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+The Project Gutenberg EBook of Das Kloster bei Sendomir, by Franz Grillparzer
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+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
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+Title: Das Kloster bei Sendomir
+
+Author: Franz Grillparzer
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+Release Date: September, 2005 [EBook #8999]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on September 1, 2003]
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+Edition: 10
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+Language: German
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+Character set encoding: ISO Latin-1
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS KLOSTER BEI SENDOMIR ***
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+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau
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+This Etext is in German.
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+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
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+This is the 8-bit version.
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
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+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+DAS KLOSTER BEI SENDOMIR
+
+von FRANZ GRILLPARZER
+
+
+Erzählung
+
+Nach einer als wahr überlieferten Begebenheit
+
+
+Die Strahlen der untergehenden Sonne vergoldeten die Abhänge eines der
+reizendsten Täler der Woiwodschaft Sendomir. Wie zum Scheidekuß
+ruhten sie auf den Mauern des an der Ostseite fensterreich und
+wohnlich prangenden Klosters, als eben zwei Reiter, von wenigen
+Dienern begleitet, den Saum der gegenüberliegenden Hügelkette
+erreichten, und, von der Vesperglocke gemahnt, nach kurzem,
+betrachtendem Verweilen, ihre Pferde in schärfern Trott setzten,
+taleinwärts, dem Kloster zu.
+
+Die Kleidung der späten Gäste bezeichnete die Fremden. Breitgedrückte,
+befiederte Hüte, das Elenkoller vom dunklen Brustharnisch gedrückt,
+die straffanliegenden Unterkleider und hohen Stulpstiefeln erlaubten
+nicht, sie für eingeborne Polen zu halten. Und so war es auch. Als
+Boten des deutschen Kaisers zogen sie, selbst Deutsche, an den Hof des
+kriegerischen Johann Sobiesky, und, vom Abend überrascht, suchten sie
+Nachtlager in dem vor ihnen liegenden Kloster.
+
+Das bereits abendlich verschlossene Tor ward den Einlaßheischenden
+geöffnet, und der Pförtner hieß sie eintreten in die geräumige
+Gaststube, wo Erfrischung und Nachtruhe ihrer warte; obgleich, wie er
+entschuldigend hinzusetzte, der Abt und die Konventualen, bereits zur
+Vesper im Chor versammelt, sich für heute die Bewillkommnung so werter
+Gäste versagen müßten. Die Angabe des etwas mißtrauisch blickenden
+Mannes ward durch den eintönigen Zusammenklang halb sprechend, halb
+singend erhobener Stimmen bekräftigt, die, aus dämpfender Ferne durch
+die hallenden Gewölbe sich hinwindend, den Chorgesang einer
+geistlichen Gemeine deutlich genug bezeichneten.
+
+Die beiden Fremden traten in das angewiesene Gemach, welches, obgleich,
+wie das ganze Kloster, offenbar erst seit kurzem erbaut, doch
+altertümliche Spitzformen mit absichtlicher Genauigkeit nachahmte.
+Weniges, doch anständiges Geräte war rings an den Wänden verteilt.
+Die hohen Bogenfenster gingen ins Freie, wo der in Osten aufsteigende
+Mond, mit der letzten Abendhelle kämpfend, nur sparsame Schimmer auf
+die Erhöhungen des hüglichten Bodens warf, indes in den Falten der
+Täler und unter den Bäumen des Forstes sich allgemach die Nacht mit
+ihrem dunkeln Gefolge lagerte, und stille Ruhe, hold vermischend,
+ihren Schleier über Belebtes und Unbelebtes ausbreitete.
+
+Die eigenen Diener der Ritter trugen Wein auf und Abendkost. Ein
+derbgefügter Tisch, in die Brüstung des geöffneten Bogenfensters
+gerückt, empfing die ermüdeten Gäste, die, auf hohe Armstühle gelagert,
+sich bald an dem zauberischen Spiele des Mondlichtes ergötzten, bald,
+zu Wein und Speise zurückkehrend, den Körper für die Reise des
+nächsten Tages stärkten.
+
+Eine Stunde mochte auf diese Art vergangen sein. Die Nacht war
+vollends eingebrochen, Glockenklang und Chorgesang längst verstummt.
+Die zur Ruhe gesendeten Diener hatten eine düsterbrennende Ampel, in
+der Mitte des Gemaches hängend, angezündet, und noch immer saßen die
+beiden Ritter am Fenster, im eifrigen Gespräch; vielleicht vom Zweck
+ihrer Reise, offenbar von Wichtigem. Da pochte es mit kräftigem
+Finger an die Türe des Gemaches, und ehe man noch, ungern die Rede
+unterbrechend, mit einem: Herein! geantwortet, öffnete sich diese, und
+eine seltsame Menschengestalt trat ein, mit der Frage: ob sie Feuer
+bedürften?
+
+Der Eingetretene war in ein abgetragenes, an mehreren Stellen
+geflicktes Mönchskleid gehüllt, das sonderbar genug gegen den derben,
+gedrungenen Körperbau abstach. Obgleich von Alter schon etwas gebeugt
+und mehr unter als über der Mittelgröße, war doch ein eigener Ausdruck
+von Entschlossenheit und Kraft über sein ganzes Wesen verbreitet, so
+daß, die Kleidung abgerechnet, der Beschauer den Mann eher für alles,
+als für einen friedlichen Sohn der Kirche erkannt hätte. Haar und
+Bart, vormals augenscheinlich rabenschwarz, nun aber überwiegend mit
+Grau gemischt und, trotz ihrer Länge, stark gekräuselt, drängten sich
+in dichter Fülle um Stirne, Mund und Kinn. Das Auge, klösterlich
+gesenkt, hob sich nur selten; wenn es aber aufging, traf es wie ein
+Wetterschlag, so grauenhaft funkelten die schwarzen Sterne aus den
+aschfahlen Wangen, und man fühlte sich erleichtert, wenn die breiten
+Lider sie wieder bedeckten. So beschaffen und so angetan, trat der
+Mönch, ein Bündel Holz unter dem Arme, vor die Fremden hin, mit der
+Frage: ob sie Feuer bedürften?
+
+Die beiden sahen sich an, erstaunt ob der seltsamen Erscheinung.
+Indessen kniete der Mönch am Kamine nieder und begann Feuer anzumachen,
+ließ sich auch durch die Bemerkung nicht stören, daß man gar nicht
+friere, und seine Mühe überflüssig sei. Die Nächte würden schon rauh,
+meinte er und fuhr in seiner Arbeit fort. Nachdem er sein Werk
+vollendet, und das Feuer lustig brannte, blieb er ein paar Augenblicke
+am Kamin stehen, die Hände wärmend, dann, ohne sich scheinbar um die
+Fremden zu bekümmern, schritt er schweigend der Türe zu.
+
+Schon stand er an dieser und hatte die Klinke in der Hand, da sprach
+einer der Fremden: "Nun Ihr einmal hier seid, ehrwürdiger
+Vater"-"Bruder!" fiel der Mönch, wie unwillig, ein, und ohne sich
+umzusehen, blieb er, die Stirn gegen die Türe geneigt, am Eingange
+stehen.
+
+"Nun denn also, ehrwürdiger Bruder!" fuhr der Fremde fort, "da Ihr
+schon einmal hier seid, so gebt uns Aufschluß über einiges, das wir zu
+wissen den Wunsch hegen."
+
+"Fragt!" sprach, sich umwendend, der Mönch.
+
+"So wißt denn", sagte der Fremde, "daß uns die herrliche Lage und
+Bauart Eures Klosters mit Bewunderung erfüllt hat, vor allem aber, daß
+es so neu ist und vor kurzem erst aufgeführt zu sein scheint."
+
+Die dunkeln Augen des Mönches hoben sich bei dieser Rede und hafteten
+mit einer Art grimmigen Ausdruckes auf dem Sprechenden.
+
+"Die Zeiten sind vorüber", fuhr dieser fort, wo die Errichtung solcher
+Werke der Frömmigkeit nichts Seltenes war. Wie lange steht das
+Kloster?"
+
+"Wißt Ihr es vielleicht schon?" fragte, zu Boden blickend, der Mönch,
+"oder wißt Ihr es nicht?"
+
+"Wenn das erstere, würde ich fragen?" entgegnete der Fremde.
+
+"Es trifft sich zuweilen", murmelte jener. "Drei Jahre steht dies
+Kloster. Dreißig Jahre!" fügte er verbessernd hinzu und sah nicht auf
+vom Boden.
+
+"Wie aber hieß der Stifter?" fragte der Fremde weiter. "Welch
+gottgeliebter Mann?"--Da brach der Mönch in ein schmetterndes
+Hohngelächter aus. Die Stuhllehne, auf die er sich gestützt hatte,
+brach krachend unter seinem Druck zusammen; eine Hölle schien in dem
+Blicke zu flammen, den er auf die Fremden richtete, und plötzlich
+gewendet, ging er schallenden Trittes zur Türe hinaus.
+
+Noch hatten sich die beiden von ihrem Erstaunen nicht erholt, da ging
+die Türe von neuem auf, und derselbe Mönch trat ein. Als ob nichts
+vorgefallen wäre, schritt er auf den Kamin zu, lockerte mit dem
+Störeisen das Feuer auf, legte Holz zu, blies in die Flamme. Darauf
+sich umwendend, sagte er: "Ich bin der mindeste von den Dienern dieses
+Hauses. Die niedrigsten Dienste sind mir zugewiesen. Gegen Fremde
+muß ich gefällig sein, und antworten, wenn sie fragen. Ihr habt ja
+auch gefragt? Was war es nur?"
