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--- /dev/null
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@@ -0,0 +1,3508 @@
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 ***
+
+
+
+=======================================================================
+
+ Anmerkungen zur Transkription.
+
+Das Original ist in Fraktur gesetzt. Schreibweise und Interpunktion des
+Originaltextes wurde übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler
+sind stillschweigend korrigiert worden.
+
+Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter erstellt.
+
+Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; ~gesperrt~ so und
+_kursiv_ so.
+=======================================================================
+
+
+
+
+ RAUBWILD U. DICKHÄUTER
+ IN DEUTSCH-OSTAFRIKA
+ _VON_ HANS BESSER
+
+
+ [Illustration]
+
+
+ Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
+ Franckh'sche Verlagshandlung·Stuttgart
+
+
+ Raubwild u. Dickhäuter
+ in Deutsch-Ostafrika.
+
+
+ [Illustration]
+
+
+
+
+ Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart
+
+
+Die Gesellschaft Kosmos bezweckt die Kenntnis der Naturwissenschaften
+und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer
+Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten.
+-- Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter
+naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen durch den
+
+ =Kosmos, Handweiser für Naturfreunde=
+ Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;
+
+ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten
+Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es
+erscheinen im Vereinsjahr 1916 (Änderungen vorbehalten):
+
+ =Wilh. Bölsche, Der Stammbaum der Insekten.=
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.--
+
+ =Dr. Kurt Floericke, Reisen in Bulgarien.=
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.--
+
+ =Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.=
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.--
+
+ =Hans Besser, Affen, Antilopen und Schlangen
+ Deutsch-Ostafrikas.= Reich illustriert. Geh. M 1.--
+
+ =Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.=
+ Reich illustriert. Geh. M 1.--
+
+Diese Veröffentlichungen sind durch ~alle Buchhandlungen~ zu
+beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur
+M 4.80) zum =Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde= (auch
+nachträglich noch für die Jahre 1904/15 unter den gleichen günstigen
+Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der
+erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) Der Kosmos
+kann während des Krieges auch 1/2jährlich zum Preise von M 2.40 mit
+Buchbeilagen bezogen werden.
+
+
+Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.
+
+
+
+
+ Raubwild und Dickhäuter
+ in Deutsch-Ostafrika
+
+
+ Von
+
+
+ Hans Besser
+
+
+ Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen
+ des Verfassers, nach Zeichnungen von
+ Prof. Wagner und R. Oeffinger, einem Kärtchen und
+ einem farbigen Umschlagbild, gez. von M. Zimmer.
+
+ [Illustration]
+
+
+
+
+ Stuttgart
+
+ Kosmos: Gesellschaft der Naturfreunde
+ Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung
+
+ 1915
+
+
+ Alle Rechte, besonders das Uebersetzungsrecht, vorbehalten.
+
+
+ +Copyright 1915 by
+ Franckh'sche Verlagshandlung
+ Stuttgart+
+
+
+ +STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
+ HOLZINGER & Co., STUTTGART+
+
+
+
+
+ Inhaltsverzeichnis.
+
+
+ Seite
+
+ Vorwort 7
+
+ Raubwild 8-46
+
+ Löwen 8-23
+
+ Leoparden 23-31
+
+ Gefleckte Hyänen 32-35
+
+ Schabrackenschakale 35-39
+
+ Wilde Hunde (Hyänenhunde) 39-46
+
+ Dickhäuter 47-82
+
+ Durch ein Dickhäuter-Eldorado 48-66
+
+ Flußpferde 66-82
+
+ +a+) Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf
+ dem Njassasee 68-73
+
+ +b+) Flußpferde im Rikwasee 73-78
+
+ +c+) Der alte Gomerobulle 78-82
+
+ Auf Elefantenfährte 82-92
+
+
+
+
+ Vorwort.
+
+
+Auf Wanderungen durch unsere zoologischen Gärten sieht man das Wild
+stets auf engem Raum eingepfercht, man kann sich daher auch keinen
+rechten Begriff davon machen, wie es sich in der Natur verhält.
+Bahnbrechend hat Hagenbeck in Stellingen sich bemüht, einzelne
+Wildarten durch getreue Nachbildung der Natur in ihrer eigentlichen
+Umgebung zu zeigen, und viele Tiergärten folgen seitdem seinem Beispiel
+in dankenswertester Weise.
+
+Ist dadurch auch ein großer Schritt vorwärts getan, dem Beschauer die
+Wirklichkeit nahezuführen, so verhalten sich naturgemäß die Tiere,
+die an den Umgang mit Menschen gewöhnt wurden, wesentlich anders als
+in ihrer Heimat, wo sie, sei es auf dem Weidegang oder der Jagd nach
+Beute, ihrem Instinkt folgend, Eigenschaften entwickeln, die in der
+Gefangenschaft nutzlos sind und darum verkümmern oder nicht ausgebildet
+werden.
+
+Durch vierzehnjährigen Aufenthalt in Deutsch-Ostafrika war es mir
+vergönnt, das Wild in seiner natürlichen Lebensweise zu beobachten.
+Kamera und Büchse begleiteten mich auf allen meinen Wanderungen. Aus
+der Fülle des Geschauten und Erlebten sollen nun hier eine Reihe Bilder
+vorgeführt werden, die zum Verständnis unserer schönen Kolonie auch auf
+diesem Gebiet beitragen möchten.
+
+Wenn ich in meinen Ausführungen auf das Verhalten der einzelnen
+Wildarten näher einging, so bitte ich diese Skizzierung nicht als
+absolute Regel zu betrachten, sondern lediglich als Erfahrung, die ich
+mit der betreffenden Wildart machte.
+
+Leider sind mir eine große Anzahl Platten, die zur größeren
+Verständlichmachung hätten dienen können, im Laufe der Zeit verdorben.
+Bis auf die mir freundlichst zur Verfügung gestellten Bilder, die durch
+namentliche Bekanntgabe der Hersteller gekennzeichnet sind, sind alle
+übrigen von mir gefertigte Originalaufnahmen.
+
+ ~Radebeul~, im Herbst 1915. =Hans Besser.=
+
+
+
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+ Raubwild.
+
+ =Löwen= (+Felis leo somaliensis Noak+).
+
+
+Als »König der Tiere« wird uns der Löwe in der Fabel dargestellt, und
+dieser Begriff ist uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß
+man die gewaltige Katze im Tiergarten oder in der Menagerie stets
+mit besonderer Andacht bestaunt. Einen ganz anderen Eindruck bekommt
+man aber, wenn man diesem großen Räuber in der Natur begegnet. Seine
+außerordentliche Muskelkraft wendet er nur an, um harmlose Opfer aus
+dem Hinterhalt zu überfallen. Durch Wucht des vorgeschnellten Körpers
+und das gewaltige Gebiß, unterstützt durch den Schreck des plötzlichen
+Ansprungs, macht er seine Beute wehrlos. Wird er aber vorher bemerkt,
+so schleicht er feige davon. So zahlreich die Löwen auch in unserer
+Kolonie noch sind, ist es doch vielen eingewanderten Weißen nicht
+vergönnt, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen. Es gibt Europäer, die
+jahrzehntelang im Lande sind und von Löwen weiter nichts zu spüren
+bekommen, als das nächtliche Gebrüll und die Nachrichten, daß da und
+dort Menschen geraubt und Vieh den Löwen zum Opfer gefallen sei.
+
+Auch mir ging es anfangs nicht besser. Drei Jahre war ich bereits in
+Deutsch-Ostafrika, als ich meinen ersten Löwen sah. Es war auf einer
+Pflanzung in Lindi (s. Abb. 1), wo ich als Gast weilte. Gegen zwölf Uhr
+mittags wurde ich durch die Pflanzung geführt. Um von einer Stelle
+einen guten Überblick über die Pflanzung zu haben, erstiegen wir einen
+kleinen Hügel. Noch waren wir nicht ganz oben, da wurde uns doch etwas
+beklommen zumute, als von der entgegengesetzten Seite her ein alter
+Mähnenlöwe auf der Bildfläche erschien und auf dreißig Meter uns
+gegenüberstand.
+
+[Illustration: Abb. 1. Reliefkarte von Deutsch-Ostafrika.]
+
+Erst sah der Löwe recht stattlich und achtunggebietend aus, wie er
+steifbeinig mit erhobenem Haupt langsam auf uns zuschritt. Sobald er
+uns aber wahrgenommen hatte, kroch er in sich zusammen, legte sich
+nieder und ließ nur seine Schwanzquaste kreisen. Immer den Blick auf
+uns gerichtet, kroch er rückwärts, ganz mit dem Gebaren einer beim
+Wildern ertappten Hauskatze. Als er mit halbem Körper auf abschüssigem
+Gelände angelangt war, warf er sich mit gewaltigem Satz herum und
+ging in langen Fluchten[1] ab, bis er im hohen Grase für unser Auge
+verschwunden war. Gewehre hatten wir nicht zur Hand, und mein Begleiter
+versicherte mir, es wäre aussichtslos, die Waffen holen zu lassen und
+nachzupirschen.
+
+Diese Art, sich zu drücken, habe ich noch häufig bei Löwen angetroffen,
+wenn ich unbewaffnet auf sie stieß. Auch Eingeborene versicherten mir
+häufig, solange Löwen keine »Menschenfresser« wären, gingen sie den
+Menschen aus dem Wege.
+
+Nach einiger Zeit glückte es mir auch, meinen ersten Löwen zu schießen.
+Eine Rotte Warzenschweine (+Phacochoerus africanus Lm.+), an
+die ich mich anpirschte, wühlte harmlos nach Wurzeln. Unweit davon
+weideten Zebras (+Equus quagga boehmi Mtsch.+). Plötzlich fingen
+die Zebras an zu wiehern und marschierten in einer Richtung auf. Ich
+glaubte mich schon gesehen, merkte aber, daß alle seitwärts an mir
+vorbeisahen. Lange konnte ich nichts entdecken, bis ich einen Löwen
+etwa 60 Meter neben mir sah, der offenbar die Warzenschweine beschlich.
+Gutes Schußfeld hatte ich nicht, da mich niedriges Gestrüpp nur Teile
+des Löwen sehen ließ. Der Eingeborene, der mich begleitete, riet mir,
+nicht zu schießen, erst wenn der Löwe ein Warzenschwein geschlagen
+hätte, wäre der richtige Augenblick dazu. Warzenschwein und Zebra wären
+diejenigen Leckerbissen, die der Löwe nicht im Stiche ließe. Bald
+hatte der Löwe den Rand der Lichtung erreicht. Die Zebras schnaubten,
+und einige stampften einen Schritt näher kommend mit dem Hufe. Zehn
+Meter vom Löwen auf die Richtung der Schweine zu lag ein entwurzelter
+Baumstamm, dessen Äste bis auf das starke Stammstück beim letzten
+Grasbrand verbrannt waren und sich nur durch weiße Aschestreifen
+abhoben. Durch leichtes Traben überwand der Löwe, den ich jetzt als
+Löwin erkannte, die Stelle bis zum Wurzelstock des liegenden Baumes, an
+den er sich anpreßte und zu Boden duckte. Ich war jetzt neugierig, was
+weiter geschehen würde.
+
+Am Boden liegend, schob sich nun der Löwe dicht am Stamm entlang. Ich
+sah durchs Glas, wie sich die einzelnen Muskelpartien spannten und
+wieder in Ruhe übergingen. Als er in der Mitte des Stammes ankommt,
+löst sich plötzlich mit vernehmbarem Geräusch ein großes Rindenstück
+des Stammes. Alle Sauen werfen die Köpfe hoch, und ein alter Keiler und
+eine Sau machten einige Schritte auf das Geräusch zu. Unbeweglich lag
+die Löwin. Die Sauen fingen wieder an zu wühlen, nur der Keiler trug
+noch den Kopf aufrecht und suchte durch Schnüffeln in der Luft Wind zu
+nehmen. Verstohlen nahm ich eine Prise Staub auf und prüfte den Wind.
+Die Löwin hatte alle Vorteile für sich. Beruhigt fing nun auch der
+Keiler wieder an, seine Aufmerksamkeit der Äsung zu widmen, und schob
+sich dabei zwischen den Sauen durch.
+
+Die Löwin war jetzt am Ende des Stammes, und ich erwartete jeden
+Augenblick den Sprung. Dreißig Meter war sie noch von ihren Opfern
+getrennt. Jetzt zog sich die Vorderpartie auf die hintere krampfhaft
+zurück, und pfeilschnell schoß der Löwe in drei bis vier Sätzen dicht
+über der Erde auf die Schweine. Als er zwischen diesen war, sah das
+Arbeiten der Vorderpranken genau so aus, als ob eine Katze einen Hund
+ohrfeigt. Quiekend und grunzend stoben die Warzenschweine auseinander
+und preschten auf mich zu. Zu gleicher Zeit polterten die Zebras davon.
+Die Löwin glotzte ihnen dumm nach, sie war erfolglos gewesen. Spitz zu
+mir stehend, ließ ich nun auf den Stich (die Vertiefung vorn an der
+Brust zwischen den Schulterblättern) der Löwin fliegen. Ohne einen Laut
+auszustoßen, brach sie zusammen. Die Schweine, die merkwürdigerweise
+mit dem Wind liefen, standen nur 20 Meter seitlich von mir. Erst als
+ich mich aufrichtete, trollten sie weiter. Auf einmal schienen sie Wind
+von mir oder der Löwin zu haben, und in voller Flucht rasten sie davon,
+ohne noch einmal zu verhoffen.[2]
+
+Von der königlichen Seite haben sich mir aber die Löwen, wie schon
+eingangs erwähnt, bis jetzt noch nicht gezeigt, obgleich ich im
+Laufe von 14 Jahren bereits 16 Stück auf freier Wildbahn zur Strecke
+gebracht und sehr viele gesehen habe. Wie leicht sie zu vertreiben
+sind, ist aus folgender Begebenheit ersichtlich. Ich hielt mir
+seit längerem eine Meute deutscher Doggen. Da ich der Erste im
+Langenburger Bezirk war, der diese große Hunderasse einführte,
+erregten meine Hunde bei den Eingeborenen naturgemäß großes Staunen,
+das sich auch auf ihre Pariahunde ausdehnte, die, sobald meine Hunde
+auftauchten, mit eingeklemmter Rute und krummem Buckel heulend oder
+lautlos davonschlichen. Nun mögen wohl in der Übertreibung der Neger
+meine Hunde noch gewachsen sein (mein größter hatte 86 +cm+
+Schulterstandmaß), wenn sie anderen Dorfgenossen davon erzählten.
+
+Eines Tages teilte mir ein durchaus glaubwürdiger Europäer mit, in
+Mapunga sei eine alte Frau mehrmals von einem Löwen aus ihrer Hütte,
+die offen stand, gezerrt worden. In der Annahme, es wäre einer meiner
+sagenhaften Hunde, habe sie dem Löwen mit der Faust ins Gesicht
+geschlagen, und dieser habe sie darauf losgelassen. Eben in der Hütte
+angekommen, hätte der Löwe sie zum zweiten Male gepackt und nach
+einigen Faustschlägen sie wieder losgelassen. Als der Löwe sie zum
+dritten Male habe packen wollen, wäre auf ihre vorherigen Hilferufe ihr
+Mann erschienen, habe einen Mörserstempel ergriffen und dem Löwen einen
+Schlag versetzt. Dieser sei sofort flüchtig geworden und wäre nicht
+wieder gekommen. Ich suchte nach einigen Wochen die alten Neger auf.
+Die Frau hatte am linken Oberarm und der Schulter vernarbte Bißwunden,
+und ihr Arm war skelettartig dünn geworden.
+
+Derselbe Europäer erzählte mir auch, er habe am Tage gesehen, wie drei
+alte, magere Kühe einen Löwen in die Flucht geschlagen hätten und mit
+steil hochgerichtetem Wedel hinter dem Löwen hergaloppiert wären.
+
+Ein Australier, der aus Südafrika kam und dem ich den Fall erzählte,
+behauptete, einer seiner Freunde am Zambesi ließe sich immer, wenn
+er einen Löwen angeschweißt, d. h. angeschossen hätte und die Folge
+im hohen Grase für ihn zu gewagt sei, eine Herde Rinder kommen. Die
+Rinder, auf der Schweißfährte entlang getrieben, verfolgten den Löwen
+sofort und drückten ihn aus dem Grase heraus, ohne daß er daran dächte,
+sich zur Wehr zu setzen.
+
+Um es praktisch auszuprobieren, hatte ich keine Gelegenheit. Im
+allgemeinen fällt der Löwe auf guten Schuß leichter als verschiedene
+Antilopenarten, und in den wenigen Fällen, wo ich angeschweißte Löwen
+wegen hohem, dichtem Gestrüpp nicht angehen konnte, waren weder
+europäische noch eingeborene Viehbesitzer in erreichbarer Nähe, die mir
+etwa ihre Rinder geliehen hätten.
+
+Im August 1904 kam ich erstmals nach Irongo in Ussangu, der Residenz
+des Sultans Kahemere. Die Hütten sind hier in sog. Tembenform gebaut,
+d. h. Hütte ist von Hütte nur durch eine Zwischenwand getrennt. Die
+Bedachung ist flach. Die Dachbalkenlage wird mit Schilf, Gras und einer
+dicken Lehmauflage überdeckt und bietet vortrefflichen Schutz gegen
+Sonne und Hitze. Starker Regen kann jedoch hindurchdringen, namentlich,
+wenn der Regen nach einigen trockenen Tagen einsetzt, und der Lehmbelag
+sich noch nicht voll Wasser gesogen hat.
+
+Die ganze Dorfanlage weist die Form eines Vierecks auf, mit etwa
+sechshundert Meter langen Seitenwänden. Durch zerfallene Hütten sind
+überall Zwischenräume vorhanden. Sonst sind in der Anlage nur zwei
+Eingänge vorgesehen, die abends mit Dornen verbarrikadiert werden. In
+der Mitte des großen Platzes wohnt in einer besonderen Umzäunung der
+Sultan mit einem Teil seines Harems. Kahemere besaß einige dreißig
+Frauen. Morgens und abends hält sich das Vieh, vorwiegend Rinder, im
+Tembenhofe auf, ehe es auf die Weide geht oder bevor es abends in die
+Stallungen, die zugleich als Wohnraum dienen, gebracht wird.
+
+Unter einem schattigen Baume dieses Hofes schlug ich mein Zelt auf. Ich
+saß etwas sehr auf dem Präsentierteller, und jede meiner Hantierungen
+wurde von zahlreichen Zuschauern männlichen und weiblichen Geschlechts
+bekrittelt. Um meine Zelttüre ganz zu schließen, war es zu heiß.
+Fortwährend mußte ich auf den Gruß von Ankommenden »adje, senga« mit
+»adje« antworten. Da ich die Kissangusprache nicht verstand, fragte
+ich später einen Missionar, was »adje, senga« eigentlich bedeute.
+Er antwortete mir kurz »guten Tag, Rindvieh«. Allerdings spielt das
+Rindvieh dort eine so große, fast geheiligte Rolle, daß das Prädikat
+»Rindvieh« beim Gruß eine Ehrung bedeutete, auf die nur der Sultan und
+seine Familienmitglieder Anwartschaft hatten.
+
+Infolge des engen Zusammenwohnens in den Temben, wo jeder seinem
+Nachbar in die Töpfe gucken konnte und eine etwas laute Unterhaltung,
+nur für engsten Familienkreis bestimmt, bis in die dritte Hütte hörbar
+war, stand die Moral dieser Neger nicht auf einer hohen Stufe.
+
+Die Hitze ließ auch in der Nacht nicht nach, und als ich eine Weile
+bei geschlossenen Zeltwänden gelegen hatte und in Schweiß gebadet
+war, ließ ich die Wände öffnen, damit die Luft durchziehen konnte. In
+der zweiten Nacht wurde ich geweckt durch fortwährendes Kläffen und
+Herumjagen meiner Hunde ums Zelt, wobei dieses fortgesetzt erbebte,
+da die Jagd über die Spannleinen ging, über die die Hunde stolperten.
+Da die Hunde sonst guten Appell (Gehorsam) hatten und diesmal auf
+Pfeifen nicht folgten, stand ich auf und machte Licht. Aus dem
+Zelt heraustretend, sah ich noch einige Schatten in der Dunkelheit
+verschwinden, hinter denen meine Hunde herjagten. Ich dachte mir,
+es werden gefleckte Hyänen sein, und legte mich beruhigt nieder. An
+das Herumjagen der Hyänen mit den Hunden war ich gewöhnt, den Hunden
+geschah dabei nichts, denn es war mehr Spielerei von beiden Seiten.
+Sättel, Stiefel und sonstiges Lederzeug, das Hyänen gern verschleppen,
+war durch die Anwesenheit der Hunde gesichert, und ruhig schlief ich
+bis zum Morgen. Als mir mein Boy den Kakao brachte, sagte er, es sind
+heute nacht Löwen dagewesen. Richtig! um mein Zelt, das Küchenzelt,
+und quer über den Tembenhof führten Löwenspuren. Deutlich waren solche
+von alten und jungen Tieren zu unterscheiden. Brüllen hatte ich ja
+Löwen an beiden Tagen gehört, aber es ist so etwas Alltägliches, daß
+man keine Notiz davon nimmt. Ich sprach dann mit dem Sultan Kahemere
+über die nächtliche Löwenanwesenheit. Mit Gleichmut erzählte er mir: Im
+Dorfe Mapunga sind in den letzten zwei Monaten 13 Personen von Löwen
+geholt worden. Die Leute sind dann auf die andere Seite des Flusses
+verzogen und ließen ihr altes Dorf im Stich, weil es von einem bösen
+Geist verzaubert wäre, der die Löwen gerufen hätte. Jetzt wären auch
+hier allnächtliche Löweneinbrüche an der Tagesordnung. Eben habe er
+Nachricht bekommen, daß heute nacht die Löwen, ehe sie in seine Tembe
+kamen, unweit eine Kuh aus einer Hütte geholt hätten.
+
+Sofort wollte ich mich bei den Überresten der Kuh ansetzen. Kahemere
+meinte aber: es waren mehrere Löwen, von der Kuh ist nichts mehr da,
+vielleicht haben auch Hyänen die Knochenreste verschleppt. Aussicht,
+die Löwen zu beschießen, wäre aber auf dem Wege nach Utengule, wo sie
+morgens immer vorbeikämen. Einer seiner Leute, der dort sein Gehöft
+hätte, sähe sie immer.
+
+Ich fragte den Sultan, ob es nicht möglich wäre, daß mir die Leute
+nachts Nachricht gäben, wenn die Löwen einbrächen. Er versprach mir,
+seinen Leuten zu befehlen, daß sie -- wegen der Löwengefahr -- zu dritt
+bei einem Einbruch kämen und mich wecken sollten. Kahemere betonte
+aber nochmals, daß ich am bequemsten auf dem Wege nach Utengule zum
+Schuß käme, und bezeichnete mir die Stelle, die ich vom Zelt aus wählen
+sollte.
+
+In der folgenden Nacht schlief ich mit offenen Ohren. Gegen fünf Uhr
+früh hörte ich Schreien von Eingeborenen. Ich warf mich in die Kleider
+und war gerade fertig, als Kahemere, mit seinem Gewehr in der Hand,
+selbst zu mir kommt und mich aufklärt, daß das Schreien der Leute, das
+ich gehört hätte, die zweite Abwehr eines Einbruchsversuches der Löwen
+gewesen wäre. Vorher hätten die Leute weiter hinten den Löwen durch
+Schreien verjagt.
+
+Schnell gingen wir an den Utenguleweg. Es war noch reichlich dunkel und
+kaum möglich, Ziel zu nehmen. Kaum hockten wir hinter einem kleinen
+Dornbusch, so kamen die Löwen an. Vornweg eine alte Löwin, dann
+ein Mähnenlöwe, die anderen konnte ich in der Eile nicht erkennen.
+Eingedenk der von Europäern und Eingeborenen erhaltenen Warnung, daß
+stets die Löwin angriffe, wenn der Löwe beschossen würde, der Löwe
+selbst aber feige sei, gab ich zwei Schüsse auf die vorderste Löwin
+ab. Sie lag im Feuer (Abb. 2) und hätte wohl am ersten Schusse genug
+gehabt, aber da ich auf nur dreißig Meter geschossen hatte, schien mir
+ein Doppelschuß sicherer. Rasch drückte ich zwei Patronen ins Magazin,
+um dieses wieder voll zu haben. Die Löwen verhofften einen Augenblick,
+und gerade, als ich das Gewehr wieder anschlug, sprangen alle seitlich
+ins hohe Gras und waren verschwunden, ehe ich schießen konnte. Neben
+dem Mähnenlöwen sah ich noch eine alte Löwin und zwei junge, fast
+ausgewachsene Löwen.
+
+Obwohl ich nicht daran glaubte, daß die Löwen noch einmal wiederkommen
+könnten, ließ ich mir am Tage Dornenäste bereitlegen und begab mich
+um drei Uhr morgens wieder an den Utenguleweg, wo ich mich mit zwei
+Boys in den Dornen einbauen ließ. Wenn es hell wurde, sollten meine
+Leute wiederkommen und den Dornenkral öffnen. Wir warteten vergeblich
+auf die Löwen. Es wurde hell, und schon hörten wir die Leute, die uns
+aus unserer Umzäunung holen sollten, am Ausgange der Tembe sprechen.
+Plötzlich verstummte das Gespräch. Ein Boy zupfte mich am Rocke, und
+ich sehe die Löwin etwa fünfzehn Meter vor mir stehen. Die beiden
+jungen Löwen liefen nach, und nach einer Lücke von hundert Metern
+folgte der Mähnenlöwe. Die Löwin aufs Ziel nehmend, ließ ich aufs Blatt
+fliegen; sie brach sofort zusammen. Rasch schlug ich nun auf den Löwen
+an, er kam in langen Fluchten (Sprüngen) auf mich zu. Gut vorhaltend,
+gab ich meinen Schuß ab. Der Löwe wirbelte im Kreise herum und biß sich
+in die Keule, ein Zeichen, daß ihn die Kugel leider dort getroffen
+hatte. Dadurch, daß ich mein Gewehr an einer anderen Seite durch die
+Dornenwand schieben mußte, verlor ich einige Augenblicke, und der Löwe
+war inzwischen seitlich im hohen Grase verschwunden. Eine ganze Zeit
+mußte ich noch warten, ehe meine Leute kamen. Durch das Schießen war
+ihnen angst geworden vor den vielleicht nur verletzten Löwen, und wir
+mußten alle drei rufen und pfeifen, bis sie uns aus unserem Dornenkäfig
+befreiten.
+
+[Illustration: Abb. 2. Die Löwin lag im Feuer.
+Besser phot.]
+
+Zunächst besah ich mir die Löwin. Der aufs Blatt abgegebene Schuß war
+ziemlich hoch in den Hals eingedrungen und hatte die Wirbelsäule
+zertrümmert. Bei einem Haar wäre sie überschossen gewesen. Mein Schuß
+war also ein glücklicher Zufall insofern, als er etwas links ging.
+Nun dem Löwen nach. Ich ließ mir erst meine Hunde, die ich nachts
+angekettet hatte, holen. Es war ein mühsames Suchen, um die Fährte
+halten zu können. Fußabdrücke waren in dem harten Boden nicht zu sehen,
+und das Gras war von weidenden Kühen in allen Richtungen mit Gängen
+versehen, so daß wir uns nur nach den spärlichen Schweißspritzern
+richten konnten. Gegen acht Uhr mußten wir die Folge aufgeben. Auch die
+Hunde konnten die Fährte nicht halten.
+
+Im Mai 1909 reiste ich von Kilossa über Iringa nach Langenburg. Am
+großen Ruaha angekommen, machte ich nach Iringa den ersten Rasttag.
+Gern hätte ich ein großes Kudu (+Strepsiceros strepsiceros Pall.+)
+und ein kleines (+St. imberbis Blyth+) zur Strecke gebracht. Von
+dieser Wildart hatte ich im Oktober 1908 mein erstes und einziges
+erlegt und große Kudus bisher immer vergeblich gepirscht. Um den
+Rasttag der Träger gut auszunützen -- auch Fleisch war uns sehr
+vonnöten --, brach ich am Morgen vor Tagesanbruch auf. Nicht ein Stück
+Wild kam mir zu Gesicht, nachdem es heller geworden war. Da sehe ich
+plötzlich in hundertfünfzig Meter Entfernung eine Löwin mit Jungem
+auf mich zulaufen. Sie eräugt mich und ändert ihre Richtung. Schnell
+springe ich etwa fünfzig Meter nach links vor, und sie geht an mir
+auf hundert Meter vorüber. Einen Augenblick den Atem anhaltend, da
+meine Lungen ausgepumpt waren und sich die Bewegungen dem Oberkörper
+mitteilten, ließ ich fliegen. Auf dem Rücken liegend, schlug die
+Löwin etwas mit den Pranken und miaute ganz leise. Das junge Tier
+verkroch sich im Gras. Gleich nach meinem Schuß nahm ich schleunigst
+Rückendeckung, denn mindestens sechs bis acht Löwen und auch einige
+Leoparden antworteten auf meinen Schuß durch tiefes Rohren und Gebrüll
+in nächster Nähe. Meine farbigen Begleiter waren alle auf Bäume
+geklettert. Es kam aber nichts weiter zum Vorschein. Ein Fangschuß
+ins Rückgrat der nun auf der Seite liegenden Löwin ließ diese sich
+strecken. Diesmal setzte das Gebrüll nur vereinzelt und entfernt
+ein. Nach dem Zelte schickend, um Leute zur Abholung der Löwin zu
+bekommen, setzte ich dann meine Pirsch fort, traf aber kein Stück Wild,
+geschweige denn Kudus an. Anscheinend hatten die zahlreichen Löwen das
+Wild für heute vergrämt (verscheucht), und ich mich gerade in der
+Richtung bewegt, in der die Löwen nachts gejagt hatten. Die Einwohner
+des kleinen Dörfchens Njukwa empfingen mich bei meiner Rückkehr mit
+Freudengeheul, da sie unter den Löwen viel zu leiden hatten. Es waren
+in letzter Zeit Menschen und auch Vieh von den Löwen geholt worden.
+
+In der Nacht hatten wir noch ein kleines Nachspiel. Um Mitternacht
+wurden wir durch angstvolles Geschrei unserer Träger geweckt. Es
+ist keine Kleinigkeit, wenn fünfundachtzig Menschen in Todesangst
+losheulen; wir fuhren erschreckt aus den Betten hoch. Unser Zelt
+wurde halb eingerissen, Lasten, unser Tisch mit Eßgeräten und der
+Lampe polterten zu Boden, und dazwischen brüllten Löwen. Ich hörte
+lautes Atmen im Zelt und glaubte für einen Augenblick, der Löwe
+stünde zwischen unseren Betten. Mit der Hand nach dem Gewehr tastend,
+erwischte ich die nackte Kehrseite eines Menschen, und ein angstvolles
+»Ich, Herr« belehrte mich über meinen Irrtum. Einige Träger waren
+splitternackt unterm Zelte durchkriechend eingedrungen. Als ich mit
+einigen energischen Worten die Ruhe hergestellt hatte, klärte sich
+die Lage dahin auf, daß wohl ein Träger wach geworden war und einen
+Löwen gesehen hatte. Als er seinen Kameraden weckte, verstand dieser
+die Sache falsch und glaubte, der Löwe habe ihn schon. In seiner Angst
+fing er an zu brüllen. Alle anderen fuhren aus dem Schlafe hoch und
+brüllten mit, um dann nach den Zelten zu stürzen und beim Europäer
+Schutz zu suchen. Die Leute waren vom Stamme der Wanjamwesi, deren
+hervortretende Eigenschaft nicht der Mut ist. Ich lagerte sie im
+hellen Mondschein um große Feuer und verbot ihnen, falls der Löwe
+wirklich käme, durcheinander zu laufen und zu schreien. Einmal sah
+ich einen Löwen durchs Gebüsch schleichen; da sie aber zu mehreren
+waren und ich immer nur Teile des Körpers sah, schoß ich nicht. Mein
+Reittiersoldat meldete mir immer: Jetzt kommen zwei Löwen den Weg aufs
+Lager zu, jetzt schwimmt einer durch den Ruaha usf. Immer kam ich zu
+spät, um schießen zu können, geschlafen haben wir aber bis zum Morgen
+nicht mehr. Ununterbrochen brüllten Löwen in nächster Nähe, so daß ich
+mindestens sechs bis acht Löwen vermutete. Der Nervendruck, der sich
+unser bemächtigte, löste sich erst bei Anbruch des Tages, wo auch die
+Löwen verstummten.
+
+Auf dem Weg vom Lager ins Dorf fand ich reichlich Löwenfährten, und als
+unsere Karawane etwas im Marsch war, kamen wir an ein paar einsamen
+Hütten vorüber, an deren einer ein mächtiges, noch blutendes Kudugehörn
+lehnte. Die Bewohner der Hütte erzählten, sechs Löwen hätten in Sicht
+der Hütte heute nacht das Kudu verzehrt.
+
+Im Dezember 1910 reiste ich wieder einmal am Rikwasee entlang. Ich
+befand mich auf dem Heimwege nach Langenburg und hatte vier geangelte
+Marabus (+Leptoptilus crumeniferus Less.+, siehe Abb. 3), junge
+Wildkatzen (+Felis ocreata Gm.+), eine Python-Riesenschlange und
+noch verschiedene andere Tiere zur Bereicherung meines Tierparkes bei
+mir. Die Tierkarawane bildete die Spitze, da die Käfige mit Inhalt
+leichter waren als die übrigen Lasten.
+
+[Illustration: Abb. 3. Marabu.]
+
+Meine Träger mußten etwa eine Stunde zurück sein, und wir beschlossen,
+auf die Karawane zu warten. Der Weg war scheußlich. Infolge der
+Regenzeit war der See ausgetreten, und das Wasser lief bei jedem
+Schritt von oben in die Stiefel. Ab und zu trat man auch bis an die
+Hüften ein, wenn ein unsichtbarer Graben den Weg kreuzte. Auf einer
+vom Wasser nicht bespülten Stelle machten wir Halt. Nachdem ich die
+Marabus gefüttert und jungen Servals (+Felis serval Schreb.+, s.
+Abb. 4) Milch gegeben hatte, frühstückte ich. In der Ferne standen
+drei Leier-Antilopen (+Damaliscus jimela Mtsch.+, +Bubalus
+jacksoni Thos.+) [Jacksons Hartebeest]. Meine Leute meinten, die
+Karawane hätte nur noch wenig Fleisch, ich möchte doch eins schießen.
+Da ich gar keine Lust hatte, durchs Wasser und den Schlamm mich an
+die Leier-Antilopen in offener Steppe anzupirschen, fragte ich meinen
+Fährtensucher Fardjallah, ob er nicht Lust hätte. Einen Jagdschein
+hatte er, und das Pulver versprach ich ihm zu ersetzen. Es dauerte
+dann eine Viertelstunde, bis ich den Dampf aus seinem Vorderlader und
+zugleich die Antilopen unverletzt flüchten sah.
+
+[Illustration: Abb. 4. Serval.]
+
+Um ein Bedürfnis zu verrichten, ging ich dann etwa hundert Schritt
+abseits von meinen Leuten, da dort einige Grasbüschel zur Deckung
+standen. Mit einem Schlage verstummte das lebhafte Schwatzen meiner
+Leute. Als ich aufsehe, kommen zwei Löwen im Trabe direkt auf mich
+zu. In Eile befestigte ich meine Kleider, und mein Boy Amri springt
+mir mit dem Gewehr entgegen. Zwanzig Meter von mir entfernt stutzen
+die Löwen. Es sind ein alter Mähnenlöwe und eine Löwin, beide im
+allerbesten Futterzustande. Die Mähne des Löwen war fast schwarz,
+und ebenso befanden sich an den Gelenken der Vorderpranken dichte,
+lange, tiefdunkle Haarbüschel. Die Löwen hatten wohl den auf mich
+zueilenden Boy gesehen und schlugen nun einen Haken, um in gewaltigen
+Fluchten davonzusetzen. Als ich das Gewehr bekam, waren sie schon
+im hohen Grase. Ich sah nur noch bei jedem Sprung den Rücken und
+dann Wassergarben über das Gras spritzen, wenn sie den Boden wieder
+erreichten. Erst nach etwa vierhundert Metern durchquerten sie ein
+Gelände mit niedrigem Gras und verhofften einen Augenblick. Es war
+mir zu weit zum Schuß. In Trab fallend, erreichten die Löwen den Wald
+und entzogen sich meinen Blicken. Merkwürdig war noch, daß die Löwen
+an einer Zebraherde vorbeikamen und diese gar keine Notiz von ihnen
+nahm, als sie zwischen ihnen hindurchgingen. Die Zebras scheinen
+besondere Anzeichen dafür zu haben, ob ein Löwe auf dem Raubzug ist
+oder sattgefressen seines Weges zieht. Als nach einer halben Stunde
+Fardjallah zurückkam, hatte er von den Löwen nichts gesehen. Meine
+Leute behaupteten, nach Fardjallahs Schuß seien die Löwen aus einem
+Grasgebüsch, das Fardjallah schon durchschritten hatte, aufgesprungen.
+Sie hätten wahrscheinlich dort geschlafen und seien durch den Schuß
+geweckt worden.
+
+Sehr viele Löwen sah und hörte ich auch im Kissakidistrikt, wo ich
+mich von 1912 bis 1914 aufhielt. Hier gab es jedoch kein Vieh, dem die
+Löwen gefährlich werden konnten, und Menschenfresser hatten sich nicht
+gezeigt. Es ist eine ganz besondere Art von Löwen, die wir in Afrika
+als »Menschenfresser« bezeichnen. Vorwiegend sind es alte Löwen, die
+kein Wild mehr erjagen können und dann bei irgend einer Gelegenheit an
+den Menschen geraten sind. Es gibt aber auch jüngere Tiere darunter.
+Haben Löwen einmal gesehen, welch leichte Mühe sie mit den Menschen
+haben, so halten sie sich an diese Nahrung und werden dann zur
+Landplage. Ich erinnere mich, daß in »Kambi uleya«, dem ersten Lager
+hinter Kilossa auf Iringa zu, fortgesetzt Leute geholt wurden. Viermal
+kam ich durch diesen Ort, und jedesmal waren wieder Träger gefressen
+worden. Die Karawanenträger, die zwischen Iringa und Kilossa liefen,
+schlafen meist auf den Veranden der Dorfbewohner, so daß die Löwen
+leichte Mühe haben. Trotzdem hatte ich jedesmal Not mit meinen Leuten,
+wenn ich ihnen befahl, sich ein Dornenverhau herzustellen. Es rechnete
+jeder damit, daß er nicht der Gefressene sein würde, und sie hätten
+sich lieber der Möglichkeit eines Löwenangriffs ausgesetzt, als daß sie
+freiwillig zehn Minuten arbeiteten, um jeder drei bis vier Dornenäste
+abzuhauen, heranzuschleifen und zur gemeinsamen Sicherheit um das Lager
+zu legen.
+
+Ich sagte vorher, daß in Kissaki die Löwen keine üblen Neigungen
+zeigten. Aus diesem Grunde empfahl ich den Eingeborenen, die Löwen
+zu schonen, und ging selbst mit gutem Beispiel voran, indem ich trotz
+guter sich bietender Gelegenheiten die Löwen unbeschossen ließ. Es
+gab nämlich ungeheuer viel Wildschweine, die die Kulturflächen schwer
+schädigten. Durch die zahlreichen Löwen wurden sie einigermaßen in
+Schach gehalten und von den Feldern verjagt. Die Löwen gaben sich der
+Schweinejagd so ohne Störung hin, daß sie durch die Dörfer liefen und
+häufig Leuten, die zur Arbeit gingen oder von der Arbeit zurückkehrten,
+begegneten, ohne daß übermäßige Scheu auf beiden Seiten hervorgerufen
+worden wäre.
+
+Eine Angewohnheit der Löwen muß ich noch hervorheben. Sie schleppen
+häufig ihre Beute fort, ohne sie vorher zu töten. Sobald sich die
+Beute nicht zur Wehr setzt, fängt der Löwe an einem sicheren Platze
+an zu fressen. Mir war schon ein Fall von Tanganjika bekannt, wo ein
+Pater vom Orden der »Weißen Väter« von Löwen geholt wurde und eine
+Viertelstunde lang um Hilfe schrie, während der Löwe schon an ihm fraß.
+Ich entrüstete mich damals, als ich hörte, daß ihn keiner der anderen
+Brüder befreit hatte, kam aber später selbst in eine Lage, wo das
+Hilfebringen unmöglich war. -- Ein Eingeborener war in einem Dorfe in
+Ussangu, in dem ich gerade lagerte, im Beisein seiner Angehörigen durch
+einen Löwen vom Feuer weggeholt worden. Sein Schreien klang schauerlich
+durch die Nacht. Meine Kerzenlaterne gab solch jämmerliches Licht, daß
+man nur im nächsten Umkreis sah. Schleunigst ließ ich die Dorfbewohner
+mit brennenden Holzscheiten und Grasfackeln antreten. Deutlich zeigte
+die Schleifspur im hohen, regennassen Gras den Weg des Löwen. Der
+fortgeschleppte Mann schrie unaufhörlich. Ich ging vornweg, dann folgte
+mein Boy, damals noch ein halbes Kind, mit der Laterne, und dann kamen
+die Leute mit den Feuerbränden.
+
+Als ich schon den Mann, der fortgetragen worden war, in schwachen
+Umrissen liegen sah, brach der Löwe fauchend auf uns los. Sofort liefen
+die Leute mit den Grasbränden davon, und ich las mir meine Laterne vom
+Boden auf, gerade noch, ehe sie verlöschte. Rückwärts schreitend zog
+ich mich aus dem Gras zurück, denn helfen konnte ich allein nicht, da
+es stockfinster war und ich nicht weiter als zwei Meter mit meiner
+schlechten Laterne sehen konnte. Ich holte die Leute wieder heran
+und machte ihnen klar, daß, wenn alle mitkämen, der Löwe sich sicher
+zurückziehen würde. Außerdem könnte ich schießen, wenn ich über den
+Rücken her Licht bekäme. Der geschlagene Mann wimmerte und stieß ab
+und zu laute Schreie aus. Kaum war ich wieder in seiner Nähe, rohrte
+der Löwe auf, und ich stand wieder allein. Als auch der dritte Versuch
+scheiterte, mußte ich's aufgeben, den Mann zu retten, auch gab der Mann
+keinen Laut mehr von sich. Am nächsten Morgen fanden wir den Leichnam
+unversehrt bis auf abgerissenes Fleisch an Waden und Oberschenkel.
+Keine einzige Verletzung war am übrigen Körper zu entdecken, so daß der
+Löwe ihn lebend angefressen hatte.
+
+Es ist dies eigentümlich für den Löwen im Gegensatz zu dem Leoparden,
+der, wenn er in einen Stall eingedrungen ist, so lange herumbeißt und
+Prankenschläge austeilt, bis sich nichts mehr rührt.
+
+
+ =Leoparden= (+Felis pardus nimr H. E.+).
+
+Viel seltener als den Löwen bekommt man den Leoparden (Abb. 5) in
+freier Wildbahn zu Gesicht. Mir war es sehr selten vergönnt, einem zu
+begegnen, und wenn es geschah, so war die Begegnung so flüchtig, daß
+ich meist nicht zum Schuß kam. Im Hochgebirge traf ich am Tage einige
+Male auf Leoparden. Sie waren aber so rasch im Gebüsch verschwunden,
+daß ich kaum die Gestalt ordentlich mit dem Auge erfassen konnte.
+
+Einmal, als ich nur mit dem Stock in der Hand meiner Karawane
+vorauslief -- es war in Unyika am Mloboflusse -- sah ich erst ein Paar
+Wildenten im Wasser und dann auf einem überhängenden Stamme am anderen
+Ufer einen Leoparden liegen, der die Wildenten scharf beobachtete. Es
+war gegen ein Uhr nachmittags. Wahrgenommen hatte mich der Leopard,
+denn ich bemerkte deutlich, wie die Spitze seines Schwanzes zitterte,
+sonst lag er bewegungslos. Ganz langsam drehte ich mich halb zurück,
+den Leoparden nicht aus dem Auge lassend, um meinen Boy, wenn er
+sichtbar werden sollte, gleich zuwinken zu können, daß er mir das
+Gewehr vorsichtig bringe. Einige Zeit hatte ich so gestanden. Gegen die
+Enten war ich gedeckt, und der Leopard blieb auf seinem Platze. Da sehe
+ich meinen Boy stehen. Er hat mich bemerkt und beobachtet, daß irgend
+etwas los war. Vorsichtig kommt er näher. Als er fast bei mir ist,
+macht der Leopard einen gewaltigen Satz über den Fluß weg an das Ufer,
+wo ich stand, landete im hohen Grase und war verschwunden.
+
+Ab und zu traf ich Leoparden im Gras, wenn ich auf anderes Wild
+pirschte. Ein scharfes Krallen an der Rinde eines Baumes ließ mich
+aufsehen, und der Leopard hockte am Stamm etwa wie eine Hauskatze, die
+im ersten Sprung vor Hunden flüchtet. Schneller als es sich beschreiben
+läßt, war der Leopard wieder im Gras verschwunden. Manchmal fand ich
+dann unter solchem Baum ein gerissenes Schwein, oft war der Leopard
+wohl noch selbst auf der Jagd und wollte nur Ausblick haben.
+
+Einen wunderschönen Anblick hatte ich in der Nähe der Ortschaft Mbuiga
+(Mgunda) zwischen Kissaki und Kidoti. Ich pirschte in einer dicht
+mit Schilf bewachsenen Niederung auf Büffel. Als ich die Niederung
+umschreite, um am Rande zu lesen, ob Büffel in das Schilf eingewechselt
+wären, höre ich plötzlich links von mir einen lauten Ton. Es konnte
+ein wilder Hund, ein Buschbock gewesen sein, möglicherweise auch
+ein Elefant, genau ließ sich der Ton nicht einer bestimmten Tierart
+zuschreiben. Mein Begleiter und ich stehen still. Einen Mann lasse
+ich auf einen Baum klettern, um zu sehen, ob etwa Elefanten im Schilf
+wären, da ich auf diese am ehesten schloß. Nichts konnte der Mann
+sehen. Plötzlich sagt einer meiner Begleiter: »Ein Leopard!« Ich sah
+mich um und brachte die Sache gar nicht mit dem vorher gehörten Ton
+in Zusammenhang. Da zeigen alle Leute auf einen etwa dreißig Meter
+über das Schilf herausragenden Baum, der zurzeit blattlos war, und nun
+entdeckte ich auch den Leoparden auf der äußersten Spitze eines Astes,
+in den dürrsten Zweigen zur Kugel geballt, liegen. Er war von mir etwa
+hundert Meter entfernt. Schießen wollte ich auf keinen Fall, da Büffel
+das begehrte Ziel waren. Trotz der nicht sehr großen Entfernung und
+trotzdem der Leopard so ganz frei sichtbar auf dem kahlen Baum saß,
+hätte ihm wohl kaum einer von uns Beachtung geschenkt. Er sah so der
+Umgebung angepaßt aus, daß man bei oberflächlichem Sehen weit mehr auf
+einen Raubvogelhorst im dünnen Gezweig geschlossen hätte.
+
+Rasch hatte ich mein Glas zur Hand. Der Leopard mußte unsere
+Beobachtung bemerkt haben. Er richtete sich auf, lief vorsichtig
+über das schwankende Gezweig, dann schnürte[3] er auf einem dickeren
+Ast bis zur ersten Gabelung des Baumes, machte noch einige schnelle
+Schritte den Stamm hinunter und war dann mit mächtigem Satze im Schilf
+verschwunden.
+
+[Illustration: Abb. 5. Leopard.]
+
+Wenn man sich in einer Gegend befindet, wo es Hundsaffen, Meerkatzen
+und braunrückige Paviane gibt, und diese sind in Deutsch-Ostafrika fast
+überall, wo Wald und Wasser zu finden ist, so wird der Leopard fast
+immer von den Affen gemeldet. Er ist ihr schlimmster Feind, und sie
+folgen seinem Weg auf dem Boden oben im Gezweig unter fortwährendem
+lautem Geschrei. Durch Affen aufmerksam gemacht, schoß ich meinen
+ersten Leoparden. Der ganze Wald hallte von dem Geschrei der Affen
+-- es waren Hundsaffen (+Cynocephalus (Papio) langheldi Mtsch. (?)
+oder Papio cynocephalus L. (?) C. ibeanus Thos.+) --, die in einer
+Richtung weiterzogen. Ich schritt zu den Affen parallel vorwärts,
+bis ich an eine Stelle kam, wo es kein Unterholz und infolge dichten
+Blätterdachs nur spärlichen Graswuchs gab. Eine ganze Zeit stand ich
+hier unter einem Baum in Deckung, ohne etwas zu sehen. Plötzlich stand
+der Leopard mitten auf der kahlen Stelle. Er äugte zu mir herüber, nahm
+mich aber nicht wahr. Als er seinen Kopf in entgegengesetzter Richtung
+bewegte, strich ich am Stamme an und kam aufs Blatt ab. Ein fauchendes
+Miauen, dann ein plötzliches Wenden, und er war dort verschwunden,
+wo er hergekommen war. Hunde hatte ich nicht bei mir. Ich nahm zwar
+an, daß ich gut getroffen hatte, wollte aber lieber noch einige Zeit
+warten, ehe ich ihm nachging. Meine farbigen Begleiter wollten mich
+ganz davon abhalten, weil ein kranker Leopard »furchtbar böse« sei.
+
+Die Affen tobten inzwischen auf derselben Stelle weiter, der Leopard
+mußte also noch dort stehen, wo er eingewechselt war. Um ihm Zeit zu
+geben, drehte ich mir eine Zigarette, die ich bis zu Ende rauchte. Nun
+ging ich Schritt für Schritt, die Umgebung abspähend, weiter, zunächst
+zum Anschuß. Ich fand vereinzelte Schnitthaare und dann große Spritzer
+Schweiß. Zwei Meter davon entfernt fand ich einen ganzen Klumpen
+Haare, an dem noch Haut festsaß, also der Ausschuß. Nun war mir nicht
+mehr bange. Zwei Schritt brauchte ich nur ins Gebüsch einzutreten, da
+schimmerte es mir schwarz-weiß entgegen. Der Leopard lag auf dem Rücken
+und war schon verendet, wie die verglasten Lichter (Augen) zeigten.
+Obwohl ich gern den ganzen Leoparden mitgenommen hätte, um ihn zu
+photographieren, war es doch im Hinblick auf meine beiden nicht sehr
+kräftigen Begleiter besser, ich schlug ihn an Ort und Stelle aus der
+Decke und nahm nur diese und den Schädel mit. Es war ein prächtiger
+alter Kater und der Fang (das Gebiß des Raubzeugs und der Hunde) ganz
+vollständig. Groß war meine Freude, und mit Sorgfalt weichte ich zu
+Hause die Decke persönlich in gesättigte Salz- und Alaunlösung ein,
+knetete sie eine halbe Stunde lang durch und hing sie zum Trocknen auf.
+
+Später, als ich eine große Hundemeute hatte, wurde es mir leichter,
+Leoparden zu erlegen. Mit meinen Hunden hatte ich insofern Glück
+gehabt, als die Stammeltern, zwei blutsfremde deutsche Doggen, sehr
+schneidige Tiere waren. Der Nachwuchs lernte es ohne mein Zutun, mit
+System, d. h. mit gegenseitiger Unterstützung, zu hetzen und wehrhaftes
+Raubwild zu stellen.
+
+Wurde mir aus einem Dorfe gemeldet, daß die Leoparden dreist würden und
+Hunde und Ziegen holten, so brach ich, wenn ich Zeit hatte oder es sich
+sonst mit meinen Obliegenheiten vereinigen ließ, mit meinen Hunden auf
+und bezog in dem Dorf Lager.
+
+Nachts verbellten dann meine Hunde den Leoparden. Meine Träger kannten
+den Rummel schon. Rasch hatte jeder ein paar ordentliche Hände voll
+trocknes Gras aus den Dächern der Hütten gezogen und sie als Fackeln
+angebrannt. Kamen wir zu den Hunden, so hatten diese den Leoparden zum
+Aufbäumen gezwungen, und ich schoß, indem ich einen Mann mit seiner
+Fackel hinter mich treten ließ. Nach dem Schuß stand ich zwar stets
+im Finstern, denn die Fackelträger waren ausgerückt. Es schadete aber
+nichts, denn wenn der Leopard nicht tödlich getroffen war, was bei der
+nächtlichen Schießerei häufig vorkam, so beschäftigten sich sofort
+die Hunde mit ihm und hatten ihn, falls er noch konnte, sofort wieder
+auf einen Baum getrieben. Selten verlor ich dabei einen Hund. Größere
+Wunden durch Prankenschläge nähte ich, worauf rasch Heilung eintrat.
+Übler waren kleinere Wunden, wo die Krallen eingeschlagen worden waren
+und nur ein kleines Stückchen Fleisch heraushing. Diese Wunden heilten
+äußerlich rasch zu, innen bildete sich aber meist ein langwieriger
+Eiterprozeß und Zellgewebsentzündung.
+
+Ganz übel benehmen sich Leoparden, wenn es ihnen gelingt, in einen
+Ziegenstall oder Kral einzubrechen. Solange noch eine Ziege am Leben
+ist, wird gemordet. Es kommt vor, daß ein Leopard 30-50 Ziegen
+tötet und keine davon frißt. Die Dreistigkeit der Leoparden ist
+außerordentlich groß. Ziegen werden am Tage vor den Augen der Hirten,
+Hunde vor den Türen weggefangen. Dabei läßt der Leopard seinen Raub
+nicht oder nur sehr schwer im Stich, wenn er auch sofort angegriffen
+wird. Als Beispiel der Dreistigkeit erwähne ich folgendes kleine
+Erlebnis.
+
+Auf dem Tanganjikaplateau hatte ich einen Europäer getroffen. Da wir
+gut bekannt waren, stellten wir unsere Zelte zusammen und brachten in
+dem einen die Betten unter, während uns das zweite als Eßzimmer diente.
+Vor dem Abendbrot saßen wir beide auf einem Bett, und mein Bekannter
+spielte Ziehharmonika. Plötzlich gab es während des Spiels lautes
+Geheul von meines Bekannten Foxterrier, der unter dem Bett geschlafen
+hatte. Das Bett wurde unter uns hochgehoben, und ehe wir zur Besinnung
+kamen, sprang ein Leopard mit dem Terrier zum Zelt hinaus. Draußen war
+es dunkel, und wir konnten nichts gegen den Leoparden tun. Der Hund war
+sowieso verloren.
+
+Am nächsten Morgen brachten Eingeborene den angefressenen Hund und
+behaupteten, der Leopard säße unweit unseres Lagers in einem Gebüsch
+dürren Grases, das beim letzten Steppenbrand noch zu grün gewesen wäre
+und deshalb stehen geblieben sei.
+
+Wir besahen uns die Lage. Der Grasfleck war nur etwa drei Hektar groß,
+aber brennen wollte das Gras von 1,20 Meter Höhe auch heute noch
+nicht. Es blieb also nur die Möglichkeit eines Durchtriebes. Was wir
+an Eingeborenen auftreiben konnten, machten wir als Treiber mobil.
