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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-04-06 13:21:02 -0700 |
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DICKHÄUTER + IN DEUTSCH-OSTAFRIKA + _VON_ HANS BESSER + + + [Illustration] + + + Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde + Franckh'sche Verlagshandlung·Stuttgart + + + Raubwild u. Dickhäuter + in Deutsch-Ostafrika. + + + [Illustration] + + + + + Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart + + +Die Gesellschaft Kosmos bezweckt die Kenntnis der Naturwissenschaften +und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer +Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten. +-- Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter +naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen durch den + + =Kosmos, Handweiser für Naturfreunde= + Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80; + +ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten +Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es +erscheinen im Vereinsjahr 1916 (Änderungen vorbehalten): + + =Wilh. Bölsche, Der Stammbaum der Insekten.= + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- + + =Dr. Kurt Floericke, Reisen in Bulgarien.= + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- + + =Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.= + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- + + =Hans Besser, Affen, Antilopen und Schlangen + Deutsch-Ostafrikas.= Reich illustriert. Geh. M 1.-- + + =Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.= + Reich illustriert. Geh. M 1.-- + +Diese Veröffentlichungen sind durch ~alle Buchhandlungen~ zu +beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur +M 4.80) zum =Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde= (auch +nachträglich noch für die Jahre 1904/15 unter den gleichen günstigen +Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der +erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) Der Kosmos +kann während des Krieges auch 1/2jährlich zum Preise von M 2.40 mit +Buchbeilagen bezogen werden. + + +Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. + + + + + Raubwild und Dickhäuter + in Deutsch-Ostafrika + + + Von + + + Hans Besser + + + Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen + des Verfassers, nach Zeichnungen von + Prof. Wagner und R. Oeffinger, einem Kärtchen und + einem farbigen Umschlagbild, gez. von M. Zimmer. + + [Illustration] + + + + + Stuttgart + + Kosmos: Gesellschaft der Naturfreunde + Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung + + 1915 + + + Alle Rechte, besonders das Uebersetzungsrecht, vorbehalten. + + + +Copyright 1915 by + Franckh'sche Verlagshandlung + Stuttgart+ + + + +STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI + HOLZINGER & Co., STUTTGART+ + + + + + Inhaltsverzeichnis. + + + Seite + + Vorwort 7 + + Raubwild 8-46 + + Löwen 8-23 + + Leoparden 23-31 + + Gefleckte Hyänen 32-35 + + Schabrackenschakale 35-39 + + Wilde Hunde (Hyänenhunde) 39-46 + + Dickhäuter 47-82 + + Durch ein Dickhäuter-Eldorado 48-66 + + Flußpferde 66-82 + + +a+) Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf + dem Njassasee 68-73 + + +b+) Flußpferde im Rikwasee 73-78 + + +c+) Der alte Gomerobulle 78-82 + + Auf Elefantenfährte 82-92 + + + + + Vorwort. + + +Auf Wanderungen durch unsere zoologischen Gärten sieht man das Wild +stets auf engem Raum eingepfercht, man kann sich daher auch keinen +rechten Begriff davon machen, wie es sich in der Natur verhält. +Bahnbrechend hat Hagenbeck in Stellingen sich bemüht, einzelne +Wildarten durch getreue Nachbildung der Natur in ihrer eigentlichen +Umgebung zu zeigen, und viele Tiergärten folgen seitdem seinem Beispiel +in dankenswertester Weise. + +Ist dadurch auch ein großer Schritt vorwärts getan, dem Beschauer die +Wirklichkeit nahezuführen, so verhalten sich naturgemäß die Tiere, +die an den Umgang mit Menschen gewöhnt wurden, wesentlich anders als +in ihrer Heimat, wo sie, sei es auf dem Weidegang oder der Jagd nach +Beute, ihrem Instinkt folgend, Eigenschaften entwickeln, die in der +Gefangenschaft nutzlos sind und darum verkümmern oder nicht ausgebildet +werden. + +Durch vierzehnjährigen Aufenthalt in Deutsch-Ostafrika war es mir +vergönnt, das Wild in seiner natürlichen Lebensweise zu beobachten. +Kamera und Büchse begleiteten mich auf allen meinen Wanderungen. Aus +der Fülle des Geschauten und Erlebten sollen nun hier eine Reihe Bilder +vorgeführt werden, die zum Verständnis unserer schönen Kolonie auch auf +diesem Gebiet beitragen möchten. + +Wenn ich in meinen Ausführungen auf das Verhalten der einzelnen +Wildarten näher einging, so bitte ich diese Skizzierung nicht als +absolute Regel zu betrachten, sondern lediglich als Erfahrung, die ich +mit der betreffenden Wildart machte. + +Leider sind mir eine große Anzahl Platten, die zur größeren +Verständlichmachung hätten dienen können, im Laufe der Zeit verdorben. +Bis auf die mir freundlichst zur Verfügung gestellten Bilder, die durch +namentliche Bekanntgabe der Hersteller gekennzeichnet sind, sind alle +übrigen von mir gefertigte Originalaufnahmen. + + ~Radebeul~, im Herbst 1915. =Hans Besser.= + + + + +[Illustration] + + + + + Raubwild. + + =Löwen= (+Felis leo somaliensis Noak+). + + +Als »König der Tiere« wird uns der Löwe in der Fabel dargestellt, und +dieser Begriff ist uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß +man die gewaltige Katze im Tiergarten oder in der Menagerie stets +mit besonderer Andacht bestaunt. Einen ganz anderen Eindruck bekommt +man aber, wenn man diesem großen Räuber in der Natur begegnet. Seine +außerordentliche Muskelkraft wendet er nur an, um harmlose Opfer aus +dem Hinterhalt zu überfallen. Durch Wucht des vorgeschnellten Körpers +und das gewaltige Gebiß, unterstützt durch den Schreck des plötzlichen +Ansprungs, macht er seine Beute wehrlos. Wird er aber vorher bemerkt, +so schleicht er feige davon. So zahlreich die Löwen auch in unserer +Kolonie noch sind, ist es doch vielen eingewanderten Weißen nicht +vergönnt, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen. Es gibt Europäer, die +jahrzehntelang im Lande sind und von Löwen weiter nichts zu spüren +bekommen, als das nächtliche Gebrüll und die Nachrichten, daß da und +dort Menschen geraubt und Vieh den Löwen zum Opfer gefallen sei. + +Auch mir ging es anfangs nicht besser. Drei Jahre war ich bereits in +Deutsch-Ostafrika, als ich meinen ersten Löwen sah. Es war auf einer +Pflanzung in Lindi (s. Abb. 1), wo ich als Gast weilte. Gegen zwölf Uhr +mittags wurde ich durch die Pflanzung geführt. Um von einer Stelle +einen guten Überblick über die Pflanzung zu haben, erstiegen wir einen +kleinen Hügel. Noch waren wir nicht ganz oben, da wurde uns doch etwas +beklommen zumute, als von der entgegengesetzten Seite her ein alter +Mähnenlöwe auf der Bildfläche erschien und auf dreißig Meter uns +gegenüberstand. + +[Illustration: Abb. 1. Reliefkarte von Deutsch-Ostafrika.] + +Erst sah der Löwe recht stattlich und achtunggebietend aus, wie er +steifbeinig mit erhobenem Haupt langsam auf uns zuschritt. Sobald er +uns aber wahrgenommen hatte, kroch er in sich zusammen, legte sich +nieder und ließ nur seine Schwanzquaste kreisen. Immer den Blick auf +uns gerichtet, kroch er rückwärts, ganz mit dem Gebaren einer beim +Wildern ertappten Hauskatze. Als er mit halbem Körper auf abschüssigem +Gelände angelangt war, warf er sich mit gewaltigem Satz herum und +ging in langen Fluchten[1] ab, bis er im hohen Grase für unser Auge +verschwunden war. Gewehre hatten wir nicht zur Hand, und mein Begleiter +versicherte mir, es wäre aussichtslos, die Waffen holen zu lassen und +nachzupirschen. + +Diese Art, sich zu drücken, habe ich noch häufig bei Löwen angetroffen, +wenn ich unbewaffnet auf sie stieß. Auch Eingeborene versicherten mir +häufig, solange Löwen keine »Menschenfresser« wären, gingen sie den +Menschen aus dem Wege. + +Nach einiger Zeit glückte es mir auch, meinen ersten Löwen zu schießen. +Eine Rotte Warzenschweine (+Phacochoerus africanus Lm.+), an +die ich mich anpirschte, wühlte harmlos nach Wurzeln. Unweit davon +weideten Zebras (+Equus quagga boehmi Mtsch.+). Plötzlich fingen +die Zebras an zu wiehern und marschierten in einer Richtung auf. Ich +glaubte mich schon gesehen, merkte aber, daß alle seitwärts an mir +vorbeisahen. Lange konnte ich nichts entdecken, bis ich einen Löwen +etwa 60 Meter neben mir sah, der offenbar die Warzenschweine beschlich. +Gutes Schußfeld hatte ich nicht, da mich niedriges Gestrüpp nur Teile +des Löwen sehen ließ. Der Eingeborene, der mich begleitete, riet mir, +nicht zu schießen, erst wenn der Löwe ein Warzenschwein geschlagen +hätte, wäre der richtige Augenblick dazu. Warzenschwein und Zebra wären +diejenigen Leckerbissen, die der Löwe nicht im Stiche ließe. Bald +hatte der Löwe den Rand der Lichtung erreicht. Die Zebras schnaubten, +und einige stampften einen Schritt näher kommend mit dem Hufe. Zehn +Meter vom Löwen auf die Richtung der Schweine zu lag ein entwurzelter +Baumstamm, dessen Äste bis auf das starke Stammstück beim letzten +Grasbrand verbrannt waren und sich nur durch weiße Aschestreifen +abhoben. Durch leichtes Traben überwand der Löwe, den ich jetzt als +Löwin erkannte, die Stelle bis zum Wurzelstock des liegenden Baumes, an +den er sich anpreßte und zu Boden duckte. Ich war jetzt neugierig, was +weiter geschehen würde. + +Am Boden liegend, schob sich nun der Löwe dicht am Stamm entlang. Ich +sah durchs Glas, wie sich die einzelnen Muskelpartien spannten und +wieder in Ruhe übergingen. Als er in der Mitte des Stammes ankommt, +löst sich plötzlich mit vernehmbarem Geräusch ein großes Rindenstück +des Stammes. Alle Sauen werfen die Köpfe hoch, und ein alter Keiler und +eine Sau machten einige Schritte auf das Geräusch zu. Unbeweglich lag +die Löwin. Die Sauen fingen wieder an zu wühlen, nur der Keiler trug +noch den Kopf aufrecht und suchte durch Schnüffeln in der Luft Wind zu +nehmen. Verstohlen nahm ich eine Prise Staub auf und prüfte den Wind. +Die Löwin hatte alle Vorteile für sich. Beruhigt fing nun auch der +Keiler wieder an, seine Aufmerksamkeit der Äsung zu widmen, und schob +sich dabei zwischen den Sauen durch. + +Die Löwin war jetzt am Ende des Stammes, und ich erwartete jeden +Augenblick den Sprung. Dreißig Meter war sie noch von ihren Opfern +getrennt. Jetzt zog sich die Vorderpartie auf die hintere krampfhaft +zurück, und pfeilschnell schoß der Löwe in drei bis vier Sätzen dicht +über der Erde auf die Schweine. Als er zwischen diesen war, sah das +Arbeiten der Vorderpranken genau so aus, als ob eine Katze einen Hund +ohrfeigt. Quiekend und grunzend stoben die Warzenschweine auseinander +und preschten auf mich zu. Zu gleicher Zeit polterten die Zebras davon. +Die Löwin glotzte ihnen dumm nach, sie war erfolglos gewesen. Spitz zu +mir stehend, ließ ich nun auf den Stich (die Vertiefung vorn an der +Brust zwischen den Schulterblättern) der Löwin fliegen. Ohne einen Laut +auszustoßen, brach sie zusammen. Die Schweine, die merkwürdigerweise +mit dem Wind liefen, standen nur 20 Meter seitlich von mir. Erst als +ich mich aufrichtete, trollten sie weiter. Auf einmal schienen sie Wind +von mir oder der Löwin zu haben, und in voller Flucht rasten sie davon, +ohne noch einmal zu verhoffen.[2] + +Von der königlichen Seite haben sich mir aber die Löwen, wie schon +eingangs erwähnt, bis jetzt noch nicht gezeigt, obgleich ich im +Laufe von 14 Jahren bereits 16 Stück auf freier Wildbahn zur Strecke +gebracht und sehr viele gesehen habe. Wie leicht sie zu vertreiben +sind, ist aus folgender Begebenheit ersichtlich. Ich hielt mir +seit längerem eine Meute deutscher Doggen. Da ich der Erste im +Langenburger Bezirk war, der diese große Hunderasse einführte, +erregten meine Hunde bei den Eingeborenen naturgemäß großes Staunen, +das sich auch auf ihre Pariahunde ausdehnte, die, sobald meine Hunde +auftauchten, mit eingeklemmter Rute und krummem Buckel heulend oder +lautlos davonschlichen. Nun mögen wohl in der Übertreibung der Neger +meine Hunde noch gewachsen sein (mein größter hatte 86 +cm+ +Schulterstandmaß), wenn sie anderen Dorfgenossen davon erzählten. + +Eines Tages teilte mir ein durchaus glaubwürdiger Europäer mit, in +Mapunga sei eine alte Frau mehrmals von einem Löwen aus ihrer Hütte, +die offen stand, gezerrt worden. In der Annahme, es wäre einer meiner +sagenhaften Hunde, habe sie dem Löwen mit der Faust ins Gesicht +geschlagen, und dieser habe sie darauf losgelassen. Eben in der Hütte +angekommen, hätte der Löwe sie zum zweiten Male gepackt und nach +einigen Faustschlägen sie wieder losgelassen. Als der Löwe sie zum +dritten Male habe packen wollen, wäre auf ihre vorherigen Hilferufe ihr +Mann erschienen, habe einen Mörserstempel ergriffen und dem Löwen einen +Schlag versetzt. Dieser sei sofort flüchtig geworden und wäre nicht +wieder gekommen. Ich suchte nach einigen Wochen die alten Neger auf. +Die Frau hatte am linken Oberarm und der Schulter vernarbte Bißwunden, +und ihr Arm war skelettartig dünn geworden. + +Derselbe Europäer erzählte mir auch, er habe am Tage gesehen, wie drei +alte, magere Kühe einen Löwen in die Flucht geschlagen hätten und mit +steil hochgerichtetem Wedel hinter dem Löwen hergaloppiert wären. + +Ein Australier, der aus Südafrika kam und dem ich den Fall erzählte, +behauptete, einer seiner Freunde am Zambesi ließe sich immer, wenn +er einen Löwen angeschweißt, d. h. angeschossen hätte und die Folge +im hohen Grase für ihn zu gewagt sei, eine Herde Rinder kommen. Die +Rinder, auf der Schweißfährte entlang getrieben, verfolgten den Löwen +sofort und drückten ihn aus dem Grase heraus, ohne daß er daran dächte, +sich zur Wehr zu setzen. + +Um es praktisch auszuprobieren, hatte ich keine Gelegenheit. Im +allgemeinen fällt der Löwe auf guten Schuß leichter als verschiedene +Antilopenarten, und in den wenigen Fällen, wo ich angeschweißte Löwen +wegen hohem, dichtem Gestrüpp nicht angehen konnte, waren weder +europäische noch eingeborene Viehbesitzer in erreichbarer Nähe, die mir +etwa ihre Rinder geliehen hätten. + +Im August 1904 kam ich erstmals nach Irongo in Ussangu, der Residenz +des Sultans Kahemere. Die Hütten sind hier in sog. Tembenform gebaut, +d. h. Hütte ist von Hütte nur durch eine Zwischenwand getrennt. Die +Bedachung ist flach. Die Dachbalkenlage wird mit Schilf, Gras und einer +dicken Lehmauflage überdeckt und bietet vortrefflichen Schutz gegen +Sonne und Hitze. Starker Regen kann jedoch hindurchdringen, namentlich, +wenn der Regen nach einigen trockenen Tagen einsetzt, und der Lehmbelag +sich noch nicht voll Wasser gesogen hat. + +Die ganze Dorfanlage weist die Form eines Vierecks auf, mit etwa +sechshundert Meter langen Seitenwänden. Durch zerfallene Hütten sind +überall Zwischenräume vorhanden. Sonst sind in der Anlage nur zwei +Eingänge vorgesehen, die abends mit Dornen verbarrikadiert werden. In +der Mitte des großen Platzes wohnt in einer besonderen Umzäunung der +Sultan mit einem Teil seines Harems. Kahemere besaß einige dreißig +Frauen. Morgens und abends hält sich das Vieh, vorwiegend Rinder, im +Tembenhofe auf, ehe es auf die Weide geht oder bevor es abends in die +Stallungen, die zugleich als Wohnraum dienen, gebracht wird. + +Unter einem schattigen Baume dieses Hofes schlug ich mein Zelt auf. Ich +saß etwas sehr auf dem Präsentierteller, und jede meiner Hantierungen +wurde von zahlreichen Zuschauern männlichen und weiblichen Geschlechts +bekrittelt. Um meine Zelttüre ganz zu schließen, war es zu heiß. +Fortwährend mußte ich auf den Gruß von Ankommenden »adje, senga« mit +»adje« antworten. Da ich die Kissangusprache nicht verstand, fragte +ich später einen Missionar, was »adje, senga« eigentlich bedeute. +Er antwortete mir kurz »guten Tag, Rindvieh«. Allerdings spielt das +Rindvieh dort eine so große, fast geheiligte Rolle, daß das Prädikat +»Rindvieh« beim Gruß eine Ehrung bedeutete, auf die nur der Sultan und +seine Familienmitglieder Anwartschaft hatten. + +Infolge des engen Zusammenwohnens in den Temben, wo jeder seinem +Nachbar in die Töpfe gucken konnte und eine etwas laute Unterhaltung, +nur für engsten Familienkreis bestimmt, bis in die dritte Hütte hörbar +war, stand die Moral dieser Neger nicht auf einer hohen Stufe. + +Die Hitze ließ auch in der Nacht nicht nach, und als ich eine Weile +bei geschlossenen Zeltwänden gelegen hatte und in Schweiß gebadet +war, ließ ich die Wände öffnen, damit die Luft durchziehen konnte. In +der zweiten Nacht wurde ich geweckt durch fortwährendes Kläffen und +Herumjagen meiner Hunde ums Zelt, wobei dieses fortgesetzt erbebte, +da die Jagd über die Spannleinen ging, über die die Hunde stolperten. +Da die Hunde sonst guten Appell (Gehorsam) hatten und diesmal auf +Pfeifen nicht folgten, stand ich auf und machte Licht. Aus dem +Zelt heraustretend, sah ich noch einige Schatten in der Dunkelheit +verschwinden, hinter denen meine Hunde herjagten. Ich dachte mir, +es werden gefleckte Hyänen sein, und legte mich beruhigt nieder. An +das Herumjagen der Hyänen mit den Hunden war ich gewöhnt, den Hunden +geschah dabei nichts, denn es war mehr Spielerei von beiden Seiten. +Sättel, Stiefel und sonstiges Lederzeug, das Hyänen gern verschleppen, +war durch die Anwesenheit der Hunde gesichert, und ruhig schlief ich +bis zum Morgen. Als mir mein Boy den Kakao brachte, sagte er, es sind +heute nacht Löwen dagewesen. Richtig! um mein Zelt, das Küchenzelt, +und quer über den Tembenhof führten Löwenspuren. Deutlich waren solche +von alten und jungen Tieren zu unterscheiden. Brüllen hatte ich ja +Löwen an beiden Tagen gehört, aber es ist so etwas Alltägliches, daß +man keine Notiz davon nimmt. Ich sprach dann mit dem Sultan Kahemere +über die nächtliche Löwenanwesenheit. Mit Gleichmut erzählte er mir: Im +Dorfe Mapunga sind in den letzten zwei Monaten 13 Personen von Löwen +geholt worden. Die Leute sind dann auf die andere Seite des Flusses +verzogen und ließen ihr altes Dorf im Stich, weil es von einem bösen +Geist verzaubert wäre, der die Löwen gerufen hätte. Jetzt wären auch +hier allnächtliche Löweneinbrüche an der Tagesordnung. Eben habe er +Nachricht bekommen, daß heute nacht die Löwen, ehe sie in seine Tembe +kamen, unweit eine Kuh aus einer Hütte geholt hätten. + +Sofort wollte ich mich bei den Überresten der Kuh ansetzen. Kahemere +meinte aber: es waren mehrere Löwen, von der Kuh ist nichts mehr da, +vielleicht haben auch Hyänen die Knochenreste verschleppt. Aussicht, +die Löwen zu beschießen, wäre aber auf dem Wege nach Utengule, wo sie +morgens immer vorbeikämen. Einer seiner Leute, der dort sein Gehöft +hätte, sähe sie immer. + +Ich fragte den Sultan, ob es nicht möglich wäre, daß mir die Leute +nachts Nachricht gäben, wenn die Löwen einbrächen. Er versprach mir, +seinen Leuten zu befehlen, daß sie -- wegen der Löwengefahr -- zu dritt +bei einem Einbruch kämen und mich wecken sollten. Kahemere betonte +aber nochmals, daß ich am bequemsten auf dem Wege nach Utengule zum +Schuß käme, und bezeichnete mir die Stelle, die ich vom Zelt aus wählen +sollte. + +In der folgenden Nacht schlief ich mit offenen Ohren. Gegen fünf Uhr +früh hörte ich Schreien von Eingeborenen. Ich warf mich in die Kleider +und war gerade fertig, als Kahemere, mit seinem Gewehr in der Hand, +selbst zu mir kommt und mich aufklärt, daß das Schreien der Leute, das +ich gehört hätte, die zweite Abwehr eines Einbruchsversuches der Löwen +gewesen wäre. Vorher hätten die Leute weiter hinten den Löwen durch +Schreien verjagt. + +Schnell gingen wir an den Utenguleweg. Es war noch reichlich dunkel und +kaum möglich, Ziel zu nehmen. Kaum hockten wir hinter einem kleinen +Dornbusch, so kamen die Löwen an. Vornweg eine alte Löwin, dann +ein Mähnenlöwe, die anderen konnte ich in der Eile nicht erkennen. +Eingedenk der von Europäern und Eingeborenen erhaltenen Warnung, daß +stets die Löwin angriffe, wenn der Löwe beschossen würde, der Löwe +selbst aber feige sei, gab ich zwei Schüsse auf die vorderste Löwin +ab. Sie lag im Feuer (Abb. 2) und hätte wohl am ersten Schusse genug +gehabt, aber da ich auf nur dreißig Meter geschossen hatte, schien mir +ein Doppelschuß sicherer. Rasch drückte ich zwei Patronen ins Magazin, +um dieses wieder voll zu haben. Die Löwen verhofften einen Augenblick, +und gerade, als ich das Gewehr wieder anschlug, sprangen alle seitlich +ins hohe Gras und waren verschwunden, ehe ich schießen konnte. Neben +dem Mähnenlöwen sah ich noch eine alte Löwin und zwei junge, fast +ausgewachsene Löwen. + +Obwohl ich nicht daran glaubte, daß die Löwen noch einmal wiederkommen +könnten, ließ ich mir am Tage Dornenäste bereitlegen und begab mich +um drei Uhr morgens wieder an den Utenguleweg, wo ich mich mit zwei +Boys in den Dornen einbauen ließ. Wenn es hell wurde, sollten meine +Leute wiederkommen und den Dornenkral öffnen. Wir warteten vergeblich +auf die Löwen. Es wurde hell, und schon hörten wir die Leute, die uns +aus unserer Umzäunung holen sollten, am Ausgange der Tembe sprechen. +Plötzlich verstummte das Gespräch. Ein Boy zupfte mich am Rocke, und +ich sehe die Löwin etwa fünfzehn Meter vor mir stehen. Die beiden +jungen Löwen liefen nach, und nach einer Lücke von hundert Metern +folgte der Mähnenlöwe. Die Löwin aufs Ziel nehmend, ließ ich aufs Blatt +fliegen; sie brach sofort zusammen. Rasch schlug ich nun auf den Löwen +an, er kam in langen Fluchten (Sprüngen) auf mich zu. Gut vorhaltend, +gab ich meinen Schuß ab. Der Löwe wirbelte im Kreise herum und biß sich +in die Keule, ein Zeichen, daß ihn die Kugel leider dort getroffen +hatte. Dadurch, daß ich mein Gewehr an einer anderen Seite durch die +Dornenwand schieben mußte, verlor ich einige Augenblicke, und der Löwe +war inzwischen seitlich im hohen Grase verschwunden. Eine ganze Zeit +mußte ich noch warten, ehe meine Leute kamen. Durch das Schießen war +ihnen angst geworden vor den vielleicht nur verletzten Löwen, und wir +mußten alle drei rufen und pfeifen, bis sie uns aus unserem Dornenkäfig +befreiten. + +[Illustration: Abb. 2. Die Löwin lag im Feuer. +Besser phot.] + +Zunächst besah ich mir die Löwin. Der aufs Blatt abgegebene Schuß war +ziemlich hoch in den Hals eingedrungen und hatte die Wirbelsäule +zertrümmert. Bei einem Haar wäre sie überschossen gewesen. Mein Schuß +war also ein glücklicher Zufall insofern, als er etwas links ging. +Nun dem Löwen nach. Ich ließ mir erst meine Hunde, die ich nachts +angekettet hatte, holen. Es war ein mühsames Suchen, um die Fährte +halten zu können. Fußabdrücke waren in dem harten Boden nicht zu sehen, +und das Gras war von weidenden Kühen in allen Richtungen mit Gängen +versehen, so daß wir uns nur nach den spärlichen Schweißspritzern +richten konnten. Gegen acht Uhr mußten wir die Folge aufgeben. Auch die +Hunde konnten die Fährte nicht halten. + +Im Mai 1909 reiste ich von Kilossa über Iringa nach Langenburg. Am +großen Ruaha angekommen, machte ich nach Iringa den ersten Rasttag. +Gern hätte ich ein großes Kudu (+Strepsiceros strepsiceros Pall.+) +und ein kleines (+St. imberbis Blyth+) zur Strecke gebracht. Von +dieser Wildart hatte ich im Oktober 1908 mein erstes und einziges +erlegt und große Kudus bisher immer vergeblich gepirscht. Um den +Rasttag der Träger gut auszunützen -- auch Fleisch war uns sehr +vonnöten --, brach ich am Morgen vor Tagesanbruch auf. Nicht ein Stück +Wild kam mir zu Gesicht, nachdem es heller geworden war. Da sehe ich +plötzlich in hundertfünfzig Meter Entfernung eine Löwin mit Jungem +auf mich zulaufen. Sie eräugt mich und ändert ihre Richtung. Schnell +springe ich etwa fünfzig Meter nach links vor, und sie geht an mir +auf hundert Meter vorüber. Einen Augenblick den Atem anhaltend, da +meine Lungen ausgepumpt waren und sich die Bewegungen dem Oberkörper +mitteilten, ließ ich fliegen. Auf dem Rücken liegend, schlug die +Löwin etwas mit den Pranken und miaute ganz leise. Das junge Tier +verkroch sich im Gras. Gleich nach meinem Schuß nahm ich schleunigst +Rückendeckung, denn mindestens sechs bis acht Löwen und auch einige +Leoparden antworteten auf meinen Schuß durch tiefes Rohren und Gebrüll +in nächster Nähe. Meine farbigen Begleiter waren alle auf Bäume +geklettert. Es kam aber nichts weiter zum Vorschein. Ein Fangschuß +ins Rückgrat der nun auf der Seite liegenden Löwin ließ diese sich +strecken. Diesmal setzte das Gebrüll nur vereinzelt und entfernt +ein. Nach dem Zelte schickend, um Leute zur Abholung der Löwin zu +bekommen, setzte ich dann meine Pirsch fort, traf aber kein Stück Wild, +geschweige denn Kudus an. Anscheinend hatten die zahlreichen Löwen das +Wild für heute vergrämt (verscheucht), und ich mich gerade in der +Richtung bewegt, in der die Löwen nachts gejagt hatten. Die Einwohner +des kleinen Dörfchens Njukwa empfingen mich bei meiner Rückkehr mit +Freudengeheul, da sie unter den Löwen viel zu leiden hatten. Es waren +in letzter Zeit Menschen und auch Vieh von den Löwen geholt worden. + +In der Nacht hatten wir noch ein kleines Nachspiel. Um Mitternacht +wurden wir durch angstvolles Geschrei unserer Träger geweckt. Es +ist keine Kleinigkeit, wenn fünfundachtzig Menschen in Todesangst +losheulen; wir fuhren erschreckt aus den Betten hoch. Unser Zelt +wurde halb eingerissen, Lasten, unser Tisch mit Eßgeräten und der +Lampe polterten zu Boden, und dazwischen brüllten Löwen. Ich hörte +lautes Atmen im Zelt und glaubte für einen Augenblick, der Löwe +stünde zwischen unseren Betten. Mit der Hand nach dem Gewehr tastend, +erwischte ich die nackte Kehrseite eines Menschen, und ein angstvolles +»Ich, Herr« belehrte mich über meinen Irrtum. Einige Träger waren +splitternackt unterm Zelte durchkriechend eingedrungen. Als ich mit +einigen energischen Worten die Ruhe hergestellt hatte, klärte sich +die Lage dahin auf, daß wohl ein Träger wach geworden war und einen +Löwen gesehen hatte. Als er seinen Kameraden weckte, verstand dieser +die Sache falsch und glaubte, der Löwe habe ihn schon. In seiner Angst +fing er an zu brüllen. Alle anderen fuhren aus dem Schlafe hoch und +brüllten mit, um dann nach den Zelten zu stürzen und beim Europäer +Schutz zu suchen. Die Leute waren vom Stamme der Wanjamwesi, deren +hervortretende Eigenschaft nicht der Mut ist. Ich lagerte sie im +hellen Mondschein um große Feuer und verbot ihnen, falls der Löwe +wirklich käme, durcheinander zu laufen und zu schreien. Einmal sah +ich einen Löwen durchs Gebüsch schleichen; da sie aber zu mehreren +waren und ich immer nur Teile des Körpers sah, schoß ich nicht. Mein +Reittiersoldat meldete mir immer: Jetzt kommen zwei Löwen den Weg aufs +Lager zu, jetzt schwimmt einer durch den Ruaha usf. Immer kam ich zu +spät, um schießen zu können, geschlafen haben wir aber bis zum Morgen +nicht mehr. Ununterbrochen brüllten Löwen in nächster Nähe, so daß ich +mindestens sechs bis acht Löwen vermutete. Der Nervendruck, der sich +unser bemächtigte, löste sich erst bei Anbruch des Tages, wo auch die +Löwen verstummten. + +Auf dem Weg vom Lager ins Dorf fand ich reichlich Löwenfährten, und als +unsere Karawane etwas im Marsch war, kamen wir an ein paar einsamen +Hütten vorüber, an deren einer ein mächtiges, noch blutendes Kudugehörn +lehnte. Die Bewohner der Hütte erzählten, sechs Löwen hätten in Sicht +der Hütte heute nacht das Kudu verzehrt. + +Im Dezember 1910 reiste ich wieder einmal am Rikwasee entlang. Ich +befand mich auf dem Heimwege nach Langenburg und hatte vier geangelte +Marabus (+Leptoptilus crumeniferus Less.+, siehe Abb. 3), junge +Wildkatzen (+Felis ocreata Gm.+), eine Python-Riesenschlange und +noch verschiedene andere Tiere zur Bereicherung meines Tierparkes bei +mir. Die Tierkarawane bildete die Spitze, da die Käfige mit Inhalt +leichter waren als die übrigen Lasten. + +[Illustration: Abb. 3. Marabu.] + +Meine Träger mußten etwa eine Stunde zurück sein, und wir beschlossen, +auf die Karawane zu warten. Der Weg war scheußlich. Infolge der +Regenzeit war der See ausgetreten, und das Wasser lief bei jedem +Schritt von oben in die Stiefel. Ab und zu trat man auch bis an die +Hüften ein, wenn ein unsichtbarer Graben den Weg kreuzte. Auf einer +vom Wasser nicht bespülten Stelle machten wir Halt. Nachdem ich die +Marabus gefüttert und jungen Servals (+Felis serval Schreb.+, s. +Abb. 4) Milch gegeben hatte, frühstückte ich. In der Ferne standen +drei Leier-Antilopen (+Damaliscus jimela Mtsch.+, +Bubalus +jacksoni Thos.+) [Jacksons Hartebeest]. Meine Leute meinten, die +Karawane hätte nur noch wenig Fleisch, ich möchte doch eins schießen. +Da ich gar keine Lust hatte, durchs Wasser und den Schlamm mich an +die Leier-Antilopen in offener Steppe anzupirschen, fragte ich meinen +Fährtensucher Fardjallah, ob er nicht Lust hätte. Einen Jagdschein +hatte er, und das Pulver versprach ich ihm zu ersetzen. Es dauerte +dann eine Viertelstunde, bis ich den Dampf aus seinem Vorderlader und +zugleich die Antilopen unverletzt flüchten sah. + +[Illustration: Abb. 4. Serval.] + +Um ein Bedürfnis zu verrichten, ging ich dann etwa hundert Schritt +abseits von meinen Leuten, da dort einige Grasbüschel zur Deckung +standen. Mit einem Schlage verstummte das lebhafte Schwatzen meiner +Leute. Als ich aufsehe, kommen zwei Löwen im Trabe direkt auf mich +zu. In Eile befestigte ich meine Kleider, und mein Boy Amri springt +mir mit dem Gewehr entgegen. Zwanzig Meter von mir entfernt stutzen +die Löwen. Es sind ein alter Mähnenlöwe und eine Löwin, beide im +allerbesten Futterzustande. Die Mähne des Löwen war fast schwarz, +und ebenso befanden sich an den Gelenken der Vorderpranken dichte, +lange, tiefdunkle Haarbüschel. Die Löwen hatten wohl den auf mich +zueilenden Boy gesehen und schlugen nun einen Haken, um in gewaltigen +Fluchten davonzusetzen. Als ich das Gewehr bekam, waren sie schon +im hohen Grase. Ich sah nur noch bei jedem Sprung den Rücken und +dann Wassergarben über das Gras spritzen, wenn sie den Boden wieder +erreichten. Erst nach etwa vierhundert Metern durchquerten sie ein +Gelände mit niedrigem Gras und verhofften einen Augenblick. Es war +mir zu weit zum Schuß. In Trab fallend, erreichten die Löwen den Wald +und entzogen sich meinen Blicken. Merkwürdig war noch, daß die Löwen +an einer Zebraherde vorbeikamen und diese gar keine Notiz von ihnen +nahm, als sie zwischen ihnen hindurchgingen. Die Zebras scheinen +besondere Anzeichen dafür zu haben, ob ein Löwe auf dem Raubzug ist +oder sattgefressen seines Weges zieht. Als nach einer halben Stunde +Fardjallah zurückkam, hatte er von den Löwen nichts gesehen. Meine +Leute behaupteten, nach Fardjallahs Schuß seien die Löwen aus einem +Grasgebüsch, das Fardjallah schon durchschritten hatte, aufgesprungen. +Sie hätten wahrscheinlich dort geschlafen und seien durch den Schuß +geweckt worden. + +Sehr viele Löwen sah und hörte ich auch im Kissakidistrikt, wo ich +mich von 1912 bis 1914 aufhielt. Hier gab es jedoch kein Vieh, dem die +Löwen gefährlich werden konnten, und Menschenfresser hatten sich nicht +gezeigt. Es ist eine ganz besondere Art von Löwen, die wir in Afrika +als »Menschenfresser« bezeichnen. Vorwiegend sind es alte Löwen, die +kein Wild mehr erjagen können und dann bei irgend einer Gelegenheit an +den Menschen geraten sind. Es gibt aber auch jüngere Tiere darunter. +Haben Löwen einmal gesehen, welch leichte Mühe sie mit den Menschen +haben, so halten sie sich an diese Nahrung und werden dann zur +Landplage. Ich erinnere mich, daß in »Kambi uleya«, dem ersten Lager +hinter Kilossa auf Iringa zu, fortgesetzt Leute geholt wurden. Viermal +kam ich durch diesen Ort, und jedesmal waren wieder Träger gefressen +worden. Die Karawanenträger, die zwischen Iringa und Kilossa liefen, +schlafen meist auf den Veranden der Dorfbewohner, so daß die Löwen +leichte Mühe haben. Trotzdem hatte ich jedesmal Not mit meinen Leuten, +wenn ich ihnen befahl, sich ein Dornenverhau herzustellen. Es rechnete +jeder damit, daß er nicht der Gefressene sein würde, und sie hätten +sich lieber der Möglichkeit eines Löwenangriffs ausgesetzt, als daß sie +freiwillig zehn Minuten arbeiteten, um jeder drei bis vier Dornenäste +abzuhauen, heranzuschleifen und zur gemeinsamen Sicherheit um das Lager +zu legen. + +Ich sagte vorher, daß in Kissaki die Löwen keine üblen Neigungen +zeigten. Aus diesem Grunde empfahl ich den Eingeborenen, die Löwen +zu schonen, und ging selbst mit gutem Beispiel voran, indem ich trotz +guter sich bietender Gelegenheiten die Löwen unbeschossen ließ. Es +gab nämlich ungeheuer viel Wildschweine, die die Kulturflächen schwer +schädigten. Durch die zahlreichen Löwen wurden sie einigermaßen in +Schach gehalten und von den Feldern verjagt. Die Löwen gaben sich der +Schweinejagd so ohne Störung hin, daß sie durch die Dörfer liefen und +häufig Leuten, die zur Arbeit gingen oder von der Arbeit zurückkehrten, +begegneten, ohne daß übermäßige Scheu auf beiden Seiten hervorgerufen +worden wäre. + +Eine Angewohnheit der Löwen muß ich noch hervorheben. Sie schleppen +häufig ihre Beute fort, ohne sie vorher zu töten. Sobald sich die +Beute nicht zur Wehr setzt, fängt der Löwe an einem sicheren Platze +an zu fressen. Mir war schon ein Fall von Tanganjika bekannt, wo ein +Pater vom Orden der »Weißen Väter« von Löwen geholt wurde und eine +Viertelstunde lang um Hilfe schrie, während der Löwe schon an ihm fraß. +Ich entrüstete mich damals, als ich hörte, daß ihn keiner der anderen +Brüder befreit hatte, kam aber später selbst in eine Lage, wo das +Hilfebringen unmöglich war. -- Ein Eingeborener war in einem Dorfe in +Ussangu, in dem ich gerade lagerte, im Beisein seiner Angehörigen durch +einen Löwen vom Feuer weggeholt worden. Sein Schreien klang schauerlich +durch die Nacht. Meine Kerzenlaterne gab solch jämmerliches Licht, daß +man nur im nächsten Umkreis sah. Schleunigst ließ ich die Dorfbewohner +mit brennenden Holzscheiten und Grasfackeln antreten. Deutlich zeigte +die Schleifspur im hohen, regennassen Gras den Weg des Löwen. Der +fortgeschleppte Mann schrie unaufhörlich. Ich ging vornweg, dann folgte +mein Boy, damals noch ein halbes Kind, mit der Laterne, und dann kamen +die Leute mit den Feuerbränden. + +Als ich schon den Mann, der fortgetragen worden war, in schwachen +Umrissen liegen sah, brach der Löwe fauchend auf uns los. Sofort liefen +die Leute mit den Grasbränden davon, und ich las mir meine Laterne vom +Boden auf, gerade noch, ehe sie verlöschte. Rückwärts schreitend zog +ich mich aus dem Gras zurück, denn helfen konnte ich allein nicht, da +es stockfinster war und ich nicht weiter als zwei Meter mit meiner +schlechten Laterne sehen konnte. Ich holte die Leute wieder heran +und machte ihnen klar, daß, wenn alle mitkämen, der Löwe sich sicher +zurückziehen würde. Außerdem könnte ich schießen, wenn ich über den +Rücken her Licht bekäme. Der geschlagene Mann wimmerte und stieß ab +und zu laute Schreie aus. Kaum war ich wieder in seiner Nähe, rohrte +der Löwe auf, und ich stand wieder allein. Als auch der dritte Versuch +scheiterte, mußte ich's aufgeben, den Mann zu retten, auch gab der Mann +keinen Laut mehr von sich. Am nächsten Morgen fanden wir den Leichnam +unversehrt bis auf abgerissenes Fleisch an Waden und Oberschenkel. +Keine einzige Verletzung war am übrigen Körper zu entdecken, so daß der +Löwe ihn lebend angefressen hatte. + +Es ist dies eigentümlich für den Löwen im Gegensatz zu dem Leoparden, +der, wenn er in einen Stall eingedrungen ist, so lange herumbeißt und +Prankenschläge austeilt, bis sich nichts mehr rührt. + + + =Leoparden= (+Felis pardus nimr H. E.+). + +Viel seltener als den Löwen bekommt man den Leoparden (Abb. 5) in +freier Wildbahn zu Gesicht. Mir war es sehr selten vergönnt, einem zu +begegnen, und wenn es geschah, so war die Begegnung so flüchtig, daß +ich meist nicht zum Schuß kam. Im Hochgebirge traf ich am Tage einige +Male auf Leoparden. Sie waren aber so rasch im Gebüsch verschwunden, +daß ich kaum die Gestalt ordentlich mit dem Auge erfassen konnte. + +Einmal, als ich nur mit dem Stock in der Hand meiner Karawane +vorauslief -- es war in Unyika am Mloboflusse -- sah ich erst ein Paar +Wildenten im Wasser und dann auf einem überhängenden Stamme am anderen +Ufer einen Leoparden liegen, der die Wildenten scharf beobachtete. Es +war gegen ein Uhr nachmittags. Wahrgenommen hatte mich der Leopard, +denn ich bemerkte deutlich, wie die Spitze seines Schwanzes zitterte, +sonst lag er bewegungslos. Ganz langsam drehte ich mich halb zurück, +den Leoparden nicht aus dem Auge lassend, um meinen Boy, wenn er +sichtbar werden sollte, gleich zuwinken zu können, daß er mir das +Gewehr vorsichtig bringe. Einige Zeit hatte ich so gestanden. Gegen die +Enten war ich gedeckt, und der Leopard blieb auf seinem Platze. Da sehe +ich meinen Boy stehen. Er hat mich bemerkt und beobachtet, daß irgend +etwas los war. Vorsichtig kommt er näher. Als er fast bei mir ist, +macht der Leopard einen gewaltigen Satz über den Fluß weg an das Ufer, +wo ich stand, landete im hohen Grase und war verschwunden. + +Ab und zu traf ich Leoparden im Gras, wenn ich auf anderes Wild +pirschte. Ein scharfes Krallen an der Rinde eines Baumes ließ mich +aufsehen, und der Leopard hockte am Stamm etwa wie eine Hauskatze, die +im ersten Sprung vor Hunden flüchtet. Schneller als es sich beschreiben +läßt, war der Leopard wieder im Gras verschwunden. Manchmal fand ich +dann unter solchem Baum ein gerissenes Schwein, oft war der Leopard +wohl noch selbst auf der Jagd und wollte nur Ausblick haben. + +Einen wunderschönen Anblick hatte ich in der Nähe der Ortschaft Mbuiga +(Mgunda) zwischen Kissaki und Kidoti. Ich pirschte in einer dicht +mit Schilf bewachsenen Niederung auf Büffel. Als ich die Niederung +umschreite, um am Rande zu lesen, ob Büffel in das Schilf eingewechselt +wären, höre ich plötzlich links von mir einen lauten Ton. Es konnte +ein wilder Hund, ein Buschbock gewesen sein, möglicherweise auch +ein Elefant, genau ließ sich der Ton nicht einer bestimmten Tierart +zuschreiben. Mein Begleiter und ich stehen still. Einen Mann lasse +ich auf einen Baum klettern, um zu sehen, ob etwa Elefanten im Schilf +wären, da ich auf diese am ehesten schloß. Nichts konnte der Mann +sehen. Plötzlich sagt einer meiner Begleiter: »Ein Leopard!« Ich sah +mich um und brachte die Sache gar nicht mit dem vorher gehörten Ton +in Zusammenhang. Da zeigen alle Leute auf einen etwa dreißig Meter +über das Schilf herausragenden Baum, der zurzeit blattlos war, und nun +entdeckte ich auch den Leoparden auf der äußersten Spitze eines Astes, +in den dürrsten Zweigen zur Kugel geballt, liegen. Er war von mir etwa +hundert Meter entfernt. Schießen wollte ich auf keinen Fall, da Büffel +das begehrte Ziel waren. Trotz der nicht sehr großen Entfernung und +trotzdem der Leopard so ganz frei sichtbar auf dem kahlen Baum saß, +hätte ihm wohl kaum einer von uns Beachtung geschenkt. Er sah so der +Umgebung angepaßt aus, daß man bei oberflächlichem Sehen weit mehr auf +einen Raubvogelhorst im dünnen Gezweig geschlossen hätte. + +Rasch hatte ich mein Glas zur Hand. Der Leopard mußte unsere +Beobachtung bemerkt haben. Er richtete sich auf, lief vorsichtig +über das schwankende Gezweig, dann schnürte[3] er auf einem dickeren +Ast bis zur ersten Gabelung des Baumes, machte noch einige schnelle +Schritte den Stamm hinunter und war dann mit mächtigem Satze im Schilf +verschwunden. + +[Illustration: Abb. 5. Leopard.] + +Wenn man sich in einer Gegend befindet, wo es Hundsaffen, Meerkatzen +und braunrückige Paviane gibt, und diese sind in Deutsch-Ostafrika fast +überall, wo Wald und Wasser zu finden ist, so wird der Leopard fast +immer von den Affen gemeldet. Er ist ihr schlimmster Feind, und sie +folgen seinem Weg auf dem Boden oben im Gezweig unter fortwährendem +lautem Geschrei. Durch Affen aufmerksam gemacht, schoß ich meinen +ersten Leoparden. Der ganze Wald hallte von dem Geschrei der Affen +-- es waren Hundsaffen (+Cynocephalus (Papio) langheldi Mtsch. (?) +oder Papio cynocephalus L. (?) C. ibeanus Thos.+) --, die in einer +Richtung weiterzogen. Ich schritt zu den Affen parallel vorwärts, +bis ich an eine Stelle kam, wo es kein Unterholz und infolge dichten +Blätterdachs nur spärlichen Graswuchs gab. Eine ganze Zeit stand ich +hier unter einem Baum in Deckung, ohne etwas zu sehen. Plötzlich stand +der Leopard mitten auf der kahlen Stelle. Er äugte zu mir herüber, nahm +mich aber nicht wahr. Als er seinen Kopf in entgegengesetzter Richtung +bewegte, strich ich am Stamme an und kam aufs Blatt ab. Ein fauchendes +Miauen, dann ein plötzliches Wenden, und er war dort verschwunden, +wo er hergekommen war. Hunde hatte ich nicht bei mir. Ich nahm zwar +an, daß ich gut getroffen hatte, wollte aber lieber noch einige Zeit +warten, ehe ich ihm nachging. Meine farbigen Begleiter wollten mich +ganz davon abhalten, weil ein kranker Leopard »furchtbar böse« sei. + +Die Affen tobten inzwischen auf derselben Stelle weiter, der Leopard +mußte also noch dort stehen, wo er eingewechselt war. Um ihm Zeit zu +geben, drehte ich mir eine Zigarette, die ich bis zu Ende rauchte. Nun +ging ich Schritt für Schritt, die Umgebung abspähend, weiter, zunächst +zum Anschuß. Ich fand vereinzelte Schnitthaare und dann große Spritzer +Schweiß. Zwei Meter davon entfernt fand ich einen ganzen Klumpen +Haare, an dem noch Haut festsaß, also der Ausschuß. Nun war mir nicht +mehr bange. Zwei Schritt brauchte ich nur ins Gebüsch einzutreten, da +schimmerte es mir schwarz-weiß entgegen. Der Leopard lag auf dem Rücken +und war schon verendet, wie die verglasten Lichter (Augen) zeigten. +Obwohl ich gern den ganzen Leoparden mitgenommen hätte, um ihn zu +photographieren, war es doch im Hinblick auf meine beiden nicht sehr +kräftigen Begleiter besser, ich schlug ihn an Ort und Stelle aus der +Decke und nahm nur diese und den Schädel mit. Es war ein prächtiger +alter Kater und der Fang (das Gebiß des Raubzeugs und der Hunde) ganz +vollständig. Groß war meine Freude, und mit Sorgfalt weichte ich zu +Hause die Decke persönlich in gesättigte Salz- und Alaunlösung ein, +knetete sie eine halbe Stunde lang durch und hing sie zum Trocknen auf. + +Später, als ich eine große Hundemeute hatte, wurde es mir leichter, +Leoparden zu erlegen. Mit meinen Hunden hatte ich insofern Glück +gehabt, als die Stammeltern, zwei blutsfremde deutsche Doggen, sehr +schneidige Tiere waren. Der Nachwuchs lernte es ohne mein Zutun, mit +System, d. h. mit gegenseitiger Unterstützung, zu hetzen und wehrhaftes +Raubwild zu stellen. + +Wurde mir aus einem Dorfe gemeldet, daß die Leoparden dreist würden und +Hunde und Ziegen holten, so brach ich, wenn ich Zeit hatte oder es sich +sonst mit meinen Obliegenheiten vereinigen ließ, mit meinen Hunden auf +und bezog in dem Dorf Lager. + +Nachts verbellten dann meine Hunde den Leoparden. Meine Träger kannten +den Rummel schon. Rasch hatte jeder ein paar ordentliche Hände voll +trocknes Gras aus den Dächern der Hütten gezogen und sie als Fackeln +angebrannt. Kamen wir zu den Hunden, so hatten diese den Leoparden zum +Aufbäumen gezwungen, und ich schoß, indem ich einen Mann mit seiner +Fackel hinter mich treten ließ. Nach dem Schuß stand ich zwar stets +im Finstern, denn die Fackelträger waren ausgerückt. Es schadete aber +nichts, denn wenn der Leopard nicht tödlich getroffen war, was bei der +nächtlichen Schießerei häufig vorkam, so beschäftigten sich sofort +die Hunde mit ihm und hatten ihn, falls er noch konnte, sofort wieder +auf einen Baum getrieben. Selten verlor ich dabei einen Hund. Größere +Wunden durch Prankenschläge nähte ich, worauf rasch Heilung eintrat. +Übler waren kleinere Wunden, wo die Krallen eingeschlagen worden waren +und nur ein kleines Stückchen Fleisch heraushing. Diese Wunden heilten +äußerlich rasch zu, innen bildete sich aber meist ein langwieriger +Eiterprozeß und Zellgewebsentzündung. + +Ganz übel benehmen sich Leoparden, wenn es ihnen gelingt, in einen +Ziegenstall oder Kral einzubrechen. Solange noch eine Ziege am Leben +ist, wird gemordet. Es kommt vor, daß ein Leopard 30-50 Ziegen +tötet und keine davon frißt. Die Dreistigkeit der Leoparden ist +außerordentlich groß. Ziegen werden am Tage vor den Augen der Hirten, +Hunde vor den Türen weggefangen. Dabei läßt der Leopard seinen Raub +nicht oder nur sehr schwer im Stich, wenn er auch sofort angegriffen +wird. Als Beispiel der Dreistigkeit erwähne ich folgendes kleine +Erlebnis. + +Auf dem Tanganjikaplateau hatte ich einen Europäer getroffen. Da wir +gut bekannt waren, stellten wir unsere Zelte zusammen und brachten in +dem einen die Betten unter, während uns das zweite als Eßzimmer diente. +Vor dem Abendbrot saßen wir beide auf einem Bett, und mein Bekannter +spielte Ziehharmonika. Plötzlich gab es während des Spiels lautes +Geheul von meines Bekannten Foxterrier, der unter dem Bett geschlafen +hatte. Das Bett wurde unter uns hochgehoben, und ehe wir zur Besinnung +kamen, sprang ein Leopard mit dem Terrier zum Zelt hinaus. Draußen war +es dunkel, und wir konnten nichts gegen den Leoparden tun. Der Hund war +sowieso verloren. + +Am nächsten Morgen brachten Eingeborene den angefressenen Hund und +behaupteten, der Leopard säße unweit unseres Lagers in einem Gebüsch +dürren Grases, das beim letzten Steppenbrand noch zu grün gewesen wäre +und deshalb stehen geblieben sei. + +Wir besahen uns die Lage. Der Grasfleck war nur etwa drei Hektar groß, +aber brennen wollte das Gras von 1,20 Meter Höhe auch heute noch +nicht. Es blieb also nur die Möglichkeit eines Durchtriebes. Was wir +an Eingeborenen auftreiben konnten, machten wir als Treiber mobil. +Zwischen je 10 Mann stellten wir einen Soldaten. Schießen wollten nur +wir Europäer, damit kein Unglück geschah. Ich stand auf jener Seite, wo +wir vermuteten, daß der Leopard herauskäme, mein Bekannter ging mit den +Treibern. Nachdem mehr als die Hälfte des Grases durchgetrieben war, +schoß mein Bekannter zum ersten Male, wie er mir zurief, »daneben«. +Gleich darauf sprang der Leopard einen Soldaten an, und zwar so, daß +er seine Hinterpranken dem Mann in die Oberschenkel schlug und mit +den Vorderpranken Lappen in die Kopfhaut riß. Der Mann fiel natürlich +hintenüber, aber ehe er lag, war der Leopard schon wieder zurück +ins Gras gesprungen. Dieses Manöver wiederholte der Leopard mehrere +Male und stets so unverhofft und blitzschnell, daß die mit Stöcken +zuspringenden anderen Treiber nicht dazukamen, einen Schlag zu führen. +Wir hatten insgesamt sieben Verwundete mit mehr oder minder schweren +Verletzungen. + +Nur ein ganz schmaler Grasstreifen deckte den Leoparden noch, und +ich hoffte, daß er jeden Augenblick flüchten und mir Gelegenheit zum +Schusse geben würde. Statt dessen versuchte er immer wieder, die +Treiberlinie zu durchbrechen. Jetzt schoß Herr H. zum zweiten Male, und +das gleich darauf einsetzende Freudengeheul der Treiber verkündete mir, +daß der Schuß tödlich war. Der Leopard hatte die Kugel spitz von vorn +erhalten, und sie war durch den ganzen Körper gegangen mit dem Ausschuß +neben dem Weidloch (After). + +Bei genauerer Betrachtung des toten Leoparden wurde uns auch klar, +warum er bei seinem Anspringen der Treiber niemals den Fang gebrauchte. +H.s erster Schuß hatte ihm beide Kaumuskeln und die Pfannen der +Unterkiefer durchschlagen. Lange haben übrigens unsere Verletzten an +ihren Wunden nicht laboriert, sie hatten ausnahmsweise gesundes Blut, +was man von den wenigsten Negern behaupten kann. + +In eine recht mißliche Lage brachte mich ein Leopard im August 1908 +in Ilongo in Ussangu. Zur Reparatur einer Baumwollspinnerei wohnte +ein ehemaliger Fremdenlegionär B. bei mir, der früher Techniker war. +Als wir nachts die Löwen brüllen hörten, erzählte er mir, er hätte im +Atlas schon Löwen geschossen, und fragte dann, ob ich ihm nicht zu +einem Löwen verhelfen könnte, er möchte gern ein Fell als Waffenschmuck +haben. Ich stand kurz vor einer Europareise, um mich von einem +Gelenkrheumatismus zu erholen, den ich mir im letzten Negeraufstand +zugezogen hatte. Vier Monate hatte ich festgelegen, und seit zwei +Monaten konnte ich wieder langsam gehen, war also mehr als klapprig, so +daß ich eine Suche auf Löwen nicht wagen konnte. + +Um B. aber eine Freude zu machen, da er mir die Maschinen rasch und gut +in Ordnung brachte und auch ein sächsischer Landsmann von mir war, ließ +ich einen Selbstschuß herstellen. + +Nach dem Rezept meines Freundes L., eines Schweden, der schon mit +Livingstone Afrika durchquert hatte und damals als Zivilkommissionär +in Rhodesia amtierte, baute ich eine Schußfalle, die fast nie versagt +und in die das Raubwild -- und wäre es noch so schlau -- leicht +hineintappt. L.s System bestand in einem auf zwei eingegrabenen +Astgabeln wagrecht gebundenen Gewehr in Blatthöhe über der Erde. Ein +dünner, aber fester Bindfaden wird am Abzug befestigt, durch die untere +Gewehrriemenöse gezogen, am Gewehr entlang geführt und dann quer über +den Weg gespannt, den das Raubwild mutmaßlich durchquert. Man darf den +Faden nicht zu fest spannen, da der nächtliche Tau ein Nachspannen +besorgt. Mit der Hand drückt man dann den Faden in der Richtung des +mutmaßlich vorbeikommenden Tieres. Wird das Gewehr ausgelöst, wenn +man den Faden etwa 40 Zentimeter aus seiner Ruhe drückt, so ist die +Aufstellung richtig, und man kann die Patrone einschieben. + +Über den Weg führen wollte ich den Selbstschuß nicht. Ich benützte für +solche Fälle immer ein ausrangiertes Gewehr Mod. 71, und ein solches +Geschoß können des Weges kommende Negerbeine nicht gut vertragen. Ein +eingeschlagener Pfahl, an den ich ein zwei Monate altes Kalb band, war +das Zentrum eines dreiviertel geschlossenen Kreises aus Dornenästen. +Quer über die Öffnung war dann das Gewehr gerichtet und der Fadenabzug +gespannt. Um das Kalb noch besser zu schützen, ließ ich noch eine +Reihe Pfähle mit handbreitem Abstand quer durch den Dornenkreis +rammen, so daß der Löwe das Kalb bequem vom Eingang her sehen konnte. +Damit er gezwungen war, den Eingang gehend und nicht springend zu +durchschreiten, hing ich einige kleine Dornenäste an einer Stange in +1,20 Meter Höhe über den Eingang. + +Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust +abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen, +so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des +Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde; +dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe +oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von +der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die +infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu +werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich +ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten +Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des +Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die +Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle +in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es +entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken, +das das Raubwild leicht anlockt. + +Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß +zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns +verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem +Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das +Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen +wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des +Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam, +fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen +war. + +B., ich und zwei Neger machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs +waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady +mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr, +sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit +schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die +Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette +ab. + +Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts +Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich +mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen +ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sichernden +Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war +er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen hoch und ließ die +Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um +ihm den Fangschuß zu geben -- Versager! noch einer und noch einer. +Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom +Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er +auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge +gehabt. + +B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen, +er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor +und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere +bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß +aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer +hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen. +Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile +des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald +überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand +bleich wie eine Wand und zitternd dabei, so daß ich ihm auf den Kopf +zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er +wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion +Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die +Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging +ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in +Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und +sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen +könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland +angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre +wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern +versammelt. Selten habe ich so um einen Hund getrauert, als wie um +dieses treue, schöne Tier. + + + =Gefleckte Hyänen= (+Hyaena crocuta Erxl+). + +Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn +er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit +daranschließendem, stark abfallendem Rücken machen das Tier unschön. +Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar +nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung +besiegelt (Abb. 6). + +Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt, +wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß +er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet. +Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung +menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher. +So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es +an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördern, nachts die +Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der +den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Negerkopf anhaftet, +genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen. + +Hyänen zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends, +ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem anderen +Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins +Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit +einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine +gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden +in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in +einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterten sie doch längere Zeit. + +In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen +fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf +aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch +nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich +die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere +Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei +freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich. + +Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die +gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge, +überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und +Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen +Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind +Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort +Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benediktiner-Mönche, +daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige +Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist +hätten. + +[Illustration: Abb. 6. Gefleckte Hyänen.] + +Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz +menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die +Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich +Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets, +wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr +abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen. + +Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in +Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur drei Foxterriers. In +der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum +schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich +einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich, +wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers +herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel +zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu +Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums +Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden +Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie +ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im +hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen. + +Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen. +Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel +nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit +treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als +es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten, +stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo +bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder +und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die +gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt +des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die +Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige +Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am +Leben. + +Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung +nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues +Verfahren. + +Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung +übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz +frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben. +Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des +weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen +würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug +bringen. + +Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten +Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel machte ich ihr +ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den +Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich +schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie +mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb. +Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs +Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei +sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne +waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst +war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke +Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten -- ohne Hyäne. +Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte +so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete +ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch +Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher +Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden +als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber +anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing. +Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht +recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum +handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und +deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst +kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus +sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den +Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein +etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man +beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat. + + + =Schabrackenschakale= (+Canis [Lupulella] mesomelas Schreb+). + +Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr +nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich +stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur +die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs. +Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck, +wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze Lebensweise ist +die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter +diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden. + +Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den +Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und +Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen. + +Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu +verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn +im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und +absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in +das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in +entgegengesetzter Richtung davonzulaufen. + +Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele +schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig +retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer. + +Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so +fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage, +wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die +ganze Gegend durchzieht. + +Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt +mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem +Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im +Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und +ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht +Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine +verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden. + +Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen +der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer +Fabel. + +In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer +frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im +Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie +mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht +wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei +mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde +kollerten, brachten sie mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines +Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und +meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest. +Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten +zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen +ruhig bei ihrem Glauben. + +[Illustration: Abb. 7. Schabrackenschakal.] + +Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht +mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt, +den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie +angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte. + +Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn +Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem +Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns +äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen. +Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen, +vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«, +so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter +brachten, von mir hingegen ließ er sich die schönsten Knochen weit +hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir +allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls +aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie +noch nicht erzogen und unbeobachtet waren. + +»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen +nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen +auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein +tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen +wilden Schakal und schoß ihn tot. + +Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden +Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen +wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen. + +Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die +Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß +Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute +eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann +man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf +schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich +bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in +Gemeinschaft leben. + +Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der +Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in +»Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres +Reineke. + +Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den +Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen +erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy +verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend +unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen +versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen +und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der +Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet +ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten +Sachen aufgebunden werden. + +So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer +eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den Fehler hat, daß +er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu +erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die +kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er +auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys +hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten, +ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine +solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40 +Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit +der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die +Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als +Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen +waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem +einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen. + +Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem +Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm +Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy +stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze +geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy +ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er +viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend +läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen +Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß +ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender +Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen +»Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden. + + + =Wilde Hunde= (+Lycaon pictus Temm+) [auch Hyänenhunde genannt]. + +In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in +Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die +Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder +trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke +einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf, +das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten meine Leute und +ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend, +wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur +Tränke geführt worden sei. + +Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone +einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch, +um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte +ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch, +damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck +beinahe meine Melone fallen lassen. + +Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke +auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich, +irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich, +oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt +bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich +stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich +mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten +sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das +Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder +oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte +sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem +ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben +sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit +den Kühen zur Tränke. + +Auf meine Frage, warum denn das Dorf so weit vom Fluß läge, wurde mir +erklärt, daß der Mkodje die Steppe in der Regenzeit bis kurz an die +Hütten überschwemmte. Verpflegung konnte ich für meine Leute auch nicht +erhalten, die Vorräte der Leute waren so gering, daß ich fragte, wie +die Leute denn überhaupt ihr Leben fristen könnten und warum sie mit +ihrem Vieh in solch elender Gegend wohnten und nicht mehr Getreide +anbauten. Ich erfuhr darauf, daß die Rinder dem Sultan Merere gehörten +und nur hier gehütet wurden, weil das Wild gut gediehe, von was, war +mir allerdings fraglich, denn ich hatte auf meinem Marsche nur bis +auf 3 cm abgeweidete Grasstummel gesehen. Von Getreidearten wüchse +nur recht spärliche Sandhirse. Zwei kleine Fleckchen bebautes Land +von zusammen etwa 200 Quadratmeter mußten für die 18 Kopf starke +Einwohnerschaft genügen. Die Ernährungsfrage der Leute wurde mir +immer rätselhafter. Endlich rückten sie mit der Sprache heraus. In der +Regenzeit gebe es durch die Überschwemmung so viel Welse, daß sie im +seichten Wasser bloß aufgelesen zu werden brauchten. Und jetzt? Nun, +in der Trockenzeit paßten die Viehhüter immer auf, wo früh die Geier +kreisten, dort hätten Löwen Wild geschlagen, und es wäre häufig so viel +übrig, daß sie Vorrat dörren könnten. Manchmal allerdings, wenn mehr +Löwen dagewesen wären, oder wenn die Löwen schon am Abend Beute gemacht +und den Riß nach der Sättigung verlassen hätten, um zur Tränke zu +gehen, so daß das gerissene Wild für die Hyänen frei werde, seien nur +ein paar Knochen übrig. + +[Illustration: Abb. 8. Wild- oder Hyänenhund.] + +Meine Bemerkung: »Na, ihr helft wohl manchmal den Löwen etwas nach und +holt euch selber ein Zebra,« löste verlegenes Grinsen aus, das mir +genug Bestätigung war. Vorderlader waren ja reichlich vorhanden und +Pulver auch -- »zur Abwehr der Löwen vom Vieh« -- wie mir eifrigst +versichert wurde. + +Am nächsten Morgen, als es eben dämmerte und ich mich gerade mit dem +Viertelliter Wasser wusch, den ich für diesen Zweck aufhob, ehe ich ihn +meinen Hunden geben wollte, verstummte plötzlich das Murmeln der sich +für die Reise zurechtmachenden Träger. + +Etwas blöde, weil ich gerade mein Gesicht mit dem Handtuche bearbeite, +spähe ich nach der Ursache. Da kommt auch schon eine Schwarzfersenricke +(+Aepyceros suara Mtsch.+) direkt auf mich zu, mitten durch die +Träger durch, stolpert über meine Zeltstricke, rennt ins Dorf und +bleibt darin stehen. Während ich noch diesem Tier zusehe und nicht +weiß, was ich aus dem Vorfall machen soll, kommt eine zweite Antilope +fast durchs Zelt und stellt sich zur ersten. + +Nun machten mich die Leute aufmerksam auf zwei wilde Hunde (Abb. +8), die sich außerhalb der Träger hingesetzt hatten. Ich zeige die +Wildhunde meinen vier Doggen und hetze diese. Kein Gedanke, daß sie +die Wildhunde einholten. Als meine Hunde auf einen Pfiff mutlos +zurückkehren, folgen ihnen die beiden Wildhunde. Eine abermalige Hetze +war so erfolglos wie die erste. Nun nehme ich mein Gewehr zur Hand, +schieße aber zu kurz, wie ich am Hochsprung des Hundes auf allen Vieren +sehe, ein zweiter Schuß hat dasselbe Ergebnis. Nun trollen sich die +Wildhunde hinter Dornengebüsch und sind für mich unsichtbar. + +Ich gehe dann zu den Antilopen, die mit zitternden, weitgeöffneten +Nüstern und schlagenden Flanken im Dorf stehen und sich anfassen +lassen. Die Leute erzählten mir, sie hätten die Hetzjagd der +Wildhunde schon eine ganze Weile beobachtet, in der Steppe wäre es +immer im Kreise herum gegangen. Sehr scharf sei das Tempo der Hunde +nicht gewesen. Durchaus wollten die Leute die Antilopen töten und +verspeisen. Mir taten diese geängstigten Tiere leid, und ich ließ alle +Leute zurücktreten, damit sich die Antilopen -- Muttertier und fast +ausgewachsenes Kitz -- erholen und nach Belieben entfernen konnten. + +Dies war meine erste Begegnung mit wilden Hunden. Noch häufig traf ich +diesen Schrecken des armen Wildes an. Einmal, als ich gerade Wildbret +für meine Tafel brauchte und bei Morgenlicht im Wildgebiet eintraf, +galoppierte ein Wasserbock (+Cobus ellipsiprymnus Ogilb.+) auf +mich zu. Ich nahm an, daß er mich früher wahrgenommen hatte und mir auf +seiner Flucht wieder in den Weg lief, weil ich durch Gebüsch gedeckt +war. In hohen Fluchten quittierte er auf meinen Blattschuß. Der erst +spärlichen, dann reicher werdenden Schweißfährte folgend, fanden wir +ihn, nach etwa 1000 Meter Suche, verendet in einem Dickicht. + +Einen Augenblick bei dem zur Strecke gebrachten Bock ausruhend, +hörte ich plötzlich den Schreckton eines Buschbockes (+Tragelaphus +roualeyini Gord. Cumm.+). Da das Fleischbedürfnis meiner +europäischen Nachbarn groß war, wollte ich auch diesen strecken. +Vorsichtig schiebe ich mich aus der Dickung heraus und habe vor mir: +sechs Wildhunde. Auf vier Meter Entfernung bleiben sie ruhig vor mir +sitzen, indem sie mich anäugen. Sie müssen meine Anwesenheit schon +vorher bemerkt haben und waren höchstwahrscheinlich auch schon vorher +hinter meiner Beute her. Den Vordersten schoß ich spitz von vorn. +Er fiel ohne einen Laut. Die anderen machten nun einen Luftsprung, +dann saßen sie wieder. Einer steht auf und nimmt Witterung an seinem +toten Kameraden, aber nur einen Augenblick. Hastig faßt er ihn dann +mit den Zähnen, und im Nu bilden die übrigen vier mit ihm einen +Knäuel. Sie reißen große Fetzen aus dem Geschossenen und würgen die +Bissen ohne Kauen hinunter. In kurzer Zeit ist auch kein Knochen oder +Haarbüschel von ihm übrig. Als ich den zweiten schoß und nach seinem +Fall gleich auf die Wildhunde zuging, zogen sie sich knurrend zurück +und verschwanden dann. Eine halbe Stunde danach hörte ich, wie sie mit +einem Löwen stritten. Als ich mir durch das Dickicht einen Weg nach dem +Kampfgetöse zu gebahnt hatte, waren alle Beteiligten verschwunden. Nur +das niedergetretene Gras gab Zeugnis von einer Balgerei. + +Wer den kürzern gezogen hatte, ließ sich nicht ermitteln. Ich glaube +aber der Löwe. Selbst habe ich es zwar noch nicht mit angesehen, aber +mir bei verschiedenen eingeborenen Jägerstämmen erzählen lassen, daß +der Löwe deshalb eine so große Furcht vor meinen Doggen hätte, weil er +sie für wilde Hunde hielte, die ihm stets so arg zusetzten, daß er das +Weite suchte. Käme es zu einem Kampf, so stürzten alle zugleich auf den +Löwen und bissen ihn überall, wobei immer ein Stück Fell und Fleisch +in ihrem Fang bliebe. Der Löwe selbst wäre nicht flink genug, sich so +vieler Angreifer zu erwehren. Etwas Wahres muß daran sein, denn stets +brachten meine Hunde den Löwen zur Flucht und konnten ihn nur dann +stellen, wenn ich mehr als zwei bei mir hatte. + +Wie das Wild die Wildhunde fürchtet, sah ich häufig daran, daß Gebiete, +die dicht mit Wild bevölkert waren, plötzlich wie ausgestorben dalagen +und nur einige Buschböcke und Ducker (+Sylvicapra grimmia L.+) +(kleine Antilopen, die durch Ducken sich vorzüglich verbergen), die +ihren Standort schwer wechseln, übrig waren. Wasser- oder Futtermangel +war nicht eingetreten. Stets ergab es sich dann, daß Wildhunde dort +gehetzt hatten. Rudel bis zu dreißig Stück waren keine Seltenheit. +Eine solche Panik unter dem Wild ruft kein Löwe hervor. Wohl zeigt +das Wild bei Löwenanwesenheit Unruhe, ich sah aber mehrfach weit +auseinandergezogen äsende Wasserböcke und Hartebeeste, die von einem +Löwen, der mitten durch die Herde lief, kaum Notiz nehmen. + +Strichweise bewegen sich die Wildhunde durchs Land und steigen auch +in hügeliges Gelände auf. 1910 traf ich sie auf 1200 Meter Höhe nahe +Langenburg, wo sie die weidenden Viehbestände schwer schädigten. + +Nach meinen Erfahrungen bevorzugen sie alles Hornwild mit Ausnahme +des Büffels, der ihnen wohl zu wehrhaft ist. Warzen- und Wildschweine +verschmähen sie nach meinen Beobachtungen gänzlich. Übrigens nahmen +auch meine Hunde (Doggen und deutsche Schäferhunde) Schweinefleisch nur +ungern auf. Bei Zebras und Giraffen fürchten sie Schläge mit dem harten +Huf. Überall bestätigten mir die Eingeborenen, daß diese beiden Tiere +von Wildhunden verschont würden, wenn es sich nicht um ein junges Stück +handelte, das sich von der Herde entfernt hatte und den Anschluß nicht +mehr erreichen konnte. + +Erstaunlich ist die Muskelkraft der Kieferpartie der Wildhunde. Einer +meiner Bekannten in Langenburg zog zwei junge Hyänenhunde auf. Sie +liefen frei herum und kamen auf Ruf zum Futter. Als sie ein Vierteljahr +alt waren, hatten sie das Bestreben, nicht unter Beobachtung zu +fressen. Sie nahmen deshalb die Blechbüchse, die ihr Futter -- Reis +und gekochtes Fleisch -- enthielt, in den Fang, und einer trug den +für beide bestimmten Teil, der mit Büchse mehr als sein Körpergewicht +betrug, wagrecht davon, ohne daß dem Tier eine Anstrengung anzumerken +war. + +Übrigens waren die Tiere trotz ihrer Gefräßigkeit äußerst mager. Nur +der dicke Kopf, der durch die sehr großen, aufrechten Lauscher (Ohren) +noch größer erschien, fiel auf, so daß der übrige Körper dagegen ganz +zurücktrat. + +Im Gegensatz zu anderen vierfüßigen Raubtieren sind Wildhunde +ausgesprochene Tagestiere. Nase, Gehör und Gesicht sind außerordentlich +scharf. + +Deutsche Schäferhunde, die nach meinem Dafürhalten unter allen +Hunderassen das beste Gesicht haben, erkannten auf 200 Meter Entfernung +sich schwer vom Gelände abhebende, sehr ruhig weidende Esel nicht, d. +h. sie nahmen sie nicht wahr. Die beiden jungen Wildhunde verfolgten +die Esel aber ständig mit dem Auge. Keine laufende Ratte entging ihrer +Aufmerksamkeit, und zwar auf viel größere Entfernung, als wie ich dies +bei meinen sonst sehr regen Hunden beobachtete. + +Die Farbe der von mir erlegten Wildhunde war verschieden. Niemals fand +ich sie rein einfarbig, sondern immer in zwei Farben unregelmäßig +gefleckt. Im Südosten der Kolonie fand ich vorwiegend Dunkelbraun bis +Schwarz als Grundfarbe mit weißen oder gelben Flecken. Im Westen war +die Grundfarbe heller. Mehrmals schoß ich ganz fahlgelbe Exemplare +mit weißen Flecken. Einmal brachte ich einen Wildhund zur Strecke von +schmutziggelber Grundfarbe und schwarzen Flecken. + +Meist beherbergt das Fell zahlreiches Ungeziefer, vorwiegend Flöhe, +Zecken und Sarcoptes-Milben. Auch den Eingeborenen ist die Vorliebe +des Ungeziefers für den Wildhund als Wirtstier bekannt, und gerade aus +diesem Grunde ist das Fell eines Wildhundes den Eingeborenenärzten oder +Medizinmännern eine begehrte Sache, aus der sich Kapital schlagen läßt. + +Sehr stark ist nämlich die Nachfrage nach Amuletten, die Liebe +und Zuneigung erwecken sollen. Ein alter Medizinmann, mit dem ich +Freundschaft unterhielt, um mich über die Art seines Wirkens zu +unterrichten, gab mir im Laufe der Jahre interessante Aufschlüsse über +seine Praxis. + +Vieles ist Hokuspokus, ohne jeden Wert, einem großen Teil der +angewandten Mittel liegt aber eine gute Kenntnis heilkräftiger +Kräuter zugrunde. Es ist dieselbe Art des Wirkens, wie sie bei uns im +Mittelalter üblich war und heute noch von Schäfern und Wunderdoktoren +ausgeübt wird. Früher standen diese Leute im höchsten Ansehen, es +schwindet aber immer mehr, je mehr europäische Ärzte ins Land kommen. +Es bricht sich allmählich Bahn, daß diese denn doch etwas mehr vom +Heilen verstehen, als die eigenen Ärzte. Außerdem sind sie billiger, +d. h. der Eingeborene wird vorwiegend kostenlos behandelt, während der +eingeborene Arzt seine Kranken gehörig schröpft und diese bis auf wenig +Ausnahmen, wenn überhaupt, so aus Autosuggestion, ihre Gesundheit +wiedererlangen. Der europäische Arzt ist diejenige Person, die am +leichtesten den Weg zum Herzen der Neger findet, sofern er einigermaßen +umgänglich ist. Das Gefühl der Dankbarkeit geht zwar dem Neger völlig +ab, dafür erkennt er aber den Vorteil einer mit Erfolg geführten +ärztlichen Behandlung voll an. Für ihn sind ja die Wirkungen der +Schutzimpfung gegen Pocken und die Salvarsanbehandlung bei Frambösie[4] +die reinen Wunder. + +Doch ich sprach von der Verwendung des Felles der Wildhunde durch +Medizinmänner. Mein alter Freund verwendete deshalb bei der Herstellung +von Liebesamuletten stets einige Haare vom Wildhund, weil diese starke +Anziehungskraft ausübten, wie ja schon daraus zu ersehen wäre, daß sich +alles Ungeziefer zum Wildhund hingezogen fühlte. + +Von Eingeborenen wird der Wildhund nur selten erlegt. Einesteils ist +es nicht häufig, daß Wildhunde sich weidendes Vieh holen; es fehlt +der Anreiz der notwendigen Abwehr. Andernteils flößt der in Herden +jagende Wildhund den Negern Achtung ein. Ob diese berechtigt ist oder +nicht, hatte ich nie Gelegenheit festzustellen. Es wird zwar vielfach +behauptet, daß ab und zu Menschen von Wildhunden angegriffen würden, +etwas Bestimmtes scheint aber nicht dahinter zu stecken. Wenigstens +konnte ich nicht einen einzigen Fall dieser Art ermitteln. + +So wie ich den Neger kenne, wirkt schon das dreiste Verhalten der +Wildhunde, die nicht sofort die Flucht ergreifen, wenn einer oder +mehrere ihrer Genossen getötet werden, auf sie abschreckend. + + +Fußnoten: + +[1] Die in diesem Bändchen mehrfach vorkommenden weidmännischen +Ausdrücke bedürfen wohl meistens keiner besonderen Erklärung, da +sich ihr Sinn aus dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, von +selbst ergibt. Wo es uns aber dennoch nötig schien, haben wir eine +entsprechende Erklärung als Fußnote gebracht. + +[2] D. h. in den Bewegungen innezuhalten (beim Wahrnehmen einer Gefahr +oder eines Feindes). + +[3] D. h. bei Raubwild eine »Spur« (Tritt) vor die andere setzen. + +[4] Die Frambösie ist eine eigenartige Hautkrankheit, die sich nur in +den Tropenländern vorfindet und durch das Auftreten kleiner weißer +Pusteln auf geröteter und entzündeter Haut, sowie daraus entstehender +Geschwüre und schwammiger Auswüchse von Form und Größe einer Himbeere +(franz. +framboise+) zu erkennen gibt. + + + + +[Illustration] + + + + + Dickhäuter. + + +Gewaltig ist der Reichtum an Dickhäutern in Deutsch-Ostafrika, die +allerdings die großen Heerstraßen, auf denen Europäer oder ihre +Karawanen entlang ziehen, verlassen haben. Bedingung für alle ist das +Vorhandensein reichlichen Wassers. Frisches Gras, Schilf und Laubwerk +ist ihre Hauptnahrung, und namentlich in der Trockenzeit sind diese +Genüsse an fließendes oder stehendes Wasser gebunden. Allerdings +treten die Dickhäuter zeitweise auch große Wanderungen an, so daß man +sie in Gebieten antrifft, in denen sie ihre Lebensbedingungen auf die +Dauer nicht finden. Stets halten sie sich aber dort nur vorübergehend +auf, seien es Nashörner und Flußpferde, z. B. wenn sie nach einem +anderen Weidegrund Umschau halten, oder Elefanten, wenn ihre Naschlust +sie treibt, Borassuspalmen oder Bäume in der Zeit der Fruchtreife +abzuernten. + +Plump und unbeholfen scheint uns ihr massiger Körper, der in der Natur +eine ganz andere Größe erreicht als bei noch so sorgfältigster Pflege +und reichlichster Nahrung in der Gefangenschaft. + +Jedoch mit welcher Behendigkeit entgegen dem täuschenden Anblick +durchqueren sie die für kleineres Wild und Mensch kaum gangbaren +Dickichte, die diesen nur auf ihren Pfaden ein Vorwärtskommen +gestatten! Dornendickichte und üppig wuchernde Schlingpflanzen, die +die Gebüsche förmlich verfilzen mit ihren frischen und abgestorbenen +Ranken, durchschreiten sie wie weiches Gras. Wenn auch lautes Gekrach +und Geprassel damit verbunden ist, den Kolossen selbst ist eine +Anstrengung nicht anzumerken. + + + Durch ein Dickhäuter-Eldorado. + +Im Oktober 1912 reiste ich im Morogoro-Bezirk in Deutsch-Ostafrika. Am +Schnittpunkt der Morogoro-Mahengestraße mit dem Ruahafluß angekommen, +sagte ich mir, daß es für mich wenig Zweck hätte, auf den bisher +bekannten Wegen mein Reiseziel Kissaki zu erreichen, und ich beschloß, +den Ruahafluß abwärts zu gehen bis zum Zusammenfluß mit dem Rufidji. +Auf der Karte war der Ruaha auf dieser Strecke nur durch punktierte +Linien angedeutet, eine Routenaufnahme längs des Flusses war mir also +vorbehalten. + +In den Ortschaften Kidatu und Kidoti versuchte ich, Eingeborene zu +finden, die vielleicht die in Luftlinie etwa 180 km lange Strecke schon +zurückgelegt hätten. Keiner war beim Fischen nach den im Ruaha lebenden +enorm großen Welsen weiter als 40 km gekommen. Europäer hatten den Weg +noch nicht gemacht. Nur der mit Schomburgk Elefanten jagende Engländer +Kapitän Hemming war im Oktober 1908 dreißig Kilometer weit flußabwärts +gelangt. + +Auf der Missionsstation Widunda, die von meinem Lager nur zwei Stunden +entfernt lag, und wo ich bei Mönch Lamberti gastfreieste Aufnahme fand, +suchte ich mich weiter zu orientieren. Andere Auskunft als die, daß +weder Europäer noch Eingeborene diese menschenleere Gegend durchquert +hätten, bekam ich auch hier nicht. In gemeinsamer Beratung nahmen wir +an, daß der Weg bis zu den ersten Ortschaften vor dem Rufidji in vier +Tagen zu machen sei. + +Da man beim Reisen in Afrika mit allen möglichen Zufällen rechnen muß, +nahm ich für meine zwanzig Träger Verpflegung für sechs Tage mit, in +der Voraussicht, unterwegs die Nahrungsmittel noch durch erlegtes Wild +und gefangene Fische zu ergänzen. Ich warb in Kidoti noch vier Mann an, +die die erste vierzig Kilometer lange Strecke kannten, zum Tragen des +Mehlvorrates, den meine Träger nicht mehr auf ihre Traglasten schnüren +konnten. Am ersten Tage legten wir fünfunddreißig Kilometer zurück. +Der Weg war prächtig, da die Grasbrände von den von uns verlassenen +Ortschaften sich bis hierher ausgedehnt und die ersten leichten +Niederschläge der kleinen Regenzeit einen üppigen niedrigen Grasteppich +hervorgezaubert hatten. Das Schweifen des Auges ins Grüne weiß nur +der richtig zu würdigen, der den trostlosen afrikanischen Winter, die +Trockenzeit, kennt, in der alles gelb, starr und tot ist, und wo das +Auge nur zwei bis drei Meter vor sich Ausblick auf den schmalen Fußweg +hat, den die eigenen Träger oder eine frühere Karawane getreten haben. + +Wunderbare Flußszenerien boten sich dem Auge dar. Das Flußbett war +stellenweise dreihundert Meter und mehr breit, und da wenig Wasser +floß, bildete der Fluß nur Rinnsale innerhalb eines Gewirrs von +Sandbänken, die dicht mit aller Art Enten und Nilgänsen bedeckt waren. + +Im Schlick wateten fischende Marabus (+Leptoptilus crumeniferus +Less.+) und Löffelgänse (+Platalea leucerodia Linn.+). Ibisse +steckten ihre gebogenen Schnäbel in den Schlamm, und wo im Fluß ein +abgestorbener Baumstamm lag, dort wimmelten unter seinen in die Luft +starrenden Ästen Madenhacker (+Buphaga+), Kuhreiher (+Bubulcus +lucidus Rafin.+), unter denen einzelne Edelreiher (+Herodias alba +Linn.+) saßen und sich in der Reichsadlerstellung sonnende Kormorane +(+Phalacrocorax carbo Linn.+). + +Hoch in der Luft zogen Seeschreiadler ihre Kreise und erfüllten sie mit +ihrem hellen, klaren Schrei. Einzeln oder zu mehreren hielten Krokodile +auf den Sandbänken Siesta in der Sonne, um beim langsamen Näherkommen +behäbig ins Wasser zu rutschen, oder, falls sie überrascht wurden, +in eilig grotesker Stellung dem Wasser zuzuwatscheln und mit starkem +Schwanzschlag Wassergarben aufzuwerfen, so daß auf der Stelle, wo sie +eingetaucht waren, noch einen Augenblick die Regenbogenfarben standen. + +Von Haarwild waren mir nur Wasserböcke (+Cobus ellipsiprymnus Ogilb.+ +und +Cobus defassa Rüpp.+) zu Gesicht gekommen. Da niemand in dieser +Gegend jagte, waren sie recht wenig scheu und trotteten mir nur +gemächlich aus dem Winde. Dabei fiel mir auf, daß sie wohl unter einer +Seuche leiden mußten, denn ihre Behaarung war ruppig und glanzlos, +und die Rippen traten deutlich hervor. Später gemachte Blutpräparate +kamen mir leider abhanden, so daß ich nach meiner Heimkehr nicht +mehr feststellen konnte, ob es sich um Tsetse (+Nagana+) oder einen +anderen Erreger handelte. Obwohl Tsetsefliegen (+Glossina fusca+ und ++morsitans+) in übergroßer Menge uns belästigten, möchte ich doch nicht +auf Nagana schließen, da mein mitgeführter Reitesel gesund blieb und +erst ein Jahr später sich an Nagana infizierte und einging, die Fliegen +am Ruaha also wohl nicht infiziert waren. + +Schießen wollte ich erst kurz vor dem Lager, um keine Schwierigkeit mit +dem Fleischtransport zu haben. + +Die linke Flußseite war bisher ziemlich frei von Wald, die +gegenüberliegende trug abwechselnd dichtesten Uferbusch und Hochwald, +aus dem ab und zu einige Borassuspalmen lugten, die sich hier und da in +kleinen Inseln als Palmenbusch vereinigten (Abb. 9). + +Die rechte Seite des Ruaha bildete von meinem Ausgangspunkt bis +hinunter zum Rufidji die Grenze des großen Jagdreservates des Bezirkes +Mahenge und war bekannt wegen ihres Reichtums an Dickhäutern. In +allen wildreichen Bezirken Deutsch-Ostafrikas finden sich nämlich ein +oder mehrere Reservate, die von der Regierung geschaffen werden, um +dem Wilde Schutz und Schonung angedeihen zu lassen. Es herrscht eine +scharfe Kontrolle, daß von Durchreisenden kein Schuß, und sei es auf +Raubtiere, darin abgegeben wird. + +Gegen zwei Uhr fing auch auf meiner Seite ein zunächst lichter Uferwald +an, der den Fluß in zweihundert bis dreihundert Meter Breite begleitete +und sich bis an die das Flußtal umsäumenden Hügel erstreckte. Das +sonst aus abgebrannten Wiesenflächen wieder frisch gesprossene Gras +hatte hier aufgehört, und wir mußten von nun alte Elefantenwechsel +benutzen, die überall längs des Flusses kreuz und quer führten. Da +meine Leute erschöpft waren, machte ich gegen halb vier Uhr Lager. Ich +machte mir eine Stelle aus, wo ich freien Überblick nach dem Fluß und +auch nach der Landseite zu eine Lichtung hatte, und baute das Zelt in +niedrigem Busch ein, um nach Möglichkeit die Tierwelt beobachten zu +können. Meine Leute plagten mich um Fleisch, und nach vier Uhr machte +ich einen kleinen Gang ums Lager, mehr um mich zu orientieren, als mit +der Absicht, Wild zu erlegen. Nur für alle Fälle nahm ich einen Mann +mit, der, wenn nötig, das rituelle Schächten besorgen sollte, da alle +meine Leute Mohammedaner waren, die nicht durch Kehlschnitt getötetes +Wildbret verschmähen. Unmittelbar nachdem das Wild durch den Schuß +auf der Decke liegt, muß der Schnitt unter Gebeten ausgeführt werden, +solange das Blut der Halsschlagader noch fließt. + +Wir schlenderten also zunächst fünfhundert Meter am Flußufer hin. Man +kann da im weichen, feuchten Ufersand am besten lesen, was alles zur +Tränke kommt. Besonders zahlreich waren die Fährten von Wasserböcken, +daneben lag Losung (Exkremente), die noch nicht ganz erkaltet war; die +Tiere mußten also vom Zeltaufschlagen flüchtig geworden sein. Einige +Warzenschweine waren auch zur Tränke gegangen. + +[Illustration: Abb. 9. Landschaftsbild vom unteren großen Ruaha während +der Trockenzeit. Besser phot.] + +Ein kleines Bachbett, das zurzeit trocken war, hatte Flußpferden zum +Ausstieg an das höhere Flußufer gedient; der Wechsel war aber schon +älteren Datums und die Losung prasseldürr. Wir folgten dem Bachbett +aufwärts und sahen etwa dreißig Stück nur männliche Wasserböcke. Um +sie dem Lager noch näher zu treiben, gingen wir, bis sie Wind bekamen. +Es war mehr eine Spielerei von mir, aber der Versuch glückte. Durch +langsames Nachgehen trieben wir sie bis auf hundert Meter aufs Lager +zu. Plötzlich stutzten sie vor den Brennholz holenden Negern, und ich +nahm auf neunzig Meter den stärksten Bock aufs Korn und ließ fliegen. +Mit gesenktem Äser (Maul) ging er noch einige taumelnde Schritte näher +zum Zelt und lag dann mit gutem Lungenschuß. Leider war er genau so +mager, als die tagsüber gesichteten. Den Negern ist das ja ganz +gleichgültig, meinen Appetit schärfte das kränkliche Aussehen jedoch +nicht, und ich verzichtete auf den Genuß. + +Nun, da die Leute ihren Willen, d. h. Fleisch zu ihrer Polenta hatten, +gab ich mich der Ruhe hin. Schöner lockerer Sand am Ufer lockte +zum Niederlegen, und die am Uferrand stehenden wilden Feigenbäume +dämpften das noch immer grelle Sonnenlicht. Einige meiner Leute kamen +zum Wasser, das einen klaren Tümpel von etwa Hektargröße bildete, +und spülten die Därme des Wasserbockes, um sich diese Delikatesse +mundgerecht zu machen. Wäre kein Wasser in der Nähe gewesen, so wäre +es auch gegangen, indem die Därme einfach umgedreht und mit der Hand +abgestreift worden wären. + +Während ich den Leuten so zusehe, fällt mir auf dem Wasserspiegel in +der Nähe der Spülstelle auf, daß kleine, aus dem Wasser ragende Zweige +hin und her schwimmen, untertauchen und wiederkommen, so daß ein +mechanisches Bewegen durchs Wasser ausgeschlossen erscheint. Ich rufe +die Leute an, was das wäre, und erhalte die Antwort: +cambale mingi +sana+ -- sehr viele Welse. + +Na gut! Fisch hatten wir längere Zeit nicht gehabt, und wenn sie so +gierig waren, wie die vor uns, so versprach das einen leichten Fang. +Von einer Wasserbockkeule ließ ich das Fleisch abschneiden, band dann +den Knochen an einen Strick, diesen an eine Baumwurzel und schnitzte +mir dann einen Stiel zu meiner Hechtgabel, die ich noch aus meiner +Jugendzeit besitze. + +So, nun noch einen Nagel durchgetrieben, daß die Öse fest am Stock +sitzt, und die Sache kann losgehen. Schon von weitem sehe ich, daß der +Köder gut angenommen war. Der Strick wurde hin und her gezerrt, und +einzelne Rücken schoben sich aus dem plätschernden Wasser. Vorsichtig +ging ich näher. Es waren mächtige Kerle dabei, deren Bart über +Bleistiftstärke Dicke hatte. Ich suchte mir einen mittleren von 1 Meter +Länge aus und hatte ihn an der Gabel, die ich aber fest an den Grund +drücken mußte, damit er sich nicht losriß. Ich schickte einen Mann ins +Wasser, der untergreifen mußte, und mit gleichzeitigem Schwunge lag der +Wels hilflos im losen Sande. Die anderen Welse nahmen keine Notiz von +uns, sie mußten im Tümpel wohl nicht mehr allzuviel finden und waren +deshalb so gierig, daß sie auf nichts mehr acht gaben. Die Gabel kam +nun noch ein paarmal zur Anwendung, dann nahmen der mir helfende Mann +und dazugekommene andere Träger einfach die Hände und warfen Fisch auf +Fisch in den Sand, bis ich sagte: »Jetzt sind's genug!« Bald waren +alle Fische kopflos und wegen ihrer Dicke der Länge nach halbiert; auf +Stäbe gespießt und ums Feuer gesteckt, begannen sie ihren Räucher- oder +vielmehr Dörrprozeß, für meine Nase allerdings kein idealer Genuß. +Ist man aber erst über ein Jahrzehnt in Afrika, d. h. wirklich darin +und nicht nur an der Küste und in Orten der Bahnlinie, dann ist die +Nase auch an mancherlei Düfte gewöhnt, ohne ihrem Träger Übelkeit und +Brechreiz zu verursachen, wie so oft im Anfang. Am nächsten Morgen +waren so viele getrocknete Fische vorhanden, daß, nachdem sich jeder +Träger die Menge auf seine Last geschnürt hatte, die er noch gerade +zu tragen vermochte, neben dem Rest des Wasserbockfleisches noch zwei +Traglasten übrig blieben, die die in Kidoti mitgenommenen Mehlträger +auf ihrem Rückwege mit nach Hause nehmen wollten; sie verschnürten sie +deshalb sorgsam in Borassusblätter und hingen sie zum Schutze gegen +Hyänen drei Meter über der Erde an einem Baum auf. + +Frisch und fröhlich marschierte die Karawane dann an dem noch kühlen +Morgen weiter. Viel Gelände gewannen wir nicht auf unserem Wege, denn +Gestrüpp und hohes Gras zwangen uns, nur Elefantenwechsel zu benutzen, +die außerdem nicht gerade in der gewünschten Richtung führen. Man +muß daher oft Leute nach rechts gehen lassen, um festzustellen, ob +wir uns auch parallel am Fluß halten. Diese Wechsel sind zwar, wenn +weniger benutzt, am Boden in achtzig Zentimeter- bis Meterbreite gut +glattgetreten, aber von der Seite ragen Dornenzweige herein, und von +oben hängen armdicke Schlingpflanzen herunter, um die sich der Elefant +zwar wenig kümmert, da er sie einfach beiseite drückt oder zerreißt, +die aber den Trägern mit der Last auf dem Kopfe äußerst hinderlich +sind, namentlich wenn die Last sperrig ist, wie das beim Zelttisch, +dem Feldbett und den Zeltlasten der Fall ist. Mühsam müssen die +Vordermänner dann mit dem Buschmesser Luft schaffen, was die Leute +recht ermüdet. Damit ich zu allererst die Natur immer frisch vorgesetzt +bekomme, gehe ich mit meinem Boy Saleh und einem alten Jagdbegleiter +-- Mohamadi Kungulio -- der früher berufsmäßiger Elefantenjäger war, +fünfhundert Meter voraus. + +Wir warten nun und wollen die Karawane aufmarschieren lassen und dann +den Leuten etwas Rast gönnen. Wir warten, warten, warten -- nichts +kommt. Endlich wird mir's zu bunt, und ich lasse Saleh laut rufen. +Nach dem zweiten »Huiiiii« zupft mich Mohamadi Kungulio am Ärmel -- ++tembo kule, na kule, na kule+ -- Elefanten dort und dort und +dort, die Richtung mit dem zur Schnute geformten Mund angebend. Da +höre ich auch schon meine Leute hinter mir aufschreien und für eine +halbe Minute kracht's und prasselt's im Wald und Gebüsch, als ob ein +Zyklon hindurchbrauste. Ich selbst sah für kurze Augenblicke vier +Elefanten, die mit den Ohren schlugen und im Laufen den Rüssel nach +allen Richtungen in die Luft warfen, um zu winden. Zwei kamen auf uns +zu, zwanzig Meter in der Breite getrennt; wir blieben ruhig stehen, +ohne uns zu rühren, und sie schlürften weiter auf die Karawane zu, +ohne Notiz von uns zu nehmen. Wir steckten rasch das trockene Gras in +Brand, um sie durch den Brandgeruch weiterzuvertreiben, und gingen +dann zurück zu den Trägern. Hier lagen meine Lasten am Boden, von den +Leuten keine Spur; erst nach mehrmaligem Rufen kommen einige zaghaft +hinter Stämmen hervor oder von Bäumen herunter. Zu Schaden ist keiner +gekommen, nur meine Lasten werden durchs Hinwerfen etwas beschädigt +sein. Nun lachen die Leute sich gegenseitig aus wegen der überstandenen +Angst. Die vordersten hatten drei Elefanten schlafend stehen sehen; +nach der Beschreibung der Leute mußten wir auf sechs Meter an ihnen +vorbeigegangen sein, hatten aber nichts gemerkt. In Angst hatten sich +die Leute nicht weiter vorgewagt, sondern waren mit der Last auf dem +Kopfe stehen geblieben und hatten erst nach dem »Huiiiii« die Lasten +weggeworfen und waren ausgerückt, als einer der aus der Ruhe gestörten +Elefanten die Richtung auf sie zu nahm. Es mögen insgesamt etwa dreißig +Elefanten gewesen sein, die sich lang auseinandergezogen zur Ruhe +untergestellt hatten. + +Daß wir vorbeigingen, ohne die drei Elefanten zu bemerken, ist nichts +Verwunderliches. Im dichten Blätter- und Astgewirr, aus dem nur Teile +der Tiere sichtbar sind, läuft man sehr leicht vorbei; die Säulen +(Beine) dieser großen Dickhäuter sehen Baumstämmen täuschend ähnlich, +und oft hat die vorzügliche Mimikry (Anpassung an die Umgebung) meine +nicht gerade schlechten Jägeraugen getäuscht, wenn ich auf frischer +Elefantenfährte pirschte, und nicht, wie heute, Routen aufnehmend und +nur beobachtend meines Weges zog. + +Erzählte doch ein Spaßvogel, er habe einen Büffel vor sich gehabt, und +zum sicheren Schuß an einem Stamme angestrichen[5]; nach dem Schuß wäre +der Büffel davongelaufen, sein Stamm aber auch, und erst jetzt habe er +gemerkt, daß er eine Elefantensäule für einen Stamm angesprochen habe. + +Ist dies auch etwas toll geflunkert, so habe ich, wie viele +Elefantenjäger, doch oft über eine Viertelstunde neben einem Elefanten +gestanden, auf den ich achtlos gelaufen war, weil ich einen anderen, +entfernteren schießen wollte, der nicht günstig stand. Solange der +Elefant nicht Wind bekommt, reagiert er nur schwach durchs Gesicht und +achtet auf Geräusche, die durch Gehen oder Brechen im Busch verursacht +werden, recht wenig. + +Nach dem überstandenen Schrecken ging es wieder weiter. Um ähnlichen +Überraschungen vorzubeugen, zündete ich immer vorn das Gras an, womit +ich gleichzeitig meinen folgenden Trägern das Zeichen gab, wie weit ich +voraus sei, da sie an der Ausbreitung des Feuers merken konnten, wie +lange es schon brannte. + +Wir überschritten jetzt ständig Flußpferdpfade, die alle frisch +begangen waren. Einem Pfad, auf dem die Losung noch so frisch war, +daß sie noch Luftbläschen enthielt, folgte ich bis zum Wasser. Schon +nach hundert Metern stand ich vor dem Ruaha, der sich hier durch +eingelagerte Felsbänke seenartig erweiterte, d. h. er füllte trotz +der Trockenheit das ganze Flußbett aus. Ein wunderbares Bild hatte +ich, als ich den Wasserspiegel überblicken konnte. Mir gegenüber in +fünfzig Meter Entfernung lagerten im seichten Wasser mehrere Flußpferde +(+Hippopotamus amphibius L.