+
+"Wir wollten über die Gründung dieses Klosters Auskunft einholen",
+sprach der ältere der beiden Deutschen, "aber Eure sonderbare
+Weigerung"-"Ja, ja!" sagte der Mönch, "Ihr seid Fremde, und kennet Ort
+und Leute noch nicht. Ich möchte gar zu gerne Eure törichte Neugierde
+unbefriedigt lassen, aber dann klagt Ihrs dem Abte, und der schilt
+mich wieder, wie damals, als ich dem Palatin von Plozk an die Kehle
+griff, weil er meiner Väter Namen schimpfte. Kommt Ihr von Warschau?"
+fuhr er nach einer kleinen Weile fort.
+
+"Wir gehen dahin", antwortete einer der Fremden.
+
+"Das ist eine arge Stadt", sagte der Mönch, indem er sich setzte.
+"Aller Unfrieden geht von dort aus. Wenn der Stifter dieses Klosters
+nicht nach Warschau kam, so stiftete er überhaupt kein Kloster, es
+gäbe keine Mönche hier, und ich wäre auch keiner. Da Ihr nicht von
+dorther kommt, mögt Ihr rechtliche Leute sein, und, alles betrachtet,
+will ich Euch die Geschichte erzählen. Aber unterbrecht mich nicht
+und fragt nicht weiter, wenn ich aufhöre. Am Ende sprech ich selbst
+gerne wieder einmal davon. Wenn nur nicht so viel Nebel dazwischen
+läge, man sieht kaum das alte Stammschloß durchschimmern--und der Mond
+scheint auch so trübe."--Die letzten Worte verloren sich in ein
+unverständliches Gemurmel, und machten endlich einer tiefen Stille
+Platz, während welcher der Mönch, die Hände in die weiten Ärmel
+gesteckt, das Haupt auf die Brust gesunken, unbeweglich da saß. Schon
+glaubten die beiden, seine Zusage habe ihn gereut, und wollten
+kopfschüttelnd sich entfernen; da richtete er sich plötzlich mit einem
+verstärkten Atemzuge empor; die vorgesunkene Kapuze fiel zurück; das
+Auge, nicht mehr wild, strahlte in fast wehmütigem Lichte; er stützte
+das dem Mond entgegengewendete Haupt in die Hand und begann:
+
+"Starschensky hieß der Mann, ein Graf seines Stammes, dem gehörte die
+weite Umgegend und der Platz, wo dies Kloster steht. Damals war aber
+noch kein Kloster. Hier ging der Pflug; er selber hauste dort oben,
+wo jetzt geborstene Mauern das Mondlicht zurückwerfen. Der Graf war
+nicht schlimm, wenn auch gerade nicht gut. Im Kriege hieß man ihn
+tapfer; sonst lebte er still und abgeschieden im Schlosse seiner Väter.
+Über eines wunderten sich die Leute am meisten: nie hatte man ihn
+einem weiblichen Wesen mit Neigung zugetan gesehen, sichtlich vermied
+er den Umgang mit Frauen. Er galt daher für einen Weiberfeind; doch
+war er keiner. Ein von Natur schüchterner Sinn, und--laßt sehn ob
+ichs treffe!" sagte der Mönch, indem er sich aufrichtete--"ein über
+alles gehendes Behagen am Besitz seiner selbst, hatte ihm bis dahin
+keine Annäherung erlaubt. Abwesenheit von Unlust war ihm Lust.--Habt
+Ihr noch Wein übrig? Gebt mir einen Becher! Der Graf war so schlimm
+nicht."
+
+Der Mönch trank, dann fuhr er fort: "So lebte Starschensky, so
+gedachte er zu sterben; doch war es ihm anders bestimmt. Ein
+Reichstag rief ihn nach Warschau. Unwillig über die Verkehrtheit der
+Menge, deren jeder nur sich wollte, wo es das Wohl des Ganzen galt,
+ging er eines Abends durch die Straßen der Stadt; schwarze Regenwolken
+hingen am Himmel, jeden Augenblick bereit, sich zu entladen, dichtes
+Dunkel ringsum. Da hörte er plötzlich hinter sich eine weibliche
+Stimme, die zitternd und schluchzend ihn anspricht: Wenn Ihr ein
+Mensch seid, so erbarmt Euch eines Unglücklichen! Rasch umgewendet,
+erblickt der Graf ein Mädchen, das bittend ihm die Hände
+entgegenstreckt. Die Kleidung schien ärmlich, Hals und Arme
+schimmerten weiß durch die Nacht. Der Graf folgt der Bittenden. Zehn
+Schritte gegangen, tritt sie in eine Hütte, Starschensky folgt, und
+bald steht er mit ihr allein auf dem dunkeln Flur. Eine warme, weiche
+Hand ergreift die seinige.--Seid Ihr Ordensritter?" unterbrach sich
+der Mönch, zu dem Jüngeren der Fremden gewendet. "Was bedeutet das
+Kreuz auf Eurem Mantel?"--"Ich bin Malteser", entgegnete dieser.--"Ihr
+auch?" wendet der Mönch sich zum zweiten.--"Keineswegs", war die
+Antwort.--"Habt ihr Weib und Kinder?"--"Beides hatt' ich nie."--"Wie
+alt seid Ihr?"--"Fünfundvierzig."--"So! so!" murmelte kopfnickend der
+Mönch. Dann fuhr er fort:
+
+"Ein bis dahin unbekanntes Gefühl ergriff den Grafen bei der Berührung
+der warmen Hand. Sie erzählen ein morgenländisches Märchen von einem,
+dem plötzlich die Gabe verliehen ward, die Sprache der Vögel und
+andern Naturwesen zu verstehen, und der nun, im Schatten liegend am
+Bachesrand, mit freudigem Erstaunen rings um sich überall Wort und
+Sinn vernahm, wo er vorher nur Geräusch gehört und Laute. So erging
+es dem Grafen. Eine neue Welt stand vor ihm auf, und bebend folgte er
+seiner Führerin, die eine kleine Türe öffnete, und mit ihm in ein
+niederes, schwacherleuchtetes Zimmer trat.
+
+Der erste Strahl des Lichtes fiel auf das Mädchen. Starschenskys
+innerstes Wesen jubelte auf, daß die Wirklichkeit gehalten, was die
+Ahnung versprach. Das Mädchen war schön, schön in jedem Betracht.
+Schwarze Locken ringelten sich um Stirn und Nacken, und erhoben, mit
+der gleichgefärbten Wimper, bis zum Sonderbaren den Reiz des hellblau
+strahlenden Auges. Der Mund mit üppig aufgeworfenen, beinahe zu
+hochroten Lippen, ward keineswegs durch eine kleine Narbe entstellt,
+die, als schmale, weißlich gefärbte Linie schräg abwärts laufend, sich
+in den Karmin der Oberlippe verlor. Grübchen in Kinn und Wangen;
+Stirn und Nase, wie vielleicht gerade der Maler sie nicht denkt, wie
+sie aber meinen Landsmänninnen wohl stehen, vollendeten den Ausdruck
+des reizenden Köpfchens und standen in schönem Einklange mit den
+Formen eines zugleich schlank und voll gebauten Körpers, dessen üppige
+Schönheit die ärmliche Hülle mehr erhob als verbarg.--Nicht wahr,
+davon wißt Ihr nichts, Malteser? Ja, ja, bei dem alten Mönch rappelts
+einmal wieder! Laßt uns noch eins trinken!--So, und nun gut.
+
+Der Graf stand verloren im Anschaun des Mädchens und bemerkte kaum,
+daß in einem Winkel der Hütte, auf moderndes Stroh gebettet, einen
+zerrissenen Sattel statt des Kissens unter dem Kopfe, mit Lumpen
+bedeckt, die Jammergestalt eines alten Mannes lag, der jetzt die Hand
+aus seinen ärmlichen Hüllen hervorstreckte, und mit erloschener Stimme
+fragte: Bist dus, Elga? Wen bringst du mir da?--Hier der Unglückliche,
+sprach das Mädchen zu Starschensky gewendet, für den ich, durch
+äußerste Not getrieben, Euer Mitleid ansprach. Er ist mein Vater, ein
+Edelmann von altem Stamm und Adel, durch Verfolgung bis hierher
+gebracht.--Damit ging sie hin, und am Lager des Greises niedergekauert,
+suchte sie, durch Zurechtrücken und Ausbreiten, in die Lumpen, die
+ihn bedeckten, einen Schein von Anständigkeit und Ordnung zu bringen.
+
+Der Graf trat näher. Er erfuhr die Geschichte. Der vor ihm lag, war
+der Starost von Laschek. Er und seine zwei Söhne hatten sich in
+politische Verbindungen eingelassen, die das Vaterland mißbilligte.
+Ihre Anschläge wurden entdeckt. Die beiden Söhne samt einigen
+Unvorsichtigen, die mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, traf
+Verbannung; der Vater, seiner Güter beraubt, war im Elend.
+
+Im ersten Augenblicke, als Starschensky den Namen Laschek hörte, wußte
+er auch schon, daß die Lage des Unglücklichen nicht ganz unverschuldet
+war. Denn, wenn er auch einer unmittelbaren Teilnahme an den
+Anschlägen seiner Söhne nicht geradezu überwiesen werden konnte, so
+hatte er doch durch Leichtsinn in der Jugend und üble Wirtschaft im
+vorgerückten Alter seinen Söhnen die rechtlichen Wege des Emporkommens
+schwierig, und Wagnisse willkommen gemacht. All dies war dem Grafen
+nicht verborgen. Aber es galt einen Unglücklichen zu retten, und
+Elgas Vater hatte den beredtesten Fürsprecher bei dem Entbrannten für
+seine Tochter.