+Zwischen je 10 Mann stellten wir einen Soldaten. Schießen wollten nur
+wir Europäer, damit kein Unglück geschah. Ich stand auf jener Seite, wo
+wir vermuteten, daß der Leopard herauskäme, mein Bekannter ging mit den
+Treibern. Nachdem mehr als die Hälfte des Grases durchgetrieben war,
+schoß mein Bekannter zum ersten Male, wie er mir zurief, »daneben«.
+Gleich darauf sprang der Leopard einen Soldaten an, und zwar so, daß
+er seine Hinterpranken dem Mann in die Oberschenkel schlug und mit
+den Vorderpranken Lappen in die Kopfhaut riß. Der Mann fiel natürlich
+hintenüber, aber ehe er lag, war der Leopard schon wieder zurück
+ins Gras gesprungen. Dieses Manöver wiederholte der Leopard mehrere
+Male und stets so unverhofft und blitzschnell, daß die mit Stöcken
+zuspringenden anderen Treiber nicht dazukamen, einen Schlag zu führen.
+Wir hatten insgesamt sieben Verwundete mit mehr oder minder schweren
+Verletzungen.
+
+Nur ein ganz schmaler Grasstreifen deckte den Leoparden noch, und
+ich hoffte, daß er jeden Augenblick flüchten und mir Gelegenheit zum
+Schusse geben würde. Statt dessen versuchte er immer wieder, die
+Treiberlinie zu durchbrechen. Jetzt schoß Herr H. zum zweiten Male, und
+das gleich darauf einsetzende Freudengeheul der Treiber verkündete mir,
+daß der Schuß tödlich war. Der Leopard hatte die Kugel spitz von vorn
+erhalten, und sie war durch den ganzen Körper gegangen mit dem Ausschuß
+neben dem Weidloch (After).
+
+Bei genauerer Betrachtung des toten Leoparden wurde uns auch klar,
+warum er bei seinem Anspringen der Treiber niemals den Fang gebrauchte.
+H.s erster Schuß hatte ihm beide Kaumuskeln und die Pfannen der
+Unterkiefer durchschlagen. Lange haben übrigens unsere Verletzten an
+ihren Wunden nicht laboriert, sie hatten ausnahmsweise gesundes Blut,
+was man von den wenigsten Negern behaupten kann.
+
+In eine recht mißliche Lage brachte mich ein Leopard im August 1908
+in Ilongo in Ussangu. Zur Reparatur einer Baumwollspinnerei wohnte
+ein ehemaliger Fremdenlegionär B. bei mir, der früher Techniker war.
+Als wir nachts die Löwen brüllen hörten, erzählte er mir, er hätte im
+Atlas schon Löwen geschossen, und fragte dann, ob ich ihm nicht zu
+einem Löwen verhelfen könnte, er möchte gern ein Fell als Waffenschmuck
+haben. Ich stand kurz vor einer Europareise, um mich von einem
+Gelenkrheumatismus zu erholen, den ich mir im letzten Negeraufstand
+zugezogen hatte. Vier Monate hatte ich festgelegen, und seit zwei
+Monaten konnte ich wieder langsam gehen, war also mehr als klapprig, so
+daß ich eine Suche auf Löwen nicht wagen konnte.
+
+Um B. aber eine Freude zu machen, da er mir die Maschinen rasch und gut
+in Ordnung brachte und auch ein sächsischer Landsmann von mir war, ließ
+ich einen Selbstschuß herstellen.
+
+Nach dem Rezept meines Freundes L., eines Schweden, der schon mit
+Livingstone Afrika durchquert hatte und damals als Zivilkommissionär
+in Rhodesia amtierte, baute ich eine Schußfalle, die fast nie versagt
+und in die das Raubwild -- und wäre es noch so schlau -- leicht
+hineintappt. L.s System bestand in einem auf zwei eingegrabenen
+Astgabeln wagrecht gebundenen Gewehr in Blatthöhe über der Erde. Ein
+dünner, aber fester Bindfaden wird am Abzug befestigt, durch die untere
+Gewehrriemenöse gezogen, am Gewehr entlang geführt und dann quer über
+den Weg gespannt, den das Raubwild mutmaßlich durchquert. Man darf den
+Faden nicht zu fest spannen, da der nächtliche Tau ein Nachspannen
+besorgt. Mit der Hand drückt man dann den Faden in der Richtung des
+mutmaßlich vorbeikommenden Tieres. Wird das Gewehr ausgelöst, wenn
+man den Faden etwa 40 Zentimeter aus seiner Ruhe drückt, so ist die
+Aufstellung richtig, und man kann die Patrone einschieben.
+
+Über den Weg führen wollte ich den Selbstschuß nicht. Ich benützte für
+solche Fälle immer ein ausrangiertes Gewehr Mod. 71, und ein solches
+Geschoß können des Weges kommende Negerbeine nicht gut vertragen. Ein
+eingeschlagener Pfahl, an den ich ein zwei Monate altes Kalb band, war
+das Zentrum eines dreiviertel geschlossenen Kreises aus Dornenästen.
+Quer über die Öffnung war dann das Gewehr gerichtet und der Fadenabzug
+gespannt. Um das Kalb noch besser zu schützen, ließ ich noch eine
+Reihe Pfähle mit handbreitem Abstand quer durch den Dornenkreis
+rammen, so daß der Löwe das Kalb bequem vom Eingang her sehen konnte.
+Damit er gezwungen war, den Eingang gehend und nicht springend zu
+durchschreiten, hing ich einige kleine Dornenäste an einer Stange in
+1,20 Meter Höhe über den Eingang.
+
+Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust
+abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen,
+so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des
+Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde;
+dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe
+oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von
+der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die
+infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu
+werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich
+ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten
+Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des
+Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die
+Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle
+in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es
+entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken,
+das das Raubwild leicht anlockt.
+
+Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß
+zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns
+verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem
+Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das
+Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen
+wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des
+Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam,
+fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen
+war.
+
+B., ich und zwei Neger machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs
+waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady
+mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr,
+sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit
+schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die
+Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette
+ab.
+
+Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts
+Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich
+mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen
+ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sichernden
+Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war
+er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen hoch und ließ die
+Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um
+ihm den Fangschuß zu geben -- Versager! noch einer und noch einer.
+Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom
+Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er
+auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge
+gehabt.
+
+B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen,
+er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor
+und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere
+bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß
+aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer
+hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen.
+Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile
+des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald
+überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand
+bleich wie eine Wand und zitternd dabei, so daß ich ihm auf den Kopf
+zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er
+wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion
+Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die
+Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging
+ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in
+Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und
+sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen
+könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland
+angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre
+wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern
+versammelt. Selten habe ich so um einen Hund getrauert, als wie um
+dieses treue, schöne Tier.
+
+
+ =Gefleckte Hyänen= (+Hyaena crocuta Erxl+).
+
+Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn
+er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit
+daranschließendem, stark abfallendem Rücken machen das Tier unschön.
+Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar
+nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung
+besiegelt (Abb. 6).
+
+Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt,
+wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß
+er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet.
+Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung
+menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher.
+So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es
+an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördern, nachts die
+Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der
+den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Negerkopf anhaftet,
+genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen.
+
+Hyänen zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends,
+ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem anderen
+Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins
+Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit
+einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine
+gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden
+in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in
+einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterten sie doch längere Zeit.
+
+In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen
+fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf
+aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch
+nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich
+die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere
+Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei
+freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich.
+
+Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die
+gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge,
+überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und
+Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen
+Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind
+Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort
+Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benediktiner-Mönche,
+daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige
+Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist
+hätten.
+
+[Illustration: Abb. 6. Gefleckte Hyänen.]
+
+Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz
+menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die
+Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich
+Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets,
+wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr
+abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen.
+
+Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in
+Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur drei Foxterriers. In
+der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum
+schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich
+einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich,
+wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers
+herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel
+zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu
+Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums
+Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden
+Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie
+ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im
+hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen.
+
+Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen.
+Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel
+nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit
+treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als
+es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten,
+stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo
+bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder
+und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die
+gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt
+des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die
+Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige
+Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am
+Leben.
+
+Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung
+nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues
+Verfahren.
+
+Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung
+übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz
+frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben.
+Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des
+weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen
+würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug
+bringen.
+
+Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten
+Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel machte ich ihr
+ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den
+Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich
+schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie
+mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb.
+Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs
+Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei
+sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne
+waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst
+war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke
+Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten -- ohne Hyäne.
+Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte
+so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete
+ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch
+Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher
+Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden
+als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber
+anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing.
+Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht
+recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum
+handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und
+deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst
+kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus
+sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den
+Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein
+etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man
+beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat.
+
+
+ =Schabrackenschakale= (+Canis [Lupulella] mesomelas Schreb+).
+
+Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr
+nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich
+stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur
+die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs.
+Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck,
+wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze Lebensweise ist
+die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter
+diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden.
+
+Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den
+Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und
+Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen.
+
+Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu
+verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn
+im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und
+absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in
+das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in
+entgegengesetzter Richtung davonzulaufen.
+
+Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele
+schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig
+retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer.
+
+Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so
+fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage,
+wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die
+ganze Gegend durchzieht.
+
+Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt
+mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem
+Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im
+Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und
+ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht
+Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine
+verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden.
+
+Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen
+der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer
+Fabel.
+
+In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer
+frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im
+Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie
+mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht
+wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei
+mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde
+kollerten, brachten sie mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines
+Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und
+meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest.
+Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten
+zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen
+ruhig bei ihrem Glauben.
+
+[Illustration: Abb. 7. Schabrackenschakal.]
+
+Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht
+mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt,
+den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie
+angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte.
+
+Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn
+Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem
+Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns
+äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen.
+Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen,
+vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«,
+so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter
+brachten, von mir hingegen ließ er sich die schönsten Knochen weit
+hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir
+allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls
+aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie
+noch nicht erzogen und unbeobachtet waren.
+
+»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen
+nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen
+auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein
+tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen
+wilden Schakal und schoß ihn tot.
+
+Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden
+Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen
+wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen.
+
+Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die
+Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß
+Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute
+eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann
+man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf
+schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich
+bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in
+Gemeinschaft leben.
+
+Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der
+Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in
+»Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres
+Reineke.
+
+Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den
+Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen
+erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy
+verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend
+unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen
+versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen
+und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der
+Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet
+ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten
+Sachen aufgebunden werden.
+
+So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer
+eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den Fehler hat, daß
+er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu
+erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die
+kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er
+auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys
+hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten,
+ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine
+solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40
+Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit
+der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die
+Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als
+Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen
+waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem
+einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen.
+
+Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem
+Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm
+Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy
+stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze
+geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy
+ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er
+viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend
+läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen
+Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß
+ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender
+Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen
+»Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden.
+
+
+ =Wilde Hunde= (+Lycaon pictus Temm+) [auch Hyänenhunde genannt].
+
+In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in
+Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die
+Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder
+trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke
+einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf,
+das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten meine Leute und
+ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend,
+wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur
+Tränke geführt worden sei.
+
+Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone
+einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch,
+um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte
+ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch,
+damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck
+beinahe meine Melone fallen lassen.
+
+Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke
+auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich,
+irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich,
+oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt
+bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich
+stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich
+mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten
+sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das
+Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder
+oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte
+sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem
+ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben
+sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit
+den Kühen zur Tränke.
+
+Auf meine Frage, warum denn das Dorf so weit vom Fluß läge, wurde mir
+erklärt, daß der Mkodje die Steppe in der Regenzeit bis kurz an die
+Hütten überschwemmte. Verpflegung konnte ich für meine Leute auch nicht
+erhalten, die Vorräte der Leute waren so gering, daß ich fragte, wie
+die Leute denn überhaupt ihr Leben fristen könnten und warum sie mit
+ihrem Vieh in solch elender Gegend wohnten und nicht mehr Getreide
+anbauten. Ich erfuhr darauf, daß die Rinder dem Sultan Merere gehörten
+und nur hier gehütet wurden, weil das Wild gut gediehe, von was, war
+mir allerdings fraglich, denn ich hatte auf meinem Marsche nur bis
+auf 3 cm abgeweidete Grasstummel gesehen. Von Getreidearten wüchse
+nur recht spärliche Sandhirse. Zwei kleine Fleckchen bebautes Land
+von zusammen etwa 200 Quadratmeter mußten für die 18 Kopf starke
+Einwohnerschaft genügen. Die Ernährungsfrage der Leute wurde mir
+immer rätselhafter. Endlich rückten sie mit der Sprache heraus. In der
+Regenzeit gebe es durch die Überschwemmung so viel Welse, daß sie im
+seichten Wasser bloß aufgelesen zu werden brauchten. Und jetzt? Nun,
+in der Trockenzeit paßten die Viehhüter immer auf, wo früh die Geier
+kreisten, dort hätten Löwen Wild geschlagen, und es wäre häufig so viel
+übrig, daß sie Vorrat dörren könnten. Manchmal allerdings, wenn mehr
+Löwen dagewesen wären, oder wenn die Löwen schon am Abend Beute gemacht
+und den Riß nach der Sättigung verlassen hätten, um zur Tränke zu
+gehen, so daß das gerissene Wild für die Hyänen frei werde, seien nur
+ein paar Knochen übrig.
+
+[Illustration: Abb. 8. Wild- oder Hyänenhund.]
+
+Meine Bemerkung: »Na, ihr helft wohl manchmal den Löwen etwas nach und
+holt euch selber ein Zebra,« löste verlegenes Grinsen aus, das mir
+genug Bestätigung war. Vorderlader waren ja reichlich vorhanden und
+Pulver auch -- »zur Abwehr der Löwen vom Vieh« -- wie mir eifrigst
+versichert wurde.
+
+Am nächsten Morgen, als es eben dämmerte und ich mich gerade mit dem
+Viertelliter Wasser wusch, den ich für diesen Zweck aufhob, ehe ich ihn
+meinen Hunden geben wollte, verstummte plötzlich das Murmeln der sich
+für die Reise zurechtmachenden Träger.
+
+Etwas blöde, weil ich gerade mein Gesicht mit dem Handtuche bearbeite,
+spähe ich nach der Ursache. Da kommt auch schon eine Schwarzfersenricke
+(+Aepyceros suara Mtsch.+) direkt auf mich zu, mitten durch die
+Träger durch, stolpert über meine Zeltstricke, rennt ins Dorf und
+bleibt darin stehen. Während ich noch diesem Tier zusehe und nicht
+weiß, was ich aus dem Vorfall machen soll, kommt eine zweite Antilope
+fast durchs Zelt und stellt sich zur ersten.
+
+Nun machten mich die Leute aufmerksam auf zwei wilde Hunde (Abb.
+8), die sich außerhalb der Träger hingesetzt hatten. Ich zeige die
+Wildhunde meinen vier Doggen und hetze diese. Kein Gedanke, daß sie
+die Wildhunde einholten. Als meine Hunde auf einen Pfiff mutlos
+zurückkehren, folgen ihnen die beiden Wildhunde. Eine abermalige Hetze
+war so erfolglos wie die erste. Nun nehme ich mein Gewehr zur Hand,
+schieße aber zu kurz, wie ich am Hochsprung des Hundes auf allen Vieren
+sehe, ein zweiter Schuß hat dasselbe Ergebnis. Nun trollen sich die
+Wildhunde hinter Dornengebüsch und sind für mich unsichtbar.
+
+Ich gehe dann zu den Antilopen, die mit zitternden, weitgeöffneten
+Nüstern und schlagenden Flanken im Dorf stehen und sich anfassen
+lassen. Die Leute erzählten mir, sie hätten die Hetzjagd der
+Wildhunde schon eine ganze Weile beobachtet, in der Steppe wäre es
+immer im Kreise herum gegangen. Sehr scharf sei das Tempo der Hunde
+nicht gewesen. Durchaus wollten die Leute die Antilopen töten und
+verspeisen. Mir taten diese geängstigten Tiere leid, und ich ließ alle
+Leute zurücktreten, damit sich die Antilopen -- Muttertier und fast
+ausgewachsenes Kitz -- erholen und nach Belieben entfernen konnten.
+
+Dies war meine erste Begegnung mit wilden Hunden. Noch häufig traf ich
+diesen Schrecken des armen Wildes an. Einmal, als ich gerade Wildbret
+für meine Tafel brauchte und bei Morgenlicht im Wildgebiet eintraf,
+galoppierte ein Wasserbock (+Cobus ellipsiprymnus Ogilb.+) auf
+mich zu. Ich nahm an, daß er mich früher wahrgenommen hatte und mir auf
+seiner Flucht wieder in den Weg lief, weil ich durch Gebüsch gedeckt
+war. In hohen Fluchten quittierte er auf meinen Blattschuß. Der erst
+spärlichen, dann reicher werdenden Schweißfährte folgend, fanden wir
+ihn, nach etwa 1000 Meter Suche, verendet in einem Dickicht.
+
+Einen Augenblick bei dem zur Strecke gebrachten Bock ausruhend,
+hörte ich plötzlich den Schreckton eines Buschbockes (+Tragelaphus
+roualeyini Gord. Cumm.+). Da das Fleischbedürfnis meiner
+europäischen Nachbarn groß war, wollte ich auch diesen strecken.
+Vorsichtig schiebe ich mich aus der Dickung heraus und habe vor mir:
+sechs Wildhunde. Auf vier Meter Entfernung bleiben sie ruhig vor mir
+sitzen, indem sie mich anäugen. Sie müssen meine Anwesenheit schon
+vorher bemerkt haben und waren höchstwahrscheinlich auch schon vorher
+hinter meiner Beute her. Den Vordersten schoß ich spitz von vorn.
+Er fiel ohne einen Laut. Die anderen machten nun einen Luftsprung,
+dann saßen sie wieder. Einer steht auf und nimmt Witterung an seinem
+toten Kameraden, aber nur einen Augenblick. Hastig faßt er ihn dann
+mit den Zähnen, und im Nu bilden die übrigen vier mit ihm einen
+Knäuel. Sie reißen große Fetzen aus dem Geschossenen und würgen die
+Bissen ohne Kauen hinunter. In kurzer Zeit ist auch kein Knochen oder
+Haarbüschel von ihm übrig. Als ich den zweiten schoß und nach seinem
+Fall gleich auf die Wildhunde zuging, zogen sie sich knurrend zurück
+und verschwanden dann. Eine halbe Stunde danach hörte ich, wie sie mit
+einem Löwen stritten. Als ich mir durch das Dickicht einen Weg nach dem
+Kampfgetöse zu gebahnt hatte, waren alle Beteiligten verschwunden. Nur
+das niedergetretene Gras gab Zeugnis von einer Balgerei.
+
+Wer den kürzern gezogen hatte, ließ sich nicht ermitteln. Ich glaube
+aber der Löwe. Selbst habe ich es zwar noch nicht mit angesehen, aber
+mir bei verschiedenen eingeborenen Jägerstämmen erzählen lassen, daß
+der Löwe deshalb eine so große Furcht vor meinen Doggen hätte, weil er
+sie für wilde Hunde hielte, die ihm stets so arg zusetzten, daß er das
+Weite suchte. Käme es zu einem Kampf, so stürzten alle zugleich auf den
+Löwen und bissen ihn überall, wobei immer ein Stück Fell und Fleisch
+in ihrem Fang bliebe. Der Löwe selbst wäre nicht flink genug, sich so
+vieler Angreifer zu erwehren. Etwas Wahres muß daran sein, denn stets
+brachten meine Hunde den Löwen zur Flucht und konnten ihn nur dann
+stellen, wenn ich mehr als zwei bei mir hatte.
+
+Wie das Wild die Wildhunde fürchtet, sah ich häufig daran, daß Gebiete,
+die dicht mit Wild bevölkert waren, plötzlich wie ausgestorben dalagen
+und nur einige Buschböcke und Ducker (+Sylvicapra grimmia L.+)
+(kleine Antilopen, die durch Ducken sich vorzüglich verbergen), die
+ihren Standort schwer wechseln, übrig waren. Wasser- oder Futtermangel
+war nicht eingetreten. Stets ergab es sich dann, daß Wildhunde dort
+gehetzt hatten. Rudel bis zu dreißig Stück waren keine Seltenheit.
+Eine solche Panik unter dem Wild ruft kein Löwe hervor. Wohl zeigt
+das Wild bei Löwenanwesenheit Unruhe, ich sah aber mehrfach weit
+auseinandergezogen äsende Wasserböcke und Hartebeeste, die von einem
+Löwen, der mitten durch die Herde lief, kaum Notiz nehmen.
+
+Strichweise bewegen sich die Wildhunde durchs Land und steigen auch
+in hügeliges Gelände auf. 1910 traf ich sie auf 1200 Meter Höhe nahe
+Langenburg, wo sie die weidenden Viehbestände schwer schädigten.
+
+Nach meinen Erfahrungen bevorzugen sie alles Hornwild mit Ausnahme
+des Büffels, der ihnen wohl zu wehrhaft ist. Warzen- und Wildschweine
+verschmähen sie nach meinen Beobachtungen gänzlich. Übrigens nahmen
+auch meine Hunde (Doggen und deutsche Schäferhunde) Schweinefleisch nur
+ungern auf. Bei Zebras und Giraffen fürchten sie Schläge mit dem harten
+Huf. Überall bestätigten mir die Eingeborenen, daß diese beiden Tiere
+von Wildhunden verschont würden, wenn es sich nicht um ein junges Stück
+handelte, das sich von der Herde entfernt hatte und den Anschluß nicht
+mehr erreichen konnte.
+
+Erstaunlich ist die Muskelkraft der Kieferpartie der Wildhunde. Einer
+meiner Bekannten in Langenburg zog zwei junge Hyänenhunde auf. Sie
+liefen frei herum und kamen auf Ruf zum Futter. Als sie ein Vierteljahr
+alt waren, hatten sie das Bestreben, nicht unter Beobachtung zu
+fressen. Sie nahmen deshalb die Blechbüchse, die ihr Futter -- Reis
+und gekochtes Fleisch -- enthielt, in den Fang, und einer trug den
+für beide bestimmten Teil, der mit Büchse mehr als sein Körpergewicht
+betrug, wagrecht davon, ohne daß dem Tier eine Anstrengung anzumerken
+war.
+
+Übrigens waren die Tiere trotz ihrer Gefräßigkeit äußerst mager. Nur
+der dicke Kopf, der durch die sehr großen, aufrechten Lauscher (Ohren)
+noch größer erschien, fiel auf, so daß der übrige Körper dagegen ganz
+zurücktrat.
+
+Im Gegensatz zu anderen vierfüßigen Raubtieren sind Wildhunde
+ausgesprochene Tagestiere. Nase, Gehör und Gesicht sind außerordentlich
+scharf.
+
+Deutsche Schäferhunde, die nach meinem Dafürhalten unter allen
+Hunderassen das beste Gesicht haben, erkannten auf 200 Meter Entfernung
+sich schwer vom Gelände abhebende, sehr ruhig weidende Esel nicht, d.
+h. sie nahmen sie nicht wahr. Die beiden jungen Wildhunde verfolgten
+die Esel aber ständig mit dem Auge. Keine laufende Ratte entging ihrer
+Aufmerksamkeit, und zwar auf viel größere Entfernung, als wie ich dies
+bei meinen sonst sehr regen Hunden beobachtete.
+
+Die Farbe der von mir erlegten Wildhunde war verschieden. Niemals fand
+ich sie rein einfarbig, sondern immer in zwei Farben unregelmäßig
+gefleckt. Im Südosten der Kolonie fand ich vorwiegend Dunkelbraun bis
+Schwarz als Grundfarbe mit weißen oder gelben Flecken. Im Westen war
+die Grundfarbe heller. Mehrmals schoß ich ganz fahlgelbe Exemplare
+mit weißen Flecken. Einmal brachte ich einen Wildhund zur Strecke von
+schmutziggelber Grundfarbe und schwarzen Flecken.
+
+Meist beherbergt das Fell zahlreiches Ungeziefer, vorwiegend Flöhe,
+Zecken und Sarcoptes-Milben. Auch den Eingeborenen ist die Vorliebe
+des Ungeziefers für den Wildhund als Wirtstier bekannt, und gerade aus
+diesem Grunde ist das Fell eines Wildhundes den Eingeborenenärzten oder
+Medizinmännern eine begehrte Sache, aus der sich Kapital schlagen läßt.
+
+Sehr stark ist nämlich die Nachfrage nach Amuletten, die Liebe
+und Zuneigung erwecken sollen. Ein alter Medizinmann, mit dem ich
+Freundschaft unterhielt, um mich über die Art seines Wirkens zu
+unterrichten, gab mir im Laufe der Jahre interessante Aufschlüsse über
+seine Praxis.
+
+Vieles ist Hokuspokus, ohne jeden Wert, einem großen Teil der
+angewandten Mittel liegt aber eine gute Kenntnis heilkräftiger
+Kräuter zugrunde. Es ist dieselbe Art des Wirkens, wie sie bei uns im
+Mittelalter üblich war und heute noch von Schäfern und Wunderdoktoren
+ausgeübt wird. Früher standen diese Leute im höchsten Ansehen, es
+schwindet aber immer mehr, je mehr europäische Ärzte ins Land kommen.
+Es bricht sich allmählich Bahn, daß diese denn doch etwas mehr vom
+Heilen verstehen, als die eigenen Ärzte. Außerdem sind sie billiger,
+d. h. der Eingeborene wird vorwiegend kostenlos behandelt, während der
+eingeborene Arzt seine Kranken gehörig schröpft und diese bis auf wenig
+Ausnahmen, wenn überhaupt, so aus Autosuggestion, ihre Gesundheit
+wiedererlangen. Der europäische Arzt ist diejenige Person, die am
+leichtesten den Weg zum Herzen der Neger findet, sofern er einigermaßen
+umgänglich ist. Das Gefühl der Dankbarkeit geht zwar dem Neger völlig
+ab, dafür erkennt er aber den Vorteil einer mit Erfolg geführten
+ärztlichen Behandlung voll an. Für ihn sind ja die Wirkungen der
+Schutzimpfung gegen Pocken und die Salvarsanbehandlung bei Frambösie[4]
+die reinen Wunder.
+
+Doch ich sprach von der Verwendung des Felles der Wildhunde durch
+Medizinmänner. Mein alter Freund verwendete deshalb bei der Herstellung
+von Liebesamuletten stets einige Haare vom Wildhund, weil diese starke
+Anziehungskraft ausübten, wie ja schon daraus zu ersehen wäre, daß sich
+alles Ungeziefer zum Wildhund hingezogen fühlte.
+
+Von Eingeborenen wird der Wildhund nur selten erlegt. Einesteils ist
+es nicht häufig, daß Wildhunde sich weidendes Vieh holen; es fehlt
+der Anreiz der notwendigen Abwehr. Andernteils flößt der in Herden
+jagende Wildhund den Negern Achtung ein. Ob diese berechtigt ist oder
+nicht, hatte ich nie Gelegenheit festzustellen. Es wird zwar vielfach
+behauptet, daß ab und zu Menschen von Wildhunden angegriffen würden,
+etwas Bestimmtes scheint aber nicht dahinter zu stecken. Wenigstens
+konnte ich nicht einen einzigen Fall dieser Art ermitteln.
+
+So wie ich den Neger kenne, wirkt schon das dreiste Verhalten der
+Wildhunde, die nicht sofort die Flucht ergreifen, wenn einer oder
+mehrere ihrer Genossen getötet werden, auf sie abschreckend.
+
+
+Fußnoten:
+
+[1] Die in diesem Bändchen mehrfach vorkommenden weidmännischen
+Ausdrücke bedürfen wohl meistens keiner besonderen Erklärung, da
+sich ihr Sinn aus dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, von
+selbst ergibt. Wo es uns aber dennoch nötig schien, haben wir eine
+entsprechende Erklärung als Fußnote gebracht.
+
+[2] D. h. in den Bewegungen innezuhalten (beim Wahrnehmen einer Gefahr
+oder eines Feindes).
+
+[3] D. h. bei Raubwild eine »Spur« (Tritt) vor die andere setzen.
+
+[4] Die Frambösie ist eine eigenartige Hautkrankheit, die sich nur in
+den Tropenländern vorfindet und durch das Auftreten kleiner weißer
+Pusteln auf geröteter und entzündeter Haut, sowie daraus entstehender
+Geschwüre und schwammiger Auswüchse von Form und Größe einer Himbeere
+(franz. +framboise+) zu erkennen gibt.
+
+
+
+
+[Illustration]
+
+
+
+
+ Dickhäuter.
+
+
+Gewaltig ist der Reichtum an Dickhäutern in Deutsch-Ostafrika, die
+allerdings die großen Heerstraßen, auf denen Europäer oder ihre
+Karawanen entlang ziehen, verlassen haben. Bedingung für alle ist das
+Vorhandensein reichlichen Wassers. Frisches Gras, Schilf und Laubwerk
+ist ihre Hauptnahrung, und namentlich in der Trockenzeit sind diese
+Genüsse an fließendes oder stehendes Wasser gebunden. Allerdings
+treten die Dickhäuter zeitweise auch große Wanderungen an, so daß man
+sie in Gebieten antrifft, in denen sie ihre Lebensbedingungen auf die
+Dauer nicht finden. Stets halten sie sich aber dort nur vorübergehend
+auf, seien es Nashörner und Flußpferde, z. B. wenn sie nach einem
+anderen Weidegrund Umschau halten, oder Elefanten, wenn ihre Naschlust
+sie treibt, Borassuspalmen oder Bäume in der Zeit der Fruchtreife
+abzuernten.
+
+Plump und unbeholfen scheint uns ihr massiger Körper, der in der Natur
+eine ganz andere Größe erreicht als bei noch so sorgfältigster Pflege
+und reichlichster Nahrung in der Gefangenschaft.
+
+Jedoch mit welcher Behendigkeit entgegen dem täuschenden Anblick
+durchqueren sie die für kleineres Wild und Mensch kaum gangbaren
+Dickichte, die diesen nur auf ihren Pfaden ein Vorwärtskommen
+gestatten! Dornendickichte und üppig wuchernde Schlingpflanzen, die
+die Gebüsche förmlich verfilzen mit ihren frischen und abgestorbenen
+Ranken, durchschreiten sie wie weiches Gras. Wenn auch lautes Gekrach
+und Geprassel damit verbunden ist, den Kolossen selbst ist eine
+Anstrengung nicht anzumerken.
+
+
+ Durch ein Dickhäuter-Eldorado.
+
+Im Oktober 1912 reiste ich im Morogoro-Bezirk in Deutsch-Ostafrika. Am
+Schnittpunkt der Morogoro-Mahengestraße mit dem Ruahafluß angekommen,
+sagte ich mir, daß es für mich wenig Zweck hätte, auf den bisher
+bekannten Wegen mein Reiseziel Kissaki zu erreichen, und ich beschloß,
+den Ruahafluß abwärts zu gehen bis zum Zusammenfluß mit dem Rufidji.
+Auf der Karte war der Ruaha auf dieser Strecke nur durch punktierte
+Linien angedeutet, eine Routenaufnahme längs des Flusses war mir also
+vorbehalten.
+
+In den Ortschaften Kidatu und Kidoti versuchte ich, Eingeborene zu
+finden, die vielleicht die in Luftlinie etwa 180 km lange Strecke schon
+zurückgelegt hätten. Keiner war beim Fischen nach den im Ruaha lebenden
+enorm großen Welsen weiter als 40 km gekommen. Europäer hatten den Weg
+noch nicht gemacht. Nur der mit Schomburgk Elefanten jagende Engländer
+Kapitän Hemming war im Oktober 1908 dreißig Kilometer weit flußabwärts
+gelangt.
+
+Auf der Missionsstation Widunda, die von meinem Lager nur zwei Stunden
+entfernt lag, und wo ich bei Mönch Lamberti gastfreieste Aufnahme fand,
+suchte ich mich weiter zu orientieren. Andere Auskunft als die, daß
+weder Europäer noch Eingeborene diese menschenleere Gegend durchquert
+hätten, bekam ich auch hier nicht. In gemeinsamer Beratung nahmen wir
+an, daß der Weg bis zu den ersten Ortschaften vor dem Rufidji in vier
+Tagen zu machen sei.
+
+Da man beim Reisen in Afrika mit allen möglichen Zufällen rechnen muß,
+nahm ich für meine zwanzig Träger Verpflegung für sechs Tage mit, in
+der Voraussicht, unterwegs die Nahrungsmittel noch durch erlegtes Wild
+und gefangene Fische zu ergänzen. Ich warb in Kidoti noch vier Mann an,
+die die erste vierzig Kilometer lange Strecke kannten, zum Tragen des
+Mehlvorrates, den meine Träger nicht mehr auf ihre Traglasten schnüren
+konnten. Am ersten Tage legten wir fünfunddreißig Kilometer zurück.
+Der Weg war prächtig, da die Grasbrände von den von uns verlassenen
+Ortschaften sich bis hierher ausgedehnt und die ersten leichten
+Niederschläge der kleinen Regenzeit einen üppigen niedrigen Grasteppich
+hervorgezaubert hatten. Das Schweifen des Auges ins Grüne weiß nur
+der richtig zu würdigen, der den trostlosen afrikanischen Winter, die
+Trockenzeit, kennt, in der alles gelb, starr und tot ist, und wo das
+Auge nur zwei bis drei Meter vor sich Ausblick auf den schmalen Fußweg
+hat, den die eigenen Träger oder eine frühere Karawane getreten haben.
+
+Wunderbare Flußszenerien boten sich dem Auge dar. Das Flußbett war
+stellenweise dreihundert Meter und mehr breit, und da wenig Wasser
+floß, bildete der Fluß nur Rinnsale innerhalb eines Gewirrs von
+Sandbänken, die dicht mit aller Art Enten und Nilgänsen bedeckt waren.
+
+Im Schlick wateten fischende Marabus (+Leptoptilus crumeniferus
+Less.+) und Löffelgänse (+Platalea leucerodia Linn.+). Ibisse
+steckten ihre gebogenen Schnäbel in den Schlamm, und wo im Fluß ein
+abgestorbener Baumstamm lag, dort wimmelten unter seinen in die Luft
+starrenden Ästen Madenhacker (+Buphaga+), Kuhreiher (+Bubulcus
+lucidus Rafin.+), unter denen einzelne Edelreiher (+Herodias alba
+Linn.+) saßen und sich in der Reichsadlerstellung sonnende Kormorane
+(+Phalacrocorax carbo Linn.+).
+
+Hoch in der Luft zogen Seeschreiadler ihre Kreise und erfüllten sie mit
+ihrem hellen, klaren Schrei. Einzeln oder zu mehreren hielten Krokodile
+auf den Sandbänken Siesta in der Sonne, um beim langsamen Näherkommen
+behäbig ins Wasser zu rutschen, oder, falls sie überrascht wurden,
+in eilig grotesker Stellung dem Wasser zuzuwatscheln und mit starkem
+Schwanzschlag Wassergarben aufzuwerfen, so daß auf der Stelle, wo sie
+eingetaucht waren, noch einen Augenblick die Regenbogenfarben standen.
+
+Von Haarwild waren mir nur Wasserböcke (+Cobus ellipsiprymnus Ogilb.+
+und +Cobus defassa Rüpp.+) zu Gesicht gekommen. Da niemand in dieser
+Gegend jagte, waren sie recht wenig scheu und trotteten mir nur
+gemächlich aus dem Winde. Dabei fiel mir auf, daß sie wohl unter einer
+Seuche leiden mußten, denn ihre Behaarung war ruppig und glanzlos,
+und die Rippen traten deutlich hervor. Später gemachte Blutpräparate
+kamen mir leider abhanden, so daß ich nach meiner Heimkehr nicht
+mehr feststellen konnte, ob es sich um Tsetse (+Nagana+) oder einen
+anderen Erreger handelte. Obwohl Tsetsefliegen (+Glossina fusca+ und
++morsitans+) in übergroßer Menge uns belästigten, möchte ich doch nicht
+auf Nagana schließen, da mein mitgeführter Reitesel gesund blieb und
+erst ein Jahr später sich an Nagana infizierte und einging, die Fliegen
+am Ruaha also wohl nicht infiziert waren.
+
+Schießen wollte ich erst kurz vor dem Lager, um keine Schwierigkeit mit
+dem Fleischtransport zu haben.
+
+Die linke Flußseite war bisher ziemlich frei von Wald, die
+gegenüberliegende trug abwechselnd dichtesten Uferbusch und Hochwald,
+aus dem ab und zu einige Borassuspalmen lugten, die sich hier und da in
+kleinen Inseln als Palmenbusch vereinigten (Abb. 9).
+
+Die rechte Seite des Ruaha bildete von meinem Ausgangspunkt bis
+hinunter zum Rufidji die Grenze des großen Jagdreservates des Bezirkes
+Mahenge und war bekannt wegen ihres Reichtums an Dickhäutern. In
+allen wildreichen Bezirken Deutsch-Ostafrikas finden sich nämlich ein
+oder mehrere Reservate, die von der Regierung geschaffen werden, um
+dem Wilde Schutz und Schonung angedeihen zu lassen. Es herrscht eine
+scharfe Kontrolle, daß von Durchreisenden kein Schuß, und sei es auf
+Raubtiere, darin abgegeben wird.
+
+Gegen zwei Uhr fing auch auf meiner Seite ein zunächst lichter Uferwald
+an, der den Fluß in zweihundert bis dreihundert Meter Breite begleitete
+und sich bis an die das Flußtal umsäumenden Hügel erstreckte. Das
+sonst aus abgebrannten Wiesenflächen wieder frisch gesprossene Gras
+hatte hier aufgehört, und wir mußten von nun alte Elefantenwechsel
+benutzen, die überall längs des Flusses kreuz und quer führten. Da
+meine Leute erschöpft waren, machte ich gegen halb vier Uhr Lager. Ich
+machte mir eine Stelle aus, wo ich freien Überblick nach dem Fluß und
+auch nach der Landseite zu eine Lichtung hatte, und baute das Zelt in
+niedrigem Busch ein, um nach Möglichkeit die Tierwelt beobachten zu
+können. Meine Leute plagten mich um Fleisch, und nach vier Uhr machte
+ich einen kleinen Gang ums Lager, mehr um mich zu orientieren, als mit
+der Absicht, Wild zu erlegen. Nur für alle Fälle nahm ich einen Mann
+mit, der, wenn nötig, das rituelle Schächten besorgen sollte, da alle
+meine Leute Mohammedaner waren, die nicht durch Kehlschnitt getötetes
+Wildbret verschmähen. Unmittelbar nachdem das Wild durch den Schuß
+auf der Decke liegt, muß der Schnitt unter Gebeten ausgeführt werden,
+solange das Blut der Halsschlagader noch fließt.
+
+Wir schlenderten also zunächst fünfhundert Meter am Flußufer hin. Man
+kann da im weichen, feuchten Ufersand am besten lesen, was alles zur
+Tränke kommt. Besonders zahlreich waren die Fährten von Wasserböcken,
+daneben lag Losung (Exkremente), die noch nicht ganz erkaltet war; die
+Tiere mußten also vom Zeltaufschlagen flüchtig geworden sein. Einige
+Warzenschweine waren auch zur Tränke gegangen.
+
+[Illustration: Abb. 9. Landschaftsbild vom unteren großen Ruaha während
+der Trockenzeit. Besser phot.]
+
+Ein kleines Bachbett, das zurzeit trocken war, hatte Flußpferden zum
+Ausstieg an das höhere Flußufer gedient; der Wechsel war aber schon
+älteren Datums und die Losung prasseldürr. Wir folgten dem Bachbett
+aufwärts und sahen etwa dreißig Stück nur männliche Wasserböcke. Um
+sie dem Lager noch näher zu treiben, gingen wir, bis sie Wind bekamen.
+Es war mehr eine Spielerei von mir, aber der Versuch glückte. Durch
+langsames Nachgehen trieben wir sie bis auf hundert Meter aufs Lager
+zu. Plötzlich stutzten sie vor den Brennholz holenden Negern, und ich
+nahm auf neunzig Meter den stärksten Bock aufs Korn und ließ fliegen.
+Mit gesenktem Äser (Maul) ging er noch einige taumelnde Schritte näher
+zum Zelt und lag dann mit gutem Lungenschuß. Leider war er genau so
+mager, als die tagsüber gesichteten. Den Negern ist das ja ganz
+gleichgültig, meinen Appetit schärfte das kränkliche Aussehen jedoch
+nicht, und ich verzichtete auf den Genuß.
+
+Nun, da die Leute ihren Willen, d. h. Fleisch zu ihrer Polenta hatten,
+gab ich mich der Ruhe hin. Schöner lockerer Sand am Ufer lockte
+zum Niederlegen, und die am Uferrand stehenden wilden Feigenbäume
+dämpften das noch immer grelle Sonnenlicht. Einige meiner Leute kamen
+zum Wasser, das einen klaren Tümpel von etwa Hektargröße bildete,
+und spülten die Därme des Wasserbockes, um sich diese Delikatesse
+mundgerecht zu machen. Wäre kein Wasser in der Nähe gewesen, so wäre
+es auch gegangen, indem die Därme einfach umgedreht und mit der Hand
+abgestreift worden wären.
+
+Während ich den Leuten so zusehe, fällt mir auf dem Wasserspiegel in
+der Nähe der Spülstelle auf, daß kleine, aus dem Wasser ragende Zweige
+hin und her schwimmen, untertauchen und wiederkommen, so daß ein
+mechanisches Bewegen durchs Wasser ausgeschlossen erscheint. Ich rufe
+die Leute an, was das wäre, und erhalte die Antwort: +cambale mingi
+sana+ -- sehr viele Welse.
+
+Na gut! Fisch hatten wir längere Zeit nicht gehabt, und wenn sie so
+gierig waren, wie die vor uns, so versprach das einen leichten Fang.
+Von einer Wasserbockkeule ließ ich das Fleisch abschneiden, band dann
+den Knochen an einen Strick, diesen an eine Baumwurzel und schnitzte
+mir dann einen Stiel zu meiner Hechtgabel, die ich noch aus meiner
+Jugendzeit besitze.
+
+So, nun noch einen Nagel durchgetrieben, daß die Öse fest am Stock
+sitzt, und die Sache kann losgehen. Schon von weitem sehe ich, daß der
+Köder gut angenommen war. Der Strick wurde hin und her gezerrt, und
+einzelne Rücken schoben sich aus dem plätschernden Wasser. Vorsichtig
+ging ich näher. Es waren mächtige Kerle dabei, deren Bart über
+Bleistiftstärke Dicke hatte. Ich suchte mir einen mittleren von 1 Meter
+Länge aus und hatte ihn an der Gabel, die ich aber fest an den Grund
+drücken mußte, damit er sich nicht losriß. Ich schickte einen Mann ins
+Wasser, der untergreifen mußte, und mit gleichzeitigem Schwunge lag der
+Wels hilflos im losen Sande. Die anderen Welse nahmen keine Notiz von
+uns, sie mußten im Tümpel wohl nicht mehr allzuviel finden und waren
+deshalb so gierig, daß sie auf nichts mehr acht gaben. Die Gabel kam
+nun noch ein paarmal zur Anwendung, dann nahmen der mir helfende Mann
+und dazugekommene andere Träger einfach die Hände und warfen Fisch auf
+Fisch in den Sand, bis ich sagte: »Jetzt sind's genug!« Bald waren
+alle Fische kopflos und wegen ihrer Dicke der Länge nach halbiert; auf
+Stäbe gespießt und ums Feuer gesteckt, begannen sie ihren Räucher- oder
+vielmehr Dörrprozeß, für meine Nase allerdings kein idealer Genuß.
+Ist man aber erst über ein Jahrzehnt in Afrika, d. h. wirklich darin
+und nicht nur an der Küste und in Orten der Bahnlinie, dann ist die
+Nase auch an mancherlei Düfte gewöhnt, ohne ihrem Träger Übelkeit und
+Brechreiz zu verursachen, wie so oft im Anfang. Am nächsten Morgen
+waren so viele getrocknete Fische vorhanden, daß, nachdem sich jeder
+Träger die Menge auf seine Last geschnürt hatte, die er noch gerade
+zu tragen vermochte, neben dem Rest des Wasserbockfleisches noch zwei
+Traglasten übrig blieben, die die in Kidoti mitgenommenen Mehlträger
+auf ihrem Rückwege mit nach Hause nehmen wollten; sie verschnürten sie
+deshalb sorgsam in Borassusblätter und hingen sie zum Schutze gegen
+Hyänen drei Meter über der Erde an einem Baum auf.
+
+Frisch und fröhlich marschierte die Karawane dann an dem noch kühlen
+Morgen weiter. Viel Gelände gewannen wir nicht auf unserem Wege, denn
+Gestrüpp und hohes Gras zwangen uns, nur Elefantenwechsel zu benutzen,
+die außerdem nicht gerade in der gewünschten Richtung führen. Man
+muß daher oft Leute nach rechts gehen lassen, um festzustellen, ob
+wir uns auch parallel am Fluß halten. Diese Wechsel sind zwar, wenn
+weniger benutzt, am Boden in achtzig Zentimeter- bis Meterbreite gut
+glattgetreten, aber von der Seite ragen Dornenzweige herein, und von
+oben hängen armdicke Schlingpflanzen herunter, um die sich der Elefant
+zwar wenig kümmert, da er sie einfach beiseite drückt oder zerreißt,
+die aber den Trägern mit der Last auf dem Kopfe äußerst hinderlich
+sind, namentlich wenn die Last sperrig ist, wie das beim Zelttisch,
+dem Feldbett und den Zeltlasten der Fall ist. Mühsam müssen die
+Vordermänner dann mit dem Buschmesser Luft schaffen, was die Leute
+recht ermüdet. Damit ich zu allererst die Natur immer frisch vorgesetzt
+bekomme, gehe ich mit meinem Boy Saleh und einem alten Jagdbegleiter
+-- Mohamadi Kungulio -- der früher berufsmäßiger Elefantenjäger war,
+fünfhundert Meter voraus.
+
+Wir warten nun und wollen die Karawane aufmarschieren lassen und dann
+den Leuten etwas Rast gönnen. Wir warten, warten, warten -- nichts
+kommt. Endlich wird mir's zu bunt, und ich lasse Saleh laut rufen.
+Nach dem zweiten »Huiiiii« zupft mich Mohamadi Kungulio am Ärmel --
++tembo kule, na kule, na kule+ -- Elefanten dort und dort und
+dort, die Richtung mit dem zur Schnute geformten Mund angebend. Da
+höre ich auch schon meine Leute hinter mir aufschreien und für eine
+halbe Minute kracht's und prasselt's im Wald und Gebüsch, als ob ein
+Zyklon hindurchbrauste. Ich selbst sah für kurze Augenblicke vier
+Elefanten, die mit den Ohren schlugen und im Laufen den Rüssel nach
+allen Richtungen in die Luft warfen, um zu winden. Zwei kamen auf uns
+zu, zwanzig Meter in der Breite getrennt; wir blieben ruhig stehen,
+ohne uns zu rühren, und sie schlürften weiter auf die Karawane zu,
+ohne Notiz von uns zu nehmen. Wir steckten rasch das trockene Gras in
+Brand, um sie durch den Brandgeruch weiterzuvertreiben, und gingen
+dann zurück zu den Trägern. Hier lagen meine Lasten am Boden, von den
+Leuten keine Spur; erst nach mehrmaligem Rufen kommen einige zaghaft
+hinter Stämmen hervor oder von Bäumen herunter. Zu Schaden ist keiner
+gekommen, nur meine Lasten werden durchs Hinwerfen etwas beschädigt
+sein. Nun lachen die Leute sich gegenseitig aus wegen der überstandenen
+Angst. Die vordersten hatten drei Elefanten schlafend stehen sehen;
+nach der Beschreibung der Leute mußten wir auf sechs Meter an ihnen
+vorbeigegangen sein, hatten aber nichts gemerkt. In Angst hatten sich
+die Leute nicht weiter vorgewagt, sondern waren mit der Last auf dem
+Kopfe stehen geblieben und hatten erst nach dem »Huiiiii« die Lasten
+weggeworfen und waren ausgerückt, als einer der aus der Ruhe gestörten
+Elefanten die Richtung auf sie zu nahm. Es mögen insgesamt etwa dreißig
+Elefanten gewesen sein, die sich lang auseinandergezogen zur Ruhe
+untergestellt hatten.
+
+Daß wir vorbeigingen, ohne die drei Elefanten zu bemerken, ist nichts
+Verwunderliches. Im dichten Blätter- und Astgewirr, aus dem nur Teile
+der Tiere sichtbar sind, läuft man sehr leicht vorbei; die Säulen
+(Beine) dieser großen Dickhäuter sehen Baumstämmen täuschend ähnlich,
+und oft hat die vorzügliche Mimikry (Anpassung an die Umgebung) meine
+nicht gerade schlechten Jägeraugen getäuscht, wenn ich auf frischer
+Elefantenfährte pirschte, und nicht, wie heute, Routen aufnehmend und
+nur beobachtend meines Weges zog.
+
+Erzählte doch ein Spaßvogel, er habe einen Büffel vor sich gehabt, und
+zum sicheren Schuß an einem Stamme angestrichen[5]; nach dem Schuß wäre
+der Büffel davongelaufen, sein Stamm aber auch, und erst jetzt habe er
+gemerkt, daß er eine Elefantensäule für einen Stamm angesprochen habe.
+
+Ist dies auch etwas toll geflunkert, so habe ich, wie viele
+Elefantenjäger, doch oft über eine Viertelstunde neben einem Elefanten
+gestanden, auf den ich achtlos gelaufen war, weil ich einen anderen,
+entfernteren schießen wollte, der nicht günstig stand. Solange der
+Elefant nicht Wind bekommt, reagiert er nur schwach durchs Gesicht und
+achtet auf Geräusche, die durch Gehen oder Brechen im Busch verursacht
+werden, recht wenig.
+
+Nach dem überstandenen Schrecken ging es wieder weiter. Um ähnlichen
+Überraschungen vorzubeugen, zündete ich immer vorn das Gras an, womit
+ich gleichzeitig meinen folgenden Trägern das Zeichen gab, wie weit ich
+voraus sei, da sie an der Ausbreitung des Feuers merken konnten, wie
+lange es schon brannte.
+
+Wir überschritten jetzt ständig Flußpferdpfade, die alle frisch
+begangen waren. Einem Pfad, auf dem die Losung noch so frisch war,
+daß sie noch Luftbläschen enthielt, folgte ich bis zum Wasser. Schon
+nach hundert Metern stand ich vor dem Ruaha, der sich hier durch
+eingelagerte Felsbänke seenartig erweiterte, d. h. er füllte trotz
+der Trockenheit das ganze Flußbett aus. Ein wunderbares Bild hatte
+ich, als ich den Wasserspiegel überblicken konnte. Mir gegenüber in
+fünfzig Meter Entfernung lagerten im seichten Wasser mehrere Flußpferde
+(+Hippopotamus amphibius L.+, s. Abb. 10). Einzelne stiegen auf
+den Steinklippen umher, den ganzen Körper außerhalb des Wassers, und
+balanzierten trotz des massigen Körpers geschickt auf den schmalen
+Stützpunkten herum. Andere jagten sich im neckischen Spiel im Wasser,
+und zwei junge Bullen probierten gegenseitig ihre Stoßzähne, indem
+sie Lippen gegen Lippen stießen. Fast sah es so aus, als ob diese
+massigen Mäuler sich zum Kusse berührten. Man hörte aber deutlich das
+Aneinanderklirren der Stoßzähne, die im Maul verborgen lagen, und
+konnte sich einen Begriff davon machen, wie es später im blutigen
+Ernst zuginge. Ein auf einer Sandbank liegender alter Bulle ließ
+deutlich erkennen, daß auch die dickste Schwarte Risse bekommen kann;
+in allen Richtungen war seine Rückenpartie vom Kampfe zerhackt, teils
+alt und weißlich verharscht, teils neueren Datums, an der rosigen
+Farbe erkennbar. Insgesamt mochten es mehr als vierzig Flußpferde
+gewesen sein, die da beisammen waren. Sie nahmen kaum Notiz von mir.
+Auf mein lautes Händeklatschen antwortete nur der alte Bulle durch
+tiefes Rohren, bemühte sich jedoch nicht aus seiner bequemen Lage.
+Von der anderen Gesellschaft hoben nur einige die Köpfe, schüttelten
+die kleinen Lauscher und pflegten dann weiter der Ruhe. Lange konnte
+ich mich nicht von dem Bilde trennen, aber ich war noch nicht am Ende
+meines heutigen Marschzieles. Drei Stunden wenigstens wollte ich noch
+weiter gehen.
+
+Alle Viertelstunden stießen wir jetzt am Lande auf schlafende
+Flußpferde, die wir hoch machten, damit sie unter der nachfolgenden
+Karawane keine Verwirrung anrichten konnten. Eilig trotteten sie
+dem Flusse zu. Auf einen jungen Bullen waren wir bis auf 1 Meter
+aufgelaufen, ohne ihn im Grase zu sehen. Schießen wollte ich nicht,
+da ich mir nur einen alten Bullenschädel mitnehmen wollte und die
+Tiere hier fern von allen Anpflanzungen keinen Schaden anrichten
+können. Anfangs glaubte ich, er schliefe. Als ich aber eine kleine
+Seitenwendung machte, bewegte er seine Lauscher und drehte seine
+Lichter so nach mir, daß ich den blutunterlaufenen Augapfel sah. Ich
+winkte meinen beiden Leuten mit den Augen und wollte mich vorsichtig
+zurückziehen und ihn erst dann hoch machen. Ganz sympathisch war mir
+seine große Nähe nicht. Sowie ich den linken Fuß hinten aufgesetzt
+hatte und den Körper nachzog, sprang er auf, warf sich nach mir herum,
+und mit knapper Not entging ich durch einen Seitensprung einem nach
+mir geführten Stoß; dann raste er auf meine beiden Begleiter zu, ohne
+jedoch Notiz von ihnen zu nehmen, als sie durch einen hastigen Satz
+aus seiner Fahrtrichtung flüchteten. Saleh wollte mir und Mohamadi
+Kungulio die Hand schütteln zur Beglückwünschung nach überstandener
+Gefahr. Mohamadi als alter Elefantenjäger lachte ihn aber aus und
+meinte wegwerfend: »Hm, ein Flußpferd ist kein Nashorn,« womit er ja
+schließlich recht hat im zweifachen Sinne seiner Worte.
+
+Wir kamen jetzt an einen versumpften Flußlauf, der von links auf
+den Ruaha zu führte. Dicht war der Sumpf mit Nymphazeen bewachsen,
+auf deren schwimmenden Blättern braune und schwarze Blätterhühnchen
+(+Phyllopezus africanus Gmel.+) trippelten. Bei unserer Annäherung
+fingen sie an zu gurren, und dieser gurrende Ton setzte sich über den
+ganzen Sumpf fort. Zahlreiche Dickhäuter mußten hindurchgewechselt
+sein, denn nach allen Richtungen konnte man die Linien der im Gehen
+umgewendeten Nymphazeen sehen, deren rotbraune Unterseite sich deutlich
+vom übrigen Grün abhob. Hellgrüne Flecken bildeten die Fanna-Rosetten
+dazwischen. In der Mitte standen zwei Nimmersatte (+Pseudotantalus
+ibis Linn.+) auf einem Ständer und putzten sich das Gefieder. Weiter
+unten nach dem Fluß zu sah ich einige weiße Vögel, konnte aber auch
+durchs Glas nicht bestimmen, ob ich Reiher oder Löffelgänse vor mir
+hatte.
