in der Hand.) Viel zu krumm gebogen! +(Er tut einen Hieb in die Luft.) +Das nimmt dem Hieb die Kraft. Das müßt ihr ändern! +Ein krummes Schwert mag angehn; doch der Kraftpunkt +Soll mehr nach oben. Einer meiner Reiter +Jagt euer zehn mit seinem breiten Schwert! +(Er gibt den Säbel zurück.) +Und sonst die Rüstung! Wozu soll der Haarschopf +Da oben auf dem Scheitel? Für den Feind wohl? +Der faßt sich seinen Mann, zieht ihn vom Pferde +Und würgt ihn wie er mag. Wär' ich ihr König, +In einer Nacht ließ ich sie alle scheren! +Sie sollen gehn und morgen wiederkommen! + +(Die Tartaren ab.) + +Ottokar (im Vortreten). +Nun, haben wir's euch recht gemacht, ihr Herrn? +Vor Ungarn mögt ihr künftig ruhig schlafen; +Wir haben sie gejagt.--Was gibt es sonst? + +(Die Deputation der Stadt Prag ist vorgetreten.) + +Ottokar. +Wer seid ihr! + +Bürgermeister. +Rat und Bürgermeister, Herr, +Von Eurer vielgetreuen Pragerstadt. + +Ottokar. +Was wollt ihr?--Ah!--Nur immer zu, ihr Herrn! +Ich bin ermüdet, nehmt mir meine Waffen! + +(Er wirft sich in einen Lehnstuhl links im Vorgrunde. Zwei Diener sind +beschäftigt, ihn zu entwaffnen.) + +Bürgermeister. +Großmächtigster! Unüberwindlichster! +Es drang zu uns die Fama deines Siegs, +Und-- + +Ottokar. +Füllenstein! + +Füllenstein. +Hier bin ich, gnäd'ger Herr! +(Tritt vor.) + +Ottokar. +Wie hieß der Platz, wo wir die Ungarn jagten? + +Füllenstein. +Bei Kroissenbrunn. + +Ottokar. +Hans Narr, da war das Lager! +Glaubst du, ich weiß den Ort nicht, wo ich stand? +Ich mein den Platz des letzten Reiterangriffs, +Der ganz entschied. + +Füllenstein. +Man nennt den Ort Marchegg, +Weil in die Ecke dort die March sich wendet. + +Ottokar. +Marchegg, so soll man mir die Stadt auch nennen, +Die ich dort baun will zu des Siegs Gedächtnis! +Marchegg soll sein der Markstein meines Glücks, +Von dort aus weiter; denn wer hielte mich? +Und wer dort geht, noch in den fernsten Tagen, +Der soll von Ottokar und seinem Streiten sagen! +(Er ist aufgestanden, zu den Dienern.) +Was zögert ihr?--Ja so, du willst das Bein? +(Er setzt sich wieder.) +Herr Bürgermeister, zieht dort an der Schiene! +So geht's nicht! Fort! Wer wird so lange zögern? +(Er reißt selbst gewaltsam die Schiene ab und wirft sie mitten in den Saal.) +Just in der Ecke dort der March, am Hügel jenseits, +Saß König Bela hoch auf seinem Stuhl, +Und Heinrich Preußel stand dabei, ich sah's wohl, +Der legt' ihm, wie der Knab' im Puppenspiel, +Die Gegend aus und was sich drin begab +Und wer die Kämpfer waren und so weiter. +Zum Anfang ging's noch gut, doch als der Habsburg +Auf eins hervorbrach mit den schweren Reitern +Und alles floh, was ungrisch fluchen kann, +Und in die March, daß ihre Zottelbärte +Wie Schilfgras aus gedämmtem Wasser ragten-- +Wo ist der Habsburg? Hei! beim reichen Gott, +Er hielt sich wohl! Sonst ein gar stiller Mann, +Doch wenn er angreift, wie der böse Teufel. +Wo ist Graf Habsburg? + +Diener. +Sollen wir ihn rufen? + +Ottokar. +Laßt nur!--Als das der Ungarkönig sah, +Da braucht' er keines Dolmetsch weiter mehr. +Mit beiden Händen fuhr er sich ins Haar +Und zog sich feindlich. Ei, dacht' ich mir, Herr, +Spart Euch die Müh', wir können das viel besser. +Doch ist er Freund uns jetzt und Bundsgenoß, +Da muß man Gutes nur und Liebes sprechen! +Nun, seid ihr endlich fertig? (Er steht auf.) Hut und Mantel! +Und wie steht's hier bei Euch, Herr Bürgermeister? +Habt Ihr indes geträumt?--Der Hut da drückt. +(Da der Diener zögert.) +Zum Teufel, einen andern Hut!--Wie also? +Die Mauer auf dem Wischehrad ist fertig? + +Bürgermeister. +Ja, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Die Moldaubrücke auch? + +Bürgermeister. +Nur gestern ward der letzte Stein gefügt. + +Ottokar. +Ja, weil ihr wußtet, daß ich heute kam! +Den Deutschen, die ich sandte, Sachsen, Baiern, +Ward schon die untre Vorstadt eingeräumt? + +Bürgermeister. +Verzeihet-- + +Ottokar. +Ist's geschehn? + +Bürgermeister. +Eu'r Hoheit-- + +Ottokar. +Ja? + +Bürgermeister. +Noch nicht. + +Ottokar. +Warum nicht? Gottes Feu'r! Warum nicht? + +Bürgermeister. +Wir wollten noch einmal Eu'r Hoheit angehn, +Eh' wir vertrieben so viel treue Böhmen-- + +Ottokar. +Vertrieben! Was vertrieben! Wollt' ich das? +Sie sollten nach Chrudim, dort waren Äcker +Und Baugrund ihnen dreifach angewiesen, +Und dreifach alle Kosten der Versetzung. +Doch aus der Vorstadt sollen sie heraus. +Sie sollen, müssen! Müssen, Gottes Donner! +Ich weiß wohl, was ihr mögt, ihr alten Böhmen: +Gekauert sitzen in verjährtem Wust, +Wo kaum das Licht durch blinde Scheiben dringt; +Verzehren, was der vor'ge Tag gebracht, +Und ernten, was der nächste soll verzehren, +Am Sonntag Schmaus, am Kirmes plumpen Tanz, +Für alles andre taub und blind; +So möchtet ihr: ich aber mag nicht so! +Wie den Ertrinkenden man faßt am Haar, +Will ich euch fassen, wo's am meisten schmerzt; +Den Deutschen will ich setzen euch in Pelz, +Der soll euch kneipen, bis euch Schmerz und Ärger +Aus eurer Dumpfheit wecken und ihr ausschlagt +Wie ein gesporntes Pferd. Ihr denkt der Zeit, +Da eure Fürsten saßen an dem Herd +Und einen Kessel führten in dem schnöden Wappen; +Ich bin kein solcher, straf mich Gott! +(Man hat ihm den Mantel umgegeben.) Seht her! +Der Mantel ward in Augsburg eingekauft. +Das Gold, der Samt, die Stickerei, das Ganze, +Könnt ihr das machen hier in eurem Land? +Ihr sollt! bei Gott, ihr sollt! Ich will euch's lehnen-- +Mit Köln und Wien, mit Lunden und Paris +Soll euer Prag hier stehn in einer Reihe! +Die Länder, die euch herrisch sonst gehöhnt, +Ich habe sie bezwungen mit dem Schwert: +Der Ungar flieht, der Baierfürst hält Ruh', +Und Österreich, die wackre Steiermark +Und Portenau und Krain und Deutschlands Eger, +Ich habe sie vereinigt meinem Reich. +In alle Fernen trug ich Böhmens Namen, +Aus allen Fernen tönt zurück sein Ruhm. +Wie meine Väter konnt' ich ruhig schlafen, +Euch lassen schlafen, so wie eure Väter; +Für wen hab ich's getan? Für euch! +Doch sollt ihr nach, des geb ich euch mein Wort! +Hin auf des Berges Mitte stellt' ich euch, +Und nun klimmt weiter oder brecht den Hals! +(indem er sich abwendet.) +Daß mir die Deutschen in die Vorstadt kommen. + +(Kanzler tritt ein und nähert sich dem Könige.) + +Ottokar. +Was ist? + +Kanzler. +Die Königin, wie Ihr befahlt. + +Ottokar (wieder zu den Bürgern gewendet). +Auch das noch, das noch, seht, um euretwillen! +Was einem jeden Mann das Teuerste, +Die Ruh' im eignen Haus, hab ich gestört, +Um eure Ruh', um eurer Kinder Ruhe. +Damit nach meinem Tod mein Reich nicht erblos, +Mein Werk das Spiel nicht werde innern Zwists, +Hab ich von Margarethen mich getrennt, +Die keines Erbens Hoffnung mehr gewährt, +Und neuer Bande Wechsel mich gefügt. +(Zur ganzen Versammlung sich gewendet.) +Ja, ja, ihr Herrn, damit ihr's alle wißt: +Zur Festigung des nur geschloßnen Friedens +Hat König Bela mir die Hand geboten +Von Kunigunden, seinem Enkelkind, +Des Herzogs von Massovien einz'gen Tochter. +Da nun seit lang die Bischöfe des Reichs +Mich warnten meiner Eh' mit Margarethen; +Wie denn auch manches sonst dagegen spricht: +Denn erstens ist sie alt und unfruchtbar, +Kein Erbe läßt sich mehr von ihr erwarten; +Dann ist sie mir verwandt in--was weiß ich, +In welchem und wievieltem Grad, und endlich-- +Allein wozu noch lange eins und zwei; +Denn erstens, zweitens, drittens: bleibt's dabei! +Die Königin wird kommen, Handfest unterzeichnen, +Die Schenkung wiederholen ihrer Lande, +Und des zu Zeugen seid ihr hier versammelt. +(Er besteigt den Thron.) + +Der Kanzler (der seine Papiere auf demselben Tische ausgebreitet hat, +an dem vorher der König saß, tritt nun, mit einer Urkunde in der Hand, +in die Mitte des Saales). +Nun Ruh' in Ehrfurcht ist des Königs Wille! + +(Margarethe, in einen nachschleppenden Mantel gekleidet, die Krone auf +dem Haupte, tritt, von Habsburg und Merenberg begleitet, von Frauen +gefolgt, ganz im Vorgrunde links auf.) + +Kanzler. +Erlauchte Frau und Königin Margrethe, +Von Östreich Herzogin und Steiermark, +Des weiland röm'schen Königs Heinrich Witwe, +Derzeit vermählt mit Böhmens hohem Herrn. +Wer führt das Wort in Eurer Gnaden Sache? + +Margarethe. +Ich selbst! (Ablehnend zu Merenberg, der vorgetreten ist.) +Laßt nur, Herr Merenberg!--Ich selbst! +Allein will ich des Zornes Makel tragen +Und reden, so wie leiden, ich allein! + +Kanzler. +Ist Euch bekannt--? + +Margarethe. +Ich weiß! + +Kanzler. +Nun denn, mit Gott! +Es hat ein heil'ger Send, zu Wien versammelt, +Im Vorsitz Guido, Kardinal-Legats, +Des Titels von Sankt Laurenz in Lucina, +Zu Recht gesprochen ob dem Eheband, +Das Euch verbunden unserm gnäd'gen Herrn; +Und in Betracht, daß Ihr im vierten Grad, +Durch Bela, Ungarns König, und durch Geysa, +Als leiblich naher Brüder Kindeskinder, +Gedachten unserm gnäd'gen Herrn verwandt; +In weiterm Anbetracht, wie vorgekommen, +Daß Ihr nach Eures ersten Herren Tod, +Des hochbelobten röm'schen Königs Heinrich, +Euch nicht mehr zu vermählen ein Gelübd' +Zu Trier getan, im Katharinenstift-- + +Margarethe. +Es war kein feierlich Gelübd'! + +Ottokar. +Hier steht's! +Fahrt fort! + +Kanzler. +Als hat-- + +(Trompeten von außen.) + +Ottokar. +Was ist? + +Ein Diener. +Die Stände, Herr, +Von Österreich sind in die Burg gezogen, +Den Fürstenhut des Landes bringen sie. + +Ottokar. +Hierher! Sie kommen als gelegne Zeugen! + +(Die Stände von Östreich, den Herzogshut auf einem Kissen vor sich +hertragend, treten ein.) + +Heinrich von Lichtenstein (als Wortführer). +Es hat dein tapfres Schwert, erhabner Fürst, +Entschieden in dem Streit mit Ungarns König, +Wer Herr soll sein in unserm schönen Land. +Geendet ist der blutig schwere Zwist, +Und leichten Herzens wiederholen wir +Die Huld'gung, die erst jetzt in voller Kraft. +(Zu Margarethen gewendet.) +Vor allem aber dir, erlauchte Frau, +Dem edlen Sproß des alten Heldenstammes, +Der ruhmvoll lang ob Österreich gebot-- + +Ottokar. +Laßt das nur sein und stellt euch ruhig hin! +Statt neuer Huld'gung denkt auf alte Treu' +Und haltet's einmal, statt es zweimal zu versprechen! +(Zum Kanzler.) +Fahrt fort! + +Kanzler. +Als haben sie zu Recht erkannt, +Daß solches Bündnis länger nicht bestehe, +Erklären es für null und aufgehoben. +Die Schenkung, die Ihr früher habt gemacht +An Euern Herrn mit Eures Stammes Erbe, +Sie bleibt in Kraft, und Ihr seid aufgefodert, +Sie noch einmal, der Form nach, zu bestät'gen. +Euch angewiesen wird, als Leibgeding, +Die Stadt von Krems, das Polan rings um Horn +Und Grevenberg von unsers Herren Gnade. + +Margarethe. +Habt Ihr geendet? + +Kanzler. +Ja, erlauchte Frau! + +Margarethe. +Ich könnte manches noch entgegensetzen! + +Ottokar. +Wozu? Es bleibt der Spruch in Kraft. + +Margarethe. +Doch unterwerf ich mich! + +Ottokar (vom Throne steigend). +Nun gut, was mehr? + +Margarethe. +Und geh von hinnen, wie man es begehrt-- + +Ottokar (auf sie zugehend). +Mich freut, daß ich Euch klug und billig finde; +So hab ich Margarethen stets gekannt +Und stets geachtet Euch als eine solche. +Es ist ja nicht der Jugend wilder Kitzel, +Der gärend feur'ge Drang nach Neuerung, +Was mich Euch meiden heißt; es ist mein Land, +Das in mir Ehen schließt und Ehen scheidet. +So hoch ein Mensch mag seine Größe setzen, +So hoch hat Ottokar gesetzt die seine. +In Böhmen herrsch ich, bin in Mähren mächtig; +Zu Östreich hab ich Steier mir erkämpft, +Mein Oheim siecht, der Kärnten nach mir läßt. +(Vertraulich und leiser.) +Im nahen Ungarn hab ich meine Hand, +Die Großen sehn auf mich, die Mißvergnügten; +Es will mir Schlesien wohl, und Polen schwankt, +Wie sturmgepeitscht ein Schiff, in meinen Hafen. +(Wieder lauter.) +Vom Belt bis fern zum Adriat'schen Golf, +Vom Inn bis zu der Weichsel kaltem Strand +Ist niemand, der nicht Ottokarn gehorcht; +Es hat die Welt seit Karol Magnus' Zeiten +Kein Reich noch wie das meinige gesehn. +Ja, Karol Magnus' Krone selbst, +Sie dünkt mich nicht für dieses Haupt zu hoch. +Nur eines fehlte noch; nur eins und--alles: +Der Erbe, der's empfängt aus meiner Hand. +Den Giebel setz ich auf an meinem Bau; +Margrethe, weiß ich, wird mir's nicht mißgönnen. + +Margarethe. +Ich gönn Euch alles, gönn Euch mehr als mir! +Auch ist's mein Vorteil nicht, es ist der Eure, +Was mich noch einmal warnend sprechen heißt. +Geliebt es Euch, so folgt mir nebenan-- + +Ottokar. +Sprecht immer hier; nur unter Königen +Ist Ottokar der König, nicht allein. +Die hier gehorchen-- + +Margarethe (schnell). +Doch wie lange, Herr? +Das ist's, woran ich warnend mahnen wollte! +(Näher zu ihm tretend.) +Die Länder all, das Erbe meines Hauses, +Sie wurden Euch durch Margarethens Hand. +Weiß Gott, ich scheide gern! Doch wie ich scheide, +Schwingt wieder Aufruhr zischend seine Fackel, +Und gegen Euch-- + +Ottokar. +Seid Ihr 'ne Bäckersfrau, +Die ihren Altknecht freit auf ihr Gewerb', +Und fürchtet Ihr, sie kommen, von der Stadt, +Und nehmen mir's, sobald die Herrin fort? +(Halb gegen die Stände gewendet.) +Ich halte sie, seht Ihr? mit dieser Hand-- +Sie sollen sich nur regen, wenn sie's wagen! + +Margarethe. +Umringt seid Ihr mit Argen und Verrätern! + +Ottokar. +Lehrt Ihr den Ottokar die Seinen kennen? +Ich gehe meinen Gang, was hindert, fällt. + +Margarethe. +Ihr steht am Abgrund, glaubt mir, Ottokar! + +(Wiederholte Trompetenstöße.) + +Diener (kommt). +Die Landesherrn von Steiermark sind unten +Und bitten, daß du gnädiglich sie hörst. + +Ottokar. +Laßt sie herein!--Ihr seht wohl, Margarethe, +Die Unglücksprophezeiung trifft nicht ein! + +(Die Stände von Steiermark treten ein, den Herzogshut vor sich her auf +einem Kissen.) + +Der Wortführer (indem er vor Margarethen das Knie beugt). +Erlauchte Frau! + +Margarethe (ablehnend). +Nicht mir! + +Ottokar. +Zu mir, mit Gunst! +Der König ist, der Königinnen macht! +Schweigt immerhin, ich weiß schon, was ihr wollt. +Ich hab eu'r Land den Ungarn abgestritten +Und werd es wahren gegen jedermann; +Auch gegen euch, wenn's irgend etwa not. +Stellt euch nur hin und wartet ruhig ab. +Im übrigen betrachtet mich genau, +Damit ein andermal ihr gleich beim Eingang wißt, +Vor wem ihr habt zu knien. + +(Die Steirer stellen sich in eine Linie mit den Östreichern, dem Throne +gegenüber, die Träger der Kronen voran.) + +Ottokar. +Nun noch zum letzten! +Habt Ihr die Handfest hier, Herr Kanzellar, +Die Schenkungsurkund' von der Fürstin Landen? + +Kanzler. +Ich nicht; die gnäd'ge Frau. + +Ottokar. +Habt Ihr sie, Margarethe? + +Margarethe. +Im Schrein verschlossen meiner Hauskapelle +Liegt sie verwahrt. + +Ottokar. +Nun gut, ich sende drum! + +Margarethe. +Noch hat kein menschlich Aug' des Schreines Inhalt, +Den Schatz gesehn, den mir sein Schloß bewahrt. +Bei meines Heinrich teurem Abbild liegt sie, +Bei meiner beiden Kinder Totenhemd, +Beim Schreckenspfeil, den an der Leitha Strand +Man blutig zog aus meines Bruders Herzen. +Erlaubt Ihr, geh ich selbst! + +Ottokar. +Wie's Euch gefällt. + +(Trompeten und Jubelgeschrei von außen.)' + +Diener (kommt). +Ach, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Was ist? + +(Die Landesherrn von Kärnten, Ritter und Bauern bunt gemengt, treten auf, +den Herzogshut vor sich auf dem Kissen.) + +Ottokar. +Wer sind die? + +Margarethe. +Soll ich? + +Ottokar. +Ich bitt Euch drum!--Ihr seht, ich bin beschäftigt! +Noch mehr der Kronen? + +(Margarethe geht ab.) + +Diener. +Gnäd'ger Herr, der König +Von Ungarn reitet ein-- + +Ottokar (auf den Kronenträger zugebend). +Wer seid ihr, Leute? + +Wortführer der Kärntner. +Der Herzog Kärntens, Euer Gnaden Oheim-- + +Ottokar. +Ist er gestorben? + +Kärntner. +Ja, erlaubter Herr, +Und kraft des Erbvertrags mit Euer Gnaden +Fällt Euch das Land, die Herzogskrone zu. + +Ottokar. +Betrauern mag ihn, wer sein Land nicht erbt! +Seid mir willkommen, meine wackern Kärntner! +Fügt eure Krone dort zu jenen beiden +Und laßt mich freun des königlichen Anblicks. + +(Die Kärntner stellen sich in die Reihe der andern Stände). + +Ottokar. +Man lärmt ja noch! Was ist? + +Diener. +Ich sagt' es ja! +Der König Ungarns, Herr, ist eingeritten. +Mit ihm Gesandte von dem Reichsvereine, +Den Doppeladler tragend vor sich her, +Und alles ruft-- + +Von außen. +Heil Ottokar, dem deutschen Kaiser! + +Die im Saale. +Heil Ottokar, dem deutschen Kaiser, Heil! + +Ottokar (im Vorgrunde). +Nun Erde, steh mir fest! +Du hast noch keinen Größeren getragen! +(Er eilt in den Hintergrund, dem Ungarkönig entgegen.) + +(Indes tritt der alte Merenberg zum Schenk von Emerberg, der ganz im +Vorgrunde links, der äußerste unter den östreichischen Ständen, steht.) + +Merenberg (leise). +In dieses Tuch gewickelt ist ein Brief, +Gib ihn an meinen Sohn, er weiß darum. +Ich geh nach Merenberg. Und heiß ihn eilen! +(Er läßt das Tuch mit dem Briefe fallen und entfernt sich. Emerberg hebt +es auf.) + +(Der König von Ungarn tritt auf mit Gefolge.) + +Ottokar (ihm entgegen). +Erlauchter Herr, und Vater, will es Gott! + +Bela (zurücktretend). +Bevor ich rede, laßt erst diese sprechen! + +(Die Gesandtschaft des Reichstages tritt vor.) + +Erster Abgesandter. +Des Heil'gen Röm'schen Reichs gemeine Fürsten, +Zu Frankfurt auf der Kaiserwahl versammelt, +Sie senden uns an dich, o Fürst von Böhmen. +Die Augen haben sie nach dir gewendet, +Die einen Kaiser suchen für das Reich. +Doch ziemt uns nicht, als Herren den zu wählen, +Der unsre Wahl wohl gar zurückeweist: +Drum sollen wir dich fragen, hoher Herr, +Ob, wenn der Wahltag dir die Krone beut, +Dem Reiche du dich unterziehen werdest? +Verweigr' es nicht! es geht ein alter Spruch: +Des Reiches Adler werde Ruh' erst finden +Im Nest des Löwen; wohl, großmüt'ger Löwe, +(er ergreift ein Schild mit dem Sinnbilde des Löwen, das an den Stufen des +Thrones lehnt, und hebt es in die Höhe) +Nimm auf den Adler, der verloren fleugt, +Und schirm ihn stark gen alle seine Feinde! + +Ottokar. +Ha, was ist das? Wer hat mir das getan? +Das ist der weiße Löwe nicht von Böhmen! +Der Löw' ist rot! + +Rudolf von Habsburg (der zur Seite des Thrones rechts im Vorgrunde gestanden +hat, vortretend). +'s ist Habsburgs Löwe, Herr! +Der Schild ist mein! Ich legt' ihn, kommend, ab. + +Ein zweiter der Abgesandten. +Ihr seid der Graf von Habsburg? + +Rudolf. +Ja, der bin ich! + +Zweiter Abgesandter. +In Böhmen hier? + +Rudolf. +Vom Kreuzzug kehr ich heim. + +Ottokar. +Genug!