+
+Laschek ward in eine anständige Wohnung gebracht, er und seine Tochter
+mit dem Notwendigen versehen. Starschensky verwendete seinen Einfluß,
+seine Verbindungen, er ließ sich bis zu Geld und Geschenken herab, um
+die Wiederherstellung des Entsetzten, die Rückberufung der Verbannten
+zu erwirken. Glücklicherweise waren die äußeren Verhältnisse längst
+vorüber, welche die Anschläge jener Unvorsichtigen gefährlich gemacht
+hatten. Verzeihung ward bewilligt; die Verwiesenen rüsteten sich zur
+Heimkehr. Mehrere der Unglücksgenossen hatten, ihrem Leichtsinne treu,
+Dienste in fremden Landen genommen; nur Lascheks beide Söhne und ein
+entfernter Verwandter des Hauses, Oginsky genannt, machten Gebrauch
+von der schwer erlangten Erlaubnis. Täglich erwartete man ihre
+Ankunft.
+
+Die Wiedergabe von Lascheks eingezogenen Gütern zeigte sich indes als
+wenig Nutzen bringend. Täglich erschienen neue Gläubiger. Hauptstock
+und rückständige Zinsen verschlangen weit den Wert des vorhandenen
+Unbeweglichen. Starschensky trat ins Mittel, bezahlte, verschuldete
+seine eigenen Güter und konnte dennoch kaum einen geringen Rest der
+Stamm-Besitzungen, als ein Pfropfreis für die Zukunft, retten.
+
+Glücklicher schien er mittlerweile in seinen Bewerbungen um Elgas Herz.
+Als das Mädchen sich zum erstenmale wieder in anständigen Kleidern
+erblickte, flog sie ihm beim Eintritte aufschreiend entgegen, und ein
+lange nachgefühlter Kuß von ihren brennenden Lippen lohnte seine
+Vorsorge, sein Bemühn. Dieser erste Kuß blieb freilich vorderhand
+auch der letzte, nichtsdestoweniger durfte sich aber doch Starschensky
+mit der Hoffnung schmeicheln, ihrem Herzen nicht gleichgültig zu sein.
+Sie war gern in seiner Gesellschaft, sie bemerkte und empfand seine
+Abwesenheit. Oft überraschte er ihr Auge, das gedankenvoll und
+betrachtend auf ihn geheftet war; ja einigemale konnte er nur durch
+schnelles Zurückziehen verhindern, daß nicht ein Kuß, den er gar zu
+gerne seinen Lippen gegönnt hätte, auf seine Hand gedrückt wurde. Er
+war voll der schönsten Hoffnungen. Doch mit einemmale änderte sich
+die Szene. Elga ward düster und nachdenkend. Wenn sonst ihre Neigung
+für Zerstreuungen, für Kleiderzier und Lebensgenuß sich aufs
+bestimmteste aussprach, und manchmal hart an die Grenzen des Zuviel zu
+streifen schien, so mied sie jetzt die Gesellschaft. Streitende
+Gedanken jagten ihre Wolken über die schöngeglättete Stirne; das
+getrübte Auge sprach von Tränen, und nicht selten drängte sich ein
+einzelner der störenden Gäste unter der schnellgesenkten Wimper hervor.
+Starschensky bemerkte, wie der Vater sie dann ernst, beinahe drohend
+anblickte, und eine erkünstelte Heiterkeit das Bestreben des Mädchens
+bezeichnete, einen heimlichen Kummer zu unterdrücken. Einmal, rasch
+durchs Vorgemach auf die Türe des Empfangszimmers zuschreitend, hörte
+Starschensky die Stimme des Starosten, der aufs heftigste erzürnt
+schien und sich sogar ziemlich gemeiner Ausdrücke bediente. Der Graf
+öffnete die Türe und sah ringsum, erblickte aber kein drittes; nur die
+Tochter, die nicht weinend und höchst erhitzt, vom Vater abgekehrt, im
+Fenster stand. Ihr mußten jene Scheltworte gegolten haben. Da ward
+es fester Entschluß in der Seele des Grafen, durch eine rasche Werbung
+um Elgas Hand, der marternden Ungewißheit des Verhältnisses ein Ende
+zu machen.
+
+Während er sich kurze Frist zur Ausführung dieses Vorsatzes nahm und
+Elgas vorige Heiterkeit nach und nach zurückkehrte, langten die aus
+der Verbannung heimberufenen Angehörigen an. Elga schien weniger
+Freude über den Wiederbesitz der so lange entbehrten Brüder zu
+empfinden, als der Graf vorausgesetzt hatte. Am auffallendsten aber
+war ihre schroffe Kälte, um es nicht Härte zu nennen, gegen den
+Gefährten von ihrer Brüder Schuld und Strafe, den armen Vetter Oginsky,
+den sie kaum eines Blickes würdigte. Gut gebaut und wohl aussehend,
+wie er war, schien er eine solche Abneigung durch nichts zu verdienen;
+vielmehr war in seinem beinahe zu unterwürfigen Benehmen das Streben
+sichtbar, sich um die gute Meinung von jedermann zu bewerben. Keine
+Härte konnte ihn aufbringen; nur schien ihm freilich jede Gelegenheit
+erwünscht, sich der beinahe verächtlichen Behandlung Elgas zu
+entziehen. Zuletzt verschwand er ganz, und niemand wußte, wo er
+hingekommen war.
+
+Nun endlich trat der Graf mit seiner Bewerbung hervor, der alte
+Starost weinte Freudentränen, Elga sank schamerrötend und sprachlos in
+seine Arme, und der Bund war geschlossen. Laute Feste verkündeten der
+Hauptstadt Starschenskys Glück, und wiederholte, zahlreich besuchte
+Feste versicherten ihn der allgemeinen Teilnahme. Durch eine
+Ehrenbedienstung am Hofe festgehalten, lernte er bald sich in Geräusch
+und Glanz fügen, ja wohl gar daran Vergnügen finden, wenigstens
+insoweit Elga es fand, deren Geschmack für rauschende Lustbarkeiten
+sich immer bestimmter aussprach. Aber war sie nicht jung, war sie
+nicht schön? Hatte nicht, nach langen Unfällen, jede Lust für sie den
+doppelten Reiz, als Lust und als neu? Der Graf gewährte und war
+glücklich. Nur eines fehlte, um ihn ganz selig zu machen: schon war
+ein volles Jahr seit seiner Vermählung verstrichen, und Elga gab noch
+keine Hoffnung Mutter zu werden.
+
+Doch plötzlich ward der Rausch des Glücklichen auf eine noch weit
+empfindlichere Weise gestört. Starschenskys Hausverwalter, ein als
+redlich erprobter Mann, erschien, trübe Wolken auf der gefurchten
+Stirn. Man schloß sich ein, man rechnete, man verglich, und es zeigte
+sich bald nur zu deutlich, daß durch das, was für Elgas Verwandte
+geschehen war, durch den schrankenlosen Aufwand der letzten Zeit, des
+Grafen Vermögensstand erschüttert war und schleunige Vorsorge
+erheischte. Das Schlimmste zu dieser Verwirrung hatten Elgas Brüder
+getan. Wie denn überhaupt das Unglück nur Besserungsfähige bessert,
+so war die alles verschlingende Genußliebe des leichtfertigen Paares
+durch die lange Entbehrung nur noch gieriger geworden. Auf die Kasse
+des Grafen mit ihrem Unterhalte angewiesen, hatten sie den
+überschwenglichsten Gebrauch von dieser Zugestehung gemacht, und
+nachdem der in Seligkeit schwimmende Graf auf die ersten Anfragen
+seiner besorgten Geschäftsleute ungeduldig die Antwort erteilt hatte:
+man solle es nicht zu genau nehmen und seinen Schwägern geben was sie
+bedurften, war bald des Forderns und Nehmens kein Ende.
+
+Der Graf übersah mit einem Blicke das Bedenkliche seiner Lage und,
+ordnungsliebend wie er war, hatte für ihn ein rasches Umkehren von dem
+eingeschlagenen Taumelpfade nichts Beängstigendes. Nur der Gedanke an
+Elga machte ihm bange. Wird das heitere, in unbefangenem Frohsinn so
+gern hinschwebende Wesen--? Aber es mußte sein, und der Graf tat, was
+er mußte. Mit klopfendem Herzen trat er in Elgas Gemach. Aber wie
+angenehm ward er überrascht, als, da er kaum die Verhältnisse
+auseinandergesetzt und die Notwendigkeit geschildert hatte, die Stadt
+zu verlassen, um auf eigener Scholle den Leichtsinn der
+letztverflossenen Zeit wieder gut zu machen, als bei der ersten
+Andeutung schon Elga an seine Brust stürzte, und sich bereitwillig und
+erfreut erklärte. Was er wolle, was er gebiete, sie werde nur
+gehorsam sein! Dabei stürzten Tränen aus ihren Augen, und sie wäre zu
+seinen Füßen gefallen, wenn er es nicht verhindert, sie nicht
+emporgehoben hätte zu einer langen, Zeit und Außenwelt aufhebenden
+Umarmung.
+
+Alle Anstalten zur Abreise wurden gemacht. Starschensky, der, von
+Jugend auf an Einsamkeit gewohnt, alle Freuden des Hofes und der Stadt
+nur in der Freude, die seine Gattin daran zeigte, genossen hatte,
+segnete beinahe die Unfälle, die ihn zwangen, in den Schoß seiner
+ländlichen Heimat zurückzukehren. Elga packte und sorgte, und in den
+ersten Nachmittagsstunden eines warmen Maientages war man mit Kisten
+und Päcken in dem altertümlichen Stammschlosse angekommen, das, neu
+eingerichtet, und aufs beste in Stand gesetzt, durch Nachtigallenschlag
+und Blütenduft wetteifernd ersetzte, was ein verwöhnter Geschmack in
+Vergleich mit den Palästen der Städte, allenfalls hätte vermissen
+können.