+, s. Abb. 10). Einzelne stiegen auf +den Steinklippen umher, den ganzen Körper außerhalb des Wassers, und +balanzierten trotz des massigen Körpers geschickt auf den schmalen +Stützpunkten herum. Andere jagten sich im neckischen Spiel im Wasser, +und zwei junge Bullen probierten gegenseitig ihre Stoßzähne, indem +sie Lippen gegen Lippen stießen. Fast sah es so aus, als ob diese +massigen Mäuler sich zum Kusse berührten. Man hörte aber deutlich das +Aneinanderklirren der Stoßzähne, die im Maul verborgen lagen, und +konnte sich einen Begriff davon machen, wie es später im blutigen +Ernst zuginge. Ein auf einer Sandbank liegender alter Bulle ließ +deutlich erkennen, daß auch die dickste Schwarte Risse bekommen kann; +in allen Richtungen war seine Rückenpartie vom Kampfe zerhackt, teils +alt und weißlich verharscht, teils neueren Datums, an der rosigen +Farbe erkennbar. Insgesamt mochten es mehr als vierzig Flußpferde +gewesen sein, die da beisammen waren. Sie nahmen kaum Notiz von mir. +Auf mein lautes Händeklatschen antwortete nur der alte Bulle durch +tiefes Rohren, bemühte sich jedoch nicht aus seiner bequemen Lage. +Von der anderen Gesellschaft hoben nur einige die Köpfe, schüttelten +die kleinen Lauscher und pflegten dann weiter der Ruhe. Lange konnte +ich mich nicht von dem Bilde trennen, aber ich war noch nicht am Ende +meines heutigen Marschzieles. Drei Stunden wenigstens wollte ich noch +weiter gehen. + +Alle Viertelstunden stießen wir jetzt am Lande auf schlafende +Flußpferde, die wir hoch machten, damit sie unter der nachfolgenden +Karawane keine Verwirrung anrichten konnten. Eilig trotteten sie +dem Flusse zu. Auf einen jungen Bullen waren wir bis auf 1 Meter +aufgelaufen, ohne ihn im Grase zu sehen. Schießen wollte ich nicht, +da ich mir nur einen alten Bullenschädel mitnehmen wollte und die +Tiere hier fern von allen Anpflanzungen keinen Schaden anrichten +können. Anfangs glaubte ich, er schliefe. Als ich aber eine kleine +Seitenwendung machte, bewegte er seine Lauscher und drehte seine +Lichter so nach mir, daß ich den blutunterlaufenen Augapfel sah. Ich +winkte meinen beiden Leuten mit den Augen und wollte mich vorsichtig +zurückziehen und ihn erst dann hoch machen. Ganz sympathisch war mir +seine große Nähe nicht. Sowie ich den linken Fuß hinten aufgesetzt +hatte und den Körper nachzog, sprang er auf, warf sich nach mir herum, +und mit knapper Not entging ich durch einen Seitensprung einem nach +mir geführten Stoß; dann raste er auf meine beiden Begleiter zu, ohne +jedoch Notiz von ihnen zu nehmen, als sie durch einen hastigen Satz +aus seiner Fahrtrichtung flüchteten. Saleh wollte mir und Mohamadi +Kungulio die Hand schütteln zur Beglückwünschung nach überstandener +Gefahr. Mohamadi als alter Elefantenjäger lachte ihn aber aus und +meinte wegwerfend: »Hm, ein Flußpferd ist kein Nashorn,« womit er ja +schließlich recht hat im zweifachen Sinne seiner Worte. + +Wir kamen jetzt an einen versumpften Flußlauf, der von links auf +den Ruaha zu führte. Dicht war der Sumpf mit Nymphazeen bewachsen, +auf deren schwimmenden Blättern braune und schwarze Blätterhühnchen +(+Phyllopezus africanus Gmel.+) trippelten. Bei unserer Annäherung +fingen sie an zu gurren, und dieser gurrende Ton setzte sich über den +ganzen Sumpf fort. Zahlreiche Dickhäuter mußten hindurchgewechselt +sein, denn nach allen Richtungen konnte man die Linien der im Gehen +umgewendeten Nymphazeen sehen, deren rotbraune Unterseite sich deutlich +vom übrigen Grün abhob. Hellgrüne Flecken bildeten die Fanna-Rosetten +dazwischen. In der Mitte standen zwei Nimmersatte (+Pseudotantalus +ibis Linn.+) auf einem Ständer und putzten sich das Gefieder. Weiter +unten nach dem Fluß zu sah ich einige weiße Vögel, konnte aber auch +durchs Glas nicht bestimmen, ob ich Reiher oder Löffelgänse vor mir +hatte. + +Um die Fährten am Rande des Sumpfes zu lesen, beschloß ich, ihn zu +umgehen. Ich hatte dabei die Nebenabsicht, falls die weißen Vögel +Reiher wären und Schmuckfedern trügen, einen bis zwei zu erlegen. + +An Fährten stellte ich fest: drei afrikanische (Spitz-)Nashörner +(+Diceros bicornis L.+, s. Abb. 12), dann Flußpferde, Elefanten, +Wasserböcke und Zebras sowie einen starken Löwen. Es waren wirklich +Reiher (+Herodias alba Linn.+), wie ich auf hundertfünfzig Meter +ausmachen konnte. Beim Näherkommen sah ich durchs Glas, daß nur einer +gute Federn hatte, d. h. diese ragten über den Stoß als vom Wasser +zusammengeklebtes Schwänzchen. Auf einem Flußpferdwechsel, der durchs +Gebüsch führte, kam ich ungefähr auf vierzig Meter heran und holte mir +den Federträger mit einem Schuß meines kleinen 6 mm-Bayardkarabiners, +der, rauchlos beschossen, nur sehr schwach knallt. Mein Vogel schwamm +sofort auf dem Wasser, und die anderen lüfteten nur etwas die Flügel. +Mit dieser Beute war ich sehr zufrieden. Die Federn waren zwar durch +das Schleifen im Schlamm an den Spitzen braungrau gebeizt, bei den +trockenen Federn war aber nichts davon zu merken. + +Ich stieß wieder zu meiner Karawane, die sich inzwischen ausgeruht +hatte, und wir setzten den Weitermarsch fort. Bei Durchquerung eines +Dickichts, das wenig Ausblick gewährte, schreckte uns plötzlich ein in +allernächster Nähe ausgestoßener fauchender Grunzton. »Mbuisi«, wilde +Hunde (Hyänenhunde), sagte Mohamadi. Ich bückte mich möglichst tief und +sah zwei Löwen von merkwürdig dunkler, ins Braune gehender Farbe, mit +dunkelbraunem Kopf, mähnenlos und nur halb so groß als ausgewachsene +Löwen, weshalb ich sie für junge Tiere hielt. Mohamadi und Saleh +hatten sechs Stück gezählt, und jener erklärte mir, daß es sich um +»Buschlöwen« handelte, die nicht größer würden und stets in Rudeln +jagten. Sie griffen Menschen niemals aus freien Stücken an, kämen +auch niemals in die Nähe der Dörfer. Sobald jedoch einer von ihnen +angeschossen wäre, gingen alle solidarisch zum Angriff über. + +Vor sechs Monaten hatte mir Pater Jäckel von der Missionsstation +Tununguo, ein sehr eifriger Jäger, erzählt, daß er einen solchen +kleinen Löwen geschossen hätte, drei andere seien darauf geflüchtet. +Ich hielt damals Pater Jäckels Beute für einen jungen Löwen, da ich +mir einbildete, alles größere deutsch-ostafrikanische Wild aus eigener +Anschauung zu kennen, und sah nun, daß ich mich getäuscht hatte. Leider +habe ich auch späterhin keinen dieser kleinen, kaum bekannten und +bisher unbeschriebenen Löwenart wieder zu Gesicht oder gar zum Schuß +bekommen. + +Die überall im Grase liegenden Flußpferde wurden uns bald äußerst +lästig; da sie in so großer Anzahl herumlagen, erlosch mein Interesse +für sie. Einige Male folgte ich noch ihren Pfaden bis zum Wasser und +sah dann stets Flußufer und Sandbänke von ihnen bevölkert. Ich habe +auf dieser Reise mindestens tausend Stück gesehen; da ich nur ab und +zu Ausblick auf den Fluß hatte und dort stets eine größere Anzahl -- +zwanzig bis vierzig -- sichtete, muß die wirkliche Menge ganz gewaltig +sein. Kein Mensch hatte sie hier gestört, und andere Feinde gibt es +wohl kaum für sie, da sie mit ihren Mitbewohnern des Wassers, den +Krokodilen, friedlich auszukommen scheinen. Es mag höchstens ab und zu +einmal ein Löwe ein junges Flußpferd schlagen. + +Auf einer Insel, die zurzeit mit der Landseite trockene Verbindung +hatte, schlug ich das Lager auf. Ich hatte von hier aus Ausblick +auf stark benutzte Tränkstellen an beiden Flußufern. Der Ruaha floß +hier in nur vierzig Meter breiter Rinne in reinem Sandbett. Außer +einigen großen Bäumen, die mir Schatten gewährten, war die Hälfte der +Insel mit dichtem, hohem Schilfrohr bestanden. In dem trockenen Teil +des Flußbetts waren zahlreiche, zum Teil tiefe Tümpel, die von sehr +mannigfacher Vogelwelt bevölkert waren. Ich sah hier die ersten jungen +Nilgänse (+Alopochen aegyptiacus Linn.+), die noch nicht flügge +waren. + +Gern hätte ich mir einige davon gefangen, da sie im Geflügelhof ganz +zahm werden und auch späterhin nicht fortfliegen. Wir plagten uns aber +bis Sonnenuntergang vergeblich. Sie hielten sich immer in der Nähe +des Wassers und ließen sich durch keine List davon abschneiden. Auf +dem Wasser aber war alle Mühe aussichtslos; sie tauchten so geschickt +und kamen zwischen schwimmenden Blättern und Ästen unbemerkt wieder +an die Oberfläche, wo man sie erst nach längerem Umherstreifen wieder +entdeckte. + +Als ich noch bei Tageslicht -- um die durch das Lampenlicht +herbeigelockten Insekten nicht ständig aus Suppe und Fleischtunke +herauslesen zu müssen -- meine Mahlzeit einnahm, die sich, wie stets +auf Reisen, aus vereinigtem Mittags- und Abendbrot zusammensetzte, +sah ich auf der rechten Flußseite (dem Jagdreservat) zwei Elefanten +langsam auf den Fluß zu wechseln. Sie kamen bis auf einige Meter an den +Fluß heran, knieten dort nieder und schaufelten mit den recht langen +Stoßzähnen -- an der schlanken Form der Stoßzähne erkannte ich sie als +alte Kühe -- den Sand auf. Dann erhoben sie sich wieder und halfen mit +den Vordersäulen nach, um die Vertiefung größer zu machen. Sie warteten +eine kleine Weile, sogen sich mehrmals hintereinander die Rüssel voll +und entleerten sie in ihr Maul, dann wurden einige Rüssel voll über den +Rücken und die riesenhaften, lebhaft hin und her bewegten Ohrmuscheln +gespritzt (Der deutsch-ostafrikanische Elefant (+Loxodonta africana +knochenhaueri Mtsch.+, s. Abb. 18) hat im Gegensatz zu +Elephas +maximus L. [E. indicus]+ riesenhafte Ohren. Auch seine Stoßzähne +sind erheblich größer und erreichen ein Gewicht von 300 Pfund und +eine Länge von 2,8 Metern.), bis sie in steinerner Ruhe dastanden, in +der hereinbrechenden Dunkelheit immer verschwommener und gewaltiger +erschienen und sich schließlich ihre Schatten meinem Auge ganz +auflösten. Leider erschien der Mond erst gegen vier Uhr morgens als +letztes Viertel. + +Von allen Seiten hörte ich in dieser Nacht Elefanten trompeten +und beim Laubäsen in den Ästen brechen. Ab und zu gurgelte in dem +lautlos fließenden Ruaha das Wasser, wenn Flußpferde heraus oder +hinein wechselten. Dazwischen schreckten Buschböcke mit ihrem tiefen +Bellton. Einmal erwachend, hörte ich ein Flußpferd ganz dicht bei +meinem Zelt Schilf äsen. Ganz gleichmäßig wechselten das Rupfen und +die Kaugeräusche ab, so daß ich bald wieder einschlief. Es ist +eine weihevolle Stimmung, die einen beherrscht, wenn man in der von +frevelnder Menschenhand noch nicht berührten Natur das Leben dieser +Urriesen auf sich einwirken lassen kann. + +Am Morgen erwacht, ging ich im Schlafanzug aus dem Zelt, und mein +erster Blick galt der Stelle, wo gestern abend die Elefanten gestanden +hatten. Sie war natürlich leer, aber ein größeres dunkles Etwas lag am +Boden, dessen Natur ich mit dem Glas nicht ausmachen konnte. Mohamadi +Kungulio, als Monfidyi (Bewohner des Rufidjideltas) an Wasser mit +Krokodilen gewöhnt, schwamm hinüber und fand -- die Nachgeburt eines +Elefanten. Hätte ich von diesem nächtlichen Vorgang eine Ahnung gehabt, +so hätte ich mich sicher hinübergepirscht, um diesen Vorgang, der wohl +selten eines Menschen Auge geboten wird, zu belauschen. Frisch gekalbte +Elefanten hatte ich früher am Njassa häufig gesehen, sie waren aber +immer einige Tage alt, da ich sie nur dadurch zu Gesicht bekommen +hatte, daß mir gemeldet wurde, der Elefant, der immer dort und dort zur +Tränke zieht oder nachts die Zuckerrohrpflanzungen abweidet, hat jetzt +ein Junges. + +Der Weitermarsch bot gegen die Vortage nichts Neues. Flußpferde, +Flußpferde, Flußpferde und ab und zu einige Wasserböcke, sonst sahen +wir nichts. + +Vom Lager wagte ich es, im Fluß zu schwimmen. Hundertfünfzig Meter von +mir entfernt lagen mehrere Flußpferde ruhig im Wasser. Durch unseren +Lärm aufmerksam gemacht, schwamm eins langsam auf uns zu. Es war wohl +mehr Neugierde als Angriffslust. Als es gähnend den Rachen aufriß, +sah ich prachtvolles Elfenbein schimmern (Abb. 10). Ich machte meinen +oben vom Zelt uns zuschauenden Leuten die Geste des Schießens, und +mein Boy Saleh brachte mir gleich mein schwerstes Gewehr, die 11,2 +Elefantenbüchse mit 5,5 g rauchlosem Pulver. Auf etwa 30 Meter ließ ich +den Bullen herankommen, dann ließ ich, auf das rechte Auge abkommend, +fliegen. Ein gewaltiges Plätschern, das mir die Wellen bis an die Brust +spülen ließ -- ich stand bis etwas über die Hüfte nackt im Wasser --, +und der Bulle lag tot auf dem Wasser, ohne unterzusinken. Auf den Schuß +antworteten flußauf und -ab die anderen Flußpferde durch tiefes Rohren. + +Um einem Abschwimmen in dem zwar langsam abfließenden Wasser +entgegenzuarbeiten, rief ich gleich nach Stricken und Leuten, und +bald bewegte sich der Koloß, von Schwimmern gezogen, aufs Ufer zu, +während einer auf den Kadaver geklettert war und Umschau hielt, ob +kein Krokodil oder Flußpferd in der Nähe sichtbar würde. Plötzlich +angstvolles Schreien aller Leute, mein Flußpferd war im Stich gelassen, +und alles strebte dem Ufer zu. Ein zweites Flußpferd erschien dicht +hinter dem erlegten und gab dem toten Tier gewaltige Stöße. Da mir +meine Munition zu kostbar war, rief ich meinem Soldaten beim Zelt zu, +einen Schreckschuß abzugeben. Er gab deren zwei ab, die wirkungslos +blieben. Na, dann meinetwegen! Ich hatte zwar an einem Schädel genug, +aber diesen einen wollte ich auch sicher haben. + +[Illustration: Abb. 10 Flußpferd.] + +Gerade als das Flußpferd den Kopf etwas aus dem Wasser hob und steil +nach unten senkte, trug ich ihm meinen Schuß durch die Lichter an. +Lautlos versank es, nur der dumpfe Ton der einschlagenden Kugel war +weit hörbar. Mit Mühe bekam ich meine Leute so weit, daß sie sich +wieder vorspannten. Als die Schwimmer Grund hatten, ging die Sache +rasch vor sich. Im knietiefen Wasser wollte es aber nicht weiter +gehen, trotzdem zwölf Mann an den Stricken zogen und zehn hinten +drückten. Da die Sonne schon untergegangen war, ließ ich den Kopf vom +Rumpfe trennen. Vier Mann hatten schwer daran zu tragen. Der Schädel +sollte bis zum Morgen durch Entfernen aller Fleischstücke leichter +gemacht werden, und drei Mann, die sich immer ablösen mußten, ließ +ich unter Aufsicht eines Soldaten ans Werk gehen. Schrilles Trompeten +der Elefanten, Rohren der Flußpferde und das Heulen einiger Hyänen, +die der Fleischgeruch lockte, machten unser Nachtkonzert. Am Morgen +rief ich durchs Zelt, daß zwei Mann nachsehen sollten, ob der Kadaver +des zweiten Flußpferdes, das gestern gleich gesunken war, an den +Stromschnellen, die weiter unten waren, angeschwemmt sei oder so auf +dem Wasser treibe. + +Sie kamen zurück mit der Botschaft, daß nicht nur von dem zweiten +Flußpferd nichts zu sehen sei, sondern auch der kopflose Kadaver, den +wir nur mit Mühe im knietiefen Wasser fortbewegt und nicht einmal bis +ans Ufer gebracht hatten, verschwunden sei. Wir nahmen an, daß es +Krokodile gewesen waren, die den unverletzten Körper angeschnitten und +dadurch am Auftrieb verhindert und ebenso den kopflosen Kadaver erst +durch Abreißen von Stücken leichter gemacht und dann ins tiefere Wasser +gezerrt hätten. Am Rikwasee hatte ich häufig die Beobachtung gemacht, +daß auf den Grund gesunkene Flußpferde von Krokodilen angeschnitten +wurden, ehe sich die Auftriebsgase entwickeln konnten. + +[Illustration: Abb. 11. Flußpferdschädel. Seitenansicht. Besser phot.] + +Nun, dann hilft weiter nichts, wir mußten weiter. Zwei Mann tragen den +jetzt nur noch etwa hundert Pfund schweren Schädel an einer Stange. Das +Gebiß ist prächtig (Abb. 11). Die Stoßzähne sind handgelenkstark, und +die beiden unteren Hauer reichten mir, als ich sie später herausnehmen +konnte, um den Leib, wenn man Wurzel und Spitze zum Ring zusammenlegte. + +Gegen zehn Uhr wurde hinten bei den letzten Trägern ein Nashorn +(+Diceros bicornis L.+, Abb. 12) hoch. Geräuschvoll wie eine +Dampfmaschine pustend, jagte es an der Karawane entlang, lief auf +uns bis auf vierzig Meter zu und schwenkte dann links ab, in der +Hügellandschaft im hohen Grase verschwindend. Natürlich lagen wieder +sämtliche Lasten auf der Erde. Wegen seiner Angriffslust ist es das +von den Negern am meisten gefürchtete Tier. Man sieht es dem ruhig +weidenden, plumpen Tier gar nicht an, welch behende Geschwindigkeit es +entwickeln kann. + +[Illustration: Abb. 12. Ostafrikanisches Nashorn.] + +Die Hügellandschaft trat jetzt etwas mehr zurück, und das Gras wurde +niedriger, so daß das verbreiterte Flußufer Salzsteppencharakter +annahm. Gnus (+Connochaetes taurinus Burch.+), Hartebeeste +und Zebras traten in kleinen Herden auf, und Rudel von +Schwarzfersenantilopen äugten auf uns aus der Ferne. So blieb das +Bild einige Tage, die Elefantenwechsel wurden spärlicher, und nur die +Flußpferde blieben zahlreich wie zuvor. Ein heftiger Kopfschmerz hatte +sich bei mir bemerkbar gemacht, und ein Ziehen im Kreuz und in den +Beinen gab mir Gewißheit, daß sich Malaria eingestellt hatte. Unsere +Vorräte waren aufgezehrt, wir waren schon am siebenten Tage unterwegs, +statt, wie gerechnet, am fünften bis sechsten auf eine Ortschaft zu +stoßen. Mein Kaffee war auch zu Ende, ebenso der Brot- und Mehlvorrat, +und selbst das Petroleum zu meiner Reiselampe. Nur Reis war für mich +noch für eine Mahlzeit vorhanden. Nachmittags nahm ich ein Gramm +Chinin und abends ein zweites. Das Fieber ging nicht herunter und +blieb auf neununddreißig Grad stehen, ab und zu etwas über vierzig +steigend. Nachts erwache ich und nehme halb im Fieberwahn ein drittes +Gramm Chinin. Das war auch für meine Pferdenatur etwas zu viel, und am +Morgen sah ich die Bescherung, ich hatte mir ein Schwarzwasserfieber +zugezogen, das zweite in Afrika, allerdings mit einem Zwischenraum von +elf Jahren. Ich versuchte, auf dem Esel zu reiten, nach einer Stunde +ging's nicht mehr. Nun heißt zwar bei Schwarzwasserfieber die erste +Pflicht, ruhig liegen bleiben, ganz gleich, wo. Meine und meiner Leute +Nahrungsmittelverhältnisse zwangen uns aber weiter. Ein paar Schritte +machte ich, auf meinen Boy Saleh gestützt -- es ging nicht mehr. Meine +Soldaten machten aus meiner Zeltbodendecke eine Hängematte und trugen +mich persönlich. Es ging so lange gut, bis das schon mürbe Segeltuch +riß. Nun banden sie ihre Schlafdecken als Hängematte an eine Stange, +aber bald löste sich auch dort das Gewebe auf, und es blieb nichts +anderes übrig, als daß ich mehrere Strickpartien mir um Decke und +Stange in kleinen Abständen legen ließ. Fest wie ein Bündel lag ich nun +an die Stange angeschnürt. Das durch die Decke gemilderte Einschneiden +der Stricke war noch zu ertragen, aber ich konnte mich nicht bewegen +und die Tsetsefliegen nicht verjagen, die sich saugend auf Kopf und +Gesicht niedergelassen hatten. Ich verlor bei dieser Tour mehrere +Plomben aus den Vorderzähnen, wenn ich in Schmerz und Wut in die Decke +biß. + +Essen mochte ich im Lager nichts. Es gab nur gedörrtes +Wasserbockfleisch und abgekochtes lauwarmes Ruahawasser. Von diesem +zwang ich so viel in mich hinein, als mir ohne Brechreiz möglich war, +um die mit Blut verstopften Nieren wieder zu spülen und arbeiten zu +lassen. Einen Mann sandte ich voraus, um mir aus der unmöglich weit +entfernten Ortschaft eine Papay (Baummelone) zu holen, koste es was es +wolle. Spät am Abend kam er ergebnislos zurück, er brachte aber einen +Fischer mit, den er mit zwei anderen Leuten getroffen hatte. + +Nun konnte ich mich wenigstens über die Gegend orientieren. Die +Ortschaften flußabwärts waren mehrere Tage entfernt, die auf der Karte +angegebenen existierten nicht mehr. Ihre Bewohner waren flußabwärts +gezogen, weil sie infolge der zahlreichen Elefanten, Nashörner und +Flußpferde nie eine ordentliche Ernte einbringen konnten, sondern nur +auf Fischfang angewiesen waren, um dann mit der geräucherten Ware +spärliche Lebensmittel eintauschen zu können. Viel braucht der Neger +nicht, aber dies war ihnen doch zu primitiv, und sie verließen diese +Gegend schon lange, wie ich zu meinem Leidwesen hörte. + +Die drei Fischer konnten uns keine Lebensmittel ablassen, denn sie +hatten selber nichts außer Dörrfischen. Uns war es um Mehl oder Reis +zu tun, da Fleisch und Fisch allein den Verdauungsapparat zu sehr +anstrengt und auf die Dauer Darmkrankheiten hervorruft. Einer meiner +Leute hatte einen wilden Bienenschwarm entdeckt, es war aber nur +eine kleine Honigwabe drin von halber Handgröße, die anderen Waben +enthielten Brut oder waren so wenig angefüllt, daß der Honig noch nicht +herausfloß. + +Am nächsten Tage bei den Fischern angekommen, bogen wir vom Ruaha links +ab auf das Dorf Hobola zu. Nach sechsstündigem Marsche erreichten wir +drei ganz primitive Hütten. Hier erhielt ich einige Stücke Maniok, den +ich erst rösten ließ und heißhungrig verzehrte. Endlich am neunten +Tage erreichten wir Hobola. Schon von dem Anblick der hübschen Hütten, +zwischen denen zahlreiches Federvieh herumlief, kam ich wieder zu +Kräften. Bald hatten die Leute gehört, daß wir ein paar Tage gehungert +hatten und daß ich schwer krank sei. Sie schleppten in großen Mengen +Süßkartoffeln, Maniok, Kürbisse, Zuckerrohr und Eier herbei, und +es begann ein Schmausen meiner Leute bis zum nächsten Morgen. Ich +selbst leistete auch darin Erhebliches und hielt meinen Koch bis +elf Uhr nachts in Atem. Erst ließ ich mir Kürbissuppe machen, dann +Süßkartoffeln rösten, dann solche kochen. Zwei große Portionen Rührei +genoß ich in den Pausen und kaute dann noch eine Stange Zuckerrohr. +Jedenfalls futterte ich mich in dieser einen Nacht völlig zu Kräften. + +Neu gestärkt und wie zu neuem Leben erwacht ging es am nächsten Morgen +vor Tagesanbruch weiter. Gegen elf Uhr erreichten wir das Dorf Kirengwe +an der Straße Kissaki-Mahenge. Hier hatte ich mein Rad stehen lassen, +und mit dem Gefühl »nur nach Hause« ließ ich meine Leute Lager machen +und setzte mich selbst aufs Rad, um gegen einhalb ein Uhr in Kissaki zu +sein. + +Jedenfalls war ich der erste Europäer, der diese gänzlich unberührte +Gegend durchquert hatte. Unser rasches Vorwärtskommen auf dieser +unbewohnten Strecke verdanke ich meinen gut eingeübten Trägern, +die mich schon monatelang auf Reisen begleiteten. Heute sind alle +Mühseligkeiten vergessen, und gern erinnere ich mich dieser Reise, die +mir so reichen Einblick in dieses Stück erhaltenen Dorados der Riesen +aus der Urzeit gewährte. + + + =Flußpferde= (+Hippopotamus amphibius L.+). + +Viele Reisende berichten aus Afrika, daß Flußpferde harmlose Tiere +wären, die niemand etwas zuleide täten und den Menschen aus dem Wege +gingen. Sie verurteilen auch die Jagd auf Flußpferde, erklären den +Abschuß für unweidmännisch und möchten die Flußpferde von der Liste der +zur Jagd erlaubten Tiere gestrichen wissen. + +Ohne Zweifel haben sie teilweise recht. Es gab Leute, die sich Jäger +nennen, sich an einen Wassertümpel setzten, in dem sich Flußpferde +befanden, und die dann auf eins schossen, worauf die übrigen +untertauchten. Vorsichtig kommt wieder ein Kopf aus dem Wasser, um +Luft zu schöpfen; puff, wird auch er beschossen, das erste könnte ja +nicht tödlich getroffen sein, und so geht's weiter. Am nächsten Morgen +schwimmen dann zwanzig und mehr Leichen auf dem Wasser, der Rest ist +ausgewandert. Ich spreche hier von häufig vorgekommenen Tatsachen. +Solche »Jäger« haben aber gewöhnlich in Afrika zum erstenmal ein Gewehr +in der Hand gehabt und halten sich nun für geübt, wenn sie eine Kugel +aus dem Lauf lösen und einigermaßen richtig ans Ziel bringen können; +Liebe und Interesse für Wild fehlt ihnen; die Natur selbst ist ihnen +fremd. Sie gleichen den Engländern, die das Tontaubenschießen von +Monaco und Ostende auf das Wild übertragen und mit ihrer Rekordwut die +Kreatur zugrunde richten. Durch das neue Jagdgesetz, das für einzelne +Bezirke eine Einschränkung vorsah, ist ihnen das Handwerk gelegt +worden. -- + +Die Erlegung von Flußpferden kann dem Jäger aber auch reine +weidmännische Freuden bescheren. In den Gebieten, wo sich dieses +riesige Wasserschwein mit der Kultur trifft und seines Feldschadens +wegen häufig verfolgt wird, werden auch namentlich die älteren Bullen +äußerst angriffslustig. Wer an der Wehrhaftigkeit zweifelt, braucht +sich nur einmal einen alten Bullenschädel mit seinen gewaltigen +Stoßzähnen und Hauern im Unterkiefer genau anzusehen (s. Abb. 11). +Wie mancher Neger hat im Rufidji schon seinen Tod gefunden, weil ein +bösartiger Bulle ein harmloses Kanu umstieß oder zerbiß. Mancher mir +bekannte Europäer geriet durch Flußpferde, ohne daß er sie beschoß, +infolge Kenterns seines Bootes in die Gefahr des Ertrinkens oder des +Todes durch den Angriff eines Krokodils und wurde nur mit Mühe gerettet. + +Aber nicht nur im Wasser können Flußpferde unangenehm werden, wie aus +folgendem hervorgeht. Im März 1912 kehrten in Kissaki eines Abends +zwei Neger von der Arbeit zurück. Es war gegen neun Uhr und ziemlich +dunkel, wie meist in der Regenzeit. Kurz vor ihrem Dorfe sahen sie +ein großes schwarzes Tier an der Straße stehen. Der eine der Männer +klopft mit dem Stiele seiner Hacke an einen Baum, und im Augenblick +werden beide angegriffen. Der eine entkommt, der zweite fällt auf dem +schlüpfrigen Boden hin und streckt die Beine in die Luft. Schon hat ihn +das Flußpferd erreicht und zermalmt ihm gänzlich den Unterschenkel. Es +wurde erst durch das Geschrei der Dorfbewohner vertrieben. Da alle Wege +tief voll Wasser standen, war eine Verfolgung durch Aufnahme der Fährte +am nächsten Morgen ausgeschlossen. + +Beim zweiten Falle erschien im Juli desselben Jahres ein alter Bulle +mittags um 12 Uhr in einem Dorfe. Die Leute hörten das Laufen und +glaubten, ein Europäer sei geritten gekommen. Als sie zu seiner +Begrüßung aus ihren Hütten heraustraten, sahen sie ein Flußpferd +laufen. Eine alte, schwerfällige Frau lief ihm in den Weg und erhielt +einen solchen Hieb mit den Hauern, daß die Rippenpartie der linken +Seite samt den Rippenknochen aufgerissen wurde. + +Da ich dringend verreisen mußte, hatte ich selbst keine Zeit, die +Verfolgung aufzunehmen, und schickte deshalb fünf Leute mit Gewehren +ab, um das bösartige Tier, das sich seit längerem eine halbe Stunde +abseits des Flusses in den Maisfeldern aufhielt, deren Hüter angriff +und nur schwer zu verjagen war, unschädlich machen zu lassen. +Angeblich hatten es die Leute beschossen. Es habe auch schwer vom +Blatt geschweißt, trotzdem sei es entkommen. Den Mgetafluß habe es +durchschwommen und sich stets auf dem trocknen Lande in Sicherheit +zu bringen gesucht. Ich konnte diese Behauptungen wegen meiner +dazwischenliegenden Abwesenheit nicht nachprüfen. Einige Zeit später, +als das Flußpferd wieder gemeldet wurde, brachte es der Baumeister S., +der die Station Kissaki baute, zur Strecke. + + ++a.+ ~Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf dem Njassasee.~ + +Häufig hatte ich am Njassastrand in den frühen Morgenstunden oder auch +am Tage, wenn der See wellenlos lag, die Umrisse der der Flußpferdjagd +obliegenden Wakissi beobachtet. In Kanus, die sechs bis acht Leute +fassen, stand am Bug der Harpunier mit der Harpune, die stets auf dem +nach oben ausgestreckten Arm wagerecht gehalten wird. Immer folgte +ein Kanu ohne Harpunier. Nie waren es aber mehr als zwei Kanus, die +gemeinsam fuhren. Vom Land aus gelang es mir nicht, den Augenblick +des Harpunierens zu erspähen, wohl aber sah ich mehrmals die Leute +mit ihrer Beute im Schlepptau heimkehren und diese im seichten Wasser +zerlegen. + +Ende des Jahres 1902 konnte ich die Angst des Wakissihäuptlings +Mandemera, daß mir ein Unfall zustieße und er dann dafür verantwortlich +gemacht würde, besiegen und ihn breitschlagen, mich auf solche +eigentümliche Jagd mitzunehmen. + +Zunächst will ich kurz die Ausrüstung beschreiben. Die beiden Kanus +boten Platz für vier bis sechs Personen, trugen aber im Notfall das +Doppelte. Es waren ausgehöhlte Baumstämme, deren Öffnung oben breit +genug war, daß ich, ohne mich seitwärts zu drehen, im Niedersitzen +meine Hüften hineinbrachte. + +Zu jedem Boot gehörten vier Mann mit dem am Njassa gebräuchlichen +kurzstieligen Paddelruder (s. Abb. 13, rechts) mit lanzettlichem Blatt, +das, ohne am Bootsrand aufgelegt zu werden, mit beiden Armen gehandhabt +wird. Die Ruderer sitzen am Boden des Bootes mit vorgestreckten Beinen +und bewegen nur den Oberkörper beim Rudern. + +Die Harpune (s. Abb. 13, links) ist ein am Blatte oval geschmiedetes +und haarscharf geschliffenes Eisen von 6 cm Länge und 4 cm Breite. +Oberhalb des Blattes steht als Widerhaken ein eiserner Dorn von der +Dicke und Länge eines kleinen Fingers, dann folgt eine mit einer Öse +versehene Lasche. In dieser ist eine aus Hanffaser festgeflochtene +Leine gut verknüpft. In die Lasche wird locker ein aus hartem, zähem +Holz gearbeiteter, fünf Meter langer Schaft gesteckt, an dem die +Harpune durch die an der Öse befestigte Leine festgezogen wird. Bei +Lockerung der Leine trennt sich die Harpune sofort vom Schaft. Der +Schaft von Handgelenkstärke wird durch monatelanges Liegen im Schlamm +mit mehrmaligem Erhitzen über Feuer besonders schwer und wuchtig +gemacht und wiegt dann gebrauchsfähig fünfunddreißig bis vierzig Pfund. +Man muß die Harpunenführer bewundern, daß sie stundenlang dieses +Gewicht auf dem erhobenen Arm balanzieren können. Die oben erwähnte +Leine ist sechzig bis siebzig Meter lang und liegt sauber aufgerollt +hinter dem Harpunenträger. Eine zweite ist zur Reserve vorhanden. Dann +kommen auf jedes Boot noch zwei Dutzend starke Speere mit 30 Zentimeter +langem, dreieinhalb bis vier Zentimeter breitem Blatt. Die Speere sind +mit Blatt etwa 1,6 m lang. + +[Illustration: Abb. 13. Rechts Paddelruder, links Harpune der +Wakissi-Neger für Flußpferde (n. Skizze d. Verfassers gez. v. R. +Öffinger).] + +An einem windstillen Morgen fuhren wir bei der ersten Dämmerung ab. +Östlich von uns sah und hörte man schwach einige Flußpferde, die, aus +der Lufiriomündung kommend, langsam in den offenen See zogen. Ich +befand mich im Boot beim Harpunenträger -- dem Häuptling Mandemera +selbst -- und hatte, weil ich von dieser Art Jagd noch nichts verstand +und daher sonst passiv bleiben wollte, die Beaufsichtigung der Leine +übernommen, um möglichst genau vom Bug aus beobachten zu können. Ich +hatte bis auf Hut, Hemd und Hose alles abgelegt, um gegebenenfalls im +Schwimmen nicht behindert zu sein, falls das Boot zum Kentern kam, was +häufig vorkommen sollte. Außer uns beiden trug das Boot vier Ruderer. +Das zweite Boot war ebenfalls mit vier Ruderern bemannt und trug +noch einen Mann und einen Jungen. Jener sollte speeren, der Junge ihm +Ersatzspeere reichen. + +Klar grün schimmerte das Njassawasser. Es war so durchsichtig, daß man +am Bug, ohne verzerrte Bilder zu bekommen, auf dem Sandboden jedes +Steinchen schimmern und jeden Fisch schwimmen sah. Der See mochte fünf +Meter tief sein, wie ich mich belehren ließ. Mandemera bestimmte die +Tiefe nach der Farbe des Wassers. In einem Kilometer Abstand von den +Flußpferden fuhren wir zunächst zu diesen parallel. Dann wurde ein +Bogen geschlagen, der die Tiere zwischen uns und das Land brachte. Da +sich auch die Flußpferde gleichzeitig vom Ufer entfernten, waren wir +etwa 6 Kilometer weit draußen im See. Nun warteten wir mit eingezogenen +Rudern. Oft war von den Flußpferden nichts zu sehen. Sie schwammen +unter Wasser; näher und näher kamen sie. Erst sah man eine Fontäne +zerstäubten Wassers aufsteigen, dann erst hörte man den prustenden Ton, +der durch das Ausstoßen der Luft verursacht wird. Auf 150 Meter waren +sie jetzt an uns herangekommen. Es war 7 Uhr morgens. Nun suchten sie +seitlich auszubiegen, da sie wohl die feindliche Absicht witterten. +Unsere Ruderer traten in Tätigkeit, und Mandemera stellte sich in +Positur, wie ich sie so häufig vom Land aus beobachtet hatte. Das +zweite Boot fuhr in drei Meter Abstand eine halbe Bootslänge hinter +uns. Nun waren wir heran. Zehn Meter vor uns tauchte der Wassersprudel +auf. Dann hob sich das Tier mit halbem Körper aus dem Wasser und +versank lautlos. Es waren vier Flußpferde. Mandemera hatte es auf das +letzte abgesehen. Er schien es unter Wasser genau im Auge zu haben, +ich konnte nichts sehen, da ich saß. Da tauchte vor uns in fünf Meter +Entfernung die Nase auf und war auch schon wieder unter Wasser. + +Jetzt sah auch ich das Tier unter Wasser. Ganz rosig durchscheinend +schimmert seine Haut, ganz verschieden von dem sonstigen bräunlichen +Ton. Nun tauchte es zwei Meter seitwärts vor uns auf, sofort wendeten +unsere Boote. Wieder schwamm es unter uns. Es schien mir greifbar nahe. +Mandemera sagte, ohne seine Stellung zu verändern, es schwimmt zu tief. +Wohl eine Stunde folgten wir dem Flußpferd und bewegten uns kreuz und +quer fahrend dem Lande zu. Wir waren nur noch etwa vier Kilometer +vom Strand entfernt und die anderen Flußpferde weit draußen im See. +Mandemera sagte mir, ich stoße nur, wenn es nach [Illustration: Abb. +14. Flußpferdjagd der Eingeborenen auf dem Njassasee. (Nach Skizze des +Verfassers gez. von M. Zimmer.)] + +oben schwimmt, um Luft zu holen. Dies geschah alle drei bis fünf +Minuten. Wie mir schien, verpaßte der Häuptling gute Momente. Plötzlich +sah ich, wie Mandemera die Spitze der Harpune langsam senkte. »Gib auf +die Leine acht!« rief er mir zu. Das Flußpferd tauchte auf, wieder +hatte er nicht gestoßen, und ich fing an, ungeduldig zu werden. Jetzt +erhob er sich auf den Zehen, und die Harpune mit beiden Händen fassend +stieß er zu (Abb. 14). Ich spähte über den Rand und sah, wie sich das +Flußpferd im Wasser überschlug. Indem ich hastig die Leine abwarf, +sah ich, wie Mandemera jetzt den harpunenlosen Schaft in der Rechten +hielt und durch die Linke die Leine gleiten ließ. Halb links waren +wir über das Flußpferd hinweggefahren. Jetzt tauchte es auf, etwa 10 +Meter rechts von uns, seine Wasserfontäne war hellrot vom Schweiß. +Rückwärts fahrend hatte Mandemera den Harpunenschaft abgelegt und ließ +sich von mir einen Speer reichen. Ungefähr zwei Drittel der Leine +waren abgelassen. Mandemera faßte sie jetzt straff und sagte zu mir +»festhalten«; schon merkte ich das Reißen des flüchtenden Tieres. Ich +spreizte meine Knie, um fest im Boot zu sitzen, und ließ die Leine +am Bootsschnabel aufliegen. Tief neigte sich dieser nach dem Wasser; +obwohl die Ruderer Gegengewicht gaben, nahmen wir doch Wasser über, das +ein Mann eilig mit einem halben Flaschenkürbis ausschöpfte. Vierhundert +Meter hatten wir so in schneller Fahrt, vom Flußpferd gezogen, +zurückgelegt, das zweite Kanu hielt sich an unserem Boote fest. +Mandemera und ich hatten scharf zu halten, weil wir die Last beider +Boote schleppten. + +Plötzlich wird die Leine schlaff und, den ganzen Kopf außer Wasser, +kommt das Flußpferd laut brüllend auf uns zu. Mir wurde beklommen +zumute. Mandemera ging wieder an die Spitze des Bootes, und die Ruderer +ruderten mit Kraft rückwärts. Jetzt ist das Tier so nahe, daß ich im +Geiste schon unser Boot splittern sehe. Da hat es Mandemeras Speer im +Rachen, es schüttelt wütend den Kopf und beißt zu, der Speerschaft +zersplittert. Rasch reiche ich Mandemera den bereitgehaltenen zweiten +Speer. Er kommt aber nicht mehr zum Stoßen, denn das zweite Kanu kam +heran, und blitzschnell hatte sein Speerträger zweimal zugestoßen. Das +Flußpferd warf sich hintenüber, etwa wie der Stier den Kopf hochwirft, +auf den Schmerz reagierend, wenn er die erhoben gehaltenen Banderillos +in den Nacken empfängt, so daß der Torero Zeit hat, zu entfliehen. +Schon ist es wieder an der Oberfläche. Die Ruderer leisten Fabelhaftes +im schnellen Wenden und Vor- und Rückwärtsfahren. Blutiger Schaum +breitet sich auf dem Wasser. Mehrmals noch haben die Speerhalter beider +Boote Gelegenheit, zuzustechen, die Bewegungen des Tieres werden +matter, die Speerstiche bei jedem Auftauchen häufiger und tiefer. Jetzt +ist das Flußpferd wieder oben, es liegt halb auf der Seite. Mandemera +sticht so heftig zu hinters Blatt, daß er ins Wasser springen muß, der +Speer bleibt stecken. Noch einmal bäumt das Tier auf, uns mit flockigem +Schweiß übersprühend, dann sinkt es langsam weg. An der Leine wird es +bis an die Oberfläche geholt und noch ein Strick an sein Bein gebunden. +Dann werden beide Stricke am Boot festgemacht. Das andere Boot legt +sich uns vor. Mandemera und ich halten es mit den Händen fest und, das +Flußpferd im Schlepptau, geht's dem Lande zu. Gegen elf Uhr hatten +wir wieder Boden unter den Füßen. Die Beute lag drei Meter vom Strand +entfernt im See, weil wir sie im seichten Wasser nicht weiterziehen +konnten. Es war ein junger Bulle. Das ganze Dorf hatte sich schon +versammelt mit Messern und Körben, um das Fleisch abzuholen. Ich sah +mir zunächst die Speerstiche an, die zehn Zentimeter breit waren. +Vergeblich versuchte ich, einen Speer durch die Haut zu stoßen. Sie +federte wie Gummi, und zum Schluß hatte ich das Blatt ganz verbogen. +Es scheint bei der Anwendung dieser Waffe, die ich in ihrer Weichheit +mit den Händen fast wieder gerade biegen konnte, mehr Geschicklichkeit +als Kraft nötig zu sein. Dann ließ ich mir die Harpune herausschneiden, +um zu sehen, wie sie saß. Fünfzig Zentimeter weit war sie seitlich +in den Nacken gedrungen und hing mit dem Widerhaken am Kehlkopf. Vor +dem Zerlegen ging ich nach Hause. Meine Nerven erschlafften stark +nach der aufregenden Anspannung, und ich habe auch keine weitere +Mitwirkung an derartiger Jagd angestrebt, obwohl sich mir späterhin +mehrfach Gelegenheit bot, d. h. die Leute keine Angst mehr hatten, mich +mitzunehmen, da diesmal die Sache gut abgelaufen war. Ein Gewehr hatte +ich deshalb nicht mit ins Boot genommen, weil ich zu damaliger Zeit nur +~eine~ gute Waffe besaß, die ich nicht verlieren wollte, falls das +Boot kenterte, wie mir vorher ausgemalt wurde. Sonst hätte ich dem Tier +bald den Fangschuß gegeben, nachdem es an der Harpune saß -- es hat +eben nicht jeder eine Negernatur --, Gelegenheit hätte ich dazu gehabt. + + + +b.+ ~Flußpferde im Rikwasee.~ + +Gegen Ende des Jahres 1907 hielt ich mich einige Wochen am Rikwasee +(Abb. 1) auf. Die Gegend ist recht spärlich bewohnt, wegen der +sehr geringen Regenfälle unfruchtbar und sehr, sehr heiß. Groß ist +dagegen der Wildreichtum, und in den Mittagsstunden ist stellenweise +nichts zu sehen vor dem Staub der sich wälzenden Zebras und der +herumgaloppierenden Hartebeeste, denen das Brackwasser des Sees und das +Gras der Salzsteppen so vorzüglich bekommt, daß ich nie wieder Tiere +in solchem Ernährungszustande sah wie dort. Das Wasser ist belebt von +Scharen von Watvögeln. Rosa und weißen Wolken gleich fliegen unzählige +Flamingos und Pelikane über das Wasser, das großen Fischreichtum -- +allerdings vorwiegend wenig schmackhafte Welse -- beherbergt und +außerordentlich viel Schildkröten und Krokodilen zum Aufenthalt dient. + +Flußpferde sind im Verhältnis zu anderem Wild nur wenige vorhanden, +Nashörner wechseln ganz selten vorbei, und Elefanten durchschreiten +den See nur alle Jubeljahre einmal. Nur einmal sah ich drei Elefanten +mitten im See stehen. Ich hielt sie erst für Flußpferde, da sie nur +etwa eineinhalb Meter über dem Wasserspiegel sichtbar waren, und dann +betrug auch die Entfernung einige Kilometer. + +Nach Westen zu ist der See in der Trockenzeit für Fußgänger +durchschreitbar, südlich ist das Wasser so flach, daß man nach +sechshundert Metern vom Ufer nur bis an die Knie im Wasser steht. Im +Osten sind die Ufer versumpft durch den einmündenden Songwefluß, und +nur im Norden fallen die Ufer steil ab. + +Mir war neben anderen Nahrungsmitteln Butter und Fett ausgegangen. Von +den Fettschwanzschafen hatte ich nur noch eins, dessen »Fettschwanz« +leider seine Rasse Lügen strafte und nur als schlaffer Hautlappen +herunterhing. Meine Mahlzeiten wurden täglich miserabler. Der Koch +gestand sein Unvermögen, ohne Fettstoffe Abwechslung in die Küche +zu bringen, und ich mußte ihm in dieser Beziehung recht geben. Ein +Pumpversuch bei den Mönchen der »Weißen Väter« in Galula zeitigte eine +Flasche Erdnußöl, mehr konnten sie wegen eigener Ebbe nicht entbehren. +Was sollte ich mit diesem »Tropfen auf den heißen Stein« anfangen? Da +fiel mir ein, daß ich im Kolonialkochbuch gelesen hatte, »der Speck +des Flußpferdes ist sehr wohlschmeckend und in den Tropen bekömmlicher +als Schweinespeck,« es standen da allerdings auch noch andere Sachen +drin, wie »Affenrücken zuzubereiten« -- brrr, mich schüttelte es, -- +aber versuchen konnte man es immerhin. Ich lagerte in Kadabula und +hatte sowohl an die Süd- wie an die Ostseite zwei gute Wegstunden bis +zum See. Rasch ließ ich Pferd und Maskatesel satteln und machte mich in +Begleitung meines Pferdejungen auf den Weg. Die Südseite, die ich für +die aussichtsloseste hielt, entsprach meinen Erwartungen. Mit dem Glas +sah ich im Osten des Sees mehrere Flußpferde im Wasser spielen. Also +gut, nach Osten. Zwei Kilometer vor dem See mußte ich Pferd und Esel +zurücklassen, da das Gelände sumpfig [Illustration: Abb. 15. Sultan +Mwen Iwunga rechts, daneben sein Minister. Besser phot.] + +wurde. Zahlreiche Moorantilopen, die Ricken in Sprüngen, die älteren +Böcke einzeln, sprangen knätschend im Sumpfboden ab. An Wildbret lag +mir nichts, meine Trophäen wiesen gute Stücke auf, und aus diesem +Grunde schoß ich nicht; sodann wollte ich mir auch die Flußpferde nicht +vergrämen. + +Eine filzige Rasendecke bedeckte den Sumpf. Wie auf Eiern lief ich +vorwärts. Bei jedem Stehenbleiben spülte Wasser um meine Schuhe, +und die Rasendecke zitterte bei jedem Schritt mehrere Meter im +Umkreis. Einigemal trat ich durch und zog den Fuß bis übers Knie mit +grauem Schlamm bekleistert wieder heraus. Als ich erst ordentlich +eingeschlammt war, kam ein Gefühl der Gleichgültigkeit dagegen auf. +Eine dünne Binsenlinie versperrte mir noch den Ausblick auf den See. +Endlich hatte ich sie überschritten, aber wo waren die Flußpferde? Mehr +als sechshundert Meter draußen im See. Überall standen Krokodilköpfe +auf dem Wasser, und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei, den +zackigen Rücken und Schwanz außer Wasser. Sollte ich weiter ins Wasser +hineingehen? Die Krokodile sind hier sehr friedlich, da sie überreich +Fischnahrung haben und von Menschen wenig belästigt werden. Ich +versuchte es, aber nach dreißig Metern ging mir das Wasser schon bis an +die Hüfte, und ganz vertrauenerweckend war mir die Nähe der Krokodile +doch nicht. Unverrichteter Sache kehrte ich wieder um, denn ich sagte +mir: Schieße ich wirklich ein Flußpferd, wer holt es mir heraus? Da ich +das Fett für den Tisch verwerten wollte, mußte es wenigstens frisch +geborgen werden, ehe Zersetzungsgase den Auftrieb besorgten. + +Zu Haus fragte ich den Sultan Mwen Iwunga (Abb. 15), ob er mir nicht +sein großes Kanu zur Verfügung stellen könnte. Er behauptete aber, das +Befahren des Sees wäre nur in der Regenzeit möglich, wenn der Songwe +hoch sei, jetzt wäre durch die verschilfte Mündung nicht durchzukommen. +Wenn ich Flußpferde schießen wollte, müßte ich abends gehen oder zeitig +vor Tagesanbruch, da wären sie an Land. Früher, wo er noch rüstig +gewesen sei, hätte er es immer so gemacht und Erfolg gehabt. Also ritt +ich abends wieder hin und fand die Flußpferde genau so weit draußen, +wie am folgenden Morgen. Sie mußten erst spät in der Nacht aussteigen +und nicht sehr lange äsen. Der Mond war aber noch zu klein, um nachts +schießen zu können. + +Gekochtes Wildfleisch und Reis, das ich früh, mittags und abends +vorgesetzt bekam, konnte ich aber kaum mehr sehen und riechen. + +Nach fünf Tagen hatten wir endlich Vollmond. Elf Uhr nachts war ich +wieder an Ort und Stelle und zitterte förmlich vor Aufregung, daß +die Flußpferde vielleicht an einer entfernteren Stelle aussteigen +könnten. Ich nahm meinen Fährtensucher mit, um jemand bei mir zu haben. +Kaum waren wir am Wasser angekommen, so hörten wir ein Rauschen; es +wurde still, dann rauschte es wieder. Nun können wir auch sehen. Drei +Flußpferde kommen aufs Land zu. Sie haben schon Grund und den halben +Leib außer Wasser. Alle paar Schritt bleiben sie stehen. Jetzt sind sie +nur noch hundert Meter entfernt, jetzt noch vierzig. Wir wollen sie +erst aussteigen lassen, und ich will dann möglichst nahe herankriechen, +da ich trotz des hellen Mondes schlecht zielen kann. + +[Illustration: Abb. 16. Hart am Ufer des Sees tat sich das Flußpferd +nieder. Besser phot.] + +Kaum liegen wir hinter einem ausgesuchten Grasbüschel, so legen die +Flußpferde die letzten vierzig Meter in ziemlichem Eiltempo, das Wasser +aufrauschen lassend, zurück und sind am Land. Sie sinken bis an den +Bauch im Sumpf ein und fangen sofort lebhaft, fast gierig an zu äsen. +Silbern glänzen die feuchten Leiber im Mondlicht. Vorsichtig schiebe +ich mich zwischen den Binsen entlang. Ich war schon zu weit gekrochen, +nur ein Meter trennte mich vom mittleren Tier. Indem ich mich seitlich +zurückschob, hoffte ich, daß das Flußpferd bald durch eine kleine +Lichtung in den Binsen hindurchkommen würde. Nun erschien der Schädel, +und nun der Körper. Zwei Meter war ich von ihm entfernt und ließ +fliegen, aufs Blatt abkommend. Im Augenblick war ich auch aufgesprungen +und von dem an mir vorbeirasenden Tier wieder hingeworfen worden. Als +ich hoch kam, sah ich es bereits zusammenbrechen. Da pustete das letzte +Flußpferd heran. Ich trug ihm einen Schuß an und lief dann in vier +Meter Abstand neben ihm her und feuerte im Laufen noch dreimal. Es hat +das Wasser erreicht; nun taumelt es und tut sich noch hart am Ufer +nieder (Abb. 16). Das Nebenherlaufen war übrigens gar nicht so einfach. +Bei jedem Schritt trat ich tief in den Sumpf, und es muß ein komisches +Bild gewesen sein, wie ich meine Sätze machte und immer den hinteren +Fuß aus dem Sumpf ziehen mußte. Dem Flußpferd ging es aber auch nicht +besser. Am nächsten Morgen bezeichnete eine tiefe Rinne die Schleifspur +seines Bauches; zu beiden Seiten standen die Löcher voll Wasser, wo es +tief eingetreten war. + +Die Moskitos hatten mich ganz eklig zugerichtet, und meine Augenlider +waren von den Stichen dick verschwollen. Einen jungen Bullen und eine +sehr alte Kuh hatte ich zur Strecke gebracht. Speck hatte der Bulle gar +keinen und die Kuh nur ganz wenig. Mit dem Bauchfett zusammen schmolz +mein Koch nur etwa vierzig Pfund daraus. Geschmeckt hat's übrigens ganz +leidlich, ich war aber auch lange genug für den Genuß vorbereitet und +hätte auch übleren Sachen einen guten Geschmack abgewonnen. + + + +c.+ ~Der alte Gomerobulle.~ + +Ich hatte durch nächtliches Arbeiten meine Nerven etwas überanstrengt +und konnte wieder einmal nicht einschlafen. Um nicht schlaflos im +Bett liegen und naß zu schwitzen, lief ich auf meiner Veranda auf +und ab und rauchte dann im Dunkeln im Klubsessel liegend noch eine +Zigarette. Fortwährend hörte ich vom Gomeroflusse her das Schrecken von +Buschböcken, und ich beschloß, mich am künftigen Tage, da ich gerade +den Strich unter eine größere Arbeit gemacht hatte, selbst zu belohnen +und auf einer kleinen Streife am Gomero, der nur zwei Kilometer +entfernt war, durch körperliche Anstrengung die Nerven wieder in das +richtige Gleichgewicht zu bringen. Buschböcke sah ich zwar keine, dafür +aber eine außerordentlich starke Flußpferdfährte. Nach zwei Stunden +Folge durch übles Dickicht verlor ich die Fährte und kehrte mit +zerrissenem Anzug und auch nicht ganz heiler Haut heim. + +[Illustration: Abb. 17. Die heißen Quellen bei Kissaki (Kalksinter). +Besser phot.] + +Öfter, wenn ich in der Richtung auf die heißen Quellen (Abb. 17) den +Gomero überschritt, um für meine Küche einen Wasserbock oder ein +Hartebeest zu holen, traf ich diese alte Fährte wieder, so daß ich zu +der Überzeugung kam, der alte Einzelgänger hat dort sein Standquartier. +Ideal genug dazu war ja die Gegend. Dichtestes Phönixpalmengebüsch und +schwerer Busch, der dicht mit Lianen bewachsen war, gab selbst bei +heißester Sonne kühle Verstecke. Grünes Gras war am und im Gomero das +ganze Jahr hindurch vorhanden. So zog ich denn eines Tages aus, um +ausschließlich auf den alten Burschen zu pirschen. Leicht stieß ich auf +die Morgenfährte, folgte ihr zum Flußbett und fand, daß mein Freund +nur Wasser eingenommen hatte, indem er sich nur einen halben Meter +ins Wasser begab. Schon früher hatte ich festgestellt, daß er seinem +Namen wenig Ehre machte und das feste Land gegen das feuchte Element +bevorzugte. Bald begann eine üble Kriecherei im dichtesten Gebüsch. +Zahlreiche Phönixstacheln waren schon in meiner Haut abgebrochen, und +der Schweiß badete mich förmlich. Ich trug mein Gewehr selbst, da mir +mein Boy Raschid, den ich an Stelle des erprobten Saleh mitgenommen +hatte, nicht zuverlässig genug war. Immer mußte ich auf diesen Rangen +von Boy warten, da er wegen der Dornen für seine Haut überängstlich +besorgt war. Jetzt finde ich Urin, der noch im Schaum steht, etwas +weiter Losung, die noch tropft; da geht auch schon ein Getöse los, +das mich schleunigst das Gewehr entsichern läßt. Ehe ich es aber noch +auf den für einen Augenblick sichtbaren Hautfleck in Anschlag bringen +kann, bricht der Bulle durchs Dickicht und reißt ganze Wände Lianen mit +sich, die mir das Gesichtsfeld versperren und mir Arme und Gewehr nach +unten drücken. So schnell wie möglich ging ich ihm nach; das Brechen +entfernte sich immer weiter von mir. + +Es wird freier, und ich hoffe, bei besserem Ausblick den Bullen +irgendwo verhoffend zu sehen. Statt dessen wechselt er im Gelände mit +grobem Kies, wo er auch nicht die geringste Fährte hinterläßt. Einen +Bogen schlage ich noch, als ich auch dann nichts finde, gehe ich +mißmutig heim. + +Häufig wiederholen sich die Pirschen, die ich auf den alten Bullen +unternahm, aber stets mit gleichem Erfolg. Niemals traf ich ihn +noch äsend, und stets hatte er sich in undurchdringlichem Dickicht +niedergelassen und nach Art alter schlauer Büffel vor dem Niedertun +einen Haken geschlagen, war parallel neben dem Wechsel zurückgekehrt +und hatte sich ganz knapp an der Fährte in guter Deckung niedergetan. +Er mußte also stets rechtzeitig durch Wind und Geräusch gewarnt werden. + +So oft ich es auch versuchte, ich kam nie zum Schuß. Weidlich wurde ich +mit »meinem« schlauen Bullen geneckt, ein ganzes Jahr lang konnte ich +seiner nicht habhaft werden. + +Doch auch ihn ereilte schließlich sein Schicksal. Von Hobola kommend, +nahm ich eines Tages im Januar 1914 meinen Weg durch Busch und +Steppe, da ich einesteils den Fußweg so oft gegangen war, daß ich ihn +langweilig fand. Andernteils macht frisches niederes Gras und ein in +der Nacht gefallener Regen den Boden so geeignet zum Fährtenlesen +wie ein Neuschnee in Europa. Ich wurde auch reichlich belohnt und +wußte bald, welche Wildarten und in welcher Zahl sie sich in diesem +Gebiet aufhielten. Beim Durchschreiten des trockenen Oberlaufes des +Gomeroflusses flogen seitlich erst zwei Schattenvögel (+Scopus +umbretta Gmel.