+
+Um die Fährten am Rande des Sumpfes zu lesen, beschloß ich, ihn zu
+umgehen. Ich hatte dabei die Nebenabsicht, falls die weißen Vögel
+Reiher wären und Schmuckfedern trügen, einen bis zwei zu erlegen.
+
+An Fährten stellte ich fest: drei afrikanische (Spitz-)Nashörner
+(+Diceros bicornis L.+, s. Abb. 12), dann Flußpferde, Elefanten,
+Wasserböcke und Zebras sowie einen starken Löwen. Es waren wirklich
+Reiher (+Herodias alba Linn.+), wie ich auf hundertfünfzig Meter
+ausmachen konnte. Beim Näherkommen sah ich durchs Glas, daß nur einer
+gute Federn hatte, d. h. diese ragten über den Stoß als vom Wasser
+zusammengeklebtes Schwänzchen. Auf einem Flußpferdwechsel, der durchs
+Gebüsch führte, kam ich ungefähr auf vierzig Meter heran und holte mir
+den Federträger mit einem Schuß meines kleinen 6 mm-Bayardkarabiners,
+der, rauchlos beschossen, nur sehr schwach knallt. Mein Vogel schwamm
+sofort auf dem Wasser, und die anderen lüfteten nur etwas die Flügel.
+Mit dieser Beute war ich sehr zufrieden. Die Federn waren zwar durch
+das Schleifen im Schlamm an den Spitzen braungrau gebeizt, bei den
+trockenen Federn war aber nichts davon zu merken.
+
+Ich stieß wieder zu meiner Karawane, die sich inzwischen ausgeruht
+hatte, und wir setzten den Weitermarsch fort. Bei Durchquerung eines
+Dickichts, das wenig Ausblick gewährte, schreckte uns plötzlich ein in
+allernächster Nähe ausgestoßener fauchender Grunzton. »Mbuisi«, wilde
+Hunde (Hyänenhunde), sagte Mohamadi. Ich bückte mich möglichst tief und
+sah zwei Löwen von merkwürdig dunkler, ins Braune gehender Farbe, mit
+dunkelbraunem Kopf, mähnenlos und nur halb so groß als ausgewachsene
+Löwen, weshalb ich sie für junge Tiere hielt. Mohamadi und Saleh
+hatten sechs Stück gezählt, und jener erklärte mir, daß es sich um
+»Buschlöwen« handelte, die nicht größer würden und stets in Rudeln
+jagten. Sie griffen Menschen niemals aus freien Stücken an, kämen
+auch niemals in die Nähe der Dörfer. Sobald jedoch einer von ihnen
+angeschossen wäre, gingen alle solidarisch zum Angriff über.
+
+Vor sechs Monaten hatte mir Pater Jäckel von der Missionsstation
+Tununguo, ein sehr eifriger Jäger, erzählt, daß er einen solchen
+kleinen Löwen geschossen hätte, drei andere seien darauf geflüchtet.
+Ich hielt damals Pater Jäckels Beute für einen jungen Löwen, da ich
+mir einbildete, alles größere deutsch-ostafrikanische Wild aus eigener
+Anschauung zu kennen, und sah nun, daß ich mich getäuscht hatte. Leider
+habe ich auch späterhin keinen dieser kleinen, kaum bekannten und
+bisher unbeschriebenen Löwenart wieder zu Gesicht oder gar zum Schuß
+bekommen.
+
+Die überall im Grase liegenden Flußpferde wurden uns bald äußerst
+lästig; da sie in so großer Anzahl herumlagen, erlosch mein Interesse
+für sie. Einige Male folgte ich noch ihren Pfaden bis zum Wasser und
+sah dann stets Flußufer und Sandbänke von ihnen bevölkert. Ich habe
+auf dieser Reise mindestens tausend Stück gesehen; da ich nur ab und
+zu Ausblick auf den Fluß hatte und dort stets eine größere Anzahl --
+zwanzig bis vierzig -- sichtete, muß die wirkliche Menge ganz gewaltig
+sein. Kein Mensch hatte sie hier gestört, und andere Feinde gibt es
+wohl kaum für sie, da sie mit ihren Mitbewohnern des Wassers, den
+Krokodilen, friedlich auszukommen scheinen. Es mag höchstens ab und zu
+einmal ein Löwe ein junges Flußpferd schlagen.
+
+Auf einer Insel, die zurzeit mit der Landseite trockene Verbindung
+hatte, schlug ich das Lager auf. Ich hatte von hier aus Ausblick
+auf stark benutzte Tränkstellen an beiden Flußufern. Der Ruaha floß
+hier in nur vierzig Meter breiter Rinne in reinem Sandbett. Außer
+einigen großen Bäumen, die mir Schatten gewährten, war die Hälfte der
+Insel mit dichtem, hohem Schilfrohr bestanden. In dem trockenen Teil
+des Flußbetts waren zahlreiche, zum Teil tiefe Tümpel, die von sehr
+mannigfacher Vogelwelt bevölkert waren. Ich sah hier die ersten jungen
+Nilgänse (+Alopochen aegyptiacus Linn.+), die noch nicht flügge
+waren.
+
+Gern hätte ich mir einige davon gefangen, da sie im Geflügelhof ganz
+zahm werden und auch späterhin nicht fortfliegen. Wir plagten uns aber
+bis Sonnenuntergang vergeblich. Sie hielten sich immer in der Nähe
+des Wassers und ließen sich durch keine List davon abschneiden. Auf
+dem Wasser aber war alle Mühe aussichtslos; sie tauchten so geschickt
+und kamen zwischen schwimmenden Blättern und Ästen unbemerkt wieder
+an die Oberfläche, wo man sie erst nach längerem Umherstreifen wieder
+entdeckte.
+
+Als ich noch bei Tageslicht -- um die durch das Lampenlicht
+herbeigelockten Insekten nicht ständig aus Suppe und Fleischtunke
+herauslesen zu müssen -- meine Mahlzeit einnahm, die sich, wie stets
+auf Reisen, aus vereinigtem Mittags- und Abendbrot zusammensetzte,
+sah ich auf der rechten Flußseite (dem Jagdreservat) zwei Elefanten
+langsam auf den Fluß zu wechseln. Sie kamen bis auf einige Meter an den
+Fluß heran, knieten dort nieder und schaufelten mit den recht langen
+Stoßzähnen -- an der schlanken Form der Stoßzähne erkannte ich sie als
+alte Kühe -- den Sand auf. Dann erhoben sie sich wieder und halfen mit
+den Vordersäulen nach, um die Vertiefung größer zu machen. Sie warteten
+eine kleine Weile, sogen sich mehrmals hintereinander die Rüssel voll
+und entleerten sie in ihr Maul, dann wurden einige Rüssel voll über den
+Rücken und die riesenhaften, lebhaft hin und her bewegten Ohrmuscheln
+gespritzt (Der deutsch-ostafrikanische Elefant (+Loxodonta africana
+knochenhaueri Mtsch.+, s. Abb. 18) hat im Gegensatz zu +Elephas
+maximus L. [E. indicus]+ riesenhafte Ohren. Auch seine Stoßzähne
+sind erheblich größer und erreichen ein Gewicht von 300 Pfund und
+eine Länge von 2,8 Metern.), bis sie in steinerner Ruhe dastanden, in
+der hereinbrechenden Dunkelheit immer verschwommener und gewaltiger
+erschienen und sich schließlich ihre Schatten meinem Auge ganz
+auflösten. Leider erschien der Mond erst gegen vier Uhr morgens als
+letztes Viertel.
+
+Von allen Seiten hörte ich in dieser Nacht Elefanten trompeten
+und beim Laubäsen in den Ästen brechen. Ab und zu gurgelte in dem
+lautlos fließenden Ruaha das Wasser, wenn Flußpferde heraus oder
+hinein wechselten. Dazwischen schreckten Buschböcke mit ihrem tiefen
+Bellton. Einmal erwachend, hörte ich ein Flußpferd ganz dicht bei
+meinem Zelt Schilf äsen. Ganz gleichmäßig wechselten das Rupfen und
+die Kaugeräusche ab, so daß ich bald wieder einschlief. Es ist
+eine weihevolle Stimmung, die einen beherrscht, wenn man in der von
+frevelnder Menschenhand noch nicht berührten Natur das Leben dieser
+Urriesen auf sich einwirken lassen kann.
+
+Am Morgen erwacht, ging ich im Schlafanzug aus dem Zelt, und mein
+erster Blick galt der Stelle, wo gestern abend die Elefanten gestanden
+hatten. Sie war natürlich leer, aber ein größeres dunkles Etwas lag am
+Boden, dessen Natur ich mit dem Glas nicht ausmachen konnte. Mohamadi
+Kungulio, als Monfidyi (Bewohner des Rufidjideltas) an Wasser mit
+Krokodilen gewöhnt, schwamm hinüber und fand -- die Nachgeburt eines
+Elefanten. Hätte ich von diesem nächtlichen Vorgang eine Ahnung gehabt,
+so hätte ich mich sicher hinübergepirscht, um diesen Vorgang, der wohl
+selten eines Menschen Auge geboten wird, zu belauschen. Frisch gekalbte
+Elefanten hatte ich früher am Njassa häufig gesehen, sie waren aber
+immer einige Tage alt, da ich sie nur dadurch zu Gesicht bekommen
+hatte, daß mir gemeldet wurde, der Elefant, der immer dort und dort zur
+Tränke zieht oder nachts die Zuckerrohrpflanzungen abweidet, hat jetzt
+ein Junges.
+
+Der Weitermarsch bot gegen die Vortage nichts Neues. Flußpferde,
+Flußpferde, Flußpferde und ab und zu einige Wasserböcke, sonst sahen
+wir nichts.
+
+Vom Lager wagte ich es, im Fluß zu schwimmen. Hundertfünfzig Meter von
+mir entfernt lagen mehrere Flußpferde ruhig im Wasser. Durch unseren
+Lärm aufmerksam gemacht, schwamm eins langsam auf uns zu. Es war wohl
+mehr Neugierde als Angriffslust. Als es gähnend den Rachen aufriß,
+sah ich prachtvolles Elfenbein schimmern (Abb. 10). Ich machte meinen
+oben vom Zelt uns zuschauenden Leuten die Geste des Schießens, und
+mein Boy Saleh brachte mir gleich mein schwerstes Gewehr, die 11,2
+Elefantenbüchse mit 5,5 g rauchlosem Pulver. Auf etwa 30 Meter ließ ich
+den Bullen herankommen, dann ließ ich, auf das rechte Auge abkommend,
+fliegen. Ein gewaltiges Plätschern, das mir die Wellen bis an die Brust
+spülen ließ -- ich stand bis etwas über die Hüfte nackt im Wasser --,
+und der Bulle lag tot auf dem Wasser, ohne unterzusinken. Auf den Schuß
+antworteten flußauf und -ab die anderen Flußpferde durch tiefes Rohren.
+
+Um einem Abschwimmen in dem zwar langsam abfließenden Wasser
+entgegenzuarbeiten, rief ich gleich nach Stricken und Leuten, und
+bald bewegte sich der Koloß, von Schwimmern gezogen, aufs Ufer zu,
+während einer auf den Kadaver geklettert war und Umschau hielt, ob
+kein Krokodil oder Flußpferd in der Nähe sichtbar würde. Plötzlich
+angstvolles Schreien aller Leute, mein Flußpferd war im Stich gelassen,
+und alles strebte dem Ufer zu. Ein zweites Flußpferd erschien dicht
+hinter dem erlegten und gab dem toten Tier gewaltige Stöße. Da mir
+meine Munition zu kostbar war, rief ich meinem Soldaten beim Zelt zu,
+einen Schreckschuß abzugeben. Er gab deren zwei ab, die wirkungslos
+blieben. Na, dann meinetwegen! Ich hatte zwar an einem Schädel genug,
+aber diesen einen wollte ich auch sicher haben.
+
+[Illustration: Abb. 10 Flußpferd.]
+
+Gerade als das Flußpferd den Kopf etwas aus dem Wasser hob und steil
+nach unten senkte, trug ich ihm meinen Schuß durch die Lichter an.
+Lautlos versank es, nur der dumpfe Ton der einschlagenden Kugel war
+weit hörbar. Mit Mühe bekam ich meine Leute so weit, daß sie sich
+wieder vorspannten. Als die Schwimmer Grund hatten, ging die Sache
+rasch vor sich. Im knietiefen Wasser wollte es aber nicht weiter
+gehen, trotzdem zwölf Mann an den Stricken zogen und zehn hinten
+drückten. Da die Sonne schon untergegangen war, ließ ich den Kopf vom
+Rumpfe trennen. Vier Mann hatten schwer daran zu tragen. Der Schädel
+sollte bis zum Morgen durch Entfernen aller Fleischstücke leichter
+gemacht werden, und drei Mann, die sich immer ablösen mußten, ließ
+ich unter Aufsicht eines Soldaten ans Werk gehen. Schrilles Trompeten
+der Elefanten, Rohren der Flußpferde und das Heulen einiger Hyänen,
+die der Fleischgeruch lockte, machten unser Nachtkonzert. Am Morgen
+rief ich durchs Zelt, daß zwei Mann nachsehen sollten, ob der Kadaver
+des zweiten Flußpferdes, das gestern gleich gesunken war, an den
+Stromschnellen, die weiter unten waren, angeschwemmt sei oder so auf
+dem Wasser treibe.
+
+Sie kamen zurück mit der Botschaft, daß nicht nur von dem zweiten
+Flußpferd nichts zu sehen sei, sondern auch der kopflose Kadaver, den
+wir nur mit Mühe im knietiefen Wasser fortbewegt und nicht einmal bis
+ans Ufer gebracht hatten, verschwunden sei. Wir nahmen an, daß es
+Krokodile gewesen waren, die den unverletzten Körper angeschnitten und
+dadurch am Auftrieb verhindert und ebenso den kopflosen Kadaver erst
+durch Abreißen von Stücken leichter gemacht und dann ins tiefere Wasser
+gezerrt hätten. Am Rikwasee hatte ich häufig die Beobachtung gemacht,
+daß auf den Grund gesunkene Flußpferde von Krokodilen angeschnitten
+wurden, ehe sich die Auftriebsgase entwickeln konnten.
+
+[Illustration: Abb. 11. Flußpferdschädel. Seitenansicht. Besser phot.]
+
+Nun, dann hilft weiter nichts, wir mußten weiter. Zwei Mann tragen den
+jetzt nur noch etwa hundert Pfund schweren Schädel an einer Stange. Das
+Gebiß ist prächtig (Abb. 11). Die Stoßzähne sind handgelenkstark, und
+die beiden unteren Hauer reichten mir, als ich sie später herausnehmen
+konnte, um den Leib, wenn man Wurzel und Spitze zum Ring zusammenlegte.
+
+Gegen zehn Uhr wurde hinten bei den letzten Trägern ein Nashorn
+(+Diceros bicornis L.+, Abb. 12) hoch. Geräuschvoll wie eine
+Dampfmaschine pustend, jagte es an der Karawane entlang, lief auf
+uns bis auf vierzig Meter zu und schwenkte dann links ab, in der
+Hügellandschaft im hohen Grase verschwindend. Natürlich lagen wieder
+sämtliche Lasten auf der Erde. Wegen seiner Angriffslust ist es das
+von den Negern am meisten gefürchtete Tier. Man sieht es dem ruhig
+weidenden, plumpen Tier gar nicht an, welch behende Geschwindigkeit es
+entwickeln kann.
+
+[Illustration: Abb. 12. Ostafrikanisches Nashorn.]
+
+Die Hügellandschaft trat jetzt etwas mehr zurück, und das Gras wurde
+niedriger, so daß das verbreiterte Flußufer Salzsteppencharakter
+annahm. Gnus (+Connochaetes taurinus Burch.+), Hartebeeste
+und Zebras traten in kleinen Herden auf, und Rudel von
+Schwarzfersenantilopen äugten auf uns aus der Ferne. So blieb das
+Bild einige Tage, die Elefantenwechsel wurden spärlicher, und nur die
+Flußpferde blieben zahlreich wie zuvor. Ein heftiger Kopfschmerz hatte
+sich bei mir bemerkbar gemacht, und ein Ziehen im Kreuz und in den
+Beinen gab mir Gewißheit, daß sich Malaria eingestellt hatte. Unsere
+Vorräte waren aufgezehrt, wir waren schon am siebenten Tage unterwegs,
+statt, wie gerechnet, am fünften bis sechsten auf eine Ortschaft zu
+stoßen. Mein Kaffee war auch zu Ende, ebenso der Brot- und Mehlvorrat,
+und selbst das Petroleum zu meiner Reiselampe. Nur Reis war für mich
+noch für eine Mahlzeit vorhanden. Nachmittags nahm ich ein Gramm
+Chinin und abends ein zweites. Das Fieber ging nicht herunter und
+blieb auf neununddreißig Grad stehen, ab und zu etwas über vierzig
+steigend. Nachts erwache ich und nehme halb im Fieberwahn ein drittes
+Gramm Chinin. Das war auch für meine Pferdenatur etwas zu viel, und am
+Morgen sah ich die Bescherung, ich hatte mir ein Schwarzwasserfieber
+zugezogen, das zweite in Afrika, allerdings mit einem Zwischenraum von
+elf Jahren. Ich versuchte, auf dem Esel zu reiten, nach einer Stunde
+ging's nicht mehr. Nun heißt zwar bei Schwarzwasserfieber die erste
+Pflicht, ruhig liegen bleiben, ganz gleich, wo. Meine und meiner Leute
+Nahrungsmittelverhältnisse zwangen uns aber weiter. Ein paar Schritte
+machte ich, auf meinen Boy Saleh gestützt -- es ging nicht mehr. Meine
+Soldaten machten aus meiner Zeltbodendecke eine Hängematte und trugen
+mich persönlich. Es ging so lange gut, bis das schon mürbe Segeltuch
+riß. Nun banden sie ihre Schlafdecken als Hängematte an eine Stange,
+aber bald löste sich auch dort das Gewebe auf, und es blieb nichts
+anderes übrig, als daß ich mehrere Strickpartien mir um Decke und
+Stange in kleinen Abständen legen ließ. Fest wie ein Bündel lag ich nun
+an die Stange angeschnürt. Das durch die Decke gemilderte Einschneiden
+der Stricke war noch zu ertragen, aber ich konnte mich nicht bewegen
+und die Tsetsefliegen nicht verjagen, die sich saugend auf Kopf und
+Gesicht niedergelassen hatten. Ich verlor bei dieser Tour mehrere
+Plomben aus den Vorderzähnen, wenn ich in Schmerz und Wut in die Decke
+biß.
+
+Essen mochte ich im Lager nichts. Es gab nur gedörrtes
+Wasserbockfleisch und abgekochtes lauwarmes Ruahawasser. Von diesem
+zwang ich so viel in mich hinein, als mir ohne Brechreiz möglich war,
+um die mit Blut verstopften Nieren wieder zu spülen und arbeiten zu
+lassen. Einen Mann sandte ich voraus, um mir aus der unmöglich weit
+entfernten Ortschaft eine Papay (Baummelone) zu holen, koste es was es
+wolle. Spät am Abend kam er ergebnislos zurück, er brachte aber einen
+Fischer mit, den er mit zwei anderen Leuten getroffen hatte.
+
+Nun konnte ich mich wenigstens über die Gegend orientieren. Die
+Ortschaften flußabwärts waren mehrere Tage entfernt, die auf der Karte
+angegebenen existierten nicht mehr. Ihre Bewohner waren flußabwärts
+gezogen, weil sie infolge der zahlreichen Elefanten, Nashörner und
+Flußpferde nie eine ordentliche Ernte einbringen konnten, sondern nur
+auf Fischfang angewiesen waren, um dann mit der geräucherten Ware
+spärliche Lebensmittel eintauschen zu können. Viel braucht der Neger
+nicht, aber dies war ihnen doch zu primitiv, und sie verließen diese
+Gegend schon lange, wie ich zu meinem Leidwesen hörte.
+
+Die drei Fischer konnten uns keine Lebensmittel ablassen, denn sie
+hatten selber nichts außer Dörrfischen. Uns war es um Mehl oder Reis
+zu tun, da Fleisch und Fisch allein den Verdauungsapparat zu sehr
+anstrengt und auf die Dauer Darmkrankheiten hervorruft. Einer meiner
+Leute hatte einen wilden Bienenschwarm entdeckt, es war aber nur
+eine kleine Honigwabe drin von halber Handgröße, die anderen Waben
+enthielten Brut oder waren so wenig angefüllt, daß der Honig noch nicht
+herausfloß.
+
+Am nächsten Tage bei den Fischern angekommen, bogen wir vom Ruaha links
+ab auf das Dorf Hobola zu. Nach sechsstündigem Marsche erreichten wir
+drei ganz primitive Hütten. Hier erhielt ich einige Stücke Maniok, den
+ich erst rösten ließ und heißhungrig verzehrte. Endlich am neunten
+Tage erreichten wir Hobola. Schon von dem Anblick der hübschen Hütten,
+zwischen denen zahlreiches Federvieh herumlief, kam ich wieder zu
+Kräften. Bald hatten die Leute gehört, daß wir ein paar Tage gehungert
+hatten und daß ich schwer krank sei. Sie schleppten in großen Mengen
+Süßkartoffeln, Maniok, Kürbisse, Zuckerrohr und Eier herbei, und
+es begann ein Schmausen meiner Leute bis zum nächsten Morgen. Ich
+selbst leistete auch darin Erhebliches und hielt meinen Koch bis
+elf Uhr nachts in Atem. Erst ließ ich mir Kürbissuppe machen, dann
+Süßkartoffeln rösten, dann solche kochen. Zwei große Portionen Rührei
+genoß ich in den Pausen und kaute dann noch eine Stange Zuckerrohr.
+Jedenfalls futterte ich mich in dieser einen Nacht völlig zu Kräften.
+
+Neu gestärkt und wie zu neuem Leben erwacht ging es am nächsten Morgen
+vor Tagesanbruch weiter. Gegen elf Uhr erreichten wir das Dorf Kirengwe
+an der Straße Kissaki-Mahenge. Hier hatte ich mein Rad stehen lassen,
+und mit dem Gefühl »nur nach Hause« ließ ich meine Leute Lager machen
+und setzte mich selbst aufs Rad, um gegen einhalb ein Uhr in Kissaki zu
+sein.
+
+Jedenfalls war ich der erste Europäer, der diese gänzlich unberührte
+Gegend durchquert hatte. Unser rasches Vorwärtskommen auf dieser
+unbewohnten Strecke verdanke ich meinen gut eingeübten Trägern,
+die mich schon monatelang auf Reisen begleiteten. Heute sind alle
+Mühseligkeiten vergessen, und gern erinnere ich mich dieser Reise, die
+mir so reichen Einblick in dieses Stück erhaltenen Dorados der Riesen
+aus der Urzeit gewährte.
+
+
+ =Flußpferde= (+Hippopotamus amphibius L.+).
+
+Viele Reisende berichten aus Afrika, daß Flußpferde harmlose Tiere
+wären, die niemand etwas zuleide täten und den Menschen aus dem Wege
+gingen. Sie verurteilen auch die Jagd auf Flußpferde, erklären den
+Abschuß für unweidmännisch und möchten die Flußpferde von der Liste der
+zur Jagd erlaubten Tiere gestrichen wissen.
+
+Ohne Zweifel haben sie teilweise recht. Es gab Leute, die sich Jäger
+nennen, sich an einen Wassertümpel setzten, in dem sich Flußpferde
+befanden, und die dann auf eins schossen, worauf die übrigen
+untertauchten. Vorsichtig kommt wieder ein Kopf aus dem Wasser, um
+Luft zu schöpfen; puff, wird auch er beschossen, das erste könnte ja
+nicht tödlich getroffen sein, und so geht's weiter. Am nächsten Morgen
+schwimmen dann zwanzig und mehr Leichen auf dem Wasser, der Rest ist
+ausgewandert. Ich spreche hier von häufig vorgekommenen Tatsachen.
+Solche »Jäger« haben aber gewöhnlich in Afrika zum erstenmal ein Gewehr
+in der Hand gehabt und halten sich nun für geübt, wenn sie eine Kugel
+aus dem Lauf lösen und einigermaßen richtig ans Ziel bringen können;
+Liebe und Interesse für Wild fehlt ihnen; die Natur selbst ist ihnen
+fremd. Sie gleichen den Engländern, die das Tontaubenschießen von
+Monaco und Ostende auf das Wild übertragen und mit ihrer Rekordwut die
+Kreatur zugrunde richten. Durch das neue Jagdgesetz, das für einzelne
+Bezirke eine Einschränkung vorsah, ist ihnen das Handwerk gelegt
+worden. --
+
+Die Erlegung von Flußpferden kann dem Jäger aber auch reine
+weidmännische Freuden bescheren. In den Gebieten, wo sich dieses
+riesige Wasserschwein mit der Kultur trifft und seines Feldschadens
+wegen häufig verfolgt wird, werden auch namentlich die älteren Bullen
+äußerst angriffslustig. Wer an der Wehrhaftigkeit zweifelt, braucht
+sich nur einmal einen alten Bullenschädel mit seinen gewaltigen
+Stoßzähnen und Hauern im Unterkiefer genau anzusehen (s. Abb. 11).
+Wie mancher Neger hat im Rufidji schon seinen Tod gefunden, weil ein
+bösartiger Bulle ein harmloses Kanu umstieß oder zerbiß. Mancher mir
+bekannte Europäer geriet durch Flußpferde, ohne daß er sie beschoß,
+infolge Kenterns seines Bootes in die Gefahr des Ertrinkens oder des
+Todes durch den Angriff eines Krokodils und wurde nur mit Mühe gerettet.
+
+Aber nicht nur im Wasser können Flußpferde unangenehm werden, wie aus
+folgendem hervorgeht. Im März 1912 kehrten in Kissaki eines Abends
+zwei Neger von der Arbeit zurück. Es war gegen neun Uhr und ziemlich
+dunkel, wie meist in der Regenzeit. Kurz vor ihrem Dorfe sahen sie
+ein großes schwarzes Tier an der Straße stehen. Der eine der Männer
+klopft mit dem Stiele seiner Hacke an einen Baum, und im Augenblick
+werden beide angegriffen. Der eine entkommt, der zweite fällt auf dem
+schlüpfrigen Boden hin und streckt die Beine in die Luft. Schon hat ihn
+das Flußpferd erreicht und zermalmt ihm gänzlich den Unterschenkel. Es
+wurde erst durch das Geschrei der Dorfbewohner vertrieben. Da alle Wege
+tief voll Wasser standen, war eine Verfolgung durch Aufnahme der Fährte
+am nächsten Morgen ausgeschlossen.
+
+Beim zweiten Falle erschien im Juli desselben Jahres ein alter Bulle
+mittags um 12 Uhr in einem Dorfe. Die Leute hörten das Laufen und
+glaubten, ein Europäer sei geritten gekommen. Als sie zu seiner
+Begrüßung aus ihren Hütten heraustraten, sahen sie ein Flußpferd
+laufen. Eine alte, schwerfällige Frau lief ihm in den Weg und erhielt
+einen solchen Hieb mit den Hauern, daß die Rippenpartie der linken
+Seite samt den Rippenknochen aufgerissen wurde.
+
+Da ich dringend verreisen mußte, hatte ich selbst keine Zeit, die
+Verfolgung aufzunehmen, und schickte deshalb fünf Leute mit Gewehren
+ab, um das bösartige Tier, das sich seit längerem eine halbe Stunde
+abseits des Flusses in den Maisfeldern aufhielt, deren Hüter angriff
+und nur schwer zu verjagen war, unschädlich machen zu lassen.
+Angeblich hatten es die Leute beschossen. Es habe auch schwer vom
+Blatt geschweißt, trotzdem sei es entkommen. Den Mgetafluß habe es
+durchschwommen und sich stets auf dem trocknen Lande in Sicherheit
+zu bringen gesucht. Ich konnte diese Behauptungen wegen meiner
+dazwischenliegenden Abwesenheit nicht nachprüfen. Einige Zeit später,
+als das Flußpferd wieder gemeldet wurde, brachte es der Baumeister S.,
+der die Station Kissaki baute, zur Strecke.
+
+
++a.+ ~Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf dem Njassasee.~
+
+Häufig hatte ich am Njassastrand in den frühen Morgenstunden oder auch
+am Tage, wenn der See wellenlos lag, die Umrisse der der Flußpferdjagd
+obliegenden Wakissi beobachtet. In Kanus, die sechs bis acht Leute
+fassen, stand am Bug der Harpunier mit der Harpune, die stets auf dem
+nach oben ausgestreckten Arm wagerecht gehalten wird. Immer folgte
+ein Kanu ohne Harpunier. Nie waren es aber mehr als zwei Kanus, die
+gemeinsam fuhren. Vom Land aus gelang es mir nicht, den Augenblick
+des Harpunierens zu erspähen, wohl aber sah ich mehrmals die Leute
+mit ihrer Beute im Schlepptau heimkehren und diese im seichten Wasser
+zerlegen.
+
+Ende des Jahres 1902 konnte ich die Angst des Wakissihäuptlings
+Mandemera, daß mir ein Unfall zustieße und er dann dafür verantwortlich
+gemacht würde, besiegen und ihn breitschlagen, mich auf solche
+eigentümliche Jagd mitzunehmen.
+
+Zunächst will ich kurz die Ausrüstung beschreiben. Die beiden Kanus
+boten Platz für vier bis sechs Personen, trugen aber im Notfall das
+Doppelte. Es waren ausgehöhlte Baumstämme, deren Öffnung oben breit
+genug war, daß ich, ohne mich seitwärts zu drehen, im Niedersitzen
+meine Hüften hineinbrachte.
+
+Zu jedem Boot gehörten vier Mann mit dem am Njassa gebräuchlichen
+kurzstieligen Paddelruder (s. Abb. 13, rechts) mit lanzettlichem Blatt,
+das, ohne am Bootsrand aufgelegt zu werden, mit beiden Armen gehandhabt
+wird. Die Ruderer sitzen am Boden des Bootes mit vorgestreckten Beinen
+und bewegen nur den Oberkörper beim Rudern.
+
+Die Harpune (s. Abb. 13, links) ist ein am Blatte oval geschmiedetes
+und haarscharf geschliffenes Eisen von 6 cm Länge und 4 cm Breite.
+Oberhalb des Blattes steht als Widerhaken ein eiserner Dorn von der
+Dicke und Länge eines kleinen Fingers, dann folgt eine mit einer Öse
+versehene Lasche. In dieser ist eine aus Hanffaser festgeflochtene
+Leine gut verknüpft. In die Lasche wird locker ein aus hartem, zähem
+Holz gearbeiteter, fünf Meter langer Schaft gesteckt, an dem die
+Harpune durch die an der Öse befestigte Leine festgezogen wird. Bei
+Lockerung der Leine trennt sich die Harpune sofort vom Schaft. Der
+Schaft von Handgelenkstärke wird durch monatelanges Liegen im Schlamm
+mit mehrmaligem Erhitzen über Feuer besonders schwer und wuchtig
+gemacht und wiegt dann gebrauchsfähig fünfunddreißig bis vierzig Pfund.
+Man muß die Harpunenführer bewundern, daß sie stundenlang dieses
+Gewicht auf dem erhobenen Arm balanzieren können. Die oben erwähnte
+Leine ist sechzig bis siebzig Meter lang und liegt sauber aufgerollt
+hinter dem Harpunenträger. Eine zweite ist zur Reserve vorhanden. Dann
+kommen auf jedes Boot noch zwei Dutzend starke Speere mit 30 Zentimeter
+langem, dreieinhalb bis vier Zentimeter breitem Blatt. Die Speere sind
+mit Blatt etwa 1,6 m lang.
+
+[Illustration: Abb. 13. Rechts Paddelruder, links Harpune der
+Wakissi-Neger für Flußpferde (n. Skizze d. Verfassers gez. v. R.
+Öffinger).]
+
+An einem windstillen Morgen fuhren wir bei der ersten Dämmerung ab.
+Östlich von uns sah und hörte man schwach einige Flußpferde, die, aus
+der Lufiriomündung kommend, langsam in den offenen See zogen. Ich
+befand mich im Boot beim Harpunenträger -- dem Häuptling Mandemera
+selbst -- und hatte, weil ich von dieser Art Jagd noch nichts verstand
+und daher sonst passiv bleiben wollte, die Beaufsichtigung der Leine
+übernommen, um möglichst genau vom Bug aus beobachten zu können. Ich
+hatte bis auf Hut, Hemd und Hose alles abgelegt, um gegebenenfalls im
+Schwimmen nicht behindert zu sein, falls das Boot zum Kentern kam, was
+häufig vorkommen sollte. Außer uns beiden trug das Boot vier Ruderer.
+Das zweite Boot war ebenfalls mit vier Ruderern bemannt und trug
+noch einen Mann und einen Jungen. Jener sollte speeren, der Junge ihm
+Ersatzspeere reichen.
+
+Klar grün schimmerte das Njassawasser. Es war so durchsichtig, daß man
+am Bug, ohne verzerrte Bilder zu bekommen, auf dem Sandboden jedes
+Steinchen schimmern und jeden Fisch schwimmen sah. Der See mochte fünf
+Meter tief sein, wie ich mich belehren ließ. Mandemera bestimmte die
+Tiefe nach der Farbe des Wassers. In einem Kilometer Abstand von den
+Flußpferden fuhren wir zunächst zu diesen parallel. Dann wurde ein
+Bogen geschlagen, der die Tiere zwischen uns und das Land brachte. Da
+sich auch die Flußpferde gleichzeitig vom Ufer entfernten, waren wir
+etwa 6 Kilometer weit draußen im See. Nun warteten wir mit eingezogenen
+Rudern. Oft war von den Flußpferden nichts zu sehen. Sie schwammen
+unter Wasser; näher und näher kamen sie. Erst sah man eine Fontäne
+zerstäubten Wassers aufsteigen, dann erst hörte man den prustenden Ton,
+der durch das Ausstoßen der Luft verursacht wird. Auf 150 Meter waren
+sie jetzt an uns herangekommen. Es war 7 Uhr morgens. Nun suchten sie
+seitlich auszubiegen, da sie wohl die feindliche Absicht witterten.
+Unsere Ruderer traten in Tätigkeit, und Mandemera stellte sich in
+Positur, wie ich sie so häufig vom Land aus beobachtet hatte. Das
+zweite Boot fuhr in drei Meter Abstand eine halbe Bootslänge hinter
+uns. Nun waren wir heran. Zehn Meter vor uns tauchte der Wassersprudel
+auf. Dann hob sich das Tier mit halbem Körper aus dem Wasser und
+versank lautlos. Es waren vier Flußpferde. Mandemera hatte es auf das
+letzte abgesehen. Er schien es unter Wasser genau im Auge zu haben,
+ich konnte nichts sehen, da ich saß. Da tauchte vor uns in fünf Meter
+Entfernung die Nase auf und war auch schon wieder unter Wasser.
+
+Jetzt sah auch ich das Tier unter Wasser. Ganz rosig durchscheinend
+schimmert seine Haut, ganz verschieden von dem sonstigen bräunlichen
+Ton. Nun tauchte es zwei Meter seitwärts vor uns auf, sofort wendeten
+unsere Boote. Wieder schwamm es unter uns. Es schien mir greifbar nahe.
+Mandemera sagte, ohne seine Stellung zu verändern, es schwimmt zu tief.
+Wohl eine Stunde folgten wir dem Flußpferd und bewegten uns kreuz und
+quer fahrend dem Lande zu. Wir waren nur noch etwa vier Kilometer
+vom Strand entfernt und die anderen Flußpferde weit draußen im See.
+Mandemera sagte mir, ich stoße nur, wenn es nach [Illustration: Abb.
+14. Flußpferdjagd der Eingeborenen auf dem Njassasee. (Nach Skizze des
+Verfassers gez. von M. Zimmer.)]
+
+oben schwimmt, um Luft zu holen. Dies geschah alle drei bis fünf
+Minuten. Wie mir schien, verpaßte der Häuptling gute Momente. Plötzlich
+sah ich, wie Mandemera die Spitze der Harpune langsam senkte. »Gib auf
+die Leine acht!« rief er mir zu. Das Flußpferd tauchte auf, wieder
+hatte er nicht gestoßen, und ich fing an, ungeduldig zu werden. Jetzt
+erhob er sich auf den Zehen, und die Harpune mit beiden Händen fassend
+stieß er zu (Abb. 14). Ich spähte über den Rand und sah, wie sich das
+Flußpferd im Wasser überschlug. Indem ich hastig die Leine abwarf,
+sah ich, wie Mandemera jetzt den harpunenlosen Schaft in der Rechten
+hielt und durch die Linke die Leine gleiten ließ. Halb links waren
+wir über das Flußpferd hinweggefahren. Jetzt tauchte es auf, etwa 10
+Meter rechts von uns, seine Wasserfontäne war hellrot vom Schweiß.
+Rückwärts fahrend hatte Mandemera den Harpunenschaft abgelegt und ließ
+sich von mir einen Speer reichen. Ungefähr zwei Drittel der Leine
+waren abgelassen. Mandemera faßte sie jetzt straff und sagte zu mir
+»festhalten«; schon merkte ich das Reißen des flüchtenden Tieres. Ich
+spreizte meine Knie, um fest im Boot zu sitzen, und ließ die Leine
+am Bootsschnabel aufliegen. Tief neigte sich dieser nach dem Wasser;
+obwohl die Ruderer Gegengewicht gaben, nahmen wir doch Wasser über, das
+ein Mann eilig mit einem halben Flaschenkürbis ausschöpfte. Vierhundert
+Meter hatten wir so in schneller Fahrt, vom Flußpferd gezogen,
+zurückgelegt, das zweite Kanu hielt sich an unserem Boote fest.
+Mandemera und ich hatten scharf zu halten, weil wir die Last beider
+Boote schleppten.
+
+Plötzlich wird die Leine schlaff und, den ganzen Kopf außer Wasser,
+kommt das Flußpferd laut brüllend auf uns zu. Mir wurde beklommen
+zumute. Mandemera ging wieder an die Spitze des Bootes, und die Ruderer
+ruderten mit Kraft rückwärts. Jetzt ist das Tier so nahe, daß ich im
+Geiste schon unser Boot splittern sehe. Da hat es Mandemeras Speer im
+Rachen, es schüttelt wütend den Kopf und beißt zu, der Speerschaft
+zersplittert. Rasch reiche ich Mandemera den bereitgehaltenen zweiten
+Speer. Er kommt aber nicht mehr zum Stoßen, denn das zweite Kanu kam
+heran, und blitzschnell hatte sein Speerträger zweimal zugestoßen. Das
+Flußpferd warf sich hintenüber, etwa wie der Stier den Kopf hochwirft,
+auf den Schmerz reagierend, wenn er die erhoben gehaltenen Banderillos
+in den Nacken empfängt, so daß der Torero Zeit hat, zu entfliehen.
+Schon ist es wieder an der Oberfläche. Die Ruderer leisten Fabelhaftes
+im schnellen Wenden und Vor- und Rückwärtsfahren. Blutiger Schaum
+breitet sich auf dem Wasser. Mehrmals noch haben die Speerhalter beider
+Boote Gelegenheit, zuzustechen, die Bewegungen des Tieres werden
+matter, die Speerstiche bei jedem Auftauchen häufiger und tiefer. Jetzt
+ist das Flußpferd wieder oben, es liegt halb auf der Seite. Mandemera
+sticht so heftig zu hinters Blatt, daß er ins Wasser springen muß, der
+Speer bleibt stecken. Noch einmal bäumt das Tier auf, uns mit flockigem
+Schweiß übersprühend, dann sinkt es langsam weg. An der Leine wird es
+bis an die Oberfläche geholt und noch ein Strick an sein Bein gebunden.
+Dann werden beide Stricke am Boot festgemacht. Das andere Boot legt
+sich uns vor. Mandemera und ich halten es mit den Händen fest und, das
+Flußpferd im Schlepptau, geht's dem Lande zu. Gegen elf Uhr hatten
+wir wieder Boden unter den Füßen. Die Beute lag drei Meter vom Strand
+entfernt im See, weil wir sie im seichten Wasser nicht weiterziehen
+konnten. Es war ein junger Bulle. Das ganze Dorf hatte sich schon
+versammelt mit Messern und Körben, um das Fleisch abzuholen. Ich sah
+mir zunächst die Speerstiche an, die zehn Zentimeter breit waren.
+Vergeblich versuchte ich, einen Speer durch die Haut zu stoßen. Sie
+federte wie Gummi, und zum Schluß hatte ich das Blatt ganz verbogen.
+Es scheint bei der Anwendung dieser Waffe, die ich in ihrer Weichheit
+mit den Händen fast wieder gerade biegen konnte, mehr Geschicklichkeit
+als Kraft nötig zu sein. Dann ließ ich mir die Harpune herausschneiden,
+um zu sehen, wie sie saß. Fünfzig Zentimeter weit war sie seitlich
+in den Nacken gedrungen und hing mit dem Widerhaken am Kehlkopf. Vor
+dem Zerlegen ging ich nach Hause. Meine Nerven erschlafften stark
+nach der aufregenden Anspannung, und ich habe auch keine weitere
+Mitwirkung an derartiger Jagd angestrebt, obwohl sich mir späterhin
+mehrfach Gelegenheit bot, d. h. die Leute keine Angst mehr hatten, mich
+mitzunehmen, da diesmal die Sache gut abgelaufen war. Ein Gewehr hatte
+ich deshalb nicht mit ins Boot genommen, weil ich zu damaliger Zeit nur
+~eine~ gute Waffe besaß, die ich nicht verlieren wollte, falls das
+Boot kenterte, wie mir vorher ausgemalt wurde. Sonst hätte ich dem Tier
+bald den Fangschuß gegeben, nachdem es an der Harpune saß -- es hat
+eben nicht jeder eine Negernatur --, Gelegenheit hätte ich dazu gehabt.
+
+
+ +b.+ ~Flußpferde im Rikwasee.~
+
+Gegen Ende des Jahres 1907 hielt ich mich einige Wochen am Rikwasee
+(Abb. 1) auf. Die Gegend ist recht spärlich bewohnt, wegen der
+sehr geringen Regenfälle unfruchtbar und sehr, sehr heiß. Groß ist
+dagegen der Wildreichtum, und in den Mittagsstunden ist stellenweise
+nichts zu sehen vor dem Staub der sich wälzenden Zebras und der
+herumgaloppierenden Hartebeeste, denen das Brackwasser des Sees und das
+Gras der Salzsteppen so vorzüglich bekommt, daß ich nie wieder Tiere
+in solchem Ernährungszustande sah wie dort. Das Wasser ist belebt von
+Scharen von Watvögeln. Rosa und weißen Wolken gleich fliegen unzählige
+Flamingos und Pelikane über das Wasser, das großen Fischreichtum --
+allerdings vorwiegend wenig schmackhafte Welse -- beherbergt und
+außerordentlich viel Schildkröten und Krokodilen zum Aufenthalt dient.
+
+Flußpferde sind im Verhältnis zu anderem Wild nur wenige vorhanden,
+Nashörner wechseln ganz selten vorbei, und Elefanten durchschreiten
+den See nur alle Jubeljahre einmal. Nur einmal sah ich drei Elefanten
+mitten im See stehen. Ich hielt sie erst für Flußpferde, da sie nur
+etwa eineinhalb Meter über dem Wasserspiegel sichtbar waren, und dann
+betrug auch die Entfernung einige Kilometer.
+
+Nach Westen zu ist der See in der Trockenzeit für Fußgänger
+durchschreitbar, südlich ist das Wasser so flach, daß man nach
+sechshundert Metern vom Ufer nur bis an die Knie im Wasser steht. Im
+Osten sind die Ufer versumpft durch den einmündenden Songwefluß, und
+nur im Norden fallen die Ufer steil ab.
+
+Mir war neben anderen Nahrungsmitteln Butter und Fett ausgegangen. Von
+den Fettschwanzschafen hatte ich nur noch eins, dessen »Fettschwanz«
+leider seine Rasse Lügen strafte und nur als schlaffer Hautlappen
+herunterhing. Meine Mahlzeiten wurden täglich miserabler. Der Koch
+gestand sein Unvermögen, ohne Fettstoffe Abwechslung in die Küche
+zu bringen, und ich mußte ihm in dieser Beziehung recht geben. Ein
+Pumpversuch bei den Mönchen der »Weißen Väter« in Galula zeitigte eine
+Flasche Erdnußöl, mehr konnten sie wegen eigener Ebbe nicht entbehren.
+Was sollte ich mit diesem »Tropfen auf den heißen Stein« anfangen? Da
+fiel mir ein, daß ich im Kolonialkochbuch gelesen hatte, »der Speck
+des Flußpferdes ist sehr wohlschmeckend und in den Tropen bekömmlicher
+als Schweinespeck,« es standen da allerdings auch noch andere Sachen
+drin, wie »Affenrücken zuzubereiten« -- brrr, mich schüttelte es, --
+aber versuchen konnte man es immerhin. Ich lagerte in Kadabula und
+hatte sowohl an die Süd- wie an die Ostseite zwei gute Wegstunden bis
+zum See. Rasch ließ ich Pferd und Maskatesel satteln und machte mich in
+Begleitung meines Pferdejungen auf den Weg. Die Südseite, die ich für
+die aussichtsloseste hielt, entsprach meinen Erwartungen. Mit dem Glas
+sah ich im Osten des Sees mehrere Flußpferde im Wasser spielen. Also
+gut, nach Osten. Zwei Kilometer vor dem See mußte ich Pferd und Esel
+zurücklassen, da das Gelände sumpfig [Illustration: Abb. 15. Sultan
+Mwen Iwunga rechts, daneben sein Minister. Besser phot.]
+
+wurde. Zahlreiche Moorantilopen, die Ricken in Sprüngen, die älteren
+Böcke einzeln, sprangen knätschend im Sumpfboden ab. An Wildbret lag
+mir nichts, meine Trophäen wiesen gute Stücke auf, und aus diesem
+Grunde schoß ich nicht; sodann wollte ich mir auch die Flußpferde nicht
+vergrämen.
+
+Eine filzige Rasendecke bedeckte den Sumpf. Wie auf Eiern lief ich
+vorwärts. Bei jedem Stehenbleiben spülte Wasser um meine Schuhe,
+und die Rasendecke zitterte bei jedem Schritt mehrere Meter im
+Umkreis. Einigemal trat ich durch und zog den Fuß bis übers Knie mit
+grauem Schlamm bekleistert wieder heraus. Als ich erst ordentlich
+eingeschlammt war, kam ein Gefühl der Gleichgültigkeit dagegen auf.
+Eine dünne Binsenlinie versperrte mir noch den Ausblick auf den See.
+Endlich hatte ich sie überschritten, aber wo waren die Flußpferde? Mehr
+als sechshundert Meter draußen im See. Überall standen Krokodilköpfe
+auf dem Wasser, und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei, den
+zackigen Rücken und Schwanz außer Wasser. Sollte ich weiter ins Wasser
+hineingehen? Die Krokodile sind hier sehr friedlich, da sie überreich
+Fischnahrung haben und von Menschen wenig belästigt werden. Ich
+versuchte es, aber nach dreißig Metern ging mir das Wasser schon bis an
+die Hüfte, und ganz vertrauenerweckend war mir die Nähe der Krokodile
+doch nicht. Unverrichteter Sache kehrte ich wieder um, denn ich sagte
+mir: Schieße ich wirklich ein Flußpferd, wer holt es mir heraus? Da ich
+das Fett für den Tisch verwerten wollte, mußte es wenigstens frisch
+geborgen werden, ehe Zersetzungsgase den Auftrieb besorgten.
+
+Zu Haus fragte ich den Sultan Mwen Iwunga (Abb. 15), ob er mir nicht
+sein großes Kanu zur Verfügung stellen könnte. Er behauptete aber, das
+Befahren des Sees wäre nur in der Regenzeit möglich, wenn der Songwe
+hoch sei, jetzt wäre durch die verschilfte Mündung nicht durchzukommen.
+Wenn ich Flußpferde schießen wollte, müßte ich abends gehen oder zeitig
+vor Tagesanbruch, da wären sie an Land. Früher, wo er noch rüstig
+gewesen sei, hätte er es immer so gemacht und Erfolg gehabt. Also ritt
+ich abends wieder hin und fand die Flußpferde genau so weit draußen,
+wie am folgenden Morgen. Sie mußten erst spät in der Nacht aussteigen
+und nicht sehr lange äsen. Der Mond war aber noch zu klein, um nachts
+schießen zu können.
+
+Gekochtes Wildfleisch und Reis, das ich früh, mittags und abends
+vorgesetzt bekam, konnte ich aber kaum mehr sehen und riechen.
+
+Nach fünf Tagen hatten wir endlich Vollmond. Elf Uhr nachts war ich
+wieder an Ort und Stelle und zitterte förmlich vor Aufregung, daß
+die Flußpferde vielleicht an einer entfernteren Stelle aussteigen
+könnten. Ich nahm meinen Fährtensucher mit, um jemand bei mir zu haben.
+Kaum waren wir am Wasser angekommen, so hörten wir ein Rauschen; es
+wurde still, dann rauschte es wieder. Nun können wir auch sehen. Drei
+Flußpferde kommen aufs Land zu. Sie haben schon Grund und den halben
+Leib außer Wasser. Alle paar Schritt bleiben sie stehen. Jetzt sind sie
+nur noch hundert Meter entfernt, jetzt noch vierzig. Wir wollen sie
+erst aussteigen lassen, und ich will dann möglichst nahe herankriechen,
+da ich trotz des hellen Mondes schlecht zielen kann.
+
+[Illustration: Abb. 16. Hart am Ufer des Sees tat sich das Flußpferd
+nieder. Besser phot.]
+
+Kaum liegen wir hinter einem ausgesuchten Grasbüschel, so legen die
+Flußpferde die letzten vierzig Meter in ziemlichem Eiltempo, das Wasser
+aufrauschen lassend, zurück und sind am Land. Sie sinken bis an den
+Bauch im Sumpf ein und fangen sofort lebhaft, fast gierig an zu äsen.
+Silbern glänzen die feuchten Leiber im Mondlicht. Vorsichtig schiebe
+ich mich zwischen den Binsen entlang. Ich war schon zu weit gekrochen,
+nur ein Meter trennte mich vom mittleren Tier. Indem ich mich seitlich
+zurückschob, hoffte ich, daß das Flußpferd bald durch eine kleine
+Lichtung in den Binsen hindurchkommen würde. Nun erschien der Schädel,
+und nun der Körper. Zwei Meter war ich von ihm entfernt und ließ
+fliegen, aufs Blatt abkommend. Im Augenblick war ich auch aufgesprungen
+und von dem an mir vorbeirasenden Tier wieder hingeworfen worden. Als
+ich hoch kam, sah ich es bereits zusammenbrechen. Da pustete das letzte
+Flußpferd heran. Ich trug ihm einen Schuß an und lief dann in vier
+Meter Abstand neben ihm her und feuerte im Laufen noch dreimal. Es hat
+das Wasser erreicht; nun taumelt es und tut sich noch hart am Ufer
+nieder (Abb. 16). Das Nebenherlaufen war übrigens gar nicht so einfach.
+Bei jedem Schritt trat ich tief in den Sumpf, und es muß ein komisches
+Bild gewesen sein, wie ich meine Sätze machte und immer den hinteren
+Fuß aus dem Sumpf ziehen mußte. Dem Flußpferd ging es aber auch nicht
+besser. Am nächsten Morgen bezeichnete eine tiefe Rinne die Schleifspur
+seines Bauches; zu beiden Seiten standen die Löcher voll Wasser, wo es
+tief eingetreten war.
+
+Die Moskitos hatten mich ganz eklig zugerichtet, und meine Augenlider
+waren von den Stichen dick verschwollen. Einen jungen Bullen und eine
+sehr alte Kuh hatte ich zur Strecke gebracht. Speck hatte der Bulle gar
+keinen und die Kuh nur ganz wenig. Mit dem Bauchfett zusammen schmolz
+mein Koch nur etwa vierzig Pfund daraus. Geschmeckt hat's übrigens ganz
+leidlich, ich war aber auch lange genug für den Genuß vorbereitet und
+hätte auch übleren Sachen einen guten Geschmack abgewonnen.
+
+
+ +c.+ ~Der alte Gomerobulle.~
+
+Ich hatte durch nächtliches Arbeiten meine Nerven etwas überanstrengt
+und konnte wieder einmal nicht einschlafen. Um nicht schlaflos im
+Bett liegen und naß zu schwitzen, lief ich auf meiner Veranda auf
+und ab und rauchte dann im Dunkeln im Klubsessel liegend noch eine
+Zigarette. Fortwährend hörte ich vom Gomeroflusse her das Schrecken von
+Buschböcken, und ich beschloß, mich am künftigen Tage, da ich gerade
+den Strich unter eine größere Arbeit gemacht hatte, selbst zu belohnen
+und auf einer kleinen Streife am Gomero, der nur zwei Kilometer
+entfernt war, durch körperliche Anstrengung die Nerven wieder in das
+richtige Gleichgewicht zu bringen. Buschböcke sah ich zwar keine, dafür
+aber eine außerordentlich starke Flußpferdfährte. Nach zwei Stunden
+Folge durch übles Dickicht verlor ich die Fährte und kehrte mit
+zerrissenem Anzug und auch nicht ganz heiler Haut heim.
+
+[Illustration: Abb. 17. Die heißen Quellen bei Kissaki (Kalksinter).
+Besser phot.]
+
+Öfter, wenn ich in der Richtung auf die heißen Quellen (Abb. 17) den
+Gomero überschritt, um für meine Küche einen Wasserbock oder ein
+Hartebeest zu holen, traf ich diese alte Fährte wieder, so daß ich zu
+der Überzeugung kam, der alte Einzelgänger hat dort sein Standquartier.
+Ideal genug dazu war ja die Gegend. Dichtestes Phönixpalmengebüsch und
+schwerer Busch, der dicht mit Lianen bewachsen war, gab selbst bei
+heißester Sonne kühle Verstecke. Grünes Gras war am und im Gomero das
+ganze Jahr hindurch vorhanden. So zog ich denn eines Tages aus, um
+ausschließlich auf den alten Burschen zu pirschen. Leicht stieß ich auf
+die Morgenfährte, folgte ihr zum Flußbett und fand, daß mein Freund
+nur Wasser eingenommen hatte, indem er sich nur einen halben Meter
+ins Wasser begab. Schon früher hatte ich festgestellt, daß er seinem
+Namen wenig Ehre machte und das feste Land gegen das feuchte Element
+bevorzugte. Bald begann eine üble Kriecherei im dichtesten Gebüsch.
+Zahlreiche Phönixstacheln waren schon in meiner Haut abgebrochen, und
+der Schweiß badete mich förmlich. Ich trug mein Gewehr selbst, da mir
+mein Boy Raschid, den ich an Stelle des erprobten Saleh mitgenommen
+hatte, nicht zuverlässig genug war. Immer mußte ich auf diesen Rangen
+von Boy warten, da er wegen der Dornen für seine Haut überängstlich
+besorgt war. Jetzt finde ich Urin, der noch im Schaum steht, etwas
+weiter Losung, die noch tropft; da geht auch schon ein Getöse los,
+das mich schleunigst das Gewehr entsichern läßt. Ehe ich es aber noch
+auf den für einen Augenblick sichtbaren Hautfleck in Anschlag bringen
+kann, bricht der Bulle durchs Dickicht und reißt ganze Wände Lianen mit
+sich, die mir das Gesichtsfeld versperren und mir Arme und Gewehr nach
+unten drücken. So schnell wie möglich ging ich ihm nach; das Brechen
+entfernte sich immer weiter von mir.