--Ihr harret, mein Herr Abgesandter, +Bis man Euch wieder ruft! (Zum König Bela gewandt.) Mein edler Fürst! +Nun ruft die Pflicht mich doppelt her zu Euch! + +Bela. +Zuerst stell ich Euch meine Kinder vor. +Hier Ladislaus, der Erbe meines Throns, +Und hier ein anderer. + +Ottokar. +Hat König Bela +Der Enkelsöhne mehr? + +Bela. +Ihr argwohnt nicht? +Man weiset dich zurück! + +Kunigunde. +Und doch war ich's, +Die Euch am meisten wünschte zu gefallen! +Nehmt Ihr mich unter Eure Krieger auf? +(Sie wirft den Reitermantel und ungarischen Kalpak weg und steht als +Weib gekleidet da.) + +Zawisch (der auf der linken Seite des Saales, nicht weit von ihr steht, +laut). +O schöner Krieger! + +Kunigunde (umgewendet). +Ha, wer spricht? + +Ottokar (zornig). +Wer sprach? + +Zawisch (gleichfalls umsehend). +Von dorther schien's, vom Winkel her zu tönen! + +Kunigunde (rasch). +Ihr wart's--wohl nicht. Ihr würdet nicht so frech, +Da ich so nahe stand, mir sonst es leugnen! + +Mein König, Ihr verzeiht die Überraschung. +Sie wollten erst mich vor den Toren lassen, +Doch trieb's mich, hier zu sein, und also kam ich. + +Rudolf (der sich wieder in den Vorgrund rechts gestellt hat). +Der rücksichtslosen, rohen Übereilung! + +(Die Königin Margarethe kommt mit Schriften.) + +Ottokar (mit einer Bewegung gegen sie hin). +Jetzt ist nicht Zeit! + +Margarethe (sich am Sessel haltend). +O Gott! Wer bringt mich fort! + +Merenberg (vortretend). +Der Königin zu Hilf'! + +Ottokar. +Wer rief Euch, Herr? +Wer hieß Euch weichen dort von Eurem Platz? +Ihr habt Euch einmal unnütz schon gemacht! +Dorthin! + +(Merenberg tritt zurück.) + +Margarethe (schwach). +Nur fort!--Nimmt sich denn niemand an? + +Rudolf von Habsburg. +Hier ist mein Arm, erlauchte Königin! +Stets war bei Habsburg der Gekränkten Schirm. + +Ottokar. +Und wer hat's Euch geheißen? + +Rudolf. +Kennt ein Heißen, +Wer kein Verbieten kennt? + +Ottokar. +Ihr seid, vergeßt's nicht, +In meinem Land! + +Rudolf. +Nicht länger, als ich will! +Als freier Krieger focht ich Eure Schlachten, +Um Lohn nicht, und den Dank selbst schenk ich Euch! +Ich bin nicht Euer Mann. + +Ottokar. +Nicht von der Stelle, +Bis der entschieden, dem Entscheidung ziemt! + +Der zweite der Abgesandten (tritt vor). +So will denn ich hier diese Fürstin schirmen! +Der Kanzler ich des Erzbischofs von Mainz, +Von ihm der Wahlgesandtschaft beigesellt, +Damit ich höre, wo die andern reden. +Erkennt Ihr mich, Graf Habsburg? + +Rudolf. +Nein, fürwahr. + +Zweiter Abgesandter. +Gabt Ihr nicht einst im Walde nah bei Basel +Dem Priester, der das Allerheil'ge trug +Zu eines Kranken Trost und, aufgehalten +Vom wüt'gen Strom der Aar, am Ufer irrte, +Das eigne Pferd, die Flut drauf zu durchsetzen? + +Rudolf. +Und dieser Priester--? + +Abgesandter. +Habt nicht später dann +Den Erzbischof von Mainz Ihr treu geleitet +Durch feindlich Land, durch Krieg und Brand und Tod, +Als er nach Rom zog zu dem Heil'gen Vater? +Des Bischofs Sekretär, auf sein Geheiß, +War oft Euch nah und prüft' Euch im Gespräch; +Vermöchtet Ihr ihn nicht mehr zu erkennen? + +Rudolf. +Seid Ihr's? + +Abgesandter (zur Versammlung gewendet). +Für diese Frau, als Reichesfürstin, +Begehr ich frei und offenes Geleit. +Herr Graf von Habsburg, gebt ihr Euren Arm, +Wir wollen sie zur sichern Ruhstatt führen! + +Im Namen denn des Heil'gen Röm'schen Reichs, +Gebt Raum der Herzogin von Österreich! +(Führt mit Rudolfen die Königin Margarethe ab.) + +Ottokar. +Bin ich eu'r Kaiser, sollt ihr anders sprechen! + +Der erste der Gesandtschaft. +Geliebt's Euch, Herr, uns Antwort zu erteilen? + +Zawisch (sich vordrängend). +Raubt ihr uns unsern König, unsern Herrn? +Ist er nicht mächtig? was bedarf er euer? +Wie Gott im Himmel, herrschet er auf Erden; +Nur Sorgen und nicht Nutzen schafft das Reich, +Laßt ihn und bietet Deutschen eure Gaben! +Ihr gebt nur, weil ihr braucht! Laßt unsern Herrn! + +Ottokar. +Er spricht zum Teil ganz gut, Herr Abgesandter. +Gar viel ist abzustellen in dem Reich, +Gar mancher Trotz zu beugen und zu strafen; +Ich seh wohl, euer Herr war euer Knecht. +Ich bin ein reicher Fürst von Böhmen, Gott verhüte, +Daß ich ein armer Kaiser wollte sein. +Doch mögt Ihr harren, ob es uns gefällt, +Vielleicht Euch günst'gre Antwort zu erteilen. +(Zu Kunigunden gewendet.) +Nun bin ich Euer, ganz mit Seel und Leib. + +Zawisch. +Es lebe Ottokar! + +(Unter Trompetengetön.) + +Zuruf von allen Seiten. +Von Böhmen König! +Herzog von Östreich!--Steier!--Kärnten!--Krain! +Der Deutschen Kaiser! Lebe Ottokar! + +(Der Vorhang fällt.) + + + + +Zweiter Aufzug + +Offener Gartensaal, gegen den Hintergrund zu mit einem halbmannshohen +Marmorgeländer geschlossen. Es wird angenommen, daß hinter demselben der +Garten terrassenförmig abwärts geht. Im Vorgrunde zu beiden Seiten Türen, +daneben Bildsäulen. Der Haupteingang ist zwischen den Säulen, links an +der Balustrade. + + +Zawisch (tritt lachend auf). +Ich bin verliebt! O weh, mein Herz ist fort! +Ihr Leute, kommt zu Hilfe! Ha, ha, ha! +Wie sie mich ansah mit dem schwarzen Blick, +Die stolze Ungarin! Hilft alles nichts! +Und schön ist sie, beim wunderbaren Gott! +Ein adlig, wildes, reuterscheues Füllen, +Den Zaum anschnaubend, der es bänd'gen soll. + +Auch sonst geht alles, wie es Gott gefällt! +Die Österreicher reißen tüchtig aus, +Seit Margarethe fort, die Königin; +Der eine rechts, der andre links, doch alle +Nach Frankfurt auf die Kaiserwahl. Nu! nu! +Sie legen dort wohl die Gesuche nieder, +Daß man doch ja Herrn Ottokar erwähle! + +Milota (von innen). +Nur hier herein indes! + +Zawisch. +Wen bringt man da? + +(Gewaffnete bringen Seyfried von Merenberg gefangen. Milota, ganz gerüstet, +folgt, einen versiegelten Brief in der Hand.) + +Milota. +Der König ist noch beim Turnier? + +Zawisch. +Ja wohl! +Sich da, Herr Merenberg? und so begleitet! + +Milota. +Sein Vater, der Verräter, sandt' ihn fort +Mit diesem Schreiben an den Erzbischof +Von Mainz. Er hatt' ihm Eile wohl geboten-- + +Seyfried. +Ob er's gebot! + +Milota. +Allein der junge Herr, +Da ihn sein Weg am Schloß vorüberführte, +Wo Bruder Benesch haust mit seiner Tochter, +Wollt' er noch einmal sehn sein altes Lieb; +Doch fing man ihn und sendet ihn hierher. + +Zawisch. +So? Bei schön Mühmchen? Ei, bei Fräulein Berta? + +Seyfried. +Im heißen Fieber liege sie und rase, +Ward mir gesagt. Ich wollte sie nur sehn, +Nur wissen, ob sie lebt, und so gab ich +Des Vaters Haupt und mich in ihre Hand. +Tor, der ich war, verruchter, blinder Tor! + +Milota. +Hier ist der Brief, die Aufschrift an den Mainzer. + +Seyfried. +Herr Zawisch, seht, ich hab Euch nie geliebt! +Für doppelsinnig hielt ich Euch und falsch, +Doch sagt mein Vater, Menschen kennt' ich nicht; +O zeigt mir, Herr, daß ich Euch nicht gekannt! +Gebt mir den Brief, laßt ihn uns hier vernichten. +Mit mir könnt Ihr beginnen, was Ihr wollt! +Ich hab Euch sonst wohl auch schon Liebs getan. +Als Ihr mit Euren Sippen da und Freunden, +Wißt Ihr? im Vorgemach der Königin +Gar sonderbare Reden einst geführt; +Ich ging nicht hin und sagt's dem König an, +Wie ich gekonnt, vielleicht wohl gar gesollt! +Denn damals ehrt' und liebt' ich noch den König, +Als meiner angebornen Fürstin Gatten +Und meinen wahren, rechtgesinnten Herrn. + +Zawisch. +Hörst du, Freund Milota? + +Milota. +Wer achtet sein! + +Zawisch. +Der Brief ist richtig! (Er liest.) An den Erzbischof +Von Mainz. Du bist verloren, guter Freund, +Wenn dieser Brief dem König kommt zu Hand! + +Seyfried. +Herr, rettet mich! + +Zawisch. +Schon gut! schon gut! +Die Leute sind vertraut? (Auf die Wache zeigend.) + +Milota. +O ja! Warum? + +Zawisch (den Brief in der Hand wägend). +Der Brief kann viel enthalten--oder wenig. +Ein Tröpflein Gift vielleicht-- +(Die Hand mit dem Briefe schnell auf den Rücken gelegt.) +Ein Meer von Argwohn! +(Zur Wache gekehrt.) +Geht ihr nach Haus und grüßet Vetter Benesch. + +Milota. +Was tust du? + +Zawisch. +Geht ihr nur! (Gewaffnete ab.) Und du, mein Freund, +Was gibst du mir, wenn ich dich diesmal rette? + +Seyfried. +Mein Leben-- + +Zawisch. +Ei, behalt das nur für dich! +Kannst du auch springen? + +Milota. +Zawisch! + +Zawisch. +Nun, so komm! +Hier hast du deinen Brief; so, und nun spring! + +(Er hat ihn ans Geländer geführt, Seyfried springt hinab.) + +Milota. +Wahnsinniger! + +Zawisch. +Hei, was der Junge läuft! + +Milota. +Ihm nach! + +Zawisch. +Zurück! Hast du dich mir vertraut? +Nun, hast du es getan, so traue mir! +Ich weiß am besten, was sich fügt, was nicht; +Zu seiner Zeit wird sich's dir offenbaren. +Und dann--das junge Blut, mein gutes Herz! +Ha, ha!--Sprich nicht und geh! Es kommen Dinge, +Bei denen ich nach Zeugen nicht verlange. +Du gabst dein Wort, daß du mich läßt gewähren, +Drum geh! + +Milota (kehrt am Ausgange um). +Folgst du auch nicht mehr zum Turnier? + +Zawisch. +Die Waffen hab ich schon von mir gelegt, +Der Preis ist mein!--Geh jetzt! Der Augenblick +Pocht wie ein Gläubiger und will, was sein! + +(Milota ab.) + +Ich sehe sie den Gang herunterkommen, +Begleitet nur von einer Kämmerin; +Nun rasch ans Werk! +(Zu einer Bildsäule der Liebesgöttin gewendet, die im Vorgrunde links +steht.) +Du keusche Liebesgöttin, +Getreue Gattin deines holden Gatten, +Dich fleh ich an: verleih mir deinen Schutz! +(Er zieht ein Blatt hervor und steckt es, zur Bildsäule auf einer Stufe +des Untersatzes emporsteigend, unter den halbgehobenen Fuß der Göttin.) +Bewahre mir dies Blatt hier und bestell es! +Man kommt!--Ich muß noch etwas zögern!--Jetzt! +(Er springt herab und eilt, wie betroffen, fort.) + +(Die Königin tritt in demselben Augenblicke mit ihrem Kammerfräulein +links im Hintergrunde auf.) + +Kunigunde. +War das nicht Rosenberg? der Unverschämte! +Ruf ihn zurück! + +Fräulein (in die Szene rufend). +Herr Zawisch! Kommt hierher! +Die Königin befiehlt es! Hier! Ihr sollt! + +(Zawisch kommt zurück, verschämt das Barett in der Hand drehend.) + +Königin. +Ich weiß nicht, Herr, bin ich nicht voll bei Sinnen, +War ich im Fiebertraum, die Tage her; +Wie, oder seid Ihr ganz so unverschämt, +So rasend--Nein! Die Sprache hat kein Wort! +Verrückung möcht' am ersten es bezeichnen-- +So unverschämt-verrückt, als Ihr Euch zeigt? +Bei meiner Ankunft schriet Ihr gellend auf-- +Ihr wart's! Ich stand drei Schritte fern und weiß es! +Seitdem verfolgt Ihr rastlos mich mit Blicken, +Mit Blicken, die ich näher nicht bezeichne, +Doch regt sich mir der Ingrimm, denk ich dran. +(Näher zu ihm tretend.) + +Nur erst, beim Tanz, als ich die Hand Euch reichte, +Ja, Frecher, ja! Ihr drücktet mir die Hand! +Wer bin ich, Herr? und wer seid Ihr? + +Zawisch. +Verzeiht! + +Kunigunde. +Behandelt so hier Lands man Königinnen? +Wär' ich zu stolz nicht, meines Gatten Zorn +In meiner eignen Sache aufzurufen, +Wär's hier in Böhmen wie bei uns daheim, +Wo auch die Frau ein Recht hat, eine Stimme, +Und Macht, um zu vollführen, was sie denkt, +Wo eine Königin nicht bloß des Königs Gattin, +Wo sie Gebietrin ist; es sollt' Euch reun! + +Zawisch. +Verzeiht! + +Königin. +Und nun: verzeiht! Erst frech und kühn, +Und nun so knechtisch, daß es an mich ekelt! +Was stecktet Ihr an jene Säule hin? + +Zawisch. +An jene Säule? Steckt was dort? + +Königin. +Ein Zettel. + +Zawisch. +Ein Zettel, in der Tat! + +Königin (zum Kammerfräulein). +Nimm ihn herab! +(Es geschieht.) Was steht auf dem Papier? + +Zawisch. +Ich weiß es nicht! + +Königin. +Ihr stecktet's doch hinauf! + +Zawisch. +Ich? Wahrlich nicht! + +Königin. +Nur erst, sowie ich kam. + +Zawisch. +Ich war nicht hier; +Ich kam von jener Seite. + +Königin. +Nun, beim Himmel! +Ich bin verrückt, der Kopf dreht sich im Wirbel! +Sind das hier Bäume? Ist das Luft und Erde? +Ich sah es ja, ich stand drei Schritte fern, +Als Ihr den Zettel an die Säule stecktet! + +Zawisch. +Wenn Ihr es sagt, o hocherhabne Frau, +Dann muß es sein, und wär' es nie gewesen! + +Königin. +Und was enthält der Zettel? + +Zawisch. +Phantasien; +Die Ausgeburt von dichterischer Glut! + +Königin (zum Kammerfräulein). +Zeig her! +(Sie entwickelt den Zettel und liest die Aufschrift.) +»Der Schönsten«--Ha, Verwegener, +Nimm hin das Zeugnis deiner frechen Torheit +(sie wirft ihm denZettel vor die Füße) +Und wagst du's noch einmal, dich mir zu nahn, +So soll der König deinen Frevel strafen! + +Zawisch (hebt den Zettel auf und kniet damit vor dem Kammerfräulein nieder). +Nun denn, so wißt, daß ich Euch dienend folge, +Schon lang brennt das Geheimnis meine Brust. +In diesen Zeilen wagt' ich's zu gestehen, +Verloren bin ich, Herrin, wenn Ihr zürnt. +(Er steht auf und geht.) + +Königin. +Ha, lachen muß ich wahrlich des Verrückten! + +Kammerfräulein. +Seht, gnäd'ge Frau, so komm ich, Hand kehr um, +Zu einem Ritter und zu Minnedienst. + +Königin. +Und glaubst du wirklich, dich hab er gemeint? +Nach mir blickt er, der übermüt'ge, Freche! + +Kammerfräulein. +Ei, gnäd'ge Frau, was tut's? Der Wahn schon schmeichelt +Von solcher Werbung und von solchem Ritter. + +Königin. +Von solchem Ritter? Lachen machst du mich! + +Kammerfräulein. +Ja, gnäd'ge Frau, im ganzen Böhmerland +Ist keiner, der dem Zawisch sich vergleicht +Von Rosenberg. Den edlen Glanz, die Haltung, +Des Körpers mannigfache, edle Gaben, +Ihr saht sie, Königin, so gut als ich: +Doch auch an Heldenmut, an Tapferkeit +Steht er vor allen, die sich Ritter nennen. +In Padua hat er jahrelang studiert, +Auch macht er Reim' und singt sie zu der Zither. + +Königin. +So schlimmer denn! + +Kammerfräulein. +So schlimmer, gnäd'ge Frau? + +Königin. +Bei uns daheim lohnt man die Zitherspieler +Mit Geld und mit Verachtung! + +Kammerfräulein. +So bei uns nicht! +Manch Edler eifert mit den Troubadours, +Und dieser Zawisch hat sich manches Herz +Ersungen bei den Klängen seiner Zither. +(Den Zettel entfaltend.) +Ihr sollt gleich sehn! + +Königin (hat sich gesetzt). +Er soll mir's wahrlich büßen! + +Kammerfräulein (liest). +»Der Schönsten «--Nun, ich nehm es dankbar hin! +»O Hand von Schnee«-- + +Königin. +O Hand von Schnee, was heißt das? + +Kammerfräulein. +Weiß wie Schnee. + +Königin (den Handschuh abziehend und ihre Hand betrachtend). +Ich denk, er hat die Hand noch nie gesehn, +Den Handschuh höchstens! + +Kammerfräulein (lesend). +»O Hand von Schnee, +Und doch so heiß;« +(Die Königin stampft mit dem Fuße.) + +Kammerfräulein. +Beliebt Euch, gnäd'ge Frau? + +Königin. +Lies weiter nur! +Ich wollte sagen: tu, was dir gefällt! + +Kammerfräulein. +»O Hand von Schnee, +Und doch so heiß; +O Blick, so feurig, +Und dennoch Eis!« + +Königin. +Ich wollt' er wäre Glut und träfe dich! +Ich wollt' ihn martern, bis ich voll gerächt. + +Kammerfräulein. +»Der Mund, so süße, +Spricht herber Art; +Die Brust, ob wogend, +Nicht minder hart.« + +Königin. +Schweig still! + +Kammerfräulein. +»O Blick, erwarme, +O Brust, erweich! +O Hand--« + +Königin. +Ich sage dir, du sollst verstummen! + +Kammerfräulein. +So laßt Ihr mich nicht meines Sieges freun? + +Königin. +Ich glaube bald, die Törin nimmt's auf sich! +(Sie steht auf.) +O wär' ich wieder fort aus diesem Land, +In Ungarn bei den Meinigen daheim! +Da galt ich noch! Frei streift' ich in die Ferne, +Dorthin, dahin, wohin der Wunsch mich rief. +Mein alter Vater war mir gern zu Dienst, +Zu Dienst die Fürsten, seine Sippen alle, +Und was nur Mann hieß in dem weiten Reich. +Und Leben war und Feuer, Glut und Mut! +Da riefen sie zum fernen Prag mich hin: +Ein König, sagten sie, regiere dort, +Vermählt in seiner Kraft der ältern Frau, +Den's dürste nach der feurigen Genossin, +Nach gleichem Mut in gleichgeschwellter Brust. +Ich komm und finde--einen Greis. Ja, Greis! +Denn spielt ihm nicht schon graulich Bart und Haar? +Sie sagen: von des Krieges Arbeit. Gleichviel! +Und ist er denn nicht mürrisch wie ein Greis? +Rechthabrisch, ungestüm? Beim reichen Gott, +Zum Schweigen und Gehorchen kam ich nicht! +Die andern aber schmeicheln, betteln, kriechen, +Sind trägen Bluts und weißen, kalten Herzens. +Nur dieser Rosenberg: bei uns in Ungarn +Trüg' er sein Haupt keck unter Gottes Himmel, +Wie jener kühne Führer der Kumanen, +Dem er auch ähnlich sonst an Haupt und Brust, +Dem besten unter Ungarns starken Mannen! +Doch jener war ein freudig kühner Held, +Gerad in seinem Wollen, seinem Handeln; +Indes der Böhme feig und niedrig kriecht, +Und seinen Wert und all sein Selbst besudelt. +(Trompeten von außen.) +Was ist? + +Kammerfräulein. +Geendet ist wohl das Turnier, +Und man erteilt den Siegenden die Preise. +Euch, Königin, gebühret das Geschäft. + +Königin. +Man wird uns rufen.--Gib doch das Geschreibe, +Man merkt beim ersten Lesen kaum den Sinn. +(Sie nimmt den Zettel.) + +Kammerfräulein. +Ach, gnäd'ge Frau, des Königs Hoheit naht, +Der ganze Zug; sie kommen vom Turnier. + +(Ottokar kommt mit Milota und Füllenstein. Hinter ihm Herren und Damen +vom Turnier.) + +Ottokar (zu denen, die ihm folgen). +Wenn er darauf besteht, so bringt ihn her! +(Im Vortreten zu Kunigunden.) +Es will der Sieger des Turnieres nur +Aus deiner Hand den Preis empfangen! +Nu, Kunthe, nu, wie geht's? +(Er will sie am Kinne fassen, sie tritt zurück.) + +Kunigunde. +Ganz gut. + +Ottokar. +Potz Blitz! +Wohl übel gar gelaunt?--He Milota! +(Er tritt mit Milota auf die andere Seite des Vorgrundes.) +Der junge Merenberg entsprang? + +Milota. +Ja, Herr. + +Ottokar. +Verwünscht! Doch woher weiß man's von dem Brief? + +Milota. +Nach junger Leute Art hat er sich dessen +Gerühmt, man hat den Brief sogar gesehn. + +Ottokar. +Die Aufschrift an den Erzbischof von Mainz? + +Milota. +Derselbe, ja. + +Ottokar. +Auch Wolkersdorf ist fort? + +Milota. +Und Hartneid Wildon. Alle Österreicher, +Seitdem die Königin Margrethe fern, +Sind übeln Sinns und schleichen fort vom Hof. + +Ottokar. +Hätt' ich den Brief, so kennt' ich die Verräter +Und meine Ferse setzt' ich auf die Brut: +Nun aber wird ein jeder mir verdächtig, +Und alle muß ich hüten, alle, alle! +Pfui, Argwohn, Spürhund von des Teufels Meute! +Lockst du auch Könige zu deiner Jagd? + +(Man hat indes Zawisch von Rosenberg, als Sieger im Turnier, hereingebracht, +er steht vor dem Könige.) + +Ottokar. +Was ist?--Ja, du bist Sieger im Turnier? +Ich habe stets als wacker dich gekannt; +Geh hin zur Königin und nimm den Preis! +He, Füllenstein! + +Füllenstein. +Mein gnädiger Gebieter! + +Ottokar. +Du nimmst Gewappnete, und alle Pforten +Besetzest du, die aus dem Schlosse führen. +Wenn nach dem Fest die Gäste heimwärts ziehn, +Verhaftest du, die ich bezeichnen werde, +Und hältst als Geisel sie in enger Haft. +Den dort, dem trau ich nicht.--Auch Lichtenstein, +Der glatte Ulrich-- + +Füllenstein. +Herr, doch Heinrich auch? + +Ottokar. +Was schreist du so! Komm hier und höre schweigend. + +(Er zieht sich mit Füllenstein etwas mehr gegen den Hintergrund und spricht +leise. Sooft er dem, was jener erwidert, zuhört, wendet er die Augen nach +der andern Seite, wo Zawisch und seine Gemahlin sprechen.) +(Zawisch hat sich vor die Königin hingestellt, die sitzt und in Gedanken +vor sich hinstarrt.) + +Kammerfräulein (die Königin aufmerksam machend). +Erlauchte Frau! + +Kunigunde (da sie Zawisch vor sich stehen sieht). +Verwegner, wie, auch hier? +(Sie springt auf.) + +Kammerfräulein (auf die reichgestickte Schärpe zeigend, die ein Page auf +einem Samtkissen trägt). +Der Dank! +(Die Königin nimmt die Schärpe, der Page legt das Kissen bei ihren Füßen +nieder.) + +Zawisch (zum Kammerfräulein). +Ei, Fräulein, gebt mir doch den Zettel, +Den ich vor kurzem nur Euch überreicht. +Er kam nicht in die rechte Hand! + +Kammerfräulein. +Mein Herr! + +Zawisch. +Gebt ihn! (Er hält die Hand bin.) + +Kammerfräulein. +Verzeiht! + +Zawisch (immer die Hand hinhaltend). +Er soll für jemand anders! + +Kammerfräulein. +Ich--hab ihn nicht mehr! + +Zawisch. +Wie? Ihr habt ihn nicht mehr? +Dann wahrlich ist er in der rechten Hand! +(Er wirft sich vor der Königin auf das Kissen nieder. Feurig.) +O Königin, habt tausend, tausend Dank-- +(Langsam.) +Im voraus für den Preis, den Ihr mir reichet. + +Ottokar (sein Gespräch unterbrechend). +Warum gebt Ihr den Preis nicht, Kunigunde? + +Königin (beleidigt). +Ich wollte früher schon, eh' Ihr befahlt! +(Mit der Schärpe nahend.) +Herr Ritter! + +Zawisch. +Wie beglückt Ihr mich, Gebietrin! +In Demut beugt sich Euch mein dienstbar Haupt! +(Leise.) +»O Hand von Schnee +Und doch so heiß!