+) und dann einige Ibisse auf. Wie! Jetzt hier Wasser! +denke ich und folge dem Flußbett. Richtig, eine ganze Strecke lang +steht Wasser in dem lehmigen Bett. Fährten von Elefanten mit Kälbern +und Rhinozerossen zeugten von häufigem Besuch der Wasserstelle, +und da, was sehe ich, auch die unverkennbaren Fußabdrücke meines +langgesuchten Flußpferdbullen. + +Da das Flußbett einen Bogen macht, den ich im Bett stehend nicht +übersehen kann, klettere ich am Ufer hoch und komme auf einen mit dem +Fluß parallel laufenden Elefantenwechsel, dem ich folge. Als sich +mir der nächste Ausblick auf das Wasser bietet, sehe ich endlich +den Langgesuchten im seichten Wasser ruhen. Kreuz und quer ist sein +mächtiger Rücken von vielen tiefen Narben bedeckt, die davon Zeugnis +ablegen, daß er zahlreiche Kämpfe mit seinesgleichen im Werben um das +Weibchen bestanden hat. Leichtere Narben deuten darauf hin, daß bei +seiner Vorliebe für das Leben auf dem Land in kaum durchdringbaren +Dickichten beim Eindringen in diese mit ungestümer, machtvoller Kraft +seine Haut von zersplitternden Ästen ganz durchpflügt wurde. Ganz +versunken in seinen Anblick stehe ich da und sehe vom hohen Ufer in +sechs Meter Entfernung auf ihn herab. Das Wasser muß ziemlich seicht +sein, denn er scheint zu liegen, und der Rücken ist mehr als einen +Meter außerhalb sichtbar. Nun fangen seine Lauscher an zu spielen, +und das blutunterlaufene Weiße in den Lichtern wird sichtbar. Langsam +erst schiebt er sich vorwärts, nun springt er auf und rast davon, daß +das Wasser hoch aufwirbelt. In seine Fluchtrichtung kann ich nicht +schießen, da dichtes Zweiggewirr hinderlich ist. Also zurück auf den +Elefantenwechsel, auf dem ich in eiligem Lauf vorwärts stürme, um ihm +weiter oberhalb den Weg abschneiden zu können. Mein Boy Saleh, der +zehn Meter vor mir lief, ruft mir zu: »Hierher, Herr -- ein Ausstieg, +er muß gleich da sein.« In ein paar Sätzen bin ich dort, springe auf +den alten, tiefausgetretenen Wechsel, der von zur Tränke ziehenden +Elefanten getreten war, hinab, schlage an, für einen Augenblick den +Atem aussetzend wegen der Bewegung der hastig arbeitenden Lungen, die +sich dem Körper mitteilt, und trage dem Bullen einen Schuß in den +Nacken an. Für Sekunden ist er vom Anprall des 11,2-Geschosses betäubt; +ich stehe jetzt einen Meter vom Wasser entfernt. Da faßt er auch schon +am Ufer Fuß; eine Gewehrlänge trennt uns. Gerade als er den Körper +krümmt, um sich hinten kräftig abzustoßen, damit er ganz aufs Land +kommt, wobei er den Schädel tief senkt, gebe ich ihm, fast mit dem +Gewehr sein Auge berührend, den zweiten Schuß. Ich taumle einen Schritt +rückwärts, da ich schlecht Fuß gefaßt hatte und der Rückstoß von 5,5 +Gramm Blättchenpulver ziemlich bedeutend ist, und sehe meinen Bullen +langsam ins Wasser zurücksinken. Kurz ist sein Todeskampf, und die +Beine rudern langsam im Schlamm. + +Zur Erinnerung mache ich eine photographische Aufnahme. Mein Boy Saleh +plagt mich, auch mit dem Flußpferd photographiert zu werden, da er so +oft vergeblich auf seiner Fährte mitgelaufen sei, und ich willfahre ihm. + +Den Schädel nehme ich als Trophäe mit, um ihn später in meinem +Jagdzimmer in Deutschland aufstellen zu können. Rasch lasse ich die +Fleischteile zur Erleichterung des Transportes herunterschneiden. +Leider essen meine Leute als Mohammedaner das Fleisch nicht; ich +schicke deshalb Nachricht auf eine Pflanzung, wo Wangonis aus dem +Ssongeabezirk arbeiten; bald kommen sie auch in Scharen an, um sich +diesen seltenen Leckerbissen zu holen. + +Doppelt freute ich mich über meinen Erfolg, da ich häufig vorher mit +meinem sagenhaften Bullen geneckt worden war, und nun den Beweis +erbrachte, daß Ausdauer und Festhalten am erstrebten Ziel auch auf der +Jagd zum Schluß reichlich für die gehabte Mühe entschädigt. + + + Auf Elefantenfährte. + +In früheren Jahren, als das berufsmäßige Elefantenjagen in +Deutsch-Ostafrika noch gestattet war, hielten sich stets mehrere Jäger +im Kissakigebiet auf, da dort besonders starke Bullen aus den früher +errichteten Jagdschutzreservaten Mohorro und Mahenge herüberwechselten. +Durch das Jagdgesetz von 1911, nach dem die Erlaubnis zur Elefantenjagd +an den Besitz eines großen Jagdscheines gebunden war, mit dem nur zwei +Bullen mit einem Einzelzahngewicht von über fünfzehn Kilogramm erlegt +werden durften, hörte das unsinnige gewerbsmäßige Schießen auf diese +Denkmäler der Urzeit auf. Nur Leute, die aus Lust an der Jagd und nicht +aus schnöder Geldgier diesen gewaltigen Dickhäutern zuleibe rückten, +kamen zu ihrem Recht. + +Zeitweilig kamen die Elefanten (Abb. 18) so zahlreich, daß sie ernsten +Schaden in den Feldern der Eingeborenen anrichteten. Namentlich wenn +die Hirse zu reifen begann, weideten sie so viel ab und zertraten noch +mehr, daß die Eingeborenen die ganze Nacht in den Feldern saßen, Feuer +unterhielten und auf Blechen rasselten; aber auch der Elefant gewöhnt +sich schließlich an alles. Ich versprach dann den Eingeborenen, ihnen +beizustehen; sie möchten mich nachts wecken, wenn Elefanten aus ihren +Feldern nicht zu vertreiben wären. + +[Illustration: Abb. 18. Der deutsch-ostafrikanische Elefant. Nach einer +Zeichnung von M. Zimmer.] + +Schon in der folgenden Nacht ließ mich der alte Häuptling Nderange +rufen. Ich setzte mich bei klarem Mondschein mit der Elefantenbüchse +aufs Rad und fuhr bis an das heimgesuchte Feld. Nderange empfing mich +an seinem Felde, und beim Stillstehen hörten wir die Elefanten deutlich +an verschiedenen Stellen in der Hirse brechen. Klarer Vollmondschein +überflutete die Landschaft, so daß man dabei lesen konnte. Probeweise +zielte ich und konnte bei bestimmter Beleuchtung des Silberkorns +gut Ziel nehmen. Nun kam auch mein Boy Saleh nach, der es sich als +»Hans Dampf in allen Gassen« nicht nehmen lassen wollte, mit dabei +zu sein; auch einer meiner Aufseher, »Kofia mbaya«, ein Soldat a. +D. der Schutztruppe, fand sich noch ein. Nderange trug einen alten +Vorderlader, den er, wie er mir versicherte, mit Elefantenladung +versehen hatte, d. h. er hatte so viel Schwarzpulver eingestopft, daß +der sonst mit der Mündung gleich lange Ladestock um vier gespreizte +Finger herausstand. Ich bat ihn, wenigstens nicht in meiner allzugroßen +Nähe seine Donnerbüchse loszulassen. Gern war er damit einverstanden, +seinen Schuß aufzuheben für den Fall, daß ich einmal nicht kommen +könnte. + +Nderange führte, dann folgte ich, dann Saleh, und den Schluß machte +Kofia mbaya, dem ich zu meiner eventuellen Unterstützung meine +9,3-Büchse anvertraut hatte. Kaum ein paar Schritt in der Hirse war es +so dunkel, daß man nicht weiter als drei Meter sehen konnte. Vorsichtig +gingen wir weiter auf die Brechgeräusche zu und vermieden ängstlich, +die 5½-6 Meter hohen, über daumenstarken Hirsehalme zu knicken, da sie +laut prasseln, etwa wie trockenes Schilf beim Brechen. + +Bald konnten wir drei getrennt brechende Elefantengruppen +unterscheiden und gingen, jetzt ich mit der Büchse vornweg, auf +das uns zunächstliegende Geräusch zu. Ich hatte die Absicht, einen +Elefanten zur Strecke zu bringen, um dadurch die anderen bis zur +Hirseernte zu vergrämen. Ich mußte mein Vorhaben nachts ausführen, +da die Elefanten tagsüber nicht in die Felder kamen und sie nur auf +diesen vom Eigentümer des Feldes oder von ihm beauftragten Dritten +zur Schadenverhütung erlegt werden durften. Das Elfenbein fiel dabei +dem Fiskus zu, falls der Schütze nicht über einen großen Jagdschein +verfügte oder die beiden erlaubten Elefanten schon erlegt hatte. Nun +waren wir nur noch etwa dreißig Meter entfernt und hörten deutlich +nach jedem Rupfen die Kaugeräusche und dann wieder ein kurzes Brechen, +das besagte, daß der Elefant -- wir hatten vermutet, daß uns nur einer +gegenüberstand -- den Körper wendete oder einen Schritt vorwärts ging. +Durch Zeichen bedeutete ich meinen Begleitern, mehrere Schritt Abstand +zu nehmen, um uns beim Ausweichen, wenn der Elefant nach dem Schusse +die Richtung auf uns zu nehmen sollte, nicht gegenseitig anzurempeln +und zu hindern. Ich vermied jedes Geräusch und pirschte mich auf etwa +zehn Meter heran. Vom Elefanten war nichts zu sehen. Deutlich hörte +ich, wie er sich löste und kaute. Eine halbe Stunde verharrte ich in +dieser Stellung, ohne daß eine Änderung eintrat, die mir einen Schuß +gestattet hätte. Es wäre leichtsinnig gewesen, näher heranzugehen, da +ich im Halmgewirr der Hirse nicht hätte ausweichen können. Nderange +schlich sich an mich heran und sagte mit Tränen im Auge: »Meine Hirse, +meine Hirse, schieß doch, Herr!« + +Ich winkte Kofia mbaya und ließ mich von ihm hochheben, indem er +seinen Kopf zwischen meine Beine steckte. Auch jetzt sah ich nur hin +und wieder vom Elefanten bewegte Halme, von ihm selbst nichts. Als +ich wieder stand und mir sagte: »Bäume, die einen Überblick gewähren, +sind nicht in der Nähe,« blieben mir nur zwei Möglichkeiten -- +unverrichteter Sache umzukehren oder aufs Geratewohl zu schießen. + +Mit Rücksicht auf Nderange tat ich das letztere. In der Richtung +der Kaugeräusche schlug ich an und rechnete dabei auf 3-1/2 bis 4 +Meter Höhe. Das Silberkorn konnte ich nicht von der Laufschiene, +die schwach glänzte, unterscheiden. Deutlich hörte ich einen harten +Kugelaufschlag und dann ein prasselndes Getöse des gegen den Wind +losbrechenden Tieres, dem sich die uns entfernt stehenden Elefanten +schrill trompetend anschlossen. Die Fährte belehrte uns nach ihrer +Größe von sechsundvierzig Zentimetern Durchmesser der Vordersäulen, daß +wir einen mittleren Bullen vor uns gehabt hatten. Wie aber sah der Teil +des Feldes aus, auf den wir jetzt hinaustraten? Auf fünfzig Meter im +Geviert war alles niedergetrampelt. Wir folgten der Fährte des Bullen, +bis er sich mit den anderen vereinigt hatte. Aus der Ferne hörten +wir die Flüchtlinge noch zweimal trompeten. Im Mondlicht war jedoch +nirgends Schweiß zu entdecken. Daß er bei dem von mir verwendeten +11,2-Geschoß mit Antrieb von 5,5 Gramm rauchlosem Pulver nur gering +sein konnte, wußte ich, da sich die fettunterlegte Schwarte wie Gummi +wieder zusammenschiebt und nur knappen Schweiß austreten läßt. Es +machte sich bei mir die Überzeugung geltend, daß der von uns gehörte +Kugelaufschlag ebensogut durch Hirsehalme hervorgerufen worden sein +könnte. Eine weitere nächtliche Folge war zwecklos, und so befahl ich +Kofia mbaya, am nächsten Morgen einmal nach Schweiß zu sehen und zwei +bis drei Stunden der Fährte zu folgen, wenn er aus den sich ergebenden +Umständen ein Krankschießen vermutete. Als Mhehe-Neger (Wahehe) +verfügte er über gute Jägerinstinkte, hatte auch als Kind seinen Vater +häufig auf Elefantenjagd begleitet. + +Die Löwen machten ein recht lautes Konzert. Ich wollte Saleh nicht +allein gehen lassen und ließ ihn deshalb mein Rad schieben. Wir machten +uns zu Fuß auf den Heimweg. Gegen 1 Uhr waren wir wieder daheim. + +Als wir am nächsten Morgen wegen des nächtlichen Intermezzos etwas +später beim Frühstückstisch saßen, kommt schon von weitem rufend Kofia +Mbaya und bringt -- einen Zahn des beschossenen Elefanten. Umringt von +einer großen Schar Neugieriger, teilt er mir mit, daß er der Fährte +kaum hundert Schritt gefolgt sei. Vom Tau noch feucht habe er ganz +kleine Schweißspritzer gesichtet und plötzlich den Zahn gefunden. Der +Zahn war in der Hälfte des Nervs durchschossen und wohl vom Elefanten +im Schmerz mit dem Rüssel aus dem Zahnfleisch herausgerissen worden. +Ich lieferte ihn mit Bericht an das Bezirksamt Morogoro als dem Fiskus +gehörig ab und wurde viel wegen dieser merkwürdigen Sache angeulkt, +wobei erörtert wurde, ob ich nicht berechtigt gewesen wäre, den Zahn zu +behalten, da der Elefant ja noch lebe. Ich erzähle dieses nächtliche +Ereignis, das ich Ende Juni 1913 erlebte, weil es später noch ein +Nachspiel fand. + +Im Oktober des gleichen Jahres teilt mir Stabsarzt J. mit, daß er nach +Kissaki käme. Er hätte nur noch einige Tage auf seinen Jagdschein +Zeit und würde gern den ihm darauf noch zustehenden Elefanten auf die +Schwarte legen, ob ich ihm einen ausmachen könnte. Da ich außer dem +persönlichen Interesse an der Jagd noch den Doppelzweck verfolgte, +die immer dreister werdenden Elefanten durch gelegentlichen Abschuß +zu vergrämen und zum Rückzug aus dem Kulturgebiet mehr in die +Jagdreservate zu zwingen, war ich äußerst gern bereit, seinem Wunsche +zu entsprechen. + +Im Laufe der Zeit hatte ich mir die Neigung der sonst sich Europäern +gegenüber recht passiv verhaltenden Eingeborenen des Kreises Kissaki +erworben. Ich machte nun bekannt, daß ich am soundsovielten früh einen +frischen Elefantenwechsel in der Nähe Kissakis wissen und zum Beleg der +Botschaft frische Losung und durch Kerbschnitt in einem Stäbchen das +Ausmaß der Fährte haben möchte. Am Morgen des bestimmten Tages, es war +gegen 5 Uhr und eben der Himmel am Horizont im Osten mit einem helleren +Strich versehen, weckte mich die Wache und führt mir meinen ehemaligen +Arbeiter Bilingi zu, der frische Losung bringt. Er wollte gerade wieder +Arbeit bei mir nehmen und hatte auf dem Wege von Mafumbo nach Kissaki +eine halbe Stunde von hier die Elefanten gesehen, die auf dem Wege +standen. Die Fährte konnte er der Dunkelheit wegen nicht messen. + +Im Schlafanzug suchte ich Stabsarzt J. in seinem Zelt auf und +weckte ihn mit der frohen Botschaft. Bald nach Tagesanbruch waren +wir marschbereit und gingen dem Wechsel zu. Kurz nach Ssadumas Dorf +überschritten wir den Mgetafluß und waren bald an der Fährte. Ich +wußte, daß die Elefanten, wenn sie an dieser Stelle waren, nicht gar +so weit gingen, und so ließen wir an einer schönen schattigen Stelle +am Mgeta die Zelte aufschlagen und besichtigten dann die Fährte. Nebst +einigen Kühen war ein ganz annehmbarer Bulle in der Herde. Bald führte +die Fährte durch den Mgeta an die linke Flußseite. Dort zerstreuten +sich die Einzelfährten. Die Elefanten hatten überall Schilf geäst, +und es dauerte fast eine Stunde, bis wir aus dem Kreuz und Quer der +Spuren, die sich kaum sichtbar von den teilweise alten Wechseln +abhoben, den weiteren Ausweg fanden. Endlich hatten wir ihn, und als +wir eine halbe Stunde gefolgt waren, so daß eine bestimmte Richtung zu +erkennen war, konnte ich aus innerster Überzeugung J. versichern, »zu +Gesicht bekommen wir die Elefanten heute auf alle Fälle«. Sie hatten +sich einem Winkel zugewandt, den der Wiguberg durch steilen Abfall mit +dem Mgetafluß bildet. Diese Gegend war mir wie meine Tasche bekannt. +Sie enthielt eine Menge dichtester Dickichte, wie sie der Elefant zum +Unterstellen von 10-3 Uhr während der heißesten Sonne liebt. Wir kamen +an eine Stelle, wo die Steppe über Nacht gebrannt hatte, und konnten +in der Asche die Fährten noch einmal genau auf ihre Stärke prüfen. Nun +brauchten wir nur den Daumen zu halten, damit wir beim Annähern guten +Wind hatten. Auf diesen allein war unser erhoffter Erfolg gestellt, +und es hat gar nichts zu sagen, ob die allgemeine Windrichtung gut +ist. Eine Übersicht des Geländes ist in den Dickichten ja gänzlich +ausgeschlossen, und da die Elefanten wie vieles andere Wild zu ihrer +Sicherung häufig Bogen schlagen, geschieht es öfters, daß man in +ihren Wind gerät, ohne daß man sie zu Gesicht bekommt, und nur am +Brechen sein Mißgeschick hört. Schön klar und deutlich können wir die +Fährte halten. Die Elefanten waren längere Zeit nicht hier gewesen +und die ehemaligen Wechsel so alt, daß man sofort die frische Fährte +unterscheiden konnte, was sonst manchmal recht schwierig wird, wenn +Fährten des Vortages oder der Nacht mitgeprüft werden müssen. + +Vergnügt schreiten wir weiter, von der Sonne nicht allzusehr belästigt, +da das Blätterdach guten Schutz gewährt. Nun biegt die Fährte wieder +links aus der Richtung ab, und als wir ihr eine halbe Stunde gefolgt +sind, sinkt uns das Herz in die Stiefel, wir durchschneiden eine schon +vorher durchquerte Stelle; die Fährte hat eine Schleife gemacht. +Beklommen holen wir Atem und fragen uns, haben die Elefanten beim +Überschreiten ihres Wechsels von unserer Folge Witterung genommen? Denn +übersehen können wir die Fährte unmöglich haben. Wir unterhandeln mit +unsern Begleitern. Senikambi, Salim und Saleh, unsere Fährtensucher, +von mir langerprobte gute Jäger, bestreiten aufs entschiedenste, daß +bei unserm Durchqueren der verfolgte Wechsel schon von den Elefanten +überschritten war. Unmittelbar auf den alten Wechsel ist keine neue +Fährte über die alte gesetzt, sondern von allen Tieren überschritten +worden. Mit recht gemischten Gefühlen folgen wir weiter. Die Jagdlust +und -freude sinkt gleich um 50 Prozent, wenn sich eine Aussicht +wie durch diesen Fall verringert, und man merkt plötzlich, daß die +Körperfrische einer Ermüdung Platz macht. Gegen 12 Uhr beschließen wir, +etwas zu ruhen. Wir verzehrten ein mitgenommenes kleines Frühstück, +tranken einen Schluck kalten Kaffee dazu und legten uns lang, die Beine +etwas erhöht, da diese Lage die Schwere in den Füßen am raschesten +beseitigt. J. schlief ein, und ich döste vor mich hin. J.s Boy schien +Verdauungsbeschwerden zu haben, denn es kollerte von Zeit zu Zeit in +seinem Bauch. Ich fragte ihn, ob ihm was fehle, er verneinte. Kurz +vor 1 Uhr weckte ich J., und wir zogen weiter. Noch keine hundert +Schritte waren wir gegangen, da hörte ich es wieder in dem Leib von J.s +Boy kollern, doch nein, das ist stärker, kommt aus anderer Richtung. +Ich bleibe stehen, wende mich zurück und lege die Finger auf die +Lippen. Da streckt auch schon Senikambi den Arm aus und deutet die +Richtung an; es sind die Elefanten. Ich freue mich innerlich, daß ich +trotz meiner leichten Schwerhörigkeit schon bei der Ruhepause als +einziger das Geräusch bemerkt hatte, das die Elefanten mit den Ohren +hervorbringen, indem sie mit der pappdeckelartigen Knorpelmasse durch +Bewegung knattern; ich hatte es zwar in des Boys Leib verlegt, aber +doch wahrgenommen, obwohl kein anderer etwas gehört hatte. + +Die Elefanten stehen links von uns, der Wechsel führt noch in gerader +Richtung weiter. Am aufgenommenen Staub prüfen wir den Wind. O weh, +sie müssen halben Wind von uns bekommen, und richtig, schon knackt's +und prasselt's für einige Sekunden, dann ist alles still, und nur hin +und wieder rauscht leise ein Busch, den die flüchtenden Elefanten +streiften. Schnell folgen wir dem Wechsel. Es ist nicht zu befürchten, +daß sie schon wieder stehen. Nach fünf Minuten lauschen wir wieder; +nichts ist zu hören. + +[Illustration: Abb. 19. Ein guter Elefantenbulle. Besser phot.] + +Vorsichtiger gehen wir weiter, wieder von links das Geräusch. Alle +Nerven gespannt, spähen wir in den dichten Busch. Dichtes Lianengewirr +im Blätterdach hat im Unterholz jeden Laubwuchs unterdrückt. Da hebt +sich durch eine Bewegung mit den Ohren in dem dämmrigen Dunkel der +Kopf eines Elefanten ab, der auf uns gerichtet ist. J., der etwas +weiter rechts steht, bittet mich durch Gesten, mit anzuschlagen. Fast +gleichzeitig hallen unsere beiden Schüsse, der Kugeleinschlag dröhnt, +wie nur aus einer Büchse herrührend. Gut bin ich auf die Grube zwischen +Licht und Gehör abgekommen, sie ist eine der wenigen Stellen, die +direkt zum Gehirn führen. + +Ein gewaltiges, wütendes Trompeten hebt an, und im Dickicht kracht +es. Man denkt, ein Tornado habe eingesetzt. Da, ein schwerer Fall. +Das Hurra bleibt noch in der Kehle stecken, denn häufig wird der +umgelegte Elefant wieder hoch und läuft kilometerweit, so daß man +ihn zuguterletzt noch verlieren kann. Vorsichtig gehe ich von links, +Stabsarzt J. von rechts vor. Nach zehn Schritt liegt der Elefant auf +acht Meter mit dem Rücken auf mich zu (Abb. 19). Kantig hebt sich das +Rückgrat mit der Schwarte vom anderen Körper ab. Kurz entschlossen +setze ich eine Kugel zwischen die Wirbel, und der Elefant streckt sich. +Diese Art von Fangschüssen wird wohl bei europäischen Jägern Mißfallen +erregen. Bei dem zählebigen größeren afrikanischen Wild bildet sie +aber die einzige Sicherung gegen ein Hochwerden, da sofort die hintere +Partie gelähmt ist. J. schüttelte mir die Hand. Wir ließen das Gestrüpp +freihauen, um die Zähne besichtigen zu können. Doch, der Elefant hat +nur ~einen~ Stoßzahn, der rechte fehlt völlig! Zwei Handbreiten +unter dem rechten Auge ist eine pfenniggroße eiternde Wunde. Ich +drücke daran, und es quillt dicker Eiter. Mir dämmert's. Sollte das +nicht mein Elefant aus dem Hirsefeld des Nderange sein? Ich mache J. +darauf aufmerksam, und gemeinsam untersuchen wir die Wunde mit einem +Hölzchen. Es ist eine tiefe Wunde, und auch J. glaubt sicher an einen +Schußkanal. Als auch die Eingeborenen merken, was wir da ausprobieren, +sind sie sofort der Meinung, daß wir den im Juli nächtlich beschossenen +Elefanten zur Strecke gebracht hätten. Vorausschicken will ich hier, +daß Stabsarzt J. später Gelegenheit hatte, auf einer Versteigerung den +von mir ausgeschossenen Stoßzahn zu erstehen, der in Dicke und Form +genau zu dem des erlegten Elefanten paßte. + +Zwei Leute schickten wir zum Lager zurück, um unsere photographischen +Apparate nebst etwas Kaffee und ein paar Bananen zu holen. Zwanzig +Mann sollen mit Messern und Äxten kommen, um dem Elefanten die Stiefel +(d. h. die Haut der Säulen) auszuziehen (aus denen sich J. Papierkörbe +und Bowlen machen lassen will) und den Zahn herauszuhauen. Wir machen +es uns inzwischen im Schatten bequem, und als sich die übrigen Leute +etwas ausgeruht haben, lassen wir durch Niederschlagen des Busches +den Kadaver freilegen, um Licht zum Photographieren zu haben. Nach +eineinhalb Stunden sind die Leute schon zurück. Nur zehn Minuten von +uns liegt der Mgeta, und hart an diesem am jenseitigen Ufer der Weg +Kissaki-Mafumbo. Bald sind die Säulen abgeschnitten und der Zahn +herausgehauen. Schon finden sich Scharen von Weibern, Kindern und +alten Männern ein, die fleischhungrig sind. Es sind nichtislamitische +Wapungas, denen Elefantenfleisch einen Hochgenuß bedeutet. + +Wir überlassen es ihnen gern, da wir keine Verwendung dafür haben; nur +einige Zentner behalte ich für mich als Dörrfleisch für meine Hunde. +Fest überzeugt, daß am nächsten Morgen von dem wandelnden Fleischberg +nur noch einige Knochen übrig sind, treten wir dann den Rückweg zum +Zelt an. Hier entfaltet sich noch einmal rege Tätigkeit; es ist gar +keine Kleinigkeit, die Haut von den Säulen zu lösen. Der Beinknochen +wird mit einem Strick fest an einen Ast gebunden, und nachdem alle vier +Säulen baumeln, mühen sich an jedem Fuß vier Mann zwei Stunden lang. +Dann wird mit dem Messer noch etwas nachgekratzt und jede Fußhaut voll +Holzasche, die inzwischen bereitet worden war, gefüllt, damit nicht +Haut auf Haut zu liegen kommt und der Gerbungsprozeß sich selbsttätig +vollziehen kann. + +Recht müde gingen wir dann nach dem Abendbrot zu Bett, aber ganz +ungestört sollte ich die wohlverdiente Nachtruhe nicht genießen. Ich +erwachte nach einigen Stunden durch ein Zwicken an verschiedenen +Körperstellen. Leider hatte ich abends vergessen, meine elektrische +Lampe mit unters Moskitonetz zu nehmen, und lüftete es nun, um nach +den Streichhölzern zu tasten und die Lampe anzuzünden. Was hatte ich +dadurch angerichtet! Siafus! -- Wanderameisen waren in meinem Zelt. +Der Boden, die Decke und die Außenseite meines Moskitonetzes wimmelten +von diesen schwarzen Gesellen. Zu mir waren vorher nur die kleinen +Tiere gekommen, die durch die Maschen des Moskitonetzes durchschlüpfen +konnten. Ich heftete schnell die Zeltwand auf, rief den Boy und stürzte +fluchend ins Freie, indem ich mir den Schlafanzug vom Leibe riß und die +einzelnen Tiere ablas, die ihre Zangen fest in meine Haut eingebohrt +hatten. J. erwachte von meinem Fluchen, als ich splitternackt in seinem +Zelt, das, obwohl es nur sechs Meter von dem meinigen stand, von dem +Zuge verschont blieb, Zuflucht suchte. Saleh hatte inzwischen Träger +mobil gemacht, und diese machten rings um mein Zelt Feuer und kehrten +die Ameisen hinein. Ein durch Streuen von heißer Holzasche ums Zelt +gezogener Kreis lenkte den Wanderzug ab, und nach einer halben Stunde +konnte ich mich wieder niederlegen. + +Mein Boy behauptete zwar, er hätte nun alle Siafus aus meinem Bett +herausgeschüttelt und aufgelesen. Ich wurde aber doch noch reichlich +gezwickt. Nach dem vorherigen Massenüberfall nahm ich es jedoch mit den +einzelnen nicht mehr so genau und schlief bald wieder ein. Der Mensch +gewöhnt sich eben an alles, und Afrika erzieht seine Leute so, daß sie +in keiner Lebenslage den Humor verlieren. + +Unwillkürlich findet das Großwild Ostafrikas, das Raubwild und die +Dickhäuter, in der Allgemeinheit die meiste Beachtung, obwohl man damit +den anderen, weniger stark ins Auge fallenden Wildarten eigentlich +unrecht tut, denn auch sie bieten dem aufmerksamen, sachkundigen +Beschauer eine Fülle des Interessanten. + +Häufig veranlaßt die Handlungsweise des Wildes den Beobachter, wie es +z. B. Dr. Th. Zell in seinem vortrefflichen Kosmosbändchen (gleichen +Titels) tat, die Frage zu stellen: »Ist das Tier unvernünftig?« Folgt +es durch Generationen anerzogenen Instinkten, deren Ausbildung ihm +seine Umgebung im Kampfe ums Dasein aufzwang, oder lassen sich in +seinen Handlungen verstandesmäßige Tätigkeiten feststellen? + +Die Anschauungen, ob man dem Wilde, wie dem Tiere überhaupt eine Seele +zuerkennen darf, die es zu verstandesmäßigen Tätigkeiten befähigt, +oder ob Naturgesetze, ihnen selbst unbewußt, ihre für den jeweiligen +Fall einzig richtige Handlungsweise vorschreiben, sind sehr geteilt. +Ich möchte mit einer strikten Behauptung weder nach der einen, noch +der anderen Seite hervortreten, sondern hoffe, dem Leser, der meinen +Aufzeichnungen bis hierher gefolgt ist, vielleicht in einem folgenden +Kosmosbändchen Gelegenheit geben zu können, auch mit den anderen +Wildarten unserer Kolonie bekannt zu werden und ihn dadurch in die Lage +zu versetzen, durch meine Beobachtungen eine Bereicherung des eigenen +Urteils zu gewinnen. + + +Fußnoten: + +[5] d. h. durch seitliches Anlehnen des Laufes an den Stamm dem Gewehr +eine Stütze gegeben. + + + + + Naturwissenschaftliche Bildung + ist die Forderung des Tages! + +Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir + + alle Naturfreunde + +jeden Standes, sowie alle _Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw._ +ein. -- Außer dem geringen + +_Halbjahresbeitrag von nur M 2.40_ + + (Beim Bezug durch den Buchhandel 10 Pf. Bestellgeld, durch die Post + Porto besonders) + +erwachsen dem Mitglied =keinerlei= Verpflichtungen, dagegen werden +ihm folgende _große Vorteile geboten_: + +Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren +Jahresbeitrag im Jahre 1916 =kostenlos=: + + =I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. Reich + illustriert.= Preis für Nichtmitglieder M. 2.80. + + =II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.= Nichtmitglieder zahlen + den Einzelpreis von M 1.-- für jeden Band. + + Wilhelm Bölsche, Stammbaum der Insekten. + Dr. Kurt Floericke, Meine Reise in Bulgarien. + Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen. + Hans Besser, Affen, Antilopen u. Schlangen Deutsch-Ostafrikas. + Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache. + + Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser + bekanntgegeben.) + + =III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden + naturwissenschaftlichen Werken= (siehe Seite 2 des Prospektes). + + + Jedermann kann jederzeit Mitglied werden. + Bereits Erschienenes wird nachgeliefert. + + + + + Satzung + + § 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde + auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis + der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das + Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres + Volkes verbreiten. + + § 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die + Herausgabe eines den Mitgliedern =kostenlos= zur Verfügung + gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch Herausgabe + neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne + gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie + ihren Mitgliedern =unentgeltlich= oder =zu einem besonders + billigen Preise= zugänglich macht, usw. + + § 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden + Ausschuß, den Vorstand usw. + + § 4. =Mitglied kann jeder werden=, der sich zu einem + Jahresbeitrag von =M 4.80= (exkl. Porto) verpflichtet. Andere + Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind, + erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann =jederzeit= + erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist + gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle + weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen. + + § 5. Siehe vorige Seite. + + § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der =Franckh'schen + Verlagshandlung, Stuttgart=, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften, + Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine + Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten. + + + + + Kosmos + + Handweiser für Naturfreunde + +Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark -- und enthält: + + =Originalaufsätze= von allgemeinem Interesse aus sämtlichen + Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert. + + =Regelmäßig orientierende Berichte= über Fortschritte und neue + Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft. + + =Auskunftsstelle= -- =Interessante kleine Mitteilungen.= + + =Mitteilungen über Naturbeobachtungen=, Vorschläge und Anfragen + aus dem Leserkreise. + + =Bibliographische Notizen= über bemerkenswerte neue Erscheinungen + der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur. + + + + +Die Mitglieder des ~Kosmos~ haben nach Paragraph 5 III das Recht, +außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern angebotenen +Bücher zu ~einem Ausnahmepreis~ zu beziehen. + +Es befinden sich u. a. darunter folgende Werke: + + +---------+------ + | Preis |Mitgl. + |f. Nicht-|preis + | mitgl. | + +---------+------ +=Altpeter, ABC der Chemie= | 2.40 | 1.-- +=Bergmiller, Erfahr. a. d. Gebiete d. hoh. Jagd.= Geb. | 4.50 | 3.50 +=Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.= Fein gebunden | 1.80 | 1.50 +=Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.= Geb.| 4.50 | 2.90 +=Ewald, Mutter Natur erzählt.= Gebunden | 4.80 | 3.60 +=Ewald, Der Zweifüssler.= Gebunden | 4.80 | 3.60 +=Ewald, Vier feine Freunde. Gebunden | 4.80 | 3.60 +=Fabre, J. H., Sternhimmel.= Gebunden | 4.80 | 3.60 +=Fabre, J. H., Bilder a. d. Insektenwelt.= I/II, | | + III/IV. 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40 +=Fabre, J. H., Blick ins Käferleben.= Broschiert | 1.-- | -.50 +=Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.= Gebunden |10.-- | 8.40 +=Floericke, Dr., Taschenbuch zum Vogelbestimmen.= Geb. | 3.80 | 2.90 +=Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.= Geb. | 3.80 | 2.90 +=Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.= Geb. | 3.80 | 2.90 +=Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.= Gebunden | 3.60 | 2.80 +=Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.= Kart. | 4.50 | 1.70 +=Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.= Brosch. | 1.-- | -.50 +=Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.= Geb. | 4.50 | 3.50 +=Leben der Pflanze.= Bd. I, II, III, IV, V, VI, | | +VII, VIII, geb. je |15.- |13.50 +=Lindemann, Die Erde.= Bd. I Gebunden | 9.-- | 8.-- +=Lindemann, Die Erde.= Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.-- +=Meyer, Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.= Geb. | 3.-- | 1.90 +=Monographien unserer Haustiere= Bd. I Schumann, | | + Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | | + Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn à | 1.40 | 1.05 +=Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.= Gebunden | 13.60 |12.20 +=Schrader, Liebesleben der Tiere.= Broschiert | 1.40 | 1.10 +=Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.= Bd. I geb.| 4.20 | 3.60 +=Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.= Bd. II geb| 3.80 | 3.30 +=Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.= Gebunden | 1.50 | 1.25 +=Stevens, Frank. Ausflüge ins Ameisenreich.= Geb. | 2.50 | 1.85 +=Stevens, Frank. Die Reise ins Bienenland.= Geb. | 2.50 | 1.85 +=Strandbüchlein.= Gebunden | 1.25 | 1.-- +=Stridde, Allgemeine Zoologie.= Gebunden | 7.-- | 6.20 +=Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.= Geb. | 4.80 | 3.60 +=Thompson, Prärietiere und ihre Schicksale.= Fein geb. | 4.80 | 3.60 +=Thompson, Tierhelden.= Fein gebunden | 4.80 | 3.60 +=Wurm, Waldgeheimnisse.= Gebunden | 4.80 | 3.60 + +und zahlreiche andere Werke mehr. + + + + + Die ordentlichen Veröffentlichungen + +früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu +Ausnahmepreisen: + + +:1904: + +(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder +M 5.--). geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40) + + Bölsche, W., Abstammung des Menschen. + Meyer (Urania), Weltuntergang. + Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig? + Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung. + +:1905: :1906: + +(Handweiser vergriffen) je für M 4.-- (Preis für Nichtmitgl. M 5.--), +geb. für M 6.75 (für Nichtmitgl. M 9.--) + + Bölsche, W., Stammbaum der Tiere. + Welten, Die Sinne der Pflanzen. + Zell, Dr. Th., Tierfabeln. + Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. + Meyer (Urania), Sonne und Sterne. + Welten, Wie die Pflanzen lieben. + Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole. + Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt. + Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald. + Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes. + +:1907: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Kuhlmann, Wunderwelt d. Wassertropfens. + Zell, Dr. Th., Straußenpolitik. + Meyer Dr. M. W., Kometen u. Meteore. + Teichmann, Fortpflanzung u. Zeugung. + Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen + Waldes. + +:1908: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Meyer, Dr. M. W., Erdbeben u. Vulkane. + Teichmann, Dr. E., Die Vererbung. + Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat. + Dekker, Naturgeschichte des Kindes. + Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes. + +:1909: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Unruh, Leben mit Tieren. + Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond. + Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. + Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl. + Bölsche, Wilh., Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium. + +:1910: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift. + Dekker, Fühlen und Hören. + Meyer, Welt der Planeten. + Floericke, Säugetiere fremder Länder. + Weule, Kultur der Kulturlosen. + +:1911: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Koelsch, Durch Heide und Moor. + Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken. + Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. + Floericke, Vögel fremder Länder. + Weule, Kulturelemente der Menschheit. + +:1912: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? + Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand. + Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche. + Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. + Koelsch, Würger im Pflanzenreich. + +:1913: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden +für 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + Bölsche, Festländer und Meere. + Floericke, Einheimische Fische. + Koelsch, Der blühende See. + Zart, Bausteine des Weltalls. + Dekker. Vom sieghaften Zellenstaat. + +:1914: :1915: + +ungebd. zusammen M 4.80 (für Nichtmitgl. M 7.80) und gebunden für M +8.40 (für Nichtmitgl. M 13.--) + + Bölsche, Wilh., Tierwanderg. i. d. Urwelt. + Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische. + Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. + Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße. + Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie. + Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. + Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter. + Weule, Prof. Dr. K., V. Kerbstock z. Alphab. + Müller, Alfr. Leop., Gedächtn. u. s. Pflege. + Besser, H., Raubw. u. Dickhäut. i. D.-Ostaf. + + +_Allen Jahrgängen außer 1904-1906 werden die 12 Hefte des betr. +Handweiser-Jahrg. beigefügt._ + +Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige +Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. für M 46.-- (Preis +für Nichtmitgl. 85.20), geb. (auch Handw.) für M 73.-- (Preis für +Nichtmitgl. 143.40) =auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen=. + + + + +Beitrittserklärung. + +Senden Sie diese Karte an Ihre Sortimentsbuchhandlung. =Nur wenn +dieser Bezugsweg auf Schwierigkeiten stößt=, belieben Sie sich +unmittelbar an die Geschäftsstelle des Kosmos, Stuttgart, Pfizerstr. 5, +zu wenden. + + +Der Unterzeichnete tritt dem Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, +Stuttgart, bei, ersucht um seine Mitgliedskarte u. erhält jeweils nach +Erscheinen kostenlos: + +[Illustration] + +=Jahrgang 1916=: Halbjahresbeitrag M 2.40, zuzüglich 10 Pf. +Bestellgeld, etwaiges Porto extra, zahlbar am Anfang des Halbjahres. Es +wird dafür jährlich geliefert: + + I. Kosmos-Handweiser für Naturfreunde + + Erscheint 12mal im Jahr. + + II. Ordentliche Veröffentlichungen 1916 + +Floericke, Reise in Bulgarien. Boelsche, Stammbaum der Insekten. +Dekker, Heilen und Helfen. Besser, Affen, Antilopen und Schlangen +Deutsch-Ostafrikas. Weule, Die Sprache. + +_Reihenfolge und Änderungen vorbehalten._ + +Ort, Name und genaue Adresse: + + Wenn gebunden + gewünscht, hier + _anzustreichen_ + + Ich wünsche die Ordentlichen Veröffentlichungen 1916 + in fünf Bänden gebunden (Ausgabe B) zu erhalten + gegen einen Aufschlag von 55 Pfennig für den Band. + + + + + _Bücher-Zettel_ + + ............................ + . Mit 3 Pf. oder . + . 3 Hell. zu frankieren, . + . wenn außer d. . + . Unterschrift kein Zusatz . + . beigesetzt wird. . + ............................ + + + _An die_ + + _Buchhandlung von_ ___________________________ + + + =========================== + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 *** diff --git a/75805-h/75805-h.htm b/75805-h/75805-h.htm new file mode 100644 index 0000000..af1290b --- /dev/null +++ b/75805-h/75805-h.htm @@ -0,0 +1,3919 @@ +<!DOCTYPE html> +<html lang="de"> +<head> + <meta charset="UTF-8"> + <title> + Raubwild U. Dickhäuter In Deutsch-ostafrika von Hans Besser | Project Gutenberg + </title> + <link rel="icon" href="images/cover.jpg" type="image/x-cover"> + <style> + +body { + margin-left: 10%; + margin-right: 10%;} + + h1,h2,h3,h4 { + text-align: center; + clear: both;} + + h1,h2,h3 { + margin-top: 1.5em;} + +h1 { font-size: 220%} +h2, .s2 { font-size: 175%} +h3, .s3 { font-size: 125%} +h4,.s4 { font-size: 110%} +.s5 { font-size: 75%} +.s4a { font-size: 76%} + +p { text-indent: 1em; + margin-top: .51em; + text-align: justify; + margin-bottom: .49em;} + +.p0 {text-indent: 0em;} +.p2 {margin-top: 2em;} +.p4 {margin-top: 4em;} + +hr { + width: 33%; + margin-top: 2em; + margin-bottom: 2em; + margin-left: 33.5%; + margin-right: 33.5%; + clear: both;} + +hr.chap {width: 65%; margin-left: 17.5%; margin-right: 17.5%;} +@media print { hr.chap {display: none; visibility: hidden;} } +hr.full {width: 95%; margin-left: 2.5%; margin-right: 2.5%; border: 2px solid;} + +hr.r5 {width: 5%; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em; margin-left: 47.5%; margin-right: 47.5%;} +hr.r65 {width: 65%; margin-top: 3em; margin-bottom: 3em; margin-left: 17.5%; margin-right: 17.5%; +border: 2px; border-color: black;} + +div.chapter { + page-break-before: always;} + +h2.nobreak { + page-break-before: always;} +table { + margin-left: auto; + margin-right: auto; + width: 95%;} + +table.autotable { + border-collapse: collapse; } +table.autotable td, +table.autotable { padding: 0.25em; } + +.tdl {text-align: left;} +.tdr {text-align: right;} + +.pagenum { /* uncomment the next line for invisible page numbers */ + /* visibility: hidden; */ + position: absolute; + left: 92%; + font-size: small; + text-align: right; + font-style: normal; + font-weight: normal; + font-variant: normal; + text-indent: 0;} + +.blockquot { + margin-left: 5%; + margin-right: 10%;} + +p.drop { + margin-left: 10%; + text-indent: 0;} + +p.drop:first-letter { + float: left; + margin: 0.15em 0.1em 0em 0em; + font-size: 250%; + line-height:0.85em;} + +.bbox {border: 2px solid; padding: 1em; + page-break-before: avoid; + page-break-after: avoid; } + +.center {text-align: center;} + +.right {text-align: right;} + +.mright3 {text-align: right; + margin-right: 3em;} + +.mleft4 {text-align: left; + margin-left: 4em;} + +.hang { + margin-left: 2em; + text-indent: -2em; } + +p.floatleft { + width: auto; + float: left; + text-indent: 0; + border: 1px solid; + margin-top: 0; + margin-right: 0.3em } + +p.floatright { + width: auto; + float: right; + text-indent: 0; + border: 1px solid; + margin-top: 0; + margin-left: 0.3em } + +.gesperrt { + letter-spacing: 0.2em; + margin-right: -0.2em;} + +em.gesperrt{ font-style: normal;} + +.antiqua { font-style: italic;} + +.caption {font-weight: bold;} + +/* Images */ + +img { + max-width: 100%; + height: auto;} + +img.w100 {width: 100%;} + +.figcenter { + margin: auto; + text-align: center; + page-break-inside: avoid; + max-width: 100%;} + +/* Footnotes */ +.footnotes {border: 1px dashed;} + +.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;} + +.footnote .label {position: absolute; right: 84%; text-align: right;} + +.fnanchor { + vertical-align: super; + font-size: .8em; + text-decoration: + none;} + +/* Transcriber's notes */ +.transnote {background-color: #E6E6FA; + color: black; + font-size:small; + padding:0.5em; + margin-bottom:5em; + font-family:sans-serif, serif; +} + +/* Illustration classes */ +.illowe100 {width: 100em;} +.illowe62_5 {width: 62.5em;} +.illowe75_6875 {width: 75.6875em;} +.illowe8_1875 {width: 8.1875em;} +.illowp100 {width: 100%;} +.illowp37 {width: 37%;} +.x-ebookmaker .illowp37 {width: 100%;} +.illowp43 {width: 43%;} +.x-ebookmaker .illowp43 {width: 100%;} +.illowp52 {width: 52%;} +.x-ebookmaker .illowp52 {width: 100%;} +.illowp54 {width: 54%;} +.x-ebookmaker .illowp54 {width: 100%;} +.illowp70 {width: 70%;} +.x-ebookmaker .illowp70 {width: 100%;} +.illowp72 {width: 72%;} +.x-ebookmaker .illowp72 {width: 100%;} +.illowp75 {width: 75%;} +.x-ebookmaker .illowp75 {width: 100%;} +.illowp89 {width: 89%;} +.x-ebookmaker .illowp89 {width: 100%;} +.illowp90 {width: 90%;} +.x-ebookmaker .illowp90 {width: 100%;} +.illowp91 {width: 91%;} +.x-ebookmaker .illowp91 {width: 100%;} +.illowp96 {width: 96%;} +.x-ebookmaker .illowp96 {width: 100%;} +.illowp99 {width: 99%;} +.x-ebookmaker .illowp99 {width: 100%;} + + </style> +</head> +<body> +<div style='text-align:center'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 ***</div> + +<div class="transnote"> +<p class="s3 center">Anmerkungen zur Transkription</p> +<p class="p0">Das Original ist in Fraktur gesetzt. Schreibweise und +Interpunktion des Originaltextes wurde übernommen; lediglich +offensichtliche Druckfehler sind stillschweigend korrigiert worden.</p> +<p class="p0">Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter erstellt.</p> +<p class="p0">Worte in Antiquaschrift sind "<i>kursiv</i>" dargestellt</p>. +</div> + +<figure class="figcenter illowe100" id="cover"> + <img class="w100" src="images/cover.jpg" alt=""> +</figure> + +<hr class="r65"> + +<figure class="figcenter illowe62_5" id="illu-001"> + <img class="w100" src="images/illu-001.jpg" alt="deckblatt"> +</figure> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<h2>Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart</h2> +</div> + +<p>Die Gesellschaft Kosmos bezweckt die Kenntnis der Naturwissenschaften +und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer +Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten. +— Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter +naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen durch den</p> + +<p class="s3 center"><b>Kosmos</b>, Handweiser für Naturfreunde</p><br> +<p class="center">Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;</p><br> + +<p>ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten +Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es +erscheinen im Vereinsjahr 1916 (Änderungen vorbehalten):</p><br> + +<p class="s4"><b>Wilh. Bölsche, Der Stammbaum der Insekten.</b></p> +<p class="mleft4">Reich illustriert. Geheftet M 1.—</p> + +<p class="s4"><b>Dr. Kurt Floericke, Reisen in Bulgarien.</b></p> +<p class="mleft4">Reich illustriert. Geheftet M 1.—</p> + +<p class="s4"><b>Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.</b></p> +<p class="mleft4">Reich illustriert. Geheftet M 1.—</p> + +<p class="s4"><b>Hans Besser, Affen, Antilopen und Schlangen Deutsch-Ostafrikas.</b></p> +<p class="mleft4">Reich illustriert. Geh. M 1.—</p> + +<p class="s4"><b>Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.</b></p> +<p class="mleft4">Reich illustriert. Geh. M 1.—</p><br> + +<p>Diese Veröffentlichungen sind durch <em class="gesperrt">alle Buchhandlungen</em> zu +beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur +M 4.80) zum <b>Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde</b> (auch +nachträglich noch für die Jahre 1904/15 unter den gleichen günstigen +Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der +erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) Der Kosmos +kann während des Krieges auch 1/2jährlich zum Preise von M 2.40 mit +Buchbeilagen bezogen werden.</p> +<p class="p2">Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.</p><br> + +<hr class="r5"> + +<h1><b>Raubwild</b> und <b>Dickhäuter</b><br> +in Deutsch-Ostafrika</h1><br> + +<p class="s4 center">Von</p><br> + +<p class="s2 center"><b>Hans Besser</b></p><br> + +<p class="s5 center">Mit zahlreichen Abbildungen nach Original-<br> +aufnahmen des Verfassers, nach Zeichnungen von<br> +Prof. Wagner und R. Oeffinger, einem Kärtchen und<br> +einem farbigen Umschlagbild, gez. von M. Zimmer.</p><br> + +<figure class="figcenter illowe8_1875" id="illu-005"> + <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="signet"> +</figure> + +<p class="p4 s4 center">Stuttgart</p> +<p class="s4 center">Kosmos: Gesellschaft der Naturfreunde<br> +Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung</p> +<p class="s4 center">1915</p><br> + +<p class="s5 center">Alle Rechte, besonders das Uebersetzungsrecht, vorbehalten.</p><br> + +<p class="s5 center"><span class="antiqua">Copyright 1915 by<br> +Franckh'sche Verlagshandlung<br> +Stuttgart</span></p><br> + +<p class="s5 center"><span class="antiqua">STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI<br> +HOLZINGER & Co., STUTTGART</span></p><br> + +<hr class="r5"> + +<h2>Inhaltsverzeichnis.</h2> + +<table class="autotable"> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdr">Seite</td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl">Vorwort</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_7">7</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl">Raubwild</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_8">8</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Löwen</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_8">8-23</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Leoparden</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_23">23-31</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Gefleckte Hyänen</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_32">32-35</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Schabrackenschakale</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_35">35-39</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Wilde Hunde (Hyänenhunde)</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_39">39-46</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl">Dickhäuter</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_47">47-82</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Durch ein Dickhäuter-Eldorado</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_48">48-66</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Flußpferde</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_66">66-82</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 4em;"><span class="antiqua">a</span>) Die Jagd der Eingeborenen auf +Flußpferde auf dem Njassasee</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_68">68-73</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 4em;"><span class="antiqua">b</span>) Flußpferde im Rikwasee</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_73">73-78</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl" style="padding-left: 4em;"><span class="antiqua">c</span>) Der alte Gomerobulle</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_78">78-82</a></td> +</tr> +<tr> +<td class="tdl"></td> +<td class="tdl">Auf Elefantenfährte</td> +<td class="tdr"><a href="#Seite_82">82-92</a></td> +</tr> +</table> + +<hr class="r5"> +<p><span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span></p> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="Vorwort">Vorwort.