+
+Bald nach der Ankunft schien sich zum Teile aufzuklären, warum Elgan
+die Änderung der bisherigen Lebensweise so leicht geworden war. Sie
+stand in den ersten Monaten einer bis jetzt verheimlichten
+Schwangerschaft, und Starschensky, mit der Erfüllung aller seiner
+Wünsche überschüttet, kannte keine Grenzen seines Glücks.
+
+Frühling und Sommer verstrichen unter ländlichen Ergötzlichkeiten,
+ordnenden Einrichtungen und frohen Erwartungen. Als das Laub gefallen
+war und rauhe Stürme, die ersten Boten des Winters, an den Fenstern
+des Schlosses rüttelten, nahte Elgan die ersehnte und gefürchtete
+Stunde, sie gebar, und ein engelschönes, kleines Mädchen ward in die
+Arme des Grafen gelegt, der die Tochter mit segnenden Tränen benetzte.
+Leicht überstanden, wie die Geburt, waren die Folgen, und Elga blühte
+bald wieder einer Rose gleich.
+
+Soviel günstige Vorfälle wurden leider durch unangenehme Nachrichten
+aus der Hauptstadt unterbrochen. Der alte Starost, Elgas Vater, war
+gestorben, und hatte seine Umstände in der größten Zerrüttung
+hinterlassen. Die beiden Söhne, in ihrer tollen Verschwendung nicht
+mehr von ihrem bedächtlicher gewordenen Schwager unterstützt, häuften
+Schulden auf Schulden, und ihre Gläubiger, die in der Hoffnung auf den
+Nachlaß des alten Vaters zugewartet hatten, sahen sich zum Teile in
+ihrer Erwartung dadurch getäuscht, daß in dem Testamente des Starosten
+eine beträchtliche Summe, in Folge einer früher geschehenen förmlichen
+Schenkung, an jenen armen Vetter Oginsky überging. Dieser Vetter war,
+wie bekannt, seit längerer Zeit verschwunden. Er mußte aber doch noch
+leben, und sein Aufenthalt nicht jedermann ein Geheimnis sein, denn
+die ihm bestimmte Summe ward gefordert, übernommen, und die Sache
+blieb abgetan.
+
+Zu den Verschwendungen der beiden Laschek gesellten sich überdies noch
+Gerüchte, als ob sie neuerdings verbotene Anschläge hegten und
+Parteigänger für landesschädliche Neuerungen würben. Starschensky sah
+sich aufs überlästigste von seinen Schwägern und ihren Gläubigern
+bestürmt, er wies aber, nachdem er getan, was in seinen Kräften stand,
+alle weitere Anforderung standhaft von sich, und hatte das Vergnügen,
+Elgan in ihren Gesinnungen mit den seinigen ganz übereinstimmen zu
+sehen. Ja, als die Brüder, gleichsam zum letzten Versuch, sich auf
+dem Schlosse des Grafen einfanden, sahen sie sich von der Schwester
+mit Vorwürf en überhäuft, und man schied beinahe in Feindschaft.
+
+So gingen mehr als zwei Jahre vorüber, und der Friede des Hauses
+blühte, nach überstandenen Stürmen, nur um so schöner empor. Sah sich
+gleich der Graf in seinen Wünschen nach einem männlichen Stammhalter
+fortwährend getäuscht, so wendete sich dafür eine um so größere, eine
+ungeteilte Liebe auf das teure, einzige Kind.
+
+Kaum konnte aber auch etwas Reizenderes gedacht werden, als das kleine,
+rasch sich entwickelnde Mädchen. In allen schon angekündigten Formen
+der Mutter Abbild, schien sich die schaffende Natur bei dem holden
+Köpfchen in einem seltsamen Spiele gefallen zu haben. Wenn Elga bei
+der Schwärze ihrer Haare und Brauen durch ein hellblaues Auge auf eine
+eigene Art reizend ansprach, so war bei dem Kinde diese Verkehrung des
+Gewöhnlichen nachgeahmt, aber wieder verkehrt; denn goldene Locken
+ringelten sich um das zierliche Häuptchen, und unter den langen
+blonden Wimpern barg sich, wie ein Räuber vor der Sonne, das große
+schwarzrollende Auge. Der Graf scherzte oft über diese, wie er es
+nannte, auf den Kopf gestellte Ähnlichkeit, und Elga drückte dann das
+Kind inniger an sich und ihre Lippen hafteten auf den gleichgeschwellten,
+strahlenden von gleichem Rot.
+
+Der Graf widmete alle Stunden, die er nicht den häuslichen Freuden
+schenkte, einzig der Wiederherstellung seiner, durch die unüberlegte
+Freigebigkeit an Elgas Verwandte herabgekommenen Vermögensumstände und
+der Verbesserung seiner Güter. Tagelang durchging er Meierhöfe und
+Fruchtscheuern, Saatfelder und Holzschläge, immer von seinem
+Hausverwalter begleitet, einem alten, redlichen Manne, der, vom Vater
+auf den Sohn vererbt, dessen ganzes Vertrauen besaß. Schon seit
+längerer Zeit bemerkte Starschensky eine auffallende Düsterheit in den
+Zügen des Alten. Wenn er unvermutet sich nach ihm umwendete,
+überraschte er das sonst immer heitere Auge beinahe wehmütig auf sich
+geheftet. Doch schwieg der Mann.
+
+Einst, als beide die Hitze eines brennenden Vormittages mit den
+Schnittern geteilt hatten und der Graf, im Schatten eines Erlenbusches
+gelagert, mit Behagen einen Trunk frischen Wassers aus der Hand seines
+alten Dieners empfing, da rief dieser losbrechend aus: Wie herrlich
+Gottes Segen auf den Feldern steht! Wie glücklich sich der Besitzer
+von dem allen fühlen muß! Das tut er auch, entgegnete, kopfnickend
+und zu wiederholtem Trinken ansetzend, der Graf. Es begreift sich
+allenfalls noch, fuhr der Alte fort, wie es in den Städten
+Unzufriedene gibt, die an Staat und Ordnung rütteln, und denen die
+Gewalt nichts zu Danke machen kann, aber auf dem Lande, in Wald und
+Feld, fühlt mans deutlich, daß doch am Ende Gott allein alles regiert;
+und der hats noch immer gut gemacht bis auf diesen Augenblick. Aber
+die Ruhestörer haben keine Rast, bis sie alles verwirrt und zerrüttet,
+Vater und Bruder in ihr Netz gezogen, Schwester und Schwäger. Gottes
+Verderben über sie!--Der Graf war aufgestanden. Ich merke wohl,
+sprach er, daß du auf meiner Frau Brüder zielst. Hast du etwa
+neuerlich von ihnen gehört? Da fiel der alte Mann plötzlich zu
+Starschenskys Füßen, und in heiße Tränen ausbrechend, rief er: Herr,
+laßt Euch nicht verlocken! Denkt an Weib und Kind! An so manches,
+was Ihr besitzt! An Eurer Väter ruhmwürdigen Namen!--Was kommt dir
+an? zürnte der Graf.--Herr, rief der Alte, Eure Schwäger sinnen Böses,
+und Ihr wißt um ihr Vorhaben!--Spricht der Wahnsinn aus dir? schrie
+Starschensky.--Ich weiß was ich sage, entgegnete der Alte. Ein
+Vertrauter Eurer Schwäger kommt zu Euch heimlich aufs Schloß.
+Heimlich wird er eingelassen. Tagelang liegt er in der halbverfallenen
+Warte am westlichen Ende der Tiergartenmauer verborgen. --Wer sagt das?
+--Ich, der ich ihn selbst gesehen habe.--Heimlich aufs Schloß kommend?
+--Heimlich aufs Schloß!--Wann?--Oft!--Ein Vertrauter meiner Schwäger?
+--In Warschau sah ich ihn an ihrer Seite.--Weißt du seinen Namen?--Euch
+ist wohlbekannt, daß ich nur einmal in Warschau war, und da hatte ich
+Wichtigeres in Eurem Dienste zu schaffen, als mich um die Namen von
+Eurer Schwäger zahlreichen Zechgesellen zu bekümmern. Aber, daß ich ihn
+mit ihnen sah, des bin ich gewiß.--Zu welchen Stunden sahst du ihn aufs
+Schloß kommen?--Nachts! --Starschensky schauderte unwillkürlich zusammen
+bei dieser letzten Antwort, obgleich eine kurze Besinnung ihm so viele
+mögliche Erklärungsarten dieser rätselhaften Besuche darbot, daß er bei
+seiner Nachhausekunft schon wieder beinahe ganz ruhig war. Nur fragte er
+wie im Vorbeigehen Elgan: ob sie schon lange keine Nachricht von ihren
+Brüdern erhalten habe? Seit sie zuletzt selbst hier waren, keine,
+entgegnete sie ganz unbefangen. Der Graf gebot dem alten
+Hausverwalter, dem er seine patriotischen Besorgnisse leicht
+ausgeredet hatte, das tiefste Stillschweigen über die ganze Sache,
+beschloß aber doch, wo möglich, näher auf den Grund zu sehen.