« + +Königin (leise). +Wenn Ihr nicht schweigt! + +Zawisch (laut). +Mit diesem teuren Pfand +Statt Harnisch angetan, statt aller Waffen, +Will fahrend ich die weite Welt durchziehn +Und Euren Ruhm und meines Königs Ruhm +Verkünden und verfechten überall, +Für ihn und Euch mein Leben! +(Da die Königin sich mit der Schärpe zu ihm neigt, leise und schnell.) +Alte Männer +Sollten alte Weiber freien! Jugend +Gehört für Jugend! +(Die Königin wirft die Schärpe auf den Boden.) + +Ottokar (herüberrufend). +Nun, noch nicht zu Ende? + +Zawisch (leise). +Dies Haupt dem Henker, wenn Ihr so es wollt! + +Ottokar. +Was ist? + +Zawisch. +Die Schärpe fiel. + +Königin (zum Kammerfräulein). +Reich mir die Schärpe! +Die höchste Langmut findet doch ihr Ziel, +Verwegenheit mag es denn gleichfalls finden! +Hier nehmt die Schärpe und gehabt Euch wohl! +(Sie hängt ihm die Schärpe um. Wie sie sich über ihn beugt, faßt Zawisch +ie Schleife an ihrem Ärmel, die Schleife fällt. Zawisch bückt sich rasch +und hebt sie auf.) + +Kunigunde. +Ha, mein Gemahl! +(Ottokar wendet sich nach ihr.) + +Zawisch (der aufgestanden ist und sich gegen die Mitte zurückzieht). +Die Königin, mein König! + +Ottokar. +Was ist? Was willst du, Kunigunde? + +(Pause, während welcher die Königin Zawisch ansieht, der ruhig vor sich +hinblickend dasteht. Sie blickt noch einmal hin, dann:) + +Kunigunde. +Geht Ihr noch heut nach Ribnik auf die Jagd? + +Ottokar. +Wie kommt Ihr auf die Frage? Heute, ja! +Auch bist du ganz verstört. Was war denn hier? +Das Dankerteilen macht dir so viel Müh', +Daß ich in Zukunft dir's ersparen werde! +(Er wendet sich von ihr.) + +Kunigunde (zum Kammerfräulein leise). +Die Schleife soll er geben; geh und sag ihm's! + +(Ottokar ist in Mitte des Saales getreten; die Versammelten bilden einen +Halbzirkel, dessen linkes Ende die Königin, das rechte Zawisch bildet, der, +dem Kammerfräulein ausweichend, bis in den Vorgrund kommt.) + +Ottokar. +Ihr Herrn, wer ist von euch, der einer Sorge, +Und einer drückenden, mich ledig macht? +Der alte Merenberg im Lande Steier, +An mir ist zum Verräter er geworden, +An mir und seinem Land, von dem ich Herr. +Mit Briefen an den Erzbischof von Mainz +Hat er den Sohn nach Frankfurt hingesandt; +Wahrscheinlich unsre Wahl zu hintertreiben, +Der man dort pflegt, zum Kaiserthron der Deutschen, +Und Unruh' anzustiften, Meuterei. +Der Sohn ist zwar entwischt, allein der Vater, +Er soll der Strafe nimmermehr entgehn, +Noch der Enthüllung seiner Spießgesellen. +Der Frevler hat sich auf sein Schloß gezogen, +Das wohl bewahrt ist gegen jeden Angriff; +Wer mir ihn bringt, wer mir ihn lebend bringt, +Was er ob Hochverrat verwirkt, die Lehen, +Sein ganzes Gut, sei des Ergreifers Lohn! +Ortolf von Windischgrätz, du scheinst bereit? + +Füllenstein. +So laßt den zweiten mich sein, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Von meinen Leuten geb ich euch die besten; +Den hier--und den-- +(Im Hintergrunde einzelne Wappner bezeichnend.) + +Kammerfräulein (die von hinten herumgegangen ist, zu Zawisch tretend). +Die gnäd'ge Fürstin zürnt. +Ihr sollt die Schleife geben, läßt sie sagen. + +Zawisch. +Die Schleife? Nun und nimmermehr, mein Kind! +Ich habe sie erobert, und mein Leben, +Den Kopf hier laß ich, doch die Schleife nicht! +(Er zieht die Schleife hervor.) +Sieh her, wie schön! Rot, wie ihr holder Mund, +Und weiß, wie ihres Nackens reines Silber. +Nein, die behalt ich, und auf meinem Sarge +Soll neben Schild und Helm sie prangend ruhn. +Setzt' ich mein Blut nicht ein, um sie zu haben? +Du blutigrote Schleife, du bleibst mein! +(Er hält sie vor sich hin in die Luft.) + +Königin (auf der andern Seite des Theaters). +Wahnsinnig ist er! Himmel, wenn der König-- + +Kammerfräulein (zu Zawisch). +Die Königin macht Zeichen, steckt sie ein! +Der König naht. + +Ottokar (zurückkommend). +Was habt Ihr, Rosenberg? + +Zawisch (hat die Schleife in den Busen gesteckt). +Nichts, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Wie? Nichts? + +Zawisch. +Herr, es gibt Dinge, +Die man mit Recht dem König selbst verbirgt! + +Ottokar. +Ein Liebespfand? + +Zawisch. +Ein Pfand, Herr, das man liebt. + +Ottokar (nach einer Pause der Beobachtung). +Wer hat die Königin heut angekleidet? + +Kammerfräulein. +Ich, gnäd'ger Herr. + +Ottokar. +Seid Ihr so sorglos, Dirne, +Daß einen Arm Ihr nur mit Schleifen ziert, +Indes der andre leer? + +Kammerfräulein. +Gewiß--verloren! + +Zawisch (zum Suchen gebückt). +Man muß sie suchen. + +Ottokar. +Laßt das nur, Herr Zawisch! +Wenn die Versammlung fort ist, macht sich's leichter; +Allein bis abends hoff ich sie zu sehn! +Dem aber, der sie fand, gebt diesen Ring +(Er zieht ihn vom Finger und gibt ihn Rosenberg.) +Im Namen meiner Gattin, seiner Frau: +Denn Königinnen schenken Diamanten, +Doch Busenschleifen nicht.--Euch, Königin, +Bitt ich, in Zukunft Euren Anzug mehr +Und--meiner Würde mehr in acht zu nehmen! +(Zu Zawisch.) +Vergeßt es nicht und richtet's aus dem Finder! + +Kunigunde. +In meinem Namen, Ritter, aber sagt ihm: +Er möge das behalten, was er fand; +Denn was ich schenke, Schleife, Diamant, +Indem ich's schenke, ändert's die Natur +Und ist nur noch der Königin Geschenk. +Auch mög' er sehen, daß ich Herrin bin, +Zu schenken, was ich will; und wenn es mehr +Als Schleife wäre, mehr als Diamant! +(Sie geht ab.) + +Der König (geht einigemal auf und nieder, dann bleibt er vor Rosenberg +stehen). +Was war hier, Rosenberg? + +Zawisch (auf ein Knie niedergelassen). +Zürnt mir mein König? + +Ottokar (ihn betrachtend). +Du solltest töricht gnug sein, meinen Zorn, +Den Zorn des Ottokar auf dich zu rufen +Um einer Laune, eines leeren Nichts? +Wer bist du denn, daß du es wagen solltest? +Ich hauche--und wo war dann Rosenberg? +Ich aber kenne dich als klug!--Steh auf! + +Zawisch. +Nicht wenn Ihr zürnt! + +Ottokar. +Ich sage dir: steh auf! +(Zawisch steht auf.) + +Ottokar. +Ihr aber geht zu meiner Frau und sagt ihr: +Nicht stören möge sie der Gäste Frohsinn +Durch längeres Entbehren unsrer Wirtin! +(Diener ab.) + +Ottokar. +Ihr, Ortolf, also richtet mir ins Werk, +Was Ihr verspracht; den Lohn verbürg ich Euch. +Ich will sie lehren, an das Reich sich wenden! +(Auf die Brust schlagend.) +Hier ist das Reich! + +Diener (kommt zurück). +Die Königin ist unpaß. + +Ottokar. +Ei, derlei Krankheit ist nicht schwer zu heilen! +Geh noch einmal und bitte sie zu kommen. +(Diener geht.) +Und nun, ihr Herrn, hinauf zum Rittersaal! +Und laßt den Tanz, laßt sich das Fest erneun, +Bis an den Morgen rege sich die Lust! +(Zu Füllenstein.) +Vergiß nicht, was ich dir gebot! + +Füllenstein. +Sorgt nicht! + +(Diener zurück.) + +Ottokar. +Nun, kommt die Königin? + +Diener. +Sie will nicht, Herr! + +Ottokar. +Sie will nicht? will nicht, wenn ich es gebiete? +Sag ihr!--Doch laß! Sie wird sich selbst besinnen: +Mit Weiberlaunen hat man billig Nachsicht! +Nur fort, ihr Herrn! + +Der Erste der Reichstaggesandten (die sich unter der Menge befinden). +Mein gnäd'ger Herr und König! + +Ottokar. +Wie, mein Herr Abgesandter, Ihr noch hier? + +Abgesandter. +Noch immer harrend einer gnäd'gen Antwort +Für meine Kommittenten, für die Wahlherrn +Des Heil'gen Röm'schen Reichs. + +Ottokar. +Mein Herr Gesandter, +Die Antwort ist denn auch nicht gar so leicht! +Ich bin ein König über viele Länder, +Zu viel beinah für eines Menschen Kraft. +Nun soll ich mit der Sorge mich belasten +Für noch ein Land, und für ein Land, das selber +Mitsorgen will und sitzen mit im Rat. +Ich bin gewohnt, wenn ich mal sage: Ja; +So gilt's den Kopf, wenn jemand spräche: Nein! +Und was könnt ihr denn eurem Fürsten bieten? +Die Zölle sind versetzt und die Gefälle; +Was nur des Kaisers war, es haben +Im langen Zwischenreich sich die und der +Mit räuberischen Händen drein geteilt. +Soll ich das Mark von meinem reichen Erbland +Nun setzen auf so trügerisches Spiel? +Euch Herrn gefiele wohl, mit meiner Habe +Zu helfen eurer dringend bittern Not; +Doch will ich lieber hier in Böhmen sitzen +Und eines armen deutschen Kaisers lachen, +Als selbst ein armer deutscher Kaiser sein. +Indes verschmäh ich nicht, die höchste Macht +Vielleicht zu krönen mit der höchsten Würde, +Auf Karl des Großen Thron, ein zweiter Karl, +Zu sitzen in des Reiches Vollgewalt: +Doch soll man mir die Kron' erst selber bringen +Und legen auf dem Kissen dort vor mir, +Bevor ich mich entscheide, was geschieht. + +Ich habe meinen Kanzler hingesandt, +Herrn Braun von Olmütz, auf den Tag nach Frankfurt, +Und seht, er schreibt mir, +(er zieht den Brief hervor) daß die Wahl des nächsten +Wird vor sich gehn. Dem Pfalzgraf bei dem Rhein +Trug man den Ausspruch auf im Kompromiß. +Er ist zwar nicht mein Freund; er und der Mainzer, +Sie schmieden Ränke, wie mein Kanzler schreibt; +Allein die deutschen Fürsten wagen's nicht, +Dem Stirnenrunzeln Ottokars zu stehn. +Die Kron' ist mein! das heißt: wenn ich sie mag. +Doch laßt sie hier erst sein, dann will ich sprechen. + +Diener (kommt). +Der Kanzler, Euer Hoheit, Braun von Olmütz. + +Ottokar. +Seht Ihr? er kömmt zurück. + +Diener. +Mit ihm ein Ritter +In lichter Rüstung, Fürsten gleich geziert, +Und zwei Herolde in des Reiches Farben, +Den Adler vor der Brust, die laut Trompeten. +(Trompeten von innen.) + +Zawisch. +Erlaube, königlicher Herr und Kaiser, +Daß wir die ersten deiner neuen Diener-- +(Die ganze Versammlung macht eine Bewegung nach vorn.) + +Ottokar. +Zurück! Wollt ihr dem Reichstagsboten zeigen, +Daß unverhoffte Freud' er überbringt? +Auch wißt ihr nicht, ob ich die Wahl genehm'ge! +(Zu den Gesandten, die sich zurückgezogen haben.) +Wo geht ihr hin? Ich hab euch nicht entlassen! +Nichts ist geschehn, was Störung bringen kann. +Der Mainzer also, sagt ihm's, mag sich hüten! +Denn komm ich an den Rhein, und das soll bald, +Zum Dank für all die frechen Winkelzüge +Treib ich ihn aus von seinem Bischofsitz. + +(Der Kanzler ist indessen eingetreten. Alle umringen ihn mit fragenden +Gebärden; er bleibt im Hintergrunde, die Hände ringend.) + +Ottokar (im Vorgrunde fortfahrend). +Der Pfalzgraf auch bei Rhein steht mir nicht an, +Ich werde seine Kur dem Baier geben. +Noch allerlei will ich in eurem Land, +Und alle, die mir dieses Schreiben nennt-- + +Zawisch (im Hintergrunde losbrechend, doch halblaut). +Die Wahl des Reichs fiel nicht auf Ottokar? + +(Der Kanzler schüttelt mit gefalteten Händen das Haupt.) + +Zawisch. +Auf wen denn sonst? + +Kanzler. +Auf Rudolf, Graf von Habsburg. + +(Unterdessen hat Ottokar den Gesandten den Brief gewiesen, mit dem Finger +einzelne Stellen bezeichnend.) + +Ottokar. +Die müssen fort--seht, der!-- +(Bei der ersten Rede des Kanzlers horcht er, in derselben Stellung +bleibend, nach hinten hin in höchster Spannung. Als jener den Namen +Habsburg nennt, fährt Ottokar zusammen; die Hand, mit der er auf den +Brief zeigt, beginnt zu zittern; er stottert noch einige Worte.) +und der--muß fort! +(Die Hand mit dem Briefe sinkt hinab; mit gebrochenen Knieen steht er +noch eine Sekunde, starr vor sich hin sehend, dann rafft er sich empor +und geht starken Schrittes in sein Zimmer.) + +Zawisch. +Herr Kanzler, sagt, ist es denn wirklich wahr? + +Kanzler. +Nur allzuwahr; der Habsburg Deutschlands Kaiser. + +Zawisch. +Allein wie kam's? + +Kanzler. +Es ging noch alles gut, +Die meisten Fürsten stimmten für den Herrn; +Da kommt mit einemmal der Kanzellar +Des Erzbischofs von Mainz--der hier gewesen-- +Mit ihm ein Wolkersdorf aus Österreich +Und Hartneid Wildon aus dem Lande Stei'r, +Die klagten--still! Der König kömmt zurück! + +Ottokar (kommt aus seinem Gemach). +Sagt meiner Frau, sie soll bereit sich halten, +Ich will noch heut vor Abend auf die Jagd. +(Er geht mit starken Schritten auf und nieder.) + +Kanzler (nach einer Pause). +Ach gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Was ist? (Zusammenfahrend.) Ihr?--Wart Ihr hier? +Vor kurzem hier? + +Kanzler. +Ach ja! + +Ottokar. +Und habt gesprochen? + +Kanzler. +Ja, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Verdammt! +(Wirft ihm den Handschuh ins Gesicht; dann ihn an der Hand in den +Vorgrund führend.) +Was schwatztet Ihr +Von Reichstag und von Wahl? + +Kanzler. +Hier hört es selbst! + +(Der Burggraf von Nürnberg, mit zwei Herolden voraus und mehreren +Begleitern hinter sich, tritt ein.) +(Der König geht ihm mit starken Schritten bis in die Mitte des Saales +entgegen.) + +Ottokar. +Wer seid Ihr, Herr? + +Burggraf. Friedrich von Zollern bin ich, +Burggraf von Nürnberg, abgesandt vom Reich. + +Ottokar. +Glück zu! +(Er kehrt ihm den Rücken und geht wieder in den Vorgrund.) + +Burggraf. +Rudolf, von Gottes Gnaden Kaiser-- + +Ottokar. +Ich glaube, Herr, das Reich will meiner spotten? +Hier stehn noch die Gesandten, die die Krone +Mir anzubieten kamen, und ihr wählt, +Eh' ich entschieden, einen andern? + +Burggraf. Herr, +Der Kanzellar des Erzbischofs von Mainz, +Er hat gemeldet, wie mit schnöden Worten +Von Euch gewiesen Ihr so Kron' als Reich. + +Ottokar. +Ha, frecher Treubruch deutscher Reichsbarone! + +Burggraf. +Beschuldigt Ihr des Treubruchs Deutschlands Fürsten? +So wißt denn, was die Wahl von Euch gewandt! +Wir suchten einen Herrn, gerecht und gnädig, +Als einem solchen bot man Euch den Thron. +Da kam der Ruf, da kamen selber Zeugen, +Die laut es riefen in der Fürsten Ohr, +Wie Ihr getan an Königin Margrethen, +Die Eure Gattin war, die Ihr verstießt; +Wie Ihr die Rechte schmälert jener Lande, +Die rechtlos vorenthalten Ihr dem Reich; +Wie Eure Ungnad' schon ein Halsverbrechen, +Und Strafe trifft, wo noch kein Urteil traf. +Das sind wir nicht gewohnt in Schwaben und beim Rhein, +Wir müssen einen gnäd'gen Fürsten haben, +Vor allem aber soll er sein gerecht. +Dies überlegend, schritten sie zur Wahl-- + +Heinrich von Lichtenstein (hinter der Szene). +Verräterei! + +Ottokar. +Wer ruft? + +Gemurmel (unter den Anwesenden). +Der Lichtenstein? + +Heinrich von Lichtenstein (tritt auf). +Wer Österreicher ist, der sei gewarnt! +Am Ausgang stehn des Schlosses Häscherrotten, +Die fangen jeden, der nicht böhmisch ist. + +Füllenstein (kommt hinter ihm mit gezogenem Schwert). +Gebt Euch gefangen! + +Ottokar (vortretend). +Eure Wehre, Heinrich! +Ihr, Ulrich Lichtenstein, Graf Bernhard Pfannberg, +Chol Seldenhoven, Wulfing Stubenberg, +Ihr gebt die Schwerter und euch selbst in Haft! + +Lichtenstein. +Was taten wir? + +Ottokar. +Damit ihr, Freund, nichts tut, +Send ich euch in die Haft. Damit ihr nicht +Euch flüchtet zu der neuen Majestät, +Wie Wolkersdorf und Wildon, die Verräter, +Und Merenberg--(Mit dem Fuße stampfend.) Wer schafft mir Merenberg? +Sobald er hier aus seinem Felsennest, +Soll euch der Richter gegenüberstellen, +Und wohl dann dem, der sich nicht schuldig fühlt! +(Zu Zollern gewendet.) +Und nun nur weiter fort in unsrer Sache! +(Die Geisel werden fortgeführt.) + +Burggraf. +Der Auftritt hier erspart mir die Erklärung, +Warum die Fürsten, Herr, nicht Euch gewählt. +Und nun zu meiner Botschaft, Böhmens König! +Rudolf, von Gottes Gnaden römisch-deutscher Kaiser, +Entbietet dich auf einen Tag nach Nürnberg, +Daß du dort wartest deines Schenkenamts, +Wie's dir als Kurfürst ziemt des deutschen Reichs, +Sonst auch nach Recht die Lehen dort empfangest +Von Böhmen und von Mähren, die dir zustehn. + +Ottokar. +Wie das? Nicht mehr? Und Österreich und Steier? + +Burggraf. +Und Österreich und Steier, Krain und Kärnten, +Nebst Eger, Portenau, der wind'schen Mark, +Stellst du zurück zu Handen unsers Kaisers, +Als böslich vorenthalten von dem Reich. + +Ottokar. +Ha, ha, ha, ha! 'ne lust'ge Mär fürwahr! +Und sonst begehrt der neue Kaiser nichts? + +Burggraf. +Nur was des Reichs! + +Ottokar. +Herr, es ist aber mein! +Den Ungarn hab ich Steier abgewonnen +Mit meinem Blut, mit meiner Böhmen Blut. +Vererbt ward Kärnten mir von meinem Ohm +Durch gleicher Erbverträge Wechseltausch, +Und Östreich brachte mir zur Morgengabe +Die Königin Margrethe, meine Gattin. + +Burggraf. +Wo ist Margrethe nun? + +Ottokar. +Wenn auch getrennt, +Bestätigt hat sie ihrer Lande Schenkung, +Und mein ist alles, was sonst ihre war. + +Burggraf. +Die Lande Österreich und Steier fallen, +Vermög' dem Majestätsbrief Kaiser Friedrichs, +Wohl an des letzten Lehnbesitzers Töchter, +An seine Schwestern nicht, und Margarethe +Ist nur des letzten Babenbergers Schwester, +Des Herzogs Friedrich, der den Mannstamm schloß. +Des Reiches Lehn vererben nicht, +Durch keine Heirat mag man sie erwerben: +Und so gib wieder, was dem Reich gehört. + +Ottokar. +Ich glaube gern, daß es ihm wohlgefiele, +Dem neuen Herrn, wenn ich die reichen Lande +Ihm sendete nach Schwaben, seinen Säckel +Zu bessern und die dürftig leere Hand; +Allein nicht so! Ich bin nun alt genug, +Um auf Verlust mich zu verstehn und auf Gewinn. +Geht nur zurück und sagt dem deutschen Reich-- +Denn einen deutschen Kaiser kenn ich nicht-- +Manch Geier soll noch Aases werden satt, +Bis sie gewinnen, was des Böhmen ist! +Er ladet mich zu sich? nun wohl, ich komme! +Doch will ich Gäste führen mit zum Tanz, +Daß von der Füße Stampfen weit umhin +Die Erde soll erzittern bis zum Rhein. +Gehabt Euch wohl und sagt das Euerm Herrn! + +Zawisch. +Wir aber wollen zu den Waffen greifen. +Mit Gut und Blut für unsern großen König! +(Er geht, mehrere wollen folgen.) + +Ottokar. +Halt da! Warum nicht gar! Für wen? und gegen wen? +Im Lande soll man handeln und verkehren, +Als wär' der tiefste Fried'. Wenn's an der Zeit, +Will ich schon des Besuches Gäste wählen. + +Und nun mit mir! Der neue Bettelkönig, +Nicht einem Reh soll er das Leben retten! +Auf Ribnik ist für morgen große Jagd; +Ihr alle seid geladen! Lust und Freude! +Bringt Lichter, es wird dunkel. Fackeln her +Und so mit mir! Auf Weidwerk! In den Wald! +(Ab, die übrigen folgen ihm tumultuarisch nach.) + +(Es wird dunkler. Kurze Pause, dann hört man in der Ferne auf einer +Zither spielen.) + +Kammerfräulein (tritt aus der Türe der Königin). +So, sie sind fort! Wer spielt da auf der Zither? + +Kunigunde (kommt). +Was ist? Wer spielt? + +Kammerfräulein (an der Balustrade). +Ich weiß nicht, gnäd'ge Frau. +Horch! Worte? »Hand wie Schnee, und doch so heiß« +Es ist Herr Zawisch Rosenberg. Er singt. +Soll ich ihn gehen heißen? + +Königin (hat sich gesetzt). +Laß ihn nur, +Es hört sich gut zu in der Abendkühle. +(Sie stützt ihr Haupt gedankenvoll in die Hand.) + +(Der Vorhang fällt.) + + + + +Dritter Aufzug + +Gemach in Merenbergs Schlosse. + + +Der alte Merenberg (steht am offenen Fenster, die Mütze zwischen den +gefalteten Händen). +Die Sonne steigt empor. Hab Dank, o Gott, +Des Greisen Dank, für diesen neuen Tag! +Und für den Tag, den du geschenkt dem Lande, +Da du hervorriefst aus des Dunkels Schoß +Mildglänzend Habsburgs leuchtendes Gestirn, +Das wieder grün macht die zerstampften Auen +Und wieder lau die frostdurchschnittne Luft. +O gib, daß wir, der Deutschen Äußerste, +Teilnehmen an dem Heil, das dort entstand; +Daß alle, die wir Österreicher sind, +Entnommen aus des Fremden harter Zucht, +Wie Brüder kehren in der Eltern Haus, +Von eines Vaters Auge fromm bewacht. +Amen, so soll's geschehn!