</h2> +</div> + +<p>Auf Wanderungen durch unsere zoologischen Gärten sieht man das Wild +stets auf engem Raum eingepfercht, man kann sich daher auch keinen +rechten Begriff davon machen, wie es sich in der Natur verhält. +Bahnbrechend hat Hagenbeck in Stellingen sich bemüht, einzelne +Wildarten durch getreue Nachbildung der Natur in ihrer eigentlichen +Umgebung zu zeigen, und viele Tiergärten folgen seitdem seinem Beispiel +in dankenswertester Weise.</p> + +<p>Ist dadurch auch ein großer Schritt vorwärts getan, dem Beschauer die +Wirklichkeit nahezuführen, so verhalten sich naturgemäß die Tiere, +die an den Umgang mit Menschen gewöhnt wurden, wesentlich anders als +in ihrer Heimat, wo sie, sei es auf dem Weidegang oder der Jagd nach +Beute, ihrem Instinkt folgend, Eigenschaften entwickeln, die in der +Gefangenschaft nutzlos sind und darum verkümmern oder nicht ausgebildet +werden.</p> + +<p>Durch vierzehnjährigen Aufenthalt in Deutsch-Ostafrika war es mir +vergönnt, das Wild in seiner natürlichen Lebensweise zu beobachten. +Kamera und Büchse begleiteten mich auf allen meinen Wanderungen. Aus +der Fülle des Geschauten und Erlebten sollen nun hier eine Reihe Bilder +vorgeführt werden, die zum Verständnis unserer schönen Kolonie auch auf +diesem Gebiet beitragen möchten.</p> + +<p>Wenn ich in meinen Ausführungen auf das Verhalten der einzelnen +Wildarten näher einging, so bitte ich diese Skizzierung nicht als +absolute Regel zu betrachten, sondern lediglich als Erfahrung, die ich +mit der betreffenden Wildart machte.</p> + +<p>Leider sind mir eine große Anzahl Platten, die zur größeren +Verständlichmachung hätten dienen können, im Laufe der Zeit verdorben. +Bis auf die mir freundlichst zur Verfügung gestellten Bilder, die durch +namentliche Bekanntgabe der Hersteller gekennzeichnet sind, sind alle +übrigen von mir gefertigte Originalaufnahmen.</p> + +<p class="mleft4"><em class="gesperrt">Radebeul</em>, im Herbst 1915.</p> +<p class="s3 mright3"> <b>Hans Besser.</b></p><br> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span></p> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<figure class="figcenter illowe75_6875" id="illu-010"> + <img class="w100" src="images/illu-010.jpg" alt=""> +</figure> + +<h2 class="nobreak" id="Raubwild"><b>Raubwild.</b><br> +<span class="s4a">Löwen<span class="s5 antiqua"> (Felis leo somaliensis Noak).</span></span></h2> +</div> + +<p>Als »König der Tiere« wird uns der Löwe in der Fabel dargestellt, und +dieser Begriff ist uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß +man die gewaltige Katze im Tiergarten oder in der Menagerie stets +mit besonderer Andacht bestaunt. Einen ganz anderen Eindruck bekommt +man aber, wenn man diesem großen Räuber in der Natur begegnet. Seine +außerordentliche Muskelkraft wendet er nur an, um harmlose Opfer aus +dem Hinterhalt zu überfallen. Durch Wucht des vorgeschnellten Körpers +und das gewaltige Gebiß, unterstützt durch den Schreck des plötzlichen +Ansprungs, macht er seine Beute wehrlos. Wird er aber vorher bemerkt, +so schleicht er feige davon. So zahlreich die Löwen auch in unserer +Kolonie noch sind, ist es doch vielen eingewanderten Weißen nicht +vergönnt, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen. Es gibt Europäer, die +jahrzehntelang im Lande sind und von Löwen weiter nichts zu spüren +bekommen, als das nächtliche Gebrüll und die Nachrichten, daß da und +dort Menschen geraubt und Vieh den Löwen zum Opfer gefallen sei.</p> + +<p>Auch mir ging es anfangs nicht besser. Drei Jahre war ich bereits in +Deutsch-Ostafrika, als ich meinen ersten Löwen sah. Es war auf einer +Pflanzung in Lindi (s. Abb. 1), wo ich als Gast weilte. Gegen zwölf Uhr +mittags wurde ich durch die Pflanzung geführt.<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> Um von einer Stelle +einen guten Überblick über die Pflanzung zu haben, erstiegen wir einen +kleinen Hügel. Noch waren wir nicht ganz oben, da wurde uns doch etwas +beklommen zumute, als von der entgegengesetzten Seite her ein alter +Mähnenlöwe auf der Bildfläche erschien und auf dreißig Meter uns +gegenüberstand.</p> + +<figure class="figcenter illowp72" id="illu-011" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-011.jpg" alt="Reliefkarte"> +</figure> + +<p>Erst sah der Löwe recht stattlich und achtunggebietend aus, wie er +steifbeinig mit erhobenem Haupt langsam auf uns zuschritt. Sobald er +uns aber wahrgenommen hatte, kroch er in sich zusammen, legte sich +nieder und ließ nur seine Schwanzquaste kreisen. Immer den Blick auf +uns gerichtet, kroch er rückwärts, ganz mit dem Gebaren einer beim +Wildern ertappten Hauskatze. Als er mit halbem Körper auf abschüssigem +Gelände angelangt war, warf er sich mit<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> gewaltigem Satz herum und +ging in langen Fluchten<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> ab, bis er im hohen Grase für unser Auge +verschwunden war. Gewehre hatten wir nicht zur Hand, und mein Begleiter +versicherte mir, es wäre aussichtslos, die Waffen holen zu lassen und +nachzupirschen.</p> + +<p>Diese Art, sich zu drücken, habe ich noch häufig bei Löwen angetroffen, +wenn ich unbewaffnet auf sie stieß. Auch Eingeborene versicherten mir +häufig, solange Löwen keine »Menschenfresser« wären, gingen sie den +Menschen aus dem Wege.</p> + +<p>Nach einiger Zeit glückte es mir auch, meinen ersten Löwen zu schießen. +Eine Rotte Warzenschweine (<span class="antiqua">Phacochoerus africanus Lm.</span>), an +die ich mich anpirschte, wühlte harmlos nach Wurzeln. Unweit davon +weideten Zebras (<span class="antiqua">Equus quagga boehmi Mtsch.</span>). Plötzlich fingen +die Zebras an zu wiehern und marschierten in einer Richtung auf. Ich +glaubte mich schon gesehen, merkte aber, daß alle seitwärts an mir +vorbeisahen. Lange konnte ich nichts entdecken, bis ich einen Löwen +etwa 60 Meter neben mir sah, der offenbar die Warzenschweine beschlich. +Gutes Schußfeld hatte ich nicht, da mich niedriges Gestrüpp nur Teile +des Löwen sehen ließ. Der Eingeborene, der mich begleitete, riet mir, +nicht zu schießen, erst wenn der Löwe ein Warzenschwein geschlagen +hätte, wäre der richtige Augenblick dazu. Warzenschwein und Zebra wären +diejenigen Leckerbissen, die der Löwe nicht im Stiche ließe. Bald +hatte der Löwe den Rand der Lichtung erreicht. Die Zebras schnaubten, +und einige stampften einen Schritt näher kommend mit dem Hufe. Zehn +Meter vom Löwen auf die Richtung der Schweine zu lag ein entwurzelter +Baumstamm, dessen Äste bis auf das starke Stammstück beim letzten +Grasbrand verbrannt waren und sich nur durch weiße Aschestreifen +abhoben. Durch leichtes Traben überwand der Löwe, den ich jetzt als +Löwin erkannte, die Stelle bis zum Wurzelstock des liegenden Baumes, an +den er sich anpreßte und zu Boden duckte. Ich war jetzt neugierig, was +weiter geschehen würde.</p> + +<p>Am Boden liegend, schob sich nun der Löwe dicht am Stamm entlang. Ich +sah durchs Glas, wie sich die einzelnen Muskelpartien<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> spannten und +wieder in Ruhe übergingen. Als er in der Mitte des Stammes ankommt, +löst sich plötzlich mit vernehmbarem Geräusch ein großes Rindenstück +des Stammes. Alle Sauen werfen die Köpfe hoch, und ein alter Keiler und +eine Sau machten einige Schritte auf das Geräusch zu. Unbeweglich lag +die Löwin. Die Sauen fingen wieder an zu wühlen, nur der Keiler trug +noch den Kopf aufrecht und suchte durch Schnüffeln in der Luft Wind zu +nehmen. Verstohlen nahm ich eine Prise Staub auf und prüfte den Wind. +Die Löwin hatte alle Vorteile für sich. Beruhigt fing nun auch der +Keiler wieder an, seine Aufmerksamkeit der Äsung zu widmen, und schob +sich dabei zwischen den Sauen durch.</p> + +<p>Die Löwin war jetzt am Ende des Stammes, und ich erwartete jeden +Augenblick den Sprung. Dreißig Meter war sie noch von ihren Opfern +getrennt. Jetzt zog sich die Vorderpartie auf die hintere krampfhaft +zurück, und pfeilschnell schoß der Löwe in drei bis vier Sätzen dicht +über der Erde auf die Schweine. Als er zwischen diesen war, sah das +Arbeiten der Vorderpranken genau so aus, als ob eine Katze einen Hund +ohrfeigt. Quiekend und grunzend stoben die Warzenschweine auseinander +und preschten auf mich zu. Zu gleicher Zeit polterten die Zebras davon. +Die Löwin glotzte ihnen dumm nach, sie war erfolglos gewesen. Spitz zu +mir stehend, ließ ich nun auf den Stich (die Vertiefung vorn an der +Brust zwischen den Schulterblättern) der Löwin fliegen. Ohne einen Laut +auszustoßen, brach sie zusammen. Die Schweine, die merkwürdigerweise +mit dem Wind liefen, standen nur 20 Meter seitlich von mir. Erst als +ich mich aufrichtete, trollten sie weiter. Auf einmal schienen sie Wind +von mir oder der Löwin zu haben, und in voller Flucht rasten sie davon, +ohne noch einmal zu verhoffen.<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a></p> + +<p>Von der königlichen Seite haben sich mir aber die Löwen, wie schon +eingangs erwähnt, bis jetzt noch nicht gezeigt, obgleich ich im +Laufe von 14 Jahren bereits 16 Stück auf freier Wildbahn zur Strecke +gebracht und sehr viele gesehen habe. Wie leicht sie zu vertreiben +sind, ist aus folgender Begebenheit ersichtlich. Ich hielt mir +seit längerem eine Meute deutscher Doggen. Da ich der Erste im +Langenburger Bezirk war, der diese große Hunderasse einführte,<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span> +erregten meine Hunde bei den Eingeborenen naturgemäß großes Staunen, +das sich auch auf ihre Pariahunde ausdehnte, die, sobald meine Hunde +auftauchten, mit eingeklemmter Rute und krummem Buckel heulend oder +lautlos davonschlichen. Nun mögen wohl in der Übertreibung der Neger +meine Hunde noch gewachsen sein (mein größter hatte 86 <span class="antiqua">cm</span> +Schulterstandmaß), wenn sie anderen Dorfgenossen davon erzählten.</p> + +<p>Eines Tages teilte mir ein durchaus glaubwürdiger Europäer mit, in +Mapunga sei eine alte Frau mehrmals von einem Löwen aus ihrer Hütte, +die offen stand, gezerrt worden. In der Annahme, es wäre einer meiner +sagenhaften Hunde, habe sie dem Löwen mit der Faust ins Gesicht +geschlagen, und dieser habe sie darauf losgelassen. Eben in der Hütte +angekommen, hätte der Löwe sie zum zweiten Male gepackt und nach +einigen Faustschlägen sie wieder losgelassen. Als der Löwe sie zum +dritten Male habe packen wollen, wäre auf ihre vorherigen Hilferufe ihr +Mann erschienen, habe einen Mörserstempel ergriffen und dem Löwen einen +Schlag versetzt. Dieser sei sofort flüchtig geworden und wäre nicht +wieder gekommen. Ich suchte nach einigen Wochen die alten Neger auf. +Die Frau hatte am linken Oberarm und der Schulter vernarbte Bißwunden, +und ihr Arm war skelettartig dünn geworden.</p> + +<p>Derselbe Europäer erzählte mir auch, er habe am Tage gesehen, wie drei +alte, magere Kühe einen Löwen in die Flucht geschlagen hätten und mit +steil hochgerichtetem Wedel hinter dem Löwen hergaloppiert wären.</p> + +<p>Ein Australier, der aus Südafrika kam und dem ich den Fall erzählte, +behauptete, einer seiner Freunde am Zambesi ließe sich immer, wenn +er einen Löwen angeschweißt, d. h. angeschossen hätte und die Folge +im hohen Grase für ihn zu gewagt sei, eine Herde Rinder kommen. Die +Rinder, auf der Schweißfährte entlang getrieben, verfolgten den Löwen +sofort und drückten ihn aus dem Grase heraus, ohne daß er daran dächte, +sich zur Wehr zu setzen.</p> + +<p>Um es praktisch auszuprobieren, hatte ich keine Gelegenheit. Im +allgemeinen fällt der Löwe auf guten Schuß leichter als verschiedene +Antilopenarten, und in den wenigen Fällen, wo ich angeschweißte Löwen +wegen hohem, dichtem Gestrüpp nicht angehen konnte, waren weder +europäische noch eingeborene Viehbesitzer in erreichbarer Nähe, die mir +etwa ihre Rinder geliehen hätten.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span></p> + +<p>Im August 1904 kam ich erstmals nach Irongo in Ussangu, der Residenz +des Sultans Kahemere. Die Hütten sind hier in sog. Tembenform gebaut, +d. h. Hütte ist von Hütte nur durch eine Zwischenwand getrennt. Die +Bedachung ist flach. Die Dachbalkenlage wird mit Schilf, Gras und einer +dicken Lehmauflage überdeckt und bietet vortrefflichen Schutz gegen +Sonne und Hitze. Starker Regen kann jedoch hindurchdringen, namentlich, +wenn der Regen nach einigen trockenen Tagen einsetzt, und der Lehmbelag +sich noch nicht voll Wasser gesogen hat.</p> + +<p>Die ganze Dorfanlage weist die Form eines Vierecks auf, mit etwa +sechshundert Meter langen Seitenwänden. Durch zerfallene Hütten sind +überall Zwischenräume vorhanden. Sonst sind in der Anlage nur zwei +Eingänge vorgesehen, die abends mit Dornen verbarrikadiert werden. In +der Mitte des großen Platzes wohnt in einer besonderen Umzäunung der +Sultan mit einem Teil seines Harems. Kahemere besaß einige dreißig +Frauen. Morgens und abends hält sich das Vieh, vorwiegend Rinder, im +Tembenhofe auf, ehe es auf die Weide geht oder bevor es abends in die +Stallungen, die zugleich als Wohnraum dienen, gebracht wird.</p> + +<p>Unter einem schattigen Baume dieses Hofes schlug ich mein Zelt auf. Ich +saß etwas sehr auf dem Präsentierteller, und jede meiner Hantierungen +wurde von zahlreichen Zuschauern männlichen und weiblichen Geschlechts +bekrittelt. Um meine Zelttüre ganz zu schließen, war es zu heiß. +Fortwährend mußte ich auf den Gruß von Ankommenden »adje, senga« mit +»adje« antworten. Da ich die Kissangusprache nicht verstand, fragte +ich später einen Missionar, was »adje, senga« eigentlich bedeute. +Er antwortete mir kurz »guten Tag, Rindvieh«. Allerdings spielt das +Rindvieh dort eine so große, fast geheiligte Rolle, daß das Prädikat +»Rindvieh« beim Gruß eine Ehrung bedeutete, auf die nur der Sultan und +seine Familienmitglieder Anwartschaft hatten.</p> + +<p>Infolge des engen Zusammenwohnens in den Temben, wo jeder seinem +Nachbar in die Töpfe gucken konnte und eine etwas laute Unterhaltung, +nur für engsten Familienkreis bestimmt, bis in die dritte Hütte hörbar +war, stand die Moral dieser Neger nicht auf einer hohen Stufe.</p> + +<p>Die Hitze ließ auch in der Nacht nicht nach, und als ich eine Weile +bei geschlossenen Zeltwänden gelegen hatte und in Schweiß<span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span> gebadet +war, ließ ich die Wände öffnen, damit die Luft durchziehen konnte. In +der zweiten Nacht wurde ich geweckt durch fortwährendes Kläffen und +Herumjagen meiner Hunde ums Zelt, wobei dieses fortgesetzt erbebte, +da die Jagd über die Spannleinen ging, über die die Hunde stolperten. +Da die Hunde sonst guten Appell (Gehorsam) hatten und diesmal auf +Pfeifen nicht folgten, stand ich auf und machte Licht. Aus dem +Zelt heraustretend, sah ich noch einige Schatten in der Dunkelheit +verschwinden, hinter denen meine Hunde herjagten. Ich dachte mir, +es werden gefleckte Hyänen sein, und legte mich beruhigt nieder. An +das Herumjagen der Hyänen mit den Hunden war ich gewöhnt, den Hunden +geschah dabei nichts, denn es war mehr Spielerei von beiden Seiten. +Sättel, Stiefel und sonstiges Lederzeug, das Hyänen gern verschleppen, +war durch die Anwesenheit der Hunde gesichert, und ruhig schlief ich +bis zum Morgen. Als mir mein Boy den Kakao brachte, sagte er, es sind +heute nacht Löwen dagewesen. Richtig! um mein Zelt, das Küchenzelt, +und quer über den Tembenhof führten Löwenspuren. Deutlich waren solche +von alten und jungen Tieren zu unterscheiden. Brüllen hatte ich ja +Löwen an beiden Tagen gehört, aber es ist so etwas Alltägliches, daß +man keine Notiz davon nimmt. Ich sprach dann mit dem Sultan Kahemere +über die nächtliche Löwenanwesenheit. Mit Gleichmut erzählte er mir: Im +Dorfe Mapunga sind in den letzten zwei Monaten 13 Personen von Löwen +geholt worden. Die Leute sind dann auf die andere Seite des Flusses +verzogen und ließen ihr altes Dorf im Stich, weil es von einem bösen +Geist verzaubert wäre, der die Löwen gerufen hätte. Jetzt wären auch +hier allnächtliche Löweneinbrüche an der Tagesordnung. Eben habe er +Nachricht bekommen, daß heute nacht die Löwen, ehe sie in seine Tembe +kamen, unweit eine Kuh aus einer Hütte geholt hätten.</p> + +<p>Sofort wollte ich mich bei den Überresten der Kuh ansetzen. Kahemere +meinte aber: es waren mehrere Löwen, von der Kuh ist nichts mehr da, +vielleicht haben auch Hyänen die Knochenreste verschleppt. Aussicht, +die Löwen zu beschießen, wäre aber auf dem Wege nach Utengule, wo sie +morgens immer vorbeikämen. Einer seiner Leute, der dort sein Gehöft +hätte, sähe sie immer.</p> + +<p>Ich fragte den Sultan, ob es nicht möglich wäre, daß mir die Leute +nachts Nachricht gäben, wenn die Löwen einbrächen. Er versprach<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> mir, +seinen Leuten zu befehlen, daß sie — wegen der Löwengefahr — zu dritt +bei einem Einbruch kämen und mich wecken sollten. Kahemere betonte +aber nochmals, daß ich am bequemsten auf dem Wege nach Utengule zum +Schuß käme, und bezeichnete mir die Stelle, die ich vom Zelt aus wählen +sollte.</p> + +<p>In der folgenden Nacht schlief ich mit offenen Ohren. Gegen fünf Uhr +früh hörte ich Schreien von Eingeborenen. Ich warf mich in die Kleider +und war gerade fertig, als Kahemere, mit seinem Gewehr in der Hand, +selbst zu mir kommt und mich aufklärt, daß das Schreien der Leute, das +ich gehört hätte, die zweite Abwehr eines Einbruchsversuches der Löwen +gewesen wäre. Vorher hätten die Leute weiter hinten den Löwen durch +Schreien verjagt.</p> + +<p>Schnell gingen wir an den Utenguleweg. Es war noch reichlich dunkel und +kaum möglich, Ziel zu nehmen. Kaum hockten wir hinter einem kleinen +Dornbusch, so kamen die Löwen an. Vornweg eine alte Löwin, dann +ein Mähnenlöwe, die anderen konnte ich in der Eile nicht erkennen. +Eingedenk der von Europäern und Eingeborenen erhaltenen Warnung, daß +stets die Löwin angriffe, wenn der Löwe beschossen würde, der Löwe +selbst aber feige sei, gab ich zwei Schüsse auf die vorderste Löwin +ab. Sie lag im Feuer (Abb. 2) und hätte wohl am ersten Schusse genug +gehabt, aber da ich auf nur dreißig Meter geschossen hatte, schien mir +ein Doppelschuß sicherer. Rasch drückte ich zwei Patronen ins Magazin, +um dieses wieder voll zu haben. Die Löwen verhofften einen Augenblick, +und gerade, als ich das Gewehr wieder anschlug, sprangen alle seitlich +ins hohe Gras und waren verschwunden, ehe ich schießen konnte. Neben +dem Mähnenlöwen sah ich noch eine alte Löwin und zwei junge, fast +ausgewachsene Löwen.</p> + +<p>Obwohl ich nicht daran glaubte, daß die Löwen noch einmal wiederkommen +könnten, ließ ich mir am Tage Dornenäste bereitlegen und begab mich +um drei Uhr morgens wieder an den Utenguleweg, wo ich mich mit zwei +Boys in den Dornen einbauen ließ. Wenn es hell wurde, sollten meine +Leute wiederkommen und den Dornenkral öffnen. Wir warteten vergeblich +auf die Löwen. Es wurde hell, und schon hörten wir die Leute, die uns +aus unserer Umzäunung holen sollten, am Ausgange der Tembe sprechen. +Plötzlich verstummte das Gespräch. Ein Boy zupfte mich am Rocke, und +ich sehe die Löwin etwa fünfzehn Meter vor mir stehen. Die beiden<span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span> +jungen Löwen liefen nach, und nach einer Lücke von hundert Metern +folgte der Mähnenlöwe. Die Löwin aufs Ziel nehmend, ließ ich aufs Blatt +fliegen; sie brach sofort zusammen. Rasch schlug ich nun auf den Löwen +an, er kam in langen Fluchten (Sprüngen) auf mich zu. Gut vorhaltend, +gab ich meinen Schuß ab. Der Löwe wirbelte im Kreise herum und biß sich +in die Keule, ein Zeichen, daß ihn die Kugel leider dort getroffen +hatte. Dadurch, daß ich mein Gewehr an einer anderen Seite durch die +Dornenwand schieben mußte, verlor ich einige Augenblicke, und der Löwe +war inzwischen seitlich im hohen Grase verschwunden. Eine ganze Zeit +mußte ich noch warten, ehe meine Leute kamen. Durch das Schießen war +ihnen angst geworden vor den vielleicht nur verletzten Löwen, und wir +mußten alle drei rufen und pfeifen, bis sie uns aus unserem Dornenkäfig +befreiten.</p> + +<figure class="figcenter illowp90" id="illu-018" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-018.jpg" alt="Bild"> +</figure> + +<p>Zunächst besah ich mir die Löwin. Der aufs Blatt abgegebene Schuß war +ziemlich hoch in den Hals eingedrungen und hatte die<span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span> Wirbelsäule +zertrümmert. Bei einem Haar wäre sie überschossen gewesen. Mein Schuß +war also ein glücklicher Zufall insofern, als er etwas links ging. +Nun dem Löwen nach. Ich ließ mir erst meine Hunde, die ich nachts +angekettet hatte, holen. Es war ein mühsames Suchen, um die Fährte +halten zu können. Fußabdrücke waren in dem harten Boden nicht zu sehen, +und das Gras war von weidenden Kühen in allen Richtungen mit Gängen +versehen, so daß wir uns nur nach den spärlichen Schweißspritzern +richten konnten. Gegen acht Uhr mußten wir die Folge aufgeben. Auch die +Hunde konnten die Fährte nicht halten.</p> + +<p>Im Mai 1909 reiste ich von Kilossa über Iringa nach Langenburg. Am +großen Ruaha angekommen, machte ich nach Iringa den ersten Rasttag. +Gern hätte ich ein großes Kudu (<span class="antiqua">Strepsiceros strepsiceros Pall.</span>) +und ein kleines (<span class="antiqua">St. imberbis Blyth</span>) zur Strecke gebracht. Von +dieser Wildart hatte ich im Oktober 1908 mein erstes und einziges +erlegt und große Kudus bisher immer vergeblich gepirscht. Um den +Rasttag der Träger gut auszunützen — auch Fleisch war uns sehr +vonnöten —, brach ich am Morgen vor Tagesanbruch auf. Nicht ein Stück +Wild kam mir zu Gesicht, nachdem es heller geworden war. Da sehe ich +plötzlich in hundertfünfzig Meter Entfernung eine Löwin mit Jungem +auf mich zulaufen. Sie eräugt mich und ändert ihre Richtung. Schnell +springe ich etwa fünfzig Meter nach links vor, und sie geht an mir +auf hundert Meter vorüber. Einen Augenblick den Atem anhaltend, da +meine Lungen ausgepumpt waren und sich die Bewegungen dem Oberkörper +mitteilten, ließ ich fliegen. Auf dem Rücken liegend, schlug die +Löwin etwas mit den Pranken und miaute ganz leise. Das junge Tier +verkroch sich im Gras. Gleich nach meinem Schuß nahm ich schleunigst +Rückendeckung, denn mindestens sechs bis acht Löwen und auch einige +Leoparden antworteten auf meinen Schuß durch tiefes Rohren und Gebrüll +in nächster Nähe. Meine farbigen Begleiter waren alle auf Bäume +geklettert. Es kam aber nichts weiter zum Vorschein. Ein Fangschuß +ins Rückgrat der nun auf der Seite liegenden Löwin ließ diese sich +strecken. Diesmal setzte das Gebrüll nur vereinzelt und entfernt +ein. Nach dem Zelte schickend, um Leute zur Abholung der Löwin zu +bekommen, setzte ich dann meine Pirsch fort, traf aber kein Stück Wild, +geschweige denn Kudus an. Anscheinend hatten die zahlreichen Löwen das +Wild für heute vergrämt<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> (verscheucht), und ich mich gerade in der +Richtung bewegt, in der die Löwen nachts gejagt hatten. Die Einwohner +des kleinen Dörfchens Njukwa empfingen mich bei meiner Rückkehr mit +Freudengeheul, da sie unter den Löwen viel zu leiden hatten. Es waren +in letzter Zeit Menschen und auch Vieh von den Löwen geholt worden.</p> + +<p>In der Nacht hatten wir noch ein kleines Nachspiel. Um Mitternacht +wurden wir durch angstvolles Geschrei unserer Träger geweckt. Es +ist keine Kleinigkeit, wenn fünfundachtzig Menschen in Todesangst +losheulen; wir fuhren erschreckt aus den Betten hoch. Unser Zelt +wurde halb eingerissen, Lasten, unser Tisch mit Eßgeräten und der +Lampe polterten zu Boden, und dazwischen brüllten Löwen. Ich hörte +lautes Atmen im Zelt und glaubte für einen Augenblick, der Löwe +stünde zwischen unseren Betten. Mit der Hand nach dem Gewehr tastend, +erwischte ich die nackte Kehrseite eines Menschen, und ein angstvolles +»Ich, Herr« belehrte mich über meinen Irrtum. Einige Träger waren +splitternackt unterm Zelte durchkriechend eingedrungen. Als ich mit +einigen energischen Worten die Ruhe hergestellt hatte, klärte sich +die Lage dahin auf, daß wohl ein Träger wach geworden war und einen +Löwen gesehen hatte. Als er seinen Kameraden weckte, verstand dieser +die Sache falsch und glaubte, der Löwe habe ihn schon. In seiner Angst +fing er an zu brüllen. Alle anderen fuhren aus dem Schlafe hoch und +brüllten mit, um dann nach den Zelten zu stürzen und beim Europäer +Schutz zu suchen. Die Leute waren vom Stamme der Wanjamwesi, deren +hervortretende Eigenschaft nicht der Mut ist. Ich lagerte sie im +hellen Mondschein um große Feuer und verbot ihnen, falls der Löwe +wirklich käme, durcheinander zu laufen und zu schreien. Einmal sah +ich einen Löwen durchs Gebüsch schleichen; da sie aber zu mehreren +waren und ich immer nur Teile des Körpers sah, schoß ich nicht. Mein +Reittiersoldat meldete mir immer: Jetzt kommen zwei Löwen den Weg aufs +Lager zu, jetzt schwimmt einer durch den Ruaha usf. Immer kam ich zu +spät, um schießen zu können, geschlafen haben wir aber bis zum Morgen +nicht mehr. Ununterbrochen brüllten Löwen in nächster Nähe, so daß ich +mindestens sechs bis acht Löwen vermutete. Der Nervendruck, der sich +unser bemächtigte, löste sich erst bei Anbruch des Tages, wo auch die +Löwen verstummten.</p> + +<p>Auf dem Weg vom Lager ins Dorf fand ich reichlich Löwenfährten, und als +unsere Karawane etwas im Marsch war, kamen<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> wir an ein paar einsamen +Hütten vorüber, an deren einer ein mächtiges, noch blutendes Kudugehörn +lehnte. Die Bewohner der Hütte erzählten, sechs Löwen hätten in Sicht +der Hütte heute nacht das Kudu verzehrt.</p> + +<p>Im Dezember 1910 reiste ich wieder einmal am Rikwasee entlang. Ich +befand mich auf dem Heimwege nach Langenburg und hatte vier geangelte +Marabus (<span class="antiqua">Leptoptilus crumeniferus Less.</span>, siehe Abb. 3), junge +Wildkatzen (<span class="antiqua">Felis ocreata Gm.</span>), eine Python-Riesenschlange und +noch verschiedene andere Tiere zur Bereicherung meines Tierparkes bei +mir. Die Tierkarawane bildete die Spitze, da die Käfige mit Inhalt +leichter waren als die übrigen Lasten.</p> + +<figure class="figcenter illowp54" id="illu-021" style="max-width: 18.0625em;"> + <img class="w100" src="images/illu-021.jpg" alt="Bild"> +</figure> + +<p>Meine Träger mußten etwa eine Stunde zurück sein, und wir beschlossen, +auf die Karawane zu warten. Der Weg war scheußlich. Infolge der +Regenzeit war der See ausgetreten, und das Wasser lief bei jedem +Schritt von oben in die Stiefel. Ab und zu trat man auch bis an die +Hüften ein, wenn ein unsichtbarer Graben den Weg kreuzte. Auf einer +vom Wasser nicht bespülten Stelle machten wir Halt. Nachdem ich die +Marabus gefüttert und jungen Servals (<span class="antiqua">Felis serval Schreb.</span>, s. +Abb. 4) Milch gegeben hatte, frühstückte ich. In der Ferne standen +drei Leier-Antilopen (<span class="antiqua">Damaliscus jimela Mtsch.</span>, <span class="antiqua">Bubalus +jacksoni Thos.</span>) [Jacksons Hartebeest]. Meine Leute meinten, die +Karawane hätte nur noch wenig Fleisch, ich möchte doch eins schießen. +Da ich gar keine Lust hatte, durchs Wasser und den Schlamm mich an +die Leier-Antilopen in offener Steppe anzupirschen, fragte ich meinen +Fährtensucher Fardjallah, ob er nicht Lust hätte. Einen Jagdschein +hatte er, und das Pulver versprach ich ihm<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> zu ersetzen. Es dauerte +dann eine Viertelstunde, bis ich den Dampf aus seinem Vorderlader und +zugleich die Antilopen unverletzt flüchten sah.</p> + +<figure class="figcenter illowp96" id="illu-022" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-022.jpg" alt="Serval"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Um ein Bedürfnis zu verrichten, ging ich dann etwa hundert Schritt +abseits von meinen Leuten, da dort einige Grasbüschel zur Deckung +standen. Mit einem Schlage verstummte das lebhafte Schwatzen meiner +Leute. Als ich aufsehe, kommen zwei Löwen im Trabe direkt auf mich +zu. In Eile befestigte ich meine Kleider, und mein Boy Amri springt +mir mit dem Gewehr entgegen. Zwanzig Meter von mir entfernt stutzen +die Löwen. Es sind ein alter Mähnenlöwe und eine Löwin, beide im +allerbesten Futterzustande. Die Mähne des Löwen war fast schwarz, +und ebenso befanden sich an den Gelenken der Vorderpranken dichte, +lange, tiefdunkle Haarbüschel. Die Löwen hatten wohl den auf mich +zueilenden Boy gesehen und schlugen nun einen Haken, um in gewaltigen +Fluchten davonzusetzen. Als ich das Gewehr bekam, waren sie schon +im hohen Grase. Ich sah nur noch bei jedem Sprung den Rücken und +dann Wassergarben über das Gras spritzen, wenn sie den Boden wieder<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span> +erreichten. Erst nach etwa vierhundert Metern durchquerten sie ein +Gelände mit niedrigem Gras und verhofften einen Augenblick. Es war +mir zu weit zum Schuß. In Trab fallend, erreichten die Löwen den Wald +und entzogen sich meinen Blicken. Merkwürdig war noch, daß die Löwen +an einer Zebraherde vorbeikamen und diese gar keine Notiz von ihnen +nahm, als sie zwischen ihnen hindurchgingen. Die Zebras scheinen +besondere Anzeichen dafür zu haben, ob ein Löwe auf dem Raubzug ist +oder sattgefressen seines Weges zieht. Als nach einer halben Stunde +Fardjallah zurückkam, hatte er von den Löwen nichts gesehen. Meine +Leute behaupteten, nach Fardjallahs Schuß seien die Löwen aus einem +Grasgebüsch, das Fardjallah schon durchschritten hatte, aufgesprungen. +Sie hätten wahrscheinlich dort geschlafen und seien durch den Schuß +geweckt worden.</p> + +<p>Sehr viele Löwen sah und hörte ich auch im Kissakidistrikt, wo ich +mich von 1912 bis 1914 aufhielt. Hier gab es jedoch kein Vieh, dem die +Löwen gefährlich werden konnten, und Menschenfresser hatten sich nicht +gezeigt. Es ist eine ganz besondere Art von Löwen, die wir in Afrika +als »Menschenfresser« bezeichnen. Vorwiegend sind es alte Löwen, die +kein Wild mehr erjagen können und dann bei irgend einer Gelegenheit an +den Menschen geraten sind. Es gibt aber auch jüngere Tiere darunter. +Haben Löwen einmal gesehen, welch leichte Mühe sie mit den Menschen +haben, so halten sie sich an diese Nahrung und werden dann zur +Landplage. Ich erinnere mich, daß in »Kambi uleya«, dem ersten Lager +hinter Kilossa auf Iringa zu, fortgesetzt Leute geholt wurden. Viermal +kam ich durch diesen Ort, und jedesmal waren wieder Träger gefressen +worden. Die Karawanenträger, die zwischen Iringa und Kilossa liefen, +schlafen meist auf den Veranden der Dorfbewohner, so daß die Löwen +leichte Mühe haben. Trotzdem hatte ich jedesmal Not mit meinen Leuten, +wenn ich ihnen befahl, sich ein Dornenverhau herzustellen. Es rechnete +jeder damit, daß er nicht der Gefressene sein würde, und sie hätten +sich lieber der Möglichkeit eines Löwenangriffs ausgesetzt, als daß sie +freiwillig zehn Minuten arbeiteten, um jeder drei bis vier Dornenäste +abzuhauen, heranzuschleifen und zur gemeinsamen Sicherheit um das Lager +zu legen.</p> + +<p>Ich sagte vorher, daß in Kissaki die Löwen keine üblen Neigungen +zeigten. Aus diesem Grunde empfahl ich den Eingeborenen,<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> die Löwen +zu schonen, und ging selbst mit gutem Beispiel voran, indem ich trotz +guter sich bietender Gelegenheiten die Löwen unbeschossen ließ. Es +gab nämlich ungeheuer viel Wildschweine, die die Kulturflächen schwer +schädigten. Durch die zahlreichen Löwen wurden sie einigermaßen in +Schach gehalten und von den Feldern verjagt. Die Löwen gaben sich der +Schweinejagd so ohne Störung hin, daß sie durch die Dörfer liefen und +häufig Leuten, die zur Arbeit gingen oder von der Arbeit zurückkehrten, +begegneten, ohne daß übermäßige Scheu auf beiden Seiten hervorgerufen +worden wäre.</p> + +<p>Eine Angewohnheit der Löwen muß ich noch hervorheben. Sie schleppen +häufig ihre Beute fort, ohne sie vorher zu töten. Sobald sich die +Beute nicht zur Wehr setzt, fängt der Löwe an einem sicheren Platze +an zu fressen. Mir war schon ein Fall von Tanganjika bekannt, wo ein +Pater vom Orden der »Weißen Väter« von Löwen geholt wurde und eine +Viertelstunde lang um Hilfe schrie, während der Löwe schon an ihm fraß. +Ich entrüstete mich damals, als ich hörte, daß ihn keiner der anderen +Brüder befreit hatte, kam aber später selbst in eine Lage, wo das +Hilfebringen unmöglich war. — Ein Eingeborener war in einem Dorfe in +Ussangu, in dem ich gerade lagerte, im Beisein seiner Angehörigen durch +einen Löwen vom Feuer weggeholt worden. Sein Schreien klang schauerlich +durch die Nacht. Meine Kerzenlaterne gab solch jämmerliches Licht, daß +man nur im nächsten Umkreis sah. Schleunigst ließ ich die Dorfbewohner +mit brennenden Holzscheiten und Grasfackeln antreten. Deutlich zeigte +die Schleifspur im hohen, regennassen Gras den Weg des Löwen. Der +fortgeschleppte Mann schrie unaufhörlich. Ich ging vornweg, dann folgte +mein Boy, damals noch ein halbes Kind, mit der Laterne, und dann kamen +die Leute mit den Feuerbränden.</p> + +<p>Als ich schon den Mann, der fortgetragen worden war, in schwachen +Umrissen liegen sah, brach der Löwe fauchend auf uns los. Sofort liefen +die Leute mit den Grasbränden davon, und ich las mir meine Laterne vom +Boden auf, gerade noch, ehe sie verlöschte. Rückwärts schreitend zog +ich mich aus dem Gras zurück, denn helfen konnte ich allein nicht, da +es stockfinster war und ich nicht weiter als zwei Meter mit meiner +schlechten Laterne sehen konnte. Ich holte die Leute wieder heran +und machte ihnen klar, daß, wenn alle mitkämen, der Löwe sich sicher +zurückziehen würde. Außerdem könnte ich schießen, wenn ich über den +Rücken her Licht bekäme.<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> Der geschlagene Mann wimmerte und stieß ab +und zu laute Schreie aus. Kaum war ich wieder in seiner Nähe, rohrte +der Löwe auf, und ich stand wieder allein. Als auch der dritte Versuch +scheiterte, mußte ich's aufgeben, den Mann zu retten, auch gab der Mann +keinen Laut mehr von sich. Am nächsten Morgen fanden wir den Leichnam +unversehrt bis auf abgerissenes Fleisch an Waden und Oberschenkel. +Keine einzige Verletzung war am übrigen Körper zu entdecken, so daß der +Löwe ihn lebend angefressen hatte.</p> + +<p>Es ist dies eigentümlich für den Löwen im Gegensatz zu dem Leoparden, +der, wenn er in einen Stall eingedrungen ist, so lange herumbeißt und +Prankenschläge austeilt, bis sich nichts mehr rührt.</p> + + +<h3>Leoparden<span class="s5 antiqua"> (Felis pardus nimr H. E.).</span></h3> + +<p>Viel seltener als den Löwen bekommt man den Leoparden (Abb. 5) in +freier Wildbahn zu Gesicht. Mir war es sehr selten vergönnt, einem zu +begegnen, und wenn es geschah, so war die Begegnung so flüchtig, daß +ich meist nicht zum Schuß kam. Im Hochgebirge traf ich am Tage einige +Male auf Leoparden. Sie waren aber so rasch im Gebüsch verschwunden, +daß ich kaum die Gestalt ordentlich mit dem Auge erfassen konnte.</p> + +<p>Einmal, als ich nur mit dem Stock in der Hand meiner Karawane +vorauslief — es war in Unyika am Mloboflusse — sah ich erst ein Paar +Wildenten im Wasser und dann auf einem überhängenden Stamme am anderen +Ufer einen Leoparden liegen, der die Wildenten scharf beobachtete. Es +war gegen ein Uhr nachmittags. Wahrgenommen hatte mich der Leopard, +denn ich bemerkte deutlich, wie die Spitze seines Schwanzes zitterte, +sonst lag er bewegungslos. Ganz langsam drehte ich mich halb zurück, +den Leoparden nicht aus dem Auge lassend, um meinen Boy, wenn er +sichtbar werden sollte, gleich zuwinken zu können, daß er mir das +Gewehr vorsichtig bringe. Einige Zeit hatte ich so gestanden. Gegen die +Enten war ich gedeckt, und der Leopard blieb auf seinem Platze. Da sehe +ich meinen Boy stehen. Er hat mich bemerkt und beobachtet, daß irgend +etwas los war. Vorsichtig kommt er näher. Als er fast bei mir ist, +macht der Leopard einen gewaltigen Satz über den Fluß weg an das Ufer, +wo ich stand, landete im hohen Grase und war verschwunden.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span></p> + +<p>Ab und zu traf ich Leoparden im Gras, wenn ich auf anderes Wild +pirschte. Ein scharfes Krallen an der Rinde eines Baumes ließ mich +aufsehen, und der Leopard hockte am Stamm etwa wie eine Hauskatze, die +im ersten Sprung vor Hunden flüchtet. Schneller als es sich beschreiben +läßt, war der Leopard wieder im Gras verschwunden. Manchmal fand ich +dann unter solchem Baum ein gerissenes Schwein, oft war der Leopard +wohl noch selbst auf der Jagd und wollte nur Ausblick haben.</p> + +<p>Einen wunderschönen Anblick hatte ich in der Nähe der Ortschaft Mbuiga +(Mgunda) zwischen Kissaki und Kidoti. Ich pirschte in einer dicht +mit Schilf bewachsenen Niederung auf Büffel. Als ich die Niederung +umschreite, um am Rande zu lesen, ob Büffel in das Schilf eingewechselt +wären, höre ich plötzlich links von mir einen lauten Ton. Es konnte +ein wilder Hund, ein Buschbock gewesen sein, möglicherweise auch +ein Elefant, genau ließ sich der Ton nicht einer bestimmten Tierart +zuschreiben. Mein Begleiter und ich stehen still. Einen Mann lasse +ich auf einen Baum klettern, um zu sehen, ob etwa Elefanten im Schilf +wären, da ich auf diese am ehesten schloß. Nichts konnte der Mann +sehen. Plötzlich sagt einer meiner Begleiter: »Ein Leopard!« Ich sah +mich um und brachte die Sache gar nicht mit dem vorher gehörten Ton +in Zusammenhang. Da zeigen alle Leute auf einen etwa dreißig Meter +über das Schilf herausragenden Baum, der zurzeit blattlos war, und nun +entdeckte ich auch den Leoparden auf der äußersten Spitze eines Astes, +in den dürrsten Zweigen zur Kugel geballt, liegen. Er war von mir etwa +hundert Meter entfernt. Schießen wollte ich auf keinen Fall, da Büffel +das begehrte Ziel waren. Trotz der nicht sehr großen Entfernung und +trotzdem der Leopard so ganz frei sichtbar auf dem kahlen Baum saß, +hätte ihm wohl kaum einer von uns Beachtung geschenkt. Er sah so der +Umgebung angepaßt aus, daß man bei oberflächlichem Sehen weit mehr auf +einen Raubvogelhorst im dünnen Gezweig geschlossen hätte.</p> + +<p>Rasch hatte ich mein Glas zur Hand. Der Leopard mußte unsere +Beobachtung bemerkt haben. Er richtete sich auf, lief vorsichtig +über das schwankende Gezweig, dann schnürte<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> er auf einem dickeren +Ast bis zur ersten Gabelung des Baumes, machte noch einige<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> schnelle +Schritte den Stamm hinunter und war dann mit mächtigem Satze im Schilf +verschwunden.</p> + +<figure class="figcenter illowp99" id="illu-027" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-027.jpg" alt="Leopard"> + </figure> + +<p>Wenn man sich in einer Gegend befindet, wo es Hundsaffen, Meerkatzen +und braunrückige Paviane gibt, und diese sind in Deutsch-Ostafrika fast +überall, wo Wald und Wasser zu finden ist, so wird der Leopard fast +immer von den Affen gemeldet. Er ist ihr schlimmster Feind, und sie +folgen seinem Weg auf dem Boden oben im Gezweig unter fortwährendem +lautem Geschrei. Durch Affen aufmerksam gemacht, schoß ich meinen +ersten Leoparden. Der ganze Wald hallte von dem Geschrei der Affen +— es waren Hundsaffen (<span class="antiqua">Cynocephalus (Papio) langheldi Mtsch. (?) +oder Papio cynocephalus L. (?) C. ibeanus Thos.</span>) —, die in einer +Richtung weiterzogen. Ich schritt zu den Affen parallel vorwärts, +bis ich an eine Stelle kam, wo es kein Unterholz und infolge dichten +Blätterdachs nur spärlichen Graswuchs gab. Eine ganze Zeit stand ich +hier unter einem Baum in Deckung, ohne etwas zu sehen. Plötzlich stand +der Leopard mitten auf der kahlen Stelle. Er äugte zu mir herüber, nahm +mich aber nicht wahr. Als er seinen Kopf in entgegengesetzter Richtung +bewegte, strich ich am Stamme<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> an und kam aufs Blatt ab. Ein fauchendes +Miauen, dann ein plötzliches Wenden, und er war dort verschwunden, +wo er hergekommen war. Hunde hatte ich nicht bei mir. Ich nahm zwar +an, daß ich gut getroffen hatte, wollte aber lieber noch einige Zeit +warten, ehe ich ihm nachging. Meine farbigen Begleiter wollten mich +ganz davon abhalten, weil ein kranker Leopard »furchtbar böse« sei.</p> + +<p>Die Affen tobten inzwischen auf derselben Stelle weiter, der Leopard +mußte also noch dort stehen, wo er eingewechselt war. Um ihm Zeit zu +geben, drehte ich mir eine Zigarette, die ich bis zu Ende rauchte. Nun +ging ich Schritt für Schritt, die Umgebung abspähend, weiter, zunächst +zum Anschuß. Ich fand vereinzelte Schnitthaare und dann große Spritzer +Schweiß. Zwei Meter davon entfernt fand ich einen ganzen Klumpen +Haare, an dem noch Haut festsaß, also der Ausschuß. Nun war mir nicht +mehr bange. Zwei Schritt brauchte ich nur ins Gebüsch einzutreten, da +schimmerte es mir schwarz-weiß entgegen. Der Leopard lag auf dem Rücken +und war schon verendet, wie die verglasten Lichter (Augen) zeigten. +Obwohl ich gern den ganzen Leoparden mitgenommen hätte, um ihn zu +photographieren, war es doch im Hinblick auf meine beiden nicht sehr +kräftigen Begleiter besser, ich schlug ihn an Ort und Stelle aus der +Decke und nahm nur diese und den Schädel mit. Es war ein prächtiger +alter Kater und der Fang (das Gebiß des Raubzeugs und der Hunde) ganz +vollständig. Groß war meine Freude, und mit Sorgfalt weichte ich zu +Hause die Decke persönlich in gesättigte Salz- und Alaunlösung ein, +knetete sie eine halbe Stunde lang durch und hing sie zum Trocknen auf.</p> + +<p>Später, als ich eine große Hundemeute hatte, wurde es mir leichter, +Leoparden zu erlegen. Mit meinen Hunden hatte ich insofern Glück +gehabt, als die Stammeltern, zwei blutsfremde deutsche Doggen, sehr +schneidige Tiere waren. Der Nachwuchs lernte es ohne mein Zutun, mit +System, d. h. mit gegenseitiger Unterstützung, zu hetzen und wehrhaftes +Raubwild zu stellen.</p> + +<p>Wurde mir aus einem Dorfe gemeldet, daß die Leoparden dreist würden und +Hunde und Ziegen holten, so brach ich, wenn ich Zeit hatte oder es sich +sonst mit meinen Obliegenheiten vereinigen ließ, mit meinen Hunden auf +und bezog in dem Dorf Lager.</p> + +<p>Nachts verbellten dann meine Hunde den Leoparden. Meine Träger kannten +den Rummel schon. Rasch hatte jeder ein paar<span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span> ordentliche Hände voll +trocknes Gras aus den Dächern der Hütten gezogen und sie als Fackeln +angebrannt. Kamen wir zu den Hunden, so hatten diese den Leoparden zum +Aufbäumen gezwungen, und ich schoß, indem ich einen Mann mit seiner +Fackel hinter mich treten ließ. Nach dem Schuß stand ich zwar stets +im Finstern, denn die Fackelträger waren ausgerückt. Es schadete aber +nichts, denn wenn der Leopard nicht tödlich getroffen war, was bei der +nächtlichen Schießerei häufig vorkam, so beschäftigten sich sofort +die Hunde mit ihm und hatten ihn, falls er noch konnte, sofort wieder +auf einen Baum getrieben. Selten verlor ich dabei einen Hund. Größere +Wunden durch Prankenschläge nähte ich, worauf rasch Heilung eintrat. +Übler waren kleinere Wunden, wo die Krallen eingeschlagen worden waren +und nur ein kleines Stückchen Fleisch heraushing. Diese Wunden heilten +äußerlich rasch zu, innen bildete sich aber meist ein langwieriger +Eiterprozeß und Zellgewebsentzündung.</p> + +<p>Ganz übel benehmen sich Leoparden, wenn es ihnen gelingt, in einen +Ziegenstall oder Kral einzubrechen. Solange noch eine Ziege am Leben +ist, wird gemordet. Es kommt vor, daß ein Leopard 30-50 Ziegen +tötet und keine davon frißt. Die Dreistigkeit der Leoparden ist +außerordentlich groß. Ziegen werden am Tage vor den Augen der Hirten, +Hunde vor den Türen weggefangen. Dabei läßt der Leopard seinen Raub +nicht oder nur sehr schwer im Stich, wenn er auch sofort angegriffen +wird. Als Beispiel der Dreistigkeit erwähne ich folgendes kleine +Erlebnis.</p> + +<p>Auf dem Tanganjikaplateau hatte ich einen Europäer getroffen. Da wir +gut bekannt waren, stellten wir unsere Zelte zusammen und brachten in +dem einen die Betten unter, während uns das zweite als Eßzimmer diente. +Vor dem Abendbrot saßen wir beide auf einem Bett, und mein Bekannter +spielte Ziehharmonika. Plötzlich gab es während des Spiels lautes +Geheul von meines Bekannten Foxterrier, der unter dem Bett geschlafen +hatte. Das Bett wurde unter uns hochgehoben, und ehe wir zur Besinnung +kamen, sprang ein Leopard mit dem Terrier zum Zelt hinaus. Draußen war +es dunkel, und wir konnten nichts gegen den Leoparden tun. Der Hund war +sowieso verloren.</p> + +<p>Am nächsten Morgen brachten Eingeborene den angefressenen Hund und +behaupteten, der Leopard säße unweit unseres Lagers<span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span> in einem Gebüsch +dürren Grases, das beim letzten Steppenbrand noch zu grün gewesen wäre +und deshalb stehen geblieben sei.</p> + +<p>Wir besahen uns die Lage. Der Grasfleck war nur etwa drei Hektar groß, +aber brennen wollte das Gras von 1,20 Meter Höhe auch heute noch +nicht. Es blieb also nur die Möglichkeit eines Durchtriebes. Was wir +an Eingeborenen auftreiben konnten, machten wir als Treiber mobil. +Zwischen je 10 Mann stellten wir einen Soldaten. Schießen wollten nur +wir Europäer, damit kein Unglück geschah. Ich stand auf jener Seite, wo +wir vermuteten, daß der Leopard herauskäme, mein Bekannter ging mit den +Treibern. Nachdem mehr als die Hälfte des Grases durchgetrieben war, +schoß mein Bekannter zum ersten Male, wie er mir zurief, »daneben«. +Gleich darauf sprang der Leopard einen Soldaten an, und zwar so, daß +er seine Hinterpranken dem Mann in die Oberschenkel schlug und mit +den Vorderpranken Lappen in die Kopfhaut riß. Der Mann fiel natürlich +hintenüber, aber ehe er lag, war der Leopard schon wieder zurück +ins Gras gesprungen. Dieses Manöver wiederholte der Leopard mehrere +Male und stets so unverhofft und blitzschnell, daß die mit Stöcken +zuspringenden anderen Treiber nicht dazukamen, einen Schlag zu führen. +Wir hatten insgesamt sieben Verwundete mit mehr oder minder schweren +Verletzungen.</p> + +<p>Nur ein ganz schmaler Grasstreifen deckte den Leoparden noch, und +ich hoffte, daß er jeden Augenblick flüchten und mir Gelegenheit zum +Schusse geben würde. Statt dessen versuchte er immer wieder, die +Treiberlinie zu durchbrechen. Jetzt schoß Herr H. zum zweiten Male, und +das gleich darauf einsetzende Freudengeheul der Treiber verkündete mir, +daß der Schuß tödlich war. Der Leopard hatte die Kugel spitz von vorn +erhalten, und sie war durch den ganzen Körper gegangen mit dem Ausschuß +neben dem Weidloch (After).</p> + +<p>Bei genauerer Betrachtung des toten Leoparden wurde uns auch klar, +warum er bei seinem Anspringen der Treiber niemals den Fang gebrauchte. +H.s erster Schuß hatte ihm beide Kaumuskeln und die Pfannen der +Unterkiefer durchschlagen. Lange haben übrigens unsere Verletzten an +ihren Wunden nicht laboriert, sie hatten ausnahmsweise gesundes Blut, +was man von den wenigsten Negern behaupten kann.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span></p> + +<p>In eine recht mißliche Lage brachte mich ein Leopard im August 1908 +in Ilongo in Ussangu. Zur Reparatur einer Baumwollspinnerei wohnte +ein ehemaliger Fremdenlegionär B. bei mir, der früher Techniker war. +Als wir nachts die Löwen brüllen hörten, erzählte er mir, er hätte im +Atlas schon Löwen geschossen, und fragte dann, ob ich ihm nicht zu +einem Löwen verhelfen könnte, er möchte gern ein Fell als Waffenschmuck +haben. Ich stand kurz vor einer Europareise, um mich von einem +Gelenkrheumatismus zu erholen, den ich mir im letzten Negeraufstand +zugezogen hatte. Vier Monate hatte ich festgelegen, und seit zwei +Monaten konnte ich wieder langsam gehen, war also mehr als klapprig, so +daß ich eine Suche auf Löwen nicht wagen konnte.</p> + +<p>Um B. aber eine Freude zu machen, da er mir die Maschinen rasch und gut +in Ordnung brachte und auch ein sächsischer Landsmann von mir war, ließ +ich einen Selbstschuß herstellen.</p> + +<p>Nach dem Rezept meines Freundes L., eines Schweden, der schon mit +Livingstone Afrika durchquert hatte und damals als Zivilkommissionär +in Rhodesia amtierte, baute ich eine Schußfalle, die fast nie versagt +und in die das Raubwild — und wäre es noch so schlau — leicht +hineintappt. L.s System bestand in einem auf zwei eingegrabenen +Astgabeln wagrecht gebundenen Gewehr in Blatthöhe über der Erde. Ein +dünner, aber fester Bindfaden wird am Abzug befestigt, durch die untere +Gewehrriemenöse gezogen, am Gewehr entlang geführt und dann quer über +den Weg gespannt, den das Raubwild mutmaßlich durchquert. Man darf den +Faden nicht zu fest spannen, da der nächtliche Tau ein Nachspannen +besorgt. Mit der Hand drückt man dann den Faden in der Richtung des +mutmaßlich vorbeikommenden Tieres. Wird das Gewehr ausgelöst, wenn +man den Faden etwa 40 Zentimeter aus seiner Ruhe drückt, so ist die +Aufstellung richtig, und man kann die Patrone einschieben.</p> + +<p>Über den Weg führen wollte ich den Selbstschuß nicht. Ich benützte für +solche Fälle immer ein ausrangiertes Gewehr Mod. 71, und ein solches +Geschoß können des Weges kommende Negerbeine nicht gut vertragen. Ein +eingeschlagener Pfahl, an den ich ein zwei Monate altes Kalb band, war +das Zentrum eines dreiviertel geschlossenen Kreises aus Dornenästen. +Quer über die Öffnung war dann das Gewehr gerichtet und der Fadenabzug +gespannt. Um das Kalb noch besser zu schützen, ließ ich noch eine +Reihe Pfähle mit<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> handbreitem Abstand quer durch den Dornenkreis +rammen, so daß der Löwe das Kalb bequem vom Eingang her sehen konnte. +Damit er gezwungen war, den Eingang gehend und nicht springend zu +durchschreiten, hing ich einige kleine Dornenäste an einer Stange in +1,20 Meter Höhe über den Eingang.