+
+Es wird freier, und ich hoffe, bei besserem Ausblick den Bullen
+irgendwo verhoffend zu sehen. Statt dessen wechselt er im Gelände mit
+grobem Kies, wo er auch nicht die geringste Fährte hinterläßt. Einen
+Bogen schlage ich noch, als ich auch dann nichts finde, gehe ich
+mißmutig heim.
+
+Häufig wiederholen sich die Pirschen, die ich auf den alten Bullen
+unternahm, aber stets mit gleichem Erfolg. Niemals traf ich ihn
+noch äsend, und stets hatte er sich in undurchdringlichem Dickicht
+niedergelassen und nach Art alter schlauer Büffel vor dem Niedertun
+einen Haken geschlagen, war parallel neben dem Wechsel zurückgekehrt
+und hatte sich ganz knapp an der Fährte in guter Deckung niedergetan.
+Er mußte also stets rechtzeitig durch Wind und Geräusch gewarnt werden.
+
+So oft ich es auch versuchte, ich kam nie zum Schuß. Weidlich wurde ich
+mit »meinem« schlauen Bullen geneckt, ein ganzes Jahr lang konnte ich
+seiner nicht habhaft werden.
+
+Doch auch ihn ereilte schließlich sein Schicksal. Von Hobola kommend,
+nahm ich eines Tages im Januar 1914 meinen Weg durch Busch und
+Steppe, da ich einesteils den Fußweg so oft gegangen war, daß ich ihn
+langweilig fand. Andernteils macht frisches niederes Gras und ein in
+der Nacht gefallener Regen den Boden so geeignet zum Fährtenlesen
+wie ein Neuschnee in Europa. Ich wurde auch reichlich belohnt und
+wußte bald, welche Wildarten und in welcher Zahl sie sich in diesem
+Gebiet aufhielten. Beim Durchschreiten des trockenen Oberlaufes des
+Gomeroflusses flogen seitlich erst zwei Schattenvögel (+Scopus
+umbretta Gmel.+) und dann einige Ibisse auf. Wie! Jetzt hier Wasser!
+denke ich und folge dem Flußbett. Richtig, eine ganze Strecke lang
+steht Wasser in dem lehmigen Bett. Fährten von Elefanten mit Kälbern
+und Rhinozerossen zeugten von häufigem Besuch der Wasserstelle,
+und da, was sehe ich, auch die unverkennbaren Fußabdrücke meines
+langgesuchten Flußpferdbullen.
+
+Da das Flußbett einen Bogen macht, den ich im Bett stehend nicht
+übersehen kann, klettere ich am Ufer hoch und komme auf einen mit dem
+Fluß parallel laufenden Elefantenwechsel, dem ich folge. Als sich
+mir der nächste Ausblick auf das Wasser bietet, sehe ich endlich
+den Langgesuchten im seichten Wasser ruhen. Kreuz und quer ist sein
+mächtiger Rücken von vielen tiefen Narben bedeckt, die davon Zeugnis
+ablegen, daß er zahlreiche Kämpfe mit seinesgleichen im Werben um das
+Weibchen bestanden hat. Leichtere Narben deuten darauf hin, daß bei
+seiner Vorliebe für das Leben auf dem Land in kaum durchdringbaren
+Dickichten beim Eindringen in diese mit ungestümer, machtvoller Kraft
+seine Haut von zersplitternden Ästen ganz durchpflügt wurde. Ganz
+versunken in seinen Anblick stehe ich da und sehe vom hohen Ufer in
+sechs Meter Entfernung auf ihn herab. Das Wasser muß ziemlich seicht
+sein, denn er scheint zu liegen, und der Rücken ist mehr als einen
+Meter außerhalb sichtbar. Nun fangen seine Lauscher an zu spielen,
+und das blutunterlaufene Weiße in den Lichtern wird sichtbar. Langsam
+erst schiebt er sich vorwärts, nun springt er auf und rast davon, daß
+das Wasser hoch aufwirbelt. In seine Fluchtrichtung kann ich nicht
+schießen, da dichtes Zweiggewirr hinderlich ist. Also zurück auf den
+Elefantenwechsel, auf dem ich in eiligem Lauf vorwärts stürme, um ihm
+weiter oberhalb den Weg abschneiden zu können. Mein Boy Saleh, der
+zehn Meter vor mir lief, ruft mir zu: »Hierher, Herr -- ein Ausstieg,
+er muß gleich da sein.« In ein paar Sätzen bin ich dort, springe auf
+den alten, tiefausgetretenen Wechsel, der von zur Tränke ziehenden
+Elefanten getreten war, hinab, schlage an, für einen Augenblick den
+Atem aussetzend wegen der Bewegung der hastig arbeitenden Lungen, die
+sich dem Körper mitteilt, und trage dem Bullen einen Schuß in den
+Nacken an. Für Sekunden ist er vom Anprall des 11,2-Geschosses betäubt;
+ich stehe jetzt einen Meter vom Wasser entfernt. Da faßt er auch schon
+am Ufer Fuß; eine Gewehrlänge trennt uns. Gerade als er den Körper
+krümmt, um sich hinten kräftig abzustoßen, damit er ganz aufs Land
+kommt, wobei er den Schädel tief senkt, gebe ich ihm, fast mit dem
+Gewehr sein Auge berührend, den zweiten Schuß. Ich taumle einen Schritt
+rückwärts, da ich schlecht Fuß gefaßt hatte und der Rückstoß von 5,5
+Gramm Blättchenpulver ziemlich bedeutend ist, und sehe meinen Bullen
+langsam ins Wasser zurücksinken. Kurz ist sein Todeskampf, und die
+Beine rudern langsam im Schlamm.
+
+Zur Erinnerung mache ich eine photographische Aufnahme. Mein Boy Saleh
+plagt mich, auch mit dem Flußpferd photographiert zu werden, da er so
+oft vergeblich auf seiner Fährte mitgelaufen sei, und ich willfahre ihm.
+
+Den Schädel nehme ich als Trophäe mit, um ihn später in meinem
+Jagdzimmer in Deutschland aufstellen zu können. Rasch lasse ich die
+Fleischteile zur Erleichterung des Transportes herunterschneiden.
+Leider essen meine Leute als Mohammedaner das Fleisch nicht; ich
+schicke deshalb Nachricht auf eine Pflanzung, wo Wangonis aus dem
+Ssongeabezirk arbeiten; bald kommen sie auch in Scharen an, um sich
+diesen seltenen Leckerbissen zu holen.
+
+Doppelt freute ich mich über meinen Erfolg, da ich häufig vorher mit
+meinem sagenhaften Bullen geneckt worden war, und nun den Beweis
+erbrachte, daß Ausdauer und Festhalten am erstrebten Ziel auch auf der
+Jagd zum Schluß reichlich für die gehabte Mühe entschädigt.
+
+
+ Auf Elefantenfährte.
+
+In früheren Jahren, als das berufsmäßige Elefantenjagen in
+Deutsch-Ostafrika noch gestattet war, hielten sich stets mehrere Jäger
+im Kissakigebiet auf, da dort besonders starke Bullen aus den früher
+errichteten Jagdschutzreservaten Mohorro und Mahenge herüberwechselten.
+Durch das Jagdgesetz von 1911, nach dem die Erlaubnis zur Elefantenjagd
+an den Besitz eines großen Jagdscheines gebunden war, mit dem nur zwei
+Bullen mit einem Einzelzahngewicht von über fünfzehn Kilogramm erlegt
+werden durften, hörte das unsinnige gewerbsmäßige Schießen auf diese
+Denkmäler der Urzeit auf. Nur Leute, die aus Lust an der Jagd und nicht
+aus schnöder Geldgier diesen gewaltigen Dickhäutern zuleibe rückten,
+kamen zu ihrem Recht.
+
+Zeitweilig kamen die Elefanten (Abb. 18) so zahlreich, daß sie ernsten
+Schaden in den Feldern der Eingeborenen anrichteten. Namentlich wenn
+die Hirse zu reifen begann, weideten sie so viel ab und zertraten noch
+mehr, daß die Eingeborenen die ganze Nacht in den Feldern saßen, Feuer
+unterhielten und auf Blechen rasselten; aber auch der Elefant gewöhnt
+sich schließlich an alles. Ich versprach dann den Eingeborenen, ihnen
+beizustehen; sie möchten mich nachts wecken, wenn Elefanten aus ihren
+Feldern nicht zu vertreiben wären.
+
+[Illustration: Abb. 18. Der deutsch-ostafrikanische Elefant. Nach einer
+Zeichnung von M. Zimmer.]
+
+Schon in der folgenden Nacht ließ mich der alte Häuptling Nderange
+rufen. Ich setzte mich bei klarem Mondschein mit der Elefantenbüchse
+aufs Rad und fuhr bis an das heimgesuchte Feld. Nderange empfing mich
+an seinem Felde, und beim Stillstehen hörten wir die Elefanten deutlich
+an verschiedenen Stellen in der Hirse brechen. Klarer Vollmondschein
+überflutete die Landschaft, so daß man dabei lesen konnte. Probeweise
+zielte ich und konnte bei bestimmter Beleuchtung des Silberkorns
+gut Ziel nehmen. Nun kam auch mein Boy Saleh nach, der es sich als
+»Hans Dampf in allen Gassen« nicht nehmen lassen wollte, mit dabei
+zu sein; auch einer meiner Aufseher, »Kofia mbaya«, ein Soldat a.
+D. der Schutztruppe, fand sich noch ein. Nderange trug einen alten
+Vorderlader, den er, wie er mir versicherte, mit Elefantenladung
+versehen hatte, d. h. er hatte so viel Schwarzpulver eingestopft, daß
+der sonst mit der Mündung gleich lange Ladestock um vier gespreizte
+Finger herausstand. Ich bat ihn, wenigstens nicht in meiner allzugroßen
+Nähe seine Donnerbüchse loszulassen. Gern war er damit einverstanden,
+seinen Schuß aufzuheben für den Fall, daß ich einmal nicht kommen
+könnte.
+
+Nderange führte, dann folgte ich, dann Saleh, und den Schluß machte
+Kofia mbaya, dem ich zu meiner eventuellen Unterstützung meine
+9,3-Büchse anvertraut hatte. Kaum ein paar Schritt in der Hirse war es
+so dunkel, daß man nicht weiter als drei Meter sehen konnte. Vorsichtig
+gingen wir weiter auf die Brechgeräusche zu und vermieden ängstlich,
+die 5½-6 Meter hohen, über daumenstarken Hirsehalme zu knicken, da sie
+laut prasseln, etwa wie trockenes Schilf beim Brechen.
+
+Bald konnten wir drei getrennt brechende Elefantengruppen
+unterscheiden und gingen, jetzt ich mit der Büchse vornweg, auf
+das uns zunächstliegende Geräusch zu. Ich hatte die Absicht, einen
+Elefanten zur Strecke zu bringen, um dadurch die anderen bis zur
+Hirseernte zu vergrämen. Ich mußte mein Vorhaben nachts ausführen,
+da die Elefanten tagsüber nicht in die Felder kamen und sie nur auf
+diesen vom Eigentümer des Feldes oder von ihm beauftragten Dritten
+zur Schadenverhütung erlegt werden durften. Das Elfenbein fiel dabei
+dem Fiskus zu, falls der Schütze nicht über einen großen Jagdschein
+verfügte oder die beiden erlaubten Elefanten schon erlegt hatte. Nun
+waren wir nur noch etwa dreißig Meter entfernt und hörten deutlich
+nach jedem Rupfen die Kaugeräusche und dann wieder ein kurzes Brechen,
+das besagte, daß der Elefant -- wir hatten vermutet, daß uns nur einer
+gegenüberstand -- den Körper wendete oder einen Schritt vorwärts ging.
+Durch Zeichen bedeutete ich meinen Begleitern, mehrere Schritt Abstand
+zu nehmen, um uns beim Ausweichen, wenn der Elefant nach dem Schusse
+die Richtung auf uns zu nehmen sollte, nicht gegenseitig anzurempeln
+und zu hindern. Ich vermied jedes Geräusch und pirschte mich auf etwa
+zehn Meter heran. Vom Elefanten war nichts zu sehen. Deutlich hörte
+ich, wie er sich löste und kaute. Eine halbe Stunde verharrte ich in
+dieser Stellung, ohne daß eine Änderung eintrat, die mir einen Schuß
+gestattet hätte. Es wäre leichtsinnig gewesen, näher heranzugehen, da
+ich im Halmgewirr der Hirse nicht hätte ausweichen können. Nderange
+schlich sich an mich heran und sagte mit Tränen im Auge: »Meine Hirse,
+meine Hirse, schieß doch, Herr!«
+
+Ich winkte Kofia mbaya und ließ mich von ihm hochheben, indem er
+seinen Kopf zwischen meine Beine steckte. Auch jetzt sah ich nur hin
+und wieder vom Elefanten bewegte Halme, von ihm selbst nichts. Als
+ich wieder stand und mir sagte: »Bäume, die einen Überblick gewähren,
+sind nicht in der Nähe,« blieben mir nur zwei Möglichkeiten --
+unverrichteter Sache umzukehren oder aufs Geratewohl zu schießen.
+
+Mit Rücksicht auf Nderange tat ich das letztere. In der Richtung
+der Kaugeräusche schlug ich an und rechnete dabei auf 3-1/2 bis 4
+Meter Höhe. Das Silberkorn konnte ich nicht von der Laufschiene,
+die schwach glänzte, unterscheiden. Deutlich hörte ich einen harten
+Kugelaufschlag und dann ein prasselndes Getöse des gegen den Wind
+losbrechenden Tieres, dem sich die uns entfernt stehenden Elefanten
+schrill trompetend anschlossen. Die Fährte belehrte uns nach ihrer
+Größe von sechsundvierzig Zentimetern Durchmesser der Vordersäulen, daß
+wir einen mittleren Bullen vor uns gehabt hatten. Wie aber sah der Teil
+des Feldes aus, auf den wir jetzt hinaustraten? Auf fünfzig Meter im
+Geviert war alles niedergetrampelt. Wir folgten der Fährte des Bullen,
+bis er sich mit den anderen vereinigt hatte. Aus der Ferne hörten
+wir die Flüchtlinge noch zweimal trompeten. Im Mondlicht war jedoch
+nirgends Schweiß zu entdecken. Daß er bei dem von mir verwendeten
+11,2-Geschoß mit Antrieb von 5,5 Gramm rauchlosem Pulver nur gering
+sein konnte, wußte ich, da sich die fettunterlegte Schwarte wie Gummi
+wieder zusammenschiebt und nur knappen Schweiß austreten läßt. Es
+machte sich bei mir die Überzeugung geltend, daß der von uns gehörte
+Kugelaufschlag ebensogut durch Hirsehalme hervorgerufen worden sein
+könnte. Eine weitere nächtliche Folge war zwecklos, und so befahl ich
+Kofia mbaya, am nächsten Morgen einmal nach Schweiß zu sehen und zwei
+bis drei Stunden der Fährte zu folgen, wenn er aus den sich ergebenden
+Umständen ein Krankschießen vermutete. Als Mhehe-Neger (Wahehe)
+verfügte er über gute Jägerinstinkte, hatte auch als Kind seinen Vater
+häufig auf Elefantenjagd begleitet.
+
+Die Löwen machten ein recht lautes Konzert. Ich wollte Saleh nicht
+allein gehen lassen und ließ ihn deshalb mein Rad schieben. Wir machten
+uns zu Fuß auf den Heimweg. Gegen 1 Uhr waren wir wieder daheim.
+
+Als wir am nächsten Morgen wegen des nächtlichen Intermezzos etwas
+später beim Frühstückstisch saßen, kommt schon von weitem rufend Kofia
+Mbaya und bringt -- einen Zahn des beschossenen Elefanten. Umringt von
+einer großen Schar Neugieriger, teilt er mir mit, daß er der Fährte
+kaum hundert Schritt gefolgt sei. Vom Tau noch feucht habe er ganz
+kleine Schweißspritzer gesichtet und plötzlich den Zahn gefunden. Der
+Zahn war in der Hälfte des Nervs durchschossen und wohl vom Elefanten
+im Schmerz mit dem Rüssel aus dem Zahnfleisch herausgerissen worden.
+Ich lieferte ihn mit Bericht an das Bezirksamt Morogoro als dem Fiskus
+gehörig ab und wurde viel wegen dieser merkwürdigen Sache angeulkt,
+wobei erörtert wurde, ob ich nicht berechtigt gewesen wäre, den Zahn zu
+behalten, da der Elefant ja noch lebe. Ich erzähle dieses nächtliche
+Ereignis, das ich Ende Juni 1913 erlebte, weil es später noch ein
+Nachspiel fand.
+
+Im Oktober des gleichen Jahres teilt mir Stabsarzt J. mit, daß er nach
+Kissaki käme. Er hätte nur noch einige Tage auf seinen Jagdschein
+Zeit und würde gern den ihm darauf noch zustehenden Elefanten auf die
+Schwarte legen, ob ich ihm einen ausmachen könnte. Da ich außer dem
+persönlichen Interesse an der Jagd noch den Doppelzweck verfolgte,
+die immer dreister werdenden Elefanten durch gelegentlichen Abschuß
+zu vergrämen und zum Rückzug aus dem Kulturgebiet mehr in die
+Jagdreservate zu zwingen, war ich äußerst gern bereit, seinem Wunsche
+zu entsprechen.
+
+Im Laufe der Zeit hatte ich mir die Neigung der sonst sich Europäern
+gegenüber recht passiv verhaltenden Eingeborenen des Kreises Kissaki
+erworben. Ich machte nun bekannt, daß ich am soundsovielten früh einen
+frischen Elefantenwechsel in der Nähe Kissakis wissen und zum Beleg der
+Botschaft frische Losung und durch Kerbschnitt in einem Stäbchen das
+Ausmaß der Fährte haben möchte. Am Morgen des bestimmten Tages, es war
+gegen 5 Uhr und eben der Himmel am Horizont im Osten mit einem helleren
+Strich versehen, weckte mich die Wache und führt mir meinen ehemaligen
+Arbeiter Bilingi zu, der frische Losung bringt. Er wollte gerade wieder
+Arbeit bei mir nehmen und hatte auf dem Wege von Mafumbo nach Kissaki
+eine halbe Stunde von hier die Elefanten gesehen, die auf dem Wege
+standen. Die Fährte konnte er der Dunkelheit wegen nicht messen.
+
+Im Schlafanzug suchte ich Stabsarzt J. in seinem Zelt auf und
+weckte ihn mit der frohen Botschaft. Bald nach Tagesanbruch waren
+wir marschbereit und gingen dem Wechsel zu. Kurz nach Ssadumas Dorf
+überschritten wir den Mgetafluß und waren bald an der Fährte. Ich
+wußte, daß die Elefanten, wenn sie an dieser Stelle waren, nicht gar
+so weit gingen, und so ließen wir an einer schönen schattigen Stelle
+am Mgeta die Zelte aufschlagen und besichtigten dann die Fährte. Nebst
+einigen Kühen war ein ganz annehmbarer Bulle in der Herde. Bald führte
+die Fährte durch den Mgeta an die linke Flußseite. Dort zerstreuten
+sich die Einzelfährten. Die Elefanten hatten überall Schilf geäst,
+und es dauerte fast eine Stunde, bis wir aus dem Kreuz und Quer der
+Spuren, die sich kaum sichtbar von den teilweise alten Wechseln
+abhoben, den weiteren Ausweg fanden. Endlich hatten wir ihn, und als
+wir eine halbe Stunde gefolgt waren, so daß eine bestimmte Richtung zu
+erkennen war, konnte ich aus innerster Überzeugung J. versichern, »zu
+Gesicht bekommen wir die Elefanten heute auf alle Fälle«. Sie hatten
+sich einem Winkel zugewandt, den der Wiguberg durch steilen Abfall mit
+dem Mgetafluß bildet. Diese Gegend war mir wie meine Tasche bekannt.
+Sie enthielt eine Menge dichtester Dickichte, wie sie der Elefant zum
+Unterstellen von 10-3 Uhr während der heißesten Sonne liebt. Wir kamen
+an eine Stelle, wo die Steppe über Nacht gebrannt hatte, und konnten
+in der Asche die Fährten noch einmal genau auf ihre Stärke prüfen. Nun
+brauchten wir nur den Daumen zu halten, damit wir beim Annähern guten
+Wind hatten. Auf diesen allein war unser erhoffter Erfolg gestellt,
+und es hat gar nichts zu sagen, ob die allgemeine Windrichtung gut
+ist. Eine Übersicht des Geländes ist in den Dickichten ja gänzlich
+ausgeschlossen, und da die Elefanten wie vieles andere Wild zu ihrer
+Sicherung häufig Bogen schlagen, geschieht es öfters, daß man in
+ihren Wind gerät, ohne daß man sie zu Gesicht bekommt, und nur am
+Brechen sein Mißgeschick hört. Schön klar und deutlich können wir die
+Fährte halten. Die Elefanten waren längere Zeit nicht hier gewesen
+und die ehemaligen Wechsel so alt, daß man sofort die frische Fährte
+unterscheiden konnte, was sonst manchmal recht schwierig wird, wenn
+Fährten des Vortages oder der Nacht mitgeprüft werden müssen.
+
+Vergnügt schreiten wir weiter, von der Sonne nicht allzusehr belästigt,
+da das Blätterdach guten Schutz gewährt. Nun biegt die Fährte wieder
+links aus der Richtung ab, und als wir ihr eine halbe Stunde gefolgt
+sind, sinkt uns das Herz in die Stiefel, wir durchschneiden eine schon
+vorher durchquerte Stelle; die Fährte hat eine Schleife gemacht.
+Beklommen holen wir Atem und fragen uns, haben die Elefanten beim
+Überschreiten ihres Wechsels von unserer Folge Witterung genommen? Denn
+übersehen können wir die Fährte unmöglich haben. Wir unterhandeln mit
+unsern Begleitern. Senikambi, Salim und Saleh, unsere Fährtensucher,
+von mir langerprobte gute Jäger, bestreiten aufs entschiedenste, daß
+bei unserm Durchqueren der verfolgte Wechsel schon von den Elefanten
+überschritten war. Unmittelbar auf den alten Wechsel ist keine neue
+Fährte über die alte gesetzt, sondern von allen Tieren überschritten
+worden. Mit recht gemischten Gefühlen folgen wir weiter. Die Jagdlust
+und -freude sinkt gleich um 50 Prozent, wenn sich eine Aussicht
+wie durch diesen Fall verringert, und man merkt plötzlich, daß die
+Körperfrische einer Ermüdung Platz macht. Gegen 12 Uhr beschließen wir,
+etwas zu ruhen. Wir verzehrten ein mitgenommenes kleines Frühstück,
+tranken einen Schluck kalten Kaffee dazu und legten uns lang, die Beine
+etwas erhöht, da diese Lage die Schwere in den Füßen am raschesten
+beseitigt. J. schlief ein, und ich döste vor mich hin. J.s Boy schien
+Verdauungsbeschwerden zu haben, denn es kollerte von Zeit zu Zeit in
+seinem Bauch. Ich fragte ihn, ob ihm was fehle, er verneinte. Kurz
+vor 1 Uhr weckte ich J., und wir zogen weiter. Noch keine hundert
+Schritte waren wir gegangen, da hörte ich es wieder in dem Leib von J.s
+Boy kollern, doch nein, das ist stärker, kommt aus anderer Richtung.
+Ich bleibe stehen, wende mich zurück und lege die Finger auf die
+Lippen. Da streckt auch schon Senikambi den Arm aus und deutet die
+Richtung an; es sind die Elefanten. Ich freue mich innerlich, daß ich
+trotz meiner leichten Schwerhörigkeit schon bei der Ruhepause als
+einziger das Geräusch bemerkt hatte, das die Elefanten mit den Ohren
+hervorbringen, indem sie mit der pappdeckelartigen Knorpelmasse durch
+Bewegung knattern; ich hatte es zwar in des Boys Leib verlegt, aber
+doch wahrgenommen, obwohl kein anderer etwas gehört hatte.
+
+Die Elefanten stehen links von uns, der Wechsel führt noch in gerader
+Richtung weiter. Am aufgenommenen Staub prüfen wir den Wind. O weh,
+sie müssen halben Wind von uns bekommen, und richtig, schon knackt's
+und prasselt's für einige Sekunden, dann ist alles still, und nur hin
+und wieder rauscht leise ein Busch, den die flüchtenden Elefanten
+streiften. Schnell folgen wir dem Wechsel. Es ist nicht zu befürchten,
+daß sie schon wieder stehen. Nach fünf Minuten lauschen wir wieder;
+nichts ist zu hören.
+
+[Illustration: Abb. 19. Ein guter Elefantenbulle. Besser phot.]
+
+Vorsichtiger gehen wir weiter, wieder von links das Geräusch. Alle
+Nerven gespannt, spähen wir in den dichten Busch. Dichtes Lianengewirr
+im Blätterdach hat im Unterholz jeden Laubwuchs unterdrückt. Da hebt
+sich durch eine Bewegung mit den Ohren in dem dämmrigen Dunkel der
+Kopf eines Elefanten ab, der auf uns gerichtet ist. J., der etwas
+weiter rechts steht, bittet mich durch Gesten, mit anzuschlagen. Fast
+gleichzeitig hallen unsere beiden Schüsse, der Kugeleinschlag dröhnt,
+wie nur aus einer Büchse herrührend. Gut bin ich auf die Grube zwischen
+Licht und Gehör abgekommen, sie ist eine der wenigen Stellen, die
+direkt zum Gehirn führen.
+
+Ein gewaltiges, wütendes Trompeten hebt an, und im Dickicht kracht
+es. Man denkt, ein Tornado habe eingesetzt. Da, ein schwerer Fall.
+Das Hurra bleibt noch in der Kehle stecken, denn häufig wird der
+umgelegte Elefant wieder hoch und läuft kilometerweit, so daß man
+ihn zuguterletzt noch verlieren kann. Vorsichtig gehe ich von links,
+Stabsarzt J. von rechts vor. Nach zehn Schritt liegt der Elefant auf
+acht Meter mit dem Rücken auf mich zu (Abb. 19). Kantig hebt sich das
+Rückgrat mit der Schwarte vom anderen Körper ab. Kurz entschlossen
+setze ich eine Kugel zwischen die Wirbel, und der Elefant streckt sich.
+Diese Art von Fangschüssen wird wohl bei europäischen Jägern Mißfallen
+erregen. Bei dem zählebigen größeren afrikanischen Wild bildet sie
+aber die einzige Sicherung gegen ein Hochwerden, da sofort die hintere
+Partie gelähmt ist. J. schüttelte mir die Hand. Wir ließen das Gestrüpp
+freihauen, um die Zähne besichtigen zu können. Doch, der Elefant hat
+nur ~einen~ Stoßzahn, der rechte fehlt völlig! Zwei Handbreiten
+unter dem rechten Auge ist eine pfenniggroße eiternde Wunde. Ich
+drücke daran, und es quillt dicker Eiter. Mir dämmert's. Sollte das
+nicht mein Elefant aus dem Hirsefeld des Nderange sein? Ich mache J.
+darauf aufmerksam, und gemeinsam untersuchen wir die Wunde mit einem
+Hölzchen. Es ist eine tiefe Wunde, und auch J. glaubt sicher an einen
+Schußkanal. Als auch die Eingeborenen merken, was wir da ausprobieren,
+sind sie sofort der Meinung, daß wir den im Juli nächtlich beschossenen
+Elefanten zur Strecke gebracht hätten. Vorausschicken will ich hier,
+daß Stabsarzt J. später Gelegenheit hatte, auf einer Versteigerung den
+von mir ausgeschossenen Stoßzahn zu erstehen, der in Dicke und Form
+genau zu dem des erlegten Elefanten paßte.
+
+Zwei Leute schickten wir zum Lager zurück, um unsere photographischen
+Apparate nebst etwas Kaffee und ein paar Bananen zu holen. Zwanzig
+Mann sollen mit Messern und Äxten kommen, um dem Elefanten die Stiefel
+(d. h. die Haut der Säulen) auszuziehen (aus denen sich J. Papierkörbe
+und Bowlen machen lassen will) und den Zahn herauszuhauen. Wir machen
+es uns inzwischen im Schatten bequem, und als sich die übrigen Leute
+etwas ausgeruht haben, lassen wir durch Niederschlagen des Busches
+den Kadaver freilegen, um Licht zum Photographieren zu haben. Nach
+eineinhalb Stunden sind die Leute schon zurück. Nur zehn Minuten von
+uns liegt der Mgeta, und hart an diesem am jenseitigen Ufer der Weg
+Kissaki-Mafumbo. Bald sind die Säulen abgeschnitten und der Zahn
+herausgehauen. Schon finden sich Scharen von Weibern, Kindern und
+alten Männern ein, die fleischhungrig sind. Es sind nichtislamitische
+Wapungas, denen Elefantenfleisch einen Hochgenuß bedeutet.
+
+Wir überlassen es ihnen gern, da wir keine Verwendung dafür haben; nur
+einige Zentner behalte ich für mich als Dörrfleisch für meine Hunde.
+Fest überzeugt, daß am nächsten Morgen von dem wandelnden Fleischberg
+nur noch einige Knochen übrig sind, treten wir dann den Rückweg zum
+Zelt an. Hier entfaltet sich noch einmal rege Tätigkeit; es ist gar
+keine Kleinigkeit, die Haut von den Säulen zu lösen. Der Beinknochen
+wird mit einem Strick fest an einen Ast gebunden, und nachdem alle vier
+Säulen baumeln, mühen sich an jedem Fuß vier Mann zwei Stunden lang.
+Dann wird mit dem Messer noch etwas nachgekratzt und jede Fußhaut voll
+Holzasche, die inzwischen bereitet worden war, gefüllt, damit nicht
+Haut auf Haut zu liegen kommt und der Gerbungsprozeß sich selbsttätig
+vollziehen kann.
+
+Recht müde gingen wir dann nach dem Abendbrot zu Bett, aber ganz
+ungestört sollte ich die wohlverdiente Nachtruhe nicht genießen. Ich
+erwachte nach einigen Stunden durch ein Zwicken an verschiedenen
+Körperstellen. Leider hatte ich abends vergessen, meine elektrische
+Lampe mit unters Moskitonetz zu nehmen, und lüftete es nun, um nach
+den Streichhölzern zu tasten und die Lampe anzuzünden. Was hatte ich
+dadurch angerichtet! Siafus! -- Wanderameisen waren in meinem Zelt.
+Der Boden, die Decke und die Außenseite meines Moskitonetzes wimmelten
+von diesen schwarzen Gesellen. Zu mir waren vorher nur die kleinen
+Tiere gekommen, die durch die Maschen des Moskitonetzes durchschlüpfen
+konnten. Ich heftete schnell die Zeltwand auf, rief den Boy und stürzte
+fluchend ins Freie, indem ich mir den Schlafanzug vom Leibe riß und die
+einzelnen Tiere ablas, die ihre Zangen fest in meine Haut eingebohrt
+hatten. J. erwachte von meinem Fluchen, als ich splitternackt in seinem
+Zelt, das, obwohl es nur sechs Meter von dem meinigen stand, von dem
+Zuge verschont blieb, Zuflucht suchte. Saleh hatte inzwischen Träger
+mobil gemacht, und diese machten rings um mein Zelt Feuer und kehrten
+die Ameisen hinein. Ein durch Streuen von heißer Holzasche ums Zelt
+gezogener Kreis lenkte den Wanderzug ab, und nach einer halben Stunde
+konnte ich mich wieder niederlegen.
+
+Mein Boy behauptete zwar, er hätte nun alle Siafus aus meinem Bett
+herausgeschüttelt und aufgelesen. Ich wurde aber doch noch reichlich
+gezwickt. Nach dem vorherigen Massenüberfall nahm ich es jedoch mit den
+einzelnen nicht mehr so genau und schlief bald wieder ein. Der Mensch
+gewöhnt sich eben an alles, und Afrika erzieht seine Leute so, daß sie
+in keiner Lebenslage den Humor verlieren.
+
+Unwillkürlich findet das Großwild Ostafrikas, das Raubwild und die
+Dickhäuter, in der Allgemeinheit die meiste Beachtung, obwohl man damit
+den anderen, weniger stark ins Auge fallenden Wildarten eigentlich
+unrecht tut, denn auch sie bieten dem aufmerksamen, sachkundigen
+Beschauer eine Fülle des Interessanten.
+
+Häufig veranlaßt die Handlungsweise des Wildes den Beobachter, wie es
+z. B. Dr. Th. Zell in seinem vortrefflichen Kosmosbändchen (gleichen
+Titels) tat, die Frage zu stellen: »Ist das Tier unvernünftig?« Folgt
+es durch Generationen anerzogenen Instinkten, deren Ausbildung ihm
+seine Umgebung im Kampfe ums Dasein aufzwang, oder lassen sich in
+seinen Handlungen verstandesmäßige Tätigkeiten feststellen?
+
+Die Anschauungen, ob man dem Wilde, wie dem Tiere überhaupt eine Seele
+zuerkennen darf, die es zu verstandesmäßigen Tätigkeiten befähigt,
+oder ob Naturgesetze, ihnen selbst unbewußt, ihre für den jeweiligen
+Fall einzig richtige Handlungsweise vorschreiben, sind sehr geteilt.
+Ich möchte mit einer strikten Behauptung weder nach der einen, noch
+der anderen Seite hervortreten, sondern hoffe, dem Leser, der meinen
+Aufzeichnungen bis hierher gefolgt ist, vielleicht in einem folgenden
+Kosmosbändchen Gelegenheit geben zu können, auch mit den anderen
+Wildarten unserer Kolonie bekannt zu werden und ihn dadurch in die Lage
+zu versetzen, durch meine Beobachtungen eine Bereicherung des eigenen
+Urteils zu gewinnen.
+
+
+Fußnoten:
+
+[5] d. h. durch seitliches Anlehnen des Laufes an den Stamm dem Gewehr
+eine Stütze gegeben.
+
+
+
+
+ Naturwissenschaftliche Bildung
+ ist die Forderung des Tages!
+
+Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir
+
+ alle Naturfreunde
+
+jeden Standes, sowie alle _Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw._
+ein. -- Außer dem geringen
+
+_Halbjahresbeitrag von nur M 2.40_
+
+ (Beim Bezug durch den Buchhandel 10 Pf. Bestellgeld, durch die Post
+ Porto besonders)
+
+erwachsen dem Mitglied =keinerlei= Verpflichtungen, dagegen werden
+ihm folgende _große Vorteile geboten_:
+
+Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren
+Jahresbeitrag im Jahre 1916 =kostenlos=:
+
+ =I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. Reich
+ illustriert.= Preis für Nichtmitglieder M. 2.80.
+
+ =II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.= Nichtmitglieder zahlen
+ den Einzelpreis von M 1.-- für jeden Band.
+
+ Wilhelm Bölsche, Stammbaum der Insekten.
+ Dr. Kurt Floericke, Meine Reise in Bulgarien.
+ Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.
+ Hans Besser, Affen, Antilopen u. Schlangen Deutsch-Ostafrikas.
+ Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.
+
+ Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser
+ bekanntgegeben.)
+
+ =III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
+ naturwissenschaftlichen Werken= (siehe Seite 2 des Prospektes).
+
+
+ Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
+ Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.
+
+
+
+
+ Satzung
+
+ § 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde
+ auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis
+ der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das
+ Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres
+ Volkes verbreiten.
+
+ § 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
+ Herausgabe eines den Mitgliedern =kostenlos= zur Verfügung
+ gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch Herausgabe
+ neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne
+ gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie
+ ihren Mitgliedern =unentgeltlich= oder =zu einem besonders
+ billigen Preise= zugänglich macht, usw.
+
+ § 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden
+ Ausschuß, den Vorstand usw.
+
+ § 4. =Mitglied kann jeder werden=, der sich zu einem
+ Jahresbeitrag von =M 4.80= (exkl. Porto) verpflichtet. Andere
+ Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind,
+ erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann =jederzeit=
+ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist
+ gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle
+ weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.
+
+ § 5. Siehe vorige Seite.
+
+ § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der =Franckh'schen
+ Verlagshandlung, Stuttgart=, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften,
+ Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine
+ Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.
+
+
+
+
+ Kosmos
+
+ Handweiser für Naturfreunde
+
+Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark -- und enthält:
+
+ =Originalaufsätze= von allgemeinem Interesse aus sämtlichen
+ Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.
+
+ =Regelmäßig orientierende Berichte= über Fortschritte und neue
+ Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.
+
+ =Auskunftsstelle= -- =Interessante kleine Mitteilungen.=
+
+ =Mitteilungen über Naturbeobachtungen=, Vorschläge und Anfragen
+ aus dem Leserkreise.
+
+ =Bibliographische Notizen= über bemerkenswerte neue Erscheinungen
+ der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.
+
+
+
+
+Die Mitglieder des ~Kosmos~ haben nach Paragraph 5 III das Recht,
+außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern angebotenen
+Bücher zu ~einem Ausnahmepreis~ zu beziehen.
+
+Es befinden sich u. a. darunter folgende Werke:
+
+ +---------+------
+ | Preis |Mitgl.
+ |f. Nicht-|preis
+ | mitgl. |
+ +---------+------
+=Altpeter, ABC der Chemie= | 2.40 | 1.--
+=Bergmiller, Erfahr. a. d. Gebiete d. hoh. Jagd.= Geb. | 4.50 | 3.50
+=Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.= Fein gebunden | 1.80 | 1.50
+=Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.= Geb.| 4.50 | 2.90
+=Ewald, Mutter Natur erzählt.= Gebunden | 4.80 | 3.60
+=Ewald, Der Zweifüssler.= Gebunden | 4.80 | 3.60
+=Ewald, Vier feine Freunde. Gebunden | 4.80 | 3.60
+=Fabre, J. H., Sternhimmel.= Gebunden | 4.80 | 3.60
+=Fabre, J. H., Bilder a. d. Insektenwelt.= I/II, | |
+ III/IV. 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40
+=Fabre, J. H., Blick ins Käferleben.= Broschiert | 1.-- | -.50
+=Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.= Gebunden |10.-- | 8.40
+=Floericke, Dr., Taschenbuch zum Vogelbestimmen.= Geb. | 3.80 | 2.90
+=Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.= Geb. | 3.80 | 2.90
+=Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.= Geb. | 3.80 | 2.90
+=Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.= Gebunden | 3.60 | 2.80
+=Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.= Kart. | 4.50 | 1.70
+=Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.= Brosch. | 1.-- | -.50
+=Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.= Geb. | 4.50 | 3.50
+=Leben der Pflanze.= Bd. I, II, III, IV, V, VI, | |
+VII, VIII, geb. je |15.- |13.50
+=Lindemann, Die Erde.= Bd. I Gebunden | 9.-- | 8.--
+=Lindemann, Die Erde.= Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.--
+=Meyer, Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.= Geb. | 3.-- | 1.90
+=Monographien unserer Haustiere= Bd. I Schumann, | |
+ Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | |
+ Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn à | 1.40 | 1.05
+=Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.= Gebunden | 13.60 |12.20
+=Schrader, Liebesleben der Tiere.= Broschiert | 1.40 | 1.10
+=Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.= Bd. I geb.| 4.20 | 3.60
+=Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.= Bd. II geb| 3.80 | 3.30
+=Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.= Gebunden | 1.50 | 1.25
+=Stevens, Frank. Ausflüge ins Ameisenreich.= Geb. | 2.50 | 1.85
+=Stevens, Frank. Die Reise ins Bienenland.= Geb. | 2.50 | 1.85
+=Strandbüchlein.= Gebunden | 1.25 | 1.--
+=Stridde, Allgemeine Zoologie.= Gebunden | 7.-- | 6.20
+=Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.= Geb. | 4.80 | 3.60
+=Thompson, Prärietiere und ihre Schicksale.= Fein geb. | 4.80 | 3.60
+=Thompson, Tierhelden.= Fein gebunden | 4.80 | 3.60
+=Wurm, Waldgeheimnisse.= Gebunden | 4.80 | 3.60
+
+und zahlreiche andere Werke mehr.
+
+
+
+
+ Die ordentlichen Veröffentlichungen
+
+früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu
+Ausnahmepreisen:
+
+
+:1904:
+
+(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder
+M 5.--). geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40)
+
+ Bölsche, W., Abstammung des Menschen.
+ Meyer (Urania), Weltuntergang.
+ Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?
+ Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.
+
+:1905: :1906:
+
+(Handweiser vergriffen) je für M 4.-- (Preis für Nichtmitgl. M 5.--),
+geb. für M 6.75 (für Nichtmitgl. M 9.--)
+
+ Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.
+ Welten, Die Sinne der Pflanzen.
+ Zell, Dr. Th., Tierfabeln.
+ Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.
+ Meyer (Urania), Sonne und Sterne.
+ Welten, Wie die Pflanzen lieben.
+ Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.
+ Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.
+ Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.
+ Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.
+
+:1907:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Kuhlmann, Wunderwelt d. Wassertropfens.
+ Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.
+ Meyer Dr. M. W., Kometen u. Meteore.
+ Teichmann, Fortpflanzung u. Zeugung.
+ Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen
+ Waldes.
+
+:1908:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Meyer, Dr. M. W., Erdbeben u. Vulkane.
+ Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.
+ Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.
+ Dekker, Naturgeschichte des Kindes.
+ Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.
+
+:1909:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Unruh, Leben mit Tieren.
+ Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.
+ Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.
+ Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.
+ Bölsche, Wilh., Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium.
+
+:1910:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.
+ Dekker, Fühlen und Hören.
+ Meyer, Welt der Planeten.
+ Floericke, Säugetiere fremder Länder.
+ Weule, Kultur der Kulturlosen.
+
+:1911:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Koelsch, Durch Heide und Moor.
+ Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.
+ Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.
+ Floericke, Vögel fremder Länder.
+ Weule, Kulturelemente der Menschheit.
+
+:1912:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?
+ Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.
+ Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.
+ Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge.
+ Koelsch, Würger im Pflanzenreich.
+
+:1913:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden
+für 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ Bölsche, Festländer und Meere.
+ Floericke, Einheimische Fische.
+ Koelsch, Der blühende See.
+ Zart, Bausteine des Weltalls.
+ Dekker. Vom sieghaften Zellenstaat.
+
+:1914: :1915:
+
+ungebd. zusammen M 4.80 (für Nichtmitgl. M 7.80) und gebunden für M
+8.40 (für Nichtmitgl. M 13.--)
+
+ Bölsche, Wilh., Tierwanderg. i. d. Urwelt.
+ Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische.
+ Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben.
+ Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße.
+ Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.
+ Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft.
+ Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter.
+ Weule, Prof. Dr. K., V. Kerbstock z. Alphab.
+ Müller, Alfr. Leop., Gedächtn. u. s. Pflege.
+ Besser, H., Raubw. u. Dickhäut. i. D.-Ostaf.
+
+
+_Allen Jahrgängen außer 1904-1906 werden die 12 Hefte des betr.
+Handweiser-Jahrg. beigefügt._
+
+Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige
+Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. für M 46.-- (Preis
+für Nichtmitgl. 85.20), geb. (auch Handw.) für M 73.-- (Preis für
+Nichtmitgl. 143.40) =auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen=.
+
+
+
+
+Beitrittserklärung.
+
+Senden Sie diese Karte an Ihre Sortimentsbuchhandlung. =Nur wenn
+dieser Bezugsweg auf Schwierigkeiten stößt=, belieben Sie sich
+unmittelbar an die Geschäftsstelle des Kosmos, Stuttgart, Pfizerstr. 5,
+zu wenden.
+
+
+Der Unterzeichnete tritt dem Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde,
+Stuttgart, bei, ersucht um seine Mitgliedskarte u. erhält jeweils nach
+Erscheinen kostenlos:
+
+[Illustration]
+
+=Jahrgang 1916=: Halbjahresbeitrag M 2.40, zuzüglich 10 Pf.
+Bestellgeld, etwaiges Porto extra, zahlbar am Anfang des Halbjahres. Es
+wird dafür jährlich geliefert:
+
+ I. Kosmos-Handweiser für Naturfreunde
+
+ Erscheint 12mal im Jahr.
+
+ II. Ordentliche Veröffentlichungen 1916
+
+Floericke, Reise in Bulgarien. Boelsche, Stammbaum der Insekten.
+Dekker, Heilen und Helfen. Besser, Affen, Antilopen und Schlangen
+Deutsch-Ostafrikas. Weule, Die Sprache.
+
+_Reihenfolge und Änderungen vorbehalten._
+
+Ort, Name und genaue Adresse:
+
+ Wenn gebunden
+ gewünscht, hier
+ _anzustreichen_
+
+ Ich wünsche die Ordentlichen Veröffentlichungen 1916
+ in fünf Bänden gebunden (Ausgabe B) zu erhalten
+ gegen einen Aufschlag von 55 Pfennig für den Band.
+
+
+
+
+ _Bücher-Zettel_
+
+ ............................
+ . Mit 3 Pf. oder .
+ . 3 Hell. zu frankieren, .
+ . wenn außer d. .
+ . Unterschrift kein Zusatz .
+ . beigesetzt wird. .
+ ............................
+
+
+ _An die_
+
+ _Buchhandlung von_ ___________________________
+
+
+ ===========================
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 ***
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+ Raubwild U. Dickhäuter In Deutsch-ostafrika von Hans Besser | Project Gutenberg
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+/* Transcriber's notes */
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+<body>
+<div style='text-align:center'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 ***</div>
+
+<div class="transnote">
+<p class="s3 center">Anmerkungen zur Transkription</p>
+<p class="p0">Das Original ist in Fraktur gesetzt. Schreibweise und
+Interpunktion des Originaltextes wurde übernommen; lediglich
+offensichtliche Druckfehler sind stillschweigend korrigiert worden.</p>
+<p class="p0">Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Bearbeiter erstellt.</p>
+<p class="p0">Worte in Antiquaschrift sind "<i>kursiv</i>" dargestellt</p>.
+</div>
+
+<figure class="figcenter illowe100" id="cover">
+ <img class="w100" src="images/cover.jpg" alt="">
+</figure>
+
+<hr class="r65">
+
+<figure class="figcenter illowe62_5" id="illu-001">
+ <img class="w100" src="images/illu-001.jpg" alt="deckblatt">
+</figure>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<h2>Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart</h2>
+</div>
+
+<p>Die Gesellschaft Kosmos bezweckt die Kenntnis der Naturwissenschaften
+und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer
+Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten.
+— Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter
+naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen durch den</p>
+
+<p class="s3 center"><b>Kosmos</b>, Handweiser für Naturfreunde</p><br>
+<p class="center">Jährlich 12 Hefte.&nbsp; &nbsp; Preis M 2.80;</p><br>
+
+<p>ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten
+Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es
+erscheinen im Vereinsjahr 1916 (Änderungen vorbehalten):</p><br>
+
+<p class="s4"><b>Wilh. Bölsche, Der Stammbaum der Insekten.</b></p>
+<p class="mleft4">Reich illustriert. Geheftet M 1.—</p>
+
+<p class="s4"><b>Dr. Kurt Floericke, Reisen in Bulgarien.</b></p>
+<p class="mleft4">Reich illustriert. Geheftet M 1.—</p>
+
+<p class="s4"><b>Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.</b></p>
+<p class="mleft4">Reich illustriert. Geheftet M 1.—</p>
+
+<p class="s4"><b>Hans Besser, Affen, Antilopen und Schlangen Deutsch-Ostafrikas.</b></p>
+<p class="mleft4">Reich illustriert. Geh. M 1.—</p>
+
+<p class="s4"><b>Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.</b></p>
+<p class="mleft4">Reich illustriert. Geh. M 1.—</p><br>
+
+<p>Diese Veröffentlichungen sind durch <em class="gesperrt">alle Buchhandlungen</em> zu
+beziehen; daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur
+M 4.80) zum <b>Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde</b> (auch
+nachträglich noch für die Jahre 1904/15 unter den gleichen günstigen
+Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der
+erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) Der Kosmos
+kann während des Krieges auch 1/2jährlich zum Preise von M 2.40 mit
+Buchbeilagen bezogen werden.</p>
+<p class="p2">Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.</p><br>
+
+<hr class="r5">
+
+<h1><b>Raubwild</b> und <b>Dickhäuter</b><br>
+in Deutsch-Ostafrika</h1><br>
+
+<p class="s4 center">Von</p><br>
+
+<p class="s2 center"><b>Hans Besser</b></p><br>
+
+<p class="s5 center">Mit zahlreichen Abbildungen nach Original-<br>
+aufnahmen des Verfassers, nach Zeichnungen von<br>
+Prof. Wagner und R. Oeffinger, einem Kärtchen und<br>
+einem farbigen Umschlagbild, gez. von M. Zimmer.</p><br>
+
+<figure class="figcenter illowe8_1875" id="illu-005">
+ <img class="w100" src="images/illu-005.jpg" alt="signet">
+</figure>
+
+<p class="p4 s4 center">Stuttgart</p>
+<p class="s4 center">Kosmos: Gesellschaft der Naturfreunde<br>
+Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung</p>
+<p class="s4 center">1915</p><br>
+
+<p class="s5 center">Alle Rechte, besonders das Uebersetzungsrecht, vorbehalten.</p><br>
+
+<p class="s5 center"><span class="antiqua">Copyright 1915 by<br>
+Franckh'sche Verlagshandlung<br>
+Stuttgart</span></p><br>
+
+<p class="s5 center"><span class="antiqua">STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI<br>
+HOLZINGER &amp; Co., STUTTGART</span></p><br>
+
+<hr class="r5">
+
+<h2>Inhaltsverzeichnis.</h2>
+
+<table class="autotable">
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdr">Seite</td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl">Vorwort</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_7">7</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl">Raubwild</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_8">8</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Löwen</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_8">8-23</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Leoparden</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_23">23-31</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Gefleckte Hyänen</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_32">32-35</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Schabrackenschakale</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_35">35-39</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Wilde Hunde (Hyänenhunde)</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_39">39-46</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl">Dickhäuter</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_47">47-82</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Durch ein Dickhäuter-Eldorado</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_48">48-66</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 2em;">Flußpferde</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_66">66-82</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 4em;"><span class="antiqua">a</span>) Die Jagd der Eingeborenen auf
+Flußpferde auf dem Njassasee</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_68">68-73</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 4em;"><span class="antiqua">b</span>) Flußpferde im Rikwasee</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_73">73-78</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl" style="padding-left: 4em;"><span class="antiqua">c</span>) Der alte Gomerobulle</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_78">78-82</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td class="tdl"></td>
+<td class="tdl">Auf Elefantenfährte</td>
+<td class="tdr"><a href="#Seite_82">82-92</a></td>
+</tr>
+</table>
+
+<hr class="r5">
+<p><span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span></p>
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="Vorwort">Vorwort.</h2>
+</div>
+
+<p>Auf Wanderungen durch unsere zoologischen Gärten sieht man das Wild
+stets auf engem Raum eingepfercht, man kann sich daher auch keinen
+rechten Begriff davon machen, wie es sich in der Natur verhält.
+Bahnbrechend hat Hagenbeck in Stellingen sich bemüht, einzelne
+Wildarten durch getreue Nachbildung der Natur in ihrer eigentlichen
+Umgebung zu zeigen, und viele Tiergärten folgen seitdem seinem Beispiel
+in dankenswertester Weise.</p>
+
+<p>Ist dadurch auch ein großer Schritt vorwärts getan, dem Beschauer die
+Wirklichkeit nahezuführen, so verhalten sich naturgemäß die Tiere,
+die an den Umgang mit Menschen gewöhnt wurden, wesentlich anders als
+in ihrer Heimat, wo sie, sei es auf dem Weidegang oder der Jagd nach
+Beute, ihrem Instinkt folgend, Eigenschaften entwickeln, die in der
+Gefangenschaft nutzlos sind und darum verkümmern oder nicht ausgebildet
+werden.</p>
+
+<p>Durch vierzehnjährigen Aufenthalt in Deutsch-Ostafrika war es mir
+vergönnt, das Wild in seiner natürlichen Lebensweise zu beobachten.
+Kamera und Büchse begleiteten mich auf allen meinen Wanderungen. Aus
+der Fülle des Geschauten und Erlebten sollen nun hier eine Reihe Bilder
+vorgeführt werden, die zum Verständnis unserer schönen Kolonie auch auf
+diesem Gebiet beitragen möchten.</p>
+
+<p>Wenn ich in meinen Ausführungen auf das Verhalten der einzelnen
+Wildarten näher einging, so bitte ich diese Skizzierung nicht als
+absolute Regel zu betrachten, sondern lediglich als Erfahrung, die ich
+mit der betreffenden Wildart machte.</p>
+
+<p>Leider sind mir eine große Anzahl Platten, die zur größeren
+Verständlichmachung hätten dienen können, im Laufe der Zeit verdorben.
+Bis auf die mir freundlichst zur Verfügung gestellten Bilder, die durch
+namentliche Bekanntgabe der Hersteller gekennzeichnet sind, sind alle
+übrigen von mir gefertigte Originalaufnahmen.</p>
+
+<p class="mleft4"><em class="gesperrt">Radebeul</em>, im Herbst 1915.</p>
+<p class="s3 mright3"> <b>Hans Besser.</b></p><br>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span></p>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<figure class="figcenter illowe75_6875" id="illu-010">
+ <img class="w100" src="images/illu-010.jpg" alt="">
+</figure>
+
+<h2 class="nobreak" id="Raubwild"><b>Raubwild.</b><br>
+<span class="s4a">Löwen<span class="s5 antiqua"> (Felis leo somaliensis Noak).</span></span></h2>
+</div>
+
+<p>Als »König der Tiere« wird uns der Löwe in der Fabel dargestellt, und
+dieser Begriff ist uns derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß
+man die gewaltige Katze im Tiergarten oder in der Menagerie stets
+mit besonderer Andacht bestaunt. Einen ganz anderen Eindruck bekommt
+man aber, wenn man diesem großen Räuber in der Natur begegnet. Seine
+außerordentliche Muskelkraft wendet er nur an, um harmlose Opfer aus
+dem Hinterhalt zu überfallen. Durch Wucht des vorgeschnellten Körpers
+und das gewaltige Gebiß, unterstützt durch den Schreck des plötzlichen
+Ansprungs, macht er seine Beute wehrlos. Wird er aber vorher bemerkt,
+so schleicht er feige davon. So zahlreich die Löwen auch in unserer
+Kolonie noch sind, ist es doch vielen eingewanderten Weißen nicht
+vergönnt, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen. Es gibt Europäer, die
+jahrzehntelang im Lande sind und von Löwen weiter nichts zu spüren
+bekommen, als das nächtliche Gebrüll und die Nachrichten, daß da und
+dort Menschen geraubt und Vieh den Löwen zum Opfer gefallen sei.</p>
+
+<p>Auch mir ging es anfangs nicht besser. Drei Jahre war ich bereits in
+Deutsch-Ostafrika, als ich meinen ersten Löwen sah. Es war auf einer
+Pflanzung in Lindi (s. Abb. 1), wo ich als Gast weilte. Gegen zwölf Uhr
+mittags wurde ich durch die Pflanzung geführt.<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> Um von einer Stelle
+einen guten Überblick über die Pflanzung zu haben, erstiegen wir einen
+kleinen Hügel. Noch waren wir nicht ganz oben, da wurde uns doch etwas
+beklommen zumute, als von der entgegengesetzten Seite her ein alter
+Mähnenlöwe auf der Bildfläche erschien und auf dreißig Meter uns
+gegenüberstand.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp72" id="illu-011" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-011.jpg" alt="Reliefkarte">
+</figure>
+
+<p>Erst sah der Löwe recht stattlich und achtunggebietend aus, wie er
+steifbeinig mit erhobenem Haupt langsam auf uns zuschritt. Sobald er
+uns aber wahrgenommen hatte, kroch er in sich zusammen, legte sich
+nieder und ließ nur seine Schwanzquaste kreisen. Immer den Blick auf
+uns gerichtet, kroch er rückwärts, ganz mit dem Gebaren einer beim
+Wildern ertappten Hauskatze. Als er mit halbem Körper auf abschüssigem
+Gelände angelangt war, warf er sich mit<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> gewaltigem Satz herum und
+ging in langen Fluchten<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> ab, bis er im hohen Grase für unser Auge
+verschwunden war. Gewehre hatten wir nicht zur Hand, und mein Begleiter
+versicherte mir, es wäre aussichtslos, die Waffen holen zu lassen und
+nachzupirschen.</p>
+
+<p>Diese Art, sich zu drücken, habe ich noch häufig bei Löwen angetroffen,
+wenn ich unbewaffnet auf sie stieß. Auch Eingeborene versicherten mir
+häufig, solange Löwen keine »Menschenfresser« wären, gingen sie den
+Menschen aus dem Wege.</p>
+
+<p>Nach einiger Zeit glückte es mir auch, meinen ersten Löwen zu schießen.