--Wer klopft? + +Frau (von außen). +Ich, Alter! + +Merenberg. +Ei, nur herein! + +Frau (tritt ein mit einer Schüssel und Wein). +Ich bringe dir das Frühstück. + +Merenberg. +Setz immer hin! Wer spricht im Schloßhof unten? + +Frau. +Zwei Reiter, die nach dir verlangten. + +Merenberg. +Nun? +Warum bringt man sie nicht? + +Frau. +Ich dachte-- + +Merenberg. +Was denn? +Bin ich in Fehde denn mit meinen Nachbarn? +Liebt man den Merenberg nicht rings im Land, +Daß vor zwei Reitern ich mich scheuen sollte? +Wer weiß, was Wicht'ges sie zu melden kommen? +Vielleicht von meinem Sohn! Führ sie herauf! +(Frau ab.) +Das hieße sich noch gar verdächtig machen, +Verschlöss' ich mich vor Botschaft und Besuch. +Ob freilich zwar der böse Zeitenlauf +Zur Vorsicht rät und leicht wohl gar zu Mißtraun; +Doch sind mir zwanzig Knechte ja im Schloß! + +(Herbott von Füllenstein und Ortolf von Windischgrätz treten, von Merenbergs +Frau geführt, ein. Beide ganz gerüstet und mit geschlossenem Visier.) + +Merenberg. +Ei, Gott zum Gruß, ihr Herrn! Frau, bring noch Wein! +(Frau ab.) +Was führt euch her zu mir? Zwar, eh' ihr sprecht, +Setzt euch an Tisch und nehmt mit mir vorlieb; +So ist es Sitt' in unserm Steierland. +(Sie setzen sich.) +Beliebt's euch nicht, den Helm vom Haupt zu nehmen? +(Beide schütteln verneinend die Häupter.) +Verbietet's ein Gelübd'?--Doch wie ihr wollt! +Ihr zieht dem Heer des Königes wohl zu?-- +Des Königs Ottokar?--Er lagert an der Donau +Seitwärts Korneuburg, weit bis Tulln hinab +Am linken Ufer, war , mir angesagt. +Und Kaiser Rudolf--nu, den Habsburg mein ich-- +Am rechten Ufer hält er Wien belagert. +Den Fluß zu übersetzen scheuen beide. +Allein ihr sprecht nicht, und ihr eßt auch nicht! + +Beide (aufstehend). +Wir essen mit Verrätern nicht! + +Merenberg (springt auf). +Daß Gott! + +Füllenstein (der das Schwert zieht und sich vor die Türe stellt, das +Visier öffnend). +Erkennst du mich? + +Merenberg. +Herbott von Füllenstein, +(Der andre hat auch das Visier aufgeschlagen.) +Ortolf von Windischgrätz!--Was tut ihr, Herren? +(Ortolf von Windischgrätz ist ans Fenster getreten und stößt ins Horn.) + +Füllenstein. +Im Namen unsers Königs Ottokar +Nehm ich dich in Verhaft als Hochverräter. + +Merenberg. +Warum? + +Füllenstein. +Hast du nicht deinen Sohn gesandt +Mit Klagen an die Fürsten und das Reich? + +Merenberg. +Der Unvorsichtige!--Mit Klagen nicht, +Mit Bitten nur für Königin Margrethe +Und ihres angestammten Rechtes Schutz. + +Füllenstein. +Dient nicht dein Sohn jetzt in des Kaisers Heer? + +Merenberg. +Ich bin verloren! + +Füllenstein. +Ja, das bist du! Folge! + +Merenberg. +Wohin? + +Füllenstein. +Dahin, wo man dich pressen wird, +Bis deiner Ränke letzter dir entgeht. + +Von außen. +Macht auf! macht auf! + +Füllenstein. +Ortolf, bewach die Tür! + +Außen. +Um Gottes willen, öffnet! + +Ortolf. +'s ist dein Knecht, +Der Duxer, Füllenstein! + +Füllenstein. +Was will denn der? + +(Windischgrätz öffnet die Türe, Knecht tritt ein.) + +Knecht. +Herr, Kaiserliche streifen in der Nähe! + +Füllenstein. +Verdammt! + +Knecht. +Sie haben, heißt es, Gräz genommen, +Des Königs Hauptmann; Milota, gefangen, +Und wenden alles Land dem Kaiser zu. + +Füllenstein. +Wie mag das sein? + +Knecht. +Ja, Meinhard Graf von Götz +Soll beigetreten sein der Deutschen Sache, +Und der haust also übel hier im Land. + +Merenberg. +Nun, Gott sei Dank! + +Füllenstein. +Euch soll's nicht helfen, Herr! +Nur fort mit ihm! Ihr wendet eure Schwerter +Auf seine Brust, und wagen's die im Schloßhof +Sich nur zu regen, stoßt ihr stracks ihn nieder! +Die Pfade kenn ich hier herum, ich leit euch! + +Merenberg (der abgeführt wird). +Mein Sohn ist frei, die Königin geborgen; +Was liegt an mir? Da wird der Himmel sorgen! +(Alle ab.) + + + +-------------------------------------------------------------------- + +Böhmisches Lager am linken Donauufer. Zelt des Königs. Ein Tisch mit +einem Aufriß der Gegend im Vorgrunde. +Ottokar tritt auf, der Kanzler und mehrere hinter ihm. + +Ottokar (im Auftreten zu seinen Begleitern). +Ist er geflohn, so laßt den Schurken hängen! +Man hängt ja täglich Diebe. Gottes Donner! +Ein Feiger dünkt mich schlechter als ein Dieb! +(Er kommt in den Vorgrund, der Kanzler folgt ihm.) +Verfolgt Ihr mich denn übrall hin, Herr Kanzler? + +Kanzler. +Ja, überall, mein König und mein Herr, +Bis Ihr mich anhört und mir Antwort gönnt. +Herr, es steht schlimm! + +Ottokar (auf und nieder gehend). +Es steht sehr gut! + +Kanzler. +O Gott! +Die Krankheit herrscht, der Mangel herrscht im Lager. + +Ottokar. +Die Krankheit: Furcht, und Mangel wohl an Mut, +Doch nur bei wenigen, so will ich hoffen, +Und von den wenigen hängt einer drauß'! +Hat man jetzt Zeit, um krank zu sein? Und Hunger? +Ich hungre nur nach einem: nach dem Sieg! + +Kanzler. +Aus Böhmen seit fünf Tagen keine Nachricht, +Und man besorgt-- + +Ottokar. +Wahrscheinlich bin ich dort +So schlecht bedient als hier! + +Kanzler. +Hier seid Ihr gut, +(auf seine Brust schlagend) +Hier mindstens seid Ihr gut bedient, mein König! + +Ottokar. +Mag sein! mag sein! + +Kanzler. +Von Östreich die, von Steier, +Allnächtlich fliehn sie haufenweis zum Feind. + +Ottokar (stehenbleibend). +Ich will sie treffen!--All dies weite Land, +Zur menschenleeren Wüste will ich's machen, +Daß drin die Füchse hausen und die Wölfe, +Und nach Jahrhunderten der müß'ge Wandrer +Sich streiten soll, wo Neuburg stand und Wien. + +Kanzler. +Am linken Ufer schon, auf unsrer Seite, +Will Feinde man sogar gesehen haben. + +Ottokar. +Beinahe glaub ich, daß es mancher wollte; +Doch ist's nicht wahr! + +Kanzler. +Allein die Wachen sahn's. + +Ottokar. +Schickt einen Mutigen, der sieht wohl nichts! + +Kanzler. +Bei Wolkersdorf-- + +Ottokar. +Ich sag Euch: Nein! Ich weiß! +Die Mährer sind's, wenn sich dort Haufen zeigen! +(Er steht am Tisch bei der Karte.) +So war's im Plan! Die Mährer dort von oben, +Im Rücken Milota aus Steiermark, +Und wir, wie Schleien durch die Donau und +Wie Löwen jenseits raus; und dann: (Mit der Hand auf den Tisch +schlagend.) Schlag tot! +Ich habe sie! +(Er geht wieder auf und nieder.) + +Kanzler. +Du allgerechter Gott! +Ich sinne nach, wie wir uns retten möchten, +Und Ihr sprecht nur von Sieg!--Aus Steiermark +Hört ab und zu man wunderbare Dinge. + +Ottokar. +Ei, wundert Euch soviel Ihr wollt, Herr Kanzler! +Dort ist der Milota; ein tücht'ger Mann! +Kein Kopf, doch eine Faust von Stein und Stahl. +Der schlägt Euch zwanzigmal auf einen Fleck +Und frägt nicht, wie's getan. + +Kanzler. +Nun denn, so sei's! +Ich habe mich verwahrt! Als ich Euch sagte: +Herr, traut dem Baier nicht! Ihr trautet doch: +Und nun ließ er den Kaiser durch sein Land. + +Ottokar. +Furcht hat 'ne feine Nase für die Furcht; +Den Baier habt Ihr trefflich ausgewittert! + +Kanzler. +Der Grafenbund in Schwaben ist zerstreut. + +Ottokar. +Der hielt wohl niemals allzufest beisammen! + +Kanzler. +Mit einem Wort. Der Kaiser Rudolf, Herr-- + +Ottokar. +Was Kaiser! + +Kanzler. +Nu, der Habsburg also denn! +Er ist der Mann nicht, den wir sonst ihn glaubten. + +Ottokar. +Mir sollte leid tun, wenn er schlimmer wäre! +Ein Krieger und ein Mann vielleicht; kein König. + +Kanzler. +So dachte mancher, der ihn wählen half; +Doch hat sich's anders, unverhofft bewährt. +In Aachen schon, als man die Lehen gab +Und sich kein Szepter fand--man wollt' ihn stören!-- +Da trat er hin und nahm vom Hochaltar +Ein Kruzifix-- + +Ottokar. +Und gab die Lehn damit? +Wer geben will, der findet leicht ein Werkzeug; +Zum Nehmen rüst' er kräftiger sich aus! + +Kanzler. +Die Ruh' ist hergestellt im weiten Deutschland, +Die Räuber sind bestraft, die Fehden ruhn. +Durch kluge Heirat und durch kräft'ges Wort +Die Fürsten einig und ihm eng verbunden; +Der Papst für ihn. Im Land nur eine Stimme, +Ihn preisend, benedeiend als den Retter. +Als auf der Donau nur allsamt dem Heer +Nach Wien er niederfuhr mit lautem Schall, +Da tönte Glockenklang von beiden Ufern, +Von beiden Ufern tönte Jubelruf +Der Menge, die dort kam und staunt' und kniete, +Wie sie den Kaiser sahn im grauen Röcklein +Am Vorderteil des Schiffes stehn allein +Und freundlich grüßend mit des Hauptes Neigen. +Herr, nennt ihn Kaiser, denn fürwahr er ist's! + +Ottokar. +Sprichst du so warm für ihn? + +Kanzler. +Für Euch wohl wärmer. +Hab ich ihm denn geschworen, so wie Euch? +Doch, daß zwei Herrn, so hoch, so würdevoll, +Sich gegenüberstehn, da's nur ein Wort, +Ein Wort nur brauchte, um sie auszusöhnen-- +Ja, Herr, es ist gesagt! Es sei gesagt! +Und mögt Ihr zürnen, melden muß ich's Euch: +Der Kaiser hat gesendet einen Herold +Und lädt Euch ein zu gütlichem Gespräch. + +Ottokar. +Schweig still! + +Kanzler. +Die Insel Kaumberg ward ersehn; +Von beiden Teilen werde sie besetzt. +Nicht Ihr zu ihm, nicht er zu Euch, +Auf gleichgeteilten Boden sollt Ihr kommen +Und dort verhandeln, was uns allen nützt. + +Ottokar. +Bei meinem Zorn--! + +Kanzler. +Herr, selbst bei Eurem Zorn! +Nicht schweig ich da, wo reden meine Pflicht! + +(Zawisch von Rosenberg kommt.) + +Ottokar. +Du kommst zurecht; beschwicht'ge diesen Raben! + +Zawisch. +Was will er denn? + +Ottokar. +Er spricht mir von Vergleich. + +Zawisch. +Wie? Von Vergleich? der kindisch schwache Greis! +Nur eben hat sich eine Schar Kumanen +Durch eine Furt dem Lager angenaht; +Allein ich ging hinaus mit meinen Böhmen, +Und, wie sie flohn, den Rückweg fand wohl keiner! + +Ottokar (zum Kanzler). +Seht Ihr? + +Kanzler. +Ein einzler Fall entscheidet nicht! + +Zawisch. +Doch viele Fälle fällen doch zuletzt! +Die Axt ist an der Wurzel, losgeschlagen! +(Zum Kanzler.) +Habt Ihr ein Heer wie unsers je gesehn? +Voll Kraft und Mut und Zuversicht und Stolz +Auf sich und auf den Führer, der es leitet. + +Kanzler. +Ihr wißt wohl, Zawisch, daß es anders ist. + +Zawisch (fortfahrend). +Und Ihr könnt von Vergleich und Frieden sprechen? +Sind ihrer viel; wir sind wohl gleicher Zahl! +Sind tapfer sie; wer nimmt es auf mit uns? +Führt sie ein Kaiser; hier steht Deutschlands Kaiser! +Noch diese Schlacht, und, Kanzler, glaubt, er ist's. + +Kanzler. +O Rosenberg, Ihr spielt ein falsches Spiel! +Ich glaub, Ihr seid nicht wahrhaft, Rosenberg! +Ein altes Unrecht, Eurem Haus getan +Von unserm sonst gerechten, gnäd'gen Herrn, +Ich fürcht, es wurzelt tief in Eurem Herzen +Und läßt Euch also sprechen, wie Ihr sprecht. +Glaubt mir, mein gnäd'ger Herr, ich mein es redlich. + +Zawisch. +Die Feinde sind im Nachteil, das ist klar! + +Ottokar. +Das ist nicht klar. Die Waage steht für sie. +Der einz'ge Vorteil--doch der soll entscheiden!-- +Ist, daß Euch Ottokar, und jene Habsburg führt. +(Er tritt an den Tisch und, mit der rechten Hand daraufgestemmt, +betrachtet er die vor sich liegende Karte.) + +Zawisch. +Der Sieg ist unser, glaubt mir das, Herr Kanzler! + +Kanzler. +Und wenn auch! was ist noch damit gewonnen? +Ihr schlagt den Kaiser heut, und übers Jahr +Kommt er herab mit einem neuen Heer. +Die Lande sind nun einmal mißvergnügt, +Bereit zu Aufstand und zu Meuterei, +Sie rufen Euch die Deutschen, eh' Ihr's denkt. +Und stirbt auch Rudolf, fällt er in der Schlacht; +Ein andrer Kaiser fodert Euch dasselbe, +Und ewig währt der Unfried' mit dem Reich. + +Zawisch. +Was mehr? + +Zawisch. +Was mehr? + +Kanzler. +Was mehr?--Und rechnet Ihr für nichts +Das Unheil und die Greuel in dem Land? +Die Saat zerstampft, die Wohnungen verbrannt, +Die Menschen hingeschlachtet wie--daß Gott! +Schämt Euch, Herr Rosenberg, daß Ihr so sprecht! +Hat darum unser König Gold und Gut +Daran gesetzt, sein Böhmen aufzubringen? +Es geht der Pflug, der Weber sitzt am Werk, +Der Spinner dreht, der Berg gibt seinen Schatz; +Und soll er nun mit eigner Fürstenhand +Das all zerstören, was er selbst gebaut? +Ei geht, Ihr wißt nicht, was Ihr sprecht, Herr Zawisch! +Der König kennt das besser, als Ihr glaubt! + +Ottokar (vor sich hin). +Im Grunde waren sie's, die mir den Antrag taten! + +Kanzler. +Wohl waren sie's! + +Ottokar (wieder auf und nieder gehend). +Ist Schmach dabei, trifft sie's! + +Kanzler (mit dankend gefalteten Händen). +Er überlegt! + +Ottokar. +Die Schwäche macht versöhnlich! +Herr Kanzler, um das Kaisertum der Welt +Hätt' ich ihm nicht das erste Wort gegönnt! + +Kanzler. +Die Ehre bleibt; verdoppelt wird der Ruhm. + +Ottokar. +Dem Feind verzeihen; gut! Doch nach der Strafe! +Die Schwäche macht versöhnlich! + +Kanzler. +Gnäd'ger Herr--! + +Ottokar. +Und wahrlich, Zawisch, sehen möcht' ich ihn! +Wie er sich nimmt, dem Ottokar genüber, +Der arme Habsburg in dem Kaiserkleid? +Was er entgegnet, wenn im selben Ton, +Mit dem ich ihm bei Kroissenbrunn befahl: +»Herr Graf, greift an« ich Östreich nun und Steier +Und all die Lehen von dem Reich begehre? +Das hieße siegen, ohne Heer, allein! + +Zawisch. +Dagegen aber, wenn er schlau und listig-- + +Ottokar. +Topp, Kanzler, Euren Vorschlag nehm ich an! + +Kanzler. +O tausend Dank! + +Ottokar. +Ei, dankt nicht allzufrüh! +Nicht ganz in Eurem Sinn ist's, daß ich gehe! +Wenn er so dasteht und nach Worten sucht +Und ich ihm sage: Euren Kaisermantel +Begehr ich nicht, Ihr mögt ihn ruhig tragen! +Doch an mein Land sollt Ihr mir, Herr, nicht rühren; +Und so gehabt Euch wohl und zieht in Frieden! +Aufs höchste gibt man ihm ein Fleckchen Grund, +Daß er daheim sich brüsten mag und sagen: +Das haben wir erobert für das Reich! +Die Freude gönn ich ihm. Glück auf, Herr Kanzler, +Wir ziehen aus auf Frieden und Vergleich; +Da seid Ihr Führer, wir gehorchen Euch! +Und was sich regt im Lager, groß und klein-- +(gegen den Eingang gewendet, einige treten herein) +Das sei bereit und rüste sich in Pracht. +Von Gold und Silber laßt die Rüstung starren; +Und weh dem Edelknecht, des Wams und Mantel +Nicht hundertmal den deutschen Kaiser aussticht. +(Ab, die andern folgen ihm.) + + + +----------------------------------------------------------------------- + +Insel Kaumberg in der Donau. Lager der Kaiserlichen. Im Hintergrunde, +auf einigen Stufen erhöht, ein kostbares Zelt, mit dem Reichsadler +geschmückt. + +Ein Hauptmann tritt auf; hinter ihm mehrere Wappner, die mit gekreuzten +Hallbarten das nachdringende Volk abzuhalten bemüht sind. + +Hauptmann. +Laßt sie nur ein, der Kaiser hat's befohlen! + +(Volk strömt herein.) + +Erster Bürger (der sich mit seinem Nachbar durch die Menge in den +Vorgrund gearbeitet hat). +Hier ist ein guter Platz, hier laßt uns bleiben! + +Zweiter Bürger. +Wenn er nur vorkommt, daß wir ihn auch sehn. + +Frau (zu ihrem Kinde). +Halt dich zu mir und nimm da deine Blumen! + +Schweizersoldat. +Wo ist der Rudi? Herr, ich bin sein Landsmann +Und hab was anzubringen bei dem Kaiser! + +Hauptmann. +Geduldet euch! Doch seht, man öffnet schon. + +(Das Zelt öffnet sich. Kaiser Rudolf sitzt im ledernen Unterkleide an +einem Feldtische. Er hat einen Helm vor sich, an dem er mit einem Hammer +die Beulen ausklopft. Vollendend und zufrieden seine Arbeit beschauend.) + +Rudolf. +Nun hält das lange wieder, ab und zu. +(Er sieht sich um.) +Schon Leute da?--He, Georg, hilf einmal! +(Ein Diener hilft ihm, er zieht den Rock an.) + +Erster Bürger (im Vorgrunde). +Gevatter Grobschmied, saht Ihr wohl? Der Kaiser, +Den Hammer in der Hand! Vivat Rudolphus! + +Zweiter Bürger. +Sei still, sei still! Er tritt schon auf uns zu! +(Der Kaiser kommt die Stufen herab.) + +Seyfried von Merenberg (tut einen Fußfall). +Erlauchter Herr! + +Rudolf. +Ei, Merenberg? Nicht wahr? +Seid ruhig, Euer Vater wird befreit, +Des geb ich Euch mein Wort. Im weiten Reich +Hat Gottes Hilfe hergestellt die Ruh', +So wird's auch hier in Eurem Osterland. +Der Fürst von Böhmen kommt heut zum Gespräch; +Vor allem will ich Eurer da gedenken! +(Merenberg tritt zurück.) +(Ein Kind mit einem Blumenstrauß läuft auf den Kaiser zu.) + +Rudolf. +Wem ist das Kind? Wie heißt du? + +Eine Frau. +Katharina, +Kathrina Fröhlich, Bürgerskind aus Wien. + +Rudolf. +Fall nicht, Kathrina! Ei, was ist sie hübsch! +Wie fromm sie aus den braunen Augen blickt, +Und schelmisch doch. Zierst du dich auch schon, Kröte? +Was wollt Ihr, gute Frau? + +Frau. +Ach Gott, Eu'r Hoheit! +Die Böhmen haben unser Haus verbrannt, +Mein Mann liegt krank vor Kummer und Verdruß. + +Rudolf (zu einem seiner Begleiter). +Schreibt Euch den Namen auf und sehet zu! +(Zur Frau.) +Worin zu helfen ist, da wird man helfen! + +Schweizersoldat (tritt vor, hinter ihm noch drei oder vier andere). +Mit Gunst und Urlaub, gnädiger Herr Landsmann! + +Rudolf. +Ei, Walter Stüssi aus Luzern? Was willst du? +(Zum Kinde.) +Geh nur zu deiner Mutter, Katharina, +Dem Vater wird geholfen, sag ihr das! +(Das Kind läuft zur Mutter.) + +Schweizer. +Ich und die andern da vom Lande Schweiz, +Wir kommen her, ob Ihr die Gutheit hättet +Und gäbt uns etwas Geld! + +Rudolf. +Ja Geld, mein Freund, +Geld ist ein gutes Ding, wenn man nur hat. + +Schweizer. +So habt Ihr keins? Ja so!--Und führt doch Krieg? + +Rudolf. +Sieh Freund, du weißt wohl noch von Hause her, +Gar manchmal hat ein Landwirt auf gespeichert +An Frucht und Futter für den Winter gnug, +Bis voll zur Frühlingszeit. Allein der Frühling +Anstatt im Märzen kommt er erst im Mai, +Und Schnee liegt dort, wo sonst wohl Saaten standen; +Wenn da der Vorrat aufgeht, schmähst du ihn +Als einen schlechten Wirt? + +Schweizer. +Behüte Gott! +Das hat wohl mancher schon an sich erfahren!-- +Und Ihr?--Ja so! (Zu seinen Landsleuten.) Seht nur, er ist der Landwirt, +Und dau'rt der Winter--heißt: der Krieg--so lang, +Und ist die Brotfrucht aufgezehrt:--das Geld. +Nu Herr, wir warten schon noch etwas zu: +Indessen holt man aus des Landmanns Kasten. + +Rudolf. +Wenn ihr nicht bleiben wollt, so geht. +Doch wer sich nicht begnügt mit Lagerzehrung, +Und mir die Hand legt an des Landmanns Gut, +Der hängt, und wär's der Beste! + +Schweizer. +Nu, 'ne Frage +Ist wohl erlaubt. Es ist nur, daß man's, weiß. +Wir wollen zusehn noch ein Tage vier, +Vielleicht wird's besser bis dahin. + +Rudolf. +Das tut! +Und grüßt mir Rat und Bürger von Luzern. +(Der Kaiser wendet sich zu gehen.) + +Ottokar von Hornek (im Vorgrunde tritt aus der Menge). +Erlauchter Herr und Kaiser, hört auch mich! + +Rudolf. +Wer seid Ihr? + +Hornek. +Ottokar von Hornek, Dienstmann +Des edlen Ritters Ott von Lichtenstein, +Den König Ottokar, samt andern Landherrn, +Ohn Recht und Urteil hält in enger Haft. +O nehmt Euch sein, nehmt Euch des Landes an! +Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land, +Wohl wert, daß sich ein Fürst sein unterwinde! +Wo habt Ihr dessengleichen schon gesehn? +Schaut rings umher, wohin der Blick sich wendet, +Lacht's wie dem Bräutigam die Braut entgegen! +Mit hellem Wiesengrün und Saatengold, +Von Lein und Safran gelb und blau gestickt, +Von Blumen süß durchwürzt und edlem Kraut, +Schweift es in breitgestreckten Tälern hin-- +Ein voller Blumenstrauß soweit es reicht, +Vom Silberband der Donau rings umwunden!