</p> + +<p>Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust +abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen, +so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des +Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde; +dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe +oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von +der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die +infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu +werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich +ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten +Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des +Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die +Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle +in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es +entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken, +das das Raubwild leicht anlockt.</p> + +<p>Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß +zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns +verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem +Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das +Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen +wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des +Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam, +fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen +war.</p> + +<p>B., ich und zwei Neger machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs +waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady +mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr, +sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit +schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die +Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette +ab.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span></p> + +<p>Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts +Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich +mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen +ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sichernden +Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war +er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen hoch und ließ die +Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um +ihm den Fangschuß zu geben — Versager! noch einer und noch einer. +Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom +Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er +auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge +gehabt.</p> + +<p>B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen, +er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor +und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere +bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß +aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer +hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen. +Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile +des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald +überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand +bleich wie eine Wand und zitternd dabei, so daß ich ihm auf den Kopf +zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er +wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion +Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die +Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging +ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in +Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und +sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen +könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland +angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre +wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern +versammelt. Selten habe ich so um einen Hund getrauert, als wie um +dieses treue, schöne Tier.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span></p> + +<h3>Gefleckte Hyänen<span class="s5 antiqua"> (Hyaena crocuta Erxl).</span></h3> + +<p>Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn +er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit +daranschließendem, stark abfallendem Rücken machen das Tier unschön. +Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar +nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung +besiegelt (Abb. 6).</p> + +<p>Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt, +wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß +er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet. +Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung +menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher. +So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es +an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördern, nachts die +Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der +den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Negerkopf anhaftet, +genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen.</p> + +<p>Hyänen zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends, +ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem anderen +Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins +Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit +einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine +gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden +in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in +einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterten sie doch längere Zeit.</p> + +<p>In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen +fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf +aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch +nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich +die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere +Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei +freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich.</p> + +<p>Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die +gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge,<span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span> +überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und +Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen +Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind +Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort +Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benediktiner-Mönche, +daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige +Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist +hätten.</p> + +<figure class="figcenter illowp89" id="illu-035" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-035.jpg" alt="Hyänen"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz +menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die +Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich +Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets, +wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr +abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen.</p> + +<p>Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in +Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> drei Foxterriers. In +der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum +schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich +einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich, +wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers +herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel +zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu +Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums +Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden +Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie +ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im +hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen.</p> + +<p>Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen. +Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel +nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit +treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als +es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten, +stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo +bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder +und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die +gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt +des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die +Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige +Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am +Leben.</p> + +<p>Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung +nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues +Verfahren.</p> + +<p>Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung +übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz +frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben. +Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des +weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen +würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug +bringen.</p> + +<p>Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten +Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> machte ich ihr +ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den +Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich +schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie +mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb. +Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs +Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei +sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne +waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst +war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke +Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten — ohne Hyäne. +Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte +so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete +ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch +Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher +Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden +als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber +anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing. +Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht +recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum +handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und +deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst +kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus +sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den +Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein +etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man +beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat.</p> + +<h3>Schabrackenschakale<span class="s5 antiqua"> (Canis [Lupulella] mesomelas Schreb).</span></h3> + +<p>Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr +nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich +stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur +die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs. +Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck, +wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze<span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span> Lebensweise ist +die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter +diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden.</p> + +<p>Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den +Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und +Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen.</p> + +<p>Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu +verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn +im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und +absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in +das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in +entgegengesetzter Richtung davonzulaufen.</p> + +<p>Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele +schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig +retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer.</p> + +<p>Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so +fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage, +wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die +ganze Gegend durchzieht.</p> + +<p>Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt +mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem +Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im +Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und +ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht +Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine +verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden.</p> + +<p>Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen +der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer +Fabel.</p> + +<p>In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer +frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im +Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie +mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht +wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei +mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde +kollerten, brachten sie<span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span> mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines +Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und +meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest. +Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten +zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen +ruhig bei ihrem Glauben.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-039" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-039.jpg" alt="Schakal"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht +mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt, +den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie +angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte.</p> + +<p>Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn +Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem +Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns +äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen. +Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen, +vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«, +so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter +brachten, von mir hingegen ließ er<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> sich die schönsten Knochen weit +hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir +allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls +aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie +noch nicht erzogen und unbeobachtet waren.</p> + +<p>»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen +nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen +auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein +tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen +wilden Schakal und schoß ihn tot.</p> + +<p>Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden +Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen +wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen.</p> + +<p>Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die +Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß +Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute +eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann +man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf +schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich +bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in +Gemeinschaft leben.</p> + +<p>Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der +Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in +»Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres +Reineke.</p> + +<p>Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den +Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen +erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy +verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend +unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen +versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen +und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der +Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet +ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten +Sachen aufgebunden werden.</p> + +<p>So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer +eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> Fehler hat, daß +er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu +erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die +kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er +auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys +hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten, +ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine +solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40 +Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit +der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die +Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als +Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen +waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem +einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen.</p> + +<p>Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem +Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm +Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy +stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze +geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy +ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er +viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend +läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen +Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß +ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender +Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen +»Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden.</p> + + +<h3>Wilde Hunde<span class="s5 antiqua"> (Lycaon pictus Temm) [auch Hyänenhunde +genannt].</span></h3> + +<p>In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in +Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die +Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder +trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke +einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf, +das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> meine Leute und +ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend, +wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur +Tränke geführt worden sei.</p> + +<p>Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone +einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch, +um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte +ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch, +damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck +beinahe meine Melone fallen lassen.</p> + +<p>Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke +auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich, +irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich, +oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt +bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich +stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich +mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten +sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das +Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder +oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte +sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem +ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben +sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit +den Kühen zur Tränke.</p> + +<p>Auf meine Frage, warum denn das Dorf so weit vom Fluß läge, wurde mir +erklärt, daß der Mkodje die Steppe in der Regenzeit bis kurz an die +Hütten überschwemmte. Verpflegung konnte ich für meine Leute auch nicht +erhalten, die Vorräte der Leute waren so gering, daß ich fragte, wie +die Leute denn überhaupt ihr Leben fristen könnten und warum sie mit +ihrem Vieh in solch elender Gegend wohnten und nicht mehr Getreide +anbauten. Ich erfuhr darauf, daß die Rinder dem Sultan Merere gehörten +und nur hier gehütet wurden, weil das Wild gut gediehe, von was, war +mir allerdings fraglich, denn ich hatte auf meinem Marsche nur bis +auf 3 cm abgeweidete Grasstummel gesehen. Von Getreidearten wüchse +nur recht spärliche Sandhirse. Zwei kleine Fleckchen bebautes Land +von zusammen etwa 200 Quadratmeter mußten für die 18 Kopf starke +Einwohnerschaft genügen. Die Ernährungsfrage der Leute<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> wurde mir +immer rätselhafter. Endlich rückten sie mit der Sprache heraus. In der +Regenzeit gebe es durch die Überschwemmung so viel Welse, daß sie im +seichten Wasser bloß aufgelesen zu werden brauchten. Und jetzt? Nun, +in der Trockenzeit paßten die Viehhüter immer auf, wo früh die Geier +kreisten, dort hätten Löwen Wild geschlagen, und es wäre häufig so viel +übrig, daß sie Vorrat dörren könnten. Manchmal allerdings, wenn mehr +Löwen dagewesen wären, oder wenn die Löwen schon am Abend Beute gemacht +und den Riß nach der Sättigung verlassen hätten, um zur Tränke zu +gehen, so daß das gerissene Wild für die Hyänen frei werde, seien nur +ein paar Knochen übrig.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-043" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-043.jpg" alt="Hyänenhund"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Meine Bemerkung: »Na, ihr helft wohl manchmal den Löwen etwas nach und +holt euch selber ein Zebra,« löste verlegenes Grinsen aus, das mir +genug Bestätigung war. Vorderlader waren ja reichlich vorhanden und +Pulver auch — »zur Abwehr der Löwen vom Vieh« — wie mir eifrigst +versichert wurde.</p> + +<p>Am nächsten Morgen, als es eben dämmerte und ich mich gerade mit dem +Viertelliter Wasser wusch, den ich für diesen Zweck aufhob, ehe ich ihn +meinen Hunden geben wollte, verstummte plötzlich das Murmeln der sich +für die Reise zurechtmachenden Träger.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span></p> + +<p>Etwas blöde, weil ich gerade mein Gesicht mit dem Handtuche bearbeite, +spähe ich nach der Ursache. Da kommt auch schon eine Schwarzfersenricke +(<span class="antiqua">Aepyceros suara Mtsch.</span>) direkt auf mich zu, mitten durch die +Träger durch, stolpert über meine Zeltstricke, rennt ins Dorf und +bleibt darin stehen. Während ich noch diesem Tier zusehe und nicht +weiß, was ich aus dem Vorfall machen soll, kommt eine zweite Antilope +fast durchs Zelt und stellt sich zur ersten.</p> + +<p>Nun machten mich die Leute aufmerksam auf zwei wilde Hunde (Abb. +8), die sich außerhalb der Träger hingesetzt hatten. Ich zeige die +Wildhunde meinen vier Doggen und hetze diese. Kein Gedanke, daß sie +die Wildhunde einholten. Als meine Hunde auf einen Pfiff mutlos +zurückkehren, folgen ihnen die beiden Wildhunde. Eine abermalige Hetze +war so erfolglos wie die erste. Nun nehme ich mein Gewehr zur Hand, +schieße aber zu kurz, wie ich am Hochsprung des Hundes auf allen Vieren +sehe, ein zweiter Schuß hat dasselbe Ergebnis. Nun trollen sich die +Wildhunde hinter Dornengebüsch und sind für mich unsichtbar.</p> + +<p>Ich gehe dann zu den Antilopen, die mit zitternden, weitgeöffneten +Nüstern und schlagenden Flanken im Dorf stehen und sich anfassen +lassen. Die Leute erzählten mir, sie hätten die Hetzjagd der +Wildhunde schon eine ganze Weile beobachtet, in der Steppe wäre es +immer im Kreise herum gegangen. Sehr scharf sei das Tempo der Hunde +nicht gewesen. Durchaus wollten die Leute die Antilopen töten und +verspeisen. Mir taten diese geängstigten Tiere leid, und ich ließ alle +Leute zurücktreten, damit sich die Antilopen — Muttertier und fast +ausgewachsenes Kitz — erholen und nach Belieben entfernen konnten.</p> + +<p>Dies war meine erste Begegnung mit wilden Hunden. Noch häufig traf ich +diesen Schrecken des armen Wildes an. Einmal, als ich gerade Wildbret +für meine Tafel brauchte und bei Morgenlicht im Wildgebiet eintraf, +galoppierte ein Wasserbock (<span class="antiqua">Cobus ellipsiprymnus Ogilb.</span>) auf +mich zu. Ich nahm an, daß er mich früher wahrgenommen hatte und mir auf +seiner Flucht wieder in den Weg lief, weil ich durch Gebüsch gedeckt +war. In hohen Fluchten quittierte er auf meinen Blattschuß. Der erst +spärlichen, dann reicher werdenden Schweißfährte folgend, fanden wir +ihn, nach etwa 1000 Meter Suche, verendet in einem Dickicht.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span></p> + +<p>Einen Augenblick bei dem zur Strecke gebrachten Bock ausruhend, +hörte ich plötzlich den Schreckton eines Buschbockes (<span class="antiqua">Tragelaphus +roualeyini Gord. Cumm.</span>). Da das Fleischbedürfnis meiner +europäischen Nachbarn groß war, wollte ich auch diesen strecken. +Vorsichtig schiebe ich mich aus der Dickung heraus und habe vor mir: +sechs Wildhunde. Auf vier Meter Entfernung bleiben sie ruhig vor mir +sitzen, indem sie mich anäugen. Sie müssen meine Anwesenheit schon +vorher bemerkt haben und waren höchstwahrscheinlich auch schon vorher +hinter meiner Beute her. Den Vordersten schoß ich spitz von vorn. +Er fiel ohne einen Laut. Die anderen machten nun einen Luftsprung, +dann saßen sie wieder. Einer steht auf und nimmt Witterung an seinem +toten Kameraden, aber nur einen Augenblick. Hastig faßt er ihn dann +mit den Zähnen, und im Nu bilden die übrigen vier mit ihm einen +Knäuel. Sie reißen große Fetzen aus dem Geschossenen und würgen die +Bissen ohne Kauen hinunter. In kurzer Zeit ist auch kein Knochen oder +Haarbüschel von ihm übrig. Als ich den zweiten schoß und nach seinem +Fall gleich auf die Wildhunde zuging, zogen sie sich knurrend zurück +und verschwanden dann. Eine halbe Stunde danach hörte ich, wie sie mit +einem Löwen stritten. Als ich mir durch das Dickicht einen Weg nach dem +Kampfgetöse zu gebahnt hatte, waren alle Beteiligten verschwunden. Nur +das niedergetretene Gras gab Zeugnis von einer Balgerei.</p> + +<p>Wer den kürzern gezogen hatte, ließ sich nicht ermitteln. Ich glaube +aber der Löwe. Selbst habe ich es zwar noch nicht mit angesehen, aber +mir bei verschiedenen eingeborenen Jägerstämmen erzählen lassen, daß +der Löwe deshalb eine so große Furcht vor meinen Doggen hätte, weil er +sie für wilde Hunde hielte, die ihm stets so arg zusetzten, daß er das +Weite suchte. Käme es zu einem Kampf, so stürzten alle zugleich auf den +Löwen und bissen ihn überall, wobei immer ein Stück Fell und Fleisch +in ihrem Fang bliebe. Der Löwe selbst wäre nicht flink genug, sich so +vieler Angreifer zu erwehren. Etwas Wahres muß daran sein, denn stets +brachten meine Hunde den Löwen zur Flucht und konnten ihn nur dann +stellen, wenn ich mehr als zwei bei mir hatte.</p> + +<p>Wie das Wild die Wildhunde fürchtet, sah ich häufig daran, daß Gebiete, +die dicht mit Wild bevölkert waren, plötzlich wie ausgestorben dalagen +und nur einige Buschböcke und Ducker (<span class="antiqua">Sylvicapra<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> grimmia L.</span>) +(kleine Antilopen, die durch Ducken sich vorzüglich verbergen), die +ihren Standort schwer wechseln, übrig waren. Wasser- oder Futtermangel +war nicht eingetreten. Stets ergab es sich dann, daß Wildhunde dort +gehetzt hatten. Rudel bis zu dreißig Stück waren keine Seltenheit. +Eine solche Panik unter dem Wild ruft kein Löwe hervor. Wohl zeigt +das Wild bei Löwenanwesenheit Unruhe, ich sah aber mehrfach weit +auseinandergezogen äsende Wasserböcke und Hartebeeste, die von einem +Löwen, der mitten durch die Herde lief, kaum Notiz nehmen.</p> + +<p>Strichweise bewegen sich die Wildhunde durchs Land und steigen auch +in hügeliges Gelände auf. 1910 traf ich sie auf 1200 Meter Höhe nahe +Langenburg, wo sie die weidenden Viehbestände schwer schädigten.</p> + +<p>Nach meinen Erfahrungen bevorzugen sie alles Hornwild mit Ausnahme +des Büffels, der ihnen wohl zu wehrhaft ist. Warzen- und Wildschweine +verschmähen sie nach meinen Beobachtungen gänzlich. Übrigens nahmen +auch meine Hunde (Doggen und deutsche Schäferhunde) Schweinefleisch nur +ungern auf. Bei Zebras und Giraffen fürchten sie Schläge mit dem harten +Huf. Überall bestätigten mir die Eingeborenen, daß diese beiden Tiere +von Wildhunden verschont würden, wenn es sich nicht um ein junges Stück +handelte, das sich von der Herde entfernt hatte und den Anschluß nicht +mehr erreichen konnte.</p> + +<p>Erstaunlich ist die Muskelkraft der Kieferpartie der Wildhunde. Einer +meiner Bekannten in Langenburg zog zwei junge Hyänenhunde auf. Sie +liefen frei herum und kamen auf Ruf zum Futter. Als sie ein Vierteljahr +alt waren, hatten sie das Bestreben, nicht unter Beobachtung zu +fressen. Sie nahmen deshalb die Blechbüchse, die ihr Futter — Reis +und gekochtes Fleisch — enthielt, in den Fang, und einer trug den +für beide bestimmten Teil, der mit Büchse mehr als sein Körpergewicht +betrug, wagrecht davon, ohne daß dem Tier eine Anstrengung anzumerken +war.</p> + +<p>Übrigens waren die Tiere trotz ihrer Gefräßigkeit äußerst mager. Nur +der dicke Kopf, der durch die sehr großen, aufrechten Lauscher (Ohren) +noch größer erschien, fiel auf, so daß der übrige Körper dagegen ganz +zurücktrat.</p> + +<p>Im Gegensatz zu anderen vierfüßigen Raubtieren sind Wildhunde +ausgesprochene Tagestiere. Nase, Gehör und Gesicht sind außerordentlich +scharf.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span></p> + +<p>Deutsche Schäferhunde, die nach meinem Dafürhalten unter allen +Hunderassen das beste Gesicht haben, erkannten auf 200 Meter Entfernung +sich schwer vom Gelände abhebende, sehr ruhig weidende Esel nicht, d. +h. sie nahmen sie nicht wahr. Die beiden jungen Wildhunde verfolgten +die Esel aber ständig mit dem Auge. Keine laufende Ratte entging ihrer +Aufmerksamkeit, und zwar auf viel größere Entfernung, als wie ich dies +bei meinen sonst sehr regen Hunden beobachtete.</p> + +<p>Die Farbe der von mir erlegten Wildhunde war verschieden. Niemals fand +ich sie rein einfarbig, sondern immer in zwei Farben unregelmäßig +gefleckt. Im Südosten der Kolonie fand ich vorwiegend Dunkelbraun bis +Schwarz als Grundfarbe mit weißen oder gelben Flecken. Im Westen war +die Grundfarbe heller. Mehrmals schoß ich ganz fahlgelbe Exemplare +mit weißen Flecken. Einmal brachte ich einen Wildhund zur Strecke von +schmutziggelber Grundfarbe und schwarzen Flecken.</p> + +<p>Meist beherbergt das Fell zahlreiches Ungeziefer, vorwiegend Flöhe, +Zecken und Sarcoptes-Milben. Auch den Eingeborenen ist die Vorliebe +des Ungeziefers für den Wildhund als Wirtstier bekannt, und gerade aus +diesem Grunde ist das Fell eines Wildhundes den Eingeborenenärzten oder +Medizinmännern eine begehrte Sache, aus der sich Kapital schlagen läßt.</p> + +<p>Sehr stark ist nämlich die Nachfrage nach Amuletten, die Liebe +und Zuneigung erwecken sollen. Ein alter Medizinmann, mit dem ich +Freundschaft unterhielt, um mich über die Art seines Wirkens zu +unterrichten, gab mir im Laufe der Jahre interessante Aufschlüsse über +seine Praxis.</p> + +<p>Vieles ist Hokuspokus, ohne jeden Wert, einem großen Teil der +angewandten Mittel liegt aber eine gute Kenntnis heilkräftiger +Kräuter zugrunde. Es ist dieselbe Art des Wirkens, wie sie bei uns im +Mittelalter üblich war und heute noch von Schäfern und Wunderdoktoren +ausgeübt wird. Früher standen diese Leute im höchsten Ansehen, es +schwindet aber immer mehr, je mehr europäische Ärzte ins Land kommen. +Es bricht sich allmählich Bahn, daß diese denn doch etwas mehr vom +Heilen verstehen, als die eigenen Ärzte. Außerdem sind sie billiger, +d. h. der Eingeborene wird vorwiegend kostenlos behandelt, während der +eingeborene Arzt seine Kranken gehörig schröpft und diese bis auf wenig +Ausnahmen,<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> wenn überhaupt, so aus Autosuggestion, ihre Gesundheit +wiedererlangen. Der europäische Arzt ist diejenige Person, die am +leichtesten den Weg zum Herzen der Neger findet, sofern er einigermaßen +umgänglich ist. Das Gefühl der Dankbarkeit geht zwar dem Neger völlig +ab, dafür erkennt er aber den Vorteil einer mit Erfolg geführten +ärztlichen Behandlung voll an. Für ihn sind ja die Wirkungen der +Schutzimpfung gegen Pocken und die Salvarsanbehandlung bei Frambösie<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a> +die reinen Wunder.</p> + +<p>Doch ich sprach von der Verwendung des Felles der Wildhunde durch +Medizinmänner. Mein alter Freund verwendete deshalb bei der Herstellung +von Liebesamuletten stets einige Haare vom Wildhund, weil diese starke +Anziehungskraft ausübten, wie ja schon daraus zu ersehen wäre, daß sich +alles Ungeziefer zum Wildhund hingezogen fühlte.</p> + +<p>Von Eingeborenen wird der Wildhund nur selten erlegt. Einesteils ist +es nicht häufig, daß Wildhunde sich weidendes Vieh holen; es fehlt +der Anreiz der notwendigen Abwehr. Andernteils flößt der in Herden +jagende Wildhund den Negern Achtung ein. Ob diese berechtigt ist oder +nicht, hatte ich nie Gelegenheit festzustellen. Es wird zwar vielfach +behauptet, daß ab und zu Menschen von Wildhunden angegriffen würden, +etwas Bestimmtes scheint aber nicht dahinter zu stecken. Wenigstens +konnte ich nicht einen einzigen Fall dieser Art ermitteln.</p> + +<p>So wie ich den Neger kenne, wirkt schon das dreiste Verhalten der +Wildhunde, die nicht sofort die Flucht ergreifen, wenn einer oder +mehrere ihrer Genossen getötet werden, auf sie abschreckend.</p><br> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span></p> + +<div class="footnotes"><h3>Fußnoten:</h3> + +<div class="footnote"> +<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Die in diesem Bändchen mehrfach vorkommenden +weidmännischen Ausdrücke bedürfen wohl meistens keiner besonderen +Erklärung, da sich ihr Sinn aus dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht +werden, von selbst ergibt. Wo es uns aber dennoch nötig schien, haben +wir eine entsprechende Erklärung als Fußnote gebracht.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> D. h. in den Bewegungen innezuhalten (beim Wahrnehmen +einer Gefahr oder eines Feindes).</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> D. h. bei Raubwild eine »Spur« (Tritt) vor die andere +setzen.</p> +</div> + +<div class="footnote"> +<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Die Frambösie ist eine eigenartige Hautkrankheit, die sich +nur in den Tropenländern vorfindet und durch das Auftreten kleiner +weißer Pusteln auf geröteter und entzündeter Haut, sowie daraus +entstehender Geschwüre und schwammiger Auswüchse von Form und Größe +einer Himbeere (franz. <span class="antiqua">framboise</span>) zu erkennen gibt.</p> +</div> +</div> + +<hr class="r5"> + +<div class="chapter"> +<figure class="figcenter illowe62_5" id="illu-049"> + <img class="w100" src="images/illu-049.jpg" alt="Bild"> +</figure> + +<h2 class="nobreak" id="Dickhaeuter"><b>Dickhäuter.</b></h2> +</div> + +<p>Gewaltig ist der Reichtum an Dickhäutern in Deutsch-Ostafrika, die +allerdings die großen Heerstraßen, auf denen Europäer oder ihre +Karawanen entlang ziehen, verlassen haben. Bedingung für alle ist das +Vorhandensein reichlichen Wassers. Frisches Gras, Schilf und Laubwerk +ist ihre Hauptnahrung, und namentlich in der Trockenzeit sind diese +Genüsse an fließendes oder stehendes Wasser gebunden. Allerdings +treten die Dickhäuter zeitweise auch große Wanderungen an, so daß man +sie in Gebieten antrifft, in denen sie ihre Lebensbedingungen auf die +Dauer nicht finden. Stets halten sie sich aber dort nur vorübergehend +auf, seien es Nashörner und Flußpferde, z. B. wenn sie nach einem +anderen Weidegrund Umschau halten, oder Elefanten, wenn ihre Naschlust +sie treibt, Borassuspalmen oder Bäume in der Zeit der Fruchtreife +abzuernten.</p> + +<p>Plump und unbeholfen scheint uns ihr massiger Körper, der in der Natur +eine ganz andere Größe erreicht als bei noch so sorgfältigster Pflege +und reichlichster Nahrung in der Gefangenschaft.</p> + +<p>Jedoch mit welcher Behendigkeit entgegen dem täuschenden Anblick +durchqueren sie die für kleineres Wild und Mensch kaum gangbaren +Dickichte, die diesen nur auf ihren Pfaden ein Vorwärtskommen +gestatten! Dornendickichte und üppig wuchernde Schlingpflanzen, die +die Gebüsche förmlich verfilzen mit ihren frischen und<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> abgestorbenen +Ranken, durchschreiten sie wie weiches Gras. Wenn auch lautes Gekrach +und Geprassel damit verbunden ist, den Kolossen selbst ist eine +Anstrengung nicht anzumerken.</p> + + +<h3>Durch ein Dickhäuter-Eldorado.</h3> + +<p>Im Oktober 1912 reiste ich im Morogoro-Bezirk in Deutsch-Ostafrika. Am +Schnittpunkt der Morogoro-Mahengestraße mit dem Ruahafluß angekommen, +sagte ich mir, daß es für mich wenig Zweck hätte, auf den bisher +bekannten Wegen mein Reiseziel Kissaki zu erreichen, und ich beschloß, +den Ruahafluß abwärts zu gehen bis zum Zusammenfluß mit dem Rufidji. +Auf der Karte war der Ruaha auf dieser Strecke nur durch punktierte +Linien angedeutet, eine Routenaufnahme längs des Flusses war mir also +vorbehalten.</p> + +<p>In den Ortschaften Kidatu und Kidoti versuchte ich, Eingeborene zu +finden, die vielleicht die in Luftlinie etwa 180 km lange Strecke schon +zurückgelegt hätten. Keiner war beim Fischen nach den im Ruaha lebenden +enorm großen Welsen weiter als 40 km gekommen. Europäer hatten den Weg +noch nicht gemacht. Nur der mit Schomburgk Elefanten jagende Engländer +Kapitän Hemming war im Oktober 1908 dreißig Kilometer weit flußabwärts +gelangt.</p> + +<p>Auf der Missionsstation Widunda, die von meinem Lager nur zwei Stunden +entfernt lag, und wo ich bei Mönch Lamberti gastfreieste Aufnahme fand, +suchte ich mich weiter zu orientieren. Andere Auskunft als die, daß +weder Europäer noch Eingeborene diese menschenleere Gegend durchquert +hätten, bekam ich auch hier nicht. In gemeinsamer Beratung nahmen wir +an, daß der Weg bis zu den ersten Ortschaften vor dem Rufidji in vier +Tagen zu machen sei.</p> + +<p>Da man beim Reisen in Afrika mit allen möglichen Zufällen rechnen muß, +nahm ich für meine zwanzig Träger Verpflegung für sechs Tage mit, in +der Voraussicht, unterwegs die Nahrungsmittel noch durch erlegtes Wild +und gefangene Fische zu ergänzen. Ich warb in Kidoti noch vier Mann an, +die die erste vierzig Kilometer lange Strecke kannten, zum Tragen des +Mehlvorrates, den meine Träger nicht mehr auf ihre Traglasten schnüren +konnten. Am ersten Tage legten wir fünfunddreißig Kilometer zurück. +Der Weg war prächtig, da die Grasbrände von den von uns verlassenen<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span> +Ortschaften sich bis hierher ausgedehnt und die ersten leichten +Niederschläge der kleinen Regenzeit einen üppigen niedrigen Grasteppich +hervorgezaubert hatten. Das Schweifen des Auges ins Grüne weiß nur +der richtig zu würdigen, der den trostlosen afrikanischen Winter, die +Trockenzeit, kennt, in der alles gelb, starr und tot ist, und wo das +Auge nur zwei bis drei Meter vor sich Ausblick auf den schmalen Fußweg +hat, den die eigenen Träger oder eine frühere Karawane getreten haben.</p> + +<p>Wunderbare Flußszenerien boten sich dem Auge dar. Das Flußbett war +stellenweise dreihundert Meter und mehr breit, und da wenig Wasser +floß, bildete der Fluß nur Rinnsale innerhalb eines Gewirrs von +Sandbänken, die dicht mit aller Art Enten und Nilgänsen bedeckt waren.</p> + +<p>Im Schlick wateten fischende Marabus (<span class="antiqua">Leptoptilus crumeniferus +Less.</span>) und Löffelgänse (<span class="antiqua">Platalea leucerodia Linn.</span>). Ibisse +steckten ihre gebogenen Schnäbel in den Schlamm, und wo im Fluß ein +abgestorbener Baumstamm lag, dort wimmelten unter seinen in die Luft +starrenden Ästen Madenhacker (<span class="antiqua">Buphaga</span>), Kuhreiher (<span class="antiqua">Bubulcus +lucidus Rafin.</span>), unter denen einzelne Edelreiher (<span class="antiqua">Herodias alba +Linn.</span>) saßen und sich in der Reichsadlerstellung sonnende Kormorane +(<span class="antiqua">Phalacrocorax carbo Linn.</span>).</p> + +<p>Hoch in der Luft zogen Seeschreiadler ihre Kreise und erfüllten sie mit +ihrem hellen, klaren Schrei. Einzeln oder zu mehreren hielten Krokodile +auf den Sandbänken Siesta in der Sonne, um beim langsamen Näherkommen +behäbig ins Wasser zu rutschen, oder, falls sie überrascht wurden, +in eilig grotesker Stellung dem Wasser zuzuwatscheln und mit starkem +Schwanzschlag Wassergarben aufzuwerfen, so daß auf der Stelle, wo sie +eingetaucht waren, noch einen Augenblick die Regenbogenfarben standen.</p> + +<p>Von Haarwild waren mir nur Wasserböcke (<span class="antiqua">Cobus ellipsiprymnus +Ogilb.</span> und <span class="antiqua">Cobus defassa Rüpp.</span>) zu Gesicht gekommen. Da +niemand in dieser Gegend jagte, waren sie recht wenig scheu und +trotteten mir nur gemächlich aus dem Winde. Dabei fiel mir auf, +daß sie wohl unter einer Seuche leiden mußten, denn ihre Behaarung +war ruppig und glanzlos, und die Rippen traten deutlich hervor. +Später gemachte Blutpräparate kamen mir leider abhanden, so daß ich +nach meiner Heimkehr nicht mehr feststellen konnte, ob es sich um +Tsetse (<span class="antiqua">Nagana</span>) oder einen anderen Erreger handelte. Obwohl<span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span> +Tsetsefliegen (<span class="antiqua">Glossina fusca</span> und <span class="antiqua">morsitans</span>) in +übergroßer Menge uns belästigten, möchte ich doch nicht auf Nagana +schließen, da mein mitgeführter Reitesel gesund blieb und erst ein Jahr +später sich an Nagana infizierte und einging, die Fliegen am Ruaha also +wohl nicht infiziert waren.</p> + +<p>Schießen wollte ich erst kurz vor dem Lager, um keine Schwierigkeit mit +dem Fleischtransport zu haben.</p> + +<p>Die linke Flußseite war bisher ziemlich frei von Wald, die +gegenüberliegende trug abwechselnd dichtesten Uferbusch und Hochwald, +aus dem ab und zu einige Borassuspalmen lugten, die sich hier und da in +kleinen Inseln als Palmenbusch vereinigten (Abb. 9).</p> + +<p>Die rechte Seite des Ruaha bildete von meinem Ausgangspunkt bis +hinunter zum Rufidji die Grenze des großen Jagdreservates des Bezirkes +Mahenge und war bekannt wegen ihres Reichtums an Dickhäutern. In +allen wildreichen Bezirken Deutsch-Ostafrikas finden sich nämlich ein +oder mehrere Reservate, die von der Regierung geschaffen werden, um +dem Wilde Schutz und Schonung angedeihen zu lassen. Es herrscht eine +scharfe Kontrolle, daß von Durchreisenden kein Schuß, und sei es auf +Raubtiere, darin abgegeben wird.</p> + +<p>Gegen zwei Uhr fing auch auf meiner Seite ein zunächst lichter Uferwald +an, der den Fluß in zweihundert bis dreihundert Meter Breite begleitete +und sich bis an die das Flußtal umsäumenden Hügel erstreckte. Das +sonst aus abgebrannten Wiesenflächen wieder frisch gesprossene Gras +hatte hier aufgehört, und wir mußten von nun alte Elefantenwechsel +benutzen, die überall längs des Flusses kreuz und quer führten. Da +meine Leute erschöpft waren, machte ich gegen halb vier Uhr Lager. Ich +machte mir eine Stelle aus, wo ich freien Überblick nach dem Fluß und +auch nach der Landseite zu eine Lichtung hatte, und baute das Zelt in +niedrigem Busch ein, um nach Möglichkeit die Tierwelt beobachten zu +können. Meine Leute plagten mich um Fleisch, und nach vier Uhr machte +ich einen kleinen Gang ums Lager, mehr um mich zu orientieren, als mit +der Absicht, Wild zu erlegen. Nur für alle Fälle nahm ich einen Mann +mit, der, wenn nötig, das rituelle Schächten besorgen sollte, da alle +meine Leute Mohammedaner waren, die nicht durch Kehlschnitt getötetes +Wildbret verschmähen. Unmittelbar nachdem das Wild durch den Schuß +auf der Decke liegt, muß der Schnitt unter Gebeten ausgeführt werden, +solange das Blut der Halsschlagader noch fließt.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span></p> + +<p>Wir schlenderten also zunächst fünfhundert Meter am Flußufer hin. Man +kann da im weichen, feuchten Ufersand am besten lesen, was alles zur +Tränke kommt. Besonders zahlreich waren die Fährten von Wasserböcken, +daneben lag Losung (Exkremente), die noch nicht ganz erkaltet war; die +Tiere mußten also vom Zeltaufschlagen flüchtig geworden sein. Einige +Warzenschweine waren auch zur Tränke gegangen.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-053" style="max-width: 81.875em;"> + <img class="w100" src="images/illu-053.jpg" alt="Landschaft"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Ein kleines Bachbett, das zurzeit trocken war, hatte Flußpferden zum +Ausstieg an das höhere Flußufer gedient; der Wechsel war aber schon +älteren Datums und die Losung prasseldürr. Wir folgten dem Bachbett +aufwärts und sahen etwa dreißig Stück nur männliche Wasserböcke. Um +sie dem Lager noch näher zu treiben, gingen wir, bis sie Wind bekamen. +Es war mehr eine Spielerei von mir, aber der Versuch glückte. Durch +langsames Nachgehen trieben wir sie bis auf hundert Meter aufs Lager +zu. Plötzlich stutzten sie vor den Brennholz holenden Negern, und ich +nahm auf neunzig Meter den stärksten Bock aufs Korn und ließ fliegen. +Mit gesenktem Äser (Maul) ging er noch einige taumelnde Schritte näher +zum Zelt und lag dann mit gutem Lungenschuß. Leider war er genau so +mager,<span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span> als die tagsüber gesichteten. Den Negern ist das ja ganz +gleichgültig, meinen Appetit schärfte das kränkliche Aussehen jedoch +nicht, und ich verzichtete auf den Genuß.</p> + +<p>Nun, da die Leute ihren Willen, d. h. Fleisch zu ihrer Polenta hatten, +gab ich mich der Ruhe hin. Schöner lockerer Sand am Ufer lockte +zum Niederlegen, und die am Uferrand stehenden wilden Feigenbäume +dämpften das noch immer grelle Sonnenlicht. Einige meiner Leute kamen +zum Wasser, das einen klaren Tümpel von etwa Hektargröße bildete, +und spülten die Därme des Wasserbockes, um sich diese Delikatesse +mundgerecht zu machen. Wäre kein Wasser in der Nähe gewesen, so wäre +es auch gegangen, indem die Därme einfach umgedreht und mit der Hand +abgestreift worden wären.</p> + +<p>Während ich den Leuten so zusehe, fällt mir auf dem Wasserspiegel in +der Nähe der Spülstelle auf, daß kleine, aus dem Wasser ragende Zweige +hin und her schwimmen, untertauchen und wiederkommen, so daß ein +mechanisches Bewegen durchs Wasser ausgeschlossen erscheint. Ich rufe +die Leute an, was das wäre, und erhalte die Antwort: <span class="antiqua">cambale mingi +sana</span> — sehr viele Welse.</p> + +<p>Na gut! Fisch hatten wir längere Zeit nicht gehabt, und wenn sie so +gierig waren, wie die vor uns, so versprach das einen leichten Fang. +Von einer Wasserbockkeule ließ ich das Fleisch abschneiden, band dann +den Knochen an einen Strick, diesen an eine Baumwurzel und schnitzte +mir dann einen Stiel zu meiner Hechtgabel, die ich noch aus meiner +Jugendzeit besitze.</p> + +<p>So, nun noch einen Nagel durchgetrieben, daß die Öse fest am Stock +sitzt, und die Sache kann losgehen. Schon von weitem sehe ich, daß der +Köder gut angenommen war. Der Strick wurde hin und her gezerrt, und +einzelne Rücken schoben sich aus dem plätschernden Wasser. Vorsichtig +ging ich näher. Es waren mächtige Kerle dabei, deren Bart über +Bleistiftstärke Dicke hatte. Ich suchte mir einen mittleren von 1 Meter +Länge aus und hatte ihn an der Gabel, die ich aber fest an den Grund +drücken mußte, damit er sich nicht losriß. Ich schickte einen Mann ins +Wasser, der untergreifen mußte, und mit gleichzeitigem Schwunge lag der +Wels hilflos im losen Sande. Die anderen Welse nahmen keine Notiz von +uns, sie mußten im Tümpel wohl nicht mehr allzuviel finden und waren +deshalb so gierig, daß sie auf nichts mehr acht gaben. Die Gabel kam +nun noch ein paarmal zur Anwendung, dann nahmen der mir<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span> helfende Mann +und dazugekommene andere Träger einfach die Hände und warfen Fisch auf +Fisch in den Sand, bis ich sagte: »Jetzt sind's genug!« Bald waren +alle Fische kopflos und wegen ihrer Dicke der Länge nach halbiert; auf +Stäbe gespießt und ums Feuer gesteckt, begannen sie ihren Räucher- oder +vielmehr Dörrprozeß, für meine Nase allerdings kein idealer Genuß. +Ist man aber erst über ein Jahrzehnt in Afrika, d. h. wirklich darin +und nicht nur an der Küste und in Orten der Bahnlinie, dann ist die +Nase auch an mancherlei Düfte gewöhnt, ohne ihrem Träger Übelkeit und +Brechreiz zu verursachen, wie so oft im Anfang. Am nächsten Morgen +waren so viele getrocknete Fische vorhanden, daß, nachdem sich jeder +Träger die Menge auf seine Last geschnürt hatte, die er noch gerade +zu tragen vermochte, neben dem Rest des Wasserbockfleisches noch zwei +Traglasten übrig blieben, die die in Kidoti mitgenommenen Mehlträger +auf ihrem Rückwege mit nach Hause nehmen wollten; sie verschnürten sie +deshalb sorgsam in Borassusblätter und hingen sie zum Schutze gegen +Hyänen drei Meter über der Erde an einem Baum auf.</p> + +<p>Frisch und fröhlich marschierte die Karawane dann an dem noch kühlen +Morgen weiter. Viel Gelände gewannen wir nicht auf unserem Wege, denn +Gestrüpp und hohes Gras zwangen uns, nur Elefantenwechsel zu benutzen, +die außerdem nicht gerade in der gewünschten Richtung führen. Man +muß daher oft Leute nach rechts gehen lassen, um festzustellen, ob +wir uns auch parallel am Fluß halten. Diese Wechsel sind zwar, wenn +weniger benutzt, am Boden in achtzig Zentimeter- bis Meterbreite gut +glattgetreten, aber von der Seite ragen Dornenzweige herein, und von +oben hängen armdicke Schlingpflanzen herunter, um die sich der Elefant +zwar wenig kümmert, da er sie einfach beiseite drückt oder zerreißt, +die aber den Trägern mit der Last auf dem Kopfe äußerst hinderlich +sind, namentlich wenn die Last sperrig ist, wie das beim Zelttisch, +dem Feldbett und den Zeltlasten der Fall ist. Mühsam müssen die +Vordermänner dann mit dem Buschmesser Luft schaffen, was die Leute +recht ermüdet. Damit ich zu allererst die Natur immer frisch vorgesetzt +bekomme, gehe ich mit meinem Boy Saleh und einem alten Jagdbegleiter +— Mohamadi Kungulio — der früher berufsmäßiger Elefantenjäger war, +fünfhundert Meter voraus.