+Eine Rotte Warzenschweine (<span class="antiqua">Phacochoerus africanus Lm.</span>), an
+die ich mich anpirschte, wühlte harmlos nach Wurzeln. Unweit davon
+weideten Zebras (<span class="antiqua">Equus quagga boehmi Mtsch.</span>). Plötzlich fingen
+die Zebras an zu wiehern und marschierten in einer Richtung auf. Ich
+glaubte mich schon gesehen, merkte aber, daß alle seitwärts an mir
+vorbeisahen. Lange konnte ich nichts entdecken, bis ich einen Löwen
+etwa 60 Meter neben mir sah, der offenbar die Warzenschweine beschlich.
+Gutes Schußfeld hatte ich nicht, da mich niedriges Gestrüpp nur Teile
+des Löwen sehen ließ. Der Eingeborene, der mich begleitete, riet mir,
+nicht zu schießen, erst wenn der Löwe ein Warzenschwein geschlagen
+hätte, wäre der richtige Augenblick dazu. Warzenschwein und Zebra wären
+diejenigen Leckerbissen, die der Löwe nicht im Stiche ließe. Bald
+hatte der Löwe den Rand der Lichtung erreicht. Die Zebras schnaubten,
+und einige stampften einen Schritt näher kommend mit dem Hufe. Zehn
+Meter vom Löwen auf die Richtung der Schweine zu lag ein entwurzelter
+Baumstamm, dessen Äste bis auf das starke Stammstück beim letzten
+Grasbrand verbrannt waren und sich nur durch weiße Aschestreifen
+abhoben. Durch leichtes Traben überwand der Löwe, den ich jetzt als
+Löwin erkannte, die Stelle bis zum Wurzelstock des liegenden Baumes, an
+den er sich anpreßte und zu Boden duckte. Ich war jetzt neugierig, was
+weiter geschehen würde.</p>
+
+<p>Am Boden liegend, schob sich nun der Löwe dicht am Stamm entlang. Ich
+sah durchs Glas, wie sich die einzelnen Muskelpartien<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> spannten und
+wieder in Ruhe übergingen. Als er in der Mitte des Stammes ankommt,
+löst sich plötzlich mit vernehmbarem Geräusch ein großes Rindenstück
+des Stammes. Alle Sauen werfen die Köpfe hoch, und ein alter Keiler und
+eine Sau machten einige Schritte auf das Geräusch zu. Unbeweglich lag
+die Löwin. Die Sauen fingen wieder an zu wühlen, nur der Keiler trug
+noch den Kopf aufrecht und suchte durch Schnüffeln in der Luft Wind zu
+nehmen. Verstohlen nahm ich eine Prise Staub auf und prüfte den Wind.
+Die Löwin hatte alle Vorteile für sich. Beruhigt fing nun auch der
+Keiler wieder an, seine Aufmerksamkeit der Äsung zu widmen, und schob
+sich dabei zwischen den Sauen durch.</p>
+
+<p>Die Löwin war jetzt am Ende des Stammes, und ich erwartete jeden
+Augenblick den Sprung. Dreißig Meter war sie noch von ihren Opfern
+getrennt. Jetzt zog sich die Vorderpartie auf die hintere krampfhaft
+zurück, und pfeilschnell schoß der Löwe in drei bis vier Sätzen dicht
+über der Erde auf die Schweine. Als er zwischen diesen war, sah das
+Arbeiten der Vorderpranken genau so aus, als ob eine Katze einen Hund
+ohrfeigt. Quiekend und grunzend stoben die Warzenschweine auseinander
+und preschten auf mich zu. Zu gleicher Zeit polterten die Zebras davon.
+Die Löwin glotzte ihnen dumm nach, sie war erfolglos gewesen. Spitz zu
+mir stehend, ließ ich nun auf den Stich (die Vertiefung vorn an der
+Brust zwischen den Schulterblättern) der Löwin fliegen. Ohne einen Laut
+auszustoßen, brach sie zusammen. Die Schweine, die merkwürdigerweise
+mit dem Wind liefen, standen nur 20 Meter seitlich von mir. Erst als
+ich mich aufrichtete, trollten sie weiter. Auf einmal schienen sie Wind
+von mir oder der Löwin zu haben, und in voller Flucht rasten sie davon,
+ohne noch einmal zu verhoffen.<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a></p>
+
+<p>Von der königlichen Seite haben sich mir aber die Löwen, wie schon
+eingangs erwähnt, bis jetzt noch nicht gezeigt, obgleich ich im
+Laufe von 14 Jahren bereits 16 Stück auf freier Wildbahn zur Strecke
+gebracht und sehr viele gesehen habe. Wie leicht sie zu vertreiben
+sind, ist aus folgender Begebenheit ersichtlich. Ich hielt mir
+seit längerem eine Meute deutscher Doggen. Da ich der Erste im
+Langenburger Bezirk war, der diese große Hunderasse einführte,<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span>
+erregten meine Hunde bei den Eingeborenen naturgemäß großes Staunen,
+das sich auch auf ihre Pariahunde ausdehnte, die, sobald meine Hunde
+auftauchten, mit eingeklemmter Rute und krummem Buckel heulend oder
+lautlos davonschlichen. Nun mögen wohl in der Übertreibung der Neger
+meine Hunde noch gewachsen sein (mein größter hatte 86 <span class="antiqua">cm</span>
+Schulterstandmaß), wenn sie anderen Dorfgenossen davon erzählten.</p>
+
+<p>Eines Tages teilte mir ein durchaus glaubwürdiger Europäer mit, in
+Mapunga sei eine alte Frau mehrmals von einem Löwen aus ihrer Hütte,
+die offen stand, gezerrt worden. In der Annahme, es wäre einer meiner
+sagenhaften Hunde, habe sie dem Löwen mit der Faust ins Gesicht
+geschlagen, und dieser habe sie darauf losgelassen. Eben in der Hütte
+angekommen, hätte der Löwe sie zum zweiten Male gepackt und nach
+einigen Faustschlägen sie wieder losgelassen. Als der Löwe sie zum
+dritten Male habe packen wollen, wäre auf ihre vorherigen Hilferufe ihr
+Mann erschienen, habe einen Mörserstempel ergriffen und dem Löwen einen
+Schlag versetzt. Dieser sei sofort flüchtig geworden und wäre nicht
+wieder gekommen. Ich suchte nach einigen Wochen die alten Neger auf.
+Die Frau hatte am linken Oberarm und der Schulter vernarbte Bißwunden,
+und ihr Arm war skelettartig dünn geworden.</p>
+
+<p>Derselbe Europäer erzählte mir auch, er habe am Tage gesehen, wie drei
+alte, magere Kühe einen Löwen in die Flucht geschlagen hätten und mit
+steil hochgerichtetem Wedel hinter dem Löwen hergaloppiert wären.</p>
+
+<p>Ein Australier, der aus Südafrika kam und dem ich den Fall erzählte,
+behauptete, einer seiner Freunde am Zambesi ließe sich immer, wenn
+er einen Löwen angeschweißt, d. h. angeschossen hätte und die Folge
+im hohen Grase für ihn zu gewagt sei, eine Herde Rinder kommen. Die
+Rinder, auf der Schweißfährte entlang getrieben, verfolgten den Löwen
+sofort und drückten ihn aus dem Grase heraus, ohne daß er daran dächte,
+sich zur Wehr zu setzen.</p>
+
+<p>Um es praktisch auszuprobieren, hatte ich keine Gelegenheit. Im
+allgemeinen fällt der Löwe auf guten Schuß leichter als verschiedene
+Antilopenarten, und in den wenigen Fällen, wo ich angeschweißte Löwen
+wegen hohem, dichtem Gestrüpp nicht angehen konnte, waren weder
+europäische noch eingeborene Viehbesitzer in erreichbarer Nähe, die mir
+etwa ihre Rinder geliehen hätten.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span></p>
+
+<p>Im August 1904 kam ich erstmals nach Irongo in Ussangu, der Residenz
+des Sultans Kahemere. Die Hütten sind hier in sog. Tembenform gebaut,
+d. h. Hütte ist von Hütte nur durch eine Zwischenwand getrennt. Die
+Bedachung ist flach. Die Dachbalkenlage wird mit Schilf, Gras und einer
+dicken Lehmauflage überdeckt und bietet vortrefflichen Schutz gegen
+Sonne und Hitze. Starker Regen kann jedoch hindurchdringen, namentlich,
+wenn der Regen nach einigen trockenen Tagen einsetzt, und der Lehmbelag
+sich noch nicht voll Wasser gesogen hat.</p>
+
+<p>Die ganze Dorfanlage weist die Form eines Vierecks auf, mit etwa
+sechshundert Meter langen Seitenwänden. Durch zerfallene Hütten sind
+überall Zwischenräume vorhanden. Sonst sind in der Anlage nur zwei
+Eingänge vorgesehen, die abends mit Dornen verbarrikadiert werden. In
+der Mitte des großen Platzes wohnt in einer besonderen Umzäunung der
+Sultan mit einem Teil seines Harems. Kahemere besaß einige dreißig
+Frauen. Morgens und abends hält sich das Vieh, vorwiegend Rinder, im
+Tembenhofe auf, ehe es auf die Weide geht oder bevor es abends in die
+Stallungen, die zugleich als Wohnraum dienen, gebracht wird.</p>
+
+<p>Unter einem schattigen Baume dieses Hofes schlug ich mein Zelt auf. Ich
+saß etwas sehr auf dem Präsentierteller, und jede meiner Hantierungen
+wurde von zahlreichen Zuschauern männlichen und weiblichen Geschlechts
+bekrittelt. Um meine Zelttüre ganz zu schließen, war es zu heiß.
+Fortwährend mußte ich auf den Gruß von Ankommenden »adje, senga« mit
+»adje« antworten. Da ich die Kissangusprache nicht verstand, fragte
+ich später einen Missionar, was »adje, senga« eigentlich bedeute.
+Er antwortete mir kurz »guten Tag, Rindvieh«. Allerdings spielt das
+Rindvieh dort eine so große, fast geheiligte Rolle, daß das Prädikat
+»Rindvieh« beim Gruß eine Ehrung bedeutete, auf die nur der Sultan und
+seine Familienmitglieder Anwartschaft hatten.</p>
+
+<p>Infolge des engen Zusammenwohnens in den Temben, wo jeder seinem
+Nachbar in die Töpfe gucken konnte und eine etwas laute Unterhaltung,
+nur für engsten Familienkreis bestimmt, bis in die dritte Hütte hörbar
+war, stand die Moral dieser Neger nicht auf einer hohen Stufe.</p>
+
+<p>Die Hitze ließ auch in der Nacht nicht nach, und als ich eine Weile
+bei geschlossenen Zeltwänden gelegen hatte und in Schweiß<span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span> gebadet
+war, ließ ich die Wände öffnen, damit die Luft durchziehen konnte. In
+der zweiten Nacht wurde ich geweckt durch fortwährendes Kläffen und
+Herumjagen meiner Hunde ums Zelt, wobei dieses fortgesetzt erbebte,
+da die Jagd über die Spannleinen ging, über die die Hunde stolperten.
+Da die Hunde sonst guten Appell (Gehorsam) hatten und diesmal auf
+Pfeifen nicht folgten, stand ich auf und machte Licht. Aus dem
+Zelt heraustretend, sah ich noch einige Schatten in der Dunkelheit
+verschwinden, hinter denen meine Hunde herjagten. Ich dachte mir,
+es werden gefleckte Hyänen sein, und legte mich beruhigt nieder. An
+das Herumjagen der Hyänen mit den Hunden war ich gewöhnt, den Hunden
+geschah dabei nichts, denn es war mehr Spielerei von beiden Seiten.
+Sättel, Stiefel und sonstiges Lederzeug, das Hyänen gern verschleppen,
+war durch die Anwesenheit der Hunde gesichert, und ruhig schlief ich
+bis zum Morgen. Als mir mein Boy den Kakao brachte, sagte er, es sind
+heute nacht Löwen dagewesen. Richtig! um mein Zelt, das Küchenzelt,
+und quer über den Tembenhof führten Löwenspuren. Deutlich waren solche
+von alten und jungen Tieren zu unterscheiden. Brüllen hatte ich ja
+Löwen an beiden Tagen gehört, aber es ist so etwas Alltägliches, daß
+man keine Notiz davon nimmt. Ich sprach dann mit dem Sultan Kahemere
+über die nächtliche Löwenanwesenheit. Mit Gleichmut erzählte er mir: Im
+Dorfe Mapunga sind in den letzten zwei Monaten 13 Personen von Löwen
+geholt worden. Die Leute sind dann auf die andere Seite des Flusses
+verzogen und ließen ihr altes Dorf im Stich, weil es von einem bösen
+Geist verzaubert wäre, der die Löwen gerufen hätte. Jetzt wären auch
+hier allnächtliche Löweneinbrüche an der Tagesordnung. Eben habe er
+Nachricht bekommen, daß heute nacht die Löwen, ehe sie in seine Tembe
+kamen, unweit eine Kuh aus einer Hütte geholt hätten.</p>
+
+<p>Sofort wollte ich mich bei den Überresten der Kuh ansetzen. Kahemere
+meinte aber: es waren mehrere Löwen, von der Kuh ist nichts mehr da,
+vielleicht haben auch Hyänen die Knochenreste verschleppt. Aussicht,
+die Löwen zu beschießen, wäre aber auf dem Wege nach Utengule, wo sie
+morgens immer vorbeikämen. Einer seiner Leute, der dort sein Gehöft
+hätte, sähe sie immer.</p>
+
+<p>Ich fragte den Sultan, ob es nicht möglich wäre, daß mir die Leute
+nachts Nachricht gäben, wenn die Löwen einbrächen. Er versprach<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> mir,
+seinen Leuten zu befehlen, daß sie — wegen der Löwengefahr — zu dritt
+bei einem Einbruch kämen und mich wecken sollten. Kahemere betonte
+aber nochmals, daß ich am bequemsten auf dem Wege nach Utengule zum
+Schuß käme, und bezeichnete mir die Stelle, die ich vom Zelt aus wählen
+sollte.</p>
+
+<p>In der folgenden Nacht schlief ich mit offenen Ohren. Gegen fünf Uhr
+früh hörte ich Schreien von Eingeborenen. Ich warf mich in die Kleider
+und war gerade fertig, als Kahemere, mit seinem Gewehr in der Hand,
+selbst zu mir kommt und mich aufklärt, daß das Schreien der Leute, das
+ich gehört hätte, die zweite Abwehr eines Einbruchsversuches der Löwen
+gewesen wäre. Vorher hätten die Leute weiter hinten den Löwen durch
+Schreien verjagt.</p>
+
+<p>Schnell gingen wir an den Utenguleweg. Es war noch reichlich dunkel und
+kaum möglich, Ziel zu nehmen. Kaum hockten wir hinter einem kleinen
+Dornbusch, so kamen die Löwen an. Vornweg eine alte Löwin, dann
+ein Mähnenlöwe, die anderen konnte ich in der Eile nicht erkennen.
+Eingedenk der von Europäern und Eingeborenen erhaltenen Warnung, daß
+stets die Löwin angriffe, wenn der Löwe beschossen würde, der Löwe
+selbst aber feige sei, gab ich zwei Schüsse auf die vorderste Löwin
+ab. Sie lag im Feuer (Abb. 2) und hätte wohl am ersten Schusse genug
+gehabt, aber da ich auf nur dreißig Meter geschossen hatte, schien mir
+ein Doppelschuß sicherer. Rasch drückte ich zwei Patronen ins Magazin,
+um dieses wieder voll zu haben. Die Löwen verhofften einen Augenblick,
+und gerade, als ich das Gewehr wieder anschlug, sprangen alle seitlich
+ins hohe Gras und waren verschwunden, ehe ich schießen konnte. Neben
+dem Mähnenlöwen sah ich noch eine alte Löwin und zwei junge, fast
+ausgewachsene Löwen.</p>
+
+<p>Obwohl ich nicht daran glaubte, daß die Löwen noch einmal wiederkommen
+könnten, ließ ich mir am Tage Dornenäste bereitlegen und begab mich
+um drei Uhr morgens wieder an den Utenguleweg, wo ich mich mit zwei
+Boys in den Dornen einbauen ließ. Wenn es hell wurde, sollten meine
+Leute wiederkommen und den Dornenkral öffnen. Wir warteten vergeblich
+auf die Löwen. Es wurde hell, und schon hörten wir die Leute, die uns
+aus unserer Umzäunung holen sollten, am Ausgange der Tembe sprechen.
+Plötzlich verstummte das Gespräch. Ein Boy zupfte mich am Rocke, und
+ich sehe die Löwin etwa fünfzehn Meter vor mir stehen. Die beiden<span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span>
+jungen Löwen liefen nach, und nach einer Lücke von hundert Metern
+folgte der Mähnenlöwe. Die Löwin aufs Ziel nehmend, ließ ich aufs Blatt
+fliegen; sie brach sofort zusammen. Rasch schlug ich nun auf den Löwen
+an, er kam in langen Fluchten (Sprüngen) auf mich zu. Gut vorhaltend,
+gab ich meinen Schuß ab. Der Löwe wirbelte im Kreise herum und biß sich
+in die Keule, ein Zeichen, daß ihn die Kugel leider dort getroffen
+hatte. Dadurch, daß ich mein Gewehr an einer anderen Seite durch die
+Dornenwand schieben mußte, verlor ich einige Augenblicke, und der Löwe
+war inzwischen seitlich im hohen Grase verschwunden. Eine ganze Zeit
+mußte ich noch warten, ehe meine Leute kamen. Durch das Schießen war
+ihnen angst geworden vor den vielleicht nur verletzten Löwen, und wir
+mußten alle drei rufen und pfeifen, bis sie uns aus unserem Dornenkäfig
+befreiten.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp90" id="illu-018" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-018.jpg" alt="Bild">
+</figure>
+
+<p>Zunächst besah ich mir die Löwin. Der aufs Blatt abgegebene Schuß war
+ziemlich hoch in den Hals eingedrungen und hatte die<span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span> Wirbelsäule
+zertrümmert. Bei einem Haar wäre sie überschossen gewesen. Mein Schuß
+war also ein glücklicher Zufall insofern, als er etwas links ging.
+Nun dem Löwen nach. Ich ließ mir erst meine Hunde, die ich nachts
+angekettet hatte, holen. Es war ein mühsames Suchen, um die Fährte
+halten zu können. Fußabdrücke waren in dem harten Boden nicht zu sehen,
+und das Gras war von weidenden Kühen in allen Richtungen mit Gängen
+versehen, so daß wir uns nur nach den spärlichen Schweißspritzern
+richten konnten. Gegen acht Uhr mußten wir die Folge aufgeben. Auch die
+Hunde konnten die Fährte nicht halten.</p>
+
+<p>Im Mai 1909 reiste ich von Kilossa über Iringa nach Langenburg. Am
+großen Ruaha angekommen, machte ich nach Iringa den ersten Rasttag.
+Gern hätte ich ein großes Kudu (<span class="antiqua">Strepsiceros strepsiceros Pall.</span>)
+und ein kleines (<span class="antiqua">St. imberbis Blyth</span>) zur Strecke gebracht. Von
+dieser Wildart hatte ich im Oktober 1908 mein erstes und einziges
+erlegt und große Kudus bisher immer vergeblich gepirscht. Um den
+Rasttag der Träger gut auszunützen — auch Fleisch war uns sehr
+vonnöten —, brach ich am Morgen vor Tagesanbruch auf. Nicht ein Stück
+Wild kam mir zu Gesicht, nachdem es heller geworden war. Da sehe ich
+plötzlich in hundertfünfzig Meter Entfernung eine Löwin mit Jungem
+auf mich zulaufen. Sie eräugt mich und ändert ihre Richtung. Schnell
+springe ich etwa fünfzig Meter nach links vor, und sie geht an mir
+auf hundert Meter vorüber. Einen Augenblick den Atem anhaltend, da
+meine Lungen ausgepumpt waren und sich die Bewegungen dem Oberkörper
+mitteilten, ließ ich fliegen. Auf dem Rücken liegend, schlug die
+Löwin etwas mit den Pranken und miaute ganz leise. Das junge Tier
+verkroch sich im Gras. Gleich nach meinem Schuß nahm ich schleunigst
+Rückendeckung, denn mindestens sechs bis acht Löwen und auch einige
+Leoparden antworteten auf meinen Schuß durch tiefes Rohren und Gebrüll
+in nächster Nähe. Meine farbigen Begleiter waren alle auf Bäume
+geklettert. Es kam aber nichts weiter zum Vorschein. Ein Fangschuß
+ins Rückgrat der nun auf der Seite liegenden Löwin ließ diese sich
+strecken. Diesmal setzte das Gebrüll nur vereinzelt und entfernt
+ein. Nach dem Zelte schickend, um Leute zur Abholung der Löwin zu
+bekommen, setzte ich dann meine Pirsch fort, traf aber kein Stück Wild,
+geschweige denn Kudus an. Anscheinend hatten die zahlreichen Löwen das
+Wild für heute vergrämt<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> (verscheucht), und ich mich gerade in der
+Richtung bewegt, in der die Löwen nachts gejagt hatten. Die Einwohner
+des kleinen Dörfchens Njukwa empfingen mich bei meiner Rückkehr mit
+Freudengeheul, da sie unter den Löwen viel zu leiden hatten. Es waren
+in letzter Zeit Menschen und auch Vieh von den Löwen geholt worden.</p>
+
+<p>In der Nacht hatten wir noch ein kleines Nachspiel. Um Mitternacht
+wurden wir durch angstvolles Geschrei unserer Träger geweckt. Es
+ist keine Kleinigkeit, wenn fünfundachtzig Menschen in Todesangst
+losheulen; wir fuhren erschreckt aus den Betten hoch. Unser Zelt
+wurde halb eingerissen, Lasten, unser Tisch mit Eßgeräten und der
+Lampe polterten zu Boden, und dazwischen brüllten Löwen. Ich hörte
+lautes Atmen im Zelt und glaubte für einen Augenblick, der Löwe
+stünde zwischen unseren Betten. Mit der Hand nach dem Gewehr tastend,
+erwischte ich die nackte Kehrseite eines Menschen, und ein angstvolles
+»Ich, Herr« belehrte mich über meinen Irrtum. Einige Träger waren
+splitternackt unterm Zelte durchkriechend eingedrungen. Als ich mit
+einigen energischen Worten die Ruhe hergestellt hatte, klärte sich
+die Lage dahin auf, daß wohl ein Träger wach geworden war und einen
+Löwen gesehen hatte. Als er seinen Kameraden weckte, verstand dieser
+die Sache falsch und glaubte, der Löwe habe ihn schon. In seiner Angst
+fing er an zu brüllen. Alle anderen fuhren aus dem Schlafe hoch und
+brüllten mit, um dann nach den Zelten zu stürzen und beim Europäer
+Schutz zu suchen. Die Leute waren vom Stamme der Wanjamwesi, deren
+hervortretende Eigenschaft nicht der Mut ist. Ich lagerte sie im
+hellen Mondschein um große Feuer und verbot ihnen, falls der Löwe
+wirklich käme, durcheinander zu laufen und zu schreien. Einmal sah
+ich einen Löwen durchs Gebüsch schleichen; da sie aber zu mehreren
+waren und ich immer nur Teile des Körpers sah, schoß ich nicht. Mein
+Reittiersoldat meldete mir immer: Jetzt kommen zwei Löwen den Weg aufs
+Lager zu, jetzt schwimmt einer durch den Ruaha usf. Immer kam ich zu
+spät, um schießen zu können, geschlafen haben wir aber bis zum Morgen
+nicht mehr. Ununterbrochen brüllten Löwen in nächster Nähe, so daß ich
+mindestens sechs bis acht Löwen vermutete. Der Nervendruck, der sich
+unser bemächtigte, löste sich erst bei Anbruch des Tages, wo auch die
+Löwen verstummten.</p>
+
+<p>Auf dem Weg vom Lager ins Dorf fand ich reichlich Löwenfährten, und als
+unsere Karawane etwas im Marsch war, kamen<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> wir an ein paar einsamen
+Hütten vorüber, an deren einer ein mächtiges, noch blutendes Kudugehörn
+lehnte. Die Bewohner der Hütte erzählten, sechs Löwen hätten in Sicht
+der Hütte heute nacht das Kudu verzehrt.</p>
+
+<p>Im Dezember 1910 reiste ich wieder einmal am Rikwasee entlang. Ich
+befand mich auf dem Heimwege nach Langenburg und hatte vier geangelte
+Marabus (<span class="antiqua">Leptoptilus crumeniferus Less.</span>, siehe Abb. 3), junge
+Wildkatzen (<span class="antiqua">Felis ocreata Gm.</span>), eine Python-Riesenschlange und
+noch verschiedene andere Tiere zur Bereicherung meines Tierparkes bei
+mir. Die Tierkarawane bildete die Spitze, da die Käfige mit Inhalt
+leichter waren als die übrigen Lasten.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp54" id="illu-021" style="max-width: 18.0625em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-021.jpg" alt="Bild">
+</figure>
+
+<p>Meine Träger mußten etwa eine Stunde zurück sein, und wir beschlossen,
+auf die Karawane zu warten. Der Weg war scheußlich. Infolge der
+Regenzeit war der See ausgetreten, und das Wasser lief bei jedem
+Schritt von oben in die Stiefel. Ab und zu trat man auch bis an die
+Hüften ein, wenn ein unsichtbarer Graben den Weg kreuzte. Auf einer
+vom Wasser nicht bespülten Stelle machten wir Halt. Nachdem ich die
+Marabus gefüttert und jungen Servals (<span class="antiqua">Felis serval Schreb.</span>, s.
+Abb. 4) Milch gegeben hatte, frühstückte ich. In der Ferne standen
+drei Leier-Antilopen (<span class="antiqua">Damaliscus jimela Mtsch.</span>, <span class="antiqua">Bubalus
+jacksoni Thos.</span>) [Jacksons Hartebeest]. Meine Leute meinten, die
+Karawane hätte nur noch wenig Fleisch, ich möchte doch eins schießen.
+Da ich gar keine Lust hatte, durchs Wasser und den Schlamm mich an
+die Leier-Antilopen in offener Steppe anzupirschen, fragte ich meinen
+Fährtensucher Fardjallah, ob er nicht Lust hätte. Einen Jagdschein
+hatte er, und das Pulver versprach ich ihm<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> zu ersetzen. Es dauerte
+dann eine Viertelstunde, bis ich den Dampf aus seinem Vorderlader und
+zugleich die Antilopen unverletzt flüchten sah.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp96" id="illu-022" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-022.jpg" alt="Serval">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Um ein Bedürfnis zu verrichten, ging ich dann etwa hundert Schritt
+abseits von meinen Leuten, da dort einige Grasbüschel zur Deckung
+standen. Mit einem Schlage verstummte das lebhafte Schwatzen meiner
+Leute. Als ich aufsehe, kommen zwei Löwen im Trabe direkt auf mich
+zu. In Eile befestigte ich meine Kleider, und mein Boy Amri springt
+mir mit dem Gewehr entgegen. Zwanzig Meter von mir entfernt stutzen
+die Löwen. Es sind ein alter Mähnenlöwe und eine Löwin, beide im
+allerbesten Futterzustande. Die Mähne des Löwen war fast schwarz,
+und ebenso befanden sich an den Gelenken der Vorderpranken dichte,
+lange, tiefdunkle Haarbüschel. Die Löwen hatten wohl den auf mich
+zueilenden Boy gesehen und schlugen nun einen Haken, um in gewaltigen
+Fluchten davonzusetzen. Als ich das Gewehr bekam, waren sie schon
+im hohen Grase. Ich sah nur noch bei jedem Sprung den Rücken und
+dann Wassergarben über das Gras spritzen, wenn sie den Boden wieder<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span>
+erreichten. Erst nach etwa vierhundert Metern durchquerten sie ein
+Gelände mit niedrigem Gras und verhofften einen Augenblick. Es war
+mir zu weit zum Schuß. In Trab fallend, erreichten die Löwen den Wald
+und entzogen sich meinen Blicken. Merkwürdig war noch, daß die Löwen
+an einer Zebraherde vorbeikamen und diese gar keine Notiz von ihnen
+nahm, als sie zwischen ihnen hindurchgingen. Die Zebras scheinen
+besondere Anzeichen dafür zu haben, ob ein Löwe auf dem Raubzug ist
+oder sattgefressen seines Weges zieht. Als nach einer halben Stunde
+Fardjallah zurückkam, hatte er von den Löwen nichts gesehen. Meine
+Leute behaupteten, nach Fardjallahs Schuß seien die Löwen aus einem
+Grasgebüsch, das Fardjallah schon durchschritten hatte, aufgesprungen.
+Sie hätten wahrscheinlich dort geschlafen und seien durch den Schuß
+geweckt worden.</p>
+
+<p>Sehr viele Löwen sah und hörte ich auch im Kissakidistrikt, wo ich
+mich von 1912 bis 1914 aufhielt. Hier gab es jedoch kein Vieh, dem die
+Löwen gefährlich werden konnten, und Menschenfresser hatten sich nicht
+gezeigt. Es ist eine ganz besondere Art von Löwen, die wir in Afrika
+als »Menschenfresser« bezeichnen. Vorwiegend sind es alte Löwen, die
+kein Wild mehr erjagen können und dann bei irgend einer Gelegenheit an
+den Menschen geraten sind. Es gibt aber auch jüngere Tiere darunter.
+Haben Löwen einmal gesehen, welch leichte Mühe sie mit den Menschen
+haben, so halten sie sich an diese Nahrung und werden dann zur
+Landplage. Ich erinnere mich, daß in »Kambi uleya«, dem ersten Lager
+hinter Kilossa auf Iringa zu, fortgesetzt Leute geholt wurden. Viermal
+kam ich durch diesen Ort, und jedesmal waren wieder Träger gefressen
+worden. Die Karawanenträger, die zwischen Iringa und Kilossa liefen,
+schlafen meist auf den Veranden der Dorfbewohner, so daß die Löwen
+leichte Mühe haben. Trotzdem hatte ich jedesmal Not mit meinen Leuten,
+wenn ich ihnen befahl, sich ein Dornenverhau herzustellen. Es rechnete
+jeder damit, daß er nicht der Gefressene sein würde, und sie hätten
+sich lieber der Möglichkeit eines Löwenangriffs ausgesetzt, als daß sie
+freiwillig zehn Minuten arbeiteten, um jeder drei bis vier Dornenäste
+abzuhauen, heranzuschleifen und zur gemeinsamen Sicherheit um das Lager
+zu legen.</p>
+
+<p>Ich sagte vorher, daß in Kissaki die Löwen keine üblen Neigungen
+zeigten. Aus diesem Grunde empfahl ich den Eingeborenen,<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> die Löwen
+zu schonen, und ging selbst mit gutem Beispiel voran, indem ich trotz
+guter sich bietender Gelegenheiten die Löwen unbeschossen ließ. Es
+gab nämlich ungeheuer viel Wildschweine, die die Kulturflächen schwer
+schädigten. Durch die zahlreichen Löwen wurden sie einigermaßen in
+Schach gehalten und von den Feldern verjagt. Die Löwen gaben sich der
+Schweinejagd so ohne Störung hin, daß sie durch die Dörfer liefen und
+häufig Leuten, die zur Arbeit gingen oder von der Arbeit zurückkehrten,
+begegneten, ohne daß übermäßige Scheu auf beiden Seiten hervorgerufen
+worden wäre.</p>
+
+<p>Eine Angewohnheit der Löwen muß ich noch hervorheben. Sie schleppen
+häufig ihre Beute fort, ohne sie vorher zu töten. Sobald sich die
+Beute nicht zur Wehr setzt, fängt der Löwe an einem sicheren Platze
+an zu fressen. Mir war schon ein Fall von Tanganjika bekannt, wo ein
+Pater vom Orden der »Weißen Väter« von Löwen geholt wurde und eine
+Viertelstunde lang um Hilfe schrie, während der Löwe schon an ihm fraß.
+Ich entrüstete mich damals, als ich hörte, daß ihn keiner der anderen
+Brüder befreit hatte, kam aber später selbst in eine Lage, wo das
+Hilfebringen unmöglich war. — Ein Eingeborener war in einem Dorfe in
+Ussangu, in dem ich gerade lagerte, im Beisein seiner Angehörigen durch
+einen Löwen vom Feuer weggeholt worden. Sein Schreien klang schauerlich
+durch die Nacht. Meine Kerzenlaterne gab solch jämmerliches Licht, daß
+man nur im nächsten Umkreis sah. Schleunigst ließ ich die Dorfbewohner
+mit brennenden Holzscheiten und Grasfackeln antreten. Deutlich zeigte
+die Schleifspur im hohen, regennassen Gras den Weg des Löwen. Der
+fortgeschleppte Mann schrie unaufhörlich. Ich ging vornweg, dann folgte
+mein Boy, damals noch ein halbes Kind, mit der Laterne, und dann kamen
+die Leute mit den Feuerbränden.</p>
+
+<p>Als ich schon den Mann, der fortgetragen worden war, in schwachen
+Umrissen liegen sah, brach der Löwe fauchend auf uns los. Sofort liefen
+die Leute mit den Grasbränden davon, und ich las mir meine Laterne vom
+Boden auf, gerade noch, ehe sie verlöschte. Rückwärts schreitend zog
+ich mich aus dem Gras zurück, denn helfen konnte ich allein nicht, da
+es stockfinster war und ich nicht weiter als zwei Meter mit meiner
+schlechten Laterne sehen konnte. Ich holte die Leute wieder heran
+und machte ihnen klar, daß, wenn alle mitkämen, der Löwe sich sicher
+zurückziehen würde. Außerdem könnte ich schießen, wenn ich über den
+Rücken her Licht bekäme.<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> Der geschlagene Mann wimmerte und stieß ab
+und zu laute Schreie aus. Kaum war ich wieder in seiner Nähe, rohrte
+der Löwe auf, und ich stand wieder allein. Als auch der dritte Versuch
+scheiterte, mußte ich's aufgeben, den Mann zu retten, auch gab der Mann
+keinen Laut mehr von sich. Am nächsten Morgen fanden wir den Leichnam
+unversehrt bis auf abgerissenes Fleisch an Waden und Oberschenkel.
+Keine einzige Verletzung war am übrigen Körper zu entdecken, so daß der
+Löwe ihn lebend angefressen hatte.</p>
+
+<p>Es ist dies eigentümlich für den Löwen im Gegensatz zu dem Leoparden,
+der, wenn er in einen Stall eingedrungen ist, so lange herumbeißt und
+Prankenschläge austeilt, bis sich nichts mehr rührt.</p>
+
+
+<h3>Leoparden<span class="s5 antiqua"> (Felis pardus nimr H. E.).</span></h3>
+
+<p>Viel seltener als den Löwen bekommt man den Leoparden (Abb. 5) in
+freier Wildbahn zu Gesicht. Mir war es sehr selten vergönnt, einem zu
+begegnen, und wenn es geschah, so war die Begegnung so flüchtig, daß
+ich meist nicht zum Schuß kam. Im Hochgebirge traf ich am Tage einige
+Male auf Leoparden. Sie waren aber so rasch im Gebüsch verschwunden,
+daß ich kaum die Gestalt ordentlich mit dem Auge erfassen konnte.</p>
+
+<p>Einmal, als ich nur mit dem Stock in der Hand meiner Karawane
+vorauslief — es war in Unyika am Mloboflusse — sah ich erst ein Paar
+Wildenten im Wasser und dann auf einem überhängenden Stamme am anderen
+Ufer einen Leoparden liegen, der die Wildenten scharf beobachtete. Es
+war gegen ein Uhr nachmittags. Wahrgenommen hatte mich der Leopard,
+denn ich bemerkte deutlich, wie die Spitze seines Schwanzes zitterte,
+sonst lag er bewegungslos. Ganz langsam drehte ich mich halb zurück,
+den Leoparden nicht aus dem Auge lassend, um meinen Boy, wenn er
+sichtbar werden sollte, gleich zuwinken zu können, daß er mir das
+Gewehr vorsichtig bringe. Einige Zeit hatte ich so gestanden. Gegen die
+Enten war ich gedeckt, und der Leopard blieb auf seinem Platze. Da sehe
+ich meinen Boy stehen. Er hat mich bemerkt und beobachtet, daß irgend
+etwas los war. Vorsichtig kommt er näher. Als er fast bei mir ist,
+macht der Leopard einen gewaltigen Satz über den Fluß weg an das Ufer,
+wo ich stand, landete im hohen Grase und war verschwunden.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span></p>
+
+<p>Ab und zu traf ich Leoparden im Gras, wenn ich auf anderes Wild
+pirschte. Ein scharfes Krallen an der Rinde eines Baumes ließ mich
+aufsehen, und der Leopard hockte am Stamm etwa wie eine Hauskatze, die
+im ersten Sprung vor Hunden flüchtet. Schneller als es sich beschreiben
+läßt, war der Leopard wieder im Gras verschwunden. Manchmal fand ich
+dann unter solchem Baum ein gerissenes Schwein, oft war der Leopard
+wohl noch selbst auf der Jagd und wollte nur Ausblick haben.</p>
+
+<p>Einen wunderschönen Anblick hatte ich in der Nähe der Ortschaft Mbuiga
+(Mgunda) zwischen Kissaki und Kidoti. Ich pirschte in einer dicht
+mit Schilf bewachsenen Niederung auf Büffel. Als ich die Niederung
+umschreite, um am Rande zu lesen, ob Büffel in das Schilf eingewechselt
+wären, höre ich plötzlich links von mir einen lauten Ton. Es konnte
+ein wilder Hund, ein Buschbock gewesen sein, möglicherweise auch
+ein Elefant, genau ließ sich der Ton nicht einer bestimmten Tierart
+zuschreiben. Mein Begleiter und ich stehen still. Einen Mann lasse
+ich auf einen Baum klettern, um zu sehen, ob etwa Elefanten im Schilf
+wären, da ich auf diese am ehesten schloß. Nichts konnte der Mann
+sehen. Plötzlich sagt einer meiner Begleiter: »Ein Leopard!« Ich sah
+mich um und brachte die Sache gar nicht mit dem vorher gehörten Ton
+in Zusammenhang. Da zeigen alle Leute auf einen etwa dreißig Meter
+über das Schilf herausragenden Baum, der zurzeit blattlos war, und nun
+entdeckte ich auch den Leoparden auf der äußersten Spitze eines Astes,
+in den dürrsten Zweigen zur Kugel geballt, liegen. Er war von mir etwa
+hundert Meter entfernt. Schießen wollte ich auf keinen Fall, da Büffel
+das begehrte Ziel waren. Trotz der nicht sehr großen Entfernung und
+trotzdem der Leopard so ganz frei sichtbar auf dem kahlen Baum saß,
+hätte ihm wohl kaum einer von uns Beachtung geschenkt. Er sah so der
+Umgebung angepaßt aus, daß man bei oberflächlichem Sehen weit mehr auf
+einen Raubvogelhorst im dünnen Gezweig geschlossen hätte.</p>
+
+<p>Rasch hatte ich mein Glas zur Hand. Der Leopard mußte unsere
+Beobachtung bemerkt haben. Er richtete sich auf, lief vorsichtig
+über das schwankende Gezweig, dann schnürte<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> er auf einem dickeren
+Ast bis zur ersten Gabelung des Baumes, machte noch einige<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> schnelle
+Schritte den Stamm hinunter und war dann mit mächtigem Satze im Schilf
+verschwunden.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp99" id="illu-027" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-027.jpg" alt="Leopard">
+ </figure>
+
+<p>Wenn man sich in einer Gegend befindet, wo es Hundsaffen, Meerkatzen
+und braunrückige Paviane gibt, und diese sind in Deutsch-Ostafrika fast
+überall, wo Wald und Wasser zu finden ist, so wird der Leopard fast
+immer von den Affen gemeldet. Er ist ihr schlimmster Feind, und sie
+folgen seinem Weg auf dem Boden oben im Gezweig unter fortwährendem
+lautem Geschrei. Durch Affen aufmerksam gemacht, schoß ich meinen
+ersten Leoparden. Der ganze Wald hallte von dem Geschrei der Affen
+— es waren Hundsaffen (<span class="antiqua">Cynocephalus (Papio) langheldi Mtsch. (?)
+oder Papio cynocephalus L. (?) C. ibeanus Thos.</span>) —, die in einer
+Richtung weiterzogen. Ich schritt zu den Affen parallel vorwärts,
+bis ich an eine Stelle kam, wo es kein Unterholz und infolge dichten
+Blätterdachs nur spärlichen Graswuchs gab. Eine ganze Zeit stand ich
+hier unter einem Baum in Deckung, ohne etwas zu sehen. Plötzlich stand
+der Leopard mitten auf der kahlen Stelle. Er äugte zu mir herüber, nahm
+mich aber nicht wahr. Als er seinen Kopf in entgegengesetzter Richtung
+bewegte, strich ich am Stamme<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> an und kam aufs Blatt ab. Ein fauchendes
+Miauen, dann ein plötzliches Wenden, und er war dort verschwunden,
+wo er hergekommen war. Hunde hatte ich nicht bei mir. Ich nahm zwar
+an, daß ich gut getroffen hatte, wollte aber lieber noch einige Zeit
+warten, ehe ich ihm nachging. Meine farbigen Begleiter wollten mich
+ganz davon abhalten, weil ein kranker Leopard »furchtbar böse« sei.</p>
+
+<p>Die Affen tobten inzwischen auf derselben Stelle weiter, der Leopard
+mußte also noch dort stehen, wo er eingewechselt war. Um ihm Zeit zu
+geben, drehte ich mir eine Zigarette, die ich bis zu Ende rauchte. Nun
+ging ich Schritt für Schritt, die Umgebung abspähend, weiter, zunächst
+zum Anschuß. Ich fand vereinzelte Schnitthaare und dann große Spritzer
+Schweiß. Zwei Meter davon entfernt fand ich einen ganzen Klumpen
+Haare, an dem noch Haut festsaß, also der Ausschuß. Nun war mir nicht
+mehr bange. Zwei Schritt brauchte ich nur ins Gebüsch einzutreten, da
+schimmerte es mir schwarz-weiß entgegen. Der Leopard lag auf dem Rücken
+und war schon verendet, wie die verglasten Lichter (Augen) zeigten.
+Obwohl ich gern den ganzen Leoparden mitgenommen hätte, um ihn zu
+photographieren, war es doch im Hinblick auf meine beiden nicht sehr
+kräftigen Begleiter besser, ich schlug ihn an Ort und Stelle aus der
+Decke und nahm nur diese und den Schädel mit. Es war ein prächtiger
+alter Kater und der Fang (das Gebiß des Raubzeugs und der Hunde) ganz
+vollständig. Groß war meine Freude, und mit Sorgfalt weichte ich zu
+Hause die Decke persönlich in gesättigte Salz- und Alaunlösung ein,
+knetete sie eine halbe Stunde lang durch und hing sie zum Trocknen auf.</p>
+
+<p>Später, als ich eine große Hundemeute hatte, wurde es mir leichter,
+Leoparden zu erlegen. Mit meinen Hunden hatte ich insofern Glück
+gehabt, als die Stammeltern, zwei blutsfremde deutsche Doggen, sehr
+schneidige Tiere waren. Der Nachwuchs lernte es ohne mein Zutun, mit
+System, d. h. mit gegenseitiger Unterstützung, zu hetzen und wehrhaftes
+Raubwild zu stellen.</p>
+
+<p>Wurde mir aus einem Dorfe gemeldet, daß die Leoparden dreist würden und
+Hunde und Ziegen holten, so brach ich, wenn ich Zeit hatte oder es sich
+sonst mit meinen Obliegenheiten vereinigen ließ, mit meinen Hunden auf
+und bezog in dem Dorf Lager.</p>
+
+<p>Nachts verbellten dann meine Hunde den Leoparden. Meine Träger kannten
+den Rummel schon. Rasch hatte jeder ein paar<span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span> ordentliche Hände voll
+trocknes Gras aus den Dächern der Hütten gezogen und sie als Fackeln
+angebrannt. Kamen wir zu den Hunden, so hatten diese den Leoparden zum
+Aufbäumen gezwungen, und ich schoß, indem ich einen Mann mit seiner
+Fackel hinter mich treten ließ. Nach dem Schuß stand ich zwar stets
+im Finstern, denn die Fackelträger waren ausgerückt. Es schadete aber
+nichts, denn wenn der Leopard nicht tödlich getroffen war, was bei der
+nächtlichen Schießerei häufig vorkam, so beschäftigten sich sofort
+die Hunde mit ihm und hatten ihn, falls er noch konnte, sofort wieder
+auf einen Baum getrieben. Selten verlor ich dabei einen Hund. Größere
+Wunden durch Prankenschläge nähte ich, worauf rasch Heilung eintrat.
+Übler waren kleinere Wunden, wo die Krallen eingeschlagen worden waren
+und nur ein kleines Stückchen Fleisch heraushing. Diese Wunden heilten
+äußerlich rasch zu, innen bildete sich aber meist ein langwieriger
+Eiterprozeß und Zellgewebsentzündung.</p>
+
+<p>Ganz übel benehmen sich Leoparden, wenn es ihnen gelingt, in einen
+Ziegenstall oder Kral einzubrechen. Solange noch eine Ziege am Leben
+ist, wird gemordet. Es kommt vor, daß ein Leopard 30-50 Ziegen
+tötet und keine davon frißt. Die Dreistigkeit der Leoparden ist
+außerordentlich groß. Ziegen werden am Tage vor den Augen der Hirten,
+Hunde vor den Türen weggefangen. Dabei läßt der Leopard seinen Raub
+nicht oder nur sehr schwer im Stich, wenn er auch sofort angegriffen
+wird. Als Beispiel der Dreistigkeit erwähne ich folgendes kleine
+Erlebnis.</p>
+
+<p>Auf dem Tanganjikaplateau hatte ich einen Europäer getroffen. Da wir
+gut bekannt waren, stellten wir unsere Zelte zusammen und brachten in
+dem einen die Betten unter, während uns das zweite als Eßzimmer diente.
+Vor dem Abendbrot saßen wir beide auf einem Bett, und mein Bekannter
+spielte Ziehharmonika. Plötzlich gab es während des Spiels lautes
+Geheul von meines Bekannten Foxterrier, der unter dem Bett geschlafen
+hatte. Das Bett wurde unter uns hochgehoben, und ehe wir zur Besinnung
+kamen, sprang ein Leopard mit dem Terrier zum Zelt hinaus. Draußen war
+es dunkel, und wir konnten nichts gegen den Leoparden tun. Der Hund war
+sowieso verloren.</p>
+
+<p>Am nächsten Morgen brachten Eingeborene den angefressenen Hund und
+behaupteten, der Leopard säße unweit unseres Lagers<span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span> in einem Gebüsch
+dürren Grases, das beim letzten Steppenbrand noch zu grün gewesen wäre
+und deshalb stehen geblieben sei.</p>
+
+<p>Wir besahen uns die Lage. Der Grasfleck war nur etwa drei Hektar groß,
+aber brennen wollte das Gras von 1,20 Meter Höhe auch heute noch
+nicht. Es blieb also nur die Möglichkeit eines Durchtriebes. Was wir
+an Eingeborenen auftreiben konnten, machten wir als Treiber mobil.
+Zwischen je 10 Mann stellten wir einen Soldaten. Schießen wollten nur
+wir Europäer, damit kein Unglück geschah. Ich stand auf jener Seite, wo
+wir vermuteten, daß der Leopard herauskäme, mein Bekannter ging mit den
+Treibern. Nachdem mehr als die Hälfte des Grases durchgetrieben war,
+schoß mein Bekannter zum ersten Male, wie er mir zurief, »daneben«.
+Gleich darauf sprang der Leopard einen Soldaten an, und zwar so, daß
+er seine Hinterpranken dem Mann in die Oberschenkel schlug und mit
+den Vorderpranken Lappen in die Kopfhaut riß. Der Mann fiel natürlich
+hintenüber, aber ehe er lag, war der Leopard schon wieder zurück
+ins Gras gesprungen. Dieses Manöver wiederholte der Leopard mehrere
+Male und stets so unverhofft und blitzschnell, daß die mit Stöcken
+zuspringenden anderen Treiber nicht dazukamen, einen Schlag zu führen.
+Wir hatten insgesamt sieben Verwundete mit mehr oder minder schweren
+Verletzungen.</p>
+
+<p>Nur ein ganz schmaler Grasstreifen deckte den Leoparden noch, und
+ich hoffte, daß er jeden Augenblick flüchten und mir Gelegenheit zum
+Schusse geben würde. Statt dessen versuchte er immer wieder, die
+Treiberlinie zu durchbrechen. Jetzt schoß Herr H. zum zweiten Male, und
+das gleich darauf einsetzende Freudengeheul der Treiber verkündete mir,
+daß der Schuß tödlich war. Der Leopard hatte die Kugel spitz von vorn
+erhalten, und sie war durch den ganzen Körper gegangen mit dem Ausschuß
+neben dem Weidloch (After).</p>
+
+<p>Bei genauerer Betrachtung des toten Leoparden wurde uns auch klar,
+warum er bei seinem Anspringen der Treiber niemals den Fang gebrauchte.
+H.s erster Schuß hatte ihm beide Kaumuskeln und die Pfannen der
+Unterkiefer durchschlagen. Lange haben übrigens unsere Verletzten an
+ihren Wunden nicht laboriert, sie hatten ausnahmsweise gesundes Blut,
+was man von den wenigsten Negern behaupten kann.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span></p>
+
+<p>In eine recht mißliche Lage brachte mich ein Leopard im August 1908
+in Ilongo in Ussangu. Zur Reparatur einer Baumwollspinnerei wohnte
+ein ehemaliger Fremdenlegionär B. bei mir, der früher Techniker war.
+Als wir nachts die Löwen brüllen hörten, erzählte er mir, er hätte im
+Atlas schon Löwen geschossen, und fragte dann, ob ich ihm nicht zu
+einem Löwen verhelfen könnte, er möchte gern ein Fell als Waffenschmuck
+haben. Ich stand kurz vor einer Europareise, um mich von einem
+Gelenkrheumatismus zu erholen, den ich mir im letzten Negeraufstand
+zugezogen hatte. Vier Monate hatte ich festgelegen, und seit zwei
+Monaten konnte ich wieder langsam gehen, war also mehr als klapprig, so
+daß ich eine Suche auf Löwen nicht wagen konnte.</p>
+
+<p>Um B. aber eine Freude zu machen, da er mir die Maschinen rasch und gut
+in Ordnung brachte und auch ein sächsischer Landsmann von mir war, ließ
+ich einen Selbstschuß herstellen.</p>
+
+<p>Nach dem Rezept meines Freundes L., eines Schweden, der schon mit
+Livingstone Afrika durchquert hatte und damals als Zivilkommissionär
+in Rhodesia amtierte, baute ich eine Schußfalle, die fast nie versagt
+und in die das Raubwild — und wäre es noch so schlau — leicht
+hineintappt. L.s System bestand in einem auf zwei eingegrabenen
+Astgabeln wagrecht gebundenen Gewehr in Blatthöhe über der Erde. Ein
+dünner, aber fester Bindfaden wird am Abzug befestigt, durch die untere
+Gewehrriemenöse gezogen, am Gewehr entlang geführt und dann quer über
+den Weg gespannt, den das Raubwild mutmaßlich durchquert. Man darf den
+Faden nicht zu fest spannen, da der nächtliche Tau ein Nachspannen
+besorgt. Mit der Hand drückt man dann den Faden in der Richtung des
+mutmaßlich vorbeikommenden Tieres. Wird das Gewehr ausgelöst, wenn
+man den Faden etwa 40 Zentimeter aus seiner Ruhe drückt, so ist die
+Aufstellung richtig, und man kann die Patrone einschieben.</p>
+
+<p>Über den Weg führen wollte ich den Selbstschuß nicht. Ich benützte für
+solche Fälle immer ein ausrangiertes Gewehr Mod. 71, und ein solches
+Geschoß können des Weges kommende Negerbeine nicht gut vertragen. Ein
+eingeschlagener Pfahl, an den ich ein zwei Monate altes Kalb band, war
+das Zentrum eines dreiviertel geschlossenen Kreises aus Dornenästen.
+Quer über die Öffnung war dann das Gewehr gerichtet und der Fadenabzug
+gespannt. Um das Kalb noch besser zu schützen, ließ ich noch eine
+Reihe Pfähle mit<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> handbreitem Abstand quer durch den Dornenkreis
+rammen, so daß der Löwe das Kalb bequem vom Eingang her sehen konnte.
+Damit er gezwungen war, den Eingang gehend und nicht springend zu
+durchschreiten, hing ich einige kleine Dornenäste an einer Stange in
+1,20 Meter Höhe über den Eingang.</p>
+
+<p>Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust
+abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen,
+so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des
+Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde;
+dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe
+oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von
+der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die
+infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu
+werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich
+ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten
+Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des
+Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die
+Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle
+in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es
+entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken,
+das das Raubwild leicht anlockt.</p>
+
+<p>Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß
+zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns
+verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem
+Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das
+Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen
+wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des
+Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam,
+fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen
+war.</p>
+
+<p>B., ich und zwei Neger machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs
+waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady
+mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr,
+sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit
+schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die
+Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette
+ab.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span></p>
+
+<p>Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts
+Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich
+mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen
+ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sichernden
+Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war
+er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen hoch und ließ die
+Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um
+ihm den Fangschuß zu geben — Versager! noch einer und noch einer.
+Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom
+Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er
+auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge
+gehabt.</p>
+
+<p>B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen,
+er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor
+und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere
+bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß
+aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer
+hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen.
+Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile
+des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald
+überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand
+bleich wie eine Wand und zitternd dabei, so daß ich ihm auf den Kopf
+zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er
+wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion
+Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die
+Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging
+ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in
+Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und
+sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen
+könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland
+angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre
+wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern
+versammelt. Selten habe ich so um einen Hund getrauert, als wie um
+dieses treue, schöne Tier.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span></p>
+
+<h3>Gefleckte Hyänen<span class="s5 antiqua"> (Hyaena crocuta Erxl).</span></h3>
+
+<p>Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn
+er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit
+daranschließendem, stark abfallendem Rücken machen das Tier unschön.
+Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar
+nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung
+besiegelt (Abb. 6).</p>
+
+<p>Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt,
+wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß
+er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet.
+Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung
+menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher.
+So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es
+an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördern, nachts die
+Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der
+den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Negerkopf anhaftet,
+genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen.</p>
+
+<p>Hyänen zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends,
+ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem anderen
+Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins
+Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit
+einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine
+gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden
+in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in
+einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterten sie doch längere Zeit.</p>
+
+<p>In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen
+fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf
+aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch
+nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich
+die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere
+Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei
+freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich.</p>
+
+<p>Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die
+gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge,<span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span>
+überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und
+Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen
+Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind
+Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort
+Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benediktiner-Mönche,
+daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige
+Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist
+hätten.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp89" id="illu-035" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-035.jpg" alt="Hyänen">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz
+menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die
+Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich
+Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets,
+wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr
+abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen.</p>
+
+<p>Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in
+Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> drei Foxterriers. In
+der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum
+schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich
+einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich,
+wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers
+herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftsspiel
+zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu
+Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums
+Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden
+Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie
+ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im
+hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen.</p>
+
+<p>Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen.
+Da ich mir sagte, daß die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel
+nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder »Löwenfalle« in Tätigkeit
+treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als
+es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten,
+stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo
+bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder
+und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die
+gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt
+des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die
+Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige
+Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am
+Leben.</p>
+
+<p>Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung
+nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues
+Verfahren.</p>
+
+<p>Von einem Ast ließ ich 1-1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung
+übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz
+frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben.
+Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des
+weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen
+würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug
+bringen.</p>
+
+<p>Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten
+Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> machte ich ihr
+ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Neger, wie er den
+Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich
+schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie
+mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb.
+Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs
+Stück hatte der Fallenstellende mit Speer und Knüppel erledigt. Bei
+sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne
+waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst
+war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke
+Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten — ohne Hyäne.
+Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte
+so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete
+ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigten mir, daß weder Löwe noch
+Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher
+Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leoparden
+als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber
+anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing.
+Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Falle zu fangen, nicht
+recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum
+handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und
+deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst
+kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus
+sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den
+Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein
+etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedigung, die man
+beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat.</p>
+
+<h3>Schabrackenschakale<span class="s5 antiqua"> (Canis [Lupulella] mesomelas Schreb).</span></h3>
+
+<p>Wenn ich im Livingstone-Gebirge (Deutsch-Ostafrika) gegen vier Uhr
+nachmittags unweit meiner Wohnung einen Spaziergang machte, traf ich
+stets mehrere Schakale (Abb. 7) an, die auf der Mäusejagd waren. Nur
+die Farbe unterscheidet sie von ihrem deutschen Vetter, dem Fuchs.
+Zierlich und graziös sind ihre Bewegungen, und klug ist der Ausdruck,
+wenn sie einen Menschen eräugend verhoffen. Ihre ganze<span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span> Lebensweise ist
+die des Fuchses. Nur bleibt die Zahl ihrer Welpen (Jungen) etwas hinter
+diesen zurück. Mehr als vier Stück habe ich nie im Bau gefunden.</p>
+
+<p>Reizende Bilder sah ich am Schluß der Regenzeit, wenn in den
+Abendstunden die geflügelten Termiten aus der Erde aufstiegen und
+Schakale sie in tollen Sprüngen aus der Luft fingen.</p>
+
+<p>Äußerst schlau sucht die Fehe (Füchsin) den Bau mit Jungen zu
+verbergen. Überrascht man sie, wenn sie gerade mit einem Huhn
+im Fang heimkehren will, so zeigt sie sich recht auffallend und
+absichtlich, um dann, wenn sie über die nächste Anhöhe wechselte, in
+das Tal hinabzuschnüren und unter dem höheren Gras der Talsohle in
+entgegengesetzter Richtung davonzulaufen.</p>
+
+<p>Dreist treiben sich die Schakale in der Nähe der Wohnungen herum. Viele
+schoß ich auf meiner zu ebener Erde gelegenen Veranda, und häufig
+retteten sich Schakale vor meinen Hunden ins Zimmer.</p>
+
+<p>Hatten sie es einmal zu stark auf meine Hühnerbestände abgesehen, so
+fing ich einige in einem Tellereisen weg. Ich benutzte dazu die Tage,
+wo ich ein Rind geschlachtet hatte, da dieser Duft für Schakalnasen die
+ganze Gegend durchzieht.</p>
+
+<p>Um den Geruchskreis zu erweitern, setzte ich mich aufs Pferd und ritt
+mit einigen Därmen eine Schleife, die ich bis auf ein Loch in meinem
+Zaun ausdehnte. Hier zog ich die Därme hindurch und ließ sie dann im
+Hofe liegen. In das Loch im Zaun stellte ich dann ohne Verblendung und
+ohne auf Witterung Rücksicht zu nehmen, ein Tellereisen. Sechs bis acht
+Schakale fing ich dann bis zwölf Uhr nachts, ohne daß sie das eine
+verwendete Eisen, in dem ihre Vorgänger verendet waren, mieden.</p>
+
+<p>Trotz solcher Unvorsichtigkeit spielt der Schakal in den Erzählungen
+der Eingeborenen die gleiche schlaue Rolle, wie der Fuchs in unserer
+Fabel.</p>
+
+<p>In der Aufstandszeit 1905 hielt ich zwei zahme Schakale, die sich immer
+frei herumtrieben und auf einen Pfiff mit meinen Hunden zugleich im
+Eiltempo erschienen. Auch auf Reisen und Spaziergängen begleiteten sie
+mich. Da sie aber immer abseits vom Wege herumstrolchten und mir nicht
+wie wohlerzogene Hunde auf der Ferse folgten, sondern plötzlich bei
+mir auftauchten und sich, Liebkosungen heischend, vor mir auf der Erde
+kollerten, brachten sie<span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span> mich bei den Eingeborenen in den Ruf eines
+Zauberers. Ich hatte die Leute öfter verblüfft, wenn ich pfiff und
+meine beiden grauen Kerlchen angeschossen kamen. Nun stand es fest.
+Ich hatte Menschen in Schakale verwandelt, die mir alle Nachrichten
+zutrugen. Da es meinem Ansehen nur nützte, ließ ich die Eingeborenen
+ruhig bei ihrem Glauben.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-039" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-039.jpg" alt="Schakal">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Auf meinen Zügen gegen die Rebellen konnte ich sie jedoch nicht
+mitnehmen und gab sie deshalb in Pension. Sie hatten sich da angewöhnt,
+den Glucken die Kücken wegzufangen, und waren auch, wenn man sie
+angriff, so bissig geworden, daß ich sie erschießen mußte.</p>
+
+<p>Später, im Jahre 1909, kaufte ich von Eingeborenen einen etwa vierzehn
+Tage alten Schakal. Dieses liebe kleine Ding schlief stets in einem
+Hausschuh meiner Frau und blieb auch als erwachsenes Tier zu uns
+äußerst zärtlich und vertrug sich gut mit meinen Hunden und Hundsaffen.
+Meine Boys, wie Neger überhaupt, konnte er dagegen nicht ausstehen,
+vielleicht war er von ihnen heimlich geschlagen worden. »Peterle«,
+so hieß das Kerlchen, biß die Boys, selbst wenn sie ihm das Futter
+brachten, von mir hingegen ließ er<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> sich die schönsten Knochen weit
+hinten aus dem Fang holen. In seiner »Lausbubenzeit« hat er mir
+allerdings auch einige junge Hühner und Tauben weggefangen, jedenfalls
+aber nicht mehr, als dies meine jungen Schäferhunde taten, solange sie
+noch nicht erzogen und unbeobachtet waren.</p>
+
+<p>»Peterle« ließ sich leicht erziehen und wurde bei strafenden Klapsen
+nicht bösartig, sondern bemühte sich, durch schmeichelndes Herumrollen
+auf dem Rücken die Sache wieder gutzumachen. Leider fand Peterle ein
+tragisches Ende. Da er frei herumlief, hielt ihn ein Europäer für einen
+wilden Schakal und schoß ihn tot.</p>
+
+<p>Merkwürdig ist, daß zahme Schakale nicht wieder mit ihren wilden
+Genossen Fühlung nehmen. Mehrmals habe ich beobachtet, wie die meinigen
+wütend auf solche losfuhren und sie in die Flucht schlugen.</p>
+
+<p>Vielfach wird von Europäern die Behauptung aufgestellt, daß die
+Schakale die getreuen Begleiter des Löwen wären. Es kommt wohl vor, daß
+Schakale ab und zu an den in Verwesung übergehenden Resten der Beute
+eines Löwen fressen, es ist dies aber keine Regel. Jedenfalls kann
+man, wie das vielfach von Eingeborenen erzählt wird, niemals darauf
+schließen, daß Löwen in der Nähe wären, wenn Schakale heulen. Ich
+bestreite nach eigener sorgfältiger Beobachtung, daß beide Tierarten in
+Gemeinschaft leben.</p>
+
+<p>Der Ursprung solcher Mitteilungen ist mir aber sehr erklärlich. Der
+Neger hat einen großen Fabelschatz, weit größer, als wir ihn in
+»Reineke Fuchs« haben, und darin spielt der Schakal die Rolle unseres
+Reineke.</p>
+
+<p>Der nur einige Monate im Lande lebende Europäer kann bei den
+Negererzählungen nicht unterscheiden, ob er Wahrheit oder Märchen
+erzählt bekommt, zumal ihm die Erzählungen meist durch seinen Boy
+verdolmetscht werden, weil er sich nur mit diesem radebrechend
+unterhalten kann und die Buschneger nicht zum Sprechen zu bringen
+versteht. Bei Fragen an Neger muß man äußerst geschickt zu Werke gehen
+und immer versuchen, die Leute selbst zum Erzählen zu bringen. Der
+Neger merkt sofort, was der Europäer gern hören möchte, und antwortet
+ihm dementsprechend, wobei dem Europäer dann die haarsträubendsten
+Sachen aufgebunden werden.</p>
+
+<p>So wurden einem guten, harmlosen Europäer, der für die Neger nach ihrer
+eigenen Aussage die »melkende Kuh« ist und nur den<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> Fehler hat, daß
+er über viel Geld verfügt, ohne imstande zu sein, selbst solches zu
+erwerben, die tollsten Sachen aufgetischt. Dieser gute Mann hat die
+kleine Eitelkeit, wissenschaftliche Studien zu machen. Dabei war er
+auch bei ethnographischen Forschungen angelangt. Mit Hilfe seines Boys
+hatte er herausgefunden, daß einige Stämme Maskentänze veranstalten,
+ähnlich denen der Totemsverbände in Neuguinea. Sein Ziel war eine
+solche Maske. Endlich wurde sein Wunsch erfüllt. Für 30 Rupien (40
+Mk.) brachte ihm sein Boy eine solche Maske, »uralt, noch aus der Zeit
+der Portugiesenherrschaft« (also mehr als 200 Jahre) herstammend. Die
+Maske war eine halbe Kokosschale, ähnlich wie sie in Deutschland als
+Schaufensterausstattung aus dem Kokosbast geschnitten werden. Als Augen
+waren Glassplitter einer zerbrochenen Bierflasche eingesetzt, auf dem
+einen davon war noch ein Buchstabe des Brauereiaufdruckes zu erkennen.</p>
+
+<p>Andere Eingeborene erzählten mir, daß der bewußte Europäer seinem
+Boy versprochen hätte, ihm alle Schulden zu erlassen, wenn er ihm
+Leute brächte, die die alten Maskentänze ausführen könnten. Der Boy
+stellte dies seinem Herrn als äußerst schwierig hin, da die Tänze
+geheim und verboten seien (warum, ist nicht einzusehen). Der Boy
+ist aber findig, sein Schuldenregister mag auch groß sein, da er
+viel Umgang mit schwarzen Weltdamen hat. In einer abgelegenen Gegend
+läßt er seinem Herrn unbekannte Leute in einer sonst nicht üblichen
+Tanzart unterrichten. Ob diese wirklich zur Vorführung gelangten, weiß
+ich nicht; dieser Maskenscherz beruht jedenfalls auf feststehender
+Wahrheit, und es soll mich nicht wundern, wenn diese neuen
+»Forschungen« eines Tages veröffentlicht werden.</p>
+
+
+<h3>Wilde Hunde<span class="s5 antiqua"> (Lycaon pictus Temm) [auch Hyänenhunde
+genannt].</span></h3>
+
+<p>In der Ussangu-Steppe, östlich Njam-Njam (Ruaha-Senke in
+Deutsch-Ostafrika) hatte ich gelagert. Trostlos war die Gegend. Die
+Wasserstelle, der Mkodje-Fluß, der jetzt im Oktober nur hin und wieder
+trübe Tümpel bildete, an denen sich riesige Wildscharen zur Tränke
+einfanden, war fünf Stunden entfernt. Bei meinem Einzug in das Dorf,
+das aus fünf jämmerlichen Hütten bestand, erhielten<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> meine Leute und
+ich statt Wasser große grüne Wassermelonen; Wasser käme erst am Abend,
+wenn das Rindvieh zurückkäme, das heute wie jeden dritten Tag zur
+Tränke geführt worden sei.</p>
+
+<p>Während meine Leute das Zelt aufschlugen, schnitt ich aus einer Melone
+einen Deckel heraus und zerhackte mit dem Jagdmesser das Fruchtfleisch,
+um das sich darin reichlich ansammelnde Wasser zu trinken. Kaum hatte
+ich die ersten Schlucke getan und hackte von neuem ins Fruchtfleisch,
+damit weiteres Wasser zuströmen konnte, so hätte ich vor Schreck
+beinahe meine Melone fallen lassen.</p>
+
+<p>Tauben, Hühner und Ziegen kamen in einer aufgewirbelten Staubwolke
+auf mich zugeflattert und zugerast. Im ersten Augenblick glaubte ich,
+irgendein Raubtier habe sie gestört, merkte aber gleich, daß ich,
+oder vielmehr meine geöffnete Melone den brennenden Anziehungspunkt
+bildete. Schnell erhob ich mich, um meine Frucht vor den sich und mich
+stoßenden Ziegen zu retten. Die Tauben und Hühner jedoch hatten sich
+mir auf Kopf, Schultern und Armen dauernd niedergelassen und suchten
+sich balgend unter lebhaftem Flügelschlag der Melone zu nähern. Das
+Abschütteln und Herunterwerfen war zwecklos, sie waren sofort wieder
+oben, beim Auffliegen mich in neue Staubwolken einhüllend. Arg mußte
+sie der Durst quälen. Mit Mühe rettete ich mich in eine Hütte, nachdem
+ich etwas Fruchtfleisch geopfert hatte. Wie mir die Leute sagten, gaben
+sie den Tieren kein Wasser. Nur die Ziegen kämen jeden sechsten Tag mit
+den Kühen zur Tränke.</p>
+
+<p>Auf meine Frage, warum denn das Dorf so weit vom Fluß läge, wurde mir
+erklärt, daß der Mkodje die Steppe in der Regenzeit bis kurz an die
+Hütten überschwemmte. Verpflegung konnte ich für meine Leute auch nicht
+erhalten, die Vorräte der Leute waren so gering, daß ich fragte, wie
+die Leute denn überhaupt ihr Leben fristen könnten und warum sie mit
+ihrem Vieh in solch elender Gegend wohnten und nicht mehr Getreide
+anbauten. Ich erfuhr darauf, daß die Rinder dem Sultan Merere gehörten
+und nur hier gehütet wurden, weil das Wild gut gediehe, von was, war
+mir allerdings fraglich, denn ich hatte auf meinem Marsche nur bis
+auf 3 cm abgeweidete Grasstummel gesehen. Von Getreidearten wüchse
+nur recht spärliche Sandhirse. Zwei kleine Fleckchen bebautes Land
+von zusammen etwa 200 Quadratmeter mußten für die 18 Kopf starke
+Einwohnerschaft genügen. Die Ernährungsfrage der Leute<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> wurde mir
+immer rätselhafter. Endlich rückten sie mit der Sprache heraus. In der
+Regenzeit gebe es durch die Überschwemmung so viel Welse, daß sie im
+seichten Wasser bloß aufgelesen zu werden brauchten. Und jetzt? Nun,
+in der Trockenzeit paßten die Viehhüter immer auf, wo früh die Geier
+kreisten, dort hätten Löwen Wild geschlagen, und es wäre häufig so viel
+übrig, daß sie Vorrat dörren könnten. Manchmal allerdings, wenn mehr
+Löwen dagewesen wären, oder wenn die Löwen schon am Abend Beute gemacht
+und den Riß nach der Sättigung verlassen hätten, um zur Tränke zu
+gehen, so daß das gerissene Wild für die Hyänen frei werde, seien nur
+ein paar Knochen übrig.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-043" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-043.jpg" alt="Hyänenhund">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Meine Bemerkung: »Na, ihr helft wohl manchmal den Löwen etwas nach und
+holt euch selber ein Zebra,« löste verlegenes Grinsen aus, das mir
+genug Bestätigung war. Vorderlader waren ja reichlich vorhanden und
+Pulver auch — »zur Abwehr der Löwen vom Vieh« — wie mir eifrigst
+versichert wurde.</p>
+
+<p>Am nächsten Morgen, als es eben dämmerte und ich mich gerade mit dem
+Viertelliter Wasser wusch, den ich für diesen Zweck aufhob, ehe ich ihn
+meinen Hunden geben wollte, verstummte plötzlich das Murmeln der sich
+für die Reise zurechtmachenden Träger.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span></p>
+
+<p>Etwas blöde, weil ich gerade mein Gesicht mit dem Handtuche bearbeite,
+spähe ich nach der Ursache. Da kommt auch schon eine Schwarzfersenricke
+(<span class="antiqua">Aepyceros suara Mtsch.</span>) direkt auf mich zu, mitten durch die
+Träger durch, stolpert über meine Zeltstricke, rennt ins Dorf und
+bleibt darin stehen. Während ich noch diesem Tier zusehe und nicht
+weiß, was ich aus dem Vorfall machen soll, kommt eine zweite Antilope
+fast durchs Zelt und stellt sich zur ersten.</p>
+
+<p>Nun machten mich die Leute aufmerksam auf zwei wilde Hunde (Abb.
+8), die sich außerhalb der Träger hingesetzt hatten. Ich zeige die
+Wildhunde meinen vier Doggen und hetze diese. Kein Gedanke, daß sie
+die Wildhunde einholten. Als meine Hunde auf einen Pfiff mutlos
+zurückkehren, folgen ihnen die beiden Wildhunde. Eine abermalige Hetze
+war so erfolglos wie die erste. Nun nehme ich mein Gewehr zur Hand,
+schieße aber zu kurz, wie ich am Hochsprung des Hundes auf allen Vieren
+sehe, ein zweiter Schuß hat dasselbe Ergebnis. Nun trollen sich die
+Wildhunde hinter Dornengebüsch und sind für mich unsichtbar.</p>
+
+<p>Ich gehe dann zu den Antilopen, die mit zitternden, weitgeöffneten
+Nüstern und schlagenden Flanken im Dorf stehen und sich anfassen
+lassen. Die Leute erzählten mir, sie hätten die Hetzjagd der
+Wildhunde schon eine ganze Weile beobachtet, in der Steppe wäre es
+immer im Kreise herum gegangen. Sehr scharf sei das Tempo der Hunde
+nicht gewesen. Durchaus wollten die Leute die Antilopen töten und
+verspeisen. Mir taten diese geängstigten Tiere leid, und ich ließ alle
+Leute zurücktreten, damit sich die Antilopen — Muttertier und fast
+ausgewachsenes Kitz — erholen und nach Belieben entfernen konnten.</p>
+
+<p>Dies war meine erste Begegnung mit wilden Hunden. Noch häufig traf ich
+diesen Schrecken des armen Wildes an. Einmal, als ich gerade Wildbret
+für meine Tafel brauchte und bei Morgenlicht im Wildgebiet eintraf,
+galoppierte ein Wasserbock (<span class="antiqua">Cobus ellipsiprymnus Ogilb.</span>) auf
+mich zu. Ich nahm an, daß er mich früher wahrgenommen hatte und mir auf
+seiner Flucht wieder in den Weg lief, weil ich durch Gebüsch gedeckt
+war. In hohen Fluchten quittierte er auf meinen Blattschuß. Der erst
+spärlichen, dann reicher werdenden Schweißfährte folgend, fanden wir
+ihn, nach etwa 1000 Meter Suche, verendet in einem Dickicht.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span></p>
+
+<p>Einen Augenblick bei dem zur Strecke gebrachten Bock ausruhend,
+hörte ich plötzlich den Schreckton eines Buschbockes (<span class="antiqua">Tragelaphus
+roualeyini Gord. Cumm.</span>). Da das Fleischbedürfnis meiner
+europäischen Nachbarn groß war, wollte ich auch diesen strecken.
+Vorsichtig schiebe ich mich aus der Dickung heraus und habe vor mir:
+sechs Wildhunde. Auf vier Meter Entfernung bleiben sie ruhig vor mir
+sitzen, indem sie mich anäugen. Sie müssen meine Anwesenheit schon
+vorher bemerkt haben und waren höchstwahrscheinlich auch schon vorher
+hinter meiner Beute her. Den Vordersten schoß ich spitz von vorn.
+Er fiel ohne einen Laut. Die anderen machten nun einen Luftsprung,
+dann saßen sie wieder. Einer steht auf und nimmt Witterung an seinem
+toten Kameraden, aber nur einen Augenblick. Hastig faßt er ihn dann
+mit den Zähnen, und im Nu bilden die übrigen vier mit ihm einen
+Knäuel. Sie reißen große Fetzen aus dem Geschossenen und würgen die
+Bissen ohne Kauen hinunter. In kurzer Zeit ist auch kein Knochen oder
+Haarbüschel von ihm übrig. Als ich den zweiten schoß und nach seinem
+Fall gleich auf die Wildhunde zuging, zogen sie sich knurrend zurück
+und verschwanden dann. Eine halbe Stunde danach hörte ich, wie sie mit
+einem Löwen stritten. Als ich mir durch das Dickicht einen Weg nach dem
+Kampfgetöse zu gebahnt hatte, waren alle Beteiligten verschwunden. Nur
+das niedergetretene Gras gab Zeugnis von einer Balgerei.</p>
+
+<p>Wer den kürzern gezogen hatte, ließ sich nicht ermitteln. Ich glaube
+aber der Löwe. Selbst habe ich es zwar noch nicht mit angesehen, aber
+mir bei verschiedenen eingeborenen Jägerstämmen erzählen lassen, daß
+der Löwe deshalb eine so große Furcht vor meinen Doggen hätte, weil er
+sie für wilde Hunde hielte, die ihm stets so arg zusetzten, daß er das
+Weite suchte. Käme es zu einem Kampf, so stürzten alle zugleich auf den
+Löwen und bissen ihn überall, wobei immer ein Stück Fell und Fleisch
+in ihrem Fang bliebe. Der Löwe selbst wäre nicht flink genug, sich so
+vieler Angreifer zu erwehren. Etwas Wahres muß daran sein, denn stets
+brachten meine Hunde den Löwen zur Flucht und konnten ihn nur dann
+stellen, wenn ich mehr als zwei bei mir hatte.</p>
+
+<p>Wie das Wild die Wildhunde fürchtet, sah ich häufig daran, daß Gebiete,
+die dicht mit Wild bevölkert waren, plötzlich wie ausgestorben dalagen
+und nur einige Buschböcke und Ducker (<span class="antiqua">Sylvicapra<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> grimmia L.</span>)
+(kleine Antilopen, die durch Ducken sich vorzüglich verbergen), die
+ihren Standort schwer wechseln, übrig waren. Wasser- oder Futtermangel
+war nicht eingetreten. Stets ergab es sich dann, daß Wildhunde dort
+gehetzt hatten. Rudel bis zu dreißig Stück waren keine Seltenheit.
+Eine solche Panik unter dem Wild ruft kein Löwe hervor. Wohl zeigt
+das Wild bei Löwenanwesenheit Unruhe, ich sah aber mehrfach weit
+auseinandergezogen äsende Wasserböcke und Hartebeeste, die von einem
+Löwen, der mitten durch die Herde lief, kaum Notiz nehmen.</p>
+
+<p>Strichweise bewegen sich die Wildhunde durchs Land und steigen auch
+in hügeliges Gelände auf. 1910 traf ich sie auf 1200 Meter Höhe nahe
+Langenburg, wo sie die weidenden Viehbestände schwer schädigten.</p>
+
+<p>Nach meinen Erfahrungen bevorzugen sie alles Hornwild mit Ausnahme
+des Büffels, der ihnen wohl zu wehrhaft ist. Warzen- und Wildschweine
+verschmähen sie nach meinen Beobachtungen gänzlich. Übrigens nahmen
+auch meine Hunde (Doggen und deutsche Schäferhunde) Schweinefleisch nur
+ungern auf. Bei Zebras und Giraffen fürchten sie Schläge mit dem harten
+Huf. Überall bestätigten mir die Eingeborenen, daß diese beiden Tiere
+von Wildhunden verschont würden, wenn es sich nicht um ein junges Stück
+handelte, das sich von der Herde entfernt hatte und den Anschluß nicht
+mehr erreichen konnte.</p>
+
+<p>Erstaunlich ist die Muskelkraft der Kieferpartie der Wildhunde. Einer
+meiner Bekannten in Langenburg zog zwei junge Hyänenhunde auf. Sie
+liefen frei herum und kamen auf Ruf zum Futter. Als sie ein Vierteljahr
+alt waren, hatten sie das Bestreben, nicht unter Beobachtung zu
+fressen. Sie nahmen deshalb die Blechbüchse, die ihr Futter — Reis
+und gekochtes Fleisch — enthielt, in den Fang, und einer trug den
+für beide bestimmten Teil, der mit Büchse mehr als sein Körpergewicht
+betrug, wagrecht davon, ohne daß dem Tier eine Anstrengung anzumerken
+war.</p>
+
+<p>Übrigens waren die Tiere trotz ihrer Gefräßigkeit äußerst mager. Nur
+der dicke Kopf, der durch die sehr großen, aufrechten Lauscher (Ohren)
+noch größer erschien, fiel auf, so daß der übrige Körper dagegen ganz
+zurücktrat.</p>
+
+<p>Im Gegensatz zu anderen vierfüßigen Raubtieren sind Wildhunde
+ausgesprochene Tagestiere. Nase, Gehör und Gesicht sind außerordentlich
+scharf.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span></p>
+
+<p>Deutsche Schäferhunde, die nach meinem Dafürhalten unter allen
+Hunderassen das beste Gesicht haben, erkannten auf 200 Meter Entfernung
+sich schwer vom Gelände abhebende, sehr ruhig weidende Esel nicht, d.
+h. sie nahmen sie nicht wahr. Die beiden jungen Wildhunde verfolgten
+die Esel aber ständig mit dem Auge. Keine laufende Ratte entging ihrer
+Aufmerksamkeit, und zwar auf viel größere Entfernung, als wie ich dies
+bei meinen sonst sehr regen Hunden beobachtete.</p>
+
+<p>Die Farbe der von mir erlegten Wildhunde war verschieden. Niemals fand
+ich sie rein einfarbig, sondern immer in zwei Farben unregelmäßig
+gefleckt. Im Südosten der Kolonie fand ich vorwiegend Dunkelbraun bis
+Schwarz als Grundfarbe mit weißen oder gelben Flecken. Im Westen war
+die Grundfarbe heller. Mehrmals schoß ich ganz fahlgelbe Exemplare
+mit weißen Flecken. Einmal brachte ich einen Wildhund zur Strecke von
+schmutziggelber Grundfarbe und schwarzen Flecken.</p>
+
+<p>Meist beherbergt das Fell zahlreiches Ungeziefer, vorwiegend Flöhe,
+Zecken und Sarcoptes-Milben. Auch den Eingeborenen ist die Vorliebe
+des Ungeziefers für den Wildhund als Wirtstier bekannt, und gerade aus
+diesem Grunde ist das Fell eines Wildhundes den Eingeborenenärzten oder
+Medizinmännern eine begehrte Sache, aus der sich Kapital schlagen läßt.</p>
+
+<p>Sehr stark ist nämlich die Nachfrage nach Amuletten, die Liebe
+und Zuneigung erwecken sollen. Ein alter Medizinmann, mit dem ich
+Freundschaft unterhielt, um mich über die Art seines Wirkens zu
+unterrichten, gab mir im Laufe der Jahre interessante Aufschlüsse über
+seine Praxis.</p>
+
+<p>Vieles ist Hokuspokus, ohne jeden Wert, einem großen Teil der
+angewandten Mittel liegt aber eine gute Kenntnis heilkräftiger
+Kräuter zugrunde. Es ist dieselbe Art des Wirkens, wie sie bei uns im
+Mittelalter üblich war und heute noch von Schäfern und Wunderdoktoren
+ausgeübt wird. Früher standen diese Leute im höchsten Ansehen, es
+schwindet aber immer mehr, je mehr europäische Ärzte ins Land kommen.
+Es bricht sich allmählich Bahn, daß diese denn doch etwas mehr vom
+Heilen verstehen, als die eigenen Ärzte. Außerdem sind sie billiger,
+d. h. der Eingeborene wird vorwiegend kostenlos behandelt, während der
+eingeborene Arzt seine Kranken gehörig schröpft und diese bis auf wenig
+Ausnahmen,<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> wenn überhaupt, so aus Autosuggestion, ihre Gesundheit
+wiedererlangen. Der europäische Arzt ist diejenige Person, die am
+leichtesten den Weg zum Herzen der Neger findet, sofern er einigermaßen
+umgänglich ist. Das Gefühl der Dankbarkeit geht zwar dem Neger völlig
+ab, dafür erkennt er aber den Vorteil einer mit Erfolg geführten
+ärztlichen Behandlung voll an. Für ihn sind ja die Wirkungen der
+Schutzimpfung gegen Pocken und die Salvarsanbehandlung bei Frambösie<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a>
+die reinen Wunder.</p>
+
+<p>Doch ich sprach von der Verwendung des Felles der Wildhunde durch
+Medizinmänner. Mein alter Freund verwendete deshalb bei der Herstellung
+von Liebesamuletten stets einige Haare vom Wildhund, weil diese starke
+Anziehungskraft ausübten, wie ja schon daraus zu ersehen wäre, daß sich
+alles Ungeziefer zum Wildhund hingezogen fühlte.</p>
+
+<p>Von Eingeborenen wird der Wildhund nur selten erlegt. Einesteils ist
+es nicht häufig, daß Wildhunde sich weidendes Vieh holen; es fehlt
+der Anreiz der notwendigen Abwehr. Andernteils flößt der in Herden
+jagende Wildhund den Negern Achtung ein. Ob diese berechtigt ist oder
+nicht, hatte ich nie Gelegenheit festzustellen. Es wird zwar vielfach
+behauptet, daß ab und zu Menschen von Wildhunden angegriffen würden,
+etwas Bestimmtes scheint aber nicht dahinter zu stecken. Wenigstens
+konnte ich nicht einen einzigen Fall dieser Art ermitteln.</p>
+
+<p>So wie ich den Neger kenne, wirkt schon das dreiste Verhalten der
+Wildhunde, die nicht sofort die Flucht ergreifen, wenn einer oder
+mehrere ihrer Genossen getötet werden, auf sie abschreckend.</p><br>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span></p>
+
+<div class="footnotes"><h3>Fußnoten:</h3>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Die in diesem Bändchen mehrfach vorkommenden
+weidmännischen Ausdrücke bedürfen wohl meistens keiner besonderen
+Erklärung, da sich ihr Sinn aus dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht
+werden, von selbst ergibt. Wo es uns aber dennoch nötig schien, haben
+wir eine entsprechende Erklärung als Fußnote gebracht.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> D. h. in den Bewegungen innezuhalten (beim Wahrnehmen
+einer Gefahr oder eines Feindes).</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> D. h. bei Raubwild eine »Spur« (Tritt) vor die andere
+setzen.</p>
+</div>
+
+<div class="footnote">
+<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Die Frambösie ist eine eigenartige Hautkrankheit, die sich
+nur in den Tropenländern vorfindet und durch das Auftreten kleiner
+weißer Pusteln auf geröteter und entzündeter Haut, sowie daraus
+entstehender Geschwüre und schwammiger Auswüchse von Form und Größe
+einer Himbeere (franz. <span class="antiqua">framboise</span>) zu erkennen gibt.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="r5">
+
+<div class="chapter">
+<figure class="figcenter illowe62_5" id="illu-049">
+ <img class="w100" src="images/illu-049.jpg" alt="Bild">
+</figure>
+
+<h2 class="nobreak" id="Dickhaeuter"><b>Dickhäuter.</b></h2>
+</div>
+
+<p>Gewaltig ist der Reichtum an Dickhäutern in Deutsch-Ostafrika, die
+allerdings die großen Heerstraßen, auf denen Europäer oder ihre
+Karawanen entlang ziehen, verlassen haben. Bedingung für alle ist das
+Vorhandensein reichlichen Wassers. Frisches Gras, Schilf und Laubwerk
+ist ihre Hauptnahrung, und namentlich in der Trockenzeit sind diese
+Genüsse an fließendes oder stehendes Wasser gebunden. Allerdings
+treten die Dickhäuter zeitweise auch große Wanderungen an, so daß man
+sie in Gebieten antrifft, in denen sie ihre Lebensbedingungen auf die
+Dauer nicht finden. Stets halten sie sich aber dort nur vorübergehend
+auf, seien es Nashörner und Flußpferde, z. B. wenn sie nach einem
+anderen Weidegrund Umschau halten, oder Elefanten, wenn ihre Naschlust
+sie treibt, Borassuspalmen oder Bäume in der Zeit der Fruchtreife
+abzuernten.</p>
+
+<p>Plump und unbeholfen scheint uns ihr massiger Körper, der in der Natur
+eine ganz andere Größe erreicht als bei noch so sorgfältigster Pflege
+und reichlichster Nahrung in der Gefangenschaft.</p>
+
+<p>Jedoch mit welcher Behendigkeit entgegen dem täuschenden Anblick
+durchqueren sie die für kleineres Wild und Mensch kaum gangbaren
+Dickichte, die diesen nur auf ihren Pfaden ein Vorwärtskommen
+gestatten! Dornendickichte und üppig wuchernde Schlingpflanzen, die
+die Gebüsche förmlich verfilzen mit ihren frischen und<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> abgestorbenen
+Ranken, durchschreiten sie wie weiches Gras. Wenn auch lautes Gekrach
+und Geprassel damit verbunden ist, den Kolossen selbst ist eine
+Anstrengung nicht anzumerken.</p>
+
+
+<h3>Durch ein Dickhäuter-Eldorado.</h3>
+
+<p>Im Oktober 1912 reiste ich im Morogoro-Bezirk in Deutsch-Ostafrika. Am
+Schnittpunkt der Morogoro-Mahengestraße mit dem Ruahafluß angekommen,
+sagte ich mir, daß es für mich wenig Zweck hätte, auf den bisher
+bekannten Wegen mein Reiseziel Kissaki zu erreichen, und ich beschloß,
+den Ruahafluß abwärts zu gehen bis zum Zusammenfluß mit dem Rufidji.
+Auf der Karte war der Ruaha auf dieser Strecke nur durch punktierte
+Linien angedeutet, eine Routenaufnahme längs des Flusses war mir also
+vorbehalten.</p>
+
+<p>In den Ortschaften Kidatu und Kidoti versuchte ich, Eingeborene zu
+finden, die vielleicht die in Luftlinie etwa 180 km lange Strecke schon
+zurückgelegt hätten. Keiner war beim Fischen nach den im Ruaha lebenden
+enorm großen Welsen weiter als 40 km gekommen. Europäer hatten den Weg
+noch nicht gemacht. Nur der mit Schomburgk Elefanten jagende Engländer
+Kapitän Hemming war im Oktober 1908 dreißig Kilometer weit flußabwärts
+gelangt.</p>
+
+<p>Auf der Missionsstation Widunda, die von meinem Lager nur zwei Stunden
+entfernt lag, und wo ich bei Mönch Lamberti gastfreieste Aufnahme fand,
+suchte ich mich weiter zu orientieren. Andere Auskunft als die, daß
+weder Europäer noch Eingeborene diese menschenleere Gegend durchquert
+hätten, bekam ich auch hier nicht. In gemeinsamer Beratung nahmen wir
+an, daß der Weg bis zu den ersten Ortschaften vor dem Rufidji in vier
+Tagen zu machen sei.</p>
+
+<p>Da man beim Reisen in Afrika mit allen möglichen Zufällen rechnen muß,
+nahm ich für meine zwanzig Träger Verpflegung für sechs Tage mit, in
+der Voraussicht, unterwegs die Nahrungsmittel noch durch erlegtes Wild
+und gefangene Fische zu ergänzen. Ich warb in Kidoti noch vier Mann an,
+die die erste vierzig Kilometer lange Strecke kannten, zum Tragen des
+Mehlvorrates, den meine Träger nicht mehr auf ihre Traglasten schnüren
+konnten. Am ersten Tage legten wir fünfunddreißig Kilometer zurück.
+Der Weg war prächtig, da die Grasbrände von den von uns verlassenen<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span>
+Ortschaften sich bis hierher ausgedehnt und die ersten leichten
+Niederschläge der kleinen Regenzeit einen üppigen niedrigen Grasteppich
+hervorgezaubert hatten. Das Schweifen des Auges ins Grüne weiß nur
+der richtig zu würdigen, der den trostlosen afrikanischen Winter, die
+Trockenzeit, kennt, in der alles gelb, starr und tot ist, und wo das
+Auge nur zwei bis drei Meter vor sich Ausblick auf den schmalen Fußweg
+hat, den die eigenen Träger oder eine frühere Karawane getreten haben.</p>
+
+<p>Wunderbare Flußszenerien boten sich dem Auge dar. Das Flußbett war
+stellenweise dreihundert Meter und mehr breit, und da wenig Wasser
+floß, bildete der Fluß nur Rinnsale innerhalb eines Gewirrs von
+Sandbänken, die dicht mit aller Art Enten und Nilgänsen bedeckt waren.</p>
+
+<p>Im Schlick wateten fischende Marabus (<span class="antiqua">Leptoptilus crumeniferus
+Less.</span>) und Löffelgänse (<span class="antiqua">Platalea leucerodia Linn.</span>). Ibisse
+steckten ihre gebogenen Schnäbel in den Schlamm, und wo im Fluß ein
+abgestorbener Baumstamm lag, dort wimmelten unter seinen in die Luft
+starrenden Ästen Madenhacker (<span class="antiqua">Buphaga</span>), Kuhreiher (<span class="antiqua">Bubulcus
+lucidus Rafin.</span>), unter denen einzelne Edelreiher (<span class="antiqua">Herodias alba
+Linn.</span>) saßen und sich in der Reichsadlerstellung sonnende Kormorane
+(<span class="antiqua">Phalacrocorax carbo Linn.</span>).</p>
+
+<p>Hoch in der Luft zogen Seeschreiadler ihre Kreise und erfüllten sie mit
+ihrem hellen, klaren Schrei. Einzeln oder zu mehreren hielten Krokodile
+auf den Sandbänken Siesta in der Sonne, um beim langsamen Näherkommen
+behäbig ins Wasser zu rutschen, oder, falls sie überrascht wurden,
+in eilig grotesker Stellung dem Wasser zuzuwatscheln und mit starkem
+Schwanzschlag Wassergarben aufzuwerfen, so daß auf der Stelle, wo sie
+eingetaucht waren, noch einen Augenblick die Regenbogenfarben standen.</p>
+
+<p>Von Haarwild waren mir nur Wasserböcke (<span class="antiqua">Cobus ellipsiprymnus
+Ogilb.</span> und <span class="antiqua">Cobus defassa Rüpp.</span>) zu Gesicht gekommen. Da
+niemand in dieser Gegend jagte, waren sie recht wenig scheu und
+trotteten mir nur gemächlich aus dem Winde. Dabei fiel mir auf,
+daß sie wohl unter einer Seuche leiden mußten, denn ihre Behaarung
+war ruppig und glanzlos, und die Rippen traten deutlich hervor.
+Später gemachte Blutpräparate kamen mir leider abhanden, so daß ich
+nach meiner Heimkehr nicht mehr feststellen konnte, ob es sich um
+Tsetse (<span class="antiqua">Nagana</span>) oder einen anderen Erreger handelte. Obwohl<span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span>
+Tsetsefliegen (<span class="antiqua">Glossina fusca</span> und <span class="antiqua">morsitans</span>) in
+übergroßer Menge uns belästigten, möchte ich doch nicht auf Nagana
+schließen, da mein mitgeführter Reitesel gesund blieb und erst ein Jahr
+später sich an Nagana infizierte und einging, die Fliegen am Ruaha also
+wohl nicht infiziert waren.</p>
+
+<p>Schießen wollte ich erst kurz vor dem Lager, um keine Schwierigkeit mit
+dem Fleischtransport zu haben.</p>
+
+<p>Die linke Flußseite war bisher ziemlich frei von Wald, die
+gegenüberliegende trug abwechselnd dichtesten Uferbusch und Hochwald,
+aus dem ab und zu einige Borassuspalmen lugten, die sich hier und da in
+kleinen Inseln als Palmenbusch vereinigten (Abb. 9).</p>
+
+<p>Die rechte Seite des Ruaha bildete von meinem Ausgangspunkt bis
+hinunter zum Rufidji die Grenze des großen Jagdreservates des Bezirkes
+Mahenge und war bekannt wegen ihres Reichtums an Dickhäutern. In
+allen wildreichen Bezirken Deutsch-Ostafrikas finden sich nämlich ein
+oder mehrere Reservate, die von der Regierung geschaffen werden, um
+dem Wilde Schutz und Schonung angedeihen zu lassen. Es herrscht eine
+scharfe Kontrolle, daß von Durchreisenden kein Schuß, und sei es auf
+Raubtiere, darin abgegeben wird.</p>
+
+<p>Gegen zwei Uhr fing auch auf meiner Seite ein zunächst lichter Uferwald
+an, der den Fluß in zweihundert bis dreihundert Meter Breite begleitete
+und sich bis an die das Flußtal umsäumenden Hügel erstreckte. Das
+sonst aus abgebrannten Wiesenflächen wieder frisch gesprossene Gras
+hatte hier aufgehört, und wir mußten von nun alte Elefantenwechsel
+benutzen, die überall längs des Flusses kreuz und quer führten. Da
+meine Leute erschöpft waren, machte ich gegen halb vier Uhr Lager. Ich
+machte mir eine Stelle aus, wo ich freien Überblick nach dem Fluß und
+auch nach der Landseite zu eine Lichtung hatte, und baute das Zelt in
+niedrigem Busch ein, um nach Möglichkeit die Tierwelt beobachten zu
+können. Meine Leute plagten mich um Fleisch, und nach vier Uhr machte
+ich einen kleinen Gang ums Lager, mehr um mich zu orientieren, als mit
+der Absicht, Wild zu erlegen. Nur für alle Fälle nahm ich einen Mann
+mit, der, wenn nötig, das rituelle Schächten besorgen sollte, da alle
+meine Leute Mohammedaner waren, die nicht durch Kehlschnitt getötetes
+Wildbret verschmähen. Unmittelbar nachdem das Wild durch den Schuß
+auf der Decke liegt, muß der Schnitt unter Gebeten ausgeführt werden,
+solange das Blut der Halsschlagader noch fließt.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span></p>
+
+<p>Wir schlenderten also zunächst fünfhundert Meter am Flußufer hin. Man
+kann da im weichen, feuchten Ufersand am besten lesen, was alles zur
+Tränke kommt. Besonders zahlreich waren die Fährten von Wasserböcken,
+daneben lag Losung (Exkremente), die noch nicht ganz erkaltet war; die
+Tiere mußten also vom Zeltaufschlagen flüchtig geworden sein. Einige
+Warzenschweine waren auch zur Tränke gegangen.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-053" style="max-width: 81.875em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-053.jpg" alt="Landschaft">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Ein kleines Bachbett, das zurzeit trocken war, hatte Flußpferden zum
+Ausstieg an das höhere Flußufer gedient; der Wechsel war aber schon
+älteren Datums und die Losung prasseldürr. Wir folgten dem Bachbett
+aufwärts und sahen etwa dreißig Stück nur männliche Wasserböcke. Um
+sie dem Lager noch näher zu treiben, gingen wir, bis sie Wind bekamen.
+Es war mehr eine Spielerei von mir, aber der Versuch glückte. Durch
+langsames Nachgehen trieben wir sie bis auf hundert Meter aufs Lager
+zu. Plötzlich stutzten sie vor den Brennholz holenden Negern, und ich
+nahm auf neunzig Meter den stärksten Bock aufs Korn und ließ fliegen.
+Mit gesenktem Äser (Maul) ging er noch einige taumelnde Schritte näher
+zum Zelt und lag dann mit gutem Lungenschuß. Leider war er genau so
+mager,<span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span> als die tagsüber gesichteten. Den Negern ist das ja ganz
+gleichgültig, meinen Appetit schärfte das kränkliche Aussehen jedoch
+nicht, und ich verzichtete auf den Genuß.</p>
+
+<p>Nun, da die Leute ihren Willen, d. h. Fleisch zu ihrer Polenta hatten,
+gab ich mich der Ruhe hin. Schöner lockerer Sand am Ufer lockte
+zum Niederlegen, und die am Uferrand stehenden wilden Feigenbäume
+dämpften das noch immer grelle Sonnenlicht. Einige meiner Leute kamen
+zum Wasser, das einen klaren Tümpel von etwa Hektargröße bildete,
+und spülten die Därme des Wasserbockes, um sich diese Delikatesse
+mundgerecht zu machen. Wäre kein Wasser in der Nähe gewesen, so wäre
+es auch gegangen, indem die Därme einfach umgedreht und mit der Hand
+abgestreift worden wären.</p>
+
+<p>Während ich den Leuten so zusehe, fällt mir auf dem Wasserspiegel in
+der Nähe der Spülstelle auf, daß kleine, aus dem Wasser ragende Zweige
+hin und her schwimmen, untertauchen und wiederkommen, so daß ein
+mechanisches Bewegen durchs Wasser ausgeschlossen erscheint. Ich rufe
+die Leute an, was das wäre, und erhalte die Antwort: <span class="antiqua">cambale mingi
+sana</span> — sehr viele Welse.</p>
+
+<p>Na gut! Fisch hatten wir längere Zeit nicht gehabt, und wenn sie so
+gierig waren, wie die vor uns, so versprach das einen leichten Fang.
+Von einer Wasserbockkeule ließ ich das Fleisch abschneiden, band dann
+den Knochen an einen Strick, diesen an eine Baumwurzel und schnitzte
+mir dann einen Stiel zu meiner Hechtgabel, die ich noch aus meiner
+Jugendzeit besitze.</p>
+
+<p>So, nun noch einen Nagel durchgetrieben, daß die Öse fest am Stock
+sitzt, und die Sache kann losgehen. Schon von weitem sehe ich, daß der
+Köder gut angenommen war. Der Strick wurde hin und her gezerrt, und
+einzelne Rücken schoben sich aus dem plätschernden Wasser. Vorsichtig
+ging ich näher. Es waren mächtige Kerle dabei, deren Bart über
+Bleistiftstärke Dicke hatte. Ich suchte mir einen mittleren von 1 Meter
+Länge aus und hatte ihn an der Gabel, die ich aber fest an den Grund
+drücken mußte, damit er sich nicht losriß. Ich schickte einen Mann ins
+Wasser, der untergreifen mußte, und mit gleichzeitigem Schwunge lag der
+Wels hilflos im losen Sande. Die anderen Welse nahmen keine Notiz von
+uns, sie mußten im Tümpel wohl nicht mehr allzuviel finden und waren
+deshalb so gierig, daß sie auf nichts mehr acht gaben. Die Gabel kam
+nun noch ein paarmal zur Anwendung, dann nahmen der mir<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span> helfende Mann
+und dazugekommene andere Träger einfach die Hände und warfen Fisch auf
+Fisch in den Sand, bis ich sagte: »Jetzt sind's genug!« Bald waren
+alle Fische kopflos und wegen ihrer Dicke der Länge nach halbiert; auf
+Stäbe gespießt und ums Feuer gesteckt, begannen sie ihren Räucher- oder
+vielmehr Dörrprozeß, für meine Nase allerdings kein idealer Genuß.
+Ist man aber erst über ein Jahrzehnt in Afrika, d. h. wirklich darin
+und nicht nur an der Küste und in Orten der Bahnlinie, dann ist die
+Nase auch an mancherlei Düfte gewöhnt, ohne ihrem Träger Übelkeit und
+Brechreiz zu verursachen, wie so oft im Anfang. Am nächsten Morgen
+waren so viele getrocknete Fische vorhanden, daß, nachdem sich jeder
+Träger die Menge auf seine Last geschnürt hatte, die er noch gerade
+zu tragen vermochte, neben dem Rest des Wasserbockfleisches noch zwei
+Traglasten übrig blieben, die die in Kidoti mitgenommenen Mehlträger
+auf ihrem Rückwege mit nach Hause nehmen wollten; sie verschnürten sie
+deshalb sorgsam in Borassusblätter und hingen sie zum Schutze gegen
+Hyänen drei Meter über der Erde an einem Baum auf.</p>
+
+<p>Frisch und fröhlich marschierte die Karawane dann an dem noch kühlen
+Morgen weiter. Viel Gelände gewannen wir nicht auf unserem Wege, denn
+Gestrüpp und hohes Gras zwangen uns, nur Elefantenwechsel zu benutzen,
+die außerdem nicht gerade in der gewünschten Richtung führen. Man
+muß daher oft Leute nach rechts gehen lassen, um festzustellen, ob
+wir uns auch parallel am Fluß halten. Diese Wechsel sind zwar, wenn
+weniger benutzt, am Boden in achtzig Zentimeter- bis Meterbreite gut
+glattgetreten, aber von der Seite ragen Dornenzweige herein, und von
+oben hängen armdicke Schlingpflanzen herunter, um die sich der Elefant
+zwar wenig kümmert, da er sie einfach beiseite drückt oder zerreißt,
+die aber den Trägern mit der Last auf dem Kopfe äußerst hinderlich
+sind, namentlich wenn die Last sperrig ist, wie das beim Zelttisch,
+dem Feldbett und den Zeltlasten der Fall ist. Mühsam müssen die
+Vordermänner dann mit dem Buschmesser Luft schaffen, was die Leute
+recht ermüdet. Damit ich zu allererst die Natur immer frisch vorgesetzt
+bekomme, gehe ich mit meinem Boy Saleh und einem alten Jagdbegleiter
+— Mohamadi Kungulio — der früher berufsmäßiger Elefantenjäger war,
+fünfhundert Meter voraus.</p>
+
+<p>Wir warten nun und wollen die Karawane aufmarschieren lassen und dann
+den Leuten etwas Rast gönnen. Wir warten, warten,<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> warten — nichts
+kommt. Endlich wird mir's zu bunt, und ich lasse Saleh laut rufen.
+Nach dem zweiten »Huiiiii« zupft mich Mohamadi Kungulio am Ärmel —
+<span class="antiqua">tembo kule, na kule, na kule</span> — Elefanten dort und dort und
+dort, die Richtung mit dem zur Schnute geformten Mund angebend. Da
+höre ich auch schon meine Leute hinter mir aufschreien und für eine
+halbe Minute kracht's und prasselt's im Wald und Gebüsch, als ob ein
+Zyklon hindurchbrauste. Ich selbst sah für kurze Augenblicke vier
+Elefanten, die mit den Ohren schlugen und im Laufen den Rüssel nach
+allen Richtungen in die Luft warfen, um zu winden. Zwei kamen auf uns
+zu, zwanzig Meter in der Breite getrennt; wir blieben ruhig stehen,
+ohne uns zu rühren, und sie schlürften weiter auf die Karawane zu,
+ohne Notiz von uns zu nehmen. Wir steckten rasch das trockene Gras in
+Brand, um sie durch den Brandgeruch weiterzuvertreiben, und gingen
+dann zurück zu den Trägern. Hier lagen meine Lasten am Boden, von den
+Leuten keine Spur; erst nach mehrmaligem Rufen kommen einige zaghaft
+hinter Stämmen hervor oder von Bäumen herunter. Zu Schaden ist keiner
+gekommen, nur meine Lasten werden durchs Hinwerfen etwas beschädigt
+sein. Nun lachen die Leute sich gegenseitig aus wegen der überstandenen
+Angst. Die vordersten hatten drei Elefanten schlafend stehen sehen;
+nach der Beschreibung der Leute mußten wir auf sechs Meter an ihnen
+vorbeigegangen sein, hatten aber nichts gemerkt. In Angst hatten sich
+die Leute nicht weiter vorgewagt, sondern waren mit der Last auf dem
+Kopfe stehen geblieben und hatten erst nach dem »Huiiiii« die Lasten
+weggeworfen und waren ausgerückt, als einer der aus der Ruhe gestörten
+Elefanten die Richtung auf sie zu nahm. Es mögen insgesamt etwa dreißig
+Elefanten gewesen sein, die sich lang auseinandergezogen zur Ruhe
+untergestellt hatten.</p>
+
+<p>Daß wir vorbeigingen, ohne die drei Elefanten zu bemerken, ist nichts
+Verwunderliches. Im dichten Blätter- und Astgewirr, aus dem nur Teile
+der Tiere sichtbar sind, läuft man sehr leicht vorbei; die Säulen
+(Beine) dieser großen Dickhäuter sehen Baumstämmen täuschend ähnlich,
+und oft hat die vorzügliche Mimikry (Anpassung an die Umgebung) meine
+nicht gerade schlechten Jägeraugen getäuscht, wenn ich auf frischer
+Elefantenfährte pirschte, und nicht, wie heute, Routen aufnehmend und
+nur beobachtend meines Weges zog.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span></p>
+
+<p>Erzählte doch ein Spaßvogel, er habe einen Büffel vor sich gehabt, und
+zum sicheren Schuß an einem Stamme angestrichen<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>; nach dem Schuß wäre
+der Büffel davongelaufen, sein Stamm aber auch, und erst jetzt habe er
+gemerkt, daß er eine Elefantensäule für einen Stamm angesprochen habe.</p>
+
+<p>Ist dies auch etwas toll geflunkert, so habe ich, wie viele
+Elefantenjäger, doch oft über eine Viertelstunde neben einem Elefanten
+gestanden, auf den ich achtlos gelaufen war, weil ich einen anderen,
+entfernteren schießen wollte, der nicht günstig stand. Solange der
+Elefant nicht Wind bekommt, reagiert er nur schwach durchs Gesicht und
+achtet auf Geräusche, die durch Gehen oder Brechen im Busch verursacht
+werden, recht wenig.</p>
+
+<p>Nach dem überstandenen Schrecken ging es wieder weiter. Um ähnlichen
+Überraschungen vorzubeugen, zündete ich immer vorn das Gras an, womit
+ich gleichzeitig meinen folgenden Trägern das Zeichen gab, wie weit ich
+voraus sei, da sie an der Ausbreitung des Feuers merken konnten, wie
+lange es schon brannte.</p>
+
+<p>Wir überschritten jetzt ständig Flußpferdpfade, die alle frisch
+begangen waren. Einem Pfad, auf dem die Losung noch so frisch war,
+daß sie noch Luftbläschen enthielt, folgte ich bis zum Wasser. Schon
+nach hundert Metern stand ich vor dem Ruaha, der sich hier durch
+eingelagerte Felsbänke seenartig erweiterte, d. h. er füllte trotz
+der Trockenheit das ganze Flußbett aus. Ein wunderbares Bild hatte
+ich, als ich den Wasserspiegel überblicken konnte. Mir gegenüber in
+fünfzig Meter Entfernung lagerten im seichten Wasser mehrere Flußpferde
+(<span class="antiqua">Hippopotamus amphibius L.</span>, s. Abb. 10). Einzelne stiegen auf
+den Steinklippen umher, den ganzen Körper außerhalb des Wassers, und
+balanzierten trotz des massigen Körpers geschickt auf den schmalen
+Stützpunkten herum. Andere jagten sich im neckischen Spiel im Wasser,
+und zwei junge Bullen probierten gegenseitig ihre Stoßzähne, indem
+sie Lippen gegen Lippen stießen. Fast sah es so aus, als ob diese
+massigen Mäuler sich zum Kusse berührten. Man hörte aber deutlich das
+Aneinanderklirren der Stoßzähne, die im Maul verborgen lagen, und
+konnte sich einen Begriff davon machen, wie es später im blutigen
+Ernst zuginge. Ein auf einer Sandbank<span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span> liegender alter Bulle ließ
+deutlich erkennen, daß auch die dickste Schwarte Risse bekommen kann;
+in allen Richtungen war seine Rückenpartie vom Kampfe zerhackt, teils
+alt und weißlich verharscht, teils neueren Datums, an der rosigen
+Farbe erkennbar. Insgesamt mochten es mehr als vierzig Flußpferde
+gewesen sein, die da beisammen waren. Sie nahmen kaum Notiz von mir.