+
+Einige Zeit verstrich, da war er eines Nachmittags zu Pferde gestiegen,
+um eine seiner entferntern Besitzungen zu besuchen, wo er mehrere
+Tage zubringen wollte. Schon hatte er einen guten Teil des Weges
+gemacht, und der Abend fing an einzubrechen, da hörte er hinter sich
+laut und ängstlich seinen Namen rufen. Umblickend, erkannte er den
+alten Hausverwalter, der auf einem abgetriebenen Pferde keuchend und
+atemlos ihn einzuholen sich bestrebte und mit Rufen und Händewinken
+anzuhalten und ihn zu erwarten bat. Der Graf zog den Zügel seines
+Rosses an und hielt. Angelangt, drängte der Alte sich hart an seinen
+Herrn und stammelte ihm keuchend seine Kunde ins Ohr. Der Veranlasser
+jener Besorgnisse, der rätselhafte Unbekannte war wieder in der Nähe
+des Schlosses gesehen worden. Der Graf wandte sein Roß, und eines
+Laufes sprengten sie den Weg zurück, heimwärts, mit Mühe von den
+Dienern gefolgt. Eine gute Strecke vom Schlosse stiegen beide ab und
+gaben die Pferde dem Diener, der angewiesen wurde, ihrer an einem
+bezeichneten Platze zu harren. Durch Gestrüpp und Dickicht gingen sie
+jener Warte zu, wo der Fremde sich am öftesten zeigen sollte. Es war
+indes dunkel geworden, und der Mond zögerte noch aufzugehen, obschon
+bereits durch eine dämmernde Helle am Saum des Horizontes angekündigt.
+Da fiel plötzlich durch die dicht verschlungenen Zweige ein Licht in
+ihre Augen, in derselben Richtung, in der jene Warte liegen mußte.
+Sie beeilten sich, den Rand des Waldes zu erreichen, und waren nun am
+Fuße des von Bäumen entblößtem Hügels angekommen, auf dem die Warte
+stand. Aber kein Licht blickte durch die ausgebröckelten
+Schußscharten; keine Spur eines menschlichen Wesens. Zwar wollte der
+alte Verwalter bei dem Schein des eben aufgehenden Mondes frische
+Fußtritte am Boden bemerken, auch war es keineswegs in der Ordnung,
+die Türe unverschlossen zu finden; aber das erste Anzeichen konnte
+täuschen, das andere ließ sich so leicht aus einer Nachlässigkeit des
+Schloßwarts erklären.
+
+Leichter atmend, ging der Graf mit seinem Begleiter den Hügel herab,
+dem Schlosse zu. Der Mond warf sein Silber über die ruhig
+schlummernde Gegend und verwandelte das vor ihnen liegende Schloß in
+einen schimmernden Feenpalast. In der Seele Starschenskys ging,
+reizender als je, das Bild seiner Gattin auf. Jetzt erst gestand er
+sichs, daß ein Teil des in ihm auf keimenden Verdachtes ihr gegolten
+hatte, und nun, im Gefühle seines Unrechts, ihr Bild, wie sie sorglos
+schlummernd im jungfräulichen Bette lag, vor den Augen seiner Seele,
+entstand eine Sehnsucht nach ihr in seinem Innern, wie er sie seit den
+Tagen des ersten Begegnens, der bräutlichen Bewerbung kaum je
+empfunden hatte.
+
+So träumte er, so ging er. Da fühlte er sich plötzlich angestoßen.
+Sein Begleiter wars; der zeigte mit dem Finger vor sich hin in das
+hellerleuchtete Feld. Starschensky folgte der Richtung und sah eine
+Mannsgestalt, welche, die vom Monde unerleuchtete, dunkle Seite ihnen
+zugekehrt, übers Feld dem Schlosse zuschlich. Der Graf war sein
+selbst nicht mächtig. Mit einem lauten Ausruf, den gezückten Säbel in
+der Faust, stürzte er auf die Gestalt los. Der Fremde, frühzeitig
+gewarnt, floh, vom Schlosse ab, den Bäumen zu. Schon im Begriffe, ihn
+dahin zu verfolgen, ward der Graf durch eine zweite Erscheinung davon
+abgehalten, die dicht an der Mauer des Schlosses sich hinschob. Diese
+zweite ward bald erreicht und gab sich zitternd und bebend als Dortka,
+der Gräfin Kammermädchen, kund. Auf die erste Frage: Was sie hier
+gemacht? stotterte sie unzusammenhängende Entschuldigungen; die zweite:
+wie sie hierher gekommen? beantwortete an ihrer Statt das geöffnete
+Ausfallpförtchen, das, gewöhnlich versperrt und verriegelt, nur auf
+des Grafen Befehl mit einem Schlüssel, den er selbst verwahrte,
+geöffnet werden konnte.
+
+Alle Versuche, von dem Mädchen ein Geständnis zu erpressen, waren
+vergeblich. Da ergriff sie der Graf hocherzürnt bei der Hand und
+führte sie gewaltsam durch die mannigfach verschlungenen Gänge bis zu
+den Zimmern seiner Gemahlin, die er noch erleuchtet und unverschlossen
+fand. Elga selbst war wach und in Kleidern. Der Graf, stotternd vor
+Wut, erzählte das Geschehene und verlangte, daß das Mädchen entweder
+augenblicklich bekenne, oder auf der Stelle aus Dienst und Hause
+entfernt werde. Dortka war auf die Kniee gefallen und zitterte und
+weinte.
+
+Starschensky hatte sich seine Gattin verlegen oder seinem gerechten
+Zorne beistimmend gedacht. Keines von beiden geschah. Kalt und
+teilnahmslos bat sie ihn anfangs, die Ruhe des Hauses nicht durch sein
+lautes Schelten zu stören, und als er fortfuhr und die Entfernung des
+Mädchens begehrte, da erklärte sie mit steigender Wärme: Ihr gebühre,
+über das Verhalten ihrer Dienerinnen zu richten, sie selbst werde
+untersuchen und entscheiden. Der Graf, außer sich, zog das Mädchen
+vom Boden auf, sie gewaltsam aus dem Zimmer zu bringen, aber Elga
+sprang hinzu, ergriff des Mädchens andere Hand, riß sie zu sich, indem
+sie ausrief: Nun denn, so stoß auch mich aus dem Hause, denn darauf
+ist es doch wohl abgesehen! daß ich früher dich so gekannt!
+Unglückliche, die ich bin! fuhr sie laut weinend fort; gekränkt,
+mißhandelt! Aber schuldlose Diener sollen nicht um meinetwillen
+leiden! Dabei zeigte sie dem Mädchen mit dem Finger auf die Türe
+ihres Schlafgemaches; diese verstand den stummen Befehl und ging eilig
+hinein. Elga folgte und schloß die Türe hinter sich ab.
+
+Starschensky stand wie vom Donner getroffen. Einmal raffte er sich
+empor und ging auf das Zimmer seiner Frau zu; halben Weges aber blieb
+er stehen und versank neuerdings in dumpfes Staunen. Der alte
+Hausverwalter trat zu ihm und sprach einige Worte; der Graf aber ging
+ohne Antwort an ihm vorüber zur Türe hinaus, über die Gänge, auf sein
+Gemach, das im entgegengesetzten Flügel des Schlosses lag. An der
+Schwelle wendete er sich um, durch eine Bewegung der Hand jede
+Begleitung zurückweisend, und die Türe ging hinter ihm zu. Wie er die
+Nacht zubrachte; wer kann es wissen? Der Diener, der des Morgens zu
+ihm eintrat, fand ihn angekleidet, auf einem Stuhle sitzend. Er
+schien zu schlafen, doch näher besehen, standen die Augen offen und
+starrten vor sich hin. Der Diener mußte einigemal seinen Namen nennen,
+bis er sich bewegte. Dann erst meldete jener seine Botschaft, indem
+er ihn im Namen der Gräfin bat, das Frühstück auf ihrem Zimmer
+einzunehmen. Starschensky sah ihn staunend an, dann aber stand er auf
+und folgte schweigend, wohin jener ihn, vortretend, geleitete.
+
+Heiter und blühend, als ob nichts vorgefallen wäre, kam ihm Elga
+entgegen; sie erwähnte halb scherzend der Ereignisse der verflossenen
+Nacht. Das Kammermädchen ward eines heimlichen Liebeshandels
+angeklagt, Dortka selbst gerufen, die ein unwahrscheinliches Märchen
+unbeholfen genug erzählte. Zuletzt bat sie um Verzeihung, welche die
+Gräfin, mit Rücksicht auf sonst gezeigtes gutes Betragen, im eigenen
+und in ihres Gatten Namen großmütig erteilte. Der Graf, am Schlusse
+doch auch um seine Zustimmung befragt, erteilte diese kopfnickend, und
+das Mädchen blieb im Hause.
+
+Schweigend nahm Starschensky das Frühstück ein, stumm ging er aus dem
+Schlosse. Der alte Hausverwalter, der ihm auf seinem Wege entgegenkam,
+wagte, neben ihm hergehend, nicht, das Stillschweigen zu brechen, und
+suchte nur in den Zügen seines Herrn Antwort auf seine
+zurückgehaltenen Fragen und Zweifel. So gingen sie, so verrichteten
+sie ihre Geschäfte, wie sonst, wie immer. Der Graf bestrebte sich
+nicht bloß, über die Vorfälle des gestrigen Tages nichts zu denken, er
+dachte wirklich nichts. Denn wenn der verfolgte Strauß sein Haupt
+verbirgt und wähnt, sein Nichtsehen der Gefahr sei zugleich ein
+Nichtdasein derselben, so tut der Mensch nicht anders. Unwillkürlich
+schließt er sein Auge vor einem hereinbrechenden Unvermeidlichen, und
+jedes Herz hat seine Geheimnisse, die es absichtlich verbirgt vor sich
+selbst.