</p> + +<p>Wir warten nun und wollen die Karawane aufmarschieren lassen und dann +den Leuten etwas Rast gönnen. Wir warten, warten,<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> warten — nichts +kommt. Endlich wird mir's zu bunt, und ich lasse Saleh laut rufen. +Nach dem zweiten »Huiiiii« zupft mich Mohamadi Kungulio am Ärmel — +<span class="antiqua">tembo kule, na kule, na kule</span> — Elefanten dort und dort und +dort, die Richtung mit dem zur Schnute geformten Mund angebend. Da +höre ich auch schon meine Leute hinter mir aufschreien und für eine +halbe Minute kracht's und prasselt's im Wald und Gebüsch, als ob ein +Zyklon hindurchbrauste. Ich selbst sah für kurze Augenblicke vier +Elefanten, die mit den Ohren schlugen und im Laufen den Rüssel nach +allen Richtungen in die Luft warfen, um zu winden. Zwei kamen auf uns +zu, zwanzig Meter in der Breite getrennt; wir blieben ruhig stehen, +ohne uns zu rühren, und sie schlürften weiter auf die Karawane zu, +ohne Notiz von uns zu nehmen. Wir steckten rasch das trockene Gras in +Brand, um sie durch den Brandgeruch weiterzuvertreiben, und gingen +dann zurück zu den Trägern. Hier lagen meine Lasten am Boden, von den +Leuten keine Spur; erst nach mehrmaligem Rufen kommen einige zaghaft +hinter Stämmen hervor oder von Bäumen herunter. Zu Schaden ist keiner +gekommen, nur meine Lasten werden durchs Hinwerfen etwas beschädigt +sein. Nun lachen die Leute sich gegenseitig aus wegen der überstandenen +Angst. Die vordersten hatten drei Elefanten schlafend stehen sehen; +nach der Beschreibung der Leute mußten wir auf sechs Meter an ihnen +vorbeigegangen sein, hatten aber nichts gemerkt. In Angst hatten sich +die Leute nicht weiter vorgewagt, sondern waren mit der Last auf dem +Kopfe stehen geblieben und hatten erst nach dem »Huiiiii« die Lasten +weggeworfen und waren ausgerückt, als einer der aus der Ruhe gestörten +Elefanten die Richtung auf sie zu nahm. Es mögen insgesamt etwa dreißig +Elefanten gewesen sein, die sich lang auseinandergezogen zur Ruhe +untergestellt hatten.</p> + +<p>Daß wir vorbeigingen, ohne die drei Elefanten zu bemerken, ist nichts +Verwunderliches. Im dichten Blätter- und Astgewirr, aus dem nur Teile +der Tiere sichtbar sind, läuft man sehr leicht vorbei; die Säulen +(Beine) dieser großen Dickhäuter sehen Baumstämmen täuschend ähnlich, +und oft hat die vorzügliche Mimikry (Anpassung an die Umgebung) meine +nicht gerade schlechten Jägeraugen getäuscht, wenn ich auf frischer +Elefantenfährte pirschte, und nicht, wie heute, Routen aufnehmend und +nur beobachtend meines Weges zog.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span></p> + +<p>Erzählte doch ein Spaßvogel, er habe einen Büffel vor sich gehabt, und +zum sicheren Schuß an einem Stamme angestrichen<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>; nach dem Schuß wäre +der Büffel davongelaufen, sein Stamm aber auch, und erst jetzt habe er +gemerkt, daß er eine Elefantensäule für einen Stamm angesprochen habe.</p> + +<p>Ist dies auch etwas toll geflunkert, so habe ich, wie viele +Elefantenjäger, doch oft über eine Viertelstunde neben einem Elefanten +gestanden, auf den ich achtlos gelaufen war, weil ich einen anderen, +entfernteren schießen wollte, der nicht günstig stand. Solange der +Elefant nicht Wind bekommt, reagiert er nur schwach durchs Gesicht und +achtet auf Geräusche, die durch Gehen oder Brechen im Busch verursacht +werden, recht wenig.</p> + +<p>Nach dem überstandenen Schrecken ging es wieder weiter. Um ähnlichen +Überraschungen vorzubeugen, zündete ich immer vorn das Gras an, womit +ich gleichzeitig meinen folgenden Trägern das Zeichen gab, wie weit ich +voraus sei, da sie an der Ausbreitung des Feuers merken konnten, wie +lange es schon brannte.</p> + +<p>Wir überschritten jetzt ständig Flußpferdpfade, die alle frisch +begangen waren. Einem Pfad, auf dem die Losung noch so frisch war, +daß sie noch Luftbläschen enthielt, folgte ich bis zum Wasser. Schon +nach hundert Metern stand ich vor dem Ruaha, der sich hier durch +eingelagerte Felsbänke seenartig erweiterte, d. h. er füllte trotz +der Trockenheit das ganze Flußbett aus. Ein wunderbares Bild hatte +ich, als ich den Wasserspiegel überblicken konnte. Mir gegenüber in +fünfzig Meter Entfernung lagerten im seichten Wasser mehrere Flußpferde +(<span class="antiqua">Hippopotamus amphibius L.</span>, s. Abb. 10). Einzelne stiegen auf +den Steinklippen umher, den ganzen Körper außerhalb des Wassers, und +balanzierten trotz des massigen Körpers geschickt auf den schmalen +Stützpunkten herum. Andere jagten sich im neckischen Spiel im Wasser, +und zwei junge Bullen probierten gegenseitig ihre Stoßzähne, indem +sie Lippen gegen Lippen stießen. Fast sah es so aus, als ob diese +massigen Mäuler sich zum Kusse berührten. Man hörte aber deutlich das +Aneinanderklirren der Stoßzähne, die im Maul verborgen lagen, und +konnte sich einen Begriff davon machen, wie es später im blutigen +Ernst zuginge. Ein auf einer Sandbank<span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span> liegender alter Bulle ließ +deutlich erkennen, daß auch die dickste Schwarte Risse bekommen kann; +in allen Richtungen war seine Rückenpartie vom Kampfe zerhackt, teils +alt und weißlich verharscht, teils neueren Datums, an der rosigen +Farbe erkennbar. Insgesamt mochten es mehr als vierzig Flußpferde +gewesen sein, die da beisammen waren. Sie nahmen kaum Notiz von mir. +Auf mein lautes Händeklatschen antwortete nur der alte Bulle durch +tiefes Rohren, bemühte sich jedoch nicht aus seiner bequemen Lage. +Von der anderen Gesellschaft hoben nur einige die Köpfe, schüttelten +die kleinen Lauscher und pflegten dann weiter der Ruhe. Lange konnte +ich mich nicht von dem Bilde trennen, aber ich war noch nicht am Ende +meines heutigen Marschzieles. Drei Stunden wenigstens wollte ich noch +weiter gehen.</p> + +<p>Alle Viertelstunden stießen wir jetzt am Lande auf schlafende +Flußpferde, die wir hoch machten, damit sie unter der nachfolgenden +Karawane keine Verwirrung anrichten konnten. Eilig trotteten sie +dem Flusse zu. Auf einen jungen Bullen waren wir bis auf 1 Meter +aufgelaufen, ohne ihn im Grase zu sehen. Schießen wollte ich nicht, +da ich mir nur einen alten Bullenschädel mitnehmen wollte und die +Tiere hier fern von allen Anpflanzungen keinen Schaden anrichten +können. Anfangs glaubte ich, er schliefe. Als ich aber eine kleine +Seitenwendung machte, bewegte er seine Lauscher und drehte seine +Lichter so nach mir, daß ich den blutunterlaufenen Augapfel sah. Ich +winkte meinen beiden Leuten mit den Augen und wollte mich vorsichtig +zurückziehen und ihn erst dann hoch machen. Ganz sympathisch war mir +seine große Nähe nicht. Sowie ich den linken Fuß hinten aufgesetzt +hatte und den Körper nachzog, sprang er auf, warf sich nach mir herum, +und mit knapper Not entging ich durch einen Seitensprung einem nach +mir geführten Stoß; dann raste er auf meine beiden Begleiter zu, ohne +jedoch Notiz von ihnen zu nehmen, als sie durch einen hastigen Satz +aus seiner Fahrtrichtung flüchteten. Saleh wollte mir und Mohamadi +Kungulio die Hand schütteln zur Beglückwünschung nach überstandener +Gefahr. Mohamadi als alter Elefantenjäger lachte ihn aber aus und +meinte wegwerfend: »Hm, ein Flußpferd ist kein Nashorn,« womit er ja +schließlich recht hat im zweifachen Sinne seiner Worte.</p> + +<p>Wir kamen jetzt an einen versumpften Flußlauf, der von links auf +den Ruaha zu führte. Dicht war der Sumpf mit Nymphazeen<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span> bewachsen, +auf deren schwimmenden Blättern braune und schwarze Blätterhühnchen +(<span class="antiqua">Phyllopezus africanus Gmel.</span>) trippelten. Bei unserer Annäherung +fingen sie an zu gurren, und dieser gurrende Ton setzte sich über den +ganzen Sumpf fort. Zahlreiche Dickhäuter mußten hindurchgewechselt +sein, denn nach allen Richtungen konnte man die Linien der im Gehen +umgewendeten Nymphazeen sehen, deren rotbraune Unterseite sich deutlich +vom übrigen Grün abhob. Hellgrüne Flecken bildeten die Fanna-Rosetten +dazwischen. In der Mitte standen zwei Nimmersatte (<span class="antiqua">Pseudotantalus +ibis Linn.</span>) auf einem Ständer und putzten sich das Gefieder. Weiter +unten nach dem Fluß zu sah ich einige weiße Vögel, konnte aber auch +durchs Glas nicht bestimmen, ob ich Reiher oder Löffelgänse vor mir +hatte.</p> + +<p>Um die Fährten am Rande des Sumpfes zu lesen, beschloß ich, ihn zu +umgehen. Ich hatte dabei die Nebenabsicht, falls die weißen Vögel +Reiher wären und Schmuckfedern trügen, einen bis zwei zu erlegen.</p> + +<p>An Fährten stellte ich fest: drei afrikanische (Spitz-)Nashörner +(<span class="antiqua">Diceros bicornis L.</span>, s. Abb. 12), dann Flußpferde, Elefanten, +Wasserböcke und Zebras sowie einen starken Löwen. Es waren wirklich +Reiher (<span class="antiqua">Herodias alba Linn.</span>), wie ich auf hundertfünfzig Meter +ausmachen konnte. Beim Näherkommen sah ich durchs Glas, daß nur einer +gute Federn hatte, d. h. diese ragten über den Stoß als vom Wasser +zusammengeklebtes Schwänzchen. Auf einem Flußpferdwechsel, der durchs +Gebüsch führte, kam ich ungefähr auf vierzig Meter heran und holte mir +den Federträger mit einem Schuß meines kleinen 6 mm-Bayardkarabiners, +der, rauchlos beschossen, nur sehr schwach knallt. Mein Vogel schwamm +sofort auf dem Wasser, und die anderen lüfteten nur etwas die Flügel. +Mit dieser Beute war ich sehr zufrieden. Die Federn waren zwar durch +das Schleifen im Schlamm an den Spitzen braungrau gebeizt, bei den +trockenen Federn war aber nichts davon zu merken.</p> + +<p>Ich stieß wieder zu meiner Karawane, die sich inzwischen ausgeruht +hatte, und wir setzten den Weitermarsch fort. Bei Durchquerung eines +Dickichts, das wenig Ausblick gewährte, schreckte uns plötzlich ein in +allernächster Nähe ausgestoßener fauchender Grunzton. »Mbuisi«, wilde +Hunde (Hyänenhunde), sagte Mohamadi. Ich bückte mich möglichst tief und +sah zwei Löwen von merkwürdig dunkler, ins Braune gehender Farbe, mit +dunkelbraunem Kopf,<span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span> mähnenlos und nur halb so groß als ausgewachsene +Löwen, weshalb ich sie für junge Tiere hielt. Mohamadi und Saleh +hatten sechs Stück gezählt, und jener erklärte mir, daß es sich um +»Buschlöwen« handelte, die nicht größer würden und stets in Rudeln +jagten. Sie griffen Menschen niemals aus freien Stücken an, kämen +auch niemals in die Nähe der Dörfer. Sobald jedoch einer von ihnen +angeschossen wäre, gingen alle solidarisch zum Angriff über.</p> + +<p>Vor sechs Monaten hatte mir Pater Jäckel von der Missionsstation +Tununguo, ein sehr eifriger Jäger, erzählt, daß er einen solchen +kleinen Löwen geschossen hätte, drei andere seien darauf geflüchtet. +Ich hielt damals Pater Jäckels Beute für einen jungen Löwen, da ich +mir einbildete, alles größere deutsch-ostafrikanische Wild aus eigener +Anschauung zu kennen, und sah nun, daß ich mich getäuscht hatte. Leider +habe ich auch späterhin keinen dieser kleinen, kaum bekannten und +bisher unbeschriebenen Löwenart wieder zu Gesicht oder gar zum Schuß +bekommen.</p> + +<p>Die überall im Grase liegenden Flußpferde wurden uns bald äußerst +lästig; da sie in so großer Anzahl herumlagen, erlosch mein Interesse +für sie. Einige Male folgte ich noch ihren Pfaden bis zum Wasser und +sah dann stets Flußufer und Sandbänke von ihnen bevölkert. Ich habe +auf dieser Reise mindestens tausend Stück gesehen; da ich nur ab und +zu Ausblick auf den Fluß hatte und dort stets eine größere Anzahl — +zwanzig bis vierzig — sichtete, muß die wirkliche Menge ganz gewaltig +sein. Kein Mensch hatte sie hier gestört, und andere Feinde gibt es +wohl kaum für sie, da sie mit ihren Mitbewohnern des Wassers, den +Krokodilen, friedlich auszukommen scheinen. Es mag höchstens ab und zu +einmal ein Löwe ein junges Flußpferd schlagen.</p> + +<p>Auf einer Insel, die zurzeit mit der Landseite trockene Verbindung +hatte, schlug ich das Lager auf. Ich hatte von hier aus Ausblick +auf stark benutzte Tränkstellen an beiden Flußufern. Der Ruaha floß +hier in nur vierzig Meter breiter Rinne in reinem Sandbett. Außer +einigen großen Bäumen, die mir Schatten gewährten, war die Hälfte der +Insel mit dichtem, hohem Schilfrohr bestanden. In dem trockenen Teil +des Flußbetts waren zahlreiche, zum Teil tiefe Tümpel, die von sehr +mannigfacher Vogelwelt bevölkert waren. Ich sah hier die ersten jungen +Nilgänse (<span class="antiqua">Alopochen aegyptiacus Linn.</span>), die noch nicht flügge +waren.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span></p> + +<p>Gern hätte ich mir einige davon gefangen, da sie im Geflügelhof ganz +zahm werden und auch späterhin nicht fortfliegen. Wir plagten uns aber +bis Sonnenuntergang vergeblich. Sie hielten sich immer in der Nähe +des Wassers und ließen sich durch keine List davon abschneiden. Auf +dem Wasser aber war alle Mühe aussichtslos; sie tauchten so geschickt +und kamen zwischen schwimmenden Blättern und Ästen unbemerkt wieder +an die Oberfläche, wo man sie erst nach längerem Umherstreifen wieder +entdeckte.</p> + +<p>Als ich noch bei Tageslicht — um die durch das Lampenlicht +herbeigelockten Insekten nicht ständig aus Suppe und Fleischtunke +herauslesen zu müssen — meine Mahlzeit einnahm, die sich, wie stets +auf Reisen, aus vereinigtem Mittags- und Abendbrot zusammensetzte, +sah ich auf der rechten Flußseite (dem Jagdreservat) zwei Elefanten +langsam auf den Fluß zu wechseln. Sie kamen bis auf einige Meter an den +Fluß heran, knieten dort nieder und schaufelten mit den recht langen +Stoßzähnen — an der schlanken Form der Stoßzähne erkannte ich sie als +alte Kühe — den Sand auf. Dann erhoben sie sich wieder und halfen mit +den Vordersäulen nach, um die Vertiefung größer zu machen. Sie warteten +eine kleine Weile, sogen sich mehrmals hintereinander die Rüssel voll +und entleerten sie in ihr Maul, dann wurden einige Rüssel voll über den +Rücken und die riesenhaften, lebhaft hin und her bewegten Ohrmuscheln +gespritzt (Der deutsch-ostafrikanische Elefant (<span class="antiqua">Loxodonta africana +knochenhaueri Mtsch.</span>, s. Abb. 18) hat im Gegensatz zu <span class="antiqua">Elephas +maximus L. [E. indicus]</span> riesenhafte Ohren. Auch seine Stoßzähne +sind erheblich größer und erreichen ein Gewicht von 300 Pfund und +eine Länge von 2,8 Metern.), bis sie in steinerner Ruhe dastanden, in +der hereinbrechenden Dunkelheit immer verschwommener und gewaltiger +erschienen und sich schließlich ihre Schatten meinem Auge ganz +auflösten. Leider erschien der Mond erst gegen vier Uhr morgens als +letztes Viertel.</p> + +<p>Von allen Seiten hörte ich in dieser Nacht Elefanten trompeten +und beim Laubäsen in den Ästen brechen. Ab und zu gurgelte in dem +lautlos fließenden Ruaha das Wasser, wenn Flußpferde heraus oder +hinein wechselten. Dazwischen schreckten Buschböcke mit ihrem tiefen +Bellton. Einmal erwachend, hörte ich ein Flußpferd ganz dicht bei +meinem Zelt Schilf äsen. Ganz gleichmäßig wechselten das Rupfen und +die Kaugeräusche ab, so daß ich bald wieder einschlief.<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> Es ist +eine weihevolle Stimmung, die einen beherrscht, wenn man in der von +frevelnder Menschenhand noch nicht berührten Natur das Leben dieser +Urriesen auf sich einwirken lassen kann.</p> + +<p>Am Morgen erwacht, ging ich im Schlafanzug aus dem Zelt, und mein +erster Blick galt der Stelle, wo gestern abend die Elefanten gestanden +hatten. Sie war natürlich leer, aber ein größeres dunkles Etwas lag am +Boden, dessen Natur ich mit dem Glas nicht ausmachen konnte. Mohamadi +Kungulio, als Monfidyi (Bewohner des Rufidjideltas) an Wasser mit +Krokodilen gewöhnt, schwamm hinüber und fand — die Nachgeburt eines +Elefanten. Hätte ich von diesem nächtlichen Vorgang eine Ahnung gehabt, +so hätte ich mich sicher hinübergepirscht, um diesen Vorgang, der wohl +selten eines Menschen Auge geboten wird, zu belauschen. Frisch gekalbte +Elefanten hatte ich früher am Njassa häufig gesehen, sie waren aber +immer einige Tage alt, da ich sie nur dadurch zu Gesicht bekommen +hatte, daß mir gemeldet wurde, der Elefant, der immer dort und dort zur +Tränke zieht oder nachts die Zuckerrohrpflanzungen abweidet, hat jetzt +ein Junges.</p> + +<p>Der Weitermarsch bot gegen die Vortage nichts Neues. Flußpferde, +Flußpferde, Flußpferde und ab und zu einige Wasserböcke, sonst sahen +wir nichts.</p> + +<p>Vom Lager wagte ich es, im Fluß zu schwimmen. Hundertfünfzig Meter von +mir entfernt lagen mehrere Flußpferde ruhig im Wasser. Durch unseren +Lärm aufmerksam gemacht, schwamm eins langsam auf uns zu. Es war wohl +mehr Neugierde als Angriffslust. Als es gähnend den Rachen aufriß, +sah ich prachtvolles Elfenbein schimmern (Abb. 10). Ich machte meinen +oben vom Zelt uns zuschauenden Leuten die Geste des Schießens, und +mein Boy Saleh brachte mir gleich mein schwerstes Gewehr, die 11,2 +Elefantenbüchse mit 5,5 g rauchlosem Pulver. Auf etwa 30 Meter ließ ich +den Bullen herankommen, dann ließ ich, auf das rechte Auge abkommend, +fliegen. Ein gewaltiges Plätschern, das mir die Wellen bis an die Brust +spülen ließ — ich stand bis etwas über die Hüfte nackt im Wasser —, +und der Bulle lag tot auf dem Wasser, ohne unterzusinken. Auf den Schuß +antworteten flußauf und -ab die anderen Flußpferde durch tiefes Rohren.</p> + +<p>Um einem Abschwimmen in dem zwar langsam abfließenden Wasser +entgegenzuarbeiten, rief ich gleich nach Stricken und Leuten,<span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> und +bald bewegte sich der Koloß, von Schwimmern gezogen, aufs Ufer zu, +während einer auf den Kadaver geklettert war und Umschau hielt, ob +kein Krokodil oder Flußpferd in der Nähe sichtbar würde. Plötzlich +angstvolles Schreien aller Leute, mein Flußpferd war im Stich gelassen, +und alles strebte dem Ufer zu. Ein zweites Flußpferd erschien dicht +hinter dem erlegten und gab dem toten Tier gewaltige Stöße. Da mir +meine Munition zu kostbar war, rief ich meinem Soldaten beim Zelt zu, +einen Schreckschuß abzugeben. Er gab deren zwei ab, die wirkungslos +blieben. Na, dann meinetwegen! Ich hatte zwar an einem Schädel genug, +aber diesen einen wollte ich auch sicher haben.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-063" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-063.jpg" alt="Flußpferd"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Gerade als das Flußpferd den Kopf etwas aus dem Wasser hob und steil +nach unten senkte, trug ich ihm meinen Schuß durch die Lichter an. +Lautlos versank es, nur der dumpfe Ton der einschlagenden Kugel war +weit hörbar. Mit Mühe bekam ich meine Leute so weit, daß sie sich +wieder vorspannten. Als die Schwimmer Grund hatten, ging die Sache +rasch vor sich. Im knietiefen Wasser wollte es aber nicht weiter +gehen, trotzdem zwölf Mann an den<span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span> Stricken zogen und zehn hinten +drückten. Da die Sonne schon untergegangen war, ließ ich den Kopf vom +Rumpfe trennen. Vier Mann hatten schwer daran zu tragen. Der Schädel +sollte bis zum Morgen durch Entfernen aller Fleischstücke leichter +gemacht werden, und drei Mann, die sich immer ablösen mußten, ließ +ich unter Aufsicht eines Soldaten ans Werk gehen. Schrilles Trompeten +der Elefanten, Rohren der Flußpferde und das Heulen einiger Hyänen, +die der Fleischgeruch lockte, machten unser Nachtkonzert. Am Morgen +rief ich durchs Zelt, daß zwei Mann nachsehen sollten, ob der Kadaver +des zweiten Flußpferdes, das gestern gleich gesunken war, an den +Stromschnellen, die weiter unten waren, angeschwemmt sei oder so auf +dem Wasser treibe.</p> + +<p>Sie kamen zurück mit der Botschaft, daß nicht nur von dem zweiten +Flußpferd nichts zu sehen sei, sondern auch der kopflose Kadaver, den +wir nur mit Mühe im knietiefen Wasser fortbewegt und nicht einmal bis +ans Ufer gebracht hatten, verschwunden sei. Wir nahmen an, daß es +Krokodile gewesen waren, die den unverletzten Körper angeschnitten und +dadurch am Auftrieb verhindert und ebenso den kopflosen Kadaver erst +durch Abreißen von Stücken leichter gemacht und dann ins tiefere Wasser +gezerrt hätten. Am Rikwasee hatte ich häufig die Beobachtung gemacht, +daß auf den Grund gesunkene Flußpferde von Krokodilen angeschnitten +wurden, ehe sich die Auftriebsgase entwickeln konnten.</p> + +<figure class="figcenter illowp75" id="illu-064" style="max-width: 18.75em;"> + <img class="w100" src="images/illu-064.jpg" alt="Flußpferdschädel"> +</figure> + +<p>Nun, dann hilft weiter nichts, wir mußten weiter. Zwei Mann tragen den +jetzt nur noch etwa hundert Pfund schweren Schädel an einer Stange. Das +Gebiß ist prächtig (Abb. 11). Die Stoßzähne sind handgelenkstark, und +die beiden unteren Hauer reichten mir, als ich sie später herausnehmen +konnte, um den Leib, wenn man Wurzel und Spitze zum Ring zusammenlegte.</p> + +<p>Gegen zehn Uhr wurde hinten bei den letzten Trägern ein Nashorn +(<span class="antiqua">Diceros bicornis L.</span>, Abb. 12) hoch. Geräuschvoll wie eine<span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span> +Dampfmaschine pustend, jagte es an der Karawane entlang, lief auf +uns bis auf vierzig Meter zu und schwenkte dann links ab, in der +Hügellandschaft im hohen Grase verschwindend. Natürlich lagen wieder +sämtliche Lasten auf der Erde. Wegen seiner Angriffslust ist es das +von den Negern am meisten gefürchtete Tier. Man sieht es dem ruhig +weidenden, plumpen Tier gar nicht an, welch behende Geschwindigkeit es +entwickeln kann.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-065" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-065.jpg" alt="Nashorn"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Die Hügellandschaft trat jetzt etwas mehr zurück, und das Gras wurde +niedriger, so daß das verbreiterte Flußufer Salzsteppencharakter +annahm. Gnus (<span class="antiqua">Connochaetes taurinus Burch.</span>), Hartebeeste +und Zebras traten in kleinen Herden auf, und Rudel von +Schwarzfersenantilopen äugten auf uns aus der Ferne. So blieb das +Bild einige Tage, die Elefantenwechsel wurden spärlicher, und nur die +Flußpferde blieben zahlreich wie zuvor. Ein heftiger Kopfschmerz hatte +sich bei mir bemerkbar gemacht, und ein Ziehen im Kreuz und in den +Beinen gab mir Gewißheit, daß sich Malaria eingestellt hatte. Unsere +Vorräte waren aufgezehrt, wir waren schon am siebenten Tage unterwegs, +statt, wie gerechnet, am fünften bis sechsten auf eine Ortschaft zu +stoßen. Mein Kaffee war auch zu Ende, ebenso<span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span> der Brot- und Mehlvorrat, +und selbst das Petroleum zu meiner Reiselampe. Nur Reis war für mich +noch für eine Mahlzeit vorhanden. Nachmittags nahm ich ein Gramm +Chinin und abends ein zweites. Das Fieber ging nicht herunter und +blieb auf neununddreißig Grad stehen, ab und zu etwas über vierzig +steigend. Nachts erwache ich und nehme halb im Fieberwahn ein drittes +Gramm Chinin. Das war auch für meine Pferdenatur etwas zu viel, und am +Morgen sah ich die Bescherung, ich hatte mir ein Schwarzwasserfieber +zugezogen, das zweite in Afrika, allerdings mit einem Zwischenraum von +elf Jahren. Ich versuchte, auf dem Esel zu reiten, nach einer Stunde +ging's nicht mehr. Nun heißt zwar bei Schwarzwasserfieber die erste +Pflicht, ruhig liegen bleiben, ganz gleich, wo. Meine und meiner Leute +Nahrungsmittelverhältnisse zwangen uns aber weiter. Ein paar Schritte +machte ich, auf meinen Boy Saleh gestützt — es ging nicht mehr. Meine +Soldaten machten aus meiner Zeltbodendecke eine Hängematte und trugen +mich persönlich. Es ging so lange gut, bis das schon mürbe Segeltuch +riß. Nun banden sie ihre Schlafdecken als Hängematte an eine Stange, +aber bald löste sich auch dort das Gewebe auf, und es blieb nichts +anderes übrig, als daß ich mehrere Strickpartien mir um Decke und +Stange in kleinen Abständen legen ließ. Fest wie ein Bündel lag ich nun +an die Stange angeschnürt. Das durch die Decke gemilderte Einschneiden +der Stricke war noch zu ertragen, aber ich konnte mich nicht bewegen +und die Tsetsefliegen nicht verjagen, die sich saugend auf Kopf und +Gesicht niedergelassen hatten. Ich verlor bei dieser Tour mehrere +Plomben aus den Vorderzähnen, wenn ich in Schmerz und Wut in die Decke +biß.</p> + +<p>Essen mochte ich im Lager nichts. Es gab nur gedörrtes +Wasserbockfleisch und abgekochtes lauwarmes Ruahawasser. Von diesem +zwang ich so viel in mich hinein, als mir ohne Brechreiz möglich war, +um die mit Blut verstopften Nieren wieder zu spülen und arbeiten zu +lassen. Einen Mann sandte ich voraus, um mir aus der unmöglich weit +entfernten Ortschaft eine Papay (Baummelone) zu holen, koste es was es +wolle. Spät am Abend kam er ergebnislos zurück, er brachte aber einen +Fischer mit, den er mit zwei anderen Leuten getroffen hatte.</p> + +<p>Nun konnte ich mich wenigstens über die Gegend orientieren. Die +Ortschaften flußabwärts waren mehrere Tage entfernt, die auf<span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span> der Karte +angegebenen existierten nicht mehr. Ihre Bewohner waren flußabwärts +gezogen, weil sie infolge der zahlreichen Elefanten, Nashörner und +Flußpferde nie eine ordentliche Ernte einbringen konnten, sondern nur +auf Fischfang angewiesen waren, um dann mit der geräucherten Ware +spärliche Lebensmittel eintauschen zu können. Viel braucht der Neger +nicht, aber dies war ihnen doch zu primitiv, und sie verließen diese +Gegend schon lange, wie ich zu meinem Leidwesen hörte.</p> + +<p>Die drei Fischer konnten uns keine Lebensmittel ablassen, denn sie +hatten selber nichts außer Dörrfischen. Uns war es um Mehl oder Reis +zu tun, da Fleisch und Fisch allein den Verdauungsapparat zu sehr +anstrengt und auf die Dauer Darmkrankheiten hervorruft. Einer meiner +Leute hatte einen wilden Bienenschwarm entdeckt, es war aber nur +eine kleine Honigwabe drin von halber Handgröße, die anderen Waben +enthielten Brut oder waren so wenig angefüllt, daß der Honig noch nicht +herausfloß.</p> + +<p>Am nächsten Tage bei den Fischern angekommen, bogen wir vom Ruaha links +ab auf das Dorf Hobola zu. Nach sechsstündigem Marsche erreichten wir +drei ganz primitive Hütten. Hier erhielt ich einige Stücke Maniok, den +ich erst rösten ließ und heißhungrig verzehrte. Endlich am neunten +Tage erreichten wir Hobola. Schon von dem Anblick der hübschen Hütten, +zwischen denen zahlreiches Federvieh herumlief, kam ich wieder zu +Kräften. Bald hatten die Leute gehört, daß wir ein paar Tage gehungert +hatten und daß ich schwer krank sei. Sie schleppten in großen Mengen +Süßkartoffeln, Maniok, Kürbisse, Zuckerrohr und Eier herbei, und +es begann ein Schmausen meiner Leute bis zum nächsten Morgen. Ich +selbst leistete auch darin Erhebliches und hielt meinen Koch bis +elf Uhr nachts in Atem. Erst ließ ich mir Kürbissuppe machen, dann +Süßkartoffeln rösten, dann solche kochen. Zwei große Portionen Rührei +genoß ich in den Pausen und kaute dann noch eine Stange Zuckerrohr. +Jedenfalls futterte ich mich in dieser einen Nacht völlig zu Kräften.</p> + +<p>Neu gestärkt und wie zu neuem Leben erwacht ging es am nächsten Morgen +vor Tagesanbruch weiter. Gegen elf Uhr erreichten wir das Dorf Kirengwe +an der Straße Kissaki-Mahenge. Hier hatte ich mein Rad stehen lassen, +und mit dem Gefühl »nur nach Hause«<span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span> ließ ich meine Leute Lager machen +und setzte mich selbst aufs Rad, um gegen einhalb ein Uhr in Kissaki zu +sein.</p> + +<p>Jedenfalls war ich der erste Europäer, der diese gänzlich unberührte +Gegend durchquert hatte. Unser rasches Vorwärtskommen auf dieser +unbewohnten Strecke verdanke ich meinen gut eingeübten Trägern, +die mich schon monatelang auf Reisen begleiteten. Heute sind alle +Mühseligkeiten vergessen, und gern erinnere ich mich dieser Reise, die +mir so reichen Einblick in dieses Stück erhaltenen Dorados der Riesen +aus der Urzeit gewährte.</p> + +<h3>Flußpferde<span class="s5 antiqua"> (Hippopotamus amphibius L.).</span></h3> + +<p>Viele Reisende berichten aus Afrika, daß Flußpferde harmlose Tiere +wären, die niemand etwas zuleide täten und den Menschen aus dem Wege +gingen. Sie verurteilen auch die Jagd auf Flußpferde, erklären den +Abschuß für unweidmännisch und möchten die Flußpferde von der Liste der +zur Jagd erlaubten Tiere gestrichen wissen.</p> + +<p>Ohne Zweifel haben sie teilweise recht. Es gab Leute, die sich Jäger +nennen, sich an einen Wassertümpel setzten, in dem sich Flußpferde +befanden, und die dann auf eins schossen, worauf die übrigen +untertauchten. Vorsichtig kommt wieder ein Kopf aus dem Wasser, um +Luft zu schöpfen; puff, wird auch er beschossen, das erste könnte ja +nicht tödlich getroffen sein, und so geht's weiter. Am nächsten Morgen +schwimmen dann zwanzig und mehr Leichen auf dem Wasser, der Rest ist +ausgewandert. Ich spreche hier von häufig vorgekommenen Tatsachen. +Solche »Jäger« haben aber gewöhnlich in Afrika zum erstenmal ein Gewehr +in der Hand gehabt und halten sich nun für geübt, wenn sie eine Kugel +aus dem Lauf lösen und einigermaßen richtig ans Ziel bringen können; +Liebe und Interesse für Wild fehlt ihnen; die Natur selbst ist ihnen +fremd. Sie gleichen den Engländern, die das Tontaubenschießen von +Monaco und Ostende auf das Wild übertragen und mit ihrer Rekordwut die +Kreatur zugrunde richten. Durch das neue Jagdgesetz, das für einzelne +Bezirke eine Einschränkung vorsah, ist ihnen das Handwerk gelegt +worden. —</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span></p> + +<p>Die Erlegung von Flußpferden kann dem Jäger aber auch reine +weidmännische Freuden bescheren. In den Gebieten, wo sich dieses +riesige Wasserschwein mit der Kultur trifft und seines Feldschadens +wegen häufig verfolgt wird, werden auch namentlich die älteren Bullen +äußerst angriffslustig. Wer an der Wehrhaftigkeit zweifelt, braucht +sich nur einmal einen alten Bullenschädel mit seinen gewaltigen +Stoßzähnen und Hauern im Unterkiefer genau anzusehen (s. Abb. 11). +Wie mancher Neger hat im Rufidji schon seinen Tod gefunden, weil ein +bösartiger Bulle ein harmloses Kanu umstieß oder zerbiß. Mancher mir +bekannte Europäer geriet durch Flußpferde, ohne daß er sie beschoß, +infolge Kenterns seines Bootes in die Gefahr des Ertrinkens oder des +Todes durch den Angriff eines Krokodils und wurde nur mit Mühe gerettet.</p> + +<p>Aber nicht nur im Wasser können Flußpferde unangenehm werden, wie aus +folgendem hervorgeht. Im März 1912 kehrten in Kissaki eines Abends +zwei Neger von der Arbeit zurück. Es war gegen neun Uhr und ziemlich +dunkel, wie meist in der Regenzeit. Kurz vor ihrem Dorfe sahen sie +ein großes schwarzes Tier an der Straße stehen. Der eine der Männer +klopft mit dem Stiele seiner Hacke an einen Baum, und im Augenblick +werden beide angegriffen. Der eine entkommt, der zweite fällt auf dem +schlüpfrigen Boden hin und streckt die Beine in die Luft. Schon hat ihn +das Flußpferd erreicht und zermalmt ihm gänzlich den Unterschenkel. Es +wurde erst durch das Geschrei der Dorfbewohner vertrieben. Da alle Wege +tief voll Wasser standen, war eine Verfolgung durch Aufnahme der Fährte +am nächsten Morgen ausgeschlossen.</p> + +<p>Beim zweiten Falle erschien im Juli desselben Jahres ein alter Bulle +mittags um 12 Uhr in einem Dorfe. Die Leute hörten das Laufen und +glaubten, ein Europäer sei geritten gekommen. Als sie zu seiner +Begrüßung aus ihren Hütten heraustraten, sahen sie ein Flußpferd +laufen. Eine alte, schwerfällige Frau lief ihm in den Weg und erhielt +einen solchen Hieb mit den Hauern, daß die Rippenpartie der linken +Seite samt den Rippenknochen aufgerissen wurde.</p> + +<p>Da ich dringend verreisen mußte, hatte ich selbst keine Zeit, die +Verfolgung aufzunehmen, und schickte deshalb fünf Leute mit Gewehren +ab, um das bösartige Tier, das sich seit längerem eine halbe Stunde +abseits des Flusses in den Maisfeldern aufhielt, deren Hüter angriff +und nur schwer zu verjagen war, unschädlich machen<span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span> zu lassen. +Angeblich hatten es die Leute beschossen. Es habe auch schwer vom +Blatt geschweißt, trotzdem sei es entkommen. Den Mgetafluß habe es +durchschwommen und sich stets auf dem trocknen Lande in Sicherheit +zu bringen gesucht. Ich konnte diese Behauptungen wegen meiner +dazwischenliegenden Abwesenheit nicht nachprüfen. Einige Zeit später, +als das Flußpferd wieder gemeldet wurde, brachte es der Baumeister S., +der die Station Kissaki baute, zur Strecke.</p> + +<div class="chapter"> +<h4><span class="antiqua">a.</span><em class="gesperrt"> +Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf dem Njassasee.</em></h4> +</div> + +<p>Häufig hatte ich am Njassastrand in den frühen Morgenstunden oder auch +am Tage, wenn der See wellenlos lag, die Umrisse der der Flußpferdjagd +obliegenden Wakissi beobachtet. In Kanus, die sechs bis acht Leute +fassen, stand am Bug der Harpunier mit der Harpune, die stets auf dem +nach oben ausgestreckten Arm wagerecht gehalten wird. Immer folgte +ein Kanu ohne Harpunier. Nie waren es aber mehr als zwei Kanus, die +gemeinsam fuhren. Vom Land aus gelang es mir nicht, den Augenblick +des Harpunierens zu erspähen, wohl aber sah ich mehrmals die Leute +mit ihrer Beute im Schlepptau heimkehren und diese im seichten Wasser +zerlegen.</p> + +<p>Ende des Jahres 1902 konnte ich die Angst des Wakissihäuptlings +Mandemera, daß mir ein Unfall zustieße und er dann dafür verantwortlich +gemacht würde, besiegen und ihn breitschlagen, mich auf solche +eigentümliche Jagd mitzunehmen.</p> + +<p>Zunächst will ich kurz die Ausrüstung beschreiben. Die beiden Kanus +boten Platz für vier bis sechs Personen, trugen aber im Notfall das +Doppelte. Es waren ausgehöhlte Baumstämme, deren Öffnung oben breit +genug war, daß ich, ohne mich seitwärts zu drehen, im Niedersitzen +meine Hüften hineinbrachte.</p> + +<p>Zu jedem Boot gehörten vier Mann mit dem am Njassa gebräuchlichen +kurzstieligen Paddelruder (s. Abb. 13, rechts) mit lanzettlichem Blatt, +das, ohne am Bootsrand aufgelegt zu werden, mit beiden Armen gehandhabt +wird. Die Ruderer sitzen am Boden des Bootes mit vorgestreckten Beinen +und bewegen nur den Oberkörper beim Rudern.</p> + +<p>Die Harpune (s. Abb. 13, links) ist ein am Blatte oval geschmiedetes +und haarscharf geschliffenes Eisen von 6 cm Länge und 4 cm<span class="pagenum" id="Seite_69">[S. 69]</span> Breite. +Oberhalb des Blattes steht als Widerhaken ein eiserner Dorn von der +Dicke und Länge eines kleinen Fingers, dann folgt eine mit einer Öse +versehene Lasche. In dieser ist eine aus Hanffaser festgeflochtene +Leine gut verknüpft. In die Lasche wird locker ein aus hartem, zähem +Holz gearbeiteter, fünf Meter langer Schaft gesteckt, an dem die +Harpune durch die an der Öse befestigte Leine festgezogen wird. Bei +Lockerung der Leine trennt sich die Harpune sofort vom Schaft. Der +Schaft von Handgelenkstärke wird durch monatelanges Liegen im Schlamm +mit mehrmaligem Erhitzen über Feuer besonders schwer und wuchtig +gemacht und wiegt dann gebrauchsfähig fünfunddreißig bis vierzig Pfund. +Man muß die Harpunenführer bewundern, daß sie stundenlang dieses +Gewicht auf dem erhobenen Arm balanzieren können. Die oben erwähnte +Leine ist sechzig bis siebzig Meter lang und liegt sauber aufgerollt +hinter dem Harpunenträger. Eine zweite ist zur Reserve vorhanden. Dann +kommen auf jedes Boot noch zwei Dutzend starke Speere mit 30 Zentimeter +langem, dreieinhalb bis vier Zentimeter breitem Blatt. Die Speere sind +mit Blatt etwa 1,6 m lang.</p> + +<figure class="figcenter illowp37" id="illu-071" style="max-width: 18.9375em;"> + <img class="w100" src="images/illu-071.jpg" alt="Paddel und Harpune"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>An einem windstillen Morgen fuhren wir bei der ersten Dämmerung ab. +Östlich von uns sah und hörte man schwach einige Flußpferde, die, aus +der Lufiriomündung kommend, langsam in den offenen See zogen. Ich +befand mich im Boot beim Harpunenträger — dem Häuptling Mandemera +selbst — und hatte, weil ich von dieser Art Jagd noch nichts verstand +und daher sonst passiv bleiben wollte, die Beaufsichtigung der Leine +übernommen, um möglichst genau vom Bug aus beobachten zu können. Ich +hatte bis auf Hut, Hemd und Hose alles abgelegt, um gegebenenfalls im +Schwimmen nicht behindert zu sein, falls das Boot zum Kentern kam, was +häufig vorkommen sollte. Außer uns beiden trug das Boot vier Ruderer. +Das zweite Boot war ebenfalls mit vier Ruderern bemannt und<span class="pagenum" id="Seite_70">[S. 70]</span> trug +noch einen Mann und einen Jungen. Jener sollte speeren, der Junge ihm +Ersatzspeere reichen.</p> + +<p>Klar grün schimmerte das Njassawasser. Es war so durchsichtig, daß man +am Bug, ohne verzerrte Bilder zu bekommen, auf dem Sandboden jedes +Steinchen schimmern und jeden Fisch schwimmen sah. Der See mochte fünf +Meter tief sein, wie ich mich belehren ließ. Mandemera bestimmte die +Tiefe nach der Farbe des Wassers. In einem Kilometer Abstand von den +Flußpferden fuhren wir zunächst zu diesen parallel. Dann wurde ein +Bogen geschlagen, der die Tiere zwischen uns und das Land brachte. Da +sich auch die Flußpferde gleichzeitig vom Ufer entfernten, waren wir +etwa 6 Kilometer weit draußen im See. Nun warteten wir mit eingezogenen +Rudern. Oft war von den Flußpferden nichts zu sehen. Sie schwammen +unter Wasser; näher und näher kamen sie. Erst sah man eine Fontäne +zerstäubten Wassers aufsteigen, dann erst hörte man den prustenden Ton, +der durch das Ausstoßen der Luft verursacht wird. Auf 150 Meter waren +sie jetzt an uns herangekommen. Es war 7 Uhr morgens. Nun suchten sie +seitlich auszubiegen, da sie wohl die feindliche Absicht witterten. +Unsere Ruderer traten in Tätigkeit, und Mandemera stellte sich in +Positur, wie ich sie so häufig vom Land aus beobachtet hatte. Das +zweite Boot fuhr in drei Meter Abstand eine halbe Bootslänge hinter +uns. Nun waren wir heran. Zehn Meter vor uns tauchte der Wassersprudel +auf. Dann hob sich das Tier mit halbem Körper aus dem Wasser und +versank lautlos. Es waren vier Flußpferde. Mandemera hatte es auf das +letzte abgesehen. Er schien es unter Wasser genau im Auge zu haben, +ich konnte nichts sehen, da ich saß. Da tauchte vor uns in fünf Meter +Entfernung die Nase auf und war auch schon wieder unter Wasser.</p> + + <figure class="figcenter illowp70" id="illu-073" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-073.jpg" alt="Flusspferdjagd"> + </figure> + +<p>Jetzt sah auch ich das Tier unter Wasser. Ganz rosig durchscheinend +schimmert seine Haut, ganz verschieden von dem sonstigen bräunlichen +Ton. Nun tauchte es zwei Meter seitwärts vor uns auf, sofort wendeten +unsere Boote. Wieder schwamm es unter uns. Es schien mir greifbar nahe. +Mandemera sagte, ohne seine Stellung zu verändern, es schwimmt zu tief. +Wohl eine Stunde folgten wir dem Flußpferd und bewegten uns kreuz und +quer fahrend dem Lande zu. Wir waren nur noch etwa vier Kilometer +vom Strand entfernt und die anderen Flußpferde weit draußen im See. +Mandemera sagte mir, ich stoße nur, wenn es nach<span class="pagenum" id="Seite_71">[S. 71]</span> +oben schwimmt, um Luft zu holen. Dies geschah alle drei bis fünf +Minuten. Wie mir schien, verpaßte der Häuptling gute Momente. Plötzlich +sah ich, wie Mandemera die Spitze der Harpune langsam senkte. »Gib auf +die Leine acht!« rief er mir zu. Das Flußpferd tauchte auf, wieder +hatte er nicht gestoßen, und ich fing an, ungeduldig zu werden. Jetzt +erhob er sich auf den Zehen, und die Harpune mit beiden Händen fassend +stieß er zu (Abb. 14). Ich spähte über den Rand und sah, wie sich das +Flußpferd im Wasser überschlug. Indem ich hastig die Leine abwarf, +sah ich, wie Mandemera jetzt den harpunenlosen Schaft in der Rechten +hielt und durch die Linke die Leine gleiten ließ. Halb links waren +wir über das Flußpferd hinweggefahren.<span class="pagenum" id="Seite_72">[S. 72]</span> Jetzt tauchte es auf, etwa 10 +Meter rechts von uns, seine Wasserfontäne war hellrot vom Schweiß. +Rückwärts fahrend hatte Mandemera den Harpunenschaft abgelegt und ließ +sich von mir einen Speer reichen. Ungefähr zwei Drittel der Leine +waren abgelassen. Mandemera faßte sie jetzt straff und sagte zu mir +»festhalten«; schon merkte ich das Reißen des flüchtenden Tieres. Ich +spreizte meine Knie, um fest im Boot zu sitzen, und ließ die Leine +am Bootsschnabel aufliegen. Tief neigte sich dieser nach dem Wasser; +obwohl die Ruderer Gegengewicht gaben, nahmen wir doch Wasser über, das +ein Mann eilig mit einem halben Flaschenkürbis ausschöpfte. Vierhundert +Meter hatten wir so in schneller Fahrt, vom Flußpferd gezogen, +zurückgelegt, das zweite Kanu hielt sich an unserem Boote fest. +Mandemera und ich hatten scharf zu halten, weil wir die Last beider +Boote schleppten.</p> + +<p>Plötzlich wird die Leine schlaff und, den ganzen Kopf außer Wasser, +kommt das Flußpferd laut brüllend auf uns zu. Mir wurde beklommen +zumute. Mandemera ging wieder an die Spitze des Bootes, und die Ruderer +ruderten mit Kraft rückwärts. Jetzt ist das Tier so nahe, daß ich im +Geiste schon unser Boot splittern sehe. Da hat es Mandemeras Speer im +Rachen, es schüttelt wütend den Kopf und beißt zu, der Speerschaft +zersplittert. Rasch reiche ich Mandemera den bereitgehaltenen zweiten +Speer. Er kommt aber nicht mehr zum Stoßen, denn das zweite Kanu kam +heran, und blitzschnell hatte sein Speerträger zweimal zugestoßen. Das +Flußpferd warf sich hintenüber, etwa wie der Stier den Kopf hochwirft, +auf den Schmerz reagierend, wenn er die erhoben gehaltenen Banderillos +in den Nacken empfängt, so daß der Torero Zeit hat, zu entfliehen. +Schon ist es wieder an der Oberfläche. Die Ruderer leisten Fabelhaftes +im schnellen Wenden und Vor- und Rückwärtsfahren. Blutiger Schaum +breitet sich auf dem Wasser. Mehrmals noch haben die Speerhalter beider +Boote Gelegenheit, zuzustechen, die Bewegungen des Tieres werden +matter, die Speerstiche bei jedem Auftauchen häufiger und tiefer. Jetzt +ist das Flußpferd wieder oben, es liegt halb auf der Seite. Mandemera +sticht so heftig zu hinters Blatt, daß er ins Wasser springen muß, der +Speer bleibt stecken. Noch einmal bäumt das Tier auf, uns mit flockigem +Schweiß übersprühend, dann sinkt es langsam weg. An der Leine wird es +bis an die Oberfläche geholt und noch ein Strick an sein Bein gebunden. +Dann werden beide Stricke am Boot<span class="pagenum" id="Seite_73">[S. 73]</span> festgemacht. Das andere Boot legt +sich uns vor. Mandemera und ich halten es mit den Händen fest und, das +Flußpferd im Schlepptau, geht's dem Lande zu. Gegen elf Uhr hatten +wir wieder Boden unter den Füßen. Die Beute lag drei Meter vom Strand +entfernt im See, weil wir sie im seichten Wasser nicht weiterziehen +konnten. Es war ein junger Bulle. Das ganze Dorf hatte sich schon +versammelt mit Messern und Körben, um das Fleisch abzuholen. Ich sah +mir zunächst die Speerstiche an, die zehn Zentimeter breit waren. +Vergeblich versuchte ich, einen Speer durch die Haut zu stoßen. Sie +federte wie Gummi, und zum Schluß hatte ich das Blatt ganz verbogen. +Es scheint bei der Anwendung dieser Waffe, die ich in ihrer Weichheit +mit den Händen fast wieder gerade biegen konnte, mehr Geschicklichkeit +als Kraft nötig zu sein. Dann ließ ich mir die Harpune herausschneiden, +um zu sehen, wie sie saß. Fünfzig Zentimeter weit war sie seitlich +in den Nacken gedrungen und hing mit dem Widerhaken am Kehlkopf. Vor +dem Zerlegen ging ich nach Hause. Meine Nerven erschlafften stark +nach der aufregenden Anspannung, und ich habe auch keine weitere +Mitwirkung an derartiger Jagd angestrebt, obwohl sich mir späterhin +mehrfach Gelegenheit bot, d. h. die Leute keine Angst mehr hatten, mich +mitzunehmen, da diesmal die Sache gut abgelaufen war. Ein Gewehr hatte +ich deshalb nicht mit ins Boot genommen, weil ich zu damaliger Zeit nur +<em class="gesperrt">eine</em> gute Waffe besaß, die ich nicht verlieren wollte, falls das +Boot kenterte, wie mir vorher ausgemalt wurde. Sonst hätte ich dem Tier +bald den Fangschuß gegeben, nachdem es an der Harpune saß — es hat +eben nicht jeder eine Negernatur —, Gelegenheit hätte ich dazu gehabt.</p> + +<div class="chapter"> +<h4><span class="antiqua">b.</span> <em class="gesperrt">Flußpferde im Rikwasee.</em></h4> +</div> + +<p>Gegen Ende des Jahres 1907 hielt ich mich einige Wochen am Rikwasee +(Abb. 1) auf. Die Gegend ist recht spärlich bewohnt, wegen der +sehr geringen Regenfälle unfruchtbar und sehr, sehr heiß. Groß ist +dagegen der Wildreichtum, und in den Mittagsstunden ist stellenweise +nichts zu sehen vor dem Staub der sich wälzenden Zebras und der +herumgaloppierenden Hartebeeste, denen das Brackwasser des Sees und das +Gras der Salzsteppen so vorzüglich bekommt, daß ich nie wieder Tiere +in solchem Ernährungszustande sah wie dort. Das Wasser ist belebt von +Scharen von Watvögeln. Rosa und weißen<span class="pagenum" id="Seite_74">[S. 74]</span> Wolken gleich fliegen unzählige +Flamingos und Pelikane über das Wasser, das großen Fischreichtum — +allerdings vorwiegend wenig schmackhafte Welse — beherbergt und +außerordentlich viel Schildkröten und Krokodilen zum Aufenthalt dient.</p> + +<p>Flußpferde sind im Verhältnis zu anderem Wild nur wenige vorhanden, +Nashörner wechseln ganz selten vorbei, und Elefanten durchschreiten +den See nur alle Jubeljahre einmal. Nur einmal sah ich drei Elefanten +mitten im See stehen. Ich hielt sie erst für Flußpferde, da sie nur +etwa eineinhalb Meter über dem Wasserspiegel sichtbar waren, und dann +betrug auch die Entfernung einige Kilometer.</p> + +<p>Nach Westen zu ist der See in der Trockenzeit für Fußgänger +durchschreitbar, südlich ist das Wasser so flach, daß man nach +sechshundert Metern vom Ufer nur bis an die Knie im Wasser steht. Im +Osten sind die Ufer versumpft durch den einmündenden Songwefluß, und +nur im Norden fallen die Ufer steil ab.</p> + +<p>Mir war neben anderen Nahrungsmitteln Butter und Fett ausgegangen. Von +den Fettschwanzschafen hatte ich nur noch eins, dessen »Fettschwanz« +leider seine Rasse Lügen strafte und nur als schlaffer Hautlappen +herunterhing. Meine Mahlzeiten wurden täglich miserabler. Der Koch +gestand sein Unvermögen, ohne Fettstoffe Abwechslung in die Küche +zu bringen, und ich mußte ihm in dieser Beziehung recht geben. Ein +Pumpversuch bei den Mönchen der »Weißen Väter« in Galula zeitigte eine +Flasche Erdnußöl, mehr konnten sie wegen eigener Ebbe nicht entbehren. +Was sollte ich mit diesem »Tropfen auf den heißen Stein« anfangen? Da +fiel mir ein, daß ich im Kolonialkochbuch gelesen hatte, »der Speck +des Flußpferdes ist sehr wohlschmeckend und in den Tropen bekömmlicher +als Schweinespeck,« es standen da allerdings auch noch andere Sachen +drin, wie »Affenrücken zuzubereiten« — brrr, mich schüttelte es, — +aber versuchen konnte man es immerhin. Ich lagerte in Kadabula und +hatte sowohl an die Süd- wie an die Ostseite zwei gute Wegstunden bis +zum See. Rasch ließ ich Pferd und Maskatesel satteln und machte mich in +Begleitung meines Pferdejungen auf den Weg. Die Südseite, die ich für +die aussichtsloseste hielt, entsprach meinen Erwartungen. Mit dem Glas +sah ich im Osten des Sees mehrere Flußpferde im Wasser spielen. Also +gut, nach Osten. Zwei Kilometer vor dem See mußte ich Pferd und Esel +zurücklassen, da das Gelände sumpfig<span class="pagenum" id="Seite_75">[S. 75]</span> +wurde. Zahlreiche Moorantilopen, die Ricken in Sprüngen, die älteren +Böcke einzeln, sprangen knätschend im Sumpfboden ab. An Wildbret lag +mir nichts, meine Trophäen wiesen gute Stücke auf,<span class="pagenum" id="Seite_76">[S. 76]</span> und aus diesem +Grunde schoß ich nicht; sodann wollte ich mir auch die Flußpferde nicht +vergrämen.</p> + +<p>Eine filzige Rasendecke bedeckte den Sumpf. Wie auf Eiern lief ich +vorwärts. Bei jedem Stehenbleiben spülte Wasser um meine Schuhe, +und die Rasendecke zitterte bei jedem Schritt mehrere Meter im +Umkreis. Einigemal trat ich durch und zog den Fuß bis übers Knie mit +grauem Schlamm bekleistert wieder heraus. Als ich erst ordentlich +eingeschlammt war, kam ein Gefühl der Gleichgültigkeit dagegen auf. +Eine dünne Binsenlinie versperrte mir noch den Ausblick auf den See. +Endlich hatte ich sie überschritten, aber wo waren die Flußpferde? Mehr +als sechshundert Meter draußen im See. Überall standen Krokodilköpfe +auf dem Wasser, und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei, den +zackigen Rücken und Schwanz außer Wasser. Sollte ich weiter ins Wasser +hineingehen? Die Krokodile sind hier sehr friedlich, da sie überreich +Fischnahrung haben und von Menschen wenig belästigt werden. Ich +versuchte es, aber nach dreißig Metern ging mir das Wasser schon bis an +die Hüfte, und ganz vertrauenerweckend war mir die Nähe der Krokodile +doch nicht. Unverrichteter Sache kehrte ich wieder um, denn ich sagte +mir: Schieße ich wirklich ein Flußpferd, wer holt es mir heraus? Da ich +das Fett für den Tisch verwerten wollte, mußte es wenigstens frisch +geborgen werden, ehe Zersetzungsgase den Auftrieb besorgten.</p> + +<figure class="figcenter illowp52" id="illu-077" style="max-width: 43.9375em;"> + <img class="w100" src="images/illu-077.jpg" alt="Sultan und sein Minister"> +</figure> + +<p>Zu Haus fragte ich den Sultan Mwen Iwunga (Abb. 15), ob er mir nicht +sein großes Kanu zur Verfügung stellen könnte. Er behauptete aber, das +Befahren des Sees wäre nur in der Regenzeit möglich, wenn der Songwe +hoch sei, jetzt wäre durch die verschilfte Mündung nicht durchzukommen. +Wenn ich Flußpferde schießen wollte, müßte ich abends gehen oder zeitig +vor Tagesanbruch, da wären sie an Land. Früher, wo er noch rüstig +gewesen sei, hätte er es immer so gemacht und Erfolg gehabt. Also ritt +ich abends wieder hin und fand die Flußpferde genau so weit draußen, +wie am folgenden Morgen. Sie mußten erst spät in der Nacht aussteigen +und nicht sehr lange äsen. Der Mond war aber noch zu klein, um nachts +schießen zu können.</p> + +<p>Gekochtes Wildfleisch und Reis, das ich früh, mittags und abends +vorgesetzt bekam, konnte ich aber kaum mehr sehen und riechen.</p> + +<p>Nach fünf Tagen hatten wir endlich Vollmond. Elf Uhr nachts war ich +wieder an Ort und Stelle und zitterte förmlich vor Aufregung,<span class="pagenum" id="Seite_77">[S. 77]</span> daß +die Flußpferde vielleicht an einer entfernteren Stelle aussteigen +könnten. Ich nahm meinen Fährtensucher mit, um jemand bei mir zu haben. +Kaum waren wir am Wasser angekommen, so hörten wir ein Rauschen; es +wurde still, dann rauschte es wieder. Nun können wir auch sehen. Drei +Flußpferde kommen aufs Land zu. Sie haben schon Grund und den halben +Leib außer Wasser. Alle paar Schritt bleiben sie stehen. Jetzt sind sie +nur noch hundert Meter entfernt, jetzt noch vierzig. Wir wollen sie +erst aussteigen lassen, und ich will dann möglichst nahe herankriechen, +da ich trotz des hellen Mondes schlecht zielen kann.