-- +Hebt sich's empor zu Hügeln voller Wein, +Wo auf und auf die goldne Traube hängt +Und schwellend reift in Gottes Sonnenglanze; +Der dunkle Wald voll Jagdlust krönt das Ganze. +Und Gottes lauer Hauch schwebt drüber hin +Und wärmt und reift und macht die Pulse schlagen, +Wie nie ein Puls auf kalten Steppen schlägt. +Drum ist der Österreicher froh und frank, +Trägt seinen Fehl, trägt offen seine Freuden, +Beneidet nicht, läßt lieber sich beneiden! +Und was er tut, ist frohen Muts getan. +'s ist möglich, daß in Sachsen und beim Rhein +Es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen; +Allein, was not tut und was Gott gefällt, +Der klare Blick, der offne, richt'ge Sinn, +Da tritt der Österreicher hin vor jeden, +Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden! + +O gutes Land! o Vaterland! Inmitten +Dem Kind Italien und dem Manne Deutschland, +Liegst du, der wangenrote Jüngling, da: +Erhalte Gott dir deinen Jugendsinn +Und mache gut, was andere verdarben! + +Rudolf. +Ein wackrer Mann! + +Erster Bürger. +Ja Herr, und ein Gelehrter! +Er schreibt 'ne Reimchronik, und Ihr, Herr Kaiser, +Kommt auch drin vor! + +Rudolf. +Im Guten, will ich hoffen! +Dein Herr, vertrau! er soll die Freiheit haben. +Und du--Zum Angedenken dieser Stunde, nimm +Die Kette da und schmücke dich damit! +Dem Wissen sei sein Lohn und dem Vollbringen! +(Er nimmt eine Kette vom Hals und hängt sie Horneken um, der niedergekniet +ist. Zu einem der Nebenstehenden.) + +Euch, Ritter, scheint die Gunst wohl allzuhoch? +Wenn diesen Mann ich mit dem Schwert berühre, +So steht er auf als Ritter, wie so mancher; +Doch manchen wüßt' ich nicht, womit berühren, +Sollt' er ein Reimwerk schreiben, so wie der. +Doch davon nichts in deine Chronik, Freund! +Das hieße sonst in dir mich selber loben! + +Hauptmann (kommt). +Der König naht von Böhmen, gnäd'ger Herr! + +Rudolf. +Nun, großer Gott, du hast mich hergeführt; +Vollende nun, was ich mit dir begonnen! + +(Man hat rechts im Vorgrunde einen Feldstuhl gesetzt. Der Kaiser setzt +sich, sein Gefolge steht um ihn.) + +(König Ottokar kommt in glänzender Rüstung, darüber einen bis auf die +Fersen gebenden reichgestickten Mantel; statt des Helmes die Krone auf +dem Haupt. Hinter ihm der Kanzler und Gefolge.) + +Ottokar (vom Hintergrunde her auftretend). +Ich suche nun schon lange rechts und links; +Wo habt ihr euren Kaiser, edle Herrn? +Ihr da, Herr Merenberg? Trifft man Euch hier? +Ich denk Euch schon noch anderswo zu treffen! +Nun, wo ist Rudolf? Ah! (Er erblickt ihn und geht auf ihn zu.) Gott grüß +Euch, Habsburg! + +Rudolf (der aufsteht, zu denen, die um ihn stehen). +Warum steht ihr entblößten Hauptes da? +Kommt Ottokar zu Habsburg, Mensch zum Menschen, +So mag auch Hinz und Kunz sein Haupt bedecken, +Ist er doch ihresgleichen: Mensch.--Bedeckt euch! +Doch kommt der Lehensmann zum Lehensherrn, +Der Böhmen pflicht'ger Fürst zu Deutschlands Kaiser, +(Unter sie tretend.) +Dann weh dem, der die Ehrfurcht mir verletzt! +(Mit starken Schritten auf ihn losgehend.) +Wie geht's Euch, Ottokar? was führt Euch her? + +Ottokar (der betroffen einen Schritt zurückgetreten ist). +Zur--Unterredung hat man mich geladen! + +Rudolf. +Ja so, Ihr kommt zu reden in Geschäften? +Ich dacht', es wär' ein freundlicher Besuch! +Zur Sache denn! Wie kömmt's, mein Fürst von Böhmen, +Daß Ihr erst jetzt auf meinen Ruf erscheint? +Ich ließ Euch laden schon zu dreien Malen, +Nach Nürnberg, dann nach Würzburg und nach Augsburg, +Daß Ihr die Lehen nähmt von Eurem Land; +Allein Ihr kamt nicht. Nur das letztemal +Erschien statt Euch der würd'ge Herr von Seckau, +Doch der nicht allzu würdig sich benahm. + +Ottokar. +Die Lehn von Böhmen gab mir König Richard. + +Rudolf. +Ja, der von Kornwall. Ei, es gab 'ne Zeit, +Wo man in Deutschland für sein bares Geld +Noch mehr erhalten konnt' als Lehn und Land! +Doch damit ist's vorbei! Ich hab's geschworen, +Geschworen meinem großen, gnäd'gen Gott, +Daß Recht soll herrschen und Gerechtigkeit +Im deutschen Land; und so soll's sein und bleiben! +Ihr habt Euch schlecht benommen, Herr von Böhmen, +Als Reichsfürst gegen Kaiser und das Reich! +Dem Erzbischof von Salzburg seid Ihr feindlich +Mit Raub und Mord gefallen in sein Land, +Und Eure Völker haben drin gehaust, +Daß Heiden sich der Greuel scheuen würden. + +Ottokar. +Die Fehde ward ihm ehrlich angesagt. + +Rudolf. +Hier aber gilt's nicht Fehde; Ruhe, Herr! +Die Lande Österreich und Steiermark, +Mit Kärnten und mit Krain, der Wind'schen Mark, +Als ungerecht dem Reiche vorenthalten, +Gebt wieder Ihr zurück in meine Hand! +Ist hier nicht Feder und Papier? wir wollen +Die Handfest gleich in Ordnung bringen lassen! + +Ottokar. +Ha, beim allmächt'gen Gott! wer bin ich denn? +Ist das nicht Ottokar? nicht das sein Schwert? +Daß man in solchem Ton zu sprechen wagt! + +Wie aber dann, Herr, wenn, statt aller Antwort, +Der Donau breiten Pfad zurück ich messe +Und weiter frag an meines Heeres Spitze? + +Rudolf. +Noch vor zwölf Monden kamt Ihr mir zurecht, +Wenn Ihr der Waffen blut'gen Ausspruch wähltet! +Ihr seid ein kriegserfahrner Fürst, wer zweifelt? +Und Euer Heer, es ist gewohnt zu siegen; +Von Gold und Silber starret Euer Schatz: +Mir fehlt's an manchem, fehlt's an vielem wohl! +Und doch, Herr, seht! bin ich so festen Muts, +Wenn diese mich verließen alle hier, +Der letzte Knecht aus meinem Lager wiche; +Die Krone auf dem Haupt, den Szepter in der Hand +Ging ich allein in Euer trotzend Lager +Und rief Euch zu: Herr, gebet, was des Reichs! +Ich bin nicht der, den Ihr voreinst gekannt! +Nicht Habsburg bin ich, selber Rudolf nicht; +In diesen Adern rollet Deutschlands Blut. +Und Deutschlands Pulsschlag klopft in diesem Herzen. +Was sterblich war, ich hab es ausgezogen +Und bin der Kaiser nur, der niemals stirbt. +Als mich die Stimme der Erhöhung traf, +Als mir, dem nie von solchem Glück geträumt, +Der Herr der Welten auf mein niedrig Haupt +Mit eins gesetzt die Krone seines Reichs, +Als mir das Salböl von der Stirne troff, +Da ward ich tief des Wunders mir bewußt +Und hab gelernt, auf Wunder zu vertraun! +Kein Fürst des Reichs, der mächt'ger nicht als ich; +Und jetzt gehorchen mir des Reiches Fürsten! +Die Friedensstörer wichen meiner Stimme; +Ich konnt' es nicht, doch Gott erschreckte sie! +Fünf Schilling leichtes Geld in meinem Säckel, +Setzt' ich in Ulm zur Heerfahrt mich ins Schiff; +Der Baierherzog trotzte, er erlag; +Mit wenig Kriegern kam ich her ins Land, +Das Land, es sandte selbst mir seine Krieger! +Aus Euren Reihen traten sie zu mir, +Und Österreich bezwingt mir Österreich. +Geschworen hab ich: Ruh' und Recht zu schirmen: +Beim allessehenden, dreiein'gen Gott! +Nicht so viel, sieh! Nicht eines Haares Breite +Sollst du von dem behalten, was nicht dein! +Und so tret ich im Angesicht des Himmels +Vor dich hin, rufend: gib, was du vom Reich! + +Ottokar. +Die Lande hier sind mein! + +Rudolf. +Sie waren's nie! + +Ottokar. +Mein Weib Margrethe brachte sie mir zu! + +Rudolf. +Wo ist Margrethe nun? + +Ottokar. +Wo immer, gleichviel! +Sie gab mir dies ihr Land! + +Rudolf. +Soll ich sie selber +Als Richtrin stellen zwischen uns?--Sie ist im Lager! + +Ottokar. +Im Lager, hier? + +Rudolf (mit geändertem Tone). +Die Ihr so schwer beleidigt, +An Rechten und an Freuden hart beraubt, +Heut morgens kam sie, milden Sinnes bittend +Um Schonung für den Mann, der ihrer nie geschont! + +Ottokar. +Die Mühe konnte sich die Frau ersparen! +Wo Ottokar, da braucht's der Bitten nicht! + +Rudolf (stark). +Wohl braucht's der Bitten, mein Herr Fürst von Böhmen, +Denn sprech ich nur ein Wort, seid Ihr verloren! + +Ottokar. +Verloren? + +Rudolf. +Ja! von Böhmen abgeschnitten. + +Ottokar. +Indes Ihr Wien belagert, mach ich's frei! + +Rudolf. +Herr, Wien ist über! + +Ottokar. +Nein! + +Rudolf (hinter sich gewendet). +Herr Paltram Vatzo! +Wo ist er? Er begehrte mich zu sprechen; +Der Bürgermeister samt dem Rat von Wien. + +(Paltram Vatzo, Bürgermeister von Wien, mit einigen Ratsgliedern kommt, +die Schlüssel der Stadt auf einem Kissen tragend.) + +Paltram. +In Unterwürfigkeit, mein Herr und Kaiser, +Bring ich die Schlüssel Euch der Stadt von Wien, +Euch bittend, daß Ihr mir nicht zürnt darob, +Weil ich, dem König treu, dem ich geschworen, +Die Stadt gehalten bis auf diesen Tag; +Sie auch, verzeiht! vielleicht noch länger hielt, +Wenn nicht das Volk die Übergab' erzwungen, +Der langen Sperrung müd und der Entbehrung. +(Er legt knieend die Schlüssel zu des Kaisers Füßen.) +Mein Amt, ich leg es mit den Schlüsseln ab, +Doch sollt als treuen Bürger Ihr mich finden. +(Aufstehend.) +Des Landes Herr ist Paltram Vatzos Herr, +Zugleich mit meinem Land ergeb ich mich! +(Er tritt zurück.) + +Ottokar. +Verdammt! O Wiener! Leichtbeweglich Volk! +Hast du für deinen leckern Gaum gezittert? +Doch soll's dich reun! Die Zufuhr sperr ich dir +Aus Klosterneuburg, meiner starken Feste! + +Rudolf. +Auch Klosterneuburg ist in meiner Hand, +Und nichts mehr dein am rechten Donauufer! +Herr Friedrich Pettau, kommt! + +(Friedrich Pettauer tritt vor mit niedergeschlagenen Augen.) + +Ottokar. +Ha, schändlicher Verräter! +So gabst du meine Burg? + +Pettauer. +Nicht ich, o Herr! +Ein rascher Überfall, spät gestern abends-- + +Ottokar. +Genug! Ich weiß, daß ich verraten bin! +Doch triumphiere nicht! Doch spott ich dein! +Aus Steiermark naht mir ein stattlich Heer +Mit Milota, dem treuerprobten Führer; +Im Rücken faßt er deine Mietlingsschar, +Indes, wie Donnerwolken, Ottokar +Von vornehmer die schwachen Halme knickt, +Und kein Entrinnen bleibt als in die Donau! + +Rudolf. +O sprich nicht weiter, allzu rascher Fürst! + +Ottokar. +Erkennst du nun, wie weit du noch vom Ziel? + +Rudolf. +Auf Milota bau deine Hoffnung nicht! + +Ottokar. +Mein Grund steht fest; an dir ist's wohl, zu zittern! +In Waffen sehn wir uns. Leb wohl! + +Rudolf. +Du gehst? +Du gibst die Lande nicht? + +Ottokar (zum Abgehen gewendet). +Ob ich sie geb! + +Rudolf. +Nun wohl, so sprich denn selbst mit Milota, +Ob du mit Grund ihm so viel magst vertraun? + +(Milota tritt auf in Ketten.) + +Rudolf. +So brachten mir die Herren ihn von Steier, +In Ketten, weil er grimmig sie gedrückt. +Nehmt ihm die Fesseln ab!--Hier ist das Banner +Von Steiermark, und hier ist Östreichs Banner, +(Landesherrn von Östreich und Steiermark treten auf des Kaisers Seite vor, +mit Banner und Farben ihres Landes.) +Sie gaben selbst sich in des Reiches Schutz. + +Steht nicht so traurig da, mein Fürst von Böhmen! +Schaut um Euch her! Die Wolken sind entflohn, +Und klar seht Ihr nun alles, wie es ist. +Wenn Österreich verloren-- + +Ottokar. +Ha, noch nicht! + +Rudolf. +Täuscht Euch nicht selbst! Ihr fühlt's in Eurem Innern, +Daß es verloren ist; und zwar auf immer! + +Ihr wart ein mächt'ger Fürst, ein großer König, +Eh' die Gelegenheit des Mehrbesitzes +In Euch entzündet auch den Wunsch dazu; +Ihr werdet's bleiben, mächtig, reich und groß, +Wenn auch verloren, was nicht halten konnte. +Denn Gott verhüte, daß ich einen Finger +Ausstreckte nach dem Gut, das Euch gehört. +Auch könnt' ich's nicht! Euch bleibt ein mächtig Heer, +Zu aller Art des Streites wohlgerüstet, +Und zweifelhaft ist aller Schlachten Glück. +Allein, tut's nicht! Verkennt nicht Gottes Hand, +Die Euch gewiesen, was sein heil'ger Wille. + +Mich hat, wie Euch, der eitle Drang der Ehre +Mit sich geführt in meiner ersten Zeit. +An Fremden und Verwandten, Freund und Feind +Übt' ich der raschen Tatkraft jungen Arm, +Als wär' die Welt ein weiter Schauplatz nur +Für Rudolf und sein Schwert. In Bann gefallen, +Zog ich mit Euch in Preußens Heidenkrieg, +Focht ich die Ungarschlacht an Eurer Seite, +Doch murrt' ich innerlich ob jener Schranken, +Die Reich und Kirche allzu ängstlich setzten +Dem raschen Mut, der größern Spielraums wert. +Da nahm mich Gott mit seiner starken Hand +Und setzte mich auf jene Thronesstufen, +Die aufgerichtet stehn ob einer Welt. +Und gleich dem Waller, der den Berg erklommen +Und nun hinabsieht in die weite Gegend +Und auf die Mauern, die ihn sonst gedrückt; +So fiel's wie Schuppen ab von meinen Augen +Und all mein Ehrgeiz war mit eins geheilt. +Die Welt ist da, damit wir alle leben, +Und groß ist nur der ein' allein'ge Gott! +Der Jugendtraum der Erde ist geträumt, +Und mit den Riesen, mit den Drachen ist +Der Helden, der Gewalt'gen Zeit dahin. +Nicht Völker stürzen sich wie Berglawinen +Auf Völker mehr, die Gärung scheidet sich, +Und nach den Zeichen sollt' es fast mich dünken +Wir stehn am Eingang einer neuen Zeit. +Der Bauer folgt in Frieden seinem Pflug, +Es rührt sich in der Stadt der fleiß'ge Bürger, +Gewerb' und Innung hebt das Haupt empor, +In Schwaben, in der Schweiz denkt man auf Bünde, +Und raschen Schiffes strebt die muntre Hansa +Nach Nord und Ost um Handel und Gewinn. +Ihr habt der Euren Vorteil stets gewollt; +Gönnt ihnen Ruh', Ihr könnt nichts Beßres geben! + +O Ottokar, es war 'ne schöne Zeit, +Als wir, aus Preußen rückgekommen, saßen +Im Söller Eures Schlosses am Hradschin, +Von künft'gen Tagen, künft'gen Taten sprachen! +Bei uns saß damals Königin Margrethe-- +Wollt Ihr sie sehn? Margrethen sehen? + +Ottokar. +Herr! + +Rudolf. +Daß Ihr den Friedensengel von Euch stießt, +Der sanft versöhnend ob Euch wartete, +Die rasche Glut mit Segenswort besprach +Und treulich, eine liebe Schwester, sorgte! +Mit ihr habt Ihr das Glück von Euch verbannt.-- +Ihr seid in Eurem Haus nicht glücklich, Ottokar!-- +Wollt Ihr Margrethen sehn? sie ist im Lager! + +Ottokar. +Nein, Herr! Allein die Lehen will ich nehmen. + +Rudolf. +Von Böhmen und von Mähren? + +Ottokar. +Ja, Herr Kaiser! + +Rudolf. +Dem Reich erstatten--? + +Ottokar. +Östreich, Steiermark, +Was ich vom Reich; was sich von mir getrennt. +Ich habe viel für sie getan! Der Undank, +Der Menschen Schlechtheit ekelt tief mich an. + +Rudolf. +So kommt ins Zelt! + +Ottokar. +Warum nicht hier? + +Rudolf. +Es werden +Des Reiches Lehen knieend nur genommen! + +Ottokar. +Ich knien? + +Rudolf. +Das Zelt verbirgt uns jedem Auge. +Dort sollt Ihr knien vor Gott und vor dem Reich, +Vor keinem, der ein Sterblicher, wie wir. + +Ottokar. +Wohlan! + +Rudolf. +Ihr wollt? Gesegnet sei die Stunde! +Geht Ihr voran, ich folg Euch freudig nach. +Wir beide feiern einen großen Sieg! + +(Sie gehen ins Zelt, die Vorhänge fallen zu.) + +Milota (der zu den Seinigen hinübergeht). +Nun, Gott sei Dank! Das macht mich wieder frei! +Der letzten Zeit will ich mein Tage denken. + +(Zawisch von Rosenberg kommt.) + +Zawisch. +Wo ist der König? + +Milota. +In des Kaisers Zelt; +Er nimmt die Lehn! + +Zawisch. +Ho, ho! und so verborgen? +Das müssen alle sehn, die treuen Herzens sind. + +(Er haut mit dem Schwert die Zeltschnüre ab; die Vorhänge fallen, und +man sieht Ottokarn vor Rudolf knien, der ihn eben mit dem Schwert mit +Böhmen belehnt hat.) + +Zawisch. +Der König kniet! + +Die Böhmen (unter sich). +Der König kniet! + +Ottokar. +Ha, Schmach! +(Er springt auf und eilt in den Vorgrund.) +(Der Kaiser, der ihm folgt, mit der Fahne von Mähren in der Hand.) + +Rudolf. +Wollt Ihr die Lehn nicht auch auf Mähren nehmen? +(Ottokar läßt sich auf ein Knie nieder.) + +Rudolf (indem er ihm die Fahne von Mähren gibt). +So leih ich Euch die Markgrafschaft von Mähren +Und nehm Euch in des Reiches Eid und Pflicht +Im Namen Gottes und durch meine Macht. + +Steht auf, Herr König, und mit diesem Kuß +Begrüß ich Euch als Lehnsmann und als Bruder. + +Ihr aber, die ihr Östreich angehört +Und Lehen tragt von seines Landes Fürsten, +Kommt mit nach Wien, um dort den Eid der Treue, +Den Lehenseid in unsre Hand zu leisten! +Ihr folgt uns doch, geehrter Herr und König? +(Ottokar neigt sich.) +Nun, ich erwart Euch, wenn's Euch wohlgefällt. +Ihr schwingt die Fahnen, laßt den Jubel tönen, +Dem blutlos-schönen Sieg der holden Eintracht! +(Ab mit den Seinigen.) + +(Ottokar steht noch immer mit gesenktem Haupte da.) +(Merenberg, der zurückgeblieben ist, tritt nach einigem Zögern ihn an mit +bittenden Gebärden.) + +Merenberg. +Erlauchter Herr, ich wollt' Euch bitten! + +Ottokar (fährt empor und sieht ihn mit einem grimmigen Blicke an; dann +zerreißt er mit einer Hand die Spange des Mantels, daß er fällt; mit der +andern reißt er von hinten die Krone vom Haupte und stürzt fort, ausrufend:) +Fort! + +(Indem alle ihm folgen, fällt der Vorhang.) + + + + +Vierter Aufzug + +Vor der Burg zu Prag; ein großes Tor mit Fallgattern in der Mitte des +Hintergrundes führt hinein. Daneben ein kleines Ausfallpförtchen, zu dem +einige Stufen hinanführen, das aber verschlossen ist. Rechts im +Mittelgrunde des Pförtners Wohnung mit einem steinernen Tische und +einer Bank. Davor ein Beet mit Blumen. + +Milota und Füllenstein von verschiedenen Seiten. + + +Milota. +Traft Ihr den König? + +Füllenstein. +Nein. + +Milota. +Ich fand ihn auch nicht. + +Füllenstein. +In Znaim verlor er sich von dem Gefolge, +Ein einz'ger Knecht, den man vermißt, mit ihm, +Und irrt seitdem im Land herum von Mähren. +In Kraliz sah man ihn, in Hradisch, Lukow; +Zuletzt in Kostelez, hartbei an Stip, +Da, wo die kleine Wunderquelle fließt, +Zu der die Pilger weitumher sich wenden. +Ein ärmlich Badhaus steht dort in der Tiefe, +Von Menschen abgesondert und Verkehr, +Da hielt er vierzehn Tage sich verborgen; +Ein Ort zum Sterben mehr, als um zu leben! +Und wie die Pilger pflegen dort herum, +Die, eines Wunsches, der sie drückt, gedenkend, +Ein Kreuz von Reisig in den Brunnen werfen +Und aus dem Sinken oder Schwimmen prophezein, +So tat er tagelang und schien betrübt. +Zuletzt erfuhr's der Magistrat von Hradisch +Und ging hinaus, den König einzuholen; +Doch der war nicht mehr da und schon im Weiten. + +Milota. +Und wo er jetzt ist, habt Ihr nicht erfahren? + +Füllenstein. +Man will ihn auf dem Weg gesehen haben +Nach Prag. + +Milota. +Hieher?--ich hoff, er wird jetzt ruhn! +Die stolzen Flügel sind in was gepflückt; +Das Land, das ewig ihn nach außen lockte, +Er hat's zurückgegeben feierlich. +Will er nach Väterweise herrschen hier, +Die Deutschen heißen gehn aus seinem Reich +Und unterm Beistand böhmischer Wladiken +Bedenken seines Volkes wahres Glück: +Vielleicht, daß ich vergesse, was er tat +An mir und meinem Haus.