+
+Einige Tage darauf wollte Starschensky eintreten bei seiner Gemahlin.
+Es hieß, sie sei im Bade; doch hörte er die Stimme seines Kindes im
+nächsten Gemache, und er ging hinein. Da fand er die Kleine am Boden
+sitzend, mitten in einer argen Verwirrung, die sie angerichtet. Elgas
+Schmuck und Kleinodien lagen rings um das Kind zerstreut, und das
+offene, umgestürzte Schmuckkästchen nebst dem herabgezogenen Teppich
+des daneben stehenden Putztisches zeigte deutlich die Art, wie es sich
+das kostbare Spielzeug verschafft hatte. Starschensky trat gutmütig
+scheltend hinzu, stritt dem Kinde Stück für Stück seinen Raub ab, und
+versuchte nun die glänzenden Steine wieder an ihre Stelle zu legen.
+Der Deckel des Schmuckkästchens, augenscheinlich ein doppelter, war
+durch den Sturz vom Tische aus den Fugen gewichen, und da der Graf
+versuchte, ihn, mit dem Finger drückend, wieder zurückzupressen, fiel
+der innere Teil der doppelten Verkleidung auf den Boden und zeigte in
+dem rückgebliebenen hohlen Raume ein Porträt, das, schwach eingefügt,
+leicht von der Stelle wich und das nun der Graf hielt in der
+zitternden Hand.
+
+Es war das Bild eines Mannes in polnischer Nationaltracht. Das Gefühl
+einer entsetzlichen Ähnlichkeit überfiel den Grafen wie ein
+Gewappneter. Da war das oft besprochene Naturspiel mit den schwarzen
+Augen und blondem Haare, wie--bei seinem Kinde.--Er sah das Mädchen an,
+dann wieder das Bild.--Diese Züge hatte er sonst schon irgend gesehen;
+aber wann? wo?--Schauer überliefen ihn.--Er blickte wieder hin. Da
+schaute ihn sein Kind mit schwarzen Schlangenaugen an, und die blonden
+Haare loderten wie Flammen, und die Erinnerung an jenen verschmähten
+Vetter in Warschau ging gräßlich in ihm auf.--Oginsky! schrie er und
+hielt sich am Tische, und die Zähne seines Mundes schlugen klappernd
+aneinander.
+
+Ein Geräusch im Nebenzimmer schreckte ihn empor. Er befestigte den
+Deckel an seine Stelle, schloß das Kästchen, das Bild hatte er in
+seinen Busen gesteckt; so floh er, wie ein Mörder.
+
+Diesen Tag ward er im Schlosse nicht mehr gesehen. Sein Platz blieb
+leer am Mittagstische. Gegen Abend kam er ins Zimmer der Wärterin und
+verlangte nach dem Kinde. Das nahm er bei der Hand und führte es in
+den Garten, der einsam gelegenen Mooshütte zu. Dort fand ihn nach
+einer Stunde der suchende Hausverwalter, in eine Ruhebank
+zurückgelehnt. Das Kind stand zwischen seinen Knieen, er selbst hielt
+ein Bild in der Hand, abwechselnd auf dieses, dann auf die Kleine
+blickend, wie einer, der vergleicht, meinte der alte Mann.
+
+Am folgenden Morgen war Starschensky verreist, niemand wußte wohin.
+Er aber war in Warschau; dort forschte er, zu spät! nach Elgas
+früheren Verhältnissen. Er erfuhr, daß sie und Oginsky, der in des
+alten Starosten Hause erzogen war, sich schon frühzeitig geliebt, daß,
+aus Besorgnis vor der wachsenden Vertraulichkeit, der aussichtslose
+Vetter entfernt wurde; daß, aus seiner Verbannung zurückkehrend, kurz
+vor Starschenskys Vermählung, er seine Ansprüche erneuert habe und
+jene bedeutende Summe Geldes, die in des alten Laschek letztem Willen
+ihm zugedacht war, zum Teil der Preis seines Rücktrittes war; daß Elga
+sich nur schwer von ihm getrennt und seine Armut und Starschenskys
+Reichtum, verbunden mit dem Andringen ihrer Verwandten, der Hauptgrund
+ihrer Einwilligung zur Verbindung mit dem Grafen gewesen war. All
+diese Geheimnisse soll einer von Elgas Brüdern, gegen den er sich zur
+rechten Zeit freigebig zeigte, dem Grafen für Geld verraten und ihm
+zugleich den Ort angezeigt haben, wo Oginsky, einem geleisteten Schwur
+zufolge, sich verborgen hielt.
+
+Auf dem Schlosse herrschte unterdessen Unruhe und Besorgnis. Elga
+selbst war übrigens augenscheinlich die Ruhigste von allen. Sie
+schien das befremdliche Betragen ihres Gatten noch auf Rechnung jener
+nächtlichen Überraschung zu schieben, über die, da durchaus niemandem
+etwas Bestimmtes zur Last gelegt werden konnte, der Graf, wie sie
+hoffte, sich am Ende wohl selbst beruhigen werde. Jenes Kammermädchen
+war noch immer in ihren Diensten.
+
+Unvermutet erschien nach einiger Zeit der Graf auf der Grenze seiner
+Besitzung, in seinem Gefolge ein verschlossener Wagen, von dessen
+Inhalt niemand wußte. Eine verhüllte Gestalt, vielleicht durch Knebel
+am Sprechen verhindert, ward herausgehoben und dem durch Briefe im
+voraus an die Grenze beschiedenen Hausverwalter übergeben. Die alte
+Warte an der Westseite des Tiergartens, seitdem sorgfältig
+verschlossen, nahm die sonderbare Erscheinung in ihren Gewahrsam, und
+dunkle Gerüchte verbreiteten sich unter den Bewohnern der Umgegend.
+
+Der Graf ging auf sein Schloß. Laut jubelnd kam ihm Elga entgegen,
+das Kind an ihrer Hand. Er hörte, wie unruhig man über seine
+plötzliche Abreise gewesen, wie sehnlich man ihn zurückerwartet. Der
+Kleinen Fortschritte wurden gerühmt, einige Proben der erlangten
+Geschicklichkeit auf der Stelle abgelegt. Da die Zeit des Abendessens
+gekommen war, erklärte Starschensky sich unpaß und ermüdet von der
+Reise. Er ging, trotz aller Gegenvorstellungen, allein auf sein
+Zimmer, wo er sich einschloß. Doch war sein Bedürfnis nach Ruhe nur
+vorgegeben, denn nachts verließ er sein Gemach und ging allein nach
+der Warte, wo er bis zum grauenden Morgen blieb.
+
+Am darauf folgenden Tage war Elga verdrüßlich, schmollend. Des Grafen
+nächtlicher Gang war nicht unbemerkt geblieben. Elga fand sich
+vernachlässigt und zeigte ihre Unzufriedenheit darüber. Starschensky
+unterbrach ihre mißmutigen Äußerungen, indem er von ihrer
+beiderseitigen Lage zu sprechen anfing. Er bemerkte, daß bei seinem
+jetzigen Aufenthalte in Warschau, bei dem erneuten Anblick der
+Zerstreuungen jener genußliebenden Stadt es ihm klar geworden, wie ein
+so reizendes, lebensfrohes Wesen, als Elga, auf dem Lande gar nicht an
+ihrer Stelle sei. Er fragte sie, ob sie den Aufenthalt in der
+Hauptstadt vorziehen würde? An seiner Seite, entgegnete sie.--Er
+selbst, versicherte der Graf, werde durch seine Geschäfte auf den
+Gütern festgehalten; seine Vermögensumstände seien schlimmer, als man
+geglaubt, er müsse bleiben. Dann bleibe auch sie, sagte Elga. An
+seiner Seite wolle sie leben und sterben. Nun verwünschte sie die
+beiden Brüder, die durch ihre unverschämten Forderungen den allzu
+guten Gatten in so manche Verlegenheit gestürzt. Sie versicherte, nun
+aber auch jeden Rest von Liebe für sie abgelegt zu haben. Wenn ihre
+Brüder bettelnd vor der Türe ständen, sie würde nicht öffnen, sagte
+sie. Der Graf übernahm zum Teil die Verteidigung seiner Schwäger. Er
+habe sie in Warschau gesprochen. Es war einer ihrer Verbannungsgefährten
+bei ihnen--wie hieß er doch?--Elga sann gleichfalls nach.--Oginsky!
+rief der Graf und blickte sie rasch an. Sie veränderte nicht eine Miene
+und sagte: Die Genossen meiner Brüder sind alle schlecht, dieser aber
+ist der schlechteste!--Welcher?--Den du nanntest!--Welcher war das?
+--Nun, Oginsky! antwortete sie, und ein leichtes Zucken in ihren Zügen
+verriet eine vorübergehende Bewegung.
+
+Der Graf war ans Fenster getreten und blickte hinaus. Elga folgte ihm,
+sie lehnte den Arm auf seine Schulter. Der Graf stand unbeweglich.