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-079" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-079.jpg" alt="Flußpferd"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Kaum liegen wir hinter einem ausgesuchten Grasbüschel, so legen die +Flußpferde die letzten vierzig Meter in ziemlichem Eiltempo, das Wasser +aufrauschen lassend, zurück und sind am Land. Sie sinken bis an den +Bauch im Sumpf ein und fangen sofort lebhaft, fast gierig an zu äsen. +Silbern glänzen die feuchten Leiber im Mondlicht. Vorsichtig schiebe +ich mich zwischen den Binsen entlang. Ich war schon zu weit gekrochen, +nur ein Meter trennte mich vom mittleren Tier. Indem ich mich seitlich +zurückschob, hoffte ich, daß das Flußpferd bald durch eine kleine +Lichtung in den Binsen hindurchkommen würde. Nun erschien der Schädel, +und nun der<span class="pagenum" id="Seite_78">[S. 78]</span> Körper. Zwei Meter war ich von ihm entfernt und ließ +fliegen, aufs Blatt abkommend. Im Augenblick war ich auch aufgesprungen +und von dem an mir vorbeirasenden Tier wieder hingeworfen worden. Als +ich hoch kam, sah ich es bereits zusammenbrechen. Da pustete das letzte +Flußpferd heran. Ich trug ihm einen Schuß an und lief dann in vier +Meter Abstand neben ihm her und feuerte im Laufen noch dreimal. Es hat +das Wasser erreicht; nun taumelt es und tut sich noch hart am Ufer +nieder (Abb. 16). Das Nebenherlaufen war übrigens gar nicht so einfach. +Bei jedem Schritt trat ich tief in den Sumpf, und es muß ein komisches +Bild gewesen sein, wie ich meine Sätze machte und immer den hinteren +Fuß aus dem Sumpf ziehen mußte. Dem Flußpferd ging es aber auch nicht +besser. Am nächsten Morgen bezeichnete eine tiefe Rinne die Schleifspur +seines Bauches; zu beiden Seiten standen die Löcher voll Wasser, wo es +tief eingetreten war.</p> + +<p>Die Moskitos hatten mich ganz eklig zugerichtet, und meine Augenlider +waren von den Stichen dick verschwollen. Einen jungen Bullen und eine +sehr alte Kuh hatte ich zur Strecke gebracht. Speck hatte der Bulle gar +keinen und die Kuh nur ganz wenig. Mit dem Bauchfett zusammen schmolz +mein Koch nur etwa vierzig Pfund daraus. Geschmeckt hat's übrigens ganz +leidlich, ich war aber auch lange genug für den Genuß vorbereitet und +hätte auch übleren Sachen einen guten Geschmack abgewonnen.</p> + +<div class="chapter"> +<h4><span class="antiqua">c.</span> <em class="gesperrt">Der alte Gomerobulle.</em></h4> +</div> + +<p>Ich hatte durch nächtliches Arbeiten meine Nerven etwas überanstrengt +und konnte wieder einmal nicht einschlafen. Um nicht schlaflos im +Bett liegen und naß zu schwitzen, lief ich auf meiner Veranda auf +und ab und rauchte dann im Dunkeln im Klubsessel liegend noch eine +Zigarette. Fortwährend hörte ich vom Gomeroflusse her das Schrecken von +Buschböcken, und ich beschloß, mich am künftigen Tage, da ich gerade +den Strich unter eine größere Arbeit gemacht hatte, selbst zu belohnen +und auf einer kleinen Streife am Gomero, der nur zwei Kilometer +entfernt war, durch körperliche Anstrengung die Nerven wieder in das +richtige Gleichgewicht zu bringen. Buschböcke sah ich zwar keine, dafür +aber eine außerordentlich starke Flußpferdfährte. Nach zwei Stunden +Folge durch<span class="pagenum" id="Seite_79">[S. 79]</span> übles Dickicht verlor ich die Fährte und kehrte mit +zerrissenem Anzug und auch nicht ganz heiler Haut heim.</p> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-081" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-081.jpg" alt="Heisse Wasserquellen"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Öfter, wenn ich in der Richtung auf die heißen Quellen (Abb. 17) den +Gomero überschritt, um für meine Küche einen Wasserbock oder ein +Hartebeest zu holen, traf ich diese alte Fährte wieder, so daß ich zu +der Überzeugung kam, der alte Einzelgänger hat dort sein Standquartier. +Ideal genug dazu war ja die Gegend. Dichtestes Phönixpalmengebüsch und +schwerer Busch, der dicht mit Lianen bewachsen war, gab selbst bei +heißester Sonne kühle Verstecke. Grünes Gras war am und im Gomero das +ganze Jahr hindurch vorhanden. So zog ich denn eines Tages aus, um +ausschließlich auf den alten Burschen zu pirschen. Leicht stieß ich auf +die Morgenfährte, folgte ihr zum Flußbett und fand, daß mein Freund +nur Wasser eingenommen hatte, indem er sich nur einen halben Meter +ins Wasser begab. Schon früher hatte ich festgestellt, daß er seinem +Namen wenig Ehre machte und das feste Land gegen das feuchte Element +bevorzugte. Bald begann eine üble Kriecherei im dichtesten Gebüsch. +Zahlreiche Phönixstacheln waren schon in meiner Haut abgebrochen, und +der Schweiß badete mich förmlich. Ich trug mein Gewehr selbst, da mir +mein Boy Raschid, den ich an Stelle des erprobten Saleh mitgenommen +hatte, nicht zuverlässig genug war. Immer mußte ich auf diesen Rangen +von Boy warten, da er wegen der Dornen<span class="pagenum" id="Seite_80">[S. 80]</span> für seine Haut überängstlich +besorgt war. Jetzt finde ich Urin, der noch im Schaum steht, etwas +weiter Losung, die noch tropft; da geht auch schon ein Getöse los, +das mich schleunigst das Gewehr entsichern läßt. Ehe ich es aber noch +auf den für einen Augenblick sichtbaren Hautfleck in Anschlag bringen +kann, bricht der Bulle durchs Dickicht und reißt ganze Wände Lianen mit +sich, die mir das Gesichtsfeld versperren und mir Arme und Gewehr nach +unten drücken. So schnell wie möglich ging ich ihm nach; das Brechen +entfernte sich immer weiter von mir.</p> + +<p>Es wird freier, und ich hoffe, bei besserem Ausblick den Bullen +irgendwo verhoffend zu sehen. Statt dessen wechselt er im Gelände mit +grobem Kies, wo er auch nicht die geringste Fährte hinterläßt. Einen +Bogen schlage ich noch, als ich auch dann nichts finde, gehe ich +mißmutig heim.</p> + +<p>Häufig wiederholen sich die Pirschen, die ich auf den alten Bullen +unternahm, aber stets mit gleichem Erfolg. Niemals traf ich ihn +noch äsend, und stets hatte er sich in undurchdringlichem Dickicht +niedergelassen und nach Art alter schlauer Büffel vor dem Niedertun +einen Haken geschlagen, war parallel neben dem Wechsel zurückgekehrt +und hatte sich ganz knapp an der Fährte in guter Deckung niedergetan. +Er mußte also stets rechtzeitig durch Wind und Geräusch gewarnt werden.</p> + +<p>So oft ich es auch versuchte, ich kam nie zum Schuß. Weidlich wurde ich +mit »meinem« schlauen Bullen geneckt, ein ganzes Jahr lang konnte ich +seiner nicht habhaft werden.</p> + +<p>Doch auch ihn ereilte schließlich sein Schicksal. Von Hobola kommend, +nahm ich eines Tages im Januar 1914 meinen Weg durch Busch und +Steppe, da ich einesteils den Fußweg so oft gegangen war, daß ich ihn +langweilig fand. Andernteils macht frisches niederes Gras und ein in +der Nacht gefallener Regen den Boden so geeignet zum Fährtenlesen +wie ein Neuschnee in Europa. Ich wurde auch reichlich belohnt und +wußte bald, welche Wildarten und in welcher Zahl sie sich in diesem +Gebiet aufhielten. Beim Durchschreiten des trockenen Oberlaufes des +Gomeroflusses flogen seitlich erst zwei Schattenvögel (<span class="antiqua">Scopus +umbretta Gmel.</span>) und dann einige Ibisse auf. Wie! Jetzt hier Wasser! +denke ich und folge dem Flußbett. Richtig, eine ganze Strecke lang +steht Wasser in dem lehmigen Bett. Fährten von Elefanten mit Kälbern +und Rhinozerossen zeugten von<span class="pagenum" id="Seite_81">[S. 81]</span> häufigem Besuch der Wasserstelle, +und da, was sehe ich, auch die unverkennbaren Fußabdrücke meines +langgesuchten Flußpferdbullen.</p> + +<p>Da das Flußbett einen Bogen macht, den ich im Bett stehend nicht +übersehen kann, klettere ich am Ufer hoch und komme auf einen mit dem +Fluß parallel laufenden Elefantenwechsel, dem ich folge. Als sich +mir der nächste Ausblick auf das Wasser bietet, sehe ich endlich +den Langgesuchten im seichten Wasser ruhen. Kreuz und quer ist sein +mächtiger Rücken von vielen tiefen Narben bedeckt, die davon Zeugnis +ablegen, daß er zahlreiche Kämpfe mit seinesgleichen im Werben um das +Weibchen bestanden hat. Leichtere Narben deuten darauf hin, daß bei +seiner Vorliebe für das Leben auf dem Land in kaum durchdringbaren +Dickichten beim Eindringen in diese mit ungestümer, machtvoller Kraft +seine Haut von zersplitternden Ästen ganz durchpflügt wurde. Ganz +versunken in seinen Anblick stehe ich da und sehe vom hohen Ufer in +sechs Meter Entfernung auf ihn herab. Das Wasser muß ziemlich seicht +sein, denn er scheint zu liegen, und der Rücken ist mehr als einen +Meter außerhalb sichtbar. Nun fangen seine Lauscher an zu spielen, +und das blutunterlaufene Weiße in den Lichtern wird sichtbar. Langsam +erst schiebt er sich vorwärts, nun springt er auf und rast davon, daß +das Wasser hoch aufwirbelt. In seine Fluchtrichtung kann ich nicht +schießen, da dichtes Zweiggewirr hinderlich ist. Also zurück auf den +Elefantenwechsel, auf dem ich in eiligem Lauf vorwärts stürme, um ihm +weiter oberhalb den Weg abschneiden zu können. Mein Boy Saleh, der +zehn Meter vor mir lief, ruft mir zu: »Hierher, Herr — ein Ausstieg, +er muß gleich da sein.« In ein paar Sätzen bin ich dort, springe auf +den alten, tiefausgetretenen Wechsel, der von zur Tränke ziehenden +Elefanten getreten war, hinab, schlage an, für einen Augenblick den +Atem aussetzend wegen der Bewegung der hastig arbeitenden Lungen, die +sich dem Körper mitteilt, und trage dem Bullen einen Schuß in den +Nacken an. Für Sekunden ist er vom Anprall des 11,2-Geschosses betäubt; +ich stehe jetzt einen Meter vom Wasser entfernt. Da faßt er auch schon +am Ufer Fuß; eine Gewehrlänge trennt uns. Gerade als er den Körper +krümmt, um sich hinten kräftig abzustoßen, damit er ganz aufs Land +kommt, wobei er den Schädel tief senkt, gebe ich ihm, fast mit dem +Gewehr sein Auge berührend, den zweiten Schuß. Ich taumle einen Schritt +rückwärts, da ich schlecht Fuß gefaßt hatte und der Rückstoß von 5,5<span class="pagenum" id="Seite_82">[S. 82]</span> +Gramm Blättchenpulver ziemlich bedeutend ist, und sehe meinen Bullen +langsam ins Wasser zurücksinken. Kurz ist sein Todeskampf, und die +Beine rudern langsam im Schlamm.</p> + +<p>Zur Erinnerung mache ich eine photographische Aufnahme. Mein Boy Saleh +plagt mich, auch mit dem Flußpferd photographiert zu werden, da er so +oft vergeblich auf seiner Fährte mitgelaufen sei, und ich willfahre ihm.</p> + +<p>Den Schädel nehme ich als Trophäe mit, um ihn später in meinem +Jagdzimmer in Deutschland aufstellen zu können. Rasch lasse ich die +Fleischteile zur Erleichterung des Transportes herunterschneiden. +Leider essen meine Leute als Mohammedaner das Fleisch nicht; ich +schicke deshalb Nachricht auf eine Pflanzung, wo Wangonis aus dem +Ssongeabezirk arbeiten; bald kommen sie auch in Scharen an, um sich +diesen seltenen Leckerbissen zu holen.</p> + +<p>Doppelt freute ich mich über meinen Erfolg, da ich häufig vorher mit +meinem sagenhaften Bullen geneckt worden war, und nun den Beweis +erbrachte, daß Ausdauer und Festhalten am erstrebten Ziel auch auf der +Jagd zum Schluß reichlich für die gehabte Mühe entschädigt.</p> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="AufElefantenfährte"><b>Auf Elefantenfährte.</b></h2> +</div> + +<p>In früheren Jahren, als das berufsmäßige Elefantenjagen in +Deutsch-Ostafrika noch gestattet war, hielten sich stets mehrere Jäger +im Kissakigebiet auf, da dort besonders starke Bullen aus den früher +errichteten Jagdschutzreservaten Mohorro und Mahenge herüberwechselten. +Durch das Jagdgesetz von 1911, nach dem die Erlaubnis zur Elefantenjagd +an den Besitz eines großen Jagdscheines gebunden war, mit dem nur zwei +Bullen mit einem Einzelzahngewicht von über fünfzehn Kilogramm erlegt +werden durften, hörte das unsinnige gewerbsmäßige Schießen auf diese +Denkmäler der Urzeit auf. Nur Leute, die aus Lust an der Jagd und nicht +aus schnöder Geldgier diesen gewaltigen Dickhäutern zuleibe rückten, +kamen zu ihrem Recht.</p> + +<p>Zeitweilig kamen die Elefanten (Abb. 18) so zahlreich, daß sie ernsten +Schaden in den Feldern der Eingeborenen anrichteten. Namentlich wenn +die Hirse zu reifen begann, weideten sie so viel ab und zertraten noch +mehr, daß die Eingeborenen die ganze Nacht in den Feldern saßen, Feuer +unterhielten und auf Blechen rasselten; aber<span class="pagenum" id="Seite_83">[S. 83]</span> auch der Elefant gewöhnt +sich schließlich an alles. Ich versprach dann den Eingeborenen, ihnen +beizustehen; sie möchten mich nachts wecken, wenn Elefanten aus ihren +Feldern nicht zu vertreiben wären.</p> + +<figure class="figcenter illowp43" id="illu-085" style="max-width: 36.375em;"> + <img class="w100" src="images/illu-085.jpg" alt="Elefant"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Schon in der folgenden Nacht ließ mich der alte Häuptling Nderange +rufen. Ich setzte mich bei klarem Mondschein mit der Elefantenbüchse +aufs Rad und fuhr bis an das heimgesuchte Feld. Nderange empfing mich +an seinem Felde, und beim Stillstehen hörten wir die Elefanten deutlich +an verschiedenen Stellen in der Hirse brechen. Klarer Vollmondschein +überflutete die Landschaft, so daß man dabei lesen konnte. Probeweise +zielte ich und konnte bei bestimmter Beleuchtung des Silberkorns +gut Ziel nehmen. Nun kam auch mein Boy Saleh nach, der es sich als +»Hans Dampf in allen Gassen« nicht nehmen lassen wollte, mit dabei +zu sein; auch einer meiner Aufseher, »Kofia mbaya«, ein Soldat a. +D. der Schutztruppe, fand sich noch ein. Nderange trug einen alten +Vorderlader, den er, wie er mir versicherte, mit Elefantenladung +versehen hatte, d. h. er hatte so viel Schwarzpulver eingestopft, daß +der sonst mit der Mündung gleich lange Ladestock um vier gespreizte +Finger herausstand. Ich bat ihn, wenigstens nicht in meiner allzugroßen +Nähe seine Donnerbüchse loszulassen. Gern war er damit einverstanden, +seinen Schuß aufzuheben für den Fall, daß ich einmal nicht kommen +könnte.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_84">[S. 84]</span></p> + +<p>Nderange führte, dann folgte ich, dann Saleh, und den Schluß machte +Kofia mbaya, dem ich zu meiner eventuellen Unterstützung meine +9,3-Büchse anvertraut hatte. Kaum ein paar Schritt in der Hirse war es +so dunkel, daß man nicht weiter als drei Meter sehen konnte. Vorsichtig +gingen wir weiter auf die Brechgeräusche zu und vermieden ängstlich, +die 5½-6 Meter hohen, über daumenstarken Hirsehalme zu knicken, da sie +laut prasseln, etwa wie trockenes Schilf beim Brechen.</p> + +<p>Bald konnten wir drei getrennt brechende Elefantengruppen +unterscheiden und gingen, jetzt ich mit der Büchse vornweg, auf +das uns zunächstliegende Geräusch zu. Ich hatte die Absicht, einen +Elefanten zur Strecke zu bringen, um dadurch die anderen bis zur +Hirseernte zu vergrämen. Ich mußte mein Vorhaben nachts ausführen, +da die Elefanten tagsüber nicht in die Felder kamen und sie nur auf +diesen vom Eigentümer des Feldes oder von ihm beauftragten Dritten +zur Schadenverhütung erlegt werden durften. Das Elfenbein fiel dabei +dem Fiskus zu, falls der Schütze nicht über einen großen Jagdschein +verfügte oder die beiden erlaubten Elefanten schon erlegt hatte. Nun +waren wir nur noch etwa dreißig Meter entfernt und hörten deutlich +nach jedem Rupfen die Kaugeräusche und dann wieder ein kurzes Brechen, +das besagte, daß der Elefant — wir hatten vermutet, daß uns nur einer +gegenüberstand — den Körper wendete oder einen Schritt vorwärts ging. +Durch Zeichen bedeutete ich meinen Begleitern, mehrere Schritt Abstand +zu nehmen, um uns beim Ausweichen, wenn der Elefant nach dem Schusse +die Richtung auf uns zu nehmen sollte, nicht gegenseitig anzurempeln +und zu hindern. Ich vermied jedes Geräusch und pirschte mich auf etwa +zehn Meter heran. Vom Elefanten war nichts zu sehen. Deutlich hörte +ich, wie er sich löste und kaute. Eine halbe Stunde verharrte ich in +dieser Stellung, ohne daß eine Änderung eintrat, die mir einen Schuß +gestattet hätte. Es wäre leichtsinnig gewesen, näher heranzugehen, da +ich im Halmgewirr der Hirse nicht hätte ausweichen können. Nderange +schlich sich an mich heran und sagte mit Tränen im Auge: »Meine Hirse, +meine Hirse, schieß doch, Herr!«</p> + +<p>Ich winkte Kofia mbaya und ließ mich von ihm hochheben, indem er +seinen Kopf zwischen meine Beine steckte. Auch jetzt sah ich nur hin +und wieder vom Elefanten bewegte Halme, von ihm selbst<span class="pagenum" id="Seite_85">[S. 85]</span> nichts. Als +ich wieder stand und mir sagte: »Bäume, die einen Überblick gewähren, +sind nicht in der Nähe,« blieben mir nur zwei Möglichkeiten — +unverrichteter Sache umzukehren oder aufs Geratewohl zu schießen.</p> + +<p>Mit Rücksicht auf Nderange tat ich das letztere. In der Richtung +der Kaugeräusche schlug ich an und rechnete dabei auf 3-1/2 bis 4 +Meter Höhe. Das Silberkorn konnte ich nicht von der Laufschiene, +die schwach glänzte, unterscheiden. Deutlich hörte ich einen harten +Kugelaufschlag und dann ein prasselndes Getöse des gegen den Wind +losbrechenden Tieres, dem sich die uns entfernt stehenden Elefanten +schrill trompetend anschlossen. Die Fährte belehrte uns nach ihrer +Größe von sechsundvierzig Zentimetern Durchmesser der Vordersäulen, daß +wir einen mittleren Bullen vor uns gehabt hatten. Wie aber sah der Teil +des Feldes aus, auf den wir jetzt hinaustraten? Auf fünfzig Meter im +Geviert war alles niedergetrampelt. Wir folgten der Fährte des Bullen, +bis er sich mit den anderen vereinigt hatte. Aus der Ferne hörten +wir die Flüchtlinge noch zweimal trompeten. Im Mondlicht war jedoch +nirgends Schweiß zu entdecken. Daß er bei dem von mir verwendeten +11,2-Geschoß mit Antrieb von 5,5 Gramm rauchlosem Pulver nur gering +sein konnte, wußte ich, da sich die fettunterlegte Schwarte wie Gummi +wieder zusammenschiebt und nur knappen Schweiß austreten läßt. Es +machte sich bei mir die Überzeugung geltend, daß der von uns gehörte +Kugelaufschlag ebensogut durch Hirsehalme hervorgerufen worden sein +könnte. Eine weitere nächtliche Folge war zwecklos, und so befahl ich +Kofia mbaya, am nächsten Morgen einmal nach Schweiß zu sehen und zwei +bis drei Stunden der Fährte zu folgen, wenn er aus den sich ergebenden +Umständen ein Krankschießen vermutete. Als Mhehe-Neger (Wahehe) +verfügte er über gute Jägerinstinkte, hatte auch als Kind seinen Vater +häufig auf Elefantenjagd begleitet.</p> + +<p>Die Löwen machten ein recht lautes Konzert. Ich wollte Saleh nicht +allein gehen lassen und ließ ihn deshalb mein Rad schieben. Wir machten +uns zu Fuß auf den Heimweg. Gegen 1 Uhr waren wir wieder daheim.</p> + +<p>Als wir am nächsten Morgen wegen des nächtlichen Intermezzos etwas +später beim Frühstückstisch saßen, kommt schon von weitem rufend Kofia +Mbaya und bringt — einen Zahn des beschossenen Elefanten. Umringt von +einer großen Schar Neugieriger, teilt er<span class="pagenum" id="Seite_86">[S. 86]</span> mir mit, daß er der Fährte +kaum hundert Schritt gefolgt sei. Vom Tau noch feucht habe er ganz +kleine Schweißspritzer gesichtet und plötzlich den Zahn gefunden. Der +Zahn war in der Hälfte des Nervs durchschossen und wohl vom Elefanten +im Schmerz mit dem Rüssel aus dem Zahnfleisch herausgerissen worden. +Ich lieferte ihn mit Bericht an das Bezirksamt Morogoro als dem Fiskus +gehörig ab und wurde viel wegen dieser merkwürdigen Sache angeulkt, +wobei erörtert wurde, ob ich nicht berechtigt gewesen wäre, den Zahn zu +behalten, da der Elefant ja noch lebe. Ich erzähle dieses nächtliche +Ereignis, das ich Ende Juni 1913 erlebte, weil es später noch ein +Nachspiel fand.</p> + +<p>Im Oktober des gleichen Jahres teilt mir Stabsarzt J. mit, daß er nach +Kissaki käme. Er hätte nur noch einige Tage auf seinen Jagdschein +Zeit und würde gern den ihm darauf noch zustehenden Elefanten auf die +Schwarte legen, ob ich ihm einen ausmachen könnte. Da ich außer dem +persönlichen Interesse an der Jagd noch den Doppelzweck verfolgte, +die immer dreister werdenden Elefanten durch gelegentlichen Abschuß +zu vergrämen und zum Rückzug aus dem Kulturgebiet mehr in die +Jagdreservate zu zwingen, war ich äußerst gern bereit, seinem Wunsche +zu entsprechen.</p> + +<p>Im Laufe der Zeit hatte ich mir die Neigung der sonst sich Europäern +gegenüber recht passiv verhaltenden Eingeborenen des Kreises Kissaki +erworben. Ich machte nun bekannt, daß ich am soundsovielten früh einen +frischen Elefantenwechsel in der Nähe Kissakis wissen und zum Beleg der +Botschaft frische Losung und durch Kerbschnitt in einem Stäbchen das +Ausmaß der Fährte haben möchte. Am Morgen des bestimmten Tages, es war +gegen 5 Uhr und eben der Himmel am Horizont im Osten mit einem helleren +Strich versehen, weckte mich die Wache und führt mir meinen ehemaligen +Arbeiter Bilingi zu, der frische Losung bringt. Er wollte gerade wieder +Arbeit bei mir nehmen und hatte auf dem Wege von Mafumbo nach Kissaki +eine halbe Stunde von hier die Elefanten gesehen, die auf dem Wege +standen. Die Fährte konnte er der Dunkelheit wegen nicht messen.</p> + +<p>Im Schlafanzug suchte ich Stabsarzt J. in seinem Zelt auf und +weckte ihn mit der frohen Botschaft. Bald nach Tagesanbruch waren +wir marschbereit und gingen dem Wechsel zu. Kurz nach Ssadumas Dorf +überschritten wir den Mgetafluß und waren bald<span class="pagenum" id="Seite_87">[S. 87]</span> an der Fährte. Ich +wußte, daß die Elefanten, wenn sie an dieser Stelle waren, nicht gar +so weit gingen, und so ließen wir an einer schönen schattigen Stelle +am Mgeta die Zelte aufschlagen und besichtigten dann die Fährte. Nebst +einigen Kühen war ein ganz annehmbarer Bulle in der Herde. Bald führte +die Fährte durch den Mgeta an die linke Flußseite. Dort zerstreuten +sich die Einzelfährten. Die Elefanten hatten überall Schilf geäst, +und es dauerte fast eine Stunde, bis wir aus dem Kreuz und Quer der +Spuren, die sich kaum sichtbar von den teilweise alten Wechseln +abhoben, den weiteren Ausweg fanden. Endlich hatten wir ihn, und als +wir eine halbe Stunde gefolgt waren, so daß eine bestimmte Richtung zu +erkennen war, konnte ich aus innerster Überzeugung J. versichern, »zu +Gesicht bekommen wir die Elefanten heute auf alle Fälle«. Sie hatten +sich einem Winkel zugewandt, den der Wiguberg durch steilen Abfall mit +dem Mgetafluß bildet. Diese Gegend war mir wie meine Tasche bekannt. +Sie enthielt eine Menge dichtester Dickichte, wie sie der Elefant zum +Unterstellen von 10-3 Uhr während der heißesten Sonne liebt. Wir kamen +an eine Stelle, wo die Steppe über Nacht gebrannt hatte, und konnten +in der Asche die Fährten noch einmal genau auf ihre Stärke prüfen. Nun +brauchten wir nur den Daumen zu halten, damit wir beim Annähern guten +Wind hatten. Auf diesen allein war unser erhoffter Erfolg gestellt, +und es hat gar nichts zu sagen, ob die allgemeine Windrichtung gut +ist. Eine Übersicht des Geländes ist in den Dickichten ja gänzlich +ausgeschlossen, und da die Elefanten wie vieles andere Wild zu ihrer +Sicherung häufig Bogen schlagen, geschieht es öfters, daß man in +ihren Wind gerät, ohne daß man sie zu Gesicht bekommt, und nur am +Brechen sein Mißgeschick hört. Schön klar und deutlich können wir die +Fährte halten. Die Elefanten waren längere Zeit nicht hier gewesen +und die ehemaligen Wechsel so alt, daß man sofort die frische Fährte +unterscheiden konnte, was sonst manchmal recht schwierig wird, wenn +Fährten des Vortages oder der Nacht mitgeprüft werden müssen.</p> + +<p>Vergnügt schreiten wir weiter, von der Sonne nicht allzusehr belästigt, +da das Blätterdach guten Schutz gewährt. Nun biegt die Fährte wieder +links aus der Richtung ab, und als wir ihr eine halbe Stunde gefolgt +sind, sinkt uns das Herz in die Stiefel, wir durchschneiden eine schon +vorher durchquerte Stelle; die Fährte hat eine<span class="pagenum" id="Seite_88">[S. 88]</span> Schleife gemacht. +Beklommen holen wir Atem und fragen uns, haben die Elefanten beim +Überschreiten ihres Wechsels von unserer Folge Witterung genommen? Denn +übersehen können wir die Fährte unmöglich haben. Wir unterhandeln mit +unsern Begleitern. Senikambi, Salim und Saleh, unsere Fährtensucher, +von mir langerprobte gute Jäger, bestreiten aufs entschiedenste, daß +bei unserm Durchqueren der verfolgte Wechsel schon von den Elefanten +überschritten war. Unmittelbar auf den alten Wechsel ist keine neue +Fährte über die alte gesetzt, sondern von allen Tieren überschritten +worden. Mit recht gemischten Gefühlen folgen wir weiter. Die Jagdlust +und -freude sinkt gleich um 50 Prozent, wenn sich eine Aussicht +wie durch diesen Fall verringert, und man merkt plötzlich, daß die +Körperfrische einer Ermüdung Platz macht. Gegen 12 Uhr beschließen wir, +etwas zu ruhen. Wir verzehrten ein mitgenommenes kleines Frühstück, +tranken einen Schluck kalten Kaffee dazu und legten uns lang, die Beine +etwas erhöht, da diese Lage die Schwere in den Füßen am raschesten +beseitigt. J. schlief ein, und ich döste vor mich hin. J.s Boy schien +Verdauungsbeschwerden zu haben, denn es kollerte von Zeit zu Zeit in +seinem Bauch. Ich fragte ihn, ob ihm was fehle, er verneinte. Kurz +vor 1 Uhr weckte ich J., und wir zogen weiter. Noch keine hundert +Schritte waren wir gegangen, da hörte ich es wieder in dem Leib von J.s +Boy kollern, doch nein, das ist stärker, kommt aus anderer Richtung. +Ich bleibe stehen, wende mich zurück und lege die Finger auf die +Lippen. Da streckt auch schon Senikambi den Arm aus und deutet die +Richtung an; es sind die Elefanten. Ich freue mich innerlich, daß ich +trotz meiner leichten Schwerhörigkeit schon bei der Ruhepause als +einziger das Geräusch bemerkt hatte, das die Elefanten mit den Ohren +hervorbringen, indem sie mit der pappdeckelartigen Knorpelmasse durch +Bewegung knattern; ich hatte es zwar in des Boys Leib verlegt, aber +doch wahrgenommen, obwohl kein anderer etwas gehört hatte.</p> + +<p>Die Elefanten stehen links von uns, der Wechsel führt noch in gerader +Richtung weiter. Am aufgenommenen Staub prüfen wir den Wind. O weh, +sie müssen halben Wind von uns bekommen, und richtig, schon knackt's +und prasselt's für einige Sekunden, dann ist alles still, und nur hin +und wieder rauscht leise ein Busch, den die flüchtenden Elefanten +streiften. Schnell folgen wir dem Wechsel.<span class="pagenum" id="Seite_89">[S. 89]</span> Es ist nicht zu befürchten, +daß sie schon wieder stehen. Nach fünf Minuten lauschen wir wieder; +nichts ist zu hören.</p> + +<figure class="figcenter illowp91" id="illu-091" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-091.jpg" alt="Elefantenbulle"> + <figcaption class="caption"> </figcaption> +</figure> + +<p>Vorsichtiger gehen wir weiter, wieder von links das Geräusch. Alle +Nerven gespannt, spähen wir in den dichten Busch. Dichtes Lianengewirr +im Blätterdach hat im Unterholz jeden Laubwuchs unterdrückt. Da hebt +sich durch eine Bewegung mit den Ohren in dem dämmrigen Dunkel der +Kopf eines Elefanten ab, der auf uns gerichtet ist. J., der etwas +weiter rechts steht, bittet mich durch Gesten, mit anzuschlagen. Fast +gleichzeitig hallen unsere beiden Schüsse, der Kugeleinschlag dröhnt, +wie nur aus einer Büchse herrührend. Gut bin ich auf die Grube zwischen +Licht und Gehör abgekommen, sie ist eine der wenigen Stellen, die +direkt zum Gehirn führen.</p> + +<p>Ein gewaltiges, wütendes Trompeten hebt an, und im Dickicht kracht +es. Man denkt, ein Tornado habe eingesetzt. Da, ein schwerer Fall. +Das Hurra bleibt noch in der Kehle stecken, denn häufig wird der +umgelegte Elefant wieder hoch und läuft kilometerweit, so daß<span class="pagenum" id="Seite_90">[S. 90]</span> man +ihn zuguterletzt noch verlieren kann. Vorsichtig gehe ich von links, +Stabsarzt J. von rechts vor. Nach zehn Schritt liegt der Elefant auf +acht Meter mit dem Rücken auf mich zu (Abb. 19). Kantig hebt sich das +Rückgrat mit der Schwarte vom anderen Körper ab. Kurz entschlossen +setze ich eine Kugel zwischen die Wirbel, und der Elefant streckt sich. +Diese Art von Fangschüssen wird wohl bei europäischen Jägern Mißfallen +erregen. Bei dem zählebigen größeren afrikanischen Wild bildet sie +aber die einzige Sicherung gegen ein Hochwerden, da sofort die hintere +Partie gelähmt ist. J. schüttelte mir die Hand. Wir ließen das Gestrüpp +freihauen, um die Zähne besichtigen zu können. Doch, der Elefant hat +nur <em class="gesperrt">einen</em> Stoßzahn, der rechte fehlt völlig! Zwei Handbreiten +unter dem rechten Auge ist eine pfenniggroße eiternde Wunde. Ich +drücke daran, und es quillt dicker Eiter. Mir dämmert's. Sollte das +nicht mein Elefant aus dem Hirsefeld des Nderange sein? Ich mache J. +darauf aufmerksam, und gemeinsam untersuchen wir die Wunde mit einem +Hölzchen. Es ist eine tiefe Wunde, und auch J. glaubt sicher an einen +Schußkanal. Als auch die Eingeborenen merken, was wir da ausprobieren, +sind sie sofort der Meinung, daß wir den im Juli nächtlich beschossenen +Elefanten zur Strecke gebracht hätten. Vorausschicken will ich hier, +daß Stabsarzt J. später Gelegenheit hatte, auf einer Versteigerung den +von mir ausgeschossenen Stoßzahn zu erstehen, der in Dicke und Form +genau zu dem des erlegten Elefanten paßte.</p> + +<p>Zwei Leute schickten wir zum Lager zurück, um unsere photographischen +Apparate nebst etwas Kaffee und ein paar Bananen zu holen. Zwanzig +Mann sollen mit Messern und Äxten kommen, um dem Elefanten die Stiefel +(d. h. die Haut der Säulen) auszuziehen (aus denen sich J. Papierkörbe +und Bowlen machen lassen will) und den Zahn herauszuhauen. Wir machen +es uns inzwischen im Schatten bequem, und als sich die übrigen Leute +etwas ausgeruht haben, lassen wir durch Niederschlagen des Busches +den Kadaver freilegen, um Licht zum Photographieren zu haben. Nach +eineinhalb Stunden sind die Leute schon zurück. Nur zehn Minuten von +uns liegt der Mgeta, und hart an diesem am jenseitigen Ufer der Weg +Kissaki-Mafumbo. Bald sind die Säulen abgeschnitten und der Zahn +herausgehauen. Schon finden sich Scharen von Weibern, Kindern und +alten Männern ein, die fleischhungrig sind. Es sind<span class="pagenum" id="Seite_91">[S. 91]</span> nichtislamitische +Wapungas, denen Elefantenfleisch einen Hochgenuß bedeutet.</p> + +<p>Wir überlassen es ihnen gern, da wir keine Verwendung dafür haben; nur +einige Zentner behalte ich für mich als Dörrfleisch für meine Hunde. +Fest überzeugt, daß am nächsten Morgen von dem wandelnden Fleischberg +nur noch einige Knochen übrig sind, treten wir dann den Rückweg zum +Zelt an. Hier entfaltet sich noch einmal rege Tätigkeit; es ist gar +keine Kleinigkeit, die Haut von den Säulen zu lösen. Der Beinknochen +wird mit einem Strick fest an einen Ast gebunden, und nachdem alle vier +Säulen baumeln, mühen sich an jedem Fuß vier Mann zwei Stunden lang. +Dann wird mit dem Messer noch etwas nachgekratzt und jede Fußhaut voll +Holzasche, die inzwischen bereitet worden war, gefüllt, damit nicht +Haut auf Haut zu liegen kommt und der Gerbungsprozeß sich selbsttätig +vollziehen kann.</p> + +<p>Recht müde gingen wir dann nach dem Abendbrot zu Bett, aber ganz +ungestört sollte ich die wohlverdiente Nachtruhe nicht genießen. Ich +erwachte nach einigen Stunden durch ein Zwicken an verschiedenen +Körperstellen. Leider hatte ich abends vergessen, meine elektrische +Lampe mit unters Moskitonetz zu nehmen, und lüftete es nun, um nach +den Streichhölzern zu tasten und die Lampe anzuzünden. Was hatte ich +dadurch angerichtet! Siafus! — Wanderameisen waren in meinem Zelt. +Der Boden, die Decke und die Außenseite meines Moskitonetzes wimmelten +von diesen schwarzen Gesellen. Zu mir waren vorher nur die kleinen +Tiere gekommen, die durch die Maschen des Moskitonetzes durchschlüpfen +konnten. Ich heftete schnell die Zeltwand auf, rief den Boy und stürzte +fluchend ins Freie, indem ich mir den Schlafanzug vom Leibe riß und die +einzelnen Tiere ablas, die ihre Zangen fest in meine Haut eingebohrt +hatten. J. erwachte von meinem Fluchen, als ich splitternackt in seinem +Zelt, das, obwohl es nur sechs Meter von dem meinigen stand, von dem +Zuge verschont blieb, Zuflucht suchte. Saleh hatte inzwischen Träger +mobil gemacht, und diese machten rings um mein Zelt Feuer und kehrten +die Ameisen hinein. Ein durch Streuen von heißer Holzasche ums Zelt +gezogener Kreis lenkte den Wanderzug ab, und nach einer halben Stunde +konnte ich mich wieder niederlegen.</p> + +<p><span class="pagenum" id="Seite_92">[S. 92]</span></p> + +<p>Mein Boy behauptete zwar, er hätte nun alle Siafus aus meinem Bett +herausgeschüttelt und aufgelesen. Ich wurde aber doch noch reichlich +gezwickt. Nach dem vorherigen Massenüberfall nahm ich es jedoch mit den +einzelnen nicht mehr so genau und schlief bald wieder ein. Der Mensch +gewöhnt sich eben an alles, und Afrika erzieht seine Leute so, daß sie +in keiner Lebenslage den Humor verlieren.</p> + +<p>Unwillkürlich findet das Großwild Ostafrikas, das Raubwild und die +Dickhäuter, in der Allgemeinheit die meiste Beachtung, obwohl man damit +den anderen, weniger stark ins Auge fallenden Wildarten eigentlich +unrecht tut, denn auch sie bieten dem aufmerksamen, sachkundigen +Beschauer eine Fülle des Interessanten.</p> + +<p>Häufig veranlaßt die Handlungsweise des Wildes den Beobachter, wie es +z. B. Dr. Th. Zell in seinem vortrefflichen Kosmosbändchen (gleichen +Titels) tat, die Frage zu stellen: »Ist das Tier unvernünftig?« Folgt +es durch Generationen anerzogenen Instinkten, deren Ausbildung ihm +seine Umgebung im Kampfe ums Dasein aufzwang, oder lassen sich in +seinen Handlungen verstandesmäßige Tätigkeiten feststellen?</p> + +<p>Die Anschauungen, ob man dem Wilde, wie dem Tiere überhaupt eine Seele +zuerkennen darf, die es zu verstandesmäßigen Tätigkeiten befähigt, +oder ob Naturgesetze, ihnen selbst unbewußt, ihre für den jeweiligen +Fall einzig richtige Handlungsweise vorschreiben, sind sehr geteilt. +Ich möchte mit einer strikten Behauptung weder nach der einen, noch +der anderen Seite hervortreten, sondern hoffe, dem Leser, der meinen +Aufzeichnungen bis hierher gefolgt ist, vielleicht in einem folgenden +Kosmosbändchen Gelegenheit geben zu können, auch mit den anderen +Wildarten unserer Kolonie bekannt zu werden und ihn dadurch in die Lage +zu versetzen, durch meine Beobachtungen eine Bereicherung des eigenen +Urteils zu gewinnen.</p><br> + +<div class="footnotes"><h3>Fußnote:</h3> + +<div class="footnote"> + +<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> d. h. durch seitliches Anlehnen des Laufes an den Stamm +dem Gewehr eine Stütze gegeben.</p><br> +</div> +</div> + +<hr class="r5"> + +<div class="chapter"> + +<div class="bbox"> +<p class="drop s2">Naturwissenschaftliche Bildung<br> +ist die Forderung des Tages!</p> + +<hr class="full"> + +<p>Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, +laden wir</p> + +<p class="center s2">alle Naturfreunde</p> + +<p class="p0">jeden Standes, sowie alle <i>Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw.</i> +ein. – Außer dem geringen</p> + +<p class="s3 center"><i>Halbjahresbeitrag von nur M 2.40</i></p> + +<p class="s5 center">(Beim Bezug durch den Buchhandel 10 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto besonders)</p> + +<p class="p0">erwachsen dem Mitglied <b>keinerlei</b> Verpflichtungen, dagegen +werden ihm folgende <i>große Vorteile geboten</i>:</p> + +<p>Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren +Jahresbeitrag im Jahre 1916 <b>kostenlos</b>:</p> + +<p><b>I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.</b></p> +<p class="s5 center">Reich illustriert. Preis für Nichtmitglieder M. 2.80.</p> + +<p><b>II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.</b></p> +<p class="s5 center">Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.– pro Band.</p> + +<div class="hang"> +<p><b>Wilhelm Bölsche, Stammbaum der Insekten.</b></p> + +<p><b>Dr. Kurt Floericke, Meine Reise in Bulgarien.</b></p> + +<p><b>Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.</b></p> + +<p><b>Hans Besser, Affen, Antilopen u. Schlangen Deutsch-Ostafrikas.</b></p> + +<p><b>Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.</b></p> +</div> + +<p class="s5 center">Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser +bekanntgegeben.)</p> + +<p><b>III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden +naturwissenschaftlichen Werken</b></p> +<p class="s5">(siehe Seite 2 des Prospektes).</p> + +<p><b>Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.</b></p> +<p class="right"><b>Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.</b></p> +</div> + +<div class="bbox"> +<p class="s3 center"><b>==== Satzung ====</b></p> + +<div class="blockquot"> + +<p class="s5">§ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde +auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis +der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das +Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres +Volkes verbreiten.</p> + +<p class="s5">§ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die +Herausgabe eines den Mitgliedern <b>kostenlos</b> zur Verfügung +gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch Herausgabe +neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne +gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie +ihren Mitgliedern <b>unentgeltlich</b> oder <b>zu einem besonders +billigen Preise</b> zugänglich macht, usw.</p> + +<p class="s5">§ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden +Ausschuß, den Vorstand usw.</p> + +<p class="s5">§ 4. <b>Mitglied kann jeder werden</b>, der sich zu einem +Jahresbeitrag von <b>M 4.80</b> (exkl. Porto) verpflichtet. Andere +Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind, +erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann <b>jederzeit</b> +erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist +gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle +weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.</p> + +<p class="s5">§ 5. Siehe vorige Seite.</p> + +<p class="s5">§ 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der <b>Franckh'schen +Verlagshandlung, Stuttgart, Pfizerstraße 5.</b> Alle Zuschriften, +Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine +Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.</p> +</div> +</div> + +<div class="bbox"> + +<p class="s2 center"><b>Kosmos</b></p> + +<p class="s3 center">Handweiser für Naturfreunde</p> +<p class="s5 center">Erscheint jährlich zwölfmal — 2 bis 3 Bogen stark —<br> + und enthält:</p> + +<div class="blockquot"> + +<p><b>Originalaufsätze</b> von allgemeinem Interesse aus sämtlichen +Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.</p> + +<p><b>Regelmäßig orientierende Berichte</b> über Fortschritte und neue +Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.</p> + +<p><b>Auskunftsstelle</b> — <b>Interessante kleine Mitteilungen.</b></p> + +<p><b>Mitteilungen über Naturbeobachtungen</b>, Vorschläge und Anfragen +aus dem Leserkreise.</p> + +<p><b>Bibliographische Notizen</b> über bemerkenswerte neue Erscheinungen +der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.</p> +</div> +</div> +</div> + +<div class="chapter"> + +<div class="bbox"> +<p class="p0">Die Mitglieder des <em class="gesperrt">Kosmos</em> haben bekanntlich nach Paragraph 5 III +das Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern +angebotenen Bücher zu <em class="gesperrt">einem Ausnahmepreis</em> zu +beziehen. Es befinden sich u. a. darunter folgende Werke:</p> + +<table data-summary="Katalog"> +<tr> +<td></td> +<td class="tdr">Preis f. Nichtmitgl.</td> +<td class="tdr">Mitgliederpreis</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Altpeter, ABC der Chemie</b></td> +<td class="tdr">2.40</td> +<td class="tdr">1.–</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Bergmiller, Erfahr. a. d. Gebiete d. hoh. Jagd.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">4.50</td> +<td class="tdr">3.50</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.</b> Fein gebunden</td> +<td class="tdr">1.80</td> +<td class="tdr">1.50</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">4.50</td> +<td class="tdr">2.90</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Ewald, Mutter Natur erzählt.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Ewald, Der Zweifüssler.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Ewald, Vier feine Freunde.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Fabre. J. H., Sternhimmel.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Fabre, J. H., Bilder a. d. Insektenwelt.</b> + I/II, III/IV. 2 Bde. geb. je</td> +<td class="tdr">4.50</td> +<td class="tdr">3.40</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Fabre, J. H., Blick ins Käferleben.</b> Broschiert</td> +<td class="tdr">1.–</td> +<td class="tdr">–.50</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">10.–</td> +<td class="tdr">8.40</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Floericke, Dr. Kurt, Taschenbuch zum Vogelbestimmen.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">3.80</td> +<td class="tdr">2.90</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">3.80</td> +<td class="tdr">2.90</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">3.80</td> +<td class="tdr">2.90</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">3.60</td> +<td class="tdr">2.80</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.</b> Kart.</td> +<td class="tdr">4.50</td> +<td class="tdr">1.70</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.</b> Brosch.</td> +<td class="tdr">1.–</td> +<td class="tdr">–.50</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">4.50</td> +<td class="tdr">3.50</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Leben der Pflanze.</b> Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, geb. je</td> +<td class="tdr">15.–</td> +<td class="tdr">13.50</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Lindemann, Die Erde.</b> Bd. I. Gebunden</td> +<td class="tdr">9.–</td> +<td class="tdr">8.–</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Lindemann, Die Erde.</b> Bd. II. Gebunden</td> +<td class="tdr">9.–</td> +<td class="tdr">8.–</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Meyer, Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">3.–</td> +<td class="tdr">1.90</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Monographien unserer Haustiere</b>: Bd. I Schumann, + Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III + Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn <em class="antiqua">à</em></td> +<td class="tdr">1.40</td> +<td class="tdr">1.05</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">13.60</td> +<td class="tdr">12.20</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Schrader, Liebesleben der Tiere.</b> Broschiert</td> +<td class="tdr">1.40</td> +<td class="tdr">1.10</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.</b> Bd. I geb.</td> +<td class="tdr">4.20</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.</b> Bd. II geb.</td> +<td class="tdr">3.80</td> +<td class="tdr">3.30</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">1.50</td> +<td class="tdr">1.25</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">2.50</td> +<td class="tdr">1.85</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Stevens, Frank, Die Reise ins Bienenland.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">2.50</td> +<td class="tdr">1.85</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Strandbüchlein.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">1.25</td> +<td class="tdr">1.–</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Stridde, Allgemeine Zoologie.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">7.–</td> +<td class="tdr">6.20</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.</b> Geb.</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Thompson, E. S., Prärietiere und ihre Schicksale.</b> Fein geb.</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Thompson, E. S., Tierhelden.</b> Fein gebunden</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +<tr> +<td><b>Wurm, Waldgeheimnisse.</b> Gebunden</td> +<td class="tdr">4.80</td> +<td class="tdr">3.60</td> +</tr> +</table> +<p>und zahlreiche andere Werke mehr.</p> +</div> +</div> + +<div class="chapter"> +</div> + +<div class="bbox"> +<h3>== Die ordentlichen Veröffentlichungen ==</h3> +<p class="center">früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen:</p> + +<p class="floatleft">:1904:</p> +<p class="p0">(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.– (Preis für Nichtmitglieder +M 5.–), geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40):</p> +<div class="hang"> +<p>Bölsche. W., Abstammung des Menschen.</p> +<p>Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), +Weltuntergang.</p> +<p>Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig? +(Doppelband)</p> +<p>Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.</p></div> +<p class="floatleft">:1905:</p> +<p class="floatright">:1906:</p> +<p class="p0">(Handweiser vergriffen) je für M 4.– (Preis für Nichtmitglieder +M 5.–), geb. für M 6.75 (für Nichtmitgl. M 9.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.</p> +<p>Welten, Die Sinne der Pflanzen.</p> +<p>Zell, Dr. Th., Tierfabeln.</p> +<p>Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.</p> +<p>Meyer (Urania), Sonne und Sterne.</p> +<p>Welten, Wie die Pflanzen lieben.</p> +<p>Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.</p> +<p>Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.</p> +<p>Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.</p> +<p>Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.</p></div> +<p class="floatleft">:1907:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des +Wassertropfens.</p> +<p>Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.</p> +<p>Meyer, Dr. M. W., Kometen u. Meteore.</p> +<p>Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und +Zeugung.</p> +<p>Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen +Waldes.</p></div> +<p class="floatleft">:1908:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Meyer, Dr. M. W., Erdbeben u. Vulkane.</p> +<p>Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.</p> +<p>Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.</p> +<p>Dekker, Naturgeschichte des Kindes.</p> +<p>Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen +Waldes.</p></div> +<p class="floatleft">:1909:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Unruh, Leben mit Tieren.</p> +<p>Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.</p> +<p>Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.</p> +<p>Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.</p> +<p>Bölsche, Wilh., Der Mensch in der +Tertiärzeit und im Diluvium.</p></div> +<p class="floatleft">:1910:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.</p> +<p>Dekker, Fühlen und Hören.</p> +<p>Meyer, Welt der Planeten.</p> +<p>Floericke, Säugetiere fremder Länder.</p> +<p>Weule, Kultur der Kulturlosen.</p></div> +<p class="floatleft">:1911:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Koelsch, Durch Heide und Moor.</p> +<p>Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.</p> +<p>Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.</p> +<p>Floericke, Vögel fremder Länder.</p> +<p>Weule, Kulturelemente der Menschheit.</p></div> +<p class="floatleft">:1912:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?</p> +<p>Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.</p> +<p>Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.</p> +<p>Weule, Die Urgesellschaft und ihre +Lebensfürsorge.</p> +<p>Koelsch, Würger im Pflanzenreich.</p></div> +<p class="floatleft">:1913:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Bölsche, Festländer und Meere.</p> +<p>Floericke, Einheimische Fische.</p> +<p>Koelsch, Der blühende See.</p> +<p>Zart, Bausteine des Weltalls.</p> +<p>Dekker, Vom sieghaften +Zellenstaat.</p></div> +<p class="floatleft">:1914:</p> +<p class="floatright">:1915:</p> +<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) +und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p> +<div class="hang"> +<p>Bölsche, Wilhelm, Tierwanderungen i. d. Urwelt.</p> +<p>Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische.</p> +<p>Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben.</p> +<p>Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße.</p> +<p>Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.</p> +<p>Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft.</p> +<p>Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter.</p> +<p>Weule, Prof. Dr. K., V. Kerbstock z. Alphab.</p> +<p>Müller, Alfr. Leop., Gedächtn. u. s. Pflege.</p> +<p>Besser, H., Raubw. u. Dickhäut. i. D.-Ostaf.</p> +</div> + +<p class="center"><i>Allen Jahrgängen außer 1904–1906 werden die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrg. beigefügt.</i></p> +<p class="p0">Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige Zusammenstellung) +liefern wir an Mitgl.: geh. für M 46.– (Preis für Nichtmitgl. 85.20), geb. (auch Handw.) +für M 73.- (Preis für Nichtmitgl. 143.40) <b>auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen</b>.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-099" style="max-width: 91.9375em;"> + <img class="w100" src="images/illu-099.jpg" alt="Beitrittserklärung"> +</figure> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<figure class="figcenter illowp100" id="illu-100" style="max-width: 62.5em;"> + <img class="w100" src="images/illu-100.jpg" alt="Postkarte"> +</figure> + +<div style='text-align:center'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 ***</div> +</body> +</html> + diff --git a/75805-h/images/cover.jpg b/75805-h/images/cover.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..fa5d69a --- /dev/null +++ b/75805-h/images/cover.jpg diff --git a/75805-h/images/illu-001.jpg b/75805-h/images/illu-001.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..ece321c --- /dev/null +++ b/75805-h/images/illu-001.jpg diff --git a/75805-h/images/illu-005.jpg b/75805-h/images/illu-005.jpg Binary files differnew file mode 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