--Geht Ihr zum Kanzler? +So meldet ihm, ein kaiserlicher Herold, +Vollziehung fodernd des geschloßnen Friedens, +Vor allem die Befreiung jener Geisel, +Die noch aus Österreich und Steiermark +Gefangen liegen rings im Land umher, +Ist eingeritten in das Tor von Prag. +Er möge schleunig tun, was man begehrt, +Bevor der König kommt und manches hindert. + +Füllenstein. +Doch wenn der König-- + +Milota. +Tut, was ich Euch sage! + +(Füllenstein ab.) + +Milota. +Wär' nicht das ganze Land mit ihm beschimpft, +Ich wollte lachen, wie erst Zawisch lachte. +Schnell alles angeordnet, eh' er kommt, +Dann hat er zu bestät'gen und--zu schlafen! +(Er geht ins Schloß.) + +(Kurze Pause, dann kommt ein Knappe des Königs, ringsumherspähend, er +ruft in die Szene.) + +Knappe. +So, jetzt ist niemand hier, mein gnäd'ger Herr! + +(Ottokar kommt, in einen dunkeln Mantel eingehüllt, ein schwarzes Barett +mit schwarzen Federn tief in die Augen gedrückt.) + +Diener. +Den Kanzler soll ich holen? Gnäd'ger Herr, +Beliebt Euch lieber nicht ins Schloß zu treten? +(Ottokar schüttelt das Haupt.) + +Diener. +Zwei Tage habt ihr nicht gegessen, nicht +Geschlafen; denkt an Euer teures Leben! +(Der König lacht höhnisch auf.) + +Diener. +Laßt Euch erbitten, geht ins Schloß, mein König! +(Ottokar stampft ungeduldig mit dem Fuße.) + +Diener. +Ich gehe denn! doch laßt Euch nieder, Herr! +(Geht ab ins Schloß.) + +Ottokar. +Ich sollte dich betreten, Schloß der Väter? +Die Schwelle dir entweihn mit meinem Fuß? +Als ich im Sieg, im jubelnden Triumph +Zu dir heranzog durch die lauten Gassen, +Erstrittne Fahnen dir entgegenhielt; +Da machtest du mir deine Pforten auf +Und meine Väter sahn von deinen Zinnen. +Für Helden ward gewölbt dein hoher Bau, +Und kein Entehrter hat ihn noch betreten! + +Hier will ich sitzen, als mein eigner Pförtner, +Und Schande wehren ab von meinem Haus. +(Er setzt sich auf die Stufen am Ausfallstor und verhüllt sein Haupt.) + +(Der Bürgermeister von Prag und einige Bürger kommen.) + +Bürgermeister. +Ei, laßt mich, ich muß eilen in den Rat. +Ein Herold von des Kaisers Majestät +Ist angelangt, da darf man sich nicht säumen, +Denn Böhmen ist nun wieder an dem Reich. +Der König hat es feierlich gelobt, +Den Eid der Treue knieend übernommen. + +Bürger. +Wie, knieend? + +Bürgermeister. +Wohl! im kaiserlichen Lager! +Er lag auf seinen Knien, der Kaiser saß, +Das ganze Heer hat's staunend angesehen. +Was regt sich dort? + +Bürger. +Ein Mann sitzt auf den Stufen. + +Bürgermeister. +Ja, Hochmut kommt zu Fall; ich sagt' es oft! +Seht doch mal hin, wer dort am Tore sitzt! +Verdächtig Volk streift jetzo durch das Land, +Die abgedankten Söldner sind zu scheuen. + +Bürger (kommt zurück). +Ach, Herr! + +Bürgermeister. +Du zitterst ja! + +Bürger. +Es ist der König! + +Bürgermeister. +Der Mann dort auf den Stufen? bist du töricht? + +Bürger. +Er sah mir ins Gesicht. Schaut nur! + +Bürgermeister. +Er ist's! +Wenn er vernommen, was wir hier gesprochen! +Soll ich ihm einen Fußfall tun?--Das Beste, +Wir ziehen uns zurück. Er scheint zu sinnen. +(Sie ziehen sich rechts gegen den Vorgrund.) + +(Benesch von Diedicz und seine Tochter treten rechts im Hintergrunde auf.) + +Benesch (am Stabe, führt Bertan). +Ei, sieh nur, wie die liebe Sonne scheint! +Du mußt einmal ins Freie! Berta komm! +Die dumpfe Stubenluft ist ungesund. +Und tu mir's auch zulieb, und sprich einmal! +Sprich, Berta, sprich! und wär's ein einzig Wort! +Als: ja und nein. Tu's deinem alten Vater! +Sieh, auf Johanni wird's--ich weiß nicht recht +Wie lang, seit du so vor dich siehst und schweigst. +Das ist recht kläglich! Willst nicht reden, Berta? +Ich hörte lieber dich im Fieber rasen, +Als jetzt den langen Tag kein einzig Wort. +Ei, was vergangen ist, das ist vergangen! +Wir denken nicht mehr dran, und so ist's gut. + +Bürgermeister. +Still! + +Benesch. +Nun, sie schweigt ja leider ohnehin! +Herr, Tag für Tag, und öffnet nicht den Mund! + +Bürgermeister (leise). +Dort sitzt der König! + +Benesch. +Wo? + +Bürgermeister. +Dort auf den Stufen! + +Benesch. +Ei, Berta, sieh, dort sitzt der böse König, +Der dir so weh getan, du armes Kind! +Ei, sprich einmal und schmäl ihn tüchtig aus. +Sag: arger Mann, ich freu mich deines Leids, +Du hast's um mich verdient und meinen Vater. + +(Berta hebt eine Handvoll Erde auf und wirft damit, wie Kinder pflegen, +gerade vor sich hin, ohne zu treffen.) + +Benesch. +Ja, wirf ihn nur! o daß es Dolche wären! +Wirf, Berta, wirf! den argen, bösen Mann. +Doch Gott hat unsre Rach' auf sich genommen: +Gekniet hat er vor seinem ärgsten Feind, +Vor einem Mann, den er sonst wohl verachtet, +Im Angesicht des Heers hat er gekniet. +Ei, rüttle dich, ich fürchte mich nicht mehr! +Ist doch ein Höherer, der dich bezwingt. +Mach erst, daß mir mein Kind da wieder spricht, +Dann laß mich töten, mich bekümmert's wenig. + +(Die Königin kommt mit Zawisch und Dienern.) + +Kunigunde. +Wer ließ den Aberwitz da vor die Tür? +Hab ich Euch nicht gesagt, Ihr sollt sie hüten? + +Benesch (der fortgeführt wird). +Nu, Berta, komm! er hat doch auch sein Teil. (Ab.) + +Kunigunde. +Ihr auch fort, alles fort, was Augen hat! +(Alle geben, bis auf sie und Zawisch.) + +Kunigunde. +Wir sind allein! allein mit unsrer Schande! +Wollt Ihr Euch nicht erheben, großer König, +Und große Worte geben, wie ihr pflagt? + +Sieh hin, da sitzt der Stolze, Übermächt'ge, +Dem sonst die Welt zu klein für seine Größe; +Da sitzt er wie ein Bettler vor der Tür +Und holt ein »helf euch Gott!« sich und Verachtung. +Der Mann, der Kronen trug, als wären's Kränze, +Und, wenn die eine welk ward, neue flocht +Aus frischgeschnittnen Blumen fremder Gärten. +Das Leben Tausender in seiner Hand, +Es hinsetzt', wie zum fröhlich leichten Brettspiel, +Auf das von Blut und Staub geteilte Feld +Und ausrief: Schach! als wenn es Steine wären, +Vom Künstler plump geformt aus totem Stoff, +Und Roß und Reiter zubenannt zum Scherz. +Der selbst mit der Natur im Streite lag, +Und wenn er morgens ausritt auf die Jagd +Und sah den Himmel überdeckt mit Wolken, +So sprach er: Wart! rief nach dem Meister Maurer, +Und hieß ihn, mit dem neuen Kirchenbau +In Güldenkron nicht allzusehr zu eilen. +Da sitzt er und starrt leblos auf den Grund, +Den er zuvor gestampft mit stolzen Füßen! + +Zawisch. +Ei, gnäd'ge Frau, das Glück ist eben rund! + +Kunigunde. +Was andre bindet, das war ihm ein Spiel! +Sein Weib Margrethe stieß er fort von sich:-- +Weiß Gott, sie war für ihn, die Alternde, +Die Königin des Jammers stand ihm wohl!-- +Und fern aus Ungarn holt' er ein Gemahl. +Was kümmert's ihn, ob sie vielleicht schon längst +Nach einem andern hingewandt den Blick? +Ob grade damals ein Geringerer, +Und doch viel Größrer warb um ihre Hand?-- +Ein unbezwungner Führer der Kumanen +Wiegt einen dienstbarn Böhmenkönig auf!-- +Was kümmert's ihn! er will ein Weib und Erben, +Mag brechen, was da bricht; und damit gut! +Ein kräftig freies Wesen kam ich her, +Gar würdig wohl des Jünglings zum Gemahl, +Und fand--ei nun, den König Ottokar! +Nicht ganz so kläglich, als er jetzt dort brütet, +Doch nicht viel besser, weiß der große Gott! +Von Rat und Meinung hielt er mich entfernt, +Wie eine Magd viel mehr als eine Fürstin. +Er nur allein, er wollte Herrscher sein. + +Zawisch. +Ei, gnäd'ge Fürstin, herrschen ist gar süß; +So süß fast als--gehorchen, und man teilt's nicht! + +Kunigunde. +Er hat geherrscht; fürwahr, er hat geherrscht! +Wie eine Seifenblase ist's zerronnen! + +Und reden konnt' er, groß und fürstlich reden! +Was nicht gewesen noch und niemals wurde, +In seinem Munde war's! Als der von Nürnberg +Vom Kaiser ihm die erste Botschaft brachte, +Wie er da sprach, wie er sich fürstlich nahm! +Nicht eine Stadt, kein Haus, nicht eine Scholle +Gab er dahin von Östreichs weitem Grund; +Und wenn's die Ärzte hundertmal geschworen, +Des Kaisers hohes Leben hinge dran, +Kein Blättchen Safran, den sie dort gewinnen! +Auf unsern Steppen ist ein Tier, heißt Maultier, +Wenn das den Wolf von weiten kommen sieht, +So röhrt es laut, schlägt aus nach allen Seiten, +Die Erde wirft's in weiten Wirbeln auf; +Doch naht der Wolf, da bleibt es zitternd stehn +Und läßt sich ohne Widerstand erwürgen. +So fast hat dieser König auch getan! +Mit großen Worten zog er aus ins Feld, +Die halbe Welt in seinem Heer versammelt. +Von Polen, Valben, Tartarn, Deutschen, Böhmen +Vermischten sich die Stimmen in dem Lager, +Und Östreich war zu klein für ihre Zahl. +Doch als des Streites ernste Stunde kam, +Da fehlte Herz für so viel rüst'ge Arme; +In seines Feindes Lager--Rosenberg! + +Zawisch. +Erlauchte Frau! + +Kunigunde. +Habt Ihr schon je gekniet? +Vor Frauen nicht--vor Männern schon gekniet? +Um Sold, um Lohn, aus Furcht, vor Euresgleichen? + +Zawisch. +Ich nicht. + +Kunigunde. +Und würdet's nie? + +Zawisch. +In meinem Leben! + +Kunigunde. +Er aber hat's getan! vor seinem Feinde, +Vor jenem Mann gekniet, den er verachtet, +Der einst ihm dienstlich war, und wenn er sprach: +Komm her! so kam er, und sprach er: geh hin! +So ging er und beeilte sich gar sehr! + +Zawisch. +Erlauchte Königin, es war nur Scherz! +Scherz unter guten Freunden. Seht, der Kaiser, +Er wollte seine Macht den Leuten zeigen, +Da bat er unsern König, und der tat's. + +Kunigunde. +Ich aber will nicht heißen: Knechtes-Frau; +Nicht eines schnöden Dienstmanns Bette teilen; +Will nicht, wenn mich der Kaiser heischt nach Wien, +Die Schleppe tragen seiner Gräfin Hausfrau; +Will nicht vor Rudolf knien, wie er getan. +(Der König springt auf.) + +Kunigunde. +O springt nur auf; ich fürcht Euch wahrlich nicht! +Soll ich die einz'ge sein von Mann und Frau, +Die noch vor Ottokar, dem König, zittert? +Gebt mir Geleit, ich will nach Ungarn heim, +Dort wahrt man eines Königs Ehre besser. +Ihr, Rosenberg, den Arm! und nichts mehr weiter +Von jener Schmach, die Ihr mit angesehn! + +Zawisch (indem er sie abführt). +Es war nur Scherz! Wir fanden's alle lustig, +Nicht bloß der Kaiser; freilich der am meisten. +Und gut sah es sich an, man muß gestehn! +(Sie gehen ab.) + +Ottokar. +Zawisch! + +Zawisch (zurückkommend). +Was wollt Ihr, Herr? + +Ottokar. +Dein Schwert! + +Zawisch (indem er es gibt). +Hier ist es! + +Ottokar (zum Stoß ausholend). +Verräter! + +Königin (ruft inner dem Schloßtore). +Rosenberg! + +Ottokar. +Hier nimm dein Schwert und geh! + +Zawisch. +Ei, schönen Dank! hier ist nicht gut zu weilen. +(Ab, der Königin nach.) + +Ottokar (nachdem er eine Weile starr auf den Boden gesehen hat). +Ist das mein Schatten?--Nun, zwei Könige! +(Trompeten von innen.) +Man kommt, man naht! Wohin verberg ich mich? +(Er hüllt sich in seinen Mantel und zieht sich zurück.) + +(Ein kaiserlicher Herold kommt mit zwei Trompetern. Hinter ihm die +befreiten östreichischen Geisel, worunter der alte Merenberg. Volk +dringt nach. Der Kanzler im Wortwechsel mit dem Herold.) + +Kanzler. +Ich protestier im Namen meines Königs! + +Herold (die Urkunde in der Hand). +Artikel drei des fei'rlichen Vertrags +Besagt: Die Geisel werden freigegeben, +Und so, in Vollmacht kaiserlicher Hoheit, +Sprech ich die Freiheit dieser Männer an +Aus Östreich und aus Steier, Untertanen +Des Kaisers und des Reichs zu dieser Frist. +Zugleich begehr ich gänzliche Vollziehung +Des Friedens, der bis jetzt nur halb erfüllt. +Noch immer lieget böhmische Besatzung +Im Lande hie und dort von Österreich; +Auch Heinrich Kuenring, eurer Sache treu, +Haust übel in dem Land jenseits der Donau, +Still unterstützt vom nachbarlichen Mähren. +Es soll nicht sein, befiehlt mein Herr und Kaiser! +Es abzustellen komm ich her nach Prag. + +Kanzler. +Man wird dem König es erst melden müssen. + +Herold. +Wozu? Ist nicht der Kaiser Lehensherr? +Derlei ist im Vasalleneid bedungen. + +Kanzler. +Der Kaiser, seinerseits, hat auch noch nicht +In allem dem Vertrag genug getan! +In Mähren stehn noch kaiserliche Völker. + +Herold. +Sie werden abziehn, wenn ihr euch gefügt. + +Kanzler. +Warum soll Böhmen denn zuerst erfüllen? + +Herold. +Beglückt, wer hat, das ist ein alt Gesetz. + +Kanzler. +So nennt Ihr das Gesetz? Das ist Gewalt. + +Herold. +Nennt's, wie Ihr wollt, nur handelt, wie Ihr müßt. + +Kanzler. +Ich kann Euch nichts versagen, nichts gewähren. +Der König, sagt man, ist in Prag, er selbst +Kann nur ob Eurer Forderung entscheiden. + +Herold. +So führt mich denn zu ihm! + +Kanzler. +Auch das nicht jetzt! +Er ist in Prag, doch Näh'res weiß man nicht. + +Herold. +Nun wohl, so stoßt denn ihr in die Trompeten, +Daß sich der Hall verbreite durch die Stadt +Und König Ottokarn verkündet werde, +Daß Boten da von seinem Lehensherrn. + +(Ottokar tritt aus dem Volke, er hat den Mantel weggeworfen.) + +Ottokar. +Hier ist der König! Was verlangt Ihr? + +Herold. +Herr, +Man weigert mir die Freiheit dieser Männer! + +Ottokar. +Wer weigert? + +Herold (auf den Kanzler zeigend). +Hier! + +Kanzler. +Nur, Herr, bis du genehmigt. + +Ottokar. +Sie bürgten mir für ihres Landes Schuld; +Der Schuldbrief ist erlassen, nehmt das Pfand! +Zwar dort seh ich ein Angesicht, das fast +Mich reuen machen könnte solch ein Wort. +Verbirg dich, Merenberg! Du bist kein Geisel, +Ein überwiesener Verräter bist du, +Der erste, der voranging mit Verbrechen. +Verbirg dich! denn im Innern kocht es auf +Und lechzt zu kühlen sich in deinem Blut! + +(Merenberg zieht sich hinter zwei andere Geisel zurück.) + +Ottokar. +Was sonst? + +Herold. +Die Räumung Östreichs wird begehrt. + +Ottokar. +Es ist geräumt! + +Herold. +Nicht ganz. + +Ottokar. +Es soll geschehn! +Bedungen ward's im Frieden, und so sei's. + +Herold (ausrufend). +Wer sonst noch Fordrung hat an Böhmens Krone, +Ein vorenthaltnes Recht, erwiesner Schade; +Wer Lehn zu nehmen hat vom deutschen Reich, +Ich lad ihn auf das Rathaus, wo der Pfalzgraf +Zu Recht wird sitzen und die Lehn erteilen. +Vivat Rudolphus, römisch-deutscher Kaiser! + +(Herold ab, Das Volk tumultuarisch ihm nach. Nur der Kanzler bleibt.) + +Ottokar. +Sie folgen alle? Lassen mich allein? +(Zum Kanzler.) +Bist du mein ganzer Hof?--Ha, Ottokar! +Verachtet von dem Letzten meiner Diener, +Verhöhnt von meinem Weib, mit Recht verhöhnt, +Wie Wild gehetzt, von Haus und Bett vertrieben! +Ich kann's nicht tragen, kann nicht leben so! +Hinausgestrichen aus der Fürsten Zahl, +Ein Dienstmann dessen, der mir sonst ein Spott; +Und ungestraft, mein lachend, ziehn die Frechen, +Die mich verraten, fort aus meiner Haft. +Horch! + +(Man hört in der Entfernung den Herold seinen Ausruf wiederholen.) + +Ottokar. +Vivat Rudolphus? In der Hölle leb' er! +Ruf mir den Herold! + +Kanzler. +Ach, mein gnäd'ger König! + +Ottokar. +Ruf mir den Herold oder zittre, Knecht! (Kanzler ab.) +War's besser nicht, zu fallen in der Schlacht, +Der letzte meiner Krieger neben mir? +Sie haben mich verraten, überrascht. +Ein dunkler Nebel schwindet von der Stirn; +Ich hab geträumt: wie kühle Morgenluft +Kommt mir Erinnerung und läßt mich wachen. + +Mit einem Heer zog ich an Donaustrand +Und schlug ein Lager, so weit reicht die Denkkraft; +Von da an Nacht! Was weiter dann geschehn, +Wie sie mich lockten in des Kaisers Zelt, +Wie dort--Ha, Tod und Teufel! Töten will ich +Den letzten, der's mit angesehn! +Mich selber, wenn ich nicht verlöschen kann +Das Angedenken jener blutigen Schmach! + +(Der Herold mit den Geiseln kommt zurück.) + +Herold. +Ihr ließt mich wieder rufen, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Fürs erste merket, daß in niemands Namen, +Als in dem meinigen man Ausruf tut +In meiner Pragerstadt! + +Herold. +Allein-- + +Ottokar. +Genug! +Dann laßt die Geisel sich in Reihe stellen, +Man muß erst untersuchen, ob kein andrer, +Der Haft Entsprungner sich mit ihnen rettet. + +Herold. +Dagegen bürgt des Reiches Würde zwar; +Doch stellt euch in die Reihe, wenn's beliebt. + +Ottokar (die Reihe hinauf gehend). +Du magst nur gehn, und du!--Bist du so schmuck, +Herr Ulrich Lichtenstein? Du freust dich wohl, +Weil du nun ledig? Nu, ich gönn es dir. +Du hast mich nicht geliebt; je, ich dich auch nicht! +Das macht uns wett. Zieh immer hin! +Doch da ist einer, den ich sprechen muß. +Gott grüß dich, Merenberg, du Schurk' und du Verräter! + +Kanzler. +Wenn er nur schweigt, nur nimmer widerspricht! + +Ottokar. +Wie geht's denn deinem Sohn im Dienst des Kaisers? +Ein wackrer Junge, der schlägt nicht von Art! +Du hast ihn noch zur rechten Zeit gerettet, +Da es mit Ottokar schon abwärts ging. +Als ich das letztemal ihn sah, versprach ich +Ihm Kunde bald von mir und auch von dir; +Wie wär's, wenn ich ihm jetzt ein Briefchen schriebe: +Der alte Schurk', dein Vater, lebt nicht mehr! +(Zum Herold.) +Das ist kein Geisel, ist ein Hochverräter +Und kann mit jenen andern dort nicht gehn! + +Herold. +Gerade den befahl mein Herr, der Kaiser-- + +Ottokar. +Gerade den befiehlt sein Herr, der König-- +(Zu Merenberg.) +Du warst der erste, du hast angefangen, +Das Beispiel du gegeben von Verrat. +Nach Frankfurt schriebst du Klagen und Beschwerden, +Da wählten sie den Habsburg, meinen Feind! + +Merenberg. +Beschwerden nicht! + +Ottokar. +Nu, Lob doch auch nicht, Bruder! +Als erst dein Sohn in meines Gegners Heer, +Da folgten ihm von Österreich die andern +Und haben an der Donau mich verraten, +Mich preisgegeben, ihren rechten Herrn! +Weißt du, wo deinen Sohn ich sah zuletzt? +Es war bei Tulln, im kaiserlichen Lager, +Wo König Ottokar--Tod und Verdammnis!-- +Vor seinem Feind--in Knechtesart--im Staub-- +Lösch aus, Erinnerung, in meinem Haupt, +Senk, Wahnsinn, dich herab auf meine Stirn +Und hüll in deine Wogen, was geschehn! +Wo König Ottokar--warum nicht sagen, +Was alle Welt gesehn?--vor seinem Feind gekniet! +Und dieses Mannes Sohn, er stand dabei +Und lachte!--Darum mußt du sterben, Mann! +Die andern mögen gehn, der eine bleibt! + +Merenberg. +Gerechter Gott! + +Herold. +Bedenket, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Bedenket lieber Ihr, vorlauter Herr! +Daß, wenn Ihr nicht in diesem Augenblick-- +Doch zieht in Frieden und laßt mich gewähren; +Noch bin ich Herr in diesem meinem Land. + +Merenberg. +Die Steiermark gehorcht nunmehr dem Reich! + +Ottokar (zum Herold). +Er war mein Untertan, als er an mir gefrevelt, +Als meinen Untertan bestraf ich ihn! +Werft ihn in tiefsten Turm, und wer mir meldet: +Der Merenberg ist tot, der sei willkommen! + +Herold. +Der Kaiser aber-- + +Ottokar. +Herr, sagt Eurem Kaiser: +Er soll in Deutschland herrschen nach Gelust! +Was ich versprach, ich hab es ihm gehalten, +Obgleich verraten, überlistet, hintergangen, +Ich hab's gehalten, weil ich es versprach.