+Starschensky, sagte sie, ich bemerke eine ungeheure Veränderung in
+deinem Wesen. Du liebst mich nicht, wie sonst. Du verschweigst mir
+manches. Der Graf wendete sich um und sagte: Nun denn, so laß uns
+reden, weil du Rede willst. Du kennst die Zerrüttung meiner
+Vermögensumstände, du kennst deren Ursache. Was noch sonst mich
+drückt, weiß nur ich. Wenn nun diese Ereignisse schwer auf mir liegen,
+so martert nicht weniger der Gedanke, daß ich die Ursache wohl gar
+selbst herbeigeführt habe. Gewiß war der Leichtsinn tadelnswert, mit
+dem ich das Erbe meiner Väter verwaltete; vielleicht war ich aber
+sogar damals strafbar, als ich, der Störrische, an Abgeschiedenheit
+Gewohnte, um die Hand des lebensfrohen Mädchens warb, unbekümmert über
+die Richtung ihrer Gefühle und Neigungen, unbekümmert, ob ich sie,
+meine Frau geworden, zu einer Lebensart verdammte, deren Einförmigkeit
+ihr unerträglich werden mußte.--Starschensky! sagte Elga und sah ihn
+mit schmeichelndem Vorwurfe an.--Man hat mir fremde Dienste angeboten,
+fuhr Starschensky fort, und genau besehen, ist es vielleicht am besten,
+ich meide für einige, vielleicht für längere Zeit das Land meiner
+Väter. Gestern noch waren meine Entschlüsse finsterer. Aber die
+Überlegung der heutigen Nacht zeigte mir diesen Entschluß als den
+besten. Heute nacht, versetzte Elga mißtrauisch, heute nacht hast du
+überlegt? Und wo? Auf jener Warte etwa? Und da Starschensky
+betroffen zurückfuhr: Hab ich dich?--fuhr sie fort. Von dort her
+holst du deine Besorgnisse? Von dorther deinen Wunsch zu reisen? Und
+die Reisegefährtin wohl auch? Durch das Gerücht mußte ich erfahren,
+wie eine verhüllte Gestalt, wahrscheinlich eine glücklichere Geliebte,
+dort abgesetzt ward, zu der du nun allnächtlich die Zärtlichkeit
+trägst, die du an dem Altare mir zugeschworen. Ist das mein Lohn?
+Komm! wendete sie sich zu dem danebenstehenden Kinde, komm! Wir sind
+ihm zur Last! Er hat andere Freuden kennengelernt, als in dem Kreise
+der Seinen! Damit wendete sie sich zum Gehen. Ein gellendes
+Hohngelächter entfuhr dem Munde des Grafen, über das er selbst
+zusammenschrak, wie über das eines andern. Elga wendete sich um. Ich
+wußte wohl, sagte sie, daß es nur Scherz war. Aber die Enthüllung des
+Geheimnisses jener Warte ersparst du dir doch nicht. Ich muß selbst
+schauen, was sie verbirgt. Versprichst du mir das? Der Graf war auf
+ein Ruhebett gesunken und verhüllte das Gesicht in seine beiden Hände.
+Da hörte er eine Türe gehen. Durch die Finger blickend, sah er das
+Kammermädchen seiner Frau, die eben mit ihrem Nachtzeuge eintreten
+wollte, und Elgan, die mit einem listigen Gesichte ihr Entfernung
+zuwinkte. Elga nahte hierauf dem Ruhebette und, sich neben ihren
+Gatten hinsetzend, sprach sie: Komm, Starschensky, laß uns Frieden
+schließen! Wir haben uns ja doch schon so lange nicht ohne Zeugen
+gesprochen. Damit neigte sie ihre Wange an die seinige und zog eine
+seiner Hände an ihr klopfendes Herz. Ein Schauder überfiel den Grafen.
+Höllenschwarz stands vor ihm. Er stieß sein Weib zurück und entfloh.
+
+Mitternacht hatte geschlagen. Alles im Schlosse war stille. Elga
+schlief in ihrem Zimmer. Da fühlte sie sich angefaßt und, aus dem
+Schlafe emporfahrend, sah sie beim Schein der Nachtlampe ihren Gatten,
+der, eine Blendlaterne in der Hand, sie aufstehen und sich ankleiden
+hieß. Auf ihre Frage: wozu? entgegnete er: Sie habe Verlangen gezeigt,
+die Geheimnisse jener Warte kennenzulernen. Am Tage ginge das nicht
+an; wenn sie aber Finsternis und Nachtluft nicht scheue, so möge sie
+ihm folgen. Aber hast du nichts Arges im Sinne? fragte die Gräfin; du
+warst gestern abends so sonderbar! Wenn du nicht folgen willst, so
+bleibe, sprach Starschensky und war im Begriffe, sich zu entfernen.
+Halt! rief Elga. Wenn Furchtsamkeit der Weiber allgemeines Erbteil
+ist, so bin ich kein Weib. Auch muß dieser Zustand von Ungewißheit
+enden. Vielleicht bist du in dich gegangen, hast erkannt.--Wenn du
+dich überzeugen willst--sprach Starschensky, so steh auf und folge mir.
+Elga war aus dem Bette gesprungen und hatte einen Schlafpelz
+übergeworfen. Sie wollte gehen. Aber indes war das Kind erwacht, das
+in dem Bette ihr zur Seite schlief. Es fing an zu weinen. Dein Kind
+wird die Bewohner des Schlosses wecken, sagte der Graf. Da, ohne ein
+Wort zu sprechen, nahm Elga die Kleine empor, wickelte sie in ein
+warmverhüllendes Tuch und, das Kind auf dem Arme, folgte sie dem
+leitenden Gatten.
+
+Die Nacht war kühl und dunkel. Die Sterne zwar schimmerten
+tausendfältig am trauergefärbten Himmel, aber kein Mond beleuchtete
+der Wandler einsamen Pfad, nur des Grafen Blendlaterne warf kurze
+Streiflichte auf den Boden und die untersten Blätter der mitternächtig
+schlummernden Gesträuche.
+
+So hatten sie den, von seiner ehemaligen Benützung so genannten
+Tiergarten durchschritten und waren nun bei jener Warte angelangt, dem
+eigentlichen Ziele ihrer Wanderung. Da wendete der Graf sich um zu
+seiner Gattin und sprach: Du bist nun im Begriffe, das verborgenste
+Geheimnis deines Gatten zu erforschen. Du willst ihn überraschen über
+dem Bruche seiner ehelichen Treue, ihn beschämen in Beisein einer
+verworfenen Geliebten. Es ist billig, daß Gefahr und Vorteil auf
+beiden Seiten gleich sei. Bevor du eintrittst, schwöre mir, daß du
+selber nie eines gleichen Fehls dich schuldig gemacht, daß du rein
+seist an dem Verbrechen, dessen du zeihst deinen Gatten. Du suchst
+Ausflüchte, sprach Elga. Weib! fuhr der Graf fort, durchgeh in
+Gedanken dein verflossenes Leben, und wenn du eine Makel, ich will
+nicht sagen, ein Brandmal, darin entdeckst, so tritt nicht ein in
+dieses Gemäuer. Elga drängte sich am Grafen vorbei, dem Eingange zu.
+Er stellte sich ihr von neuem in den Weg, indem er ausrief: Du gehst
+nicht ein, bevor du mirs endlich versichert. Lege die Hand auf das
+Haupt deines Kindes und schwöre! Da legte Elga die Rechte auf das
+Haupt der schlummernden Kleinen und sprach: So überflüssig mir ein
+solcher Schwur scheint, so gut du selbst davon überzeugt bist, wie
+sehr er es sei, so bekräftige ich doch!--Halt! schrie Starschensky, es
+ist genug. Tritt ein und sieh!
+
+Der Graf schloß auf. Sie stiegen eine schmale Wendeltreppe hinan, die
+zu einer gleichfalls verschlossenen Türe führte. Der Graf öffnete
+auch diese, und nun traten sie in ein geräumiges Gemach, dessen
+innerer Teil durch einen dunklen Vorhang abgeschlossen war. Der Graf
+setzte Stühle an einem vorgeschobenen Tische zurecht, entzündete an
+dem Lichte seiner Blendlaterne zwei Wachskerzen in schweren, ehernen
+Leuchtern, zog aus der Schublade des Tisches ein Heft Papiere hervor
+und winkte seiner Frau, sich zu setzen, indem er sich gleichfalls
+niederließ. Elga sah rings um sich her, bemerkte aber niemand. Sie
+saß und hörte.
+
+Da begann der Graf, dem Lichte näher rückend, zu lesen aus den
+Papieren, die er hielt: 'Auch bekenne ich mit der Tochter des
+Starosten Laschek unerlaubte Gemeinschaft gepflogen zu haben; vor und
+nach ihrer Vermählung mit dem Grafen Starschensky. Ihrer Ehre
+einziges Kind--' Unerhörte Verleumdung! schrie Elga und sprang auf.
+Wer wagt es, mich solcher Dinge zu zeihen? Oginsky! rief der Graf.
+Steh auf und bekräftige deine Aussage! Bei diesen Worten hatte er den
+Vorhang hinweggerissen, und eine Mannsgestalt zeigte sich, auf Stroh
+liegend, mit Ketten an die Wand gefesselt. Wer ruft mir? fragte der
+Gefangene. Elga ist hier, sagte der Graf, und fragt, ob es wahr sei,
+daß du mit ihr gekost? Wie oft soll ichs noch wiederholen? sagte der
+Mann, sich in seinen Ketten umkehrend.--Hörst du? schrie der Graf zu
+seiner Gattin, die bleich und erstarrt dastand. Nimm hier den
+Schlüssel und öffne die Fesseln dieses Mannes! Elga zauderte. Da riß
+der Graf seinen Säbel halb aus der Scheide, und sie ging. Klirrend
+fielen die Ketten ab, und Oginsky trat vor. Was wollt Ihr von mir?
+sagte er. Du hast mich am Tiefsten verletzt, sprach der Graf. Du
+weißt, wie Männer und Edelleute ihre Beleidigungen abtun. Hier nimm
+diesen Stahl, fuhr er fort, indem er einen zweiten Säbel aus seinem
+Oberrocke hervorzog, und stelle dich mir!--Ich mag nicht fechten!