+Auf mein lautes Händeklatschen antwortete nur der alte Bulle durch
+tiefes Rohren, bemühte sich jedoch nicht aus seiner bequemen Lage.
+Von der anderen Gesellschaft hoben nur einige die Köpfe, schüttelten
+die kleinen Lauscher und pflegten dann weiter der Ruhe. Lange konnte
+ich mich nicht von dem Bilde trennen, aber ich war noch nicht am Ende
+meines heutigen Marschzieles. Drei Stunden wenigstens wollte ich noch
+weiter gehen.</p>
+
+<p>Alle Viertelstunden stießen wir jetzt am Lande auf schlafende
+Flußpferde, die wir hoch machten, damit sie unter der nachfolgenden
+Karawane keine Verwirrung anrichten konnten. Eilig trotteten sie
+dem Flusse zu. Auf einen jungen Bullen waren wir bis auf 1 Meter
+aufgelaufen, ohne ihn im Grase zu sehen. Schießen wollte ich nicht,
+da ich mir nur einen alten Bullenschädel mitnehmen wollte und die
+Tiere hier fern von allen Anpflanzungen keinen Schaden anrichten
+können. Anfangs glaubte ich, er schliefe. Als ich aber eine kleine
+Seitenwendung machte, bewegte er seine Lauscher und drehte seine
+Lichter so nach mir, daß ich den blutunterlaufenen Augapfel sah. Ich
+winkte meinen beiden Leuten mit den Augen und wollte mich vorsichtig
+zurückziehen und ihn erst dann hoch machen. Ganz sympathisch war mir
+seine große Nähe nicht. Sowie ich den linken Fuß hinten aufgesetzt
+hatte und den Körper nachzog, sprang er auf, warf sich nach mir herum,
+und mit knapper Not entging ich durch einen Seitensprung einem nach
+mir geführten Stoß; dann raste er auf meine beiden Begleiter zu, ohne
+jedoch Notiz von ihnen zu nehmen, als sie durch einen hastigen Satz
+aus seiner Fahrtrichtung flüchteten. Saleh wollte mir und Mohamadi
+Kungulio die Hand schütteln zur Beglückwünschung nach überstandener
+Gefahr. Mohamadi als alter Elefantenjäger lachte ihn aber aus und
+meinte wegwerfend: »Hm, ein Flußpferd ist kein Nashorn,« womit er ja
+schließlich recht hat im zweifachen Sinne seiner Worte.</p>
+
+<p>Wir kamen jetzt an einen versumpften Flußlauf, der von links auf
+den Ruaha zu führte. Dicht war der Sumpf mit Nymphazeen<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span> bewachsen,
+auf deren schwimmenden Blättern braune und schwarze Blätterhühnchen
+(<span class="antiqua">Phyllopezus africanus Gmel.</span>) trippelten. Bei unserer Annäherung
+fingen sie an zu gurren, und dieser gurrende Ton setzte sich über den
+ganzen Sumpf fort. Zahlreiche Dickhäuter mußten hindurchgewechselt
+sein, denn nach allen Richtungen konnte man die Linien der im Gehen
+umgewendeten Nymphazeen sehen, deren rotbraune Unterseite sich deutlich
+vom übrigen Grün abhob. Hellgrüne Flecken bildeten die Fanna-Rosetten
+dazwischen. In der Mitte standen zwei Nimmersatte (<span class="antiqua">Pseudotantalus
+ibis Linn.</span>) auf einem Ständer und putzten sich das Gefieder. Weiter
+unten nach dem Fluß zu sah ich einige weiße Vögel, konnte aber auch
+durchs Glas nicht bestimmen, ob ich Reiher oder Löffelgänse vor mir
+hatte.</p>
+
+<p>Um die Fährten am Rande des Sumpfes zu lesen, beschloß ich, ihn zu
+umgehen. Ich hatte dabei die Nebenabsicht, falls die weißen Vögel
+Reiher wären und Schmuckfedern trügen, einen bis zwei zu erlegen.</p>
+
+<p>An Fährten stellte ich fest: drei afrikanische (Spitz-)Nashörner
+(<span class="antiqua">Diceros bicornis L.</span>, s. Abb. 12), dann Flußpferde, Elefanten,
+Wasserböcke und Zebras sowie einen starken Löwen. Es waren wirklich
+Reiher (<span class="antiqua">Herodias alba Linn.</span>), wie ich auf hundertfünfzig Meter
+ausmachen konnte. Beim Näherkommen sah ich durchs Glas, daß nur einer
+gute Federn hatte, d. h. diese ragten über den Stoß als vom Wasser
+zusammengeklebtes Schwänzchen. Auf einem Flußpferdwechsel, der durchs
+Gebüsch führte, kam ich ungefähr auf vierzig Meter heran und holte mir
+den Federträger mit einem Schuß meines kleinen 6 mm-Bayardkarabiners,
+der, rauchlos beschossen, nur sehr schwach knallt. Mein Vogel schwamm
+sofort auf dem Wasser, und die anderen lüfteten nur etwas die Flügel.
+Mit dieser Beute war ich sehr zufrieden. Die Federn waren zwar durch
+das Schleifen im Schlamm an den Spitzen braungrau gebeizt, bei den
+trockenen Federn war aber nichts davon zu merken.</p>
+
+<p>Ich stieß wieder zu meiner Karawane, die sich inzwischen ausgeruht
+hatte, und wir setzten den Weitermarsch fort. Bei Durchquerung eines
+Dickichts, das wenig Ausblick gewährte, schreckte uns plötzlich ein in
+allernächster Nähe ausgestoßener fauchender Grunzton. »Mbuisi«, wilde
+Hunde (Hyänenhunde), sagte Mohamadi. Ich bückte mich möglichst tief und
+sah zwei Löwen von merkwürdig dunkler, ins Braune gehender Farbe, mit
+dunkelbraunem Kopf,<span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span> mähnenlos und nur halb so groß als ausgewachsene
+Löwen, weshalb ich sie für junge Tiere hielt. Mohamadi und Saleh
+hatten sechs Stück gezählt, und jener erklärte mir, daß es sich um
+»Buschlöwen« handelte, die nicht größer würden und stets in Rudeln
+jagten. Sie griffen Menschen niemals aus freien Stücken an, kämen
+auch niemals in die Nähe der Dörfer. Sobald jedoch einer von ihnen
+angeschossen wäre, gingen alle solidarisch zum Angriff über.</p>
+
+<p>Vor sechs Monaten hatte mir Pater Jäckel von der Missionsstation
+Tununguo, ein sehr eifriger Jäger, erzählt, daß er einen solchen
+kleinen Löwen geschossen hätte, drei andere seien darauf geflüchtet.
+Ich hielt damals Pater Jäckels Beute für einen jungen Löwen, da ich
+mir einbildete, alles größere deutsch-ostafrikanische Wild aus eigener
+Anschauung zu kennen, und sah nun, daß ich mich getäuscht hatte. Leider
+habe ich auch späterhin keinen dieser kleinen, kaum bekannten und
+bisher unbeschriebenen Löwenart wieder zu Gesicht oder gar zum Schuß
+bekommen.</p>
+
+<p>Die überall im Grase liegenden Flußpferde wurden uns bald äußerst
+lästig; da sie in so großer Anzahl herumlagen, erlosch mein Interesse
+für sie. Einige Male folgte ich noch ihren Pfaden bis zum Wasser und
+sah dann stets Flußufer und Sandbänke von ihnen bevölkert. Ich habe
+auf dieser Reise mindestens tausend Stück gesehen; da ich nur ab und
+zu Ausblick auf den Fluß hatte und dort stets eine größere Anzahl —
+zwanzig bis vierzig — sichtete, muß die wirkliche Menge ganz gewaltig
+sein. Kein Mensch hatte sie hier gestört, und andere Feinde gibt es
+wohl kaum für sie, da sie mit ihren Mitbewohnern des Wassers, den
+Krokodilen, friedlich auszukommen scheinen. Es mag höchstens ab und zu
+einmal ein Löwe ein junges Flußpferd schlagen.</p>
+
+<p>Auf einer Insel, die zurzeit mit der Landseite trockene Verbindung
+hatte, schlug ich das Lager auf. Ich hatte von hier aus Ausblick
+auf stark benutzte Tränkstellen an beiden Flußufern. Der Ruaha floß
+hier in nur vierzig Meter breiter Rinne in reinem Sandbett. Außer
+einigen großen Bäumen, die mir Schatten gewährten, war die Hälfte der
+Insel mit dichtem, hohem Schilfrohr bestanden. In dem trockenen Teil
+des Flußbetts waren zahlreiche, zum Teil tiefe Tümpel, die von sehr
+mannigfacher Vogelwelt bevölkert waren. Ich sah hier die ersten jungen
+Nilgänse (<span class="antiqua">Alopochen aegyptiacus Linn.</span>), die noch nicht flügge
+waren.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span></p>
+
+<p>Gern hätte ich mir einige davon gefangen, da sie im Geflügelhof ganz
+zahm werden und auch späterhin nicht fortfliegen. Wir plagten uns aber
+bis Sonnenuntergang vergeblich. Sie hielten sich immer in der Nähe
+des Wassers und ließen sich durch keine List davon abschneiden. Auf
+dem Wasser aber war alle Mühe aussichtslos; sie tauchten so geschickt
+und kamen zwischen schwimmenden Blättern und Ästen unbemerkt wieder
+an die Oberfläche, wo man sie erst nach längerem Umherstreifen wieder
+entdeckte.</p>
+
+<p>Als ich noch bei Tageslicht — um die durch das Lampenlicht
+herbeigelockten Insekten nicht ständig aus Suppe und Fleischtunke
+herauslesen zu müssen — meine Mahlzeit einnahm, die sich, wie stets
+auf Reisen, aus vereinigtem Mittags- und Abendbrot zusammensetzte,
+sah ich auf der rechten Flußseite (dem Jagdreservat) zwei Elefanten
+langsam auf den Fluß zu wechseln. Sie kamen bis auf einige Meter an den
+Fluß heran, knieten dort nieder und schaufelten mit den recht langen
+Stoßzähnen — an der schlanken Form der Stoßzähne erkannte ich sie als
+alte Kühe — den Sand auf. Dann erhoben sie sich wieder und halfen mit
+den Vordersäulen nach, um die Vertiefung größer zu machen. Sie warteten
+eine kleine Weile, sogen sich mehrmals hintereinander die Rüssel voll
+und entleerten sie in ihr Maul, dann wurden einige Rüssel voll über den
+Rücken und die riesenhaften, lebhaft hin und her bewegten Ohrmuscheln
+gespritzt (Der deutsch-ostafrikanische Elefant (<span class="antiqua">Loxodonta africana
+knochenhaueri Mtsch.</span>, s. Abb. 18) hat im Gegensatz zu <span class="antiqua">Elephas
+maximus L. [E. indicus]</span> riesenhafte Ohren. Auch seine Stoßzähne
+sind erheblich größer und erreichen ein Gewicht von 300 Pfund und
+eine Länge von 2,8 Metern.), bis sie in steinerner Ruhe dastanden, in
+der hereinbrechenden Dunkelheit immer verschwommener und gewaltiger
+erschienen und sich schließlich ihre Schatten meinem Auge ganz
+auflösten. Leider erschien der Mond erst gegen vier Uhr morgens als
+letztes Viertel.</p>
+
+<p>Von allen Seiten hörte ich in dieser Nacht Elefanten trompeten
+und beim Laubäsen in den Ästen brechen. Ab und zu gurgelte in dem
+lautlos fließenden Ruaha das Wasser, wenn Flußpferde heraus oder
+hinein wechselten. Dazwischen schreckten Buschböcke mit ihrem tiefen
+Bellton. Einmal erwachend, hörte ich ein Flußpferd ganz dicht bei
+meinem Zelt Schilf äsen. Ganz gleichmäßig wechselten das Rupfen und
+die Kaugeräusche ab, so daß ich bald wieder einschlief.<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> Es ist
+eine weihevolle Stimmung, die einen beherrscht, wenn man in der von
+frevelnder Menschenhand noch nicht berührten Natur das Leben dieser
+Urriesen auf sich einwirken lassen kann.</p>
+
+<p>Am Morgen erwacht, ging ich im Schlafanzug aus dem Zelt, und mein
+erster Blick galt der Stelle, wo gestern abend die Elefanten gestanden
+hatten. Sie war natürlich leer, aber ein größeres dunkles Etwas lag am
+Boden, dessen Natur ich mit dem Glas nicht ausmachen konnte. Mohamadi
+Kungulio, als Monfidyi (Bewohner des Rufidjideltas) an Wasser mit
+Krokodilen gewöhnt, schwamm hinüber und fand — die Nachgeburt eines
+Elefanten. Hätte ich von diesem nächtlichen Vorgang eine Ahnung gehabt,
+so hätte ich mich sicher hinübergepirscht, um diesen Vorgang, der wohl
+selten eines Menschen Auge geboten wird, zu belauschen. Frisch gekalbte
+Elefanten hatte ich früher am Njassa häufig gesehen, sie waren aber
+immer einige Tage alt, da ich sie nur dadurch zu Gesicht bekommen
+hatte, daß mir gemeldet wurde, der Elefant, der immer dort und dort zur
+Tränke zieht oder nachts die Zuckerrohrpflanzungen abweidet, hat jetzt
+ein Junges.</p>
+
+<p>Der Weitermarsch bot gegen die Vortage nichts Neues. Flußpferde,
+Flußpferde, Flußpferde und ab und zu einige Wasserböcke, sonst sahen
+wir nichts.</p>
+
+<p>Vom Lager wagte ich es, im Fluß zu schwimmen. Hundertfünfzig Meter von
+mir entfernt lagen mehrere Flußpferde ruhig im Wasser. Durch unseren
+Lärm aufmerksam gemacht, schwamm eins langsam auf uns zu. Es war wohl
+mehr Neugierde als Angriffslust. Als es gähnend den Rachen aufriß,
+sah ich prachtvolles Elfenbein schimmern (Abb. 10). Ich machte meinen
+oben vom Zelt uns zuschauenden Leuten die Geste des Schießens, und
+mein Boy Saleh brachte mir gleich mein schwerstes Gewehr, die 11,2
+Elefantenbüchse mit 5,5 g rauchlosem Pulver. Auf etwa 30 Meter ließ ich
+den Bullen herankommen, dann ließ ich, auf das rechte Auge abkommend,
+fliegen. Ein gewaltiges Plätschern, das mir die Wellen bis an die Brust
+spülen ließ — ich stand bis etwas über die Hüfte nackt im Wasser —,
+und der Bulle lag tot auf dem Wasser, ohne unterzusinken. Auf den Schuß
+antworteten flußauf und -ab die anderen Flußpferde durch tiefes Rohren.</p>
+
+<p>Um einem Abschwimmen in dem zwar langsam abfließenden Wasser
+entgegenzuarbeiten, rief ich gleich nach Stricken und Leuten,<span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> und
+bald bewegte sich der Koloß, von Schwimmern gezogen, aufs Ufer zu,
+während einer auf den Kadaver geklettert war und Umschau hielt, ob
+kein Krokodil oder Flußpferd in der Nähe sichtbar würde. Plötzlich
+angstvolles Schreien aller Leute, mein Flußpferd war im Stich gelassen,
+und alles strebte dem Ufer zu. Ein zweites Flußpferd erschien dicht
+hinter dem erlegten und gab dem toten Tier gewaltige Stöße. Da mir
+meine Munition zu kostbar war, rief ich meinem Soldaten beim Zelt zu,
+einen Schreckschuß abzugeben. Er gab deren zwei ab, die wirkungslos
+blieben. Na, dann meinetwegen! Ich hatte zwar an einem Schädel genug,
+aber diesen einen wollte ich auch sicher haben.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-063" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-063.jpg" alt="Flußpferd">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Gerade als das Flußpferd den Kopf etwas aus dem Wasser hob und steil
+nach unten senkte, trug ich ihm meinen Schuß durch die Lichter an.
+Lautlos versank es, nur der dumpfe Ton der einschlagenden Kugel war
+weit hörbar. Mit Mühe bekam ich meine Leute so weit, daß sie sich
+wieder vorspannten. Als die Schwimmer Grund hatten, ging die Sache
+rasch vor sich. Im knietiefen Wasser wollte es aber nicht weiter
+gehen, trotzdem zwölf Mann an den<span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span> Stricken zogen und zehn hinten
+drückten. Da die Sonne schon untergegangen war, ließ ich den Kopf vom
+Rumpfe trennen. Vier Mann hatten schwer daran zu tragen. Der Schädel
+sollte bis zum Morgen durch Entfernen aller Fleischstücke leichter
+gemacht werden, und drei Mann, die sich immer ablösen mußten, ließ
+ich unter Aufsicht eines Soldaten ans Werk gehen. Schrilles Trompeten
+der Elefanten, Rohren der Flußpferde und das Heulen einiger Hyänen,
+die der Fleischgeruch lockte, machten unser Nachtkonzert. Am Morgen
+rief ich durchs Zelt, daß zwei Mann nachsehen sollten, ob der Kadaver
+des zweiten Flußpferdes, das gestern gleich gesunken war, an den
+Stromschnellen, die weiter unten waren, angeschwemmt sei oder so auf
+dem Wasser treibe.</p>
+
+<p>Sie kamen zurück mit der Botschaft, daß nicht nur von dem zweiten
+Flußpferd nichts zu sehen sei, sondern auch der kopflose Kadaver, den
+wir nur mit Mühe im knietiefen Wasser fortbewegt und nicht einmal bis
+ans Ufer gebracht hatten, verschwunden sei. Wir nahmen an, daß es
+Krokodile gewesen waren, die den unverletzten Körper angeschnitten und
+dadurch am Auftrieb verhindert und ebenso den kopflosen Kadaver erst
+durch Abreißen von Stücken leichter gemacht und dann ins tiefere Wasser
+gezerrt hätten. Am Rikwasee hatte ich häufig die Beobachtung gemacht,
+daß auf den Grund gesunkene Flußpferde von Krokodilen angeschnitten
+wurden, ehe sich die Auftriebsgase entwickeln konnten.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp75" id="illu-064" style="max-width: 18.75em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-064.jpg" alt="Flußpferdschädel">
+</figure>
+
+<p>Nun, dann hilft weiter nichts, wir mußten weiter. Zwei Mann tragen den
+jetzt nur noch etwa hundert Pfund schweren Schädel an einer Stange. Das
+Gebiß ist prächtig (Abb. 11). Die Stoßzähne sind handgelenkstark, und
+die beiden unteren Hauer reichten mir, als ich sie später herausnehmen
+konnte, um den Leib, wenn man Wurzel und Spitze zum Ring zusammenlegte.</p>
+
+<p>Gegen zehn Uhr wurde hinten bei den letzten Trägern ein Nashorn
+(<span class="antiqua">Diceros bicornis L.</span>, Abb. 12) hoch. Geräuschvoll wie eine<span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span>
+Dampfmaschine pustend, jagte es an der Karawane entlang, lief auf
+uns bis auf vierzig Meter zu und schwenkte dann links ab, in der
+Hügellandschaft im hohen Grase verschwindend. Natürlich lagen wieder
+sämtliche Lasten auf der Erde. Wegen seiner Angriffslust ist es das
+von den Negern am meisten gefürchtete Tier. Man sieht es dem ruhig
+weidenden, plumpen Tier gar nicht an, welch behende Geschwindigkeit es
+entwickeln kann.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-065" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-065.jpg" alt="Nashorn">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Die Hügellandschaft trat jetzt etwas mehr zurück, und das Gras wurde
+niedriger, so daß das verbreiterte Flußufer Salzsteppencharakter
+annahm. Gnus (<span class="antiqua">Connochaetes taurinus Burch.</span>), Hartebeeste
+und Zebras traten in kleinen Herden auf, und Rudel von
+Schwarzfersenantilopen äugten auf uns aus der Ferne. So blieb das
+Bild einige Tage, die Elefantenwechsel wurden spärlicher, und nur die
+Flußpferde blieben zahlreich wie zuvor. Ein heftiger Kopfschmerz hatte
+sich bei mir bemerkbar gemacht, und ein Ziehen im Kreuz und in den
+Beinen gab mir Gewißheit, daß sich Malaria eingestellt hatte. Unsere
+Vorräte waren aufgezehrt, wir waren schon am siebenten Tage unterwegs,
+statt, wie gerechnet, am fünften bis sechsten auf eine Ortschaft zu
+stoßen. Mein Kaffee war auch zu Ende, ebenso<span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span> der Brot- und Mehlvorrat,
+und selbst das Petroleum zu meiner Reiselampe. Nur Reis war für mich
+noch für eine Mahlzeit vorhanden. Nachmittags nahm ich ein Gramm
+Chinin und abends ein zweites. Das Fieber ging nicht herunter und
+blieb auf neununddreißig Grad stehen, ab und zu etwas über vierzig
+steigend. Nachts erwache ich und nehme halb im Fieberwahn ein drittes
+Gramm Chinin. Das war auch für meine Pferdenatur etwas zu viel, und am
+Morgen sah ich die Bescherung, ich hatte mir ein Schwarzwasserfieber
+zugezogen, das zweite in Afrika, allerdings mit einem Zwischenraum von
+elf Jahren. Ich versuchte, auf dem Esel zu reiten, nach einer Stunde
+ging's nicht mehr. Nun heißt zwar bei Schwarzwasserfieber die erste
+Pflicht, ruhig liegen bleiben, ganz gleich, wo. Meine und meiner Leute
+Nahrungsmittelverhältnisse zwangen uns aber weiter. Ein paar Schritte
+machte ich, auf meinen Boy Saleh gestützt — es ging nicht mehr. Meine
+Soldaten machten aus meiner Zeltbodendecke eine Hängematte und trugen
+mich persönlich. Es ging so lange gut, bis das schon mürbe Segeltuch
+riß. Nun banden sie ihre Schlafdecken als Hängematte an eine Stange,
+aber bald löste sich auch dort das Gewebe auf, und es blieb nichts
+anderes übrig, als daß ich mehrere Strickpartien mir um Decke und
+Stange in kleinen Abständen legen ließ. Fest wie ein Bündel lag ich nun
+an die Stange angeschnürt. Das durch die Decke gemilderte Einschneiden
+der Stricke war noch zu ertragen, aber ich konnte mich nicht bewegen
+und die Tsetsefliegen nicht verjagen, die sich saugend auf Kopf und
+Gesicht niedergelassen hatten. Ich verlor bei dieser Tour mehrere
+Plomben aus den Vorderzähnen, wenn ich in Schmerz und Wut in die Decke
+biß.</p>
+
+<p>Essen mochte ich im Lager nichts. Es gab nur gedörrtes
+Wasserbockfleisch und abgekochtes lauwarmes Ruahawasser. Von diesem
+zwang ich so viel in mich hinein, als mir ohne Brechreiz möglich war,
+um die mit Blut verstopften Nieren wieder zu spülen und arbeiten zu
+lassen. Einen Mann sandte ich voraus, um mir aus der unmöglich weit
+entfernten Ortschaft eine Papay (Baummelone) zu holen, koste es was es
+wolle. Spät am Abend kam er ergebnislos zurück, er brachte aber einen
+Fischer mit, den er mit zwei anderen Leuten getroffen hatte.</p>
+
+<p>Nun konnte ich mich wenigstens über die Gegend orientieren. Die
+Ortschaften flußabwärts waren mehrere Tage entfernt, die auf<span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span> der Karte
+angegebenen existierten nicht mehr. Ihre Bewohner waren flußabwärts
+gezogen, weil sie infolge der zahlreichen Elefanten, Nashörner und
+Flußpferde nie eine ordentliche Ernte einbringen konnten, sondern nur
+auf Fischfang angewiesen waren, um dann mit der geräucherten Ware
+spärliche Lebensmittel eintauschen zu können. Viel braucht der Neger
+nicht, aber dies war ihnen doch zu primitiv, und sie verließen diese
+Gegend schon lange, wie ich zu meinem Leidwesen hörte.</p>
+
+<p>Die drei Fischer konnten uns keine Lebensmittel ablassen, denn sie
+hatten selber nichts außer Dörrfischen. Uns war es um Mehl oder Reis
+zu tun, da Fleisch und Fisch allein den Verdauungsapparat zu sehr
+anstrengt und auf die Dauer Darmkrankheiten hervorruft. Einer meiner
+Leute hatte einen wilden Bienenschwarm entdeckt, es war aber nur
+eine kleine Honigwabe drin von halber Handgröße, die anderen Waben
+enthielten Brut oder waren so wenig angefüllt, daß der Honig noch nicht
+herausfloß.</p>
+
+<p>Am nächsten Tage bei den Fischern angekommen, bogen wir vom Ruaha links
+ab auf das Dorf Hobola zu. Nach sechsstündigem Marsche erreichten wir
+drei ganz primitive Hütten. Hier erhielt ich einige Stücke Maniok, den
+ich erst rösten ließ und heißhungrig verzehrte. Endlich am neunten
+Tage erreichten wir Hobola. Schon von dem Anblick der hübschen Hütten,
+zwischen denen zahlreiches Federvieh herumlief, kam ich wieder zu
+Kräften. Bald hatten die Leute gehört, daß wir ein paar Tage gehungert
+hatten und daß ich schwer krank sei. Sie schleppten in großen Mengen
+Süßkartoffeln, Maniok, Kürbisse, Zuckerrohr und Eier herbei, und
+es begann ein Schmausen meiner Leute bis zum nächsten Morgen. Ich
+selbst leistete auch darin Erhebliches und hielt meinen Koch bis
+elf Uhr nachts in Atem. Erst ließ ich mir Kürbissuppe machen, dann
+Süßkartoffeln rösten, dann solche kochen. Zwei große Portionen Rührei
+genoß ich in den Pausen und kaute dann noch eine Stange Zuckerrohr.
+Jedenfalls futterte ich mich in dieser einen Nacht völlig zu Kräften.</p>
+
+<p>Neu gestärkt und wie zu neuem Leben erwacht ging es am nächsten Morgen
+vor Tagesanbruch weiter. Gegen elf Uhr erreichten wir das Dorf Kirengwe
+an der Straße Kissaki-Mahenge. Hier hatte ich mein Rad stehen lassen,
+und mit dem Gefühl »nur nach Hause«<span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span> ließ ich meine Leute Lager machen
+und setzte mich selbst aufs Rad, um gegen einhalb ein Uhr in Kissaki zu
+sein.</p>
+
+<p>Jedenfalls war ich der erste Europäer, der diese gänzlich unberührte
+Gegend durchquert hatte. Unser rasches Vorwärtskommen auf dieser
+unbewohnten Strecke verdanke ich meinen gut eingeübten Trägern,
+die mich schon monatelang auf Reisen begleiteten. Heute sind alle
+Mühseligkeiten vergessen, und gern erinnere ich mich dieser Reise, die
+mir so reichen Einblick in dieses Stück erhaltenen Dorados der Riesen
+aus der Urzeit gewährte.</p>
+
+<h3>Flußpferde<span class="s5 antiqua"> (Hippopotamus amphibius L.).</span></h3>
+
+<p>Viele Reisende berichten aus Afrika, daß Flußpferde harmlose Tiere
+wären, die niemand etwas zuleide täten und den Menschen aus dem Wege
+gingen. Sie verurteilen auch die Jagd auf Flußpferde, erklären den
+Abschuß für unweidmännisch und möchten die Flußpferde von der Liste der
+zur Jagd erlaubten Tiere gestrichen wissen.</p>
+
+<p>Ohne Zweifel haben sie teilweise recht. Es gab Leute, die sich Jäger
+nennen, sich an einen Wassertümpel setzten, in dem sich Flußpferde
+befanden, und die dann auf eins schossen, worauf die übrigen
+untertauchten. Vorsichtig kommt wieder ein Kopf aus dem Wasser, um
+Luft zu schöpfen; puff, wird auch er beschossen, das erste könnte ja
+nicht tödlich getroffen sein, und so geht's weiter. Am nächsten Morgen
+schwimmen dann zwanzig und mehr Leichen auf dem Wasser, der Rest ist
+ausgewandert. Ich spreche hier von häufig vorgekommenen Tatsachen.
+Solche »Jäger« haben aber gewöhnlich in Afrika zum erstenmal ein Gewehr
+in der Hand gehabt und halten sich nun für geübt, wenn sie eine Kugel
+aus dem Lauf lösen und einigermaßen richtig ans Ziel bringen können;
+Liebe und Interesse für Wild fehlt ihnen; die Natur selbst ist ihnen
+fremd. Sie gleichen den Engländern, die das Tontaubenschießen von
+Monaco und Ostende auf das Wild übertragen und mit ihrer Rekordwut die
+Kreatur zugrunde richten. Durch das neue Jagdgesetz, das für einzelne
+Bezirke eine Einschränkung vorsah, ist ihnen das Handwerk gelegt
+worden. —</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span></p>
+
+<p>Die Erlegung von Flußpferden kann dem Jäger aber auch reine
+weidmännische Freuden bescheren. In den Gebieten, wo sich dieses
+riesige Wasserschwein mit der Kultur trifft und seines Feldschadens
+wegen häufig verfolgt wird, werden auch namentlich die älteren Bullen
+äußerst angriffslustig. Wer an der Wehrhaftigkeit zweifelt, braucht
+sich nur einmal einen alten Bullenschädel mit seinen gewaltigen
+Stoßzähnen und Hauern im Unterkiefer genau anzusehen (s. Abb. 11).
+Wie mancher Neger hat im Rufidji schon seinen Tod gefunden, weil ein
+bösartiger Bulle ein harmloses Kanu umstieß oder zerbiß. Mancher mir
+bekannte Europäer geriet durch Flußpferde, ohne daß er sie beschoß,
+infolge Kenterns seines Bootes in die Gefahr des Ertrinkens oder des
+Todes durch den Angriff eines Krokodils und wurde nur mit Mühe gerettet.</p>
+
+<p>Aber nicht nur im Wasser können Flußpferde unangenehm werden, wie aus
+folgendem hervorgeht. Im März 1912 kehrten in Kissaki eines Abends
+zwei Neger von der Arbeit zurück. Es war gegen neun Uhr und ziemlich
+dunkel, wie meist in der Regenzeit. Kurz vor ihrem Dorfe sahen sie
+ein großes schwarzes Tier an der Straße stehen. Der eine der Männer
+klopft mit dem Stiele seiner Hacke an einen Baum, und im Augenblick
+werden beide angegriffen. Der eine entkommt, der zweite fällt auf dem
+schlüpfrigen Boden hin und streckt die Beine in die Luft. Schon hat ihn
+das Flußpferd erreicht und zermalmt ihm gänzlich den Unterschenkel. Es
+wurde erst durch das Geschrei der Dorfbewohner vertrieben. Da alle Wege
+tief voll Wasser standen, war eine Verfolgung durch Aufnahme der Fährte
+am nächsten Morgen ausgeschlossen.</p>
+
+<p>Beim zweiten Falle erschien im Juli desselben Jahres ein alter Bulle
+mittags um 12 Uhr in einem Dorfe. Die Leute hörten das Laufen und
+glaubten, ein Europäer sei geritten gekommen. Als sie zu seiner
+Begrüßung aus ihren Hütten heraustraten, sahen sie ein Flußpferd
+laufen. Eine alte, schwerfällige Frau lief ihm in den Weg und erhielt
+einen solchen Hieb mit den Hauern, daß die Rippenpartie der linken
+Seite samt den Rippenknochen aufgerissen wurde.</p>
+
+<p>Da ich dringend verreisen mußte, hatte ich selbst keine Zeit, die
+Verfolgung aufzunehmen, und schickte deshalb fünf Leute mit Gewehren
+ab, um das bösartige Tier, das sich seit längerem eine halbe Stunde
+abseits des Flusses in den Maisfeldern aufhielt, deren Hüter angriff
+und nur schwer zu verjagen war, unschädlich machen<span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span> zu lassen.
+Angeblich hatten es die Leute beschossen. Es habe auch schwer vom
+Blatt geschweißt, trotzdem sei es entkommen. Den Mgetafluß habe es
+durchschwommen und sich stets auf dem trocknen Lande in Sicherheit
+zu bringen gesucht. Ich konnte diese Behauptungen wegen meiner
+dazwischenliegenden Abwesenheit nicht nachprüfen. Einige Zeit später,
+als das Flußpferd wieder gemeldet wurde, brachte es der Baumeister S.,
+der die Station Kissaki baute, zur Strecke.</p>
+
+<div class="chapter">
+<h4><span class="antiqua">a.</span><em class="gesperrt">
+Die Jagd der Eingeborenen auf Flußpferde auf dem Njassasee.</em></h4>
+</div>
+
+<p>Häufig hatte ich am Njassastrand in den frühen Morgenstunden oder auch
+am Tage, wenn der See wellenlos lag, die Umrisse der der Flußpferdjagd
+obliegenden Wakissi beobachtet. In Kanus, die sechs bis acht Leute
+fassen, stand am Bug der Harpunier mit der Harpune, die stets auf dem
+nach oben ausgestreckten Arm wagerecht gehalten wird. Immer folgte
+ein Kanu ohne Harpunier. Nie waren es aber mehr als zwei Kanus, die
+gemeinsam fuhren. Vom Land aus gelang es mir nicht, den Augenblick
+des Harpunierens zu erspähen, wohl aber sah ich mehrmals die Leute
+mit ihrer Beute im Schlepptau heimkehren und diese im seichten Wasser
+zerlegen.</p>
+
+<p>Ende des Jahres 1902 konnte ich die Angst des Wakissihäuptlings
+Mandemera, daß mir ein Unfall zustieße und er dann dafür verantwortlich
+gemacht würde, besiegen und ihn breitschlagen, mich auf solche
+eigentümliche Jagd mitzunehmen.</p>
+
+<p>Zunächst will ich kurz die Ausrüstung beschreiben. Die beiden Kanus
+boten Platz für vier bis sechs Personen, trugen aber im Notfall das
+Doppelte. Es waren ausgehöhlte Baumstämme, deren Öffnung oben breit
+genug war, daß ich, ohne mich seitwärts zu drehen, im Niedersitzen
+meine Hüften hineinbrachte.</p>
+
+<p>Zu jedem Boot gehörten vier Mann mit dem am Njassa gebräuchlichen
+kurzstieligen Paddelruder (s. Abb. 13, rechts) mit lanzettlichem Blatt,
+das, ohne am Bootsrand aufgelegt zu werden, mit beiden Armen gehandhabt
+wird. Die Ruderer sitzen am Boden des Bootes mit vorgestreckten Beinen
+und bewegen nur den Oberkörper beim Rudern.</p>
+
+<p>Die Harpune (s. Abb. 13, links) ist ein am Blatte oval geschmiedetes
+und haarscharf geschliffenes Eisen von 6 cm Länge und 4 cm<span class="pagenum" id="Seite_69">[S. 69]</span> Breite.
+Oberhalb des Blattes steht als Widerhaken ein eiserner Dorn von der
+Dicke und Länge eines kleinen Fingers, dann folgt eine mit einer Öse
+versehene Lasche. In dieser ist eine aus Hanffaser festgeflochtene
+Leine gut verknüpft. In die Lasche wird locker ein aus hartem, zähem
+Holz gearbeiteter, fünf Meter langer Schaft gesteckt, an dem die
+Harpune durch die an der Öse befestigte Leine festgezogen wird. Bei
+Lockerung der Leine trennt sich die Harpune sofort vom Schaft. Der
+Schaft von Handgelenkstärke wird durch monatelanges Liegen im Schlamm
+mit mehrmaligem Erhitzen über Feuer besonders schwer und wuchtig
+gemacht und wiegt dann gebrauchsfähig fünfunddreißig bis vierzig Pfund.
+Man muß die Harpunenführer bewundern, daß sie stundenlang dieses
+Gewicht auf dem erhobenen Arm balanzieren können. Die oben erwähnte
+Leine ist sechzig bis siebzig Meter lang und liegt sauber aufgerollt
+hinter dem Harpunenträger. Eine zweite ist zur Reserve vorhanden. Dann
+kommen auf jedes Boot noch zwei Dutzend starke Speere mit 30 Zentimeter
+langem, dreieinhalb bis vier Zentimeter breitem Blatt. Die Speere sind
+mit Blatt etwa 1,6 m lang.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp37" id="illu-071" style="max-width: 18.9375em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-071.jpg" alt="Paddel und Harpune">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>An einem windstillen Morgen fuhren wir bei der ersten Dämmerung ab.
+Östlich von uns sah und hörte man schwach einige Flußpferde, die, aus
+der Lufiriomündung kommend, langsam in den offenen See zogen. Ich
+befand mich im Boot beim Harpunenträger — dem Häuptling Mandemera
+selbst — und hatte, weil ich von dieser Art Jagd noch nichts verstand
+und daher sonst passiv bleiben wollte, die Beaufsichtigung der Leine
+übernommen, um möglichst genau vom Bug aus beobachten zu können. Ich
+hatte bis auf Hut, Hemd und Hose alles abgelegt, um gegebenenfalls im
+Schwimmen nicht behindert zu sein, falls das Boot zum Kentern kam, was
+häufig vorkommen sollte. Außer uns beiden trug das Boot vier Ruderer.
+Das zweite Boot war ebenfalls mit vier Ruderern bemannt und<span class="pagenum" id="Seite_70">[S. 70]</span> trug
+noch einen Mann und einen Jungen. Jener sollte speeren, der Junge ihm
+Ersatzspeere reichen.</p>
+
+<p>Klar grün schimmerte das Njassawasser. Es war so durchsichtig, daß man
+am Bug, ohne verzerrte Bilder zu bekommen, auf dem Sandboden jedes
+Steinchen schimmern und jeden Fisch schwimmen sah. Der See mochte fünf
+Meter tief sein, wie ich mich belehren ließ. Mandemera bestimmte die
+Tiefe nach der Farbe des Wassers. In einem Kilometer Abstand von den
+Flußpferden fuhren wir zunächst zu diesen parallel. Dann wurde ein
+Bogen geschlagen, der die Tiere zwischen uns und das Land brachte. Da
+sich auch die Flußpferde gleichzeitig vom Ufer entfernten, waren wir
+etwa 6 Kilometer weit draußen im See. Nun warteten wir mit eingezogenen
+Rudern. Oft war von den Flußpferden nichts zu sehen. Sie schwammen
+unter Wasser; näher und näher kamen sie. Erst sah man eine Fontäne
+zerstäubten Wassers aufsteigen, dann erst hörte man den prustenden Ton,
+der durch das Ausstoßen der Luft verursacht wird. Auf 150 Meter waren
+sie jetzt an uns herangekommen. Es war 7 Uhr morgens. Nun suchten sie
+seitlich auszubiegen, da sie wohl die feindliche Absicht witterten.
+Unsere Ruderer traten in Tätigkeit, und Mandemera stellte sich in
+Positur, wie ich sie so häufig vom Land aus beobachtet hatte. Das
+zweite Boot fuhr in drei Meter Abstand eine halbe Bootslänge hinter
+uns. Nun waren wir heran. Zehn Meter vor uns tauchte der Wassersprudel
+auf. Dann hob sich das Tier mit halbem Körper aus dem Wasser und
+versank lautlos. Es waren vier Flußpferde. Mandemera hatte es auf das
+letzte abgesehen. Er schien es unter Wasser genau im Auge zu haben,
+ich konnte nichts sehen, da ich saß. Da tauchte vor uns in fünf Meter
+Entfernung die Nase auf und war auch schon wieder unter Wasser.</p>
+
+ <figure class="figcenter illowp70" id="illu-073" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-073.jpg" alt="Flusspferdjagd">
+ </figure>
+
+<p>Jetzt sah auch ich das Tier unter Wasser. Ganz rosig durchscheinend
+schimmert seine Haut, ganz verschieden von dem sonstigen bräunlichen
+Ton. Nun tauchte es zwei Meter seitwärts vor uns auf, sofort wendeten
+unsere Boote. Wieder schwamm es unter uns. Es schien mir greifbar nahe.
+Mandemera sagte, ohne seine Stellung zu verändern, es schwimmt zu tief.
+Wohl eine Stunde folgten wir dem Flußpferd und bewegten uns kreuz und
+quer fahrend dem Lande zu. Wir waren nur noch etwa vier Kilometer
+vom Strand entfernt und die anderen Flußpferde weit draußen im See.
+Mandemera sagte mir, ich stoße nur, wenn es nach<span class="pagenum" id="Seite_71">[S. 71]</span>
+oben schwimmt, um Luft zu holen. Dies geschah alle drei bis fünf
+Minuten. Wie mir schien, verpaßte der Häuptling gute Momente. Plötzlich
+sah ich, wie Mandemera die Spitze der Harpune langsam senkte. »Gib auf
+die Leine acht!« rief er mir zu. Das Flußpferd tauchte auf, wieder
+hatte er nicht gestoßen, und ich fing an, ungeduldig zu werden. Jetzt
+erhob er sich auf den Zehen, und die Harpune mit beiden Händen fassend
+stieß er zu (Abb. 14). Ich spähte über den Rand und sah, wie sich das
+Flußpferd im Wasser überschlug. Indem ich hastig die Leine abwarf,
+sah ich, wie Mandemera jetzt den harpunenlosen Schaft in der Rechten
+hielt und durch die Linke die Leine gleiten ließ. Halb links waren
+wir über das Flußpferd hinweggefahren.<span class="pagenum" id="Seite_72">[S. 72]</span> Jetzt tauchte es auf, etwa 10
+Meter rechts von uns, seine Wasserfontäne war hellrot vom Schweiß.
+Rückwärts fahrend hatte Mandemera den Harpunenschaft abgelegt und ließ
+sich von mir einen Speer reichen. Ungefähr zwei Drittel der Leine
+waren abgelassen. Mandemera faßte sie jetzt straff und sagte zu mir
+»festhalten«; schon merkte ich das Reißen des flüchtenden Tieres. Ich
+spreizte meine Knie, um fest im Boot zu sitzen, und ließ die Leine
+am Bootsschnabel aufliegen. Tief neigte sich dieser nach dem Wasser;
+obwohl die Ruderer Gegengewicht gaben, nahmen wir doch Wasser über, das
+ein Mann eilig mit einem halben Flaschenkürbis ausschöpfte. Vierhundert
+Meter hatten wir so in schneller Fahrt, vom Flußpferd gezogen,
+zurückgelegt, das zweite Kanu hielt sich an unserem Boote fest.
+Mandemera und ich hatten scharf zu halten, weil wir die Last beider
+Boote schleppten.</p>
+
+<p>Plötzlich wird die Leine schlaff und, den ganzen Kopf außer Wasser,
+kommt das Flußpferd laut brüllend auf uns zu. Mir wurde beklommen
+zumute. Mandemera ging wieder an die Spitze des Bootes, und die Ruderer
+ruderten mit Kraft rückwärts. Jetzt ist das Tier so nahe, daß ich im
+Geiste schon unser Boot splittern sehe. Da hat es Mandemeras Speer im
+Rachen, es schüttelt wütend den Kopf und beißt zu, der Speerschaft
+zersplittert. Rasch reiche ich Mandemera den bereitgehaltenen zweiten
+Speer. Er kommt aber nicht mehr zum Stoßen, denn das zweite Kanu kam
+heran, und blitzschnell hatte sein Speerträger zweimal zugestoßen. Das
+Flußpferd warf sich hintenüber, etwa wie der Stier den Kopf hochwirft,
+auf den Schmerz reagierend, wenn er die erhoben gehaltenen Banderillos
+in den Nacken empfängt, so daß der Torero Zeit hat, zu entfliehen.
+Schon ist es wieder an der Oberfläche. Die Ruderer leisten Fabelhaftes
+im schnellen Wenden und Vor- und Rückwärtsfahren. Blutiger Schaum
+breitet sich auf dem Wasser. Mehrmals noch haben die Speerhalter beider
+Boote Gelegenheit, zuzustechen, die Bewegungen des Tieres werden
+matter, die Speerstiche bei jedem Auftauchen häufiger und tiefer. Jetzt
+ist das Flußpferd wieder oben, es liegt halb auf der Seite. Mandemera
+sticht so heftig zu hinters Blatt, daß er ins Wasser springen muß, der
+Speer bleibt stecken. Noch einmal bäumt das Tier auf, uns mit flockigem
+Schweiß übersprühend, dann sinkt es langsam weg. An der Leine wird es
+bis an die Oberfläche geholt und noch ein Strick an sein Bein gebunden.
+Dann werden beide Stricke am Boot<span class="pagenum" id="Seite_73">[S. 73]</span> festgemacht. Das andere Boot legt
+sich uns vor. Mandemera und ich halten es mit den Händen fest und, das
+Flußpferd im Schlepptau, geht's dem Lande zu. Gegen elf Uhr hatten
+wir wieder Boden unter den Füßen. Die Beute lag drei Meter vom Strand
+entfernt im See, weil wir sie im seichten Wasser nicht weiterziehen
+konnten. Es war ein junger Bulle. Das ganze Dorf hatte sich schon
+versammelt mit Messern und Körben, um das Fleisch abzuholen. Ich sah
+mir zunächst die Speerstiche an, die zehn Zentimeter breit waren.
+Vergeblich versuchte ich, einen Speer durch die Haut zu stoßen. Sie
+federte wie Gummi, und zum Schluß hatte ich das Blatt ganz verbogen.
+Es scheint bei der Anwendung dieser Waffe, die ich in ihrer Weichheit
+mit den Händen fast wieder gerade biegen konnte, mehr Geschicklichkeit
+als Kraft nötig zu sein. Dann ließ ich mir die Harpune herausschneiden,
+um zu sehen, wie sie saß. Fünfzig Zentimeter weit war sie seitlich
+in den Nacken gedrungen und hing mit dem Widerhaken am Kehlkopf. Vor
+dem Zerlegen ging ich nach Hause. Meine Nerven erschlafften stark
+nach der aufregenden Anspannung, und ich habe auch keine weitere
+Mitwirkung an derartiger Jagd angestrebt, obwohl sich mir späterhin
+mehrfach Gelegenheit bot, d. h. die Leute keine Angst mehr hatten, mich
+mitzunehmen, da diesmal die Sache gut abgelaufen war. Ein Gewehr hatte
+ich deshalb nicht mit ins Boot genommen, weil ich zu damaliger Zeit nur
+<em class="gesperrt">eine</em> gute Waffe besaß, die ich nicht verlieren wollte, falls das
+Boot kenterte, wie mir vorher ausgemalt wurde. Sonst hätte ich dem Tier
+bald den Fangschuß gegeben, nachdem es an der Harpune saß — es hat
+eben nicht jeder eine Negernatur —, Gelegenheit hätte ich dazu gehabt.</p>
+
+<div class="chapter">
+<h4><span class="antiqua">b.</span> <em class="gesperrt">Flußpferde im Rikwasee.</em></h4>
+</div>
+
+<p>Gegen Ende des Jahres 1907 hielt ich mich einige Wochen am Rikwasee
+(Abb. 1) auf. Die Gegend ist recht spärlich bewohnt, wegen der
+sehr geringen Regenfälle unfruchtbar und sehr, sehr heiß. Groß ist
+dagegen der Wildreichtum, und in den Mittagsstunden ist stellenweise
+nichts zu sehen vor dem Staub der sich wälzenden Zebras und der
+herumgaloppierenden Hartebeeste, denen das Brackwasser des Sees und das
+Gras der Salzsteppen so vorzüglich bekommt, daß ich nie wieder Tiere
+in solchem Ernährungszustande sah wie dort. Das Wasser ist belebt von
+Scharen von Watvögeln. Rosa und weißen<span class="pagenum" id="Seite_74">[S. 74]</span> Wolken gleich fliegen unzählige
+Flamingos und Pelikane über das Wasser, das großen Fischreichtum —
+allerdings vorwiegend wenig schmackhafte Welse — beherbergt und
+außerordentlich viel Schildkröten und Krokodilen zum Aufenthalt dient.</p>
+
+<p>Flußpferde sind im Verhältnis zu anderem Wild nur wenige vorhanden,
+Nashörner wechseln ganz selten vorbei, und Elefanten durchschreiten
+den See nur alle Jubeljahre einmal. Nur einmal sah ich drei Elefanten
+mitten im See stehen. Ich hielt sie erst für Flußpferde, da sie nur
+etwa eineinhalb Meter über dem Wasserspiegel sichtbar waren, und dann
+betrug auch die Entfernung einige Kilometer.</p>
+
+<p>Nach Westen zu ist der See in der Trockenzeit für Fußgänger
+durchschreitbar, südlich ist das Wasser so flach, daß man nach
+sechshundert Metern vom Ufer nur bis an die Knie im Wasser steht. Im
+Osten sind die Ufer versumpft durch den einmündenden Songwefluß, und
+nur im Norden fallen die Ufer steil ab.</p>
+
+<p>Mir war neben anderen Nahrungsmitteln Butter und Fett ausgegangen. Von
+den Fettschwanzschafen hatte ich nur noch eins, dessen »Fettschwanz«
+leider seine Rasse Lügen strafte und nur als schlaffer Hautlappen
+herunterhing. Meine Mahlzeiten wurden täglich miserabler. Der Koch
+gestand sein Unvermögen, ohne Fettstoffe Abwechslung in die Küche
+zu bringen, und ich mußte ihm in dieser Beziehung recht geben. Ein
+Pumpversuch bei den Mönchen der »Weißen Väter« in Galula zeitigte eine
+Flasche Erdnußöl, mehr konnten sie wegen eigener Ebbe nicht entbehren.
+Was sollte ich mit diesem »Tropfen auf den heißen Stein« anfangen? Da
+fiel mir ein, daß ich im Kolonialkochbuch gelesen hatte, »der Speck
+des Flußpferdes ist sehr wohlschmeckend und in den Tropen bekömmlicher
+als Schweinespeck,« es standen da allerdings auch noch andere Sachen
+drin, wie »Affenrücken zuzubereiten« — brrr, mich schüttelte es, —
+aber versuchen konnte man es immerhin. Ich lagerte in Kadabula und
+hatte sowohl an die Süd- wie an die Ostseite zwei gute Wegstunden bis
+zum See. Rasch ließ ich Pferd und Maskatesel satteln und machte mich in
+Begleitung meines Pferdejungen auf den Weg. Die Südseite, die ich für
+die aussichtsloseste hielt, entsprach meinen Erwartungen. Mit dem Glas
+sah ich im Osten des Sees mehrere Flußpferde im Wasser spielen. Also
+gut, nach Osten. Zwei Kilometer vor dem See mußte ich Pferd und Esel
+zurücklassen, da das Gelände sumpfig<span class="pagenum" id="Seite_75">[S. 75]</span>
+wurde. Zahlreiche Moorantilopen, die Ricken in Sprüngen, die älteren
+Böcke einzeln, sprangen knätschend im Sumpfboden ab. An Wildbret lag
+mir nichts, meine Trophäen wiesen gute Stücke auf,<span class="pagenum" id="Seite_76">[S. 76]</span> und aus diesem
+Grunde schoß ich nicht; sodann wollte ich mir auch die Flußpferde nicht
+vergrämen.</p>
+
+<p>Eine filzige Rasendecke bedeckte den Sumpf. Wie auf Eiern lief ich
+vorwärts. Bei jedem Stehenbleiben spülte Wasser um meine Schuhe,
+und die Rasendecke zitterte bei jedem Schritt mehrere Meter im
+Umkreis. Einigemal trat ich durch und zog den Fuß bis übers Knie mit
+grauem Schlamm bekleistert wieder heraus. Als ich erst ordentlich
+eingeschlammt war, kam ein Gefühl der Gleichgültigkeit dagegen auf.
+Eine dünne Binsenlinie versperrte mir noch den Ausblick auf den See.
+Endlich hatte ich sie überschritten, aber wo waren die Flußpferde? Mehr
+als sechshundert Meter draußen im See. Überall standen Krokodilköpfe
+auf dem Wasser, und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei, den
+zackigen Rücken und Schwanz außer Wasser. Sollte ich weiter ins Wasser
+hineingehen? Die Krokodile sind hier sehr friedlich, da sie überreich
+Fischnahrung haben und von Menschen wenig belästigt werden. Ich
+versuchte es, aber nach dreißig Metern ging mir das Wasser schon bis an
+die Hüfte, und ganz vertrauenerweckend war mir die Nähe der Krokodile
+doch nicht. Unverrichteter Sache kehrte ich wieder um, denn ich sagte
+mir: Schieße ich wirklich ein Flußpferd, wer holt es mir heraus? Da ich
+das Fett für den Tisch verwerten wollte, mußte es wenigstens frisch
+geborgen werden, ehe Zersetzungsgase den Auftrieb besorgten.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp52" id="illu-077" style="max-width: 43.9375em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-077.jpg" alt="Sultan und sein Minister">
+</figure>
+
+<p>Zu Haus fragte ich den Sultan Mwen Iwunga (Abb. 15), ob er mir nicht
+sein großes Kanu zur Verfügung stellen könnte. Er behauptete aber, das
+Befahren des Sees wäre nur in der Regenzeit möglich, wenn der Songwe
+hoch sei, jetzt wäre durch die verschilfte Mündung nicht durchzukommen.