-- +Doch sagt ihm: hier im Busen poch' ein Mahner, +Der immer zuruft: Nimm, was man dir stahl! +Des Königs Ehre rett'! Die Ehre eines Königs +Steht nicht um tausend Menschenleben feil. +Man hat dich an der Donau überlistet, +Versuch, ob in Gewalt er auch obsiegt! +Das sagt ihm, Herr! und weiter sagt ihm noch: +Der Friede ist erfüllt, er hat das Land, +Die Geisel send ich ihm, er ist befriedigt; +Doch mög' er hüten sich, in Böhmen mir +Ein Wort zu reden, das mir nicht gefällt, +Sich einzumengen hier in mein Geschäft, +Sonst wollt' ich ihm--allein sagt ihm doch lieber: +Er mög' es tun, er möge Trutz mir bieten, +Mit einem Heer mir fallen in das Land, +Daß ich den Haß, den heißen Grimm mag kühlen +Im Blut, das seinem Herzen fließt zunächst. +Lügt mir zulieb, ich hätt' auf ihn geschmäht, +Genannt ihn einen eingedrungnen Herrscher, +Der mir gestohlen, was mein eigen war; +Gelacht des Herolds, den er mir gesandt, +Den Mann, den er beschützt, zum Tod verdammt-- + +Herold. +Das könnt Ihr nicht! + +Ottokar. +Ich kann es, denn es ist. + +Herold. +Kraft dieses Briefs-- + +Ottokar. +Verdammt sei dieser Brief! +Willst du mit Briefen mich und Worten meistern? +Noch hab ich Schwerter, noch ist mir ein Heer, +Das unbesiegt, du siegtest nur mit Ränken, +Und reißen will ich diese Ränke, wie ich +Den Brief zerreiße, den du dir erschlichst. +(Er hat dem Herold den Brief entrissen.) +Sieh her! +(Im Begriff, die Urkunde zu zerreißen, hält er plötzlich inne.) + +Kanzler. +O Gott, was sinnt er? Teurer, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Ruft mir mein Weib, die Königin! +(Diener ab.) +Vor aller Welt ward Ottokar beschimpft, +Vor aller Welt muß er auch rein sich waschen! +Sie hat den gift'gen Stachel mir gesenkt +In meine Brust; sie mag zugegen sein, +Wenn ich ihn ausziehe oder im Bemühn +Ihn drücke in das Innerste des Lebens! + +(Die Königin kommt.) + +Kunigunde. +Was ist? + +Ottokar. +Ihr habt mich, kurz erst, hart gescholten, +Daß ich, um Blut zu schonen, nachgegeben +Und eingeräumt dem Kaiser Gut und Land. + +Kunigunde. +Ich schelt' Euch noch! + +Ottokar. +Seht hier in meiner Hand +Den Brief, der an den Kaiser mich gebunden. +Zerreiß ich ihn, ist auch das Band zerrissen, +Das jetzt mich hält; frei bin ich wie zuvor. +Zerreiß ich ihn? + +Kunigunde. +Kein Mut'ger zweifelt da! + +Ottokar. +Doch hört! Aufs neue rast der Teufel Krieg; +Aufs neue dampft das Land in Rauch und Blut. +Und eines Morgens, leicht kann es geschehn, +Bringt man Euch auf der Bahre den Gemahl. + +Kunigunde. +An Eurem Sarge will ich lieber stehn, +Als mit Euch liegen, zugedeckt von Schande! + +Ottokar. +So stark? Ein Tröpflein Milde täte wohl! + +Kunigunde. +Solang Ihr Euch nicht von der Schmach gereinigt, +Betretet nicht als Gatte mein Gemach. +(Zum Abgehen gewendet.) + +Ottokar. +Bleibt noch! Seht her! der Brief, er ist zerrissen! +(Er zerreißt den Brief.) +Die Ehre ganz, und auf der Zukunft Tor! +Was draus erfolgt, wir wollen's beide tragen! +Gott gönn Euch was von dem, was hier erwacht, +(Auf seine Brust zeigend.) +Und gebe mir die Kraft, die Ihr bewiesen! + +Kunigunde. +Nun erst willkomm ich Euch! + +Ottokar. +So nicht! so nicht! +Ich sehe Blut an deinen weißen Fingern, +Zukünft'ges Blut! Ich sag: berühr mich nicht. +Gott hat das Weib aus weichem Ton gemacht +Und: Milde zugenannt; was bist denn du? +Wird mein Gedächtnis wach erst und erzählt, +Wie du den König, da er kam, empfingst, +Den Gatten, da er rückgekehrt nach Haus-- +Geh fort! Ich fühle, daß sich mir die Sehkraft schwächt, +Das ist ein Zeichen, daß es Zeit zu gehn. +Geh fort! Fort, sag ich! Fort! (Die Königin geht ab.) Es ist vorüber! + +Ottokar (zum Kanzler, den er angefaßt hatte). +Schein ich dir hart? Sie war mir auch nicht gütig! +Das geht so her und hin; Gott zieht die Rechnung! +Euch, Herold, halt ich nun nicht länger mehr! +Sagt Eurem Herrn, was Ihr mit angesehn! +(Gegen Merenberg.) +Mit dem in Turm! Was schützte vor Verrat, +Als die Bestrafung früherer Verräter? +Wer bauen will, der reutet seinen Grund, +Drum fort, du böses Schlingkraut, gift'ge Ranke! + +Merenberg. +Zu rascher König, mich schilt nicht Verräter! +Die sind's, die deinem Throne stehn zunächst, +Die Rosenberg, die-- + +Ottokar. +Kannst du auch verleumden? + +Merenberg. +Ach, der mich hält und mich zum Kerker führt, +Er ist des Kerkers würdiger als ich! + +Ottokar. +Kein Böhme hat noch seinen Herrn verraten! +Jetzt bin ich deines Frevels erst gewiß! +In Turm den Lästerer! + +Merenberg (der abgeführt wird). +Zu spät wirst du bereun! + +Ottokar. +In Turm! + +Milota. +Und schweigt er nicht, stopft ihm den Mund! + +(Merenberg wird abgeführt; Herold folgt.) + +Ottokar (unter die Seinen tretend). +Kein Böhme hat noch seinen Herrn verraten; +Was auch der Lästrer spricht, ich bin gewiß! +Nun im Begriff, zu gehn in einen Krieg +Für unsers Landes Ruhm und seine Macht, +Vertrau ich euch, wie ich mir selbst vertraue. +Wer mißgesinnt ist, wer mein Tun nicht billigt, +Der schließe frei sich aus von unserm Zug, +Kein Nachteil soll ihn treffen oder Vorwurf. +Wer aber gern mir folgt und denkt wie ich, +Den drück ich an mein Herz und nenn ihn Bruder! +Den Eid, den ich am Krönungstage schwur, +Bei meines Vaters Sarg, ich wiederhol ihn: +Treu bis zum Tod! Tut ihr dasselbe! +Die Welt ist voll von Bösen und von Argen; +Erneut den Schwur auf eures Königs Schwert. + +(Er hat von einem der Umstehenden das Schwert genommen, die Vordersten +knieen nieder.) + +Kniet nicht! Steht auf! Ich kann nicht knieen sehn!-- +Und schwört auch nicht!--Denn man kann knien und schwören +Und doch das Wort nicht halten, das man gab. +Ich will euch so vertrauen, ohne Schwur!-- + +Und nun ans Werk! Du gehst zu Herzog Heinrich +Nach Breslau! ihn und Prinik, den von Glogau, +Du ladest sie zur Heerfahrt hier nach Prag. +Du gehst nach Deutschland, und aus Meißen, Sachsen, +Von Magdeburg, dem Markgraf mit dem Pfeil, +Sprichst du den Beistand an, den sie mir gönnen. +(Zum Kanzler.) +Ihr schreibt mir an die andern Herrn und Fürsten! +Wir wollen eine Schar zusammenlegen, +Daß sich der Kaiser drob verwundern soll! +Ich bin noch Ottokar, man soll schon sehn! +Ihr alle leiht mir euren kräft'gen Arm! +Was ihr verlort an Gütern und an Schlössern, +Was ich euch abnahm und zur Krone schlug, +Ich geb es wieder, geb euch mehr dazu. +Den Rosenbergen sei ihr Frauenberg, +Auch Aussig, Falkenstein. Dir, Neuhaus, Lar; +Nehmt Laun, Ihr Zierotin; Dub, Kruschina! +Nehmt Eure Güter wieder und seid fröhlich! +Wir wollen eins sein, redlich halten aus. +Dir, Milota, vertrau ich Mähren an, +Du bist ein wackrer Krieger, du bewahrst mir's. + +(Zawisch von Rosenberg kommt.) + +Ottokar. +Sieh da, Herr Rosenberg! Ei, Gott zum Gruß! +Ich denk, Ihr folgt uns doch wohl auch ins Feld? +Ihr seid der Ersten einer meines Reichs, +Auf den ich vor gar vielen andern zähle. + +Zawisch. +Was meine Brüder tun, das tu ich auch! +Der allgemeinen Not werd ich mich nicht entziehn. +(Er geht.) + +Ottokar (der ihm nachgesehen hat, mit Gebärde) +Der hat's hier hinterm Ohr, dem trau ich nicht! +Du, Milota, du bist mein Mann! +Ich glaube wohl, daß du auch hassen kannst, +Betrügen nicht! Dir will ich mich vertraun! +Herr Kanzler, seid Ihr fertig? + +Kanzler (der sich zum Schreiben gesetzt hat). +Ja, mein König! + +Ottokar. +Wir haben viel durch Raschheit eingebüßt, +Wir müssen uns durch Vorsicht wieder helfen. +Nicht wahr, so ist's dir recht, mein alter Kauz? + +Kanzler. +O König, scheltet mich, wie sonst, mit Raschheit, +Mir tät' es wohler, als die Milde jetzt. + +Ottokar. +Schreib an den Hauptmann du der Stadt von Znaim, +Er soll mit tausend Mann--doch nein, zu viel! +Die Feste bleibt indessen mir entblößt. +Nein, mit fünfhundert Mann soll er die Grenze +Allein fünfhundert sind zu wenig. (Auf Milota.) Nicht wahr? +Schreib lieber, daß von Iglau--Wieder nichts! +Mein Kopf ist wüst; zwei Nächte nicht geruht, +Gegessen auch nicht.--Leih mir deine Bank, +Ich will versuchen hier zu ruhn. + +Kanzler. +Mein König, +Gefällt's Euch nicht, ins Schloß--? + +Ottokar. +Nein, nein, nein, nein! +Doch holt mir meine Frau; sie ging im Zorn. +Sie soll zu mir sich setzen, soll mir sprechen, +Bis sich der Schlaf auf meine Wimpern senkt. +Mein Freund, tu mir die Lieb' und geh nach ihr! + +(Diener ab.) + +Ottokar. +Wie wohl es tut, die Glieder auszustrecken, +Ist einer müd! Seht mal nach Merenberg; +Der alte Mann mag hart im Kerker ruhn! +Ist er ein Schurk' auch, soll man ihn nicht quälen +Und soll ihm geben ritterliche Haft. + +(Füllenstein ab.) +(Diener kommt.) + +Ottokar. +Nun, kommt die Königin? + +Diener. +Sie kommt nicht, Herr! + +Ottokar. +So laßt sie gehn! Komm du her, alter Kanzler, +Und leih zum Ausruhn heut mir deinen Schoß. +Hab ich geruht--dann sollt ihr sehn-- +Ob ich der alte Ottokar noch bin. (Er schläft.) + +(Füllenstein kommt zurück.) + +Kanzler. +Der König schläft! + +Füllenstein. +Nu, Merenberg bald auch! +Als er nicht schwieg und alle Welt verklagte, +Stieß ihn ein Szupan hart den Turm hinab; +Er wird's nicht überleben, glaubt man fast! + +Ottokar (sich emporrichtend). +He, Merenberg, bist du's? + +Kanzler. +Er ist nicht hier! + +Ottokar. +Mir war, als stünd' er da!--Nu, schlafen! schlafen! +(Er sinkt wieder zurück und schläft.) + +(Der Kanzler legt, Schweigen gebietend, den Finger auf den Mund.) + +(Der Vorhang fällt.) + + + + +Fünfter Aufzug + +Kirchhof von Götzendorf. Drei Vierteile des Mittelgrundes durch das +hereinragende Haus des Küsters geschlossen, mit einem Glockenturm daran. +Vorposten des böhmischen Heers. Ein Wachfeuer, Krieger herumgelagert. +Ottokar sitzt hinter demselben auf einer Erhöhung, das Kinn auf beide +Hände und diese auf den Knopf seines Schwertes gestützt. Rechts im +Vorgrunde Milota und Füllenstein am Boden liegend. Vor Tagesanbruch. +Dunkel. + +Ein Bote tritt rechts im Vorgrunde auf. + + +Bote. +Ist hier der König? + +Milota. +Ja, was gibt's? + +Bote (halblaut). +Kumanen +Und Ungarn von des Kaisers Heere streifen +Die March hinauf im Rücken unsrer Stellung; +Bei Drösing hat man ihrer schon gesehn. +Soll ich's dem König melden? + +Milota. +Laßt nur sein! +Der König ist schon übellaunig sonst; +Auch stehn die Russen dort und meine Leute, +Die werden sie den Rückweg suchen lehren. + +Bote. +Nun, wenn Ihr meint-- + +Milota. +Geht nur, gleich komm ich selbst. +(Bote ab.) + +Füllenstein (halblaut). +Das ew'ge Zaudern, ewige Bedenken! +Und immer rückwärts! Ei, verdamm es Gott! +Der König hat sein Wesen ausgezogen. +Schon früher ging nicht alles, wie es sollte, +Die Flucht der Königin gab ihm den Rest. +Und wär's nicht, daß mich freut das Kriegeshandwerk, +Ich wäre längst gewichen von dem Heer. +Erst stürmt er vierzehn Tage Drosendorf +Und läßt dem Kaiser Zeit, die Macht zu sammeln; +Und als man endlich denkt: jetzt schlägt er los, +Als wir gerüstet stehn und fertig vor Marchegg, +Da heißt's: zurück! und Weiden, Weikendorf +Und Anger, Stillfried, alle Stellungen +Am Hasenberg, am Weidenbach und an der Sulz +Läßt er dem Feind, beinah ohn' einen Schwertschlag. + +Milota. +Bald muß es sich entscheiden; sei getrost! + +Füllenstein. +Er nennt das Vorsicht; Zagheit nenn ich's eher! +Sonst war das anders, ei, da galt noch Fechten. +Jetzt sind wir Memmen! + +Milota. +Schweig! Der König regt sich! + +Füllenstein. +Zeit wär' es! + +Ottokar (am Feuer). +Gestern war ein schlimmer Tag! +Der Feind gewinnet Boden. Doch was tut's? +Ich habe Drosendorf; der Rücken ist gesichert. + +Füllenstein (laut). +Beinah der Rücken sichrer als die Brust! + +Ottokar. +Dir tu ich nicht zu Danke, Füllenstein! + +Füllenstein. +Nein, Herr, ich kann's nicht leugnen. Sonst war's anders. + +Ottokar. +Du hättest bei Marchegg schon losgeschlagen? + +Füllenstein. +So tat ich, Herr, und Ihr, Ihr tatet's auch +Noch vor zwei Jahren. In der Ungerschlacht, +Am selben Ort, habt Ihr nicht lang gezweifelt. +Ei, Schwert heraus und in den Feind! Da ging's. + +Ottokar. +Es ging, weil es der Zufall günstig meinte. +Ei, damals war ich ein verwegner Tor, +Wie du noch jetzt bist. Reife bringt die Zeit. + +Füllenstein. +Herr, als noch bei Marchegg der Kaiser stand, +Da zählt' er tausend Streiter, und nicht mehr. +Jetzt ist er an die dreißigtausend stark. + +Ottokar. +Allwissend ist nur Gott!--Was ist die Uhr? + +Diener. +Drei Uhr nach Mitternacht. + +Ottokar. +Die Schlacht ist unvermeidlich! +Wir sind am Feind. Der heut'ge Tag entscheidet. +Wie heißt der Ort hier? + +Diener. +Götzendorf, mein König. + +Ottokar. +Der Bach? + +Diener. +Die Sulz. + +Ottokar. +Ich dacht', ich wär' in Stillfried. + +Diener. +Wir ritten gestern durch in dunkler Nacht. +Jetzt liegt der Kaiser drinnen. + +Ottokar. +Nun, Gott walt's! + +Diener. +Ihr solltet dort ins Haus gehn, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Und daß mir niemand angreift, bis ich's sage! +Ich hab ihn hergelockt in diese Berge +Mit vorgespiegelter, verstellter Flucht. +Dringt er nun vor: die Mitte weicht zurück, +Die Flügel schließen sich--dann gute Nacht, Herr Kaiser! +Ich hab ihn, wie die Maus im Loch! Ha, ha! +(Er bricht in ein heiseres Lachen aus, das sich in ein Husten verliert. +Er reibt die Hände.) +'s ist kalt! Hat niemand einen Mantel? +Vor Sonnenaufgang weht die Luft am schärfsten. +(Man gibt ihm einen Mantel.) +Ist das 'ne Sommernacht? Noch stehn die Stoppeln +Und schon so kalt! Sonst war der Sommer warm, +Der Winter Frost; jetzt tauschen sie das Amt. +Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen! +Hat man nicht Nachricht, wo die Königin +Sich hingewandt? + +Diener. +Man weiß es nicht, mein König! + +Ottokar. +Und Zawisch ist bei ihr? + +Diener. +Ja, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Ich denke sie zu seiner Zeit zu treffen! +Will's noch nicht tagen? + +Diener. +Überhin der March +Beginnt's zu graun; der Tag bricht an. + +Ottokar (ist aufgesprungen). +Ich grüße dich, verhängnisvolle Sonne! +Eh' du zu Rüste gehst, hat sich's entschieden, +Ob Fried' in Waffen, ob im Grabe Frieden. +(Er wirft den Mantel weg.) +Löscht aus die Feuer, laßt die Hörner tönen! +Bereitet Euch zum Kampf, es gilt das Letzte! + +Bote (kommt). +Herr, Drösing brennt! + +Ottokar. +Im Rücken meines Heers? +Dort stehen Eure Leute, Milota! + +Milota. +Versprengte Haufen von Kumanen, Herr! +Auch glaub ich's nicht! + +Ottokar. +Ist hier herum kein Hügel? +Daß man des Feuers Richtung könnte sehn. + +Diener. +Der Glockenturm. + +Ottokar. +Steig einer schnell hinauf. +(Es pochen einige ans Tor.) + +Ottokar. +Wie kommen Ungarn mir nach Drösing? Gottes Feuer! +Wer des die Schuld trägt, hängt!--Wird's bald? + +Diener. +Herr König, +Man weigert uns den Eintritt. + +Ottokar. +Weigert? Wer? + +Diener. +Sind Damen drin im Haus. + +Ottokar. +Was, Damen! Possen! + +Küster (der aus dem Hause getreten ist). +Herr, das Gefolg der Königin von Böhmen. + +Ottokar (ihn anfassend). +Der Königin von Böhmen?--Das Gefolg'? +Wohl auch sie selbst?--Ha, Schurk'!--und Zawisch auch? +Es soll mir wohltun, meinen Zorn zu kühlen! + +Küster. +Bedenk Eu'r Hoheit! + +Ottokar. +Fort! + +Küster. +Ach, Herr! + +Ottokar. +Hinein! +(Er dringt ins Haus, der Küster ihm nach.) + +Milota. +Wenn er den Zawisch trifft, ist er verloren! +Ich muß ihn retten, gält's das Äußerste! +Zieht euch zurück, und ruf ich aus dem Fenster, +So dringt ins Haus und tut, was ich euch sage; +Der König ist sein selbst nicht Herr im Zorn +(Er geht ins Haus, die andern ziehen sich zurück.) + + + +----------------------------------------------------------------------- + +Kurzes Zimmer, durch einen gotischen Bogen geschlossen, von dem ein +dunkler Vorhang bis zur Erde herabhängt. + +Ottokar, dem Frau Elisabeth in den Weg tritt, stürzt herein. + +Ottokar. +Fort, Kupplerin! Wo hast du deine Kunden? + +Elisabeth. +Ach, gnäd'ger Herr, gönnt ihr doch jetzt die Ruh'! + +Ottokar. +Der Vorhang dort, er deckt wohl das Geheimnis? +Lieb Täubchen, komm! Auf, Decke! Vorhang auf! +(Er reißt den Vorhang auf und prallt zurück.) +(Auf einer schwarzbedeckten Erhöhung, von Lichtern umstellt, liegt +Königin Margarethe tot im Sarge. Das Wappen von Östreich zu ihren Füßen.) + +Ottokar (im Vorgrunde, dumpf). +Das ist die Königin von Böhmen nicht! + +Elisabeth. +Sie war's! + +Ottokar. +Margrethe ist's von Österreich, +Mein Weib einst; doch verwandt im vierten Grad, +Und drum geschieden nach der Kirche Recht. +--Gott geb' ihr ew'ge Ruh'! + +Elisabeth. +Ach, Amen, Amen! + +Ottokar. +Wann starb sie? + +Elisabeth. +Gestern morgens, gnäd'ger Herr! + +Ottokar. +Wie kommt sie hieher? + +Elisabeth. +Aus dem Sitz von Krems +Vertrieben von den Streifern Eures Heers, +Hat nach Marchegg zum Kaiser sie gewollt, +Da übereilte sie der Tod. + +Ottokar. +Warum zum Kaiser? + +Elisabeth. +Herr, sie sagt' es nicht; +Doch, denk ich, war es, Frieden zu vermitteln. + +Ottokar. +Sie war Vermittlerin! Und woran starb sie? + +Elisabeth. +Man pflegt's zu nennen: am gebrochnen Herzen; +Denn weinend Tag und Nacht-- + +Ottokar. +Genug! Genug! +Wo aber wollt ihr hin? + +Elisabeth. +Wir wollen warten, +Bis sich der Krieg so oder so entschieden-- + +Ottokar. +So oder so! + +Elisabeth. +Und dann nach Lilienfeld, +Sie zu begraben in der Ahnen Gruft, +Wo Herzog Leupold ruht, der Sel'gen Vater, +Und, der der Babenberger Mannstamm schloß, +Ihr Bruder Friedrich, den sie Streitbar nennen. + +Ottokar. +Das tu!--Und diesen Ring.... + +Milota (kommt). +Der Feind rückt an! + +Ottokar. +Ich komme gleich. Geht nur! (Milota ab.) + +Ottokar. +Und diesen Ring +Leg du von mir der Sel'gen in das Grab. + +Elisabeth. +Ach Herr! + +Ottokar. +Und wenn der Krieg sich hat entschieden, +Und ich es überleb, so komm nach Prag, +Daß ich die Treu' dir lohn an deiner Frau. +Jetzt muß ich fort! +(Er geht auf die Türe zu.) + +Elisabeth (die sie ihm öffnet). +Gott segn' Euch! + +Ottokar (bleibt an der Türe stehen). +Margarethe, +So bist du tot und hast mir nicht verziehn? +(Er kommt zurück.) +Bist hingegangen, treue, fromme Seele, +Mit dem Gefühl des Unrechts in der Brust, +Und stehst wohl jetzt vor Gottes Richterstuhl +Und klagst mich an, rufst Rache wider mich! +O tu's nicht, Margaretha, tu es nicht! +Du bist gerächt. Um was ich dich und alles gab, +Gefallen ist's von mir, wie Laub im Herbst. +Was ich gesammelt, ist im Wind zerstoben, +Der Segen fort, der fruchtend kommt von oben, +Und einsam steh ich da, von Leid gebeugt, +Und niemand tröstet mich und hört mich! +(Er tritt näher.) +Sie haben schlimm an mir getan, Margrethe! +Der Undank hob sein Haupt auf gegen mich. +Die mir die Nächsten, haben mich verraten, +Die ich gehoben, haben mich gestürzt. +Das Weib, um das ich hingab deinen Wert, +Sie hat das Herz im Busen mir zerspalten, +Die Ehre mein verkauft an meinen Knecht; +Und als ich blutend heimkam aus der Schlacht, +Goß sie mir Gift, statt Balsam, in die Wunden. +Mit Hohn und Spott hat sie mich aufgestachelt, +Daß blind ich rannte in das Todesnetz, +Das nun zusammenschlägt ob meinem Scheitel. +(Er kniet am Sarge.) +Du hast mich oft getröstet; tröste nun! +Streck aus die kalte Hand und segne mich. +Denn eines fühl ich wohl: es kommt zu sterben; +Der heut'ge Tag kann Ottokar verderben, +Drum segne mich, wie du gesegnet bist! +(Er legt sein Haupt auf die Kissen.) + +Elisabeth. +Er betet, glaub ich. Nun, du guter Gott, +Verzeih ihm auch! Und ach, der großen Freude +Für die hochsel'ge Frau! Sagt' ich's nicht immer? +Er kehrt zurück. Nun seid ihr doch beisammen, +Siehst du? (Gegen Himmel blickend.) + +Von außen. +Ist hier der König? + +Elisabeth (zur Tür hinaussprechend). +Ei, er will allein sein! +Sie sollen ihn nicht stören! +(Sie läßt die Vorhänge herab.) +Streit und Hader, +Dazu find't so ein Herr wohl immer Zeit. +Die Zeit zum Beten aber kommt nicht immer. +Schon wieder Lärm, ei, daß euch Gott, ihr Heiden! +(Neuer Lärm von außen. Sie geht, mit dem Finger auf dem Mund +Stillschweigen gebietend, leise zur Türe hinaus.) + + + +-------------------------------------------------------------- + +Platz vor dem Hause, wie zu Anfang des Aufzuges. + +Milota führt einen Knappen vor. Die andern im Hintergrunde. In +Zwischenräumen Trompeten und Lärm von außen. + +Milota. +Wie? Zawisch Rosenberg, er sendet dich? + +Knecht. +Ja, Herr! + +Milota. +Er ist im kaiserlichen Lager? + +Knecht. +Wohl. + +Milota. +Wo ist sein Brief? + +Knecht. +Ich habe keinen Brief. +Er hieß mich nur--es klingt fast lächerlich-- +Er hieß mich an das Liedchen Euch erinnern: +»Der Winter kehrt zurück, die Rosen welken.