+sagte Oginsky. Du mußt! schrie Starschensky und drang auf ihn ein.
+Mittlerweile hörte man Geräusch auf der Treppe. Elga, die unbeweglich
+dagestanden hatte, sprang jetzt der Türe zu und versuchte diese zu
+öffnen, indem sie laut um Hülfe schrie. Starschensky ereilte sie, da
+sie eben nach der Klinke griff, stieß das Weib zurück und schloß die
+Türe ab. Die Zwischenzeit benützte Oginsky, und während der Graf noch
+am Eingange beschäftigt war, riß er das Fenster auf und sprang hinab.
+Der Fall war nicht tief; Oginsky erreichte unbeschädigt den Boden, und
+als der Graf von der Türe weg zum Fenster eilte, verhallten bereits
+die Fußtritte des Entflohenen in weiter Entfernung.
+
+Der Graf wendete sich nun zu seiner Gemahlin. Dein Mitschuldiger ist
+entflohen, sagte er, aber du entgehst mir nicht. Kannst du jene
+Verleumdung glauben? stammelte Elga. Ich glaube dem, was ich weiß,
+sprach Starschensky, und dem Stempel der Ähnlichkeit in den Zügen
+dieses Kindes. Du mußt sterben, sagte er, und zwar hier auf der
+Stelle! Elga war auf die Kniee gefallen. Erbarme dich meines Lebens,
+rief sie. Beginne mit mir, was du willst! Verbanne mich! verstoße
+mich! heiße mich in einem Kloster, in einem Kerker den Rest meiner
+Tage vollbringen, nur laß mich leben! leben! Der Graf bedachte sich
+eine Weile, dann sprach er: Weil du denn dieses schmacherfüllte,
+scheußliche Dasein schätzest, über alles, so wisse: ein einziges
+Mittel gibt es, dich zu retten. Nenn es, nenne es, wimmerte Elga.
+Der Brandfleck meiner Ehre, sprach der Graf, ist dies Kind. Wenn
+seine Augen der Tod schließt, wer weiß, ob mein Grimm sich nicht legt.
+Wir sind allein, niemand sieht uns, Nacht und Dunkel verhüllen die
+Tat. Geh hin und töte das Kind!--Wie, ich? schrie Elga. Töten? Mein
+Kind? Unmenschlicher! Verruchter! Was sinnst du mir zu? Nun denn!
+rief Starschensky und hob den weggeworfenen Säbel vom Boden auf. Halt!
+schrie Elga, halt! Ich will! Sie stürzte auf ihr Kind los und
+preßte es an ihren Busen, bedeckte es mit Tränen. Du zauderst? schrie
+Starschensky und machte eine Bewegung gegen sie. Nein! nein! rief
+Elga. Verzeihe mir Gott, was ich tun muß, was ich nicht lassen kann.
+Verzeihe du mir, zum Unglück Gebornes! Damit hatte sie das Kind
+wiederholt an ihre Brust gedrückt; mit weggewandtem Auge ergriff sie
+eine große Nadel, die ihren Pelz zusammenhielt; das Werkzeug blinkt,
+der bewaffnete Arm--Halt! schrie plötzlich Starschensky. Dahin wollt
+ich dich haben! sehen, ob noch eine Regung in dir, die wert des Tages.
+Aber es ist schwarz und Nacht. Dein Kind soll nicht sterben, aber,
+Schändliche, du! und damit stieß er ihr den Säbel in die Seite, daß
+das Blut in Strömen emporsprang, und sie hinfiel über das unverletzte
+Kind.
+
+Dieselbe Nacht war eine des Schreckens für die Bewohner der
+umliegenden Gegend. Von einer Feuerröte am Himmel aufgeschreckt,
+liefen sie zu und sahen die alte Warte an der Westseite der
+Tiergartenmauer von Starschenskys Schlosse in hellen Flammen. Alle
+Versuche zu löschen waren vergebens; bald standen nur schwarze Mauern
+unter ausgebrannten rauchenden Trümmern. Man wollte den Grafen wecken;
+er fehlte, mit ihm sein Weib, sein Kind. Die Brandstätte ward
+durchsucht, und zwar allerdings menschliches Gebein aufgefunden, aber
+sollten das die Reste dreier Menschen sein?
+
+Beim Scheiden derselben Nacht aber fühlte sich ein armes Köhlerweib im
+Gebirge die glücklichste aller Sterblichen. Denn als sie mit ihrem
+Manne lag und schlief, pochte es an der Hüttentüre. Sie stand auf und
+öffnete; da sah sie im Scheine des anbrechenden Morgens ein weinendes
+Kind von etwa zwei Jahren vor sich stehen, statt aller Kleider in ein
+weites Tuch gehüllt, ein Kästchen neben sich. Geöffnet, zeigte dieses
+mehr Gold, als sich das arme Paar je beisammen geträumt hatte. Ein
+paar beigelegte Zeilen empfahlen das Kind der Vorsorge der beiden und
+versprachen fernere Geldspenden in den Zukunft.
+
+Nach zwei Tagen erschien der Graf wieder in der Mitte der Seinigen,
+aber nur, um sich zu einer Reise nach Warschau zu bereiten. Dort
+angelangt, suchte und erhielt er persönliches Gehör beim Könige, nach
+dessen Beendigung der Fürst, sichtbar erschüttert, seinen Kanzler
+holen ließ und ihm offene Briefe auszufertigen befahl, welche dem
+Grafen Starschensky, als letzten seines Stammes, die freie Verfügung
+über seine Lehengüter einräumten.
+
+Die Güter selbst wurden teils verkauft und der Erlös zur Tilgung von
+Schulden verwendet, teils als Stiftung einem Kloster zu Eigentume
+gegeben, das man nicht fern von der Stelle zu bauen anfing, wo die
+alte, abgebrannte Warte gestanden hatte. Das ist die Geschichte
+dieses Klosters", endete der Mönch.
+
+"Der Graf selbst aber?"--fragte einer der Fremden.
+
+"Ich habe Euch gleich anfangs gewarnt", sagte der Mönch, "nicht weiter
+zu fragen, wenn ich aufhöre, nun tut Ihrs aber doch! Zahlreiche
+Seelmessen wurden gestiftet für die Ruhe derjenigen, die eine rasche
+Gewalttat hinweggerafft in der Mitte ihrer Sünden; um Vergebung für
+den Unglücklichen, der in verdammlicher Übereilung Verbrechen bestraft
+durch Verbrechen. Der Graf war Mönch geworden in dem von ihm
+gestifteten Kloster. Anfangs fand er Trost in der Stille des
+Klosterlebens, in der Einförmigkeit der Bußübungen. Die Zeit aber,
+statt den Stachel abzustumpfen, zeigte ihm stets gräßlicher seine Tat.
+Über ihn kam seines Stammes tatenheischender Geist und die
+Einsamkeit der Zelle ward ihm zur Folterqual. In Zweisprach mit
+Geistern und gen sich selber wütend, hütete man ihn als Wahnsinnigen
+manches Jahr. Endlich geheilt, irrte er bei Tag umher; jedes Geschäft
+war ihm Erquickung, an den Bäumen des Forstes übte er seine Kraft.
+Nur nachts, um die Stunde, da die beklagenswerte Tat geschah, die
+erste nach Mitternacht, wenn die Totenfeier beginnt"--So weit war er
+in seiner Erzählung gekommen, da ward diese durch die ersten Töne
+eines aus der Klosterkirche herübertönenden Chorgesanges unterbrochen;
+zugleich schlug die Glocke ein Uhr.
+
+Bei den ersten Lauten schütterte der Mönch zusammen. Seine Kniee
+schlotterten, seine Zähne schlugen aneinander, er schien hinsinken zu
+wollen, als sich plötzlich die Türe öffnete, und der Abt des Klosters
+in hochaufgerichteter Stellung, das Kreuz seiner Würde funkelnd auf
+der Brust, in die Schwelle trat. "Wo bleibst du, Starschensky?" rief
+er. "Die Stunde deiner Buße ist gekommen." Da wimmerte der Mönch und
+zusammengekrümmt, wie ein verwundetes Tier, in weiten Kreisen, dem
+Hunde gleich, der die Strafe fürchtet, schob er sich der Türe zu, die
+der Abt, zurücktretend, ihm freiließ. Dort angelangt, schoß er wie
+ein Pfeil hinaus, der Abt, hinter ihm, schloß die Türe.
+
+Noch lange hörten die Fremden dem Chorgesange zu, bis er verklang in
+die Stille der Nacht und sie ihr Lager suchten zu kurzer Ruhe.
+
+Am Morgen nahmen sie Abschied vom Abte, ihm dankend für die
+gastfreundliche Bewirtung. Der jüngere gewann es über sich, nach dem
+Mönche der gestrigen Nacht zu fragen, worauf der Prälat, ohne zu
+antworten, ihnen eine glückliche Reise wünschte.
+
+Sie zogen nach Warschau und nahmen sich vor, auf der Rückreise weitere
+Kunde von dem Zustande des Mönches einzuziehen, in dem sie wohl den
+unglücklichen Starschensky erkannt hatten. Aber eine Änderung in
+ihren Geschäften schrieb ihnen eine andere Straße zur Rückkehr vor,
+und nie haben sie mehr etwas von dem Mönche und dem Kloster bei
+Sendomir gehört.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Das Kloster bei Sendomir, von
+Franz Grillparzer.
+
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Das Kloster bei Sendomir, by Franz Grillparzer
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS KLOSTER BEI SENDOMIR ***
+
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+Produced by Mike Pullen and Delphine Lettau
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