+Wenn ich Flußpferde schießen wollte, müßte ich abends gehen oder zeitig
+vor Tagesanbruch, da wären sie an Land. Früher, wo er noch rüstig
+gewesen sei, hätte er es immer so gemacht und Erfolg gehabt. Also ritt
+ich abends wieder hin und fand die Flußpferde genau so weit draußen,
+wie am folgenden Morgen. Sie mußten erst spät in der Nacht aussteigen
+und nicht sehr lange äsen. Der Mond war aber noch zu klein, um nachts
+schießen zu können.</p>
+
+<p>Gekochtes Wildfleisch und Reis, das ich früh, mittags und abends
+vorgesetzt bekam, konnte ich aber kaum mehr sehen und riechen.</p>
+
+<p>Nach fünf Tagen hatten wir endlich Vollmond. Elf Uhr nachts war ich
+wieder an Ort und Stelle und zitterte förmlich vor Aufregung,<span class="pagenum" id="Seite_77">[S. 77]</span> daß
+die Flußpferde vielleicht an einer entfernteren Stelle aussteigen
+könnten. Ich nahm meinen Fährtensucher mit, um jemand bei mir zu haben.
+Kaum waren wir am Wasser angekommen, so hörten wir ein Rauschen; es
+wurde still, dann rauschte es wieder. Nun können wir auch sehen. Drei
+Flußpferde kommen aufs Land zu. Sie haben schon Grund und den halben
+Leib außer Wasser. Alle paar Schritt bleiben sie stehen. Jetzt sind sie
+nur noch hundert Meter entfernt, jetzt noch vierzig. Wir wollen sie
+erst aussteigen lassen, und ich will dann möglichst nahe herankriechen,
+da ich trotz des hellen Mondes schlecht zielen kann.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-079" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-079.jpg" alt="Flußpferd">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Kaum liegen wir hinter einem ausgesuchten Grasbüschel, so legen die
+Flußpferde die letzten vierzig Meter in ziemlichem Eiltempo, das Wasser
+aufrauschen lassend, zurück und sind am Land. Sie sinken bis an den
+Bauch im Sumpf ein und fangen sofort lebhaft, fast gierig an zu äsen.
+Silbern glänzen die feuchten Leiber im Mondlicht. Vorsichtig schiebe
+ich mich zwischen den Binsen entlang. Ich war schon zu weit gekrochen,
+nur ein Meter trennte mich vom mittleren Tier. Indem ich mich seitlich
+zurückschob, hoffte ich, daß das Flußpferd bald durch eine kleine
+Lichtung in den Binsen hindurchkommen würde. Nun erschien der Schädel,
+und nun der<span class="pagenum" id="Seite_78">[S. 78]</span> Körper. Zwei Meter war ich von ihm entfernt und ließ
+fliegen, aufs Blatt abkommend. Im Augenblick war ich auch aufgesprungen
+und von dem an mir vorbeirasenden Tier wieder hingeworfen worden. Als
+ich hoch kam, sah ich es bereits zusammenbrechen. Da pustete das letzte
+Flußpferd heran. Ich trug ihm einen Schuß an und lief dann in vier
+Meter Abstand neben ihm her und feuerte im Laufen noch dreimal. Es hat
+das Wasser erreicht; nun taumelt es und tut sich noch hart am Ufer
+nieder (Abb. 16). Das Nebenherlaufen war übrigens gar nicht so einfach.
+Bei jedem Schritt trat ich tief in den Sumpf, und es muß ein komisches
+Bild gewesen sein, wie ich meine Sätze machte und immer den hinteren
+Fuß aus dem Sumpf ziehen mußte. Dem Flußpferd ging es aber auch nicht
+besser. Am nächsten Morgen bezeichnete eine tiefe Rinne die Schleifspur
+seines Bauches; zu beiden Seiten standen die Löcher voll Wasser, wo es
+tief eingetreten war.</p>
+
+<p>Die Moskitos hatten mich ganz eklig zugerichtet, und meine Augenlider
+waren von den Stichen dick verschwollen. Einen jungen Bullen und eine
+sehr alte Kuh hatte ich zur Strecke gebracht. Speck hatte der Bulle gar
+keinen und die Kuh nur ganz wenig. Mit dem Bauchfett zusammen schmolz
+mein Koch nur etwa vierzig Pfund daraus. Geschmeckt hat's übrigens ganz
+leidlich, ich war aber auch lange genug für den Genuß vorbereitet und
+hätte auch übleren Sachen einen guten Geschmack abgewonnen.</p>
+
+<div class="chapter">
+<h4><span class="antiqua">c.</span> <em class="gesperrt">Der alte Gomerobulle.</em></h4>
+</div>
+
+<p>Ich hatte durch nächtliches Arbeiten meine Nerven etwas überanstrengt
+und konnte wieder einmal nicht einschlafen. Um nicht schlaflos im
+Bett liegen und naß zu schwitzen, lief ich auf meiner Veranda auf
+und ab und rauchte dann im Dunkeln im Klubsessel liegend noch eine
+Zigarette. Fortwährend hörte ich vom Gomeroflusse her das Schrecken von
+Buschböcken, und ich beschloß, mich am künftigen Tage, da ich gerade
+den Strich unter eine größere Arbeit gemacht hatte, selbst zu belohnen
+und auf einer kleinen Streife am Gomero, der nur zwei Kilometer
+entfernt war, durch körperliche Anstrengung die Nerven wieder in das
+richtige Gleichgewicht zu bringen. Buschböcke sah ich zwar keine, dafür
+aber eine außerordentlich starke Flußpferdfährte. Nach zwei Stunden
+Folge durch<span class="pagenum" id="Seite_79">[S. 79]</span> übles Dickicht verlor ich die Fährte und kehrte mit
+zerrissenem Anzug und auch nicht ganz heiler Haut heim.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-081" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-081.jpg" alt="Heisse Wasserquellen">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Öfter, wenn ich in der Richtung auf die heißen Quellen (Abb. 17) den
+Gomero überschritt, um für meine Küche einen Wasserbock oder ein
+Hartebeest zu holen, traf ich diese alte Fährte wieder, so daß ich zu
+der Überzeugung kam, der alte Einzelgänger hat dort sein Standquartier.
+Ideal genug dazu war ja die Gegend. Dichtestes Phönixpalmengebüsch und
+schwerer Busch, der dicht mit Lianen bewachsen war, gab selbst bei
+heißester Sonne kühle Verstecke. Grünes Gras war am und im Gomero das
+ganze Jahr hindurch vorhanden. So zog ich denn eines Tages aus, um
+ausschließlich auf den alten Burschen zu pirschen. Leicht stieß ich auf
+die Morgenfährte, folgte ihr zum Flußbett und fand, daß mein Freund
+nur Wasser eingenommen hatte, indem er sich nur einen halben Meter
+ins Wasser begab. Schon früher hatte ich festgestellt, daß er seinem
+Namen wenig Ehre machte und das feste Land gegen das feuchte Element
+bevorzugte. Bald begann eine üble Kriecherei im dichtesten Gebüsch.
+Zahlreiche Phönixstacheln waren schon in meiner Haut abgebrochen, und
+der Schweiß badete mich förmlich. Ich trug mein Gewehr selbst, da mir
+mein Boy Raschid, den ich an Stelle des erprobten Saleh mitgenommen
+hatte, nicht zuverlässig genug war. Immer mußte ich auf diesen Rangen
+von Boy warten, da er wegen der Dornen<span class="pagenum" id="Seite_80">[S. 80]</span> für seine Haut überängstlich
+besorgt war. Jetzt finde ich Urin, der noch im Schaum steht, etwas
+weiter Losung, die noch tropft; da geht auch schon ein Getöse los,
+das mich schleunigst das Gewehr entsichern läßt. Ehe ich es aber noch
+auf den für einen Augenblick sichtbaren Hautfleck in Anschlag bringen
+kann, bricht der Bulle durchs Dickicht und reißt ganze Wände Lianen mit
+sich, die mir das Gesichtsfeld versperren und mir Arme und Gewehr nach
+unten drücken. So schnell wie möglich ging ich ihm nach; das Brechen
+entfernte sich immer weiter von mir.</p>
+
+<p>Es wird freier, und ich hoffe, bei besserem Ausblick den Bullen
+irgendwo verhoffend zu sehen. Statt dessen wechselt er im Gelände mit
+grobem Kies, wo er auch nicht die geringste Fährte hinterläßt. Einen
+Bogen schlage ich noch, als ich auch dann nichts finde, gehe ich
+mißmutig heim.</p>
+
+<p>Häufig wiederholen sich die Pirschen, die ich auf den alten Bullen
+unternahm, aber stets mit gleichem Erfolg. Niemals traf ich ihn
+noch äsend, und stets hatte er sich in undurchdringlichem Dickicht
+niedergelassen und nach Art alter schlauer Büffel vor dem Niedertun
+einen Haken geschlagen, war parallel neben dem Wechsel zurückgekehrt
+und hatte sich ganz knapp an der Fährte in guter Deckung niedergetan.
+Er mußte also stets rechtzeitig durch Wind und Geräusch gewarnt werden.</p>
+
+<p>So oft ich es auch versuchte, ich kam nie zum Schuß. Weidlich wurde ich
+mit »meinem« schlauen Bullen geneckt, ein ganzes Jahr lang konnte ich
+seiner nicht habhaft werden.</p>
+
+<p>Doch auch ihn ereilte schließlich sein Schicksal. Von Hobola kommend,
+nahm ich eines Tages im Januar 1914 meinen Weg durch Busch und
+Steppe, da ich einesteils den Fußweg so oft gegangen war, daß ich ihn
+langweilig fand. Andernteils macht frisches niederes Gras und ein in
+der Nacht gefallener Regen den Boden so geeignet zum Fährtenlesen
+wie ein Neuschnee in Europa. Ich wurde auch reichlich belohnt und
+wußte bald, welche Wildarten und in welcher Zahl sie sich in diesem
+Gebiet aufhielten. Beim Durchschreiten des trockenen Oberlaufes des
+Gomeroflusses flogen seitlich erst zwei Schattenvögel (<span class="antiqua">Scopus
+umbretta Gmel.</span>) und dann einige Ibisse auf. Wie! Jetzt hier Wasser!
+denke ich und folge dem Flußbett. Richtig, eine ganze Strecke lang
+steht Wasser in dem lehmigen Bett. Fährten von Elefanten mit Kälbern
+und Rhinozerossen zeugten von<span class="pagenum" id="Seite_81">[S. 81]</span> häufigem Besuch der Wasserstelle,
+und da, was sehe ich, auch die unverkennbaren Fußabdrücke meines
+langgesuchten Flußpferdbullen.</p>
+
+<p>Da das Flußbett einen Bogen macht, den ich im Bett stehend nicht
+übersehen kann, klettere ich am Ufer hoch und komme auf einen mit dem
+Fluß parallel laufenden Elefantenwechsel, dem ich folge. Als sich
+mir der nächste Ausblick auf das Wasser bietet, sehe ich endlich
+den Langgesuchten im seichten Wasser ruhen. Kreuz und quer ist sein
+mächtiger Rücken von vielen tiefen Narben bedeckt, die davon Zeugnis
+ablegen, daß er zahlreiche Kämpfe mit seinesgleichen im Werben um das
+Weibchen bestanden hat. Leichtere Narben deuten darauf hin, daß bei
+seiner Vorliebe für das Leben auf dem Land in kaum durchdringbaren
+Dickichten beim Eindringen in diese mit ungestümer, machtvoller Kraft
+seine Haut von zersplitternden Ästen ganz durchpflügt wurde. Ganz
+versunken in seinen Anblick stehe ich da und sehe vom hohen Ufer in
+sechs Meter Entfernung auf ihn herab. Das Wasser muß ziemlich seicht
+sein, denn er scheint zu liegen, und der Rücken ist mehr als einen
+Meter außerhalb sichtbar. Nun fangen seine Lauscher an zu spielen,
+und das blutunterlaufene Weiße in den Lichtern wird sichtbar. Langsam
+erst schiebt er sich vorwärts, nun springt er auf und rast davon, daß
+das Wasser hoch aufwirbelt. In seine Fluchtrichtung kann ich nicht
+schießen, da dichtes Zweiggewirr hinderlich ist. Also zurück auf den
+Elefantenwechsel, auf dem ich in eiligem Lauf vorwärts stürme, um ihm
+weiter oberhalb den Weg abschneiden zu können. Mein Boy Saleh, der
+zehn Meter vor mir lief, ruft mir zu: »Hierher, Herr — ein Ausstieg,
+er muß gleich da sein.« In ein paar Sätzen bin ich dort, springe auf
+den alten, tiefausgetretenen Wechsel, der von zur Tränke ziehenden
+Elefanten getreten war, hinab, schlage an, für einen Augenblick den
+Atem aussetzend wegen der Bewegung der hastig arbeitenden Lungen, die
+sich dem Körper mitteilt, und trage dem Bullen einen Schuß in den
+Nacken an. Für Sekunden ist er vom Anprall des 11,2-Geschosses betäubt;
+ich stehe jetzt einen Meter vom Wasser entfernt. Da faßt er auch schon
+am Ufer Fuß; eine Gewehrlänge trennt uns. Gerade als er den Körper
+krümmt, um sich hinten kräftig abzustoßen, damit er ganz aufs Land
+kommt, wobei er den Schädel tief senkt, gebe ich ihm, fast mit dem
+Gewehr sein Auge berührend, den zweiten Schuß. Ich taumle einen Schritt
+rückwärts, da ich schlecht Fuß gefaßt hatte und der Rückstoß von 5,5<span class="pagenum" id="Seite_82">[S. 82]</span>
+Gramm Blättchenpulver ziemlich bedeutend ist, und sehe meinen Bullen
+langsam ins Wasser zurücksinken. Kurz ist sein Todeskampf, und die
+Beine rudern langsam im Schlamm.</p>
+
+<p>Zur Erinnerung mache ich eine photographische Aufnahme. Mein Boy Saleh
+plagt mich, auch mit dem Flußpferd photographiert zu werden, da er so
+oft vergeblich auf seiner Fährte mitgelaufen sei, und ich willfahre ihm.</p>
+
+<p>Den Schädel nehme ich als Trophäe mit, um ihn später in meinem
+Jagdzimmer in Deutschland aufstellen zu können. Rasch lasse ich die
+Fleischteile zur Erleichterung des Transportes herunterschneiden.
+Leider essen meine Leute als Mohammedaner das Fleisch nicht; ich
+schicke deshalb Nachricht auf eine Pflanzung, wo Wangonis aus dem
+Ssongeabezirk arbeiten; bald kommen sie auch in Scharen an, um sich
+diesen seltenen Leckerbissen zu holen.</p>
+
+<p>Doppelt freute ich mich über meinen Erfolg, da ich häufig vorher mit
+meinem sagenhaften Bullen geneckt worden war, und nun den Beweis
+erbrachte, daß Ausdauer und Festhalten am erstrebten Ziel auch auf der
+Jagd zum Schluß reichlich für die gehabte Mühe entschädigt.</p>
+
+<div class="chapter">
+<h2 class="nobreak" id="AufElefantenfährte"><b>Auf Elefantenfährte.</b></h2>
+</div>
+
+<p>In früheren Jahren, als das berufsmäßige Elefantenjagen in
+Deutsch-Ostafrika noch gestattet war, hielten sich stets mehrere Jäger
+im Kissakigebiet auf, da dort besonders starke Bullen aus den früher
+errichteten Jagdschutzreservaten Mohorro und Mahenge herüberwechselten.
+Durch das Jagdgesetz von 1911, nach dem die Erlaubnis zur Elefantenjagd
+an den Besitz eines großen Jagdscheines gebunden war, mit dem nur zwei
+Bullen mit einem Einzelzahngewicht von über fünfzehn Kilogramm erlegt
+werden durften, hörte das unsinnige gewerbsmäßige Schießen auf diese
+Denkmäler der Urzeit auf. Nur Leute, die aus Lust an der Jagd und nicht
+aus schnöder Geldgier diesen gewaltigen Dickhäutern zuleibe rückten,
+kamen zu ihrem Recht.</p>
+
+<p>Zeitweilig kamen die Elefanten (Abb. 18) so zahlreich, daß sie ernsten
+Schaden in den Feldern der Eingeborenen anrichteten. Namentlich wenn
+die Hirse zu reifen begann, weideten sie so viel ab und zertraten noch
+mehr, daß die Eingeborenen die ganze Nacht in den Feldern saßen, Feuer
+unterhielten und auf Blechen rasselten; aber<span class="pagenum" id="Seite_83">[S. 83]</span> auch der Elefant gewöhnt
+sich schließlich an alles. Ich versprach dann den Eingeborenen, ihnen
+beizustehen; sie möchten mich nachts wecken, wenn Elefanten aus ihren
+Feldern nicht zu vertreiben wären.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp43" id="illu-085" style="max-width: 36.375em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-085.jpg" alt="Elefant">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Schon in der folgenden Nacht ließ mich der alte Häuptling Nderange
+rufen. Ich setzte mich bei klarem Mondschein mit der Elefantenbüchse
+aufs Rad und fuhr bis an das heimgesuchte Feld. Nderange empfing mich
+an seinem Felde, und beim Stillstehen hörten wir die Elefanten deutlich
+an verschiedenen Stellen in der Hirse brechen. Klarer Vollmondschein
+überflutete die Landschaft, so daß man dabei lesen konnte. Probeweise
+zielte ich und konnte bei bestimmter Beleuchtung des Silberkorns
+gut Ziel nehmen. Nun kam auch mein Boy Saleh nach, der es sich als
+»Hans Dampf in allen Gassen« nicht nehmen lassen wollte, mit dabei
+zu sein; auch einer meiner Aufseher, »Kofia mbaya«, ein Soldat a.
+D. der Schutztruppe, fand sich noch ein. Nderange trug einen alten
+Vorderlader, den er, wie er mir versicherte, mit Elefantenladung
+versehen hatte, d. h. er hatte so viel Schwarzpulver eingestopft, daß
+der sonst mit der Mündung gleich lange Ladestock um vier gespreizte
+Finger herausstand. Ich bat ihn, wenigstens nicht in meiner allzugroßen
+Nähe seine Donnerbüchse loszulassen. Gern war er damit einverstanden,
+seinen Schuß aufzuheben für den Fall, daß ich einmal nicht kommen
+könnte.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_84">[S. 84]</span></p>
+
+<p>Nderange führte, dann folgte ich, dann Saleh, und den Schluß machte
+Kofia mbaya, dem ich zu meiner eventuellen Unterstützung meine
+9,3-Büchse anvertraut hatte. Kaum ein paar Schritt in der Hirse war es
+so dunkel, daß man nicht weiter als drei Meter sehen konnte. Vorsichtig
+gingen wir weiter auf die Brechgeräusche zu und vermieden ängstlich,
+die 5½-6 Meter hohen, über daumenstarken Hirsehalme zu knicken, da sie
+laut prasseln, etwa wie trockenes Schilf beim Brechen.</p>
+
+<p>Bald konnten wir drei getrennt brechende Elefantengruppen
+unterscheiden und gingen, jetzt ich mit der Büchse vornweg, auf
+das uns zunächstliegende Geräusch zu. Ich hatte die Absicht, einen
+Elefanten zur Strecke zu bringen, um dadurch die anderen bis zur
+Hirseernte zu vergrämen. Ich mußte mein Vorhaben nachts ausführen,
+da die Elefanten tagsüber nicht in die Felder kamen und sie nur auf
+diesen vom Eigentümer des Feldes oder von ihm beauftragten Dritten
+zur Schadenverhütung erlegt werden durften. Das Elfenbein fiel dabei
+dem Fiskus zu, falls der Schütze nicht über einen großen Jagdschein
+verfügte oder die beiden erlaubten Elefanten schon erlegt hatte. Nun
+waren wir nur noch etwa dreißig Meter entfernt und hörten deutlich
+nach jedem Rupfen die Kaugeräusche und dann wieder ein kurzes Brechen,
+das besagte, daß der Elefant — wir hatten vermutet, daß uns nur einer
+gegenüberstand — den Körper wendete oder einen Schritt vorwärts ging.
+Durch Zeichen bedeutete ich meinen Begleitern, mehrere Schritt Abstand
+zu nehmen, um uns beim Ausweichen, wenn der Elefant nach dem Schusse
+die Richtung auf uns zu nehmen sollte, nicht gegenseitig anzurempeln
+und zu hindern. Ich vermied jedes Geräusch und pirschte mich auf etwa
+zehn Meter heran. Vom Elefanten war nichts zu sehen. Deutlich hörte
+ich, wie er sich löste und kaute. Eine halbe Stunde verharrte ich in
+dieser Stellung, ohne daß eine Änderung eintrat, die mir einen Schuß
+gestattet hätte. Es wäre leichtsinnig gewesen, näher heranzugehen, da
+ich im Halmgewirr der Hirse nicht hätte ausweichen können. Nderange
+schlich sich an mich heran und sagte mit Tränen im Auge: »Meine Hirse,
+meine Hirse, schieß doch, Herr!«</p>
+
+<p>Ich winkte Kofia mbaya und ließ mich von ihm hochheben, indem er
+seinen Kopf zwischen meine Beine steckte. Auch jetzt sah ich nur hin
+und wieder vom Elefanten bewegte Halme, von ihm selbst<span class="pagenum" id="Seite_85">[S. 85]</span> nichts. Als
+ich wieder stand und mir sagte: »Bäume, die einen Überblick gewähren,
+sind nicht in der Nähe,« blieben mir nur zwei Möglichkeiten —
+unverrichteter Sache umzukehren oder aufs Geratewohl zu schießen.</p>
+
+<p>Mit Rücksicht auf Nderange tat ich das letztere. In der Richtung
+der Kaugeräusche schlug ich an und rechnete dabei auf 3-1/2 bis 4
+Meter Höhe. Das Silberkorn konnte ich nicht von der Laufschiene,
+die schwach glänzte, unterscheiden. Deutlich hörte ich einen harten
+Kugelaufschlag und dann ein prasselndes Getöse des gegen den Wind
+losbrechenden Tieres, dem sich die uns entfernt stehenden Elefanten
+schrill trompetend anschlossen. Die Fährte belehrte uns nach ihrer
+Größe von sechsundvierzig Zentimetern Durchmesser der Vordersäulen, daß
+wir einen mittleren Bullen vor uns gehabt hatten. Wie aber sah der Teil
+des Feldes aus, auf den wir jetzt hinaustraten? Auf fünfzig Meter im
+Geviert war alles niedergetrampelt. Wir folgten der Fährte des Bullen,
+bis er sich mit den anderen vereinigt hatte. Aus der Ferne hörten
+wir die Flüchtlinge noch zweimal trompeten. Im Mondlicht war jedoch
+nirgends Schweiß zu entdecken. Daß er bei dem von mir verwendeten
+11,2-Geschoß mit Antrieb von 5,5 Gramm rauchlosem Pulver nur gering
+sein konnte, wußte ich, da sich die fettunterlegte Schwarte wie Gummi
+wieder zusammenschiebt und nur knappen Schweiß austreten läßt. Es
+machte sich bei mir die Überzeugung geltend, daß der von uns gehörte
+Kugelaufschlag ebensogut durch Hirsehalme hervorgerufen worden sein
+könnte. Eine weitere nächtliche Folge war zwecklos, und so befahl ich
+Kofia mbaya, am nächsten Morgen einmal nach Schweiß zu sehen und zwei
+bis drei Stunden der Fährte zu folgen, wenn er aus den sich ergebenden
+Umständen ein Krankschießen vermutete. Als Mhehe-Neger (Wahehe)
+verfügte er über gute Jägerinstinkte, hatte auch als Kind seinen Vater
+häufig auf Elefantenjagd begleitet.</p>
+
+<p>Die Löwen machten ein recht lautes Konzert. Ich wollte Saleh nicht
+allein gehen lassen und ließ ihn deshalb mein Rad schieben. Wir machten
+uns zu Fuß auf den Heimweg. Gegen 1 Uhr waren wir wieder daheim.</p>
+
+<p>Als wir am nächsten Morgen wegen des nächtlichen Intermezzos etwas
+später beim Frühstückstisch saßen, kommt schon von weitem rufend Kofia
+Mbaya und bringt — einen Zahn des beschossenen Elefanten. Umringt von
+einer großen Schar Neugieriger, teilt er<span class="pagenum" id="Seite_86">[S. 86]</span> mir mit, daß er der Fährte
+kaum hundert Schritt gefolgt sei. Vom Tau noch feucht habe er ganz
+kleine Schweißspritzer gesichtet und plötzlich den Zahn gefunden. Der
+Zahn war in der Hälfte des Nervs durchschossen und wohl vom Elefanten
+im Schmerz mit dem Rüssel aus dem Zahnfleisch herausgerissen worden.
+Ich lieferte ihn mit Bericht an das Bezirksamt Morogoro als dem Fiskus
+gehörig ab und wurde viel wegen dieser merkwürdigen Sache angeulkt,
+wobei erörtert wurde, ob ich nicht berechtigt gewesen wäre, den Zahn zu
+behalten, da der Elefant ja noch lebe. Ich erzähle dieses nächtliche
+Ereignis, das ich Ende Juni 1913 erlebte, weil es später noch ein
+Nachspiel fand.</p>
+
+<p>Im Oktober des gleichen Jahres teilt mir Stabsarzt J. mit, daß er nach
+Kissaki käme. Er hätte nur noch einige Tage auf seinen Jagdschein
+Zeit und würde gern den ihm darauf noch zustehenden Elefanten auf die
+Schwarte legen, ob ich ihm einen ausmachen könnte. Da ich außer dem
+persönlichen Interesse an der Jagd noch den Doppelzweck verfolgte,
+die immer dreister werdenden Elefanten durch gelegentlichen Abschuß
+zu vergrämen und zum Rückzug aus dem Kulturgebiet mehr in die
+Jagdreservate zu zwingen, war ich äußerst gern bereit, seinem Wunsche
+zu entsprechen.</p>
+
+<p>Im Laufe der Zeit hatte ich mir die Neigung der sonst sich Europäern
+gegenüber recht passiv verhaltenden Eingeborenen des Kreises Kissaki
+erworben. Ich machte nun bekannt, daß ich am soundsovielten früh einen
+frischen Elefantenwechsel in der Nähe Kissakis wissen und zum Beleg der
+Botschaft frische Losung und durch Kerbschnitt in einem Stäbchen das
+Ausmaß der Fährte haben möchte. Am Morgen des bestimmten Tages, es war
+gegen 5 Uhr und eben der Himmel am Horizont im Osten mit einem helleren
+Strich versehen, weckte mich die Wache und führt mir meinen ehemaligen
+Arbeiter Bilingi zu, der frische Losung bringt. Er wollte gerade wieder
+Arbeit bei mir nehmen und hatte auf dem Wege von Mafumbo nach Kissaki
+eine halbe Stunde von hier die Elefanten gesehen, die auf dem Wege
+standen. Die Fährte konnte er der Dunkelheit wegen nicht messen.</p>
+
+<p>Im Schlafanzug suchte ich Stabsarzt J. in seinem Zelt auf und
+weckte ihn mit der frohen Botschaft. Bald nach Tagesanbruch waren
+wir marschbereit und gingen dem Wechsel zu. Kurz nach Ssadumas Dorf
+überschritten wir den Mgetafluß und waren bald<span class="pagenum" id="Seite_87">[S. 87]</span> an der Fährte. Ich
+wußte, daß die Elefanten, wenn sie an dieser Stelle waren, nicht gar
+so weit gingen, und so ließen wir an einer schönen schattigen Stelle
+am Mgeta die Zelte aufschlagen und besichtigten dann die Fährte. Nebst
+einigen Kühen war ein ganz annehmbarer Bulle in der Herde. Bald führte
+die Fährte durch den Mgeta an die linke Flußseite. Dort zerstreuten
+sich die Einzelfährten. Die Elefanten hatten überall Schilf geäst,
+und es dauerte fast eine Stunde, bis wir aus dem Kreuz und Quer der
+Spuren, die sich kaum sichtbar von den teilweise alten Wechseln
+abhoben, den weiteren Ausweg fanden. Endlich hatten wir ihn, und als
+wir eine halbe Stunde gefolgt waren, so daß eine bestimmte Richtung zu
+erkennen war, konnte ich aus innerster Überzeugung J. versichern, »zu
+Gesicht bekommen wir die Elefanten heute auf alle Fälle«. Sie hatten
+sich einem Winkel zugewandt, den der Wiguberg durch steilen Abfall mit
+dem Mgetafluß bildet. Diese Gegend war mir wie meine Tasche bekannt.
+Sie enthielt eine Menge dichtester Dickichte, wie sie der Elefant zum
+Unterstellen von 10-3 Uhr während der heißesten Sonne liebt. Wir kamen
+an eine Stelle, wo die Steppe über Nacht gebrannt hatte, und konnten
+in der Asche die Fährten noch einmal genau auf ihre Stärke prüfen. Nun
+brauchten wir nur den Daumen zu halten, damit wir beim Annähern guten
+Wind hatten. Auf diesen allein war unser erhoffter Erfolg gestellt,
+und es hat gar nichts zu sagen, ob die allgemeine Windrichtung gut
+ist. Eine Übersicht des Geländes ist in den Dickichten ja gänzlich
+ausgeschlossen, und da die Elefanten wie vieles andere Wild zu ihrer
+Sicherung häufig Bogen schlagen, geschieht es öfters, daß man in
+ihren Wind gerät, ohne daß man sie zu Gesicht bekommt, und nur am
+Brechen sein Mißgeschick hört. Schön klar und deutlich können wir die
+Fährte halten. Die Elefanten waren längere Zeit nicht hier gewesen
+und die ehemaligen Wechsel so alt, daß man sofort die frische Fährte
+unterscheiden konnte, was sonst manchmal recht schwierig wird, wenn
+Fährten des Vortages oder der Nacht mitgeprüft werden müssen.</p>
+
+<p>Vergnügt schreiten wir weiter, von der Sonne nicht allzusehr belästigt,
+da das Blätterdach guten Schutz gewährt. Nun biegt die Fährte wieder
+links aus der Richtung ab, und als wir ihr eine halbe Stunde gefolgt
+sind, sinkt uns das Herz in die Stiefel, wir durchschneiden eine schon
+vorher durchquerte Stelle; die Fährte hat eine<span class="pagenum" id="Seite_88">[S. 88]</span> Schleife gemacht.
+Beklommen holen wir Atem und fragen uns, haben die Elefanten beim
+Überschreiten ihres Wechsels von unserer Folge Witterung genommen? Denn
+übersehen können wir die Fährte unmöglich haben. Wir unterhandeln mit
+unsern Begleitern. Senikambi, Salim und Saleh, unsere Fährtensucher,
+von mir langerprobte gute Jäger, bestreiten aufs entschiedenste, daß
+bei unserm Durchqueren der verfolgte Wechsel schon von den Elefanten
+überschritten war. Unmittelbar auf den alten Wechsel ist keine neue
+Fährte über die alte gesetzt, sondern von allen Tieren überschritten
+worden. Mit recht gemischten Gefühlen folgen wir weiter. Die Jagdlust
+und -freude sinkt gleich um 50 Prozent, wenn sich eine Aussicht
+wie durch diesen Fall verringert, und man merkt plötzlich, daß die
+Körperfrische einer Ermüdung Platz macht. Gegen 12 Uhr beschließen wir,
+etwas zu ruhen. Wir verzehrten ein mitgenommenes kleines Frühstück,
+tranken einen Schluck kalten Kaffee dazu und legten uns lang, die Beine
+etwas erhöht, da diese Lage die Schwere in den Füßen am raschesten
+beseitigt. J. schlief ein, und ich döste vor mich hin. J.s Boy schien
+Verdauungsbeschwerden zu haben, denn es kollerte von Zeit zu Zeit in
+seinem Bauch. Ich fragte ihn, ob ihm was fehle, er verneinte. Kurz
+vor 1 Uhr weckte ich J., und wir zogen weiter. Noch keine hundert
+Schritte waren wir gegangen, da hörte ich es wieder in dem Leib von J.s
+Boy kollern, doch nein, das ist stärker, kommt aus anderer Richtung.
+Ich bleibe stehen, wende mich zurück und lege die Finger auf die
+Lippen. Da streckt auch schon Senikambi den Arm aus und deutet die
+Richtung an; es sind die Elefanten. Ich freue mich innerlich, daß ich
+trotz meiner leichten Schwerhörigkeit schon bei der Ruhepause als
+einziger das Geräusch bemerkt hatte, das die Elefanten mit den Ohren
+hervorbringen, indem sie mit der pappdeckelartigen Knorpelmasse durch
+Bewegung knattern; ich hatte es zwar in des Boys Leib verlegt, aber
+doch wahrgenommen, obwohl kein anderer etwas gehört hatte.</p>
+
+<p>Die Elefanten stehen links von uns, der Wechsel führt noch in gerader
+Richtung weiter. Am aufgenommenen Staub prüfen wir den Wind. O weh,
+sie müssen halben Wind von uns bekommen, und richtig, schon knackt's
+und prasselt's für einige Sekunden, dann ist alles still, und nur hin
+und wieder rauscht leise ein Busch, den die flüchtenden Elefanten
+streiften. Schnell folgen wir dem Wechsel.<span class="pagenum" id="Seite_89">[S. 89]</span> Es ist nicht zu befürchten,
+daß sie schon wieder stehen. Nach fünf Minuten lauschen wir wieder;
+nichts ist zu hören.</p>
+
+<figure class="figcenter illowp91" id="illu-091" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-091.jpg" alt="Elefantenbulle">
+ <figcaption class="caption"> </figcaption>
+</figure>
+
+<p>Vorsichtiger gehen wir weiter, wieder von links das Geräusch. Alle
+Nerven gespannt, spähen wir in den dichten Busch. Dichtes Lianengewirr
+im Blätterdach hat im Unterholz jeden Laubwuchs unterdrückt. Da hebt
+sich durch eine Bewegung mit den Ohren in dem dämmrigen Dunkel der
+Kopf eines Elefanten ab, der auf uns gerichtet ist. J., der etwas
+weiter rechts steht, bittet mich durch Gesten, mit anzuschlagen. Fast
+gleichzeitig hallen unsere beiden Schüsse, der Kugeleinschlag dröhnt,
+wie nur aus einer Büchse herrührend. Gut bin ich auf die Grube zwischen
+Licht und Gehör abgekommen, sie ist eine der wenigen Stellen, die
+direkt zum Gehirn führen.</p>
+
+<p>Ein gewaltiges, wütendes Trompeten hebt an, und im Dickicht kracht
+es. Man denkt, ein Tornado habe eingesetzt. Da, ein schwerer Fall.
+Das Hurra bleibt noch in der Kehle stecken, denn häufig wird der
+umgelegte Elefant wieder hoch und läuft kilometerweit, so daß<span class="pagenum" id="Seite_90">[S. 90]</span> man
+ihn zuguterletzt noch verlieren kann. Vorsichtig gehe ich von links,
+Stabsarzt J. von rechts vor. Nach zehn Schritt liegt der Elefant auf
+acht Meter mit dem Rücken auf mich zu (Abb. 19). Kantig hebt sich das
+Rückgrat mit der Schwarte vom anderen Körper ab. Kurz entschlossen
+setze ich eine Kugel zwischen die Wirbel, und der Elefant streckt sich.
+Diese Art von Fangschüssen wird wohl bei europäischen Jägern Mißfallen
+erregen. Bei dem zählebigen größeren afrikanischen Wild bildet sie
+aber die einzige Sicherung gegen ein Hochwerden, da sofort die hintere
+Partie gelähmt ist. J. schüttelte mir die Hand. Wir ließen das Gestrüpp
+freihauen, um die Zähne besichtigen zu können. Doch, der Elefant hat
+nur <em class="gesperrt">einen</em> Stoßzahn, der rechte fehlt völlig! Zwei Handbreiten
+unter dem rechten Auge ist eine pfenniggroße eiternde Wunde. Ich
+drücke daran, und es quillt dicker Eiter. Mir dämmert's. Sollte das
+nicht mein Elefant aus dem Hirsefeld des Nderange sein? Ich mache J.
+darauf aufmerksam, und gemeinsam untersuchen wir die Wunde mit einem
+Hölzchen. Es ist eine tiefe Wunde, und auch J. glaubt sicher an einen
+Schußkanal. Als auch die Eingeborenen merken, was wir da ausprobieren,
+sind sie sofort der Meinung, daß wir den im Juli nächtlich beschossenen
+Elefanten zur Strecke gebracht hätten. Vorausschicken will ich hier,
+daß Stabsarzt J. später Gelegenheit hatte, auf einer Versteigerung den
+von mir ausgeschossenen Stoßzahn zu erstehen, der in Dicke und Form
+genau zu dem des erlegten Elefanten paßte.</p>
+
+<p>Zwei Leute schickten wir zum Lager zurück, um unsere photographischen
+Apparate nebst etwas Kaffee und ein paar Bananen zu holen. Zwanzig
+Mann sollen mit Messern und Äxten kommen, um dem Elefanten die Stiefel
+(d. h. die Haut der Säulen) auszuziehen (aus denen sich J. Papierkörbe
+und Bowlen machen lassen will) und den Zahn herauszuhauen. Wir machen
+es uns inzwischen im Schatten bequem, und als sich die übrigen Leute
+etwas ausgeruht haben, lassen wir durch Niederschlagen des Busches
+den Kadaver freilegen, um Licht zum Photographieren zu haben. Nach
+eineinhalb Stunden sind die Leute schon zurück. Nur zehn Minuten von
+uns liegt der Mgeta, und hart an diesem am jenseitigen Ufer der Weg
+Kissaki-Mafumbo. Bald sind die Säulen abgeschnitten und der Zahn
+herausgehauen. Schon finden sich Scharen von Weibern, Kindern und
+alten Männern ein, die fleischhungrig sind. Es sind<span class="pagenum" id="Seite_91">[S. 91]</span> nichtislamitische
+Wapungas, denen Elefantenfleisch einen Hochgenuß bedeutet.</p>
+
+<p>Wir überlassen es ihnen gern, da wir keine Verwendung dafür haben; nur
+einige Zentner behalte ich für mich als Dörrfleisch für meine Hunde.
+Fest überzeugt, daß am nächsten Morgen von dem wandelnden Fleischberg
+nur noch einige Knochen übrig sind, treten wir dann den Rückweg zum
+Zelt an. Hier entfaltet sich noch einmal rege Tätigkeit; es ist gar
+keine Kleinigkeit, die Haut von den Säulen zu lösen. Der Beinknochen
+wird mit einem Strick fest an einen Ast gebunden, und nachdem alle vier
+Säulen baumeln, mühen sich an jedem Fuß vier Mann zwei Stunden lang.
+Dann wird mit dem Messer noch etwas nachgekratzt und jede Fußhaut voll
+Holzasche, die inzwischen bereitet worden war, gefüllt, damit nicht
+Haut auf Haut zu liegen kommt und der Gerbungsprozeß sich selbsttätig
+vollziehen kann.</p>
+
+<p>Recht müde gingen wir dann nach dem Abendbrot zu Bett, aber ganz
+ungestört sollte ich die wohlverdiente Nachtruhe nicht genießen. Ich
+erwachte nach einigen Stunden durch ein Zwicken an verschiedenen
+Körperstellen. Leider hatte ich abends vergessen, meine elektrische
+Lampe mit unters Moskitonetz zu nehmen, und lüftete es nun, um nach
+den Streichhölzern zu tasten und die Lampe anzuzünden. Was hatte ich
+dadurch angerichtet! Siafus! — Wanderameisen waren in meinem Zelt.
+Der Boden, die Decke und die Außenseite meines Moskitonetzes wimmelten
+von diesen schwarzen Gesellen. Zu mir waren vorher nur die kleinen
+Tiere gekommen, die durch die Maschen des Moskitonetzes durchschlüpfen
+konnten. Ich heftete schnell die Zeltwand auf, rief den Boy und stürzte
+fluchend ins Freie, indem ich mir den Schlafanzug vom Leibe riß und die
+einzelnen Tiere ablas, die ihre Zangen fest in meine Haut eingebohrt
+hatten. J. erwachte von meinem Fluchen, als ich splitternackt in seinem
+Zelt, das, obwohl es nur sechs Meter von dem meinigen stand, von dem
+Zuge verschont blieb, Zuflucht suchte. Saleh hatte inzwischen Träger
+mobil gemacht, und diese machten rings um mein Zelt Feuer und kehrten
+die Ameisen hinein. Ein durch Streuen von heißer Holzasche ums Zelt
+gezogener Kreis lenkte den Wanderzug ab, und nach einer halben Stunde
+konnte ich mich wieder niederlegen.</p>
+
+<p><span class="pagenum" id="Seite_92">[S. 92]</span></p>
+
+<p>Mein Boy behauptete zwar, er hätte nun alle Siafus aus meinem Bett
+herausgeschüttelt und aufgelesen. Ich wurde aber doch noch reichlich
+gezwickt. Nach dem vorherigen Massenüberfall nahm ich es jedoch mit den
+einzelnen nicht mehr so genau und schlief bald wieder ein. Der Mensch
+gewöhnt sich eben an alles, und Afrika erzieht seine Leute so, daß sie
+in keiner Lebenslage den Humor verlieren.</p>
+
+<p>Unwillkürlich findet das Großwild Ostafrikas, das Raubwild und die
+Dickhäuter, in der Allgemeinheit die meiste Beachtung, obwohl man damit
+den anderen, weniger stark ins Auge fallenden Wildarten eigentlich
+unrecht tut, denn auch sie bieten dem aufmerksamen, sachkundigen
+Beschauer eine Fülle des Interessanten.</p>
+
+<p>Häufig veranlaßt die Handlungsweise des Wildes den Beobachter, wie es
+z. B. Dr. Th. Zell in seinem vortrefflichen Kosmosbändchen (gleichen
+Titels) tat, die Frage zu stellen: »Ist das Tier unvernünftig?« Folgt
+es durch Generationen anerzogenen Instinkten, deren Ausbildung ihm
+seine Umgebung im Kampfe ums Dasein aufzwang, oder lassen sich in
+seinen Handlungen verstandesmäßige Tätigkeiten feststellen?</p>
+
+<p>Die Anschauungen, ob man dem Wilde, wie dem Tiere überhaupt eine Seele
+zuerkennen darf, die es zu verstandesmäßigen Tätigkeiten befähigt,
+oder ob Naturgesetze, ihnen selbst unbewußt, ihre für den jeweiligen
+Fall einzig richtige Handlungsweise vorschreiben, sind sehr geteilt.
+Ich möchte mit einer strikten Behauptung weder nach der einen, noch
+der anderen Seite hervortreten, sondern hoffe, dem Leser, der meinen
+Aufzeichnungen bis hierher gefolgt ist, vielleicht in einem folgenden
+Kosmosbändchen Gelegenheit geben zu können, auch mit den anderen
+Wildarten unserer Kolonie bekannt zu werden und ihn dadurch in die Lage
+zu versetzen, durch meine Beobachtungen eine Bereicherung des eigenen
+Urteils zu gewinnen.</p><br>
+
+<div class="footnotes"><h3>Fußnote:</h3>
+
+<div class="footnote">
+
+<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> d. h. durch seitliches Anlehnen des Laufes an den Stamm
+dem Gewehr eine Stütze gegeben.</p><br>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="r5">
+
+<div class="chapter">
+
+<div class="bbox">
+<p class="drop s2">Naturwissenschaftliche Bildung<br>
+ist die Forderung des Tages!</p>
+
+<hr class="full">
+
+<p>Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«,
+laden wir</p>
+
+<p class="center s2">alle Naturfreunde</p>
+
+<p class="p0">jeden Standes, sowie alle <i>Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw.</i>
+ein. &ndash; Außer dem geringen</p>
+
+<p class="s3 center"><i>Halbjahresbeitrag von nur M 2.40</i></p>
+
+<p class="s5 center">(Beim Bezug durch den Buchhandel 10 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto besonders)</p>
+
+<p class="p0">erwachsen dem Mitglied <b>keinerlei</b> Verpflichtungen, dagegen
+werden ihm folgende <i>große Vorteile geboten</i>:</p>
+
+<p>Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren
+Jahresbeitrag im Jahre 1916 <b>kostenlos</b>:</p>
+
+<p><b>I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.</b></p>
+<p class="s5 center">Reich illustriert. Preis für Nichtmitglieder M. 2.80.</p>
+
+<p><b>II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.</b></p>
+<p class="s5 center">Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.&ndash; pro Band.</p>
+
+<div class="hang">
+<p><b>Wilhelm Bölsche, Stammbaum der Insekten.</b></p>
+
+<p><b>Dr. Kurt Floericke, Meine Reise in Bulgarien.</b></p>
+
+<p><b>Dr. Hermann Dekker, Heilen und Helfen.</b></p>
+
+<p><b>Hans Besser, Affen, Antilopen u. Schlangen Deutsch-Ostafrikas.</b></p>
+
+<p><b>Prof. Dr. Karl Weule, Die Sprache.</b></p>
+</div>
+
+<p class="s5 center">Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser
+bekanntgegeben.)</p>
+
+<p><b>III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
+naturwissenschaftlichen Werken</b></p>
+<p class="s5">(siehe Seite 2 des Prospektes).</p>
+
+<p><b>Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.</b></p>
+<p class="right"><b>Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.</b></p>
+</div>
+
+<div class="bbox">
+<p class="s3 center"><b>==== Satzung ====</b></p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p class="s5">§ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde
+auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis
+der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das
+Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres
+Volkes verbreiten.</p>
+
+<p class="s5">§ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
+Herausgabe eines den Mitgliedern <b>kostenlos</b> zur Verfügung
+gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch Herausgabe
+neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne
+gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie
+ihren Mitgliedern <b>unentgeltlich</b> oder <b>zu einem besonders
+billigen Preise</b> zugänglich macht, usw.</p>
+
+<p class="s5">§ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden
+Ausschuß, den Vorstand usw.</p>
+
+<p class="s5">§ 4. <b>Mitglied kann jeder werden</b>, der sich zu einem
+Jahresbeitrag von <b>M 4.80</b> (exkl. Porto) verpflichtet. Andere
+Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind,
+erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann <b>jederzeit</b>
+erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist
+gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle
+weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.</p>
+
+<p class="s5">§ 5. Siehe vorige Seite.</p>
+
+<p class="s5">§ 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der <b>Franckh'schen
+Verlagshandlung, Stuttgart, Pfizerstraße 5.</b> Alle Zuschriften,
+Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine
+Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="bbox">
+
+<p class="s2 center"><b>Kosmos</b></p>
+
+<p class="s3 center">Handweiser für Naturfreunde</p>
+<p class="s5 center">Erscheint jährlich zwölfmal — 2 bis 3 Bogen stark —<br>
+ und enthält:</p>
+
+<div class="blockquot">
+
+<p><b>Originalaufsätze</b> von allgemeinem Interesse aus sämtlichen
+Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.</p>
+
+<p><b>Regelmäßig orientierende Berichte</b> über Fortschritte und neue
+Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.</p>
+
+<p><b>Auskunftsstelle</b> — <b>Interessante kleine Mitteilungen.</b></p>
+
+<p><b>Mitteilungen über Naturbeobachtungen</b>, Vorschläge und Anfragen
+aus dem Leserkreise.</p>
+
+<p><b>Bibliographische Notizen</b> über bemerkenswerte neue Erscheinungen
+der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<div class="chapter">
+
+<div class="bbox">
+<p class="p0">Die Mitglieder des <em class="gesperrt">Kosmos</em> haben bekanntlich nach Paragraph 5 III
+das Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern
+angebotenen Bücher zu <em class="gesperrt">einem Ausnahmepreis</em> zu
+beziehen. Es befinden sich u. a. darunter folgende Werke:</p>
+
+<table data-summary="Katalog">
+<tr>
+<td></td>
+<td class="tdr">Preis f. Nicht­mitgl.</td>
+<td class="tdr">Mit­glieder­preis</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Altpeter, ABC der Chemie</b></td>
+<td class="tdr">2.40</td>
+<td class="tdr">1.–</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Bergmiller, Erfahr. a. d. Gebiete d. hoh. Jagd.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">4.50</td>
+<td class="tdr">3.50</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.</b> Fein gebunden</td>
+<td class="tdr">1.80</td>
+<td class="tdr">1.50</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">4.50</td>
+<td class="tdr">2.90</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Ewald, Mutter Natur erzählt.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Ewald, Der Zweifüssler.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Ewald, Vier feine Freunde.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Fabre. J. H., Sternhimmel.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Fabre, J. H., Bilder a. d. Insektenwelt.</b>
+ I/II, III/IV. 2 Bde. geb. je</td>
+<td class="tdr">4.50</td>
+<td class="tdr">3.40</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Fabre, J. H., Blick ins Käferleben.</b> Broschiert</td>
+<td class="tdr">1.–</td>
+<td class="tdr">–.50</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">10.–</td>
+<td class="tdr">8.40</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Floericke, Dr. Kurt, Taschenbuch zum Vogelbestimmen.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">3.80</td>
+<td class="tdr">2.90</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">3.80</td>
+<td class="tdr">2.90</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">3.80</td>
+<td class="tdr">2.90</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+<td class="tdr">2.80</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.</b> Kart.</td>
+<td class="tdr">4.50</td>
+<td class="tdr">1.70</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.</b> Brosch.</td>
+<td class="tdr">1.–</td>
+<td class="tdr">–.50</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">4.50</td>
+<td class="tdr">3.50</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Leben der Pflanze.</b> Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, geb. je</td>
+<td class="tdr">15.–</td>
+<td class="tdr">13.50</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Lindemann, Die Erde.</b> Bd. I. Gebunden</td>
+<td class="tdr">9.–</td>
+<td class="tdr">8.–</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Lindemann, Die Erde.</b> Bd. II. Gebunden</td>
+<td class="tdr">9.–</td>
+<td class="tdr">8.–</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Meyer, Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">3.–</td>
+<td class="tdr">1.90</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Monographien unserer Haustiere</b>: Bd. I Schumann,
+ Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III
+ Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn <em class="antiqua">à</em></td>
+<td class="tdr">1.40</td>
+<td class="tdr">1.05</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">13.60</td>
+<td class="tdr">12.20</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Schrader, Liebesleben der Tiere.</b> Broschiert</td>
+<td class="tdr">1.40</td>
+<td class="tdr">1.10</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.</b> Bd. I geb.</td>
+<td class="tdr">4.20</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.</b> Bd. II geb.</td>
+<td class="tdr">3.80</td>
+<td class="tdr">3.30</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">1.50</td>
+<td class="tdr">1.25</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">2.50</td>
+<td class="tdr">1.85</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Stevens, Frank, Die Reise ins Bienenland.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">2.50</td>
+<td class="tdr">1.85</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Strandbüchlein.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">1.25</td>
+<td class="tdr">1.–</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Stridde, Allgemeine Zoologie.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">7.–</td>
+<td class="tdr">6.20</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.</b> Geb.</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Thompson, E. S., Prärietiere und ihre Schicksale.</b> Fein geb.</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Thompson, E. S., Tierhelden.</b> Fein gebunden</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><b>Wurm, Waldgeheimnisse.</b> Gebunden</td>
+<td class="tdr">4.80</td>
+<td class="tdr">3.60</td>
+</tr>
+</table>
+<p>und zahlreiche andere Werke mehr.</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="chapter">
+</div>
+
+<div class="bbox">
+<h3>== Die ordentlichen Veröffentlichungen ==</h3>
+<p class="center">früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen:</p>
+
+<p class="floatleft">:1904:</p>
+<p class="p0">(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.– (Preis für Nichtmitglieder
+M 5.–), geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40):</p>
+<div class="hang">
+<p>Bölsche. W., Abstammung des Menschen.</p>
+<p>Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer),
+Weltuntergang.</p>
+<p>Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?
+(Doppelband)</p>
+<p>Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.</p></div>
+<p class="floatleft">:1905:</p>
+<p class="floatright">:1906:</p>
+<p class="p0">(Handweiser vergriffen) je für M 4.– (Preis für Nichtmitglieder
+M 5.–), geb. für M 6.75 (für Nichtmitgl. M 9.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.</p>
+<p>Welten, Die Sinne der Pflanzen.</p>
+<p>Zell, Dr. Th., Tierfabeln.</p>
+<p>Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.</p>
+<p>Meyer (Urania), Sonne und Sterne.</p>
+<p>Welten, Wie die Pflanzen lieben.</p>
+<p>Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.</p>
+<p>Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.</p>
+<p>Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.</p>
+<p>Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.</p></div>
+<p class="floatleft">:1907:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des
+Wassertropfens.</p>
+<p>Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.</p>
+<p>Meyer, Dr. M. W., Kometen u. Meteore.</p>
+<p>Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und
+Zeugung.</p>
+<p>Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen
+Waldes.</p></div>
+<p class="floatleft">:1908:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Meyer, Dr. M. W., Erdbeben u. Vulkane.</p>
+<p>Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.</p>
+<p>Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.</p>
+<p>Dekker, Naturgeschichte des Kindes.</p>
+<p>Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen
+Waldes.</p></div>
+<p class="floatleft">:1909:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Unruh, Leben mit Tieren.</p>
+<p>Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.</p>
+<p>Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.</p>
+<p>Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.</p>
+<p>Bölsche, Wilh., Der Mensch in der
+Tertiärzeit und im Diluvium.</p></div>
+<p class="floatleft">:1910:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.</p>
+<p>Dekker, Fühlen und Hören.</p>
+<p>Meyer, Welt der Planeten.</p>
+<p>Floericke, Säugetiere fremder Länder.</p>
+<p>Weule, Kultur der Kulturlosen.</p></div>
+<p class="floatleft">:1911:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Koelsch, Durch Heide und Moor.</p>
+<p>Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.</p>
+<p>Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.</p>
+<p>Floericke, Vögel fremder Länder.</p>
+<p>Weule, Kulturelemente der Menschheit.</p></div>
+<p class="floatleft">:1912:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?</p>
+<p>Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.</p>
+<p>Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.</p>
+<p>Weule, Die Urgesellschaft und ihre
+Lebensfürsorge.</p>
+<p>Koelsch, Würger im Pflanzenreich.</p></div>
+<p class="floatleft">:1913:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Bölsche, Festländer und Meere.</p>
+<p>Floericke, Einheimische Fische.</p>
+<p>Koelsch, Der blühende See.</p>
+<p>Zart, Bausteine des Weltalls.</p>
+<p>Dekker, Vom sieghaften
+Zellenstaat.</p></div>
+<p class="floatleft">:1914:</p>
+<p class="floatright">:1915:</p>
+<p class="p0">ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80)
+und gebunden für M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.–):</p>
+<div class="hang">
+<p>Bölsche, Wilhelm, Tierwanderungen i. d. Urwelt.</p>
+<p>Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische.</p>
+<p>Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben.</p>
+<p>Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße.</p>
+<p>Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.</p>
+<p>Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft.</p>
+<p>Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter.</p>
+<p>Weule, Prof. Dr. K., V. Kerbstock z. Alphab.</p>
+<p>Müller, Alfr. Leop., Gedächtn. u. s. Pflege.</p>
+<p>Besser, H., Raubw. u. Dickhäut. i. D.-Ostaf.</p>
+</div>
+
+<p class="center"><i>Allen Jahrgängen außer 1904–1906 werden die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrg. beigefügt.</i></p>
+<p class="p0">Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige Zusammenstellung)
+liefern wir an Mitgl.: geh. für M 46.– (Preis für Nichtmitgl. 85.20), geb. (auch Handw.)
+für M 73.- (Preis für Nichtmitgl. 143.40) <b>auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen</b>.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-099" style="max-width: 91.9375em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-099.jpg" alt="Beitrittserklärung">
+</figure>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<figure class="figcenter illowp100" id="illu-100" style="max-width: 62.5em;">
+ <img class="w100" src="images/illu-100.jpg" alt="Postkarte">
+</figure>
+
+<div style='text-align:center'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75805 ***</div>
+</body>
+</html>
+
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diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
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+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
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