« + +Milota. +Was will er damit?--Rosen--Rosenberg! +Sag ihm, die Rosen mögen immer blühn, +Der Schnee zergeht; der Winter kehrt nicht wieder! +(Knecht ab.) + +Füllenstein (kommt). +Wo ist der König? + +Milota. +Oben. + +Füllenstein. +Teufel auch! +Es geht schon hitzig her! + +Ein Ritter (tritt eilig auf). +Ist hier der König? +Die Vorhut wird zurückgedrängt. Schickt Hilfe! + +Milota. +Er säumt noch immer! + +Füllenstein. +Siehe da, er kommt! + +(Ottokar kommt mit dem Küster aus dem Hause. Frau Elisabeth folgt.) + +Ottokar (zum Küster). +Man wird Eu'r Haus verschonen, wie nur möglich. +Gehabt Euch wohl und schließt mich ins Gebet. +Herbott, wie steht's? + +Füllenstein. +Sie sind schon handgemein. + +Ottokar. +Gebt mir den Helm! + +Füllenstein. +Der Gaul von einem Dienstmann +Des Erzbischofs von Salzburg wurde scheu +Und riß ihn fort, die andern sprengten nach. + +Ottokar (hat den Helm auf und zieht das Schwert). +Nun denn, mit Gott! + +Küster. +Er segn' Euch, gnäd'ger Herr! + +Elisabeth. +Zu tausendmal! Und führ Euch glücklich heim! + +Ottokar. +Wir wollen hoffen! (Trompeten von außen.) Nun, wir kommen schon!, +Wo sind die Pferde? + +Füllenstein. +Dort am Gittertor! + +Ottokar (gehend). +Voran! + +Elisabeth. +Gott segn' Eu'r Hoheit. (Zugleich mit dem Küster.) Glück und Heil! +(Alle ab.) + + + +------------------------------------------------------------------- + +Freie Gegend an der March. Es ist heller Tag. + +Kaiser Rudolf mit seinen Söhnen, in Begleitung österreichischer und +anderer Ritter mit Fahnen, tritt auf. + +Rudolf. +Die Sonne steigt aus Nebeln herrlich auf; +Es wird ein schöner Tag! Mein Sohn, du trittst +Zum erstenmal auf österreich'schen Boden, +Sieh um dich her, du stehst in deinem Land! +Das Feld, das rings sich breitet, heißet Marchfeld, +Ein Schlachtfeld, wie sich leicht kein zweites findet, +Doch auch ein Erntefeld, Gott sei gedankt! +Und dafür soll es immerdar dir gelten! +Dort fließt die March; dort, wo noch Nebel ringt, +Liegt Wien, die Stadt, die Donau blinkt daneben, +Von vielen Inseln mannigfach geteilt. +Dort wirst du wohnen, gibt uns Gott den Sieg. +Doch gilt's zu kämpfen erst, das sollst du auch. +Die Rennfahn' geb ich dir, die sollst du führen, +Mir vor sie tragen glorreich durch die Schlacht. +(Er gibt ihm die Fahne.--Zu seinem jüngeren Sohne.) +Dein junger Arm führt noch zu schwach den Stahl, +Du bleibst bei mir, in deines Vaters Hut. + +Ihr, Markgraf Hochberg, führt des Reiches Adler; +Und wie der Adler lebend Wild nur beutet, +Trefft den, der kämpft, und schonet des, der flieht. +(Er gibt ihn.) +Dir, Konrad Haslau, ob schon altergrau, +Vertrau ich Östreichs flatterndes Panier, +Das du in zwanzig Schlachten rühmlich trugst. +Ihr bleibt ihm nah, Herr Heinrich Lichtenstein, +Und wahrt des Manns und dessen, was er trägt. +Ha, wohl verwahrt! Sucht' ich nach einem Schützer +Für dies mein Haupt, ich wüßte keinen bessern +Als einen Lichtenstein! Wohlan, ihr Herrn, +Nehmt das Panier und tragt es allen vor; +Den edlen weißen Strich von Österreich; +Und wie er glänzend geht durchs rote Feld, +So will ich sehen Östreichs weiße Zeichen +Die Gasse ziehn durch blutgefärbte Leichen. + +Nun vor, mit Gott! Und: Christus sei der Schlachtruf. +So wie er starb für uns am blut'gen Holz, +So wollen wir auch sterben für das Recht, +Ob auch das Unrecht Güter böt' und Leben. +Ehrwürd'ger Herr von Basel, geht voran, +Stimmt uns das Schlachtlied an: Maria, reine Maid! + +Diener (kommt). +Die Königin von Böhmen, gnäd'ger Herr! + +Rudolf. +Wie kommt sie her zu mir? + +(Kunigunde und Zawisch auftretend, hinter ihnen wird Berta geführt, mit +Begleitern, die zurückbleiben.) + +Kunigunde. +Hier bin ich selbst! +Um Schutz zu flehn, komm ich in Euer Lager. + +Rudolf. +Schutz, edle Frau, bei Eures Gatten Feind? + +Kunigunde. +Weil mir der Feinde grimmigster mein Gatte! +Er rast, zumeist gen die, so ihm am nächsten, +Und fliehend nur erhielt ich fast mein Leben. + +Rudolf. +Gar viel Vertraun schenkt Ihr mir, Königin! +Denn Frauen kenn ich, sonst wohl hohen Muts, +Die aber lieber tot von Gatten-Hand, +Als daß sie flöhn zu denen, die ihn töten. +Doch mögt Ihr immer dort in meinen Zelten +Des Ausgangs harren, der Euch wohl versöhnt. +(Zu einem Begleiter.) +Bringt die erlauchte Frau in Sicherheit! + +Kunigunde. +Ich dank Eu'r Hoheit--Zawisch, kommt mit mir. (Ab.) + +Rudolf. +Ihr, Herr, steht nicht bei Eures Königs Fahnen? + +Zawisch. +Der König hat mich hoch und schwer beleidigt. + +Rudolf. +Beleidigt, Herr? und des gedenkt Ihr jetzt? +Wo er vielleicht dem Tod entgegengeht? +Dankt Gott, Herr, daß Ihr nicht mein Untertan, +Ich wollt' Euch das Kapitel sonst erklären! +Folgt Eurer Königin, die Euch statt eines Königs. +(Zawisch ab.) + +Rudolf. +Noch eins, eh' wir zur Schlacht! Ich hab erfahren, +Daß unter denen, die ich gestern abends +Zu Rittern schlug, und die ob einer Unbild +Dem Böhmenkönig abhold, oder sonst, +Vor allen aus den österreich'schen Landen, +Ein Bund besteht, ihn in der Schlacht zu suchen, +Und daß ihn jener töte, der ihn fand: +Den Bund vernicht ich hier, als euer Kaiser, +Und jedem untersag ich, Hand zu legen +An König Ottokar zu dieser Frist; +Den einz'gen Fall der Notwehr ausgenommen. +(Zu Seyfried Merenberg, der neben ihm steht.) +Habt Ihr verstanden, Herr? Und so mit Gott! + +Es stürzt einer herein. +Die Böhmen nahn! + +Rudolf. +Die Österreicher sind schon da! +Wir werden uns doch wohl nicht fürchten sollen? +Ein einzler Haufe; schließt euch an, ihr Herrn! + +(Herbott von Füllenstein mit einem Haufen.) + +Füllenstein (hereinstürzend). +Wo ist der Kaiser? Nur den Kaiser such ich! + +Rudolf. +Hier ist er, Freund! + +Füllenstein. +Bald heißt es wohl: er war. + +Rudolf. +Das frägt sich noch. Ei, laßt ihn nur, ihr Herrn, +Das Fechten möcht ich doch nicht ganz verlernen! +Komm an, mein Freund! + +Füllenstein. +Ihr folgt, und schlagt sie tot! +(Gefecht. Alle ab.) + + + +----------------------------------------------------------------------- +Ein anderer Teil des Schlachtfeldes. Links im Vorgrunde das Ende eines +Hügels auf die Bühne hereinlaufend, daneben steht ein Baum. + +Ottokar kommt, auf einen Knecht gestützt; zwei andere und Milota folgen. + +Ottokar. +Herr Milota, Eu'r Haufe greift nicht an! +Wo bleiben Eure Mährer, Tod und Teufel? +Ich fürcht, Ihr seid ein Schurk', Herr Milota! +Und seid Ihr es, Herr, weil ich Euch vertraut, +Seid Ihr es zehn- und hundertfach! + +Sie haben mir das Pferd erstochen unterm Leib; +Das Bein schmerzt noch vom unversehrten Sturz. +Geh hin und such ein Pferd; ich weile hier! +(Einer ab.) +Ihr, Milota, jagt hin zu Euren Mährern! +Doch nein! Bleibt da! Geh du und sag der Nachhut-- +Sie sollen auf den Feind, sonst will ich, Pest! auf sie! +(Der zweite ab.) +Seht mir ins Antlitz, Milota! Daß Gott! +Ihr schaut mit Grimm. Ich hoff, das gilt dem Feind; +Denn gält' es mir, auf Eurem Todbett, Herr, +Würd' Euch ein Milota genüber stehn +Und also schaun in Euer brechend Aug'. + +Steigt dort auf jenen Hügel, Herr, und forscht +Nach Füllenstein und wie das Treffen geht. +(Milota ab.) +Du leite mich zu jenem Baume hin, +Daß ich mich halte, bis ein Pferd zur Hand, +Und sieh dich um und sag's, wenn Feinde nahn. +(Er steht am Baume und hält sich mit der Hand an einem niedrigen, +dürren Zweige.) +Die Böhmen fechten matt, wie man wohl ficht +Für einen Ungeliebten, notgedrungen. +Die Östreichsmänner und die Steirer aber, +Die sonst nur träg mir ihren Dienst erwiesen, +In Todesengel scheinen sie verwandelt, +Und jeder ist ein Held nun wider mich. +Der Zahltag ist erschienen, und sie zahlen! + +Ich hab nicht gut in deiner Welt gehaust, +Du großer Gott! Wie Sturm und Ungewitter +Bin ich gezogen über deine Fluren. +Du aber bist's allein, der stürmen kann, +Denn du allein kannst heilen, großer Gott. +Und hab ich auch das Schlimme nicht gewollt, +Wer war ich, Wurm? daß ich mich unterwand, +Den Herrn der Welten frevelnd nachzuspielen, +Durchs Böse suchend einen Weg zum Guten! + +Den Menschen, den du hingesetzt zur Lust, +Ein Zweck, ein Selbst, im Weltall eine Welt-- +Gebaut hast du ihn als ein Wunderwerk, +Mit hoher Stirn und aufgerichtem Nacken, +Gekleidet in der Schönheit Feierkleid, +Und wunderbar mit Wundern ihn umringt. +Er hört und sieht und fühlt und freut sich. +Die Speise nimmt er auf in seinen Leib, +Da treten wirkende Gewalten auf +Und weben fort und fort mit Fasern und Gefäß +Und zimmern ihm sein Haus; kein Königsschloß +Mag sich vergleichen mit dem Menschenleib! +Ich aber hab sie hin zu Tausenden geworfen, +Um einer Torheit, eines Einfalls willen, +Wie man den Kehricht schüttet vor die Tür. +Und keiner war von den Gebliebnen allen, +Den seine Mutter nicht, als sie mit Schmerz geboren, +Mit Lust gedrückt an ihre Nährerbrust, +Der Vater nicht als seinen Stolz gesegnet +Und aufgezogen, jahrelang gehütet. +Wenn er am Finger sich verletzt die Haut, +Da liefen sie herbei und banden's ein +Und sahen zu, bis endlich es geheilt. +Und 's war ein Finger nur, die Haut am Finger! +Ich aber hab sie schockweis hingeschleudert +Und starrem Eisen einen Weg gebahnt +In ihren warmen Leib.--Hast du beschlossen, +Zu gehen ins Gericht mit Ottokar, +So triff mich, aber schone meines Volks! + +Geblendet war ich, so hab ich gefehlt, +Mit Willen hab ich Unrecht nicht getan! +Doch einmal, ja!--und noch einmal: O Gott, +Ich hab mit Willen Unrecht auch getan! + +Es ist nicht Todesfurcht, was so mich reden läßt. +Der du die Herzen aller kennst, +Du weißt, ob dieses Herz die Furcht bewegt? +Doch wenn dich eines Mannes Reu' erfreut, +Den nicht die Strafe, den sein Unrecht schreckt; +So sieh mich hier vor deinem Antlitz knien, +(Er kniet.) +Und hör mich beten wie ich jetzo bete: +Geh als ein Gott der Gnade zu Gericht! +(Er senkt sein Haupt.) + +(Seyfried von Merenberg tritt, ganz gerüstet, im Hintergrunde auf.) + +Seyfried. +Ottokar! + +Ottokar. +Wer ruft? + +Seyfried (hinten stehenbleibend). +Wo hast du meinen Vater? + +Ottokar (steht auf). +Wer bist du?--Merenberg! + +Seyfried. +Wo hast du meinen Vater? + +Ottokar (dumpf vor sich hin). +Als Gott den Kain fragte, sagte der: +Mir hast du ihn zu hüten nicht gegeben! + +Seyfried. +Ich gab ihn dir, ja wohl, mein eigner Unsinn! +Und jetzt steh ich vor dir, in Stahl gekleidet, +Und fordr' ihn wieder: gib mir meinen Vater! + +Ottokar. +Du weißt wohl, wo er ist. + +Seyfried. +Wohl weiß ich's: tot! + +Ottokar. +Er büßte, wie Verräter! + +Seyfried. +Er, Verräter! +Er war dir nur zu treu, dir, mir, der ganzen Welt. +Um meinen Dienst beim Kaiser wußt' er nicht. +Der Brief, den er mir gab, enthielt nur Bitten +Für dein verstoßnes Weib. + +Ottokar. +So hat ihn Gott! + +Seyfried. +Er hat ihn, ja! Empfiehl ihm deine Seele! +(Stürzt mit dem Schwerte auf ihn los.) + +(Emerberg tritt auf.) + +Emerberg. +Seyfried, was tust du? + +Seyfried. +Sieh, er mahnt mit Recht! +Der Kaiser hat verboten, dich zu töten +Mit Waffen; doch ich will, ein Basilisk, +Versuchen, mit den Augen dich zu töten. +Sieh her nach mir und höre: Merenberg! +Der Hölle Ruf dereinstens: Merenberg! + +Ottokar. +Gebt Raum, ich muß zu meinem Heer! + +Seyfried. +Du bleibst! +Du warst mir Lehrer, warst mir Muster, Beispiel, +Ich habe dich geehrt, wie niemand sonst; +Der Erde Ruhm ging mir in dir zu Grabe. +Der Erde Glück in meines Vaters Haupt. +Gib das Vertrauen mir auf Menschen wieder, +Den Vater wieder, den ich selbst geliefert, +Ich selbst in deine Hand. Vorschneller Würger, +Sieh mir ins Antlitz; es ist Merenbergs. +Komm, töt ihn noch einmal in seinen Zügen! + +Ottokar. +Schließ deinen Helm, dann sei des Kampfs gewährt. + +Seyfried. +Nicht also! Nein! Ficht, König, mit den Toten! +Hei, tapfrer Ottokar, mit eins so feig? + +(Ottokars Knecht kommt zurück.) + +Knecht. +Herr Milota, zu Hilfe! Feinde! Feinde! + +Seyfried (zu Emerberg). +Halt den zurück! Er muß sich mein erwehren! +Daß ich dem Kaiser sagen möge: Herr, +Ich schlug ihn nicht, er selber fiel mich an; +Den Fall der Notwehr habt Ihr ausgenommen! +(Emerberg ficht mit demKnecht.) + +Knecht. +Herr Milota! + +Emerberg. +Entweich! + +Knecht. +Ach Gott! ach Gott! +(Er fällt getroffen zu des Königs Füßen.) + +Ottokar (sein Schwert aufnehmend). +So sei's! +(Milota kommt.) +He, Milota, hilf deinem König! + +Seyfried. +Freund oder Feind? + +Milota. +Nicht euer Feind, ihr Herrn! +Geht hier der Weg nach Mähren? + +Ottokar. +Milota! + +Milota. +Mein Bruder, Benesch Diedicz, läßt Euch grüßen, +Er ist gestorben als ein Sinnberaubter, +Und Muhme Berta rast an seinem Sarg. +Gebt Raum, ihr Herrn! Glück auf! ich stör euch nicht. +(Geht in seinen Mantel gehüllt vorüber und ab.) + +Ottokar. +Verläßt du mich, und kann ich dich nicht schelten? +Und doch war ich dein Herr, drum Schurke du auf ewig! + +Seyfried. +Gib dich! + +Ottokar. +Vermeinst du Ottokarn zu fangen? +Es gilt zu fechten! (Er tritt hart auf den verletzten Fuß.)Trage, Fuß! +Jetzt ist nicht Zeit zu schmerzen! Ihr, gebt Raum! + +Emerberg. +Du bist verloren, sieh, die Deinen fliehn! +(Fliehende Böhmen bedecken den Hintergrund.) + +Ottokar. +Du lügst, kein Böhme flieht! Zu ihnen! Fort! + +Beide (mit vorgehaltenen Schwertern). +Du bleibst! + +(Heinrich von Lichtenstein tritt mit einer Schar verfolgend im Mittelgrunde +auf und eilt nach hinten, das Banner von Östreich in der Hand.) + +Lichtenstein. +Die Feinde fliehn! Hoch Österreich! + +Ottokar. +Steht, Memmen, steht!--Und ihr gebt Raum. + +Seyfried. +Im Grabe. +Sonst nicht! + +Ottokar (einen Hieb führend). +Hier Böhmen! + +Seyfried (ebenso). +Und hier Österreich! + +Ottokar (mit einem neuen Hiebe). +Hier Ottokar! + +Seyfried. +Hier Merenberg und Gott! +(Er haut ihn nieder.) + +(Ottokar stürzt nieder, rafft sich schnell wieder auf, taumelt einige +Schritte und fällt dann tot neben der Hügelerhöhung hin.) + +Emerberg. +Was tatst du? Das Gebot verletzt des Kaisers! +(Merenberg steht, die Hände hinabgesunken, unbeweglich da.) + +Heinrich von Lichtenstein (kommt zurück). +Sieg, Sieg! Die Feinde fliehn! Hoch, Österreich! + +(Rudolf tritt auf mit Gefolge.) + +Rudolf. +Halt ein mit Töten! Schont der Überwundnen! +Was ist hier? Was hat dich zu Eis verwandelt? +Ha, Ottokar, am Boden, blutend, tot! +Du hast's getan! Flieh, wie der erste Mörder, +Und laß dich nimmer sehn vor meinem Blick! +(Merenberg entflieht.) +Die Böhmen sollen ruhig heimwärts ziehn, +Für den sie stritten, ruft es aus!, ist tot. + +Frau Elisabeth (hinter der Szene). +Gewalt, Gewalt! + +Rudolf. +Wer ruft? + +Elisabeth (kommt und wirft sich dem Kaiser zu Füßen). +Ach, gnäd'ger Kaiser! +Sie plündern drin im Haus, sie zünden an +Und gönnen selbst den Toten nicht die Ruh'! +Ach, schützt uns, Herr! + +Rudolf. +Man soll zu Hilfe sehn! Wer bist du? + +Elisabeth. +Ach, der Königin Margrethe +Von Österreich getreue Kämmerin, +Und die dort tragen meiner Frauen Leiche. + +(Vier Männer, von schwarzgekleideten Frauen begleitet, tragen den Sarg +herein.) + +Rudolf. +Sieh dort die Leiche deines Herrn! + +Elisabeth. +Ach Gott! +So starb er! Grade da er sanft geworden! +Du armer Herr! Setzt hin dort unsre Leiche, +So liegen sie im Tode doch vereint. +(Der Sarg wird auf eine Erhöhung zu Ottokars Häupten gesetzt.) + +(Kunigunde kommt, hinter ihr Zawisch und Berta.) + +Kunigunde. +Der König ist gefangen, wird gesagt. + +Rudolf. +Hier, Weib, hier liegt dein Mann! + +(Kunigunde sinkt mit einem Ausruf bebend in die Kniee. Zawisch steht +mit gesenktem Haupte.) + +Rudolf (fortfahrend). +Zu seines Weibes Füßen, +Denn daß sie's blieb, hat sie im Tod erprobt. + +Berta (ist hinter dem Sarge auf die Erhöhung getreten und lehnt mit +dem Ellenbogen darauf, jetzt pocht sie an den Sarg und sagt:) +Mach auf, Margrethe, sieh, dein Mann ist da! + +(Mit mehreren Gefangenen ist der Kanzler hereingebracht worden, +er stürzt hin.) + +Kanzler. +O Herr! Du mein verirrter, wackrer Herr! +(Er nimmt Ottokars Haupt in seinen Schoß.) + +Rudolf. +So liegst du nackt und schmucklos, großer König, +Das Haupt gelegt in deines Dieners Schoß, +Und ist von deinem Prunk und Reichtum allen +Nicht eine arme Decke dir geblieben, +Als Leichentuch zu hüllen deinen Leib. +Den Kaisermantel, dem du nachgestrebt, +Ich nehm ihn ab und breit ihn über dich, +(er tut es) +Daß als ein Kaiser du begraben werdest, +Der du gestorben wie ein Bettler bist. + +Bringt ihn nach Laa und stellt ihn fürstlich aus, +Bis man ihn holt zur Ruhstatt seiner Ahnen. +(Er entblößt das Haupt und betet still, die andern tun dasselbe. +Kunigunde verhüllt sich, Zawisch blickt starr vor sich. Pause.) + +Berta (noch immer auf den Sargdeckel gelehnt). +Und vergib uns, als auch wir vergeben! +Und führ uns nicht in Versuchung! + +Rudolf. +Nicht führ' uns in Versuchung, großer Gott! + +Und nun, mein Sohn, im Angesicht der Leiche, +Vor diesem Toten, der ein König war, +Belehn ich dich mit Östreichs weitem Erbe. +(Auf seinen Wink knieen seine beiden Söhne nieder. Er spricht immer +vorzugsweise zu dem ältern.) +Sei groß und stark, vermehre dein Geschlecht, +Daß es sich breite in der Erde Fernen +Und Habsburgs Name glänze bei den Sternen! +Du steh in allem deinem Bruder bei! +Doch solltet ihr je übermütig werden, +Mit Stolz erheben euren Herrscherblick, +So denkt an den Gewaltigen zurück, +Der jetzt nur fiel in Gottes strenge Hände, +An Ottokar, sein Glück und an sein Ende! + +Steh auf! und du! Und niemals kniee wieder, +Ich grüße dich als dieses Landes Herrn. +Und ihr auch grüßt ihn, laßt es laut erschallen, +Daß weit es sich verbreite, donnergleich: +Dem ersten Habsburg Heil in Österreich! + +Alle. +Heil! Heil!--Hoch Österreich!--Habsburg für immer! + +(Indem alle unter Trompeten und Jubelgeschrei niederknieen, um die +Huldigung zu leisten, fällt der Vorhang.) + +Ende. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes König Ottokars Glück und Ende, +von Franz Grillparzer. + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Koenig Ottokars Glueck und Ende +by Franz Grillparzer + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KOENIG OTTOKARS GLUECK UND ENDE *** + +This file should be named 9046-8.txt or 9046-8.zip + +Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau. + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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